schloss schwetzingen - ein wiederhergestelltes kulturdenkmal

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WOI.FC-.ANG W I E S E SCHLOSS SCHWETZINGEN EIN WIEDERHERGESTELLTES KULTURDENKMAL L X Wiederherstellung des vom Zerfall bedrohten Schlosses Schwetzin...

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SCHLOSS SCHWETZINGEN EIN WIEDERHERGESTELLTES KULTURDENKMAL

L X Wiederherstellung des vom Zerfall bedrohten Schlosses Schwetzingen wurde 1991 abgeschlossen. Kurz zuvor hatte die neue Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten bei der Oberfinanzdirektion Karlsruhe die konservatorische Betreuung des fast fertiggestellten Bauwerks und Inventars übernommen und die seit langem geplante Wiedereinrichtung durchgeführt. Etwa 15 Jahre dauerte die Restaurierung, die im folgenden beschrieben werden soll. Es kann jedoch nur ein Überblick über die Wiederherstellungsplanungen vorgelegt w eiden und kein kompletter Dokumentationsbericht. So sollen die Konflikte, welche die vielfältige Geschichte des Bauwerks den Planern bereitete und die Art und Weise, wie jene sie zu lösen versuchten, zur Sprache kommen. Denn nur so wird das heutige Ergebnis verstanden werden, das eine neuartige Weise der Wiederherstellung von Innenräumen eröffnete. Natürlich werden auch einige besondere Restaurierungen und Einrichtungsbeispiele behandelt. Aus Gründen der Einschränkung sind es jedoch nur wenige Arbeiten, die beispielhaft für die umfangreichen Maßnahmen stehen. In diesem Zusammenhang wird man sich auch nach unserem heuligen Geschichts- und Denkmälerverständnis fragen müssen, da uns das wachsende Interesse der Allgemeinheit an den Kulturdenkmalen immer neue Zielsetzungen abzuverlangen sucht. Um die Planungen und Ausführungen besser verstehen zu können, ist ein kurzer Gang durch die Geschichte des Schlosses Schwetzingen hilfreich.

GESCHICHTE

Schloß Schwetzingen wurde erstmals 1350 als Wasserburg eines ortsansässigen Herrschaftsgeschlechtes erwähnt. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts gelangte es in den Besitz der Kurfürsten von der Pfalz. Seit dieser Zeit wurde es vorwiegend als Ausgangspunkt von Jagden in den Rheinwäldern benutzt. Mehr als zwei Jahrhunderte erlebte das Schloß ruhige und blühende Zeiten, welche mit dem Dreißigjährigen Krieg endeten. Trotz der Verwüstungen blieb das Mauerwerk noch zu einem großen Teil erhalten. Deshalb bemühte sich Kurfürst Karl Ludwig (1617-1680) schon kurz nach 1650 um die Wiederherstellung des Schlosses. Mit Johann Wilhelm von der Pfalz (1658-1716) wurde 1685 ein Sproß der Linie Pfalz-Neuburg Kurfürst. Er regierte zunächst vom ererbten Düsseldorf, wollte jedoch die Residenz wieder in die Kurpfalz verlegen. Deshalb trieb auch er den Wiederaufbau und die Erweiterung des zerstörten

Baus für Sommeraufenthalte massiv voran. Seine Baumeister Breunig und Sarto gestalteten das Schloß, so wie es sich heute noch präsentiert. Im Westen gegen den Garten blendete man der unregelmäßigen Fassade einen Trakt mit Pavillons vor und hob das Dach um ein viertes Stockwerk an. Nach barocker Manier erhielt das Gebäude zwei gegen die Stadt gerichtete Flügel, einen den Ehrenhof abgrenzenden Zaun mit Wachhäuschen und den Haupteingang flankierende Freipfeiler. Von der mobilen Ausstaitung aus dieser Zeit kennen wir keine Objekte. Karl Philipp (1661-1742) folgte seinem Bruder Johann Wilhelm 1716 auf den Thron in Heidelberg. Unter seiner Herrschaft hat das Hauptgebäude keine wesentlichen Neuerungen mehr erfahren. Das änderte sich mit KarlTheodor von Pfalz-Sulzbach (1724-1799), der die Kurpfalz von dem ohne männliche Nachkommen verstorbenen Karl Philipp 1742 übernommen hatte. Er verfolgte, wie Rudolf Sillib 1907 schrieb 1 , 'eine ihrem innersten Wesen nach völlig anders geartete Kunstauffassung; ihre Werke reden noch heute zu uns in vornehmlicher Sprache, weniger zwar in den an das Schloß sich anschließenden Bauten als in dem Garten, in dessen Gestaltung auch der neue Stil des Rokoko seinen künstlerischen Ausdruck gefunden hat.' Und dennoch knüpfte Karl Theodors Bauplan an die bestehende Substanz an. Im Innern des Hauptbaus legte der Kurfürst zusammen mit Hofarchitekt Nicolas de Pigage die Disposition der Räume fest. Sie sah im nördlichen Erd- und ersten Obergeschoß die Appartements Karl Theodors (Raum 103-107), und im südlichen Erd- und ersten Obergeschoß die Appartements der Kurfürstin Elisabeth Auguste (Raum 115-127) vor. Da die bauliche Situation in Schwetzingen keine am Modell des französischen Architekten Blondel orientierte symmetrische Einteilung zuließ, findet man nur den Versuch einer klassischen Anordnung. Beide Appartements besitzen antiehambres, Salles de compagnie bzw. salles d'assemblee, chambres de parades und cabinets. Sie sind jedoch in verschiedene Richtungen (Ost-West- und Nord-Süd.) angelegt und bilden keine strenge Enfilade. Für die Einrichtung beauftragte der Kurfürst Kunstschreiner wie Jakob Kieser oder Johann Georg Wahl. Diese schufen Marketerie-Möbel von hoher Qualität. Wenige Stücke haben sich bis heute erhalten. Das zweite Obergeschoß war für Herzog Christian von Zweibrücken (1722-1775) und für Pfalzgraf Friedrich Michael von Zweibrücken (1724-1767), die Erben Karl Theodors, bereitgestellt. Mit dem Wegzug Karl Theodors 1778 nach München (Übernahme der bayerischen Regentschaft)

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H Modell ton Schloß und Garten Schwetzingen Schluß Schwetzingen, Garleniinsichl

FtW i ^ - ö Grundrißplan. erstes Obergeschoß

ließ das kurfürstliche Engagement für Schloß Schwetzingen immer mehr nach. Zwar trug sich der Regent noch eine Weile mit d e m Gedanken an eine Rückkehr. Deshalb wurden verschiedene Ausstattungen und Bauvorhaben, wie mehrere neue Supraporten von Hofmaler Leidensdorffer in den Zimmern oder der an die Nordfassade angebaute g r ü n e Pavillon lx'legen, noch begonnen oder vollendet. Jedoch veränderte sich infolge der geringen Nutzung das über Jahrzehnte gewachsene Gefüge im Innern komplett. Flüchtling von Inventar stand auf der Tagesordnung. Kinen gravierenden Einschnitt erfuhr Schloß Schwetzingen im Jahre 1803- Der badische Markgraf übernahm auf Betreilx'n Napoleons die Kurpfalz. Die ehemalige Sommerresidenz wurde zu einem Nebenschloß. das der Hof für kurze Aufenthalte nutzte. Der n e u e Herrscher Karl Friedrich von Baden (1728-1811) zog in das Appartement der Kurfürstin im ersten Obergeschoß ein, um mit seiner morganatisch angetrauten Gattin, der Reichsgräfin von Hochberg, zusammenzusein. Deren Wohnung, ehemals Fremdenquartier, befand sich im zweiten Stcxkwerk genau über Karl Friedrichs Zimmern. Die Zimmer der Reichsgräfin erhielten im Gegensatz zu den Räumen des ersten Obergeschosses neues Mobiliar. Es ist fast biedermeierlich gestaltet und wirkt passend zu d e n lKOi romantisch bemalten Handdrucktapeten der Firma Zuber aus Rixheim im Elsaß. Die Wandausstattung hat sich weitgehend erhalten und so besitzen die Hochberg-Zimmer große Originalität. Daß diese bewahrt blieb, ist der darauffolgenden Generation von Bewohnern zu verdanken. Karl von Baden und Stephanie Na-

poleon b e w o h n t e n gelegentlich das erste Stockwerk. Dieses ließen sie mit modernen Empiremöbeln ausstatten. Die strengen Konsulat-Möbel' schienen dazu zu passen, weshalb sie In den erneut als Gästezimmer genutzten, oberen Räumen verblieben. Noch einmal wandelten sich die Innenräume 1840 vor dem großen Herbstmanöver d e s 8. deutschen Armeekorps. Das Schloß w u r d e Hauptquartier gekrönter Häupter Deutschlands. Großherzog Leopold von Baden (1790-1852) nutzte diesen Anlaß zur Prestigeaufbesserung und ließ die Räume mit Tapeten aufwendig verschönern. Auch kostbare Möbel aus der Resiclenz Karlsruhe erhielten die Zimmer. Allerdings w urden hierbei alte und n e u e Stilformen gemischt. Nicht der einheitliche Eindruck war gewünscht, sondern die repräsentative Pluralität. Im Historismus waren ja Stilkombinationen erlaubt. Sie blieben mit weiteren Ergänzungen der 80er und 90er Jahre größtenteils bis zum Jahre 1918 erhalten, in welchem Schlots Schw etzingen dem Bürger als Museum zugänglich gemac ht wurde. Im Zweiten Weltkrieg w u r d e das Schloß durch die Alliierten besetzt und zu Wohnzwecken genutzt.

ScbloßSchuvtzingen. Kaum KK>. Zustand um 1975

Schltß Schuvtzingen. Kaum /()<>. Zustand 1991

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FLÄMING OER WIEDERHERSTELLUNGSARBEITEN Wie d e r historische Überblick zeigt, vollzogen sich in all den Jahrhunderten erhebliche Veränderungen in Schloß Schwetzingen. Mag man sie positiv o d e r negativ beurteilen, ihre Qualität zeigt sich im daraus entstandenen lebendigen Geschichtsbild, das uns in interessante Epochen führt. Gar-

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Schloß Schwetzingen. Schlafzimmer des Kurfürsten. Raum 106. Zustand 1908 (links) Zustand 1918 (Mitte) • Zustand 1970 (rechts)

ten, Bauwerke und Ausstattung bilden eine Einheit. Zusammen mit der Vorstellung vom -festlichen Dasein der höfischen Gesellschaft-- stellt das Ensemble eine umfassende Quelle monarchischen Glanzes, politischen Selbstverständnisses. aufgeklärter Gesinnung, höfischen Lebens, historischer Ereignisse und Entwicklungen dar. Es kann jedoch nicht nur als zuverlässiges Dokument betrachtet werden, sondern es offenbart auch Verlust und Lücke als Spuren der Geschichte. Der Wunsch, das originale Zeugnis zu erhalten, löste eine langwierige und schwierige Planung aus, denn die Einrichtung hatte sich geändert und repräsentierte keine ursprünglichen Raumfassungen mehr. So wurden vor allem Im 20. Jahrhundert grundlegende Eingriffe vorgenommen und das Schlots geradezu entstellt. Von den Auswirkungen zeugen zum Beispiel die verschiedenen Zustände des Kaunies 106. Karl Theodors Paradeschlafzimmer. Er war von 1746 bis 1802 Schlafzimmer, 1804 Wohnzimmer und von 1814 bis 1838 Audienzzimmer. 1858 wurde der Raum zum Salon und erhielt Einrichtungsgegenstände aus unterschiedlichen Epochen: Tapeten aus den Jahren vor 1840. Rokoko-, Empire- und Biedermeiermöbel. 1882 und 1891 wurde noch einmal ummöbliert. Den Zustand des Jahres 1908 zeigt eine Aufnahme von Ferdinand Luthmer, der Innenansichten von Schlössern dokumentarisch festhielt.' Bereits hier wird das Konglomerat an Einrichtungsstücken deutlich, obgleich es noch über monarchische Bewohnung des späten 19- Jahrhunderts interessante Informationen gibt.

Auch nach 1918 fand auf Veranlassung des SchloIÄverwalters eine Umstellung statt, der eher nach seinen ästhetischen Empfindungen ein Schlolsmuseum bildete. Man stellte möglichst Stilgruppen zusammen. Vor 1945 erhielt der Raum die Bezeichnung 'Arbeitszimmer tles Kurfürsten . nachdem er entsprechend eingerichtet worden war. Auch nach dem Kriege wurde diese Bezeichnung beibehalten, obgleich er nie diese Funktion hatte. Völlig neue fiktive Kombinationen weist der Zustand um 1970 auf. 1975 trug Herr Dr. Fuchs im Rahmen seiner Forschungsarbeiten über Schwetzingen' die alte Ausstattung \<>n 1858 wieder aus mehreren Räumen des Schlosses zusammen und gruppierte sie entsprechend. Die gemischte Möblierung bestand aus Rokoko-. Empire- und Biedermeiermobiliar. Erst 1991 entstand aus dem sogenannten Arbeitszimmer wieder ein Schlafzimmer. Allerdings mußte mit weitgehenden Ergänzungen gearbeitet werden. Bei den Planungen wurde eine Nutzung des Schlosses als Schloßmuseum nie in Frage gestellt. Die kunstwissenschaftlichen und restauratorischen Untersuchungen legten jedoch eine Neuordnung der Raumstrukturen und Inventarbestände nahe. Da ein Schlolsmuseum oder besser gesagt ein Schloß die Aufgabe hat. historische Raumsituationen und -entwicklungen deutlich zu machen, die das übliche Kunstmuseum nur mit Mühe erreichen kann, war eine geeignete inhaltliche Konzeption zu finden. Die Wahl einer bestimmten Zeitstufe des 18. oder 19. Jahrhunderts schien Priorität zu haben: -Das Mobiliar des 18. Jahrhunderts ist nur noch zu circa 20 Prozent erhalten. ...Das vorhandene

Sekretär. Johann Georg Wahl. Osthofen, um 1750. ehemals im Schlafzimmer Karl Iheodors. heute Schloß Berchtesgaden, (links) /locker. Henry Jacob. Paris, um 1785. heute in Raum 214 (Mitte) • Stuhl. Karlsruhe oder Heidelberg, um 1804. heule in Raum 215 (rechts)

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(80 Prozent.) müßte bei einer Reduktion auf das 18. Jahrhundert auf Lager und Depots verwaltet werden, da es nicht auszustellen ist. ... Das Inventar von 1858 ist zu 90 Prozent vorhanden, so daß das Schloß völlig authentisch wieder eingerichtet werden könnte und somit dem Publikum ein selten genaues Bild der Wohnkultur des 19- Jahrhunderts vermittelt werden könnte. ... Wenn eine Erneuerung im Sinne des 18. Jahrhunderts vorgenommen werden soll, muß man wirklich den Zustand der Carl-Theodor-Zeit und die Umgebung dieses für das 18. Jahrhundert so wichtigen Fürsten peinlich genau rekonstruieren. ...Je mehr ich mich aber mit der Materie beschäftigte, umso mehr wurde mir bewußt, daß sich für die Rekonstruktion des Schlosses der Zustand des 18. Jahrhunderts nicht mehr verwirklichen ließ, es sei denn, man würde mit nicht authentischen Möbeln aus dem Kunsthandel arbeiten. Diese Methode halte ich aber nicht für gerechtfertigt, da man nämlich für das 19. Jahrhundert ein authentisches Bild erstellen kann.- So Dr. Fuchs, der zu den Planungen als Gutachter herangezogen wurde. Nach langer Auseinandersetzung, bei der auch die Bedeutung des Schlosses als einzige, baulich erhaltene, kurpfälzische Residenz am Oberrhein zählte, entschieden sich die zuständigen Fachleute zugunsten einer weitgehenden Rekonstruktion im Stil des 18. Jahrhunderts: Das erste Stockwerk soll auf die Blütezeit pfälzischer Kultur unter Karl Theodor um 1775 zurückgeführt werden, das zweite die Ausstattung der Erbnachfolger von Pfalz-Zweibrücken um 1775 und des Markgrafen (bzw. späteren Großherzogs) Karl Friedrich von Baden um 1804 erhalten. Die Kommission aus Denkmalpflegern, Museumsfachleuten und Architekten der staatlichen Hochbauverwaltung bestimmte die Neuordnung der aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammenden Einrichtung. Das reichhaltige Gut der Empire- und Biedermeierzeit mußte bis auf die authentische Ausstattung der 'Hochbeig-Zimmer weichen. Es sollte eine neue kulturhistorisch aussagekräftige Fasson der Räume entstehen.

RESTAURIERUNGEN

Nach den Sanierungsmaßnahmen, vor allem im Fundament- und Mauerbereich und an den Dächern konnte a b 1984 die Wiederherstellung der Zimmer vorgenommen werden. Mit der Leitung der Arbeiten war die Staatliche Hochbauverwaltung betraut. Unter fachlicher Begleitung des Landesdenkmalamtes beauftragte sie Handwerker und Restauratoren mit der Bearbeitung der Böden und Wandvertäfelungen, Fenster und Türen, Stukkaturen und Kamine. Zuerst wurden Musterrestaurierungen angefertigt, die Aufschlüsse über die Denkmalverträglichkeit der Maßnahmen geben sollten. Das positive Ergebnis erlaubte weitere Schritte im Sinn der vorgeschlagenen Planung. So nahm man zum Beispiel neuere Deckenanstriche unter Belassung historischer Kalkanstriche aus dem 18. und 19. Jahrhundert ab. Nur -gebrochene und angefaulte Hölzer-' der Fenster, der Böden und Lambrieen ersetzte man durch neue Materialien. Die Holzeinbauten mußten zur Bearbeitung in die Werkstätten verbracht werden. Dabei konnten etwa moderne Fußböden entfernt und in alter Form nachgebildet werden. Die farbliche Fassung der Lambrieen, Türen oder Fensterverkleidungen erfolgte nach Befunduntersuchungen

und Feststellung der Farbigkeit um 1775- Allerdings legte man aus Kostengründen und im Interesse einer möglichst geringen Zerstörung die passenden Schichten nicht frei, sondern überstrich die späteren Übermalungen. Letzteres geschah in allen Räumen des Schlosses. Die in einigen Zimmern entdeckten Reste textiler Bespannungen aus dem 18. Jahrhundert gaben Anlaß, komplette Auskleidungen nachweben zu lassen. Dabei wurden auch Stoffe für Portieren und Fenstervorhänge sowie Posamente mitbestellt. Seiden und Baumwollstoffe bildeten die Materialien. Bereits in den frühen 80er Jahren, also zeitgleich mit der baulichen Instandsetzung und Raumsanierung begann die Inventarrestaurierung. Im Zuge der konservatorischen Betreuung des Kunstgutes in den staatlichen Schlössern durch das Badische Landesmuseum wurden diese bis 1988 ausgeführt. Die Werkstätten des Museums leisteten neben den eigenen Geschäften zwar gute Arbeit für die Schlösser, doch mußten aus Kapazitätsgründen auch freie Werkstätten mit Aufträgen versehen werden. Mehrere freie Restauratoren waren mit der Konservierung von Möbeln, Bronzeobjekten, Textilien, Alabasterwerken, Lüstern, Gemälden, Uhren usw. beschäftigt. Da die Finanzmittel zu wünschen übrig ließen, kamen nur wenige Stücke in den G e n u ß einer Aufarbeitung. Erst ein verbesserter Etat der Staatlichen Schlösserverwaltung bei der Oberfinanzdirektion nach 1988 erlaubte umfangreichere Maßnahmen. Die vielen bearbeiteten Kunstobjekte zeigen deutlich, wie sich die Verschönerungsmaßnahmen, welche die Kunstwerke -in neuem Glanz erstrahlen- lassen sollten, allmählich in subsianzerhaltende Projekte wandelten. Der Stuhl, der 1804 zusammen mit elf weiteren wohl in Karlsruhe oder Heidelberg gefertigt worden war und sich seitdem in den •Hochberg-Zimmern' befindet, ist ein prägnantes Beispiel. Er entbehrt heute seiner alten Farbigkeit, die in den Inventaren als rötliche Beizung beschrieben wird. Durch Abnahme der beschädigten Lasur, die Mahagoniholz vortäuschen sollte, wirkt die Oberfläche leblos. Gerade das Gegenteil verfolgte die Restaurierung einer Sitzmöbelgruppe des Pariser Ebenisten Jacob, deren beschädigte Oberfläche erhalten blieb, um die wenigen originalen Fassungsreste nicht zu verlieren. Nur eine Festigung fand statt, die lose Partien gegen das Abplatzen sicherte. Viele weitere Beispiele wären zu nennen, wie etwa die Auffrischung eines aufwendig gearbeiteten Zylinderbüros oder die Konservierung einer Sitzmöbelgruppe aus dem 18. Jahrhundert, welche die spätere Überarbeitung des 19. Jahrhunderts (Zweites Rokoko) beibehielt. Mehr als 250 Kunstobjekte ließen das Badische Landesmuseum und die Staatliche .Schlösserverwaltung restaurieren, um so einen großen Teil des ehemaligen Krongutes vor dem Zerfall zu bewahren. Substanzanalysen und Arbeitsdokumentationen gehörten zu den späteren Aufträgen. Da man in den wandfesten Bereichen neue Stoffe und Fassungen verwendete, wurden auch für die Sitzmöbel und Konsoltische neue Bespannungen gewählt. Die Mischung von alten und neuen Materialien mag vielleicht nicht immer befriedigen, aber die stark geschädigten Objekte ließen sich häufig nur in ergänztem Zustand verwenden.

EINRICHTUNGSMAßNAHMEN

Bei der Recherche entdeckte man zwar noch Möbel, Leuchter, Gemälde usw. aus kurfürstlicher Zeit. Nur mit Hilfe zeitgenössischer Ansichten historischer Räume war jedoch eine Annäherung an das Original zu erreichen. Es entstand die Idee eines Living-Museums, eine Erscheinung, welche durch die Öffnung privater, von den Besitzern noch bewohnter Schlösser mit kompletter Ausstattung bekannt ist. Anhand der alten Inventarverzeichnisse bemühte man sich, den früheren Zustand zu rekonstruieren. Hierfür wurde stilistisch ähnliches Mobiliar aus den Magazinen, Leihgaben oder Kunsterwerbe herangezogen. Zum Beispiel befand sich 1775 im Schlafzimmer lies Kurfürsten eine Kommode »mit Blumen eingelegt, oben mit einer marmorsteinen Platt-.'' An ihre Stelle trat eine Arbeit des Pariser Kunstschreiners Carel, die sich heute links der Türe zu Raum 115 befindet. Auch Nacharbeitungen der zahlreich erwähnten Tischbettladen nach erhaltenen Modellen in hessischen Schlössern fanden in den Vorzimmern Platz. Oder häufig im Inventar genannte »umhängte Tische« wurden mittels einfacher, alter Gestelle und Stoffe der Wandbespannungen rekonstruiert. Zur Belebung erhielten die Räume Bücher, Dosen, Geschirr, Federkiele, Nadelkissen, Perückenständer, Seidenblumen und vieles mehr. Hiermit sollte die frühere Nutzung der Räume erkennbar gemacht werden, so etwa wie Illustrationen eines Textes der schnellen Erfassung des Inhalts dienen. Denn die Betrachtung von 39 Räumen während einer Stunde Führungszeit konnte keine langatmigen Erklärungsphasen erlauben. Museumspädagogische Prinzipien gaben den Ausschlag für jene Zutaten. Bei Befragungen begrüßten viele Besucher diese Mittel, ja sie bezeichneten diese sogar als zwingende Ergänzungen. Es konnte in Schloß Schwetzingen also kein authentischer Zustand erreicht werden. Ziel wurde der idealisierte Zustand eines WohnschJosses des endenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts. Nach gemalten oder gestochenen Ansichten entwarf man Bilder mehrerer Raumsituationen, wie sie vielleicht auch in Schwetzingen einmal existierten. Diese Methode erforderte neben einem geschlossenen Möbelbestand Accessoires, -so daß das Bild eines wirklich bewohnten Schlosses vor den Augen der Besucher wieder entstand.- ?

ANMERKUNGEN: 1 Rudolf Sillib, Schloß und Garten Schwetzingen. Heidelberg 1907. 2 Dietrich Rentsch, Schloß und Garten Schwetzingen, Karlsruhe 1987. 3 Ferdinand Luthmer, Bürgerliche Möbel aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Frankfun 1908. Neue Folge. Abb. 17. 4 Carl Ludwig Fuchs, Die Innenraumgestaltung und Möblierung des Schwetzinger Lustschlosses im 18. und 19. Jahrhundert, Diss. Heidelberg 1975. 366 ff. 5 Günther Lohr, Schloß Schwetzingen. Große Schloßrenovierung 1978-1991. Heft 1 und 2. Technische Bibliothek der Landesvermögens- und Bauabteilung in der Oberfinanzdirekiion Karlsruhe. 6 Schloßinventar Schwetzingen 1775, Generallandesarchiv Karlsruhe, Bestand 77 Fase. 2763. 7 Carl Ludwig Fuchs. Schloß Schwetzingen. Ein Kurzführer. Schwetzingen 1991, S. 18.