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Dr. Till Kreutzer Open Content – Ein Praxisleitfaden zur Nutzung von CreativeCommons -Lizenzen Impressum „Open Content – Ein Praxisleitfaden zur Nu...

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Dr. Till Kreutzer

Open Content – Ein Praxisleitfaden zur Nutzung von CreativeCommons -Lizenzen

Impressum „Open Content – Ein Praxisleitfaden zur Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen“ Dr. Till Kreutzer Herausgeber: Deutsche UNESCO-Kommission e. V. Colmantstraße 15 53115 Bonn [email protected] www.unesco.de

Weder die Deutsche UNESCO-Kommission, das Hochschulbibliothekszentrum des Landes NordrheinWestfalen noch Wikimedia Deutschland sind für die Nachnutzung der vorliegenden Informationen verantwortlich. Die Ansichten, die in dieser Publikation vertreten werden, geben ausschließlich die Meinung des Autors wieder und spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten der Deutschen UNESCO-Kommission, des Hochschulbibliothekszentrums des Landes NordrheinWestfalen oder von Wikimedia Deutschland wider. Lizenzhinweise

Hochschulbibliothekszentrum des Landes NordrheinWestfalen (hbz) Jülicher Straße 6 50674 Köln [email protected] www.hbz-nrw.de

Heißluftballon Benh LIEU SONG (http://commons.wikimedia.org/wiki/ File: Cappadocia_Balloon_Inflating_Wikimedia_ Commons.jpg), „Cappadocia Balloon Inflating Wikimedia Commons“, zugeschnitten von Markus Büsges, http:// creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V. Tempelhofer Ufer 23-24 10963 Berlin [email protected] www.wikimedia.de

Sankt Petersburger Moschee Canes (http://commons.wikimedia.org/wiki/File: Мечеть_ Санкт-Петербурга._Майолика_портала.jpg), „Мечеть Санкт-Петербурга. Майолика портала“, zugeschnitten von Markus Büsges, http://creativecommons.org/licenses/ by-sa/3.0/legalcode

Redaktion und Koordination: Sarah Kraus (Deutsche UNESCO-Kommission e. V.), Andreas Salz (Deutsche UNESCO-Kommission e. V.), Jan Neumann (Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz)) Katja Ullrich (Wikimedia Deutschland e. V.)

Planetarium Galileo Galilei Emmanuel Iarussi (http://commons.wikimedia.org/wiki/ File:Planetario_de_la_Ciudad_de_Buenos_Aires.jpg), „Planetario de la Ciudad de Buenos Aires“, zugeschnitten von Markus Büsges, http://creativecommons.org/ licenses/by-sa/3.0/legalcode

2. Auflage, 2016 ISBN: 978-3-940785-78-7

Eisblume Annick MONNIER (http://commons.wikimedia.org/wiki/ File:Fleur_de_givre_L.jpg), „Fleur de givre L“, zugeschnitten von Markus Büsges, http://creativecommons.org/ licenses/by-sa/3.0/legalcode

Layout und Satz: Markus Büsges, leomaria designbüro https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/ legalcode Der Text dieser Publikation wird unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0) veröffentlicht. Den vollständigen Lizenztext finden Sie unter: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ legalcode.

Freundschaftspflanze Poco a poco (http://commons.wikimedia.org/wiki/ File:Pilea_involucrata,_Jardín_Botánico,_Múnich,_ Alemania_2012-04-21,_DD_02.jpg), „Pilea involucrata, Jardín Botánico, Múnich, Alemania 2012-04-21, DD 02“, zugeschnitten von Markus Büsges, http:// creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode Käfer Museum für Naturkunde Berlin (http://commons. wikimedia.org/wiki/File:MFNB_Col_Scarabaeidae_ Dynastinae_D185.jpg), „MFNB Col Scarabaeidae Dynastinae D185“, freigestellt, eingefärbt, Vignettierung von Markus Büsges, http://creativecommons.org/ licenses/by/4.0/legalcode

Dieses Bild eines Heißluftballons war eines der Finalisten im Fotowettbewerb „Bild des Jahres 2011“ im freien Medienarchiv Wikimedia Commons. Mit mehr als 20 Millionen Bildern, Videos, Grafiken und Audiodateien ist Wikimedia Commons das größte OnlineMedienarchiv für frei lizenzierte Inhalte.

2

Vorwort der Herausgeber Die Formulierung „Alle Rechte vorbehalten“ wird von vielen mit dem traditionellen Urheberrecht assoziiert. Sie besagt, dass sich der Rechteinhaber generell alle Rechte vorbehält. Ohne die ausdrückliche Zustimmung des Rechteinhabers ist es untersagt, das Werk zu kopieren, zu verbreiten oder zu verändern. „Einige Rechte vorbehalten“ – das Leitprinzip von freien Lizenzen bzw. Open-ContentLizenzen – ist eine Antwort auf die Möglichkeiten der interaktiven Nutzung digital zur Verfügung gestellter Inhalte: Freie Lizenzen ermöglichen es Urhebern und Rechteinhabern, ihre Werke leichter zu verbreiten, indem es Dritten gestattet wird, sie zu verwenden, zu bearbeiten und zu teilen, ohne zuvor eine Erlaubnis einzuholen. Künstler dürfen verfügbare Musiktitel oder Bilder verwenden, um eigene Remixes zu schaffen. Nichtregierungsorganisationen können Texte und Grafiken auf ihren Webseiten Dritten leichter zur Verfügung stellen. Personen, die nach Bildern suchen, zum Beispiel für Webseiten oder Publikationen, finden in den entsprechenden Datenbanken freie Inhalte. Die „Freigabe“ und Öffnung von Inhalten für die Weltöffentlichkeit ermöglicht tagtäglich zahlreiche Projekte. Menschen schaffen laufend öffentliches Gut, indem sie ihr Wissen und ihre Kreativität teilen und auf den Inhalten anderer aufbauen. Freie Lizenzen sind daher aus zwei wichtigen Gründen ein Werkzeug von unschätzbarem Wert: Sie fügen sich in die digitale Welt ein, in der jeder ohne weiteres auch Schöpfer sein kann. Gleichzeitig vereinfachen sie den Zugang zu Informationen und Wissen erheblich. In unserer globalisierten Welt ist das so wichtig wie nie zuvor. Der Zugang zu Informationen und Wissen ist einer der Eckpfeiler unserer modernen Wissensgesellschaften. Mit dieser Publikation möchten wir interessierten Personen und Organisationen einen praxisorientierten Leitfaden für die Nutzung und Anwendung von freien Lizenzen an die Hand geben: Wie funktionieren freie Lizenzen? Wie finde ich die geeignete Lizenz für meine individuellen Bedürfnisse? Wo finde ich freie Inhalte im Internet? Das sind nur einige der Fragen, die in diesem Leitfaden beantwortet werden sollen. So hoffen wir, zur sachkundigen Nutzung von Open-Content-Lizenzen beizutragen. Wir danken Dr. Till Kreutzer, der diesen Leitfaden verfasst hat, und wünschen allen Leserinnen und Lesern eine informative und aufschlussreiche Lektüre.

Dr. Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission e. V.

Abraham Taherivand, Vorstand Wikimedia Deutschland e. V.

Dr. Silke Schomburg, Leiterin des Hochschulbibliothekszentrums Nordrhein-Westfalen (hbz)

3

4

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Von der Theorie zur Praxis

7

2. Grundlagen der Open-Content-Lizenzierung

11

2.1 Hintergründe

12

2.2 Verschiedene Open-Content-Lizenzmodelle

13

2.3 Vorteile der Open-Content-Lizenzierung

13

2.4 Rechtliche Aspekte und praktische Auswirkungen der Open-Content-Lizenzierung

17

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

29

3.1 Die sechs Creative-Commons-Lizenztypen im Überblick

30

3.2 Public-Domain-Werkzeuge von Creative Commons

33

3.3 Generische und portierte LizenzVersionen

34

3.4 Allgemeine Lizenzbedingungen, Nutzerpflichten und Einschränkungen der Creative-Commons-Lizenzen

37

3.5 Zusätzliche lizenzspezifische Einschränkungen und Verpflichtungen: Die LizenzModule

48

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons- Lizenzen

71

4.1 Wahl der „richtigen“ Lizenz

72

4.2 Generierung der Lizenz

72

4.3 Creative-Commons-Lizenzierung bei verschiedenen Veröffentlichungsformen

76

4.4 Die Suche nach Open Content im Internet

78

5. AbschlieSSende Bemerkungen

85

index

87

Inhalt

5

6

Einleitung

1. Einleitung: Von der Theorie zur Pra xis

Dieses Bild des Innenraums der Sankt Petersburger Moschee wurde im Jahr 2011 zu einem der besten Bilder im Online-Medienarchiv Wikimedia Commons gekürt.

Einleitung

7

Freie Lizenzen wurden entwickelt, um die Verwendung und Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Werken zu erleichtern. Das Urheberrecht ist für gewöhnlich ein sehr restriktives Regelwerk, das dem Rechteinhaber umfangreiche ausschließliche Rechte einräumt, wie zum Beispiel das Recht, ein Werk zu verbreiten oder zu verändern. Ohne die ausdrückliche Erlaubnis des Rechteinhabers dürfen solche Handlungen generell nicht vorgenommen werden. Immerhin sind manche Arten von Nutzungen gesetzlich erlaubt. Die sogenannten „Schrankenbestimmungen“ gestatten unter anderem, aus einem Werk zu zitieren oder Kopien für private Zwecke Freie Inhalte befördern die anzufertigen, ohne Entwicklung einer digitalen dafür eine Erlaubnis einholen zu müssen. Allmende. Doch diese Ausnahmeregelungen haben meist einen sehr engen Anwendungsbereich und es ist für potentielle Nutzer in der Regel schwer herauszufinden, was sie erlauben und was nicht. Die Erfinder der Open-Content-Idee empfanden das Urheberrecht sowohl für die Nutzer als auch für die Urheber als zu restriktiv. Deshalb entwickelten sie ein System leicht verständlicher Standardlizenzen (d. h. Regeln, nach denen es unter gewissen Voraussetzungen gestattet ist, urheberrechtlich geschützte Werke zu benutzen). Hiermit sollen die freie Kultur Die digitale Allund die „digitale Allmende“ („digital commende ist eine Art mons“) gefördert werden. Heute stehen öffentliches Gut, an dem Millionen von urheberrechtlich geschützten zwar Urheberrechte bestehen, das jedoch mit Werken unter freien Lizenzen online zur der Allgemeinheit geteilt Verfügung, zum Beispiel Filme, Musik, wird und von ihr genutzt werden kann. Bilder, Texte und Grafiken. Sie alle können von jedermann verbreitet, bereitgestellt, geändert oder neu miteinander kombiniert werden, ohne eine individuelle Zustimmung einholen oder Lizenzgebühren zahlen zu müssen. Man kann also zu Recht sagen: Mit Hilfe der Open-Content-Lizenzen

8

Einleitung

(auf deutsch auch „freie Lizenzen“ genannt) wurde die digitale Allmende innerhalb des letzten Jahrzehnts zur Realität. Das Open-Content-Modell basiert auf drei wesentlichen Prinzipien: 1. Vereinfachung rechtlicher Transaktionen: Open-Content-Lizenzen sind online verfügbar und können von jedem interessierten Urheber oder Rechteinhaber genutzt werden. Sie bieten Rechteinhabern ein Werkzeug, das es ihnen erlaubt, eine rechtsverbindliche Vereinbarung mit jedem zu schließen, der an der Nutzung ihrer Werke interessiert ist. Anders als bei Verträgen sonst üblich besteht für die Parteien  – d.  h. für den Lizenzgeber (Rechteinhaber) und für den Lizenznehmer (Nutzer)  – keine Notwendigkeit, direkt miteinander in Kontakt zu treten. 2. Erteilung einer weit reichenden, lizenzgebührenfreien Nutzungserlaubnis: Dem Nutzer wird die Erlaubnis erteilt, das Werk für die meisten Zwecke frei zu verwenden. Tatsächlich sind die Rechte des Nutzers, die Inhalte zu verwenden, bei Open-Content-Lizenzen viel weitreichender als es die gesetzlichen Schrankenbestimmungen des Urheberrechts vorsehen. Alle Rechte werden zudem kostenfrei erteilt. Der Rechteinhaber kann zwischen verschiedenen Lizenzen, von eher restriktiven bis zu sehr freizügigen Lizenzen, wählen und somit entscheiden, welche Rechte kostenfrei eingeräumt werden sollen und welche individuellen Vereinbarungen vorbehalten sind. 3. Verringerung von Rechtsunsicherheiten: Sowohl Nutzer als auch Rechteinhaber profitieren von der leichten Verständlichkeit der Lizenzen, da ihre

rechtlichen Regelungen weniger komplex sind als das (gesetzliche) Urheberrecht. Der Vorteil für den Lizenzgeber besteht darin, dass er dem Nutzer in einer einfachen und standardisierten Sprache mitteilen kann, welche Nutzung seiner Werke erlaubt ist und welche nicht. Regeln, die verstanden werden, werden eher eingehalten. Der Nutzer seinerseits weiß, was ihm erlaubt ist, und ist sich über seine Verpflichtungen im Klaren. Die Leitidee von Open Content wird durch die Aussage „Einige Rechte vorbehalten“ treffend ausgedrückt. Sie versteht sich als bewusste Anlehnung an und als Kontrast zu dem traditionellen Urheberrechtsvorbehalt „Alle Rechte vorbehalten“, der auf vielen CDs, Büchern oder Magazinen zu finden ist. Gleichzeitig grenzt das Prinzip „Einige Rechte vorbehalten“ Open Content von der Gemeinfreiheit (public domain) ab: Open Contents (freie Inhalte) sind weder frei von Urheberrechten noch dürfen sie ohne Genehmigung oder ohne Einhaltung bestimmter Regelungen verwendet werden. Sie sind durch das Urheberrecht geschützt und dürfen nur unter den Bedingungen der rechtsverbindlichen Lizenz verwendet werden, die vom Rechteinhaber für sein Werk gewählt wurde. Die Open-ContentIdee steht damit nicht im Kontrast zum traditionellen Urheberrecht noch stellt sie das Urheberrecht infrage. Freie Lizenzen sind stattdessen ein Werkzeug, das den Umgang mit urheberrechtlich geschützten Werken zugunsten von Rechteinhabern wie Nutzern vereinfacht. Dieser Leitfaden wurde geschrieben, um eine ordnungsgemäße und rechtssichere Verwendung von Open Content und OpenContent-Lizenzen zu erleichtern. Er richtet sich nicht vornehmlich an Rechtsexperten, sondern an alle, die mehr über Open Content erfahren möchten, insbesondere an

Urheber, Unternehmen, Organisationen und private Nutzer. Informationen und Sprache wurden in diesem Leitfaden Das Prinzip von „einige bewusst einfach gehalten. Dies erforderte Rechte vorbehalten“ kommt einen Balanceakt sowohl Rechteinhabern als zwischen Verständlichkeit und professio- auch Nachnutzern zugute. neller Präzision. Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge an den Autor sind stets willkommen. Bitte beachten Sie, dass dieser Leitfaden allgemeine Informationen enthält und in einigen Fällen nur die persönliche Meinung des Autors widerspiegelt. Er ist nicht als Rechtsberatung oder als Ersatz für eine solche gedacht. Personen, die Rat im spezifischen Einzelfall benötigen, wird empfohlen, einen Rechtsanwalt zu konsultieren.

Einleitung

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10

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

2. Grundlagen der Open-ContentLizenzierung

Dieses Bild des Galileo Galilei Planetariums in Buenos Aires war eines der Finalisten im Fotowettbewerb „Wiki Loves Monuments 2012“. Dieser Wettbewerb ist weltweit der größte seiner Art und widmet sich jährlich Bau- und Kulturdenkmalen. Jeden September fotografieren tausende ehrenamtliche Fotografen Kulturdenkmale und veröffentlichen ihre Fotos im freien Medienarchiv Wikimedia Commons.

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

11

2.1 Hintergründe

Creative Commons ist eine Non-ProfitOrganisation, die sich für die Digitale Allmende einsetzt. Dazu hat sie eine Reihe von Lizenztexten herausgegeben, die von jedem genutzt werden können.

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zung an, die von jedermann kostenlos verwendet werden können. Ungeachtet der zugrunde liegenden Freie Lizenzen entstanden auf Basis der Ideen der Open-Source-Software-BewePhilosophie basiert das Lizenzierungsmodell von Creative Commons auf dem Urhegung („Free and Open Source Software“, FOSS). Der Open-Source-Ansatz etablierte berrecht. Urheberrechtlich geschützte Werke werden der Öffentlichkeit für eine im sich im Softwaremarkt der 1990er Jahre, Großen und Ganzen freie und ungehinderte getrieben insbesondere von dem großen Erfolg des Betriebssystems GNU-Linux und Nutzung zur Verfügung gestellt. Da es sich jedoch um die vertragliche Einräumung von der zugehörigen Lizenz, der „GNU General Public License“ (GNU GPL). Die 1989 Nutzungsrechten handelt, sind CC-Lizenzen verfasste GPL war die erste freie Softweder mit Gemeinfreiheit gleichzusetzen noch führen sie warelizenz, die es den 1 Nutzern erlaubte, die Freie Lizenzen dienen nicht dazu. Das GegenSoftware zu verwenden, teil ist der Fall: nur dem Interesse von Urhe- ohne Urheberzu studieren, zu teilen und zu verändern. Heute bern sondern auch der brei- rechtsschutz würbasieren ganze Märkte den die Lizenzen ten Öffentlichkeit. auf der Entwicklung, nicht funktionieren. Wartung, IndividualisieSie wären nicht rung und Vermarktung von Open-Sourceeffektiv, vor allem wären Lizenzverstöße Software. Die Erfinder der Open-Contentdann kaum zu ahnden.2 Lizenzen griffen die grundlegenden Ideen Lizenzierung bedeutet, einem Dritten von FOSS auf und wendeten sie auf andere das Recht zu erteilen, ein urheberrechtlich Formen kreativer Inhalte wie Musik, Filme geschütztes Werk zu verwenden. Auch oder Bilder an. Open-Content-Lizenzen werden dabei nur Hauptakteur der Open-Content-Beweunter bestimmten Bedingungen und mit gung war Lawrence Lessig, ein Rechtswisbestimmten Pflichten auf Nutzerseite ersenschaftler der Harvard Law School in teilt. In aller Regel verpflichten sie den Cambridge (USA). 2001 tat er sich mit Hal Nutzer zum Beispiel dazu, bei jeder NutAbelson und Eric Eldred zusammen und zung den Namen des Urhebers zu nennen. gründete die Initiative Creative Commons Das Verhältnis zwischen Rechten und (CC) zur Förderung der digitalen AllmenPflichten könnte man wie folgt ausdrücken: de. Das Ziel von CC bestand darin, es „Sie sind berechtigt, dieses Werk anderweiUrhebern zu ermöglichen, ihre Werke für tig zu veröffentlichen, sofern Sie den Urhedie allgemeine Verwendung freizugeben, ber nennen.“ ohne kostspielige und komplexe Rechtsbe Open-Content-Lizenzen eignen sich ratung einzuholen oder auf ihre Rechte generell für alle Arten kreativer Inhalte. gänzlich verzichten zu müssen und sie CC-Lizenzen sind generische Lizenzen, die damit in die public domain zu entlassen. für Musik, Filme, Texte, Bilder und alle Zu diesem Zweck entwickelte und veröfanderen schöpferischen Kreationen verwenfentlichte CC verschiedene Lizenzvariandet werden können. Sie sind jedoch nicht ten, die für Lizenzgeber leicht zu handhafür die Lizenzierung von Software gedacht, ben und für Nutzer leicht verständlich sind. da technische Produkte wie ComputerproNeben den Lizenzen bietet die Initiative auf gramme oder Datenbanken besondere ihrer Webseite auch nützliche InformatioAnforderungen an freie Lizenzen stellen, nen und verschiedene Werkzeuge zur Nutdie bei den CC-Lizenzen nicht erfüllt sind.

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

Hierfür gibt es spezielle Lizenzen wie z. B. die oben erwähnten Open-Source-Lizenzen oder spezielle Datenbank-Lizenzen.3 Open Content wird gelegentlich als urheberrechtsfeindlicher Ansatz kritisiert. Diese Kritik ist jedoch nicht gerechtfertigt. Open Content ist ein Modell für Rechteinhaber, die daran interessiert sind, ihr Urheberrecht auf bestimmte Weise zu handhaben. Dieses Regelwerk steht nicht im Widerspruch zum Urheberrecht, sondern es erlaubt dem Rechteinhaber, sein Werk nach einem anderen Ansatz zu veröffentlichen als dem traditionellen „Alle Rechte vorbehalten“. Open-Content-Lizenzen sind Werkzeuge, die sowohl dem individuellen Interesse des Urhebers als auch dem öffentlichen Interesse dienen können. Jeder Inhaber von Urheberrechten muss jedoch individuell entscheiden, ob OpenContent-Lizenzen für seine persönlichen Zwecke geeignet sind.

2.2 Verschiedene Open-ContentLizenzmodelle Im Gegensatz zu freier Software und Open-Source-Software 4 existiert für „Open Content“5 keine genaue – d. h. keine allgemein gültige – Definition. Dies ermöglicht eine große Vielfalt unterschiedlicher Lizenzen. In diesem Leitfaden werden unter Open-Content-Lizenzen diejenigen Lizenzen verstanden, die es dem Lizenznehmer mindestens erlauben, ein Werk auf jede beliebige Art und in allen beliebigen Medien kostenfrei zu verbreiten, zu veröffentlichen oder zu vervielfältigen.6 Es erübrigt sich zu sagen, dass freizügigere Open-Content-Lizenzen, die es zum Beispiel erlauben, Werke abzuleiten und diese zu veröffentlichen, oder die auch kommerzielle Nutzungen erlauben, von dieser Definition ebenfalls abgedeckt sind.

Erhebliche Unterschiede weisen die verschiedenen Lizenzen in Bezug auf die Frage auf, ob sie die Veröffentlichung geänderter Versionen des Werkes erlauben. Während einige Lizenzen die Änderung, Übersetzung, AktualisieDurch freie Lizenzen werden rung, Kombination oder Individualisiedem Nutzer automatisch rung eines Werks Nutzungsrechte per Vertrag (bzw. die Veröffentlichung derart vereingeräumt. änderter Fassungen) erlauben, werden solche Nutzungen von anderen Lizenzen ausgeschlossen. Unter jenen, die Änderungen erlauben, folgen Das Copyleft-Prinzip einige dem „Copyleft-Prinzip“, auch als zielt darauf ab, kreative „ShareAlike“ (SA) bekannt. Dieses verWerke so der Öffentlichpflichtet den Autor einer geänderten Versikeit zugänglich zu machen, dass alle ihre on eines Open-Content-Werks, dieses im Manifestationen und Falle einer Veröffentlichung unter derselben Bearbeitungen ebenfalls unter einer freien Lizenz Lizenz zur Verfügung zu stellen wie die veröffentlicht werden ursprüngliche Version. Mit anderen Wormüssen. ten: Ändert jemand das Werk und veröffentlicht die neue Version, muss er seinen Nutzern dieselben Freiheiten gewähren, die für das ursprüngliche Werk galten. Die Idee hinter diesem Prinzip ist einfach: Open Content bleibt in allen seinen Manifestationen und Versionen Open Content. Ohne die ShareAlike-Verpflichtung könnten geänderte Versionen des Werks „unfrei“, z. B. unter proprietären Lizenzen, veröffentlicht und verbreitet werden. Dies wiederum könnte den Absichten des ursprünglichen Urhebers zuwiderlaufen.7

2.3 Vorteile der Open-ContentLizenzierung Die Verwendung einer Open-Content-Lizenz hat verschiedene Vorteile. Neben der Möglichkeit einer weiten Verbreitung des Werks wird auch die Rechtssicherheit der Nutzer erhöht und der Aufwand für den Vertragsschluss wird erheblich gesenkt.

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

13

a) Weite Verbreitung Das Hauptziel von Open-Content-Lizenzen besteht darin, eine möglichst ungehinderte und weite Verbreitung zu fördern. Dies geschieht, indem mehr oder weniger unbeschränkte Rechte eingeräumt werden, den Inhalt zu teilen, vor allem auch über das Internet. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung für die legale Weiterverbreitung, da es das Urheberrecht, zumindest in Europa, nicht erlaubt, geschützte Inhalte ohne die ausdrückliche Zustimmung des Rechteinhabers öffentlich (online) zugänglich zu machen. Auch offline darf man urheberrechtlich geschütztes Material ohne Zustimmung nur sehr eingeschränkt weitergeben und mit anderen teilen. Open-ContentLizenzen dagegen erlauben es den Nutzern, das Werk auf Webseiten, Blogs, Plattformen hochzuladen oder in sozialen Netzwerken zu teilen. Sie erlauben auch die Erzeugung von physischen Kopien in jeglicher Form wie beispielsweise Fotokopien, CDs oder Bücher sowie die Verteilung dieser Kopien an jedermann ohne Einschränkung. Der positive Effekt auf die potenzielle Publizität des betreffenden Werks sollte nicht unterschätzt werden. Ohne OpenContent-Lizenz würde das Teilen eines Werks zum Beispiel über eine andere Online-Quelle eine individuelle vertragliche Vereinbarung zwischen der teilenden Person und dem Rechteinhaber erfordern. Dasselbe wäre der Fall, wenn jemand die Absicht hätte, ein Werk zu ändern, neu zu kombinieren oder mit anderen Werken zu vermischen und eine solche geänderte Version dann zu veröffentlichen: Laut Urheberrecht unterliegen alle derartigen Verwendungen der individuellen Zustimmung des Rechteinhabers. Im Gegensatz dazu räumt eine Open-Content-Lizenz dem Nutzer dieses Recht automatisch ein. Indem die notwendigen rechtlichen Transaktionen erleichtert werden, kommen Open-Content-Lizenzen nicht nur den

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2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

Autoren zugute, sondern dienen auch dem öffentlichen Interesse, dem Gemeinwohl. Sowohl Urheber als auch Nutzer profitieren von der steigenden Zahl freier Inhalte, auf die zugegriffen werden kann und die entgeltfrei genutzt werden können. Mit anderen Worten: Sie profitieren von der ständig wachsenden digitalen Allmende, die für die Rezeption und/oder kreative Nutzung zur Verfügung steht, ohne dass hierfür komplexe individuelle Vertragsverhandlungen erforderlich sind. Der Faktor des öffentlichen Interesses mag für Urheber einen Anreiz darstellen, ihre Werke unter einer freien Lizenz zu veröffentlichen, oder auch nicht. Besonders relevant sind Open-Content-Lizenzen jedenfalls für öffentliche Einrichtungen und gemeinnützige Institutionen, die über ausschließliche Rechte an kreativen Inhalten verfügen. Sie produzieren und veröffentlichen Werke vor allem, um dem öffentlichen Interesse zu dienen und nicht, um kommerzielle Zwecke zu verfolgen. Da die Kosten für die Schaffung und Veröffentlichung durch die öffentliche Hand zum Großteil vom Steuerzahler getragen werden, liegen Open-Content-Veröffentlichungen bei öffentlichen Einrichtungen besonders nahe. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass sich private Rechteinhaber (Urheber, Verlage etc.) keineswegs aus vorwiegend altruistischen Motiven für Open Content entscheiden. Andernfalls wäre der Ansatz nicht so erfolgreich. Open Content ermöglicht es, Inhalte zu teilen, wodurch sich die Bezugsquellen für das Werk multiplizieren. Dies ist für den Urheber oft vorteilhafter als ein restriktives Verteilungskonzept, wie z. B. „Alle Rechte vorbehalten“. Wenn der Inhalt interessant genug ist, um andere zu motivieren ihn zu teilen, wird er in den Suchmaschinen an prominenter Stelle gelistet und kann dadurch mehr Bekanntheit erreichen. Dies kann wiederum positive Auswirkungen auf die Popularität eines Autors und auf die Nachfrage nach seinen Werken

insgesamt haben. In diesem Zuge bringt der Open Content kostenlos zur Verfügung Ansatz potenzielle wirtschaftliche Vorteile gestellt werden muss oder nur auf nichtmit sich: Aufmerksamkeit ist in der Aufkommerzielle Weise verwendet werden 8 merksamkeitsökonomie , die in der Digitadarf. Es bedeutet auch nicht, dass ein Urhelen Welt von großer Bedeutung ist, eine ber oder Autor kein Geld verdienen darf, indem er seine Inhalte der Öffentlichkeit knappe Ressource. Sie ist damit ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor: Aufmerksamkeit zur Verfügung stellt. Wenn dem so wäre, könnte die Open-Source-Industrie nicht bringt Klicks; Klicks bringen Werbeerträge existieren.9 und/oder höhere Anerkennung, und höhere Anerkennung führt wiederum zu höherer b) Erhöhte Rechtssicherheit Nachfrage und/oder höherer Bezahlung. und Vereinfachung rechtSpeziell im Internet führen mehr Freiheiten licher Transaktionen für die Nutzer und weniger Kontrolle durch die Rechteinhaber oft zu größeren Einkünften als restriktive Verwertungskonzepte, Open-Content-Lizenzen verbessern die rechtliche Transparenz und Sicherheit die auf Kontrolle basieren. sowohl für Nutzer als auch für Rechteinha Um die potenziellen Effekte von Open ber. Das Urheberrecht ist eine komplexe Content in ihrem gesamten BedeutungsinSache: Ein Laie hat kaum eine Vorstellung halt zu verstehen, ist es wichtig, den Begriff davon, unter welchen Umständen ein Werk „open“ (also „offen“) nicht mit den Begriffür die private Nutzung kopiert, für Bilfen „kostenlos“ oder „nicht-kommerziell“ dungszwecke zur Verfügung gestellt oder zu verwechseln. Die Ausdrücke „frei“, wie zitiert werden darf. in „Freier Software“ oder Im Gegensatz dazu „Freie Inhalte“, sowie „of„Open“ bedeutet nicht bieten Open-Contentfen“, wie in „Open Content“, kostenlos, sondern „zur Lizenzen, z. B. die sind nicht gleichbedeutend CC-Lizenzen, eine mit „kostenfrei“, sondern mit freien Nutzung“. einfach formulierte „zur freien Nutzung“. Der Sinn einer freien Lizenzierung besteht darin, Erklärung, die Lizenznehmer darüber informiert, was sie tun dürfen, welche den Nutzern die Rechte an die Hand zu Pflichten sie einzuhalten haben und was geben, die es ihnen ermöglichen, urheberihnen untersagt ist. Diese Erklärungen rechtlich geschützte Inhalte auf die von ihnen gewünschte Weise zu verwenden. kommen auch dem Lizenzgeber zugute, der normalerweise kein juristischer Experte Vorbehaltlich der Bedingungen der freien ist (speziell dann nicht, wenn es sich um Lizenzen steht es jedem frei, die Inhalte den Autor selbst handelt). Er erhält auf nach Belieben zu nutzen, d. h. sie zu kopieren, zu verbreiten oder öffentlich zur Verfüdiese Weise alle notwendigen Informatiogung zu stellen. Außerdem fallen keine nen über die für die Verwendung seines Materials geltenden Regeln. Lizenzgebühren an. Dieses zusätzliche Ein weiterer wichtiger Vorteil der OpenParadigma – die Freiheit von Lizenzgebühren – soll die Nutzungsfreiheit weiter förContent-Lizenzen besteht in der Vereinfachung der rechtlichen Transaktion zwischen dern. Ohne dieses Paradigma würden viele Menschen von der Nutzung ausgeschlossen dem Rechteinhaber und dem Nutzer. OpenContent-Lizenzen sind standardisierte werden, wenn sie es sich nicht leisten könnWerkzeuge, die diese Transaktionen für ten, Lizenzgebühren zu bezahlen. Die Freiheit von Lizenzgebühren bedeubeide Seiten einfach halten. Individuelle Lizenzverträge zu entwerfen und auszutet jedoch nicht notwendigerweise, dass

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

Open Contents sind Inhalte, die unter einer freien Lizenz verfügbar sind und frei genutzt und weiterverwendet werden können, wenn bestimmte Bedingungen eingehalten werden. Diese ergeben sich aus dem jeweiligen Lizenztext.

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handeln ist ein komplexes Unterfangen, für das normalerweise ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden muss. Urheberrechtlich geschützte Werke durch eine wasserdichte Lizenz überall auf der Welt rechtssicher an jedermann zu lizenzieren, ist eine noch viel komplexere Aufgabe. Open-Content-Lizenzen befreien den Urheber und andere Rechteinhaber von diesen Schwierigkeiten. Insbesondere werden die von großen Initiativen, wie CC, veröffentlichten Lizenztexte von Rechtsexperten in aufwendigen Prozessen und unter großem juristischen Sachverstand entworfen und dann jedem kostenlos zur Verfügung gestellt, der sie nutzen möchte.

drastische Maßnahmen wie digitale Rechteverwaltung („Digital Rights Management“, DRM) oder aber umfassende Strategien für die Durchsetzung von Rechten eingeschränkt wird. Kontrolle über Internet-Inhalte (wieder) zu erlangen wird in aller Regel Abmahn- und Klagewellen erfordern, die nur unter Einsatz von Rechtsanwälten, Anti-Piraterie-Firmen und weiteren invasiven Methoden möglich sind. Hierzu ist jedoch kaum ein Rechteinhaber bereit oder auch nur in der Lage. Ob man die Kontrolle über die Verwendung des eigenen Werks behält oder nicht, hängt daher in erster Linie davon ab, ob man es online stellt oder nicht (und selbst wenn man sich dagegen entscheidet, landen c) Bewusste Aufgabe der populäre Inhalte früher oder später ohne Kontrolle hin fast immer im Netz). Vor allem für Autoren, die ihre Inhalte frei zugänglich ins Eine Open-Content-Lizenzierung setzt den Netz stellen (bei Unternehmen mag dies Willen voraus, die Kontrolle über die Veru. U. anders sein), liegt der logische nächste wendung des eigenen Werks bewusst aufzu- Schritt darin, sie unter freien Lizenzen zu geben. Keine oder eine nur noch sehr einge- veröffentlichen. Natürlich wird es Nutzer schränkte Kontrolle auszuüben, ist ein geben, die sich an die vom Autor gewählte wesentliches Ziel freier Lizenz nicht halten; Online-Inhalte werden Lizenzen und kein unerdiese würden auch wünschter Nebeneffekt. urheberrechtliche Reimmer geteilt werden. Ohnehin ist es in der geln nicht befolgen. Freie Lizenzen schaffen Regel Wunschdenken, Den rechtschaffenen die vollständige Kontroldafür eine rechtssicherere Nutzern, die von der le über die Nutzung Komplexität des Urheseines Werkes zu haben, und verständliche Rechts- berrechts jedoch übervor allem wenn es um fordert wären, bieten grundlage. Veröffentlichungen im Open-Content-Lizenzen Internet geht. Unabhängig davon, ob man allerdings nicht nur Freiheit, sondern vor dieser ein „Alle Rechte vorbehalten“ zuallem auch Anleitung. grunde legt oder das Werk als Open Con Die meisten Menschen sind bereit, sich tent veröffentlicht. Ist ein Artikel, ein Bild an die Gesetze zu halten. Sind die Bestimoder ein Gedicht einmal im Netz veröffentmungen jedoch zu komplex, sind ihre dieslicht, hat der Urheber kaum noch Kontrolle bezüglichen Bemühungen zum Scheitern über seine Nutzung. Anders ausgedrückt: verurteilt. Ist es erlaubt, Online-Inhalte Je populärer der Inhalt wird, desto schwieherunterzuladen, zu teilen, auszudrucken riger wird es, seine Verbreitung effektiv zu oder in einen neuen Kontext einzubetten? kontrollieren. Internet-Nutzer teilen inteDie meisten Nutzer werden nicht in der ressante Inhalte, ob dies legal ist oder nicht, Lage sein, diese Fragen aus urheberrechtliwenn ihre Weiterverbreitung nicht durch cher Sicht zu beantworten.

16

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

Open-Content-Lizenzen sind dagegen leicht zu verstehen, indem sie die Regeln einfach halten. Eine Formulierung könnte beispielsweise lauten: „Sie dürfen den Inhalt auf jede von ihnen gewünschte Weise verwenden, wenn Sie die Lizenzpflichten befolgen.“ Die Lizenzbedingungen werden dann auf eine Art und Weise beschrieben, die jeder Nutzer verstehen und einhalten kann. Die daraus resultierende Rechtssicherheit kommt nicht nur den Rechteinhabern, sondern auch den Nutzern zugute.

2.4 Rechtliche Aspekte und praktische Auswirkungen der Open-ContentLizenzierung Im folgenden Abschnitt wird detailliert beschrieben, wie eine Open-Content-Lizenz allgemein funktioniert, und welche praktischen Auswirkungen sie hat. Diese Aspekte sind normalerweise allen Arten von OpenContent-Lizenzen gemein. Weitere Informationen über spezifische Lizenztypen finden Sie in den Kapiteln 3 und 4. a) Umfang der Lizenzerteilung Wie bereits gesagt, basiert Open Content auf dem Paradigma „Einige Rechte vorbehalten“. Während die meisten Nutzungshandlungen erlaubt sind, bleiben einige vorbehalten. Open-Content-Lizenzen bieten daher interessierten Nutzern die Möglichkeit, weitgehende Rechte zur Nutzung des Inhalts auf die von ihnen gewünschte Weise, für alle Zwecke, auf allen Medien, überall und ohne geografische oder zeitliche Beschränkungen zu erlangen. Dennoch existieren (je nach Art der Lizenz) Beschränkungen für die kommerzielle Nutzung oder für (Ver-)Änderungen.

Die weitgehende Rechteeinräumung bedeutet zum Beispiel, dass ein unter einer freien Lizenz veröffentlichter Roman in digitaler oder nicht digitaler Form nach Belieben kopiert werden darf. Er darf gescannt oder anderweitig digitalisiert, auf Server hochgeladen, auf Festplatten gespeichert oder heruntergeladen werden. Aus urheberrechtlicher Sicht sind alle diese Nutzungen „Vervielfältigungen“. Das Werk kann auch gedruckt und z. B. als Buch oder E-Book (weiter-) verteilt oder im Internet veröffentlicht werden. Musik darf öffentlich gespielt, Gedichte dürfen rezitiert und Theaterstücke aufgeführt werden. Open-Content-Lizenzen sollen die Nutzung geschützter Werke erleichtern, gleich an welchem Ort eine solche Nutzung erfolgt. Dies wurde bei der Formulierung der Lizenzen berücksichtigt: Aufgrund ihrer nicht diskriminierenden Natur sollen sie weltweit10 anwendbar sein. Außerdem werden die Rechte ohne Entgelt oder andere Formen der Gegenleistung erteilt. Das bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass der Erwerb einer Kopie oder der Zugang zum Werk kostenlos sein muss (siehe Kapitel 2.4, Abschnitt c unten), obwohl dies normalerweise der Fall ist. Vorbehaltene Rechte kommen ins Spiel, wenn ein Werk zum Beispiel unter einer freien Lizenz steht, die nicht das Recht beinhaltet, ein Werk zu ändern und diese Änderungen zu verbreiten. Jeder, der eine Nutzungshandlung vornehmen möchte, die von der Lizenz nicht erfasst (also vorbehalten) ist, muss einen individuellen Lizenzvertrag mit dem Rechteinhaber schließen. Autoren können zum Beispiel eine nicht-kommerzielle Lizenz wählen, um von Fall zu Fall über kommerzielle Nutzungen entscheiden zu können und Lizenzgebühren zu verlangen, wenn jemand durch die Verwendung ihrer Werke Gewinne erzielen möchte. Wählt ein Lizenzgeber eine restriktive Lizenz (z. B. eine nicht-kommerzielle Lizenz), bedeutet

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dies nicht unbedingt, dass er Nutzungen verhindern möchte, die außerhalb des Bereichs der Lizenz liegen. Solche Nutzungen sind nicht grundsätzlich verboten, sondern unterliegen einer zusätzlichen Vereinbarung mit dem Rechteinhaber. b) Anwendbarkeit auf Kopien eines Werks

Technische SchutzmaSSnahmen (Technical Protection Measures) sind dazu gedacht, Urheberrechtsverletzungen zu verhindern.

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Eine freie Lizenz gilt immer für ein bestimmtes Werk und nicht für eine bestimmte Kopie dieses Werks. Ein Werk ist eine immaterielle Schöpfung, die die Individualität des Autors zum Ausdruck bringt. Fotos, Texte, Musikkompositionen oder Grafiken sind Werke. Musik- oder Bilddateien, Bücher oder Zeitschriften sind nur materielle Verkörperungen des Werks, aber nicht das Werk selbst. Wenn man sich für eine Lizenz entscheidet, ist es wichtig zu wissen, dass sich die Lizenz auf das Werk an sich bezieht und nicht nur auf eine bestimmte Kopie dieses Werkes. Wem dieser wichtige Unterschied nicht bewusst ist, kann zu falschen Schlüssen über Inhalt und Umfang der Lizenzierung kommen. So ist es zum Beispiel weit verbreitete Praxis, Bilddateien mit niedriger Auflösung oder Musikdateien von schlechter Qualität unter einer Open-Content-Lizenz zu veröffentlichen, mit der Absicht und in dem Glauben, dass die Rechte an hochauflösenden Versionen desselben Bildes oder derselben Musikproduktion nicht von der Lizenz abgedeckt sind. Hierhinter steht häufig der Wunsch, qualitativ höherwertige Kopien außerhalb des Anwendungsbereichs der Lizenz kommerziell verwerten zu können. Dem liegt der Irrglaube zugrunde, dass sich die Lizenz nur auf Kopien mit geringer Qualität bezieht. Es ist jedoch nicht die jeweilige Kopie des Werks, die lizenziert wird, sondern das Werk selbst. Die Lizenz gilt für alle Arten von Kopien des Bildes, unabhängig von ihrer Qualität. Niedrig und

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

hoch auflösende Versionen eines Fotos stellen keine verschiedenen Werke dar, sondern nur unterschiedliche Verkörperungen ein und desselben Werks. Mit anderen Worten: Werden unter einer Open-Content-Lizenz Kopien von geringer Qualität geteilt, gilt die Lizenz auch für qualitativ hochwertige Kopien desselben Werks. Theoretisch wäre es möglich, den Zugang zu hochauflösenden Kopien durch Bezahlschranken oder andere technische Schutzmaßnahmen zu beschränken. Gelangt ein Nutzer jedoch in den Besitz einer hochauflösenden Kopie, kann er diese gemäß den Bedingungen der CC‑Lizenz, unter der die niedrig auflösende Kopie veröffentlicht wurde, teilen.11 c) Keine Lizenzgebühren Für alle Open-Content-Lizenzen gilt das Paradigma „Keine Lizenzgebühren“. Es bedeutet, dass die Nutzung des Werks kostenfrei ist. Dies hat jedoch keine Auswirkungen auf potenzielle andere Einnahmequellen. Ein Beispiel: Die Inhalte eines Buches, d. h. die darin enthaltenen Artikel, Bilder, Illustrationen etc., können Open Content sein, obwohl das Buch selbst im Verkauf vertrieben wird. In diesem Fall bezahlt der Käufer den Preis lediglich für den Erwerb des physischen Gutes, d. h. das Papier, den Einband usw. Die Open-Content-Lizenz bezieht sich auf den Inhalt des Buches, d. h. auf die Verwendung der urheberrechtlich geschützten Werke. Sie erteilt dem Nutzer das Recht, diese zu kopieren, zu verteilen und zur Verfügung zu stellen, ohne dass Lizenzgebühren oder weitere Gebühren anfallen würden. Ein weiteres Beispiel aus der OnlineWelt: Der Zugang zu einem Open-ContentOnline-Repositorium kann gebührenpflichtig sein, während die bereitgestellten Artikel unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden. In diesem Fall wird die Abogebühr für den Service in Rechnung ge-

stellt, nicht für das Recht auf die Nutzung der Lizenz geregelt ist13, kommt die Lizenz des Inhalts. Bei der Abonnementgebühr zustande und der Lizenznehmer verfügt handelt es sich nicht um über die notwendige Freie Lizenzen sind mit Nutzungsentgelte, also Genehmigung, das Werk nicht um Lizenzgebühzu verwenden (ist aber kommerziellen Geschäftsren. Sie zu verlangen auch verpflichtet, die in steht daher nicht im der Lizenz enthaltenen modellen vereinbar. Widerspruch zu dem Bedingungen einzuhalten). Paradigma „Keine Lizenzgebühren“. Vor diesem Hintergrund sind kommerzielle e) Voraussetzungen für die Geschäftsmodelle mit der Idee von Open Verwendung von OpenContent ohne weiteres vereinbar. Wer eine Content-Lizenzen Open-Content-Veröffentlichungsstrategie mit einem kommerziellen Geschäftsmodell Um ein Werk als Open Content zu lizenziekombinieren möchte, kann dies jederzeit ren, muss der Lizenzgeber Inhaber aller tun. Ob dies tatsächlich erfolgversprechend diesbezüglich erforderlichen Rechte sein. ist, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Durch die freie Lizenz werden den Nutzern nicht-exklusive Rechte zur Verwendung des d) Lizenzvertrag Werks eingeräumt. Damit dies möglich ist, muss der Lizenzgeber Eigentümer aller Eine Lizenz ist eine Nutzungserlaubnis für exklusiven Rechte sein, die von der freien Handlungen, die ohne Zustimmung nicht Lizenz abgedeckt sind. Wer nur einfache erlaubt wären. Ob eine Lizenz ein Vertrag (nicht-exklusive) Nutzungsrechte besitzt oder ein einfaches, einseitiges Versprechen kann Dritten, jedenfalls nach manchen ist, ist von Land zu Land verschieden. Die Rechtsordnungen, keine Rechte erteilen. Auswirkungen sind hingegen dieselben: Die Ist der Lizenzgeber nicht oder nicht Lizenz ist eine rechtlich gültige Vereinbaausreichend berechtigt, rung, die die Verwendung eines bestimmten Rechte zu erteilen, geht Um einen Inhalt unter einer Werkes regelt. Verwendungen, die nicht die Lizenzerteilung – zur freien Lizenz veröffentlichen von der Lizenz abgedeckt sind oder die Gänze oder teilweise – gegen die Lizenzpflichten verstoßen, sind ins Leere. Der Lizenzge- zu können, braucht man widerrechtliche Handlungen, die rechtliche ber begeht folglich eine Folgen nach sich ziehen können. Urheberrechtsverletzung, exklusive Rechte. Einen Vertrag mit Hilfe einer freien weil er sich Rechte angeLizenz zu schließen, ist einfach. Im ersten maßt hat, über die er nicht verfügt. Zudem Schritt teilt der Lizenzgeber dem potenzielverletzen auch die Nutzer Urheberrechte len Nutzer mit, dass sein Werk gemäß den insofern, als die Lizenzerteilung ungültig ist. Bedingungen einer spezifischen freien Der rechtliche Grund für Letzteres Lizenz verwendet werden darf. Zu diesem besteht darin, dass nur derjenige wirksam Zweck wird dem Werk ein Lizenzhinweis Rechte einräumen kann, der selbst hierzu beigefügt, der einen Link zu dem Lizenzin vollem Umfang berechtigt ist. Eine Litext enthält.12 Aus rechtlicher Sicht ist dies zenzerteilung ohne Berechtigung auf Seiten des Lizenzgebers ist ungültig. So kann beieine Art „Angebot an die Öffentlichkeit“ (d. h. an jeden interessierten Nutzer), das spielsweise ein Verlag Eigentümer der exklusiven Druck‑ und Vertriebsrechte für einen Werk gemäß den Lizenzbedingungen zu verwenden. Sobald der Nutzer das Werk Roman sein, ohne auch exklusive OnlineRechte erworben zu haben. In diesem Fall auf eine Weise verwendet, die innerhalb

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Mit mehr als 40 Millionen Artikeln in mehr als 280 Sprachen ist Wikipedia die größte Online-Enzyklopädie. Mit ihren mehr als 5 Millionen Artikeln ist die englischsprachige Wikipedia die umfangreichste.

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darf der Verlag nicht als Open-ContentEntwicklung einer nachhaltigen und effektiLizenzgeber für das Werk auftreten, da ven Strategie kann jedoch schwierig sein.16 Einige Optionen erfordern die Übertragung die Open-Content-Lizenz auch Rechte zur von Rechten, bevor die eigentliche VeröfOnline-Bereitstellung des Inhalts enthält. fentlichung unter der freien Lizenz stattfinDurch die Anwendung der Open-Contentdet, andere nicht. Welches Modell sinnvoll Lizenz würde der Verlag das Recht (im ist, hängt von der jeweiligen Situation ab. Zweifelsfall: das Recht des Autors), das Hier werden anhand der Online-EnzyklopäWerk im Internet zu veröffentlichen, verletdie Wikipedia zwei Ansätze beschrieben: zen. Dasselbe gilt für Open-Content-LizenzDie Wikipedia basiert auf den Beiträgen nehmer, die den Roman anschließend online einer großen Autoren-Community. Jeder, zur Verfügung stellen würden. Da der Lider einen Beitrag leisten möchte, ist dazu zenzgeber (Verlag) selbst nicht zur Onlineeingeladen. Die Autoren können ihre ArtiNutzung berechtigt war, kann der Nutzer kel sowie Änderungen an bereits bestehendieses Recht von ihm auch nicht erwerben. den Artikeln selbst hochladen. Alle Artikel Ob Lizenzgeber und/oder Nutzer tatsächlich werden gemäß derselben CC-Lizenz darüber informiert war(en) oder informiert (CC BY-SA) veröffentlicht.17 hätte(n) sein können, dass keine Berechtigung bestand, spielt dabei keine Rolle. Für die Lizenzierung in solchen Projek Doch wie erwirbt der Lizenzgeber die ten gibt es zwei Hauptansätze: Entweder notwendigen Rechte, um als Lizenzgeber tritt jeder Autor als Lizenzgeber seiner auftreten zu können? Der ursprüngliche eigenen Beiträge auf, oder alle Rechte Urheberrechtseigentümer ist werden an zentraler immer der Urheber.14 Tritt Der gesamte Inhalt der Stelle – zum Beispiel in der Urheber selbst als Lider Wikimedia FoundaWikipedia steht unter zenzgeber auf, sind keine tion – zusammengefasst, weiteren Schritte notwendig. einer freien Lizenz. die dann für alle veröfTritt jedoch ein Dritter als fentlichten Inhalte als Lizenzgeber auf, sind einer oder mehrere Lizenzgeberin auftritt. Die erste Alternativertragliche Rechtsübertragungen erforve könnte als dezentralisiertes, die letztere derlich. Werden die Rechte mehrfach von als zentralisiertes Lizenzierungssystem einer Person zur nächsten übertragen, ist es bezeichnet werden. wichtig, eine durchgängige Lizenzkette zu schaffen, um dem Lizenzgeber der OpenDas dezentralisierte Lizenzierungssystem Content-Lizenz die erforderlichen Rechte zu verschaffen. Mit anderen Worten: Wird Die Gründer der Wikipedia haben sich für ein Werk mehrmals von einer Partei an ein dezentralisiertes Lizenzierungssystem eine andere Partei lizenziert, bevor es unter entschieden. Die Autoren, die urhebereiner freien Lizenz veröffentlicht wird, rechtlich geschützte Artikel beitragen oder müssen alle Lizenztransaktionen in der bereits in der Enzyklopädie enthaltene dazwischenliegenden Zeit alle notwendigen Artikel bearbeiten, behalten ihre exklusi15 Rechte abdecken und wirksam sein. ven Rechte am Werk. An die Wikimedia Foundation werden keine Rechte übertraf) Zentralisierte vs. dezentraligen. Sie kann daher auch nicht als Lizenz sierte Lizenzierungssysteme geberin für die Artikel auftreten. In diesem Szenario fungiert die Stiftung aus urheberEs gibt viele verschiedene Strategien für rechtlicher Sicht nicht als Verlag, sondern Open-Content-Veröffentlichungen. Die als Plattformanbieter und Hosting-Service.18

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

Dieses Modell kann auch für andere Publikommerziell zu verwerten. Der Verlag kationen verwendet werden, wie zum müsste sich diese fehlende Nutzungserlaubnis durch eine zuBeispiel für Anthologien, Open-Access-Reposi- Wikipedia-Autoren behalten sätzliche Vereinbatorien sowie für Bildrung verschaffen, ihre exklusiven Rechte an und Videoplattformen. durch die die AutoDas Prinzip ist einfach: ren zustimmen, dass ihren Beiträgen. ihre Artikel im RahAnders als bei traditionellen Publikationen und Lizenzmodellen men der Buchveröffentlichung auch kommerziell verwertet werden dürfen. ist derjenige, der die Beiträge technisch zur Verfügung stellt weder der zentrale Rechteinhaber noch der Lizenzgeber. Die Autoren Das zentralisierte Lizenzierungssystem behalten ihre Exklusivrechte, die sie mittels der Open-Content-Lizenz auf nicht-exklusiAlternativ könnten alle Rechte an denjenigen übertragen werden, der die Beiträge ver Basis beliebigen Dritten erteilen, unter anderem an den Plattformanbieter selbst. In technisch zur Verfügung stellt. Der Veröfvielen Fällen ist die Erteilung der Openfentlichende könnte dann als Lizenzgeber der Open-Content-Lizenz auftreten. Diese Content-Lizenz ausreichend, um die EigenOption würde den Abschluss einzelner nutzung durch den Anbieter selbst zu legiti19 Lizenzverträge zwischen den Autoren und mieren. dem Veröffentlichenden erfordern, die vor In bestimmten Situationen könnte die Veröffentlichung geschlossen werden müssen. erteilte freie Lizenz jedoch nicht ausrei Ein Beispiel: Angenommen, Wikipedia chen, um der veröffentlichenden Stelle die hätte den zentralisierten Lizenzierungsannotwendigen Rechte einzuräumen. Nehmen satz gewählt. In diesem Fall müssten zuwir das Beispiel eines Verlages, der eine nächst alle Rechte von den Autoren an die Anthologie mit Artikeln verschiedener Wikimedia Foundation (oder an eine andeAutoren herstellen und verkaufen möchte. re juristische Person) übertragen werden. Die Artikel sollen unter freien Lizenzen Sie würde dann als Lizenzgeberin der veröffentlicht werden, bei denen die Autoren als Lizenzgeber auftreten sollen (dezen- CC-Lizenzen auftreten, nach denen die Wikipedia-Artikel genutzt werden können. trales Lizenzierungsmodell). In diesem Szenario tritt der Verlag lediglich als VerFür den Übergang der Rechte von den Autoren an den Verlag müssten mit jedem käufer des Buchs auf und nicht als Lizenzgeber der Artikel. Um eine kommerzielle Autor „Autorenverträge“ geschlossen Konkurrenz durch andere Verlage zu verwerden. Diese werden im Zusammenhang mit freien Communitys auch als „Inboundhindern, könnte sich der Verlag entscheiden, die Artikel unter einer nicht-kommerLizenzen“ oder „Contributor Agreements“ bezeichnet.20 ziellen („NonCommercial“, NC) CC-Lizenz zu veröffentlichen. Die Autoren würden Der Umfang der Inbound-Lizenz muss entsprechend ihre Beiträge unter dieser jenem der Outbound-Lizenz (also der CCCC BY-NC Lizenz lizenzieren. Lizenz) entsprechen, um eine durchgehen In diesem Fall deckt die CC-Lizenz die de Lizenzkette zu schaffen.21 In diesem eigene Nutzung durch den Verlag nicht ab, Kontext ist es unvermeidlich, dass die weil der Verkauf eines Buches als kommerAutoren dem Veröffentlichenden exklusive zielle Nutzung gilt. Der Verlag muss einen Nutzungsrechte einräumen oder ihm ihre zusätzlichen Vertrag mit den Autoren Rechte sogar vollständig abtreten. 22 Wie gesagt ermächtigen nicht-exklusive Lizenschließen, der ihn berechtigt, die Artikel

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

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zen generell – abhängig von der jeweiligen Obwohl dies nicht in jedem europäischen Rechtsordnung – nicht dazu, Rechte an Land der Fall ist, sollte dem Autor bewusst Dritte zu vergeben. Zudem muss die Lizenzsein, dass das Werk als Open Content vererteilung in Bezug auf Gebiet und Dauer öffentlicht wird. Die Verwendung eines als unbegrenzt sein. Da Open-Content-LizenOpen Content veröffentlichten Werks kann zen den Nutzern weltweite und fortwähren- weit umfassender sein als in einem kontrolde Rechte zur Nutzung des Werks gewählierten Lizenzierungsszenario. Vor allem ren, muss sich der Lizenzgeber Rechte mit wenn die Outbound-Lizenz Änderungen demselben Umfang verschaffen. zulässt, könnten z. B. Urheberpersönlich Ob sich der Lizenzgeber durch die Inkeitsrechte des Autors betroffen sein. bound-Lizenz vollumfängliche Rechte vom Ob das zentralisierte oder das dezentraUrheber einräumen lassen muss oder ob lisierte Lizenzierungssystem vorzuziehen auch eingeschränkte Rechte genügen, hängt ist, hängt von der jeweiligen Situation ab. von der Outbound-Lizenz ab, d. h. von der Auf den ersten Blick könnte man meinen, Open-Content-Lizenz. dass der dezentralisierte Wird beispielsweise eine Sobald eine freie Lizenz Ansatz weniger schwierig NC-Lizenz verwendet, zu organisieren ist. Er erteilt wurde, kann sie könnte die Inboundverlangt zum Beispiel kein nicht mehr zurückgeLizenz (der Vertrag mit umfassendes Lizenzmadem Autor) ebenfalls auf nagement zwischen dem nommen werden. nicht-kommerzielle Publizierenden und den Nutzungen beschränkt werden. Oder wenn Autoren. Zudem vermeidet er Haftungsprodie Inhalte unter eine CC-Lizenz mit NDbleme für den Publizierenden. Tritt er als Modul („NoDerivatives“, keine BearbeitunLizenzgeber auf, könnte er für die bereitgegen) gestellt werden sollen, bräuchten die stellten Inhalte haftbar gemacht werden. Autoren dem Publizierenden eigentlich Treten die einzelnen Autoren als Lizenzgekeine Änderungsrechte zu erteilen. Ob ber auf, betreffen Haftungsfragen generell solche Einschränkungen empfehlenswert nur sie. Bei Wikipedia ist der Autor zum sind, hängt vom jeweiligen Fall ab. Es könn- Beispiel die einzige Person, die den Inhalt te vernünftig sein, die individuelle Entund die Geschichte des Beitrags kennt. scheidung, z. B. über kommerzielle Nutzun- Daher macht es hier Sinn und ist auch fair, gen, dem Autor zu überlassen. In anderen wenn die Autoren für ihre Beiträge allein Fällen könnten es praktische oder finanzielverantwortlich sind.23 le Aspekte nahelegen, dass alle Lizenzie Vor allem in großen Kollaborationsprorungsentscheidungen von einer zentralen jekten, wie beispielsweise der Wikipedia, Stelle getroffen werden. Dann sollte die könnte sich ein zentralisierter LizenzieInbound-Lizenz solche Einschränkungen rungsansatz oder ein zentralisiertes Manicht enthalten. nagement als äußerst komplex erweisen. Darüber hinaus sollte in der InboundDasselbe könnte jedoch auch bei kleineren Lizenz ausdrücklich erwähnt sein, dass sie Projekten der Fall sein. Nehmen wir zum die Veröffentlichung der abgedeckten WerBeispiel ein Forschungsinstitut, das eine ke unter einer freien Lizenz erlaubt. Dies Anthologie mit Beiträgen von 20 verschieist umso wichtiger, als es in einigen Rechtsdenen Autoren unter CC-Lizenzen veröfordnungen vorgeschrieben ist, die ausfentlichen möchte. Bald nach Verhandlungsdrückliche Genehmigung des Autors einzubeginn stellt sich heraus, dass sich die holen, um Unterlizenzen erteilen und/oder Autoren nicht auf ein einheitliches LizenzieRechte an Dritte übertragen zu können. rungsmodell einigen können. Während

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2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

einige überhaupt nicht mit der Open-Content-Lizenzierung einverstanden sind, möchten andere Artikel einreichen, die bereits in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurden. Letztere können nicht als Open Content lizenziert werden, weil die Autoren ihre Exklusivrechte bereits an den Verlag übertragen und sich nur nicht-exklusive Rechte für ihre Weiterveröffentlichung vorbehalten haben. Unter jenen, die mit einer OpenContent-Veröffentlichung einverstanden sind, sprechen sich einige für eine offenere Lizenz wie z. B. CC BY aus, während andere sich das Recht vorbehalten möchten, ihr Werk kommerziell zu verwerten, und daher einen CC BY-NC-Ansatz bevorzugen. In einem dezentralisierten Modell könnte jeder Autor für sich über die OutboundLizenzierung seines Beitrags entscheiden.24 Jene, die sich für eine Open-Content-Lizenz aussprechen, könnten ihren Artikel unter jeder freien Lizenz veröffentlichen. Die andern könnten sich alle Rechte vorbehalten. Das zentralisierte Modell würde im Gegensatz dazu verlangen, dass die Institution mit jedem einzelnen Autor einen individuellen Lizenzvertrag aushandelt. Dies wäre im Zweifel sehr aufwendig. Andererseits gibt es auch verschiedene Gründe, die für einen einzelnen, zentralen Lizenzgeber sprechen. Es könnte zum Beispiel für kommerzielle Verlage von Vorteil sein alle Rechte zu halten. Speziell bei großen Community-Projekten mit vielen verschiedenen Autoren (wie der Wikipedia) wären grundlegende Entscheidungen über das Lizenzierungssystem viel einfacher zu treffen als beim dezentralisierten Modell, wo jeder Rechteinhaber um Erlaubnis gefragt werden müsste, um z. B. die Lizenz des Projekts ändern zu können. Generell würden sich mit großer Wahrscheinlichkeit Probleme ergeben, wenn wichtige Entscheidungen über Lizenzierung, Marketingstrategien oder Geschäftsmodelle von der Zustimmung einer Vielzahl von Personen abhängig sind, da solche

Entscheidungsfindungsstrukturen hochgradig unvorhersehbar und fast unmöglich zu kontrollieren sind. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Open-Content-Lizenzen Entscheidungen über Veröffentlichungssind rechtlich wirksame modelle und LizenVerträge und gelten zierungssysteme gut überlegt sein wollen. weltweit. Jedes Konzept hat seine Vor- und Nachteile, die gegeneinander abgewogen werden müssen. Dies ist umso wichtiger, als solche Entscheidungen nicht leicht zu widerrufen und von großer Bedeutung für den Erfolg von Open-ContentStrategien sind. g) Achtung bei Zweitveröffent lichungen! Der Lizenzgeber muss dafür sorgen, dass seine Open-Content-Lizenz keine Rechte Dritter verletzt. Insbesondere können Wiederveröffentlichungen von Werken, die bereits kommerziell publiziert wurden, zu Problemen führen. So müssen bei Veröffentlichungen in Zeitschriften oder Zeitungen beispielsweise meist weitreichende exklusive Rechte an den Verlag übertragen werden. In einem solchen Fall sind Zweitveröffentlichungen unter einer Open-Content-Lizenz nicht möglich, es sei denn, der Verlag stimmt dem zu. Ansonsten würde der Urheber die Exklusivrechte des Verlages verletzen, obwohl er selbst der Autor ist (so genanntes Eigen- oder Selbstplagiat). Aus diesem Grund sollte bei organisierten Open-Content-Projekten deutlich gemacht werden, dass die Beitragenden sicherstellen müssen, dass sie das Recht haben, ihre Beiträge unter einer freien Lizenz (neu) zu veröffentlichen und dass dadurch keine Rechte Dritter verletzt werden. Diese Befugnis kann sich aus dem Urheberrecht, aus ausschließlichen Nutzungsrechten oder wiederum aus einer Open-Content-Lizenz ableiten. Beispiels-

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weise können auch Inhalte von Dritten (die nicht die Autoren oder Inhaber exklusiver Nutzungsrechte sind) in die Wikipedia hochgeladen werden, die unter einer OpenContent-Lizenz veröffentlicht wurden, wenn diese Lizenz mit der in der Wikipedia verwendeten Lizenz kompatibel oder identisch ist.25 h) Praktische Auswirkungen einer Open-Content-Lizen zierung

Alle diese Faktoren weisen darauf hin, dass die erste Entscheidung über das Veröffentlichungsmodell oder Lizenzierungssystem sehr wichtig ist. Obwohl es dem Rechteinhaber theoretisch freisteht, die Lizenzierungsentscheidung jederzeit zu ändern, können solche Änderungen nur anlässlich wesentlicher Aktualisierungen des Werkes vorgenommen werden. Das bedeutet, dass Entscheidungen für Open-Content-Veröffentlichungen im Allgemeinen und über die Auswahl einer spezifischen Lizenz im Besonderen sehr sorgfältig getroffen werden sollten.

Wie bereits erwähnt, führt die Entscheidung, Inhalte unter einer Open-ContentLizenz zu veröffentlichen, insbesondere I) Durchsetzung von Open Content-Lizenzen wenn dies online geschieht, zu einem gewissen Kontrollverlust. Jedermann, der Open Content ist nicht frei von Rechten daran interessiert ist, das Werk zu kopieren, und nicht gemeinfrei. Verwendet jemand zu verteilen, wieder zu veröffentlichen oder sonst wie zu nutzen, ist dazu berechtigt das Werk auf eine Weise, die von den Lizenzbedingungen nicht erlaubt wird, kann (außer eventuell kommerzielle Nutzer). der Rechteinhaber rechtliche Schritte geDies ermöglicht eine ungehinderte Verbreimäß Urheberrecht und/oder Vertragsrecht tung des Werkes. Da die Nutzungsrechte ergreifen.26 darüber hinaus ohne Gegenleistung (Lizenzgebühren) eingeräumt werden, sind die Zudem enthalten CC-Lizenzen eine Möglichkeiten, über die Nutzung direkte rechtliche Konstruktion, die eine effektive Gewinne zu erzielen, beschränkt. Zudem ist Verfolgung von Lizenzverletzungen sicherdie Lizenzentscheidung – zumindest in stellt: die „automatic termination clause“ Bezug auf die spezifi(automatische KündiEine freie Lizenz gilt für sche Version des Wergungsklausel).27 Nach kes – unwiderruflich. alle Kopien eines Werkes dieser Bestimmung verliert Die Nutzungslizenzen derjenige, der die Lizenzunabhängig von ihrer werden auf Dauer erteilt pflichten nicht einhält, und können vom Autor automatisch seine NutQualität. oder vom Rechteinhaber zungsbefugnisse, weil die nicht gekündigt werden. Sollte der RechteLizenz erlischt. Ohne gültige Lizenz stellt inhaber sich entscheiden, das Lizenzmodell jede weitere Verwendung des Werkes eine nach der ersten Veröffentlichung zu ändern, Urheberrechtsverletzung dar, die Schadensbleiben alle Lizenzverträge, die vor dieser ersatz- und Unterlassungsansprüche oder Änderung geschlossen wurden, gültig. Mit andere Rechtsfolgen auslöst und geahndet anderen Worten: Personen, die die Lizenz werden kann. Nehmen wir zum Beispiel davor abgeschlossen haben, können das einen Blogger, der ein unter CC stehendes Werk gemäß den ursprünglichen LizenzbeFoto verwendet, ohne die notwendigen dingungen weiterverwenden, da die Lizenz Urheberrechts- und Lizenzvermerke anzufür eine bereits genutzte Werkkopie nicht bringen: Eine solche Nutzung verstößt rückwirkend geändert werden kann. gegen die Lizenzbestimmungen und kann

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2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

daher vertragliche sowie Ansprüche wegen Urheberrechtsverletzung auslösen (da die Lizenz automatisch erloschen ist).28 j) Das Problem der Inkompatibilität von Lizenzen Einer der wesentlichen Vorteile von freien Inhalten besteht sicherlich darin, dass sie mit anderen Publikationen kombiniert oder in sie integriert werden können, um in einem neuen Kontext veröffentlicht zu werden. Inkompatibilitäten zwischen Lizenzen gefährden jedoch dieses Ziel der freien Lizenzierung. Der Ausdruck „Lizenzinkompatibilität“ meint, dass zwei oder mehrere Werke aufgrund von widersprüchlichen Lizenzverpflichtungen nicht als kombiniertes Werk veröffentlicht werden können. Lizenzinkompatibilitäten sind ein unerwünschter Nebeneffekt unter anderem von Share Alike-Lizenzen (SA, Weitergabe unter gleichen Bedingungen) („Copyleft“). Diese Lizenzen beinhalten eine Klausel, der zufolge – vereinfacht ausgedrückt – geänderte Versionen des Werks nur unter der Lizenz des Originals geteilt werden dürfen.29 Außer direkten Eingriffen in das Werk (z. B. Kürzungen oder Übersetzungen eines Artikels) können „Bearbeitungen“ auch darin liegen, dass das lizenzierte Werk mit anderen Elementen kombiniert wird, z. B. in Remixen oder Mash-ups.30 Stellen Sie sich einen Fotografen vor, der eine Fotocollage veröffentlichen möchte, die ein Bild enthält, das unter einer CC BY-SA-Lizenz lizenziert wurde, sowie ein weiteres, das unter einer anderen ShareAlike-Lizenz (z. B. GNU FDL) lizenziert wurde. In diesem Fall würden beide Lizenzen eine Bestimmung enthalten, die sinngemäß lautet: „Sie dürfen eine Kombination oder Änderung meines Werkes mit anderen Elementen nur unter meinen Lizenzbedingungen veröffentlichen.“ In diesem Fall ist die Kombination beider Fotos in einem

Werk ausgeschlossen, es sei denn, beide Lizenzen enthielten die gleichen Bedingungen, was sehr unwahrscheinlich ist. Unterschiedliche SA-Lizenzen sind daher in der Regel inkompatibel, was zur Folge hat, dass die hierunter stehenden Inhalte nicht miteinander kombiniert werden dürfen. Denn die Einhaltung der einen Lizenz würde unweigerlich zur Verletzung der anderen führen. Auch bei anderen Lizenzen kann – je nach der spezifischen Nutzung und der Interpretation der jeweiligen Lizenzen – dieser Effekt auftreten. Inkompatibilitäten zwischen Lizenzen widersprechen dem Ziel, die „kulturelle Allmende“ zu fördern. Dies würde voraussetzen, dass die hierin enthaltenen Werke auch neu angeordnet, neu gemixt und kombiniert werden können, um einen neuen kulturellen Inhalt zu schaffen. Da es derzeit keine greifbare Lösung für das Inkompatibilitätsproblem gibt,31 sollten potenziellen Auswirkungen bei der Wahl einer Lizenz sorgfältig abgewogen werden.32

Die GNU-Lizenz für freie Dokumentation (GNU Free Documentation Licence, GNU FDL) erlaubt die Nachnutzung und Veränderung von Texten. Dabei müssen alle Abwandlungen des Werks unter der ursprünglichen Lizenz veröffentlicht werden. Kommerzielle Nutzung ist erlaubt.

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

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Anmerkungen 1 Die CC-Initiative stellt jedoch auch Instrumente zur Verfügung, die Inhalte kennzeichnen, die gemeinfrei geworden sind oder als gemeinfrei zu betrachten sind. Diese Werkzeuge müssen von den Lizenzen unterschieden werden. Der Verzicht auf Urheberrechte oder die Kennzeichnung bestimmter Inhalte als „nicht geschützt“, d. h. als gemeinfrei, bedeutet die Aufgabe der Exklusivrechte. 2 Die juristische Erklärung dieses Aspekts ist komplex und von Land zu Land verschieden. Einfach ausgedrückt: Immaterialgüterrechte – wie Urheberrechte – sind gegen jeden wirksam (dingliche Rechte), während Lizenzen oder Verträge nur die Parteien binden, die den Vertrag geschlossen haben. Die praktischen Unterschiede sind erheblich: Stellen Sie sich zum Beispiel vor, jemand würde ein Werk, das nur für nicht-kommerzielle Zwecke lizenziert wurde, für kommerzielle Zwecke kopieren. Ist der Inhalt urheberrechtlich geschützt, kann der Verstoß gegen die Lizenz auf der Grundlage des Urheber- oder Vertragsrechts durchgesetzt werden. Ist er jedoch nicht geschützt, kann nur das Vertragsrecht herangezogen werden, um den Verstoß zu ahnden. Dies würde jedoch voraussetzen, dass der Verletzer die Lizenz, also den Vertrag, abgeschlossen hat, was nicht zwingend der Fall sein muss und in jedem Fall schwer zu beweisen ist. Das Urheberrecht wirkt hiervon unabhängig gegen jede Person, die gegen das Recht verstößt. Das zeigt, dass die vom Urheberrecht abgeleiteten Rechtsmittel normalerweise viel wirksamer sind als vertragliche Ansprüche. 3 Z. B. „Open Database Attribution“ und „ShareAlike for Data/Databases License“, veröffentlicht von Open Knowledge, siehe: http://www.opendatacommons.org/ licenses/odbl/. 4 Für freie und Open-Source-Software gibt es zwei Definitionen. Siehe die Definition der Free Software Foundation (FSF): https://www.gnu.org/philosophy/free-sw.html und die Open-Source-Definitionen der Open Source Initiative (OSI): http://www.opensource.org/docs/definition.php. Beide Definitionen sind im Großen und Ganzen identisch. 5 Es gibt verschiedene divergierende Definitionen für Open Content (siehe z. B. http://opendefinition.org/ od/), Free Content oder Free Cultural Works (siehe: http://freedomdefined.org/Definition). Im Gegensatz zu den Definitionen von freier und Open-Source-Software, die als de-facto-Standard betrachtet werden können, scheint jedoch keine der Open-Content-Definitionen universell akzeptiert zu sein. 6 Es ist erwähnenswert, dass diese Definition breiter ist als andere Auslegungen des Begriffs „frei“. Laut Definition von Open Knowledge (siehe: http://opendefinition. org/od/) sind beispielsweise Inhalte und Daten nur dann „frei“, wenn sie Lizenzbedingungen unterliegen, die verlangen, dass der Lizenznehmer zumindest den Rechteinhaber nennt und /oder die Inhalte und Daten unter denselben Bedingungen teilt. Die Diskussion über den Begriff „frei“ ist komplex und vielschichtig. Da dieser Leitfaden die praktische Anwendbarkeit von CCLizenzen erläutern und keine Grundsatzdiskussionen darstellen soll, wird auf diese Debatte hier nicht näher eingegangen.

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2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung

7 Mehr über das ShareAlike-Prinzip und seine Auswirkungen erfahren Sie in Kapitel 3.5, Abschnitt c. 8 Nähere Informationen über den Begriff und das Konzept finden Sie unter http://de.wikipedia.org/ wiki/%C3%96konomie_der_Aufmerksamkeit. 9 Zu Einzelheiten über die Freiheit von Lizenzgebühren siehe Kapitel 2.4, Abschnitt c. 10 Siehe z. B. Lizenzerteilung in Abschnitt 2a des Rechtstextes: „Gemäß den Bestimmungen dieser freien Lizenz erteilt Ihnen der Lizenzgeber hiermit eine weltweite, lizenzgebührenfreie, nicht unterlizenzierbare, nicht-exklusive, unwiderrufliche Lizenz zur Ausübung der Lizenzrechte am Lizenzmaterial für …” (eigene Übersetzung). 11 Siehe die CC FAQ zu dieser und folgenden Fragen: „Kann ich eine CC-Lizenz auf niedrig auflösende Kopien eines lizenzierten Werks anwenden und mir weitere Rechte an hoch auflösenden Kopien vorbehalten?” (https://wiki.creativecommons.org/Frequently_ Asked_Questions#Can_I_apply_a_CC_license_to_ low-resolution_copies_of_a_licensed_work_and_ reserve_more_rights_in_high-resolution_copies.3F) und „Wie stelle ich fest, ob ein Foto in einer niedrigund einer hochauflösenden Version dasselbe Werk darstellen?“ (https://wiki.creativecommons.org/ Frequently_Asked_Questions#How_do_I_know_if_a_ low-resolution_photo_and_a_high-resolution_photo_ are_the_same_work.3F). 12 In einem Buch oder einer anderen nicht digitalen Publikation könnte ein Hyperlink abgedruckt werden. Alternativ kann der Lizenztext selbst eingefügt werden. Nähere Informationen über praktische Fragen bei der Verwendung von Lizenzvermerken und Ähnlichem siehe Kapitel 4. 13 Bestimmte Nutzungen sind nach den gesetzlichen Schrankenbestimmungen zulässig. Für sie benötigt der Nutzer keine Lizenz und ist insoweit nicht an die Lizenzbedingungen gebunden. So ist in vielen Ländern das Kopieren für private Zwecke gesetzlich zulässig. Das bedeutet, dass dafür keine Lizenz erforderlich ist. Somit gilt die freie Lizenz nicht für eine solche Nutzung. Der Nutzer ist daher nicht verpflichtet, die Lizenzverpflichtungen zu erfüllen, wenn er Privatkopien anfertigt (z.B. die Nennung des Autors). Nähere Details siehe Kapitel 3.4, Abschnitt b. 14 Urheberrechtssysteme im Rechtskreis des „common law“ (z. B. das US-amerikanische oder britische Copyright), sehen Ausnahmen von diesem Grundsatz des Schöpferprinzips vor. So enthält das englische Urheberrecht z. B. eine Bestimmung, der zufolge der Arbeitgeber der Ersteigentümer des Urheberrechts an allen Werken ist, die vor seinen Mitarbeitern im Zuge ihrer Beschäftigung geschaffen werden. Das US-Urheberrecht sieht eine ähnliche Bestimmung namens „work for hire“ (Auftragsproduktion) vor. 15 Im Gegensatz zu Eigentumsrechten an physischen Gütern können Immaterialgüterrechte generell nicht im guten Glauben erworben werden, d. h. sie können

nur dann übertragen werden, wenn die übertragende Person über die Rechte auch tatsächlich selbst verfügt. Ob der Übertragungsempfänger (Lizenznehmer) im guten Glauben darauf vertraut hat, dass der Lizenzgeber ausreichend berechtigt war, ist ohne Belang. 16 Creative Commons hat zu diesem Thema eine Initiative gestartet: „Open Business Models“: https:// creativecommons.org/weblog/entry/45022. 17 Betreffend diese Lizenz siehe Kapitel 3.1, Abschnitt b. 18 Außer dem Lizenzierungsaspekt ist die Wikimedia Foundation für Wikipedia natürlich viel mehr als ein reiner Plattformanbieter. So ist sie z. B. für die Governance-Strukturen, Finanzierung und für viele andere wesentliche Elemente verantwortlich. 19 Dies ist für reine Plattformanbieter, die normalerweise keine „Nutzer“ im Sinne des Urheberrechts sind und daher keine Lizenz benötigen, eventuell nicht relevant. Ein Plattformanbieter im eigentlichen Sinn verwendet geschützte Inhalte nicht in urheberrechtlich relevanter Weise. Er stellt vielmehr lediglich die technische Infrastruktur zur Verfügung, um die eigentliche Nutzung der Inhalte durch die Plattform-Nutzer zu ermöglichen. Für einen Verlag, der Bücher veröffentlicht, ist es jedoch unumgänglich, einen entsprechenden Urheberrechtslizenzvertrag zu schließen, da der Abdruck von Artikeln in einem Buch und dessen Verkauf urheberrechtlich relevante Nutzungshandlungen darstellen. 20 Eine Inbound-Lizenz bezieht sich auf die vertragliche Vereinbarung zwischen den Autoren und dem Verlag oder sonstigem Veröffentlichenden. Eine OutboundLizenz ist die Lizenz zwischen dem Lizenzgeber und den Nutzern, in diesem Fall die CC-Lizenz. 21 Grund dafür ist die Notwendigkeit einer durchgehenden Lizenzkette. Der Lizenzgeber darf und kann keine Rechte erteilen, deren Eigentümer er nicht ist oder zu deren Veräußerung er selbst nicht berechtigt ist. 22 Aus rechtlicher Sicht gibt es verschiedene Ansätze zur Gestaltung von Autorenverträgen. In den CopyrightSystemen sind vollständige Übertragungen des Urheberrechts in der Regel möglich. Das Urheberrecht nach kontinentaleuropäischem Vorbild ist jedoch in der Regel nicht abtretbar. Nach diesen Rechtsordnungen können nur Nutzungsrechte (Lizenzen) eingeräumt werden. Hierin liegt ein qualitativer Unterschied. Während eine Lizenz lediglich eine Nutzungserlaubnis darstellt, bewirkt eine Vollrechtsübertragung des Urheberrechts einen Eigentumsübergang. Aufgrund der internationalen Unterschiede existieren verschiedene Ansätze für „contributor agreements“ wie sie in manchen Open-Contentund Open-Source-Communitys verwendet werden. Siehe hierzu: Maracke, 2013. Copyright Management for Open Collaborative Projects: Inbound Licencing Models for Open Innovation. SCRIPTed, Bd. 10, Ausgabe 2, S. 140; http://script-ed.org/wp-content/ uploads/2013/08/editorial.pdf.

der Lizenzgeber, wäre er verantwortlich und haftbar. Der Plattformanbieter könnte verpflichtet sein, den verletzenden Artikel von der Plattform zu entfernen, würde jedoch nicht für die Schäden haften. Würde der Plattformanbieter als Content Provider, d. h. als Lizenzgeber, auftreten, könnte auch er für Schäden verantwortlich gemacht werden. 24 Unterschiedliche Lizenzen für die Inhalte einer Quelle zu verwenden, kann bei großen Community-Projekten wie der Wikipedia zu erheblichen Problemen und Verwirrungen führen. Bei kleineren Publikationen werden solche eher nicht entstehen, so dass ein einheitliches Lizenzierungssystem zumindest nicht zwingend ist. 25 Siehe Erklärungen unter: https://en.wikipedia. org/wiki/Wikipedia:FAQ/Copyright#Can_I_add_ something_to_Wikipedia_that_I_got_from_somewhere_ else.3F. 26 Zu den Unterschieden zwischen Vertrags- und Urheberrecht siehe Endnote 2. Zur Internationalen Durchsetzbarkeit freier Lizenzen in verschiedenen Rechtssystemen siehe: Jaeger/Metzger, 2011. Open Source Software. 3. Ausgabe. Randnummern 371-379. 27 Siehe Abschnitt 6a des Rechtstextes: http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode. 28 Laut dieser Bestimmung wird die Lizenz in dem Augenblick, in dem die Verletzung stattfindet, ungültig. Ab diesem Augenblick stellt jede Nutzung des Werks eine Urheberrechtsverletzung dar. Laut aktueller „CC Public License Version 4.0“ (CCPL4) kann die verletzende Partei die Lizenz wiederherstellen (oder eine neue eingehen), wenn sie ihre Nichteinhaltung behebt. In der Zwischenzeit, d. h. zwischen der Verletzungshandlung und der Wiederherstellung, erfolgte Nutzungen werden jedoch nicht behoben. Siehe: „Lizenzdauer und Beendigung“ in Kapitel 3.4, Abschnitt i. 29 Das SA-Merkmal wird detailliert im Kapitel 3.5, Abschnitt c beschrieben. 30 Die CCPL4-Lizenz definiert Bearbeitungen wie folgt: „Verändertes Material bedeutet nach dem Urheberrecht oder verwandten Schutzrechten geschütztes Material, das vom lizenzierten Material abgeleitet wurde oder auf ihm basiert, und in dem das lizenzierte Material übersetzt, abgewandelt, angeordnet, transformiert oder anderweitig auf eine Weise geändert wurde, die nach dem Urheberrecht oder verwandten Schutzrechten einer Zustimmung des Lizenzgebers bedarf“ (eigene Übersetzung). Siehe Abschnitt 1a des Rechtstextes: http:// creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/legalcode. 31 Siehe zu den Bemühungen, das Problem der Lizenzinkompatibilität zu lösen und zur SA-Regel im Allgemeinen, Kapitel 3.5, Abschnitt c. 32 Siehe zu den möglichen Auswirkungen im Detail, Kapitel 4.1.

23 Dieser Aspekt würde relevant werden, wenn ein Artikel die Rechte eines Dritten, z. B. fremde Urheberrechte, verletzen würde. Wäre der Beitragende selbst

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3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

3. Das Creative-CommonsLizenzierungsmodell

Im freien Medienarchiv Wikimedia Commons werden die besten Bilder von tausenden ehrenamtlichen Beiträgern gewählt. Diese erhalten das Prädikat „exzellente Bilder“. Dieses Bild einer Eisblume ist eins davon.

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

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CC ist das bei Weitem meistverbreitete Open-Content-Lizenzierungsmodell. Aufgrund seiner Popularität und weiten Verbreitung kann man CC heute de facto als Standard für Open-Content-Lizenzen bezeichnen.

3.1 Die sechs CreativeCommons-Lizenztypen im Überblick Um den unterschiedlichen Bedürfnissen verschiedener Publikationsstrategien gerecht zu werden, bietet CC insgesamt sechs Lizenzen und zwei Public-Domain-Werkzeuge an. Jede Lizenz beinhaltet eines

oder mehrere von vier grundlegenden Elementen (die „Lizenzmodule“), die durch Abkürzungen und Piktogramme dargestellt werden.1 „BY“ steht für Namensnennung (die Verpflichtung, den Autor und andere Personen zu nennen); „NC“ (NonCommercial) steht für „nicht-kommerziell“ (die kommerzielle Nutzung ist von der Lizenzerteilung ausgenommen); „ND“ (NoDerivatives) bedeutet „keine abgeleiteten Werke“ (nur exakte Kopien des Werks dürfen geteilt werden); und „SA“ (ShareAlike) bedeutet, dass das Werk geändert werden darf, und geänderte Versionen veröffentlicht werden dürfen, jedoch nur unter der ursprünglichen oder einer kompatiblen Lizenz.

Abbildung 1: Piktogramme der CC-Lizenzmodule

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BY

NC

ND

SA

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

Diese vier Module bilden die Bausteine einer festgelegten Gruppe von sechs CCLizenzen: Die freizügigste Lizenz ist CC  BY. Sie erteilt unbeschränkte, unwiderrufliche, gebührenfreie, weltweite, unbegrenzte Rechte zur Nutzung des Werks auf jede beliebige Weise durch beliebige Nutzer für beliebige Zwecke. Die einzige Voraussetzung ist, dass der Nutzer den Autor und andere Parteien, die genannt werden müssen, nennt und Urheberrechtsund Lizenzvermerke beibehält. Alle anderen Lizenztypen enthalten weitere Beschränkungen. Die restriktivste Lizenz ist CC  BY-NC-ND. Sie erlaubt weder Änderungen am Werk noch dessen kommerzielle Nutzung. Dieser Abschnitt gibt einen

kurzen Überblick über die verschiedenen CC-Lizenztypen. Die verschiedenen Lizenzmodule, Einschränkungen und Verpflichtungen werden in Abschnitt 3.5 näher beschrieben. a) CC BY (Namensnennung) Wie bereits erwähnt, erteilt CC BY eine unbeschränkte Lizenz zur Nutzung des jeweiligen Inhalts. Wie der Inhalt genutzt wird, z. B. im Original oder in geänderter Form, von wem oder für welchen Zweck, ist ohne Belang. Gemäß Abschnitt 3a des Rechtstextes2 sind folgende Verpflichtungen einzuhalten:

Abbildung 2: Die sechs Creative-Commons-Lizenzen

CC BY

CC BY-SA

CC BY-NC-SA

CC BY-ND

CC BY-NC-ND

CC BY-NC

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

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Der einzige Unterschied zwischen CC BYSA und CC BY ist das SA-Modul sowie die dazugehörige Klausel in Abschnitt 3b des Rechtstextes. Unter der CC BY-Lizenz ist jeder, der das Werk bearbeitet, berechtigt, seine geänderte Version unter Bedingungen 2. Sofern vom Lizenzgeber zur Verfügung gestellt, müssen Urheberrechtshinweise, seiner Wahl weiter zu verteilen. Bearbeiter sind also nicht an die Lizenz des Ursprungsein Verweis auf die CC-Lizenz (vorzugsweise als Link auf die CC-Webseite), ein werks gebunden. Dagegen bindet CC BYSA den Bearbeiter an die ursprüngliche Verweis, der sich auf den Garantie- und Lizenz. Mit anderen Haftungsausschluss bezieht, und ein Die am weitesten verbrei- Worten: Bearbeitete Versionen dürfen nur Link zur Originaltete CC-Lizenz CC BY-SA unter CC BY-SA oder quelle angegeben werden. wird auch in der Wikipedia einer kompatiblen Lizenz veröffentlicht und verwendet. 3. Wird das Werk in geteilt werden.4 Außer einer veränderten den oben erwähnten Version geteilt, muss angegeben werden, Pflichten zum Hinweis auf Änderungen dass es sich um eine geänderte Version muss die „Lizenz des Bearbeiters“5 den handelt. Bereits enthaltene Änderungsfolgenden Bedingungen entsprechen: hinweise müssen (wenn das Werk schon zuvor modifiziert wurde) beibehalten 1. Der Bearbeiter muss entweder die werden (siehe Abschnitt 3.a.1.B des Originallizenz oder eine spätere Version Rechtstextes). dieser Lizenz verwenden. Frühere Versionen dürfen nicht verwendet werden. Es 4. Soweit der Lizenzgeber dies fordert und kann auch eine andere CC-Lizenz veres angemessen ist, ist der Nutzer verwendet werden, die dieselben Lizenzmopflichtet, die unter Ziffer 2 genannten dule enthält, zum Beispiel eine portierte Informationen zu entfernen. Version der CC BY-SA-Lizenz.6

1. Autor und zu nennende Dritte müssen so genannt werden, wie es der Lizenzgeber verlangt, sofern diese Form der Nennung angemessen ist.3

5. Der Lizenznehmer darf nicht den Eindruck erwecken, dass seine Nutzung vom Lizenzgeber oder einem Dritten, der Anspruch auf Namensnennung hat, in irgendeiner Weise unterstützt wird (siehe Abschnitt 2.a.6 des Rechtstextes). B) CC BY-SA (Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen) Als generelle Lizenz von Wikipedia ist CC BY-SA eine der wichtigsten und meist verbreiteten CC-Lizenzen. Wer vorhat, seine Inhalte mit Wikipedia-Inhalten zu kombinieren, sollte diese Lizenz verwenden.

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3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

2. Auf die Lizenz des Bearbeiters muss mit einem Hyperlink oder einem anderen angemessenen Hinweis hingewiesen werden. 3. Die Nutzung der geänderten Version darf nicht durch zusätzliche Bedingungen und Bestimmungen oder technische Schutzmaßnahmen eingeschränkt werden. C) CC BY-ND (Namensnennung – keine Bearbeitungen) Die CC BY-ND-Lizenz erlaubt keine Bearbeitungen des Werkes. Um die Integrität des Werks zu schützen, dürfen nur unver-

änderte Kopien veröffentlicht und geteilt werden. Die Einschränkung „Keine Bearbeitungen“ (NoDerivatives) kann zu erheblichen Problemen mit der Kombination verschiedener Inhalte, z. B. beim Remixen, Sampeln oder bei gemeinsamen Publikationen, führen. Abgesehen davon sind die Lizenzbedingungen dieselben wie bei der oben beschriebenen CC BY-Lizenz. D) CC BY-NC (Namensnennung – nicht-kommerziell) Im Gegensatz zu den oben erwähnten Lizenzen wird bei der CC BY-NC-Lizenz das Recht vorbehalten, den Inhalt kommerziell zu nutzen, d. h. ein Nutzer darf das Werk nicht zu kommerziellen Zwecken verwenden. Die betreffende Einschränkung findet sich in Abschnitt 2.a.1 des Rechtstextes. Abgesehen davon ist die Lizenz identisch mit CC BY und unterliegt daher denselben Bedingungen. E) CC BY-NC-SA (Namensnennung – nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen) CC BY-NC-SA ist eine Kombination von drei Modulen. Das Werk kann bearbeitet werden und bearbeitete Versionen können unter den in Ziffer 2 oben genannten Bedingungen geteilt werden. Eine kommerzielle Nutzung des Lizenzmaterials ist jedoch weder im Original noch in einer geänderten Form zulässig. Diese Lizenz wird z. B. vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Open Courseware Project (OCW) verwendet.7 F) CC BY-NC-ND (Namensnennung – nicht-kommerziell – keine Bearbeitungen) CC BY-NC-ND ist die restriktivste CCLizenz. Sie erlaubt weder Änderungen noch

kommerzielle Nutzungen. Die in Ziffer 1 erwähnten allgemeinen Verpflichtungen gelten auch für diese Lizenz.

3.2 Public-DomainWerkzeuge von Creative Commons Wie eingangs erwähnt, behält ein Rechteinhaber seine Urheberrechte, wenn er eine Open-Content-Lizenz verwendet. Mit einer solchen Lizenz ist lediglich die Erlaubnis verbunden, das Werk unter bestimmten Bedingungen zu verwenden. Im Gegensatz dazu unterliegen gemeinfreie Werke nicht (oder nicht mehr) dem Urheberrechtsschutz und dürfen ohne Einschränkungen verwendet werden. Daher ist keine Genehmigung – oder Lizenz – notwendig, um ihre Nutzung zu gestatten. Für die Kennzeichnung gemeinfreier Werke bietet CC zwei Werkzeuge an: Die Deklaration CC0 (keine Rechte vorbehalten) um eigene Werke in die Gemeinfreiheit zu In einigen Rechtssystemen ist entlassen und die Public Domain Mark es nicht möglich, auf Urheber(kein Urheberrecht rechte zu verzichten. Publicbekannt) zur Kennzeichnung von WerDomain-Werkzeuge können ken, die nicht oder hier Abhilfe schaffen. nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind, z. B. wenn die Schutzfrist abgelaufen ist oder weil sie von vornherein nicht geschützt waren. a) CC0 (keine Rechte vorbehalten)8 CC0 ist ein Werkzeug, mit der ein Rechteinhaber sein urheberrechtlich geschütztes Werk für gemeinfrei erklären kann. Generell soll dies durch einen Rechteverzicht geschehen. Er bewirkt, dass das Werk gemeinfrei wird und entsprechend von jedermann ohne Einschränkungen oder Verpflichtungen verwendet werden darf.

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

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CC0 ist nichts anderes als eine standardisierte Erklärung eines solchen Verzichts und kann von jedem verwendet werden, der sein Werk für gemeinfrei erklären möchte. Da sich die einzelnen Urheberrechtsordnungen, speziell die Copyright- und Urheberrechtssysteme, unterscheiden, wurde CC0 als dreistufiges Instrument geschaffen, um seine weltweite Gültigkeit sicherzustellen. Im kontinentaleuropäischen Urheberrecht, wie es in Deutschland, Frankreich oder Österreich gilt, ist es generell nicht möglich, auf das Urheberrecht zu verzichten und das „geistige Eigentum“ am Werk aufzugeben. Das Urheberrecht wird als eine Art Menschenrecht betrachtet, das weder verzichtbar ist, noch für sich genommen übertragen werden kann. Eine Verzichtserklärung wie CC0 wäre hier im Zweifel ungültig.9 Um dieses Dilemma zu vermeiden, wird der CC0-Verzicht durch zwei Ausweichoptionen ergänzt: Die erste ist eine liberale Lizenz ähnlich CC BY, jedoch ohne Namensnennungspflicht.10 Es handelt sich daher um eine Lizenz ohne Einschränkung oder Verpflichtung. Die zweite Ausweichoption ist ein rechtliches Konstrukt, das man als Nichtangriffspakt („Non-Assertion Pledge“) bezeichnen kann. Dabei handelt es sich um ein rechtsverbindliches Versprechen des Rechteinhabers, seine Rechte auch dann nicht durchzusetzen und gegen den Nutzer vorzugehen, wenn der Verzicht und/oder die Lizenz rechtlich betrachtet ungültig sein sollten. Hinter dem dreistufigen Ansatz steht folgende Idee: Sollte die erste Lösung – Rechteverzicht durch CC0 – nicht wirksam sein, tritt die zweite Option – CC-BY-Lizenz, ohne Einschränkung oder Verpflichtung – in Kraft, und wenn diese ebenfalls wirkungslos sein sollte, würde Option drei – der Nichtangriffspakt – zum Tragen kommen. In einigen Ländern kann auf bestimmte Rechte in keinem Fall verzichtet werden bzw. können sie nicht Gegenstand einer Pauschallizenz sein. In diesen Fällen

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3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

kommt zum Beispiel die zweite Ausweichoption ins Spiel.11 b) Public Domain Mark (kein Urheberrecht bekannt) Im Gegensatz zu CC0 ist die Public Domain Mark keine Erklärung, mit der der Rechteinhaber sein Werk für gemeinfrei erklärt, sondern ein Label für Werke, die bereits gemeinfrei sind. Dieser Fall kann zum Beispiel nach Ablauf der Schutzfrist eines Werkes eintreten. Urheberrechte werden nur auf bestimmte Zeit gewährt. In Europa enden diese Rechte beispielsweise 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Nach dieser Zeit gilt das Werk als gemeinfrei und darf ohne Einschränkungen verwendet werden. Der Zweck der Public Domain Mark besteht darin, es jedem zu ermöglichen, Werke, für die kein Urheberrechtsschutz mehr besteht, klar zu kennzeichnen. CC bietet auf seiner Webseite ein Werkzeug an, das einen HTML-Code generiert, der für online verfügbare, gemeinfreie Inhalte verwendet werden kann. Dieser Code dient Suchmaschinen dazu, gemeinfreie Inhalte auffinden zu können. Bevor jemand ein Werk mit der Public Domain Mark als gemeinfrei markiert, muss er sich über den rechtlichen Status des betreffenden Werkes genau informieren. Die Berechnung der genauen Schutzdauer kann sich als schwierig erweisen, insbesondere im Hinblick auf die verschiedenen Regelungen in den einzelnen Ländern. Werkzeuge wie der „Europeana Public Domain Calculator“ können bei dieser Aufgabe behilflich sein.12

3.3 Generische und portierte LizenzVersionen Im Laufe der Jahre hat die CC-Initiative ihre Lizenzen laufend weiter entwickelt, geändert und modernisiert. Die aktuelle

auch europäischem VerbraucherschutzVersion, „CC Public License Version 4.0“ recht ungültig ist.17 Ist eine Lizenzklausel (CCPL4), wurde am 26. November 2013 ungültig, ergeben sich komplexe Fragen. veröffentlicht. Die CC Public-License-VerSolche Situationen können zu rechtlichen sionen 3 (CCPL3) und CCPL4 unterscheiUnsicherheiten führen, die Organisationen den sich in mehrerer Hinsicht, d. h. sie und Einzelpersonen davon abhalten könnenthalten im Detail feine, wenn auch oft ten, die Lizenz überhaupt zu verwenden.18 wichtige, Unterschiede.13 Die CC-Lizenzen wurden ursprünglich Aus diesem und aus anderen Gründen vor dem Hintergrund des US-Urheberrichtete das CC-Projekt ein Netzwerk von rechtsgesetzes entwickelt. Nichtsdestotrotz Mitgliedsorganisationen ein, die die Lizenwaren sie nicht als reines US-Projekt gezen in ihre jeweiligen Rechtsordnungen dacht, sondern als internationale Initiative portieren. Die CC-Lizenzen Version 3 um die weltweite kulturelle Allmende zu (CCPL3) wurden in mehr als 60 Rechtsfördern. Schon bald nach ihrer ersten Verordnungen portiert. öffentlichung löste das steigende weltweite Interessanterweise hat CC seine EinstelInteresse an den CC-Lizenzen eine Diskuslung zum Portieren mittlerweile geändert. sion über die Notwendigkeit weiterer, an Für die CCPL4 sind derzeit keine Lizenz die Rechtsordnungen anderer Länder angeportierungen absehbar. In der Einführungspasster, Lizenzversionen aus.14 2003 rief mitteilung von CCPL4 statuiert die Initiative, CC ein internationales Lizenzportierungsdass die CCPL4-Lizenzen nicht portiert werden müssen. In der aktuellen FAQprojekt namens „Creative Commons International“ ins Leben. „Portieren“ bedeutet Version erklärt CC: „Ab Version 4.0 rät CC in diesem Sinn nicht von portierten Versionen ab und hat neue Portienur die Übersetzung, „Portierte“ freie Lizenzen sondern auch die rungsprojekte auf unbesind an die jeweilige Sprache stimmte Dauer bis 2014 sprachliche und rechtliche Anpassung der ausgesetzt [bis heute und Rechtsordnung eines Bestimmungen an wurde dieser Hinweis Landes angepasst. nicht angepasst, Anm. eine bestimmte des Verf.]. Zu diesem Rechtsordnung. Ziel war es, die CC-Lizenzen an zahlreiche Zeitpunkt wird CC die zukünftige NotwenRechtsordnungen weltweit anzupassen digkeit des Portierens neu evaluieren. […] und sie in diesen Rechtsordnungen durchWir empfehlen Ihnen die Verwendung 15 und einsetzbar zu machen. Außer diesen einer internationalen Lizenz der Version portierten Versionen bietet CC nun auch 4.0. Dies ist die modernste Version unserer Lizenzen, die nach eingehenden Beratuninternationale Versionen ihrer Lizenzen an, sogenannte nicht portierte/generische gen mit unserem globalen Mitgliedernetz16 Versionen. werk entwickelt und so formuliert wurde, Die rechtliche Sprache und gesetzliche dass sie international gültig ist. Derzeit gibt es keine Portierungen von 4.0, vorausBestimmungen sind von Land zu Land verschieden. Lizenzen, die auf dem USsichtlich wird es auch in Zukunft, wenn Recht basieren, können in anderen Teilen überhaupt, nur wenige geben” (eigene der Welt teilweise ungültig sein. Das trifft Übersetzung).19 beispielsweise auf den Haftungs- und Ge Es kann bezweifelt werden, dass eine währleistungsausschluss in den ursprüngliLizenz weltweit im vollen Umfang gültig chen US-amerikanischen CC-Lizenzen zu, sein kann. Derzeit erscheint es jedoch der nach deutschem Recht und im Zweifel unwahrscheinlich, dass das Lizenzportie-

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rungsprojekt fortgeführt wird, selbst wenn es viele Rechteinhaber möglicherweise vorziehen würden, eine Lizenz zu verwenden, die nicht nur in ihre Muttersprache übersetzt, sondern auch an ihre Rechtsordnung angepasst ist. Es ist daher wahrscheinlich, dass viele die CCPL3-Lizenzen zumindest eine Zeit lang weiterverwenden werden. Insbesondere bei größeren Projekten, an denen viele Autoren beteiligt sind, und einem dezentralisierten Lizenzsystem ist das zu erwarten. Soll die Lizenz für zahlreiche Werke und Beiträge geändert werden, z. B. in eine neuere Version oder einen anderen Lizenztyp, müssen alle Rechteinhaber einverstanden sein. Dies könnte sich als ziemlich schwierig erweisen, da CC-Lizenzen im Gegensatz zu einigen FOSS-Lizenzen keine „Any later version“-Klausel enthalten.20 Während es verständlich ist, dass Lizenzgeber eine Lizenz bevorzugen, die an ihre Sprache und ihre Rechtsordnung angepasst ist, hängt die Antwort auf die Frage, ob portierte Versionen Wenn ein Nachnutzer einen vorteilhaft sind, von zahlreichen komplexen frei lizenzierten Inhalt verÜberlegungen ab. ändert, kann er nur über die Letztendlich ist sie Lizenz für seine eigenen Ände- von dem jeweiligen Fall abhängig. Hier rungen entscheiden. Das Ori- sind nur einige kurze Bemerkungen zu Asginalwerk steht weiterhin unter pekten möglich, die seiner ursprünglichen Lizenz. grundsätzlich berücksichtigt werden sollten. Auf den ersten Blick könnte es zum Beispiel für einen französischen Rechteinhaber vorteilhaft erscheinen, für seine Werke die portierte französische CCLizenz zu verwenden. Zunächst ist eine Lizenz in der eigenen Muttersprache sprachlich leichter verständlich.21 Zudem ist es einfacher, die rechtlichen Auswirkungen abzuschätzen, wenn die Lizenz auf den Gesetzen des eigenen Landes basiert. Im Übrigen enthält die französische Lizenz

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3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

eine Rechtswahlklausel, nach der der Lizenzvertrag und dessen Auslegung französischem Recht unterliegen.22 Diese Regel vereinfacht die rechtliche Beziehung zwischen multinationalen Lizenznehmern und dem Lizenzgeber, weil sie eine bestimmte Rechtsordnung als anzuwendendes Recht festlegt. Ohne Rechtswahlklausel kann sich die Identifikation des anzuwendenden Rechts als äußerst komplex erweisen, da sich dies je nach der Nationalität des jeweiligen Lizenznehmers oder seines Wohnortes ändern kann.23 Auf der anderen Seite sollte man bedenken, dass portierte Lizenzen auf Seiten vieler Nutzer zu Rechtsunsicherheiten führen können. Ausländische Nutzer werden eine französischsprachige Lizenz oft nicht verstehen und sie werden auch das französische Recht nicht kennen. Die Festlegung auf eine bestimmte Sprachfassung und – wegen der Rechtswahlklauseln in den portierten Lizenzen – kann sich also auch nachteilig auf Verwertung und Nutzung des Werkes auswirken. Da der Lizenzgeber die Nutzung gerade fördern wollte, beeinträchtigen solche Hindernisse auch seine Interessen.24 Deshalb haben die internationalen/ nicht portierten CC-Lizenzen mit ihrem „multinationalen Ansatz“ speziell für Online-Inhalte ihre Vorzüge. Auch in multinationalen Multi-Autoren-Projekten sind sie von Vorteil. Für Wikipedia würde es beispielsweise keinen Sinn machen, eine portierte Lizenz zu verwenden. Dies würde in vielen Fällen dazu führen, dass sich sowohl Lizenzgeber als auch Lizenznehmer mit einer fremden Rechtsordnung auseinandersetzen müssten.25 Für solche Projekte ist es besser, wenn das anwendbare Recht nach dem internationalen Privatrecht bestimmt wird, auch wenn dies komplex ist. Dies würde im Zweifel dazu führen, dass auf den Lizenzvertrag entweder das Heimatrecht des Lizenzgebers oder des Lizenznehmers anzuwenden wäre.

Übersetzungen Die internationalen/nicht portierten Lizenzen sind in verschiedene Sprachen übersetzt worden. Dies gilt insbesondere für die CCPL3-Lizenzen. Erste offizielle Übersetzungen von CCPL4-Lizenzen sind ebenfalls bereits verfügbar. Portierte und nicht portierte oder verschiedene sprachliche Versionen bei Bearbeitungen Ein Werk, das mehrmals geändert wurde, könnte in einer späteren Version verschiedenen Lizenzversionen unterliegen, auch wenn es ursprünglich unter einer SA-Lizenz veröffentlicht wurde. Die SA-Lizenz erlaubt es dem Bearbeiter, nicht nur die ursprüngliche, sondern auch eine kompatible Lizenz für seine Version zu verwenden. Kompatible Lizenzen sind z. B. portierte Versionen derselben Lizenz. Darüber hinaus könnte sich der Bearbeiter auch dafür entscheiden, seine Fassung des Werks unter einer späteren Version derselben Lizenz zu veröffentlichen. Der Bearbeiter eines Werkes, das ursprünglich unter CC BY-SA 3.0 veröffentlicht wurde, könnte seine bearbeitete Version des Werkes unter CC BY-SA 4.0 veröffentlichen. War die ursprüngliche Lizenz eine nicht portierte CC BY-SA 3.0-Lizenz, könnte für die Bearbeitung alternativ z. B. eine deutsche oder französische CC BY-SA 3.0-Lizenz gewählt werden. Dabei ist zu bedenken, dass jede Bearbeitung eines Werks weiterhin auch das ursprüngliche Werk enthält. Aus rechtlicher Sicht kann der Bearbeiter nur die von ihm vorgenommenen Änderungen lizenzieren; die nicht-geänderten Teile des Werks werden weiterhin vom Urheber des „Originals“ unter der ursprünglichen Lizenz lizenziert. Das bedeutet, dass der Bearbeiter seine Fassung des Werkes nicht umlizenzieren und sie mit allen Bestand-

teilen unter eine andere Lizenz stellen kann. Sieht die Lizenz keine Lösung für diesen Problem vor, könnte das zu der verwirrenden Situation führen, dass der Nutzer eines wiederholt geänderten Werks verschiedene Lizenzen gleichzeitig einzuhalten hat. CCPL4 enthält eine neue Regel, die eine einfache Lösung für dieses Problem bietet: Der Nutzer eines bearbeiteten Werkes ist nur an die (letzte) „BearbeiterLizenz“ gebunden, die dieser Version des Werkes beigefügt war.26 Frühere Lizenzen, die für vorherige Versionen des Werks gültig waren, werden gegenstandslos.27

3.4 Allgemeine Lizenzbedingungen, Nutzerpflichten und Einschränkungen der Creative-Commons-Lizenzen Alle CC-Lizenzen enthalten ein einheitliches Set nahezu identischer genereller Regelungen. Diese werden im Anschluss dargestellt. Die Lizenzmodule NC, ND und SA, nach denen die Lizenztypen unterschieden werden, werden in Abschnitt 3.5 näher erläutert. a) Lizenzerteilung Die Lizenzerteilungsklausel in Abschnitt  2a des Rechtstextes weicht zwischen den verschiedenen Lizenzversionen leicht ab. Gemeinsam ist ihnen, dass eine nicht-exklusive, unwiderrufliche, gebührenfreie und weltweite Lizenz erteilt wird, die den Inhaber berechtigt, das Material auf jede Art und Weise zu teilen und zu kopieren. Mit anderen Worten: Das Werk darf in jeder Form (digital oder nicht digital) und auf allen Medien (z. B. Festplatten, Papier, Servern

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nommen wird, die vom Anwendungsbeetc.) vervielfältigt werden. Es darf auch reich des ausschließlichen Urheberrechtes durch beliebige Mittel wie z. B. über das umfasst ist. Wird ein Werk auf eine Weise Internet, in Form von physischen Kopien genutzt, die außerhalb des urheberrechtli(unter anderem auf CD oder in gedruckter chen Schutzbereichs liegt oder die bereits Form) oder per E-Mail übertragen werden. vom Gesetz gestattet ist, braucht sich der Es liegt auf der Hand, dass sich die Nutzer nicht an die Lizenzverpflichtungen Lizenzerteilung in Bezug auf die kommerzu halten. Nachstehend werden einige zielle und die nicht-kommerzielle Nutzung Beispiele diskutiert, wann dies der Fall von Lizenz zu Lizenz unterscheidet. sein könnte. Während die NC-Lizenzen kommerzielle Nutzungen nicht gestatten, erlauben alle Fälle, in denen die Lizenz nicht benötigt anderen Lizenztypen auch diese Art der Nutzung. In Bezug auf das Recht, geänderte wird und entsprechend nicht anwendbar ist: interne Nutzung oder angepasste Versionen des Werkes zu veröffentlichen und mit anderen zu teilen, Abschnitt 2.a.2 des Rechtstextes besagt: unterscheiden sich die ND-Versionen von „Ausnahmen und Einschränkungen. Zur den anderen Lizenzvarianten. Auch die Klarstellung: Diese freie Lizenz gilt nicht, ND-Lizenzen gestatten es, Änderungen wenn Ihre Nutzung durch eine Schrankenvorzunehmen. Sie zu veröffentlichen und bestimmung gestattet ist, und Sie sind nicht zu teilen, erfordert jedoch eine über die verpflichtet, diese Lizenzbestimmungen Lizenz hinausgehende, individuelle Geneheinzuhalten“ (eigene Übersetzung). Zudem migung des Lizenzgebers. besagt Abschnitt 8a des Rechtstextes: Laut Abschnitt 2.a.1 des Rechtstextes „Zur Klarstellung: Diese freie Lizenz sind alle CC-Lizenzen „nicht unterlizendient nicht dazu und soll nicht dahingehend zierbar“. Diese Formulierung ist ein wichtiausgelegt werden, ges Grundprinzip Nutzungen des Materider freien LizenzieNur der Urheber oder Inhaals einzuschränken, zu rung: Die Nutzungsber exklusiver Nutzungsrechte begrenzen oder ihnen rechte am Material Bedingungen aufzuerwerden dem Nutzer kann Nachnutzungsrechte legen, die ohne eine vom Rechteinhaber und Unterlizenzen erteilen. Erlaubnis aus dieser erteilt. Der Nutzer freien Lizenz gestattet ist nicht berechtigt, sind“ (eigene Übersetzung). anderen Nutzern Rechte an dem Material Mit anderen Worten: Nutzungen, die zu erteilen, d. h., er kann keine Unterlizen28 keine Lizenz erfordern, lösen die Lizenzzen erteilen. Diese Konstruktion verhinverpflichtungen nicht aus. Gesetzliche dert komplexe Lizenzketten, die sich Nutzungsfreiheiten (z. B. Schrankenbestimergeben würden, wenn die Werke mehrfach mungen) wie das Zitatrecht werden durch weitergegeben und dabei jeweils von Nutdie Lizenz nicht verändert oder eingezer zu Nutzer weiterlizenziert würden. schränkt. Fällt eine Nutzung unter eine gesetzliche Nutzungsfreiheit, findet die b) Lizenzabschluss und Lizenz hierauf keine Anwendung und ihre Wirksamkeit der Lizenz verpflichtungen Bedingungen müssen nicht eingehalten werden. Sind z. B. Privatkopien nach dem Urheberrechtsgesetz eines Landes erlaubt, Die Lizenz und ihre Bedingungen werden gelten hierfür die gesetzlichen Regeln, nicht erst wirksam, wenn eine Nutzung vorge-

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Mitgliedern der Öffentlichkeit30 zugänglich die CC-Lizenz. Der Nutzer ist daher nicht gemacht, braucht der Nutzer der Verpflichverpflichtet, deren Lizenzverpflichtungen tung zur Namensnennung nicht nachzueinzuhalten. Wenn er eine private Kopie kommen. anfertigt, müsste er beispielsweise – entgegen der Regeln in der CC-Lizenz – den Der Ausdruck „öffentlich“ Autor nicht nennen. Sollte er sich jedoch entschließen, seine private Kopie auf eine Einfach ausgedrückt bedeutet „Teilen“ die Webseite hochzuladen, wird die Lizenz Weitergabe des Materials an Mitglieder der wirksam, und die Lizenzverpflichtungen Öffentlichkeit. Doch was bedeutet „öffentwerden bindend, weil es sich hierbei nicht lich“ im Kontext freier Lizenzen? Die Frage mehr um eine private Nutzung handelt. ist speziell für Unternehmen und öffentliche Das Urheberrecht enthält eine Vielzahl Einrichtungen, aber auch für private Nutzer von Schranken, nicht nur, was die Nutzung von enormer praktischer Bedeutung. Öfim privaten Raum anbelangt. Jede Nutzung, fentliche Nutzungen unterliegen den Lidie unter diese gesetzlichen Befugnisse – zenzpflichten und -einschränkungen, nicht man nennt sie auch gesetzliche Lizenzen – fällt, kann ohne Einhaltung der CC- Lizenzen öffentliche (z. B. private) Nutzungen nicht. Wie wichtig die Unterscheidung ist, soll erfolgen. Vereinfacht ausgedrückt: Die anhand von zwei Beispielen veranschaulicht Rechteeinräumung und Lizenzpflichten der werden: Stellen Sie sich CC-Lizenz werden Freie Lizenzen treten erst vor, eine Facebook-Nutnur relevant, wenn das Material veröfdann in Kraft, wenn ein Werk zerin postet auf ihrer Pinnwand ein ND-Foto fentlicht und geteilt öffentlich zugänglich geeiner anderen Person. wird (und auch hier Vor dem Posten passt sie nicht in jedem macht oder verbreitet wird. dieses Foto optisch und Fall).29 Insbesondere technisch an. Ihre Facebook-Postings sind in der Privatsphäre darf CC-Material fast nur für ihre direkten Kontakte zugänglich. ohne Einschränkungen verwendet werden. Würde diese Nutzung als öffentlich eingeGemäß Abschnitt 2.a.1 des Rechtstextes ist stuft (weil ihre Kontakte als Mitglieder der die Verpflichtung zur Namensnennung nur Öffentlichkeit gelten), würde die Nutzerin dann einzuhalten, wenn das Werk „geteilt“ die Lizenzbedingungen verletzen, weil es die wird. „Teilen“ wird in Abschnitt 1i des Rechtstextes wie folgt definiert: „Bereitstel- ND-Lizenz untersagt, geänderte Fassungen lung von Material an die Öffentlichkeit des Materials mit Mitgliedern der Öffentlichkeit zu teilen. Wären ihre Kontakte jedoch durch jegliche Mittel oder Verfahren, die nicht „Mitglieder der Öffentlichkeit“, wäre nach den rechtlichen Bestimmungen einer ihre Nutzung erlaubt. Genehmigung bedürfen, wie Vervielfälti Ein weiteres Beispiel: Ein Unternehmen gung, öffentliche Ausstellung, öffentliche produziert eine Broschüre, die einige Fotos Darbietung, Verteilung, Verbreitung, Mitenthält, die unter einer ND-Lizenz stehen, teilung oder Import sowie die öffentliche die aber für die Broschüre verändert wurWiedergabe des Materials unter anderem den. Die Broschüre wird nur innerhalb des derart, dass Mitglieder der Öffentlichkeit Konzerns verteilt, jedoch nicht an Dritte. an einem Ort und zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl auf diese Materialien zugreifen könStellt die Verteilung innerhalb des Konzerns eine interne Nutzung oder eine nen“ (eigene Übersetzung). Verteilung an die Öffentlichkeit dar? Wäre Im Kontext betrachtet bedeuten die Letzteres der Fall, würde die Nutzung beiden Klauseln: Wird das Material nicht

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Die europäische InfoSoc-Richtlinie setzt den WIPO-Urheberrechtsvertrag um, um bestimmte Aspekte des Urheberrechts auf europäischer Ebene zu harmonisieren.

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gegen die Lizenzbedingungen verstoßen. Auch bei SA-Lizenzen ist die Unterscheidung zwischen öffentlichen und nicht öffentlichen Nutzungen äußerst relevant. Wie bereits erwähnt, verpflichtet das SAModul Bearbeiter dazu, ihre geänderten Versionen des Materials unter derselben Lizenz zu lizenzieren. Diese Bestimmung wird oft mit einer „Publikationsverpflichtung“ verwechselt. Tatsächlich verpflichtet das SA-Modul Bearbeiter nicht, geänderte Versionen zu veröffentlichen. Sie können sich ohne weiteres entscheiden, ihre Fassung für sich zu behalten oder sie nur mit ausgewählten Personen zu teilen, ohne die SA-Bestimmung zu verletzen.31 SA ist keine Pflicht zur Veröffentlichung, sondern gibt nur Regeln für den Fall vor, dass veröffentlicht wird. Entscheidet sich der Bearbeiter dazu, seine Version mit Mitgliedern der Öffentlichkeit zu teilen, muss er sie unter derselben oder unter einer kompatiblen Lizenz lizenzieren. Ob sie überhaupt geteilt wird oder mit wem, obliegt der freien Entscheidung des Bearbeiters. Daher ist die Bedeutung des Begriffs „öffentlich“ oder, genauer ausgedrückt, die „Bereitstellung von Material an die Öffentlichkeit“, wie es in den CC-Lizenzen heißt, wesentlich für das SA-Modul und entscheidend in der Praxis. Ein letztes Beispiel zu diesem spezifischen Fall: Nehmen wir die oben erwähnte Situation, in der das Unternehmen seine Broschüre innerhalb des Konzerns verteilen möchte. Stellen Sie sich vor, dass es sich bei der Broschüre um eine geänderte Version einer anderen Broschüre handelt, die ursprünglich unter einer CC BY-SA-Lizenz lizenziert war. Das Unternehmen fügt nun Informationen hinzu, die Geschäftsgeheimnisse enthalten, weshalb die eigene Fassung nur innerhalb des Konzerns geteilt werden und nicht „nach draußen gelangen“ soll. Würde die Übertragung der Broschüre von einer Konzerngesellschaft an eine andere als „Bereitstellung von Material an die Öffent-

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

lichkeit“ betrachtet, müsste die „geheime Version“ unter einer CC BY-SA-Lizenz lizenziert werden. In diesem Fall könnte sie von jedermann (z. B. von Mitarbeitern oder von Dritten) geteilt und neu veröffentlicht werden. Würde die Nutzung jedoch als nicht öffentlich eingestuft, würde die SAVerpflichtung nicht ausgelöst werden, und das Unternehmen könnte selbst bestimmen, dass sie nicht Dritten zugänglich gemacht werden darf („all rights reserved“). Was bedeutet nun also „öffentlich“ genau? Im Gegensatz zu CCPL3-Lizenzen erklären die CCPL4-Lizenzen diesen Begriff nicht. Sie definieren nur den Ausdruck „teilen“, der andererseits eine Nutzung in der Öffentlichkeit impliziert. Weil die Lizenz keine Definition für den Begriff „öffentlich“ vorgibt, muss er nach den Regelungen des anwendbaren Urheberrechts ausgelegt werden. In verschiedenen Rechtsordnungen werden dieser und andere Ausdrücke jedoch unterschiedlich interpretiert, was eine universell gültige Antwort unmöglich macht. In den europäischen Urheberrechtsrichtlinien und dem dadurch geschaffenen „Acquis Communautaire” (gemeinschaftlicher Besitzstand) wird der Ausdruck „öffentlich“ in verschiedenen Kontexten verwendet. Auch sie enthalten jedoch keine allgemeine oder allumfassende Definition des Begriffs. Immerhin wurde der Begriff der Öffentlichkeit in einigen Urteilen des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) ausgelegt, der sich für die folgenden grundlegenden Interpretationsregeln entschieden hat: • „Öffentlich“ bedeutet, die „Zugänglichmachung eines Werkes … in geeigneter Weise für Personen allgemein, also nicht auf besondere Personen beschränkt, die einer privaten Gruppe angehören“.32 • Der Ausdruck „öffentlich“ impliziert, dass eine Kommunikation oder eine Bereitstellung von Werken eine relativ große Zahl von Personen anspricht.33

Dies schließt Personengruppen aus, die zu klein sind, um signifikant zu sein. Eine signifikante Gruppe kann auch nacheinander erreicht werden. Das Urteil des EuGH besagt: „In diesem Zusammenhang kommt es nicht nur darauf an, wie viele Personen gleichzeitig Zugang zu demselben Werk haben, sondern auch darauf, wie viele von ihnen in der Folge Zugang zu diesem Werk haben.”34 • Es ist relevant, ob der Nutzer finanziell von der Nutzung profitiert.35 • Es ist wichtig, ob sich die Kommunikation oder die Bereitstellung bewusst an eine öffentliche Gruppe richtete.36 • Bei online verfügbaren Werken erfordert eine „Bereitstellung an die Öffentlichkeit“ das Ansprechen einer „neuen Öffentlichkeit“, d. h. „ein Publikum, das die Inhaber des Urheberrechts nicht hatten erfassen wollen, als sie die ursprüngliche öffentliche Wiedergabe erlaubten.”37 Das bedeutet zum Beispiel, dass Hyperlinks zu Werken, die der allgemeinen Öffentlichkeit bereits online (ohne technische Einschränkung) zur Verfügung gestellt wurden, nicht als Zugänglichmachung oder als „Bereitstellung“ an die Öffentlichkeit betrachtet werden können.38 Obwohl diese allgemeinen Prinzipien viele Detailfragen zum Begriff „öffentlich“ im Urheberrecht beantworten, erlauben sie keine präzisen Antworten auf Situationen, die vom EuGH noch nicht entschieden wurden. Mit anderen Worten: Dem europäischen Acquis Communautaire im Urheberrecht mangelt es an einer einheitlichen Auslegung der Begriffe öffentliche Wiedergabe oder öffentliche Zugänglichmachung. So ist es zum Beispiel noch weitgehend unklar, ob das Hochladen von geschütztem Material in das Intranet eines Unterneh-

mens, wo es für alle Mitarbeiter zugänglich ist, eine öffentliche Zugänglichmachung oder im Sinne von CCPL4 ein Akt des Teilens ist. Weiter ist unklar, ob die Übertragung von Kopien von einem Konzernunternehmen an ein anderes oder von einer öffentlichen Einrichtung an eine andere Einheit dieser Einrichtung ein öffentliches Zugänglichmachen darstellt. Letztendlich müssen diese Fragen von Fall zu Fall entschieden werden. Dies gilt insbesondere für die Interpretation des Begriffes „Teilen“ in den CCPL4-Lizenzen, da dieser Ausdruck eine Reihe von Nutzungen umfasst, die unter dem Urheberrecht unterschiedlich behandelt werden, wie z. B. öffentliche Ausstellung, öffentliche Darbietung, Verbreitung, öffentliche Wiedergabe oder Zugänglichmachung. Nach europäischem Urheberrecht bedeutet „Verbreitung“ (an die Öffentlichkeit) eine Weitergabe physischer Kopien (z. B. CDs oder Bücher). „Öffentliche Zugänglichmachung“ bezieht sich wiederum auf die Bereitstellung von Werken im Netz. Unterschiedliche Ausführungen in einer Reihe von Urteilen des EuGH und auch z.B. des deutschen Bundesgerichtshofs (BGH) legen die Annahme nahe, dass sich das Verständnis des Begriffs „öffentlich“ wandelt, je nachdem um welche Art der Nutzung es sich handelt. Mit hinreichender Sicherheit kann man lediglich davon ausgehen, dass Nutzungen innerhalb der Privatsphäre, d. h. innerhalb von Gruppen, die persönlich miteinander verbunden sind, auch nach den CC-Lizenzen ausnahmslos als nicht öffentlich zu werten sind. Sich einen Film gemeinsam mit Freunden anzusehen, eine Kopie eines Textes per E-Mail an nahestehende Kollegen zu senden oder Fotos über einen DropboxOrdner einer kleinen Gruppe ausgewählter Personen zugänglich zu machen, gilt nicht als „teilen“ im Sinne der Lizenzen. Andererseits ist davon auszugehen, dass jede Online-Nutzung, die sich an die allge-

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meine Öffentlichkeit wendet, gemäß den CC-Lizenzen als Teilen zu verstehen ist, da die potenzielle Zielgruppe nicht durch technische Maßnahmen eingeschränkt wird. Dies gilt unabhängig davon, ob der Nutzer einen kommerziellen oder einen nicht-kommerziellen Zweck verfolgt.39 Natürlich verbleiben auch angesichts dieser generellen Grenzziehung zahllose Konstellationen, bei denen die Abgrenzung zwischen öffentlicher und nicht öffentlicher Nutzung schwierig ist. Das Teilen zwischen separaten und unabhängigen Rechtspersonen, z. B. zwischen zwei voneinander unabhängigen Gesellschaften, wird üblicherweise als (öffentliche) Verbreitung oder Zugänglichmachung eingestuft, während die hausinterne Verbreitung von Materialien innerhalb eines Unternehmens eher nicht als Teilen anzusehen sein wird.40 Noch immer ist jedoch weitgehend unklar, ob der Begriff „öffentlich“ im Fall der Verbreitung (d. h. der Überlassung physischer Kopien) anders auszulegen ist als bei der Bereitstellung immaterieller Kopien (über ein Netzwerk oder per E-Mail). Eine Entscheidung der europäischen Gerichte, unter welchen Umständen immaterielle Kopien geschützter Werke, z. B. zwischen einzelnen Unternehmen oder innerhalb einer professionellen Umgebung, als öffentlich oder als nicht öffentlich zu behandeln ist, steht noch aus. Weil es an einer allgemeinverbindlichen Auslegung des Öffentlichkeitsbegriffs im europäischen Urheberrecht für viele Fälle noch fehlt, kann auch die Frage, ob die Lizenzverpflichtungen der CC-Lizenzen in der jeweiligen Konstellation ausgelöst werden, nur im Einzelfall unter Zugrundelegung der jeweils anwendbaren nationalen Rechtsordnung ermittelt werden. c) Namensnennung Die Verpflichtung, den Autor und/oder Dritte zu nennen, ist für die meisten Lizenz-

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geber wesentlich. Sie gewährleistet, dass die Namen der Rechteinhaber genannt werden, was wichtig für sie ist, um Anerkennung und/oder Sichtbarkeit zu erlangen. Die Namensnennung ist daher die wichtigste Gegenleistung für Personen, die freie Inhalte veröffentlichen, seien es der Autor, ein Unternehmen oder eine öffentliche Institution. Die Bedeutung der Namensnennung wird durch die Tatsache unterstrichen, dass alle CC-Lizenzen das BY-Merkmal enthalten. Die betreffende Verpflichtung findet sich in Abschnitt 3a des Rechtstextes. Ordnungsgemäße Namensnennung Die CC-Lizenzen sind relativ flexibel, was die Namensnennungspflicht betrifft. Vom Nutzer wird lediglich verlangt, in „angemessener Weise“ auf den Rechteinhaber hinzuweisen. 41 Selbst wenn der Lizenzgeber eine bestimmte Methode der Namensnennung vorschlägt/vorschreibt, ist dies für den Lizenznehmer nur dann bindend, wenn er dies in angemessener Weise erfüllen kann. Das schafft Spielraum für eine Reihe von Methoden zur „attribution“ (Namensnennung), die je nach den spezifischen Medienformaten und Nutzungsfällen anwendbar sein können. Für die korrekte Namensnennung gibt es verschiedene Erklärungen42 auf der CC-Webseite und eine Reihe von Best-Practice-Richtlinien.43 Sich bei der Namensnennung lizenzgerecht zu verhalten ist einfacher, wenn man das allgemeine Konzept der Namensnennung und ihre Ziele verstanden hat. In den folgenden Absätzen werden daher die Hintergründe der oben genannten Regeln erklärt: Vor allem ist es wichtig zu verstehen, dass der Hinweis auf den Rechteinhaber nur dann seinen Zweck erfüllen kann, wenn der Nutzer ihn mit einem bestimmten Werk in Verbindung bringen kann. Würde sich ein Webseiten-Betreiber beispielsweise dafür entscheiden, alle Namensinformationen für alle implementierten Bilder auf

einer zentralen Seite zusammenzufassen, müsste er dafür sorgen, dass jede Namensnennung dem richtigen Bild zugeordnet werden kann (z. B. durch einen Hyperlink auf die jeweilige Bilddatei, auf die sich der betreffende Hinweis bezieht). Je näher der Hinweis auf den Rechteinhaber mit dem jeweiligen Inhalt verbunden ist, desto eher wird die Verpflichtung zur Namensnennung eingehalten, und ihre Intention und ihr Zweck werden erfüllt.

Lizenzhinweis und Haftungsausschluss (Abschnitt 3.a.1.A.iii des Rechtstextes)

Die Verpflichtung, eine Kopie der Lizenz oder einen Link auf sie bereitzustellen, ist notwendig, um sicherzustellen, dass überhaupt alle Nutzer von der Lizenz profitieren können. Ein Nutzer kann eine Lizenz, von der er nichts weiß, weder erhalten noch die Lizenzbestimmungen befolgen. Sind der spezifischen Kopie, auf die der Nutzer zugegriffen hat, keine LizenzinforVerpflichtung zur Nennung des Namens mationen beigefügt, erhält er auch keine des Autors und „anderer Personen, Nutzungsrechte. Er handelt dann ohne die genannt werden müssen“ (Abschnitt ordnungsgemäße Berechtigung, was zu 3.a.1.A.i des Rechtstextes) Urheberrechtsverletzungen führen kann, wenn das Werk geteilt wird. Die Verpflichtung, den Namen des Autors Die Verpflichtung, auf den Haftungsund/oder des Rechteinhabers zu nennen, ist ausschluss zu verweisen, basiert auf dereine übliche Vorgabe selben Idee. Eine des Urheberrechts. Sie Die Namensnennung ist die vertraglich festgelegte gewährleistet, wie Haftungsbegrenzung wichtigste Gegenleistung für schon gesagt, dass der wird nur wirksam, Urheber bekannt wird Urheber, die ihre Werke unter wenn der Lizenznehund eventuell auch mer auf sie aufmerkeiner Open-Content-Lizenz sam gemacht wird. Einnahmen. Sie ist auch notwendig, um freigeben. Deswegen enthal- Da der HaftungsausPlagiate zu verhindern, schluss einen Teil ten alle Creative-Commonsd. h. um sicherzustelder Lizenz bildet len, dass dem Urheber Lizenzen das BY-Modul. (Abschnitt 5 des und nicht einem DritRechtstextes), kann ten die Autorenschaft zugeordnet wird. Im diese Verpflichtung durch den LizenzhinÜbrigen kann der Lizenzgeber einer CCweis selbst eingehalten werden. Lizenz bestimmen, dass auch Dritte zu nennen sind, wie z. B. ein Verlag, der den Verpflichtung zur Bereitstellung eines Text eines Autors herausgibt. Ist diese Links zur Online-Quelle (Abschnitt Pflicht im Einzelfall angemessen, muss sich 3.a.1.A.v des Rechtstextes) der Nutzer auch hieran halten. Im Rahmen des Angemessenen ist der Verpflichtung zur Einfügung eines UrheberLizenznehmer verpflichtet, einen „Uniform rechtsvermerks/einer Copyright-Angabe Resource Identifier“ (URI) anzugeben oder (Abschnitt 3.a.1.A.ii des Rechtstextes) einen Hyperlink auf die Quelle zu setzen. Das gilt auch (wie alle anderen VerpflichEnthält das Werk einen Urheberrechtsvertungen zur „attribution“) für die Verwenmerk oder eine Copyright-Notice, müssen dung in Offline-Publikationen. diese beibehalten werden, wenn Kopien Angenommen, jemand würde ein Foto geteilt werden. aus Flickr in einer Zeitschrift verwenden:

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Die Hinweispflicht auf die Quelle könnte hier durch den Abdruck der gesamten Flickr-URI, unter der der Leser das Bild finden kann, erfüllt werden.

Leistungsschutzrechte sind mit Urheberrechten verwandt und betreffen Leistungen, die in Zusammenhang mit der schöpferischen Leistung der Urheber gebracht werden, z.B. Rechte von Interpreten oder Rundfunksendern.

Datenbankherstellerrechte sind dem Urheberrecht verwandte Schutzrechte. Sie werden den Herstellern von Datenbanken gewährt.

Verpflichtung auf Änderungen des Inhalts hinzuweisen (Dokumentationspflicht, Abschnitt 3.a.1.B des Rechtstextes) Die Verpflichtung, auf Änderungen des Werkes hinzuweisen, hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist, dass dadurch der Ruf des ursprünglichen Autors geschützt werden soll. Wenn es jedem erlaubt ist, ein Werk beliebig zu verändern, können Varianten entstehen, mit denen der ursprüngliche Autor nicht in Verbindung gebracht werden möchte, z. B. weil ihm Stil oder Qualität nicht zusagen. Die Dokumentationspflicht sorgt dafür, dass Änderungen durch Dritte eindeutig diesen und nicht dem ursprünglichen Autor zugeschrieben werden. Außerdem gewährleistet diese Bestimmung, dass die Versionsgeschichte des Werkes jederzeit zurückverfolgt werden kann. Dies ist insbesondere für große Community-Projekte wichtig, an denen viele Autoren beteiligt sind, wie der Wikipedia. Hier werden Versionshistorien eingesetzt, um den Entstehungsprozess der Artikel transparent zu machen und zu zeigen, welche Autoren hieran beteiligt waren. Keine Pflicht, den Werktitel zu nennen (neu in in CCPL4) Eine Änderung von CCPL4 im Vergleich zu früheren Versionen besteht darin, dass der Werktitel nicht mehr genannt werden muss. Gemäß den FAQ von CCPL4 wird weiterhin empfohlen, den Titel zu nennen (sofern er vom Lizenzgeber angegeben wurde), dies ist jedoch nicht länger verpflichtend.44 d) Anwendung der Lizenz auf Datenbanken und andere damit verbundene Rechte

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Unter CC-Lizenzen veröffentlichte Materialien werden oft durch verschiedene Immaterialgüterrechte geschützt. Nehmen wir zum Beispiel eine Musikdatei: Das Urheberrecht schützt die Komposition und den Text, sogenannte verwandte Schutzrechte (auch Leistungsschutzrechte genannt) schützen die Tonaufnahme und die Darbietung durch Musiker und Interpreten. Die CCPL4-Lizenzen gelten für alle Urheberund verwandten Schutzrechte. In Abschnitt 1b des Rechtstextes werden sie definiert als „Urheber- und/oder ähnliche Rechte, die in einem engen Zusammenhang mit dem Urheberrecht stehen, unter anderem Aufführungs-, Sende-, Tonträgerhersteller- und Datenbankherstellerrechte, gleich wie diese Rechte benannt oder kategorisiert sind“ (eigene Übersetzung).45 Abschnitt 4 des Lizenzgesetzes behandelt ausdrücklich Datenbankherstellerrechte. Das Sui-generis-Recht auf Datenbanken ist eine europäische Besonderheit, die in vielen anderen Teilen der Welt nicht existiert (z. B. in den USA). Es wurde auf EU-Ebene 1996 durch die Datenbankrichtlinie46 eingeführt, die für alle Mitgliedstaaten verpflichtend ist. Abschnitt 4 des Rechtstextes stellt klar, dass die allgemeine Lizenzerteilung von Abschnitt 2.a auch diese Datenbankherstellerrechte betrifft. Beinhaltet das Lizenzmaterial eine geschützte Datenbank, ist es erlaubt, aus dieser Auszüge zu erstellen oder sie vollständig oder teilweise zu kopieren, wieder zu verwenden und zu teilen. Im Gegensatz zu einigen portierten Versionen von CCPL3 beziehen die CCPL4-Lizenzen Datenbankherstellerrechte in die Lizenzerteilung ein, so dass auch in Bezug auf ihre Nutzung die Lizenzpflichten eingehalten werden müssen.47 Ob diese Rechte gewährt werden, hängt von der Entscheidung des Lizenzgebers ab. Es wäre beispielsweise möglich, einzelne Elemente der Datenbank, jedoch nicht die Datenbank selbst, zu lizenzieren. Die Da-

tenbank und ihr Inhalt sind separate Schutzobjekte; daher können sie unabhängig voneinander lizenziert (oder nicht lizenziert) werden. Möchte der Lizenzgeber die Lizenz auf eines dieser beiden Schutzgegenstände (den Inhalt der Datenbank oder die Datenbank selbst) beschränken, müsste er genau angeben, welches Element von der Lizenz abgedeckt wird und welches nicht.48 Da die Lizenz an der Datenbank in einem engen Zusammenhang mit der Erteilung der urheberrechtlichen Nutzungsrechte steht, sind die Lizenzverpflichtungen und ‑einschränkungen gleichermaßen auf die Nutzung der Datenbank anwendbar.49 Wurde eine Datenbank beispielsweise unter einer NC-Lizenz lizenziert, wären Wiederverwendung, Teilen, Kopieren etc. nur für nicht-kommerzielle Zwecke zulässig. Wenn die Datenbank unter einer ND-Lizenz lizenziert wurde, wäre es nicht möglich, ihr wesentliche Bestandteile zu entnehmen und sie zu verändern oder in eine andere Datenbank einzufügen. Auch die SA-Klausel gilt für Datenbanken. Wäre eine Datenbank unter einer SA-Lizenz lizenziert, müsste jede neue Datenbank, die einen substanziellen Teil der ursprünglichen Datenbank enthält, unter derselben oder einer kompatiblen Lizenz lizenziert werden.50 e) Patent- und Markenrechte Gemäß Abschnitt 2.b.2 des Rechtstextes werden Patent- und Markenrechte von den CC-Lizenzen nicht erfasst. Dies ist besonders wichtig für unternehmerische und institutionelle Lizenzgeber, die Eigentümer von Markenrechten an ihrem Firmennamen, ihrem Logo etc. sind. Der Ausschluss von Markenlizenzen bedeutet, dass eine mit dem Werk verbundene Marke nur dazu verwendet werden darf, besagtes Werk unter den Bedingungen der erteilten CC-(Urheberrechts-) Lizenz zu teilen. So könnte ein unter einer CC-Lizenz

lizenziertes Buch, das unter einer eingetragenen Marke des Verlages veröffentlicht wurde, kopiert und die Kopie könnte öffentlich zugänglich gemacht werden, ohne die Markenzeichen zu entfernen. Es wäre jedoch nicht erlaubt, die Marke für etwas anderes als zum Teilen dieses Buches zu verwenden. Der Lizenznehmer darf weder seine eigenen Werke unter dieser Marke bewerben noch darf er behaupten, dass der Eigentümer der Marke die Veröffentlichung seiner eigenen geänderten Versionen unterstützt hätte. Dies wird durch die Verpflichtung, Änderungen zu kennzeichnen, zusätzlich sichergestellt.51 f) Urheberpersönlichkeits rechte, Datenschutz- und Persönlichkeitsrechte Einer der Hauptgründe für Portierung und Anpassung der CC-Lizenzen an nationale Rechtsordnungen lag in der unterschiedlichen Auffassung zu Urheberpersönlichkeitsrechten in verschiedenen Teilen der Welt. Urheberpersönlichkeitsrechte dienen dem Schutz der persönlichen Beziehung zwischen dem Urheber und seinem Werk. Sie beinhalten unter anderem das Recht auf Erstveröffentlichung, das Recht auf Namensnennung und ein Schutzrecht gegen Entstellungen des Werkes. Insbesondere die kontinentaleuropäischen Urheberrechtssysteme enthalten starke Urheberpersönlichkeitsrechte, die nur bis zu einem gewissen Grad vertraglich eingeschränkt oder ausgeschlossen werden können. Länder mit Copyright-System, wie Großbritannien oder die USA, kennen solche „sakrosankten“ Urheberpersönlichkeitsrechte nicht. In diesen Ländern unterliegen Urheberpersönlichkeitsrechte – soweit sie überhaupt existieren – der Vertragsfreiheit, d. h. sie können durch Verträge übertragen, eingeschränkt oder ausgeschlossen werden. Die unterschiedliche Haltung zu Urheberpersönlichkeitsrechten in verschiedenen Rechtsordnungen sind für das Konzept

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Nach diesem Ansatz muss die Frage, wie einheitlicher freier Urheberrechtslizenzen, weitgehend der Verzicht auf Persönlichkeitsdie überall auf der Welt gleichermaßen rechte im jeweiligen Fall geht, nach dem gültig und durchsetzbar sind, eine große anwendbaren Recht beurteilt werden. Dies Herausforderung. Dies sprach – jedenfalls wird – je nach Nutzungskonstellation – zu bislang – sehr für Portierungen der CCunterschiedlichen Ergebnissen führen. Ob Lizenzen in andere Rechtsordnungen. Lokaes zum Beispiel legitim ist, einen unter einer lisierte Fassungen für Länder, in denen die CC-Lizenz lizenzierten Song in einem PorUrheberpersönlichkeitsrechte streng genofilm oder ein CC-Foto in einer politischen schützt werden, z. B. die deutschen CCPL3Kampagne zu verwenden, wird im Zweifel Lizenzen, enthalten spezielle Klauseln, die festlegen, dass Urheberpersönlichkeitsrechte von Rechtsordnung zu Rechtsordnung unterschiedlich zu bewerten sein.56 von der Lizenzerteilung unberührt blei Die Rechtsunsicherheit, die sich daraus ben.52 Die nicht portierte CCPL3 sprach diesen Aspekt in keiner Weise an. Dieser ergibt, sollte jedoch nicht überschätzt werMangel ließ daran zweifeln, ob die Lizenzden. Trotz ihrer theoretisch großen Bedeuerteilung einer „unported“ Lizenz nach z. B. tung für die Urheberrechtssysteme wird deutschem Recht vollständig wirksam war. über Urheberpersönlichkeitsrechte de facto Nachdem CC die Idee der Lizenzportie- viel seltener gestritten als über ökonomische rungen in CCPL4 aufgegeben hatte, wurde Verwertungsrechte und sie sind nur sehr ein neues Konzept für selten Gegenstand den Umgang mit Urhe- Creative-Commons-Lizenzen von rechtlichen Ausberpersönlichkeitsrecheinandersetzungen. berühren nicht die Persönten benötigt. Auf der Der in der Lizenz Webseite, auf der die enthaltene Verzicht lichkeitsrechte Dritter. CCPL4-Lizenzen vorauf Urheberpersöngestellt werden, wird erklärt, wie jetzt lichkeits- und andere Persönlichkeitsrechte mit Urheberpersönlichkeitsrechten und soll lediglich absichern, dass die nach der verwandten Aspekten wie dem DatenLizenz gewährten Nutzungsfreiheiten nicht schutzrecht oder anderen Persönlichkeitsdurch solche Rechtspositionen eingeschränkt rechten umzugehen ist: „Nach den werden. Wer „Selfies“ online postet und CCPL4-Versionen verzichtet der Rechteinsie unter eine liberale CC-Lizenz stellt, die haber, soweit es möglich und für die Nutauch Änderungen erlaubt, sollte sich bezung des Materials nach Maßgabe der wusst sein, dass sie auf eine Weise verwenLizenz erforderlich ist, auf seine Urheberdet werden könnten, mit der man vielleicht persönlichkeitsrechte. Gleiches gilt für nicht einverstanden ist.57 UrheberpersönlichDatenschutz- und andere Persönlichkeitskeits- und andere Persönlichkeitsrechte, wie rechte“ (eigene Übersetzung).53 das Recht gegen Entstellungen, sollten ohnehin nur als letztes Mittel gegen unerwünsch Damit wird bezweckt, dass auf Urheber54 te Nutzungen in extremen, und somit sehr und andere Persönlichkeitsrechte , die eventuell von der Nutzung nach der Lizenz seltenen, Fällen eingesetzt werden. berührt werden, soweit wie nötig und in Eine wichtigere Frage, die durch die dem nach dem anwendbaren Recht maxiLizenzen allein nicht gelöst werden wird – 55 mal Möglichen, verzichtet wird. Damit und kann –, betrifft Persönlichkeitsrechte. Insbesondere Fotos, Videos und Artikel wird angestrebt, dass alle Nutzungen nach werden oft unter Verletzung von Persönder Lizenz zulässig sind, ohne dass es zu lichkeitsrechten Dritter unter freien LizenKollisionen mit Urheberpersönlichkeitszen veröffentlicht. Dies ist z. B. der Fall, und ähnlichen Rechten kommt.

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wenn Bilder online gestellt werden und die darauf abgebildeten Personen nicht vorher um Erlaubnis gefragt wurden. Oder wenn Artikel, die personenbezogene Daten enthalten, die nicht ohne Einwilligung veröffentlicht werden dürfen, in Blogs oder auf Webseiten gepostet werden. Personen, die solche rechtswidrigen Materialien weiterverbreiten, können unabhängig von der freien Lizenz rechtlich belangt werden. Tatsächlich kann der Lizenzgeber nur über Rechte entscheiden, die ihn selbst betreffen. Sind von der Veröffentlichung eines Werkes die Rechte Dritter betroffen, muss der Lizenzgeber sicherstellen, dass er alle notwendigen Einwilligungen und Genehmigungen eingeholt hat. Versäumt er dies, kann die Person, deren Rechte verletzt wurden, sowohl den Lizenzgeber als auch den Lizenznehmer (den Nutzer) haftbar machen. Das bedeutet zum Beispiel, dass jemand, der ein unter einer CC-Lizenz lizenziertes Bild verwendet, das Persönlichkeitsrechte verletzt, ebenfalls haftbar gemacht werden kann. Ob der Nutzer über die Verletzung von Persönlichkeitsrechten informiert war oder informiert hätte sein können, ist ohne Belang.58 g) Gewährleistungsausschluss und Haftungsbegrenzung Alle CCPL4-Lizenzen enthalten einen umfassenden Gewährleistungs- und Haftungsausschluss. Das bedeutet, dass das Werk „so wie es ist“ lizenziert wird und dass der Lizenzgeber weder für Schäden haftet, die durch die Nutzung des Werkes eventuell entstehen noch Gewähr dafür leistet, dass das Werk fehlerfrei ist. Gemäß europäischem Deliktsrecht und anderen Bestimmungen ist es nicht möglich, jegliche Haftung oder Gewährleistung vollständig auszuschließen.59 Lizenzklauseln, die dies nicht berücksichtigen, sind unwirksam. Die Haftungs- und Gewährleistungsregelung in Abschnitt 4.c CCLP4

soll sicherstellen, dass zwingende gesetzliche Bestimmungen berücksichtigt werden. Haftung und Gewährleistung werden hiernach (nur) soweit beschränkt, wie es das anwendbare Recht zulässt (minimales Maß). Ob eine solche salvatorische Klausel eine nach vielen europäischen Rechtsordnungen wahrscheinlich unwirksame Haftungsklausel retten kann, muss bezweifelt werden. Doch selbst wenn die Haftungsbestimmungen der CCPL4-Lizenzen ungültig wären, wäre die Haftung für Schäden, die sich aus der Bereitstellung von CC-Materialien (und Open Content im Allgemeinen) ergeben, im Zweifel minimal. Auch wenn sich solche Regeln von Land zu Land unterscheiden, kann man davon ausgehen, dass im Haftungs- und Gewährleistungsrecht generell berücksichtigt wird, dass Open Content zur Verfügung gestellt wird, ohne dass für dessen Nutzung eine Gegenleistung verlangt wird. Die vertraglichsrechtliche Haftung für kostenlose Leistungen ist grundsätzlich sehr beschränkt. Die herrschende Auffassung zur Rechtslage in Deutschland besagt z. B., dass Open-Content-Lizenzen wie Schenkungen zu behandeln sind. Das Haftungs- und Gewährleistungsniveau im Schenkungsrecht ist dabei das geringste im deutschen Zivilrecht. h) Verbot, technische Schutz maSSnahmen anzuwenden Aufgrund einer zwingenden Bestimmung der europäischen Urheberrechtsrichtlinie60 ist es nach den Urheberrechtsgesetzen aller europäischen Mitgliedsstaaten untersagt, wirksame technische Schutzmaßnahmen zu umgehen. Dieses strikte Verbot kennt keine Ausnahmen. Das bedeutet z. B., dass niemand eine Kopie von einem Werk machen darf, auch nicht für private Kopien oder Zitate, wenn dafür eine „wirksame“ technische Schutzmaßnahme umgangen werden muss.

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Abschnitt 2.a.4 des Rechtstextes besagt klar, dass der Umgehungsschutz nicht für CC-lizenzierte Werke gilt. Das bedeutet, dass es jedem Lizenznehmer erlaubt ist, alle technischen Änderungen an der Kopie des Werkes vorzunehmen, die notwendig sind, um es gemäß den Lizenzbedingungen zu verwenden, selbst wenn dies die Umgehung wirksamer technischer Schutzmaßnahmen erfordert.

verletzer die Verletzung innerhalb von 30 Tagen behebt. Die Frist beginnt, wenn der Lizenznehmer den Lizenzverstoß entdeckt oder auf ihn aufmerksam gemacht wurde. Andernfalls kann der Lizenzgeber die Lizenz ausdrücklich wiederherstellen (Abschnitt 6.1.b des Rechtstextes). Der Nutzer haftet jedoch gemäß CCPL4 FAQ für nicht-lizenzkonforme Nutzungen vor der Wiederherstellung der Lizenz.63

i) Lizenzdauer und ‑kündigung CC-Lizenzen werden auf unbestimmte Zeit geschlossen (Abschnitt 6.a des Rechtstextes), d. h. sie gelten solange, bis das Urheberrecht oder ein anderes verwandtes Recht in Bezug auf das Material abläuft. Nach Ablauf aller Rechte wird das Material gemeinfrei und eine Lizenz ist nicht länger notwendig. Außerdem ist die Lizenzerteilung unwiderruflich (Abschnitt 2.a.1 des Rechtstextes). Der Lizenzgeber kann den Lizenzvertrag daher nicht von sich aus kündigen. Die Lizenz endet jedoch automatisch, wenn Lizenzbedingungen verletzt werden (Abschnitt 6.a des Rechtstextes). Nutzungen nach der Verletzung sind daher Urheberrechtsverletzungen, für die der Nutzer haftbar gemacht Wird eine Lizenzbedingung werden kann. Nennt ein Nutzer beispielsweise nicht eingehalten, erlischt den Namen des Autors nicht oder fügt er keinen die Lizenz automatisch. Hinweis auf den Lizenztext ein, verliert er damit sein Recht, das Material zu verwenden. Wie bereits erklärt, ist er ohne Lizenz genauso gestellt wie jede andere Person, die ein geschütztes Werk ohne Erlaubnis verwendet. Lizenzen Dritter sind jedoch nicht vom Wegfall der Rechte betroffen.61 Wird die Lizenz gekündigt, bietet CCPL4 zwei Möglichkeiten, sie wiederherzustellen.62 Gemäß Abschnitt 6.b.1 des Rechtstextes wird die Lizenz automatisch wiederhergestellt, wenn der Lizenz-

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3.5 Zusätzliche lizenzspezifische Einschränkungen und Verpflichtungen: Die LizenzModule Neben den oben erwähnten Verpflichtungen und Einschränkungen, die für alle sechs CC-Lizenztypen gelten, unterliegen die Lizenzmodule NC, ND und SA – die nur in einigen der CC-Lizenzen enthalten sind – zusätzlich spezifischen Anforderungen, deren sich ein Lizenznehmer bewusst sein sollte. a) NC – nicht-kommerziell Drei der sechs CC-Lizenzen beinhalten das NC-Modul. NC bedeutet, dass der Lizenzgeber sich die kommerzielle Nutzung des Materials vorbehält. Jeder Nutzer, der das Werk für kommerzielle Zwecke nutzen möchte, benötigt dazu eine zusätzliche Einwilligung (d. h. eine zusätzliche Lizenz) vom Rechteinhaber. NC-Lizenzen sind weit verbreitet und in der CC-Lizenz-Suite sehr beliebt, zumindest in einigen Bereichen.64 Dies hat vielfältige Ursachen. Tatsächlich kann es gute Gründe geben, sich in bestimmten Fällen für eine NC-Lizenz zu entscheiden. In den meisten Fällen bringen die NC-Versionen jedoch signifikante und oft unbeabsichtigte

Nachteile mit sich. Da die NC-Einschränkung die freie Verbreitung behindert und viele Nutzungen untersagt (oft auch ungewollt), gelten diese Lizenzen generell nicht als „freie/Open-Culture“-Lizenzen.65 Selbst im Kontext von Bildung und Forschung kann die Verwendung von NCInhalten zu allerlei Rechtsunsicherheiten führen.66 Auch können NC-Inhalte nicht in die Wikipedia integriert werden, da dort eine CC BY-SA-Lizenz verwendet wird, die mit NC-Lizenzen nicht kompatibel ist. Aus diesen und anderen Gründen sind NC-Lizenzen in der Open-Content-Bewegung höchst umstritten. Es ist nicht Aufgabe dieses Leitfadens, diese Diskussionen und ihre verschiedenen Argumente aufzugreifen oder zu kommentieren.67 Hier wird die NC-Einschränkung lediglich erklärt, um hoffentlich einige mit ihr verbundene Missverständnisse auszuräumen. Allerdings werden einige der in der Grundsatzdebatte verwendeten Argumente aufgegriffen, wenn es um strategische Aspekte bei der Auswahl der geeigneten Lizenz geht. Was bedeutet NonCommercial? In der Debatte um die Formulierungen in der CCPL4 wurde diskutiert, ob – und wenn ja, wie – der Begriff „NonCommercial“ im Lizenztext definiert werden sollte. Letzten Endes entschied sich Creative Commons, die Definition aus Version 3 unverändert beizubehalten.68 Abschnitt 1.i des Rechtstextes der NC-Lizenzen definiert „NonCommercial“ wie folgt: „NonCommercial bedeutet nicht vorrangig auf einen geschäftlichen Vorteil oder eine geldwerte Vergütung gerichtet. Zur Klarstellung: Diese Lizenz versteht den Austausch von geschütztem Material mithilfe von Filesharing nicht als kommerzielle Nutzung, vorausgesetzt dass hierfür keine Vergütung gezahlt wird” (eigene Übersetzung).69

Natürlich lässt diese Definition jede Menge Spielraum für Interpretationen. Insbesondere die Formulierung „nicht vorrangig auf eine geldwerte Vergütung gerichtet“ signalisiert, dass die NC-Beschränkung sehr weit auszulegen ist. Wie weit sie genau geht, ist jedoch in vielen Fällen schwer einzuschätzen. Ausdrücklich nennt die Klausel nur einen Einzelfall: Filesharing gilt als nichtkommerziell. In anderen Zusammenhängen muss individuell geprüft werden, ob die Materialien „(nicht) vorrangig auf einen geschäftlichen Vorteil oder geldwerte Vergütung gerichtet sind“. Dies lässt einen breiten Interpretationsspielraum. Es ist daher nicht möglich, die Frage, wann eine Nutzung kommerziell oder nichtkommerziell ist, allgemein zu beantworten. Da es sich bei der CC-Lizenz um einen Vertrag handelt, muss sie nach objektiven Kriterien ausgelegt werden, wobei das Verständnis der Vertragsparteien zu berücksichtigen ist. Außerdem muss das jeweils anwendbare Recht berücksichtigt werden. In 2008 hat Creative Commons eine Studie durchgeführt, in der untersucht wurde, wie Urheber und Nutzer die Abgrenzung zwischen kommerziell und nichtkommerziell verstehen.70 Sie ergab, dass sich das Verständnis beider Gruppen im Großen und Ganzen deckt. In Bezug auf Grenzfälle und spezifische Fragen sind die Ergebnisse der Studie indes nicht sehr aufschlussreich. Immerhin enthält sie jedoch einen großen Fundus an interessanten Informationen und sie zeigt Gemeinsamkeiten und Abweichungen bei der Auffassung der beiden Gruppen auf.71 Interessant ist beispielsweise die generelle Erkenntnis, dass die Nutzer die NC-Klausel tendenziell restriktiver interpretieren als die Rechteinhaber selbst. Aufgrund ihres beschränkten Umfangs und ihres nicht repräsentativen Charakters kann die Studie jedoch nicht als verlässliche Grundlage für die rechtliche Interpretation angesehen werden.72

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

49

Auch ansonsten existiert keine einheitliche Abgrenzung der Begriffe „kommerziell“ und „nicht-kommerziell“, was im Hinblick auf die erheblichen Unterschiede zwischen den einzelnen Rechtsordnungen auch wenig verwunderlich ist. Dennoch wird nachstehend der Versuch unternommen, einige konkrete Antworten für bestimmte typische Nutzungsszenarien zu geben, die allerdings nur die persönliche Meinung des Autors widerspiegeln können.73 Die hier vorgenommene Unterscheidung zwischen kommerziell und nichtkommerziell, basiert auf zwei wesentlichen Faktoren: nutzer- und nutzungsbezogenen Aspekten.74 Für beide Faktoren lässt sich eine Reihe präziserer Das Non-Commercial-Lizenz- Indikatoren identifizieren, die jeweils für modul lässt einen breiten oder gegen eine kommerzielle NutInterpretationsspielraum zu, zung sprechen. Unter was unter kommerzieller Nut- Anwendung dieser Methode lassen sich zung zu verstehen ist. typische Nutzungsszenarien relativ eindeutig dem kommerziellen oder nicht-kommerziellen Bereich zuordnen.75 In der nachfolgenden Tabelle wird eine Reihe typischer Nutzungsszenarien den Kategorien kommerzielle/nicht-kommerzielle Nutzung zugeordnet. Bei der Einordnung wurden die wesentlichen Indikatoren berücksichtigt. Sie basiert auf den folgenden Annahmen: • Ob die Tätigkeit eines Nutzers generell als gewinnorientiert oder gemeinnützig einzuordnen ist, ist nicht der ausschlaggebende Faktor, jedoch ein starker Indikator dafür, ob dessen Nutzung im Einzelfall als kommerziell oder nichtkommerziell einzustufen ist.76 • Der Ausdruck „kommerziell“ ist in einem breiten Sinn zu verstehen. Dient die Nutzung auch nur entfernt finanzi-

50

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

ellen Interessen, ist sie als kommerziell zu werten.77 Generell kann davon ausgegangen werden, dass Aktivitäten gewinnorientierter Nutzer (vor allem von Unternehmen) normalerweise – zumindest mittelbar – einem geschäftlichen Interesse dienen. • Nutzungen, mit denen unmittelbar Gewinne generiert werden, sind stets als kommerziell zu betrachten. • Ob die spezifische Nutzung (auch) Gemeinwohlinteressen oder ausschließlich dem eigenen Interesse des Nutzers dient, ist für ihre Einstufung als kommerziell oder nicht-kommerziell von gewisser Relevanz. • Bei Nutzungen durch Einzelpersonen ist zwischen beruflichen und privaten Nutzungen zu unterscheiden. Ist die Nutzung beruflicher Natur, hängt die Klassifikation davon ab, ob die Absicht des Arbeitgebers/Kunden „primär auf einen kommerziellen Vorteil ausgerichtet ist.”78 Denn eine Nutzung kann selbst dann kommerziell sein, wenn der Nutzer nicht eigene kommerzielle Interessen verfolgt, sondern solche von Dritten unterstützt. Dient die Nutzung einem privaten Zweck und findet sie nur im privaten Rahmen statt, ist sie stets als nicht-kommerziell einzuordnen. • Abgesehen von diesen Unterschieden ist es ohne Belang, wer der Nutzer ist. Einzelpersonen können ebenso gut wie juristische Personen oder Institutionen kommerzielle Interessen verfolgen. • Nutzungen, die von urheberrechtlichen Einschränkungen und Ausnahmen abgedeckt sind, fallen nicht unter die Lizenz. Lassen solche Regelungen bestimmte kommerzielle Nutzungen zu, wäre die NC-Einschränkung nicht wirksam.79

Nähere Erklärungen zur folgenden Tabelle: • Ein Freiberufler ist eine Person, die unternehmerisch tätig ist und das Material für ihre geschäftlichen Interessen verwendet. Der Ausdruck Freiberufler ist in einem breiten Sinn zu verstehen. Zu dieser Gruppe zählen auch z. B. Künstler, die von ihrer kreativen Arbeit leben.

• Eine Privatperson ist jemand, die das Material ausschließlich für private Zwecke verwendet. Nutzungen durch Einzelpersonen zur Erfüllung ihrer beruflichen Pflichten gelten als Nutzungen durch ihre Arbeitgeber bzw. für deren Zwecke. Nimmt eine Privatperson kommerzielle Handlungen im eigenen Namen vor, z. B. indem sie Kopien von CC-lizenziertem Material verkauft, gilt sie als Freiberufler.

Tabelle 1: Wer kann NC-lizenzierte Inhalte in welchen Fällen nutzen? Nutzungsart

Unternehmen

Öffentliche Einrichtung

Gemeinnützi- Freibe- Privatge Organisa- rufler person tion / Verein

Verkauf von physischen Kopien

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Lizenzierung der Inhalte gegen Bezahlung

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Nutzung für Werbezwecke

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Nutzung zur Gewinnerwirtschaftung

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Berufliche Nutzung

n.z.

n.z.

n.z.

Nein

n.z.

Nutzung auf einer Webseite, die ihre Hosting-Kosten durch Werbung refinanziert

Nein

Ja

Ja

Nein

Ja

Nein Nutzung auf einer Blog-Plattform, auf der vom Plattformanbieter (nicht vom Blogbetreiber) Werbung gezeigt wird

Ja

Ja

Nein

Ja

Nutzung für interne Weiterbildungen und Informationsmaterialien

Ja

Ja

Nein

n.z.

Nutzung zur privaten Unterhal- n.z. tung oder zur Unterhaltung von Familie/Freunden des Nutzers

n.z.

n.z.

n.z.

Ja

Nutzung zur Information/ Unterhaltung von Kunden/ Klienten/Publikum

Nein

Ja

Ja

Nein

Ja

Nutzung in gebührenfreien Veranstaltungen für Bildungszwecke

Nein

Ja

Ja

Nein

Ja

Nutzung in gebührenpflichtigen Veranstaltungen für Bildungszwecke

Nein

Nein

Nein

Nein

Nein

Nutzung für unternehmensfinan- Nein zierte Forschung

Nein

Nein

Nein

n.z.

Nutzung für steuerfinanzierte Forschung

Nein

Ja

Ja

Nein

n.z.

Nutzung für interne Unternehmensforschung

Nein

n.z.

n.z.

Nein

n.z.

Nein

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

Abkürzungen: Ja = Nutzung von NCInhalten ist erlaubt Nein = Nutzung von NC-Inhalten ist nicht erlaubt n. z. = nicht zutreffend, eine solche Konstellation ist nicht denkbar

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Die folgende Beurteilung ist lediglich als persönliche Meinung des Autors zu verstehen. Einige Projekte, die NC-Lizenzen verwenden, bieten eigene Erklärungen, die möglicherweise nicht der Auffassung des Autors entsprechen.80 In diesen Fällen ist es empfehlenswert, sich an die Richtlinien des betreffenden Projektes zu halten.81 Vor- und Nachteile von NC-Lizenzen Wie bereits erwähnt, haben NC-Lizenzen mehrere Nachteile. Die Entscheidung für eine solche restriktive Lizenz sollte daher sorgfältig durchdacht werden. Erfahrungsgemäß entscheiden sich viele Urheber für eine NC-Lizenz, weil sie nicht wollen, dass jemand anderes mit ihren kreativen Werken Geld verdient, ohne potenzielle Gewinne teilen zu müssen. Dieses Motiv mag aus psychologischer Sicht verständlich sein. Oft führt die Entscheidung jedoch dazu, dass alle Beteiligten verlieren. Der Lizenzgeber verliert potenzielle Nutzer und Nutzungen, die Die rechtlichen Unsichereigentlich seinen Interessen – weite heiten des NC-Moduls haben Verbreitung und eine abschreckende Wirkung maximale Aufmerksamkeit – dienen auf Nachnutzer. würden. Ein negativer Nebeneffekt von NC-Lizenzen ist, dass Nutzungen wegen der mit der Einschränkung verbundenen Rechtsunsicherheit unterbleiben, gegen die der Lizenzgeber gar nichts hätte. So kann das NC-Modul beispielsweise Nutzungen für Bildungs- und wissenschaftliche Zwecke verhindern, etwa, weil die Frage, ob NC-Inhalte in gebührenpflichtigen Kursen oder Studiengängen (siehe Tabelle) verwendet werden dürfen, höchst umstritten ist. Rechtsunsicherheit entfaltet die NCKlausel auch, z. B. bei wissenschaftlichen Nutzungen in öffentlich-privaten Partnerschaften („Public Private Partnerships“) oder unter Umständen sogar in der öffent-

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3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

lich finanzierten Forschung. Selbst die Verwendung von NC-Material auf gänzlich „privaten“ Webseiten, deren Anbieter versuchen, einen Teil ihrer Hosting-Kosten durch Werbung zu refinanzieren, wirft Fragen auf. Bei all diesen Nutzungen ist fraglich, ob sie den Rechteinhabern, die NC-Lizenzen verwenden, tatsächlich unerwünscht sind oder ob ihr Ausschluss eher ein Kollateralschaden ist. Mit ziemlicher Sicherheit ist jedenfalls davon auszugehen, dass in solchen Fällen keine individuellen Genehmigungen – für die (vermeintlich) kommerzielle Nutzung – eingeholt und auch keine Lizenzgebühren gezahlt würden. Erst recht würden sie keine rechtliche Untersuchung in Auftrag geben, um herauszufinden, ob es sich bei ihrem Grenzfall um eine kommerzielle oder nicht-kommerzielle Nutzung handelt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich die Nutzer im Zweifel dafür entscheiden würden, den Inhalt nicht zu verwenden. Das wiederum würde dem Interesse des Lizenzgebers, der schließlich möchte, dass seine Inhalte sich verbreiten und genutzt werden, zuwider laufen. Wägt man Vor- und Nachteile der NCLizenzen gegeneinander ab, kommt man zu dem Schluss, dass die Nachteile in der Mehrzahl der Fälle die Vorteile überwiegen. Und zwar sowohl aus der Perspektive der Rechteinhaber als auch aus Nutzersicht. Objektiv betrachtet ist eine NC-Lizenz nur dann geeignet, wenn eine realistische Aussicht darauf besteht, dass kommerzielle Nutzer für die Verwendung des Materials bezahlen. In vielen Fällen ist dies (vor allem in Bezug auf Online-Inhalte) höchst unwahrscheinlich, insbesondere wenn eine ausgeklügelte Marketingstrategie fehlt. Ist der Lizenzgeber darüber hinaus nicht bereit oder in der Lage, durch rechtliche Schritte gegen potenzielle Verletzungen der NCEinschränkung vorzugehen, macht es von vornherein kaum Sinn, sie aufzuerlegen. Bei der Wahl einer Lizenz ist es von größter Bedeutung, sich darüber klar zu

sein, warum man sich für eine bestimmte Open-Content-Lizenz entscheidet. In der Mehrzahl der Fälle wird eine sorgfältige Überlegung zu dem Schluss führen, dass finanzielle Motive für die Veröffentlichung des Materials eher nebensächlich sind, was bei der Lizenzauswahl berücksichtigt werden sollte. Wichtig werden häufig altruistische Gründe sein, wie z. B. der Wunsch, einen Beitrag zur kulturellen Allmende zu leisten oder Dritte über wichtige Themen zu informieren. Auch wenn die Motive zumeist egoistischer Natur sein werden, spricht das keineswegs tendenziell generell dafür, NC-Lizenzen zu verwenden. Wenn die Aussicht auf eine unmittelbare Vermarktung des Materials gering ist, steht für den Rechteinhaber bei einer Open-ContentPublikation die weite Verbreitung im Vordergrund. Diese lenkt Aufmerksamkeit auf das Werk des Autors. Aufmerksamkeit kann zu Engagements, zu Popularität oder sogar zu Ruhm, mit anderen Worten, zu Einnahmen führen. Ist dies, wie in sehr vielen Fällen, die Motivation für die Veröffentlichung, macht es durchaus Sinn, eine Lizenz zu wählen, die auch die kommerzielle Nutzung erlaubt. Denn zumeist wird der Urheber nicht willens oder in der Lage sein, selbst eine professionelle kommerzielle Vertriebsstrategie zu entwickeln und zu pflegen, die dazu führen würde, dass ein neuer Vertriebskanal eröffnet wird, über den weitere Zielgruppen erschlossen werden. Eine NC-Lizenz würde verhindern, dass sich solche Strukturen entwickeln, ohne dass der Urheber involviert ist. Sie könnte auch das Interesse an einer kommerziellen Nutzung verhindern, da sie für den Nutzer zusätzliche Hürden aufwirft.82 Für Unternehmen oder bereits bekannte und erfolgreiche Urheber können NC-Lizenzen dagegen unter Umständen eine gute Wahl sein. Sie können beispielsweise als Mittel zur Unterstützung einer ausgefeilten Marketingstrategie eingesetzt werden. Musiker können NC-Lizenzen etwa dazu

verwenden, auf sich aufmerksam zu machen, indem sie einige oder gar alle ihrer Songs auf Webseiten oder Plattformen unter einer freien Lizenz veröffentlichen. Gelingt es ihnen, kommerzielles Interesse auf sich zu ziehen, verbliebe ihnen die Möglichkeit, mit einer Plattenfirma einen Vertrag auszuhandeln. Ob eine NC-Lizenz für einen solchen Verlauf wesentlicher Erfolgsfaktor ist, ist dennoch fraglich. Professionelle Musikproduzenten und Plattenfirmen würden die Musiker im Zweifel ohnehin kontaktieren, bevor sie in den Vertrieb und in die Vermarktung ihrer Werke investieren. In diesem Kontext würden ohnehin Verträge geschlossen, in denen auch Vereinbarungen über Lizenzgebühren oder sonstige Zahlungen enthalten wären. Ähnlich wie im Verlagswesen (vor allem im Bereich der Belletristik) erfordert ein erfolgreicher Musikvertrieb eine enge Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Verwertern. Will eine Plattenfirma eine Band erfolgreich einführen, muss sie Konzerte, Interviews, Medienberichte, Merchandising usw. organisieren. Ohne Zusammenarbeit mit den Künstlern wäre dies unmöglich, die Zusammenarbeit erfordert im professionellen Kontext wiederum vertragliche Vereinbarungen. Mit anderen Worten: Die NC-Lizenz, die nur die urheberrechtlichen Nutzungsrechte an der Musik oder dem Roman regelt, deckt nur einen kleinen Teil einer solchen Zusammenarbeit ab. Unter dem Strich sind NC-Lizenzen im Allgemeinen nur für den Einsatz durch Profis, Verlage oder professionell schaffende Urheber sinnvoll, die sie im Rahmen von hierauf ausgerichteten Marketingstrategien einsetzen und im Notfall auch gewillt und in der Lage sind, gegen Verletzungen der NC-Beschränkungen vorzugehen. In solchen Konstellationen eröffnen sie Möglichkeiten zur Preisdifferenzierung und/oder Geschäftsmodelle, die auf das sogenannte Dual-Licensing-Prinzip setzen. Ähnlich wie bei den Shareware- und Freeware-Konzep-

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

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ten der Softwarewelt besteht z. B. die Möglichkeit, gekürzte Versionen von Büchern oder Filmen unter NC-Lizenzen frei zu teilen oder andere „Light-Versionen“ kostenlos zur Verfügung zu stellen, um Aufmerksamkeit auf das Werk zu lenken.83 Die „Vollversionen“ können daneben kommerziell vermarktet werden. Ob solche Strategien Sinn ergeben und erfolgversprechend sind, hängt allerdings sehr vom jeweiligen Einzelfall ab. Insgesamt sind die Fälle, in denen es objektiv von Vorteil ist, eine NC-Lizenz zu verwenden, eher selten. Soll die kommerzielle Nutzung aus guten Gründen vorbehalten werden, besteht möglicherweise noch eine bessere Option als die restriktiven NC-Lizenzen. Es wird vertreten, dass auch in solchen Konstellationen, in denen es sinnvoll ist, kommerzielle Nutzer daran zu hindern, das Werk ohne individuelle Vereinbarung zu nutzen, CC BY-SA das „bessere NC“ sei.84 Kurz zusammengefasst wird dies so begründet: SA-Lizenzen schließen die kommerzielle Nutzung ein und behindern die freie Verbreitung nicht. Kommerzielle Nutzer wie Verlage oder Plattenfirmen würden sich jedoch scheuen, Werke ohne weitere Vereinbarung auf Basis einer SA-Lizenz zu nutzen. Denn die Lizenz verpflichtet dazu, das Werk und dessen Abwandlungen nur unter dieser Lizenz zu veröffentlichen, was kommerzielle Verwerter häufig nicht tun wollen. Um solches Material im herkömmlichen Vertrieb unter herkömmlichen Geschäftsmodellen vermarkten zu können, müssten sie ohnehin eine individuelle Vereinbarung mit den Urhebern treffen, etwa, um sich von der SA-Verpflichtung „freizukaufen“. Gleiches gilt, wenn der Verwerter das Werk verändern oder Teile hieraus in andere Werke einfügen wollte, durch Sampling oder Verwendung von CC-Musik als Filmmusik. Hier würde sich die SA-Verpflichtung sogar auf das eigene Material des Verwerters erstrecken, der beispielsweise

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3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

seinen mit SA-Musik unterlegten Film wiederum unter eine SA-Lizenz stellen müsste. Diese Folge, die mitunter als „viraler Effekt“ bezeichnet wird, wird für kommerzielle Verwerter in der Regel nicht hinnehmbar sein.85 Faktisch wird die SA-Verpflichtung, so die Schlussfolgerung, daher verhindern, dass bestimmte Arten von kommerziellen Nutzungen vorgenommen werden, ohne dass hierüber eine zusätzliche Vereinbarung geschlossen wird. Für Nutzungen, die eher im Grenzbereich zwischen kommerzieller und nicht-kommerzieller Nutzung angesiedelt sind, wird die SA-Klausel dagegen im Zweifel kein Hindernis sein, jedenfalls nicht in dem Maße, wie es die NC-Lizenzen bewirken. b) ND – keine Bearbeitungen Zwei CC-Lizenzen enthalten das ND-Modul: CC BY-ND und CC BY-NC-ND. Wie jede Lizenzeinschränkung bedeutet das ND-Modul nicht, dass das Material überhaupt nicht bearbeitet oder geändert werden darf. Es bedeutet vielmehr, dass das Recht, Bearbeitungen zu veröffentlichen oder zu teilen, vorbehalten ist, und jeder, der dies tun will, eine zusätzliche Nutzungserlaubnis einholen muss. Sinn und Zweck der ND-Einschränkung liegen darin, die Integrität des Werks vor unerwünschten Varianten zu schützen. Der Begriff „Bearbeitung“ Abschnitt 1a des Rechtstextes definiert bearbeitete Materialien wie folgt: „Bearbeitetes Material ist durch Urheber- oder verwandte Rechte geschütztes Material, das von dem lizenzierten Material abgeleitet ist oder darauf basiert und in dem das lizenzierte Material auf eine Weise, die nach dem Urheberrecht oder verwandten Rechten einer Genehmigung des Rechteinhabers bedarf, übersetzt, geändert, neu arrangiert, transformiert oder anderweitig

Welche Nutzungen im Detail als Bearbeitungen zu werten sind, ist eine schwierige Frage. Die Lizenz nennt Beispiele für Nutzungshandlungen, die nach dem Urheberrecht üblicherweise als Änderungen/ Bearbeitungen anzusehen sind: Übersetzungen in eine andere Sprache und Umwandlungen eines Werks in eine andere Werkkategorie, wie z. B. die Verfilmung eines Romans, gelten als Bearbeitung. Auch die Synchronisierung von Musik mit anderen Werken, z. B. die Verwendung von Musik als Hintergrund für ein Video oder als Filmmusik, stellt eindeutig eine Bearbeitung dar. Außer diesen ausdrücklich erwähnten Bearbeitungshandlungen wird der Begriff der Bearbeitung in der Lizenz nicht weiter Was genau ist eine Bearbeitung? erläutert. Vielmehr wird für die weitere Auslegung auf das anzuwendende Recht Der Rechtstext enthält einige Beispiele, in verwiesen.89 Dies macht es unmöglich, denen nicht von einer Bearbeitung auszugehen ist. Laut Abschnitt 1a des Rechtstextes allgemeingültige Antworten zu geben. Infindet eine Bearbeitung wieweit Lizenznehmer berechtigt sind, statt, wenn das Material Die Definition von „Bear„auf eine Weise überbearbeitete Materialibeitung“ unterscheidet sich en wieder zu veröfsetzt, geändert, neu arrangiert, transforfentlichen, ist von je nach Rechtsordnung. Im Land zu Land vermiert oder anderweitig Allgemeinen ist eine Bearbeischieden. Dies gilt geändert wird, die nach dem Urheberrecht oder tung die Umwandlung eines sogar für verschiedeverwandten Rechten ne Länder innerhalb Werkes in eine andere Werkeiner Genehmigung des der Europäischen Rechteinhabers bedarf“ Union, da der europäkategorie. 88 (eigene Übersetzung). ische Acquis CommuNicht unter solche Änderungen fallen nach nautaire keine Vollharmonisierung des Abschnitt 2.a.4 des Rechtstextes reine Bearbeitungsrechts vorsieht und es daher technische Änderungen. Formatänderungen keinen EU-weit gültigen Bearbeitungsbegriff oder Digitalisierungen sind hiernach keine gibt. Ob die Nutzer von ND-Inhalten für Bearbeitungen und somit von der Lizenz bestimmte Handlungen eine zusätzliche umfasst, da das Werk selbst in diesen Fällen Lizenz benötigen (da sie eine Bearbeitung unverändert bleibt. Die Digitalisierung eines darstellen), hängt also davon ab, wie sich Romans in Buchform ändert zum Beispiel das anwendbare Recht hierzu verhält. den Roman (das Werk) nicht, sondern nur das Medium, in dem er verkörpert ist. Sie Bearbeitungen des Werkes selbst ist daher urheberrechtlich betrachtet keine Bearbeitung oder Änderung (des Werks), Änderungen des Werkes selbst, z. B. Kürsondern lediglich eine Vervielfältigung. zungen, Erweiterungen oder Neuordnungen geändert wird. Nach dieser freien Lizenz liegt eine Bearbeitung stets vor, wenn ein Musikwerk zur Untermalung von Bewegtbildern verwendet wird“ (eigene Übersetzung).86 Abschnitt 2.a.1.B des Rechtstextes der ND-Lizenzen weist darauf hin, dass bearbeitetes Material zwar produziert, aber nicht geteilt werden darf. Die ND-Einschränkung gilt daher nur, wenn das bearbeitete Material außerhalb der Privatsphäre Dritten zugänglich gemacht wird, seine Herstellung und private Nutzung sind zulässig.87 Die Definition in der CCPL4 entspricht der entsprechenden Bestimmung in der CCPL3.

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

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seines Inhalts gelten nach dem Urheberrecht grundsätzlich als Bearbeitungen. Dies gilt unabhängig davon, ob an der Bearbeitung selbst ein eigenes (Bearbeiter-)Urheberrecht entsteht. Bearbeitung durch Veränderung des Kontextes und Verbindung des Werks mit anderen Inhalten – Remixes, Mash-ups, Sammlungen und Werkkombinationen Komplexere Fragen entstehen, wenn das Werk selbst gar nicht verändert wird, sondern lediglich in einem neuen Kontext verwendet wird. Darf ein Foto, das unter einer ND-Lizenz steht, zum Beispiel in einem Buch verwendet werden, in dem es in einen Artikel eingebettet ist? Darf jemand eine Sammlung von 100 Fotos verschiedenen Ursprungs, darunter NDlizenzierte Bilder, auf einer Webseite veröffentlichen? Erlaubt es die ND-Lizenz einen Text in eine Anthologie aufzunehmen, die Artikel verschiedener Autoren enthält? Darf ein ND-lizenziertes Video in einer künstlerischen Videocollage verwendet werden? Darf man unterschiedliche Inhalte, darunter Tonaufnahmen unter ND-Lizenz, in eine Multimedia-Installation einbinden und diese verkaufen? Alle diese Fragen können nur von Fall zu Fall unter Berücksichtigung des jeweils anwendbaren Rechts beantwortet werden. Die rechtliche Situation für italienische Nutzer kann sich daher von der rechtlichen Situation für deutsche Nutzer unterscheiden. Da die rechtlichen Begriffe „Bearbeitung“ oder „Änderung“ rechtlich ausgelegt werden müssen, ist es auch wichtig, die Rechtsprechung der anwendbaren Rechtsordnung zu kennen. Die Unterscheidung von Sammlungen und Werkverbindungen ist im Zweifel in allen Rechtsordnungen ein wesentliches Differenzierungsmerkmal. In einer Sammlung, wie z. B. in einer Anthologie oder einem Katalog, werden einfach verschiedene

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3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

Werke zusammengestellt. Die verschiedenen Inhalte sind getrennte und alleinstehende Werke, sodass ihre Identifikation und die Identifikation der einzelnen Autoren unproblematisch sind. Die Aufnahme eines Werks in eine Sammlung gilt daher normalerweise nicht als Bearbeitung. Eine Verbindung von Werken zu einem großen Ganzen wird auf der anderen Seite häufig dazu führen, dass jeder Einzelbestandteil seinen eigenständigen individuellen Ausdruck verliert. Je nach Technik haben Werkverbindungen oft ihren eigenen ästhetischen Ausdruck, der sich von dem der Einzelbestandteile unterscheidet. Ist dies der Fall, handelt es sich bei der Verbindung um eine Bearbeitung, deren Veröffentlichung durch die ND-Lizenz nicht gestattet ist.90 Ein wichtiges Abgrenzungsmerkmal zwischen Sammlungen und Werkverbindungen liegt darin, ob die einzelnen Werke in dem gegebenen Kontext getrennt und unterscheidbar bleiben. Wurde das Werk selbst geändert, indem z. B. ein Text gekürzt oder ein Song neu gemixt wurde, würde die ND-Einschränkung in jedem Fall gelten. Remixing und Mashen gehen üblicherweise mit solchen Nutzungen einher, so dass hier der ND-Vorbehalt generell gilt. Werden jedoch nur unveränderte Werke gesammelt und nebeneinander veröffentlicht, handelt es sich eher nicht um eine Bearbeitung. Werden dagegen identische – an sich unveränderte – Kopien von Werken so kombiniert, dass sie zu einem neuen Gesamtwerk verschmelzen, das einen eigenen ästhetischen Ausdruck aufweist, wäre die Kombination eine Bearbeitung der enthaltenen Bestandteile. Hier werden die Elemente nicht nur „nebeneinander gestellt“, sondern „verschmolzen“, was zur Entstehung eines neuen und größeren Werks führt, das sowohl eigenes als auch fremdes Material enthält. Beispiele dafür wären die Verwendung eines urheberrechtlich geschützten Bildes in einem Film, die Verwendung einer urheberrechtlich geschützten

Zeichentrickfigur in einem Video oder die oben erwähnte Nutzung von Musiktiteln in Bewegtbildern. In Anbetracht dieser Überlegungen empfiehlt sich das folgende Prinzip als allgemeine Daumenregel: Wenn bestehendes Material, gegebenenfalls unter Hinzufügung von neuem Material, zu einem größeren Werk verschmolzen wird, das einen eigenständigen Charakter hat, liegt stets eine Bearbeitung im Sinne des Urheberrechts und der ND-Einschränkung vor. Je stärker die einzelnen Werke unverändert und eigenständig verwendet werden, sie also nur nebeneinander gestellt werden, desto unwahrscheinlicher ist es, dass ihre Kombination/Sammlung als bearbeitetes Material gilt.

Nach dieser Unterscheidung ist es möglich, relativ klar zwischen Bearbeitungen, die gemäß ND nicht zulässig sind, und reinen Vervielfältigungen, die die Lizenz gestattet, zu trennen. In der untenstehenden Tabelle werden einige typische Konstellationen dargestellt. Erklärungen: • Bei der Zusammenstellung von NDInhalten und anderem Material ist für die Frage, ob hierin eine Bearbeitung oder lediglich eine Vervielfältigung liegt, v. a. danach zu unterscheiden, ob die wiederverwendeten Werke auch in diesem Kontext getrennt und unterscheidbar bleiben.

Tabelle 2: Welche Nutzungen sind nach ND-lizenzen erlaubt? Nutzung

Erlaubt bei ND-Lizenz?

Mashup-Video

Nein

Bild oder Text in einer Zeitung oder einer Zeitschrift verwenden

Ja

Musikremix

Nein

Sampling

Nein

Bild oder Text auf einer Webseite, einem Blog oder sozialen Netzwerken nutzen

Ja

Übersetzung

Nein

Musik in einem Film/Video

Nein

Verfilmung

Nein

Bild in einem Katalog abbilden

Ja

Textbeitrag in einem Sammelband verwenden

Ja

Bildercollage

Kommt darauf an (generell: nein). 92

Parodie

Abhängig vom geltenden Urheberrecht.93

„Küchenvideo“ mit Hintergrundmusik

Nein

Einbetten einer Tonspur in einen Dokumentarfilm

Nein

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

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• Wurde das wiederverwendete Werk geändert, indem z. B. ein Text gekürzt oder ein Song neu gemixt wurde, gilt die ND-Einschränkung in jedem Fall. Daher lautet die Antwort „nein“ (darf nicht unter ND verwendet werden). Im Gegensatz dazu wird in allen „Ja“Fällen davon ausgegangen, dass das wiederverwendete Material selbst im „Ist-Zustand“ verwendet wird, also unverändert geblieben ist.

Vor- und Nachteile von ND-Lizenzen

Ob sich ND-Lizenzen für die eigene Verwendung anbieten, hängt stark von der jeweiligen Situation ab. Dass es vielen Schöpfern kreativer Inhalte innerlich widerstrebt, Dritten zu erlauben seine Kreation beliebig zu verändern und die veränderten Fassungen in Umlauf zu bringen, ist subjektiv verständlich, aber objektiv kein guter Grund, sich für eine ND-Lizenz zu entscheiden.93 Zumindest sollten subjektive Neigungen mit objektiven • Würde das wiederverwendete Werk mit Faktoren bei der Lizenzauswahl abgewogen anderen Materialien zu einem neuen, werden. Objektiv wäre zu bedenken, dass größeren Werk verschmolzen, lautet die positive Effekte für die kulturelle Allmende Antwort „nein“. Dies ist der Fall, wenn kaum erreicht werden können, wenn die alle Materialien so miteinander verbunLizenz keine Änderungen erlaubt. Dabei den werden, dass ein neues, größeres liegt ein wesentliches Ziel dieses Ansatzes Werk mit einem eigenen ästhetischen darin, die Verwendung von Open Content Ausdruck entsteht, der den eigenständiin neuen Kontexten zu gestatten. Bei NDgen Ausdruck der einzelnen Bestandteilizenzierten Inhalten muss für solche Nutle ersetzt. zungen in vielen Fällen eine individuelle Vereinbarung geschlossen werden, was • Werden unveränderte Kopien von NDhäufig dazu führen wird, dass der Inhalt Materialien lediglich neben andere gar nicht auf diese Weise verwendet wird. Materialien gestellt (wird z. B. ein Foto Auch kann das Material nicht ohne weiteres auf einer Webseite von Text umrahmt), verbessert, aktualisiert oder übersetzt ohne mit anderen Bestandteilen zu werden; Musik einem anderen Wenn Inhalte nicht bearbeitet könnte nicht neu Gesamtwerk vergemixt oder gesamschmolzen zu weroder angepasst werden könpelt, Videosequenden, lautet die zen könnten nicht Antwort im Allgenen, entfallen viele Vorteile gemashed werden. meinen „ja“. für die kulturelle Allmende. Darüber hinaus sind einige der zu NC• Die Erstellung von Lizenzen genannten Nachteile auch bei Bearbeitungen als solche wird vom ND-Lizenzen zu berücksichtigen. Wie auch ND-Modul nicht untersagt, nur deren bei der NC-Restriktion ist es beispielsweise Veröffentlichung. wenig sinnvoll, sie vorzusehen, wenn man nicht gewillt oder in der Lage ist, ihre EinDie Klassifizierung gibt lediglich mein Verhaltung auch durchzusetzen. Zudem führt ständnis wider. Einige Projekte, die NDauch der ND-Vorbehalt zu zusätzlichen Lizenzen verwenden, bieten eventuell Rechtsunsicherheiten, weil seine Auslegung eigene Erklärungen. In diesem Fall wird gerade in Grenzfällen häufig unklar ist. immer empfohlen, sich an die Richtlinien Rechtsunsicherheiten haben eine abschredes betreffenden Projekts zu halten.

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3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

ckende Wirkung, die sich auf die Verbreitung des Materials potenziell negativ auswirkt. Letztlich hängt auch die Entscheidung, ob eine ND-Lizenz sinnvoll und geeignet ist, stark von den Umständen des Einzelfalls ab. Allgemein betrachtet mögen sie z. B. für manche Inhalte tendenziell besser geeignet sein als für andere, gleiches gilt für unterschiedliche Nutzungsszenarien. Material mit informativem Zweck kann beispielsweise erheblich davon profitieren, dass es ohne individuelle Erlaubnis geändert werden kann. Auf diesem Weg können Fehler leichter behoben und Aktualisierungen schneller vorgenommen werden. Ein Projekt wie Wikipedia könnte zum Beispiel unter einem ND-Lizenzsystem nicht funktionieren, da es auf einen hohen Aktualitätsgrad angewiesen ist, der nur von einer großen Community aufrechterhalten werden kann. Bei Bildungsressourcen ist zu bedenken, dass sie geändert und übersetzt werden können, um sie in anderen Teilen der Welt oder für verschiedene Zielgruppen nutzbar zu machen. Deshalb sollten „Open Educational Resources“ (OER, freie Lehr- und Lernmaterialien) nicht unter ND-Lizenzen gestellt werden. Werke hingegen, die einem rein ästhetischen Zweck dienen (wie Musik oder Filme) können im eigentlichen Sinn des Wortes nicht „verbessert“ werden. Ob sie gut sind oder nicht, liegt im Auge des Betrachters. Daher besteht objektiv betrachtet kein vitales Interesse an einer durch die Lizenz eröffneten „Verbesserungsmöglichkeit“. Dennoch sei daran erinnert, dass die kulturelle Allmende nur von Inhalten profitieren kann, die auch neu gemixed, kombiniert, in Mash-Ups oder Collagen eingefügt werden können. Wer dieses Ziel verfolgt, für den ist eine ND-Lizenz keine Option. CC selbst lehnt es ab, ND-Lizenzen den Status von „Open-Culture-Lizenzen“ zu verleihen. Allerdings gibt es Fälle, in denen objektive Faktoren dafür sprechen, die Integrität des

Werks durch eine ND-Lizenz zu schützen. Dies gilt zum Beispiel für „zertifizierte Informationen“, die für eine Regulierung benötigt werden und die von niemand anderem als von der zertifizierenden Stelle geändert werden sollten, wie z. B. technische Standards und andere Normen, einschließlich Rechtsnormen (soweit solche überhaupt urheberrechtlich geschützt sind). ND-Lizenzen können auch dazu dienen, um bestimmte Geschäftsmodelle zu unterstützen. Denkbar wäre beispielsweise, eine generische Version eines Textes zu veröffentlichen, der individuell angepasst werden muss, um in bestimmten Fällen nützlich oder verwendbar zu sein. Durch den Einsatz einer ND-Lizenz behielte sich der Veröffentlichende derartige Optimierungen oder Adaptionen vor und schützt damit sein Geschäftsmodell. Diese Beispiele zeigen, dass es aus objektiver Sicht in nur wenigen Fällen naheliegt, ND-Lizenzen zu verwenden. Der ND-Vorbehalt widerspricht in gewisser Weise den Grundprinzipien von Open Content und führt zu vielen Einschränkungen, die häufig gar nicht erwünscht sein werden. Eine Lizenz zu verwenden, die auch Bearbeitungen erlaubt, wäre – wenn man sich überhaupt für die Veröffentlichung als Open Content entscheidet – meist konsequenter. Wofür man sich entscheidet, steht natürlich jedem Lizenzgeber frei. Bei der Entscheidung sollten jedoch Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Open Educational Resources sind Lehr- und Lernmaterialien, die unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden, sodass sie geteilt, verändert und nachgenutzt werden können.

c) SA – Weitergabe unter gleichen Bedingungen Zwei CC-Lizenzen enthalten das ShareAlike-Modul. SA bedeutet, dass Bearbeitungen nur unter der ursprünglichen oder unter einer kompatiblen Lizenz veröffentlicht werden dürfen. Die SA-Klausel in der CCPL4 (Abschnitt 3b) besagt: „Neben den Bedingungen in Abschnitt 3(a) gelten folgende Voraussetzungen,

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

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wenn Sie von Ihnen produziertes bearbeitetes Material teilen. 1. Die von Ihnen verwendete BearbeiterLizenz muss eine Creative-CommonsLizenz mit denselben Lizenzmodulen in derselben oder einer späteren Version sein, oder eine mit BY-SA kompatible Lizenz. 2. Sie müssen den Text, eine URI oder einen Hyperlink zu der von Ihnen verwendeten Bearbeiter-Lizenz hinzufügen. Sie können diese Pflicht auf jede, dem Medium, Kontext oder Mittel, in dem bzw. durch das Sie die bearbeiteten Materialien teilen, angemessene Weise erfüllen. 3. Sie dürfen die Rechte an der Bearbeitung nicht durch zusätzliche Bedingungen einschränken und hierauf keine wirksamen technischen Maßnahmen anwenden, die die Ausübung der Rechte beschneidet“ (eigene Übersetzung). Zusammengefasst bedeutet das, dass der Bearbeiter (der eine geänderte Version des lizenzierten Materials Das SA-Modul soll sicherveröffentlicht) an die stellen, dass Modifikationen vom ursprünglichen Lizenzgeber gewählten von hierunter stehenden Lizenzbedingungen gebunden ist. Der BearInhalten stets nur unter beiter darf die Freiheiten den gleichen Bedingungen der Nutzer auch für seine Fassung nicht weiter geteilt werden können. einschränken, gleich ob durch restriktivere Lizenzbedingungen oder durch technische oder andere Maßnahmen. Der Sinn dieser „ansteckenden Freiheit“ ist leicht erklärt: Für das Werk in all seinen Ausprägungen sollen die gleichen Nutzungsfreiheiten gelten. Vor dem Hintergrund dieses Arguments macht die Regelung tatsächlich Sinn: Lizenzen ohne SA-Modul erlauben es Dritten,

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3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

sich den Inhalt „anzueignen“. So könnte eine Plattenfirma einen Song, der unter einer CC BY-Lizenz veröffentlicht wurde, neu mixen und das Ergebnis „unfrei“ vermarkten (d. h. kommerziell oder gegen Lizenzgebühren). SA-Klauseln verhindern solche Aneignungsmöglichkeiten durch ihre ansteckende Wirkung auf jede Art von Bearbeitung. Wann gilt die SA-Bedingung? SA gilt für die Veröffentlichung von bearbeitetem Material. Die Regel gilt daher nur, wenn das Material a) bearbeitet und b) außerhalb der Privatsphäre mit anderen geteilt bzw. Dritten zugänglich gemacht wird. SA verpflichtet dabei niemanden, bearbeitetes Material zu teilen. Im Gegenteil – es ist absolut legitim, ein Werk zu bearbeiten und die neue Fassung für sich zu behalten.94 Was bedeutet SA? Welche Lizenz muss ich für die Veröffentlichung von bearbeitetem Material verwenden? Es gibt drei Optionen, bearbeitetes SAMaterial zu lizenzieren, d. h. drei Optionen für die Bearbeiterlizenz:95 1. Das bearbeitete Material wird unter dieselbe SA-Lizenz gestellt wie das Original (z. B. CC BY-SA 3.0 International) oder unter einer spätere Version dieser Lizenz (z. B. CC BY-SA 4.0 International). 2. Das bearbeitete Material wird unter einer CC-Lizenz lizenziert, die dieselben Module enthält wie die ursprüngliche Lizenz. Dies gilt insbesondere für portierte Versionen. Ein bearbeitetes Foto, das ursprünglich unter CC BY-SA 3.0 (unported) lizenziert wurde, könnte somit unter CC BY-SA 3.0 für Deutschland lizenziert werden. Auch bei dieser Variante können spätere Versionen einer

Lizenz (z. B. CC BY-SA) gestellt werden. Dies ist jedoch nicht möglich, weil sowohl die CC BY-SA-Lizenz als auch die CC BY-NC-SA-Lizenz sinngemäß sagen: „Sie dürfen den Mash-up nur unter diesen Lizenzbedingungen verteilen und dürfen ihnen keine zusätzlichen Beschränkungen 3. Das bearbeitete Material wird unter hinzufügen.“ Da die Lizenzbestimmung einer mit CC BY-SA „kompatiblen Livon CC BY-SA und CC BY-NC-SA unterzenz“ lizenziert. Kompatible Lizenzen sind von CC genehmigte Lizenzen (siehe schiedlich sind – letztere verbietet die kommerzielle Nutzung – kann der BearbeiAbschnitt 1c des Rechtstextes). Derzeit ter die SA-Regeln nicht einhalten. Entweder besteht hierfür eine einzige Option, er verstößt gegen die SA-Klausel der einen nämlich die Free Art License 1.3, die oder der anderen Lizenz. von Creative Commons als erste kompa96 Man spricht in diesem Fall von einer tible Lizenz anerkannt wurde. „Lizenzinkompatibilität“. Eine Lizenzinkompatibilität ist eine Situation, in der der Laut Abschnitt 3.b.3 des Rechtstextes darf Nutzer nur eine von zwei oder mehreren der Bearbeiter die Nutzung seiner Version widersprüchlichen keinen zusätzlichen Lizenzinkompatibilitäten Lizenzbedingungen Bedingungen oder Einschränkungen unter- gefährden die Nutzbarkeit erfüllen kann, während er zwangsläufig gegen werfen. Mit anderen von freien Inhalten und andere Regelungen Worten: Würde ein verstößt. LizenzinkomBearbeiter die urdamit die kulturelle Allpatibilitäten sind ein sprüngliche Lizenz mende. großes Problem für die (z. B. CC BY-SA 4.0) Open-Culture-Bewefür seine Version vergung, da deren zentrale Idee darin besteht, wenden, die Rechte in seinen Allgemeinen dass Inhalte der kulturellen Allmende Geschäftsbedingungen oder Vertragszusätgemixt, neu kombiniert und angeordnet zen zur CC-Lizenz jedoch einschränken, 97 sowie in neue Zusammenhänge gestellt würde er gegen die SA-Klausel verstoßen. werden können. Lizenzinkompatibilitäten unterbinden Mixen von SA-Material mit Open Content viele potenzielle Nutzungen und verstärken unter verschiedenen Lizenzen – das Probdie Rechtsunsicherheiten, die beim kreatilem der Lizenzinkompatibilität ven Umgang mit fremdem Material, u. a. im Wege des Remixing und Mashing, einhergeWie oben erklärt, verlangt SA von den hen, immens. Die Dimension des Problems Bearbeitern, ihr geändertes Material unter derselben oder einer kompatiblen Lizenz zu der Lizenzinkompatibilität wird durch die Tatsache illustriert, dass selbst die meisten lizenzieren, wenn es veröffentlicht wird. Angenommen ein Bearbeiter würde VideoCC-Lizenzen untereinander nicht kompatibel sind, ganz zu schweigen von anderen clips zu einem Mash-up zusammenfügen, Open-Content-Lizenzformen. Dies führt zu die teils unter CC BY-SA, CC BY-NC und dem unerwünschten Ergebnis, dass Inhalte CC BY-NC-SA lizenziert sind: Da die einmit verschiedenen Lizenzen nicht kombizelnen Bestandteile des Mash-ups ein neues niert werden können. Ganzes bilden, muss die Kombination, der Mash-up, vollständig unter eine einzelne portierten Version verwendet werden. Unter der CCPL4 könnte diese zweite Option jedoch obsolet werden, da bis heute keine portierten Versionen der Lizenzen existieren.

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Tabelle 3: Mögliche Kombinationen von CC-Inhalten101

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Tabelle 398 zeigt, dass 32 von 64 Möglichkeiten, CC-Werke unter verschiedenen Lizenzen zu einem Remix, Mash-up oder einer anderen Werkverbindung zu kombinieren, nicht zulässig sind.99 Die Tabelle zeigt auch, dass die Möglichkeiten, Inhalte mit anders lizenzierten Inhalten kombinieren zu können umso geringer sind, je restriktiver die involvierten Lizenzen sind. Dies hat einen einfachen Grund: NC-Material kann zum Beispiel nicht in einen Remix integriert werden, dessen Lizenz die kommerzielle Nutzung erlaubt. Denn hierdurch würde auch die kommerzielle Nutzung des NC-Materials, das ja einen Teil des Remixes bildet, gestattet. SA-Material kann ohnehin nur mit Inhalten kombiniert werden, die unter derselben oder einer Lizenz stehen, die einen identischen Inhalt hat (und daher kompatibel ist). Soll SA-Material mit anders lizenzierten Inhalten kombiniert werden, ist das nur möglich, wenn die anderen Lizenzen erlauben, dass Werkverbindungen insgesamt auch unter der SA-Lizenz veröffentlicht werden dürfen. Kombinationen

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3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

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von CC BY-SA- und CC BY-Inhalten könnten beispielsweise gemeinsam unter CC BY-SA lizenziert werden, weil die CC BY-Lizenz dies erlaubt. Anmerkung zum Problem der Lizenzinkompatibilität im Allgemeinen und zu SA-Lizenzen im Besonderen Trotz vieler Bemühungen, das Lizenzinkompatibilitätsproblem auf die eine oder die andere Weise zu lösen, wurden bisher kaum Erfolge erzielt. Dabei liegt hierin ein Schlüsselfaktor für den Erfolg des gesamten Systems. Ein „Creative Commons“ im eigentlichen Sinn des Begriffs – kreative Allmende – kann ihren Zweck nur erfüllen, wenn die darin enthaltenen Inhalte auf kreative Weise (wieder-) verwendet werden können. Steht dem entgegen, dass die Inhalte unter vielen verschiedenen Lizenzen veröffentlicht werden, die miteinander nicht kompatibel sind, gerät das Ziel in Gefahr. Lizenzinkompatibilitäten stehen auch dem Ansatz von Creative Commons entgegen, heute übliche Kultur-

techniken wie Remixing und Mashing, rechtlich möglich zu machen. Da SA-Lizenzen (wie alle restriktiven Lizenzen) das Problem der Lizenzinkompatibilität vergrößern, sollte ihre Verwendung gründlich überdacht werden. Vom Grundsatz her ist das Prinzip des SA-Moduls überzeugend: Freie Inhalte sollen in all ihren Formen und Entwicklungsstufen frei verfügbar und nutzbar bleiben.101 Lizenzen ohne dieses Element ermöglichen es Dritten unter Umständen, sich Open Content anzueignen, indem sie weiterentwickelte Versionen der kulturellen Allmende entziehen. Auf der anderen Seite sind liberalere Lizenzen wie CC BY einfacher zu handhaben und haben insofern ihre Vorteile. Sie entfalten im Zweifel mehr Anreize für die Nutzung des Inhalts. Letztendlich muss der Lizenzgeber verschiedene Ziele gegeneinander abwägen: Zu überlegen ist, ob es wichtiger ist, die Offenheit des Materials zu gewährleisten (in diesem Fall wäre die CC BY-SA-Lizenz die geeignete) oder so viel Nutzungsinteresse wie möglich zu generieren (in diesem Fall sollte die CC BY-Lizenz verwendet werden).

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Anmerkungen 1 Hier wird das CC-Lizenzmodell erklärt: https://creativecommons.org/licenses/?lang=de. 2 Sofern nicht anders angegeben, beziehen sich alle Hinweise auf CC-Lizenzen auf Version 4 (CCPL4). Zu den einzelnen Lizenzversionen siehe Kapitel 3.1. 3 Normalerweise wird der Lizenzgeber verlangen, dass sein wirklicher Name genannt wird. Wird auf dem lizenzierten Material jedoch ein Pseudonym genannt oder wurde es anonym veröffentlicht, muss der Nutzer dies ebenfalls angeben. 4 Siehe zu Details des SA-Moduls Kapitel 3.5, Abschnitt c. 5 Der Ausdruck „Lizenz des Bearbeiters“ wird in Abschnitt 1b des Rechtstextes definiert. Er bezieht sich auf die Lizenz, die ein Bearbeiter verwendet, um seine modifizierte Version des Werkes zu veröffentlichen. 6 Siehe hierzu Kapitel 3.1, Abschnitt b. 7 Siehe: http://ocw.mit.edu/index.htm. 8 Text siehe: http://creativecommons.org/ publicdomain/zero/1.0/legalcode. 9 Siehe z. B. Kreutzer, 2011. Validity of the Creative Commons Zero 1.0 Universal Public Domain Dedication and its usability for bibliographic metadata from the perspective of German Copyright Law; https://rdalliance.org/sites/default/files/cc0-analysis-kreuzer.pdf. 10 Siehe CC0 Abschnitt 3, dem zufolge die Person, die die CC0 für ihr Werk verwendet („Affirmer”) „allen betroffenen Personen eine lizenzgebührenfreie, nicht übertragbare, nicht unterlizenzierbare, nicht-exklusive, unwiderrufliche und bedingungslose Lizenz erteilt ...” (eigene Übersetzung). Kurz gesagt: Diese RückfallLizenz lässt jegliche Nutzung ohne Bedingungen zu. 11 Zu diesen Fragen siehe: Kreutzer, 2011. Validity of the Creative Commons Zero 1.0 Universal Public Domain Dedication and its usability for bibliographic metadata from the perspective of German Copyright Law; https://rd-alliance.org/sites/default/files/cc0analysis-kreuzer.pdf. 12 Nähere Informationen über den Europeana Public Domain Calculator siehe: http://outofcopyright.eu. 13 Überblick siehe unter: creativecommons.org/version4. Einen detaillierteren Vergleich mit Hinweisen auf die verschiedenen Entwürfe der CCPL4 und den Entwurfsprozess siehe hier: http://wiki.creativecommons.org/4.0. 14 Nähere Informationen über die Geschichte dieses Prozesses und den Ansatz von CC International siehe: Maracke, 2010. Creative Commons International. The International License Porting Project. JIPITEC, Bd. 1, Ausg. 1, S. 4-18; https://www.jipitec.eu/issues/ jipitec-1-1-2010/2417. 15 Catharina Maracke, ehemalige Leiterin des CC-International-Projekts, schreibt in dem oben erwähnten Artikel (s. Endnote 14, S. 6): „Ziel dieses internationalen Portierungsprojekts ist es, ein mehrsprachiges Modell des Lizenzsets zu schaffen, das in Rechtsordnungen in aller

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Welt durchsetzbar ist“ (eigene Übersetzung). 16 Die nicht portierten CC-Lizenzen sind weder sprachlich noch in Bezug auf die Regulierung auf eine bestimmte Rechtsordnung ausgerichtet, d. h. sie sollten nicht mit den (nationalen) US CC-Lizenzen verwechselt werden. Laut Abschnitt 8f CCPL3 basiert die Terminologie der nicht portierten Lizenzen auf internationalen Urheberrechtsverträgen wie der Berner Übereinkunft zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst, dem Abkommen von Rom oder dem WIPO-Urheberrechtsvertrag. Siehe: http://wiki.creativecommons.org/Version_3#Further_ Internationalization. 17 Ein weiteres Problem mit der Anwendung von USLizenzen in Europa kann durch Bestimmungen zum Schutz der Urheberpersönlichkeitsrechte entstehen. In einigen Ländern wie in den USA kann durch vertragliche Vereinbarungen auf die Urheberpersönlichkeitsrechte verzichtet werden (z. B. durch eine Lizenz). In kontinentaleuropäischen Ländern, die Autorenrechte großschreiben, wie Frankreich oder Deutschland, kann nicht auf sie verzichtet werden und sie können nicht an Dritte abgetreten oder eingeschränkt lizenziert werden. 18 Selbst wenn für die transnationale Lizenzierung portierte Lizenzversionen verwendet werden, können verschiedene Probleme auftreten, insbesondere im Bereich des internationalen Privatrechts, das in solchen Fällen das anzuwendende Recht vorgibt. Auf diese Fragen kann in diesem Leitfaden nicht eingegangen werden. Nähere Informationen siehe: Maracke, 2010. Creative Commons International. The International License Project. JIPITEC, Bd. 1, Ausg. 1, Randnummern 33-38; https://www.jipitec.eu/issues/jipitec-1-1-2010/2417 und Jaeger/Metzger, 2011. Open Source Software. 3. Auflage. Beck, München. Randnummern 381-382. 19 Siehe: https://wiki.creativecommons.org/Frequently_ Asked_Questions#What_if_CC_licenses_have_not_ been_ported_to_my_jurisdiction_.28country.29.3F. Allerdings sollen nach und nach offizielle Übersetzungen der internationalen Version bereitgestellt werden. 20 Eine solche Klausel gibt dem Lizenznehmer die Möglichkeit zu entscheiden, ob er das Material unter der aktuellen oder unter einer späteren Lizenzfassung verwenden möchte (nach Veröffentlichung einer neuen Lizenzversion). Neu eingeführte Lizenzversionen können sich dadurch schneller verbreiten. Abschnitt 14 der GNU General Public License Version 3 ist ein Beispiel für eine solche Klausel. 21 Allerdings sind auch die internationalen Versionen in vielen verschiedenen Sprachen verfügbar. 22 Die internationalen/nicht portierten Lizenzen enthalten keine Rechtswahlklausel. Die Klausel, die die Systeme in CCPL3 (Abschnitt 8f des Rechtstextes) behandelte, wurde nicht in CCPL4 aufgenommen. 23 Die Festlegung des anzuwendenden Rechts hängt von den Bestimmungen des „internationalen Privatrechts“ ab, die von Land zu Land variieren können. Ohne Rechtswahlklausel in der Lizenz kann es vorkommen, dass für eine Lizenz, die zwischen einem kanadischen Rechteinhaber und einem spanischen Nutzer geschlossen wurde, nach kanadischem Recht ein anderes Recht anzuwenden ist als nach spanischem Recht. Das kann bewirken, dass das

anzuwendende Recht von einer Lizenzgeber-Lizenznehmer-Beziehung zur anderen verschieden ist. 24 Es liegt auf der Hand, dass nur Nutzer, die der französischen Sprache mächtig sind, einen französischen Lizenztext verstehen können. Außerdem enthalten die nationalen Lizenzen normalerweise spezifische Bestimmungen der jeweiligen Rechtsordnung. Ihre Interpretation kann sich sogar für ausländische Rechtsanwälte, die Muttersprachler sind, als schwierig erweisen (z. B. frankokanadische Rechtsanwälte, die französisches Recht anwenden müssen). 25 Angenommen, in der Wikipedia würde eine französische Portierung der CC-Lizenz verwendet und ein russischer Nutzer (Lizenznehmer) verwendet in seinem Blog den Artikel eines brasilianischen Wikipedia-Autors. Hier wäre das durch die portierte Lizenz zur Anwendung gebrachte französische Recht beiden Parteien der Lizenz fremd. 26 Die Bestimmung ist nicht einfach zu entdecken. Sie findet sich in Abschnitt 2.a.5.B des Rechtstextes der CC BY-SA 4.0 und lautet wie folgt: „Zusätzliches Angebot des Lizenzgebers – bearbeitetes Material. Jede Person, die von Ihnen bearbeitetes Material erhält, erhält automatisch auch ein Angebot des Lizenzgebers, die Nutzungsrechte an dem bearbeiteten Material unter den Bedingungen der von Ihnen angewendeten BearbeiterLizenz auszuüben“ (eigene Übersetzung). Siehe: http:// creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode. 27 Dies gilt zumindest solange, wie der Bearbeiter die Bestimmungen des SA-Moduls einhält und für seine Fassung eine zulässige Bearbeiter-Lizenz wählt. Wäre dies jedoch nicht der Fall, z. B. weil der Bearbeiter für seine Version eines Werkes, das ursprünglich unter CC BY-SA lizenziert war, eine CC BY-SA-NC wählt, würde er gegen die Lizenzverpflichtungen verstoßen. Dies würde dazu führen, dass die Lizenz für seine Version des Werkes wegen der „automatic termination clause“ bis zur Behebung des Verstoßes unwirksam wäre. Siehe: Kapitel 3.4, Abschnitt i. 28 Natürlich können und müssen Bearbeiter ihre Versionen des Werkes selbst lizenzieren. 29 Die Urheberrechtsgesetze enthalten mitunter auch Schranken, die es erlauben, geschütztes Material ohne Zustimmung weiterzugeben, z. B. im Rahmen der wissenschaftlichen Forschung. Die NC-Einschränkung ist die einzige Lizenzbeschränkung, die auch interne Nutzungen betrifft. Gemäß Abschnitt 2.a.1.A des Rechtstextes der CC-NC-Lizenzen erlauben diese die „Vervielfältigung“ nur für nicht-kommerzielle Nutzungen, d. h. die NCRestriktion schränkt nicht nur Nutzungen ein, die sich an die Öffentlichkeit richten, sondern auch interne Nutzungen. Hiernach ist es einem Unternehmen z. B. nicht gestattet, einen NC-Inhalt für interne Zwecke zu kopieren. 30 Interpretation des Begriffs „öffentlich“ siehe folgenden Abschnitt. 31 Das Teilen über passwortgeschützte Server, zu denen nur bestimmte Nutzer Zugang haben, ist z. B. völlig konform mit der SA-Bestimmung. Siehe FAQ: http://wiki.creativecommons.org/Frequently_Asked_ Questions#Can_I_share_CC-licensed_material_on_ password-protected_sites.3F.

32 Siehe: EuGH Fall C-135/10 - Società Consortile Fonografici (SCF) vs. Marco Del Corso, Randziffer 85; http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf? text=&docid=120443&pageIndex=0&doclang= DE&mode=lst&dir=&occ=first&part=1&cid=298306. Hier stellt der EuGH unter anderem fest, dass die Patienten einer Zahnarztpraxis keine „Personen im Allgemeinen“ sind, sondern eine eher private, nicht offene Gruppe bilden. Demzufolge sind „private Gruppen“ nicht nur Freunde und Familienangehörige, sondern können auch Personen sein, die in keiner persönlichen Beziehung zueinander stehen. 33 Laut dem Urteil des EuGH bilden die Patienten einer Zahnarztpraxis keine große Gruppe, für die dieses Kriterium gilt. Siehe: EuGH Fall C-135/10 - Società Consortile Fonografici (SCF) vs. Marco Del Corso, Randziffer 84; http://curia.europa.eu/juris/document/ document.jsf?text=&docid=120443&pageIndex= 0&doclang=DE&mode=lst&dir=&occ=first&part=1&c id=298306. 34 Bei den Patienten der Zahnarztpraxis ging der EuGH jedoch nicht davon aus, dass die nacheinander die Praxis besuchenden Patienten letztendlich eine öffentliche Gruppe bilden. Siehe: http://curia.europa.eu/juris/ document/document.jsf?text=&docid=120443&pageIn dex=0&doclang=DE&mode=lst&dir=&occ=first&part= 1&cid=298306. 35 In dem Fall der Zahnarztpraxis nahm der EuGH an, dass die Einnahmen einer Zahnarztpraxis nicht steigen, wenn in den Praxisräumen Radiosendungen gespielt werden. Dies wurde ebenfalls als Indiz gegen die Annahme gewertet, dass sich dessen Nutzungen an eine Öffentlichkeit richten. Siehe: EuGH Fall C-135/10 Società Consortile Fonografici (SCF) vs. Marco Del Corso, Randziffer 88; http://curia.europa.eu/juris/ document/document.jsf?text=&docid=120443& pageIndex=0&doclang=DE&mode=lst&dir=&occ=first& part=1&cid=298306. In einem anderen Fall stellte der EuGH jedoch fest, dass die Möglichkeit für Hotelgäste, Fernsehprogramme zu empfangen, für einen Hoteleigentümer sehr wohl wesentliche geschäftliche Auswirkungen hat. Siehe: EuGH Fall C-306/05, Sociedad General de Autores y Editores de España (SGAE) vs. Rafael Hoteles SA, Randziffer 44; http://curia.europa.eu/juris/showPdf.jsf?text=&docid= 66355&pageIndex=0&doclang=EN&mode=lst&dir= &occ=first&part=1&cid=300896. 36 Wenn sich z. B. jemand im Park eine Radiosendung anhört, beabsichtigt er nicht, die Passanten zu unterhalten – es liegt somit keine öffentliche Nutzung vor. 37 Siehe: EuGH, Fall C-466/12, Nils Svensson et al. vs. Retriever Sverige AB, Randziffer 24; http://curia.europa. eu/juris/document/document.jsf?docid=147847& doclang=DE. 38 Der EuGH stellte in seinem Urteil, Randziffer 29, auch fest, dass es ohne Belang ist, ob „das Werk bei Anklicken des betreffenden Links durch die Internetnutzer in einer Art und Weise erscheint, die den Eindruck vermittelt, dass es auf der Seite erscheint, auf der sich dieser Link befindet, obwohl es in Wirklichkeit einer anderen Seite entstammt“. Das könnte bedeuten, dass die Einbettung von Inhalten, z. B. YouTube-Videos, keine

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Bereitstellung im Sinne des Urheberrechts darstellt und daher keine Genehmigung seitens des Rechteinhabers erfordert. 39 Die Unterscheidung zwischen kommerziellen und nicht-kommerziellen Nutzungen wird nur in Bezug auf die CC-NC-Lizenzen relevant (siehe Kapitel 3.5, Abschnitt a). Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass das Urheberrecht eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen kommerziellen und nicht-kommerziellen Nutzungen macht. Die wichtigste Grenze zwischen erlaubten und zustimmungspflichtigen Handlungen verläuft jedoch zwischen öffentlichen und nicht öffentlichen Nutzungen. 40 Dies gilt zumindest aus Urheberrechtssicht. Siehe: Jaeger/Metzger, 2011. Open Source Software. 3. Auflage. Beck, München. Randnummer 46; Meeker, 2012. The Gift that Keeps on Giving – Distribution and Copyleft in Open Source Software Licenses. International Free and Open Source Software Law Review, Bd. 4, Ausg. 1, S. 32. 41 Abschnitt 3.a.2 des Rechtstextes besagt: „Sie können die Bedingungen von Abschnitt 3(a)(1) bezüglich Medium, Kontext und Mittel, in dem bzw. durch das Sie das lizenzierte Material verwenden, auf jede angemessene Weise erfüllen. Die Bedingungen können z. B. in angemessener Weise erfüllt werden, indem Sie einen URI oder einen Hyperlink zu einer Ressource einfügen, die die erforderlichen Informationen enthält“ (eigene Übersetzung). Details siehe CC FAQ: https://wiki.creativecommons.org/Frequently_Asked_ Questions#Can_I_insist_on_the_exact_placement_ of_the_attribution_credit.3F und https://wiki.creativecommons.org/Frequently_Asked_ Questions#How_do_I_properly_attribute_material_ offered_under_a_Creative_Commons_license.3F. 42 Siehe: https://wiki.creativecommons.org/ Frequently_Asked_Questions#How_do_I_properly_ attribute_material_offered_under_a_Creative_ Commons_license.3F. 43 Siehe: http://wiki.creativecommons.org/Marking/ Users. Eine weitere informative Quelle ist ein Leitfaden von CC Australien über die Namensnennung in CCLizenzmaterial: http://creativecommons.org.au/ content/attributingccmaterials.pdf. 44 Siehe: https://wiki.creativecommons.org/ Frequently_Asked_Questions#How_do_I_properly_ attribute_material_offered_under_a_Creative_ Commons_license.3F. 45 Siehe: https://wiki.creativecommons.org/ images/6/6f/Making_BY-NC_ (comparison).pdf. 46 Siehe: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/ LexUriServ.do?uri=CELEX:31996L0009:EN:HTML. 47 Laut den deutschen CCPL3-Lizenzen verzichtet der Lizenzgeber auf alle Datenbankrechte (siehe Abschnitt 3 des Rechtstextes, letzter Satz). Ein solcher Verzicht bewirkt, dass der Lizenzgeber das Datenbankherstellerrecht gänzlich aufgibt. Damit erlischt es vollständig und es kann keine Lizenz mehr erteilt werden (keine Rechte, keine Lizenzierung). 48 Im CC-Wiki findet man weitere Informationen über

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die Kennzeichnung von Werken mit CC-Lizenz in verschiedenen Nutzungsfällen. Details siehe: http://wiki.creativecommons.org/Marking_your_work_ with_a_CC_license. 49 Wenn allerdings ein Nutzer eine unter CC lizenzierte Datenbank in einem Rechtsraum verwendet, in der das anwendbare Recht kein Datenbankherstellerrecht vorsieht, ist er auch nicht an die Lizenzverpflichtungen gebunden. CC betrifft keine Rechte, die durch die anwendbare Rechtsordnung nicht gewährt werden. Existiert kein Immaterialgüterrecht geht die CC-Lizenz ins Leere und muss nicht beachtet werden. Siehe: Abschnitt 2.a.2 des Rechtstextes. 50 Siehe zur Erklärung weiterer Details: https:// wiki.creativecommons.org/Frequently_Asked_ Questions#If_my_use_of_a_database_is_restricted_ by_sui_generis_database_rights.2C_how_do_I_ comply_with_the_license.3F. 51 Abgesehen davon untersagt es Abschnitt 2.a.6 des Rechtstextes ausdrücklich, eine Beziehung zum Lizenzgeber zu behaupten („no endorsement“). Die Klausel lautet: „Keine Bestimmung dieser freien Lizenz erlaubt Ihnen oder ist als Erlaubnis auszulegen, zu behaupten oder anzudeuten, dass Sie mit dem Lizenzgeber oder Dritten, deren Namen gemäß Abschnitt 3(a)(1)(A)(i) genannt werden müssen, verbunden sind, von ihnen gesponsert oder unterstützt werden oder von ihnen einen offiziellen Status eingeräumt bekommen haben“ (eigene Übersetzung). 52 Siehe Abschnitt 4d CCPL3 Deutschland: https:// creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/legalcode. 53 Der Lizenztext, Abschnitt 2.b.1 des Rechtstextes, besagt: „Diese freie Lizenz lizenziert keine Urheberpersönlichkeitsrechte wie das Recht auf Unantastbarkeit des Werkes, Publizitätsrechte, das Recht auf Privatsphäre und/oder andere ähnliche Persönlichkeitsrechte; der Lizenzgeber verzichtet jedoch so weit wie möglich auf solche Rechte und/oder verpflichtet sich, diese nicht geltend zu machen, soweit dies notwendig ist, um Ihnen die Ausübung der Lizenzrechte (aber keine anderen Zwecke) zu ermöglichen“ (eigene Übersetzung). 54 Diese Bestimmung gilt jedoch nicht für Marken- oder Patentrechte. Diese werden in einer anderen Klausel behandelt (siehe Kapitel 3.4, Abschnitt e). 55 Für Rechtssysteme, die keinen Verzicht auf Urheberpersönlichkeitsrechte erlauben, sieht die Klausel eine Ausweichoption in Form eines Nichtangriffspaktes (Non-Assertion Pledge) vor, d. h. der Lizenzgeber verzichtet nicht auf die Rechte, sondern verpflichtet sich nur, sie nicht geltend zu machen. 56 Solche Fragen sind insbesondere für Inhalte relevant, die unter Lizenzen veröffentlicht wurden, die Änderungen erlauben. Denn gerade Modifikationen können in Urheberpersönlichkeitsrechte eingreifen. Sie können jedoch auch für die Verwendung unveränderter Kopien von grundlegender Bedeutung sein. Der urheberpersönlichkeitsrechtliche Entstellungsschutz kann so weit gehen, dass er sich auch auf die Nutzung von an sich unveränderten Werkkopien erstreckt. Hiernach kann – ob das so ist, hängt vom anwendbaren Recht ab – z. B. das Einstellen des originalen Werks in einen veränderten Kontext eine

Entstellung darstellen, die durch eine Standard-Lizenz wie eine CCLP nicht gestattet werden kann. Ein Beispiel hierfür ist der bereits genannte Fall einer Nutzung von Fotos für politische Kampagnen, beispielsweise einer rechtsradikalen Partei. 57 Siehe „Bewusste Aufgabe der Kontrolle“ in Kapitel 2.3, Abschnitt c. 58 Inwieweit der Nutzer haftet und mit welchen Ansprüchen er sich konfrontiert sehen könnte, hängt vom anzuwendenden Recht ab. Gerade Unterlassungsansprüche sind häufig verschuldensunabhängig. Wenn ein Nutzer ein Bild postet, für dessen Veröffentlichung der Lizenzgeber nicht die notwendigen Einwilligungen der abgebildeten Personen eingeholt hat, kann er auf Unterlassung in Anspruch genommen werden und abgemahnt werden. Und zwar unabhängig davon, ob er von der mangelnden Befugnis des Lizenzgebers wusste oder auch nur wissen konnte. 59 Aus diesem Grund enthielten viele CCPL3-Portierungen für EU-Mitgliedstaaten zur Anpassung an die nationale Gesetzgebung bearbeitete Haftungsausschlüsse. 60 Siehe: Richtlinie 2001/29/EG, Art. 6, die sogenannte Informationsgesellschafts-Richtlinie oder Information Society Directive. 61 Die relevante Klausel von CCPL3, die diese Bestimmung enthielt, wurde in CCPL4 gestrichen. Abschnitt  7.a CCPL3 besagt: „Mit natürlichen oder juristischen Personen, die Abwandlungen des Schutzgegenstandes oder diesen enthaltende Sammelwerke unter den Bedingungen dieser Lizenz von Ihnen erhalten haben, bestehen nachträglich entstandene Lizenzbeziehungen jedoch solange weiter, wie die genannten Personen sich ihrerseits an sämtliche Lizenzbedingungen halten.“ Aus rechtlicher Sicht versteht sich dies von selbst, sodass die Streichung dieser Klausel wohl keine Änderung der Lizenzbestimmungen gegenüber CCPL3 bedeutet. Siehe: https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/ de/legalcode. 62 Siehe Erklärung in den FAQ: https://wiki.creativecommons.org/Frequently_Asked_Questions#How_can_I_ lose_my_rights_under_a_Creative_Commons_ license.3F_If_that_happens.2C_how_do_I_get_them_ back.3F. 63 Siehe hierzu den Verweis in Endnote 62. 64 Eine Studie über die Verbreitung verschiedener CC-Lizenzen in bestimmten Kontexten ergab, dass z. B. fast 70 % aller Bilder, die auf Flickr unter einer freien Lizenz veröffentlicht wurden, unter einer NC-Lizenz veröffentlicht wurden. Siehe dazu: http://cc.d-64.org/ wp-content/uploads/2014/03/CC_in_zahlen_ infografik2.pdf. Eine Analyse der Directory of Open Access Journals (ebenfalls in dieser Studie enthalten) ergab, dass 45 % der Artikel als nicht-kommerziell lizenziert waren, allerdings waren auch 52,5 % unter CC BY lizenziert. 65 Dies wird durch die Tatsache unterstrichen, dass die License Deeds der NC-Lizenzen sowie der ND-Varianten das Logo „Approved for Free Culture Works” (übersetzt etwa „Geeignet für Werke der freien Kultur“) nicht enthalten.

66 Siehe „Vor- und Nachteile von NC-Lizenzen“ in Kapitel 3.5, Abschnitt a. 67 Zu Vor- und insbesondere Nachteilen von NC-Lizenzen siehe: Klimpel, 2013. Freies Wissen dank CreativeCommons-Lizenzen: Folgen, Risiken und Nebenwirkungen der Bedingung „nicht-kommerziell – NC“; https://wikimedia.de/w/images.homepage/a/a2/ IRights_CC-NC_Leitfaden_web.pdf. 68 Siehe: http://de.creativecommons.org/2013/11/25/ version-4-0-ist-da/. 69 Siehe Abschnitt 1.d. des Rechtstextes: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/ legalcode. 70 Siehe Blogpost auf der CC-Webseite (mit Links zu allen Materialien): http://wiki.creativecommons.org/ Defining_Noncommercial. 71 Aus rechtlicher Sicht können die Ergebnisse der Studie lediglich als Grundlage für Risikoanalysen herangezogen werden. Wenn eine breit angelegte Untersuchung zum Ergebnis hat, dass die Urheber bestimmte Nutzungen nicht als kommerziell ansehen (oder umgekehrt), besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass auch andere Lizenzgeber diese Meinung teilen. Offensichtlich ist es jedoch weder garantiert, dass diese Einschätzung auf jeden Einzelfall übertragen werden kann, noch lässt eine solche Erkenntnis zwingende rechtliche Schlüsse zu. 72 Die Studie gibt lediglich die Wahrnehmung bestimmter Gruppen von Lizenzgebern und Lizenznehmern wieder. Es wurden ausschließlich US-Urheber und -Nutzer befragt. Außerdem bezogen sich die Fragen nur auf Online-Inhalte. Bedauerlicherweise wird auch das anzuwendende Recht nicht berücksichtigt. Obwohl die Studie interessante Erkenntnisse zulässt, ist ihr Nutzen für die rechtliche Abgrenzung zwischen „kommerziell“ und „nicht-kommerziell“ gering. 73 Ein vor kurzem von einem deutschen Gericht entschiedener Rechtsstreit hat gezeigt, wie schwierig die Haltung der Gerichte in dieser Frage vorherzusehen ist. Ein Landgericht hatte entschieden, dass es eine kommerzielle Nutzung darstellt, wenn ein (nicht-kommerzieller) öffentlicher Rundfunksender auf seiner Webseite ein NC-Foto verwendet. Dass die Webseite des Senders kostenlos bereitgestellt wird und keine Anzeigen enthält, dass der Sender über Rundfunkgebühren finanziert wird und andere Fakten, die eindeutig gegen eine kommerzielle Nutzung sprechen, hat das Gericht nicht beeindruckt. Details siehe: http://www.irights.info/webschau/creativecommons-landgericht-koeln-sieht-deutschlandradio-alskommerziellen-nutzer/22162, und das Urteil: http:// www.lhr-law.de/wp-content/uploads/2014/03/ geschwärztes-Urteil-LG-Köln-2.pdf. Immerhin wurde diese Entscheidung mittlerweile in der Berufungsinstanz aufgehoben. Siehe: http://www.telemedicus.info/urteile/ Urheberrecht/1530-OLG-Koeln-Az-6-U-6014Auslegung-des-Begriffs-non-commercial-im-Rahmeneiner-CC-Lizenz.html. 74 Der Lizenztext stellt augenscheinlich bei der Unterscheidung vor allem auf die Art der Nutzung ab. Daraus könnte man schließen, dass es von nur untergeordneter Bedeutung oder gar irrelevant ist, ob die Tätigkeit des Nutzers allgemein als kommerziell oder nicht-kommerzi-

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

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ell zu bewerten ist. Dies würde jedoch m. E. die Sicht der Lizenzgeber und Lizenznehmer zu wenig berücksichtigen. Für die meisten Menschen wird die Einordnung des Nutzers erheblichen Einfluss auf die Frage haben, ob sie dessen Handlungen als kommerziell oder nicht-kommerziell ansehen. Mit anderen Worten: Sie werden bei dieser Abgrenzung zumindest im ersten Gedankenschritt danach unterscheiden, ob der Nutzer ein Unternehmen oder eine öffentliche Einrichtung ist. Die Ergebnisse der oben erwähnten Studie hinsichtlich des NC-Moduls stützen diese Annahme. Siehe: „Vor- und Nachteile von NC-Lizenzen“ in Kapitel 3.4, Abschnitt i. 75 Dies zeigt, dass die Abgrenzung nicht vorrangig oder gar ausschließlich von nutzerbezogenen Aspekten abhängt. Dies steht im Einklang mit den FAQ von Creative Commons, die besagen: „Bitte beachten Sie, dass die Definition von CC [in Bezug auf den Begriff non commercial] nicht auf den Nutzertyp abstellt: Auch wenn Sie eine gemeinnützige oder wohltätige Organisation sind, kann Ihre Nutzung eines unter einer NC-Lizenz lizenzierten Werkes gegen die NC-Einschränkung verstoßen, und selbst wenn Sie eine gewinnorientierte Einrichtung sind, ist Ihre Nutzung von NC-Material nicht zwingend untersagt. Ob eine Nutzung kommerziell ist, hängt von der spezifischen Situation und von den Absichten des Nutzers ab“ (eigene Übersetzung). Siehe: https://wiki. creativecommons.org/Frequently_Asked_Questions# Does_my_use_violate_the_NonCommercial_clause_of_ the_licenses.3F. Da die Absichten des Nutzers zumindest im Regelfall dessen genereller Ausrichtung (kommerziellgemeinnützig) entsprechen werden, liegt hierin jedenfalls ein wichtiges Indiz, auch für die Absichten im Einzelfall. 76 Ein Ausnahmefall, in dem dieses Indiz nicht greift, wäre z. B., wenn ein öffentliches Museum ein unter einer CC BY-NC lizenziertes Foto auf einer für den Verkauf bestimmten Postkarte abdruckt. Hier wäre die Nutzung kommerziell, obwohl die Institution selbst eine gemeinnützige Organisation ist. Ein Gegenbeispiel: Würde ein Unternehmen eine Stiftung finanzieren, die ein Projekt zur Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens durchführt und die für die Einladung zu einer diesbezüglichen Konferenz (die für die Öffentlichkeit kostenfrei zugänglich ist) ein unter einer CC BY-NC lizenziertes Foto verwendet, wäre die Nutzung nicht kommerziell. 77 Würde das in Endnote 76 erwähnte Unternehmen die Konferenz selbst organisieren, wäre dies ein starkes Indiz dafür, dass diese zumindest entfernten geschäftlichen Interessen dient, d. h., dass die Nutzung zumindest „auf einen kommerziellen Vorteil zielt.“ 78 Kopiert zum Beispiel eine Mitarbeiterin eines Unternehmens NC-lizenzierte Artikel für ihre Kolleginnen oder für Kunden des Unternehmens, ist die Nutzung kommerziell, da die Mitarbeiterin das Material ausschließlich für die Erfüllung ihrer beruflichen Pflichten verwendet. 79 Siehe Kapitel 3.4, Abschnitt b: Die CC-Lizenzen gelten nicht für gesetzlich erlaubte Nutzungen. Die Lizenz würde daher keine Nutzungen einschränken, die durch die vom anwendbaren Recht vorgesehenen Schrankenbestimmungen gestattet werden. 80 Siehe z. B. FAQ des Massachusetts Institute of Technology Open Course Ware (MIT OCW) unter http://ocw. mit.edu/terms/#noncomm. Die Auslegung der NCKlausel durch das MIT ist teilweise restriktiver und

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3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

teilweise liberaler als meine allgemeine Interpretation. 81 Da die Interpretation des Lizenzgebers, sofern er sich hierzu äußert, ein relevanter Indikator für die Interpretation der Lizenz ist, ist aus rein rechtlicher Sicht zu empfehlen, sich an solche Äußerungen zu halten. Abgesehen davon erscheint es auch moralisch betrachtet angebracht, die Haltung derjenigen zu respektieren, die ihre kreativen Werke zur freien Verfügung stellen. 82 Ein Beispiel: Ein gedrucktes Buch richtet sich an eine andere Zielgruppe als eine Online-Publikation. Bücher werden über bestimmte Vertriebskanäle vermarktet, die für „Outsider“ kaum zugänglich sind. Würde ein Verlag einen Text in sein Programm aufnehmen, den der Urheber zuvor kostenlos online veröffentlicht hat, würde der Autor davon im Zweifel profitieren. Selbst wenn der Verlag entscheiden würde, etwaige Gewinne für sich zu behalten, käme dem Autor zugute, dass sein Text mehr Reichweite und Aufmerksamkeit auf sich zieht, da sich so seine Bekanntheit steigern lässt. Diese kann wiederum wirtschaftliche Sekundäreffekte nach sich ziehen, z. B. eine verbesserte berufliche Reputation. Da es für den Verlag von wesentlicher Bedeutung sein kann, dass er keine Lizenzkosten aufbringen und aufwändigen Verträge schließen muss, kann die NC-Lizenz diesen positiven Effekt für den Urheber verhindern. 83 Dabei sollte jedoch erwähnt werden, dass im Rahmen von Dual-Lizenzierungsstrategien keine Möglichkeit besteht, zwischen Kopien des Werkes in verschiedenen Qualitäten zu differenzieren. Die Lizenz bezieht sich auf das Werk und nicht auf eine bestimmte Kopie. Steht das Werk unter einer Open-Content-Lizenz, bezieht sich diese auf alle Kopien des Werkes, ganz gleich in welcher Qualität. Siehe hierzu oben, Punkt 2.4.b. 84 Siehe im Detail: Klimpel, 2013. Freies Wissen dank Creative-Commons-Lizenzen - Folgen, Risiken und Nebenwirungen der Bedingung »nicht-kommerziell – NC« S. 3; https://wikimedia.de/w/images.homepage/ a/a2/IRights_CC-NC_Leitfaden_web.pdf 85 Siehe zum Beispiel die Erklärung unter: http://en.wikipedia.org/wiki/Copyleft#Viral_licensing. 86 Siehe Abschnitt 1.a. des Rechtstextes: https:// creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/legalcode. 87 Die Bedeutung des Begriffes „Teilen“ wird in Kapitel  3.4, Abschnitt b erklärt. 88 Siehe: https://creativecommons.org/licenses/ by-nc-nd/4.0/legalcode. 89 Siehe auch die CC-FAQ: „Was eine Bearbeitung ist, hängt vom anzuwendenden Recht ab, wobei die Übersetzung eines Werkes aus einer Sprache in eine andere oder die Verfilmung eines Romans grundsätzlich als Bearbeitungen gelten. Für den Urheberschutz von Bearbeitungen, verlangen die meisten Rechtsordnungen, dass dem vorbestehenden Werk eigene individuelle Beiträge hinzugefügt werden. Es existiert jedoch kein internationaler Standard für Individualität oder Originalität, und die Definition hängt vom jeweils anwendbaren Recht ab. Vom Zivilrecht geprägte Rechtsordnungen (wie Deutschland und Frankreich) verlangen oft, dass das Werk die Persönlichkeit des Bearbeiters erkennen lässt. Vom „Common Law“ geprägte Rechtsordnungen (wie die USA oder

Kanada) gehen zumeist von einer geringeren Schöpfungshöhe aus. Sie verlangen nur ein Mindestmaß an Kreativität und „eigenständiger Schöpfung“. Andere Länder haben ein vollkommen anderes Verständnis von Originalität und Schöpfungshöhe. So schützt zum Beispiel das brasilianische Urheberrecht alle geistigen Werke, die das Gesetz nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsschutz ausschließt. Weitere Details sind dem Urheberrecht Ihres Landes zu entnehmen“ (eigene Übersetzung). Siehe: https://wiki.creativecommons.org/ Frequently_Asked_Questions#What_is_an_ adaptation.3F. 90 Noch einmal: Die Einschränkungen der CC-Lizenz, wie z.B. ND, verbieten nichts, was nach dem anwendbaren Recht erlaubt ist. In einigen Rechtsordnungen dürfen Remixes und Mash-ups ohne Zustimmung der Urheberrechtseigentümer veröffentlicht werden. Dies gilt vor allem für die USA, wo diese Handlungen gemäß der Fair-Use-Doktrin legal sein können. Im derzeitigen europäischen Urheberrecht existiert keine solche Bestimmung. Es ist daher unwahrscheinlich, dass Mash-ups oder Remixes in einem der EU-Mitgliedstaaten urheberrechtlich gestattet sind. Dennoch enthalten Urheberrechtsgesetze stets auch Möglichkeiten, bei der Schaffung neuer Werke in gewissem Maß auf vorbestehendes Material zurückzugreifen. In aller Regel wird es z. B. gestattet sein, sich zumindest von den kreativen Schöpfungen anderer inspirieren zu lassen. Wo die Grenze zwischen (freier) Inspiration und freier Benutzung einerseits und zustimmungspflichtiger Bearbeitung andererseits jedoch genau liegt, ist zumeist sehr schwer zu beurteilen. 91 Ob die Zusammenstellung unter ND erlaubt ist, hängt von der angewendeten Technik ab. Werden die Bilder lediglich nebeneinander gestellt, handelt es sich höchst wahrscheinlich nicht um eine Bearbeitung. Werden sie jedoch zu einem neuen Werk mit einem eigenen ästhetischen Ausdruck verschmolzen, läge im Zweifel eine Bearbeitung vor. 92 Parodien von Werken erfordern zumeist eine Bearbeitung. Viele Rechtsordnungen sehen jedoch eine gesetzliche Ausnahme für Parodien vor. In diesem Fall würde die ND-Beschränkung nicht gelten. 93 Die häufig anzutreffende Besorgnis, dass geänderte Versionen dem ursprünglichen Autor zugeschrieben werden, ist an sich unbegründet. Jedenfalls verlangt die Lizenz darauf hinzuweisen, ob es sich um die ursprüngliche Fassung oder eine Bearbeitung handelt. 94 Näheres zu diesem Argument siehe Abschnitt E.1.b. 95 Die Bearbeiterlizenz wird definiert in Abschnitt 1b des Rechtstextes als „die Lizenz, die Sie gemäß den Bedingungen und Bestimmungen dieser freien Lizenz für Ihre Urheber- und verwandten Schutzrechte an den von Ihnen hinzufügten Bestandteilen der Bearbeitung verwenden” (eigene Übersetzung).

siehe: https://wiki.creativecommons.org/Frequently_ Asked_Questions#What_if_I_have_received_CClicensed_material_with_additional_restrictions.3F. 98 Siehe: http://wiki.creativecommons.org/images / 5/5b/CC_License_Compatibility_Chart.png Nähere Informationen über CC0 siehe: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/. 99 Kombinationen im Sinne der Tabelle sind jene, die gemäß den CC-Lizenzen als Bearbeitungen einzustufen sind, siehe: https://wiki.creativecommons.org/Frequently_ Asked_Questions#Can_I_combine_material_under_ different_Creative_Commons_licenses_in_my_work.3F. Nach dieser Grundannahme kann ND-Material gar nicht mit anderen Inhalten kombiniert werden, soweit in der Kombination eine Bearbeitung liegt, die von dem NDVorbehalt untersagt wird. Das heißt, dass ND-Material nicht einmal mit gemeinfreiem Material kombiniert werden darf. Auch ND-Werke dürfen jedoch mit anderweitig lizenziertem Material kombiniert werden, wenn die Kombination nicht als Bearbeitung gilt (Details siehe Kapitel 3.5, Abschnitt b). Im Allgemeinen stellen sich Fragen der Lizenzkompatibilität nur bei Werkverbindungen (Remixes, Mash-ups etc). Reine Aggregationen (Sammlungen) von Material gelten nicht als Bearbeitung. Demnach können alle Werke unter ihren eigenen Bedingungen lizenziert werden, ohne dass Lizenzkompatibilitäts-Konflikte entstehen. Etwas anderes gilt – natürlich – für die Einstellung von Inhalten auf einer Publikation (wie der Wikipedia), deren Richtlinien zufolge alle Inhalte unter derselben Lizenz veröffentlicht werden müssen. 100 CC erklärt die Tabelle wie folgt: „Aus der folgenden Tabelle geht hervor, welche CC-lizenzierten Materialien neu gemixt werden dürfen. Wählen Sie eine Lizenz in der linken Spalte und in der oberen rechten Zeile. Befindet sich an der Schnittstelle von Zeile und Spalte ein Häkchen, dürfen die Bestandteile miteinander verbunden werden. Befindet sich an dieser Stelle ein „X“, dürfen sie nicht kombiniert werden, sofern dies nicht durch gesetzliche (Schranken-)Bestimmungen erlaubt ist “ (eigene Übersetzung). https://wiki.creativecommons.org/ Frequently_Asked_Questions#Can_I_combine_ material_under_different_Creative_Commons_ licenses_in_my_work.3F. 101 Tatsächlich können SA-Lizenzen bestimmte Arten von Projekten, wie z. B. Wikipedia, vor Aneignung oder Missbrauch schützen. Wikipedia-Artikel sind unter CC BY-SA lizenziert. Die Lizenz sorgt dafür, dass die Artikel frei zugänglich und nutzbar bleiben, auch wenn sie erweitert, aktualisiert oder verbessert werden. Dass CC BY-SA in der Wikipedia verwendet wird, ist ein Aspekt, der bei der eigenen Lizenzierungsentscheidung bedacht werden sollte. Inhalte mit inkompatiblen Lizenzen können nicht mit Artikeln aus Wikipedia, der derzeit weltweit größten Ressource für Freies Wissen, kombiniert oder in die Wikipedia eingestellt werden.

96 Siehe: http://creativecommons.org/ compatiblelicenses. 97 Dies wäre der Fall, wenn z. B. eine bearbeitete Version auf einer Webseite bereitgestellt wird, die in ihren Geschäftsbedingungen alle Nutzer verpflichtet, jede Nutzung zu melden oder auf bestimmte Arten der Weiterverbreitung zu verzichten. Nähere Informationen

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell

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4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

Dieses Bild der Eingehüllten Kanonierblume war eines der Finalisten im Wettbewerb „Bild des Jahres 2012“. Der Wettbewerb findet jährlich auf Wikimedia Commons, dem größten Medienarchiv für freie Inhalte, statt.

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

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4.1 Wahl der „richtigen“ Lizenz Die Wahl der Lizenz ist ein wichtiger Schritt einer Open-Content-Strategie. Die Vor- und Nachteile der jeweiligen Lizenzen sollten sorgfältig gegeneinander abgewogen werden, bevor das Material lizenziert wird. Der ausschlaggebende Faktor für die Entscheidung sollte die individuelle Absicht sein, die mit der Lizenzierung verfolgt wird. Stellen Sie sich die Frage: Warum lizenziere ich mein Werk mit CC-Lizenzen? Welche Rechte möchte ich mir vorbehalten, und warum? Hinter einer solchen Entscheidung können verschiedenste Motive stehen. In vielen Fällen basiert die Lizenzwahl jedoch auf dem „Bauchgefühl“: „Ich möchte nicht, dass jemand mit meinem Werk Geld verdient, und verwende daher eine NCLizenz.“ – „Ein Verlag sollte keine Möglichkeit haben, die Publikationen unserer Stiftung in sein Programm aufzunehmen und sie gewinnbringend zu verwerten.“ – „Ich möchte nicht, dass Dritte sich an meinem kreativen Werk zu schaffen machen, und verwende daher eine ND-Lizenz.“ Diese Argumente sind in zahlreichen Abwandlungen zu hören. Obwohl aus psychologischer Sicht mehr als verständlich, sind sie keine guten Ratgeber für die Wahl restriktiver Lizenzen. Besser ist es, sich von objektiven Faktoren leiten zu lassen, die die subjektive Zielsetzung unterstützen. „Mein Foto eignet sich nicht für Remixes oder Bearbeitungen, weil es eine ganz bestimmte Situation zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt real wiedergeben soll. Daher verwende ich hierfür eine ND-Lizenz“, wäre beispielsweise ein sinnvoller Gedanke.

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In den Abschnitten über die NC-, NDund SA-Klausel habe ich betont, dass die Lizenzeinschränkungen stets zu erhöhter Rechtsunsicherheit führen. Sie führen zu komplexen rechtlichen Fragen und verhindern Nutzungen, die eigentlich im Interesse des Lizenzgebers liegen und/oder sogar von der Lizenz gedeckt sind, aber nicht vorgenommen werden, weil dies nicht klar ist.1 Das bedeutet nicht, dass CC BY, die liberalste Lizenz, in jedem Fall die beste Wahl ist. Wie bereits erwähnt, kann es gute Gründe geben, einen restriktiveren Lizenztyp zu wählen. Da dies jedoch im Allgemeinen mit Nachteilen für Lizenzgeber und Nutzer verbunden ist, wird empfohlen, die Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Dies ist umso wichtiger für breit angelegte Open-Content-Publikationsstrategien zum Beispiel von Unternehmen oder öffentlichen Institutionen.

4.2 Generierung der Lizenz Ein Werk mit einer CC-Lizenz zu versehen, ist sehr einfach. Der erste Schritt besteht darin, auf die CC-Webseite zu gehen, die eine Lizenzauswahlfunktion („License Chooser“) enthält.2 Für eine CCPL4-Lizenz müssen zwei Fragen beantwortet werden, um die Lizenzmodule (ND, SA, NC) auszuwählen. Danach zeigt der Lizenzfinder die betreffende Lizenz, die relevanten Links zum Lizenztext und die Kurzzusammenfassung der Lizenz (das CC-„Deed“) an. Außerdem wird automatisch ein HTMLSchnipsel generiert, der in den Code von Webseiten eingefügt werden kann.3

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

Abbildung 3: Lizenzwahl4 Eine Lizenz wählen Es ist ganz einfach, auf der Webseite von Creative Commons eine Lizenz auszuwählen, die zu den eigenen Bedürfnissen passt.

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

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Die CC-Lizenzen bestehen aus drei Ebenen, die in der Grafik auf der CC-Webseite dargestellt werden.5 Abbildung 4: Die drei Schichten6 Die drei Schichten der Creative-CommonsLizenzen, wie sie auf der CC-Webseite dargestellt werden.

Die unterste Ebene ist der „Rechtstext“, d. h. der vollständige Text des Lizenzvertrages in juristischer Sprache. Diese Ebene ist aus rechtlicher Sicht das wichtigste Element, obwohl sie die meisten juristischen Laien im Zweifel nie zu Gesicht bekommen werden und schon gar nicht in Gänze lesen werden. Die mittlere Ebene ist die Deed, die auch als „von Menschen lesbare Version“ bekannt ist. Die Deed ist eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Lizenzbestimmungen. Es ist selbst keine Lizenz im rechtlichen Sinn, sondern dient als praktisches – und dabei sehr wichtiges – Werkzeug, die Lizenzbestimmungen verständlich zu machen. Wie CC es ausdrückt: „Man kann die Commons Deed als benutzerfreundliche Schnittstelle zum darunterliegenden Lizenzvertrag betrachten,

Abbildung 5: Der Rechtstext 7 Der Rechtstext der Creative-CommonsLizenzen ist aus juristischer Sicht deren wichtigste Schicht.

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4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

Abbildung 6: Die deed8 Die Deed soll Nutzern dabei helfen, die Rechte und Pflichten der Lizenz zu verstehen.

obwohl die Deed selbst weder eine Lizenz ist noch zum eigentlichen Lizenzvertrag gehört.“ Die oberste Ebene ist die „maschinen-lesbare Version der Lizenz“. Es handelt sich dabei um einen Code-Schnipsel, der in Webseiten eingefügt wird, um insbesondere

Suchmaschinen die Lokalisierung von Open Content zu ermöglichen. In diesem Code werden die wichtigsten Freiheiten und Pflichten in einer maschinell lesbaren Sprache, der CC „Rights Expression Language“ (CC REL), zusammengefasst.9

”Creative
This work is licensed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License.

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

HTML-Schnipsel sorgen dafür, dass Suchmaschinen frei lizenzierte Inhalte im Internet finden können.

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4.3 Creative-CommonsLizenzierung bei verschiedenen Veröffentlichungsformen Wie eine CC-Lizenz in der Praxis am besten zu einem bestimmten Werk hinzugefügt wird, hängt von dem Medium ab, in dem das Material veröffentlicht wird. Das Grundprinzip ist einfach: Die Lizenz sollte so angebracht werden, dass jeder leicht erkennen kann, dass ein bestimmtes Werk oder gar die ganze Publikation (z. B. eine Webseite oder ein Buch) unter dieser CCLizenz genutzt werden darf. Der Lizenzhinweis ist ein zentrales Element der Erteilung von Nutzungsrechten: Ist dem Nutzer nicht bewusst, dass der Inhalt unter CC steht, und – noch wichtiger – kennt er die Lizenzbedingungen nicht, erhält er keine Rechte und ein Lizenzvertrag kann nicht zustande kommen. Dieser Effekt verhindert, dass die Open-Content-Lizenzierung funktioniert. CC legt nicht fest, wie der Lizenzhinweis generell oder in bestimmten Konstellationen angebracht werden muss.10 Es ist Sache des Verwenders der Lizenz, für eine sinnvolle Anbringung zu sorgen. Was sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Nutzungsszenario ab. Die Faustregel lautet: Der Lizenzhinweis sollte so gut erkennbar sein wie möglich. Je näher er sich am lizenzierten Werk befindet, desto eher wird er vom Nutzer wahrgenommen. Bei einem Foto, das auf einer Webseite verwendet wird, ist es am sichersten (im Sinne der einfachen Wahrnehmbarkeit), den Lizenzhinweis in die Bildunterschrift einzufügen. In diesem Sinne am unsichersten ist es, den Lizenzhinweis auf einer zentralen Seite, z. B. in einer Subdomain wie auf einer „Über“-Seite oder auf einer Seite mit den Nutzungsbedingungen unterzubringen. Die meisten Nutzer würden solche

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verborgenen Informationen nicht finden, und die Lizenz geht dann in den meisten Fällen ins Leere. In den folgenden Absätzen finden Sie einige Empfehlungen für typische Nutzungsszenarien. Tiefergehende Informationen über die Kennzeichnung von Werken mit CC-Lizenzen in verschiedenen Kontexten finden Sie im CC-Wiki.11 Lizenzhinweise bei OnlineInhalten Webseiten-Anbieter verwenden OpenContent-Lizenzen auf verschiedene Weise. In manchen Fällen wird der gesamte Inhalt einer Webseite unter derselben Lizenz lizenziert. In diesem Fall bietet es sich an, einen allgemeinen Lizenzhinweis z. B. in der Fußzeile jeder Webseite/Unterseite zu setzen. Für dessen Formulierung bestehen verschiedenste Möglichkeiten. CC selbst verwendet folgende Formulierung: „Sofern nicht anders angegeben, ist der Inhalt dieser Webseite unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0-Lizenz lizenziert.“ Der Lizenzhinweis ist generell mit einem Hyperlink unterlegt, der den Nutzer auf die CC-Deed der jeweiligen Lizenz führt. In der Deed findet sich ein weiterer Link zum vollständigen Lizenztext. Darüber ist empfehlenswert, das betreffende Lizenzlogo als Banner einzufügen, um die Aufmerksamkeit auf den Lizenzhinweis zu lenken. Der vollständige Hinweis auf den Webseiten von CC sieht zum Beispiel so aus:

Except where otherwise noted, content on this site is licensed under a Creative Commons Attribution 4.0 International license.

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

Lizenzhinweis12 Mitunter kann es auch auf Domains, die vollständig auf Open Content setzen, notwendig sein, manche Materialien mit einem eigenen Lizenzhinweis zu versehen. Veröffentlicht jemand beispielsweise auf seiner CC BY-lizenzierten Webseite ein Foto, das von einem Dritten unter einer anderen CC-Lizenz veröffentlicht wurde, müsste auf diesen Unterschied hingewiesen werden. In diesem Fall sollte der abweichende Lizenzhinweis möglichst nahe an dem Material angebracht werden, um den Eindruck zu vermeiden, dass der allgemeine Lizenzhinweis auch für das betreffende Foto gilt. Hier wäre es am besten, den Lizenzhinweis gemeinsam mit dem Urheberhinweis in die Bildunterschrift einzufügen.13 Dies wäre auch in Fällen, in denen der Webseiten-Anbieter nur gelegentlich OpenContent-Lizenzen verwendet (anstatt den gesamten Inhalt einer Webseite unter derselben freien Lizenz zu lizenzieren), ein geeigneter Ansatz. Lizenzhinweise in digitalen Dokumenten oder Büchern Soll die gesamte Publikation und alle hierin enthaltenen Inhalte unter derselben Lizenz stehen, empfiehlt sich ein zentraler Lizenzhinweis. In einem Buch könnte der Lizenzhinweis z. B. im Impressum oder an einer anderen gut sichtbaren Stelle eingefügt werden. Hierbei ist zu bedenken, dass der Hinweis möglichst leicht auffindbar sein sollte. Enthält ein Buch oder ein PDF-Dokument dagegen nur vereinzelt Open-ContentBestandteile (z. B. einzelne Fotos, Texte oder Grafiken), sind direkt am Werk angebrachte Lizenzhinweise ebenfalls der beste Weg. Sie sollten daher z. B. in einer Fußnote oder wiederum der Bildunterschrift enthalten sein. Eine technische Variante kann, soweit machbar, darin liegen, die

Lizenz mithilfe der „Extensible Metadata Platform“ (XMP) in eine PDF-Datei einzubetten.14 Alternativ ist es bei digitalen oder analogen Dokumenten auch möglich, die Hinweise in einem Anhang zusammenzufassen, dessen Titel möglichst deskriptiv sein sollte.15 Entscheidet man sich für eine solche Lösung, muss sichergestellt sein, dass die Lizenzhinweise durch gezielte Verweise auf bestimmte Werke direkt zugeordnet werden können.16 Wichtig ist zudem, dass alle Lizenzhinweise zumindestens einen Hinweis auf den Lizenztext enthalten,17 z. B. einen Hyperlink auf die CC-Webseite. Alternativ kann natürlich, soweit praktikabel, auch der vollständige Lizenztext in das Dokument oder Buch eingefügt werden.18 Lizenzhinweise in Videos, Musik, Radiooder Fernsehsendungen Die Einfügung adäquater Lizenzhinweise in nicht textlichen Publikationen kann schwierig sein. Wo sollten die Lizenzhinweise und Namensnennungen in einer Radiosendung erfolgen? Wo in einem Video? Wenn solche Medien online stehen, liegt eine einfache Lösung darin, die Hinweise der OnlineQuelle beizufügen. Wenn nicht, müssen sie im Zweifel direkt in das Werk selbst integriert werden. Bedingt durch die unterschiedliche Natur z. B. von Video- und Rundfunksendungen ist es kaum möglich, hierfür allgemeingültige Ratschläge zu geben. Möglich sind vielerlei Varianten.20 Auch bei dieser Entscheidung sollte im Vordergrund stehen, dass die Hinweise möglichst einfach identifiziert und wahrgenommen werden können.

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

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4.4 Die Suche nach Open Content im Internet Suchmaschinen sind wichtig für die Suche nach Open Content im Internet. Google bietet eine spezifische Open-Content-Suchfunktion, die unter den erweiterten Suchoptionen zu finden ist. Die speziellen Suchfunktionen der großen Suchmaschinen erlauben es den Nutzern, die Ergebnisse ihrer Suche nach Nutzungsrechten zu filtern. Für die Eingrenzung der Suchergebnisse können verschiedene Optionen gewählt werden

wie z. B. „zur Wiederverwendung und Veränderung gekennzeichnet“ oder „zur nicht kommerziellen Wiederverwendung und Veränderung gekennzeichnet“ etc. Die Bildersuche von Google bietet dieselbe Funktion. Normalerweise suchen die Nutzer nach bestimmten Arten von Inhalten. In diesem Fall kann es effizienter sein, direkt auf einer Content-Plattformen zu suchen, als über eine Suchmaschine. Es gibt verschiedene Plattformen für Bilder, Videos oder sogar Musik, die eine spezifische Suche nach Open Content anbieten.

Abbildung 7: Google: Erweiterte Suche21

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4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

A) Suche nach Open-Content Bildern Flickr ist die größte Foto-Community der Welt. Auf diese Plattform werden Millionen Bilder hochgeladen, von denen viele unter CC-Lizenzen lizenziert sind. Um nach diesen zu suchen, bietet die erweiterte Suche eine spezielle Einstellung:

Abbildung 8: Flickr: Erweiterte Suche22

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

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Ein weiteres großes Bilderarchiv ist Wikimedia Commons. Die meisten der darin enthaltenen Fotos werden unter einer freien Lizenz veröffentlicht oder sind sogar gemeinfrei.

Abbildung 9: Wikimedia Commons23

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4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

B) Suche nach Open-Content-Videos Die Videoplattform Vimeo ist im Bereich Open Content besonders fortschrittlich. Sie ermöglicht es den Nutzern selbst erstellter Inhalte, eine CC-Lizenz zu wählen, bevor der Inhalt des Videos auf die Webseite hochgeladen wird. Entsprechend kann die Suche nach CC-lizenzierten Inhalten gefiltert werden. Abbildung 10: Vimeo Suche24

C) Suche nach Open Content mit der Metasuchfunktion von Creative Commons Die CC-Webseite enthält eine spezielle Suchfunktion für Open Content verschiedener Art. Sie erlaubt es dem Nutzer, verschiedene Plattformen wie YouTube, Jamendo (Musik), SoundCloud (Musik) oder Europeana (Werke verschiedener Art) zu durchsuchen. Abbildung 11: Creative-Commons-Suche25

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

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Anmerkungen 1 Siehe Anmerkungen in Kapitel 3.5, Abschnitte a, b und c. 2 Um den Lizenzfinder zu öffnen, klicken Sie auf der Homepage http://www.creativecommons.org auf den Link „Eine Lizenz wählen“. Den direkten Link finden Sie unter: https://creativecommons.org/choose/?lang=de. 3 Bei Online-Publikationen wird ausdrücklich empfohlen, die Metatags zu kopieren und in den Quellcode der Webseite einzufügen. Geeignete Metainformationen sind insbesondere für Suchmaschinen wichtig, damit diese die Lizenzinformationen richtig interpretieren und somit korrekte Suchergebnisse erstellen können. 4 Quelle: Creative Commons, https://creativecommons. org/licenses/?lang=de. 5 Siehe Endnote 4. 6 Siehe Endnote 4. 7 Quelle: Creative Commons, https://creativecommons. org/licenses/by/4.0/legalcode. 8 Quelle: Creative Commons, https://creativecommons. org/licenses/by/4.0/. 9 Nähere Informationen über die Einbettung von Lizenzen betreffende Metadaten finden Sie unter: http://wiki. creativecommons.org/XMP. 10 Ob und wie der Lizenzhinweis erfolgt ist alleinige Entscheidung des Lizenzgebers. Der Lizenzgeber selbst, anders als der Lizenznehmer, ist nicht an die Bedingungen der Lizenz gebunden, die er für seinen Inhalt verwendet. Soweit die Lizenzen Vorgaben zur Namensnennung und zu Lizenzhinweisen enthalten, richten sie sich allein an die Nutzer. 11 Siehe: http://wiki.creativecommons.org/Marking_ your_work_with_a_CC _license.

13 Namensnennungsbestimmungen für die Nutzung von Materialien Dritter siehe Kapitel 3.1, Abschnitt a. 14 Siehe: http://wiki.creativecommons.org/XMP. 15 Das Kapitel könnte beispielsweise folgenden Titel haben: „Lizenzhinweise für Fremdmaterialien“. 16 Es sollte zumindest die Seitennummer angegeben werden bzw. weitere Kennzeichen, wenn auf derselben Seite mehrere Werke Dritter verwendet werden. 17 Der Hinweis sollte zudem die jeweilige Lizenz benennen und ihre Version angeben. Siehe das Beispiel auf der CC-Webseite unter „Lizenzhinweise bei Online-Inhalten“ in Kapitel 4.3. 18 Eine solche Lösung ist im Zweifel nicht praktikabel, wenn die Publikation Inhalte enthält, die unter verschiedenen Lizenzen stehen. 19 Argument siehe Endnote 13. 20 Zum Thema der korrekten Namensnennung in solchen Medien siehe die entsprechenden CC-Publikationen unter: http://wiki.creativecommons.org/Marking/ Users bzw. http://creativecommons.org.au/content/ attributingccmaterials.pdf. 21 Quelle: Google, https://www.google.de/ advanced_image_search 22 Quelle: Flickr, https://www.flickr.com/search/ advanced/. 23 Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/ Hauptseite 24 Quelle: Vimeo, https://vimeo.com. 25 Quelle: Creative Commons, http://search.creativecommons.org.

12 Quelle: Creative Commons, https://creativecommons.org/.

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4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

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4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

5. AbschlieSSende Bemerkungen

Der erste Kultur-Hackathon „Coding da Vinci“ fand 2014 statt. Er brachte Programmierer, Designer und Kulturbegeisterte zusammen, um Kulturdaten gemeinsam neu zu betrachten. Dieses Bild eines Blatthornkäfers war Teil eines Datensets, welches vom Museum für Naturkunde Berlin zur Verfügung gestellt wurde.

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen

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Open-Content-Lizenzen haben das großartige Potenzial, das Teilen urheberrechtlich geschützter Inhalte mit Dritten auf rechtlich korrekte und transparente Weise zu ermöglichen. Man sollte sich jedoch auch der Herausforderungen und Komplexitäten bewusst sein. Dies gilt sowohl für die Rechteinhaber als auch für die Nutzer. Jeder Nutzer sollte seine Rechte und Pflichten kennen, und zwar nicht nur, um sich regelkonform zu verhalten, sondern auch aus Respekt vor denjenigen, die ihre kreativen Werke frei mit anderen teilen. Auf der anderen Seite sollten jene, die ihre Inhalte unter einer freien Lizenz veröffentlichen möchten, gut abwägen, für welche Lizenz sie sich entscheiden. Die Tendenz, restriktive Lizenzen, z. B. nicht-kommerzielle Lizenzen, zu verwenden, ist für den freien Kulturaustausch im Allgemeinen problematisch. Diese Lizenzen können das Teilen von Inhalten gefährden, was der Idee von Open Content und der Intention des Rechteinhabers gleichermaßen zuwiderläuft. Es mag gute Gründe geben, solche Lizenzen einzusetzen. In vielen Fällen resultieren solche Entscheidungen jedoch allein aus subjektiven Befindlichkeiten, was häufig negative Effekte sowohl für Rechteinhaber als auch Nutzer nach sich zieht.

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5. Abschliessende Bemerkungen

Index A

Alle Rechte vorbehalten: 9, 13ff. Allemende (digital, kulturell): 8, 25, 35, 58ff. Autorenrechte: 15ff., 20ff., 30ff., 34, 42ff.

B

Bearbeitung: 25, 37, 55ff.

C

CC BY: 31ff., 34, 60, 62f. CC BY-NC: 21, 23, 31, 33, 62 CC BY-NC-ND: 31, 33, 54, 62 CC BY-NC-SA: 31, 33, 61f. CC BY-ND: 31, 32f., 54, 62 CC BY-SA: 31, 32, 37, 40, 54, 61ff. CC0: 33f. Copyleft-Prinzip: 13, 25 Creative Commons: 12, 30ff. Creative-Commons-Lizenzhinweise: 76f.

D

Datenbankherstellerrechte: 44f. Deed: 72, 74f., 76 Dezentralisiertes Lizenzierungssystem: 20ff.

E

Einige Rechte vorbehalten: 9 Europäische Urheberrechtslinien: 40ff.

F

Freie Software: 12f., 15, 54

G

Garantieausschluss: 32 Gemeinfreiheit: 9, 12, 33 Generierung der Lizenz: 72ff.

H

Haftung: 22, 32, 35, 43, 47

K

Keine Bearbeitung: 22, 32f., 54ff. Keine Rechte vorbehalten: 33 Kombination: 13, 25, 33, 56ff., 61f. Kommerziell vs. nicht-kommerziell: 15, 17ff., 21ff., 30f., 33, 38, 48ff., 86 Kündigung der Lizenz: 24

L

Lizenzgebühren: 8, 15, 18f., 52f. Lizenzhinweis: 19, 32, 43f., 76f. Lizenzinkompatibilität: 25, 61ff. Lizenzkette: 20f., 38 Lizenztext: 16, 19, 48f., 72, 76f. Lizenzverletzung: 24f., 48, 53f. Lizenzvertrag: 12ff., 16f., 19ff., 48f., 53, 74ff.

M

N

Namensnennung: 30ff., 42f., 77 Nicht-portierte (generische) Lizenzen: 35ff. NoDerivatives: 22, 30, 33 NonCommercial: 21, 30, 49 Nutzerpflichten: 12, 17, 19, 24, 37ff., 75, 86

O

Öffentlich: 12ff., 39ff. Open Content online finden: 78ff. Open Educational Resources: 59 Open Source Software: 12f.

P

Patente: 45 Persönlichkeitsrechte: 45ff. Portierte Lizenzen: 32, 35ff., 44, 61 Praktische Auswirkungen: 17ff., 24 Privatnutzung: 8f., 39f., 50ff., 55 Privatsphäre: 39, 41, 55, 60 Public Domain: 9, 12, 30, 33f. Public Domain Mark: 33f. Public Domain-Werkzeug: 30, 33f.

R

Rechteinhaber: 8f., 13ff., 17ff., 23f., 33f., 36, 42f., 52f., 55 Remix: 25, 33, 56ff., 62f., 72

S

Schutzrechte: 44 ShareAlike: 13, 25, 30, 60 Suchmaschinen: , 34, 75, 78

T

Technische Schutzmaßnahmen: 16, 18, 32, 47f. Teilen: 12, 14ff., 38ff., 41f., 44f., 54, 60, 86 Traditionelles Urheberrecht: 9, 13

U

Übersetzung: 13, 25, 35, 37, 55, 57 Urheberpersönlichkeitsrechte: 22, 45ff. Urheberrechtsverletzung: 19, 24, 43, 48

V

Veränderung: 8, 12f., 25, 32f., 44f., 54, 56ff., 78 Voraussetzungen: 8, 14, 25, 31, 60 Vorteile von Open Content: 9, 13ff., 25, 63

W

Wahl der Lizenz: 72 Weitergabe unter gleichen Bedingungen: 25, 32, 60 Weite Verbreitung: 13ff., 42, 52ff. Wiederveröffentlichung: 23f., 55 Wikipedia: 20ff., 32, 36, 44, 49, 59

Z

Zentralisiertes Lizenzierungssystem: 20ff. Zweitveröffentlichung: 23f.

Markenrechte: 45 Mashup: 25, 56ff., 61ff.

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