Rattus Libri - Ausgabe 143

Rattus Libri - Ausgabe 143

Ausgabe 143 Mitte Oktober 2014 Liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen, in unserer etwa zwölf Mal im Jahr erscheinenden Publikat...

4MB Sizes 0 Downloads 25 Views

Recommend Documents

Rattus Libri - Ausgabe 155
23.02.2017 - Thor, eine weibliche Thor, der Hulk und Bruce Banner, eine Captain America, ...... und Zeichnungen von Yani

Ausgabe 150 - Rattus Libri
07.10.2016 - Dave Justus, Matthew Sturges. Der Wolf geht um/Fables: The Wolf Among Us 1. Matthew Miller. Assassin's Cree

Ausgabe 7 September 2006 - Rattus Libri
schönen Erfahrungen und eine Erkenntnis: Es bedarf wahren Opfermutes, um das Böse ...... man kam, um Johnny in die Hölle

Ausgabe 7 September 2006 - Rattus Libri
Den Ofen auf 180°C vorheizen und vier kleine feuerfeste Formen einfetten. 50 g gekochter ..... Titel wie „Die kleine

Ausgabe 7 September 2006 - Rattus Libri
Magazin entnehmen kann, eine DVD mit zwei „iCarly-Episoden“ (ca. ... In Folge beschließen Carly und Sam weiterzumac

Ausgabe 7 September 2006 - Rattus Libri
Neil Gaiman's Niemalsland. Mystery. Joscha Sauer. Nichtlustig 1 (Sonderausgabe). Cartoon. Simpsons Classics 12. Willkomm

ausgabe 143 04.02.17 - The Unity
04.02.2017 - Mannschaft, kein Stadion, kein Ball,… ... Szenen in Leipzig im Stadion protestiert, haben ..... älterer

Libri
presented: the special section discusses in single chapters the histologic and cy ... Sideroachrestische Anämien, Anämie

Libri
hand only two vowel classes are found, open and close (a, a); and of these ..... Die so wertvolle, spontane Initiative u

Leseprobe - Libri
12 Was Bobbie heimbrachte . ... ihr Hund hieß James und gehörte ihnen ganz allein. Auch ... James er schrak so sehr, d

Ausgabe 143

Mitte Oktober 2014

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen,

in unserer etwa zwölf Mal im Jahr erscheinenden Publikation möchten wir Sie über interessante Romane, Sachbücher, Magazine, Comics, Hörbücher und Filme aller Genres informieren. Gastbeiträge sind herzlich willkommen. RATTUS LIBRI ist als Download auf folgenden Seiten zu finden: http://rattus-libri.taysal.net/ www.beam-ebooks.de/kostenlos.php http://blog.g-arentzen.de/ www.foltom.de www.geisterspiegel.de/ www.literra.info www.phantastik-news.de http://phantastischewelt.wordpress.com/ Ältere Ausgaben unter: www.light-edition.net www.uibk.ac.at/germanistik/dilimag/ Einzelne Rezensionen erscheinen bei: www.buchrezicenter.de; www.sfbasar.de; www.filmbesprechungen.de; www.phantastiknews.de; http://phantastischewelt.wordpress.com; www.literra.info; www.terracom-online.net. Das Logo hat Lothar Bauer für RATTUS LIBRI entworfen: www.saargau-blog.de; www.saargau-arts.de; http://sfcd.eu/blog/; www.pinterest.com/lotharbauer/; www.facebook.com/lothar.bauer01. Das Layout des Magazins und das Layout des Schwerpunktthemas hat Irene Salzmann entworfen. Für das PDF-Dokument ist der Acrobat Reader 6.0 erforderlich. Diesen erhält man kostenlos bei: www.adobe.de. Die Rechte an den Texten verbleiben bei den Verfassern. Der Nachdruck ist mit einer Quellenangabe, einer Benachrichtigung und gegen ein Belegexemplar erlaubt. Wir bedanken uns vielmals bei allen Autoren und Verlagen, die uns Rezensionsexemplare und Bildmaterial für diese Ausgabe zur Verfügung stellten, und den fleißigen Kollegen, die RATTUS LIBRI und die Rezensionen in ihren Publikationen einbinden oder einen Link setzen. Nun aber viel Vergnügen mit der Lektüre der 143. Ausgabe von RATTUS LIBRI.

Mit herzlichen Grüßen Ihr RATTUS LIBRI-Team Seite 1 von 80

Rubriken______________________________________________ Schwerpunktartikel: Kleine Kostbarkeiten: Fotobildbände, Kunstbildbände und Artbooks von Irene Salzmann ......................................................................................................... Seite 03 Rezensionen: B. P. Kremer: Blütengeheimnisse .................................................................................. ..Seite 05 T. R. Hoffmann: Abgedreht ........................................................................................... ..Seite 06 M. Burns, C. Metzen, M. Neilson, B. Kindregan, D. Alexander: Die Tyrael-Chronik........ ..Seite 08 L. Nemecek: Star Trek: Stellar Kartographie ................................................................. ..Seite 10 R. Goff: Game of Thrones – Pop-Up Guide von Westeros ............................................ ..Seite 11 A. Ohkubo: Soul Eater Soul Art ..................................................................................... ..Seite 14 Kinder-/Jugendbuch ........................................................................................................ Seite 18 Belletristik ....................................................................................................................... Seite 24 Fantasy ............................................................................................................................ Seite 25 Science Fiction ............................................................................................................... Seite 32 Mystery/Horror ................................................................................................................ Seite 37 Krimi/Thriller .................................................................................................................... Seite 43 Kunst & Handwerk/Schrift ............................................................................................... Seite 51 Natur/Garten & Heilkunde/Therapie, Essen & Trinken ................................................... Seite 52 Reise & Kultur/Essen & Trinken ....................................................................................... Seite 54 Magazin .......................................................................................................................... Seite 55 Comic ............................................................................................................................. Seite 58 Manga ............................................................................................................................. Seite 77

Impressum____________________________________________ RATTUS LIBRI ist das etwa zwölf Mal im Jahr erscheinende Online-Informations-Magazin, zusammengestellt von Irene Salzmann. RATTUS LIBRI ist ein nichtkommerzielles Magazin, das per Email und als Download erhältlich ist. Es werden keine Gewinne erwirtschaftet. RATTUS LIBRI dient ausschließlich der Information. Es werden keine Bestellungen angenommen oder weitergeleitet. Die Inhalte des Magazins wurden mit größter Sorgfalt erstellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte können wir jedoch keine Gewähr übernehmen. Die durch die Autoren erstellten Inhalte von RATTUS LIBRI unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechts bedürfen der schriftlichen Zustimmung des jeweiligen Autors bzw. Erstellers. Downloads und Kopien sind nur für den privaten, nichtkommerziellen Gebrauch gestattet. Soweit die Inhalte in RATTUS LIBRI nicht vom Betreiber erstellt wurden, werden die Urheberrechte Dritter beachtet. Insbesondere werden Inhalte Dritter als solche gekennzeichnet. Sollten Sie trotzdem auf eine Urheberrechtsverletzung aufmerksam werden, bitten wir um einen entsprechenden Hinweis. Bei Bekanntwerden von Rechtsverletzungen werden derartige Inhalte umgehend entfernt. RATTUS LIBRI enthält Verweise und Links zu externen Websites Dritter. Die Redaktion von RATTUS LIBRI hat keinen Einfluss auf die dort bereitgehaltenen Daten und Informationen und macht sich diese nicht zu Eigen. Die Redaktion von RATTUS LIBRI kann für die Rechtmäßigkeit der Inhalte von verlinkten Websites keine Verantwortung übernehmen. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich. Die verlinkten Seiten wurden zum Zeitpunkt der Verlinkung auf mögliche Rechtsverstöße überprüft. Rechtswidrige Inhalte waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Eine permanente inhaltliche Kontrolle der verlinkten Seiten ist jedoch ohne konkrete Anhaltspunkte einer Rechtsverletzung nicht zumutbar. Bei Bekanntwerden von Rechtsverletzungen werden derartige Links umgehend entfernt. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass in RATTUS LIBRI keine pornografischen Bücher, Hörbücher oder Filme vorgestellt werden. RATTUS LIBRI informiert über Titel, die erotische Inhalte haben können. Dabei handelt es sich ausschließlich um aufklärende Sachbücher oder fiktive Geschichten, die keine realen Vorbilder haben. Im Falle expliziter sexueller Handlungen in Wort und/oder Bild sind die Protagonisten und abgebildeten Personen mindestens 18 Jahre alt. Redaktion RATTUS LIBRI V.i.S.d.P.: Irene Salzmann, Raiffeisenstr. 11, D - 85402 Kranzberg Das Magazin RATTUS LIBRI löst mit der Ausgabe 135 den Bücherbrief RATTUS LIBRI ab. Das Magazin RATTUS LIBRI wurde geschaffen von Irene Salzmann und dem RATTUS LIBRITeam. Rezensenten dieser Ausgabe: Alisha Bionda (AB), Florian Hilleberg (FH), Elmar Huber (EH), Irene Salzmann (IS), Britta van den Boom (BvdB), Petra Weddehage (PW); Gastrezensent: Wilko Müller (WM) Logo © Lothar Bauer Die Archiv-Seite betreut Günther Lietz: http://rattus-libri.taysal.net/ Kontaktadresse: rattus.libri.is1 (at) gmx.de Erscheinungsdatum: Mitte Oktober 2014

Seite 2 von 80

Kleine Kostbarkeiten: Fotobildbände, Kunstbildbände und Artbooks Foto- und Kunstbildbände, zu denen man auch Ausstellungskataloge zählen darf, haben eine lange Tradition, denn schon immer begeisterte sich das ‚Augentierchen‘ Mensch für schöne Fotos und Abbildungen sowohl in Schwarz-Weiß als auch in Farbe. Man könnte sogar sagen, dass diese Prachtbände eine Weiterentwicklung der bunten Fenster, Altäre und Malereien in Kirchen sowie der mittelalterlichen Buchmalerei sind – also, der bildenden Kunst schlechthin, die man für die Nachwelt erhalten will -, deren Schöpfer bestimmte Motive und Szenarien festzuhalten versuchten, um dem (leseunkundigen) Betrachter etwas zu veranschaulichen, ihn zu belehren und auch zu erfreuen. Inzwischen findet man zu praktisch jedem Interessensgebiet das passende Buch: Landschaft & Meer, Stadtansichten, Pflanzen, Tiere, Menschen, Film & Musik (Stars, Filmplakate, Platten-Cover etc.), Geschichte, Religion, Kunst, Architektur, Garten, Technik (Automobile, Flugzeuge, U-Boote usw.), historische Gewänder & Mode, Schmuck, Wohnaccessoires, Porzellan, Briefmarken & Münzen, Mineralien & Edelsteine, Puppen, Weltraum, Science Fiction/Fantasy/Horror, Comic, Game – die Liste ist endlos. Natürlich sind solche Bildbände nicht gerade preiswert, denn oft handelt es sich um groß- oder sogar überformatige, seitenreiche Hardcover-Alben mit Kunstdruckbzw. Hochglanzpapier (das ein ordentliches Gewicht hat!) im Innenteil, auf dem die Fotos und Abbildungen, meist erstellt von namhaften Fotografen und Künstlern, innerhalb eines sorgfältig arrangierten Layouts bestens zur Geltung kommen. Nicht selten ist die liebevolle Gestaltung genau so ein Augenschmaus wie die erlesenen Bilder. Seite 3 von 80

Hin und wieder findet man kleinformatige Hardcover-Ausgaben, Paperbacks/Flexicover oder gar Taschenbücher, die etwas günstiger im Preis sind. Einige Verlage nutzen das Interesse der Sammler, indem sie Restbestände reduziert anbieten (was im Lager bleibt, ist schließlich totes Kapital) oder gezielt günstige (Nach-) Auflagen drucken. Diese werden vom Buchhandel auf Aktionstischen ausgelegt und über den Versandhandel gezielt beworben. Schaut man sich aufmerksam um, kann man durchaus das eine oder andere Schnäppchen machen.

Sachbuch oder Bildband? Oft ist der Übergang vom informativen Sachbuch zum opulenten (Foto-) Bildband fließend, gerade wenn es im weiteren Sinn um Natur und (historische) Stadtansichten/Architektur, um Geschichte und Religion, Technik und Kunst oder die vielfältigen Sammelgebiete sowie Anleitungsbücher (Zeichnen, Basteln, Handarbeiten, Heimwerken u. a. m.) geht. In diesem Fall sind die Autoren/Fotografen/Künstler bestrebt, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Zum einen soll der Leser mit nützlichem, interessantem und keineswegs trocken aufbereitetem Hintergrundwissen versorgt werden; zum anderen ist es wichtig, die Ausführungen anschaulich zu ergänzen und das Bildmaterial sinnvoll und an passender Stelle einzufügen. Dabei gilt: nur so viel Text wie unbedingt nötig und so viele Abbildungen wie möglich! Grundsätzlich sollen die Texte auch für Laien gut verständlich sein, d. h., die Sätze dürfen nicht zu lang und verschachtelt sein, und die Verwendung von Fachtermini ist auf ein notwendiges Minimum zu begrenzen, sodass die Erläuterungen zwar sprachlich gehoben und wissenschaftlich fundiert erscheinen, den Leser/Neuling aber nicht überfordern. Je nach Gewichtung von Text und Bild neigt man dazu, einen Titel eher dem Sachbuch oder dem Bildband zuzuordnen. Darum wird man einen Ratgeber oder ein Anleitungsbuch – beispielsweise über den Umgang mit einer hochwertigen Kamera, das Erschaffen von Schrifttypen (Charlotte Rivers: „Schriftenwerkstatt – Fonts und Schriften von Hand entwerfen“; RL 143), die Aufzucht und Verwendung von Gemüse, Obst und Kräutern (T. Pfister & R. Saller, A. Fischer, B. M. Holzer, J. Reichling, M. Rostock, B. Uehleke“ „Heilkräuter im Garten – pflanzen, ernten, anwenden“; RL 143), neue Ideen für Seite 4 von 80

Handarbeiten (Elisabeth Wetsch [eliZZZa]: „Häkeln lernen mit eliZZZa“; RL 142), Zeichenlehrgänge (Hikaru Hayashi: „Von Accessoires bis Zubehör im Manga - How to Draw Manga 5”; RL 141), Kochbücher (Anke von Heintze/Hester Wilde: „Apfelliebe: Köstliche Rezepte mit Äpfeln – Von der Suppe bis zum Dessert“; RL 141) usw. – trotz reichlichen Fotos und Abbildungen stets als Sachbuch bezeichnen. Bruno P. Kremer Blütengeheimnisse – Wie Blumen werben, locken und verführen Haupt Verlag, Bern (CH), 06/2013 HC, Sachbuch, Bildband, Natur & Tier/Botanik, 978-3-258-0782-6, 268/3990 Titelgestaltung von pooldesign.ch 180 Fotos und 50 Abbildungen im Innenteil von Bruno P. Kremer und aus anderen Quellen www.haupt.ch www.biologiedidaktik.uni-koeln.de/10860.html?&L=0 Ohne Pflanzen gäbe es kein Leben, wie wir es heute kennen. Nicht nur sind sie Nahrungslieferant für Tier und Mensch, sie produzieren außerdem durch Photosynthese den notwendigen Sauerstoff. Ebenfalls von Bedeutung ist der ästhetische Aspekt, denn Bäume, Sträucher, Farne, Gräser, Blumen usw. werden nicht allein wegen ihres Nutzens angepflanzt, sondern auch wegen ihrer Schönheit und um den Betrachter zu erfreuen. Dass Blumen und Blätter weltweit beliebte Motive von Malern und Juwelieren sind, als Muster auf Stoffen und Tapeten vorkommen, zum Gegenstand von Blumensteckkunst (Ikebana) und Falttechniken (Origami) wurden, Wappen zieren und mit einer Symbolik versehen wurden, gern verschenkt werden u. a. m., ist bloß die logische Konsequenz. Als ab dem 17. Jahrhundert dank neuer Technologien und Untersuchungsmethoden die Botanik im modernen Sinn begründet wurde, enträtselten die Forscher immer mehr Geheimnisse der Pflanzen, insbesondere die „Blütengeheimnisse“. So entdeckte man beispielsweise, dass in der Natur ein ausgeglichenes Geben und Nehmen herrscht, an dem alle Pflanzen und Tiere beteiligt sind - von einigen Ausnahmen einmal abgesehen, wie Pflanzen, die zwar durch duftende Blüten locken und ihre Samen von den Bestäubern verbreiten lassen, ihnen jedoch den Lohn, die Nahrung, vorenthalten. Auch die unterschiedlichen Strategien, mit denen „Blumen werben, locken und verführen“, wurden studiert und den Pflanzen, die zuvor als ‚rein und unschuldig‘ galten, eine nachvollziehbare Sexualität zugesprochen (die Bienchen und Blümchen …). Gleichfalls wichtige Erkenntnisse lieferten Fossilien, durch die man weiß, dass der Aufstieg der Samenpflanzen mit dem Farn begann. „Blütengeheimnisse“ fasst jedoch nicht nur kurz die Entwicklung der Botanik und Grundsätzliches über Blütenpflanzen zusammen, sondern erläutert darüber hinaus den Aufbau der unterschiedlichen Blüten, die ihre Form, ihre Farbe und ihren Duft für die Vermehrung (Bestäubung und Verbreitung der Samen durch Wind, Insekten, andere Tiere) optimiert haben. Ebenfalls interessant ist die Anordnung der (Blüten-) Blätter, die beispielsweise den Fibonacchi-Zahlenreihen folgen oder in logarithmischen Spiralen wachsen. In den Kapiteln „Durch die Blume“, „Bei den Farnen fing es an“, „Blütenarchitektur – ein kleiner Überblick“, „Formen, Fülle, Vielfalt“, „Stäube und Bestäubte“, „Freundschaft mit Folgen“ sowie „Farben, Düfte und sonstige Verlockungen“ und den jeweiligen Unterrubriken erhält man einen kurzen, aber umfassenden und äußerst interessanten Einblick in das Thema. Obschon Fachtermini reichlich Verwendung finden, sind die Ausführungen auch für Laien sehr gut verständlich. Farbige Zeichnungen und Fotos veranschaulichen die interessanten Erklärungen in einer Pracht und Fülle, die dem Sachbuch Bildbandqualität verleihen. Man bekommt die Blüten nicht allein auf die in Fotobildbänden oder Gartenfachzeitschriften und -büchern ‚übliche Weise‘ präsentiert, sondern auch aus eher ungewöhnlichen Perspektiven, die neben der Gesamtansicht Details (von Staubbeutel, Nabe, Bestäubungsvorgang durch Insekten usw.), Längsschnitte (Blütenaufbau, Seite 5 von 80

Blattanordnung u. a.) etc. bieten, ergänzt durch klare Grafiken, wie man sie aus Biologieschul- und Fachbüchern kennt. Die Fotos sind wunderschön und machen Lust, den Bildband immer wieder zur Hand zu nehmen. Die Größe der Abbildungen reicht von gutem Kreditkartenformat bis zu eineinhalb Seiten. Die meisten davon stammen von dem Verfasser des Buchs, Bruno P. Kerner, studierter Biologe und Chemiker mit Lehrstuhl an der Universität Köln. Außer diesem Titel publizierte er einige weitere Sachbücher zum Thema Natur. „Blütengeheimnisse“ ist ein sehr schön gestaltetes, äußerst informatives Sachbuch - eigentlich schon ein Bildband -, das man interessierten Schülern ab der Mittelstufe und ihren Biologielehrern, Biologiestudenten und allen Laien, die sich mit dem Thema befassen möchten, sowie den Sammlern ansprechender Fotobildbände ans Herz legen darf. (IS)

Kunstbildbände Nicht immer stellen stimmungsvolle Fotos, die das Können eines oder mehrerer Fotografen demonstrieren bzw. das Thema aus einem seltenen, ungewöhnlichen oder gewollt ‚anderen‘ Blickwinkel präsentieren, den Inhalt eines Bildbandes. Manche dieser Bücher sind der Kunst schlechthin gewidmet: den alten und modernen Meistern und ihren Werken (Grafik/Malerei, Plastik, Architektur usw.). Gern wird bei solchen Kunstbildbänden mit biografischen Daten, Insiderwissen zu den Objekten oder auch Interpretationen ergänzt. Letzteres liefert gerade der modernen Kunst, die ungewöhnliche Wege einschlägt und aufrütteln, verblüffen, schockieren will, mit der sich der Künstler mitunter selbst inszeniert, einen Schwerpunkt, da sich das Kunstwerk und die damit verbundene Intention dem Betrachter nur schwer erschließen.

Thomas R. Hoffmann Abgedreht - Kunst von Irreal bis Surreal Belser Verlag, Stuttgart, 03/2014 HC im quadratischen Format, Sachbuch, Bildband, Kunst, 9783-7630-2663-0, 64/1695 Titelmotiv von Erich Wurm, „House Attack“, 2006, Mischtechnik, 5 x 10 x 7 in Ausstellungsansicht MUMOR Wien, Österreich Abbildungen im Innenteil von 13 verschiedenen Künstlern Autorenfoto von N. N. www.belser-verlag.de Der Kunsthistoriker Thomas R. Hoffmann ist freier Mitarbeiter Seite 6 von 80

verschiedener Berliner Museen und Autor von Büchern wie „Das sieht doch keine Sau …“ und „Abgedreht“ (beides Belser Verlag). In seinen Titeln stellt er ungewöhnliche künstlerische Objekte vor, die kaum jemand versteht, die ein Lächeln oder Kopfschütteln hervorrufen, ebenso die Frage, ob das wirklich noch Kunst ist. Warum man auch skurrile, irreale und surreale Projekte als Kunst erachtet, erläutert Thomas R. Hoffmann in „Abgedreht“ anhand von 13 ausgewählten Werken aus verschiedenen Epochen, die von überwiegend bekannten Künstlern entworfen wurden, darunter René Magritte, Giuseppe Arcimboldo, Salvator Dali, Pieter Bruegel. Allein schon diese Namen projizieren bestimmte Bilder vor das innere Auge des Lesers, die ausgefallen, mitunter schon bizarr sind wie die ‚Gemüsegesichter‘ Arcimboldos oder die ‚zerlaufenen‘ Uhren Dalis. Besonders neckisch ist aber die Kaffeetasse mit Unterteller und Löffel, die Meret Oppenheim 1936 mit Pelz überzogen hat: „Frühstück im Pelz“. Woher die Idee stammte, scheinbar nicht miteinander Vereinbares – die Tasse und das Fell - zu kombinieren, verrät der Autor, und er liefert auch eine Interpretation, nämlich dass das Fell an Körperhaar erinnert und dem Objekt damit ein erotischer Aspekt verliehen wird – skandalös in den 1930er Jahren, witzig aus moderner Sicht. Interessiert man sich für „Kunst von Irreal bis Surreal“, findet man in „Abgedreht“ viele faszinierende Beispiele anschaulich in Wort und Bild (größtenteils farbig, wenigstens Kreditkartenformat und bis über eine Seite groß) erklärt. Ein Buch, das Spaß macht! (IS)

Von den alten Meistern und den Künstlern der Moderne kann man nun den Bogen schlagen zu den Künstlern, die man mit der Fantastik (Poster-, Kalender- und Coverart) verbindet. Hier gibt es gleichfalls eine reichhaltige Auswahl an Bänden, die oft auch mit Film, Comic und Game Hand in Hand gehen. So mancher Fantastik-Leser denkt mit Wehmut an die 1970/80er Jahre zurück, als die Verlage ihre (Taschen-) Bücher mit der Coverart von namhaften Künstlern wie Boris Vallejo, Julie Bell, Frank Frazetta, Luis Royo, Rowena Morrill u. v. a. versahen. Damals zierten viele großartige, gemalte (!) Titelbilder die Science Fiction-, Fantasy- und Horror-Romane, und oft griff man neugierig nach dem Buch eines bis dahin unbekannten Autors, weil das schöne Titelbild lockte. Mit dem Einzug des Computers in alle Haushalte ab Mitte der 1980er Jahre und durch die immer besseren Zeichenprogramme, durch die Personen, die selber – mit der Hand – gar nicht zeichnen können, in die Lage versetzt wurden, durch die perfekte Beherrschung von Bryce, Poser, Corel Draw usw. Bilder zu erstellen, verschwanden die hochwertigen Malereien, die vermutlich einiges an Lizenzgebühren gekostet hatten, und wurden durch die preiswertere Massenware aus dem PC ersetzt. Seither dominiert ein langweiliger Einheitsbrei aus Computer-Grafiken (die inzwischen zwar nicht mehr so hölzern und zusammengestückelt wirken wie noch in den 1990ern) und mit diversen Grafikelementen nachbearbeiteten Fotos, die einander derart ähneln, dass es dem Leser schwerfällt, anhand der Cover zu identifizieren, ob er dieses oder jenes Buch eines Genres bereits in der Sammlung hat oder nicht: Man denke nur an die unsäglichen ‚Six-Pack-Macker ohne Kopf und Unterleib‘ und den ‚entrückt blickenden Cheerleader-Teenie‘, beide mit und ohne geheimnisvollen Tattoos auf der glatten Haut oder/und Schauer-Kram im Hintergrund, die nahezu jede Paranormal Romance (werden überhaupt noch andere fantastischen Genres, von Splatter einmal abgesehen, aufgelegt?!) als solche kennzeichnen. Und dann Seite 7 von 80

klagten früher manche über die ach so ‚eintönigen Muskelbarbaren mit der fast nackten, ständig zu rettenden Prinzessin am Knie‘ … Fantastik-Freunde haben auf jeden Fall viel Freude an Werken wie „Dreams“ von Luis Royo, „Fantasy“ von Boris Vallejo, „The Fantastic Art of Frank Frazetta“, „Die J. R. R. Tolkien-Gemälde“ von Greg und Tim Hildebrandt, „The Art of John Bolton“ usw. Erwähnenswert ist, dass sich viele dieser Künstler nicht zu schade sind, im Bereich Film, Game und Comic aktiv zu werden und mit ihrem Können eine fantastische (Spiel-) Welt mitzugestalten, darunter H. R. Giger, Samwise Didier und Brom, oder ihre Version eines/mehrerer Superhelden vorzustellen, wie z. B. Milo Manara.

Matt Burns, Chris Metzen, Mickey Neilson, Brian Kindregan, Doug Alexander Die Tyrael-Chronik Diablo III Diablo – Book of Tyrael, Blizzard Entertainment, USA, 2013 Panini Books, Stuttgart, 03/2014 HC, Sekundärband, Compendium, Artbook, Game/Media, Horror, Dark Fantasy, 978-3-8332-2829-2, 166/3990 Aus dem Amerikanischen von N. N. Titelillustration von Glenn Rane Artwork von The Black Frog, Nicolas Delort, ENrang, Riccardo Federici, Gino, John Howe, Joseph Lacroix, Ian McCaig, Jon McConnell, Petar Meseldzija, Jean-Baptiste Monge, Ruan Jia, Dan Hee Ryu, Adrian Smith, Yang Qi, Bin Zhang, Zhang Lu, Victor Lee Extra: auffaltbares, beidseitig bedrucktes Poster www.paninicomics.de www.blizzard.de http://briankindregan.com www.ainokostudios.com www.glennrane.com http://arsenal21.deviantart.com www.dynamografika.com www.nicolasdelort.com http://amberblade.tumblr.com/post/82724163063/enrang-blog http://riccardofederici.blogspot.com http://whitehallstudios.blogspot.de/ www.john-howe.com http://josephlacroix.blogspot.com http://ianmccaig.blogspot.com http://jonmcconnell.blogspot.com www.petarmeseldzijaart.com/ www.jbmonge.com www.ruanjia.com http://ruanjia.deviantart.com www.adriansmith.co.uk www.tumblr.com/tagged/yang-qi http://blog.sina.com.cn/benjamin http://zhanglu.deviantart.com/ www.math.sjsu.edu/~goldston/victor/vindex.htm „Diablo“ ist eine erfolgreiche Action-Rollenspiel-Reihe von Blizzard Entertainment, spielbar am PC/MAC, Playstation und Xbox. Die Handlung von „Diablo III“ spielt etwa zwanzig Jahre nach den Geschehnissen in „Diablo II“: Seite 8 von 80

Der Spieler reist nach Neu-Tristram und stößt dort auf einen Fremden, der offenbar vom Himmel fiel und seine Erinnerungen verloren hat. Nachdem dieser mit Hilfe seines Schwertes, das geborsten war und neu zusammengefügt wurde, das Gedächtnis zurückerlangte, weiß er wieder, dass er der Engel Tyrael ist. Er legt seine Unsterblichkeit ab, damit er den Menschen, die von einer großen Gefahr bedroht werden, unmittelbar helfen kann. Um sie zu warnen, verfassen er und einige andere involvierte Personen „Die Tyrael-Chronik“, die ältere und jüngste Ereignisse aufrollt, die Beteiligten vorstellt und viele erstaunliche Geheimnisse enthüllt, mit deren Hilfe „Diablo“ und seine Schergen vielleicht aufgehalten werden können. „Die Tyrael-Chronik“ ist somit Sekundärband und Artbook zugleich. Der interessierte Spieler, der auch gern zu Regelwerken, Romanen, Comics usw. zum Game greift, erhält zusätzliche Informationen, durch die seine Vorstellungen von der fantastischen „Diablo“-Welt präzisiert werden. Dank der zahlreichen, sehr schönen Illustrationen, die von verschiedenen Künstlern geschaffen wurden – darunter Bin Zhang, den man u. a. durch den Manhua „Benjamin“ (Tokyopop) kennt, und Ian McCaig, der z. B. an den „Star Wars“-Filmen beteiligt war – ist der Titel auch für nicht spielende Horror- und Dark-Fantasy-Fans interessant, die Artbooks sammeln. Das Hardcover ist sehr aufwändig gestaltet: Die Vorder- und Rückseite weisen eine Prägung auf. Umlaufen wird das Cover von einer Banderole. Die Kanten der Seiten sind vergoldet wie bei einem alten, bedeutsamen Folianten. Schlägt man das Buch auf, ist es im Innern ‚auf alt gemacht‘, sodass Umschlag und Inhalt harmonieren. Das trifft auch auf die Farbgebung der Seiten mit Text und die Illustrationen zu, die weitgehend monochrom gehalten sind in erdigen Gelb-Orange-Braun- oder Grau-Nuancen. Ganz selten setzen andere Farben gezielt kleine Akzente. Zu sehen sind die Protagonisten und ihre Gegner, die Orte, an denen sie wirken, Waffen und andere Artefakte etc. Auf der letzten Seite findet man einen Umschlag, der ein aufklappbares, beidseitig bedrucktes Poster mit Stammbäumen beinhaltet. Ein rundum gelungenes, sehr schönes Artbook, dessen Illustrationen man immer wieder gerne betrachtet – und für eingefleischte Gamer ein äußerst reizvolles Extra in der Sammlung! (IS)

Dem Thema entsprechend werden die Bildbände sehr aufwändig und stimmungsvoll gestaltet. In Konsequenz verlieh man beispielsweise dem Bildband/Compendium zu einem Piraten-/Adventure-Game, das schildert, wie die Seeräuber einst lebten, die Optik eines alten Logbuchs, indem es mit nachgedunkelten, fleckigen, stellenweise fehlenden/eingerissenen Seiten und beigefügten Seekarten, Texten und Noten zu Seemannsliedern sowie Anleitungen zu verschiedenen Knoten u. v. m. im Rahmen der ‚Tagebuch-Einträge‘ versehen wurde. Andere, insbesondere Bildbände zu Filmen, werden durch Soundgeneratoren aufgepeppt, sodass man eine eindrucksvolle Szene im Bildteil betrachten und gleichzeitig die passenden Geräusche dazu hören kann. Manchmal liefern sie auch etwas ungewöhnliche Inhalte, die rein auf den eingefleischten Fan zugeschnitten sind, beispielsweise wenn Blaupausen, Konstruktionspläne, technische Details oder gar Landund Sternenkarten den Schwerpunkt ausmachen. Ein Wort sollte man auch der ‚Verpackung‘ und der gängigen Ausstattung widmen. Nicht immer erhält man ‚bloß‘ das Buch. Besonders edle Bände werden in einem bedruckten, stabilen Karton ausgeliefert, sind meist noch in eine (wiederverschließbare) Folie eingehüllt, haben einen Schutzumschlag und werden von einer Banderole umlaufen. Für gewöhnlich entscheiden sich die Verlage für ein Hardcover oder einen kartonierten Einband, der außerdem durch Seite 9 von 80

Relief- oder Foliendruck und gezielte Farbakzente zum Hingucker wird. Kunstdruck- oder Hochglanzpapier sind schon Pflicht. Letzteres hat leider den unangenehmen Nebeneffekt, das dunkle Flächen früher oder später von Fingerabdrücken verunziert werden. Kleine Extras wie beigelegte Drucke (nummeriert, signiert) oder Poster u. ä. runden mitunter ab. Larry Nemecek Star Trek: Stellar Kartographie – Eine Auswahl aus der Astronomischen Bibliothek der Föderation Star Trek Stellar Cartography, USA, 2013 Panini Books, Stuttgart, 1. Auflage: 12/2013, limitiert auf 2000 Ex.! HC in stabiler Box mit 10 großformatigen Sternenkarten, Sekundärliteratur, Artbook/Posterbook, SF, Media, 978-3-8332-2759-2, 48/6900 Aus dem Amerikanischen von Nina Kavelar, Köln Titelmotiv und Abbildungen im Innenteil © CBS/Paramount u. a. Karten von Ian Fullwood, Geoffrey Mandel, Ali Ries www.paninicomics.de www.startrek.com www.larrynemecek.com www.geoffreymandel.com http://caperium.deviantart.com Mit „Star Trek: Stellar Kartographie“ hat Panini einmal mehr einen großartigen Sekundärband ins Programm genommen, den gewiss jeder Trekkie und SF-Fan gern in seiner Sammlung hätte. Zunächst liegt eine stabile Kassette aus dickem Karton mit Magnetverschluss vor dem Betrachter. Das Cover wird von einem typischen Motiv – die Enterprise im All – geziert. Einige Teile sind durch Foliendruck hervorgehoben. Für den Schriftzug „Stellar Kartographie“ wurde Goldfoliendruck spendiert. Klappt man die Kassette auf, so erhält man ein Triptychon: Links und rechts findet man ein Fach mit jeweils fünf großformatigen, auffaltbaren, einseitig bedruckten Sternenkarten. In der Mitte liegt wie in einem Bilderrahmen ein Buch, Hardcover, schlicht blau und mit Goldfoliendruck versehen – sehr edel. Mit Hilfe eines gelben Bandes lässt es sich herausnehmen. Im Innern findet man u. a. die vollfarbigen Abbildungen der Sternenkarten, ergänzt durch Hintergrundinformationen zu den dort befindlichen Imperien, Welten, Völkern, ihrer Geschichte. 48 Seiten muten vielleicht ein bisschen dünn an, doch wurde bewusst darauf verzichtet, den Inhalt des Buches durch unnötige Zusätze aufzublähen. In Konsequenz erhält man ein sachliches, interessantes Handbuch, das die Karten gelungen ergänzt. Diese sind von verschiedenen Künstlern gemalt worden und sehen atemberaubend aus. Zum an die Wand hängen sind die Poster vom Alpha-Quadrant, der Cardassianischen Union, des Klingonischen Reichs etc. viel zu schade – vielleicht gibt es mal ein preiswerteres Posterbook analog denen zu „Game of Thrones“ und „The Walking Dead“? Wer sich „Star Trek: Stellar Kartographie“ zulegen möchte, muss leider tief in die Tasche greifen. Allerdings ist die wunderschön gestaltete Box jeden Cent der EUR 69,- wirklich wert! (IS) Manche dieser Bildbände gehen über das ‚Normale‘ – großformatiges Album, Kunstdruckpapier, seitenfüllende Abbildungen, eventuell einige Beilagen – noch hinaus, indem sie mit überraschenden Extras im Innenteil aufwarten, beispielsweise mit Pop-Ups und beweglichen Accessoires, aufklappbaren Taschen, in denen sich nachgedruckte Trading Cards, Stickers, Blaupausen, Fotos, Bügelmotive, Mini-Poster, Malbücher usw. befinden. Die Herstellung ist kostenintensiv, aber jedes Sammlerherz schlägt höher, wenn ein solcher Prachtband die Sammlung erweitert. Es ist erstaunlich, was sich die Herausgeber alles einfallen lassen, um die Fans zu erfreuen und Käufer anzulocken! Seite 10 von 80

Raoul Goff (Hrsg.) Game of Thrones – Pop-Up Guide für Westeros Game of Thrones: A Pop-Up Guide to Westeros, HBO, USA, 2014 „Game of Thrones“ wurde geschaffen von George R. R. Martin Panini Books, Stuttgart, 04/2014 Aufklappbares (117 x 75 cm) HC mit Magnetverschluss, Sekundärliteratur, Artbook, Fantasy, Media, 978-3-8332-2821-6, 24/5900 Aus dem Amerikanischen von Christian Leitold und Dagmar Tanda, Wien (A) Titelgestaltung und Illustrationen im Innenteil von Michael Komarck Paper-Engineering von Matthew Reinhart Text von Chris Prince www.paninicomics.de www.hbo.com/game-of-thrones www.georgerrmartin.com http://goffbooks.com www.kormarckart.com www.matthewreinhart.com „Game of Thones” ist der Titel einer erfolgreichen Buch-Reihe, geschaffen von George R. R. Martin, die ihre große Popularität vor allem der gleichnamigen TV-Serie verdankt, die viele Fans aufwändig produzierter Film-Spektakel an den Bildschirm lockte und noch eine Weile locken wird. In der High Fantasy-Serie kämpfen alteingesessene Clans und aufstrebende Newcomer sowie Außenstehende, die gezwungen sind, eine Position zu beziehen, um sich und ihre Angehörigen zu schützen, um die Macht: um den Thron von Westeros, der seit der Ermordung von König Robert Baratheon und seinem Nachfolger Joffrey mehr oder minder vakant ist, denn der nächste in der Thronfolge ist noch ein Knabe, für den die Mutter und einflussreiche Adlige regieren wollen. Niemand ahnt, dass vom Norden eine große Gefahr droht, die bereits an der Mauer aus Eis, dem letzten Bollwerk gegen die sogenannten Anderen, angekommen ist und die Nachtwache, der es an Soldaten und Ressourcen mangelt, vor ein schier unlösbares Problem stellt. Inzwischen gibt es zu „Game of Thrones“ außer den Romanen/Ebooks, Hörbüchern, DVDs und Comics auch einige Artbooks, beispielsweise das „Posterbook“ und den Bildband zur TV-Serie, „Hinter den Kulissen“. Nun präsentiert Panini den „Pop-Up Guide für Westeros“, bei dem es sich – wie der Titel schon sagt – um ein äußerst aufwändig erstelltes Pop-Up-Buch handelt, das die Schauplätze zeigt und darüber hinaus noch einige kleine Extras bietet, wie man das z. B. von dem „Dark Knight Handbuch“ oder „Star Trek Archive“ kennt. Packt man den „Pop-Up Guide“ aus, muss man zunächst eine Schutzfolie entfernen, denn der Titel wird zusammen mit einer Gebrauchsanleitung ausgeliefert, die man gründlich durchlesen und dann Schritt für Schritt befolgen sollte, um Beschädigungen des Buchs zu vermeiden. Möchte man es komplett aufklappen, benötigt man reichlich Platz, am besten auf dem Fußboden. Dann befolgt man vorsichtig die Anleitung, die das Vorgehen in Wort und Bild beschreibt. Das Zuklappen funktioniert in umgekehrter Reihenfolge. Nach und nach entfaltet sich nun der Kontinent Westeros mit all seinen Burgen und der Eismauer. Man kann wirklich nur staunen über die Künstler, die sich diese Motive ausgedacht, gezeichnet und für das 3D-Format plastisch umgesetzt haben. Wie viel Arbeit und Tüftelei dahinter steckt, lässt sich kaum abschätzen. Des Weiteren finden sich auf allen Seiten kleine Taschen, die sich ebenfalls auffalten lassen. Hinzu kommen kurze, informative Texte, welche die Lokalitäten und Besonderheiten beschreiben. EUR 59,- ist natürlich viel Geld, auch für ein Artbook, aber hält man diesen wunderbaren Prachtband in den Händen, weiß man, dass er jeden Cent wert ist. Ein großartiges Werk, das gewiss kein Fan oder Sammler hochwertiger Artbooks missen will! (IS)

Seite 11 von 80

Natürlich gibt es auch Bildbände von populären Comic-Künstlern und zu beliebten Comic-Serien, die bereits Kult-Status erlangt haben: „The Art of Darkness“, „The Art of Witchblade“, „The Art of Top Cow“, Jim Lees „Icons“, „The Art of Todd McFarlane“ – um nur einige Beispiele zu nennen. Während zu den ‘arrivierten Meistern’ und durchaus auch zu den fantastischen Künstlern so manches Buch in deutscher Sprache erhältlich ist, ist die Auswahl an Werken von Comic-Künstlern, sucht man im anglo-amerikanischen Sprachraum, ungemein größer.

Artbooks Eigentlich sind Artbooks auch nichts anderes als aus Japan stammende Bildbände, die zu mannigfaltigen Themen innerhalb der diversen Genres erscheinen. Der von Japanern verwendete Begriff wird von den westlichen Manga-, Anime- und Game-Fans für Bildbände zu beliebten Serien und von geschätzten Künstlern (Mangaka), inzwischen aber auch zunehmend für Fotobildbände von Film-/Visual Key- (Pop & Rock-) Stars und Voice Actors verwendet. Weshalb sich kein japanisches Wort durchsetzen konnte, mag daran liegen, dass es in Japan als schick und exotisch gilt, mit Anglizismen oder Worten aus anderen Sprachen aufzuwarten. Aus diesem Grund werden beispielsweise die Bezeichnungen ‚Boys Love-‘ und ‚Girls LoveMangas‘ verwendet, während die westlichen Leser gern allgemein von ‚Yaoi‘ und ‚Yuri‘ reden, was hier exotischer klingt, obschon dies in Japan die Begriffe für die entsprechenden GenreDoujinshi (von ambitionierten Fans erstellte Hefte zu populären oder eigenen Serien) sind. Artbooks sind ein wichtiger Bestandteil der Merchandise-Industrie, die außer den aufwändig produzierten Bildbänden Drama- und MusikCDs, DVDs, Action-Figuren, Kalender, Pencilboards, Trading Cards, Telefonkarten, Feuerzeuge, Handspiegel, Anhänger, Wallscrolls, Poster, Postkarten, Sticker, T-Shirts, Kissenbezüge u. v. m. anbietet, um die Sammler zu binden. Egal welches Genre man schätzt, man findet garantiert das eine oder andere Artbook, das man gern der Collection hinzufügen möchte: Seite 12 von 80

Drama („Limit“), Aufklärung („Manga Love Story“), Magical Girls („Sailor Moon“) & Magical Boys („DN Angel“), Cat Girls („Tokyo Mew Mew“) & Cat Boys („Loveless”) oder andere Tier-Attribute als Katzenohren und –schwänze, Het-Romance („Lebe deine Liebe“) & Het-Erotik („Nana & Kaoru“) einschließlich ‚Gender Bender‘ („Cute x Guy“) und ‚Harem‘ („Perfect Girl“), Boys Love („Black Sun“) & Girls Love („Frühling, Sommer, Herbst und Winter“) von romantisch bis erotisch, History („Brave 10“), Martial Art/Wu Xia („Vagabond“), Sport („Prince of Tennis“), Krimi („Coelacanth”), Fantasy („Fushigi Yuugi“), Science Fiction („Neon Genesis Evangelion”), Horror („Shi Ki“) usw. – für alle Altersgruppen. Artbooks zu namhaften Mangas (seltener zu Manhwas aus Korea und Manhuas aus China) und Animes waren und sind im Westen sehr gesucht, denn sie sind hier nur schwer zu horrenden Preisen (insbesondere seit die EZB die Kaufkraft des Euro gezielt schwächt) über den Fachhandel zu bekommen – Top-Titel sind auch in Japan sehr schnell ausverkauft. Zwar wurden im Laufe der Jahre einige Artbooks von deutschen Verlagen veröffentlicht, doch sind es nur sehr wenige, und nach welchen Kriterien gerade diese Titel ausgewählt wurden, kann man bloß raten: Vermutlich entschied man sich für Bildbände zu Reihen, die allgemein sehr beliebt sind und gute Verkaufszahlen haben, sodass sich das Risiko, keine Kunden für die hochpreisigen Bücher zu finden, in Grenzen hält. Infolgedessen blieben und bleiben die Verlage ihrer – aus Lesersicht – höchst unglücklichen Programmgestaltung treu und publizier(t)en weitgehend Artbooks zu niedlich-süß-verspielten Serien für sehr junge Leserinnen („Card Captor Sakura“, „Shugo Chara“ usw.) oder zu den teilweise durch das Nachmittags-TV beworbenen Abenteuer-Reihen für ebenfalls sehr junge Leser („Naruto“, „Soul Eater“ etc.). Eher ausnahmsweise wurden und werden die Wünsche des reiferen Publikums beantwortet durch Titel wie „Justice’n‘Mercy“ („Priest“, MinWoo Hyung) oder „Finder Character Book“ („Finder“-Series, Ayano Yamane). Dabei ist gerade das, was nicht nach Deutschland gelangt, oft sehr viel aufwändiger gestaltet, inhaltlich ansprechender und von den Zeichnungen her aparter. Schade, dass man diesen Zug hat abfahren lassen, denn mittlerweile ist das Interesse an Mangas und damit an den Merchandise-Raritäten am Sinken, denn das Angebot an verfügbaren Serien in deutscher Sprache ist zwar immens gewachsen, nur eben nicht auf den Großteil der Kunden abgestimmt worden, sodass Käuferschichten in den letzten Jahren weggebrochen sind, was nicht ausgeglichen werden konnte durch den Nachwuchs an Jung-Lesern (eine vergleichbare Problematik kennt auch die US-Comics-Szene).

Seite 13 von 80

Atsushi Ohkubo Soul Eater Soul Art, Japan, 2009 Carlsen Manga, Hamburg, 07/2013 Vollfarbiges HC-Album im Querformat mit Schutzumschlag im bedruckten Plastikschuber, Artbook, Manga, Horror, Urban Fantasy, Adventure, Action, Comedy, 978-3-551-75614-5, 112/2490 Aus dem Japanischen von Claudia Peter Titelgestaltung und Zeichnungen im Innenteil von Atsushi Ohkubo www.carlsenmanga.de http://ameblo.jp/atsushi-ohkubo/ Atsushi Ohkubo wurde an einem 20. September in der Präfektur Tokyo, Japan geboren. Er startete seine Karriere als Assistent von Rando Ayamine mit der Serie „Get Backers“, bevor er 2002 mit „B.Ichi“ als Autor und Zeichner debütierte und sich ein Jahr später mit „Soul Eater“ und dessen Spin Off „Soul Eater Not“ (2013) erfolgreich etablierte. 2009 krönte er mit dem Artbook „Soul Eater Soul Art“ sein Schaffen. Der Shonen-Manga „Soul Eater“ erschien von 2003 bis 2013 und kam auf 25 Tankobons. Seit 2011 läuft der Spin Off „Soul Eater Not“, von dem bereits 4 Bände vorliegen. Ferner existiert eine 51-teilige Anime-Reihe. Die Welt von „Soul Eater“ ist der unseren sehr ähnlich, doch gibt es auch übersinnliche Wesen wie Shinigami (Totengötter), Hexen und (Waffen-) Dämonen. An einer Akademie werden die Schüler von speziellen Lehrern zu sogenannten Waffenmeistern ausgebildet, die mit mehreren Waffen, aber nur mit maximal zwei Waffen-Dämonen, ein Team bilden. Das Ziel jedes Schülers ist es, seine besondere Waffe in ein Death Scythe (Todessense) zu verwandeln, was mit der Erledigung verschiedener Aufträge verbunden ist. Auf diese Weise wird zugleich verhindert, dass unreine Seelen andere Seelen konsumieren und dadurch zu Dämonengöttern werden. Es gibt natürlich noch andere Gruppen, die durch ihr Machtstreben den Schülern und Waffenmeistern das Leben schwermachen. Die Hauptfiguren der Geschichte sind Maka Alban und ihre (männliche) Waffe „Soul Eater“, der im Kampf zu einer großen Sense wird. Erfolgreich eliminieren sie viele verdorbene Seelen und sollen nun noch eine Hexe konsumieren, sodass Soul Eater ein Death Scythe wird. Dummerweise fallen sie jedoch auf eine magische Katze herein, die dank ihrer neun Leben den Tod übersteht, doch muss das Team wieder ganz von vorne beginnen mit dem Einfangen verdorbener Seelen … Das Artbook „Soul Eater Soul Art“ ist im Carlsen Verlag als vollfarbiges Hardcover-Album im (seltenen) Querformat mit Schutzumschlag erschienen. Ein schwarz-weiß und gelb bedruckter Seite 14 von 80

Plastikschuber schützt den hochwertigen Bildband, dessen Innenteil mit gutem Kunstdruckpapier aufwartet. Auf rund 110 Seiten findet man farbige Illustrationen, bei denen es sich teils um (unveröffentlichte) Cover-Entwürfe, Kapitel-Deckblätter, Postkarten- und Telefonkartenmotive etc. handelt, die man in Deutschland oft nur in Schwarz-Weiß (in den Mangas) oder überhaupt nicht (in geringer Stückzahl ausschließlich für den japanischen Markt produziert) zu sehen bekommt. Das Inhaltsverzeichnis am Ende des Artbooks gibt Auskunft, zu welchem Anlass die jeweilige Zeichnung entstanden ist, leider nicht immer mit Angabe des Erscheinungsjahres. Die Kommentare des Künstlers stehen ebenfalls hier, sind allerdings extrem kurz, wenig informativ und so winzig gedruckt, dass man auf das mühselige Lesen getrost verzichten kann. Tatsächlich vermisst man eine kurze Vita von Atsushi Ohkubo, ein Interview und ausführliche Kommentare zu seinen Werken. Platz wäre durchaus vorhanden gewesen, denn nicht alle Abbildungen sind seitenfüllend. Ihre Größe schwankt zwischen Postkartenformat und einer Doppelseite; meist belegen zwei halbseitige oder eine ganzseitige Zeichnung ein Blatt. Die Motive stammen überwiegend aus der Serie „Soul Eater“, doch gibt es vereinzelt Bilder aus „B.Ichi“ und Auftragsarbeiten zu den Titeln anderer Mangaka, Games und Animes, darunter „Full Metal Alchemist“ und „Eureka seveN“, doch bedauerlicherweise nicht zu „Get Backers“. Der Künstler überrascht durch stilistische Vielfalt. So findet man nahezu alles von skizzenhaften Entwürfen über ausgeführte, sorgfältig kolorierte Zeichnungen, die seine Arbeitsweise im Manga repräsentieren, bis hin zu experimentellen Illustrationen, die der Tusche- und Aquarellmalerei zugeordnet werden können. Was am besten gefällt, ist Geschmackssache. „Soul Eater Soul Art“ ist ein Artbook, das in erster Linie an die Leser der Serie adressiert ist, das die Zeichnungen von Atsushi Ohkubo gern in einem größeren Format und in Farbe bewundern möchte und das außerdem gern weniger bekannte Motive zu sehen wünscht. Beiden Anforderungen wird der Titel gerecht. Auch Genre-Fans, die von Shonen-Mangas mit ähnlichen Themen begeistert sind (z. B. „Bleach“, „Death Note“ – weniger „Yami no Matsuei“, das für Leserinnen konzipiert ist), dürften Interesse an dem Band zeigen, ebenso allgemein die Sammler ansprechend gezeichneter Artbooks. (IS)

Wer Artbooks sammelt, weiß, dass die deutschen Ausgaben qualitativ nicht ganz an das Original heranreichen. Hin und wieder wurde z. B. statt des Hard- die Softcover-Variante gewählt, Schuber, Schutzumschlag und das edle Schmutzblatt hat man eingespart etc. Das ist schade, denn selbst hier brillieren die Herausgeber oft mit witzigen Ideen, die dann notwendigerweise unter den Tisch fallen.

Für den Kauf des deutschen Bandes spricht, dass er preislich etwas günstiger ist und man natürlich die knappen Texte (Interview mit dem Künstler, Erläuterungen zu den einzelnen Illustrationen, Zeichen-Tutorials, Kurz-Manga, Quiz usw.) lesen kann, denn nicht jeder Sammler ist der japanischen Sprache mächtig. Für wen dieser Punkt zweitrangig ist, der kann natürlich aus dem viel größeren Angebot des japanischen Marktes schöpfen:

Seite 15 von 80

-

Manga-Artbooks: Künstler-Bildbände von beliebten Mangakas zu aktuellen Serien. Sie enthalten die Titelbilder der Tankobons, farbige Deckblätter aus den zumeist monatlich erscheinenden Anthologien, in denen die einzelnen Kapitel veröffentlicht werden, wenig bekannte Abbildungen von CD-Cover, Con-Poster und Postkarten etc. Die Alben sind überwiegend in Farbe, präsentieren manchmal auch ausgeführte Tusche-/Schwarz-Weiß-Zeichnungen und Skizzen. Diese müssen nicht ausschließlich der Hauptserie des Künstlers gewidmet sein. Der Textanteil ist klein (Interview, Kommentare zu den Bildern u. ä.). Hin und wieder erscheinen die Bände im Überformat und versehen mit Beilagen wie Trading und Gaming Cards, Stickers, aufklappbare Poster u. a. m.

-

Characterbooks und Sketchbooks: Künstler-Bildbände von beliebten Mangakas zu aktuellen Serien. Sie erscheinen überwiegend in Farbe, teils in Schwarz-Weiß sowie mit Inhalten und einer Ausstattung, die sich mit denen der Artbooks vergleichen lässt. Dass die Bände gezielt einem oder mehreren Charakteren gewidmet sind, trifft eher ausnahmsweise zu, denn grundsätzlich konzentrieren sich Artbooks, Characterbooks und Fanbooks auf die Protagonisten, weniger auf Equipment und ausführliche Hintergrundinformationen.

-

Fanbooks: Sind keineswegs von, sondern für Fans erstellte Bildbände zu Mangas und Animes von professionellen Künstlern/den Schöpfern der jeweiligen Serie und bieten den Artbooks und Characterbooks vergleichbare Formate, Inhalte und Extras – aber auch mehr Text (Serien-, Charainformationen usw.).

-

Series Guides: Ein überwiegend in Schwarz-Weiß gehaltenes Kompendium, das die Hintergründe einer vielbändigen Serie nebst ihrem Schöpfer beleuchtet, die Charaktere und ihre Entwicklung beschreibt und die wesentlichen Geschehnisse in Wort und Bild zusammenfasst. Hierfür werden Auszüge aus den Mangas verwendet und so gut wie keine neuen Zeichnungen. Es gibt allenfalls einen sehr kleinen Anteil an Farbseiten, die extra für den Guide erstellt wurden. Der Textanteil ist sehr hoch, da die Information im Vordergrund steht. Die japanischen Ausgaben sind daher nur für Alles-Sammler interessant und für Personen, die Japanisch lesen können.

-

Character Guides: Unter diesem Begriff findet man sowohl weitgehend farbige Artbooks als auch überwiegend in Schwarz-Weiß gehaltene Charakterstudien in Wort und Bild mit persönlichen Informationen zu den Figuren, die von den Fans als wichtig erachtet werden (Alter, Größe, Gewicht, Sternzeichen, Blutgruppe, Lieblingsfach, mag/mag nicht usw.).

-

Postcardbooks: Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um kleinformatige Bücher, oft Hardcover, in denen Motive zu Manga- und Anime-Serien auf festem Kartonpapier mit umseitigem Postkartenaufdruck zu finden sind.

-

Anime-Artbooks: Bildbände zu aktuellen Animes, die vor allem Screenshots, Charakterstudien und Hintergründe (Farbe und Schwarz-Weiß) sowie Storyboard-Skizzen enthalten, ferner eigens – von verschiedenen Künstlern – angefertigtes Artwork, das teilweise in Anime-Magazinen abgedruckt und für PromotionZwecke verwendet wurde. Der Textanteil ist höher, da man oft einen Serien-Guide beifügt, die Figuren ausführlich vorstellt und Interviews mit dem Produzenten, dem Schöpfer der Serie und den

Seite 16 von 80

Voice Actors anschließt. Die Bücher sind manchmal recht schlicht, andere wieder stellen vom Aufwand her manches Manga-Artbook in den Schatten durch z. B. eine inhaltliche Aufteilung in mehrere Bände und allerlei Beilagen. -

Game-Artbooks: Sie sind vergleichbar den Anime-Artbooks, da sie sich auf Screenshots, Storyboard- und Charakter-Skizzen konzentrieren. Manche enthalten sehr viel, andere eher wenig zusätzliches Artwork. Der Textanteil ist meist hoch, da die Charaktere, das Spiel und seine Levels erklärt werden. Es gibt eine breite Palette von Games, die von Adventure und Fantastik („Devil May Cry“, „Lamento – Beyond the Void“) bis hin zu erotischen Dating- und Love-Games („Gakuen Heaven“, „Sukisyo“) reicht. Manche dieser Bücher sind äußerst aufwändig produziert und enthalten sogar DVD-/CD-ROM-Beilagen, andere sind vom Format her etwas kleiner und frei von jeglichen Extras.

-

Foto-Artbooks zu Manga-/Anime-Verfilmungen/Life Performances: Foto-Bildbände, die die Darsteller privat und in ihrer jeweiligen Rolle zeigen, Storyboardskizzen, Screenshots, eventuell auch Artwork des Mangaka beinhalten und mit Informationen zum Film sowie Interviews ergänzen. Extras können dabei sein.

-

Foto-Artbooks zu Visual Key- u. a. Stars: Balzac, Dir En Grey, Gackt, Hide, Lunar Sea, Malice Mizer, Morning Musume, Mika Nakashima, Sheena Rinngo etc. sind Pop- und Rockstars, die verschiedenen Musikrichtungen präsentieren und die man längst auch im Westen kennt. Besonders auffällig sind die Visual KeyBands, deren Mitglieder wirken, als wären sie gerade einem Gothic-Roman oder –Film entsprungen. Man erhält inszenierte Fotos, Bilder von den spektakulären Bühnenshows, Hintergrundinformationen und Interviews. Beliebte Beilagen sind Poster und CDs/DVDs. Hin und wieder liegen sogar den MusikCDs Booklets bei, die bereits Foto-Artbook-Qualität besitzen.

Im Großen und Ganzen sind die diversen Artbook-Varianten inhaltlich identisch. Hat eine Serie eine große Zahl Fans und läuft viele Jahre lang, erhält der Mangaka oft die Gelegenheit, mehr als nur ein Artbook zu gestalten. Sofern er sie nicht durchnummeriert und/oder mit Zusatztiteln versieht (Kazuya Minekura: „Saiyuki – Salty Dog 1 – 8“), deklariert er sie gern als Art-, Chara/Sketch- und Fanbook (Yoko Matsushita: „Yami no Matsuei“ – Sketch Book“, „Yami no Matsuei Character Art Book“). Zusammenfassend kann man sagen, dass Manga-Art-, Chara-/Sketch- und Fanbooks genauso wie die Anime-, Game- und Foto-Artbooks, sofern sie einen hohen Bildanteil haben, am reizvollsten für den Fan sind. Falls man die Gelegenheit hat, sollte man einen Blick in die teuren Bücher werfen, ob sich der Kauf wirklich lohnt, nicht dass man anschließend enttäuscht feststellen muss, dass man einen ‚unlesbaren‘ Episoden- oder Spiele-Guide erhalten hat, der nur von wenigen Abbildungen aufgelockert wird. Aus diesem Grund kann man den Kauf von textreichen

Seite 17 von 80

Kompendien, sofern sie nicht auf Deutsch oder Englisch vorliegen, bloß den Alles-Sammlern empfehlen und jenen, die Japanisch lesen können. Foto- und Kunstbildbände und Artbooks sind ein breit gefächertes Sammel-Gebiet, das für jeden Geschmack etwas bietet. Teilweise muss man für einen besonders edlen Titel tief in die Tasche greifen, doch wenn er dann erst einmal im Regal steht und man sich jederzeit an den wunderschönen Abbildungen erfreuen kann, ist der Preis schnell vergessen. (IS)

Artikel, Rezensionen, Fotos und Layout © Irene Salzmann (IS) Coverabbildungen © die jeweiligen Verlage

Seite 18 von 80

Kinder-/Jugendbuch_______________________ _____________ Diana Amft Die kleine Spinne Widerlich Baumhaus Verlag in der Bastei Lübbe GmbH & Co. KG, Köln, 09/2013 Großformatiges SC-Heft, Kinderbuch, Sachbuch, Spielen/Malen & Basteln, Natur & Tier, Märchen, Fantasy, 978-3-8339-0199-7, 24/599 Titelillustration und Zeichnungen im Innenteil von Martina Matos Texte und Rätsel von Cornelia Neudert www.luebbe.de www.bastei.de www.baumhaus-verlag.de http://martinamatos.blogspot.com www.zauberblau.de Die kleine Spinne Widerlich versteht nicht, warum die Menschen sich vor Spinnen ekeln oder sogar fürchten. Gemeinsam mit ihrer großen Familie erstellt sie wunderschöne Fadenbilder. Wenn sich die Verwandten gegenseitig besuchen, erzählen sie zudem lustige Geschichten, spielen zusammen und lösen interessante Rätsel. Diana Amft ist eine deutsche Schauspielerin, die vor allem durch komödiantische Filme und Fernsehserien einen großen Bekanntheitsgrad erreichte. Nun versucht sie sich als Autorin und verzeichnet auch hier einen großen Erfolg. Die beliebte Mimin erzählt einfühlsam eine Geschichte über „Die kleine Spinne Widerlich“. Die Erzählung entpuppt sich als einfallsreiches Kinderbuch mit märchenhaften Elementen. Zu dem Verkaufshit gibt es zusätzlich das vorliegende großformatige Heft, mit einem festen Einband. In diesem Mal- und Spielbuch finden Kinder ab 2 Jahre reichliche Anregungsmöglichkeiten, die das Interesse am Zeichnen und Basteln wecken und unterstützen. Es gibt Suchbilder und viele Malbilder, die mit Farbe gefüllt werden wollen. Zudem wird mit zahlreichen interessanten Rätseln die Neugier der Kinder geweckt. Es finden sich Rate-Spiele und viele Anregungen, um zu basteln. So dürften die Kinder mit der Anleitung eines Erwachsenen schnell den Umgang mit Schere, Klebestift und Papier erlernen. Die märchenhaften Illustrationen wurden kindgerecht angelegt und zeigen niedliche Spinnen mit hübschen großen Augen, die alles andere als Angst in den Kindern wecken. Das Mal- und Bastelheft eignet sich hervorragend als Mitbringsel, kleines Überraschungsgeschenk oder einfach nur, um Freude zu verbreiten. Das großformatige Heft kann unbedenklich in Kinderhände gelegt werden, da die Themen altersgerecht umgesetzt wurden. (PW)

Nina Blazon Der dunkle Kuss der Sterne cbt-Verlag, München, 02/2014 HC mit Schutzumschlag, All Age Fantasy, Romantic Mystery, 978-3-57016155-5, 528/1699 Titelgestaltung von Kathrin Schüler unter Verwendung von Fotos von shutterstock/Marilyn Barbone Autorenfoto von Isabell Grubert www.cbt-verlag.de www.ninablazon.de www.shutterstock.com Canda lebt in Ghan. Sie ist eines der privilegiertesten Mitglieder ihrer Gesellschaft und soll schon bald mit ihrem zukünftigen Ehemann ein wichtiges Amt, das der Meghana, bekleiden. Doch als sie am Hochzeitsmorgen erwacht, ist alles anders. Von ihren vier Gaben fehlt ihr die der alles überstrahlenden Schönheit, für die Kriege geführt werden und die Menschen dazu bringt, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Ihr Verlobter Tian ist zudem verschwunden. Seite 19 von 80

Die junge Frau kann einfach nicht glauben, was mit ihr passiert. Eben war sie noch ein geachtetes Mitglied ihres Hauses, doch urplötzlich werden ihr alle Privilegien genommen. Sie wird eingesperrt, soll ihre übrigen Gaben für das Wohl der Stadt Ghan einsetzen - und das für den Rest ihres Lebens. Ein wahrer Albtraum beginnt für Canda. Sie entwickelt jedoch ungeahnte Kräfte und einen unglaublichen Freiheitsdrang. Schließlich gelingt ihr die Flucht. Mit Hilfe eines jungen Mannes, den ihr die Herrscherin Ghans, deren Nachfolgerin sie werden sollte, zur Seite stellt, macht sie sich an die Verfolgung ihres entführten Geliebten. Schnell erhärtet sich der Verdacht, dass es ausgerechnet der geliebte Mann war, der sie betrogen und ihrer Gabe beraubt hat. Auf ihrem Weg zu Tian trifft die junge Frau auf Menschen, denen sie vorher keinerlei Beachtung geschenkt hat. Das einfache Volk von Ghan leidet große Not. Unmerklich verändert sich die Einstellung Candas zu Gunsten jener, und ihr Beschützer Amadar verursacht ihr Herzflattern. Nina Blazon schafft es virtuos, die Geschichte der Bewohner Ghans aus der Sicht von Canda zu erzählen. Schnell erhält der Leser einen Überblick über die Welt, in der die junge Frau lebt. Sehr schön wird die Entwicklung, die Canda während ihrer Abenteuer durchmacht, geschildert. Erst als sie merkt, dass sie ihr ganzes Leben in einem goldenen Käfig wohnte und so ihr Denken stark beeinflusst wurde, beginnt sie, sich von ihrer Vergangenheit zu lösen. Tian ist hierbei eher eine Randfigur, der jedoch der Auslöser für Candas Misere ist. Er ist nicht der liebende Mann, der er vorgibt zu sein. Als wundervoller, sehr attraktiver Gegenpart zu ihm bekommt Canda den mysteriösen Amadar als Begleiter. Er ist ebenfalls nicht frei, sondern an die Meghana, die suspekte Herrscherin der Stadt Ghan, gebunden. Womit es der Meghana gelungen ist, ihn zu ihrem willfährigen Sklaven zu machen, wird erst im Laufe der Geschichte aufgedeckt. Außerhalb der Stadt Ghan trifft Canda auf normale Menschen, die in kargen Hütten leben und ihren Lebensunterhalt durch harte Arbeit verdienen. Einige dieser Protagonisten sind eine Gefahr für die junge Frau, andere helfen ihr und bieten sogar Freundschaft an. Zudem wird ihr die wahre Natur ihrer Gaben offenbart. Dies führt zum endgültigen Bruch mit ihrem alten Leben. Leser die gerne in fantastischen Welten schwelgen und Geschichten mögen, die ein wenig Romantik enthalten, werden diese wundervolle Erzählung erst dann aus der Hand legen, wenn sie auch die letzte Seite verschlungen haben. Obwohl es sich bei diesem Titel um ein Jugendbuch handelt dürften sich auch ältere Leser gleich welchen Geschlechts angesprochen fühlen. Wer von dem Schreibstil der Autorin und ihrer unglaublichen Fantasie fasziniert ist, wird sich ebenso für Titel von Tanja Heitmann interessieren. Die „Schattenschwingen“-Trilogie wäre an dieser Stelle erwähnenswert. Diese Geschichten haben ebenfalls einen fantastischen Hintergrund. Nina Blazons Roman ist für alle Träumer und Romantiker, die daran glauben, dass das Gute letztendlich siegt. (PW) Kami Garcia/Margaret Stohl Eine ewige Liebe Nineteen Moons – Final (Bd. 4) Beautiful Redemption, 2012, USA cbj-Verlag, München, 1. Auflage: 01/2014 HC mit Schutzumschlag, Jugendbuch, All Age Fantasy, Romantic Mystery, Adventure, 978-3-570-15133-4, 416/1899 Aus dem Amerikanischen von Petra Koob-Pawis Titelgestaltung von Geviert, Benjamin Zirnbauer Autorenfoto von Alex Hörner www.cbj-verlag.de www.hamigarcia.com www.margaret-stohl.com www.geviert.com Ethan Wate hat sich geopfert, um die Welt vor der Zerstörung zu bewahren. Lena will sich nicht damit abfinden, dass ihre große Liebe für immer verloren scheint. Hoffnungsvoll wartet sie auf ein Zeichen des Menschen, der ihr alles bedeutet. Seite 20 von 80

Ethan hingegen befindet sich in der Anderwelt. Hier wohnen die Seelen der Verstorbenen, die noch etwas zu erledigen haben, bevor sie weiterziehen können. Dort trifft er seine Mutter und hat die Gelegenheit, ein wenig Zeit mit ihr zu verbringen. Er selbst hofft auf eine Möglichkeit, wieder zurück zu Lena zu gelangen. Unerwartet erhält der junge Mann Hilfe von vielen Schemen, die sich sowohl aus seinen Verwandten als auch aus längst verstorbenen dunklen Castern zusammensetzen. Er hat die Wahl: Entweder er bleibt bei seiner Mutter und wartet darauf, mit Lena in der Anderwelt vereint zu werden. Dies würde eine sehr lange Zeit der Geduld für beide bedeuten. Oder er kämpft darum, wieder ins Leben zurückzukehren. Ethan entscheidet sich für Letzteres. Dabei gerät er in große Gefahr. ‚Die Hohe Wacht‘, die die Bibliothek der Caster bewacht, ist dafür bekannt, furchtbare Strafen über diejenigen zu verhängen, die es wagen, ihnen zu trotzen. Lena und Ethan nehmen den Kampf gegen diese Mächte auf. Der Ausgang ist ungewiss. Die Liebenden sind dennoch gewillt, alles zu riskieren, um nicht einen Moment länger voneinander getrennt zu sein. Die letzte Runde um den Kampf ‚Gut gegen Böse‘ hat begonnen. Dabei stoßen Lena und Ethan auf einen mächtigen Gegner. Dieser stellt alles an Bösartigkeit, die sie bisher erlebten, in den Schatten. Gut, dass sie hilfreiche Mitstreiter, sowohl in der Welt der Lebenden als auch in der jenseitigen, haben, die ihnen zur Seite stehen. ‚Die Hohe Wacht‘ hingegen entpuppt sich als korrupter, machthungriger Haufen, der seine Kräfte dazu nutzt, unglaublich üble Taten zu begehen. Vertraute Figuren und neue Mitstreiter werden nachvollziehbar in die Geschichte eingebettet. So erhalten Charaktere wie Ethans Mutter oder der Caster Macon mehr Tiefe, was auch für das weitere Geschehen wichtig ist. Leser, die erst jetzt in die Serie einsteigen, werden ihre Schwierigkeiten haben, der Story gänzlich zu folgen. Doch da der Hauptplot auf Lena und Ethan sowie ihrer großen Liebe liegt, sind diese Details vernachlässigbar. Die beiden Hauptfiguren erzählen im Wechsel ihre Erlebnisse und lassen das Publikum an ihren tiefen Gefühlen füreinander teilhaben. Der Vollständigkeit halber sollten sich Fans des Genres dennoch die weiteren Bände der gefühlvollen Fantasy-Serie zulegen. Die Autorinnen verstehen es, die Spannung von Seite zu Seite zu steigern. Der Leser gerät in einen unaufhaltsamen Sog, der erst bereit ist, einen wieder freizugeben, wenn die Geschichte von Lena und Ethan zu Ende erzählt ist. (PW) Alex Gutjahr Tiere im Zoo Perlen-Reihe 137 Verlag Perlen-Reihe, Wien (A), 03/2014 TB im Kleinformat, gedruckt mit Pflanzenölfarben auf Ökopapier, Kinderbuch, Sachbuch, Natur & Tier, kreatives Lernen, 978-3-99006035-3, 128/1295 Titelillustration von Jan Philipp Schwarz Zeichnungen im Innenteil von Zapf Fotos im Innenteil von Fotolia.com, Axel Gutjahr http://www.perlen-reihe.at/ www.schwarzmalerei.com http://zapf-zeichnet.blogspot.com Die „Perlen-Reihe“: Geboren aus einem Fußballregelbuch (erschienen 1948) entwickelte Verlagsgründer Adalbert Pechan die Idee „ raktisches und Wissenswertes f r eden […] im praktischen Taschenformat, dem von ihm selbst entworfenen Logo und der wiedererkennbaren Umschlaggestaltung“ zu bieten und schuf damit „den Vorläufer des beraus erfolgreichen Genres der Ratgeberliteratur, wie wir sie heute kennen“.

Seite 21 von 80

In „Tiere im Zoo“, Band 137 der „Perlen-Reihe“, lädt Erdmännchen Suri zu einem Zoo-Spaziergang ein und stellt seine großen und kleinen, landgängigen, gefiederten und schwimmenden Freunde vor. Autor Alex Gutjahr beschränkt sich nicht auf trockene Fakten, die oberlehrerhaft vorgetragen werden, sondern nimmt die kleinen und auch die großen Leser durch die Erzählerfigur Suri gleich für sich ein. Natürlich enthält das Buch auch grundsätzliche Fakten, wie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den einzelnen Tierarten, natürliche Lebensräume, Futter und Entwicklung, doch dies wird eher nebenbei vermittelt. Mehr liegt das Augenmerk des Autors auf den spannenden, witzigen und durchaus beeindruckenden Eigenschaften und Fähigkeiten der Tiere, wie etwa den ‚Regencapes‘ der Orang-Utans oder die Geschwindigkeitsrekorde der Geparden. So werden ‚trockene‘ Fakten spannend und einprägsam präsentiert, unterstützt von den Zeichnungen von Zapf. Der Text ist außerdem immer wieder durch kleine „Wusstest du schon, dass ..."-Kästchen unterbrochen, die weitere interessante Informationen bereithalten. Die Auswahl der Fotos und Zeichnungen ist äußerst gelungen und großzügig. Das sehr schön gestaltete Layout (z. B. abgerundete Fotoecken) sorgt dafür, dass das Büchlein (knapp 14 x 10 cm) nicht überladen wirkt. Abgeschlossen wird der Band von einem Quiz und einer Faktentabelle über die vorgestellten Tierarten zum schnellen Nachschlagen. Autor Alex Gutjahr studierte u. a Tierzucht und arbeitet als Fachschullehrer in diesem Bereich. Er hat bisher 40 Sachbücher mit botanischen, zoologischen und landwirtschaftlichen Inhalten verfasst. Auffällig ist außerdem das Kommitment des Verlags zum Umwelt- und Klimaschutz. Der Druck der „Perlen-Reihe“ erfolgt laut Verlagsangaben klimaneutral mit Pflanzenölfarben auf FSCzertifiziertem Papier. „Tiere im Zoo“ präsentiert sich informativ, schön gestaltet und kindgerecht - ohne kindisch zu sein. Ein perfektes Mitbringsel oder kleines Geschenk. (EH) Claudia Huboi & Susanne Nöllgen unter Mitarbeit von Jochen Mücke kritzeln – krakeln – schreiben: Das Buchstaben-Mitmachbuch für Kinder Haupt Verlag, Bern (CH), 09/2013 PB mit Klappbroschur, Sachbuch, Kinderbuch, Schreiben & Zeichnen, Handarbeiten & Basteln, 978-3-258-60086-4, 160/2490 Titelfotos und Fotos im Innenteil von Sabine Münch, Berlin Zeichnungen im Innenteil von Claudia Huboi/kreisrund.wortplusbild und Susanne Nöllgen/GrafikBüro, Berlin www.haupt.ch www.kreisrund-redaktion.de www.sabine-muench.de Die Zahl der Buchstaben im Alphabet mag begrenzt sein – die ihrer Variationen hingegen nicht. Wer dachte, dass man mit ihnen nur schreiben kann, dem zeigen die Autorinnen Claudia Huboi und Susanne Nöllgen neue Möglichkeiten auf. Bei ihnen werden Buchstaben gekrakelt und gestempelt, verfremdet und zu Tieren arrangiert, werden gemorst, chiffriert, geschnitten und sogar gestrickt. Alles in allem werden sie angeschaut, erforscht und genossen. Das Buch ist eine Entdeckungsreise in eine Welt, die uns alltäglich umgibt und ganz vertraut, ja, banal erscheint. Buchstaben sind Gebrauchsgegenstände, doch hier werden sie aus neuen Perspektiven betrachtet und auch handwerklich erfahren. Es geht keineswegs ums Schreibenlernen; das umfangreiche Buch aus dem Haupt Verlag, der für manche ungewöhnliche Publikation wie diese für Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 12 Jahre bekannt ist, ist keine ‚Lernfiebel‘ im klassischen Sinne. Vielmehr geht es darum, das Konstrukt Schrift von seinen Anfängen als Hieroglyphen bis zu seinen Sonderformen wie Flaggenalphabet Seite 22 von 80

oder Blindenschrift darzustellen. Hinzu kommen Anleitungen zum einfachen Erstellen von eigenem Schreibwerkzeug wie z. B. Federn aus Strohhalmen oder einem Morsegerät. Einige der Anregungen scheinen etwas bizarr – gerade die gestrickten Buchstaben haben etwas zu Gewolltes. Doch insgesamt ist es bemerkenswert, wie es den Autorinnen gelingt, so viele Aspekte der Schreibkunst einzubeziehen und den Bogen von dem, was die kleinen Leser machen können – also Krakeln oder Stempeln -, bis hin zu komplexen Arbeiten wie die Erstellung von Layouts am Computer für die Größeren zu schlagen. Diese Vielseitigkeit macht Teile des Buches für jeweils einige Altersgruppen uninteressant, doch da es bei etwa 60 Projekten reichlich Auswahl gibt, fällt das nicht ins Gewicht. Von der Aufmachung her ist „kritzeln – krakeln - schreiben“ hell und modern, mit vielen Illustrationen von den Autorinnen und Beispielwerken der Kinder, die an der Entwicklung des Mitmach-Buchs beteiligt waren. Die Texte sind nicht zu lang, recht informativ und lassen sich gut lesen oder vorlesen. Die Mehrzahl der Projekte wirkt so, als würden sie am meisten Spaß machen, wenn sie mit mehreren zusammen verwirklicht werden, doch sind sie sicher auch für ältere Kinder spannend, die sich alleine auf die Entdeckung der Buchstaben machen. Im hinteren Teil helfen Ausschneidevorlagen, die man für mehrfachen Einsatz jedoch kopieren sollte, so wie ohnehin einige der Mitmachseiten, die sich überall im Buch befinden. „kritzeln - krakeln - schreiben“ ist ein Buch, das auf angenehme Weise jenseits der Norm liegt und interessierten Kindern neue Sichtweisen auf das Schreiben eröffnet, Lehrenden ab der Grundschule Anregungen für eine frische Herangehensweise an ein grundlegendes Thema aufzeigt. Selbst wenn nicht alle Projekte gleichermaßen spannend oder umsetzbar sein mögen, bleibt nur das Fazit, dass dieses Buch nicht so schnell langweilig wird. (BvdB)

C. C. Hunter Verfolgt im Mondlicht Shadow Falls Camp 4 Whispers at Moonrise, USA, 2013 Fischer FJB, Frankfurt am Main, 07/2013 TB, Jugendbuch, Dark Fantasy, Romantic Mystery, 978-3-8414-2156-2, 560/1499 Aus dem Amerikanischen von Tanja Hamer Titelgestaltung und –motiv von www.buerosued.de nach einer Idee von Elsie Lyons Autorenfoto von Lea Fortney www.fischerverlage.de www.cchunterbooks.com Kylie lebt im Shadow Falls Camp. Dort geht sie zur Schule. Doch es handelt sich dabei um kein normales Camp für Teenager. Das junge Mädchen ist eines von vielen magisch begabten Wesen, die ein menschliches Äußeres besitzen. Im Camp lernen die jungen Leute, mit ihren Fähigkeiten umzugehen und sich mit anderen Arten von magischen Kreaturen zu verständigen. Werwölfe, Vampire, Feen und Hexen leben hier mehr oder minder einträchtig zusammen. Endlich hat Kylie erfahren, dass sie ein Chamäleon ist. Leider kann sie mit dieser Auskunft nicht allzu viel anfangen. Zudem rückt ihr ein Geist auf die Pelle, der ihrer Schulleiterin recht ähnlich sieht. Kommt der Geist etwa aus der Zukunft? Zudem kann sie ihren Werwolf-Freund Lucas nur heimlich sehen, da dessen Rudel sie nie als seine Gefährtin akzeptieren würde. Derek, ihr Ex-Freund, gesteht ihr zudem seine Liebe. Hinzu kommt noch, dass ihre Fähigkeiten verrückt zu spielen scheinen. Erstaunt erfährt sie von ihren Verwandten, von denen ihre Mutter nichts ahnt, welche Fähigkeiten sie wirklich besitzt und dass es jemanden gibt, der sie unbedingt in seine Klauen oder Fänge bekommen möchte. Das ist wahrlich kein leichtes Leben für einen Teenager in Liebesnöten, der auch noch von einem Geist bedrängt wird, ihm zu helfen. Gut, dass sie treue Freundinnen hat, die ihr zur Seite stehen. C. C. Hunter gelingt es einmal mehr, die übernatürlichen Wesen in einem für Jugendliche, zumeist weibliche Leser ab 12 Jahre, geeigneten Umfeld agieren zu lassen. Dabei verfällt sie nicht in die Seite 23 von 80

gängigen Klischees über Vampire und Werwölfe. Allenfalls ist der Schmachtfaktor hier sehr hoch angesetzt. Ob Hexe, Werwolf, Vampir oder Feen bzw. die Wesen mit halbmenschlichem Anteil, sie alle sehen gut aus, und so ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Romantik kommt daher nicht zu kurz. Zudem darf auch untereinander getauscht werden: Vampire lieben Feen, und Werwölfe sind von Chamäleons fasziniert. Denn das ist es, was Kylie letztendlich ist. Diese Erkenntnis stürzt sie in fatale Grübeleien. Schnell findet sie jedoch heraus, was es mit ihrer Gabe auf sich hat. Sie kann sich in jedes Wesen verwandeln, das sie sein will. Zudem kann sie mit Geistern reden. Diese versuchen, mit ihrer Hilfe Verbrechen zu verhindern oder die Ursache ihres Todes aufzudecken, damit sie ihren Frieden finden. Der Werwolf, der Kylie liebt, verhält sich ihr gegenüber immer distanzierter, was nicht gerade dazu dient, ihre Gemütsverfassung zu beruhigen. Dank ihrer Freunde Derek, Miranda, Della und Perry schafft sie es aber, sich im Camp wie zu Hause zu fühlen. Es sind ihre Freunde, die ihr Halt geben und auf die sie sich verlassen kann. Die Protagonisten der Autorin wirken echt, und schnell werden sich Leser ihre Lieblinge heraussuchen. Dazu kommt noch der dubiose und sehr gefährliche Mario. Dieser Abtrünnige will Kylie ans Leder. Doch ihr droht auch noch von einer anderen Seite Gefahr. Ausgerechnet die Gruppierung, die für die magischen Wesen eine Stütze und Hilfe darstellt, will Kylie in ihre Fänge bekommen. Sie vermuten, dass das Mädchen faszinierende Kräfte besitzt, die sie näher erforschen wollen. Obwohl der vorliegende Band schon der vierte Teil der Serie ist, dürften Neueinsteiger der Geschichte gut folgen können. Es gibt Rückblenden, die teilweise die Lücken füllen, sodass die Erzählung leicht verstanden werden kann. Wem die Story um junge Gestaltwandler, Hexen und Vampire gefällt, wird sich bestimmt gerne die Reihe zulegen. Ein interessanter Cliffhanger sowie eine Leseprobe für den fünften Teil runden den Band gelungen ab, sodass der Titel Lesern von Dark Fantasy-Storys bestimmt gefallen wird. (PW)

Belletristik_______________________________________ _____ Paula Quinn Bezwungen von einem Highlander Highland Heirs 3 Tamed by a Highlander, USA, 2011 Bastei Lübbe, Köln, 1. Auflage: 02/2014 TB, Belletristik, History, Romance, Erotik, Adventure, 978-3-404-16953-5, 382/799 Aus dem Amerikanischen von Susanne Kregeloh Titelgestaltung von Guter Punkt, München unter Verwendung von Motiven von Hot Damn Stock und thinkstock www.luebbe.de www.bastei.de www.lesejury.de www.paulaquinn.com www.guter-punkt.de http://hotdamnstock.com www.thinkstockphotos.com Die stolze Mairi aus den Highlands kommt an den englischen Hof. Hier trifft sie erneut auf ihre erste große Liebe Connor Grant. Der Highlander liebt sie noch immer, obwohl sie ihm einst vorwarf, ihre Liebe zu verraten, da er dem englischen Königshaus dient. Connor entschließt sich, den Kampf um Mairis Liebe erneut aufzunehmen. Dies ist kein leichtes Unterfangen, denn die junge Frau spioniert, um ihr Land vor Schaden zu schützen. Dies bringt sie in eine gefährliche Lage. Zudem gibt es einen Verehrer, der alles dafür tun würde, dass Mairi ihm gehört. Gut, dass Connors Mutter und die Königin höchstpersönlich Seite 24 von 80

übereinkommen, die beiden Liebenden dazu zu bringen, sich endlich einzugestehen, dass sie füreinander wie geschaffen sind. Die Autorin entführt ihre weiblichen Leser in eine romantische Welt voller wohlgestalteter Männer. Dabei bedient sie sich der gängigen schottischen Elemente wie dem begehrenswerten, starken und natürlich fantastisch aussehendem Highlander: Connor. Dieser verzweifelt an der Starrköpfigkeit der nicht minder begehrenswerten Mairi, und nur seine große Liebe zu ihr hält ihn wohl davon ab, ihr den Rücken zu kehren. Eines wird sehr schnell deutlich: Das Vertrauen Mairis zu ihrem Liebsten ist schwer angeschlagen, da sie zu jung war, um seine Entscheidungen zu verstehen, und sie in ihrem verletzten Stolz nicht einmal bereit war, ihn anzuhören. So sind die Probleme des Pärchens eher hausgemacht, und die Leserinnen können ob der sturen Protagonistin oft nur den Kopf schütteln. Doch dafür entschädigt vor allem der ach so begehrenswerte Highlander, der alle Damen am Hof dazu bringt, ihn anzuhimmeln. Zusätzlich wird eine abenteuerliche Geschichte um das zerstrittene Pärchen inszeniert, sodass es genug dramatische und actionreiche Momente gibt, um die Geschichte weiter verfolgen zu wollen. Natürlich gibt es explizit beschriebene Sexszenen, wobei sich so manche Leserin fragen dürfte, wie sich Connor, angesichts seines Gemächtes, das überdimensional groß beschrieben wird, überhaupt noch anständig gehend fortbewegen kann ... Hier wird gnadenlos übertrieben! Ein perfider Nebenbuhler und einige Überraschungen lassen dies Manko allerdings nebensächlich erscheinen, und so darf ‚Frau‘ sich ihren Fantasien überlassen und die abenteuerliche Romanze genießen. Leserinnen die für die leidenschaftlichen History-Romances ein Faible haben, werden auf jeden Fall gut unterhalten. (PW)

Fantasy_____________________________________________ __ Martin Hoyer Nachtleben Saramee 2 Atlantis Verlag, Stolberg, 02/2005 PB, Fantasy, Adventure, 978-3-936742-52-7, 72/490 Titelillustration von Chris Schlicht Karte von N. N. Einleitung und Nachwort von Christoph Weidler www.atlantis-verlag.de www.saramee.de http://hoyer.webprojekt.org www.dreamspiral.de Der Söldner Kronn, der sich nach Saramee durchgeschlagen hat, lernt Amata Baal kennen, die verwöhnte, aber auch gerissene Tochter eines reichen Händlers. Nachdem er ihr von seinem jüngsten Abenteuer erzählt und einen Ring verkauft hat, werden die beiden und Amatas Diener Irrid, ein Jinjend, von mysteriösen Gestalten überfallen. Amata wird entführt, und die beiden Männer nehmen die Verfolgung auf. Es gelingt ihnen, das Versteck der Kreaturen zu finden, die den Ring zurückhaben wollen, den Kronn ihnen gestohlen hatte. Derweil wird Ralec, einer der Letzten des Meervolkes, aus den Kerkern von Oukluf geholt und unverhofft gut behandelt. Was dahintersteckt, erfährt er wenig später: Er soll als Honorarkonsul des Westlichen Imperiums nach Saramee reisen und vor Ort die Interessen des Thronfolgers vertreten. Wie bereits im ersten Band ist die Geschichte in eine Rahmenhandlung eingebettet, die von Christoph Weidler geschrieben wurde. Allein die Figur Irrid stellt zu dieser einen Bezug her, und man vermisst am Ende, dass sich der Kreis schließt und noch einmal in die Taverne zu dem Erzähler zurückgekehrt wird. Seite 25 von 80

Martin Hoyer setzt die Story, die von Markus K. Korb begonnen wurde, fort und man erfährt, was aus Kronn und Ralec wurde. Auch jene Wesen, denen der Söldner bereits begegnet ist, tauchen wieder auf, verraten jedoch nicht, was es mit dem Ring auf sich hat und welche Ziele sie verfolgen. Schade, denn einige entsprechende Informationen hätten die Neugierde des Lesers auf das Kommende steigern können. Während Kronn, Ralec und Amata lediglich die ihnen zugedachten Rollen erfüllen, entwickelt sich Irrid zu einem interessanten Charakter, da er anders ist als die meisten seines Volkes und für kleine Überraschungen sorgt. Die Passagen, die ihm gewidmet sind, sind die reizvollsten des Bandes, und man würde gern mehr über Irrid erfahren. Die kurze Geschichte ist auch schon wieder zu Ende, kaum dass man sich auf sie eingelassen hat, ohne dass die beiden Handlungsstränge verknüpft worden wären. Das und das Beantworten der offenen Fragen werden wohl die Aufgaben des Verfassers eines späteren Bandes sein. „Nachtleben“ unterhält Fantasy-Leser auf traditionelle Weise recht gut, denn der Band bietet einen neuen sympathischen Protagonisten, ein wenig Action und interessante Rätsel. Vermutlich lagen dem Autor ein etwas einengendes Exposé und die Vorgabe des Umfangs vor, anderenfalls hätte er sicher mehr aus den Ideen machen können. Etwas unzufrieden muss man mit dem Lektorat sein, da einige Tippfehler übersehen wurden, doch in der Summe schmälert dies nicht das Lesevergnügen. (IS) Jennifer Estep Spider’s Bite Elemental Assassin 1 Pocket Books, USA, 01/2010 TB, Fantasy, Mystery-Thriller, 978-1-4391-4797-9, 432/580 In amerikanischem Englisch Titelgestaltung von N. N. www.pocketbooks.com www.jenniferestep.com „Spider’s Bite“ ist der Auftaktroman zu einer bereits umfangreichen Serie über eine junge Frau namens Gin Blanco, die sich als Auftragskillerin in einer fiktiven Stadt, Ashland, durchschlägt. Ihr Deckname ist Spider. Außerdem ist sie ein Elemental, eine Elementar-Magierin, denn aus irgendwelchen Gründen gibt es in diesem Ashland in der Appalachen-Region Feuer-, Eis-, Stein- oder Luftelementare, also Menschen, die besondere Naturkräfte magisch nutzen können. Ebenso gibt es Vampire, Zwerge, Riesen und andere Wesen – ohne dass es irgendwer als etwas Besonderes ansieht. Alles Übrige ist mehr oder weniger amerikanische Normalität. Sonstige Regionen spielen keine Rolle; man erfährt in dem Buch also weder, wie es zu dieser Situation kam noch was im Rest der Welt diesbezüglich los ist. Andeutungen sprechen von einem Bürgerkrieg, von einer jahrhundertealten Tradition der Magie – also muss man wohl von einer alternativen Realität ausgehen. Vielleicht werden mehr Details später enthüllt. Gin soll gerade einen höheren Firmenangestellten für einen Auftraggeber töten, doch das geht schief, weil plötzlich ein weiterer Killer auftaucht, der sie ausschalten soll. Auch ihr Mentor, der diese Art Aufträge abwickelt, wird umgebracht. Dessen Sohn – ihr ehemaliger Geliebter – wird entführt und gefoltert, ohne dass es für Gin einen Sinn ergibt. Sie muss um ihr eigenes Überleben kämpfen und will Rache. So beginnt eine Krimihandlung, durchsetzt mit Mysterien und magischer Rivalität sowie ein wenig Liebe (zu einem Detektiv), nicht zu vergessen. Am Ende des Buches wird das Problem zwar auf Gins Art gelöst, doch der Nachlass ihres Mentors birgt neue, überraschende Geheimnisse. Der Charakter Gin Blanco/Spider als einzelgängerische Killerin ist nicht uninteressant angelegt, obwohl er natürlich an andere übernatürlich begabte Hauptheldinnen erinnert. Es sind immer solche Solo-Kämpferinnen, die dann allerdings bald auch eine Romanze erleben, typisch für eine bestimmte Gruppe amerikanischer Autorinnen. Seite 26 von 80

Scheinbar wendet sich diese Art Literatur an eine spezielle Leserschaft von jüngeren weiblichen Lesern. Das muss allerdings nichts bedeuten, denn genau wie manches Jugendbuch kann man den Roman auch als älterer männlicher Fantasy-Freund lesen. Wünschenswert wäre für die nächsten Abenteuer, mehr über die Hintergründe dieser wahrscheinlichen Alternativwelt zu erfahren. (WM) Jim C. Hines Die Buchmagier Libriomancer Magic Ex Libris, USA, 2012 Bastei Lübbe, Köln 1. Auflage: 03/2014 TB, Fantasy 20747, SF, 978-3-404-20747-3, 460/899 Aus dem Amerikanischen von Axel Franken Titelgestaltung von Guter Punkt, München unter Verwendung einer Illustration von Anke Koopmann www.luebbe.de www.bastei.de www.jimchines.com www.guter-punkt.de Der Autor Jim C. Hines setzte mit seinen „Todesengel“-Bänden um bekannte Märchengestalten einen wahren Hype in Gang. Sein neuestes Buch ist daher eine Mischung aus Fantasy mit Science Fiction-Elementen, die dank der Fähigkeiten der Buchmagier so ziemlich jedes Genre abdeckt. Der Bibliothekar Isaac führt ein ruhiges Leben zwischen staubigen Regalen und einer umfangreichen Fantasy-Sammlung. Kaum jemand ahnt, dass er zu den wenigen Menschen zählt, die Magie beherrschen. Seine Gabe lässt ihn in Bücher greifen, um dort Gegenstände zu erfassen und in die reale Welt zu befördern. Allerdings muss er diese schnell wieder in ihre ursprüngliche Geschichte zurückbringen. Ansonsten wären die Folgen verheerend. Als die Baumdryade Lena ihn aufsucht, endet sein bis daher unaufgeregtes Leben. Im Gepäck hat sie einen Hilfegesuch sowie eine Warnung für ihn. Lenas Lebensgefährtin ist verschwunden, und außerdem ermordet jemand systematisch alle Buchmagier. Die beiden so unterschiedlichen Wesen geraten schon bald von einer haarsträubenden Situation in die nächste. Sie müssen es mit Vampiren verschiedener Couleur und allerhand unheimlicher, noch mörderischer Wesen aufnehmen, um das Rätsel zu lösen. Doch ein viel größeres Geheimnis gilt es aufzudecken. Karl Guttenberg scheint ebenfalls verschollen zu sein. Ist er etwa der Auslöser für die jüngsten Gräueltaten? Bei ihrem Abenteuer kommen sich die beiden jungen Leute näher. Die Idee, Gegenstände aus Büchern zu zaubern, ist sehr faszinierend. Jeder „Star Wars“-Fan wünscht sich doch, nur einmal ein echtes Lichtschwert in den Händen halten zu können oder einen Tricorder wie bei „Star Trek“ zu nutzen. Der Autor bedient sich dieser reichlichen Ressourcen sehr effektiv und erfindet zudem noch einige Bücher und Autoren hinzu. Seine Figuren wirken realitätsnah und sind sich ihrer Fähigkeiten durchaus bewusst. Zudem schafft er es zufriedenstellend, die Welt der Realität und die der magischen Wesen zu verschmelzen. Seine „Todesengel“-Tetralogie ist mittlerweile ein absoluter Hit auf allen Bestsellerlisten. Hier gelang es ihm vorbildlich, sich in das Wesen von Frauen hineinzuversetzen. Sein Buchmagier Isaac eröffnet ihm nun die gegenteilige Möglichkeit und überzeugt Leser des fantastischen Genres mit einer ausgeklügelten Grund-Idee und einem interessanten Abenteuer. Fans von Jim C. Hines dürften sich von „Die Buchmagier“ wieder einmal gut unterhalten fühlen. (PW)

Seite 27 von 80

Nadine Kühnemann Feuersbrut KoïosVerlag im Praesens Verlag, Wien (A), 1. Auflage: 10/2013 TB, High Fantasy, Adventure, 978-3-902837-07-3, 646/1440 Titelgestaltung von Praesens VerlagsmbH unter Verwendung einer Illustration von shutterstock www.koios-verlag.com www.praesens.at www.nadine-kuehnemann.de www.shutterstock.com Lennian ist der zweite Sohn des Königs von Güraz. Da er latente magische Anlagen besitzt, die nicht als solche erkannt werden, wird er für geisteskrank erklärt und führt fortan ein sehr zurückgezogenes Leben. Als ihn unverhofft Attentäter ins Visier nehmen, rettet ihn ein mysteriöser Unbekannter. Ronyn, sein Lebensretter, spinnt insgeheim seine eigenen Intrigen, in denen Lennian eine wichtige Rolle spielt. Auch wenn der Königssohn seinem Begleiter aus guten Gründen misstraut, ist dieser doch der Einzige, der endlich etwas Licht ins Dunkel der gefährlichen Verschwörungen bringt. Lennian muss schnell lernen, sich in der rauen Umgebung, in die er nun geraten ist, zurechtzufinden. Entsetzt erkennt er, dass seine Häscher keine oder kaum politische Motive verfolgen. Es geht um etwas völlig anderes: Eine uralte Macht regt sich erneut, und die Schar ihrer Anhänger wächst stündlich – und damit die Bedrohung für Güraz. Nadine Kühnemann erzählt eine fantastische, komplexe Geschichte, die viele Details enthält und mehrere Handlungsebenen mit verschiedenen Akteuren verwebt. Das Publikum muss schon gehörig aufpassen, um alle Informationen in die richtige Reihenfolge zu bringen und nichts Wichtiges zu übersehen. Die Figur des Hauptprotagonisten ist leider nicht klar umrissen. Erst nach und nach erfährt der Leser, warum der Sohn von seinen Eltern im Hintergrund gehalten wird und wieso sie sich schämen, dass er magische Fähigkeiten hat. Es dauert lange, bis sich das Publikum mit ihm anfreunden kann. Dies liegt vor allem an seinem inkonsequenten Verhalten. Immerhin entkommt er einem Attentat, woraufhin ihn sein Bruder zu überzeugen versucht, dass er sich hinsichtlich seiner Befürchtungen geirrt hat. Zudem ist das Versteck, das er sich anfangs aussucht, ebenfalls nicht sicher, da doch viele am Hof wissen, wohin er sich zurückzieht. Die höfischen Intrigen, die politische Zusammensetzung sowie das Zusammenspiel der Charaktere gestalten sich gerade anfangs, wenn man eigentlich einen spannungserzeugenden Reißer oder wenigstens einen leichten Einstieg erwartet, recht zäh. Man muss sich erst einmal in die Geschichte einlesen, Lennian und seine Welt kennenlernen, was insgesamt zu lange dauert, bis die Story allmählich in Fahrt kommt. Man braucht wahrlich einen langen Atem, um diesen Mega-Band (fast 650 Seiten zum kleinen Preis von EUR 14,40) zu bewältigen. Die einzelnen Kapitel hätten eventuell anders aufgeteilt werden können, da innerhalb von ihnen die Geschehnisse von einer Handlungseben zur nächsten springen. Die Figuren wirken durchaus interessant, aber sie sympathisch und charismatisch aufzubauen, wurde bedauerlicherweise vernachlässigt, sodass man ihnen weniger Verständnis entgegenbringt als den Helden anderer Romane. Sie bleiben letztendlich zu farblos und können nur schwer das Interesse der männlichen Leserschaft gewinnen, die wohl die Hauptzielgruppe des Buchs sein dürfte. Wer mehr von Nadine Kühnemann lesen möchte, wird im Aavaa Verlag fündig, der ihren Roman „Lichtfänger“ publiziert hat. (PW)

Seite 28 von 80

Alexander Lohmann Lichtbringer Bastei Lübbe, Köln, 1. Auflage: 06/2010 TB, Fantasy 28542, 978-3-404-28542-6, 524/1400 Titelgestaltung von Guter Punkt, München unter Verwendung einer Illustration von Jesse van Dijk Autorenfoto von Linda Budinger www.luebbe.de www.bastei.de www.wortwirkung.de/alohm.html www.guter-punkt.de http://jessevandijkart.com http://jessevandijk.deviantart.com Die Nachtalbe Fafra entgeht nur knapp einem perfiden Mordanschlag. Wer steckt dahinter, und warum ist sie für ihren unbekannten Feind eine solche Gefahr? Dieses Rätsel muss Fafra schnell lösen. Als ihr klar wird, weshalb es ihr Gegner auf sie abgesehen hat, ahnt sie, dass nicht nur ihr Leben in Gefahr ist, sondern das aller Wesen, die auf ihrer Welt leben. Das betrifft sowohl die technisch begabten Menschen als auch die Wesen, die Magie wirken und benutzen können. Auf sich allein gestellt muss es ihr gelingen, Verbündete zu finden, um ihre Welt vor dem Untergang zu retten. Alexander Lohmann kreiert eine Welt, in der gleichermaßen die Magie und auch die Technik in einer Art Symbiose verwendet werden. Es gelingt ihm sehr gut, diesen Hintergrund vor den Augen des Lesers entstehen zu lassen. Zudem hat er es mit der Nachtelbe Fafra geschafft, einen starken Frauencharakter zu beschreiben, der zu fesseln vermag. Freunde und Gegner der Hauptprotagonistin wirken real, wobei die Sympathien der Leser eindeutig Fafra gelten. Mit Barsemias wird der Nachtelbe außerdem ein Begleiter an die Seite gestellt, der in seinen Interaktionen gut zu der Figur passt. Die Story überzeugt mit ein wenig kriminalistischem Spürsinn sowie perfiden Spionageversuchen und auch Attentaten. Dieser Mix aus fantastischen Elementen und nur allzu menschlichen Neigungen liest sich flüssig und erzeugt die nötige Spannung. Leser die Fantasy-Geschichten mit technischen Elementen mögen, werden diesen Band bestimmt gerne zur Hand nehmen. Wer mehr von dem Autor lesen möchte, dürfte sich auch für seine Geschichten „Gefährten des Zwielichts“ und „Der Tag der Messer“ interessieren. (PW) Helmut W. Pesch/Horst von Allwörden Der Ring der Zeit (Die Ringe der Macht + Die Herren der Zeit) Die Elderland-Saga 1 + 2 Bastei Lübbe, Köln, 1. Auflage: 12/2008 PB 28525 mit Klappbroschur, Fantasy, 978-3-404-28525-9, 766/1400 Titelgestaltung von HildenDesign, München Karten von N. N. www.luebbe.de www.bastei.de www.helmutwpesch.de www.hildendesin.de Im Elderland wohnen die friedfertigen Ffolks. In Ihrem Museum in Aldswick horten sie seltsame und kuriose Dinge aus ihrer Vergangenheit. Kim, der Kurator dieses Museums, lädt eines Abends seine Freunde ein. Dabei handelt es sich um den Zwerg Burin sowie den Menschen und designierten Königssohn Fabian. Seine Haushälterin Marina ist ebenfalls anwesend, da sie für die kulinarischen Köstlichkeiten verantwortlich zeichnet. Das gemütliche Treffen wird allerdings rüde unterbrochen. Der Magister Adrion bringt den schwer verletzten Elf

Seite 29 von 80

Gilfalas ins Haus. Dieser erzählt, dass die Bolgs im Begriff sind, die Welt außerhalb des friedlichen, versteckten Elderlands zu unterjochen. Die Ffolks befindet sich somit in höchster Gefahr. Dank Marina gelingt den Gefährten die Flucht. Jetzt setzen sie alles daran, Fabians Vater zu erreichen. Das gefährliche Unterfangen gestaltet sich zu einem Abenteuer, das vor allem für den bis daher eher beschaulich lebenden Kim zu einer einzigartigen Herausforderung wird. Je mehr die Freunde über ihre Gegner erfahren, desto mehr kristallisiert sich heraus, dass der Schlüssel für den Sieg in der Vergangenheit der Ffolks liegt. Die Gefährten müssen jedoch einzigartige Hilfsmittel finden. Dabei handelt es sich um verschiedene Ringe. Sechs von ihnen sind bekannt, doch von dem siebten wissen nur wenige Eingeweihte. Die Autoren sind im Halbling-Universum keine Unbekannten. Sie machten sich schon als Autoren und Übersetzer der „Herr der Ringe“-Trilogie sowie zahlreicher Sachbücher, die alle das Thema des von J. R. R. Tolkien erschaffenen Universums beinhalten, einen Namen. Kein Wunder, dass sie in ihrem Zweiteiler dieselben Themen bevorzugen. Die Ffolks können erfahrene Leser von Tolkiens Werken sehr schnell als Halblinge bzw. Hobbits erkennen. Hinzu kommen Menschen und Zwerge. Die furchtbaren Bolgs erinnern an die Orks. Dazu kommen Dunkelelben, die sich von den Elfen und ihren Lehren abwandten und ebenfalls sehr gefährliche Gegner sind. Die Reise der Freunde führt sie u. a. ins Zwergenland, wo ein verrücktes Gefährt, das erste Auto in der Welt der an Tolkien angelehnten Fantasy-Story, sein Debüt gibt. Die Geschichte beinhaltet auch eine taffe Ffolkfrau namens Marina. Sie lässt die Herren der Schöpfung oft alt aussehen. Die patente Dame weiß sich durchzusetzen und gewinnt schnell die Achtung ihrer Gefährten. Sie ist ein nicht zu unterschätzendes Mitglied der Gemeinschaft, und ohne sie würde so mancher Abenteurer mit knurrendem Magen zu Bett gehen. Denn die Ffolks und die Hobbits haben auch diese Gemeinsamkeit: ihre Vorliebe für gutes Essen, guten Wein und ein Pfeifchen, wann immer es sich anbietet. Diese Anspielungen auf liebenswerte Angewohnheiten werden Fans des TolkienUniversums bestimmt zum Schmunzeln bringen. Zudem wirken die Protagonisten durch diesen Kniff sehr vertraut und sympathisch. Der Mega-Zweiteiler entpuppt sich durch eigene Ideen, z. B. die Dunkelelfen und interessante Verknüpfungen mit den eigentümlichen Wesen, denen die Freunde unterwegs begegnen, als mehr als nur wieder eine von vielen Nacherzählungen des „Herrn der Ringe“. Dennoch dürfen Leser den Titel als großartige Hommage an den Schriftsteller J. R. R. Tolkien sehen, da auch das Ende der Geschichte sich ähnlich langwierig gestaltet. Fantasy-Fans, die Bücher im Stil von Tolkien lieben, werden den Doppelroman bestimmt gerne zur Hand nehmen. Wem ähnlich geartete Literatur liegt, den dürften die Bände „Der Fluch der Halblinge“ von Prisca Burrows sowie „Der Kampf der Halblinge“ von C. S. West ebenfalls reizen. (PW) Michael J. Sullivan Der Thron von Melengar Riyria 1 Theft of Swords/The Crown Conspiracy, USA, 2011 J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH/Hobbit resse, Stuttgart, 02/2014 PB, Heroic Fantasy, 978-3-608-96012-9, 380/1995 Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann Titelgestaltung von Larry Rostant unter Verwendung einer Illustration von Lauren Panepinto Karten von Michael J. Sullivan www.klett-cotta.de www.hobbitpresse.de http://riyria.blogspot.com www.laurenpanepinto.com Hadrian und Royce sind unabhängig arbeitende Diebe, die sich in gewissen Kreisen als „Riyria“ einen Namen gemacht haben. Sie sind teuer, können sich ihre Aufträge aussuchen und leisten hervorragende Arbeit, denn gründliche Recherche und die eigene Sicherheit sind ihnen wichtig. Seite 30 von 80

Als Hadrian gegen diese Prinzipien verstößt, indem er kurzfristig auf eine einfach und lukrativ erscheinende Anfrage eingeht, kommt es zum Desaster: Das magische Schwert, das sie stehlen sollen, befindet sich nicht in der königlichen Kapelle – sondern König Amrath, und zwar tot! Plötzlich taucht ein Zwerg auf, bezichtigt die Eindringlinge des Mordes, Soldaten sind sogleich zur Stelle, der Rückweg ist versperrt, und die Diebe landen im Kerker. Kronprinz Alric, der neue Herrscher, will sie foltern und töten lassen. Unverhofft verhilft Prinzessin Arista den Gefangenen zur Flucht. Sie ist die Einzige, die Hadrians und Royce‘ Geschichte glaubt und außerdem befürchtet, dass sich auch ihr Bruder in Lebensgefahr befindet. Im Gegenzug für ihre Freiheit beauftragt sie die Diebe, Alric zu entführen und zu einem geheimen Gefängnis zu geleiten, wo er zu Esrahaddon, dem letzten wahren und uralten Magier, dem der Tod des mythischen Königs und Halbgotts Novron angelastet wird, Kontakt aufnehmen soll. Auf der Reise lauern ihnen Soldaten auf, der Mönch Myron, einziger Überlebender eines Massakers, schließt sich ihnen an, und der gefährliche Magier bemüht sich, seine Besucher zu überreden, ihn freizulassen. Aber können sie ihm wirklich trauen? Und hegt nicht vielleicht auch Arista Hintergedanken, weil sie insgeheim die Königin von Melengar werden will? Hadrian und Royce sind der Ansicht, dass dies nicht ihr Kampf ist, doch sie stecken schon viel zu tief drinnen und sind zu ehrbar, um Alric blindlings in die Falle seiner Feinde tappen zu lassen. Liest man den Klappentext, der nur grob den Beginn der Geschichte zusammenfasst und der von dem Buch behauptet, dass es „alles zu bieten hat, was Fantasyleser lieben: Abenteuer und Verrat, Schwertkämpfe und Liebe, Mythen und Magie“, geht man als erfahrener Leser mit einer gesunden Skepsis an die Lektüre heran. Schließlich wartet der Roman ausschließlich mit Genre-Archetypen auf, nämlich mit edlen Dieben, intriganten Adligen und Klerikern, käuflichen Söldnern, bösen Zwergen, ausgegrenzten Elben und einem zwielichtigen Magier. Von deren Abenteuern durfte man schon bei zahlreichen anderen Autoren lesen, und praktisch jeder von ihnen glaubte, mit seinem Buch das Rad neu erfunden zu haben. Übersteht man das Eingangs-‚Geschwafel‘, mit dem Michael J. Sullivan aufzeigt, dass es sich bei seinem Antihelden-Gespann im Grunde um anständige Männer mit Prinzipien handelt und er der Handlung eine leichte, unterhaltsame Note verleihen möchte, folgt man doch ganz gern der Erzählung. Das liegt teils am angenehm flüssigen Stil des Autors, teils an den sympathischinteressanten Charakteren und einem Plot, der keine Längen aufweist und dennoch auf unnötige oder gar übertrieben Kampfhandlungen und ein Zuviel an ‚alles heilende‘ Magie verzichtet. Es gelingt ihm sogar, die beiden Hauptfiguren realistisch zu beschreiben, obwohl sie schon zu gut sind, um wahr zu sein, und ihre Geheimnisse für später zu wahren. Tatsächlich erfährt man nichts über die Hintergründe von Hadrian und Royce, einem Soldaten und einem Dieb, die sich irgendwann zusammengetan haben und sicherlich mehr sind, als es den Anschein hat. Kleine Hinweise laden zum Spekulieren ein. Ihre ‚Auftraggeber‘ Arista und Alric entwickeln sich nachvollziehbar weiter. Lange bleibt unklar, ob die Prinzessin wirklich das Wohl ihres Bruders im Sinne hat oder gegen ihn konspiriert, und der Prinz, der als verwöhnt-naives Bürschlein eingeführt wird, wandelt sich nach und nach zu einem jungen Mann, der würdig ist, die Krone zu tragen. Die Gegenspieler entpuppen sich im Rahmen ihrer Machtgelüste sehr schnell als eindimensional böse; hier hätte der Autor durchaus einen Gang herunterschalten können. Nun, Abenteuer und Verrat sind vorhanden, Schwertkämpfe auch. Für die Liebe hingegen ist nicht viel Platz vorhanden. Mythen werden hin und wieder eingeflochten. Vor allem Myron, der über ein eidetisches Gedächtnis verfügt, erklärt seinen Begleitern und somit auch dem Leser die Welt Elan. Magie ist nur in geringem Maße vorhanden, da das alte Wissen verloren ging und praktisch nur noch von Esrahaddon repräsentiert wird, dessen Rolle klein bleibt, damit er nicht Hadrian und Royce die ganze Arbeit abnimmt. Da weitere Bände geplant sind, darf man davon ausgehen, dass früher oder später die Ziele des Magiers thematisiert und die am Ende des Bandes noch losen Fäden aufgenommen und vertäut werden. Der Handlungsverlauf ist spannend und in sich schlüssig. Er bietet einige Überraschungen, wobei vor allem gefällt, dass einige Charaktere längere Zeit undurchsichtig bleiben. Die wesentlichen Fragen werden beantwortet, und nur ein paar kleine Details bleiben offen, um als Aufhänger für den nächsten in sich abgeschlossenen Band zu dienen.

Seite 31 von 80

Hat man Freude am Genre und gibt dabei den etwas ‚leichteren‘ Lektüren den Vorzug, die nicht so ausufern wie beispielsweise George R. R. Martins „Game of Thrones“ und J. R. R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“, die aber auch nicht so ‚dünn‘ sind viele aktuelle Romantic Fantasy-Titel, dann sollte man dem „Riyria“-Zyklus eine Chance geben. Am ehesten vergleichbar ist „Der Thron von Melengar“ noch mit Terry Brooks „Das Schwert von Shannara“, Roger Zelaznys „Die Prinzen von Amber“ und Fritz Leibers „Fafhrd & Grey Mouser“. (IS)

Mehr Fantasy unter Kinder-/Jugendbuch, Magazin, Comic.

Science Fiction__________________ ______________________ O. J. Birner Die Meuterei der Tiefseesklaven Erde 2000 Bd. 3 Heinz Mohlberg Verlag, Köln, 1. Auflage: 12/2004 PB, SF, 978-3-936229-83-7, 74/690 Titelillustration von Andreas Adamus www.mohlberg-verlag.de Die SF-Serie „Die Zeitkugel“ wurde von „Erde 2000“ abgelöst. Mit dieser Zeitreisemaschine erforschen Professor Robert Lintberg sowie seine Assistenten Frank Forster und Ben Hammer eine faszinierende Zukunft, die jedoch viele Gefahren birgt und nicht so rosig ist, wie es sich mancher vielleicht ausmalte. Das dritte Abenteuer veranlasst die Zeitreisenden, nicht nur Beobachter zu sein, sondern „Die Meuterei der Tiefseesklaven“ anzuzetteln: Die Erde im Jahr 2120 kennt ein Zwei-Klassen-System: Wer eine Kennmarke besitzt, ist ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft. Kann man keine vorweisen – so wie die drei Zeitreisenden -, ist man ein Nichtregistrierter und wird gejagt, denn die herrschende Klasse benötigt ständig Sklaven für gefährliche Arbeiten, beispielsweise Nahrungsbeschaffung in der Tiefsee. Falls sie streiken, wird ihnen einfach die Sauerstoffzufuhr abgedreht. Auf der Flucht vor ihren Häschern wird Ben Hammer von Robert Lintberg und Frank Forster getrennt. Eine Gruppe Widerstandskämpfer bringt ihn in Sicherheit, und er schließt sich ihnen an. Derweil müssen Lintberg und Foster auf Krankenjagd gehen und um ihr Leben in der Tiefe kämpfen. Obwohl die Situation verzweifelt ist, sind sie nicht gewillt aufzugeben und suchen gemeinsam mit den anderen Sklaven nach einem Weg, die Freiheit zurück zu erlangen. „Erde 2000“ stammt aus den 1970er Jahren und ist im typischen Stil der Heftromane gehalten, die ihre Blütezeit vor allem in den 1950er bis etwa in die 1980er Jahre hatten. Damals erfreuten sich „Jerry Cotton“, „Ronco“, „Perry Rhodan“, „Ren Dhark“, „Rex Corda“ u. a. einer großen Zahl treuer Fans – und viele lieben diese Hefte auch heute noch, sodass namhafte Serien, die eingestellt wurden, Neuauflagen, Fortsetzungen oder Nachfolgereihen erhielten. „Erde 2000“ erscheint in Neuauflage und ergänzt um neue Titel im Mohlberg Verlag. Der Autor O. J. Birner steuerte der Erstauflage vier Bände bei. „Die Meuterei der Tiefseesklaven“ kann ohne Vorkenntnisse aus den beiden vorausgegangenen Romanen oder der „Zeitkugel“-Reihe gelesen werden, da es sich um ein abgeschlossenes Abenteuer handelt. Die bekannten Protagonisten, die leider etwas oberflächlich und standardmäßig charakterisiert werden, müssen sich einmal mehr in einem fremden Gesellschaftssystem zurechtfinden, werden schon bald gejagt und versklavt. Um aus der Tiefseekuppel entkommen zu können, müssen sie ein großes Risiko eingehen und sind auf die Hilfe ihrer Mitgefangenen angewiesen. Allerdings gibt es auch Personen, die insgeheim das System ablehnen und die Situation der Sklaven verbessern wollen. In diesem Zusammenhang wird Kritik an ausbeuterischen Gesellschaften geübt, es gibt reichlich Action und sogar ein wenig Romantik. Seite 32 von 80

Hat man Spaß an Heftromanen, in denen das spannende Abenteuer Vorrang hat, auf unnötiges (ethisches) Geschwafel verzichtet wird und die Protagonisten schnell zur Sache kommen, ist man bei „Erde 2000“ richtig. (IS)

C. J. Cherryh Peacemaker Foreigner 15 DAW Books, New York, USA, 04/2014 HC, SF, 978-0-7564-0883-1, 385/1880 In amerikanischem Englisch Titelillustration von Todd Lockwood www.dawbooks.com www.cherryh.com www.toddlockwood.com Am Ende des neuen Buches aus dem „Foreigner-Universum“ stand der Schock: Kann das vielleicht sogar der letzte Teil gewesen sein? Es ist der 15. Band, und er endet nicht nur ungewöhnlich versöhnlich für C. J. Cherryh, sondern auch noch mit einem geschichtlichen Überblick. Nun ja, nach 15 Romanen kann man die Sache irgendwann auch abschließen. Jedenfalls spielt sich immer noch alles in den Tagen kurz vor dem wichtigen 9. Geburtstag des Thronerben auf der Welt der Atevi ab. Aber statt sich den Vorbereitungen dieses als Staatsfeiertag geplanten Ereignisses widmen zu können, müssen Bren Cameron und seine Begleiter – einschließlich des Thronerben – erst einmal insgeheim in die Hauptstadt zurück, denn sie wären im letzten Band ja fast Opfer eines weiteren Anschlages geworden. Bren hatte da seine Diplomatenrolle ein wenig beiseitegeschoben und mit seinen Kräften zurückgeschlagen. Nun müssen sie schnell handeln, denn endlich ist herausgekommen, wer hinter all den Problemen der letzten Bände steckt. Tatsächlich ist es eine einzige Person in hochrangiger Stellung in der Assassinen-Gilde, welche bei den Atevi die Exekutive darstellt. Dieser „alte Mann in einem kleinen B ro“ hat seit Jahrzehnten Fäden gesponnen und Pläne geschmiedet, um seine Vorstellungen von einem Atevi-Staat durchzusetzen. Eine so komplexe Intrige glaubhaft darzustellen und sie dann in einem fulminanten Finale aufzulösen, können sicher nur wenige Autoren so gut wie C. J. Cherryh. Wieder muss Bren an vorderster Front stehen, praktisch im Kugelhagel, weil er der Einzige ist, der das in diesem Moment kann. Der Geburtstag Cajeiris, der deshalb zum Staatsakt wird, weil er offiziell als Erbe eingesetzt wird, verläuft dann schon fast als Ausklang und ergibt ein Happy End, was für die Autorin nicht gerade charakteristisch ist. Einen losen Faden gibt es allerdings noch: Das Volk der Kyo, dem Bren und die anderen auf ihrer Weltraumreise etliche Bücher zuvor begegnet sind, ist immer noch da draußen und stellt eine latente Gefahr dar. Diesen Faden aufzunehmen, würde nun bedeuten, einen ganz neuen Handlungsabschnitt zu beginnen. Wäre sicher nicht schlecht. Viele Fans würden sich darüber freuen. (WM) David R. George III Bestien Star Trek - Typhon Pact 3 Star Trek - Typhon Pact: Rough Beasts of Empire, USA, 2010 Cross Cult, amigo Grafik, Ludwigsburg, 1. Auflage: 07/2013 TB, SF, 978-3-86425-282-2, 334/1280 Aus dem Amerikanischen von Christian Humberg Titelgestaltung von Martin Frei www.cross-cult.de www.startrekromane.de www.startrek.com Seite 33 von 80

www.facebook.com/DRGIII Der Prätor Shinzon benutze die Ressourcen des romulanischen Volkes, um seine sehr persönliche Rache an der Föderation und nicht zuletzt an Captain Picard zu vollbringen. Um an die Macht zu gelangen, tötete er den gesamten romulanischen Senat. Nach dem Sieg über den verrückten Usurpator, der sich zudem noch als Klon von Picard entpuppte, ergriffen sowohl Tal-Aura, die Shinzon unterstütze, als auch Donatra, die dem Militär angehört, die Gelegenheit, die Macht an sich zu reißen. Während Donatras Absichten darin münden, ihrem Volk Wohlstand und Frieden zu bringen, verfolgt Tal-Aura nur ein Ziel. Sie will ihre Position mit allen Mitteln festigen und als Prätor über die Romulaner herrschen. Dazu ist ihr jedes Mittel recht. Als Folge gibt es nun zwei Reiche der Romulaner, die ein gespaltenes Volk zurücklassen. Spock, der schon lange versucht, die Romulaner und Vulkanier wieder zu vereinen, sieht eine Gelegenheit, sowohl Tal-Aura als auch Donatra seine Ziele näher zu erläutern. Er merkt jedoch schnell, dass Tal-Aura ihn nur für ihre Machtspielchen benutzt. Derweil befindet sich Benjamin Sisko in einer Phase tiefster Depression. Die zurückliegenden Ereignisse machen ihm klar, dass er sein Leben ändern muss. Die Propheten, die solange ein Teil seines Daseins waren, schweigen ihm gegenüber. Er verlässt seine Frau und die kleine Tochter und kappt alle Verbindungen zu seinem bisherigen Leben. Er tritt der Sternenflotte erneut bei und übernimmt das Kommando über die U.S.S. Robinson. Hier hofft er, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Im Hintergrund des Typhon Paktes lauern finstere Gestalten. Diese machen sich die Umstände zunutze, um ihren Einfluss innerhalb des Paktes zu stärken. Außerdem sind sie bestrebt, die Romulaner davon zu überzeugen, ihrem Pakt beizutreten. Dabei machen sie vor keinem noch so perfiden Mittel halt, um ihre Pläne durchzusetzen. Der Autor konfrontiert die Leser mit einem Volk, das einst zu den Vulkanieren gehörte. Die Romulaner haben sich vor Äonen von ihnen abgespalten, um nach ihren eigenen Doktrinen zu leben. Sie erinnern in ihren Interaktionen sehr stark an die Römer, so ist der Name mehr als passend. Wie die einstigen Römer auf der Erde gibt es auch bei ihnen einen Senat, in den die wichtigsten und mächtigsten Gruppierungen bzw. Familien des Volkes ihre Vertreter schicken, um ihre Interessen zu vertreten und Vorteile zu nutzen, um noch mächtiger zu werden. Dabei müssen sie bloß aufpassen, dass sie mit ihrem intriganten Verhalten, das in den Genen der Romulaner zu liegen scheint, nicht selber Gefahr laufen, in ihre eigene Falle zu tappen. Denn die Gegner sind zahlreich und gewieft, und so ist jedes Wort oder Zugeständnis ein Balanceakt für dieses Volk. Intrigen, Mord, Verrat und subtile Machenschaften sowie eine grenzenlose Machtgier sind die Begriffe, die „Star Trek“-Fans mit dem Volk der Romulaner verbinden: Während Tal-Aura ihre Spielchen spielt, um die Bevölkerung zu täuschen, versucht sie alles, um ihrer Widersacherin zu schaden. Donatra scheint eine Ausnahme zu sein und verfolgt das Ziel, ihrem Volk zu mehr Wohlstand zu verhelfen, und zwar allen Rhiannsu und nicht nur denen in den obersten Bevölkerungsschichten. Sie ist bereit, ihrer Feindin die Hand zu reichen, um das zerrissene Volk zu einen. Es gibt aber einen gewieften Gegner im Hintergrund, den der Autor sehr interessant und geheimnisvoll wirken lässt. Diesem gelingt es, die beiden starken Frauencharaktere gegeneinander auszuspielen. Da die Vertrauensbasis fehlt, hält der unsichtbare Gegner alle Fäden in den Händen und kommt seinem Ziel stetig näher. Dazu wird noch die Figur von Benjamin Sisko weiterentwickelt, wenn dies auch nicht eben zu aller Zufriedenheit von statten geht. Der Leser erlebt einen vom Schicksal gebeutelten Mann, der sich sicher ist, dass er denen, die er liebt, nur Unglück bringt. So zieht er einen Strich unter sein bisheriges Leben, und seine Frau und Tochter müssen die bitteren Konsequenzen seines Handelns tragen. Siskos Aktionen scheinen sehr egoistisch und eigennützig zu sein. Wer aber die Hintergründe kennt, bekommt die Gelegenheit zu verstehen, warum der einstige Commander der Raumstation Deep Space Nine alles hinter sich lässt, um neu anzufangen. Die Geschichte kommt nicht richtig in Fahrt, da sie eindeutig zu viele Fäden beinhaltet, die sinnvoll verknüpft werden wollen. So nimmt die Weiterentwicklung von Spock und seinen Anhängern einen Großteil der Handlung ein, scheint aber eher auf der Stelle zu treten. Am interessantesten sind die Seite 34 von 80

Aktionen des unbekannten Gegners, der nicht fassbar zu sein scheint. Hier gibt es reizvolle Ansätze, um dem Titel der Story gerecht zu werden. Eines vermag der Autor gut darzulegen: wie sehr einige Wesen bereit sind, ihre innere Bestie loszulassen, um die Ziele, die sie anstreben, auch mit den hinterlistigsten Mitteln zu erreichen. Dabei wird vor Drohungen, Erpressung und sogar Mord keinesfalls zurückgeschreckt. Das Buch liest sich etwas zäh, und der Funke will nicht so richtig überspringen, dennoch werden Fans der Romulaner wieder tiefe Einblicke in die Welt dieses Volkes erhalten. Echte Freunde des „Star Trek“-Universums werden sich auf diese Geschichte bestimmt gern einlassen; für Neueinsteiger dürfte die Story eher wirr erscheinen, da ihnen ohne die vorherigen Bände das nötige Hintergrundwissen fehlt. (PW) Irene Salzmann Die Spielhölle Rettungskreuzer Ikarus 4 Atlantis Verlag, Stolberg, 01/2001, Neuauflage: 01/2013 PB, SF, 978-3-86402-060-5, 70/490 Titelgestaltung von Timo Kümmel unter Verwendung einer Illustration von Lothar Bauer www.atlantis-verlag.de www.rettungskreuzer-ikarus.de http://timokuemmel.wordpress.com www.saargau-blog.de www.saargau-arts.de http://sfcd.eu/blog/ www.pinterest.com/lotharbauer/ www.facebook.com/lothar.bauer01. Der Rettungskreuzer Ikarus wird nach Elysium, der „Spielhölle“, gerufen. Auf dieser Raumstation erhalten die Besucher alles, was es für Geld zu kaufen gibt: Sex, Drogen, Alkohol. Betrug und Mord sind alltägliche Ereignisse an diesem Ort weit außerhalb jeglicher Gesetzgebung. Doch ein Unglück hat Elysium getroffen. Die Station droht zu bersten, und es bleibt nur wenig Zeit, um alle Überlebenden zu retten. Captain Roderick Sentenza und seine Leute von der Ikarus geraten an mächtige Personen, die nicht bereit sind, in dieser Notlage zu kooperieren. Elysium ist dem Untergang geweiht, und die Rettungsmannschaft ist zu allem entschlossen, dieAngestellten und Gäste zu retten. Dankenswerterweise befinden sich auch Jason Knight und seine Begleiterin, die vizianische Telepathin Shilla, auf der Station, als das Unglück hereinbricht. Auf ihrem Weg zum rettenden Raumschiff können sie allerhand in die Wege leiten, wodurch sie Sentenza und seinem Team helfen. Während Shilla und der Captain der Ikarus unwillige und mysteriöse Überwesen bei einem Spiel besiegen müssen, um sie zum Verlassen der Station zu bewegen, wagt ein anderes Crewmitglied des Rettungskreuzers sein Leben, um den panischen Gästen die ersehnte Rettung zu bringen. Die Autorin Irene Salzmann vermag seit mehreren Jahren, ihre Leser vortrefflich zu unterhalten. Dabei bewegt sie sich im Metier des Erzählens gekonnt routiniert. Mittlerweile ist sie zu einer Größe auf dem deutschen Autoren-Markt geworden, an der kaum ein Leser vorbeikommt. Der vorliegende Band wurde noch am Anfang ihrer „Ikarus“-Karriere geschrieben, zeigt aber schon deutlich, wie sehr sie sich mit den von ihr kreierten Figuren identifizieren kann. Es gelingt ihr immer wieder, interessante Protagonisten zu gestalten. Zugleich vertieft sie das Verständnis ihrer Leser für die agierenden, fiktiven Darsteller und gibt diesen somit eine gute Gelegenheit, um sich weiterzuentwickeln. Die schillerndste Figur dürfte hierbei Jason Knight sein. Er erinnert an eine Mischung aus Han Solo und Captain Jack. Der Schmuggler und smarte Schurke wirkt außerordentlich sympathisch. Zudem bekommt er eine reizende Begleiterin an die Seite gestellt. Die geheimnisvolle Shilla bedient sich ihrer telepathischen Fähigkeiten, um sich bemerkbar zu machen. Die Vizianerin verrät Seite 35 von 80

nicht viel über sich selbst. Da sie Pheromone aussendet, ist es für männliche Wesen nicht einfach, sich in ihrer Nähe aufzuhalten, weil diese Lockstoffe deren sexuellen Trieb erhöhen. Nicht dass die attraktive Frau es nötig hätte, dies absichtlich auszustrahlen – es ist eine Eigentümlichkeit ihres soziophoben Volkes. Wie sie damit umgeht, ist nicht ganz geklärt, dafür weiß der Leser noch zu wenig über die Vizianer. Sie dient als Ruhepol und somit als interessantes Gegenstück zu dem hitzigen Jason Knight. Zudem schafft es die Autorin sehr gut, die lasterhaften, übersättigten Geldsäcke zu beschreiben, die der Ansicht sind, dass sie etwas Besseres als andere sind. Dabei erhebt sie den moralischen Zeigfinger ganz leicht. Doch Orte wie die Spielhölle gibt es auch in unserer realen Welt. Dieses Wissen nutzt sie sehr gut, um die Begebenheiten auf Elysium nachvollziehbar zu beschreiben. Leser, die der Serie verfallen sind, bekommen ein Abenteuer – in Neuauflage – geboten, das sowohl reale Bezugspunkte als auch notwendige, spannende Ausgangssituationen bietet. Die Fortsetzungen dieser Serie, die mittlerweile rund 60 Bände umfasst, dürfen mit Spannung erwartet werden. (PW) Louise Simonson, Jordan Goldberg, Patrick Holtheuer Krieg Batman - Gotham Knight 2 Highscore Music, Grünwald/Folgenreich, Berlin, 09/2013 1 Audio-CD im Juwel-Case, All Age-Hörspiel, Comic-Hörspiel, Superhelden, Action, SF, Dark Fantasy, Krimi, 978-3-94316629-3, Laufzeit: ca. 60 Min., EUR 9,90 (iTunes: EUR 6,99) Produktion, Regie, Sound und Lizenzierung: Sebastian Pobot Aus dem Amerikanischen, Dialogbücher, Co-Regie und Sprachschnitt: Patrick Holtheuer Sprecher: Sascha Rotermund, Rüdiger Schulzki, Klaus Dittmann, Reent Reins, Jan-David Rönfeldt, Jaron Löwenberg u. a. Mix, Sounddesign und Mastering: Tom Steinbrecher und Sebastian Pobot; Soundtrack: Ambitus Titeldesign & Booklet: Lars Vollbrecht www.folgenreich.de/ www.highscoremusic.com www.gloryboards.de Gotham City droht von einem Bandenkrieg zwischen der italienischen und der russischen Mafia überrollt zu werden. Die Cops Renee Montoya und Crispus Allen sind nahe dran, zwischen den Fronten zerrieben zu werden. Doch Batman ist auf der Hut. Um die Wogen zu glätten, muss Klarheit über die Machtverhältnisse in der Unterwelt von Gotham City herrschen. Zu dumm nur, dass dies nicht die einzige Baustelle ist, um die sich Batman kümmern muss. Da ist immer noch der machtgierige Geschäftsmann Ronald Marshall, den der Dunkle Ritter verdächtigt, für den Tod von Teresa Williams verantwortlich zu sein. Als Bruce Wayne fordert er Marshall daher zu einem Golf-Turnier heraus. Natürlich nicht ohne eine technische Spielerei von Lucius Fox. Und schließlich wird wieder eine verstümmelte Leiche unweit des Gotham Rivers gefunden ... Wie nicht anders zu erwarten geht es im zweiten Teil der Trilogie „Gotham Knight“ nahtlos weiter. Die Folge konzentriert sich in erster Linie auf den Bandenkrieg, was ja bereits durch den Titel ersichtlich wird. Dass dieser wörtlich zu nehmen ist, ist bereits nach den ersten Minuten durch die klanggewaltige Soundkulisse deutlich hörbar. In diesem Hörspiel kracht es gewaltig, und die Macher haben wirklich tief in die Geräusch- und Effekt-Datenbanken gegriffen, um den bestmöglichen Hollywood-Sound zu treffen. Die Story überzeugt durch bekannte und neue Charaktere, die von Vollblut-Sprechern wie Rüdiger Schulzki, Klaus Dittmann, Reent Reins, Jan-David Rönfeldt, Jaron Löwenberg, Eva Michaelis und vielen weiteren Größen der Branche verkörpert werden. Wieder einmal muss Sascha Rotermund

Seite 36 von 80

für seine Darstellung des Bruce Wayne alias Batman gelobt werden. Die Rolle ist ihm geradezu auf den Leib geschrieben. Störend sind eigentlich nur die vielen Selbstgespräche der Protagonisten. Im Einzelfall mag so was vorgekommen, in aller Regel jedoch nie so detailliert wie hier geschildert. Wozu gibt es denn den Erzähler, der von Gordon Piedesack übrigens sehr wirkungsvoll in Szene gesetzt wird? In der Rolle des Lucius Fox, in den neuen Filmen von Morgan Freeman gespielt und von Klaus Sonnenschein synchronisiert, ist hier Wolf Frass zu hören, der ebenfalls sehr überzeugend rüberkommt. Etwas übertrieben wirkt dagegen die Scharade auf dem Golf-Platz. Wenig glaubhaft, dass kein einziger der Zuschauer mitbekommt, wie Bruce Wayne das I-Phone von Marshall aus der Golftasche klaubt und die Daten mit einer eigenen Festplatte herunterlädt. So extrem war die Ablenkung schließlich auch wieder nicht. Dessen ungeachtet hat die zweite Episode von „Gotham Knight“ neben einer spannenden Storyline auch jede Menge Action zu bieten. Langweile kommt keine auf, und der Hörspaß ist enorm, obwohl die Stimmung nicht ganz so düster ist wie in den Filmen von Christopher Nolan. Auch dieses Hörspiel ziert ein martialisches Cover im Comic-Stil und passt sich damit dem Design der ersten Folge perfekt an. Rasante und sehr actionorientierte Fortsetzung mit herausragenden Sprechern und einem cineastischen Sounddesign. (FH)

Mehr SF unter Comic.

Mystery/Horror________________________________ _________ Mark Z. Danielewski Das Fünfzig-Jahr-Schwert The Fifty Year Sword Klett-Cotta/Tropen Verlag, Stuttgart, 09/2013 HC mit Schutzumschlag und Fadenheftung, zehnfarbig, Mystery, Drama, 9783-608-50126-1, 288/2995 Aus dem Englischen von Christa Schuenke Titelgestaltung von N. N. Innenillustrationen/Nähmalereien von Atelier Z www.klett-cotta.de/buecher/tropen http://markzdanielewski.com/ „Vielleicht weil, die Geschichte eder Gespenstergeschichte selber eine Gespenstergeschichte ist, will sagen, eine vollkommen andere Geschichte, darf angenommen werden, das nun Folgende sei mit Fug und Recht ebenso als Gespenstergeschichte zu betrachten ..." Auf einer Halloweenparty in Texas trifft die Näherin Chintana auf Belinda, die Chintana den Mann ausgespannt hat. Außerdem tummeln sich auf der Party fünf Waisenkinder, deren Sozialbetreuerin inzwischen eingeschlafen ist und die sich voller Erwartung einem späten Gast zuwenden. Der Geschichtenerzähler, gekleidet ganz in Schwarz, jagt den Kindern zunächst Angst ein, doch dann hängen sie an seinen Lippen und lauschen der Geschichte seiner abenteuerlichen Suche nach dem Fünfzig-Jahr-Schwert, bevor die Gesellschaft um Mitternacht mit einem fünfzigsten Geburtstag und einer Bluttat endet. „Weil ihr noch ung seid, will ich erZählen von meiner Suche nach einer Waffe. Doch weil ihr eben noch jung seid, will ich euch nicht erZählen, warum ich auf die Suche mich gemacht hab nach gerade solcher Waffe; in Wahrheit freilich könnte ich zwar spekulieren, kann mich jedoch nicht mehr an jede Einzelheit erinnern."

Seite 37 von 80

Es ist schwer, hier objektiv zu bleiben, denn Mark Z. Danielewski wirft in „Das Fünfzig-JahrSchwert“ so ziemlich alle Erzählkonventionen über Bord. Das kann auf verschiedene Leser ganz unterschiedliche Wirkungen haben. „Brillant" (wie Danielewskis Erstling „Das Haus – House of Leaves“) werden die einen sagen, während die anderen ratlos zurückbleiben und das Gefühl haben werden, mit der – zugegeben kurzen - Lektüre ihre Zeit vertan zu haben. Auch ich selbst habe mich irgendwie ‚abgehängt‘ gefühlt von diesem „literarischen Kunstwerk“ (Verlagswerbung), das ausschließlich über Dialoge erzählt wird. Stets schwankte ich zwischen den Gewissheiten „Da kommt noch etwas Essentielles" und – mit fortschreitender Seitenzahl – „ich habe etwas Wesentliches überlesen". Auch ist es ohne Konsultation des Klappentexts nahezu unmöglich, sich ein Bild der Situation und der handelnden Personen zu machen. Schon die Ausgangslage ist, gelinde gesagt, skurril: Auf einer Party treffen sich die Ex und die aktuelle Partnerin eines Typen, der in der Geschichte gar nicht dabei ist und über den man auch nichts weiter erfährt. Die Waisen, deren Vorgeschichte ebenfalls unbekannt bleibt, sind sich selbst überlassen, da ihre Betreuerin sich erdreistet, auf dem Fest ein Nickerchen zu halten, und der offenbar bedrohlich wirkende Geschichtenerzähler gibt den Kindern (und damit dem Leser) eine kryptische Geschichte zum Besten. Dabei versucht man unbewusst, stets Verbindungspunkte zwischen den einzelnen Elementen zu finden, überzeugt, irgendwo eine verborgene Bedeutung erkennen zu müssen. Einzelne Elemente weisen tatsächlich Gemeinsamkeiten auf (z. B. „Fünfzig-Jahr-Schwert“ - „F nfzigster Geburtstag“), und man vermutet Zusammenhänge, die jedoch stets diffus bleiben. Und als wäre die Geschichte nicht schon rätselhaft und unfassbar genug, verwendet Danielewski neben einem poetischen und verkünstelten Satzbau noch zahlreiche Wortneuschöpfungen. Man muss neidlos den Hut vor der Übersetzerin Christa Schuenke ziehen, die diese bisweilen verwirrenden Kunstworte kongenial ins Deutsche übertragen hat. Obwohl sich die Lektüre als Geduldsprobe erweist, möchte man das Buch schon wegen seiner wunderbar eleganten und originellen Erscheinung mögen. Nichts weniger als ein Kunstwerk ist „Das Fünfzig-Jahr-Schwert“ geworden. Der Schutzumschlag (schlichtes Orange mit schwarzer Schrift) ist in einem unregelmäßigen Muster von Innen nach Außen durchstoßen (geprickelt). Papier und Verarbeitung (rote Fadenheftung) des Hardcovers ist von erstklassiger Qualität, was schon das Gewicht des Buchs verdeutlicht. Das Schriftbild erinnert in seiner Großzügigkeit an ein überlanges Gedicht, wobei mit verschiedenfarbigen Anführungszeichen angezeigt wird, wer gerade spricht. Text steht grundsätzlich auf der linken Buchseite, die rechte ist meist den kunstvollen Nähmalereien (wohl weil die Hauptfigur eine Näherin ist) von Atelier Z (gegründet von Mark Z. Danielewski) vorbehalten oder einfach leer. Die Fadenbilder zeigen z. B. Schwerter, Schmetterlinge und Kerzen und haben den Stellenwert von Illustrationen, die jedoch nur teilweise einen Zusammenhang zum Text aufweisen. Auf einigen Textseiten, auf denen im Text auch das Schwert zum Einsatz kommt, sind die Wörter von den Nähten regelrecht ‚zerstückelt‘ Eine kryptische, experimentell und verkünstelt vorgetragene Geschichte, die nicht jeden Leser zufrieden stellen wird. Die Präsentation und Verarbeitung dafür in erlesener Qualität. (EH) Ivar Leon Menger & Team Das dunkle Geheimnis einer Stadt Porterville, Staffel 2 (Folge 7 – 12) Folgenreich/Universal, Berlin, 05/2014 2 MP3-CDs in aufklappbarem Digipack mit Schuber, Hörbuch, Mystery, SF, EAN 06025374633361, Laufzeit: ca. 645 Min., gesehen 07/14 für EUR 18,40 Ungekürzte Lesung von Jürgen Thormann, Martina Treger, Gordon Piedesack, Charles Rettinghaus, Norbert Langer, Udo Schenk Titelmotiv von Ivar Leon Menger & FWS Design & Repro 1 Booklet à 8 Seiten Hörempfehlung: Ab 16 Jahre! www.folgenreich.de Seite 38 von 80

www.universal-music.de www.porterville.de www.psychothriller.de/blog www.ivarleonmenger.de Von „Porterville“, der Nachfolgeserie von „Darkside Park“ liegt nun die zweite Staffel in Form einer Doppel-CD im MP3-Format vor. Zwar kann man ohne Vorkenntnisse aus „Darkside Park“ in „Porterville“ einsteigen, doch sollte man hier unbedingt mit der ersten Staffel beginnen, denn die Fortsetzung hilft, einige Puzzlestücke an die richtigen Plätze zu legen, wohingegen die 2. Staffel für sich allein gehört genauso kryptisch wirkt wie die erste. Die Handlung knüpft an die Geschehnisse der 1. Staffel an, doch werden die Ereignisse diesmal aus der Perspektive anderer Beteiligter erzählt, und aus diesem Grund wurden die einzelnen Episoden auch von weitgehend anderen Sprechern inszeniert gelesen. Jede Episode stammt außerdem aus der Feder eines anderen Autors und basiert auf den Ideen von Ivar Leon Menger. Porterville ist eine hermetisch abgeriegelte Stadt, die niemand verlassen darf, da das sogenannte Draußen als tödlich gilt. Bürgermeister Takumi Sato, der seine Position einer Rebellion verdankt, die letztlich nichts veränderte und nur andere korrupte Bürger zu privilegierten Ämtern verhalf, reglementiert die Bewohner auf strengste Weise, durch Gehirnwäsche und gezielt gestreute Lügen. Darum gibt es so gut wie keine Aufrührer, und jeder will seinen Beitrag leisten, damit Porterville trotz Ressourcenknappheit und der namenlosen Bedrohung bestehen kann. Aber ist dieses Draußen wirklich so gefährlich, wie behauptet wird? Tatsächlich werden Erntetrupps hinaus geschickt, um den Lebensmittelbedarf zu sichern. Allerdings kommen die exotischen, berauschenden Früchte nur Wenigen zugute, die eifersüchtig darüber wachen, dass die einfachen Bürger keinen regulären Zugriff erhalten. Die Frauen und Männer, die diese Arbeiten erledigen, wissen, dass es Tiere – oder irgendetwas – gibt, das sogar ihre Fahrzeuge aufhalten kann. Noch andere mysteriöse Phänomene sind ihnen bekannt, und dann machen sie eine erstaunliche Entdeckung. Die drei Jugendlichen, die in eine Militärbasis eingedrungen sind, köderte man mit ihrer Neugier und ihrem Pflichtbewusstsein, sodass sie bereitwillig an einem gefährlichen Experiment teilnehmen. Dann jedoch werden zwei von ihnen zusammen mit den Militärs Zeuge, wie der dritte erschossen wird – und … Sechs Episoden = sechs verschiedene Orte, sechs verschiedene Zeitebenen. Überall agiert eine Vielzahl Personen, manchmal auch ihre jüngeren bzw. älteren Versionen. Man muss schon sehr aufmerksam lauschen, um die Geschehnisse – auch in Hinblick auf die 1. Staffel – einordnen und erste Zusammenhänge herstellen zu können. Allmählich glaubt man zu ahnen, dass es in dieser Dystopie um Experimente mit der Zeit geht, die dazu führten, dass eine ganze Stadt, Porterville, in die Vergangenheit versetzt wurde, in das Amerika des 16. Jahrhunderts, noch bevor mit der Mayflower die ersten Siedler an Land gingen. Es gibt aber noch eine ganze Reihe weiterer Enthüllungen. Beispielsweise wird die Herkunft von Eleanor Dare Sato aufgedeckt, die sich durch viele Betten schlief und nicht vor Mord zurückschreckte, um an Takumi Sato heranzukommen, seine Frau zu werden und somit die Macht in den Händen zu halten. Entgegen ihres eigenen lasterhaften Lebenswandels initiierte sie das Gesetz, das Mädchen und Jungen trennt, die körperliche Liebe verpönt und erst im Erwachsenenalter ausgewählte Partner einander zuführt; etwas, das viele gutheißen, nicht jedoch ihr eigener Sohn Jonathan, der mit Emily Prey befreundet ist, die genauso wie ihr Vater und Großvater, die beide zu viel wissen, unter ständiger Beobachtung steht. Mehr möchte man gar nicht verraten, um die Überraschungen, die das rund elf Stunden dauernde Hörbuch bietet, nicht zu schmälern. Die noch ausstehenden Antworten wird vermutlich die dritte und letzte Staffel liefern. Bis diese erscheint, sind die Zuhörer mit ihren Spekulationen allein, denn die Andeutungen werden nicht näher ausgeführt und enden stets an der spannendsten Stelle mit einem Cliffhanger. Die Gestaltung des Digipacks ist identisch mit dem der 1. Staffel: das gleiche Motiv, nur das statt Gelb Farbakzente in Pink gesetzt wurden. Teils andere Sprecher tragen die einzelnen Episoden nachvollziehbar vor und machen auch „Porterville 2“ zu einem faszinierenden Hörbuch – und neugierig auf die 3. Staffel. (IS) Seite 39 von 80

Christian Montillon Marmortod Larry Brent Hörbuch 1 Nach Figuren von Dan Shocker Romantruhe Audio, Kerpen-Türnich/Winterzeit Studios, Remscheid, 10/2012 3 CD Box-Set, Hörbuch mit inszenierte Lesung, MysteryThriller, Horror, 978-3-86473-055-9, Laufzeit: ca. 168 Min., EUR 12,95 Sprecher: Wolfgang Rüter, Rainer Schmitt, Henry König, Rüdiger Schulzki, Wolfgang Rositzka Titelmotiv von Rudolf Sieber-Lonati http://www.romantruhe.de http://www.winterzeitstudios.de http://blitz-verlag.de/ http://christianmontillon.blogspot.com http://www.rs-lonati.de/ „Auch der Junge sah es deutlich, obwohl er mehr als f nf Meter über dem Geschehen saß und sich immer noch am Ast festklammerte. Die Blätter raschelten rings um ihn. Die tote Frau bewegte sich. Ihr Gesicht war wie ... versteinert. Der Junge presste kurz die Augen zusammen, öffnete sie dann wieder und sah doch wieder genau dasselbe wie vorher.“ Vergangenheit: Als er wieder einmal aus seinem Zuhause in den nahegelegenen Park flieht, wird der junge David Gullan Zeuge eines brutalen Mordes. Zwei Männer prügeln eine Frau zu Tode. Die Leiche erhebt sich jedoch kurz darauf wieder, nun als lebendige und tödliche Marmorstatue. Denn jedes Lebewesen, das sie berührt, verwandelt sich ebenfalls in Stein. Mit seinem älteren Bruder Frank kehrt David an den Tatort zurück, wo sich Frank an einem Marmorsplitter infiziert. Gegenwart: David Gullan, inzwischen Leiter der PSA, der Psychoanalytischen Spezialabteilung, enthüllt seinem besten Mann, Larry Brent, ein Geheimnis, das bis zu den Gründungstagen der PSA zurückreicht, denn eine Gefahr aus dieser Vergangenheit ist wieder aufgetaucht. Der „Marmortod“ ist zurückgekehrt. „Zwischen den Vasen und vom Efeu teilweise berrankt stand die Marmorstatue der Toten aus den Park. Und nicht nur sie. Zwei weitere Statuen waren deutlich zu erkennen. Die beiden Männer, die die Frau vor vier Jahren getötet hatten. Doch das war immer noch nicht alles, wie Frank zu seiner Verblüffung entdeckte. Eine marmorisierte junge Frau stand etwas abseits. Ihr Körper war nackt, die vollen Br ste glänzten. Wie passte sie ins Spiel?“ Nachdem die ersten beiden „Neuen Fälle“ von Larry Brent von J. J. Preyer verfasst wurden, stößt mit Band 3 Serien-Tausendsassa Christian Montillon zum „Larry Brent“-Autorenteam des BLITZVerlags. Dieser versteht es, ein erfrischend modernes Abenteuer zu erzählen, das bereits lange vor den Anfangstagen der PSA beginnt. Klingt paradox, funktioniert aber bestens. Mit dem parallelen Erzählen von Vergangenheits- und Gegenwartshandlung zieht der Autor seine Leser schnell ins Geschehen hinein. Schließlich wird man hier Zeuge, wie kein Geringerer als PSA-Chef David Gullan als Kind bereits Beobachter paranormaler Ereignisse wurde, in die schließlich mit absoluter Konsequenz auch sein Bruder Frank hineingezogen wurde. Eine Bürde, an der David Gullan heute noch trägt. So bekommt man zu den bizarren Gruselmomenten, wie sie sich auch Dan Shocker nicht besser hätte ausdenken können, einen Einblick in die fragile Psyche der Figuren. Vorbei sind also die Zeiten, in denen selbst der größte Schrecken den Helden der PSA nur ein müdes Lächeln entlocken konnte. Kennt man sich einigermaßen im „Larry Brent“-Kosmos aus, muss man Christian Montillon filigranes Geschick attestieren, denn ihm ist es meisterhaft gelungen, diese neue Story geschmeidig in den bestehenden „Larry Brent“-Kanon einzugießen. Als wäre es absolut keine große Sache, präsentiert der Autor hier nicht nur erstmals X-RAY 2 (wer hat sich nicht schon gefragt, wer dieses Bindeglied zwischen X-RAY-1, David Gullan, und X-RAY 3, Larry Brent, ist?), sondern erzählt auch noch, wie es zur Gründung der PSA kam. So wird „Marmortod“ zu einem wichtigen Schlüsselroman innerhalb der „Larry Brent“-Historie. Dabei wirkt der Roman keineswegs

Seite 40 von 80

starr auf diese Offenbarungen hin ausgerichtet, sondern ist überraschend locker, ohne Längen und in sich logisch erzählt. Dass Christian Montillon ein absoluter Profi unter den Lohnschreibern ist, hat er bereits durch die Mitarbeit an verschiedenen Serien bewiesen. So gehen zahlreiche „Professor Zamorra“-, „Sternenfaust“- und „Maddrax“-Romane auf sein Konto. Momentan ist er sogar als Exposéautor für „Perry Rhodan“ tätig, und ‚nebenbei‘ schreibt er für „Dan Shockers Macabros“ (die Fortsetzung im Zaubermond Verlag), „Die drei ???“ oder eben neue „Larry Brent“-Fälle (BLITZ-Verlag). Nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass der BLITZ-Verlag die Rechte an zahlreichen Bildern von Coverkünstler Rudolf Sieber-Lonati hält und so ausreichend Bildmaterial zur Verfügung hat, „Larry Brents neue Fälle“ mit klassischen Coverartwork zu präsentieren. Das Hörbuch: Während die Russel & Brandon-Company mit ihren neuen „Larry Brent“-Hörspielen versucht, mit neuen Titelbildern und einer effektreichen Inszenierung auf allen Ebenen zu klotzen, muss man den Romantruhe-Hörbüchern vornehmes Understatement bescheinigen, das es wesentlich angenehmer macht, diese anzuhören. Bemerkenswert ist außerdem, dass ausgerechnet bei den aktuellen „Larry Brent“-Hörspielen (die auf alten Romanen basieren) neue Sprecher zum Einsatz kommen, während in den Winterzeit/Romantruhe-Produktionen (die auf den „Neuen Fällen“ aus dem BLITZ-Verlag basieren) die alte Sprechergardegarde (Rainer Schmitt als Larry Brent, Henry König als Iwan Kunaretschew und Rüdiger Schulski als David Gullan) eine schön inszenierte Lesung mit verteilten Rollen abliefert und damit viel eher die Nostalgiker bedient. Da hier allerdings lediglich die Hauptrollen mit ihren Stimmsprechern vertreten sind, übernimmt der Erzähler Wolfgang Rüter zwangsweise auch größere Dialoganteile der Nebenfiguren. Das macht es ab und an nicht ganz einfach zu erkennen, wer denn hier gerade spricht. In den weiteren Folgen wächst der SprecherInnen-Cast, sodass man getrost schon von einem Hörspiel (statt einer inszenierten Lesung) sprechen kann. Obwohl „Marmortod“ in der zugrunde liegenden Buchreihe die Nr. 3 ist, wird das Hörbuch als Teil 1 geführt. Einer der Vorgängerbände, „Die Da-Vinci-Loge“, ist außerdem als Hörbuch im Action Verlag erschienen. (EH) Nate Southard DOWN Horror TB 58 DOWN, USA, 2012 Festa Verlag, Leipzig, 07/2013 TB, Horror, 978-3-86552-215-3, 256/1280 Aus dem Amerikanischen von Patrick Baumann Titelgestaltung von Dirk Baumert www.festa-verlag.de/ www.natesouthard.com www.duesterart.com ‚The Frequency Brothers‘ ist eine aufstrebende Rockgruppe, bestehend aus fünf Mitgliedern: der Sängerin Dani, ihrer Schwester Jen, dem Bass-Gitarristen Greg, dem Schlagzeuger Curtis, sowie dem drogenabhängigen Connor. Nach einem erfolgreichen Auftritt chartert die Gruppe einen Jet, der sie nach New York bringen soll. Begleitet werden sie dabei von ihrem Manager Potter, dem Gitarren-Techniker Kevin, Danis Ehemann, sowie der Reporterin Shannon vom Rock-Magazin „Rolling Stone“. Über einem dichten Waldgebiet gerät das Flugzeug in heftige Turbulenzen und stürzt ab. Die Piloten und einer der Passagiere sterben bereits beim Aufprall, die restlichen Insassen sind mehr oder weniger stark verletzt. Jetzt gilt es, das Überleben zu sichern und Hilfe zu holen. Doch die Funkgeräte im Cockpit funktionieren nicht mehr, und plötzlich hören die Überlebenden ein infernalisches Brüllen. Wenig später werden die Leichen von einer riesigen, grauenerregenden Kreatur verschleppt. Doch die Bestie gibt sich nicht allein mit den Kadavern zufrieden ... Nate Southards zweiter Roman beginnt als klassischer Survival-Horror mit einer überschaubaren Gruppe an Protagonisten, die aber nicht hübsch der Reihe nach von einem fiesen Monster Seite 41 von 80

massakriert werden, wie Untertitel und Klappentext dem Leser suggerieren wollen. Ganz so einfach hat es sich der Autor dann doch nicht gemacht. Wer bereits „Red Sky“ gelesen hat und Southards Art zu Schreiben mag, wird auch mit „DOWN“ zufrieden sein, obwohl in dem vorliegenden Roman nicht ganz so viel Blut fließt wie im Debütroman des Australiers. Der Beginn der Geschichte liest sich trotzdem sehr rasant, weil der Autor Szenen des Absturzes im Wechsel mit den ruhigeren Passagen kurz vor dem letzten Auftritt der Gruppe schildert. Dabei werden die unterschiedlichen Charaktere vorgestellt, und hier liegt auch die Stärke des Autors beziehungsweise der Novelle, die mit nicht einmal 250 Seiten deutlich schmaler ausgefallen ist als die meisten anderen Titel aus der „Horror“-Reihe von Festa. Langeweile kommt daher gar nicht auf, allerdings könnten die Erwartungen des Lesers doch enttäuscht werden, denn ein richtig fieser Backwood-Splatter ist „DOWN“ keineswegs. Entgegen der üblichen Don't show the monster-Mentalität, wie man sie ja auch aus einschlägigen Filmen wie „Der weiße Hai“ oder „Alien“ kennt, sucht man hier Zurückhaltung vergebens. Nate Southard beschreibt seine Kreation bereits nach knapp 80 Seiten in voller Pracht und schockiert Leser und Protagonisten gleichermaßen mit einer sehr schaurigen Szene. Als sich dann noch zwei der Überlebenden auf den Weg machen, um Hilfe zu holen, ist den meisten Lesern wohl klar, was gleich passieren wird. Doch weit gefehlt. Vorhersehbar ist Southards Roman nämlich keineswegs. Ob dieser Umstand allein allerdings ausreicht, um den geneigten Horror-Fan zufriedenzustellen, sei einmal dahingestellt. Denn während sich die ersten zwei Drittel des Romans mit der Charakterisierung und Positionierung der Figuren sowie dem Aufbau von Spannung und Atmosphäre widmen, wird die Story im letzten Drittel rasant zum Abschluss gebracht. Hier hätte der Autor ruhig 50 Seiten mehr investieren dürfen, dann wären vielleicht auch nicht ganz so viele Fragen offen geblieben. Andererseits liegt darin natürlich der Reiz der Geschichte verborgen, dass eben nicht immer alles bis ins letzte Detail geklärt werden kann und die Natur sich nicht alle Geheimnisse entreißen lässt. Es fällt daher schwer, diesen Roman abschließend zu bewerten. Ungewöhnlich ist er auf jeden Fall, vor allem schon wegen des Hauchs Mystik, der durch die sonderbaren, magischen Symbole an den Bäumen hervorgerufen wird. Auch ist der Roman recht spannend und an keiner Stelle wirklich langweilig. Deshalb, und wegen des tollen Bonusmaterials in Form eines ausführlichen Interviews mit dem Autor, geführt von Christian Endres, spricht man letztlich für diese HorrorNovelle eine klare Empfehlung aus. Das Covermotiv passt im Prinzip gut zu Titel und Inhalt, obwohl keiner der Protagonisten bewaffnet ist. Trotzdem besitzt das Titelbild eine verstörende Atmosphäre, hervorgerufen durch die eigenwillige Farbgebung, die sich perfekt mit der Stimmung des Romans deckt. Ungewöhnlicher Survival-Horror mit einer starken Charakterzeichnung. Im Gegensatz zum Debütroman des Autors nicht ganz so blutig, aber äußerst packend, obwohl das abrupte Ende und die vielen offenen Fragen nicht bei jedem Leser auf Verständnis treffen dürften. (FH) Andrew Weiner (Regie & Drehbuch), Vlady Pildysh (Drehbuch, nach Charakteren von Mary Shelley) The Frankenstein Theory The Frankenstein Theory, USA, 2013 Mad Dimension, Wedel, im Vertrieb von Al!ve AG, Köln, 23.05.2014 1 DVD im Amaray-Case, Horror, SF, Laufzeit: ca. 83 Min., gesehen 05/2013 für EUR 13,99 Sprache/Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1, keine Untertitel Bildformat: 16 : 9 , 1 : 1,78 Altersfreigabe/FSK: 16 Darsteller: Kris Lemche, Joe Egender, Timothy V. Murphy, Eric Zuckerman Musik: James T. Sale http://maddimension.de/ http://www.alive-ag.de/ Um seinen wissenschaftlichen Ruf und die Reputation seiner Familie wieder herzustellen, begibt sich Professor Jonathan Venkenheim (Kris Lemche) mit dem Filmteam seiner Studienfreundin Seite 42 von 80

Annie (Christine Lakin) auf eine Expedition zum nördlichen Polarkreis. Venkenheim vertritt die These, dass Mary Shelleys Roman „Frankenstein“ keine bloße Erfindung ist, sondern einen wahren Kern besitzt. Einer seiner Vorfahren soll nicht nur die Vorlage für die literarische Figur des Viktor Frankenstein geliefert haben, er soll auch ein künstliches Geschöpf erschaffen haben, das Frankensteins Monster aus dem Roman gleicht. Indizien überzeugen den Wissenschaftler, dass die Kreatur tatsächlich, wie im Roman beschrieben, ins Ewige Eis geflohen ist und dort bis heute überlebt hat. Über Kanada reist die Gruppe in die Arktisregion und verfolgt die Spuren der Kreatur, bis sie schließlich der Wahrheit ins Gesicht blickt. Mit „The Frankenstein Theory“ liegt ein weiterer Beitrag auf dem derzeit überquellenden Found Footage-Wühltisch vor. D.h., die komplette Handlung wird aus einer subjektiven (Hand-) Kameraperspektive vermittelt. Angenehm fällt auf, dass es sich hier nicht um den x-ten Paranormal Sonstwas- oder Haunted House-Aufguss handelt, sondern dass die Protagonisten planmäßig vorgehen und ein konkretes Ziel vor Augen haben, was dem Film einen roten Faden und einen willkommenen Spannungsbogen beschert. Die ‚Glaubwürdigkeit‘ von Venkenheim wird dadurch unterstützt, dass er zunächst seine Indizien präsentiert, wie etwa Bildzeugnisse eines Labors seines Ahnen und die außergewöhnlichen zeitlichen Muster an Tiertötungen, die im vermeintlichen Aufenthaltsgebiet der Kreatur vorkommen. Damit wird „The Frankenstein Theory“ – in seiner filmischen Realität - auf eine einigermaßen belastbare Grundlage gestellt. Was die Interaktionen der Expeditionsteilnehmer angeht, ist Vorhersehbarkeit angesagt. Annie und ihr Filmteam kennen sich natürlich, Venkenheim dagegen steht trotz der Vermittlungsversuche seiner Kommilitonin mit seiner hanebüchenen Theorie auf einem einsamen Posten. Die Unsicherheit wird mit Humor überspielt. Als die Bedrohung immer greifbarer wird, eine Umkehr aber immer weniger möglich erscheint, eskaliert die Situation schrittweise. Schade nur, dass ein Bild, wie es das Cover suggeriert, im Film überhaupt nicht vorkommt. Außerdem fragt man sich einmal mehr, wie denn das Filmmaterial wieder in die Zivilisation gelangt ist. Venkenheim-Darsteller Kris Lemche steht zwar nicht auf der A-Liste der Schauspieler, ist aber auch nicht gerade ein Neuling und war neben Seriengastauftritten schon in den Genreproduktionen in „Ginger Snaps“, „Final Destination 3“, „Existenz“ und „In Time“ dabei. Einen längeren Auftritt als Führer hat der Ire Timothy V. Murphy, den man aus zahlreichen Serien kennt und der immer gern als (russischer) Bösewicht von Dienst besetzt wird. Insgesamt kann „The Frankenstein Theory“ trotz einiger lang geratener Szenen durch seinen soliden Unterbau überzeugen. Bestens geeignet als Kontrastprogramm zum PseudogothicBlockbuster „Ich, Frankenstein“. (EH)

Mehr Mystery/Horror unter Kinder-/Jugendbuch, Magazin, Comic, Manga.

Krimi/Thriller_______________________________________ ___ Richard Castle Heat Wave - Hitzewelle Castle 1 Heat Wave, Kanada. 2006 Cross Cult, Ludwigsburg, 1. Auflage: 03/2012 TB, Krimi, 978-3-86425-007-1, 286/1180 Aus dem Amerikanischen von Anika Klüver Titelgestaltung von Shubani Sarkar www.cross-cult.de www.richardcastle.net http://abc.go.com/shows/castle www.kabeleins.de/tv/castle Richard Castle dürfte Fans aus der Fernsehserie „Castle“, die erfolgreich bei Kabel 1 läuft, bekannt sein. Dort spielt Nathan Fillian den gutaussehenden Lebemann und Autor. Kate Beckett wird von Seite 43 von 80

Stana Katic dargestellt. Kein Wunder, dass die Figur des Autors herangezogen wird, um seine fiktiven Romane in die reale Welt zu bringen. Richard Castle, der Autor der ‚Derrick Storm‘-Reihe ist zurück. „Heat Wave“ bricht derzeit alle Rekorde und steht mittlerweile auf der „New York Times“-Bestsellerliste. Der smarte Autor liefert eine gekonnte Story ab, die abenteuerlich und mit viel detektivischem Spürsinn sowie reichlich romantisch-erotischen Momenten gewürzt ist. Nikki Heat heißt seinen neue Figur. Die knallharte, intelligente und wunderschöne Frau, die Castle beschreibt, erinnert fatal an die Polizistin Kate Beckett. Um seine Geschichten mit realen Fakten zu untermauern, begleitet er seit einiger Zeit ihr Team bei dessen Ermittlungen. Der Autor, der mit seiner Tochter Alexis und seiner Mutter zusammenlebt, lässt sich nicht in die Karten schauen. Ein Interview am Ende des Buches gibt einige Antworten. Dabei umschifft Castle das Thema Beckett allerdings so gekonnt, dass Frauen, die hoffen, den attraktiven, gut situierten Autor für sich zu gewinnen, eventuell eine Konkurrentin fürchten müssen. Deren Alter Ego Nikki Heat, bekommt den Starjournalisten Jameson Road zugeteilt. Dieser soll über die New Yorker Polizei recherchieren, um einen Artikel zu veröffentlichen. Die Bosse in den oberen Etagen erhoffen sich dadurch ein besseres Image der Gesetzeshüter bei der Bevölkerung. Heat wird zu einem Tatort gerufen, der Schauplatz eines Selbstmordes zu sein scheint. Der Immobilienmogul Matthew Starr ist aus dem sechsten Stock seines Apartments gestürzt. Seine Frau widerspricht vehement der Selbstmord-Theorie. Schon bald verdichten sich die Indizien für einen Mord. Heat und ihr Anhängsel Road bekommen es außer mit einer rekordverdächtigen Hitzewelle mit einem weiteren Mord zu tun, der sie zutiefst schockiert. Die Ermittlerin und ihr Team setzen alles daran, die Wahrheit über die Motive der Täter oder des Täters herauszufinden. Die Spuren führen zu allerlei schmutzigen Geheimnissen der Reichen und Schönen. Ein brisanter Fall, der Nikki Heat und Jameson Road dazu bringt zusammenzuarbeiten. Gemeinsam versuchen sie, Licht ins Dunkel der Morde zu bringen. Wer die Krimi-Reihe „Derrick Storm“ des Autors kennt, wird sich mit der neuen Ermittlerin Nikki Heat gerne anfreunden. Interessant, abenteuerlich und mit unterschwelliger prickelnder Erotik gewürzt, bringt die Geschichte alles mit, was Fans von „Richard Castle“ so lieben. (PW) Flavio Frederico (Regie & Drehbuch), Mariana Pamplona (Drehbuch) Brazilian Gangster – König der Unterwelt Boca do Lixo, Kinoscopio, Brasilien, 2010 Sunfilm/Tiberius Film, München, 06/2014 1 DVD im Amaray-Case, Action, Krimi/Thriller, Drama, EAN 4041658227476, Laufzeit: ca. 98 Min., gesehen 06/2014 für EUR 14,99 Sprache/Ton: Deutsch, Portugiesisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS), Untertitel: Deutsch Bild/Auflösung: 1,85 : 1 (16 : 9) Altersfreigabe/FSK: 16 Darsteller: Daniel de Oliveira, Hermila Guedes, Jefferson Brasil, Milhem Cortaz Titelgestaltung von N. N. www.tiberiusfilm.de Sao Paolo in den frühen 1960ern: Von frühester Jugend an zieht es Hiroito de Moraes Joanides (Daniel de Oliveira) in die Vergnügungsviertel der Stadt, wo er sich bald wohler fühlt als in seinem Elternhaus, in dem sein Vater ein strenges Regiment führt. Seinen ersten Mord begeht Hiroito aus Notwehr, als er einer Prostituierten gegen einen allzu aufdringlichen Freier zu Hilfe kommt. Der Mord an seinem Vater konnte ihm nie nachgewiesen werden. Immer weiter dringt der gewaltbereite Hiroito mit zunehmendem Alter in die Strukturen der örtlichen Halbwelt ein, fungiert als Zuhälter und später auch als aufstrebender Drogenhändler. Hiroitos Weg nach oben führt indes zu Revierstreitigkeiten mit der Polizei und mit anderen Gangs und wird damit immer mehr zum lebensgefährlichen Spiel für sich selbst und für seine Familie. Seite 44 von 80

Während seiner Haft schrieb Hiroito de Moraes Joanides seine Lebensgeschichte auf, die als Vorlage für Flavio Federicos „Boca do Lixo“ diente und die Hiroitos Weg vom Schuljungen zum Gangsterboss über mehrere Jahrzehnte nachzeichnet. Was mit dem ‚deutschen‘ Titel „Brazilian Gangster“ als anspruchsvolle Gangsterballade eingegeben wird, erweist sich mit zunehmender Laufzeit als episodenhaftes Drama ohne flüssige und schlüssige Handlung, das das Leben des ‚brasilianischen Paten‘ als Ansammlung von Stationen und Schlüsselmomenten beleuchtet, es jedoch versäumt, den Zuschauer auch auf die Seite der Figuren zu ziehen. Hiroito wird durchgehend als selbstgefälliger Choleriker dargestellt, den lediglich seine Gier antreibt. Weitere Gründe für sein Handeln bleiben im Dunkeln. Klingt gefährlich, doch Hauptdarsteller Daniel de Oliveira wirkt insgesamt zu jugendlich und unerfahren (als würde John Leguizamo Buddy Holly spielen), um vollständig zu überzeugen. Schwer zu glauben, dass diesen anmaßenden Emporkömmling niemand in die Schranken weisen kann. Entsprechend distanziert verfolgt man das sprunghaft geschilderte Geschehen. Die Vergleiche mit amerikanischen ‚Familien‘-Filmen („Der Pate“, „Good Fellas“), die der Coverslogan zieht, sind dementsprechend reichlich hoch gegriffen, doch funktioniert „Brazilian Gangster“ als exotische Variante eines Gangsterfilms, der das vorgezeichnete Geschehen vom nüchternen und oft bemühten New York in das heißblütigere Brasilien verlegt, hinreichend gut. Womit „Brazilian Gangster“ jedoch wirklich überzeugt – und hier greift der Vergleich mit „Mad Men“ -, ist die detailreiche und gewissenhafte Ausstattung (Requisiten, Kostüme), die im Zusammenspiel mit den eingesetzten Farb- und Kontrastfiltern pure Nostalgie verströmt. Nicht zuletzt sind auch die im Retro-Look ausgestatteten brasilianischen Darstellerinnen eine echte Augenweide. Grandios ausgestattete südamerikanische Gangsterfilmvariante, Figurenzeichnung und einer episodenhaften Erzählweise leidet. (EH)

die

unter

ihrer

blassen

Thomas Fröhlich Sherlock Holmes und das Geheimnis des Illusionisten Nach der Kurzgeschichte „Glauben Sie mir, mein Name ist Dr. Watson!“ von Andreas Gruber Evolver Books, Wien (A), 02/2013 TB, Mystery-Krimi, Theaterstück, 978-3-9502558-6-7, 120/1200 Titelmotiv von Jörg Vogeltanz www.evolver-books.at www.agruber.com www.vogeltanz.at/ „Die B hnenleiterin und Advokatin gehobener Unterhaltung, Madame Josephine Balsamo, gepriesen für ihre mesmeristischen Soiréen, ist stolz darauf, den weltbekannten Illusionisten und Magnetiseur Nyarlathotep aus dem fernen und geheimnisvollen Ägypten ...“ [...] „Watson, ich bitte Sie! Als nächstes wollen sie mir vielleicht noch Elfenphotographien verkaufen! Ich wähnte Sie als einen Mann der Wissenschaft, als einen Jünger der Ratio ... und dann sowas!“ Im neueröffneten ‚Miskatonic Theatre‘ am Piccadilly Circus findet ein Auftritt des berühmten Illusionisten Nyarlathotep statt. Im Publikum dieses Ereignisses tummeln sich neben Humphrey von Weyden, Mina Harker und Edward Drood auch Sherlock Holmes und John Watson. Während der Show verschwinden Harker, Drood und von Weyden plötzlich aus dem Publikum. Jedoch nicht vollkommen spurlos, wie sich tags darauf zeigt, als nämlich in Sherlock Holmes‘ Wohnung in der Baker Street plötzlich ein geheimnisvolles Päckchen auftaucht, das den Anschein erweckt, schon geraume Zeit dort zu stehen. „Dieser Ägypter mit dem unaussprechlichen Namen soll tatsächlich sehr berzeugend sein – für jene einfältigen Gemüter, die daran glauben wollen, selbstverständlich. Nehmen Sie’s doch einfach als eine Art Theaterstück; vielleicht als Herausforderung, ein wenig hinter die Kulissen seiner Tricks zu blicken. Obwohl, es soll a schon ein wenig schaurig sein ...“

Seite 45 von 80

Am Anfang war Andreas Grubers Kurzgeschichte „Glauben Sie mir, mein Name ist Dr. Watson!“ (erschienen in der Anthologie „Das Geheimnis des Geigers“, Hrsg.: Alisha Bionda, BLITZ-Verlag, 2006), die im Grunde die gleiche Geschichte erzählt. Nachdem die Rechte an der Geschichte wieder an Andreas Gruber zurückgefallen waren, klopfte Thomas Fröhlich bei seinem Landsmann um Erlaubnis an, Grubers Verwirrspiel um literarische und echte Realität als Theaterstück neu zu beleben. Grundsätzlich passiert Folgendes: Nyarlathoteps Magie lässt die literarischen Figuren den Platz mit ihren geistigen Schöpfern tauschen, sie werden von der literarischen in die ‚reale‘ Realität geschleudert (wobei hier ein gemeinsames literarisches Universum für verschiedene Figuren angenommen wird). Edward Drood findet sich also in der Gestalt von Charles Dickens in einer ihm fremden Welt wieder, Humphrey von Weyden als Jack London, Mina Harker als Bram Stoker und eben Dr. John Watson als Arthur Conan Doyle. Den unbekannt Gestrandeten gelingt es jedoch, Päckchen oder Nachrichten durch einen Kanal zwischen den Realitäten an den Einzigen zu schicken, der dieses Rätsel aufklären könnte: den Meisterdetektiv Sherlock Holmes. Dieser schafft es schließlich, die Autoren ausfindig zu machen, die sich ja nun in den Körpern ihrer Figuren in ihrer eigens geschaffenen literarischen Welt aufhalten, und so das Rätsel nach und nach zu lösen. Bereits in etlichen Geschichten traf Sherlock Holmes auf historische (Sigmund Freud, Karl May, Bram Stoker, Jack the Ripper) oder fiktive Zeitgenossen (Dracula, Prof. Challenger, Augustus van Dusen). „Das Geheimnis des Illusionisten“ geht noch einen Schritt weiter, indem beide CrossoverAnsätze gefahren werden. Dabei legt Thomas Fröhlichs Version in diesem Spiel mit den verschiedenen Charakteren gegenüber Grubers Geschichte noch eine gehörige Schippe drauf. Er hat Andreas Grubers Vorlage nicht nur in die Form eines Theaterstücks - mit Beschreibungen der Bühnengestaltung und der optischen und akustischen Effekte – übertragen, sondern auch einige Veränderungen in der Besetzungsliste vorgenommen. So taucht z. B. Mina Harker erst hier auf, während Ambroce Bierces Peyton Farquhar nur in Grubers ‚Original‘ dabei war. Damit bekommt diese Version fast etwas von Alan Moores „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (wo Mina Harker ebenfalls mit von Partie ist). Auch die Lovecraft-Leihgabe Nyarlathothep (sowie in einer Gastrolle dessen Kollege Herbert West) wurde erst von Thomas Fröhlich hinzugefügt. Ähnlich wie in der BBC-Serie „Sherlock“ verleiht Fröhlich dem Stück durch zeitweise Überzeichnung der Figuren eine herrlich augenzwinkernde Note. Der Witz geht auch mal auf eigene Kosten ohne die Figuren oder die Handlung je ins Lächerliche zu ziehen. Coverkünstler Jörg Vogeltanz zeigt den Detektiv im Angesicht cthulhoider Tentakel, die aus seiner Pfeife quellen. Ein Zugeständnis an die Lovecraft-Connection, wenngleich in der Geschichte keine Tentakelmonster vorkommen. Basierend auf einer Kurzgeschichte von Andreas Gruber treibt Thomas Fröhlich ein grandioses Spiel mit verschiedenen Realitätsebenen, das es für Sherlock Holmes zu lösen gilt - inklusive zahlreicher Gastauftritte prominenter historischer und fiktiver Persönlichkeiten. (EH) Keigo Higashino Heilige Mörderin Professor Yukawa 2 Seijo no Kyusai, Japan, 2008 J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart, 02/2014 HC mit Schutzumschlag, Krimi, 978-3-608-98012-7, 316/1995 Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe Titelgestaltung von Rothfos & Gabler, Hamburg unter Verwendung eines Fotos von plainpicture/apply pictures www.klett-cotta.de Der erfolgreiche Unternehmer Yoshitaka Mashiba wird von seiner Geliebten Hiromi Wakayama tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Polizei stellt fest, Seite 46 von 80

dass er mit Arsensäure vergiftet wurde. Doch wie gelangte die Substanz in seinen Kaffee, und wer ist der Täter? Außer Hiromi wird auch Ayane, die Ehefrau des Toten, verdächtigt, die für einige Tage verreist war. Der ermittelnde Inspektor Kusanagi möchte an die Unschuld der attraktiven Witwe glauben, während seine Kollegin Utsumi aufgrund winziger Details davon überzeugt ist, dass sie ein Motiv und auch die Gelegenheit für die Tat hatte. Pikanterweise wusste Ayane von dem Verhältnis ihres Mannes mit ihrer schwangeren Assistentin, für die und für die Erfüllung seines Kinderwunsches er sich hatte scheiden lassen wollen. Aber solange nicht geklärt ist, wie das Gift verabreicht wurde, würde eine Anklage abgewiesen werden. Um das Rätsel zu lösen, bittet Utsumi den Physik-Professor Yukawa, der bei kniffligen Fällen schon öfters Rat wusste, um Hilfe. Keigo Higashino, von dem bereits zahlreiche Werke verfilmt wurden, folgt der Tradition der skandinavischen Kollegen und baut seinen Kriminalroman „Heilige Mörderin“, den zweiten in sich abgeschlossenen Band von bislang drei Büchern um den Physik-Professor Yukawa, sehr bedächtig, fast schon behäbig auf und legt den Schwerpunkt auf die Ermittlungsarbeit. Die Beamten konzentrieren sich auf die Befragung der Personen aus dem Umfeld des Toten, veranlassen Laboruntersuchungen – und geraten selber keinen Moment lang in das Visier des Täters. Dadurch liest sich der Titel völlig unspektakulär im Vergleich zu den Romanen angloamerikanischer Autoren, in denen der Mörder, sobald er Gefahr läuft, überführt zu werden, seine Gegenspieler unter Druck setzt und ihnen nach dem Leben trachtet. Der bewusste Verzicht auf übertriebene Action und Spannungselemente ist jedoch keineswegs unangenehm, sondern, im Gegenteil, realistisch und nachvollziehbar. Das Buch bezieht seine Spannung aus der Recherchearbeit, bei der nach und nach immer neue Details enthüllt werden, durch die sich die Schlinge um den Hals des Täters enger zieht. Kernpunkt ist die Frage, wie das Gift exakt zum für den Mörder passenden Zeitpunkt ausschließlich in den Kaffee des Opfers gelangte. Yukawa entwickelt schon bald eine Theorie, die er allerdings für sich behält, um, wie er sagt, die Polizisten bei ihren Ermittlungen nicht in eine Richtung zu lenken, die zwar richtig sein mag, sich aber nicht beweisen lässt, denn das Verbrechen scheint der perfekte Mord zu sein. Daher sind Utsumi und Kusanagi trotz kleiner Hinweise gezwungen, selbst die entsprechenden Schlüsse zu ziehen und den notwendigen Beweis zu erbringen, der als unbedeutend wirkende Kleinigkeit früh eingeflochten wurde. Die Charaktere bewegen sich die ganze Zeit auf einem schmalen Grat, der sie eine gewisse Distanz zum Leser wahren, sie ihm aber auch sympathisch und glaubwürdig erscheinen lässt. Man erfährt ganz nebenbei einige Details über sie, aber vergleichsweise wenig und kaum etwas, das nicht in irgendeiner Form relevant für ihr Vorgehen ist. Auf das westliche Publikum wirken sie durch und durch ‚japanisch‘, da sie die konventionellen Formen leben (ausgesuchte Höflichkeit, emotionale Beherrschung etc.). Die Übersetzerin Ursula Gräfe verwendet so gut wie keine japanischen Begriffe, um die ‚exotische‘ Atmosphäre zu unterstützen, ein Mittel, das gern von westlichen Autoren und ihren Übersetzern benutzt wird. Leider hat das Lektorat so manchen Fehler übersehen, z. B. doppelte und fehlende Worte, und zu Beginn gibt es auch im Handlungsverlauf zwei kleine Fehler, u. a. zückt Utsumi ihren Notizblock, obwohl sie schon die ganze Zeit ihre Eindrücke und Antworten niederschreibt. Das ist nicht wirklich störend oder schmälert gar den Lesegenuss, aber diese Macken sind schlicht unnötig. Schätzt man stille, realistisch inszenierte Krimis, wird man von „Heilige Mörderin“ rundum sehr gut unterhalten. Auch die Freunde von Lektüren aus Fernost, insbesondere Manga-Fans, die außerdem gern die Romane japanischer Autoren lesen, werden sehr gut bedient, sehr viel besser auch als von den sogenannten Light-Novels, von denen es in Deutschland ohnehin nicht sehr viele (gute) gibt. (IS)

Seite 47 von 80

Sabine Thiesler Versunken Heyne Verlag, München, 09/2014 HC mit Schutzumschlag, Thriller, 978-3-453-26807-4, 496/1999 Titelgestaltung von Eisele Grafik-Design, München unter Verwendung eines Fotos von o-che/Vetta/Gettyimages Autorenfoto von Christian Thiel www.heyne-verlag.de www.sabinethiesler.de Das gutsituierte Ehepaar Werner und Vivian Faenzi plant, die Sommerwochen auf seiner Yacht im Mittelmeer zu verbringen. Leider nur muss Vivian den Urlaub für zehn Tage unterbrechen, da sie vor der Aufführung der „Carmen“ an der Opéra de Nice als Bühnenbildnerin letzte Hand anlegen soll. Da sie ehrgeizig ist und ihren Beruf liebt, will sie die Arbeit keinem anderen überlassen. Zwar kann sich Werner ganz gut die Zeit allein vertreiben, denn das Boot ist praktisch sein Leben, doch wegen der Gefahren auf dem Meer ist er nur ungern allein unterwegs. Darum tut er sich mit dem Zufallsbekannten Malte zusammen, nicht ahnend, dass dieser nach Jahren des persönlichen Unglücks seine Chance gekommen sieht, endlich neu anfangen zu können – mit der Yacht und dem Vermögen des Paares sowie Werners Identität … Man darf es ruhig vorwegnehmen: Dieses Buch ist abgrundtief böse! Man erwartet von Sabine Thiesler nach Lektüre des Klappentextes einen typischen Krimi, indem sich ein argloses Ehepaar einen Mörder an Bord holt, der den beiden im Kampf ums Überleben alles abverlangt und am Ende die gerechte Strafe erhält. Aber weit gefehlt! Zunächst baut die Autorin zwischen dem Leser und den Protagonisten eine Beziehung auf, sodass dieser Anteil an deren Leben hat und Sympathien entwickelt, etwas, das immer ganz gern in spannungsgeladenen Romanen gemacht wird, bei denen unschuldige Opfer auf der Strecke bleiben, um die Skrupellosigkeit des Verbrechers zu unterstreichen. Infolgedessen sorgt man sich schon bald um die Faenzis, die Tramperinnen Hannah und Leonie und um die Carabinieri Manuela Sentini und Donato Neri, die den Plänen des Mörders mehr oder weniger in die Quere kommen. Sogar dem Seemann Malte verleiht sie einen Hintergrund, der dazu beitragen soll, dass man seine Beweggründe versteht: Nachdem seine beschauliche Kindheit durch den frühen Tod der Eltern ein jähes Ende nahm und er der Obhut seiner Tante Greta überantwortet wurde, die ihn dafür hasste, dass sie ihr Leben seinetwegen total umzukrempeln hatte, musste er endlose Quälereien über sich ergehen lassen. Letztlich verspielt er jedoch jeglichen Funken Mitgefühl, in dem er sich für alles Unrecht und auch für Missverständnisse auf brutalste Weise rächt und er mit keinem seiner Opfer Mitleid empfindet, wodurch er sich als gefährlicher Psychopath zu erkennen gibt. Nachdem Malte lange auf der Verliererstraße wandelte, lacht ihn plötzlich das Glück an; es droht, ihm wieder zu entgleiten, aber indem er Verzicht übt, gewinnt er schließlich doch und kommt, wie so mancher Verbrecher im realen Leben, ungeschoren davon. Das ist bitter, vor allem für den Leser, der irgendwie die ganze Zeit auf wenigstens ein kleines Happy End und Gerechtigkeit gehofft hat. In dieser Hinsicht bedient Sabine Thiesler in ihrem flüssigen, unterhaltsamen Stil keine Klischees, vielmehr gibt sie sich gegenüber dem Publikum so gnadenlos wie der Mörder. Und genau das macht den Thriller derart böse, dass man ihn noch lange Zeit erschüttert im Gedächtnis behält. Es ist wie eine Warnung, auch im ‚richtigen Leben‘ nicht zu vertrauensselig zu sein. (IS)

Seite 48 von 80

Vincent Voss 172,3 Luzifer Verlag Steffen Janssen, Ahlen, 06/2012 PB mit Klappbroschur, Horror, 978-3-943408-06-5, 234/1495 Titelgestaltung und -illustration von Timo Kümmel 12 Zeichnungen im Innenteil von Jessica May Dean www.luzifer-verlag.de/ http://vincentvoss.de/ http://timokuemmel.wordpress.de http://pyro.powerbits.de/ http://www.kunstnet.de/Woelfie Der Prolog des Romans zeugt von der Vergangenheit und der dunklen Geschichte eines Dorfes – und Mächten, die dort freigesetzt wurden, welche nicht menschlich sind. Und einem Wesen, das geboren wurde und nicht von dieser Welt scheint ... Die Gegenwartshandlung spielt in Lübeck und erzählt von Viktor Vogel, der 172,3 Kilo wiegt und bei einem Schäferstündchen mit seiner Frau Larissa, die ihn ehrlich liebt, beschließt, ein letztes Mal zu versuchen, gegen seine Fettleibigkeit anzukämpfen mit Hilfe der Weight Watchers. Als er sich an dem See, an dem er es sich mit seiner Frau gemütlich gemacht hatte, eine Wunde zufügt, sein Blut in das Wasser fließt und er dabei seinen Schwur loslässt, dass er endlich abnehmen will, scheint er ahnungslos und unbeabsichtigt damit etwas ausgelöst zu haben und einen Bund eingegangen zu sein, der nichts Gutes mit sich bringt. Denn fortan nimmt Viktor mit geradezu beängstigender Leichtigkeit ab. Mit der schwindenden Leibesfülle verändert sich jedoch auch sein Charakter, und die sonderbaren Ereignisse in seinem Umfeld nehmen zu. Als Viktor als Berufsschullehrer nach den Ferien seine neue Klasse übernimmt, bekommt er es mit Dennis Neumann (25 Jahre und gewalttätig) und seinen Freunden Alexander Sewastianov (24 Jahre, steht unter dem Vorwurf der Vergewaltigung) und Sascha Krüger (19 Jahre, als Einziger keine Akteneinträge) zu tun, die ihn ob seines Gewichtes demütigen, wo sie nur können. Wie sich herausstellt, sind sie auch noch zu allem Übel Schüler seiner neuen Klasse. Schulleiter Kirschstein ist keine große Hilfe, da er nichts gegen die drei Rüpel unternehmen will, weil Dennis’ Vater ein Autohaus-Imperium besitzt und die drei Jungen dort ausgebildet werden. Als Viktor die drei Störenfriede am ersten Tag aus dem Unterricht schmeißt, rechnet er damit, dass der Ärger erst richtig losgeht – dem ist sonderbarerweise aber nicht so. Dafür nimmt Viktor weiter ab – wird ‚härter‘ in seinem Wesen und in dem, was ihm gefällt. Aber auch ansonsten scheint nichts mehr so wie zuvor. Während eines Festes in seiner Diät-Gruppe hat Viktor eine verstörende Halluzination und verliert die Besinnung – doch nicht nur er hat die schreckliche Erscheinung gesehen, sondern auch eine der Kursteilnehmerinnen hat es wahrgenommen. Bei der nächsten ärztlichen Untersuchung wird es noch kruder: Viktor zeigt dieselben Symptome wie eine Schwangere. Noch unheimlicher wird es, als er blutige Fußspuren im Schnee entdeckt, die von seinem Grundstück aus in den kleinen angrenzenden Tannenwald führen. Viktor folgt diesen und sieht etwas, das es eigentlich nicht geben kann: einen kleinen Menschen, der keine Haut hat, mit Augen weiß und hervorquellend – einen hautlosen Homunculus. Viktor nimmt immer mehr ab, seine Streitigkeiten mit seiner Frau Larissa hingegen nehmen zu, und dann wird ihm auch noch ein Video zugespielt, auf dem einer seiner Schüler gequält wird. Nach und nach werden die Ereignisse immer skurriler und brutaler und gipfeln in nicht nur einem Todesfall. Immer wieder taucht dabei dieses ‚Wesen‘ auf und beobachtet Viktor aus dem Wald heraus. Viktor hingegen befällt immer mehr die Angst, wahnsinnig zu werden, und er fragt sich, warum dieses ‚Wesen‘ tötet – vor allem nachdem er demjenigen den Tod gewünscht hatte. Susanne Röcherer, die Frau (Synkretistische Geistheilung, Schamanismus, Naturmagie) aus seinem Diätkurs, warnt Viktor, dass ein alter Fluch auf seiner Seele läge und schlägt ihm vor, ein Ritual an und mit ihm durchzuführen. Dabei stellt sie fest, dass Viktor von einem alten europäischen Dämon verfolgt wird (wohl Baal Zebub) – unbewusst war Viktor zu Anfang des Romans einen Pakt eingegangen, dessen Ursprung in dem Prolog des Buches liegt, über den aber nichts verraten sei, um dem Leser nicht die Spannung zu nehmen.

Seite 49 von 80

Die Lage spitzt sich in diesem atmosphärisch dichten Buch jedenfalls immer mehr zu und bringt nicht nur Viktor in Gefahr, sondern auch diejenigen, die ihm nahestehen oder denen er Böses wünscht. Vincent Voss erzählt in seinem Roman „172,3“ eine spannende und sehr atmosphärische Story, über einen Mann, der seine letzte Chance in einer Abmagerungskur sieht, unbewusst einen Pakt mit einem Dämon schließt und dessen Leben dadurch immer mehr aus den Fugen gerät. Dabei greift der Autor geschickt aktuelle Themen auf wie Mobbing und Gewalt an Schulen und fabuliert auf sehr stimmige Weise von der ersten bis zur letzten Seite. Dabei hält er den Spannungsbogen souverän auf gleichbleibendem Level, und auch das Finale ist dankenswerterweise konsequent umgesetzt. Gleichzeitig webt der Autor ein eher subtil düster, bedrohliches Bild, das gerade aus dem Grund einlullt und nicht so schnell loslässt; er langweilt nicht mit seitenlangem Splatter. Wesentlich an dem Roman ist auch die Tatsache, dass Vincent Voss seine Charaktere nah an den Leser heranbringt, ihn somit teilhaben lässt an deren Sorgen, Ängste, Gelüste, Konflikte und allem, was ein Mensch ausmacht – besonders einen, der in eine solch bedrohliche Situation gerät wie Viktor Vogel. Die Aufmachung ist für einen ‚jungen‘ Verlag wie den Luzifer Verlag erfreulich gut. Das Buch weist eine ordentliche Klappenbroschur auf. Papier, Satz und Druck sind ohne große Makel, und der Band kann sogar mit Innenillustrationen dienen. Daher ist der Roman auch handwerklich in der oberen Region der ‚imaginären Bewertungsskala‘ anzusiedeln. Spannender und düster-atmosphärischer Roman mit einem unter die Haut gehenden Protagonisten, dessen Leben aus den Fugen gerät. Absolut empfehlenswert. (AB) Raimon Weber Die Axt Morgenstern 4 Folgenreich/Universal, Berlin, 05/2014 1 Audio-CD im Juwel-Case, Hörbuch, Krimi, EAN 0602537491452 (Ebook: 978-3-8291-2484-3), Laufzeit: ca. 72 Min., gesehen 07/14 für EUR 8,99 Inszenierte Lesung von Olaf Reitz Musik und Sounddesign von Andreas Meyer, ear2brain productions Titelgestaltung von Michaela Ollesch 1 Booklet à 4 Seiten Hörempfehlung: Ab 16 Jahre! www.folgenreich.de www.universal-music.de www.raimon-weber.de www.olafreitz.de www.andreasmeyermusic.com www.ear2brain.com www.o2k-design.de Der Potsdamer Ex-Polizist und Privatdetektiv Christian Morgenstern wird von seinen Freunden Knut und Aylin, die als Statisten bei einer Filmproduktion mitwirken, um Hilfe gebeten: Aylin ertappte zufällig den Mörder eines Kollegen – der Mann wurde erschossen, der Täter trug aber auch eine Axt bei sich -, und nun soll sie das nächste Opfer werden. Die Polizei erweist sich als unfähig, die Zeugin zu beschützen, und auch Morgenstern kann die beiden immer nur mit viel Glück vor dem Tod bewahren. Offenbar gibt es eine undichte Stelle, denn bloß so ist zu erklären, weshalb die Verfolger jedes noch so sicher erscheinende Versteck in kürzester Zeit entdecken. Hat Morgenstern womöglich den Falschen ins Vertrauen gezogen?

Seite 50 von 80

Auch die 4. „Morgenstern“-CD beglückt den Krimi- und Hörbuch-Fan mit einer in sich abgeschlossenen Episode. Allerdings greift Autor Raimon Weber erstmals wieder den roten Faden auf, der nach Folge 1 „Leben und Sterben“ nicht mehr bemüht wurde. Dieser rote Faden wird von einem geheimnisvollen Anrufer verkörpert, der einer Organisation angehört, die das Verbrechen mit allen – auch illegalen – Mitteln bekämpfen will. Titelheld Christian Morgenstern, der angeworben werden soll, muss feststellen, dass die zwielichtige Gruppe bereits Anhänger gewinnen konnte, insbesondere unter jenen, die selber oder deren Angehörige zu Opfern Krimineller wurden. Der Unbekannte demonstriert eindrucksvoll seine Möglichkeiten und hebt dadurch den zunächst alltäglich wirkenden Mordfall auf ein ganz anderes Niveau. Das Verbrechen, um das es eigentlich geht, tritt dadurch zum Ende hin etwas in den Hintergrund. Zunächst jedoch ist es spannend inszeniert, denn Morgenstern und seine Schützlinge müssen ständig in Bewegung bleiben, von einem Versteck ins nächste fliehen und sich gegen skrupellose, gerissene Angreifer verteidigen. Schnell wird klar, dass die Häscher Verbindungen zur Polizei haben müssen, denn sie tauchen sofort auf, kaum dass sich die drei irgendwo verschanzt haben. Während Knut vor Angst wie gelähmt ist, wächst Aylin angesichts der Gefahr über sich hinaus. Allerdings verliert die Problematik durch die Auflösung an Brisanz, zumal deus ex machina aktiv wird, um die Verbindung zu Folge 1 herzustellen. Obwohl man darauf gewartet hat, dass jene Organisation irgendwann wieder ins Spiel gebracht wird, hätte das Ende auch anders, dem Fall angemessen geschildert werden können. Die inszenierte Lesung von Olaf Reitz ist äußerst gelungen und vermag zu überzeugen. Allein die sich ewig wiederholende Erklärung zu Beginn, dass ‚der Erzähler‘ Christian Morgenstern nicht identisch ist mit dem gleichnamigen Dichter usw. usf. nervt. In der Summe bietet „Die Axt“ unterhaltsamen, kurzweiligen Hörgenuss für Krimi-Freunde, der für sich stehen kann, innerhalb der Serie durch den roten Faden deutlich komplexer wird. (IS)

Mehr Krimi/Thriller unter Comic, Manga.

Kunst & Handwerk/Schrift

_________________ _________

Charlotte Rivers Schriftenwerkstatt – Fonts und Schriften von Hand entwerfen Handmade Type Workshop, GB, 2011 Haupt Verlag, Bern (CH), 09/2014 HC, Sachbuch, Bildband, Kunst & Handwerk/Schrift, 978-3-258-60100-7, 176/2990 Aus dem Englischen von Martina Simonis, Baden-Baden Titelgestaltung von Dariela Vacas, Bern (CH) Fotos und Abbildungen im Innenteil von verschiedenen Künstlern www.haupt.ch www.charlotterivers.com http://chrlotterivers.blogspot.com www.twitter.com/lottielovesblog Schriften – die Schrift: das Mittel zur Kommunikation - können genauso faszinierend sein wie Bilder, zumal man sie wie Bilder anlegen oder Bilder zu Schriften umfunktionieren kann. Der Fantasie sind keinerlei Grenzen gesetzt! Mit der Hand entworfen, ergeben sich wesentlich mehr Möglichkeiten als durch ein entsprechendes Computer-Programm, das irgendwann ausgeschöpft ist. Darum sind viele Künstler, die sich mit Schriften beschäftigen, nach dem ersten PC-Hype wieder zu den bewährten, alten Techniken zurückgekehrt und benutzen die diversen Programme lediglich als Hilfsmittel, um den Entwürfen, die z. B. auf einem Stück Papier mit einem Stift erstellt wurden, den letzten Schliff zu verleihen und auch um eine neu geschaffene Schrifttype jenen im Rechner hinzuzufügen. Seite 51 von 80

Mit Schriften setzen sich längst nicht mehr allein die Schriftsetzer (…) auseinander, sondern auch (Hobby-) Künstler aller Couleur. Die Ideen werden nicht in fast schon klassischer Manier mit unterschiedlichen Stiften, Pinseln, Federn zu Papier, Karton, Pergament etc. gebracht, nein, auch ganz andere Materialien finden Verwendung, beispielsweise Papier und Schere, Nadel und Faden, Schnur und Klebstoff, Nudeln und Laub u. a. m. Sogar in den Lücken zwischen Häusern kann man Buchstaben erkennen und sie mit einem Fotoapparat festhalten. Charlotte Rivers stellt knapp 30 Künstler vor, die ihr durch ungewöhnliche Schriftkreationen aufgefallen sind, und lässt sie im Rahmen kleiner Tutorien in Wort und Bild erklären, wie sie ihre Entwürfe angefertigt haben. Eine anschließende Galerie beeindruckender Werke rundet jede Rubrik ab: „Illustration und Freihandzeichnung“, „Papierschnitt, Druck und Sticktechniken“, „Digital gezeichnete Schriften“, „3D-Schriften und Schriftinstallationen“, „Gefunden oder fotografiert“ sowie „Vorbereitung“ und „Durchführung“ nebst Glossar, Stichwortverzeichnis und Linkliste der genannten (mehr als 30) Künstler. Der Leser darf staunen, die Ideen nachahmen, sich inspirieren lassen und eigene Versuche starten. Die Schritt für Schritt-Erläuterungen in den Tutorien sind gut verständlich und dank der Abbildungen leicht nachvollziehbar. Vor allem die Kapitel „Vorbereitung“ und „Durchführung“ sind sehr interessant und hilfreich, da sie zeigen, wie man komplette Schriftsätze anlegt und als Font im PC speichert für weitere Nutzungsmöglichkeiten. Man muss kein Profi auf dem Gebiet sein, sollte aber vielleicht eine ‚künstlerische Ader‘ besitzen und den eigenen PC ein wenig kennen, dann tut man sich leichter, wenn man den Anleitungen zu folgen versucht. Auch speziell das Arbeiten mit den Programmen „FrontLab“ und „Fontografer“ wird anschaulich erklärt. Die Abbildungen sind in Farbe, die Größe reicht von Briefmarken- bis etwa doppeltes Postkartenformat. „Schriftenwerkstatt“ ist wirklich ein lehrreiches „Werkstatt“-Buch, das viele tolle Anregungen beinhaltet, was man alles mit Buchstaben bzw. zu Buchstaben machen kann – und das knapp, aber anschaulich und nachvollziehbar erklärt. Man kann diesen Titel Schülern, die sich für Kunst und einen entsprechenden Beruf interessieren, Kunststudenten, Kunstlehrern und allen (Hobby-) Künstlern wahrlich empfehlen. (IS)

Mehr Kunst & Handwerk/Schrift unter Kinder-/Jugendbuch.

Natur/Garten & Heilkunde/Therapie, Essen & Trinken_________ Thomas Pfister & Reinhard Saller, Astrid Fischer, Barbara M. Holzer, Jürgen Reichling, Matthias Rostock, Bernhard Uehleke Heilkräuter im Garten – pflanzen, ernten, anwenden Haupt Verlag, Bern (CH), 03/2014 HC, Sachbuch, Natur/Garten & Heilkunde/Therapie, Essen & Trinken, 9783-258-07830-4, 360/2990 Titelgestaltung von pooldesign.ch, Zürich 338 Fotos und 43 Tabellen im Innenteil aus verschiedenen Quellen www.haupt.ch Schon seit einer geraumen Weile besinnen sich immer mehr Menschen zurück auf ein Wissen, das für unsere Großeltern noch selbstverständlich war: die vielfältigen Schätze der Natur in der Küche, Kosmetik und Heilkunde. „Heilkräuter im Garten“ legt den Schwerpunkt auf „pflanzen, ernten, anwenden“ für die Heilkunde, ergänzt durch die Verwendung in der Wildkräuterküche und nur im Rahmen der Heilkunde auch für kosmetische Zwecke. Bäume und Sträucher, die eine entsprechende Nutzung finden, werden bloß am Rande erwähnt. Seite 52 von 80

Die Autoren schicken voraus, dass die Selbstmedikation mit Heilkräutern bei einer Erkrankung nicht den Gang zum Arzt ersetzt und ihre Verwendung abgesprochen werden sollte, damit es keine Wechselwirkung mit anderen Mitteln gibt. Vorgestellt wird eine Auswahl von gut 50 der bekanntesten Heilkräuter nebst ihrer Bedeutung in der Volksmedizin und der Therapie. Zudem erläutern sie, wie man die Kräuter selber im Garten oder auf dem Balkon zieht, welche Teile geerntet und für die Verwendung haltbar gemacht werden und wofür man sie – als Hausmittel – anwendet bzw. in der Küche verwertet. Beispielsweise liefert das Buch ausführliche Informationen zur „Wiesen-Scharfgarbe“, dem „Knoblauch“, der „Gewöhnlichen Wegwarte“, der „Wald-Erdbeere“, der „Zitronen-Melisse“, dem „Rosmarin“, der „Kartoffel“ und dem „Eisenkraut“. Hinzu kommen zusätzliche Angaben zu verwandten Pflanzen wie der „Moschus-Scharfgarbe“, dem „Bärlauch“, der „Endivie“, der „Moschus-Erdbeere“, der „Goldmelisse“, dem „Ysop“ und dem „Zitronenstrauch“. Manches davon kennt man aus dem Gartencenter und hat es als Küchenkraut längst im Garten oder in einem Topf stehen, anderes kann man in der freien Natur entdecken. Zu jeder der gelisteten Pflanzen – mit deutscher und lateinischer Bezeichnung - findet sich ein ausführlicher Steckbrief: Unter „Herkunft – Verbreitung – Botanik“ werden ihr Vorkommen und ihr Aussehen genau beschrieben, ergänzt durch zusätzliche Details. In einem grün unterlegten Kästchen sind der Name in Französisch, Italienisch und Englisch angegeben, hinzu kommen die volkstümlichen Bezeichnungen und die Nennung der Hauptmerkmale (Höhe, Blütengröße, Blütezeit, Pflanzentyp). Auch wichtige Nebenarten werden erwähnt. „Anbau – Pflege – Ernte – Lagerung“ gibt wichtige Tipps für die Kultivierung der jeweiligen Kräuter, z. B. wann sie gesät oder gepflanzt werden, unter welchen Bedingungen die Pflanzen am besten gedeihen, wann und was man erntet – auch in Hinblick auf Schädlinge und Krankheiten -, wie man sie anschließend aufbewahrt. Darauf folgt ein Kapitel über „Pflanzenheilkunde“, wobei zwischen „Volksmedizin und traditioneller Anwendung“ sowie „Pharmakologischer Wirkungen und Wirksamkeit“ unterschieden wird. Ferner werden „Anwendungsbereiche und Dosierungshinweise“, „Unerwünschte Wirkungen“, „Wechselwirkungen“, „Gegenanzeigen und Einschränkungen“ und Empfehlungen für die „Schwangerschaft und Stillperiode“ aufgezeigt. Erneut findet sich ein grün unterlegtes Kästchen, in dem „Geruch und Geschmack – Inhaltsstoffe“ genannt und beschrieben werden, sowie ein weiteres, das speziell den verwendbaren Pflanzenteilen und ihrer Dosierung für die gängigen Anwendungsbereiche gewidmet ist. Den Abschluss macht die „Wildkräuterküche“, die nicht mit der üblichen Zutatenliste und Anleitung aufwartet, sondern allgemein gehaltene Hinweise gibt, welche Pflanzenteile wie zubereitet und für Speisen und Getränke herangezogen werden können. Oft reichert man mit ihnen Salate und Suppen an, verwendet sie wie Blattgemüse oder für Desserts, aromatisiert Essig und Öl, kocht sie zu Sirup ein oder setzt sie in der Likörbereitung ein usw. Unterstützt werden die Erläuterungen von zahlreichen sehr schönen Farbfotos, die wenigstens Kreditkartengröße haben und bis zu einer Seite belegen können. Sie zeigen die jeweilige Pflanze in der Natur, ihre Blüten und Früchte, Blätter und Wurzeln/Knollen, sodass man sie leicht erkennen kann. Interessiert man sich für Hausmittel und die Wildkräuterküche, möchte man im Garten oder auf dem Balkon nicht nur die traditionellen Zier- und Nutzpflanzen stehen haben, gibt „Heilkräuter“ sehr viele fundierte und detaillierte Tipps für den Anbau und die Nutzung, speziell in Bezug auf die Anwendungs- und Wirkungsweise bei kleinen Wehwehchen. Ein rundum gelungenes, seriöses und sehr empfehlenswertes Buch! (IS) Mehr Natur/Garten & Heilkunde/Therapie, Essen & Trinken unter Reise & Kultur/Essen & Trinken.

Seite 53 von 80

Reise & Kultur/Essen & Trinken ___ _ ______________________ Elke Wißmann Unsere Landgasthöfe – Genussausflüge in BadenWürttemberg Belser Verlag, Stuttgart/SWR3 Fernsehen, Stuttgart, 05/2014 Flexicover im quadratischen Format, Sachbuch, Bildband, Reise & Kultur, Essen & Trinken, 978-3-7630-2665-4, 128/1995 Titelfoto „Gasthof Adler, Ratshausen“ von denkfabrikneue Medien 150 Fotos, Abbildungen und Karte im Innenteil aus verschiedenen Quellen www.belser-verlag.de www.swr3.de Der SWR betraute die Autorin des vorliegenden Buchs mit einer Sendereihe über empfehlenswerte Landgasthöfe in Baden-Württemberg. Im Vorwort erzählt sie, dass sie nicht ‚gerade drauf los fuhr‘, hoffend, per Zufall eine gute Gaststätte zu finden, sondern dass sie im Vorfeld Zeitungen und Guides studierte, ferner Empfehlungen bei Personen einholte, die viel unterwegs sind, und so auf hervorragende Adressen stieß, die sie wegen ihres unscheinbaren Äußeren oder der ungünstigen Lage anderenfalls nie entdeckt hätte. Außerdem versuchte sie, sowohl die gemütliche Wirtschaft als auch das Lokal mit gehobenem Ambiente und die damit unterschiedlichen Preisklassen für ein Gericht zu berücksichtigen, sodass für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei ist. Es geht in „Unsere Landgasthöfe“ aber nicht nur um ausgewählte Gaststätten, sondern auch um deren Betreiber, die oft eine sehr interessante Geschichte über das Lokal, sich selbst, die Gäste und die Umgebung erzählen können. Damit kommen auch die Sehenswürdigkeit ins Spiel: idyllische Natur, malerische Ortschaften, historische Gebäude usw. So kann ein interessanter Ausflug Hand in Hand gehen mit dem Besuch eines schönen Lokals und einem guten Essen als krönendem Abschluss eines gelungenen Tages. Blättert man das Buch durch, bekommt man wirklich Lust, die Autobahn zu verlassen, über Land zu fahren und jene Orte anzuschauen, an denen man immer vorbei fährt. Hat man es nicht eilig, braucht man wirklich nicht die Imbissketten der Rasthöfe aufzusuchen, um Pause zu machen und einen Happen zu essen – in der nächsten Ortschaft findet man bestimmt Besseres, und das muss nicht einmal (viel) teurer sein. Elke Wißmann stellt auf gut 120 Seiten zwölf Landgasthöfe ausführlich vor, die über das ganze Bundesland verteilt sind. Eine kleine Karte verschafft einen ersten Überblick. Ergänzt wird sie zudem mit Ausflugstipps, die in den jeweiligen Artikeln näher ausgeführt werden. Beispielsweise empfohlen werden Touren nach Überlingen und zum Schloss Salem, zur Burg Hohenzollern in der Nähe von Ratshausen und dem Fossilienmuseum Dotternhausen, zum Römermuseum Osterburken und der Tropfsteinhöhle bei Eberstadt. Nicht vergessen wurde bei jedem Lokal der Hinweis auf die Preise: Es finden sich welche, bei denen Hauptgerichte unter EUR 15 kosten, welche die über EUR 30 hinausgehen sowie drei Preisklassen dazwischen. Jeder Artikel ist so aufgebaut, dass erst einmal der Landgasthof beschrieben wird und seine Besitzer vorgestellt werden. Man erfährt, um welche Art Küche es sich handelt und für welche Spezialitäten das Lokal bekannt ist. Hinzu kommt ein typisches Rezept zum Nachkochen. Adresse, Angaben zu den Öffnungszeiten und eine Preisinformation gehören dazu. Darauf folgen die Ausflugstipps, ebenfalls mit Adressen. Alles wird sehr schön, unterhaltsam und informativ geschildert. Seite 54 von 80

Herrliche Farbfotos, die wenigstens Kreditkartengröße haben, den Landgasthof, die Speisen und die Umgebung zeigen, runden gelungen ab. Hier einige Beispiele für die Rezepte: „Kaninchenkeule mit Senf-Kräuter-Soße à la Jürgen Andruschkewitsch“, „Karamellisierte Rinderbäckchen in Balsamico-Rotweinsauce“, „Schwäbischer Rostbraten mit Spätzle, Hefeknödel, Maultaschen und Sauerkraut von Walter Heer“ – und „Birgit Maiers Schwäbischer Kartoffelsalat“: Festkochende Kartoffeln kochen, schälen, auskühlen lassen, klein schneiden. Fleischbrühe, gehackte Zwiebeln, Pfeffer Salz, Branntweinessig und Öl nach Geschmack darunterheben. Mit Spätzle- statt mit Fleischbrühe soll der Salat sogar noch besser schmecken. „Unsere Landgasthöfe“ ist ein sehr schönes Buch, das zu „Genuss-Ausflügen in BadenWürttemberg“ einlädt. Titel, die interessante Reise- und Restauranttipps vereinen, sind vor allem für Vielfahrer und Ausflügler äußerst reizvoll – mehr davon! (IS)

Mehr Reise & Kultur/Essen & Trinken unter Natur/Garten & Heilkunde/Therapie, Essen & Trinken.

Magazin ______________________________________________ The Fillbach Brothers, Mike Kennedy Star Wars: The Clone Wars XXL Special, Sonderband 01/2014 Panini Comics, Stuttgart, 01/2014 Comic-Magazin, SF, keine ISBN, 98/499 Aus dem Amerikanischen von Matthias Wieland Titelillustration von N. N. Zeichnungen von The Fillbach Brothers, Stewart McKenne; Farben von Ronda Pattison Extra: Original „Star Wars” Fighter Pods-Figur mit Kapsel, 2 Mini-Poster www.paninicomics.de www.fighterpods.de „Star Wars: The Clone Wars“-Geschichten erfreuen sich seit mehreren Jahren größter Beliebtheit - und das nicht nur bei alteingesessenen Fans. Die junge Generation hat ebenfalls die Filme, Serien und Merchandising-Artikel wie Spiele, Bücher und Comics für sich entdeckt. Daher dürfte dieser Sonderband im A4-Format alle Altersgruppen begeistern. Der Inhalt richtet sich allerdings an die jüngere Generation. Die Geschichten „Manchmal wird ein Dieb gebraucht“ und „Die Übergabe“ spielen im „Star Wars“Universum, sind aber lange nicht so brutal wie die Storys die ansonsten aus dem „Star Wars“-Pool zu vermelden sind. Hier werden sie altersgerecht erzählt und verströmen comichaften Flair. Zudem enthält das Heft zahlreiche Rätsel wie das „Galaktische Gitterrätsel“. „Die Sternenakte“ enthüllt Wissenswertes über König Katunko und die Herzogin Satine Kryze. Es dürfen bekannte Zitate den einzelnen Figuren zugeordnet werden. Es gilt zudem, verschiedene, knifflige Codes zu knacken. 2 Mini-Poster runden den Sonderband ab. Die Illustrationen haben einen hohen Widererkennungswert, da sie den Figuren aus der Welt von „Star Wars“ sehr ähneln. Sie sind zudem mit einer passenden Farbgebung ausgestattet. Jugendliche ab 10 Jahre, die Spaß an kniffligen Rätseln haben und gerne in die Welt von „Star Wars“ eintauchen, bekommen viele Spiele, Spaß und Überraschungen geboten. Das MegaSonderheft bietet alles, was Fans des „Star Wars“-Universums mögen. (PW)

Seite 55 von 80

Michael Schmidt (Hrsg.) Zwielicht 3 Saphir im Stahl, Bickenbach, 08/2013 TB, Magazin, Anthologie, Sekundärliteratur, Horror, Dark Fantasy, 978-3943948-11-0, 424/995 Titelmotiv von Björn Ian Craig www.saphir-im-stahl.de http://defms.blogspot.com/ „Die Dunkelheit verbarg gnädiger weise die schlimmsten Szenen. Irgendwann wurde es zunehmend ruhiger, auch das Heulen erstarb. Die unheimlichen Gestalten schienen sich zurückgezogen zu haben. Schließlich Stille. Kurz darauf noch einmal ein ... Kichern?” (Abel Inkun: „Die Nacht im Schacht“) Antje Ippensen: „Tintige alte Welt“ Sies steht auf dem Mond, als das Füllfederraumschiff die All-Nacht teilt. Auch kann sie keinen klaren Gedanken fassen, beobachtet nur die Ereignisse und den gepanzerten Füllfederraumer am Himmel. Marcus Richter: „rex nemorensis“ Der forensische Archäologe Jürgen Briel kommt in das abgelegene Dorf, um eine Moorleiche zu untersuchen. In der Nacht seiner Ankunft geschieht im Wald ein geheimnisvoller Mord an einem jungen Mädchen. Briel sieht ein narbenübersätes Wesen davonhuschen. Die vermeintlich alte Moorleiche erweist sich außerdem als weit jünger als vermutet. Ein Mädchen im gleichen Alter wie das nächtliche Opfer. Briel vermutet einen Zusammenhang und stößt unversehens auf einen grausamen Kult und den „König der Wälder“. Vincent Voss: „Wünsch dir was!“ Jeden Tag huschen hunderte Menschen an dem Obdachlosen Fabian vorbei, einige trennen sich von ihrem Kleingeld, andere machen Tag für Tag Scherze auf seine Kosten. Eines Tages bemerkt Fabian, dass seine Wünsche ein gefährliches Eigenleben entwickeln. Abel Inkun: „Die Nacht im Schacht“ Ausgerechnet in einer Kirche bläst Regisseur Butch zu einem künstlerischen Pornodreh. In Zeiten der Internet-Gratis-Pornografie muss man den Kunden schließlich etwas Neues bieten. Unerwartet gibt es Vorbehalte gegen den Drehort von den Horizontal-Profis, doch Butch weiß auch die letzten Bedenken seiner Crew auszuräumen. Immerhin handelt es sich um eine entweihte Kirche. Dominik Grittner: „Der graue Raum“ Ein Vorteil, wenn man das Bett mit Magdeburgs angesagtestem Kleindealer teilt, ist, dass man an das beste Zeug kommt. Nachdem Andrina die grüne Tic-Tac probiert hat, findet sie sich in ihrem Traum in einem grauen Raum wieder. Auch nachdem ihre Freundin Celina sie eindringlich vor dem Dealer gewarnt hat, zieht es Andrina zurück in den grauen Raum. Rainer Innreiter: „Gestrandet!“ Nachdem die HMS Cygnet in einem Unwetter sinkt, gelingt es einem Matrosen und dem Smutje, sich auf eine winzige, unwirtliche Insel zu retten. Ausgehungert nehmen die beiden die Leiche, die plötzlich angespült wird, dankbar an und folgen der Logik des Überlebens. Doch der Tote hält nicht lange vor, und überleben wollen beide. Torsten Scheib: „Das Muschelmädchen“ Karsten glaubt seinen Augen und Ohren nicht zu trauen, als er in einer der Muscheln auf seinem Teller ein winziges Lebewesen erblickt, das ihn um Hilfe anfleht. Er soll sie zurückbringen ins Meer, zu ihrem Volk. Das ist die einzig logische Konsequenz. Jakob Schmidt: „Der Wintermann“ Irgendwann kann sie es nicht mehr hören, das ständige „Ihr erbt a.“ von Opa Heinz. Und bis es so weit ist, immer schön nicken und stillhalten. Bis sie ihm plötzlich den Schürhaken über den Kopf zieht. Doch Opa ist nicht tot, und den Rest soll – mit Hilfe ihres Bruders - „der Wintermann“ erledigen. Christian Endres: „Knochen erinnern sich“ Nachdem die Bisons nahezu ausgerottet sind, muss sich der gewissenlose Skinner Lee Craine von der Jagd auf das Sammeln der Knochen verlegen, die er anschließend verkaufen kann. Doch Seite 56 von 80

eines Nachts in der Stille der Prärie erheben sich die toten Tiere, um ihre Rechnung mit Craine zu begleichen. Michael Schmidt: „Zwei Seelen in einer Brust“ Auf seiner einsamen Wanderung trifft Rudolf eine junge Frau, die ihm eine Unterkunft für die Nacht anbietet. Auch sie träumt davon, den ungastlichen Ort zu verlassen, an dem sie lebt. Sie beschließt, mit Rudolph ans Meer weiter zu ziehen, doch schon bald stellen sich den zwei Reisenden fünf Männer in den Weg und bedrohen das Paar. Und die Bestie, die Rudolph vor seiner Begleiterin verbergen wollte, bricht hervor. Lothar Nietsch: „Edward” Tages- und Jahreszeiten wechseln sich plötzlich in rascher Folge ab. Und ist es tatsächlich Michael Landons „Kleine Farm“, auf der Edward plötzlich von monströsen Wesen angegriffen wird, die ihm ‚seine Liebe‘ wiedergeben wollen und ihm anschließend mit ihren Klauen den Bauch aufreißen? Christian Weis: „Bruder Lazarus“ Unvermittelt erwacht Boris ohne Erinnerung an die jüngste Vergangenheit im Leichenschauhaus. Dafür kann er nun wieder laufen. Die lähmenden Folgen eines Unfalls vor einem Jahr scheinen weggewischt zu sein. Endlich Zuhause angekommen überrascht er seine Frau und ihren Arzt bei einem eindeutigen Stelldichein, und er ahnt, dass sein Tod und seine Wiederauferstehung keinesfalls ein Unfall waren. Michael Siefener: „Im Schatten“ Gerade als der Meister seine Suche nach Gott als gescheitert abschließt, erscheint ihm ein junger Mann, der ihm die Augen für das Wirken Gottes öffnet. Die darauf folgende Zufriedenheit schwindet jedoch bald wieder, und so erscheint der junge Mann erneut. Achim Hildebrand: „Biedenbach“ Manche Arbeitskollegen können mit ihren Eigenheiten, ihren Körpergeräuschen und ständigen Gute-Laune-Bekundungen ihre Umwelt ungewollt nerven. So wie Biedenbach seinen introvertierten Kollegen Brosig. Der Hinweis auf homöopathische Krankheitsbekämpfung lässt den verzweifelten Brosig ein Experiment versuchen. Merlin Thomas: „Jenseits der Tür“ In frühester Kindheit - in einem Moment ohnmächtiger Wut - erschien Teevke die Tür zum ersten Mal. Etwas kroch daraus hervor, in Teevke hinein und machte ihre Wut zur Tat. Algernon Blackwood: „Das Tal der Tiere“ Eine Gruppe Jäger folgt den Spuren eines riesigen Elchs, bis der indianische Führer plötzlich seltsam still wird und nicht weitergehen möchte, denn im „Tal der Tiere“ steht der Elch unter dem Schutz der Götter. So folgt Grimwood dem Tier auf eigene Faust. „Seitdem geht dieser Alte im Wald um. Sein Gesicht und ein Teil von seinem langen Bart sind weiß, der Rest von ihm ist ganz rot und dampft. Das Blut, das an ihm haftet bleibt warm, weil er ja unsterblich ist, und sowas färbt ab. Einige [...] meinen, dass die Opfer des Wintermanns nicht richtig sterben können, bis das Blut endlich erkaltet und er sich jemand Neues sucht. Das kann Monate dauern.“ (Jakob Schmid:„ Der Wintermann“) Nach einem länger währenden Verlagshopping – Eloy Edictions, wo „Zwielicht 1 und 2“ erschienen sind, hat seine Pforten geschlossen, und die geplante Veröffentlichung bei p.machinery kam nicht zustande - und der inzwischen vorgezogenen Publikation als Ebook hat „Zwielicht 3“ schließlich bei Erik Schreibers Saphir im Stahl eine neue Verlagsheimat gefunden. Die ausgezeichnete Reihe (Vincent Preis als „Beste Anthologie“) kann also glücklicherweise weiter gehen. Als kleine Entschädigung für die damit verbundene lange Wartezeit ist der Umfang von Ausgabe 3 mit über 400 Seiten für den angenehmen Preis von EUR 9,95 extra groß. An Stelle von Lothar Bauer hat nun Björn Ian Craig das Coverdesign übernommen und führt es auch mit Ausgabe 4 fort. Was den Geschichtenteil angeht, hat es Herausgeber Michael Schmidt wieder geschafft, die ausgetretenen Horror-Wege und die Pfade der Vorhersehbarkeit zu verlassen und eine abwechslungsreiche Story-Sammlung abzuliefern, die – zumindest weitestgehend - ohne Vampire, Zombies oder Post-Apokalypse auskommt. Zu zwei Händen voll AutorInnen, die dem Leser deutscher Fantastik bereits hinreichend bekannt sein dürften (z. B. Christian Endres, Michael Seite 57 von 80

Siefener, Torsten Scheib, Vincent Voss), gesellen sich mit Abel Inkun, Dominik Grittner und Merlin Thomas drei relativ unbeschriebene Newcomer, die sich hier gut einfügen. Mit Algernon Blackwoods „Das Tal der Tiere“ ist erstmals eine (Neu-) Übersetzung (von Achim Hildebrand) in „Zwielicht“ enthalten. Den Artikelteil eröffnet Oliver Kotowski mit einigen Beispielen zum Thema „Der Wald als Ort des Bösen im Horrorfilm“. Die Beispiele (u. a. „Tanz der Teufel“, „Blair Witch Project“, „Twin Peaks“, „Die Schreie der Verlorenen“) erweisen sich als recht beliebig, der Artikel als etwas zusammenhanglos, sodass er allenfalls als oberflächlich zu bezeichnen ist. Mirko Stauch und Daniel Neugebauer räumen anhand von „Lovecrafts Reisetagebuch“ mit dem Klischee des „Einsiedlers von Providence“ auf und zeigen, dass Lovecraft durchaus gerne reiste und dadurch neue Eindrücke sammelte – erkennbar u. a. an den detaillierten Beschreibungen, die er sich für seine Fantasy-Ortschaften ausgeliehen hat. Oft stand ihm jedoch sein schmales Budget im Weg. Coverartist Björn Ian Craig geht in seinem Artikel über Karl Edward Wagner auf die Horrorwerke des „Kane“-Autors ein. „Stöcke“ und elf weitere Kurzgeschichten Wagners, die in Deutschland nur in diversen Anthologien verstreut erschienen sind, werden hier vorgestellt und machen Lust, diese Geschichten (neu) zu entdecken. Anhand von vier Story-Beispielen legt Eric Hantsch gewissenhaft den immer noch gültigen Ausnahmestatus von Deutschlands „Zärtlicher Stimme der Dunkelheit“ Eddie M. Angerhuber dar. Michael Schmidt und Elmar Huber liefern einen kurzen Abriss über die Gewinner des „Vincent Preis 2010“, und zum Anlass des Sonderpreisgewinns ergreift Frank Festas Weggefährte Malte S. Sembten das Wort zur kollegialen „Laudatio auf Frank Festa“. Das Buch wirkt in dem relativ kleinen Taschenbuchformat 18 x 11 cm und mit seinen über 400 Seiten sehr kompakt. Schon alleine aufgrund des hervorragenden Covermotivs von Björn Ian Craig. Der Schweizer Grafiker hat damit Lothar Bauer abgelöst und führt das „Zwielicht“-Design auch mit Ausgabe 4 fort. Die Verarbeitung lässt jedoch keine Wünsche offen. „Zwielicht 3“ findet sich derzeit auf der Nominierungsliste für den Vincent Preis 2013 als „Beste Anthologie“, ebenso wie Antje Ippensens „Tintige alte Welt“ und Marcus Richters „rex nemorensis“ als „Beste Kurzgeschichte“ und das Covermotiv von Björn Ian Craig als „Beste Horrorgrafik“. Auch die dritte Runde der abwechslungsreichen „Zwielicht“-Sammlungen überzeugt mit frischen Geschichten und einer gediegenen Mischung aus bekannten Namen und Newcomern. (EH)

Comic

_____________________________

Jonathan Hickman Avengers 11 Avengers 19: Building towards Collapse + New Avengers 10: The Thanos Seed, Marvel, USA, 2013 Panini Comics, Stuttgart, 06/2014 Comic-Heft, Superhelden, SF, Urban Fantasy, Action, keine ISBN, 56/499 Aus dem Amerikanischen von Michael Strittmatter Titelillustration von Daniel Acuña Illustrationen von Leinil F. Yu, Sunny Gho, Mike Deodato, Frank Martin jr. www.paninicomics.de www.pronea.com www.tumblr.com/tagged/daniel-acuna http://lagartomurciano.blogspot.de/ http://danyepes.deviantart.com/ http://leinilyu.tumblr.com/ http://leinilyu.deviantart.com http://hideki.deviantart.com www.mikedeodatojr.com Seite 58 von 80

http://frankda.deviantart.com Auch dieser „Avengers“-Band beinhaltet zwei relativ unabhängige Erzählstränge, für die man Vorkenntnisse aus den vorangegangenen Heften benötigt, um zu verstehen, wie es zu den Katastrophen kosmischen Ausmaßes gekommen ist, denen sich die Helden der Erde und ihre Verbündeten verzweifelt entgegenstellen: Die Avengers haben sich mit ihren ehemaligen Gegenspielern, den Gardeners, verbündet und die Erde verlassen, um sich der intergalaktischen Flotte anzuschließen, die die Invasionsarmee der Builder aufzuhalten versucht. Der Macht des ältesten Volkes der Galaxis haben sie aber auch vereint nichts entgegenzusetzen. Einige der Avengers geraten in die Gefangenschaft der Builder, die Verhandlungen ablehnen. Unterdessen nutzt Thanos die Gunst der Stunde, um die scheinbar schutzlose Erde zu erobern. Allein die Illuminati stehen zwischen ihm und dem Sieg, doch der Krieg zwischen Wakanda und Atlantis hat sie entzweit, und Dr. Strange wurde erfolgreich manipuliert. Auch die Vorgänge in Attilan geben Anlass zur Sorge, denn Black Bolts jüngste Entscheidung entfremdete ihn von seiner Frau Medusa. Und wieder wird der Leser an verschiedene Schauplätze geführt, an denen eine Vielzahl mehr oder minder bekannter Charaktere agiert, welche die Handlung nur langsam vorantreiben. Praktisch in jedem Heft wird bloß ein kleines Puzzlestück dem Gesamtbild hinzugefügt. Der Autor scheint seine Storyline bewusst so verhalten aufgebaut zu haben, damit die aufwändigen, detailreichen Illustrationen ihre Wirkung entfalten können. Allerdings zehrt diese Gemächlichkeit auch an den Nerven, da man endlich Antworten erhalten möchte: Weshalb greifen die Builder die Erde und andere Planeten an? Warum wollen sie nicht verhandeln? Welche Rollen kommen Nightmask, Starbrand und den Gardeners zu? Können die Illuminati das Ende dieser und der Parallelerden aufhalten? Sind sie trotz interner Probleme fähig, Thanos zu stoppen? Wird es ihnen gelingen, die persönlichen und irdischen Konflikte zu regeln? Etwas Geduld wird man wohl noch aufbringen müssen. Nach der Auflösung dürfte sich jedoch so mancher wünschen, dass sich die „Avengers“ wieder mit etwas bodenständigeren Gegnern befassen und die kosmischen Rätsel den „Fantastic Four“, dem „Silver Surfer“, „Nova“, den „Guardians of the Galaxy“ und anderen Helden überlassen, die von jeher die meisten ihrer Abenteuer im All erleben und besser gerüstet sind für außergewöhnliche Gefahren. Für die „Avengers“ scheint das alles einfach eine Nummer zu groß, auch wenn sie ihr Team um neue – besonders mächtige - Mitglieder erweitert haben. (IS)

Gerry Duggan, Howard Chaykin, Max Bemis, Jai Nitz, Sean Ryan, Jeff Loveness, Jim Krueger Zwei wie Pech und Schwefel A+X 3 A+X 13 – 18, Marvel, USA, 2013/14 Panini Comics, Stuttgart, 08/2014 PB, Comic, Superhelden, SF, Urban Fantasy, Action, keine ISBN, 136/1499 Aus dem Amerikanischen von Michael Strittmatter Titelillustration von Goran Parlov Zeichnungen von David Yardin, Andres Mossa, Edgar Delgado, David Lafuente, Greg Smallwood, Goran Parlov, Veronica Gandini, Paco Diaz, Will Sliney www.paninicomics.de http://gerryduggan.com www.facebook.com/howard.v.chaykin?ref=ts https://twitter.com/maxbemis https://twitter.com/JAINITZ1 http://jeffloveness.tumblr.com www.jimkrueger.com Seite 59 von 80

www.facebook.com/pages/Goran-Parlov/21421857395 http://davirdyardin.tumblr.com http://davidyardin.deviantart.com http://amwd.blogspot.de/ www.edgardelgado.net http://edelgado.deviantart.com www.davidlafuente.com http://davidlafuente.tumblr.com http://gregsmallwood.tumblr.com http://veronicagandini.blogspot.com http://pacodiazcomicartist.blogspot.de/ http://sliney.blogspot.com In „A+X 3“ präsentiert Panini ein letztes Mal sechs Team-Ups, an denen mindestens je ein Mitglied der „Avengers“ und „X-Men“ teilnimmt, etwas, dass es vor dem Crossover „AvX“ praktisch nicht gegeben hat, da Mutanten und Helden, die ihre Begabungen nicht von Geburt an besaßen, meist getrennte Wege gingen. In den vorwiegend humorig angelegten Episoden, die auf die Haupthandlung der diversen Serien so gut wie keinen Einfluss haben dürften, treffen aufeinander: „Captain America + Cyclops“, „Black Widow + Emma Frost“, „Spider-Man + Magneto“, „Dr. Strange + Beast“, „Spider-Man + Psylocke“, „Iron Man + Broo“, „Vision + Kitty Pryde“ – beliebte Protagonisten, die bisher wenig miteinander zu tun hatten. Nach dem misslungen Versuch der Skrull, die Erde zu annektieren, indem wichtige Persönlichkeiten durch die Gestaltwandler ausgetauscht wurden, haben sich die Aliens über die ganze Galaxis verstreut und sind bemüht, mit den anderen Völkern – insbesondere den Menschen – in Frieden zu leben. Einige Skrull-Mutanten, die zu Ausgestoßenen wurden, haben es jedoch geschafft, unerkannt auf der Erde zu bleiben. Der Skrull K‘thron, der davon erfahren hat, warnt Captain America und Cyclops vor dem Team Cadre K, doch die beiden haben, als sie einander gegenüberstehen, nur eines im Sinn: Kampf, denn Captain America will Cyclops wegen des Mordes an Professor Xavier verhaften. Es dauert lange, bis die beiden sich auf eine Art Waffenstillstand einigen und ihre Kameraden hinzuziehen, um Cadre K aufzuspüren. Die Mission scheint erfüllt, aber es wartet eine große Überraschung auf alle. Emma Frost wendet sich notgedrungen an Black Widow, die ihre Verbindungen nutzt, um einen Mann aufzuspüren, der ein kompromittierendes Video öffentlich machen will. Die Frauen rächen sich auf ihre Weise an dem ‚Chauvinistenschwein‘. Der überlegene Spider-Man und Magneto sind kein Dream-Team, dennoch kämpfen sie gemeinsam gegen Modok, um einen jungen Mutanten zu befreien, der sich in der Gewalt des Schurken befindet. Dabei analysieren sie trefflich das typische Vorgehen ihrer Gegner anhand von Modok. Mit Dr. Strange und Beast treffen zwei Welten aufeinander, die der Magie und die der Wissenschaft. Jeder ist davon überzeugt, dass nur seine Vorstellungen die richtigen sind, und so wird ihre Mission von einem freundlichen Wettstreit untermalt. Peter Parker alias Spider-Man kommt gerade rechtzeitig, um Psylocke in einem heftigen Kampf zu unterstützen, doch ein Gegner wirft eine Granate – mit üblen Folgen für einen von ihnen. Iron Man ist alles andere als begeistert, dass er für den jungen Brood-Nerd, der am Jean GreyInstitut unterrichtet wird, das Kindermädchen spielen soll. Als Iron Man in Bedrängnis gerät, ist es jedoch Broo, der sein Genie unter Beweis stellt und dadurch die Freundschaft des Avengers erringt. Vision und Kitty Pryde sind in Arcades Murderworld gefangen und werden mit einigen ihrer schlimmsten Ängsten konfrontiert. Aber diesmal sind die Fallen nicht tödlich, und es scheint auch nicht Arcade selbst zu sein, der dahintersteckt. Irgendwer will etwas von den beiden. Erstmals gibt es neben den sechs kurzen Storys auch eine über sechs Episoden gehende Storyline, die von Panini zusammengefasst wurde, sodass man sie komplett lesen kann, statt Seite 60 von 80

immer wieder für die anderen Geschichten unterbrechen zu müssen, kaum dass sich Lesefluss einstellt. Natürlich ist die „Captain America + Cyclops“-Storyline die auffälligste Erzählung, da der zwischen den Männern schwelende Konflikt aufgegriffen und veranschaulicht wird, wie borniert beide in Wirklichkeit sind, denn sie stellen ihr scheinbares Rechtsempfinden zunächst über eine wichtige Mission, ignorieren sogar die Warnungen des Skrull, bis beinahe etwas Fatales passiert. Auch danach geht es nicht ohne Reibereien weiter. Selbst die Erkenntnis, dass sie jemanden zu Unrecht gejagt haben, was sich auf ihren Konflikt übertragen ließe, bringt sie nicht zur Besinnung. Ihre Kameraden hingegen stehen längst über diesen Dingen. Auch die anderen Geschichten, obgleich größtenteils mit einem Augenzwinkern versehen, transportieren Messages, beispielsweise dass manche Gegner besser mit Köpfchen zu besiegen und zu ‚erziehen‘ sind, dass man auch die Ansichten anderer akzeptieren sollte usw. Zudem wird ein wenig das typische Gebaren von Helden und Schurken auf die Schippe genommen. Die Illustrationen sind, da verschiedene Teams am Werk waren, von der Qualität her durchwachsen, und was gefällt, ist Geschmackssache. Am meisten spricht die Mainstory an, die die Handlung im typischen Superheldenstil relativ realistisch umsetzt, während die anderen Beiträge etwas comichafter wirken, im Falle von „Black Widow + Emma Frost“ sogar recht klecksig anmuten. „A+X 3“ liest sich sehr unterhaltsam, was der Band vor allem der Storyline „Captain America + Cyclops“ zu verdanken hat, die optisch und inhaltlich mehr zu bieten hat als die Shorties. Insgesamt zählt die Reihe, die wohl auch jungen Zeichnern eine Chance geben sollte, nicht wirklich zu den Highlights, sodass man ihr Ende mit US-Nummer 18 verschmerzen kann. (IS)

Mike W. Barr Alan Davis Batman Collection 1 Detective Comics 569 – 575, Batman: Full Circle, Batman: Gotham Knights 25, DC, USA, 1986/87, 1991, 2002 Panini Comics, Stuttgart, 05/2014 PB, Comic, Superhelden, Action, Krimi, SF, Mystery, Urban Fantasy, 9783-86201-860-4, 276/2499 Aus dem Amerikanischen von Marc-Oliver Frisch Titelillustration von Alan Davis Zeichnungen von Alan Davis, Eufronio Reyes Cruz, Terry Beatty, Carmine Infantino, Paul Neary, Mark Farmer, Dick Giordano, Al Vey, Adrienne Roy, Tom Ziuko, Carl Gafford www.paninicomics.de www.alandavis-comicart.com www.terrybeatty.com www.carmineinfantino.com www.dickgiordano.com Catwoman hat die Seiten gewechselt und wünscht sich, von Batman als Partnerin bei der Verbrechungsbekämpfung und als die Frau an seiner Seite akzeptiert zu werden. Nachdem sie in die Gefangenschaft des Jokers geriet und einer Gehirnwäsche unterzogen wurde, scheint die alte Catwoman wieder zurück zu sein und gemeinsam mit dem Psychopathen gegen Batman und Robin kämpfen zu wollen. Scarecrow bewirkt durch ein Gas, dass seine Opfer jegliche Furcht und Vorsicht vergessen. Als Batman ihn zu stellen versucht, wird auch er beeinflusst. Die Jagd nach dem Feind wird zum spannenden Spiel, das er mit Leichtigkeit zu bewältigen können glaubt – dabei hängt Robins Leben am seidenen Faden. Der alternde Detektiv Bradley wird von einem jungen Mann angeheuert, dessen Freundin entführt wurde. Noch bevor dieser seine Geschichte erzählen kann, wird auch er verschleppt. Batman und Robin treffen zu spät am Tatort ein. Unabhängig voneinander stellen die drei Ermittlungen an und

Seite 61 von 80

fliegen nach London, wo Elastoman bereits in die Geschehnisse involviert wurde. Es geht nicht allein um die Aufklärung zweier Entführungen: Ein Attentat auf die Queen muss verhindert werden. Mad Hatter wird aus dem Gefängnis entlassen. Kaum stülpt er sich einen Hut über, befällt ihn die Lust, ein Verbrechen zu begehen und Batman durch kleine Rätsel herauszufordern. Diesmal geht er zu weit, denn ein tragisches Opfer ist zu beklagen. Einmal mehr wird Batman mit seiner Vergangenheit konfrontiert: mit dem Mörder seiner Eltern und einem Verbrechensbekämpfer, der tötet. Aber ist der Reaper wirklich wiederauferstanden? Oder handelt es sich um einen Imitator? Letztlich tut Batman alias Bruce Wayne im Großen und im Kleinen Gutes. In der „Batman Collection 1“ werden die von dem britischen Künstler Alan Davis gezeichneten „Batman“-Abenteuer präsentiert. Es sind Arbeiten aus den Jahren 1986 bis 2001, die die Geschichten des Autors Mike W. Barr illustrieren. Beide bilden ein gut eingespieltes Team, denn die Storys scheinen Alan Davis wie auf den Leib geschneidert zu sein, da er sie dynamisch und elegant umsetzt. Auch der Witz ging Dank der Übersetzung von Marc-Oliver Frisch nicht verloren. Obwohl die Geschichten optisch homogen sind, bemerkt man doch eine Weiterentwicklung bei Alan Davis. Sein Strich wird feiner, die Pencils werden immer detailreicher. Besonders gut sieht man dies an dem letzten, nicht kolorierten Comic. Die Farbgebung ist gleichermaßen anspruchsvoller geworden durch neue Techniken und den Einsatz des Computers. Die Storys selbst bieten nicht in jedem Fall ein abgeschlossenes Abenteuer, da man eben nur die Werke von Alan Davis berücksichtigte, nicht aber die Fortsetzungen, die von anderen Zeichnern geschaffen wurden. Das ist teils ein wenig unbefriedigend, da man die fehlenden Hefte in anderen (Sammler-) Ausgaben suchen oder nachkaufen muss, teils jedoch nicht überraschend, da das Special schon im Titel dies andeutete. Etwas verwirrend ist auch, dass mal Dick Grayson, mal Jason Todd als Robin agieren, aber nicht chronologisch. Dier Erklärung hierfür ist der (wiederholte) Relaunch der DC-Serien, der Batmans Werdegang auf zeitgenössische Weise zusammenfasst, sodass natürlich der erste Robin wieder sein Begleiter ist, bevor er zu Nightwing wird und sein Robin-Kostüm an einen jüngeren Sidekick abgibt. Trotzdem erhält der Leser eine längere zusammenhängende Storyline, beginnend mit dem Wandel von Catwoman und endend mit einer Beinahe-Tragödie. Darauf folgt eine ebenfalls längere Erzählung, jedoch mit offenem Ende, deren Faden an einem späteren Zeitpunkt erneut aufgenommen wurde. Der letzte Beitrag wurde eigens für das „Batman Noir“-Special entworfen. Obwohl auch die frühen Storys sehr detailreich aufgebaut sind, so erweisen sich die späteren als sehr viel komplexer. Alan Davis darf so manche Hommage an seine Heimat (und an einen berühmten britischen Detektiv) einbinden, und durch wiederkehrende Nebenfiguren sorgt er für Aha-Effekte und schnelles Erkennen. Vor allem seine weiblichen Charaktere sind Augenweiden. Ist man ein Fan des Künstlers, dessen Namen in einem Atemzug mit dem von z. B. Marc Silvestri, Michael Turner oder Jim Lee genannt werden darf, wird man sich über diesen Band gewiss sehr freuen, denn neben spannenden, witzigen und tragischen Geschichten bietet er wunderschöne Zeichnungen, die man immer wieder gerne anschaut. (IS) J. H. Williams III, W. Haden Blackman Monsterbrut (Monsterbrut 1 – 5: Blutströme/Schauriger Abstieg/Herz aus Stein/Die Heimat der Schlange/Gnade, Zwischenspiel 1 + 2) Batwoman 3 Batwoman 12 – 17: World’s Finest I – V: Blood Tides/Stygian Descent/Heart of Stone/Serpent's Homeland/Mercy, Interlude I - II, DC, USA, 2012/13 Panini Comics, Stuttgart, 10/2013 PB mit Klappbroschur, Comic, Superhelden, Krimi/Thriller, Mystery, Urban Fantasy, SF, 978-3-86201-689-1, 156/1699 Aus dem Amerikanischen von Steve Kups Titelmotiv von J. H. Williams III Zeichnungen von J. H. Williams III, Trevor McCarthy Seite 62 von 80

www.paninicomics.de www.jhwilliams3.com/ www.hadenblackman.com http://trevormc112.deviantart.com Neun Monate, nachdem die ersten Kinder verschwunden sind, ist die Organisation ‚Medusa‘, deren Mitglieder die Verkörperung urbaner Legenden und moderner Mythen sind, noch immer aktiv und konnte auch mit Hilfe des ‚Büros für paranormale Einsätze‘ nicht gestoppt werden. Von ‚Bloody Mary‘ erhält Batwoman den Hinweis, dass es sich bei ‚Medusa‘ nicht um eine Bande, sondern um die buchstäbliche ‚Mutter aller Monster‘ aus der griechischen Mythologie handelt. So bittet sie Wonder Woman um Hilfe. Gemeinsam suchen die Heldinnen Medusas Sohn Pegasus auf, der sie zurück nach Gotham schickt, wo Medusa inzwischen die Hydra entfesselt hat und die Mutter aller Monster aus dem Hafenbecken auftaucht. Gleichzeitig erholt sich Kates Cousine Bette Kane alias Flamebird mit Hilfe von Kates Vater von ihren äußeren und inneren Verletzungen, die ihr ‚Hakenhand‘ beigebracht hat. In Band 3 der neuen „Batwoman“-Serie schlagen die Autoren J. H. Williams III und Haden Blackman einen Bogen von den modern Mythen der Medusa-Mitglieder (Bloody Mary, Hakenhand, Die weinende Frau usw.) zur tatsächlichen Medusa und damit zur griechischen Mythologie. Wer wäre also besser als Waffenschwester für Frau Fledermaus geeignet als Wonder Woman, die Amazone des DC-Universums? Das Durchschreiten der griechischen Götterwelt bietet Ausnahmekünstler J. H. Williams III („Promethea“) reichlich Gelegenheit, seine außergewöhnlichen und kunstvollen Panelaufteilungen voll auszuleben. Besonders beeindruckend sind die Szenen geworden, in denen die beiden Heldinnen das Labyrinth des Daedalos‘ durchqueren, das als ‚Arkham der Amazonen‘ dargestellt ist. Damit unterstreicht „Batwoman 3“ einmal mehr den künstlerischen Ausnahmestatus der Serie. Obwohl die grafische und erzählerische Ausführung wirklich brillant ist, lässt die Story ein unbefriedigendes Gefühl zurück. Unterm Strich passiert in „Batwoman 3“ nicht sehr viel, was die Serie voranbringen würde. Die Rückkehr nach Gotham verstärkt noch das Gefühl, dass sich die Geschichte im Kreis dreht, und der komplette Ausflug in die griechische Mythologie wird damit zu einer fantastisch anzusehenden Seifenblase, die zunächst staunen lässt, am Ende aber in einem chaotischen Over-the-top-Haudrauf-Monsterfinale wirkungslos zerplatzt. Wie in den bisherigen Bänden siegt auch diesmal die Form deutlich über den Inhalt. Als Zwischenspiel ist hier noch die „Batwoman“-‚Nullnummer‘ enthalten, die jede „New 52“-Serie zwischen den Ausgaben 12 und 13 erhalten hat und die eine aktuelle Entstehungsgeschichte der Heldin bietet. Hier erfährt man, warum Kate Kane – nach einer Begegnung mit Batman - den Entschluss fasste, zu einer maskierten Heldin zu werden, und wie ihr Vater sie mit militärischen Methoden trainiert hat. Als Bonus enthält das Paperback wieder eine Covergalerie, die die Umschlagmotive der Einzelausgaben in voller Größe zeigt. Ein weiteres Mal bietet J. H. Williams III ein brillantes Fest fürs Auge, mit dem die aufgeblasene Story nicht mithalten kann. (EH) Brian Wood Der Fluch der Teufelsbänke Conan der Barbar 3 Conan the Barbarian 13 – 17: The Woman on the Wall, Part 1 – 3 + The Nightmare of the Shallows, Part 1 - 3, Dark Horse, USA, 2013 „Conan“ wurde geschaffen von Robert E. Howard Panini Comics, Stuttgart, 03/2014 PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat auf Kunstdruckpaper, Fantasy, 978-3-86201-965-6, 148/1699 Aus dem Amerikanischen von Michael Strittmatter Titelillustration von Massimo Carnevale Seite 63 von 80

Zeichnungen von Mirko Colak, Andrea Mutti, Davide Gianfelice, Dave Stewart www.paninicomics.de www.brianwood.com http://sketchesnatched.blogspot.de/ http://mirkocolak.blogspot.de/ www.andrearedmutti.it http://minkiaturtle.blogspot.com http://davidegianfelice.deviantart.com „Conan“-Schöpfer Robert E. Howard erfand auch die Figur der Piratin Belit, an deren Seite die Titelfigur einige Abenteuer erlebte, bis er die Frau, die er liebte, und die gesamte Crew ihres Schiffes verlor. Brian Wood („Northlanders“, „DMZ“) griff jene Story auf, versah Belit mit einem ausführlicheren Hintergrund und erlaubte den Protagonisten, einige Raubzüge und Schicksalsschläge mehr zu meistern. „Der Fluch der Teufelsbänke“ beginnt mitten in der laufenden Handlung: Conan befindet sich mit einer gewaltigen Armee in der Wüste, die eine gut gesicherte Stadt belagert. Wie die anderen Männer ist er fasziniert von der „Frau auf der Mauer“, doch im Gegensatz zu seinen Kameraden weiß er, wer sie ist. Es gelingt ihm, in die Festung Ramah en Ram einzudringen, doch gerät er dort in Gefangenschaft. Sein Leben liegt nun in der Hand jener Frau. In drei Episoden wird durch Rückblenden verraten, wie Conan in diese Situation geraten konnte, und wer die mysteriöse Frau ist. Man verrät kein großes Geheimnis, wenn man erwähnt, dass es sich – natürlich – um Belit handelt. Spätestens ihr Bild lässt jeden richtig raten. Auch warum sie Conan verlassen hat, ist nachvollziehbar, denn die Antwort lieferte bereits der Vorgängerband. Ebenfalls kein Wunder ist der Ausgang dieses Aufeinandertreffens, denn dass Conan noch viele Abenteuer erleben wird, ist hinreichend bekannt. Wieder vereint genießt das Paar in Ophir einige Momente der Ruhe und gibt sich dem Gelben Lotos hin. „Der Albtraum von den Teufelsbänken“ scheint jedoch mehr zu sein als nur eine harmlose Träumerei im Drogenrausch. Ist es gar eine Vision ihrer Zukunft, die von Gewalt, aber auch ewiger Liebe geprägt ist? Während der erste Dreiteiler vor allem von Mirko Colak („Secret Warriors“, „Punisher“) und Andreas Mutti („Dark Wolverine“, „Tomb Raider: Präludium“) sehr realistisch und ansprechend gezeichnet ist, fällt die Qualität des zweiten Storybogens unter Davide Gianfelice („Daredevil: Auferstehung“, „X-Men Sonderband: Age of Apocalypse“) deutlich ab, denn seine Illustrationen sind sehr comichaft, kantig und schon nicht mehr schön zu nennen. Die großartigen Titelbilder von Massimo Carnevale (Coverart von „Y – The Last Man“, „Mass Effect“) – eine kleine Galerie rundet den Band ab – kann allerdings keiner toppen. So verfolgt man gespannt die Eingangsgeschichte, die an das zweite Paperback anknüpft (wenngleich jeder Band für sich gelesen werden kann), denn die Story und die Bilder ergänzen einander zu einer überzeugenden Einheit. Ob man hingegen mit dem zweiten Dreiteiler glücklich wird, muss jeder für sich entscheiden. Da hier die Erlebnisse im Rahmen eines (Alb-) Traums geschildert werden, der nicht Realität werden muss (wer die „Belit“-Story von Robert E. Howard kennt, weiß, welcher Stellenwert dieser Vision zukommt), nimmt dieser Beitrag keinen Einfluss auf die weitere Handlung, zumindest keinen zu diesem Zeitpunkt ersichtlichen. Dass die Zeichnungen nicht jedermanns Fall sein dürften, kommt hinzu. Als Fantasy- bzw. „Conan“-Fan und Sammler wird man sich diesen Band gewiss nicht entgehen lassen. Allein der Story-Arc um „Die Frau auf der Mauer“ spricht aufgrund der aparten Illustrationen und der dramatischen Schilderung für den Kauf. (IS)

Seite 64 von 80

Paul Cornell Die Hölle von Avalon Demon Knights 2 Demon Knights Vol. 2: The Avalon Trap 0 + 8 – 15, DC, USA, 2012/13 Panini Comics, Stuttgart, 12/2013 PB, Comic, Superhelden, Horror, Fantasy, SF, Action, 978-3-86201-727-0, 196/1999 Aus dem Amerikanischen von Josef Rother Titelillustration von Diógenes Neves Zeichnungen von Diógenes Neves, Bernard Chan, Robson Rocha, Marcelo Maiolo www.paninicomics.de www.paulcornell.com http://diogenesneves.blogspot.com http://diogenesneves.deviantart.com www.bernardchang.com http://robsonrochaart.blogspot.com http://robsonrocha.deviantart.com http://maiolo.deviantart.com Die „Demon Knights“ genannten neun ungleichen Gefährten kamen bei der Verteidigung eines winzigen Dorfes zusammen, das sie gegen die heranrückende Suchende Königin hielten, die auf ihrer Jagd nach dem Heiligen Gral mit ihrer Armee aus Menschen und Monstern eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Doch den Dämonenrittern ist keine Pause vergönnt, weder den halbwegs menschlichen unter ihnen noch den Unsterblichen wie dem Dämon Etrigan, seinem Fluchgefährten Jason und der Zauberin Xanadu, um die sich der zweite Sammelband der „Demon Knights“ hauptsächlich rankt. Camelot ist es, die alte, längst zerstörte Stadt der Legenden, die sie aufsuchen sollen, um einen Mord wieder rückgängig zu machen. Nichts Geringeres als Merlins Leichnam ist es, was sie in das Land der Briten bringen sollen und von dort durch Camelot hinüber nach Avalon. Doch der Weg führt die Helden, von denen einige diesen Titel eher in Anführungsstrichen verdienen, durch die Hölle - nicht nur bildlich gesehen durch monsterverseuchte Lande und die korrumpierte Ruine Camelots, sondern sogar wortwörtlich. Denn die ist Etrigans Heimat, und der Dämon spielt ein doppeltes Spiel. War der erste Sammelband ein Abenteuer, das an die klassische Geschichte der „Sieben Samurai“ angelehnt war, so ist es diesmal die Erzählung einer abenteuerlichen Reise an legendäre Orte, die alle mit der „Artus“-Sage verknüpft sind. Dabei spielen sich die von Paul Cornell geschriebenen Abenteuer auf drei Ebenen ab: die Reisen und ihre Gefahren auf dem realen Weg, die Blicke zurück in die Vergangenheit von Lady Xanadu und Jason Blood sowie ihre Verbindung mit Etrigan und das wirre Geflecht von Intrigen, Plänen und Verrat, in das die Protagonisten sich wiederholt verstricken. Hatte der erste Band noch, trotz der unmenschlichen Hauptfiguren und ihrer monströsen Gegner, ein deutlich mittelalterliches Gefühl, so drehen der Autor und die Zeichner in den neun Bänden dieser Sammlung den Regler mehr auf ‚fantastisch‘. Um die Welt der „Demon Knights“ darzustellen, sind diesmal drei Zeichner dabei: Bernard Chang, Diógenes Neves und Robson Rocha, alle mit einem gleichermaßen hohen Niveau, mit Variationen in der Detailtiefe, aber stets dynamisch und ästhetisch. Die Bände wurden von Marcelo Maiolo stimmungsvoll und perfekt koloriert. So entsteht ein umfassend guter optischer Gesamteindruck, der die Geschichte rasch und energiereich trägt. Fast ist es manchmal etwas viel rasche Aktion und Verwirrung, gerade im hinteren Teil des Sammelbandes, wenn die Fäden der Intrigen, die die verschiedenen Protagonisten gesponnen haben, sich auflösen und doch irgendwie alles anders ist, als man gedacht hat. Zudem ist die Darstellung der Hölle etwas schwach. Einerseits ist diese überaus klassisch, also dem Äußeren Etrigans durchaus entsprechend, wobei die Besessenheit Lucifers mit Reimen eher irritierend wirkt. Andererseits ist sie uninspiriert, was beispielsweise die wenig subtilen oder überraschenden

Seite 65 von 80

Qualen angeht, denen die dort gestrandeten Figuren ausgesetzt werden. Hier wäre es vielleicht gut gewesen, etwas zu finden, was die düstere Jenseitswelt weniger ‚nomal‘ erscheinen lässt. Die Geschichte ist auf jeden Fall noch nicht zu Ende, das machen die letzten Seiten deutlich; doch wird es nicht mehr Paul Cornell sein, der die „Demon Knights“ auf neue Abenteuer schickt. Robert Venditti übernimmt, und es wird sich zeigen, ob er es genauso gut versteht, die sehr unterschiedlichen und teilweise angenehm vielschichtigen Helden zusammenzubringen. Spannend und unterhaltsam wird diese Serie aus dem dunklen Universum von DC sicherlich bleiben. Vollfarbiges Softcover in guter Panini-Qualität, mit den Covers der Einzelbände und Zusatzinformationen über Charaktere und Macher des Comics runden ab. (BvdB) Disney Enterprises, Inc. Carls Barks Donald Duck 5 © Disney Enterprises, Inc., USA, 2013 Egmont Ehapa, Köln, 07/2013 HC-Album, Ehapa-Comic-Collection, Funny, Adventure, Fantasy, Krimi, 978-3-7704-3714-6, 176/2499 Aus dem Amerikanischen von Dr. Erika Fuchs Titelillustration und Zeichnungen von Carl Barks www.ehapa-comic-collection.de http://disney.go.com „Carls Barks Donald Duck 5“ wartet mit acht Geschichten aus den Jahren 1949/50 auf, die zwischen 1 und 38 Seiten lang sind. Diesmal finden sich fast nur umfangreichere Erzählungen, die größtenteils abenteuerlich angelegt sind, dabei gern auch fantastische Elemente mit einbeziehen und immer die Tücken des Alltags thematisieren, in die Pechvogel Donald regelmäßig gerät. Leider beinhaltet der Band keine deutsche Erstveröffentlichung. In „Zu viele Weihnachtsmänner“ sind Donald und Dagobert in Verkleidung unterwegs, um die Neffen zu beschenken. Prompt scheint Weihnachten in einem Desaster zu enden, doch Rettung naht. Ebenfalls zu den Feiertagen spielt „Rat einmal!“. Donald will den Wunsch seiner Neffen erfüllen, wenn es ihnen gelingt, seinen Wunsch zu erraten. Das ist jedoch nicht einmal mit der Hilfe von Hellsehern leicht. Donald überlegt, Daisys Brosche kurzfristig zu versetzen, um zu Geld zu kommen, doch das Schmuckstück geht verloren, und so beginnt „Die Jagd nach der Brosche“. Obwohl sich Donald redlich müht, gelingt es ihm nicht, sie demjenigen abzujagen, in dessen Hände sie gelangte. Kurzweilig und in bunten Bildern spult Carl Barks sein Garn ab und vermag mit diesen bald rund 65 Jahre alten Geschichten die Leser aller Altersstufen immer noch zu fesseln und zum Lachen zu bringen. Donald steht stets im Mittelpunkt der Tragikomödien mit Onkel Dagobert, den Neffen, Daisy, Vetter Gustav, Oma Duck und austauschbaren Nebenfiguren an seiner Seite. Es fällt auf, dass hier auch einige menschlich gezeichnete Charaktere auftreten, was in Disney-Comics eher die Ausnahme ist. Schade, dass das Hardcover-Album keinen Sekundärteil beinhaltet – das hätte dem I das Tüpfelchen aufgesetzt. (IS) Bill Willingham Wettkampf der Zauberer Fables 17 Fables 99 + 100, Vertigo/DC, USA, 2011 „Fables” wurde erdacht von Bill Willingham Panini Comics, Stuttgart, 03/2013 PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat, Urban Fantasy, Mystery, 978-3-86201-490-3, 148/1695 Aus dem Amerikanischen von Gerlinde Althoff Titelillustration von Joao Ruas

Seite 66 von 80

Zeichnungen von Mark Buckingham, Steve Leialoha, Andrew Pepoy, Dave Johnson, Adam Hughes, Kate McElroy, J. H. Williams III, Joao Ruas, Inaki Miranda, Chrissie Zullo, Dan Green, Eva de la Cruz, Lee Loughridge, Dave Stewart www.paninicomics.de www.billwillingham.com http://feral-kid.com www.aaapop.com http://devilpig.deviantart.com www.justsayah.com http://adamhughes.devianrtart.com http://goddamnitkate.blogspot.com http://el-roacho.deviantart.com www.jhwilliams3.com http://inakimiranda.blogspot.com http://chrissiez.blogspot.com http://chrissie-zullo.deviantart.com www.dangreenart.com http://evasartblog.blogspot.com www.dragonmonkeystudios.com Frau Totenkinder ist wieder jung geworden und nennt sich Glockenblume. Auf der Suche nach einem Weg, Mister Dark unschädlich zu machen, sammelt sie viele Informationen und trifft auch auf Dunster Harp, der einst im Auftrag von Geppetto, dem heimlichen Herrscher des Imperiums, den Schwarzen Mann in einer Box einsperren konnte. Glockenblume bittet Mr. North, den Feind in ihrem Namen zu einem Duell aufzufordern, auf das sie sich sorgfältig vorbereitet hat. Der Preis, den sie dem Nordwind dafür zahlen muss, ist das Geheimnis des siebten Kindes von Bigby Wolf und Snow White, gleichzeitig einer der Enkel dieses mächtigen Fables, das ein Zephyr ist, der – ohne es zu wollen – Unschuldige getötet hat. Der magische Kampf ist schrecklich, doch am Schluss gewinnt Glockenblume die Oberhand und überzieht den Besiegten mit einer Schicht aus Gold, hoffend, dass er sich aus diesem Gefängnis nicht mehr befreien kann. Die Erleichterung der Fables ist groß, wäret aber nicht lange … Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn Mister Dark tatsächlich hätte besiegt werden können. Zwar zieht er sich geschwächt zurück, doch konnte er sich seiner Gegnerin entledigen und die geschockten Fables einmal mehr in die Flucht schlagen. Ihre letzte Zuflucht ist Haven, das Königreich von Flycatcher, doch einige ahnen, dass sie auch dort langfristig nicht sicher sein werden. Tatsächlich wird eine Fable, die zurückblieb, zur Verräterin. Schon immer fühlte sie sich zurückgesetzt und schlecht behandelt. Nun bietet ihr Mister Dark an, wonach sie sich schon immer sehnte - und Rache. Soweit die Hauptgeschichte. Den Band füllen danach einzelne Kurzgeschichten auf, die von verschiedenen Zeichnern gestaltet wurden. Teils werden lose Fäden aufgenommen, teils zielt der Comic bloß auf eine Pointe ab. Beispielsweise erfährt man, dass Beauty und Beast eine Tochter bekommen haben, doch kennen die Eltern noch nicht das wahre Wesen ihres Kindes. Ferner gibt es eine Kurzgeschichte, geschrieben von Mark Buckingham und illustriert von Bill Winningham, ein Würfelspiel, ein „Papier-Puppentheater“, Skizzen u. a. m. So gesehen ist zwar einiges drin in „Fables 17“, aber nicht ganz so viel, wie man gern gehabt hätte. Obendrein blieben viele Fragen nach dem desaströsen Duell unbeantwortet. Infolgedessen muss man sich in Geduld üben, bis der nächste Band erscheint und verrät, wie es für die Fables in Haven weitergeht und ob sie eine Strategie finden, den mächtigen Mister Dark zu überlisten oder auszulöschen. (IS)

Seite 67 von 80

Eric Rogers Futurama 54 Panini Comics, Stuttgart, 01/2014 Comic-Heft, Funny, Satire, SF, keine ISBN, 32/290 Titelillustration von N. N. Zeichnungen von Mike Kazaleh, John Delaney; Tusche: Andrew Pepoy, Dan Davis; Farben: Allan Hellard, Nathan Hamill www.paninicomics.de www.bongocomics.com/ www.tigerden.com/~berios/kazaleh.html www.lambiek.net/artists/d/delaney_john2.htm www.pepoy.com www.dandavisart.com www.nathanhamill.com „Ro-Botox!”: Bender veröffentlicht ein Video auf ‚Botbox.Fut‘. Dadurch wird er zu einer bekannten Persönlichkeit. Bender meint allerdings, dass er viel zu viele Makel hat und entschließt sich zu einer Rundumerneuerung. „Der Purpurne Tentakel“: Captain Zapp Brannigan bekommt es mit einem Teufelchen und einem Engelchen zu tun. Sie stellen zwei Seiten seines Gewissens dar und sorgen für Chaos im Gemütswesen des arroganten Möchtegerns. Die Comic-Serie „Futurama“ richtet sich an jugendliche Erwachsene, die ein Faible für Satire haben. Hier werden Serienhits wie „Star Wars“, „Star Trek“ und allerlei bekannte Persönlichkeiten aus Film, Fernsehen und Musikbranche sowie der Politik aufs Korn genommen und sorgen so für manchen Lacher. In der „Purpurne Tentakel“ wird denn auch die Figur des Captain Kirk aus der Serie „Star Trek“ parodiert. Kirk, der in fast jeder Folge eine Dame eroberte, dürfte sich angesichts seiner satirischen Figur allerdings kaum freuen: Captain Zapp Brannigan glänzt nicht gerade durch heroische Taten, hat es unten herum aber gerne sehr luftig und versucht alles, um die Damenwelt zu beeindrucken. Diese und andere Begebenheiten, die hart an der Grenze zum guten Geschmack liegen, sind ein Garant für gute Einschalt- und Leserquoten. Die Figuren sind denen der Fernsehserie nachempfunden und verströmen ihren ganz eigenen Charme. Auf den letzten Seiten finden sich interessante Neuigkeiten und runden den Comic sinnvoll ab. Fans der TV-Serie „Futurama“ dürften sich daher gut unterhalten fühlen und werden sich bestimmt auf weitere Geschichten freuen. (PW)

George R. R. Martin, Daniel Abraham Game of Thrones: Das Lied von Feuer und Eis – Die Graphic Novel 3 Game of Thrones 13 – 18, Dynamite Entertainment, USA, 2013/14 Panini Comics, Stuttgart, 05/2014 PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat auf Kunstdruckpapier, High Fantasy, Media, 978-3-86201-800-0, 196/1999 Aus dem Amerikanischen von Andreas Helweg Titelillustration von Mike S. Miller Zeichnungen von Tommy Patterson, Ivan Nunes www.paninicomics.de http://www.hbo.com/#/game-of-thrones www.georgerrmartin.com www.danielabraham.com http://ivan-nes.deviantart.com Als loyale ‚Rechte Hand‘ von König Robert Baratheon ist Eddard Stark, Lord von Winterfell, ins Visier der Lennisters und ihrer Verbündeten geraten. Schwer verletzt nach einem Attentat und Seite 68 von 80

zunehmend isoliert bemüht er sich dennoch, die Angelegenheiten seines Königs nach bestem Gewissen zu erledigen. Als er jedoch das Geheimnis von Roberts Gemahlin Cercei und ihres Zwillingsbruders Jaime aufdeckt, die um jeden Preis den gemeinsamen Sohn Joffrey als nächsten König sehen wollen, wird sein und Roberts Tod beschlossen. Die Bedrohung ahnend, versucht Eddard, seine Töchter Sansa und Arya in Sicherheit zu bringen, doch eine von ihnen wird ungewollt zur Verräterin. Unterdessen verliert Eddards Frau Catelyn auf Hohenehr ihre wichtige Geisel Tyrion Lennister durch die Dummheit ihrer Schwester Lysa und ein Gottesurteil. Zusammen mit dem Söldner Bronn darf Tyrion die Burg verlassen, aber auch die scheinbare Rettung kann nur in den sicheren Tod führen, und tatsächlich fallen beide in die Hände der feindlich gesinnten Bergstämme. Auf Winterfell schart Robb, der älteste Sohn von Eddard und Catelyn, die verbündeten Fürsten und ihre Armeen um sich, denn Lennister-Soldaten haben damit begonnen, die Ländereien ihrer Gegner anzugreifen. Bran, der den Sturz, an dem Jaime die Schuld trägt, zwar überlebt hat, aber seither gelähmt ist, befürchtet, dass die Warnung der Wildlingsfrau Osha berechtigt ist: dass die wahre Gefahr aus dem Norden, nicht dem Süden kommt. Doch Robb missachtet die Worte seines jüngeren Bruders und bricht auf in einen Krieg, der viele Opfer fordern wird. Jon Schnee, Eddards Bastardsohn, der sich der Nachwache angeschlossen hat, legt zusammen mit seinen Kameraden den Eid ab und gilt somit als vollwertiger ‚Bruder‘ jener Männer, die alles hinter sich gelassen haben, um die hohe Mauer aus Eis zu schützen, auf deren anderer Seite sich ein Unheil ungeahnten Ausmaßes zusammenbraut. Entgegen seiner Hoffnung wird er, der beste Kämpfer, jedoch nicht den Grenzern zugeteilt, sondern soll dem alternden Kommandanten als Kämmerer dienen. Jon schäumt vor Wut, aber er hat keine andere Wahl und muss sich fügen. Viserys und Daenerys Targaryen, die Kinder des früheren Herrschers von Westeros, der von Robert und seinen Getreuen getötet wurde, planen weiterhin die Rückeroberung ihres Erbes. Allerdings hat Khal Drogo wenig Interesse daran, sein Versprechen in absehbarer Zeit zu erfüllen und Viserys eine Armee als Entgelt für die Vermählung mit Daenerys, die hochschwanger ist, zur Verfügung zu stellen. Als Viserys Daenerys beleidigt, trifft ihn Khal Drogos Zorn. Der Anführer der Dothraki ändert seine Meinung prompt, als Daenerys und sein ungeborener Sohn beinahe einem von Robert gedungenen Attentäter zum Opfer fallen. Nahtlos knüpft die Handlung des dritten Bandes an den Vorgänger an. Nach der Romanvorlage von George R. R. Martin setzt Daniel Abraham die Handlung getreulich um und schildert, wie die Situation an verschiedenen Orten für alle Protagonisten eskaliert. Kennt man die Bücher, weiß man, was auf jeden Einzelnen zukommt: nichts Gutes! Und auch wenn man mit den Romanen nicht vertraut ist, ahnt man, dass sich die Tragödie zuspitzen wird. Das Schicksal von Robert Baratheon ist richtungsweisend, und dass es so kommen würde, ist keine Überraschung, da die Vorbereitungen dafür in den vorherigen Episoden geleistet wurden. Jene, die man als ‚die Guten‘ erachtet und mit denen man sympathisiert – die Starks und ihre Freunde, aber auch der gewitzte Tyrion Lennister -, werden zu Spielbällen und Bauernopfern im „Game of Thrones“, denn sie sind die Einzigen, die nicht nach der Krone über Westeros streben und dafür über Leichen gehen, sondern lieber ihre eigenen Angelegenheiten im Auge behalten und sich als aufrichtige Gefolgsmänner des Königs betrachten. Das macht sie zu leichten Opfern insbesondere der intriganten Königin Cercei, die keinerlei Skrupel kennt, wenn sie ihre Interessen durchsetzen will – die Attentate auf Bran, der zu viel weiß, sind nur ein Beispiel. Obwohl sie in die Enge getrieben wird, vermag Cercei den Spieß umzudrehen und ihren brutalen und feigen, aus der inzestuösen Beziehung zu Jaime stammenden Sohn auf den Thron zu setzen. Besonders fatal ist, dass ihr eine von Eddards Töchtern aus purem Egoismus und grenzenloser Dummheit alle Trümpfe in die Hand gab. Eine Konsequenz ist die Verhaftung des Mädchens, während sich die Schwester allein auf der Flucht befindet und nach einem Weg sucht, Königsmund zu verlassen und sich nach Winterfell durchzuschlagen. Catelyn und Robb werden mit der Gefangennahme ihrer Angehörigen erpresst, heben aber dennoch ein Heer aus, da sie wissen, dass den Lennisters, die nun die Macht in den Händen halten, nicht zu trauen ist. Unverhofft werden Mutter und Sohn vereint, und obwohl sich Robb die Treue der erfahrenen Fürsten sichern konnte, befürchtet Catelyn, dass er verhängnisvolle Fehler begehen wird, die sie alle ins Verderben stürzen. Zu dumm, dass Tyrion ihr entwischt ist, aber auch für den Kleinwüchsigen und Bronn sieht es nicht gut aus, da die Bergstämme ihre Unterdrücker töten wollen. Seite 69 von 80

Nicht minder dramatisch geht es an der Grenzmauer zu. Zwar verspürt man dort die Folgen der Intrigen nur am Rande – das Ausbleiben von neuen Soldaten und Equipment -, doch interne Probleme sorgen für unnötige Schwierigkeiten. Jon Schnee wird immer wieder provoziert von einem der Ausbilder, was eine Bestrafung nach sich zieht, als er sich nicht mehr beherrschen kann. Seine Arretierung erweist sich allerdings als Segen für die Nachtwache, weil er schlimmstes Unheil verhindern kann und gleichzeitig beweist, dass die Mythen einen Kern Wahrheit beinhalten und dass die Gefahr von jenseits der Mauer real ist. Daenerys Targaryen, die zunächst das Anhängsel ihres Bruders war, kann sich von Viserys lösen und zunehmend Einfluss auf Khal Drogo ausüben. Dass sie die Gebräuchte der Dothraki annimmt, ihre Sprache zu erlernen versucht und seinen Sohn gebären wird, bringen ihr Anerkennung ein und stärken ihr Selbstbewusstsein. Nun will sie den Thron ihrer Vorfahren nicht länger für Viserys, sondern für sich selber und ihre Nachkommen. Die verschiedenen Schauplätze wurden von Tommy Patterson detailreich und realistisch in Szene gesetzt. Tatsächlich sind die Hintergründe seiner Bilder schöner als die doch etwas kantig geratenen Akteure. Das soll nicht heißen, dass seine Figuren nicht ansprechend wären – sie können nur nicht mit denen des Coverzeichners Mike S. Miller mithalten, dessen Werke hohe Erwartungen wecken. Dennoch passt der Stil zum Genre, besser als wenn der Künstler den ‚glatteren‘ und idealisierten Superhelden nacheifern würde. Zudem orientiert er sich an den Darstellern der TV-Serie, sodass vor allem jene Leser, die erst durch die Filme auf Comic/Buch aufmerksam wurden, ihre Vorstellung von den Charakteren nicht korrigieren müssen. Gestik und Mimik der Figuren gehen eine Einheit mit den Dialogen ein und ersetzen viele Wortfelder, zumal „Game of Thrones“ ohnehin zu den textlastigeren Titeln zählt. Die Handlung wird ausführlich wiedergegeben. Man vermisst keine aus den Romanen bekannten wesentlichen Details. Jede Handlungsebene mit ihren Protagonisten hat den ihr zustehenden Raum. Das führt allerdings dazu, dass sich die Geschehnisse sehr langsam entwickeln – doch wer epische Fantasy schätzt, erwartet nichts anderes. Mit der Comic-Serie „Game of Thrones“ erschließt sich George R. R. Martin neue Fankreise, insbesondere unter jenen, die vor den umfangreichen Romanen der noch nicht abgeschlossenen Serie (voraussichtlich werden es 14 deutsche Bände sein) zurückschrecken. Ob man nun den Büchern oder der TV-Reihe den Vorzug gibt oder sich von beidem unterhalten lässt – die Comics stellen eine gelungene Ergänzung dar, auch allgemein für Fantasy-Freunde. Nach den zahlreichen Cliffhangern wartet man gespannt auf die Fortsetzung. (IS) Jim Davis Garfield – Gesamtausgabe 14: 2004 - 2006 Garfield, USA, 2010 Egmont Ehapa, Köln, 1. Auflage: 05/2010 HC im Querformat, Ehapa Comic Collection, Funny, Satire, 978-3-7704-3344-5, 320/2990 Aus dem Amerikanischen und mit einem Vorwort von Wolfgang J. Fuchs Titelillustration und Zeichnungen von Jim Davis www.ehapa-comic-collection.de www.garfield.com/ www.thegarfieldshow-diary.com/ http://garfieldthemusical.com/ Das Vorwort der 14. Gesamtausgabe von „Garfield“ informiert den Leser, der an Hintergrundinformationen interessiert ist, über einige Besonderheiten, die sich bei den hier gesammelten Strips bemerkbar machen - ohne die Hinweise von Wolfgang J. Fuchs hätte man so manches davon gar nicht bemerkt, da die Einzelheiten leicht in der Masse untergehen. Beispielsweise haben sich die Einleitungsbilder weiterentwickelt und warten mit neuen, detailreichen Formen und Formaten (hochkant, natürlich quer abgebildet) auf. Ferner sind Anspielungen auf Ereignisse eingebaut, die Jim Davis würdigen wollte wie das 50-jährige Jubiläum Seite 70 von 80

des Disney-Trickfilms „Susi und Strolch“, den Tod von „Hägar“-Schöpfer Dik Browne und 75 Jahre „Blondie“-Strips. Auch kam der zweite „Garfield“-Film in die Kinos. Das Vorwort ist schnell gelesen, unterhaltsam und teils mit farbigen Abbildungen versehen. Der umfangreiche, schwarz-weiße Stripteil wartet mit den gängigen Geschichten auf: Jon bemüht sich vergeblich um ein Date, wobei ihn besonders eine gewisse Ellen immer wieder abblitzen lässt. Garfield ärgert ausgiebig die Nachbarin Mrs. Fine und deren kleinen Hund. Auch Jon, Odie und die Spinnen bekommen regelmäßig ihr Fett weg. Ebenfalls mit dabei sind wieder die Mäuse, Fische, Blumen, Vögel, die nicht selten in Garfields dehnbarem Magen landen. Auch die üblichen, jährlich wiederkehrenden Ereignisse wie Geburtstag, Weihnachten und Silvester werden nicht ausgelassen. Da weiterhin sehr wenige Figuren bemüht werden, fehlt den Strips doch etwas die Abwechslung, weil die kleinen Geschichten ähnlich verlaufen, sich die Themen und Gags wiederholen und sich einfach kein frischer Wind einstellen will. Schade! Von daher sollte man die Gesamtausgabe nicht am Stück, sondern in Etappen lesen, um nicht den Spaß angesichts der Wiederholungen und den mitunter immer derberen Witze, über die man kaum noch schmunzeln kann, zu verlieren. (IS) René Goscinny & Jean Tabary Feenzauber um Isnogud/Ich will Kalif werden anstelle des Kalifen/Die Albträume des Isnogud Die gesammelten Abenteuer des Großwesirs Isnogud – Buch 5 Le Conte de fées d‘Iznogoud/Je veux être calife á la place du calife/Les Cauchemars d’Iznogoud – Tome 2, Frankreich, 1974 - 1976 Egmont Ehapa, Köln, 1. Auflage: 03/2009 HC-Album, Ehapa-Comic-Collection, Funny, Satire, Fantasy, 978-37704-3185-4, 160/2900 Aus dem Französischen von Gudrun Penndorf M. A., Uwe Löhmann und Horst Berner Titelillustration und Zeichnungen von Jean Tabary Vorwort von Horst Berner www.ehapa-comic-collection.de www.goscinny.net/ http://jeantabary.free.fr/ www.editions-tabary.fr/ www.iznogoud-lefilm.com/ Außer für „Asterix“, „Umpah-Pah“, „Lucky Luke“ und andere Serien schrieb René Goscinny (1926 – 1977) auch für „Isnogud“ die Texte. Kaum ein Nachfolger reichte jemals an seinen Wortwitz heran, und sein Fehlen wirkte sich auf nahezu alle Titel aus, die plötzlich nicht mehr ganz so spritzig und abwechslungsreich erschienen. Das macht sich bereits in dieser „Isnogud“-GeschichtenSammlung bemerkbar, denn Jean Tabary musste sich in „Ich will Kalif werden anstelle des Kalifen“ neben den Zeichnungen auch um die Dialoge in der Tradition seines verstorbenen Kollegen kümmern. Da es jedoch keine lange Story, sondern viele kurze Episoden gibt, fällt das noch kaum auf. „Einfach fabelhaft“ findet Isnogud die Idee, mit Hilfe einer Fee sein Ziel zu erreichen, nämlich Kalif anstelle des Kalifen zu werden. Leider jedoch misslingen ihr trotz größter Mühe die Zauber immer wieder. Vielleicht klappt es mit den „Magischen Minaretten besser? Da staunt selbst Lucky Luke, der zufällig herbeigerufen wurde. Weil einfach keine Idee fruchten will, gibt Isnogud schließlich eine Annonce in der Zeitung auf und erhält „Das Parade-Kissen“ als Hilfsmittel, welches er erfolgreich an seinem Handlanger Tunichgud ausprobiert. Doch wer anderen eine Grube gräbt … Diese und etliche weitere Pointen-Storys warten auf ihre Leser. Sie sind gewohnt detailreich und farbenprächtig illustriert, und die kleinen Geschichten um den naiven Kalifen und den von ihm

Seite 71 von 80

geschätzten bösen Wesir, der stets in seine eigene Falle tappt, bereiten Klein und – gerade der Dialoge wegen - vor allem Groß viel Vergnügen. (IS)

Disney Enterprises, Inc. Don Rosa 7 Disneys Hall of Fame 19 © Disney Enterprises, Inc., USA, 2010 Egmont Ehapa, Köln, 11/2010 HC, Ehapa-Comic-Collection, Funny, Krimi, Fantasy, Mystery, Adventure, 978-3-7704-3401-5, 170/1700 Aus dem Amerikanischen von Peter Daibenzeiher und Jano Rohleder und aus dem Norwegischen von Etsche Hoffmann-Mahler Titelillustration und Zeichnungen von Don Rosa Mit Vorworten von Don Rosa und Henning Hagerup www.ehapa-comic-collection.de http://disney.go.com www.jano-rohleder.net www.danibooks.de „Disneys Hall of Fame“ entwickelt sich zunehmend zu einer Hommage an „Don Rosa“, denn nun liegt bereits der siebte Band vor, der den Werken dieses Künstlers gewidmet ist, und ein achter, der die Reihe abschließt, soll noch folgen. Wie in den bisherigen Büchern erfährt der Leser aus den Vorworten Näheres über Don Rosa und seine Arbeitsweise sowie von ihm selbst so manches interessante Detail zu den jeweiligen Geschichten. Sieben Stück aus den Jahren 1999 bis 2002 sind es diesmal, und alle wurden bereits in diversen Disney-Comics veröffentlicht. Sammler sollten dennoch zugreifen, denn die Gestaltung der Reihe ist sehr schön, die Hintergrundinformationen sind lesenswert, außerdem gibt es BonusMaterial wie Skizzen und Cover-Illustrationen zu sehen. In „Die Münze“ sind es weniger die Ducks und andere als das Titel gebende Objekt selbst, das im Mittelpunkt der Handlung steht. Man begleitet den Taler auf seiner abenteuerlichen Reise ab dem Moment, in dem Onkel Dagobert ihn aus der Hand gibt und bis er wieder zu ihm zurückkehrt. „Aaaaaatacke!“ heißt es, als Onkel Dagobert sein Vermögen von praktisch allen Verbrechern weit und breit bedroht sieht. Das Lauschgerät, das Daniel Düsentrieb entwickelte und mit dem sich der reichste Erpel der Welt rechtzeitig auf jeden Angriff vorzubereiten hofft, erweist sich jedoch als empfindlicher, als gedacht. Donald bringt seine Neffen zu einem Pfadfindertreffen nach Mexiko. Zufällig begegnet er dort alten Freunden von früher: José Carioca und Panchito Pistoles, mit denen er sogleich bis über beide Ohren im Schlamassel steckt, denn ein Räuber will Panchito den Schatz abjagen, den dieser gerade gefunden hat. Das führt zu der „Rückkehr der drei Caballeros“. In „Gauner gegen Geldspeicher“ bemühen sich die Panzerknacker, mit Hilfe von Blaupausen in Onkel Dagoberts bestens gesicherten Geldspeicher einzudringen. Zunächst scheint alles zu klappen, doch dann werden die Panzerknacker zu Opfern der Tücke, die den vielen Fallen innewohnt. Onkel Dagobert begibt sich zusammen mit seinen Neffen auf die Suche nach der „Krone der Kreuzfahrerkönige“. Als sie nach einer langen Schnitzeljagd endlich am Ziel sind, erwartet sie dort eine böse Überraschung, denn auch andere sind hinter dem Schatz her. Gundel Gaukeley hat einen neuen Zauber: „Vergiss es!“ Während Onkel Dagobert und Donald gegen die üble Magie des Vergessens ankämpfen, gelingt es ihr, mit dem Glückstaler zu entkommen. Wer hätte gedacht, dass „Düsentriebs erster Erfolg“ auf Donalds Konto geht und die Geburtsstunde von Helferlein ist? Die Storys sind witzig und immer von vorne bis hinten gründlich durchdacht. Kaum ein Autor gibt sich so große Mühe, (historische) Details zu recherchieren und aus ihnen eine überzeugende Abenteuergeschichte zu entwickeln wie Don Rosa. Dadurch verlangt er auch von den Übersetzern Seite 72 von 80

sehr viel, die außerdem im Auge behalten müssen, dass sich der Künstler strikt an Carl Barks Vorgaben und dessen Erzählungen orientiert, die nur bis in die 1950er Jahre reichen, sodass Anspielungen auf aktuelle Entwicklungen tabu sind. Tatsächlich vermisst man die Handys, Playstation etc. überhaupt nicht. So entdeckt man in jedem Band immer wieder etwas Neues, das man nicht wusste – und das macht „Hall of Fame“ zu einer wahrlich schönen Reihe für kleine und mehr noch für große Disney-Fans und Sammler. (IS) Matt Forbeck Innistrad Magic: The Gathering 1 Magic: The Gathering TPB 1, USA, 2012 Panini Comics, Stuttgart, 04/2013 PB, Comic, Fantasy, Horror, 978-3-86201-541-2, 104/1495 Aus dem Amerikanischen von Oliver Hoffmann Titelillustration von Aleksi Briclot Zeichnungen Martin Cóccolo, Farben: J. Edwin Stevens www.paninicomics.de www.forbeck.com www.artstation.com/artist/Aleksi http://martincoccolo.blogspot.com www.level20artist.com/ Dack Fayden ist Zauberdieb und Weltenwanderer. Während Ersteres ihn dazu befähigt, illegal Artefakte an sich zu bringen, sie zu studieren und ihre Magie zu erlernen, ermöglicht ihm Letzteres, sich nach einem missglückten Diebstahl auf eine andere Ebene des Multiversums in Sicherheit zu bringen. Obwohl er das zu vermeiden versucht, bleibt ihm keine andere Möglichkeit als dieses Weltenspringen, als er beim Raub eines Dolches aus der Festung eines sehr blutrünstigen Kultes entdeckt wird. Beim Versuch, die Magie der Waffe zu erforschen, findet er unerwartet Hinweise auf seine eigene Vergangenheit und folgt der Spur zu der einen Frau, die für die Auslöschung seines Dorfes und seiner Familie verantwortlich ist. Von zwei Sachen hat der Comic von Forbeck und Cóccolo, der auf der Welt der „Magic“-Spiele basiert, reichlich: Archetypen und Aktion. Die Hauptfigur Dack ist in allem der klassische Schurke sein gutes Aussehen mit langem, dunklem Haar und Bart, sein respektloses Verhalten, seine Kleidung und die Fähigkeit, stets Zauber als Ass im Ärmel zu haben, deren Einsatz unwillkürlich an „ etzt spiele ich diese Karte hier" denken lässt. Die Bösen sehen böse aus, die Frauen schön und sind natürlich vom Helden fasziniert, die Vampire warten mit reichlich Rüschen und roten Augen auf, und die Oberböse vereint ebenfalls alle zu erwartenden Attribute auf sich und ist schön, schwarzhaarig, holt ihre Kleidung aus dem Fetisch-Schrank und hat ein sardonisches Lächeln. Da ist die eine ältere, rundliche Heilerin, die kurz auftaucht, fast schon erfrischend. Zudem beschränkt sich die klassische Darstellung nicht nur auf das Äußere, sondern auch auf das Handeln und Sprechen der Figuren, so dass es in dieser Hinsicht an Überraschungen mangelt. Zur Aktion: Dack ist die meiste Zeit am Rennen, häufig vor etwas davon, manchmal zu etwas hin. Er flieht, er kämpft oder er bereitet sich - verletzt - auf eines von beidem vor. Eigentlich wäre das eine gute Grundvoraussetzung für eine dynamische Geschichte, wenn der Leser nicht mit einem Fuß auf die Bremse gestellt würde, indem die meisten Szenen von Dacks Gedanken begleitet werden, die in einem Kasten über den Actionbildern schweben und die Dialoge und Handlungen begleiten - fast möchte man sagen: überschatten. Denn der Fluss der Ereignisse wird durch diese sich inhaltlich durchaus wiederholenden Selbstgespräche spürbar gehemmt. Was am offenen Ende von „Innistrad" bleibt, ist das Gefühl, dass hier alle Elemente eines überzeugenden Fantasy-Comics zusammen kommen und doch nicht richtig funktionieren, weil sie zu plakativ, zu uninnovativ und vorhersehbar eingesetzt werden. Ein weltenwandernder Schurke mit ungewöhnlichen Fertigkeiten und einer tragischen Vergangenheit, der auf der Suche nach Rache ist, klingt nach Abenteuer - doch Spannung stellt sich nicht ein. Auch die dunkel kolorierten, technisch guten Zeichnungen geben keinen zusätzlichen Impuls.

Seite 73 von 80

Wer die Welt von „Magic“ auf neue Weise erfahren möchte, für den ist es jedoch sicher schön, vertraute Orte und Zauber ‚in Aktion‘ zu sehen. Ergänzt wird der Comic durch eine Galerie von neun Bildern und Zeichnungen verschiedener Künstler zu der Geschichte. (BvdB) L. Frank Baum (Buchvorlage), Eric Shanower (Adaption) Dorothy und der Zauberer in Oz Oz 4 Dorothy and the Wizard in Oz 1 - 8, Marvel, USA, 2012 Panini Comics, Stuttgart, 10/2013 HC, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat auf Kunstdruckpapier, Kunstmärchen, Fantasy, 978-3-86201-661-7, 196/2495 Aus dem Amerikanischen von Gerlinde Althoff und Bernd Kronsbein Titelillustration und Zeichnungen von Skottie Young, Farben Jean-Francois Beaulieu www.paninicomics.de http://ericshanower.com http://age-of-bronze.com http://skottieyoung.com http://skottieyoung.deviantart.com http://johnnybleuart.blogspot.com Dorothy und das zauberhafte Land Oz kommen einfach nicht voneinander los – was gut ist für den Leser, denn so gibt es immer einen neuen Band aus der fabelhaft gezeichneten Comicreihe von Eric Shanover und Skottie Young, die sich auf die Romane von L. Frank Baum beziehen und den alten Geschichten ein neues, modernes und extrem unterhaltsames Gesicht geben. Erneut ist es ein dramatischer Unfall, der das kleine Mädchen, diesmal in Begleitung ihrer Katze Eureka, des Jungen Zeb und seines alten Pferdes Jim, in das magische Land im Inneren der Erde bringt. War es bei ihrem ersten Besuch dort ein Wirbelsturm, der Dorothy aus Kansas verschleppte, und danach ein Unwetter mit einem Schiffsunglück, so hat sich L. Frank Baum diesmal von dem Erdbeben in San Francisco inspirieren lassen, das stattfand, kurz bevor er den vierten Band seiner „Oz“-Serie verfasste. Am Grunde der tiefen Erdspalte, in die die Protagonisten stürzen, befindet sich das Land der Mangabus, einem Volk von Gemüseleuten, die zwar sehr wie Menschen aussehen, sich aber gefühllos und kalt wie Rüben verhalten. Hier trifft Dorothy einen sehr alten Freund wieder, den Zauberer von Oz, der just in diesem Moment mit einem Heißluftballon dort strandet. Zuviel der Zufälle? In einem Land der Zauberei stellt man solche Dinge nicht infrage, ebenso wenig wie die magischen Kräfte seiner Bewohner oder die Aufhebung von Naturgesetzen. Gemeinsam gelingt den Freunden die Flucht vor den Mangabus, doch der Weg zurück zur Oberfläche ist weit und gefahrvoll, führt durch unbekannte Gegenden mit tödlichen Feinden, das Land fliegender Holzgargylen und finstere Höhlen mit überaus amüsanten Drachenwelpen. „Dorothy und der Zauberer in Oz“ ist ein Reiseroman, und nichts gibt mehr Möglichkeiten für Spannung und Überraschungen als die Geschichte eines langen Weges durch fremdes Terrain. Eric Shanover und Skottie Young haben es sichtlich genossen, die zum Teil surrealen Gedanken des Erschaffers von Oz in Bilder umzusetzen, die Landschaften und Wesenheiten darzustellen. Dabei finden sie stets den richtigen Mittelweg: Große Panels mit üppigen Bildern wechseln sich mit reduzierten Hintergründen ab, die den Protagonisten, ihrer intensiven Gestik und Mimik ausreichend Raum lassen. Denn so wunderbar das Land Oz auch ist, so sind es doch die Figuren, die als wahre Quelle der Unterhaltung und Freude dienen. Was die „Oz“-Comics besonders macht, ist, dass kaum jemand wirklich in das schlichte Schema von Gut und Böse passt; die Vielschichtigkeit der Charaktere erlaubt ihnen auch Ausrutscher, kleine Gemeinheiten oder unrühmliche Fehler, geboren aus Ängsten oder Eifersüchten. Kombiniert mit skurril-amüsanten Nebenfiguren wie den dressierten kleinen Schweinchen des Zauberers (alle Tiere in Oz können natürlich sprechen und werden somit zu gleichwertigen Seite 74 von 80

Reisegefährten) und Dorothys recht skrupelloser Katze Eureka, entsteht ein Gesamtbild, das dazu einlädt, den Comic mit Genuss und mehrfach zu lesen. Zwar nimmt das Tempo zum Schluss hin ziemlich ab, als die Fliehenden schließlich die Smaradsstadt und die Königin von Oz erreichen und alles etwas höfischer und weniger abenteuerlich wird – man kann als Leser das Gefühl bekommen, dass dieser Teil etwas ‚angehängt‘ wirkt -, doch bleibt ein umfassend positiver Gesamteindruck. Die hochwertige Aufmachung des Panini-Hardcovers und Extras wie das sehr interessante Intro von Eric Shanover und die angehängten Einzelcover der Hefte in diesem Sammelband tun ihr Übriges, um auch „Dorothy und der Zauberer in Oz“ zu einem Comicbuch zu machen, das man ohne jede Einschränkung empfehlen kann. (BvdB) Christopher Yost, Eric Burnham Spider-Man Team–Up 1 Superior Spider-Man Team-Up 1 + 2, Scarlet Spider 20, Marvel, USA, 2013 Panini Comics, Stuttgart, 07/2014 Comic-Heft, Superhelden, AF, Action, Urban Fantasy, keine ISBN, 68/499 Aus dem Amerikanischen von Michael Strittmatter Titelillustration von Ryan Stegman Zeichnungen von David López, Marco Checchetto, In-Hyuk Lee, K-Studios, Pat Ollife, Bit, Lee Loughridge, Andy Owens, Rachelle Rosenberg www.paninicomics.de http://yost.co www.bunhamania.com http://ryanstegmanart.blogspot.com http://ryanstegman.daviantart.com http://davizlapizlopez.deviantart.com http://vocstudio.altervista.org/Checchetto.htm www.inhyuklee.com http://patrickollife.blogspot.com www.rachellerosenberg.com http://rachellerosenberg.deviantart.com Seitdem sich Otto Octavius alias Dr. Octopus den Körper und das Leben von Peter Parker angeeignet hat, will er der ganzen Welt sein Genie als Wissenschaftler und als der bessere SpiderMan unter Beweis stellen. Wegen seiner Arroganz und Skrupellosigkeit wenden sich immer mehr Freunde von ihm ab, und seine Feinde fürchten ihn. Aufgrund zahlreicher gewalttätiger Aktionen hat er als Avenger nur mehr einen Bewährungsstatus inne. Seine Kameraden greifen prompt ein, als Spider-Man gegen etliche Helden, darunter Moon Knight, Cloak und Dagger, Dr. Strange und Daredevil, mit Vehemenz vorgeht. Vereint können sie ihn tatsächlich aufhalten, doch dann setzt bei Hyperion eine unheimliche Veränderung ein, und er attackiert seine Gefährten. Notgedrungen müssen die Avengers Spider-Man vertrauen, der als einziger weiß, was los ist. Die Spur führt zum Schakal, der wiederholt Klone von sich selbst, von Peter und seinen Angehörigen angefertigt hat und die Gelegenheit nutzt, sowohl Spider-Man als auch dessen Klon Kaine, der als neuer Scarlet Spider versucht, ein Held zu sein, in seine Gewalt zu bringen. Der Schakal ahnt nichts von Peters Schicksal und wundert sich, dass die Psychospiele, zu denen ein Gwen Stacy-Klon gehört, nicht fruchten. Im Laufe der Jahrzehnte gab es eine Vielzahl „Team-Up“-Serien, in denen namenhafte Helden, meist Einzelkämpfer, gemeinsam einen mächtigen Feind besiegen mussten. Oft stand Spider-Man im Mittelpunkt einer solchen Reihe, und auch diesmal ist der „Superior Spider-Man“ die zentrale Figur. Allerdings gibt es auf den Seiten dieser drei Hefte kein wirkliches Team-Up, da sich Dr. Ock durch sein Verhalten isoliert und sogar Verbündete bekämpft – aus Rache, aus Überlegenheitsdünkel, um sich zu beweisen, teilweise auch aus triftigem Grund. Damit dürfte der Verlauf der weiteren Team-Ups festgelegt sein: Spider-Man verbündet sich nur temporär mit anderen, wenn es seiner Sache dient, wenn er an jemandem später selbst Rache Seite 75 von 80

üben will, wenn plötzlich ein Fünkchen Gerechtigkeitsempfinden in ihm keimt. Diese Motive liefern nicht die Voraussetzungen für übliche Team-Ups, sondern eher für Zwistigkeiten und Kämpfe, die Spider-Man provoziert. Erstaunlich ist, dass zwar immer mehr Personen misstrauisch werden ob des krassen Charakterwandels von Peter bzw. Spider-Man, aber noch immer stehen alle buchstäblich auf dem Schlauch und ignorieren die vagen Hinweise, die Dr. Ock entlarven könnten. Nachdem dieser die Fragmente von Peters Geist in seinem Gehirn hatte auslöschen können, hält ihn niemand mehr zurück, aber es fehlen ihm auch wichtige Informationen, die er nun nicht mehr abrufen kann, beispielsweise über den Schakal, Kaine, den Tod von Gwen Stacy und ihrem Vater. Da in der laufenden „Spider-Man“-Serie gerade die Weichen gestellt werden, Dr. Ocks Geheimnis zu lüften, dürfte klar sein, dass der neuen „Team-Up“-Reihe bloß ein kurzes Leben vergönnt ist (in den USA sind 12 Ausgaben erschienen), das Panini dadurch verlängert, indem auch Hefte von Serien integriert werden, die in Deutschland nicht publiziert werden oder weniger populär sind, in diesem Fall den zweiten Teil des „Sibling Rivalry“-Crossovers (Part 1/„Superior Spider-Man TeamUp 2“ und Part 2/„Scarlet Spider 20“), sodass der eine oder andere Leser, neugierig geworden, vielleicht auch zu der auf vier Bände angelegten „Scarlet-Spider“-Reihe greifen wird. Infolgedessen ist „Superior Spider-Man Team-Up“ eine gelungene Ergänzung zu „Superior SpiderMan“ und zugleich der Nachfolger von „Spider-Man, the Avenger“. Man kann die Mini-Serie kaufen, muss aber nicht, da nur am Rande auf die Problematiken eingegangen wird, die in den anderen Titeln geschildert werden. Hinzu kommt, dass man sich an die rotierenden Zeichner zu gewöhnen hat, die alle ihren eigenen Stil haben, sodass es zu deutlichen Kontrasten kommt, z. B. bei den sehr comichaften, flächigen Illustrationen von David López und den fast schon fotorealistischen Abbildungen von In-Hyuk Lee („Scarlet Spider 20“). Auf jeden Fall stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis bei „Spider-Man Team-Up 1“, denn auf fast 70 Seiten für knapp EUR 5 bekommt man eine relativ abgeschlossene Storyline inklusive ansehnlicher Zeichnungen geboten. (IS)

Jason Aaron Thanos Marvel Exklusiv 108 Thanos Rising 1 - 5, Marvel, USA, 2013 Panini Comics, Stuttgart, 03/2014 PB, Comic, Superhelden, SF, Action, 978-3.86201-892-5, 120/1499 Aus dem Amerikanischen von Michael Strittmacher Titelillustration von N. N. Zeichnungen von Simone Bianchi, Ive Svorcina www.paninicomics.de http://jasoneaaron.blogspot.com www.simonebianchi.com http://simonebianchi.deviantart.com Ein unperfektes Kind in einer perfekten Welt: Auf dem Saturnmond Titan wird Thanos mit einer genetischen Mutation geboren, die ihm ein fremdartiges Aussehen gibt. Abgesehen davon ist der hochintelligente, freundliche und sanftmütige Junge jedoch anscheinend ganz normal und durchaus beliebt – sein einziges Leid sind die Erinnerung daran, wie seine Mutter ihn gleich nach der Geburt töten wollte, und die Ignoranz seines zu beschäftigten Vaters. Das klingt nicht nach dem Material, aus dem die Geißel des Universums entstehen wird, der sich selbst als Gott betrachtende Thanos, Zerstörer von Welten. Und wenn es nicht eine Mitschülerin von ihm gegeben hätte, die ihn schrittweise vom Pazifisten zum Mörder macht – erst aus Rache, dann aus wissenschaftlichem Interesse auf der Suche nach dem Grund für sein Anderssein, schließlich zum Vergnügen und letztlich in völliger Gleichgültigkeit -, dann hätte es keinen Superschurken im Marvel-Universum gegeben, mit dem zahlreiche Helden ihre Kräfte hätten messen können. Doch der junge Thanos erliegt den Einflüsterungen seiner Freundin, die ihn ewig mit ihrer Liebe lockt und ihm gleichzeitig zu verstehen gibt, dass er ihrer nur wert sein wird, wenn er noch mehr Seite 76 von 80

tötet und zerstört. Seine Versuche, sich diesem Einfluss zu entziehen, führen Thanos von seiner Heimatwelt fort und in die fernsten Winkel des Universums – doch letztlich holt sie ihn immer ein. Und irgendwann, nach unzähligen zerstörten Welten und millionenfachem Morden, muss er erkennen, wer diese Frau wirklich ist, die ihn so fasziniert. Und dass selbst diese Erkenntnis ein Irrtum ist. Es ist eine finstere und blutrünstige Geschichte, die Jason Aaron da erzählt, im Mittelpunkt die gequälte – und quälende – Figur Thanos, die Jim Starlin 1973 ins Leben rief und die eine steile Karriere als Superschurke begann. Aaron beleuchtet das Entstehen dieses Antagonisten, seine Herkunft und die Gründe für seine Monstrosität. Dass er dabei mit klassischen Bildern spielt – dem Anderssein, der Vernachlässigung durch die Eltern, zwei der Grundelemente für so manchen Verbrecher der Comicwelt -, kann man etwas uninspiriert finden. Doch die Art, wie Aaron behutsam und mit viel Zeit die Entwicklung des Jungen darstellt, ist gut gemacht – gerade auch die flüssigen Dialoge tragen die Geschichte voran. Es bieten sich genug Gelegenheiten für Thanos, den Pfad der Gewalt zu verlassen, doch in seinem ungestillten Hunger nach Antworten auf den Sinn seiner Existenz gibt er sich der Führung seiner Jugendfreundin hin, die sehr genau zu wissen scheint, welche Abgründe in ihm lauern. Beruhigend, dass in unserer Welt nicht alle unglücklichen und verwirrten Jugendlichen eine solche Ratgeberin an ihrer Seite haben. Das ferne, exotische Universum, in das sich Thanos dann begibt, unterscheidet sich von allem, was uns vertraut ist, hauptsächlich dadurch, dass die Leute bizarr aussehen und die Architektur befremdlich ist. Alle Verhaltensweisen dieser Aliens, gerade der vielen Frauen, die Thanos im Laufe seiner Reise findet, sind ernüchternd normal – ja, es gelingt ihm sogar, mit jeder seiner Geliebten Kinder zu zeugen, ein Umstand, der bei manchem Genetiker zu spontanem Protest führen dürfte. So verdichtet sich der Eindruck, dass das SF-Setting nichts anderes ist als die Kulisse für ein Psychodrama, die Entstehung eines Massenmörders, das in fast jeder beliebigen Umgebung hätte stattfinden können. Nichtsdestotrotz ist es gut gemacht und spannend, und die Zeichnungen von Simone Bianchi setzen die düstere Atmosphäre und skurrile Schönheit von Thanos und seiner Welt gekonnt, detailreich und eindrücklich um. Sicherlich sind gerade die späteren Gewalttaten von Thanos arg übertrieben, doch das ist eben der Stoff, aus dem Superschurken sind. Wenn man diese Prämissen nicht groß hinterfragt und sich auf die Geschichte einlässt, so ist „Thanos“ ein spannender, gut gemachter, gut erzählter und in sich schlüssiger Comic, der nicht nur Freunden des Marvel-Universums gefallen wird. Der Comic wird ergänzt durch die Cover der amerikanischen Einzelausgaben sowie einem Vorwort von Christian Endres und einer kurzen Biographie der beiden Macher des neuen „Thanos“. (BvdB)

Mehr Comic unter Magazin.

Manga

____________________________ __ __ Osamu Tezuka Kirihito 1 Kirihito Sanka, Japan, 1970/71 Carlsen Manga, Hamburg, 11/2009 TB mit Klappenbroschur, Manga/Graphic Novel, Thriller, Drama, 978-3551-79180-1, 288/1690 www.carlsen.de/manga http://tezukaosamu.net/jp/ Die Belegschaft des Universitätsklinikum Tokio sieht sich mit einem außergewöhnlichen Patienten konfrontiert. Der Mann aus dem nahezu unzugänglichen Dorf Inugamisawa entwickelt einen Appetit auf rohes Seite 77 von 80

Fleisch, sein Knochenbau verändert sich rapide, und er nimmt nach und nach die Physiognomie eines Hundes an. Die Ärzte nennen es die ‚Monmo Krankheit‘. Während der Chefarzt Prof. Tatsugaura von einer ansteckenden Viruserkrankung überzeugt ist, vermutet der junge idealistische Kirihito Osanai eine durch Umwelteinflüsse verursachte endemische (andauernd gehäuftes Auftreten einer Krankheit in einer begrenzten Region oder Population) Ursache. Um weiteres Material zu sammeln, soll sich Kirihito für einen Monat nach Inugamisawa begeben. Das bedeutet, dass er seine Verlobte, die sich eine Hochzeit wünscht, so lange alleine in Tokio zurücklassen muss. Obwohl die Dorfbewohner, die keine Fremden gewohnt sind, Kirihito zunächst reserviert gegenüberstehen, schicken sie die junge und schöne Tazu in seine Hütte, um mit ihm zu schlafen. Mit dieser Vereinigung des Blutes erlangt er das Recht, im Dorf zu bleiben. Auch Tazus Vater leidet an der Monmo-Krankheit, und die junge Frau bittet Kirihito, ihm zu helfen. Dieser sieht zunächst nur das willkommene Studienobjekt, entwickelt jedoch mehr und mehr Gefühle für Tazu, die ihm bei seinen Studien behilflich ist. Schließlich zeigen sich auch bei Kirihito erste körperliche Anzeichen der Krankheit. Auf seinem Weg zurück in die Zivilisation wird Kirihito entführt und zum gedemütigten Schauobjekt eines reichen Geschäftsmanns, der sein Vergnügen aus den perversen Attraktionen zieht, die er mit seinem Geld kaufen kann. Gemeinsam mit einer Tänzerin gelingt Kirihito die Flucht. In Tokio wurde Kirihito aufgrund seiner langen Abwesenheit inzwischen als verschollen erklärt und von der Ärzteliste des Universitätsklinikums gestrichen. Niemand ist dort mehr an seiner Rückkehr interessiert, insbesondere da Prof. Tatsugaura seine Theorie der Viruserkrankung vorstellen und damit zum Präsident der Ärztevereinigung werden will. Unterdessen erfährt Kirihitos Tokioter Kollege und Freund Urabe, dass die Monmo-Krankheit auch in Rhodesien, und dort nicht nur an Einheimischen, sondern auch an einer weißen Missionarin, aufgetreten ist. Urabe untersucht die Fälle und gerät damit in Lebensgefahr. Was wie ein ‚normaler‘ Medizinthriller beginnt, entwickelt sich für Titelheld Kirihito schon bald zu einer schonungslosen Tour de Force, gepaart mit der Ungewissheit, wo sein Weg überhaupt hinführt. Dabei vermengt Autor und Zeichner Osamu Tezuka die Thriller-Elemente seiner Geschichte mehr und mehr mit Fragen der Ethik, der Philosophie und sogar der Religion. In der Charakterisierung seiner Figuren verzichtet Osamu Tezuka auf simple schwarz-weißZeichnung, was der Geschichte eine angenehme Tiefe verleiht, ohne den Hauptplot zu ersticken. Nahezu jede Person in „Kirihito“ wird von inneren Dämonen – Neid, Gier und Hass - getrieben, die sie mehr oder weniger gut im Griff haben. Beispielsweise ist Kirihitos Freund Urabe seinerseits an dessen Verlobter interessiert, und er nutzt die Gunst von Kirihitos Abwesenheit, sich ihr gegen ihren Willen zu nähern. Hier agiert Urabe also moralisch verwerflich, wenngleich er an anderer Stelle voller Überzeugung (und auch aus Loyalität) die Theorie seines Freundes zu beweisen sucht. So wird Kirihitos Reise ins Ungewisse durch immer neu aufkeimende und oft unvorhersehbare Erzählstränge und Parallelhandlungen ergänzt, die insgesamt so brillant miteinander verwoben sind, das „Kirihito“ sich schnell zu einem absoluten Pageturner entwickelt, der unaufhaltsam immer tiefer in ungeahnte Abgründe führt. Erzählerische Parallelen zu den Psychothrillern von Jean Christophe-Grangé sind hier nicht von der Hand zu weisen. Die Zeichnungen von Osamu Tezuka, den viele als ‚Gott des Manga‘ verehren, wirken zu Anfang humoristisch und teilweise sogar slapstickhaft übertrieben, entwickeln im weiteren Handlungsverlauf aber eine fesselnde und bisweilen symbolträchtige Düsternis. Carlsen Manga veröffentlicht „Kirihito“ sehr schön gestaltet als schicke Klappenbroschur unter dem Label „Graphic Novel“ in drei Bänden mit je rund 280 Seiten. Im Gegensatz zu den ‚üblichen‘ Manga-Veröffentlichungen wurde das Buch der westlichen Leserichtung angepasst, indem die Seiten gespiegelt wurden. Seite 78 von 80

Brillant konstruierter düsterer Thriller-Auftakt, der auch knapp 45 Jahre nach seiner Entstehung nichts von seiner Wirkung verloren hat! (EH)

Ryuta Amazume Nana & Kaoru – Black Label 4 Nana to Kaoru – Black Label Vol. 4, Japan, 2014 Panini Comics, Stuttgart, 08/2014 TB, Manga, Erotik, Comedy, 978-3-95798-124-0, 188/799 Aus dem Japanischen von Burkhard Höfler 2 Farbseiten Leseempfehlung: Ab 18 Jahre! www.paninicomics.de http://www33.ocn.ne.jp/~nichieto/ Die Sommerferien im Liebesnest von Autor Sarashina-sensei und SexShop-Besitzerin Tachibana-san neigen sich für die Schüler Nana und Kaoru ihrem Ende entgegen. Während die beiden Erwachsenen ihre Ängste besiegen, sich ihre Gefühle füreinander eingestehen und ihre Beziehung weiterentwickeln konnten, sind die Teenager immer noch zu gehemmt für den entscheidenden Schritt. Nur zu gern wüsste Nana, was Kaoru wirklich für sie empfindet, und auch Kaoru sehnt sich insgeheim nach mehr als ihrer gemeinsamen Beschäftigung, dem BDSM. Aber unverändert behalten beide ihre Geheimnisse für sich und ziehen sich immer gleich zurück, wenn der Moment geeignet wäre, die Initiative zu ergreifen. Dass sie einander während einer Regennacht an den Händen halten, ist von daher ein gewaltiger Fortschritt für beide, der mehr bedeutet als alles, was bisher zwischen ihnen war. Als die Gastgeber früher abreisen müssen, als geplant, bleiben Nana und Kaoru zurück, um das Haus sturmfest zu machen. Obwohl sie wissen, dass sie sich beeilen müssen, da der Zugverkehr eingestellt wird, zögern sie das Packen hinaus, bis der Sturm hereinbricht. Im Bewusstsein, dass sie beide hatten bleiben wollen, beginnt Kaoru die Vorbereitungen für eine besonders aufwändige BDSM-Session. Damit bleibt alles beim Alten, wenngleich die Protagonisten neue Erfahrungen gesammelt haben und sich minimal weiterentwickeln konnten: So lange Kaoru der unattraktive Zwerg an der Seite von der schönen, umschwärmten Nana bleibt, wird er nur ihr geheimer BDSM-Partner sein und nie ihr offizieller Freund werden – sehr zur Beruhigung der männlichen Leserschaft, die keine ‚Konkurrenz‘ wünscht. Der Mangaka konzentriert sich darum auf die Beziehung der beiden Erwachsenen, die als Nebenfiguren weniger bedeutsam sind und als Mentoren fungieren, zeigen sie doch, was aus Nana und Kaoru eines Tages werden könnte, wenn die gemeinsame Leidenschaft sie auch weiterhin verbindet und sie irgendwann zu ihren Gefühlen stehen. Erst zum Ende des Bandes hin greift Ryuta Amazume das Thema wieder auf, weshalb das Publikum in erster Linie diese Serie liest: BDSM. Nana und Kaoru sind endlich allein, haben die ganze stürmische Nacht, bis der erste Zug fährt, für sich und ihre Aktivitäten. Aber noch passiert nichts, der Leser soll zappeln und an den Vorbereitungen teilhaben – das Sahnehäubchen wird in der Fortsetzung über die Story gestülpt. Insofern fällt „Nana & Kaoru – Black Label 4“ vergleichsweise sehr harmlos aus. „Nana & Kaoru – Black Label“ ist hauptsächlich an ein männliches Publikum ab 18 Jahre adressiert, das sich für BDSM interessiert und Spaß daran hat, üppige Frauenkörper in Posen zu bewundern, an die sich andere Künstler nicht unbedingt heranwagen. Die Comedy-Einlagen sind etwas gewöhnungsbedürftig, und auf Dauer könnte die Handlung langweilig werden, wenn die Hauptfiguren mit ihrer Beziehung weiterhin auf der Stelle treten. (IS)

Seite 79 von 80

Sunao Yoshida (Autor), Thores Shibamoto (Charakter-Design) & Kiyo Kyujyo (Zeichnungen) Trinity Blood 16, Japan, 2013 Panini Comics/Planet Manga, Stuttgart, 08/2014 TB, Manga, Horror, SF, 978-3-95798-145-5, 158/899 Aus dem Japanischen von John Schmitt-Weigand www.paninicomics.de www.kadokawa.co.jp/toribla/index.php www.wowow.co.jp/anime/toribla/ www.tokyopop.com/product/1840/ http://kku.ojaru.jp/ Auch wenn man „Trinity Blood“ von Beginn an verfolgt, so fragt man sich allmählich, worum es eigentlich geht. Teils liegt es daran, dass der Erscheinungsrhythmus unregelmäßig ist und ein neuer Band immer erst nach vielen Monaten erscheint, sodass man praktisch schon vergessen hat, was zuvor passierte, teils ist es aber auch der kryptischen, sehr komplizierten Story geschuldet, die mit immer neuen Konflikten und Konfliktparteien aufwartet, obwohl die vorherige Problematik noch nicht erschöpfend aufgeklärt wurde. Beginnt man die Lektüre von Band 16, findet man nur schwer Zugang zu den Geschehnissen, und kaum fasst man langsam Fuß, endet die Geschichte mit einem Cliffhanger und einem Zuviel an unbeantworteten Fragen. Das ist schade, denn die Serie hat Potential und ist sehr aufwändig und ansprechend gezeichnet. Die Artbooks dazu – nur in Japan und den Fachhandel erhältlich – sind einfach großartig! In Londinium lebten die Methusalems lange Zeit in friedlicher Koexistenz mit den Menschen und mehrten sogar deren Reichtum. Nun jedoch planen einige einflussreiche Politiker, die unterirdisch wohnenden Vampire auszulöschen. Inmitten dieser Wirren erfährt Schwester Esther, die seit geraumer Weile als Heilige verehrt wird, dass sie eine Angehörige der königlichen Familie ist und Anspruch auf den Thron der schwer erkrankten Königin von Albion hat. Ausgerechnet Oberst Mary Spencer, ihre Halbschwester und Konkurrentin, ist im Moment ihre einzige Stütze. Aber darf sie der sogenannten „Bloody Mary“, deren Getreue sie auf dem Thron sehen wollen, wirklich vertrauen? Ihr eigentlicher Beschützer, Pater Abel Nightroad alias Kresnik 02, ist tot … Damit, dass die Hauptfiguren Abel Nightroad und Esther aus der Serie herausgeschrieben werden bzw. nur eine Nebenrolle innehaben, hat wohl kaum jemand gerechnet. Auch die übrigen Protagonisten, die anfangs agierten, haben lediglich kurze oder gar keine Auftritte mehr. Stattdessen liegt der Schwerpunkt auf den Vorgängen, die sich hinter den Kulissen in Londinium abspielen und den dazugehörenden Drahtziehern. Man darf jedoch spekulieren, dass Abel irgendwie zurückkehren wird, denn oft genug bewies er, dass er nicht so leicht umzubringen ist, dass Wesen seiner Art erstaunliche Regenerationsfähigkeiten besitzen. Die Weichen sind bereits gestellt. Demnach ist es auch bloß eine Frage der Zeit, bis Esther ihre Trauer überwindet und wieder beherzt in die Ereignisse eingreift. Bloß müssen sich die Leser bis dahin wieder einmal in viel, viel Geduld üben. Bleibt nur zu hoffen, dass auch Panini nicht die Geduld verliert und die apart illustrierte Horror-/SF-Serie einfach cancelled (wie bereits die Novels nach drei Ausgaben und etliche andere Titel), nachdem sie mittlerweile schon 16 Bände erleben durfte. (IS)

Seite 80 von 80