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63. Jahrgang · Nr. 1 · Ostern 2008 Foto: APA/Robert Jäger Pfarrblatt „Ohne den Tag des Herrn können wir nicht leben!“ Das große Anliegen des Papste...

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63. Jahrgang · Nr. 1 · Ostern 2008

Foto: APA/Robert Jäger

Pfarrblatt

„Ohne den Tag des Herrn können wir nicht leben!“ Das große Anliegen des Papstes: Der Wert des Sonntags Aus der Dompfarre: Der neue Pfarrgemeinderat von St. Stephan Spirituelles: Die Heilige Notburga von Rattenberg Literatur: Kardinal Christoph Schönborns neues Buch: „Wer braucht Gott?“

Inhalt

Editorial

Grüß Gott! ó Editorial 2 ó Wort des Dompfarrers 3 ó Predigt des Heiligen Vaters 4 ó »Der Wert des Sonntags« 6 ó Schabbat: Ruhen ohne Kompromiss 7 ó Der Sonntag 8 ó Sonntagsschutz ist sozialer Lebensschutz! 10 ó Ein Sonntag bei Evelyn, Peter, Katharina und Lukas 11 ó Der Kitt unserer Gesellschaft 12 ó Ruhezeit sichert Arbeitsqualität 13 ó Sonntag: Wöchentliches Ostern 14 ó Benedetto, Benedetto! 16 ó »Er kam, sah und segnete …« 18 ó Das erste Jahr des neu gewählten PGR von St. Stephan 20 ó Neue Gesichter in der Dompfarre 22 ó Miteinander auf Gottes Spur 24 ó »Festmahl für den Nächsten« 25 ó Dankfest zu Ehren der Pfarrcaritas-Helfer 26 ó Weihnacht für Einsame und Notleidende 26 ó Wiens älteste Orgel wird restauriert 27 ó Ein neuer Kirchenmeister – ein neuer Sakristeidirektor 28 ó LichterWerkStatt St. Stephan 30 ó Dommusik 31 ó Von Oberfranken nach Wien 32 ó Aus der Pfarrchronik 34 ó Die Epitaphien des Stephansdomes 36 ó Die Kathedra 37 ó Heilige Notburga 38 ó »Schlamperte Christen« und »praktizierende Katholiken« 40 ó »Und schaut der Steffl lächelnd auf uns nieder ...!« 41 ó Karwoche und Ostern im Dom zu St. Stephan 42 ó Karwoche und Ostern im Pfarrgebiet von St. Stephan 43 ó Gottesdienstordnung im Dom 43 ó Aus der Schatztruhe 44 ó Impressum 44

Zuerst muss ich mich bei Ihnen im Namen des gesamten Redaktionsteams dafür entschuldigen, dass es ein ganzes Jahr gedauert hat, bis Sie wieder eine Ausgabe unseres Pfarrblattes in Händen halten können. Der Papstbesuch im vergangenen September hat all unsere Ressourcen gefordert und so haben wir es – auf gut wienerisch gesagt – einfach nicht „derschnauft“. Und eine „Schmalspurausgabe“ wollten wir Ihnen nicht vorlegen. Ich hoffe,dass Sie uns als Leser treu bleiben. Die besorgten Rückfragen, was denn mit dem Pfarrblatt sei,haben auch eine sehr positive Seite:Sie zeigen uns, dass unser Blatt erwartet und gelesen wird. Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis und Ihre Geduld. Mit Freude und ein bisschen Stolz darf ich Ihnen mitteilen, dass alle Artikel des „Papst-Heftes“, also der Osterausgabe 2007, in die offizielle Homepage zum Papstbesuch (www.papstbesuch.at) aufgenommen wurden und somit einen noch größeren Leserkreis gefunden haben. Die statistische Auswertung unserer Pfarr-Homepage (www.st.stephan.at/ dompfarre/index.html) hat übrigens ergeben, dass die meisten Zugriffe die Online-Ausgaben der Pfarrblätter betreffen. Auch dies ein positiver Impuls, unserer Linie treu zu bleiben.

Reaktionen. Wenn Sie uns etwas mitteilen wollen, dann zögern Sie nicht: Schreiben Sie an: Dompfarre St. Stephan,„Pfarrblatt“, Stephansplatz 3, A-1010 Wien, od. per E-Mail: dompfarre-st.stephan @edw.or.at

In der diesjährigen Osterausgabe, die einige grafische Neugestaltungen aufweist, steht das Wort des Heiligen Vaters bei der sonntäglichen Eucharistiefeier im Stephansdom am 9.September 2007„Ohne denTag des Herrn können wir nicht leben!“ im Mittelpunkt. Unsere Autoren aus vielerlei Bereichen betrachten aus verschiedenen Blickwinkeln den Wert des arbeitsfreien Sonntags. Jeder von uns benötigt eine „Aus-Zeit“, eine Unterbrechung des Arbeitsrhythmus, ein„Durchschnaufen“,und es ist nicht belanglos, an welchem Tag der Woche das geschieht.Wie der HeiligeVater sagte:„Die freie Zeit ist gerade in der Hetze der modernen Welt etwas Schönes und Notwendiges.Jeder von uns weiß das.Aber wenn die freie Zeit nicht eine innere Mitte hat, von der Orientierung fürs Ganze ausgeht, dann wird sie schließlich zur leeren Zeit,die uns nicht stärkt und nicht aufhilft.“ Ich glaube,damit ist ziemlich eindeutig auf den Punkt gebracht,worum es geht.Die inhaltsschwere Homilie von Papst Benedikt XVI. ist natürlich gleich am Beginn des Heftes abgedruckt und einige Fotos dieses historischen Ereignisses sollen die Erinnerung daran wach halten. Wie immer berichten wir auch über Ereignisse aus Domkirche und Dompfarre St. Stephan. Spät aber doch stellen wir Ihnen den neuen Pfarrgemeinderat sowie unseren neuen Kirchenmeister Mag.Thomas Steigerwald und den neuen Sakristeidirektor Georg Rejda vor. Für mich persönlich erfreulich schreiben auch zwei „Forscher“ des Domarchivs über ihre Arbeit bzw. berichten von den Ergebnissen. Also alles in allem wieder eine Fülle von Informationen und Artikeln, deren Lektüre Ihnen hoffentlich Freude macht. Sie finden sicher einiges Lesenswertes und Bedenkenswertes. Ich wünsche Ihnen eine reich gesegnete österliche Bußzeit und frohe Ostertage! Mit einem sehr herzlichen Grüß Gott aus St. Stephan, Ihr

Reinhard H. Gruber, Domarchivar

Wort des Dompfarrers

Liebe LeserInnen unseres Pfarrblattes!

Sonntag – der Tag des Herrn? Natürlich ist mein freier Tag nicht der Sonntag. Der Sonntag ist im Stephansdom von größter Betriebsamkeit, manchmal auch Hektik gekennzeichnet, da wir neun Gottesdienste feiern. Das betrifft natürlich nicht nur den Pfarrer, sondern eine große Zahl von Priestern, manchmal steht der Erzbischof, oft ein Mitglied des Domkapitels oder der Curpriestergemeinschaft der Gottesdienstgemeinde vor. Da es keine offizielle Gewerkschaft der Priester gibt, wird niemand auf die Idee kommen, dieser Sonntagsarbeit irgendein Recht abzusprechen. Die Messfeier ist ja auch nicht als Arbeit im eigentlichen Sinne zu verstehen, sondern als Feier des Mysteriums Christi, wenngleich sie auch einiges an Arbeit und Vorbereitung erfordert. Aber wie steht es mit den vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Domkirche, dem Kirchenmeister, dem Sakristeidirektor,den Dommesnern und Domaufsehern, den Dommusikern und den Mädchen und Buben, Frauen und Männern, die als Ministranten, Lektoren und Kantoren, Kommunionspender und Fürbittsprecher Sonntag für Sonntag ihre Talente und Fähigkeiten selbstverständlich in den Dienst der Gottesdienstgemeinde stellen, oder nach der Eucharistiefeier in großer Treue und Hingabe den so geschätzten Begegnungsraum des Pfarrcafés als offenes „katholisches Kaffeehaus“ ermöglichen?

Unser Domshop hält sogar am Sonntag offen, der Pummerin-Aufzug und der Südturm stehen für Touristen offen, viele Besucher erwarten eine Führung durch den Dom oder wollen die Katakomben besichtigen. Eine Vielzahl von Menschen arbeitet Sonntag für Sonntag dafür, dass der Dom sich nicht nur in seiner geistlichen Schönheit erschließt, sondern der Ertrag der touristischen Nutzung weiter gesteigert werden kann. Daher stehen wir stets vor der uns zu Recht mahnenden Frage: „Habt ihr das Haus meines Vaters nicht zur Räuberhöhle gemacht?“ Aber nicht blinde Profitgier treibt uns zur Sonntagsarbeit, ob sie nun bezahlt oder ehrenamtlich geleistet wird, sondern solche Leistungen stehen im Dienst an der Sonntagskultur für andere. Und hoffentlich bleibt für die Betroffenen trotzdem noch ein wenig Zeit für Muße und Beschaulichkeit, familiäres Zusammensein, Erfahrung der Schönheiten der Natur und kulturellen Genuss. Dem Sonntag eine Mitte und Seele zu geben, gerade durch die Mitfeier der heiligen Messe, ist eine ständige Einladung der Kirche und damit Christi selbst. Wichtiger Bestandteil meiner persönlichen Sonntagskultur sind die Feier der Kindermesse oder der Pfarrmesse um 9 Uhr und der anschließende Besuch des Pfarrcafés. Wenn ich im Sommer auf Urlaub bin und ich aus welchen Gründen auch immer am Sonntagvormittag keine Messe leite, dann fehlt mir etwas sehrWesentliches. Der gemeinsame Mittagstisch mit meinen Mitbrüdern, der dann ruhig etwas länger dauern darf, der anschließende Mittagsschlaf, die Vesper und die zweite Messe um 18 Uhr sind Ingredienzien für einen gelungenenWochenbeginn. Wenn ich keiner anderen Verpflichtung nachkommen muss, ist der abendliche Besuch des Fitnesscenters für mich eine ideale Ergänzung. So wird nicht nur Geist und Seele, sondern auch mein Leib gestärkt, was mir gut tut. So wie unser Heiliger Vater den ganz normalen Sonntagsgottesdienst in

St. Stephan mitfeiern wollte (der dann doch ein wenig feierlicher als sonst ausgefallen ist …), möchte ich auch Sie gerne zur Mitfeier der hl. Messe am Sonntag in St. Stephan einladen. Falls dies Ihnen aus welchen Gründen auch immer nicht möglich ist, seien Sie umso inniger mit uns im Gebet und der gemeinsamen Fürsprache verbunden, besonders in diesen Stunden des Aufatmens am Sonntag, die wir für eine anstrengende Woche am meisten benötigen. Gott möge uns gerade im Hinblick auf Ostern viele Stunden des Aufatmens schenken, in denen wir Kraft für unsere Aufgaben im Alltag schöpfen können. Mit den besten Segenswünschen für eine fruchtbare Zeit des Gedenkens an Tod und Auferstehung Jesu Christi grüßt Sie herzlichst in der Vorfreude auf ein Treffen in oder rund um St. Stephan Ihr dankbarer Dompfarrer

Toni Faber

Hinweis. Wir bitten Autoren und Leser um Verständnis, dass wir aus Gründen der besseren Lesbarkeit und der Unversehrtheit der Sprache Bezeichnungen wie „Christ“,„Katholik“ etc. so wie das ebenfalls grammatikalisch maskuline Wort Mensch als inklusiv, also geschlechtsneutral verstehen und verwenden. Die Redaktion.

Druckkostenbeitrag. Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin und überweisen Sie Ihren Druckkostenbeitrag mit dem beigelegten Zahlschein auf unser Pfarrblatt-Konto Nr. 224 569, Bankhaus Schelhammer & Schattera. Herzlichen Dank!

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008 3

Wert des Sonntags

Predigt des Heiligen Vaters Benedikt XVI. beim Gottesdienst im Wiener Stephansdom am 9. September 2007 Liebe Brüder und Schwestern! »Sine dominico non possumus!« Ohne die Gabe des Herrn, ohne den Tag des Herrn können wir nicht leben: So antworteten im Jahr 304 Christen aus Abitene im heutigen Tunesien, die bei der verbotenen sonntäglichen Eucharistiefeier ertappt und vor den Richter geführt wurden. Sie wurden gefragt, wieso sie den christlichen Sonntagsgottesdienst hielten, obgleich sie wussten, dass darauf die Todesstrafe stand. »Sine dominico non possumus«: In dem Wort dominicum/dominico sind zwei Bedeutungen unlöslich miteinander verflochten, deren Einheit wir wieder wahrzunehmen lernen müssen. Da ist zunächst die Gabe des Herrn – diese Gabe ist er selbst: der Auferstandene, dessen Berührung und Nähe die Christen einfach brauchen, um sie selbst zu sein. Aber dies ist eben nicht nur eine seelische, inwendige, subjektive Berührung: Die Begegnung mit dem Herrn schreibt sich in die Zeit ein mit einem bestimmten Tag. Und so schreibt sie sich ein in unser konkretes, leibhaftiges und gemeinschaftliches Dasein, das Zeitlichkeit ist. Sie gibt unserer Zeit und so unserem Leben als Ganzem eine Mitte, eine innere Ordnung. Für diese Christen war die sonntägliche Eucharistiefeier nicht ein Gebot, sondern eine innere Notwendigkeit. Ohne den, der unser Leben trägt, ist das Leben selbst leer. Diese Mitte auszulassen oder zu verraten würde dem Leben selbst seinen Grund nehmen, seine innere Würde und seine Schönheit.

Beziehung, die uns trägt Geht diese Haltung der Christen von damals auch uns Christen von heute an? Ja, auch für uns gilt, dass wir eine Beziehung brauchen, die uns trägt, unserem Leben Richtung und Inhalt gibt. Auch wir brauchen die Berührung mit dem Auferstandenen, die durch den Tod hindurch uns trägt.Wir brauchen diese Begegnung, die uns zusammenführt, die uns einen Raum der Freiheit schenkt, uns über das Getrie-

be des Alltags hinausschauen lässt auf die schöpferische Liebe Gottes, aus der wir kommen und zu der wir gehen. Wenn wir nun freilich auf das heutige Evangelium hören, auf den Herrn, der uns da anredet, dann erschrecken wir. »Wer nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet und nicht auch alle Familienbindungen lässt, kann mein Jünger nicht sein.« Wir möchten dagegenhalten: Was sagst du denn da, Herr? Braucht die Welt nicht gerade die Familie? Braucht sie nicht die Liebe von Vater und Mutter, die Liebe zwischen Eltern und Kindern, zwischen Mann und Frau? Brauchen wir nicht die Liebe zum Leben, die Freude am Leben? Und brauchen wir nicht auch Menschen, die in die Güter dieser Welt investieren und die uns gegebene Erde aufbauen, sodass alle an deren Gaben teilhaben können? Ist uns denn nicht auch die Entwicklung der Erde und ihrer Güter aufgetragen? Wenn wir dem Herrn genauer zuhören und ihm vor allem zuhören im Ganzen dessen, was er sagt, dann verstehen wir, dass Jesus nicht von allen Menschen das Gleiche verlangt. Jeder hat seinen eigenen Auftrag und die ihm zugedachte Weise der Nachfolge.

Oasen der Liebe Im heutigen Evangelium spricht Jesus unmittelbar von dem, was nicht Auftrag der vielen ist, die sich ihm auf dem Pilgerweg nach Jerusalem angeschlossen hatten, sondern über die besondere Berufung der Zwölf. Die müssen zunächst den Skandal des Kreuzes bestehen, und sie müssen dann bereit sein, wirklich alles zu lassen, den scheinbar absurden Auftrag anzunehmen, bis an die Enden der Erde zu gehen und mit ihrer geringen Bildung einer Welt voll von Wissensdünkel und scheinbarer oder auch wirklicher Bildung – und natürlich auch besonders den Armen und Einfachen – das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen. Sie müssen bereit sein, auf ihrem Weg in die weite Welt selbst das Martyrium zu erleiden, um so

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das Evangelium vom Gekreuzigten und Auferstandenen zu bezeugen. Wenn Jesu Wort auf dieser Pilgerschaft nach Jerusalem, in der eine Masse mit ihm geht, zunächst die Zwölf trifft, so reicht sein Ruf natürlich über den historischen Augenblick in alle Jahrhunderte hinein. In allen Zeiten ruft er Menschen, alles auf ihn zu setzen, alles andere zu lassen, ganz für ihn und so ganz für die anderen da zu sein: Oasen der selbstlosen Liebe in einer Welt zu bauen, in der so oft nur Macht und Geld zu zählen scheinen. Danken wir dem Herrn, dass er uns in allen Jahrhunderten Männer und Frauen geschenkt hat, die seinetwegen alles andere gelassen haben und zu Leuchtzeichen seiner Liebe geworden sind. Denken wir nur an Menschen wie Benedikt und Scholastika, wie Franz und Klara von Assisi, Elisabeth von Thüringen und Hedwig von Schlesien, wie Ignatius von Loyola,Teresa von Avila bis herauf zu Mutter Teresa und Pater Pio. Diese Menschen sind mit ihrem ganzen Leben Auslegung von Jesu Wort geworden, das in ihnen uns nah und verständlich wird. Bitten wir den Herrn, dass er auch in unserer Zeit Menschen den Mut schenkt, alles zu lassen und so für alle da zu sein. Wenn wir uns aber nun von neuem dem Evangelium zuwenden, können wir wahrnehmen, dass der Herr darin doch nicht nur von einigen wenigen und ihrem besonderen Auftrag spricht; der Kern dessen, was er meint, gilt für alle. Worum es letztlich geht, drückt er ein anderes Mal so aus: »Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren.Wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es retten. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selber verliert und Schaden nimmt?« (Lk 9,24f.) Wer sein Leben nur haben, es nur für sich selber nehmen will, der verliert es. Nur wer sich gibt, empfängt sein Leben.

Auf seine Liebe bauen Anders gesagt: Nur der Liebende findet das Leben. Und Liebe verlangt immer das

Sonntag oder Wochenende »Sine dominico non possumus!« Ohne den Herrn und ohne den Tag, der ihm gehört, gerät das Leben nicht. Der Sonntag hat sich in unseren westlichen Gesellschaften gewandelt zum Wochenende, zur freien Zeit. Die freie Zeit ist gerade in der Hetze der modernen Welt etwas Schönes und Notwendiges. Jeder von uns weiß das. Aber wenn die freie Zeit nicht eine innere Mitte hat, von der Orientierung fürs Ganze ausgeht, dann wird sie schließlich zur leeren Zeit, die uns nicht stärkt und nicht aufhilft. Die freie Zeit braucht eine Mitte – die Begegnung mit dem, der unser Ursprung und unser Ziel ist. Mein großer Vorgänger auf dem Bischofsstuhl von München und Freising, Kardinal Faul-

Foto: APA/Robert Jäger

Weggehen aus sich selbst, verlangt immer, sich selber zu lassen. Wer umschaut nach sich selbst, den anderen nur für sich haben will, der gerade verliert sich und den anderen. Ohne dieses tiefste SichVerlieren gibt es kein Leben. Die rastlose Gier nach Leben, die die Menschen heute umtreibt, endet in der Öde des verlorenen Lebens. »Wer sein Leben um meinetwillen verliert ...«, sagt der Herr: Ein letztes Loslassen unserer Selbst ist nur möglich, wenn wir dabei am Ende nicht ins Leere fallen, sondern in die Hände der ewigen Liebe hinein. Erst die Liebe Gottes, der sich selbst für uns und an uns verloren hat, ermöglicht auch uns, frei zu werden, loszulassen und so das Leben wirklich zu finden. Das ist die Mitte dessen, was uns der Herr in dem scheinbar so harten Evangelium dieses Sonntags sagen will. Mit seinem Wort schenkt er uns die Gewissheit, dass wir auf seine Liebe, die Liebe des menschgewordenen Gottes, bauen können. Dies zu erkennen ist die Weisheit, von der die erste Lesung uns gesprochen hat. Denn wiederum gilt, dass alles Wissen der Erde uns nichts nützt, wenn wir nicht zu leben lernen, wenn wir nicht erlernen, worauf es im Leben wahrhaft ankommt.

„Wir wissen, dass Gott uns als seine Kinder adoptiert, uns wirklich in die Gemeinschaft mit sich selber aufgenommen hat.“ haber, hat das einmal so ausgedrückt: »Gib der Seele ihren Sonntag, gib dem Sonntag seine Seele.« Gerade weil es am Sonntag zutiefst um die Begegnung mit dem auferstandenen Christus in Wort und Sakrament geht, umspannt sein Radius die ganze Wirklichkeit. Die frühen Christen haben den ersten Tag der Woche als Herrentag begangen, weil er der Tag der Auferstehung war. Aber sehr bald ist der Kirche auch bewusst geworden, dass der erste Tag der Woche der Tag des Schöpfungsmorgens ist, der Tag, an dem Gott sprach: »Es werde Licht« (Gen 1,3). Deshalb ist der Sonntag auch das wöchentliche Schöpfungsfest der Kirche – das Fest der Dankbarkeit für Gottes Schöpfung und der Freude über sie. In einer Zeit, in der die Schöpfung durch unser Menschenwerk vielfältig gefährdet scheint, sollten wir gerade auch diese Dimension des Sonntags bewusst aufnehmen. Für die frühe Kirche ist dann auch immer mehr in den ersten Tag das Erbe des siebten Tages, des Sabbats, eingegangen. Wir nehmen teil an der Ruhe Gottes, die alle Menschen umfasst. So spüren wir an diesem Tag etwas von der Freiheit und Gleichheit aller Geschöpfe Gottes.

Adoptiert von Gott Im Tagesgebet des heutigen Sonntags erinnern wir uns zunächst daran, dass Gott uns durch seinen Sohn erlöst und als seine geliebten Kinder angenommen hat. Wir bitten ihn dann, dass er voll Güte auf die christgläubigen Menschen schaue und dass er uns die wahre Freiheit und das ewige Leben schenken wolle. Wir bitten um den Blick der Güte Gottes.Wir selber brauchen diesen Blick der Güte über den Sonntag hinaus in den Alltag hinein. Bittend wissen wir, dass dieser Blick uns schon geschenkt ist. Mehr noch, wir wissen, dass Gott uns als seine Kinder adoptiert, uns wirklich in die Gemeinschaft mit sich selber aufgenommen hat. Kindsein bedeutet – das wusste die alte Kirche – ein Freier sein, kein Knecht, sondern selbst der Familie zugehörig. Und es bedeutet Erbe sein. Wenn wir dem Gott zugehören, der die Macht über alle Mächte ist, dann sind wir furchtlos und frei. Und dann sind wir Erben. Das Erbe, das er uns vermacht hat, ist er selbst, seine Liebe. Ja, Herr, gib uns, dass uns dies tief in die Seele dringt und dass wir so die Freude der Erlösten erlernen. Amen. ó

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Wert des Sonntags

»Der Wert des Sonntags« Im Alten Testament, im Buch Deuteronomium, lesen wir:„Am siebten Tag darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter,dein Sklave und deine Sklavin,dein Rind, dein Esel und dein ganzes Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Dein Sklave und deine Sklavin sollen sich ausruhen wie du” (Dtn 5,14). Dieses dritte Gebot Gottes ist wohl das älteste Sozialgesetz der Menschheit. Begründet wird es religiös: Der Sabbat ist heilig, weil Gott nach dem Schöpfungswerk an diesem Tag ruhte, weil der Segen Gottes auf diesem Tag liegt (Gen 2,2f). Jesus steht als Jude in dieser Tradition Israels. Die ersten Christen haben dann den ersten Tag der Woche, den Sonntag, als Tag der Auferstehung, als Tag des Herrn gefeiert. Im Jahr 321 ordnete Kaiser Konstantin für sein Reich den Sonntag als öffentlich anerkannten arbeitsfreien Feiertag an.

in der der Mensch etwas zählt. Der Wert des Sonntags besteht vor allem in der gleichzeitigen Pause von der Arbeit für alle. Menschen bekommen die Möglichkeit, sich der Familie, der Gemeinschaft unter Freunden oder in Vereinen, der Kultur, der Muße und der Besinnung auf die tieferen Lebenswerte, wozu wir Christen besonders auch die Gottesbeziehung rechnen, zu widmen. Ein freier Tag für jeden Einzelnen an einem beliebigen Wochentag kann den Alltag nicht wirklich unterbrechen.

„Allianz für den freien Sonntag“ In Österreich gibt es eine „Allianz für den freien Sonntag“. Über 50 Organisationen aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen (Jugend, alpine Vereine, kirchliche Organisationen, Gewerkschaften, Führungskräfte der Wirtschaft, Kin-

Gefährdung des arbeitsfreien Sonntags Heute versuchen bestimmte große Unternehmen mit entsprechend Macht und Einfluss, etwa im Einzelhandel, immer wieder neu ihre Anliegen als Gewinn für individuelle Selbstbestimmung und Freiheit zu vermarkten. Auch der Vorstoß eines Offenhaltens von Geschäften während der Fußball-EM EURO 2008 ist ein weiterer Schritt in Richtung einer verstärkten Sonntagsarbeit.Wirklich vor Augen haben diese Unternehmen zumeist nur den betriebswirtschaftlichen Gewinn. Es wird versucht, einzelne Interessen gegen die Mehrheit einzubringen und diese gegen das Gemeinwohl durchzusetzen. Eine so definierte Freiheit zerstört uns Menschen jedoch, sie geht auf Kosten von sozialem Zusammenhalt und von Lebensqualität.

Eigentliche Lebenswerte Eine gemeinsame freie Zeit, wie sie durch den freien Sonntag im wöchentlichen Rhythmus möglich ist, ist eine Schlüsselfrage für die Zukunft einer Gesellschaft,

derorganisationen, Kulturvereine ) engagieren sich in diesem interessenübergreifenden und überkonfessionellen Bündnis. Ihr Anliegen ist es, dass der freie Sonntag als Chance für Ruhe und Feiern, für die Pflege sozialer Kontakte und für religiöse Feste zu schützen ist, wie es auch im Sozialwort aller christlichen Kirchen in Österreich zum Ausdruck gebracht wurde (Nr. 88). Der Allianz ist natürlich bewusst, dass Dienste wie z.B. in Krankenhäusern zum Wohle aller unverzichtbar sind und ebenso an Sonntagen geleistet werden müssen, aber generell bedeuten Wochen ohne Ende keinen Fortschritt für unsere Gesellschaft und für unser Menschsein, ganz im Gegenteil. Unser Einsatz für einen freien Sonntag geschieht nicht vorrangig, damit wir etwas für die Kirche tun, für sie etwas ret-

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Dr. Ludwig Schwarz SDB , Diözesanbischof von Linz ten. Es geht vielmehr um die Menschen, um ihr Wohl. Eine Gesellschaft ohne Sonntag kommt in Gefahr, dass sie zur reinen Konsum- und Arbeitsgesellschaft verkommt.

Der Sonntag – Tag des Herrn Papst Benedikt XVI. hat bei der Messe anlässlich seines Österreich-Besuches im Vorjahr im Stephansdom, in Ihrer Pfarrkirche, Christen aus Abitene im heutigen Tunesien (304 n. Chr.), die bei der verbotenen sonntäglichen Eucharistiefeier erwischt und vor den Richter geführt wurden, zitiert: „Sine dominico non possumus!“ Ohne die Gabe des Herrn, ohne den Tag des Herrn können wir nicht leben, waren ihre Worte, bewusst, dass ihnen dadurch die Todesstrafe drohte. Es drängte diese Christen zur Begegnung mit dem Herrn, welche mit der Feier der Eucharistie am Sonntag für ihr Leben zur Mitte wurde. Die Eucharistiefeier am Sonntag war für diese Christen nicht ein Gebot, sondern eine innere Notwendigkeit. Auch für uns heute heißt das: „Ohne den, der unser Leben trägt, ist das Leben selbst leer.” (Papst Benedikt XVI.) Der Sonntag ist mir ein sehr großes Anliegen. Er ist der Tag des Herrn und ein Tag der Ruhe. Wir würden Unwiederbringliches für ein Wert-volles Menschsein verlieren, würden wir ihn Interessen, die nur von Produktivität und Konsum geleitet sind, opfern. So soll es uns ein Herzensanliegen um aller Menschen willen sein, uns für den freien Sonntag stark zu machen und einzusetzen. ó

Foto: Diözese Linz

Gedanken von Diözesanbischof Ludwig Schwarz SDB, Linz

Schabbat: Ruhen ohne Kompromiss Von Markus Himmelbauer Vor gut zwei Jahrzehnten nahm ich an den Gesprächen zwischen der Kirche und politischen Parteien teil. Ein Thema dabei: die Sonntagsarbeit. Es wurde unterschieden zwischen„Arbeit am Sonntag“ und„Arbeit für den Sonntag“. Arbeit am Sonntag sei verboten. Möglich sei jedoch Arbeit für den Sonntag: all das, was dazu beitrage, dass der Sonntag ein Feiertag werde, was den Sonntag zum Sonntag mache. Was macht den Sonntag zum Sonntag?

Ein Tag für Gott – ein Tag für den Menschen Das Judentum ist hier eindeutig. Der Schabbat ist kein Freizeit- und Vergnügungstag, sondern Ruhetag aus Dankbarkeit für das Geschenk der Schöpfung (Ex 20,8) und Tag der Erinnerung an die Befreiung aus ägyptischer Knechtschaft (Dtn 5,12–15). Eine Atempause für die Schöpfung, eine Unterbrechung, damit nicht alles Leben dem wirtschaftlichen Handeln unterworfen ist. Soll ich andere

Aus „Dies Domini“, Teil 1. 1. […] Auf den Sonntag passt daher gut der Freudenruf des Psalmisten: »Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen« (Ps 118, 24). Diese Einladung zur Freude, die sich die Osterliturgie zu eigen macht, weist Anzeichen jenes Staunens auf, von dem die Frauen ergriffen wurden, die bei der Kreuzigung Christi zugegen gewesen waren und, als sie »am ersten Tag nach dem Sabbat in aller Frühe« (Mk 16,2) zum Grab gekommen waren, dieses leer fanden. Es ist die Einladung, irgendwie die Freude der Emmausjünger nachzuerleben, die spürten, wie ihnen »das Herz in der Brust brannte«, als der Auferstandene sich unterwegs zu ihnen gesellte, ihnen die Schrift erklärte und sich zu erkennen gab, »als er das Brot brach« (vgl. Lk 24,32.35).

für mich arbeiten lassen, damit ich einen guten Feiertag habe? Aus jüdischer Sicht Dr. Markus ist das undenkbar. Himmelbauer ist Kein Zwang zum Freizeitstress, zum Geschäftsführer des Stau in der Autokolonne. Kein Zwang Koordinierungsauszum perfekten Festmahl am Feiertag schusses für pünktlich um zwölf (mit der Notwendigchristlich-jüdische keit, anschließend Geschirr und Küche zu Zusammenarbeit reinigen). Kein Zwang, dies oder jenes christenundjuden noch unbedingt erleben zu müssen, um .org erholt (?) oder „in“ zu sein. Sondern Zeit haben, einfach hier zu und nicht seid ihr in seine Hand übergesein, Gott für so Vieles zu danken, Zeit für ben“ (Babylonischer Talmud,Traktat Joma Beziehungen, Zeit, um allein mit sich sel85b). Kranke pflegen, Leben retten, Tiere ber zu sein, Zeit für die Familie und Zeit versorgen, das alles kann am Schabbat zum Studium der Tora. Das Studium wird selbstverständlich gemacht werden. empfohlen. Es ist keine Arbeit, sondern zeichnet den höchsten Feiertag aus und Freie Zeit statt Freizeit führt tiefer zum Glauben. Der Schabbat ist ein Geschenk für alle: für Herren und Knechte, für Mensch und Tier, für Israeliten und alle Fremden im Land. Sonntag statt Schabbat – Zugleich eine Vorschrift, die für alle verein Unterschied mit Folgen pflichtend ist. Wir würden heute sagen, Der Schabbat hat bei Christinnen und wir können nicht allen unseren Willen Christen einen schlechten Ruf. Sie fragen: aufzwingen.Wer nicht arbeiten will, muss Was ist das für ein Feiertag voller Verbote? nicht arbeiten. Die anderen leben in einer Die Christenheit hat den Sonntag, den anderen Welt und sollen den Sonntag auf ersten Tag der Woche als ihren Feiertag erihre Art verbringen. Jedem das Seine. wählt. Es ist der Tag des Ostermorgens Doch die Grenze kann nicht so klar aber auch bewusste Abgrenzung gegen gezogen werden: Bald wird sich auch für das Judentum, gerade nicht Schabbat zu mich die Notwendigkeit ergeben zu arhalten. So legte es 363/364 das Konzil von beiten, weil der Chef es befiehlt. Sonst Laodicea (Can. 29) fest und gebot, am droht Arbeitsplatzverlust. Schabbat zu arbeiten und „sofern es ihDas Judentum hat dies konsequent nen möglich ist“ am Sonntag zu ruhen. erkannt. Entweder Feiertag für alle, oder Wie andere Rabbiner auch diskutiert es ist kein Feiertag. Auch wenn es schwieJesus, was zu arbeiten am Schabbat errig ist, sich dem Zwang zum Aktivismus in laubt ist und was nicht. Klarheit zu erhalder arbeitsfreien Zeit zu verweigern: Dass ten, Regeln, an die der Einzelne sich hales für eine Gesellschaft insgesamt mögten kann und die dem Willen Gottes gelich ist, zeigt das Beispiel des Staates Israel. recht werden, das ist das Ziel der rabbiniSchabbat ist der Tag des freien Menschen Diskussion. Jesus sagt (Mk 2,27): schen. Heute bin ich mit meiner Haltung „Der Sabbat ist um des Menschen willen zum Sonntag „fundamentalistischer“ gemacht und nicht der Mensch um des geworden. Auch keine Arbeit mehr am Sabbats willen.“ Leider wurde dieser Satz Sonntag für den Sonntag. Das Wesentliin christlicher Auslegung immer wieder che ist nicht Freizeit, sondern freie Zeit. als selbstgerechtes Argument gegen das Christinnen und Christen können mit „gesetzliche“ Judentum verwendet. Doch einzelnen Inseln der Verweigerung ein findet sich dieselbe Überlegung auch im Zeichen setzen. ó Talmud: „Er ist in eure Hand übergeben, Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008 7

Wert des Sonntags

Der Sonntag Gedanken von Msgr. Franz Schlegl „Sine dominico non possumus“ – ohne den Tag des Herrn können wir nicht leben! Mit diesem Zitat früher Christen (304 nach Christus im heutigen Tunesien), nachdem sie bei der verbotenen sonntäglichen Eucharistiefeier ertappt worden waren, eröffnete Papst Benedikt XVI. seine Predigt im Dom am 9. September 2007. Der Sonntag als Tag der Auferstehung Christi, als Osterfest im Kleinen, ist

schließlich der christliche Feiertag schlechthin. Schon die Apostelgeschichte bezeugt den Übergang von der Heiligung des jüdischen Sabbats zur Feier des Sonntags durch die ersten Christen. Auch der Brief des Statthalters Plinius an Kaiser Trajan (ca. 110 n. Chr.) bezeugt die Eucharistiefeier bei Sonnenaufgang am Sonntag: „An einem bestimmten Tag kommen sie vor Tagesanbruch zusammen und singen Christus als ihrem Gott Loblieder…!“

Aus „Dies Domini“, Teil 2. 2. Die Auferstehung Jesu ist das Ursprungsereignis, auf dem der christliche Glaube beruht (vgl. 1 Kor 15,14): wunderbare Wirklichkeit, die ganz im Lichte des Glaubens aufgenommen, die aber von jenen, die den auferstandenen Herrn sehen durften, historisch bezeugt ist. Sie ist ein wundervolles Ereignis, das sich nicht nur auf absolute Weise in der Geschichte der Menschen auszeichnet, sondern im Zentrum des Geheimnisses der Zeit steht. Denn Christus ist Herr »der Zeit und der Ewigkeit«: daran erinnert uns in der eindrucksvollen Osternachtliturgie der Ritus der Bereitung der Osterkerze. Dadurch, dass sie nicht nur einmal im Jahr, sondern an jedem Sonntag des Auferstehungstages Christi gedenkt, will die Kirche also jede Generation auf die tragende Achse der Geschichte hinweisen, auf die sich das Geheimnis des Anfangs der Welt wie das ihrer endgültigen Bestimmung zurückführen lassen. […] Der Sonntag ist in der Tat für uns Christen der »Ur-Feiertag«, der nicht nur dazu bestimmt ist, der Abfolge der Zeit einen festen Rhythmus zu geben, sondern ihren tiefen Sinn zu enthüllen. […] 33. In der Tat erleben die Christen in der Sonntagsmesse auf besonders intensive Weise wieder die Erfahrung, die von den versammelten Aposteln am Abend

des ersten Tages der Woche gemacht wurde, als sich ihnen der Auferstandene zeigte (vgl. Joh 20,19). […] Darin, dass Christus »acht Tage darauf« (Joh 20,26) wieder in ihre Mitte tritt, kann man das Ursymbol für die Gepflogenheit der christlichen Gemeinde sehen, alle acht Tage, am »Tag des Herrn« oder Sonntag, zusammenzukommen, den Glauben an die Auferstehung zu bekennen und die Früchte der von ihm verheißenen Seligkeit zu ernten: »Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!« (Joh 20,19). Dieser enge Zusammenhang zwischen der Erscheinung des Auferstandenen und der Eucharistie wird vom Lukasevangelium in der Erzählung über die beiden Emmausjünger angedeutet, zu denen sich Christus auf dem Weg gesellte, um sie an das Verständnis des Wortes heranzuführen und sich schließlich mit ihnen zu Tisch zu setzen. Sie erkannten ihn, als er »das Brot nahm, den Lobpreis sprach, das Brot brach und es ihnen gab« (Lk 24,30). Die Gesten Jesu in dieser Erzählung sind dieselben wie jene, die er beim Letzten Abendmahl vollzogen hatte, mit deutlicher Anspielung auf das »Brechen des Brotes«, wie die Eucharistie in der ersten Christengeneration genannt wurde. […]

8 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008

Msgr. Mag. Franz Schlegl Geistl. Assistent im EB Schulamt Seelsorger am Dom u. der ukrainisch-griech. kath. Zentralpfarre St. Barbara Der Sonntag (lateinisch dies solis) war damals noch ein Arbeitstag, daher die liturgische Feier im Morgengrauen! Im Jahr 321 n. Chr. hat Kaiser Konstantin, der 313 n. Chr. im Toleranzedikt von Mailand das Christentum mit der heidnischen Staatsreligion gleichgestellt hatte, den Sonntag für arbeitsfrei erklärt, die Sonntagsruhe gibt es somit seit 1686 Jahren! Bald wurde der Sonntag auch nicht mehr mit seinem heidnischen Namen (dies solis) bezeichnet, sondern erhielt den Namen „dies Dominica“ (Tag des Herrn). In den vom Lateinischen abhängigen romanischen Sprachen hält sich die christliche Bezeichnung des „Herrentages“ bis heute, z.B. italienisch domenica, spanisch domingo, französisch dimanche, rumänisch dumnica. Die „christlichste“ Bezeichnung hält sich bis heute im Russischen, sogar in der Zeit des Massenmordes an Christen unter Stalin hieß der Sonntag „Воскресенье“ (wosskressenije) = Auferstehung! In allen anderen slawischen Sprachen kommt bei der Bezeichnung des Sonntags die Arbeitsruhe zum Ausdruck: „Неделя“ (nedjelja) von ne djelati = nichts tun, nichts arbeiten! Der Sonntag als Tag der Auferstehung Christi, als Tag des Dankes für das Geschenk des ewigen Lebens bei Gott, als Tag der Ruhe und Besinnung auf das Wesentliche, ist ein großartiger Beitrag des Christentums zur geistlichen Kultur der Völker! Lediglich nach den Gräueltaten der

französischen Revolution von 1789 wurde versucht, die christliche Wochenordnung mit dem Sonntag als ersten Tag durch die sogenannte „Dekade“ – eine 10-Tage-Woche, mit dem jeweils 10.Tag als Ruhetag – zu ersetzen. Doch auch diese bewusst christentumsfeindliche Neuordnung landete wie vieles andere auch, um Papst Johannes Paul II. zu zitieren, „auf der Müllhalde der Geschichte.“ Abgesehen davon brachte

Aus „Dies Domini“, Teil 3. 67. Durch die Sonntagsruhe können die täglichen Sorgen und Aufgaben wieder ihre richtige Dimension erlangen: die materiellen Dinge, über die wir uns erregen, machen den Werten des Geistes Platz; die Menschen, mit denen wir leben, nehmen in der Begegnung und im ruhigeren Gespräch wieder ihr wahres Gesicht an. Selbst die Schönheiten der Natur — oft genug von einer Herrschermentalität, die sich gegen den Menschen wendet, verdorben — können wiederentdeckt und intensiv genossen werden. Der Sonntag als ein Tag, an dem der Mensch mit Gott, mit sich selber und mit seinen Mitmenschen Frieden schließt,wird so zur Einladung für den Menschen,einen erneuerten Blick auf die Wunderwerke der Natur zu werfen und sich von jener wunderbaren und geheimnisvollen Harmonie einbinden zu lassen, von der der heilige Ambrosius meint, dass sie durch »ein unübertretbares Gesetz der Eintracht und der Liebe« die verschiedenen Elemente des Kosmos in ein »Band der Einheit und des Friedens« einigt. Der Mensch wird sich nun nach den Worten des Apostels mehr bewusst, dass »alles, was Gott geschaffen hat, gut ist und nichts verwerflich ist, wenn es mit Dank genossen wird; es wird geheiligt durch Gottes Wort und durch das Gebet« (1 Tim 4,4-5). […]

die 10-Tage-Woche die Menschen an ihre physiologische Grenze. Für viele unserer Zeitgenossen ist der Sonntag nur mehr „Wochenende“ – statt „Wochenanfang“. Aber, so erklärte Papst Benedikt XVI.,„wenn freie Zeit keine innere Mitte hat, wird sie leicht zur leeren Zeit!“ Gerade unsere von der Globalisierung geprägte und gefährdete Welt läuft Gefahr, den Menschen nur noch von der Leistungs- und Konsumhaltung her zu verstehen. Also sollen auch an Sonn- und Feiertagen (z. B. schon jetzt am 8. Dezember) die Geschäfte offen halten, um den Abfluss von Kaufkraft und Umsatz ins benachbarte Ausland zu verhindern. Hier gibt es sogar eine Achse zwischen Kirche und Gewerkschaft, dies zu verhindern! Die Sorge um das Zerreißen von noch mehr Familien bzw. der Druck der Arbeitgeber auf die Handelsangestellten haben Kirche und Gewerkschaft, wenn auch aus verschiedenen Gründen, auf den Plan gerufen. Problematisch wird auch die Sonntagsöffnung während der Fußballeuropameisterschaft 2008. Was zu bedenken bleibt, hat einer der Vorgänger von Papst Benedikt auf dem Bischofsstuhl von München-Freising, Kardinal Faulhaber, so schön ausgedrückt: „Gib der Seele ihren Sonntag, gib dem Sonntag seine Seele!“ ó

Führungen und Eintritts-. gebühren in St. Stephan. DOMFÜHRUNGEN Mo. bis Sa.: 10.30 Uhr u. 15.00 Uhr Sonn- und Feiertag: 15.00 Uhr

Führungsgebühren: Erwachsene: € 4,50 Schülergruppen (15–18 Jahre): € 2,50 Kinder (bis 14 Jahre): € 1,50

KATAKOMBENFÜHRUNGEN Mo. bis Sa.:

10.00–11.30 Uhr und 13.30–16.30 Uhr Sonn- u. Feiertage: 13.30–16.30 Uhr

Führungsgebühren: wie bei den Domführungen

GRUPPENANMELDUNGEN für Dom- u./od. Katakombenführungen unter Tel.: 51552/3526 od. per Fax: 51552/3164 od. E-Mail: [email protected]

TURMBESTEIGUNG (Südturm) täglich: 9.00–17.30 Uhr Erwachsene: € 3,50 Schülergruppen (15–18 Jahre): € 2,– Kinder (6–15 Jahre): € 1,–

AUFZUG ZUR PUMMERIN (Nordturm) 8.30–17.00 Uhr Erwachsene: € 4,50 Kinder (6–15 Jahre): € 1,50 Kindergartenkinder in Gruppe: € 0,50

ÖFFNUNGSZEITEN DES DOMES: Mo. bis Sa.: 6.00–22.00 Uhr Sonn- und Feiertag: 7.00–22.00 Uhr

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008 9

Wert des Sonntags

Sonntagsschutz ist sozialer Lebensschutz! Von Markus Schlagnitweit Die fast 1.700 Jahre alte Tradition des Sonntags als arbeitsfreier Wochentag zählt wenigstens in Europa zu den ältesten religiösen Kulturgütern. Den Sonntag als reine Freizeit zu sehen, in der sich der einzelne Mensch individuell erholen kann, bedeutet deshalb, sein ursprüngliches Wesen zu verfehlen. Der Sonntag ist von seiner Geschichte her immer ein soziales Ereignis gewesen, das seinen Höhepunkt in der gemeinschaftlichen gottesdienstlichen Feier hatte.Als religiöser Feiertag war und ist der Sonntag also nicht individuell und beliebig als Freizeit verschiebbar. Als Feiertag der Auferstehung Christi war der Sonntag freilich nicht schon von allem Anfang an arbeitsfrei. Die ersten Christinnen und Christen haben zwar den ersten Tag der Woche gemeinsam als Tag der Auferstehung gefeiert, als arbeitsfreien Ruhetag allerdings den jüdischen Sabbat eingehalten. Erst unter Kaiser Konstantin wurde der Sonntag zum gesellschaftlich anerkannten arbeitsfreien Wochentag anstelle des Sabbats.

Religiöse und soziale Dimension Hier wird deutlich, dass der Sonntag als europäisches Kulturgut neben seiner spezifisch religiösen noch eine zweite und eigentlich ältere Dimension in sich vereint: den sozialen Aspekt. Das ursprünglich auf den Sabbat bezogene biblische Gebot der Einhaltung eines Tages der Woche als strengen Ruhetag kann als ältestes Sozialgesetz der Menschheit betrachtet werden: Das biblische Sabbatgebot, das auf die Gottesebenbildlichkeit des Menschen abstellt, ist letztlich zu verstehen als Verteidigung der Souveränität und Unantastbarkeit der Menschenwürde vor allen Tendenzen, den Menschen anderen, v.a. wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen und zu verzwecken. Der verbindliche wöchentliche Ruhetag verpflichtet die Besitzenden, verschafft

den Abhängigen Rechte und Freiheitsräume und begrenzt die Arbeit bzw. alle anderen Faktoren menschlicher Fremdbestimmung. Die allgemeine wöchentliDr. Markus che Unterbrechung des Alltags will also Schlagnitweit, daran erinnern, dass nicht der Mensch für die Arbeit, die Wirtschaft, den Konsum Hochschulseelsorger in Linz u. Direktor etc. da ist, sondern dass – gerade umgekehrt! – all diese Lebensbereiche der Ent- der Kath. Sozialakademie Österreichs faltung guten menschlichen und sozialen Lebens zu dienen haben. stimmung sowie der Erinnerung des unSonntagsarbeit als tergeordneten Dienstcharakters aller ArDienst am Leben beit und sonstigen wirtschaftlichen InDas ist letztlich auch die einzige sozialteressen. Die Gefährdung der menschliethisch akzeptable Begründung für die chen Würde durch Fremdinteressen und Arbeit, die von vielen Menschen auch am die Notwendigkeit ihrer bewussten VerSonntag verrichtet wird – im Bereich des teidigung ist freilich kein neuzeitlich-moGesundheits- und Sozialwesens, der öfdernes Phänomen: Es hätte sonst der Forfentlichen Sicherheit und des Verkehrs, mulierung des biblischen Sabbatgebots auch der Gastronomie und Freizeitwirtals Sozialgesetz nie bedurft. Es gibt aber schaft: Dienst am menschlichen und geauch nicht die geringste Begründung dasellschaftlichen Leben. Diesem Dienst gefür, weshalb dieses Sozialgesetz heute bührt uneingeschränkter Dank und Anerweniger Bedeutung hätte als früher oder kennung – nicht zuletzt in Form höherer am Ende nicht mehr „leistbar“ wäre! Feiertagsentlohnung, die im Falle der Einebnung des Sonntags unter die anderen Zeitwohlstand meint: Wochentage allerdings – weil nicht mehr Zeit füreinander plausibel – früher oder später wegfallen Die entscheidende Frage ist ja nicht, was würde! wir uns leisten können, sondern was wir uns leisten wollen. Und es ist schlichtweg dumm, diese Frage bloß mit Kennziffern Die ungebrochene Aktualität wirtschaftlichen bzw. materiellen Wachsdes freien Sonntags tums zu beantworten. Menschlicher Die humane und soziale Dimension des Wohlstand bemisst sich ja nie nur an der allgemeinen wöchentlichen Ruhetags materiellen Ausstattung mit Gütern. Ein hat dennoch bis heute nichts von ihrer wesentlicher und dennoch allzu leicht Bedeutung und Brisanz eingebüßt – im vergessener Wohlstandsfaktor ist doch Gegenteil: Gerade in einer Zeit, in der die gerade auch frei verfügbare Zeit – und Ökonomisierung, also die Unterordnung zwar nicht nur als individuell verfügbare immer weiterer Lebensbereiche unter Zeit, sondern als Zeit füreinander. Wer das wirtschaftliche Kalkül und Profitinwollte leugnen, dass gerade die moderteresse, zur schärfsten Bedrohung nen Gesellschaften besonders arm sind menschlicher Würde und Selbstbestiman solch sozialer Zeit? mung wird, bedarf es mehr denn je eines Diese soziale Zeit ist notwendig für gemeinschaftlich freien Ruhetags als stabile Beziehungen und soziale StrukSymbol des Widerstands gegen Fremdbe-

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Ein Sonntag bei Evelyn, Peter, Katharina und Lukas turen – für Familien nicht weniger als für Freundeskreise und das für die Qualität unseres gesellschaftlichen Lebens nicht hoch genug einzuschätzende Vereinsleben. Wenn gerade jetzt im Kontext der Euro 2008 wieder von einer kleinen, aber mächtigen und lautstarken Minderheit die Sonntagsöffnung von Geschäften gefordert wird, sollten wir nicht vergessen: Die Euro 2008 wird vorbei gehen – Fußball gespielt wird hoffentlich auch weiterhin an Sonntagen. Dafür aber braucht es ebenso verlässlich gemeinsame freie Zeit wie für so viele andere Dinge, die das individuelle wie gesellschaftliche Leben lebenswert machen. ó Die Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe), deren Direktor der Autor ist, koordiniert die bundesweite „Allianz für den freien Sonntag“. Nähere Informationen unter www.freiersonntag.at bzw. www.ksoe.at

Familie Krammerstetter berichtet Wir wohnen seit 14 Jahren in Strebersdorf und fühlten uns nach der Geburt unserer Tochter Katharina im März 1999 bei der sonntäglichen Messfeier in der Kindermesse in St. Stephan gut aufgehoben. Katharinas Bruder Lukas – bald drei Jahre alt – genießt nun ebenfalls schon die Vorzüge der Kindermesse. Sonntag, der erste Tag der Woche oder der letzte Tag nach Erschaffung der Welt, an dem Gott ruhte und sagte:„Es war gut so“, ist in jedem Fall eine Herausforderung, unsere lieben Kinder zu der in unserem Glauben verankerten gemeinsamen Eucharistiefeier zu führen und zu begleiten. Spätestens ab 6.00 Uhr morgens erfolgen die ersten Anfragen ob wir heute in die Unterkirche und ins Pfarrcafé gehen. Nach eingehender Diskussion, dass Kirche nicht unbedingt mit Pfarrcafé und sonstigen Vergnügungen zu tun hat, schaffen wir es spätestens um 7.30 Uhr, aus dem mittlerweile zu viert belagerten Bett ins Bad zu wechseln. In der Zwischenzeit wird natürlich das Frühstück vorbereitet, um die angepeilte Abfahrtszeit von 8.30 Uhr (fast unmöglich) einzuhalten. Erst nach der Ankündigung, möglicherweise ohne Lukas und Katharina zur Kirche zu fahren, wird auch von ihnen Bereitschaft zur gemeinsamen Feier des Gottesdienstes signalisiert. Sie lassen sich anziehen. Wir haben es geschafft! Ohne lange zu suchen haben wir einen Parkplatz gefunden. Katharina geht voraus, um ihr Ministrantengewand anzuziehen. Es ist noch ein wenig Zeit, daher gehen wir mit Lukas noch einmal um den Dom, bevor wir hineingehen. Viele Besucher der Kirche lächeln, wenn Lukas nach dem Weih-

wasser verlangt, um sich zu bekreuzigen, oder die Infotelefone anvisiert, um mit dem „lieben Gott“ zu reden – er schafft es sicher. Nun haben wir endlich unser Ziel erreicht – die Unterkirche. Der Sonntagsgottesdienst kann beginnen. Wir erleben eine abwechslungsreiche, liebevoll vorbereitete Messfeier, deren Zelebranten mit den „Hoppalas“ der noch nicht so sattelfesten Christen bestens zurechtkommen. Nach Beendigung des eigentlich wichtigsten, aber kürzesten Teiles unseres Sonntags wechseln wir die Lokalität. Im Curhaus gibt es neben Kaffee und Kuchen die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten ein wenig zu plaudern. Nachdem sich auch unsere Kinder schweren Herzens verabschieden konnten, wird nun am frühen Nachmittag zu Mittag gegessen. Ein Unterschied zu anderen Tagen muss natürlich sein: Papa ist ja da! Dreirad, Fußball, Scooter und ferngesteuertes Auto werden zusammengesucht und es geht ab auf den Spielplatz. Nach einigen Stunden der Erholung für Mama treffen Papa und die Kinder wieder ein. Es ist 18 Uhr. Lukas bekommt nun wirklich die letzte Mahlzeit und beendet in Kürze den „Tag des Herrn“. Zwei Stunden später, nach fünf Spielrunden „UNO“, den erforderlichen Übungen am Klavier, Briefmarkenumsortierungen etc. geht der Sonntag auch für Katharina mit einem Abendgebet zu Ende. Es war ein schöner Tag mit vielen Herausforderungen, der uns geschenkt wurde. ó

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Wert des Sonntags

Der Kitt unserer Gesellschaft Von Rudolf Hundstorfer, Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes Leben ist mehr als Arbeiten und Einkaufen. Ohne arbeitsfreien Sonntag besteht die Woche nur mehr aus Werktagen. Seit Jahrhunderten ist der Sonntag als Ruhetag bekannt. Er ermöglicht uns, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, die Freizeit zu genießen, die religiösen und kulturellen Feste zu feiern und unsere Kräfte so weit als möglich zu regenerieren. Kurz: der arbeitsfreie Sonntag ist so etwas wie der Kitt unserer Gesellschaft. Die Bedeutung des freien Sonntags für die Gesellschaft ist insbesondere in seinen vielfältigen immateriellen Werten zu sehen. Diese können genauso wenig ökonomisch beziffert werden wie die Werte Gesundheit, Arbeitsklima oder Erholung. Familiäre und gesellschaftliche Aktivitäten sind für eine funktionierende Gemeinschaft sehr wichtig. Kaufkraft und Konsum können nur zeitlich und/ oder örtlich verlagert werden. Fakt ist, dass die Kaufkraft und der Konsum mit einer Sonntagsöffnung nicht steigen, sondern nur verlagert werden. Es werden auch keine zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen, da die großen Ketten die kleinen Nahversorger vom Markt verdrängen, da diese dem Wettbewerb nicht standhalten könnten.

Frauen sind besonders betroffen Im Handel gibt es weit mehr weibliche Arbeitskräfte als männliche. Frauen sind im 21. Jahrhundert in Österreich noch immer in vielen Bereichen benachteiligt. So verdienen Sie beispielsweise durchschnittlich um fast 14 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen und übernehmen zudem einen großen – wenn nicht den ganzen – Teil der Sorgepflichten in der Familie. Sonntagsarbeit würde zu einer zusätzlichen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen im Bereich der Arbeitszeiten führen und daher Frauen und Kinder - besonders benachteiligen. Die Beseitigung der Sonntagsruhe im Handel würde zudem zum Fall des arbeitsfreien Sonntags in vielen anderen

Branchen führen: Schließlich müssten verstärkt öffentliche Verkehrsmittel, Kindergärten, Ämter und Behörden am Sonntag den Betrieb aufnehmen. Und wenn ich am Sonntag zum Beispiel eine Auto kaufen kann, warum kann ich es dann nicht auch reparieren lassen? Scheibchenweise würde sich der arbeitsfreie Sonntag zu einem ganz normalen Werktag wandeln. Neben den sozialen Problemen würde das auch eine enorme finanzielle Mehrbelastung für die Öffentlichkeit bedeuten.

Freizeit sozial wichtig Viele Menschen in Österreich arbeiten bereits jetzt aufgrund des öffentlichen Interesses am Sonntag. Genau diese wissen, dass es unter diesen Bedingungen ganz besonders schwierig ist, familiäre und soziale Kontakte zu pflegen. Sicher: Wer am Sonntag arbeitet, bekommt dafür an einem Wochentag frei. Aber zu dieser Zeit arbeiten der oder die PartnerIn, die Kinder sind in der Schule und auch die Freunde sind anderweitig beschäftigt. Es gibt viele Gründe, die zeigen, dass es nicht egal ist, ob allgemein an Sonntagen gearbeitet wird oder nicht. Ein leichtfertiger Umgang mit Sonntagsarbeit schadet der gesamten Gesellschaft. ArbeitnehmerInnen und ihre Interessenvertretungen, Vertreterinnen der Kirchen und politischer Parteien lehnen daher die Sonntagsarbeit ab.

Verschlechterung der Arbeitsbedingungen Die Arbeitsruhe an Sonntagen musste von den ArbeitnehmerInnen, so wie alle anderen arbeits- und sozialrechtlichen Errungenschaften, z. B. die Arbeitszeitverkürzung, der fünfwöchige Mindesturlaub und sonstige arbeits- oder sozialrechtliche „Standards“, über Jahrzehnte erkämpft werden. Dieser Wert soll den Beschäftigten in Österreich nicht wieder genommen werden.

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Rudolf Hundstorfer, Präsident des ÖGB

Solidarität ist gefragt Der arbeitsfreie Sonntag und Öffnungszeiten, die auch auf die Freizeitbedürfnisse der Beschäftigten Rücksicht nehmen, werden von den meisten ArbeitnehmerInnen als Qualitätsmerkmal der Arbeitsund Lebensbedingungen und als wesentlicher Teil der Kultur des gesellschaftlichen und familiären Zusammenlebens angesehen. Der Sonntag muss daher ebenso wie die Feiertage arbeitsfrei bleiben und es lohnt sich für eine Gesellschaft, dafür einzutreten. ó

Ruhezeit sichert Arbeitsqualität Von Herbert Tumpel, Präsident der Arbeiterkammer Für uns von der Arbeiterkammer steht fest: Der arbeitsfreie Sonntag und der arbeitsfreie Feiertag müssen auch künftig ein Grundprinzip der Arbeitszeitgestaltung bleiben. Eine Aufhebung des Verbots der Sonn- und Feiertagsarbeit, wie öfters gefordert, ist für die Interessenvertretungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kein Thema. Fixe Zeitfenster zur Sicherung gemeinsamer Freizeit sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur und ein entscheidendes Element einer lebenswerten Gesellschaft. Das sehen auch die überwiegende Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher und die überwiegende Zahl der Handelsunternehmer so.

Menschengerechte Arbeitszeitgestaltung Es ist gut, dass zum Ausgleich von Arbeitsbelastungen Erholungszeiten eingebaut werden. Sie sind notwendige Ergänzung der menschengerechten Arbeitszeitgestaltung. Unsere wertvollste Ressource ist die Zeit: Arbeitszeit, Freizeit, Lebenszeit. Aber die Zeit will nicht nur gut organisiert, sondern auch sinnvoll gefüllt werden. Familie und Freunde, Sport und Unterhaltung, Entspannung und Erholung müssen ausreichend bedacht werden. Dafür sind die Sonn- und Feiertage wichtig. Sie sollen daher grundsätzlich arbeitsfrei bleiben. Gewisse Ausnahmen sind zwar wirtschaftlich und gesellschaftlich unabdingbar (z. B. Gesundheitswesen, Verkehr, Energieversorgung), diese Ausnahmen müssen aber nach sorgfältiger Überprüfung ihrer Notwendigkeit ausdrücklich zugelassen werden. Gerade die Arbeiterkammern und die Gewerkschaften haben den arbeitsfreien Sonntag schon immer als wesentlichen Teil der Kultur des gesellschaftlichen und familiären Zusammenlebens hervorgehoben.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie Ist der Sonntag einheitlich arbeitsfrei, ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Menschen gleichzeitig frei haben, sehr hoch. Kann jeder Wochentag arbeitsfreier Tag sein, reduziert sich diese Wahrscheinlichkeit erheblich. Wäre der Sonntag also ein beliebiger Arbeitstag, könnten Familien nur noch selten ein gemeinsames Wochenende verbringen, gemeinsame Vereins- und Sportaktivitäten ausüben oder sich ehrenamtlich betätigen. Die Chance, sich sonntags mit Freunden und Verwandten zu treffen, würde sich noch viel stärker verringern. Ich denke nicht, dass dies ein Ziel unserer Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik sein kann. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss geschützt und ausgebaut werden.

Hoher Erholungswert Feiertage – und dazu gehört auch die Sonntagsruhe – sichern bei immer rasanterem Arbeitstempo die für den Menschen notwendigen Ruhe- und Erholungsphasen. Psychische Erkrankungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aufgrund von totaler Überlastung – Stichwort Burn-Out-Syndrom – machen mittlerweile einen nicht unwesentlichen Teil der Krankenstände aus. Sonn- und Feiertage sind daher nicht nur als Teil unserer kulturellen Tradition zu betrachten, sie haben auch einen nicht zu unterschätzenden Erholungswert für die Beschäftigten. Dieser Wert ist dem vermeintlichen „Wettbewerbsnachteil“ – auch aus volkswirtschaftlicher Sicht – weit überlegen.

Mag. Herbert Tumpel, Präsident der AK schaftlich – mehrfach widerlegt. Die Menschen kaufen nicht mehr ein, sie kaufen nur zu anderen Zeiten ein.

Schutz für „Freie Dienstnehmer“ und „Ich-AGs“ Die am Arbeitsmarkt zu beobachtende Tendenz zu Werkverträgen (sogenannte „Neue Selbständige“), freien Dienstverträgen und anderen Formen „untypischer“ und ungesicherter Arbeit ist stark steigend. Dadurch unterliegen immer mehr Menschen gar keinen Arbeitszeitregelungen oder anderen sozialen Schutzbestimmungen. Wenn beispielsweise eine „freie Dienstnehmerin“ am Freitag einen Auftrag bekommt, den sie am Montag abliefern soll, wird sie trotz gesetzlich garantierter „freier Zeiteinteilung“ wohl oder übel das Wochenende durcharbeiten müssen. Dies ist eine Entwicklung, welche die Arbeiterkammern und die Gewerkschaft nicht hinnehmen wollen. ó

Keine nennenswerten Arbeitsmarkteffekte Auch die Behauptung so mancher Geschäftsleitung, dass durch die Abschaffung von Feiertagen oder das Aufsperren am Sonntag Arbeitsplätze gesichert werden und viel Umsatz gemacht werden kann, wurde mittlerweile – auch wissenPfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008 13

Wert des Sonntags

Sonntag: Wöchentliches Ostern Über den Sonntag als ersten und achten Tag der Woche. Ein spiritueller Streifzug von Heinrich Foglar-Deinhardstein Der Sonntag – nicht Wochenende, sondern Wochenanfang Warum gehen Christen am Sonntag eigentlich „in die Kirche“? Zitat aus dem Hirtenbrief: „Die Christen feiern ,den ersten Tag der Woche als den Tag, an dem Christus von den Toten erstanden ist‘. Die Apostelgeschichte berichtet, dass sie ,am ersten Tag der Woche versammelt waren, um das Brot zu brechen‘ (Apg 20,7), also Eucharistie zu feiern. Nach dem Kalender der Christen endet die Woche nicht mit dem Sonntag, sondern sie beginnt mit ihm. Sie beginnt nicht mit der Arbeit, sondern mit einem Fest. (Im Jahre 1976 wurde durch internationale Vereinbarung für den bürgerli-

chen Kalender der Sonntag als siebter Tag der Woche festgelegt. Was für das Jahr noch selbstverständlich ist – es beginnt mit einem Fest –, wurde damit für die Woche abgeschafft. Der ,erste Tag‘ der bürgerlichen Woche ist seither ein Arbeitstag.)“ Mit dieser kritischen Beobachtung stoßen die österreichischen Bischöfe in ihrem Hirtenwort zu „Sonntag und Feiertage in Österreich“ vom April 2001 argumentativ zum Wesensgehalt des christlichen Sonntags vor. Auch wenn es nach jahrzehntelanger Gewöhnung an das Bild, das jeder Taschenkalender mit der Einteilung der Wochen „von Montag bis Sonntag“ bietet, überraschend klin-

gen mag: Traditionellerweise war der Sonntag im Verständnis des Christentums der erste – und nicht der letzte – Tag der Woche. Der Grund dafür ist in unserer säkularen Gesellschaft wohl weitgehend unbekannt geworden: Der „erste Tag der Woche“ ist – nach dem Zeugnis des Neuen Testaments – der Tag der Auferstehung Christi, also der Tag von Ostern. Die Festlegung dieses ersten Tages als wöchentlichem Feiertag der Christen geschah in der frühen Kirche durchaus in Abgrenzung zum jüdischen Sabbat, dem siebenten Tag der Woche, der für das Volk Israel Tag des Gedächtnisses der Heilswerke Gottes und Symbol der Frei-

Unser Stephansturm als Symbol der Auferstehung. Predigt von Domprediger Dr. Adolf Zimmermann († 1991) am Ostermontag, dem 11. April 1977: Dass unser geliebter Stephansturm etwas Österliches ausstrahlt mit seinem begeisternden Aufstieg von der Erde zum Himmel, fühlen zwar viele bei seinem Anblick, aber sie wissen nicht, dass er uns tatsächlich in seiner Sprache, in der Sprache der Gotik, von der Auferstehung zu einem neuen Leben in Gott kündet. Wieso? Die Evangelien gestern und heute beginnen beide mit den Worten: „Am ersten Tag der Woche“. Am ersten Tag der Woche kam Maria Magdalena zum Grab des Herrn, am ersten Tag der Woche gingen jene beiden Jünger nach Emmaus. Sonntag, der Tag der Auferstehung Jesu von den Toten, ist dieser erste Tag. Nun ist es aber merkwürdig, dass das II.Vatikanische Konzil in seiner Liturgiekonstitution sagt, dass die Kirche aus apostolischer Tradition jeweils am ACHTEN Tag das Pascha-Mysterium feiere, der deshalb mit Recht „Tag des Herrn“

genannt werde. Wieso der ACHTE TAG? Das hängt mit dem vierten Kapitel des Hebräerbriefs zusammen, wo der Gedanke dargelegt wird, dass Gott an Stelle des alten Sabbats einen neuen Tag festgesetzt habe, einen Tag der Ruhe in Gott, gleichsam einen „achten Tag“. Im Anschluss an den Hebräerbrief haben die Kirchenväter tiefsinnige Erwägungen darüber angestellt, dass Ostern den achten Tag der ewigen Vollendung und Ruhe bei Gott vorausnehme. So wurde die Zahl Acht zum Symbol der Auferstehung, und darum hat man so viele Taufkapellen mit dem Grundriss eines Achtecks, eines Oktogons gebaut. Doch die Symbolik geht weiter. Vier bedeutete die Zahl der Erde mit ihren vier Himmelsrichtungen. Unser Stephansturm – wie viele andere gotische Türme – ist auf einem quadratischen Grundriss errichtet, also dem Symbol der Erde, wandelt sich aber beim Aufstieg zum Himmel in ein Oktogon. Aus dem viereckigen Unterbau erwächst die Spitze mit achteckigem Grundriss. Vom Quadrat zum Oktogon, von dieser Erde zu einer neuen

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Schöpfung durch die Taufe im Glauben an den von den Toten Auferstandenen. Der heilige Paulus sagt in seinem zweiten Brief an die Korinther: „Wenn einer in Christus ist, so ist er ein neues Geschöpf. Das Alte ist vergangen, das Neue ist geworden.“ Wenn wir IN Christus sind, das heißt, wenn wir Ihm durch den Glauben im Kreuz ähnlich geworden, wenn wir der Welt gestorben sind, dann werden wir Ihm auch in Seiner Auferstehung ähnlich, dann werden wir zu einem neuen Geschöpf. Das ist die Osterbotschaft, die uns der Turm unseres Gotteshauses verkündet, und indem er uns gegen den Himmel weist, will er uns mit dem Völkerapostel sagen: „Wenn ihr mit Christus auferweckt seid, so sucht, was droben ist, wo Christus zur Rechten Gottes thront. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden. Ihr seid ja gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, euer Leben erscheint, dann werdet auch ihr mit Ihm erscheinen in Herrlichkeit.“ Amen.

heit war und ist. Natürlich kann aber der christliche Sonntag ohne den jüdischen Sabbat gar nicht verstanden werden. Vielmehr wurde die Theologie der frühen Christen gerade durch die alttestamentarischen Aussagen über den Sabbat und das Gegenüber von Sabbat – dem siebenten Tag – und christlichem Sonntag – dem ersten Tag – inspiriert. Papst Johannes Paul II. hat dem Sonntag ein eigenes Apostolisches Schreiben („Dies Domini“, vom 31. Mai 1998) gewidmet, in dem er den „spirituellen und pastoralen Reichtum des Sonntags“ aus der Liturgie des Osterfestes heraus entfaltet und den Sonntag als Tag des Herrn, Tag Christi, Tag der Kirche, Tag des Menschen und Tag, der den Sinn der Zeit eröffnet, ausdeutet. Im folgenden einige markante Textstellen aus diesem Schreiben:

Dies Domini – Der Tag des Herrn als das wöchentliche Ostern 1. […] im Wochenrhythmus erinnert der Sonntag an den Tag der Auferstehung Christi. Er ist das wöchentliche Ostern, an dem der Sieg Christi über Sünde und Tod, die Vollendung der ersten Schöpfung in ihm und der Anbruch der »neuen Schöpfung« (vgl. 2 Kor 5,17) gefeiert wird. Er ist der Tag der anbetenden und dankbaren Beschwörung des ersten Tages der Welt und zugleich in der eifrigen Hoffnung die Vorwegnahme des »letzten Tages«, an dem Christus in Herrlichkeit wiederkommen (vgl. Apg 1,11; 1 Thess 4,13-17) und »alles neu machen« wird (vgl. Offb 21,5). […] 26. Andererseits führte der Umstand, dass der Sabbat der siebte Tag der Woche ist, dazu, den Tag des Herrn im Lichte einer ergänzenden Symbolik zu betrachten, an welcher den Kirchenvätern sehr gelegen war: Der Sonntag ist nicht nur der erste Tag, er ist auch der »achte Tag«, das heißt er nimmt im Vergleich zur Abfolge der sieben Tage eine einzigartige und transzendente Stellung ein, die nicht nur den Beginn der Zeit, sondern auch ihr

Ende in der »zukünftigen Ewigkeit« beschwört. Der hl. Basilius erklärt, der Sonntag sei wirklich der einzige Tag, der auf die jetzige Zeit folgen werde, der Tag ohMag. Heinrich ne Ende, der weder Abend noch Morgen Foglarkennt, die unvergängliche Ewigkeit, die nicht altern kann; der Sonntag ist die un- Deinhardstein LL.M. Rechtsanwaltsaufhörliche Vorankündigung des Lebens anwärter, ohne Ende, die die Hoffnung der Christen immer wieder belebt und sie auf ihrem Kommunionspender Weg ermutigt. […] 75. Da der Sonntag das wöchentliche Chiffre und die Gewissheit dafür, und die Ostern ist, wo der Tag in Erinnerung geruHeiligung des Sonntags ist ein beredtes fen und vergegenwärtigt wird, an dem Zeugnis, das zu geben sie aufgerufen Christus von den Toten auferstanden ist, sind, damit die Zeiten des Menschen imist er auch der Tag, der die Bedeutung der mer von der Hoffnung getragen sind. […] Zeit offenbart. […] Aus der Auferstehung Architektur als Gebet hervorgehend, zerteilt er [der Sonntag] Diese Verwobenheit von Zeit und Ewigdie Zeiten des Menschen, die Monate, die keit, Schöpfung und Erlösung, Erwartung Jahre, die Jahrhunderte, wie ein Richund Vollendung, die gerade in der Feier tungspfeil, der sie durchdringt und auf des christlichen Sonntags zum Ausdruck das Ziel der Wiederkunft Christi ausrichkommt, ist auch in die Architektur des tet. Der Sonntag nimmt den Endtag vor„Steffl“, des hohen Turms unserer Steweg, den Tag der Parusie, wie er im Gephanskirche, eingeschrieben und kann – schehen der Auferstehung von der HerrSonntag für Sonntag, aber etwa auch lichkeit Christi angekündigt wird. […] beim alltäglichen Gehen über den SteDenn alles, was bis zum Weltende gephansplatz mit einem raschen aufsteischehen wird, wird nur eine Ausweitung genden Blick zur Spitze des Turms – wie in und Verdeutlichung dessen sein, was an nebenstehender Predigt „nach-gedacht“ dem Tag geschehen ist, an dem der geund meditiert werden. ó marterte Leib des Gekreuzigten durch die Macht des Geistes auferstanden und seiQuellen: nerseits für die Menschheit zur Quelle Papst Johannes Paul II., des Geistes geworden ist. Der ChristgläuApostolisches Schreiben „Dies Domini“, bige weiß deswegen, dass er auf keine 31. Mai 1998. andere Zeit der Erlösung warten muss, da Die österreichischen Bischöfe, die Welt, wie lange sie auch zeitlich noch Sonntag und Feiertage in Österreich. dauern wird, sich bereits in der Endzeit Hirtenwort, Schriftenreihe Nr. 1 (2001). befindet. Vom verherrlichten Christus Adolf Zimmermann, Unser Stephanswird nicht nur die Kirche, sondern der turm als Symbol der Auferstehung. Kosmos und die Geschichte unablässig Am Ostermontag, dem 11. April 1977, geführt und geleitet. Es ist diese Kraft des Predigtmanuskript, Domarchiv. Lebens, die Schöpfung, die »bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt« (Röm 8,22) zielstrebig auf ihre endgültige Erlösung treibt. Von diesem Weg kann der Mensch nur eine dunkle Ahnung haben; die Christen besitzen die Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008 15

Aus der Dompfarre

Benedetto, Benedetto!

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Foto: APA/Robert Jäger

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Eindrücke vom Papstbesuch am 9. September 2007

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Aus der Dompfarre

»Er kam, sah und segnete …« Toni Faber ist seit zehn Jahren Seelsorger der Dompfarre. Sein Assistent Christian Herrlich plaudert (nicht) aus dem Nähkästchen. Ein kleines Jubiläum wurde aufgrund des Papstbesuches nur am Rande wahrgenommen: Kardinal Schönborn hat mitWirksamkeit vom 1. Juli 1997, also vor zehn Jahren, Mag.Anton Faber zum Moderator und später zum Pfarrer der Dompfarre ernannt. Dies nehme ich zum Anlass, mich selber vom Dienstgeheimnis zu dispensieren und einige Streiflichter der breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.

Nur der Pfarrer aus dem Fernsehen? Manch einer behauptet, dass er den Dompfarrer nur im Gesellschaftsteil seiner Tageszeitung zu sehen bekommt. Ich entgegne dann gerne, dass er oder sie ja nicht bei den hundert Erstbeichten der Erstkommunion-Kinder oder den bei ihm vorstelligen Hilfsbedürftigen nachgeschaut hat.

Hohe Auszeichnung der Republik für Dompfarrer Anton Faber. Vizekanzler und Finanzminister Mag. Wilhelm Molterer hat am 6. Juli 2007 im Bundesministerium für Finanzen unserem Dompfarrer das „Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“ verliehen. Dieser nahm diese hohe staatliche Auszeichnung „stellvertretend für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ entgegen. In seiner Laudatio hob der Vizekanzler die Leistungen und die große Verantwortung des Dompfarrers hervor. „Der Stephansdom liegt im Herzen von Wien und auch im Herzen vieler Österreicherinnen und Österreicher. Kanonikus Faber hütet damit eines der bedeutendsten Kunstdenkmäler Österreichs und setzt sich permanent

mit vollem Einsatz für dessen Erhalt ein. Dafür gebührt ihm unsere Bewunderung und unser Dank“, so der Vizekanzler. Anerkennung zeigte der Vizekanzler vor allem für den unermüdlichen Einsatz des Dompfarrers für die Kirche und Menschen am Rande der Gesellschaft. „Kanonikus Faber ist mit seinem Einsatz ein wichtiges Vorbild weit über die Grenzen Wiens hinaus. Er steht für Offenheit und Menschenfreundlichkeit. Menschen wie er helfen uns dabei, uns diese Qualitäten auch im täglichen Leben immer wieder in Erinnerung zu rufen“, schloss Molterer. Wir gratulieren unserem Herrn Dompfarrer sehr herzlich!

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Gelegentlich begleite ich ihn bei solchen „gesellschaftlichen“ Terminen und bekomme mit, was man auf Hochglanzfotos nicht ablichten kann: Da unterhält er sich mit Menschen aus der Wirtschaft und verhandelt darüber, wer das nächste „Festmahl für den Nächsten“ sponsern „darf“; da wird darüber gesprochen, wie man die Erhaltung des Stephansdomes am besten unterstützen kann. Und es gibt manch sehr persönliche Unterhaltung abseits des Trubels, wo ich dann bewusst nicht dabei bin. Bei einer Präsentation eines berühmten Modelabels beobachtete ich einige dieser „privaten“ Gespräche. Wenige Tage später wusste ich, worum es gegangen war, weil drei dieser Gesprächspartner in der Pfarrkanzlei erschienen, um die Gespräche fortzuführen, an deren Ende der Wiedereintritt in die Kirche stand. Seit Toni Faber Dompfarrer ist, hat er 207 Personen wieder in die Kirche aufgenommen, dazu kommen noch 328 Kinder und Erwachsene, die er durch die Taufe in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen hat. Allein mit diesen Personen könnte man schon eine passable Landpfarre gründen. Das Schöne ist, dass wir diese Gläubigen auch bei den Gottesdiensten der Pfarre immer wieder begrüßen können. Ich erinnere mich an meine ersten Wochen in der Pfarrkanzlei. Bei einer Unterhaltung über das Weihnachtsfest machte ich mich ein wenig verächtlich lustig über die „Weihnachtsmänner“ und meinte damit jene, die man nur zu Weihnachten in der Kirche sieht. Worauf mir der Herr Dompfarrer mit strengem Blick nur sagte:„Aber die kommen wenigstens noch einmal im Jahr in die Kirche!“ Es folgte betretenes aber verstehendes Schweigen meinerseits.

Eine Menge neuer Initiativen Vermutlich ist jedem Prediger ein volles Gotteshaus lieber als ein leeres, aber Toni Faber hat den Mut, den Dom auch zu ver-

lassen und die Menschen von außerhalb wieder zurück zu holen. Manchmal geht er dabei ungewohnte Wege. Einige Aktionen, die von ihm initiiert oder intensiv mitgetragen wurden, seien hier nur aufgezählt: Stadtmission, Steffl-Kirtag, Valentinssegnung, Tour der Sternsinger durch die Innenstadt-Lokale, Stunde der Barmherzigkeit, Lange Nacht der Kirchen, Kirchenbühne auf dem Donauinselfest, Messe für Leidende u.v. a. m. Wenn Kanonikus Faber zu einem offiziellen Termin eingeladen und um ein Grußwort gebeten wird, verbindet er es immer – auch bei Veranstaltungen, die nichts mit Gott und Kirche zu tun haben – mit einem Gebet und einem Segen. In diesem Zusammenhang entstand auch der ihn sehr charakterisierende Ausspruch: Er kam, sah und segnete!

Die Popularität ist nicht Selbstzweck Ich erinnere mich an ein erschütterndes Telefonat: Durch einen Unglücksfall sind mehrere Familienmitglieder ums Leben gekommen. Eine Verwandte aus dem 10. Bezirk, die das Begräbnis organisierte, ruft in der Dompfarre an, hat mich am Apparat, erzählt mir die schrecklichen Ereignisse und will „den Faber“ sprechen. Ich rate der Dame, sie soll doch mit der zuständigen Pfarre Kontakt aufnehmen, worauf ich nur ein energisches „da Faber is doch da Pfoarra von Wean!“ höre. – Ist es nicht das schönste Kompliment für einen Priester, wenn die Menschen in ihrer allergrößten Not an ihn denken und sich Trost und Hilfe erwarten? Und diese auch bekommen!

Nächstenliebe ist ansteckend Toni Faber benutzt oft den Satz „Ich muss den Menschen doch helfen, Gutes zu tun“. Und das macht er auch. Seine exzellenten Kontakte zu Unternehmen nutzt er gerne, um Projekte in Wien und in aller Welt zu unterstützen. Ein kleiner Verein, der oft kaum wahrgenommen wird,

In „typischer“ Pose: Nach der feierlichen Ordensverleihung segnete Dompfarrer Faber die neuen Räumlichkeiten des Finanzministeriums sowie das Büro des Herrn Vizekanzlers. feierte auch vor kurzem sein 10-jähriges Bestehen: „immo-humana“. Die Gründungsgeschichte ist schnell erzählt: Toni Faber hält eine Predigt (keine „Allgemeinplätze“ – er weiß, was ich meine), die man zusammenfassen könnte mit den Worten: „Reden alleine ist zuwenig, man muss auch etwas tun!“ Wenige Tage später kommt ein Besucher dieser Messe zu Mag. Faber, legt ihm ein Kuvert mit einer beachtlichen Geldsumme auf den Tisch und sagt:„Ihre Worte haben mich sehr getroffen. Eigentlich wollte ich meiner Frau ein neues schönes Auto kaufen, aber ein Kleinwagen tut’s auch – machen Sie was mit dem Geld.“ So waren viele persönliche caritative Unterstützungen möglich. Wiederum ein paarTage später kommt ein Immobilienmakler und muss gestehen, dass auch ihn die Predigt nicht in Ruhe gelassen hat. Er möchte Frauen in Wohnungsnot helfen, braucht aber einige prominente Mitglieder im Vorstand des zu gründenden Vereines. Natürlich war der Dompfarrer dazu sofort bereit.

Heute nach 10 Jahren hat der Verein „immo-humana“ bisher 200 Frauen und mit ihnen ca. 500 Kindern zu einer neuen Wohnung verholfen. Es wurden Kautionen bezahlt, Waschmaschinen gekauft, Beratungsgespräche geführt …

Eindeutige Prioritäten Wenn man mit einem Menschen eng zusammenarbeitet, lernt man einander gut kennen. Und man lernt die Prioritäten dieses Menschen kennen. Bei unserem Dompfarrer gilt die Reihenfolge: Dienst für Gott – Dienst für die Menschen – Arbeit für den Stephansdom. Eine ausführliche Lebensbeschreibung, werde ich zu seinem Silbernen Dienstjubiläum verfassen – dies hier sollen nur Streiflichter sein. Ich wünsche Dir, lieber Herr Dompfarrer, noch viele Jahre im Schatten des Domes und hoffe auf Dein Verständnis bei Fehlern, die einem Angestellten passieren können und deine Nachsicht, falls einmal eine Glühlampe (noch) nicht ausgewechselt sein sollte. ó

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Aus der Dompfarre

Das erste Jahr des neu gewählten Pfarrge Von Benedikt Johannes Michal Schiedsrichter und Pfarrgemeinderäte arbeiten am besten, wenn nicht sie selbst im Mittelpunkt stehen, sondern das Spiel bzw. das Pfarrleben, zu dem sie den Anstoß geben. Mit Papst Benedikt durften wir auf diesen Mittelpunkt blicken, als er mit uns in unserer Pfarrkirche Eucharistie gefeiert hat. Wir brauchen Orte, wo eine Freundschaft mit Jesus Christus geschlossen werden kann, wie es z. B. der Weltjugendtag bei Jugendlichen vermag. Es ist kein Zufall, dass alle sieben Pfarrgemeinderäte, die unter 30 Jahre alt sind, auf dem Weltjugendtag waren, und sechs von ihnen in einen der jüngsten Pfarrgemeinderäte der Erzdiözese gewählt wurden. Das erste Jahr nach Franz Michal war bewusst von Kontinuität geprägt – zehn der 21 Mitglieder sind neu dabei. In unsere neuen Aufgaben mussten wir hineinwachsen. Eine neue Art der Zusammenarbeit musste gefunden werden. Undankbare Aufgaben, wie das selbstverständliche Weiterführen von bewährten Aktionen und Gruppen, das aber alles andere als selbstverständlich ist, galt es zu bewältigen. Aber auch über neue Initiativen wie das Pfarrgebet, die Männerrunde (deren Gründung in der Folge eine Frauenrunde hervorgerufen hat) oder eine Jugendmesse im Dom haben wir uns schon getraut. Was Gottes Wille für unsere Pfarre in den nächsten Jahren ist, ist schwer zu beantworten – wir werden es dann am besten herausfinden, wenn wir Gottes Willen für unser eigenes Leben suchen und uns selbst nicht so wichtig nehmen, auch wenn wir am Dom tätig sind. ó

Dr. Johannes Berchtold (Männer/Kunst/ Politik)

Dompfarrer Kan. Mag. Anton Faber (Vorsitzender, Vorstand)

MMag. Benedikt J. Michal (stv. Vorsitzender, Vorstand, Verkündigung)

Domkurat lic. Timothy McDonnell (Vorstand)

Diakon Roman Faux (Vorstand, Taufpastoral)

Marie-Therese Störck

Stefan Domany

Sophie Kickinger

Christian Herrlich (für die Pfarrkanzlei, Kommunikation)

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meinderats von St. Stephan

Anneliese Höbart (Vorstand, Finanzen und Verwaltung)

Benedikt Wolloner (Vorstand, Kinder- und Jugendpastoral)

Mag. Karin Domany (Vorstand, Pfarrfamilie)

OA Dr. Ignaz Hochholzer

Dipl.-Päd. Stephanie Walderdorff (Berufung und Lebensschutz)

Philipp Aretin (Liturgie)

Maria Keglevic

Josef Mörth (Caritas und Altenpastoral)

Mag. Thomas Dolezal (für die Dommusik)

Mag. P. Gottfried Wegleitner OFM (für die Franziskaner)

P. George Elsbett LC (für die Legionäre Christi)

Diakon Karl-Heinz Schlevoigt (Ökumene)

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Aus der Dompfarre

Neue Gesichter in der Dompfarre Liebe Pfarrgemeinde von St.Stephan, gerne folge ich der Einladung, als neuer Bewohner im Curhaus mich Ihnen etwas vorzustellen. Mein Name ist Pater Werner M. Kuller ISCH und ich gehöre zum Säkularinstitut der Schönstatt-Patres (ISCH = Institut Schönstatt), einer Gemeinschaft von Priestern,die für die Schönstatt-Bewegung und deren Apostolat zur Verfügung steht. Erziehung und Befähigung von Aposteln in der Kirche ist ja das Ziel der von P. Joseph Kentenich (1885–1968) im Jahr 1914 gegründeten Schönstatt-Bewegung. Unsere Aufgabe ist also primär seelsorgliche, pädagogische und inspirierende Tätigkeit in den verschiedenen Gruppierungen und Gemeinschaften Schönstatts, dann aber auch in verschiedenen anderen seelsorglichen Bereichen tätig zu sein. Doch zurück zu mir. Ich bin 1950 in Köln geboren als zweites von fünf Kindern einer Flüchtlingsfamilie aus Danzig. 1969 machte ich mein Abitur an einem mathematisch-naturwissenschaftlichen

Gymnasium. Meine Gymnasialzeit war von zwei Hobbys geprägt: Musik (in einem Jugendorchester spielte ich Horn) und Rudersport auf dem Rhein. Engagiert in meiner Heimatpfarre entdeckte ich mit 16 Jahren auf einer Jugendveranstaltung die Schönstatt-Bewegung. Es begeisterten mich die Seelsorger, die mich verstanden und mir halfen, meine Persönlichkeit zu entfalten. In dieser Art Menschen zu helfen, das wollte ich auch können. So entschloss ich mich, der Gemeinschaft der Schönstatt-Patres beizutreten. Noviziat, Studium an der Uni in Münster/Westfalen, Leben in einem internationalen Studentat, interne ergänzende Ausbildungsseminare, pädagogisches Praktikum in der Jugendarbeit in Kapstadt, schließlich Diakonenweihe, Diakonatspraktikum in München und dann am 25. März 1979 in der Dreifaltigkeitskirche in Schönstatt (nahe Koblenz am Rhein) die Priesterweihe. In den ersten Jahren als Priester durfte ich in einer großen Pfarre in den USA

25 Jugendliche beim Weltjugendtag in Australien. Gemeinsam mit den niederösterreichischen Pfarren Stratzing und Zellerndorf fährt die Jugend St. Stephan zum Weltjugendtag nach Sydney im Juli 2008. Wir landen zuerst im Nordosten des Landes in Cairns, ehe wir an der Ostküste in der Diözese Lismore das Leben in der australischen Kirche vor Ort kennenlernen. Höhepunkt sind die gemeinsamen Tage in Sydney mit Bischofskatechesen, den gemeinsamen Messfeiern, der Übernachtung im Freien und der abschließenden hl. Messe mit über einer halben Million Gläubigen, zelebriert von Papst Benedikt XVI. Weiter geht es mit dem Bus von Sydney nach Melbourne und über Zwischenstationen bei Koalas und Pinguinen schließlich nach Alice Springs in die wilde Mitte des Kontinents. Begleitet werden wir von Andreas Kaiser, aber auch einige Tage lang vom Wiener

Priesterseminar mit Kardinal Schönborn, die uns sicher das Motto des WJT näherbringen werden: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein“. Weitere Informationen unter: www.st.stephan.at/wjt

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Dipl. Theol. P. Werner M. Kuller ISCH Erfahrungen sammeln und sehr bald stellte sich heraus, dass Ehe und Familie für mich ein wichtiger Pastoralschwerpunkt wurden. Eheberatung in Zusammenarbeit mit einer Eheberatungsstelle, Ehebegleitung und schließlich ein verstärktes Engagement in der Ehevorbereitung prägten diese durch viele wichtige Pastoralerfahrungen reiche Zeit. Zurück in Deutschland war ich sieben Jahre „Bundespräses“ einer Jugendgemeinschaft.Vor fast 20 Jahren wechselte ich ganz in die Familienarbeit, zuerst in Süddeutschland, vor 15 Jahren kam ich dann nach Wien. Seitdem bin ich für die Österreichische Schönstatt-Bewegung, genauer für die Familien-Bewegung vollamtlich tätig. Ich arbeite sehr gerne als Priester für Familien, weil ich dort das ganze Leben und seine Entfaltung erleben darf und mit ihnen zusammen die Freude am Glauben, der unsere Seele erfüllen kann, immer wieder begleitend erfahren und entdecken darf. Die letzten Jahre wohnte ich in der Hausgemeinschaft eines Pfarrhauses im 21. Bezirk. Durch Umstellungen im Wohnbereich gab es keinen Platz mehr für mich und ich suchte eine neue Bleibe. Da erhielt ich von Dompfarrer Faber eine Einladung, ins Curhaus in eine der neuen Wohnungen unter dem Dach einzuziehen. Ich danke für diese Einladung, freue mich, nun bei Ihnen zu sein und bin beeindruckt vom Stephansdom als geistlichem Zentrum, an dem ich ein paar Dienste übernehmen kann. Gerne biete ich auch Ihnen in der Dompfarre an, gelegentlich einen Beitrag im Ehe- und Familienbereich zu geben. Ich freue mich schon darauf, Sie näher kennen zu lernen. ó

Grüß Gott, liebe Pfarr- und Domgemeinde von St. Stephan! Eine große Freude ist es mir, mich mit diesen Zeilen kurz bei Ihnen vorstellen zu dürfen: Geboren wurde ich 1976 in Kärnten (Taufname Christian) und wuchs in Althofen bei Zieheltern auf. Nach meiner Matura (Handelsakademie) trat ich in das Kärntner Priesterseminar ein und begann das Theologiestudium in Graz. Dort bin ich mit dem Benediktinerstift Admont in Kontakt gekommen, wurde im September 1998 eingekleidet (Ordensname Michael) und durfte 2002 die feierliche Profess ablegen. Nach Abschluss meines Studiums in Salzburg war ich Pastoralpraktikant und nach

Liebe Dompfarrgemeinde! Mein Name ist Miloˇs Záreck´yund ich komme aus der Slowakei. Geboren wurde ich vor 26 Jahren und ich wuchs in einem kleinen Dorf bei Trnava auf. Von Kindheit an war ich in unserer Pfarrkirche als Ministrant und Mesner tätig. Nach der Matura in einer technischen Schule in Trnava – das auch kleines oder slowakisches Rom genannt wird – wurde ich ins Pries-

der Priesterweihe am 17.6.2006 Kaplan im steirischen Paltental. Ein Grund, Priester zu werden, lag und liegt für mich darin, den Menschen gegenüber die Liebe und Fürsorge Gottes mit meinem eigenen Leben zu bezeugen; ein Stück weit das Leben mit den Menschen zu teilen - in Freude und Leid - und so auch die liebende Zuwendung Gottes zu jedem Menschen zu vergegenwärtigen und meine von Gott geschenkten Fähigkeiten auch für andere einzusetzen. Sehr dankbar bin ich, dass mir unser Herr Dompfarrer seit 1. September 2007 die Möglichkeit gibt für ein Jahr hier in St. Stephan – gleichsam im Herzen der Stadt Wien und Österreichs – meinen priesterlichen Dienst tun zu dürfen (Beichte, Li-

terseminar in Bratislava und auf die Römisch-katholische theologische Fakultät der hl. Cyrill und Methodius der Komensky Universität in Bratislava aufgenommen. Nach dem fünften Jahrgang unterbrach ich das Studium, beendete meine Ausbildung im Priesterseminar, und nach einer kurzen Kandidatur im Sommer 2003 begann ich im Oktober 2003 das

Gemeinsam beten beim Pfarrgebet. Wer am Montag nach der 19 Uhr-Messe in die Curhauskapelle geht, trifft auf das „Pfarrgebet“. Hier beten Jung und Alt gemeinsam für die Anliegen unserer Pfarre, aber auch für die jeweils eigenen. Gemeinsam zu beten ist Ausdruck unserer persönlichen Freundschaft zu Jesus Christus. Nach einem „Geheimnis“ des Rosenkranzes singen wir fröhliche Lobpreislieder, danken und bitten Gott in freiem Gebet und sprechen gemeinsam das Pfarrgebet. Ein wöchentlicher Impuls gibt uns Mut und Kraft für unser alltägliches Leben als Katholiken. Nach einer kurzen Zeit der eucharistischen Anbetung bitten wir noch unse-

re Namens- und Jahresheiligen um ihre Fürsprache. Als Priester begleitet uns Ignaz Hochholzer, organisiert wird das Pfarrgebet von Benedikt Michal und dem Jugendgebetskreis, der seit dem Weltjugendtag in Köln besteht. Seit der Pfarrgemeinderatswahl haben diese acht Jugendlichen ihr Gebet für die ganze Dompfarre geöffnet. Das Gebet in der Curhauskapelle beginnt jeden Montag, außer in den Ferien, um ca. 19:45 Uhr und dauert bis 21 Uhr. Herzliche Einladung an alle, die mit uns beten wollen! Aktuelle Informationen unter: www.st.stephan.at/gebet

Mag. P. MichaelChristian Robitschko OSB Benediktiner des Stiftes Admont turgie, Bibelrunde, Firmbegleitung, Jugend). Auch danke ich allen, die mich vom ersten Tag an so freundlich und liebevoll hier aufgenommen haben und freue mich über dieses Jahr, welches wir im Glauben und auf Christus schauend gemeinsam gehen dürfen. ó

Diakon Fr. Miloˇs Záreck´y OT Noviziat für die Tschechische und Slowakische Provinz des Deutschen Ordens. Nach einem Jahr legte ich die zeitliche Profess ab, und setzte gleichzeitig mein Theologiestudium an der Leopold Franz Universität in Innsbruck fort. Untergebracht war ich in dieser Zeit im Jesuitenseminar „Collegium Canisianum“. Ich befinde mich gerade in der Endphase meines Studiums und im Moment arbeite ich an meiner Diplomarbeit. Am 29. 9. 2007 legte ich die Ewige Profess im Deutschen Orden ab und begann zugleich die Diakonenpraxis in der Dompfarre St. Stephan zu Wien. Nebenbei nehme ich noch an dem von der Erzdiözese Wien angebotenen Diakonenkurs teil. Meine Diakonenweihe fand am 8. Dezember 2007 in der Franziskanerkirche zu Wien statt. ó

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Aus der Dompfarre

Miteinander auf Gottes Spur Karin Domany über die Firmvorbereitung 2007/08 Auch in diesem Arbeitsjahr bereiten sich in fünf Gruppen wieder mehr als 60 junge Menschen auf den Empfang des Firmsakraments vor, das ihnen am 18. Mai von Dompfarrer Toni Faber gespendet werden wird. Mehrmals während des Jahres schauen wir über den „Tellerrand“ der eigenen Gruppe hinaus und erleben ein Stück gemeinsame Lebens- und Glaubensgeschichte, wie zum Beispiel am Firmwochenende, das im November im winterlich verschneiten Tulln stattgefunden hat. Viele ganz unterschiedliche Zugänge und Methoden vom stillen anbetenden Gebet über die Erfahrung, voneinander im wahrsten Sinn des Wortes getragen zu sein bis hin zur ausgelassenen Schneeballschlacht ermöglichten jedem aus der großen, bunten, lustigen, oft lauten, manchmal durchaus auch besinnlich-stillen Schar der Firmlinge und Firmbegleiter, sich einzubringen und etwas davon in den persönlichen Alltag mitzunehmen.

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Firmwochenende: Stärkung für Körper und Geist Alle durften jedenfalls die Gewissheit mitnehmen, dass Christsein nichts Fades, Verstaubtes, Lebensfernes, sondern et-

Pilgerreise der Dompfarre ins Heilige Land.

Begegnung des Dompfarrers und der Mitarbeiter/innen der Dompfarre St. Stephan mit dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem Michel Sabbah im Rahmen ihrer Pilgerfahrt ins Heilige Land vom 8. bis 17. Februar 2008.

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was sehr Lebendiges, das Leben in jeder Beziehung Liebendes und Förderndes ist! Das konnten unsere jungen Menschen auch bei der Pfarrfamilienmesse am 27. Jänner, in der sie der Dompfarre vorgestellt und ihrem begleitenden Gebet anvertraut wurden, erleben. Wie jedes Jahr ist auch heuer keine der gebastelten „Namenskerzen“ stehen geblieben… Beim anschließenden Pfarrcafé, in dem sich alle, so gut sie konnten und so weit es der wenige Platz zuließ, nützlich machten, erlebten unsere Firmlinge ganz bewusst, wie viele Menschen hier auch an „normalen“ Sonntagen zusammenkommen und (Pfarr-)Gemeinschaft erleben. Viele verschiedene Zugänge zum Glauben und zum Leben versuchen wir Firmbegleiter jeder auf seine Art, aber jedenfalls immer authentisch und ehrlich den uns in diesem Jahr Anvertrauten mitzugeben und vor allem vorzuleben. Vieles davon wird auch heuer wieder auf fruchtbaren Boden fallen und im Vertrauen auf Gottes Mitwirken aufgehen und Frucht bringen. ó

»Festmahl für den Nächsten« – Ein Tag der Freude und der dankbaren Gesichter Ein Bericht von Josef Mörth Meine erste Aktion als Pfarrgemeinderat im Rahmen der Pfarrcaritas fand am 20. Oktober 2007 in der Mitarbeit beim „Festmahl für den Nächsten“ statt. Zu diesem Ereignis waren 160 Personen eingeladen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Sie wurden von DompfarrerToni Faber mit einem„Herzlich willkommen“ begrüßt. Auf unsere hungrigen Gäste warteten 50 Liter Hühnersuppe, 60 kg Schweinsbraten mit Knödel und Saft und 40 kg Jägersalat. Den Abschluss des Festmahls bildete duftender Kaffee mit flaumigen Krapfen, die den Anwesenden ein freudiges „aahhh“ entlockte. Um auf die Bedürfnisse der Obdachlosen einzugehen, wurden Jausensäckchen, die mit Aufstrichkonserven, Würstchen, Gebäck, Süßigkeiten, Äpfel, Mandarinen und einem Getränk gefüllt waren, den Bedürftigen nach der Veranstaltung als Wegzehrung mitgegeben.

Eine wunderbare Teamarbeit

45. Flohmarkt der Dompfarre. Samstag, 7. 6. 2008, 10.00–17.00 Uhr Sonntag, 8. 6. 2008, 10.00–15.00 Uhr im Curhaus, Stephansplatz 3 in den Pfarrsälen im Erdgeschoß Sollten Sie Gegenstände wie z. B. Bücher, Bilder, Rahmen, Vasen, Hausrat, Gläser, Uhren, Spitzen, Leinen, Kleidung, Spielzeug usw. zur Verfügung stellen können, bitten wir Sie, diese vom 12. 5.– 4. 6. 2008 beim Portier im Curhaus abzugeben. das Gelingen der jährlich stattfindenden Caritas-Aktion mitgewirkt haben. ó Das Festmenü wurde aus Sach- und Geldspenden finanziert. Sponsoren: Firma Lehner, Firma Kuchen-Peter An dieser Stelle möchte ich ein herzliches Danke an Frau Gabrielle Meran, Frau Maja Keglevic und Herrn Erich Hammerl aussprechen, welche mich als „Neuen“ sehr fürsorglich in die Materie einführten und die Veranstaltung schon im Vorhinein gemanagt hatten.

Fotos: Monika Mörth

Eine der Hauptarbeit lag natürlich im Küchendienst. Zu „Ebener Erd“ werkte allen

voran das „Drei-Hauben-Suppen-Team“ Hans Walzl, Hans Wunderl und Otto Meisel. „Im Ersten Stock“ gilt unsere besondere Anerkennung dem „Bratenmeister“ Ivan Keglevic für die gelungenen Schweinsbraten und unserem Domkurat Timothy McDonnell für den fachgerechten Aufschnitt der Bratenportionen. Um das Menü abrunden zu können, sorgten Frau und Herr Wagner für die ausreichende Salatbar. Das „Dreimäderlhaus“ Frau Glück, Frau Svertecki und Frau Watzak sorgte zum Abschluss wieder für blanke Sauberkeit in der Küche. Die zahlreichen Arbeitsstunden, die von der Vorbereitung bis zum Abschluss der Veranstaltung geleistet wurden, wurden durch lobende Worte und Gespräche wie auch durch die dankbaren und glücklichen Gesichter der Obdachlosen reichlich bedankt. Das stets einsatzbereite StammTeam bestand diesmal aus mehr als 30 ehrenamtlichen Helfern, die mit viel Freude bereits im Vorfeld für die herbstlich gedeckten Tische und im Hintergrund für

Herr Keglevic, Domkurat McDonnell und Gabrielle Meran beim Dienst am Nächsten Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008 25

Aus der Dompfarre Unser Pfarrmitglied Gustav Höbart hat sich anstelle von Geschenken anlässlich seines 70. Geburtstages Spenden für unser Missionsprojekt, ein Heim für Waisen- und AIDS-kranke Kindern in MOSHI/Tansania, gewünscht. Einschließlich seiner Spende konnten im Sommer 2007 5.890,– durch Bischofsvikar Msgr. Karl Rühringer an das Heim übergeben werden. Ein Nachzügler spendete weitere 142,50 und unser Engerl (Dominik Hach) vom Weihnachtsmarkt widmete den Erlös seiner Lose-Aktion von 140,00 ebenso dem Projekt „Kinderheim MOSHI, Tansania“. Seit rund 30 Jahren unterstützen wir die Missionsschwestern bei ihren diversen Projekten (sei es Brunnenbau, Erweiterung bzw. Reparatur von Gebäuden für Kinder oder Schwestern oder Ankauf von spezieller Kindernahrung und teuren Medikamenten) aus Erlösen von Flohmarkt und Fastensuppen-Essen. Jetzt bitten die Schwestern um Unterstützung für ein ganz wichtiges Projekt: Erneuerung und Erweiterung der Wasseranlage einschließlich Pumpe und zehn großer Regenwassertanks. Denn nur wenn sie genügend Wasser haben, können sie ihre Gärten und Felder bewässern und genügend Wasser für Hygieneund Gesundheitserziehung verwenden. Mit genügend sauberem Wasser sorgen die Missionsschwestern für die Gesundheit, die Chance auf Bildung und damit für eine bessere Zukunft der ihnen anvertrauten Kinder.

Weihnacht für Einsame und Ein Bericht von Josef und Monika Mörth

Foto: Monika Mörth

Geste der Nächstenliebe.

Gemeinsames Singen, Beten und Speisen bei der Weihnacht für Einsame und Notleidende Unter dem Christbaum versammelten sich am Heiligen Abend 151 Einsame oder Notleidende.

Die Pfarrcaritas ist das Herzstück lebendiger Gemeinden und braucht Mitarbeiter, die zuallererst Menschen sind,

Dankfest zu Ehren der PfarrcaritasHelferinnen und Helfer Von Pfarrgemeinderat Josef Mörth Mein Dank für die zahlreichen Stunden an den Pfarrcaritas-Aktionen im Jahr 2007 gilt den rund 60 freiwilligen Helferinnen und Helfern, die ihre Zeit und ihre Arbeitskraft unermüdlich in den Dienst am Nächsten stellen. Für das Gelingen der „Weihnacht für Einsame und Notleidende“, für die Veranstaltung des jährlichen Weihnachtsbazars und des „Festmahls für den Nächsten“ wurde ein Dankfest veranstaltet, zu dem unser Dompfarrer Toni Faber und Josef Mörth als ehrenamtlicher Caritasverantwortlicher am 24. Jän-

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ner 2008 eingeladen haben. Für den Augen- und Gaumenschmaus sorgten dabei festlich gedeckte Tische im Pfarrcafé. In angenehmer Atmosphäre, bei Kaffee und Kuchen sowie schmackhaften Sandwichs wurden angeregte Gespräche für einen Rückblick und auch einen Blick auf kommende Veranstaltungen genutzt. Die Kosten dieses Festes wurden zur Gänze von nicht genannt werden wollenden Sponsoren getragen, bei denen wir uns an dieser Stelle sehr herzlich bedanken! ó

Notleidende die ihre Zeit, ihre Liebe und ihr Tun an den Nächsten verschenken. Denn Pfarrcaritas bedeutet „Not sehen und handeln“. In diesem Sinne trafen einander Tische schleppende, den Raum mit Tüchern und festlichen Dekorationen schmückende, Christbaum behängende, Jausensäcke füllende, mit gefüllten Töpfen beladene, für musikalische Weihnachtstimmung sorgende helfende Hände aus dem In- und Ausland, insgesamt waren es 72. Das Licht von Bethlehem erstrahlte nicht nur von den nach Honig duftenden Kerzen des Christbaums sondern auch an den festlich gedeckten Tischen, um den Anwesenden die Finsternis ihres oft trüben Alltags zu erhellen und Freude zu schenken. Geschenke, in welcher Form auch immer, sind ein wesentlichen Bestandteil des Rituals dieses Festes. Mit der Einladung, diese Weihnachtsfeier zu besuchen, um das Fest der Liebe nicht einsam verbringen zu müssen, leben und schenken wir Barmherzigkeit. Zu den Werken der Barmherzigkeit gehört vor allem das Teilen, den Hungrigen Essen zu geben, das Zuhören, das Dazugehören, das Beten und nicht zuletzt gemeinsam ein Stück des Weges miteinander zu gehen. Und vielen, die nicht am gedeckten Tisch der Pfarrcaritas Platz nahmen, brachten wir im Anschluss an das Weihnachtsfest die reichlich zur Verfügung gestellten Lebensmittel in die Obdachloseneinrichtung „Gruft“. Durch das gemeinsame Singen und Beten mit Dompfarrer Toni Faber wurde das Fest erst zum Weihnachtsfest. Unterstützend wirkten neben vielen anderen unser Domkurat Timothy McDonnell sowie zu unserer großen Freude auch Weihbischof Franz Scharl mit. ó Das Festmenü wurde aus Sach- und Geldspenden finanziert. Sponsoren: Firma Ströck, Firma Mann, Firma Felber, Firma Da Capo, Herr Sari Murat und nicht genannt werden wollende Spender. Ein herzliches „Vergelt’s Gott“!

Wiens älteste Orgel wird restauriert Die Wöckherl-Orgel in der Franziskanerkirche soll wieder bespielbar gemacht werden. Guardian Pater Gottfried Wegleitner OFM hofft auf Unterstützung. Um Wiens älteste Orgel, die Wöckherl-Orgel, nach Jahrzehnten wieder bespielbar zu machen, finden in der Wiener Franziskanerkirche – sie gehört zur Dompfarre St. Stephan – derzeit umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt. Pater Gottfried Wegleitner OFM, Guardian des Franziskanerklosters, nennt neben der umfangreichen Unterstützung für arme Menschen die Erhaltung des Kulturgutes als wesentliches Kennzeichen der Franziskaner in Wien. Daher habe sich der Orden entschlossen, die Sanierung der Orgel, die hinter dem Hochaltar steht, zu starten. Das Instrument stammt aus dem Jahr 1642, wurde von Johann Wöckherl erbaut und ist Wiens älteste Orgel. Insgesamt müssen 1,3 Millionen Euro aufgebracht werden. Für 2010 ist das Ende der Restaurierung anvisiert. „Auch wenn die ErzdiözeseWien,der Franziskanerorden und viele Spender bereits sehr großzügig geholfen haben, brauchen wir noch viel Unterstützung. Die Republik Österreich und die Gemeinde Wien haben ebenfalls schon Hilfe angedeutet. Ich hoffe da noch auf Sponsoring aus der Wirtschaft“, erläutert Pater Wegleitner. Der Guardian weiter: „Als Kulturträger in unserer schönen Stadt Wien und als Anziehungspunkt für Touristen wollen wir unsereWöckherl-Orgel wieder zum Klingen bringen.“ Im Zuge der Arbeiten entdeckten Experten im Betchor auch einzigartige Wandmalereien, die um 1607 entstanden sind. Laut Pater Wegleitner wäre die Freilegung der Fresken nur möglich, wenn „öffentliche Stellen und Sponsoren uns großzügig helfen“.

Internationales Symposium Im Sommer 2007 diskutierten in Wien bei einem Symposium über die Wöckherl-Or-

gel rund hundert Experten aus dem Inund Ausland. Tenor bei der dreitägigen Veranstaltung war, dass die Orgel seit einem Jahrhundert im Zentrum der österreichischen Orgelforschung steht. Trotz einiger Instandhaltungsmaßnahmen während der Jahrhunderte ist die Wöckherl-Orgel in vielen Teilen noch im Originalzustand, wie sie anno 1642 geschaffen worden ist. ó Spendenkonto Empfänger: Franziskaner-Konvent Wien Verwendungszweck: Wöckherl-Orgel Bankhaus Schelhammer & Schattera BLZ: 19190, Konto-Nr.: 100537 IBAN: AT 90 1919 0000 0010 0537 BIC: BSSWATWW

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Aus der Dompfarre

Ein neuer Kirchenmeister – ein neuer Sak Domkustos Weismayer stellt zwei alte Bekannte mit neuen Aufgaben vor Mit Ende Oktober 2007 ging für unsere Domkirche eine Ära zu Ende: Franz Weinwurm, Kirchenmeister und Sakristeidirektor, trat nach 51 Jahren Berufstätigkeit in den verdienten Ruhestand. Die Republik Österreich und das Land Wien haben ihn für seine verdienstvolle Tätigkeit mit Auszeichnungen bedacht.

Gleich zwei Nachfolger Franz Weinwurm hatte zuletzt zwei Funktionen inne: 2001 übernahm er zusätzlich zur Aufgabe des Sakristeidirektors noch die Verantwortung des Kirchenmeisters. Nach seiner Pensionierung

sollten beide Funktionen wieder getrennt besetzt werden. Die Neubesetzung der Funktion des Kirchenmeisters wurde schon zu Beginn des Jahres 2007 vorbereitet. Die Ausschreibung des Dienstpostens erbrachte 29 Bewerbungen. In der engeren Auswahl entschied sich das Domkapitel für Mag.Thomas Steigerwald, der dem Erzbischof zur Ernennung mit 1. November 2007 vorgeschlagen wurde. Die Funktion des Kirchenmeisters am Dom ist wohl ohne Parallele an anderen Kathedralen, verstehbar aus der spezifischen Geschichte des Domes. Für die

Domkirche ist das Domkapitel verantwortlich, das diese Aufgabe durch den Domkustos wahrnimmt. Der Kirchenmeister – dem Kapitel, konkret dem Kustos verantwortlich – ist unmittelbar für den „Betrieb“ des Domes zuständig: Er hat die Personalhoheit über alle am Dom Angestellten (mit Ausnahme der Angestellten der Dombauhütte und des Dombausekretariates); das sind etwa 40 Personen. Der Kirchenmeister ist auch der „Finanzminister“ des Domes und Verantwortlicher für den Betrieb des Domshops. Seit dem 19. Jahrhundert haben immer Priester die Aufgabe des Kirchenmeisters wahrgenommen; Franz Weinwurm war der erste Laie, dem diese Funktion übertragen worden war.

Keine Unbekannten

Hohe Auszeichnungen für Kirchenmeister i. R. Franz Weinwurm. Sektionsleiter Helmut Moser überreichte am 16. Jänner 2008 in Vertretung von Bundesministerin Claudia Schmied das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich an Franz Weinwurm, Kirchenmeister i.R. der Domkirche St. Stephan. Am 28. Jänner 2008 verlieh Vizebürgermeisterin Grete Laska Herrn Weinwurm das Goldene Verdienstzeichens des Landes Wien. Franz Weinwurm ist dem Stephansdom seit Jahrzehnten verbunden. Mitte der fünfziger Jahre begann

Weinwurm als Mesnerpraktikant, rückte dann vom Sakristan zum Obersakristan auf, wurde 1978 Dommesner und 1997 Sakristeidirektor. Von 2001 an bis zu seiner Pensionierung mit 1. November 2007 war Franz Weinwurm Kirchenmeister sowie Geschäftsführer des „Domshop St. Stephan“. Herr Weinwurm erwarb sich große Verdienste um die Verwaltung der Domkirche als Pfarr- und Bischofskirche, aber auch als Attraktion für Millionen von Touristen. Wir gratulieren herzlich!

28 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008

Mit Mag. Steigerwald kam kein Unbekannter an den Dom, da er schon von 1992 bis 2004 in der Sakristei und in der Dompfarrkanzlei tätig war. Der Weg dorthin war für ihn aber nicht geradlinig. Unser neuer Kirchenmeister wurde am 8. Jänner 1965 in einem ungarischen Dorf im serbischen Banat geboren. Seine Mutter war Ungarin, der Vater ein Donauschwabe. In Slowenien besuchte er das Gymnasium der Salesianer Don Boscos, studierte dann acht Semester Philosophie und Theologie an der Theologischen Fakultät in Laibach. Im Anschluss daran absolvierte er ein Praktikum als Erzieher im Modestusheim in Klagenfurt, einem Internat für Schüler des Slowenischen Gymnasiums. Thomas Steigerwald heiratete im September 1991. Mit seiner Frau Elvira kann er sich heute über zwei Töchter freuen: Valentina zählt 16 Jahre, Désirée 10 Jahre. Noch 1991 kam Steigerwald nach Wien. Durch einen glücklichen Zufall fand er im Jänner 1992 Kontakt mit St. Stephan, wo man damals einen Mesner suchte. Nach einem Gespräch mit Dommesner Franz Weinwurm begann er die „Domlaufbahn“ als Mesnerpraktikant

risteidirektor

Autoren dieser Nummer.

Kardinal Christoph Schönborn mit den beiden „Neuen“: links Kirchenmeister Mag. Thomas Steigerwald und rechts Sakristeidirektor Georg Rejda und beendete diesen Dienst im Dom als Stellvertreter des Sakristeidirektors. In dieser Zeit konnte Steigerwald auch an der Universität sein Studium der Katholischen Theologie mit dem Magisterium abschließen. Nach dem Sakristeidienst war er in der Dompfarrkanzlei tätig: als Verantwortlicher für die Matriken sowie für die Buchhaltung der Pfarre und der Erzbischöflichen Cur. Von November 2004 bis Ende Oktober 2007 wirkte Steigerwald in der Militärdiözese als „Theologischer Assistent beim Militärordinariat“. Innerhalb der Domangestellten, die dem Kirchenmeisteramt unterstellt sind, bilden die Dommesner mit den Domaufsehern eine eigene Gruppe, die dem Sakristeidirektor unterstellt sind. Auch diese Funktion wurde noch bis Mitte der Neunzigerjahre des 20. Jahrhunderts von einem der Dompriester wahrgenommen.

Auf Umwegen nach St. Stephan Wie Kirchenmeister Steigerwald hatte auch der neue Sakristeidirektor Georg Rejda ursprünglich einen geistlichen Beruf im Auge. Am 19. Juni 1968 in Wien geboren versuchte er im Canisiusheim Horn

in den Jahren 1984 und 1985 das Fundament für das Ziel, Priester zu werden, zu legen. Gott lenkte ihn aber zurück nach Wien, wie er selbst formuliert. Die Begegnung mit Prälat Dr. Franz Sotola, der damals Präsident des Canisiuswerkes war, führte Georg Rejda an den Dom, wo er 1985 in die Mesnergemeinschaft eintrat. Im Jahr 2003 wurde er Vertreter des Sakristeidirektors, in dieser Funktion Nachfolger von Thomas Steigerwald. Mit 1. November 2007 wurde Georg Rejda vom Domkapitel zum Sakristeidirektor bestellt. Noch ein Wort zu seiner Familie: Mit seiner Ehefrau Csilla freut er sich über die 2002 geborene Tochter Rita-Maria. Schon 2001 hatte das Ehepaar den Buben Elias adoptiert; 2003 wurde noch dessen leibliche Schwester Jennifer-Mirjam (heute vier Jahre alt) in die Familiengemeinschaft aufgenommen. Georg Rejda betont auch stolz, dass er österreichweit zu den 2% aller Väter gehört, die mit ihrem Kind ein Jahr in Karenz waren. Ich wünsche beiden neuen Verantwortungsträgern an unserem Dom Gottes Segen für Ihren Dienst und viel Freude mit ihren neuen Aufgaben! ó

Papst Benedikt XVI., vormals Professor Dr. Joseph Ratzinger, Statthalter Jesu Christi und 266. Nachfolger des Apostelfürsten Petrus, Bischof von Rom, oberster Hirte der Weltkirche, Primas von Italien, Erzbischof und Metropolit der römischen Kirchenprovinz, Souverän des Staates der Vatikan-Stadt Mag. Karin Domany, AHS-Lehrerin, PGR-Mitglied Kan. Mag. Anton Faber, Dompfarrer, Dechant für das Stadtdekanat Wien 1 Diakon Roman Faux, Hauptschullehrer Mag. Heinrich Foglar-Deinhardstein LL.M., Rechtsanwaltsanwärter, Kommunionspender Reinhard H. Gruber, Domarchivar, Redaktionsleiter Christian D. Herrlich, Assistent des Dompfarrers, Kanzleileiter Dr. Markus Himmelbauer, Geschäftsführer des Koordinierungsausschusses für christlichjüdische Zusammenarbeit Anneliese Höbart, Finanzausschuss PGR St. Stephan Rudolf Hundstorfer, Präsident des ÖGB Familie Evelyn, Peter, Katharina und Lukas Krammerstetter Dipl. Theol. Werner Maria Kuller, SchönstattPriester, Familienseelsorger MMag. Benedikt J. Michal, Doktorand, AHSLehrer, stv. Vorsitzender des PGR St. Stephan Josef Mörth, PGR, Pfarrcaritas St. Stephan Monika Mörth Dr. Cornelia Plieger, Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien Mag. P. Michael Robitschko OSB, Benediktiner d. Stiftes Admont, dzt. Seelsorger in St. Stephan Dr. Markus Schlagnitweit, Hochschulseelsorger in Linz und Direktor der Kath. Sozialakademie Österreichs (ksoe) Msgr. GR Mag. Franz Schlegl, geistlicher Assistent im Erzbischöflichen Amt für Unterricht und Erziehung; AHS-Religionslehrer, Seelsorger in der Domkirche und der ukrainischgriechisch-katholischen Pfarre St. Barbara Bischof Dr. Ludwig Schwarz SDB, Diözesanbischof von Linz Mag. Birgit Staudinger, Dompfarrkanzlei Mag. Herbert Tumpel, Präsident der Arbeiterkammer Mag. Ernst Wally, Dommusikassistent Guardian Pater Mag. Gottfried Wegleitner OFM, Franziskanerkloster Wien emer. O. Univ.-Prof. Prälat Kan. Dr. Josef Weismayer, Domkustos, Institut für Dogmatische Theologie, Katholisch-Theologische Fakultät, Universität Wien Fr. Miloˇs Záreck´y OT, Deutscher Orden, Diakon Alfons Zenk, Sonderschullehrer und zurzeit Hausmann in München

Redaktion. Redaktionsleitung: Reinhard H. Gruber Lektorat: Verena Michalke, Reinhard H. Gruber Redaktionsteam: Mag.Toni Faber, Diakon Roman Faux, Mag. Heinrich Foglar-Deinhardstein, Mag. Karin Domany, Anneliese Höbart,Verena Michalke, Mag. Birgit Staudinger unter Mitarbeit von Christian D. Herrlich

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008 29

Aus der Dompfarre

LichterWerkStatt St. Stephan Licht für den Dom – Licht für die Menschen Am Allerseelentag 2007 wurde der Verein „LichterWerkStatt St. Stephan“ von Leopoldine J. Martschitz gegründet. Der Vereinszweck ist die Erhaltung des kulturellen Erbes des Stephansdomes, Förderung spirituellen und kulturellen Lebens und die Unterstützung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen,Handicap oder in Not. Die Osterkerze im Stephansdom aus der Hand von Leopoldine J. Martschitz kennen viele Menschen gut. 1995 wurde sie entworfen, 1998 fand zum ersten Mal die seither damit untrennbar verbundene Aktion „Licht für den Dom – Licht für die Menschen“ statt. Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren weit mehr als 10.000 Osterkerzen von Frau Martschitz und ihren Mitarbeitern aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland angefertigt.

Gedenken an die Menschen, die am Dom mitgebaut haben „Die Idee der Kerzen entstand in Zeiten,die für mich von vielen Sorgen und Kummer geprägt waren“, so Leopoldine J. Martschitz „und der Stephansdom mir zur Zufluchtsstätte wurde. Im Gedenken an jene Menschen, die an dieser Kirche mitgebaut haben, wurde diese Kerze entworfen.“ Viele Menschen ließen sich von der Idee „Licht für den Dom – Licht für die Menschen“ begeistern. „In den vergangenen Jahren ist viel Licht von dieser Aktion ausgegangen“, erinnerte Kardinal Schönborn anlässlich der 10-Jahres-Feier der handgefertigten Osterkerzen für St. Stephan.

Kerze am Grab von Kardinal König „Dass diese Kerze etwas Besonderes an sich hat, erkannte auch Franz Kardinal König. Daher erbat er sich in seinem Testament diese Kerze an seinem Sarg. So brennt sie seit seinem Begräbnis am 27. März 2004 jeden Tag an seinem Grab“, betont Martschitz. Aber auch beim Begräbnis von Bundespräsident Thomas Klestil brannte eine von ihr gefertigte Osterkerze.

Infos zu der vom Kardinal unterstützten Aktion im Internet: www.lichterwerkstatt.at

Erlös für Stephansdom und in Not geratene Menschen Die vielen hundert handgefertigten Unikate werden alljährlich in der Karwoche zum Kauf angeboten. Der monatelange Arbeitseinsatz wird mit großem Erfolg belohnt. Viele wertvolle kleine, aber feine Kostbarkeiten im Dom können durch den Erlös dieser Aktion der Nachwelt erhalten werden. Aber Frau Martschitz sorgt auch dafür, dass mit einem Teil dieses Reinerlöses in Not geratenen Menschen in Österreich geholfen wird. Seit Karfreitag 2007 war sie beseelt von der Idee, eine Kooperation mit inhaftierten Frauen der Justizanstalt Schwarzau einzugehen. Seit November 2007 wird nun in „Heimarbeit“ im Haftraum stundenlang eifrig gemessen, geschnitten und geklebt. Die Kerzen werden in der „Freizeit“, die im Gefängnis unendlich lange sein kann und in der einem leicht die Decke auf den Kopf fällt, angefertigt. Die Frauen werden für ihre Tätigkeit von der „LichterWerkStatt St. Stephan“ entlohnt. „Ich wollte und will mithelfen, den Frauen eine Perspektive zu vermitteln, und ein Stück Selbstwertgefühl zurückgeben“, sagt Leopoldine. Die Situation der Frauen im Gefängnis ist noch dramatischer als in einem Männergefängnis. Im Unterschied zu den inhaftierten Männern, die von ihren

30 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008

weiblichen Angehörigen noch eher besucht werden, würden 90 Prozent der Frauen im Gefängnis vergessen „und sie waren in hohem Ausmaß zuerst Opfer bevor sie zu Tätern wurden. Oft kümmert sich kein Mensch mehr um sie“, erzählt Oberst Gottfried Neuberger, der Leiter der Justizanstalt. Zur Schirmherrschaft des Vereines erklärte sich Kardinal Christoph Schönborn bereit. Dr. Erwin Pröll übernahm als Landeshauptmann den Ehrenschutz für das Bundesland Niederösterreich. Auch Papst Benedikt XVI. beeindruckte das langjährige pastorale und soziale Engagement von Frau Martschitz; er verlieh ihr dafür am 12.10.2007 die hohe päpstliche Auszeichnung „Bene Merenti“. Und kurz vor Redaktionsschluss konnten wir erfahren, dass unserer Leopoldine eine ganz besondere Ehre zuteil wird: Sie wurde gebeten, die Osterkerze 2008 für die liturgische Feier mit Papst Benedikt XVI. in der Osternacht im Petersdom anzufertigen. Am 12. März wird die Osterkerze bei der Generalaudienz persönlich von ihr an den Heiligen Vater übergeben. Wir gratulieren sehr herzlich! Heuer findet der Verkauf der Osterkerzen bereits am Freitag vor dem Palmsonntag (14.3.2008) ab 9.00 Uhr im Singertor des Stephansdomes statt. Kardinal Schönborn nimmt die Segnung der Kerzen vor. ó

Dommusik bis Anfang Juni 2008

Beginn des Hochamts (wenn nicht anders angegeben: 10.15 Uhr) Ausführende: Domchor St. Stephan, Choralschola und Domorchester. Dommusik-Assistent Ernst Wally, Dommusikus Thomas Dolezal, Domkapellmeister Markus Landerer

Mitsingen im Domchor?

Herzliche Einladung zu einer Schnupper-Probe (jeden Freitag um 19 Uhr im Curhaus, Stephansplatz 3, 1010 Wien).

Wir bieten ˘ Musikalische Gestaltung von monatlich einem Gottesdienst im Stephansdom ˘ Mitwirkung bei Domkonzerten ˘ Kompositionen aller Epochen ˘ Möglichkeit zur Stimmbildung

Auf Dein Kommen freut sich der Domkapellmeister Markus Landerer. Kontakt und Information: Tel.: 0699/81 80 79 60 oder E-Mail: [email protected]

Wir erwarten ˘ Chorerfahrung ˘ eine frische Stimme mit sauberer Intonation ˘ präzises Rhythmusgefühl ˘ sicheres Vom-Blatt-Singen ˘ verlässliche Probenteilnahme

Der neue Dommusikassistent Mag. Ernst Wally stellt sich vor. Anfang September 1997 bekam ich einen Anruf, es werde ein Organist für die Vesper zum Fest der Kreuzerhöhung in St. Stephan gesucht, ob ich mir vorstellen könnte, diesen Gottesdienst zu spielen. Dies war der Beginn einer intensiven Substitutentätigkeit am Wiener Stephansdom. So lernte ich im Laufe der letzten zehn Jahre alle Formen von Gottesdiensten, die an einer bedeutenden Domkirche wie dem Stephansdom gefeiert werden, als Organist kennen, von der eucharistischen Andacht bis hin zum feierlichen Pontifikalamt. Aus einer musikalischen Familie stammend, welche seit beinahe acht Jahrzehnten in der Dompfarre St. Stephan beheimatet ist, war es für mich umso ehrenvoller, als meine Berufung zum Assistenten der Wiener Dommusik im Juni 2007 erfolgte. Meine Aufgaben umfassen vor allem das Orgelspiel bei Gottesdiensten und das Korrepetieren der Chorproben der Kantorei des Domes. Eine besondere Herausforderung für mich als Kirchenmusiker ist es, sowohl mit meinen organistischen als auch mit meinen kreativkompositorischen Fähigkeiten einen Beitrag zur Gestaltung des Gottes-

dienstes zu leisten und höchstes musikalisches Niveau im Sinne des Mottos „musica ancilla domini“ zu bieten.

Curriculum Vitae

© P. Christoph Merth OSB

So. 30. 03. Mozart: Missa brevis in F-Dur „Kleine Credo-Messe“ So. 06. 04. Johann Joseph Fux: C-Dur-Messe So. 13. 04. Johann Nepomuk Hummel: Messe in B-Dur (230. Geburtstag) Do. 01. 05. Hochamt zu Christi Himmelfahrt Fr. 02. 05. 18 Uhr, Joseph Haydn: Nelsonmesse (Festgottesdienst zum Domweihtag) Sa. 03. 05. 12 Uhr, Michael Haydn: Deutsche Messe Konzert zum Steffl-Kirtag 20.30 Uhr Felix Mendelssohn Bartholdy: Lauda Sion, Salve Regina Wolfgang Amadeus Mozart: Krönungsmesse; Cornelia Horak, Sopran Waltraud Russegger, Alt Roman Payer, Tenor Domchor St. Stephan Domorchester Leitung: Domkapellmeister Markus Landerer Eintritt frei! So. 04. 05. Joseph Haydn (zugeschrieben): Missa solemnis in C-Dur So. 11. 05. Anton Bruckner: Messe in d-moll Mo. 12. 05. Franz Aumann: Orgelsolo-Messe So. 18. 05. Mozart: Trinitatis-Messe So. 22. 05. 8.30 Uhr, Mozart: Spatzen-Messe So. 25. 05. Brixi: Missa aulica So. 01. 06. Duruflé: Missa cum jubilo

Ernst Wally studierte Orgel (Franz Falter, Michael Radulescu), Komposition (Dieter Schermann, Michael Jarrell, Frédéric Durieux) und Kirchenmusik in Wien und Paris. Nach intensiver Tätigkeit als liturgischer Organist an verschiedenen renommierten Kirchen Wiens und der Abbaye St. Marie de Paris erfolgte im Juni 2007 seine Berufung als Assistent der Dommusik an den Wiener Stephansdom. Unterrichtstätigkeit am Franz Schubert Konservatorium, Tätigkeit als Konzertorganist und Komponist. Im Bereich der Kirchenmusik Aufträge u.a. von der Romano Guardini Stiftung/Berlin und der Wiener Dommusik anlässlich des Besuches von Papst Benedikt XVI. im September 2007.

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008 31

Aus der Dompfarre

Von Oberfranken nach Wien Der Lebensweg des „sagenumwobenen“ Mesners Johann Wachter (1682–1761), erzählt von Alfons Zenk Die Märtyrerin Corona, Patronin der Schatzgräber und des Geldes, wird vor allem in Niederösterreich und Altbayern verehrt. Auch wenn sich im Stephansdom keine Statue oder Reliquie dieser Heiligen mehr finden lässt, so muss sie früher auch hier angerufen worden sein, denn in der folgenden Domsage spielt sie eine wichtige Rolle: „Dem unzufriedenen Mesner von St. Stephan, Johann Wachter, soll sie einst um Mitternacht im Dom erschienen sein. Mit dem Goldschatz, den sie aus ihrer Schürze auf die Steinfliesen zu Füßen des Mannes fallen ließ, lebte dieser in Saus und Braus. Doch als Schicksalsschläge sein Leben erschütterten, verwünschte der Mesner seinen Reichtum und war froh, als er in seinem armseligen Mesnerhäuschen erwachte und erkannte, dass er den Reichtum nur im Traum erlebt hatte.“

Vom Kleinhäusler zum Ratsherrn Sagen wird im Allgemeinen in ihrem Kern eine historische Wahrheit zugestanden. Tatsächlich gab es den oben genannten Johann Wachter, der das Amt des Mesners wohl fast dreißig Jahre ausübte. Ob er über sein Los wirklich unzufrieden war und die Fürsprache der heiligen Corona benötigte oder ob es sich bei der Sage eher um einen Fall übler Nachrede handelt, das sei dahingestellt. Aus den wenigen „harten Fakten“ zu Wachters Lebensweg mag jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. Wachters Eltern Johannes Wachter und Kunigunda Reisig stammten aus dem nordbayerischen Frankenwald. Ihre Heimat war das kleine Pfarrdorf Birnbaum im heutigen Landkreis Kronach. Die Landschaft ist geprägt von ausgedehnten Waldgebieten, weit auseinander liegenden Ortschaften und einem rauen Klima. Arbeit ist dort traditionell Mangelware, so dass es die Frankenwäldler über Jahrhunderte, sei es als Flößer oder Handwerker, in die Ferne zog, um dort ihr Auskommen zu finden. Schwierige Be-

dingungen prägten ihr Leben und formten wohl auch die Menschen, denen ein raues Gemüt und grobe Charakterzüge nachgesagt werden.Wachters Eltern sagten um 1680 ihrem Heimatort Birnbaum Lebewohl und zogen entlang der Flüsse Rodach und Main Richtung Süden ins klimatisch begünstigte „Obermaingebiet“. Im Pfarrdorf Kleukheim im heutigen Landkreis Lichtenfels kauften sie 1681 einen kleinen Bauernhof, wo im darauf folgenden Jahr der spätere Mesner Johannes Wachter das Licht der Welt erblickte Die kleine Familie lebt hier in bescheidenen, aber auskömmlichen Verhältnissen, bis 1687 der Vater plötzlich verstirbt. Johannes Wachter ist zu diesem Zeitpunkt gerade einmal fünf Jahre alt. Die Witwe Kunigunda Wachter verkauft den Kleukheimer Besitz ein Jahr darauf. Von da an breiten sich gut vierzig Jahre Dunkel über das weitere Schicksal von Johannes Wachter. Einiges spricht dafür, dass sich die Mutter ins heimatliche Birnbaum zurückzog, während der kleine Johannes in Kleukheim zurückblieb und in der Familie seines Taufpaten Johannes Bernhard aufwuchs. Dass er in seinen Wiener Jahren enge Beziehungen nach Kleukheim hatte, nach Birnbaum jedoch nicht, spricht für die enge Verbundenheit mit dem Ort seiner Kindheit. Erst 1730, Wachter ist mittlerweile über vierzig Jahre alt, wird er wieder greifbar. Das Trauungsbuch von St. Stephan verzeichnet unter dem 4. September seine Eheschließung mit der „viel Ehr. und Tugendreichen Jungfrau Maria Christina Schmauserin“. Durch diese Hochzeit war Wachter mit einem Mal ein gemachter Mann. Seine Ehefrau, mit etwa 35 Jahren auch nicht mehr „taufrisch“, war Tochter des bereits verwitweten Dommesners Carl Ludwig Schmauser. Sinn und Zweck der Ehe war es nicht nur, die Tochter unter die Haube zu bringen, sondern auch einen Nachfolger im Amt des Mesners zu bekommen. Schwiegervater Schmauser war Mitglied des Äuße-

32 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008

Alfons Zenk ist Sonderschullehrer und zurzeit Hausmann in München ren Rats der Stadt Wien und damit ein angesehener Bürger. Aus späteren Dokumenten geht klar hervor, dass es sich um eine arrangierte Ehe handelte. Falls beiderseitige Zuneigung in dieser Beziehung vorhanden gewesen sein sollte, so spielte sie jedenfalls nicht die ausschlaggebende Rolle. Aufgrund welcher Verbindungen Wachter aus Oberfranken nach Wien gelangte und wer bei der Arrangierung der Ehe seine Hände mit im Spiel hatte, bleibt bislang rätselhaft. Möglicherweise spielte Franziskanerpater Marianus Welscher, der sich um 1710 als Organist an der Wiener Minoritenkirche nachweisen lässt, eine wichtige Rolle. Dessen Wiege stand wahrscheinlich ebenfalls am Obermain und die Vorfahren stammten wie bei Wachter aus dem Frankenwald. Außerdem wirkte zu dieser Zeit ein weiterer Mann mit Beziehungen ins Fränkische in Wien: Friedrich Karl von Schönborn, Mitglied fränkischer Domkapitel und nachmaliger Fürstbischof von Bamberg und Würzburg wirkte von 1705 bis 1734 als Reichsvizekanzler am Hofe Kaiser Karls VI. in Wien. Von daher bestanden zum Zeitpunkt von Wachters Eheschließung intensive Beziehungen zwischen Franken und Wien, von denen Wachter auf seine Weise profitierte. Schwiegervater Schmauser wies Wachter in seine Aufgaben als Mesner von St. Stephan ein, die zu dieser Zeit ein enormes organisatorisches Geschick erfordert haben müssen. Für das Jahr 1732 stellte Johann Wachter eine Statistik über

die abgehaltenen kirchlichen Funktionen im Dom zusammen. Er verzeichnet darin 54558 Messen, also durchschnittlich 150 täglich; 407 Pontifikalämter und 1095 laut gebetete Rosenkränze. Ab vier Uhr früh löste eine Andacht die andere ab, am späten Abend war Rosenkranzandacht mit Gesang und Orgelbegleitung, darauf folgte die von Kardinal Kollonitz gehaltene Abendpredigt und das Lied der „Bruderschaft der 72 Jünger Christi“, das den Tag abschloss. Es gab also reichlich zu tun. Darüber hinaus stieg er auch in der Bürgerschaft auf. Wie sein Schwiegervater wurde Johann Wachter Mitglied des Äußeren Rats. 1741–49, 1751 und 1755-56 lässt er sich in dieser Funktion nachweisen. Er genoss innerhalb der Bürgerschaft Ansehen und konnte, gemessen an seiner Herkunft, als wohlhabend gelten. Währenddessen blieb die Verbindung zu seinem Heimatort Kleukheim in Oberfranken erhalten. In den Jahren 1737 und 1745 stiftete er für die Pfarrkirche St.Wolfgang in Kleukheim zwei vergoldete Kelche, auf denen er sich in großen Lettern unübersehbar als Stifter verewigen ließ. Sichtlich beeindruckt notierte der Kleukheimer Pfarrer in der Kirchenrechnung für 1738/39: „Noch ein kostbahrer Kelch von silber und reichlich vergoldet welcher unlängst von einem guthäter aus wien dem würdigen gotteshauss St. Wolfgangi ist verEhrt worden.“

Streit ums Geld Bis auf den heutigen Tag halten die beiden Kelche das Andenken an Wachter in seinem Geburtsort wach. Außerdem übernahm Wachter 1750 auch die Patenschaft für einen Sohn des Kleukheimer Lehrers Johannes Georg Welscher. Der Eintrag im Taufbuch bezeichnet ihn als „praenobilis et strenuus dominus“, hebt ihn also als „angesehenen und tüchtigen Mann“ hervor. Diese wenigen überlieferten Details zeigen die enge Verbundenheit zum Ort seiner Kindheit; vor allem in der Kelchstiftung mag sich auch eine

gewisse Dankbarkeit dokumentieren. Weit weniger erfreulich verlief wohl das Privatleben im Wiener Mesnerhaushalt. Die Wachterschen Eheleute wohnten wahrscheinlich zeitlebens im so genannten „Trienter Hof“ (heute Ecke Domgasse 4 / Blutgasse 1), in dem bis heute Mitarbeiter der Domkirche wohnen. Da beide erst im reiferen Alter geheiratet hatten, blieb Nachwuchs aus. Für einige Jahre war noch Schwiegervater Schmauser zu versorgen. Als dieser das Zeitliche segnete, hinterließ er ein stattliches Erbe von 6000 fl., das wohl aufgrund des Ehevertrags dem Vermögen von Wachters Ehefrau zugeschlagen wurde. Die Nachlassverhandlungen für Johann Wachter und seine Frau Christina zeigen an vielen Stellen, dass ihre Beziehung zueinander eher unerquicklich gewesen sein muss. Man gewinnt den Eindruck, dass Streit um Geldangelegenheiten das dominierende Thema im Mesnerhaushalt war. Als Christina Wachter 1759 verstarb und ihr gesamtes Vermögen, bestehend aus mütterlicher und väterlicher Hinterlassenschaft, nicht an den Witwer, sondern an ihre eigene Verwandtschaft fiel, lieferte Johann Wachter bittere Kommentare über das Verhalten seiner Frau ab. So wurde er bis zuletzt immer wieder daran erinnert, dass er aus kleinbäuerlichen Verhältnissen stammte und es eigentlich nicht verdient hatte, zum Wiener Bürgertum dazuzugehören. Hartnäckig kämpfte Wachter bis zuletzt um sein vermeintliches Recht. Zu diesem· Zeitpunkt war er als „jubilierter Mesner“ hochangesehen, seine Nachfolge bereits geregelt und er hatte keine Nachkommenschaft zu versorgen. Mit dem eigenen Vermögen war er, so sollte man zumindest meinen, wohlversorgt. Sein „geiziges“ Verhalten lässt sich wohl nur im Rückblick auf die bescheidenen und von Unsicherheit geprägten Verhältnisse seiner Kindheit erklären. Die eingangs zitierte Domsage, in der die heilige Corona ihre Schätze über Wachter ausschüttete, lässt sich mit

Das zweite Anwesen von links mit barockem Fachwerkgiebel des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist Wachters Geburtshaus, heute durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. Im Hintergrund die Pfarrkirche St. Wolfgang in Kleukheim, Oberfranken (Foto 1958). einer eher bedrückenden Realität konfrontieren. Aus einfachen Verhältnissen kommend, in relativ späten Jahren noch wohlhabender Mesner im Wiener Stephansdom zu werden, das war wohl wirklich so, als wenn die Heilige reichlich ihre Gaben geschenkt hätte. Es blieb nur nicht bei einem schönen Traum, aus dem Wachter frohgemut wieder erwacht wäre. Bis zuletzt spielte Geld für ihn eine dominierende Rolle und Bescheidenheit war nicht seine größte Zier. Johann Wachter verstarb am 23. Februar 1761 im Trienter Hof nach einem Schlaganfall. Zwei Tage später wurde er mit einem Begräbnis dritter Klasse in den „Neuen Grüften“ unter dem Stephansplatz beigesetzt. Er hinterließ kein Testament, aber ein stattliches Vermögen von etwa 9000 fl. Ein Cousin und eine Cousine aus Oberfranken wurden als nächste Verwandte ermittelt und über Unterhändler als Erben eingesetzt. So kehrte in Form von Geld wieder etwas dorthin zurück, wo alles seinen Anfang genommen hatte, nach Birnbaum im Frankenwald. ó

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008 33

Vor 60 Jahren

Aus der Pfarrchronik von St. Stephan Juni 1947 1.6. Zusammen mit den katholischen Frauen Wiens nahmen die Frauen des Oratoriums und die weiblichen Angehörigen des Allgemeinen Wiener Oratoriums an einem Bekenntnistag in St. Gabriel teil. Thema wie am 15.5. Die Sakramentsprozession hielt Abt Hermann Peichl OSB. Es wirkten, wie schon am 15.5., der Theologenchor von St. Gabriel, die Sängerknaben vom Wienerwald und ein Bläserchor mit. 8.6. 66 Buben und Mädchen der Dompfarre gingen heute zur Erstkommunion. Kinder- und Jugendgruppen der Dompfarre erfassen derzeit 118 Kinder und 66 Jugendliche.

Juli 1947 29.7. Die Auslieferung der Dachstuhlbestandteile wurde durch die Russen neuerlich gesperrt,wodurch die Arbeiten stocken.

August 1947 11.8. Die heute mit den Russen geführten Verhandlungen wegen der Dachstuhlteile verliefen völlig ergebnislos.

September 1947 Während der Ferien wurde ein Mädchenlager in Reichersberg und ein Bubenlager in Hollabrunn gehalten.

Oktober 1947 13.10. In Anwesenheit Kardinal Innitzers fand im Leosaal des Curhauses das erste Brüderoratorium statt. 16.10. Während der Pfarrmesse wurde heute im Dom eine Jugendfahne geweiht. Außerdem wurde ein Opfertisch für die Pfarrarmen aufgestellt. Trotz der schweren Zeit wurden reiche Gaben abgegeben. Das Newman-Colleg eröffnet sein erstes Studienjahr. 29.10. Domkurat Alois Illek wurde zum wirklichen Konsistorialrat ernannt. Eröffnung der Nähstube des Oratoriums.

November 1947 10.11. Die Kalorien für Normalverbraucher wurden auf 1.700 Kalorien hinaufgesetzt.

30.11. Beginn der marianischen Woche zur Vorbereitung auf den 8. Dezember.

Dezember 1947 8.12. Im Rahmen einer großen Feierstunde erneuerte Kardinal Innitzer sein Gelübde, nach glücklicher Beendigung des Krieges eine Marienkirche zu bauen. 14.12. 4. Allgemeines Wiener Oratorium in der Kirche Am Hof. Dr. Dorr sprach über das Thema: „Der soziale Christ“. Die Andacht hielt Domdechant Prälat Josef Wagner. 22.12. Internuntius Maurilio Silvani gestorben. 24.12. Heute segnete Kardinal Innitzer die vom Wiener Oratorium gespendeten Weihnachtsbäume und Gaben, die von ihren Spendern gleich zu den Pfarrarmen getragen wurden. Es gelangten zur Verteilung: 320 kg Lebensmittel, 307 Kleidungsstücke, 74 Paar Schuhe, 12 Decken, 7 Pölster, 2 Tuchenten, 250 Lebensmittelpakete, 20 warme Mittagessen, 1.500 kg Kohle, 30 Christbäume und 3.000 Schilling. Ein großer Christbaum und eine Reihe von Paketen wurden für die Flüchtlingslager am Südbahnhof und in der Marc-Aurelstraße bereitgestellt. Wegen der herrschenden Unsicherheit in der Nacht wurde keine Mitternachtsmette gehalten.

Dompfarrer Dr. Karl Raffael Dorr, wortgewaltiger Prediger und Motor des Wiederaufbaus von St. Stephan

Jänner 1948 18.1. Domkapitular Wenzel Jaksch ist gestorben. Er wird am 26.1. in der Gruft des Domkapitels auf dem Zentralfriedhof bestattet.

März 1948 7.3. Kardinal Innitzer hielt das Te Deum anlässlich des Papstkrönungstages. 13.3. Dompfarrer Franz Gessl nahm in der Kirche Am Hof eine Ministrantenweihe vor./Prälat Franz Feichtinger wurde zum Hofrat ernannt. 14.3. 5. Allgemeines Oratorium in der Kirche Am Hof. Dr. Dorr sprach über das Thema: „Die Religiosität des Wieners.“ Es wirkte die Wiener Kantorei unter Leitung von Prof. Hans Gillesberger mit. Die Andacht hielt Domkantor Prälat Franz Feichtinger.

Im Jahre 1947 waren in St. Stephan:

Pfarrsplitter aus der Vergangenheit.

Taufen 109, Trauungen 109, Sterbefälle 94, Reversionen und Konversionen 71, Kirchenaustritte 9. An Kirchenbeitrag gingen S 90.259,35 ein. Zahl der Katholiken: 9.772. Beitragspflichtige: 5.523. Nichtzahler:93. Beitragsdurchschnitt S 7,57

19.12.1948

Wiedereröffnung des Langhau

06.05.1973 02.06.1973 07.12.1973

Neuer Volksaltar nach den Richt Beginn der U-Bahn-Arbeiten Eröffnung des neuen Turnsaales

03.12.1978

Erstes Pfarrcafé

17.03.1983 12.09.1983 03.12.1983 24.12.1983 18.12.1983

Beginn der „Sandlerbetreuung“ Erster Besuch von Papst Johan Segnung der Barbarakapelle Start der Aktion „Weihnacht de Erster Weihnachtsmarkt

15.01.1988 18.06.1988 23.06.1988

Pfarrfaschingsfest im Pfarrsaal Pfarrfest (Heuriger im Hof) Zweiter Besuch von Papst Joha

Curpriester 1948 Cur- und Chormeister, Dompfarrer: Franz Geßl, Domkapitular, bis zu seinem Tode am 24.8.1948 Dr. Karl Dorr, Dompfarrer seit 14.12.1948 Alois Illek, Domkapitular seit 6.12.1948 Josef Göbel, Alois Penall, Dr. Josef Velechovsky, Dr. Martin Stur, Anton Wesely, Karl Hugel, Rudolf Bachleitner, Kurt Gröger, Alexander Luger

Chronik Seit dem letzten Pfarrblatt zu Ostern Getauft wurden: Julian Stremitzer, Alexander Schwarzecker, Marina Kainz, Miriam Kohel, Clara Greslechner, Shannon Bauer, Leon Bauer, Anna Zehetner, Moritz Schön, Sebastian Jenisch, Karin Ley, Sophie Blumauer, Olutayo William Adewumi, Olaitan Emmanuel Adewumi, Olalekan David Adewumi, Oluwaseun Victor Adewumi, Monica Butschek, Marc Nicolae, Thomas Zeitlinger, Vincent Milde, Vanessa Panzenberger, Amadea Medibach, Samy Omar, Luise Mares, Colette Kaminko, Dorian Flesch, Alessa La Sala , Marina Wohletz, Valentin Hradez, Marissa Haczay, Rafaela Bauer, Valentin Eisendle, Larissa Kral, Klara Wolschlager, Marcel Prosa, Jakob Mayer, Martin Staudinger, Dr. Elfriede Brunnthaler, Santo Wesenjak, Alexander Vallant, Franziska Auersperg, Paul Raffling, Maya De Jong, Katharina Lobenhofer, Tobias Ehlmaier, Ann-Sophie Gaisbauer, Pascal Groiß, Stefan Benischek, Lea Thorwartl, Agnes Gal, Alexander Studler, Christoph Faber, Robert Fox Linton, Judith Henhappel, Sophie-Catherine Haslinger, Benedikt Prießnitz, Rosa Waldmüller-Ferrando, Sophie Gottschlich, Tim Burst, Isabelle

ses von St. Stephan linien des II. Vatikanums im Tiefparterre des Curhauses

(Prälat Johannes Joss/Diakon Ernst Ballner) nes Paul II. durch Kardinal Franz König er Einsamen“ mit 200–240 Teilnehmern

im Tiefparterre nnes Paul II.

Andre Gärtler, Bernadettenicht Pfeffer, Miriam Aus Datenschutzgründen angezeigt Fürst, Réka Kisgyörgy, Marissa Maurer, Oswald Wolkenstein, Tobias Hermann, Florentin Kalitzke, Nina Niemeck, Barbara Trauth,Thomas Dubsky, Laetizia Hrazdira, Magdalena Faller, Lia-Marie Obernosterer, Sidney Reithmayer, Nicolas Obuch, Gioia Calice, Hyun-Jeung Son, Marcus Pecker, Nicholas Holecek, Michael Mattausch, Valentine Kunsky, Luan Lanzmaier, Konstantin Hensellek, Dorothée-Leopoldine Haas, Daniel Kogler, Moritz Schlager, Ferdinand Salzmann, Zoe Melanidis, Ming-Chih Offenbächer, Benjamin Morgenbesser, Tizian Havranek, Josephine Binder, Stephen Orloski, Joachim Handler, Lilli Latzke, Mag. Maria Häuslmayer, Constantin Weigerstorfer, Liliana Stiebler, Valerie Bammer, Mathias Altenburger, Monika Tököli, Mario Rotter, Filip Rek, Moritz Luksch, Noemi Friedrich, Christoph Schramm, Vitus Riedler, Matthieu Levier, Rita-Maria Rejda, Jennifer Rejda, Lena Plisnier, Meinhard Fellner, Carla Steinberger, Catarina Müller, Michelle Müller

Getraut wurden: Adelheid Weinberger und Philipp Koll Mag. Ines Mosheim und Bernd Stilling Beata Wiedner und Patrick Krakora Elisabeth Wurzian und DI Erich Wurzian Veronika Scherk und Jose Reis Arsenio Anna Ifkovits und Peter Horner Andrea Ahorner-Kiesling und KR Josef Ahorner Dea Brovig und Jan Odegaard Isabelle Frodl und Mag. Alexander Eberhard Plamena Neumaier und Cristiano Forner DI Anne Moritz und MAS Oliver Berndt Leonie Fundulus und Emanuele Arnoldi Eleonora Kittinger und DI Ulrich Kastner Mag. Barbara Czernia und Gerhard Oberleitner Amanda Streit und Otto Streit Mag. Sandra Soudain und DI Michael Schramm Mag. Patrizia Pörscht und Reinhard Holzmann Marie Maier und Markus Ortmayr Maria-Clara Horvath und Michal Brozek

Andra Spallart und Dr.Wolf-Dieter Spallart Aus Datenschutzgründen nicht angezeigt Colette Campbell und Joel Cullin Dr. Ulrike Hallwirth und Dr. Wolfgang Treitler

In die Ewigkeit. gingen uns voran. Edeltraud Frauenbauer, Christine Loebenstein, Msgr. Dr. Johann Hörist, Hildegard Raicher,Wilhelmine Widholm, Helene Reti, Dr. Heinz Michalke, Prof. Friederike Mehskolitsch, Gusti Wolf, Margarita Wagner, Dr.Werner Schefzig, Hilda Mesnik, Dr. Gerhard Huter, Pfarrer GR Richard Fick, Walter Kozak, Altbundespräsident Dr. Kurt Waldheim, Ludmilla Jiricek, Dr. Friedrich Illsinger, Hilda Koranda, Maria Böse, Friederike Glück, Isabelle Halper, Eva Pölzl, Waltraud Wildhage, Prof. Romuald Pekny, Prof. Dr. Helmut Wyklicky, Dr. Kurt Ragas, Theresia Adlitzer, Dr. Max Husarek-Heinlein, Herbert Birringer, Helene Lintl, Manfred Mautner Markhof, Dr. Carl-Ludwig Habsburg-Lothringen, Katharina Pichler, Dr. Andreas Feiks, Margaretha Michalke, Heidi Warner, Brigitte Wlacik, Prof. Helmut Dembscher, Prof. Peter Orthofer,

Wieder aufgenommen wurden. 46 Personen

Wir gratulieren. Datenschutzgründen nicht angezeigt ˘ Zum 80. Geburtstag Aus am 06.02.: Kan. Dr. Josef Tóth ˘ Zum 75. Geburtstag am 20.05.: Dem Apostolischen Nuntius in Österreich, Erzbischof Edmond Farhat ˘ Zum 70. Geburtstag am 13.02.: Elisabeth Gosch 20.02.: Diakon Heinz Schlevoigt ˘ Zum 65. Geburtstag am 10.01.: OStR Mag. Günter Knotzinger 06.03.: P. Ulrich Zankanella OFM ˘ Zum 60. Geburtstag am 11.01.: Helli Grünberger ˘

˘ Oberin Sr. Christine Gleixner zur Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008 35

Aus der Dompfarre

Die Epitaphien des Stephansdomes Ein wissenschaftliches Projekt, vorgestellt von Cornelia Plieger Leben,Tod und Auferstehung, Macht und Memoria – die Epitaphien des Wiener Stephansdomes legen Zeugnis ab über den Wandel von Glauben und Jenseitsvorstellung im Laufe der Zeiten.

Wissenschaftliches Projekt Dr. Cornelia Plieger wird in den nächsten drei Jahren im Rahmen eines Forschungsprojektes am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien diese Denkmäler des Stephansdomes systematisch untersuchen und bearbeiten. Das Vorhaben steht unter der Patronanz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, wird vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) finanziert und in Kooperation mit Dr. Renate Kohn vom Institut für

Mittelalterforschung der ÖAW durchgeführt. Bis heute hat man sich in der kunsthistorischen Forschung den Epitaphien des Wiener Stephansdomes lediglich im Zusammenhang von Überblickswerken oder in Publikationen zu Teilbereichen zugewandt. Eine umfassende Gesamtdarstellung aller dieser Denkmäler ist aber – man möchte fast sagen verblüffenderweise – ausständig und stellt ein dringendes Desiderat der Forschung dar. Zur Bearbeitung steht der reiche Bestand der heute noch im Inneren und an den Außenseiten des Domes erhaltenen Epitaphien mit bildlichen Darstellungen zum Andenken an Geistliche, wohlhabende Bürger, Ratsherren und Universitätsprofessoren. Den Anfang bilden frühhumanistische Beispiele, gefolgt von qualitativ herausragenden Renaissancewerken bis hin zu barocken und klassizistischen Denkmälern und solchen des 19. und 20. Jahrhunderts, wobei der weitaus größte Teil der Objekte dem 16. Jahrhundert angehört.

Botschaften in Stein

Dr. Cornelia Plieger, im Hintergrund das Epitaph des Humanisten Johannes Cuspinian, nach 1529

Die Spannweite der Formensprache und der Botschaften, welche die Epitaphien vermitteln, ist dabei sehr groß und reicht von schlichten, sehr persönlich gehaltenen „Zeugnissen der Erinnerung“ bis hin zu Werken von hohem kunst- und kulturgeschichtlichen Rang. Dabei zeigt sich der Dom einerseits als Stätte der Memoria für Klerus, Bürgertum und (Verdienst-) Adel, zum anderen als steingewordene Machtdemonstration der österreichischen Landesfürsten. Der Stephansdom war somit nicht nur Brennpunkt des städtischen Lebens, sondern erweist sich gerade zu Beginn des 16. Jahrhunderts (am Übergang von der Spätgotik zur Renaissance) als ein Zentrum der künstlerischen Entwicklung, was sich an Hand der Epitaphien exemplarisch darstellen lässt. Zu berücksichtigen sind in diesem Zusammenhang auch die feinen, teilweise

aquarellierten und relativ genauen Federzeichnungen der Reliefs im sog. Codex Gartenschmid (Széchényi-Bibliothek Budapest), einer aus acht Bänden bestehenden Handschrift, von der die ersten beiden Bände dem Stephansdom gewidmet sind. Die Zeichnungen vermitteln eine gute – wenn auch nicht allzu genaue – Vorstellung vom Aussehen der Grabdenkmäler und dienen so als wichtiges Dokument bei der Rekonstruktion von Fehlstellen etc. und bilden vor allem auch nicht mehr erhaltene Epitaphien ab.

Bestandsaufnahme und Präsentation Absicht des Projektes ist eine monographische Präsentation der einzelnen Epitaphien in Form von Katalognummern, abgerundet durch Essays zu verschiedenen Themenstellungen, die eine Einbindung der Werke in den kunsthistorischen (lokalen wie internationalen) sowie den historischen, soziologischen, theologischen, etc. Kontext ermöglichen. Zentrale Fragen und Probleme, auf die in diesem Zusammenhang einzugehen ist, betreffen Fragen nach Künstlern und Stilrichtungen, wo es zu einer Klärung entscheidender Forschungsfragen, wie etwa in der Datierung und in der Zuschreibung an Künstler oder Werkstattverbände kommen wird. Fragen nach Einflüssen, nach der Herkunft einzelner Motive und der Möglichkeit ihrer Vermittlung, Fragen nach graphischen Vorlagen, des Materials und der Farbigkeit werden ebenso zu beleuchten sein wie solche nach Auftraggebern und dem realhistorischen sowie religionspolitischen Kontext. Damit Hand in Hand gehen Untersuchungen zu Ikonographie und Ikonologie. Weitere Punkte betreffen allgemeine Überlegungen zum Bildnis in der Grabplastik, zur sich wandelnden Todesauffassung in den einzelnen Epochen, zum Relief, etc. Nach Abschluss der Arbeiten wird das Ergebnis dieses Projektes in Buchform veröffentlicht werden. ó

Heilige Zeichen

Die Kathedra Von Diakon Roman Faux Hilf uns, unter der Führung des Apostels Petrus am unverfälschten Glauben festzuhalten, damit wir das ewige Erbe deiner Kinder erlangen. (Gabengebet vom Fest Kathedra Petri, 22.Februar) „Kathedra“ meint wortwörtlich den festen Sitz des Bischofs, der in der Mutterkirche einer Diözese aufgestellt ist, die aus diesem Grund „Kathedrale“ genannt wird. Sie ist Symbol für die Autorität des Bischofs und insbesondere für sein Lehramt, das heißt für die dem Evangelium gemäße Lehre, die er – als Nachfolger der Apostel – zu bewahren berufen ist und die er der christlichen Gemeinschaft weitergeben soll.Wenn der Bischof die Diözese, die ihm anvertraut worden ist, mit der Mitra und dem Bischofsstab in Besitz nimmt, nimmt er auf seiner Kathedra Platz.

Der Lehr-Stuhl Die Bezeichnung Kathedra kommt aus dem Griechisch-Lateinischen und bedeutet Sitz, Lehrstuhl. Sie ist seit der Antike das Symbol der Vollmacht eines öffentlichen Amtsträgers.In das christliche Gotteshaus übernommen, stand sie im Scheitelpunkt der Apsis, über die beiderseits anschließenden Priesterbänke erhöht. In den Evangelien heißt es immer wieder: Jesus rief seine Jünger zu sich; er setzte sich und lehrte sie. Daher soll auch der Bischof nach den liturgischen Vorschriften diese alte Haltung des Lehrens einnehmen und von seiner Kathedra aus sitzend predigen. Die Kathedra wird damit, so wie der Altar, ein Ort besonderer Christusgegenwart und das älteste und bedeutendste Symbol der bischöflichen Hirtenaufgabe. Die Kathedrale birgt dieses Symbol und wird dadurch Zeichen der Einheit der Gläubigen in jenem Glauben, den der Bischof als Hirt seiner Herde verkündet. Der frühchristliche Schriftsteller Tertullian schreibt den Gebrauch der Kathedra auch schon den Aposteln zu, muss sie also als altgewohnte Selbstverständlichkeit vorgefunden haben. Ursprünglich aus Holz, wurde sie später aus Stein ge-

Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn auf der Kathedra von St. Stephan. fertigt. Man behandelte sie – als Ort besonderer Christusgegenwart – gleich dem Altar mit Auszeichnung und bedeckte sie mit einem Tuch. Da der Zelebrant in den geosteten Kirchen, etwa ab dem 6. Jahrhundert, nicht mehr zwischen Apsis und Altar, sondern zwischen Altar und Volk zu stehen hatte, um gegen die Apsis gewendet nach Osten beten zu können, kam die Verwendung der Kathedra im Mittelalter außer Gebrauch. Im 13. Jahrhundert entwickelte sich der Thron mit Baldachin, der meist auf der Evangelienseite stand.

Tradition in neuer Form Seit 2005 findet sich eine neue Kathedra aus Stein und Glas im Stephansdom, die den Gegebenheiten im Dom und der Lage zwischen neuem Volksaltar und barockem Hochaltar entspricht.

Ein massiver Sitz aus demselben rotgrauen Marmor wie Altar und Ambo wird freistehend von zwei Steinwangen, in die Wahlsprüche früherer Wiener Erzbischöfe eingraviert sind, flankiert. Die ebenfalls freistehend aus dem Boden ragende gebogene Rückwand ist aus Glas, Wappen und Wahlspruch unseres Erzbischofs sind in Glas eingraviert. Durch den Stein und das Glas ist einerseits die Festigkeit, aber auch die Transparenz der Lehre angedeutet, andererseits ist auch der Durchblick, die Durchlässigkeit zum Altar des heiligen Stephanus gegeben. So hat die Kathedrale eine neue, dem liturgischen Ort entsprechende Kathedra, jenen Sitz, von dem aus der Bischof uns leitet als Lehrer und Hirte, den Weg den Gläubigen weist im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. ó

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008 37

Heilige im Dom Heilige im Dom

Heilige Notburga Eine Frau gegen die Überbewertung der Arbeit. Von Birgit Staudinger Predigerin der Tat Viele eloquente und sicher auch einige weniger begabte Männer haben schon von der Domkanzel von St. Stephan zu den Menschen gesprochen. Getragen wurden sie dabei von einigen heiligen Frauen und Männern, die den kunstvoll ausgestalteten Fuß der Kanzel bilden. An der Stirnseite kann man die hl. Notburga erkennen: eine Frau in einfacher Magdkleidung, in der einen Hand hält sie ein Stück Brot, die andere Hand dieser so fleißigen Frau ist leider (vielleicht aus Müdigkeit von so viel Arbeit…) abgebrochen, vermutlich hat sie einen Krug, eine Sichel oder einen Schlüssel getragen. Die Heilige blickt sehr ernst, aber ruhig. Sie hat viel Not in ihrem Leben gesehen, die Kraft für ihre Arbeit schöpfte sie aus dem Gebet. Viele Worte, die von der Domkanzel gesprochen wurden, wurden gehört und wieder vergessen, diese Heilige jedoch hat durch ihre unzähligen Wohltaten an Armen, Hungernden und Notleidenden bleibende Spuren hinterlassen. Sie ist die meistverehrte Heilige des Landes Tirol, ihr Grab in Eben ist ein nicht unbedeutender Wallfahrtsort und seit vielen Jahren findet in Tirol eine jährliche Notburgawallfahrt statt.

Schützerin in der Not Der Name Notburg(a) leitet sich aus dem Althochdeutschen ab, er bedeutet „Schützerin vor bzw. in der Not“ und wurde zum Lebensprogramm dieser Heiligen. Urkundlich belegt ist die Geburt dieser großen Frau aufgrund ihrer einfachen Herkunft nicht – sie war vermutlich die Tochter eines Hutmachers und wurde um 1265 in Rattenberg geboren - aber die vielen Legenden, die in zahlreichen Gebeten, Darstellungen und Statuen in den Kirchen Tirols und anderen Orten wie auch im Stephansdom ihren Niederschlag gefunden haben, zeugen von der Bedeutung und der Vorbildwirkung der hl. Notburga für die Menschen von damals bis heute.

Die junge Frau trat als Küchenmagd in den Dienst auf Schloss Rottenburg (Ruinen davon sind noch erhalten) ein und brachte es aufgrund ihrer Verlässlichkeit und ihres Fleißes zu einer verantwortungsvollen Stellung im Schloss. Sie sah die Not der Menschen und gab jenen, die zum Schlosstor kamen und um Hilfe baten, zu essen, was bei Tisch übrig geblieben war; auch schenkte sie den Verzagten ein gutes Wort. Ihr Ruf verbreitete sich bald. Aber nach dem Tod des alten Schlossherren verbot die junge Gräfin Notburga, den Armen zu essen zu geben. Als sie dabei ertappt wurde, dass sie nun ihr eigenes, vom Mund abgespartes Essen an Bedürftige verteilte, soll sich das Brot in ihren Händen in Hobelspäne und der Wein in Essig verwandelt haben. Trotzdem musste Notburg das Schloss verlassen.

Bewahrerin des Sonntags Sie trat daraufhin bei einem Bauern in den Dienst, versprach äußerst fleißig und tüchtig zu arbeiten, bat sich jedoch aus, an den Vorabenden zu den Sonn- und Festtagen, wenn die Glocken zum Gebet riefen, ihre Arbeit niederlegen zu dürfen. Der Bauer willigte ein, hielt sich aber nicht an sein Versprechen. Denn als eines Abends zur Zeit des Weizenschnitts die Feiertagsglocken läuteten und Notburga zur Kirche gehen wollte, hielt er sie zurück. Sie aber rief Gott zum Zeugen und Richter zwischen dem Bauern und ihr an und hängte ihre Sichel in der Luft auf, wo sie – so besagt es die Legende –

Hl. Notburga von Rattenberg. (um 1265–1313) Gedenktag: 14.September Attribute: Sichel,Brot,Kanne,Schlüssel Patronin: der Bauern, Dienstmägde und der Armen; der Arbeitsruhe und des Feierabends; für eine glückliche Geburt; bei Viehkrankheiten und allen Nöten der Landwirtschaft.

38 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008

Darstellung der hl. Notburga am Kanzelfuß der Domkanzel von St. Stephan, Sandstein um 1500. solange hängen blieb, bis Notburga sie nach der Andacht wieder in die Hand nahm. Später soll Notburga wieder auf Schloss Rottenburg gedient haben und von der Grafenfamilie sehr geachtet worden sein. Nach ihrem Tod am 14. September 1313 wurde ihr Sarg ihrem letzten Wunsch entsprechend auf einen führerlosen Wagen mit einem Ochsengespann gelegt; die Tiere führten ihn zur Kirche von Eben, wo Notburga zu Lebzeiten viele Stunden im Gebet verbracht hatte. Dort wurde sie auch beigesetzt.

Persönliche Gedankenanstöße Die Lebensgeschichte der hl. Notburga hat mich in mehrfacher Hinsicht zum Nachdenken angeregt. Sie ist eigentlich eine sehr moderne Heilige, eine einfache Frau vom Volk für das Volk, eine Frau mit viel Mut und Zivilcourage, die im kleinen Bereich ihrer Möglichkeiten doch viel bewirken konnte. Ihre Botschaft ist genauso aktuell wie damals: Notburga schenkte vielen Menschen, die keine Arbeit und kein Geld hatten, ihre Aufmerksamkeit und ihre Liebe; niemand klopfte vergebens an ihre Tür. Unfähigkeit zur Erwerbstätigkeit oder Arbeitsplatzverlust bedeuten bis heute für die Betroffenen Kampf um die bloße Existenz. Wir leben zwar in einem Land, in dem es in solchen Situationen von staatlicher Seite finanzielle Hilfe gibt, aber wer schenkt diesen Menschen die ebenso wichtige soziale Anerkennung, damit sie wieder Mut und Selbstvertrauen gewinnen? Notburga unterstützte diejenigen, die ins Abseits der Gesellschaft geraten sind, und verlor dadurch ihren eigenen Arbeitsplatz. Wer greift heutzutage einem Mitmenschen in Not noch unter die Arme, wenn er dadurch seinen eigenen Arbeitsplatz riskiert – besonders in einer Gesellschaft, die sich immer mehr durch Arbeit und Leistung definiert? Und was die Geschichte mit der Sichel betrifft, kam mir die Assoziation mit dem Sprichwort „etwas an den Nagel hängen“. Am Feierabend hing die Heilige ihre Arbeit buchstäblich an den Nagel. Sie arbeitete viel und gern, sie konnte ihre Arbeit aber auch für eine gewisse Zeit gut sein lassen, weggehen, Distanz gewinnen. Der Nagel kommt zwar in der Legende nicht vor, aber der Punkt, wo Notburga zur Ruhe kam, der liegt bei Gott. ó Literaturhinweis: Schipflinger, T., St. Notburga. Leben und Legende, Wien: Kellner Verlagsges. o.Z. www.heiligenlexikon.de

Mosaik der hl. Notburga über dem Haupteingang der Pfarr- und Wallfahrtskirche von Eben am Achensee, in der die Reliquien der hl. Dienstmagd Notburga verehrt werden

Gebet zur heiligen Notburga.

Heilige Notburga Anwältin der Arbeitenden – wenn Arbeitslosigkeit uns bedroht, tritt für uns ein. Zuflucht in all unseren Nöten – wenn Menschen in Hunger und Elend leben, sei du unser Vorbild der Hilfe. Beschützerin der Bauern, des Viehs, der Felder und Fluren – wenn Natur und Umwelt missachtet werden, rüttle uns auf. Kämpferin für Freizeit und Sonntag – wenn Sonntag und Freizeit bedroht sind, sei du uns Mahnung. Vorbild in der Treue zu Gott – wenn unser Gottvertrauen schwindet, sei uns zugegen. Heilige Notburga, bitte für uns. Amen. verfasst vom Ebener Pfarrer Erwin Corazza, 1992

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Buchempfehlung

»Schlamperte Christen« und »praktizierende Katholiken« Heinrich Foglar-Deinhardstein zum Buch „Wer braucht Gott?“ von Christoph Schönborn und Barbara Stöckl Unser Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn ist im Laufe des Jahres 2007 zumindest dreimal in bemerkenswerter,für manche vielleicht sogar überraschender Weise ins Licht der Öffentlichkeit getreten. Am 13. April 2007 präsentierte er im Vatikan das Buch „Jesus von Nazareth“ von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. Am 25. April 2007 sprach er im Wiener Burgtheater eine theologische Einbegleitung zu Shakespeares Tragikomödie „Maß für Maß“. Und am 9. August 2007 stellte er gemeinsam mit der bekannten ORF-Moderatorin Barbara Stöckl – vielen in der Dompfarre wird noch ihr Mitwirken bei der Stadtmission 2003 in Erinnerung sein – ein Buch vor. Dieses Buch, das Gegenstand dieser kurzen Besprechung ist, enthält ein großes Interview über Gott, die Kirche und die Welt, das Barbara Stöckl in mehreren Etappen mit dem Kardinal geführt hat. „Ein Buch für schlamperte Christen“, wie Schönborn und Stöckl es selbst bezeichnen. Meine persönliche Interpretation ist eigentlich, dass der Kardinal mit diesem Buch einfach der biblischen Mahnung gefolgt ist:„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu. stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt!“ (1 Petr 3, 15) „Wer braucht Gott?“ – Der Buchtitel klingt wie ein zugespitztes Echo der Frage „Was bringt dir das?“ Und „Was bringt dir das?“ ist eine typische spontane Anfrage, der sich in unserer säkularen Gesellschaft jemand ausgesetzt sehen kann, wenn er sich als „praktizierender Katholik“ outet – wobei unter „praktizierender Katholik“ bekanntlich nach einer sarkastischen Definition von Msgr. Helmut Schüller im Allgemeinen ein Mensch

verstanden wird, der „regelmäßig zu einer bestimmten Zeit der Woche irgendwo physisch anwesend ist.“1

Was bringt dir das? Das vorliegende Buch kann als Versuch verstanden werden, aus der Frage „Was bringt dir das?“ letztlich die Frage nach Gott herauszuschälen. Das Interview liefert so manchen Anknüpfungspunkt zum Weiterdenken und Weiterdiskutieren. Für mich war beim Lesen etwa interessant das Faible des Kardinals für Psychologie, ein Fach, das Schönborn als junger Mönch selbst studiert hat. So stellt Schönborn etwa zur Diskussion, ob es für die Entwicklung eines Kindes nicht zutiefst „nützlich“ ist, wenn es die Autorität der Eltern als auf den Glauben an Gott hin relativiert erlebt (S. 25). Und er fragt nach der Wirkmächtigkeit biblischer Bilder, Gestalten und Symbole, und ob sie nicht die Seele des Einzelnen wie auch die geistige Landschaft ganzer Kulturen prägen können und sollen (S.27 ff).2

Einfach da sein Beim Thema „Leid“ wird Schönborn noch vorsichtiger und – in befreiender Weise – zurückhaltend: „Ein Mitbruder, der Knochenkrebs hatte und wirklich unvorstellbare Schmerzen litt […], hat mir nur gesagt: ‚Ich bitte dich um eines: Rede im Angesicht des Leides nicht so leichtfertig mit frommen Worten. Du hast es nicht erlebt.‘ Daran muss ich immer denken, wenn solche Situationen sind. Ich glaube, das Einzige, das man machen kann, ist da zu sein, dabei zu sein, mitzuweinen, mitzufühlen und Freundschaft zu schenken. Und wo sich eine Möglichkeit auftut, gemeinsam das Ganze vor Gott hinzulegen, aber nur,

Christoph Schönborn, Barbara Stöckl: „Wer braucht Gott?“, Ecowin Verlag, Salzburg 2007 wenn der Moment dafür ist“ (S. 52 f). Insgesamt kann das Buch – mit der Tageszeitung „Die Presse“ – als „gehaltvolle Mischung aus Glaubensbekenntnis und Lebenshilferatgeber“ charakterisiert werden. Und für alle, die sich als „schlamperte Christen“ oder „praktizierende Katholiken“ sehen, oder als beides, oder aber solche, denen diese beiden Rollen zu wenig sind, hat Schönborn in diesem Buch eine Orientierungshilfe, einen Gradmesser parat, in dem wohl die pastorale Vision unseres Erzbischofs aufblitzt: „Es war einmal ein Beamter aus Brüssel bei mir, ein Österreicher, der in Brüssel tätig ist, Katholik, engagiert in einer Pfarre, der hat gesagt, es ist so schade, dass die Kirche in Brüssel so wenig präsent ist. Ich habe gesagt: ‚Wieso, Sie sind doch dort?‘ Da hat er mich etwas entgeistert angeschaut. Ich habe gesagt: ‚Ja, aber Sie sind doch praktizierender Katholik. Sie sind Beamter in Brüssel, da ist doch die Kirche gegenwärtig.‘ Die Kirche muss sich zu Wort melden – ja, aber wo? Der Fabriksdirektor, der katholisch ist, der Beamte, der katholisch ist, die Friseurin, die katholisch ist, die zu ihrem Glauben steht […] Das nenne ich Gegenwart der Kirche. Jeder und jede… Kirche sind wir alle“ (S. 78). ó

1 Helmut Schüller, Gott und der heutige Mensch. Domgespräche am 11. April 2000. 2 Angenehm lesbare, humorvoll-kritische Auseinandersetzungen mit dem Thema „Christentum und Psychologie“ finden sich in den Büchern des streitbaren Manfred Lütz: „Der blockierte Riese“; „LebensLust“ und „GOTT“

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Ein- und Ausblicke

»Und schaut der Steffl lächelnd auf uns nieder...!« Seien Sie gegrüßt! Ärgern Sie sich auch manchmal, dass alles so lange dauert, oder jemand sich zu einer Verabredung verspätet? Im Supermarkt stehen Sie bei der Kassa immer in der längsten Schlange, bei einer telefonischen Anfrage landen Sie in der Warteschleife: „Bitte um etwas Geduld. Im Moment sind alle Leitungen besetzt …“ Und die Restaurierarbeiten am Stephansdom scheinen ohne absehbares Ende zu sein. Wissen Sie, ich selbst sehe solche Dinge mit einer gewissen – wohl altersbedingten – Gelassenheit.Was ist schon ein Jahr im Verhältnis zu meiner fast 570-jährigen Geschichte?

arbeiten, manche haben dies unentgeltlich gemacht, weil ihnen dieser Besuch nicht im Magen, sondern am Herzen gelegen ist. Und es war ein schönes Fest, eine würdige Begegnung mit dem Nachfolger des heiligen Petrus. Der lange Atem und die viele Zeit, die investiert wurden, haben sich gelohnt. Aber manchmal muss man eben seine Kraftreserven wieder aufladen. „Der Mensch sagt, die Zeit vergeht. Die Zeit sagt, der Mensch vergeht.“ Es braucht auch Zeit zu leben, nicht nur zu arbeiten. Sonst läuft man Gefahr, wirklich ausgebrannt und leer zu werden. Die Folge ist dann, dass man die Freude an der Arbeit und am Leben verliert.

„Gut Ding braucht gut Weil“, heißt es so schön.

„Gut Ding braucht gut Weil.“

Und mir ist einmal der Spruch untergekommen: „Wir von der Kirche haben Zeit, denn die katholische Kirche währt ewig. Und die Ewigkeit dauert lange.“ Aber manchmal läuft einem halt doch die Zeit davon. Man denkt sich, es ist noch genügend Zeit, doch dann passieren unplanbare Dinge. Eine Mitarbeiterin wird krank, ein anderer geht auf Urlaub oder ein Projekt braucht mehr Zeit als geplant, die prominenten Autoren, die der hochwürdige Herr Dompfarrer kontaktieren will, sind nicht zu erreichen – und schon erscheint das Pfarrblatt nicht. So ähnlich ging es in den Schreibstuben der hochlöblichen Dompfarrkanzlei zu. Bis Weihnachten ist es noch lang – und schon war Neujahr. Als weitere „Entschuldigung“ mag gelten, dass alle, die am Pfarrblatt mitarbeiten, dies ehrenamtlich tun und die Entstehung desselben ihre Freizeitbeschäftigung ist. Und manchmal braucht es eben eine schöpferische Pause und auch einen langen Atem. Der Besuch Seiner Heiligkeit, Papst Benedikt XVI., hat alle am Dom schwer beschäftigt. Es wurde ja kein zusätzliches Personal angestellt. Alle mussten mehr

Mir fällt da immer der alte Kaiser Friedrich III. ein, der im wunderbaren Hochgrab im Apostelchor von St. Stephan seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Seine Politik war wenig spektakulär und doch erfolgreich. Seine Gegner waren zahlreich, auch sein eigener Bruder Albrecht machte ihm die Herrschaft streitig. Er wurde sogar vom Ungarnkönig Matthias Corvinus 1485 besiegt, der fünf Jahre bis zu seinem Tod ungestört in Wien residieren konnte. Den Kaiser, der wegen seiner phlegmatischen Art auch „des Hauses Österreich Erzschlafmütze“ genannt wurde, interessierten Krieg und Jagd nicht. Er beschäftigte sich lieber mit dem Sammeln von schönen Dingen und mit Alchemie. Und doch führten seine Zähigkeit und seine Geduld zum Erfolg: Er konnte 1469 endlich die Erhebung Wiens zum Bischofssitz erwirken, St. Stephan wurde zur Kathedrale. Ein Projekt, an dem alle bisherigen Herzoge Österreichs gescheitert waren. Und schlussendlich blieb er Sieger über all seine Feinde. Nicht zuletzt durch die Tatsache, dass er sie einfach überlebte. Er starb 1493 im für die damalige Zeit methusalemischen Alter von 77 Jahren.

„Gut Ding braucht gut Weil.“ Wenn Sie, liebe Leser, mit dem vorliegenden Pfarrblatt zufrieden sind, dann bin ich es auch. Und dann wollen wir rücksichtsvoll und verständnisvoll auf überbeschäftigte Pfarrherren und die Schreiberlinge in den Stuben der Dompfarrkanzlei blicken. In der Hoffnung, dass auch Sie sich manchmal ein bissl mehr Zeit lassen, grüßt Sie mit allen guten Wünschen für gesegnete Kar- und Ostertage mit einem herzlichen „Grüß Gott“,

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008 41

Gottesdienstordnung

Karwoche und Ostern im Dom zu St.Stephan Palmsonntag, 16. März 2008 18.45 Uhr 19.45 Uhr ca. 10.15 Uhr

Pfarrmesse Palmweihe bei der Pestsäule am Graben, Palmprozession zum Dom Pontifikalamt mit Kardinal Dr. Christoph Schönborn A. Reinthaler: Leidensgeschichte nach Matthäus; A. Bruckner: Christus factus est

Montag, 17. März 2008 18.00 Uhr

Chrisammesse – Weihe der Hl. Öle. Kardinal Schönborn feiert mit Priestern aus der ganzen Erzdiözese Gregorianischer Choral

Gründonnerstag, 20. März 2008 17.15 Uhr 19.00 Uhr

Laudes mit Kardinal Schönborn Hl. Messe vom Letzten Abendmahl und Fußwaschung. Kardinal Schönborn in Konzelebration mit den Seelsorgern der Domkirche. J. Rheinberger: Teile der Missa crucis; Motetten zum Gründonnerstag von H. Schütz, M. Frank, A. Bruckner und M. Duruflé Anbetung beim Wiener Neustädter Altar bis Mitternacht Keine anderen Gottesdienste an diesem Tag

Karfreitag, 21. März 2008 18.00 Uhr 14.30 Uhr 18.00 Uhr

Trauermette mit Kardinal Schönborn. Gregorianischer Choral Kreuzweg mit Chorgestaltung Feier vom Leiden und Sterben Christi mit Kardinal Schönborn. Wortgottesdienst, große Fürbitten, Kreuzverehrung und Kreuzprozession durch den Dom, Kommunionfeier H. Schütz, Johannespassion; G. P. da Palestrina: Improperien, Motetten von J. Gallus und M. Haydn Anbetung beim Wiener Neustädter Altar bis Mitternacht Keine anderen Gottesdienste an diesem Tag

Karsamstag, 22. März 2008 18.00 Uhr

Trauermette mit Kardinal Schönborn. Gregorianischer Choral Anbetung beim Wiener Neustädter Altar bis 20.00 Uhr 21.00 Uhr Feier der Osternacht mit Kardinal Schönborn. Segnung des Osterfeuers im Hof des Erzbischöflichen Palais (Stephansplatz 7) Währenddessen bleibt der Dom geschlossen Prozession in den Dom, Lichtfeier mit Exsultet, Wortgottesdienst, Eucharistiefeier. Geläute der Pummerin Musik für Bläser, Chor und Orgel Keine anderen Gottesdienste an diesem Tag

Ostersonntag, 23. März 2008 19.00 Uhr 10.15 Uhr 16.30 Uhr

Pfarrmesse mit anschließender Segnung der Osterspeisen Pontifikalamt mit Kardinal Schönborn. L. v. Beethoven: Messe C-Dur; G. F. Händel: Halleluja, Geläute der Pummerin Feierliche Vesper mit Kardinal Schönborn. W. A. Mozart: Vesperae solennes de Dominica

Ostermontag, 24. März 2008 10.15 Uhr

Hochamt mit Prälat Kan. Weismayer. W. A. Mozart: Missa brevis d-moll

42 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008

Karwoche und Ostern im Pfarrgebiet von St.Stephan Franziskanerkirche

Deutschordenskirche

St. Ruprecht

Palmsonntag, 16. März 2008 Heilige Messe

18.45 Uhr 10.00 Uhr 11.30 Uhr 16.30 Uhr

19.00 Uhr 11.00 Uhr ungarisch

Messe mit Prozession am Vorabend um 17.00 Uhr

Gründonnerstag,20. März 2008 Trauermette Heilige Messe vom letzten Abendmahl

18.00 Uhr 18.00 Uhr

18.00 Uhr 19.30 Uhr für seelisch Leidende

20.00 Uhr

Karfreitag, 21. März 2008 Trauermette Kreuzwegandacht Feier vom Leiden und Sterben Christi

18.00 Uhr 10.00 Uhr 16.00 Uhr

15.00 Uhr 18.00 Uhr für seelisch Leidende 19.00 Uhr ungarisch

20.00 Uhr

Karsamstag, 22. März 2008 Trauermette Feier der Osternacht

18.00 Uhr 20.00 Uhr

18.00 Uhr 20.00 Uhr für seelisch Leidende 22.00 Uhr ungarisch

19.30 Uhr Gebet beim Kreuz

Ostersonntag, 23. März 2008 Heilige Messe

18.45 Uhr 10.00 Uhr 11.30 Uhr

19.00 Uhr 11.00 Uhr ungarisch

18.45 Uhr 10.00 Uhr 11.15 Uhr 16.30 Uhr

19.00 Uhr 11.00 Uhr ungarisch

14.00 Uhr Feier der Osternacht anschl. Frühstück

Ostermontag, 24. März 2008 Heilige Messe

Gottesdienstordnung im Dom Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen 7.30 Uhr 9.00 Uhr 9.00 Uhr 10.15 Uhr 11.15 Uhr 12.00 Uhr 17.00 Uhr 18.00 Uhr 19.00 Uhr 21.00 Uhr

Hl. Messe Pfarrmesse oder Pfarrfamilienmesse Kindermesse in der Unterkirche Hauptgottesdienst Hl. Messe (lateinisch, in der Unterkirche) Hl. Messe Vesper Hl. Messe Hl. Messe Hl. Messe

Gottesdienste an Werktagen 6.30 Uhr 7.15 Uhr 8.00 Uhr 12.00 Uhr 17.00 Uhr 18.00 Uhr 19.00 Uhr

Hl. Messe Kapitelmesse mit integrierten Laudes Hl. Messe Hl. Messe Andacht (Samstag 1. Vesper) Hl. Messe Hl. Messe (Samstag in englischer Sprache)

Beichte und Aussprache Montag bis Freitag: 7.00 bis 22.00 Uhr. Samstag: 7.00 bis 13.00 Uhr, 17.00 bis 22.00 Uhr, Sonn- und Feiertag: 8.00 bis 13.00 Uhr, 17.00 bis 22.00 Uhr.

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2008 43

Aus der Zum Nachdenken Dompfarre

Aus der Schatztruhe der geistlichen Tradition der Kirche Heilige Maria, makellose Mutter unseres Herrn Jesus Christus, in dir hat Gott uns das Urbild der Kirche und des rechten Menschseins geschenkt. Dir vertraue ich das Land Österreich und seine Bewohner an: Hilf uns allen, deinem Beispiel zu folgen und unser Leben ganz auf Gott auszurichten! Lass uns, indem wir auf Christus schauen, ihm immer ähnlicher, wirklich Kinder Gottes werden! Dann können auch wir, erfüllt mit allem Segen seines Geistes, immer besser seinem Willen entsprechen und so zu Werkzeugen des Friedens werden für Österreich, für Europa und für die Welt. Amen. Gebet von Papst Benedikt XVI. am Ende seiner Ansprache vor dem Angelusgebet am Stephansplatz am 9. September 2007

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Christus ist erstanden! Er ist wahrhaft auferstanden! Ein gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen herzlichst Ihr Dompfarrer Toni Faber und das Redaktionsteam!

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