Radio Heimat

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Bundesweiter Start: 17. November 2016 Adolf Winkelmann & Peter Thorwarth präsentieren Mit David Hugo Schmitz, Jan Bülow, Hauke Petersen, Maximilian...

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Bundesweiter Start: 17. November 2016

Adolf Winkelmann & Peter Thorwarth präsentieren

Mit David Hugo Schmitz, Jan Bülow, Hauke Petersen, Maximilian Mundt, Milena Tscharntke, Marie Bloching, Stephan Kampwirth, Sandra Borgmann, Ingo Naujoks, Anja Kruse, Jochen Nickel, Rouven Israel, Uwe Lyko, Peter Lohmeyer, Ralf Richter, Elke Heidenreich, Petra Nadolny, Peter Nottmeier, Heinz Hoenig, Hans-Werner Olm, Martin Semmelrogge, Willi Thomczyk

Regie und Drehbuch Matthias Kutschmann nach Motiven aus „Radio Heimat“ und „Mein Ich und sein Leben“ von Frank Goosen Produktion Christian Becker Martin Richter Markus Zimmer Concorde Film zeigt eine Produktion der Westside Filmproduktion in Co-Produktion mit Tele München Gruppe, Rat Pack Filmproduktion, ATrack Film, BerghausWöbke Filmproduktion, Donar Film und Winkelmann Filmproduktion In Zusammenarbeit mit Cinepostproduction Gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW, FilmFernsehFonds Bayern, Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, FFA Filmförderungsanstalt & DFFF Deutscher Filmförderfonds. Verleih: CONCORDE FILMVERLEIH Luise-Ullrich-Str. 6 82031 Grünwald Tel.: 089 – 45 06 10 – 0 www.concorde-film.de

TV/Print/Radio-PR: JUST PUBLICITY GmbH Regine Baschny & Laura Messmer Tel.: 089 – 20 20 82 60 E-Mail: [email protected]

Online-PR: VOLL:KONTAKT Daniel Gerloff Tel.: 040 - 5247231-44 E-Mail: [email protected]

Pressematerial und Fotos finden Sie unter: www.concorde-film.medianetworx.de

Website zum Film: www.RadioHeimat-Film.de Facebook-Profil: http://www.facebook.de/radioheimat Deutschland 2016 / Format: 1:2,35 / Länge: ca. 85 Minuten 1

INHALT BESETZUNG UND STAB

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KURZINHALT UND PRESSENOTIZ

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LANGINHALT

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ÜBER DIE PRODUKTION Eine Region mit Potenzial Vom Buch zum Drehbuch Die Suche nach Frank Freunde fürs Leben Mädchen und Traumfrau Unsere Mütter, unsere Väter Omma und Oppa Städtebau Tapeten des Wahnsinns Partykeller und Tanzschulen Die kleine Kneipe Fußball ist unser Leben Der Laberfürst Auf Klassenfahrt Regie wie unter Tage Musik ist Trumpf Antiautoritäre Verfilmung

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INTERVIEWS UND ZITATE Regisseur Matthias Kutschmann Buchautor Frank Goosen Die Schauspieler über das Ruhrgebiet Die Filmemacher über das Ruhrgebiet

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DIE SCHAUSPIELER David Hugo Schmitz (Frank) Jan Bülow (Pommes) Hauke Petersen (Spüli) Maximilian Mundt (Mücke) Milena Tscharntke (Carola Rösler) Marie Bloching (Nicole) Rouven Israel (Matze) Stephan Kampwirth (Franks Vater) Sandra Borgmann (Franks Mutter) Anja Kruse (Franks Omma) Ingo Naujoks (Franks Oppa) Peter Nottmeier (Herr Hecker) Petra Nadolny (Frau Boelcke) Jochen Nickel (Franks Onkel) Uwe Lyko (Laberfürst) Peter Lohmeyer (Pommes’ Vater) Ralf Richter (Onkel Josef) Elke Heidenreich (Tante Henni) Heinz Hoenig (Siggi) Hans Werner Olm (Essener) Martin Semmelrogge (Kumpel)

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DIE FILMEMACHER Matthias Kutschmann (Regie, Drehbuch) Frank Goosen (Buchvorlage) Christian Becker (Produktion) Martin Richter (Produktion) Markus Zimmer (Produktion) Peter Thorwarth (Co-Produktion) Adolf Winkelmann (Co-Produktion) Gerhard Schirlo (Kamera) Uwe Szielasko (Szenenbild) Annegret Stößel (Kostümbild) René Jordan (Maske) Georg Söring (Schnitt) Ueli Christen (Schnitt) Sabine Schwedhelm (Casting) Klaus Frers (Music Supervisor) Riad Abdel-Nabi (Musik)

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DAS BUCH ZUM FILM

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BESETZUNG Frank Pommes Spüli Mücke Carola Rösler Franks Vatter Franks Mutter Nicole Matze Danner Petra Wegmann Franks Oppa Franks Omma Franks Onkel Laberfürst Pommes’ Vater Onkel Josef Tante Henni Herr Hecker Frau Boelcke Siggi Bottroper Essener Oberhausenerin Matzes Vatter Kumpel

David Hugo Schmitz Jan Bülow Hauke Petersen Maximilian Mundt Milena Tscharntke Stephan Kampwirth Sandra Borgmann Marie Bloching Rouven Israel Daniela Wüstner Ingo Naujoks Anja Kruse Jochen Nickel Uwe Lyko Peter Lohmeyer Ralf Richter Elke Heidenreich Peter Nottmeier Petra Nadolny Heinz Hoenig Willi Thomczyk Hans Werner Olm Gerburg Jahnke Hans-Peter Krüger Martin Semmelrogge

STAB Regie Produktion

Co-Produktion

Drehbuch nach Motiven von „Radio Heimat“ und „Mein Ich und sein Leben“ von Kamera Casting Schnitt Szenenbild Kostüm Maske Musikberatung Musik Herstellungsleitung Produktionsleitung

Matthias Kutschmann Christian Becker Martin Richter Markus Zimmer Adolf Winkelmann Peter Thorwarth Andrea Sixt Cord Troebst Matthias Kutschmann Frank Goosen Gerhard Schirlo Sabine Schwedhelm Georg Söring Ueli Christen Uwe Szielasko Annegret Stößel René Jordan Klaus Frers Thomas Binar Riad Abdel-Nabi Oliver Nommsen Steffen Müller

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KURZINHALT Die vier Freunde Frank (David Hugo Schmitz), Pommes (Jan Bülow), Spüli (Hauke Petersen) und Mücke (Maximilian Mundt) suchen mitten im Pott, mitten in der Pubertät und mitten in den 80er Jahren nach der ersten großen Liebe und dem ersten Sex. Besonders Frank hat einen schmerzlichen Wunsch, nämlich bei Carola Rösler (Milena Tscharntke) zu landen. Unerschrocken ziehen die vier Helden in den Kleinkrieg der Geschlechter und lecken ihre Wunden zwischen Freibad, Schrebergärten und Ommas Frikadellen. Sie absolvieren die schier unüberwindbaren Initiationsriten, welche das Ruhrgebiet jeglicher Mannwerdung entgegenhält: Pilstrinken, Pöhlen und Pommes-rot-weiß. Da hatte es Franks Vatter (Stephan Kampwirth) mit seiner Kohlenstaub-Chuzpe in den 60er Jahren wohl etwas leichter: Außer einem Kanon gesellschaftlich auferlegter Pflichtübungen wie Tanzschule, keuschem Kaffeetrinkens und echtem Erröten lief es in Sachen Liebe eigentlich wie von selbst bzw. wie es seine Herzensdame (Sandra Borgmann) wollte. Und so bleibt unseren Helden nur eins: Alles selber ausprobieren! Sie scheitern als Rockmusiker im Bergarbeiter-Chor, gehen in die Tanzschule, richten Partykeller ein und nutzen die Klassenfahrt als letzte Chance, endlich erwachsen zu werden. Erst nach einer Reihe von Niederlagen begreifen sie, was im Leben wirklich wichtig ist: keine Sprüche von Eltern, Großeltern und Lehrern, sondern Freundschaft, Humor und jemand, der ihnen gut tut.

PRESSENOTIZ RADIO HEIMAT basiert auf den Kurzgeschichten des Bochumer Kult-Autors Frank Goosen. Der Dortmunder Drehbuchautor, Regisseur und Kabarettist Matthias Kutschmann feiert mit der kongenialen Verfilmung sein Kino-Debüt. Er verwandelt Frank Goosens Kurzgeschichten aus den Büchern „Radio Heimat“ und „Mein Ich und sein Leben“ in eine ebenso berührende wie witzige Coming of Age-Geschichte. Oder, wie Produzent Christian Becker es ausdrückt: „RADIO HEIMAT ist wie DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE auf BANG BOOM BANG.“ RADIO HEIMAT versammelt ein einzigartiges Schauspieler-Ensemble vor der Kamera: Neben den Jungdarstellern David Hugo Schmitz, Jan Bülow, Hauke Petersen, Maximilian Mundt, Milena Tscharntke, Marie Bloching und Rouven Israel sind altbekannte Gesichter und Ruhrgebiets-Kult-Stars wie Stephan Kampwirth, Sandra Borgmann, Ingo Naujoks, Anja Kruse, Jochen Nickel, Uwe Lyko, Peter Lohmeyer, Ralf Richter, Elke Heidenreich, Petra Nadolny, Peter Nottmeier, Heinz Hoenig, Willi Thomczyk, Hans Werner Olm und Martin Semmelrogge zu sehen. Ein who is who der Pott-Schauspieler! RADIO HEIMAT ist eine Produktion der Westside Filmproduktion in Co-Produktion mit der Tele München Gruppe, Rat Pack Filmproduktion, ATrack Film, BerghausWöbke Filmproduktion, Donar Film und Winkelmann Filmproduktion. Als Produzenten fungieren Christian Becker und Martin Richter (Westside) sowie Markus Zimmer (Tele München Gruppe). Gedreht wurde im Juli und August 2015 in Bochum, Dortmund, Essen, Recklinghausen, Gelsenkirchen, Köln und Süsel. Der Film wurde gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, der FFA Filmförderungsanstalt und dem DFFF Deutschen Filmförderfonds.

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LANGINHALT „Wir im Ruhrgebiet laden Auswärtige gern ein, zu uns zu kommen, um ihren Begriff von Schönheit zu erweitern. Eine mittelalterliche Garnisonsstadt mit Stadtmauer, Fachwerkhäusern und Fürstenresidenz schön finden, das kann jeder. Aber auf ‘ner Kohlenhalde stehen, sich umgucken und sagen: „Wat ne geile Gegend“ – dafür muss man von hier sein.“ Bochum 1983. Der 16-jährige Frank (David Hugo Schmitz) steckt mitten in der Pubertät. Weil Strukturwandel das Gebot der Stunde ist, darf Frank als erster aus seiner Familie aufs Gymnasium. In seiner Nachbarschaft gereicht ihm das nicht unbedingt zur Ehre. Denn sein Vatter (Stephan Kampwirth) und dessen Vatter (Ingo Naujoks) sind noch echte Malocher, die hart arbeiten, viel essen und noch mehr saufen können. Wie im Ruhrgebiet üblich, haben auch Franks Verwandte einen rauen Charme. Trotzdem führen Onkel Josef und Tante Henni, die eine Trinkhalle in der Nähe des Stadions betreiben, eine scheinbar glückliche Ehe, die schon 50 Jahre hält. „So ein Seitensprung, dat macht doch bloß Ärger, dat kommt immer irgendwann raus“, sagt Onkel Josef. „Und außerdem: Mit ‘ner anderen wäre doch auch nicht besser.“ Aber wie kommt man eigentlich an eine Frau ran? Da sind Frank und seine Freunde Pommes (Jan Bülow), Spüli (Hauke Petersen) und Mücke (Maximilian Mundt) ratlos. Mücke ist Punk und heißt eigentlich Mircea Kuwelko. Er ist wieselflink, klein und bissig, sodass für ihn nur der Name eines Insekts in Frage kommt. Spüli hat seinen Spitznamen schon früh auf unspektakuläre Weise bekommen. Es ist die Abkürzung seines Nachnamens Spülberger, Vorname Hans-Jürgen. Irgendwie kommt er bei Mädchen ganz gut an, aber seltsamerweise macht er nichts daraus. Pommes heißt eigentlich Michael Jendritzki. Er teilt sich seinen Rufnamen deshalb mit einem in der Gegend sehr beliebten Grundnahrungsmittel, weil er mit seinen fettigen Haaren genau danach aussieht. Und ausgerechnet Pommes hat schon einschlägige Erfahrungen mit Mädchen gemacht. Mit Martina Blaschke (Matilda Merkel), deren bloße Oberweite ihn allerdings schon schier überforderte. Frank hingegen hätte es beinahe nie gegeben. Und schuld daran war der „CurrywurstVorfall“. Seine Eltern lernten sich 1964 in der Tanzschule Bobby Linden kennen. Franks späterer Vatter lud seine spätere Frau nach einer Phase des Anstands zu Kaffee und Kuchen ein. Als es ans Bezahlen ging, hatte er angeblich kein Geld dabei, sodass wider aller Sitten die Frau zahlen musste. Als sie dann später an einer Pommesbude vorbei ging, traute sie ihren Augen nicht: Der gutaussehende Mann, der vorhin noch behauptet hatte, keinen Pfennig in der Tasche zu haben, vertilgte mit großem Genuss eine Currywurst extrascharf. Noch 20 Jahre später, wenn es auf Familienfeiern etwas lockerer wird, holt Franks Mutter diese Geschichte raus und ihr Mann hat nix mehr zu melden. Zum Beispiel, wenn es darum geht, wer fahren muss und wer trinken darf. Und jetzt ist Frank verliebt. In Carola Rösler (Milena Tscharntke), das schönste Mädchen der ganzen Schule. Um an sie heranzukommen, muss er sich etwas einfallen lassen. Zum Beispiel: Rockstar werden! Zwar kann er keine Noten lesen und kein Instrument spielen, doch Mücke lässt sich in seinen großen Plänen von solchen Nebensächlichkeiten nicht aufhalten. Pommes soll den Bass spielen, da muss man nur ein bisschen rumzupfen. Spüli spielt Schlagzeug, Frank kümmert sich um die Finanzen und Mücke wird Frontmann und Sänger, weil nur er die enorme Masse an Frauen verarbeiten kann, die auf die Gruppe zukommt. „Mich haben sie im Kindergarten schon fertig gemacht, weil ich so klein war. Astreine Rock’n’Roll-Biographie“, meint Mücke. 6

Spülis Vatter von der Arbeit zermürbt und vom Leben enttäuscht, meldet die angehenden Rockstars für ihren ersten Auftritt an. Allerdings beim Ruhrkohle-Chor. Da trägt man komische Uniformen und die Groupies bleiben aus. Hilft vielleicht die Tanzschule? „Da lernste Frauen kennen“, weiß Franks Vatter. In seinem Fall war das sogar so: Denn als Franks Mutter in den 60er Jahren erstmals mit ihrem zukünftigen Mann Rumba tanzte, wurden beide ein Paar. „Und wenn sogar mein Vatter eine Frau beim Tanzen abbekam, dann wird es für uns doch wohl ein Klacks sein“, meint Frank. Alle Jungs wollen mit Carola Rösler tanzen. Frank kommt nicht an sie heran und geht mit Nicole (Marie Bloching) zum Abschlussball. Da kam ja sogar Franks Vatter in den 60ern schneller ans Ziel! Obwohl es damals ein großes Raumproblem gab. Ein intimes Treffen war nur möglich, wenn die Eltern außer Haus waren. Und selbst dann stellte die Herzdame züchtig die Beine in Parallelstellung vor die Sofakante. Sie redeten und lachten, bis der liebeshungrige Verehrer ein wenig mutiger wurde und das Du anbot: „Ich bin der Werner.“ – „Ich bin die Marita.“ Ein braver Verbrüderungskuss reichte aus, damit Franks spätere Omma (Anja Kruse) die künftige Schwiegertochter für ein Flittchen hielt. Damit der Hormonhaushalt in den Griff zu bekommen war, blieb nur das Schäferstündchen auf der karierten Decke auf den Kohlebergen der Zeche Konstantin. Und so wurde Frank zum „Haldenkind“. Ausgerechnet der „Laberfürst“ (Uwe Lyko), der halb Bochum mit seiner großen Fresse nervt, gibt den vier Jungs einen wichtigen Tipp: Wenn sie an Mädchen rankommen wollen, müssen sie eine eigene Disco ausrichten. Die Suche nach dem geeigneten Partykeller beginnt im Haus von Matze Danner (Rouven Israel). Holzgetäfelt vom Boden bis zur niedrigen Decke, aufgehübscht mit signierten Schlagerstar-Autogrammkarten, die Matzes Vatter (Hans-Peter Krüger) mit verzweifelter Leidenschaft sammelt, um sich von seinem traurig-öden Job in der Stadtverwaltung abzulenken. Pommes’ Vatter (Peter Lohmeyer) schwört dagegen auf den sterilen Charme seines gekachelten und abwaschbaren Partykellers. Ganz in weiß und mit Kondomen in erreichbarer Nähe. „Hier könnt ihr alles machen, außer Kinder“, sagt er und schickt ein dreckiges Lachen hinterher. Vor 16 Jahren, als Pommes zur Welt kam, war seinem Vatter gar nicht zum Lachen zumute. Peinlich berührt saß er mit seinen Kumpels (Martin Semmelrogge u.a.) in der Kneipe und musste den anderen VfL-Bochum-Fans gestehen: „Schwiegermutter war schneller!“ Sie hatte Pommes beim Erzfeind Schalke angemeldet. „Jetzt ist er bei den Kriminellen.“ Der Keller von Nicoles Eltern erweist sich als beste Party-Location. Das Gerümpel fliegt raus, Sofas und Kissen kommen rein. Das leistet auch der körperlichen Annäherung zwischen den Geschlechtern Vorschub. Während Mücke nach Nicoles sexy Mutter (Birte Glang) giert, muss Frank zuschauen, wie sich Carola nur für andere Jungs interessiert. Mückes Plan, Carola betrunken und beim Strip-Poker nackig zu machen, schlägt katastrophal fehl. Ein neuer Plan muss her. Und wo schmiedet man die besten Pläne? Bei Wirt Siggi (Heinz Hoenig) in der Kneipe „Zum Sportfreund“, wo es schon morgens zum Bier handgemachte Frikadellen, Mettbrötchen und die Riesenbockwurst namens „Jungferntraum“ gibt. Doch ist es überhaupt gesund, wenn Gymnasiasten schon in der ersten großen Pause einen halben Liter Pils trinken? Wirt Siggi hat darauf eine klare Antwort: „Wat der Mensch braucht, dat musser haben.“ Der Zufall will, dass Carola sich im Freibad erkältet hat. Ihre Mutter (Sandra Schmitz) bestellt aus jedem Schulfach den Klassenbesten nach Hause. Frank ist für Englisch eingeteilt. Er weiß zwar nicht, was er später mal mit einer Fremdsprache anfangen soll, aber die Vokabeln fliegen ihm einfach zu. Vielleicht, weil er sich gern mit den Platten und Songtexten von James Brown beschäftigt. Carola steht auf Nena, Angelo Branduardi und Joschka Fischer. Frank merkt: Irgendwas läuft schief. Zwar ist er endlich in Carolas Zimmer und tanzt Klammerblues mit seiner Traumfrau – doch die sieben Minuten der James-Brown-Nummer 7

kommen ihm verdammt lang vor. „Eine Frau muss Pfeffer im Arsch haben“, sagt sein Vatter. „Toll aussehen reicht nicht. Humor, weißte?“ Die Klassenfahrt steht an. Mit dem neuen Klassenlehrer Herrn Hecker (Peter Nottmeier) und der Religionslehrerin Frau Boelcke (Petra Nadolny) fährt die 10a in ein kleines Nest an der Nordsee. Dass der Alkohol mitreist, ist Ehrensache. Doch er muss so gut in den Blockhütten versteckt werden, damit Hecker die Flaschen bei seinen abendlichen Razzien nicht findet. Das Täuschungsmanöver gelingt. Frank, Mücke, Pommes und Spüli richten eine Privatfete aus, die zwei Mark Eintritt kostet. Die Jungs und Mädchen rocken zu den Hits der 80er aus dem Kassettenrekorder, der Alkohol fließt in Strömen. Zum Bergfest wird sogar Herr Hecker locker. Er lädt zur Feier ein, aber nur mit ein bis zwei Bierchen pro Person und nur bis 22 Uhr. Carola bleibt für Frank unnahbar und unerreichbar, doch dafür wird Nicole durch ihre humorvolle Art immer interessanter. Frank geht mit ihr spazieren, er geht mit ihr zum Strand, er küsst sie. Herr Hecker kocht vor Wut. Nicht nur, weil die Frischverliebten um 22 Uhr noch nicht zurück sind, sondern auch, weil der Pädagoge selbst ein Auge auf Nicole geworfen hat. Er tobt und kündigt eine Klassenkonferenz für beide an. Doch die wütenden Worte prallen an Frank ab. Man ist halt cool, wenn man erwachsen ist und sich langsam daran gewöhnt, schöne Frauen zu küssen...

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ÜBER DIE PRODUKTION Eine Region mit Potenzial „Manches braucht eben lange, um dann schnell zu gehen“, sagt Matthias Kutschmann. „Seit Beginn meines Filmstudiums in Bochum 1991 habe ich darauf hingearbeitet, einen Ruhrgebiets-Kinofilm zu drehen.“ Jetzt, 25 Jahre später, feiert RADIO HEIMAT Premiere. „Im Ruhrgebiet haben wir die Gelegenheit, großartige Tragikomödien zu erzählen, weil wir hier viele Probleme haben und trotzdem darüber lachen können“, sagt der Regisseur und nennt prominente Beispiele: Die Ruhrgebiets-Trilogie von Adolf Winkelmann (DIE ABFAHRER, JEDE MENGE KOHLE, NORDKURVE) und die Unna-Trilogie von Peter Thorwarth (BANG BOOM BANG, WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT, GOLDENE ZEITEN). Dass Adolf Winkelmann und Peter Thorwarth nun Co-Produzenten von RADIO HEIMAT sind, macht Matthias Kutschmann besonders stolz. Auch Produzent Christian Becker ist ein Fan des Ruhrgebiets. Der gebürtige Krefelder hat einst Peter Thorwarths Unna-Trilogie produziert und unlängst mit seinem Münsteraner Turbine-Kollegen Adolf Winkelmanns Ruhrgebiets-Trilogie auf BluRay und DVD neu verlegt. „Ich hätte schon gern in BANG BOOM BANG mehr Ruhrgebiet gezeigt, doch Peter Thorwarth wollte das nicht und hatte damit auch Recht, weil die Zechen-Romantik nicht zum Film gepasst hätte“, sagt Christian Becker. „Mich ließ aber nie der Gedanke los, einen Ruhrgebiet-Film mit Zechen, Fußball und Currywurst zu produzieren. Es gibt viele Filme aus Norddeutschland und aus Bayern, die eine Liebeserklärung an ihre Region sind, aber es hat viel zu lang keinen Ruhrgebiets-Film mehr gegeben.“ Vom Buch zum Drehbuch Im Jahr 2010 las Christian Becker die Kurzgeschichtensammlung „Radio Heimat: Geschichten von zu Hause“ des Bochumer Schriftstellers und Kabarettisten Frank Goosen. „Ich mochte seine liebevollen Alltagsbeobachtungen, die mich sehr an Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier erinnerten, dessen Erzählungen ich in meiner Kindheit liebte“, sagt Becker. Die Idee, aus einer losen Sammlung von Kurzgeschichten eine durchgehende Filmhandlung zu schaffen, klang vermessen. Und es dauerte Jahre bis Beckers Produzentenkollege Martin Richter für die Umsetzung Matthias Kutschmann ins Gespräch brachte, den er seit dem gemeinsamen Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in München kannte. „Matthias stammt aus dem Ruhrgebiet und ist ein großartiger Geschichtenerzähler“, sagt Martin Richter. So erhielt Matthias Kutschmann im Sommer 2014 den Auftrag, auf der Grundlage von „Radio Heimat“ ein Drehbuch zu schreiben. „Das Buch enthält viele Kurzgeschichten mit vielen Figuren, besitzt aber keinen roten Faden“, benennt Matthias Kutschmann die größte Herausforderung, der er sich stellen musste. Auch Autor Frank Goosen räumt ein: „Mein Buch ist kein Roman mit durchgehender Handlung, sondern eine Sammlung von Geschichten, die zum Teil für mein Bühnenprogramm entstanden sind. Ich wäre beim Schreiben nie auf die Idee gekommen, dass irgendjemand daraus einen Film machen könnte.“ Matthias Kutschmann schlug vor, neben „Radio Heimat“ auch Frank Goosens Buch „Mein Ich und sein Leben“ als „Steinbruch“ zu verwenden. Kutschmann selbst spricht von einem „Stollen voller funkelnder Kohlestückchen, die ich in meinem Drehbuch zu einem roten Faden glühender Schlacke verarbeitet habe“. Aus der Vielzahl an Personen und Anekdoten kristallisierte sich allmählich die Handlung des Films heraus: Vier Jugendliche suchen mitten in den 80ern, mitten im Ruhrgebiet und mitten in der Pubertät ihre erste Liebe und fragen sich, wie es ihren Vätern gelang, ihre jeweilige Frau fürs Leben zu finden und zu betören. „Das ist unser Clou“, sagt Matthias Kutschmann, „dass wir die 80er Jahre als zeitliche Hauptebene haben und die Eltern das Scharnier zu den 60er Jahren sind.“ Nach drei Wochen war die erste Drehbuchfassung fertig, die bereits die Grundelemente des späteren Films enthielt. Darunter die Zeitsprünge und die Hauptfigur Frank, die als erwachsener Erzähler auf die Jugend in Bochum zurückblickt. Die Produzenten Christian Becker und Martin Richter waren vom Drehbuch überzeugt. Frank Goosen ebenso. „Ich ziehe meinen Hut vor der Fleißarbeit, mit der Matthias aus den Kurzgeschichten eine 9

Filmhandlung gemacht hat“, sagt der Autor. Martin Richter ergänzt: „Matthias brachte so viel Begeisterung für das Projekt mit, dass wir ihm auch die Regie anboten, obwohl er bislang nur Kurzfilme inszeniert hatte. Wir spürten, dass RADIO HEIMAT das perfekte Kinodebüt für ihn ist.“ Die Suche nach Frank Die Co-Produzenten waren schnell gefunden, auch allen voran die Film- und Medienstiftung NRW, sowie die FFA Filmförderungsanstalt, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Deutsche Filmförderfonds (DFFF) sagten Anfang 2015 ihre Unterstützung zu. „Alle erkannten das Potenzial und die Notwendigkeit eines Films, der im Ruhrgebiet spielt und das Lebensgefühl einer ganzen Generation in den 80ern aufgreift und die liebevoll an die 60er erinnert “, sagt Produzent Christian Becker. „Dass wir auch noch die Ruhrgebiets-Legenden Adolf Winkelmann und Peter Thorwarth als Co-Produzenten und kreative Berater gewinnen konnten, ist ein besonderes Gütesiegel für RADIO HEIMAT.“ Bevor im Sommer 2015 die erste Klappe fallen konnte, suchte Casterin Sabine Schwedhelm nach den idealen Besetzungen für mehr als 50 Rollen. Neben der ersten Garde bekannter Ruhrgebiets-Größen mussten auch Newcomer für die Rollen des jungen Frank, seiner Freunde und seiner möglichen Freundinnen gefunden werden. „Es hat lang gedauert, junge Schauspieler zu finden, die den Vorstellungen aus dem Buch entsprechen und die dann auch noch als Ensemble funktionieren“, sagt Produzent Martin Richter. David Hugo Schmitz spielt Frank. „Ich brauchte eine Hauptfigur, die dem erwachsenen Frank Goosen nicht unbedingt ähneln muss“, sagt Matthias Kutschmann. „Ich wollte einen Anführer, der Charisma hat, ohne sich selbst dabei in den Vordergrund zu spielen.“ Frank Goosen fühlt sich angesichts der Besetzung geschmeichelt. „Hugo David Schmitz sieht sehr viel besser aus, als ich damals ausgesehen habe, und er hat mehr Haare“, sagt der Autor. „Der Frank in meinen Büchern ist immer der Beobachter, so habe ich mich damals gefühlt, auch wenn ich heute wie einer wirke, der energiegeladen im Zentrum stehen will.“ Für David Hugo Schmitz war die Hauptrolle in RADIO HEIMAT wie eine Zeitreise innerhalb der eigenen Familiengeschichte: „Ich bin im Film so alt, wie mein Vater in den 80er Jahren war. Zwar lebte er damals in Köln und war Punk, doch wenn ich mir alte Bilder anschaue, sehe ich Gemeinsamkeiten mit unseren Kostümen und Drehorten.“ Als Fan des BVB Dortmund fühlte sich David Hugo Schmitz dem Ruhrgebiet schon immer verbunden: „Für mich war es etwas ganz Besonderes, bei dieser Liebeserklärung an den Pott dabei zu sein. Ich mag es, wie liebevoll Frank Goosen im Buch und Matthias Kutschmann im Film von ihrer Heimat erzählen. Das mit dem Lokalpatriotismus können wir in Köln ja auch ganz gut.“ Freunde fürs Leben Der Punk in Franks Clique heißt Mircea Kuwelko, genannt Mücke. Er trägt Klamotten, die Kostümdesignerin Annegret Stößel in einschlägigen Szeneläden in Amsterdam, London und Berlin gekauft hat. „Wir durchleben durch die Dreharbeiten die Pubertät unserer Eltern“, sagt Maximilian Mundt, der die Rolle des großmäuligen Mücke spielt. Der 1996 in Hamburg geborene Schauspieler erklärt: „Mücke ist klein und hat ein schwieriges Familienleben, aber er überspielt das mit krassen Sprüchen.“ Regisseur Matthias Kutschmann ergänzt: „Ich brauchte für Mücke jemanden, der eine unglaubliche Energie besitzt und zugleich eine enorme Tiefe mitbringt. Mücke muss einen großen Schmerz verwalten. Die Pubertät ist schon tragisch genug, aber er kommt außerdem aus einer kaputten Familie.“ Jan Bülow spielt Michael Jendritzki, genannt Pommes. „Er ist auf keinen Fall der Anführer, eher ein fünftes Rad am Wagen“, beschreibt der Schauspieler seine Rolle. „Allerdings wird das fünfte Rad immer wieder gebraucht. Bei einer Reifenpanne ist Pommes sofort zur Stelle.“ Mit fettigen Haaren und schüchtern-grauem Kleidungsstil ist Pommes der Inbegriff aller unscheinbaren Mitschüler der 80er Jahre. Auch Matthias Kutschmann erkennt sich in ihm wieder: „Frisurenmäßig war ich sehr nah dran an Pommes. Das lag daran, dass mir meine Mutter selbst die Haare schnitt. Das blieb bis zur Pubertät so.“ Auch über die Kleidung konnte Kutschmann an seinem elitären Dortmunder Stadtgymnasium nicht punkten: „Ich sah bescheuert aus und hatte leider nicht den richtigen Freundeskreis, um Punk zu sein. Popper sowieso nicht. Ich war eine Mischung aus Frank und Pommes. Aber in hässlich.“ 10

Spüli, bürgerlich Heinz-Jürgen Spülberger, ist der Popper der Clique. Ihn spielt Hauke Petersen. „Spülis Vater ist ein ausgebrannter Malocher, der nach Feierabend in der Kneipe und am Spielautomaten sitzt“, sagt der Schauspielstudent der Otto Falckenberg-Schule. „Dass der Sohn Popper ist und teure Markenkleidung liebt, ist ein klares Statement, mit dem er sich von seinem Elternhaus abgrenzt. In seinem Fall ist die Kleidung aber auch das Abbild seines inneren Konflikts.“ Hauke Petersen gefiel die lehrreiche Zusammenarbeit mit den Schauspielern der „Elterngeneration“ und das kollegiale Miteinander der jungen Darsteller, die aus allen Teilen Deutschlands kamen. „Ich hätte gern Newcomer aus dem Ruhrgebiet gehabt, die auch ein bisschen pötteln“, räumt Regisseur Matthias Kutschmann ein, „aber David Hugo Schmitz, Jan Bülow, Hauke Petersen und Maximilian Mundt erwiesen sich bei allen Castings als die besten Bewerber. Das galt auch für ihre Körpergröße: „Ich wollte vier Jungs wie Orgelpfeifen haben, ähnlich wie die Dalton-Bruder bei Lucky Luke“, sagt Matthias Kutschmann. „Ich finde die vier Jungs kongenial besetzt“, lobt Buchautor Frank Goosen, mahnt aber zur Vorsicht: „Man darf nicht den Fehler machen, die Frank-Figur im Film zu sehr auf mich zu beziehen. Und die drei anderen haben sowieso keine eins-zu-eins-Entsprechung. Es gab in meiner Jugend nicht den Spüli, den Pommes und den Mücke. Sie sind lediglich die Summe von Typen, mit denen ich zu tun hatte. Als ich das den Schauspielern bei den Dreharbeiten erzählte, waren sie ein bisschen enttäuscht.“ Mädchen und Traumfrau Sie ist das schönste Mädchen der ganzen Schule: Carola Rösler, dargestellt von Milena Tscharntke. Frank ist unsterblich in sie verliebt, doch seine Gefühle werden nicht erwidert. „Wie die meisten Mädchen ist auch Carola zwei Jahre weiter als die gleichaltrigen Jungs“, sagt Matthias Kutschmann. „Sie weiß eigentlich schon, was sie haben will, nämlich den BMW-Fahrer, der BWL studiert.“ Der Regisseur attestiert seiner weiblichen Hauptdarstellerin eine „elfenhafte Schönheit“ und betont, dass Milena Tscharntke im wahren Leben nichts gemeinsam hat mit den Oberzicken, die sie in RADIO HEIMAT spielt und zuvor auch schon in BRUDER VOR LUDER (2015) und in der Fernsehserie „Sturmfrei“ darstellte. Die 1996 in Hamburg geborene Schauspielerin genoss es, für die Dreharbeiten den Stil der 80er Jahre aufleben zu lassen: „In dieser Zeit war alles freier: Man redete und tanzte miteinander völlig losgelöst“, sagt Milena Tscharntke. „Wir haben zur Vorbereitung Videos bekommen, zum Beispiel von Madonna, damit wir den Tanzstil der 80er üben konnten.“ Für Regisseur Matthias Kutschmann waren die Dreharbeiten zu RADIO HEIMAT vor allem eine Reise in die eigene Vergangenheit: „1983 war ich 13 Jahre alt und habe alles bewusst mitbekommen: die Neue Deutsche Welle, die Auswüchse der Modeindustrie. Das alles einer jungen Generation von Schauspielern zu vermitteln, war sehr spannend.“ Unsere Mütter, unsere Väter Kutschmann empfand sich während der Produktion als Vater der Kompanie und spielte auch vor der Kamera eine kleine Vaterrolle, als Horst Spülberger, mit Bart, langen Haaren und Arbeiterkluft. „Spülis Vater verkörpert das Drama eines geschundenen Mannes, der an seiner Arbeit zugrunde geht und nach Feierabend in der Gaststätte am Spielautomaten sitzt“, sagt Kutschmann. Die deutlich größeren Rollen von Franks Vater und Franks Mutter wurden mit erfahrenen Schauspielern besetzt: Stephan Kampwirth und Sandra Borgmann. Sie spielen die Eltern sowohl in den 60er -Jahre-Rückblenden als auch in der zeitlichen Hauptebene des Films, den 80er Jahren. „Ursprünglich wollten wir die Eltern mit einer jüngeren und einer älteren Garnitur von Schauspielern besetzen“, sagt Matthias Kutschmann. „Das hätte das Publikum aber irritieren können, weshalb wir die Schauspieler lieber durch Maske und Kostüm haben altern lassen.“ Stephan Kampwirth musste sich auf die Vaterrolle nicht allzu sehr vorbereiten: „Mein eigener Sohn ist gerade mitten in der Pubertät“, zieht der Schauspieler Parallelen zwischen Film und Wirklichkeit. „Da prallen Testosteron und Öströgen gesteuerte Wesen aufeinander und der Wahnsinn bricht aus.“ Gern erinnert sich Kampwirth an seine Tanzschulzeit, in der er zum ersten Mal mit offizieller Erlaubnis eine Frau anfassen durfte. Zugleich vermisst er die Zeiten, in denen Eltern und Kinder noch klar zu unterscheiden waren: „Heute sind fast alle Väter 11

Berufsjugendliche und die Söhne wollen ihre Sachen tragen. Das wäre zu meiner Zeit nicht denkbar gewesen.“ Das Vater-Sohn-Verhältnis, wie es RADIO HEIMAT zeigt, hält Kampwirth für ein typisches Phänomen im Ruhrgebiet der 80er Jahre: „Franks Vater muss sehr viel arbeiten, er mischt sich in die Erziehung seines Sohnes nur ein, wenn seine Frau ihn dazu auffordert.“ Stephan Kampwirth beschreibt die Vaterfigur im Film als „durchschnittlich, ohne ausgeprägte Begabungen, etwas bräsig, aber warmherzig“. Aus Sandra Borgmanns Sicht ist er somit der Phänotyp des Ruhrgebietlers: „Er ist direkt im Ton und sagt, was er denkt. Äußerlichkeiten spielen keine große Rolle.“ Sandra Borgmann genoss vor allem die Szenen, die in den 60er Jahren spielen: „Ich musste oft an meine Mutter denken, wenn ich bestimmte Kleider trug oder in bestimmte Kulissen kam. Auf vielen Fotos, die meine Mutter in den 60ern zeigen, sieht man ähnliche Kleider und Einrichtungsstile.“ Omma und Oppa Die Dreharbeiten hatten schon begonnen, als Buchautor Frank Goosen den Regisseur und die Produzenten darum bat, im Film nicht den Familiennamen Goosen zu benutzen. „Es ist etwas anderes, wenn man auf der Bühne oder in Büchern mit einem lyrischen Ich über seine Verwandten spricht, als wenn ein anderer Autor damit fiktional umgeht“, zeigt sich Matthias Kutschmann verständnisvoll. „Trotzdem wollte ich in der Szene, in der Franks Eltern sich kennenlernen, nicht auf einen bestimmten Wortwitz verzichten, der auch im Buch eine zentrale Rolle spielt. Das wäre ein Verrat an Frank Goosens Fangemeinde gewesen.“ Am Ende gab der Autor seine Einwilligung. „Das Kino hat eine ganz andere emotionale Macht als das gedruckte Wort auf dem Papier“, erklärt Goosen seine anfänglichen Bedenken. „Ein Teil meines Schreibens basiert darauf, dass ich sehr persönliche Dinge aus meiner Familie wiedergebe. Meine Eltern leben nicht mehr, aber für meine Oma, die jetzt 93 Jahre alt ist, wird es eine schwierige Sache, wenn sie im November ihre tote Tochter auf der Leinwand sieht und dazu noch den Namen Goosen hört.“ Alles in allem schaut Frank Goosen der Premiere optimistisch entgegen: „Es wird Momente geben, bei denen meine Oma schlucken muss, aber am Ende wird sie in erster Linie stolz sein, dass es diesen Film gibt.“ Auch angesichts der Besetzung: „Anja Kruse spielt meine Oma“, sagt Frank Goosen. „Das hört sich komisch an und die beiden sehen sich überhaupt nicht ähnlich. Aber dass so eine tolle Frau meine Oma spielt, passt gut, denn sie war und ist eine lebenslustige und positive Person.“ Die gebürtige Essenerin Anja Kruse lobt die Rolle der Hausfrauen und Mütter im damaligen Ruhrgebiet: „Sie waren allein verantwortlich für die ganze Familie, weil die Männer unter Tage waren und abends zu Hause ihr Bier, ihre Zigarette und ihre Ruhe haben wollten. Entsprechend hemdsärmelig waren die Frauen. Sie mussten den Laden managen und konnten sich keine Schwächen leisten.“ Den Pott spürt Anja Kruse auch nach Jahrzehnten, die sie in Hamburg, Paris und Österreich gelebt hat, noch immer in sich. „Sobald ich hier bin, kommt das wieder durch und ich rede ganz anders. Das Ruhrgebiet mit seiner herzlichen Direktheit und frechen Schnauze ist meine Heimat. Dazu stehe ich auch.“ Ingo Naujoks spielt Frank Goosens Opa, Ralf Richter Onkel Josef und Elke Heidenreich Tante Henni. In weiteren Gastrollen Peter Lohmeyer, Jochen Nickel, Hans Werner Olm, Willi Thomczyk, Heinz Hoenig und Martin Semmelrogge mit. „Wir haben das „Who is Who?“ des Ruhrgebiets bekommen“, freut sich Produzent Christian Becker. „Einige hatten nur einen Drehtag und wenige Sätze, aber wir konnten ihnen deutlich machen, dass wir auch für die kleinsten Rollen auf ihr Charisma, ihren Witz und ihren Dialekt angewiesen sind.“ Buchautor Frank Goosen stimmt Christian Becker zu: „Es nervt manchmal in Filmen, wenn alle glauben, der Ruhrgebiets-Dialekt sei leicht nachzumachen. Ich finde es wichtig, dass ein Film, der explizit im Ruhrgebiet spielt, auch mit Schauspielern besetzt wird, die das Idiom in der Zunge haben. Das ist bei RADIO HEIMAT gewährleistet. Die Besetzung ist wie gebacken.“ Städtebau So wichtig wie die richtige Besetzung waren auch die richtigen Drehorte. Fast 110 Locations galt es zu finden, auszustatten oder nachzubauen. „Wir haben eine endlos lange Tour durch das Ruhrgebiet gemacht, um Außendrehorte zu finden, die das Bochum der 80er und 60er Jahre erzählen“, sagt Matthias Kutschmann. Da Strukturwandel und Zechensterben ihre 12

Spuren hinterlassen haben, musste das Team zum Teil auf andere Städte an Ruhr und Rhein ausweichen oder die Drehorte später am Computer leicht nachbessern. „Da wir einen historischen Film gedreht haben, bin ich sehr vorsichtig, wenn es darum geht, über Drehorte zu reden“, sagt Matthias Kutschmann. „Die Zuschauer sollen in die Illusion des Kinos abtauchen, da hilft es nicht, wenn eine Geschichte in Bochum spielt und ich erzähle, dass bestimmte Szenen in Essen oder Dortmund gedreht wurden.“ Einige Drehorte seien dann aber doch verraten: Der Treffpunkt, an dem Frank, Pommes, Spüli und Mücke ihre Zukunft planen, ist das Gelände der Zeche Zollverein in Essen. Dort stand auch der auf 60er Jahre gemünzte Imbisswagen, an dem sich Franks Vater seine Currywurst extrascharf schmecken lässt. Die Szenen unter Tage entstanden in einem Trainingsbergwerk in Recklinghausen, die Kohlehalden, auf denen das „Haldenkind“ Frank gezeugt wurde, stehen in Gelsenkirchen. Auch die Justizvollzugsanstalt Gelsenkirchen und das Freibad Höntrop gaben Drehgenehmigungen. Kameramann Gerhard Schirlo (WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER, „Das Jesus Video“) rückte das Ruhrgebiet in schönsten CinemaScope-Bildern ins rechte Licht. Für sämtliche Innenaufnahmen nutzte die Produktion kein Studio, sondern unter anderem zwei leerstehende Mietshäuser in der Kölner Raschdorffstraße. Produktionsdesigner Uwe Szielasko und sein Team tapezierten und möblierten auf mehreren Etagen bis zu zehn Wohnzimmer, Jugendzimmer oder Partykeller gleichzeitig. „Die haben unglaubliche Arbeit geleistet“, lobt Regisseur Matthias Kutschmann. „Im Grunde hätten wir für viele kurze Szenen nur zwei Wände gebraucht, aber sie haben den ganzen Raum tapeziert, damit die Kamera in jede Ecke filmen konnte.“ In dieser heimeligen Atmosphäre, in der die Uhr in den 60er oder 80er Jahren stehengeblieben war, vergaßen die Schauspieler schnell, dass sie sich in einer künstlich gebauten Kulisse befanden. „Wenn dann auch noch von „Omma“ Anja Kruse höchstselbst Frikadellen und Reibeplätzchen gebraten wurden, war auch die Duftkulisse wie in den 60er Jahren“, sagt Matthias Kutschmann. Tapeten des Wahnsinns „Hier riecht es wie bei meiner Oma“, befand auch Elke Heidenreich im stilecht eingerichteten Wohnzimmer. Gedreht wurde die Goldene Hochzeit von Tante Henni und Onkel Josef, gespielt von Elke Heidenreich und Ralf Richter. Beide waren dafür 20 Jahre älter geschminkt worden. Elke Heidenreich, sonst Moderatorin und Schriftstellerin, hatte sich durch ihre 80erJahre-Kunstfigur Else Stratmann für die Gastrolle in RADIO HEIMAT empfohlen. Als Matthias Kutschmann ihr den Part der resoluten Trinkhallenbesitzerin Henni anbot, sagte sie allerdings ab. „Ich bin nicht die Bohne daran interessiert, Schauspielerin zu sein, in der Maske zu sitzen und etwas darzustellen, was ich nicht bin“, sagt Elke Heidenreich. Der Regisseur ließ nicht locker und verfasste einen handgeschriebenen drei Seiten langen Brief, den er an seine Wunschkandidatin schickte. „Das hat mich sehr gerührt, weil ich merkte: Er will es wirklich“, sagt die Schauspielerin wider Willen und war bereit, „zwei Szenen mit drei Sätzen“ zu spielen. Wiederholungsgefahr besteht kaum: „Alle waren nett zu mir, aber trotzdem sind Dreharbeiten das Langweiligste, was es gibt. Ich danke Gott auf Knien, dass ich nicht Schauspielerin sein muss.“ Die Schauspiel-Routiniers Jochen Nickel (als Franks Onkel) und Ingo Naujoks (als Franks Opa) saßen die Wartezeit mit bewährter Pott-Gelassenheit ab. „Ich stamme mütterlicherseits aus einer Bergarbeiterfamilie und väterlicherseits aus einer Familie von Stahlkochern“, sagt Ingo Naujoks. „Das waren hart schuftende Menschen, die mich umgeben und geprägt haben. Mein Opa hat immer gesagt: Ich habe nur gelacht, damit ich nicht weinen musste.“ Stolz erzählt Ingo Naujoks von seinen Eltern, die ihm den Besuch des Gymnasiums ermöglichten, ohne dabei Druck auf ihn auszuüben: „Wenn ich das Abitur nicht geschafft hätte, wäre ich halt Arbeiter geworden, wie alle in der Familie.“ Maskenbilder René Jordan verpasste Ingo Naujoks einen angeklebten Schnauzbart und einen leichten Seitenscheitel. „Damit sehe ich meinem Vater sehr ähnlich. Ich habe sofort ein Foto gemacht und meiner Mama zugeschickt, damit sie diesen Eindruck bestätigen konnte.“ Auch Unterhemd, Pullunder, Loden und andere Textilien, die Kostümbildnerin Annegret 13

Stößel für Franks Opa rauslegte, kennt Ingo Naujoks aus seiner Familie: „Da wurde nicht auf Schönheit geachtet, Hauptsache, es war billig und sauber. Das blieb dann der Look für eine Woche, solange keine Leberwurst drauf fiel, das Auto repariert wurde oder Gäste kamen.“ In den Kulissen fand Ingo Naujoks „die Enge und die Muffigkeit“ wieder, die er aus seiner Kindheit kannte. „Das ist die gewisse Traurigkeit, die der Pott mit sich bringt und die mit Schönheit nichts zu tun hat“, sagt Naujoks. Für Jochen Nickel waren vor allem die Tapeten das Ticket für die Zeitreise in die 60er Jahre: „Diese Muster gibt es heute gar nicht mehr. Psychologen sollten mal erforschen, was diese Tapeten früher mit uns gemacht haben.“ Partykeller und Tanzschulen Wie schon das Buch „Radio Heimat“ widmet sich auch der Film ausführlich dem Phänomen des Partykellers. „Da RADIO HEIMAT eine ernstzunehmende Literaturverfilmung ist, kam ich um das Thema Partykeller nicht herum“, sagt Matthias Kutschmann. Frank Goosen erklärt: „Partys zogen sich wie ein roter Faden durch unsere Pubertät. Gefeiert wurde in den 80er Jahren aus den gleichen Gründen wie heute: Wir waren jung und wussten nicht, wohin mit unserer Energie. Also richtete man Partys aus, um zu tanzen und an das andere Geschlecht zu kommen.“ Dabei konnte der Konsum von Alkohol nur von Vorteil sein, meint Frank Goosen: „Man sagt immer, die heutige Jugend hätte das Koma-Saufen erfunden. Das kann ich nicht bestätigen, das gab es bei uns auch schon. Speziell auf Klassenfahrten.“ Produktionsdesigner Uwe Szielasko verwandelte die Keller der beiden benachbarten Mietshäuser in Köln zu waschechten Partykellern der 80er Jahre. Die in sterilem Weiß gehaltene Version, in der sich Pommes’ Vater (Peter Lohmeyer) sexuell liberaler zeigt als notwendig, musste komplett gekachelt und gestrichen werden. „Der Partykeller von Matzes Vater ist ein genaues Abbild vom Partykeller meines Onkels“, sagt Matthias Kutschmann: „komplett holzvertäfelt, mit großer Theke und Autogrammkarten der Schlagerstars an den Wänden.“ Die Filmlocation im leeren Mietshaus erlaubte es Kameramann Gerhard Schirlo, die Schauspieler mit Hilfe einer Steadycam über zahlreiche Treppen bis in den Keller hinein zu begleiten. Beim langen Abstieg über viele Stufen ist Matzes Vater der geballte Stolz auf seinen Partykeller anzusehen. Matthias Kutschmann verpflichtete für die ebenso kurze wie schräge Szene Hans-Peter Krüger, den er durch die gemeinsame Arbeit für den Dortmunder „Geierabend“ kennt. Auch die Tanzschule „B. Linden“, in der sich Franks Eltern kennenlernen und in der Frank 16 Jahre später sein Glück bei Carola Rösler versucht, weckte bei den Schauspielern viele Erinnerungen. „Ich ging sonntags zur Tanzschule im Sauerland“, sagt Stephan Kampwirth. „Wir Jungs wollten die Mädchen anfassen, die Mädchen wollten was anderes. Wenn wir mit offizieller Genehmigung an den Rücken greifen durften, waren wir schon fix und alle.“ Seine Filmpartnerin Sandra Borgmann besuchte einen Anfängerkurs im Ruhrgebiet: „Ich hatte großes Glück mit meinem Tanzpartner, der war nett und hatte viel Humor.“ Für die Dreharbeiten wurde eine Tanzschule in Niederkassel mit kleinen Cocktailsesseln und antiquiert wirkenden Lampen ausgestattet, um die 60er Jahre zu rekonstruieren. Die ursprüngliche Idee, die Jugendjahre von Franks Eltern in Schwarzweiß zu drehen, verwarfen die Produzenten schnell wieder. „Das hätte den Film für eine spätere Fernsehausstrahlung unattraktiv gemacht“, erklärt Produzent Christian Becker. Stattdessen haben die älteren Spielszenen nun durch Kostüme, Kulissen und die nachträgliche Farbbestimmung einen gewissen braun-beigen Sepia-Effekt, während die 80er Jahre bunt und blumig wirken. Die kleine Kneipe Frank Goosens frühere Stammkneipe „Zum Sportfreund“ wurde im Bürgerkrug in BochumWattenscheidt nachgebaut. Dort kam besonders viel Kunstnebel zum Einsatz. „Es gab Kneipen, da konntest du keine fünf Zentimeter weit gucken, weil alle rauchten“, sagt Heinz Hoenig, der für einen Drehtag in die Rolle des Kultwirts Siggi schlüpfte. An diesem Tag besuchte auch Buchautor Frank Goosen das Set: „Wenn ich Sätze höre wie „Wat der Mensch braucht, dat muss er haben“, denke ich unweigerlich an unseren alten Wirt Siggi, auf den das zurückgeht. Er hätte gern noch den fertigen Film gesehen, ist aber leider Ende 2015 gestorben.“ 14

Die reale Kneipe „Zum Sportfreund“ schloss Anfang der 90er Jahre nach 28 Jahren, als Siggi sein zweites künstliches Hüftgelenk bekam und nicht mehr lange stehen konnte. „Diese Art von Kneipe habe ich nie wieder gefunden“, bedauert Frank Goosen. „Das Publikum war sehr gemischt: einerseits Stammgäste, andererseits Schüler unseres Gymnasiums, die zum Teil auch noch als Studenten wiederkamen, dazu Leute aus der Kirchengemeinde und ein paar Basketballer vom VfL Bochum.“ Im Zentrum stand Siggi. „Eine gute Kneipe beginnt mit einem guten Wirt oder einer guten Wirtin“, sagt Heinz Hoenig. Frank Goosen stimmt ihm zu: „Siggi fand die richtige Ansprache für jeden Gast, ohne dabei plump vertraulich zu wirken. Der echte Siggi war sogar noch ein bisschen schicker als im Film. Heinz Hoenig ist in seiner Rolle unrasiert. Das hätte Siggi nie gemacht. Der war immer glatt rasiert und sehr höflich.“ Fußball ist unser Leben Matthias Kutschmann drehte in einer anderen Kneipe eine 60er-Jahre-Szene, die ursprünglich im Fußballstadion hätte spielen sollen. „Wir hätten dafür aber so viele Statisten in zeitgemäßen Kostümen gebraucht, dass die Kosten explodiert wären“, sagt der Regisseur. Also verlegte er den Moment, in dem Pommes’ Vater ein peinliches Geständnis ablegen muss, in die Kneipenkulisse. Umringt von anderen VfL-Bochum-Fans, dargestellt von Martin Semmelrogge und dem legendären Fußballmoderator Manni Breuckmann, erzählt der frischgebackene Vater, dass ihm die Schwiegermutter zuvorgekommen ist und den neugeborenen Jungen beim Erzfeind Schalke statt beim VfL angemeldet hat: „Jetzt ist er bei den Kriminellen. Da kriegen wir ihn nicht mehr raus!“ Dass Peter Lohmeyer im wahren Leben Schalke-Fan ist und für die Szene seinen eigenen Verein verleugnen musste, machte Matthias Kutschmann besonders viel Spaß: „Komödie ist halt auch immer die Tragödie der anderen.“ Frank Goosen weiß, warum Fußball im Ruhrgebiet schon immer die wichtigste Nebensache der Welt war: „Angesichts der harten Arbeit brauchten die Leute nicht nur eine Möglichkeit, Dampf abzulassen, sondern auch etwas, mit dem sie sich identifizieren konnten. Das waren nicht nur die großen Vereine in der Bundesliga, sondern auch die kleinen Vereine, in denen sie manchmal selbst spielten. Fußball war ursprünglich ganz eng an die Zechen angegliedert. Viele alte Vereine aus den 50er und 60er Jahren gibt es nicht mehr, weil auch die Zechen nicht mehr existieren. Die Leute hatten das Bedürfnis, bei allen Unterschieden, die es in der Welt gibt, etwas Gemeinsames zu haben. Ich will nicht von Religion sprechen, aber mindestens von Ersatzfamilie.“ Auch Martin Semmelrogge, der nach BANG BOOM BANG mit RADIO HEIMAT erneut seine Liebe zum Ruhrgebiets-Film unterstreicht, misst dem Fußball eine wichtige Rolle für das gesellschaftliche Leben bei: „Man geht nicht ins Stadion, um sich zu amüsieren, sondern um sich aufzuregen. Beim Fußball kann man seinen ganzen Frust raus lassen und auf die Spieler schimpfen, die sich auf dem Platz abrackern.“ Dass er für RADIO HEIMAT nur einen Drehtag hatte, wertet Martin Semmelrogge als Qualitätsbeweis für die Produktion: „Ein Film lebt davon, dass auch die kleinsten Rollen toll besetzt sind. Bei den Amerikanern ist das ganz normal, aber in Deutschland spart man oft daran. Das ist ein Fehler, denn ein guter Hauptdarsteller muss von guten Nebendarstellern umgeben sein.“ Der Laberfürst Absolvierte Uwe Lyko alias Ruhrgebiets-Ikone Herbert Knebel im Abspann von WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT (2002) nur einen Kurzauftritt als Opa im fehlerhaft gebauten Badezimmer, darf er in RADIO HEIMAT zur Höchstform auflaufen. „Ich spiele den Laberfürst, so heißen im Ruhrgebiet Leute, die ungefragt erzählen und anderen auf den Sender gehen“, erklärt Uwe Lyko. Da Matthias Kutschmann und Produzent Christian Becker große Fans der Kunstfigur Herbert Knebel sind, sollte der Laberfürst möglichst nah an diesem Vorbild sein. Doch Uwe Lyko gab zu bedenken: „Herbert Knebel ist jemand, der die Leute um sich schart und der sich über einen derart nervigen Typen wie den Laberfürst eher lustig machen würde. Daher habe ich ihn etwas anders angelegt – aber die Ähnlichkeit mit Herbert Knebel ist immer noch groß.“ 15

Nach Inspirationen für seine Rolle musste Uwe Lyko nicht lange suchen: „Im Ruhrgebiet gibt es eine Menge Originale und ungewollt witzige Figuren. Allein in meiner Verwandtschaft habe ich mich schon als Kind über diverse Onkels schlappgelacht.“ Darin sieht er auch die große Chance von RADIO HEIMAT: „Die Handlung könnte genauso in Los Angeles spielen, aber das Ruhrgebiet gibt ihr einen ganz anderen Background und Witz. Der Film funktioniert über die Sprache, den Dialekt und die Typen aus einer Region, die inzwischen auch bundesweit einen hohen Stellenwert genießt. Vor 20 Jahren interessierten sich nur wenige für das Ruhrgebiet, aber dank Frank Goosen, Piet Klocke, Gerburg Jahnke oder Herbert Knebels Affentheater haben die Leute mitbekommen, dass wir eine lebendige Region sind, in der sich auch kulturell eine ganze Menge getan hat.“ Auf Klassenfahrt Nach zwei Dritteln des Films ändert RADIO HEIMAT sein Tempo und den Schauplatz: Eine Klassenfahrt führt Frank, Pommes, Spüli, Mücke die anderen Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a an die Nordsee. Gedreht wurde im schleswig-holsteinischen Süsel, im Landschulheim Jugendhof Tannenhöhe mit seinen markanten dreieckigen Blockhütten. Die „Switch Reloaded“-Schauspieler Peter Nottmeier und Petra Nadolny fuhren als Begleitlehrer mit. „Herr Hecker ist ein Lehrer der alten Schule, wie ich ihn unter anderem noch in meiner Zeit am Internat erlebt habe“, sagt Peter Nottmeier. „Er setzt auf autoritären Erziehungsstil und strenge Sanktionen, während diese Bande ihre Freiräume der Jugend bezüglich Alkohol und erster Liebe ausnutzen will. Also eher die Seite, auf der ich damals stand.“ Dass Hecker einzelnen Schülerinnen nachstellt, macht ihn noch weniger sympathisch. Seine Kollegin, die Religionslehrerin Frau Boelcke, ist anders drauf: „Sie ist Lehrerin mit Leib und Seele. Sie mag ihre Schüler und lässt ihnen Freiräume, sich zu entwickeln.“, sagt Petra Nadolny. Auf der Klassenfahrt muss Frank einsehen, dass die vermeintliche Liebe zu Carola Rösler nur eine Illusion ist. „Wie so viele Jungs in seinem Alter konzentriert er sich auf das Mädchen, das er scharf findet, und vernachlässigt dabei das Mädchen, das viel besser zu ihm passen würde“, sagt Frank Goosen. Dabei handelt es sich um Nicole, dargestellt von Marie Bloching. „Nicole ist nicht so aufgemotzt wie Carola“, sagt David Hugo Schmitz, der in der Rolle des Frank die richtige Wahl treffen muss, und ergänzt: „Sie ist eine Naturschönheit. Das ist natürlich viel spannender, aber das weiß man in der Pubertät irgendwie noch nicht.“ Marie Bloching beschreibt Nicole als „das Mädchen, das auf den ersten Blick eher Freundin als Traumfrau ist - unser Regisseur würde sagen, man muss mit ihr erst mal richtig auf die Kacke hauen, um dann zu merken, dass sie die Richtige ist.“ Denn wie sagte schon Franks Vater?„Eine Frau muss Pfeffer im Arsch haben. Toll aussehen reicht nicht.“ Regie wie unter Tage Im August 2015 fiel am Südstrand von Kellenhusen die letzte Filmklappe: „Wir hatten verdammt großes Glück mit dem Wetter“, erinnert sich Matthias Kutschmann. „Unsere jungen Helden laufen bei Sonnenaufgang ins Wasser, sie starten sinnbildlich in ihr neues Leben. Bei Regen wäre das eine völlig andere, düstere Stimmung gewesen.“ Sonnig war auch die Stimmung während der gesamten Drehzeit. „Matthias Kutschmann ist ein sehr herzlicher Regisseur“, sagt Hauke Petersen alias Spüli. „Morgens gibt es eine Umarmung, man freut sich auf die Arbeit, das ganze Team hat das Gefühl, ihm etwas zurückgeben zu wollen.“ Maximilian Mundt alias Mücke ergänzt: „Matthias hat uns immer das Gefühl gegeben, dass wir wichtig sind für den Film. Er hat uns vertraut und eigene Vorschläge machen lassen. So hat er stets das Beste aus uns rausgeholt.“ Auch Anja Kruse stimmt in den Chor ein: „Matthias Kutschmann kommt auf meine Liste der wunderbar in Erinnerung gehaltenen Regisseure, die sich nicht hinter der Ausspielung oder im Nachbarzimmer verschanzen, sondern nah an der Szene sind, mitatmen und den Schauspielern zuhören.“ Matthias Kutschmann sagt, er habe sich bei der Art, wie er sein Filmteam führen wollte, von der Bergarbeitermentalität des Ruhrgebiets inspirieren lassen: „Zum ersten Mal war ich Abteilungsleiter von 200 Leuten. Da habe ich mir gedacht: Die Transparenz, Ehrlichkeit und direkte Ansprache, die unter Tage funktioniert hat, muss doch auch bei Dreharbeiten 16

funktionieren. Wobei ich mit direkter Ansprache eher freundliche Worte meine und nicht die verknappten Hau-drauf-Formulierungen, die unter Tage lebenswichtig sein konnten.“ Die Produzenten freuten sich, dass der Regisseur bei seinem ersten Kinofilm sowohl den Zeitplan als auch das Budget einhielt. „Er war mit vollem Herzblut dabei und perfekt vorbereitet“, sagt Produzent Martin Richter. „Man merkt, dass er viele Jahre auf eine Chance gewartet hat, solch einen Film zu drehen, und diese Chance jetzt optimal genutzt hat.“ Musik ist Trumpf Im Schneideraum folgte, was Produzent Christian Becker als „Schnittgewitter“ beschreibt: Gemeinsam mit den Cuttern Georg Söring und Ueli Christen montierte Matthias Kutschmann Filmbilder aus drei Zeitebenen und 110 Drehorten, Dokumaterial aus dem Bochumer Stadtarchiv und historische Fernsehbilder. Hinzu kam einer der aufwendigsten und teuersten Soundtracks in der Geschichte der Produktionsfirmen Westside und Rat Pack. Über 80 Music Cues mussten hergestellt und 45 Originalrechte geklärt werden, um den außergewöhnlichen Soundtrack zu vollenden. „Das entspricht ungefähr dem Aufwand, den man sonst für drei Kinofilme betreibt“, sagt Matthias Kutschmann und spricht rückblickend von einer „kompositorischen, rechtlichen, finanziellen und dramaturgischen Tour de Force.“ Music Supervisor Klaus Frers von der Firma Daydream und sein Kollege Thomas Binar entwickelten gemeinsam mit Matthias Kutschmann eine Collage aus Big-Band-Sounds der 60er Jahre und Hits der 80er, was sowohl die Neue Deutsche Welle, R&B, Funk und Pop als auch Papas Schlagerhits umfasst. „RADIO HEIMAT war in jeder Hinsicht ein extrem intensives Soundtrack-Projekt, an dem wir über ein Jahr entwickelt haben“, sagt Klaus Frers und bezeichnet die Entwicklung und Umsetzung des Musikkonzeptes als das umfangreichste Projekt seiner Laufbahn, in der er mehr als 200 Kino- und Fernsehproduktionen betreut hat. Klaus Frers holte den Musikproduzenten Riad Abdel-Nabi ins Team: Ergänzend zu den fertigen Stücken komponierten er und sein Team orchestrale Stücke und ließen sie von einem Orchester spielen. In Abdel-Nabis Heiatstadt Amsterdam wurde für den Film extra eine Big Band zusammengestellt. „Wir haben uns bei den Aufnahmen am lauschigen BigBand-Sound von Bert Kaempfert orientiert, dessen charakteristische Musik früher im ganzen Sektor vor Sportsendungen und Nachrichten des WDR lief, und wir sind sehr stolz, dass wir so viele original Kaempfert-Melodien im Film haben“, sagt Christian Becker. Anders als im Buch „Radio Heimat“ hört der junge Frank im Film nicht Platten von Bob Dylan, sondern von James Brown. „Dass wir auf Dylan verzichtet haben, war nicht nur eine Frage des Preises“, sagt Matthias Kutschmann. „Die Stücke hätten Frank auch zu nerdig erscheinen lassen.“ Dagegen freut sich Matthias Kutschmann, dass „Dreams are my reality“, der Fetenhit schlechthin aus dem französischen Erfolgsfilm LA BOUM – DIE FETE (1980) seinen Weg in den Soundtrack von RADIO HEIMAT gefunden hat, genau wie Bata Illics Schlager „Michaela“ oder Stücke der Neuen Deutschen Welle, denen Frank Goosen „eine Menge Witz und Ironie“ zuspricht: „Damals ist die deutsche Popmusik erwachsen geworden – mit dem Umweg, sich noch einmal komplett zu infantilisieren.“ Antiautoritäre Verfilmung Nicht nur die Musik wird dafür sorgen, dass auch Zuschauer außerhalb des Ruhrgebiets von RADIO HEIMAT begeistert sein werden. „Es ist eine tolle Coming of Age-Geschichte mit einer witzig-nostalgischen Betrachtung des Deutschlands der 60er und 80er Jahre“, sagt Produzent Martin Richter. Auch Frank Goosen war nach einer Privatvorführung, die in seinem Kellerkino in Bochum stattfand, beeindruckt: „RADIO HEIMAT ist ein sehr witziger, knalliger Film, der ein modernes Tempo hat, obwohl er eine Geschichte erzählt, die in grauer Vorzeit spielt, nämlich in den 80er Jahren. Wer schräge Klamotten und schräge Typen sehen will, der kommt an diesem Film nicht vorbei.“ Neben älteren Zuschauern, die sich an ihre eigene Jugendzeit erinnern werden, empfiehlt der Autor den Film auch der jüngeren Generation: „Teenager können mit der Erkenntnis aus dem Kino gehen: Guck’ mal, unsere Eltern waren damals genau so bescheuert wie wir heute 17

sind. Das könnte im günstigsten Fall dazu führen, dass die Autorität der Eltern ein bisschen untergraben wird. Das finde ich – als Vater zweier Jungs, die 15 und 13 Jahre alt sind – besonders gut.“

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INTERVIEW MIT REGISSEUR MATTHIAS KUTSCHMANN Was hat Sie bewegt, einen Film im Ruhrgebiet und über das Ruhrgebiet zu drehen? Ich fand es schade, dass das unglaubliche Potenzial des Ruhrgebiets seit knapp 15 Jahren nicht mehr genutzt wurde. Adolf Winkelmann hat in den 80er Jahren seine RuhrgebietsTrilogie begonnen, Peter Thorwarth drehte ab den 90ern seine Unna-Trilogie, sparte darin aber bewusst die Zechen aus. Ein Ruhrgebiets-Film kann alles bieten, was die britischen Arbeiterkomödien so großartig macht. Da geht es um große Probleme, die aber mit Freundschaft und einer ganz besonderen Art von Humor gelöst werden können. Adolf Winkelmann und Peter Thorwarth sind Co-Produzenten von RADIO HEIMAT... Das macht mich besonders stolz. Das ist so, als ob sie mir den Staffelstab in die Hand drücken, damit ich jetzt meine eigene Ruhrgebiets-Trilogie drehen kann. Mit Adolf Winkelmann verbindet mich übrigens, dass ich durch seine NORDKURVE den ersten praktischen Filmkontakt hatte. In einer Szene stand ich als Statist in einer Dortmunder Unterführung und hielt eine Bierdose in der Hand. RADIO HEIMAT ist Ihr erster Kinofilm. Dank der Starbesetzung und des hohen Budgets wirkt er aber gar nicht wie ein klassischer Debütfilm. Wie kamen Sie zu diesem Großprojekt Ich hatte mit Produzent Martin Richter drei Drehbücher über vier Jahre entwickelt. Als er seine frühere Produktionsfirma verließ und zu Christian Beckers Westside und Rat Pack ging, nahm er unsere Stoffe mit. Irgendwann sagte Christian Becker: Du kommst doch aus dem Pott, mach’ doch mal ein Drehbuch aus Frank Goosens „Radio Heimat“. Wie haben Sie reagiert? Ich muss gestehen, dass ich anfangs Schwierigkeiten mit Frank Goosens Humor hatte, also in Bezug darauf, einen Kinofilm aus seinen Büchern zu machen. Er baut oft eine schöne Geschichte auf und beendet sie dann mit Sätzen wie „Drei Monate später war Tante Henni tot.“ Daraus eine schnelle Komödie zu machen, konnte ich mir nicht so recht vorstellen. Hinzu kam, dass die Hauptfiguren nur in einem Viertel der Kurzgeschichten vorkamen. Wollten Sie das Filmprojekt absagen? Christian Becker blieb beharrlich, was ja seine große Qualität ist und ihn so erfolgreich macht. Deshalb nahm ich auch Geschichten und Sidekicks aus Frank Goosens Buch „Mein Ich und sein Leben“ hinzu und entwarf eine erste Handlung: Vier Jungs, die mitten in der Pubertät sind, mitten in den 80ern und mitten im Pott leben, suchen die erste Liebe und den ersten Sex. Dabei orientieren sie sich daran, wie sich ihre Eltern in den 60ern kennengelernt haben. Als Filmwissenschaftler kam mir dann noch eine Szene aus Truffauts SCHIESSEN SIE AUF DEN PIANISTEN in den Sinn. Da gibt es einen schnellen Schnitt auf eine Frau, die plötzlich tot umfällt, danach geht die Szene ganz normal weiter. So temporeich und überraschend wollte ich auch einen Satz wie „Drei Monate später war Tante Henni tot“ in RADIO HEIMAT einbauen. Die Szene gab es am Ende gar nicht, aber endlich wusste ich, was ich wollte. Wie lang haben Sie am Drehbuch gearbeitet? Das ging wahnsinnig schnell. Die erste Fassung war schon nach drei Wochen fertig, aber ich stand vor einem großen Problem. Meine Hauptfigur ist zugleich der Erzähler, obwohl ich in Filmen gar kein „Voice over“ mag. Meist werden damit dramaturgische Schwächen kaschiert. Bei RADIO HEIMAT empfand ich den Erzähler aber als probates Mittel, weil ein erwachsener Mann auf seine Pubertät zurückblickt. Ich wollte auch möglichst viele Passagen aus Frank Goosens Büchern wortgetreu übernehmen. Nicht aus Faulheit, sondern weil sie sehr pointiert geschrieben sind. Was können Zuschauer, die nicht aus dem Ruhrgebiet stammen, einem Film wie RADIO HEIMAT abgewinnen? Sehr viel. Die Hauptthemen des Films sind ja die Pubertät und die 80er Jahre. Dass die 19

Geschichte in einer bestimmten Region spielt, liegt an der Buchvorlage. Und obwohl wir die erste Garde der Ruhrgebiets-Schauspieler verpflichten konnten, habe ich darauf bestanden, dass wir nicht zu sehr pötteln. Zum einen soll der Humor in ganz Deutschland verstanden werden, zum anderen wollte ich mich nicht zu sehr in Klischees sudeln. Wie haben Sie es geschafft, viele große Namen für kleine Rollen vor die Kamera zu holen? Ich habe freundliche Mails verschickt, notfalls auch mehrseitige handgeschriebene Briefe. Es war mir wichtig, alle Schauspieler, die man sofort mit dem Ruhrgebiet in Verbindung bringt, dabei zu haben. Einige der ganz Großen sind leider schon von uns gegangen, zum Beispiel Diether Krebs und Tana Schanzara. Am Ende ist es uns gelungen, fast alle zu bekommen, die wir haben wollten. Nur bei Dietmar Bär passte es terminlich nicht und der kürzlich verstorbene Götz George wollte damals schon keine Rollenangebote mehr annehmen. Wir haben jetzt ein Ensemble aus gestandenen Schauspielern, Kabarettisten wie Uwe Lyko und großartigen Newcomern. Ein humoristisches Kaleidoskop aus Typen und Tonalitäten mit 50 Darstellern, die ich durch 110 Locations gejagt habe. Das war ein logistischer Wahnsinn. Wie haben Sie die jungen Hauptdarsteller auf die filmische Zeitreise in die 80er vorbereitet? Ich habe sie in die Tanzschule geschickt, damit sie wissen, was meine Generation damals unter Tanzen verstanden hat. Sie haben die ganzen Auswüchse der Neuen Deutschen Welle und der Modeindustrie damals ja nicht miterlebt. Es ist in mancher Hinsicht leichter, einen Film über die 30er Jahre zu drehen als einen Film über die 80er. Die Zuschauer in meinem Alter würden jeden Fehler sofort bemerken. Das fängt bei Getränkedosen an, deren Verschlüsse man damals nicht eindrücken musste, sondern die man abzog und wegwarf. Wir haben extra Dosen aus Japan importiert und sie umlackiert, damit wir sie im Film verwenden konnten. Sie absolvieren in RADIO HEIMAT einen Kurzauftritt als Spülis Vater. Hat sich der Maskenbildner an Ihnen austoben dürfen? Er wollte mir eine Dauerwelle machen, aber ich habe es bei längeren Haaren und einem Bart belassen. Für die Dauer der Dreharbeiten mussten alle mit Scheiß-Frisuren rumlaufen, daher fand ich es okay, dass ich auch eine Scheiß-Frisur habe. Den Bart habe ich dann aber abrasiert, um mein Sexualleben nicht zu gefährden. Fühlten Sie sich auch als Vater der Kompanie? Ja, das bleibt nicht aus. Im Vorfeld habe ich den jungen Schauspielern, obwohl sie volljährig sind, sogar ein Briefing gegeben, dass sie bitte, bitte für die Dauer der Dreharbeiten keine Beziehungen untereinander anfangen sollen: Lasst bitte die Finger bei Euch! Das ist kein Urlaub, sondern harte Arbeit, bei der Testosteron und Östrogen nur hinderlich sind. Ich glaube, sie haben das verstanden. Beim ersten Fest trugen dann alle ein Team-T-Shirt, auf dem „Don’t fuck the crew!“ stand. Ich bekam eine Sonderedition mit „Don’t fuck my crew!“ Und der Kameramann Gerhard Schirlo erhielt ein T-Shirt mit dem Aufdruck „I fuck the crew!“ Das hat mir gezeigt, dass die Jugendlichen echt Humor haben. Im Abspann von RADIO HEIMAT danken Sie Ihrem verstorbenen Vater. Wie hat er sich direkt oder indirekt um den Film verdient gemacht? Er hat mir seinen väterlichen Segen gegeben, als ich die künstlerische Laufbahn einschlagen wollte. Ich komme aus einer klassischen Ruhrpottfamilie, in der keiner was mit Kunst zu tun hatte. Das Maximum an Unangepasstheit war, dass mein Vater im Alter von 30 Jahren seinen Job als Diplomingenieur bei Hoesch aufgab und Lehrer wurde. Das machte ihn zum Outlaw, weil die anderen meinten, er wolle was Besseres sein. Als ich dann Film-, Literaturund Theaterwissenschaft studieren wollte, sagte mein Vater nur: „Okay, du machst das schon richtig.“ Leider ist er vor 16 Jahren an Krebs gestorben und hat meine richtigen Anfänge beim Film nicht mehr miterlebt. Inwieweit war der Rest Ihrer Familie typisch für das Ruhrgebiet? Mein Oppa und Onkel Friedrich waren beim Stahlwerk Hoesch, zwei Onkel mütterlicherseits 20

waren Bierkutscher bei DAB und Union, aber nicht mehr mit dem Pferdchen, sondern mit dem LK. Mein Großonkel mütterlicherseits arbeitete unter Tage und wurde mal verschüttet, konnte aber befreit werden. Während der Dreharbeiten trug ich seine goldene Uhr, die er für 25 Jahre treue Dienste erhalten hatte. Die Uhr ist kaputt, aber durch die Körperwärme und Bewegung hat sich der Zeiger im Laufe der Wochen weiterbewegt. Von zehn nach elf auf zwölf. RADIO HEIMAT ist der Auftakt zu Ihrer persönlichen Ruhrgebiets-Trilogie. Welche Filme sollen noch folgen? FLIEGENFISCHEN handelt von Männern in der Midlife Crisis. SPÄTE VÖGEL handelt von einem jungen Musiker, der zur Schließung der letzten Zeche im Jahr 2018 eine Big Band aus ergrauten Zechenkumpeln zusammenbringen muss. Es geht um Freundschaft und Liebe, um Musik und Humor, um das Ruhrgebiet von gestern und heute. Anstatt nach Berlin oder München zu gehen, sollten lieber viel mehr Filmemacher im Ruhrgebiet bleiben und Filme über den Pott drehen. Ich finde es wichtig, dort zu arbeiten, wo man seine Wurzeln hat. In meinem Fall hat das wunderbar geklappt.

INTERVIEW MIT BUCHAUTOR FRANK GOOSEN Als Sie vor gut sechs Jahren RADIO HEIMAT schrieben, schoss da mal der Gedanke „Bald wird das alles verfilmt“ durch Ihren Kopf? Auf keinen Fall. Das ist kein durchgehender Roman, an dessen Plot sich ein Drehbuchautor entlanghangeln kann. Zumal Matthias Kutschmann ja auch noch Kurzgeschichten aus „Mein Ich und sein Leben“ eingebaut hat. Das war eine enorme Fleißarbeit, alle Verbindungen zwischen den Figuren und Geschichten herauszufinden. Ich glaube, er kennt meine Bücher jetzt besser als ich. Gab es mal die Überlegung, dass Sie am Drehbuch mitarbeiten? Nein, weil ich das nicht kann. Das Drehbuch war schon sehr weit, als ich mich zum ersten Mal mit Matthias Kutschmann traf. Anfangs war ich sehr skeptisch, ob sich meine kabarettistischen Texte so einfach in eine Coming of Age-Geschichte einbinden lassen. Aber nachdem ich den Film gesehen habe, muss ich sagen: Das hat er sehr gut hinbekommen. Wo haben Sie RADIO HEIMAT zum ersten Mal gesehen? Wir haben den Film bei mir zu Hause im Keller geguckt. Da habe ich einen Beamer mit Surround-Anlage für die Auswärtsspiele des VfL Bochum. Jetzt dachte ich, Matthias, der alte Technik-Fuchs als Regisseur, kommt mit allem, was wir brauchen. Er hatte aber nur seinen Laptop dabei. Es dauerte anderthalb Stunden, bis ich den Film über den Beamer streamen konnte. Dieser Nachmittag war für uns beide sehr merkwürdig. Wir hatten beide Bammel, dass mir der Film nicht gefallen könnte. Am Ende war die Sorge aber unberechtigt. Nur so viel: Matthias kam um 15 Uhr und ging erst um 23:15 Uhr. Nach langer Durststrecke kommen 2016 gleich zwei neue Ruhrgebiets-Filme ins Kino: RADIO HEIMAT und Adolf Winkelmanns JUNGES LICHT. Wie kommt es zu diesem plötzlichen Film-Revival der Region? In den 80ern gab es eine Phase von Filmen wie DIE ABFAHRER, JEDE MENGE KOHLE und THEO GEGEN DEN REST DER WELT. Da war das Ruhrgebiet kurz davor, richtig cool zu werden. Doch dann fiel die Mauer und Berlin übte auf die Filmemacher eine größere Anziehungskraft aus. Jetzt ist das Thema abgegrast und ich hoffe, dass wieder verstärkt Geschichten erzählt werden, die man im Ruhrgebiet nur von der Straße aufheben muss. Was qualifiziert das Ruhrgebiet als Schauplatz für einen Film? Die Schauplätze sind nicht so stark abgefilmt wie in Berlin, Köln oder München und es lassen sich Geschichten voller Brüche erzählen. 2018 schließt die letzte Zeche im 21

Ruhrgebiet. Dann geht hier eine fast 200-jährige Geschichte der Steinkohleförderung zu Ende. Die Region hat sich in relativ kurzer Zeit immer wieder verändert, was zwangsläufig zu einer Verunsicherung der Menschen führt. Daraus ergeben sich tolle Geschichten. Ich wünsche mir einen Film über das Ruhrgebiet der Gegenwart, vergleichbar mit OH BOY, der 2012 in Berlin spielte. Auf eine Tragikomödie, die ein Wochenende lang ein paar Typen zwischen 20 und 30 durch das Ruhrgebiet begleitet, wäre ich echt scharf. RADIO HEIMAT greift Ihre eigene Jugend im Ruhrgebiet der 80er Jahre auf. Wären Sie heute gern noch mal Teenager? Der große Wunsch ist ja immer, diese Zeit noch einmal durchzumachen, aber mit dem Wissen von heute. Diese Sentimentalität haben wir, glaube ich, alle. Aber es führt kein Weg zurück. Haben es Pubertierende heute schwerer als in den 80er Jahren? Die haben es vielleicht ein bisschen schwerer, weil ihre Eltern so viel Zeit und Verständnis für sie haben. Meinem Vater war das nicht möglich. Das war kein Desinteresse, sondern er hat sich einfach den Arsch abgearbeitet. Dadurch war ich oft auf mich gestellt, was aber auch heißt, dass ich gut allein klarkomme. Als Einzelkind sowieso. Ich denke, dass ich meinen Söhnen heute näher bin als es Vätern vor 30 Jahren möglich war. Aber ich halte nichts davon, der Freund meiner Kinder zu sein. Freunde kommen und gehen. Ich bin was Besseres. Mich werden sie immer haben, im Guten wie im Schlechten. Ihre Söhne sind 13 und 15 Jahre alt. Können Sie sich vorstellen, dass einer der beiden später mal Autor wird und über seine Jugend in den Nuller-Jahren schreibt, die dann mit der Jugend des eigenen Vaters in den 80ern kontrastiert wird? Das fände ich super. Ich habe selber schon mal über eine Geschichte nachgedacht, in der ich mich durch die Augen meiner Kinder sehe. Was da wohl für Sätze fallen, wenn sie oben hocken und über mich reden? Das fände ich spannend. Geben Sie Ihren Söhnen heute die Tipps, die Sie sich früher bei Ihrem Vater geholt haben? Ich habe mir die Tipps nicht geholt, die wurden mir aufgedrängt. Wenn meine Eltern mir damals erklären wollten, wie ich an ein Mädchen rankomme, dann fand ich das schlimm. Eltern sollen da sein, wenn es richtig schief läuft. Aber sie sollen sich aus Beziehungskisten und Partys raushalten! Ich bin schon sehr gespannt auf die Zeit, wenn es bei meinen Jungs losgeht. Ich sage denen: Wenn ihr Party macht, muss es hinterher wieder so aussehen wie vorher. Was dazwischen passiert, ist mir egal, solange es keine Toten gibt. Sind Sie Ihren Eltern trotz allem rückblickend dankbar? Ja, denn meine Eltern haben mich mit sehr viel Vertrauen großgezogen. Als meine erste Freundin für ein Jahr in die USA ging, haben sie für den letzten Abend die Wohnung geräumt, damit wir unsere Ruhe hatten. Das fand ich irre und habe auch daraus gelernt, dass ich dieses Vertrauen nicht enttäuschen darf. Anders als meinen Eltern standen mir alle Wege offen. Ich durfte aufs Gymnasium, obwohl das damals noch Geld kostete, Abi machen und studieren. Ich bin ein Profiteur des Strukturwandels in NRW auf allen Ebenen. Wie kann RADIO HEIMAT, der mitten in den 80ern und mitten im Pott spielt, Zuschauer aus anderen Bundesländern und jüngere Altersgruppen ins Kino locken? Die Coming of Age-Geschichte ist universell, die funktioniert überall in Deutschland. Und die Mode und Musik der 80er wirkt auf das heutige Publikum in positivem Sinne schräg. Als ich in den 70er und 80er Jahren aufwuchs, habe ich mich auch für die Mode der 50er und 60er interessiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass jüngere Zuschauer sich gern angucken, wie ihre Eltern damals ausgesehen haben. Das ist wie „Unsere Mütter, unsere Väter“, nur aufs Ruhrgebiet gemünzt. Meine Söhne gucken immer kariert, wenn ich ihnen meine Fotos von damals zeige. Für junge Leute stecken viele Schauwerte in RADIO HEIMAT. Im Aufsichtsrat des VfL Bochum bestimmen Sie die Geschicke Ihres Lieblingsvereins mit. In Ihren Büchern und Kabarettprogrammen spielt der Fußball eine große Rolle. Warum gibt es 22

eigentlich kaum einen erfolgreichen Fußballfilm? Es ist irrsinnig schwer, die Dramatik eines Fußballspiels in einem Film abzubilden. Sönke Wortmann hat das in DAS WUNDER VON BERN ganz gut gelöst, indem er die Rollen mit Fußballern besetzt hat. Man sollte mal einen Film drehen über den Druck, der auf jungen Profispielern lastet. Wenn die sich wie normale 18-Jährige verhalten, also saufen, in die Beete kotzen oder Laternen austreten, wird das heute sofort im Internet breitgetreten und von Leuten kritisiert, die keine Ahnung haben, was es heißt, Profifußballer zu sein. Diesen Konflikt in einen großen literarischen Fußballroman zu überführen, ist eine Herausforderung, der ich mich noch stellen möchte. Man kann nämlich mittels Fußball unheimlich viel über unsere Gesellschaft erzählen. Ob man daraus dann auch einen guten Film machen kann, steht auf einem anderen Blatt. Das könnte vielleicht ein Fußballfilm sein, der ohne eine einzige Fußballszene auskommt.

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DIE SCHAUSPIELER ÜBER DAS RUHRGEBIET Sandra Borgmann: „Eine Freundin hat mal gesagt: Wenn man aus dem Ruhrgebiet kommt, dann kann man überall hin. Die Leute haben diese Direktheit im Ton. Sie sagen, was sie denken, und reden nicht drumrum. Das gefällt mir.“ Elke Heidenreich: „Die Menschen im Ruhrgebiet sind authentisch. Die Berliner Schnauze ist oft frech, die Münchner sind etwas grantig, aber die Ruhrgebietler haben etwas Direktes in ihrer Sprache, das auch im Rest des Landes gut ankommt.“ Stephan Kampwirth: „Die Menschen im Ruhrgebiet sind geradlinig, ehrlich und unprätentiös. Das ist eine Mischung, die es anderswo in Deutschland nicht gibt. Der Charme ist rau, nicht so lieblich wie in Bayern. Mit dieser Kratzbürstigkeit muss man umgehen können. Einige Leute können das nicht. Aber ich finde das herrlich.“ Anja Kruse: „Der Charme des Ruhrgebiets ist die herzliche Direktheit der Menschen, die freche Schnauze, die trotzdem sehr liebevoll ist. Was sie sagen, meinen sie auch, aber immer mit einem kleinen Lächeln im Knopfloch. Die falsche Grammatik ist auf der einen Seite sicherlich ein bisschen asi, aber auf der anderen Seite auch erfrischend.“ Peter Lohmeyer: „Im Ruhrgebiet herrscht ein direkter Ton, aber man kann uns vertrauen. Wir meinen alles so, wie wir das sagen. Ich bin zwar im Sauerland geboren, aber im Ruhrgebiet aufgewachsen und meine Familie kommt von hier. Ich bin kein Zugezogener, sondern ein Ursprünglicher. Dann ist man so und bleibt so.“ Petra Nadolny: „Meine erste Station im Westen war das Ruhrgebiet. Das war bewusst gewählt. Mit dem Ruhrpott bringt man gleich den Kumpel in Verbindung. Nicht nur den Kumpel, der unter Tage fährt, sondern auch den Kumpel vom Herzen her. Das hat sich bestätigt.“ Ingo Naujoks: „Den Charme des Potts macht aus, dass der Pott eigentlich keinen Charme hat. Aber die Menschen im Ruhrgebiet haben eine gewisse Herzlichkeit. Früher mussten alle zusammenhalten, weil nie genug Geld da war. Die Männer gingen arbeiten, die Frauen haben sie beschützt, bekocht und beliebt. Das war eine Arbeitsgemeinschaft mit Herz.“ Peter Nottmeier: „In den 60er Jahren habe ich als Kind die Blütezeit in Wanne-Eickel erlebt, mitten im Herz des Ruhrgebiets. Ich liebe die Skurrilität der Leute. Die sind geradeaus, das schweißt sie zusammen.“ Ralf Richter: „Heimat ist da, wo die Familie ist. Deswegen ist das Ruhrgebiet meine Heimat. Ich komme aus Bochum und lebe jetzt in Köln. Da sind die Leute nicht so anders. Aber ich habe mal 20 Jahre in München gewohnt. Das war nicht meine Welt.“ Martin Semmelrogge: „Die Menschen im Ruhrgebiet sind authentisch. Die gehen nah an dich ran und haben keine Hemmungen. Es wird Zeit, dass wieder mehr Geschichten aus dem Ruhrgebiet erzählt werden.“

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DIE FILMEMACHER ÜBER DAS RUHRGEBIET Produzent Christian Becker: „Ich bin in Krefeld aufgewachsen, also im Randgebiet des Ruhrgebiets. Auf der einen Seite ist der Niederrhein, auf der anderen Seite ist man sofort in Duisburg. Nicht zuletzt durch die Tegtmeier-Platten meines Großvaters hatte ich immer einen starken Bezug zu den Menschen in den industriellen Gebieten vom Pott. Vor und nach dem Abi habe ich dort als Postbote gearbeitet und die Natürlichkeit der Leute kennen- und schätzen gelernt.“ Autor Frank Goosen: „Der Humor des Ruhrgebiets hat zu Recht den Ruf, sehr direkt zu sein. Das Leben und die Arbeit waren früher so hart, dass man das nur mit Humor ertragen konnte. Und so war der Ruhrgebietler auch immer in der Lage, große Weisheiten in kleine Sätze zu packen. Viele Sprüche, die in meinen Büchern vorkommen, sind genauso in meiner Familie gefallen. Fragte man Onkel Josef, wie er 60 Jahre mit Tante Henni zusammen sein konnte, sagte er: „Mit ‘ner anderen wär’ doch auch nicht besser.“ Das stimmt. Damit ließe sich die Scheidungsquote in Deutschland senken.“ Regisseur Matthias Kutschmann: „Der Bergarbeiter hat unter Tage sein Leben aufs Spiel gesetzt. Er wusste nie, ob er den Abend noch erleben wird. Dieser lakonische Aspekt hat auch den Humor im Ruhrgebiet nachhaltig geprägt. Die Menschen sind ruppig, aber liebevoll, und machen sich gern selbst zur Zielscheibe des Humors. Das sind Charaktereigenschaften, die ich ganz toll finde.“ Produzent Martin Richter: „Das Ruhrgebiet ist wahnsinnig authentisch und offen. Es wirkt ein bisschen rau, wenn man die Mentalität nicht kennt. Aber wenn man wie ich von außen kommt, fühlt man sich schnell wie zu Hause. Eine neue Ruhrgebiets-Komödie aus dem Arbeitermilieu war längst überfällig. Vielleicht gab es nicht den Regisseur, der das aus tiefstem Herzen machen wollte. Matthias Kutschmann kommt aus dem Ruhrgebiet und wohnt dort immer noch. Er ist auf dem besten Wege, für das Ruhrgebiet das zu werden, was Marcus H. Rosenmüller für Bayern ist.“

DIE SCHAUSPIELER

David Hugo Schmitz (Frank) David Hugo Schmitz wurde 1993 in Köln geboren. Seine Großmutter war die Schauspielerin Hannelore Lübeck, sein Großvater Hans Wolfgang Schmitz war Opernchordirektor an den städtischen Bühnen in Köln. Über seinen Fußballverein Fortuna Köln bekam er eine Hauptrolle in der Kinderserie „Torpiraten“ (2008). Durch Schauspielunterricht bei Juniorhouse in Köln spielte er erste Rollen in Isabel Prahls mehrfach ausgezeichnetem Kurzfilm „Ausreichend“ (2011) und in der RTL-Serie „Der Lehrer“ (2012). In Michael Antons US-Thriller BAD TRIP (2014) und Aleksej Jovanoskis preisgekröntem Kinofilm HEY (2015) spielte er seine ersten Hauptrollen. Seit 2016 studiert David Hugo Schmitz Schauspiel an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf. Zuletzt stand er für die Kinofilme 1000 ARTEN, DEN REGEN ZU BESCHREIBEN (2016) und MONSTER (2016) vor der Kamera. Außerdem schrieb und inszenierte er den Kurzfilm „Nino“ (2016), in dem er auch eine der Hauptrollen spielte. Der Film lief auf internationalen Festivals und wurde ausgezeichnet. David Hugo Schmitz’ Traum ist es, seine Leidenschaft für Fußball, die er zugunsten der Schauspielerei zurückgestellt hat, irgendwann mit einem Filmprojekt verbinden zu können.

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Jan Bülow (Pommes) Jan Bülow wurde 1996 in Berlin geboren. Seit 2015 besucht er die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Im Jugendtheater des Deutschen Theaters spielte er die Titelrolle in Ulli Jäckles Inszenierung von „Odyssee nach Homer“ (2011). Für Barbara Otts Kurzfilm „Sunny“ (2012) stand er erstmals vor der Kamera, es folgten Rollen in Andreas Senns Fernsehfilm „Kein Entkommen“ (2013), Matthias Schweighöfers Komödie DER NANNY (2014), Carolina Hellsgårds WANJA (2014), Stefan Schallers „Aus der Haut“ (2014) und Gabriela Zerhaus „Nacht der Angst“ (2015). Hauke Petersen (Spüli) Hauke Petersen wurde 1996 in Berlin geboren. Ab 2011 stand er im Jugendclub des Hans Otto Theaters in Potsdam auf der Bühne, unter anderem in Remo Philipps Inszenierungen „Atemlos“, „Die letzte Reise“ und „Geld darf nicht nötig sein“. 2014 spielte er auch im Jugendclub der Schaubühne Berlin. 2013 gehörte er zum Ensemble von Brigitte Maria Mayers Filmexperiment JESUS CRIES, es folgten Rollen in Carolina Hellsgårds WANJA (2014), in der RTL-Serie „Der Lehrer“ (2014), Elie Chouraquis URSPRUNG DER GEWALT (2014), Gregor Schnitzlers „Mein Sohn Helen“ (2014), Marc Brummunds „Der Grieche – Trojanische Pferde“ (2015) und Alain Gsponers JUGEND OHNE GOTT (2016). Aktuell studiert Hauke Petersen Schauspiel an der Otto Falckenberg Schule. Maximilian Mundt (Mücke) Maximilian Mundt wurde 1996 in Hamburg geboren. Früh entdeckte er seine Leidenschaft für Fotografie, die sich bis heute in phantasievollen Bildern äußert. 2015 gewann er den Deutschen Jugendfotopreis (Altersgruppe 16 bis 20 Jahre). Passend zum Jahresthema „Mein Deutschland“ fotografierte er sich unter anderem als Angela Merkel und die Brüder Grimm. Seit 2012 nimmt er Schauspielunterricht in Hamburg. Er spielte Episodenrollen in den Serien „Notruf Hafenkante“ (2012), „Die Pfefferkörner“ und „Großstadtrevier“ (2016) und steht regelmäßig auf der Bühne des Thalia Theaters in Hamburg. Zuletzt spielte Maximilian Mundt eine Nebenrolle in Ute Wielands Kinofilm TIGERMILCH (2016) und die männliche Hauptrolle in David Thibauts Kurzfilm „Hiatus“ (2016).

Milena Tscharntke (Carola Rösler) Milena Tscharnke wurde 1996 in Hamburg geboren. Ihre erste Rolle spielte die Tochter der Schauspielerin Andrea Lüdke 2004 in „Stubbe – Von Fall zu Fall: Tödliches Schweigen“. Bekannt wurde sie zunächst einem jungen Publikum durch ihre Rolle als Anastasia in den Kika-Serien „Bernd das Brot“ (2007-2009) und „Sturmfrei“ (2011- 2013). Ihre erste Kinorolle spielte sie 2009 in DIE WILDEN HÜHNER UND DAS LEBEN. 2010 folgte ein Part in der Romanverfilmung DSCHUNGELKIND. 2014 machte Milena Tscharntke das Abitur. Seither arbeitet sie als freischaffende Schauspielerin, ist Mitglied der Jugendtheatergruppe Reset am Hamburger Thalia Theater und übernahm die weibliche Hauptrolle in der Kinokomödie BRUDER VOR LUDER (2015). Bei den Bad Hersfelder Festspielen 2016 war sie auf der Theaterbühne zu sehen. In Dieter Wedels „Hexenjagd“ spielte sie die vom Intendanten neu ins Stück geschriebene Tochter Ingersolls, in Franziska Reichenbachers Kinderstück „Die Goldene Gans“ war sie die Prinzessin, die nicht lachen kann.

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Marie Bloching (Nicole) Marie Bloching wurde 1996 in Garmisch-Partenkirchen geboren. Als Teenager gab sie ihr Filmdebüt in Christian Herzers Kurzfilm „Stran9ers in the ni9ht“ (2010), danach spielte sie an der Seite von Sophie von Kessel und Friedrich von Thun in Rainer Kaufmanns Fernsehdrama „Das Beste aller Leben“ (2015). Seit 2016 studiert Marie Bloching an der Otto Falckenberg Schule. Zuletzt spielte sie an der Seite von RADIO HEIMAT-Filmpartner Maximilian Mundt die weibliche Hauptrolle in David Thibauts Kurzfilm „Hiatus“ (2016). Rouven Israel (Matze Danner) Rouven Israel wurde 1994 in Karlsruhe geboren. Er besuchte von 2013 bis 2015 die First Take Schauspielakademie in Köln und nahm 2015 an einem Workshop am Giles Foreman Centre for Acting in London teil. In der dritten und vierten Staffel der RTL-Serie „Der Lehrer“ gehörte er als Schüler Ludger zum festen Ensemble. In der Vox-Serie „Club der roten Bänder“ (2015) spielte er die durchgehende Rolle des Marvin. Im Fernsehfilm „Matthiesens Töchter“ (2016) war er als Enkel des verschuldeten Alkoholikers Matthiesen (Matthias Habich) zu sehen. Der Wahl-Kölner spielte zuletzt auch extreme Episodenrollen als ProblemJugendlicher in der ARD-Serie „Heiter bis tödlich: Hubert & Staller“ (2016) und als Hooligan in der ZDF-Serie „Notruf Hafenkante“ (2016). Stephan Kampwirth (Franks Vater) Stephan Kampwirth wurde 1967 im sauerländischen Arnsberg geboren. Er absolvierte von 1989 bis 1992 seine Ausbildung am Hamburgischen Schauspielstudio und gehörte zum Ensemble am Schillertheater Berlin, am Burgtheater Wien und an den Kammerspielen München. 1998 erhielt er den Bayerischen Kunstförderpreis im Bereich Darstellende Kunst. Er spielte Nebenrollen in Caroline Links Oscar®-prämierten Drama JENSEITS DER STILLE (1995), Hans-Christian Schmidts Thriller 23 – NICHTS IST SO WIE ES SCHEINT (1998), Bernd Eichingers Komödie DER GROSSE BAGAROZY (1998) und Hanno Hackforts Drama JUNIMOND (2001). Einem großen Fernsehpublikum wurde Stephan Kampwirth durch die Titelrolle im Mehrteiler „Ein unmöglicher Mann“ (2001) bekannt, basierend auf Amelie Frieds Roman „Der Mann von nebenan“. Es folgten Rollen in Christian Petzolds preisgekröntem Drama WOLFSBURG (2005) und in Adolf Winkelmanns vieldiskutiertem Fernsehzweiteiler „Contergan“ (2007). In seiner Wahlheimat Hamburg gehört Kampwirth seit 2007 zum Ensemble der Hamburger Kammerspiele, für seine dortige Leistung in „Wir lieben und wir wissen nichts“ gewann er 2013 den Rolf-Mares-Preis. In der selbstironischen ZDF-Serie „Lerchenberg“ spielt er seit 2013 die Rolle des Dr. Berthold Bode. 2014 drehte er mit Tom Schilling und Wotan Wilke Möhring den Cyberthriller WHO AM I – KEIN SYSTEM IST SICHER. Zuletzt gehörte Stephan Kampwirth zum Ensemble von Friedemann Fromms sechsteiliger Miniserie „Die Stadt und die Macht“ (2016). Außerdem spielte die männliche Hauptrolle in Johannes Schmids Liebesfilm AGNES, der Anfang 2016 auf dem Palm Springs International Film Festival, dem Filmfestival Max Ophüls und auf der Berlinale lief. In Adolf Winkelmanns JUNGES LICHT (2016) war er als Kumpel Herbert Lippek zu sehen. Sandra Borgmann (Franks Mutter) Sandra Borgmann wurde 1974 in Mülheim an der Ruhr geboren. Sie studierte von 1994 bis 1997 Schauspiel an der Folkwang Hochschule in Essen-Werden. Bekannt wurde sie durch die weibliche Hauptrolle im Skinhead-Drama OI!WARNING (2000) der Zwillingsbrüder Dominik und Benjamin Reding. Ihre Leistungen in der Kölner „Tatort“-Folge „Odins Rache“ 27

und im Fernsehfilm „Ein krasser Deal“ wurden 2004 mit einer Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis belohnt. Weitere Rollen spielte Sandra Borgmann in DIE BLUTHOCHZEIT (2005), FC VENUS – ANGRIFF IST DIE BESTE VERTEIDIGUNG (2006), „KDD – Kriminaldauerdienst“ (2007), DER BAADER MEINHOF KOMPLEX (2008), HIER KOMMT LOLA! (2010), LOLLIPOP MONSTER (2011), „Die LottoKönige“ (2012-2014), DAS KLEINE GESPENST (2013), SAPHIRBLAU (2014), VERFEHLUNG (2015) und „Sibel & Max“ (seit 2015). 2016 stand Sandra Borgmann unter Sönke Wortmanns Regie für die Frank-Goosen-Romanverfilmung SOMMERFEST vor der Kamera. Anja Kruse (Franks Omma) Anja Kruse wurde 1956 in Essen geboren und besuchte dort die Folkwang-Schule für Schauspiel und Gesang. Parallel zu ihrer Bühnenarbeit, unter anderem im Thalia Theater in Hamburg und im Theater des Westens in Berlin, begann ihre Kino- und Fernsehkarriere mit Michael Verhoevens Drama DIE WEISSE ROSE (1982) und dem ZDF-Mehrteiler „Die schöne Wilhelmine“ (1984). Für ihre Hauptrolle als Wilhelmine Gräfin von Lichtenau wurde sie als beste Nachwuchsschauspielerin mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Es folgten vielbeachtete Rollen in Fernseh-Dauerbrennern wie „Die Schwarzwaldklinik“ (1986) und „Forsthaus Falkenau“ (1990-1992). Neben ihrem umfangreichen Fernsehschaffen, das bis heute anhält, blieb Anja Kruse auch stets der Theaterbühne treu. So spielte sie von 2006 bis 2009 die Rolle der Mrs. Robinson in „Die Reifeprüfung“. Bei den Nibelungenfestspielen Worms wirkte sie 2012 unter Dieter Wedels Regie in „Das Vermögen des Herrn Süß“ mit. Seit 2015 ist sie mit dem erfolgreichen Boulevardstück „Der Vorname“ in vielen deutschen Theatern zu sehen. Ingo Naujoks (Franks Oppa) Ingo Naujoks wurde 1962 in Bochum geboren. Er begann seine Karriere als Mitglied der freien Theatergruppe Kohlenpott, bevor er sein eigenes Projekt Theatersyndikat Pavians Paten aus der Taufe hob. Die Gruppe beteiligte sich am Genokalypse-Projekt der Dortmunder Künstlerin Karin Kahlhofer. 1989 erhielt Ingo Naujoks den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und zugleich ein erstes festes Engagement am Schlosstheater Moers. Parallel war er Sänger der Punkband Fishbüro. In Detlev Bucks Kinokomödie KARNIGGELS (1991) spielte er den Autodieb Elle. Es folgten Rollen in Detlev Bucks WIR KÖNNEN AUCH ANDERS (1993), Doris Dörries KEINER LIEBT MICH (1994) und Jürgen Eggers HARALD – DER CHAOT AUS DEM ALL (1996), Jo Baiers Fernsehdreiteiler „Der Laden“ (1998), Rainer Kaufmanns KALT IST DER ABENDHAUCH (2000) und Robert Schwentkes TATTOO (2002). In der für Pro Sieben produzierten Actionserie „Die Straßen von Berlin“ spielte Ingo Naujoks von 1998 bis 2000 einen Undercover-Agenten an der Seite von Uwe Ochsenknecht, Hannes Jaenicke und Martin Semmelrogge. In der Sat.1-Serie „Anke“ spielte er von 1999 bis 2001 den Ex-Freund der Hauptdarstellerin Anke Engelke. Mit der Sat.1-Serie „Bewegte Männer“ (2003-2005) blieb er dem Comedy-Genre treu und gewann 2004 den Deutschen Comedypreis als Bester Schauspieler. In den vom Norddeutschen Rundfunk produzierten „Tatort“-Folgen spielte bis 2010 den Mitbewohner der Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler), den Krimiautor Martin Felser. Seit 2012 spielt Ingo Naujoks eine Hauptrolle in der ARD-Serie „Heiter bis tödlich: Morden im Norden“. Peter Nottmeier (Herr Hecker) Peter Nottmeier wurde 1958 in Wanne-Eickel geboren. Er absolvierte von 1980 bis 1984 eine Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum und spielte gleichzeitig in der Sitcom „6 Richtige“ (1983-1984). Es folgten Engagements an verschiedenen Stadt- und 28

Staatstheatern und für Tourneen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. In Sendungen wie dem „WWF Club“ interviewte er Gilbert Becaud, Joe Cocker, Elton John und andere internationale Stars. Als Reporter Harry Hackmann berichtete er für „Die große Klappe“ (1989-1991) über die Vorabendproduktionen der ARD. Peter Nottmeier war Juror in der RTL-Kultsendung „Die Gong-Show“ mit Götz Alsmann, bevor er Gründungsmitglied des ProSieben-Erfolgs „Switch“ wurde. Von 1997 bis 2000 entstanden vier Staffeln mit 65 Folgen, seit dem Neustart im Jahr 2006 wurden unter dem neuem Titel „Switch reloaded“ sechs weitere Staffeln mit 80 Folgen gedreht. Darin spielte er unter anderem Günther Netzer, Johannes B. Kerner, Peter Zwegat, Monk und Hebbät Schwackowiak. Das Ensemble erhielt den Deutschen Fernsehpreis, zwei Deutsche ComedyPreise und die goldene Romy aus Österreich. Das „Switch reloaded – Wetten, dass...?Spezial“ erhielt 2013 den Grimme-Preis. Zu Peter Nottmeiers weiteren Produktionen gehören „Rivalen der Rennbahn“ (1987), „Der Schattenmann“ (1995), „Tatort“ (2000), „Im Namen des Gesetzes“ (2004), „Der Staatsanwalt“ (2006), HENRY IV. (2009), „Krupp – Eine deutsche Familie“ (2009), „Hotel 13“ (2012) und ANTONIO IM WUNDERLAND (2016). Im Sommer 2016 spielte er bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg den Lord Castlepool in „Der Schatz im Silbersee“. Petra Nadolny (Frau Boelcke) Petra Nadolny wurde 1960 in Jarmen (Mecklenburg-Vorpommern) geboren. 1983 schloss sie ihr Studium an der Universität Leipzig als Journalistin ab und arbeitete beim „Börsenblatt für den Buchhandel“. Als sie 1985 ihre Ausreise in den Westen beantragte, erhielt sie Berufsverbot als Journalistin und gründete als Schauspielerin eine freie Theatergruppe in Leipzig. Ein Jahr vor dem Fall der Mauer verließ sie die DDR, ging nach NordrheinWestfalen und arbeitete weiter als Schauspielerin in freien Theatergruppen. Ihre Fernsehkarriere startete 1997 mit der ProSieben-Comedy-Reihe „Switch“, die 2006 mit der noch erfolgreicheren Reihe „Switch Reloaded“ fortgesetzt wurde. Petra Nadolny parodierte unter anderem Elke Heidenreich, Ursula von der Leyen und Nina Hagen. Das Ensemble erhielt den Deutschen Fernsehpreis, zwei Deutsche Comedy-Preise und die österreichische Romy. Für „Das große Wetten, dass..?-Spezial“ wurde das Ensemble 2013 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Im Kino war Petra Nadolny in SASCHA (2010), ROCK IT! (2010), EINE INSEL NAMENS UDO (2011) und BRUDER VOR LUDER (2015) zu sehen, außerdem spielte sie wiederkehrende Rollen in Fernsehserien, wie „Die LottoKönige“ (2012-2014), „Die Camper“ (2002-2005) und „Die Wachmänner“ (2003). Neben ihrer schauspielerischen Tätigkeit widmet sie sich dem Schreiben von Geschichten und Kolumnen. Bisher sind die Bücher „Alles Neiße, Oder?“ (2011) und „Heimat to go“ (2014) von ihr im Lübbe-Verlag erschienen. Jochen Nickel (Franks Onkel) Jochen Nickel wurde 1959 in Witten geboren. 1981 entdeckte er die Bühne für sich und war bis 1987 Mitglied der Gruppe Theaterpathologisches Institut in Hattingen und Lünen. Seinem Fernsehdebüt mit „Frühstück für Feinde“ (1988) folgten viele Rollen unter der Regie namhafter Regisseure, darunter in Roland Emmerichs MOON 44 (1989), Dominik Grafs SPIELER (1990), Peter Timms MANTA – DER FILM (1991), Doris Dörries HAPPY BIRTHDAY, TÜRKE (1991), Katja von Garniers ABGESCHMINKT! (1993), Joseph Vilsmaiers Filme STALINGRAD (1993), Adolf Winkelmanns NORDKURVE (1993), SCHLAFES BRUDER (1995) und COMEDIAN HARMONISTS (1997), Steven Spielbergs SCHINDLERS LISTE („Schindler’s List“, 1993), Peter Thorwarths Kurzfilm „Mafia, Pizza, Razzia“ (1997) und Thorwarths Kinodebüt BANG BOOM BANG – EIN TODSICHERES DING (1999), Peter Lichtefelds ZUGVÖGEL... EINMAL NACH INARI (1998), Sebastian Schippers ABSOLUTE GIGANTEN (1999) und Fatih Akins IM JULI (2000). In der jüngeren 29

Vergangenheit war Jochen Nickel in den „Tatort“-Folgen „Dicker als Wasser“ (2015) und „Kaltstart“ (2014) zu sehen, außerdem in Dennis Gansels Vampirfilm WIR SIND DIE NACHT (2010), in Wolfgang Groos’ VORSTADTKROKODILE 3 (2011), Eckhard Preuß’ BOCKSPRÜNGE (2013) und Mira Thiels Regiedebüt GUT ZU VÖGELN (2016). Uwe Lyko (Laberfürst) Uwe Lyko wurde 1954 in Duisburg-Neumühl geboren. Bevor seine Kunstfigur Herbert Knebel die Kabarettbühnen eroberte, war er Sänger der Polit-Punk-Band B1 und lernte dabei Mitglieder des späteren Affentheaters kennen. 1988 erfand er seinen Rentner aus EssenAltenessen und gründete Herbert Knebels Affentheater. 1993 entwickelte der Schlagzeuger Detlef Hinze die Figur „Trainer“, 1995 erfand Gitarrist Georg Göbel-Jakobi die Figur „Ozzi Ostermann“. Seit 1996 gehört Uwe Lyko neben Jürgen Becker und Wilfried Schmickler zur Stammbesetzung der WDR-Kabarettsendung „Mitternachtsspitzen“. In RADIO HEIMAT spielt Uwe Lyko erstmals eine größere Rolle in einem Kinofilm. Zuvor war er kurz als Herbert Knebel im Abspann von Peter Thorwarths WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT (2002) und als Galgenarbeiter im Helge-Schneider-Western TEXAS – DOC SNYDER HÄLT DIE WELT IN ATEM (1993) zu sehen. Peter Lohmeyer (Pommes’ Vater) Der Pfarrerssohn Peter Lohmeyer kam im Sauerland zur Welt und ist im Ruhrgebiet groß geworden. Nachdem er das Gymnasium in der zwölften Klasse abgebrochen hatte, besuchte er die Westfälische Schauspielschule in Bochum. Auch diese schloss er nicht ab, weil ihn Claus Peymann ans Bochumer Schauspielhaus engagierte. Seitdem hat sich der bekennende Schalke-Fan im Doppelpass zwischen Film, Fernsehen und Theater in die Champions League der deutschen Schauspielliga geschossen. Einige seiner wichtigsten „Spiele“ waren Dominik Grafs SPIELER (1990) und DER FELSEN (2002), Peter Lichtefelds ZUGVÖGEL... EINMAL NACH INARI (1998), Sönke Wortmanns DAS WUNDER VON BERN (2003), Lars Jessens AM TAG ALS BOBBY EWING STARB (2005), Nicole Weegmanns SCHENK MIR DEIN HERZ (2010) und Alain Gschponers HEIDI (2015). Für seine überdurchschnittlichen Leistungen wurde er unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis, dem Hofer Filmpreis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet, wozu es ohne sein ständiges Training an Theatern in Bochum, Wien, Berlin und Hamburg gar nicht gekommen wäre. Auch 2016 war die Bühne wieder sein zu Hause, ob an der Oper in Lyon, bei den Salzburger Festspielen oder wenn er mit Bukowski-Texten die Bühne rockt. Auch 2017 wird er wieder in Salzburg den Tod beim „Jedermann“ geben und musikalisch den deutschsprachigen Raum unsicher machen. Ralf Richter (Onkel Josef) Ralf Richter wurde 1957 in Essen geboren und wuchs in Bochum auf. Dort besuchte er die Westfälische Schauspielschule. Seine Rolle als Dieselmaat Frenssen in Wolfgang Petersens Kriegsdrama DAS BOOT (1981) machte ihn einem Millionen-Publikum bekannt. Seitdem zählt Ralf Richter zu den markantesten Darstellern des deutschen Films und spielte in vielbeachteten Produktionen wie der von Elke Heidenreich geschriebenen Serie „Tour de Ruhr“ (1981) und Klaus Emmerichs Bergarbeiter-Saga „Rote Erde“ (1983) mit. Mit jedem Film festigte Ralf Richter seinen Ruf als charmant-sprödes Ruhrgebiets-Original. Neben markanten Rollen in allen Teilen von Peter Thorwarths Unna-Trilogie (BANG BOOM BANG, WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT, GOLDENE ZEITEN) spielte er auch in Carl Schenkels ABWÄRTS (1984), Dominik Grafs DIE KATZE (1988), Manfred Stelzers SUPERSTAU (1991), Peter Timms MANTA – DER FILM (1991), Til Schweigers DER EISBÄR (1998), Tomy Wigands FUSSBALL IST UNSER LEBEN (2000), Oskar Roehlers 30

SUCK MY DICK (2001), Christian Ditters VORSTADTKROKODILE (2009) und Peter Thorwarths NICHT MEIN TAG (2013).

Elke Heidenreich (Tante Henni) Elke Heidenreich wuchs in Essen auf. Nach dem Abitur in Bonn studierte sie in den 60er Jahren in München, Hamburg und Berlin Germanistik und Religionswissenschaft. Seit 1970 ist sie als freie Autorin und Literaturkritikerin für Zeitungen, Magazine, Radio und Fernsehen tätig. 1976 erfand sie die Kunstfigur Else Stratmann, eine Metzgersgattin aus Wanne-Eickel, die über aktuelle Themen schwadroniert. Nach mehr als 4000 Beiträgen für die Radiosender WDR 2 und SWF 3, aber auch für Kleinkunstbühnen, Schallplatten und die ZDFBerichterstattung von Olympischen Spielen in Los Angeles und Seoul gab sie die Kunstfigur auf. Die sechsteilige Fernsehserie „Tour de Ruhr“, die Regisseur Reinhard Schwabenitzky nach Elke Heidenreichs Drehbuch inszenierte, war 1981 ein großer Erfolg im WDR. Im selben Jahr machte sie als Nachfolgerin von Alfred Biolek beim „Kölner Treff“ auf sich aufmerksam. Von 1984 bis 1987 moderierte sie beim SFB die Talkshow „Leute“ (1984-1987) und ab 1990 die ZDF-Gesprächsrunde „live“ mit Vize-Intendant Rudolf Radke. 1992 erschien Elke Heidenreichs literarisches Debüt, die Erzählsammlung „Kolonien der Liebe“. Das Buch wurde zum Bestseller, wie auch ihre späteren Bücher, darunter „Nero Corleone“ (1995), „Der Welt den Rücken“ (2001) und „Rudernde Hunde“ (mit Ehemann Bernd Schroeder, 2002). Von 2003 bis 2008 präsentierte Elke Heidenreich in der ZDFSendung „Lesen!“ ausgewählte Neuerscheinungen vom Buchmarkt. Ein weniger bekanntes Steckenpferd der Moderatorin und Autorin sind Opernlibretti, die sie seit 1998 unter anderem für die Kölner Kinderoper schreibt. Im Laufe ihrer Karriere wurde Elke Heidenreich mit vielen Preisen geehrt, darunter die Goldene Kamera, die Goldene Europa, der Medienpreis für Sprachkultur, der Offenbacher Literaturpreis, ein Bambi und der Adolf-Grimme-Preis.

Heinz Hoenig (Siggi) Heinz Hoenig wurde 1951 in Landsberg am Lech geboren und wuchs in Halingerode im Harz auf. Nach mehreren Berufen, unter anderem als Silberschmied und Streetworker in Berlin, schloss er sich John Allens Theatre of All Possibilities (TAP) an und ließ sich in den frühen 70er Jahren auf dessen Farm in Santa Fé, New Mexico, ausbilden. Zurück in Deutschland, spielte er am Grips-Theater unter der Regie von Helma Sanders-Brahms, die ihm auch sein Filmdebüt in UNTER DEM PFLASTER IST DER STRAND (1975) ermöglichte. In seiner Rolle als Funkmaat Hinrich in Wolfgang Petersens Kriegsfilm DAS BOOT (1981) wurde er einem großen Publikum bekannt. Dominik Graf besetzte ihn für seinen Thriller DIE KATZE (1987) und für den Kriminalfilm DIE SIEGER (1994), auch Dieter Wedel fand in seinen Fernsehmehrteilern stets eine markante Rolle für Heinz Hoenig: In „Der große Bellheim“ (1992) war er der skrupellose Spekulant Rottmann, in „Der Schattenmann“ (1996) ein frühpensionierter Polizist. Für diese Rolle erhielt Heinz Hoenig den Bayerischen Fernsehpreis und den Adolf-Grimme-Preis. Einen weiteren Adolf-Grimme-Preis und einen Bambi erhielt er für seine Rolle in Wedels Mehrteiler „Der König von St. Pauli“ (1998). In Wedels „Die Affäre Semmeling“ (2002) gab er den streitbaren Konkurrenten des Hamburger Bürgermeisters. Außerdem spielte Hoenig in Wedels Fernsehfilmen „Papa und Mama“ (2006) und „Gier“ (2012) sowie unter der Regie anderer namhafter Regisseure in Hark Bohms FÜR IMMER UND IMMER (1997), Mark Schlichters Fernsehfilm „Liebe und Verrat“ (2001), Sven Unterwalds Komödie 7 ZWERGE – MÄNNER ALLEIN IM WALD (2004), Christian Alvarts ANTIKÖRPER (2005), Ute Wielands FC VENUS – ANGRIFF IST DIE BESTE VERTEIDIGUNG (2006), Torsten C. Fischers „Romy“ (2009) und Petra K. Wagners 31

„Herbstkind“). Heinz Hoenig kehrte stets auf die Bühne zurück, zuletzt für Dieter Wedels Inszenierung von „Komödie der Irrungen“ bei den Bad Hersfelder Festspielen. Hans Werner Olm (Essener) Der in Bochum geborene Hans Werner Olm zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Comedians Deutschlands. Der zweifache Comedy-Preis-Gewinner kam mit Anfang 20 nach Berlin und sammelte dort seine ersten Erfahrungen als Musiker, Komiker und Parodist in einschlägigen Berliner Clubs. Es folgten Touren als Straßenmusiker quer durch Europa und Ausflüge als Redakteur und Radiomoderator. Bundesweit Aufmerksamkeit erreichte er 1978 in Rudi Carrells Show „Am laufendem Band“ und danach durch diversen Kino- und Fernsehformate. Die meisten kennen ihn aus „OLM!“ oder „OLM- unterwegs“ – seinen TV-Shows bei RTL und später ProSiebenSat1MediaAG. Mit seiner Parodie auf einen Autokäufer bei BMW schuf er mit dem Ausspruch „Hatta Klima? Hatta...!“ ein verbales Vermächtnis. Die in den Shows bekannt gewordenen Figuren, wie Luise Koschinsky, der Iff und Paul Schraada erfreuen sich bis heute durch Media-Plattformen wie YouTube einer zeitlosen Präsenz und Beliebtheit. Der Wahl-Berliner wirkt bundesweit als freier Künstler, Fotograf, Schauspieler, Entertainer und Geschäftsführer der Tonstark entertainment und production GmbH. Live zu erleben ist er in ausgewählten Clubs in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit seinem mittlerweile 22. Soloprogramm „Mach fertig“, als Erlebnislesung „Luise Koschinsky – ein Pullover voll Frau“ oder als Frontmann seiner Band Tonstark.

Martin Semmelrogge (Kumpel) Martin Semmelrogge wurde 1955 in Boll-Eckwälden im Landkreis Göppingen geboren. Sein Vater, der Schauspieler und Regisseur Willy Semmelrogge, führte ihn früh an die Medienbranche heran. So sprach Martin Semmelrogge mit zwölf Jahren Hörspiele beim Bayerischen Rundfunk und gab mit 16 Jahren sein Schauspieldebüt als Vatermörder in einer Folge des Krimis „Der Kommissar“. Der Durchbruch gelang ihm 1981 mit seiner Rolle als spitzbübischer Zweiter Wachoffizier in Wolfgang Petersens DAS BOOT. Steven Spielberg besetzte ihn als SS-Offizier Willi Riesenhuber in seinem Oscar®-prämierten Drama SCHINDLERS LISTE („Schindler’s List“, 1993). Während Martin Semmelrogge in vielen Filmen und Fernsehserien auf die Rolle des Kriminellen abonniert war, spielte er ab 1995 in der aufwendig produzierten ProSieben-Reihe „Die Straßen von Berlin“ einen Soko-Ermittler im Berliner Untergrund. Peter Thorwarth besetzte ihn 1999 in BANG BOOM BANG – EIN TODSICHERES DING als sympathischen Verlierer Schlucke. Außerdem spielte er Rollen in MANILA (2000), AGNES UND SEINE BRÜDER (2004), NEUES VOM WIXXER (2007) und in der Jugendbuchverfilmung DIE VORSTADTKROKODILE (2009), in deren Fernsehfassung er 1977 auch schon mitgewirkt hatte. Seit 2008 ist Martin Semmelrogge auf den Theaterbühnen präsent. In der Neuinszenierung der „Rocky Horror Show“ im Berliner Admiralspalast war er der deutsche Erzähler des ansonsten englischsprachigen Musicals. Im Sommer 2009 gab er sein Open-Air-Debüt bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg und spielte Colonel Brinkley. Im Sommer 2014 trat er bei den Karl-May-Festspielen in Elspe als Gangsterboss Weller in „Unter Geiern“ auf.

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DIE FILMEMACHER Matthias Kutschmann (Regie, Drehbuch) Matthias Kutschmann wurde 1970 in Dortmund geboren. Er studierte Film-, Fernseh- und Theaterwissenschaft sowie Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte an der RuhrUniversität Bochum und erhielt ein Film-Stipendium an der Faculty of Arts der University of Glasgow. Nach dem Magister-Abschluss im Jahr 1997 studierte er Regie an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Parallel zum Studium, das er 2002 mit Diplom abschloss, war er Produzent der kaliber 35 Filmproduktion und arbeitete als Regisseur und Autor für Kurzfilme, Serien und Imagefilme. Es folgten Stellen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit der Verbraucherzentrale NRW und als Pressereferent bei einer Rechtsdienstleister-Kette. Ab 2008 war Matthias Kutschmann Redakteur, Realisator und Schnittsupervisor bei Vox. Seit 2010 arbeitet er als freier Autor und Regisseur für verschiedene Produktionsfirmen. Er drehte die Kurzfilme „Bin weg – Lisa“ (1999, Publikumspreis Rüsselsheim, Prädikat „Wertvoll“), „Auf die Frauen, die Kunst und das, was wir lieben!“ (2000, Prädikat „Wertvoll“), „Reinstecken. Drücken.“ (2001), „Besser geht’s noch!“ (2001, Jurypreis Shorts Welcome), „Treuepunkte“ (2002), „Solo ohne Ende“ (2002, Publikumspreis beim Würzburger Filmfest, nominiert für den Max Ophüls Preis Saarbrücken, Festivalpremiere auf den Internationalen Hofer Filmtagen), die Dokumentation „Erregung öffentlichen Verständnisses“ (2006), „Das Wasser der Seseke“ (2010, Preis des Lippeverbandes/Kinofest Lünen), „Rettet die Aisbärn“ (2010) sowie die Dokumentationen „From Molecule to Patient“ (2012) und „Neuroalliance“ (2012). Als Kabarettist prägte er die Kunstfigur Horst Schulze Entrum. RADIO HEIMAT ist Matthias Kutschmanns Kinoregiedebüt. Frank Goosen (Romanvorlage) Frank Goosen wurde 1966 in Bochum geboren. Nach dem Abschluss des Studiums der Geschichte, Germanistik und Politik an der Ruhr-Universität-Bochum gründete er 1992 mit Jochen Malmsheimer das Duo Tresenlesen. Sie gewannen 1997 den vom WDR und 3sat gesponsorten „Prix Pantheon“ und 1998 den „Salzburger Stier“, einen der renommiertesten Kleinkunstpreise im deutschsprachigen Raum. Nach der Trennung des Duos im Jahr 2000 begann Frank Goosen eine Solokarriere als Kabarettist und Romanautor. Auf der Bühne und in seinen Büchern widmet er sich gern dem Ruhrgebiet, dem Fußball und den Befindlichkeiten seiner Generation. Sein Roman „liegen lernen“ wurde 2003 unter der Regie von Hendrik Handloegten mit Fabian Busch, Fritzi Haberland, Sophie Rois und Florian Lukas verfilmt. Aktuell dreht Sönke Wortmann SOMMERFEST nach Frank Goosens gleichnamigem Roman. Die Verfilmung seines Buches „So viel Zeit“ ist aktuell in Vorbereitung. Zuletzt erschien im Verlag Kiepenheuer & Witsch Frank Goosens neuer Roman „Förster, mein Förster“. Seit 2012 stellt der Autor in „Goosens Neue Bücher“ am Schauspielhaus Bochum in einer „Literatur-LateNight-Show“ gemeinsam mit Markus Henrik regelmäßig neue Bucherscheinungen vor. Im Oktober 2010 wurde Goosen mit großer Mehrheit in den Aufsichtsrat des VfL Bochum gewählt. Als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender lenkt er seitdem die Geschicke des Vereins mit. Seit 2007 veröffentlicht der Fußballfan Kolumnen und Essays im „Kicker“Magazin und in der Stadionzeitung des VfL Bochum, die zu jedem Heimspiel erscheint. Christian Becker (Produktion) Christian Becker wurde 1972 in Krefeld geboren. Nach mehrjähriger Arbeit in der Filmbranche begann er 1994 ein Studium an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film. Dort produzierte er circa 15 Kurzfilme, Werbespots und Dokumentationen, darunter Dennis Gansels „The Wrong Trip“ und „Living Dead“ sowie Peter Thorwarths „Was nicht passt, wird passend gemacht“ und „Mafia, Pizza, Razzia“. Darüber hinaus realisierte er den 33

Oscar®-prämierten Kurzfilm „Quiero Ser“ von Florian Gallenberger. 1997 gründete Christian Becker gemeinsam mit Thomas Häberle die Unternehmen Indigo Filmproduktion und Becker & Häberle Filmproduktion. Nach DAS PHANTOM, BANG BOOM BANG, WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT, KANAK ATTACK oder 7 DAYS TO LIVE gehörte Becker bereits im Jahr 2000 zu den zehn gefragtesten Produzenten der deutschen Filmwirtschaft. 2001 trennte er sich von seinen Unternehmen und der im Jahr zuvor ins Leben gerufenen F.A.M.E. AG und gründete mit der Constantin Film und einigen alten Weggefährten die RatPack und die Westside Filmproduktion. Es entstanden erfolgreiche Fernsehprojekte wie „Das Jesus Video“, zwei Staffeln der Serie „Was nicht passt, wird passend gemacht“, „Ratten 2 – Sie kommen wieder!“, „Die ProSieben Märchenstunde“ und „Die ProSieben Funny Movies“. Zudem produzierte er fürs Kino Helge Schneiders JAZZCLUB – DER FRÜHE VOGEL FÄNGT DEN WURM (2004) und Tobi Baumanns Kinohit DER WIXXER (2004), der es auf 1,9 Millionen Besucher brachte. Weiterhin zeichnete Christian Becker als Produzent u.a. von Peter Thorwarths Film GOLDENE ZEITEN (2004), den Kinohit HUI BUH – DAS SCHLOSSGESPENST (2006) von Sebastian Niemann oder NEUES VOM WIXXER (2007) von Cyrill Boss und Philipp Stennert verantwortlich. 2008 produzierte er Dennis Gansels Kinohit DIE WELLE (2008) und Sebastian Niemanns Krimikomödie MORD IST MEIN GESCHÄFT, LIEBLING mit Nora Tschirner, Rick Kavanian und Bud Sencer. Ebenfalls 2008 entstand die vielfach preisgekrönte Verfilmung des Jugendbuchbestsellers VORSTADTKROKODILE unter der Regie von Christian Ditter. Im Sommer 2009 kam die Christian Becker-Produktion WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER unter der Regie von Michael Bully Herbig in die Kinos und begeisterte fast sechs Millionen Zuschauer im deutschsprachigen Raum. Christian Becker produzierte die Kinoverfilmung der Kult-Marke JERRY COTTON (2010) unter der Regie von Cyrill Boss und Philipp Stennert und realisierte als Co-Produzent neben Bernd Eichinger den Bushido-Film ZEITEN ÄNDERN DICH (2010). Danach produzierte er DIE VORSTADTKROKODILE 2 (2010) und DIE VORSTADTKROKODILE 3 (2011) sowie Dennis Gansels WIR SIND DIE NACHT (2010). Mit WICKIE AUF GROSSER FAHRT (2011) realisierte Christian Becker den ersten deutschen Realfilm in 3D. 2011 folgten die Komödien AGENT RANJID RETTET DIE WELT mit Kaya Yanar und TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER, Bora Dagtekins erfolgreiche Kinoadaption der von ihm geschriebenen gleichnamigen Multikulti-Serie. Er produzierte auch Bora Dagtekins Komödie FACK JU GÖHTE, die mit fast sechs Millionen Zuschauern der erfolgreichste Film des Jahres 2013 war und mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet wurde. Zuletzt produzierte Christian Becker Peter Thorwarts Komödie NICHT MEIN TAG (2014), UND ÄKTSCHN! (2014), TAPE_13 (2014), ABSCHUSSFAHRT (2015), STUNG (2015), BRUDER VOR LUDER (2015), GUT ZU VÖGELN (2016), COLONIA DIGNIDAD – ES GIBT KEIN ZURÜCK (2016), AUF AUGENHÖHE (2016) und den RTL-Event-Dreiteiler „ Winnetou – der Mythos lebt“ (2016). Martin Richter (Produktion) Martin Richter wurde 1976 in Offenburg geboren. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann absolvierte er diverse Praktika und Produktionsassistenzen bei verschiedenen Film- und Fernsehproduktionsfirmen, bevor er bis 2004 Produktion und Medienwirtschaft an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studierte. Im Jahr 2000 gründeten er und seine Mitstudenten Hendrik Feil und Florian Deyle die Münchner Produktionsfirma DRIFE. Als geschäftsführender Produzent war Martin Richter unter anderem für SHOPPEN (2007), WAFFENSTILLSTAND (2009) und WIR SIND DIE NEUEN (2014) verantwortlich. Mit der TNF – Tele Norm Film GmbH produzierte er die Komödie EINE GANZ HEISSE NUMMER (2011) und den Fernsehfilm „Blutsschwestern – jung, magisch, tödlich“ (2011). Nach seinem Wechsel zu Christian Beckers Rat Pack Filmproduktion in München und Westside Filmproduktion in Krefeld produzierte Martin Richter neben RADIO HEIMAT auch den Kinderfilm AUF AUGENHÖHE (2016). 34

Markus Zimmer (Produktion) Markus Zimmer wurde 1966 in Siegen geboren. 1996 kam er als Spielfilmeinkäufer zur TeleMünchen-Gruppe. Zuvor hatte er Betriebswirtschaft studiert, den Studiengang Produktion der Hochschule für Fernsehen und Film in München abgeschlossen, den NachwuchsProduzentenpreis der GWFF gewonnen und ein Trainee-Programm bei Warner Bros. in Burbank absolviert. Seit 1999 ist Markus Zimmer zusammen mit Herbert G. Kloiber Geschäftsführer des Concorde Filmverleihs und für den Filmeinkauf zuständig. Außerdem hat er sich einen Namen als Produzent gemacht, unter anderem für Filme von Margarethe von Trotta (ROSENSTRASSE, 2003; ICH BIN DIE ANDERE, 2006; VISION – AUS DEM LEBEN DER HILDEGARD VON BINGEN, 2009; DIE ABHANDENE WELT, 2014), Gregor Schnitzler (SOLOALBUM, 2003; DIE WOLKE, 2006; SPIELTRIEB, 2013) und Joseph Vilsmaier (BERGKRISTALL, 2004; DIE GESCHICHTE VOM BRANDNER KASPAR, 2008; BAVARIA – TRAUMREISE DURCH BAYERN, 2012). Als Produzent von DIE WOLKE war er 2007 für den Deutschen Filmpreis nominiert. Auch bei RUBINROT (2013), SAPHIRBLAU (2014) und SMARAGDGRÜN (2016) fungierte Markus Zimmer als Produzent.

Peter Thorwarth (Co-Produktion) Peter Thorwarth wurde 1971 in Dortmund geboren und wuchs in Unna auf. Er studierte Regie an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und realisierte in dieser Zeit bereits mit Produzent Christian Becker die Kurzfilme „Mafia, Pizza, Razzia“ (1997) und „Was nicht passt, wird passend gemacht“ (1997). Peter Thorwarth gewann den Münchner Regieförderpreis und die Silberplakette beim Internationalen Film Festival in Chicago. Sein Langfilm-Debüt BANG BOOM BANG war 1999 der gefeierte Auftakt zur Unna-Trilogie, die mit WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT (2002) und GOLDENE ZEITEN (2005) abgerundet wurde. In WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT spielte Peter Thorwarth auch eine der Hauptrollen neben Dietmar Bär, Willi Thomczyk, Ralf Richter, Hilmi Sözer und Alexandra Maria Lara. Basierend auf dem Film entstand die gleichnamige Fernsehserie, von der zwei Staffeln für ProSieben produziert wurden. Peter Thorwarth inszenierte auch Musikvideos, darunter „Bayern“ (2000) und „Kein Alkohol ist auch keine Lösung“ (2002) für Die Toten Hosen. Als Co-Autor war er an Dennis Gansels Jugenddrama DIE WELLE (2008) beteiligt, das 2,5 Millionen Zuschauer hatte und den Deutschen Filmpreis in Bronze gewann. 2014 schrieb und inszenierte Peter Thorwarth die Komödie NICHT MEIN TAG nach dem gleichnamigen Roman von „Stromberg“-Autor Ralf Husmann. Die Hauptrollen spielten Moritz Bleibtreu, Axel Stein und Jasmin Gerat, zudem tauchten viele Schauspieler und Figuren aus der Unna-Trilogie auf. Aktuell bereitet Peter Thorwarth den actionreichen Vampir-Horrorfilm BLOOD RED SKY vor. Adolf Winkelmann (Co-Produktion) Adolf Winkelmann wurde 1946 in Hallenberg geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Er studierte Kunst in Kassel und galt Ende der 60er Jahre als einer der Protagonisten des europäischen Experimentalfilms. Seine Filme liefen unter anderem auf Festivals in Rotterdam, New York und Paris. Gemeinsam mit seiner damaligen Frau Jutta Winkelmann und deren Zwillingsschwester Gisela Getty gehörte er zu den Gründern des Kasseler Filmkollektivs. 1975 kehrte Adolf Winkelmann ins Ruhrgebiet zurück. Nach einer Reihe von Fernsehprojekten entstand 1978 der Kinofilm DIE ABFAHRER, der ein realistisches Bild des Ruhrgebiets zeigte und das Filmband in Silber des Deutschen Filmpreises gewann. Es folgten die Ruhrgebietsfilme JEDE MENGE KOHLE (1981) und NORDKURVE (1993). „Die Ruhrgebietstrilogie“ erschien 2016 zu Adolf Winkelmanns 70. Geburtstag als DVD/BluRay-Box, produziert von der Turbine Media GmbH. Zuletzt drehte Winkelmann JUNGES LICHT (2016) nach dem gleichnamigen Roman von Ralf Rothmann über das Ruhrgebiet in der Nachkriegszeit aus der Sicht eines 12-jährigen Arbeitersohnes. Adolf Winkelmann ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Zu seinen weiteren 35

Auszeichnungen zählen der Adolf-Grimme-Preis für „Der Leibwächter“ (1990) und „Der letzte Kurier“ (1997), der Deutsche Filmpreis für JEDE MENGE KOHLE (1981) und NORDKURVE (1993) und der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Für seinen Fernsehzweiteiler „Contergan“ (2007) erhielt er den Deutschen Fernsehpreis, die Goldene Kamera, ein Bambi, den österreichischen Medienpreis Romy und die Gold World Medal beim New York Festival.

Gerhard Schirlo (Kamera) Gerhard Schirlo prägte in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als 40 Kino- und Fernsehfilme, darunter viele Projekte von Christian Beckers Produktionsfirmen Rat Pack und Westside: „Das Jesus Video“ (2002), DER WIXXER (2004), „Das Blut der Templer“ (2004), HUI BUH – DAS SCHLOSSGESPENST (2006), WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER (2009) und „Rat mal, wer zur Hochzeit kommt“ (2012). Außerdem drehte er „Das Inferno – Flammen über Berlin“ (2007), „Die Wanderhure“ (2010), SAMS IM GLÜCK (2012), „In einem wilden Land“ (2013) und zuletzt „Jack the Ripper“ (2016).

Uwe Szielasko (Szenenbild) Uwe Szielasko wurde 1959 in Gelsenkirchen geboren. Mit seinen Bauten und Ausstattungen prägte er in den letzten zwei Jahrzehnten die Optik vieler Kino- und Fernsehfilme entscheidend mit. Dazu gehören Joseph Vilsmaiers LEO UND CLAIRE (2001), Caroline Links Oscar®-prämiertes Drama NIRGENDWO IN AFRIA (2001), Hermine Huntgeburths Kinderfilm BIBI BLOCKSBERG (2002) und ihr Drama DIE WEISSE MASSAI (2005), Margarethe von Trottas ICH BIN DIE ANDERE (2006), Tomy Wigands TKKG UND DIE RÄTSELHAFTE MIND-MACHINE (2006), Helma Sanders-Brahms’ GELIEBTE CLARA (2008), Franziska Buchs YOKO (2012) und Ben Verbongs „Ein vorbildliches Ehepaar“ (2012). Als Art Director wirkte Uwe Szielasko auch an Joseph Vilsmaiers MARLENE (2000) und Sönke Wortmanns DIE PÄPSTIN (2009) mit.

Annegret Stößel (Kostümbild) Annegret Stößel arbeitet seit 1999 für nationale und internationale Film- und Werbeproduktionen als Kostümbildnerin und Stylistin, unter anderen mit den Regisseuren Sönke Wortmann (SCHOSSGEBETE, FRAU MÜLLER MUSS WEG, SOMMERFEST), Christian Zübert (LAMMBOCK, SCHATZ DER WEISSEN FALKEN, HARDCOVER), Isabel Kleefeld („Arnies Welt“, „Schlaflos“, „Im Netz“), Tobi Baumann (VOLLIDIOT, GESPENSTERJÄGER), Wolfgang Fischer („Was Du nicht siehst“), Hartmut Schoen („In den besten Jahren“), Vivian Naefe („Verrückt ist auch normal“), Connie Walther („Und tschüß, Ihr Lieben“) und Tim Trageser („Das zweite Gesicht“, „Harte Brötchen“, „Der Äthiopier“). René Jordan (Maske) René Jordan absolvierte eine Friseurausbildung und ein Volontariat als Maskenbildner bei den Wuppertaler Bühnen. Außerdem belegte er Seminare bei der IFS Köln und den Pinewood-Studios in London. Als Maskenbildner, Hairstylist und Perückenmacher hat er die Helden und Widersacher in deutschen und internationalen Filmproduktionen schöner oder schrecklicher aussehen lassen. In unterschiedlichen Funktionen wirkte er unter anderem an „Tarragona – Ein Paradies in Flammen“ (2007), „Contergan“ (2007), ANONYMA – EINE FRAU IN BERLIN (2008), DIE KOMMENDEN TAGE (2010) und HENRI 4 (2010) mit. Außerdem an „Frisch gepresst“ (2012), AGENT RANJID RETTET DIE WELT (2012), OSTWIND (2013), DAS TAGEBUCH DER ANNE FRANK (2016) und SEITENWECHSEL (2016). 36

Georg Söring (Schnitt) Georg Söring wurde 1970 in Hamburg geboren. Von 1993 bis 1996 wurde er beim NDR in Hamburg zum Editor ausgebildet, bis 2004 schloss sich ein Regie-Studiengang für Kinound Fernsehfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film in München an. Nach der Realisierung eigener Kurzfilme arbeitete Georg Söring während des Studiums und danach als Cutter, Drehbuchautor, Aufnahmeleiter, Regieassistent und Dozent für Dramaturgie, Schauspielführung und Schnitt, bis er sich 2005 wieder ganz auf den Beruf des Filmeditors konzentrierte. Für „Meine verrückte türkische Hochzeit“, seinen ersten abendfüllenden Spielfilm, gewann er 2006 den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Bester Schnitt. Es folgten Kinofilme wie RÄUBER KNEISSL (2007), DIE PERLMUTTERFARBE (2008), DER SOMMER DER GAUKLER (2010), WER’S GLAUBT, WIRD SELIG (2012), SPIELTRIEB (2012), DOKTORSPIELE (2013), BESTE CHANCE (2014) und ICH BIN DANN MAL WEG (2014). Seit 2014 ist Georg Söring auch Lehrbeauftragter des Studiengangs „Komposition für Film und Medien“ an der Hochschule für Musik und Theater in München. Ueli Christen (Schnitt) Ueli Christen wurde 1962 in Luzern geboren. Er studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und schnitt seither mehr als 50 Film- und Fernsehproduktionen. Seit KLEINE HAIE (1992) arbeitete er mit Regisseur Sönke Wortmann zusammen und schnitt dessen Kinofilme DER BEWEGTE MANN (1994), DAS SUPERWEIB (1996), DER CAMPUS (1998), DAS WUNDER VON BERN (2003) und DEUTSCHLAND. DEIN SELBSTPORTRÄT (2016). Für den Schnitt von Dennis Gansels Filmen DIE WELLE (2008) und WIR SIND DIE NACHT (2010) wurde er jeweils für den Deutschen Filmpreis nominiert. Zuletzt schnitt er Gansels US-Debüt MECHANIC: RESURRECTION (2016) mit Jason Statham, Jessica Alba und Tommy Lee Jones. Weitere Arbeiten sind Stefan Ruzowitzkys ANATOMIE (1999), Rainer Kaufmanns DIE APOTHEKERIN (1997) und KALT IST DER ABENDHAUCH (2000), Christian Ditters VORSTADTKROKODILE (2008), VORSTADTKROKODILE 2 (2009) und WICKIE AUF GROSSER FAHRT (2011) sowie das von Klaus Härö inszenierte und für den Golden Globe® nominierte Drama DIE KINDER DES FECHTERS (2015). Sabine Schwedhelm (Casting) Sabine Schwedhelm sucht und findet seit zwei Jahrzehnten die Idealbesetzungen für zahlreiche Kino- und Fernsehfilme, darunter Helge Schneiders PRAXIS DR. HASENBEIN (1997), Dani Levys MESCHUGGE (1998), Tom Tykwers DER KRIEGER UND DIE KAISERIN (2000), Fatih Akins SOLINO (2001), Helge Schneiders JAZZCLUB (2004), Adolf Winkelmanns Fernsehzweiteiler „Contergan“ (2005), Hermine Huntgeburths Zweiteiler „Teufelsbraten“ (2006) und AUFBRUCH (2015), Ludie Boekens UNTER BAUERN (2008), Tobi Baumanns Weihnachts-Zweiteiler „Jingle All the Way“ (2009), Connie Walthers „Frau Böhm sagt nein“ (2009), PETTERSSON UND FINDUS (2014) und zuletzt Sönke Wortmanns SOMMERFEST. Als Dozentin im Fachbereich Schauspiel gibt Sabine Schwedhelm ihr Wissen unter anderem an Studenten der Theaterakademie Köln weiter. Klaus Frers (Music Supervisor) Klaus Frers machte zunächst als DJ und Hobbymusiker die ostfriesische Tiefebene unsicher, bevor er 1978 nach Hamburg zog. Das Studium wurde schnell nebensächlich, als ihm bei dem kleinen Label Line Records (Teldec) ein erster Job in der Musikindustrie angeboten wurde. Später übernahm er die verantwortliche Betreuung der internationalen Künstler bei 37

Ariola Hamburg. BMG holte ihn 1983 nach München. Dort übernahm er zuerst die Verantwortung für das Künstlerlabel Chrysalis mit Musikern wie Billy Idol, Spandau Ballet, Ultravox und Pat Benatar, später dann die internationale Marketingleitung des New Yorker Labels Arista Rec. Seine industrielle Laufbahn schloss er als Geschäftsführer einer BMGTochter ab. 1990 gründete er DAYDREAM und begann als erster freier Music Supervisor Deutschlands seine Arbeit im Filmgeschäft. Seither hat das DAYDREAM-Team mehr als 250 deutsche und internationale Soundtrack-Produktionen betreut und in diesem Rahmen mehr als 100 Soundtrack-Tonträger veröffentlicht. Klaus Frers selbst unterrichtet darüber hinaus an der Hochschule für Film und Fernsehen München. Filme, die er als Music Supervisor betreut hat, sind unter anderem DIE UNENDLICHE GESCHICHTE ll (1990), FARAWAY, SO CLOSE! (1993), LOLA RENNT (1998), STADTGESPRÄCH (1995), NEUES VOM WIXXER (2004), 2 DAYS IN PARIS (2007), VORSTADTKROKODILE (2009), WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER (2009), JERRY COTTON (2010), DAS ENDE IST MEIN ANFANG (2010), WIR SIND DIE NACHT (2010), HIN UND WEG (2014), ELSER (2015), COLONIA DIGNIDAD (2015) und VIER GEGEN DIE BANK (2016).

Riad Abdel-Nabi (Musik) Riad Abdel-Nabi startete seine Musikkarriere in den 90er Jahren als Drummer in diversen deutschen Bands. 2000 nahm er in Amsterdam sein Studium der Komposition auf und arbeitete als Komponist und Musikproduzent. 2011 gründete er mit anderen Komponisten und Produzenten seine eigene Musikproduktionsfirma mit Studios in Amsterdam, Berlin und Hamburg. 2014 beschritt er einmal mehr neue Wege und schloss sich mit einem niederländischen Partner zum VAN SONIC Sound Collective zusammen. Unterstützt durch ein großes Netzwerk von Komponisten und Produzenten kreiert das Unternehmen heute erfolgreich Musik und Sound für die deutsche und holländische Film-, Fernseh- und Werbeindustrie. So schrieb Riad Abdel-Nabi unter anderem die Musik zu den Kinofilmen GUT ZU VÖGELN (2016), GLEISSENDES GLÜCK (2016) und VOLLTREFFER (2016).

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Frank Goosen Radio Heimat Geschichten von Zuhause ca. 208 Seiten € 8,99 [D] / € 9,30 [A] / CHF 12,50 ISBN 978-3-453-50399-1

Erscheinungstermin: 11.10.2016 Bitte nicht vor diesem Termin besprechen – vielen Dank. Wo grüßt man noch gut gelaunt mit »Jupp, altes Arschloch«? Nirgends, nur entlang der A 40. Frank Goosens Roman „Radio Heimat“ ist eine „Liebeserklärung an das Ruhrgebiet und seine Menschen“ (Spiegel) und eine erfrischend ehrliche, wahrhaft komische und entwaffnend sentimentale Hommage an Bierchen an der Seltersbude und die Schönheit von Schrebergärten, Fußballstadien und Industriebrachen. Geschichten von Helden und Laberfürsten, von Pommesbuden und Kneipen. In Radio Heimat kehrt Frank Goosen wieder dort, wo es am meisten Spaß macht: vor der eigenen Haustür. "Nur wer seine Heimat innig liebt, kann Menschen so ehrlich wie Goosen beschreiben..." (dpa) "...Frank Goosen, mittlerweile Kultautor, (erzählt) von seiner Heimat, dem Ruhrgebiet, mit jener Mischung aus Komik, Authentizität und Charme, wie sie beim Leser bestens ankommt." (Frankfurter Rundschau) "Eine glühende Liebeserklärung an den "Pott" und seine Originale - so witzig, dass man viele Tränen lacht."

(Für Sie) Frank Goosen, geboren 1966 in Bochum, hat sich Ruhm und Ehre als eine Hälfte des Kabarett-Duos Tresenlesen erworben. Sein Durchbruch war der Roman Liegen lernen, der lange auf den Bestsellerlisten stand und auch erfolgreich verfilmt wurde. 2003 erhielt Frank Goosen den Literaturpreis Ruhrgebiet. Mit seinen Kabarettprogrammen tourt er regelmäßig durch Deutschland. Mit dem Ruhrpott-Geschichtenband Radio Heimat gelang Frank Goosen der Sprung in die Top-10 der Bestsellerlisten. Mit seiner Frau und zwei hoffnungsvollen Nachwuchskickern wohnt er in Bochum.

© Philip Wente

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