Schrecken des Krieges hautnah erleben

Schrecken des Krieges hautnah erleben

Lokales Donnerstag, 3. Januar 2008 9 Schrecken des Krieges hautnah erleben Nichts für schwache Nerven: In Hamm befindet sich fünf Meter unter der ...

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Lokales

Donnerstag, 3. Januar 2008

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Schrecken des Krieges hautnah erleben

Nichts für schwache Nerven: In Hamm befindet sich fünf Meter unter der Erde Hamburgs Röhrenbunker-Museum Von Petra Stanislowsky Hamburg. Gunnar Wulf (52) lässt die Besucher während seiner Führung durch das Bunkermuseum in Hamm auch mal auf schmalen Holzbänken im Dunkeln sitzen. Die Hand ist dann nicht mehr vor den Augen zu sehen. Aus Lautsprechern ertönt der Zusammenschnitt eines Fliegeralarms im Zweiten Weltkrieg: Ein Metronom, das damalige Pausenzeichen des Deutschen Rundfunks, schlägt im Sekundentakt. Der Radiosprecher gibt die Luftlagemeldung durch. Wieder tickt das Metronom. Hierauf mussten sich die Menschen in die Keller und Luftschutzbunker begeben. Vom Tonband sind Sirenen, Bombeneinschläge, entferntes Menschengeschrei und Fliegerlärm zu hören. Nach drei langen Minuten schaltet Gunnar Wulf das gelbliche Licht der ovalen Kellerlampen wieder an. Nicht jeder, der den unterirdischen Röhrenbunker, Baujahr 1940/41, besichtigt, mag sich der gerade geschilderten Vorführung aussetzen. Vor einigen Jahren gerieten drei junge Serbinnen, vom Krieg im eigenen Land traumatisiert, bei der überraschenden Simulation in Panik. „Da flossen viele Tränen“, erinnert sich Wulf. Seither fragt er vorher, ob jemand Krieg schon am eigenen Leib erfahren habe. Wer die Dunkelheit, die Geräusche oder Platzangst fürchtet, wartet im beleuchteten Vorraum. Als „Mann der ersten Stunde“ leitet Gunnar Wulf das Stadtteilarchiv Hamm seit 1987. Vor zehn Jahren hat er mit seiner Kollegin Kerstin Rasmussen das dazugehörige Bun-

Stadtteilarchivs-Leiter Gunnar eine Gasmaske für Kinder.

Menschen drinnen beruhigte dies nicht. „Die allerschlimmste Befürchtung war, dass Panik ausbrach“, erzählt Wulf. Griff sie auf die Insassen über, gab es kein Entrinnen. Natürlich durfte niemand raus, bevor der Bunkerwart Entwarnung gegeben hatte. In jeder Röhre stand längsseits eiDurch die Hitze des Feuersturms vom Juli ne Holzbank für 50 1943 verformte Glasflaschen. Personen. Im Regal an der Wand gegenüber war das Luftschutzgepäck verstaut. Eine der Röhren ist heute so originalgetreu ausgestattet. Kranke und Schwangere mussten sich ein einziges, enges Stockbett teilen. Jede Röhre hatte zwei Trockentoiletten. Die handbetriebene Lüftungsanlage ist heute verrostet und konnte auch damals nicht viel ausrichten. „Es roch hier nicht gerade nach Rosen“, sagt Unscheinbar und hinter Bü- Wulf. Als die britische Luftwaffe im schen versteckt: der Eingang heißen Juli 1943 im Rahmen zum Röhrenbunker. der „Operation Gomorrha“ kermuseum aufgebaut. Er ist Hamburg angriff und den verüberzeugt: „Dieses Museum ist heerenden Feuersturm verursachte, waren im Bunker statt das spannendste in ganz Hamburg.“ Auf jeden Fall ist es das 200 an die 400 Menschen uneinzige Röhrenbunker-Muse- tergebracht. „Der Bunkerwart war ja kein Unmensch und hat um der Stadt. Der Eingang auf dem Gelände der Wichernkir- mehr Leute reingelassen, als Platzkarten da waren“, sagt che ist ein unscheinbarer, grau verputzter Schuppen zwischen Wulf. „Es war rappelvoll. Die standen hier Schulter an SchulKirche und Spielplatz von Büschen umwachsen. Eine steile ter.“ Und das 13 Stunden lang. An den Wänden aller Räume Treppe führt fünf Meter tief in den Eingangsbereich, an den hängen große SchwarzweißFotos. Sie zeigen das am Ende die Gasschleuse grenzt. Von ihr gehen vier halbrunde Röhren des Krieges zu 96 Prozent zerab. Sie sind zwei Meter breit, 17 störte Hamm, aber auch den Meter lang und 2,25 Meter von der deutschen Luftwaffe Londoner hoch. Die weiß ge- bombardierten strichenen Beton- Stadtteil Holborn. „Auf beiden wände sind einen Seiten ist schließlich ähnlich Meter dick und mit Schreckliches passiert“, so Wulf. Der Krieg sei ja die Schuld Eisen bewehrt. „Einen direkten der Deutschen gewesen. Das Bombentreffer hät- dürfe man nicht vergessen. Auf ten diese Röhren weiteren Fotos sind Menschen nicht ausgehal- in privaten Luftschutzkellern ten“, meint Wulf. abgelichtet. Diese Aufnahmen Bei Bombenein- seien gestellt, weil die Leute lächeln, keine Angst auf ihren schlägen in der Nähe haben die Röh- Gesichtern zu sehen ist. Auch ren gewackelt. Das der kleine Hund auf einem Bild war die Absicht der musste in Wirklichkeit drauArchitekten, damit ßen bleiben. Wulf zeigt der Bunker nicht Die Ausstellungsstücke sind ein Sammelsurium von Speneinstürzt – aber die

Mehr Kriminalität in Deutschland? Von Herbert Schui, Abgeordneter der Links-Partei aus Buchholz

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wei junge Männer, ein Türke und ein Grieche, haben kurz vor Weihnachten in München einen alten Mann niedergeprügelt. Diese Straftat ist für den hessischen Ministerpräsidenten Koch ein willkommenes Stichwort: „Wir haben zu viele kriminelle junge Ausländer“, sagt er, und weiter: „Wer sich als Ausländer nicht an unsere Regeln hält, ist hier fehl am Platz.“ Damit empfiehlt er indirekt straffällig gewordene Migranten des Landes zu verweisen. Kochs Manöver ist durchsichtig: Im Endspurt vor der Wahl kommt wieder die Ausländermasche dran. Denn vielfach herrscht die Ansicht vor, dass die Kriminalität in Deutschland steigt. Auf der Suche nach dem Grund kommen oft „die Ausländer“ ins Visier – gerade so, wie manche Trottel die hier lebenden

Ausländer für die Arbeitslosigkeit verantwortlich machen oder für die leeren Sozialkassen. (Das ist einfacher, als die hohen Gewinne mit den leeren Sozialkassen in Verbindung zu bringen.) Wie aber steht es mit der Kriminalität in Deutschland?

Solide Informationen finden sich im Zweiten Periodischen Sicherheitsbericht der Bundesregierung von 2006. Bei den Tötungsdelikten „zeigen die Daten der Polizei in den vergangenen Jahren deutliche Rückgänge. Es handelt sich um einen Trend, der

schon sehr lange anhält. In Deutschland ist im gesamteuropäischen Vergleich die Rate an Todesfällen, die auf Totschlag, Mord oder Körperverletzungsdelikte zurückzuführen sind, am niedrigsten. Auch die besonders brisanten sexuell motivierten Tötungen von Kindern haben in Deutschland langfristig deutlich abgenommen und sind aktuell – entgegen bisweilen entstehenden Eindrücken – erfreulicherweise extrem selten und auf einem sehr niedrigen Niveau“. Die registrierten Tötungsdelikte sind von 1299 (1993) auf 794 (2005) zurückgegangen. Ähnlich bei den Raubdelikten. Hier sind die registrierten Fälle von 1993 bis 2005 von 61 757 auf 54 841 gesunken. Anders dagegen ist es bei den polizeilich erfassten Fällen schwerer Körperverletzung. Diese haben von 1993 bis 2005 zugenommen, und zwar von 87 784 auf 147 122 Fälle. Der Sicherheitsbericht der Bundesregierung erklärt

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er Röhrenbunker in Hamm liegt in fünf Metern Tiefe. Auf der Holzbank liegen Ausstellungsstücke, darunter Koffer mit Alarmgepäck. Links die Entlüftungsanlage. Fotos: Stanislowsky

den der Nachbarn: Darunter in der Gluthitze des Feuersturms verformte Glasflaschen (Glas schmilzt erst bei 1000 Grad Celsius), ein Klumpen zusammengeschmolzener Nägel, Gasmasken und viele handliche braune und schwarze Koffer, in denen das Luftschutzgepäck verstaut war. Unverzichtbar waren Decken. Durften die Leute nach der Entwarnung wieder ins Freie, tauchten sie sie in mit Wasser gefüllte Fässer im Eingangsbereich, schlangen sie sich um Kopf und Körper, weil Haare sofort Feuer fingen. Oft waren durch die Hitze draußen

die Zunahme der registrierten Fälle mit der Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes: „Die gerade hier deutlich intensivierte polizeiliche Aktivität bei häuslicher Gewalt (hat) zu einer deutlich höheren Erfassung von Gewalt in engen Beziehungen beigetragen.“ Nicht also sind die Straftaten gestiegen, sondern deren Erfassung – besonders bei häuslicher Gewalt. Der Grund: Der neue gesetzliche Schutz ermutigt die Opfer häuslicher Gewalt, die Straftat anzuzeigen. In dieser Kolumne nehmen Harburger Bundestagsabgeordnete Stellung zu aktuellen Themen der Politik. Ihre Meinung muss sich nicht mit den Ansichten der Redaktion decken. Von einer Zunahme der Kriminalität in Deutschland kann nach allem, was der Sicherheitsbericht ausweist, nicht die Rede sein. Wenn im Rahmen dieser sinkenden Kriminalität Zuwanderer überproportional Delikte begehen, dann ist Integrationspolitik gefragt. Und Integration heißt nicht zuletzt Vollbeschäftigung, heißt Erziehung in öffentlicher Verantwortung.

die Decken schon auf der anderen Straßenseite wieder trocken. Wulf zeigt eine Gasmaske für Kinder, die glücklicherweise nicht zum Einsatz kam, weil es keine Giftgasangriffe auf Deutschland gab. „Sie musste fest drauf sitzen. Das musste richtig schnüren.“ Die Kinder konnten unter den Masken nicht gut atmen, deshalb wurden sie gezwungen, Lieder zu singen, um so Luft zu bekommen. Etwas stolz ist Wulf auf den original Schnittmusterbogen für Tragtasche VM40, die Näh-

anleitung einer Stofftasche für Gasmasken. „Irgendeinem Nazi war es tatsächlich wichtig, dass die Damen ihre Gasmaske in einem Täschchen tragen.“ Fachkundig erzählt Gunnar Wulf eineinhalb Stunden lang, zeigt Dias von Brandruinen, spielt Aufnahmen von Zeitzeugen vor. Auf den angemeldeten Führungen beantwortet er Fragen von Schulklassen, Sportvereinen und der Freiwilligen Feuerwehr. Jeden Donnerstag ist das Museum vor- und nachmittags für alle zur Besichtigung geöffnet. „So leisten wir unseren Beitrag zur Friedensarbeit. Wir wollen zeigen, wie schrecklich es ist, Krieg hautnah erleben zu müssen.“ P Bunkermuseum, Wichernsweg 16, 20537 Hamburg, Telefon 0 40/2 51 39 27, Internet: www.hh-hamm.de, E-Mail: [email protected] Öffnungszeiten: donnerstags 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, Eintritt drei Euro, Führungen nach Vereinbarung, zum zehnjährigen Bestehen Sonderführungen „Bunker im Dunkeln“. Bitte anmelden.

Ab 13 Uhr wird eingepackt: Eine Harburger Marktfrau befördert Kartoffeln zum Lkw. Foto: wb

Wochenmarkt: Es bleibt vorerst bei 13 Uhr Harburg (wb). Die Verlängerung der Öffnungszeiten für den Harburger Wochenmarkt auf dem Sand liegen vorerst auf Eis. Wie berichtet, sollte der Markt künftig bis 14 Uhr betrieben werden. Dafür hatten sich die Obleute und die Harburger CDU-Fraktion stark gemacht. Letztere hatte sich sogar gegen die Bedenken aus der Verwaltung durchgesetzt und den Mehrwert für die Kunden höher angesiedelt als die Arbeitszeiten des Marktmeisters. Doch nun kam heraus: Die Mehrheit

der Beschicker ist gegen die 14-Uhr-Regelung. Das hat eine Abstimmung ergeben, wie Obsthändlerin Ingrid Holst den HAN sagte. Sie gehört zu den gewählten Obleuten. Die Befragung der Beschicker war von der Verwaltung veranlasst worden. CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer: „Wir fühlen uns veralbert.“ Jetzt findet zunächst eine Wochenmarkt-Analyse statt, bei der es sowohl um das Angebot als auch die Öffnungszeiten gehen soll.