Pfingsten 2016 - Dompfarre St. Stephan

Pfingsten 2016 - Dompfarre St. Stephan

71. JAHRGANG · NR. 1 · PFINGSTEN 2016 Pfarrblatt Geist, der Hoffnung schenkt Schwerpunkt Dompfarre Spirituelles Literatur Über das Phänomen Angst u...

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71. JAHRGANG · NR. 1 · PFINGSTEN 2016

Pfarrblatt

Geist, der Hoffnung schenkt Schwerpunkt Dompfarre Spirituelles Literatur

Über das Phänomen Angst und die Erfahrung der Hoffnung Stadtgespräch · Firm- und Erstkommunionvorbereitung · Blitzlichter Heiliger Judas Thaddäus · Marienmonat Mai Franz-Joseph Huainigg: »Mit Mut zum Glück. Das Leben wagen«

PB Pfingsten 2016 26.04.16 10:59 Seite 2

Editorial

■ Editorial

2

■ Wort des Dompfarrers

3

■ Christus – Hoffnung der Welt

4

■ Zeichen der Hoffnung

5

■ Angst und Hoffnung im Alten Testament

6

■ Ich habe Angst …

7

■ Die Jünger Jesu – von Angsthasen zu Hoffnungsträgern 8 ■ Autorenverzeichnis

9

■ Der Denker deiner Gedanken

10

■ Geist, der Hoffnung schenkt

11

■ Die Wiener Nuklearvereinbarung mit dem Iran 12 ■ Gemeinsam für den Klimaschutz 13 ■ Angst ist stärker als Hoffnung

14

■ Hoffnungslicht

15

■ Ein kleines Stück Hoffnung

16

■ Wenn die gute Hoffnung stirbt 17

Grüß Gott! Kennen Sie den Begriff „Ich-Pleite“? Es ist der Titel einer Kolumne in der Kulturbeilage einer österreichischen Tageszeitung, in der die weibliche Kolumnistin über die Unvollkommenheiten des Alltags philosophiert. Ich lese diese Kolumne gerne, weil ich mich oft darin wiedererkenne - schon allein im Titel. Vielleicht ist es eine typisch weibliche Eigenschaft, Fehler zuerst bei sich selbst zu suchen und diese dann auch noch öffentlich einzugestehen, aber meine größte persönliche Niederlage der letzten Zeit war, als mir einer meiner Söhne kurz vor Ostern erklärte: „Mama, deine Beichte gestern in der Kirche hat nix geholfen!“ Ich schluckte. Er hatte Recht: Ich wollte (wieder) einmal einen Schlussstrich ziehen, hatte mir vorgenommen, etwas nicht mehr zu tun, aber schon am nächsten Tag ist es mir wieder passiert. Ein vernichtendes Urteil aus dem Mund meines Kindes. Dabei ist es mir sehr wichtig, regelmäßig innezuhalten, mein Leben zu reflektieren, um schließlich in einem Beichtgespräch alle Unebenheiten meines Lebensweges und die Schlaglöcher, die mein persönliches Versagen manchmal hinterlassen, in die liebenden Hände Gottes zu legen. Für einen Augenblick schien mir nun mein ganzes Bemühen zwecklos – jedoch nur kurz, dann musste ich herzlich über die Offenheit meines Kindes lachen.

■ Luftsprünge

18

■ Als Integrationsbotschafter für eine gerechte Welt

19

■ »Was gibt Ihnen Hoffnung?«

20

■ Stadtgespräch

22

■ Blitzlichter

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■ Vom Fastentuch

25

■ Nachruf Alexander Glück

26

■ Steffl-Kirtag

26

■ Aus Freude am Anderen

27

■ Vor 60 Jahren

28

■ Tänze aus aller Welt

29

■ Heuer zwei Flohmärkte

29

■ Erstkommunionsvorbereitung

30

Stimmungen

■ Mai – »der Monat Mariä«

32

■ Der heilige Judas Thaddäus

34

■ Chronik

36

■ Informationen für Ahnenund Geschichtsforscher

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■ Mit Mut zum Glück. Das Leben wagen

38

■ »Und schaut der Steffl lächelnd auf uns nieder …«

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Es gibt diese Momente, wo einem alles zwecklos erscheint: alle persönlichen Bemühungen sowie die Unzahl der Solidaritätsprojekte, Hilfsprogramme, Friedensverhandlungen etc. Man strengt sich an, es bringt jedoch wenig Erfolg. „Wie ist die Stimmung? Nicht so gut. Von Zuversicht kann keine Rede sein“, meint der deutsche Soziologe Heinz Bude über die aktuelle Gefühlslage unserer Gesell-

■ Einige Termine zum Vormerken 40 ■ Zum Nachdenken…

44

■ Impressum

44

schaft angesichts der Herausforderungen, die auf Europa zukommen. In so einer Stimmung macht sich schnell Angst breit. Es ist daher gut, sich mit dem Phänomen Angst und all seinen vielen Facetten zu beschäftigen. Die Heilige Schrift berichtet oft von Menschen in ihren Ängsten und Nöten, aber auch von ihren Hoffnungen und dem Vertrauen in Gott, dem Gott, der ihnen die Furcht nimmt und ihrem Leben eine Perspektive gibt. Unlängst hörte ich in einer Predigt den Gedanken, was der entscheidende Unterschied zwischen einem Menschen, der schwimmen kann, und einem Nichtschwimmer beim Anblick von Wasser sei: Der Nichtschwimmer hat Angst. Er hat Angst, weil er weiß, dass das Wasser ihn in die Tiefe ziehen kann. Derjenige, der schwimmen kann, weiß um die Gefahren des Wassers, hat aber keine

Hinweis der Redaktion. Wir bitten Autoren und Leser um Verständnis, dass wir aus Gründen der besseren Lesbarkeit und der Unversehrtheit der Sprache Bezeichnungen wie „Christ“, „Katholik“ etc. so wie das ebenfalls grammatikalisch maskuline Wort Mensch als inklusiv, also geschlechtsneutral verstehen und verwenden.

Tielseite: Der Hl. Geist als Taube. Ausschnitt aus dem Bild „Mariä Verkündigung“ (um 1596/1600) von dem Maler El Greco (Domenikos Theotokópoulos) © Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

2 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016

Foto: privat

Inhalt

PB Pfingsten 2016 26.04.16 10:59 Seite 3

Wort des Dompfarrers

Liebe Freunde! Angst, denn er weiß: er geht nicht unter, er muss sich nur vom Wasser tragen lassen – so kann die Bewegung im Wasser zur echten Freude werden.

Hoffnungsgeschichten Von Papst Johannes XXIII. kennen wir die ermutigenden Worte: Frage nicht deine Ängste um Rat, sondern deine Hoffnungen und Träume. Denke nicht über Enttäuschungen nach, sondern über deine ungenutzten Möglichkeiten. Denke nicht an das, worin Du versagt hast und gescheitert bist, sondern welche Möglichkeiten dir noch offenstehen. In diesem Pfarrblatt finden Sie Beispiele aus der Politik wie auch aus persönlichen Biographien, wo Menschen sich eben nicht von den Schicksalsschlägen des Lebens oder Misserfolgen in die Tiefe ziehen haben lassen. Es sind Geschichten von Menschen, die im wahrsten Sinn des Wortes „guter Hoffnung“ sind, die das Leben in sich tragen. Mögen wir uns von diesen Hoffnungsgeschichten anstecken lassen. Zu Ostern feiern wir, dass die Liebe und das Leben stärker sind als der Tod. Das Pfingstfest hilft uns, aus dieser Hoffnung zu leben und die Freude an andere weiterzugeben – Gott lässt uns dabei nicht allein, er trägt uns. Sein Geist steht uns bei, wir brauchen gar nicht so viel tun – uns nur tragen lassen.

Ihre Birgit Staudinger

Foto: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Reaktionen. Wenn Sie uns etwas mitteilen wollen, zögern Sie nicht: Schreiben Sie an: Dompfarre St. Stephan, „Pfarrblatt“, Stephansplatz 3, A-1010 Wien, oder per E-Mail: [email protected]

Angst geht um Die Angst geht wieder um. Ich könnte mich den ganzen Tag damit beschäftigen, mich vor allen möglichen und unmöglichen Katastrophen zu fürchten. Die Gefahrenlage wächst in der ganzen Welt. Und natürlich sind Flughäfen, Bahnhöfe oder solche stadtbestimmenden Touristenattraktionen wie unser Stephansdom auch solchen Gefahren ausgesetzt. Im Gespräch mit den berufenen Beamten des Innenministeriums und der Wiener Polizei wurde manches an Gefahrenlagen relativiert. Natürlich höchste Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, aber bitte keine Hysterie und aufwendige Sicherheitsmaßnahmen, die gegen die wirkliche Gefahr doch nur einen Placebo Effekt darstellen. Unsere Aufgabe als Kirche kann nicht darin bestehen, das allgemeine Angstgemenge noch zu verstärken.

Empfangt den Heiligen Geist Da gilt mir die Zusage des auferstandenen Herrn an die verschreckten Jünger nach Ostern noch mehr: „Der Friede sei mit euch! Empfangt den Heiligen Geist!“ Und durch diese Kraft von oben kann sogar Schuld vergeben werden. Ja sogar schwere Schuld, bis hin zu einem verpfuschten Leben, das am Ende doch noch die letzte Gelegenheit nützt, sich für das Leben zu entscheiden, und nicht für die todbringende Gewalt. Die Jünger erfahren die ganze Osterzeit hindurch diese Zusage des auferstandenen Herrn, aber trotzdem waren sie sich noch unsicher. Erst die Gabe des sie überwältigenden Geistes, hat sie aus ihrer Verschlossenheit und Ängstlichkeit aufgewirbelt und zu einem brennenden Zeugnis der Liebe und Hoffnung entflammt. Ich bin sehr froh und dankbar in einem Land zu leben, wo wir auf die gute und bewährte Arbeit unserer Polizei und unseres Heers fest zählen können. Sie verdienen unseren größten Respekt und jegliche Unterstützung. Aber wir brauchen ihnen nicht ihre Arbeit abzunehmen, und uns in so lähmende Gespräche und Überlegungen zu verlieren, vor wem

und welcher Situation wir noch mehr Angst haben müssten. Wir erbitten immer wieder neu den Geist, der Hoffnung schenkt. Inmitten dieser Welt, die ehrlicherweise immer eine gefährliche Mischung aus Gutem und Bösen war. Wenn auch Heraklit betonte, dass der Krieg der Vater aller Dinge ist, – wir dürfen auf das Prinzip Hoffnung setzen.

Dompfarrer Toni Faber Es ist Zeit Es ist Zeit den Wind der Hoffnung hindurchwehen zu lassen: Deine Zukunft hat angefangen Es ist Zeit den Fußweg über die wankende Brücke der Sprache zu gehen: Du wirst ankommen Es ist Zeit Türen zu öffnen, Straßen zu begehen: lauschend wartet Deine Stadt Es ist Zeit Feuer und Flamme zu sein: Erhebe fröhlich dein Herz Joop Roeland

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016 3

PB Pfingsten 2016 26.04.16 10:59 Seite 4

Geist, der Hoffnung schenkt

Christus – Hoffnung der Welt Von Diözesanbischof emeritus Egon Kapellari

In der heute global und zumal auch in Europa weithin wieder einmal sehr instabilen Situation ist die Kraft zu einer tätigen Hoffnung gegen Furcht, Müdigkeit und Gleichgültigkeit besonders herausgefordert. Und die Christen sind inmitten der Zivilgesellschaft ihres jeweiligen Landes und weltweit angefragt, ob sie etwas zu hoffen haben. Etwas, das sie einerseits mit Menschen anderen Glaubens oder auch mit Menschen ohne einen religiösen Glauben verbindet, und ob sie andererseits darüber hinaus einen besonderen Grund zur Hoffnung haben, der sie drängt, dies anderen Menschen einladend, ja geradezu missionarisch, mitzuteilen durch die Praxis ihres Lebens, aber auch durch Worte und Argumente. Der erste Petrusbrief des Neuen Testaments mahnt dazu mit den Worten: „Fürchtet euch nicht … haltet in euren Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1 Pet 3, 14-15). Der alles zusammenfassende und überbietende Grund für eine profund christliche Hoffnung hat einen Namen: den Namen Jesus Christus. Das diesjährige pfingstliche Pfarrblatt der Wiener Dompfarre St. Stephan ist dem Generalthema „Geist, der Hoffnung schenkt“ gewidmet. Klarerweise geht es dabei vor allem um den Heiligen Geist. Nach dem vermeintlichen Scheitern Jesu an seinem Karfreitag ist Jesus in eine andere Seins-Weise auferstanden. Er hat seine Jünger und die ihm getreuen Frauen so zu einer neuen und

Christen uneingeschränkt mitfreuen. Aber in der Sicht unseres christlichen Glaubens ist Ostern nicht nur ein Frühlingsfest, ein willkommener Anlass zu Osterspaziergängen und zur Entlüftung von Kleidern und Seelen. Ostern ist ja die Feier eines unerhörten Sieges: Das Lamm Gottes war stärker als die Menschenwölfe, das Licht Gottes stärker als die Finsternis, die Heiligkeit des Gottes- und Menschensohnes stärker als die Sünde der Welt, das Leben stärker als der Tod. Für viele Menschen heute erscheint der Osterglaube an die Auferstehung Christi als eine Art von Märchen, das mit einem heutigen Weltbild nicht vereinbar ist. Jesus gilt ihnen als großer, als vielleicht größter Mensch, aber nicht als

Der Auferstandene Christus. Darstellung in der Pfarre Auferstehung Christi in Wien

4 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016

Fotos: Kapellari: Christian Jungwirth | Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Diözesanbischof emeritus Egon Kapellari, Graz-Seckau

bleibenden Gemeinschaft verbunden, zur Kirche. Beim ersten Pfingstfest in Jerusalem hat der Heilige Geist diese kleine und noch furchtsame Urgemeinde aus einem Glutnest in ein springendes Feuer verwandelt. Die Kirche feiert die Erinnerung daran alljährlich besonders am Pfingstfest. Aber Pfingsten gäbe es nicht, wenn es nicht vorher Ostern gäbe. Ostern und Pfingsten sind für viele Menschen heute vor allem Feste der Natur, Frühlingsfeste. Goethe hat dies in der Beschreibung eines Osterspaziergangs im Drama Faust und im Epos Reineke Fuchs vorweggenommen: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“ und „Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen.“ An all dem können und sollen wir uns als

PB Pfingsten 2016 26.04.16 10:59 Seite 5

Zeichen der Hoffnung

Foto: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Von Domkustos Josef Weismayer

Gott von Gott, als Gottmensch. Es bleibt von ihm dann die Christenheit als eine spirituell-ethisch respektable Jesusbewegung im Panorama der Weltreligionen und philosophischer Weltdeutungen. Die Menschheit im Ganzen hat sich aber mit dem Tod als definitives Ende menschlicher Existenz immer wieder nicht abgefunden und tut es auch heute nicht. Der diesbezüglich oft angefochtene christliche Glaube sagt, dass der Mensch im Sterben nicht ins Nichts fällt, sondern durch eine Läuterung hindurch, die sich schon zu Lebzeiten vielgestaltig immer wieder vollzieht, bildhaft gesprochen, in die Hände Gottes. Der christliche Glaube hält also gegen alle Zweifel und Einreden daran fest, dass unsere Toten nicht nur in unserem so endlichen Gedächtnis bewahrt bleiben, sondern in Gott, und dass ihnen dies über alle darauf bezogenen Worte und Bilder hinaus eine Wirklichkeit gibt, die wirklicher ist als unsere handgreiflich erfahrbare Welt. Dieser christliche Glaube wurzelt im Glauben an die Auferstehung Jesu, die wie ein gewaltiges Licht in die Vergangenheit vorher und in alle Zukunft der Menschheit hinein geleuchtet hat und leuchtet. Auch und vor allem in dieser Sicht ist Jesus der Angelpunkt der Weltgeschichte und die Mitte des Universums. Der russische Philosoph Wladimir Solowjow hat vor mehr als 100 Jahren den Skeptikern seiner Zeit gesagt: „Wenn Christus, der Reinste und Heiligste von allen, die je gelebt haben, bei den Toten geblieben wäre, wenn er, der Sohn Gottes selbst, nicht auferstanden wäre, dann hätten Kaiphas und Herodes Recht gehabt und Pilatus hätte sich als klug erwiesen. Dann wäre die Welt für immer ein Reich des Truges. Nun aber“ – so fügte Solowjow christlich bekennend hinzu – „nun aber ist Christus auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden“. Das ist seit altersher und bis heute der Ostergruß russischer Christen. ■

Prälat Josef Weismayer ist Domkustos und em. Professor für Dogmatik In unserer Welt scheint es heute nicht viele Anzeichen der Hoffnung zu geben. Ich denke nur an die Bedrohung durch den internationalen Terror, an die schier unlösbare Flüchtlingsfrage, an den nicht mehr wegzuleugnenden Klimawandel. Gibt es Hoffnung für diese Welt? Kann die Kirche wirklich Wege der Hoffnung zeigen? Der Schwerpunkt der meisten Dokumente des 2. Vatikanischen Konzils war die Kirche selbst, ihr tiefstes Wesen, ihre Aufgaben, die verschiedenen Berufungen und Dienste. Aber einige Dokumente haben den Blick über den Zaun hinaus gerichtet, auf das konkrete Leben und Dasein in unserer Welt. Ich denke da besonders an die Erklärung über die Religionsfreiheit „Dignitatis humanae“, an das Dokument über das Verhältnis der Kirche zu den Nichtchristlichen Religionen „Nostra aetate“, aber vor allem an die Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et spes“. Dieses Dokument entstand während der Konzilsarbeit, dafür gab es keine Vorentwürfe. Es ist das umfangreichste Dokument, das je ein Konzil verabschiedet hat. „Gaudium et spes“ ist nicht ein Dokument der Abgrenzung von der Welt, in der wir leben, es ist ein Dokument der Hoffnung. Zu dieser Welt auf Distanz gehen, war in der zweiten Hälfte des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitgehend die Tendenz der Kirche. Man meinte damit, der Mahnung des heiligen Paulus zu folgen: „Gleicht euch nicht dieser Welt an!“ (Röm 12,2) Diese Welt ist nach dem Glauben der Christen durch die

Liebe des Schöpfers begründet, aber sie ist unter die Knechtschaft der Sünde geraten, von Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, durch Brechung der Herrschaft des Bösen befreit, bestimmt, umgestaltet zu werden und zur Vollendung zu kommen (vgl. Gaudium et spes 2). Die Kirche steht dieser Welt nicht gegenüber, sie gehört zu dieser Welt. Deshalb ist sie mit dieser Welt, mit ihren Freuden und Hoffnungen, aber auch mit ihrer Trauer und Angst verbunden. Mit diesem Hinweis beginnt das Dokument. Die Kirche ist berufen, dieser Welt einen Dienst zu leisten, aber das Konzil spricht ebenfalls davon, dass die Kirche auch von der Welt Dienste erfährt. Wie gibt die Kirche Hoffnung für die Welt? Nicht indem wir nach Gottes Hilfe ausschauen, aber nur warten und die Hände in den Schoß legen. Die Kirche als von wirtschaftlichen Interessen und ideologischen Vorgaben unabhängige Größe kann Orientierung geben, auf Zusammenhänge aufmerksam machen und dabei die Ängste und Hoffnungen vieler zur Sprache bringen. Konkret denke ich da z.B. an die Enzyklika von Papst Franziskus „Laudato si“ über die Sorge für das gemeinsame Haus vom 24. Mai 2015. Aber jeder einzelne Christ und jede einzelne Christin kann mit vielen kleinen Schritten Hoffnung und Zuversicht schaffen. Jedes Bemühen um ein versöhntes menschliches Miteinander, um wahre Geschwisterlichkeit nicht nur in Worten, sondern im Tun ist ein Beitrag, der die mitmenschliche Atmosphäre verbessert. Die Christen haben durch die Hoffnung auf das Reich der Wahrheit und des Lebens, der Barmherzigkeit, der Liebe und des Friedens eine ungeheure Motivation, um Zeichen der Hoffnung in dieser Welt zu setzen. Wenn wir zu Pfingsten beten, dass der Heilige Geist das Angesicht der Erde erneuern möge, dann beten wir um Hoffnung für diese Welt, aber das bedeutet zugleich Ermutigung für uns, Zeichen der Hoffnung zu setzen. ■

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016 5

PB Pfingsten 2016 26.04.16 10:59 Seite 6

Geist, der Hoffnung schenkt

Angst und Hoffnung im Alten Testament Von Ludger Schwienhorst-Schönberger

Falsche Propheten Wenn mir ein grimmig dreinschauender Hund über den Weg läuft, bekomme ich hin und wieder Angst. Sein Besitzer sagt dann gewöhnlich: „Keine Angst! Der ist lieb, der tut nichts.“ So dachten auch die Bewohner Jerusalems zur Zeit des Propheten Zefanja von Gott: Der Herr ist lieb, er tut nichts: „Die dick geworden sind auf ihrer Hefe denken: Der Herr tut weder Gutes noch Böses“ (Zefanja 1,12). Will man diese Gedanken in einen profanen Kontext übersetzen, dann hieße das: Es kann zu Fehlentwicklungen

kommen, die ein Gemeinwesen in den Untergang stürzen. Eine Gesellschaft, ein Staat kann zusammenbrechen, Städte können erobert, ihre Bewohner getötet und vertrieben werden. All das hat Is-

Ludger Schwienhorst-Schönberger ist Professor für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der KatholischTheologischen Fakultät der Universität Wien rael am eigenen Leib erfahren. Die Propheten haben davor gewarnt. Doch ihre Warnungen wurden in den Wind geschlagen. Man hat auf die falschen Propheten gehört, auf die, die „Wein und Bier prophezeiten“ (Micha 2,11). Mit der Zerstörung Jerusalems ist das Unheil über die Stadt hereingebrochen. Auch Unschuldige sind davon betroffen: „Des Säuglings Zunge klebt an seinem Gaumen vor Durst. Kinder betteln um Brot; keiner bricht es ihnen“ (Klagelieder 4,4). Das Alte Testament ist realistisch und weiß, dass sich die Folgen individuellen und kollektiven Fehlverhaltens über Generationen hin auswirken. Es kennt das Phänomen transgenerationeller Traumata: „Unsere Väter haben gesündigt; sie sind nicht mehr. Wir müssen ihre Sünden tragen“ (Klagelieder 5,7).

Hoffnung auf Rettung? Ist die Situation aussichtslos? Gibt es keine Hoffnung auf Rettung? Zefanja gibt drei parallel formulierte Aufforderungen, die vielleicht sogar austauschbar sind: „Sucht den Herrn, ... sucht Gerechtigkeit, sucht Demut! Vielleicht bleibt ihr geborgen am Tag des Zornes

6 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016

des Herrn“ (2,3). Im Buch des Propheten Joël wird es noch kürzer gesagt: „Wer den Namen des Herrn anruft, wird gerettet“ (3,5). Daran erinnerte sich Petrus, als die Bewohner Jerusalems angesichts eines heftigen Sturmes außer sich gerieten und ratlos waren und zueinander sagten: „Was hat das zu bedeuten“? Petrus zitiert die Prophezeiung Joëls und schließt mit dem Satz: „Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet“ (Apg 2,21).

Am Ab-Grund Wenn die Stürme des Lebens hereinbrechen, bekommen viele Menschen Angst. Und das ist gut so. Sie spüren: Worauf sie vertraut hatten, hat offensichtlich keinen Bestand, es gerät ins Wanken. Ihr Vertrauen muss sich neu ausrichten. Sie müssen der Sache auf den Grund gehen. Der Grund des Lebens kommt uns oft erst in den Blick, wenn wir am Ab-Grund stehen. Um nicht abzustürzen, sollten wir (rechtzeitig) zu-Grunde gehen. Aber davor haben wir gewöhnlich Angst. Doch diese Angst, so sagt uns die Bibel, ist unbegründet. Gott ist der Grund unseres Lebens. Wenn Gott erscheint, dann gilt der Satz: „Fürchtet euch nicht!“ Auch daran erinnert sich Petrus zu Pfingsten. Er sagt es mit den Worten des Psalmisten: „Ich habe den Herrn beständig vor Augen. Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht. Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Zunge ... Du zeigst mir den Weg zum Leben, du erfüllst mich mit Freude vor deinem Angesicht“ (Apg 2,25-28). ■ Foto: Schwienhorst-Schönberger

Angst ist ein guter Ratgeber. Zumindest manchmal. Sie macht uns auf Gefahren aufmerksam. Wenn ich bei überhöhter Geschwindigkeit Angst bekomme, auf die Angst höre und die Geschwindigkeit reduziere, dann hat mir die Angst einen guten Dienst erwiesen. Wer durch Einnahme von Rauschmitteln die Angstschwelle senkt, begibt sich und andere in Gefahr. Auch die Bibel kennt eine positive Sicht der Angst. „Da jage ich den Menschen Angst ein, sodass sie wie blind umherlaufen; denn sie haben sich gegen den Herrn versündigt“, lesen wir beim Propheten Zefanja (1,17). Der Tag des Herrn, der nahe bevorsteht und der schnell herbeikommt, ist „ein Tag des Zornes (dies irae), ein Tag der Not und Bedrängnis, ein Tag des Krachens und Berstens, ein Tag des Dunkels und der Finsternis, ein Tag der Wolken und der schwarzen Nacht“ (Zefanja 1,15). Vor diesem „Tag des Zornes“ haben die Menschen offensichtlich keine Angst. Sie setzen auf die Sicherheit ihres Reichtums. Doch: „Weder ihr Silber noch ihr Gold kann sie retten am Tag des Zornes des Herrn“ (Zefanja 1,18). Um sie aus dieser falschen Sicherheit aufzuwecken, jagt Gott den Menschen Angst ein.

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Ich habe Angst … Psychotherapeutische Anmerkungen zu einem wichtigen Gefühl Von Provinzial P. Bernhard Bürgler SJ Die Atmung wird flach, das Herz beginnt zu rasen, wir schwitzen. Wir haben Angst. Jede und jeder hat es schon erlebt. Denn wie Freude, Trauer, Wut und Scham ist Angst ein menschliches Grundgefühl. Auch Glaubende bleiben nicht von Ängsten verschont. Wir können uns aber in ihnen – durch Jesus – mit Gott verbinden. In dieser Beziehung können wir Halt finden. Das ist eine große Lebensressource! Der Glaube an die Menschwerdung Gottes fordert uns aber zugleich heraus, alle „menschlichen“ Mittel zu nutzen, um mit der Angst leben zu lernen. Auch die Psychotherapie bietet uns dazu Hilfen. Aus dieser Sicht einige Anmerkungen zu einem menschlichen Grundgefühl.

Angst ist nicht gleich Angst

Fotos: C. Bargehr

Auch wenn sie sich im Erscheinungsbild meist ähnlich sind gibt es „gesunde“ und „kranke“ Ängste. Gesunde Ängste sind realitätsbezogen, in ihrem Ausmaß angemessen. Sie legen sich, wenn der angstmachende Anlass wegfällt. Begegnet mir ein großer Hund, der auf mich zuspringt, dann ist Angst eine normale Reaktion. Kranke Ängste aber sind nicht realitätsbezogen. Sie basieren auf einer falschen Zuschreibung und ihre (äußeren) Auslöser sind in Wirklichkeit nicht bedrohlich. Sie stellen eine Überreaktion dar und dauern auch dann noch an, wenn der Angstauslöser nicht mehr da ist.

Angststörungen und Angsterkrankungen Wenn Sie Angst haben über den Stephansplatz zu gehen, dann ist das nicht normal. Es kann darauf hinweisen, dass Sie unter Platzangst oder Agoraphobie leiden. In der Psychiatrie/Psychotherapie unterscheidet man im Allgemeinen drei verschiedene Formen von Angststörungen: Phobien, Panikzustände und generalisierte Angststörung. Bei Phobien ist die Angst an bestimmte Vorstellungen gebunden. Die angstauslösenden Situationen oder Orte sind den Menschen bekannt. Nur wenn sie sich ihnen aussetzen tritt Angst auf, nicht aber, wenn sie diese vermeiden. Panikzustände sind dagegen durch Angstanfälle charakterisiert, die über Menschen hereinbrechen. Ein Anlass dafür ist, zumindest nicht auf den ersten Blick, erkennbar. Von einer generalisierten Angststörung spricht man, wenn ein anhaltender und gegenstandsloser, wenngleich in seiner Intensität schwankender Angstzustand besteht.

Angst vor uns selbst Es gibt verschiedene Modelle zur Erklärung, wie „kranke“ Ängste entstehen, womit sie zusammenhängen. Kurz und bündig könnte man sagen, es handelt sich immer um Angst vor sich selbst. Un-

»Auch Glaubende bleiben nicht von Ängsten verschont. Wir können uns aber in ihnen – durch Jesus – mit Gott verbinden.« P. Bernhard Bürgler

bewusst haben wir Angst vor bestimmten Teilen von uns. Dabei handelt es sich um Affekte, meist um negative Affekte wie Ärger, Wut und Aggression. Da wir diese nicht ertragen und nicht zulassen können, weil sie zu bedrohlich sind, „verwandeln“ sie sich – oder wir sie – in

P. Bernhard Bürgler SJ ist Provinzial der Jesuiten Österreichs und Psychoanalytiker Angst. Was wir dann spüren ist die Angst. Was wir aber nicht spüren, sind die anderen, in uns schlummernden Gefühle und Affekte.

Wie damit umgehen? Meist tun wir etwas gegen die Angst. Worum es aber geht ist, dass wir mit ihr umgehen, aus der Angst etwas machen. Umgehen meint um die Angst „herumgehen“, sie von verschiedenen Seiten anschauen. Die gesunde Angst ist ein Schutzmechanismus, der uns hilft, in Gefahrensituationen angemessen zu reagieren. Kranke Ängste machen auf etwas aufmerksam, das in uns da ist und leben will. Es gilt dies zu entdecken und zu lernen, die verborgenen und uns unbekannten Selbstanteile, denen wir nicht entkommen können, zuzulassen, zu akzeptieren und uns mit ihnen zu versöhnen. Es muss nicht sein, dass unser Leben durch kranke Ängste eingeengt wird. Es kann uns geholfen werden. Wir sollen uns daher nicht scheuen, dafür kompetente fachliche Unterstützung durch Medizin und Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. ■

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016 7

PB Pfingsten 2016 26.04.16 10:59 Seite 8

Geist, der Hoffnung schenkt

Die Jünger Jesu – von begriffsstutzigen Angsthasen zu Hoffnungsträgern Wenn von Jesu Jüngern gesprochen wird, ist zunächst stets zu bedenken, dass auch Frauen mit Jesus unterwegs waren (Lk 8,1-3; 23,49par). Charakteristisch für die Erzählung des Evangelisten Markus ist seine Beschreibung der Jünger Jesu: Sie werden einerseits sehr positiv geschildert (1,18.20; 3,14f); andererseits kapieren sie nicht, was Jesus wollte: Nachdem Jesus den Seesturm besänftigt hat, fragen sie einander, wer er wohl sei (4,41); nach der Erzählung vom Seewandel Jesu sind sie bestürzt und außer sich (6,51) – der Kommentar des Evangelisten: „Ihr Herz war verstockt“ (V. 52). In manchen Szenen werden die Jünger ausgesprochen tollpatschig dargestellt: Als Jesus vom Sauerteig der Pharisäer redet, haben sie nur ihre vergessene Jause im Kopf (8,14-21). Als er nach seiner Verklärung von der Auferstehung spricht, fragen die Jünger einander, was denn das sei, eine Auferstehung von den Toten (9,10), obwohl dies im damaligen Judentum nichts Neues war. Auch Petrus kommt nach jenem bedeutsamen Dialog mit Jesus, in dem er ihn als Messias bekennt (8,29), ganz schlecht weg: Jesus nennt ihn sogar einen Satan, weil er ihn von seinem Leiden abhalten möchte (8,33). Die Jünger sind bei Mk nicht nur begriffsstutzig, sondern auch ängstlich. Am ursprünglichen Ende des Evangeliums (16,8; die folgenden Verse wurden von späteren Herausgebern hinzugefügt) heißt es im Anschluss an das Auffinden des leeren Grabes durch die Frauen und der Auferstehungsbotschaft des jungen Mannes: „Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemand etwas davon; denn sie fürchteten sich sehr.“ (16,8) Nun gehört dieses Furcht-Motiv traditionell zu Tex-

Während Jesus in Verzweiflung und Todesangst am Ölberg zu seinem Vater betet, schlafen seine „Lieblingsjünger“ tief und fest. (Gotische Ölberggruppe in der Bartholomäuskapelle)

8 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016

Foto: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Von Roland Schwarz

Foto: Christa Janczer

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ten, die von einer Begegnung mit Gott oder seinem Boten sprechen; dennoch ist bei Mk ein besonderer Schwerpunkt auf dieser Furcht zu beobachten (vgl. 4,40f; 6,50f; 9,6; 10,32) und diese Furcht wird nicht als Reaktion auf eine Gottesbegegnung, sondern als Mangel an Glauben gedeutet (4,40; 5,36; 6,52). Anlässlich der Verhaftung Jesu stellt Mk fest: „Da verließen ihn alle und flohen.“ (14,50) Petrus folgt zwar noch in einiger Distanz, aber er leugnet, Jesus zu kennen (14,66-72). Obwohl jene, die Jesus nachgefolgt sind, auch bei Matthäus (Mt) unverständig sind, ist die Jüngergemeinde bei ihm eher bereits die bekennende nachösterliche Kirche. So ersetzt Mt das Unverständnis der Jünger anlässlich des Seewandels Jesu bei Mk (6,52) durch deren Bekenntnis: „Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!“ (14,33). Mt charakterisiert die Jünger auch idealer als seine Vorlage Markus, wenn er die unbescheidene Bitte der Zebedäussöhne, in Jesu Reich rechts und links von ihm sitzen zu dürfen (Mk 10,37), in seinem Evangelium deren Mutter in den Mund legt (20,20). Bei Lukas (Lk) stellen die Jünger in der Apostelgeschichte (Apg) sogar noch nach Jesu Tod vor seiner Aufnahme in den Himmel die Frage an ihn: „Stellst Du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?“ (1,6) Sie missverstehen die Rede Jesu von der Gottesherrschaft als weltliche Machtentfaltung. Mt stellt bei der Erscheinung des Auferstandenen vor seinen Jüngern in Galiläa fest, dass einige selbst da noch Zweifel hatten (28,17). Es mag für heutige Verkünder tröstlich sein: Selbst Jesus ist es mit seiner Verkündigung nicht gelungen, die engsten Vertrauten völlig verstehen zu lassen. Was veränderte aber diese Situation? Erst die Erfahrung des Heiligen Geistes bewirkte das Begreifen von dem, was Jesus wollte. Lk beschreibt dies in eindrucksvollen Bildern: Am Pfingstfest waren die Freunde Jesu beisammen, als ein heftiger Sturm aufkam und Zungen wie von Feuer auf sie herabkamen. Lk schildert ein Sprachenwunder, das darin bestand, dass die zusammengeströmte Menschenmenge

aus allen Völkern die Jünger in ihren eigenen Sprachen Gottes Großtaten verkünden hörten (Kap. 2). Petrus bekennt jetzt nach dem Geistempfang, dass Gott den Gekreuzigten - und damit den Machtlosen und nicht einen weltlichen Herrscher - zum Messias gemacht hat

Roland Schwarz ist Leiter des Referates Bibelpastoral im Pastoralamt der Erzdiözese Wien (V. 36). Angst und Unverständnis sind einem mutigen Bekennen und der Begeisterung für Jesus und die geschwisterliche Gemeinde gewichen. Diese starke Erfahrung war möglich, weil sich die Freunde Jesu im gemeinsamen Gebet dafür geöffnet haben (Apg 1,14). In einem Nachtrag zum Johannesevangelium (Joh) überträgt der von Gott auferweckte Jesus dem Petrus die Leitung seiner Gemeinde, nachdem dieser in Entsprechung zu seiner dreimaligen Verleugnung genauso oft seine Liebe zu ihm bekannt hat (21, 15-19). Auch nach der Apg leitet Petrus die Gemeinde in Jerusalem. Dabei wird er nicht als ängstlicher Bewahrer jüdischer Traditionen beschrieben, sondern als Vorkämpfer für einen liberalen Zugang von Nichtjuden zum Christentum: Er betritt entgegen innerkirchlicher Kritik das Haus des Heiden Kornelius als er diesen tauft (Apg 10) und setzt sich für eine Form des ChristSeins ein, das es Nichtjuden erlaubt, auch ohne die Beachtung aller jüdischen Ritualgebote am Gemeindeleben teilzunehmen (Apg 15). Das Beispiel der Jünger Jesu zeigt uns, dass der Glaube an Jesus sich auch in unserem Leben schrittweise entwickeln darf. Zudem dürfen wir dem Geist Gottes vertrauen, dass er uns die Freude und die Begeisterung für ein angstfreies gläubiges Leben schenkt, wenn wir uns ihm öffnen. ■

Die Autoren dieser Nummer. P. Dr. Bernhard BÜRGLER SJ, Provinzial der Jesuiten Österreichs und Psychoanalytiker Cecily CORTI, Obfrau der Vinzenzgemeinschaft St. Stephan Sigrun CZYCHOWSKI, Angestellte, Team d. Erstkommunionsvorbereitung v. St. Stephan Mag. Karin DOMANY, pens. Religionspädagogin, PGR St. Stephan MMag. Markus FIGL, Bezirksvorst. Innere Stadt Michael FLEISCHHACKER, Chefredakteur und Geschäftsführer der Neuen Zürcher Zeitung Österreich Dr. Mag. Georg FRABERGER, Klinischer und Gesundheitspsychologe, AKH Wien, Lehrbeauftragter Toni FABER, Dompfarrer Thomas GEIERSPICHLER, Rennrollstuhlfahrer, 5-facher Weltmeister, 6-facher Europameister, Paralympicssieger (über 1500 m/Marathon) Reinhard H. GRUBER, Domarchivar von St. Stephan Mag. Elfriede HANDLER, Leiterin „Tänze aus aller Welt“ Dr. Franz-Joseph HUAINIGG, Autor, Medienpädagoge und Abgeordneter zum Österreichischen Nationalrat sowie ÖVP-Sprecher für Menschen mit Behinderung und Internationale Zusammenarbeit Diözesanbischof emeritus Dr. Egon KAPELLARI, Graz-Seckau Tomas KAUPENY Sebastian KURZ, Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres Dr. Christoph MARTIN, Vize-Rektor der Malteserkirche in Wien Paul MENSDORFF-POUILLY, Initiative Projekt Familien-Lotse, Vizeobmann d. Kinder-KrebsHilfe Elterninitiative in Wien und Vizepräsident der österreichischen Kinderkrebshilfe Dr. Benedikt J. MICHAL, Theologe und Philosoph Dr. Sabine OBERHAUSER MAS, Bundesministerin für Gesundheit Univ. Lekt. Prof. Dr. iur. Rotraud A. PERNER, MTh, evangelische Pfarrerin und Hochschulseelsorgerin im Ehrenamt, Psychoanalytikerin Andrä RUPPRECHTER, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Alex SANKO, Gemeinderat, Sport-Manager, Integrationsbotschafter Dr. Roland SCHWARZ, Leiter des Referates Bibelpastoral im Pastoralamt der Erzdiözese Wien Univ.-Prof. Dr. Ludger SCHWIENHORST-SCHÖNBERGER, Vorstand d. Instituts für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Kath.Theologischen Fakultät der Universität Wien Georg SLAWIK, Obmann des Vereins immo-humana Dr. Danielle SPERA, Direktorin des Jüdischen Museums Wien Mag. Birgit STAUDINGER, Theologin, Redaktionsleiterin Bahri TROJER, EU-Gemeinderat, Integrationskoordinator bei ÖIF, Integrationsbotschafter Univ.-Prof. Dr. Jan-Heiner TÜCK, Universitätsprofessor für Dogmatische Theologie an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Wien Em. O.Univ.-Prof. Prälat Dr. Josef WEISMAYER, Domkustos Dr. Johann WEISSENSTEINER, Mitgl. d. Inst. f. Österr. Geschichtsforschung, Leiter d. Diözesanarchivs Wien Benedikt WOLLONER, Domministrant

Redaktion. Redaktionsleitung: Mag. Birgit Staudinger Lektorat: Mag. Birgit Doblhoff-Dier, Reinhard H. Gruber, Daniela Tollmann, Redaktionsteam: Dompfarrer Toni Faber, Diakon Erwin Boff, Mag. Karin Domany, Mag. Heinrich Foglar-Deinhardstein, Reinhard H. Gruber, Anneliese Höbart

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Geist, der Hoffnung schenkt

Der Denker deiner Gedanken Von Rotraud A. Perner

Wer ist Denker unserer Gedanken? Sind es die Menschen, die uns erzogen haben? Sogenannte Opinion Leader? VIPs? Die eine oder andere veröffentlichte Meinung? Oder die „öffentliche Meinung“? Und welches Medium veröffentlicht welche Meinung aus welchen Motiven? Zu wessen Vorteil oder Nachteil? Womit nähren wir unseren Wortschatz und letztlich Gedankenschatz? Und weshalb nehmen Hassworte und Hassgedanken zu? Werden wir auf diese Weise gesünder, liebenswerter, glücklicher? Wenn wir versuchen, eine Zeitlinie zu zeichnen und auf ihr unsere Leitgedanken im Laufe unseres Lebens einzutragen, können wir die „Denker unserer Gedanken“ erkennen – und meist auch die soziale Gemeinschaft, in der wir Geborgenheit gesucht haben. Für manche Menschen verläuft sie geradlinig – im Berufsleben würde man von „Schornsteinkarrieren“ sprechen. Demgegenüber gibt es „Fleckerlteppichkarrieren“. (Ich habe dies in meinem Buch „Die Taofrau – Der weibliche Weg zur Karriere“, C. H. Beck 1997 beschrieben.) Einen biographischen Fleckerlteppich webt das Leben – und vieles ist ungeahnter Zufall, was darin Platz greift. Oder Zwang. Oder Befreiung. Inspiration. Da steckt das Wort Spiritus drin – Geist. Und plötzlich kann man auch erkennen, was Heiliger Geist bedeutet. Das nennt man dann Gnade. Im Gleichnis von den törichten Jung-

Rotraud Perner ist evangelische Pfarrerin und Hochschulseelsorgerin im Ehrenamt, Psychoanalytikerin und Juristin frauen (Mt 25, 1-13) besitzen diese zwar das Gefäß, aber kein Öl, um den Weg zum Bräutigam auszuleuchten und ihn zu sehen – so wie wir alle die neurologische Ausstattung zur Gotteserkenntnis besitzen, aber oft nicht den Brennstoff für die Erleuchtung, die eigene wie die der anderen.

auch plötzlich der Heilige Geist erfassen und erfüllen – und dann gilt es, dafür ein neues Gefäß zu werden, einen neuen Rahmen zu finden. Das ist ein zweiter Schritt – und zu dem braucht es Mut. Bei Matthäus verwehrt der Bräutigam den zu spät gekommenen Jungfrauen den Einlass zur Hochzeit. Damit bricht das Gleichnis ab. Tatsächlich gibt es aber den dritten Schritt: geduldig und inbrünstig zu warten, bis doch die Tür aufgemacht wird. Und das wird sie. Heute braucht es Mut zur Religion – nicht nur als Christen im Orient oder in Afrika. Auch im angeblich christlichen Abendland schämen sich viele, ihr Denken vom Heiligen Geist bestimmen zu lassen. ■

Gefäß für den Heiligen Geist… Die törichten Jungfrauen kehren um, um sich den Brennstoff zu organisieren. Das ist der erste Schritt zum Licht: erkennen, dass einem etwas fehlt. Es gibt aber auch das umgekehrte Phänomen: plötzlich Brennstoff zu erhalten aber kein Gefäß zu besitzen, in dem man ihn auffangen und bewahren kann. So kann einen

Das Buch „Mut“ dient zur Ermutigung – denn Mut kann man lernen. Rotraud A. Perner, Mut. Das Ultimative Lebensgefühl, 256 Seiten

VinziRast. VinziRast-mittendrin ist ein innovatives, weltweit einmaliges soziales Wohnprojekt. Wohnungslose und Studierende wohnen, arbeiten und lernen gemeinsam unter einem Dach. Im Erdgeschoß befindet sich das Lokal „mittendrin“ – gleichzeitig Café, Bar und Restaurant. VinziRast – Platz für Menschlichkeit. Näheres unter www.vinzirast.at

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Foto: Perner: Esther Crapélle | VinziRast: PezHejduk

Manchmal geht mir mein Vater ab. Er war ein wandelndes Lexikon, sprach 27 Sprachen – Deutsch war dabei seine erste Fremdsprache – und er zitierte so oft Gedichte, die ich leider in der von ihm ererbten 20.000-bändigen Bibliothek bisher nicht orten konnte. In einem davon kam die (nunmehr aus dem Gedächtnis zitierte) Zeile vor: „Und eines Tages spürst du eine Leere, weil irgendwo, weit überm Meere, der Denker deiner Gedanken starb“.

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Geist, der Hoffnung schenkt Von Cecily Corti Hoffnung, meint Václav Havel, ist nicht der Glaube, dass das was ich tue, gut ausgeht, sondern die Überzeugung, dass das was ich tue, Sinn macht, egal wie es ausgeht. Also was macht Sinn? Den kann ich nur für mich selbst finden. So einfach ist das. Wir sind gewohnt zu delegieren, andere verantwortlich zu machen, meist Institutionen, Regierungen, manchmal auch den lieben Gott. So sind wir Zuschauer geworden, Passanten, Jammerer, oft auch Gottlose und wundern uns, dass tatsächlich Ratlosigkeit und Angst allgegenwärtig zu sein scheinen. Ich kann die große Politik nicht ändern. Um mich nicht ohnmächtig zu fühlen, kann ich damit beginnen, es in meinem Leben gezielt anders zu machen, in meinen Beziehungen, in meinem Alltag. Wir wissen, Friede in der Welt beginnt mit dem Frieden im eigenen Herzen. Das sagt sich so leicht. Wie gehe ich mit Spannungen um, mit Konflikten, wie mit meinen Feinden? Wie mit der Welt, die mich umgibt?

Fotos: Corti: ORF

Wir müssen bei uns selbst beginnen Bei sich selbst anfangen, aber nicht bei sich selbst enden. Nicht sich selbst zum Ziel haben. Welche Qualität des Lebens ist mir kostbar? Macht es einen Unterschied, ob ich bewusst lebe oder mich als Opfer fühle der vielfältigen Einflüsse, Manipulationen, Korruptionen, denen ich ausgesetzt bin? Diesen Fragen muss ich mich stellen. Ich weiß: das ist eine gewaltige Aufgabe. Sie setzt Mut voraus, und Zivilcourage. Aber sie zeigt Wirkung. Meine Angst schwindet, meine Ratlosigkeit, das Gefühl der Ohnmacht. Meine Beziehungen verändern sich. Alles auf der Welt ist Beziehung und alles wäre besser, wenn wir bessere Beziehungen hätten. Wenn wir eine gerechtere Welt wollen, müssen wir dies zuerst verstehen. Wir lernen anders miteinander umzugehen, Empathie und Menschlichkeit pflegen den Lebensraum, in dem unser Leben stattfindet.

Wir wissen, dass man niemals VeränCecily Corti ist derungen schafft, indem man sich von Angst überwältigen lässt oder das Beste- Obfrau der Vinzenzgemeinschaft hende bekämpft. Wenn wir die VerändeSt. Stephan, die rung bewusst mitgestalten, entstehen mittlerweile vier Möglichkeiten, die das Alte anerkennen Einrichtungen und trotzdem neue Modelle schaffen. Es betreibt, in denen liegt tatsächlich an jedem Einzelnen von Obdachlose uns, wie es in der Welt weitergeht. Unterkunft finden Wir sind Teil einer lebendigen, intelligenten, kreativen und wie ich überzeugt bin, sinnvollen Welt. Jeder von uns steht Die VinziRast-Notschlafstelle ist aus täglich an der Grenze, an der wir entdiesem Geist entstanden. Das war 2004. scheiden müssen, ob wir Teil der Lösung Die Qualität der Beziehung stand für uns oder Teil des Problems sein wollen. Das von Anfang an im Zentrum unserer Iniist die Herausforderung. tiative. Die VinziRast-Einrichtungen, die Ich hoffe nicht, dass es die anderen, sich in den folgenden Jahren entwickelt die Mächtigen, schon richten werden. haben, verstehen wir als Orte der Ich vertraue darauf, dass meine GedanÜbung, um uns bewusst zu machen, wie ken und Gefühle, meine Bemühungen sehr Urteil, Vorurteil und Erwartungshalund vor allem meine bewusste Absicht tung all unsere Beziehungen beeinflusdie Zukunft beeinflussen. Für mich sen. Es ist erstaunlich und ermutigend, macht das Sinn. Sinn, der einen Geist der wie sich die Atmosphäre im Umgang mit Hoffnung kreiert. Hoffnung, die das Geden Menschen, die zu uns kommen, verschehen nicht dem Zufall überlässt oder ändert hat. Und wie befreiend sich diese einer höheren Macht. Hoffnung, die Einstellung auch auf unseren Alltag, unmich in die Verantwortung nimmt. Ganz sere ganz persönlichen Beziehungen so verstehe ich Václav Havels Gedanken auswirkt. Wir tun nur was zu tun ist. Das über Hoffnung. genügt. Das macht Sinn. ■

»Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.« Václav Havel

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Geist, der Hoffnung schenkt

Zeichen der Hoffnung – Die Wiener Nuklearvereinbarung mit dem Iran Von Sebastian Kurz

Sebastian Kurz ist österreichischer Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres sitiver Weise die geostrategische Lage, Größe und das Potenzial des Iran reflektieren. Ein stabiler Iran und eine konstruktive Rolle des Iran sind im Interesse der gesamten Region. Bei den aktuellen Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran sind Deeskalation und ein Offenhalten von Gesprächskanälen dringend nötig. Ohne konstruktive Rolle beider Akteure erscheint eine Lösung der zahlreichen regionalen Konflikte – besonders im Falle Syriens – kaum möglich. Ich habe Verständnis für die besonderen Sicherheitsbedürfnisse der Staaten der Region und nehme diese ernst. Zugleich bin ich der Überzeugung, dass die Wiener

Vereinbarung ein Mehr an Sicherheit bedeutet – für die Staaten der Region und für die internationale Staatengemeinschaft in ihrer Gesamtheit. Die Vereinbarung setzt nicht auf Vertrauen, sondern auf Kontrolle, mit einem sogenannten „Snap-Back“-Mechanismus bei Nichteinhaltung der eingegangenen Verpflichtungen.

Öffnung und Dialog statt Konfrontation und kriegerischer Rhetorik Die Wiener Vereinbarung bildet insbesonders auch eine Ermutigung für jene Iraner, welche auf Öffnung und Dialog statt Konfrontation und kriegerischer Rhetorik setzen. Ein Ausbau bilateraler Beziehungen europäischer Staaten mit dem Iran kann in diesem Sinn auch einen Beitrag für einen positiven Wandel der jungen iranischen Gesellschaft bilden. So hatte ich bei einem meiner Teheran-Besuche ein ungemein anregendes Gespräch mit Deutschstudenten und Kulturschaffenden, welches mir interessante Eindrücke ermöglichte. Nach den Parlamentswahlen vom 26. Februar, mit

Wenn Geduld, Ausdauer und Gespräche zum Ziel führen: Bild von der Schlussrunde der Verhandlungen in Wien im Sommer 2015 12 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016

Fotos: Kurz: Felicitas Matern | Dragan Tatic / BMEIA

Durch die Wiener Nuklearvereinbarung der E3 (Deutschland, Frankreich, Großbritannien), der EU mit der Hohen Vertreterin Mogherini sowie China, Russland und den USA mit dem Iran vom Juli 2015 konnte ein Jahrzehnte andauernder Konflikt auf dem Verhandlungsweg beigelegt werden. Diese Vereinbarung bildet den Nachweis, dass auch komplexe und schwierige Probleme friedlich durch Dialog und Verhandlungen gelöst werden können, sofern beide Seiten Kompromissbereitschaft beweisen. Nicht nur die Region, sondern auch Europa und die internationale Gemeinschaft, können bei einer strikten Umsetzung dieser Vereinbarung durch den Iran und die anderen Vertragspartner profitieren. So wurden mit dem Umsetzungstag/Implementation Day am 16. Jänner die Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen den Iran aufgehoben. Auch besteht die Hoffnung für eine konstruktive iranische Rolle in der Region bei der Suche nach friedlichen Lösungen für die zahlreichen Konflikte und Herausforderungen. Dies würde auch in po-

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Foto: Rupprechter: BMLFUW/Alexander Haiden

Gemeinsam für den Klimaschutz: Die Welt rückt zusammen einem zweiten Wahlgang Mitte April, besteht Hoffnung auf eine Stärkung der reformorientierten Kräfte und eine Verbesserung der aktuell besorgniserregenden Menschenrechtslage. In diesem Kontext wäre der für Ende März vorgesehene Österreich-Besuch des iranischen Präsidenten Rohani für Österreich und für den Iran wichtig gewesen. In den Beziehungen der EU und ihrer Mitgliedsstaaten mit dem Iran bilden Besuche wichtige Elemente der Wiederannährung des Iran an Europa. Österreich strebt auch ein breites Spektrum der bilateralen Beziehungen mit dem Iran an, bei welchem auch Kultur, Wissenschaft und Kunst wichtige Elemente bilden. In der österreichischen Tradition des Gesprächs und des Dialogs glaube ich, dass diese Herangehensweise auch der beste Ansatz ist, um Skeptiker und Kritiker der Wiener Nuklearvereinbarung zu überzeugen und dass diese Vereinbarung ein – mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiertes – Zeichen der Hoffnung ist. ■

Von Andrä Rupprechter Der Pariser Klimavertrag hebt den internationalen Klimaschutz auf eine neue Stufe: Erstmals bekennen sich fast alle Staaten der Welt dazu, Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel zu unternehmen. Aber auch jeder und jede Einzelne kann bereits mit kleinen Maßnahmen wesentlich zur Erreichung der Klimaschutz-Ziele beitragen. Der 12. Dezember 2015 gilt als Wendepunkt im Kampf gegen den globalen Klimawandel: trotz der schwierigen Ausgangslage nahmen in Paris zum ersten Mal alle Staaten ein weltweit rechtsverbindliches Abkommen zum Klimaschutz an. Es war ein historisches Abkommen an einem historischen Tag. Die primären Ziele des Vertrags sind Hilfen für Entwicklungsländer und die Begrenzung der Erderwärmung. Neu ist, dass im Rahmen des Klimaschutzabkommens alle Staaten eigene Beiträge im Kampf gegen die Erderwärmung zusagen. Diese soll auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden, möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. Unumstritten ist auch die Zielsetzung, aus der Nutzung fossiler Energieträger auszusteigen. Mit dem Klimaabkommen wurde das Ende des fossilen Zeitalters eingeläutet und die unterschiedliche Behandlung von Industrieund Entwicklungsländern durch das Kyoto-Protokoll weitgehend aufgehoben.

Österreichs Beitrag zur Erfüllung der Klimaziele Österreich hat nach dem Abkommen einen klaren Auftrag: die Treibhausgasemissionen müssen bis 2050 um mindestens 80 Prozent reduziert werden. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist

Andrä Rupprechter ist Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft die Energieversorgung aus erneuerbaren Energiequellen sowie eine maßgebliche Reduktion des Energiebedarfs. 2030 soll die Stromversorgung bereits zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern erfolgen. Die bundesweite Umweltförderung ist seit vielen Jahren das wichtigste Förderungsinstrument, um Energieeffizienz in Gewerbe und Industrie zu steigern. Durch die Unterstützung von über 500 Umweltprojekten sollen etwa 154.000 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart und rund 1.700 Green Jobs gesichert werden. Damit setzt Österreich einen wichtigen Schritt in Richtung Unabhängigkeit von fossilen Energien.

Mit der Mobilitätswende zum Klimaschutz Zur Erreichung der festgelegten Klimaschutzziele ist vor allem eine Mobilitätswende dringend notwendig. Die Kirche engagiert sich mit der österreichweiten Aktion „Autofasten am Schulweg“ heuer bereits zum 11. Mal für klimaschonende Mobilitätsformen. Der Verein zur Förderung der kirchlichen Umweltpolitik möchte dadurch die Idee eines nachhaltigen Verkehrsverhaltens vor allem unter jungen Menschen noch stärker verbreiten. Alleine in der Fastenzeit 2015 ▶

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Geist, der Hoffnung schenkt

Angst ist stärker als Hoffnung Einblicke in die Medienwelt. Von Michael Fleischhacker Für einen Menschen, der an ziemlich hohe Freiheitsgrade gewöhnt ist, muss die Idee, dass diese Art von Furcht, die letztendlich nichts anderes als Gehorsam und Unterwerfung meint, der Anfang der Weisheit sein soll, sehr befremdlich klingen. Und doch: wir wissen auch aus dem Alltag, dass manchmal erst dann, wenn wir uns besonders strengen äußeren Regeln unterwerfen, die inneren Freiheitsmöglichkeiten ausgeschöpft werden können. Von den Athleten des Extremen habe ich immer gehört: Angst ist gut. Keine Angst haben nur die Dummen. Angst ist die wichtigste Lebensversicherung aller, die an die Grenzen gehen, sei es im Sport, im Kampf oder in den Geistesübungen. Medien können besser mit der Angst umgehen als mit der Furcht. Denn Furcht ist ein Vernunftphänomen, Angst

▶ sparten 16.000 AutofasterInnen in Österreich 9,6 Millionen Autokilometer

ein – und somit auch rund 1.900 Tonnen CO₂. Durch Aktionen wie diese kann jede

Jeder einzelne Kilometer, der nicht mit dem Auto gefahren wird, trägt zur CO₂-Reduktion bei. Autofasten – über die Fastenzeit hinaus 14 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016

Michael Fleischhacker ist Chefredakteur und Geschäftsführer der Neuen Zürcher Zeitung Österreich hingegen ist vegetativ. Angst ist nicht nur die vegetative Lebensversicherung der Liebhaber des Extremen, Angst ist auch ein Lustphänomen. „Angstlust“, das ist die Sehnsucht der allzu Sicheren, ein wenig Gefahr zu spüren. In unseren spätdemokratischen Wohlstands- und Wohlfahrtsgesellschaften lösen Nachrichten von der akuten oder bevorstehenden Bedrohung von Sicherheit und Wohlstand ein wohliges Schaudern aus.

und jeder Einzelne einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Auch andere Mobilitäts-Kampagnen der katholischen und evangelischen Kirche sind Jahr für Jahr erfolgreich. Die Aktion „Wir RADLn in die Kirche“ und viele Fahrradsegnungen tragen maßgeblich zu mehr Klimafreundlichkeit in Österreich bei. Im Sinne der Umwelt verzichten auch immer mehr Priester und Angestellte der Kirche bewusst auf das Auto. Auf diese Weise kann auf breiter Ebene Bewusstsein für eine saubere Umwelt geschaffen werden – bis in die kleinste Pfarrgemeinde. Klimaschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe und wir können die Schöpfungsverantwortung nur wahrnehmen, wenn wir grenzübergreifend zusammenarbeiten. Das ist ein unmissverständlicher Auftrag an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Paris hat gezeigt, dass die Welt bereit ist für diesen gemeinsamen Weg. ■

Fotos: Fleischhacker: Tom Linecker | BMLFUW/Alexander Haiden

Der Unterschied zwischen „Angst“ und „Furcht“ scheint heutzutage im gesellschaftlichen Sprachgebrauch keine Rolle mehr zu spielen. Menschen, die sich mit religiösen Schriften beschäftigen, haben sich ein Sensorium für diesen Unterschied bewahrt, und auch solche, die sich für physisch-psychische Extremsituationen interessieren oder sich sogar regelmäßig in solche begeben. Für die Liebhaber der religiösen Schriften steht die Furcht im Zentrum des Interesses: „Initium sapientiae est timor domini“ – Am Anfang der Weisheit steht die Furcht vor dem Herrn: Der Satz diente nicht nur zur Identifizierung der Kollegen, die den Unterschied zwischen genetivus subiectivus und gentivus obiectivus bis an ihr Lebensende nicht verstehen werden, er hat auch inhaltlich eine ziemliche Wucht, denn er ist eine wirkliche Herausforderung.

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Das Leuchten in den Kinderaugen .

Manche Medien haben es in der Dosierung dieser Angstlust zu wahrer Meisterschaft gebracht, die damit zu erzielenden Reichweiten geben ihnen Recht. Mit der Hoffnung lässt sich nicht so leicht ein Geschäft machen: wir haben gelernt, die Hoffnungsfrohen als Naivlinge zu identifizieren, die sie oft genug auch sind, der Pessimist gilt uns als informierter Optimist. Hoffnung ist fad. Ich kann das gut nachvollziehen, nicht nur als Medienkonsument, der ich wie jeder andere Medienschaffende auch bin, sondern auch als Freiheitsliebhaber: Hoffen heißt Delegieren, wer sich in den Hoffnungs-Modus begibt, hat bis zu einem gewissen Grad die Verantwortung für das eigene Tun und Lassen abgegeben und begibt sich in die Hände eines anderen Handelnden. Unter religiösen Gesichtspunkten mag das interessant sein, medial ist es sterbenslangweilig. Medial zählt hauptsächlich, was Mobilisierung zur Folge haben kann, und dafür braucht es die unmittelbare Anschlussfähigkeit des individuellen Gefühlshaushaltes an den medialen Inhalt. Das ist bei Angst fast immer der Fall, Angstübertragungen gehören zum Einmaleins des medialen Sachkundeunterrichts. Wer Hoffnung mehrheitsfähig machen will, muss das über den Umweg des Personenkults versuchen. Barack Obama ist vermutlich das bedeutendste Beispiel der vergangenen Jahrzehnte. „Hope“ und „Change“, die beiden messianischen Chiffren seiner Kommunikation, die der am Ende seiner zweiten Amtszeit angelangte US-Präsident auch über die Wahlkampfzeit hinaus benutzte, waren immer sehr eng an seine Person gebunden, an seine Biografie. Weil solche Biografien nur in sehr eingeschränktem Maß zur Disposition stehen, wird medial die Angst immer über die Hoffnung siegen. Wenn man es weiß, kann man damit umgehen. ■

Die Osterferien verbrachte ich gemeinsam mit meinen Kindern in meinem Geburtsort Löbau in Deutschland. Das ist eine recht beschauliche Kleinstadt in Sachsen, die sich unweit in der Nähe der wunderschönen Landeshauptstadt Dresden befindet. Ich genieße bei jedem Besuch hier die Ruhe und die etwas ländliche Atmosphäre, auf meinem Wandeln der Spuren meiner Kindheit begegnen mir so manche Vorboten des doch sich bald einfindenden Frühlings: zarte blühende Schneeglöckchen, weißgelblich schimmernde Märzenbecher und anmutig violett gefärbte Krokusse… Es ist jedes Mal ein Hochgefühl mit den Kindern im nahegelegenen Wald das Erwachen der Natur neu zu entdecken, das Leuchten in den Kinderaugen, erinnert an meine doch sehr unbeschwerten Kindertage voller Abenteuerlust. Ich durfte viel Zeit in der Natur verbringen und habe da so manche Abenteuer erlebt. Immer mit dem Gefühl des Schutzes und der Geborgenheit des Heiligen Geistes. Auch heute spüre ich stärker denn je dessen Anwesenheit. Blicke ich in die Augen meiner Kinder und der Kinder, die ich in der Dompfarre bei der Kindermesse und in der Erstkommunion begleiten darf, dann erfüllt es mich mit Freude und Glück, zu sehen mit welcher Neugierde und Offenheit sie uns begegnen. Dieses Leuchten in den Kinderaugen ist für mich dieser Funke vom Frühlingsbeginn, der Sieg der Hoffnung, der Sieg des Lebens über den Tod. Der Sieg der Auferstehung. Ich wünsche uns allen diesen Funken. Sigrun Czychowski ist in der Dompfarre in der Erstkommunionsvorbereitung mitverantwortlich.

Hoffnungslicht Von Tomas Kaupeny Beim Besuch im Pflegeheim richte ich dem alten Willy einen herzlichen Gruß von zwei mit ihm befreundeten Damen aus. Stirnrunzelnd wiederholt er immer wieder deren Namen, dann zuckt er traurig die Schultern, seine zitternden Hände deuten eine hilflos entschuldigende Geste an: „Tut mir leid, Tomas, tut mir leid, i hab’s vergessen, wer des is.“ Um ihn ein wenig aufzuheitern, antworte ich: „Naja, Willy, da ist es mir aber wirklich eine besondere Ehre, dass Du Dir meinen Namen merkst!“ „Na, Tomas, Di vergiss i ned. Und,“ – Willy leidet unter rasch fortschreitender Altersdemenz – „wann i Di dann aa vergiss, Den“ – nun deutet sein erhobener Zeigefinger Richtung Himmel und Willy bekreuzigt sich – „Den vergiss i ned. Aber“ – leise stöhnt er auf, eine Träne

rinnt über seine Wange – „wann i Den da oben aa vergiss – Er vergisst mi ned.“ Und ich beginne zu verstehen, was es heißt: „Kann denn eine Mutter ihr Kind vergessen? Und wenn sie es vergäße, – ich vergesse Dich nicht.“ (Jes 49,15) ■

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Geist, der Hoffnung schenkt

Ein kleines Stück Hoffnung kann das Entscheidende sein Von Paul und Maria Mensdorff-Pouilly

Das größte Geheimnis ist das Leben, das tiefste Geheimnis ist die Ewigkeit, das schönste Geheimnis ist die Liebe. Gott ist die Liebe und die Liebe bleibt. Dieses eindrucksvolle Gebet der Hoffnung steht auf dem Erinnerungsbildchen unserer Tochter Mimi. In den Tagen des Abschieds ist es uns wieder in den Sinn gekommen. Erreichen konnte es uns damals nicht. Zu sehr waren unsere Seelen gelähmt vom Schock, zu träge vom brennenden Schmerz und zu aufgewühlt von den Fragen, nach dem warum. Es war als wäre die Zeit stehen geblieben und wir hätten die Zuversicht und den Glauben verloren. Die Zeiten verändern Perspektiven, bestimmende Erinnerungen nehmen 16

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man in schwierigen Situationen jemandem schenken kann, kann es das Entscheidende sein, dass man wieder in den geregelten Alltag zurückfinden, oder auch im Besonderen, dass man den Lebensmut wieder finden und sein unabwendbares Schicksal annehmen kann. Paul und Maria Mensdorff-Pouilly leben im ersten Bezirk und sind seit 2003 verheiratet. Sie haben eine Tochter Sophia (4) und einen Sohn Johannes (6). Im Jahr 2009 wurde bei ihrer Tochter Marie- Hélène, genannt Mimi, ein bösartiger Tumor auf beiden Nieren entdeckt. Ende 2010 hat sie ihren Kampf mit 6 ½ Jahren gegen den Krebs verloren. ■

Familie-Lotse . Das Projekt Familie-Lotse ist in die Kinder-Krebs-Hilfe Elterninitiative Wien eingebettet und wird ausschließlich aus Spendengeldern finanziert. www.familien-lotse.at

Fotos: privat

Mimis Mut und ihre Liebe zum Leben haben ihre Familie tief geprägt und für immer verändert

allmählich weichere Züge an und fordernde Fragen ruhen jetzt in unseren Herzen. Es reift aber auch das Verstehen, dass es uns nicht gegeben ist, auf alle großen und tiefen Geheimnisse des Lebens und der Ewigkeit eine wahre Antwort zu finden. Die Dunkelheit der Nacht macht es uns oft erst möglich, das zarte Licht der Hoffnung neu zu erkennen. Unsere Tochter Mimi war uns nur für kurze Zeit geschenkt, ihr Mut, ihre Liebe zum Leben und ihre Zuversicht haben uns tief geprägt und für immer verändert. Dadurch ist sie uns beeindruckendes Vorbild geworden und hat uns die Kraft gegeben, auch für die dazu sein, die das Schicksal Krebs bei ihrem Kind meistern müssen. Niemand kann sich auf so ein Schicksal vorbereiten. Der Schock der Diagnose, die strapaziösen Therapien, die Atemlosigkeit und der Stillstand, bei jedem Einzelnen in der Familie. Die innere Sprachlosigkeit, weil man sich nicht gegenüber jedem „erklären kann“. Das alles überfordert in einem nicht vorstellbaren Ausmaß. Gemeinsam haben wir deshalb mit dem St. Anna Kinderspital und dem AKH Wien das Projekt Familien-Lotse für die Kinder-Krebs-Hilfe Elterninitiative in Wien ins Leben gerufen. Langjährige kinderonkologisch erfahrene Psychologinnen (Familien-Lotsen), begleiten die kindlichen Patienten und deren Familien von der ersten Stunde an während und auch nach den intensiven Therapien. Dadurch wird es ermöglicht fachlich kompetente Orientierung und Zuversicht, und damit Mut und Hoffnung, auch über die Krankenhausmauern hinaus, in das häusliche Umfeld zu vermitteln, wo die Sorgen und Ängste am größten sind. Auch wenn es manchmal nur ein kleines Stück Hoffnung und Mut ist, das

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Wenn die gute Hoffnung stirbt Von Benedikt Michal

Foto: Michal

Ich bin Vater von fünf Kindern, zwei sind tot zur Welt gekommen. Viele Kinder sterben im Frühstadium einer Schwangerschaft, doch darüber spricht man nicht. Da unsere Kinder so spät starben, mussten wir von unserem Leid und unserer Hoffnung erzählen. Meine Frau und ich hatten uns schon sehr auf unser drittes Kind gefreut. Die ersten beiden Schwangerschaften waren völlig problemlos. Nichtsahnend fuhr meine Frau zum Organscreening: Das Herz des Kleinen schlug nicht mehr und unsere Welt stand auch still. Was gibt es in solchen Situationen noch zu hoffen, wenn die gute Hoffnung gestorben ist? Bewusst entschieden wir uns für ein viertes Kind – dieses Mal wurde beim Organscreening alles genauestens untersucht und war unauffällig. Eine Woche später war unser kleines Mädchen ebenfalls tot. Warum auch sie? Warum konnten wir sie nicht beschützen? Der

Schmerz saß tief: Nie werde ich hören, wie diese still geborenen Kinder zum ersten Mal „Papi“ sagen. Nie ihre leuchtenden Augen sehen, wenn sie mir nach einem Arbeitstag entgegenlaufen.

Ein trauriger und schöner Abschied Bei beiden Kindern wurde die Geburt medikamentös eingeleitet, sie kamen in ihrer intakten Fruchtblase und mit Plazenta auf die Welt. Solch ein großes Wunder, und doch so klein und verletzlich: die zarten Finger, das kleine Mündchen, die dünne Haut. Wir durften uns von beiden Kindern in Ruhe und ehrfürchtigem Staunen verabschieden. Mit Weihwasser ein Kreuz auf die Stirn zeichnen. Den Kindern einen Namen geben. Auf Rat des Krankenhauspersonals kamen nach der Geburt auch unsere beiden Kinder ins Zimmer hinein. Sie und ihre natürliche Reaktionen waren in dieser Situation meine Lehrmeister, wie mit dem Tod und ihrem Geschwister-

chen, das „rot wie eine Tomate“ war, ohne Berührungsängste umgegangen werden konnte. Mit ihnen konnte ich auch lachen. Dass wir als Familie diese Stunden gemeinsam so intensiv gelebt, getrauert und gebetet haben, gab nicht nur mir Halt. Es waren Stunden des Abschiednehmens, die traurig und schön zugleich waren. Unsere stillgeborenen Kinder strahlten solch eine Ruhe und Hoffnung aus, die alleine schon tröstlich waren. Als Familie waren wir auch durch unseren Glauben verbunden: Wir sind zutiefst überzeugt, dass wir unsere Kinder wieder sehen werden, wenn wir selbst den Weg durch den Tod zum Leben gehen. In der Zwischenzeit sind unsere zwei Kleinen große himmlische Fürsprecher, die wir in unserem Abendgebet anrufen. Ihnen hatten wir auch unser fünftes Kind anvertraut, das im Dezember gesund zur Welt kam. ■ Benedikt J. Michal ist Theologe und Philosoph (benedikt.academy)

Blick auf einige Gräber der still geborenen Kinder am Friedhof in Korneuburg. Hier sind auch die beiden Kinder der Familie Michal begraben. Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016 17

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Geist, der Hoffnung schenkt

Luftsprünge Von Georg Slawik

Luftsprünge aus Freude über ein Zuhause

Not, Bedrängnis und Sorge der letzten Monate und Jahre weicht im Augenblick der Wohnungsbesichtigung der Freude und Erleichterung. Die leidgeprüfte Familie kann die vorbildlich renovierte 2½ Zimmer Wohnung im 3. Stock in der Nähe des Stephansplatzes für drei Jahre beziehen und muss nur die Betriebskosten bezahlen, keinen Hauptmietzins. Ermöglicht hat dies ein Hauseigentümer über Vermittlung von Dr. Otto Immobilien, welche immo-humana immer wieder hilft. Auch bei der letzten Weihnachtshütte auf der Mariahilfer Straße haben Herr Dr. Otto und seine Mitarbeiter wesentlich zum Gelingen unserer Weihnachtsaktion beigetragen. Frau A. ist aus Afghanistan mit ihren drei Kindern geflüchtet. Sie und die Kinder wurden vom Ehemann bzw. dem eigenen Vater schwer misshandelt. Der Sohn leidet seither unter psychischen und physischen Folgeschäden. Als der Vater die ältere Tochter zwangsverheiraten wollte, beschloss Frau A. zu flüchten. In Österreich angekommen, waren sie zuerst lange Zeit in Traiskirchen, dann in einer Übergangsunterkunft in der Steiermark. Ihr größter Wunsch war es, in Wien wohnen zu können, wo auch ihre Schwester wohnt. Und nun kann sie mit ihren Kindern im Zentrum von Wien wohnen. Dies alles hat ein fantastisch reagierender Hauseigentümer über die Vermittlung der Immobilienkanzlei Dr. Otto, welche immer wieder immo-humana hilft, ermöglicht. Gibt es noch mehr solche Hauseigentümer? Oder Spender, welche die Arbeit von immohumana unterstützen? Der Stephansdom ist eine christliche, nächstenliebende Kirche, in der Christen an Gottesdiensten und am Pfarrgeschehen teilhaben können. Christ sein bedeutet, das, was wir in den Evangelien von Christus erfahren, in unserem Alltag umzusetzen. Christus hat sich besonders für die Kranken, Schwachen, Armen und Ausgestoßenen eingesetzt. Viele alleinstehende

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Georg Slawik ist Obmann des Vereins immo-humana schwangere Frauen und Mütter mit Kindern in Wohnungsnot gehören zur vorgenannten Gruppe. Helfen wir Ihnen, dass unser Christ sein ein ehrliches, Christus ähnliches ist. Wir haben nur diese unsere Welt, wo wir uns als Christen engagieren können. Im gegebenen Fall die Dompfarre St. Stephan. Hier und jetzt handeln und helfen bedeutet gelebtes Christentum. immo-humana freut sich über jede Reaktion, jeden Anruf, jede Spende – Spendengütesiegel und Spendenabsetzbarkeit ist gegeben. Dompfarrer Toni Faber ist seit Beginn des Wirkens von immo-humana im Vorstand tätig und Mitbegründer des Vereins, welcher bisher ca. 700 Frauen und 1415 Kindern mit einer Wohnung in 19 Jahren des Bestehens helfen konnte. Bitte helfen auch Sie mit, dass es noch öfter Luftsprünge von Kindern in Not gibt. Danke! ■

immo-humana . Verein für Mütter in Wohnungsnot Spendenkonto: Erste Bank IBAN: AT62 2011 1000 0304 6400 BIC: GIBAATWW www.immo humana.at

Foto: immo-humana

Lange vor dem vereinbarten Termin wartet eine Mutter mit ihren drei Kindern auf eine Mitarbeiterin von immo-humana. immo-humana ist ein Verein für alleinstehende schwangere Frauen und alleinerziehende Mütter mit Kindern in Wohnungsnot. Als die Mitarbeiterin von immo-humana Frau A. und ihre Kinder begrüßt, bemerkt sie deren Nervosität. Als es dann soweit ist und Frau A. und ihre Kinder im Alter von 13, 15 und 16 Jahren die Wohnung betreten, können sie es nicht fassen! Die Kinder springen vor Freude in die Luft, die Mitarbeiterin von immo-humana wird umarmt. All die

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Als Integrationsbotschafter einen Beitrag für eine gerechte Welt leisten Bahri Trojer und Alex Sanko erzählen über das gemeinsame Sternsingen und ihre Erfahrungen als Integrationsbotschafter Für mich (Bahri Trojer ) war das Sternsingen ein sehr tolles Erlebnis, neben meinen Schulbesuchen als Integrationsbotschafter sogar eines der besten in meinem Leben. Für so viele Kinderprojekte zu sammeln und den Segen gemeinsam mit Dompfarrer Toni Faber und meinen Freunden Alex, Ehsan und Henry zu verteilen war ein sehr schönes Gefühl und hat uns allen viel Spaß gemacht. Uns hat der Spruch von Papst Franziskus „Beim Sternsingen machen sich die Kinder zu Anwälten der Armen und Notleidenden und bitten um finanzielle Hilfen, um das Leid der Bedürftigen zu lindern“ sehr motiviert, um bei dieser Aktion mit zu machen und als Integrationsbotschafter auch einen Beitrag für eine gerechte Welt zu leisten. Sehr gerne werde ich auch nächstes Jahr wieder dabei sein. Mitte der 90-er Jahre kam ich aus dem Kosovo nach Österreich, habe hier eine Familie gegründet und bin in verschiedenen Bereichen im Land Salzburg tätig. Ich bin Lehrer, Eventmanager und sehr engagiert bei diversen Integrationsprojekten. Als Mentor unterstütze ich Kinder bei den „Pinzgauer Mutmachern“ und bin bei bei über 13 Vereinen aktiv. Ich bin zudem Mitglied des Tourismusausschusses der Gemeinde Hollersbach und trainiere in meiner Freizeit die FußballNachwuchsmannschaft des USV Hollersbach. Bahri Trojer

Foto: ZUSAMMEN:ÖSTERREICH

Für ein angenehmes Miteinander in Österreich Alex Sanko kommt aus Russland. Nach seinem abgeschlossenen Sport- und Tourismusstudium studierte er an der Universität Wien Politikwissenschaften. Vor seinem Engagement als Fitnesstrainer spielte er einige Jahre als VolleyballProfi in diversen Spitzenklubs in Russland, Österreich und Italien. Neben sei-

Am 6. Jänner 2016 zogen die vier Integrationsbotschafter Bahri Trojer, Alex Sanko, Ehsan Ajdari und Henry Ntiamoah (im Bild von links nach rechts) zusammen mit Dompfarrer Toni Faber (in der Mitte) als Sternsinger durch den ersten Bezirk und sammelten für notleidende Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika ner russischen Muttersprache spricht er Italienisch, Englisch, Serbokroatisch und Deutsch. Über seine Tätigkeit im Gemeinderat von Maria Enzersdorf sagt er: Seit April 2010 habe ich die große Ehre, als gewählter Gemeinderat in der Gemeinde Maria Enzersdorf mitzuwirken. Hier in meiner zweiten, wunderschönen Heimat Österreich will ich mitreden können und mitgestalten dürfen. Dafür war und ist für mich, wie auch für meine Familie, der Erwerb der deutschen Sprache sehr wichtig und ich bzw. wir haben sie erlernt. Ich will mit guter Arbeit, Weltoffenheit, Verantwortung und gelebter Integration für ein angenehmes Miteinander in Österreich werben und damit Vorbild sein. Die Anfrage, ob wir vier Integrationsbotschafter bei der Sternsingeraktion mitmachen würden, hat mich sehr geehrt und ich habe mich gerne dafür begeistern lassen. Zunächst habe ich hinterfragt, was diese Aktion beinhaltet und habe dabei über den Sinn der Sternsingeraktion einiges erfahren. Natürlich wollte auch ich ein solidarisches Zeichen für die Not leidenden Kinder in Lateinamerika, Asien und Afrika setzen und ging mit anderen Integrationsbotschaftern im ersten Bezirk singen. Wir wurden überall sehr freundlich emp-

fangen und man hat auch durch die teilweise großzügigen Spenden gemerkt, dass den Menschen die Kinder am Rande der Gesellschaft nicht egal sind. Die Idee der erwachsenen „Vier Heiligen drei Könige“ verschiedener Nationalitäten und Religionsgemeinschaften war meiner Meinung nach eine besonders gute, sie hat aber sicher manche Menschen auch sehr überrascht und beeindruckt. Ich bin stolz, dabei gewesen zu sein. Wenn ich damit nur einem an Not leidenden Kind habe helfen können, war ■ es die Aktion wert! Alex Sanko

Zusammen:Österreich . 2011 wurde die Aktion ZUSAMMEN: ÖSTERREICH initiiert, um positive Beispiele für gelungene Integration an die Öffentlichkeit zu bringen. Bekannte Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft und Kultur, aber auch „Helden von nebenan“ erzählen als sogenannte Integrationsbotschafterinnen und Integrationsbotschafter an Schulen ihre Integrationsgeschichten und diskutieren mit den Jugendlichen über Integration und Migration. www.zusammen-oesterreich.at

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Geist, der Hoffnung schenkt

»Was gibt Ihnen Hoffnung?«

Hoffnung bedeutet im Judentum etwas ganz Essentielles. Ohne sie würde das jüdische Volk vermutlich nicht in dieser Form bestehen. Angesichts der schlimmsten Verfolgungen, die die jüdische Geschichte prägen, war die Hoffnung auf eine positive Wendung immer der Strohhalm, an dem man sich anhielt, auch wenn ein zuversichtlicher Blick in die Zukunft geradezu ausweglos schien. Das Judentum war seit seinen Anfängen eine Religion der Hoffnung. Ohne Hoffnung wäre es nicht in der Lage gewesen, die unzähligen Verfolgungen zu überleben. Sie ist ein zentraler Begriff in der jüdischen Religion und Tradition. Im Frühjahr feiern wir Juden eines unserer wichtigsten Feste: Pessach. Es ist jener Feiertag, an dem wir uns an die Befreiung aus der Sklavenherrschaft erinnern und an den Auszug aus Ägypten. Auch hier steht neben der Erinnerung an die Befreiung das Reflektieren darüber, was Freiheit für ein ganzes Volk aber auch für jeden Einzelnen bedeutet. Wir schließen den festlichen Sederabend, der den Eingang zu diesem achttägigen Fest markiert, mit den Worten: „Nächstes Jahr in Jerusalem.“ Wobei hier nicht der geographische Begriff zu verstehen ist, sondern die Hoffnung auf Erlösung in Freiheit und Frieden. Unsere Hoffnung war und ist immer eine Hoffnung gegen die Wahrscheinlichkeit, die allerdings auch in letzter Konsequenz gut ausging. In diesem Bewusstsein führe ich mein Leben und gebe das auch meinen Kindern weiter. Immer mit dem Hinweis darauf, dass man

Sabine Oberhauser ist Bundesministerin für Gesundheit Auch in scheinbar ausweglosen Situationen, habe ich – Gott sei Dank – die Gabe, Licht in der Finsternis zu sehen und ich bin jemand, der versucht aus jeder Situation das Beste zu machen. Gerade in Zeiten der Krankheit bin ich oft drauf angesprochen worden, dass ich meistens strahle und lächle. Da sage ich immer, das Strahlen kostet mich dieselbe Anstrengung als ob ich grantig und raunzig schauen würde und es kommt viel mehr Positives zurück. Familie und Freunde geben mir sicher den meisten Rückhalt im Leben. Das gibt mir viel Mut und Kraft. Meine Stärke war es auch immer, mich an den eigenen Haaren aus dem Schlamassel zu ziehen. Mir ist selbst in schwierigen Zeiten nie das Lachen vergangen. Ich gehe jeden Tag sehr bald in der Früh mit

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meinem Hund „Felix“ zwischen fünf und acht Kilometer, egal welches Wetter ist. Für mich hat dabei jede Stimmung ihren Reiz. Ich mag es, wenn Nebel über dem Teich aufzieht, das hat für mich nichts Melancholisches, sondern es macht mich einfach froh, wenn ich dieses Schauspiel der Natur sehe. Und wenn ich über Wien schaue, freue ich mich, in welch schöner Stadt ich leben darf. Gerade diese „kleinen“ Dinge im Leben geben mir Hoffnung, Zuversicht und Mut. ■

Geboren ohne Arme und ohne Beine ist Georg Fraberger heute klinischer und Gesundheitspsychologe Hoffnung ist für mich die Aussicht auf all das, was das Leben erträglich und den Wahnsinn des Alltags überstehbar macht. Erträglich wird das Leben durch harmonische Beziehungen. Und was braucht man dafür? Vor allem Liebe, das genügt; entweder für andere Menschen, für seinen Beruf und für die Probleme die man bewältigen muss. Mit den richtigen Beziehungen übersteht man alles. Viele Menschen setzen sich unter Druck aus Sorge nicht liebenswert zu sein. Doch jeder ist liebenswert ob groß, klein, dick, dünn, arm reich, arbeitslos, Workaholic etc. Als Psychologe hoffe ich immer wieder, dass es gelingt, dass Menschen erkennen wie liebenswert und wertvoll sie sind. Die Sorge nicht gut genug zu sein, kann krank und aggressiv machen. Die Hoffnung bzw. die Aussicht darauf, dass Beziehungen überhaupt gelingen können, und nicht nur durch Neid, Eifersucht, Betrug, Desinteresse oder Gewalt gekennzeichnet sind, sowie die Hoffnung darauf, dass sich Menschen wirklich än-

Fotos: Spera: Josef Polleros | Oberhauser: BMG /Jeff Mangione | Fraberger: M. Ferrigato

Danielle Spera ist Direktorin des Jüdischen Museums Wien

selbst das Beste aus den Anlagen machen soll, die einem bei der Geburt mitgegeben wurden. Nicht auf Wunder zu warten, sondern sein Leben in die Hand nehmen und sein Potential zu nützen. Dazu passt sehr gut der folgende Witz: Der liebe Gott beschließt, innerhalb von drei Tagen eine neue Sintflut zu schicken. Der Papst verkündet: „Hüllt euch in Sack und Asche und tut Buße; das Ende der Welt ist nahe.“ Der evangelische Bischof meint: „Uns bleibt nur noch das Bitten um Gnade, damit das furchtbare Schicksal von uns abgewendet wird.“ Der Oberrabbiner aber sagt zu seiner Gemeinde: „Liebe Freunde, wir haben noch 72 Stunden Zeit, um zu lernen, wie man unter Wasser lebt.“ ■

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dern können, lässt mich als Psychologe beruflich durchhalten. Ich glaube an Gott und im Spital arbeitend glaube ich auch an die Wissenschaft. Mit der Hoffnung auf neue Erkenntnisse aus Medizin und Psychologie besteht hier die Möglichkeit zu helfen. Mut gibt mir die Hoffnung das Richtige zu tun – für meine Familie und mich. Auch wenn manche mich nicht verstehen, so ist die Hoffnung, dass ich trotzdem gemocht werde so groß, dass ich mutig frei entscheide. Die Tatsache, dass ich Beziehungen habe, die mir Energie geben, lässt mich die Abhängigkeit von Liebe und damit Angst klein halten. So habe ich Mut ich zu sein. In der Arbeit lassen mich Arbeitsbeziehungen beispielsweise in der Früh aufstehen und in die Arbeit gehen. Meine Liebesbeziehung lässt mich so sein wie ich bin… ein Optimist, eben hoffend. ■ Autor der Bücher „Ohne Leib mit Seele“ und „Ein ziemlich gutes Leben“.

Fotos: Geierspichler: Dissertori

Thomas Geierspichler – seit einem Autounfall querschnittsgelähmt – wurde als Rennrollstuhlfahrer mehrmals Welt- und Europameister und Paralympicssieger „Du wirst nie wieder gehen können“. Mit dem Unfall, der mit der Diagnose Querschnittlähmung endet, komme ich gar nicht zurecht. Mein Selbstwertgefühl sinkt tief in den Keller. Ich werde mit einer Tatsache konfrontiert, die nicht mehr in meinem Entscheidungsbereich liegt. Ich muss behindert sein, obwohl ich nicht will. Ich muss ein Leben leben, das ich nicht will. Aber ich habe doch noch Träume, will noch Fußball spielen, am Wochenende mit meinen Freunden ausgehen, Mädchen anquatschen… Ich bin nicht behindert. Zumindest fühle ich mich nicht behindert. Ich wer-

de aber so wahrgenommen. Das Äußerliche, das ich darstelle, ist nicht eins mit dem, was ich innerlich bin und was ich fühle. Alles ist aus. Meine Welt ist zusammengebrochen. Meinen inneren Konflikt, meine neue Realität, die jetzt den Anfang meines neuen Lebens bedeuten soll, will und kann ich in tiefster Seele nicht annehmen. Das sind Gedanken, die meine täglichen Begleiter sind. Schnell werden sie ein tiefer innerlicher Schmerz, den ich bald nicht mehr aushalten kann. Ich muss ihn irgendwie loswerden. Aber wie? Eines Abends drückt mir jemand ungebeten eine selbstgedrehte „Zigarette“ in die Hand. Nach einigen Zügen „beamt“ es mich dermaßen weg, dass ich nicht mehr weiß, wer ich bin, geschweige denn, dass ich mich als behindert wahrnehme. Da wird mir klar: Das ist das, was ich brauche! Diese selbstgedrehten Zigaretten! Sie geben mir das Gefühl, das ich jetzt brauche. Immer mehr. Ich rauche immer mehr von diesen Zigaretten und ständig geht es mir „gut“, aber nach einiger Zeit egal, wie viele ich davon rauche, wird mir wieder bewusst, dass ich behindert bin. Dass ich ein Leben führe, das ich nicht will. Einen - meinen - behinderten Körper habe, den ich nicht will. Nun habe ich zwei Probleme: Ich bin andauernd benebelt, alles andere ist trotzdem noch beim Alten. Und ich kann mich nicht mehr ausstehen.

Wenn es dich wirklich gibt, Gott… 28. 12. 1997, der Tag, der meinem Leben eine Wende gibt. Bei einem Essen, zu dem ich eingeladen bin, fragt mich der Gastgeber: „Wie geht es dir?“ Wie aus der Pistole geschossen entgegne ich: „Passt schon.“ Er fragt mich nochmals, und ich gebe ihm dieselbe Antwort. Er sieht mir tief in die Augen und sagt: „Nein, ich meine, wie geht’s dir wirklich?“ Ich wende meinen Blick von ihm ab und antworte „Scheiße geht’s mir. Ich sitze im Rollstuhl, bin behindert und mein Vater wird auch bald sterben.

Scheiße geht’s mir.“ Zum ersten Mal im Leben denke ich wirklich bewusst nach, wie es mir wirklich geht, lasse den Schmerz zu, der in mir aufsteigt. Das erste Mal wehre ich mich nicht und lasse alles zu, was in mir hochkommt. Auf der Heimfahrt kommt mir aus heiterem Himmel der Gedanke: „Hör zu rauchen auf!“ Nach langem Hin und Her, mit der Teufels-Engels-Schlacht auf der Schulter, wie in einem Comic, treffe ich die richtige Entscheidung und bitte um Unterstützung: „Wenn es dich wirklich gibt, Gott, dann hilf mir dabei, dass ich mit dem ganzen Mist aufhöre!“ Das ist der Anfang eines Prozesses, der mir täglich immer mehr inneren Frieden schenkt, und ich lerne, jeden Tag so anzunehmen, wie er ist. Ich kann der Realität endlich in die Augen schauen und sie annehmen, wie sie ist. Ich spüre immer mehr, wie ich eins mit mir selber werde und meine Seele immer ruhiger und klarer wird. Ein neues Leben beginnt, und ich habe wieder Perspektiven, habe wieder Ideen und Ziele. Wieder Träume und Visionen. Das Alte ist vergangen und etwas Neues ist entstanden.

Der Glaube ist die Verwirklichung dessen, was man hofft, ein Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht Diese Aussage in der Bibel hat mich sehr getroffen, denn ich habe erfahren: Glaube erzeugt Bilder in unseren Köpfen, diese Bilder wiederum veranlassen uns nach dem zu handeln, was wir glauben. Es ist egal was die Umstände sagen. Essentiell ist worauf ich schaue. Worauf richte ich meine Gedanken, meine Gefühle, mein Wollen, meinen Glauben? Was kann passieren, wenn ich ein unverbesserlicher Optimist bin, immer glaube „das wird schon“? Es kann nur besser werden. Denn „nix habe ich schon mal fix“. Ich kann eigentlich nur gewinnen. „Alles ist möglich dem, der glaubt!“ (Mk 9,23) ■

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016 21

PB Pfingsten 2016 26.04.16 11:00 Seite 22

Aus der Dompfarre

Stadtgespräch Dompfarrer: Lieber Herr Bezirksvorsteher, sechs Monate sind seit der Wahl und fast drei Monate seit deiner Angelobung vergangen, wie blickst du auf diese ersten Monate deiner Amtszeit zurück? Bezirksvorsteher: Die Angelobung fand schließlich zwei Tage vor Weihnachten statt, daher konnten wir erst im Jänner richtig durchstarten. Was ich bis jetzt erleben durfte ist, dass wir ein sehr gutes Verhältnis zwischen allen Fraktionen haben. Es ist auch mein Bestreben, ein Bezirksvorsteher für alle zu sein. Es ist kein parteipolitisches Amt, sondern im Gegenteil: Wichtig ist, dass wir es als Bezirk schaffen, – gemeinsam über alle Fraktionen hinweg – festzustellen, was wir machen wollen und dabei geschlossen auftreten. So bin ich sehr froh, dass wir bereits eine gemeinsame Stellungnahme des Bezirks im Rahmen des Wettbewerbs für die Umgestaltung des Schwedenplatzes und auch bei dem großen Projekt Herrengasse eine Stellungnahme mehrerer Fraktionen abgegeben haben. Was mich besonders freut ist, dass es nun auch einen Konsens zwischen der Stadt Wien und dem Bezirk gibt, dass der Stephansplatz so schnell wie möglich neu gestaltet und saniert werden soll. Der derzeitige Zustand mit den Asphaltflecken ist einer Weltstadt wie Wien einfach unwürdig. Im Zuge der Re22

novierung wollen wir auch ein paar Verbesserungen erreichen wie z. B. einen zweiten Lift. Dompfarrer: Ganz unschuldig war die Kirche ja nicht, dass man mit der Neugestaltung noch etwas zugewartet hat. Die vom Architekten Kirsch entworfenen Pläne für den Stephansplatz und die Fußgängerzone sind sehr interessant. Ich bin selbst schon sehr neugierig, wie die Plattenverlegung konkret aussehen wird, die auf den „Stephansfreithof“, den sich hier ursprünglich befundenen Friedhof rund um den Dom hinweisen soll. Ebenso werden die Umrisse der Magdalenenkapelle am Platz erkennbar sein. Die Virgilkapelle unter dem Stephansplatz ist nach langer Renovierung bereits ein echtes Juwel geworden. Abgesehen von diesen Großprojekten, – dieser neue politische Stil der überparteilichen Zusammenarbeit, der sehr wohltuend ist, – wie darf man sich das konkret vorstellen? Gibt es hier ein Arbeitsübereinkommen? Bezirksvorsteher: Wir haben ein gutes Gesprächsklima in der Präsidiale, wo sich Bezirksvorsteher, Stellvertreter und Klubobleute treffen und sind dort übereingekommen, dass wir verstärkt die Arbeit in den einzelnen Ausschüssen und Kommissionen über die Parteigrenzen hinweg gestalten möchten. Es gibt viele ge-

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2015

meinsame Interessen. Wir haben 40 gewählte Bezirksräte, die sich in den Kommissionen persönlich sehr einbringen. Diese üben ihre Tätigkeit in ihrer Freizeit aus und sind in überwiegendem Maße Idealisten – egal von welcher Fraktion. Und wer in der Kommunalpolitik tätig ist weiß: Der persönliche Kontakt ist ganz wichtig. Man muss nicht alles medial aufbauschen, wenn man einen direkteren Stil findet, ist auch jedem gedient. Dompfarrer: Inwieweit fühlst du dich nicht nur den Bewohnern des 1. Bezirks verpflichtet, sondern den 100.000 Personen, die täglich in die Innenstadt zu ihrem Arbeitsplatz pendeln und auch den über 250.000 Menschen die Tag für Tag zu Konzerten, ins Theater, zu diversen Veranstaltungen und in die gut 1000 Lokale hierher kommen? Bezirksvorsteher: Es ist das besondere in Wien, dass die Innere Stadt wirklich das politische, kulturelle, historische und auch das religiöse Zentrum ist. Es ist ein echtes Stadtzentrum. Wir Innenstädter genießen die urbane Atmosphäre und sind stolz darauf, gute Gastgeber zu sein. Auf der anderen Seite haben wir auch ein gewisses Ruhebedürfnis. Ein besonders heißes Eisen sind die Schanigärten: Wir Innenstädter sitzen selbst auch gerne in den Schanigärten, aber alles muss

Foto: Dompfarre

Dompfarrer Toni Faber zu Besuch bei Bezirksvorsteher Markus Figl

Fotos: BV Innere Stadt/Georges Schneider

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mit Maß und Ziel sein. Es darf nicht ausufern. Als Bezirksvorsteher bin ich verantwortlich, dass es hier eine Balance gibt. Mit einer gewissen Rücksichtnahme und einem Aufeinanderachten sind wir auf einem guten Weg. Ich bin überzeugt, dass ganz Wien ein Interesse daran hat, dass das Stadtzentrum bewohnt und belebt bleibt. Menschen, die hier leben, geben ganz anders auf die Umgebung Acht. Wenn die Innenstadt ausstirbt (wie das in vielen Großstädten der Fall ist), kommen die Probleme wie z. B. Vandalismus. Dompfarrer: Du stehst selbst für eine junge Familie, die in der Innenstadt wohnt, auch Daniela Ecker-Stepp. Wie sieht es grundsätzlich für Familien mit Kindern im Ersten Bezirk aus? Bezirksvorsteher: Ob Familien hierherziehen oder bleiben hat viele unterschiedliche Gründe. Die Leistbarkeit des Wohnens etwa. Das liegt an der Preisentwicklung am Markt oder ob Wohnungen übernommen werden können. Ich bin kein Vertreter der Planwirtschaft. Wir drängen daher darauf, dass bei den diversen Projekten auch Wohnraum geschaffen wird und wollen dabei auch die Stadt Wien in die Verantwortung nehmen. Dompfarrer: Noch einmal zurück zum Stephansplatz: Von der katholischen Kirche aus nutzen wir jedes Jahr den Platz für einige Veranstaltungen wie den Stefflkirtag oder die Caritas-Aktionstage, an denen die Caritas auf gesellschaftliche Herausforderungen wie beispielweise Altern oder Demenz aufmerksam macht. Daneben ist der Stephansplatz sehr, sehr für politische Demonstrationen begehrt. Fast jede Woche gibt es direkt vor dem Dom diverse Aktivisten mit provozierenden Filmen und Tafeln, oft zum Ärgernis von Gottesdienstbesuchern und Touristen. Wie siehst du die Bestimmung dieses Platzes? Bezirksvorsteher: Der Nutzungsdruck ist hier sehr groß: Jeder will etwas im

Zentrum der Stadt machen und am besten am zentralsten Ort des Zentrums: am Stephansplatz. Veranstaltungen müssen genehmigt werden. Dabei muss man hier genau unterscheiden: Ich persönlich bin für eine Respektzone Stephansplatz, dass dort nur Veranstaltungen stattfinden, die auch mit dem Stephansdom, der Dompfarre bzw. Erzdiözese etwas zu tun haben. Alles andere soll am Stock-im-Eisen-Platz stattfinden, aber die Begehrlichkeiten – zum Teil auch von politischen Parteien – sind sehr groß. Demonstrationen hingegen, über die ich unzählige Beschwerden erhalte, müssen nur angemeldet werden. Die rechtliche Lage ist derzeit so, dass der Verfassungsgerichtshof davon ausgeht, dass es zum Wesen einer Demonstration gehört, „aufzufallen“. Ohne rechtliche Änderung können wir daher nichts tun. Dompfarrer: Du bist in der Dompfarre schon lange ein bekanntes Gesicht. Was verbindet dich persönlich mit St. Stephan? Bezirksvorsteher: Ich bin stark durch die Studentenmessen um 21 Uhr, seinerzeit mit Msgr. Berger, sozialisiert und geprägt worden. Der Stephansdom ist für mich spirituelle Heimat, eine persönliche Kraftquelle und ein Ort der Begegnung. Das Spirituelle gehört für mich zum Menschsein dazu. Ich glaube aber, dass

wir als Gesellschaft nicht den richtigen Umgang gefunden haben. Das Religiöse wird heute leider in den höchst persönlichen Raum gedrängt, ja fast versteckt. Dompfarrer: Es gibt einschließlich der unierten Gemeinde sechs katholische Pfarren und 15 Rektoratskirchen im ersten Bezirk. Meine Frage als Dechant an dich: Gibt es deinerseits Anliegen an diese Gemeinden? Bezirksvorsteher: Die Politik hat dafür zu sorgen, dass das Zusammenleben der Menschen gut funktioniert. Als Bezirksvorsteher sehe ich mich im Dienst der Menschen und bin darauf angewiesen zu erfahren, wo die Menschen der Schuh drückt und welche Entwicklungen sie sich wünschen. Ich würde mich daher über einen guten Kontakt und ein offenes Gesprächsklima freuen. Die Kirchen sind Orte der Begegnung, in ihnen geschieht so viel Soziales. Sie tragen zum Leben einer bewohnten Inneren Stadt bei. Bei allen unterschiedlichen Interessen und den vielen Menschen im 1. Bezirk kann es gelingen, möglichst viele Win-Win-Situationen zu schaffen: durch ein Aufeinanderzugehen und gute Gespräche. ■ Das Gespräch wurde am 17. März 2016 geführt.

Die Bezirksvorstehung des 1. Wiener Gemeindebezirkes.

Bezirksvorsteher der Inneren Stadt Markus Figl und seine beiden Stellvertreterinnen Daniela Ecker-Stepp und Isabelle Jungnickel

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016 23

PB Pfingsten 2016 26.04.16 11:00 Seite 24

Aus der Dompfarre

Blitzlichter

Musikalischer Abend des Frauenimpuls. Nächstes Treffen am 19. Mai um 18.00 Uhr zu einer hl. Messe in der Curhauskapelle und anschließender Agape. Neue Gesichter sind immer herzlich willkommen! 24

Am Vorabend des Valentinstages lud die Dompfarre in bewährter Weise zur „Segnung der Liebenden“. Viele Menschen – junge und ältere, Paare und Einzelpersonen – nahmen die Einladung zum Wortgottesdienst mit Pfarrer Gregor Jansen an, baten um dem persönlichen Segen für ihre Liebe und stellten als Zeichen ihrer Dankbarkeit dafür ein brennendes Teelicht auf die Kommunionbank. Sehr viele genossen auch nach der Segnung noch die wunderbare Stimmung im abendlich beleuchteten Dom und die berührenden Darbietungen unserer Musiker Susanne Sommerer und Valentin Zopp.

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016

Beim Friedensgottesdienst am 3.1.2016 ermutigte Kaplan Franz Sieder dazu, nicht nur für den Frieden auf der Welt zu beten, sondern sich konkret zu engagieren, diese Welt menschlicher, gerechter und friedlicher zu machen.

Fotos: Domany | Kreyca | Hofer | Domany | Reisenbichler

Auf rot-weiß-roten Spuren in Brünn… oft und gerne auch „die größte Vorstadt Wiens“ genannt, wandelten 19 jüngere und ältere Mitarbeiter und Freunde der Dompfarre am 5.und 6. März 2016. In Begleitung unseres äußerst kompetenten Stadtführers erforschten wir bei strahlendem Wetter diese schöne Stadt, die nur eineinhalb Bahnstunden nahe liegt und den Meisten von uns doch nur vom Durchfahren bekannt war. Ein Wochenende lang konnten wir die Gemeinschaft und vieles, was oft im Alltag zu kurz kommt, ohne Zeitdruck genießen. Besonders berührend war für viele von uns dabei die Sonntagsmesse, die wir mangels deutschsprachigen Messangebots im lichtdurchfluteten Seminarraum unseres Hotels so persönlich gestaltet feiern durften.

PB Pfingsten 2016 26.04.16 11:00 Seite 25

Vom Fastentuch »Collective Heart«…

Fotos: A. Ringhofer/EDW

Das Gewebe der menschlichen Leidensgeschichten. Von Jan-Heiner Tück Das Fastentuch ist eine Collage aus Hunderten von Spitzendecken und gestickten und gehäkelten Webarbeiten, die zu einem großen Tuch zusammengenäht und verknotet sind. Es verdeckt den frühbarocken Hochaltar des Doms samt dem großformatigen Bild der Steinigung des hl. Stephanus von Tobias Pock. Man könnte sagen, dass es sich um einen bunten Stoffteppich handelt, der die vielen kleinen Passionsgeschichten der Menschen zusammenbringt und diese vor Gottes Angesicht trägt – wobei die Semantik des lateinischen Wortes passio bekanntlich sowohl das ‚Leiden‘ als auch die ‚Leidenschaft‘ umschließt. Das Fastentuch kann daher als vielgestaltiges Webmuster gedeutet werden, das menschliche Leidenschaften, Träume und Erwartungen, aber ebenso Leiden, Enttäuschungen und Verzweiflung verknotet und vernetzt. Die Spitzendecken sind in geduldiger Andacht zumeist von Frauen gehäkelt worden. „Das Besondere an dieser Objektgattung ist“, wie Aleida Assmann vermerkt, „ihre Unscheinbarkeit; die Deckchen zieren das Wohnzimmer, sie sind Platzhalter und dienen als Unterlage, und obwohl sie oft äußerst kunstfertig und feingliedrig sind, sind sie kaum je ein Gegenstand der Bewunderung und Wertschätzung.“ Diese kaum je angemessen gewürdigte Arbeit wird sichtbar gemacht, das Unscheinbare öffentlich ausgestellt. In der Erläuterung zum Fastentuch erfährt man, dass die Künstlerin die Spitzendecken und Stoffe auf Flohmärkten in ganz unterschiedlichen Orten der Welt zusammengekauft hat. Die Collage bietet damit so etwas wie eine Kollokation – eine Vernetzung diverser Orte, an denen unterschiedliche Sprachen gesprochen werden und andere kulturelle Codes das Verhalten bestimmen … Oft gibt es kleine Fehler im Muster der Spitzen und Näharbeiten, die der Betrachter oder die Betrachterin mit bloßem Blick allerdings nicht erkennen kann. Ein Anzeichen für

die Fehlbarkeit des Menschen, die Umwege, die er geht? Der Faden der Erinnerung vernäht und verknotet im Fastentuch aber nicht nur diverse Orte zu einer Erinnerungslandschaft, sondern er verknüpft auch unterschiedliche Zeiten zu einer Synopse. Die Stoffe und Näharbeiten, die in der Collage von Eva Petrič zusammengebunden wurden, sind unterschiedlich alt. Die generationenübergreifende Kraft der Erinnerung, die Menschen von heute mit Menschen von damals zusammenbindet, wird somit durch das Fastentuch eindrücklich visualisiert. Zugleich ist aber auch das wechselseitige Aneinanderdenken und Füreinandereinstehen von Zeitgenossen zum Ausdruck gebracht, die an weit voneinander entfernten Orten leben und ihre Lebensgeschichten miteinander teilen. Die Nähte und Knoten, die die unterschiedlichen Tücher zusammenhalten und etwas Chaos in die ästhetische Ordnung der wohlstrukturierten Stoffe bringen, machen aber auch Erinnerungswunden und -narben sichtbar, legen Konflikte und Traumata frei, deren Heilung noch aussteht. Dem geläufigen Wort „Die Zeit heilt die Wunden“ setzt das Fastentuch ein filigranes Gewebe entgegen, das die „Wunden der Zeit“ öffentlich ausstellt und dem Betrachter zur Durcharbeitung empfiehlt – ganz im Sinne des Diktums von George Santayana: „Those who cannot remember the past are condemned to repeat it.“ Das Fastentuch hängt, das darf schließlich nicht übersehen werden, in der Apsis der mittelalterlichen Kathedrale. Es ist damit, wie der Kirchenraum insgesamt, auf Osten hin ausgerichtet. Die aufstrahlende Sonne am frühen Morgen ist das Symbol für den auferstandenen Christus, Zeichen der Hoffnung auf ein Leben, das keinen Tod mehr kennt. Der Flickenteppich der Passionen, der bunte Stoff, aus dem die Geschichten der Menschen gewebt und verknotet sind, wird so hineingehalten in die österliche Hoff-

Das Fastentuch mit dem Titel „Collective Heart“ der slowenischen Künstlerin Eva Petrič im Stephansdom nung auf rettende Verwandlung. (Ungekürzter Text auf www.feinschwarz.net)

… zu Glaube – Hoffnung – Liebe Love – Belief – Hope. Eden transplanted heißt die zweite Häkelinstallation von Eva Petrič, die im Dom von 3. Mai – bis 13. Juni zu sehen ist. Die Häkelinstallation bringt wieder dieses Vernetzt-Sein zum Ausdruck, der Blick wird dieses Mal Richtung Himmel gelenkt: Die Menschen verschiedener Generationen an verschiedenen Orten sind verbunden durch die gemeinsame Sehnsucht, „Eden“ zu erreichen, einen Zustand der Einheit von Glaube, Hoffnung und Liebe. ■

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Aus der Dompfarre

Wie Weihrauch steige mein Gebet vor Dir auf Nachruf auf Alexander Glück. Von Benedikt Wolloner Am Nachmittag des 21. November 2015 ist uns Alexander zum Herrn vorausgegangen. Unerwartet und viel zu plötzlich, wurde er in seinem 42. Lebensjahr aus unserer Welt gerissen. Eben noch war er im Dom – in seinem Dom – gewesen und hat jungen Buben und Mädchen, die sich auf das heilige Sakrament der Erstkommunion vorbereiten, die Welt der Heiligenfiguren und des Kirchenraumes näher gebracht. Dann hat der Herrgott beschlossen ihn zu sich zu holen. Vermutlich weil er einen Thurifer brauchte und wenn nicht, so hat er den Engeln das Weihrauchfass schon sicher aus der Hand gerissen, wie Dompfarrer Toni Faber in seiner Predigt beim Requiem meinte. Was bleibt von Alexander? Am 23. Februar 1974 kam er auf die Welt, empfing die Taufe in Hietzing, die Firmung in Kremsmünster. 1999 schloss er die Päda-

gogische Akademie in Strebersdorf ab und war dann lange Zeit als Vertragsbediensteter beim Österreichischen Bundesheer beschäftigt. Sein unstillbarer Wissensdrang ließ ihn weiterlernen und so erreichte er 2011 den Abschluss zum Akademischen Immobilienmanager mit dem Titel MBA, wurde als Immobilienverwalter selbstständig und spondierte 2014 er an der University of Plovdiv Paisii Hilendarski. Sein größtes Glück war wohl, als er seine Frau Judy im August 2001 heiraten durfte. Sie schenkte ihm zwei Kinder – Mia und Aurelian – die heuer den 10. sowie den 14. Geburtstag feiern dürfen. Die Fotos vom Familienschifahren in Kleinarl oder von der frisch erbauten „Lucky Crocodile“-Lodge angrenzend an den Krüger Nationalpark haben erahnen lassen, wie stolz und glücklich er in seiner Familie war. Abseits von Familie und Arbeit war er

ein äußerst engagiertes Mitglied in verschiedenen Gruppierungen. Nicht nur in der Pfarre, sondern unter anderem auch in seinen Studentenverbindungen (K.Ö.St.V. Guelfia Wien, K.Ö.L. Maximiliana und K. a. J. Sankt Hubertus Velden zu Wien), im MALTESER Hospitaldienst Austria Burgenland und parteipolitisch im Wirtschaftsbund. Er war uns dort und egal wo man ihn gebraucht hat immer wahrhaft Freund und Bruder, wie es im Zeremoniell der Studentenverbindungen heißt. Tröstend bleibt uns die Stelle aus der Epistel der Osternacht: Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. Und wenn unser eigener Weg uns an die Himmelspforte führt, so hoffe ich, dass mich dort Alexander abholen kommt; egal ob mit Weihrauchfass oder mit seinem „Weihrauch in Stangenform“. ■

Herzliche Einladung zum Steffl-Kirtag Beim Steffl-Kirtag feiern wir in dankbarer Freude unsere geliebte Stephanskirche als Dom- und Pfarrkirche: mit Gottesdiensten, Konzerten, speziellen Führungen, Kunsthandwerk und natürlich Speis und Trank. Pfingsten ist das Geburtstagsfest der jungen Kirche, an einem Pfingstfest wurde St. Stephan geweiht. Wir wollen in diesen wärmeren Tagen rund um das Fest des Heiligen Geistes den dienenden Beitrag der Kirche betonen und erlebbar machen, dass Kirche für die Menschen da ist. „Diener eurer Freude zu sein“ ist ja eine der höchsten Aufgaben der Jüngerinnen und Jünger Christi! Die Freude an Gott, und seinem und unserem Stephansdom soll uns in diesen Tagen besonders erfüllen. Programm siehe Kirtags-Folder oder www.dompfarre.info ■ 26

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Foto: Glück: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at | C. Herrlich

im und um den Stephansdom von 5. bis 16. Mai 2016

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Aus Freude am Anderen Nächstenliebe konkret: Menschen aus der Dompfarre sind das ganze Jahr über für andere da. Ein kleiner Rückblick

Fastensuppensessen

Festmahl für den Nächsten

Fotos: Domany | Leibrecht | privat | Hofer

Mit großem Eifer und Geschick bewährten sich unsere Firmlinge im Service beim „Festmahl für den Nächsten“ am 12. März und ließen sich auch von den riesigen Bergen an schmutzigem Geschirr nicht unterkriegen. Die etwa 200 Gäste bedankten sich dafür mit tosendem Applaus!

Am Sonntag, 14. Februar lud die Dompfarre von 11.30 bis 13.30 Uhr zum traditionellen Fastensuppenessen ins Curhaus ein. Die Verköstigung mit 15 verschiedenen selbstgekochten Suppen brachte einen Spendenerlös von € 1.800. Mit dem Geld wird die anerkannte syrische Flüchtlingsfamilie Hannan mit ihren drei Töchtern, die seit Dezember am Stephansplatz wohnt, unterstützt. Der Dank gilt den Köchen Otto Meisel und Hans Walzl, allen ehrenamtlichen Helfern – und allen Essern!

Adventmarkt An den kostbaren Handarbeiten und aufwendigen Basteleien wird das ganze Jahr gearbeitet. Und die Liköre und feinen Bäckereien waren schnell ausverkauft. Der 32. Adventmarkt am 28. und 29. 11. 2015 brachte einen Spendenerlös von € 5.021,02 für karitative Zwecke.

Weihnacht der Einsamen Hier werden die Mitarbeiter immer am meisten beschenkt. Großer Dank gilt neben den Helfern vor allem dem Restaurant DaCapo, besonders Wolfgang Fleischhacker, Erich Muskovich, Küchenchef Thomas Schonerstedt und seinem Team! Danke auch an Charlotte Haas für ihr stimmungsvolles Klavierspiel. Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016 27

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Aus der Dompfarre

Vor 60 Jahren Aus der Pfarrchronik von St. Stephan

15.1. Bei der Abendmesse sang der Wiener Männergesangsverein unter Leitung von Professor Karl Etti. An der Orgel war Professor Louis Ditté.

Februar 1956 12.2. Faschingsfeier der Dompfarre im Hotel Post.

März 1956 11.3. Das Te Deum anlässlich des Krönungstages des Hl. Vaters hielt Kapitelvikar Dr. Jachym. 20.3. Alt-Bundespräsident Wilhelm Miklas ist gestorben. 25.3. Kapitelvikar Dr. Jachym hielt in der Peterskirche die Palmweihe nach der

neugeordneten Karwochen-Liturgie. Von dort zog die Prozession über den Graben und Stephansplatz zum Dom, wo das Pontifikalamt gefeiert wurde.

bischof Dr. Jachym. 27.5. Bei der Fronleichnamsprozession trug Erzbischof Jachym das Allerheiligste.

April 1956

Juni 1956

2.4. 19. Allgemeines Wiener Oratorium. Kanonikus Dr. Karl Dorr sprach über das Thema: „Lob der unvollkommenen Ehe.“ 29.4. Feierstunde „Die Kirche ehrt das Alter“.

3.6. Pfarrwallfahrt der Dompfarre nach Maria Taferl. 10.6. Pfarrfirmung in St. Stephan. Es firmte Erzbischof Dr. F. Jachym. 17.6. Heute war die Inthronisation des neuen Erzbischofs Dr. Franz König. Der neue Oberhirte zog von der Augustinerkirche aus zum Dom. Der Zug bewegte sich über den Josefsplatz – Reitschulgasse – Michaelerplatz – Kohlmarkt – Graben – Stephansplatz. Tausende Menschen säumten trotz des wunderschönen Wetters die Straßen und großer Jubel begrüßte den neuen Erzbischof. Beim Einbiegen des Zuges auf den Stephansplatz entrollte Herr Ölzant (Dombauhütte) von der Kreuzrose des Südturmes eine Fahne. Nach der Begrüßung durch Erzbischof Dr. Jachym beim Riesentor erfolgte Inthronisation und Homagium des Klerus. Anschließend hielt der neue Erzbischof eine Ansprache. 18.6. Wallfahrt der Frauen der Dompfarre nach Kaltenleutgeben. 23.6. Erzbischof Dr. Jachym zum Erzbischof Koadjutor sedi datus ernannt. 24.6. Da Erzbischof Dr. König noch verschiedene Verpflichtungen in der Diözese St. Pölten zu erfüllen hat, erfolgte die Krankenfirmung durch Erzbischof Dr. Jachym.

Mai 1956

6.5. Die Muttertagsfeier wurde im Rahmen der Pfarrmesse gehalten. 10.5. Papst Pius XII. ernannte heute den Bischof-Koadjutor von St. Pölten Dr. Franz König zum Erzbischof von Wien. Der neue Erzbischof wurde am 3. August 1905 in Rabenstein NÖ geboren, am 27. 10. 1933 in Rom zum Priester geweiht und nach seiner Tätigkeit als Kaplan, Domvikar von St. Pölten und Theologieprofessor in Salzburg zum Bischof-Koadjutor cum jore succ. von St. Pölten ernannt (31. 5. 1952). Bischof Memelauer erteilte ihm am 31. 8. 1952 im Dom zu St. Pölten die Bischofsweihe. 13.5. Bei den heutigen Nationalratswahlen erlangten die ÖVP 82, die SPÖ 75, die FPÖ 5 und die KPÖ 3 Mandate. 20.5. Pfingstringsendung: Aus 7 Kathedralen wurden die Ansprachen der Bischöfe und die Gesänge der Domchöre übertragen. Feierlicher Empfang des neuen Wiener Erzbischofs Franz König Für den Dom von am 17. Juni 1956 St. Stephan sprach Erz-

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September 1956 15.9. Erzbischof Dr. König führte die Frauenwallfahrt der Erzdiözese Wien nach Mariazell. 17./26.9. P. Leppich SJ aus Deutschland hielt seine großen Ansprachen in Wien. Die Abschlussansprache hielt er auf dem Stephansplatz. 29.9. Die Dompfarre eröffnete das Arbeitsjahr mit einer Wallfahrt nach Maria Grün im Prater. ■

Foto: Kardinal-König-Archiv/Basch

Jänner 1956

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Tänze aus aller Welt Von Elfriede Handler „Tanz ab der Lebensmitte“ bietet Menschen bis ins hohe Alter die Möglichkeit in einer Gruppe tanzen zu können. Diese Tanzform berücksichtigt besonders die Situation der Frauen, die mit zunehmendem Alter oft keinen Partner mehr haben und sich gerne nach Musik bewegen. Innerhalb dieser Tänze wird die Partnerin immer wieder gewechselt, sodass jede auch alleine kommen kann

und sehr schnell mit anderen in Kontakt kommt. Die Tanzformen und Musik sind abwechslungsreich. Die Tänze werden nicht in enger Tanzhaltung getanzt und es gibt keine schnellen Drehungen oder Hüpfer. Tanz ist eine der besten Vorsorgemaßnahmen, um Bewegung, Koordination, Raumorientierung und Gedächtnis zu erhalten. Darüber hinaus fördert Tanzen die soziale Kommunikation, holt

Menschen aus depressiver Verstimmung und hebt das Selbstbewusstsein. Tanz wirkt also präventiv therapeutisch auf vielen Ebenen. Am besten kommt jede Interessierte selbst vorbei und „schnuppert“ einmal. Herzliche Einladung dazu! Jeden Dienstag von 10.00 bis 11.30 Uhr im Klemenssaal des Curhauses (außer in der Sommerpause) ■

Fotos: Handler | privat

Aus organisatorischen Gründen gibt es heuer im Juni zwei Flohmärkte .

BÜCHERFLOHMARKT am 4./5. Juni 2016 (NUR Bücher, CDs, DVDs, Schallplatten ) Warenabgabe von Freitag, 27. Mai bis Donnerstag, 2. Juni Verkauf: im Klemenssaal, 1010 Wien, Stephansplatz 3, Sa 10–17 Uhr, So 10–15 Uhr

KLEIDERFLOHMARKT am 25./26. Juni 2016 (NUR Kleidung, Schuhe, Taschen, Hüte) Warenabgabe von Samstag, 18. Juni ab 13 Uhr bis Donnerstag, 23. Juni Verkauf: im Klemenssaal, 1010 Wien, Stephansplatz 3, Sa 10–17 Uhr, So 10–15 Uhr

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Aus der Dompfarre

Louisa, schön, dass du da bist, Kinga, schö gibt, Kajetan, wir freu’n uns alle, dass Jes u Erstkommunionsvorbereitung in der Dompfarre. Von Karin Domany Natürlich sind alle 27 weiteren Kinder am 2. April im Rahmen unseres vierten Vorbereitungsblocks genauso herzlich willkommen geheißen worden! An diesem Wochenende stand das Thema „Taufe“ am Programm: am Samstag in verschiedenen Arbeitsschritten zuerst Eltern und Kinder getrennt. Dann erforschten Eltern gemeinsam mit den Kindern alles, was im Dom an die Taufe erinnert. Mit der abschließenden Kindersegnung in der Curhauskapelle waren alle gut vorbereitet auf das Fest der Tauferneuerung am Sonntag. Zum fünften Mal läuft die Erstkommunionsvorbereitung in der Dompfarre nun schon in der oben genannten Form: in fünf Samstagblöcken, bei denen immer mindestens ein Elternteil mit dabei ist, und bei dem neben den verschiedenen inhaltlichen Abschnitten auch die gemeinsame Jause als Ort des Kennenlernens und der Begegnung wichtig ist. Jeder Block schließt – dem Thema ent-

„Mit Scherben fertig werden“ war das Thema unseres diesjährigen Firmbußgottesdienstes am 1. März. Als sichtbares Zeichen brachten wir dabei die „Scherben“ in unserem Leben durch das Licht der Osterkerze zum Strahlen.

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Fotos: Domany

Firmbußgottesdienst .

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hön, dass es dich s us dich so liebt!

Fotos: Domany

sprechend – mit einer kleinen Andacht in der Curhauskapelle. Viele Familien nehmen aus verschiedensten Gründen ganz bewusst dieses Modell gerne an und bringen sich interessiert und aktiv ein. Aus anfänglich einander zum Großteil unbekannten Erwachsenen und Kindern ist im Laufe der Zeit wirklich eine Gemeinschaft gewachsen, in der sich alle wohlfühlen, und in der jede/r Einzelne wertvoll und willkommen ist. Die Eltern und Kinder werden von unserem Team – Dompfarrer Toni Faber – Sigi Czychowski – Karin Domany – Eva Maria Hirschl – Barbara Ruth und Christoph Winkler begleitet. Schmerzlich vermissen wir unseren so plötzlich aus dem Leben gerissenen Alexander Glück, der uns bis kurz vor seinem Tod eine wichtige Stütze war. Gott schenke ihm Frieden und Erfüllung und vergelte ihm das viele Gute, das er getan hat. Wir freuen uns auf das Fest der Erstkommunion! ■

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Feste im Kirchenjahr

Mai – »der Monat Mariä« 1954 geboren, gehört der oftmalige Besuch der Maiandacht in der heimatlichen Pfarrkirche bzw. vor einer kleinen Dorfkapelle – damit in der weitläufigen Pfarre möglichst viele die Gelegenheit hatten, diese überaus beliebte Andacht zu besuchen – zu meinen bleibenden kirchlichreligiösen Kindheitserinnerungen. Diese besondere Andacht zur Gottesmutter Maria war fester Bestandteil der kirchlichen Praxis, sie gehörte zum Mai wie die Maiglöckchen und die blühenden Apfelund Birnbäume. Erst spät bin ich der Frage nachgegangen, seit wann denn gerade der Monat Mai der besonderen Verehrung Marias gewidmet ist und seit wann es die Maiandacht gibt. In der Erzdiözese Wien wurde die erste Maiandacht wohl in der Pfarre Schottenfeld im Jahr 1854 abgehalten, sie wurde von P. Urban Loritz, einem Benediktiner des Schottenstifts, eingeführt. 1855 folgte die damals noch bestehende Pfar-

re Am Hof (als Pfarre 1908 aufgehoben), seit 1856 werden auch in der Domkirche St. Stephan Maiandachten abgehalten. Die Forschung hat gezeigt, dass die Bestimmung des Monats Mai als besonderer Marienmonat erstmals 1725 in Italien nachzuweisen ist. Diese Übung wurde vor allem von Jesuiten verbreitet. Im Gegensatz zu den späteren Maiandachten, die als Volksandachten in der Kirche abgehalten wurden, waren diese Marienandachten aber vor allem für die persönliche Betrachtung bestimmt. Von 1830 bis 1849 war der spätere General der Gesellschaft Jesu, P. Petrus Johannes Beckx (1795-1887) als Beichtvater der Herzogin Julia von Koethen-Anhalt in Wien tätig. Während dieses Aufenthaltes verfasste er 1838 das Buch „Der Monat Mariä“. Sein Ziel war dabei, den ihm aus seiner Kongregation vertrauten Brauch, den Monat Mai der besonderen Verehrung Marias zu weihen,

Seit einigen Jahren werden bei der letzten Maiandacht in St. Stephan Marienrosen gesegnet und verteilt. 32

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auch in Deutschland und Österreich zu verbreiten. So beginnt sein Buch mit einer knappen Darstellung der Geschichte des Marienmonats Mai. Den Hauptinhalt machen Betrachtungen für jeden Tag des Marienmonats – beginnend mit dem letzten April – aus. Auf jede Betrachtung folgen ein Gebet und ein Beispiel aus dem Leben von Heiligen, die sich der Verehrung Marias in besonderer Weise widmeten. Für die praktische Anwendung seines Buches schlug P. Beckx vor, am letzten Apriltag in einem Zimmer ein Marienbild aufzustellen und besonders zu schmücken. Davor sollten sich in der Folge die Gläubigen Tag für Tag versammeln und die Betrachtungen, Beispiele und Gebete laut vorlesen und nach Möglichkeit täglich die heilige Messe zu Ehren der hl. Maria und eine Marienkirche oder ein marianisches Gnadenbild besuchen. Auch der damalige Domprediger von St. Stephan, Wilhelm Zoczek, verfasste im Jahr 1840 unter dem Titel „Der Monat Mariä“ eine Sammlung von Betrachtungen und Gebeten für den Marienmonat. Das Werk musste jedoch in Stuttgart erscheinen und wurde von der bischöflichen Zensur nur für das Ausland zugelassen. In Österreich galt zu diesem Zeitpunkt ja noch immer die josephinische Gottesdienstordnung, die weder Kreuzwegandachten oder eine neue Andacht, wie es dann die Maiandacht werden sollte, zuließ. Erst nach dem Ende des josephinischen Staatskirchentums – auch eine Folge der Revolution des Jahres 1848 – wurde die Kirche von vielen staatlichen Beschränkungen befreit und konnte die kirchliche Praxis wieder selbst bestimmen. Höhepunkt dieser Entwicklung war der Abschluss des Konkordates im Jahr 1855, das sogar die vollständige Jurisdiktion in allen Eheangelegenheiten wieder der katholischen Kirche zusprach. Ein Jahr davor hatte Papst Pius IX. am 8. Dezember, dem Fest der Unbefleckten Emp-

Foto: privat

Historische Betrachtungen von Johann Weissensteiner

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Johann Weißensteiner, Historiker und klassischer Philologe, leitet das Diözesanarchiv Wien fängnis Mariens, das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis verkündet. „Dogmen kommen von oben, Andachten hingegen aus dem Volke“. Dieser bekannte Satz gilt in besonderer Weise auch für die Einführung der Maiandacht. Das neue Dogma wurde im Juli 1855 in allen Kirchen der Erzdiözese Wien entsprechend gefeiert, in vielen Orten wurden Säulen der Immaculata aufgestellt und geweiht. So berichtet Mathias Terklau, Pfarrer von Stetteldorf am Wagram, in seiner Pfarrchronik: „Nach der Festlichkeit wurde den Jungfrauen und Schulmädchen, zwanzig an der Zahl, im Pfarrhofe eine kleine Jause bereitet und blieben sie, fröhlich im Herrn, bis gegen 8 Uhr hier. Bei dieser Gelegenheit verabredeten sie sich und gelobten sie, sich an allen Marien-Festtagen eine halbe Stunde vor dem nachmittägigen Gottesdienste in der Kirche versammeln und zu Ehren ihrer Königin die Lauretanische Litanei beten und ein Marienlied singen zu wollen“.

Foto: Weißensteiner | Domarchiv

»Denke gleich beim Erwachen oft daran, dass dich Gott aus Liebe erschaffen hat« An der Domkirche St. Stephan wurde 1856 auf Anregung der Priester der erzbischöflichen Cur die Feier der Maiandacht eingeführt. Treibende Kraft dabei war vor allem Domkurat Ludwig Donin (18101876; von 1835 bis 1876 der Reihe nach Levit, Kooperator und Kurat an der Domkirche). Dieser gab als Leitfaden zur Verehrung Mariens während des Monats Mai 1865 erstmals auch die „Katholische Maiglocke“' heraus. Nach einer kurzen Geschichte der Maiandacht und ihrer Einführung in Wien enthält dieses Buch für jeden Tag des Marienmonats eine Be-

trachtung, eine Tugendübung, einen Rat, eine Bitte und ein Beispiel aus der Geschichte. So bietet Donin für den ersten Tag eine Betrachtung über die Würde Mariens, als Tugendübung die Liebe zur hl. Maria wegen ihrer Liebenswürdigkeit, ihrer Anmut und der Macht ihrer Fürbitte und den Rat: „Denke gleich beim Erwachen oft daran, dass dich Gott aus Liebe erschaffen hat“. Als Beispiele aus der Geschichte werden die Heiligen Hermann Joseph und Karl Borromäus angeführt. Die Betrachtungen folgen dann Tag für Tag dem Leben Mariens bis zu ihrer Aufnahme in den Himmel. Unter dem Titel „Mutter-Gottes-Knospen“ folgen für jeden Tag des Monats Mai kurze Merksätze. Der zwölfte lautet beispielsweise: „Fängt der Sünder einmal an, das Ave Maria gläubig zu beten, so ist er daran, gerettet zu werden“. 1877 gab der Wiener Domherr Ludwig Graf Coudenhove unter dem Titel „Eine Maiandacht“ ein marianisches Betrachtungsbuch besonderer Art heraus. Für 32 Tage - vom letzten April bis zum letzten Mai - bietet er die Geschichte von 32 marianischen Gnadenbildern in ganz Europa und darüber hinaus. Auf die Geschichte des Gnadenbildes folgen jeweils eine Betrachtung und ein Gebet. 1886 veröffentliche Mathias Eisterer (1849-1919), zu diesem Zeitpunkt Pfarrer von Petronell-Carnuntum, das Buch „Katholische Volks-Andachten. Ein Vorbetbuch zum Gebrauche beim öffentlichen heiligen Gottesdienste“. In diesem wird die Maiandacht als schon lange vertraute Andacht geführt und wie folgt beschrieben: „Vor dem nachmittägigen heiligen Segen oder vor der heiligen Pfarrmesse in der Frühe begibt sich der Priester zum mit Blumen und entsprechender Beleuchtung geschmückten Muttergottes Altare und betet ein Vorbereitungsgebet, hierauf kann (vielleicht als Christenlehre) eine kleine Betrachtung über irgend eine Tugend der großen Königin des Himmels gehalten, sodann ein Lied gesungen, der heilige Rosenkranz und die lauretanische Litanei gebetet, und mit dem heiligen sacramentalischen Segen die Andacht geschlos■ sen werden“.

Marienmonat Mai im Dom , Im Mai feiern wir im Dom täglich (Mo–Sa) um 17.00 Uhr Rosenkranzandacht beim Wiener Neustädter Altar. An folgenden Tagen findet die Andacht mit Predigt und musikalischer Gestaltung statt: So 1.5. Eröffnungsandacht mit Dompfarrer Toni FABER Mi 4.5. Hochmeister Generalabt Bruno PLATTER OT Sa 7.5. Marienfeier mit Abtpräses Christian HAIDINGER (Beginn in der Franziskanerkirche mit Lichterprozession in den Dom) Fr 13.5. P. Benno MIKOCKI OFM Fr 20.5.Domdekan Prälat Karl RÜHRINGER Di 24.5.Weihbischof Stephan TURNOVSZKY Sa 28.5. Marienfeier mit Abt Thomas RENNER OSB (Beginn in der Franziskanerkirche mit Lichterprozession in den Dom) Di 31.5. Feierliche Schlussandacht mit Dompfarrer Toni FABER – Segnung und Verteilung der Marienrosen

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Heilige im Dom

Der heilige Judas Thaddäus Von Christoph Martin

Er ist nicht Judas, der Verräter; das steht fest. Aber sind es zwei, Judas und Thaddäus? Oder ist es einer, Judas-Thaddäus? Die Evangelisten widersprechen sich. Die einen nennen einen Thaddäus, die anderen an entsprechender Stelle einen Judas. Auch Johannes erwähnt einen Apostel Judas, der vom Iskariot verschieden ist. Er zitiert sogar ein Wort von ihm (14, 22). „Herr, warum willst du dich nur uns offenbaren, aber nicht der Welt?“ Die Apostel wissen also um Geheimnisse, die anderen verschlossen bleiben? Wie auch immer, seit frühester Zeit nehmen die Christen an, einer sei es gewe-

sen, nicht zwei: der heilige Judas Thaddäus, von Jesus berufen, einer der Zwölf, Apostel und vielleicht ein Verwandter Jesu, Märtyrer. Seine Mutter soll eine der Frauen unter dem Kreuz gewesen sein.

Was wurde aus dem Apostel nach Pfingsten? Das Gewebe der Legenden über ihn ist dicht und wundersam wie ein seidener persischer Teppich. War er in Mesopotamien? Oder in Armenien? Oder beides? Die armenische Kirche verehrt ihn als ihren Gründer. Zusammen mit dem Apostel Bartholomäus habe er das Land missioniert. Andere berichten, er und der Apostel Simon hätten den König von Babel bekehrt. Wutbebend hätten die heidnischen Priester des Landes die beiden umgebracht. Wieder andere erzählen, er habe dem König Abgar von Edessa einen Brief und ein Bild von Jesus überbracht. Deswegen wird er manchmal mit einem Medaillon des Herrn auf der Brust dargestellt. Das Grab des Apostels befindet sich heute im Petersdom. Davor hatte er schon viele Gräber. Ein Wanderer noch im Tod. Von all diesen Orten werden Wunder berichtet. Alle die Zweifel, Widersprüche, Ornamente und Schichten, Worte und Bilder schaffen – seltsam genug - keine Unruhe. Was bleibt, ist die stille Gestalt eines Heiligen, Stärke, die Vertrauen auslöst, Vertrauen, das keine Dokumente braucht.

Das Vertrauen zu Judas Thaddäus Judas Thaddäus, Apostel und Märtyrer. Gedenktag: 28. Oktober Attribute: Buch, Keule, Hellebarde und Steine, selten Schwert oder Beil, Winkelmaß, seit dem 18. Jh. mit einem Christusmedaillon Patron: in schweren Nöten und Anliegen, in verzweifelten Situationen

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Die da vor dem Bild des Heiligen beten, sind ganz ruhig. Sie haben große Sorgen, aussichtslos erscheint ihre Lage, aber hier spüren sie, wie ihre Zuversicht wieder wächst. Sie haben es gehört von anderen: Er hilft! Wirklich! Und die hatten es wieder von anderen gehört, die es wiederum wussten. Vielleicht von der heiligen Birgitta von Schweden oder dem heiligen Bernhard von Clairvaux: Heilige nennen den Apostel als Helfer in

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016

verzweifelten Anliegen. Seit dem 18. Jahrhundert nahm seine Verehrung immer mehr zu. Vom Süden Europas ging sein Ruf nach Amerika, in die ganze Welt. Überall feiern Katholiken am 28. Oktober sein Fest. Judas Thaddäus teilt sich den Tag mit dem Apostel Simon, der vielleicht sein leiblicher Bruder war.

Wer vertraut, geht ein Wagnis ein. „Vielleicht.“ Wie oft dieses Wort in der Lebensbeschreibung des Heiligen fällt! Gut! Das Ungewisse passt zum Wagnis des Gebetes. Wer vertraut, wagt etwas. Wie schön, dass der Heilige auf vielen Darstellungen nicht nur die grobe Keule seiner Mörder bei sich hat – er beachtet sie gar nicht –, sondern auch das sanfte Bild seines Herrn. Das erinnert an Veronika. Beide, die Frau und der Mann, einander nahe, ohne sich zu kennen, verschwinden fast hinter dem Bild, das sie tragen. Der Introitus der Messe vom Fest der beiden Apostel ruft aus: „Diese Heiligen hat der Herr in Liebe erwählt, er gab ihnen seine Herrlichkeit.“ Die Herrlichkeit des Herrn – Licht, das alles überstrahlt, die Einzelheiten, die Geschichte, das Beharren. Da wirkt die verbreitete Praxis der Novene zum heiligen Judas Thaddäus mit ihren Bedingungen, Regeln und Garantien wie ein plumper Zugriff. „Machen Sie neun Fotokopien!“ Soll ein Leben, das den Blick über die Weiten des Heiligen Landes kannte, den Saal des Letzten Abendmahls und den Ostermorgen, das durch uralte, ferne Länder zog und dabei so oft jenen Namen sagte: „Jesus!“, soll das ankommen vor einer Maschine zu kleinen Beträgen? Will man dingfest machen, was schwebt? Wie stark ist ein Glaube, der Vertrauen durch Gewissheit ersetzen will und Geheimnis durch Anweisungen? „In jenen Tagen ging Jesus auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott“ (Lk 6, 12).

Foto: Domarchiv

Wer ist er und wenn ja, wie viele?

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Dann beruft der Herr die Zwölf. Braucht es mehr? In einer Zeit, wo allen alles über alle bekannt ist; wo das Private, Intime für obsolet erklärt wird; wo Firmen keinen einstellen, der nicht im Internet auftritt, vertrauen wir einem Mann, von dem wir nichts wissen. Weil wir „auf das Fundament der Apostel gebaut“ sind (Eph 2, 20). Genug für den, der glaubt und sich sehnt nach Gott. Christus wird uns seine Herrlichkeit geben. Und dazu wollen wir noch gute Geschäfte, Gesundheit, Erfolg und brave Kinder? Für den Himmel brauchen wir das alles nicht. Christoph Martin ist Pfarrer in einem Dorf an der tschechischen Grenze und betreut die Malteserkirche in Wien. ■ Gebet

Foto: Domarchiv

Angebetet und geliebt werde das Heiligste Herz Jesu in allen Tabernakeln bis zum Ende der Zeiten. Amen. Gelobt und verherrlicht werde das Heiligste Herz Jesu jetzt und immerdar. Amen. Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Amen. Heiliger Judas Thaddäus, wie Matthäus, wie Andreas und Simon hast du alles verlassen und bist Jesus nachgefolgt. Wo er ging, da gingst du mit; Wo er aß, da aßest du mit ihm; Wo er sprach, da hörtest du ihm zu. Dein Leben mit deinem Meister sei uns ein Vorbild und sei uns Kraft. Hilf uns, als Christen entschieden zu leben und in den Fußstapfen des Herrn zu gehen. Heiliger Judas Thaddäus, du hast Jesus geliebt, bitte für uns! Bitte für mich in meinem Anliegen …

Darstellungen des Heiligen im Dom . Linke Assistenzfigur am Frauenaltar „Maria in der Sonne“, 1699 nach einem Entwurf von Mathias Steinl Auf der ehemaligen Sonntagsseite des Wiener Neustädter Altars, Innenflügel rechts, 1447 An der Domkanzel mit Christus Medaillon (nicht erhalten), um 1500 An der Brüstung des Friedrichsgrabs, spätestens 1513 Pfeilerfigur im Südchor („Zwölfapostelchor“), 1885 Pfeilerfigur im südlichen Langhaus, 1450–1480 Andachtsfigur beim Herz Jesu Altar, um 1800 Als Glasgemälde im nordöstlichen Chorfenster, 1340 Am Taufbecken, 1476 Eine hochbarocke Reliquienmonstranz mit Knochenpartikeln der hl. Apostel Simon und Judas Thaddäus, um 1740 Im inneren rechten Gewände des Singertores, 1360–1365 Am Nordturm, Kopie des gotischen Originals von Ludwig Schadler, 1909 Am Südturm, Südseite, Franz Erler, 1895 Ölbild, Kunstsammlung des Domes, ca. 1750 Ehemaliger Aufsatz der seitlichen Lettnergitter, um 1750

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016 35

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Chronik Seit dem letzten Pfarrblatt zu Weihnachten 2015 wurden getauft: Angelo Kehler, Leopold Hruschka, Karla Lidy-Hruschka, Max Wendl, Nikolai Maier, Katharina Maier, Elisabeth Maier, Cosmin Hammer, Timon Hammer, Emilia Kenn, Benjamin Dorfer, Jonathan Dorfer, Zea Csobot, Sarah Alkhalil, Daniel Alkhalil, Oliver Alkhalil, Mathias Janda, Eric Simanek, Yuki Yamaguchi, Natalia Hao, Yi An Chen, Lisa Chen, Vita Toyfl, Lucia Dauner, Alexander Klimek, David Csalló, Florentina Peyerl, Caroline Nowotny-Gründler, Jeffrey Ocol, David Berger, Aaron Riss, Flora Wilke, Georg Reif, Rachel Tasnochova, Palina Fenyö, Zita Weishaupt, Sophia Alaimi, Sophie Thomasberger, Katharina Humpeler, Karla Kolacny, Bruno König, Lisandro Espinoza-Ofensberger, Ferdinand Choi, Arthur Fürlinger, Felix Blumauer, Alexander Ly, Gia Ly, Julius-Reza Gouya, Vinzent MikoSchefzig, Maysoun Martina, Patricia Tacek, Miriam Santner, Ralf Mittag, Pamina Ostermann, Elisabeth Maraszto, Anna Nikolic, Sophia Bonelli, Elena Quinto di Cameli De Marco, Nicole Matrofailo, Margherita Maxonus, Anastasija Ferscha, Marie Hofmann

Getraut wurden:

Von uns gegangen sind:

Yoko Umeno und Isamu Yamaguchi, Lorenza geb. Mendoza und David Prodigalidad

DI Dr. Elfriede Braunsteiner, Julius Gold, Dr. Wilhelm Ott, Peter Hofbauer, Mag. Edeltraude Petsche, Ingeburg Matejka, Eri Sakaguchi, Prof. Herbert Prikopa, Georg Unteregger, Johannes Nötsch, Elisabeth Menzel, Ernestine Blecha, Theresia Stowasser, Michael Fischer, Dr. Wolfgang Gleißner und Elfriede Saulig

Wir gratulieren ▶ Domkapellmeister Markus Landerer und seiner Frau Marlene herzlich zur Geburt ihres Sohnes Gregor Heinrich am 7. Jänner 2016. ▶ Dommusikus Thomas Dolezal und seiner Frau Christina herzlich zur Geburt ihrer Tochter Laetitia am 25. Februar 2016. ▶ unserem Mitarbeiter Christian Jäger zum 40. Geburtstag und danken ihm für seinen wertvollen Dienst in der Domkirche St. Stephan. ▶ Domkurat Thomas Möllenbeck zum 50. Geburtstag am 12. März und zu seiner erfolgreichen Habilitation an der Universität Wien.

Wir trauern um den langjährigen Bezirksrat und Bezirksvorsteher-Stv. Paul Skorepa, der den 1. Bezirk politisch prägte und mit St. Stephan sehr verbunden war. Peter Stepan. Er war mit Leib und Seele viele Jahre Portier des erzbischöflichen Curhauses. Seine freundliche und herzliche Art wird vielen in Erinnerung bleiben.

Wir freuen uns über unsere neue Mitarbeiterin Barbara Masin, die seit Mitte Jänner in der Pfarrkanzlei arbeitet und die Aufgaben von Johannes Dankl übernommen hat. Johannes wünschen wir viel Erfolg und Gottes Segen auf seinem weiteren Lebensweg.

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Gratulation! .. Unsere Mitarbeiterinnen Mariette Auersperg (links) von der Pfarrcaritas und Anna Jeż (rechts) aus der Pfarrkanzlei feierten ihren 60. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich und wünschen weiterhin viel Freude und Gottes Segen!

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2015

Fotos: privat | Dompfarre

Herzlich willkommen! ..

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Besichtigungen und Führungen. in St. Stephan.. DOMFÜHRUNGEN Mo. bis Sa.: 10.30 (engl.) u. 15.00 Uhr Sonn- und Feiertag: 15.00 Uhr

Informationen für Ahnenund Geschichtsforscher

Fotos: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Von Domarchivar Reinhard Gruber Nach Abschluss der Digitalisierung aller Matrikenbücher der Erzdiözese Wien im Dezember 2015 sind nun alle Matrikeneintragungen vom Beginn – in St. Stephan beginnen wir im Jahr 1523 – bis einschließlich 1938 (Ende der sogenannten „Altmatriken“) online einzusehen. Die entsprechenden Bilddateien können unter Beachtung der Bestimmungen des Personenstandsgesetzes eingesehen werden: www.matricula-online.eu Die Erzdiözese Wien hat für alle Pfarren folgende Regelung erlassen (Wiener Diözesanblatt, 154. Jahrgang, Nr. 1, Jänner 2016, 7): Mit der Digitalisierung ist nun eine Einsicht in die Originalmatrikenbücher nicht mehr nötig. Dies bedeutet einerseits eine Schonung der jahrhundertealten Originalbücher (ihre Erhaltung und Aufbewahrung auf Dauer ist durch das Personenstandsgesetz ausdrücklich vorgeschrieben), andererseits werden die Pfarren dadurch von der bis jetzt oft sehr aufwändigen Betreuung von Ahnenund Familienforschern entlastet. Für die Erzdiözese Wien wurde die Regelung erlassen, Originalmatrikenbücher nicht mehr zur Benutzung vorzulegen. Das bedeutet, dass Familien- und Ahnenforscher ausnahmslos auf die Online-Benutzung zu verweisen sind. Dabei gibt es gesetzliche Sperrfristen: ▶ Geburts- und Taufbücher: 100 Jahre (bis einschließlich 1915 einsehbar) ▶ Trauungsbücher: 75 Jahre (bis einschließlich 1940 einsehbar) ▶ Sterbebücher: 30 Jahre (bis zum Ende der „Altmatriken“ 1938 online einsehbar)

Bei Anfragen zu den Jahren 1916 bis 1938 und in allen Fällen, in denen Matrikendaten aus Altmatriken wegen sonstiger rechtlicher und wissenschaftlicher Gründe benötigt werden, muss ausnahmslos das Diözesanarchiv Wien kontaktiert werden: Diözesanarchiv Wien, Wollzeile 2, 1010 Wien, Tel.: +43 1 51552-3239 E-Mail: [email protected] Dies gilt insbesondere auch für spezielle wissenschaftliche Fragestellungen bzw. Projekte. Ab 1. August 1938 (Trauungen) bzw. ab 1. Jänner 1939 (Geburten und Sterbefälle) sind für Personenstandseintragungen ausschließlich die staatlichen Standesämter zuständig und es sind daher Anfragende zu Personenstandsdaten ab 1938/1939 immer nur an die Standesämter zu verweisen. Die Ausstellung von Personenstandsurkunden bzw. „Wortgetreuen Matrikenauszügen“ sowie von Taufscheinen aus den Matrikenbüchern erfolgt nur in rechtlich begründeten Fällen und ausschließlich durch das Dompfarramt (Frau Anna Jeż). Wir ersuchen um die Einhaltung dieser neuen Regelung und danken für Ihr Verständnis! ■

Danke!.. Bei der heurigen Sternsingeraktion der Dompfarre wurden insgesamt € 14.038,52 gesammelt. Herzlichen Dank an alle Mitwirkenden und Spender!

KATAKOMBENFÜHRUNGEN Mo. bis Sa.:

10.00–11.30 Uhr und 13.30–16.30 Uhr

GRUPPENANMELDUNGEN für Dom- und/oder Katakombenführungen unter Tel: 51 552-3054 / per Fax: 51 552-35 26 [email protected]

TURMBESTEIGUNG (Südturm) täglich: 9.00–17.30 Uhr

AUFZUG ZUR PUMMERIN (NORDTURM) täglich: 9.00–17.30 Uhr

AUDIOGUIDE: (ganzjährig, Domführung inkl. evtl. Sonderausstellungen) Mo. bis Sa.: 9.00–11.30 Uhr und 13.00– 16.30 Uhr

FÜHRUNGEN FÜR KLEIN UND GROSS Spezialführungen zu verschiedenen Themen Margareta Chwatal 0664/46 22 007

ÖFFNUNGSZEITEN DES DOMES Mo. bis Sa.: 6.00–22.00 Uhr Sonn- und Feiertag: 7.00–22.00 Uhr

AUSSTELLUNG: „DER DOMSCHATZ VON ST. STEPHAN“ Mo. bis Sa. von 9.00–17.00 Uhr Sonn- und Feiertag 13.00–17.00 Uhr

ABENDFÜHRUNGEN mit Dachrundgang Juli bis September, Dauer ca. 90 min Treffpunkt: Südturm Kassa. Nähere Informationen und Preise:

www.stephanskirche.at

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Buchempfehlung

Mit Mut zum Glück. Das Leben wagen Von Franz-Joseph Huainigg Abschied Als Kind waren meine Beine plötzlich gelähmt. Ich weinte, und verstand Gott und die Welt nicht mehr. Da sprach Gott: Ich nehme Dir die Kraft der Beine und schenke Dir die Langsamkeit. So entdeckte ich eine neue Welt, langsam am Boden kriechend.

Jahre später konnte ich weder Arme noch Beine bewegen. Ich weinte, und verstand Gott und die Welt nicht mehr. Da sprach Gott: Je weniger Du Dich bewegst, desto mehr bewegst Du. So begann ich die Welt ein wenig zu verändern und wurde Politiker. Heute kann ich plötzlich nicht mehr ohne Maschine atmen. Ich weine, und verstehe Gott und die Welt nicht mehr. Da schweigt Gott – noch. Dieses Gedicht habe ich 2006 im Krankenhaus geschrieben, kurz nachdem ich aus dem künstlichen Tiefschlaf erwacht bin. Meine Zukunft schien ungewiss. Die Ärzte wussten nicht, ob ich wieder bei

Franz-Joseph Huainigg ist Autor, Medienpädagoge und Abgeordneter zum Österreichischen Nationalrat sowie ÖVP-Sprecher für Menschen mit Behinderung und Internationale Zusammenarbeit. Hier mit seiner Parlamentarischen Mitarbeiterin Evelyn Pammer meiner Familie leben oder überhaupt jemals wieder im Rollstuhl werde sitzen können. In meinem Hals steckte fortan eine Atemkanüle und ich musste mit einer Beatmungsmaschine leben lernen. Auch sprechen konnte ich nicht. Doch ich nahm mir das Wiedererlernen des Sprechens fest vor und übte und übte – bis ich mit den ersten Worten dieses Gedicht – „Abschied“ – meiner Persönlichen Assistentin diktieren konnte. In meinem Leben hatte ich schon oft zuvor mit Verlusten zu kämpfen gehabt, aber ich konnte sie immer zu Gewinnen machen. Das gab mir Hoffnung, dass es mir auch diesmal gelingen würde. Schon in meiner Kindheit – Ende der 1960er-Jahre in einem kleinen Kärntner Dorf namens Paternion – dachten alle, dass ich aufgrund meiner Lähmungen kein glückliches Leben führen werde können. Doch damals waren „nur“ meine Beine gelähmt. Über die Jahre ist die Lähmung hochgestiegen, sodass ich nun weder Arme noch Beine bewegen kann, nur mehr mit Hilfe einer Maschine atme und zudem meine Sehfähigkeit sehr eingeschränkt ist. Was müssen sich diese Men-

38 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016

schen jetzt erst über mich denken? Immer wieder werde ich verwundert gefragt, warum und wie ich so glücklich sein könne. Immer wieder höre ich, dass Leute an mich und mein Leben denken, wenn es ihnen schlecht geht, weil sie offenbar meinen, dass es mir noch schlechter geht als ihnen. Ich habe nichts dagegen, „heilend“ zu wirken – meine Innensicht sieht allerdings anders aus. Ich habe dieses Buch geschrieben, um anderen meine Erfahrungen und meine Lebensstrategien weiterzugeben. Ich erzähle und reflektiere, wie ich die Herausforderungen des Lebens annehme und so mit Leichtigkeit durch das Leben rolle. Ein Buch, das Ihnen Mut machen soll, Ihr Leben zu wagen! ■

Franz-Joseph Huainigg: Mit Mut zum Glück. Das Leben wagen, Verlag Ueberreuter, Wien, 2016, Gebundene Ausgabe: 180 Seiten

Foto: Sabine Klimpt

Als Jugendlicher konnte ich plötzlich nicht mehr mit Krücken gehen. Ich weinte, und verstand Gott und die Welt nicht mehr. Da sprach Gott: Ich nehme Dir die Kraft in den Armen und schenke Dir dafür Witz und Ironie. So entdeckte ich im Rollstuhl eine neue Welt und brachte die Leute auf der Kabarettbühne zum Lachen.

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Ein- und Ausblicke

»Und schaut der Steffl lächelnd auf uns nieder…«

Foto: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Seien Sie gegrüßt! In meinem langen Leben habe ich schon viele Krisen, Ängste und Katastrophen erlebt. Stadtbrände, Belagerungen, Kriege, Pest- und Choleraepidemien, Flüchtlingsströme und zwei Weltkriege bis hin zu den eigenen schmerzhaften Kriegsbzw. Brandschäden. Vor hundert Jahren glich unsere schöne Stadt Wien einem riesigen Lazarett. Damals waren es vor allem Frauen, die sich um die verletzten und versehrten Soldaten gekümmert haben, ihnen Beistand gegeben und sie oft genug auf ihrem letzten Weg begleitet haben. Die Menschen damals haben die Hoffnung nicht verloren. Sie haben angepackt und das getan, was das Gebot der Stunde war: Der ausgestreckten Hand die helfende Hand entgegenzustrecken. Auch jetzt ist eine schwierige Zeit. Angesichts der derzeitigen Weltlage kommen viele Menschen ins Grübeln, haben Angst vor dem Fremden, vor unsicheren Zeiten und machen sich Sorgen um die Zukunft. Ich beobachte, dass viele Menschen mit sorgenerfüllter Miene die Stephanskirche betreten und hier dann hoffentlich Halt und Stütze im Glauben beziehungsweise im Gebet finden. Aber es gibt auch Lichtblicke, die Hoffnung machen können. Mir fällt da die anerkannte Flüchtlingsfamilie in einer Wohnung des Domkapitels am Stephansplatz ein. Sie wird gut versorgt und beginnt Fuß zu fassen. Oder die Flüchtlinge, die im Haus nebenan im Pressezentrum der Erzdiözese untergebracht sind und zum Beispiel einen von ehrenamtlichen Damen geleiteten Deutschkurs im Curhaus besuchen. Besonders freut es mich, dass einige der jungen Männer manchmal in den Dom kommen, zuerst zögerlich und schüchtern, mittlerweile aber interessiert und wach beobachtend. Ihr Mittagessen nehmen sie gemeinsam mit Priestern und Mitarbeitern in der Kantine im Bischofshaus

ein. Automatisch kommen sie dadurch in Kontakt mit den Menschen, die hier am Stephansplatz wohnen oder ihrer Arbeit nachgehen. Es hat einige Zeit gedauert, aber mittlerweile grüßen sie einander, man wünscht sich auf gut österreichisch: „Mahlzeit!“ Vielleicht kann die so sehr gewünschte Integration auf diese Weise gelingen: Sich Zeit geben, Zeit nehmen und langsam kennenlernen und so Angst und Vorurteile abbauen und im anderen immer den konkreten Menschen sehen, dem man grundsätzlich wohlwollend zu begegnen versucht. Das Gegenteil von Hoffnung ist Verzweiflung. Das ist keine wirklich christliche Tugend – denn der Geist Gottes schenkt Hoffnung und Trost. Wenn wir wirklich glauben, dass der Herr der Geschichte durch seinen guten Geist in die konkrete Gegenwart hineinwirkt, dann dürfen wir diesem Heiligen Geist auch so manches zutrauen. Das heißt nicht, dass wir blind und planlos einfach alles auf uns zukommen lassen, sondern geistvoll gestärkt die konkreten und notwendigen Schritte setzen. Der beliebte und geschätzte Bischof Reinhold Stecher von Innsbruck hat es einmal so ausgedrückt: „Gottes Geist ist in allem präsent, in den Abgründen als erlösende Chance und in den Höhenflügen als beschwingende Kraft.“ Diese stetige und ständige Präsenz des Hoffnung schenkenden Geistes Gottes wünsche ich Ihnen für das nahende Hohe Pfingstfest!

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016 39

PB Pfingsten 2016 26.04.16 11:00 Seite 40

Aus Chronik der Dompfarre

Einige Termine zum Vormerken Mai Täglich (Mo–Sa) Maiandacht um 17.00 Uhr beim Wiener Neustädter-Altar. Besondere Termine: siehe Seite 33 Do 5.5. bis Mo 16.05.2016 Steffl-Kirtag 2016 – Programm siehe Kirtags-Folder oder www.dompfarre.info Do 5.5. – Christi Himmelfahrt 10.15 Uhr Pontifikalamt mit Kardinal Schönborn Fr 6.5. 19.00 Uhr Herz Jesu-Messe mit Domkurat Schlevoigt So 8.5. 9.00 Uhr Pfarrerstkommunion mit Dompfarrer Faber Fr 13.5. 19.00 Uhr Stunde der Barmherzigkeit Sa 14.5. 9.00 Uhr Diözesanfirmung mit Kardinal Schönborn, Domdekan Rühringer und Dompfarrer Faber 18.00 Uhr Festmesse zum Steffl-Kirtag mit Dompfarrer Faber und Priestern der Erzbischöflichen Cur So 15.5. – Pfingsten 10.15 Uhr Pontifikalamt mit Kardinal Schönborn 16.30 Uhr Vesper mit Dompropst Pucher Do 19.5. 19.00 Uhr Hl. Messe in den Anliegen Leidender und Kranker mit Dompfarrer Faber Do 26.5. – Fronleichnam 8.30 Uhr Pontifikalamt mit Kardinal Schönborn, anschl. Prozession durch die Innenstadt Mo 30.5. 20.00 Uhr Gebetsstunde für die Anliegen der Dompfarre (Barbarakapelle) Di 31.5. 12.00 Uhr Hl. Messe der Goldenen Priesterjubilare mit Kardinal Schönborn

Juni Do 2.6. 12.00 Uhr Hl. Messe der Silbernen Priesterjubilare mit Kardinal Schönborn Fr 3.6.– Hochfest Herz Jesu 8.00 Uhr Altarpatrozinium 18.00 Uhr Herz-Jesu-Messe mit Dompropst Pucher 19.00 Uhr Johannes Messner- Gedenkgottesdienst mit Pfarrer Klinger Sa 4./So 5.6. Bücherflohmarkt der Dompfarre Di 7.6. 14.00 Uhr Reisesegen für Wallfahrt nach Maria Grün (siehe Seite 42) 17.00 Uhr Andacht entfällt Do 9.6. 18.00 Uhr Messe in den Anliegen des Hl. Vaters Fr 10.6. 18.00 Uhr – 1.00 Uhr Lange Nacht der Kirchen (Programm siehe Seite 42) Do 16.6. 19.00 Uhr Hl. Messe in den Anliegen Leidender und Kranker mit Dompfarrer Faber Sa 18.6. 9.30 Uhr Priesterweihe mit Kardinal Schönborn So 19.6. 10.15 Uhr Pfarrfirmung mit Dompfarrer Faber Mo 20.6. 20.00 Uhr Gebetsstunde für die Anliegen der Dompfarre (Barbarakapelle) Fr 24.6. – Johannes der Täufer 8.00 Uhr Altarpatrozinium 18.00 Uhr Hochamt Das ist es mir wert . Sa 25./So 26.6 Kleiderflohmarkt der Dompfarre Danke, dass Sie unser Pfarrblatt lesen! Die Produktion Mo 29.6. – Hll. Peter und Paul eines Heftes kostet rund 3,50 Euro. In den vergange8.00 Uhr Altarpatrozinium nen Jahren konnten wir mit den eingelangten Spen18.00 Uhr Hochamt den im Schnitt etwa ein Viertel der anfallenden Jahreskosten decken. Wenn Sie uns weiterhin unterstützen möchten, überweisen Sie bitte Ihren finanziellen Beitrag mit Zahlschein auf unser Pfarrblatt-Konto! Herzlichen Dank!

40 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016

30+

+

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Fr 5.8.

19.00 Uhr

Herz-Jesu-Messe mit Domkurat Schlevoigt Mo 15.8. – Mariä Himmelfahrt 10.15 Uhr Hochamt Sa 27.8. 13.00 Uhr Ungarn-Messe Mi 31.8. 10.00 Uhr Fiacriusmesse mit Dompfarrer Faber

September Fr 2.9.

19.00 Uhr

Sa 3.9. Sa 10.9. So 11.9.

17.00 Uhr 16.00 Uhr 15.00 Uhr

Herz-Jesu-Messe mit Pfarrer Klinger Mariazeller Fest Maria Namen Feier Maria Namen Feier

+

August

Herzlichen Dank für Ihre Pfarrblatt-Spende!

19.00 Uhr

69/1

Di 19.7.

Herz-Jesu-Messe mit Pfarrer Klinger Hl. Messe mit Kardinal Schönborn für Pilger des Weltjugendtags in Krakau

BSSWATWW

19.00 Uhr

AT81 1919 0000 0022 4568

Fr 1.7.

Druckerei Zimmer & Zimmer GmbH FN084623x

Juli

Dompfarramt St. Stephan, Pfarrblatt

Die Sommerordnung der Gottesdienst- und Beichtzeiten gilt von So 3.7. bis einschließlich So 4.9.

BSSWATWW

AT81 1919 0000 0022 4568

Dompfarramt St. Stephan, Pfarrblatt

(Kurzfristige Änderungen vorbehalten!)

PB Pfingsten 2016 26.04.16 11:00 Seite 42

Das Programm im Stephansdom 19.00 – 20.15 The Longfield Gospel Choir – Ein 80-köpfiger Chor singt die bekanntesten Gospel-Songs und Spirituals Leitung: Georg Weilguny 20.30 – 21.00 EDEN transplanted – Die Video-Klang-Projektion von Eva Petrič erzählt die Geschichte EVAs im 21. Jahrhundert, die auf der Suche nach einer neuen Heimat für die Menschen erkennt, dass das Tor zum Paradies in Wahrheit Glaube, Hoffnung und Liebe sind. 21.00 – 22.30 Stunde der Barmherzigkeit Musik – Anbetung – Stille; Projektchor der Diözesanversammlung, Solist Andreas Schätzle, Leitung: Angelika Huber 22.30 – 23.00 EDEN transplanted (siehe oben) 23.00 – 24.00 Georg Friedrich Händel: Dettinger Te Deum Solisten, Wiener Domchor, Wiener Domorchester Leitung: Domkapellmeister Markus Landerer 24.00 – 1.00 Timna Brauer & Elias Meiri Ensemble: Songs from Jerusalem Die Wiener Sängerin Timna Brauer und ihr langjähriger musikalischer Partner Elias Meiri schöpfen aus dem überaus reichen Schatz jüdischer Musiktradition Zur gleichen Zeit: 19.00 – 1.00 Glaube – Hoffnung – Liebe Kunstinstallation von Eva Petrič 19.00 – 22.00 Gräbergang in St. Stephan Meditativer Rundgang durch die Katakomben 19.00 – 22.00 Offene Dombauhütte Dombaumeister und Steinmetze informieren. Die Dombauhütte ist von außen begehbar. 19.00 – 22.00 343 Stufen in die Türmerstube Besteigung des Südturms

Wallfahrt nach Maria Grün. Herzliche Einladung zur traditionellen Wallfahrt der Dompfarre nach Maria Grün am Dienstag, den 7. Juni 2016:

Geistliche Leitung: Domkurat Timothy McDonnell Begleitung: Rosemarie Hofer (keine Anmeldung erforderlich)

Foto: Ewald Judt

14.00 Uhr Reisesegen beim Wiener Neustädter Altar 15.30 Uhr Feierlicher Einzug in die Kirche Maria Grün und Maiandacht Anschließend gemütlicher Ausklang im "Reiterhaus"

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Zuhause ist dort, wo sich das Herz daheim fühlt.

Seit 1956 ist unser Familienunternehmen als Immobilienverwalter, Immobilienmakler und -gutachter ein Teil der Inneren Stadt - ganz in der Nähe des Stephansdoms. Wir finden Mieter und Käufer für Wohnimmobilien, Büros und Geschäftslokale. Wir verwalten Zinshäuser, Wohnungseigentumsobjekte und Bürohäuser. Wir beraten Sie in allen Immobilienangelegenheiten und erstellen Gutachten über den Verkehrswert.

HERBS T 2015

Wohnungsatlas Eine flächendeckende Marktanalyse aller Eigentumswohnungen im 1. Wiener Gemeindebezirk

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Zum ersten Mal sind jetzt alle relevanten Zahlen zum Markt der Eigentumswohnungen im ersten Bezirk bis ins Kleinste recherchiert und verfügbar. Wie viele Eigentumswohnungen gibt es in der Innenstadt? Wie haben sich die Preise in den letzten Jahren entwickelt? Was ist meine Wohnung wert? Wo kommen die Käufer her?

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Diese weitere Fragen beantwortet Ihnen unser 1x1 des Wohnungsmarktes der Inneren Stadt. Kontaktieren Sie uns noch heute, wir freuen uns auf das Gespräch mit Ihnen.

Vermieten und Verkaufen | Verwalten | Bewerten | Analysieren und Beraten OTTO IMMOBILIEN GRUPPE Riemergasse 8 | 1010Pfarrblatt Wien Dompfarre St. Stephan · Pfingsten 2016 43 01 512 7777 | offi[email protected] www.otto.at

PB Pfingsten 2016 26.04.16 11:00 Seite 44

Zum Nachdenken

So erreichen Sie uns: Dompfarrer

Entfache dein Feuer

Toni Faber 51552-3521 [email protected]

Geist des auferstandenen Christus, Geist des Mitleids, Geist des Lobpreises, deine Liebe zu jedem Menschen wird nie vergehen.

Pfarrkanzlei Mo. bis Fr. 9.00–15.00 Uhr www.dompfarre.info [email protected] www.facebook.com/Dompfarre Fax: 51552-3720 Christian D. Herrlich 51552-3136 [email protected] Susanne Leibrecht 51552-3535 [email protected] Barbara Masin 51552-3530 [email protected] Birgit Staudinger 51552-3530 [email protected] Tauf- und Trauungsanmeldung Anna Jeż (zusätzlich Fr. 14.00–18.00 Uhr) 51552-3534 [email protected]

Geist des lebendigen Gottes, wenn Zweifel und Zögern, dich einzulassen, alles zu verschlingen scheinen, dann bist du da, dann bist du zugegen. Du entfachst das Feuer, das inwendig unter unserer Asche glimmt. Du nährst dieses Feuer mit unseren Anfechtungen, mit unseren Dornen, mit allem, was uns an uns selbst und bei anderen wehtut, so dass durch dich sogar die Steine unseres Herzens verglühen, du Licht in unserer Finsternis, du Morgenglanz unserer Dunkelheit.

Pfarrcaritas, Seniorenpastoral Mariette Auersperg 51552-3544 Mi. und Do., 9.30–11.30 [email protected]

Domarchiv Reinhard H. Gruber 51552-3531 Unter matricula-online.eu Einsicht in Altmatriken (persönl.: Do. 13.00–15.00 Uhr) [email protected] [email protected] Domsakristei 51552-3536

Frère Roger Schutz

Kirchenmeisteramt/Führungen

Komm, Heiliger Geist! Gott schenke uns seinen Geist, er lasse uns seine Nähe erfahren. Er stehe uns bei, wenn Angst oder Zweifel uns überkommen und gebe uns Mut zum Leben. Er lasse unser Herz brennen, nicht nur zu Pfingsten, sondern alle Tage des Jahres – das wünschen

Wenn Sie Exemplare irrtümlich doppelt zugeschickt bekommen oder Name und/oder Adresse falsch geschrieben sind, senden Sie bitte das durch gestrichene oder korrigierte Adress feld an uns. Danke für Ihre Mithilfe!

Dompfarrer Toni Faber und das Redaktionsteam

Finanz- und Verwaltungsdirektion 51552-3767 Führungsanmeldung 51552-3054 www.stephanskirche.at [email protected] Führungen für Klein und Groß 0664/46 22 007 Dombausekretariat 51552-3714 Portier des Curhauses 51552-3540 Dommusik www.dommusik-wien.at [email protected] Domkapellmeister Markus Landerer 51552-3573 [email protected] MMag. Ernst Wally 51552-3193 [email protected] Dommusikus Mag. Thomas Dolezal 0699/1500 21 31 [email protected] Impressum P.b.b. Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1010 Wien Sponsoring Post GZ 02Z031920 S Impressum: Offenlegung nach §25 Mediengesetz, St. Stephan – Mitteilungsblatt der Dompfarre St. Stephan, Herausgeber, Alleininhaber und Redaktion: Dompfarre St. Stephan, 1010 Wien, Stephansplatz 3, DVR 0029874 (1766) Grundsätzliche Richtung: Informations- und Kommunikationsorgan der Dompfarre St. Stephan, unterstützt die Glaubensverkündigung und die Seelsorge. Für den Inhalt verantwortlich: Dompfarrer Toni Faber. Namentlich gekennzeichnete Artikel müssen nicht mit der Ansicht des Herausgebers übereinstimmen. Autorenverzeichnis Seite 9. Gestaltung und Satz: Charly Krimmel | www.sonderzeichen.at Druck: Zimmer Offset- und Digitaldruckges. mbH, 1160 Wien. Gedruckt auf Offsetpapier, chlorfrei gebleicht.