ScheibenWischer - IG Metall @ Daimler - IG Metall Baden-Württemberg

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ScheibenWischer Informationen für die Beschäftigten der Daimler AG im Mercedes-Benz Werk Untertürkheim und Entwicklung PKW Wir sind dabei! Chance...

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ScheibenWischer

Informationen für die Beschäftigten der Daimler AG im Mercedes-Benz Werk Untertürkheim und Entwicklung PKW



Wir sind dabei! Chancen und Risiken durch den chinesischen Markt

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Getriebeentwicklung: Wie die Sardinen in der Dose

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Der Ausbilder Helmuth Vogel im Porträt

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Ausgabe Nr. 279/September 2011 Nr. 279/September 2011

Editorial

Gute Ergebniszahlen – aber Kapitalmärkte weiterhin unsicher Liebe Kolleginnen und Kollegen, seit August fallen der DAX und damit auch der Daimler-Aktienkurs. Was sich an den Finanzmärkten und Börsen abspielt, hat bislang noch keine Auswirkungen auf die reale Wirtschaft.

vorbei und es darf weiter spekuliert werden wie ehedem. Und wir können nur hoffen, dass uns aufgrund der falschen Politik nicht die nächste Krise ins Haus steht.

So spüren wir davon noch nichts. 2011 ist eines der anspruchsvollsten Jahre sowohl was die Stückzahl als auch was Wochenendarbeit und Überstunden angeht. Die Ziele des Unternehmens sind ehrgeizig: 2011 soll zum Rekordjahr bei Absatz und Gewinn werden.

Im Herbst wird der Betriebsrat vor allem zwei Themen im Werk konkret angehen: Ein ständiger Begleiter der Betriebsratsarbeit ist das Thema Ergonomie in den Produktionsbereichen. Der Betriebsrat begrüßt die Ergonomieoffensive der Firma. Wir werden dem Unternehmen Arbeitsplätze nennen an denen man sich buchstäblich die Knochen kaputtmacht. Mehr dazu in dieser Ausgabe auf Seite 10. Die Regelungen zur Gleitzeit kennt eigentlich jeder. Das Thema Langzeitkonto ist zwar gut geregelt, aber weniger bekannt (siehe Seite 4 und 5). Leider funktionieren die Vereinbarungen in der Praxis oft nicht. Uns interessiert deshalb: In welchen Bereichen funktioniert die Vereinbarung zur Gleitzeit und wo erwarten die Vorgesetzten trotz Gleitzeitvereinbarung Zeitverfall? Wo wird die Vereinbarung zu Langzeitkonten angewandt? Wie müssten aus Ihrer Sicht die Arbeitszeitinstrumente Gleitzeit und Langzeitkonto verändert werden? Dies wollen wir gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen prüfen und gegebenenfalls Handlungsfelder für den Betriebsrat ableiten. Ihre Erfahrungen hierzu interessieren uns. Bitte besuchen Sie unseren Blog im Mitarbeiterportal unter http://blog.e.corpintra.net/br-ut. Helfen Sie uns mit Ihren Hinweisen, diese Vereinbarungen zu verbessern.

Ein Blick in die Automobilbranche zeigt: Die Märkte haben sich sehr gut erholt. Die Auftragsbücher sind mittlerweile wieder gut gefüllt. Die Unternehmen schreiben 2011 gute bis sehr gute Ergebnisse. Daimler erzielte in diesem Jahr bisher sehr gute Zahlen. Die Ergebniszahlen für das 2. Quartal und für das erste Halbjahr 2011 sind insgesamt hervorragend und zeigen das das Rekordjahr für Daimler in Reichweite liegt. Dennoch liegt über all dem die Unsicherheit, ob nicht die Krise an den Kapitalmärkten auf das Verbraucherverhalten und den Konsum durchschlägt. Derzeit können wir Betriebsräte - genauso wie das Unternehmen diese Entwicklung nur aufmerksam verfolgen. Gefordert ist die schwarz-gelbe Bundesregierung, den Kapitalmärkten Sicherheit zu geben, Spekulationen endlich einzudämmen und damit ein Stück zur Stabilität beizutragen. Auf dem Höhepunkt der vergangenen Krise forderten Politiker fast aller Parteien wie auch die Gewerkschaften eine klare Regulierung der Finanzmärkte. Passiert ist seitdem nichts - die politisch Verantwortlichen haben dieses heiße Eisen nicht angefasst - die Krise ist



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Wolfgang Nieke Betriebsratsvorsitzender

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Respekt im Werk Untertürkheim

Kein Platz für Rassismus Die Werkleitung und der Betriebsrat des Werkes Untertürkheim beteiligen sich gemeinsam mit der IG Metall Stuttgart an der Initiative „Respekt! - Kein Platz für Rassismus“.

„Mit unserer Unterstützung der RespektKampagne wollen wir dazu beitragen, dass Rassismus und Intoleranz gegenüber anderen keinen Platz in unserer Gesellschaft und auch nicht im Betrieb haben. Wir sind stolz auf die kollegiale Zusammenarbeit aller Beschäftigten in unserem Unternehmen“, sagt Wolfgang Nieke, Betriebsratsvorsitzender des Werkes Untertürkheim. Peter Schabert, Werkleiter: „Das Werk Untertürkheim unterstützt gerne die Initiative

Bild: © Michael Latz

„Die Initiative kommt ursprünglich aus dem Sport. Sie macht sich stark für einen respektvollen Umgang miteinander. Die IG Metall unterstützt seit Anfang des Jahres diese Initiative", erklärt Uwe Meinhardt, Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart. „Wir freuen uns sehr, dass wir das MercedesBenz Werk Untertürkheim für diese Aktion gewinnen konnten.“

Peter Schabert, Leiter des Werkes Untertürkheim (im Bild links), der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Nieke (Mitte) und Uwe Meinhardt, Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart haben ein „Respekt!“-Schild am Werkstor angebracht

„Respekt! - Kein Platz für Rassismus“. Das Erkennungszeichen der Kampagne an unserem Werkstor macht deutlich: An einem Standort, an dem Beschäftigte aus rund 50 Nationen seit vielen Jahren auf Basis gegenseitigen Respekts zusammenarbeiten, wird dem Rassismus keine Chance gegeben.“

Als ein öffentliches Zeichen für Fairness und Toleranz haben Uwe Meinhardt, Wolfgang Nieke und Peter Schabert Ende Juni ein „Respekt!“-Schild am Werkstor in Mettingen angebracht. An den Toren der anderen Werkteile werden ebenfalls Schilder angebracht.

Welche Rechte haben Beschäftigte

„Krankenrückkehrgespräch“ Die Werkleitung versucht gerade mit allen Mitteln den Krankenstand zu senken. Bei Fehlzeiten laden die Vorgesetzten ihre Mitarbeiter zu einem schlichten Gespräch ein.

Die Führungskräfte, die gleich die Absicht des Termins offen legen, laden zu „Krank-

enrückkehrgesprächen“ ein. Da steht gewissermaßen schon auf der Einladung, worum es im Gespräch gehen soll.

Was müssen Beschäftigte bei „Krankenrückkehrgesprächen“ beachten? Grundsätzlich gilt: Wer von seinem Vorgesetzten zu einem Gespräch eingeladen wird,

Wenn der Vorgesetzte über Fehlzeiten sprechen will, sollten die Beschäftigten einen Betriebsrat ihres Vertrauens hinzuziehen

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sollte fragen, was der Inhalt des Gesprächs ist. Wenn der Vorgesetzte über Fehlzeiten sprechen will, sollten Beschäftigte einen Betriebsrat ihres Vertrauens hinzuziehen. Der Vorgesetzte muss bei Gesprächen über Fehlzeiten den Mitarbeiter und einen Betriebsrat vorab über den Gesprächstermin informieren. Falls der vom Mitarbeiter gewünschte Betriebsrat an dem Termin verhindert ist, muss der Vorgesetzte das Gespräch neu planen. Ein Gespräch über Fehlzeiten sollte in ruhiger Umgebung und nicht am Arbeitsplatz des Mitarbeiters stattfinden. Bei dem Gespräch haben keine anderen Mitarbeiter dabei zu sein. Der Vorgesetzte kann in diesem Gespräch die Situation des Mitarbeiters hinterfragen und ihm Unterstützung bzw. Abhilfe anbieten für den Fall, dass die Krankheit mit dem Arbeitsplatz zusammenhängt. Fragen nach Krankheiten oder Diagnosen darf er nicht stellen.



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Langzeitkonten werden kaum genutzt

Schattendasein Von Dieter Gerlach Die Betriebsvereinbarung zu Langzeitkonten gibt es bei Daimler seit gut acht Jahren. Aufgrund Projektarbeit oder anderen kurzfristigen zusätzlichen Aufgaben wurde neben Gleitzeit und Mehrarbeit ein zusätzliches Arbeitszeitinstrument notwendig.

Arbeitzeitbudgets vereinbaren Idee der Betriebsvereinbarung zu Langzeitkonten ist, dass Mitarbeiter und Führungskraft sich regelmäßig über die zu erbringenden Aufgaben austauschen und festhalten, was das für die Arbeitszeit bedeutet. Anders formuliert: ist das Projekt, die Aufgabe in der regulären tariflichen Arbeitszeit, vielleicht noch mit Mehrarbeit, überhaupt zu schaffen? Wird bei dieser Betrachtung festgestellt, dass im nächsten dreiviertel Jahr besonders viele Arbeitsstunden anfallen werden, kann für diesen Zeitraum ein Arbeitszeitbudget mit zum

Beispiel 70 Stunden eingerichtet werden. Diese vereinbarten 70 Stunden werden direkt dem Langzeitkonto zugeführt. Darüber hinaus könnte der Beschäftigte, beantragte und genehmigte Mehrarbeit (die Grundstunden) in sein Langzeitkonto einfließen lassen. Die Mehrarbeitszuschläge werden immer ausbezahlt.

An der Stelle noch ein Hinweis um Missverständnissen vorzubeugen: Die Regelung zu Langzeitkonten gilt nicht bei Freischicht oder flexiblen Arbeitszeit-Modellen mit FreischichtKonto. Natürlich gilt in diesen beiden Fällen nach wie vor die Regelung, dass Mehrarbeit in Form von Zeit genommen werden kann. Die Zuschläge werden wie immer ausbezahlt.

Ganz wichtig zu wissen ist: Arbeitszeitbudgets müssen immer vor Projektbeginn vereinbart werden. Im Nachgang ist das dagegen nur im Ausnahmefall möglich. In ein Langzeitkonto können pro Jahr maximal 150 Stunden eingesteuert werden. In entsprechend zu begründenden Ausnahmefällen sind bis 300 Stunden möglich. Die Vereinbarung bzw. die Unterlagen des Unternehmens nennen dafür als Beispiel einen Produktneuanlauf. Da hat sich tatsächlich jemand was gedacht. Denn die Produktanläufe werden zwischenzeitlich immer aufwändiger, was sich meist umgehend in den Arbeitszeiten niederschlägt.

Vereinbarung zur Gleitzeit In den zurückliegenden Jahren hat die Unternehmensseite das Personal in den Verwaltungs- und Planungsbereichen stark abgebaut. Immer mehr Aufgaben werden auch über Werkverträge fremd vergeben oder von Leiharbeitern erledigt. Das hat den Druck, übertragene Aufgaben zu bewältigen noch weiter erhöht und so dehnt mancher notgedrungen seine Arbeitszeit innerhalb des in der Kostenstelle gültigen Arbeitszeitmodells aus. Hier betritt nun die Vereinbarung zu Gleitzeit die betriebliche Bühne. Diese verlangt, dass der Vorgesetzte mit seinem Mitarbeiter spätestens dann einen verbindlichen Abbauplan erstellt, wenn mehr als 100 Stunden Gleitzeit aufgelaufen sind. Liegt der Abbauplan vor, beginnt im Folgemonat das „individuelle Ausgleichsjahr“ in dem das Gleitzeitkonto auf wenigstens 80 Stunden abgebaut werden muss. Damit dies funktioniert, ist ein regelmäßiges, mindestens vierteljährliches Gespräch zwischen Führungskraft und den Mitarbeitern vorgeschrieben. So sollen Aufgabenvolumen, Kapazitätsbedarf und Gestaltung der individuellen Arbeitszeit miteinander in Deckung gebracht werden, damit der Abbauplan tatsächlich umgesetzt werden kann und keine Zeit „liegen bleibt“. Läuft es wie oben beschrieben, können im Prinzip keine Stunden verfallen. Einzige Ausnahme: Es besteht ein Abbauplan, die vierteljährlichen Gespräche wurden geführt, aber der Mitarbeiter hat nicht reklamiert, dass er die Zeit nicht abbauen kann.

Die Regelungen zur Gleitzeit sind bekannt. Die Möglichkeiten des Langzeitkontos dagegen werden kaum genutzt



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Vom Schatten ins Licht Die Gleitzeit ist eine gute Bekannte. Ihre Regeln sind bekannt. Die Möglichkeiten des Langzeitkontos dagegen werden kaum genutzt. Das liegt natürlich insbesondere an den Leitenden Führungskräften, die sich sträuben dieses „innovative Arbeitszeitinstrument“, wie es in der Firmenbroschüre bezeichnet wird, auch anzuwenden. Das liegt sicherlich mit an den Rücklagen, die für die Langzeitkonten

gebildet werden müssen. Aus meiner Sicht aber sind Themen wie Work-Life-Balance also ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Privatleben, älter werdende Belegschaft, Qualifizierung oder einfach mal eine Auszeit nehmen, Veränderungen auf die das Unternehmen reagieren muss. Nur dann bleibt Daimler in einem immer enger werdenden Arbeitsmarkt interessant.

Dieter Gerlach Betriebsrat Tel. 6 12 55

Diskussion im Blog

Wo erwarten die Vorgesetzten Zeitverfall? Theoretisch ist bei Gleitzeit und Langzeitkonten alles super geregelt. In der Praxis sieht es leider oft ganz anders aus. Das weiß auch der Betriebsrat. Wir wollen deshalb wissen: In welchen Bereichen funktioniert die Vereinbarung zur Gleitzeit und wo erwarten die Vorgesetzten trotz Gleitzeitvereinbarung Zeitverfall? Wo wird die Vereinbarung zu Langzeitkonten angewandt? Wie müssten aus Ihrer Sicht die Arbeitszeit-

instrumente Gleitzeit und Langzeitkonto verändert werden? Bitte besuchen Sie unseren Blog im Mitarbeiterportal unter: http://blog.e.corpintra.net/br-ut Der Betriebsrat wird die Regelung zur Gleitzeit in den nächsten Monaten auf den Prüfstand stellen. Helfen Sie uns mit Ihren Hinweisen, diese Vereinbarung zu verbessern.

Jugendversammlung

Respekt! bei den Daimler-Azubis Die Initiative „Respekt!“ hat ihren Ursprung im Sport. Schirmherrin ist Steffi Jones, Präsidentin des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. Seit Anfang des Jahres beteiligt sich auch die IG Metall daran, um die Initiative "Respekt!" in die Betriebe zu bringen. Deshalb war „Respekt!“ das zentrale Thema der Jugendversammlung Ende Juni im Werk Untertürkheim.

Genau hinschauen und dann urteilen Als Botschafter der Initiative trat vor knapp 700 Auszubildenden Patrick Dewayne auf. Der Schauspieler und Sänger, der sowohl die deutsche als auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, arbeitete sieben Jahre lang als Investmentbanker in Frankfurt und New York, bevor er eine Hauptrolle in der Vorabendserie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" übernahm. Er sagte auf der Jugendversammlung: "Es ist mir eine Herzensangelegenheit, die Initiative "Respekt!" zu unterstützen. Respekt bedeutet für mich, nicht vorschnell anhand von äußerlichen Merkmalen zu beurteilen, sondern selbst genau hinzuhören und hinzuschauen und sich erst dann ein Urteil zu bilden." Dewayne lobte die Kooperation der IG Metall und der Initiative ausdrücklich: „"Respekt!" ist eine authentische und nachhaltige Kampagne für jeden einzelnen. Solidarität und Toleranz sind zentrale Werte, für die sowohl die IG Metall als auch "Respekt!" eintreten." Nach der Vorstellung der Initiative fand

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion diskutierten über den Begriff „Respekt“ sowie dessen Bedeutung für die Arbeitswelt

eine Podiumsdiskussion statt, an der neben Dewayne die Ausbildungsleiterin Marion Pietsch, der Vorsitzende der Gesamtjugendund Auszubildendenvertretung Yunus Sari sowie zwei Auszubildende teilnahmen. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion diskutierten über den Begriff „Respekt“ sowie dessen Bedeutung für die Arbeitswelt. Auch die Jugendlichen im Publikum haben sich an der Diskussion beteiligt. Die Ausbildungsleiterin betonte, dass Respekt in der täglichen Arbeit bedeute, offen aufeinander zuzugehen und sich gegenseitig wahrzunehmen und zu achten. Dies bestätigte auch Yunus Sari: „Jeder soll versuchen, sich vorurteilsfrei mit den Kollegen und Mitmenschen auseinanderzusetzen.“

Vorbilder sind wichtig Im Vorfeld der Jugendversammlung haben der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Nieke, Werkleiter Peter Schabert und der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Stuttgart, Uwe Meinhardt, am Tor 1 in Mettingen ein Respekt-Schild angebracht. (siehe auch Artikel Seite 3)

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Dewayne erklärte, dass die Initiative in weiteren Betrieben bekannt gemacht werden solle. Außerdem soll das Projekt demnächst an Schulen gebracht werden. Damit sollen sowohl Schüler als auch Lehrer für das Thema Rassismus sensibilisiert werden. "Denn Vorbilder sind für Kinder und Jugendliche sehr wichtig", so Dewayne. Nr. 279/September 2011

Die IG Metall-Betriebsräte informieren sich

Chancen und Risiken durch den chinesischen Markt gangenen sieben Jahren vervierfacht. Dagegen nimmt der Fahrzeugabsatz in Westeuropa in den vergangenen Jahren nicht mehr zu. Das Wachstumspotential in China ist laut Günter Walz groß: Derzeit kommen auf 1000 Chinesen nur 29 Fahrzeuge (zum Vergleich: in Deutschland kommen auf 1000 Personen 505 Fahrzeuge). Außerdem werden sich die „Mittelschicht“-Haushalte mit umgerechnet 10 000 Euro Jahresverdienst voraussichtlich bis 2020 von heute 125 auf 250 Millionen verdoppeln. Bei einer Einwohnerzahl von 1,3 Milliarden verfügen in China 960 000 Haushalte über ein Vermögen von mehr als einer Million US-Dollar. Günter Walz berichtete, dass deutsche Firmen durch die chinesischen Gesetze gezwungen sind, mit chinesischen Partnern zu kooperieren, wenn sie in China ihre Autos verkaufen wollen. Daimler kooperiert beispielsweise mit der chinesischen Automobilfirma BYD (Build Your Dreams).

Einfluss über WEC Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm sieht China auf dem Weg zum wichtigsten PKW-Luxusmarkt. Die Wachstumsraten in China ermöglichen, dass immer mehr Fahrzeugteile in China produziert werden können ohne dass Produktion aus Deutschland verlagert werden muss. Die Weltarbeitnehmervertretung (Word Employee Committee (WEC)) sowie die weltweit gültigen Grundsätze zur Sozialen Verantwortung ermöglichen zwar laut Erich Klemm eine Begleitung und Einflussnahme auf die Arbeitnehmervertretung in China. Dennoch fehlen dort freie Gewerkschaften bzw. Arbeitnehmervertretungen. Der Staat diktiert Unternehmensstrategien, Investitionen und Industrialisierung. Hinzu kommt, dass in China ökologische Probleme (zum Beispiel zu hoher CO2-Ausstoss in den Großstädten) und soziale Probleme die wirtschaftliche Stabilität gefährden.

Der Automobilmarkt in China boomt. Die Nachfrage aus China hat den deutschen Automobilherstellern geholfen, aus der Krise zu kommen

Gewerkschaft in China Wolfgang Müller von der IG Metall Bayern informierte die Betriebsräte über die gewerkschaftlichen Strukturen in China. Wolfgang Müller hat Ende der siebziger Jahre drei Jahre lang in Beijing in China gelebt. Er pflegt regelmäßigen Kontakt zu chinesischen Gewerkschaften. Der All-chinesische Gewerkschaftsbund (ACGB) als Dachverband hat ca. 210 Millionen Mitglieder. Trotz des hohen Organisationsgrads – weit mehr als die Hälfte von Chinas Arbeitern sind Mitglied - ist die gesellschaftliche Rolle des ACGB schwach. Es gibt im ACGB zwar Branchengewerkschaften, aber wichtiger sind die regionalen Gliederungen mit den ca. 1,3 Millionen Betriebsgewerkschaften als Basisorganisationen. Die Leitungen der Betriebsgewerkschaften sind nicht nur mit der Organisation der Kommunistischen Partei Chinas, sondern teilweise auch mit dem Management der Unternehmen verflochten. Außerdem ist die Leitung der Betriebsgewerkschaft nicht unabhängig, sondern finanziell von den Unternehmen abhängig. Damit kann die Betriebsgewerkschaft ihren gesetzlichen Auftrag, zwischen den Interessen der Partei, des Unternehmens und der Beschäftigten zu vermitteln und Tarifverträge auszuhandeln, in der Realität nicht wahrnehmen. In der Praxis gibt es tausende von

China ist das Land mit dem größten Automobilmarkt der Erde. Anhand von verschiedenen Vorträgen haben sich am 8. Juni 2011 die Betriebsräte der IG Metall über das Land der Mitte informiert. Vorträge gehalten haben der E 1-Leiter Günter Walz, Jörg Hofmann, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, Wolfgang Müller von der IG Metall Bayern und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm.

Wachstum in China „Warum, wo und wie engagieren sich Daimler und Powertrain in der Volksrepublik China“, war der Titel des Vortrages des E1-Leiters Günter Walz. Günter Walz berichtete, dass im Jahr 2010 in China insgesamt 18,7 Millionen PKW und Nutzfahrzeuge verkauft wurden. Das Absatzvolumen auf dem chinesischen Automobilmarkt hat sich damit in den ver-



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spontanen Streiks – an den Betriebsgewerkschaften vorbei. So spielten die Betriebsgewerkschaften auch bei der großen Streikwelle 2010 für massive Lohnerhöhungen, die bei einem Honda-Teilewerk begann, keine Rolle. Eine der Forderungen in diesen Streiks war die Wahl der Leitung der Betriebsgewerkschaft und Kündigungsschutz für die Mitglieder der Leitung. In den Gliederungen des ACGB z.B. in manchen Provinzen wird jetzt über die Stärkung der Betriebsgewerkschaften diskutiert. Hauptaufgabe der Gewerkschaften soll die Vertretung der Interessen der Beschäftigten sein, nicht mehr die Mittlerrolle. Trotz der strukturellen Probleme gibt es für Wolfgang Müller keine Alternative zur Zusammenarbeit mit dem ACGB und seinen Gliederungen. Die IG Metall und die Arbeitnehmer in Deutschland und in der ganzen Welt haben ein großes Interesse, die nötige Umgestaltung der chinesischen Gewerkschaften von der früheren Staatsgewerkschaft in der Planwirtschaft zu wirksameren Interessenvertretungen zu unterstützen.

Einseitige Abhängigkeit Insbesondere die Nachfrage aus China war es, die den deutschen Automobilherstellern geholfen hat, mit Schwung aus der Krise zu kommen. Vor allem Premiumhersteller wie Daimler, Audi, BMW oder Porsche haben davon profitiert. Sorge bereitet dem Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, Jörg Hofmann, allerdings die einseitige Abhängigkeit der Autobauer vom chinesischen Markt. Deshalb widmete er seinen Vortrag unter anderem dem Thema der Fortentwicklung des „Produktionsund Beschäftigungsmodells Deutschland“.

Der E1-Leiter Günter Walz referierte vor den IG Metall-Betriebsräten, warum, wo und wie sich Daimler in China engagiert

Dazu gehört für Hofmann in erster Linie, dass Unternehmen Standort- und Investitionsentscheidungen in Entwicklung und Produktion für Deutschland fällen. Dies sei gerade mit Blick auf die Produktionsbereiche wichtig, denn die Industrie lebe davon, dass die an inländischen Standorten entwickelten Produkte auch hier industrialisiert werden. Außerdem fordert er Unternehmenskonzepte, die eine faire Verteilung von Wachstum durch Globalisierung möglich machen. Hofmann plädiert dafür, die Mitbestimmung in den Betrieben zu erweitern und Investitionen, Beschäftigung und Ausbildung an den deutschen Standorten abzusichern. Der Gewerkschafter betonte außerdem, dass technologische Umbrüche wie beispielsweise neue Antriebstechnologien

durch aktive Industriepolitik flankiert werden müssen. Als Beispiel nannte er ELAB, ein wissenschaftliches Forschungsprojekt, das der Gesamtbetriebsrat von Daimler auf den Weg gebracht hat. Finanziert wird es vom Unternehmen, der IG Metall Baden-Württemberg und der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam. Bei dem Projekt geht es unter anderem darum, was sich im Werk Untertürkheim im Hinblick auf die Beschäftigung verändert, wenn dort ein zunehmender Anteil alternativer Antriebe hergestellt wird. Politik der IG Metall bei Mercedes ist es, dass zukunftsfähige Technologien in Deutschland entwickelt und produziert werden, um unsere Arbeitsplätze langfristig zu sichern.

Neue Betriebsvereinbarung

Belastungen durch Überstunden begrenzen Betriebsrat und Unternehmen haben Anfang September in einer Betriebsvereinbarung geregelt, dass das Unternehmen nicht mehr als 240 Überstunden pro Jahr und Beschäftigter abverlangen darf. Pro Monat gilt eine Grenze von 32 Stunden (bei vier Wochenenden im Monat) oder 40 Stunden (bei fünf Wochenenden).

Vorraussetzung: Die Arbeitsgruppen zur Programmerfüllung haben Mehrarbeitszeiten erarbeitet, die Betriebsrat und Werkleitung dann vereinbart haben. Die Vorgesetzten sind in der Verantwortung, diese Vereinbarung zum Schutz der Beschäftigten einzuhalten. Inzwischen zeichnet sich ab, dass in Einzel-

fällen eine Überschreitung der Obergrenze von 240 Stunden pro Jahr droht. Deshalb haben die Betriebsräte der IG Metall mit der Werkleitung einen Prozess vereinbart, wie die Grenze zukünftig eingehalten werden kann. Es muss herausgefunden werden, warum die Obergrenze von 240 Stunden überschritten wird. Bis 23. September sollen Betriebsräte und die jeweiligen Fachbereiche die Probleme untersuchen und Abhilfe-Maßnahmen festlegen: Sind zu wenig Beschäftigte auf die höherwertigen Tätigkeiten qualifiziert bzw. eingruppiert und müssen deshalb immer wieder dieselben Kollegen Überstunden leisten?

Haben wir zu wenig Personal und deshalb so viele Überstunden? Fehlen Maschinen und Anlagen? Klares Ziel dabei ist, dass nach diesem Prüfprozess auch die heute erkennbaren Problembereiche nächstes Jahr die Vorgaben einhalten werden. In Einzelfällen kann für 2011 eine Überschreitung der Jahresobergrenze durch Fachbereich und Betriebsrat empfohlen werden. Damit ist den IG MetallBetriebsräten ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Schaffung von Arbeitsplätzen und Begrenzung von Belastungen gelungen. Außerdem wird die Werkleitung gezwungen, Tarifverträge einzuhalten und ihrer Fürsorgepflicht nicht nur in Hochglanzbroschüren nachzukommen.

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Parkplätze

Vereinbarte Verbesserungen werden endlich umgesetzt Der Betriebsrat hat die Unternehmensseite schon mehrmals darauf hingewiesen, dass die Betriebsvereinbarung Parkplatzordnung in verschiedenen Punkten verbessert werden muss. Während der Wirtschaftskrise hat das Unternehmen die Veränderungen aufgeschoben. Jetzt werden die Verbesserungen endlich umgesetzt.

Ende Juni hat der Betriebsrat zu der Betriebsvereinbarung folgende Veränderungen vereinbart: Im Parkhaus Reisser stehen für die Beschäftigten zusätzlich 133 Parkplätze zur Verfügung

1. Die Mobilitätsparkplätze im Parkhaus Reisser werden von den Parkdecks O bis S auf die Ebenen F und I verlegt. Damit wird die Anzahl der Mobilitätsparkplätze dem tatsächlichen Bedarf angepasst. Das heißt, für die Beschäftigten stehen zusätzlich 133 Parkplätze zur Verfügung. Gleichzeitig dürfen Fahrgemeinschaften ebenfalls auf den Ebenen F und I parken. Das heißt, es gibt in Zukunft auch keinen Streit mehr um Falschparker auf Stell-

plätzen für Fahrgemeinschaften. 2. Eine bestimmte Anzahl von Teilzeitkräften dürfen im Parkhaus Duttenhoferstraße im Werkteil Untertürkheim parken. 3. In Mettingen wird der Mobilitätsparkplatz vor dem Tor 1 verkleinert. Die freiwerdenden Stellflächen dürfen alle Beschäftigten nutzen.

4. In Hedelfingen wird der Parkplatz „Am Mittelkai“ erweitert und es werden rund 35 Parkplätze zusätzlich geschaffen.

Michael Schick Betriebsrat Tel. 6 25 20

Zu wenig Platz in der Getriebeentwicklung

Wie die Sardinen in der Dose Von Udo Bangert In der Getriebeentwicklung in Untertürkheim wird es immer enger. Schon heute sitzen über 500 Getriebeentwickler in verschiedenen Gebäuden. Jetzt müssen noch zusätzlich rund 30 Schaltgetriebeentwickler aus dem Nutzfahrzeugbereich im Gebäude 122 untergebracht werden.

Hinzu kommt, dass zu den Stammbeschäftigten noch über Leih- und Werkvertrag Beschäftigte kommen, die natürlich auch einen Schreibtisch brauchen. Leiharbeitnehmer und Beschäftigte über Werkvertrag machen bis zu 30 Prozent der Beschäftigten in der Entwicklung aus. In der Nutzfahrzeugentwicklung, der PKW-Entwicklung und im Werk Untertürkheim fehlen auch Arbeitsplätze für die Beschäftigten. Die Kolleginnen und Kollegen sitzen oft wie die Sardinen in der Dose.

Weniger Platz heißt mehr Stress Zwar sind gewisse Mindestflächen pro Person vorgeschrieben. Studien belegen aber, dass die Arbeitsproduktivität abnimmt und der Stress zunimmt je weniger Platz die Be

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schäftigten zur Verfügung haben. Gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse fließen aber erst nach und nach in Gesetze und Richtlinien ein.

akzeptieren die Kollegen und der Betriebsrat nur zähneknirschend und nur unter der Bedingung, dass dies zeitlich befristet ist und eine Entspannung in Sicht ist.

Der Platzmangel in der Getriebeentwicklung lässt sich nicht einfach durch externes Anmieten von Flächen beheben. Die Vernetzung innerhalb der Entwicklung ist so hoch, dass die Entwickler dann mehr Fahrwege hätten und von Informationen abgeschnitten wären. Mehr Beschäftigte auf der gleichen Fläche unterzubringen kann aber keine langfristige Lösung sein. Dies sehen auch die Führungskräfte in der Getriebeentwicklung so, die unter diesen Zuständen nicht weniger leiden. In naher Zukunft werden zudem noch weitere Arbeitsplätze benötigt werden, weil Kollegen aus Sindelfingen und von AMG kommen, um die Getriebe abzustimmen.

Außerdem muss das Unternehmen wenigstens beeinflussbare Punkte verbessern: Zum Beispiel: häufigere Reinigung in verdichteten Bereichen, geräuschdämmende Elemente, Einrichtung von Trinkwasserspendern, wie sie teilweise aktuell getestet werden. Dringend benötigt werden auch höhenverstellbare Tische. Wenigstens in eng verdichteten Bereichen muss die Firma hierfür Geld in die Hand nehmen, gerade auch im Hinblick auf eine älter werdende Belegschaft. Es geht hier nicht um Luxusanforderungen von Entwicklern, sondern um vernünftige ergonomische Bedingungen unter der die Beschäftigten gute Arbeit abliefern können und wollen.

Häufigere Reinigung Mittelfristig macht aber nur ein neues Gebäude Sinn, um kurze Wege zu haben. Als Zwischenlösung sind kurzfristig zusätzliche Büroflächen in der PKW-Entwicklung zu schaffen. Bis dahin heißt es aber mehr Personen auf der gleichen Fläche. Diese Verdichtung

Udo Bangert Betriebsrat Tel. 2 16 34

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Der Ausbilder Helmuth Vogel

Immer offen für Neues bleiben Porträt

Wenn Helmuth Vogel erzählt, dass er 10 000 Schallplatten und Tausende CDs zuhause hat und gerne Reggae hört, staunen seine Auszubildenden häufig. Der 57-Jährige ist seit 1980 Ausbilder und bringt jungen Menschen die CNC-Technik bei. Dabei lernen die Jugendlichen, Werkzeugmaschinen elektronisch zu steuern.

Seit 42 Jahren beim Daimler 1969 hat Helmuth Vogel im Alter von 15 Jahren bei Daimler-Benz in Untertürkheim eine Lehre als Werkzeugmacher begonnen. Eine Ausbildung bei Daimler-Benz lag nahe, schließlich arbeitete sein Vater damals in der PKW-Instandsetzung in Untertürkheim. „In meiner Ausbildungsgruppe war übrigens auch der heutige Vorstand Dr. Thomas Weber“, erinnert sich der Ausbilder. Gleich nachdem Helmuth Vogel seine Lehre abgeschlossen hat, wurde er als Hilfsausbilder im Ausbildungszentrum eingesetzt. Danach arbeitete er in der Verfahrensentwicklung im Messraum. Von 1976 bis 1980 hat er sich als Maschinenbautechniker auf der Abendschule weitergebildet. Seit 1980 arbeitet er im Ausbildungszentrum. Er war an der Einführung der CNC-Technik in der Ausbildung maßgeblich beteiligt.

Helmuth Vogel ist seit 1969 im Betrieb

Ein Simulationsarbeitsplatz Ende der Achtziger Jahre. Helmuth Vogel (links) zeigt einem Teilnehmer im Abendkurs wie man Maschinen programmiert

Vor 30 Jahren war in der Ausbildung eher handwerkliches Geschick gefragt. Heutzutage müssen die Auszubildenden Techniken wie CNC, Pneumatik oder Hydraulik lernen. „Um Maschinen zu programmieren, muss man sich viele Befehle merken. Dabei müssen sich die Azubis natürlich mehr konzentrieren als bei Arbeiten am Schraubstock“, meint Helmuth Vogel. Veränderungen in der Gesellschaft spiegeln sich auch in der Ausbildung wieder: „Wenn in den Achtzigern etwas kaputt ging, hat man es repariert. Heute wird viel leichtfertiger mit Rohstoffen umgegangen. Wenn ein Werkzeug kaputt geht, holt man ein Neues, weil die Reparatur zuviel Zeit kosten würde“, so der 57-Jährige mit dem gezwirbelten Schnurrbart.

„Wenn man so viel mit jungen Leuten zu tun hat, muss man auf dem neuesten Stand bleiben. Wichtig ist, dass man mitreden kann und weiß was die Jugendlichen beschäftigt“, erzählt der Vater von zwei Töchtern und einem Sohn. Seine Tochter Stephanie (32) ist Apothekerin. Die 28-jährige Patricia ist Maschinenbauingenieurin und arbeitet bei Festo in Esslingen. Der 29-jährige Sohn Daniel arbeitet im Werkteil Mettingen als Betriebsingenieur in der Alugießerei.

5000 Jugendliche ausgebildet In den über 30 Jahren, die er schon im Ausbildungszentrum arbeitet, hat er rund 5000 junge Menschen ausgebildet. „Als Ausbilder hat man den Vorteil, dass man ständig mit Neuem konfrontiert wird - seien es neue Ausbildungsinhalte oder neue Ausbildungsberufe“. Dabei ist es Helmuth Vogel gelungen in den 42 Jahren, die er beim Daimler arbeitet, immer offen für Neues zu bleiben.

Rohrzange und Kochlöffel In seiner Freizeit fotografiert Helmuth Vogel gerne – am liebsten Blumen und Landschaften. Genauso gerne widmet er sich aber auch handwerklichen Arbeiten und repariert die eingestürzte Pergola oder den tropfenden Wasserhahn. Am Sonntag tauscht er die Rohrzange gegen den Kochlöffel: Dann brutzelt Helmut Vogel für die ganze Familie auch mal Spanferkel oder Rostbraten. Für den nächsten Urlaub hat er auch schon Pläne: „Ich werde mit meiner Frau nach Schottland fahren“. Seit er seine Frau Marcella und die Tochter Stephanie Ende der Neunziger auf eine Reise nach Schottland begleitet hat, ist Helmuth Vogel Schottland-Fan.

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Ergonomieoffensive in Montagen

Schnelle und konkrete Abhilfe Im Mai hatten wir im SCHEIBENWISCHER den Aufmacher, dass BMW für das Projekt „Heute für Morgen“ den Zukunftspreis „Fabrik des Jahres“ erhalten hat. Mercedes hat daraufhin für das dritte und vierte Quartal eine Ergonomieoffensive für das Werk Untertürkheim angekündigt.

punkt in einer Montage haben, aufgefordert, solche Arbeitsplätze zu benennen. Weil es wichtig ist, sei es noch einmal formuliert: Es geht 2011 darum von einem Pauschalurteil wegzukommen, die Montage XY ist schlecht gestaltet und deshalb wird man dort krank. Bei der Ergonomieoffensive sind deshalb einzelne Handarbeitsplätze in einer Linie zu nennen, die am dringendsten in Ordnung gebracht werden müssen.

Verstecken? Montagearbeit, wie wir sie bei Mercedes haben, ist belastend und die Gestaltung der Arbeitsplätze lässt zu wünschen übrig. Darüber sind sich alle Kritiker einig. Dass die Fabrikwelt differenzierter angeschaut werden muss, zeigt das Projekt bei BMW. Betrachtet man die bayrischen Aktivitäten genauer, finden sich dort ergonomische Themen, die es bei uns am Standort ebenso gibt. Positiv formuliert: Verstecken brauchen wir uns bei Mercedes eigentlich nicht, doch noch immer gibt es bei uns Montagearbeitsplätze, die voll auf die Knochen gehen.

Mischt euch ein! Ladet euren IG-Metall Betriebsrat in das Gruppengespräch ein und legt gemeinsam fest mit welcher „Baustelle“ bei euch angefangen werden muss. Die Absprache im Betriebsrat sieht so aus, dass jeder Betriebsrat zunächst zwei bzw. drei Plätze benennt. Diese Konzentration soll schnelle und konkrete Abhilfe bringen. Ist diese erste Liste erledigt wird es eine weitere Runde geben. Dann werden die als kritisch benannten Arbeitsplätze ebenso konkret angegangen und das solange bis Untertürkheim den Zukunftspreis als Fabrik des Jahres erhält.

Ganz konkret Der Betriebsrat begrüßt und unterstützt die Ergonomieoffensive der Firma. Die Offensive sieht vor, sich ganz konkret in jedem Center, eben jene Montageplätze anzusehen, die auf die Knochen gehen. Der Betriebsrat hat dazu alle seine Mitglieder, die ihren Arbeitsschwer-

Dieter Gerlach Betriebsrat Tel. 6 12 55

Von Dieter Gerlach

In dieser Haltung muss der Kollege in PAC/ACM Hinterachsen montieren. Das Montageband EMO 2 ist für seine Körpergröße viel zu niedrig. Solche Arbeitsplätze machen krank

PKW-Instandsetzung (PWI)

Vereinbarung endlich unter Dach und Fach Von Katarina Scardigno Im Juli hat der Betriebsrat mit der Werkleitung eine Betriebsvereinbarung für die PKW-Instandsetzung (PWI) abgeschlossen.

Betroffene abgesichert Dank der Vereinbarung sind die unmittelbar von der Auslagerung des externen Geschäftes Betroffenen abgesichert. Vom Entgelt über die Arbeitszeit bis zur Rückkehr ins Werk ist alles geregelt. Aber auch für die Beschäftigten in der „alten“ PWI, die weiterhin die internen Aufträge bearbeiten, ist die Art der Aufgaben festgeschrieben.

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Der Betriebsrat hat die Beschäftigten am 20. Juli in einer Abteilungsversammlung über die neue Betriebsvereinbarung informiert.

PKW-Instandsetzung (PWI) in Untertürkheim zur Niederlassung umzubauen, gab es einige Schwierigkeiten (wir berichteten).

Der Betriebsrat wird den gesamten Prozess, bis zur Wiedereingliederung ins Werk 10 der aktuell im externen Geschäft tätigen Kollegen, begleiten. Dazu lädt der Betriebsrat auch zukünftig die Beschäftigten der internen und externen PWI zu einem Informationsaustausch ein. Die in diesen Treffen genannten Themen wird der Betriebsrat aufnehmen und sich für Lösungen einsetzen.

Da neue Konflikte nicht auszuschließen sind, hat der Betriebsrat eine Arbeitsgruppe beim PWI-Leiter Thomas Klein angeregt. In regelmäßigen Treffen zwischen der PWI- und Niederlassungsleitung und dem Betriebsrat werden die aufgekommenen Probleme diskutiert und nach Lösungen gesucht.

Regelmäßige Treffen Denn seit das Unternehmen zum 1. März 2011 einseitig entschieden hat, einen Teil der

Katarina Scardigno Betriebsrätin Tel. 5 15 23

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Fertigung Kurbelgehäuse in PTU

Neues Gießverfahren „Schwerkraft-Kippguss“ Als die Werkleitung 2010 entschieden hat, aus der Bremsscheibenproduktion auszusteigen, hat sie mit dem Betriebsrat neben der Fertigung des Turboladers auch den Einstieg in ein neues Verfahren zur Beschichtung von Zylinderlaufbahnen (Lichtbogen-Draht-Spritzen-Verfahren) vereinbart.

Das LDS-Verfahren will die Werkleitung aus technischen Gründen nun doch nicht in Untertürkheim ansiedeln. Betriebsrat und Werkleitung haben sich im Juli in der Betriebsvereinbarung zur Zukunftsausrichtung im Werk Untertürkheim darauf geeinigt, dass

Untertürkheim dennoch Technologieführer im LDS-Verfahren bleibt. Die Veränderungen in der LDS-Fertigung wirken sich auch nicht negativ auf die Beschäftigung im Center PMO aus. Um den Wegfall von Arbeitsplätzen in PTU zu verhindern, soll zusätzlich das neue Gießverfahren „Schwerkraft-Kippguss“ für die Fertigung des Kurbelgehäuses aufgebaut werden. Damit sollen Erfahrungen für zukünftige weitere Einsätze des Verfahrens bei anderen Motorenbaureihen gesammelt werden. Somit beinhaltet das „Schwerkraft-Kippguss-Verfahren die Chance, die Produktpalette zu erweitern und mehr Menschen zu beschäftigten.

Untertürkheim bleibt Technologieführer im LDS-Verfahren.

Projekt Daimler ProCent

Beschäftigte spenden Cent-Beträge ihres Entgelts Im Mai haben sich Gesamtbetriebsrat und Unternehmensseite auf eine Gesamtbetriebsvereinbarung zu dem Projekt „Daimler ProCent“ geeinigt. Mit „Daimler ProCent“ fördern DaimlerBeschäftigte und das Unternehmen ab Dezember 2011 gemeinnützige Projekte im In- und Ausland. Schwerpunkt sollen Projekte für Kinder, Jugendliche und Behinderte und Natur- und Umweltprojekte sein.

Der Spendentopf soll über ein einfaches System gespeist werden: Alle Daimler-Beschäf-

Impressum Herausgeber: IG Metall Stuttgart Verantwortlich: Hans Baur, 1. Bevollmächtigter IG Metall Stuttgart; Theodor-Heuss-Str. 2, 70174 Stuttgart, E-Mail: [email protected] Internet: www.stuttgart.igm.de Redaktion: Jordana Vogiatzi (IGM) Tel. 0711-1 62 78-32; Dieter Gerlach, Tel. 6 12 55, Michael Schick, Tel. 6 25 20, Roland Schäfer Tel. 6 14 74, Udo Abelmann (IGM), Tel. 0711-1 62 78 23. Gestaltung: hartmanndruck Wildberg Druck: Druckerei Knödler, Benningen Bilder:©fotolia: S. 3 Tomasz Trojanowski; S. 6; © James H. Pickerell · Titel + S. 3 Michael Latz

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe: Dienstag, 4. Oktober 2011 Im Internet unter www.stuttgart.igm.de stehen alle SCHEIBENWISCHER-Ausgaben seit dem Jahr 2000.

tigten spenden monatlich den Cent-Betrag, also den Betrag hinter dem Komma ihres Nettoentgelts. Das kann einmal nur ein Cent sein, das andere Mal sind es maximal 99 Cents, im Durchschnitt beläuft es sich für den Einzelnen auf 50 Cents pro Monat. Das ist für den einzelnen verkraftbar. Aber hochgerechnet auf alle Beschäftigten kann man damit richtig viel bewegen. Die Unternehmensseite wird die gleiche Summe, die die Belegschaft aufbringt, drauflegen. Das heißt, jeder von Beschäftigten gespendete Cent wird sich verdoppeln. Wichtig: Das Projekt startet Ende des Jahres. Das Unternehmen informiert jeden Beschäftigten vor Einführung des Projekts Daimler ProCent schriftlich darüber. Ab dieser Information kann der Beschäftigte bis zu einem festgelegten Zeitpunkt mit einer beigefügten Rückantwortkarte oder in elektronischer Form über die Self-Service-Funktion im Mitarbeiter-Portal der Teilnahme an dem Projekt widersprechen.

Beschäftigte können auch später jeweils zum Quartalsende der weiteren Teilnahme an dem Projekt mit Wirkung für den Folgemonat widersprechen. Über die Vergabe der Spendengelder entscheidet ein örtliches Gremium, das je zur Hälfte von Unternehmens- und Arbeitnehmervertretern besetzt ist. In dem Gremium zu „ProCent“ im Werk 10 und 19 sind die Betriebsratsmitglieder Constanze Heidbrink, Michael Schick und Karl Reif. Das hat der Betriebsrat Ende Juli entschieden. Beschäftigte können bei dem örtlichen Gremium Anträge auf Förderung von gemeinnützigen Projekten einreichen. Die Hälfte der Gesamtspendensumme – also jeweils der gesamte örtliche Spendenbetrag der Belegschaft- darf auch für örtliche Projekte vergeben werden Die andere Hälfte (die Spende des Unternehmens) kann für zentrale und internationale Projekte eingesetzt werden.

Angebot für Daimler-Beschäftigte

Zum halben Preis ins Porsche-Museum Porsche lädt anlässlich des Jubiläums „125 Jahre Automobil“ alle Beschäftigten der Daimler AG ein, das Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen zum halben Eintrittspreis von vier Euro zu besuchen. Diese Ermäßigung gilt außerdem für je 11

eine Begleitperson und ist gegen Vorlage des Werksausweises an den Ticketkassen erhältlich. Die Ermäßigung gilt noch bis zum 30. Dezember 2011. Das Angebot gilt übrigens auch für Beschäftigte der Robert Bosch GmbH.



Nr. 279/September 2011

Jubilaraufenthalte 2012

Bis zum 31. Oktober 2011 beantragen Teilnehmen können alle Mitarbeiter im Tarifbereich, die in diesem oder in früheren Jahren ihr 25jähriges Arbeitsjubiläum begangen haben, und, sofern sie bisher noch nicht an einem Jubilaraufenthalt teilgenommen haben.

Der Jubilaraufenthalt dauert jeweils 14 Tage und wird auf den Tarifurlaub angerechnet. Die Pensionskosten, Kurtaxe und das Gesundheitspaket für den Mitarbeiter trägt die Daimler AG. Familienangehörige können mitreisen, der Mitarbeiter muss dies aber selbst und auf eigene Kosten organisieren. Die Jubilaraufenthalte werden in folgenden Orten durchgeführt: Bad Kohlgrub/Oberbayern, Bodenmais/ Bayerischer Wald, Gohrisch/Sächsische Schweiz, Insel Reichenau/Bodensee, Heringsdorf (Usedom)/Ostsee, St. PeterOrding/Nordsee, Simonsberg/Nordsee, Tossens/Nordsee, Warnemünde/Ostsee; Österreich: Damüls/Vorarlberg, Lechaschau/Tirol.

Bitte keine E-Mails und nicht das OnlineFormular der Zentrale verwenden! Danke.

form anfordern bei: Mechthild Oberth oder Gisela Ahlf, Werk 010, PER/HSS-BGF, Tel. 6 09 29 bzw. 6 67 54.

Zu- bzw. Absagen werden bis spätestens Mitte November an die Privatanschrift versandt. Wir bitten Sie, von Anfragen in der Zwischenzeit Abstand zu nehmen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Mitarbeiter der Werke 000, 001, 002, 004, 005, 019 (NfZ) und 096 können Anträge bis zum 31. Oktober 2011 per E-Mail an: [email protected], einreichen.

Detaillierte Informationen sowie das Antragsformular zum Herunterladen im Mitarbeiterportal (Intranet) ab 30. September unter: Home >Top Storys Untertürkheim > Jubilaraufenthalte 2011 Rückfragen sowie Antragsformulare in Papier-

Detaillierte Informationen sowie das Antragsformular zum Herunterladen im Mitarbeiterportal (Intranet) ab 30. September unter: Daimler & Ich > Arbeitsumfeld&Soziales > Arbeit&Gesundheit > Jubilaraufenthalte Rückfragen bei: Corina Winter, HRG/SC, Werk 096, Tel. 9 21 44.

Folgende Termine sind möglich: 1. Gruppe 2. Gruppe 3. Gruppe 4. Gruppe 5. Gruppe 6. Gruppe 7. Gruppe 8. Gruppe 9. Gruppe

17.05. – 31.05.2012 31.05. – 14.06.2012 14.06. – 28.06.2012 28.06. – 12.07.2012 12.07. – 26.07.2012 26.07. – 09.08.2012 09.08. – 23.08.2012 23.08. – 06.09.2012 06.09. – 20.09.2012

Mitarbeiter der Werke 010 und 019 (PKW) können Anträge bis zum 31. Oktober 2011 in Mettingen, Geb. 12, 1. OG, Raum 118 (Werksärztlicher Dienst), Abteilung PER/HSS-BGF, HPC M642, oder per Fax unter 6 04 99, einreichen.

Warum den Jubilaraufenthalt nicht in der Sächsischen Schweiz verbringen? Das Bild zeigt die Bastei bei Gohrisch im Elbsandsteingebirge

Nr. 279/September 2011

Mehr Infos zum Aktionstag unter www.daimler.igm.de. 12