Schülerradio Version 7-10-09vers2

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„Radio macht Schule“ 10 Jahre Schülerradio ein medienpädagogisches Projekt des Unterrichtsministeriums Erfahrungsberichte – Anregungen – Zukunftspersp...

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„Radio macht Schule“ 10 Jahre Schülerradio ein medienpädagogisches Projekt des Unterrichtsministeriums Erfahrungsberichte – Anregungen – Zukunftsperspektiven

SCHÜLERRADIO HÖREN UND SELBST MITMACHEN Im Mittelpunkt der neuen Website www.schuelerradio.at stehen die Sendungen der SchülerInnen – das aktuelle Programm und ein umfassendes und ständig wachsendes Archiv. Ähnlich wie bei einem Audioblog werden die aktuellen Sendungen in chronologischer Reihenfolge auf der Startseite angezeigt (die aktuellste Sendung zuerst). Weiters finden Radiointeressierte ein umfassendes OnlineTutorial zum Thema Radiomachen: von der Ideenfindung über die Recherche zur Aufnahme-Technik bis hin zu Dramaturgie und Schnitt. Über die Website können Sendungen zur Ausstrahlung auf Schülerradio eingereicht werden, man kann sich für eine LiveSendung im ORF-Studio anmelden und bekommt Informationen über Radioworkshop-Angebote und Radio-Wettbewerbe. Für LehrerInnen steht medienpädagogisches Material zur Verfügung, außerdem Erfahrungsberichte von anderen LehrerInnen bzw. von WorkshopleiterInnen. Natürlich auch: Neuigkeiten, aktuelle Informationen über Schwerpunktschulen, preisgekrönte Sendungen und Informationen über das Schülerradio-Projekt.

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Inhaltsverzeichnis Schülerradio gibt Hoffnung für eine andere Kultur im Schulbereich. Interview mit Bundesministerin Dr. Claudia Schmied

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Susanne Krucsay: Schülerradio als medienpädagogische Praxis − Ein Visionär oder vielmehr Radiofan erscheint auf der Bildfläche

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Rainer Rosenberg: Vom experimentellen Projekt zum partizipativen Webradio

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Karl Brousek: Die „Read-and-write“-Kultur

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Franz-Joseph Huainigg: Schülerradio 1476, seine Geschichte und aktuelle Fragestellungen

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Gabriele Woldan: www.schuelerradio.at - ein Medium zur Unterrichtsgestaltung

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RADIOMOMENTE – ERFAHRUNGEN UND ANREGUNGEN – ZUKUNFTSBLICKE

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Heinz Wagner: Wenn keiner auf die Uhr schaut

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Doris Rudlof-Garreis: Ist das wirklich meine Klasse? Überraschungen aus der Radiowerkstatt

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Evelyn Kanya: Mehr, bitte!

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Simone Wiesauer: Von der Schülerin zur Medienexpertin

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Hildegard Griebl-Shehata: Auf Menschen zugehen – Ängste überwinden – Texte schreiben und moderieren

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Angelika Hödl: Es gibt Anfänge, auf die wir gerne zurückblicken – Was in SchülerInnen steckt, wird durchs Schülerradio entdeckt

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Hans Marizzi: Als Reporter unterwegs

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Helmut Hostnig: Radiomachen als soziales Instrument und Bildungsauftrag

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Manfred Pilsz: Von "SCHÄXPIR ON AIR" zu "FERIENFRECH"

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Erika Bergthaler / Wolfgang Kuranda: Stationen eines Radioprojekts

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Miriam Morad: In der Vergangenheit des literarischen Quartetts blättern

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Jutta Kleedorfer: Schülerradio eröffnet LehrerInnen neue Wege

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Catarina Pratter / Martin Stepanek: Radiomachen als nachhaltiger Prozess

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SCHÜLERRADIO HÖREN UND SELBST MITMACHEN

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in dem „Querlesen” mehr oder weniger unmöglich ist. Im Produktionsprozess selbst schulen sie darüber hinaus ihre Fähigkeit, aktiv und bewusst Informationen auf rein akustische Weise aufzunehmen. In einer Welt, die zunehmend von globalen, multimedialen Kommunikationsnetzwerken abhängig wird, kann es unserer Meinung nach nur von Vorteil sein, Personen auszubilden, die die Fähigkeit besitzen, mit den Ohren zu sehen.

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Die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche hat auch vor dem Radio nicht haltgemacht. Und das keineswegs zu seinem Nachteil. Podcasts, Internet-Radios und immer billiger werdende Computer geben uns immer mehr Möglichkeiten zu kreativem Ausdruck und der Schaffung von Öffentlichkeit in die Hand. Je komplexer aber unsere Welt wird, desto mehr machen wir die Erfahrung, wie hilfreich und oft sogar notwendig die Vereinfachung dieser Komplexität ist. Das gilt auch für die von uns geschaffenen Medienwelten. Insofern hat die Beschäftigung mit dem Medium Radio als rein akustisches Angebot an uns vielleicht gerade heute eine doppelte Berechtigung in der Medienpädagogik. Es kappt gegenüber Film, Video und Fernsehen nicht nur einen Sinneskanal, sondern es koppelt die Verantwortung für die Informationsverarbeitung darüber hinaus an ein Sinnesorgan, das wir in unserer visuell geprägten Kultur normalerweise nur selten bewusst benutzen: das Ohr. Das Radio unterscheidet sich in der Form der Informationsverarbeitung aber noch gegenüber einem anderen, in unserer Kultur stark benutzten Medium: dem Text. Wir sind ständig mit schriftlichen Informationen konfrontiert und gehen wohl recht selbstverständlich von der Annahme aus, dass alle diese Texte auch akustisch reproduzierbar sind. Aber nur ein überraschend geringer Teil davon ist so gebaut, dass er verständlich bleibt, wenn er gesprochen wird. Auch hier kann die Beschäftigung mit Radio Bewusstsein schaffen. Wir gehen meist recht selbstverständlich von der Annahme aus, dass Texte lineare Medien sind. Allerdings übersehen wir dabei regelmäßig, wie sehr Satzzeichen, die graphische Hervorhebung von Kapitelüberschriften, Zeileneinrückungen und viele andere Konventionen und graphische Hilfsmittel Texte so strukturieren, dass ein „Querlesen” möglich wird. Aus dieser Perspektive erscheinen Texte eher als hierarchisch geordnete Ebenen von Information. Das Radio verlangt hingegen von den Produzierenden ein Nachdenken darüber, wie miteinander verknüpfte Informationen in einem flüchtigen, stark von Linearität geprägten Medium präsentiert werden können, 56

Conny Peham, geboren 1992, besucht die De la Salle Schule Strebersdorf. Sie wurde durch ihre Deutschprofessorin (Mag. Elisabeth Thoman) auf das Schülerradio aufmerksam. Reportagen und Interviews zählen zu ihren Interessengebieten in der Radioarbeit.

erradio gibt Hoffnung für eine andereSchSchülerradio gibt Hoffnung für eine andere Kultur im Schulbereich. Conny Peham führte für das Schülerradio mit Bundesministerin Dr. Claudia Schmied ein Gespräch über Morgenstunden im Ö1Studio, Hörerlebnisse im Dienstauto und die Vorbildwirkung des Radioprojektes. Radio oder Fernsehen, welches Medium konsumieren Sie öfter und warum? Seit ich Ministerin bin, höre ich meistens Radio. Radio geht zwischendurch. Vor allem Nachrichten sind für mich wichtig. Was hören Sie am liebsten im Radio? Für mich ist das Ö1-Morgenjournal am wichtigsten, es bestimmt dann oftmals auch meinen Tagesablauf. Finden Sie Radio heute noch zeitgemäß? Klares Ja! Wenn wir vormittags eine Pressekonferenz geben, dann ist das Mittagsjournal eines der ersten Medien, über das ganz viele Menschen sehr präzise und authentisch informiert werden. In welchen Situationen hören Sie am liebsten Radio? Jetzt in meiner Funktion als Ministerin am liebsten im Auto. Für mich ist die Überwindung von Distanzen, die Zeit, in der ich mich am meisten entspanne. Fällt Ihnen ein Radiomoment ein, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? Einmal ganz früh im Morgengrauen, im Ö1-Studio. Es war gerade Schulstart. In ganz kurzer Zeit sollte ich alle Projekte erwähnen, die wir gerade neu begonnen hatten. Da bekam 5

ich einen furchtbaren Druck, keines meiner Lieblingsprojekte zu vergessen. Was halten Sie davon, dass es im Web-Radio vielen Menschen möglich ist, Radio zu machen? Gerade in Vorbereitung zu diesem Interview habe ich gemerkt, wie fein es ist, dass man Sendungen aus der Vergangenheit problemlos nachhören kann. Vom Schülerradio habe ich mir die Sendung „Linz 2009“ angehört, bei der SchülerInnen Passanten befragt haben. Dieser unmittelbare Zugang, losgelöst von den Originalsendezeiten, ist für mich ein hoher Komfort. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Zutaten für eine gelungene Sendung? Wichtig ist, dass die Produktion den Radiomachern Spaß macht. Diese Atmosphäre hört man auch in den Sendungen. Ich war einmal bei Ö3 eingeladen zur Produktion einer Sendung. Ich habe gespürt, in welcher Stimmung die Leute sind, und das überträgt sich dann auch auf die Sendung. Wie gefällt Ihnen die Arbeit des Schülerradio-Teams? Ich bin hoch zufrieden mit dem Schülerradio. Seit 10 Jahren gibt es dieses Projekt. Was mir wichtig ist, es braucht hier keine Erlässe oder Gesetze, sondern es ist die Initiative von engagierten Menschen. Das gibt auch die Hoffnung, dass wir an der Kultur im Schulbereich etwas ändern können und dass Freude und Spaß in Zukunft noch mehr Rolle spielen. 10 Jahre Schülerradio – Was fällt Ihnen dazu ein? Dass ganz viele Schüler hoch motiviert sind. Das geht sogar so weit, dass es an Schulen Schülerradio gibt, z.B. in der Pause. Ich war in Kärnten auf Besuch in einer Schule, dort wurde ich interviewt und alle Schüler konnten es in der großen Pause über das Radio hören. Das war so professionell und unmittelbar. Ich glaube, dass wir mit dem Projekt Schülerradio gemeinsam etwas Gutes tun.

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Die Medianauten Catarina Prater und Martin Stepanek betreuen seit einigen Jahren Radio-, Hörspiel und Musikprojekte mit SchülerInnen, LehrerInnen und StudentInnen in ganz Österreich. Zusammen gefunden haben Mag. Martin Stepanek, Mag. Catarina Pratter und Matthias Lichtenegger 1996 als sie als DJs und Musikproduzenten Hörspiele, Theatermusik und Tonträger produzierten.

Catarina Pratter / Martin Stepanek

Radiomachen als nachhaltiger Prozess Am Beginn unserer Radio-Workshops an Schulen begegnen wir zunächst meist etwas skeptisch dreinblickenden SchülerInnen, die sich unter der Aufgabenstellung „Wir machen eine Radiosendung” (oder ein Hörspiel) nicht wirklich viel vorstellen können. Radio – das ist für Schülerinnen und Schüler heute offenbar ein unbedeutendes Berieselungsmedium, mit dem Erwachsene Autofahrten oder Arbeiten im Haushalt überbrücken. Für sie spielt es nur eine sehr untergeordnete Rolle. Am Ende eines solchen Workshops hat sich meist viel getan, das vielleicht das Verhältnis zum Medium Radio generell nicht geändert hat, aber doch einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Schülerinnen und Schüler haben in einem kreativen Gruppenprozess, durch uns begleitet, ein selbstgewähltes Thema von einem Haufen vager Ideen in ein Sendungskonzept transformiert und dieses umgesetzt. Die oft knappe Zeit erfordert dabei von ihnen hochkonzentrierte Arbeit in einer Form, die in der Schule sonst kaum vorkommt: selbstbestimmte, kreative Arbeit in großen Teams, das Einbringen der eigenen Phantasie und die zielgerichtete Kommunikation von Ideen. Dass so etwas gelingt, Spaß macht und ein Ergebnis erzeugt, auf das Lernende wie Lehrende und auch wir selbst als Begleiter dieses Prozesses stolz sein können, ist eine wunderbare Überraschung, die sich für alle Beteiligten mit jedem gelungenen Workshop aufs Neue einstellt. 55

Mit tatkräftiger Unterstützung des Medienpädagogen Udo Somma wurde anhand eines preisgekrönten österreichischen Kinderbuches eine „Klanglandschaft“ (soundscape) von Wien gestaltet, die internationale Anerkennung gefunden hat. Dieses Modell ist mittlerweile europaweit ein fester Bestandteil bei den ErasmusProgrammen für Studierende im „European Village“ geworden.

Wir würden uns freuen, wenn Produktionen des Schülerradios einen regelmäßigen Sendeplatz in öffentlich-rechtlichen Radiostationen hätten. Hätten Sie Vorschläge für uns? Ich glaube, dass das ganz schwer umzusetzen ist, wenn Sie meine persönliche Meinung hören wollen. Da ich ein absoluter Fan von Ö1 bin, bin ich davon überzeugt, dass wir mit der Kooperation und diesem Sendeplatz hoch zufrieden sein können.

In einer Zeit der Bilderflut ist das Zuhören-Können wie Zuhören-Wollen von pädagogischer Bedeutsamkeit. Im schulischen Alltag erscheint gerade eine intensive Auseinandersetzung mit dem Hören wie eine effiziente Schulung der Gesamtwahrnehmung notwendiger denn je. Eine stärkere Berücksichtigung der Hördidaktik bringt dem Sprachunterricht eine Bereicherung in vielfacher Hinsicht: Es wird eine vertiefte fachliche Auseinandersetzung mit der sprachlichen Wahrnehmung ermöglicht, es werden differenzierte Kompetenzen und dynamische Fähigkeiten im Umgang mit Sprache geschult, die schulische Arbeitsatmosphäre und die Lernmotivation werden positiv verstärkt. So bietet z.B. die Gestaltung von so genannten „Soundscapes“ einer Schule, eines Klassenzimmers, eines Stadtviertels etc. eine Möglichkeit, ganzheitlich Wissen und Bedeutung von Orten, Menschen und Befindlichkeiten zu generieren. Schülerradio eröffnet Wege zur Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen auf ihrer Suche nach Leben, Identität und Heimat und leistet auch einen Beitrag zur Gewaltprävention und Friedenserziehung.

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Foto: medianauten

Danke für das Interview!

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Susanne Krucsay war von 1995 bis 2008 Leiterin der Abteilung Medienpädagogik/Medienservice im Unterrichtsministerium. Arbeitet derzeit dort als Konsulentin in Angelegenheiten der Medienpädagogik. Chefredakteurin der MEDIENIMPULSE. Mitglied der Expertengruppe 'Media Literacy' der EU-Kommission.

Susanne Krucsay

Schülerradio als medienpädagogische Praxis Ein Visionär oder vielmehr Radiofan erscheint auf der Bildfläche Ende 1997 gesellte sich Franz Huainigg zum Team der Abteilung für Medienpädagogik mit einer Vision im Kopf: Radio machen. Diese Vision sollte zunächst in den Rahmen der Praktischen Medienerziehung eingebettet werden, in der bis dahin audio-visuelle Medien, einfacher gesagt, Videofilme mit interessierten SchülerInnen und LehrerInnen produziert worden waren. Dass Video produzieren zunächst reizvoller ist als die Befassung mit dem Hörmedium, lag auf der Hand. Andererseits ging es hier nicht allein um ein auditives Medium, sondern auch – und das ist nicht zu unterschätzen – um dessen Breitenwirkung. Und diese sollte dank der Ausstrahlung im Radio gewährleistet werden. Trotzdem erschien es uns wichtig, das weniger spektakuläre auditive Medium auf seine medienpädagogischen Eigenschaften und Möglichkeiten zu analysieren und in der Folge die Ergebnisse in das Programm einzubinden. Ein kurzer theoretischer Einschub muss sein Hören ist genauso ein Teil der Weltwahrnehmung, der Säugling kann Geräusche früher orten als er seinem Gesichtssinn Gestalt und Richtung geben kann, aber trotzdem hat das 8

richt etablieren konnte und zu einem fixen Bestandteil der medienpädagogischen Ausbildung für angehende LehrerInnen wurde. Das Projekt Schülerradio wurde für mich als Lehrende zu einer Erfolgsgeschichte: Man muss erleben, wie junge Menschen mit rudimentären Vorkenntnissen und Materialien sich dem Medium Radio in den handlungs- und kommunikationsintensiven Workshops nähern, wie sie sich engagieren und fasziniert davon, sich selbst und die eigene Wahrnehmung auf eine neue, bis dahin unerhörte Weise erfahren und erleben. Die öffentliche Ausstrahlung der selbst gestalteten Sendungen und die Dokumentation der eigenen Beiträge dazu auf CD bestätigen den TeilnehmerInnen ihre Leistungen und motivieren, sich mit den Kommunikationsmedien kritisch und kompetent auseinanderzusetzen. Da gibt es einige Highlights zu berichten: UnterrichtspraktikantInnen mit der Fächerkombination Deutsch/Musik studierten für „ihren“ Radio-Workshop eigens a-capella-Vokalmusik ein, sie konnten sich in Folge als Gruppe gut vermarkten. TeilnehmerInnen berichteten von erfolgreichen Bewerbungen für Auslandspraktika aufgrund von Erfahrungen mit Schülerradio. Eine angehende Lehrerin entdeckte, dass ihre Stimme besser in ein Sprecherstudio als in ein Klassenzimmer passte, und fand ihren Traumberuf. Ein junger Hauptschullehrer erspürte über die primäre Anwendungsfunktion des Radios hinaus die kreativen Möglichkeiten der Wort- wie der Musikgestaltung in die sem Medium. Er entwickelte eigenständig themenspezifische Workshops für den Buchklub, die gerne gebucht werden. Schließlich soll auf das Projekt „Klangbrücke WienOsnabrück“ hingewiesen werden, in dem Studierende der KPH Wien auf Einladung der Universität wie der Stadt Osnabrück anlässlich des großen Friedensfestes 2008 gebeten wurden, einen Hörbeitrag zu gestalten: 53

Jutta Kleedorfer, Professorin für Deutschdidaktik und Kinder- und Jugendliteratur an der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule (KPH) in Wien, Generalsekretärin der Austrian Reading Association, Mitglied einer Gutachterkommission des Unterrichtsministeriums für a.-v.Unterrichtsmittel, Autorin und Jurorin.

Jutta Kleedorfer

Schülerradio eröffnet LehrerInnen neue Wege Wer hätte vor zehn Jahren – als noch das Fernsehen das Alltagsleben und die Zeitnutzung von Kindern und Jugendlichen dominierte – gedacht, dass ein Projekt wie Schülerradio SchülerInnen und LehrerInnen interessieren könnte? In meiner damaligen Wahrnehmung stieß daher das Angebot, beim Schülerradio mitzumachen, auf Skepsis. Ich wurde sehr rasch eines Besseren belehrt: Mit der „Radiobox“ als theoretisch fundiertem, edukatorisch informativem Rüstzeug, betreut von engagierten Radiojournalisten und unterstützt vom Unterrichtsministerium wurden die Workshops Schülerradio in den ORF-Studios wie bei Wien-Xtra zu einem nachhaltigen Erlebnis: Zuerst nahm ich an dem Projekt mit meinen SchülerInnen teil, dann mit den gymnasialen UnterrichtspraktikantInnen und schließlich mit angehenden LehrerInnen der Sekundarstufe I der Pädagogischen Akademie wie nun der KPH Wien. Diese handlungsorientierten Workshops „Radiomachen“ bildeten die Grundlage einer nachhaltigen Entwicklung („sustainable development“) – dieser inflationär gewordene Begriff trifft hier wirklich den Kern der Sache –, da sich in diesen zehn Jahren die eigenständige, aktive Auseinandersetzung mit dem Medium „Radio“ im Bereich von Schule und Unter52

Sehen in unserer Geistesgeschichte seit der Antike eine größere Bedeutung für die Erfassung der Welt als das Hören. Mit dem Ausspruch „Das Auge ist ein Herr, das Ohr ein Knecht, jenes schaut um, wohin es will, dieses nimmt auf, was ihm zugeführt wird“, stellt Jakob Grimm die Vorherrschaft des Gesichtssinnes über den Gehörsinn unmissverständlich fest. Er begründet die Rangordnung mit einer ethischen Reihung der willkürlichen, vom Menschen beabsichtigten und gelenkten Handlung vor der unfreiwilligen, bloß durch das Sinnesorgan ermöglichten Wahrnehmung. Ich kann ihm nicht zustimmen: Analog dem dem Sinnesorgan Auge zugewiesenen Wortpaar „sehen-schauen“ gibt es das dem Ohr zugeordnete Paar „hören-zuhören“. Beide Wortpaare beruhen auf den Prinzipien des unwillkürlichen Zustandes bzw. des beabsichtigten, vom Bewusstsein geleiteten Tuns. Beide entsprechen – ich bin mir der Kühnheit der gedanklichen Schleife durchaus bewusst – der Dichotomie: Medienkonsum (visuelle und/oder auditive Berieselung) – Mediennutzung (Bewusstheit im Umgang mit Medien) … zurück zur Praxis Mit der ihm eigenen Zähigkeit ging Franz-Joseph Huainigg ans Werk: In Rainer Rosenberg, dem Leiter von Mittelwelle 1476, in dem sich Brechts Radiotheorie zu verwirklichen schien, fand er bald einen kongenialen Partner. Nach eingehenden Besprechungen, die hin und wieder durchaus widersprüchlich waren, hieß es dann: Wo geht’s hier zum Schülerradio? oder: Radio let’s do it! Wie sich Praxis und Theorie vereinigen Der pädagogischen Zielkategorie ‚Emanzipation‘ können wir die Produktion von auditiven Medien zuordnen. Die reizvollste und am häufigsten praktizierte Variante ist zweifellos das Radiomachen, das durch das Vorhandensein von privaten Radiosendern leichter zu realisieren ist. Auch der ORF stellt diesen Bestrebungen eine Sendeleiste zur Verfügung: Montag bis Freitag von 19:30 – 20:00 Uhr ist das von der Abteilung 9

Medienpädagogik betreute Schülerradio auf der Wellenlänge 1476 MW „on air“. Aufgrund der technischen Entwicklung wird es auch zunehmend leichter, im Klassenzimmer die Möglichkeiten des Kassettenrekorders/Tonbandgerätes/digitaler Aufnahmegeräte auf spielerisch-kreative Weise zu nutzen. Texte unterschiedlichster Art können produziert werden – dabei können die Kinder und Jugendlichen die Erfahrungen, die sie im Verlauf der Produktion machen, zu den anderen zwei medienpädagogischen Zugängen: Auseinandersetzung mit Medienerfahrungen und Medienwirkungen sowie Auseinandersetzung mit Medienprodukten und Medieninstitutionen, rückkoppeln. Der produktive Aspekt leistet somit einen wesentlichen Beitrag dazu, dass „Kinder und Jugendliche durch aktiven Umgang mit auditiven Medien ihrer Lebenspraxis Sprache geben ihrer Phantasie und Kreativität Ausdruck verleihen medienspezifische Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben einen ‚anderen‘ Mediengebrauch zur Gestaltung gesellschaftlicher Wirklichkeit erproben.“ (Schill 22) Produktion von eigenen Medien ist, wie im oben erwähnten Zitat von Schill ausgeführt, ohne Kreativität nicht möglich. Kreativität erinnert gleichzeitig an die Europäische Charta für Medienkompetenz, eine NGO-Initiative, die ausführt, was medienkompetente Menschen des 21. Jahrhunderts können. Dieses Können basiert auf drei Säulen, den sogenannten drei Ks: Kritisches denken, Kreativität und Kulturelles Bewusstsein. Schülerradio erfüllt als produktive Praxis alle diese drei Zielsetzungen. Nunmehr geht es darum, das Projekt nachhaltig zu sichern.

Es gab auch schon sehr lustige Situationen, als z.B. eine Teilnehmerin plötzlich einen Hustenanfall bekam oder als es galt ein Bilderbuch vorzustellen und jeder in seinem Buch immer wieder die Seiten umblätterte, was sich in meinen, mit Lautsprechern beschallten Ohren wie ein Orkan anhörte. Und als es einmal nur zwei von vier Teilnehmern ins Studio geschafft hatten, hatte Christopher einfach einen weiteren Gast mit englischem Akzent dazugesellt. Er machte das genial, doch war es gar nicht einfach das Lachen zu unterdrücken, weil es irrsinnig komisch war und gleichzeitig auch viel Konzentration erforderte, den unsichtbaren englischen Teilnehmer in das Gespräch einzubeziehen. Dabei wuchs Christopher über sich hinaus. Solche unerwarteten Momente und Situationen machen die Sendungen im Studio immer spannend, aufregend und neu. Die Buchdiskussionen im Sendestudio erfreuen sich bei den Mitwirkenden großer Beliebtheit und bedeuten eine wichtige Erfahrung im Umgang mit dem Hörmedium. Gilt es doch, in sehr kurzer Zeit einem unsichtbaren Publikum so viel wie möglich mitzuteilen. Für die Jury der Jungen Leser/Jury der Jungen Kritiker war und ist das Schülerradio eine wunderbare Einrichtung, die eine weitere Möglichkeit für junge Menschen schafft, sich zu artikulieren, Gehör zu verschaffen und zu Wort zu kommen. Eine Bühne, von der aus sie hörbar agieren können. Ein Forum, in dem sie Erfahrungen sammeln und wachsen können.

Literatur: Hüther/Schorb/Brehm-Klotz(Hrsg.): Grundbegriffe Medienpädagogik. Kopäd-München 1997 Schill, Wolfgang: Auditive Medien im Unterricht. In: medien praktisch 1/98, S.19-22. 10

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Mehrere Male hatten wir AutorInnen persönlich im Studio, oder aber wir holten per Telefon ihre Stimmen in die Livesendung. Manchmal habe ich damit die Jugendlichen überrascht, was der Diskussion viel Lebendigkeit verlieh. Lebendig und hitzig ging es auch zu, wenn es konträre Meinungen zu einem Buch gab. Das heizte die Stimmung im Studio besonders an und verlieh ihr die nötige Würze. Eine Sendung war besonders aufregend und berührend, als wir das Buch ,Cut’ von Patricia McCormick vorstellten. Dazu hatten wir eine ehemalige Jurorin eingeladen, von der ich wusste, dass sie sich ritzt. Sie ist der Aufforderung sofort gefolgt und gab freimütig Auskunft. Für sie war es befreiend, darüber reden zu können, und uns machte sie sehr nachdenklich. Es gab Sendungen, in denen Interviews, die die Jury der Jungen Leser auf der Frankfurter Buchmesse oder auf der Buchmesse in Leipzig mit AutorInnen, LektorInnen oder Verlagsleuten geführt hat, wiedergegeben wurden, bzw. sie über ihre Eindrücke von den Buchmessen berichteten. Einmal, zum 10-jährigen Buchdiskussions-Jubiläum hatten wir eine Jugendjury aus Mecklenburg-Vorpommern eingeladen und zusammen eine Livesendung im Schülerradio abgehalten, was sehr lehrreich war. Da jede/r nur ein Buch gelesen hatte, war eine Buchdiskussion nicht möglich. In solchen Livesituationen heißt es schnell improvisieren und die Gestaltung ändern. Für mich persönlich zählen die Buchdiskussionen im Aufnahmestudio zu den interessantesten und zufriedenstellendsten, da alle konzentriert bei der Sache sind. Die TeilnehmerInnen selbst empfinden das ebenso. Es ist natürlich nicht ganz so leicht, da man nicht einfach drauflosplaudern kann wie in einer normalen Buchdiskussion im vertrauten Raum, wo Zeit eine untergeordnete Rolle spielt. Beim Hörfunk geht es darum, einem nicht vorhandenen Publikum, das nur mit den Ohren dabei sein kann, das, was man sagen will, so zu präsentieren und präzisieren, dass es verstanden wird. 50

Rainer Rosenberg hat Journalismus schon immer fasziniert. Seine ORF-Karriere begann in der Ö3 Musicbox, er entwickelte als Leiter der Jugend Redaktion Fernsehen die Sendung „X-Large“. Sein Weg führte ihn aber 1989 zum Radio zurück, als Leiter der Hauptabteilung Gesellschaft, Jugend, Familie. 1995 wird er Leiter der Produktionsgruppe „Spezialprogramme“ und ist unter anderem für die Ö1Sendungen „Von Tag zu Tag“, „Moment - Leben heute“, „Menschenbilder“ und das Kinderradio verantwortlich. 1997 startete er das Mittelwellen Radio, an dem auch Schülerradio mitwirkte und das jetzt als Webradio „oe1campus“ weitergeführt wird.

Rainer Rosenberg

Vom experimentellen Projekt zum partizipativen Webradio Beginn der Kooperation zwischen Unterrichtsministerium und ORF Ich war sehr froh, als mich Franz-Joseph Huainigg fragte, ob ich mir vorstellen könnte, auf Mittelwelle ein Schülerradioprojekt zu starten. Besonders weil ich überzeugt bin, dass Radio durch seinen dialogischen Charakter optimal geeignet ist, Bildungsfunktionen zu erfüllen, die weit über das Produzieren von Sendungen hinausgehen. Durch seine Tätigkeit im Unterrichtsministerium und seine vielfältigen Erfahrungen nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Radiomacher war er ein idealer Partner für neue Ideen. Franz-Joseph Huainigg ist ein Meister im Verbreiten von Aufbruchstimmung und er hat auch die Fähigkeit Dinge konsequent zu verfolgen. Das hat dem Projekt Schülerradio extrem genützt, die Abteilung Medienpädagogik im Unterrichtsministerium hat das Projekt unterstützt, und was viel wichtiger ist, Schülerinnen und Schüler und ihre LehrerInnen hatten großes Interesse. Mich hat immer wieder mit Stolz erfüllt, wie vielen Jugendlichen durch dieses Projekt Radiomachen nähergebracht wurde. Und es sind SchülerInnnen prak11

tisch jeder Altersgruppe, die durch teilweise extrem engagierte Lehrerinnen und Lehrer ihre Radioerfahrungen sammeln. Das Schülerradio auf Mittelwelle zog sogar die Gründung eines Lokalradios in Niederösterreich nach sich. Der „Moment-Schülerradio-Preis“ setzte neue Impulse Um das Engagement der LehrerInnen und SchülerInnen am Leben zu erhalten und zu fördern, haben wir von Ö1 den „Moment-Schülerradio-Preis“ ins Leben gerufen. Es gibt PreisträgerInnen praktisch jeden Schüleralters, und es ist für uns besonders erfreulich, wie viel Freude und Motivation der Preis jedes Jahr stiftet. Zudem verschafft er dem Projekt Öffentlichkeit, die Sendungen auf Ö1 über Schülerradio finden regelmäßig sehr positives Echo. Die Weiterentwicklung des Schülerradios Vor 10 Jahren hätte ich nicht gedacht, dass wir einmal 10 Jahre Schülerradio feiern könnten. Radio 1476 war ein sehr improvisiertes, experimentelles Projekt – nun gilt es nicht die inzwischen vorübergegangene Revitalisierung der Mittelwelle zu feiern, sondern das Finden eines neuen Weges Radio den Menschen anzubieten. Außerdem arbeiten wir an neuen Möglichkeiten, Beiträge im Webradio „oe1campus“ einzubringen und zu verteilen. Vielleicht können wir in 10 Jahren eine partizipative Weiterentwicklung des Radios im Web feiern ...

Wie alles begonnen hat? Nun, als das Unterrichtsministerium uns einlud mitzumachen, gestalteten die JurorInnen eine Sendung über das Preisbuch 1999 ‚Ein Dach in Brooklyn’ von Unni Nielsen, mit einem Interview der Autorin und Musikcollagen der Toccata und Fuge in d-Moll von J.S. Bach, die ein junger österreichischer Musiker auf dem Akkordeon (!) spielte. Wann war die allererste Livesendung? Aha, am 17. November 1999 stellten wir Anne Fine, ‚Familienspiel’ und Thierry, ‚Das Mädchen am Kanal’, vor. Es ging um Familienkonstellationen und sexuellen Missbrauch. Die damaligen TeilnehmerInnen sind längst aus den Buchdiskussionen der Jury der Jungen Leser herausgewachsen und im letzten Drittel ihres Studiums. In all der Zeit, in der es auch Pausen gab, wurden ca. 60 Bücher vorgestellt und darüber diskutiert. Diese Sendungen waren immer live und daher besonders spannend und aufregend. Die Erfahrung lehrte, dass sich junge Menschen nicht gerne wiederholen, d.h., je mehr vorher argumentiert wird, desto dürftiger fällt die Enddiskussion aus. Deshalb wurden die zur Besprechung ausgewählten Bücher erst im Studio live vor dem Mikrofon in Angriff genommen, was die Spannung und auch Neugier erhöhte. Auch verkürzte sich dadurch die Nervosität vor der Sendung. Es war und ist jedes Mal eine neue Herausforderung, die auf kurze Zeit die gesamte Konzentration erfordert und zuletzt alle sehr befriedigt. Gelang etwas weniger gut, dann konnte man das nächste Mal darauf achten. Für mich ist es ideal, da es keine Zwischengespräche gibt und jeder voll und ganz mit dabei ist. Alle lernten, in kurzer Zeit möglichst viel unterzubringen. Die Erfahrung für mich war, dass es nicht notwendig ist, so viel Hintergrundwissen in die Sendung einzubringen, sondern ruhig und gelassen das Gespräch in Gang zu halten, Sicherheit zu geben und die Zeit einzuhalten. Und allen bereitete es immer Spaß. Es war jedes Mal ein Sprung ins kalte Wasser, aber alle lernten damit umzugehen.

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Mirjam Morad ist geborene (Nieder)Österreicherin, Studium der Kultur- und Sozialanthropologie, Wissenschaftliche Vorträge und Publikationen zur Erzählforschung. Leseförderung im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur. Seit 1993 Buchdiskussionen mit jungen Menschen, Jury der Jungen Leser/Jury der Jungen Kritiker.

Karl Brousek, geboren 1953, seit 1982 im Unterrichtsministerium im Medienbereich tätig. Autor zahlreicher Dokumentarfilme. Als Leiter des Referates Praktische Medienerziehung verantwortlich für Projekte der Jugendmedienarbeit, wie Schülerradio oder media literacy award [mla].

Mirjam Morad

Karl Brousek

In der Vergangenheit des literarischen Quartetts blättern

Die „Read-and-write“-Kultur

Einen Beitrag schreiben. Wieder einmal – wie lästig. Rückschau halten, wo man doch so beschäftigt ist mit der Gegenwart. Doch als ich erst einmal in den Aufzeichnungen zu blättern beginne – bin ich schnell wieder mitten drinnen und erlebe bruchstückweise alles nochmals.

Foto: ORF

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Einige wenige machten Massenmedien für viele; ein Wesenszug des industriellen Zeitalters, wo eine kleine Anzahl von Medienmachern, Meinungsbeeinflussern und Kulturschaffenden Printmedien, Töne und Bilder herstellte und vertrieb. Digitale Medien und Netzwerke haben eine Dezentralisierung des Produzierens und Austauschens von Informationen, von Wissen und Codes ausgelöst. Mit dem leichteren Zugang zur Medienproduktion ist ein Demokratisierungsprozess eingeleitet, dessen Folgen nicht absehbar sind. Wohin werden sich demokratische Prozesse und Strukturen verändern, wenn Menschen mitentscheiden, worüber berichtet oder kommuniziert wird? Wie wird diese oft anarchistische Parallelwelt gegenüber den globalen aber auch regionalen Monopolen bestehen können? Mit der Chance Medien selbst zu produzieren und damit Bedürfnisse, Ängste, Wünsche und Forderungen öffentlich zu machen, ist ein Quantensprung in der Demokratisierung unserer Gesellschaft im Gange. Besonders die heute jugendlichen Menschen, denen oft Distanz zur Politik vorgeworfen wird, nutzen diese neuen Kanäle und Plattformen. Die staatslenkende Politik hat die Dimension dieser Entwicklung nur ansatzweise begriffen. In digitaler Terminologie gesprochen, bewegen wir uns von der „Read-only"- zur „Read-and-write"-Kultur. Die neuen Tech13

nologien ermöglichen den Menschen nunmehr maßgeblich an der Kultur- und Informationsproduktion teilzunehmen, ihren eigenen „content“ herzustellen und zu veröffentlichen. Neue dezentralisierte Modelle der medialen Kommunikation orientieren sich eher an sozialen Strukturen, individuellen Motivationen und realen Bedürfnissen, anstatt an Märkten, Firmen oder Regierungen. Eine Herausforderung, die alle Instanzen der Gesellschaft betrifft – besonders den Bildungsbereich. Im Informations- und Kommunikationszeitalter lassen Betreiber und Konsumenten die Grenzen der Medien und ihre Produktionsweisen und der daraus folgenden Rezeption fließend werden oder ganz verschwinden. Der von vielen Wissenschaftern befürchtete „knowledge gap“ das Zunehmen der Wissenskluft zwischen denen, die mit den Medien umgehen können, und denen, die damit überfordert sind oder keinen Zugang haben, lässt sich nur durch die Schaffung von Medienkompetenz verhindern. Diese Medienkompetenz wird sich aber wesentlich auf dem Selbstverständnis in einer digitalisierten Welt begründen. Im Sinne einer praktischen Medienerziehung sollten nicht nur die Aussichten auf eine „schöne neue Welt" oder der Umgang mit den neuen Medien vermittelt werden, sondern es sollten vor allem die Voraussetzungen für einen kritischen, kreativen und reflexiven Umgang mit diesen geschaffen werden. Dabei ist es wichtig, die Codes und Konventionen von Mediensprachen zu erlernen und damit befähigt zu sein, sie zu erkennen und zu analysieren, Textkompetenz zu erweitern und eigene Töne und Bilder zu suchen. Ziel ist es daher, sich in einer medial geprägten Welt auch selbst ausdrücken und letztlich zu alternativen Produktionsformen finden zu können. SchülerInnen, die Medien selbst machen, erleben die Eigengesetzlichkeit des Produktionsprozesses, seine Rahmenbedingungen, seine Eigendynamik, aber auch die Grenzen der Machbarkeit.

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verschiedenen Schülergruppen der Oberstufe wurde zum Thema Meinungsfreiheit gearbeitet. Eine Projektarbeit im wahrsten Sinne des Wortes. Schülerund Lehrerbefragungen, Straßeninterviews und Gespräche mit drei Generationen (Großeltern, Eltern und Kinder), Ausdruck der eigenen Meinung durch Kleidung, durch Musik, durch die Sprache oder sogar durch eine völlig neue Frisur gaben dem Ganzen einen umfassenden Inhalt. Das in Freistadt mit und von SchülerInnen gesammelte Material wurde zu fünf- bis zehnminütigen Sendungen verarbeitet, die dann als Impuls im Unterricht eingesetzt werden können. Die Ehre, als Studienobjekt für den schwedischen Bildungsfunk ausgewählt worden zu sein, verdankt das Gymnasium Freistadt dem Latein- und Deutschprofessor Mag. Manfred Seidl, der jahrelang an der Deutschen Schule in Stockholm unterrichtete und den Kontakt zu seiner „alten“ Schule vermittelt hat. Radiomatura Seitdem das Radio an unserer Schule etabliert ist, ist es für SchülerInnen möglich, im Radio zu maturieren. Da die Matura eine öffentliche Prüfung ist, gab es von den jeweiligen Vorsitzenden keine Einwände. Natürlich nehmen diese Gelegenheit nur SchülerInnen wahr, die zuvor schon im Radio mitgearbeitet haben. Es können die SchülerInnen sowohl in einzelnen Fächern (z.B. Latein, Geographie, Deutsch) maturieren als auch, wenn sie den Wahlpflichtgegenstand Radio inskribiert haben, über die Radioarbeit an sich. Während im ersten Fall einfach die Öffentlichkeit einer Maturaprüfung beiwohnen kann, werden im zweiten Fall Fertigkeiten, wie z.B. Moderieren, Texte lesen, Technik usw. abgeprüft und angewendet. Mit dieser Möglichkeit schafft das Gymnasium Freistadt, die Matura betreffend, eine gewisse Transparenz und eine spezielle Form der Öffentlichkeit, die gerne angenommen wird.

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Da die Diagonale zu diesem Zeitpunkt mehr Zugang zu Schulen suchte, und das in Verbindung mit einem zusätzlichen Medium außer Film, kam der Vorschlag von der damaligen Intendanz, Frau Birgit Flos, ob wir nicht an einer Zusammenarbeit interessiert wären. Wir starteten zusammen ein großes Projekt. Alle unsere OberstufenschülerInnen sahen von Oktober bis Dezember 2004 Produktionen des österreichischen Films (natürlich in Blöcken) und wurden von MitarbeiterInnen der Diagonale, die nach Freistadt kamen, beim Schauen unterstützt bzw. zum Denken angeregt und über Filmschaffende etc. aufgeklärt. Das Projekt endete in einem großen Radiofilmfestival im Jänner 2005 in Freistadt: „Die lange Radionacht des Films – Film hören“ (24-Stunden Livesendung von radius106,6) Belohnung für dieses gelungene Projekt war eine Einladung von Seiten der Diagonale zum Festival 2005. Das haben wir gerne angenommen und über dieses Festival auch Radiobeiträge geliefert. Durch dieses Filmfestival in Freistadt lernten wir das Schülerradio 1476 in Wien kennen und seitdem machen wir laufend mit. Mithilfe des Unterrichtsministeriums und der Diagonale sind wir 2009 zum 5. Mal zur Diagonale eingeladen worden und liefern natürlich immer unsere Radiosendungen über dieses österreichische Filmfestival ab. Mit einer dieser Sendungen über die Diagonale haben wir auch schon einmal den media literacy award [mla] gewonnen. In Schweden hört man Schülerradio aus Freistadt Radius106,6 hat seinen Sendebereich beträchtlich nach Norden ausgedehnt, dank einer bemerkenswerten schwedischen Bildungseinrichtung, der „Educational Broadcasting Company“ in Stockholm. Sie hat die Aufgabe, Radio-, Fernseh- und Internetmaterial für den Unterricht zu produzieren. Kristina Blidberg und Terese Bergling vom schwedischen Ausbildungsradio „UR“ waren von Montag, 8.Oktober, bis Freitag, 12.Oktober 2007 zu Gast an unserer Schule. Gemeinsam mit 46

Franz-Joseph Huainigg, geb. 1966 in Kärnten, studierte Germanistik und Medienkommunikation. Journalistische Tätigkeiten, Kinderbücher, Krüppel Kabarett. Als Mitarbeiter der Abteilung Medienpädagogik im Unterrichtsministerium entwickelte er 1999 das „Schülerradio“. Von 2002 bis 2008 Abgeordneter zum Nationalrat.

Franz-Joseph Huainigg

Schülerradio 1476, seine Geschichte und aktuelle Fragestellungen Anfang 1999 ging das Schülerradio 1476 auf der gleichnamigen Mittelwellenfrequenz des ORF erstmals auf Sendung. Das „Pilotprojekt des Unterrichtsministeriums“ entwickelte sich aufgrund des hohen Interesses der Schulen bald zu einer fixen Einrichtung, die heuer 2009 ihr zehnjähriges Bestehen feiern kann. Im Rahmen des Projektes Schülerradio 1476 ist viel entstanden. Zunächst einmal die Radiobox, ein medienpädagogischer Leitfaden, mit dem LehrerInnen das Klassenzimmer in ein Radiostudio verwandeln konnten. JournalistInnen besuchten mit Unterstützung des Österreichischen Kulturservice (heute: Kulturkontakt) Schulen und produzierten vor Ort Radiosendungen, die auch ausgestrahlt worden sind. Siemens wurde zum Sponsor und baute im Siemens-Forum Wien ein SchülerradioStudio, in dem zahlreiche Klassen aus Wien und im Rahmen der Wien-Aktion aus den Bundesländern halbstündige Programme produzierten. Es wurde viel diskutiert, interviewt, geschnitten, Texte wurden geschrieben und moderiert. Der Unterricht wurde plötzlich lebendig. Es machte Spaß etwas zu recherchieren und Wissen anzueignen. Beim Schülerradio wurde kein Thema vorgeschrieben, es gab keine Reduktion auf einen Schultyp und auch die Herstellung der Sendungen war sehr unterschiedlich. 15

  2008 ... produktion von weihnachtsgeschichten des brg-steyr im radiusstudio.   

Radiomachen, zuhören lernen und seine eigene Meinung zu artikulieren war ansteckend. Rund um das Schülerradio 1476 entwickelten sich verschiedene Radioprojekte. „Radio One“ war beispielsweise das erste Pausenradio an einem Wiener Gymnasium, das Medienzentrum in Spittal/Drau baute ein eigenes Studio und sendete einmal pro Monat auf 1476 einen Beitrag. „Gym-Radio Hollabrunn“ machte die ganze Schule zu einem Medienschwerpunkt. Erstmals gab es ein eigenes Freifach „Radio machen“, ein Studio und einen eigenen Schulsender, der die ganze Region mit hausgemachten Radiosendungen bestrahlte. Der „Moment-Schülerradio-Preis“ des ORF wurde geschaffen und die besten Radiosendungen jährlich mit einer Ausstrahlung auf Ö1 prämiert. Auch der „media literacy award“[mla] motiviert seit 2003 zum Mitmachen. Die Qualität der Sendungen stieg von Jahr zu Jahr. Dafür sorgten vor allem die „Medianauten“, die gefördert vom Unterrichtsministerium und Kulturkontakt mit Schulklassen Radiosendungen gestalteten. In den letzten Jahren entwickelten sich ZentrumsSchulen, die einen Medienschwerpunkt führen und regelmäßig Radiosendungen produzieren.

 

 

 

Auch Printmedien wie Der Standard und zuletzt der KURIER beteiligten sich am Projekt Schülerradio 1476. Mehrmals im Jahr gab es die von SchülerInnen moderierte Diskussionsrunde „Schüler-Talk“ (in Kooperation mit dem Standard) und später „STANDPUNKT“ (in Kooperation mit dem KURIER). Die Diskussionen wurden auf Mittelwelle 1476 ausgestrahlt. Viel hat sich also im Laufe des Projekts des Schülerradios 1476 getan. Und vieles steht noch zur Weiterentwicklung an. Die letzte Herausforderung bestand darin, das ausgestrahlte Radioprogramm in ein Web-Radio umzuwandeln. In den letzten 10 Jahren hat sich die Medienlandschaft in Österreich grundlegend geändert. Es entstanden Privatradios, das Radio ist ins digitale Zeitalter gekommen, man hört es am Handy in der Straßenbahn, im Internet oder in der Schule am 16

  2009 ... konstituierung einer medienklasse. berichte von "linz09" und "crossing europe".   

  2009 ... "vilnius" zu gast in freistadt.   

  2009 ... einstieg ins webradio   

  And the winner is ... Im Sommer 2004 bekamen wir zufällig Kontakt zur Diagonale. Eine (jetzt ehemalige) Mitarbeiterin der Diagonale hatte an unserer Schule maturiert und kam zu einem Maturatreffen. Dabei fiel ihr natürlich unser am 03. 03. 03 gegründetes Schulradio auf.

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  2006 ... bundesministerin elisabeth gehrer besucht das radiostudio und stellt sich einem spontanen interview.   

 

 

  2007 ... anerkennungspreis media literacy award [mla] für sendungen zum filmfestival "diagonale".     

Laptop. Was früher ein ganzes Studio benötigte, ist heute auf einem Laptop mobil überall leicht verfügbar. Es war die medienpädagogische Herausforderung, SchülerInnen die Welt der Medien zu eröffnen und das am besten durch eigenes Handeln und Reflektieren. Die medienpädagogische Reflexion stand im Mittelpunkt aller vom Unterrichtsministerium geförderten Schülerradio-Projekte. Das Unterrichtsministerium eröffnete neue Unterrichtsmethoden und trug dazu bei, dass SchülerInnen zu mündigen MedienrezipientInnen werden.

    2007 ... zusammenarbeit mit dem "ausbildungsradio stockholm UR".   

 

  2008 ... gewinn des hauptpreises der fh kärnten mit der fachbereichsarbeit "privatradio als wirtschaftskraft".   

    2008 ... radius 106,6 berichtet vom "stimmenfestival" in freistadt.   

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  2004 ... beginn der zusammenarbeit mit dem filmfestival "DIAGONALE".  erster höhepunkt war das radiofilmfestival am 28.1.2005, seitdem regelmäßig gast beim diagonalefilmfestival in graz. 

Gabriele Woldan – studierte Englisch und Spanisch. Sie arbeitete zehn Jahre im ORF als Programm-Mitarbeiterin bei Radio Österreich International und danach im Radiokulturhaus. 2004 hat sie die Projektleitung von Schülerradio übernommen.

  Gabriele Woldan

www.schuelerradio.at – ein Medium zur Unterrichtsgestaltung  

Bewusstheit im Umgang mit Sprache, Tönen, Stimmungen, Inhalten; Spaß, Kreativität, Experimentier-Freude sind das oberste Motto für den praxis-orientierten Unterricht mit dem Medium Radio. Ohne Teamarbeit, die Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen, Kommunikationskompetenzen und Fähigkeiten – wie Konzentration auf den Augenblick und Genauigkeit – ist gelungene Medienarbeit nicht möglich. Beim Radiomachen geht es insbesondere um Sprachkompetenz, Konzeptentwicklung, die richtige Frage stellen und Wahrnehmungsschulung. Die kommunikative Integration von Defiziten im Schulalltag, das Aufarbeiten von Problemen in der Klassengemeinschaft sind dabei Nebeneffekte, die im Prozess des Radiomachens quasi spielerisch mitgeliefert werden. LehrerInnen, die an der Arbeit mit dem Medium Radio interessiert sind, haben also ein breites Spektrum und ein wunderbares Instrument zur Unterrichtsgestaltung an der Hand. Denn es gibt kaum ein Thema aus dem Schul- oder persönlichen Alltag eines Jugendlichen, über das nicht via Radio berichtet werden kann. Nicht zuletzt hat der Wechsel von der analogen zur digitalen technischen Bearbeitung im Bereich Audio-Software einen 18

   

  2004 ... erste öffentliche matura im radio auf radius106,6.   

  2005 ... das freie radio freistadt übernimmt sendungen von radius106,6. damit erweitert sich der hörerkreis wesentlich.      2006 ... in diesem schuljahr war afrika in allen sendungen immer wieder im brennpunkt. abschluss dieser arbeit war ein afrikafest. 

    2006 ... radius106,6 begleitet die eröffnung des schulneubaus. der landeshauptmann im radio!!!   

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Erika Bergthaler, studierte Altphilologie und Germanistik in Salzburg, seit 1979 Lehrerin am BG/BRG Freistadt (Latein, Deutsch). Gründungsmitglied des Schulradios radius 106,6 (im Jahr 2003), momentan auch Radiolehrerin für die AnfängerInnen (10– bis 14-Jährige).

gewaltigen Sprung nach vorne gebracht, wodurch der Aufwand zur Produktion von Radiosendungen im Vergleich zur Filmproduktion gering ist.

Wolfgang Kuranda , geboren 1963, ist seit 1992 am BG Freistadt, Gründungsmitglied von radius 106,6 und seitdem Radiolehrer" (Wahlpflichtfächer "GW-Radio" bzw. "Radio", Fachprüfer für Radiomatura).

Die neue Website www.schuelerradio.at bietet ein onlineTutorial zu den gängigen Radioformaten sowie kreative Ideen zum lustvollen Radiomachen. www.schuelerradio.at ist sowohl als Informations- als auch als Kommunikationsplattform zur Vernetzung der RadiomacherInnen, LehrerInnen, SchülerInnen, Schulen und Projekte konzipiert. Über ein Anmeldeformular können Sendungen zur Ausstrahlung auf Schülerradio eingereicht werden, SchülerInnen können sich für eine Live-Sendung im ORF-Studio anmelden, sie bekommen Angaben über Radioworkshop-Angebote und Radio-Wettbewerbe.

Erika Bergthaler / Wolfgang Kuranda

Stationen eines Radioprojekts Fotos: Doris Mikolasch   am 03.03.2003 geht RADIUS 106,6 on air.   

 

  2003 ... der zukunftspreis des landes oberösterreich geht an "radius 106,6"   

 

Jede Menge Sendungen – auch preisgekrönte – zum Nachhören und möglicherweise zum Einsatz im Unterricht, ermöglichen einen einfachen Zugang zum Medium Radio. Ein unerschöpflicher Schatz an Gestaltungsmöglichkeiten im Unterricht tut sich auf durch die Arbeit mit dem Medium Radio. Für LehrerInnen mag er eine weitere Möglichkeit sein, die vielzitierte Webcommunity auch in den Schulalltag zu integrieren. Und beinahe nebenbei werden Jugendliche selbstbewusst kreativ tätig und medienkompetent.

  2003 ... das projekt "PI": durchgehende moderation 99 stunden live on air   

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Radio FRECH (seit 11 Jahren) jeden MI um 16.00 eine Stunde lang auf 105,0 (FRO) Schülerfilmkino SFPK (seit 15 Jahren) jedes Jahr bei mehreren Festivals (Ebensee/Wels)

RADIOMOMENTE - ERFAHRUNGEN UND ANREGUNGEN - ZUKUNFTSBLICKE

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zehn Tage lang Ende Juni möglichst umfassend über das Festivalgeschehen informiert. Während der Sommerferien gab´s als krönenden Abschluss des Radiojahres von Mitte Juli bis Mitte September das übliche „Ferien-Frech-Best-of“.

Heinz Wagner, seit rund drei Jahrzehnten journalistisch tätig, meist für benachteiligte Gruppen der Gesellschaft. Seit 16 Jahren fast ausschließlich – für und mit Kinder/n und Jugendliche/n – im KURIER. Vater eines mittlerweile studierenden Sohnes.

Junge Linzer machen Festspielradio Mehr als eine Woche Musik, weder Workshop- noch Reiseoder Aufenthaltskosten und ein gepflegtes Taschengeld für einen Sommerjob im Medienbereich … Ein Jugend-Traum ihres Lehrers ging für drei Fadingerschüler stellvertretend in Erfüllung. Die Festspiele in Erl und das ORFLandesstudio Tirol boten Claudia, Florian und Joachim vom Linzer Mediengym nach kurzer Einschulung in Innsbruck, bei der sie unter Beweis stellten, dass sie schon einiges an Medienerfahrung mitbringen, die wohl einzigartige Möglichkeit acht Tage lang Festspielradio zu machen. Ein Angebot, das von der Medienabteilung des Unterrichtsministeriums ein Monat zuvor an den (Wagner-)begeisterten Manfred Pilsz und seine Crew ergangen war. Zwischen Tristan und Parsifal – umspült von Beethoven- und Brucknerklängen holten die jungen Linzer Künstler, Promis und Adabeis vors Mikro und gaben der Berichterstattung aus Erl jenen jugendlichen Touch, der dem segelnden Motorradfreak und ewig frischen Festspielleiter Gustav Kuhn voll und ganz entspricht. Is Linz beautiful? FRECHe Fragen – GLASSklare Antworten Anlässlich der Linzer Erstaufführung seiner Kammeroper „Orphee“ kam der bekannte amerikanische Komponist Phil Glass zu einer Matinee ins Landestheater – Radio FRECH (Jugendmedienpartner von Linz 2009) vom Fadinger MRG lauerte ihm mit dem Mikro auf, um News, musikalische Pläne und Gedanken des Megastars (Filmkomponist – „Truman Show") zur Kulturhauptstadt zu erfahren … 40

Heinz Wagner

Wenn keiner auf die Uhr schaut Als Redakteur beim KURIER bin ich für die Kinder- und Jugendseite zuständig, die jeden Montag erscheinen. Und wie auf diesen Seiten ein wichtiges Element ist, Kinder bzw. Jugendliche selber zu Wort kommen zu lassen, so ist dies auch bei der Diskussionsreihe „STANDPUNKT“. Seit 2003 gibt es im Rahmen des Projektes Schülerradio diese Kooperation zwischen KURIER und dem Unterrichtsministerium. Einerseits veranstalten wir regelmäßig „Standpunkte“, in denen SchülerInnen mit ExpertInnen über aktuelle Themen Meinungen austauschen. Die Diskussionen werden mitgeschnitten und im Schülerradio ausgestrahlt, der KURIER berichtet – in der Regel – am darauffolgenden Montag darüber. Andererseits führen wir als Kinder- und Jugend-KURIER (KiKu) mit Schulklassen regelmäßig Zeitungs-Workshops durch. Wenn teilnehmende Klassen dies wünschen, können sie zuvor zum gleichen Thema eine Radiosendung gestaltet haben. Daraus ergibt sich die spannende Erfahrung, welches Thema zu welchem Medium passt und welche andere Darstellungsform erforderlich ist. Vom Umgang mit Taschengeld über verfremdete witzige Märchenversionen bis hin zu tiefgreifenden Fragen, woran wer glaubt oder die Frage des Weltfriedens aufgegriffen in offenen Briefen an den damaligen US-Präsidenten George W. Bush und Al-Kaida-Führer Osama bin Laden – Beiträge im 21

Schülerradio 1476 waren in den vergangenen zehn Jahren höchst vielfältig und unterschiedlich. Allen gemeinsam aber ist, dass Kinder und Jugendliche sich dabei höchst aktiv mit Themen auseinandersetzten und mit ihrer medialen Umsetzung. Und in der Regel ist da auch das Läuten der Schulglocke eher störend als befreiend. Viele der Beteiligten schauen nicht auf die Uhr und sehnen das Ende herbei, sondern wollen sich meist im Arbeitseifer nicht bremsen lassen. Ähnliches erleben wir im Kinder- und Jugend-KURIER in den Zeitungs-Workshops – ob bei uns in der Redaktion oder bei Veranstaltungen außerhalb (Ferienspiel, Literatur für junge LeserInnen, KinderUni, Kinderstadt „Rein ins Rathaus“…).

Manfred Pilsz, geboren 1954, unterrichtet Musik und Medien im Medienzweig des BRG Linz Fadingerstraße – Früher auch freier Mitarbeiter bei Printmedien & ORF (Musik) – Gründer des Schülerfilmprogrammkinos und von Radio FRECH – u. a. [mla]-Preisträger (Teaching 05)

Manfred Pilsz

Von „SCHÄXPIR ON AIR“ zu „FERIENFRECH“

Wer einmal selbst Medien produziert hat und damit merkt, wie leicht – mit oft ganz kleinen Tricks – manipuliert werden kann, aber gelernt hat, Informationen zu recherchieren, wird beim eigenen Medienkonsum vielleicht mehr hinterfragen. Hoffentlich!

Die FRECHen anlässlich SCHÄXPIR bei LH Dr. Pühringer. Foto: Ruth Wagner

Das Fadinger Mediengym voll aktiv und präsent auch vor und in den Ferien Das Schülerradio ‚Radio FRECH‘, ein Langzeitprojekt des Medienrealgymnasiums Fadingerstraße in Linz mit dem Kulturzentrum Hof – 2000 mit dem Landeskulturpreis ausgezeichnet –, hat 2009 bereits zum fünften Mal ausführlich über das SCHÄXPIR-Festival berichtet. Mit Beiträgen über die wichtigsten Theaterproduktionen, Interviews mit KünstlerInnen sowie Klatsch und Tratsch rund um das Festival wurde das Publikum 22

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wicklung Zuständigen, die Webbetreuer, aber auch Gabriele Woldan oder Renate Holubek vom Unterrichtsministerium, die sich seit Jahren über die Ausrichtung des media literacy award [mla] dafür einsetzen, dass unsere Kinder und Jugendlichen eine mediale Stimme erhalten. Ganz nebenbei wird im spielerischen Umgang mit diesem Medium der im Lehrplan festgeschriebene politische Bildungsauftrag zur Erziehung mündiger Staatsbürger erfüllt. Ich kann nur hoffen, dass die für Schulpolitik Verantwortlichen die sogenannten Kreativfächer, die oft ein Schattendasein in der Lehrfächerverteilung führen, nicht im Zuge der Einsparungsmaßnahmen bald ganz entsorgen, anstatt sie – wie es ihnen zustünde – durch verbindliche schulorganisatorische Rahmenbedingungen an jedem Standort – mit welchem Profil immer – aufzuwerten. Übrigens: Auch dem ORF wäre zumutbar, dass er den Jugendlichen eine Sendeschiene einräumt.

„STANDPUNKT“ vom 01. 03. 2006 im Siemens-Forum zum Thema „Tierversuche: Notwendigkeit oder Barbarei?“. Die Verhaltensforscherin Jane Goodall, die viele Jahre mit Menschenaffen lebte, diskutierte mit SchülerInnen über Tierversuche. Weitere Podiumsgäste: Univ.-Prof. Dr. Peter Kampits, Univ.-Prof. Dr. Walter Pfaller, Univ.-Doz. Dr. Bruno Podesser, Univ.-Prof. Dr. Thomas Rülicke; Moderation: Dr. Christoph Kotanko.

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Doris Rudlof-Garreis hat in Graz Germanistik und Soziologie studiert und ist als Ohrenabenteurerin auf mehreren Spuren aktiv: als Radiosendungsgestalterin im ORF Landesstudio Steiermark, als Medienpädagogin in Schulen und Trainerin in der Erwachsenenbildung, als Moderatorin von Tagungen und Kongressen und als Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Joanneum in Graz.

Doris Rudlof-Garreis

Ist das wirklich meine Klasse? Überraschungen aus der Radiowerkstatt „Und wie schaut das mit der Vorbereitung aus?“ Die Deutschlehrerin einer steirischen Hauptschule hat von einer Kollegin erfahren, dass man „das Radio“ jetzt auch an die Schule holen kann. Diese Möglichkeit erscheint ihr reizvoll, allerdings hält sie es für ein gewagtes Experiment, denn die vierzehnjährigen SchülerInnen haben nicht gerade begeistert auf ihre Ausführungen zur Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks reagiert. Wir, das Team der Radiowerkstatt, empfehlen der Pädagogin unser halbtägiges Basismodul „Wir machen Radio“ und können sie, was die Vorbereitung betrifft, augenblicklich beruhigen: Dieser Workshop ist ein Impulsmodul für EinsteigerInnen und hat ein vorrangiges Ziel: Kindern und Jugendlichen Lust auf Radioarbeit zu machen. Alle, die Feuer fangen und das Medium Radio als unerschöpfliches Experimentier- und Gestaltungsfeld näher kennenlernen wollen, versorgen wir danach gerne mit weiteren Anregungen: in der „Ohrenspitzerwerkstatt“, die akustische Rätsel aufgibt, im Bücherradioworkshop „Sixty ways to meet your reader“, in dem Leseratten zum Ohrenschmaus eingeladen werden, im „Doku-Workshop“, der Schulprojekte in einem Radiomagazin dokumentiert, oder im Workshop „Ein Klassenalbum für die Ohren“, in dem ein akustisches Porträt der Klassen 24

An verschiedenen Wiener Hauptschulen wurden unter Ausnützung der bestehenden schulorganisatorischen Rahmenbedingungen fixe Radiogruppen eingerichtet, die von der MediaWien auch mit dem notwendigen Equipement ausgerüstet wurden. Über redaktionelle Treffen, Workshops und Seminare entwickelten sowohl die in der Wiener Radiobande organisierten LehrerInnen, als auch die von ihnen betreuten Radiogruppen eine Corporate Identity. Bald wurde als erste kontinuierliche Sendemöglichkeit das ORF-Mittelwellen Angebot auf 1476 kHz als Plattform genützt, bis durch die Lizenzerteilung an Orange 94,0 auch im lokalen UKW-Bereich kontinuierliche Sendezeit – und das zur Primetime – zur Verfügung gestellt wurde, und auf beiden Schienen ein beachtliches Online-Archiv entstand, das heute neben einem Blog, der das making-of der Radioproduktionen dokumentiert, eine Zeitreise von über fünfzehn Jahren in die Vergangenheit erlaubt. Vom analogen Zeitalter mit dem sinnlich erfahrbaren Schneiden an Tonbandmaschinen bis zum digitalen Editieren am Computer. Von den Kriegen im Irak und Ex-Jugoslawiens über 9/11 bis zur weltweiten Finanzkrise. Von den Hoffnungen, Ängsten und Erwartungen derer, die mittlerweile selbst Erwachsene sind und vielleicht Kinder haben. Von den Punks bis zu den Krochas, von den Anfängen des Rap bis zum Hip-Hop. Über renommierte Journalisten-Preise und Anerkennungen aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch Internetforen, in welchen die Sendungen diskutiert werden, fand und findet dieses vielgestaltige Orchester, dieser ständig wachsende mediale Pool aus Stimmen, die sonst nicht gehört würden, das Ohr der außerschulischen Welt. Neben all den engagierten LehrerInnen, die über das Radiomachen den Dialog mit den ihnen anvertrauten SchülerInnen suchen, und den Lohn für diese Arbeit nicht auf dem Gehaltszettel, sondern in einem spannungsfreien Verhältnis mit ihnen finden, sind es vor allem die Gründerväter Christian Berger sowie Dr. Franz Huainigg, die für die Sendungsab37

Helmut Hostnig, Besuch des humanistischen Gymnasiums in Bregenz/ Vorarlberg von 1959 bis 1967, Studien in Germanistik, Theaterwissenschaft und Bildender Kunst in Wien, Lehramtsstudium, 1974 bis 2008 Lehrer an Hauptschulen und Polytechnischen Lehrgängen unterbrochen durch langjährige Auslandsaufenthalte in Südamerika und Frankreich, Videodokumentationen und Radioarbeit, Deutschlehrer im Flüchtlingshilfswerk von Ute Bock.

Helmut Hostnig

Radiomachen als soziales Instrument und Bildungsauftrag Die Wiener Radiobande, deren stolzes Mitglied ich als Leiter der Radiobande Loquaiplatz bis 2008 sein durfte, begann im Jahre 1995 als Pilotprojekt auf Initiative des medienpädagogischen Beraters, Christian Berger, von der media wien, vormals Landesbildstelle, in Kooperation mit zwei Kärntner Hauptschulen und der ersten Medienhauptschule Österreichs vom Loquaiplatz im 6. Wiener Gemeindebezirk. Es waren drei intensive Workshoptage, in welchen meine ausschließlich aus MigrantInnen bestehende Radiogruppe über die gemeinsame Arbeit mit den Radioprofis aus Dellach und Winklern trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft und Sozialisation – Stadt/Land; Mädchen/Burschen – schnell zusammenfanden und so aus der Montage von Passantenbefragungen und Moderationstexten ein Feature über die Ausländerproblematik entstand, das nicht nur den Anforderungen der im Hörfunk geltenden journalistischen Formensprache genügte, sondern mir als Lehrer beispielhaft vor Augen führte, wie nicht nur ein lokalpublizistisches Defizit behoben werden, sondern über das für den Unterricht noch zu entdeckende Medium endlich denen Beachtung geschenkt werden könnte, die sonst keine Stimme haben. Die kommunikative Integrationsleistung, die uns LehrerInnen in der Folge über die Radioarbeit mit Kindern gelang, übertraf alle unsere Erwartungen. 36

entsteht, das auch beim 20. Klassentreffen noch gern gehört wird. Ein Radiomagazin in vier Stunden Zurück zu den EinsteigerInnen: Wir bauen unsere Werkstatt im Klassenzimmer auf, umringt von den jausnenden SchülerInnen. Einige helfen gleich mit, Ordnung in den Kabelsalat zu bringen, andere melden sicherheitshalber gleich ihre vorrangigen Interessen an: „Können wir den Herrn Direktor wegen der Skaterbahn interviewen?“ „Ich würd´ gern Moderatorin sein, was muss ich da tun?“ „Die Wetterfrau bin aber ich!“ Noch bevor es läutet, ist auch auf der technischen Seite einiges geklärt: Es wird in diesem Produktionsteam AssistentInnen geben, die sich um den Aufnahmepegel der Interviews kümmern, die während der Sendungsabwicklung die Mitschnittkontrolle übernehmen oder als ProgrammhelferInnen CDs wechseln und starten werden. Wenn wir dann mit dem Workshop (offiziell) beginnen, sind einige ganz wesentliche Dinge von den Jugendlichen schon angetippt worden: Die Klasse ist ein Radioteam, und nach vier Workshopstunden wird ein Jugendmagazin fertig sein, das – wenn die Klasse es wünscht – im Schülerradio 1476 ausgestrahlt werden kann. Die Frage (der erstaunten Pädagogin) ist nur: „Wie schaffen wir das in einem halben Tag?“ Ganz einfach. Die SchülerInnen tun genau das, was im professionellen Radioalltag auch passiert, verzichten aber auf den (zeitraubenden) digitalen Schnitt. Mit der Pausentaste unseres treuen Sony Professionals vermeiden wir in den Interviews zu lange Pausen und nehmen hin und wieder einen zweiten Anlauf, wenn sich die Reporternervosität in einen Lachkrampf entlädt. Auch was die redaktionelle Arbeit betrifft, ist alles wie in der journalistischen Radioarbeit: Wir beginnen mit der Redaktionssitzung, in der die Themen der Sendung festgelegt werden. Die Inhalte im Impulsmodell „Wir machen Radio“ sind so vielfältig wie die Interessen, Vorlieben, Abneigungen, Wünsche und Kritikpunkte junger Leute. Einzige Bedingung: Die Themen der Interviews 25

und Meinungsumfragen sollen auch für außenstehende HörerInnen nachvollziehbar sein und zugleich intern ausreichend Zündstoff liefern, sodass die Jugendlichen darüber diskutieren wollen. Denn innerhalb des Klassenteams gibt es nicht nur ReporterInnen, AufnahmeleiterInnen, MusikredakteurInnen und ModeratorInnen, sondern auch InterviewpartnerInnen, die zu den gewählten Themen befragt werden. (Und nichts spricht dagegen, dass auch LehrerInnen als überraschte InterviewpartnerInnen den Jugendlichen Rede und Antwort stehen dürfen!)

Zu jeder Sendung gibt es eine professionell gestaltete DVDVerpackung, auf der Homepage des Kärntner Medienzentrums (www.ksn.at) werden die Sendungen einem breiten Publikum vorgestellt. Unsere langjährige Erfahrung hat gezeigt, dass Radiosendungen meist Impulse für umfassendere größere Projekte sind. So sind durch die aktive Radioarbeit an Kärntens Schulen umfangreiche medienpädagogische Arbeiten entstanden. Grenzenloses Radio

Unvermutete Fähigkeiten in neuen Rollen Sobald die Sendungsthemen feststehen (ein Teammitglied protokolliert die Vorschläge der Redaktion und lässt über die Favoriten abstimmen), beginnt ein Arbeitsprozess, der festgelegte Rollen in der Klassengemeinschaft sprengt: Die Klassenbesten sind Teammitglieder wie alle anderen auch und haben keinen Vorsprung. SchülerInnen, die oft genug von der Rechtschreibgänsehaut befallen werden, wenn es um Präsentationssituationen geht, können unbesorgt dahinwerken, und Jugendliche, die meistens im Hintergrund stehen, weil Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, bringen plötzlich attraktive Elemente ein: Eine dreisprachige Begrüßung zum Beispiel ist ein interessantes Klangbild am Beginn der Sendung. Und in unserem EinsteigerInnenworkshop in der steirischen Hauptschule werden die MitschülerInnen hellhörig, weil Murat, der erst seit einigen Wochen in der Klasse ist, den Refrain eines deutschen Hits ins Türkische übersetzt.

Kärntens Schülerradiomacher leben den interkulturellen Dialog, sind als Europareporter unterwegs und lernen dabei die Vielfalt Europas kennen. Beeindruckende Beispiele mit der Zielsetzung der Förderung von Sprachinseln, Mehrsprachigkeit und interkultureller Schulentwicklung sind: Interkulturelle MEDIENWERKSTATT Lesachtal – Sappa da/Plodn (I) Interkulturelle MEDIENWERKSTATT Bleiburg – Mežica (SLO) Interkulturelle MEDIENWERKSTATT Nötsch im Gailtal, Kranjska Gora (SLO), Tarvisio (I) Hohe Auszeichnung Enthusiasmus und Einsatzfreude wurden unter anderem bereits mit dem "Moment-Schülerradio-Preis“ von Ö1 gewürdigt.

Das Aufnehmen der Interviews ist dann für alle ein mehrspuriges Erlebnis, denn das Mikrofon verändert die vertraute Gesprächssituation und macht den Austausch zum Experiment: Geübte Provokateure können sich mit ihren Entscheidungsfragen in die Einbahn manövrieren und zurückhaltende Beobachter fungieren manchmal als redaktionelle Rettungsanker, indem sie dem verirrten Reporter ganz selbstverständlich die naheliegende öffnende Frage zurufen. 26

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Hans Marizzi, Begründer und Leiter des Kärntner Medienzentrums in Spittal/Drau.

Hans Marizzi

Als Reporter unterwegs Das Kärntner Medienzentrum für Bildung und Unterricht – Fortbildungszentrum Spittal – ist die Schüleradio-Anlaufstelle für alle Schulen in Kärnten. Die Angebote reichen von Projektbegleitung, Workshops, Fortbildung bis zur fertigen Sendung. Regionale Schätze und Besonderheiten stehen ebenso am Programm wie Hörspiele und eigene Geschichten, Reportagen und Musik. Zwischen Aktualität und qualitätvollem Klangreichtum versuchen wir vom Kärntner Medienzentrum mit unseren SchülerradioProduktionen eine Brücke zu schlagen. Und das Besondere daran: Die Kinder machen bei uns aktiv mit. Sie schreiben ihre eigenen Texte, sind als Reporter unterwegs und gestalten Live-Sendungen, die über radio AGORA ausgestrahlt werden.

Die eigene Stimme Sobald die Umfragen „im Kasten“ sind, bahnt sich das nächste Abenteuer an: Hilfe, wie klinge ich!?! Die Abwicklung der Sendung, das Zusammenfügen der vorbereiteten Elemente mit Moderation und Musik hält den Jugendlichen den akustischen Spiegel vor: Für viele ist es das erste Mal, dass sie sich sozusagen „von außen“ hören – eine Erfahrung, die gemischte Gefühle weckt. Bevor die Sendungsabwicklung beginnt, wird das Pausenläuten kaum mehr registriert: Die ModeratorInnen skizzieren ihre Überleitungstexte und sprechen übungshalber zu einem imaginierten Publikum, die MusikredakteurInnen stapeln die zuspielbereiten Tonträger, Redakteurinnen ergänzen die Regieanweisung für den Sendungsablauf und irgendjemand kommt auf die Idee, LehrerInnen aus dem Konferenzzimmer als ZuhörerInnen in die Klasse zu holen. Schade, dass nicht auch die Freunde aus der Parallelklasse dabeisein können! ABER: Es gibt ja einen Mitschnitt – für das Schülerradio 1476 natürlich, für die Eltern und Fans und für die angenehm überraschte Deutschlehrerin, die den KollegInnen erzählen wird, dass sie ihre Klasse in der Radiowerkstatt von einer völlig neuen Seite kennengelernt hat. Kontakt: [email protected]

Foto: Kärntner Medienzentrum

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Evelyn Kanya, 23, lebt und arbeitet als Journalistin in Wien. In ihrer Schulzeit gestaltete sie Sendungen für Schülerradio 1476, heute leitet sie selbst Radioworkshops. Gemeinsam mit Sarah Seekircher konzipierte und gestaltete sie die neue SchülerradioWebsite.

Angelika Hödl, geboren 1962, Geschäftsführerin von radio AGORA 105,5 und Gründungsmitglied des Vereins AGORA, Studium der Theaterwissenschaft und Geschichte, mehrjährige Tätigkeit im Frauenkultur-, -kommunikations- und -beratungszentrum Belladonna, Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft der freien Kulturinitiativen Kärnten/Koroška, Mitarbeit im Aktionskomitee für mehr Menschlichkeit und Toleranz in Kärnten.

Evelyn Kanya Angelika Hödl

Mehr, bitte! Ein Nachmittag vor knapp acht Jahren, in meiner damaligen Schule in Graz. Der junge Trash-Autor Martin G. Wanko ist da. Wir auch. Aufgeregt. Heute interviewen wir ihn für unsere erste Schülerradio-Sendung. Mit einem Kassettenrekorder. Es ist viel passiert seither. Eine Kassette hatte ich schon lang nicht mehr in der Hand. Heute habe ich ein abgeschlossenes Journalismus-Studium und arbeite seit kurzem als freie Autorin für Ö1. Schülerradio war meine Eintrittskarte in die Medienwelt. „Damals“, vor acht Jahren, mussten wir ein Medienfach in der Schule noch erkämpfen. Eine Lehrerin ließ sich schließlich davon überzeugen, mit uns – acht 16-Jährigen – das Abenteuer Radio zu wagen. Das, was in Österreich nur eine Hand voll engagierter Schulen tut, wird in Kürze Standard sein müssen: Die Vermittlung von Medienkompetenz, von mündigem Medienkonsum, von kritischem Verständnis für massenmediale Spielregeln und Mechanismen. Noch nie war Medienkompetenz so wichtig wie heute. Handys sind zugleich Video-Kameras, Fotoapparate und Aufnahmegeräte. Facebook- und Myspace-Profile haben sich zu multimedialen, persönlichen Websites entwickelt, auf denen sich junge Menschen präsentieren. Medien und Massenkommunikation durchdringen jeden Zentimeter unseres Lebensraums. 28

Es gibt Anfänge, auf die wir gerne zurückblicken – Was in SchülerInnen steckt, wird durchs Schülerradio entdeckt Es gibt Anfänge, auf die wir gerne zurückblicken, vor allem wenn sie eine nachhaltige Entwicklung nehmen und in ein rundes Jubiläum münden. Auf radio AGORA 105,5 gestalten Schülerinnen und Schüler, von der Volksschule bis zur Oberstufe, jeden Dienstag von 19:00 bis 20:00 Uhr eine Stunde Sendezeit (www.agora.at) . Die Kooperation mit dem Schülerradio 1476 eröffnet ihren Beiträgen und Sendungen nicht nur ein größeres Auditorium, sondern motiviert sie, sich Medienkompetenz anzueignen und aktiv an den Möglichkeiten der Informationsvermittlung zu partizipieren.

Foto: Radio Agora

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Hildegard Griebl-Shehata, Leiterin des Radiobereiches der Medienwerkstatt Linz seit 1999, Kursleiterin und zertifizierter Lerncoach, Redakteurin im Freien Rundfunk Oberösterreich

Hildegard Griebl-Shehata

Auf Menschen zugehen – Ängste überwinden – Texte schreiben und moderieren Die Medienwerkstatt Linz (www.medienwerkstatt-linz.at) bietet Schulen seit vielen Jahren kostenlose Radio-Schnuppertage an, bei denen kurze Radiobeiträge entstehen. Aber auch Hörspiele und Radiofeatures sind bei Schulprojekten gestaltet worden. Mit einigen Schulen haben sich daraus langfristige Kooperationen ergeben, die durch Auszeichnungen beim „Moment-Schülerradio-Preis“ oder beim "media literacy award" [mla] gekrönt wurden. In unserer Radioarbeit erleben wir mit Freude, mit wie viel Begeisterung SchülerInnen Straßeninterviews machen oder selbstbewusst vors Studiomikrofon treten. Es ist aber auch wunderbar zu sehen, wie Kinder ihre Schwellenangst überwinden und sich doch entschließen, z.B. einen Moderationstext zu sprechen oder im Interview auf Menschen zuzugehen. Jedenfalls macht die Radioarbeit uns und auch den SchülerInnen immer wieder großen Spaß. Die Anerkennung, die jungen Menschen durch das Schülerradio entgegengebracht wird, d.h. österreichweite Ausstrahlung und Bewerbung, Vergabe von Auszeichnungen, finde ich dabei sehr motivierend.

Das Projekt Schülerradio schafft hier eine Zone des Nachdenkens und des Zuhörens. Es regt an, sich mit Themen intensiv und kritisch auseinanderzusetzen, nachzufragen und die eigenen Ideen zu artikulieren. Es schult im bewussten Umgang mit dem Medium Radio und mit Medien-Kommunikation im Allgemeinen. Und es gibt den SchülerInnen Öffentlichkeit für ihre Gedanken und Meinungen. Durch den Relaunch als Webradio und einen verstärkten Auftritt im Internet (www.schuelerradio.at) ergeben sich neue Möglichkeiten für Schülerradio, diese Anliegen umzusetzen: Potenzial für mehr Sendefläche und Platz für kreative Formate; e in umfassendes Online-Tutorial und interessantes Material auf der Website – für junge RadiomacherInnen und engagierte LehrerInnen; der Aufbau einer Webcommunity von SchülerInnen, LehrerInnen und Interessierten für Erfahrungsaustausch und Vernetzung; ein größeres Publikum und mehr Breitenwirkung für die Schülerradio-Sendungen durch die zeit- und ortsunabhängige Verfügbarkeit des Programms. Oft wird das Radio totgesagt. Die Funktion des Begleitmediums habe längst das Fernsehen übernommen und als früher schnellstes Medium sei das Radio vom Internet überholt, heißt es. Es mögen sich zwar die Transportkanäle ändern, InternetÄther statt Radiowellen, doch das Medium „Ton“ wird es geben, solange Menschen (zu-)hören. Gerade in einer Zeit der Informationsüberflutung besticht das Radio durch Minimalismus mit großer Wirkung: Wer „nur“ hört, kann sich selbst ein Bild machen – und weiß dann oft mehr.

Foto: Medienwerkstatt Linz

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Simone Wiesauer, geboren 1989, besuchte 2000-2008 das BG/BRG Hollabrunn, wo sie sechs Jahre lang das Freifach Radiojournalismus belegte. Zu ihren großen Hobbies zählen Handball, Literatur und Journalismus.

2004 bekam ich den "Moment- Schülerradio-Preis“ von Ö1 für meine Interviews mit Schriftstellerin Käthe Recheis verliehen. Praktika bei der Zeitung KURIER, Hitradio Ö3, dem Magazin profil und der Nachrichtensendung „Wien heute“ (ORF) folgten. Obwohl ich dem Journalismus beruflich gesehen den Rücken kehren werde, wird die Arbeit in diesem Bereich stets zu meinen Hobbies zählen.

Simone Wiesauer

Von der Schülerin zur Medienexpertin

Ein Projekt wie Schülerradio 1476 – und auch das sollte in der aktuellen Schuldebatte erwähnt werden – hat unschätzbaren Bildungswert.

„Gymradio Hollabrunn“ (www.gymradio.at) – und in weiterer Folge Schülerradio 1476 – war für mich Hobby und Berufseinstieg gleichermaßen. Für meine Sendungen holte ich über 15 Interviewpartner aus Politik, Kultur und Medien vors Mikrofon – darunter Thomas Brezina, Erwin Pröll, Christina Stürmer und Rainer Schönfelder. Bald begann ich meine Sendungen selbst zu schneiden und zu gestalten, spielte mit Musik, Jingles, Effekten, und lernte das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. 30

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Simone Wiesauer, geboren 1989, besuchte 2000-2008 das BG/BRG Hollabrunn, wo sie sechs Jahre lang das Freifach Radiojournalismus belegte. Zu ihren großen Hobbies zählen Handball, Literatur und Journalismus.

2004 bekam ich den "Moment- Schülerradio-Preis“ von Ö1 für meine Interviews mit Schriftstellerin Käthe Recheis verliehen. Praktika bei der Zeitung KURIER, Hitradio Ö3, dem Magazin profil und der Nachrichtensendung „Wien heute“ (ORF) folgten. Obwohl ich dem Journalismus beruflich gesehen den Rücken kehren werde, wird die Arbeit in diesem Bereich stets zu meinen Hobbies zählen.

Simone Wiesauer

Von der Schülerin zur Medienexpertin

Ein Projekt wie Schülerradio 1476 – und auch das sollte in der aktuellen Schuldebatte erwähnt werden – hat unschätzbaren Bildungswert.

„Gymradio Hollabrunn“ (www.gymradio.at) – und in weiterer Folge Schülerradio 1476 – war für mich Hobby und Berufseinstieg gleichermaßen. Für meine Sendungen holte ich über 15 Interviewpartner aus Politik, Kultur und Medien vors Mikrofon – darunter Thomas Brezina, Erwin Pröll, Christina Stürmer und Rainer Schönfelder. Bald begann ich meine Sendungen selbst zu schneiden und zu gestalten, spielte mit Musik, Jingles, Effekten, und lernte das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. 30

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Hildegard Griebl-Shehata, Leiterin des Radiobereiches der Medienwerkstatt Linz seit 1999, Kursleiterin und zertifizierter Lerncoach, Redakteurin im Freien Rundfunk Oberösterreich

Hildegard Griebl-Shehata

Auf Menschen zugehen – Ängste überwinden – Texte schreiben und moderieren Die Medienwerkstatt Linz (www.medienwerkstatt-linz.at) bietet Schulen seit vielen Jahren kostenlose Radio-Schnuppertage an, bei denen kurze Radiobeiträge entstehen. Aber auch Hörspiele und Radiofeatures sind bei Schulprojekten gestaltet worden. Mit einigen Schulen haben sich daraus langfristige Kooperationen ergeben, die durch Auszeichnungen beim „Moment-Schülerradio-Preis“ oder beim "media literacy award" [mla] gekrönt wurden. In unserer Radioarbeit erleben wir mit Freude, mit wie viel Begeisterung SchülerInnen Straßeninterviews machen oder selbstbewusst vors Studiomikrofon treten. Es ist aber auch wunderbar zu sehen, wie Kinder ihre Schwellenangst überwinden und sich doch entschließen, z.B. einen Moderationstext zu sprechen oder im Interview auf Menschen zuzugehen. Jedenfalls macht die Radioarbeit uns und auch den SchülerInnen immer wieder großen Spaß. Die Anerkennung, die jungen Menschen durch das Schülerradio entgegengebracht wird, d.h. österreichweite Ausstrahlung und Bewerbung, Vergabe von Auszeichnungen, finde ich dabei sehr motivierend.

Das Projekt Schülerradio schafft hier eine Zone des Nachdenkens und des Zuhörens. Es regt an, sich mit Themen intensiv und kritisch auseinanderzusetzen, nachzufragen und die eigenen Ideen zu artikulieren. Es schult im bewussten Umgang mit dem Medium Radio und mit Medien-Kommunikation im Allgemeinen. Und es gibt den SchülerInnen Öffentlichkeit für ihre Gedanken und Meinungen. Durch den Relaunch als Webradio und einen verstärkten Auftritt im Internet (www.schuelerradio.at) ergeben sich neue Möglichkeiten für Schülerradio, diese Anliegen umzusetzen: Potenzial für mehr Sendefläche und Platz für kreative Formate; e in umfassendes Online-Tutorial und interessantes Material auf der Website – für junge RadiomacherInnen und engagierte LehrerInnen; der Aufbau einer Webcommunity von SchülerInnen, LehrerInnen und Interessierten für Erfahrungsaustausch und Vernetzung; ein größeres Publikum und mehr Breitenwirkung für die Schülerradio-Sendungen durch die zeit- und ortsunabhängige Verfügbarkeit des Programms. Oft wird das Radio totgesagt. Die Funktion des Begleitmediums habe längst das Fernsehen übernommen und als früher schnellstes Medium sei das Radio vom Internet überholt, heißt es. Es mögen sich zwar die Transportkanäle ändern, InternetÄther statt Radiowellen, doch das Medium „Ton“ wird es geben, solange Menschen (zu-)hören. Gerade in einer Zeit der Informationsüberflutung besticht das Radio durch Minimalismus mit großer Wirkung: Wer „nur“ hört, kann sich selbst ein Bild machen – und weiß dann oft mehr.

Foto: Medienwerkstatt Linz

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Evelyn Kanya, 23, lebt und arbeitet als Journalistin in Wien. In ihrer Schulzeit gestaltete sie Sendungen für Schülerradio 1476, heute leitet sie selbst Radioworkshops. Gemeinsam mit Sarah Seekircher konzipierte und gestaltete sie die neue SchülerradioWebsite.

Angelika Hödl, geboren 1962, Geschäftsführerin von radio AGORA 105,5 und Gründungsmitglied des Vereins AGORA, Studium der Theaterwissenschaft und Geschichte, mehrjährige Tätigkeit im Frauenkultur-, -kommunikations- und -beratungszentrum Belladonna, Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft der freien Kulturinitiativen Kärnten/Koroška, Mitarbeit im Aktionskomitee für mehr Menschlichkeit und Toleranz in Kärnten.

Evelyn Kanya Angelika Hödl

Mehr, bitte! Ein Nachmittag vor knapp acht Jahren, in meiner damaligen Schule in Graz. Der junge Trash-Autor Martin G. Wanko ist da. Wir auch. Aufgeregt. Heute interviewen wir ihn für unsere erste Schülerradio-Sendung. Mit einem Kassettenrekorder. Es ist viel passiert seither. Eine Kassette hatte ich schon lang nicht mehr in der Hand. Heute habe ich ein abgeschlossenes Journalismus-Studium und arbeite seit kurzem als freie Autorin für Ö1. Schülerradio war meine Eintrittskarte in die Medienwelt. „Damals“, vor acht Jahren, mussten wir ein Medienfach in der Schule noch erkämpfen. Eine Lehrerin ließ sich schließlich davon überzeugen, mit uns – acht 16-Jährigen – das Abenteuer Radio zu wagen. Das, was in Österreich nur eine Hand voll engagierter Schulen tut, wird in Kürze Standard sein müssen: Die Vermittlung von Medienkompetenz, von mündigem Medienkonsum, von kritischem Verständnis für massenmediale Spielregeln und Mechanismen. Noch nie war Medienkompetenz so wichtig wie heute. Handys sind zugleich Video-Kameras, Fotoapparate und Aufnahmegeräte. Facebook- und Myspace-Profile haben sich zu multimedialen, persönlichen Websites entwickelt, auf denen sich junge Menschen präsentieren. Medien und Massenkommunikation durchdringen jeden Zentimeter unseres Lebensraums. 28

Es gibt Anfänge, auf die wir gerne zurückblicken – Was in SchülerInnen steckt, wird durchs Schülerradio entdeckt Es gibt Anfänge, auf die wir gerne zurückblicken, vor allem wenn sie eine nachhaltige Entwicklung nehmen und in ein rundes Jubiläum münden. Auf radio AGORA 105,5 gestalten Schülerinnen und Schüler, von der Volksschule bis zur Oberstufe, jeden Dienstag von 19:00 bis 20:00 Uhr eine Stunde Sendezeit (www.agora.at) . Die Kooperation mit dem Schülerradio 1476 eröffnet ihren Beiträgen und Sendungen nicht nur ein größeres Auditorium, sondern motiviert sie, sich Medienkompetenz anzueignen und aktiv an den Möglichkeiten der Informationsvermittlung zu partizipieren.

Foto: Radio Agora

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Hans Marizzi, Begründer und Leiter des Kärntner Medienzentrums in Spittal/Drau.

Hans Marizzi

Als Reporter unterwegs Das Kärntner Medienzentrum für Bildung und Unterricht – Fortbildungszentrum Spittal – ist die Schüleradio-Anlaufstelle für alle Schulen in Kärnten. Die Angebote reichen von Projektbegleitung, Workshops, Fortbildung bis zur fertigen Sendung. Regionale Schätze und Besonderheiten stehen ebenso am Programm wie Hörspiele und eigene Geschichten, Reportagen und Musik. Zwischen Aktualität und qualitätvollem Klangreichtum versuchen wir vom Kärntner Medienzentrum mit unseren SchülerradioProduktionen eine Brücke zu schlagen. Und das Besondere daran: Die Kinder machen bei uns aktiv mit. Sie schreiben ihre eigenen Texte, sind als Reporter unterwegs und gestalten Live-Sendungen, die über radio AGORA ausgestrahlt werden.

Die eigene Stimme Sobald die Umfragen „im Kasten“ sind, bahnt sich das nächste Abenteuer an: Hilfe, wie klinge ich!?! Die Abwicklung der Sendung, das Zusammenfügen der vorbereiteten Elemente mit Moderation und Musik hält den Jugendlichen den akustischen Spiegel vor: Für viele ist es das erste Mal, dass sie sich sozusagen „von außen“ hören – eine Erfahrung, die gemischte Gefühle weckt. Bevor die Sendungsabwicklung beginnt, wird das Pausenläuten kaum mehr registriert: Die ModeratorInnen skizzieren ihre Überleitungstexte und sprechen übungshalber zu einem imaginierten Publikum, die MusikredakteurInnen stapeln die zuspielbereiten Tonträger, Redakteurinnen ergänzen die Regieanweisung für den Sendungsablauf und irgendjemand kommt auf die Idee, LehrerInnen aus dem Konferenzzimmer als ZuhörerInnen in die Klasse zu holen. Schade, dass nicht auch die Freunde aus der Parallelklasse dabeisein können! ABER: Es gibt ja einen Mitschnitt – für das Schülerradio 1476 natürlich, für die Eltern und Fans und für die angenehm überraschte Deutschlehrerin, die den KollegInnen erzählen wird, dass sie ihre Klasse in der Radiowerkstatt von einer völlig neuen Seite kennengelernt hat. Kontakt: [email protected]

Foto: Kärntner Medienzentrum

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und Meinungsumfragen sollen auch für außenstehende HörerInnen nachvollziehbar sein und zugleich intern ausreichend Zündstoff liefern, sodass die Jugendlichen darüber diskutieren wollen. Denn innerhalb des Klassenteams gibt es nicht nur ReporterInnen, AufnahmeleiterInnen, MusikredakteurInnen und ModeratorInnen, sondern auch InterviewpartnerInnen, die zu den gewählten Themen befragt werden. (Und nichts spricht dagegen, dass auch LehrerInnen als überraschte InterviewpartnerInnen den Jugendlichen Rede und Antwort stehen dürfen!)

Zu jeder Sendung gibt es eine professionell gestaltete DVDVerpackung, auf der Homepage des Kärntner Medienzentrums (www.ksn.at) werden die Sendungen einem breiten Publikum vorgestellt. Unsere langjährige Erfahrung hat gezeigt, dass Radiosendungen meist Impulse für umfassendere größere Projekte sind. So sind durch die aktive Radioarbeit an Kärntens Schulen umfangreiche medienpädagogische Arbeiten entstanden. Grenzenloses Radio

Unvermutete Fähigkeiten in neuen Rollen Sobald die Sendungsthemen feststehen (ein Teammitglied protokolliert die Vorschläge der Redaktion und lässt über die Favoriten abstimmen), beginnt ein Arbeitsprozess, der festgelegte Rollen in der Klassengemeinschaft sprengt: Die Klassenbesten sind Teammitglieder wie alle anderen auch und haben keinen Vorsprung. SchülerInnen, die oft genug von der Rechtschreibgänsehaut befallen werden, wenn es um Präsentationssituationen geht, können unbesorgt dahinwerken, und Jugendliche, die meistens im Hintergrund stehen, weil Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, bringen plötzlich attraktive Elemente ein: Eine dreisprachige Begrüßung zum Beispiel ist ein interessantes Klangbild am Beginn der Sendung. Und in unserem EinsteigerInnenworkshop in der steirischen Hauptschule werden die MitschülerInnen hellhörig, weil Murat, der erst seit einigen Wochen in der Klasse ist, den Refrain eines deutschen Hits ins Türkische übersetzt.

Kärntens Schülerradiomacher leben den interkulturellen Dialog, sind als Europareporter unterwegs und lernen dabei die Vielfalt Europas kennen. Beeindruckende Beispiele mit der Zielsetzung der Förderung von Sprachinseln, Mehrsprachigkeit und interkultureller Schulentwicklung sind: Interkulturelle MEDIENWERKSTATT Lesachtal – Sappa da/Plodn (I) Interkulturelle MEDIENWERKSTATT Bleiburg – Mežica (SLO) Interkulturelle MEDIENWERKSTATT Nötsch im Gailtal, Kranjska Gora (SLO), Tarvisio (I) Hohe Auszeichnung Enthusiasmus und Einsatzfreude wurden unter anderem bereits mit dem "Moment-Schülerradio-Preis“ von Ö1 gewürdigt.

Das Aufnehmen der Interviews ist dann für alle ein mehrspuriges Erlebnis, denn das Mikrofon verändert die vertraute Gesprächssituation und macht den Austausch zum Experiment: Geübte Provokateure können sich mit ihren Entscheidungsfragen in die Einbahn manövrieren und zurückhaltende Beobachter fungieren manchmal als redaktionelle Rettungsanker, indem sie dem verirrten Reporter ganz selbstverständlich die naheliegende öffnende Frage zurufen. 26

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Helmut Hostnig, Besuch des humanistischen Gymnasiums in Bregenz/ Vorarlberg von 1959 bis 1967, Studien in Germanistik, Theaterwissenschaft und Bildender Kunst in Wien, Lehramtsstudium, 1974 bis 2008 Lehrer an Hauptschulen und Polytechnischen Lehrgängen unterbrochen durch langjährige Auslandsaufenthalte in Südamerika und Frankreich, Videodokumentationen und Radioarbeit, Deutschlehrer im Flüchtlingshilfswerk von Ute Bock.

Helmut Hostnig

Radiomachen als soziales Instrument und Bildungsauftrag Die Wiener Radiobande, deren stolzes Mitglied ich als Leiter der Radiobande Loquaiplatz bis 2008 sein durfte, begann im Jahre 1995 als Pilotprojekt auf Initiative des medienpädagogischen Beraters, Christian Berger, von der media wien, vormals Landesbildstelle, in Kooperation mit zwei Kärntner Hauptschulen und der ersten Medienhauptschule Österreichs vom Loquaiplatz im 6. Wiener Gemeindebezirk. Es waren drei intensive Workshoptage, in welchen meine ausschließlich aus MigrantInnen bestehende Radiogruppe über die gemeinsame Arbeit mit den Radioprofis aus Dellach und Winklern trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft und Sozialisation – Stadt/Land; Mädchen/Burschen – schnell zusammenfanden und so aus der Montage von Passantenbefragungen und Moderationstexten ein Feature über die Ausländerproblematik entstand, das nicht nur den Anforderungen der im Hörfunk geltenden journalistischen Formensprache genügte, sondern mir als Lehrer beispielhaft vor Augen führte, wie nicht nur ein lokalpublizistisches Defizit behoben werden, sondern über das für den Unterricht noch zu entdeckende Medium endlich denen Beachtung geschenkt werden könnte, die sonst keine Stimme haben. Die kommunikative Integrationsleistung, die uns LehrerInnen in der Folge über die Radioarbeit mit Kindern gelang, übertraf alle unsere Erwartungen. 36

entsteht, das auch beim 20. Klassentreffen noch gern gehört wird. Ein Radiomagazin in vier Stunden Zurück zu den EinsteigerInnen: Wir bauen unsere Werkstatt im Klassenzimmer auf, umringt von den jausnenden SchülerInnen. Einige helfen gleich mit, Ordnung in den Kabelsalat zu bringen, andere melden sicherheitshalber gleich ihre vorrangigen Interessen an: „Können wir den Herrn Direktor wegen der Skaterbahn interviewen?“ „Ich würd´ gern Moderatorin sein, was muss ich da tun?“ „Die Wetterfrau bin aber ich!“ Noch bevor es läutet, ist auch auf der technischen Seite einiges geklärt: Es wird in diesem Produktionsteam AssistentInnen geben, die sich um den Aufnahmepegel der Interviews kümmern, die während der Sendungsabwicklung die Mitschnittkontrolle übernehmen oder als ProgrammhelferInnen CDs wechseln und starten werden. Wenn wir dann mit dem Workshop (offiziell) beginnen, sind einige ganz wesentliche Dinge von den Jugendlichen schon angetippt worden: Die Klasse ist ein Radioteam, und nach vier Workshopstunden wird ein Jugendmagazin fertig sein, das – wenn die Klasse es wünscht – im Schülerradio 1476 ausgestrahlt werden kann. Die Frage (der erstaunten Pädagogin) ist nur: „Wie schaffen wir das in einem halben Tag?“ Ganz einfach. Die SchülerInnen tun genau das, was im professionellen Radioalltag auch passiert, verzichten aber auf den (zeitraubenden) digitalen Schnitt. Mit der Pausentaste unseres treuen Sony Professionals vermeiden wir in den Interviews zu lange Pausen und nehmen hin und wieder einen zweiten Anlauf, wenn sich die Reporternervosität in einen Lachkrampf entlädt. Auch was die redaktionelle Arbeit betrifft, ist alles wie in der journalistischen Radioarbeit: Wir beginnen mit der Redaktionssitzung, in der die Themen der Sendung festgelegt werden. Die Inhalte im Impulsmodell „Wir machen Radio“ sind so vielfältig wie die Interessen, Vorlieben, Abneigungen, Wünsche und Kritikpunkte junger Leute. Einzige Bedingung: Die Themen der Interviews 25

Doris Rudlof-Garreis hat in Graz Germanistik und Soziologie studiert und ist als Ohrenabenteurerin auf mehreren Spuren aktiv: als Radiosendungsgestalterin im ORF Landesstudio Steiermark, als Medienpädagogin in Schulen und Trainerin in der Erwachsenenbildung, als Moderatorin von Tagungen und Kongressen und als Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Joanneum in Graz.

Doris Rudlof-Garreis

Ist das wirklich meine Klasse? Überraschungen aus der Radiowerkstatt „Und wie schaut das mit der Vorbereitung aus?“ Die Deutschlehrerin einer steirischen Hauptschule hat von einer Kollegin erfahren, dass man „das Radio“ jetzt auch an die Schule holen kann. Diese Möglichkeit erscheint ihr reizvoll, allerdings hält sie es für ein gewagtes Experiment, denn die vierzehnjährigen SchülerInnen haben nicht gerade begeistert auf ihre Ausführungen zur Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks reagiert. Wir, das Team der Radiowerkstatt, empfehlen der Pädagogin unser halbtägiges Basismodul „Wir machen Radio“ und können sie, was die Vorbereitung betrifft, augenblicklich beruhigen: Dieser Workshop ist ein Impulsmodul für EinsteigerInnen und hat ein vorrangiges Ziel: Kindern und Jugendlichen Lust auf Radioarbeit zu machen. Alle, die Feuer fangen und das Medium Radio als unerschöpfliches Experimentier- und Gestaltungsfeld näher kennenlernen wollen, versorgen wir danach gerne mit weiteren Anregungen: in der „Ohrenspitzerwerkstatt“, die akustische Rätsel aufgibt, im Bücherradioworkshop „Sixty ways to meet your reader“, in dem Leseratten zum Ohrenschmaus eingeladen werden, im „Doku-Workshop“, der Schulprojekte in einem Radiomagazin dokumentiert, oder im Workshop „Ein Klassenalbum für die Ohren“, in dem ein akustisches Porträt der Klassen 24

An verschiedenen Wiener Hauptschulen wurden unter Ausnützung der bestehenden schulorganisatorischen Rahmenbedingungen fixe Radiogruppen eingerichtet, die von der MediaWien auch mit dem notwendigen Equipement ausgerüstet wurden. Über redaktionelle Treffen, Workshops und Seminare entwickelten sowohl die in der Wiener Radiobande organisierten LehrerInnen, als auch die von ihnen betreuten Radiogruppen eine Corporate Identity. Bald wurde als erste kontinuierliche Sendemöglichkeit das ORF-Mittelwellen Angebot auf 1476 kHz als Plattform genützt, bis durch die Lizenzerteilung an Orange 94,0 auch im lokalen UKW-Bereich kontinuierliche Sendezeit – und das zur Primetime – zur Verfügung gestellt wurde, und auf beiden Schienen ein beachtliches Online-Archiv entstand, das heute neben einem Blog, der das making-of der Radioproduktionen dokumentiert, eine Zeitreise von über fünfzehn Jahren in die Vergangenheit erlaubt. Vom analogen Zeitalter mit dem sinnlich erfahrbaren Schneiden an Tonbandmaschinen bis zum digitalen Editieren am Computer. Von den Kriegen im Irak und Ex-Jugoslawiens über 9/11 bis zur weltweiten Finanzkrise. Von den Hoffnungen, Ängsten und Erwartungen derer, die mittlerweile selbst Erwachsene sind und vielleicht Kinder haben. Von den Punks bis zu den Krochas, von den Anfängen des Rap bis zum Hip-Hop. Über renommierte Journalisten-Preise und Anerkennungen aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch Internetforen, in welchen die Sendungen diskutiert werden, fand und findet dieses vielgestaltige Orchester, dieser ständig wachsende mediale Pool aus Stimmen, die sonst nicht gehört würden, das Ohr der außerschulischen Welt. Neben all den engagierten LehrerInnen, die über das Radiomachen den Dialog mit den ihnen anvertrauten SchülerInnen suchen, und den Lohn für diese Arbeit nicht auf dem Gehaltszettel, sondern in einem spannungsfreien Verhältnis mit ihnen finden, sind es vor allem die Gründerväter Christian Berger sowie Dr. Franz Huainigg, die für die Sendungsab37

wicklung Zuständigen, die Webbetreuer, aber auch Gabriele Woldan oder Renate Holubek vom Unterrichtsministerium, die sich seit Jahren über die Ausrichtung des media literacy award [mla] dafür einsetzen, dass unsere Kinder und Jugendlichen eine mediale Stimme erhalten. Ganz nebenbei wird im spielerischen Umgang mit diesem Medium der im Lehrplan festgeschriebene politische Bildungsauftrag zur Erziehung mündiger Staatsbürger erfüllt. Ich kann nur hoffen, dass die für Schulpolitik Verantwortlichen die sogenannten Kreativfächer, die oft ein Schattendasein in der Lehrfächerverteilung führen, nicht im Zuge der Einsparungsmaßnahmen bald ganz entsorgen, anstatt sie – wie es ihnen zustünde – durch verbindliche schulorganisatorische Rahmenbedingungen an jedem Standort – mit welchem Profil immer – aufzuwerten. Übrigens: Auch dem ORF wäre zumutbar, dass er den Jugendlichen eine Sendeschiene einräumt.

„STANDPUNKT“ vom 01. 03. 2006 im Siemens-Forum zum Thema „Tierversuche: Notwendigkeit oder Barbarei?“. Die Verhaltensforscherin Jane Goodall, die viele Jahre mit Menschenaffen lebte, diskutierte mit SchülerInnen über Tierversuche. Weitere Podiumsgäste: Univ.-Prof. Dr. Peter Kampits, Univ.-Prof. Dr. Walter Pfaller, Univ.-Doz. Dr. Bruno Podesser, Univ.-Prof. Dr. Thomas Rülicke; Moderation: Dr. Christoph Kotanko.

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Schülerradio 1476 waren in den vergangenen zehn Jahren höchst vielfältig und unterschiedlich. Allen gemeinsam aber ist, dass Kinder und Jugendliche sich dabei höchst aktiv mit Themen auseinandersetzten und mit ihrer medialen Umsetzung. Und in der Regel ist da auch das Läuten der Schulglocke eher störend als befreiend. Viele der Beteiligten schauen nicht auf die Uhr und sehnen das Ende herbei, sondern wollen sich meist im Arbeitseifer nicht bremsen lassen. Ähnliches erleben wir im Kinder- und Jugend-KURIER in den Zeitungs-Workshops – ob bei uns in der Redaktion oder bei Veranstaltungen außerhalb (Ferienspiel, Literatur für junge LeserInnen, KinderUni, Kinderstadt „Rein ins Rathaus“…).

Manfred Pilsz, geboren 1954, unterrichtet Musik und Medien im Medienzweig des BRG Linz Fadingerstraße – Früher auch freier Mitarbeiter bei Printmedien & ORF (Musik) – Gründer des Schülerfilmprogrammkinos und von Radio FRECH – u. a. [mla]-Preisträger (Teaching 05)

Manfred Pilsz

Von „SCHÄXPIR ON AIR“ zu „FERIENFRECH“

Wer einmal selbst Medien produziert hat und damit merkt, wie leicht – mit oft ganz kleinen Tricks – manipuliert werden kann, aber gelernt hat, Informationen zu recherchieren, wird beim eigenen Medienkonsum vielleicht mehr hinterfragen. Hoffentlich!

Die FRECHen anlässlich SCHÄXPIR bei LH Dr. Pühringer. Foto: Ruth Wagner

Das Fadinger Mediengym voll aktiv und präsent auch vor und in den Ferien Das Schülerradio ‚Radio FRECH‘, ein Langzeitprojekt des Medienrealgymnasiums Fadingerstraße in Linz mit dem Kulturzentrum Hof – 2000 mit dem Landeskulturpreis ausgezeichnet –, hat 2009 bereits zum fünften Mal ausführlich über das SCHÄXPIR-Festival berichtet. Mit Beiträgen über die wichtigsten Theaterproduktionen, Interviews mit KünstlerInnen sowie Klatsch und Tratsch rund um das Festival wurde das Publikum 22

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zehn Tage lang Ende Juni möglichst umfassend über das Festivalgeschehen informiert. Während der Sommerferien gab´s als krönenden Abschluss des Radiojahres von Mitte Juli bis Mitte September das übliche „Ferien-Frech-Best-of“.

Heinz Wagner, seit rund drei Jahrzehnten journalistisch tätig, meist für benachteiligte Gruppen der Gesellschaft. Seit 16 Jahren fast ausschließlich – für und mit Kinder/n und Jugendliche/n – im KURIER. Vater eines mittlerweile studierenden Sohnes.

Junge Linzer machen Festspielradio Mehr als eine Woche Musik, weder Workshop- noch Reiseoder Aufenthaltskosten und ein gepflegtes Taschengeld für einen Sommerjob im Medienbereich … Ein Jugend-Traum ihres Lehrers ging für drei Fadingerschüler stellvertretend in Erfüllung. Die Festspiele in Erl und das ORFLandesstudio Tirol boten Claudia, Florian und Joachim vom Linzer Mediengym nach kurzer Einschulung in Innsbruck, bei der sie unter Beweis stellten, dass sie schon einiges an Medienerfahrung mitbringen, die wohl einzigartige Möglichkeit acht Tage lang Festspielradio zu machen. Ein Angebot, das von der Medienabteilung des Unterrichtsministeriums ein Monat zuvor an den (Wagner-)begeisterten Manfred Pilsz und seine Crew ergangen war. Zwischen Tristan und Parsifal – umspült von Beethoven- und Brucknerklängen holten die jungen Linzer Künstler, Promis und Adabeis vors Mikro und gaben der Berichterstattung aus Erl jenen jugendlichen Touch, der dem segelnden Motorradfreak und ewig frischen Festspielleiter Gustav Kuhn voll und ganz entspricht. Is Linz beautiful? FRECHe Fragen – GLASSklare Antworten Anlässlich der Linzer Erstaufführung seiner Kammeroper „Orphee“ kam der bekannte amerikanische Komponist Phil Glass zu einer Matinee ins Landestheater – Radio FRECH (Jugendmedienpartner von Linz 2009) vom Fadinger MRG lauerte ihm mit dem Mikro auf, um News, musikalische Pläne und Gedanken des Megastars (Filmkomponist – „Truman Show") zur Kulturhauptstadt zu erfahren … 40

Heinz Wagner

Wenn keiner auf die Uhr schaut Als Redakteur beim KURIER bin ich für die Kinder- und Jugendseite zuständig, die jeden Montag erscheinen. Und wie auf diesen Seiten ein wichtiges Element ist, Kinder bzw. Jugendliche selber zu Wort kommen zu lassen, so ist dies auch bei der Diskussionsreihe „STANDPUNKT“. Seit 2003 gibt es im Rahmen des Projektes Schülerradio diese Kooperation zwischen KURIER und dem Unterrichtsministerium. Einerseits veranstalten wir regelmäßig „Standpunkte“, in denen SchülerInnen mit ExpertInnen über aktuelle Themen Meinungen austauschen. Die Diskussionen werden mitgeschnitten und im Schülerradio ausgestrahlt, der KURIER berichtet – in der Regel – am darauffolgenden Montag darüber. Andererseits führen wir als Kinder- und Jugend-KURIER (KiKu) mit Schulklassen regelmäßig Zeitungs-Workshops durch. Wenn teilnehmende Klassen dies wünschen, können sie zuvor zum gleichen Thema eine Radiosendung gestaltet haben. Daraus ergibt sich die spannende Erfahrung, welches Thema zu welchem Medium passt und welche andere Darstellungsform erforderlich ist. Vom Umgang mit Taschengeld über verfremdete witzige Märchenversionen bis hin zu tiefgreifenden Fragen, woran wer glaubt oder die Frage des Weltfriedens aufgegriffen in offenen Briefen an den damaligen US-Präsidenten George W. Bush und Al-Kaida-Führer Osama bin Laden – Beiträge im 21

Radio FRECH (seit 11 Jahren) jeden MI um 16.00 eine Stunde lang auf 105,0 (FRO) Schülerfilmkino SFPK (seit 15 Jahren) jedes Jahr bei mehreren Festivals (Ebensee/Wels)

RADIOMOMENTE - ERFAHRUNGEN UND ANREGUNGEN - ZUKUNFTSBLICKE

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Erika Bergthaler, studierte Altphilologie und Germanistik in Salzburg, seit 1979 Lehrerin am BG/BRG Freistadt (Latein, Deutsch). Gründungsmitglied des Schulradios radius 106,6 (im Jahr 2003), momentan auch Radiolehrerin für die AnfängerInnen (10– bis 14-Jährige).

gewaltigen Sprung nach vorne gebracht, wodurch der Aufwand zur Produktion von Radiosendungen im Vergleich zur Filmproduktion gering ist.

Wolfgang Kuranda , geboren 1963, ist seit 1992 am BG Freistadt, Gründungsmitglied von radius 106,6 und seitdem Radiolehrer" (Wahlpflichtfächer "GW-Radio" bzw. "Radio", Fachprüfer für Radiomatura).

Die neue Website www.schuelerradio.at bietet ein onlineTutorial zu den gängigen Radioformaten sowie kreative Ideen zum lustvollen Radiomachen. www.schuelerradio.at ist sowohl als Informations- als auch als Kommunikationsplattform zur Vernetzung der RadiomacherInnen, LehrerInnen, SchülerInnen, Schulen und Projekte konzipiert. Über ein Anmeldeformular können Sendungen zur Ausstrahlung auf Schülerradio eingereicht werden, SchülerInnen können sich für eine Live-Sendung im ORF-Studio anmelden, sie bekommen Angaben über Radioworkshop-Angebote und Radio-Wettbewerbe.

Erika Bergthaler / Wolfgang Kuranda

Stationen eines Radioprojekts Fotos: Doris Mikolasch   am 03.03.2003 geht RADIUS 106,6 on air.   

 

  2003 ... der zukunftspreis des landes oberösterreich geht an "radius 106,6"   

 

Jede Menge Sendungen – auch preisgekrönte – zum Nachhören und möglicherweise zum Einsatz im Unterricht, ermöglichen einen einfachen Zugang zum Medium Radio. Ein unerschöpflicher Schatz an Gestaltungsmöglichkeiten im Unterricht tut sich auf durch die Arbeit mit dem Medium Radio. Für LehrerInnen mag er eine weitere Möglichkeit sein, die vielzitierte Webcommunity auch in den Schulalltag zu integrieren. Und beinahe nebenbei werden Jugendliche selbstbewusst kreativ tätig und medienkompetent.

  2003 ... das projekt "PI": durchgehende moderation 99 stunden live on air   

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  2004 ... beginn der zusammenarbeit mit dem filmfestival "DIAGONALE".  erster höhepunkt war das radiofilmfestival am 28.1.2005, seitdem regelmäßig gast beim diagonalefilmfestival in graz. 

Gabriele Woldan – studierte Englisch und Spanisch. Sie arbeitete zehn Jahre im ORF als Programm-Mitarbeiterin bei Radio Österreich International und danach im Radiokulturhaus. 2004 hat sie die Projektleitung von Schülerradio übernommen.

  Gabriele Woldan

www.schuelerradio.at – ein Medium zur Unterrichtsgestaltung  

Bewusstheit im Umgang mit Sprache, Tönen, Stimmungen, Inhalten; Spaß, Kreativität, Experimentier-Freude sind das oberste Motto für den praxis-orientierten Unterricht mit dem Medium Radio. Ohne Teamarbeit, die Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen, Kommunikationskompetenzen und Fähigkeiten – wie Konzentration auf den Augenblick und Genauigkeit – ist gelungene Medienarbeit nicht möglich. Beim Radiomachen geht es insbesondere um Sprachkompetenz, Konzeptentwicklung, die richtige Frage stellen und Wahrnehmungsschulung. Die kommunikative Integration von Defiziten im Schulalltag, das Aufarbeiten von Problemen in der Klassengemeinschaft sind dabei Nebeneffekte, die im Prozess des Radiomachens quasi spielerisch mitgeliefert werden. LehrerInnen, die an der Arbeit mit dem Medium Radio interessiert sind, haben also ein breites Spektrum und ein wunderbares Instrument zur Unterrichtsgestaltung an der Hand. Denn es gibt kaum ein Thema aus dem Schul- oder persönlichen Alltag eines Jugendlichen, über das nicht via Radio berichtet werden kann. Nicht zuletzt hat der Wechsel von der analogen zur digitalen technischen Bearbeitung im Bereich Audio-Software einen 18

   

  2004 ... erste öffentliche matura im radio auf radius106,6.   

  2005 ... das freie radio freistadt übernimmt sendungen von radius106,6. damit erweitert sich der hörerkreis wesentlich.      2006 ... in diesem schuljahr war afrika in allen sendungen immer wieder im brennpunkt. abschluss dieser arbeit war ein afrikafest. 

    2006 ... radius106,6 begleitet die eröffnung des schulneubaus. der landeshauptmann im radio!!!   

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  2006 ... bundesministerin elisabeth gehrer besucht das radiostudio und stellt sich einem spontanen interview.   

 

 

  2007 ... anerkennungspreis media literacy award [mla] für sendungen zum filmfestival "diagonale".     

Laptop. Was früher ein ganzes Studio benötigte, ist heute auf einem Laptop mobil überall leicht verfügbar. Es war die medienpädagogische Herausforderung, SchülerInnen die Welt der Medien zu eröffnen und das am besten durch eigenes Handeln und Reflektieren. Die medienpädagogische Reflexion stand im Mittelpunkt aller vom Unterrichtsministerium geförderten Schülerradio-Projekte. Das Unterrichtsministerium eröffnete neue Unterrichtsmethoden und trug dazu bei, dass SchülerInnen zu mündigen MedienrezipientInnen werden.

    2007 ... zusammenarbeit mit dem "ausbildungsradio stockholm UR".   

 

  2008 ... gewinn des hauptpreises der fh kärnten mit der fachbereichsarbeit "privatradio als wirtschaftskraft".   

    2008 ... radius 106,6 berichtet vom "stimmenfestival" in freistadt.   

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  2008 ... produktion von weihnachtsgeschichten des brg-steyr im radiusstudio.   

Radiomachen, zuhören lernen und seine eigene Meinung zu artikulieren war ansteckend. Rund um das Schülerradio 1476 entwickelten sich verschiedene Radioprojekte. „Radio One“ war beispielsweise das erste Pausenradio an einem Wiener Gymnasium, das Medienzentrum in Spittal/Drau baute ein eigenes Studio und sendete einmal pro Monat auf 1476 einen Beitrag. „Gym-Radio Hollabrunn“ machte die ganze Schule zu einem Medienschwerpunkt. Erstmals gab es ein eigenes Freifach „Radio machen“, ein Studio und einen eigenen Schulsender, der die ganze Region mit hausgemachten Radiosendungen bestrahlte. Der „Moment-Schülerradio-Preis“ des ORF wurde geschaffen und die besten Radiosendungen jährlich mit einer Ausstrahlung auf Ö1 prämiert. Auch der „media literacy award“[mla] motiviert seit 2003 zum Mitmachen. Die Qualität der Sendungen stieg von Jahr zu Jahr. Dafür sorgten vor allem die „Medianauten“, die gefördert vom Unterrichtsministerium und Kulturkontakt mit Schulklassen Radiosendungen gestalteten. In den letzten Jahren entwickelten sich ZentrumsSchulen, die einen Medienschwerpunkt führen und regelmäßig Radiosendungen produzieren.

 

 

 

Auch Printmedien wie Der Standard und zuletzt der KURIER beteiligten sich am Projekt Schülerradio 1476. Mehrmals im Jahr gab es die von SchülerInnen moderierte Diskussionsrunde „Schüler-Talk“ (in Kooperation mit dem Standard) und später „STANDPUNKT“ (in Kooperation mit dem KURIER). Die Diskussionen wurden auf Mittelwelle 1476 ausgestrahlt. Viel hat sich also im Laufe des Projekts des Schülerradios 1476 getan. Und vieles steht noch zur Weiterentwicklung an. Die letzte Herausforderung bestand darin, das ausgestrahlte Radioprogramm in ein Web-Radio umzuwandeln. In den letzten 10 Jahren hat sich die Medienlandschaft in Österreich grundlegend geändert. Es entstanden Privatradios, das Radio ist ins digitale Zeitalter gekommen, man hört es am Handy in der Straßenbahn, im Internet oder in der Schule am 16

  2009 ... konstituierung einer medienklasse. berichte von "linz09" und "crossing europe".   

  2009 ... "vilnius" zu gast in freistadt.   

  2009 ... einstieg ins webradio   

  And the winner is ... Im Sommer 2004 bekamen wir zufällig Kontakt zur Diagonale. Eine (jetzt ehemalige) Mitarbeiterin der Diagonale hatte an unserer Schule maturiert und kam zu einem Maturatreffen. Dabei fiel ihr natürlich unser am 03. 03. 03 gegründetes Schulradio auf.

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Da die Diagonale zu diesem Zeitpunkt mehr Zugang zu Schulen suchte, und das in Verbindung mit einem zusätzlichen Medium außer Film, kam der Vorschlag von der damaligen Intendanz, Frau Birgit Flos, ob wir nicht an einer Zusammenarbeit interessiert wären. Wir starteten zusammen ein großes Projekt. Alle unsere OberstufenschülerInnen sahen von Oktober bis Dezember 2004 Produktionen des österreichischen Films (natürlich in Blöcken) und wurden von MitarbeiterInnen der Diagonale, die nach Freistadt kamen, beim Schauen unterstützt bzw. zum Denken angeregt und über Filmschaffende etc. aufgeklärt. Das Projekt endete in einem großen Radiofilmfestival im Jänner 2005 in Freistadt: „Die lange Radionacht des Films – Film hören“ (24-Stunden Livesendung von radius106,6) Belohnung für dieses gelungene Projekt war eine Einladung von Seiten der Diagonale zum Festival 2005. Das haben wir gerne angenommen und über dieses Festival auch Radiobeiträge geliefert. Durch dieses Filmfestival in Freistadt lernten wir das Schülerradio 1476 in Wien kennen und seitdem machen wir laufend mit. Mithilfe des Unterrichtsministeriums und der Diagonale sind wir 2009 zum 5. Mal zur Diagonale eingeladen worden und liefern natürlich immer unsere Radiosendungen über dieses österreichische Filmfestival ab. Mit einer dieser Sendungen über die Diagonale haben wir auch schon einmal den media literacy award [mla] gewonnen. In Schweden hört man Schülerradio aus Freistadt Radius106,6 hat seinen Sendebereich beträchtlich nach Norden ausgedehnt, dank einer bemerkenswerten schwedischen Bildungseinrichtung, der „Educational Broadcasting Company“ in Stockholm. Sie hat die Aufgabe, Radio-, Fernseh- und Internetmaterial für den Unterricht zu produzieren. Kristina Blidberg und Terese Bergling vom schwedischen Ausbildungsradio „UR“ waren von Montag, 8.Oktober, bis Freitag, 12.Oktober 2007 zu Gast an unserer Schule. Gemeinsam mit 46

Franz-Joseph Huainigg, geb. 1966 in Kärnten, studierte Germanistik und Medienkommunikation. Journalistische Tätigkeiten, Kinderbücher, Krüppel Kabarett. Als Mitarbeiter der Abteilung Medienpädagogik im Unterrichtsministerium entwickelte er 1999 das „Schülerradio“. Von 2002 bis 2008 Abgeordneter zum Nationalrat.

Franz-Joseph Huainigg

Schülerradio 1476, seine Geschichte und aktuelle Fragestellungen Anfang 1999 ging das Schülerradio 1476 auf der gleichnamigen Mittelwellenfrequenz des ORF erstmals auf Sendung. Das „Pilotprojekt des Unterrichtsministeriums“ entwickelte sich aufgrund des hohen Interesses der Schulen bald zu einer fixen Einrichtung, die heuer 2009 ihr zehnjähriges Bestehen feiern kann. Im Rahmen des Projektes Schülerradio 1476 ist viel entstanden. Zunächst einmal die Radiobox, ein medienpädagogischer Leitfaden, mit dem LehrerInnen das Klassenzimmer in ein Radiostudio verwandeln konnten. JournalistInnen besuchten mit Unterstützung des Österreichischen Kulturservice (heute: Kulturkontakt) Schulen und produzierten vor Ort Radiosendungen, die auch ausgestrahlt worden sind. Siemens wurde zum Sponsor und baute im Siemens-Forum Wien ein SchülerradioStudio, in dem zahlreiche Klassen aus Wien und im Rahmen der Wien-Aktion aus den Bundesländern halbstündige Programme produzierten. Es wurde viel diskutiert, interviewt, geschnitten, Texte wurden geschrieben und moderiert. Der Unterricht wurde plötzlich lebendig. Es machte Spaß etwas zu recherchieren und Wissen anzueignen. Beim Schülerradio wurde kein Thema vorgeschrieben, es gab keine Reduktion auf einen Schultyp und auch die Herstellung der Sendungen war sehr unterschiedlich. 15

nologien ermöglichen den Menschen nunmehr maßgeblich an der Kultur- und Informationsproduktion teilzunehmen, ihren eigenen „content“ herzustellen und zu veröffentlichen. Neue dezentralisierte Modelle der medialen Kommunikation orientieren sich eher an sozialen Strukturen, individuellen Motivationen und realen Bedürfnissen, anstatt an Märkten, Firmen oder Regierungen. Eine Herausforderung, die alle Instanzen der Gesellschaft betrifft – besonders den Bildungsbereich. Im Informations- und Kommunikationszeitalter lassen Betreiber und Konsumenten die Grenzen der Medien und ihre Produktionsweisen und der daraus folgenden Rezeption fließend werden oder ganz verschwinden. Der von vielen Wissenschaftern befürchtete „knowledge gap“ das Zunehmen der Wissenskluft zwischen denen, die mit den Medien umgehen können, und denen, die damit überfordert sind oder keinen Zugang haben, lässt sich nur durch die Schaffung von Medienkompetenz verhindern. Diese Medienkompetenz wird sich aber wesentlich auf dem Selbstverständnis in einer digitalisierten Welt begründen. Im Sinne einer praktischen Medienerziehung sollten nicht nur die Aussichten auf eine „schöne neue Welt" oder der Umgang mit den neuen Medien vermittelt werden, sondern es sollten vor allem die Voraussetzungen für einen kritischen, kreativen und reflexiven Umgang mit diesen geschaffen werden. Dabei ist es wichtig, die Codes und Konventionen von Mediensprachen zu erlernen und damit befähigt zu sein, sie zu erkennen und zu analysieren, Textkompetenz zu erweitern und eigene Töne und Bilder zu suchen. Ziel ist es daher, sich in einer medial geprägten Welt auch selbst ausdrücken und letztlich zu alternativen Produktionsformen finden zu können. SchülerInnen, die Medien selbst machen, erleben die Eigengesetzlichkeit des Produktionsprozesses, seine Rahmenbedingungen, seine Eigendynamik, aber auch die Grenzen der Machbarkeit.

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verschiedenen Schülergruppen der Oberstufe wurde zum Thema Meinungsfreiheit gearbeitet. Eine Projektarbeit im wahrsten Sinne des Wortes. Schülerund Lehrerbefragungen, Straßeninterviews und Gespräche mit drei Generationen (Großeltern, Eltern und Kinder), Ausdruck der eigenen Meinung durch Kleidung, durch Musik, durch die Sprache oder sogar durch eine völlig neue Frisur gaben dem Ganzen einen umfassenden Inhalt. Das in Freistadt mit und von SchülerInnen gesammelte Material wurde zu fünf- bis zehnminütigen Sendungen verarbeitet, die dann als Impuls im Unterricht eingesetzt werden können. Die Ehre, als Studienobjekt für den schwedischen Bildungsfunk ausgewählt worden zu sein, verdankt das Gymnasium Freistadt dem Latein- und Deutschprofessor Mag. Manfred Seidl, der jahrelang an der Deutschen Schule in Stockholm unterrichtete und den Kontakt zu seiner „alten“ Schule vermittelt hat. Radiomatura Seitdem das Radio an unserer Schule etabliert ist, ist es für SchülerInnen möglich, im Radio zu maturieren. Da die Matura eine öffentliche Prüfung ist, gab es von den jeweiligen Vorsitzenden keine Einwände. Natürlich nehmen diese Gelegenheit nur SchülerInnen wahr, die zuvor schon im Radio mitgearbeitet haben. Es können die SchülerInnen sowohl in einzelnen Fächern (z.B. Latein, Geographie, Deutsch) maturieren als auch, wenn sie den Wahlpflichtgegenstand Radio inskribiert haben, über die Radioarbeit an sich. Während im ersten Fall einfach die Öffentlichkeit einer Maturaprüfung beiwohnen kann, werden im zweiten Fall Fertigkeiten, wie z.B. Moderieren, Texte lesen, Technik usw. abgeprüft und angewendet. Mit dieser Möglichkeit schafft das Gymnasium Freistadt, die Matura betreffend, eine gewisse Transparenz und eine spezielle Form der Öffentlichkeit, die gerne angenommen wird.

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Mirjam Morad ist geborene (Nieder)Österreicherin, Studium der Kultur- und Sozialanthropologie, Wissenschaftliche Vorträge und Publikationen zur Erzählforschung. Leseförderung im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur. Seit 1993 Buchdiskussionen mit jungen Menschen, Jury der Jungen Leser/Jury der Jungen Kritiker.

Karl Brousek, geboren 1953, seit 1982 im Unterrichtsministerium im Medienbereich tätig. Autor zahlreicher Dokumentarfilme. Als Leiter des Referates Praktische Medienerziehung verantwortlich für Projekte der Jugendmedienarbeit, wie Schülerradio oder media literacy award [mla].

Mirjam Morad

Karl Brousek

In der Vergangenheit des literarischen Quartetts blättern

Die „Read-and-write“-Kultur

Einen Beitrag schreiben. Wieder einmal – wie lästig. Rückschau halten, wo man doch so beschäftigt ist mit der Gegenwart. Doch als ich erst einmal in den Aufzeichnungen zu blättern beginne – bin ich schnell wieder mitten drinnen und erlebe bruchstückweise alles nochmals.

Foto: ORF

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Einige wenige machten Massenmedien für viele; ein Wesenszug des industriellen Zeitalters, wo eine kleine Anzahl von Medienmachern, Meinungsbeeinflussern und Kulturschaffenden Printmedien, Töne und Bilder herstellte und vertrieb. Digitale Medien und Netzwerke haben eine Dezentralisierung des Produzierens und Austauschens von Informationen, von Wissen und Codes ausgelöst. Mit dem leichteren Zugang zur Medienproduktion ist ein Demokratisierungsprozess eingeleitet, dessen Folgen nicht absehbar sind. Wohin werden sich demokratische Prozesse und Strukturen verändern, wenn Menschen mitentscheiden, worüber berichtet oder kommuniziert wird? Wie wird diese oft anarchistische Parallelwelt gegenüber den globalen aber auch regionalen Monopolen bestehen können? Mit der Chance Medien selbst zu produzieren und damit Bedürfnisse, Ängste, Wünsche und Forderungen öffentlich zu machen, ist ein Quantensprung in der Demokratisierung unserer Gesellschaft im Gange. Besonders die heute jugendlichen Menschen, denen oft Distanz zur Politik vorgeworfen wird, nutzen diese neuen Kanäle und Plattformen. Die staatslenkende Politik hat die Dimension dieser Entwicklung nur ansatzweise begriffen. In digitaler Terminologie gesprochen, bewegen wir uns von der „Read-only"- zur „Read-and-write"-Kultur. Die neuen Tech13

tisch jeder Altersgruppe, die durch teilweise extrem engagierte Lehrerinnen und Lehrer ihre Radioerfahrungen sammeln. Das Schülerradio auf Mittelwelle zog sogar die Gründung eines Lokalradios in Niederösterreich nach sich. Der „Moment-Schülerradio-Preis“ setzte neue Impulse Um das Engagement der LehrerInnen und SchülerInnen am Leben zu erhalten und zu fördern, haben wir von Ö1 den „Moment-Schülerradio-Preis“ ins Leben gerufen. Es gibt PreisträgerInnen praktisch jeden Schüleralters, und es ist für uns besonders erfreulich, wie viel Freude und Motivation der Preis jedes Jahr stiftet. Zudem verschafft er dem Projekt Öffentlichkeit, die Sendungen auf Ö1 über Schülerradio finden regelmäßig sehr positives Echo. Die Weiterentwicklung des Schülerradios Vor 10 Jahren hätte ich nicht gedacht, dass wir einmal 10 Jahre Schülerradio feiern könnten. Radio 1476 war ein sehr improvisiertes, experimentelles Projekt – nun gilt es nicht die inzwischen vorübergegangene Revitalisierung der Mittelwelle zu feiern, sondern das Finden eines neuen Weges Radio den Menschen anzubieten. Außerdem arbeiten wir an neuen Möglichkeiten, Beiträge im Webradio „oe1campus“ einzubringen und zu verteilen. Vielleicht können wir in 10 Jahren eine partizipative Weiterentwicklung des Radios im Web feiern ...

Wie alles begonnen hat? Nun, als das Unterrichtsministerium uns einlud mitzumachen, gestalteten die JurorInnen eine Sendung über das Preisbuch 1999 ‚Ein Dach in Brooklyn’ von Unni Nielsen, mit einem Interview der Autorin und Musikcollagen der Toccata und Fuge in d-Moll von J.S. Bach, die ein junger österreichischer Musiker auf dem Akkordeon (!) spielte. Wann war die allererste Livesendung? Aha, am 17. November 1999 stellten wir Anne Fine, ‚Familienspiel’ und Thierry, ‚Das Mädchen am Kanal’, vor. Es ging um Familienkonstellationen und sexuellen Missbrauch. Die damaligen TeilnehmerInnen sind längst aus den Buchdiskussionen der Jury der Jungen Leser herausgewachsen und im letzten Drittel ihres Studiums. In all der Zeit, in der es auch Pausen gab, wurden ca. 60 Bücher vorgestellt und darüber diskutiert. Diese Sendungen waren immer live und daher besonders spannend und aufregend. Die Erfahrung lehrte, dass sich junge Menschen nicht gerne wiederholen, d.h., je mehr vorher argumentiert wird, desto dürftiger fällt die Enddiskussion aus. Deshalb wurden die zur Besprechung ausgewählten Bücher erst im Studio live vor dem Mikrofon in Angriff genommen, was die Spannung und auch Neugier erhöhte. Auch verkürzte sich dadurch die Nervosität vor der Sendung. Es war und ist jedes Mal eine neue Herausforderung, die auf kurze Zeit die gesamte Konzentration erfordert und zuletzt alle sehr befriedigt. Gelang etwas weniger gut, dann konnte man das nächste Mal darauf achten. Für mich ist es ideal, da es keine Zwischengespräche gibt und jeder voll und ganz mit dabei ist. Alle lernten, in kurzer Zeit möglichst viel unterzubringen. Die Erfahrung für mich war, dass es nicht notwendig ist, so viel Hintergrundwissen in die Sendung einzubringen, sondern ruhig und gelassen das Gespräch in Gang zu halten, Sicherheit zu geben und die Zeit einzuhalten. Und allen bereitete es immer Spaß. Es war jedes Mal ein Sprung ins kalte Wasser, aber alle lernten damit umzugehen.

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Mehrere Male hatten wir AutorInnen persönlich im Studio, oder aber wir holten per Telefon ihre Stimmen in die Livesendung. Manchmal habe ich damit die Jugendlichen überrascht, was der Diskussion viel Lebendigkeit verlieh. Lebendig und hitzig ging es auch zu, wenn es konträre Meinungen zu einem Buch gab. Das heizte die Stimmung im Studio besonders an und verlieh ihr die nötige Würze. Eine Sendung war besonders aufregend und berührend, als wir das Buch ,Cut’ von Patricia McCormick vorstellten. Dazu hatten wir eine ehemalige Jurorin eingeladen, von der ich wusste, dass sie sich ritzt. Sie ist der Aufforderung sofort gefolgt und gab freimütig Auskunft. Für sie war es befreiend, darüber reden zu können, und uns machte sie sehr nachdenklich. Es gab Sendungen, in denen Interviews, die die Jury der Jungen Leser auf der Frankfurter Buchmesse oder auf der Buchmesse in Leipzig mit AutorInnen, LektorInnen oder Verlagsleuten geführt hat, wiedergegeben wurden, bzw. sie über ihre Eindrücke von den Buchmessen berichteten. Einmal, zum 10-jährigen Buchdiskussions-Jubiläum hatten wir eine Jugendjury aus Mecklenburg-Vorpommern eingeladen und zusammen eine Livesendung im Schülerradio abgehalten, was sehr lehrreich war. Da jede/r nur ein Buch gelesen hatte, war eine Buchdiskussion nicht möglich. In solchen Livesituationen heißt es schnell improvisieren und die Gestaltung ändern. Für mich persönlich zählen die Buchdiskussionen im Aufnahmestudio zu den interessantesten und zufriedenstellendsten, da alle konzentriert bei der Sache sind. Die TeilnehmerInnen selbst empfinden das ebenso. Es ist natürlich nicht ganz so leicht, da man nicht einfach drauflosplaudern kann wie in einer normalen Buchdiskussion im vertrauten Raum, wo Zeit eine untergeordnete Rolle spielt. Beim Hörfunk geht es darum, einem nicht vorhandenen Publikum, das nur mit den Ohren dabei sein kann, das, was man sagen will, so zu präsentieren und präzisieren, dass es verstanden wird. 50

Rainer Rosenberg hat Journalismus schon immer fasziniert. Seine ORF-Karriere begann in der Ö3 Musicbox, er entwickelte als Leiter der Jugend Redaktion Fernsehen die Sendung „X-Large“. Sein Weg führte ihn aber 1989 zum Radio zurück, als Leiter der Hauptabteilung Gesellschaft, Jugend, Familie. 1995 wird er Leiter der Produktionsgruppe „Spezialprogramme“ und ist unter anderem für die Ö1Sendungen „Von Tag zu Tag“, „Moment - Leben heute“, „Menschenbilder“ und das Kinderradio verantwortlich. 1997 startete er das Mittelwellen Radio, an dem auch Schülerradio mitwirkte und das jetzt als Webradio „oe1campus“ weitergeführt wird.

Rainer Rosenberg

Vom experimentellen Projekt zum partizipativen Webradio Beginn der Kooperation zwischen Unterrichtsministerium und ORF Ich war sehr froh, als mich Franz-Joseph Huainigg fragte, ob ich mir vorstellen könnte, auf Mittelwelle ein Schülerradioprojekt zu starten. Besonders weil ich überzeugt bin, dass Radio durch seinen dialogischen Charakter optimal geeignet ist, Bildungsfunktionen zu erfüllen, die weit über das Produzieren von Sendungen hinausgehen. Durch seine Tätigkeit im Unterrichtsministerium und seine vielfältigen Erfahrungen nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Radiomacher war er ein idealer Partner für neue Ideen. Franz-Joseph Huainigg ist ein Meister im Verbreiten von Aufbruchstimmung und er hat auch die Fähigkeit Dinge konsequent zu verfolgen. Das hat dem Projekt Schülerradio extrem genützt, die Abteilung Medienpädagogik im Unterrichtsministerium hat das Projekt unterstützt, und was viel wichtiger ist, Schülerinnen und Schüler und ihre LehrerInnen hatten großes Interesse. Mich hat immer wieder mit Stolz erfüllt, wie vielen Jugendlichen durch dieses Projekt Radiomachen nähergebracht wurde. Und es sind SchülerInnnen prak11

Medienpädagogik betreute Schülerradio auf der Wellenlänge 1476 MW „on air“. Aufgrund der technischen Entwicklung wird es auch zunehmend leichter, im Klassenzimmer die Möglichkeiten des Kassettenrekorders/Tonbandgerätes/digitaler Aufnahmegeräte auf spielerisch-kreative Weise zu nutzen. Texte unterschiedlichster Art können produziert werden – dabei können die Kinder und Jugendlichen die Erfahrungen, die sie im Verlauf der Produktion machen, zu den anderen zwei medienpädagogischen Zugängen: Auseinandersetzung mit Medienerfahrungen und Medienwirkungen sowie Auseinandersetzung mit Medienprodukten und Medieninstitutionen, rückkoppeln. Der produktive Aspekt leistet somit einen wesentlichen Beitrag dazu, dass „Kinder und Jugendliche durch aktiven Umgang mit auditiven Medien ihrer Lebenspraxis Sprache geben ihrer Phantasie und Kreativität Ausdruck verleihen medienspezifische Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben einen ‚anderen‘ Mediengebrauch zur Gestaltung gesellschaftlicher Wirklichkeit erproben.“ (Schill 22) Produktion von eigenen Medien ist, wie im oben erwähnten Zitat von Schill ausgeführt, ohne Kreativität nicht möglich. Kreativität erinnert gleichzeitig an die Europäische Charta für Medienkompetenz, eine NGO-Initiative, die ausführt, was medienkompetente Menschen des 21. Jahrhunderts können. Dieses Können basiert auf drei Säulen, den sogenannten drei Ks: Kritisches denken, Kreativität und Kulturelles Bewusstsein. Schülerradio erfüllt als produktive Praxis alle diese drei Zielsetzungen. Nunmehr geht es darum, das Projekt nachhaltig zu sichern.

Es gab auch schon sehr lustige Situationen, als z.B. eine Teilnehmerin plötzlich einen Hustenanfall bekam oder als es galt ein Bilderbuch vorzustellen und jeder in seinem Buch immer wieder die Seiten umblätterte, was sich in meinen, mit Lautsprechern beschallten Ohren wie ein Orkan anhörte. Und als es einmal nur zwei von vier Teilnehmern ins Studio geschafft hatten, hatte Christopher einfach einen weiteren Gast mit englischem Akzent dazugesellt. Er machte das genial, doch war es gar nicht einfach das Lachen zu unterdrücken, weil es irrsinnig komisch war und gleichzeitig auch viel Konzentration erforderte, den unsichtbaren englischen Teilnehmer in das Gespräch einzubeziehen. Dabei wuchs Christopher über sich hinaus. Solche unerwarteten Momente und Situationen machen die Sendungen im Studio immer spannend, aufregend und neu. Die Buchdiskussionen im Sendestudio erfreuen sich bei den Mitwirkenden großer Beliebtheit und bedeuten eine wichtige Erfahrung im Umgang mit dem Hörmedium. Gilt es doch, in sehr kurzer Zeit einem unsichtbaren Publikum so viel wie möglich mitzuteilen. Für die Jury der Jungen Leser/Jury der Jungen Kritiker war und ist das Schülerradio eine wunderbare Einrichtung, die eine weitere Möglichkeit für junge Menschen schafft, sich zu artikulieren, Gehör zu verschaffen und zu Wort zu kommen. Eine Bühne, von der aus sie hörbar agieren können. Ein Forum, in dem sie Erfahrungen sammeln und wachsen können.

Literatur: Hüther/Schorb/Brehm-Klotz(Hrsg.): Grundbegriffe Medienpädagogik. Kopäd-München 1997 Schill, Wolfgang: Auditive Medien im Unterricht. In: medien praktisch 1/98, S.19-22. 10

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Jutta Kleedorfer, Professorin für Deutschdidaktik und Kinder- und Jugendliteratur an der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule (KPH) in Wien, Generalsekretärin der Austrian Reading Association, Mitglied einer Gutachterkommission des Unterrichtsministeriums für a.-v.Unterrichtsmittel, Autorin und Jurorin.

Jutta Kleedorfer

Schülerradio eröffnet LehrerInnen neue Wege Wer hätte vor zehn Jahren – als noch das Fernsehen das Alltagsleben und die Zeitnutzung von Kindern und Jugendlichen dominierte – gedacht, dass ein Projekt wie Schülerradio SchülerInnen und LehrerInnen interessieren könnte? In meiner damaligen Wahrnehmung stieß daher das Angebot, beim Schülerradio mitzumachen, auf Skepsis. Ich wurde sehr rasch eines Besseren belehrt: Mit der „Radiobox“ als theoretisch fundiertem, edukatorisch informativem Rüstzeug, betreut von engagierten Radiojournalisten und unterstützt vom Unterrichtsministerium wurden die Workshops Schülerradio in den ORF-Studios wie bei Wien-Xtra zu einem nachhaltigen Erlebnis: Zuerst nahm ich an dem Projekt mit meinen SchülerInnen teil, dann mit den gymnasialen UnterrichtspraktikantInnen und schließlich mit angehenden LehrerInnen der Sekundarstufe I der Pädagogischen Akademie wie nun der KPH Wien. Diese handlungsorientierten Workshops „Radiomachen“ bildeten die Grundlage einer nachhaltigen Entwicklung („sustainable development“) – dieser inflationär gewordene Begriff trifft hier wirklich den Kern der Sache –, da sich in diesen zehn Jahren die eigenständige, aktive Auseinandersetzung mit dem Medium „Radio“ im Bereich von Schule und Unter52

Sehen in unserer Geistesgeschichte seit der Antike eine größere Bedeutung für die Erfassung der Welt als das Hören. Mit dem Ausspruch „Das Auge ist ein Herr, das Ohr ein Knecht, jenes schaut um, wohin es will, dieses nimmt auf, was ihm zugeführt wird“, stellt Jakob Grimm die Vorherrschaft des Gesichtssinnes über den Gehörsinn unmissverständlich fest. Er begründet die Rangordnung mit einer ethischen Reihung der willkürlichen, vom Menschen beabsichtigten und gelenkten Handlung vor der unfreiwilligen, bloß durch das Sinnesorgan ermöglichten Wahrnehmung. Ich kann ihm nicht zustimmen: Analog dem dem Sinnesorgan Auge zugewiesenen Wortpaar „sehen-schauen“ gibt es das dem Ohr zugeordnete Paar „hören-zuhören“. Beide Wortpaare beruhen auf den Prinzipien des unwillkürlichen Zustandes bzw. des beabsichtigten, vom Bewusstsein geleiteten Tuns. Beide entsprechen – ich bin mir der Kühnheit der gedanklichen Schleife durchaus bewusst – der Dichotomie: Medienkonsum (visuelle und/oder auditive Berieselung) – Mediennutzung (Bewusstheit im Umgang mit Medien) … zurück zur Praxis Mit der ihm eigenen Zähigkeit ging Franz-Joseph Huainigg ans Werk: In Rainer Rosenberg, dem Leiter von Mittelwelle 1476, in dem sich Brechts Radiotheorie zu verwirklichen schien, fand er bald einen kongenialen Partner. Nach eingehenden Besprechungen, die hin und wieder durchaus widersprüchlich waren, hieß es dann: Wo geht’s hier zum Schülerradio? oder: Radio let’s do it! Wie sich Praxis und Theorie vereinigen Der pädagogischen Zielkategorie ‚Emanzipation‘ können wir die Produktion von auditiven Medien zuordnen. Die reizvollste und am häufigsten praktizierte Variante ist zweifellos das Radiomachen, das durch das Vorhandensein von privaten Radiosendern leichter zu realisieren ist. Auch der ORF stellt diesen Bestrebungen eine Sendeleiste zur Verfügung: Montag bis Freitag von 19:30 – 20:00 Uhr ist das von der Abteilung 9

Susanne Krucsay war von 1995 bis 2008 Leiterin der Abteilung Medienpädagogik/Medienservice im Unterrichtsministerium. Arbeitet derzeit dort als Konsulentin in Angelegenheiten der Medienpädagogik. Chefredakteurin der MEDIENIMPULSE. Mitglied der Expertengruppe 'Media Literacy' der EU-Kommission.

Susanne Krucsay

Schülerradio als medienpädagogische Praxis Ein Visionär oder vielmehr Radiofan erscheint auf der Bildfläche Ende 1997 gesellte sich Franz Huainigg zum Team der Abteilung für Medienpädagogik mit einer Vision im Kopf: Radio machen. Diese Vision sollte zunächst in den Rahmen der Praktischen Medienerziehung eingebettet werden, in der bis dahin audio-visuelle Medien, einfacher gesagt, Videofilme mit interessierten SchülerInnen und LehrerInnen produziert worden waren. Dass Video produzieren zunächst reizvoller ist als die Befassung mit dem Hörmedium, lag auf der Hand. Andererseits ging es hier nicht allein um ein auditives Medium, sondern auch – und das ist nicht zu unterschätzen – um dessen Breitenwirkung. Und diese sollte dank der Ausstrahlung im Radio gewährleistet werden. Trotzdem erschien es uns wichtig, das weniger spektakuläre auditive Medium auf seine medienpädagogischen Eigenschaften und Möglichkeiten zu analysieren und in der Folge die Ergebnisse in das Programm einzubinden. Ein kurzer theoretischer Einschub muss sein Hören ist genauso ein Teil der Weltwahrnehmung, der Säugling kann Geräusche früher orten als er seinem Gesichtssinn Gestalt und Richtung geben kann, aber trotzdem hat das 8

richt etablieren konnte und zu einem fixen Bestandteil der medienpädagogischen Ausbildung für angehende LehrerInnen wurde. Das Projekt Schülerradio wurde für mich als Lehrende zu einer Erfolgsgeschichte: Man muss erleben, wie junge Menschen mit rudimentären Vorkenntnissen und Materialien sich dem Medium Radio in den handlungs- und kommunikationsintensiven Workshops nähern, wie sie sich engagieren und fasziniert davon, sich selbst und die eigene Wahrnehmung auf eine neue, bis dahin unerhörte Weise erfahren und erleben. Die öffentliche Ausstrahlung der selbst gestalteten Sendungen und die Dokumentation der eigenen Beiträge dazu auf CD bestätigen den TeilnehmerInnen ihre Leistungen und motivieren, sich mit den Kommunikationsmedien kritisch und kompetent auseinanderzusetzen. Da gibt es einige Highlights zu berichten: UnterrichtspraktikantInnen mit der Fächerkombination Deutsch/Musik studierten für „ihren“ Radio-Workshop eigens a-capella-Vokalmusik ein, sie konnten sich in Folge als Gruppe gut vermarkten. TeilnehmerInnen berichteten von erfolgreichen Bewerbungen für Auslandspraktika aufgrund von Erfahrungen mit Schülerradio. Eine angehende Lehrerin entdeckte, dass ihre Stimme besser in ein Sprecherstudio als in ein Klassenzimmer passte, und fand ihren Traumberuf. Ein junger Hauptschullehrer erspürte über die primäre Anwendungsfunktion des Radios hinaus die kreativen Möglichkeiten der Wort- wie der Musikgestaltung in die sem Medium. Er entwickelte eigenständig themenspezifische Workshops für den Buchklub, die gerne gebucht werden. Schließlich soll auf das Projekt „Klangbrücke WienOsnabrück“ hingewiesen werden, in dem Studierende der KPH Wien auf Einladung der Universität wie der Stadt Osnabrück anlässlich des großen Friedensfestes 2008 gebeten wurden, einen Hörbeitrag zu gestalten: 53

Mit tatkräftiger Unterstützung des Medienpädagogen Udo Somma wurde anhand eines preisgekrönten österreichischen Kinderbuches eine „Klanglandschaft“ (soundscape) von Wien gestaltet, die internationale Anerkennung gefunden hat. Dieses Modell ist mittlerweile europaweit ein fester Bestandteil bei den ErasmusProgrammen für Studierende im „European Village“ geworden.

Wir würden uns freuen, wenn Produktionen des Schülerradios einen regelmäßigen Sendeplatz in öffentlich-rechtlichen Radiostationen hätten. Hätten Sie Vorschläge für uns? Ich glaube, dass das ganz schwer umzusetzen ist, wenn Sie meine persönliche Meinung hören wollen. Da ich ein absoluter Fan von Ö1 bin, bin ich davon überzeugt, dass wir mit der Kooperation und diesem Sendeplatz hoch zufrieden sein können.

In einer Zeit der Bilderflut ist das Zuhören-Können wie Zuhören-Wollen von pädagogischer Bedeutsamkeit. Im schulischen Alltag erscheint gerade eine intensive Auseinandersetzung mit dem Hören wie eine effiziente Schulung der Gesamtwahrnehmung notwendiger denn je. Eine stärkere Berücksichtigung der Hördidaktik bringt dem Sprachunterricht eine Bereicherung in vielfacher Hinsicht: Es wird eine vertiefte fachliche Auseinandersetzung mit der sprachlichen Wahrnehmung ermöglicht, es werden differenzierte Kompetenzen und dynamische Fähigkeiten im Umgang mit Sprache geschult, die schulische Arbeitsatmosphäre und die Lernmotivation werden positiv verstärkt. So bietet z.B. die Gestaltung von so genannten „Soundscapes“ einer Schule, eines Klassenzimmers, eines Stadtviertels etc. eine Möglichkeit, ganzheitlich Wissen und Bedeutung von Orten, Menschen und Befindlichkeiten zu generieren. Schülerradio eröffnet Wege zur Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen auf ihrer Suche nach Leben, Identität und Heimat und leistet auch einen Beitrag zur Gewaltprävention und Friedenserziehung.

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Foto: medianauten

Danke für das Interview!

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ich einen furchtbaren Druck, keines meiner Lieblingsprojekte zu vergessen. Was halten Sie davon, dass es im Web-Radio vielen Menschen möglich ist, Radio zu machen? Gerade in Vorbereitung zu diesem Interview habe ich gemerkt, wie fein es ist, dass man Sendungen aus der Vergangenheit problemlos nachhören kann. Vom Schülerradio habe ich mir die Sendung „Linz 2009“ angehört, bei der SchülerInnen Passanten befragt haben. Dieser unmittelbare Zugang, losgelöst von den Originalsendezeiten, ist für mich ein hoher Komfort. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Zutaten für eine gelungene Sendung? Wichtig ist, dass die Produktion den Radiomachern Spaß macht. Diese Atmosphäre hört man auch in den Sendungen. Ich war einmal bei Ö3 eingeladen zur Produktion einer Sendung. Ich habe gespürt, in welcher Stimmung die Leute sind, und das überträgt sich dann auch auf die Sendung. Wie gefällt Ihnen die Arbeit des Schülerradio-Teams? Ich bin hoch zufrieden mit dem Schülerradio. Seit 10 Jahren gibt es dieses Projekt. Was mir wichtig ist, es braucht hier keine Erlässe oder Gesetze, sondern es ist die Initiative von engagierten Menschen. Das gibt auch die Hoffnung, dass wir an der Kultur im Schulbereich etwas ändern können und dass Freude und Spaß in Zukunft noch mehr Rolle spielen. 10 Jahre Schülerradio – Was fällt Ihnen dazu ein? Dass ganz viele Schüler hoch motiviert sind. Das geht sogar so weit, dass es an Schulen Schülerradio gibt, z.B. in der Pause. Ich war in Kärnten auf Besuch in einer Schule, dort wurde ich interviewt und alle Schüler konnten es in der großen Pause über das Radio hören. Das war so professionell und unmittelbar. Ich glaube, dass wir mit dem Projekt Schülerradio gemeinsam etwas Gutes tun.

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Die Medianauten Catarina Prater und Martin Stepanek betreuen seit einigen Jahren Radio-, Hörspiel und Musikprojekte mit SchülerInnen, LehrerInnen und StudentInnen in ganz Österreich. Zusammen gefunden haben Mag. Martin Stepanek, Mag. Catarina Pratter und Matthias Lichtenegger 1996 als sie als DJs und Musikproduzenten Hörspiele, Theatermusik und Tonträger produzierten.

Catarina Pratter / Martin Stepanek

Radiomachen als nachhaltiger Prozess Am Beginn unserer Radio-Workshops an Schulen begegnen wir zunächst meist etwas skeptisch dreinblickenden SchülerInnen, die sich unter der Aufgabenstellung „Wir machen eine Radiosendung” (oder ein Hörspiel) nicht wirklich viel vorstellen können. Radio – das ist für Schülerinnen und Schüler heute offenbar ein unbedeutendes Berieselungsmedium, mit dem Erwachsene Autofahrten oder Arbeiten im Haushalt überbrücken. Für sie spielt es nur eine sehr untergeordnete Rolle. Am Ende eines solchen Workshops hat sich meist viel getan, das vielleicht das Verhältnis zum Medium Radio generell nicht geändert hat, aber doch einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Schülerinnen und Schüler haben in einem kreativen Gruppenprozess, durch uns begleitet, ein selbstgewähltes Thema von einem Haufen vager Ideen in ein Sendungskonzept transformiert und dieses umgesetzt. Die oft knappe Zeit erfordert dabei von ihnen hochkonzentrierte Arbeit in einer Form, die in der Schule sonst kaum vorkommt: selbstbestimmte, kreative Arbeit in großen Teams, das Einbringen der eigenen Phantasie und die zielgerichtete Kommunikation von Ideen. Dass so etwas gelingt, Spaß macht und ein Ergebnis erzeugt, auf das Lernende wie Lehrende und auch wir selbst als Begleiter dieses Prozesses stolz sein können, ist eine wunderbare Überraschung, die sich für alle Beteiligten mit jedem gelungenen Workshop aufs Neue einstellt. 55

Die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche hat auch vor dem Radio nicht haltgemacht. Und das keineswegs zu seinem Nachteil. Podcasts, Internet-Radios und immer billiger werdende Computer geben uns immer mehr Möglichkeiten zu kreativem Ausdruck und der Schaffung von Öffentlichkeit in die Hand. Je komplexer aber unsere Welt wird, desto mehr machen wir die Erfahrung, wie hilfreich und oft sogar notwendig die Vereinfachung dieser Komplexität ist. Das gilt auch für die von uns geschaffenen Medienwelten. Insofern hat die Beschäftigung mit dem Medium Radio als rein akustisches Angebot an uns vielleicht gerade heute eine doppelte Berechtigung in der Medienpädagogik. Es kappt gegenüber Film, Video und Fernsehen nicht nur einen Sinneskanal, sondern es koppelt die Verantwortung für die Informationsverarbeitung darüber hinaus an ein Sinnesorgan, das wir in unserer visuell geprägten Kultur normalerweise nur selten bewusst benutzen: das Ohr. Das Radio unterscheidet sich in der Form der Informationsverarbeitung aber noch gegenüber einem anderen, in unserer Kultur stark benutzten Medium: dem Text. Wir sind ständig mit schriftlichen Informationen konfrontiert und gehen wohl recht selbstverständlich von der Annahme aus, dass alle diese Texte auch akustisch reproduzierbar sind. Aber nur ein überraschend geringer Teil davon ist so gebaut, dass er verständlich bleibt, wenn er gesprochen wird. Auch hier kann die Beschäftigung mit Radio Bewusstsein schaffen. Wir gehen meist recht selbstverständlich von der Annahme aus, dass Texte lineare Medien sind. Allerdings übersehen wir dabei regelmäßig, wie sehr Satzzeichen, die graphische Hervorhebung von Kapitelüberschriften, Zeileneinrückungen und viele andere Konventionen und graphische Hilfsmittel Texte so strukturieren, dass ein „Querlesen” möglich wird. Aus dieser Perspektive erscheinen Texte eher als hierarchisch geordnete Ebenen von Information. Das Radio verlangt hingegen von den Produzierenden ein Nachdenken darüber, wie miteinander verknüpfte Informationen in einem flüchtigen, stark von Linearität geprägten Medium präsentiert werden können, 56

Conny Peham, geboren 1992, besucht die De la Salle Schule Strebersdorf. Sie wurde durch ihre Deutschprofessorin (Mag. Elisabeth Thoman) auf das Schülerradio aufmerksam. Reportagen und Interviews zählen zu ihren Interessengebieten in der Radioarbeit.

erradio gibt Hoffnung für eine andereSchSchülerradio gibt Hoffnung für eine andere Kultur im Schulbereich. Conny Peham führte für das Schülerradio mit Bundesministerin Dr. Claudia Schmied ein Gespräch über Morgenstunden im Ö1Studio, Hörerlebnisse im Dienstauto und die Vorbildwirkung des Radioprojektes. Radio oder Fernsehen, welches Medium konsumieren Sie öfter und warum? Seit ich Ministerin bin, höre ich meistens Radio. Radio geht zwischendurch. Vor allem Nachrichten sind für mich wichtig. Was hören Sie am liebsten im Radio? Für mich ist das Ö1-Morgenjournal am wichtigsten, es bestimmt dann oftmals auch meinen Tagesablauf. Finden Sie Radio heute noch zeitgemäß? Klares Ja! Wenn wir vormittags eine Pressekonferenz geben, dann ist das Mittagsjournal eines der ersten Medien, über das ganz viele Menschen sehr präzise und authentisch informiert werden. In welchen Situationen hören Sie am liebsten Radio? Jetzt in meiner Funktion als Ministerin am liebsten im Auto. Für mich ist die Überwindung von Distanzen, die Zeit, in der ich mich am meisten entspanne. Fällt Ihnen ein Radiomoment ein, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? Einmal ganz früh im Morgengrauen, im Ö1-Studio. Es war gerade Schulstart. In ganz kurzer Zeit sollte ich alle Projekte erwähnen, die wir gerade neu begonnen hatten. Da bekam 5

Evelyn Kanya: Mehr, bitte!

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Simone Wiesauer: Von der Schülerin zur Medienexpertin

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Hildegard Griebl-Shehata: Auf Menschen zugehen – Ängste überwinden – Texte schreiben und moderieren

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Angelika Hödl: Es gibt Anfänge, auf die wir gerne zurückblicken – Was in SchülerInnen steckt, wird durchs Schülerradio entdeckt

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Hans Marizzi: Als Reporter unterwegs

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Helmut Hostnig: Radiomachen als soziales Instrument und Bildungsauftrag

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Manfred Pilsz: Von "SCHÄXPIR ON AIR" zu "FERIENFRECH"

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Erika Bergthaler / Wolfgang Kuranda: Stationen eines Radioprojekts

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Miriam Morad: In der Vergangenheit des literarischen Quartetts blättern

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Jutta Kleedorfer: Schülerradio eröffnet LehrerInnen neue Wege

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Catarina Pratter / Martin Stepanek: Radiomachen als nachhaltiger Prozess

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SCHÜLERRADIO HÖREN UND SELBST MITMACHEN

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in dem „Querlesen” mehr oder weniger unmöglich ist. Im Produktionsprozess selbst schulen sie darüber hinaus ihre Fähigkeit, aktiv und bewusst Informationen auf rein akustische Weise aufzunehmen. In einer Welt, die zunehmend von globalen, multimedialen Kommunikationsnetzwerken abhängig wird, kann es unserer Meinung nach nur von Vorteil sein, Personen auszubilden, die die Fähigkeit besitzen, mit den Ohren zu sehen.

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SCHÜLERRADIO HÖREN UND SELBST MITMACHEN Im Mittelpunkt der neuen Website www.schuelerradio.at stehen die Sendungen der SchülerInnen – das aktuelle Programm und ein umfassendes und ständig wachsendes Archiv. Ähnlich wie bei einem Audioblog werden die aktuellen Sendungen in chronologischer Reihenfolge auf der Startseite angezeigt (die aktuellste Sendung zuerst). Weiters finden Radiointeressierte ein umfassendes OnlineTutorial zum Thema Radiomachen: von der Ideenfindung über die Recherche zur Aufnahme-Technik bis hin zu Dramaturgie und Schnitt. Über die Website können Sendungen zur Ausstrahlung auf Schülerradio eingereicht werden, man kann sich für eine LiveSendung im ORF-Studio anmelden und bekommt Informationen über Radioworkshop-Angebote und Radio-Wettbewerbe. Für LehrerInnen steht medienpädagogisches Material zur Verfügung, außerdem Erfahrungsberichte von anderen LehrerInnen bzw. von WorkshopleiterInnen. Natürlich auch: Neuigkeiten, aktuelle Informationen über Schwerpunktschulen, preisgekrönte Sendungen und Informationen über das Schülerradio-Projekt.

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Inhaltsverzeichnis Schülerradio gibt Hoffnung für eine andere Kultur im Schulbereich. Interview mit Bundesministerin Dr. Claudia Schmied

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Susanne Krucsay: Schülerradio als medienpädagogische Praxis − Ein Visionär oder vielmehr Radiofan erscheint auf der Bildfläche

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Rainer Rosenberg: Vom experimentellen Projekt zum partizipativen Webradio

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Karl Brousek: Die „Read-and-write“-Kultur

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Franz-Joseph Huainigg: Schülerradio 1476, seine Geschichte und aktuelle Fragestellungen

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Gabriele Woldan: www.schuelerradio.at - ein Medium zur Unterrichtsgestaltung

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RADIOMOMENTE – ERFAHRUNGEN UND ANREGUNGEN – ZUKUNFTSBLICKE

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Heinz Wagner: Wenn keiner auf die Uhr schaut

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Doris Rudlof-Garreis: Ist das wirklich meine Klasse? Überraschungen aus der Radiowerkstatt

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DIE SCHÜLERRADIO-WEBSITE

„Radio macht Schule“ 10 Jahre Schülerradio ein medienpädagogisches Projekt des Unterrichtsministeriums Erfahrungsberichte – Anregungen – Zukunftsperspektiven

Medieninhaber, Herausgeber, Verleger: Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur Abteilung Öffentlichkeitsarbeit - Bildungsmedien, 1010 Wien Konzept und Durchführung: Franz-Joseph Huainigg, Gabriele Woldan Lektorat: Andrea Bannert Gestaltung: Johannes Raunig Coverfoto: Claudia Höller, Juliane Ransmayr und Hannah Baumgartner photographiert von David Nadlinger.