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D 8512 51. Jahrgang nr. 4 nachrichten montag, 2. Februar 2015 „Tiger“ zeigt Krallen einsatz Sichere Stadt In der Oberlausitz trainieren die Bes...

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D 8512 51. Jahrgang

nr. 4

nachrichten

montag, 2. Februar 2015

„Tiger“ zeigt Krallen

einsatz

Sichere Stadt

In der Oberlausitz trainieren die Besatzungen den Umgang mit dem Kampfhubschrauber.

Der Bürgermeister des nordirakischen Erbil spricht im Interview über die Lage in der Hauptstadt der Region Kurdistan Seite 5 ministerium

Truppe als Kompass

Staatssekretärin Katrin Suder zieht im Interview eine Bilanz ihres ersten halben Jahres im Verteidigungsministerium. Seiten 6/7 BunDeswehr

Profis unter Wasser

Für die Taucher des Panzerpionierbataillon 803 sind Schweißen, Bohren und Sprengen unter Wasser kein Problem. Seiten 8/9 Geschichte

„Kontrolle ist besser“

W

Die Bundeswehr im Internet

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der Landung der Maschinen und der Zwischenflugkontrolle wechseln die Besatzungen und die Hubschrauber werden bewaffnet. „Der ‚Tiger‘ ist schon toll. Da er viel weniger Gewicht hat, als die Triebwerke tragen können, steckt da richtig viel Kraft dahinter. Das ermöglicht fast alle Flugmanöver. Da macht das Fliegen richtig Freude“, beschreibt der Schwarmführer und Kommandant Major Thomas S. die Faszination „Tiger“. In den kommenden Tagen wird immer mindestens ein Kampfhubschrauber in der Luft sein und mit den verschiedenen Bewaffnungen trainieren. Nach den Schulschießübungen für die Piloten, die den Hubschrauber zum ersten Mal fliegen, sind die hochkomplexen Übungen der erfahreneren Hubschrauberführer an der Reihe. Aus verschiedenen Richtungen und mit komplizierten Anflugmustern wird das Training ihnen und dem Waffensystem dann viel abverlangen. Für die Piloten ist jede Schießübung ein Höhepunkt. Die Wetterprognose für die nächsten Tage ist gut. So werden die drei „Tiger“ wohl noch viele Runden über dem sächsischen Übungsplatz drehen können. (akw)

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Hinweis

Foto: Vennemann/RedBw

Vor 65 Jahren hat die Staatsführung der DDR das Ministerium für Staatssicherheit (MfS/Stasi) gegründet. Seite 10

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aktuell

Impressum Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt: Bundesministerium der Verteidigung Presse- und Informationsstab Stauffenbergstraße 18, 10785 Berlin Redaktionsanschrift: Redaktion der Bundeswehr Bundeswehr aktuell Reinhardtstraße 52, 10117 Berlin Telefon: (0 30) 886 228 - App. Fax: (0 30) 886 228 - 20 65, BwFw 88 41 E-Mail: [email protected] Leitender Redakteur (App. 24 20): Major Torsten Sandfuchs-Hartwig (tsh)

Intern ZItat

eDItorIal

„Wir wollen nicht, dass unsere Vergangenheit die Zukunft unserer Kinder ist.“

„Es ist nicht alles schlecht in der Bundeswehr, sondern vieles ist auch gut“, sagte der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages Hellmut Königshaus bei der Vorstellung seines Jahresberichtes am vergangenen Dienstag. Doch oft ist es so, dass die guten Dinge, worauf die Menschen stolz sein können, gegenüber schlechten Nachrichten leicht in den Hintergrund geraten. Für die Bundeswehr war 2014 „ein Jahr der Wahrheit“, heißt es im Vorwort des Berichtes. Damit bezieht sich der „Anwalt der Soldaten“ auf die Berichte vom vergangenen Sommer über veraltetes oder nicht funktionierendes Gerät in der Bundeswehr. Ein Umstand, der die Bundeswehrangehörigen und insbesondere die Soldaten bewegt. Denn alle Mitarbeiter haben ein Recht darauf, dass Defizite klar benannt werden. Fest steht, dass für die notwendigen Veränderungen ein langer Atem gebraucht wird. Es wird nicht möglich sein, alle Probleme in der Bundeswehr über Nacht zu beseitigen. Das macht auch Staatssekretärin Katrin Suder deutlich. Im Interview mit aktuell spricht die für den Bereich Rüstung verantwortliche Staatssekretärin über ihre Arbeit, seit sie vor einem

Roman Kent, 85 Jahre alt und Überlebender von Auschwitz, auf der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee.

Vertreter und Politik (App. 24 21): Jörg Fleischer (jf) Redaktionelle Mitarbeit Politik/Streitkräfte/Einsatz (App. 24 22): Hauptmann Patricia Franke (pfr) Fregattenkapitän Peter Vossieg (pev) Jan Rippl (rip) Sport/Vermischtes (App: 24 22): Stefan Rentzsch (sr) Alexander Linden (afl) Mediendesign: Eva Pfaender (epf, App: 24 23) aktuell als E-Paper und im pdf-Format: Auf www.bundeswehr.de abrufbar Satz: Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr, DL I 4 Zentraldruckerei Köln/Bonn Intranet: http://zentraldruckerei.iud Druck: Westdeutsche Verlags- und Druckerei GmbH Kurhessenstr. 4-6, 64546 Mörfelden-Walldorf Erscheinungsweise: Wöchentlich montags Auflage: 45 000 Exemplare Verteilung innerhalb der Bundeswehr: Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation - Abt. S4 Proetzeler Chaussee 20, 15344 Strausberg Telefon: (030) 886 228-2670 E-Mail: [email protected] bundeswehr.org ISSN: 1618-9086 Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Filme, Fotos und Zeichnungen wird keine Gewähr übernommen. Namensbeiträge geben die Meinung des Verfassers wieder. Sie entsprechen nicht unbedingt der Auffassung der Redaktion oder des BMVg. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion. Leserbriefe per E-Mail werden nur mit wirklichem Namen und Adresse berücksichtigt, außerdem behält sich die Redaktion das Recht auf Kürzung vor.

2. Februar 2015

KalenDerBlatt

Vor 25 Jahren: Am 2. Februar 1990 kündigt Südafrikas Präsident de Klerk an, die Gesetze zur Rassentrennung aufzuheben. Seit 1986 hatten viele Staaten Sanktionen gegen Südafrika verhängt, um eine Aufhebung der Rassentrennung zu erreichen. Vor 70 Jahren: Am 4. Februar 1945 empfängt Josef Stalin den US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und den britischen Premier Winston Churchill in Jalta auf der Krim. Ziel: eine Nachkriegsordnung für Europa und die Beendigung des Krieges in Ostasien. Vor 150 Jahren: Am 8. Februar 1865 berichtet der Augustiner-Mönch Johann Gregor Mendel erstmals über seine Kreuzungsversuche von Bohnen und Erbsen. Mit diesen biologischen Experimenten legte Mendel den Grundstein für die Vererbungslehre bei Lebewesen. Vor 175 Jahren: Am 6. Februar 1840 wird der Vertrag von Waitangi zwischen Großbritannien und 500 Stammesführern der Maori Neuseelands geschlossen. Sie treten darin ihre Souveränität ab, erhalten aber das alleinige Besitzrecht an ihrem Land, den Fischgründen und den Wäldern sowie das Recht auf die britische Staatsbürgerschaft. Vor 215 Jahren: Am 7. Februar 1800 wird per Volksabstimmung in Frankreich der von Napoléon Bonaparte entworfene „Code Napoléon“ angenommen, der ihn zum Ersten Konsul mit dem Recht auf Gesetzesinitiativen macht. Der Zweite und der Dritte Konsul sollten ihn beraten, die Amtszeit zehn Jahre betragen. (eb)

halben Jahr das Amt übernommen hat (S. 6/7). Viel Arbeit kommt auch auf die Politiker und Diplomaten in der EU zu. In Griechenland hat eine neue Regierung die Amtsgeschäfte übernommen, die den von der EU, IWF und EZB verordneten Sparkurs aufkündigen will (S. 4). Dass die Bundeswehr trotz vieler Negativmeldungen aus professionellen und motivierten Soldaten besteht, zeigt der Beitrag über die Pioniertaucher des Heeres (S. 8). Eine kleine Truppe von Profis, die unter Wasser schweißen, bohren und sprengen kann, einen von ihnen stellen wir auf Seite 12 vor. Motiviert und erfolgreich zeigen sich auch die deutschen Biathleten beim Weltcup im italienischen Antholz (S. 11). Unsere Rubrik Militärgeschichte erinnert an eine der schlimmsten Schiffskatastrophen in der Geschichte der Menschheit – der Untergang der „Wilhelm Gustloff“ vor 70 Jahren (S. 10). Jan Rippl

Foto: Back/Bundeswehr

Bild der Woche

Baubeginn: Die letzte Kiellegung der Fregattenklasse 125 hat stattgefunden. Die zukünftige Fregatte „Rheinland-Pfalz“ wird in Wolgast und in Hamburg gefertigt.

2. Februar 2015

Ministerium / Hintergrund

„Ein Jahr der Wahrheit“

aktuell

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Abteilungsleiter Personal geehrt

Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages stellt Jahresbericht 2014 vor.

Vorgestellt: Der Wehrbeauftragte legt Jahresbericht 2014 vor.

U-Bootfahrer, Luftumschlagkräfte, Mannschaftssoldaten im Marinetechnikdienst sowie die Teamführer der Bordeinsatzteams“, erklärte Königshaus. Er sprach sich deshalb dafür aus, mehr dieser Kräfte vorzuhalten. Bei Bewaffnung und Material sieht Königshaus „alterungsbedingte Ausfälle“: Neues Gerät komme häufig erst mit großer Verspätung in die Truppe, altes Gerät müsse daher länger genutzt und entsprechend intensiv gewartet werden. „Dieses wird weitreichende Konsequenzen haben, weil das Altgerät nur noch mit großem Aufwand in der Nutzung gehalten werden kann, nur noch wenige Soldaten für den Betrieb dieses Gerätes zur Verfügung stehen und zu wenige für das neu einzuführende Gerät ausgebildet werden können“, befürchtet Königshaus. „Die Truppe ist allerdings froh,

dass darüber mal ernsthaft geredet wird. Das ist wie eine Befreiung aufgenommen worden“, kommentierte Königshaus Presseberichte über Ausrüstungsmängel. Insofern sei 2014 für die Bundeswehr „ein Jahr der Wahrheit“ gewesen. Dieses gelte auch für die dritte große Baustelle: Den baulichen Zustand mancher Kaserne. „Die derzeit im Haushalt eingestellten Mittel für den Erhalt und den Neubau von Infrastruktur scheinen bestenfalls ausreichend, die Dynamik des Verfalls aufzuhalten. Die notwendige Verbesserung des Unterbringungsstandards ist so nicht zu leisten“, befürchtet Königshaus. Vor diesem Hintergrund plädierte er für eine „ganz genaue Bewertung jeder einzelnen Liegenschaft“ und ein erneutes „Nachdenken“ über schon getroffene aber noch nicht umgesetzte Stationierungsentscheidungen.

Ausdrücklich begrüßt der Wehrbeauftragte die Agenda „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders.“ und den Entwurf des „Gesetzes zur Steigerung der Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr“, mit dem sich das P arlament erstmals am vergangenen Freitag befasst hat. In der Truppe gebe es „eine große Erwartungshaltung, die nicht enttäuscht werden darf.“ Dazu gehöre es auch, entsprechende finanzielle Mittel für die Umsetzung der Agenda Attraktivität bereitzustellen. Besonders hob Königshaus die Anstrengungen der Bundeswehr hervor, den Dienst und das Familienleben ihrer Soldatinnen und Soldaten besser miteinander zu vereinbaren. Gerade in den Köpfen der Vorgesetzten „wurde wirklich eine Veränderung erreicht.“ Ministerin Ursula von der Leyen stimmte dem Wehrbeauftragten in vielen Punkten zu. „Es liegt viel Arbeit vor uns. Eine erhebliche Strecke, auf der wir langen Atem brauchen. Aber wir werden konsequent diese Themen angehen, wie wir es in den letzten Monaten schon bewiesen haben“, kündigte die Ministerin an. Im Detail wird der Jahresbericht 2014 nun im Ministerium ausgewertet. Die offizielle Stellungnahme des Ministeriums wird danach an den Bundestag übergeben. Der fünfte Jahresbericht von Hellmut Königshaus ist zugleich sein letzter: Im Mai folgt ihm der derzeitige Vorsitzende des Verteidigungsausschusses Hans-Peter ­ Bartels.

Foto: Bundeswehr

Berlin. Seinen Jahresbericht 2014 hat Hellmut Königshaus am vergangenen Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei spannte er einen breiten Bogen von der Ausrüstung der Bundeswehr bis zur Agenda ­Attraktivität. „Es ist nicht alles schlecht in der Bundeswehr, sondern vieles ist auch gut“, betonte Königshaus bei der Vorstellung seines Berichtes. Rund 115 Seiten umfasst der aktuelle Bericht, und er spiegelt das Bild aus 4 416 Eingaben von Soldaten und Soldatinnen wider. Ihnen brannten besonders die Themenbereiche „Menschenführung und soldatische Ordnung“ (21,3 Prozent), „Besoldung“ (11,9 Prozent), „Vereinbarkeit von Familie und Dienst“ (11,6 Prozent) und „Personalführung“ (11,1 Prozent) unter den Nägeln. 3 189 Eingaben wurden von Berufs- oder Zeitsoldaten verfasst, 325 von Wehrübenden, lediglich 82 von Freiwillig Wehrdienstleistenden. In 820 Fällen gibt es keine Angaben. Nach Ansicht von Königshaus wandelt die Bundeswehr personell derzeit „auf einem schmalen Grad.“ Durch die hohe Einsatzbelastung würden „bestimmte Gruppen von Soldaten regelrecht verbraucht“. Gerade bei Spezialisten, „die immer gefordert sind“, sei die Bundeswehr nicht durchhaltefähig. „Besonders belastet sind derzeit beispielsweise die Flugabwehrraketentruppe, Schnellboot- und

Foto: dpa/pa

von Frank Bötel

Berlin. Der französische Botschafter in Berlin hat den Abteilungsleiter Personal im Verteidigungsministerium, Vizeadmiral Joachim Rühle, zum Offizier im Nationalen Verdienstorden Frankreichs („Officier dans l´Ordre National du Mérite“) ernannt. Mit der Ehrung würdigt Frankreich die Verdienste Rühles in der deutsch-französischen Zusammenarbeit und Freundschaft. Rühle habe sich persönlich für eine Vertiefung der Kooperation eingesetzt und großen Anteil an der Verbesserung der deutsch-französischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Verteidigung gehabt, so der Botschafter. ( eb)

Bundeswehreinsätze verlängert

Hinweise zur Weiterentwicklung Berlin. Die Arbeitsgruppe Evaluierung hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Ergebnisse einer Evaluierung im Rahmen der Neuausrichtung präsentiert. Ziel war es, die Prozesse und Strukturen, die die Neuausrichtung der Bundeswehr vorgegeben hat, auf Feinjustierungsbedarf zu überprüfen. Dabei konzentrierte sich die Arbeitsgruppe auf das Ministerium und dessen erste nachgeordnete Ebene. „Die Ergebnisse geben in allen Themenfeldern hilfreiche Hinweise zur Weiterentwicklung“, stellte der Leiter der Arbeitsgruppe, Oberst Stefan Lüth fest. „Erfreulich ist, dass wir

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bereits während der Arbeitsphase viele Hindernisse geräuschfrei ausgeräumt haben.“ Neben diesen bereits gelösten Problemen wurden weitere Handlungsfelder festgestellt und Lösungen präsentiert. Diese werden nun durch die Leitung des Ministeriums entschieden. Bereits im vergangenen Jahr hat die Leitung des Verteidigungsministeriums weitreichende Entscheidungen getroffen, um die Effektivität, Handlungs- und Reaktionsfähigkeit der Führungs- und Steuerungsfähigkeit im Geschäftsbereich des BMVg zu erhöhen. Dazu gehörte die Reorganisation des Leitungsbereichs mit Ein-

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Foto: Hannemann/RedBw

Arbeitsgruppe legt Evaluierungsergebnisse über Prozesse und Strukturen vor.

Ergebnisse vorgelegt: Die Arbeitsgruppe im BMVg.

richtung des Beauftragten für die strategische Steuerung nationaler und internationaler Rüstungsaktivitäten der Bundeswehr und die Umgliederung der Abteilung

Ausrüstung, ­Informationstechnik und Nutzung sowie der Abteilung ­Politik. (eb) Mehr Infos auf www.bmvg.de

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Berlin. Der Bundestag hat in der vergangenen Woche dem Einsatz von bis zu 100 Bundeswehrsoldaten im Nordirak zugestimmt. Schwerpunkt der Mission ist der Fähigkeitsaufbau der irakischen Streitkräfte und der Sicherheitskräfte der kurdischen Autonomieregierung. Neben der militärischen Ausbildung und Beratung der Peschmerga werden die deutschen Soldaten auch die Lieferungen humanitärer Hilfsgüter und militärischer Ausrüstung in den Nordirak koordinieren. Im Bundestag ebenfalls verabschiedet wurde die Mandatsverlängerung für den Bundeswehreinsatz Active Fence. Demnach beteiligt sich Deutschland für ein weiteres Jahr an der Verstärkung der integrierten Luftverteidigung der Nato in der Türkei. Seit Anfang 2013 hat die Bundeswehr das Flugabwehrraketensystem Patriot in der Stadt Kahramanmaras stationiert. Darüber hinaus will die Bundesregierung den Bundeswehreinsatz in Mali verlängern. Das Kabinett billigte das neue Mandat für die weitere Beteiligung an der EU-geführten Ausbildungsmission. Damit will die EU die Regierung und das Militär Malis in die Lage versetzen, selbst für Stabilität und Sicherheit im Land sorgen können. Der Kabinettbeschluss sieht vor, die Mandatsobergrenze von bisher 250 auf 350 Soldaten anzuheben. Im August 2015 übernimmt Deutschland die Führung bei EUTM Mali. (rip )

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aktuell

Politik / Hintergrund

Ende des Sparkurses

26 Tote bei Anschlägen auf dem Sinai K

Koalition aus Linkspartei und Rechtspopulisten bilden die neue Regierung in Griechenland.

Foto: dpa/pa

UNIFIL-Soldat in Südlibanon getötet

2. Februar 2015

Im Amt: Die erste Sitzung des neuen Regierungskabinetts von Ministerpräsident Tsipras.

N Athen. Nach dem Wahlsieg der Linkspartei Syriza bei der Parlamentswahl in Griechenland hat der neue Ministerpräsident Alexis Tsipras vergangenen Dienstag seine Regierung vorgestellt. Zuvor hatte sich der 40-jährige Vorsitzende von Syriza mit der rechtspopulistischen Partei der Unabhängigen Griechen (Anel) auf eine Koalition geeinigt. Nur zehn Minister werden dem neuen Regierungskabinett angehören. Damit halbiert Tsipras die Zahl der Ministerien von 20 auf zehn. Besondere Bedeutung kommt dem künftigen Finanzminister Varoufakis zu. Der 53-Jährige, der kein Mitglied von Syriza ist, diente früher als Berater von Ministerpräsident Giorgos

Papandreou von der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok). Eine Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und Europäischer Union hatte von Athen im Gegenzug für ihre Finanzhilfen Reformen und Kürzungen verlangt. Auf Varoufakis kommen nun schwierige Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern zu. Ein Schuldenerlass sowie eine Abmilderung der Sparauflagen gehören zu den wichtigsten Zielen der Tsipras-Regierung. Tsipras hat angekündigt, die von den Gläubigern geforderte Sparpolitik zu beenden. Tsipras sprach sich für „faire“ neue Verhandlungen mit den Kreditgebern Europäische Union (EU) und Internationa-

ler Währungsfonds (IWF) aus. Notwendig sei eine „gangbare, gerechte und für beide Seiten segensreiche Lösung“. Das Sparprogramm war von den Vorgängerregierungen mit den internationalen Gläubigern vereinbart worden. Das hoch verschuldete Land bekam im Gegenzug über zwei Hilfsprogramme 240 Milliarden Euro zugesagt, um einen Staatsbankrott abzuwenden. Das zweite Hilfsprogramm läuft Ende Februar aus. Griechenland hat 320 Milliarden Euro Schulden, was rund 175 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht. Die Syriza-Forderung nach einem teilweisen Schuldenerlass hatten die EU-Finanzminister vergangene Woche abgelehnt.

Kurz nach Amtsantritt gab die neue griechische Regierung erste Maßnahmen zur Umsetzung ihrer Wahlversprechen bekannt. Der Vizeminister für die Handelsmarine, Theodoros Dritsas, kündigte an, die Privatisierung der Häfen Piräus und Thessaloniki zu stoppen. Die internationalen Kreditgeber hatten Athen unter anderem ein Privatisierungsprogramm auferlegt, das auch den Hafen von Piräus betraf. Zu den Prioritäten der neuen Regierung gehörten die Bewältigung der „humanitären Krise“ in Griechenland und Hilfe für die am stärksten benachteiligten Menschen. Zu den Vorhaben zählen unter anderem auch eine Anhebung des Mindestlohns sowie in Notfällen eine mögliche Stundung bei der Rückzahlung von Steuerschulden. Der EU-Währungskommissar ­ Pierre Moscovici sagte am vergangenen Mittwoch, die Kommission wolle Griechenland weiter helfen und es nicht zu einem „Bruch“ kommen lassen. Alle Seiten wollten, dass das Land wieder auf die Beine komme, sagte der Währungskommissar. Athen müsse in die Lage versetzt werden, seine Schulden in den Griff zu bekommen und in der Eurozone zu bleiben. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, der am vergangenen Donnerstag als erster hochrangiger EU-Politiker seit dem Regierungswechsel Athen besuchte, sieht die neue Regierung zu Gesprächen mit den europäischen Partnern bereit. (uvs)

EU verlängert Sanktionen Addis Abeba. Die Afrikanische Union hat sich bei einer Sitzung ihres Friedens- und Sicherheitsrats für eine 7 500 Mann starke regionale Truppe für den Kampf gegen die nigerianische Extremistengruppe Boko Haram ausgesprochen. Demnach müssten die Länder der Region eine multinationale Streitmacht mobilisieren. Die Afrikanische Union beriet in der äthiopischen Haupstadt unter anderem über das Vorgehen gegen die Extremistenorganisation. Deren Angriffe und Anschläge im Nordosten Nigerias haben in den vergangenen Wochen ein bislang ungekanntes Ausmaß erreicht. (hcy)

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Nach der jüngsten Eskalation in der Ostukraine treten die EU-Außenminister zusammen Brüssel. Die EU-Außenminister haben am vergangenen Donnerstag auf einem Sondertreffen in Brüssel über die jüngste Eskalation in der Ostukraine beraten. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte das außerordentliche Treffen einberufen, nachdem Ende Januar bei einem Raketenangriff auf die ukrainische Hafenstadt Mariupol mindestens 30 Menschen getötet worden waren. Die EU-Staatsund Regierungschefs hatten darauf Russland eine anhaltende militärische Unterstützung der Separatisten im Osten des Landes vorgeworfen. Die Außenminister der EU verurteilten den Gewaltausbruch und riefen die Konfliktparteien dazu

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Foto: dpa/pa

Afrikanische Truppe gegen Boko Haram

Eskalation: Brennende und zerstörte Autos in Mariupol.

auf, die Waffen niederzulegen. Darüber hinaus beschlossen sie die Verlängerung der bisherigen Sanktionsmaßnahmen und Listungen von Personen bis September 2015. In den nächster Zeit wird die Außenbeauftragte

Mogherini und die EU-Kommission Vorschläge erarbeiten, wie die EU auf eine vollständige Umsetzung der Minsker Vereinbarung hinwirken könne. Außenminister Frank Walter Steinmeier hob die Bedeutung einer gemein-

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samen Haltung der 28 EU-Mitgliedsländer hervor. Im Falle einer großangelegten Offensive prorussischer Separatisten sei eine „deutliche Reaktion Europas unumgänglich“, so der deutschen Außenminister. Im Vorfeld des Treffens machte er deutlich, dass die Anfang September von den Konfliktparteien unterzeichnete Minsker Vereinbarung nach wie vor die Grundlage für die Entschärfung des Konflikts bilde. Ebenso erwarte Steinmeier, dass der am 21. Januar in Berlin zwischen den Außenministern Russlands und der Ukraine vereinbarte Rückzug schwerer Waffen entlang der in Minsk vereinbarten Demarkationslinie weiterhin gilt. (eb)

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Einsatz / Bundeswehr

Zur Situation in Erbil

Foto: Bundeswehr

Im Gespräch: Robert H. interviewt den Oberbürgermeister von Erbil, Nihad Latif Qoja.

Wie stellt sich die Situation in Erbil heute dar? Die Sicherheitslage ist deutlich besser geworden. Erbil war immer schon eine sehr sichere Stadt. Nach dem überraschenden Angriff von IS (Anmerkung der Redaktion: Terrormiliz „Islamischer Staat“) ist die Stadt jedoch wachgerüttelt worden. IS stand zwar damals bereits 20 Kilometer vor Erbil, aber mit Hilfe der Peschmerga und unserer Alliierten konnten wir die IS-Truppen zurückdrängen. Wir sind inzwischen soweit, dass Erbil selbst wieder sehr sicher ist. Ich gehe immer nachmittags und abends ganz allein auf die Straße. Wir haben viele deutsche und auch andere ausländische Mitbürger, die hier weitgehend in Sicherheit leben. Ich kann sagen, Erbil ist eine sichere Stadt wie andere Städte auf dieser Welt auch. Das Leben hat sich wieder normalisiert.Die Wirtschaftskraft ist

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jedoch zurzeit am Boden. Mit der letzten Vereinbarung zwischen der kurdischen Regionalregierung und der neuen irakischen Zentralregierung über die Verteilung der Finanzmittel werden wir nun versuchen, die wirtschaftliche Situation zu verbessern und den Geschäftsleuten den Rücken zu stärken, damit das Geschäftsleben in Erbil wieder erblüht. In und um Erbil sind viele Flüchtlinge. Wie kommen die Menschen in Erbil mit dieser Situation zurecht? Da wir Kurden als Flüchtlinge selbst oft im Ausland und in den Nachbarländern gelebt haben, kennen wir dieses Gefühl auf der Flucht zu sein sehr gut. Unsere Bürger haben ihre Hilfsbereitschaft und ihre große Solidarität gegenüber diesen Flüchtlingen gezeigt. Ohne diese Solidarität der Bevölkerung wären wir nicht

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in der Lage, diese große Zahl an Flüchtlingen aufzunehmen. Unsere Freunde aus den USA, aus Europa und besonders aus Deutschland helfen uns permanent und stärken uns den Rücken. Wir sind dabei, diese Menschen soweit zu unterstützen, dass sie gut über den Winter kommen. Wie ist Ihr Eindruck über die Zusammenarbeit mit den Deutschen? Wie soll ich das sagen – als deutscher Staatsbürger, der ich bin, oder als kurdischer Bürger? Ich persönlich freue mich besonders darüber, dass die Deutschen sich in dieser Region so stark engagieren. Die Deutschen haben hier immer einen sehr guten Ruf gehabt und die Kurden empfinden sehr große Sympathien für sie. Das hängt auch damit zusammen, dass die Deutschen nicht nur jetzt, sondern auch Anfang

Führungswechsel bei „Active Fence“

Kahramanmaras. Mitte Januar hat der Stellvertretende Kommandeur des Flugabwehrraketengeschwaders 1 in Husum, Oberst Wolfgang Rasquin, die Verantwortung über das deutsche Einsatzkontingent Active ­ Fence ­ Turkey von Oberst Thorsten Ilg übernommen. Die Ü bergabe führte der Stellvertretende Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Brigadegeneral Thorsten Poschwatta, durch. (eb)

Liberia: Operation „United Assistance“

Erbils Oberbürgermeister äußert Freude und Dankbarkeit über das deutsche Engagement. Erbil. Nihad Latif Qoja, Oberbürgermeister der Stadt Erbil, schildert die derzeitige Situation in Erbil. Er spricht Ende Januar mit Major Robert H. über die aktuellen Herausforderungen sowie die Zusammenarbeit mit den deutschen Soldaten. Qoja ist Kurde und deutscher Staatsbürger. Er war in Deutschland in den 80er Jahren als Politiker und Dolmetscher tätig. Als Bürgermeister übernahm er 2004 die Verantwortung für eine Stadt, welche gezeichnet war von den Auswirkungen der letzten Kriege und Embargos gegen den Irak. Qoja zufolge habe sich die Lage seiner Stadt seitdem aber verbessert.

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Foto: Vennemann/RedBw

Broadway in Mali: die Bremer Musical Company (BMC) gab kürzlich ein Live-Konzert für die soldaten der europäischen trainingsmission Mali in Koulikoro. Organisiert wurde dies durch die „Oase“, die Evangelische und Katholische arbeitsgemeinschaft für die soldatenbetreuung im Einsatz. Musicalsängerin sara dähn sang viele bekannte Musical-hits. Begleitet wurde sie am Klavier von thomas Blaeschke. Für das international besetzte Einsatzkontingent in Mali und seine soldaten war dies das erste Live-Konzert. im Einsatzlager am ufer des Flusses niger konnten die soldaten songs aus Mamma Mia, Cabaret, oder anastasia genießen. die zweistündige show begeisterte die soldaten. „Für dieses besondere musikalische Erlebnis nach fast fünf Monaten im Einsatz in Mali sind wir sehr dankbar“, so der Kommandeur des deutschen Einsatzkontingents, Oberstleutnant ralf Peter hammerstein. auch in Einsätzen in afghanistan, Kosovo oder Bosnien hatte die „Oase“ bereits Musiker der BMC für die soldaten auf die Bühne gebracht. dähn begeisterte auch tagsüber mit ihrer stimme, hier allerdings als musikalische untermalung beim Gottesdienst. Für die 23-jährige sängerin war dies bereits der dritte auftritt in einem Einsatzgebiet der Bundeswehr. sie selbst ist international tätig und sang bereits mehrere Musicalhauptrollen.

aktuell

der 90er Jahre viel Hilfe geleistet haben. Die Entscheidung der Bundesregierung, Waffen hierher zu schicken, haben wir alle sehr begrüßt. Gerade weil jeder Kurde hier weiß, dass diese Entscheidung eine historische Entscheidung war. Ich hoffe, dass die deutschen Soldaten, die hier seit einigen Monaten sind, unsere Dankbarkeit darüber spüren können. Deswegen lassen Sie mich im Namen der Bürger von Erbil und aller irakischen Kurden der deutschen Bevölkerung und ihrer Regierung noch einmal ausdrücklich und von tiefstem Herzen dafür danken, dass sie uns mit den Lieferungen und ihrem Engagement helfen. Ohne diese Hilfe wären wir heute nicht in der Lage, hier gemeinsam zu sitzen und uns über diese Situation zu unterhalten.

Monrovia. Ein Vertrag zur gegenseitigen medizinischen Hilfe und Unterstützung haben Mitte Januar Oberfeldarzt Christian J. und der Kommandoarzt Oberstleutnant Matt Fandre im Rahmen von „United Assistence“ unterzeichnet. Damit wird die zukünftige deutsch-amerikanische Zusammenarbeit im medizinischen Bereich festgelegt. An der Veranstaltung nahmen neben den Vertretern des Bundeswehranteils der Mission „Humanitäre Hilfe Westafrika“ und des Joint Forces Command in Liberia, ebenso Barbara R., Einsatzleiterin des Deutschen Roten Kreuzes teil. (eb)

„Lübeck“ schützt „Liberty“

Foto: Bienert/RedBw

Foto: Bundeswehr

2. Februar 2015

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Die Fragen stellte Robert H.

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aktuell Bundeswehr

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Die Truppe ist der zentrale Kompass Katrin Suder ist seit vergangenem Jahr Staatssekretärin im Verteidigungsministerium. Zu ihrem umfassenden Paket gehört insbesondere der Bereich Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung – im aktuell-Interview lässt sie das erste halbe Jahr Revue passieren.

Souverän: Staatssekretärin Katrin Suder führt mit Überzeugung und scharfer Analytik.

Berlin. Die promovierte Physikerin Katrin Suder ist seit August 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg). Eine Personalie, die im Sommer vergangenen Jahres viele überrascht hat, denn Suder war zuvor viele Jahre Partnerin in einer Unternehmensberatung. Mit der 43-Jährigen bin ich in ihrem Büro verabredet. Auf dem Sideboard steht ein kleiner Auszug ihres Aufgaben-Portfolios: Ein Uboot-Modell, ein Kampfjet als Anstecknadel, ein kleiner Hubschrauber und ein Panzer aus Massivholz. Neben einigen gerahmten Fotos von den ersten Stationen als Staatssekretärin im In- und Ausland findet sich auch eine Buntstiftzeichnung ihrer ältesten Tochter. Der für mich überraschendste Einrichtungsgegenstand ist aber das Flipchart in der Ecke. Flipcharts sind eher selten in Büros von Staatssekretären. Ein

Erinnerungsstück an Ihre vorherige Tätigkeit als Unternehmensberaterin oder nutzen Sie das tatsächlich noch? Das wird tatsächlich benutzt; Sie können meine Mitarbeiter fragen. Ich finde es bei Besprechungen hilfreich: Gedankenstütze, aber auch weil es uns dabei hilft, umfangreiche Zusammenhänge so zu kondensieren und vor allem so zu strukturieren, dass sie auf ein Blatt Papier passen. Außerdem sind so alle auf dem gleichen Stand, weil es ja für alle sichtbar geschrieben steht. Und ganz ehrlich: Für ein Erinnerungsstück finde ich das gute Stück dann doch nicht dekorativ genug. Wenn Sie Sätze sagen wie „Rüstung ist eine Management-Aufgabe“ oder von „Skills and Wills“ sprechen, lässt sich Ihre berufliche Herkunft nicht leugnen... Die will ich auch gar nicht verleugnen. Außerdem wäre ich

ohne meine berufliche Erfahrung heute nicht hier. Und natürlich ist Rüstung (auch!) eine Managementaufgabe. Das Verteidigungsministerium ist doch keine Würstchenbude: Unser Haushalt beträgt mehr als 30 Milliarden Euro, wir haben derzeit rund 2300 laufende Rüstungsvorhaben, wir schließen pro Jahr rund 7000 Verträge und investieren soviel in Forschung und Entwicklung wie ein mittlerer Pharmakonzern. Hätte die Bundeswehr eine Bilanz, würden allein die laufenden Rüstungsvorhaben bereits mit 88 Milliarden Euro Investitionsvolumen zu Buche schlagen. Das wäre etwa zweimal soviel wie das der Deutschen Bahn. Ganz zu schweigen von der Verantwortung gegenüber den mehr als 180 000 Soldatinnen und Soldaten, den mehr als 90 000 Zivilbeschäftigten der Bundeswehr und den rund 2000 Beschäftigten hier im Ministerium. Das alles geht nur mit klaren Kommunikations- und Entschei-

Und was hilft der Staatssekretärin Suder dabei mehr: Die Erfahrung der Managerin Suder oder die der Physikerin Suder? Das lässt sich so eindeutig nicht trennen. Als Physikerin treibt mich das Bedürfnis, Dinge zu verstehen und ihnen auf den Grund zu gehen. Wie Einstein - mutmaßlich - sagte: ‚Wir müssen Dinge einfach machen, aber nicht zu einfach.‘ Viele Rüstungsthemen sind schwierig. Sehr schwierig sogar. Weil sie viele Dimensionen umspannen. Ohne ein tiefgreifendes Verständnis für die Zusammenhänge können Sie keine nachhaltige, nachvollziehbare und belastbare Strategie ­entwickeln. Andererseits musste ich als Managerin immer wieder Entscheidungen treffen, ohne selber bis ins letzte Detail analysieren zu können. Muss ich Menschen motivieren, mitnehmen und führen – muss ihnen und ihrer Arbeit mit Respekt begegnen und mich darauf abstützen. Für schwierige Situationen gibt es dann noch das Patentrezept meiner vierjährigen Tochter [lacht]: Fünfmal „Warum“ fragen, eine sehr bewährte Regel. Im Ernst: Probieren Sie es selbst einmal aus, wenn Sie vor einer schwierigen Entscheidung stehen. Wenn Sie das ehrlich durchziehen und nicht vorher abbrechen, werden Sie sehen, dass man durch beharrliches Warum-Fragen sehr nah an des Pudels Kern kommt. Die „Agenda Rüstung“ verlangt wahrscheinlich nach einer

Reihe von „Warum-Fragen“ und noch mehr Entscheidungen. Wo steht das Ministerium bei diesem wichtigen Projekt momentan? Den ersten Schritt haben wir getan: Eine ehrliche Bestandsaufnahme. Das war teilweise schmerzhaft und unerfreulich, aber um die Bundeswehr, die Soldatinnen und Soldaten bestmöglich auszustatten, war eine solche schonungslose Analyse unabdingbar. Wenn Sie irgendwo hin wollen, müssen Sie zunächst einmal wissen, von wo Sie starten. Die Ergebnisse haben in der Öffentlichkeit dann für ziemliches Aufsehen gesorgt... Leider ist in der Öffentlichkeit vor allem ein schiefes Bild entstanden und das haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch unsere Soldatinnen und Soldaten in keiner Weise verdient! Zeitweise wurde der Eindruck vermittelt, als gäbe es kein einziges einsatzfähiges Waffensystem. Dem ist natürlich keinesfalls so! Immerhin hat es bei allem Aufruhr auch etwas bewirkt: Rüstungsthemen sind nicht mehr nur Randthema einer mehr oder weniger abgeschotteten Community, sondern beschäftigen die Gesellschaft in der Breite. Und da gehört das Thema auch hin. Schließlich geht es um Verteidigung, um die Sicherheit unseres Landes. Es geht um Rüstungsgüter, die wir brauchen, um in Krisenfällen schnell einsatzbereit zu sein und unseren Bündnisverpflichtungen nachkommen zu können. Das geht uns alle an. Und da es uns alle angeht, ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit weiß, was wir tun und warum wir es tun.

falsche oder ungünstige Entscheidungen werden nun mal getroffen. So ist das Leben. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Vertuschen macht Dinge erfahrungsgemäß schlimmer. Ich gebe zu, das alles braucht Zeit und Vertrauen, aber es katapultiert eine Organisation wirklich nach vorne.

Foto: Vennemann/RedBw

Foto: Hannemann/RedBw

dungswegen und – ganz wichtig – mit Transparenz und systematischem Vorgehen. Das alles zusammengefasst nennt man das Management.

Take-Off: Eine „Tiger“ Rotte beim Start – das Waffensystem löst den Hubschraubertyp Bo-105 ab.

Ohne Transparenz gibt es kein Vertrauen. Ohne Vertrauen gibt es keine Unterstützung. Diese Unterstützung ist aber immens wichtig für unsere Soldatinnen und Soldaten. Deshalb ist aus „Wir – die Leitung des BMVg – will es wissen“ ein „Wir – die Öffentlichkeit – will es wissen“ geworden. Das ist eine zentraler Schritt und alles anderes als selbstverständlich. Wie geht es jetzt weiter mit der Agenda Rüstung? Die Agenda Rüstung hat mehrere Elemente. Die wichtigsten drei sind: Erstens die Transparenz. Hier geht es um klare Diagnosen und geteilte Risikosicht. Zweitens ein besseres Management von Großprojekten. Hier liegt der Schwerpunkt auf den Themen Steuerungsfähigkeit und Risikomanagement und drittens gilt es, Fähigkeitslücken gezielt zu schließen, um unsere Soldatinnen und Soldaten bestmöglich auszustatten.

Transparenz klingt immer gut. Aber wie wollen Sie das umsetzen? Wir wollen einerseits Transparenz nach außen – gegenüber Parlament und Öffentlichkeit. Das bedeutet eine pro-aktive Information des Parlamentes: Wir legen dar, warum wir uns wann zu welchen Bedingungen wofür entschieden haben. Unser Ziel ist ein kontinuierlicher, offener, respektvoller Dialog mit Parlament, Gesellschaft und Industrie, um die Agenda Rüstung umsetzen zu können. Mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger, ist aber die Transparenz nach und von innen: Unser Ziel ist es, sicherzustellen – und zwar systematisch, nicht zufallsbedingt, dass wir frühzeitig sehen, falls irgendwo eine Entwicklung möglicherweise in die falsche ­Richtung geht. Hier sind wir wieder beim Thema Managementaufgabe:

Komplexität des Rüstungswesens • 2,7 Milliarden Euro Materialerhaltung • 4,6 Milliarden Euro Militärische Beschaffung • 32 getroffene Auswahlentscheidungen im Jahr 2013 • 120 erfolgreich abgeschlossene F&T-Vorhaben im Jahr 2013

Foto: Wilke/RedBw

Foto: Thieme/Bundeswehr

• 2310 Projekte/Vorhaben • 7774 geschlossene Beschaffungsverträge im Jahr 2013 • rund 9300 Mitarbeiter im BAAINBw Neuer Schützenpanzer: Der „Puma“ hat die Testphase abgeschlossen.

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Kommen wir zu den beiden anderen Punkten: Fähigkeitslücken schließen und eine bessere Durchführung von Großprojekten. Was heißt das und wie soll das gehen? Fähigkeitslücken schließen heißt zum Beispiel konkret, dass wir uns zügig um neue Marinehubschrauber kümmern oder uns mit dem Thema signalerfassende Aufklärung befassen. Auch die Modernisierung von querschnittlichen Fähigkeiten wie Transport oder Kommunikation kommen hier ins Spiel. Was die Steuerung der Großprojekte betrifft: Wir überarbeiten Meldewege und Projektstrukturen. Die Meldekette ist bereits deutlich verkürzt, ohne dabei die Hierarchie zu übergehen. Und wir arbeiten an unserer Kultur, zum Beispiel an der Fehlerkultur. Fehler passieren,

Wie behalten Sie bei der Fülle an Aufgaben und Informationen den Überblick? Ich habe doch mein Flipchart [lacht]. Aber im Ernst: Ich würde es eine Kombination aus Methodik und Menschen nennen. Ich habe mir im Laufe meines Lebens eine Reihe von ­Steuerungsinstrumenten angeeignet – und ich habe hier ein wirklich gutes Team. Was treibt Sie an? Das gleiche wie die meisten hier. Ich konzentriere mich auf mein Ziel, meinen Auftrag: Unseren Soldatinnen und Soldaten das bestmögliche Material

Haben Sie noch Zeit für sich selbst, die Familie und Hobbys? Aber natürlich. Ich habe zwei kleine Töchter, die fragen nicht nach Zeit, die nehmen sie sich – und das ist gut so. Auch Sport und Theater oder Filme sind für mich, so es denn geht, ein wichtiger Ausgleich. Ich muss aber zugeben, das unter zu einen Hut zu bringen, ist nicht ganz einfach. Haben Sie einen Leitspruch, der Ihr Leben begleitet? Ja, und zwar – wie könnte es anders sein – von einer Physikerin. Marie Curie sagte einst: „Man muss vor Nichts im Leben Angst haben, man muss es nur verstehen.“ Die Fragen stellte Norbert ­Stäblein. Das komplette Interview mit Staatssekretärin Suder findet sich unter www.bmvg.de.

Vita – Staatssekretärin Katrin Suder

• 1 Milliarde Euro Forschung & Technologie (F&T)

Hinweis

Sie brauchen klare Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen.

Welchen Einfluss haben persönliche Gespräche mit Bundeswehrangehörigen auf der einen und mit der Industrie auf der anderen Seite auf Ihre Arbeit und Entscheidung? Im Koalitionsvertrag steht: „Die Bundeswehr beschafft, was sie benötigt und nicht das, was ihr angeboten wird.“ Mein Ziel als Staatssekretärin ist es, die Soldatinnen und Soldaten mit dem bestmöglichen Material auszustatten. Also ist die Truppe als Nutzer für mich der zentrale Kompass wenn es um das „Was“, sprich den Bedarf geht. Die Industrie kommt dann beim „Wie“ sprich der Umsetzung zum Zug.

zur Verfügung zu stellen. Eine sehr große Verantwortung, die fokussiert und motiviert. Deshalb bin ich hier. Es ist ein schiefes Bild von der Truppe draußen entstanden und das wollen wir gemeinsam wieder gerade rücken. Aber die derzeitige Situation ist letztlich eine große Chance, wir sollten und müssen sie nutzen: Mehr Sachlichkeit verknüpft mit Ergebnisorientierung. Das haben auch unsere Soldatinnen und Soldaten verdient. Dass wir uns offen und ehrlich, transparent und inhaltlich mit den anstehenden Themen auseinandersetzen. Wenn uns das gelingt, dann können wir viel erreichen.

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Hinweis

Katrin Suder wird am 27. September 1971 in Mainz geboren. An der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen studiert sie zunächst Physik auf Diplom und promoviert an der Ruhr-Universität Bochum im Jahr 2000 im Bereich der theoretischen Physik. Parallel dazu studiert sie deutsche Literatur und Theaterwissenschaften. Hier schließt sie mit dem Bachelor of Arts ab. Während ihres Studiums ist sie Stipendiatin bei der Studienstiftung des deutschen Volkes. Im Anschluss an ihr Studium nimmt sie im Oktober 2000 eine Tätigkeit bei er Unternehmensberatung McKinsey&Co auf. Ab 2007 leitet sie deren Berliner Büro. 2010 wird sie Direktorin und Leiterin des Öffentlichen Sektors in Deutschland. Sie befasst sich in dieser Zeit auch mit Fachkräftemangel und Diversity Management. Im Zuge dieser Tätigkeit betreut sie federführend unter anderem die Bundesagentur für Arbeit, diverse Bundesministerien sowie führende europäische Konzerne. Bis zu ihrem Ausscheiden ist sie zudem für die Personalentwicklung aller Berater in Deutschland zuständig. Am 1. August 2014 wird sie als beamtete Staatssekretärin im Bundesministerium der Verteidigung vereidigt mit dem Verantwortungsbereich „Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung“ und „Planung“. Katrin Suder lebt mit ihren zwei kleinen Kindern in Berlin und engagiert sich für die Kinderrechtsorganisation „Save the Children“. (eb)

Bewährtes Hilfsmittel: Flipchart mit wichtigen Stichpunkten.

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Hinweis

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aktuell

bundeswehr

2. Februar 2015

2. Februar 2015

Bundeswehr

aktuell

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Profis unter Wasser – die Pioniertaucher des Heeres aus Havelberg

Studenten helfen Flüchtlingen

Foto: Helene Heldt

Die Taucher des Panzerpionierbataillon 803 sind eine Besonderheit in der Bundeswehr. Für sie sind das Schweißen, Schneiden, Bohren und Sprengen unter Wasser kein Problem.

hamburg. Mehr als 200 Umzugskartons mit Winterkleidung, Schuhen, Kinderspielzeug und vielem mehr sammelten die Studenten der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg in den vergangenen zwei Wochen. Die Kleiderspende geht an bedürftige Flüchtlinge, die seit Anfang des Jahres gegenüber dem Campus untergebracht sind. Zur Sammlung aufgerufen hatte der Studentische Konvent. Zahlreiche Soldaten halfen beim Sortieren der Spenden. Zusätzlich wurde die Aktion „1000 Socken für Jenfeld“ ins Leben gerufen, weil diese viel zu selten gespendet werden. Rund 450 Euro sind bereits zusammen gekommen, um davon möglichst viele Socken für die im Hamburger Stadtviertel Jenfeld untergebrachten Flüchtlinge zu kaufen. Im Februar organisieren die Studenten einen Nachmittag mit Kuchen und Spielen für Kinder und deren Eltern. „Es geht darum, nicht nur nebeneinander zu leben, sondern auch miteinander“, sagt Leutnant zur See Julian Faupel, Vorsitzender des Studentischen Konvents. Die gesamte Aktion mit Kleidersammlung und Veranstaltungen von Soldaten und Flüchtlingen wird noch bis mindestens Ende Juni laufen. (kha)

von Franziska Hölscher (Text) und Manfred Jungenblut (Fotos) havelberg. Sie sind die Spezialisten der Tiefe: Die Heerestaucher des Panzerpionierbataillons 803 aus Havelberg sind eine Besonderheit in der Bundeswehr. Sie können all das, was die klassischen Pioniere an Land verrichten, auch unter ­Wasser leisten.

Das Wasser darin hat angenehme 24 Grad. Oberstabsgefreiter Nikolai Engel macht sich bereit. Er soll als Helmtaucher ein Ventil unter Wasser in seine Bestandteile zerlegen und es anschließend wieder zusammensetzen. Routine für einen Pionier. Unter Wasser hat das Arbeiten mit Schraubenschlüssel und Schraubenzieher aber noch einmal eine andere Dimension. Die Ausrüstung eines Helmtauchers wiegt mit etwa Mit dem schweißgerät unter wasser 90 Kilogramm – rund 40 Kilo zu arbeiten gehört zur routine. mehr als die normale Taucherausrüstung. Beim Anlegen des Spezialanzugs wird der Taucher daher von zwei seiner Kameraden unterstützt. Rund 15 Minuten dauert die Prozedur, dann kann es losgehen. Ganz langsam und Schritt für Schritt erklimmt Engel die Treppe zum I n e s Tauchtopf. Er hält noch einmal ­Berkhahn. kurz inne, dann taucht er ab. Als TauchmediziPer Sprechfunk hält er zu sei- nische Assistentin ist sie für nen Kameraden an der Was- die medizinische Betreuung der seroberfläche Kontakt. Vor Taucher zuständig. Sicherheit Ort ist auch Hauptfeldwebel geht schließlich vor.

Oberfeldwebel Stephan Krüger macht sich für den Tauchgang bereit und geht alle Abläufe noch einmal durch.

Chirurgen tagen in Ostfriesland

Neue Ausgabe des Y- Magazins ist da

Mehr als 150 Ärzte bei ARCHIS im Bundeswehrkrankenhaus Westerstede.

Foto: Naumann/RedBw

berlin. „Zwischen den Fronten“ ist das Titelthema der neuen Ausgabe des Magazin, das s am vergangenen Freitag an den Start gegangen ist. Darin wird die Rolle von Journalisten beleuchtet, die weltweit immer mehr zu Opfern in internationalen und innerstaatlichen Konflikten werden. Der völkerrechtlich garantierte Schutz von Berichterstattern wird von vielen Konfliktparteien oftmals nicht mehr respektiert. Weiterhin geht es im neuen Heft um den Kosovo-Einsatz, sowie um die außergewöhnlichsten Wintersportarten. (pfr)

HINWEIS

In der deutschlandweit einzigartigen Ausbildungsanlage im Taucherausbildungszentrum Havelberg im Norden SachsenAnhalts werden die Tauc h e r d e s Heeres ausgebildet. Das Herzstück der Anlage ist der sieben Meter tiefe Tauchtopf.

Arbeiten unter Zeitdruck: Ärzte operieren an chirurgischen Puppen.

westerstede. Das Bundeswehrkrankenhaus Westerstede war in der vergangenen Woche Gastgeber der jährlichen Tagung des „Arbeitskreises chirurgisch tätiger Sanitätsoffiziere“ (ARCHIS).

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Die wichtigste Tagung für das Fachgebiet Chirurgie fand bereits zum 22. Mal statt. Mehr als 150 Spezialisten aus allen Bundeswehrkrankenhäusern waren dafür nach Ostfriesland gereist.

Neben Fachvorträgen und Diskussionen hatte die dreitägige Tagung auch eine sportlich-militärische Komponente. So maßen bereits am vergangenen Mittwoch fünf Teams aus den verschiedenen Bundeswehrkrankenhäusern ihre Kräfte beim Marsch und auf der Hindernisbahn. Außerdem hatten die Kameraden am Standort einen besonderen Parcours aufgebaut, der den Teilnehmern eine Kombination aus medizinischen und soldatischen Fähigkeiten abverlangte. So hatten jeweils Viererteams aus Chirurgen, Anästhesisten und Sanitätern zunächst unter Feuer verwundete Kameraden eines angegriffenen Konvois zu bergen und deren Wunden zu versorgen. Anschließend wurde in

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einem OP-Zelt an chirurgischen Puppen unter Feldbedingungen eine genauere Untersuchung vorgenommen, wobei die „Verwundeten“ für den Transport ins Hinterland zu stabilisieren waren. Abschließend mussten die Ärzte zeigen, wie sie mit einem größeren Anfall von Verwundeten binnen kurzer Zeit klar kamen. Oberstabsarzt Jens Beuche, Oberarzt in der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie in Westerstede, war mit den Resultaten zufrieden. „Das war eine gelungene Veranstaltung, bei der wir die Kameraden fachlich und körperlich gleichermaßen fordern konnten.“ Am Ende hatte das Team aus Ulm im sportlichen Contest knapp die Nase vorn. Im kommenden Jahr findet die Tagung in Hamburg statt. (mat)

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HINWEIS

Im Ernstp to: Fo fall werden die Taucher bis zu einer Tiefe von 52 Metern eingesetzt. Wie selbstverständlich ist für sie dabei das Arbeiten im trüben und oft stockdunklen Wasser. Meist können sie sich ihr Arbeitsumfeld nur ertasten. „Im Tauchtopf in Havelberg haben wir bei klarer Sicht ideale Bedingungen, um die Taucher auf den Einsatz vorzubereiten. Wenn es drauf ankommt, muss jeder Handgriff sitzen und wir müssen uns blind aufeinander at riv

verlassen können“, sagt Ausbildungsleiter Stabsfeldwebel Lutz Wendt. Trainiert wird zum Beispiel das Arbeiten mit Hammer und Meißel, mit einer Kettensäge oder einem Brennschneider. „Wir können schweißen, schneiden, bohren, sprengen und Betonfundamente unter Wasser gießen“, ergänzt Wendt. Alles reine Nervensache. Spektakulär ist bei der Ausbildung vor allem das Trennen eines Stahlstücks mithilfe eines Brennschneiders. Bei diesen Arbeiten kommt Helmtaucher Engel zum Einsatz. In seinem speziellen Taucheranzug hat er einen festen und sicheren Stand. Konzentriert setzt Engel den Brennschneider an und bringt seine Arbeit in der vorgegebenen Zeit erfolgreich zu Ende. Dabei wird er auch unter Wasser von seinen Kameraden unterstützt. Durch das Arbeiten mit dem Brennschneider wird das Wasser im Tauchtopf langsam immer trüber, bis es am Ende wie eine große Tasse Kaffee aussieht. Eine Vorbereitung auf reale Einsatzbedingungen in natürlichen Gewässern. Damit bei der Ausbildung alles rund läuft und kleine handwerkliche Unsauberkeiten sofort beseitigt werden, ist Oberfeldwebel Stephan Krüger als Ausbilder die ganze Zeit dabei.

Beim Auftauchen des Helmtauchers kommt das Wasser ordentlich in Bewegung.

HINWEIS

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„Ich kontrolliere die Arbeiten im Wasser und bin sowohl für die Einweisung in den Tauchgang als auch später für die Nachbesprechung verantwortlich“, erklärt der Spezialist. Rund fünf Jahre hat seine Ausbildung gedauert, die mit der Grundlagenausbildung an der Pionierschule in Ingolstadt begonnen hat, zu der auch die ­Taucherausbildungsanlage in Havelberg gehört.

Ausbildung in der Druckkammer In Ingolstadt erlernen die Soldaten zunächst das Tauchen

Der sichere Umgang mit dem Brennschneider unter Wasser muss trainiert werden.

Fluss geräumt werden muss, damit militärische Fahrzeuge das Gewässer durchqueren können. Aber auch b ei dem Das Anlegen des HelmtaucherB e s e i t i gen anzugs geht nur mit der von Minen und Unterstützung der Sprengfallen, dem Kameraden. Bergen von Fahrzeugen aus dem Wasser oder als dem Abdichten eines Deiches Grundfertigkeit. bei Hochwasser, kommen sie Sie werden dabei zum Einsatz. mit den verschiedenen Geräten, Anzügen Spezialisten auf und und Tauchverfahren unter Wasser vertraut gemacht. Die praktische „Das Besondere ist, dass wir A u s b i l d u n g Taucher des Panzerpioniererfolgt dann bataillons 803 aus Havelberg in Haveleben nicht zur Marine, sondern berg. zum Heer gehören“, sagt der Stabsfeldwebel. Er sieht sich und seine Neben Truppe dem Tauchselbst als Speziatopf, der auslisten an, auf und unter Wasschließlich aus Kunstser. „Für uns Taucher stoff gefertigt ist und nicht stellt jeder Tag rosten kann, gibt es hier noch eine neue Hereine Schwimmhalle und zwei ausforderung Druckkammern. dar. Wir wissen nie, welche Die Pioniertaucher des Aufgaben auf uns warten und Heeres werden immer dann mit welchen schwierigen Witteeingesetzt, wenn es für ihre rungsbedingungen wir in einem Kameraden anderer Truppen- Einsatz zu kämpfen haben. Das teile nicht mehr weiter geht. macht unseren Job aber auch so Beispielsweise bei einer einge- ­pannend.“ stürtzten Brücke oder wenn ein Zurzeit gehören zu dem dickerer Baumstamm aus einem Team in Havelberg zehn Sol-

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daten. Ende des Jahres soll es einen kompletten Zug mit 27 Tauchern in drei Tauchgruppen geben. Die Aufgaben eines Heerestauchers sind fordernd. Physische und Psychische Belastungsfähigkeit und körperliche Fitness gehören ebenso dazu wie handwerkliches Geschickt und Teamfähigkeit. „Wer einmal seine Leidenschaft fürs Tauchen entdeckt hat, kommt davon nicht mehr los. Wir Taucher in Havelberg sind wie eine Familie zusammengewachsen und freuen uns selbstverständlich über Verstärkung“, betont Wendt. Die Pioniertaucher sind immer auf der Suche nach Kameradinnen oder Kameraden, die das Team unterstützen möchten und sich im nassen Element zu Hause fühlen. Die Taucherausbildungsanlage wird aber nicht nur von der Bundeswehr genutzt. Sie steht auch NATO-Partnern zur Verfügung. Aber auch das Deutsche Rote Kreuz, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, die Bundespolizei oder die Landesbereitschaftspolizei aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern kommen zur Ausbildung nach Havelberg. Am Ende des Ausbildungstages im Tauchtopf klettern die Kameraden um Helmtaucher Engel zufrieden aus dem Wasser. Jetzt heißt es durchschnaufen und neue Kraft tanken. Auch Tauchergruppenführer und Ausbilder Krüger ist mit der Leistung seiner Kameraden mehr als zufrieden. Die Pioniertaucher des Heeres aus Havelberg sind als Handwerker unter Wasser eben absolute Spezialisten in der Bundeswehr.

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aktuell

Militärgeschichte

2. Februar 2015

„Schild und Schwert“ der Partei Die DDR gründet am 8. Februar das „Ministerium für Staatssicherheit“ – Vorbild waren KGB und Tscheka.

geschichte. „Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na, ich liebe doch – Ich setze mich doch dafür ein.“ Diese wirren Worte eines Greises in der Volkskammer der DDR am 13. November 1989 werden von vielen Abgeordneten mit höhnischem Gelächter quittiert. Sie markieren das Ende einer Ära. Das Ende des mächtigen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Der rhetorisch so unglücklich agierende alte Mann war niemand anders als Erich Mielke, Armeegeneral und jahrzehntelang mächtiger Chef der „Stasi“. Er hatte das Ministerium von 1959 an über 40 Jahre hinweg zu einem entscheidenden Machtinstrument der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) ausgebaut. Bis zum Herbst 1989 hatte wenig darauf hin gedeutet, welch unrühmliches Ende Mielke und seine Behörde nehmen würden. Die Geburtsstunde des MfS schlug am 8. Februar 1950. Einer der Taufpaten war das sowjetische KGB, dessen Selbstverständnis das MfS übernahm. „Schild und Schwert der Partei“ wollte der Apparat sein. Ebenso wie die Tscheka, die berüchtigte Geheimpolizei der frühen Sowjetjahre und Vorläuferorganisation des KGB. Das neue Amt baute auf sowjetisch geprägten Diensten auf, die seit Einrichtung der Sowjetischen Besat-

Foto: ullstein

von Markus Tiedke

Alte Garde: Mielke (M.) bei einer Kundgebung im September 1989.

zungszone aktiv gewesen waren. Letzten Ausschlag für die Gründung des MfS gab – sowjetischen Bedenken zum Trotz – der Wille der DDR-Staatsführung. Um seine Aufgaben erfüllen zu können, wirkte das MfS nach innen und außen. Die „Hauptverwaltung Aufklärung“ (HVA) entsandte „Kundschafter“ ins Ausland, um Einfluss auf die Politik beim Klassenfeind zu nehmen. Informationen wurden auf jede erdenkliche Weise abgeschöpft, „Feinde“ der DDR auch in fremden Staaten verfolgt. Das heute bekannteste Beispiel für diese Aktivitäten lieferte Kanzleramtsspion Günter Guillaume, dessen jahrelange Tätigkeit in der SPD 1974 zum Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt führten. In der DDR selbst richtete sich die Arbeit vornehmlich gegen tatsächliche oder vermeintliche Gegner der SED. Die Unterdrü-

ckung von Kritik wurde durch Maßnahmen wie systematische Einschüchterung und Überwachung umgesetzt. Oppositionelle Gruppen wurden gezielt infiltriert und zersetzt. Bei Bedarf setzte das MfS auch nackten Terror gegen Oppositionelle ein. Spätestens mit dem Mauerbau 1961 konnten Dissidenten das Land nicht mehr ohne weiteres verlassen und waren Repressalien ausgeliefert. Der personelle Aufwand für die Überwachung der eigenen Bevölkerung war beträchtlich. Von anfänglich rund tausend Mitarbeitern schwoll die Behörde bis Ende 1989 auf mehr als 90 000 Mitarbeiter an. Unter ihnen befanden sich auch etwa 13 000 Zeitsoldaten. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung kam auf 180 DDR-Bürger ein hauptamtlicher Mitarbeiter – eine bis heute einmalige „Betreuungsquote“.

Zusätzlich zu den hauptberuflichen Mitarbeitern gab es ein weit gespanntes Netz an Informanten in der DDR. Diese „Inoffiziellen Mitarbeiter“ (IM) bespitzelten im Auftrag der Stasi meist Kollegen, Freunde und Angehörige. Nicht immer taten sie dies aus Überzeugung oder um persönlicher Vorteile willen. Viele IM wurden vom MfS auch unter Druck gesetzt oder bereits als Jugendliche rekrutiert. Das gezielte Ausnutzen von persönlichen Bindungen zur Informationsbeschaffung war aus Sicht des MfS erfolgreich. Für das Leben der Menschen hatte diese Vorgehensweise von „Horch und Guck“ katastrophale Auswirkungen. Aktuell gehen Wissenschaftler davon aus, dass Ende der 80er Jahre mehr als 100 000 DDR-Bürger als IM spitzelten. Mitunter wird sogar die Zahl von mehr als 173 000 genannt. Weit

mehr als 600 000 Inoffizielle sollen es über die knapp 40 Jahre des Bestehens der Stasi insgesamt gewesen sein. Die Enthüllungen über das Ausmaß der Ausspähung durch hauptamtliche und inoffizielle Mitarbeiter des MfS erwiesen sich später als schwere Hypothek für die Gesellschaft in der ehemaligen DDR. Nur vier Tage nach Mielkes denkwürdigem Auftritt in der Volkskammer wurde das MfS in „Amt für Nationale Sicherheit“ (AfNS) umbenannt. Die geplante, mehr oder minder heimliche Abwicklung verhinderten tausende Bürger, die zum Jahreswechsel 1989/90 überall in der DDR die Dienststellen des Apparates besetzten. Noch im Dezember 1989 erfolgte der Beschluss zur Auflösung des AfNS, die HVA folgte im Februar 1990 und Ende März waren alle ehemaligen Stasi-Mitarbeiter entlassen.

Die Stasi aus der Innenperspektive Ausstellung. In „Haus 1“, dem heutigen Stasi-Museum, informiert eine neue Ausstellung unter dem Titel „Staatssicherheit in der SED-Diktatur“ über das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als Geheimpolizei der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED). Der Fokus liegt auf Personen und Arbeitsweise im MfS.

Stasi-Museum Berlin Ruschestraße 103 10365 Berlin Mo. bis Fr.: 10.00 - 18.00 Uhr Sa. & So.: 12.00 - 18.00 Uhr Alle weiteren Informationen zur Ausstellung und dem Museum unter www.stasimuseum.de.

Militärisches Ziel und humanitäre Katastrophe Beim Untergang der „Wilhelm Gustloff“ sterben so viele Menschen wie nie in der Geschichte der Seefahrt.

geschichte. Es ist ein eisigkalter Tag im ostpreußischen Gotenhafen. An diesem 30. Januar 1945 herrschen Schneetreiben und Hagelschauer. Auf der Ostsee frischt der Wind auf. Ein grau gestrichenes Schiff unter der Flagge der deutschen Kriegsmarine erinnert kaum noch an das einstige Kreuzfahrtschiff „Wilhelm Gustloff“. Mit Flakgeschützen bewaffnet verlässt es am Mittag den Hafen. Die „Gustloff“ war im März 1938 in Dienst gestellt und von der „Deutschen Arbeiterfront“ im Rahmen der „NS -Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF)“ als Kreuzfahrtschiff betrieben

HINWEIS

Foto: Archiv DGSM

von Eberhard Kliem, Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte

Im Grau der Kriegsmarine: Die „Gustloff“ läuft aus Gotenhafen aus.

worden. Die Fahrtpreise waren bewusst niedrig, um auch weniger verdienenden Schichten eine Teilnahme zu ermöglichen. Dieses Konzept wurde begeistert auf-, die an Bord permanente nationalsozialistische Propaganda hingenommen. Ab November 1940 wurde die „Gustloff“ von der Kriegsmarine als Wohnschiff der 2. Uboot-Lehrdivision

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in Gotenhafen an die Pier gelegt. Mit dem beginnenden Zusammenbruch der deutschen Ostfront ab Herbst 1944 fluteten ungeheure Flüchtlingsmassen nach Westen. Fast zweihunderttausend Flüchtlinge und Soldaten hatten sich Anfang 1945 in die wenigen Brückenköpfe an der deutschen Ostseeküste gerettet und hofften auf einen sicheren

Abtransport über See. Der Landweg war bereits durch sowjetische Truppen versperrt. Erst Mitte Januar wurde die Kriegsmarine offiziell mit dem Rücktransport der Menschen betraut. Nun wurde auch die „Gustloff“ eingesetzt. Als sie auslief waren in etwa 9000 Flüchtlinge, 1000 Soldaten und 400 junge Marinehelferinnen an Bord. Genaue Zahlen lassen sich nicht mehr ermitteln. Tausende mussten auf der Pier zurückgelassen werden. Ein Kapitän der Handelsmarine ohne Erfahrung mit einer solchen Situation, zwei jüngere „Fahrkapitäne“ und ein militärischer Transportführer hatten die Verantwortung. Kontroverse Meinungen führten zu fatalen Fehlentscheidungen. So wurde nicht der für sowjetische Uboote kaum

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erreichbare küstennahe Zwangsweg genutzt. Aus Angst vor Maschinenschaden wurde mit nur 12 Knoten nach Westen gedampft und teils wurden sogar die Positionslaternen gesetzt. Geleitschutz bildete nur ein altes Torpedoboot. In der stockdunklen, eisigen und stürmischen Nacht wurde die „Gustloff“ durch drei Torpedos des sowjetischen Ubootes „S-13“ getroffen. Das Schiff sank binnen einer Stunde vor der pommerschen Küste. Die Details des Unterganges und des Todes von mehr als 9000 Menschen – meist Frauen und Kinder – verschließen sich jeder Beschreibung. Nur circa 1200 Menschen wurden gerettet. Der Untergang der „Gustloff“ ist damit die bisher größte humanitäre Katastrophe zur See.

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HINWEIS

2. Februar 2015

SPORT / Vermischtes

Die Rückkehr der Staffel

Foto: dpa/pa

Wider die Natur: Hildebrand und ihre Kameradinnen hatten am Schießstand vor allem den starken Wind als Gegner.

Selbst zwei Strafrunden durch Hildebrand und insgesamt zehn Nachladern bei teils widrigsten Bedingungen konnten den dritten Podestplatz in dieser Saison nicht verhindern.

meier glänzten anschließend am Schießstand. „Wie sie das durchgezogen haben, dafür verdienen sie ein großes Kompliment. So ein Rennen gewinnt man nur gemeinsam“, sagte FrauenBundestrainer Gerald Hönig.

Svendsen macht den Unterschied Die Männer verpassten den ersten Staffelsieg seit vier Jahren nur knapp. Das olympische Silber-Quartett mit Oberfeldwebel Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp belegte nach 4x7,5 Kilometern in Südtirol den zweiten Platz. Nach sieben Nachladern hatte das DSV-Team im Ziel knapp 16 Sekunden Rückstand auf Norwegen, Dritter wurde Frankreich. Startläufer Lesser begann vor 20 000 Zuschauern perfekt und übergab in Führung liegend ohne Nachlader an Böhm. Der 28-Jährige benötigte dann im Stehendschießen drei Extrapatronen

und fiel auf Rang zwei zurück. Anschließend entwickelte sich ein Zweikampf mit den Norwegern. Dank des überragenden viermaligen Olympiasiegers Emil Hegle Svendsen hatten die Skandinavier am Ende die Nase vorn. Für die deutschen Biathleten war es nach Rang zwei in Ruhpolding der zweite StaffelPodestplatz des WM-Winters. Den letzten Team-Erfolg hatte es am 23. Januar 2011 ebenfalls in Antholz gegeben. (sid/eb)

Foto: dpa/pa

Schießen wie im Windkanal

„Es waren extrem schwierige Bedingungen, und mir ist es dann trotzdem gut gelungen. Das ist echt ein Traum“, sagte die überragende Schlussläuferin Dahlmeier, die ohne Extrapatrone auskam. „So etwas Extremes habe ich noch nie erlebt. Ich habe zwischendurch gedacht, ich werde weggeblasen“, kommentierte sie die Windverhältnisse. Startläuferin Hildebrand musste nach dem Stehendschießen zweimal in die Strafrunde. Die 27-Jährige, die am Samstag in der Verfolgung als beste Deutsche auf Rang vier gelaufen war, hatte bei starkem Wind viel Pech und fiel von Rang eins auf 14 zurück. „Das hat gar nicht meinen Vorstellungen entsprochen“, sagte Hildebrand. „Aber am Ende kann es gar nicht besser ausgehen.“ Auch Preuß hatte durch wechselnde Winde große Probleme, doch die 20-Jährige meisterte ihre Aufgabe hervorragend und kam mit drei Nachladern aus. Luise Kummer und Laura Dahl-

Windschnittig: Lesser führt an.

Die kurze Geschichte eines Wunders DVD/BluRay. Stephen Hawking ist wohl einer der außergewöhnlichsten Menschen unserer Zeit. Bei dem 73-Jährigen wird im Alter von 21 Jahren eine unheilbaren Erkrankung des motorischen Nervensystems (Amyotrophe Lateralsklerose; ALS) diagnostiziert. Die Mediziner geben ihm nur noch wenige Jahre zu leben. Doch Hawking überlebt die Prognose. Bis heute hat er als einer der bekanntesten Naturwissenschaftler wesentliche Beiträge zur Astrophysik geliefert. Seine Arbeiten zur Kosmologie und zu Schwarzen Löchern gelten als wegweisend. Die wichtigsten Stationen im Leben des Genies werden in der Dokumentation „Hawking“ von Regisseur Stephen Finnigan festgehalten.

HINWEIS

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In den 90 Minuten erfährt man von der Kindheit Hawkings in Oxford und Cambridge. An den renommierten Universitäten erarbeitet er sich den Ruf eines hochbegabten Talents. Im Studium lernt er auch seine spätere Frau Jane kennen. Sein Aufstieg scheint unaufhaltsam – bis zur Diagnose. Hawking sagt von sich: „Mehr als zwei Drittel meines Lebens habe ich unter dem Damoklesschwert meines nahen Todes gelebt. Ich habe das Verlangen entwickelt, aus jeder einzelnen Minute alles herauszuholen.“ Genau diese Einstellung zum Leben vermittelt das sehenswerte Porträt des Wissenschaftlers auf eindringliche Weise. Dazu trägt vor allem bei, dass der im Rollstuhl sitzende Hawking, der nur über einen

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Flugticket nach Rio gelöst

Die deutschen Biathleten gewinnen in den Mannschaftswettbewerben Weltcup-Gold und -Silber.

Antholz. Die deutschen Biathletinnen haben beim Weltcup im italienischen Antholz den zweiten Staffelsieg des WM-Winters gefeiert. Das junge Quartett mit Oberfeldwebel Franziska Hildebrand, Hauptgefreiter Luise Kummer, Franziska Preuß und Laura Dahlmeier setzte sich kürzlich in einer wahren Windlotterie in Südtirol nach 4x6 Kilometern überlegen mit 35 Sekunden vor Tschechien und 45 Sekunden vor der Ukraine durch. Den bislang letzten Erfolg hatten die Skijägerinnen im Dezember im österreichischen Hochfilzen gefeiert, in Ruhpolding gab es in der Vorwoche Rang drei.

aktuell

Boxen. Oberstabsgefreiter Erik Pfeifer hat dem Deutschen Boxsport-Verband (DBV) vor Kurzem das erste Ticket für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro beschert. Der WM-Dritte gewann in Baku/ Aserbaidschan das WM-Finale im Superschwergewicht (ab 91 Kilogramm) gegen den Marokkaner Mohammed Arjaoui nach Punkten. Der Amateurbox-Weltverband (Association International du Boxe Amateur; AIBA) hatte das Profiprogramm APB erst kürzlich neu geschaffen. Pfeifer gewann also den ersten Titel dieses Wettbewerbs überhaupt. (mh/ab)

Sportsoldaten dominieren Judo. Judo-Vize-Europameisterin Stabsunteroffizier (FA) Miryam Roper hat sich Ende Januar erstmals den deutschen Meistertitel in der Klasse bis 57 Kilogramm gesichert. Ebenfalls Gold holte Stabsunteroffizier (FA) Carolin Weiß in der Klasse über 78 Kilogramm. Stabsunteroffizier (FA) Julia Tillmanns gewann Bronze. Bei den Männern erkämpften Hauptgefreiter Karl-Richard Frey, Schütze Marc Odenthal und Hauptgefreiter Alexander Wieczerzak jeweils in den Klassen bis 100, 90 und 81 Kilogramm Gold. Frey trat dabei gegen Unteroffizier (FA) Dino Pfeiffer an, Schütze Aaron Hildebrand unterlag Odenthal und Wieczerzak rang Schütze Dominic Ressel zu Boden. Die Unteroffiziere (FA) Sven Heinle und Pierre Borkowski erreichten in der Klasse über 100 Kilogramm gemeinsam Bronze. (sid/eb)

Gewinnauslosung Sprachcomputer kommunizieren kann, über weite Strecken der Dokumentation das Wort selbst ergreift. Die Höchstleistungen, die Hawking trotz oder gerade wegen seiner vermeintlichen Einschränkungen vollbringt, sind inspirierend und das Porträt eine klare Empfehlung. Ebenfalls ans Herz gelegt sei die Verfilmung von Hawkings Biographie „Die Entdeckung der Unendlichkeit“, die derzeit im Kino läuft. (sr)

aktuell 2/2015: Je ein Buch zu „Claus Bergen“ gewinnen Gerhard Trinkner, Sabine Schwarz, Peter Münch und Thomas Heimlich.

„Hawking; Die bemerkenswerte Geschichte eines jungen Genies“; Ascot Elite; 2013.

Über die DVD-Box „FIFA WM 2014“ dürfen sich Erich Lemberger, Andy Fehrmann, Robin Trempenau und Christian Zankl freuen.

aktuell verlost je zwei DVDs und BluRays der Dokumentation. Einfach eine E-Mail mit Adresse und Betreff „Hawking“ bis zum 8. Februar senden an [email protected]

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Die Keys für „Giana Sisters“ gehen an Heidi Weber, Herbert Ertl, Rene Sirock, Dominik Ruzicka sowie ­Volker Jansen.

Herzlichen Glückwunsch.

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aktuell

Ausgewählte ­ Medienbeiträge 2. Februar, 23:30 Uhr, ArD: „mythos Dresden – Der lange schatten einer Bombennacht“

Bereits wenige Tage nach dem verheerenden Bomberangriff auf Dresden im Februar 1945 begann die politische Instrumentalisierung. Auf Anweisung von Goebbels wurden die Opferzahlen in die Höhe getrieben. Im Gegenzug bemühten sich die Alliierten, den Angriff als militärische Notwendigkeit zu legitimieren. Damit waren die Eckpfeiler für die bis heute anhaltende Debatte vorgegeben. Dresden wurde zum legendenumrankten Mythos. 70 Jahre nach der Bombennacht versucht die Dokumentation, im Gespräch mit Zeitzeugen, Historikern und Archäologen den Mythos zu dekonstruieren. Youtube-video der Woche: Im türkischen Trabzon legte am 21. Januar das letzte mit Fahrzeugen und Material aus dem ISAF-Einsatz in Afghanistan vollgepackte Schiff ab. Nach insgesamt fünf Seetransporten wird nun der logistische Umschlagpunkt am Schwarzen Meer geschlossen. (eb) Der Beitrag „Letztes Schiff verlässt Trabzon“ unter www.youtube.com/ bundeswehr.

vermischtes

2. Februar 2015

Handwerker unter Wasser Oberstabsgefreiter Nikolai Engel ist beim Panzerpionierbataillon 803 – als Helmtaucher. havelberg. Im Wasser ist Oberstabsgefreiter Nikolai Engel in seinem Element. Schweißen, Bohren und Sprengen sind unter Wasser für den Helmtaucher Routine. Seit vier Jahren gehört der 26-Jährige zur Tauchergruppe des Panzerpionierbataillons 803 aus Havelberg. Ganz wichtig sind dabei neben starken Nerven auch eine überdurchschnittliche Fitness. „Unsere normale Taucherausrüstung wiegt etwa 50 Kilogramm. Wenn wir als Helmtaucher eingesetzt werden, wiegt die Ausrüstung rund 90 Kilogramm. Das ist enorm und stellt für den Körper schon eine Belastung dar. Regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining an Land und im Wasser gehört zu unserem Alltag selbstverständlich dazu“, erklärt der werdende Vater. Für den passionierten Triathleten sind die körperlichen Herausforderungen jedoch kein Problem: „Sie machen mir persönlich sehr viel Spaß. Ich kann meinen Körper so richtig auspowern und fühle mich gut dabei. Daraus ziehe ich meine Kraft und Motivation.“ Das war nicht immer so. Seinen Auslandseinsatz im Kosovo nahm er zum Anlass stärker auf seine Gesundheit zu achten. Er hörte mit dem Rauchen auf und trieb mehr

Was ist Ihr höchstes Gut? Meinungsfreiheit. Mit wem würden Sie gern einen Monat lang tauschen? Mit dem Triathlet Jan Frodeno. Was wäre Ihre berufliche Alternative? Personal Trainer. Was können Sie überhaupt nicht leiden? Arroganz und Niederträchtigkeit. Foto: Privat

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Sport. Zurück am Heimatstandort suchte er nach einer Möglichkeit, die sportlichen Herausforderungen stärker in den Dienst zu integrieren. Die fand er bei den Pioniertauchern in Havelberg. Das ist nicht das Einzige was den sympathischen jungen Mann an seiner Tätigkeit reizt: „Die Kameradschaft unter den Tauchern ist einzigartig. Wir tauchen immer im Team. Durch das gemeinsame Arbeiten entwickeln sich echte Freundschaften“, so Engel. Die Kombination von körperlichen Herausforderungen und klassischen Pionieraufgaben machen die Tätigkeit für Engel so einzigartig. Privat würde er gern einmal im Roten Meer ­tauchen.  (fh/pfr)

Wo möchten Sie am liebsten leben? Hawaii. Was mögen Sie an sich selbst nicht? Mein Zeitmanagement. Wer sind Ihre Helden in der Wirklichkeit? Menschen, die ihr Leben trotz großer Einschränkung meistern. Was lautet Ihr Lebensmotto? Das Leben genießen Tag für Tag, kann sein, dass dies dein letzter sein mag. Was war Ihr größter Fehler in der Vergangenheit? Rauchen. Was ist Ihre größte Errungenschaft? Aufgeschlossenheit. Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem anderen Menschen am meisten? Empathie und Objektivität. Was ist Ihre Lieblingstugend? Dankbarkeit zu zeigen.