SCHACH IN DER SCHULE

SCHACH IN DER SCHULE

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SCHACH XXXXX IN DER SCHULE

schulpraxisspezial 1  / 11 schulpraxis

2 schulpraxis 2/09

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Inhalt

schulpraxis spezial

SCHACH IN DER SCHULE Weshalb Schach im Schulunterricht?

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Liebe Leserin

«Es gibt nur ein Mittel, im Schachspiel unbesiegt zu

Lieber Leser

bleiben. Spiele nie Schach», hat Kurt Tucholsky gesagt. Die vorliegende Ausgabe der «schulpraxis» will aber zum

Zusatzmaterialien n Die erwähnten Zus atzmaterialie von ge epa Hom findet man auf der LEBE unter ww w.lebe.ch, Bereich Pädagogik, schulpraxis oder dem r Schweizerischen Schachbund unte .ch. ww w.swisschess

Schachspielen – gerade auch in der Schule – anregen. Zum Beispiel, weil mit diesem Spiel kognitive und soziale Fähigkeiten gefördert werden können.

Ni-Nuki – idealer Schach-Einstieg auf der Unterstufe

Das Heft zeigt den Lehrpersonen Einstiegsmöglichkeiten in das vielseitige Thema «Schach im Schulunterricht» auf und bietet fächerübergreifende Unterrichtsmaterialien an, die eins zu eins

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übernommen und eingesetzt werden können. Kein Ziel dieser «schulpraxis» ist es, eine fundierte Einführung ins Schachspiel zu geben. Hierzu gibt es erprobte Fachliteratur und Lehrmittel, die in einer Literaturempfehlung am Schluss aufgeführt sind.

Vereinfachte Spielformen auf der Mittel- und Oberstufe

Der Autor Beat Rüegsegger kann sich auf seine grosse Erfahrung und breiten Sachkenntnisse

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abstützen, die er teilweise schon in die «schulpraxis» vom März 1990 hat einfliessen lassen. In seiner Diplomarbeit für das Nachdiplomstudium «Unterricht an Realklassen» mit dem Thema «Schach im Deutsch- und fächerübergreifenden Unterricht» hat er sein Wissen noch vertieft.

Juli 2011

Andere Schachspielformen als Abwechslung

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Herausgeber Lehrerinnen und Lehrer Bern LEBE Monbijoustrasse 36 Postfach 7163 Tel. 031 326 47 47 Fax 031 326 47 48 www.lebe.ch (Bereich Pädagogik)

Ideen für den Deutschunterricht

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Ideen für den Geschichtsunterricht

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Redaktion Beat Rüegsegger [email protected] Franziska Schwab [email protected] Etienne Bütikofer [email protected]

Jetzt gibt er es gerne weiter, damit viele SchülerInnen und Lehrpersonen die Vielfältigkeit des Schachspiels kennen lernen und Freude an diesem interessanten Spiel finden.

Beat Rüegsegger, Autor dieser «schulpraxis» und Reallehrer in Huttwil,

Ideen für den Mathematikunterricht

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hat seine SchülerInnen ins Schachspiel eingeführt. Nun beobachtet er

Layout  /  Grafik Fabian Kramer [email protected]

ihre Züge – und würde

Ideen für den Musikunterricht

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Druck AST & FISCHER AG PreMedia und Druck Seftigenstrasse 310 3084 Wabern Bilder Timm Bütikofer (TiBü)

eingreifen. Bild: Donat Gächter

Bestellungen Geschäftsstelle LEBE Chesspoint Switzerland, 4562 Biberist Tel. 032 672 36 06, [email protected]

wohl am liebsten selber

Ideen für das Bildnerische Gestalten

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Arbeitsblätter34

Literatur und Links

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schulpraxis spezial

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Weshalb Schach im Schulunterricht? Spiele wie Schach gewinnen in der heutigen Zeit mit den zahlreichen Ablenkungs- und Vergnügungsmöglichkeiten immer mehr an Bedeutung. Verschiedene kognitive und soziale Fähigkeiten werden spielend speziell gefördert beziehungsweise angesprochen.

Das Schachspiel unterscheidet sich von allen anderen Brettspielen durch seine unermesslichen Möglichkeiten, seinen Variantenreichtum. Eine weitsichtige Planung und Vorausberechnung ist nötig. Gute SpielerInnen «sehen» und berechnen sechs und mehr Züge mit Varianten voraus. Dabei dürfen sie nicht nur stur den eigenen Plan verfolgen, sondern müssen sich auch in das Gegenüber versetzen können, das ebenfalls einen Plan verwirklichen will. Dieses Wechselspiel erfordert gutes logisches Denkvermögen. Wo dieses als natürliche Begabung fehlt, kann es bis zu einem gewissen Grad gelernt werden. Allerdings nur in kleinen Schritten. Konzentration In unseren Schulen wird häufig geklagt, dass sich die Lernenden je länger je weniger konzentrieren können. Kein Wunder, wenn wir bedenken, mit welchen – vor allem medialen – Reizen sie überflutet werden. Das Schachspiel kann die Voraussetzung schaffen, das verlorene Konzentrationsvermögen wieder zu aktivieren. Da ist einmal das stille Umfeld während des Spiels, das erst ein angenehmes Konzentrieren und Denken ermöglicht. Lautes Sprechen oder Lärmquellen in irgendeiner Form sind untersagt. Der Gegner darf auch nicht durch unfaire Tricks gestört werden. Für die Spielenden ist diese Ruhe zunächst oft ungewohnt, manchmal sogar beängstigend. Bald einmal empfinden sie sie aber als wohltuend und geradezu ideal, um nachdenken zu können. Damit ist der erste Schritt zu einer Steigerung der Konzentrationsfähigkeit getan. In einer zweiten Phase werden die Spielenden lernen müssen, ihre Umgebung zu vergessen,

abzuschalten. Ist dieses Ziel erreicht, kann die Erweiterung der Konzentration auf die drei Aspekte einer Wettkampfschachpartie erfolgen: Partie – Uhr – Notation. Dies wird bis zur Beherrschung sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Können SchülerInnen eine Partie unter wettkampfmässigen Bedingungen spielen, lassen sie sich auch im Schulunterricht kaum mehr so leicht ablenken. Die Umgebung

Zeitgefühl Wenn zwei Jugendliche erstmals Schach mit der Uhr spielen und man jedem eine halbe Stunde Bedenkzeit einräumt, ist die Partie ziemlich sicher nach 5 Minuten beendet, denn die Uhr zu betätigen nimmt fast mehr Zeit in Anspruch als geeignete Züge zu überlegen. Der «Uhrenanfänger» scheint eine panische Angst vor dem tickenden Ding und dem kleinen Fallblättchen zu haben, das für die notwendige Zeitkontrolle vorgesehen ist. Erst eine längere Angewöhnung lehrt ihn, die Bedenkzeit besser einzuteilen und voll auszunützen. Nach und nach stellt sich ein Zeitgefühl ein. Ein besseres Zeitgefühl lässt die Lernenden erfahrungsgemäss auch im Unterricht ruhiger und überlegter arbeiten und bessere Leistungen erzielen. Klassengefüge Wer selber Versuche im Schulschach durchgeführt hat, kann folgende Erfahrungen sicher bestätigen: Da ist einmal der Gehemmte, Schüchterne, der von der Klasse meist nicht ernst genommen, sogar gehänselt und ausgelacht wird. Vielleicht besitzt er eine besondere Schach-Begabung, die man nur zu aktivieren braucht. Er merkt plötzlich, dass er gegen seine MitschülerInnen zu bestehen vermag. Er gewinnt an Selbstvertrauen, was sich auch auf die Leistungen in anderen Schulfächern auswirken kann. Da ist der Rastlose, Vorlaute, der alles besser weiss und dem vielleicht alles zu langsam geht. Beim Schachspielen wird er bald erfahren, dass man immer wieder «unten durch

vergessen und sich auf das Spielbrett und die Züge des Gegenspielers konzentrieren: das lernen Kinder beim Schachspielen. Dass sie Konzentration lernen, ist in der heutigen, reizüberfluteten Zeit besonders wichtig, aber gar nicht mehr selbstverständlich.

muss». Er muss lernen, längere Zeit still zu verweilen, nachzudenken, einen Plan zu fassen und viele Möglichkeiten abzuwägen, bevor er tatsächlich etwas unternimmt. Schachspielen kann seine Verhaltensauffälligkeiten positiv verändern. Da ist der Flüchtige, Unordentliche und Oberflächliche, der sich mehr schlecht als recht zurechtfindet und sich kaum einordnen kann. Er lernt durch das Schachspielen, sich nach genau vorgeschriebenen Regeln zu verhalten. Er muss Verantwortung sich selber gegenüber übernehmen. Dieser «Zwang» zur Ordnung und Einordnung kann sich positiv auf sein Verhalten und seine Gedankenwelt auswirken. Da ist der Aussenseiter, der sich gerne von der Gemeinschaft distanziert und wenig zu einem guten Umgang untereinander beiträgt. Er muss sich plötzlich mit der Situation auseinander setzen, dass er als Gegenüber jemanden vor sich hat, mit dem er sich eigentlich nicht befassen möchte. Die Schachregeln schaffen

gleiche Voraussetzungen und stecken den Rahmen zu einem fairen Vergleich ab, den es zu akzeptieren und einzuhalten gilt. Es spielt keine Rolle, ob gegenüber ein Knabe oder ein Mädchen als Gegner bzw. Gegnerin Platz genommen hat, mit dem man im normalen Schulunterricht keinen Kontakt aufbaut. Da ist aber auch die Lehrperson, die aus ihrer Rolle schlüpft, sich mit den Lernenden auf die gleiche Ebene begibt, Spielpartnerin wird. Ein neues Vertrauensverhältnis kann entstehen, das das «Klassenklima» nachhaltig beeinflusst und sich positiv auf den übrigen Unterricht auswirkt. Da sind die Ideen des fächerübergreifenden Unterrichts. Das Schachspiel kommt dieser Art von Unterricht in idealer Weise entgegen und kann speziell in Realklassen gut umgesetzt werden, weil ja die Klassenlehrperson in der Regel in der Klasse mehrere Fächer unterrichtet.

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Ni-Nuki – idealer Schach-Einstieg auf der Unterstufe Das Ni-Nuki-Spiel ist eine interessante Vorstufe­ zum Schachspiel und vermittelt erste einfache Regeln und Spielmöglichkeiten.

Kurz und einfach Dieses Spiel ermöglicht kurze und lebhafte Partien. Das Spielmaterial ist übersichtlich (Steine und Brett). Die elementaren Spielhandlungen sind höchst einfach (abwechselndes Setzen und gelegentliches Herausnehmen von eingeschlossenen gegnerischen Zweierketten). Die Spielziele sind anschaulich (Bilden einer unzerstörbaren Fünferkette oder insgesamt fünf herausgenommene Zweierketten). Die Positionscharakterisierung und -bewertung erfordert nur das Verständnis weniger einfacher Muster und Gesetzmässigkeiten.

Beispiel eines Spielbrettes mit 12  x 12 = 144 Quadraten.

Ni-Nuki ist ein japanisches Brettspiel, das mit dem weitaus komplizierteren Schachspiel durchaus verglichen werden kann. Das Spielbrett ist quadratisch und wird von einem Brettmuster (Liniennetz) gebildet, wobei sich die Linien rechtwinklig kreuzen und so quadratische Felder ergeben. Die Spielsteine sind weisse und schwarze, flachrunde Scheibchen. Zwei Partner spielen jeweils gegeneinander. Der eine besitzt die schwarzen, der andere die weissen Spielsteine. Gespielt wird durch das abwechselnde Setzen je eines weissen oder eines schwarzen Steines.

Gesetzt wird auf die Kreuzungspunkte. Weiss beginnt die Partie durch das Setzen seines ersten Steines. Benachbart liegende Steine der gleichen Farbe bilden Ketten. Mehr als zwei Steine können eine Kette bilden, wenn sie in einer geraden Reihe ohne Lücke nachbarschaftlich verbunden liegen. Die Steine können aber auch auf der gleichen Diagonalen ohne Lücke liegen. Das Spielziel besteht dann darin, entweder eine unzerstörbare Fünferkette zu bilden oder als erster fünf Zweierketten gefangen zu nehmen.

Die Spielregeln 1. Man gewinnt eine gegnerische Zweierkette, indem man sie an beiden Enden durch eigene Steine einschliesst. Gefangene Zweierketten werden sofort herausgenommen und neben das Spielbrett gelegt. 2. Eine eingeschlossene Zweierkette darf nicht herausgenommen werden, wenn die einschliessenden Steine schon vorher gesetzt worden sind. 3. Eine freie Dreierkette ist eine Kette, die an ihren beiden Enden nicht durch gegnerische Steine eingeschlossen ist. Man darf einen Stein nicht dort setzen, wo er gleichzeitig mehrere freie Dreierketten bilden würde. 4. Eine Fünferkette ist erst dann unzerstörbar, wenn sie nicht mehr durch das Fangen von Zweierketten aufgerissen oder verkürzt werden kann. 5. Ketten mit mehr als 5 Steinen gewinnen nicht. 6. Beim Partiebeginn begrüssen sich beide Spielenden mit einem freundschaftlichen Händedruck. 7. Beim Partieende gratuliert der Verlierer dem Gewinner. Das geschieht am besten mit einem Händedruck und den Worten. «Ich gratuliere!» 8. Ein einmal gesetztes Scheibchen kann nicht zurückgenommen werden. Es gilt klar «Ge-

setzt – geschehen!» (Man vergleiche hier mit der Regel «Berührt – geführt!» vom Schachspiel.) 9. Ein falsch gesetztes Scheibchen kann vom Gegenspieler reklamiert werden. Es muss hierauf sofort zurückgenommen und neu gesetzt werden. 10. Wird ein Scheibchen falsch gesetzt, aber vom Gegner nicht bemerkt und deshalb nicht reklamiert, so wird weitergespielt. Dies ist auch der Fall, wenn das Herausnehmen der zwei Steine einer gefangenen Zweierkette vergessen oder sogar ein Partiegewinn übersehen worden ist. Die Verantwortung liegt nur beim Spieler selbst. Man erkennt natürlich in diesem Spiel Analogien zum Schachspiel. Um eine weitere Annäherung zu erreichen, können noch «Verhaltensregeln» eingeführt werden, die zum Teil vom Schachspiel abgeleitet sind. Selber herstellen Das Spiel eignet sich auch vorzüglich als «Doppel» für Zweierteams. Auch hier wird abwechselnd gesetzt und man darf sich nicht gegenseitig beraten. Das Spiel ist leicht selber herzustellen. Es genügt, ein dünnes, quadratisch zugeschnittenes Holzbrettchen oder ein dicker, quadratischer Karton, auf dem die Felder aufgezeichnet werden. Als Scheibchen können runde Kartonstücke oder Spielmarken von anderen Spielen verwendet werden. Es gibt verschiedene Spielmöglichkeiten mit der entsprechenden Anzahl von Spielsteinen, die Regeln bleiben aber gleich: • Brett mit 18x18 = 324 Quadraten und je 80 Spielsteinen • Brett mit 16x16 = 256 Quadraten und je 70 Spielsteinen • Brett mit 14x14 = 196 Quadraten und je 60 Spielsteinen • Brett mit 12x12 = 144 Quadraten und je 50 Spielsteinen

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Vereinfachte Spielformen auf der Mittel- und Oberstufe Mit verschiedenen einfachen Spielformen kann der Wettkampf geübt werden.

Der besondere Reiz beim Schachspielen besteht sicher darin, dass man sich schnell einmal im praktischen Spiel mit einem Partner messen kann. Nach dem Kennenlernen der Gangart der ersten Figuren, kommt schnell einmal das Bedürfnis nach einem Wettkampfvergleich auf. Um diesem Verlangen gerecht zu werden, gibt es einfache Spielformen, in der die Gangart einerseits geübt, andererseits aber das wettkampfmässige Spiel praktisch erprobt werden kann. Diese einfachen Spielformen steigern das Verständnis für die einzelnen Figuren und eignen sich bestens für frühzeitige kleine Wettkämpfe und Turniere. Das Bauernspiel Es gelten die gleichen Regeln wie in einer Schachpartie. Weiss beginnt, dann zieht Schwarz. Beide Spieler ziehen und schlagen mit ihren Bauern. Es besteht Zugpflicht. Es ist also nicht gestattet, auf einen Zug zu verzichten. Es gewinnt, wer zu er s t e in en Bauern auf die gegnerische Grundreihe ziehen kann. Kann ein Spieler mit keinem Bauern mehr ziehen, weil alle Bauern blockiert sind, wird eine neue Partie mit vertauschten Farben gespielt. Das Königsspiel Dieses Spiel gleicht dem Bauernspiel. Zusätzlich spielen noch die beiden Könige mit. Auch hier besteht das Ziel darin, einen Bauern zur

gegnerischen Grundreihe durchzubringen. Der König wird da nützliche Dienste leisten. Es besteht ebenfalls Zugpflicht. Sieger ist, wer zuerst einen Bauern auf die gegnerische Grundreihe gebracht hat, ohne dass dieser Bauer dort vom gegnerischen König geschlagen werden kann.

Wer die Hauptfigur – oder die Hauptfiguren beim Läuferspiel – seines Gegners oder seiner Gegenerin schlagen kann, also diejenige Figur oder diejenigen Figuren, mit der oder denen ständig gezogen wird, ist sofort Sieger, unabhängig davon, ob sich noch viele oder nur mehr wenige Bauern oder Figuren auf dem Brett befinden. Das Turmspiel Der weisse Turm wird auf das Feld a 1, der schwarze Turm auf das Feld h 8 gesetzt. Weiss beginnt nun mit dem Setzen seines ersten Bauern. Jeder Spieler setzt abwechselnd 6 Bauern. Links ein mögliches Beispiel.

Für die folgenden Spielformen gilt: Die Spielfarbe wird ausgelost, indem ein Spieler je einen schwarzen und einen weissen Bauern in je eine Hand nimmt und die Bauern hinter seinem Rücken einige Male vertauscht. Sein Gegenspieler wählt eine Hand aus und der darin versteckte Bauer zeigt ihm, mit welcher Farbe er das Spiel bestreitet. Weiss beginnt mit dem Setzen seiner ersten Figur. Anschliessend setzt Schwarz ebenfalls seine Figur. Dies geschieht nun abwechselnd, bis zuerst alle Figuren und dann alle Bauern gesetzt sind. Weiss darf den ersten Zug ausführen. Es wird nun immer abwechselnd mit den Figuren gezogen, wobei die Bauern aber nicht ziehen dürfen. Sieger ist derjenige Spieler, der zuerst alle gesetzten Bauern seines Gegners (oder alle gesetzten Figuren beim Damespiel), die selber nicht ziehen dürfen, mit seiner Hauptfigur (oder seinen Hauptfiguren beim Läuferspiel) geschlagen hat.

Das Läuferspiel Die zwei Läufer werden je auf ihr Feld in der Grundstellung gestellt, das heisst also für Weiss auf die Felder c 1 und f 1 und für Schwarz auf die Felder c 8 und f 8. Weiss beginnt mit dem Setzen seines ersten Bauern. Jeder Spieler setzt nun abwechselnd je vier Bauern. Links ein mögliches Beispiel. Das Damespiel Weiss setzt seine Dame auf das Feld d 1, während Schwarz seine Dame auf das Feld e 8 stellt. Nun werden abwechselnd zwei Türme, ein Läufer und ein Springer gesetzt. Oben rechts ein mögliches Beispiel.

Das Springerspiel Weiss beginnt mit dem Setzen seines Springers entweder auf das Feld g 1 oder b 1. Schwarz setzt analog entweder auf das Feld g 8 oder b 8. Nun beginnt Weiss mit dem Setzen seines ersten Bauern. Jeder Spieler setzt abwechselnd vier Bauern. Hier ein mögliches Beispiel:

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Andere Schachspielformen als Abwechslung Wer vom Schachspiel begeistert ist und noch nach alternativen Spielmöglichkeiten sucht, kann eine der nachfolgend aufgeführten Spielarten ausprobieren und wird sicher seinen Spass damit haben.

Um die Spielstärke vor allem zwischen schwächeren und weitaus stärkeren Partnern auszugleichen, können Simultanpartien gespielt werden. Hier tritt ein Spieler gegen mehrere Gegner gleichzeitig an. Bei einer Blindpartie spielt ein Spieler ohne Ansicht des Brettes. Hier werden die gespielten Züge mündlich mitgeteilt. Bei Vorgabe-Partien überlässt ein Spieler seinem schwächeren Gegner die Wahl, eine beliebige Figur von der Grundstellung zu entfernen oder lässt ihn bei Partiebeginn sogar zwei Züge nacheinander ausführen. Diese Formen kommen ohne Veränderung der Brettform oder der Regeln aus. Speziell sind die Bedingungen beim Blitzspiel. Wie in Turnierpartien üblich, wird auch hier mit einer Schachuhr gespielt. Beim «Blitzen» werden die Partien zeitlich begrenzt, indem z. B. jedem Spieler nur 5 Minuten Bedenkzeit für die gesamte Partie gewährt wird. Hier werden zwar weniger eventuell vorhandene Spielstärkenunterschiede ausgeglichen, dafür ist aber sichergestellt, dass keine Partie länger als 10 Minuten dauert. Einen «Stärkeausgleich» erreicht man durch das Einstellen von weniger Bedenkzeit beim stärkeren Spieler. Tendem-Schach Bekannt ist ebenfalls das Tandem-Schach, das mit Zweier-Mannschaften gespielt wird. Dabei spielt immer ein Spieler pro Mannschaft mit Weiss, der andere mit Schwarz. Wenn nun ein Spieler einen gegnerischen Stein schlägt, so hat dieser die Farbe, mit der sein Partner spielt, und er übergibt diesem die geschlagene Figur. Der Partner

darf anstelle eines Zuges diese Figur nun auf einem beliebigen freien Feld seines Brettes einsetzen. Hier gibt es sogar noch verschiedene Varianten, so dürfen z. B. etwa keine Bauern eingesetzt werden. Es kann also vorkommen, dass ein Spieler mit vier Springern, drei Türmen oder einer ähnlichen Materialverteilung spielt, die Partien sind also stark taktikbetont. Figurensatz und Zugweise sind hier gleich wie beim ursprünglichen Schachspiel. Fressen und schlagen Eine faszinierende Spielart ist das Fress- oder Schlagschach. Hier besteht Schlagzwang und Sieger ist derjenige, der als erster nicht mehr ziehen kann, sei es, weil alle seine Steine geschlagen sind (es gibt kein Schachgebot oder Mattsetzen!) oder weil kein legaler Zug mehr geschehen kann (Fesselungen gibt es selbstverständlich auch nicht, denn auch der König ist eine Figur wie jede andere auch!). Dass sie diese Partie

Würfeln und Fussball Beim Würfelschach wird zunächst festgelegt, welche Schachfigur welcher Würfelzahl entspricht, also z. B.: Bauer = 1 Auge, Läufer = 2 Augen, Springer = 3 Augen, Turm = 4 Augen, Dame = 5 Augen und König = 6 Augen. Vor jedem Zug wird gewürfelt und so festgelegt, welche Figur ziehen muss. Kann mit einem Bauern oder einer Figur nicht gezogen werden, gehen das Würfel- und damit das Zugrecht auf den Gegner über. Auch hier gewinnt, wer den gegnerischen König matt setzt. Das kann sogar damit geschehen, dass ein Spieler ein Schachgebot mit der gewürfelten Figur nicht abwehren kann. Beim Fussballschach gewinnt derjenige, der einen Stein auf eines der Ursprungsfelder der gegnerischen Majestäten (König und Dame) setzen kann. In Fachkreisen wird dies auch als «ein Tor schiessen» bezeichnet.

gewinnt, bezweifelt wohl kaum jemand. Sie hat die richtigen Züge bereits ausgeheckt. Fressen und schlagen ist angesagt, egal in welchem schachverwandten Spiel.

Chess 960 Besonders beliebt ist das in letzter Zeit stark in Mode gekommene Fischer-RandomSchach (benannt nach dem extravaganten und kürzlich verstorbenen amerikanischen Schachweltmeister Robert James Fischer). Es wird ebenfalls «Chess960» genannt, weil es bei der Auslosung der Startpositionen 960 verschiedene mögliche Figurenanordnungen gibt. Fischer wollte mit dieser Form Partievorbereitungen seiner Gegner und frühe Remisvereinbarungen bekämpfen. Bevor eine Partie beginnt, werden die Bauern wie gewohnt auf die 2. und 7. Reihe gestellt. Die Positionen der Figuren werden nun ausgelost und es wird so gelost, dass es 2 verschiedenfarbige Läufer gibt. Um die Chancengleichheit beider Parteien zu wahren, erhält Schwarz die spiegelbildliche Grundstellung. Beachtet werden muss ebenfalls, dass je ein Turm links und rechts des Königs zu stehen kommt, damit eine Rochade möglich ist. Dabei kann es vorkommen, dass

König und Turm je einen Zug machen, nur der König zieht, König und Turm die Plätze wechseln, nur der Turm zieht oder sogar auf den Feldern a 1, b 1, e 1 und h 1 noch Figuren stehen. Alle anderen Spielregeln sind wie beim herkömmlichen Schach. Partnerschach Zum Schluss soll noch eine Form erwähnt werden, die auch ihren speziellen Reiz besitzt, gilt es doch beim Partnerschach, die Ideen und Pläne seines Partners mit den eigenen zu koordinieren und auf dem Brett zu verwirklichen. Gespielt wird hier ebenfalls – wie beim Tandem-Schach – mit Zweier-Teams, wobei aber die eine Mannschaft mit den weissen die andere mit den schwarzen Steinen spielt. Gezogen wird abwechslungsweise, d. h. ein Spieler eines Teams «überspringt» immer einen Zug, der dann von seinem Partner gespielt wird. Es gilt auch bei dieser Form, dass man sich nicht besprechen darf.

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Ideen für den Deutschunterricht Vom Kriminalroman bis zur Erlkönigparodie – das Schachspiel ist Thema in verschiedenen literarischen Erzeugnissen, die in der Schule gelesen und mit denen gearbeitet werden kann.

Anmerkung: Auf der Homepage wird eine mögliche Mattsetzung des schwarzen Königs gezeigt, wie sie in diesem Gedicht geschildert wird.

Gedicht: «Ein Mensch» von Eugen Roth (1895–1976) Mit der Formel «Ein Mensch… » beginnen die Gedichte in den heiter-philosophischen Versbüchern, mit denen der Münchner Schriftsteller Eugen Roth Millionenauflagen erzielte. Das Allzumenschliche war Roths Thema. Verskomik und Wortspiele waren die Mittel, mit denen er sanfte Kritik an alltäglichen Verhaltensmustern übte. In seinem Werk «Ein Mensch» (Duncker Verlag Weimar) ist das Gedicht «Die Meister»

enthalten, das sich mit dem Schachspiel auseinandersetzt: Ein Mensch sitzt da, ein schläfrig trüber, Ein andrer döst ihm gegenüber. Sie reden nichts, sie stieren stumm. Mein Gott, denkst du, sind die zwei dumm! Der eine brummt, wie nebenbei, Ganz langsam: Turm c sechs c zwei. Der andere wird allmählich wach. Und knurrt: Dame a drei g drei Schach! Der erste, weiter nicht erregt, Starrt vor sich hin und überlegt. Dann plötzlich, vor Erstaunen platt, Seufzt er ein einzig Wörtlein: matt! Und die du hieltst für niedre Geister, Erkennst du jetzt als hohe Meister!

Roman: «Die Schach­ spielerin» von Bertina Henrichs (*1966)

Anmerkung: Auf der Homepage

Die in Frankfurt am Main geborene Autorin studierte Literatur- und Filmwissenschaft und lebt heute in Paris, wo sie als Filmemacherin arbeitet. 2005 schrieb sie ihren ersten Roman «Die Schachspielerin». Zum Inhalt: Als Szenerie dient die griechische Insel Naxos. Die Hauptperson ist das Zimmermädchen Eleni. Bei ihrer täglichen Arbeit in einem Hotel stösst sie im Zimmer eines französischen Ehepaares an ein Schachbrett mit einer unvollendeten Partie. Eine Figur purzelt zu Boden, Eleni stellt sie neben das Brett. Mit der betrüblichen Erkenntnis, ein geistiges Tête-à-tête gestört und eine Zauberkraft der Logik erahnt, aber nicht begriffen zu haben. Ein Wunsch, der alle Konventionen ihres bisherigen Lebens sprengt, beginnt zu reifen. Erst wird der Ehemann Panos, Automechaniker, als Lernpartner auserkoren. Sie schenkt ihm einen Schachcomputer, der allerdings bei ihm keinerlei Interesse auslöst, womit

werden hierzu konkrete Beispiele gezeigt.

Anmerkung: Der Roman wurde im Jahre 2009 mit Sandrine Bonnaire und

nur der Weg der Selbsterkenntnis bleibt. Ihr ehemaliger Lehrer unterstützt bei heimlichen Treffen ihr Üben, Lehrbücher geben Ideen grosser Meister preis und der Computer – in der Tiefkühltruhe gut vor der Familie versteckt – versüsst die nachmittägliche Langeweile. Der Alltag gerät plötzlich aus den Fugen: Ehekrach, Unverständnis der beiden Kinder, Missachtung durch die Dorfgemeinschaft, Getratsche über ihre plötzliche Verrücktheit. Aber nichts bringt Eleni davon ab, in die Tiefen des Schachspiels vorzudringen. Schliesslich soll ihre Spielleidenschaft auf eine grosse Probe gestellt werden durch die Teilnahme an einem Schachturnier in der Hauptstadt. Die Reise nach Athen wird für Eleni der endgültige Schritt zur Emanzipation. Dies erkennt als erster ihr Trainingspartner, der ihr als ausgebildeter Apotheker nach und nach Respekt zollt. Auch daheim schlägt die Stimmung um, so dass das Abenteuer einen Ausweg nimmt, der mit verkrustetem Traditionsdenken nicht möglich wäre. Obwohl einige «schachtechnische Mängel» im Buch auftauchen – zum Beispiel, dass Fernschach nicht mit dem Telefon gespielt wird, dass bei einem Angriff auf den schwarzen König die weissen Figuren nicht auf der siebten und achten Diagonalen ankommen, sondern auf der siebten und achten Reihe oder dass bei der Bauernumwandlung neben Dame, Turm und Springer auch ein Läufer möglich ist – besticht die Autorin durch gute Schachkenntnisse, was sich zum Beispiel in den Bezeichnungen der Eröffnungen und Verteidigungen zeigt.

Kevin Kline erfolgreich verfilmt. Siehe hierzu die Angaben zur DVD im

Henrichs äussert sich über die wenigen im Schach auftauchenden Frauen (Seite 84):

Literaturverzeichnis. Auf der Homepage sind Fragebögen aufgeführt, mit denen dieser Roman in Schulklassen ausgewertet werden kann.

«… Das Schachspiel verlangte allerdings so viel Konzentration, dass sie darüber ihre Einsamkeit vergass. Ob künftige Meisterin oder verirrte Hochstaplerin, sie konnte nichts halb machen. Das Universum der vierundsechzig Felder verlangte nach absoluter Unterwerfung. Eleni kommunizierte auf geheimnisvolle

Weise mit den grossen Erfindern der Partien. Jeder von ihnen schien ihr die Lösungen für ihre Probleme einflüstern zu wollen. Über Epochen hinweg schienen sie miteinander zu diskutieren, bestimmte Themen je nach Temperament zu untermauern oder abzulehnen. Diese Zänkereien nisteten sich in Elenis Kopf ein. Sie wusste, dass sie all diese Herren davonjagen musste, um einem Gegner mit klarem Kopf entgegen zu treten, aber sie fühlte sich schwach, eine formbare Puppe in den Händen der grossen, legendären Schmiede. In so einer Nacht des Kampfes wurde ihr bewusst, dass alle grossen Theoretiker Männer waren. Sie hatte noch nie von einer bedeutenden Schachspielerin gehört. Das Genie des Schachbretts sass offenbar irgendwo in den Hoden. Sicher nicht in denen von Panos, wohl aber in denen der Meister. Und trotzdem herrschte nicht der König über die Partie, ebenso wenig wie der Turm, der Springer oder die Dame. Nur im Zusammenspiel erhielten die Figuren ihre Bedeutung. Der Bauer war die Basis des Spiels, der kleine gehorsame Soldat, der geradewegs auf sein einziges Ziel zumarschierte: der Blockade der feindlichen Armee oder dem gesellschaftlichen Aufstieg. Er konnte zur Dame, zum Turm oder Springer werden, je nach Bedarf im Spiel. Wenn der Bauer die Seele des Spiels war, wie Philidor behauptete, so war die Dame das Herz. Irgendwo zwischen dem Bauern und der Dame, dem Schwächsten und der Stärksten, zwischen Beharrlichkeit und Macht gab es einen Platz, den Eleni einnehmen konnte. Daran musste sie sich halten. Wenn es ihr gelang, das Spiel mit ihrer eigenen Fantasie zu beleben, konnte sie gewinnen. Das Feld der abstrakten Beziehungen zu verlassen und sich die Psyche dieser Figuren zu Eigen zu machen, war der einzige Weg, den Sieg davonzutragen. Aber sobald sie wieder vor dem Schachbrett sass, gegenüber von Kouros, dessen Besorgnis sie instinktiv wahrnahm, kehrten die Meister des Scharfsinns und der Belehrung zurück und machten ihr das Leben schwer…»

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Kriminalroman: «Die grossen Vier» von Agatha Mary Clarissa Christie (1891 – 1976) Die englische Schriftstellerin war eine der erfolgreichsten Kriminalautorinnen des 20. Jahrhunderts. Als Standardfiguren benützte sie für die meisten ihrer Romane den belgischen Kriminalisten Hercule Poirot oder die altjungferlichgescheite Miss Marple. Im Kapitel 11 aus «Die grossen Vier» muss sich ihr Held Hercule Poirot intensiv mit dem Schachspiel auseinandersetzen (Seiten 93 und 94): «‹Mein Freund, Sie befinden sich in einem grossen Irrtum. Die grösste Macht, das grösste Übel, welches heute auf der Welt existiert, das sind die grossen Vier. Was sie beabsichtigen, weiss niemand, aber noch nie hat es eine derartige Verbrecherorganisation gegeben. Ihr intelligentester Kopf hat in China die Leitung, ferner gibt es noch einen amerikanischen Millionär, eine Französin, übrigens eine wissenschaftliche Kapazität, und – was den vierten betrifft – › Japp unterbrach ihn. ‹Ich weiss, ich bin völlig im Bilde. Das ist nun einmal Ihr Steckenpferd. Nach und nach wird Ihnen diese Angelegenheit zur Manie, Monsieur Poirot. Aber lassen Sie uns das Gesprächsthema wechseln. Interessieren Sie sich für Schach?› Anmerkung: Auf der Homepage gibt es Informationen zu den Schach Eröffnungen. Die erwähnte «Ruy LopezEröffnung» wird auch noch in der heutigen Turnierpraxis oft gespielt, ist aber unter der Bezeichnung «Spanische Partie» geläufig.

RrstuvwxyS 8m8 7ggmgg7 6#mmMmMm6 5mmMMmM5 4MmMmGmMm4 3mMmMmmM3 2GAGAMAGA2 1Mm1 TrstuvwxyU

Parodie: «Erlkönig» von Eduard Vollmar (* 1935):

‹Ja, ich habe zuweilen Schach gespielt.› ‹Haben Sie denn gestern das merkwürdige Spiel mit angesehen? Ein Meisterschaftsspiel zwischen zwei weltbekannten Grössen, einer davon ist während des Spiels gestorben.› ‹Ich habe etwas darüber gelesen. Dr. Savaronoff, der russische Meister, war einer der Spieler, und der andere, der einem Herzschlag erlegen ist, war ein flotter junger Amerikaner namens Gilmour Wilson.› ‹Ganz recht. Savaronoff schlug vor einigen Jahren Rubinstein und wurde Weltmeister. Von Wilson behauptet man, er sei ein zweiter Capablanca.› ‹Ein sehr merkwürdiger Fall›, bemerkte Poirot gedankenvoll. ‹Wenn ich nicht irre, haben Sie also Interesse an der Sache?› Japp stiess ein verlegenes Lachen aus. ‹Sie haben es erraten, Monsieur Poirot. Es bedeutet für mich ein Problem. Wilson war gesund wie ein Fisch im Wasser, keine Spur eines Herzleidens. Sein Tod gibt uns Rätsel auf.› ‹Verdächtigen Sie etwa Dr. Savaronoff, ihn aus dem Wege geräumt zu haben?› rief ich. ‹Kaum›, sagte Japp trocken. ‹Ich glaube, dass nicht einmal ein Russe seinen Rivalen beseitigen würde, nur um im Schach nicht zu unterliegen; jedenfalls, soweit ich feststellen konnte, war Savaronoff der Favorit – man sagt, nur Lasker sei ihm überlegen.› Poirot nickte gedankenverloren …»

Der Schweizer Chemiker Eduard Vollmar verbindet in seinem Buch «Schachparodien (von Goethe bis Brecht)» (1986) seine Liebe zu Schachspiel und Poesie, indem er in geschickter und amüsanter Art und Weise bekannte Gedichte der Weltliteratur mit Ausdrücken und Formulierungen aus der heutigen Zeit und der Welt des Schachspiels kombiniert. Als Beispiel soll das Gedicht «Erlkönig» von Johann Wolfgang Goethe (Seite 11) gezeigt werden:

der Homepage findet man eine mögliche Mattsetzung, die sich auf die erwähnten Züge in dieser Parodie bezieht und eine

«Hör einmal zu, mein Freund. Dies sind die Ruy Lopez-Anfangszüge: 1. e4 e5, 2. Sf3 Sc6, 3. Lb5 – sodann wird hier die Frage erörtert, welches der beste dritte Zug für Schwarz sei, man hat die Wahl über verschiedene Gegenzüge. Es war der dritte Zug von Weiss, der Gilmour Wilson tötete. 3. Lb5, einzig und allein der dritte Zug – sagt dir das nichts?»

Wer sitzt noch so spät vor dem Brett und denkt? Es ist der Meister, vom Gegner bedrängt. Er hat noch die Dame, den König und Turm und erwartet des Gegners entscheidenden Sturm. «Mein König, was birgst du so bang dein Gesicht?» «Siehst Vater du den Mattzug nicht? Den Zug, der so grausam uns unterjocht!» «Mein König, es wird nicht so heiss gekocht!» Den lockt in die Falle der Gegner geschwind, er ist schon vom Kampfe ermüdet und blind. Er sieht nicht den Springer, er fühlt nur die Not und ahnet das tödliche Schachgebot.

Anmerkung: Auf

Auf den Seiten 95, 97, 100, 102, 103, 104, 107 und 108 sind weitere Bezüge zum Schachspiel zu finden, die hier aus Platzgründen nicht ausformuliert werden. Zitiert wird noch von Seite 105:

Erlkönig

Gegenüberstellung mit dem Original.

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«Mein Vater, mein Vater, jetzt macht er den Zug!» «Mein König, es ist doch nur fauler Betrug! Ich hab ihm ja eben die Dame geraubt.» Doch der König ächzt müde und senkt sein Haupt. Dem Meister grausets, er zieht noch geschwind, obgleich er dem Abgrund nicht mehr entrinnt. Er glaubt, er erreiche das rettende Patt, doch wehe, o weh, sein König ist matt.

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Kurzgeschichte: «Der Schachspieler» von Friedrich Dürrenmatt (1921 – 1990) Dürrematts Liebe zum Schachspiel offenbart sich in vielen seiner Werke. Eine spezielle Äusserung hört man in der Verfilmung zu «Der Richter und sein Henker», wo man ihn in einer Nebenrolle an einem Schachbrett sieht: «Ich bin der einzige Mensch, der auf meinem Niveau spielt», sagt Dürrenmatt, als er gefragt wird, warum er mit sich selber Schach spiele. «Sind Sie so gut?» – «Nein, so schlecht.» – «Und wer gewinnt?» – «Immer der andere.» Dürrenmatt, selbst ein passionierter Schachspieler, wies dem königlichen Spiel in seinem Schaffen etliche Rollen zu. So zeigt seine Skizze «Im Jenseits» eine Welt mit Schachbrettmustern. Unerkannte Verbrechen Die Kurzgeschichte «Der Schachspieler» wurde erstmals postum in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» veröffentlicht (5. September 1998). Im düsteren Prosastück erheben sich die beiden Protagonisten zu übermenschlichen Instanzen. Sie spielen um das Leben ihrer Nächsten und unwillkürlich erinnert man sich hier an die schaurige Wette in «Der Richter und sein Henker» (Seite 67): Gastmann sagt dort zu Kommissar Bärlach: «… Ein Verbrechen zu begehen nanntest du eine Dummheit, weil es unmöglich sei, mit Menschen wie mit Schachfiguren zu operieren. Ich dagegen stelle die These auf, mehr, um zu widersprechen als überzeugt, dass gerade die Verworrenheit der menschlichen Beziehungen es möglich mache, Verbrechen zu begehen, die nicht erkannt werden könnten,

dass aus diesem Grunde die überaus grösste Anzahl der Verbrechen nicht nur ungeahndet, sondern auch ungeahnt seien, also nur im Verborgenen geschehen… » Dürrenmatts Ansichten über das Schachspiel sind am eindrücklichsten in seinem Vortrag «Albert Einstein» von 1979 aus dem Band 7 der Gesammelten Werke (1991) Seite 733 ff aus dem Diogenes Verlag AG Zürich nachzulesen, wo er das Weltgeschehen als ein Schachspiel beschreibt (Siehe Auszug auf der Homepage).

Anmerkung: Auf der Homepage wird kurz beschrieben, wie die in dieser Kurzgeschichte

Zum Inhalt Ein junger Staatsanwalt geht zur Beerdigung seines Vorgängers und lernt einen Richter kennen, den Freund des verstorbenen Staatsanwalts. Während die beiden hinter dem Leichenzug dahin schreiten, erzählt der Richter, er habe jeden Monat einmal mit dem Verstorbenen Schach gespielt. Auch der Staatsanwalt ist Schachliebhaber. Der Richter will den Staatsanwalt auch zu einer Schachpartie einladen. Dieser nimmt die Einladung an. Bevor das Spiel beginnt, macht der alte Richter dem Staatsanwalt ein Geständnis. Es sei zwanzig Jahre her, dass er den verstorbenen Staatsanwalt kennen gelernt habe, und zwar anlässlich der Beerdigung des Richters, dessen Nachfolger er geworden sei. Auch der eben verstorbene Staatsanwalt habe mit dem vor zwanzig Jahren verstorbenen Richter monatlich eine Schachpartie durchgeführt, und zwar eine ganz besondere: Die Schachfiguren bedeuteten bestimmte Personen. Die Dame hatte die Person zu sein, die dem Spieler am nächsten stand. Von beiden Spielern wurden die Läufer mit befreundeten Pastoren oder Lehrern, die Springer mit Rechtsanwälten oder Offizieren, die Türme mit Industriellen oder Politikern gleichgesetzt; die Bauern stellten einfache Bürger dar, Dienstmädchen oder den Milchmann. Die Regel des Schachspiels bestand darin, dass jeder Spieler, verlor er eine Figur, den Men-

erwähnte Thematik der «Opfer» (Bauernopfer, Damenopfer, Königsmord) auch einen politischen Bezug haben kann.

Der Schweizer Dramatiker, Essayist, Erzähler und Hörspielautor Dürrenmatt wollte auf gesellschaftliche und moralische Widersprüche hinweisen und sein Publikum zur kritischen Reflexion bewegen.

schen, der durch diese Figur dargestellt wurde, töten musste. Das Spiel konnte erst wieder aufgenommen werden, wenn der Mord ausgeführt worden war. Wer schachmatt gesetzt wurde, musste sich das Leben nehmen, was dazu führte, dass ein Spiel Jahrzehnte dauerte. So hatte der alte Staatsanwalt mit dem Vorgänger des alten Richters fünfzehn Jahre lang gespielt, bis er diesen mattsetzen konnte, hatte allerdings vorher – wie auch sein Gegner – seine Frau ermorden müssen. Wer das Spiel erfunden hatte, war nicht auszumachen. Der Erklärung des alten Staatsanwalts sei eine Beichte der Morde erfolgt, die dieser mit dem verstorbenen Richter begangen hätte. Seine erste Reaktion, fährt der alte Richter fort, sei gewesen, den Vorgänger des jetzigen Staatsanwalts zu verhaften. Dann habe er der Versuchung nicht widerstehen können, mit dem Staatsanwalt ein neues Spiel zu beginnen. Durch das Schachspiel hätten sie über

bestimmte Personen die Macht von Göttern bekommen. Zwanzig Jahre hätten sie gespielt, es sei entsetzlich, gleichzeitig gewaltig gewesen, wenn man eine Figur habe opfern müssen. Nie vergesse er den Tag, wo er – um sich vor dem Schachmatt zu retten – seine eigene Gattin habe hergeben müssen – bis sich der alte Staatsanwalt, schachmatt gesetzt, hätte das Leben nehmen müssen. Die Morde seien nie entdeckt worden, denn niemand hätte dahinter ein so ausgefallenes Motiv wie ein Schachspiel vermuten können. «Sie können mich verhaften», sagt der Richter. Der junge Staatsanwalt denkt nach, greift nachdenklich zu den Figuren und stellt die Dame auf ihren Platz. «Ich setze meine Frau», sagt er. Der alte Richter entgegnet: «Ich setze meine Tochter», und stellt seine Dame aufs Spielbrett.

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Schreibtisch gefunden, bald veröffentlicht und weltbekannt.

In der «Schachnovelle» spielt der Protagonist Blindpartien gegen sich selber. Zum Glück hat

Novelle: «Schachnovelle» von Stefan Zweig (1881 – 1942):

dieses Mädchen einen Gegner. Man sieht ihn zwar auf dem Bild nicht. Aber man ahnt, dass er mit einem kühnen Angriff rechnen muss.

Der österreichische Schriftsteller Zweig, der 1938 wegen des aufkommenden Nationalsozialismus nach Grossbritannien emigrierte und 1940 über New York ins brasilianische Exil floh, wo er 1942 Selbstmord beging, wurde durch Werke wie «Brennendes Geheimnis» (1911), «Amok» (1922), «Sternstunden der Menschheit» und «Verwirrung der Gefühle» (1927), «Baumeister der Welt» und «Ungeduld des Herzens» (1938) und «Die Welt von gestern» (1942, postum veröffentlicht) weltberühmt. Die «Schachnovelle» wurde unmittelbar nach dem Selbstmord von Zweig auf seinem

Zum Inhalt der Schachnovelle Die Hauptpersonen der «Schachnovelle» sind der Schachweltmeister Mirko Czentovic und Dr. B., die auf einem Ozeandampfer eine Beratungspartie gegeneinander austragen. Die Sympathien von Zweig liegen bei Dr. B., einem Juristen, der durch die Besetzung Österreichs durch die Nazis in deutsche Gefangenschaft geraten war. Um an wichtige Informationen zu gelangen, wollten die Deutschen ihn zermürben und isolierten ihn in einem Zimmer von der Aussenwelt. Der Tortur nicht gewachsen, will Dr. B. aufgeben. Im Moment totaler Verzweiflung gerät ihm beim Gang zu einem Verhör zufällig ein Schachbuch in die Hände. Wille und Intellekt helfen ihm, sich die Regeln dieses bis anhin für ihn unbekannten Spiels anzueignen.Aus den Fetzen seines karierten Betttuchs bastelt er ein «Schachbrett», die Figuren formt er aus Brot. Schliesslich gelingt es ihm, alle 150 Partien des Buches nachzuspielen, sie auswendig zu lernen und bald Blindpartien gegen sich selber zu spielen. Diese geistige Betätigung hilft ihm, Mut zu fassen und in den Verhören bis zuletzt Widerstand zu leisten, obwohl er bald geistig verwirrt und dem Irrsinn nahe ist. Die Partie gegen Czentovic auf dem Ozeandampfer verlief analog zu der Begegnung zwischen Aljechin und Bogoljubow in Pistyan 1922, die im erwähnten Schachbuch festgehalten war. Feiner Schachkenner In seinen lyrischen Abschweifungen erweist sich Zweig als Anhänger und feiner Kenner der Schachkunst, äussert er sich doch in der «Schachnovelle» so (Seiten 21 und 22): «Ich wusste wohl aus eigener Erfahrung um die geheimnisvolle Attraktion des ‹königlichen Spiels›, dieses einzigen unter allen Spielen, die der Mensch ersonnen, das sich souverän jeder Tyrannis des Zufalls entzieht und seine Siegespalmen einzig dem Geist oder vielmehr einer bestimmten Form geistiger

Anmerkung: Auf der Homepage ist die Zugfolge erwähnt, die zum Remisschluss führt. Möglichkeiten zu einer Nachbearbeitung in Schulklassen werden ebenfalls gezeigt.

Begabung zuteilt. Aber macht man sich nicht bereits einer beleidigenden Einschränkung schuldig, indem man Schach ein Spiel nennt? Ist es nicht auch eine Wissenschaft, eine Kunst, schwebend zwischen diesen Kategorien wie der Sarg Mohammeds zwischen Himmel und Erde, eine einmalige Bindung aller Gegensatzpaare; uralt und doch ewig neu, mechanisch in der Anlage und doch nur wirksam durch Phantasie, begrenzt in geometrisch starrem Raum und dabei unbegrenzt in seinen Kombinationen, ständig sich entwickelnd und doch steril, ein Denken, das zu nichts führt, eine Mathematik, die nichts errechnet, eine Kunst ohne Werke, eine Architektur ohne Substanz und nichts desto minder erwiesenermassen dauerhafter in seinem Sein und Dasein als alle Bücher und Werke, das einzige Spiel, das allen Völkern und allen Zeiten zugehört und von dem niemand weiss, welcher Gott es auf die Erde gebracht, um die Langeweile zu töten, die Sinne zu schärfen, die Seele zu spannen. Wo ist bei ihm Anfang und wo das Ende? Jedes Kind kann seine ersten Regeln erlernen, jeder Stümper sich in ihm versuchen, und doch vermag es innerhalb dieses unveränderbar engen Quadrats eine besondere Spezies von Meistern zu erzeugen, unvergleichbar allen anderen, Menschen mit einer einzig dem Schach zu bestimmten Begabung, spezifische Genies, in denen Vision, Geduld und Technik in einer ebenso genau bestimmten Vertei-

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RrstuvwxyS 8#m#mMmMm8 7m#mMmMmM7 6#mMmMmm6 5mMmMmMmM5 4MmMmMmMm4 3mMmMmMmM3 2mMmMmMm2 1MMmMmM1 TrstuvwxyU lung wirksam sind wie im Mathematiker, im Musiker, und nur in anderer Schichtung und Bindung.» Freund und Fachmann Ernst Feder hatte Zweig am Tage vor dessen Freitod zu einer Schachpartie eingeladen und hielt später in «Begegnungen» (1950) fest (Seite 45): «Ich machte diese Anregung, weil ich dachte, das Spiel, das er so liebte, würde ihn von seinen düsteren Gedanken ablenken. An sich war es kein Vergnügen, sein Gegner am schwarz-weissen Brett zu sein. Ich bin ein schwacher Spieler, aber seine Kenntnisse dieser Kunst waren so gering, dass es mich Mühe kostete, ihn gelegentlich eine Partie gewinnen zu lassen.» Kurz vorher hatte Zweig das Manuskript der Schachnovelle an Ernst Feder gesandt mit der Bitte, als «doppelter Fachmann der beiden Künste, der schachlichen und literarischen», ihm alle Einwände gegen diese Novelle zu nennen, die «in unkorrigiertem und noch lange nicht zu Ende geführtem Zustand sei». Die Novelle wurde 1960 mit Curd Jürgens, Mario Adorf und Hansjörg Felmy verfilmt. Siehe hierzu die Angaben zur DVD im Literaturverzeichnis.

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Märchen: «Der Knabe mit den Karos im Kopf» von Richard Reich (* 1961): Der Schweizer Journalist Richard Reich verfasste für das «NZZ FOLIO Nr. 1 / 2007» das folgende Sportmärchen mit dem Titel «Der Knabe mit den Karos im Kopf» (Seite 13): «Es lebte einst ein Knabe, der war der Stolz seiner Eltern. Er war schnurgerade gewachsen und auch sonst ordentlich anzusehen. Er hatte festes Haar, eine gute Haut und ehrliche Augen. Er war liebenswürdig und hilfsbereit. Er war ernsthaft und doch nicht verbissen. Er war anspruchsvoll, aber nur gegen sich selber. Denn dieser Junge war von einer Intelligenz, die manchmal schmerzte. Kaum auf der Welt, konnte der Knabe rascher zählen als Vater und Mutter. Kaum im Kinder-garten rechnete er schneller als die Gymnasiallehrer, in deren Lektionen er sich dereinst langweilen sollte. Kaum im Gymnasium, wusste der Junge erst recht nicht mehr, wohin mit seiner Intelligenz. Sein heisser Kopf vibrierte wie ein Kochtopf, dessen Inhalt niemand abzu-schöpfen wusste – nicht seine Eltern, die ihn mehr bewunderten als betreuten; nicht seine Lehrer, für die er kein Kind war, sondern ein Problem; nicht die Schulkameraden, die er abstiess wie Ölzeug das Wasser. Auch sonst hatte der Bub seine Eigenheiten, zum Beispiel ging er andauernd aufs Klo. Wann genau er damit begonnen hatte, wusste niemand zu sagen. Jedenfalls sass der Junge eines Tages wie selbstverständlich in der Schulbank, die sich am nächsten bei der Zimmertür befand. Von diesem Platz aus blickte er während des ganzen Unterrichts ohne Unterbruch auf die Wandtafel. Er tat das auch, wenn es dort nichts zu lesen gab. Wurde er aufgerufen, sagte er immer das Richtige, und nach jeder korrekten Antwort erhob er sich, um zur Toilette zu gehen. In Mathematik- oder Physikstunden konnte das

alle fünf Minuten vorkommen. Falls ihn einer der Lehrer auf sein ungewöhnliches Verhalten ansprach, sagte er nur: ‹Mir ist heiss.› Und darauf ging er ohne weiteres aus dem Zimmer. Obwohl der Knabe im Lauf der Zeit immer seltener befragt oder überhaupt angesprochen wurde, verliess er das Schulzimmer immer öfter. Bald verbrachte er ganze Lektionen auf der Toilette. Dadurch verpasste er Prüfungen, erhielt ungenügende Zensuren sowie schlechte Betragensnoten. Aber der Knabe nahm das nicht zur Kenntnis. Er fühlte sich wohl in der Schulhaustoilette. Dort war es zu allen Jahreszeiten kühl, man blieb meistens ungestört, und der Geruch der verschiedenen Lösungs- und Reinigungsmittel hatte etwas Beruhigendes. Der Boden war so blank gebohnert, dass man bedenkenlos eine heisse Wange, eine glühende Stirn auf die kalten Kacheln legen konnte. Diese Kacheln waren von quadratischer Form und in einem Karomuster ausgelegt, immer abwechselnd schwarz und weiss. Am Fenster hatte es einen niedrigen, kaputten Heizkörper. Dort sass der Knabe und wartete, dass der Tag, dass der Unterricht, dass das Leben vorüberging. Während er wartete, starrte er mit gesenktem Kopf auf die Karos und spielte Schach. Das Spielfeld wurde von acht mal acht Kacheln gebildet, die den Boden zwischen Heizkörper und Waschbecken bedeckten. Mehr brauchte der Knabe nicht. Er bedurfte keiner Holz- oder Elfenbeinfiguren und auch keines Gegenspielers. Mit halb geschlossenen Augen schob er in hohem Tempo unsichtbare Bauern, fliegende Pferde und schwebende Königinnen umher. Ebenso mühelos wechselte er zwischen zwei Zügen im Geiste die Seiten. Das Resultat blieb das gleiche: jede Partie endete unentschieden. Eines Tages ging der Knabe überhaupt nicht mehr ins Klassenzimmer, sondern suchte gleich nach dem ersten Läuten die Schülertoilette auf; noch in derselben Woche flog er vom Gymna-sium. Statt nach Hause ging

der Knabe nun ins städtische Hallenbad. Dort schloss er sich in die Toilette ein und legte seinen kochenden Kopf auf die hellblauen, nach Chlor und Javel-wasser duftenden Kacheln. Eine Stunde blieb er reglos liegen. Dann ging er zum Bahnhof, fuhr in die Hauptstadt und wurde Schachweltmeister.» Kommentar Reich nimmt in seinem Märchen Bezug auf den Schach-Weltmeisterschaftskampf vom Oktober 2006 in Elista / Kalmückien, wo der Russe Wladimir Kramnik den Bulgaren Weselin Topalov als Titelverteidiger besiegte und damit neuer Schachweltmeister wurde. Im Laufe des Wettkampfs suchte Kramnik derart häufig die Toilette auf, dass sein entnervter Gegner – erfolglos – Protest einlegte. Er äusserte

Illustration: Markus Roost. Mit freundlicher Genehmigung von NZZ Folio.

die Vermutung, dass Kramnik elektronische Hilfsmittel in Anspruch nehme, obwohl zuvor alle Aufenthaltsorte im Turniergebäude akribisch mit Metalldetektoren abgesucht worden waren. Auf dem Höhepunkt der Affäre schaltete sich sogar der russische Präsident Putin persönlich ein, um den Wettkampf vor dem Abbruch zu retten. Zum Präsidenten der FIDE (Fédération internationale des échecs), Iljumschimow, der Präsident der russischen Teilrepublik ist (und damit wohl ein direkter «Untergebener» des russischen Präsidenten), soll Putin gesagt haben: «Das kann doch nicht sein, dass sich zwei so intelligente Leute über Toiletten streiten!» (Zitiert aus einem Interview im «Schach Magazin 64» Nr. 24 / 2006)

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Potters niederzuschreiben. Sie verschickte das Manuskript ihres ersten Buches ab 1995 an mehrere Verlage. Der erste Band «Harry Potter und der Stein der Weisen» kam 1997 heraus. Harry Potter kommt darin als Zauberlehrling an die Hogwarts-Zauberschule und erfährt nicht nur alles über seine wahre Vergangenheit, sondern sieht sich auch erstmals mit den Mächten des Bösen konfrontiert. Von Schachmenschen Es gibt einige Stellen, wo das Schachspiel erwähnt wird (Seite 217):

Die phantastische Erzählung wurde im Jahre 2001 mit Daniel Radcliffe, Rupert Grint und Emma

Die Mächte des Bösen schrecken ab und faszinieren gleichzeitig. Bei Harry Potter begegnet man ihnen immer wieder. Weshalb nicht auch in der Schule?

Phantastische Erzählung: «Harry Potter und der Stein der Weisen» von Joanne Kathleen Rowling (* 1965): Die walisische Schriftstellerin J. K. Rowling schuf mit dem Zauberlehrling Harry Potter eine auf der ganzen Welt begeisternde Identifikationsfigur. Nach dem Studium arbeitete sie als Englisch- und Französischlehrerin in Paris und Portugal. Später arbeitslos und von der Sozialhilfe abhängig, begann die allein erziehende Mutter in Edinburgh, die seit etwa 1992 gedanklich entwickelte Geschichte Harry

Ron brachte Harry auch Zauberschach bei. Das ging genauso wie Muggelschach, ausser dass die Figuren lebten, und so war es fast das Gleiche, wie Truppen in eine Schlacht zu führen. Wie alles andere, das Ron besass, hatte es einst jemandem aus seiner Familie gehört – in diesem Fall seinem Grossvater. Allerdings waren die alten Schachmenschen überhaupt kein Nachteil. Ron kannte sie so gut, dass er sie immer mühelos dazu bringen konnte, genau das zu tun, was er wollte. Harry spielte mit Schachmenschen, die ihm Seamus Finnigan geliehen hatte, und die trauten ihm überhaupt nicht. Er war noch kein guter Spieler und sie riefen ihm ständig Ratschläge zu, allerdings widersprüchliche, was ihn heftig verwirrte: «Schick mich ja nicht dorthin, siehst du denn nicht seinen Springer? Schick doch den da, auf den können wir verzichten.»

Watson erfolgreich verfilmt. Siehe hierzu die Angaben zur DVD im Literaturverzeichnis.

Textauszug auf Seite 306: «Harry und Hermine sahen schweigend zu, wie Ron nachdachte. Schliesslich sagte er: ‹Hört mal, seid nicht beleidigt, aber keiner von euch beiden ist besonders gut im Schach.› ‹Wir sind nicht beleidigt,› sagte

Eine mögliche Mattsetzung, wie sie hier geschildert wird:

Harry rasch. «Sag uns einfach, was wir tun sollen.› ‹Gut. Harry, du nimmst den Platz dieses Läufers ein, und Hermine, du stellst dich neben ihn an die Stelle dieses Turms.› ‹Was ist mit dir?› ‹Ich bin ein Springer›, sagte Ron. Die Schachfiguren hatten offenbar zugehört, denn in diesem Augenblick kehrten ein Springer, ein Läufer und ein Turm den weissen Figuren den Rücken und schritten vom Platz. Sie liessen drei leere Quadrate zurück, auf denen Harry, Ron und Hermine ihre Plätze einnahmen. ‹Weiss zieht im Schach immer zuerst›, sagte Ron und spähte über das Brett. ‹Ja … schaut …›. Ein weisser Bauer war zwei Felder vorgerückt. Ron begann die schwarzen Figuren zu führen. Wo immer er sie hinschickte, sie rückten schweigend auf ihre Plätze. Harry zitterten die Knie. Was, wenn sie verloren? ‹Harry, rück vier Felder schräg nach rechts.› Richtig mit der Angst zu tun bekamen sie es erst, als der andere Springer geschlagen wurde. Die weisse Dame schlug ihn zu Boden und schleifte ihn vom Brett, wo er mit dem Gesicht nach unten bewegungslos liegen blieb. ‹Ich musste das zulassen›, sagte Ron erschüttert. ‹Deshalb kannst du jetzt diesen Läufer schlagen, Hermine, geh los.› Wenn die Weissen eine ihrer Figuren schlagen

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konnten, zeigten sie niemals Gnade. Nach kurzer Zeit lagen haufenweise übereinander gekrümmte schwarze Spieler entlang der Wand. Zweimal bemerkte Ron gerade noch rechtzeitig, dass Harry und Hermine in Gefahr waren. Er selbst jagte auf dem Brett umher und schlug fast so viele weisse Figuren, wie sie schwarze verloren hatten. ‹Wir haben es gleich geschafft›, murmelte er plötzlich. ‹Lasst mich nachdenken … lasst mich nachdenken …› Die weisse Königin wandte ihm ihr leeres Gesicht zu. ‹Ja …›, sagte Ron leise, ‹das ist die einzige Chance … Ich muss geschlagen werden.› ‹NEIN!› riefen Harry und Hermine. ‹So ist es eben im Schach!›, herrschte Ron sie an. ‹Manchmal muss man opfern! Ich springe vor und sie schlägt mich, dann könnt ihr den König schachmatt setzen. Harry!› ‹Aber – ›. ‹Willst du Snape aufhalten oder nicht?› ‹Ron – ›. ‹Hör zu, wenn du dich nicht beeilst, dann ist er mit dem Stein auf und davon!› Darauf gab es nichts mehr zu sagen. ‹Fertig?›, rief Ron mit blassem Gesicht, aber entschlossen. ‹Ich springe, und trödelt nicht, wenn ihr gewonnen habt.› Er sprang vor und die weisse Dame stürzte sich auf ihn. Mit ihrem steinernen Arm schlug sie Ron heftig gegen den Kopf und er brach auf dem Boden zusammen. Hermine schrie, blieb aber auf ihrem Feld. Die weisse Dame schleifte Ron zur Seite. Offenbar hatte sie ihn bewusstlos geschlagen. Harry ging mit zitternden Knien drei Felder nach links. Der weisse König nahm seine Krone ab und warf sie Harry zu Füssen. Sie hatten gewonnen. Die Schachfiguren verbeugten sich zum Abschied und gaben die Tür auf ihrer Seite frei. Mit einem letzten verzweifelten Blick zurück auf Ron stürmten Harry und Hermine durch die Tür und rannten den nächsten Gang entlang.»

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Ideen für den Geschichtsunterricht Hätten Christoph Kolumbus die Neue Welt ohne Schach entdeckt oder Napoleon die halbe Welt unterworfen? Geschichtsunterricht bringt es an den Tag.

Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus (1451 – 1506): Dass sogar die Entdeckung Amerikas dem Schachspiel zu verdanken ist, schildert Edward Lasker (1885 – 1981) in seinem Buch «Schachabenteuer». Er fand im Archiv von Cordoba zwei Briefe von Hernando del Pulgar, dem Biografen von König Ferdinand und Königin Isabella, die vom 2. und 4. Februar 1492 datiert sind. Darin wird geschildert, wie der verärgerte Kolumbus Spanien verlassen wollte – sechs Monate vor seiner ersten Amerikareise – weil Ferdinand sich hartnäckig weigerte, ihm den Admiralstitel zu verleihen. Die Nachricht der bevorstehenden Abreise erreichte den Königshof, als Ferdinand gerade gegen einen seiner ständigen Schachpartner und Lieblingsgegner, Fonseca, am Brett sass. Isabella wurde gebeten, zugunsten von Kolumbus zu intervenieren, wusste aber nur zu gut, dass eine Störung ihres geliebten Gatten beim Schachspiel nicht zu empfehlen war und dass alles von seiner Laune abhing. Ferdinand,

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Die letzten fünf Züge des Königs Ferdinand 1.) T g 8 + T x g 8 2.) T f 8 + T x f 8 3.) e 7 + (Abzugsschach) T f 5 4.) L x f 5 + D e 6 5.) L x e 6 matt!

dessen Stimmung sich bei Niederlagen noch mehr verschlechterte als bei Unterbrechungen, schien indessen hoffnungslos verloren. Er war mit Weiss am Zug. «Plötzlich flüsterte Hernando del Pulgar der Königin ins Ohr: ‹Wenn seine Hoheit richtig spielt, gewinnt er in 5 Zügen.› Ferdinand wollte gerade die falsche Figur ergreifen, als Isabella ihn unterbrach: ‹Wollen Sie nicht gewinnen?› Der König zog die Hand zurück und brütete erneut über der Stellung, bis er die gewinnbringende Abwicklung entdeckte. Er schaute auf, lächelte, zog und siegte – und erfüllte den Wunsch der Königin. Ein Reiter holte den emigrierenden Kolumbus zurück, der sich – dem Schachspiel sei Dank – ein halbes Jahr später aufmachte, um Amerika zu entdecken.» Bei Ferdinands gewinnbringender Kombination spielte übrigens ein neuer, nämlich langschrittiger Läufer die entscheidende Rolle beim Mattsetzen: Lassen wir zum Schluss noch einmal den Hofbiografen Hernando del Pulgar zu Worte kommen, der folgenden Ausspruch Isabellas im Zusammenhang mit der Schachpartie niedergeschrieben hat: «Falls es dem Genueser gelingt, eine Neue Welt zu entdecken, so wie ich erhoffe und ersehne, würde man sagen können, dass der vermeintliche Erfolg sehr beeinflusst worden ist durch die Bewegung eines einfachen Bauern des Schachspiels, der sich mit Präzision Schritt für Schritt vorwärts bewegt.»

Napoleon Bonaparte­ (1769 – 1821) und das Schachspiel Napoleon war ein begeisterter Anhänger des königlichen Spiels. Ob es gezieltes Mittel zum Zweck oder bloss Liebhaberei war, lässt sich nicht mehr feststellen. Seine schachstrategischen Fähigkeiten sollen ihm nach dem Urteil zahlreicher Historiker zu manchem Sieg auf den Schlachtfeldern verholfen haben. Auf jeden Fall waren Schach und Militär für ihn von Beginn weg unzertrennlich verbunden gewesen. Erlernt hatte er das Spiel an der Militärakademie von Paris, die er 1785 als 16 jähriger Artillerieleutnant verliess. Er muss fortan recht stark schachvirusinfiziert gewesen sein, denn im berühmten Café de la Régence, dem Weltschachnabel jener Zeit, war er Stammgast, wann immer es seine Anwesenheit in Paris erlaubte. Und auch später, als er sich die halbe Welt unterwarf, soll selbst auf den Schlachtfeldern von Marengo, Austerlitz, Jena, Smolensk und schliesslich Waterloo stets ein Schachbrett in Griffnähe gewesen sein. Während der Verbannung auf St. Helena versank er mehr und mehr in die Welt des Schachs. Verlieren konnte er nicht Er galt als unbeherrschter Spieler, der nicht gerne verlor. Als er einmal mit seinem Stiefsohn Eugen Beauharnais spielte und auf die Verliererstrasse geriet, warf er den ganzen Tisch um, schlug seinem Gegner ins Gesicht und verliess voller Zorn das Zimmer. Er befand: «Als Spiel ist es zu schwierig, aber nicht seriös genug, um als Wissenschaft oder Kunst zu gelten.» Und gleichwohl bezeugte er: «Das Schachspiel ist unvergleichlich, ein königliches, ein kaiserliches Spiel!» Sein Geheimschreiber Bourienne plauderte einmal aus, dass Napoleon es strikte vermied, sich mit starken Spielern zu messen. Beim englischen Meister Jacob Henry Sarratt machte er eine Ausnahme, wobei dieser in einen schweren Zwiespalt geriet: Verlor er, riskierte

er seinen guten Ruf, gewann er, so konnte er sich die Ungnade des Herrschers zuziehen. Es heisst, dass Sarratt als Ausweg das Unentschieden wählte. Aber es war nicht so einfach, remis zu machen, denn der Korse war ein schlechter Spieler. Der grosse Stratege kümmerte sich nie um die Gesetze der Eröffnung, zeigte jedoch im Mittelspiel manchmal gute Kombinationen. Auf seinen Feldzügen führte er zwar ein kleines Reiseschach mit, spielte aber noch lieber das raschere Damespiel. Während seiner Verbannung auf der Insel St. Helena soll sich Napoleon häufig mit General Henri Gratien Bertrand auf dem Schachbrett gemessen haben. Der Schachautomat Napoleon war als ein schlechter, aber begeisterter Schachspieler bekannt: Schon Anfang der 90er-Jahre findet man den jungen Korsen im berühmten Pariser Café de la Régence, wo er Schach spielend auf Aufträge des Kriegsministeriums wartet. Dass er Anfang Oktober 1809 im Schloss Schönbrunn den Schachautomaten inspiziert und sogar einige Züge mit ihm gespielt hat, ist durch zeitgenössische Quellen gesichert. Alexander Berthier, der General­ stabschef Napoleons und Fürst von Neuchâtel, liess den Automaten in seinen Gemächern in Schönbrunn von Maelzel aufstellen und spielte Ende September einige Male gegen ihn. In seinem Buch «Eugen Beauharnais, der Stiefsohn Napoleons. Ein Lebensbild, Berlin 1940» schildert Adalbert von Bayern diese Szenerie: «So stand im Zimmer des neuen Fürsten von Wagram in Schönbrunn ein MaschinenSchachspieler. Auch Napoleon spielte mit ihm, und wenn er mogelte, schüttelte der Maschinenmensch den Kopf, statt wie gewöhnlich sich zu verneigen.» Die ausführlichste Schilderung von Napoleons Zusammentreffen mit dem Schachautomaten hat sein Kammerdiener Louis Wairy Constant niedergeschrieben in «Mémoires de Constant, Sur la vie privée de Napoleon, Stuttgart 1830»: «Johann Nepomuk Maelzel hatte auch einen Automaten hergestellt, der in ganz Europa

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unter dem Namen ‹Schachspieler› bekannt war. Er hatte ihn nach Schönbrunn gebracht, um ihn Seiner Majestät zu zeigen und hatte ihn in das Gemach des Prinzen von Neuchâtel geschafft. Der Kaiser begab sich zum Prinzen; ich folgte ihm mit einigen anderen. Der Automat sass vor einem Tisch, auf dem das Schachspiel stand. Seine Majestät nahm einen Stuhl und setzte sich gegenüber dem Automaten und sagte lachend: ‹Allons, mon camarade, auf uns zwei!› Der Automat nickte und machte dem Kaiser ein Handzeichen, als

ob er ihm bedeuten wolle, anzufangen. Nach der Eröffnung der Partie machte der Kaiser zwei oder drei Züge und setzte vorsätzlich eine Figur falsch. Der Automat nickte, nahm die Figur wieder auf und setzte sie an ihren Platz zurück. Seine Majestät mogelte ein zweites Mal; der Automat nickte wieder, aber er konfiszierte die Schachfigur. ‹Das ist recht›, sagte Seine Majestät und – zum dritten Mal – setzte er bewusst falsch. Nun schüttelte der Automat den Kopf und, indem er mit der Hand über das Schachbrett fuhr, warf er das ganze Spiel um.

Der Kaiser machte dem Mechaniker grosse Komplimente.» Fest steht also, dass Napoleon den Automaten «getestet» hat, ob er jedoch eine ganze Partie gespielt hat, ist nicht sicher, ebenso ist zweifelhaft, ob tatsächlich Allgaier in der Maschine sass, obwohl Maelzels Eigenart bekannt war, stets den stärkst möglichen Spieler einzusetzen, den er bekommen konnte. Die Partie zwischen dem Schachautomaten und Napoleon tauchte zuerst in der Schachkolumne der «Illustrated London News» am 30. September 1844 auf, aber ohne Quellenangabe. «The Chess Players Chronicle» druckte 36 Jahre später die Partie ab. Andere – gut nachkomponierte – Partien Napoleons haben sich längst als Fälschung erwiesen. Eigen ist der Partie jedenfalls, dass beide miserabel spielen. Zumindest auf Napoleon traf dies bekanntlich ja zu. Anmerkung: Diese Partie wird auf der Homepage gezeigt.

Nach diesem Zusammentreffen erreichte die Popularität des Schachautomaten einen neuen Höhepunkt und sein Wert stieg ins Unermessliche: Eugen Beauharnais zahlte jedenfalls Maelzel die für damalige Verhältnisse horrende Summe von 30 000 Francs, um hinter das Geheimnis zu gelangen.

Napoleon spielt gegen den Schachautomaten. Zeichnung von Antoni Uniechowski in «Schach zu allen Zeiten» aus dem Jahr 1967.

Figuren mit Fluchtplänen Über Napoleons schachliche Aktivitäten auf St. Helena gibt Las Cases in «Mémorial de Sainte-Hélène» Auskunft. Napoleon war von den Engländern von der Bellérophon auf die Northumberland gebracht worden und befand sich auf dem Weg nach St. Helena. Im Tagebuch heisst es bei Las Cases, der als treuer Begleiter dem Kaiser nach der erzwungenen Abdankung in die Verbannung folgte und als zuverlässiger Biograph gilt, mit Datum Dienstag, 22. bis Samstag, 26. August 1815 (das Schiff befand sich gerade in der Nähe von Madeira): «Nichts unterbrach die Eintönigkeit unserer Momente; jeder Tag ging langsam im

Detail vorbei und vergrösserte eine Vergangenheit, die, insgesamt betrachtet, uns kurz erschien, weil sie ohne Farbe war und nichts Besonderes darstellte. Der Kaiser hatte den Kreis seiner Zerstreuungen durch das PiquetSpiel vergrössert, das er ziemlich regelmässig gegen drei Uhr spielte. Diesem Piquet-Spiel folgten einige Partien Schach mit dem Grossmarschall, Monsieur de Montholon oder einigen anderen, woran sich das Abendessen anschloss. Es gab auf dem Dampfer niemanden, der sehr stark im Schachspiel war, und der Kaiser spielte ebenfalls nur schwach; er gewann gegen die Einen und verlor gegen die Anderen, was ihn eines Abends veranlasste zu sagen: ‹Wie geschieht es, dass ich sehr oft gegen die verliere, die niemals gegen andere gewinnen, gegen die ich jedoch fast immer siege? Stellt dies nicht einen Widerspruch dar? Wie kann man dieses Problem lösen?›, sagte er mit Augenzwinkern, um zu zeigen, dass er nicht auf die wiederholte Galanterie desjenigen hereingefallen war, der eigentlich der Stärkste war. Am Abend spielten wir nicht mehr ‹Zwanzig zu Eins›; wir hatten es unterbrochen, da wir die Einsätze zu hoch getrieben hatten, was dem Kaiser, einem starken Gegner des Spiels, missfallen hatte. Nach der Rückkehr von seinem Spaziergang auf der Kommandobrücke, nach dem Abendessen, spielte Napoleon noch zwei oder drei Partien Schach und zog sich dann zu sehr früher Stunde zurück.» Das Geheimnis, welches seine Elfenbeinfiguren enthielten, mit denen er im Exil auf St. Helena spielte, wurde erst über 100 Jahre später entdeckt. Die Figuren, die ihm von Anhängern ins Exil nachgeschickt wurden, enthielten Fluchtpläne. Da aber der Offizier, der das Schachspiel überbringen sollte, auf der Überfahrt verstarb und sein Geheimnis mit ins Grab nahm, wurden die verborgenen Pläne erst 1933 bei einer Ausstellung von Denkwürdigkeiten von Napoleon in Austerlitz entdeckt.

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Ideen für den Mathematikunterricht Von 18 Trillionen Weizenkörnern oder davon, was Schach mit Rechnen zu tun haben kann.

Ali Abul Hassan Masudi (ca. 900 – 956) und seine Schilderung der Weizenkornlegende:

Der Junge spielt Schach in der Schule, aus Freude, nicht um Juwelen oder gar einen Finger, wie dies gemäss Masudi in indischen Schachkämpfen geschah.

Der arabische Historiker hat in seinem Buch «Die goldenen Wiesen», einer Enzyklopädie über die indischen Könige, erstmals die Existenz des Schachspiels belegt. Dabei wird nicht nur von Schachpartien, sondern auch von der Existenz grösserer und besonders kostbarer Schachspiele berichtet. Er behauptet, dass unter dem indischen König Balhit, der 120 Jahre nach dem Tode des legendären Königs Porus auf den Thron kam, das Schachspiel erfunden wurde. Da Porus ein Zeitgenosse Alexanders des Grossen war und von diesem im Jahre 326 v. Chr. in der Schlacht am Hydaspes geschlagen wurde, wäre der Zeitpunkt für die Erfindung des Schachspiels etwa die Wende vom 3. zum 2. Jahrhundert v. Chr. gewesen.

Der grosse Lohn Bei Masudi findet sich auch die berühmte Weizenkornlegende. Der weise Erfinder des Schachspiels habe sich vom König als Lohn nur Weizenkörner nach dem Prinzip erbeten: für das erste Feld auf dem Schachbrett eines, für das zweite zwei, für das dritte vier, für das vierte acht, für das fünfte sechzehn usw. Das allgemeine Erstaunen über diese scheinbare Bescheidenheit wandelte sich in blankes Entsetzen, als sich herausstellte, dass allein für das 64. Schachfeld die ungeheure und nicht aufzubringende Summe von 9  223 372 036 854 775 808 Weizenkörnern notwendig gewesen wären. Für das ganze Brett hätte es 18 446 744 073 709 551 615 Körner gebraucht. Ganz Europa und grosse Teile Afrikas hätten mit Weizenkörnern bedeckt werden müssen, um dieser Bitte nachzukommen. Einigen Geschichtsforschern war Masudis Geschichtsschreibung suspekt und sie verbannten ihn ins Reich der Märchenerzähler. Dabei wusste er sehr wohl über Indien Bescheid, das als Mutterland der modernen Mathematik angesehen werden darf, denn von hier aus begann das Dezimalsystem seinen Siegeslauf über die ganze Welt. Die gespenstische Atmosphäre indischer Schachkämpfe beschrieb Masudi folgendermassen: «Einige der Schachfiguren sind Menschen oder Tieren nachgebildet, oft über eine Spanne hoch. Ein dritter Mann muss auf Befehl der Spieler die Schachsteine von Feld zu Feld schieben. Meist spielen die Inder um Stoffe oder Juwelen, doch manchmal setzt ein Spieler, der bereits seinen ganzen Besitz verloren hat, auch noch seine Glieder ein. Neben den Spielern lodert ein Feuer, auf dem in einem Kupferkessel eine rote Salbe kocht, eine geheimnisvolle Mixtur, die indische Heilmittel enthält: Sie kann Wunden heilen und Blut stillen. Wenn ein Mann beim Spielen seinen Finger verwettet hat und verliert, hackt er seinen Finger mit dem Dolch ab, steckt die Hand in die Salbe und brennt die Wunde aus. Dann spielt er weiter. Wenn er Pech hat, opfert

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2 s = 21 + 2 2 + 2 3 + 2 4 + 2 63 + 2 64 s = 1 + 21 + 2 2 + 2 3 + 2 4 + 2 64 s = 2 63 minus 1, denn alle anderen Glieder fallen weg! Damit haben wir die Gesamtsumme aller Weizenkörner auf einem Schachbrett.

860 mal Erde-Mond Die Menge ist kaum vorstellbar, denn sie 274877 549755 4294967296 8589934592 17179869184 34359738368 68719476736 137438953472 entspricht auch heute noch einem Mehrtau906944 813888 sendfachen der jährlichen Weltproduktion von Weizen. Um das starke Anwachsen beim 1099 2199 4398 8796 17592 35184 70368 140737 511627776 023255552 046511104 093022208 186044416 372088832 744177664 488355328 Verdoppelungsprozess zu demonstrieren, kann man folgende Überlegung anstellen: 281474 562949 1125899 2251799 4503599 9007199 18014398 36028797 Wir nehmen an, dass der Querschnitt eines 976710656 953421312 906842624 813685248 627370496 254740992 509481984 018963968 Weizenkorns ca. 4 Quadratmillimeter beträgt. Auf dem ersten Feld wäre also ein Korn, was 72057594 144115188 288230376 576460752 1152921504 2305843009 4611686018 9223372036 037927936 075855872 151711744 303423488 606846976 213693952 427387904 854775808 eine Fläche von 4 Quadratmillimetern ergibt. Auf dem zehnten Feld wären 512 Körner (Fläche eines Schachbrettfeldes). Auf dem 16. Feld Aus «2000 Jahre Spiel- er noch einen Finger; und es kommt vor, dass wären 32 768 Körner (Fläche eines SchachbretGeschichte» (Seite 37) einer, der fortgesetzt verliert, alle Finger, die tes). Auf dem 32. Feld wären 2,5 mal 10 hoch von R. Finkenzeller /  Hand, den Unterarm, den Ellenbogen und 9 Körner (Grundriss des Berner Münsters). W.   Ziehr / E.M. Bührer, noch andere Körperteile abschneidet.» Auf dem 55. Feld wären 1,8 mal 10 hoch AT Verlag Aarau 16 Körner (ungefähr zweimal die Fläche der Die Sache in Zahlen Schweiz). Auf dem 64. Feld schliesslich wären Die mathematischen Betrachtungen zur Le- 9,2 mal 10 hoch 18 Körner, was ja nach Magende sollen kurz dargestellt sein: sudi der ganzen Fläche von Europa und Teilen Die Summe aller Körner auf den 64 Feldern Afrikas entsprechen würde. eines Schachbrettes ist also 18 446 744 073  Zweite Veranschaulichung: Die Summe aller 709 551 615 Körner oder in Worten, achtzehn Körner auf dem Schachbrett beträgt wie oben Trillionen, vierhundertsechsundvierzig Billiar- berechnet 2 hoch 64 minus 1 oder 1,84 mal 10 den, siebenhundertvierundvierzig Billionen, hoch 19. Ein Weizenkorn hat ein Gewicht von nullhundertdreiundsiebzig Milliarden, sieben- ungefähr 0,05 Gramm, also 50 Milligramm. hundertneun Millionen, fünfhunderteinund- Auf einem ganzen Brett würden so 9,2 mal 10 fünfzig Tausend und sechshundertfünfzehn hoch 11 Tonnen Weizen zu liegen kommen. Ein Körner, also 2 64 minus 1. Güterwagen fasst 28 Tonnen und ist 10 Meter Die Formel, um die Zahl abzuleiten, lautet: lang. Für die ganze Ladung müssten somit 3,3 1 + 21 + 2 2 + 2 3 + 24 + 2 63. mal 10 hoch 10 Wagen zur Verfügung stehen. Die Gesamtsumme aller Weizenkörner auf den Ein Zug hätte eine Länge von 3,3 mal 10 hoch 64 Feldern kann man mit «s» (für «Summe») 8 Kilometer, was ca. 860 Mal der Strecke zwibezeichnen. Dann wäre also, wie oben schon schen Erde und Mond entsprechen würde. erwähnt S = 1 + 21 + 2 2 + 2 3 + 2 4 + 2 63. Der Kniff besteht nun darin, die gesamte Gleichung mit 2 zu multiplizieren und dann wie folgt untereinander zu schreiben und voneinander zu subtrahieren:

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«Schachbretträtsel» im Zusammenhang mit dem Rösselsprung von Leonhard Euler (1707 – 1783):

Anmerkung: Auf der Homepage werden interessante Möglichkeiten vorgestellt, wie man diesen Rösselsprung anwenden kann

Der Basler Mathematiker Leonhard Euler, von 1730 bis 1741 und ab 1766 Professor in Petersburg und von 1741 bis 1766 an der Akademie der Wissenschaften in Berlin tätig, war ein führender Kopf auf allen Gebieten der Mathematik, Physik und Astronomie. Obwohl in den sechziger Jahren erblindet, schrieb er insgesamt 28 Werke und 750 Abhandlungen. Bekannt dürfte die Gesetzmässigkeit bei räumlichen Figuren sein, die er in der Formel «e (Ecken) + f (Flächen) – k (Kanten) = 2» gebildet hat («Satz von Euler»). Euler über das Schachspiel: «Im Schach hat die Bezeichnung ‹Spieler› jeglichen verächtlichen Klang verloren.» Euler war ein guter Schachspieler. Wie man einem Brief aus dem Jahre 1751 entnehmen kann, bedauerte er die wegen einer Affäre notwendige plötzliche Abreise des Schachmeisters Philidor aus Potsdam, «sonst würde ich wohl Gelegenheit gefunden haben, mit ihm zu sprechen.» Der Rösselsprung Philidors Bauernführung («Der Bauer ist die Seele des Schachs») hat die Spielweise im Schach stark beeinflusst. Euler besass 1751 bereits Philidors 1749 in London erschienenes Buch «Analyse des Schachspiels».In den Memoiren der Berliner Akademie 1759 findet sich eine Abhandlung über den Rösselsprung:

Auf Seite 31 werden die 12 Grundstellungen nach Gauss gezeigt.

«Eines Tages befand ich mich in einer Gesellschaft, als bei einer Schachpartie jemand die Frage aufwarf, mit einem Springer bei gegebenem Anfangsfeld alle Felder des Schachbretts der Reihe nach, jedes nur einmal, zu passieren … Diejenigen, die die Aufgabe für ziemlich leicht hielten, machten mehrere nutzlose Versuche, ohne zum Ziel zu gelangen. Hierauf gab derjenige, der die Frage aufgeworfen hatte, eine Route so an, dass eine vollständige Lösung entstand. Die Menge der Felder liess indessen nicht zu, die gewählte Route dem Gedächtnis einzuprägen,

und erst nach mehreren Versuchen gelang es mir, eine der Aufgabe genügende Route zu finden, aber sie galt auch nur für ein bestimmtes Anfangsfeld.» Vermutlich ist die Rösselsprungaufgabe so alt wie das Schachspiel selbst, aber erst Euler gab ihr, wenn auch nicht eine Theorie, so doch ein praktikables Lösungsverfahren. Er geht dabei zunächst aufs Geratewohl voran, bis der Rösselsprung sich nicht weiter ausführen lässt. Dann wird der Rösselsprung in zwei Teile zerlegt und auf neue Art miteinander wieder verbunden, sodass alle früheren Felder wieder besetzt sind, aber ein neuer Endpunkt zustande kommt, von dem möglicherweise eines der freien Felder erreichbar ist. Die geschickten Zerlegungen Eulers machen glaubhaft, dass man stets zum Ziel kommen kann, bewiesen wird es aber nicht. Die Idee Eulers bestand also darin, einen in sich geschlossenen Rösselsprung durchzuführen, der zweiteilig genannt wird, da er zuerst auf der einen und dann auf der anderen Hälfte des Brettes ausgeführt wird. Von dieser Lösungsweise gibt es übrigens 31 054 144 Möglichkeiten, wie Mathematiker katalogisierend ermittelt haben.

Karl Friedrich Gauss (1777 – 1855): Der deutsche Mathematiker und Astronom K.F. Gauss lieferte 1799 in seiner Dissertation den Beweis für den Fundamentalsatz der Algebra, wonach jede algebraische Gleichung eine reelle oder komplexe Lösung hat. Er förderte die Zahlentheorie, die absolute Geometrie und die Funktionslehre. Er fand ebenfalls neue Wege zur Berechnung der Planetenbahnen und förderte die Theorie des Elektromagnetismus. Gauss berechnete als erster, dass auf einem Schachbrett acht Königinnen aufgestellt werden können, die sich gegenseitig nicht schlagen. Er fand 92 mögliche Kombinationen. Grundsätzliche Angaben gibt es nur zwölf, während die übrigen durch Umdrehungen des Schachbretts oder symmetrische Anordnungen wie im Spiegelbild entstehen.

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Ideen für den Musikunterricht

Ideen für das Bildnerische Gestalten

Das Musical «Chess», komponiert von den ABBA-Musikern Benny Andersson und Björn Ulvaeus und getextet von Tim Rice, thematisiert Schach, Musik und Politik.

Klee, Hundertwasser, Ernst: Wie sie aus dem Schachbrett Kunst machten.

Anmerkung: Auf der Homepage wird die erwähnte Partie zwischen Paul Schmidt und Kurt Richter gezeigt.

Der englische Theaterproduzent Tim Rice arbeitete nach seinem Studium bei EMI Records, wo er Andrew Lloyd Webber kennen lernte und als dessen Partner Weltruhm erlangte. Zwischen 1965 und 1975 schrieb das Team einen Musicalhit nach dem anderen: «Joseph and the amazing technicolour dreamcoat», «Jesus Christ Superstar» und «Evita». Bereits zu dieser Zeit kam Rice die Idee – angeregt durch die skandalumwitterte Schachweltmeisterschaft 1972 auf Island zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky – ein Musical zu schreiben, das die private Ebene der Schachduelle mit den dahinter existierenden politischen Konstellationen verbinden sollte.

1981 begegnete er den beiden schwedischen Musikern Benny Andersson und Björn Ulvaeus, die sich soeben von ihren Partnerinnen getrennt hatten, was auch die baldige Auflösung der Popgruppe ABBA nach sich zog. Rice war – nach der Trennung von Webber – auf der Suche nach einem Komponisten für seine nächsten Projekte. Mit dem Musical «Chess» konnten sich Andersson und Ulvaeus am meisten identifizieren und so begann die fruchtbare Zusammenarbeit. Rice hatte 1981 den Schachweltmeisterschaftskampf zwischen Karpow und Kortschnoi in Meran besucht und Karpow in London persönlich kennen gelernt. 1986 wurde «Chess» in London uraufgeführt. Zum Inhalt Die Geschichte spielt in Meran und Bangkok und ist an der Konkurrenz zweier Schachspieler aufgehängt, von denen einer Russe und der andere US-Amerikaner ist. Die Charaktere und Lebensgeschichten der beiden sind wahrscheinlich von Viktor Kortschnoi und Bobby Fischer inspiriert. Die gewollte Parallele zum Kalten Krieg wurde mit dem Ende des OstWest-Konflikts obsolet. Im Stück geht es um Politik, Verschwörung, Liebe und Eifersucht. Die Schlusskombination der letzten und entscheidenden Partie in Bangkok stammt übrigens aus einer Partie zwischen Paul Schmidt (Weiss) und Kurt Richter (Schwarz) von der Deutschen Meisterschaft des Jahres 1940 in Bad Oeynhausen. Das Musical zieht übrigens überraschende Parallelen zur Wirklichkeit, zum einen zum WM-Kampf zwischen Karpow und Kortschnoi in Meran 1981, wo sich ja die Kontrahenten auch einen «politischen» Kampf mit allerlei Nebengeräuschen nicht nur auf dem Schachbrett lieferten und zum andern zum mit einem Oscar preisgekrönten Film «Gefährliche Züge» (1985) mit Michel Piccoli, Liv Ullmann und Christopher Lee, wo sich der alternde, regimetreue Schachweltmeister gegen den jungen, abtrünnigen Herausforderer noch einmal behaupten möchte.

Paul Klee (1879 – 1940): Paul Klee, deutscher Maler und Grafiker schweizerischer Herkunft, verband auf einzigartige Weise die Errungenschaften der Abstraktion mit Elementen einer traumhaften, skurrilen Zeichensprache. Nach Anfängen als satirischer Grafiker entdeckte er den Eigenwert der Farbe und entwickelte geometrische Farbkompositionen, die in der Regel Verweise auf Gegenständliches enthielten. 1937 und 1938 befasste sich Klee wiederholt mit der rhythmischen Struktur des Schachbretts. Er erkannte dabei – wie Arnold Schönberg in seinem Zwölftonsystem – bestimmte Gesetzmässigkeiten: Jeder Ton ist durch seine Beziehung zu der vorbestimmten Grundreihe festgelegt, eine astronomische Gesetzmässigkeit waltet und doch eine im einzelnen nicht kontrollierbare. Vernunft und Magie begegnen sich und werden eins in dem, was man ‚Weisheit, Einweihung nennt, im Glauben an die Sterne, die Zahlen.

Anmerkung: Auf der Homepage ist eine Abbildung dieses Gemäldes zu sehen.

Das Ölgemälde «Überschach» schuf er 1937. Er variierte das Schachbrettmuster, vergrösserte die weissen Felder gegenüber den schwarzen und veränderte auch diese. Er hat damit ein allbekanntes Muster belebt. Dem grübelnden Schachspieler widerfährt Ähnliches. Die Felder c4, e6, h3 können für ihn Felder der Bedrohung oder der Verheissung sein und damit überlebensgross werden.

Jugendstils auf und transponierte sie in eine freiere, poetischere Bildsprache. Neben den Hauptmotiven von Spirale und Labyrinth kennzeichnen eine mosaikartige Flächenaufteilung, starke Farbigkeit und ein gewisser naivmärchenhafter Zug seine Kunst. Seit den 70erJahren engagierte er sich in der ökologischen Bewegung und bemühte sich auch um eine umweltbewusste Architektur (zum Beispiel das «Hundertwasserhaus» in Wien). In vielen seiner Werke kommen Schachbrettmuster zum Tragen und bilden das «Grundgerüst». Eines seiner Werke zeigt einen Schachspieler, der aber nicht so leicht als solcher zu erkennen ist. Der Untergrund, auf dem sich der Kopf befindet, ist – nach Angaben von Hundertwasser – als Schachbrett zu deuten.

Max Ernst (1891 – 1976): Der deutsche Maler, Grafiker, Objektkünstler und Bildhauer Max Ernst war einer der bedeutendsten Künstler des Surrealismus. Sein Werk reicht von dadaistischen Collagen über die Erfindung der Druckreibetechnik (Frottage) und vieler anderer Methoden bis zu grossen Gemälden, mit denen er den Surrealismus einleitete und im Spätwerk vollendete. Seine beachtlichen Skulpturen vereinen die grossen Entwicklungslinien des Jahrhunderts. Wie Man Ray war Max Ernst mit Marcel Duchamp befreundet und spielte mit diesem Schach. Ihn interessierte allerdings mehr das Design der Figuren und Bretter als das Spiel und er schenkte denn auch seinem Freund ein eigenwillig konstruiertes Schachspiel. Anmerkung: Auf der Homepage sind einige dieser

Anmerkung: Auf der Homepage werden zwei seiner Schachbrettmuster und der Kopf abgebildet. Alle Beispiele sind sogar auf Briefmarken herausgegeben worden.

Friedensreich Hundertwasser (1928 – 2000): Der österreichische Maler und Grafiker Hundertwasser nahm in seinen Werken ornamentaldekorative Formen des österreichischen

Figuren abgebildet.

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Schachbegriffe im Alltag (Arbeitsblatt) Einigen der nachfolgenden Schachbegriffe seid ihr wahrscheinlich auch schon begegnet, denn in vielen Bereichen des Alltags kommen in unserem Wortschatz Ausdrücke aus dem Schachspiel vor, beispielsweise im Sport, in der Kultur, in der Politik, im Wirtschaftsleben usw. Versucht möglichst viele der Begriffe zu erklären, indem ihr auf die Leerzeilen aufschreibt, was sie bedeuten könnten. Vielleicht findet ihr sogar noch eigene Beispiele, die ihr schon angetroffen habt. Führt sie am Ende der Begriffslisten an! Dieser Auftrag ist als Partnerarbeit gedacht, genauso wie beim Schach spielen, wo es ja in einer Partie ebenfalls immer mindestens zwei Personen zum Spielen braucht! • einen Abtausch vornehmen =________________________________________________________________________

Schachbegriffe erklären (Arbeitsblatt) Begriffe aus unserem Thema «Schach», die dir jetzt geläufig sein sollten. Schreibe ihre Bedeutung auf die Leerzeilen!

• Bauernumwandlung = ______________________________________________________________________________

• ein Bauernopfer machen = __________________________________________________________________________ • ein Damenopfer vollziehen = ________________________________________________________________________

• Berührt – geführt = _________________________________________________________________________________

• einen Doppelschritt ausführen = _____________________________________________________________________ • ins Endspiel überleiten = ____________________________________________________________________________

• Endspiel = _________________________________________________________________________________________

• in eine Falle tappen = ______________________________________________________________________________ • in eine Fesselung geraten = _________________________________________________________________________

• ersticktes Matt = ___________________________________________________________________________________

• einen Gabelangriff drohen = ________________________________________________________________________ • einen Gegenangriff einleiten = ______________________________________________________________________

• Falle = ____________________________________________________________________________________________

• zu Gegenspiel kommen = ___________________________________________________________________________ • eine Kombination beginnen = _______________________________________________________________________

• Fesselung = _______________________________________________________________________________________

• ein Luftloch schaffen = _____________________________________________________________________________ • seinen Gegner matt setzen = ________________________________________________________________________

• Freibauer = ________________________________________________________________________________________

• eine Pattsituation herbei führen =____________________________________________________________________ • Rasenschach spielen = _____________________________________________________________________________ • eine Rochade ausführen = __________________________________________________________________________ • ein Remis erzielen = _______________________________________________________________________________ • aussehen wie ein Schachbrettmuster = ________________________________________________________________ • einen klugen Schachzug machen = ___________________________________________________________________ • den Schlüsselzug finden = __________________________________________________________________________ • einen Überraschungsangriff starten = _________________________________________________________________ • Verwicklungen herbei führen = ______________________________________________________________________

• Gabel = ___________________________________________________________________________________________ • Gambit = _________________________________________________________________________________________ • Linie = ____________________________________________________________________________________________ • matt = ____________________________________________________________________________________________

• die Zeit überschreiten = ____________________________________________________________________________ • in Zeitnot geraten = _______________________________________________________________________________

• patt = ____________________________________________________________________________________________

• das Zentrum besetzen =____________________________________________________________________________ • in Zugzwang geraten = _____________________________________________________________________________

• Reihe = ___________________________________________________________________________________________

• Eigenes Beispiel: ___________________________________________________________________________________ • Eigenes Beispiel: ___________________________________________________________________________________

• Rochade = ________________________________________________________________________________________

• Eigenes Beispiel: ___________________________________________________________________________________ • Zugzwang = _______________________________________________________________________________________ Anmerkung: Auf der Homepage sind mögliche Lösungen und weitere 1:1 kopierbare Arbeitsblätter zu den Themen «Schacheröffnungen», «Schachbegriffe», «Schachkenntnisse allgemein» zu finden.

Anmerkung: Auf der Homepage sind die Begriffe erklärt.

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Schachkenntnisse (Arbeitsblatt)

Aufgabe 11: Wie wird eine Schachpartie aufgeschrieben? a) Durch eine Stenoschrift b) Durch eine Notation c) Mittels ausführlichem Text

Kreuze den Buchstaben der richtigen Antwort an! Aufgabe 1: Wie wird das Schachbrett aufgestellt? a) Die Spieler sitzen sich an den Spitzen des Brettes gegenüber wie beim Halma b) Die Spieler haben jeweils eine Seite des Schachbrettes vor sich, wobei sich ein weisses Feld in der rechten Ecke befindet. Aufgabe 2: Wie viele Felder hat ein Schachbrett? a) 64  b) 32  c) 80 Aufgabe 3: Wo befindet sich der Damenflügel von Schwarz? a) Auf der linken Seite von Schwarz aus betrachtet b) Auf der rechten Seite von Schwarz aus betrachtet Aufgabe 4: Wie nennt man die Senkrechten auf einem Schachbrett? a) Diagonalen  b) Linien  c) Reihen Aufgabe 5: Was versteht man unter einer Grundreihe? a) Die am tiefsten gelegene Reihe in einer Abfolge von Reihen b) Eine Reihe, auf der sich andere Reihen aufbauen c) Die erste beziehungsweise achte Reihe bei der Grundaufstellung Aufgabe 6: Welche der folgenden Felderfolgen bilden eine Reihe? a) a5 – b6 – c7 – d8 b) a2 – b2 – c2 – d2 – e2 – f2 – g2 – h2 c) f1 – f2 – f3 – f4 – f5 – f6 – f7 – f8 Aufgabe 7: Welche der folgenden Felderfolgen bilden eine Diagonale? a) g1 – g2 – g3 – g4 – g5 – g6 – g7 – g8 b) e1 – f2 – g3 – h4 c) a6 – b6 – c6 – d6 – e6 – f6 – g6 – h6 Aufgabe 8: Welche der folgenden Felderfolgen bilden eine Linie? a) a3 – b4 – c5 – d6 – e7 – f8 b) b1 – b2 – b3 – b4 – b5 – b6 – b7 – b8 c) a3 – b3 – c3 – d3 – e3 – f3 – g3 – h3 Aufgabe 9: Was bedeutet das Zeichen «x» bei der Partienotation? a) Schlägt   b) Schachmatt   c) Gibt Schach   d) Gibt auf Aufgabe 10: Wie nennt man den Schnittpunkt der 5. Reihe mit der f-Linie? a) F5  b) 5f  c) f5  d) 5F

Aufgabe 12: Was versteht man unter dem Zentrum auf einem Schachbrett? a) Alle Felder ausser der beiden Grundreihen b) Die Felder e4 und d4 c) Die Felder e4, d4, e5 und d5 d) Die Felder e5 und d5 Aufgabe 13: Wie viele Bauern hat jeder Spielende zu Beginn einer Partie? a) 6  b) 8  c) 10  d) 16 Aufgabe 14: Wie bewegt sich ein Bauer normalerweise? a) Zwei Felder geradeaus   b) Ein Feld seitwärts   c) Ein Feld geradeaus   d) Ein Feld schräg vorwärts Aufgabe 15: Wie schlägt ein Bauer eine andere Figur oder einen Bauern? a) Indem er einen normalen Zug vorwärts macht b) Indem er einen Zug seitwärts macht c) Indem er ein Feld schräg nach vorne links zieht d) Indem er ein Feld schräg nach vorne rechts zieht e) Indem er ein Feld schräg nach vorne links oder rechts zieht Aufgabe 16: Wann darf der Bauer einen Doppelschritt ausführen? a) Jederzeit   b) Nur von den Grundstellung aus    c) Nie Aufgabe 17: Was geschieht, wenn ein Bauer bis zur Grundreihe des Gegners vordringt? a) Die betreffende Partei hat die Partie verloren b) Der Bauer kann sich in eine beliebige Figur verwandeln c) Der Bauer muss sich in eine Dame verwandeln d) Der Bauer kann sich in eine beliebige Figur ausser des Königs verwandeln Aufgabe 18: Wann darf ein Bauer auch einmal rückwärts ziehen? a) Wenn der Gegner es erlaubt   b) Nie   c) Wenn das Feld vor ihm besetzt ist Aufgabe 19: Dürfen zwei Bauern bei Partiebeginn gleichzeitig um einen Schritt anstatt der zwei Schritte vorwärts gezogen werden? a) Nein   b) Ja, einmal   c) Ja, sooft man will Aufgabe 20: Welcher Spieler eröffnet eine Schachpartie? a) Schwarz   b) Weiss   c) Dies bestimmt der Schiedsrichter

Anmerkung: Auf der Homepage findet man die richtigen Lösungen. Weitere Arbeitsblätter sind auf der Homepage zu finden.

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schulpraxis spezial

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Literaturverzeichnis • DVD «Die Schachspielerin» (97 Minuten), CONCORDE • DVD «Harry Potter und der Stein der Weisen» (147 Minuten), WARNER BROS. PICTURES • DVD «Schachnovelle» (99 Minuten), ARTHAUS Geeignete Lehrmittel für den Schulunterricht Offizielle Lehrmittel des Schweizerischen Schachbundes: • «Schachschule» von Peter Thomas in deutscher und französischer Sprache • «Schachschule 2» von Richard Brömel und Gerhard Richter • «Schachtaktik» von Andrin Wüest • «Die Stufenmethode» (5 Stufen) von Rob Brunia und Cor van Wijgerden Bezug über www.chesspoint.ch oder [email protected]

Dankeschön Besten Dank dem Schweizerischen Schachbund (Breitenschachkommission), der Stiftung «ACCENTUS», der Jugendschach Stiftung, ChessBase Schweiz und Chesspoint für die finanzielle Unterstützung bei der Realisierung dieser Schulpraxis und ein herzliches Merci an Renzo Guarisco für die Diagramme und an Fabian Kramer, Etienne Bütikofer und Franziska Schwab von LEBE für die angenehme, professionelle Zusammenarbeit und Unterstützung.

Nützliche Schachsoftware • «Fritz & Fertig – Schach lernen und trainieren» (ab 6 Jahren) • «Fritz & Fertig – Schach im schwarzen Schloss» (ab 8 Jahren) • «Fritz & Fertig – Schach für Siegertypen» (ab 8 Jahren) Bezug über www.chessbase.ch oder [email protected] Sinnvolle Internet-Ressourcen Für Anfänger (ohne Downloadmöglichkeit; freier Zugang): • www.spiele.liliput.ch/schach/schach.aspx • www.kostenlos-online-spielen.com/spiel/schach • www.x-oo.com/shockwave/diverse/webchess • www.jetztspielen.de/spiele/schach/schach.html Mit kostenloser Anmeldung: • www.freechess.com Schachprogramme zum Download: • www.novabit.ch (Windows) • www.sigmachess.com (Mac) Interessante Links: • www.swisschess.ch • www.schach.ch • www.schachmatt.de • www.playsite.com (Englischkenntnisse von Vorteil) • www.sklistal.com/links/schach_online • www.reutlingen.netsurf.de/frolik/mega.html • www.schackportalen.nu/deutsch/dtranaschack.html • www.chessunderground.com/baw/inhalt.html

Der Fonds SCHACH SCHWEIZ der gemeinnützigen Stiftung ACCENTUS unterstützt das Schachspiel in der Schweiz (www.accentus.ch).

Unterstützungsanträge sind zu richten an: Stiftung ACCENTUS Fonds SCHACH SCHWEIZ Schanzeneggstrasse 3 8070 Zürich oder [email protected]

Lehrmittel & Spielmaterial für Schulkurse vom Schweizerischen Schachbund empfohlen

www.chesspoint.ch

CPS, Esther Schiendorfer, Bahnhofstr. 31, 4562 Biberist 032 672 36 06 / [email protected] Lehrmittel

Arbeitshefte, Trainerbücher, CDs der „Stappenmethode“ Lehrmittelreihe „Schachschule“ mit Tests und Ideen rund ums Schach

Material

Klappbretter/Figuren (strapazierfähig, auch mit Grossbuchstaben) Mechanische Uhren (ideal für erste Partien, freies Spiel) Demo-Brett (ideal für Gruppenunterricht) Formulare, Paarungsprogramm (für Schulturnier)

Miete

Garten-/Lebendschach, div. Spielmaterial z.B. für den Schlussevent

Diplome

Korrektur/Diplome (Motivation, Erfolgskontrolle)

Vermittlung

Hilfe bei der Vermittlung z.B. von Vereinen mit Jugendförderung, gemeinsames Turnier, Kursfortsetzung usw.

Fritz & Fertig Der preisgekrönte Schachtrainer für Kinder (und Erwachsene) erobert die Herzen aller Schachliebhaber. Bei dieser multimedialen Umsetzung des Königsspiels stimmt einfach alles: Sie ist kindgerecht, witzig und didaktisch hochwertig. Strategisch denken lernen, kniffliges Gehirnjogging, spannende Wettkampfsituationen, jede Menge Spielspass und eine gehörige Portion Schachwissen – all das und mehr steckt in diesem ungewöhnlichen Schach-Adventure. Fritz & Fertig ist in vier Folgen erhältlich (auch in Mac-Version) – Preis Fr. 36.– (je Folge)