Predigtgedanken von Erzbischof Stephan Burger zur Eröffnung der

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Predigtgedanken von Erzbischof Stephan Burger zur Eröffnung der Wallfahrt nach Flüeli am 23. Juni 2017 Liebe Schwestern, liebe Brüder in Christus, da...

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Predigtgedanken von Erzbischof Stephan Burger zur Eröffnung der Wallfahrt nach Flüeli am 23. Juni 2017

Liebe Schwestern, liebe Brüder in Christus, das Wort aus der Bergpredigt, das wir gerade gehört haben, beginnt mit einer Alltagserfahrung: Schal gewordenes Salz ist unnütz geworden. Man braucht es nicht mehr und wirft es weg. Ich stelle mir vor, dass die Zeitgenossen mit genau einer solchen Erfahrung auf Klaus von Flüe geschaut haben, als er seine Ämter zur Verfügung stellt, seine Familie verlässt und in die Einsamkeit der Ranft zieht. „Der Mann hat seine Kraft verloren.“ – „Eigentlich schade!“ – „Der hat keinen Biss mehr.“ oder „Wie konnte das geschehen?“ mögen Bemerkungen sein, mit denen bereits seine Zeitgenossen diesen Schritt kommentiert haben. Und wir sollten nicht übersehen, diese Bemerkungen dauern über die 600 Jahre an, die seit seiner Geburt inzwischen vergangen sind. Natürlich kann man das anders sehen – und wir sehen es anders, sonst hätten wir uns nicht auf diese Wallfahrt gemacht. Aber die Herausforderung des Mannes in der Ranft bleibt, ja ich glaube, er ist in seiner ganz eigenen Weise eine Interpretation des Abschnittes der Bergpredigt, den wir gerade gehört haben. Jesus stellt dem Wort vom schal gewordenen Salz das Wort vom Licht auf dem Berg gegenüber. Was zunächst wie eine kritische Einrede gegen müde gewordene Glaubende klingt, das wandelt sich zu einer ungeheuren Verheißung: Die Christen, durchaus bedroht von der Müdigkeit ihres eigenen Glaubens, sind trotzdem das Licht der Welt. Sie tragen eine Verheißung in sich und mit sich, die sie sich nicht gesucht oder erwählt haben: Gott hat uns Christen zum Licht der Welt und damit zu einem Hinweis auf die Gegenwart des lebendigen Gottes mitten unter den Menschen gemacht. Es ist ja gerade nicht unser eigenes Licht, das leuchten soll, sondern das Licht, das in uns in Taufe und Firmung entzündet wurde und für die Menschen dieser Welt brennt. Und Bruder Klaus? Er hat den Weg in die Ranft nicht gesucht. In den Nächten, in denen er einsam in der Stube seines Hauses gebetet hat, hat er sich sicherlich zerrissen und unendlich einsam gefühlt: „Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir, gib alles mir, was mich fördert zu dir, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.“ Zuletzt hat Gott ihm diesen dreifachen Wunsch erfüllt und in ihm ein Licht entzündet, das keine Ranft dieser Welt verbergen kann. Nicht Klaus hat sein eigenes Licht angezündet, er hat sich von Gott entzünden lassen. Vielleicht muss man seine große Lebenswende genau mit diesen Augen betrachten: Als er seine Ämter niederlegt, da verzichtet er auf das eigene Licht

und erlebt in seinem tiefen Ringen, wie Gott in ihm ein ganz neues, ein ganz anderes Licht entzündet. Das darf man durchaus als einen eigentümlicher Gegensatz erleben: In dem Augenblick, als Klaus in den Augen seiner Zeitgenossen (und bis heute) zum schalen Salz geworden war, da hat das Licht Gottes ihn in seiner ganzen Tiefe durchleuchtet und verwandelt. Nicht dass er zuvor kein frommer Mensch gewesen wäre – alle Zeitgenossen schildern Klaus als einen Mann, dem Friede und Gerechtigkeit, die Orientierung an der Heiligen Schrift die höchsten Güter waren – und doch entsteht etwas Neues und Anderes: Was bis zu seinem Weg in die Ranft als seine eigene Leistung gelten konnte, das enthüllt sich auf dem Weg in die Ranft als Geschenk des lebendigen Gottes. Das Zweite Vatikanum überschreibt sein Kirchendekret mit dem Leitsatz: „Christus ist das Licht der Völker.“ Was aus Klaus heraus leuchtet, das ist die Gegenwart Jesu Christi in ihm, das ist das Licht der Welt, das ist Jesus Christus in seinem Herzen. Wir können es ganz einfach sagen: Gott macht uns Menschen zu dem, was wir sind. Es ist sein Geist, der in uns lebt, es ist sein Leben, das uns durchstrahlt, es ist seine Liebe, die uns erfüllt. Und das in jedem Augenblick. Ich bin fest davon überzeugt: Klaus führt uns etwas vor Augen, das das Geheimnis unseres eigenen Lebens ist. Er verweist uns zurück auf den Gott, der unser Anfang, unsere Mitte und, ja, auch unsere Vollendung ist. Indem wir auf Klaus schauen, entdecken wir etwas von uns selbst und mehr noch, wir entdecken etwas von der Nähe Christi in unseren Herzen. Nichts weniger wünsche ich mir für unsere Wallfahrt hier in Flüeli für uns alle. Denn Wallfahren bedeutet ja gerade, dem Grund unseres Lebens zu begegnen, die Würze des Lebens neu zu schmecken – ich meine damit, das Salz in der Suppe des Lebens – und damit jenes Licht neu zu entdecken, das schon immer in uns leuchtet, aber in den Windungen des Alltags allzu leicht übersehen wird. Dass Christus in unseren Herzen wohnt, ist eine der Grundlagen unseres Lebens und zugleich ist es unsere Sendung in die Welt. Indem wir Licht sind, lassen wir den leuchten, um den Bruder Klaus in seinen einsamen Nächten am heimischen Ofen gerungen hat. Und das ist zugleich der, der den vermeintlich schal gewordenen Bauern zu einem strahlenden Stern in den Dunkelheiten dieser Welt gemacht hat. Ein solches Begrüßungswort darf aber nicht übersehen, welchen Anteil Frau Dorothee am Leben ihres Mannes hatte. Sie hat die üblen Nachreden über den eigenen Mann sicherlich schmerzlicher gespürt als Klaus selbst. Was mögen ihre Zeitgenossen nicht alles über sie geredet haben, die ihren Mann nicht halten kann und ihn zuletzt sogar gehen lässt? Da ist mancher Kirchgang zum Spießrutenlaufen geworden. Was hat ihr auf solchen Wegen Halt gegeben? Ich glaube, dass sie das Ringen ihres Mannes nicht nur geteilt hat, sie hat es zu ihrem eigenen Ringen gemacht. Da haben zwei Menschen gemeinsam und miteinander und ohne Zweifel auch manchmal gegeneinander um den richtigen Weg gerungen. Kein Geringer als Klaus selbst würdigt seine Frau für diesen letztlich gemeinsamen Kampf. Er nennt es eines der großen Gnadengeschenke seines Lebens, dass Dorothee seinen Weg gebilligt – ich möchte anfügen geteilt, ja geteilt hat. Die in der Bergpredigt spürbare Grundspannung zwischen dem schal gewordenen Salz und dem Licht der Welt ist wie bei Klaus auch die Grundspannung ihres Lebens. Nicht anders als ihr Mann muss auch sie entdecken, dass kein Mensch das Licht seines Lebens entzünden kann. Aber jeder Mensch kann das Licht entdecken, das Gott in ihm entzündet hat. Und ich möchte anfügen, dass [2]

das von Gott in unsere Herzen geschenkte Licht die Gegenwart Jesu Christi ist. Denn er und nur er ist das Licht der Welt. Eine Lebensgeschichte der Dorothea von Flüe ist überschrieben mit dem Titel: „Verborgene Krone“. Ja, sie mag oft verborgen bleiben, aber wer Klaus betrachtet, der begegnet immer auch seiner Frau Dorothee. Es ist doch wie auf dem Wallfahrtsbild, das Sie alle auf ihren Pilgerheften tragen: Die Stele in St. Ulrich zeigt zwei Menschen, eng miteinander verbunden, ein Riss trennt ihre Gesichter, doch reicht der Riss nicht bis an die Wurzel des Standbildes. Die gemeinsame Basis hat Klaus und Dorothee immer getragen. Wer Klaus anschaut, der sieht Dorothee immer mit; und wer nach Dorothee sucht, der findet immer auch ihren Mann. Und so trägt sie jede Krone mit, die Klaus in seinem Leben getragen hat. Die Krone des Ratsherrn ebenso wie die Dornenkrone des verlachten Eremiten oder die edle Krone des Friedensstifters in der Ranft. Heiliger Eremit oder heiliges Ehepaar. Ich glaube, sie sind beides. Ich meine, dass Klaus und Dorothee ihre jeweiligen Wege im Geist Jesu gegangen sind, denn genau hier hatten sie jeder für sich und dann auch zusammen ihr Fundament gefunden. Sie haben „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ mit Christus im Herzen getragen. Sie haben in ihrem gemeinsamen Ringen um einen guten Weg sein Kreuz getragen, und sie haben etwas vom Glück seiner Auferstehung erfahren, nachdem sie durch die Enge hindurch in die Weite, aus der Dunkelheit ins Licht getreten sind. Ich wünsche uns allen in diesen Tagen in Flüeli, dass wir etwas von diesem Licht der Welt erfahren, dass wir Christus in unseren Herzen neu entdecken und ihm Raum schaffen können. Und ich bin überzeugt davon, dass auf dieser Entdeckungsreise Klaus und Dorothee wertvolle Begleiter sein werden. Es gilt das gesprochene Wort!

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