schaffen Sichere Orte - DGfPI

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Sichere Orte ® schaffen Schutz vor sexualisierter Gewalt www.nebelhorn.org Modellprojekt des ZARTBITTER e. V. www.zartbitter.de www.sichere-orte-s...

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Sichere Orte ® schaffen

Schutz vor sexualisierter Gewalt

www.nebelhorn.org

Modellprojekt des ZARTBITTER e. V.

www.zartbitter.de www.sichere-orte-schaffen.de

Rahmenprogramm zur Ausstellung Macht-Missbrauch der Gruppe Nebelhorn vom 30. Oktober - 6. Dezember 2015 in der cubus kunsthalle in Duisburg (in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs) Zur Ausstellung Im Atelier der Gruppe Nebelhorn treffen sich seit 1995 Menschen mit und ohne Behinderung, um künstlerisch zu arbeiten. Seitdem die Gruppe besteht, ist das Thema Macht und Gewalt ein immer wiederkehrendes Motiv. Innerhalb der vertrauten und familiären Gemeinschaft des Ateliers in Schermbeck haben Menschen unterschiedlicher Altersgruppen einen freien Raum schaffen können, in dem sie ihre oft traumatischen Erfahrungen in unterschiedlichen Lebensbereichen (z. B. in Familie und Institutionen des Gesundheitswesens) mit beeindruckender künstlerischer Freiheit darstellen konnten. Die Ausstellung „Macht-Missbrauch“ zeigt Zeichnungen, Bilder, Collagen, Assemblagen, Skulpturen, Fotoarbeiten und Rauminstallationen. Zur Kooperation zwischen Zartbitter und Nebelhorn Im Sommer sprach die Gruppe Nebelhorn Zartbitter mit der Bitte um Unterstützung bei der Gestaltung eines Rahmenprogramms zur Ausstellung Macht-Missbrauch an. Schon bei der ersten Begegnung mit Menschen der Gruppe Nebelhorn in deren Atelier in Schermbeck bei Wesel bedankte sich Zartbitter für das Kooperationsangebot: Die Atmosphäre des Ateliers voller Kunstwerke und unendlich liebevoll zusammengetragenen Kuriositäten wird getragen von einem sehr offenen und zugleich respektvollen Umgang untereinander. Sie vermittelt das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit, das die Auseinandersetzung mit harten Themen ermöglicht und zugleich Raum für Kreativität, Fröhlichkeit und Lebendigkeit schafft. Die Arbeiten der Gruppe stellen zum Teil mit schonungsloser Klarheit Macht-Missbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen dar – zum Beispiel in Form von sexueller Gewalt, gewalttätigen Behandlungsmethoden in der Psychiatrie, psychischer Gewalt in der Kirche. Andere Arbeiten vermitteln insbesondere einen Eindruck über die Stärken und Ressourcen von Betroffenen. Eine solch intensive Auseinandersetzung mit der Problematik des Macht-Missbrauchs ist nur im Rahmen einer geschützten Gruppe, an einem sicheren Ort möglich. Seit zwei Jahren führt Zartbitter e.V. einen vom Landesjugendamt Rheinland geförderten Modellversuch „Sichere Orte schaffen“ durch, in dem Jugendliche mit und ohne Behinderung gemeinsam Präventionsmaterialien gegen sexualisierte Gewalt erstellen. In der Gruppe Nebelhorn arbeiten nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche mit. Eine Kooperation bot sich auch aufgrund der inhaltlichen Überschneidungen an. So werden in der Ausstellung auch einzelne Arbeiten gezeigt, die Jugendliche gemeinsam mit Zartbitter erstellt haben. Entsprechend dem Wunsch der Gruppe Nebelhorn werden in der Ausstellung Präventionsmaterialien von Zartbitter e.V. ausliegen. Wir freuen uns, dass es gelungen ist, Thomas Schlingmann von Tauwetter Berlin und Dr. Monika Schröttle von der Universität Dortmund für eine Mitarbeit im Rahmenprogramm zu gewinnen. Nun hoffen wir, dass die Ausstellung und ein vielseitiges Rahmenprogramm von vielen Frauen und Männern für einen intensiven Dialog genutzt wird. Für Menschen, die sich noch nicht sehr intensiv mit der Problematik „Sexuelle Gewalt“ auseinandergesetzt haben, empfiehlt es sich, die Ausstellung mit einer vertrauten Person gemeinsam zu besuchen.

Ausstellungseröffnung Donnerstag, den 29.10.2015, 19:00 Uhr



Begrüßung: Volker Mosblech MdB Bürgermeister der Stadt Duisburg

Martina Hoffmann-Badache Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen Raúl Avellaneda Künstlerischer Leiter der Gruppe Nebelhorn

Rahmenprogramm zur Ausstellung Do, 5. 11., 19:00 Uhr Raúl Avellaneda Dia-Vortrag Entstehung und Entwicklung der Gruppe Nebelhorn

Im Sommer 1995 suchte eine Schülergruppe aus verschiedenen Volkshochschulen einen Raum, um unter Anleitung von Raúl Avellaneda eine „Werkstatt für kreatives Gestalten“ zu eröffnen. Unter der Bedingung, die Bewohner des Hauses in die Aktivitäten einzubeziehen, bot eine Wohnstätte für Behinderte einen leerstehenden Keller an. Hier fanden Nichtbehinderte zusammen mit Behinderten einen Ort, an dem außergewöhnliche zwischenmenschliche Erfahrungen über gemeinsames schöpferisches Arbeiten möglich wurden. In dem so entdeckten `freien Raum´ konnten in gegenseitigem Dialog Träume und Phantasien in künstlerisch überzeugende Metaphern verwandelt werden - wirklicher individueller Ausdruck nahm mehr und mehr konkrete „Gestalt“ an. In der gemeinsamen Arbeit spielten die behinderten Partner eine entscheidende Rolle: Mit ihren menschlich unkomplizierten und emotionsbetonten Reaktionen brachten sie alle anderen dazu, den bis dahin unbekannten Phänomenen anders oder neu zu begegnen. Von nun an wurde die konventionelle Wahrnehmung der Nichtbehinderten beträchtlich in Frage gestellt. Es wurde klar, dass „Behindertsein“ nur als eine andere Möglichkeit von „Sein“, von Denken und Fühlen ist. Die Gruppe gab sich den Namen Nebelhorn - auch ein Indiz auf ihre individuelle innere und gesellschaftliche Situation. Aus der ersten Initiative entstand ein Verein, der im Laufe der Jahre zahlreiche Ausstellungen vorstellte und überregional viel Beachtung fand. In seinem Dia-Vortrag wird Raúl Avellaneda, künstlerischer Leiter der Gruppe, über die Entstehung und Entwicklung von Nebelhorn und über künstlerische und menschliche Erfahrungen sprechen.

Di, 10. 11., 18:30 Uhr Dr. Monika Schröttle Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen

Mädchen und Frauen mit Behinderungen haben ein erhöhtes Risiko Opfer sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt zu werden. Es bedarf konsequenter Maßnahmen, um ihre Diskriminierung zu verhindern und ihren Schutz sicherzustellen. Dr. Monika Schröttle, Technische Universität Dortmund, Fakultät Rehabilitationswissenschaften, hat gemeinsam mit anderen Forscherinnen im Auftrag des BMFSFMJ eine repräsentative Studie zur Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderungen durchgeführt. www.fk-reha.tu-dortmund.de

Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Ursula Enders zur Problematik von Macht-Missbrauch und sexuellem Missbrauch in Institutionen. In dem Vortrag skizziert sie institutionelle Strukturen, die in Kindertagesstätten, Schulen, stationären Einrichtungen, Kliniken, Vereinen … Missbrauch von Mädchen und Jungen begünstigen, sowie Strategien der Täter/Täterinnen. Sie beschreibt institutionelle Dynamiken in Fällen der Vermutung bzw. Aufdeckung sexueller Gewalt in den eigenen Reihen: Verleugnung, Spaltungen im Team, Ausgrenzung der Opfer und ihrer Angehörigen ... Anschließend werden notwendige Hilfen für Betroffene, deren Angehörigen und Institution(en) aufgezeigt. Der Vortrag nimmt Bezug auf einzelne Bilder der Ausstellung „Macht-Missbrauch“.

Do, 12. 11., 19:00 Uhr Ursula Enders Macht-Missbrauch und sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in Institutionen“

Thomas Schlingmann ist Mitbegründer der Berliner Anlaufstelle Tauwetter für Männer, die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren. Er ist selber Betroffener und berichtet über Erfahrungen aus über 20 Jahren Arbeit mit anderen betroffenen Männern in Selbsthilfe und Beratung und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen. Hinterher ist ausreichend Platz für Fragen und Diskussion. www. tauwetter.de Der Vortrag richtet sich sowohl an Betroffene und deren Angehörigen, als auch an Fachkräfte, die mit Jungen und Männern arbeiten, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexuelle Gewalt erlebten.

Do, 19. 11., 19:00 Uhr Thomas Schlingmann „Von Fluchtwegen, Räuberleitern und steinigen Pfaden – der Umgang betroffener Männer mit der ihnen widerfahrenen sexualisierten Gewalt“

Entstehung und Entwicklung der Gruppe Nebelhorn siehe Ausschreibung vom 5. November

Do, 26. 11., 19:00 Uhr Raúl Avellaneda Dia-Vortrag

Auf der Bühne: Birgit Mehrmann und Carsten Keller anschließend Gespräch mit Ursula Enders In dem Theaterstück werden aus der Perspektive einer Mutter und eines Vaters, deren Tochter ebenso wie andere Kinder von einem Sporttrainer missbraucht wurde, die Belastungen dargestellt, die von sexueller Gewalt betroffene Mädchen und Jungen und deren Eltern bewältigen müssen. Zugleich zeigt das Theaterstück Möglichkeiten auf, wie Vereine, Schulen, Kitas … Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt in den eigenen Reihen schützen können. Schritt für Schritt gewinnen in dem Theaterstück die Eltern des Mädchens wieder Vertrauen in Institutionen, denn ihre Tochter nimmt an der Kinder- und Jugendfreizeit ihres neuen Vereins teil, der sich in vorbildlicher Weise dem Kinderschutz verpflichtet fühlt. Bei der Entwicklung des Theaterstücks wurde Zartbitter von betroffenen Eltern beraten. Mehr Informationen zu „Bei uns (doch) nicht!“ unter www.zartbitter.de

Fr, 27. 11., 19:00 Uhr ZartbitterTourneetheater Bei uns (doch) nicht! Präventionstheaterstück zum Schutz vor sexuellem Missbrauch in Institutionen für Mütter und Väter und allen, die mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen arbeiten

Sexueller Missbrauch ist immer auch Machtmissbrauch – in der evangelischen Kirche gleichermaßen wie in der katholischen. Als Mitglied der Unabhängigen Untersuchungskommission der Missbrauchsfälle in der Evangelisch-Lutherischen Nordkirche untersuchte Ursula Enders u.a. den Zusammenhang von psychischer Gewalt und sexuellem Missbrauch im kirchlichen Kontext - zum Beispiel im Rahmen der Jugendarbeit, im Rahmen seelsorgerischer Begleitung und durch Predigten, die z. B. scheinbar Normen einer fortschrittlichen Sexualität verkündeten, tatsächlich jedoch der Legitimation sexueller Gewalthandlungen und der Vernebelung der Wahrnehmung der Gemeindemitglieder dienten. In ihrem Vortrag nimmt Ursula Enders Bezug auf einzelne Bilder der Ausstellung „Macht-Missbrauch“ der Gruppe Nebelhorn.

Do, 3. 12., 19:00 Uhr Ursula Enders Sexueller Missbrauch und psychische Gewalt in Kirchengemeinden

Die Ausstellung wurde gefördert von: Kämpgen-Stiftung Gold-Kraemer-Stiftung Regionale Kulturförderung des Landschaftsverbands Rheinland

Für den Besuch der Veranstaltungen des Rahmenprogrammes wird jeweils ein Unkostenbeitrag von 5.- € erhoben. Für Hartz-IV-Empfänger ist der Eintritt kostenlos.

SPENDEN & HELFEN

Nebelhorn e.V. IBAN: DE10 3565 0000 0000 1711 99 BIC: WELADED1WES Verbands-Sparkasse Wesel

www.zartbitter.de

Förderverein Zartbitter e.V. IBAN: DE93 3702 0500 0008 1257 00 BIC: BFSWDE33XXX Bank für Sozialwirtschaft Spenden an beide Vereine sind steuerlich absetzbar.