Rohstoffe in Bayern - Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und

Rohstoffe in Bayern - Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und

Kenntnisstand geordnet und charakterisiert sind. Sie enthält zudem den Stand der aktuellen Rohstoffgewinnung, ebenso auch planerisch relevante Abbauhe...

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Kenntnisstand geordnet und charakterisiert sind. Sie enthält zudem den Stand der aktuellen Rohstoffgewinnung, ebenso auch planerisch relevante Abbauhemmnisse. Der Maßstab 1:25.000 entspricht den Anforderungen an praktische Anwendung und Übersichtlichkeit. Die Karte ist in das Bodeninformationssystem des Geologischen Landesamtes eingebunden. Sie ist über geographische Informationssysteme (GIS) abrufbar, die auch den Ausdruck von Themenkarten erlauben. Die erstmals für den Bereich der Planungsregion Ingolstadt konzipierte Karte soll längerfristig für die gesamte Landesfläche erarbeitet werden. Die rohstoffgeologische Aufnahme des Landes stellt damit Ergebnisse zur Verfügung, die für folgende Anwendungsbereiche nützlich sind: – Langfristige Sicherung und nachhaltige Versorgung des Landes mit Rohstoffen, – Sicherung betrieblicher Rohstoffbasis und damit Erhalt weiterverarbeitender Produktionszweige, – Datenbasis und Entscheidungsgrundlage für Landesplanung und kommunale Verwaltung, – Information für Wissenschaft und Öffentlichkeit. Die rohstoffgeologische Landesaufnahme erfüllt damit den bestehenden gesetzlichen Auftrag. Sie ist für einen modernen Staat unverzichtbar.

3.2

Energierohstoffe

3.2.1

Erdöl- und Erdgaslagerstätten

3.2.1.1 Gewinnung von Erdöl und Erdgas

In Südbayern wurden seit Förderbeginn 1883 im Feld „Tegernsee“ insgesamt ca. 58 Erdgas- und Erdöllagerstätten entdeckt. Die Periode einer wirtschaftlichen Förderung in größerem Maße begann aber erst 1954. Die gesamte Erdölgewinnung Bayerns belief sich von 1956 bis 2000 auf ca. 6,9 Mio t. Bei den ursprünglich bekannten Vorräten von ca. 24,4 Mio t liegt der Ausbeutefaktor des Erdöls damit bei nur 28,3%. Die gesamte Erdgasgewinnung Bayerns betrug seit Förderbeginn 1954 ca. 18,2 Mrd m3 Erdgas und Erdölgas; dies entspricht einer Ausbeute von ca. 71,4% der ursprünglich entdeckten Vorräte. Der Anteil Bayerns an der gesamten bisherigen deutschen Förderung beträgt beim Erdgas ca. 2,7% und beim Erdöl ca. 2,1%.

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Abb. 26: Erdöl- und Erdgaslagerstätten und -vorkommen, Untertage-Gasspeicher

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Die bayerischen Lagerstätten (Abb. 26) befinden sich vorzugsweise in Schichten der ungefalteten tertiären Vorlandmolasse der Alpen, in Tiefen bis etwa 4.500 m. Im Bereich der gefalteten und verschuppten Schichten unmittelbar vor den Alpen wurde bislang nur eine Lagerstätte, Tegernsee, nachgewiesen. Einige erschöpfte Lagerstätten werden inzwischen als Erdgasspeicher genutzt. Gegenwärtig sind nur noch drei Erdöllagerstätten (Aitingen, Hebertshausen und Darching-Holzkirchen) sowie eine Erdgaslagerstätte (InzenhamWest) in Förderung. Die übrigen Lagerstätten sind wirtschaftlich erschöpft. Die Förderung ging in den letzten drei Jahren beim Erdgas auf durchschnittlich ca. 8 Mio m3 und beim Erdöl auf durchschnittlich ca. 40.000 t zurück. Dies ist auch im deutschen Vergleich – Erdgasförderung in den letzten drei Jahren durchschnittlich ca. 22.250 Mio m3 (Bayern = 0,04%) und Erdölförderung in den letzten drei Jahren durchschnittlich ca. 2.900.000 t (Bayern = 1,36%) – sehr gering. Die Erdölreserven betragen in Bayern zum Stichtag 1. Januar 2001 ca. 542.000 t (467.000 t sichere und 75.000 t wahrscheinliche Reserven); davon entfallen allein auf das Feld Aitingen ca. 468.000 t. Bei der gegenwärtigen Förderung entspräche dies einer theoretischen Förderlebensdauer von maximal 16 Jahren. Für die einzig noch fördernde Erdgaslagerstätte Inzenham-West wurden Reserven von ca. 276 Mio m3 Erdgas ausgewiesen (276 Mio m3 sichere und keine wahrscheinlichen Reserven). Für die Lagerstätte, die nur in Zusammenhang mit Speicherbewegungen des Erdgasspeichers Inzenham-West gefördert wird, ist hierbei eine Förderlebensdauer von 20–25 Jahren zugrundegelegt. Damit zeichnet sich ab, dass in maximal 20–25 Jahren auch die letzten heute erschlossenen Lagerstätten wirtschaftlich erschöpft sind und die Gewinnungstätigkeiten auf Erdöl und Erdgas in Südbayern zum Erliegen kommen.

3.2.1.2 Programm zur Erkundung und künftigen Nutzung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten

Die gegenwärtige Situation der Kohlenwasserstoff-Exploration Bayerns ist noch durch den Rückzug der deutschen Erdölgesellschaften aus dem Alpenvorland Anfang der 90er Jahre gekennzeichnet. Deutlich wird der Rückgang u. a. an der Bohrtätigkeit, die Mitte der 80er Jahre und nochmals Anfang der 90er Jahre drastisch abgenommen hat. Die Anzahl der Explorationsbohrungen, deren Ziel es ist, neue Lagerstätten zu entdecken, ist in diesem Zeitraum von durchschnittlich 7 auf 2 pro Jahr gefallen. Seit 1992 bis November 2000 wurde nur noch eine Explorationsbohrung niedergebracht. Die jüngste Entwicklung in Südbayern gibt jedoch wieder Anlass zur Hoffnung. Da die bislang explorierenden Gesellschaften sich weitgehend aus Süddeutschland zurückgezogen haben, wurde der Weg auch für ausländische Gesellschaften frei – z. B. exploriert zur Zeit ein US-amerikanisches und ein österreichisches Unternehmen in Bayern. Die heute explorierenden Unternehmen der Erdöl- und Erdgasindustrie verfolgen im wesentlichen neue geologische Konzepte und gehen die Exploration zum Teil mit modernster Technik und neuesten Auswertemethoden an. In diesem 73

Zusammenhang soll der Einsatz von 3D-Seismik besonders hervorgehoben werden. Bei der 3D-Seismik handelt es sich um eine geophysikalische Untersuchungsmethode mit seismischen Wellen zur dreidimensionalen Erkundung des tieferen Untergrundes. Die gängige Explorationsmethode in Bayern war bisher die Durchführung von 2D-Linienseismik. In den Jahren 1998/1999 wurde von einer ausländischen Firma der 3D-Survey Palling gemessen. Für Bayern ist dies erst der zweite 3D-Survey im Rahmen der Exploration. Die Ergebnisse führten zur Planung von weiteren Tiefbohrungen bis maximal 3.000 m Tiefe. Zwei der geplanten Tiefbohrungen wurden bis zum Frühjahr 2001 fertiggestellt, allerdings ohne Erdöl- oder Erdgaslagerstätten gefunden zu haben. Die Erwartungen, die sich aus den neuen geologischen Ansätzen und der neuesten Technik ergeben, werden gerechtfertigt durch die Explorationserfolge, die außerhalb des süddeutschen Raumes – zum Teil auch auf anderen Kontinenten bei vergleichbaren geologischen Bedingungen – damit erzielt worden sind. Sollten mit diesen Ansätzen auch in Bayern neue Fündigkeiten erzielt werden, so kann dies in einem gewissen Rahmen zu einer Wiederbelebung der Exploration und in der Folge auch einem Wiederanstieg der Gewinnung führen. Als potenzielle Fläche muss der gesamte südbayerische Raum zwischen Donau und Alpen in Betracht gezogen werden. Ein erheblicher Einfluss kommt der Entwicklung des Ölpreises zu, der sich besonders auf die kostenintensive Exploration am Alpenvorland auswirkt. Von der Ölpreisentwicklung hängt auch die Bewertung der Gewinnbarkeit noch vorhandener Reserven ab.

3.2.2

Natürliche Gasspeicher

Abb. 27: Gasspeicher Inzenham-West bei Rosenheim

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Der Bereich der Untertage-Gasspeicherung hat für die Energieversorgung Bayerns eine wesentlich höhere Bedeutung als die bisherige Kohlenwasserstoff-Förderung. Das hängt damit zusammen, dass Erdgas ein expandierender Energieträger und die Verfügbarkeit von Speicherraum eine grundlegende Voraussetzung für eine funktionierende Gasversorgung bei starken saisonalen Schwankungen ist. Prognosen einer Studie von PROGNOS, Basel, aus dem Jahr 1999 mit dem Titel „Die längerfristige Entwicklung der Energiemärkte im Zeichen von Wettbewerb und Umwelt“ – Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft – weisen darauf hin, dass der Anteil des Erdgases am Primärenergieverbrauch in der Bundesrepublik Deutschland von derzeit ca. 21% über 24–25% im Jahr 2010 auf 27% im Jahr 2020 steigen wird. Diese Zuwachsraten werden auch für Bayern angenommen. Der Freistaat Bayern verfügt in Südbayern über genügend ehemalige Erdgas- und Erdöllagerstätten, die für eine Nachnutzung als Erdgasspeicher geeignet sind. Derzeit sind in Bayern 6 Porengasspeicher in Betrieb und stellen mit ca. 3,5 Mrd m3 mittelfristig ca. 15% des gesamten Arbeitsgasvolumens Deutschlands dar (Tab. 11). Tab. 11: Untertage-Erdgasspeicher in Bayern (Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung, Hannover); Typ: G = Speicher in ehemaliger Gaslagerstätte; AQ = Speicher in Aquiferen Teufe: Maximale Tiefe der Speichergesteine ab Geländeoberfläche Formation: Name der geologischen Speichergesteine Arbeitsgasmenge: Nutzbares Speichergas Kissengasmenge: Ungenutztes Speichergas, das u. a. der Druckerhaltung dient Gesamtvolumen: Summe aus Arbeitsgasmenge und Kissengasmenge

Name (Typ) Bierwang Breitbrunn-Eichstätt Inzenham-West Wolfersberg Schmidhausen Eschenfelden Summe

(G) (G) (G) (G)

Max. Teufe (m) 1.560 1.900 880 2.930

(G) (AQ)

1.000 600

Formation Chatt Chatt Aquitan Thanet (Litho.-Kalk) Aquitan Keuper, Muschelkalk

Arbeitsgas Kissengas Gesamtvolumen (Mio m3) (Mio m3) (Mio m3) 1.300 1.157 2.457 1.080 995 2.075 500 380 880 400 218 618 150 72

150 96

300 168

3.502

2.996

6.498

Etwa 20 ehemalige Lagerstätten werden derzeit von Bewilligungsfeldinhabern zusätzlich zu den bestehenden Speichern auf eine Eignung hin untersucht. Sie könnten unter günstigen Umständen die bisher genutzte Arbeitsgasmenge verdoppeln. Eine Nachnutzung von Erdöllagerstätten als Erdgasspeicher könnte in der Anfangsphase der Gasspeicherung als positiven Begleiteffekt eine weitere Steigerung der relativ geringen Erdölausbeute aus den stillgelegten Erdölfeldern bewirken.

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5/2002

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Autorenverzeichnis

Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie, Referat „Bergwesen, mineralische Rohstoffe und Bergaufsicht“, München Bayerisches Geologisches Landesamt, Abteilung Angewandte Geologie, München Bayerischer Industrieverband Steine und Erden e.V., München Bayerischer Ziegelindustrieverband e.V., München Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben, Sektion Geothermik und Grundwasserhydraulik, Hannover Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung, Abteilung KohlenwasserstoffGeologie, Hannover Regierung von Oberfranken, Bergamt Nordbayern, Bayreuth Technische Universität München, Lehrstuhl für Wassergüte- und Abfallwirtschaft, Prof. Dr.-Ing. M. Faulstich, Garching b. München Verwaltungsgericht München, Verwaltungsrichter F. Herbert, München

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