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Bürgerliches Recht und Rechtsgeschichte Prof. Dr. Thorsten Keiser▪ Licher Straße 76 ▪ D-35394 Gießen Prof. Dr. Thorsten Keiser, LL.M. Licher Straße 7...

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Bürgerliches Recht und Rechtsgeschichte Prof. Dr. Thorsten Keiser▪ Licher Straße 76 ▪ D-35394 Gießen

Prof. Dr. Thorsten Keiser, LL.M. Licher Straße 76 D-35394 Gießen Tel.:

0641 / 99 – 21450/1

Fax.:

0641 / 99 – 21459

Email: [email protected]

Seminarankündigung Im Wintersemester 2017/18 bieten wir ein Seminar zur Geschichte des Erbrechts im Schwerpunktbereich 1 zu folgendem Thema an:

Vermögensübergang von Todes wegen zwischen politischer Herrschaftssicherung, Familienbindung und Individualismus Heute wird über Erbrecht meist unter Legitimationsaspekten diskutiert. Manche fordern eine Einschränkung von Rechten an „unverdientem Vermögen“, andere wollen persönliche Wünsche zur Regelung der Vermögensübertragung nach dem Tod effektiv zur Geltung bringen. Jenseits von diesem auch parteipolitisch diskutierten Problem bestimmen technische Fragen den juristischen Alltag eines ausdifferenzierten, im rechtlichen Detail grundsätzlich kaum in Frage gestellten Regelungssystems.

In diesem Seminar wird die Frage nach der zentralen Funktion des Erbrechts in historischer Perspektive gestellt. Dabei wird deutlich werden, dass Erbrecht historisch zwischen unterschiedlichen Regelungsschwerpunkten eingeordnet werden kann. Erbrecht kann dem Erblasser eine möglichst autonome Durchsetzung seiner Interessen gestatten und den Wunsch anerkennen, über den Tod hinaus über Vermögen frei zu verfügen. Anderseits können Vermögensübergänge Konsequenzen für Familienmitglieder oder die Allgemeinheit haben. Insofern wurde historisch das Erbrecht immer wieder zum Durchsetzungsgebiet kollektiver Interessen. Wie und

warum diese Aspekte in verschiedenen Epochen unterschiedlich akzentuiert wurden, soll in diesem Seminar erforscht werden. Ziel ist es, ein vertieftes Verständnis über das Erbrecht zu gewinnen und die aktuelle Rechtsordnung im Spiegel historisch zu ermittelnder Regelungsalternativen besser zu verstehen.

I. Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Grundlagen. 1. Erben in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wirtschaftsordnung 2. Bäuerliches Erbrecht 3. Die Familienfideikommisse des Adels 4. Erbrecht und Geschlechterverhältnisse

II. Grundlagen geltenden Erbrechts: Historische Referenzordnungen und ihre mythologische Überhöhung 1. Römisches Erbrecht im Zeichen des Individualismus? 2. „Das Gut rinnt wie das Blut“ - Germanisches Erbrecht im Zeichen des Kollektivismus? 3. Das BGB zwischen römischem und germanischem Erbrecht 4. Vergleichsperspektiven: Trust und Testament in England

III. Erbrecht im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit

1. Politisches Erbrecht: Dynastische Funktionen und Adelserbrecht in der Frühen Neuzeit 2. Was bedeutet Spezialsukzession und wo war sie relevant? 3. Das Testament und seine Regelung in Kodifikationen der Frühen Neuzeit 4. Der Einfluss der Kanonistik auf das Erbrecht

IV. Erbrecht im 19. Jahrhundert 1. Ist der Wille unsterblich? Die Idee der Freiheit des Individuums und die Testierfreiheit 2. Ist die Persönlichkeit unsterblich? Erbrecht und Persönlichkeitsschutz seit dem 19. Jahrhundert 3. Erbrecht in der Privatrechtsgesellschaft: Modelle in Kodifikationen des 19. Jahrhunderts

4. Erbrecht im Redaktionsgang des BGB und die Diskussion um seine Prinzipien

V. Erbrecht im 20. Jahrhundert 1. Familienbindung des Erbrechts über Sittlichkeitskontrolle? Geschichte der Inhaltskontrolle von Testamenten gem. § 138 BGB 2. Abbau von Adelsprivilegien und der Streit um die „Hausgesetze“ im 20. Jahrhundert 3. Verhinderung „industrieller Erbhöfe“ im 20. Jahrhundert? Dogmengeschichte der Höchstpersönlichkeitsklausel in § 2065 BGB zwischen politischen Argumenten und Individualrechtsschutz 4. Rudimente des Familienschutzes im individuellen Erbrecht? Geschichte und Funktion des Pflichtteilsrechts 5. Fiskus vor Verwandtschaft: Erbrecht im Nationalsozialismus 6. Erbrecht in der DDR – Entindividualisierung des Vermögensrechts 7. Die Durchsetzung des Nichtehelichenerbrechts 8. „Unverdientes Vermögen“ - Die politische Debatte um die Erbschaftssteuer im 20. Jahrhundert

Das Seminar wird als Blockseminar am 8./9. Februar 2018 stattfinden. Voranmeldungen für die Seminarteilnahme sind an [email protected] zu richten und können bis zur Verteilung der Seminarthemen in einer ersten Vorbesprechung (erste Vorlesungswoche, Termin wird noch bekanntgegeben) erfolgen. Sollten mehr Anmeldungen als Seminarthemen zur Verfügung stehen, behalten wir uns eine Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Eignung (Schwerpunktstudium, rechthistorische Vorkenntnisse usw.) vor. Um den interdisziplinären Austausch zu fördern, reservieren wir bis zur ersten Vorbesprechung außerdem 3 Plätze für Teilnehmer aus anderen Studiengängen.