Methoden der empirischen Sozialforschung II - TU Dresden

Methoden der empirischen Sozialforschung II - TU Dresden

Prof. Donsbach Philosophische Fakultät – Institut für Kommunikationswissenschaft Ringvorlesung Methoden der empirischen Sozialforschung II Sommerse...

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Prof. Donsbach

Philosophische Fakultät – Institut für Kommunikationswissenschaft

Ringvorlesung

Methoden der empirischen Sozialforschung II Sommersemester 2008

Ablauf

5. Durchführung von Befragungen 20.05.08

Theorien der Befragung

27.05.08

Einführung in die standardisierte Befragung Prof. Donsbach

03.06.08 10.06.08 17.06.08

Folie 2

Prof. Häder

Fragebogenkonstruktion: von der KunstlehProf. Donsbach re zur Wissenschaft Spezielle Verfahrensformen bei persönlichen, telefonischen und schriftlichen UmProf. Donsbach fragen Neuere Formen der quantitativen Befragung Prof. Donsbach

Prof. Donsbach

Vorlesung 21

Einführung in die standardisierte Befragung

Prof. Dr. Wolfgang Donsbach Institut für Kommunikationswissenschaft

Folie 4

Prof. Donsbach

Gliederung ƒ Demoskopie und öffentliche Meinung ƒ Einbettung der Entwicklung der Demoskopie in empirische Sozialforschung ƒ Anfänge der Demoskopie ƒ Entwicklung ƒ Nomenklatur ƒ Unterscheidungskriterien für Befragungen ƒ Fehlerquellen ƒ Literatur Folie 5

Prof. Donsbach

Gliederung ƒ Demoskopie und öffentliche Meinung ƒ Einbettung der Entwicklung der Demoskopie in empirische Sozialforschung ƒ Anfänge der Demoskopie ƒ Entwicklung ƒ Nomenklatur ƒ Unterscheidungskriterien für Befragungen ƒ Fehlerquellen ƒ Literatur Folie 6

Prof. Donsbach

Demoskopie als Streitpunkt ƒ Repräsentanz: Wiedergabe der öffentlichen Meinung als Kernelement der Demokratie

ƒ Qualität? Was überhaupt misst die Demoskopie?

ƒ Kommunikation: zwischen Regierten und Regierenden

ƒ Populismus? Schielen der Regierung nach der Mehrheit

ƒ Aufklärung: empirische Fakten gegen interessengeleitete Behauptungen und mystische Vermutungen – auch Presse Folie 7

ƒ Validität und Reliabilität? Wie genau misst die Demoskopie?

Prof. Donsbach

Demoskopie als Streitpunkt ƒ Ist Demoskopie = öffentliche Meinung? ƒ Was ist öffentliche Meinung? ƒ Normative Konzepte

Folie 8

Prof. Donsbach

Entstehung der bürgerlichen Öffentlichkeit Ende 16. Jhd./17. Jhd.

Merkantilismus, Kapitalismus

Aufstrebendes Bürgertum

unpolitische Öffentlichkeit

(noch)

Öffentliche Meinung als Kern Legitimiert sich (dann) politische demokratisch gegen Autorität Themen Kaffeehäuser/Salons legitimierter Gemeinwohl Egalitär „topics of government“ politischer Systeme Rational England: frühes18. Jhd

Denaturierung/ Strukturwandel Folie 9

Prof. Donsbach

Demoskopie als Streitpunkt ƒ Ist Demoskopie = öffentliche Meinung? ƒ Was ist öffentliche Meinung? ƒ Normative Konzepte ƒ Funktionale Konzepte

Folie 10

Prof. Donsbach

Öffentliche Meinung bei Luhmann: Grundannahmen Hoher Entscheidungsbedarf von Gesellschaften

Aufmerksamkeitsregeln

Aufmerksamkeit des Bürgers ist ein knappes Gut

Entscheidungsregeln

Gesellschaften sind komplex

Reduktion von Komplexität durch die öffentliche Meinung

Meinungsbildung, u.a. in den entscheidungsbefugten Instanzen Folie 11

Prof. Donsbach

Demoskopie als Streitpunkt ƒ Ist Demoskopie = öffentliche Meinung? ƒ Was ist öffentliche Meinung? ƒ Normative Konzepte ƒ Funktionale Konzepte ƒ Soziologische und Sozialpsychologische Konzepte

Folie 12

Prof. Donsbach

Definition der öffentlichen Meinung bei Noelle-Neumann "Unter öffentlicher Meinung versteht man wertgeladene, insbesondere moralisch aufgeladene Meinungen und Verhaltensweisen, die man – wo es sich um festgewordene Übereinstimmung handelt, zum Beispiel Sitte, Dogma – öffentlich zeigen muss, wenn man sich nicht isolieren will; oder bei im Wandel begriffenem ‚flüssigen‘ Zustand öffentlich zeigen kann, ohne sich zu isolieren."

Noelle-Neumann 1996 Folie 13

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Person A

Andere

Eigene Meinung zu Thema X konsonant

Keine Isolationsfurcht

Reden

dissonant

Isolationsfurcht

Schweigen

Wahrnehmung der Umweltmeinung zu Thema X Direkte Umweltwahrnehmung Folie 14

Wahrnehmung der Umweltmeinung zum Thema X

aktuell Zukunft

Wahrnehmung aus Medien

Zeitpunkt t1

Zeitpunkt t2

Quelle: Donsbach 1987, 327

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Demoskopie als Streitpunkt ƒ Ist Demoskopie = öffentliche Meinung? ƒ Was ist öffentliche Meinung? ƒ Normative Konzepte ƒ Funktionale Konzepte ƒ Soziologische und Sozialpsychologische Konzepte ƒ Demoskopische Konzepte: Öffentliche Meinung = das, was die Demoskopie misst? Æ Vielfalt an Dimensionen in den Konzepten der öffentlichen Meinung

Folie 15

Prof. Donsbach

Dimensionen in den Definitionen von öffentlicher Meinung 1. Any opinion held by a majority of citizens 2. The opinion of elites, with intellectual capacity or powers to influence society 3. Any opinion concerning public affairs (definition by object of opinion) 4. An opinion reached through a public process of learning and consensus 5. Any opinion allowed to be expressed in public without fear of social isolation Schönbach and Becker (1995)

Folie 16

Prof. Donsbach

Demoskopie als Streitpunkt Zwei grundlegende Konfliktlinien:

I. Individuum – Kollektiv Ist ÖM nur eine simple Aggregierung von individuellen Meinungen

oder

ein Phänomen der kollektiven Ebene, eine Produkt von Debatten und Diskussionen, das man nicht reduzieren kann auf die Meinung von Individuen

II. Rationalität versus Subjektivität Ist ÖM ein Ausdruck der weisen Meinung aufgeklärter und gebildeter Bürger? Folie 17

oder

ein schwankendes, Stimmungen unterworfenes und letztlich „gefährliches“ Element der Demokratie? Prof. Donsbach

Demoskopie als Streitpunkt ƒ Ist Demoskopie = öffentliche Meinung? ƒ Was ist öffentliche Meinung? ƒ Normative Konzepte ƒ Funktionale Konzepte ƒ Soziologische und Sozialpsychologische Konzepte ƒ Demoskopische Konzepte: Öffentliche Meinung = das, was die Demoskopie misst? ƒ Liegt die Wahrheit in der Mitte? ƒ Repräsentative Demokratie = Aus Mehrheitsmeinung des Volkes folgt kein direkter Auftrag an die Regierung ƒ Aber: Indikator für Loyalitäts-Niveau für Regierung zwischen Wahlen Folie 18

Prof. Donsbach

Gliederung ƒ Demoskopie und öffentliche Meinung ƒ Einbettung der Entwicklung der Demoskopie in empirische Sozialforschung ƒ Anfänge der Demoskopie ƒ Entwicklung ƒ Nomenklatur ƒ Unterscheidungskriterien für Befragungen ƒ Fehlerquellen ƒ Literatur Folie 19

Prof. Donsbach

Einbettung in Geschichte der empirischen Sozialforschung ƒ Entwicklung der Demoskopie eingebettet in Entwicklung der empirischen Sozialforschung generell ƒ Entwicklung der empirischen Sozialforschung = philosophisch-anthropologischer Kampf ƒ Spannung zwischen ‚menschliche Willensfreiheit‘ vs. soziale Regelmäßigkeiten, Gesetze

Folie 20

Prof. Donsbach

Einbettung in Geschichte der empirischen Sozialforschung ƒ Anwendung Statistik auf Menschen: bis ins 18. Jhd. verpönt (AT: Veranstaltung einer Volkszählung durch König David wurde von Gott angeblich durch eine Pest bestraft, die 70.000 Tote forderte (Samuel 24)

ƒ Vom Untergang Roms bis Anfang 17. Jhd.: praktisch keine Volkszählungen ƒ 1662: Erstes statistische Verfahren auf Menschen angewandt durch engl. Kaufmann John Graunt: Regelmäßigkeit von Todesfällen ƒ 1753 in England: Vorschlag einer Volkszählung zurückgewiesen, da ‚gottlos‘ und ‚die persönliche Freiheit untergrabend‘ ƒ 1775 dt. Prediger Süßmilch: Todesfall-Statistik in Deutschland ƒ Entstehen empirischer Sozialforschung erste Hälfte bis Mitte 19. Jhd. WARUM? Prof. Donsbach

Folie 21

Einbettung in Geschichte der empirischen Sozialforschung Gründe für Entstehung der empirischen Sozialforschung 1. Politik wissenschaftlich betreiben 2. Zweifel an den Voraussetzungen der Gesellschaftswissenschaften bis dato, Suche nach Naturgesetzen wie in der Physik. Suche nach "positiver Wissenschaft" 3. „Pauperismus“: soziale Lage vor allem in England. Suche nach Ursachen und Lösungsmöglichkeiten

Folie 22

Prof. Donsbach

Einbettung in Geschichte der empirischen Sozialforschung Auguste Comte (1798-1857): legte philosophischen Grundstein ("Cours de Philosophie Positive"). Forderung: Jeder Satz der Wissenschaft muss auf Beobachtung und Tatsachen zurückzuführen sein. Adolphe Quetelet (B): Anwendung Wahrscheinlichkeitstheorie auf Statistik vom Menschen (sogen. Moralstatistik) 1853 auf 1. Statistiker-Kongress Forderung: Strenge Sozialwissenschaft, die ‚auf objektiver Beobachtung, Zählung und Messung beruhend, nachweisen will, dass auch die Handlungen der Individuen, sobald sie massenhaft auftreten, Gesetzen unterworfen sind, die denen ähneln, die die unbelebte Natur beherrschen‘ Stützte sich auf "politische Arithmetik" William Pettys (1623-87): Statistik von menschlichem Verhalten (Wahrscheinlichkeitsrechnung, die aus der Astronomie und der Versicherungsmathematik in die Sozialwissenschaft kommt.) Beispiele: ƒ Haushaltsbudget - 1. sozialwissenschaftliches Gesetz (Engelsches Gesetz) ƒ Regelmäßigkeiten menschlicher Handlungen (Geburten, Verbrechen, Selbstmorde) ƒ prägte Folie 23

Bezeichnung: "der mittlere Mensch"

Prof. Donsbach

Einbettung in Geschichte der empirischen Sozialforschung Friedrich Jonas (Geschichte der Soziologie): "Quetelet gibt damit die Zielvorstellung oder das Ideal für die empirische Sozialforschung, wie sie sich im 19. und beginnenden 20. Jhd. ausbreitet. Die vorurteilslose Erfassung und Beschreibung von Sozialtatsachen soll die Gesetzmäßigkeiten offenbaren, die hinter den Werten und Institutionen die menschlichen Gesellschaften zusammenhalten"

Folie 24

Prof. Donsbach

Widerstände gegen Statistik vom Menschen ƒ Missverständnis von „Gesetzen“ ƒ Individueller Wille „bedroht“ ƒ Adoph Wagner: Statistisch-anthropologische Untersuchungen der

Gesetzmäißgkeit in den scheinbar willkürlichen menschlichen Handlungen, 1864

ƒ Denken in Wahrscheinlichkeiten fremd - Wir denken in richtig und falsch (=Logik, die wir in der Schule lernen). ƒ Auch heute noch oft Widerstände in Sozialwissenschaft: Betonung der Idiosynkrasie Æ Ablehnung quantitativer Verfahren und nomologischer Wissenschaft („Gesetze“) ƒ Individuelle Handlungsfreiheit bedeutet nicht Abwesenheit von Regelmäßigkeiten ƒ Prinzip des Messens: Reduktion einer Ganzheit (Mensch, Element, Atom) auf einzelne Dimensionen, die allen Einheiten gemeinsam sind ƒ Zusätzliches Problem Demoskopie: jede Meinung gleiches Gewicht (widerspricht Elitetheorie der öffentlichen Meinung (Habermas, Hennis, Speier, Löffler) Folie 25

Prof. Donsbach

Gliederung ƒ Demoskopie und öffentliche Meinung ƒ Einbettung der Entwicklung der Demoskopie in empirische Sozialforschung ƒ Anfänge der Demoskopie ƒ Entwicklung ƒ Nomenklatur ƒ Unterscheidungskriterien für Befragungen ƒ Fehlerquellen ƒ Literatur Folie 26

Prof. Donsbach

Erste Umfragen ƒ Ab Ende 18. Jhd.: Sozialenqueten einzelner Forscher ƒ Z.B. David Davies 1795: systematische Erhebung zum Budget von Landarbeitern (nicht repräsentativ aber aufbauend auf empirischen Beobachtungen ƒ Mitte 19. Jhd. Deutschland. 1847: "Preußischlandesökonomisches Collegium zur ländlichen Arbeiterfrage") ƒ „Sozialmedizin“ (Rudolf von Virchow). Untersuchung sozialer und struktureller Ursachen für mediz. und hygienische Probleme ƒ 1906: Arthur Bowley (Prof. für Statistik), beschreibt vor der brit. Royal Statistical Society Methode eines repräsentativen Bevölkerungsquerschnitts ƒ 1912: erste statistisch repräsentative Erhebung nach Randomprinzip in England ƒ 1912: erste wirkliche Umfrage (in Deutschland) Folie 27

Prof. Donsbach

Erste wissenschaftliche Bevölkerungsumfrage ƒ Oberschall: „It remained for the self-educated worker Adolf Levenstein [1912] to undertake the first large attitude-opinion survey of on record.“ ƒ 8000 schriftl. Fragebogen an Gruben-, Stahl- und Textilarbeiter in Deutschland ƒ Schneeball-Auswahlverfahren ƒ 63% Rücklauf ƒ Oberschall: „Weber convinced Levenstein to code and tabulate and publish the results... There was no follow up, partly because Levenstein was marginal for German scholars and partly because World War One set back German social science.

Anthony Oberschall (2006): The historical roots of public opinion research. In: W. Donsbach, M. Traugott (eds.): Handbook of Public Opinion Research. Beverly Hills, London, New Delhi: Sage (in preparation)

Folie 28

Prof. Donsbach

Erste Umfragen ƒ Ab Ende 18. Jhd.: Sozialenqueten einzelner Forscher ƒ Z.B. David Davies 1795: systematische Erhebung zum Budget von Landarbeitern (nicht repräsentativ aber aufbauend auf empirischen Beobachtungen ƒ Mitte 19. Jhd. Deutschland. 1847: "Preußischlandesökonomisches Collegium zur ländlichen Arbeiterfrage") ƒ „Sozialmedizin“ (Rudolf von Virchow). Untersuchung sozialer und struktureller Ursachen für mediz. und hygienische Probleme ƒ 1906: Arthur Bowley (Prof. für Statistik), beschreibt vor der brit. Royal Statistical Society Methode eines repräsentativen Bevölkerungsquerschnitts ƒ 1912: erste statistisch repräsentative Erhebung nach Randomprinzip in England ƒ 1912: erste wirkliche Umfrage (in Deutschland) ƒ USA 20er Jahre: Marktforschung mit repräsentativen Erhebungen Prof. Donsbach

Folie 29

Geburt der modernen Demoskopie: George Gallup „In 1933, the young George Gallup, who earned a PhD in psychology from a small mid-western university and who combined careers in academia and market research, decided to draw on both these fields to create public opinion polling. He collected and studied detailed voting records for the U.S. over a century, and sent out ballots to a small but carefully selected group of voters in each state based on his analysis of past electoral behavior. He estimated results for the 1934 congressional elections with great accuracy. He continued to experiment with these hybrid methods of choosing purposive samples of voters based on political geography, and founded the American Institute of Public Opinion (AIPO) in 1935 whose goal was “impartially to measure and report public opinion on political and social issues of the day without regard to the rightness and wisdom of the views expressed.” AIPO conducted national public opinion surveys using Gallup’s method of combining purposive sampling with quotas for relatively small sizes …whose results he distributed to subscribing newspapers in the form of press releases.“ Oberschall, A. (2008). The Historical Roots of Public Opinion Research. In: Donsbach, W. & Traugott, M.W. (eds.): The Sage Handbook of Public Opinion Research. Los Angeles, London, New Delhi, Singapore: Sage Publications, pp. Folie 30

Prof. Donsbach

Durchbruch: Gallup versus Literary Digest Literary Digest

Gallup

• 10 Mio Fragebögen versandt

• 3000 persönl. Interviews

• 2,3 Mio zurück

• Richtige Voraussage

• Landon:

55%,

• Roosevelt:

41%

Tatsächliches Ergebnis:

• Niedrige Ausschöpfung: 25 % • Verzerrte Ausschöpfung

Roosevelt:

61%

Landon:

37%

Squire, P. (1988): Why the 1936 Literary Digest was wrong. POQ 52, 125-33 Folie 31

Ursachen:

• Verzerrte Ausgangsstichprobe: Basierten auf eigenen Abonnenten sowie Adressen von Telefon- und Autobesitzern Æ unterrepräsentierten ärmere Bevölkerungsschichten (mehr Wähler der Demokraten) • 1938: LD eingestellt Prof. Donsbach

Gliederung ƒ Demoskopie und öffentliche Meinung ƒ Einbettung der Entwicklung der Demoskopie in empirische Sozialforschung ƒ Anfänge der Demoskopie ƒ Entwicklung ƒ Nomenklatur ƒ Unterscheidungskriterien für Befragungen ƒ Fehlerquellen ƒ Literatur Folie 32

Prof. Donsbach

Stationen ƒ Pioniere: George Gallup, Elmor Roper, Archibald Crossley: seit 20ern Marktforschung, seit 30ern politische Themen ƒ 1937 Paul Lazarsfeld: Office of Radio Research, später Bureau of Applied Social Research ƒ 1941 National Opinion Research Center (NORC) U of Chicago ƒ 1944: Lazarsfeld, Paul F., Bernard Berelson & Hazel Gaudet: The People's Choice. New York ƒ 1946: American Association for Public Opinion Research (AAPOR) ƒ 1946 Survey Research Center U of Michigan ƒ 1947: World Association for Public Opinion Research ƒ 1947: Institut für Demoskopie Allensbach ƒ 1948: Public Opinion Quarterly Folie 33

Prof. Donsbach

Accumulation of Countries in Gallup International Association 1947-2004 1940s North America

50s

Latin America

Brazil*

Europe

Austria Czechoslovakia Denmark Finland France# Italy Netherlands Norway Sweden UK*

Asia Australia/ Oceania

70s

80s

90s

2000s

Argentina Uruguay#

Colombia# Mexico# Puerto Rico* Venezuela#

Ecuador# Peru# Costa Rica*

Bolivia Chile*

Dominican Rep.

Bosnia Bulgaria Croatia Czech Rep Estonia Latvia Poland Rumania Russia Ukraine

Georgia Macedonia Serbia & Montenegro

Countries added

Germany Switzerland

Ireland Portugal#

India#

Japan Lebanon*

Israel# Korea UAE

Hong Kong# Pakistan Taiwan# Turkey

Singapore Thailand

Vietnam

Philippines

New Zeeland

Malaysia

Indonesia

Egypt Nigeria

Zimbabwe

Cameron Kenya

13

16

8

Australia Ivory Coast* South Africa

*Not member 2004

14

Belgium Greece Hungary Iceland

Spain# Belgium Luxembourg

Africa

Folie 34

60s

Canada# USA#

3

#Original member firm exchanged

9

10

Membership 2004

64 Prof. Donsbach

Anwendungen

Folie 35

Prof. Donsbach

Anwendung quantitativer Methoden in der Kommunikationswissenschaft Inhaltsanalyse der wichtigsten Fachzeitschriften zwischen 1980 und 1999 70 60

Prozent

59

Lesebeispiel: In 24 Prozent aller Artikel, in denen eine quantitative Methode zur Anwendung kam, war dies die Inhaltsanalyse

50 40 30

24 16

20 10 0

Befragung

Inhaltsanalyse

Experiment

Quelle: Kamhawi, R., Weaver, D., Maas Communication Research Trends From 1980 to 1999. In: J&MC Quarterly Vol 80, No 1, 2003, 7 - 23.

Folie 36

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Und in den Medien Frequency of Publication of Poll Results Before German Federal Elections 12 weeks before the election; four national dailies 800 700

651

600 500 400

328

300 168

200 100

65

0 1980

94

83 33 1983

1987

1990

1994

1998

2002

number of reports Source: Brettschneider 2004

Folie 37

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Präsenz in den Medien

Folie 38

Prof. Donsbach

Folie 39

Prof. Donsbach

Folie 40

Prof. Donsbach

Heute: Entwickelter Wissenschaftsbereich

Folie 41

Prof. Donsbach

Folie 42

Prof. Donsbach

Folie 43

Prof. Donsbach

Simone Wack (1998): Die Branchenstruktur der Markt- und Meinungsforschung in der Bundesrepublik Deutschland von 1986 bis 1996. Eine deskriptive Analyse Folie 44

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Simone Wack (1998): Die Branchenstruktur der Markt- und Meinungsforschung in der Bundesrepublik Deutschland von 1986 bis 1996. Eine deskriptive Analyse Folie 45

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Markt- und Meinungsforschungsinstitute in Deutschland Jahr

Anzahl Institute

Umsatz in Mio DM

1987

100

717

1988

111

782

1989

117

899

1990

123

1009

1991

128

1123

1992

156

1284

1993

158

1365

1994

168

1496

1995

178

1625

Quelle: Alexander Gallus & Marion Lühe (1998): Öffentliche Meinung und Demoskopie

Folie 46

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Bekannteste zehn Institute in Deutschland "Welche Meinungsforschungsinstitute sind Ihnen bekannt? Infas

67

Infratest

54

Wickert

53

Allensbach

51

Emnid

24

Forsa

11

GfK

11

(Quelle: Focus nach Context 1998) Folie 47

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Standortbestimmung "Survey research is not itself an academic discipline, with a common language, a common set of principles for evaluating new ideas, and a well-organized professional reference group. Lacking such an organization, the field of survey research has evolved through the somewhat independent an uncoordinated contributions of researchers trained as statisticians, psychologists, political scientists, and sociologists. These brief encounters between survey method and bodies of theory have produced what we know about survey quality today" Robert M. Groves (1987): Research on Survey Data Quality. POQ 51, S156-172, S156 Folie 48

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Lang, Kurt & Gladys Engel Lang (1991): The Changing professional Ethos: A Poll of Pollsters. International Journal of Public Opinion Research 3, 323-339

ƒ Umfrage: AAPOR-Verzeichnis, American Ass. of Political Consultants, Zeitungsberichte Æ n=270 Grundgesamtheit ƒ Befragung schriftlich 1988

Æ n=129, bereinigt = 53 %

ƒ Unterscheidung Newcomers, Intermediate, Veterans ƒ Was vorher gemacht: Newcomers: 37 % aus Politik, Veteranen: 29% ƒ akademischer Hintergrund: Newcomers: 19%, Veteranen: 38% ƒ Ausbildungs-Hintergrund: Newcomers: weniger Sozialwiss., mehr Statistics, Naturwiss., Journalism/Communications ƒ Newcomers: mehr nicht-öffentliche Polls ƒ

"Regardless of how you got into this, what have been the one or two major satisfactions for you personally from your polling on politics and political issues?"

Newcomers und Intermediate: mehr „influence public policy“, weniger „improve quality“ "(The findings) show the newcomers, ..to be somewhat less oriented to the professional ethos that the pioneers brought with them into the field. (338) Folie 49

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Gliederung ƒ Demoskopie und öffentliche Meinung ƒ Einbettung der Entwicklung der Demoskopie in empirische Sozialforschung ƒ Anfänge der Demoskopie ƒ Entwicklung ƒ Nomenklatur ƒ Unterscheidungskriterien für Befragungen ƒ Fehlerquellen ƒ Literatur Folie 50

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Nomenklatur

amerikanischer Sozialforscher (Stuart Dodd) schlug den Begriff 1946 vor

Demoskopie

Das Volk messen: quantitative Bevölkerungsumfragen

Meinungsforschung

Unspezifischer, kann auch durch andere, nicht-quantitative Methoden geschehen

Umfragen Wahlumfragen

Impliziert wiederum das quantitative Element Spezielles Anwendungsgebiet

Momentaufnahmen Tracking polls Wahlprognosen Exit Polls Hochrechnungen

Keine Voraussage, nur aktueller Stand Kontinuierliche, jeweils aggregierte Umfragen Prognosen über Wahlausgang auf Umfragebasis

Umfragen auf Basis des stattgefundenen Verhaltens Prognose auf Basis echter Wahlergebnisse

„Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen“...

Folie 51

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Nomenklatur

Englisch

Demoskopie

Survey/opinion research

Meinungsforschung

Public opinion research

Umfragen

Surveys/polls

Wahlumfragen

Election surveys/polls

Momentaufnahmen

Current state of opinion

Tracking polls

Tracking polls

Wahlprognosen

Election predictions/forecasts

Exit Polls

Exit Polls

Hochrechnungen Folie 52

Projection Prof. Donsbach

Gliederung ƒ Demoskopie und öffentliche Meinung ƒ Einbettung der Entwicklung der Demoskopie in empirische Sozialforschung ƒ Anfänge der Demoskopie ƒ Entwicklung ƒ Nomenklatur ƒ Unterscheidungskriterien für Befragungen ƒ Fehlerquellen ƒ Literatur Folie 53

Prof. Donsbach

Unterscheidungskriterien für sozialwissenschaftliche Befragungen Grad der Ausschöpfung der Population

Grad der Standardisierung des Stimulus

Vollerhebung Random Stichprobe

Quota

IntensivInterview

offene Fragen

demoskopisches Interview

geschlossene

Face-to-face Modus der Befragung

schriftlich

CAPI

Paper & Pencil

CASQ

telefonisch

CATI

Email, Internet Einmal-Befragung Zeitliche Abfolge Folie 54

Trend Mehrfach-Befragung

Panel

Prof. Donsbach

Unterscheidungskriterien für sozialwissenschaftliche Befragungen Grad der Ausschöpfung der Population

Grad der Standardisierung des Stimulus

Vollerhebung Random Stichprobe

Quota

IntensivInterview

offene Fragen

demoskopisches Interview

geschlossene

Face-to-face Modus der Befragung

schriftlich

CAPI

Paper & Pencil

CASQ

telefonisch

CATI

Email, Internet Einmal-Befragung Zeitliche Abfolge Folie 55

Trend Mehrfach-Befragung

Panel

Prof. Donsbach

Jedes Element der Grundgesamtheit muss die gleiche oder eine ƒ Stichprobenprinzip berechenbare und von Null ƒ Random = Lotterieprinzip verschiedene Chance haben, ƒ Einstufige, mehrstufige Verfahren in die Stichprobe zu gelangen.

ƒ Random Route-Verfahren ƒ Quota: Zusammensetzung der Stichprobe nach bekannten Merkmalen

Folie 56

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Stichprobenverfahren Stichproben

einstufig

mehrstufig

Zufallsstichproben

Einfache Stichproben

Folie 57

geschichtete Stichproben

Vorsortierung nach einem Merkmal („Schicht) um über alle Schichten repräsentative Aussagen machen zu können (Bsp. Bundesländer – große/kleine)

Systematische Verfahren

Klumpen Stichproben

Quotenverfahren

Systematische Auswahl

Auswahl von Sample Points („Klumpen“), um nicht flächendeckend vorgehen zu müssen Prof. Donsbach

Die ADM-Stichproben (F2F) Dreistufiges Stichprobensystem bestehend aus: ƒ Circa 60.000 Flächen, die auf Basis der statistischen Bezirke, also der feinsten von der amtlichen bzw. Der kommunalen Statistik mit Daten aus Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung unterstützten Gliederungsebene, und der digitalisierten Straßenkarten abgegrenzt werden.Diese Flächen bilden die Auswahlgrundlage der F2F-Stichproben. ƒ Den für einen RandomWalk notwendigen Startadressen und den Vorgaben, wie die Adressen der zu befragenden Privathaushalte auszuwählen sind. ƒ Der Vorschrift für die Auswahl der Zielperson im Haushalt, wobei in der Regel der „Schwedenschlüssel“ (von L. Kish entwickeltes Verfahren) oder „next/last birthday“ zur Anwendung kommen. Sowie: Einer Design-Gewichtung, die die wegen unterschiedlicher Haushaltsgröße differierenden Auswahlchancen für die Zielperson und gegebenenfalls einen disproportionalen Untersuchungsansatz ausgleicht. Folie 58

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Die ADM-Stichproben für Telefon-Umfragen Auswahlgrundlage für Telefonstichproben: ƒ „Nummernraum“ aller möglichen Festnetznummern, der auch nicht eingetragenen Telefonnummern eine berechenbare Auswahlchance gibt, ƒ und „Verortung“ aller Nummern durch Zuordnung der Gemeinde oder Stadtteilkennziffern, in denen diese Nummern mit bestimmbarer Wahrscheinlichkeit liegen, so dass feinste Regionalschichtungen möglich sind. Die Institute ƒ ziehen daraus die für ihre konkreten Projekte notwendigen Telefonstichproben und ermitteln im Kontakt, ob die Nummer existiert und einem Privathaushalt zugehört, ƒ wählen mittels „Schwedenschlüssel“ oder „next/last birthday“ die zu befragenden Personen aus ƒ und realisieren nach Abschluss der Feldarbeit eine Design-Gewichtung, die Unterschiede in den Auswahlwahrscheinlichkeiten aufgrund differierender Haushaltsgröße und Zahl der für Gespräche nutzbarenTelefonanschlüsse ausgleicht sowie gegebenenfalls einen disproportionalen Stichprobenansatz reproportionalisiert. Folie 59

Prof. Donsbach

Zweistufige Zufallsauswahl beim Telefon-Interview Auswahl aus Telefonbuch, CD, RDD

Auswahl im Haushalt

Folie 60

Prof. Donsbach

Unterscheidungskriterien für sozialwissenschaftliche Befragungen Grad der Ausschöpfung der Population

Grad der Standardisierung des Stimulus

Vollerhebung Random Stichprobe

Quota

IntensivInterview

offene Fragen

demoskopisches Interview

geschlossene

Face-to-face Modus der Befragung

schriftlich

CAPI

Paper & Pencil

CASQ

telefonisch

CATI

Email, Internet Einmal-Befragung Zeitliche Abfolge Folie 61

Trend Mehrfach-Befragung

Panel

Prof. Donsbach

Response Rates of Listed and Unlisted Numbers Wolfgang Donsbach & Olaf Jandura University of Technology Dresden, Germany

Joint Conference WAPOR/AAPOR, Montreal, Canada, May 16-21, 2006

Data Base for the Analysis of Call Attempts 5 surveys between 2004/2005 1. Data set derived from monitoring call attempts

Variables - phone number - date - time and - result of contact attempt n= 16.563 phone numbers

Folie 63

2. Data set derived from completed interviews

Variables - age - gender - education - income - household size n= 2.740 interviews

Prof. Donsbach

Higher Sample Quality Differences from official statistics of Dresden. 18-24 years

under representation

25 - 44 years 45 - 59 years 60+ years men

per cent

1

-3

over6 representation

-4 -3 -1 -3 -4

7

-1 1

woman

4

-14 -12

low edu. middle edu.

0

-1

12

hig edu.

15

Gabler- Häder- numbers only listed numbers

average -20

-15

-10

-5

4,35,9 0

5

10

15

20

n=2.740 interviews

Folie 64

Prof. Donsbach

Quota-Verfahren ƒ In Markt- und Meinungsforschung stark verbreitet ƒ Keine Zufallsstichprobe, sondern systematische Stichprobe ƒ Annahme: Merkmale der Bevölkerung korrelieren untereinander ƒ Zusammensetzung der Stichprobe nach ausgewählten Merkmalen („Quoten“) Æ repräsentative Abbildung aller Merkmale (Projektion) ƒ Faustregel: je mehr Merkmale einbezogen Æ desto genauer das Abbild der Grundgesamtheit (aber desto komplizierter Auswahl der Zielperson) ƒ ALLBUS-Studie (u.a.): keine gravierenden Unterschiede zwischen Random/Quota Folie 65

Prof. Donsbach

Unterscheidungskriterien für sozialwissenschaftliche Befragungen Grad der Ausschöpfung der Population

Grad der Standardisierung des Stimulus

Vollerhebung Random Stichprobe

Quota

IntensivInterview

offene Fragen

demoskopisches Interview

geschlossene

face-to-face Modus der Befragung

schriftlich

CAPI

Paper & Pencil

CASQ

telefonisch

CATI

Email, Internet Einmal-Befragung Zeitliche Abfolge Folie 66

Trend Mehrfach-Befragung

Panel

Prof. Donsbach

Grad der Standardisierung des Stimulus

• Stellung des Intensiv-Interviews im Erkenntnisprozess: heuristisch oder mehr? • Demoskopisches Interview: folgt Prinzip des Messens = Zuordnung von Zahlen zu sozialen Sachverhalten • Befragter als „Merkmalsträger“ – nicht als „Individuum“ • Operationalisierung = Umsetzung von Forschungsfragen in Testfragen

Folie 67

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Operationalisierung

Ebene der theoretischen Konstrukte

Wahl von Indikatoren

Ebene der Messung Folie 68

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Grad der Standardisierung des Stimulus • Stellung des Intensiv-Interviews im Erkenntnisprozess • Demoskopisches Interview: folgt Prinzip des Messens = Zuordnung von Zahlen zu sozialen Sachverhalten • Befragter als „Merkmalsträger“ – nicht als „Individuum“ • Operationalisierung = Umsetzung von Forschungsfragen in Testfragen • Intensive Pre-Tests • Gleicher Stimulus bei allen Befragten • Interviewer = „Werkzeug in Hand des Forschers“ (Warum?) • Fragebogen: Standardisiert (Warum?) • Spannungsbogen • Frageformen (Æ nächste Vorlesung) • Folie 69

Funktion von Fragen (Æ nächste Vorlesung)

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Unterscheidungskriterien für sozialwissenschaftliche Befragungen Grad der Ausschöpfung der Population

Vollerhebung Random Stichprobe

Quota

IntensivVorlesung „Spezielle Interview offene Fragen demoskopisches Interview Verfahrensformen...“ geschlossene

Grad der Standardisierung des Stimulus

face–to-face Modus der Befragung

schriftlich

CAPI

Paper & Pencil

CASQ

telefonisch

CATI

Email, Internet Einmal-Befragung Zeitliche Abfolge Folie 70

Trend Mehrfach-Befragung

Panel

Prof. Donsbach

Unterscheidungskriterien für sozialwissenschaftliche Befragungen Grad der Ausschöpfung der Population

Grad der Standardisierung des Stimulus

Vollerhebung Random Stichprobe

Quota

IntensivInterview

offene Fragen

demoskopisches Interview

geschlossene

persönlich Modus der Befragung

schriftlich

CAPI

Paper & Pencil

CASQ

telefonisch

CATI

Email, Internet Einmal-Befragung Zeitliche Abfolge Folie 71

Trend Mehrfach-Befragung

Panel

Prof. Donsbach

Lazarsfeld et al. 1944

Folie 72

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Trend versus Panel: Was das Panel kann 1. Erfassen von Veränderungen: Netto vs. individuelle Veränderungen 2. Ursachen für Wandel: individuelle Veränderungen können auf Ursachen verfolgt werden 3. Menge der gemessenen Eigenschaften: Zusätzliche Fragen möglich, da dieselben Personen 4. Daten zu Vergangenheit und Zukunft: Beim Panel nicht auf Erinnerungsvermögen und eigene Kausal-Attributionen des Befragten angewiesen 5. Verlässlichkeit der Ergebnisse: Bei Trend addiert sich Zufallsfehler von zwei Stichproben auf, beim Panel nicht

Folie 73

Prof. Donsbach

Beispiele für Panelbefragung TV-Duell zur Wahl 2002 ƒ repräsentative deutschlandweite telefonische Befragung ƒ Stichprobe: Gabler-Häder Design (ZUMA) ƒ Interviews: t1: n= 1.310 Befragte t2: n= 550 Befragte t3: n= 843 Befragte ƒ Feldzeiten: t1: 07.08. – 22.08.2002 t2: 25.08.2002 t3: 28.08. – 01.09.2002

Folie 74

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Untersuchungsdesign Dresdner Projekt zum ersten TV-Duell

W elle 1

W elle 2

W elle 3

7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 2 5 26 27 28 29 30 31 1

August 2002

Sept .

Inhaltsanalyse der Nachberichterstattung

Folie 75

Prof. Donsbach

Direkt nach dem Duell: Kein eindeutiger Sieger feststellbar Frage: "Einmal ganz allgemein gefragt, was glauben Sie, wer das Fernseh-Duell gewonnen hat, wer besser abgeschnitten hat?"

Prozent

50

40

40 36

30

25

20

10

0

Folie 76

Schröder

Stoiber

Schwer zu sagen Prof. Donsbach

Einige Tage später: Bei „Sehern“ verliert Stoiber Frage: "Einmal ganz allgemein gefragt, was glauben Sie, wer das Fernseh-Duell gewonnen hat, wer besser abgeschnitten hat?" Prozent

50 Kurz nach dem Duell 40

40

38

Einige Tage später

36 31

30

31 25

20

10

0

Folie 77

Schröder

Stoiber

Schwer zu sagen

Befragung am 25.08.2002, n= 550 Befragte und vom 29.08. – 06.09.2002 Prof. Donsbach

Siegerwahrnehmung ist nicht konstant: 35% ändern ihre Meinung über den Sieger Konstanz des wahrgenommenen "Duell-Siegers" Gleich 65%

Lesebeispiel: Bei nur 65 Prozent der Befragten blieb das Urteil über den Sieger des Duells stabil.

Ungleich 35% Folie 78

Befragung am 25.08.2002 und vom 29.08. – 06.09.2002, n= 324 Befragte

Prof. Donsbach

Stoiber verliert stärker als Schröder Tabelle 3: Fluktuation in der Wahrnehmung des Siegers Einige Tage später

Direkt nach dem ersten Duell

Schröder

Unentschieden

Stoiber

Schröder

70%

24%

6%

Unentschieden

24%

54%

22%

Stoiber

15%

17%

68%

Lesebeispiel: 70 Prozent derer, die Schröder direkt nach dem TV-Duell als Sieger identifizierten, waren wenige Tage später noch immer dieser Meinung, während 24 Prozent sich nicht mehr sicher waren bzw. 6 Prozent nun Stoiber den Sieg zusprachen.

Folie 79

Prof. Donsbach

Ursachen des Wandels der Siegerwahrnehmung: Medienverdikt Erklärte Varianz

28 Prozent

u.V.

beta-Werte

Wahrgenommener Duell-Sieger laut Medien Interpersonale Kommunikation Allgemeine Mediennutzung: TV-Nachrichten

.16* .13 n.s. .16*

Allgemeine Mediennutzung: Zeitung

.00 n.s.

Kandidatenpräferenz

.08 n.s.

Parteipräferenz

.01 n.s.

Soziodemographie Folie 80

n.s. Prof. Donsbach

Gliederung ƒ Demoskopie und öffentliche Meinung ƒ Einbettung der Entwicklung der Demoskopie in empirische Sozialforschung ƒ Anfänge der Demoskopie ƒ Entwicklung ƒ Nomenklatur ƒ Unterscheidungskriterien für Befragungen ƒ Fehlerquellen ƒ Literatur Folie 81

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Fehlerarten der Umfrageforschung 1 Verzerrung und Varianz 1.1 Fehler durch Nicht-Messung 1.1.1 Abdeckungsfehler 1.1.2 Keine Antwort-Fehler 1.1.3 Stichproben-Fehler 1.2 Messfehler 1.2.1 Interviewer 1.2.2 Befragter 1.2.3 Fragebogen 1.2.4 Interviewmodus 2 Validität und Reliabilität 2.1 Validität 2.2 Reliabilität Groves, Robert M. (1987): Research On Survey Data Quality. Public Opinion Quarterly 51, S156-S172 Prof. Donsbach Folie 82

Fehlerarten der Umfrageforschung 1 Verzerrung und Varianz 1.1 Fehler durch Nicht-Messung 1.1.1 Abdeckungsfehler 1.1.2 Keine Antwort-Fehler 1.1.3 Stichproben-Fehler 1.2 Messfehler

Diskrepanz zwischen Ergebnis einer Umfrage und Ergebnis einer Vollerhebung einer bestimmten Einheit, die dadurch zustandekommt, dass bestimmte Mitglieder der Grundgesamtheit durch das Stichprobenverfahren nicht abgedeckt werden

1.2.1 Interviewer 1.2.2 Befragter 1.2.3 Fragebogen 1.2.4 Interviewmodus

z.B. Repräsentativ für alle Dresdner Studenten: Sampling über LV-Besuch: Doktoranden, Urlaubssemester etc. nicht dabei

2 Validität und Reliabilität 2.1 Validität

z.B. Telefonumfragen: nur Telefonbesitzer

2.2 Reliabilität Groves, Robert M. (1987): Research On Survey Data Quality. Public Opinion Quarterly 51, S156-S172 Prof. Donsbach Folie 83

Fehlerarten der Umfrageforschung 1 Verzerrung und Varianz 1.1 Fehler durch Nicht-Messung 1.1.1 Abdeckungsfehler 1.1.2 Keine Antwort-Fehler 1.1.3 Stichproben-Fehler 1.2 Messfehler 1.2.1 Interviewer 1.2.2 Befragter

Diskrepanz zwischen Ergebnis und...Grundgesamtheit..., die dadurch zustandekommt, dass bestimmte Mitglieder der GG nicht antworten, nicht mitmachen bei Umfrage d.h. zwar theoretisch in Stichprobendesign enthalten, aber aus bestimmten Gründen nicht befragt

1.2.3 Fragebogen 1.2.4 Interviewmodus 2 Validität und Reliabilität

Nonresponse wird zu immer größerem Problem

2.1 Validität 2.2 Reliabilität Groves, Robert M. (1987): Research On Survey Data Quality. Public Opinion Quarterly 51, S156-S172 Prof. Donsbach Folie 84

Begriffsklärung „Non-Response“ Das Fehlen von Daten eines Teils oder aller Variablen für die ausgewählten Einheiten einer Stichprobe (Schnell, 1997, S. 17)

Non-Response

Unit-Nonresponse Item-Nonresponse

Nicht-Erreichte

Folie 85

Verweigerer

Befragungsunfähige

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Unit-Non-Response = Prozentualer Anteil der Befragten, mit denen ein Interview realisiert werden konnte, an der Gesamtzahl aller ausgewählten Befragten Drei Kategorien (Curtin et al.) ƒ those never reached (noncontacts), ƒ those unwilling to cooperate (refusals), ƒ and all others, composed mainly of those for whom it would have been difficult or impossible to cooperate (for example, those with language or hearing barriers).

Richard Curtin, Stanley Presser, and Eleanor Singer (2005): Changes in Telephone Survey Nonresponse over the Past Quarter Century. Public Opinion Quarterly 69: 87-98 Folie 86

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Fig 1: Response Rate

Figure 1 suggests that SCA response rates have been marked by three distinct periods: a gradual decline from 1979 to 1989, a plateau from 1989 to 1996 (when there was essentially no change), followed by an even sharper decline after 1996. SCA: University of Michigan’s Survey of Consumer Attitudes (SCA) Folie 87

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Figure 2. Final refusal rates by year.

Folie 88

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Figure 5. Noncontact rates by year.

Figure 5 shows that the noncontact rate grew dramatically after that, increasing an average of 0.63 percentage points annually over the entire period. As a result, since the later 1990s, noncontacts have accounted for almost as much nonresponse as refusals. While the rate of increase in noncontacts was smaller after 1996 than from 1979 to 1996, this difference is not statistically significant. Nonetheless, the slower growth in noncontacts after 1996, combined with the simultaneous increase in refusal growth, means that noncontacts have recently not contributed as much to the overall response rate decline as have refusals Folie 89

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Fazit Curtin et al. ƒ Response rate on the Survey of Consumer Attitudes has declined dramatically over the past quarter century, averaging roughly one percentage point a year. ƒ Moreover, the decline has accelerated in the last few years. In contrast to an average annual decline in response rate of 0.74 percentage points from 1979 to 96, the yearly decline averaged 1.50 points between 1997 and 2003. ƒ Refusals increased an average of 0.21 percentage points per year between 1979 and 2003, whereas noncontacts increased by 0.63 points. ƒ Thus, the perception that it has become increasingly difficult to contact households by telephone, and that noncontacts have become a more substantial part of nonresponse, is borne out by these data.

!!ƒ However, the relative role of noncontacts and refusals has recently reversed. ƒ Although the growth in nonresponse from 1979 to 1996 was driven mainly by rising noncontacts, the even steeper nonresponse rise after 1996 was due mainly to a rise in refusals.

Folie 90

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Entwicklung von Response Rates (persönlich-mündlich) zRückgang der Ausschöpfungsquoten um ca. 5% zBeginn 90er:

Ausschöpfungsquoten im Mittel noch über 70% zUnterschiede zw.

Instituten

Schnell, 1997, S. 76ff. Folie 91

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Entwicklung von Response Rates (persönlich-mündlich) zVerweigerungsrate Ende 60er Jahre bei 10%, Anfang 90er bei 19% zZunahme

Streuung der Verweigerungsrate pro Erhebungsjahr

Schnell, 1997, S. 84ff. Folie 92

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Ursachen? Seitens Befragter – – – –

„Oversurveying“ Angst vor Kriminalität Datenschutz Negative Erfahrungen

Seitens Umfrageinstitute – Motivation der Interviewer – Zeitdruck – Zunehmend aufwändigere Befragungsdesigns

The most promising explanation to account for the SCA increase in both refusals and noncontacts over the past 25 years may be the rapid growth in sales and survey phone calls during the period, though further work is required to document this. FolieCurtin 93

et al. 2005

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ZUMA-Nachrichten 57, November 2005

Folie 94

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Folie 95

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6,2% der Verweigerer konvertiert

Folie 96

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Folie 97

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Forts.

Forts.

Folie 98

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ZUMA-Nachrichten 57, November 2005

Folie 99

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Design

Folie 100

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Design

Folie 101

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Design

Folie 102

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*

* „keine Zeit“, „krank“, „alt etc.

Folie 103

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Erklärung? • Motivation gestärkt? (Commitment) • Selbstvertrauen, dass man Fragen beantworten kann? Folie 104

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Fehlerarten der Umfrageforschung 1 Verzerrung und Varianz 1.1 Fehler durch Nicht-Messung 1.1.1 Abdeckungsfehler 1.1.2 Keine Antwort-Fehler 1.1.3 Stichproben-Fehler 1.2 Messfehler 1.2.1 Interviewer

Diskrepanz zwischen ...., die dadurch zustande kommt, dass bestimmte Mitglieder der GG ganz bewusst ausgeklammert wurden, weil man ein Subset, eben eine Stichprobe gezogen hat

1.2.2 Befragter 1.2.3 Fragebogen 1.2.4 Interviewmodus 2 Validität und Reliabilität 2.1 Validität 2.2 Reliabilität Groves, Robert M. (1987): Research On Survey Data Quality. Public Opinion Quarterly 51, S156-S172 Prof. Donsbach Folie 105

Gliederung ƒ Demoskopie und öffentliche Meinung ƒ Einbettung der Entwicklung der Demoskopie in empirische Sozialforschung ƒ Anfänge der Demoskopie ƒ Entwicklung ƒ Nomenklatur ƒ Unterscheidungskriterien für Befragungen ƒ Fehlerquellen ƒ Literatur Folie 106

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Literatur Abschnitte aus allgemeiner Methoden-Literatur Atteslander, P. (2000), Methoden der empirischen Sozialforschung, Berlin/New York: de Gruyter. Bortz, J. & Döring, N. (1995), Forschungsmethoden und Evaluation für Sozialwissenschaftler: Berlin: Springer. Brosius, H.B., Koschel, F. (2003). Methoden der empirischen Kommunikationsforschung. Opladen: Westdeutscher Verlag. Diekmann, A. (1995), Empirische Sozialforschung. Reinbek: Rowohlt. Friedrichs, J. (1982), Methoden der empirischen Sozialforschung, Opladen: Westdeutscher Verlag. Schnell, R., Hill, P. & Esser, E. (1992), Methoden der empirischen Sozialforschung, München: Oldenbourg. Folie 107

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Einführung in die standardisierte Befragung Donsbach, W. & Traugott, M.W. (eds.): The Sage Handbook of Public Opinion Research. Los Angeles, London, New Delhi, Singapore: Sage Publications, 2008 Groves, R. (1987). Research on survey data quality. Public Opinion Quarterly 52 (4). 156172. Kaase, M. (1999). Qualitätskriterien der Umfrageforschung. Berlin: Akademie-Verlag. Wüst, A.M. (1998). Die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften als Telefonumfrage. ZUMA-Arbeitsbericht 98(04). Price, V. & Neijens, P. (1997). Opinion quality in public opinion research. International Journal of Public Opinion Research 9, 336-360. Noelle-Neumann, E., Petersen, T. (2000). Alle nicht jeder. Einführung in die Methoden der Demoskopie. Berlin.: Springer. Koch, W. (1998). Wenn "mehr" nicht gleichbedeutend mit "besser" ist: Ausschöpfungsquoten und Stichprobenverzerrungen in allgemeinen Bevölkerungsumfragen. ZUMA-Nachrichten, 22(42). Porst, R., Ranft, S.& Ruoff, B. (1998). Strategien und Maßnahmen zur Erhöhung der Ausschöpfungsquoten bei sozialwissenschaftlichen Umfragen. Ein Literaturbericht. ZUMAArbeitsbericht 98(07). Folie 108

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