Neuenbaum - Schützenbruderschaft St. Peter und Paul 1879

Neuenbaum - Schützenbruderschaft St. Peter und Paul 1879

PITTER UN Informationen aus der Schützenbruderschaft Sankt Peter und Paul 1879 e.V., Rosellerheide-Neuenbaum Schützenfestausgabe/Juni 2005 PAUL Udo I...

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PITTER UN Informationen aus der Schützenbruderschaft Sankt Peter und Paul 1879 e.V., Rosellerheide-Neuenbaum Schützenfestausgabe/Juni 2005

PAUL Udo I. regiert mit Königin Petra in Rosellerheide - Neuenbaum

Obwohl unglaublich viele Menschen dicht an dicht rund um den Schießstand auf dem Schützenplatz versammelt waren, konnte man beinahe eine Stecknadel fallen hören in der gespannten Stille, die herrschte, als die beiden Königsbewerber zum Gewehr griffen, um den Holzvogel von der Stange zu holen. Nachdem Egbert Solka als noch amtierende Majestät den ersten Schuss abgegeben hatte, lieferten sich Frank Riße vom Jägerzug „Fidele Jungens“ und Udo Krüger vom Jägerzug „Edelwild“ ein packendes Duell. Mit „Ohs“ und „Ahs“ begleitete die Menge jeden Schuss, der dem Vogel eine Reaktion entlockte. Tapfer hielt er den Attacken der beiden Bewerber stand, aber Schuss Nr. 16, abgegeben von Udo Krüger, passte, und die Trophäe segelte, in zwei Teile zerlegt, in die Tiefe. Das gespannte Schweigen der Zuschauer löste sich in lauten Jubel auf. Erster Gratulant war der damit zum zweiten Mal unterlegene Frank Riße. Er kündigte jedoch kurze Zeit später bereits an, dass dies nicht sein letzter Versuch war. Der Ruf von Brudermeister Heinz Meuter: „Wir haben einen Schützenkönig!“ ging im Jubel der Menge und im Ansturm der Gratulantenschar beinahe unter. Der Einzige, der offensichtlich Mühe hatte, zu begreifen, dass er es tatsächlich geschafft hatte, war der frischgebackene Kronprinz Udo Krüger. Udo Krüger wurde vor genau 50 Jahren in Düsseldorf geboren. Seine Familie stammt aus Ostpreußen und kam nach dem zweiten Weltkrieg, ihrer Heimat beraubt, wie so viele, ins Rheinland mit der Hoffnung, hier eine neue Existenz zu finden.1961 bezog die Familie das im Rahmen einer Siedlungsgemeinschaft neu gebaute Haus auf der Erlenstraße 5 in Neuenbaum. (weiter Seite 3)

Grußwort zum Schützenfest 2005 Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger von Rosellerheide und Neuenbaum, liebe Schützenfamilie, verehrte Gäste, Besucher und Freunde unseres Schützenfestes,

das 125jährige Jubiläum unserer Schützenbruderschaft mit vielen Aktivitäten und festlichen Höhepunkten liegt hinter uns. Was nun? Nun steht uns wieder ein „normales“ Schützen-, Volks- und Heimatfest bevor. Aber dies soll natürlich keine Abwertung sein. Gerade in der Normalität, die bei uns einhergeht mit der Pflege und Bewahrung von alten Traditionen, mit Beständigkeit und Verlässlichkeit, gerade darin liegt die Anziehungskraft, die unser Fest für Jung und Alt attraktiv macht. In Gemeinschaft zu feiern, alte Freunde wiederzutreffen und neue Freunde kennen zu lernen, sich Zeit zu nehmen, um ein paar Tage vom Alltagsstress abzuschalten, das ist mehr wert als alles Andere. Wir wünschen allen, der gesamten Schützenfamilie, den Mitbürgerinnen und Mitbürgern von Rosellerheide und Neuenbaum und unseren Gästen alles erdenklich Gute, ein schönes und sonniges Schützenfest mit viel „Spaß an der Freud.“

Heinz Meuter, Brudermeister

Der Königszug „Edelwild“

Reinhard Winkler, 2. Brudermeister

Udo I. regiert mit Königin Petra in Rosellerheide – Neuenbaum (Forts. von S. 1) Hier lernte er auch bereits in jungen Jahren seine Frau Petra (Frentzel) kennen. Auch ihre Familie stammt aus dem Osten Deutschlands. Ihre Eltern kamen Mitte der 50er Jahre als sogenannte „Republikflüchtlinge“ aus der damaligen DDR in den Westen und fanden vorübergehend in Norf eine neue Heimat, wo Petra auch zur Welt kam. Kurz danach zog die Familie für einige Jahre nach Bayern, aber Mutter Frentzel hatte Heimweh nach dem Rheinland und so zog man 1965 in das Haus Erlenstraße 42. Aus der Sandkastenliebe wurde 1979 der Bund für’s Leben. 1982 wurde Sohn René geboren, 1983 das neue Familiendomizil, natürlich auch auf der Erlenstraße (Nr. 38), eingerichtet und bezogen. Durch diesen Umzug wurde bereits damals Udo Krügers Weg zum Schützenkönig bereitet. Bis zum damaligen Zeitpunkt hatten beide Familien mit Schützenwesen absolut nichts „am Hut“. Das wäre vermutlich auch so geblieben, hätte nicht schräg gegenüber ausgerechnet der heutige zweite Brudermeister Reinhard Winkler gewohnt. Selbst seit Edelknabenzeiten aktiver Schütze, ließ er nicht locker, den neuen Nachbarn vom Sinn und Spaß des Schützenwesens zu überzeugen. Dies gelang ihm im Jahr 1983 in der damaligen Gaststätte Kempges, als man sich per Zufall im Restaurant traf. Reinhard Winkler kam vom Kegeln, Udo Krüger saß mit Eltern und Familie beim Essen. Es war zwar an dem Abend dann auch noch die Hürde „Vater Krüger“ zu überwinden, der dem Schützenwesen eher kritisch gegenüberstand, aber nach einigen gemeinsamen Bierchen und vermutlich unter kräftiger „Schützenhilfe“ von Heinz Kempges war es perfekt. Udo Krüger war Mitglied im Jägerzug „Edelwild“. Bereits 1986 wurde er Corpskönig des Jägercorps. Krönung seiner Schützenlaufbahn, wie er damals dachte..! Sohn René trat schon früh in seine Fußstapfen und wurde im Jahr 2000 Prinz der Schützenbruderschaft. Udo Krüger erlernte nach seinem Schulabschluss den Beruf des Industriekaufmanns und arbeitet heute in einer großen Bochumer Maschinenfabrik im IT/Organisationsbereich. Petra Krüger ließ sich als Beamtin beim Amtsgericht Düsseldorf beurlauben als 1987 Tochter Yvonne die Familie vervollständigte. Nach 12 Jahren „Babypause“ arbeitet sie seit einigen Jahren wieder in ihrem Beruf und ist im Grundbuchamt anzutreffen. Das größte gemeinsame Hobby der Familie Krüger ist zweifelsohne das Reisen. Vorzugsweise überall dahin, wo es Meer und Strand gibt. Überwiegend sind südliche Gefilde das Ziel, aber auch Nord- und Ostsee standen schon auf dem Reiseplan. „Berge sind nicht so unser Ding“, sind sie sich einig. Während bei Petra das Ausspannen am Strand im Vordergrund steht, frönt Udo so oft wie möglich seiner Leidenschaft, dem Motorboot fahren. Zu Hause sucht er Entspannung bei der Gartenarbeit. Der gepflegte Garten legt beredtes Zeugnis davon ab. Sein größter Feind ist das „gemeine Gänseblümchen“, das es doch tatsächlich immer wieder wagt, den teppichgleichen, englischen Rasen mit weißen Punkten zu verunstalten. Diesen Punkten rückt er dann gewissenhaft mit einem Spargelstecher zu Leibe, wie Petra leicht grinsend berichtet. Sie selbst findet Garten auch toll, allerdings mehr, um darin einen Liegestuhl aufzustellen und ein gutes Buch zu lesen. Bücher sind ohnehin ihre Leidenschaft und sorgen bei Flugreisen oftmals dafür, dass die Gepäckwaage die zugelassene Marke überschreitet. Ihre Residenz werden sie mit Hilfe ihres Zuges „Edelwild“ im Heidezentrum auf der Neukirchener Straße einrichten. Der Zug kann dabei auf Erfahrungen aus dem Jahr 1996 zurückgreifen. Damals war Zugführer Cornel Schoeber König der Bruderschaft. Auf die Frage, was sie sich zum Schützenfest besonders wünschen, kam die einhellige Antwort: „Dass das Wetter mitspielt, alles andere findet sich dann schon!“ B.P.

Schießsport nur etwas für Erwachsene? Nicht bei uns! Spaß am Schießen? Klar doch! Schießsport steht für: S innvolle Freizeitbeschäftigung C hancen auch für körperlich Schwächere H ohe Konzentration I nnerliche Ruhe S elbständigkeit S portgerät erzeugt Verantwortungsbewusstsein E ntwicklung einer Persönlichkeit N euer Umgang mit Erfolg und Misserfolg

In unserer Bruderschaft, St. Peter und Paul Rosellerheide Neuenbaum, genauer gesagt in der Schießsportgruppe unserer Bruderschaft haben bereits Schüler und Jugendliche ab 12 Jahren die Möglichkeit, den Schießsport auszuüben. Unter der fachkundigen Aufsicht unseres ausgebildeten Schieß- und Jugendleiters, Lutz Koske, findet seit etwa 5 Jahren an jedem Mittwoch ab 18.00 Uhr das Jugendschießen statt. Der Schießstand wird zur Verfügung gestellt vom Restaurant Karyatis, Neukirchener Str. 2 (bei Theo). Hier bietet sich die Möglichkeit, mit der Luftpistole (von den Jungen bevorzugt) oder Gewehr zu schießen. Im Vordergrund stehen dabei nicht nur der sportliche Erfolg, sondern auch das Finden neuer Freunde und die Kameradschaft innerhalb der Schießsportgruppe. Disziplin und feste Regeln sind auf dem Schießstand überaus wichtig. Sie müssen stets eingehalten werden. Der verantwortungsvolle Umgang mit der Waffe, sei es Pistole oder Gewehr, erfordert volle Konzentration. Auch lernen die Jugendlichen die notwendige Ruhe zu finden, Rücksicht auf andere zu nehmen und im Team zu schießen. Der Spaß kommt dabei trotzdem nicht zu kurz. Anfänger schießen zu Beginn auf Röhrchen oder größere Karten. So sind gleich erste eigene Erfolge sichtbar. Die Erfolge für ca. 5jährige beständige Jugendarbeit stellen sich immer häufiger ein. So belegte Thore Schümann den ersten Platz mit der Luftpistole beim Bezirksschießen. Oliver Risse, Alexander Loose sowie Thore Schürmann erreichten als Mannschaft den ersten Platz mit der Luftpistole. Damit qualifizierten sie sich für die Diözesanmeisterschaft in Gymnich. Auch in der Schülerklasse (12-16 Jahre) konnten hervorragende vordere Plätze belegt werden. Neugierig geworden? Dann schaut doch mal rein! Christel Meuter / Lutz Koske

Bei der Auswertung der Karten: Heiner Meuter, Sandra Loose, Lutz Koske und Oliver Riße

Schützen setzen Zeichen Als am zweiten Weihnachtstag die Bilder der Tsunami Katastrophe in Südasien um die Welt gingen, stellten sich viele in Rosellerheide-Neuenbaum die bange Frage, wie es Hans-Dieter Richhardt geht. Geboren und aufgewachsen in Rosellerheide, lange Jahre Mitglied der Schützenbruderschaft, lebt er seit 10 Jahren in Khao Lak, einem Ortsteil von Phuket Town. Relativ schnell kam die Nachricht, dass er nicht zu Schaden gekommen ist, aber mit dieser Nachricht kam auch ein erster Bericht über die verheerenden Schäden, die die Flut angerichtet hat. Weitere Berichte folgten. Der Vorstand der Bruderschaft unter Führung von Brudermeister Heinz Meuter beschloss, sich ebenfalls an den weltweiten Hilfsaktionen zu beteiligen, allerdings gezielt und ohne Umwege. In einer Blitzaktion wurden Aufkleber mit dem neuen Bruderschaftslogo angefertigt, die bereits Mitte Januar beim Sebastianusfest verkauft wurden. Zusammen mit weiteren Spenden kam schnell eine Summe von 500,-- EUR zustande, die direkt an Hans-Dieter Richhardt überwiesen und von ihm an den deutschen Honorarkonsul Dirk Naumann vor Ort weitergeleitet wurde. Das Geld wird in vollem Umfang zum Aufbau eines neuen Dorfes verwendet, für Menschen, die wirklich alles verloren haben. Durch die Berichterstattung in der NGZ wurden auch andere Bürger auf diese Initiative aufmerksam, unter anderem eine frühere Kollegin von Hans-Dieter Richhardt, die sich der Aktion der Bruderschaft angeschlossen haben. Dank weiterer Spenden konnte in der Zwischenzeit nochmals ein Betrag von 450,-- EUR nach Thailand überwiesen werden. (Fortsetzung nächste Seite)

Der Weg ist das Ziel! Die Schützenmesse am Sonntag des Jubiläumsjahres 2004 zeigte für mich persönlich eindrucksvoll, dass wir Christen, wir Menschen, wir Schützen doch eigentlich alle das gleiche Ziel haben: die Welt durch friedlichen, respektvollen Umgang miteinander auch für die Generationen nach uns lebenswert zu erhalten. Obwohl unser evangelischer Pfarrer, Superintendent Hermann Schenck, seine Predigt und die Schützenbrüder des Königszuges “Zwölfender“ ihre Fürbitten völlig unabhängig voneinander formuliert haben, sind die Übereinstimmungen bemerkenswert, wenn man sie (auszugsweise) einander gegenüber stellt. So heißt es in der Predigt: Eine alte jüdische Legende erzählt, wie ein Rabbi einmal von einem seiner Schüler gefragt wurde: „Woran kann ich erkennen, dass die Nacht vergangen und der Tag angebrochen ist?“ Dieser antwortete ihm: „Es ist in dem Augenblick Tag geworden, wenn du am Gesicht eines Mitmenschen den Bruder oder die Schwester erkennen kannst! … Finstere Nacht ist es, wenn ich in meinem Mitmenschen den Gegner und Feind sehe, der mich bedroht, weil er anders ist als ich.“ Dazu eine der Fürbitten: Gib den Menschen die Toleranz, diejenigen, die anders sind, zu akzeptieren. Weiter heißt es in der Predigt: Solidarität und Nächstenliebe, die Bereitschaft, sich für andere zu engagieren oder um der Not anderer willen auf eigene Vorteile zu verzichten, Arbeit, Geld und Zeit zu teilen… all das nimmt in dem Maße ab, wie die Angst, zu kurz zu kommen, zunimmt… Hierzu eine weitere Fürbitte: Gib den Menschen den Mut, den Schwachen beizustehen. Auf das Schützenfest bezogen, sagt Pfarrer Schenck in seiner Predigt: Gott sei Dank gibt es Zeichen, die die kommenden Tage ankündigen. Es sind Zeichen, die deutlich machen, was Menschen untereinander verbindet. Auch die Zeichen, die die Schützen gesetzt haben, gehören dazu. Wer in diesen Tagen als Fremder nach Rosellerheide kommt, kann etwas davon wahrnehmen: Unser Ort hat sich mit einem Schlag verändert. Er ist festlich geschmückt und hat sein Feiertagskleid angelegt. Bunte Fahnen und auf Hochglanz gebrachte Vorgärten bestimmen das Bild. Von überall her ertönt Musik, die sich zu einem harmonischen Ganzen vereint. An der Spitze (der Schützen) zwei, die sich trauen, das hohe Amt von König und Königin zu bekleiden. Es sind Egbert und Anke, kaum wieder zu erkennen, wenn sie nach der Krönung als strahlendes, sympathisches Königspaar glanzvoller Mittelpunkt dieses Festes und des darauf folgenden Jahres sein werden. Die Fürbitte dazu: Es gibt freudige Tage in unserem Leben, z.B., wenn jemandem aus unserer Mitte etwas gelingt, das man ihm von ganzen Herzen gewünscht hat. Gib den Menschen die Dankbarkeit für solche Tage, die das Leben so schön machen! Dies ist nur eine kurze, unvollständige Betrachtung und wird dem Inhalt der gesamten Predigt von Superintendent Hermann Schenck in keiner Weise gerecht. Ich möchte trotzdem diesen Beitrag mit einem weiteren Zitat aus der Predigt abschließen, dabei allerdings die Frage, die dort gestellt wird, in eine Aussage umwandeln, denn ich bin überzeugt: „Bei vielen ist das wegweisende Wort von Papst Johannes Paul II. noch in Erinnerung, in dem er feststellte, dass das, was uns verbindet, weitaus größer ist als das, was uns noch trennt.“ Brigitte Pieper

Memoiren einer Königin Annemie Kempges – Königin 1976/77 erinnert sich Heinz Kempges war eine Institution „im Neuenbaum“, ein „Urgestein“ des Brauchtums, mit Überzeugung Hotelier und Kneipier. Er war das Herz des Hotel –Restaurant Kempges auf der Tannenstraße in Neuenbaum. Die Seele des Ganzen, die Frau, die im Hintergrund die Fäden fest in der Hand hielt, war Annemie Kempges. Ihr Reich war die Küche des Restaurants. Das war „ihr Ding“. Noch heute unterstützt sie ihren Sohn, Bernie Kempges, wenn in der Küche des Heidezentrums „Not an der Frau“ ist. So ist es nicht verwunderlich, dass ihr auf die Frage nach ihren Erinnerungen an ihr Jahr als Königin als erstes einfällt: „Wir hatten so viel Arbeit. Ich weiß bis heute nicht, wie wir das alles hingekriegt haben. Ich hatte abends gerade mal immer so zwanzig Minuten, um mich umzuziehen und für’s Zelt fertig zu machen. Während Heinz zu später Stunde dann so richtig aufdrehte, hatte ich Mühe, dass ich nicht am Tisch einschlief. „Dä Kempches“ (wie sie ihren Mann auch heute noch nennt) hatte sich ja breitschlagen lassen, den König zu machen, weil mal wieder keiner da war und dadurch konnte man ja nichts mehr großartig planen. Wir hatten Sonntagmittag die „Altstädter“ da, einen ganzen Bus voll Leute, die zum Essen kamen und auch bis zum Abend blieben. Montags hatten verschiedene Züge zum Essen reserviert und Dienstagmittag hatten wir, wie seit Jahren, unser Schützenbuffet für alle Schützen. Alles Dinge, die man nicht mehr absagen konnte. „Dä Kempches“, der hatte ja immer die Ruhe weg. Während man unten schon die Musik hören konnte, saß der oben noch vor dem Fernseher. So auch am Krönungsabend. Nachher musste dann alles wieder flott, flott gehen. So kam es, dass er mit zweierlei Schuhen im Zelt saß, mit einem schwarzen Lackschuh (Lackschuhe zum feinen Anzug, das musste bei ihm einfach sein) und mit einem normalen schwarzen Arbeitsschuh. Keiner von uns hatte das allerdings bemerkt, bis auf einmal Engele Döres (Nachbar Theo Glasmacher) mit einer Plastiktüte oben auf der Bühne erschien und leise sagte: „Heinz, kiek ens, du häss zweierlei Schohn an!“ (Vermutlich hatte Frau Glasmacher, die viele Jahre Annemie Kempges in der Restaurantküche unterstützte, bemerkt, dass da noch ein einsamer Lackschuh herumstand, der eigentlich mit Majestät im Zelt sein sollte und ihren Mann losgeschickt.) Verstohlen, unter dem Tisch wurde der Arbeitschuh gegen den zweiten Lackschuh ausgetauscht und Döres zog mit seiner Plastiktüte wieder ab. Es ist keinem Menschen aufgefallen, und beim Ehrentanz strahlten zwei Lackschuhe zum schwarzen Anzug mit einem grinsenden Heinz um die Wette! B.P.

Seltsame Sätze seitens „schönem Schützenpräses“ Persönlicher Schützenfestrückblick mit S wie Solka (Pfarrer Matthias Heidrich zum Krönungsball 2004)

Seht, schöner Schützenpräses sagt stolz seine Sätze: Seniorenzentrum sogleich Solkas schöne Suite! Schau! Sollte Solka sonderlicher Schwarzgrünweiß-Schönfinder sein?? (Anm. d. Red.: Borussia-MGFan) Schützenpräses selbst sagt: „Skandal!“ Selbst Solkas schöne Schulbetreuungsfrau sagt: „Sehr seltsam, sehr sonderbar! Süßer, soll schwarzgrünweiß scharfmachen?? Schlecht!“ Seht! Schützenkönig Solka sowie Schützenpräses sind so schöne schüttere Scheitelfrisurträger! Schmucke Straßen! Schützenhemden saugen sonntags Schweißausdünstungen. Schon sehr stark, solche Schützenfestsonntagsteilnehmer! Seht: - Schützenpräses schreitet, schnelle Schritte sicher sortierend. - Schenck, sympathischer Schützenpräseskollege. - Schwitzende Schillscheoffiziere, schmale sowie starke Schwalbenschwanzträger. - Schutzmänner, Sonntagsfahrer sortierend. - Schützennichtkenner stören Straßenbreite stellplatzmäßig. - Stadtoberhaupt, sozialdemokratische sowie schwarze Schützensympathisanten. - Simon, Stadtchronist, Schulterbandträger. - Souveräner, schnäuzertragender Simonnachfolger. - Schimmelreitender, schulterstücktragender Schützenbefehler. - Schlangens, sehr solide Schützendoppelregenten. - Schirmherr, sonntags sehr spät kommend sowie schön schwitzend Sonntagsworte sagend. (kleiner Exkurs zum Straßenverkehr in Rosellerheide-Neuenbaum) Südstadtteilbewohner stöhnen: „Schwerlastverkehr stinkt!“ Schwarze sowie sozialdemokratische Stadtverordnete schreiben sofort Schild: „Schützenkönig Solka Schwarzgrünweiß-Sympathisant!“ Sofortwirkung: Schwerlastfahrer suchen schleunigst stadtteilumgehende Schnellstraße! (Platt gesagt: Hier wohnen Borussia-MG-Fans! Bitte weiträumig umfahren!) „So“, sagt Schützenpräses, „stopp, Schluss, sonst schlafen Schützen sonntagspredigtmäßig. Solka, schenk Schützenpräses schnell schwarzes Schaumgetränk! Schöne Sause, Solka!“

Abschluss des Jubiläumsjahres Unsere Schützenbruderschaft schloss ihr Jubiläumsjahr anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Gemeinschaft mit einer bemerkenswerten Ausstellung über das Leben in den Ortschaften im 19. und 20. Jahrhundert ab. Unter dem Titel „Blitzlichter“ präsentierte die Arbeitsgruppe der Bruderschaft vom 18.-22.12.2004 im „Heidezentrum“ eine Ausstellung von Fotos und Exponaten, die den Betrachter anschaulich durch nahezu zwei Jahrhunderte führte. In Fortführung des im März 2004 erschienen Festbuches wurde als Schwerpunkt gesetzt: Veränderungen im Leben der Dorfbewohner. Die Ausstellung war in sechs Themenbereiche gegliedert: sich verändern, arbeiten, wohnen und leben, glauben und handeln, feiern, Schützen setzen Zeichen. Besonders eindrucksvoll waren die Bildtafeln zum Thema „sich verändern“, die die rasante Entwicklung der beiden Ortsteile vor allem in den letzten 50 Jahren aufzeigten. Hier, ebenso wie auf den Tafeln zum Thema „arbeiten“, war besonders auffällig der enorme technische Fortschritt, der sich in allen Bereichen, ganz gleich ob Landwirtschaft, Handwerk oder Kleinindustrie bemerkbar macht. Überaus interessant auch der Blick zurück unter der Überschrift „wohnen und leben“: von der Kinderkutsche mit großen Holzrädern zum modernen „Jogger“, vom „Corsett“ zum Body, vom Waschbrett zum Waschvollautomaten, vom Schlafzimmer mit Waschlampette und Paradekissen zum Designer-Look. Liebevoll zusammengestellte alte Haushaltsgegenstände, wie z.B. ein Gerät zum Rösten von Gerste, um den allseits als „Muckefuck“ bekannten Malzkaffee herzustellen, rundeten dieses Thema ab. Auch beim Thema „arbeiten in der Landwirtschaft“ wurden die Fotos durch wunderschön gefertigte Miniaturen von landwirtschaftlichen Geräten ergänzt. (siehe Foto links) Dass glauben und handeln, feiern und Zeichen setzen eng miteinander verknüpft sind, konnte man gut erkennen. Neben Taufe und Beerdigung früher und heute, fand man Fotos von der Krönung eines Schützenkönigs in der Kirche, von Festen anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Marienkapelle in Neuenbaum, sowie von der Einholung der neuen Glocken für die evangelische Trinitatiskirche im Jahr 2002 unter großer Beteiligung der Schützen vor Ort. Informationen über das, was Rosellerheide-Neuenbaum heute an Infrastruktur zu bieten hat, sowie Informationstafeln als Leihgabe des Bezirksverbandes Neuss über die Schutzpatrone der ihm angeschlossenen Bruderschaften und die Auszeichnungen, die im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften vergeben werden, ergänzten die „Blitzlichter“ aus den Jahrhunderten. Orts- und Themen bezogene Gemälde des Malers und Schützenbruders Carl Werner Buldmann gaben der Ausstellung ein zusätzliches Highlight. Die Resonanz übertraf trotz des Termins in der für die Meisten hektischen Vorweihnachtszeit alle Erwartungen. Vor allem viele Menschen, die dem Schützenwesen bis dato eher distanziert oder kritisch gegenüber standen, fanden den Weg ins Heidezentrum und ließen sich sehr schnell überzeugen, dass Schützen mehr können als nur Schützenfest feiern. Damit war das Ziel der Verantwortlichen in der Bruderschaft, mit dieser Ausstellung auch und gerade die große Gruppe der „Neubürger“ anzusprechen und vielleicht bei dem einen oder anderen Interesse und den Wunsch zum Mitmachen zu wecken, hundertprozentig erreicht. B.P.

Neue Männer und Könige braucht das Corps………

von links nach rechts: Thomas Pieper, Oliver Gumz, Egbert Solka und Alexander Joller

Wechsel an der Spitze des Hubertus-Korps Nach 27 Jahren legten Willi Schlangen und Matthias Hammes ihr Amt als Hubertusmajor und Adjutant nieder. Bei den Neuwahlen im Dezember 2004 wurde Egbert Solka vom Zug „Zwölfender“ mit großer Mehrheit zum neuen Major des Hubertus-Korps gewählt. Er ernannte Alexander Joller aus dem Zug „Immer treu“ zu seinem Adjutanten. Turnusmäßig standen auch die Posten des 2. Geschäftsführers, des 2. Kassierers und des 2. Schießmeisters des Korps an. Konsequent wurde dabei die lange Tradition des Hubertus-Korps fortgeführt, jüngere Schützen frühzeitig mit in die Verantwortung einzubeziehen. So wurde Christian Oidtmann Nachfolger von Gerd Herberholz als 2. Geschäftsführer, Sven Lindner wurde zum 2. Kassierer und Thomas Pieper zum 2. Schießmeister gewählt. Alle drei kommen aus dem Jungschützenzug „Leeve Jonge“.

von links nach rechts: Reinhard Hürtgen, Walter Brauckmann und Wolfgang Andermahr

Wechsel an der Spitze des Grenadiercorps Ende 2004 stand Walter Brauckmann nach 18 Jahren im Amt zur Wiederwahl als Major nicht mehr zur Verfügung. Mit großer Mehrheit wählten die Grenadiere den bisherigen Adjutanten Wolfgang Andermahr zu ihrem neuen Major. Dieser ernannte Reinhard Hürtgen zu seinem Adjutanten. Alle drei sind Mitglieder des Zuges „Hejer Stolz“. Kleine Kuriosiät am Rande: Im vergangenen Jahr hieß der Major Walter Brauckmann, der Adjutant Wolfgang Andermahr und der Grenadierkönig Reinhard Hürtgen. In diesem Jahr heißt der Major Andermahr, der Adjutant Hürtgen und der Grenadierkönig ...Walter Brauckmann!

Weitere Sieger und Jubilare 2005…………..

Reinhard Winkler (links) Franz- Berens-Pokals Gerd Pieper (rechts) Gewinner des Pokals der ehemaligen Könige

Pokalsieger Edelknaben: Jan Brockmann (links) Bianca Püll (rechts) gewann das Schießen der Bürger

Jubilare 50 Jahre: Hermann Schmitz (HZ Lützow) und Heinz Schneider (HZ Diana) 40 Jahre: Toni Otten (TC) und Georg Skirlo (GZ Brav Jonge) 25 Jahre: Kurt Eichhorn (JZ Heidebaumer Jonge), Theo Winkelmann (TC) und Reinhard Winkler (JZ Edelwild)

Könige, Prinzen und Sieger………………

(v.l.n.r.) Christian Kempges Grenadierjungsieger Thorsten Breuer Fanfarencorpssieger Oliver Gumz Hubertus-König Christopher Lischke Bruderschaftsprinz Peter Schneiders Artilleriesieger

Wolfgang Hübner, Reitersieger (unten)

Edelknabenkönig Matthias Lück (links)

Jens Pickels (oben links) Tellschützen-König Christopher Lischke Bruderschaftsprinz (oben rechts )

Chris tian Kempges Schülerprinz (oben)

Eine Straße/ein Straßenbild verändert sich - Die Föhrenstraße im Wandel der Zeiten Erst in den vergangenen hundertfünfzig Jahren haben sich Föhrenstraße und der sich in der Ortschaft Neuenbaum anschließende kurze Föhrenweg (zw ischen Flieder- und Tannenstraße) vom Gras-/Sandweg zu einer Fahr- und Wohnstraße mit breiter Fahrbahn und Bürgersteigen entwickelt. Im Volksmund hieß sie zunächst Aletzweg, eine Bezeichnung, die sich von dem weiblichen Vornamen Adelheid ableitet. Der Name wird von Alteinheimischen auch heute noch für Mitglieder der Großfamilie Wolf gebraucht: die Aletz. Nachkommen wohnen jetzt noch im „Stammsitz“ der Familie Haus Nr. 25. Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts bezeichnete man die Straße offiziell, wie alle anderen Straßen im Dorf auch, als Dorfstraße. Der Name Föhrenstraße beinhaltet eine andere Bezeichnung für Kiefer und erinnert an den früheren umfangreichen Bestand dieser Baumart auf den sandigen Heideböden. Ein Rest davon ist in dem kleinen Waldstück am Föhrenplatz erhalten. Wie in der Urkatasterkarte aus dem Jahre 1811/12 (Abbildung 1, Kreisarchiv Neuss, Signatur RS 25, RS 29) zu erkennen ist, bestand die Straße in ihrem östlichen Teil zu diesem Zeitpunkt noch nicht, sondern es zog sich ca. 150 Meter südlich ein kleiner Weg bis auf die derzeitige Eichenstraße. Dieser (Zeitweise trug er den Namen „Auf dem Kamp“.) bog dann nach Nordwesten ab und erreichte an der Einmündung der Eichenstraße in die Föhrenstraße die heutige Straßentrasse, die weiter als schmaler Sand-/Grasweg in Richtung Neuenbaum führte.

Abb. 1 –

Auf dessen südlicher Seite existierten schon im frühen 19. Jahrhundert einige

Wohnhäuser mit Stallungen. Dazu könnten der eben angesprochene Aletz-Hof (Nr. 25), der Vorgängerbau der Familie Püll (Omnibus Püll) gehören und der vor einigen Jahren leider abgerissene ehemalige kleine Bauernhof der Familie Pütz – Melka (westlich des Anwesens Püll, jetzt Brachlage).

Erst in der Karte der Gemeinde Rosellen aus dem Jahre 1862 (Abbildung 2, Kreisarchiv Neuss, Signatur RS 47) ist für die Föhrenstraße und den Föhrenweg ein durchgehender Weg parallel zur Hauptstraße eingetragen. Die Föhrenstraße/der Föhrenweg blieb dann bis zum modernen Ausbau um 1970 ein Sandweg, der mit Schlaglöchern und Fahrspuren der Pferdekarren und –wagen „ausgestattet“ war. Nach starken Regenfällen war die Sandstraße mit zahlreichen Pfützen bedeckt. Gemeindearbeiter oder auch die wenigen Anwohner versuchten immer wieder, die größeren Schlaglöcher mit Basaltsteinen, Bauschutt, Sand oder Ofenasche auszufüllen. Bei längeren Trockenzeiten konnte der Wind beträchtliche Staubwolken aufwirbeln. Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zogen sich mit Hecken und Zäunen umgebene Gärten und auch Ackerparzellen (zeitweise Spargelfelder) entlang der Straße.

Abb. 2 – Ausschnitt aus der Gemeinderkarte aus dem Jahr 1862

Im Jahre 1945 finden wir auf der südlichen Straßenseite folgende Bebauung: an der Einmündung der Föhrenstraße in die Waldstraße einen Kriegsbunker (heute verdeckt), im rückwärtigen Gelände die Feldscheune des Bauern Josef Schumacher („Kizze“), die um 1969 abbrannte, die Wohnhäuser der Familien Bartholomäus Schlangen (erbaut 1924/25, Hausnr. 5) und Peter Schlangen (erbaut 1936, Hausnr. 7), das Haus von Anton Riem (abgerissen, heute Hausnr. 15), im etwas rückwärtigen Gelände schon im Bereich der heutigen Eichenstraße das Haus von Johann Schmitz (früher Mebus, vor einigen Jahren zum Teil abgebrannt, Hausnr. 7), auf der westlichen Seite der Einmündung der Eichenstraße die Häuser der Familien Ramm ( abgerissen, heute Eichenstraße, Hausnr. 4a und 4b und Faßbender (jetzt Schmitz, Eichenstraße 2), die kleine Hofanlage von Martin Wolf (Hausnr. 25), das Wohnhaus Glasmacher (abgerissen), die Hofanlage von Bild 1: Feldscheune des Bauern Josef Schumacher, Johann Püll (vorher Hirz, jetzt Omnibus Püll) Aufnahme aus dem Jahre 1959 und Paul Pütz (zur Zeit Brachlage), die kleine Hühnerfarm Hinrichs/Goerdts (entstanden 1928, Hausnr. 47), am Föhrenweg (Ecke Fliederstraße) das Haus der Familie Theo Bungartz (jetzt Weitz, Hausnr. 15). Auf der nördlichen Seite der Föhrenstraße stand nur ein kleines Haus ( Eigentümer: Anton Riem) in der Höhe des jetzigen Hauses mit der Nr.18. Das Grundstück, auf dem heute der Kindergarten steht, diente bis 1970 als Kirmesplatz. Die eigentliche Wohnbebauung setzte ab 1965 ein, als begonnen wurde, den Bebauungsplan Nr. 1 der damaligen Gemeinde Rosellen zu realisieren. Das Planungsgebiet erstreckte sich innerhalb der Ortschaft Rosellerheide südlich der Neukirchener Straße bis zum Rinderbruch. Bild 2: Ursprüngliches Haus von Bartholomäus Schlangen (Hausnr. 5). 1924/25 gebaut. Die Dachgaube baute man später dazu. Das Bild wurde von Carl Bultmann nach einer Photovorlage gemalt.

Am 8. Mai 2004 übergab die Stadt Neuss den neuen Dorfplatz, an der Föhrenstraße gelegen. Der Brunnen soll auf die Bäche und Quellen hinweisen, die die Ortschaften umgaben und z. T. noch umgeben. Die Tiere aus der Werkstatt von Bonifatius Stirnberg in Aachen erinnern an die landwirtschaftlich geprägte Vergangen-heit der Dörfer. Der Ort soll als Zeichen der Identifikation und der Begegnung dienen. Nun zu einzelnen Menschen und Familien dieser Straße! Bild 2a: Wie aus dem alten Kartenmaterial (S. besonders Spielendes Kind auf dem Dorfplatz Gemeindekarte von 1862!) ersichtlich ist, konzentrierten sich die Wohnstätten zunächst um die kleinen Hofanlagen der Familien Wolf („Aletz“), Püll (heute Omnibus Püll) und Pütz (Brachlage). Das Anwesen der Familie Pütz (s. Bild Nr. 15) entstand wohl in der Mitte des 19. Jahrhunderts und war eine typische viereckige Hofanlage eines kleinen Ackerbauern mit Wohnhaus, Scheune, Stall und Schuppen.

Dem Chronisten ist das Haus u. a. deshalb in guter Erinnerung, weil vor dem Hof noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg ein großer Mispelbaum stand, in unserer Gegend eine Seltenheit. Nach Osten schließt sich heute der Omnibusbetrieb Püll an. Wo jetzt Busse geparkt sind, standen bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts Stallungen, eine Scheune, Schuppen und Obstbäume. Schon der Großvater der heutigen Firmeninhaber, Johann Püll, beförderte vor und nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem Lastwagen Fahrgäste nach Neuss. Sein Sohn Heinrich gab schließlich die Landwirtschaft auf und begann in den fünfziger Jahren zuerst mit einem kleinen Bus, Gruppen zu befördern. Seine Söhne Heinz und Kurt bauten das Geschäft schließlich in den letzten Jahrzehnten zu einem größeren Bus- und Reiseunternehmen aus. Auf dem Nachbargrundstück (östlich) wohnte bis zur Neuerschließung die Familie Glasmacher; zuletzt lebte hier bis 1980 Engelbert Glasmacher, im Dorf „Hottsche Engelbäät“ genannt. Diesen Namen hatte er erhalten, weil seine Mutter eine geborene Katharina Otten von der Waldstraße war und die Mitglieder der Familie Otten allgemein als die „Hottschemächisch“ (Holzschuhmacher) bezeichnet wurden. Engelbert, der im Dorf als origineller Mensch – u. a. wegen seiner musikalischen Beiträge auf dem Akkordeon – bekannt war, hat selbst noch Holzschuhe – „Hottsche“ – hergestellt. Die Bandsäge, mit der er die Sohlen aus Pappelholz schnitt, bevor er sie mit dem Messer bearbeitete, ist erhalten. Diese handwerkliche Arbeit war im Dorf als Zuverdienstmöglichkeit verbreitet. Dem Chronisten fällt zu dem Thema „Hottsche“ eine wahre Geschichte ein. Er besuchte ab 1943 zusammen mit Jakob Bertram die Volksschule in Rosellen, zeitweise gingen wir in „Hottsche“ zur Schule. Der Winter 1947 oder 48 brachte sehr oft Glatteis. Nun hatte Jakob gesehen, dass ihr Pferd für diese Straßenverhältnisse mit speziellen Stollen unter den Hufeisen ausgestattet wurde. Er übernahm die Regelung und schlug sich ein paar Nägel in die Holzschuhe, die nun sozusagen als Spikes dienten. Eines Tages musste Jakob während des Unterrichtes etwas erklären. Mit seinen „beschlagenen“ Holzschuhen ging er zur Tafel, wobei die Nägel in den Holzfußboden des Klassenraums eindrangen und hier deutliche Spuren hinterließen. Das zog natürlich ein intensives Schimpfen des Lehrers und Freude der Mädchen und Jungen nach sich. An dem östlich benachbarten Grundstück besaß die Familie Wolf eine kleine Hofanlage ( jetzt bewohnt von Erhard und Sofie Gutbier geb. Wolf), von der einzelne Bauteile noch im jetzigen Wohnhaus zu finden sind. Die Familie lebte nicht nur von der kleinen Landwirtschaft, sondern betrieb auch bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts eine Kohlenhandlung, die später von einer Wolftochter (Maria Küpper/Schülgen , „Aletz Marie“) übernommen und an die Neukirchener Straße (Nähe Schützenplatz) verlagert wurde. Noch heute findet man bei Erdarbeiten auf dem Grundstück Wolf Reste von Kohlen und Briketts. Martin Wolf („Aletz Määte“), der noch bis in die sechziger Jahre die kleine Landwirtschaft betrieb, besaß ab ca. 1930 das Grundstück der ehemaligen Nievenheimer Windmühle mit noch bestehenden Aufbauten. Durch verwandtschaftliche Verbindungen war er an den Besitz gekommen und tauschte ihn um 1970 mit dem Land NRW gegen eine Waldparzelle im Mühlenbusch. Die Backsteinwindmühle, in der Nähe der jetzigen Einrichtung des „Vereins für Wildtierpflege und Schutz“ zwischen der Landstraße 380 und der Eisenbahnlinie gelegen, stand auf Nievenheimer Gebiet (heute Dormagen) und das Müllerhaus auf dem Gebiet der Gemeinde Rosellen (heute Neuss). Nach einem Vermerk des Neusser Landrates ist die Mühle 1818 errichtet worden und besaß zeitweise zwei Mahlgänge für Brot- und Futtergetreide. Nach Vorbesitzern ist sie 1870 in den Besitz des Anton von Leipsig übergegangen. Der letzte Müller Matthias von Leipsig gab u. a. wegen Krankheit 1927 den Mühlenbetrieb auf. Der Chronist weiß noch aus den Erzählungen seiner Vorfahren, dass die Ackerer und Bauern aus Rosellen und Nievenheim die Mühle stark frequentierten. Ihm kommen beim Schreiben auch die vor Ort gebräuchlichen Redensarten in den Sinn: „Et es noch net spoot, mer kann noch no dr Wengmüll jonn“, oder wenn Erwachsene etwas erzählten, was nicht für Kinderohren bestimmt war, hieß es: „Jank ens kicke, of de Wengmüll noch lööv.“ Schon kurze Zeit nach der Aufgabe des Mühlenbetriebes waren Haube und Flügel zerstört, während das Wohnhaus noch bis zum Kriegsende teilweise zu bewohnen war. Die Familie Paul Schumacher, von der Nachkommen jetzt in Schlicherum und Allerheiligen leben, hat während der Kriegszeit hier gewohnt. Die Mühle wurde in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges entweder durch Bombeneinwirkung oder/und Sprengungen amerikanischer Soldaten zerstört. Nach dem Krieg wurden die Überreste des Wohnhauses, das inzwischen auch eine Ruine war, und der Mühle beseitigt. (Zum Teil sind die Aussagen über die Mühle entnommen: Karl Emsbach, Windmühlen im Kreis Neuss, Neuss 1990, Seite 26 f.) An der Einmündung der Eichenstraße in die Föhrenstraße wohnte bis zu seinem Tode 1972 Karl Faßbender mit seiner Familie (heute Sibylle und Hermann Schmitz). Er war von den zwanziger Jahren an bis fast zu seinem Tod für viele Gemeinschaften im Dorf tätig: ehrenamtlicher Fußball-Schiedsrichter, vor der Zeit des Dritten Reiches Mitglied des Gemeinderates von Rosellen, Vorstandsmitglied im Männergesangverein Haideröschen, von 1941 bis 1967 Vorstandsmitglied im Schützenverein/in der Schützenbruderschaft Rosellerheide-Neunbaum. Dabei hat er sich für seine Mitmenschen eingesetzt.

Nun zu heute! Hausnummer 5, im früheren Haus von Margarete und Bartholomäus Schlangen, wohnen jetzt Peter und Maria Pütz geb. Schlangen und deren Sohn Christoph mit Familie. Wer den Anbau des Hauses betritt, fühlt sich um hundert Jahre zurückversetzt. Seit mehr als dreißig Jahren sammelt Peter Pütz fast alles, was etwa um 1900 an Küchengeräten, Möbeln, alltäglichen Gebrauchsgegenständen und Werkzeugen existierte: einen gekachelten Herd, der noch in Funktion ist, Kannen und Töpfe, Kuchenformen, Waagen, Pendeluhren, einen Kohlhobel, einen zusammenklappbaren Stiefelknecht, Lötkolben und, und, und. Als Dachdecker hat er früher, wenn ein Dach erneuert wurde, auf so manchen Speicher geschaut und hier oft viele „alte Schätze“ entdeckt, die nach einem Gespräch mit dem Besitzer schon mal erworben werden konnten. Regelmäßig besucht er seit vielen Jahren u. a. Trödelmärkte in Grevenbroich, Kerpen und Lüttich. Einige Antiquitäten stammen allerdings auch aus der Verwandtschaft und der eigenen Familie. Unser Mitbürger hat den Dachdeckerberuf erlernt und diese Tätigkeit fünfzig Jahre ausgeübt. Dabei erinnert er sich besonders gern daran, als er 1953 ein ganzes Jahr mit nur einem Mitarbeiter die Kirchturmspitze der katholischen Pfarrkirche Sankt Pankratius in Glehn neu verschiefern konnte. Wenn er nicht gerade für seine Familie tätig ist oder seine Antiquitätensammlung und seinen großen Garten betreut, ist er noch in Vereinsgemeinschaften tätig. Seit 55 Jahren gehört er der Bild 3: Peter Pütz (l.) „hängt“ in örtlichen Schützenbruderschaft an, luftiger Höhe am Glehner Kirchturm zuletzt als Zugführer des Jägerzuges „Löstige Jonge“, den er schon 1949 mitbegründete. Über drei Jahrzehnte singt er im Männergesangverein Haideröschen. Der Krippenverein an Sankt Peter in Rosellen, zu dem Peter auch mit seiner Frau gehört, schätzt seine handwerklichen Bild 4: Anfang dieses Jahres: Peter Fähigkeiten. Vor einigen Monaten konnte er seinen 70. Geburtstag Pütz freut sich über die Gratulation zu feiern. Noch viele Jahre mit Lebensfreude und Gesundheit! seinem 70. Geburtstag Zum Schluss kommt dem Chronisten folgender Gedanke: Kein anderer Weg, keine andere Straße im Dorf hat sich in den letzten zweihundert Jahren so verändert wie der „Aletzweg“. Die Umwandlung von einem Feldweg mit einigen kleinen Siedlungen zur breitausgebauten Wohnstraße ist anschaulich zu erkennen. Mögen die Anwohner hier in der Nähe des Mühlenbusches sich wohlfühlen.

(Der Chronist dankt den Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die Informationen und Bildmaterial zur Verfügung gestellt haben: Hermine Daga, Sofie Gutbier, Bernhard Nix, Kurt Püll, Maria und Peter Pütz, Gerda Richartz, Wilhelm Schlangen, Sibylle und Hermann Schmitz, Sofie Weitz, Agnes Wolters. Dank an Gerhard Müller und Gerd Pieper für photographische Arbeiten.) Simon Kolbecher

Bild 6: Aus der „Sammlung“ das Prunkstück: ein belgischer Kachelherd

links Bild 7 - 1956: an der Einmündung der Eichenstrasse in die Föhrenstraße mit Blick nach Osten in die damalige „Föhrenstraße“, im Vordergrund Annemie und Hans Hermes (Kusine und Vetter von Hermann Schmitz), im oberen Drittel die zwei gegenüberliegenden Häuser von Anton Riem, beim Ausbau der Straße beide abgerissen

rechts Bild 8: aktuelle Aufnahme vom Standort in Bild 7

links Bild 9: um 1950, an der Einmündung der Eichenstraße in die Föhrenstraße spielen Agnes Dicken (jetzt Wolters) und Karl-Heinz Fassbender. Der Betrachter guckt nach Norden in Richtung Neukirchener Straße auf das Doppelhaus der Familien Glasmacher („Engele“) und Schillings („Booms)

rechts Bild 10: aktuelle Aufnahme vom Standort in Bild 9

Frau Püll mit ihren Kindern Otti und Kurt vor ihrem Hof auf der Föhrenstraße

Bild 12: Blick auf einen Hühnerstall der Familie Hinrichs/Goerdts. Ab 1928 hatten sich noch 8 andere Hühnerfarmen in Rosellerheide und Neuenbaum angesiedelt

Bild 14: aktuelle Aufnahme vom Standord in Bild 13

Bild 15: Hofanlage der Familie Paul Pütz, Aufnahme aus dem Jahre 1981

Bild 13: 1932, vor dem Haus der Familie Theodor Bungartz an der südlichen Ecke Fliederstraße/Föhrenweg mit Blick nach Osten auf den kleinen Föhren/Fichtenwald der Familie Hinrichs/Goerdts auf dem Bild: Frau Maria Bungartz mit ihrer Tochter Sofie, Heinrich und Ludwig Hassler (r.), Verwand-

Bild 16: In der Zeit des Zweiten Weltkrieges: Rika und Johann Püll auf dem Hof vor ihrem Wohnhaus (jetzt z.T. Büroräume)

Bild 17: Anfang der fünfziger Jahre: Auf dem Hof Püll, links Kurt Püll, rechts Otti Püll. Die Umstellung auf ein Busunternehmen hat mit dem Kleinbus soeben

Bild 19: Tor der Hofanlage der Familie Wolf

Bild 18: Mit dieser Bandsäge hat Engelbert Glasmacher aus Pappelholz die Sohlen für die Holzschuhe – „Hottsche“ – gesägt.

Bild 20: Die Nievenheimer Windmühle ca. 1920

Bild 22: Karl Fassbender und seine Frau Elisabeth bei der Krönung zum Schützenkönigspaar 1965

Bild 21: In seinem erneuerten Hausgiebel hat Martin Wolf 1952 den Rest eines Mühlsteins der Nievenheimer Mühle einmauern lassen

Es war sooooo schöööööön!! Vielen Dank sagen wir allen Schützen und Bürgern von Rosellerheide-Neuenbaum für die überwältigende Herzlichkeit und Sympathie, die uns in unserem Regierungsjahr überall entgegengebracht wurde. Wir wünschen unseren Nachfolgern Udo und Petra Krüger ein wunderschönes Schützenfest.

Egbert und Anke Solka Königspaar 2004/2005

Impressum: Herausgeber: Schützenbruderschaft St. Peter und Paul Rosellerheide-Neuenbaum 1879 e.V. verantwortlich i. S. d. Pressegesetzes: Heinz Meuter, Brudermeister verantwortlich für den Inhalt: Brigitte Pieper unter Mitarbeit von: Simon Kolbecher, Gerd Pieper, Hans-Joachim Stratmann, Christel Meuter, Lutz Koske, Michael Berens, Gerhard Müller