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pig a sousa phoney

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kolumnen

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stefan schmitzer

das pappnasenlied notizen zu einem ausstellungsbeitrag

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impressum

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sc.quatro

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Und die Moral von der Geschichte \ Du bist noch lang kein Poet, \ schreibst du auch Gedichte \ Und hast du erst einmal \ die Unschuld verloren \ Ist mit we are the champions \ ein Arschloch geboren

J

westernhagen:

wir haben die schnauze voll. 2010

„ edes Seminar steht und fällt mit den Teilnehmern und der Dynamik zwischen den Stühlen, die so unterschiedlich ist wie die Zusammensetzung der Frisuren.“ jörn dege, student des deutschen literaturinstituts leipzig, in seinem artikel über das deutsche literaturinstitut leipzig für die beilage des freitag zur leipziger buchmesse vom 18. märz 2010

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wiederholen wir: seminare stehen und fallen mit den teilnehmern; stehen und fallen mit der dynamik zwischen den stühlen; dynamik ist so unterschiedlich wie die zusammensetzung der frisuren. trennen wir gegenstände: seminare, teilnehmer, stühle, frisuren; zustände: dynamik, zusammensetzung; tätigkeit: stehen und fallen, unterschiedlich sein. jetzt kein mäkeln an formulierungen, lassen wir das. auch wie sich aussagen umdrehen liessen, nur am rande: das DLL wäre dann eine institution, in der lehrende mal so mal so, im wesentlichen aber frisuren und tändeleien der teilnehmenden von interesse sind, das gefummle zwischen den stühlen und zeilen… nehmen wir an, man hätte vor 25 jahren an der universität konstanz paar geisteswissenschaften studiert, dort auch ein kolloquium schreiben besucht & zuweilen vertretungsweise geleitet, eine art creative writing kurs auf dem campus. lässt sich annehmen, eine überregionale wochenzeitung hätte einen damals aufgefordert, einen ganzseitigen fünfspalter mit studentischen eindrücken zu füllen? „Man darf sich das DLL nicht als kaderschmiedenden Exzellenzcluster vorstellen, eher ist es eine Art semi-öffentliches Erfahrungslabor, worin Fremdes und Privates, zum Teil empfindlich Privates, aufeinandertreffen,“ schreibt dege, beiseitelassend, dass allein die angenommene bedeutung des DLL als kaderschmiede der jüngeren deutschen literatur seinen artikel rechtfertigt. das wort exzellenzcluster trifft hierbei durchaus, sowohl zu als auch daneben: in exzellenzclustern nämlich „geht es nicht darum, ein bestimmtes Teilgebiet eines Faches zu bearbeiten, sondern vielmehr 25 hervorragend ausgewiesene Wissenschaftler zu einem Thema von gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Relevanz zusammenzubringen, das gemeinsam bearbeitet wird. Dabei sind strukturelle Auswirkungen auf das organisatorische Gefüge einer Universität ausdrücklich gewollt,“ zitieren wir aus anderen zusammenhängen. das kaderschmiedende in leipzig könnten allenfalls lehrende repräsentieren, thema jedoch sind dort die absolventen; ‚gemeinsam bearbeitetes‘ im sinne des clusters befindet sich am DLL schliesslich in einem kasten, von dem dege erzählt: „Klar, der ‚gläserne Sarg‘ spricht für sich: Die wandfüllende Vitrine gleich am Eingang unserer

schmucken, kleinen Jugendstilvilla, präsentiert die Bücher der Absolventen im Halogenlicht. Sie wird regelmässig erweitert…“ gesellschaftliche oder wirtschaftliche relevanz ist in produkten manifestiert, man spielt kulturmusealisierung mit artefakten zu lebzeiten, am sarg des toten schneewittchens literatur, das doch nur zu schlafen scheint. jugendstil und haartracht, & dieses semi-öffentliche erfahrungslabor, wir erinnern – die strukturellen auswirkungen auf den literaturbetrieb sind jedenfalls im gange. multitude als netzwerk, das gemeinsamer nutzen vereint – konfliktfrei gefaltetes interesse geht gut, im neuen sektor: „In den vergangenen Dekaden haben wir den konstanten Verlust öffentlichen Raumes beobachten können, der sich mit der Umwandlung von einst öffentlichen Räumen in semi-öffentliche Räume vollzieht“, schreibt susanne jaschko 2007 für telepolis und fährt fort: „Die Entstehung von öffentlich anmutenden, aber völlig privat kontrollierten ‚Shopping Malls‘ und ‚Gated Communities‘ stellen das konservative Verständnis von öffentlichem Raum als städtisch oder staatlich verwalteten und gestalteten Raum zunehmend in Frage.“ nicht zufällig wird derart geschütztes gelände zum tummelplatz von empfindlich privatem, das sich gleichwohl veröffentlichen lässt: umzäunung sichert fürs erste vor offen auszutragenden konflikten, wissen bewohner floridas so gut wie die gewesener volksrepubliken. umzäunung stellt jene coupierte privatheit in den verhältnissen erst her, die im eigenen saft so wohldosiert schmoren lässt dass man sich lang genug daran erinnert, sie schliesslich poetisch zu nennen. „Schließlich verlieren wir durch die Zunahme von semi-öffentlichen Räumen und medial inszenierter Privatheit zunehmend das Bewusstsein für das Private und Öffentliche und unsere Rechte in diesen Räumen,“ schreibt jaschko weiter. dege beginnt seinen aufsatz zum DLL mit und in der eigenen wohnumgebung. sein hausnachbar in leipzig ist pilot, „die Balkone sind nur durch ein Geländer getrennt“, da kommt man ins gespräch, da lässt sich leicht fragen was man so aus sich mache im leben; der pilot erzählt von den qualifikationen der stewardessen, der angehende autor von seiner seminaristenbefindlichkeit. man ahnt, ihre vorstellungen werden sich ähneln, wenn aus dem angehenden ein betriebsintegrierter autor wird: reisetätigkeit, routinen des startens und landens, behutsame kollegialitäten, berufsbilder halt. was das studium am DLL ‚vom Kaffeekränzchen an Volkshochschulen‘ unterscheide, markiert dege in 3 programmatischen punkten: erstens schreibe jeder für sich allein und zuhause; zweitens stünden die texte der teilnehmer im zentrum; drittens gebe es keine verbindliche lehre. „Grundlage einer produktiven Kritik kann immer nur der Anspruch und die Logik des vor-

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gelegten Textes sein,“ formuliert dege das credo seiner schule mit dem zusatz: „so könnte es über dem Eingang zum Institut stehen.“ wäre demgemäss deges stellungnahme am eigenen anspruch zu messen. der ist jedoch rhetorisch tief genug gehängt, ihn übersehen zu können. übersehen werden kann jedoch nicht, was da hoch gehängt wird… wir merken allerdings an, dass sogenannte produktive kritik, derart indienstgenommen, sowohl brechungsfreier selbstbespiegelung als auch reiner produktionsförderung dient, wenn auf ein denken jenseits der logik des produktes kategorisch und vorbehaltlos verzichtet wird. dege greift am ende seines aufsatzes noch zur pennälerfinte wenn er bemerkt, dass man ja eigentlich zum schluss aufs eingangsmotiv irgendwie zurückkommen sollte, im vorliegenden fall ihm aber leider kein weg zum benachbarten piloten mehr einfallen wolle; das sei aber nicht so schlimm, denn: „Da wären wir dann bei einem echten Vorteil des Studiums am DLL. Gegenüber Kritikern der eigenen Texte kann man immer sagen: ‚Wissen Sie, in dem Seminar habe ich gefehlt.‘“ wir sind sicher, dass viele den gestus deges einfach sympathisch finden. diese gewitzte unbeholfenheit, dieses jungenhafte, sieht man gern nach; ernst genug bei der sache, wahlweise ironisch zu bleiben, je nach zielgruppe zwinkernd. vermutlich kommen nur wir aus einer anderen welt, in der sätze wie ars gratia artis allenfalls zum slogan kommerzieller filmproduzenten taugten, brüllenden löwen im vorspann ihrer blockbuster beigestellt.

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uf der titelseite derselben ausgabe des freitag findet sich michael angeles aufmacher „Starke Beißhemmung“, der das aussterben des verrisses als form der kritik bedauert. es habe „von den beiden großen Formen der emphatischen Literaturkritik […] eben nur die eine, die Lobrede, überlebt. Das kann auf Dauer nicht gutgehen,“ meint angele da, und ergänzt: „Es ist ja kein Zufall, dass nur die Lobrede überlebt hat; zwischen Schriftstellern, Lektoren, Agenten und Kritikern herrschen innige Verhältnisse, die während einer Buchmesse besonders anschaulich werden. Aber es genügt, einen Blick auf die Freundeslisten von Facebook zu werfen, um die Zusammenhänge zu erkennen. Wo alle mit allen befreundet sind, fällt der Verriss schwer.“ allerdings registriert angele sogleich, dass freundesbünde dem literaturbetrieb zu keiner zeit fremd gewesen seien, zu anderer zeit jedoch schärferen umgangston miteinander nicht verhindert hätten, zum wohle der sache. was nun eigentlich fragen liesse, warum das so sei, aber dem angele im vorliegenden fall nur paar vorschläge entlockte, wo und auf welchem medialen wege in der zeit nach dem reichranicki, der ihm als letzter lebender polemiker

einzufallen scheint, der fehlenden form noch platz zu finden wäre: „Der Verriss braucht ein breites Publikum, damit die große Geste ankommt“, murmelt angele das mantra des sogenannten medienzeitalters, um via elke heidenreich zum möglichen präponenten des groberen klotzes eine weitere bildschirmpersönlichkeit ernennen zu können: „Könnte man nicht Harald Schmidt zwingen? Die Literatur liebt er. Das Theater auch. Im Fernsehen ist er. Auch Schmidt ist ja einseitig zum Lobhudler verkommen. Seit Jahren wendet er den Imperativ ‚de mortibus nil nisi bene‘ auf den Kulturbetrieb an und preist seine Gäste aus diesem Prinzip heraus. Ein vergiftetes Lob also. Es steht am Anfang vieler großer Verrisse.“ wiederholen wir: harald schmidt? als letzte hoffnung einer aufs lob verkommenen literaturkritik, die ihre standpunktlosigkeit mit produktwerbung in scheindebatten überpinselt, zum wohle des hauptsache lesen, egal was da steht? fällt dem angele nicht ein, dass seine suche mit der vorfestlegung auf grösse mal breite nur das gegebene gegebenenfalls multipliziert? über totes nur gutes, die messe in leipzig war schon wieder ein vollerer erfolg: feste des vorlesens, autorinnen und autoren im zentrum dass es nur so über die seiten fliegt, in die kameras plappert, aus den gesichtsbüchern lächelt. von jahr zu jahr mehr besucherInnen, mehr veranstaltungen, rekorde auf allen ebenen unterm glasdach vor der stadt: alles bleibt immer besser, als es ist. und die party geht weiter, auch im namen anderer städte: „Die Literatur wird eben nicht nur gelesen, sondern auch gefeiert: Autoren werden wie Stars empfangen, andächtig wird Lesungen gelauscht. Und welche Stadt wäre da wohl prädestinierter als Köln? Eigentlich ist es hier schon egal, was gefeiert wird.“ (www.zeit. de/kultur/literatur/2010-03: im februar kamellen, im märz das buch. eine stadt feiert die literatur…)

>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>> „Stefanie Helbig steht auf der Bühne. Sie föhnt Haare über eine Rundbürste und zwirbelt sie anschließend, damit die Bob-Frisur später locker fällt. Die Bühne ist frei für Jungfriseure: Sie stellen die Frühjahr- und Sommertrends vor. Eine klassische Pilzfrisur schneidet Eva, links neben Stefanie. Rechts außen befreit Sonja behutsam die springenden Locken aus den Wicklern. Die Gesichtszüge der drei weiblichen Modelle schwanken zwischen konzentrierter Wachsamkeit und einem Lächeln für die Fotografen. ‚Alles dreht sich um die Haare‘ beim Damenfriseur-, Perückenmacher und Gehilfenverein 1884. An jedem ersten Donnerstag eines Monats lädt er Vereinsmitglieder und Interessierte um 20 Uhr in den Saalbau Bornheim ein. Die Veranstaltung ist an diesem Abend mit 100 Gästen gut besucht. Stühle müssen hinzugestellt werden. Die Bühne in der Mitte des Raums wird an drei Seiten von Stuhlreihen umsäumt. Durch den Raum klingt ein lautes ‚Release me. Release my body‘. Es ist ein besonderer Abend, Generationswechsel im Vorstand.“ (spiegel online 31.01.2010, nicole jagusch, wo gehobelt wird, fallen büschel)

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„You want more, don‘t you, Rocco?!“ hast du dir murmelnd wiederholt und gefroren draußen auf der Skalitzer, und es hat deine sorgsam gecremeten Wunden der Verwunderung am – wie soll man‘s nun nennen, Befreiungspotential der Kunst? – schon so ein bißchen wieder aufgerissen, der Auftritt von Psychic TV/PTV3 im Festsaal Kreuzberg am letzten Freitag. Hattest du ja mit spekuliert, hattest auch kleine Verletzungen am überbordenden Eingeübten, Normalen dir erwartet, wolltest, mit einem gelinden Masochismus, nochmal erfahren, daß das praktikabel sei, das Neue, Andere, das Exotische der Selbstverwirklichung so weit wie möglich einfach zu plazieren, reinzuhauen, bis Abhängigkeiten, selbst die von Nahrungsbeschaffung, Behausung und, ja, eben … Gender, einfach nicht mehr existieren. Sie, die selbstbefreiten FREIEN RADIKALEN aus dem Rock ‘n’ Roll-Kosmos, hatten‘s dir doch vorgemacht und flüsterten dir auf ewig zu: „You want more, don‘t you, Rocco?!“ Nun siehst du die alte Lady Genesis P. Orridge, ein bißchen so wie die altersaufsässige Edith Piaf, in ­einem clementinenfarbenen Kostüm in Ringelsocken und mit einem Handtäschchen auf die Bühne tapern und mit hüpfender Wampe genau das tun, was alte Ladies zu tun pflegen: paar Rechnungen aufmachen, je ne regrette rien, mit angewinkelten Ellenbogen paar Erinnerungsgeister scheuchen, zwischendurch einen großen Schluck aus der Pulle. Du lächelst. Nur daß diese hier, eingerahmt von einem blonden Sixties-Pony und ­einem stählernen Gebiß, manchmal mit einem irren, kajalgeränderten, autistisch verdrehten Blick daherkommt, irgendwas anderes da oben noch im Auge. Und die sicher auch all diese vergeblichen Anstrengungen von Liebe, Haß und Leben freundlich und fest – nicht verbraucht oder zweifelnd und krank – unter das Diktum von Gottfried Benn stellen würde: „Es gibt [am Ende] nur zwei Dinge – die Leere und das gezeichnete Ich.“ Du bewunderst die organische Entschiedenheit, mit der der pochende Knorpel Throbbing Gristle jetzt pulsiert in einem nahezu ursprünglichen … Rock ‘n’ Roll. Noch nie war das Psychic TV-Konzept so transparent und unartifiziell wie heute mit seiner Rückführung auf eine handfeste, hypnotische Rock-Basis, nix mehr Industrial, nix Electro, nix mehr Volksbühnen-HomunculusTransgender-Vorführ-Kontext. Hat sich jetzt einfach einen virtuosen Gitarristen rangeholt, einen kraftvollen Drummer, eine junge Frau an die Keyboards, eine Bassistin, die sich auch persönlich kümmert. Die interpretieren Psychic TV nun in einem neuen Sinn, nur wenige dieser Anrufbeantworter-Effekte vom Touchpad, nur ein bißchen Schaut her ich hab ein neues Spielzeug-Elektronikgefiepe schießen noch quer. Und du bist anschließend froh, auch dieses selbstverständliche, sphärische, schöne Gitarrensolo der Zugabe erlebt zu haben, on personal request of GENESIS, die ein wenig heiser inzwischen geworden ist. Bist auch nicht verwundert, als dieses vermeintliche Häufchen Elend, das all die Zeit über zwei Zentimeter vor dir mit einer Atemschutzmaske sich an einen Pfeiler klammert, als diese Handvoll kauernder, schmächtiger Junge plötzlich aufspringt, herumhüpft … und das alles sehr, sehr ernst nimmt. „You want more, don‘t you, Rocco?!“ Die langweiligen deutschen Depri-Albernheiten des Supports Rome von vor drei Stunden hatten wir ohnehin schon geknickt.

d. holland-moritz

Über Psychic TV unter einem Diktum von Gottfried Benn, die Poesie des Untergrunds, ein charmantes Jubiläum und eine Tellerwäscher-Existenz in schlechter Witterung

Die Addition der Differenzen, 2009 im Verbrecher Verlag hrsg. von Ingeborg Quaas und Uwe Warnke – mal sehen: 2 Vorworte, 1 Meldeformular über die Übergabe eines Ermittlungsverfahrens, 1 Gruppenfoto, 1 poetisches Statement, 1 literaturwissenschaftliche Abhandlung, 1 Tagebucheintrag, 1 Satz Lyriktypen, 1 US-BürgerErfahrungsbericht, 1 Fernsehfoto Heiner Müller etc... bis zu 1 Prüfungsnachweis für ortsveränderliche elektrische Geräte (gem. ASAO 900), 1 Aufsatz über Super 8-Aktivisten, 1 Anleitung zur Handhabung von Giftbüchern, 2 Betrachtungen zur 80er Jahre Alternativ-Rockszene des Arbeiter- und Bauernstaates, das ganze nebst zahlreicher Schwarzweißabbildungen und … 1 Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur – das ergibt unterm Strich: Herzlichen Glückwunsch zum 20jährigen Jubiläum des Eintritts in diese >beste aller möglichen Welten
„Vielleicht wollten wir ja auch nur noch einmal so ein Gefühl unausgesprochener Nähe herstellen“, beschwört dasVorwort der aufschlußreichen Dokumentation das Beieinanderstehen des DDR-Untergrunds damals wie heute. Bei der Eröffnung der Ausstellung das von ca. 100 Leuten ums Getränkezelt herum. Und von drängeligen nochmal 100 drinnen vor den Exponaten. Da besteht für den nestwarmen Inner Circle also Nachholbedarf aus eingeschränkter Öffentlichkeit von vor 30 Jahren. Und die Hoffnung, daß man sich, dem kapitalistischen Alltag inzwischen angepaßt, dennoch im gleichen kritischen Atem wiederfände und keinesfalls wie Andreas Koziol auf dem Buchumschlag fanalisiert: Einen hat selbst die Erinnrung verlassen, Einer, den glatt sein Gedächtnis erschlug, Einer ist nicht mehr mit Worten zu fassen, Einer ist still jetzt. Sonst gehts ihm gut. Das Aufrechnen der Poesie des Untergrunds in der Institution wäre – auch wenn zu diesem Zweck unter dem Label >Political Correctness< ganze Sets von Büßerhemden für Ex-Terroristen, verurteilte Antifaschisten, militante Umwelt- und Tierschützer, auch Greenpeace-Aktivisten und Atomkraftgegner bereitliegen – bei einer ähnlichen Dokumentation der politischen Subkultur West vermutlich nicht ganz so glatt und einvernehmlich aufgegangen. Das hätten dieselben, trotz der gerade wieder aktuellen Deutschland im Herbst-Bewältigungsstrategien der Medien, vermutlich selber richten müssen – da ärgert er sich ja heute noch drüber, der seinerzeit als >Schweinestaat< Verunglimpfte, und gestattet die Verbreitung dessen, was ihn in Frage stellt und sich seiner Kontrolle entziehen will, nur äußerst widerstrebend und am liebsten nur pee cee. Aber zurück zum DDR-Untergrund und seiner augenscheinlich weniger befrachteten Jugendkultur, seinem Manko an Orten, populären Produkten, Verbreitungsmöglichkeit, Drogen – stattdessen mehr verdeckte Aktionen von großem Ernst und mit einem vorzugsweise doppelbödigen Umgang mit Sprache. Diese Jungen Pioniere der Subversion brachten trotz zu befürchtender Repressalien ziemlich dreist ihre aus heutiger Sicht doch sehr holzschnittartigen Botschaften in die Republik, führten diese Weltbühne-, Sturm- und DadaTradition fort, Tzaras in Zürich erscheinender Zeitschrift. Als mehr oder weniger handbetriebenen Schaden, als Verwendung, Entwerter/Oder, ariadnefabrik oder 7

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Zweite Person, als Originalgrafik oder Mail Art – aus aufmüpfigen Biographien in Genres und Formen weggeschluckt, die prädestiniert sind für Vorlaßverkäufe oder anderweitig geldwerte Übereignungen ins Deutsche Historische Museum, Abteilung Horrorhaus der DDR, man müht sich schon ums Renommée. Fragen Sie Bazon Brock: Es fehlt bei jeder Ausstellung zwangsläufig – denn das ist der Job von Kuratoren, die oft prekäre Selektion – das, was aus einem Gesamtkontext heraus mehr oder weniger absichtsvoll nicht gebracht, weggewählt wird, als gegen die jeweilige Konzeption empfunden: Wenn‘s um Geschichte geht, ist es meist das Gegenwartssystem. Ist die Poesie des Untergrunds 1979-1989 also nur eine gesellschaftlich vereinnahmte und ausgebeutete Retrospektion? „Die Wahrheit befreit niemanden“, verkündet eines der aus Obstkisten zusammengenagelten und wie zur Entsorgung auf einen Haufen geworfenen Demoschilder vor dem Eingang der alten Turnhalle. Und schließlich, was wird geschehen, wenn das ideologische Interesse der Systemagenten an der einstigen Prenzlauer Berg-Szene erlischt, wenn sie >das Schöne< verläßt: „Liebe futsch – Revolution vorbei – Spaghetti kalt?“ Wohin dann mit der Eitelkeit? Und was ist mit diesem entscheidenden Tick mehr politischen Bewußtseins geschehen, den man ihnen so gerne anheftet und der sich so gut nutzen läßt, und ihrem Gefühl fürs Subversive und für Provokation? Hatte nicht früher schon die westliche Popkultur sie vom Wesentlichen abgelenkt? Einflüsse, die im übrigen dann doch nicht die von Pop Op Cola-Reklamen waren, nicht Bewußtseinserweiterung durch Drogen oder Road Movies miteinbezogen, nicht Starsky, nicht Hutch, nicht Mit Schirm, Charme und Melone, nicht den Denver Clan. Eben nicht die westliche Alltagsdurchdringungs-Totale, sondern die der kommunistischen Morgenröte, keine Comicschwemme, nicht die Kunstauffassung Andy Warhols, nicht Kenneth Angers Scorpio Rising, kein Altamont. Kein wirkliches Verständnis der westlichen Rock ‘n’ Roll-Attitüde und des Weißen Negers??!

Die Szene der >subversiven< Popstrategen ist ja seit jeher eine ziemlich disparate, und man muß das auch jetzt nicht vergleichen: Im Kultur- und Nachbarschaftszentrum RuDi auf der Modersohnstraße werden anderntags 20 charmante Jahre Martin Schmitz Verlag begangen, der ja nun deutlich ein Kind Westberlins und Kassels ist. „Mit dir würd‘ ich auch gern mal ein Buch machen, hatte Martin gesagt. Dabei hatte er Nullahnung von japanischen Monsterfilmen“, bemerkt gerade der Filmemacher und Nekrologe Jörg Buttgereit in seiner kurzen Grußrede. Neben den vielen anderen Freunden des Verlags, die sich für eine kurze Laudatio das Mikrofon in die Hand geben. Barbara Kalender und Jörg Schröder balancieren vor der platingrauen CassettenStele ihrer aktuellen Edition Schröder erzählt ihre Proseccogläser, Blue TitVerfasser Wolfgang Müller, Ex-Tödliche Doris, engagiert sich im Verkauf seiner Badges Gays against Guido, Heinz Emigholz ist schon wieder abgetaucht, Francoise Cactus von Stereo Total schaut rein. Alles Satellites Of Love, deren Bahnen sich heute abend nochmal kreuzen – beinahe sentimental erinnere ich mich der Hormone des Mannes-Show im Roten Salon der Volksbühne 1995, des Ingrimms meiner damaligen Langdon Connection-Performance; der Flyer hierzu findet sich neben ungezählten anderen in den Vitrinen zur Verlagsgeschichte. Ja, ich erinnere mich der Kumpelnest-Jahre, da im Inneren Kreis dieser Szene-Bar, auch zwischen den äußeren Trabanten noch eine Art befruchtende Gravitation vorwog, die sogar, ganz tief in meinen Zellspeichern vergraben, eine Lesung an der Hochschule der Bildenden Künste in Braunschweig auf den Weg brachte: Martin hat ja dankenswerterweise immer auch an den akademischen Nischen für uns Quereinsteiger mitgearbeitet, Auftritte möglich gemacht und seinen Verlag darüber zu einer Art Gesamtkunstwerk ausgebaut, wie die Radiojournalistin Marianne Mielke am nächsten Morgen in einem Interview auf inforadio erkennt. Mit den LEUTEN was machen, war ja immer dem Schmitz sein Ding. Der Extrem-Entertainer Klaus Beyer fährt sich gerade mit einem Badeschwamm über eine Gummiglatze und singt sein Lied von der Großen Haarlosigkeit: diese absolut uneitle Performance kann man im Internet gucken.

Blizzard-Böen, frier, schüttel, schnatter, diese HoodieTypen haben‘s jetzt gut, das Tief Daisy tobt sich aus – nein, ich werde jetzt nicht übers aktuelle Wetter berichten, wie es einem winzige Schneekristalle ins Gesicht prasselt, die eine Art verhärteter Staub der Stadt, ein schmutziger Partikelsturm sind; ich werde nicht beschreiben, wie es eisige Kaskaden von den Dächern fegt und dichter Hochnebel nachts besondere reflektorische Eigenschaften konsistiert; ich werde nicht darauf beharren, daß 20 Minuten Wartezeit unter einer zugigen S-Bahnbrücke nach Hauptstadtmaßstäben ja eigentlich schon zuviel sind – lieber fahr‘ ich einen kleinen Umweg. Lieber zieh‘ ich mich auf den bescheidenen Gedanken von einem >umweltGaleriebild< David Teniers d.J., Erzherzog Leopold Wilhelm in seiner Galerie in Brüssel, zum Aufhänger, um über strukturelle Abhängigkeiten auch innerhalb moderner Netzwerke = sogenannter SZENEN zu berichten, die statt der Merkmale der >Straße< die von Datenautobahnen angenommen haben. Bekannte Verhältnisse auch beim Betreiben von Literatur, in denen, wer sich über das Publizieren von Texten hinaus in einem integrierten Tellerwäscher-Modell literaturnahe Tätigkeiten zum Lebensunterhalt wählt, sich durch Tellerwäscher-Begleitconnections mitunter ein Plus an Credits, Support und/oder institutioneller Tellerwäscher-Förderung einzuhandeln vermag. Auf seinem Weg zum First Class-Hotelbesitzer. Und oft um den Preis irgendeiner miesen Tellerwäscher-Selbstdarstellung, der Bastardisierung des eigenen Ursprünglichen, eines erstarrten Plastik-Images, einer falschen Dignität. „Wir tun nicht, was wir wollen – wir wollen, was wir tun“, wiegt da sogar Thomas Prinzler in einem inforadio-Jingle nachdenklich den Kopf, während ich meine ausgelaugten Spülhände betrachte. Nur allzu oft weder eine erste, noch jemals eine zweite Chance bekommt hingegen, wer in die Schizophrenie gezwungen bleibt, am Ofen eines Backparadieses, unter der Krone und an den Brätern des Burger King oder unter der Schirmchenherrschaft von McDonalds sein Dasein zu fristen. Zwar ist das jetzt so ein bißchen wie mit der Karmaklatsche eins drübergezogen – aber woher auch jedesmal mit der Crispy Crunch-Leichtigkeit, in der man sich diese widrigen Verhältnisse auflösen soll: „He who has a lot of character, has only little property“, wird sich jetzt so mancher von der Küchenwand herunter mit einem Kalenderspruch das inferior angeknackste Ego trösten, während er schon mit quellendem Zeitungspapier in den Schuhen – schon mal am eigenen Leibe ausprobieren müssen? – nach den Obdachlosenzeitungsverkäufern in ihrer Thermokleidung schielt. So einfach ist das. Und ohne seinen Memoiren vorgreifen zu wollen, der gerade so ein bißchen gehandelte Zeichner Marc Brandenburg erzählt mir abends im Möbel Olfe in Kreuzberg sehr offen und gewitzt die Geschichte von einem wichtigen französischen Kunstsammler in Paris, der ihn, bevor er eines seiner Stücke für seine Privatgalerie erstehen konnte, sehr interessiert und enthusiastisch ins Restaurant einlud und der am nächsten Tag überraschend verstarb. Die nach seinem Tod flugs gegründete Stiftung kaufte das vorgesehene Bild nicht; da war‘s dann Essig mit dem Zugewinn an Prestige durch repräsentative Hängung in einer Privatsammlung. Immerhin die Story kann man noch verwenden fürs SOZIALE KAPITAL. 9

axit – die betriebskantine

die wahrheit der preise verkünden. pierre bourdieu

die dummheit ist hart im nehmen. ein gänzlich unverständlicher prolog. diskurslos. allmählich gewöhnt man sich auch an alles. da darf der kunde sich über zu intellektuelle fehlerbeschreibungen beschweren. man hätte das dann doch verständlicher reinzuschreiben. und der projektleiter darf sich über zu viele nebensätze beklagen. man könne das ja nicht mehr so mal eben erfassen. schließlich hätte man für komplexität heute keine zeit mehr. und man wundert sich schlicht nicht mehr über harald schmidt. der helene hegemann zum interview holt. aber ihre antworten nicht versteht. sie solle das doch einfacher formulieren. es würde einem ja schwindlig werden dabei.

aus den plappiaten. oder warum eine hegemannisierung auch keinen unterschied mehr macht.

sylvia egger

die ganze hegeman(n)ie ist im grunde ein ergebnis intellektueller legasthenie. könnte man hochbustabieren. schon vor ein paar jahren wurde festgestellt. dass nur noch wenige studenten einen komplexen und abstrakten text wirklich durchdringen. mittlerweile hat das wohl eher den status der intellektuellen bouffonnerie erreicht. keiner der protagonisten im literaturbetrieb durchdringt noch wirklich die debatte. sieht man sich die leseproben von helene hegemanns axolotl roadkill an. erkennt man sofort. dass die junge literatur zwar sehr belesen – diese praktische theorievernutzung findet sich etwa auch in der jungen lyrik –, aber oft nicht wirklich den kontext dazu verstanden hat. wäre ja auch sekundär. schließlich ist alles auch irgendwie material. problematisch wird es. wenn erst lektoren. dann literaturkritiker und letztlich die jury des preises der leipziger buchmesse es auch nicht verstehen und sich daraus dann eine fassade diplomatique entwickelt oder eine literarische staatsaffäre. die an metaphorischer drastik einiges zu bieten hat.

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»hä?« »hä!« »hä?« mann (nzz) aus ihm machen möchte. wie wäre es. wenn man mal wieder so en passant die frage nach dem tatsächlichen oder die inszenierung von diskursen hat ihr furor-kanon stellen würde? oder muss man einfach folgern. verstehen ersetzt. furor. radikalität und theorie haben schlicht komplett abgewirtschaftet. zumindest diskursiv und auf nachttischen von bereits nach den ersten literaturkritiken zu hege- literaturkritikern. manns text fragte man sich. was das feuilleton an texten eigentlich noch liest. die im studium einer nachdem bekannt wurde. dass hegemann eher zu freizügig germanistin mindestens einmal auftauchende framit textpassagen anderer umging. kippte der ganze diskurs ge. was läge denn eigentlich auf ihrem nachttisch – über jugend. szenejargon und literarische kälte. von so was fragen dozenten tatsächlich –. lässt sich aufda an wurde hegemann zur betriebshysterikerin (kölner grund der ersten rezeptionswelle von hegemanns stadtanzeiger). thema nun ihr wildes haar – melancholikern text sehr leicht beantworten: auf keinen fall ein hängt das haar ja bekanntlich unangenehm ins gesicht – kugelblick in prosaform und prosasprache. eine böse und ihr abweisender blick – die janis-joplin-schnute. der radikalität (ursula märz, zeit). auch wäre er weder shooting-star wird zum umstrittenen phantom und ihr text gemein, traurig, pervers, kitschig, blutrünstig (marepräsentiert nun jugendirresein (tilman krause, welt). aber xim biller, faz). noch ein so in die fresse text (nina jetzt gilt es nicht in die kerbe von iris radisch zu schlagen. apin, taz). womöglich ließe sich der text als denkdie hegemann als opfer des männlichen kulturestablishment geile Phantasie weiterspinnen (peter michalzik, fr). (zeit) hochstilisiert. es geht schlicht um ganz klassische er wäre aber nicht der furor. den dorothea dieckweibliche krankheits-diskursmuster. die bedient werden. zieht man vorsorglich den beständigen rekurs auf die person der autorin ab. müsste der nun zur debatte stehende klinische text von hegemann so aussehen: wirr und bis zur unverständlichkeit desorganisiert. die assoziationen sitzen zu locker. haben sich nichts mehr zu sagen. und arbeiten mit einer selbsterfundenen oder fehlerhaften grammatik. sowohl

man über plagiat und fälschung. fürchtet wieder den untergang der schriftkultur und zeigt mit dem finger auf den schwarzen mann: das internet. dabei ist das einzige problem des feuilletons: sie sind weder in ihren begriffen sattelfest – intertextualität muss für alles herhalten. was textbeine hat –. noch haben sie einen digital natives workshop besucht. das internet endet für sie mit der elektronischen schreibmaschine: wahlweise flattersatz. zentrierung und blocksatz. In your complicated, squishy, matrixed world, if you‘re dreaming up an incentive plan, you‘re almost certainly in the grips of a focusing illusion.

hysterie als auch jugendirresein why incentives are irresistible, effective, and likely to backfire sind manifeste krankheitsbilder und werden frauen historisch auch wenn ein kritiker mit dem pseudonym axel lottel – ein gänzlich gerne überantwortet. aber unsäglicher effekt der debatte: das durchdeklinieren des buchtitels axolotl all das hat nichts mit dem als bunter hund – als einziger einfordert. das feuilleton sollte über seine schlichten. durchaus mit szene-. rolle nachdenken und nicht seinen eigenen fiktionen aufsitzen (fr). kratzt theorie- und jugendjargon gut seine analyse nur an der illusio (bourdieu). die den literarischen betrieb gearbeiteten text von helene nun mal aufrecht erhält. wollte man aber das spiel durchschauen. würde hegemann zu tun. da gibt es das bedeuten. sich nicht weiter über die bestehenden machstrukturen im keine selbsterfundene grammatik. betrieb hinwegzutäuschen und sich der incentives auf allen ebenen auch keine assoziationssprünge. mal bewusst zu werden. sich dem eigenen profit-center entgegenzustellen. die verwirren. und was das sich lieber ein iphone für seine karriereplanung finanzieren lässt. als unverständlich organisiert ist. ist über die damit verbundenen opportunen feldbewegungen nachzudenken. schlicht einfach handwerklich die dann von einem erwartet werden. um dann weiterhin so ganz souverän nicht fertig. das feuilleton. das über den eigenen ausnahmezustand zu entscheiden. mit einer beständigen muss man hier mal festhalten. leichten lohn-text-anhebung als lässiges unterpfand. ware performance argumentiert zum einen in eben. oder auch illusio. je nach feldeignung. ähnlich unter beibehaltung der bezug auf weiblichkeit immer üblichen feldbedingungen argumentierte vor kurzem schon jörg sundermeier noch im bezugrahmen des 19. (jungle world). wenn er für den kritiker mehr tiefe. mehr textarbeit und jahrhunderts. und die welt weniger geschmäcklerei. mehr qualität und weniger portrait fordert. das (zeitung) scheint ohnehin mit hört sich schlicht nach einem bestimmten betriebs-quantum an. ab dem jugendirresein alles zu verbinden: alles besser und beim alten bleibt. das bestehen auf quantums-sprüngen rock ‘n’ roll. techno. loveparade ähnelt dem marxschen schutzzollsystem. aber gerade das alte ist ja das und texte auf halbspeed. und problem des literaturbetriebs. das wohl unter allen umständen zu halten ist: zum anderen scheint das die gutenberg-festung. procedere und vergabe des diesjährigen preises der feuilleton sich schlicht schwer leipziger buchmesse und die was-wäre-wenn-hegemann-den-preis-szenarien zu tun mit texten. für die sie ihr spiegeln dieses bedürfnis nach ruhe gut wieder. literaturwissenschaftliches besteck rausholen müssen. ein modriges der preis der leipziger buchmesse hat dieses jahr eine besondere pilzgericht bleibt einfach eins. die bollwerkfunktion eingenommen. und sein ganzes konsekrationskapital kritik bemüht ja zum vergleich (bourdieu) ausgespielt. der preis wurde zum spielball der vorhergehenden möglichst alles. was rang und namen im permanenzkanon hat und sich nur irgendwie vergleichen lässt. auch mit hofmannsthal. wie oft soll denn – ich. welt und sprache – noch zerfallen? sie wirft mit einer lästigen geste den text zurück. was wir nicht verstehen. lassen wir lieber lieben.

während sich der eine teil des feuilletons noch mit der klinischen diagnose aufhält. beginnt der andere die immergleiche diskursive walze durchs feuilleton zu rollen: ein verkappter bis offener anti-intellektualismus. die debatte sei zu hysterisch. hermetisch (zeit). auf einer wahnhaften metaebene (kölner stadtanzeiger). führe zum erbrechen (stuttgarter zeitung). eine typische kritikerkritik (sächsische zeitung). dabei debattiert 11

axit – die betriebskantine

debatte. immer wieder wurde spekuliert. ob die jury ausscheren wird und hegemann den preis geben. andererseits wäre ausscheren dann auch wieder konsequent. wurde gemutmaßt. es schien alles möglich. ungewöhnlich deutlich wurden die grenzen des literarischen feldes klargemacht. preis und preisträger dürften niemanden schänden. die schmach einer hegemann-bepreisung solle dem betrieb erspart bleiben. schließlich seien preise immer ein geschäft auf gegenseitigkeit und man wolle sich nicht für den preisträger schämen. die kurz vor der vergabe unterzeichnete leipziger erklärung zum schutz geistigen eigentums setzt die schädigung des preises schon bei der nominierung (von hegemann) an. das hat schon alles eher vendetta-qualität eines clans: cosa textra. sieht man sich dann die in der literaturkritik beschworenen ausstiegsszenarien an. muss man negri & hardt einfach zustimmen. dass der die organmaschinen haften an ihm wie an der weste eines florettfechters. apokalyptische diskurs zugleich blind macht für oder sind wie medaillen am dress eines sportlers. die während er schreitet. die beständig wirksamen machtstrukturen im hin und her pendeln. (deleuze. guattari) literarischen feld. die antizipierten tumulthaften selbst der jury wird ungewohnt viel aufmerksamkeit zu ereignisse. die eine preisvergabe an hegemann nach teil. kann die jury. kann sie auch anders. wird sie sich an sich gezogen hätten. erreichen auch nur den level ihre kriterien halten. welche waren das überhaupt. und die einer event-bouffonnerie. da stößt sich das publikum vorsitzende der jury. verena auffermann. bestätigt bestän- noch vor der preisverleihung an den ellenbögen. dig. dass die jury frei und unabhängig sei und schon das begleitet von flüchen und entrüstungsrufen. selbst richtige tun werde. hört man auffermann zu. hat man fast wahnsinn ist zu hören (neue osnabrücker zeitung). den eindruck. so eine konsekrationsinstanz zu sein. die man spürt förmlich die strassenschlacht. und symbolisches wie ökonomisches kapital transferiert. macht dann erhält hegemann den preis. flaschen fliegen auch mächtig viel spass. man würde ja geradezu erregt. ex- und blumensträuße der anderen preisträger. ein pressiv und leidenschaftlich sich der aufgabe annehmen. und unglaubliches gebimmel. die anderen geben ihren all die tiefen. traurigen. dunklen und auch brutalen bücher preis zurück. teile der jury verlassen aus protest (deutschlandradio) zu lesen. und dann noch das internet. den literaturbetrieb. pardon das podium (spiegel). das chaos der facebook-banlieue. all die endlosen email- da ist schon mal echt was los. was für eine heitere ghettos. in denen sich die jugend von heute nur noch ins zusammenballung von faust. buchbeutel und du lacht. man spürt geradezu den bevorstehenden unter- preisschild. ein ganz gefährliches kloster. gang der literatur. luft- wie klapperschlangen gehören eben zum betriebshandwerk. aber schließlich kehrt ruhe ein. es würde einem ja sonst noch schwindlig werden.

und in hintergrund läuft immer wieder. la poupee automate von nino rota.

sylvia egger

materialien:

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• pierre bourdieu: die regeln der kunst 1999 • negri, hardt: common wealth: das ende des eigentums 2009 • jörg sundermeier: warum es dicke bücher heute schwer haben. jungle world [http://jungle-world.com/artikel/2010/04/40262. html] • Nino Rota: Il Casanova Di Federico Fellini [http://www.lastfm. de/music/Nino+Rota/Il+Casanova+Di+Federico+Felliniface]

I. Die meiste Zeit erleben wir nur die tödliche Verkehrung der Lüste Die Leidenschaften verkümmern so lange, bis das unterdrückte Leben sogar den Willen zur Selbstzerstörung verliert. Die Lüste der Vergangenheit haben mehr Gewalt hervorgerufen als unsere, weil dort der Wille zum Leben, wenn auch verkehrt, viel lebhafter um sich schlug. Durch die Mythen der Macht erregt und durch die ideologischen Gezeiten des Kapitalismus bewegt, hat der Wille zur Macht lange Zeit aus dem sexuellen Überschwang die Kraft geschöpft, das Leben in die Richtung des Hasses und des Todes zu beugen. Heute schöpfen die Verwitterung der Hierarchie und die übermäßige Punktion durch die Ware die aggressive Energie der Individuen und der Gesellschaft aus, die Königen, Volksrednern, Chefs, Führern, Kriegshelden, gehetzten Kämpfern der redlichen und unredlichen Konkurrenz und allen anderen schlauen Rohlingen gemein war. Der Wille zur Macht, der in unseren Tagen in Büros, Familien, Kasernen und ZKs dahinsiecht, würde einen Grund zur Freude bieten, wenn die Schwachsinnigkeit der Macht nicht auch eine Macht von Schwachsinnigen wäre, eine zunehmende Kraftlosigkeit des Willens zum Leben. Wenn die Menschen in der nächsten Warengesellschaft aufhören, sich gegenseitig zu töten, dann deshalb, weil sie nicht mehr die Kraft dazu haben. Wozu Selbstmord begehen, wenn der Tod so nah ist und es genügt, sich dem Überleben wie einem Behelfsmittel hinzugeben?

konnte ihr helfen, sich zu ertragen und den Reflex ihres fortschreitenden Krebses zu betrachten. Die rächende Verzweiflung der Anhänger des Goldenen Zeitalters und der selbstmörderischen Revolutionäre war ihr getreuestes Spiegelbild, bis das Überleben ihre Realität als klimatisierte Agonie enthüllte, als einen verlangsamten Selbstmord, der wegen seiner Zwangsläufigkeit unnötig zu verfolgen ist. Während Kriminalität, der Terrorismus und seine versüßten Stellvertreter die letzten Zuckungen eines sterbenskranken Willens zur Macht zum Ausdruck bringen, nistet sich in der Wartezeit, in der die Vergnügungen als Zeitvertreib dienen, die Lust zu einer die alte Welt verschlingenden Trauerfeier ein. Auf die Sehnsucht eines verkehrten Lebens, das sich zusammenzieht und von Zeit zu Zeit unter seiner Gewalt erstickt, folgt ein sanfterer Tod, ein Epikurismus auf Ratenbasis, dessen Wechsel das Menschliche jedes Mal tiefer in die Vereisung der Ware einsinken lassen. Ich lehne es ab, zwischen zwei Todesarten zu wählen. Meine einzige Richtlinie ist das Leben ohne Maß.

Die Generalisierte Selbstverwaltung setzt den verkehrten Lüsten ein Ende

VI. Die Generalisierte Selbstverwaltung setzt den verkehrten Lüsten ein Ende

Am Punkt des letzten Vorfalls angelangt, wo selbst die Sinne die Reduzierung des Biologischen auf das Ökonomische über sich ergehen lassen, enthüllen die Lüste sowohl ihre jahrtausendealte Verkehrung als auch den Anteil des Lebens, der sich der Rekuperation durch die Ware absolut widersetzt. Die letzte Brücke der Proletarisierung führt zu einer neuen Art des Fühlens, mit dem wir ihren endgültigen Zusammensturz betrachten werden. Allmählich entsteht wieder eine Natur, in der sich die Begierde ihr Organ schafft.

Raoul Vaneigem: Das Buch der Lüste, Edition Nautilus (1984), 121-122. Frz. Le Livre des Plaisirs (1979)

raoul vaneigem

Die Lust zum Leben kennt weder Regeln noch Der Traum der Apokalypse grassiert im Gesetze. Das, was sie definiert, umschließt und spezialisiert, Unterbewusstsein der Warengesellschaft. Lediglich ist genau das, was sie verneint und umkehrt: die Arbeit, der die Idee einer schnellen Zerstörung Zwang, der Tausch, die Trennung und das Schuldgefühl.

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situationistische depesche: nachrichten vom alltag der manifeste anke finger 14

HUO: Could we talk about your beginnings? How did your participation in situationism begin, and what was your fundamental contribution? At situationistische depesche the outset of your relationship with the SI, there was the figure of Henri Lefebvre. naaaja – eigentlich is dat ding hier von vaneigem ja eigentlich gar keen manifest. eigentlich What did he mean to is dat hier ja nur‘n auszuch ausm buch, das buch der lüste, wat zu pläsierchen das alltags. you at the time? Why wat wollte der eigentlich? lüste – da hamwa ja nischt gegen. aber der schreibt ja so, als wollte did you decide to send der auf jeder seite durch de barrikaden, auch wenn‘s vielleicht gar keene gibt. jede seite n him poetic essays? schachzug, jede seite n brüller – aber für was? damals war der ja och schon keen küken mehr, wa, so umme 45, als dat buch in frankreich erschien, schreibt man da noch so was? vielleicht RV: I would first ne mid-life-crisis, die son buch anregt? dem muss da ja schon ziemlich der kamm geschwollen like to clarify that sein, det messer inna tasche und so. aber irgendwie hats was: so ne schopenhauer und nietzsche situationism is an geschichte mit hang zum sexuellen, sublimativen. macht-idioten, die mit täglichem blödsinn ideology that the an die macht, nach oben, geraten sin, wo se sich täglich einn runter holen. dat is doch die situationists were tödliche verkehrung der lüste, oder wat? „die schwachsinnigkeit der macht ist auch die macht unanimous in der schwachsinnigen“ – da is doch wat dran, dat kenn’ wer doch irgendwie, so auffer strasse rejecting. The term “situationist” was sowieso. na, und die strasse, dat milljö kannte der lebenskünstler-raoul auch! ever only a token of identification. Its particularity kept us from being mistaken for the throngs of ideologues. I have nothing in common with the spectacular recuperation of a project that, in my case, has remained revolutionary throughout. My participation in a group that has now disappeared was an important moment in my personal evolution, an evolution I have personally pressed on with in the spirit of the situationist project at its most revolutionary. I found Lefebvre’s Critique of Everyday Life captivating. When La Somme et le reste [The Sum and the Remainder] was published, I sent him an essay of sorts on “poetry and revolution” that was an attempt to unify radical concepts, Lettrist language, music, and film imagery by crediting them all with the common virtue of making the people’s blood boil. Lefebvre kindly responded by putting me in touch with Guy Debord who immediately invited me to Paris. The two of us had very different temperaments, but we would agree over a period of nearly ten years on the need to bring consumer society to an end and to found a new society on the principle of self-management, where life supersedes survival and the existential angst that it generates.

: nachrichten vom alltag der manifeste

tja, debord, dat war ooch so ne kanaille. verstanden ham die sich ja nich immer, nee, debord war ja ooch nich ohne, so mittem eigenen image, dem dingsda, dem dérive, 1953 und 1956, tja, det waren zeiten. son bisschen meschugge aber doch, oder? psychogeographie – ha! abdriften, anwehen, hinrollen, da fragn se mal meine kumpels vonner ecke, die werden‘s ihnen zeigen, wat‘n so psychoplatz bewirken kann, da geht‘s rund unter mikroklimatischen bedin-

HUO: The Situationist International defined the situationist as someone who commits her- or himself to the construction of situations. What were those situations for you, concretely? How would you define the situationist project in 2009? RV: By its very style of living and thinking, our group was already sketching out a situation, like a beachhead active within enemy territory. The military metaphor is questionable, but it does convey our will to liberate daily life from the control and stranglehold of an economy based on the profitable exploitation of man. We formed a “group-at-risk” that was conscious of the hostility of the dominant world, of the need for radical rupture, and of the danger of giving in to the paranoia typical of minds under siege. By showing its limits and its weaknesses, the situationist experience can also be seen as a critical meditation on the new type of society sketched out by the Paris Commune, by the Makhnovist movement and the Republic of Councils wiped out by Lenin and Trotsky, by the libertarian communities in Spain later smashed by the Communist Party. The situationist project is not about what happens once consumer society is rejected and a genuinely human society has emerged. Rather, it illuminates now how lifestyle can supersede survival, predatory behavior, power, trade and the death-reflex. nee, nee, nee, janz so einfach is dat ja ooch wieder nich. wir brauchen ne “neue art des fühlens” haste damals geschrieben, haste det vergessen? und wat soll det heißen, ‘ne genuine menschliche gesellschaft, he? guck dir die gesellschaft doch an, hier im kiez, und sonst in de situationen in die de so hineindérivest – wer guckt dich da menschlich an? lebensstil predigst du – naja, aber wat denn für einen? Und wat denn für‘n todesreflex? da machte dein lüste-manifest aber noch mehr sinn, zumindest für meinen alltag, gungen im kiez, dat is ne ganz andere lust, die der drifter da denn fühln tu icke gern – aber imma! geh mal uff empfinden kann, weg vonne macht und rin inne zufall. da gibt’s tuchfühlung mit meene kumpels, da findste ne janz keene macht, da macht wer, was er grad will, wie’s kommt, da neue form von lebensstil, im überleben sind wir die schnüffelt ma rin in die ambience von neu-kölln, dem ostkreuz, künstler, da kannste uns nix, egal, wer macht, handel beim müggelsee, inner ubahn. kommt vorbei, geht wieder weg – und raubtierallüren annen tach legt, denn auch mit so läuft‘s doch, oda? kampf dem verlangsamten selbstmord! raubtieren kenn’ wer uns schon ne weile aus, frag mal den ollen moholy-nagy; der hatte‘n janzes film-skript HUO: Which situationist projects remain unrealized? dazu, schon lange vor euch, der wusste ganz genau, wat ‘ne dérive mit lebensstil is! der war schon lange RV: Psychogeography, the construction of situations, the vor euch da wo ihr noch hinwollt, in der evolution superseding of predatory behavior. The radicality, which, des dérive… notwithstanding some lapses, never ceased to motivate us, remains a source of inspiration to this day. HUO: Today, more than forty years after May Its effects are just beginning to manifest themselves in the ‘68, how do you feel life and society have evolved? autonomous groups that are now coming to grips with the collapse of financial capitalism. RV: We are witnessing the collapse of financial capitalism. This was easily predictable. Even na, da wärn wer wieder bei de kapitalistn… wat‘n leidiges the- among economists, where one finds even more ma, n einziges dérive für sich, kommt mal, geht dann wieder, idiots than in the political sphere, a number had kommt zurück, immer in wellen, nie allein, macht uns n gar- been sounding the alarm for a decade or so. Our aus und holt sich dann kurz oder länger einen runter, auf unsre situation is paradoxical: never in Europe have the kosten. anstrengend das, de berliner ham da die nase ziemlich forces of repression been so weakened, yet never pleng, wat? so‘n “epikurismus auf ratenbasis”, dat is nix andres have the exploited masses been so passive. Still, als berliner alltag, mensch, da sind wer weltmeister, dat kennwer insurrectional consciousness always sleeps with schon seit de 20er: inflation rein, rentenmark raus, inflation rein, one eye open. demokratie raus, und so weiter und so fort, hauptsache uns geht‘s noch gut, irgendwie – hauptsache, man hat sein spass, dat is ja jedem sein eigenes ding. heute nich anders, jedn tach party auf pump, berlin geht‘s jut damit, janz nach lebenskünstler-raouls motto: “meine einzige richtlinie ist das leben ohne maß”. is doch ne akzeptable situation – kann ich nur untastreichen. 15

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hier is det raubtier, siehstes? das aufrührerische bewußtsein, nett gesagt. dann koof ick dir ooch ab wenn de sachst “die lust zum leben kennt weder regeln noch gesetze”. jawollja! mach die nägel mit köppen, die brauchn wir, auch mit saftigen 76, die du inzwischen uffm buckel hast. aber arbeit is ja nich so das, was dir nah steht, oder? arbeit + zwang ≠ lust, dat passt ja so gar nich in deine lebenskünstlerrechnung, dat bricht ja deinen stil so vollkommen. vertiert findest du das ja, unmenschlich? na, und wat solln wir doofn affn dazu sagen, die da jedn tach vor sich hin malochen nur dat se wat zu fressen ham? stellst du uns den zwang ab? greifst du ein in die macht der schwachsinnigen, auf dass sie auch uns den luxus der psychogeographie ermöglicht? der mythos der macht erregt, schreibst du – zeig uns die lust, auch das will ich fühlen, lieber idiot als tier! HUO: In your writing you have described the work imperative as an inhuman, almost animal condition. Do you consider market society to be a regression? RV: As I mentioned above, evolution in the Paleolithic age meant the development of creativity—the distinctive trait of the human species as it breaks free from its original animality. But during the Neolithic, the osmotic relationship to nature loosened progressively, as intensive agriculture became based on looting and the exploitation of natural resources. It was also then that religion surfaced as an institution, society stratified, the reign of patriarchy began, of contempt for women, and of priests and kings with their stream of wars, destitution, and violence. Creation gave way to work, life to survival, jouissance to the animal predation that the appropriation economy confiscates, transcends, and spiritualizes. In this sense market civilization is indeed a regression in which technical progress supersedes human progress. hat man da noch töne? du kotzt ja gross vor dich hin, menschlicher fortschritt, wat jenau solln dat sein? evolution, dat will ja noch anjehn, aber wohin schreiten wer denn, wenn nich imma wieder zum kriech, zur raffgier – raffke, auch det kenn’ wer in berlin – zum mantra-artigen, man is wat man hat, jutn abend. na, lass ma, ick versteh schon: dat fühlen, dat is menschlich, und da ham wer nich viel von, wa? im alltag stehen maschinen, auch wennse immer kleener werden, wir sind bloss noch wie die bandscheiben, die das getriebe biegsam halten, auch wenn‘s knorpelt und knirscht. allein, isoliert. aber sind wer wirklich “am punkt des letzten verfalls angelangt”? HUO: What are the conditions for dialogue in 2009? Is mhhhmm, nicht schlecht. aber da warste im buch der there a way out of this system of isolation? lüste noch wortgewaltiger, hör ma wieder hin: RV: Dialogue with power is neither possible nor desirable. Power has always acted unilaterally, by organizing chaos, by spreading fear, by forcing individuals and communities into selfish and blind withdrawal. As a matter of course, we will invent new solidarity networks and new intervention councils for the well-being of all of us and each of us, overriding the fiats of the state and its mafioso-political hierarchies. The voice of lived poetry will sweep away the last remaining echoes of a discourse in which words are in profit’s pay.

Mit charmanter Ungezwungenheit und der größten Unschuld werden die durch ein gemeinsames Verlangen nach Autonomie föderierten Individuen aufhören zu zahlen, zu arbeiten, zu gehorchen, zu verzichten, zu altern, sich zu schämen und zu fürchten, um nach dem Impuls der Lust zu handeln und von Liebe und Kreativität zu leben. Was macht es schon, wenn die Neigung zur Lust eine Quelle von Irrtümern ist. Niemals werden wir so viele Irrtümer begehen, wie der intellektuelle Blutfleck aufweist, den alle vergangenen Revolutionen im Herzen tragen. Ich ziehe

achnee, auch hier im kiez? na, da komm mal vorbei auffe einen spontanten Irrtum einer aufgezwungenen Wahrheit pulle, dat will ick sehen – nächste wahl, biste dabei? vor. Lieber die tastenden Versuche des Schöpfers als die Kohärenz des Chefs! Das Wesentliche ist gesagt worden. Das

HUO: The Revolution of Everyday Life ends on an Wichtigste wird jetzt zum Ausdruck kommen. optimistic note: “We have a world of pleasures to win, and nothing to lose but boredom.” Are you still an da trinkn wer eenen druff, raoul – und nischt für unjut, optimist today? wa? RV: “Pessimists, what is it you were hoping for?,” Scutenaire wrote. I am neither a pessimist nor an optimist. I try to remain faithful to a principle: desire everything, expect nothing.

Quelle: http://www.e-flux.com/journal/view/62 (Hans Ulrich Obrist in Conversation with Raoul Vaneigem, 2009)

because the context made all the difference. just to put it on the record, quoting martha gellhorn, first female war reporter:

Paradise no\w/here

drifts, durch strassen & blätter, back & forward, schärfe & un schärfe relationen aus lot end, cam aera blick durchs mobile called phone, lins n shot, eyes on… auf blicken von den seiten, biegsam wie papier nur bild er schirm, buch stabrech/n/ungen in den tönen der sprecher innen die über kanten flimmern… run the lines off space to create your own… wahr & nehmung der pipelines, show where the rain has gone… running down columns asking how to carry what is said & why…

MediMessAge

Paradise no\w/here

if nobody puts it down on the record anywhere then the monsters win totally. if you are silent, they can rewrite it anyway they want, they can make it look great, afterwards.

Mehrwerterhöhung Wissen, was wichtig wird. www.ftd.de Financial Times Kostenloses Probe-Abo unter 01802/818283 (0,06€ pro Anruf ) oder www.ftd.de/ probeabo.de

Waffen am Sonntag Mode und ihre Wirkung jeden Sonntag in Welt am Sonntag

(Jeremy Rifkin: The New Capitalism is about turning Culture into Commerce. Los Angeles Times, 17.01.2000)

Konservativ liegt voll im Trend. Für eine sichere finanzielle Zukunft.

evelyn schalk

Transnational media companies with communications networks that span the globe are mining local cultural resources in every part of the world

Bank Austria UniCreditGroup

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trend lines of fire works Luis Vuitton eröffnet seinen ersten luxusshop in ulan bator. das stadtbild prägen hochhäuser, ddr-plattenbauten und die jurten der nomaden. der durchschnittslohn in der mongolei beträgt 150 euro, die eröffnungsparty war tags darauf die titelstory sämtlicher zeitungen des landes. Nach einer weiteren Stunde guckte hinter einem Hügel der erste Schornstein des Kohlekraftwerks von Ulan Bator hervor. Ich wollte den Flughafen sehen, aber der lag weiter weg, damit die Flugzeuge nicht auf die Häuser fielen, und so wurde nichts draus. Aber ich sah das größte Kaufhaus in unserem Land. (Petra Hůlová: Kurzer Abriss meines Lebens in der mongolischen Steppe. 2002)

strellson sound of music die meistersinger von nürnberg

k. & k: wien, kärntner straße: einkaufspalast statt ex-finanzministerium = Weltstadthaus

Es gibt nur einen Weg zwischen Staatsoper und Stephansplatz. Und da müssen die Leute durch. Rainer Trefelik Obmann der Kaufleute in der Kärntner Straße Piraten planen „Imagekampagne“ Die somalischen Piraten sind offenbar wegen ihres schlechten Rufs besorgt. Sie planen nun eine Imagekampagne. Man werde als Terroristen und Bande von Verbrechern dargestellt, das sei unrichtig. „Wir vertreten eine gerechte Sache“, so ein Pirat in einem Telefoninterview mit der arabischen Zeitung „Al-Schark al-Awsat“. Schuld für die Angriffe auf Handelsschiffe und das Erpressen von Lösegeld sei unter anderem die westliche Müllmafia. (ORF online, 20.4.2010)

Ebenso wie der Nutzer einer Gemeinressource darauf vertrauen muss, dass er nicht übervorteilt wird, ist auch zwischen Kaufleuten das Wichtigste das Vertrauen, dass der jeweils andere den vereinbarten Preis zahlen beziehungsweise die vereinbarte Leistung erbringen wird. Schwindet dieser Glauben (lat.: credit), kommen die Geschäftsbeziehungen zum Erliegen - wie man es bei der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich sehen kann. „Man braucht Vertrauen, um Wirtschaftsbeziehungen aufzubauen. Erst kommt die Kultur und dann der Handel, nicht andersherum.“ (Jeremy Rifkin ) Und die Deutsche Bank warb in den 90ern mit dem Slogan: „Vertrauen ist der Anfang von allem“ - auch wenn das heute wie Hohn klingt. (Vgl. Bernhard Pötter: Sherwood Forest ist überall. Le monde diplomatique 7.8.2009)

Die Zeitalter sind schwachsinnig, das Dämonische in uns ein immerwährender vaterländischer Kerker, in dem die Elemente der Dummheit und der Rücksichtslosigkeit zur täglichen Notdurft geworden sind. (Thomas Bernhard: Ansprache bei der Verleihung des Österreichischen Staatspreises 1968)

re producing history Alwine, Arne, Hedda, Hildrun, Horst, Mechthild, Sonnhild, Ute, Volker und Wolf

Was wir denken, ist nachgedacht… (Th. Bernhard) 19

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Zum Gedenken an die hunderten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die von 1941 bis 1945 gegen ihren Willen und unter großen Opfern an der Errichtung dieser Brücke arbeiten mussten Die Stadt Salzburg aus Anlass der Brückensanierung 2007

…wer Salzburg net hat g’sehn, das Paradies, hat kan‘ Begriff davon, was Öst‘rreich is. And the Romy goes to… Geliebter Johann, geliebte Anna als bester tv-film 2010

heldenplatz shooting star



‘Je suis dada’ | Between Dream and Reality

designaustria

Bei den gezeigten Exponaten handelt es sich in der Regel um in kleinen Auflagen hergestellte Produkte, deren Sexappeal auch die Massenproduktion erliegen könnte. sex goes work goes art goes by

sur vive in empty spaces k/k

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catch a falling star and put it in your pocket…

• Nada Prlja „Kommunismus“ Der sinkende Stern politischer Bestrebungen [„Communism“ That Falling Star of Political Endeavour] Wandmalerei und Objekt. 2010 Dieses Werk kann mit der Arbeit „Kapitalismus“ The Show is Over, zu sehen im ersten Raum der Ausstellung, zusammen gelesen werden. In beiden Fällen geht es um Vergänglichkeit politischer und ideologischer Systeme. Der Stern des Kommunismus ist tief gesunken, was bleibt auf lange Sicht über? Vermutlich die Einsicht, dass der Kommunismus im ureigensten Sinn nie stattgefunden hat. •

Die Formen sind ja nicht vom Himmel gefallen. Sie geben einem die Möglichkeit, Dinge zu lernen, von denen man gar nicht weiß, dass man sie bereits wusste. (Olaf Nicolai)

In diesem Haus arbeitete der deutsche Sozialistenführer August Bebel als Drechslergehilfe 1859 – 1860.

Der Nährwert eines Nahrungsmittels in bezug auf Eiweiß ist nicht nur nach seinem Gehalt an demselben zu beurteilen. Man muß noch in Betracht ziehen, welch ein Anteil des mit dem betreffenden Nahrungsmittel aufgenommenen Eiweiß unverdaut bleibt. Vom diesem Gesichtspunkt aus stehen sich zum Beispiel Fleisch und Reis respektive Kartoffeln in bezug auf Eiweiß gegenüber wie 2,5 und 20 respektive 22, das heißt von 100 Gramm mit Fleisch aufgenommenem Eiweiß erscheinen 2,5 Gramm im Kote wieder, von 100 Gramm mit Reis respektive Kartoffeln aufgenommenem Eiweiß 20 respektive 22Gramm. Der berühmte russische Physiologe Pawlow und seine Schule haben gezeigt, daß bei der Verdauung von Brot bedeutend mehr Ferment ausgeschieden wird als bei der Verdauung von Fleisch.

PARADES



UNAUTORISIERT

…Spande una mortale pace, disamorata come i nostri destini, tra le vecchie muraglie l’autunnale maggio… (Pier Paolo Pasolini, Le ceneri di Gramsci)

Fußball für die befreite Vorklinik Donnerstag, 10. Dezember 2009 Name: SK Sturm Antifa 1909 Dress: Schwarz – Weiss

BEWEGUNG. raus zum 1. mai. Ja, natürlich. sportstück calling… 23

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EXIST STRATEGIES

Die Überzeugung, daß der Himmel auf Erden ist und gestorben sein zu Ende sein heißt, wird die Menschen veranlassen, vernünftig zu leben. Am meisten genießt, wer lang genießt. Langes Leben weiß gerade die Geistlichkeit, welche die Menschen auf das „Jenseits“ vorbereitet, am besten zu schätzen. Die Sorglosigkeit ihrer Existenz ermöglicht ihr, das höchste Durchschnittslebensalter zu erreichen. (August Bebel, Die Frau und der Sozialismus)

Priesterseminar Barocksaal Domchorstudio Steirischer Presseclub

aus lagen:

one more quotation Man muss den Mut haben zu einer totalen Kritik. (P.P. Pasolini)

Zwischennutzung

basislage berlin N65

  Riesig, feindlich und selbstbewusst.

Die Großbaustelle des Bundesnachrichtendienstes. In erstaunlicher Selbstverständlichkeit wächst im Jahr der Mauerfallpropaganda das westliche Geheimdienstäquivalent wie ein mutiertes Monstrum aus einem Horrorfilm im Herzen der Stadt. Nur fehlen die Bürger, die bei solchen Anlässen in kreischender Panik zu fliehen pflegen, das heißt, an Bürgern fehlt es nicht, nur ist das Verhalten dann doch eben nicht „Tarantula“, sondern eher dem „Dorf der Verdammten“ zuzuordnen: Ein Hypnosezustand, bei dem die eigenen Gedanken zu Verrätern werden, also kontrolliert werden müssen. Abriss Palast der Republik. Erst wurde das „Stadion der Weltjugend“ abgerissen, die riesige Freifläche kam jahrelang als Naherholungsgebiet daher mit fettem Sportmarkenlogo am Eingang, doch viel wurde da wohlweislich nicht investiert, Beachvolleyball klingt cool und Sand ist billig, man war sich der Zwischennutzung offensichtlich bewusst. Ein erstaunliches Feingefühl, zwischen Abriss von DDR-Symbolen und Errichtung der gigantischen BRD-Geheimdienstzentrale einige Jahre des Eindämmerns zu schieben. Die Baukosten werden mittlerweile auf 800 Millionen Euro beziffert, das ist ja wohl nicht schlecht in Zeiten, bei denen der Sparwille zur Schließung von Bibliotheken und Schwimmbädern führt. Na, das ist eben so. Weniger Gleichmut jedoch beim Fotografieren dieser Baustelle. Das darf man doch nicht! Da setzt der Mechanismus der Selbstkontrolle ein, keiner weiß was, und über allem sei Furcht, sprach der Herr, von der Bauleitung.

Also weg mit dem Teufelszeugpalast und Zwischennutzung der Freistätte durch eine „Temporäre Kunsthalle“. Auf ihrer Website gibt sich diese wichtige Kulturstätte besonders tolerant und problembewusst, indem sie in der Sprachauswahl nicht etwa Französisch oder Spanisch anbietet, sondern Türkisch. Doch scheint man nicht ernsthaft an türkische Nutzer zu glauben, wenngleich die Übersetzung Pionierarbeit leistet: Immerhin ein Wort wurde übersetzt. Mit dem „Küratör“ ist das sprachliche Angebot an die türkische Kulturgemeinde allerdings auch schon beendet. Förderer der „Temporären Kunsthalle“ ist die ZukunftBerlin, eine Stiftung, die eine Zukunft anvisiert mit Förderern wie Eternit (jetzt asbestfrei!), Wirus-Türen (haben wohl geglaubt, auf Marketing-Beratung bei der Namensgebung verzichten

carola göllner

Baustelle, anonymisiert

Die entsetzliche Asbestverseuchung dieses Gebäudes macht den Abriss auch für jeden Gesundheitsapostel zur nachvollziehbaren Notwendigkeit. Die Gefahren des Asbests sind eine diffuse Größe und von vielerlei Faktoren abhängig, deren Logik nicht gerade vordergründig ist. Wurde schon um 1900 auf gesundheitliche Folgen hingewiesen, so wurden Asbestfasern doch noch zu Zeit des Zweiten Weltkrieges in Zahnpasta und Getränkefiltern verwendet. In den 1990er Jahren konnte dann endlich die Firma Eternit, die zum Synonym für Asbestzement geworden ist, stolz verkünden, dass sie nun endlich gar keinen Asbest in ihren Produkten mehr verwendet.

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Doch genug des Asbestes und zurück in die Heimat. Schererstraße im Wedding. Es muss nicht immer Abriss sein. Entkernung ist auch etwas Schönes, zukunftsweisend und zugleich respektvoll im Umgang mit der Vergangenheit. Ich streife durch die Straße und will doch mal sehen, ob ich nach der Entkernung noch erkennen kann, wo das alte Café Schmidt mal war... Die Zwischennutzung durch kleine Galerien und Ausstellungsräume ist eine peinliche Rechnung, die hier im Kiez ohne den Wirt gemacht wurde, die trostlosen, halbleeren white cubes, ab und zu ein hoffnungsvoller Blick eines vereinsamten Künstlers, nee, das sieht nicht nach attraktiver Immobilie aus und nee, das Café Schmidt kann ich beim besten Willen nicht mehr erkennen.

zu können) und sanofi pasteur - Impfstoffe fürs Leben. Das ist natürlich gemein und polemisch zusammengestellt, also gerechterweise seinen auch der Regierende Bürgermeister und Vattenfall genannt. „Das Internationale Congress Centrum (ICC) in Charlottenburg ist mit mehr Asbest und mineralischen Schadstoffen belastet, als bislang vermutet. Asbestvorkommen gibt es nicht nur, wie schon bekannt auf dem Dach, sondern auch in den Räumen“. Uwe Doering, parlamentarischer Geschäftsführer der Linke-Fraktion, der einst für den Abriss des Hauses plädiert hatte, sagt jetzt auch, dass dieser kein Thema mehr sei: „ Es bleibt bei der politischen Entscheidung für die Sanierung.“

Hätte ich reingehen und die Künstlerkollegen informieren sollen? Dass sie hier instrumentalisiert würden. Dass sie wohl keine Ahnung hätten, wo sie sich hier befänden. Wahrscheinlich hätten sie mich für so eine durchgeknallte Kiezgröße gehalten, die ständig aufgeregt missioniert, lästig aber harmlos. Und in dem unwahrscheinlichen Fall, dass ich Gehör gefunden hätte? Was dann? Der Kollege packt seinen Monitor, seinen Scherenschnitt oder was auch immer zusammen- und der nächste freut sich über den freigewordenen white cube, erste Einzelausstellung mit 23, das ist doch was. Und so werden Kunst und Kultur weiterhin benutzt und eingesetzt, als Gleitmittel, als Emulgator, als beliebter Puffer, eine mit Arabesken verzierte Stellwand für den kritischen Blick, der Zwischenruf, der vorzugsweise nichts mit dem Thema zu tun hat und erlaubt, es damit ganz zu verlassen. Der Weg vom Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten zum „Haus der Kulturen der Welt, von der Politik zur Kultur, durch die John-Foster-Dulles-Allee. Wikipedia klärt auf: „John-Foster-Dulles übernahm im Januar 1953 auf Wunsch Eisenhowers das Amt des USAußenministers… Dulles gilt als einer der Väter des amerikanischen Abschreckungskonzepts, das die gegenseitige Versicherung völliger Zerstörung als Garantie für den Frieden betrachtete („Gleichgewicht des Schreckens“).

Dieser ideologische Denkmalschutz hat etwas Rührendes. Auch darf natürlich der Symbolcharakter dieses Gebäudes nicht unterschätzt werden, war es doch die Westberliner Antwort auf den gerade einzig zur Provokation erbauten Palast der Republik. Also verdient das ICC eigentlich den Status einer Gedenkstätte. Nach der Sprengung des World Trade Centers am 11. September 2001 „atmeten Zehntausende dort Tätige und in der Nachbarschaft Wohnende Asbestfasern ein.“ An dieser Stelle bleibt nur, der Panikmache um diesen Stoff eine beruhigende Desinformation entgegenzusetzen, zumal ja nur wenige der Opfer schon in den 40er Jahren besagte Zahnpasta benutzt haben dürften, also keine Langzeitstudien greifen.

Die Drohung mit einem Atomschlag, die in der NATO-Strategie der massive retaliation, der massiven Vergeltungsmaßnahme, ihren Niederschlag fand, wurde bereits Ende der 1950er Jahre bei den europäischen Verbündeten kritisiert und in den 1960er Jahren durch die Strategie der flexible response ersetzt.“ Das klingt noch einigermaßen nett im Vergleich zu der Beschreibung, die Noam Chomsky über Dulles abgibt: „…ein weiterer prominenter Terroristenbefehlshaber…, zu dessen Ruhmestaten es gehört, die demokratisch gewählten Regierungen in Iran und Guatemala gestürzt und anschließend den Terror- und Folterstaat des Schah von Persien und einige der schlimmsten Terrorstaaten Mittelamerikas errichtet zu haben. Die terroristischen Heldentaten von Washingtons guatemaltekischen Klienten erreichten in den 1980er Jahren im Hochland Guatemalas Ausmaße eines Völkermordes…“

John, anonymisiert

Es ist ein schöner Weg durch die John-FosterDulles-Allee. Rechts der Tiergarten, links die Spree. In gerader Linie kommt man zum sowjetischen Ehrenmal. Ich stelle mir vor, wie sich John im Grabe umdreht und es dann als Untoter mit ausgestreckten Armen verlässt. Denn Johns Geist war ja sowieso nie richtig beerdigt worden, sondern wabert durch die Schreckenskabinette sämtlicher US-Regierungen und bestimmt deren Außenpolitik bis hin zu Onkel Obama. Vielleicht sehe ich auch einfach nur zu viele Horrorfilme.

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back door

what can we do for him socially?. easy. leave town. a place in the sun (1951) overall suits and head covering shall be supplied to all worker. spezialanweisung bei der sprengstoffherstellung (1891) george stevens – wir denken dabei zu allererst an james dean, rock hudson und liz taylor und den film giganten (1956) – verfilmte mit a place in the sun bereits in ähnlich sozialpolitischer und beziehungstechnischer weise 1951 theodore dreisers an american tragedy mit montgomery clift und elizabeth taylor – nur die konstellation ist umgekehrt: ein mann zwischen zwei frauen. george eastman (montgomery clift) steht für den typischen jungen. armen amerikaner. der nach oben kommen will mit hilfe harter arbeit und beziehungen – seinem onkel gehört die kragenfabrik. sein weg nach oben vom blue-collar-worker – gekennzeichnet durch den kragen des blaumanns – auch wenn er schon kleidungs- und anarchotechnisch sehr stark an james dean angelehnt wird. von wegen blaumann – zum büroangestellten mit einem white-collar entspricht dem blue-collar hollywood-film und seinem motto: der arbeiter mag seinen kragen wechseln. aber seine manieren bleiben dieselben und sind nicht gesellschaftsfähig. schließlich der mord an seiner blue-collar-verlobten alice tripp passt zum typischen blue-collar-crime des mannes von der strasse. trotz seines aufstiegs zum büroangestellten. der sich als white-collar-worker gefälligst auf die seite von betrug und fälschung zu schlagen hat. george eastman endet für seinen nicht geglückten aufstieg auf dem elektrischen stuhl. white-collar-governance eben.

dress codes. far from tuxedo park. quick loading. inspired by perspektive 62/63.

gloria hoo

suitable overalls are required for all workers employed in the phosphorus process, except for people who only put the matches in boxes. anweisung in streichholz-fabriken (20er jahre)

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jubiläen haben den unschlagbaren vorteil. dass sie unzählige kuriosa hervorbringen. auch das jubiläum 100 jahre futuristisches manifest macht da keine ausnahme. das feuilleton hat sich dem mittelprächtig genähert. durchwegs positiv und stets mit dem hinweis auf den faschistischen konnex des futurismus. einer aktualisierung kam ohnehin die musealisierung zuvor. kaum einer hat versucht. die durchaus auch positive verve des futurimus ins heute zu transferieren. zu schnell kauft man sich dann lieber die 10 euro gedenkmünze 100 jahre futuristisches manifest inkl. orginaletui und zertifikat. ist ganz der selbstständige etui-mensch. den benjamin dem destruktivem. jungen. heiteren menschen gegenüberstellt. schleppt sein gehäuse immer mit sich. das eine mit samt ausgeschlagene spur in die welt drückt. so ein etui-mensch dominiert heute nicht nur im computerspiel sims. wenn er beständig nach einer couch verlangt. der konsum war doch schon immer eine erweiterung unseres selbst. ob nun als etui oder als mobile privatisierung. wir bauen um uns eine virtuelle. wenngleich auch immer je nach typ distinkte produktwelt auf und fletzen uns so auf ner menge samt. hanno rauterberg in der zeit hat immerhin versucht. die iphone-kapsel mit dem erbe des futurismus kurz zu schließen. den touchscreen. der uns zugleich hebel zur gesamtwelt und liebesobjekt ist. und fordert sezession und rebellion ein. besonders von der kunst. aber wird der futurismus in seinem futur-tenor nicht auch missverstanden. dass sie nicht kinder ihrer zeit sein wollten? nutzten sie nicht grade und das sehr ausführlich die medialen instrumente ihrer gegenwart? zeichnet nicht das avantgarde aus? dass sie die medialen erweiterungen der menschlichen sinne (mcluhan) genau so nützt. als praktisches liebesobjekt? und uns so – um ein bild von goethe brachial zu adaptieren – in einem

seit den 80ern boomt die workwear-mode. berufsbekleidung wie der overall oder blaumann (blue-collar) werden zum modischen requisit etwa im hip-hop. aber die jeans sind dafür wohl noch immer das alltäglichste beispiel. die futuristen thayaht (ernesto michahelles) und r.a.m. (ruggero alfredo michaelles) hatten genau das vor mit ihrem TuTa (1919) – einem overall. der für jedermann gedachte anzug wurde in der tageszeitung la nazione vorgestellt und ihr lag auch ein modell des overalls aus seidenpapier bei. so konnte jeder das nachschneidern. im gegensatz zum politisch akzentuierten arbeitsanzug eines tatlins oder rodtschenko sollte der TuTa einzig der bequemlichkeit dienen. sich jeder körperbewegung vollständig anpassen: praktisch. hygienisch. einfarbig und für den frühling gearbeitet sein. der overall als workwear-mode fand auch in der florentiner aristokratie schnell anklang. es wurden modische empfänge streng mit overall gegeben. insofern traf das motto des overalls letztlich dann auf alle zu: tutti in tutta. mit niccolò machiavelli ließe sich nun das mit einem ohne-overall für jedermann radikalisieren. wir belassen das florentinische ambiente. setzen für die reiche medialen luftballon über die trübe welt der versagungen zu translozieren. aristokratie den popolo grasso ralf b. korte alias PhöbusKartell legt auch so einen medialen adapter zwischen ein. das jahr 1378. als die den futurismus. den nachgeraden jubeljahren und medialen kontexten in seinem florentiner arbeiter der edisonial. metaphorisches und ganz reales. praktisches licht ist ja avantgarden kleidungsindustrie. die ciompi. durchaus nachweisbar. der unterschied zwischen künstlichem und natürlichen revoltierten: zieht uns unsere licht – und sei es dieser vermaledeite mondschein – nivelliert sich in marinettis kleider aus und ihr werdet anbetung einer glühlampe. denn in ihr hause eine ungeheure geschwindigkeit. uns alle gleich sehen. lasst uns wohl als hinweis darauf. dass auch das glashaus-stein-paradigma. das etui lasziv ihre gewänder anlegen. sie die werden kann. wenn es nach vorne aufklappt. die glühlampe zugleich als ort unseren. so werden wir ohne höchster effizienz und maximalen gewinns. cournotscher punkt nennt sich das zweifel vornehm aussehen und beginnt und endet mit der monopolstellung. oder auch kartellbildung. und sie gemein (machiavelli: phöbuskartell. aber heute ist die röhrenlampe über 25 watt bereits luxusgut und geschichte von florenz). bei manufactum zu erstehen – auf dem wühltisch der distinktion – das stück der anonyme anführer bei zum preis von 4,80 euro. mit einem ausphasungsdatum frühestens im september machiavelli empfiehlt dann 2010. der hinweis auf marinettis glühlampen-adoration fehlt auch nicht im auch noch. dreinzuschlagen. produkttext. ebenso nicht die abneigung gegen die energiesparlampe. die reste- wenn sich die gelegenheit lampe als dresscode fetisch. bietet. es zeigt. wie würdig man vor achtzig jahren arm sein konnte. vielleicht ist es auch das. was heute wäre man unter ähnlichen materiellen bedingungen bürgerlich deklassiert. nach 100 jahren futuristisches adorno über das haus von nietzsche manifest noch mitgenommen werden kann: die ohrfeige und der faustschlag. letztlich eine verbindung herstellen. oder man kann es natürlich auch wieder philosophisch gemäßigter mit deleuze formulieren: an die welt zu materialien: glauben. das heißt zum beispiel. ereignisse hervorzurufen. die der • perspektive: vending machines. heft 62/63 2009 kontrolle entgehen. auch wenn sie klein sind. • walter benjamin: der destruktive charakter 1931 • hanno rauterberg: lustvolle zerstörung, zeit 12.02.2009 http://www.zeit.de/2009/08/Futuristisches Manifest • manufactum: röhrenlampe 40 watt http://www.manufactum.de/Artikel/72475/Roehrenlampe.html • negri, hardt: common wealth: das ende des eigentums 2009

if. during hunting. none of the ten lines of access ... is free the call is lost and the caller receives the busy tone. 100 years of telefone switching because i’m free. nothing’s worrying me. raindrops keeps fallin’ on my head (1969)

• thayaht & r.a.m: the TuTa – bilder auf flickr http://www.flickr.com/photos/finnb/2068624650/sizes/o/

http://www.flickr.com/photos/finnb/2068624598/sizes/o/

• burt bacharach, b. j. thomas: raindrops keeps fallin’ on my head (1969) http://www.lastfm.de/music/Burt+Bacharach/_/Raindrops+Keep*Falling+on+My+Head • a place in the sun (1951) trailer http://www.youtube.com/watch?v=_Fm6sa_L5_4

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Selbstverteidigungstipps Für LiteratInnen Aller Altersstufen sophie c. ambrosig (txt) | cornelia maurer (illus.) 30

Ein dystopischer morgen bricht an in Österreich, diesem geschichtsschwärenden staate, und wirft sein dämm­riges licht in die keller der verbindungs- und bu­rschenschaftspalais. Die literatIn hat ihren posten in der bibliothek bezogen, da die schergen einer rechtsextremen partei, nennen wir sie der einfachheit halber Rosenkranzianer, tra­ditionelle bücherverbrennungen im namen einer national(en)sozialistin durchzuführen gedenken. Ihre eigenen texte und andere geliebte heutige und vorgestrige vor den zerstörerischen händen der ewiggestrigen zu schützen, ist die oberste priorität ihrer mission. Hinter hohen bücherregalen schutz suchend, wartet sie in diesem versteck auf die Aktion wider den undeutschen Geist. Als die ersten stiefelschritte an der eingangstür erklingen, zieht sie eine, in weiser voraussicht im bücherregal platzierte, ausgabe des Kapitals hervor.

Selbstverteidigungstipps Für LiteratInnen Aller Altersstufen

Die Adäquate Anwendung Des Kapitals In Hypothetischen Extremsituationen

Doch leider funktioniert nicht alles wie geplant, keiner der eindringlinge findet sich zurecht, mühsam werden erste abteilungsüberschriften entziffert, „Bel – le – tri – stik“. Orientierungslos schwärmen die stiefelpaare aus. Einer der narbengesichtigen läuft ihr direkt in die arme und will gerade den mund öffnen um nach seinen begleitern zu rufen, als die literatIn eine buchkante frontal in sein gesicht schnellen lässt und nochmals ausholt, um die breitseite in einer schräg nach unten verlaufenden bahn über sein kinn zu ziehen. Ohnmächtig geht der erste gegner zu boden. Durch die geräusche gewarnt, will ihm einer seiner burschenbrüder zu hilfe kommen. Als er sie entdeckt hat, rennt er ihr fluchend entgegen und holt zu einem schwinger aus – dem in gasthausprügeleien international beliebten hay­ maker –, woraufhin sie dem schlag durch eine leichte meidbewegung nach hinten ausweicht. Was folgt, muss sehr schnell passieren, damit dem gegner keine zeit für weitere reaktionen bleibt. Sie wirft ihm Marx an den kopf, tritt ihm zwischen die beine und schlägt mit fäusten und ellbögen auf schläfen und gesicht, bis er kampfunfähig in sich zusammensinkt. Als sich das dritte stiefelpaar nähert, greift die literatIn geschwind nach einer schulausgabe des Öster­ reichischen Wörterbuchs. Da dieses werk weniger schwerwiegend ist als das Kapital, kann es problemlos in einer hand geführt werden. Diesmal steht sie einem mit baseballschläger bewaffneten gegenüber, doch da an eine flucht nicht mehr zu denken ist, nimmt sie das risiko auf sich und tritt ihm entgegen. Der heimatverfallene holt, den knüppel in beiden händen, zum schlag gegen ihren kopf aus,

abb.1

woraufhin sie den angriff durch einen schnellen schritt nach hinten meidet. Nachdem die waffe knapp an ihrer nasenspitze vorbeigesaust ist, und der gegner zum zweiten schwung aufzieht, schnellt die literatIn nach vorne, wobei sie mit ihrer linken hand den ellbogen des angreifers blockiert und mit der buchkante seine hand zerschmettert (siehe abb.1). Die gläsernen türen schwingen vor ihr auf und hinter ihr zu, regenwolken verdunkeln den blauen himmel.

abb.3

abb.2

Sie packt den arm knapp über dem ellbogen, senkt ihn ab, und vollführt einen kraftvollen buch­stoß gegen das kinn (siehe abb.2). Nun können verschiedene folgetechniken angewandt werden, wobei unsere literatIn eine etwas brachiale, aber höchst effektive variante wählt. Indem sie den getroffenen am arm an sich heranzieht und aber­mals den allseits bewährten tritt zwischen die beine nutzt, zwingt sie ihn in eine gekrümmte haltung, wo­durch sie mit der buchspitze zum letzten schlag gegen seinen nacken ausholen kann (siehe abb.3). Dumpf schlägt holz auf blank polierte fliesen. Das Österreichische Wörterbuch ist nun nicht mehr besonders ansehnlich, verbeult liegt es in ihrer hand. Doch eige­ne texte und andere geliebte bücher sind gerettet – zumindest für diesen tag. Langsam greift sie nach ihrer tasche und lässt die beiden buchwaffen darin verschwinden. 31

dada-schnitzel in blauem postmoderne-baiser lilly jäckl 32

kontext stellen und bereuen und ankreiden und grenzlinien ziehen? für ein lächeln, ein unbeschuhtes? nein, danke, gerne, bitte, nein. verpassten liebschaften, verpassten plänen, die ein neues spiel eröffnet hätten, denen sollen ich-wirs nachtrauern und mich-uns schnatternwettern, dass dieselben rechten säcke das sagen haben wie anno dazumal, regional und global sollen kiesel-ichs - weltweit - das hätten-täten zitieren, gewissen reinigen, feindbilder schaffen, grenzen und mauern aufziehen. dieses schulterklopfen: schon wieder: klingt wie viel zu trockene kreide auf wehrloser kugelwand. nein, das hab ich-ich verpasst, fragment menschich, haste verbockt chimären-wir. das, was da draußen wütet, die biopiraterie wirtschaftstreibender allzeit-wahnsinniger, groß und klein im kapital – dieses lebt nur von einem: dem propaganda-märchen, da kannst dich wieder einhaken, da kannst plappern und bitte: schrei, Kalt geschlagene Baisermasse: oida! namen wechseln, parteizugehörigkeiten, sprachrohre, einen riss, oida, einen spalt im sammelsurium den zugrunde liegenden gedanken versprachlichen und der sogenannten wirklichkeit, eine frage ins diesseits rücken, ein stück weiter weg vom leipziger fragmentieren, ja was denn, oida? nicht sitzfleischholz und karriere pin wänden in autoren-büros diskursfähig das unaussprechbare. da auf prenzlauerbergen mitten im zwergenland. tragisch, habt ihr-ihrs euch eindeutig geschnitten dann auch die du-ihrs, die die kleinen schreibfingerchen an wirklichkeitssplittern, liebe gegen lebensbeoachter, bild- und lebensgewaltige, die sich sprachbegabtstudiertditakten mit dem zollstab im dein-eurem-en bildungskanon entziehen, strecken, oder gepäck - die welt gegenüber der schulbank: eine anpinseln gegen blauäugige kälber auf dem frischfleischscheibenwand, auf welcher das geräusch dieser markt. ich-ich-ichs bin kiesel, oida, soviel steht fester als trockenen wortkreide das einzige ist, was weh tut wankende zitatenfelsen. und sich einbohrt. diese tafel ist eine kugel und ich bin ein hühnerschenkel, oida. zitat hier, zitat da – viel gelesen, viel geredet. und so wie in den letzten zeilen: immer sind es die anderen, die ihranderen-nicht-ichs. wenig hüllen ausgetauscht, dabei immer wortsicher bildschwach geblieben, auch in starken momenten: absolut diskursfähig. Warm geschlagene Baisermasse: „du könntest ja auch leiser schalten, oida“, stöhnten jetzt wollt ihr aus den splittern noch kleinere felsen, ja, genau, leiser. haben meine kiesel die wahl, sich machen? jean genet belächeln. den kiesel zu verlieren – einzeln – jeder für sich zusammenhanglos zerkieseln? arno schmidt belächeln. einsammeln schizophren – wir tun es. alle wir-ichs, alle zersplittern dann das panierte fleischfragment und drüber kurz aber bündig gleichzeitig, divergierende gedanken sind „manifesto“ mit grünem kuli drüber-drüber- sich kurzfristig einig: gib mir dein experiment, zeitgemäss sprühen? henry miller auslachen. ein-ich, eine unsexy – ich knalle, stottere und schreie – live und direkt identität, ein: dafür stehe ich, das bin ich-du soll mit ungeschliffenen worten eines kindes der erdgeschichte, her, aber zackig? josef winkler einen betriebswirt erst 2,5 mio. jahre alt bin ich, aus dem schotterwerk nennen. jelinek und müller in die ecke stellen, „schwarzl“ bei graz –– wo eines nachts im verbotenen fische nebeneinander, sind ja frauen, beide-beide, ausgesetzt wurden, meine eltern und ich als kind, der lkw und immer dabei süffisant lächeln. das macht hat gestoppt, alle in schwarz gekleidet, leise im geheimen mich krank, oida, ich will dich schlachten, die türen entriegelt, dem becken den schlauch angelegt, marktkollege-frischfleisch und dich rausbraten, angekoppelt und geöffnet: es waren karpfen, forellen, ja, oida, warm servieren, oida, ohne diesen sogar hechte, mit denen wir illegal den anti-heile-weltgezuckerten, klebrigen eischnee. verpasste chancen sollen wir-ichs in einen theoretischen

badesee mit wehrlosem leben besetzten, weil dieser see kurz darauf auch fürs fischen freigegeben wurde. hunderte fische sprangen aus dem breiten schlauch verteilten sich im wasser, hunderte, verschiedenste arten. ich schwimme noch immer in diesem sonnencreme-teich – in schwarz gekleidet, verstehst oida? i wer net grinsen deppat über die wos lebten ohne zollstab, genet, winkler, miller, oder: ganz anders: den körper diagnostizieren? – mit all seinen mücken-einund ausstichen? wie schmerzhaft es ist, frau, reich, aus breitbrüstig-guter familie betriebskind zu bleiben- nicht wollen-aber-sein, geduldet von den

sogenannten subversiven, schüchtern feministische züge ok finden wollend? zuviel: wollen, zuwenig: seinempfindentagundnacht. und stil ist keine entschuldigung, stil, boah, oida, stil ist doch nur ein durchgezogener schmäh, oida, der immer funktioniert, oida, wenn die leute zu wenig zeit haben, oida, wirklich zuzuhören, bloß, oida, damit kiesel sich sammeln und alles a bissl klarer widerstand wird, wie damals, oida, bevor wir wussten, dass alle menschen schweine sind.

Gekochte Baisermasse: „das ist der ausgleich“, sagte er, und zynisch setzte ich dagegen, irgendwas abweisendes, wie es meine kiesel-natur verlangt, fragmentarisch braucht er mich nicht einklauben, soviel steht fest. vorübergezogen, wie ich bin, liebe ich das vorbeigegangene, soviel haben wir gemeinsam: theoretiker der sonderklasse, aber: kiesel, wie wir-ichs sind formlos. kanonlos. du hörst uns knirschen – wasserabweisend? gut so, oida. wir-ichs suchen die nacht, sie suggeriert mir-uns die nähe, mein-unser kopfpolster ist der gedanke an einen der propaganda-verfallenen. soviel haben wir linksältestenlebensdiskursunfähigen wohl gemeinsam, oida. er zum beispiel – mit märchen infiltration - ist zu groß, bietet mir-uns herrliche dinge an. zerriebene identitäten großer steine, die ich-wir binsind, wollen diesmal ingwerschaum am teller. wir-ich sehen uns wieder, ich-wir werden knirschen, dein-mein kleines fragment, an das man sich erinnert, wenn man dich-euch fragt, wen hast du-ihr denn getroffen damals und für welchen diskurs konntest du-ihr ihn-sie in dein-euer bücherregal stellen? so called: liebe, du, apparat, mit den frisch geputzten anti-stiefel-stiefeln, macht dein grinsendes da-sein lächerlich, jetzt würde ich süffisant lächeln, könnten ich-wirs süffisant lächeln, oida. nichts sich runden lässt, alle splitter verliert, sich von schön auch so, stein-felsen, wasser und luft weich klopfen lässt, gegen regionalpolitiker, schön, du wirst jetzt in ringe kasperltheater, alte schriften ins feld werfend – ungehört gefasst. in teuren schmuck und floskeln, zitate, worthülsen, vergleiche, abhandlungen - das zweibeiner schenken sich den, kleine, fokussierend seht ihr nicht, wer-was die maschine wenn sie glauben, ihr fragment antreibt, gegen die ihr-was? herzig wettert, ihr-wer? müsst erweitern zu müssen, weil es ihr-wie? den strom abdrehn – die märchen neu erzählen, ihre märchen-natur so verlangt. oida, das menschfragment, wieder sehen, das leben, oida, etwas altes, etwas geborgtes, etwas das sozialisiert als splitter, genau wie ich-wir jetzt gerade hier blaues: dada ist noch immer hier steht-steht, oida, als buchstabe, jetzt, genau jetzt, in deinen und knirscht - gerade jetzt: dein augen nackt und echt: niemals runder felsen. lächeln, oida, ekelt perlend an nicht dieses liebäugelnde gegenüber einer langen hassmeinem speichelabweisendem ehe mit dem frischfleischkapital an büchertischen, auf leder ab. ihr-ihr-ihrs seid, wie der die ihr-ihrs-fastschonichs springt und euch auszieht,- es stein, der vom großen, lauen wird geknipst, geredet – sicher auch zitiert - und sich weggedreht, erst wieder nur dem märchen folgend. solange wir-dus felsen sein wollen in diesem ausgeleierten caspar david friedrich berlin in beton gemalt wird alles prenzlauerberg mit einem widerstandsnest in schwabenland und wo bitteschön krieg ich jetzt endlich ein schnitzel her, oida? 33

language is lines of per fect eco nomy

the line of beauty is the line of perfect economy [382, k: reality tv; in: reality hunger, a manifesto. david shields 2010] dekorative objekte, jeder zeit (zb >> sprach raum forsch ins XXI. jhdt ‚spielten im krieg die‘ what‘s your name again wir flogen auf / einander wie tauben darsteller [im flüster betrieb] & du weisst das rauschen [kalken; streichen; re / se parat] und das mobile [ala bama] ‚also kraft werke die‘ what‘s your name again << language is a city*)

+ ++ &

schlag distanz jeden falls;

auf den aus bruch folgt das über zeugen die krise ersetzt die kaffee pause wir flogen wie würfe von am witterungsabhang das bestimmen von zielen für stimmbrot und heuer / klammen affen sagst du etwas wie wer sich grün ist die heide weiss ist das feld [aus dem ff; des / parat] und wir fielen [thru a long nite of electrical groanin n sweatin] wie gegen anzeigen \ ab geblitzt; aus gerastert / hinter die sperren

flucht distanz jeden falls; gepuffert auf zug gehalten vor über trag [in der bredouille; den stein im bett und die würfe] wie leuchtspur [pyro technischer satz \ de flag ration vs. de to nation / add to a list of fictional rabbits**] und fort da z.b. d.a. russell wo flächiges von judd in alten hallen vor marfa ]tex as[ aber die ein schläge der näher innen

lang age is u

das da und a

(zu treffendes durch kreuzen) kulissen geräusch regionaler expresse : beschlagene blicke durch zeichen ketten die spitzen von fingern aufs nasse glas [winter hilfs werk zeug] beim bei

seite schaffen von elementen [wink wink situation oder systeme von perioden mit mendelejew, neigung zur isomorphie nach abzug z.b. für ein sätze im polaren zwischen stand still & jump] das klcken (sick) | quick action triggern | oder spontanes „setzen von differenzen das zum erlebnis von selbstveränderung führt“

ralf b. korte

\ 1fall und nachgewahren /

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.. wir sind aus der politischen arena in die wild nis unserer eigenen dumpfen gehirne getriebe n worden .. wir werden der regierung nicht wi dersprechen .. wir werden sie stürzen ..



.. have a dream that 1 day the state of alab ama .. will be trans formed into a situation ..

a



<

* „.. seit das farbfernsehen so voll drauf ist ziehe ich nur noch leuchtende sachen an .. rote hosen grüne hosen

gelbes polohemd mit roten streifen .. buntes stirnband .. phantastische selbst gefärbte hemden ..“ (jerry rubin)

city

<

** „.. some of my friends started playin with guns as a way to forget their own

hopelessness young

white

men

who

..

the

talk

could

not

of admit

movin that

guns we

to actually

the

ghetto

had

was

nothin

to

the offer

hopeful ..“

nonsense

(frank

of

bardacke)

35

7x7s lines of per fect eco nomy

7x7s | Black Out & zwischen die stäbe schlagend das rauschen : aluminium matt poliert & klebe reste von (.. erinnerst typo grafn vom andern stern die copy‘n’past‘n & xen nach zahlen z.b. reel natürlich komplex oder transzendent im kreis lauf an verlorene grenzen .. uno kaksi trois neljä cinque kuusi шесть ..) hand gekritzltem auf den rändern die durch sagen bitten um ihr verständnis; haste ma feuer prairie die nut‘n’feder geometrie : sevnties keller herzn erinnern sich ABBA heiss wie chili cc [state dish of texas - a bowl of redS] .. hot chili s groovy after a movie or watching TV .. but when u order south of the border soon u see it‘s hotter than noon .. it will melt your spoon [aber warum so dunkle flammen ihr sprühtet mir in manchem augn blicke \ aber die hobby keller atmo mit dem olympia dackl waldi von 72 gestriped, blau für den sommer himmel grün für die alpen wiesen silber für die spiegeln den seen gelb als stimulans für den rest \ aber die helikopter von fürstenfeld bruck schwarz wie september & the games must go on / aber die moon lamps von verner panton über den schalen mit chips das postnazionale schwitzn der baby boomer & lone star s just a brand 4 beer] & nach jeder schleicher runde nimmt er gern 1 bierchen ein \ ist wie 1 tanz von kraft um eine mitte | ‚schmidtchen schleicher‘ mit den e lastischen beinen \ der sich im aller kleinsten kreise dreht (von LXX nach LAX in a minuit .. da zu der duft der grossn weiten pfirsich welt .. petrus stuyvesant) & erinnerst farbn blind spiele und die an fänge der ultra short term nostalgia (coup land in cop county) : das löschen | durch sagen lego die roten die blauen steine die leer tasten weiss da zwischen um ihr verständnis bitten ins clck über den

ralf b. korte

weichen & kreuzungs freien verläufen die namen von sachen 1, 2 ,3, 4,5 6 & matte hand läufe über die see [vertraulich wie nie, mehr kursives als

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gewöhnlich] das schneiden von wind (stücke) aber die fallen (zu treffendes bitte ab streichen versa) beschlagenen scheiben circa sieben grad unter null

vice kriegs an leihen zeichnen kulissen von kurze filme über den

glitter der reste [tüten weise, zellophan]

diese neuen bescheidenheiten

versorgter besorger im zeit sprung zu rück auf die plätze [das klein gedruckste unter der hand, wach falte raus gebügelt wie schild & schwarte der m8, da zu kerzen unter den neben strecken sich die fühler aus, wie betroffen & vor gangsweise offen; den hang zur vermeidung als zwischen bericht, vergütend nach be ah tee so lau wie spätsommernächte, beachten sie auch anlage/n V G KAP AUS, aufm schirm coups in heli copstern, milchstrasse 7, dann links]

> was also bleibt vom schützn fest, die erinnerungen

orange z.b. oder die fettcreme gesichter unter den scheinwerfern, das tanzen salzbrezlgondeln & die mit der nagaika zur raison bring demokraten [sauce tar tare | hard boiled defectives zwischn heimat & pow-schmerz > to pics: • bedrohung der gemeinschaft durch modernisierung •• rettung des angestammten familienbesitzes ˚˚˚ geschäftskonkurrenzen ˚˚˚˚ durchkreuzte heiratspläne ˚˚˚˚˚ zölibat ˙ pferde zucht ˙¯ fischerei ·· jägertum ··· in trigen i-dyllen | so weit die füsze tragen & zu rück] ansonstn kartoffel salat mit mayo, maya und anderen pyramidalen interessen, härte grade von wasser durch leitungs fragen ver sorgungs eng pässe (klapp spaten im koffer raum zur alpen überquerung siehst die grauen elefanten; rückbankblick ausm daimler von daddy der hiess noch oh mein papa —schwarzer hecht 39 oder feuer werk 50 – eh la hopp eh la hopp eh la hopp – das konnte er machn 12x ohne mih | lachte dazu & fürchte sich nie – eh la hopp eh la hopp eh la hopp) das kichern der siebziger oder die kreisky zeit in der deutschn west provinz das clckn der P9S (‚fühlbar sanfteres verhaltn im schuss‘ | doch ahnt ich nicht weil nebel mich umschwammen gewoben vom verblendenden geschicke) & zum chill out später rollkragn typen ggfs la grande bouffe

da war dann noch der vorrangigkeitsverlust 37

bogen von mustern

von uns war nicht einmal nichts geblieben

aber du wusstest nicht, sagte der andere, wohin dich das führt.

lena pizchelauri

schwiegst, weil du wusstest was zutraf und nicht, was der sagte. suchtest gesten, dein vorrat inzwischen begrenzt. sortiertest paar hände ins licht, strichst was beiseite. oben auf dem regal die esel bemerkt, plüsch und grau unter der decke, irgendwann hin gestellt, darunter die seltenen flaschen. schwiegst und folgtest seinem blick. der sah daneben, oder du wusstest nicht wohin, als wäre alles inzwischen frage des wissens gewesen, wissensgesellschaft gesten zu kennen, die unpassend sind. schwiegst, verlorst den moment an stücke die aus anderen erinnerungen fielen, musik. einer sang, unter den eseln die schatten, unter den flaschen die kegel mit licht, aus trichtern gelöst die umgekehrt hängen. raum der sich füllte, du rücktest beiseite. betrachtetest paar, die passten, aufpassten dass das so blieb vielleicht, oder anderes durch sich verbanden. der sah dich an, fragend, als hättest du vergessen gehabt worauf zu antworten war, ja wusste ich nicht, versuchtest diesen anschluss zu halten. abgekackt, schön von a nach b, angeschmiert, von hinten nach vorn, motzte nebentischs einer, kollegen gespräch. wetter das vorhergesagt wird, auf kleinem schirm zwischen fingern der hand, das leuchten von wolken, strichweisem regen daraus, fiel so ins zwischen, aber du wusstest nicht.

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gegenmassnahmen einleiten, sagte der andere, sofort. oder sagte es nicht, sah es dir an dass du nicht verstandest. nahm abstand davon. verschwang sich ins nichts, für momente. oben auf dem regal das lachen, als hätten wir es bemerkt versuchst du zu sagen, einem der nicht der andere ist. schneidest das lachen aus dem gesicht, bogen von mustern die rascheln, ja wusste ich schon flüsternd wie nebenhin, weil ja gehörte dass wissen, dazu wie daneben, zu zeigen. über den händen wie immer das licht, leichtes flattern. du kennst uns nicht, sagte der andere, sagte er nicht dass du uns kennst. von a nach b die züge, berührt geführt, du rücktest beiseite. schnitte schnitt.

Dreher heißt jetzt Feinwerkmechaniker Mao heißt jetzt Maoam Leninallee heißt jetzt Landsberger Verlagskaufmann heißt jetzt Medienkaufmann Digital und Print und ist derzeit bei Aldi Dimitroff heißt jetzt Danziger Sekretärin heißt jetzt Assistentin der Geschäftsführung für 1,49 € zu haben Wilhelh-Pieck- heißt jetzt Torstraße oder auch Kauffrau für Bürokommunikation, ansonsten ändert sich nichts Joan Baez heißt jetzt Kultur- und Schankwirtschaft BAIZ nicht zu verwechseln mit der Bürokauffrau Burger King heißt jetzt Kaffee Burger Bauer heißt jetzt Landwirt das Münchener Olympiastadion heißt jetzt Allianz-Arena Klum heißt jetzt Samuel die Verkäuferin und die Kassiererin Parkstadion heißt jetzt Arena Auf Schalke Feldbusch heißt jetzt Pooth heißen jetzt Einzelhandelskauffrau Arena Auf Schalke heißt jetzt Veltins-Arena Po heißt jetzt Arsch Nutte heißt jetzt Prostituierte was soll schon sein? Kot heißt jetzt Kacke oder Kakophonie Prostituierte heißt jetzt Sexarbeiterin Ulrich-Haberland-Stadion heißt jetzt BayArena Kacke heißt jetzt Scheiße und ist Gewerkschaftsmitglied sowie krankenversichert Volksparkstadion heißt jetzt AOL-Arena Öffnung heißt jetzt Loch interessant heißt jetzt geil AOL-Arena heißt jetzt HSH Nordbank Arcore heißt jetzt Vodafone geil heißt jetzt scharf oder spitz, Westfalenstadion heißt jetzt Signal Iduna Park Mannesmann auch je nachdem ob man Messer oder Gabel ist Kneipe heißt jetzt Café, Bar oder Lounge Frauesfrau gibt es nicht schlecht oder hässlich heißt jetzt scheiße, siehe oben zumindest in Berlin EAM heißt jetzt E.ON Fernsehgerät heißt jetzt Glotze Pitbull heißt jetzt Bullshit Post heißt jetzt Deutsche Bundespost Jugoslawien heißt jetzt Serbien-Montenegro Favre heißt jetzt Funkel Deutsche Bundespost heißt jetzt Birma heißt jetzt Myanmar mögen heißt jetzt möchten entweder Deutsche Post AG Bestatter heißt jetzt Bestattungsfachkraft Bewag heißt jetzt Vattenfall oder Deutsche Telekom AG und ist seit der Umbenennung 2003 U2 heißt jetzt O2 Premiere heißt jetzt Sky ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf Arisierung jüdischen Vermögens Erst- oder Uraufführungen gibt es nicht mehr was ist denn schon dabei? heißt jetzt Hausbank der SS Postbote und Briefträger heißen jetzt Zusteller Drittes Reich heißt jetzt Deutschland oder BRD oder auch Dresdner Bank AG Zusteller heißen jetzt Mehrwertbriefdienstleister Deutsches Kaiserreich heißt jetzt DDR Dresdner Bank AG heißt jetzt Commerzbank AG Hertie heißt jetzt Karstadt oder umgekehrt DDR heißt jetzt ehemalige DDR DiBa heißt jetzt ING-Diba lediglich Hertie und Karstadt heißen jetzt Insolvenz ehemalige DDR heißt jetzt neue Bundesländer Fennec heißt jetzt Firefox Werther‘s Echte heißen jetzt Werther‘s Original BRD heißt jetzt alte Bundesländer Lidl muss brennen! obwohl Werther‘s Original von Goethe ist eine ehemalige BRD gibt es nicht That’s ok, my will is good Bezeichnungsverordnung heißt jetzt Stoffbezeichnungen Europa heißt jetzt das alte Europa Reichsbahn und Deutsche Bundesbahn Armut heißt jetzt relative Armut oder, um Russland auszugrenzen, EU heißen jetzt Deutsche Bahn AG Löhne heißen jetzt Reallöhne Reichsmark heißt jetzt D-Mark D-Zug heißt jetzt ICE Gott heißt jetzt Geld D-Mark heißt jetzt Teuro Schaffner heißt jetzt Zugbegleiter und kostet Geld DDR-Mark heißt jetzt Spielgeld Blockwart heißt jetzt Sicherheitsmanager etwas in der Mitte Befindliches, oder Mark Brandenburg König heißt jetzt Kunde dazwischen Liegendes, EC-Karten heißen jetzt Girokarten Kunde heißt jetzt Gast heißt jetzt Medium Führer heißt jetzt Bundeskanzler Sklaven und Leibeigene heißen jetzt Gastarbeiter Before Sunset heißt jetzt Bundeskanzler heißt jetzt Bundeskanzlerin Einwanderer heißen jetzt Migranten Before Sunrise oder umgekehrt Kohl heißt jetzt Merkel Ausländer heißen jetzt Personen mit Migrationshintergrund VIVA heißt jetzt VIVA Zwei gemessen an Po-, Bauch- und Brustumfang Straßenbahn heißt jetzt Tram VIVA Zwei heißt jetzt VIVA Plus Reichswehr heißt jetzt Wehrmacht Gespräch heißt jetzt Diskurs VIVA Plus heißt jetzt Comedy Central Wehrmacht heißt jetzt Bundeswehr Fick dich! heißt jetzt Leck mich! DADA heißt jetzt BAUCHFLEISCH ebenso die NVA Besprechung heißt jetzt Meeting gaga heißt jetzt blabla KZ heißt jetzt KZ-Gedenkstätte, wer a sagt, muss es auch beweisen können Philosophie heißt jetzt Weisheitsforschung Schlachthof, Fitnessstudio oder Supermarkt Anarchie heißt jetzt Anarchismus Bounty heißt jetzt Plenty jetzt kann man schreiben, was man will Dada heißt jetzt Dadaismus Raider heißt jetzt Twix Stalin- heißt jetzt Karl-Marx-Allee Liebe heißt jetzt Liberalismus oder umgekehrt ansonsten ändert sich nichts Karl-Marx-Stadt heißt jetzt Chemnitz Rechnung heißt jetzt Abrechnung SED heißt jetzt PDS a denial, Kurt, a denial... Krankenschwester heißt jetzt PDS heißt jetzt Die Linkspartei.PDS Kandidaten heißen Abgeordnete Gesundheits- und Krankenpflegerin Die Linkspartei.PDS heißt jetzt Die Linke oder Linkspartei Abgeordnete heißen jetzt Abgehobene Arzthelferin heißt jetzt medizinische Fachangestellte Muschi, Pussy und Möse heißen jetzt Fotze damit die Reichen noch reicher werden: Reinigungskraft heißt jetzt Gebäudereiniger der eigene Freund heißt jetzt Kerl arbeiten gehen! Putzfrau heißt jetzt Raumpflegerin Brüste heißen jetzt Titten Kleptokratie und Timokratie Toilettenfrauen gibt es nicht mehr das männliche Glied heißt jetzt Schwanz heißen jetzt Demokratie oder höchstens noch in Pornofilmen Schwanz heißt jetzt Schwanz ab! Lobbyismus heißt jetzt Klientelpolitk Fensterputzer heißt jetzt Glasreiniger Analhaar ist kein Schamhaar Wahlvolk heißt jetzt Stimmvieh Hausmeister heißt jetzt Facility Manager Brustwarzen heißen jetzt Nippel oder Objekttechniker nicht zu verwechseln mit Nippes ansonsten ändert sich nichts alle Menschen sind sterblich Stalin- heißt jetzt Wolgograd

w h o i s

who is who / is who or what

nach Kai Pohl

w h o / i s

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w h a t

clemens schittko

w h o

39

40

Mario Rotter, also der Ritter-Rotter, hier kommt frisches Schwarz die reichsten 10% der Bevölkerung ist jetzt übrigens als Trainer Friedrichshain heißt jetzt Horst-Wessel-Stadt besitzen mehr als 60% beim Fußballverein TSV Chemie Premnitz beschäftigt Horst-Wessel-Stadt heißt jetzt Friedrichshain am Gesamtvermögen in Deutschland, und nicht, wie an anderer Stelle behauptet wird, Friedrichshain und Kreuzberg heißen jetzt die ärmsten 70% besitzen weniger als 10% 1995 in Wien „verunglückt“ Friedrichshain-Kreuzberg Kluge heißt jetzt Negt Perspektive heißt jetzt le commisaire oder zusammen mit Prenzlauer Berg Ost Wahlkreis 84 Realismus heißt jetzt Pessimismus oder Kommodore Korte 1035 Berlin heißt jetzt 10247 Berlin Sätze heißen jetzt Gegensätze dessen jüngere Frauenbekanntschaften Viertel heißt jetzt Quartier Sprüche heißen jetzt Widersprüche hätte ich auch mal gerne Stadtbezirk heißt jetzt nur noch Bezirk meine Familie heißt jetzt meine Family Avantgarde heißt jetzt über Avantgarde schreiben Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee zu meinen Hobbys zählen was soll das? heißt jetzt Florian Neuner heißen jetzt nur noch Pankow meine über 250 Freunde bei Facebook Underground heißt jetzt U-Bahn Prenzlauer Berg gibt es nicht mehr der blinde Seher Homer die U-Bahn-Linie 2 z.B. Bert Papenfuß-Gorek heißt jetzt Bert Papenfuß heißt jetzt Homer Simpson heißt jetzt Bono oder Bonobo die Zeit der Worte ist vorbei ansonsten ändert sich nichts Paulus Böhmer heißt jetzt Kaddish oder umgekehrt Sascha Anderson heißt jetzt Sascha A..., habe ich irgendjemanden vergessen zu erwähnen? David Menzer, Fritz Müller oder Peters Schminke heißt jetzt Make-up Goetz heißt jetzt loslabern, Verrat ist nach wie vor das richtige Wort Brause heißt jetzt Limonade aber nicht rumalbern Wolf Biermann heißt jetzt Egomane oder CDU Broiler heißt jetzt Hähnchen Schlaf, Kindchen, schlaf! lediglich Grünbein, Kolbe und Rathenow Selters heißt jetzt Mineralwasser heißt jetzt Kling, Thomas, kling! heißen immer noch Grünbein, Kolbe und Rathenow Mostrich heißt jetzt Senf ein Loop kann eine (/) Schraube oder Lupe sein und schreiben harmloser denn je allein der Bautzener bleibt ein inhaftierter Bautzener Zobelfranz heißt jetzt Stefan Griebl oder umgekehrt Beitritt heißt jetzt Einheit, Wende Konsum und Kaufhalle heißen jetzt Supermarkt oder Discounter Hölderlin Reparatur heißt jetzt Ich-Perspektive oder Friedliche Revolution Federball heißt jetzt Badminton die Aker-Werften heißen jetzt Wadan Yards Vereinigung heißt jetzt Wiedervereinigung richtig ist gleich wichtig Ausbeuter heißt jetzt Kapitalist Innerdeutsche Grenze heißt jetzt Todesstreifen Dekonstruktion heißt jetzt Dekonstruktivismus Kapitalist heißt jetzt Arbeitgeber, Unternehmer oder Manager Mauer heißt jetzt Wand Dekonstruktivismus heißt jetzt Poststrukturalismus Proletarier heißen jetzt Proleten, Prolls oder Arbeiter es sind Eigentümer von Grundstücken, 36, 5 Grad Celsius entsprechen exakt einem Derrida Arbeiter heißen jetzt Lohnabhängige die im Winter ihrer Streupflicht nicht nachkommen, Körper heißt jetzt Antikörper Lohnabhängige heißen jetzt Arbeitnehmer und es sind Mieter, Muskel heißt jetzt Schließmuskel Arbeitnehmer heißen jetzt Angestellte die ihre Miete noch zahlen müssen Pornographie heißt jetzt Erotik Bekanntenkreis heißt Peer Group das ist so Erotik heißt jetzt Sex Kommune heißt jetzt Community wenn die Farben wieder frei sind, Sex heißt jetzt Liebe Marktplatz heißt jetzt Forum ist der Mensch auch wieder gut ja heißt jetzt jawohl, Sklaverei und Menschenhandel heißen jetzt Leiharbeit Matthias Holst heißt jetzt BAADER zumindest beim Bund Leiharbeit heißt jetzt Zeitarbeit Peter Runkel heißt jetzt Peter Wawerzinek vielleicht heißt jetzt nein oder umgekehrt Selbstausbeutung und Kadavergehorsam Peter Wawerzinek heißt jetzt ScHappy Lust heißt jetzt Schmerz heißen jetzt Flexibilität Florian Günther heißt jetzt Friedolin Erektion heißt jetzt Ejakulation immer sind es die überkommenen Herbert Laschet Toussaint heißt jetzt HEL oder umgekehrt der Kopf gehört zum Körper, autoritären Strukturen, Johannes Jansen heißt jetzt Ann Cotten, nicht aber das Gesicht etwa in der katholischen Kirche kleines Dickicht, Bollwerk oder 030/48 59 71 3 Logik heißt jetzt Logistik oder bei der Bundeswehr, wenn wir etwas zu sagen hätten, Jens Weißflog und Johann Lafer die Mißhandlungen und den sexuellen Mißbrauch würden heute hier mehr Leute sitzen heißen jetzt Gebrauchsphilosoph von Schutzbefohlenen ermöglichen Bernd Igel heißt jetzt Jayne-Ann Igel Arschgeweih heißt jetzt Magd und Knecht heißen jetzt Praktikant Eberhard Häfner heißt jetzt Ebi oder Häfi Kettchen am Fußgelenk (einer Frau) die 68er heißen jetzt Vorstände und Aufsichtsräte Ulrich Schlotmann heißt jetzt Ulli oder Schloti Ribéry heißt jetzt Robben Beratungsgespräch heißt jetzt Consulting schunkeln alle auf der Scholle / ZDF war live dabei Geld schießt eben doch Tore Neuheit heißt jetzt Revolution Oligarchie heißt jetzt Kartell die Tabelle lügt nicht Sozialabbau heißt jetzt Reform Diktatur heißt jetzt Monopol delta heißt jetzt scobel Umverteilung von unten nach oben so deuten wir alles um (und) für uns die Systemfrage stelle ich nicht heißt jetzt Schwarz-Gelb oder Rot-Grün die Systemfrage stellt mich die da oben machen doch eh, was sie wollen Ringbahnhalle heißt jetzt Ring-Center I Zutreffendes bitte ankreuzen! Betriebswirte und Juristen heißen jetzt Berufspolitker Schuld heißt jetzt Schulden Depeche Mode heißt jetzt Dave Gahan Lobbyisten heißen jetzt Berater Katrin Heinau heißt jetzt www.katrinheinau.de Blumfeld heißt jetzt Jochen Distelmeyer Klüngel und Korruption heißen jetzt Networking und liefert ungefähr 2.370 Ergebnisse Einstürzende Neubauten heißt jetzt Blixa Bargeld und Band Raub und Diebstahl heißen jetzt Kapitalismus in 0,14 Sekunden bei Google Schlingensief heißt jetzt Staatskriecher Kapitalismus heißt jetzt Marktwirtschaft oder Globalisierung das meine ich gar nicht negativ besser negativ als gar nicht erwähnt werden, oder? Enteigung heißt jetzt Hartz IV oder Steuererhöhung SU heißt jetzt Su Wodka heißt jetzt Schnaps Bolz heißt jetzt Sloterdijk Werder Bremen heißt jetzt Ralf S. Werder Schnaps heißt jetzt Whisky oder auch Heinsohn

Müll heißt jetzt Wertstoff Buchhandel heißt jetzt Jammerbranche sich umgebracht haben heißt jetzt verunglückt Gleichstellung heißt jetzt Gender mainstreaming Gottfried heißt jetzt Big Benn diesem Staat hier Frauenbeauftragter heißt jetzt Gleichstellungsbeauftragter die SS heißt seit Günter Grass Waffen-SS kann man eigentlich nur noch Reisebegleiter heißt jetzt Care & Wellness Manager Enzensberger heißt jetzt Thalmayr juristisch kommen Pazifismus heißt jetzt Vulgärpazifismus machen wir uns doch nichts vor: Presse heißt jetzt Medien Thea Dorn hieße gerne Theodor W. Adorno Walser und Reich-Ranicki Ablass heißt jetzt Spende Kochstraße heißt jetzt Rudi Dutschke sind doch inzwischen dankbare Opfer Herrschaft heißt jetzt Macht Springer heißt jetzt taz Volk heißt jetzt Bevölkerung, Christentum heißt jetzt Sozialismus wann holt sich der Staat endlich das Geld siehe hierzu auch Brecht Philosophie heißt jetzt Unternehmensphilosophie von den reichsten 10% der Bevölkerung (zurück)? Frankfurter heißen jetzt Wiener oder Gewinnmaximierung Gesellenbrief heißt jetzt Diplom Pfannkuchen heißen jetzt Eierkuchen Rüstungsministerium heißt jetzt Verteidigungsministerium Diplom und Magister heißen jetzt Bachelor oder Master und Eierkuchen heißen jetzt Krapfen Vormundschaftsgericht heißt jetzt Betreuungsgericht Studenten heißen jetzt Studierende Mohrenköpfe heißen jetzt Negerküsse es gilt, alle Verhältnisse umzuwerfen, Lehrlinge heißen jetzt Auszubildende Negerküsse heißen jetzt Schaumküsse in denen der Mensch ein erniedrigtes, Auszubildende heißen jetzt Azubis „Schuld und Sühne“ heißt jetzt „Verbrechen und Strafen“ ein geknechtetes, ein verlassenes, Umschüler heißen jetzt Rehabilitanden Postmoderne heißt jetzt Postpostmoderne ein verächtliches Wesen ist Pädosexuelle heißen jetzt Pädophile Was guckst du, bin ich Kino? heißt jetzt das Wesen der Erscheinung Rendezvous heißt jetzt Open Talk oder Date Du Opfer, ich mach dich Messer! heißt jetzt die Erscheinung des Wesens Alleinstehender heißt jetzt Single Beckenbauer heißt jetzt Hoeneß ansonsten ändert sich nichts Single heißt jetzt Tonträger Hoeneß heißt jetzt Nerlinger mit meistens nur zwei Titeln eines Komponisten, aus den Großkopferten Karoline heißt jetzt Karo eines Interpreten oder einer Musikgruppe werden keine Saupreußen mehr Stefanie heißt jetzt Steffi Nena heißt jetzt Oma Lautstärke heißt jetzt Aussteuerung Juliane heißt jetzt Jule oder Julchen Klang heißt jetzt Sound Angie heißt jetzt Mutti Susanne heißt jetzt Susi Dauer heißt jetzt Zeit ansonsten ändert sich nichts Suizid wird in Deutschland Penis heißt jetzt Penisneid nicht länger strafrechtlich verfolgt öko heißt jetzt bio Renten heißen jetzt Pensionen was soll das? Fahrstuhl heißt jetzt Aufzug oder Lift Diäten heißen jetzt Managergehälter Netzwerke heißen jetzt Foren ansonsten ändert sich nichts Status heißt jetzt Standing, Statut Werbetexter heißen jetzt Lyriker oder einfach nur Stuss Autoren heißen jetzt Blogger Zensor heißt jetzt Lektor wir werden die Leistungen des Staates kürzen, schreiben heißt jetzt tippen, Esoterik heißt jetzt Poesie Eigenverantwortung fördern twittern, simsen, chatten, Poesie heißt jetzt Lyrik und mehr Eigenleistung was auch immer Lyrik heißt jetzt Lüge von den Einzelnen fordern müssen klüngeln heißt jetzt netzwerken Dichter heißen jetzt Lyriker, Erziehungsurlaub heißt jetzt Elternzeit Baller- und Killerspiele heißen jetzt Ego-Shooter aber nicht Lügner Haushalt heißt jetzt Bedarfsgemeinschaft Du heißt jetzt Sie oder umgekehrt Verhör heißt jetzt Ich möchte mit Ihnen Poetik heißt jetzt Poetologie Ich heißt jetzt Wir über Ihr Bewerbungsangebot wenn Angelus Novus Wir heißt jetzt Ich oder Ihr bzw. Ihre berufliche Situation sprechen mit zerissenen Flügeln Auschwitz heißt jetzt Tönnies Fleischwerk Arbeitsamt heißt jetzt Bundesagentur für Arbeit oder JobCenter aus dem Koma erwacht Rouladen heißen jetzt Rollladen Arbeitslosen- und Szialhilfe heißen jetzt ALG II oder Hartz IV Lumpenproletariat heißt jetzt Lumpenbürgertum Warenhaus heißt jetzt Einkaufscenter Arbeitslosengeld heißt jetzt ALG I oder Unterschicht Einkaufen gehen heißt jetzt Shoppen Arbeitsvermittler heißt jetzt Fallmanager Bohème heißt jetzt Prekariat Konsumfreiheit heißt jetzt Freiheit Praktikum heißt jetzt Trainingsmaßnahme Tagelöhner heißen jetzt prekär Beschäftigte Freiheit heißt jetzt Freizeit ich möchte Bundeskanzler Schröder Autoren, die ausschließlich von Preisen ein Fernsehgerät, ein Bett... ganz persönlich dafür danken, und Stipendien leben, der Ausbeutung in den Betrieben dass er mit seiner Agenda 2010 heißen jetzt freie oder freischaffende Schriftsteller folgt die Selbstausbeutung daheim mutig und entschlossen eine Tür aufgestoßen hat Untote heißen Zombies Tsunami heißt jetzt Erdbeben Dienstwagen heißt jetzt Nacktscanner Draesner heißt jetzt Tranche abstrahieren heißt jetzt wegsehen UEFA-Cup heißt jetzt Europa League Falkner soll um den Huchel-Preis gebuhlt haben und würden die knapp 45.000 Menschen, Kirche heißt jetzt Fußball Mayröcker hätte den Büchner-Preis gerne 2000 die alle zwei Wochen Sex heißt jetzt Masturbation und nicht erst 2001 bekommen die Heimspiele von Hertha BSC besuchen, Krieg heißt jetzt Friedenssicherung wer sagt das? sich nur einmal anders entscheiden Angriffskrieg heißt jetzt Verteidigung internationaler Interessen Naumann heißt jetzt Neumann und – statt ins Stadion zu gehen – Bundeswehreinsatz im Ausland heißt jetzt Arbeitslose heißen jetzt Arbeitssuchende, das Kanzleramt umzingeln, Posttraumatische Belastungsstörung Erwerbslose oder Kunden sogar hätten wir in Deutschland Lebensraum im Osten heißt jetzt Verantwortung heißt jetzt Eigenverantwortung binnen weniger Stunden Deutschlands Freiheit wird am Hindukusch verteidigt Selbsttötung heißt jetzt Selbstmord einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn getötet heißt jetzt gefallen Initiative heißt jetzt Eigeninitiative Zeitraum heißt jetzt Raumzeit oder umgekehrt

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fordern und fördern heißt jetzt Auferstehung! heißt jetzt Deutsches Literaturinstitut Leipzig fördern und fordern oder umgekehrt alle Staatsgewalt geht vom Volke aus (Art. 20 GG) Leipzig heißt jetzt Hildesheim, dem, der nichts hat, und nicht etwa von der Bundesregierung aber nicht Frankfurt dem wird auch noch genommen oder gar vom VW-Aufsichtsrat EDIT heißt jetzt BELLA triste, so ist es schämen heißt jetzt fremdschämen real heißt jetzt reell wer nicht lachen kann, asozial heißt jetzt antisozial relevant heißt jetzt evident kann auch nicht weinen Befriedigung heißt jetzt Selbstbefriedigung ansonsten ändert sich nichts Sklaven heißt jetzt Sklaven Aufstand Systemtheorie heißt jetzt Diskursanalyse Sklaven Aufstand heißt jetzt Gegner Muster heißen jetzt Modelle Landsberger Platz heißt jetzt Leninplatz Gegner heißt jetzt floppy myriapoda ansonsten ändert sich nichts Leninplatz heißt jetzt Platz der Vereinten Nationen floppy myriapoda heißt jetzt Edgar-André-Oberschule heißt jetzt Erich-Fried-Gymnasium www.subkommando.pappelschnee.de Feier, Fest und Fete heißen jetzt Party Revolutionäre heißen jetzt Terroristen www.subkommando.pappelschnee.de mit Arsch in der Hose in den Bundestag Anarchisten heißen jetzt Autonome heißt jetzt www.floppymyriapoda.de heißt jetzt Halina Wawzyniak Autonome heißen jetzt Chaoten dieses heißt jetzt jenes Hass vernichtet, und zwar immer den Hassenden Volksschädlinge heißen jetzt Sozialschmarotzer Beliebtheit heißt jetzt Beliebigkeit das Bezeichnende heißt jetzt das Bezeichnete vom Boxhagener Platz kommt frisches Schwarz ansonsten ändert sich nichts Analyse heißt jetzt Dialyse Frankfurter Bahnhof heißt jetzt Schlesischer Bahnhof Wal-Mart heißt jetzt Metro Schlesischer Bahnhof heißt jetzt Ostbahnhof ProSieben, Sat.1, kabel eins und N24 Kaiser‘s Tengelmann und Plus heißen jetzt Edeka Ostbahnhof heißt jetzt Hauptbahnhof heißen jetzt alle ProSiebenSat.1 Media AG Extra und Penny-Markt heißen jetzt Rewe Hauptbahnhof heißt jetzt Ostbahnhof Zensur heißt jetzt Ablehnung, Allkauf heißt jetzt real, stützen heißt jetzt stürzen Ignoranz oder Isolation außer in Madrid ich sag‘s ja nur Staat heißt jetzt Markt Bolle heißt jetzt Spar Palast der Republik heißt jetzt Volkspalast Politik heißt jetzt Wirtschaft lediglich Aldi und Lidl Volkspalast heißt jetzt Abriss oder Rückbau Hauptsache, die Menscherechte wurden angemahnt heißen immer noch Aldi und Lidl Rückbau heißt jetzt Bauland, Union und FDP heißen jetzt Spiegel, FAZ und BILD Apfel- und Orangensaft aber noch lange nicht Stadtschloss Heidi Klum heißt jetzt Heidi Klum GmbH heißen jetzt A- und O-Saft Stulle heißt jetzt Schnitte Madonna heißt jetzt Britney oder Christina schlafen kann ich schließlich, Schrippe heißt jetzt Brötchen Puff Daddy heißt jetzt P. Diddy wenn ich tot bin Was guckst du? Bin ich Kino? heißt jetzt oder nur noch Diddy Kurt Cobain heißt jetzt Anton Corbijn Du Opfer, ich mach dich Messer! und ist jetzt nicht nur Rapper, Oswald Wiener heißt jetzt Sarah Wiener Generation Praktikum heißt jetzt Generation Porno sondern auch Modedesigner Jürgen Kuttner heißt jetzt Sarah Kuttner es lebe der Aufstand Arbeit heißt jetzt Beschäftigung Stein(e)meier heißt jetzt Kurnaz, Kurras Ausbeutung heißt jetzt Wachstum, Wachstum, Wachstum Arbeitsplätze heißen jetzt Jobs oder so ähnlich an den direkten und indirekten Folgen Verständigung oder Unterhaltung Stoiber heißt jetzt Pauli der sogenannten Globalisierung heißt jetzt Kommunikation Haider heißt jetzt Westerwelle sterben pro Jahr mehr Menschen Ausbildung heißt jetzt Bildung Westerwelle heißt jetzt Westerwave als in sechs Jahren Zweiter Weltkrieg Wirklichkeit heißt jetzt Realität oder spätrömische Dekadenz consider this! Wahrheit heißt jetzt Wahrhaftigkeit Englisch wird die Arbeitssprache Konkurrenz heißt jetzt Wettbewerb Sozialismus und Kommunismus heißen jetzt Linksfaschismus heißt jetzt Oettinger oder umgekehrt Löhne heißen jetzt Gewinne Marxismus heißt jetzt Stalinismus wenn ich nachher hier raus gehe, Steuerhinterzieher heißen jetzt Steuersünder Marx heißt jetzt Kapital, will ich euch lachen sehen oder Steuerflüchtlinge Geld übrigens auch Schumi gehört übrigens ausgebürgert, Vergütung und Lohn heißen jetzt Entgelt Bonn heißt jetzt Berlin Netzer, der jetzt Dresdner Bank heißt, auch Klasse heißt jetzt Schicht Republik bleibt Republik Kapitalflucht heißt jetzt Notwehr Gott stammt vom Menschen ab Deutschland heißt jetzt Neues Deutschland oder eNDe Deutschland heißt jetzt Exportweltmeister NARVA und Osram heißen jetzt BASF BRD heißt jetzt BeeRDigung oder drittgrößter Waffenexporteur der Welt Oberbaum-City heißt jetzt Mediaspree Weltbild heißt Hugendubel Erhöhung der Gebühren und der Sozialabgaben Ostgüterbahnhof heißt jetzt O2-World Haus des Buches heißt jetzt Thalia.de heißt jetzt Steuersenkung U-Bahnhof Marchlewskistraße Bertelsmann, DVA, Goldmann, Heyne und Luchterhand FDJ heißt jetzt FDP, das steht hier heißt jetzt U-Bahnhof Weberwiese heißen jetzt alle Random House Ökos heißen jetzt Lohas ach, ich jetzt hier... C.H. Beck ist rechts Geisterfahrer heißen jetzt Ghostwriter U-Bahnhof Frankfurter Tor der Aufmachung nach heißt Reclam jetzt Sukultur Ich ist ein anderer heißt jetzt heißt jetzt U-Bahnhof Rathaus Friedrichshain Finanzamt Prenzlauer Berg heißt jetzt Suhrkamp Ein Anderer ist ich U-Bahnhof Rathaus Friedrichshain und weiß angeblich, wo die Avantgarde wohnt ansonsten ändert sich nichts heißt jetzt U-Bahnhof Petersburger Straße Unseld heißt jetzt Unseld-Berkéwicz U-Bahnhof Petersburger Straße Verlag heißt jetzt Galrev Signifikant heißt jetzt Signifikat heißt jetzt U-Bahnhof Frankfurter Tor KOOKbooks (=Kochbücher?) hieße auch gerne so jetzt kann man schreiben, was man will, der Zentralvieh- und Schlachthof Berlin Literaturinstitut Johannes R. Becher es liest ja eh keiner mehr heißt jetzt Stadtquartier Alter Schlachthof

Zensur heißt jetzt Selbstzensur Sozialdemokratie heißt jetzt Untergang (oder 23 Prozent) und soft heißt jetzt sensitive Selektion heißt jetzt Casting die Geliebten heißen jetzt Schatzi, Hasi und Mausi Abonnement heißt jetzt Flatrate DSDS heißt jetzt Bachmann-Preis Ironie heißt grins, lach, lächel oder smile Derivate heißen jetzt Schatzbriefe Literaturmafia heißt jetzt Lyrikbetrieb Zone heißt jetzt No-go-Area Zertifikate heißen jetzt Anleihen Lyrikbetrieb heißt jetzt Betriebslyrik Gauck heißt jetzt Birthler Boni heißen jetzt Prämien Betriebslyrik heißt jetzt KOOKbooks Merkel heißt jetzt Lengsfeld schlechte Nachrichten heißen jetzt gute Nachrichten oder Lyrik von Jetzt (eins, zwei usw.) jedes sechste Kind in Deutschland lebt in Armut Artaud heißt jetzt Analkarzinom ihre über 100 Exponenten, sind so kleine Hände Walter Jens und Alzheimer heißen jetzt Demenz all diese selbstverliebten, ich wiederhole: jedes sechste Kind... ach, komm, hör auf internetsüchtigen Bresemänner FDJ-Sekräterin für Agitation und Propaganda der Kranke ist immer die Krankheit selbst und Teen-Leber-Tran-Tüten, heißt jetzt CDU-Vorsitzende keep me against your chest, Polly Jean heißen jetzt Schlappschwanzlyriker Geißler heißt jetzt attac und sagt: Detlef heißt jetzt Bodo und sollen endlich arbeiten gehen Sklavenarbeit ist auch Arbeit unter der Haut (siehe Korte) heißt jetzt subkutan man kennt alles, Maschinen heißen jetzt Automaten und warum sollte ich den Dichter Crauss hat aber kaum etwas selbst erlebt Mindestlohn heißt jetzt Mindesteinkommen hier jetzt erwähnen? der Diebstahl geistigen Eigentums Grundeinkommen heißt jetzt Bürgergeld das ergibt doch alles gar keinen Sinn heißt jetzt Intertextualität, Nullerjahre Fabriken heißen jetzt Betriebe erwähnt dieser mich denn oder copy & paste Betriebe heißen jetzt Firmen in einem seiner Texte? real-sozialistische Literatur heißt jetzt Firmen heißen jetzt Unternehmen Robert Enke heißt jetzt Robert-Enke-Stiftung sozial-realistische Lyrik oder umgekehrt seit 5.45 Uhr wird jetzt (sic!) zurückgeschossen Becker heißt jetzt Pocher das MfS heißt jetzt Stasi copy heißt jetzt paste lediglich Meyer-Wölden bleibt Meyer-Wölden Stasi heißt jetzt BND, Innenministerium oder Kanzleramt Werke heißen jetzt Texte niemand ist die Verneinung von jemand Insolvenz heißt jetzt geordnete Insolvenz Texte heißen jetzt Material Hape Kerkeling heißt jetzt Horst Schlämmer das Wesen der Dinge verstehen Material heißt jetzt Materialermüdung Big Brother heißt jetzt Dschungelcamp heißt jetzt Erkennen der Aura Werbetexte heißen jetzt Feuilleton oder Literaturkritik ansonsten ändert sich nichts damit alles so bleibt, wie es ist: Buchbesprechungen heißen jetzt Rezensionen wählen gehen! Lesestoff, genauer gesagt Literaturimitation, Vogelgrippe heißt jetzt Schweinegrippe Effizienz heißt jetzt Optimierung heißt jetzt Weltliteratur der Führer heißt jetzt nur noch Hitler changieren heißen flottieren Popliteratur heißt jetzt Avantgarde HIV heißt jetzt Aids onanieren heißt jetzt schreiben popliterarisch heißt jetzt anarchisch oder subversiv Vergleiche mit dem Nationalsozialismus hinken (immer) ansonsten ändert sich nichts vertröstend heißt verstörend Kollektiv heißt jetzt Team oder Arbeitsgemeinschaft Phrase heißt jetzt Redewendung oder umgekehrt Arbeitsgemeinschaft heißt jetzt Aktiengesellschaft der Mensch steht im Mittelpunkt heißt jetzt Pornographie heißt jetzt Internet, Personengesellschaft heißt jetzt Kapitalgesellschaft der Mensch steht im Weg ebenso Selbstdarstellung und Denunziation Markt heißt jetzt Börse Symbole heißen jetzt Zeichen, siehe Derrida volles Schamhaar zu tragen wie viel kommt denn jetzt noch? Bedeutsamkeit heißt jetzt Bedeutung hat inzwischen Fetischcharakter das liest doch eh alles keiner Werte heißen jetzt Preise analog heißt jetzt digital, print auch Unterdrückung heißt jetzt Überwachung Dinge heißen jetzt Waren in (der) Wirklichkeit gibt es nichts (mehr), Überwachung heißt jetzt Kontrolle alles Geld dieser Welt kostet Geld was es nicht gibt Kontrolle heißt jetzt Sicherheit Subjekt heißt jetzt Objekt oder umgekehrt ficken heißt jetzt durchficken Sicherheit heißt jetzt Freiheit ein Prädikat jedenfalls gibt es nicht mehr Michaele Jänke heißt jetzt Gina Wild Argumente heißen jetzt Inhalte oder Themen Bankiers heißen jetzt Banker Gina Wild heißt jetzt Michaela Schaffrath Wahlen heißen jetzt Umfragen spekulieren heißt jetzt zocken Michaela Schaffrath heißt jetzt Michaela Schaffrath-Wanhoff Opposition heißt jetzt Regierung Alkoholmissbrauch heißt jetzt Komasaufen Köhler, Kristina heißt jetzt Schröder, Kristina Netto wie Brutto Komasaufen heißt jetzt Amoklaufen lediglich der Bundes-Hotte regieren heißt jetzt verwalten Erfurt heißt jetzt Emsdetten und der Basta-Gerd bleiben, entscheidend ist schließlich, was hinter rauskommt Emsdetten heißt jetzt Winnenden wer sie sind der öfter als dreimalige Stuhlgang am Tag wann hört das auf? wann hört das auf? heißt jetzt Durchfall Siemens heißt jetzt Stellenabbau lesen heißt jetzt schmökern Industriearbeiterschaft heißt jetzt Informationsproletariat Stellenabbau heißt jetzt Sanierung offline arbeiten heißt jetzt schlafen oder umgekehrt Geschäftsstellen heißen jetzt Kundencenter ich bin der Bundestrainer, Telekom heißt jetzt Maybrit Illner Gegenwart heißt jetzt Gegenwert da lasse ich mir kein Ultimatum stellen, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft Werbung heißt jetzt Marketing sagt Jogi Löw heißt jetzt Bittburger Kommerzialisierung heißt jetzt Vermarktung schweigen heißt jetzt verschweigen die Deutsche Bank soll brennen! wer a sagt, muss auch be-jahen verschweigen heißt jetzt Regierungserklärung Sportschau heißt jetzt Tagesschau Wetter heißt jetzt Klima Tagesschau heißt jetzt Tatort, Krankheit, Kunst und Tod left and right heißt jetzt light GZSZ heißt jetzt Verbotene Liebe, heißen jetzt Putz, Schlupf und Stunk oder umgekehrt sagt Volker Braun zumal, wenn nichts Besseres läuft Repression heißt jetzt Prophylaxe light heißt jetzt soft ARD und ZDF heißen jetzt RTL Sozialismus heißt jetzt Sozialdemokratie

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AnsagerInnen heißen jetzt ModeratorInnen ich könnte sie Mord heißt jetzt Ehrenmord ModeratorInnen heißen jetzt JournalistInnen in die Arbeitslosigkeit vermitteln Ehen heißen jetzt Zwangsehen Souffleuse heißt jetzt Teleprompter Lyrik heißt jetzt Schattenwirtschaft Prediger heißen jetzt Hassprediger Christiansen heißt jetzt Will schreiben heißt jetzt Schwarzarbeit Sarrazin hetzt keine Benennung erreicht die Welt Sachbeschädigung heißt jetzt Abwrackprämie Mädchen heißen jetzt Kopftuchmädchen FAKT, Kontraste, Monitor, Panorama, oben und unten heißen jetzt drinnen und draußen Islam heißt jetzt Islamismus Report Mainz, Report München und Frontal 21 sozialer Abstieg heißt jetzt Exklusion Terrorismus heißt jetzt Tourismus heißen jetzt verkürzte Sendezeit Keller heißt jetzt Basement Verfassung heißt jetzt Grundgesetz und schlechterer Sendeplatz die Zahl der jährlich knapp 5.000 Verkehrstoten in Deutschland Privatisierung der Gewinne heißt jetzt oder auch Fußball-Liveübertragung erwähnt die Tagesschau, Sozialisierung der Verluste das Wetter wird Ihnen präsentiert die Zahl der knapp 10.000 Suizide allerdings nicht Leistung wählen! von den Finanzexperten der Commerzbank Scheibenwischer heißt jetzt Satire Gipfel FDP heißt jetzt Bündnis 90/Die Grünen Sein oder Nichtsein heißt jetzt Hildebrandt heißt jetzt Richling CDU heißt jetzt SPD das Sein und das Nichts Kabarett heißt jetzt Comedy SPD heißt jetzt Die Linke weniger als nichts heißt jetzt Schulden Mannschaftskabine heißt jetzt Spielerkabine Linksfraktion heißt jetzt Gruppierung die Vergangenheit ist nicht vergangen Trümmerfrauen heißen jetzt Spielerfrauen Bürger heißen jetzt Mitbürger OpenBC heißt jetzt Xing Bayerns Ribéry und Robben Mitbürger heißen jetzt Landsleute, StudiVZ Ltd. heißt jetzt VZ-Netzwerke heißen jetzt beste Flügelzange der Welt jedenfalls in den Reden Horst Köhlers „Sperrung“ heißt jetzt „Inaktiv“ Du bist Deutschland heißt jetzt Wir sind Papst vom Teleprompter ablesen Leutheusser heißt jetzt Schnarrenberger willkommen zurück heißt jetzt Weihnachts- oder Neujahrsansprache Schwarz-Gelb heißt jetzt Christlich-Liberal in der mittelalterlichen Ständegesellschaft: Steinbach heißt jetzt die Causa Steinbach und regiert sowohl an der Bevölkerung in keinem anderen Land in Europa integrieren heißt jetzt intrigieren oder umgekehrt als auch am Parlament vorbei hängen die Bildungschancen bei Hertha spielt ein gewisser Cicero, heil heißt jetzt pro so sehr vom Einkommen bei Gladbach ein gewisser Dante – die da unten heißen jetzt Basis und der Ausbildung der Eltern ab so ein Quatsch auch die da oben heißen jetzt Elite oder Leistungsträger wie im sogenannten Land der Ideen sich einen antrinken heißt jetzt vorglühen und wollen jetzt wieder nur unter sich bleiben bzw. der Dichter und Denker nach Kai Pohl heißt jetzt Kai Pohl nach! Bourgeoisie heißt jetzt Mittelschicht Germanen heißen jetzt Germanisten zu Helko Reschitzki fällt mir nichts mehr ein, Mittelschicht heißt jetzt Mittelstand Metaphern heißen jetzt Bilder schon gar kein Reim Mittelstand heißt jetzt Mitte Verszeilen heißen jetzt Verse oder Zeilen militärisch angemessen heißt jetzt militärisch unangemessen und Mitte heißt jetzt Neue Mitte Texte heißen jetzt Bücher manische Depression heißt jetzt bipolare Störung in Deutschland leben 14 Millionen Menschen schweigen heißt jetzt verschweigen und zählt jetzt zur Gruppe der affektiven Störungen unterhalb der Armutsgrenze, nur tot kehren unsere Brüder und Söhne Kapitalismus heißt jetzt Depression, Impotenz und Suizid das sind 30% mehr aus Afghanistan zurück Depression hingegen heißt jetzt Burnout-Syndrom als noch vor zehn Jahren EU-Verfassung heißt jetzt Änderungsvertrag Untergang heißt jetzt Rezession Berlin/Ost oder Hauptstadt der DDR ansonsten bleibt alles, wie es ist Nacht-und-Nacht sagt Celan heißt jetzt Ost-Berlin ansonsten ändert sich nichts Visionäre heißen jetzt Fundamentalisten, Raubvogel heißt jetzt Bundesadler Extremisten oder Radikale Agenda 2010 heißt jetzt Agenda 2020 Meinung, Beurteilung und Entscheidung Tellerwäscher heißen jetzt Geschirrspülautomaten Scheingewerkschaften heißen jetzt christliche Gewerkschaften heißen jetzt Krise, siehe Wikipedia, Millionäre heißen jetzt Milliardäre Schily, Schäuble & Co. heißen jetzt aber nicht Chance, auch nicht in China „notleidende Banken“ heißt jetzt „betriebsratsverseucht“ Lidl, Telekom und Deutsche Bahn systemrelevant heißt jetzt systemisch Ali G heißt jetzt Borat in keinem anderen Industriestaat Arbeit macht frei heißt jetzt Borat heißt jetzt Brüno haben in den letzten Jahren Freiheit macht arm Combo heißt jetzt Band die Einkommensunterschiede Deregulierung heißt jetzt Liberalisierung ansonsten ändert sich nichts so stark zugenommen Befehl heißt jetzt Arbeitsauftrag wie in Deutschland Belehrung heißt jetzt Unterweisung Feindbild Ostblock heißt jetzt Feindbild islamische Welt das Aufdecken von Missständen Unterweisung heißt jetzt Supervision anarchisch heißt jetzt archaisch heißt jetzt wallraffen für einen solchen Text Unterjochung der Welt heißt jetzt Freiheit und Demokratie Dissidenz heißt jetzt Whistleblowing stellt mich doch kein Arbeitgeber mehr ein oder auch Verteidigung der sogenannten Menschenrechte Stasi heißt jetzt Google Gerechtigkeit heißt jetzt Leistungsgerechrigkeit wäre die Welt eine Bank, Google heißt jetzt Krake Hartz IV heißt jetzt Solms V hättet ihr sie längst gerettet T-Com heißt jetzt T-Home Zwangsarbeit heißt jetzt Arbeitspflicht Lesung heißt jetzt Slam VIAG Interkom heißt jetzt O2 Arbeitspflicht heißt jetzt Arbeit für alle Brustvergrößerung heißt jetzt Penisverlängerung Krieg heißt jetzt Profifußball oder Sozial ist, was Arbeit schafft Viagra heißt jetzt Cialis Leistungssport heißt jetzt Doping ich bin besser qualifiziert und wird von der automatischen Rechtschreibprüfung nicht Eigenblut heißt jetzt Fremdurin als meine sogenannte Arbeitsvermittlerin anerkannt die pharmazeutische Industrie heißt jetzt Pharma-Lobby und könnte ihren Job machen, Genitalverstümmelung heißt jetzt Beschneidung E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall das ist doch gar nichts,

heißen jetzt Atom-Lobby Raser heißen jetzt Schleicher heißen jetzt Weltkunde Planwirtschaft heißt jetzt Projektmanagement Evolution heißt jetzt Revolution oder umgekehrt über Bildung reden heißt jetzt Arbeit heißt jetzt Leistung Moral heißt jetzt Ethik mehr für Bildung zu tun Leistung heißt jetzt Widerstand Ethik heißt jetzt Ästhetik why? why me? why now? der Blitz elektro, der Donner retro der englischsprachige Gott hört man Nancy Kerrigan verletzt Strom und Licht heißen jetzt Welle oder Teilchen ist von hinten genommen in irgendeinem Videoclip Bank heißt jetzt Bad Bank ein englischsprachiger Hund wieder und wieder schreien wer soll das denn alles noch lesen? Hartz IV heißt jetzt von der Leyen I bis ∞ Markierungen heißen jetzt Marker Bundeskanzler heißt jetzt Bundestrainer Juden heißen jetzt Muslime oder Arbeitslose der Schmand unter der Vorhaut Kanzleramtsminister heißt jetzt Kanzlerkandidat Der Stürmer heißt jetzt BILD heißt jetzt Smegma oder auch Meierstein, hoch das Bein! zehn bis zwölf Millionen Leser täglich Parteifunktionär heißt jetzt Topmanager Rentenkürzung heißt jetzt Rente mit 67, können sich nicht irren! Lobbyistin Schmidt heißt jetzt Lobbyist Rösler mit Münte in die Tinte Scheuerlappen heißt jetzt Einwaschtuch, Patient heißt jetzt Kunde oder mit Günther in die Jauche denn Lappen werden weggeschmissen Insasse heißt jetzt Bewohner take it Gysi! Fensterscheibe heißt jetzt Glasfläche Konzentrationslager heißt jetzt Pflegeheim fegen heißt jetzt kehren Schröder heißt jetzt Putin oder Gazprom Die Linke heißt jetzt Lafontaine oder umgekehrt Müllschippe heißt jetzt Kehrblech Fischer heißt jetzt Siemens wer mit dem Zeigefinger allgemeiner Vorwürfe schmieren heißt jetzt wischen Atomkraft bzw. Kernenergie auf den oder die vermeintlichen Anstifter Ich ist ein anderer heißt jetzt heißt jetzt Brückentechnologie oder Drahtzieher zeigt, Ich ist jeder sprechen heißt jetzt sterben sollte daran denken, anwesend ist das Abwesende vergangene Nacht träumte ich, dass in der Hand Offener Kanal heißt jetzt Alex wie ich mit einem Transparent, mit dem ausgestreckten Zeigefinger Archive heißen jetzt Ordner das die Aufschrift WIDERSTAND trägt, zugleich drei andere Finger Dokumente heißen jetzt Ressourcen durch das menschenleere Regierungsviertel auf ihn selbst zurückweisen Ressourchen heißen jetzt Elemente der Hauptstadt gehe Identität heißt jetzt Identifizierung Ideen heißen jetzt Notizen Brecht heißt jetzt Müller Literatur heißt jetzt behaupten Kommentare heißen jetzt Beiträge Müller heißt jetzt Milch behaupten heißt jetzt enthaupten Anfangs- und Endzustand Wir sind das Volk heißt jetzt Ich bin Volker Will Hunting heißt jetzt Clemens Schittko heißen jetzt Start- und Endknoten Reiche heißen jetzt Vermögende oder Besserverdienende Clemens Schittko heißt jetzt Gegen-Lyrik Zeitticket heißt jetzt Online-Guthaben Kunst heißt jetzt Kultur, Ware oder Dienstleistung Gegen-Lyrik heißt jetzt Anti-Literatur Bundesgrenzschutz heißt jetzt Bundespolizei Künstler heißen jetzt Kulturschaffende nicht schreiben ist auch keine Lösung Generalsekretär heißt jetzt Geschäftsführer Führer oder Guide heißt jetzt Kunstvermittler Majakowski heißt jetzt Biene Maja Union und FDP heißen jetzt bürgerliches Bündnis, Angestellte in der Medienbranche seit dem Ende der Geschichte bürgerliche Koalition, bürgerliche Mehrheit, heißen jetzt Kreative geht es ja eh um nichts mehr, bürgerliche Parteien, bürgerliche Regierung Krieg heißt jetzt Einsatz und gefoltert und ermordet oder auch Koalition bzw. Regierung der Mitte Vertreibung heißt jetzt Gentrifizierung werden schließlich immer die anderen wie langweilig Slums heißen jetzt spontane Siedlungen Abu Ghraib heißt jetzt Guantanamo diesen Text hätte ich wohl besser Schöneweide heißt jetzt Schweineöde der 11. September 2001 heißt jetzt nine eleven nicht geschrieben ansonsten ändert sich nichts der sukzessive Abbau der Grundrechte wählen heißt jetzt nur noch abwählen heißt jetzt Terrorismusbekämpfung Partei heißt jetzt Party Bittsteller heißt jetzt Besteller Rechte heißen jetzt Pflichten Freude heißt jetzt Spaß Besteller heißt jetzt Bestseller oder Bettgestell Solidarität heißt jetzt entweder Eigenverantwortung Ironie heißt jetzt Flucht Karstadt-Quelle heißt jetzt Arcandor oder Schwarzarbeit Melancholie heißt jetzt Depression Handys heißen jetzt Smartphones Heuschrecken heißen jetzt Global Player Vision heißt jetzt Prognose Wer hat den Längsten? heißt jetzt Berlusconi und Sarkozy Prognose heißt jetzt Wetterbericht Irak heißt jetzt Afghanistan die Menschen leben oder sterben nicht, Ratzinger heißt jetzt Benedikt sie fließen vorbei Ernesto heißt jetzt Fidel Preislisten heißen jetzt Preis-/Leistungsverzeichnis Fidel heißt jetzt Raoul, abrichten heißt jetzt konditionieren aber nicht Schrott Untergebener heißt jetzt Mitarbeiter Wikipedia lügt! Genosse heißt jetzt Kollege Kosmonaut heißt jetzt Astronaut Kriegsberichterstattung heißt jetzt Fußball-Liveübertragung Spock heißt jetzt Data Elite-Uni heißt jetzt Exzellenz-Uni Knut heißt jetzt Flocke Gesamtschule heißt jetzt Gemeinschaftsschule Sido heißt jetzt Bushido Hauptschule heißt jetzt Sekundarschule Wagenbach heißt jetzt Wagenknecht zumindest in Berlin Avantgarde heißt jetzt Avantgarde-Bashing Erkunde, Geschichte und Politik Spice heißt jetzt Scope

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text/e

End/t-Zug

Der Tag A. Ein Zug der entenartigen Zeit Mit Schnabel nach vorne Gen Ende des Anfangs Flieget fort, flieget fort zu dem heiligen Ort Der Tag be-ginnt Der Tag be-geht die Selbstgeburt Der Tag be-steht die eigne Existenz Der Tag beDer Tag B. Die erste Pfeife Tabak geraucht Joseph von Eichendorff, 1. Juni 1805, Tagebucheintrag Ich habe noch nie geraucht. Weder Tabak, noch Zigaretten, noch was anderes. Ich werde wohl auch nie zu diesem Ersatz greifen. Ich weiss nicht, will nicht wissen, Ersatz wofür. Ich mag keine Ersätze, ich mag auch keine Er-Sätze. Ich mag aber Ich-Sätze, denn die sind mir näher. Vertrauter. Doch Wir-Sätze haben auch was an sich. Vielleicht sind Wir-Sätze die besten Sätze, die es gibt.

vladimir alexeev aka merzmensch

Cogito

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ergo

Ich wusste nicht, welche der beiden Tassen mir war. Ich habe getrunken. Es hat angefangen. Eigentlich, hat‘s noch früher angefangen. Ich hab‘s nur erst nach dem Trinken bemerkt. Doch das Trinken milderte das von mir Bemerkte. Deswegen bin ich froh, dass ich getrunken hatte, noch bevor ich‘s bemerkte. Nähme ich übrigens die andere Tasse, hätte ich nichts bemerkt. Womöglich hätte auch davor nichts angefangen. Anders ausgedruckt, auch wenn‘s angefangen hätte (was auch geschah), würde es nicht gemildert, wie es nach der Tasse gemildert wurde, aus der ich dann doch getrunken haben sollte. Denn kaum ausgetrunken, habe ich alles bemerkt. Die andere Tasse hätte mir sicherlich alles erspart. Doch die Tasse meiner Auswahl half mir alles zu bemerken. Deswegen bin ich sehr froh, dass ich die andere Tasse nicht genommen habe. Sonst hätte ich nicht bemerkt, dass es schon längst angefangen hatte. keingedicht die schnecken stimmen mich nachdenklich und melancholisch, wenn ich deren runzeligen fühler seh oh weh o www die schnecken sind des hauses entwürdigt doch tragen ihre heime auf dem rücken schrapo, schrapo! der weg war da

(für linda und isabella und in frauenfreundschaft) habe sie nicht gewusst wohin mit ihrer verzweiflung oder das ist zumindest die stimme die übrig blieb/ den mundtod weitergeben an das was aus der gebärmutter raus/ und ihr in eine welt geflutscht in der sie kein stimmrecht gehabt habe/ also sie nicht sie nicht auch sie nicht und deshalb gabs keinen unterschied/ sprechen wir von 1787 bis 1849/ das häufigste tötungsdelikt der frühen neuzeit und unverheiratet/ mundtote kindsmörderin/ lippen abgezwickt/ den säugling mit der nabelschnur erhängt habend und sei das zurückzuführen auf sozialwirtschaftliche faktoren wie/ dienstbotenmädchen die von ihrem landwirten penetriert werden mein land deine vagina meine vagina nein/ und sie habe dann nicht gewusst wohin mit ihrer verzweiflung weil sie ihr die sprache genommen und dann auch noch ihr loch/ da sei sie ins loch/ da habe sie anstatt ihres kopfes nur mehr eine ausgehöhlte rundung gehabt oder so aber auch das lässt sich schwer sagen ohne sprache und was immer sie versucht darüber zu schreiben wird falsch sein denn sie ist analphabetin sie betet/ duckt sich untern zipfel der muttermaria/ mutter wenn ich nur an deinen zehennägeln lutschen darf aber bin ich nicht würdig und/ erwürg deshalb dieses bündel leben mit der nabelschnur da ist nichts als die weite des feldes und wohin sich fortlaufen lässt daran darfst du nicht denken/

kindsmörderinnen

kindsmörderinnen

und wenn du gewusst haben würdest von der geburtsanstalt/ wüsstest du auch wie sie dich als anschauungsmaterial vorgeführt hätten als wärst du vieh/ aufgeschwollene gebärmutter ohne mund/ riesenwunde die fiepst nach der ewigkeit von der sie nichts weiß als was die anderen ihr erzählen/ also dass sie besser ist als was ihr hier/ damals flutschten also nur 160 frauen pro jahr aus den müttern die in den gebärhausern lagen und als lebendige phantome dienten/ guckmal wie ihr der schmerz aus den augen als wär sie kuh/ sähe man da wie die frau die erbsünde abbüßt mit händen und mit füßen/ so ists geschrieben in den orgelchorälen/ und amen/ während die geburtsrate der unehelichen kinder um die 2 500 pro jahr betragen/ aber so schwach bist du nicht/ brustwarzenmonster mit dem aufgeblähten euterbauch/ was dich unterscheidet vom sei das auch zurückzuführen auf bürokratische herdenvieh ist nichts als eine hindernisse meinen die historiker und die innen sprache die du gehabt haben von denen nicht viel gesagt sein wird außer dass sie könntest aber vergiss denn auch zur quote beitragen/ aber amen/ immerhin hat sich das ist geschichte/ im warsten der joseph der zweite doch mühe gegeben oder/ sinne eines wortes von dem du nein/ weil dass die muttermaria ihren goldbestickten nichts weißt/ also weiter du mantel wie zelt ausbreiten tut über das arme euterweib frauenvieh/ also da kann man doch nicht immer

sophie reyer

als seis sensibel wie fischgräte/ sich biegt und beugt unterm kreuz deiner arbeit wie morscher baum aber du weisst nichts von der schönheit der metapher/ und die netze in die du fortlaufen könntest wären in laibach oder sagen wir triest und aber die sozialen netzte die bestanden/ die gebär- und findelhäuser in innenösterreich in der steirischen wie laibach triest und es graust ihr vor sich selbst wie wenn sie die pest befallen hätte landeshauptstadt/ der ranzige geruch aus ihrem geschlecht aber muttermaria wenn ich mich nur an deine vier klassen system fussohlen binden könnt lass mich nicht entbinden/ bitte/ der mundtot sollte bitter und du brauchst auch schmecken aber da ist nichts/ nur stumm/ lippenamputiert in die luft intonieren/ die hostie der zehn mümmelmutter und die nabelschnur um den faltigen hals des kindes das uralt aussieht kreuzer nicht hergeben und schreit wie du weils keine stimme hat/ wir haben 1787 und diese jahreszahl hast du wenns dich kreuzigt/ nie schriftlich gesehen aber was du kennst sind deine hände bei der arbeit/ die kerben denn unentgeltlich ist an der handrückenhaut wie die linien der ackerfurchen/ wenn das rückgrat ach macht die vierte klasse aber frauen deiner klasse wissen nichts davon oder/ die scham und dem loch nicht entkommen wollen das alles auflutscht und schließlich auch dich durch deine große schuld/ muttermaria ich liebs an deinen zehennägeln zu saugen und du faltest deinen mantel über mir aus wie zelt/ und vergib mir die schuld die die anderen mir zugefügt haben die schwer ist wie meine schultern/ und richte mir das rückgrat gerade aber/ amen

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hinter all den kriminaluntersuchungen finden die innen der historikerinnen menschliche tragödien & führen diese zurück auf soziale und wirtschafltiche verhältnisse/ aber damit hat sie nichts zu tun/ sie kennt nur das loch der schuld die sie sich angezogen hat wie eine frische schürze/ und sie hat alle möglichen namen damits so aussieht als könnte ihr eine stimme geliehen werden/ wie/ maria anna/ nach der großenmutter und mögen ihre zehennägel ewig schimmern sicher sein/ nein/ in der zeitspanne fanden sich dann 9 frauen die als wären sie aus elfenbein/ komm angeklagt im landesgerichtsbezirk eggenberg/ und das bist immer du nein ich polier dir deine füße auf mit ist immer sie/ also sie sie oder sie aber sie zieht sich damit nur stimmen der zunge damit du mich unter an die sie nicht hat/ stimmen wie kleiderschichten/ schürzenstimmen/ deinen mantel himmelszelt lässt/ ihre schicksale werden paralle laufen oder kreuzweise/ gekreuzigte und amen/ dann heißt sie nur anna vagina/ die sargnägel sind aus festgefrorenem menstruationsblut/ und oder nur maria und einmal rosalia/ sie habe nicht gewusst wohin mit der verzweiflung sagt sie und weiß wie das jungräuliche röslein rot/ das dabei nichts von der schönheit der metaphern/ und das schicksal so blümelein das kleine davon jessaja nennt man es doch/ das ist variation und immer mit der coda von „ich sagt/ einmal heißt sie sogar johanna/ bins ich sollte büßen“ und einer kadenz in c- dur/ dass das herze sich hosianna in der höhe/ und dann ist erhebt unterm rocksaum der gottesmutter/ die variation ist nie eine das doch immer nur sie/ also nicht entwickelnde/ aber was macht das schon schließlich gibts genug davon in sie aber schon sie/ wie sie die sich von der musikgeschichte/ und einer muss eben herhalten/ also warum nicht höhenflügen aus anschaut aber auch sie sie oder sie was auch keinen unterschied macht/ genausowenig wie bei das ist schon kokett/ denn sie weiß den kompakten körpern der gebärmaschine kuh/ komm süßer tod komm von nichts als den furchen auf ihren selg‘e ruh/ händen/ ist köchin dienstmädchen landarbeiterin/ die freude an der variation/ und immer schon ist sie mundtot/ hat den fremdkörper gebärmuttermund/ hat den derben die eine also und wir sprechen schlund der nur schlucken will/ gliederschmerzen von ihr als habe es sie gegeben und sehnsucht nach schlaf/ aber danach fragt keiner/ sie hieß maria anna/ hat sich das mach nicht viel ach und amen/ töten als sprachmöglichkeitsrecht herausgenommen ohne es zu wissen/ auf einem sturzplatz stürzte sie den säugling und damit ein fleischfleckerl von sich selbst in den abgrund des todes/ oder war es nur der boden/ eine senkgrube das mehrungsrates und sie vergrub den verrunzelten körper zwischen den exkrementen aber/ wer war da/ sie sie oder sie/ die kanalräumer fischten den leichnam der wie fischlaich den nahmen sie aus der senkrube/ sagen wir: schöpfen aber hier spricht alles gegen die schöpfung/ denn die schöpfung zerstört sich selbst die ist ein verwesender leib/ eine kinderleiche die von jeher alt ist und nicht jung geworden/ verschrumpelt und in sich zusammengefaltet wie zieharmonika/ aber weiß sie es die maria anna/ und ob es der gräfin aufgefallen sei dass ihre köchin/ ja der habe sich schon das bäuchlein unter der schürze gewölbt da habe sie schon verdacht/ geschöpft wie später die männer das kind aus der jauchgrube schöpften/ nein marias nein maria annas aber ist auch egal aber in anders denn was weiß sie schon von jedem fall ists eine sie/ sei es nun sie sie oder sie/ der schönheit der metapher die gräfin/ also wie lange ihre untersuchungshaft gedauert hat/ vielleicht mehr als die maria nur was wissen nichts von den gliederschmerzen und den heißt das/ aber auch der hausmeister ackerfurchen die die maria vielleicht schon als falten erzählte wie maria ihm/ s war auf der handfläche hat/ aber amen und ach vergiss/ allerheiligen und amen/ erschöpft und einmal bereits hatte diese anna oder mariaanna/ leichenblass in die arme gesunken/ und amen/ schon ein kind gezeugt das ließ sie beim auf dem abtritt fand er lachen aus blut/ oberleutnant/ neun jahre sind vergangen/ maria eine blutspuren/ schleimpatzen und es roch frau mitte dreißig jetzt im verhör sagt dass sie nie nach muttermund und entbindung/ wir mehr eine verbindung zu einem mann gehegt habe/ wissen nicht wie lange annas nein wäre hegen auch das falsche wort wahrscheinlich/

dass die worte wie brot sind weiß die maria/ der priester von der kanzel herab die worte ihr als kleine weiße hostien auf die zunge legt nach der predigt da kleben sie da bleiben sie kleben/ und kleben reimt sich auf segen/ oder mariaanna/ wie sie sich dann ihren blutverlust erkläre und die starke körperliche schwäche/ darauf hat sie keine rollenden runden hostienworte die maria/ na und/ und was die frauen in der nachbarschaft zur rundung ihrer kurven sagten und dem aufblähen des leibesumfanges der als hätte wer in ihre muschi reingeblasen und sei sie plötzlich luftballon/ wieder die schönheiten der metapher aber ach/ und die maria meint das läge nur an ihrem bauschigen unterrock der sich auffalten lässt in verschiedenen schichten wie buchseiten/ wann hat sie gelesen die maria/ nie/ auch dieser vergleich wird ihr also fremd bleiben/ die maria hat keine sprache in der sie sich selbst in die welt hinausschreien kann/ kein stimmrecht/ aber jetzt verschafft sie sich stimme und weiß nichts davon/

später die medizinischen sachverständigen die versuchen maria annas schuld zu beweisen/ durch mein großes loch/ aber die mariaanna spricht von heftiger menstruation/ das stadtmagistrat graz vermag weder todeszeitpunkt noch todesursache feststellen/ die not noch größer als das loch/ und die mundtote marienanna mit der fast ausgelbuteten muschi drum wieder vogelfrei/ komm süßer tod singen wenn sie auf den kirchenbänken sitzt und die spitzen der vergoldeten heiligenscheine ihr ins auge stechen/ wie auch ins auge sticht dass ihre herkunft eine gutbürgerliche gewesen während die meisten anderen angeklagten annas oder marias einen bäuerlichem hintergrund aufwiesen/ ist sie aber wie ein drittel aller angeklagten schon gebärmutter gewesen für ein runzeliges bündel einmal/ hätt sie wissen sollen was das schwellen der warzen bedeutet die wie riesige schnuller/ die stetig wachsende wölbung des bauches der hüftspeck ihr immer heftiger knackt/ aber weiß sie von nichts die maria/ oder sie setzen den mariaannas schropfköpfe an die brustwarzen/ aufpassen ob da was an milchabsonderungen aus dem nein leider nicht gebenedeiten mariakörper rausschwappt/ sie versuchen zu melken wie das euter einer kuh/ dünnflüssiges das nach nichts schmeckt/ jedoch wenn diese maschinen erst sechs wochen nach der niederkunft an die marienbrüste rangepfropft wurden wars den sachverständigen nur noch möglich eine kindsmutter zu identifizieren/ es ist ein ros entsprungen/ rosalia aber mach die muschi auf maria deinen ewigen genannt/ das nestelt mit den zungen an schlund das selige loch also/ quasi das negativ der seligkeit /das blümelein das kleine unserer hostien/ sind da dehnungen quetschungen schreit vor vergnügen/ aber hat sie nicht der äußeren geschlechtsteile/ zerreißung des geschaut die rose/ da wird schon der saft schamlippenrandes/ ist dein muttermund ausgeleiert des schuhmachers mit dem sie/ steht das von der säuglingsspeiberei/ sind da falten auf der so geschrieben/ aus bloßer liebe verkehrt bauchdecke/ lochienfluß/ nein/ dann bist wieder auf habe/ was ihr nicht verkehrt erschien freiem fuß/ und bleib doch reine magd aber jetzt kreuzigts ihr das rückgrat mit aufgeschwollenem leib/ wo der wieder weg ist und die rosalia die sie auch die waltnerin nennen allein mit ihrem schwellkörper zurückbleibt/ und die nicht mehr ganz reine magd die 27jährige leugnet zunächst/ und gebiert dann auf dem abtritt und im pissen/ sie habe geglaubt die stöße im bauch kämen vom grimmen da sie davor zuviel wasser in sich selbst hineingeschüttet/ sie nach dem brennen im leib dieses kind ihr da einfach entglitten/ aus ihr raus und in den abtritt geflutscht/ woraufhin die rosaliarose nichts andres zu tun hat als sich schick zu kleiden/ maria ists die reine/ die uns das blümlein bracht/ um dem gottesdienst beizuwohnen/ niederzuknien unter den elfenbeinernen füßen der gottesmuter schenk mir ein bisserl boden maria denken/ aber davon wissen wir nichts/ könnte das doch sie sein sie oder sie/ aber kaum hat sie die schimmernden näglein der unbefleckten im blick/ da kippt unser röslein auch schon von der bank und wankt/ sie wankt nach hause schützt fieber vor/ bittet den dienstgeber ob sie sich denn hinlegen dürfe/ keiner schöpfte hier verdacht wie zuvor der kanalräumer den toten leichnam des mariaannakindes aus der senkgrube/ aber heimlich schleicht die walterin 49

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auf die lend und zu einer hebamme eine fehlgeburt vorzutäuschen /seitdem hänge ihr nämlich ein darm aus dem leibe/ woraufhin auch die verlängerung dieses darmes/ ein säugling der aussieht als wäre er hundert jahre alt und dörrobst/ mitsamt seiner in sich selbst zurückverschluckten wangen/ aus den fäkalien der senkgrube gefischt wird/ sei der erstickt in einem loch aus scheiße/ die waltnerin findet worte/ sie habe von nichts gewusst als sie von den wehen überrascht worden sei/ und gibt sie dem zufall die schuld/ weil die gottesmutter ja nicht immer auf alle gleichzeitig schaun kann so riesig ist ihr sternbesticktes himmelszelt und die schwanenfüße können nicht an allen orten gleichzeitig schimmern/ oder/

wissen wir dass ihr hätt sie den schuhmacher heiraten wollen/ dies verwehrt geblieben wär aufgrund ihrer niedrigen sozialen schichte/ denn etwa ein drittel der mariaannas wussten sich in längerfristigen liebschaften/ hat zwar der liebe joseph der zweite versucht/ die heiratsbeschränkungen aufzuheben/ aber ende des 18. jahrhunderts blieben wieder fast 42 prozent der erwachsenen bevölkerung ledig/

die stimmen die rauswandern aus den marias den annas den annamarias und den befleckten röslein die sagen den angeklagten sie hätten nicht geglaubt dass der zeitpunkt der entbindung/ schon so bald/ an ihrem leib rütteln würd schreiben wir hier/ aber was wissen die blümelein die kleinen von den metaphern wenn sie nichtmal ihren eigenen namen buchstabieren konnten/ die wehen habe es in einem überraschenden moment/ über sie geweht wollen wir schreiben und finden es zu kokett/ und das kind habe frau mit ihrem kotabgang verwechselt/ sei das wie rausscheißen einer riesigen wurst gewesen und dabei gleiderschmerzen/ die wurst dann lebendiges gedärm mit augen und geschrien hat sie die wurst/ aber keine der mariaannas will den geschlossenen augen des uralten säuglings der nie jung werden wird ins auge sehn/ sie verstehen doch/ und wenn die marias die röslein und die annas nicht in der stadt lebten/ dann erbrachen sie die hautknäuel mit ihrer muschi meist auf dem düngerhaufen/ durchtrennten die nabelschnur mit blossen bissen/ aber vor gericht wissen sie wieder von nichts/ wie auch darüber sprechen wenn sie von jeher keine sprache haben/ immer schon und natürlich aus lippenamputiert/ immer schon mundtot/ den willen des kehlkopfs gebrochen bevor er angst vor der sepsis die ersten geräusche in den tag krähen konnte/ schreiben wir pathetisch und lachen uns bittet die walterin selbst dabei aus/ weil aber so sind eben die gottgewollten hierarchien/ und amen rosalie die hebamme/ so von frau zu frau/ sie möge sie von den resten ihrer plazenta befreien/ was das kind von dem mutterkuchen übriggelassen nach seinen fressorgien einfach aus ihrem leib fischen/ jedoch ist das röslein jungfräulich was das gebären betrifft und weiß vielleicht tatsächlich nicht was die geburt von der nachgeburt schmerzen/ die ackerfurchen in ihrem gesicht sich weiten/ tiefe kerben werden/ unterscheidet außer das und sie plötzlich alt aussieht wie das kind das schon erstickt ist zwischen den nach/ aber da sie keine exkrementen kaum hats das erste mal luft geholt/ und sie stellt sich/ sie habe nicht sprache hat stellt sie auch gewusst wohin mit ihrer verzweiflung wird man schreiben/ und das röslein ist keine fragen/ nur die achs eine der wenigen deren sätze so rein aus dem kehlchen quellen/ dennoch erhält sie wenn sie sich krümmt vor aufgrund des vertuns ihrer leibesfrucht eine kerkerstrafe von mehrerern jahren/ wobei was seien jahre/ wenn einmal die mundtote stimme spricht und vorkommen darf im regsister/ nicht/ die historiker mit in unter uns sich gefreut haben werden/ aber die rosalia weiß von nichts/ auch nicht dass sie laut paragraph 92 mit einer kerkerstrafe von 30 jahren bestraft werden solle/ gäbe es aber noch andere möglichkeiten wie brandmarkung/ züchtigung/ sie auf der schaubühne platzieren wo die labbernden münder der alten weiber dann nach den marias den annamarias spucken/ wo die blicke die marias die annas und alle anderen blümelein auspeitschen/ beim anblick anderer mundtoter lässt sich der eigene mundtot besser ertragen/ nein/ und amen

und du ob es jetzt nun du bist sie oder sie/ hättest dein kind in die mur geschwemmt/ und offiziere einer in der nähe gelegenen kaserne würden es aufgrund seines geschreis in einem der abtrittschläuche entdecken/ der zweite kanal nach dem geburtskanal und die enge des wassers das im

schlauch dann kälter als in deiner gebärmutter/ und diesmal wirst du anna heißen ganz ohne maria/ und es wird ein noch nicht abgenabeltes mädchen sein das seinen eigenen henkerststrick als schnur mit sich mitschleppt/ und im hause der kaffeesiederin werden sie suchen und auf deine blutlachen stoßen/ den saft deiner eingeweide den du ausgewrungen haben wirst aus deiner muschi/ und blutbesudelt wird sie gewesen sein deine kleidung/ rote flecken wie der wein des priesters den er euch von zeit zu zeit in die schlünde gießt aus der goldenen vagina seinens kelches/ und amen/ und wissend um die weisheit die verschwiegenheit der höhlungen wirst du die nachgeburt im ofenloch verstecken/ anna und amen/ und dass es dein dienstgeber gewesen ist/ der immer wieder seinen bischofststab in deinem loch vergraben/ davon wirst du nichts erzählen/ wirst einen schmiedegesellen erfinden/ und du wirst mit falschen zungen um die wahrheit rumschlängeln wie wenn es die gäbe/ und obwohl das findelkind wohlauf sein wird und ein mädchen wie du/ wie die unbgelfeckte mit dem himmelszelt unterm gebauschten rock der alle sterne am saume hängen/ die frau mit den bloßen perlmuttfüßen/ wird das magistrat den versuch eines kindsmordes nicht geringer bestrafen als seine tatsächliche ausführung/ und amen

& die annas die marias werden schmiedemeister erfinden um die männer die sie deckten wie hengste zu decken/ die penetration deiner herren/ landwirte/ dienstgeber/ die dir außer den kreuzern auch ihr sperma geben/ &wies dir spass macht dass sie dich kreuzigen mit der lust gewordenen spitze ihrers angeschwollenen gliedes/ alle deine löcher anfüllen werden mit den meeren ihrer aus der eichel tropfenden lust/ aber dass eine sozial höherstehende person in deiner muschi rumbohrt mit ihrem schwanz/ maria anna rosalia johanna/ hosianna in der tiefe deiner vagina/ und amen/ das wirst du nicht sagen/ die historikerinnen werden nur in 16, 5 von deinem vorhaben wirst du werden sie nichts prozent aller kindsmörderinnenfälle ein tatsächliches erzählt haben/ hätten sie keine lippen dazu/ der autoritätsverhältnis von maria anna anna mit joh vorne kehlkopf ein apfel an dem sichs nur ersticken lässt/ dran und mann finden/ und ob die in deine löcher krochen wegen ihrer beherrschenden positionen nein davon kannst du nicht reden/ daran darfst du nicht denken/ du wirst es gewollt haben/ wirst es gewollt haben müssen wie die eicheln deiner dienstgeber die im glück schaum ausspuckten/ dessen farbe wie elfenbein an die zehennägel der heiligen mutter maria erinnern/ die mittäterschaften wirst du runterschlucken die speiseröhre in schrecklichem schmerz ach vergiss/ wirst würgen bis sie dir magen und darm aufätzen/ und trotz gegenteiliger beteuerungen wird man euch marien hinter gitter bis die gesichter verknittert/ und alt wie die eurer immertoten säuglinge/

und wie die marias die annas und die annas mit joh wie die ihre kinder getötet haben werden/ wird das immer in irgendeiner form die unterbrechung des atems gewesen sein/ weil die mundtoten machen ihre kinder atemtot/ oder/ wolltest du nichts als die stimme des kindes verhindern so wie deine stimme erstickt wurde/ um unterm deckmantel der gottesmutter bleiben zu dürfen/ also dass dir kein schrei des säuglingsbündels nach außen dringe/ wird sie oder sie oder sie aber nicht brutal gewesen sein/ nur die hände übern kleinen stumpfen mümmelmund des kindes das nach ihrer zitze getastet/ das ist nichtmal kraftaufwand/ keinen mucks wirds gemacht haben und dann kannst wieder arbeiten/ und amen/

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in sekten lena pizchelauri 52

an diesen enden vielleicht das zischen von licht wie insekten, du siehst nicht das anhängige, die krümmung und wie sagtest du, licht das licht wie, also kerzen oder, das zischen wenn geruch dann, erinnere wie ich als kind oder das verbrennt, das geräusch und der geruch nach vornüber gebeugt, in dieser entfernung ein messen den farben der bahnhofstüren vielleicht, also wenn die verbrennen von stillen abständen, du zählst deine schritte, einen nach dem anderen und das feuer, sagst du die flamme oder sagst du das offene licht du erinnerst, einer hält scheiben an stöcken und schlägt die an stöcken weit übers tal, das zischen und das atmen der männer das offene licht, wie du vorgibst zu wissen oder nicht wie geräusche von früher sag jetzt nicht falsche erinnerung geräusche von früher oder du sagst vielleicht sag jetzt nicht falsche erinnerung oder gehäuse aus denen dich anspringt was aber dein blick geht links an der steilwand rauf zu den vögeln die kreisen gegen den uhrzeigersinn und du sagst vielleicht was du sagtest von bahnhofstüren, also wenn die verbrennen oder sagtest du etwas von flammen wie kurze tage über den wolken die morgensonnen und das zischen irgendwo aus turbinen oder belüftungsanlagen steilwand an der du fällst und der blitz durch dein hirn geht quer zum fall oder ist das die falsche erinnerung sag mal ein geruch wie aus kindheitstagen oder du entfernst dich vielleicht (sag falls ich falsch liege) jedenfalls neulich war dann ja nichts oder du hast das gar nicht begriffen oder stehst auf der leitung die du mit leistung verwechselst, etwas wie aufwandsentschädigungen im sinn und was du sagtest war leicht wie den dingen paar namen zu geben, wenigstens farben zu lesen als geräumte zeit, nein ich wollte geträumte sagen wir könnten von hier aus den horizont sehen, an den küsten die kühnsten abenteuer jener buchhaltung der ein gegenstand fehlt, das doppelte licht, in diesem das schneiden von achsen, verläufe die kurz vor den wellen, knapper werdende zeit & was wenn du gar nicht begriffen oder die dreifache menge vorhanden, ganz gegen den sinn aber du siehst nicht was erlernt ist vergessen, irgendwo die turbinen vor allem drehen sich gegen den sinn, wir könnten von hier aus ans meer, sagtest du oder das über den steilküsten fliegen wir kleine spiralen hinauf in die winde, in den wind, ich wünschte ich könnte sagen vor den wind, vielleicht wenn oder was überhaupt fehlte, um oben zu bleiben, das leichte taumeln auf den wellen oder zwischen der zeit, wir wollten von da aus ans meer, also mehr von den oberflächen die glitzern bis hinter den horizont, diese geträumte zeit aber du sagst etwas von verbrennen, sag jetzt nicht

zwei gedichte

Un dä di weh fersengeld fuer gar nichts fuers semper eadem die stete unveraenderung und diese hundertmetertaille zwischen wasser und wasser rollkofferrollkommandos laermen entlang der sachsenachse verstauen sich in tetris city, ueberall die „leipziger strasse“ und ueberall die pferdescheisse insel to go vom gellen bis zu den bessinen sandalettenseelgebaumel und volles ausgespanne pur aber so was von auf urlaub eingestellt im klimatischen suedschweden abends in der nachsaison wenn kniebundhosengert kaethes puppen tanzen laesst joachim seine reime schuettelt vertont von astas stummen worten unter einer lichterzirkuskuppel zwischen wasser und wasser Do warst du licht un free

lissabonner prozess Tragiko-Komiko-Historiko-Pastorale (Shakespeare)

Wort verkommene Zahl – lissabonner prozess. es schrammen die dicken mit technik von gestern durch kurven reiche altstadtgassen an viele extraecken. fado als geraeusch, ein sirren wie von leisen bienen: die erben grosser entdecker sind alte maenner mit kleinen konsolen als steuerrad in faltigen haenden am teich vom tejo halten sie heute spielzeugsegelschiffe auf kurs

andré hatting

ein sirren wie von irren bienen moderner fado als geraeusch: autos und zuege schweben die ponte entlang, landen zu fuessen des denkmals der entdecker hier stund sogar die kirche einmal hinten an beim betteln um beste plaetze nach vascos welttournee. europa brachte sie geschmack, erste revolution. die zweite brachte verschuldung

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listes ou tableaus

ou

«Listes de mots» «Tableaux de sens»

du beziehst Des listes d´écriture concrète se déroulent à partir de trois

re read y made ::

[denk an bezugs marken, mangel wirtschaft, kontroll organe] schreib ensembles sach listen

[denk an die läufe konkreter poesie, das spulen von wort Trois champs de lexicalité

ketten oder drähten die leiten; das ab wickeln wie papiere bitte] Vitale und du nennst 3 w\ortfelder

Notions

[denk das ein teilen und aufmarsch gebiete, di\visionen

Domaines

die lebens begriffe bereiche beziehungs weise zu gehörigkeiten vor

Appartenances

allem auch wirklichkeiten [denk an die stellungs kriege der sachen]: ab-schnitt—trennung rück-zusammen-setzung—an-stelle-setzung schriften—in-schriften

Avant tout Réalités Coupure—Separation Réunification—Prothèse Ecriture—Inscription

dein ab-weichen von den begriffs führungen im allgemeinen wort

Le Thésaurus est un dictionnaire lexical

schatz haus [der grusel kammer; die auf geklappten werk zeug koffer

qui répertorie les mots

in reih und glied, das formen der formen der gegen stände], dein

Selon leur sens et leur réseau de sens

reisen durch die sinn verstecke der worte. ein segeln durchs wimmeln

Et non selon leur alphabet

vor wort, ein tauchen ins wörter meer dich durch sacken lassen auf Divaguer dans le Thésaurus den boden der schrift. dein erfahren [erleben] der entblössung der

c´est voyager à travers le sens caché des mots

worte von selbst [de|re strukturierend]. sie an die quelle zurück zu Voguer sur l´océan du sens verfolgen, den her stellungs raum; sie dort wenden zu lassen [denk

Plonger dans l‘immense vie des mots,

an anschlag punkte oder eher das stülpen, von draussen nach binnen

leur vie propre, leur ivresse

oder ins dritte, die umverwendung; zuletzt, es dabei bewenden zu C‘est vivre l‘expérience des mots lassen]: bis sich die wörter ergeben, sich wort für wort entziehen

qui se révèlent à eux-mêmes

du stellst das zusammen, eine auflist der wortfelder [feld post Ils deviennent alors la source, l‘origine de toute création nummern fort laufend, druck verhältnisse auf dem papier] jedes ou plutôt, ils y retournent begriffs [an schreiben des nach halls von dingen und vor stellungs bereich]. die entwicklung der wörter sowie aller ihrer derivate werden Le développement du Mot plastische schrift werden, sagst du oder du schreibst, ein zusammen

ainsi que de ses dérivés

stellen von sinn [sinn setzungen über die fläche], und ein zeichnen s´inscrivent comme écriture plastique von inter faces [das unter scheidbare der linien dann, druck und

Composition de sens

wechsel ent scheiden; den umschlag gestalten als unendlichen sprung, et forment an gehalten: ein gefrorene welle] - de part l´agencement de leurs sens

la graphie du tableau

wörter wort felder, sich inszenierend auf einer oberfläche [das kriegs theater oder die auf stellungen, ‘histoire des derniers troubles Les mots, la lexicalité du langage arrivez au royaume d’eloquence’

(antoine furetière)]. werden stand se met en scène sur une surface plane

[rbk] | sandie brischler

bilder des sinns [in der schwebe, glatt wie die lebens ober fläche] plane comme la surface de la vie

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[kadenzen von einzel bild auf nahmen, bild sinn bild wechsel],

L´image devient tableau de sens

werden wort reihen auf gezeichnet zusammen gesetzt mit einander

Tableau de mots

verflochten vernünftig aus gerichtet im lauf des prozesses

Dessin lexical

[verschränkt, schranken der schrift, wort schwellen

Composition sensée

richtungs an zeiger] & es erweist sich

Intrication Au cours du processus Se révèle l´évidence :

alle kunst sei nichts als eine aus dehnung von worten, & von nichts als dem wort.

Toute forme d’art n’est qu’une extension du Mot,

schreibst du sagst, alle\z.

et rien que du Mot.

schriften von herz spannungs kurven, das lesen und das Ecriture d´une grammaire électro cardiographique schreiben des schlags [phasen struktur \ kontext sensitiv; Les rythmes sont les prémisses de l’écriture

Ecriture comme corps

‘the grammar of a language can be viewed as a theory of the structure’

Ecriture du corps

(chomsky, 3 models for the description of language)]: die rhythmen sind die voraus setzungen der schrift. schrift wie körper.

Grammaire du corps et de ses réactions

Créer des disparités

des ré actions [dis parti tions PC]

ungleichheiten zu schaffen

Il faut créer des disparités

[denk an ‘crear dos,

tres, muchos’ -- mensaje a la 3 continental, 1967] Je déstructure le langage pour en faire un langage plastique nimmst du sprache aus ein ander um sie begreifbar zu machen, 3 Un langage palpable dimensional: sprechen un\d an tast bar wie Interminables listes de nos conditions d´Etre

end los listen unserer bedingungen zu sein die

Profondeurs

zu grunde lagen die

Lexicalité du corps

körper silben strukturen Le Corps lexical nous décrit wir sind geschriebene; ab & an Le Corps s´écrit à l´infini un endliche auf schreibe systeme (kittler, 1800. 1900. ‘unüberschaubare buchstaben mengen ins miniatur modell sinn über setzen zu können’) [regiments de ligne, fern|ver|schreibung & taktische berichte]

Parce que les mots sont lignes

weil: die wörter auf zeichnungen unseres empfindens

Graphies de nos émotions

weil: die wörter fort setzungen der hände (‘when i was a child i Parce que les mots sont la continuité des mains

had a fever. my hands felt just like two balloons.’

Et que toute forme d´expression n´est qu´extension

& aller aus druck nur aus dehnung [anhalt und erstreckung]

pink floyd)

Parce que le corps est un ensemble lexical complexe

weil: körper = 1 viel schichtiges ganzes woerter buch

Souffrant

leidend

De sens intriqués

verflochtener sinne \ a fibre intrecciate; die herz kranz gefässe

Réseaux de sens

richtungs netze

intriqués dans la chair

verwoben ins fleisch [aha b]

Eternelles tentatives d´écrire ----------- Tentative d´inscrire immer währende auf schreib versuche –– ein schreib versuche ‘ worauf es meiner hand entrann \ & nie mein land den C´est l´étrange voyage de nos existences

schatz gewann…

A travers le Thésaurus

kein ding sei wo das wort gebricht.

\\ so lernt ich traurig den verzicht: ’ (george 1919)

Avec la continuité mit der dauer Du processus des prozesses la persévérance der aus dauer d‘une écriture einer schreibung se révèle un penchant vers le bas entwickelt sich 1e neigung zur neigung [slope] involontaire ungewollt unbewusst ab wärts inconscient nach unten: L´a-linéarité naturelle de l´écriture

natur gemäszer lauf (der) schrift wie sich zeigt, nicht linearität, a

Le penchant naturel pour l´anormalité

normalität, zum beugenden [flexion]

Je devrais

noch schuldest du

Faire la liste des maladies, un jour

eine liste der krankheiten zu stellen, eines tages

Et de leurs dérivés lexicaux

& ihrer ab leitungen

Les mots, leurs sens, leurs intrications

wörter bedeutungen wie ihre verflechtungen

Leurs sens á travers leur graphie

ihre sinnlichkeit in der schreib schwäche

Leur graphie à travers leur sens

ihre schreibung durch sinn [durch schriften]

Sont des extensions de nous-mêmes

alles aus dehnungen unserer selbst

Traces Empreintes Interjections ein prägendes spuren in zwischen entwürfe Tentatives vor behaltlich de Dire

zu sagen

de Lire

zu lesen

de Définir

zu bestimmen

‘ça se prononce c‘est ce que c‘est, et ça

de Noircir

zu schwärzen [an +- aus]

pourrait aussi bien s‘écrire seskecé.

zu

on ne verrait à cet usage de la copule

sterben

que du feu.’



de Mourir.

lacan

1975

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sandie brischler

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wien, ein sichten

wien,

ein sichten

[schnappshots]

TEXT EINSTIEG ein steigen: w. ist wieder im kommen, plaudern die taschen; und w. liegt, das kann man ruhig, aber auch laut sagen, derzeit in einem rela tief, aber trotz allem geo grafisch günstig, ☞ wir erfinden uns hier im mittleren osten eu-ropas, wiener becken, lage halb osten, halb im testen, ob die wirtschaft krise oder segen für die nächsten gen-rationen bedeutet; die sollen ja auch sauberen duft atmen und sorgen frei erleben dürfen. aus diesem einfachen grund geht es im momentum nicht um ein mori, sondern viel mehr um das ziel, lose durch w. streifen, hörnchen zum frühstück vorschlingen und gut drauf sein oder haben, ganz unten liegende nackenwellen nämlich, um den fuß ballernden autor durchs blicken zu lassen, zurück auf‘m fußballfeld, wo er auch besser hinhört. ☞ in diesem punkt wollen wir uns nämlich mehr auf ein sreiben konzentrieren, das auch einen wirklichkeitsverzug hat, den wir lokal augenschein nennen könnten. aber den auf die schnelle, in 23 tagen durch drei und zwanzig bezirke, stadt-eil-geschichte, glanz einfach.

robert steinle

tag 1

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15ter: bezirk ohne glauben, bekennen 23,3 prozent; den kriegen sie auch nicht mehr katholisch, da können sie lachen, was sie wollen. ging fast, dieser trend dauerte nur zwei jahrzehnte, bis es soweit gekommen ist. dazu ein relativer niedriggang der westlichen glaubensdichtungen. nur 40 prozent hier preisen den stern; und das ist eine unvorsichtige schätzung, die auch schon url alt ist. religiös betrachtet haben muslime die nächst höheren werte, an zahl und in der welt der anschauung, um es mal so umzuschreiben. verlassen wir aber mal die kirche im dorf, das eigentlich aus zwei teilen besteht, die von den eisen der bahnschienen ungleich zerschnitten werden und erst am westbahnhof wieder zusammen finden. einkommen: schwächster teil wiens, aber mehr zuwanderer mit höherer bildung als der rest österreicher im viertel, ein drittel matura, also niveau. statistisch gesehen ist das alter insgesamt mäßig, mehr jugend am werk, und somit straßen und parks abend voll mit laut halsenden teenies, die vornehmlich aus lauten stärke, aus kraft bündel machen und aus den begrüßungen rituale. aber gleich gültig, ob nun korantreu oder ein bibelfest gemacht wird, für this generation ist das alles die eine big party, und deshalb noch lange kein grund zur vorsorge, solange rahmen und deren bedingungen stimmen, sagen die sozialen bearbeiter. hier findet sich by the way auch die werkstation, aus der täglich live diese berichte gespendet werden. unterwegs heißt da hügelauf hügelab sein: „rudolfsheim-fünfhaus war während des mesozoikums, dem erdmittelalter, von einem meer bedeckt. durch den immer weiter zurückgehenden wasserspiegel entstanden die höhenabstufungen des bezirksgebietes“. obenauf liegt platt im norden die ‚schmelz‘, von zugleich kaiserlich und königlichen armeefüßen fest getretenes areal, einst exerzierplatz, nun „mitteleuropas größte kleingartenanlage innerhalb verbauten gebiets“ für kleine bürger, denen es an den großen mitteln fehlt. schön dann er, blick auf die gloriette, ein muss von hier oben, vor dem man die augen nicht verschließen darf, sagen einem an der johnstraße einwohner. sonst aber ist es in deren umgebung häufiger zum straßenseiten verwechseln, man sieht fast nichts mehr, außer neon und bunt beleuchtete fenster, jedoch eins nach dem anderen. innen drin abgedunkelt spielers paradiese, in denen sich alles ums kleine geld dreht. statt arbeit sport heißt für viele hier: wetten, und zwar auf das glück, das aber für die meisten ein vogerl ist.

tag 2 und weiter weht es uns, in den 16ten: bezirk ottakring, da schnuren wir erst mal gerade raus richtung liebhartstal. into the wild also ins grüne. die hügel hin rauf richtung gewienerter wald (ist ein extra sauberes stück forst) und tapfer weiter geklettert auf einen einunddreißig meterhohen turm so declared ‚kaiser-franzjosef-jubiläumswarte‘. kein stufenloses vergnügen, oben aber der eindruck: vollster rundumkick, flash, eine sicht und weite, die sonst in jeder beschreibung trottet. alles astrein wieder unten dann auf der wiesenliege, damals mit s., die mir die ersten plätzchen, nicht kekse, sondern stellen zeigte, die man in w. unbedingt eingesehen haben musste. unter diesem gras im grün „ließ der exzentrische gauleiter baldur von schirach 1942 durch gänge verbundene schutzräume bauen, nachdem er einmal bei einem luftangriff im hochbunker ahrenbergpark mit dem fußvolk zusammengetroffen ist“. eichelhörnchen springen dort durch die raumwipfel und kommen wieder return; nun fast eben so idyllisch ‚sandleiten‘, größtes bautenprojekt wiens der ersten von zwei republiken, und anders als die anderen, so hat man keine wohnkaserne gebaut, sondern frei stehende anlagen, um das proletariat unter dach und

fachlich mehr ins grüne zu bringen; mit parks, geschäftchen, cafes und einer volksbibliothek. des sozialistisch gebildeten arbeiters viertel, in dem noch heute viele seiner nachkommen, wie eine bewohnerin erzählte, leben. und dass auch ihr großvater einer von denen war, die im aufstand februar1934 gegen den austro faschismus gekämpft haben. unter der gehenden sonne hat man‘s von dort dann nicht mehr weit runter in die geruchsfahnen, die um ein großes brauhaus herum wehen. „der lokalhistoriker franz gaheis hatte die gegend um 1800 als ‚des heiligen römischen reiches größtes wirtshaus‘ bezeichnet. von den damals 150 häusern hatten 102 die sogenannte schankgerechtigkeit. in den vororten wiens gab es damals noch 44 brauereien“. dort in der einzigen noch verbliebenen brauerei wird das im volksfund auch „hopfen-malz-kracherl“ genannte leichtbier erzeugt; das 16er-blech, sagt das österreichische buch für wörter noch, bezeichnet „ein ottakringer bier in der dose“. in richtung gürtel geht es dann, nicht zum tier, sondern dem äußere und innenbezirke trennenden außenring, am schnellsten ist es, zu fahren, mit der straßenbahn linie 2; das rumpeln aber wie auf der achtelbahn, ein gerüttelt werden auf sitzen aus dünnem holz, die schon aus allen nieten platzen und so, dass kein bein auf dem anderen bleibt. eine erfahrung, jedenfalls eine, die man nicht so schnell vermisst.

tag 3

der sich dem sechzehnten gleich anschließende ist dann der 17te: bezirk hernals, „historisch ungesichert, aber wahrscheinlich früher besitz eines herrn von der als“ und ‚der wienerischste‘ wie uns die reiseanführer immer wieder aufs treue betonen. einer der vororte, die zwei jahrhunderte lang durch den damals vier meter hohen und eben so breiten linienwall von der übrigen stadt getrennt waren. raus aus wien hieß räumlich damals um 1830 nicht mehr als den gürtel überqueren, denn „ehe die industrialisierung einzog, lag die sommerfrische für die städter gleich hier vor den toren“, wenn sie auch noch etwas mühsamer als heute zu erreichen war. die summer vacations dauerten für die obere auskommensschicht oft von mai bis september und gehörten zum status, der sich auch in bürgerlichen beziehungen niederschlug, denn „zunehmend wurde in eheverträgen das recht der frau auf einen sommerlichen landaufenthalt – möglichst im aktuellen modeort – festgeschrieben“, der mit dem ausbau der eisenbahn später hin aber in die ferne verrückte. platz frei hieß das dann für die industrielle evolution, die so mit fabrik und neuen bauten ungehinderter einziehen konnte. da mit kamen menschen aus allen kronländern der monarchie, ein strömen von zuwanderern, die das aussehen dieses und anderer vororte völlig umrempelten. unverstellbar beengtes statt ‚schöner wohnen‘ bedeutete das für den größten teil der her- und anwachsenden arbeiterschaft, ein leben immer mit dem rücken zum rand. und immer mehr menschen, die das freie zeitvergnügen aus fehlendem platz und mangel dann meist auf den straßen 63

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verbrachten. aber auch not macht empfindung und fröhlich pfiff man sich eins, so entstand in dieser zeit die profession des art-whistlers, kunstpfeifer wie ‚baron jean‘, im bürgerlichen leben fiakerfahrer, traten sogar vor kronprinz rudolf auf; ungemein beliebt waren volkssänger wie ‚hungerl‘ und ‚nockerl‘, wobei „die spitznamen sich auf die äußere erscheinung bezogen“. die ‚pascherpepi‘, eine kräuterverkäuferin „galt als virtuosin auf dem gebiet des markanten händeklatschens“ . also volksentertainment at it’s best, kleine wohnverhältnisse führen eben oft zu großem unterhaltungsbedürfnis, aber nicht gleich zu kritik. amüsiert betrieben wurden so auch das quartett der brüder schrammel superstars dieser zeit, das sogar in berlin, frankfurt, stuttgart und münchen spielte, wozu die münchner neueste nachrichten 1889 ergriffen folgendes schrieb: “ sie geben volksweisen und machen feine, herzergreifende daraus und das klingt und jauchzt und zittert und weint und trillert aus ihren instrumenten heraus, dass man nur lauschen mag und immer lauschen. (…)



tag 4

tun wir nun nichts unüberlegtes, gelangen wir in den 18ten: bezirk währing, in dem wir einfach die jörgerstraße durchs queren verlassen und in die straßenseiten eintauchen. gürtelnah geht es rein in die echten rasterhöhlen, die nicht jedermanns sache sind, aber grad die linigen häuserzeilen dort vermitteln einem den besten eindruck, wie damals durch not und bauten die heutige wohnungsfrage ausgelöst wurde, die in wien übliche nämlich, ob man eher alt- oder im neubau wohnen bevorzuge. weil aber der erste eindruck oft täuscht, gibt es im gesamten auch hier weniger gründerzeitreihen an häusern, als man glaubt. viel mehr ist es ein bürger und lichtes viertel, in dem seit dem zweiten feldkrieg die bezirksoberen alle der volkspartei treu vergeben sind. geologisch bedingt aufwärts streben die straßen in richtung schafberg, der höchsten erhebung; und in gepflegtes grün, rät mir ein trachtenpärchen „gehens gradaus rauf zum pötzleinsdorfer schlosspark“. ein guter trip auch, im winter dort schi fahren die schlosswiese runter, hang over gleiten, dort wo der k.u.k. oberst georg bilgeri mit offiziersfreunden die ersten bogen stemmte, bevor er später in steilerem gelände die zweistocktechnik für den alpinen schilauf erfand. aber im frühling da steht man schon auf gestandenen halmen, und still stand im umkehrschleifchen eine tram way 41; was für eine ruhe, 09:44 vor mittag; hier wünschte man sich ganze stunden, lang nichts, dann nur die seele ein wenig taumeln lassen. ja, natürlich, aber danach geht es schon wieder, mit voller schwerkraft voran, langsam das villenvierterl hinunter, wo vor gärten golden schildchen mit den namen der hausvorsorger sitzen. ein alt und eingesessenes bürgertun, das sich hier weit gebracht hat. sauber auch alles weitere talwärts die häuser frisch wie neu gestrichen. offen ersichtlich eine reine wohngegend, die man nun hinter sich lässt. dann der beinahe zusammenstoß, straßenbahn kontra in die straße einfahrendem volvo, genau am platz des max schmidt, möbelfabrikant, der das budapester cafe gerbeaud innen einrichtete, mäzen war, kunstversammler und neunzehn 02 trauender zeuge der kurzen ehe von adolf und lina loos. doppelt gebremst hielt besser, und frei nach dem motto man soll am tag, nicht vor dem abend loben, bedankte man sich, und zwar gegenseitig, für die rücksichtentnahme. drei stationen weiter saßen friedlich turkstämmige musterfamilien auf bänken im türkenschanzpark, dort wo 1683 mit der abwehr der zweiten großen belagerung der stadt entschieden wurde, dass das abendland nun doch nicht vergangen beziehungsweise bezüglich der grenzziehungen unter ferner verliefen in die großen gewichtsbücher europas eingetragen werden musste.

standards. vom abgleiten. man sei einander schon auf dem schoss gesessen. verfügt mit vierzehn kilometern im stundenschnitt rasen güterzüge durch europa nach internationalem ein kapital fühlt sich manchmal wie zuhause vorbild & gründet ein nierentisch könnte aus der mode gekommen sein überknapp. doch die die einnahmenausgabenrechnung am nasenbein endet zeiten der platznot taktilkino die erste primitive lebensform vor dreieinhalb milliarden jahren sind vorbei. unweit ein kollagiertes naturgerümpel von der federführung eine doppelhelix ineinander gewendelt maximale coolnes die in konkurrenz zu unseren nutzpflanzen finden weitläufige die extra sekundäruterin frei nach wohlstandsniveau nebenstehend auch schonbezüglich & staatlich vertigert die arbeitsverhältnisse andere. datenbanken. in erster linie abrufbar kleinteilig verdeckt schwarzpost ermittlung & strassenseitig. schon wieder der sechsundzwanzigste bildungsweg anliegen. durch : geschönte-mächtigkeits-springen : zusammenschluss der überdruckt (kurs teilnahme „lüften aber richtig“) szene ernst verzetteln. vor hut ist die sambarkeit völlig befüllt prämisse. ohne setz auf ab satz ab auf sitz ausland. archivtätig spreng sprang sprung auch die kritik. nicht „Im Beichtstuhl zu Mariazell erschien mir einst der Heilige mehr vertretbar sei Geist in der Gestalt einer weißen Hand, die mir abwechselnd laufende kost. & Kreuzzeichen auf die rechte Brustwarze, dann auf die linke, der effekt gleich dann wieder auf die rechte tastete. Starr vor heiligem Entsetzen geringer. was fehlt ist ließ ich das eine Weile geschehen, bis ich schließlich flüsterte: ausreichend. das ist die grössenordnung die auch wir erreichen beugeübung papierhandlungshandhabung müssen. an beweisen gesetzt wenn der schub stimmig haftet für sinnhaftung tragbar einfach zu verstauen wird der po richtig fest mangelt es nicht. leicht & trotzdem stabil & kein preis angegeben für ihr land ruft man einfach die landesnummer das geht gleich im sitzen zu spürn wie es wirkt so ein dienst auf u-booten schliesst öffentlichkeit aus wenn die ziele am bauch liegen noch etwa hundert bei dreiviermal entkalken pro jahr zu erwarten exzess von der stange geburtsortszeiteinkommensschichte ja/nein das muss nicht am boden passieren organisch & erblich in zwei grossen gruppen wovon wir hier hören ist die rede wovon durch entzündung im hirn nimmt die volkswirtschaft schaden streng liturgisch gestalteter wandertag löst ein satz faktoren umgebungen aus aurenursache ungeklärt rührung relativ lustlos tabu.

wallfahrten

abwinken. wegbrechen. wallfahrten

abwinken. wegbrechen.

helmut schranz

Siehe, ich bin des Herren Magd, mir geschehe nach deinem Worte. Da begann der Heilige Geist, sich unter meinen Rock zu wühlen, und noch bevor ich meinen Irrtum bemerkt hatte, (denn der Heilige Geist hatte kein einziges Wort an mich gerichtet), verspürte ich ein Lecken wie von Feuerszungen.

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wenn das ganze fertig ist. sieht man im grossen & ganzen. & hell. der verzweiflung über einen körper hat im alter von 27 einem tagebuch ausdruck verliehen. in kühnen amorphosen & pressiven setzt, zeitlebens apart, erzählung der ganzen länge nach aus seidenpapier! geschnitten schwer fällig nach spür. der versuch, unaussprechlich potent, keilförmig drehbar, soll isoliert besprungen, betätschelt, verzahnt, ein wenig die darsteller stilieren. blöde rutsche! lässt der körper los, wird der raum breit, ein abendgesell in aufbruchstimmung, verliert leicht die öse. bedeutung stiert in den zuschauerabend. nasale knittern silhouetten. stramme oberkellner merken, was ist doch tut als wenn. die massenproteste gingen allein auf die strasse. die proteste griffen auch auf andere über. aus 17 anderen wurden ebenfalls demonstrationen. am tag der täglichen massenproteste kam es zu massenaufmärschen am selben tag. das neue angebot soll dem vernehmen nach paroli können. bereits aller voraussicht steckt nach dahinter. als würde ernst frustüberbrochen. die knie sind alle wieder gut. wenn passt dann passt. interne ausscheidung wäre das letzte. moment! fast unverschämter! & wenn ein erster die mauer unter so schöne vehältnisse brach, katastrophe schlamp & verspätung endlich geneigt. von versuchen die stelle teilt später. verwandt stammt aus zielraum. des probierens nach aussen der letzte beistrich, schnallt bereits übernommen.

Ich hielt meine Augen verschlossen und zuckte von den Bissen des Heiligen Geistes in meine Schenkelbeugen, als sich ein Seufzen und Stöhnen erhob wie das Brausen eines Sturmes und mich, wie ich später feststellte, mit milchweißem Weihwasser besprengte.

auch andernorts. nicht jeder gürtel wird engergeschnallt. abstammung, gerodet. selbstverständlich hat propaganda absicht. dass wir in den entscheidenden augenblicken nicht einmal zu befehlen brauchten, die macht der bilder (die hertzzahl des willens) das geburtensoll (was für ein muster!) geschmückt gibt sich das stück von welt, zugerne repräsentativ (ministrant der äuss- er& -innern) geht der dienst vor (ein gebeete oder rabatten zum vor wie nach gefahr) die schöne spazierfahrt wolle gemach sein & zudem avancen, denn wer sich seinen pillen widersetzt & einer kindheit als körperbehinderung da war dann ein ehrenwort freilich gefragt abdank & aufbegehr, zeit wird schneller vergehn als zieh denken sie (innen) als mehrwehrt einer wartung : gunst & brunst, kunst nun wetterte man die gelegenheit am weg ins hotel klirrten scheiben bravo! hier wird ins dritte glied gerückt! imponiert es sie nun zur sache na vorwärts (zur chirurgie geht es gleich um die ecke) bringung auf bringung

tobende kassen steht feindbild uni in form milder bordplan ahoi (drängt aus der öffentlichkeit sehr aktiv) ein benehmen sozusagen nur zu gut, desto orte die ödschaft ersetzen, totaler & radikaler als jeweils dem durchhalten paroli zu bieten, hat einfluss sich sehr minimal zu belaufen, die vollmacht behaart & talfahrten, & unter der dusche besuch an der front, & nachher kämme mit frisuren fliegen oder rudern gehn, unter den geschlechts unterschiedlichen sind nicht die andern die einzigen, vulgo sympathie& hosenträger verschmitzt & zugesteht : die fliegerei bleibt sich ihr flugtag lang treu, im bier & wetzt die hucke wund, amusieren die gitter die stunde im tiefflug erinnerung ausge&rasterungen an eine kindheit als vorstrafe, hanfhandlung zugig geritzt : zu ständig auf spreu & lauben blatt spinat brutal geschoren wen scherts ? am aushängschild bollt werk & ruhig hängen die nebellungen & planen ein rauhes kompott (alle stellen kommen um ihre vertretung, bis der fallschirm sich öffnet, herum. im pfadfinderheimwärtsgesuch letzte abschiedsmassnahmen) unternehmern ist das tragen roter bärte nachgerad/te untersagt

still ein in lohn & brot bestanden ich verteuere nichts sich von da stiehlt hilfswörtlich still läuft wer an den hosen den gürtel nicht schnallt votiv vor der leber weg frisch angepumpt meinen lebenslauf kann ich niemand mehr zeigen.

Nachdem die Erscheinung vorüber war, verblieb ich vor Angst und Erschöpfung weinend, ich weiß nicht wie lange, im Beichtstuhl knien. Dann tupfte ich mit einem Taschentuch das Blut von meinen zerbissenen Schenkelbeugen, säuberte und richtete meine Kleider und pilgerte nie wieder nach Mariazell. Ein Fellbote bringt diese mittlere Erzählung an die Grede. Die Grede ist ein erhabener Streifen Beton. Vor dem Stall mit den Tieren, Gesinde am Hof, urbanes Pendant Bürgersteig (die Erfahrung der Verluste das Schrauben in Mangeln) Schwitzkasten Gewindes handwarm wie gleich zahm, & benommen. Ein Enkel ein Opa ein Hintern ein Zuckerl. Maul, bis zum Umfallen, halten: Kopf zu! // Hoppegarten! Der Gegnern der Feindschaft der Kontrahenten / der Kindern der Nachbarn der Liebe wegen / der Rufmord der Freunden Verwandtschaft verbündet / Fellbote der sieht der schweigt kuscht. Bis aufs Kopf Schütteln, Maul Halten: Beton. Längs lang die Grede, gatscht es bei Regen im Hof aber Quatsch über Urbanität. Was ein Lärm! sagt die Omi. // So Pädo fiel in‘n Sumpf / pflumpf. Der Vater der Tochter der Eltern, er muß schon sagen, die erkrankte Mamá fehlt an allen Ecken der Enden von Brüderleins wegen, Maul halten! (Wozu Auch erzählte ich niemandem von es genauso auch Köpfchen braucht.) Im Bett Kravall, um meinem Erlebnis, da ich mich ein Haar noch kein Haar auf der Scham, urban nun aber schämte, und habe mein Lebtag keinen die Grede längs lang. Die sich, typisch Grede, hofseitig Beichtstuhl mehr betreten. Ebenso (& zwar grade!) die Hauswand entlang entzieht entgeht, vermeide ich seither, (schloß die Richtung Elternhaushoflicht zum Ausgreifen nah die Erzählung), an den Pfingstfeiertagen Geschwisterchens im Morgenverkehr Hand in Hand. einen Gottesdienst zu besuchen, // Erzählwärts ein Mittel, mehr nicht, diese Schiebung wenn ich nicht zuvor aus verläßlicher (Erziehung als Stockholm Syndrom).

Quelle in Erfahrung bringen konnte, daß der Pfarrer schwul ist.

schnecken gehören zur familie der weichtiere. haben sie keine angst. angst dient nur ihrer unterscheidung von anderen zuständen. ihr körper sagt ihnen, wann es genug ist. mit wem wohnen sie eigentlich? ohne ausdruck dessen? wir haben alle unsere eigenarten. mein wagen stand auf dem parkplatz, im rückspiegel sah einer zu, das dauerte eine stunde & dann noch eine, mein sexbedürfnis war bis ans lebensende gestillt. aber, ehrlich gesagt, ich habe meine meinung geändert. er auch, wer redet heut schon von morgen. im alter von achtzehn hat er mich rausgeschickt, mit vierzig bin ich zurückgekommen, im rückspiegel sieht wieder einer zu, der zufällig über den parkplatz geht. er sagt mir, wie sehr er sich aufs meer freut. aber wenn wir ausgegangen sind, bin ich nie bedient worden. da hatte ich den eindruck, ich sollte wieder verschwinden & jemanden grossziehen. jetzt liegt er in tiefem katatonischem zustand. man könnte meinen, das wäre leicht verdientes geld, & wenn schon, ich tu‘s nicht. auch sollte ich mitkommen, tut mir leid, doch hier war ich zuhaus. aber, ehrlich gesagt, das ist nichts für mich. die paar beugeübungen wieder, exzess von der stange, das nicht was ändert. so schaut‘s aus, & ich komm nicht gern zweimal umsonst. sinn des lebens in echtzeit an allen ecken & enden erscheint ein winselstrich. was unrat, sind trostlos, & bleibt. 67

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Im Allgemeinen sind die Auskünfte seiner Ministranten jedoch schwer zu deuten, und auch bei der Pfarrersköchin kann man nie wissen, ob sie wirklich nichts hat mit Hochwürden, selbst wenn sie strikte verneint.“ *)

in birnbaumers intelligenzschatulle / sind schwachstromauren auf verschub / die schriftleitung führt parallel eng // kriegt sich was ins fäustchen kaum noch ein / vorm wachhüttchen dort am balken zoll / die zwei / mit aushub mannlang wie auch tief / sargbreit / genug & frisch durchwurmt // wen man auch reinlegt: auf geht nichts // nur die beliebte thujenblume / hier ankreuzen gesellschaftsvertrag blanko retour // entlaubung / & die Causa Fall im Sprung erstarrt das Mark / & Bein für Bein ein Scherenschritt am nachwelt / das dauert Steig / der Bürger geht den Mikro Kosmos des Prozessors / Daseins / ab (nicht umgekehrt) & an tut ihm (nicht jenem) noch / ein fluxes Hühneräugel weh oweh wie / bitte dieses Glatteis hier in das Pupillenlöchel / nur hereinspaziert zu Diensten – was kein Wirbeltier / mehr stört steht – das von innen präpariert – den Hominiden / gleich an Würde oder Leder jeglicher Couleurs nicht minder / zu Gesicht – bekommt indem es nicht zu ihm nichts desto / trotz nicht / brav dich brav ins Un fremden Bescheidens.

___________ *) [p17/mai89reprint]

welcome my son

welcome my son 1 Kein schöner Land Kein schöner Land in dieser Zeit Welcome my son. Gegenstandslos bei den Akten eine Nummer ein Foto ein Name

Welcome

2 dort, ins Weite gehetzt, angetrieben wie, und weiter weiter, weiter, ab – gekämpft, abgesackt, im Hitzesog entatmet, im Kopf Zermalmtes. Düne um Düne. Mundblutblasen dem Kinn entlang, sonnenverkrustet. Füsse, dornenzerfetzt Durst wie Feuer urs jaeggi



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3 Mündungsblitze (oder sterneblinken) brechen die Nacht. Kein Schlupfloch, würdeentsorgt, aufgeknöpfter Hosenbund, Fleischfransen im Rücken, Hände fusswärts gekrümmt, Körper fötal, gesichtslos.

4 Die vergewaltigte Nacht kein Schutz. Die Umgebung ruhig wie das Auge des Häschers: I do what I have to do. I do what I have Der Verfolgte weiss: kein weiter weiter weiter, dahinwie dorthinwie Im Ohr die Gleichgültigkeit der Geier, monoton gekrächzte Schreie. Die Luft Schüsse durchlöchert, echolos. Das Trübe mitziehend.

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Kein später. Kein noch einmal im Leben tantantanz tata ta tan tanz tanz hungerfrei, leicht. Kein LOS ANGELES, einst helles Wort, jetzt, durstgehetzte Einöde. Leere von Weiten, trümmerentsorgt.

Kein Verfolger an die Wand gestellt, ihre Häuser zerwüstet, die Kinder wie die Kinder der Verfolgten geschändet. Mit Worten nicht wahr zu machen. Alles dort nicht. am Dünenende geblendet den nächsten wasserlosen Sandbrocken kauen wie entwürzte Enchiladas, Die Dornspur vom Drahtverhau pocht und irrt durchs Blut.. Die eifernde Jagd des Verfolgers versperrt den Schlafpfad, tötet Instinkt und Angst. Unverändert am gleichen Fleck. Kopf Hände Mund Augen weit weg.

6 Grenzsoldat, deine Genugtuung billiger Triumpf: meine Füße (ich nenn sie noch so) verbrennen, du aber weisst: mein hitzegekochtes Hirn steckt in deinem Kopf, lenkt ihn, befielt ihm: lauf in meinen zerfetzten Schuhresten zwei Tage und zwei Nächte durch. Im Rücken eine Kugel, eitergebettet. Auf den Knien rutschen, vorwärts bis erschöpft liegend. In den Boden einwühlen. Nie mehr. Im Hirn Trübe.

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8 Nicht dein unerbitterliches Haften an mir und meinesgleichen bringen den Tod. Was uns zusammenwirft und trennt: die gleich ewige Sonne und der Tagwind die ich liebte, beide, am öden Rand von Xochimilko, armhüttig dürftig. Das Fünfte auf einer Strohdecke Herausgepresste ein blutig Etwas (ein Mädchen). Das schmale Maisfeld verhagelt. Verbrannt. Nutzlos zufrieden unzufrieden. Mutwärts entschlossen, hoffend im Norden auf ein wenig mehr für meine Nächsten. Nichts Flirrendes, Unmögliches. Nichts ins Ohr Geträufeltes, Reklamelockendes, nicht huckepack froh blind ins Unerreichbare Gelobte ziehend. Hunger war’s, für mich und meinesgleichen schon immer. Notlindernd das Hoffen auf Menschengerechteres. Vergeblich. Dir, Verräter im Einklang mit den US-Gesetzen, arglos williger Pflichterfüller, der uns Leichtjagdbare Schuss um Schuss Im Visier abknallt. Mit letztem Atem versuchen. Weiter. Anders -wo.

9 Die wenigen Worte die mein waren, Herkunftsklumpen, Aufgelesenes verlöschen, eins ums andere. Mir schroff Fremdes. Rüd gebelltes GO, GO TO HELL MOTHERFUCKER. GO

10 Es tagt. In Sandhöhe, die verklebten Augen, tot. Körperschatten als sähe er wieder, als bewegten sich seine Füße, Zentimeter um Zentimeter, als hörte er wie, als könnte er die verkrallten Finger wieder fest in die Hand heften, als könnten die Fingernägel Hoffnung in die Haut ritzen, als gäbe es ein Gesicht. Fiebrig Herbeiimaginiertes: Sträucher Bäume Gras Ein Pfad ein Haus Menschen, WASSER Tropfen um Tropfen. Fast wieder atmen, als wäre Sandkorn um Sandkorn bebaubar und längstvergiftete Bäume blühend. Fernfremd vertraut alte maultierähnliche Schreie keimender Mais Festgesänge. Wasser, das vom Dach sprudelnd in die Hütte einfällt. Lachende Kinder, grossäugig, faltengesichtig, hungergekrümmt. Weit weg. 73

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11 Das Übriggebliebene: gegenstandslos eingelocht in eine Akte ein Name ein Fragezeichen ein Kreuz ein Foto, eine x-beliebige Nummer WELCOME, MY SON

u.j. EL SILENCIO DEL DESIERTO Museo de Historia de Tlalpan, México 2006

TAGS Tag 66

tage tags

TAGE

Collage ist sensibilisierender Ikonoklasmus visueller Kommentar der changierenden Wirklichkeit Die Collage verwandelt die überfrachteten Schichten zwischen Original und Aura zu einer Ornamentik des Schabernack Witz komme raus und lehre uns zu unterscheiden zwischen Wurfsendungsreproduktionen und gemalter Schicht aus Hingabe

Schamott resolut anrechnen unsichtbare Anfänge mit all den Schatten des Wirrwarrs schon befrachtet Alle naselang aus der Überfülle ins Klare kippen

Collage sei Atlas der organischen und geometrischen Form Hoffung verheißend und uns der Vergänglichkeit gemahnend

zwischen den Zeilen die weiße Seite lesen

Aus dem abstrakten Punk der Collage starren Augen der Geist vom Ornament gezügelt spricht vom niedergeschmettertem Verstehen

wenn Hirngespinst und Honig Himmel kollidiert über der schrumpfenden Stadt

Die Idee als Organ der Schemen skizziert Komplikationen der Nichtgrellheit und gestaltet Unbegreiflichkeiten letztlich menschenfreundliche die instabile Lage befördernde Gedanken

TAG 1

knicke ich um Ecken ein Dinosaurier aus Menschenalter Baumaterialien schnattert da ein Scheiterhaufen aus Spielzeug halb laut stark

Das unklare Verstehen akupunktiert unsichtbare Begriffsrequisiten wo das erworbene Terrain unsicher geworden ist und das klassische Bild zerfällt munter die Abbild Verhältnisse auffriemeln Den Focus der erbärmlich kopierten Kunst verwischen - freimütig mit den Medien Haken schlagen ineinander geschoben wird die Bluff Technik alt bekannter Zerberus Eicheltürme mit einer verblüfften Paris Hilton Infotainment Pforte Das informative wird visuell Das visuelle informative

mit der Laubsäge erarbeitet Häuser am Kanal drinnen lakonische Blaumänner und der Stöckelschuh Schlendrian windelweiche Ramsch Körper die nicht gezwungen sind das unversperrt niederschmetternde zu verstecken halten sich selig in Bündeln versteckt fabelhaft das gewöhnliche Glück jede Trivialität hat Bedeutung im zerknüllten Trommelfell der verknallte Kuschelrock

Die Collage ist Grimasse Abfallprodukt eines geistigen Vorgangs Beweisstück des Bewegungsmomentes des Geistes Auf den es eigentlich ankommt

christian petersen

Die Collage gewappnet mit Umpackbahren Kladden bezieht parawissenschaftliche Haltung zur Problemzonenfrüherkennung

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mein Schandmaul schlurft durch Ortskern lose Sub urbane Zonen doch schon um die nächste Ecke lauert die schwergewichtige Landschaft der Staub und die Welle Tropen oder Steppe TAG 16 immer um die Ecke immer mehr meine narrativen Tendenzen zersetzend Einbildung die Landschaft ist nicht neutral verblutend sie ist das Diktum Ungerührtes Gewissen sie ist der Tyson in meinem Ring Himmel und Meer die Natur ist gegen mich sie kennt nicht die Psychologie des 20 Jahrhunderts der Wolken Wettlauf die Natur kennt keine Gnade kein Mitgefühl mit der Welle die Natur ist nicht Wochenendzeitung weltlich Woody Allen gebildet Witz Verklärung die graue Decke aufgerissen und silbern die Gischt die Natur ist brutal live mit dem Oberkörper die Wellen brechen doomsday Mimesis Papillon sich die Muskeln stärkend alles verschanzt sich im schmetternden Kurbelkasten mit dem der Brandung boomerang in Handschellen Bau der leeren Arien alles zählt sich selbst aus mit unter dem Blütenfall handgemachten Hobby Nettichkeiten der Gischt in der Swimmingpool Kitschabteilung aufgetakelte kunsttöpferische Häppchen das versprochene und auf alt gehäkeltem Buddhismus Dipp offen im bleiernen Schimmer über Marmor Splittern we are the world we are the children viel bunte Multi-Kulti Smarties alles heimgekehrte zermalmt von der Reise ausgezählt rausgeputzte die Natur kostümierende Farben die Karten erschöpft zu trauriger brauner Tropen Schokoladen schmelzend Platz-Namen untergegangen aller Nock out wird zu tragbaren Artefakten um souveniert wo ist der australische Finnegans wake Anspruch auf ein Territorium wo ist das tropisch Naked Lunch wo ist das Totenbett mit Erde bezogen wo ist neben Fred Williams die der das die Landschaft tekkelnde Malerei wo ist das tatoo-minimalistische schreiben im Nebel wo ist die pastose Brisanz in den strauchelnden Wolkenkratzern

stampfender Lauf der Dinge gelähmt am Strand wird unter dem Plapperjargon Brett reitender Gutmenschen zum Chakra Bandsalat und Now Age Hechtsuppe der Blumenkinder Frischfleischparade jedoch dufte Schöngeist Unding Schlüpfer muss ich als

to be continued

Tag 17

dornige Gischt besinnungslose Einöde heimatlose Wassermaße ich unaufhörlich Verriss Reisender Geilomat Flegel schon sagen

unnütz und wesentlich

Atombusen in wicked weasel

Well Blech Welle

Bikini a toll Trommel der Sonnen Strahlen jeder Dutten Gretel ein Regen brach aus Verdichtungs-Formen visitez ma tente auf die Quecksilber Insel hinterher spinnen Licht in kollidierenden Grau Graden da will der Gatte halbstark mit Lümmeltüte dem Backfisch Turner Remmi Demmi beim Kaiserwetter an den Allerwertesten Constable Addis Abbeba und Playboy Karteileichen ausmisten Foto Morgana angezapft alles knorke Leibesübungen mit nem Kurschatten

Elfenbein Blitzlicht Leuchtturm Lagune Mond Mantra

also alles schnafte Luder Pfuscher Mischkassette im Oberstübchen der Horizont Riff Hühner Hugo Erdäpfel gleitender Ausflug als Sättigungsbeilage hauchzarter Luxus ohne Grenze Spanner im Räuberzivil Licht nicht von Pappe eigen blut gedopter Schamschürzen aber Becher Schule grau Schuft bleibt erschütterbar schwamm drüber Sommerfrischler braungebrannter Wort Stutzer Walker Hehler hier nun endlich Spaß bei Seite die Arschkarte für diese wörtlichen Wuchtbrummen und wieder fein und ordentlich den vermissten Wörter Zinken abschwören

vom aufgeschwemmten abgegriffen fahlen Harem Damen Dämmerlicht Morgenglanz Kimono da in der Sackgasse immer wieder das kuriose Blütenfall Kabinett des Meeres

Die Surfer dunkle Flecken heben und senken sich also tschüssi kowski im Fatalismus des Wartens

bedrohte Herumtreiberinnen

Surf Board Beckett gehen wir auf der Welle

das Bad in der Gischt Schleuder voll Seide 77

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Tag 18

wenn ich mich also Maß Stab Plan gerecht da auf den Strand ganz nah der pazifischen Wasserkante tusche dann schrumpfe ich auf ein gerechtes Maß von 194 cm als Gesamtausgabe also recht proper und vorne wie hinten wie gut sind die Metaphern welche mich buchstützenartig dort zwischen Welle und Welt Wirrköpfe halten Geldhyänen verfallende Männer von Welt die sich auf Auktionen TAG 29 wieder aufmöbeln

Kenner und leidenschaftliche Sammler werden von den investitionswütigen Geldleuten weggestänkert die Abgefeimten Leute kaufen die guten Sachen lassen Sie kaufen von dienstbaren Geistern mit hoher Fachausbildung die vorher erst sich selbst verkauft haben nicht auswählen das ist der Mangel an Format Schacherer das ist einer der alles schön findet man kann wirklich nur schön finden was man versteht wer nicht auswählt wird im Morast zugrunde gehen Schlamperei - Mangel an Aufmerksamkeit

legere Lässigkeit schlecht gelaunt

TAG 33

stabilitas loci man bleibt am ort wo man eintritt

das graue Stöhnen der Wallungen vergleichbar der Geschwindigkeit einer Kutsche ab welcher Geschwindigkeit zerfließt das Ensemble im Blick

von nichts wirklich Ahnung haben einkehren im Urlaub das ist die schlammige Seite des Dilettantismus weg vom ewigen Duell mit dem Konkreten mehr Menschen wissen weniger über mehr

die Trägheit der Meer Materie wirft mich substanzlos zurück Emporkömmlinge kaufen von mir ist nur zusammengeklebter Schnappschuss der etwas anbietet in simulierten Ereignissen wovon ich Ahnung habe die klare Sicht auf die Welt wo die Leute sterben Ahnung von etwas bestimmten eine Floß-Form Treib Haus Schlacht Hof Klär Ingredienzien des Seltenen Anlage unendliche Beherrschung voll atmungsaktivem Ramsch großes Wissen vor allem aber Liebe im naiven Balkonien Delirium Blick Quintessenz der Alchemie sehe ich am unmarkierten Erwartungshorizont

Weisheiten die in einer Idylle entstanden werden nun in der Vorhölle verschachert

die Sehnsucht wenn sie Gewicht hätte

der Rest Schacherer Feiglinge Konformisten

mein Haupt wartete ich auf die schnappenden Predatoren Haie und fliegende Taucher aber alles blieb friedlichster Sommer Meer Nachmittag alles flaumig salzverkrustet aufbrechen dann doch noch dieser würde die Welt aus ihrer Umlaufbahn schwarze Schlangen Schwanz plumpsen lassen im Unterholz verschwindend

TAG 35 TAG 47

Die Wolken wieder einmal blättert man zurück in seinem Hirn Kringel Kritzle Kinderzeichnungs- stehen da schnittig und trickreich genial übereinander gekleistert Mies van der Rohe Abzähl-Reime Wassertropfen zu mehreren Elefanten schweren alles zerfressende Wort Witz Verachtungen Watte Konglomeraten aufgetürmt und dem Hexenkessel des heimtückischen Tages in den blauen Sommerhimmel gestellt entrissen und mit der böse und artig einstudierten Dummheit eines Mannes um die Vierzig angereichert durchschnittlich 10 Minuten bleiben sie als solche bestehen zeitgenössisches Blitz Plappern dann heißt es wieder Formwechsel pah werde präziser werden und die Pinselschwinger müssen neue Formationen denn willst du den bestehenden Bewusstsein Ziegelstein cummulieren angreifen brauchst du nomadische Kraft verdrehte Krakel Kindergarten Watte und luftige Waffen als luftige Partikel Packung den Zorn der unbehausten Horden ich bis zur Lende erst dann bis zur Niere in der Brandung die Brüllhitze im Salzzuber abkühlend David Attenborough so stand ich plötzlich in Zillionen von Fischen unterarmstark die alle mit ihren Schnauzen an der Wasseroberfläche am bräunlichen Schaum nibbeln

das verfluchte Wort kommt zur Rettung die Sorbee Farben und historische Dichte machen plötzlich wieder Sinn erfreuen und stiften Mut niemals etwas werden zu wollen ist die Welt nicht schon übervoll von solchen die schon etwas sind die von mir geschaffene Arbeit die Abschreibung eigener Welten

auf dem hohen Kamm stockten sie im Kunst Harz Gegenlicht ich schreibe ein Buch um mir damit für immer die Fresse kurz bevor die Welle bricht zu stopfen ich wurzelte im Sand die müßige glückliche Ware Billionen Bewegungen im Wasser sich überschlagende Schwärme über verknitterte Kernsätze schwer verständlich aber verlockend und einleuchtend aber alle anderen Lebens Ansätze bedrohen plötzlich mein Schreiben alle Vorsätze katapultieren mich in Verabredungen aller Umsatz macht Eingeständnisse der Abhängigkeit 79

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weis das geschriebene da plötzlich um mein Ende als Schreibenden liest mich wie billigen Hokus Pokus Kaffeesatz liest meine im Grunde eingestandene Dissonanz liest meine hektische Betriebsamkeit ohne Bedeutung denn alle Bedeutung bleibt versiegelt weil vermischt mit allen meinen Projekten der Fremde vor seinem selbst gemeißelten Grabspruch nix war geworden keine Ware war aller Welt vor den Latz geknallt worden keine Banalität hatte es in die Gefilde der Macht gemacht kein anachronistischer Gang durch die Ereignisse schaffte es zeitweise auf die Höhe der Zeit keine Heimkehr gab den Erinnerungen Zusammenhalt keine Vorstellung kein Vorhang nur Durchmarsch Ausgrabungen gebaren Seiber hier Verlangsamungen brachten Erregungen dort Kopfloses um die imaginären Hälse fällt hier zweifellos contemporary Ausstattung Abhänge dort ein Gesicht ohne Ehrgeiz für die Phrase wie im Film geistert durch viele Familienalben ein Chronist ohne den Glauben an die Chronologie hatte er jegliches Album aufgelöst die Zeit auf den Karten neu gemischt alles handeln arrogant und somit schüchtern in den melancholischen Dämmer Kasten verbannt

TAG 50

National Feiertage mit Flaggen Plage Pi mal Auge billige Gebetsbank Gesänge und die Wurst auf trocken Toast love it or leave it klingt es aus den berauschten Kehlen der Jugend im verlängerten Wochenende hinter der weltoffenen Fasson eingewickelt in das vertrottelte Banner von Land Traumfänger Klamotten Billabong Boardies alle sind Publikum rundum aus beutbar aber als Gemeinschaft schön geredet schön getrunken die whatever pauschale Ekstase

Meteore wie Schmetterlinge in der Schwärze der Photo Box das Überschneiden von Ahnenbildern sollte es mit den Rückschlüssen möglich sein Ambitionen und Gene in die Zukunft zu projizieren ahnengleich durch die Schallmauer außerhalb der herrschenden Atemlosigkeit sich Wahrnehmungsebenen erschließen mit Geduld und Kunst als Wissensform in schon beschworenen Öffnungen ganzheitliche Wahrnehmungen sich in Blue Note Nonchalance mineralisieren lassen

lobt das einmal da gewesene populäre Hochglanz Lava die geschickt das Herz klopfen lässt nix ist kaputt keiner schwindelt keiner malt wie Dix nix ist Real Estate Prostitution nix ist Traurige Tropen Dosenöffner Vorführwohnung nix hat ne Rumpelkammer voll Bewusstsein in welcher man Korruptheit erkennen könnte alles ist allgemein relativ Schlagzeilen kitschig all right

man will ja sein Scheitern nicht mit zwei drei Ausrufen aufrechterhalten für einen Tag wäre mir das schon zu manifest

Tag 67

Fehler lediglich weiter besprechen das brüske jedes Gutachters der verrannt und rastlos ist mit seinen Ideen das ist ok das dulde das muss erscheinen neben all den betörenden Akribien TAG 51 einfach noch einmal wie damals also was geht nun ab Geschichten von vorne nach hinten vorerzählen das ist wirklich realistisch gegenständlich wenn ich da hin gegen die Schuttrutsche hinunter sinne und mag neben ein paar nervösen und fickrigen scheine Sprach Stöpseln landen ich scharf im Raum umgeben mit Abfall Nervositäten mündlicher Trommelrevolver wo alles wohlgefällige ausradiert voll aufgestachelt Diskurs nach dem come down erwacht der ernüchterte Brodovitsch Blick in die in Koffern kompostierten Experimente The Zone spastischer Gilb - Meister Proper des Bösen Erkennt du dich hast du verloren wach werden lasse zu aufdringlichen Blumen da wird die frugale Einverleibung im gelehrig grunzenden Grund bei Mc Donalds wie in Indien und Afrika mit den Händen vertilgt ja ich bin der Auswürger aller braven Gedanken Exesse ein Autor der sich da anwesend dem die Auftragsgesänge der Galgenvögel nicht mehr um ein althergebrachtes Erzählen bemüht gefallen das geistige Sprühen das im Zusammenstoß der Figuren entsteht der durchschimmernde Attentats Slang nichtmuffig und pronto wie eine Ponton Brücke über den meine Teuerste Utopie Krater des Wunders ausbreitet ohne nichtbanale Beton Armierung ein Kabinett voll Freunden aus jeder Epoche lakonisch lesbare Textfiguren Wort Figuren die in monologischen Redeschüben die mit gehöriger Lust angetan mir zu Minuskeln von Klarheit verhelfen nichtbanal schreibbar sind das entscheidet sich jedes Mal neu ich beziehe unwillkürlich Stellung das darf da sein die mich hier verpflichten wenn der Akt der Existenzreproduktion diesen voller Wahrnehmung und Kristallisationen ausnahmsweise im Werk gelingt Tag Lesbar sein zu beenden ist nicht gleich wollüstige Prostitution

Absatz

Ich lokalisiere mich unpatriotischer Die Mühe kommt ins Spiel 81

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gibt es ein zulässiges bebendes unlesbares freigestellt vom merkantilen Zwang aber auch alles lesbar schreibende in frage stellend ohne textinduzierte Kicks nette sachorientierte Selbst-Darstellungs-Automatismen der Reisende bemüht Einlas in das Örtliche gewährt zu reine rätselhafte Droge bekommen ohne Organisation seine gelenkige Befindlichkeit überdrüssig nur eine sofort menschlich Abfolge und angenehm bloßer Örtlichkeiten aufzugabeln alle Worte zu Zeilen verschnürt sagen rück einwenig so wie der Moment sagt es ist Zeit zu gehen

Motive eines Gobelins ein paar Zellen Indigo Schatten Fotos unscharfe Haikus flatterhafte Meditation

ein Laubenkolonie Logogram das Resultat einer dauernden alle diese sterblichen Rendezvous fordern erholsamen Bemühung als eine am Kragen packende Kraft die kompetente erschütternde Beschreibung der begeisternde Aufenthalt in den Schätzen des zu bearbeitenden Wissens Willst du aber doch zu einem Werk gelangen In unserer Warengesellschaft nur in dieser hautengen Sphäre Heißt es erwachsen werden in seiner eigenartig bezeichnenden Verfassung Hau deine Abenteuer hat er überhaupt die Zuversicht In Askese ein Raunen zu gestalten Deiner Wollust schraube die Stützräder ab zur eigenen Freude Entscheide dich kurz zum Künstler werden Mache dich fertig für einen wirklich frustrierenden harten Kampf das soziale Miteinander für eine Gralssuche auf hohem sehr hohem Konsum beherrschbar und easy Niveau Verführt vom reinen Dasein Braucht man kein Branding Ohne Kariere ohne Verteidigung meiner Sujets Wenn ich also dahin arbeite muss ich die Fallstricke des kollektiven Erwartens erkennen Absatz und immer gibt es wie immer nur die ungestoppte bedingungslose Energie Meine Schreibweise dreist weiter machen wie der Dreck das abfahren der Narben denn der Weg ist aus Dreck gebaut gefrorene Zeit auf lebender Werbetafel die Dreckkruste ist der offene Raum der Hysterie wo sich schon alles tummelt meine Collagen in kecken Schäferstündchen Staatsstreiche buchstabieren meine Schnappschüsse wie alle Fotos immer bruchstückhaft immer ohne Stringenz die Fortsetzung immer über den Rand hinaus

geblieben Wertschätzung des geteilten Lebens as Sylvia says hätte er sich erlaubt zur Sprache zu bringen ein reflexives wiegen in Dichtung nix weiter wollen als Mund auf und Vers zu in Territorium und Tat sich seinen Selbstwert zu bestätigen von Abenteuern berichtet Erlösungsformen feilbietet die Aura der Enttäuschung füttert als Partikel des ausgesprochen Befehls zu konsumieren Literatur muss nicht weit gehen dieser Tage sie bewahrt einwenig Empfindungsform tätschelt mit Ironie den Fehl Bedarfs Fetisch der enttäuschten Wohlstandsbürger TAG 68 sie geht dahin als Haltung bewahrendes Paperback der lesenden Gesellschaft den Rohstoff denken zu Wort Locken Wicklern digestiert

P.S. für Bodo Gong

beschattet von der sozialen Ahnung will die Mutter aller Gesellschaft zuckrigen Dreck rotwangige Eskapaden gereinigte Furcht unerträgliches erklecklich Scheiße und Depressionen erscheinen im Index eine Bordüre mit der Würde etwas dauerhaftem Korrigiert und gereinigt verlassen von all seinen Bedrängnissen

geht in der Nachbarschaft ab Daevid Allen welcher mit Robert Wyatt anno 1966 The Soft Machine – named after the book by William S. Burroughs ins Leben rief

dann mit Gilli Smyth Gong ins psychedelische Licht der sechziger stellte alle Lust am Abfall und bis heute tourt – 72 jährig - Bonn – 2009 alle vorhandene Klaue eben diese beiden gaben mal kurz tönen plötzlich wie falsch erinnert Gong alles was wertvoll in der Wort Manege im Gemeindehaus ihrer Wahl-Kolonie jetzt schnöde Menage SGB – South Golden Beach Der vernetzte Bube der begehrt werden will aber gleichzeitig zurück will ins schlammige WSB HCP SGB Experiment Gong dem wurde seine Sprache entfördert da wackelt alle Welt aber auch wäre der Erwerb auf eine wie die andere art erschwert das schüttere lang Haar der 35 Tolkiens auf psychedelisch Schrebergarten – PVC spiritistisch wie Prenzl-Berg-Tarzan auf Ikea in Bibliotheken weggesperrt 83

cover version 2

(…) (12) eins nach dem anderen pflanzt sich normalograu der morgen fort durch das gedränge von außenbedingungen da braucht‘s die glücklichere hand (13) maintenant bißchen sozialmanieristisches: flappt die plane ums baugerüst nebenan in plötzlicher bö. setzt sich der maurertrupp über auszeiten auf der chemischen toilette in kenntnis. wird die harke im garten unterm fenster aus dem dienst genommen. klappern die briefschlitze im seitenaufgang. stellt sich in der küche kein appetit her für toastbrot und honig. rumoren babyspinnen im wurmmehl unter den einbauschränken. geduldet sich in der ablage ein stapel presseauschnitte. verschränken sich die arme vor der arbeit. kommt mit einem ping! eine mail aus dem netz herein. beansprucht die spülwut der leute die ruhe am rohr. hat onkel abduls waschmaschine aufgehört zu schleudern. drehen tauben durch auf mauersimsen, lärmen spatzen in den büschen. tackert unten eine nähmaschine durchs textil. geht es weiter so. prasseln pneus auf kopfsteinpflaster. wehen schlager aus der kneipe rund um die uhr. stehen raucher vor der wärmestube an der kreuzung, fällt im rücken die haustür ins schloß. verhungert die letzte lebensmittelmotte vor zugeklammerten mehltüten im schrank. kommt es noch nicht zum erliegen. endet es hier nicht. drücken fäka-gerüche aus den kanälen. erheben sich fragen nach dem verbleib der hugenottengebeine im bezirk. schieben bekopftuchte frauen kinderwagen zum nachbarschaftstreff die straße hinauf. hängt schlaff die hertha-fahne vor pepes fanartikelladen, plärrt ein handy vorbei, die rempelnde rostocker gang. begutachtet der hauswart einen sofatransport auf den boden. brennt sich die schrift vom bildschirm auf der netzhaut ein. verläßt der feiste gerissene den fluchtpunkt des stellwerks über den gleisen der s-bahn. es scheint aufzuhören, zu enden, langsam, es wird heller jetzt (14) tatsächlich ey . . . . . . . voll cool du bist richtig drauf . . . ey klar ey unbedingt . . . . . . . . . . . . . . . . . . ja und außerdem . . . . . . . wohingegen . . . . . . . . . mal sehen . . . . . . . . . . . . . nicht wirklich oder . . . . . . . das geht ja hin und her . . . das ist äh schon sehr ambivalent . . . . und voll sophisticated . . . . . ey das läuft schon . . . . . .vielleicht bißchen anders besser . . . . .

d. holland-moritz

nee schon okay so . . . also was ist das problem . . . . . . . . . ey ich

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seh da kein problem wirklich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nein nein nein das ist das geht schon in ordnung so . . . . aber falls doch . . . . . . ja dann ja so . . . . . . das isses ey . . . . jetzt erst recht du . . . . . . wirklich mach dir keine sorgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . erbarmen (15) kommt drauf an, wohin man geht, das ist nicht in der tat so traumanalytisch bei den täglich ersten schritten vor die tür, die

coverversion 2

regel ist eine andere, das ist nicht der ort für kindheitstraumata, kein rückfall nach innen, nicht das grab sublimierten literarischen raums: realistischer ist, das haus im rücken, ein automatischer orientierungsschwenk um 180° in die reihen parkender

based on jürgen becker, felder, 1964

autos und den bürgersteig hinauf, ob da belästigung naht oder was neues ist oder blaulichter sich drehen, änderung, ach nie, das hat saison auf diesem pflaster, meinethalben auch asphalt, in schmerzen gekrümmt und ein bein nachgezogen und am spielplatz pausiert oder traglasten wechselnd, sich versichern was kommt: die verbrannte ecstasy-tante, die alkoholiker vom mäuerchen hartz-leute, der mißtrauische rasta, paar blaumänner, studenten, die rostocker gang; stöhnen, seufzen, schmatzen, rumprötteln, platz da! ja, im stillen und nur an der oberfläche übern kurzen weg: diesem kerl da seh ich jetzt nicht ins gesicht, nicht heute, nicht in diesem aggressiven wechselklima, mag da wehen, was da will, mit den leichen andrer leute will ich nichts zu tun haben, das möbelcenter steht jetzt leer, die rampe endet hier, aber weg und weiter und darüberhinaus (16) um die ecke araber in gruppen, junge leute mit citybags auf rädern, türkenlümmel, betrunkene deutsche chaoten, auch trolleys rollen, stewardessen, die vielen werden mehr, haben wir >muß weg hier< auf dem plan, das liefe frühestens im mai richtung westdeutschland und mit hilfe und dem auto von norbert aus köln; bißchen mehr umgang und frieden und auszeit sollten schon sein, derentwegen wir fliehen und wegen monadischer spuren, die wir hinterlassen im gelände, erstmal tabak kaufen gehen; adriatische strände haben sich überlebt, die balearen eine deutsche festung, griechenland? oder nun wo fremde mehr ist? ins land der oasen? auch polen jenseits der oder ist wieder möglich: da sollten wir nicht hocken bleiben auf vergangenem, auch keine bräsigkeiten mehr, um nicht am standard von strichcodes zu krepieren, stagnation avanti, übern zebrastreifen, kennen wir schon (17) average guy von lou reed würd ich jetzt vorziehen zu singen, im grau der logistik um menge leute herum manövrierend, auf dem gehweg daher unter hochdunst, der ist heut, wie so vieles, von westen rübergezogen, kann sich noch verflüchtigen (18) zeit jetzt abzubrechen, neues aus dem labor gibt’s eh so bald nicht, hab ich mich genug mit jürgen beckers poetry support fürs leben der bürger in der region abgegeben, kaum einer kann das besser, sprachpsychologisch scharten auswetzend ein gefühl fürs zuhause auf den plan zu rufen, aber der idyllenzweifel kam ja früh; dies merkwürdige verhältnis von konkret und abstrakt, dies sozialmanieristische metaerlebnis an der sprachlichen struktur, das in beckers realismus so hineinläuft, sein dealen mit der ästhetik, macht es auch nur krampfhaft interessant; hab ich also nur mal angetestet, sein verfahren umzunutzen, aber ich bin nicht derjenige, der das durchhält, ich hab‘s versucht, verzeiht.

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zwei texte

Autour du Fil

dominic angeloch

Endemische Nachtzusammenhänge. Brokatbehängte Stunden, rot-silberner Ornat, selbst im Zwielicht waren Muster erkennbar, an Eifersuchtsszenen, bestürzende Einwände oder gehässige Wortspiele erinnernde Rechtzeitigkeitssperenzchen. Florales jedenfalls, es hätte sich auch um Lilien handeln können, aber natürlich trug keiner die Encyclopédie des arts textiles mit sich herum, und dadurch verschlechterten sich die Situationen nicht. Die Hinhaltetaktiken trugen merkwürdig modische Namen, waren wahlweise „kardinal“-, „admiral“-, „colonial“-, „mokka“- oder „singapour“-farben, worunter sich eigentlich niemand so recht etwas vorstellen konnte oder wollte, doch die ungeschrieben gültigen Regelwerke sahen nun einmal Sinnesfreuden vor, man könnte auch sagen: Bedeutungswucherungen. Während der Baumwollanteil nicht mehr als 3% betrug, lag der Elastananteil bei 14 und der Polyamidanteil bei 83% – dadurch wirkten die Gespräche wie blickdichte Feinstrumpfhosen, die man sich aber hier und jetzt traten auf diese Weise bloß verstöüber den Kopf zog statt über die Beine. Stimmt, Anlässe, rende Aspekte zutage, und die kaltrauh konsternierbei denen es opportun ist, daß man die Form der Gesichter ten Beäugungen derselben taten das ihrige dazu, da sieht, die Gesichter selbst jedoch nicht, gibt es durchaus, half weder Becherklang noch Mutterwitz. Deswegen versuchte man es mit Prestige und schlug mit verschossenen Schutzzeichen um sich, sagte „Princesse“, „Verdissima“, „Chantelle“, „Cyell“, wickelte sich zusätzlich in Nighty und Bolero und pries Flachnaht, Strickeinsätze und Baumwollzwickel, bis auch die letzte Beschönigung verunglückt war. Überraschend die verhältnismäßig geringen Fluktuationen bis dahin. Doch daß sprachlich unverwundbar zu sein noch nie genügt hatte, stach spätestens ins Auge, als die ersten ins ganz Unverbürgte hineingesprochenen Verabschiedungen erfolgten. Sicher, man hatte einiges verpaßt, ein oder zwei von den ganz großen Lieben vielleicht, die Enttäuschungen hätten also durchschlagend sein können, aber man hatte bei alldem mitgemacht, und so konnte man sich jetzt nicht einmal beschweren. Manche Dinge sind zu wirklich, als daß sie ernstgenommen werden könnten. Die Dunkelheit lag zusammengebrochen im Hof vor den schwitzenden Fenstern, in den Gläsern trockneten die Überreste unbestätigter Romanzen.

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Mauser

und was sonst noch war

Ansonsten: mischte Mauser sich nach longitudinaler Rekonvaleszenz am Samstag endlich wieder einmal unter mehr oder minder muntere Vertreter des Menschengeschlechtes, namentlich auf einer fête eines alten Freundes, die dieser anläßlich der Begehung seines Jahrestages für sich selbst ausgerichtet. Mauser bestieg eindreiviertel Stunden früher als alle anderen Gäste das in einem 50er-Jahre-DDR-Renommier- dasz Mauser sein vom großen Gelächter ganz bläuliprojektbau auf der Stalin-Allee gelegene Appartement, ches Antlitz betrachtete, rumpelte unausgesetzt http:// denn er hatte sich bereit erklärt, dem Freunde bei der Zu- de.youtube.com/watch?v=d-MXz98LFHA, unde es war worichtung der Nährmittel zur Hand zu gehen: So schnitt er möglich dieses – gepaart mit nunmehriger Waschung Salsicie unde Käse unde schichtete selbige auf weißblauen der immer noch Salsicie- unde Käse-verklebten Kaffeeservicetellerchen unter des Freundes strengem äs- Hände –, dasz Mauser dachte, dasz ihn das angestrebthetischen Reglement zu einfallsreichen Nahrungsmittel- te Verfahren der veränderten Unverän-derung seinem arrangements. Zum Behufe der delectatio unde Kurzweil ursprünglichen Ziel grundlegender Veränderung viellud Mauser ein elektronisches Musikstück aus den Weiten leicht sogar näherkommen lassen würde als der dides Netzuniversums zu ihnen ein, welches dem Geburts- rekte und alsoweil ohnehin wahrscheinlich nur von terling so gut gefiel, daß die Gäste es an diesem Abend mit Heilanden beschreitbare Weg. „Vielleicht?“, dachte angesichts solcher Ergetzung nur zögerlich abnehmendem Mauser aufgeräumt – nein: Bestimmt! verhalte es sich Zuspruch noch circa 45 bis 53mal über sich ergehen lassen so wie soeben so trefflich gedacht. müssen sollten: Die Duschdas-Flasche (empört): „Du bist gar leicht http://de.youtube.com/watch?v=d-MXz98LFHA zu ueberfuehren, / dasz dieser einwurf mehr sophisterey, / als deine wahre meynung, sey! (Wackernagel)“ Während dessen aber, dasz Mauser so Salsicie- unde Nach und nach versammelte man sich unde sprach Käsekonglomerate komponierte, kam ihn eine gar artige eines in des anderen Richtung unde begann zu esStimmung an: Es steigt der hohen saeulen pracht, / und der sen Salsicie unde Käse unde zu trinken Rotwein gefrornen musik schall / ist ganz harmonisch ueberall. (Hebel) unde Weißwein unde Roséwein unde Cervisia. Unde Unde mit einemmal wollten ihm Vergangenheit unde die Mauser trumpfte auf mit frisch erstandenem unde Gegenwart unde die Zukunft ganz klar vor Augen ste- echt rahmengenähten italiänischem Schuhwerke, hen: Mauser würde, angeblich mangels Alternativen, in ohne daß es jemand bemerkte. Unde wohl daher seinem Leben so weitermachen wie bisher, die ursprüng- speiste auch Mauser ein Stück geschmack-freier italiälich grundlegender Veränderung zugedachte Leibes- unde nischer Teigschichtung, die er gleichwohl geflissentSeelenkraft dabei jedoch restlos für die Herstellung eines lich zu loben wußte, indes er unter dem Tische unauffällig, aber nichtsdestotrotz aufs Konsi-derabelste spürbar prächtigeren Daherkommens aufwenden. Mauser (beiseite): „Ah! Ich möchte so gern einmal, O nachsalzte. Der Geburtsterling: „Du, isses okeh für Euch, wenn Mutter, ein richtig zünft’ger Popanz sein!“ Alsodann ertönte die Türglocke, unde siehe, da gebar sie als ich nochmal schnell ‚Replay’...?“ erste aus der Gästeschar zwei Jungfern. Deren eine erschien http://de.youtube.com/ Mauser alswie ein starkhufiges Rosz, unde er begrüßte sie watch?v=d-MXz98LFHA: „Jetzt reichts mir aber langgebührlich unter Nennung seines eigenen Namens; deren sam. Kann der nicht mal was anderes? Ich hab kein andere aber war mit so viel Liebreiz betupft, daß sie ihn an- Bock, hier die ganze Nacht den Otto zu machen.“ mutete alswie ein ätherisch’ Geschöpf, in dessen gar wohl- Sowie Mauser die nun versalzene, ansonsten aber imgeformtem Gerüste ihm hausen zu müssen schien auch mer noch geschmackfreie Speis vertilgt hatte, brach ein gar wohlgeformt’ Seel. Unde Mauser dachte: O wa- ein mächtiger Durst in ihm aus, unde er begann, ehle mir die holden strahlen / womit die vollen rosen prahlen eine bacchantische Menge Rotwein zu trinken unde (Brockes). Unde von derlei Seraphim läßt Mauser sich gar dabei eine halbe Indianerdrehtabaktüte zu rauchen, schnelle verzücken, alsoweil er sie sofort durch einen Jokus von der er nicht mehr wußte, ob sie ihm ein freundversuchte. Dieser aber schien Mauser selbst so vortrefflich licher Wicht in die Tasche getan oder ob er sie gar unde machte ihn so lauthals frohlocken unde toben unde husten unde jauchzen unde schrein, dasz die Fee nach anfänglichem Gluckern erbebte unde ihr Rosz beim Zaumzeug nahm unde davonsprengte in den Festesglanz der heiter ihre Ankunft gewahrenden Küche. Die Fee: „Huhu, halli-hallo, wie geht’s ’n so?“ Mauser indes besuchte das Badezimmer unde befragte den Spiegel. Während dessen aber, 87

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gestohlen? – : unde slah im mit willen eine vlaschen, dasz im die hunt das hirne ab der erde müeszen naschen. (Neidhart) Die Gästeschar: „Mana-mana.“ Später gewahrte Mauser sich mit einer tanzenden Maid unde einem Tänzer zu Tainted Love unde Vogue unde Spin me round unde Ich bin erst 66 Jahr tanzen, ohne auf die ob seines weitgehend zügellosen Armkreisens unde Hüftrotierens betroffenen Blicke eines auf einem Sperrmüllsessel dürftig hindrapierten Bubikopfpüppis zu achten. Dies Bubikopfpüppi, zu dessen Antlitz Mauser allenfalls einen zu exzessiven Botox-Einsatz zu assoziieren gelang, hörte er bei dessen bald darauf statthabendem Abschied vom Jubilar gegenüber dem Jubilar behaupten, sich mit Mauser schon einmal auf der Suche nach einem Käse-Sandwich in der City befunden zu haben. Mauser wollte oder konnte sich nicht daran erinnern; dachte nur: daz der tubel zu keiner stete / immir icht gutes tete, / daz were widir sine art (Brun v. Schonebeck); drehte die Orgel lauter unde schwankte unde bog unde quetschte sich unde ruckte annähernd im gärenden Takt der zerfallenden Musik. Die Gästeschar: „Mana-mana.“ Noch später waren plötzlich alle Gäste von dannen gezogen, unde Mauser gewahrte sich in einer aus dem Gastgeber, dem Tänzer unde einem Haitianer bestehenden Männerrunde, woselbst er sich die musikalischen Ex-Bemühungen des Gastgebers unde des Tänzers vollmundig loben unde diese so leidenschaftlich zum Weiterführen ihrer vor Dreijahresfrist aufgelösten Combo auffordern hörte, daß nicht nur der das Deutsche kaum bemeisternde Haitianer ihm mit gar sonderbarem Nachdruck nachdrücklich zustimmte, sondern selbst Mauser ernsthaft sich selbst. Noch später, nachdem Mauser mehrfach furchtlos das Ansinnen des sinistrer und sinistreren Mutes werdenden Haitianers abgewehrt, sich seinem betriebsamen Pringles-Mischkonsum anzuschließen, machte Mauser sich volltrunken unde unter intensiven unde ekstatischen unde schröcklichen unde metafisischen Deklamationen nach Hause. Es erschien Mauser als sei er mit Turboboost gereist, als er sich plötzlich in einem ihm unbekannten Pyjama auf dem Balkon seiner eigenen Wohnung wiederfand unde sich seiner kreativen Idee vor dem Zubettgehen auf seinen Balkon erbrechen zu sollen. Nachdem Mauser prachtvoll anheimgeben sah, sich unde aufwendig unde pompös gekötzelet, besah er sich das rote Ergebnis unde kam ins Sinnieren: War es der Wunsch nach Abwechslung in seinem nur oberflächlich betrachtet in geregelten Bahnen sich bewegenden Leben, der ihn dazu gebracht hatte, entgegen seiner Dressur seinen eignen Balkon zu bespeien, oder hatte er dies als nichts anderes zu verstehen denn als die überraschende Wiederkunft einer Art falschverstandener Aerophilie? Unde Mauser fieng aufs neue an zu kutzen unde zu schneuzen, / kleglich zu stehn unde zu seufzen. (Froschmann)

texas als textTILT

texas als textTILT

///part x of x/// (kein fortsetzungsroman, sondern einfach nur ein textprodukt, wie all die anderen, die ebenso letztlich nur (und nur) darauf aus sind, in all (=alle) die archive von die ganzen welt sowie weltall wie auch kosmos und himmelsolymp etc einzugehen)

So! Allerwerteste Spalter, so sehr versaute Softrocksudler, alles muss immer ein Ende als Schluss haben. Das war immer schon als unhintergehbare zeittechnische Tatsächlichkeit so vorprogrammiert. Das muss immer auch – wie bei tatsächlichen Gesetzmäßigkeiten so üblich – für ca. (= ≈) ALLES gelten: Das ist bei Worten, Wäldern sowie Würsten so. So: + jetzt müssen Sie – so sehr geschundene Schönschriftliebhaber + -haberinnen – BITTEBITTE sehr, sehr stark in Ihren Leserseelen sein: DENN:

S = AUS!

S = ALLES [= ∑(Welt +Wort)] AUS!

DENN: (((Taschentücher raus + Wasser los))) Die wunderbare Wortweberei des Protodadaisten George A. Atzerodt, die – die Wortweberei – in den letzten Ausgaben dieser durchaus als sehr super und state of the ästhetischen art zu bezeichnenden Literaturzeitschrift zu bewundern und zu belesen war, wird mit dem heutigen Datum dem Textende anheimfallen.

, hören wir – die wunderbare werkkompilierende Redaktion dieser Wixvorlage für Wort- + Tatfixierte – Euch, wie dies zu erwarten und zu -wünschen ist, weinerlich wie auch wehleidig wimmern. Warum? Ja, das fragen wir uns auch. Warum haben wir nur das ganze TEXAS_ALS_TEXTITEL_Textkonvolut an einem Verlag abgetreten

max höfler

WARUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUM?

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90

!!!!VERKAUFT!!!!

NEIN! SAGEN WIRS WIES IS: (incl. kuss bei dreimaligem hahnengeschrei etc), der – der Verlag – uns nun aufgrund der Furcht vor veritablen Finanzverlusten tatsächlich VERBIETET, weitere Auszüge aus dem Atzeodt’schen Œuvre zu veröffentlichen!!!RUFZEICHEN!!! Jaja, das hätten wir eigentlich wissen können müssen! Jaja, das müssen wir uns nun alles selbst zuschreiben! Jaja, da sind WIR RICHTIG REIN SELBA SCHULD, dass hier da in der zukünftigen zeit keine einzigste Atzerodt’sche Fut+Beidl-Derbheit mehr aus diesem Hefte zu lugen vermag. Und alles nur wegen NIX+WIEDERNIX: DENN: 1.) KEIN HARDCOVER! 2.) KEIN KNÖDEL! 3.) KEINE FREIEXEMPLARE! ABER: 1.) Unsterblichkeit im Rahmen der archivarischen Speichermöglichenkeiten

Aber als allerletzte Textgemeinheit werden wir Euch zwar keine Schreibe, sondern ein schönes TEXAS-ALS-TEXTTITELBILDCHEN liefern, von dem der Verlag fatalerweise vergessen hat, die Rechte zu kaufen.

Mit einem Es-tut-uns-ca-sehr-viel-leid und Eh-schon-alles-Wuascht, Eure perspektive

PS: Sofern Ihr noch immer nicht die Schnauze von all dem Firlefanz voll habt, setzen wir Euch diesen verächtlichen Werbefloh in Euer aller Ohren: Kaufen Sie „texas als texttitel“ und schenken Sie es einem Menschen, den Sie aus vollstem Herzen hassen oder einfach nur so verachten. Oder: Stehlen Sie dieses Buch und schreddern Sie das Ding, ohne nur einen Blick hingeworfen zu haben.

Bild 1: Wenn alles aus ist, dürfen auch Männchen weinen: George A. Atzerodt nachdem sein Manuskript „Texas als Texttitel“ von allen Verlagen abgelehnt wurde. Manila, den 6. Juli 1892. (Orginallichtablichtungsbild aus dem Nachlass Ferdinand Blumentritts)

jaja, das haben sie nun davon, sagt otto. jaja, das haben sie nun davon, sagt auch anna und schaut zu otto rüber, der untenrum – richtig erraten! – reichlich wenig bis gar garnichts anhat. aber anna – auch nicht gschamig – greift gleich genüsslich zu und zupft am zumpferl rum und drum otto, ob der anna’schen anmache auch ganz gewiss, greift gen anna hin und hebelt am hemdchen und höschen rum. hebelt also am hemdchen und höschen rum, bis beiden die ganze gänzliche lust am schreiben und schrifteln verständlichweise volle wäsch vergeht und – eh schon wissen – all das übliche na, da schau her, sagt anna. über die beiden kommt, ja, gar kommen muss. na, da schau her, sagt auch otto und lichtet sich sowie sie – die anna – gewohnt gekonnt als geburtstagserinnerung abschließend ab:

Bild 2: Lässiger war leger noch nie: Otto + Anna beim Dichten. (Originalabbildung aus Worten)

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texte

Ich, Ikonoklast (Ein===================================== ====================================Selbst por====================================== =====================================trät)

[[[& ein %uales Stillleben von der Muse]]]

Amygdala----Mandelkern; haschen kleine Kopulateure gern. Darf ich mich kurz introduzieren: der gespiegelte Advocatus Diabolus. Der an den Eiern aus dem Sumpf gezogene. \\ Sperma auf Canvas, suprapubisch ausm Arsch geschossene Lebenssäfte. Fingernägel brechen ab und verteilen sich in feuchten Spalten --wose nit hingehörn. Wo Frau se wieder rauszupulen geneigt ist. „Zerschmettert alle Türme, Bildnisse, Ikonen, Ideale.“ Fickt die Welt, und lasst es euch machen von der Welt. Bis dir das Phone ausm Colon tüddelt. & Damen: rangehen, wenns klingelt. / ---- (((Asche am Stinker, Sfinkter; verbohrt, le docteur ...))) Seifenblasen, Hirnwichser, Sprechkäse, Muschisaft, Kulimine im Ohr, der Fliegenpilz wartet nicht lang. „Klick-klack goes the Gun“ --- \ Frühlingsgespräche mit laufenden Ohren auf hundertverwässerte Pfade; / die ausgetrampelt seit Tausenden bereits sind. Kauf mich, kauf mich! Also: kauf mich! Nimmmirsab!!!!!!! Ich: der ikonoklastische Nimmersatt. ---------- & 16 Stunden einen frischen Geschmack in der Fresse. Allein vom Zahnputzmittel: Das von der Matraze gekratzte. Leggä!!!

------- ||: All----so; one more time: furchtbar gedopt, mit rotnaugn & frisch verliebt

markus berger

ins

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eigne Antlitz und in jenes der Dame des Herr-Zens. Die mich knutscht und bewirtet und anbetet und für mich wäscht. :|| --------

WEIB: ICH BEBE!!

Deal-Emma mit annehmbaren Ausgang Play the latest!

Infantoterôle, pikant. Respektable, der Ohnemich. Als einst er angerauscht und frug mir, ob ick: «Watte koofen wolle.» -- Nur der Crashkurs in Braunem und Grünem brachte mich auf die richtige Antwort: Wieso nich? \ Gedreht war er lang schon. Aber angekokelt auch. Und das, allein genau: das, nervte mich bereits.

---- Jesus, hat man sowas schon gesehen. \ Der ganze Garten in Rotweiß. „Zur Abholung bereit!“ ---- Das gibt a lecker Fliangpuizsuppn. &n Ticket in schamanische Gründe. Ein Schwarm Irgendetwas durchsaust meine zerebralen Schleichwege. Im ¾-Takt. Immer abwärts ins Blau des Himmels. Bornierte Schleifer retten. Oder ihrem Schicksal überlassen; aber das wär fies. Schlaufschuffleuse.

Flugspuckeldipingpong. / Der kaugummine Wietje für einsfuzzig. Alligator wird dir heut nicht mehr gefährlich. Glaubt kein Mensch. Verzieh dir, verzeih mich. Höchstens mit == Erzieh mich, versprüh dich. Plumbum allerorten garniert und durchsetzt. Onomatojaul! --Fuckya! & ein Schwarm Irgendetwas durchfährt meine Muskeln. Mitnichten genötigt, mich zu verschonen. // Flaggschiffe rumpeln auf hoher Sehballschlacht. Korrelieren. Mit Mövengeschmeiß. Verabzornen. : Was andere sich nicht getrauen.

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all caps

ALL-CAPS. IN-STEIN-METZGEREI. YGGDRASIL / BAUMHOHER GEDANKE / DOCH LICHTTÖNE NICHT. ES MANGELT UNS AN RELEVANTEN FRAGEN WIR PREDIGEN WEIN UND SAUFEN WASSER WAS ZUSAMMEN GEHÖRT WÄCHST NICHT ZUSAMMEN WEIL ES NÄMLICH BEGRIFFEN HAT WAS DAS HEISZT ALL ZINGS ARE PART OF ONE ZING ALL ZINGS ARE APART OF A ONE ZING ALL ZINGS ARE APART OFF THE ONE ZING ALL ZINGS ARE APART OF THE WON ZING (USW USF REMEMBER REMEMBER THE GOOD GUYS LOST)

stefan schmitzer

WAS ZUSAMMENGEHÖRT BRAUCHT NICHT ZU WACHSEN DAS IST ALLES SCHON ERLEDIGT ALLE IRGENDWIE ORGANISCHEN PROZESSE SIND SCHON GELAUFEN BEVOR WIR DIE BILD FLÄCHE BETRETEN UM WEIN ZU PREDIGEN UND WASSER ZU SAUFEN

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HAST DU BEGRIFFEN WAS DAS HEISST ALSO THEORIE BILDUNG? HAST DU BEGRIFFEN WAS DAS HEISST ALSO BILDUNGS THEORIE? DA TRETEN WIR INS ORGANISCHE MIT MÄCHTIGEN LEGENDENLENDEN

DA WO DIE PROZESSE ALLE SCHON GELAUFEN SIND DA TRETEN WIR MIT MACHT UND VOLKS WIRTSCHAFTLICHEN REDEWEISEN EIN HAST DU BEGRIFFEN WAS DAS HEISST DASS WIR DA EIN TRETEN WIR GLÜCKS FÄLLE? ALSO DA STEHEN DIE STRUKTUREN RUM NÄMLICH WIE DIE ZAUBERBÄUME STEHEN WIR RUM UND ZAUBERZAUDERN DIE LEGENDENLENDEN AUF UND AB UND AUF UND AB GESCHWOLLENE PURPUR SO UND SCHWEINCHENROSA SCHWELLUNGEN UND SCHRUMPFUNGEN PREDIGEN UND SAUFEN WEIN UND WASSER PROSA IN MEINEM TRAUM WAR DAS EIN PARKHAUS, EINE HELIX­ FÖRMIGE RIESEN-WASSERRUTSCHE, AUCH EIN MORDS­ TRUM BAUGERÜST MIT AUFGESPANNTEN TÜCHERN. DA FLOH ICH RAUF UND RUNTER. FLOH VOR ZOMBIES, WÖLFEN, BULLEN, IMMER JEDOCH WESEN MIT GELB UND BRÜCHIG GEWORDENER HAUT, DURCH DIE WAS HINDURCHSCHIEN. ICH NAHM ABZWEIGUNGEN, ICH BETRAT KAMMERN, DA

WOHNTE ICH DANN, SKYPTE, LAS UND MASTURBIERTE, BIS DIE MISTVIECHER WIEDERKAMEN UND DIE FLUCHT WEITERGING. DA KANNTE ICH MICH NICHT MEHR, DA WEHRTE ICH MICH MIT KÜCHENMESSERN, DA ERWACHTE ICH UND DACHTE MIR, DARAUS DEN NÄCHSTEN FETTEN ACTIONFILM ZU MACHEN. SO WAR DAS, SO WAR YGGDRASIL. HAST DU BEGRIFFEN WAS DAS HEISST ALSO BILDUNGS THEORIE ALSO DENK DIR UNS MARMORN DENK DIR UNSERE FRESSEN MARMORN UND VERSCHLACKT DA WIRD NICHT GEHOBELT DA FALLEN KEINE SPÄNE DA WIRD

UND WIEDER MAL ALLES SCHON VORÜBER IST SO: WELT: IN TRÜMMERN STRANDBAR: IN TRÜMMERN GESICHTSZÜGE: IN TRÜMMERN WEINFLASCHEN: NEIN NICHT IN TRÜMMERN DAS SIND DANN JA WOHL EHER SCHERBEN.

GEMEISSELT GEDRILLT GEHAUEN DA STEHT DANN STAUB IN DER LUFT DAS IST DIE BILDUNGS THEORIE DES EINUND ZWANZIGSTEN BEZIRKS

WO WIR EINTRETEN WIRD IMMER ALLES SCHON VORÜBER SEIN UND DIE RESTE DIE RELIKTE DIE ARTE FAKTE UNTER BROCHENEN ZUSAMMEN WUCHSES WERDEN SUPER AUSSCHAUEN WENN WIR SIE IN MARMOR HÄNDEN WENDEN WIR ZEIGEN SIE DANN AUCH EINANDER WO WIR EINTRETEN WIE EIN TEAM AUSM FERNSEHEN DA PASSIERT NICHTS MEHR

DENK DIR UNS MARMORN DENK DIR EINE THEORIE BILDUNG DIE IN RECHNUNG STELLT WIE COOL WIR SIND WIE FEIN ZISELIERT DIESE FINGERCHENGESTEN WIE TRADEMARK DIESE MOVES SIND UND WIE WENIG DEM ENTGEHT DA ZING DIR DAS MAL WIR WENN WIR DIE BILDFLÄCHE BETRETEN STELLEN DIE FALSCHEN FRAGEN WIR STELLEN ZEUG IN DER GEGEND RUM WIR GLÜCKS LEGENDEN LENDEN FÄLLE TIEFERE NACHT WAR NIE. TIEFERE NACHT UND KLARERE TRÄUME WAREN NIE. OB DAS EINE

MIT DEM ANDERN

IRGENDWIE... ? 95

das pappnasen lied

Eine Einreichung Zum Geleit Der folgende Text wurde, als Litanei vorgetragen durch den Autor und unterlegt mit vage mittelalterlichem Gesang von Sophie Reyer, auch insbesondere akzentuiert durch die regelmäßige Verwendung von Faschingströten, beim „FM4Protestsongcontest“ 2010 eingereicht. Daß er es nicht mal in die Vorausscheidung schaffte, erklärt sich der Verfasser mit mangelnder Aufnahmequalität sowie dem Umstand, daß dem Gebilde die insgesamt investierte Arbeitszeit (ca. 2h inkl. Verfassen des Textes) deutlich anzumerken war.

stefan schmitzer

Der Gedanke liegt nahe, der deutschen LeserInnenschaft zu erläutern, was „FM4“ ist bzw. gern wäre: Jener staatliche Radiosender, der sich vor 15 Jahren als Projekt einer Generation von Sub- und Popkultur-bewegtem Personal etabliert hat. Daß es den Begriff einer „FM4-Kultur“ als Beschreibung eines bestimmten österreichspezifischen Sub-Sets kreativer Hervorbringungen und angeschlossener Lebensgefühlsblähungen tatsächlich gibt, ist ein in diesem Zusammenhang ausagekräftiges Faktum.

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der Ausruf „Oida Fetzn“ („Alter Fetzen“) schließlich ist ein Austriazismus, der Ungläubig- und/oder -willigkeit markiert.

Das Pappnasen-Lied oida fetzn protestsongcontest wenn ich das schon höre die event-gewordene hilflosigkeit der besitzer von rest-rückgrat in der medienbranche der event-gewordene sieg der absahner-nasen mit dem aufgeklärten machthaber-humor das event-gewordene kulturindustrie-kapitel aus der „dialektik der aufklärung“ protestsongcontest unüberbietbar wie auch noch das wirklich allerletzte bißchen vom kritischen potential der gattung popularmusik durch den fleischwolf leicht durchschaubarer interessen gedreht wird protestsongcontest nicht wahr die abgeklärte ironie dieses entspannte eh-schon-wissen-man-steht-drüber man weiß um die beschränkungen des mediums und ist auch noch stolz drauf sich einen bunten abend „mit politischem anliegen“ zu machen protestsoncontest ach herrje die berauschung am effekt der bekanntlich laut ritchie wagner die wirkung ohne ursache ist also am effekt von „protest“ wurscht gegen was das ist die nostalgie von ein paar hanseln nach den zeiten als man noch ernstgenommen wurde protestsongcontest gellja das war damals natürlich super als mediale drehscheibe unter anderem der subkulturen eine street-credibility zu geniessen dabei aber ein budget zu haben mit dem sich die raten zahlen lassen für das haus und das auto und die ganzen anderen sachzwänge protestsongcontest da möchte man gar nicht wissen was schlimmer ist die vorstellung, irgendwelche armen würschtln nehmen die scheiße für einen ernsthaften versuch auf den politischen diskurs den politischen prozess einzuwirken protestsoncontest oder andererseits die vorstellung, daß das betrieben wird, obwohl eh klar ist, daß das hier niemand mehr ernst nimmt, weils zwar schon noch um credibility geht, aber doch um die bei den fördergebern, also bei staat und werbewirtschaft und unterhaltungsindustrie ganz allgemein protestsongcontest das ist, ich wiederhole, entweder die hervorbringung armer würschtln für arme würschtln oder eine noch zynischere scheiße als die steuerzahlerwitze die sich karl-heinz grasser und uwe scheuch in der champagnersauna erzählen protestsongcontest nehmt es zur kenntnis ihr fm4-typen ihr sucht euch eure mitarbeiter jetzt über asessment-center was ihr an journalismus im angebot habt ist hofratswitwentauglicher als bei ö1 und ihr wollt euch mit so ein bissl kasperletheater ernsthaft die credibility aufpolieren 97

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protestsongcontest wenn ich das schon höre diese vorschubleisterei für die faulen ausreden die bei der hofrats-witwen-artig-werdung einer ganzen generation so anfallen oder wem soll das denn bitte nutzen protestsongcontest ich kapituliere ich empfehle jedem sich aufgrund seines konsumverhaltens links dünkenden menschen dringend adorno zur lektüre an und wenn dann noch zeit ist willi reich und georg friedrich wilhelm hegel protestsongcontest ach halt die schnauze hört doch lieber schönberg ihr pappnasen oder schaltet zumindest um auf ö3 da gibts wenigstens aktuelle verkehrsmeldungen pappnasen pappnasen pappnasen pappnasen pappnasen pappnasen protestsongcontest geht doch mal was arbeiten leute auf den bau oder in den einzelhandel und da könntet ihr zum beispiel der gewerkschaft beitreten und betriebsratsstrukturen befördern dann reden wir weiter protestsongcontest oder reden wir mal über euer so strunzdummes wie gefährliches mittelständler-unbehagen diese ganze wischiwaschi-unmittelbarkeitssüchtige zivilisationskritik kiffen ist kein argument weniger besen im arsch zu haben als stefan petzner ist auch keins protestsongcontest mehr als diese liedchen die wir hier machen würde es nutzen sich mal hinzusetzen und die vwl-einführungsvorlesungen zu besuchen beziehungsweise smith keynes marx zur abwechslung auch mal zu lesen protestsongcontest und denen die genau wissen was für ein schaß das hier ist und die den trotzdem durchziehen weil das ja „besser als nichts“ sei womit sie meinen „bringt mir grad mehr geld und/oder distinktionsgewinn“ denen empfehle ich eine umschulung zum beachvolleyball-profi protestsongcontest das ist nämlich nicht besser als nichts das ist bei weitem schlimmer als nichts von nichts kommt wenigstens nur nichts vom protestsongcontest aber kommt dummheit die sich auch noch gewieft dünkt protestsongcontest ach geh doch lulu du witz der herrscher über ihre pausenclowns wär übrigens schön wenn wir gewinnen würden wenn schon nur zur veranschaulichung wie wurscht das ist was hier inhaltlich gespielt wird

(1) VORHER bedienungsanleitung zum projekt „welt.geist.hammer“

geplant ist eine installation mit leseecke zur kritik

der musealisierung von revolte, positiv auf das konzept des fortschritts bezogen und negativ auf den theoretischen humbug, der versuchen zugrundeliegt, facetten der geschichtlichen gegenkulturen nebeneinanderzuordnen wie bilder einer ausstellung…

notizen zu einem ausstellungsbeitrag

notizen zu einem ausstellungsbeitrag

was passiert? —— schmitzer in einem raum mit monitoren, büchern, leeren stellwänden, macht sich selbst zum ausstellungsstück. schmitzer am lesen, grübeln, kaffeetrinken, tratschen. aus der haltung des rumsitzens-im-ausstellungsraum heraus verändert er den raum in zwei weisen. erstens: beschriftung von stellwänden mit mindmaps zur kritischen theorie, unter besonderer berücksichtigung (a) der gegebenen ökonomischen basis im „kulturellen feld“ („welt“, 2.juni), (b) der geschichte von revolte und repressiver toleranz („geist“, 2. juli) sowie (c) der frage nach strategisch sinnvollen handlungsmaximen („hammer“, 2. august). zweitens: videoloopisierung des geschehens. einordnung des kategorie wie jeder beliebige schnipsel fernsehscheisse, der auf den monitoren sonst noch läuft. in weiterer folge: eingemeindung der monitore in die welt des zu traktierenden mobiliars.

irgendwann im laufe der performances werden die

monitore dran glauben müssen, die wände vollgeschrieben und der raum mit kaffee, asche und pizzaresten vollgesaut sein.

die abschlussperformance am 13. august (30.

stefan schmitzer

„nachdenkenden“ bzw. „schreibenden“ schmitzer in die selbe

geburtstag des performers und karl-liebknecht-jubiläum) wird in form eines saufgelages-als-ausstellungsstück der frage

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nachgehen, ob es stimmt, dass, „wer mit 30 noch kommunist ist, kein hirn hat“ (vgl. empirische methode)… was soll das alles? —— sinnlich fassbar gemacht soll ein bestimmter dialektischer umschlagpunkt werden: jener punkt, an dem eine kritik an der eingemeindung fortschrittlicher bzw. revolutionärer impulse in den einheitsbrei der museums-, festival- oder sonstwie offiziösen kultur ihrerseits eingemeindet wird. vorgeführt wird also jener biographische (dh. selbstvermarktungs-) ansatz vom „wahren leben im falschen“, der natürlich nicht „klappt“, aber in vielen fällen durchaus die miete zahlt (vgl. kulturbetrieb).

der performer bemüht sich, in möglichst exakt der

selben weise wie das festival „absolutely free ’09“ als ganzes am klaffenden widerspruch zwischen sein und bewusstsein zu scheitern. wo kommt die „leseecke“ ins spiel? —— haufenweise gute bücher aus der geschichte fortschrittlicher theorien liegen als teil der installation rum. sie sind durchaus dazu gedacht, vor ort vom interessierten publikum gelesen zu werden (vgl. öffentlichrechtlicher auftrag). auch hierin wird das auf allen ebenen analoge scheitern manifest werden, weil natürlich keine sau es sich antun wird, im ausstellungskontext ernsthafte lektüre zu betreiben…

(2) NACHHER

der obige text („bedienungsanleitung“) war

meine einreichung zur teilnahme an „absolutely free ’09. der woodstock-effekt.“, einer ausstellung, welche in den räumlichkeiten des landesmuseums joaneum den folgen von „1969“ in kunst und subkultur nachgehen wollte und zu diesem zweck (a) exponate zu leben und treiben lokaler „zeitzeugen“ und (b) arbeiten „junger künstler“ bis max. 30 jahren versammelte. unangenehm augenfällig war die insistenz auf das unpolitisch-lebensgefühlige im gegensatz zu einer kritischen geschichtsbetrachtung und/oder ästhetischen analyse. es folgt eine kleine auflistung der abweichungen der realen installation vom konzept, also: eine kleine dokumentation des plangemäßen scheiterns.



***

(1) der im konzept beschriebene „raum“ wurde schnell in ein offenes, „bühnen“artiges konstrukt umgewandelt: man beschloß seitens der ausstellungsleitung zwei tage vor der eröffnung, daß der schon fertig gebaute, konzeptgemäß nicht von außen einsehbare raum „zu klaustrophobisch“ und daher von den haustechnikern abzureissen und neu – nach maßgabe des „raumkonzepts“ – zu errichten sei. (2) rund um die uhr vor ort zu hausen, war dem installationsbastler verwehrt – rauchverbote und insbesondere versicherungsrücksichten („über nacht darf nur die security im haus sein“) wurden angeführt. (3) aus dem gleichen grund fand das angekündigte abschlußgelage nicht statt. (4) wiederum aus dem gleichen gleichen grund war es nicht sinnvoll möglich, die installation in sozusagen „organischer“ weise über drei monate hin kaputtzuwohnen und versiffen zu lassen. eifriges putzpersonal, das pizzaschachteln, apfelreste und kaffeebecher anfangs noch allabendlich entfernte, konnte zwar davon überzeugt werden, daß es sich bei dem dreck um „kunst“ handle. doch wurde es mir zu blöd, täglich ins joaneum zu pilgern, nur, um dreck zu machen.

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(5) aus dem nochmal gleichen grund war es auch nicht denkbar, die stellwände langsam, über wochen hin, zu beschriften. statt dessen legte ich monatliche schreib-performance-tage ein, je 1 für 1 wand. (6) was ich nicht vermochte – immer wieder mal gelegentlich 1 satz oder wort an die wände zu schreiben – dem ausstellungspublikum war es möglich. die kombination „leere wand“ und „herumliegende filzstifte“ war offenbar für so mancheN unwiderstehlich. dem grundtenor der ausstellung und also der grundhaltung des kernpublikums entsprechend, waren art und qualität der so verewigten sprüche in der art von „lebe deine träume, aber träume nicht dein leben!“. (7) die im konzept angekündigte „feedbackschleife“ ließ ich stillschweigend unter den tisch fallen, um mir arbeit zu ersparen. (8) jener der drei monitore, auf dem ein film namens „analzerstörung 3“ im loop laufen sollte (parallel zu einer CSI-doppelfolge und dem 70er-jahre-sci-fi-ding „flash gordon“), blieb ab dem tag nach der eröffnung schwarz – die dvd war in meiner abwesenheit entfernt worden. (9) das zum scheitern verurteilte angebot ans publikum, sich in der ausstellung zum lesen „linker klassiker“ niederzulassen, scheiterte zwar, aber aus anderen als den erwarteten gründen: ich hatte nicht bedacht, daß die ausstellung 7 € eintritt kosten würde, ein betrag, den man nicht täglich zahlt, um je einige seiten weiter lesen zu können.



***

alles in allem: operation gelungen, patient tot. wie stark die sachzwanggesteuerte veränderung eines „kritisch gemeinten“ endprodukts im affirmativen betrieb ideologischen charakter hat, konnte allerdings am besten nicht an meiner eigenen, sondern einer benachbarten installation beobachtet werden: dem beitrag eines hoch reflektierten landkommunen-kollektivs nämlich, in welchem rosa styroporwolken mit linken symbolen darauf als ironischer kontrast neben die dokumentation harter, geistloser knochenarbeit in der landwirtschaft gestellt waren… bzw. das wäre der plan gewesen.

da die ausstellungsleitung aber beschlossen hatte, daß „landkommunen“ irgendwas mit „schamanismus“ zu tun hätten, wurde im selben raum auch der beitrag einer wiener „schamanengruppe“ untergebracht, die nun ihrerseits beschloß, daß rosa wolken mit politischen symbolen den geistern, die sie herbeizurufen gedachten, nicht zugemutet werden könnten (es handelt sich hier nicht um spott und spekulation meinerseits dies wurde offen so ausgesprochen). weshalb die „schamanen“ die wolken des anstoßes abmontierten. wogegen sich die landkommune, da bereits wieder zuhause mit landwirtchaftlicher arbeit beschäftigt, nicht mehr wehren konnte… eine der begründungen für diese verfahrensweise war, daß, wer sich mehr „einbringe“ (also: vor ort sei), ganz selbstverständich die ausstellung stärker präge. daß eine solche egalitäre selbstorganisation von arbeitsvorgängen, wie sie die wortwahl „sich einbringen“ verrät, unter den bedingungen eines großmuseums mit seinen ganz herkömmlichen hierarchie- und abrechnungs-modi kaum mehr als eben die ideologie sein kann, mit der organisatorische fehlentscheidungen (schamanen zur landkommune) gerechtfertigt werden, wurde deutlich. ausdrücklich muß darauf hingewiesen sind, daß das rahmenprogramm („neuland“) mit podiumsdiskussionen, brunches und offenem treffpunkt im innenhof des joaneums, welches bestritten wurde von „echten“ akteuren der „grazer subkultur“ (also vermutlich kostenfrei für das joaneum), sich um einiges reflektierter UND lebendiger anließ als das schwammige kunst-/ historien-ausstellungs-mischmasch in den innenräumen.

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