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2 3 Roland G. Leu Architektur leben Bewegte Passagen 1998 in Teufels Küche 4 5 Inhalt Curriculum 9 Einleitung 27 Projekte 35 Schulbauten ...

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Roland G. Leu Architektur leben Bewegte Passagen 1998 in Teufels Küche

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Inhalt

Curriculum

9

Einleitung

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Projekte

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Schulbauten

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Einfamilienhäuser

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Wohnsiedlungen

90

Wohnungsbau

124

Spezielles Wohnen

150

Besondere Bauten

170

Spitalbauten

182

Wettbewerbe

196

Verzeichnis

205

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Curriculum Lehren und lernen

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Daten aus dem Curriculum Die Berufswahl (1958 - 63) Nach dem Abschluss der Mittelschule am Realgymnasium in Zürich entschloss ich mich, an der ETH Zürich Architektur zu studieren. Meine künstlerischen Neigungen und Interessen, auch meine räumliche Vorstellungsgabe und der starke Wille, Neues und Sichtbares zu kreieren, waren für mich wegleitend. Die Malerei und das Fotografieren stehen mir sehr nahe. Die ausgeprägte Vorliebe, Bauten zu analysieren, führte mich auch in die Unterrichtsarbeit für das architektonische Entwerfen.

Die Bildung als Architekt Die moderne Architektur habe ich bei meinen Studien an der ETH im Semester bei Prof. Alfred Roth kennen gelernt. Roth war ein starker Vertreter dieser Epoche, und ihm verdanke ich erste Bezüge zur klassischen Moderne 1925-1935 und zur neuen Interpretation nach 1945. Als Praktikant in seinem Büro habe ich den Besuch von Alvar Aalto miterlebt. Prof. Werner Moser eröffnete mir in den letzten Jahren des Studiums die wesentlichen Strömungen der Architekturgeschichte von Bauhaus bis hin zu den wegweisenden Beispielen in USA: Saarinnen, Gropius, Neutra, Frank Lloyd Wright, Schindler, u.a. Mich beeindruckte Louis Kahn und sein Werk in starkem Mass, sein Besuch und seine Vorlesung waren für mich eindrückliche Erlebnisse!

Studium im Ausland (1962) Finnland Mit Stipendien der UNESCO reiste ich nach Finnland und vertiefte meine Architekturstudien in einem Land, das zu jener Zeit viele Architekten in den Bann zog. Neben den bekannten klassizistischen Bauten von Carl Ludwig Engel um den Dom in Helsinki und den Museumsbauten von Saarinnen und Sonck aus der Romantik, waren im finnischen Kulturraum all die neuen Tendenzen der Moderne auf ganz besondere Weise zu erfahren. Herausragend Alvar Aalto mit seinem Werk. Neben ihm auch eine Vielzahl weiterer bekannter Architekten wie Heikki Siren, Arne Ervi, Timo Pentilä, Reima Pietilä, Vilio Revell, um nur einige zu nennen. Der Norden war mit den tausend Seen und Wäldern, mit der strahlenden Mitternachtssonne ein guter Rahmen für meine Studien. Da lernte ich, wie das architektonische Entwerfen sich stark verbindet mit dem sensiblen Erfühlen und Gestalten von Lebenssituationen. Finnland war damals für mich eine zweite Heimat. Ich lebte mit dem Kreischen der Möven, mit der würzigen Waldluft beim Sammeln der Beeren, ich suchte den Elch und verband mich auch mit den Jägern, weil das Lagerfeuer und die Sauna mir sehr lieb und vertraut wurden!

Mittelfinnland, Domkirche in Helsinki

In diese Zeit fällt auch die Zeit der Verbindung mit Rosemarie Egger. Wir haben im Sommer 1962 Finnland ausgiebig bereist, um dann ein Jahr später in Herrliberg am Zürichsee zu heiraten.

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Türkei Beim Einsatz im Bauministerium in Ankara waren wohl die Lebensumstände sehr prägend: das Leben mit den Studenten im Studentenhaus „Koc Talebe Yurdu“, die Arbeitsweise der Architekten des Bauministeriums in den grandiosen und prunkvollen Verwaltungsbauten der türkischen Regierung. Das war wirklich faszinierend! Ich unternahm auch grössere Reisen in einem damals unbekannten, sehr eindrücklich schönen Land. Ich denke an all die wunderbaren Moscheen, die wüstenhaften Landschaften und vergesse nie die Eindrücke im umtriebigen Bazar bei den Teppichen.

Einstieg in die Berufs-Praxis (1963 - 68) Rwanda Nach dem Diplom für Architektur an der ETH Zürich (1963) bewarb ich mich für den Einsatz als Entwicklungshelfer in Rwanda. Mit meiner Frau Rosemarie und mit Urs Hettich, dem späteren Kantonsbaumeister von Bern, war ich in der Folge als Architekt im Auftrag von Bern (DTZ) im fernen Zentralafrika im Einsatz. Auf dem Hügel „Murabuturo“ (der Unwirtliche, der Steinige) entwarf ich das erste überkonfessionelle Mittelschulzentrum des Landes und in Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Entwicklungshelfern gründete ich ein Bauunternehmen mit 300 Rwandesen (ungelernte Bauleute). Mit Urs Hettich verband ich mich für die erfolgreiche Realisierung dieses Projektes partnerschaftlich. Wir bauten eine Vielzahl von Schulzimmern, Spezialräume und ein grosses Refektorium, Unterkünfte für 600 Schüler und Wohnbauten in verschiedenen Grössen für das Lehrteam. Ein kirchliches Zentrum bereicherte die Schulanlage. Heute um 2008 – Jahre nach Abschluss der eigentlichen Bauarbeiten – bestehen immer noch Bauateliers, in welchen Handwerker ausgebildet werden. Schweiz Mein erster Bau war die Sauna auf dem elterlichen Grundstück in Herrliberg. Unter dem mächtigen Kirschbaum stellte ich das wunderbare Fass an die locker gebaute Umkleide. Die Sauna erreichte 120 Grad, der Blick glitt durchs kleine Fenster hinaus zu den Lichtern am nächtlichen Zürichsee. In der altertümlichen Blechbadewanne war das Duschen einge-richtet, ein etwas kalter Genuss, das Liegen und Abkühlen im Schnee eine grosse Attraktion. Als Praktikant arbeitete ich im Architekturbüro Rolf Keller, das mit seinen bekannten gestalterischen Ambitionen für mich eine gute, eine wertvolle Ausbildungsstation war. Im Büro der Steigers wurde ich mit der Entwicklung von Bausystemen konfrontiert. Meine Mitarbeit am „Norm-Modul“ führte zur Projektierung eines grossen Werkgebäudes für die Swissair, das ich heute noch im Vorbeifahren meinen Gästen zeige!

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Das eigene Büro (1968 -71) Ich hatte ein klares berufliches Entwicklungskonzept: Als Assistent am Lehrstuhl von Prof. Bernhard Hoesli im Unterricht an der ETH mitwirken und in der freien Zeit eigene Projekte und Wettbewerbe zeichnen, die letztlich auch zum Sprung in die eigene Praxis führten. Wir arbeiteten in der Nacht von 9./10. September 71 am Modell des denkwürdigen Wettbewerbes für eine neue Kantonsschule in Glarus. In dieser Nacht wurde unsere Familie mit der Geburt von Anne-Käthi bereichert, dem ersten Mädchen nach Thomas und Andreas. Der Erfolg stellte sich auch in Glarus ein: 1. Preis! Die alte Wohnung an der Neptunstrasse 80 in Zürich unweit vom Kreuzplatz neben der mächtigen Kirche St. Antonius war ein romantisches Zuhause für die junge Familie, wo 1972 Barbara zur Welt kam. Speziell waren die grosse Dachzinne, der schattige Park und die nach Öl riechende Ofenheizung. Hier konnte ich im Gartengeschoss mein Atelier einrichten und mein eigenes Büro erfolgreich führen. In diese Zeit (1968) fielen auch die ersten eigenen Bauten, das Einfamilienhaus für Kitty und Max Schelling in Hedingen und das bedeutsame Haus für Doris und Rudolf Villiger an bester Aussichtslage in Thalwil.

Die Standorte des Architekturbüros 1968 - Interessant ist es, die Standorte meines Architekturbüros mit den Standorten meiner Familie zu vergleichen. Waren damals Familie und Büroatelier an der Neptunstrasse (1968 - 74) beim Kreuzplatz in Zürich eine „Einheit“ so änderte sich das schlagartig mit der Übersiedelung der Familie aus der Stadt in die Wohnsiedlung am Aabach im ländlichen Mönchaltorf (1975), wo Florian 1981 geboren wurde. 1980 - Ich zog überraschend mit dem Büro in das Eckhaus meiner zweiten Wohnsiedlung am Tobelweg. Das angebaute Atelier mit dem grossen Glasdach ergab eine sehr spezielle Arbeitsatmosphäre nahe am Rossbachtobel, das ich bereits als Bub kannte, da meine Eltern über dem Tobel in Herrliberg wohnten. 1992 - Ich entdeckte die grosse Spinnerei Schönau der Firma Streiff in Wetzikon, die mich sehr faszinierte. Der Umzug mit zwei Lastwagen innert zwei Tagen im Herbst 1992 in diese Schönau war ein grosses Ereignis. Da zügelte das ganze Büroteam mit grossem Einsatz mit, und zwei Mitarbeiter bewegten sich mit Roller Blades von Tisch zu Tisch, so gross war das Büro im gemietete Maschinensaal. Es war für mich ein langgehegter Traum, in die räumliche Weite eines ehemaligen Spinnereibetriebes ziehen zu können. Der spezielle Arbeitsort mit den grünblau eingefärbten Wänden, dem gelbbraunen Boden war ein interessantes Zeugnis einer Industriebaute aus dem Jahre 1823.

Architekturbüro im alten Spinnerseisaal in der Schönau in Wetzikon

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Unterricht an der ETH Zürich 1968 - 72 Wer sich intensiver für das Architekturgeschehen und moderne gestalterische Entwicklungen interessiert, der bewirbt sich um eine Assistentenstelle an der ETH. Deshalb trat ich in die Abteilung für Architektur ein und folgte im Team von Prof. Bernhard Hoesli (1968-72) dem Lehrkonzept für die Architektenausbildung mit der Gestaltung des neuen Unterrichtsprogramms im Grundkurs.

Unterricht in USA 1975 / 1983 / 1990 Unterrichten ist meine Leidenschaft. Ich arbeite gerne mit den Studierenden, es macht mir Spass, Methoden der Vermittlung des Entwerfens und konstruktiven Denkens zu entwickeln. So wurde mir dank einer guten Referenz der ETH der Sprung an die Cornell Universität in Ithaca im Staat New York (1975/83/90) ermöglicht. Das Arbeiten Tag und Nacht im so inspirierenden Zeichnungssaal der grossen alten Universität bleibt mir in bester Erinnerung! Das Leben mit meiner Familie im amerikanischen Lebensraum war eine schöne Abwechslung zum Alltag in der Schweiz. In diese Jahre fiel auch meine eigene Sommerschule für die Cornell-Studenten in Locarno und Oberitalien (1975). Später (1983) lebten wir für einige Monate in der Stadt Norwalk, eine Stunde nördlich von New York. Von da aus konnte ich die Universität Yale (New Haven) besuchen und auch an der Columbia Universität in New York im Unterricht, an Semesterarbeiten und an den Projektbesprechungen teilnehmen. 1990 unternahm ich eine grössere Reise (2000 km) entlang der Ostküste von Amerika. Von New York aus besuchte ich fünf amerikanische Architekturschulen. Ich wollte mit meiner Filmkamera die verschiedenen Unterrichtsstationen festhalten. Es ging um die Unterrichtsräume, die Art des Unterrichts, um den Kontakt mit Studierenden. Nach Cornell University in Ithaca haben wir in Boston Cambridge MIT und vorallem Harvard University besucht. Zum Abschluss erhielten wir aufregenden Einblick in die Architekturschulen in New Haven an der Yale University und in New York an der Columbia University.

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Unterricht an der ZHW 1985 - 2001 1985 erfolgte die Berufung als Entwurfslehrer an die Architekturabteilung des Technikums in Winterthur. Ich nahm Anteil am Aufbau der neuen Abteilung für Architektur an der Fachhochschule. Die Filmarbeit aus den USA konnte ich mit Erfolg einsetzen. Die erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen an den amerikanischen Schulen ermunterten uns, mit den offenen Plattformen und Hörsälen ungewohnt riskierte Dispositionen zu treffen, was die Fachhochschule Winterthur weit über die Grenzen bekannt macht. Unterrichtsplattformen der Fachhochschule Ehemalige Kesselschmiede der Sulzer AG

Meinen Einsatz im Unterricht an der Fachhochschule schloss ich nach sechzehn Jahren (2001) ab. Eine wertvolle Zeit, eine faszinierend abwechslungsreiche Tätigkeit ging damit zu Ende!

Ausstellungshalle der Fachhochschule

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Reise-Aktivitäten 1960 - Als Architekturstudent lagen meine Reiseziele in Skandinavien. Aussergewöhnlich waren erste Reisen nach Griechenland und in die Türkei, 4000 Kilometer per Autostopp. Etwas später übernahm ich Reiseleitungen für die Gesellschaft „Akademische Reisen Griechenland“. 1964 - Rosemarie und ich reisten kurz nach unserer Heirat nach Zentralafrika für den Einsatz als Entwicklungshelfer im Auftrag der technischen Zusammenarbeit der Schweiz. In verschiedenen Einsätzen arbeiteten wir für den Bau des Collège Officiel in Kigali in Rwanda. Bei diesen Aufenthalten besuchten wir ausgiebig die vielen faszinierenden Regionen und die Nationalparks in Rwanda, Uganda und im Kongo. 1966 - Von Afrika aus führte uns die Reise zurück in die Schweiz über Syrien, Jordanien und Israel. In einem nächsten Jahr reisten wir durch Ostafrika, mit dem Frachtschiff nach Indien, darauf mit Zug und Bus durch das ganze Land und mit einer DC3 bis nach Nepal in die Hauptstadt Kathmandu. Auf dem Rückflug in die Schweiz machten wir Halt im Iran und wir besuchten auch die Städte Shiraz, Isfahan und Teheran. 1967 - Nach dem Kauf eines Ford Custom bereisten Rosemarie und ich ganz Nordamerika und Mexico. Von Kalifornien aus durchquerten wir den grossen Kontinent, um dann den bewährten Ford in New York nach dreimonatiger Reise (10200 km) wieder zu verkaufen. 1990 - Im Zentrum meiner Interessen standen immer Städte und Dörfer, ihre Bauten, ihre Geschichten, das soziale Leben. Mich faszinierten die Erlebnisse in anderen fremden Lebens- und Kulturräumen, natürlich auch in ihren Landschaften. Besonders intensiv erlebte ich eine Expedition im Dschungel von Borneo auf den Spuren von Bruno Manser. Ebenso aufregend und eindrücklich waren die Reisen im Landrover durch das Land und die Wüste Marokkos. 1985-2001 - Besondere Erwähnung verdienen die vielen Auslandreisen mit den Studierenden während der Seminarwochen vorallem in Europa. Da ging es auch hinter den eisernen Vorhang. 1975/83/90 - Natürlich zähle ich meine Auslandaufenthalte mit meiner Familie im Rahmen meiner Unterrichtszeit in USA, aber auch Ferienreisen im nahen Ausland zum Allerbesten. Wir konnten Erlebnisse sammeln, Erfahrungen austauschen und nun können wir uns Erinnerungsgeschichten erzählen. Eine letzte gemeinsame Reise führte nach Venedig. 1997 beginnt die Zeit mit Heidi Umbricht und weitere besondere AuslandEinsätze und -Reisen. Im Jahre 2007 besuchten wir Brasilien und Architekt Oskar Niemeier in Rio. In diese Zeitspanne fielen auch zwei ausgedehnte Studienreisen in den Iran und nach Kurdistan. Wir halten uns oft in Skandinavien auf, vor allem in Norwegen, wir leben im Sommer für Wochen in den griechischen Kykladen, vornehmlich in Andros. In Portugal und Marokko konnten wir wertvolle neue Ausflugsgebiete erforschen.

Linke Seite: Stromness Orkney Islands

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Architekt sein – Leben mit der Familie Architekt zu sein in einer selbständigen Position, ist eine grossartige Aufgabe. Mit Spannung und persönlichem Einsatz heckte ich jeweils die nächsten Entwurfsaufgaben aus. Ich staune, wie sich immer wieder Tore öffneten, sich neue Möglichkeiten darboten, manchmal gewannen wir auch einen Wettbewerb! Ich habe mich ja nie auf den Gelderwerb ausgerichtet, vielmehr wollte ich mich auf die ideelle Seite meines Berufes stellen. Dazu brauchte es eine grosse Unterstützung und auch eine Zuversicht von Seiten des Ehepartners und der ganzen Familie. Auf Grund meiner Familiensituation – wir wohnten mit den vier Kindern an der Neptunstrasse in Zürich – 1974 suchte ich eine geeignetere Unterkunft ausserhalb der Stadt. Da wanderten meine Ideen vom einsamen Bauernhaus bis hin zu einer grösseren gemeinschaftlich erstellten Wohnüberbauung. Die Frage, wo und in welchem Rahmen Kinder aufwachsen sollten, war mir von ganz zentraler Bedeutung. Mein Projekt für die Wohnsiedlung am Aabach in Mönchaltorf war eine bedeutsame Antwort und für unsere Familie eine grossartige Lösung. Mit diesem Projekt konnten wir für 15 Familien ein gemeinsames Wohnen inszenieren. Den Beruf als Architekt auszuüben, hatte für mich eine sehr umfassende und beanspruchende Dimension. Ich erinnere mich gut an die vielfältigen Beanspruchungen, und heute frage ich mich zurückblickend, wie stark doch meine Nervenkraft gewesen sein muss mit all den unendlichen Spannungen.

In Venedig 1991

Am Aabach in Mönchaltorf 1976

In Ruhe mit dem Durchblick die Weite suchen

Aber meine berufliche Ausrichtung und Beanspruchung liessen sich immer mit dem vielfältigen Leben in der Familie verbinden. Deshalb zähle ich auch die Zeit im Unterricht an den Architekturschulen in USA zu den wertvolleren Familienexkursionen. Unsere gebaute Umwelt interessierte alle in der Familie in hohem Masse und nahm uns immer wieder in Anspruch. Andreas meinte beim Vorlesen dieser Zeilen, er kenne ja beinahe alle Kirchenräume in Italien!

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Interessen und Aktivitäten Fotografieren Ich Fotografiere leidenschaftlich gern. Dabei geht es vor allem um Architektur und ihre Umgebung. Aus einem Fotobericht entsteht ein Reisebericht im Sinne einer Bildgeschichte. Ich liebe es, ein Skizzen-/ oder Fotobuch zu gestalten. Mit meiner eigenen Sicht spiele ich mit Licht und Formen, das lässt überraschende unerwartete Effekte entstehen. Fast meditativ beschäftige ich mich mit all meinen Bildern und deren Sequenzen. Oft schöpfe ich aus diesen Erfahrungen für den eigenen architektonischen Entwurf. Die Fotos werden Erinnerung, sie erweitern und belegen auch meine Erfahrung, die immer grösser wird. Filmarbeit Die Videofilmarbeit führt mich ins gleiche Interessengebiet wie das Fotografieren. Mit vielen Filmbearbeitungen schaffe ich für mich wertvolle Zeugnisse von Bauten und Erlebnissen. Auf Reisen, auch in fremden Kulturkreisen, habe ich sehr persönlich gefärbte Filmdokumente erstellt. Ich kann damit noch besser festhalten, was so schnell auch wieder vergehen will.

Künstlerische Arbeit Es geht um reale räumliche Zeichnungen wie auch um fantasievolle Welten der Träumerei. Meine architektonischen Arbeiten verbinde ich mit dem Zeichnen von Räumen und Details. Es entstehen auch viele versponnene Fantasien! Ich kann gut denken, auch nachdenken beim Zeichnen. Radierungen Mir gefällt das Radieren mit den so feinen Linien. Ich bearbeite die Platte mit der Ätzung, es entstehen Abstufungen hell dunkel, und es entstehen mit der Farbe starke, andere Akzente. Es sind räumliche Fantasien, die mit meiner klaren realen Arbeit als Architekt einhergehen. Sie befreien mich und trösten mich, weil das Reale in meiner Berufsarbeit manchmal nüchtern und zu einfach wird. Aquarelle stellen ganz andere Ansprüche; die Farbe fliesst, der Umgang mit der Grenze ist sehr spannend, Überlagerungen erzeugen besondere Effekte. Sorgfältiges Malen und spontanes Agieren beeinflussen sich auf ungewohnte Weise. Ich suche mir meine Bilder und Motive draussen am Ort. Das Tessiner Dorf eignet sich ebenso wie das Arbeiten auf einer Ferienreise in Griechenland oder im hohen Norden. Oft male ich auch aus der Erinnerung, indem ich das Erlebte mit mir trage, um es später in meiner gewohnten Umgebung auf meinem Papier auszubreiten. Malen mit Acryl, Gouachen und Oel Das Malen mit Acryl habe ich erst 1994 entdeckt und mir gefällt es, damit abstrakte Bilder von Räumen und Bauten zu komponieren. Noch leichter fällt es mir, ohne harte Grenzen zu malen und es begeistert mich, mit Farben zu experimentieren. Meine Welt ist die Farbigkeit, weg vom Weiss.

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Einleitung Gedanken zum Entwurf

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Arbeit als Architekt Projektieren und Bauen Immer wieder suche ich die Herausforderung, und ich will bei der Lösung meiner Aufträge stets spezielle und ungewohnte Wege gehen. Es geht mir um faszinierende Räume, wertvolle Raumkompositionen, und ich arbeite intensiv an innovativen Gestaltungen, wobei die Materialwahl und die Farbe ein besonderes Gewicht erhalten. Sehr verbunden bin ich mit dem konstruktiven Konzept im Bau. Auch wenn das Konstruktive nicht allein die Essenz im Bau ausmacht. Ich lebe in einer Epoche, wo das konstruktive Prinzip und seine Logik sichtbar bleiben und Gestaltungskraft erhalten. Das räumliche Denken mit dem Licht im Raum und die Verbindung zum konstruktiven Lösungsansatz faszinieren mich fortwährend. Mein Ziel ist es, mittels meiner hohen Ansprüche gute, spezielle Architektur zu schaffen, die meine eigene Linie darstellen kann. Das ist nicht leicht zu realisieren und erst die Durchsicht all meiner Projekte kann darauf eine Antwort geben. Am allerwichtigsten scheint mir die Zielsetzung, im Projekt jeweils eine starke Projektidee zu kreieren und mit allen Mitteln gut darzustellen. Letztlich ist die Idee und ihre logische Umsetzung meine allerbeste Triebfeder für den Erfolg! Erfolg haben bedeutet, das Bauwerk ist nicht nur nützlich und gut in der Bewährung, vielmehr soll der Bau unsere emotionalen Sensoren berühren, weil die Projektidee nun erlebt und gelebt werden kann.

Projekte / Bauten und die Zielsetzungen Die Idee und das Bewusstsein wuchsen schnell, dass Architektur für mich in Verbindung mit den kulturellen und sozialen Bedingungen stehen muss, die eine Bauherrschaft und ihre Umgebung fordern. Nicht der Wohlstand, nicht die maximale Perfektion bautechnischer Hochschule interessieren mich, vielmehr ziele ich immer wieder auf grundsätzliche Werte, die letztlich architektonische Qualität sicherstellen. Weder das teure Dekor, noch der übertriebene Verschleiss, noch das Protzen liegen auf meiner Linie. Deshalb schätze ich auch die Bilder von „Bauten ohne Architekten“, die in ihrer grundsätzlichen Unbefangenheit begeistern und überraschen können. Ich suche Stimmungen, ohne aber dem Kitsch zu verfallen. Bei meiner Rückschau sehe ich, in der Kantonsschule Glarus tritt das konstruktiv Räumliche stark und vorzüglich ins Zentrum. Mit der Projektierung meiner ersten Wohnsiedlungen habe ich ebenso das Konstruktive in Holz mit dem typischen schweren Backsteinmauerwerk und das interessante Räumliche sichtbar werden lassen. Fantastisches Wohnen in der Widmenwies Es kreuzen sich konstruktive Gefühle bis tief hinein

Die Erfindung meiner Siedlungen und die Verwirklichung meiner Auffassung von „Wohnen im Rohbau“ zielt nun stark auf ein alternatives Denken im modernen Wohnen hin. Das Erstellen von gemeinschaftlichen Wohngruppen im Spannungsfeld von Gemeinsamem und Privatem, die Beteiligung der Bewohner am Planungs- und Bauprozess, das wurde bei meinem Projektieren zu einer meiner wichtigsten Essenzen.

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Kommunikatives, ökologisches Wohnen Mit dem Erstellen neuartiger Wohnsiedlungen wollte ich eine besondere Art des gemeinsamen Wohnens entwickeln. Die Beteiligung der Bewohner hatte eine sehr praktische und fundamentale Wurzel. Ich verfasste das Projekt, die Pläne für die einzelnen Familien, aber das Geld für die Realisierung hatte ich ja nicht. Also musste ich die künftigen Bewohner suchen, sie für mein Projekt gewinnen, und mit ihrer Teilnahme als Bauherren konnte die finanzielle Basis geschaffen werden, indem jeder bei seiner Bank den eigenen Baukredit auslöste. Um Ansporn zu geben in mein Projekt einzusteigen, brauchte ich die guten Argumente für die Vorteile des gemeinsamen Bauens. Da war die gute Koordination von Bauten und Bauteilen, es ergaben sich vorteilhafte organisatorische Dispositionen, nie wurde eine Verwaltung nötig. Die Ökologie spielte eine immer wichtigere Rolle und was die Wirtschaftlichkeit anbetraf, war es mein Ziel, interessantes, grosses Volumen zu möglichst kostengünstigen Bedingungen zu erstellen. Ich habe nie Bauten verkauft. Die Teilnehmer am Siedlungsprojekt waren in meinem Konzept die Bauherren wie im Einfamilienhaus. Sie bezahlten die Unternehmerrechnungen für ihr Haus oder für ihre Wohnung direkt mit dem eigenen Baukredit. An die Teilnahme und an die Beteiligung im Siedlungsprojekt musste ich ganz besondere Bedingungen stellen. Alle verpflichteten sich jeweils, das gemeinsame Ziel einer vorteilhaften Realisierung vor Augen zu haben. Die eigenen Interessen mussten etwas zurückstehen, um dem Muster und den Regeln im Gesamtprojekt den Vorrang zu geben. Im einzelnen Haus jeder Wohnsiedlung gab es grundsätzliche Gegebenheiten und innerhalb dieser gab es Spielregeln, mittels derer die Ausbauten nach eigenen Wünschen haben bestimmt und gestaltet werden können. Die Beteiligung der künftigen Bewohner an ihrem Haus oder an ihrer Wohnung in der Wohnsiedlung bestand beim Planen, im Zuhören und Annehmen. Böse Zungen sagten mir, wünschen und machen kann man vieles, aber dem Architekten muss man letztlich gehorchen. Ich konnte dank meiner Unterrichtserfahrung meinen Bauherren immer wieder das Verständnis für die Projektlösungen und die Details vermitteln. Oft konnte ich auch gute und interessante Einwände und Vorschläge aufnehmen und beim Projektieren einbauen. Um nun eine reibungslose und erfolgreiche Umsetzung zu sichern wurde klar, mein Konzept der Einbindung in die vorgegebenen Projektregeln schützte den Einzelnen vor ungehörigen Forderungen oder Störungen anderer. Ich stehe gut die Blicke entdecken sinvolle Bezüge

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Schulbauten – Erfolg und Bewährung Der Schulbau in Rwanda war ein sehr bedeutsamer Anfang in meiner Architektenpraxis. Unter unglaublich schwierigen Umständen gelang es mir, ein Projekt zu entwerfen und eine sich über Jahre ziehende Verwirklichung zu erreichen. Ein entscheidender Schritt für meine berufliche Entwicklung stellte der Wettbewerbserfolg für den Neubau der Kantonsschule Glarus im Jahre 1971 dar. Das Programm für eine moderne Mittelschule war eine sehr interessante Aufgabenstellung. Mit dem Besuch von wegweisenden neuen Schulen konnte ich grundlegende Fragen der Entwicklungen im Schulhausbau klären und die Basis für die definitiven Baupläne legen. In diese Zeit fielen auch Besuche von Schulen ohne Wände in den USA und in Deutschland, wo auch mit dem Trend von Gesamtschulen experimentiert wurde. Ich sah, wie sich Schulprogramme und ihre Bauten rasch ändern und entwickeln. Die Flexibilität und das Veränderbare im Bau waren somit sehr neue und wichtige Zielsetzungen. Der Schulhausbau und die damit verbundenen Studien zu den wichtigen Neuerungen hatten viel mit meinen Interessen und Erfahrungen im Unterricht an der Architekturabteilung zu tun. Erfolgreich projektieren heisst auch, besondere Fähigkeiten zu entwickeln, um ganz auf die Seite der künftigen Benützer treten zu können, um deren Sicht und deren Bedarf im Detail zu erarbeiten und zu bestimmen. Die Schulerweiterungen in Meilen und Schwerzenbach sind wegweisende Projekte. Meine Zielsetzungen, immer wieder neue kreative Wege zu gehen, um Neues zu schaffen, haben sich hier bilderbuchartig gut verwirklichen lassen. Dazu zähle ich auch den Entwurf und mein Engagement für das Hochalpine Töchterinstitut in Ftan.

Spitalbauten – eine neue Herausforderung Mit jedem Bautyp gleiten der Architekt und seine Mitarbeiter mit den erworbenen Kenntnissen und den gemachten Erfahrungen in eine Kompetenz, die man ausnützen und wieder einsetzen möchte. Mich zogen aber immer wieder neue Situationen an, und so versteht man leicht, dass ich mich auch mit besonderer Spannung und Freude in die neue Projektierung und den Bau eines Spitals begeben habe. Der Auftrag der Glarner Regierung für die Renovation und die Erweiterung des alten Sanatoriums in Braunwald war sehr wertvoll. Alle Erfahrungen zur Schaffung einer blendend neuen Höhenklinik ergaben die allerbeste Basis, am Wettbewerb zur Neugestaltung und Erweiterung des Kantonsspitals in der Stadt Glarus teilzunehmen. Mein mit dem ersten Preis ausgezeichnetes Projekt konnte ich in Partnerschaft mit dem Spitalplaner Steiger aus Zürich in den Jahren 1992 - 2002 verwirklichen. Ich erinnere mich auch weit zurück an meine Zeit in Rwanda, wo ich 1964 einen Erweiterungstrakt zum Spital Kigali für die Regierung gezeichnet hatte. Ich sah vor, für die Ärzte und die Pflege auf der Hofseite offene Erschliessungslauben anzuordnen und auf der Gartenseite der Zimmer ähnliche Balkone für die Familien und die Angehörigen der bettlägerigen Patienten anzubringen. Gekocht wurde im Garten der Spitalanlage und dies am offenen Feuer. Jahre später bemerkte ich bei meiner Fahrt durch die Hauptstadt Kigali, mein Projekt, der grosse lange Trakt, war wirklich gebaut worden. Ich sah plötzlich meine Pläne von damals leibhaftig gebaut vor mir in Beton und mit Mauersteinen in den schönsten Farben.

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Die Essenz Gute Architektur zu schaffen ist ein anspruchsvolles, ein aufwendiges Unterfangen. Da gibt es keine absoluten Massstäbe, aber immerhin können Qualitäten in ästhetischen aber auch in gestalterischen Belangen erarbeitet werden. Interessant für mich ist immer die konstruktive Logik im Bau und auch deren Auswirkung auf den Raum. Im Zentrum steht für mich die starke Darstellung einer Projektidee. In diesem Sinne suche ich gerne das Aussergewöhnliche, ohne das Originelle über Gebühr zu strapazieren. Ich verdanke meine Erfolge auch der Unterstützung meiner Partner und Mitarbeiter im Architekturbüro. Den Durchbruch zum Erfolg erreiche ich aber nur über den Bauherrn, der die Ideen mitträgt. Meine Arbeit als Architekt zog sich über ein weites und anspruchsvolles Feld. Ich stand mit den Rwandesen unter schwierigen Umständen im Einsatz. Ich zeichnete Wettbewerbe für sehr verschiedene Projekte, die sich nicht alle verwirklichen liessen, für mich aber trotzdem erfreuliche Resultate darstellten. Meine Wohnsiedlungen erfreuten sich einer grossen Anerkennung, sie gaben Impulse auch über ihre Zeit der Entwicklung hinaus. Mit dem Schulbau vertiefte ich mich sehr gerne in die aktuellen Trends im Unterricht, wo Medien und neue Raumprogramme sehr wichtige Veränderungen auslösen. Auf ein ganz neues Gebiet begaben wir uns alle für die komplexe Projektierung im Spitalbau. Architektur führt nicht nur in die räumlich formalen Belange. Die gesetzlichen Bestimmungen der Bauordnung setzen Randbedingungen, die belasten können. Als der Nachbar der fertiggestellten Villa „Enzian“ in Herrliberg eine Klage einreichte, weil er glaubte, das Haus sei 28 Zentimeter zu hoch gebaut worden, und als in der Folge die Behörde den Rückbau verlangte, war ich sehr schockiert. Die Klage wurde abgewiesen. Wie reich, vielfältig und anspruchsvoll all die bautechnischen und installationstechnischen Belange sind, bedarf sicher keiner besonderen Erwähnung. Ich weiss, wie einschneidend und auch kostspielig unser neues Bauen geworden ist, die Aufwendungen sind auf ganz hohem Niveau, und ich habe mich immer wieder darauf konzentriert, das Notwendige vor das grenzenlos Wünschbare zu stellen. Ich habe Interessantes, Wertvolles sehr kostengünstig bauen können.

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Projekte Das Baugeschehen

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Schulbauten

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Schulbauten Erfolg und Bewährung Die Schulanlage in Kigali in Rwanda war ein sehr bedeutsamer Anfang in meiner Architektenpraxis. Unter schwierigen aber faszinierenden Umständen gelang es mir, ein interessantes Projekt einer grossen Gesamtanlage zu entwerfen und eine sich über Jahre ziehende Verwirklichung zu erreichen. Ein entscheidender beruflicher Schritt stellte der Wettbewerbserfolg für die Kantonsschule Glarus im Jahre 1971 dar. Das Programm für eine moderne Mittelschule war eine grosse Herausforderung für die Entwurfsarbeit. Mit dem Besuch von wegweisenden neuen Schulen habe ich grundlegende Fragen der Entwicklungen im Schulhausbau klären und die Basis für die definitiven Baupläne legen können. In diese Zeit fallen auch Besuche von Schulen ohne Wände in USA und in Deutschland, wo auch mit dem Trend von Gesamtschulen experimentiert wurde. Die Flexibilität und das Veränderbare im Bau waren sehr neue und sind noch heute wichtige Zielsetzungen. Die Schulerweiterungen in Meilen und Schwerzenbach sind wegweisende Projekte. Meine Ambitionen, immer wieder kreative Wege zu gehen, um Neues zu schaffen, die haben sich in diesen zwei Bauten bilderbuchartig gut verwirklichen lassen. Dazu zähle ich auch mein Engagement und den Entwurf für das Hochalpine Töchter-Institut in Ftan.

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Collège Officiel de Kigali Rwanda, Zentralafrika 1964 - 74 Nach dem Diplom für Architektur an der ETH Zürich (1964) beantragte ich die Gründung eines Teams von Entwicklungshelfern in Rwanda, Zentralafrika. Mit meiner Frau Rosemarie und mit Urs Hettich, dem späteren Kantonsbaumeister von Bern, war ich in der Folge als Architekt im Auftrag von Bern (DTZ) im fernen Afrika im Einsatz. Auf dem Hügel „Murabuturo“ (der Unwirtliche, der Steinige) entwarf ich das erste überkonfessionelle Mittelschulzentrum des Landes und in Zusammenarbeit mit dem Team von Entwicklungshelfern gründete ich ein Unternehmen mit 300 Rwandesen (ungelernte Bauleute). Mit Urs Hettich verband ich mich für eine erfolgreiche Realisierung dieses Projektes partnerschaftlich. Wir bauten eine Vielzahl von Schulzimmern, Spezialräume und ein grosses Refektorium, Unterkünfte für 600 Schüler und Wohnbauten in verschiedenen Grössen für das Lehrteam. Ein kirchliches Zentrum bereichert die Schulanlage. Heute um 2008 – Jahre nach Abschluss der eigentlichen Bauarbeiten – bestehen auch noch die Bauateliers, wo weiterhin Handwerker ausgebildet werden.

Rechte Seite:

Refektorium mit Wasserturm

Unten:

Klassentrakt gestaffelt am Hügel Murabuturo Gartenanlage mit offenem Theater Die Gartenmauern aus dem eigenen Steinbruch

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Rechte Seite: Unten:

Innenhof im Zentrum der Schule, unten das Eingangselement Modell Schulanlag: links Refektorium, rechts Spezialklassen, gestaffelt Klassenzimmer Markant die Dachelemente in Eternit, im Bau werden viele gleiche Elemente verwendet

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Kantonsschule Glarus Glarus 1972 - 77 Als junger, unbekannter Architekt den ausgeschriebenen Wettbewerb unter 62 Teilnehmern zu gewinnen, das war ein unglaublich aufregendes Ereignis! Ich schätze diesen Bau sehr. Ich bin der Glarner Regierung sehr dankbar für ihren Mut, mir damals auch die Realisierung dieser anspruchsvollen Baute zu übertragen (25 Mio.). Ich war jung (34), und ich weiss, dass mit diesem ersten, grossen, sehr speziellen Auftrag meine erfolgreiche berufliche Laufbahn begann. Die Architektur wirkt durch die eindrückliche Volumetrie der Anlage; der mächtige Eingangshof nimmt uns auf, wir steigen über die grossen weiten Stufen hinauf und werden dann auf der Rückseite, auf dem Spiel- und Sportplatz, durch die markanten Bauvolumen umfasst. Die Kantonsschule ist heute noch ein wichtiger Prestigebau für die Talschaft mit allen Räumen und Einrichtungen für den modernen Unterricht einer Mittelschule. Ich habe alle meine Kreativität zur Gestaltung einer aussergewöhnlichen, räumlich interessanten, sehr flexibel nutzbaren Aula eingesetzt. Hier ist nun mit diesem Theater- und Musiksaal das kulturelle Zentrum von Glarus entstanden. In der so eindrücklichen, tief im Gelände eingesetzten Dreifachhalle können auch die sportlich Ambitionen Ausdruck und Erfüllung finden. Der imposante Schulbau erhält im Inneren seine Prägnanz durch die grossräumigen Rippendecken in rohem Beton. Die Kantonsschule weist damit einen ihr eigenen, unverwechselbaren architektonischen Ausdruck, eine spezielle räumliche Stimmung auf, deren Ursprung im konstruktiven Denken liegt. Die roten Stahlstützen sind freigestellt und die Trennwände folgen einer faszinierenden, flexiblen Teilungsgeometrie, (siehe Mies Van der Rohe, Haus „Tougendhat“). Die Aufnahme der Schule im Architekturführer der Schweiz freut mich ganz besonders.

Eingangstreppe / Pausenhof zur Stadt hin orientiert, eine offene, transparente Eingangshalle Rechte Seite: Spiel- und Sportplatz in direkter Verbindung zum Eingang, Zeichenatelier weit oben

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Eingangshof und Sportplatz transparent mit der Eingangshalle verbunden. Die Bauvolumen mit den Klassenzimmern umschliessen die Aussenräume

Oben: Aula / Konzert- und Theatersaal, ein wichtiges Zentrum für kulturelle Veranstaltungen Unten: Glashaus Zeichenatelier

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Die weite Dreifachhalle liegt tief im Gelände, die Deckenkonstruktion hat ihre eigene Geometrie.

Der Grundriss für den Klassentrakt ergibt eine Punktsymmetrie mit den Nebentreppen als Eckpfeiler.

Die Betonrippendecke wird an Ort in fortlaufenden Etappen fabriziert

Mit der Betonrippe leben

Blick in Richtung Stadt Glarus, markant das Zeichenatelier über dem rückwärtigen Hof

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Hochalpinens Töchter-Institut Ftan 1981 - 82 Es ist wunderbar in der alpinen, blumenreichen Engadiner Landschaft zu wandern, sich überraschen zu lassen vom mächtigen Institut, das sehr abgelegen und weitab vom Dorf Ftan hoch über dem Tal thront. Unter dem Eindruck dieser glanzvollen und altehrwürdigen Schulbaute habe ich sehr wohl überlegt, wie ich für eine Erweiterung mit diesem bestehenden, symmetrisch ausgelegten Bauvolumen umgehen will. Die neuen Bauten mussten zurücktreten und zurückgestaffelt im welligen Gelände festsitzen. Die zwei neuen Volumen für Turnhalle und Unterkunft schliessen sich mittels feinfühlig gestalteter Fassade zusammen, und sie umfassen nun auf diese Art einen neuen, wertvollen Aussenraum. Das Institut hat sehr viel gewonnen, die neuen Bauten bereichern und krönen den althergebrachten Institutsbau. Die Schüler ziehen hinaus, gehen hinüber in ihre neue Mediothek, zu ihren lichten Zimmern, sie laufen durch den Neubau in die grosse Turnhalle, der Tennisplatz leuchtet in hellem Rot.

Die neuen Bauvolumen neben dem stattlichen Altbau treten im Gelände zurück und umgeben die Sportplätze. Die markanten Stützen im Sockelgeschoss verbinden die Turnhalle mit dem Wohntrakt.

Im Dachraum liegen die Maisonettewohnungen für die Lehrer.

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Das stattliche Hochalpine Töchter-Institut hat im prägnanten Rundbau über dem Hauptzugang eine wunderbare Aula. Unten rechts: Die neue Turnhalle mit der Kletterwand

Die Fassade besticht

Die neue Mediothek

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Doppelkindergarten Breite Herrliberg 1990 - 91 Wie ein Schmetterling sitzt der gefächerte Neubau in der Südecke der Schulanlage „Breiti“. Zwei Kindergärten öffnen sich im Erdgeschoss nach Süden zum Gartenraum, während der geschwungene Baukörper im Rücken den Eingang formuliert, ein schönes Ankommen in diesen Hofraum für die Spiel- und Wohngemeinschaft, denn über dem Kindergarten liegen die Wohnungen nach Süden aufgefächert. Das gelbe Backsteinmauerwerk gibt dem „Schmetterlingsbau“ ein frohes, leichtes Aussehen. Fenster und Stahlkonstruktion heben sich deutlich ab durch das helle Blau, viel Glas überall! Im Inneren allerdings ist das Mauerwerk nicht sichtbar belassen. Das Weiss, die vielfältigen Grautönungen und einige Holztäferungen formulieren ein gediegenes, transparentes Wohnen. Kindergarten und Wohnen zu verbinden ist aussergewöhnlich. Alle Parteien leben voneinander und bereichern sich. Werktags ist das frohe Spielen der Kinder zu sehen und hören, am Feierabend oder am Wochenende geniessen die Bewohner des Hauses auf den Balkonen die Aussicht oder gehen hinab über die Aussentreppen in den Garten in die gemeinsame Spielund Grünanlage.

In Herrliberg ist zur Schulanlage Breiti ein originelles, neues Wohnhaus entstanden. Die Kindergärten liegen im Erdgeschoss und fächerförmig öffnen sich auch die Wohnungen in den oberen Geschossen zur Sonne und zur Aussicht hin.

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Konvex und konkav Das Haus umfasst den Eingang. Die andere Seite wird zum offenen Fächer nach Süden zur Aussicht hin. Balkone und verglaste Wintergärten stehen in einer spannungsvollen Beziehung.

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Schulanlage Allmend Meilen 1989 - 92 Auf der Geländekante ob Meilen geniesst man in der Allmend Schulanlage eine wunderbare Aussicht auf den See. Diese Allmend erweitern heisst, mit einer eigenständig neuen Architektur das gesamte Ensemble verfestigen, verdichten, auch neue Freiräume schaffen. Oberstufe und Primarschule erhalten neu eigene Zentren. Der Vortrags- und Theatersaal sitzt wie eine Pagode neben der grossräumigen, lustvollen Pausenhalle. Die fliegenden Dächer und Balkone lassen den Gedanken und Ideen freien Raum, der Unterricht ist kreativ, leichte Sonnenblenden bestimmen den Wandel der Schatten. Der Klassenraum erweitert sich mit dem Gruppenraum, gefragt ist das individuelle Lernen und Arbeiten.

Die Eingangshalle der Primarschule zeigt die verspiegelten Plexigläser - die Kunst am Bau - über der Eingangstüre der Aula.

Oben: Die geschlossenen Volumen der Aula und das Schulhaus der Oberstufe im Hintergrund weisen prägnante Oberlichter auf, wie die Tempel von Jaipur.

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Eingangshalle der Primarschule Die Bodenplatten entsprechen dem Muster der Globihosen

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Rechts: Balkone mit den schwebenden Dachplatten erweitern die Innenräume der Klassenzimmer auf grosszügige Weise.

Hauptaufgang Oberstufenschulhaus Gangzone mit viel Glas, Licht und Durchsicht.

Markante Oberlichter vor den Eingangszonen zu den Klassenzimmern geben ihr Licht in die grosszügige Pausenhalle und in die Gruppenräume.

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Schulanlage Heggerwies Schwerzenbach 1993 - 94 Wir steigen die neue, weit geschwungene Treppe zum Eingang hoch und lassen uns überraschen durch den hohen, weit überdachten Theaterhof. Der Neubau strahlt eine spezielle Dynamik aus, er ergänzt und bereichert die alte, stattliche Anlage auf imposante Weise. Im Klassentrakt erleben wir intensiv den Lauf der Sonne, die Oberlichter schaffen die nötigen Verbindungen und das auskragende Dach lässt den Klassenraum weit in die Umgebung greifen. Glasvitrinen und gläserne Türen schaffen offene, direkte Verbindungen ins klug gestaltete Klassenzimmer. Flexible Tafeln und Paneele ermöglichen einen wechselhaften, lebendigen Unterricht. Die Gruppenräume erweitern die Gangzone, sie lassen sich nach Belieben zuordnen, man ist flexibel. Das Projekt ist im Aussenraum, im Übergang aussen innen spannungsvoll, virtuos und in der Gestaltung ungewöhnlich, die Raumproportionen spürbar harmonisch, das Konstruktive hat eine klare Bedeutung und findet ihren Ausdruck.

Balkone und ein weites Dach erweitern mit Vorteil die Innenräume und erlauben offene, innere Treppenhäuser (Bild linke Seite, unten). Die Durchblicke ins Klassenzimmer bringen ungewohnte schöne Verbindungen.

Oben: Gangzone mit Durchblick in die Klassenzimmer Unten: Lehrerzimmer links, Aufgang zu den Klassenräumen

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Pausenhallen mit offenem Theater Die hohen, gedeckten Verbindungen zur Turnhalle ergeben grosszügige Aussenräume. Turnhalle links am offenen, sehr hohen Verbindungsgang. Der Klassentrakt nimmt Licht von beiden Seiten.

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Das Gesicht der Schule Das grosszügige Vordach schafft einen wertvollen Aussenraum und erweitert die Innenräume (beachte die Sonnenstoren). Rechte Seite: Die konstruktiven Elemente prägen und gliedern den Innenraum der Turnhalle und zeigen Durchblicke, speziell auch die verglaste Brüstung.

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Einfamilienhäuser Das Wohnen im Einfamilienhaus Ich bin im Einfamilienhaus aufgewachsen, das war in der Soldanella in Herrliberg. Überall die braun gefärbeten Gartenzäune, jeder mit seinem Garten. Auch verstehe ich den Wunsch nach einem unabhängigen autonomen Wohnen im eigenen „Schloss“. Aber ich vergesse nie alle die Nachteile aus diesem Wohnen gegeneinander. Meine Erlebnisse führten mich auf das Projektieren grösserer Häusergruppen, indem ich das Privat-Sein mit den Vorteilen einer geplanten Wohngemeinschaft verband. Ich entschloss mich, nur noch Wohnsiedlungen mit ganz speziellen räumlichen und nachbarrechtlichen Qualitäten zu entwerfen. Einige meiner Einfamilienhäuser zeige ich aber trotzdem mit grossem Vergnügen!

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Wohnhaus Doris und Rudolf Villiger Thalwil 1968 Die Villigers kaufen an schönster Aussichtslage ein gut erschlossenes Grundstück. Unter dem vorgeschobenen weit auskragenden, schützenden Dach – es ist der ausdrückliche Wunsch der Familie – lasse ich alle Wohnräume um die zentrale Wendeltreppe kreisen. Ich gestalte die Raumvolumen zu einer harmonisch gegliederten Plastik, die Öffnungen und Zwischenräume lassen uns immer wieder eine andere Aussicht erleben. Die späteren Überbauungen der Nachbarparzellen stören das sehr spezielle Einfamilienhaus. Diese Erfahrung weist mir neu meinen Weg. Ich konzentriere mich künftig auf das Bauen in grösseren Gruppen, wo das einzelne Haus und sein Aussenraum im Nachbar-Konzept gesichert sind. Ich werde einige wichtige Wohnsiedlungen entwerfen und mit Erfolg verwirklichen können!

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Wohnhaus Kitty und Max Schelling Hedingen 1968 Nach meiner Rückkehr aus Rwanda entwerfe ich für die Familie meiner Cousine Kitty dieses Einfamilienhaus. Das ist einer der ersten Aufträge im eigenen Büro an der Neptunstrasse 80 in Zürich. Die Idee ist klar und eindrücklich. Unter diesem mächtigen Dach sitzt die Raumkomposition mit Zu- und Weggang von und nach allen Seiten. Und wertvoll sind der halbgeschossig gegliederte Aufgang unter das Dach und die starke Wohnlichkeit der Räume unter den Dachschrägen. Der Zimmermann weigerte sich anfänglich, Balken in dieser Länge zu liefern und einzusetzen. Aber ich weiss, für eine architektonische Idee muss man beharrlich sein.

Die Pergola der Parkierung führt unter die weite Ausladung des mächtigen Daches über dem Eingang

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Landwirtschaftliche Siedlung Irma und Fritz Mosimann Mönchaltorf 1976 Eine landwirtschaftliche Siedlung zu entwerfen war für mich etwas ganz Neues. Ich wusste nicht, wie Kühe, Schweine und Schafe wohnen. Die technischen Details waren mir ganz unbekannt, auch etwas fremd. Erst der Besuch der Fachstelle für den Landwirtschaftlichen Siedlungbau in Tänikon (TG) liess in mir die Gewissheit wachsen, wir könnten mit dieser Unterstützung eine Planung des Hofes an die Hand nehmen. Begeisternd sind die Dimensionen der Scheune. Die Holzkonstruktionen im Rohbau ergeben eindrückliche Bilder. Die drei Silos sind unter dem mächtigen Scheunendach untergebracht, sie sind mit Vorteil geschützt, verdeckt. Zusammen mit dem Wohnhaus ist eine räumlich grosszügige, harmonisch schöne Gesamtanlage mit einem guten Innenhof entstanden.

Haus, Stall und Scheune bilden eine harmonische, gestalterische Einheit, im Zentrum liegt der Eingangshof der Anlage.

Die konstruktiven Elemente mit der grossen Spannweite faszinieren

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EFH Margrit u. Hans Ueli Schweizer Rüschlikon 1976 Die unkonventionelle Bauherrschaft will den Kalksandstein, die betonierten Abdeckungen, die grossen offenen Lufträume, hier wird ein buntes, fantasievolles Erleben zelebriert. Das Haus hat seine Prinzipien, die Sonne kommt von Süden über das Dachoberlicht in den hohen offenen Innenraum, die Aussicht aus dem vorgeschobenen Wohnraum geht nach Norden, man geniesst von hier die weite Aussicht auf den See. Im Plan ist die Zonierung der Räume deutlich gemacht, man sieht die verschiedenen Raumschichten, die Nebenräume, Erschliessung, die Schlafräume. Das Haus ist reich, vielfältig und doch so klar in seiner Logik. Die Küche am unendlich langen Fenster! Gegen die Konvention sind das Dachmaterial und der graue Kalksandstein aussen, dieser irritiert die Baubehörde, wir müssen die Fassade malen; die Farbe ist so grau wie der Stein! Der Bau überrascht aber im Inneren mit seiner starken wohnlichen Geborgenheit!

Das unkonventionelle Haus am Hang. Die wunderbare Aussicht nach Norden, zum Zürichsee, die Sonne von Süden gelangt direkt über das Oberlicht in die Innenräume.

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Die Oberlichter nehmen die Sonne in das Haus. Die rohe Konstruktion lässt den gestalterischen Kräften einer freien Möblierung viel Raum.

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Wohnsiedlungen

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Wohnsiedlungen Das kommunikative, das ökologische Wohnen Mit dem Erstellen neuartiger Wohnsiedlungen habe ich eine besondere Art des gemeinsamen Wohnens entwickelt. Das Mitwirken und Teilnehmen am Bauprozess war aufregend, aufwändig aber wertvoll, und ich brauchte die guten Argumente für die Vorteile des gemeinsamen Bauens, für eine gute Koordination von Bauten und Bauteilen. Die Ökologie spielte immer eine wichtige Rolle, und was die Wirtschaftlichkeit anbetrifft war es mein Ziel, interessanten und grossen Raum zu kostengünstigsten Bedingungen zu erstellen. Im einzelnen Hause jeder Wohnsiedlung gab es grundsätzliche Gegebenheiten und innerhalb dieser gab es Spielregeln, mittels derer die Ausbauten nach eigenen Wünschen haben bestimmt und gestaltet werden können. Auch Eigenbau wurde möglich. Mit dieser Beteiligung aller wurde eine wertvolle Basis für die Kommunikation innerhalb der Wohnsiedlung gelegt. Die Siedlungsversammlung dient wertvollen und nützliche Begegnungen auch zur Lösung aller anstehenden Probleme.

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Wohnsiedlung am Aabach Mönchaltorf 1974 -75 Die Aabach-Siedlung ist die erste und prägnanteste (auch bekannteste) Wohnüberbauung einer ganzen Reihe. Die Wohnhäuser umschliessen sehr klar den gemeinsamen Wohnhof. Alle Häuser haben das gleiche, sehr grosses Volumen, wie Scheunen, offen, luftig, lichterfüllt. Es sollen Rohbauten sein – das war die Ideologie – mit allen erdenklichen finanziellen Einsparungen, aber gross und mit vielfältigen Ausbauvarianten. Jedes Haus weist dieselbe Grundfigur auf: Der Eingangshof markiert jeweils das einzelne Haus. Das vorspringende Atelier trennt die Häuser, gliedert die Hausreihe und der Innenhof zu jedem Haus ergibt eine sehr private Gartenzone. Im Aabach sind alle Häuser teilbar, das „Stöckli“ oder das Büro ist jeweils abtrennbar vom Hauptbau. Damals eine mit Obstbäumen besetzte Auenlandschaft am romantisch glitzernden Aabach. Nur Kühe, Pferde, Mistwagen, nebenan die uniformen Wohnblöcke der Firma Göhner. Keine Aussicht, deshalb entstand der eigene Wohnsiedlungs-Hof mit Blick in den gemeinsamen Freiraum. Man lebt mit den Lichtern der andern, die Gemeinschaft ist gewollt, für alle ein Gewinn, eine wunderbare Basis, deshalb, weil die Privatsphäre im grossen Haus, im eigenen Hof, optimal gewährleistet ist.

Ich wusste, dass unsere Siedlung am Aabach eine Pionierarbeit darstellt. Die Volumetrie der Bauvolumen, alles in rotem Backstein. - möglichst grosses, hohes, teilbares Volumen (Scheunen), das Reihenhaus ist 11.35 breit !! Der vorgezogene Ateliervorbau trennt die Bauten und bildet jeweils den privaten Wohnhof. - ein abtrennbarer Bauabschitt geeignet für ein Stöckli, für ein separates Atelier oder für ein Büro. - Rohbauten mit Charme, ein grosses Haus zum halben Preis. - roher Backstein und sichtbare Holzkonstruktionen, ein neues Wohngefühl im einfachen Konstruktionsholz. - eine gute Gemeinschaft, wo in den 15 Familien 34 Kinder aufwachsen. Heute kommen viele Grosskinder zu Besuch.

Der Innenhof der Siedlung ist das Typische für die Anlage. Jedes Atelier erhält eine Treppe in den gemeinsamen Innenhof. Die Väter sind an der Arbeit. Die Ateliers bereichern das Wohngeschoss und formulieren und begrenzen den privaten Wohnhof.

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Rechts: Der private Wohnhof ist sehr wichtig, die Gestaltung der Fassade mit Riegel und Platten ergibt eine lebendige Einheit. Mit den künftigen Bewohnern bauen heisst Verständnis vermitteln und die verschiedenen Phasen im Bauprozess erleben lassen.

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Die Ideologie ist klar, leben im Rohbau Die Holzkonstruktion ist das prägende Element, die Wohnlichkeit liegt in der Grosszügigkeit der Räume.

Oben: Bewegung im Freiraum Rechte Seite: Atelierbauten für jedes Haus, das langgezogene Glashaus im Untergeschoss nur für die Architektenfamilie der Siedlung

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Wohnsiedung am Tobelweg

Feldmeilen 1979 - 80 Wer mit 22 Familien am Rossbach baut, wer miterlebt, wieviele „Hindernisse“ überwunden werden mussten, – Zufahrtsrechte, etliche Näherbaurechte, Abbruch einer Altliegenschaft, Felsen im Untergrund, auch waren vor dem Spatenstich bereits alle künftigen Bewohner beisammen, meist nette aber auch eigenwillige BauherrInnen – der braucht viel Umsicht und grosse Ausdauer. Das architektonische Siedlungsmuster war im Aabach erprobt worden, und die einzelnen Hausgrundrisse stellen eine Weiterentwicklung aus Bewährtem dar. Der Backstein ist noch schöner, das Holz noch feiner, aber immer noch die Idee einer Rohbaute. Am Tobelweg in Feldmeilen ist eine Siedlung entstanden, wo erste Erfahrungen im Aabach sich korrigierend auswirkten. Am Tobelweg eine verträumte Wiese, das fantastische Tobel nebenan. Heute die vielen Lichter am Abend, die schönen Einblicke überall. Die Siedlung ist ein in sich geschlossenes Ganzes, ein starkes privates Zuhause geworden, eingebettet in einer vertraut gewordenen Gemeinschaft. Die Kinder sind schnell erwachsen, es bleiben einige Spielplätze, die Hütte im Geäst, die wunderbaren privaten Gärten und viele bunte Blumen überall. Aber das Haus ist wiederum sehr durchdacht, der Luftraum, die Einliegerwohnung, die Wohnatmosphäre im Konstruktionsholz zusammen mit dem rohen rötlichen Backstein, die charaktervolle eigenwillig wohnliche Stimmung, der grosszügige Wohn- und Lebensraum (200 qm), Durchblicke, gute Erweiterungen, flexibles Wohnen und Arbeiten.

Das grosse, tiefe Dach schützt auch die gemeinsamen, offenen Räume im Obergeschoss. Die Mauern in Backstein trennen und speichern die Wärme. Das Konstruktive in Holz liefert den besten Wohnkomfort und die Lufträume erweitern den Raum weit nach oben.

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Wer miterlebt wie gebaut wird, kann später Architekt werden. Rechts oben: Das Eckhaus hat es viel besser mit dem Glasanbau im Untergeschoss.

Die Mauern tragen, trennen, speichern, der rohe Backstein gibt die Stimmung im Raum. Die Holzkonstruktionen bilden Geschossdecken, Dächer, Fassaden und kommen mit der Pergola in den Aussenraum.

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Das Konzept: Aussen markant, bestimmt, die Elemente wiederholen sich. Innen viel freier, offener Raum, schöne Durchblicke, ein flexibles Wohnen.

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Wohnsiedlung im Bungert Otelfingen 1978 - 80 Ein grosses Haus mit einem dreigeschossigen Luftraum, man sieht hinauf, sieht in die Galerien, ein Zuhause, welches das Gemeinschaftliche erlebbar macht. Man sieht sehr klar und offengelegt die Konstruktion des Baus, die Holzunterzüge und die Balkenlage, die Elemente für Brüstungen und Trennwände in den Geschossen. Es sind sehr grosszügige Häuser zu einer Wohnsiedlung für 12 Familien in drei Hausreihen angeordnet, und wieder das Atelier als Bereicherung im Wohnen und zur nachbarlichen Abgrenzung des eigenen Wohnhofes, das Projekt liegt ganz auf der Linie aller Siedlungskonzepte.

Neu ist das Bauen mitten in einem alten geschützten Dorfkern, wo die langen Bauernhäuser – wunderbare Riegelbauten mit den angebauten Scheunen – das Dorfbild prägen, wo nun die neuen Wohnreihen die volumetrischen Gesetze des Ortes fortsetzen, das Dorfbild gut ergänzend gestalten, verdichten! Die Siedlung im Bungert gliedert sich ein, schafft ein neues Wohnen mit einer klaren weissen Architektur und mit grossen ausladenden Dächern. Das belebt und bereichert die angestammten Bauten im Dorf vorzüglich.

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Im Innenhof spürt man die starke Einheit der Siedlung, die langen Baukörper verbinden sich mit den langgezogenen Bauernhäusern des Dorfes Otelfingen.

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Wohnsiedlung im Heugarten Mönchaltorf 1981 - 83 46 Häuser sind um zwei grosse Hofräume gruppiert. Alle Familien waren von Anfang an dabei, zuerst das Land kaufen und dann, wie vertraglich abgemacht, das Haus mit verschiedenen Ausbauten erstellen lassen im Rahmen des bewilligten Projektes. Die Hauseigentümer bilden eine Genossenschaft und verwalten das zusätzliche Hofhaus am Kopf der Siedlung, wo die zehn mietbaren Wohnungen und der grosszügige Gemeinschaftsraum liegen. Das ist ein interessantes Konzept: Mietbarer Wohnraum in der Schar von Eigentümern. Die Teilnahme am Planungsprozess ist ein faszinierendes aber aufwändiges Spiel. Die konstruktiven räumlichen Gegebenheiten bilden die Basis, danach verfassen wir nach ganz bestimmten Spielregeln den Plan für den individuellen Ausbau. Ich habe auch den Eigenbau ermöglicht. Dabei haben viele Eigentümer unerwartete Fähigkeiten entdeckt und das gegenseitige Aushelfen verband die Familien. Der Respekt vor der handwerklichen Leistung wuchs und die Einsicht überwog, ein Bau kann nie fehlerfrei, makellos sein. Aber die Architektur und das Wagnis, einige Teile selber zu bauen, begeistern und beleben. Die grosse Transparenz gegenüber Bauherren bei den Fragen nach den Gestaltungsideen, nach den Qualitäten, die hinter dem Projekt stehen, bereichern und belasten die Planungsund Bauarbeiten. Für den Architekten und sein Büro eine starke Herausforderung, auch für die Bauleitung.

Mein Markenzeichen für die Architektur in jenen Jahren ist vorzüglich erlebbar, die so typischen Holzkonstruktionen im Inneren zwischen den roten Backsteinwänden und die räumlichen Qualitäten mit den grossen Lufträumen. Wichtig für den Bau sind all die Erker und Nischen. Stimmen in Mönchaltorf sagten, hier im Heugarten könnten die Bewohner nackt von Haus zu Haus hüpfen. Das ist die schöne Umschreibung für eine besondere Gemeinschaft: „Heugärtler“ sind füreinander da, kreativ und eigenwillig und etwas abgesondert vom angestammten Dorf.

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Eine interessante Spannung: Gemauert die Trennung der Häuser innen und aussen. Eindrücklich spielen die Holzkonstruktionen. Speziell die Balkongeländer in Metall als ein Kontrapunkt zum Holz.

Im Heugarten leben alle mit der Sonne. Viel beachtet der Gemeinschaftsraum.

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Wohnsiedlung in Reben Gossau (ZH) 1985 - 86 Ich stehe auf dem künftigen Baugelände, es weiden Schafe des Bauern nebenan, und ich bestaune die Aussicht, meine Blicke gleiten über die weiten Felder und die nahen Wälder, hinüber nach Grüningen, im Hintergrund das Panorama der Glarneralpen. Am Abend die Lichterkette hinauf zur Forch, der helle Lichterschein von Zürich ganz im Westen. Zum ersten Mal eine Wohnsiedlung mit einer wunderbaren Aussicht, und jedem Haus soll dieser Ausblick optimal zuteil werden. Die Familien wollen auch die Gemeinschaft in dieser Situation erleben und das gelingt, wie die Berichte zeigen. Der Backstein dieser Wohnüberbauung ist leicht gelb, die einzelnen Häuser wiederum durch den hervorspringenden Erker deutlich erkennbar. Die interne Abtrennung oder Aufteilung ist vorgeplant und gut machbar. “In Reben“ ist mit der besonderen Lage noch heller, noch geräumiger geworden mit viel vertrauter Wohnatmosphäre. Es zählt aber auch in diesem Projekt die gute Gemeinschaft. Die weiträumigen Häuser mit den reichen, vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten erlauben ein angenehmes Wohnen mit Kindern.

Die hölzerne Konstruktion spielt mit den Metalleinsätzen. Die Dächer und Balkone ergeben die gewünschte, schützende Raumtiefe aussen. Die Butterblume ist gelb wie der Backstein.

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Eine starke Projektidee: Trennende Ateliers und immer wieder der private Wohnhof am Eingang wie auf der Wohnseite

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Wohnsiedlung am Arvenweg Oberwinterthur 1988 - 90 Vier Wohnbauten sind mit dem gläsern gedeckten Eingangsraum auf sehr spezielle Art verbunden. Auf dem Holzboden in dieser Zone spielen die Kinder, man sieht von diesem hellen Glasvorraum zu allen vier Essplätzen, ja man lebt mit den Nachbarn auf einer stimmungsvollen Nähe und man ist im Hause selbst doch auf guter Distanz zum anderen, ganz privat für sich. Aus dem Wohnraum südseitig gleitet der Blick über den Wintergarten und den Balkon hinaus in den gemeinsamen Grünraum. In den Wohnhäusern am Arvenweg lebt man auf lockere Art in sonnigen, transparenten Räumen. Metallkonstruktionen, Stahl und Glas sind mit dem wohnlichen Holzbau verbunden, leichte Farben und etwas sehr Aussergewöhnliches: Das Untergeschoss zieht sich im vorderen Teil ganz offen unter allen Häusern durch, dies wirkt sehr gemeinschaftlich. Hier sind Ateliers, Fernsehecken, Bügelnischen, Tanzflächen, Sitzgruppen, Maltische und ein Rollhockeyplatz. Ich betrachte die Farben, lichtgrün und weiss, die gestreiften Sonnenstoren der Fassade, und es begeistert mich immer wieder, wie die Transparenz im Haus auch mit dem riesigen Wintergarten ein gutes Wohngefühl bewirken kann. Bauen heisst auch, ein Stück Erlebnisweg gestalten für die künftigen Bewohner und das Haus ist später mit allen Entwurfsdanken eine neue, eine neuartig gestaltete Welt. Ich arbeitete auch hier in diesem Projekt an einer kreativen, an einer ungewohnten Lösung, die gar nicht modisch ist, sondern wertvoll wird in der Bewährung, für eine transparente Gemeinschaft.

Vielfalt in der Einheit Wer sich einfügt, erhält in der Gemeinschaft sehr viele Freiheiten.

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Der verglaste Eingangsbereich fasst die Häuser zusammen, schützt die Eingänge, da lässt es sich spielen!

Licht und Schatten betonen die Raumzonen aussen, wo schützende Anräume das Innere gut erweitern.

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Wohnungsbau Das Wohnen ist immer das Wichtigste für uns alle! Eine gute Wohnung zu entwerfen ist aber eine grosse Kunst. Das war so zu jeder Zeit. Der Wohnungsbau müsste weit mehr sein als eine Geldanlage. Ob in der Stadt oder in der Agglomeration, es sollten sich mehr und mehr die räumlichen gestalterischen Qualitäten über die spekulativ wirtschaftlichen Faktoren stellen können. Wegweisende Beispiele gibt es weltweit viele, aber erfolgreiche, hochstehende Lösungen sind leider noch zu wenig an der Tagesordnung. Ich habe mich auf der Basis meiner reichen Erfahrungen im Wohnsiedlungsbau sehr gerne mit dem Entwerfen von besonderen Wohnungen verbunden. Solch ein Zuhause ist immer eingebettet in einer grösseren Gemeinschaft, und der Wohnungsbau hat viel Kraft und Ausstrahlung, er ist wirkungsvoll, auch um städtebauliche Akzente zu setzen. Ich freue mich, im eigenen, im speziell gestalteten Quartier mein eigenes Wohnen gefunden und gestaltet zu haben.

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Wohnüberbauung Töbeli Meilen 1990 Wenn ein Bau sich krümmt, dann hat er seine guten Gründe! Ich wollte mit der leichten Biegung die Wohn- und Schlafräume fächerförmig öffnen, nur wenig, aber fein spürbar zur Sonne hin mit der Absicht, im Rücken mittels der konkaven Gebäudeform die Nähe zueinander zu fördern, das Gefühl einer Gemeinschaft pflegen zu können, von Balkon zu Balkon. Die Wohnungen geniessen mit Balkonen und Wintergärten beidseitig die Aussichtslage aber nur in die allernächste Umgebung. Der Schlafabschnitt ist etwas separat und gut bestückt mit zwei Bädern, während das Gastzimmer beim Eingang sehr günstig liegt. Das Wohnhaus zeigt einen vorteilhaften Aufbau. Über einer grosszügigen Parkierung liegen im gemeinschaftlichen Sockelgeschoss ausdrücklich zweigeschossige Räume für Büros und Ateliers. Die darüberliegenden Wohnungen ergeben eine klare Geometrie mit guten Wiederholungen. Das Attikageschoss wird in räumlicher Hinsicht ebenfalls ausgezeichnet. Der Wohnungsbau im Töbeli wirkt elegant und speziell, nicht nur seiner schönen Wintergärten wegen. Hier spielen die Farbtöne der Fenster und Sprossen in Blau/Grün eine wichtige Rolle, ebenso das elegante Treppenhaus. Das Wohnen im Töbeli mit 24 Wohnungen und Ateliers ist bereichernd für die Bewohner, und eine gute Erweiterung für das Quartier rundherum, nur zehn Minuten entfernt von der S-Bahn-Station Meilen!

Balkone werden zu grossen Wintergärten, die Innenräume gleiten nach aussen, das lieben auch die Pflanzen und Wellensittiche. Zweigeschossig sein ist eine Auszeichnung für die Räume im Gartengeschoss.

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Wohnüberbauung Rennweg Herrliberg 1992 - 94 In den Jahren um 1950 umgaben Wiesen und Felder die bäuerliche Siedlung am Rennweg. Die Kühe des Bauern kamen gelegentlich ab von der Weide und standen dann im angrenzenden Garten meiner Eltern. Im alten Zürichseehaus nebenan roch es bezaubernd nach gedörrten Äpfeln. Im Laufe der Zeit haben viele neue Wohnbauten diese Wiesen belegt und den Dorfkern erweitert. Direkt am Waldrand steht die neue katholische Kirche. Und anstelle der bäuerlichen Liegenschaft, wo die alte Scheune mit dem Stall stand, habe ich im Auftrag der Gemeinde Herrliberg die zwei neuen Wohnbauten mit insgesamt 22 Wohnungen gebaut. Der preisgünstige Wohnraum liegt nun mitten im Dorf, ein Wohnen und Leben im Zentrum von Herrliberg. Die Wohnungen interessant gestaltet unter weiten schützenden Vordächern. Die zwei Bauvolumen mit dem alten Zürichseehaus sind dicht um einen Hofraum gruppiert, eine gute Privatsphäre eingebettet in der nahen Gemeinschaft. Das Spezielle: jede Wohnung hat eine offene Erschliessung und somit einen eigenen Zugang. Da gibt es keine Treppenhäuser, das Kommen und Gehen ist sichtbar und erlebbar! Mit den Neubauten verschwanden die Kuhwiesen von damals, kein Fussballspielen mehr, keine Heuschöchli, die an der Sonne trocknen. Meine Sauna im Fass von damals, sie stand oben beim Kirschbaum, das ist nun nur noch eine Erinnerung.

Gemeinsam leben in der dichten Wohnüberbauung heisst, eine ausgezeichnete, gesicherte Privatheit geniessen. Das eigenständige Wohnen erhält eigene Zugänge und klar getrennte Balkonzonen.

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Dach und Lukarnen schützen die Balkone, und es ergibt sich ein grosser, geschützter Aussenraum. Insgesamt ein dichtes Wohnen wie in Borneo und das mitten in Herrliberg. Das Wohnen hier lebt. Jede Wohnung hat ihren eigenen, unabhängigen Zugang / Aufgang.

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Wohnsiedlung Römerwiese Jona-Kempraten 1992 - 94 Nur wenig tief unter der Wiese finden wir Reste einer römischen Behausung und einen Tonofen mit Tonresten, Figürchen und Schmuck aus der Zeit der Römer. Wie konnte das so lange verborgen bleiben? Tief im Baugrund liegt Nagelfluhfels. Es hämmern die Pressluftbohrer viele Tage und Wochen, Felsbrocken um Felsbrocken, steinharte Nagelfluh wird abgetragen. Der Lärm der Maschinen übertönt den rollenden Verkehr entlang des Grundstückes. Heute liegen entlang dieser lärmigen Strasse aufgereiht die Wohnateliers. Sie schützen die Wohnsiedlung mit dem langen grauen Rücken zur Strasse. Der Verkehr rollt weiter an dieser neuen Wohnsiedlung vorbei. Zum ersten Mal in einem Projekt ein Wohnen übereinander. An der Fassade aussen liegen die Erschliessungstreppen, sie beleben den Aussenraum, ergeben wertvolle soziale Kontrollen, ich spüre gut, man sieht mich, wenn ich zuoberst meinen Sohn Thomas und seine Frau Sabine besuche! 12 Häuser, 24 Wohneinheiten, fächerförmig nach Süden zur Aussicht hin ausgerichtet. Einmal die Maisonette unten und oben die kleinere Attikawohnung. Oder die kleine Wohnung im Erdgeschoss mit Garten, darüber dann die zweigeschossige grössere Wohnung mit Aussicht. Viel Raum, frei teilbar, der fächerförmige Grundriss öffnet sich zum See nach Süden. Die römische Ausgrabung wurde mit einer grossen Überdachung geschützt. Die römischen Figürchen in den Vitrinen beleben den Freiraum: 2000 Jahre werden sichtbar im Mauerwerk der Ausgrabung. Die damals verwendeten Bollensteine sind aber viel älter, sicher zehn Millionen Jahre alt.

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Unter dieser Wiese lagen die Tonscherben der alten Römer. Die schützende Überdachung der Ausgrabung (rechts) ist nicht mehr im Bild Die Grundrisse fächern sich auf nach Süden zur Sonne hin.

Die Bewohner leben im Raum von Erker zu Erker. Die Ateliers entlang der Strasse (Bild oben links) schützen die Siedlung vor dem Strassenlärm.

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Die Aufgänge sind wie die Treppen einer offenen Puppenstube. Die braungebrannten Farben der Holzfassade errinnern an die so starke Wirkung der Holzplanken im Schiffsbau.

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Wohnüberbauung Widmenwies Wetzikon 1998 - 07 Wohnen im grossen roten, langgezogenen Bauvolumen auf der Geländekante neben dem Reitstall. Das markante Rot, der formale architektonische Ausdruck des gossen Bauvolumens und die einprägsame runde Dachform für die Attika-Wohnung bewirken das besondere Gefühl einer grossen Wohngemeinschaft, wie auf einem Kreuzfahrtschiff. Die Widmenwies orientiert sich nach Südosten, mit grosszügigen Balkonen, die nahe S-Bahn belebt den Ort besonders nachts. Ich liebe diesen Zug, er führt mich weg, hinaus in die weite Welt, ich bin direkt verbunden mit dem Flughafen. Zwischen den einzelnen Baukuben liegen die sehr transparenten Treppenhäuser. Das Besondere an diesem Projekt: es führen jeweils zwei Eingänge zu einer Wohnung, die somit von zwei Seiten erschlossen, teilbar und sehr flexibel nutzbar wird. Ab 2007 wird die Erweiterung mit den vier Wohntürmen bezogen, ebenfalls in der vertrauten Gestaltung im markanten Rot. Damit entsteht ein umfassend schönes Quartier an der S-Bahnlinie hoch über der Hauptstrasse. Die Widmenwies stellt mit 4 ½ und 5 ½ Zi. Wohnungen, auch Maisonnette-Einheiten, eine städtische Wohnform dar. Es ist ein originelles Siedlungskonzept, mit der Erweiterung ein leicht lesbares, ein einheitlich wirkendes Gesamtprojekt. Im Hofraum liegen die Spielplätze und die Begegnungszonen. Die Widmenwies ist ein Wahrzeichen in Wetzikon – ein Landmark. Die hohen roten Wohntürme ein markantes Eingangsportal für die Stadt, eine Architektur, die den Bewohnern eine starke Identifikation vermittelt, ein angenehmes Wohnen in der Gemeinschaft.

Der erste, grosse Bau entlang der Weststrasse erfährt eine massive Erweiterung mit vier Hochbauten an der Zürichstrasse. Die Gestaltungseinheit der ganzen Anlage ist eindrücklich gut.

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Die Widmenwies ist ein Wahrzeichen in Wetzikon - ein Landmark. Die hohen roten Wohntürme ein markantes Eingangsportal für die Stadt, eine Architektur, die den Bewohnern eine starke Identifikation vermittelt, ein angenehmes Wohnen in der Gemeinschaft.

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Die Fassade zur Strasse hin. Ein lebendiges Spiel der Balkone.

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Spezielles Wohnen

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Spezielles Wohnen Mit dem Wohnen zu experimentieren ist aufregend aber auch etwas gefährlich. Originell wollen viele sein, aber ich weiss, dass bereits etwas zuviel Salz in der Suppe diese ungeniessbar machen kann. Darum setze ich mich für feine Dosierungen, für schöne, effektvolle Feinheiten ein. Oft entdecke ich, wie man beim Entwerfen immer vorwärts gehen und weiter Schritte tun muss, um die Erfindung weiter zu bringen, noch besser zu gestalten, noch ganz andere Auffassungen zu verwirklichen. Das macht mir als Architekt Spass, intensiv zu denken, um kreativ zu wirken!

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Studiohäuser Küsnacht - Goldbach 1988 – 89 Die Villa an der Zürichstrasse 2 liegt am Tobelbach sehr direkt über der S-Bahnlinie. Im Park unterhalb der Villa habe ich eine sehr unkonventionelle Auffassung von Wohnen verwirklicht. In zwei pilzartigen „Strandhäuschen“, wie siamesische Zwillinge, aufregend speziell; überall Fenstergläser, Ecken und Kanten, alles überraschend luftig und mit Seesicht; ein Dampfer gleitet über das Wasser. Damals als Kind habe ich im Park auf den Kieswegen neben den grossen Stützmauern spielen dürfen, Obstbäume am Abhang zur Bahnlinie, viel roter Eisenstaub an den Blättern der Büsche, Äpfel im nassen Gras, es war der Garten meiner frommen, reichen Tante Martha. Der kalte, klare Bach unten im Tobel gleitet über den lehmig-moosigen Boden, wir stauten das Wasser mit modrigen Steinen. In diesem waldigen Gartenraum stehen nun diese wundersamen kleinen Wohnstudios mit Wendeltreppen im Innern. Es sind architektonische Perlen im Garten. Beton im Sockel und eine neue, grosse, stützende Rückwand, das Bauvolumen des Studiohauses ganz in Holz. Feine abgetönte Farben am Holzwerk im Innern wie auch aussen. Die S-Bahn sehr nahe, nachts dann wie schnell vorbeigleitende Lichtstreifen, für die Bahnfahrer sind die beleuchteten Studios auch eine schnelle, helle Überraschung.

Die Transparenz der Studiohäuser ist Gestaltungsprogramm. Die Aussicht ist der Lohn für die Offenheit überall.

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Die Studiohäuser sind wie Siamesische Zwillinge, und doch sind es zwei ganz unabhängige Wohnbauten mit grosser Transparenz zur Aussicht hin.

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Wohnhaus Helen und Daniel Fässler Appenzell 1997 Helen und Daniel Fässler bauen ihr Haus in die alte Sägerei Fässler. Das Wasserrad wird wieder vom Fluss getrieben, es zeigt, wie das Leben weitergeht, immerfort, und die alte Sägerei wird wertvoll gedeckter Aussenraum. Das Haus wird gross und bunt, es passt modern zu Appenzell. Die Treppe führt aussen herum in das zusätzliche Wohnen im Dachraum. Mit zwei Partien wird das Haus mächtig genug, es will ein Stadthaus sein, gewichtig und markant. Daniel Fässler wird Landammann im Jahre 2008.

Ein Wohnhaus mit viel Selbstvertrauen, ein grosses, starkes Volumen, eine prägnante Farbe, es passt in die historische Stadt Appenzell, wo mit Formen und Farben Geschichte geschrieben ist.

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Wohnüberbauung Sternenweg Mönchaltorf 2003 Die Wohnüberbauung am Sternenweg liegt nahe beim Friedhof Mönchaltorf. Die vier grossen, unabhängigen Wohnbauten ergeben eine markante Siedlungsreihe und schliessen im Südosten den Friedhofpark ab. Die Bauvolumen bilden auch eine Grenze zum Einfamilienhaus-Quartier. Die vier Sternenweg-Häuser stellen in ihrem architektonischen Ausdruck, aber auch mit ihrer Lage zueinander, eine gemeinsame Gestaltungsidee dar. Innen weisen die Häuser gleiche räumliche Grundstrukturen auf. Die grossen Lufträume und die zweigeschossigen Fenster zeugen von einem räumlich ungewöhnlichen Haus, wo mit viel Spass und Abwechslung gewohnt werden kann, wie auf einem Schiff! Die abgeschlossenen Zimmer sind über offene Galerien erreichbar. Sie geniessen einen weiten Ausblick über den Friedhofpark. Das Dachatelier und der Wohnraum im Untergeschoss erweitern das Haus in geschickter Weise.

Die Bewegungen im Raum befreien uns und das Gefühl der Gemeinschaft hält uns fest. Die Hausreihe als Einheit, im Innern Vielfalt im Dekor

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Bewegungsraum ist Freiheit der Gedanken.

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Wohnhaus Villa Enzian Herrliberg 2002 - 05 In Herrliberg an der alten Dorfstrasse liegt das Chalet Soldanella. Da bin ich aufgewachsen im geräumigen Holzwerk, im tannigen Täfer (1938-1963), da erlebte ich ein spezielles Raumgefühl, die Geborgenheit meiner Kindheit. Mein Vater hat klugerweise Land hinter dem Haus kaufen können, nur fünf Franken für den Quadratmeter! Und in diesem Wiesland oberhalb der Soldanella habe ich das neue exklusive Wohnhaus Enzian zusammen mit meinem Bruder Rudolf bauen können. Enzian sollte auch ein besonderes, ein exklusiv schönes Wohnen werden in einer ruhigen, grünen Nachbarschaft und doch mitten im alten Dorf Herrliberg! Es besticht die grosse Offenheit der modernen Architektur, raumhohe Fenster in Lärche, sehr weite Terrassen und die freie, schöne Aussicht auf den See. Innen ergeben sich interessante Durchblicke, eine spezielle Transparenz, hohe Lufträume bei den Treppen. Im Gartengeschoss liegt das Atelier mit einem hellen Oberlicht. Die schiebbaren Wände mit den milchigen Gläsern erzeugen immer wieder andere, unerwartete Raumverbindungen. Innenwände in Blau im Bad und in Zimmern ergänzen gut das satte Gelb in den Wohnzonen, das Rot der Fassade wirkt diskret leuchtend, fast herbstlich, erdig. Man spürt eine angenehme Wärme auf dem geölten Parkett in Kirschenholz, die Küche eingebunden im Seidenglanz der Lärche, eine grosszügige Raumgestaltung, alles mit gut fassbaren Dimensionen. Am 27. Oktober 2005 haben wir Enzian verkauft, und so ist die Familie Charles und Caroline Hermann-Gamba mit den zwei Kindern in das neue Neun-Zimmer-Haus eingezogen.

Das Haus lebt mit der wunderbaren Aussicht. Durchblicke erweitern, verbinden. Die Spiegelungen faszinieren.

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Im Wintergarten erlebt man eine verträumte Stimmung ganz im Grünen mit Blick auf den nahen Gartenweiher.

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Besondere Bauten

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Besondere Bauten Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass der Architekt die verschiedensten Bauprogramme bewältigen kann. Viele BauherrenInnen meinen, der Architekt ist ein „Hans Dampf in allen Gassen“, auch ein Wichtigtuer, ein Alleskönner. Der stumpenrauchende Makler ist Architekt, der lebensfremde Fantast kann Architekt sein, der frischgebackene Bauzeichner könnte sich Architekt nennen, wer Werkpläne lesen kann ist ein Fachmann, aber wer sich bei seiner Arbeit als Architekt auszeichnet, das beweisen allenfalls die in der Presse gezeigten Publikationen. Ich habe die nachfolgenden Bauten in diesen Abschnitt gelegt, weil sie alle Aufsehen erregen und Anerkennung auslösen. Ich weise damit auf das breite Spektrum in meiner Gestaltungsarbeit hin.

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Villa Mercier Glarus 1982 -84 Nach einer umfassenden Renovation zieht 1983 die Kantonspolizei von Glarus in die Villa ein. Das im neoklassizistischen Stil erbaute Herrschaftshaus (1866) an der Hauptstrasse in der Stadt Glarus, im Verband mit dem Gerichtsgebäude und der höheren Stadtschule wird umfassend renoviert und sorgfältig neu gestaltet; die speziellen Tapeten mit dem Löwenmuster, wertvolle Kachelöfen, fein gestaltete Gipsdecken, ein interessantes Dachgeschoss mit beachtlichen Holzkonstruktionen. Die vielen wertvollen alten Bauteile der Villa Mercier, auch das stattliche Treppenhaus in Nussbaum und der nun zugängliche, neu gestaltete Dachraum, zeichnen dieses vornehme Haus aus und ermöglichen die so andere Nutzung. Im ehemaligen Schlafzimmer residiert der Polizeikommandant.

Das neue Gartenhaus am Rande des mächtigen, wertvollen Baumbestandes ersetzt die alte Remise auf geschickte Weise. Die Bilder zeigen einen seltsam spektakulären Bau: Da ist ein mächtiger Sockel und ein zentraler, offener, hoher Mittelraum für die Erschliessung der Ateliers im offenen Dachraum, dazu passend die langgezogenen Fensterreihen.

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Jede Zeitepoche stellt ihre Ansprüche, sie weiss sich darzustellen. Wertvoll ist, was kostbar und mit Sorgfalt erstellt uns als Geschenk übergeben wird. Darum pflegen wir den Bau. Linke Seite, oben: Die aufwändige Dachkonstruktion, silbergrau bemalt, ergibt eine ungewöhnliche Raumwirkung. Über dem riesigen Kommandopult sind alle Bildschirme montiert, die den WalenseeTunnel kontrollieren

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Friedhof Rebacher Mönchaltorf 1989 - 91 Das Projektieren für heilige Orte ist sehr anspruchsvoll und in jeder Zeitepoche haben die Architekten und Baukünstler mit unglaublich phantasievoller Gestaltungskraft wunderbare Kirchenräume und wertvolle Altare geschaffen. Der Friedhof in Möchaltorf liegt abseits von der Dorfkirche mit einem sehr weiten, offenen Ausblick in eine bäuerlich gepflegte Landschaft. Am Rand des Parks liegt der grosse Teich, es spiegeln sich das Blau und die Wolken des Himmels im ruhigen Wasser, stark saftig gelb wirkt das grosse Rapsfeld in der Ferne. Das Friedhofgebäude – als Halbrundbau gestaltet – umfasst die zentrale Gedächtnishalle mit dem kreuzförmigen Grundriss unter dem spitzen, schwebenden Dach. Die Halle ist ein Zentrum in der Parkanlage, offen und durchsichtig gestaltet, markant im Kreuzungspunkt aller Wege. Die Farben im Holzwerk im leichten Grau-Blau ergeben eine harmonische Stimmung. Im gebogenen Hauptbau ermöglichen fein belichtete Aufbahrungsräume ein schönes Gedenken und Abschied nehmen.

Im Zentrum nehmen wir Abschied In der Halle versammeln wir uns, wir trauern gemeinsam. Der Weg zu den Blumen des Grabes kreuzt unseren eigenen Lebensweg.

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Spitalbauten

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Spitalbauten Mich zogen immer wieder neue Entwurfsaufgaben an. Die Erfahrungen beim Bau der neuen Höhenklinik in Braunwald waren eine gute Basis, den Wettbewerb zur Neugestaltung und Erweiterung des Kantonsspitals in der Stadt Glarus zu gewinnen. Das ausgezeichnete Projekt habe ich mit der Steiger Partner AG in den Jahren 1992-2002 verwirklicht. 2002 stand ich für das Spital Davos im Einsatz. Es war mein Anliegen, mit besonderen gestalterischen Mitteln dem Spitalbau eine etwas andere, eine spezielle, zeitgemässe Stimmung zu geben, ein wirksames Klima für die Pflege, für eine erfolgreiche Heilung und Genesung zu schaffen Ich erinnere mich an meine Zeit in Rwanda, wo ich 1964 auch einen Erweiterungstrakt zum Spital in Kigali gezeichnet hatte. Das war eine einzigartige Entwurfsaufgabe. Ich sah vor, für die Ärzte und die Pflege hofseitig offene Zugangslauben anzubringen, und auf der Gartenseite der Zimmer langgezogene Zugangsbalkone für die Familien und die Angehörigen der bettlägerigen Patienten anzuordnen. Gekocht wurde im Garten der Spitalanlage und dies am offenen Feuer. Jahre später entdeckte ich bei meiner Fahrt durch die Hauptstadt Kigali den geplanten Bau von damals leibhaftig vor mir, erstellt in Beton und mit Mauersteinen in den schönsten Farben.

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Die neue Höhenklinik Braunwald 1988 In den frühen achtziger Jahren überlegten die Regierungs- und Gesundheitsorganisationen von Glarus, was mit dem alten, fast verlassenen Sanatorium zu machen sei. Früher lagen die vielen Tuberkulosepatienten hoffnungsvoll auf ihren Liegen auf den sonnigen Balkonen mit der wunderbaren Bergsicht. Aber nun war das Haus ganz am Ende, keine Tuberkulosepatienten mehr. Der Wind pfiff durch die Ritzen der Zimmertüren und altes Pflegegerät lag in den Gängen, das alte Sanatorium war ein Geisterhaus. Heute nach der Renovation ist der Altbau von damals nicht wiederzuerkennen. In ganz neuem Kleid, völlig verändert, steht das Haus da, die neue Höhenklinik von Braunwald! Ein baulich-architektonisches Abenteuer liegt hinter uns. Im Altbau nach all den Tonnen Ausbruchmaterial entstand ein sehr wohnliches Personalhaus. Der Bettentrakt wurde erneuert und erweitert. Die Verwaltung und die neu erbaute Cafeteria wurden besser platziert und für Therapien und Arztpraxen hat man neue Geschosse geschaffen. Wir erinnern uns, Zement, Kies und Sand zog die Braunwaldbahn täglich, ja stündlich die steile Rampe zur Bergstation hoch. Von dort schleppten Pferdefuhrwerke das Material zur Klinikbaustelle hinab, wo nur noch der rohe Bau stehen blieb. Der Helikopter flog die neuen Fenster direkt vom Tal auf die Baustelle, und mit kühnen Stahlkonstruktionen verstärkten wir die Dächer. Heute sind die Liegebalkone verglast, vor jedem Patientenzimmer liegt ein sonniger Wintergarten. Das neue Restaurant im Zentrum erfreut sich grosser Beliebtheit und mit besonderem Stolz zeigen alle das neue Gartengeschoss, wo helle, modern gestaltete Therapieräume eine gute Stimmung schaffen.

Die Höhenklinik erfährt 2009 eine erneute Verwandlung. Mit der Renovation der Patientenzimmer und dem neuen Thermalbad baut Zurzach die neue Reha-Klinik.

Das alte Sanatorium hat eine wundersame Verwandlung durchgemacht. Das Dröhnen der Presslufthämmer ist vergessen, die Bauleute sind abgezogen, das Haus ist eine moderne Höhenklinik geworden, ein schöner Ort zur Pflege und Erholung. Zur Eröffnung im Sommer 1988 kamen über 3000 Gäste nach Braunwald. Es waren unverhofft auch Blumen aus Vrenelis Garten in den neuen Vasen!

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Kantonsspital Glarus Glarus 1991 - 2003 Ein erster Bau stammt von Architekt Leuzinger aus den Jahren um 1850, man spürt noch die öde Stimmung der alten Krankenanstalt. Ein Bettentrakt und Operationssäle von den Architekten Zweifel und Strickler stellen 1955 einen modernen, in Beton gut gestalteten Neubau dar. Das Spital Glarus ist ein markanter Hochbau, er ist ein Wahrzeichen in der Stadt. Dieser vorzügliche Referenzbau soll nun in den neunziger Jahren den neusten Entwicklungen der Zeit angepasst werden. Ich gewinne den Wettbewerb (1992) und verbinde mich mit der Steiger Partner AG. Mit dem Ausbau der ganzen Anlage und der Anpassung an die neuen Ansprüche werden auch grosse neue Bauvolumen erstellt, eine faszinierende Aufgabe! Die grosse Eingangszone, die neu gestalteten und vorzüglich ausgerüsteten Patientenzimmer mit der wunderbaren Aussicht, all die neuen Operations- und Behandlungszimmer, das Café-Restaurant und der weite Park, da erleben wir eine ganz neue, eine bewusst anders und speziell gestaltete Spitalwelt. Die farbigen Zimmer, die modernsten Einrichtungen, die Gestaltung innen wie aussen wirken fein, sehr prägnant, klar und überlegt und auf den harmonischen Betriebsablauf ausgerichtet. Die Architektur ist räumlich stimmungsvoll, das wirkt sich aus auf das Befinden der Patienten. 2002 ist das neue Kantonspital Glarus – ein 92 Millionenbau – eingeweiht worden: Die Pflegestation mit 200 Betten, 5 Operationsräumen, Intensivstation, alles für den Notfall, das Röntgenzentrum, die verschiedenen Arztpraxen, eine GeburtshilfeAbteilung. Die medizinische Abteilung liegt im Altbau, wo im Gartengeschoss die Patienten eine grosse, weite Physiotherapie und ein Schwimmbecken mit dem direkten Ausblick in den Park geniessen.

Renovation und Erweiterungen entsprechen höchsten und modernsten Ansprüchen. Die neu geschaffenen Volumen im Rundbau und Operationstrakt ergeben zusammen mit den bestehenden, renovierten Bauten eine eindrückliche Gesamtwirkung der Spitalanlage.

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Man muss den Bauprozess erlebt haben; vorerst den Rückbau der ganzen Anlage bis auf die Grundmauern. Der Trax fährt durch den alten Operationssaal, die Mauern stürzen ein, die 3 Meter grosse Trennscheibe sägt die alte Eingangszone weg vom Hauptbau. Es stiebt und kracht, alte Kabel, Leitungen und Betoneisen winden sich, man denkt, das kann niemals gut werden.

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Wettbewerbe

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Wettbewerbe Mit der Arbeit an Wettbewerben habe ich oft sehr grundlegend neue Ideen entwickelt. Aber die Strategie, den Wettbewerbserfolg zu suchen, ist nicht einfach. Denn Erfolg könnte heissen, dem Auftraggeber gefallen zu wollen, und das ist gefährlich und schränkt die Kreativität ein. Lange Jahre habe ich eigene Projekte auf Grundstücken entworfen, die sich für Wohnsiedlungen und den Wohnungsbau eigneten. Diese selbständige Arbeit habe ich dem Wettbewerb vorgezogen, aber rückblickend ist die Bilanz ziemlich ausgewogen. Im nachfolgenden Abschnitt sind einige nicht ausgeführte Beispiele dargestellt.

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Wohnüberbauung Schiers Schiers 1992 - 2002 Ein Dorf im Dorf, so ist das Projekt für das neue Quartier entstanden. Wohnungen werden zu Häusern und ihr Zusammenrücken bedeutet eine schöne Gemeinschaft. Die Art, wie sie zusammenstehen, die engen Räume, die sie gemeinschaftlich teilen, dies alles ergibt ein ungewohnt neues Wohnen. Der Egoismus im Einzelnen dient dem Gefühl, eine wertvolle Gemeinschaft zu sein. Hier in dieser dichten Gruppe ist man zu Hause, wo immer man steht oder eingefügt ist. Viel Raum für die einzelne Familie entschädigt für die Kraft, die man aufwendet, in der Gemeinschaft zu sein. Die markanten Vorbauten trennen die privaten Höfe voneinander.

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Wohnüberbauung Hummel Wohlen 1991 Da sind die Prinzipien, die das Wohnen in der Siedlungsgemeinschaft wertvoll machen, das Wichtigste: in der gemeinschaftlichen Überbauung muss die individuelle, private Zone gesichert sein. Die grossen Ateliervorbauten trennen die privaten Höfe und der zusätzliche Atelierraum ergibt eine gute Flexibilität für die Benützung der einzelnen Häuser. Grosse weiträumige Volumen, interessante Verbindungen und Verflechtungen erzeugen ein faszinierendes Wohnen im Einzelnen, und dieses wiederum lebt ganz von der Art, wie es eingefügt ist in der Gesamtsiedlung. Speziell und interessant sind die jeweiligen Dachaufbauten, die das einzelne Haus in der Gemeinschaft auszeichnen.

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Seniorenresidenz Libelle Meilen 1992 Die Aussicht auf den See erleben alle im grosszügig vorgeschobenen Speise- und Versammlungsraum der Anlage. Die Ganghalle ist ebenso Zentrum für die Begegnung. Es spiegeln die Wasser vom See und der nahen Weiher. Das Einkaufen und Spazieren im nahen Dorf bedeutet wertvollste Abwechslung.

Älter werden am Zürichsee..

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Verzeichnis Chronologie

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Curriculum vitae Ausbildung / Unterricht 1958 - 63

Architekturstudium an der ETH Zürich und Helsinki

1960/67 1973/83

Auslandpraxis und Studienreise: Türkei, Indien, USA und Mexico

1968 - 72

Unterrichtsassistent am Lehrstuhl Prof. Bernhard Hösli, ETH Zürich

1972

Unterrichtsassistent im Interdisziplinären Nachdiplomkurs für Entwicklungsländer, Prof. Walter Custer, ETH Zürich

1975/83/90

Lehrtätigkeit als Gastdozent an der Cornell University in Ithaca / New York und Mitwirkung an Reviews an Columbia / New York und Yale in New Haven

1985 - 2001

Lehrtätigkeit an der Fachhochschule für architektonisches und konstruktives Entwerfen. Zürcher Hochschule / Fachhochschule Winterthur

Verbindungen 1972

Assistent am Interdisziplinären Nachdiplomkurs für Entwicklungsländer (INDEL)

1974

Im SIA, Sektion Zürich

1976

Aufnahme in den BSA

1982

Mitglied der GSMBA, heute Visarte und Mitglied Kunstschaffender der UNESCO

Wettbewerbe Wer baut der konstruiert im Bild in Gedanken und die Farben sind mein Ausdruck

1975 - 2008

Programmausarbeitungen für Architektur – Wettbewerbe Leitung und Mitarbeit an der Jury zahlreicher Wettbewerbe für Wohnungsbau, Heimbau, Schulen und Sportanlagen

Künstlerische Arbeit ab ab ab ab

1978 1985 1992 1994

Fotographische Arbeiten Malerei in Aquarell und Oel Radieren, Malerei in Acryl Professionelles Fotografieren

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Chronologie

Praktische Arbeit / Projekte 1964 - 74

Collège Officiel de Kigali, Rwanda Schulbauten (Klassenzimmer, Refektorium), Dortoirs, Prof. Häuser, zusammen mit Urs Hettich, Kantonsbaumeister Kt. Bern, Eröffnung der Bauateliers

40

1968

Wohnhaus Doris und Rudolf Villiger Thalwil

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1968

Wohnhaus Kitty und Max Schelling Hedingen

78

1972 - 77

Kantonsschule Glarus mit Aula / Theatersaal, Spezialklassen, Sporthallen und Sportanlagen

44

1974 - 75

Wohnsiedlung am Aabach, Mönchaltorf (15 Familien) mit der Beteiligung der Bewohner am Planungs- und Bauprozess

90

1976

Landwirtschaftliche Siedlung, Mönchaltorf Irma und Fritz Mosimann

80

1976

Wohnhaus Margrit u. Hans Ueli Schweizer Rüschlikon

82

1979 - 80

Wohnsiedlung am Tobelweg, Feldmeilen (22 Familien) Gemeinschaftliches Siedlungskonzept mit Einliegerwohnung

96

1978 - 80

Wohnsiedlung im Bungert, Otelfingen Projekt mitten im geschützten Dorfteil

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1981 - 83

Wohnsiedlung im Heugarten, Mönchaltorf Grösste Wohnsiedlung (60 Familien) mit der Beteiligung aller Bewohner am Planungsund Bauprozess. Gründung einer Genossenschaft zur Verwaltung zumietbarer Wohneinheiten (Hofhaus)

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1981 - 82

Hochalpines Töchter - Institut, Ftan Erweiterung Schulbauten, Internat und Lehrerwohnungen, Turnhalle und Sportanlagen

50

1982 - 84

Villa Mercier in Glarus mit Gartenhaus, Renovation und Ausbau im originalen Stil, Neunutzung durch die Kantonspolizei

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1985 - 86

Wohnsiedlung in Reben, Gossau (ZH) (10 Familien) mit neuartiger Aufteilungsflexibilität

112

1988

Höhenklinik Braunwald Bettentrakt, Arztpraxis, Therapieräume, Cafeteria, Personalwohnungen

182

1988 - 89

Studiohäuser in Küsnacht - Goldbach verdichtetes Bauen und Wohnen

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Aufnahmen Luzern 2008 Rechte Seite: Wohnsiedlung am Aabach

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Älter werden am Aabach in Wetzikon Architekturbüro und Atelier in der alten Spinnerei ab 1992

Schönau

1988 - 90

Wohnsiedlung am Arvenweg, Winterthur (8 Familien) Gemeinschaftliches Wohnen, Selbstverwaltung durch die Bewohner

116

1990

Wohnüberbauung Töbeli, Meilen (24 teure Eigentumswohnungen)

124

1989 - 91

Friedhof Rebacher, Mönchaltorf Friedhofhalle und Parkanlage

174

1990 - 91

Doppelkindergarten Breite, Herrliberg und Wohnungen in fächerförmiger Anlage

54

1989 - 92

Schulanlage Allmend, Meilen Erweiterung und Neubauten für Primar- und Oberstufe, Theatersaal und Wohnungsbau 8 Maisonettewohnungen

60

1991 - 93

Projekt Kantonsspital Glarus Sanierung und Erweiterung (92 Mio.)

186

1994 - 2003

Bau Kantonsspital Glarus umfassende Renovation Spitalbau 1965 Renovation Altbau 1872 mit Therapien

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1992 - 94

Wohnüberbauung Rennweg, Herrliberg 22 Wohnungen im Dorfzentrum

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1992 - 94

Wohnsiedlung Römerwiese, Jona 24 Wohnungen, ein Wohnen übereinander. Variables Wohnen

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1993 - 94

Schulanlage Heggerwies, Schwerzenbach Erweiterung mit Klassenzimmer, Sporthalle und Singsaal

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1997

Wohnhaus Helen und Daniel Fässler Appenzell

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1998 - 2000

Wohnüberbauung Widmenwies, Wetzikon 22 Wohnungen im Eigentum

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2003

Wohnüberbauung Sternenweg, Mönchaltorf (4 Familien) Wohnen und Arbeiten

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2002 - 2005

Wohnhaus Villa Enzian, Herrliberg (2.5 Mio.) Wunderbares Haus, spezielle Lage beim Rennweg im Dorfzentrum

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2004 - 2007

Erweiterung Widmenwies, Wetzikon 75 Wohnungen, interessantes Quartier mit eigener Gestaltungsqualität

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