Schriften des Historischen Kollegs - Historisches Kolleg

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Schriften des Historischen Kollegs Kolloquien 54 Chora und Polis R. O ldenbourg Verlag M ünchen 2004 Chora und Polis Herausgegeben von Frank Kolb...

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Kolloquien 54 Chora und Polis

R. O ldenbourg Verlag M ünchen 2004

Chora und Polis

Herausgegeben von Frank Kolb unter M itarbeit von Elisabeth M üller-Luckner

R. O ldenbourg Verlag M ünchen 2004

Schriften des H istorischen Kollegs herausgegeben von Lothar Gail in Verbindung mit Etienne Francois, Johannes Fried, Klaus H ildebrand, M anfred Hildermeier, Claudia Märt), Jochen Martin, Heinrich N öth, U rsula Peters und D ietm ar W illow eit Geschäftsführung: G eorg Kalm er Redaktion: Elisabeth M üller-Luckner Das Historische K olleg fördert im Bereich der historisch orientierten W issenschaften G e­ lehrte, die sich durch herausragende Leistungen in Forschung und Lehre ausgewiesen haben. Es vergibt zu diesem Zweck jährlich bis zu drei Forschungsstipendien und ein Förderstipen­ dium sowie alle drei Jahre den „Preis des Flistorischen K ollegs“. Die Forschungsstipendien, deren Verleihung zugleich eine Auszeichnung fü r die bisherigen Leistungen darstellt, sollen den berufenen W issenschaftlern während eines Kollegjahres die M öglichkeit bieten, frei von anderen Verpflichtungen eine größere A rb eit abzuschließen. Professor Dr. Frank K olb (Tübingen) war - zusammen mit Professor Dr. Frank-Rutger Hausmann (Freiburg), Professor Dr. Hans G ünter H ockerts (München) und Dr. U lrike Freitag (London) Stipendiat des H istorischen Kollegs im K ollegjahr 1999/2000. Den O blie­ genheiten der Stipendiaten gemäß hat Frank K olb aus seinem Arbeitsbereich ein K olloquium zum Thema „C hora und Polis“ vom 5. bis 8. A p ril 2000 im H istorischen K olleg gehalten. Die Ergebnisse des K olloquium s w erden in diesem Band veröffentlicht. Das H istorische Kolleg, früher vom Stiftungsfonds Deutsche Bank zur Förderung der W is­ senschaft in Forschung und Lehre und vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ge­ tragen, w ird seit dem K ollegjahr 2000/2001 in seiner G rundausstattung vom Freistaat Bayern finanziert; seine Stipendien werden aus M itteln des D aim lerChrysler-Fonds, der Fritz T h ys­ sen Stiftung, des Stifterverbandes und eines ihm verbundenen Förderunternehm ens dotiert. Träger des K ollegs ist nunm ehr die „Stiftung zur Förderung der H istorischen Kom m ission bei der Bayerischen Akadem ie der W issenschaften und des H istorischen K ollegs“.

Bibliographische Inform ation der Deutschen Bibliothek Die Deutsche B ibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen N ationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über abrufbar

© 2004 O ldenbourg W issenschaftsverlag Gm bH , München Rosenheimer Str. 145, D -8 167 1 München Internet: http://www.oIdenbourg-verlag.de Das W erk einschließlich aller Abbildungen ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der G renzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustim mung des Verlages unzu­ lässig und strafbar. Dies gilt insbesondere fü r Vervielfältigungen, Übersetzungen, M ikrover­ filmungen und die Einspeicherung und Bearbeitung in elektronischen Systemen. G edruckt auf säurefreiem, alterungsbeständigem Papier (chlorfrei gebleicht) Gesamtherstellung.' R. O ldenbourg Graphische Betriebe D ruckerei Gm bH , München ISBN 3 -4 8 6 -5 6 7 3 0 -6

Inhalt V o rw o rt............................................................................................................................

VII

Frank K o lb Einführung .....................................................................................................................

IX

Verzeichnis der Tagungsteilnehm er.........................................................................

XVII

Frank K olb, A n dreas T h om sen Forschungen zu Zentralorten und Chora auf dem Gebiet von Kyaneai (Zentrallykien): Methoden, Ergebnisse, Probleme ..........................................

1

J o h n B in tl if f P hil H oward, A Radical Rethink on Approaches to Surface Survey and the Rural Landscape of Central Greece in Roman T im e s .................................................

43

M ich ele B ru n et Le territoire de Thasos: modeles et interpretation des d o n n ees...................

79

C h risto f S ch u ler Politische Organisationsformen auf dem Territorium von Kyaneai .........

87

B iilent iplik gioglu Ländliche Siedlungen und das Territorium von Termessos (Pisidien) . . . .

103

J o s e p h C. Carter, S tep h en M. T hom pson, Jessica T relogan Dividing the C h o ra .......................................................................................................

127

M ich a el H. J a m e s o n Mapping Greek C u lts ..................................................................................................

147

S er ge i Saprykin Chora and Polis in the Kingdom of Bosporus in the Classical and H elle­ nistic P e rio d s...................................................................................................................

185

U lf Hailer, Ay sun §anlt Gehöfte und kleine ländliche Siedlungen auf dem Gebiet von Kyaneai . .

211

VI

Inhalt

Lin Foxhall Small, Rural Farmstead Sites in Ancient Greece: A Material C ultural A n a ly s is ............................................................................................................................

249

T h om a s M a rk stein er Der Bonda-Survey: Archäologische Feldforschungen auf dem Territorium der ostlykischen Polis Lim yra ........................................................

271

M ich a el W örrle Ermandyberis von Lim yra, ein prominenter Bürger aus der C h o r a .........

291

P eter 0 rsted The Segermes-Project. Population and Production in the Roman Province of Africa Proconsularis ...........................................................................

303

Flans L o h m a n n M ilet und die M ilesia. Eine antike Großstadt und ihr Umland im Wandel der Z e it..............................................................................................................

325

Stellungnahmen: H ans J o a c h i m G eh rk e ................................................................................................ R obin O s b o r n e , Configuring the lan d scap e........................................................

361 369

Register ............................................................................................................................

375

Vorwort Das Historische Kolleg in München bietet Hochschullehrern, denen infolge einer hektischen Pseudo-Reformpolitik und grassierenden Bürokratisierung der Frei­ raum für wissenschaftliche Forschung zunehmend beschnitten und überhaupt die Tätigkeit an der Universität immer stärker verleidet wird, eine wenigstens tem­ poräre Zufluchtsstätte, an der man während eines ganzen Jahres mit etwas länge­ rem Atem ein wissenschaftliches Projekt verfolgen kann. Das Ambiente der Kaulbach-Villa trägt erheblich dazu bei, daß der Aufenthalt in dieser auch architekto­ nisch anregenden Oase unvergeßlich bleibt. Ich fühle mich allen zu größtem Dank verpflichtet, die mich in den Genuß eines Stipendiums an dieser Institution kommen ließen: dem Kuratorium, welches die Auswahl der Stipendiaten getroffen hat, M inisterialdirektor a.D. Dr. H. Kießling wegen seiner angenehmen Verhandlungsführung und jenen, die im Hause selbst für eine höchst entspannte Atmosphäre gesorgt haben, insbesondere Herrn G. Kalmer und Frau Dr. Elisabeth Müller-Luckner. Von den drei wichtigsten mit einem Aufenthalt am Kolleg verbundenen Verpflichtungen - öffentlichen Vortrag, Veranstaltung eines Kolloquiums und vor allem Fertigstellung eines opu s m a g ­ n u m - sind mit der Veröffentlichung dieses Kolloquiums-Bandes die beiden ersten erfüllt. Die Fertigstellung des opu s m a g n u m „Burg - Polis - Bischofssitz. Geschichte einer Siedlungskammer in der Südtürkei“ hat sich verzögert, da die Aufarbeitung einiger Ergebnisse der zugrundeliegenden Feldforschungen länger dauerte als erwartet; der Abschluß des Manuskripts wird jedoch in absehbarer Zeit erfolgen. Das Kolloquium wurde vom Historischen Kolleg finanziert und von Frau Dr. Müller-Luckner, unter M itw irkung von K. Krings und G. Roser, hervorragend organisiert. Frau Dr. M üller-Luckner hat sich auch der großen Mühe unterzogen, die sich als schwierig herausstellende Redaktion des Bandes zu betreuen. Ich bin ihr für ihre große Geduld, unerschütterliche Freundlichkeit und sachkundige Kompetenz ganz besonders zu Dank verpflichtet. Tübingen, im April 2003

Frank K o lb

Frank Kolb Einführung Die Voranstellung des Begriffs C h ora im Thema dieses Kolloquiums-Bandes be­ deutet nicht, daß das Landgebiet hier der Polis im Sinne von ,Stadt* gegenüberge­ stellt werden soll. In einem solchen Fall wäre der Begriff asty statt Polis angemes­ sen gewesen. Polis bezeichnet hier das politische Gemeinwesen, welches das Ter­ ritorium ebenso umfaßt wie das Siedlungszentrum. Wenn C h ora an den Anfang gestellt w ird, so soll dies nur verdeutlichen, daß das Schwergewicht der Veranstal­ tung auf dem Landgebiet der Polis liegt1, wobei dessen Beziehung zum Siedlungs­ zentrum Berücksichtigung finden soll. Eine solche Akzentuierung ist in der Tradition der Altertumswissenschaften nicht selbstverständlich. Schon die antike Literatur ist stadtzentrisch, ebenso fol­ gerichtig die klassische Philologie. Inschriften sind gleichfalls vor allem stadtge­ bunden, somit auch die wissenschaftliche Disziplin der Epigraphik. Aber auch die Archäologie war bis vor wenigen Jahrzehnten so gut wie gänzlich auf städtische Siedlungen und ihre öffentlichen Großbauten konzentriert, und eine gewisse Schwerpunktsetzung in dieser Richtung existiert heute noch. Die Stadt als Movens menschlicher Zivilisationsentwicklung ist ein Kernstück europäischer H isto­ riographie: „Weltgeschichte ist die Geschichte des Stadtmenschen“, formulierte Oswald Spengler im Jahr 19232. Die Beziehungen zwischen Stadt und Land wurden häufig im Sinne einer ein­ seitigen Belastung des Landes zwecks Finanzierung der städtischen Zivilisation gedeutet. Dies hat in Max Webers Typus der antiken Konsumentenstadt als Wohnsitz einer grundrentenverzehrenden Elite eine klassische Formulierung ge­ funden, welche in jüngerer Zeit insbesondere Moses Finley weiterentwickelt hat. Michael Rostovtzeff hat gar - nicht zuletzt unter dem Eindruck der Verhältnisse in seinem Heimatland Rußland - in dem scharfen Gegensatz zwischen Stadt und Land, in der Ausbeutung der ländlichen Bevölkerung durch eine städtische Bour­ geoisie, die Hauptursache für den Untergang der antiken Welt gesehen. In ähn­ lichen Bahnen bewegte sich in den siebziger Jahren Ram say MacM ullen, der die Beziehungen zwischen Stadt und Land durch feindselige, des öfteren in gewalt1 Vgl. die umgekehrte Reihenfolge bei dem im Verlauf des Jahrestreffens der Am erican Archaeological Society 1998 veranstalteten K olloquium ,A sty and C hora in the Classical Pontus“. - O swald Spengler, D er Untergang des Abendlandes (M ünchen 1972) 661.

X

Frank K olb

same Konflikte mündende Spannungen zwischen u rb a n ita s und rusticitas im H in­ blick auf Sprache, Bildung, Kleidung, Architektur und Religion geprägt sah3. Solchen weitreichenden Theorien liegen meist antike literarische Nachrichten zugrunde, die ideologisch geprägt und verzerrend sind. Es fehlte und es fehlt w eit­ gehend noch immer eine eingehende Kenntnis der ländlichen Siedlungs-, Sozialund W irtschaftsstrukturen, welche in dem großen Raum der antiken Welt zahlrei­ che regionale Besonderheiten aufgewiesen haben müssen. Man diskutiert noch grundlegende Probleme; Arbeiteten in der Antike w irklich 80 bis 90% der Bevöl­ kerung auf dem Land, wie man dies generell für vorindustrielle Gesellschaften postuliert? Und wenn ja, wo wohnten sie? In Gehöften nahe ihren Feldern oder in städtischen und dörflichen Zentralorten, von wo aus sie ihre oft recht weit ent­ fernten Felder aufsuchten? Eine solche Pendler-Ökonomie beschreibt C arlo Levi in seinem Buch ,Christus kam nur bis Eboli“4 noch für das Süditalien der Mussolini-Zeit: „Die Bauern stehen in der Dunkelheit auf, weil sie es w eit haben, einige zwei, andere drei, manche gar vier Stunden Weges, um zu ihren Feldern zu gelan­ gen.“ Die moderne Forschung hat diese neuzeitlichen und schon mittelalterlichen Verhältnisse auf die Antike übertragen5. Aber ist diese wohl auf Sicherheitsbe­ dürfnisse zurückzuführende Tendenz zur Siedlungskonzentration typisch für die Antike? Zumindest hinsichtlich des östlichen M ittelmeerraums, des Griechisch sprechenden Teils der antiken Welt, ist diesbezüglich eine lebhafte Diskussion im Gange6. Ein weiteres grundlegendes Problem ist die mit dem Wohnort der das Land be­ arbeitenden Bevölkerung eng verbundene Frage nach Struktur und Produktivität der antiken Wirtschaft. Dies betrifft die Bedeutung des sekundären und tertiären Sektors in der Stadt ebenso wie die Landwirtschaft: War die antike Ökonomie im wesentlichen Subsistenzwirtschaft oder marktorientiert? Diese Frage gehört in 3 M. Weber, Agrarverhältnisse im A ltertum , in: ders., Gesam melte Aufsätze zur Sozial- und W irtschaftsgeschichte (Tübingen 1924) 1-2 8 8 , Bd. 1 (31909) 1 7 1 -1 8 2 ; M. Finley, The Ancient Econom y (London 21985); M. R ostovtzeff, Social and Economic H istory o f the Hellenistic W orld (O xford 1941); ders., Social and Economic H istory o f the Roman Empire (O xford 21957); R. MacMullen, Rom an Social Relations 50 B.C. to A .D . 284 (N ew Haven, London 1974). 4 C arlo Levi, C hristus kam nur bis Eboli (München 1982) 36. 5 Dies geht auf die vor allem durch die marxistische Ideologie geförderte N ivellierung der vorindustriellen Gesellschaften im Vergleich zum Industriezeitaltcr zurück. 6 Vgl. z.B . R. Osborne, Demos. The D iscovery of Classical Attica (Cam bridge 1985); ders., Classical Landscape with Figures. The Ancient Greek C ity and its C ou ntrysid e (London 1987); ders., Buildings and Residence on the Land in Classical and H ellenistic Greece: the C ontribution of Epigraphy, in: Annual of the British School at Athens 80 (1985) 11 9 -1 2 8 ; ders., Island Towns: the Case o f Thasos, in: Annuals o f the British School at A thens 81 (1986) 16 6 -17 8 ; ders., ,1s it a Farm?' The D efinition of Agricultural Sites and Settlements in Ancient Greece, in: A griculture in Ancient Greece, ed. by B. Wells (Stockholm 1992) 2 1 -2 7 ; ders., Classical Landscape Revisited, in: Topoi 6 (1996) 4 9 -6 4 ; H. Lohm ann, Atene. Forschungen zu rSied lun g s- und W irtschaftsstruktur des klassischen Attika, 2 Bde. (K öln 1993); M. B ru­ net, Campagne de la Grece antique. Les dangers du prisme athenien, in: Topoi 2 (1992) 3 3 -5 1; dies., L’espace du territoire, in: L’espace grccque. 150 ans de fouilles de I’Eeole francaise d ’Athenes (Paris 1996) 43 -72.

Einführung

XI

den Kontext der seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geführten D iskus­ sion zwischen sogenannten Primitivisten und Modernisten, angefangen mit dem Streit zwischen dem Nationalökonomen Karl Bücher und dem Universalhistori­ ker Eduard Meyer, der sich fortsetzte in den gegensätzlichen Positionen von Johannes Hasebroek und Michael Rostovtzeff. Die einen sahen die antike Wirt­ schaft auf dem Niveau einer Hauswirtschaft (Oikos-W irtschaft), die anderen po­ stulierten zumindest für die hellenistische Epoche und die Kaiserzeit gar einen antiken Kapitalismus. Diese Diskussion dauert an, wenn auch gemäßigter und auf höherem Fakten-Niveau, bereichert um eine Kompromiß-Position. Ich nenne hier für die verschiedenen Auffassungen nur Moses Finley, Peter Garnsey, Keith Hopkins sowie H arry Pieket und verweise auch auf mein Buch über die Stadt im Altertum7. M it der Frage nach der Produktivität der antiken Landwirtschaft hängt engstens zusammen jene nach den demographischen Verhältnissen in der Antike. Dies ist ein besonders problematisches Feld, da man in der Antike in aller Regel nur erwachsene männliche Bürger gezählt bzw. deren Zahl für erwähnenswert ge­ halten hat und uns deshalb jegliche zuverlässige Statistiken fehlen. In der moder­ nen Forschung ist man sich in letzter Zeit ziemlich einig darin, daß die jeweiligen Bevölkerungszahlen vom Ende des vorindustriellen Zeitalters, vor allem jene für Griechenland aus der Zeit um 1800, einen Anhaltspunkt bieten können8. Aber ist das richtig? Unsere Kenntnisse könnten sich erweitern infolge des seit etwa drei Jahrzehn­ ten sich vollziehenden Aufblühens der Forschungen zur antiken Chora. Diese Entwicklung hängt zusammen mit neuen oder jedenfalls neuerdings stärker akzentuierten historischen Fragestellungen, welche auf die Struktur der Chora abzielen: auf ihre administrative Organisation und Kult-Topographie, auf nicht­ agrarische Funktionen ländlicher Siedlungen und vor allem auf eine detailliertere Analyse der agrarischen Aktivitäten und Produktivität. Das kann für den eher gei­ stesgeschichtlich orientierten Wissenschaftler so abschreckende Themen beinhal­ ten wie das der Bedeutung von Viehmist als Düngemittel. M it den neuen Fragestellungen geht eine neue Forschungsmethode einher: die systematische Erkundung aller an der Erdoberfläche noch sichtbaren Überreste antiken Lebens. Diese sind nun in aller Regel selten in Form von A rchitektur­ 7 Vgl. M. Finley (Hrsg.), The B ücher-M eyer-C ontroversy (N ew Y ork 1979); ]. Hasebroek, Die griechische W irtschaft (Tübingen 1931); M. R ostovtzeff (siehe Anm . 3); M.L Finley (siehe Anm . 3); P. Garnsey, K. Hopkins, C. R. W hittaker (Hrsg.), Trade in the Ancient Eco­ nom y (London 1983); H. Pieket, W irtschaft, in: F. Vittinghoff (Hrsg.), Handbuch der euro­ päischen W irtschafts- und Sozialgeschichte, Bd. 1: Europäische W irtschafts- und Sozialge­ schichte in der römischen Kaiserzeit (Stuttgart 1990) 25—160; F. Kolb, Die Stadt im Altertum (München 1984); R. Osborne, Pots, Trade and the Archaic G reek Economy, in: A n tiq u ity 70 (1996) 3 1 -4 4 ; vgl. auch P. H alstead, G. Jones, Agrarian Ecology in the G reek Islands: Timestress, Scale and Risk, in: Journal o f H ellenic Studies 109 (1989) 4 1 -5 5 . 8 Vgl. K. J. Beloch, Die Bevölkerung der griechisch-röm ischen Welt (Leipzig 1886, ND 1968); E. Ruschenbuscb, Untersuchungen zu Staat und Politik in Griechenland vom 7. bis 4. Jahrhundert v.Chr. (Bamberg 1978); K olb, Stadt im A ltertum (siehe Anm . 7) 7 5 f., 78-85.

XII

Frank K olb

resten vorhanden, und wenn, dann nur in stark zerstörter Form. M eist aber exi­ stiert nur noch Siedlungsschutt, vor allem in Gestalt von Keramikscherben. Die­ ser Zustand gilt nicht nur für ländliche Siedlungsplätze, sondern auch für viele städtische Siedlungen der Antike. Letztere versucht man deshalb seit etwa 200 Jahren durch Grabungen zu erforschen. Ausgrabungen sind jedoch kostspielig, langwierig, fördern in der Regel trotz jahrhundertelanger Dauer nur kleine Teile einer Stadt zutage und bisher leider relativ selten Wohnquartiere, H andwerker­ viertel und andere Einrichtungen, welche uns zu den banalen Grundlagen des antiken Lebens Aufschlüsse bieten könnten. Das Konzept, durch Oberflächen­ untersuchungen etwas über die Geschichte nicht nur von Städten, sondern ganzen Siedlungskammern zu erfahren, indem man die noch vorhandenen antiken Reste registriert, bevor sie der täglichen Zerstörung durch menschliche und natürliche Einwirkungen zum Opfer fallen, soll nicht zuletzt einen preiswerteren und schnellere interpretatorische Zugriffe ermöglichenden Ersatz für A u sg r a b u n g en bieten. Reiseberichte zu antiken Stätten gibt es zw ar seit der Antike, aber sie beschäfti­ gen sich fast ausschließlich mit bedeutenden Bauten und Kunstwerken. Die histo­ rische Geographie, unter deren Vertretern etwa W. M. Ramsay, A. Philippson, Ernst Kirsten und Ernst M eyer zu nennen wären, interessiert sich für den Zusam­ menhang von Landschaft und g r ö ß e r e n Siedlungen. Eine einigermaßen system ati­ sche Erforschung einer Region wurde meines Wissens erstmals von dem engli­ schen Archäologen John Ward Perkins, dem Direktor der British School at Rome, in den frühen 50er Jahren in Südetrurien praktiziert. Diese Methode hat aber vor allem mit dem Aufkommen der sogenannten New Archaeology, welche mit dem Namen L. Binford verbunden ist, seit den späten 60er Jahren ihre eigentliche Ge­ burtsstunde als weitverbreitetes Verfahren erlebt. Es handelt sich also um eine an­ gelsächsische Erfindung, und sie trägt deshalb den Namen Survey9. Zunächst wurde diese archäologische Methode vor allem auf die Erforschung nord- und mittelamerikanischer Kulturen angewandt, aber seit etwa 25 Jahren mit zunehmender Intensität im gesamten mediterranen Raum, insbesondere in Grie­ chenland, und zwar sowohl auf dem Festland als auch auf den Inseln10. Die wach­ 9 W. M. Ramsay, The H istorical G eography o f Asia M inor (Am sterdam 1962); A. Philippson, Griechische Landschaften, 4 Bde. (Frankfurt a.M. 1950-59); E. Kirsten, Ernst Meyer, Peloponnesische Wanderungen (N D Am sterdam 1991);/. B.W ard Perkins, Veii. The H istorical G eography o f the Ancient C ity (Pap.Brit.School Rome 29, 1961); L. R. Binford, in: Pursuit of the Past: Decoding the Archaeological Record (London 1983); vgl. ]. B in tliff (Hrsg.), A rchaeology and the Annales School (London 1991). 10 H ier kann nur eine kleine Ausw ahl einiger bedeutender Feldforschungsunternehm en ge­ nannt werden: a) Ü berblicksdarstellungen bieten: D. R. Keller, D. W. Rupp (Hrsg.), A rch ae­ ological Survey in the M editerranean A rea (B A R Int. Ser. 155, O xford 1983); S. E. Aleock, Graecia Capta (Cambridge 1993) bes. 3 3 ff.; S. E. A/cock, J. F. C h erry,]. L. D avies, Intensive Survey, Agricultural Practice and the Classical Landscape of Greece, in: /. Morris (Hrsg.), Classical Greece, Ancient H istories and M odern Archaeologies (Cam bridge 1994) 13 7 -17 0 ; S. E. Alcock, Breaking up the Hellenistic W orld: S urvey and Society, ebd. 1 7 1 -1 9 0 ; K. Greene, The A rchaeology o f the Roman Econom y (London 1986); G. Barker, J. Lloyd

Einführung

XIII

sende Intensität bezieht sich nicht nur auf die Zahl dieser Untersuchungen, son­ dern auch auf die Methode. Anfangs wurden diese Surveys extensiv durchgeführt, versuchte man, anhand von Keramik-Konzentrationen die wichtigsten Siedlungs­ plätze einer Landschaft ausfindig zu machen, um so auch geeignete Plätze für Grabungen zu markieren. Inzwischen tendiert man zu intensiven Surveys, der mehr oder weniger lückenlosen Begehung von Kleinregionen, mit dem Bestreben, ein Gesamtbild menschlicher Aktivitäten in einer Landschaft von der Prähistorie bis in die Neuzeit zu gewinnen. Die Beiträge von J. Bintliff und Ph. H oward, M. Brunet, M. Jameson und P. 0 rste d resultieren aus solchen Forschungen. Bevor­ zugt werden dabei Begehungen gepflügter Felder, und man berücksichtigt alle Funde, nicht nur besonders dichte Fundkomplexe. Dabei sind die Methoden im­ mer weiter verfeinert w orden11. Dazu kann vor allem der Beitrag von John Bintliff und Ph. Howard in diesem Band Aufschlußreiches bieten (S. 43“ 78). (Hrsg.), Roman Landscapes. Archaeological S urvey in the M editerranean Region (1991); G. Barker, R. Hodges (Hrsg.), A rchaeology and Italian Society. Prehistoric Roman and M edie­ val Studies (B A R Int. Ser. 102, O xford 1981); - b) Einzelne Feldforschungsprojekte in G rie­ chenland: J. Bintliff, A. M. Snodgrass, The Cam bridge/Bradford Boeotian Expedition: the First Four Years, in: Journal o f Field A rchaeology 12 (1985) 12 3 -16 1;/ . Bintliff, The Roman C ountryside in C entral Greece: O bservations and Theories from the Boeotia Survey (1 9 7 8 1987), in: Roman Landscapes (siehe oben) 12 2 -13 2 ; A. M. Snodgrass, S urvey A rchaeology and the R ural Landscape o f the G reek C ity, in: O. M urray, S. Price (Hrsg.), The G reek C ity (1991) 1 1 3 -1 3 6 ; S. E. Alcock, Changes on the G round in Early Imperial Boeotia, in:J. B in tliff (Hrsg.), Recent D evelopm ents in the H istory and A rchaeology o f C entral Greece. Procee­ dings o f the 6'11 International Boeotian C onference (B A R Int. Ser. 666, Am sterdam 1997) 2 8 7-30 3; M. Brunet, C ontribution ä l’histoire rural de Delos aux epoques classique et hellenistique, in: Bulletin de C orrespondance Hellenique 114 (1990) 66 9-68 2;/ . F. Cherry, J. L, Davies, E. M antzourani, Landscape A rch aeology as long-term H istory. N orthern Keos in the C ycladic Islands from Earliest Settlem ent until M odern Times (Los Angeles 1991); M. H. Jameson, C. N. Runnels, T. H. van Andel, A G reek C ountryside (Stanford 1994); W. C avanagh,J. C rou w el u. a., C on tinu ity and Change in a G reek R ural Landscape: The Laconia S ur­ vey II (London 1996); Chr. Mee, H. Forbes (Hrsg.), A Rough and R ocky Place: The Land­ scape and Settlement H istory o f the Methana Peninsula, Greece (Liverpool 1997); - c) G rie­ chisches U nteritalien:/. C. C arter, A gricultural Settlements, in: G. Pugliese C aratelli (Hrsg.), The Western Greeks (Mailand 1996) 3 6 1-3 6 8 (zum Territorium von M etapont); - d) R öm i­ sches Unteritalien/Sizilien: R.J.A. Wilson, Sicily under the Rom an Empire. The A rchaeology of a Roman Province, 36 B .C .-A .D . 535 (W arm inster 1990). G. B arker u. a., A M editerranian Valley: Landscape A rchaeology and Annals H istory in the Biferno Valley (London, N ew York 1995). G. B arker (Hrsg.), The Biferno Valley Survey: The Archaeological and G eom orphological Record (London, N ew York 1995). D. Yntema, In Search o f an Ancient C o u n try ­ side. The Am sterdam Free U niversity Field Survey at O ria/Province of Brindisi (South Italy) (Amsterdam 1993); - e) Tunesien: P. 0 r s te d u.a., Town and C ountryside in Rom an Tunisia, in: Journal o f Roman A rchaeology 5 (1992) 69 -9 6 . S. Dietz, P. 0 rs te d (Hrsg.), A frica Proconsularis: Regional Studies in the Segermes Valley of N orthern Tunisia, 3 Bde. (Aarhus 1995/ 2000); - f) Schwarzm eerraum : S. Yu. Saprykin, O n Internal C olonisation o f Tauric C hersonesus, in: Vestnik D revnej Istorii (1994) Nr. 3, 12 6 -14 3 . A. A. Maslennikov, Elleniskaja C hora ha krajn O ikum eny: Sel’skaja territorija Evropeiskogo Bospora v anticnujn epochv (Moskai 1998); - g) Syrien: G. Fate, Les Campagnes de la Syrie du N ord du Ile au V ile siecle (Paris 1992). 11 Neben den in Anm erkung 10 zitierten A rbeiten, in denen sich auch m ethodische Ü berle-

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Frank K olb

Es gibt aber auch - und die stete Verfeinerung der Methoden ist eine Antwort darauf - eine lebhafte Diskussion über den Aussagewert von Oberflächenfunden. Exemplarische Grabungen haben nämlich bisweilen den Oberflächenbefund bestätigt, ein andermal ihn aber als zumindest unvollständig oder gar irreführend erwiesen. Dies hat zu einer skeptischen Haltung selbst seitens des einen oder anderen Gründungsvaters dieser Methode geführt, jedoch eine zunehmende Flut von Surveys nicht verhindern können12. Die Diskussion über solche methodischen Fragen sollte auch auf diesem Kollo­ quium eine Rolle spielen. Die Teilnehmer wurden aber vor allem nach folgenden Kriterien ausgewählt: Zum einen sollte der historische Aspekt der archäologi­ schen Methode und ihrer Ergebnisse im Vordergrund stehen. Das geht auch schon daraus hervor, daß w ir drei epigraphisch geprägte Vorträge hörten. Sodann sollten unterschiedliche Forschungsmeinungen vertreten sein. Manche Matadoren, die schon in anderen Arenen miteinander gefochten haben, sind in München zusam­ mengetroffen. Ferner sollten möglichst viele Aspekte der Chora zur Sprache kommen. Schließlich war eine repräsentative regionale Streuung beabsichtigt: Zwar lag das Schwergewicht auf dem östlichen Mittelmeerraum (elf Vorträge), aber auch Beiträge aus dem griechischen Kolonisationsgebiet (drei Vorträge zu Unteritalien und dem Schwarzmeerraum) sowie wenigstens einer aus dem west­ lichen provinzialrömischen Bereich sind vertreten. Dies trug hoffentlich dazu bei, daß der in der neueren Forschung immer stärker gewichtete Aspekt der A kkulturation nicht zu kurz gekommen ist. Es ist zwar ei­ gentlich nichts Neues, daß man kulturelle Wechselwirkungen zwischen verschie­ denen Ethnien, Regionen und Zivilisationen untersucht, aber dies betraf früher in der Regel die Bereiche der Sprache, Kunst, Politik und Religion. Erst die soge­ nannten Surveys sind in der Lage, derartige Untersuchungen auf die Basisbereiche des antiken Lebens auszudehnen, wie die ländlichen Siedlungsstrukturen und Wirtschaftsformen. Unter diesem Gesichtspunkt sind nicht zuletzt die auf das Gebiet der Türkei bezogenen Beiträge von Bedeutung. A uf dem Boden anatolischer Kulturen stellt sich die Frage nach deren A kkulturation im Schnittpunkt griechischer und orien­ talischer, später auch römischer Kultureinflüsse. Daß zu dem im Rahmen der antiken Welt so bedeutenden Anatolien nur so w e­ nige Projekte hier vertreten sind, mag erstaunen, denn nirgendwo sind die Über­ reste antiken Lebens an der Erdoberfläche so gut erhalten wie gerade dort, und bekanntlich finden auf dem Boden der Türkei zahlreiche bedeutende Ausgrabungungen finden, vgl. z.B . G. Barker, W riting Landscape A rchaeology and H istory, in: Topoi 7 (1997) 2 6 7 -2 8 1. S. Alcock, J. Cherry, Survey at any Price?, in: A n tiq u ity 70 (1996) 2 0 7 -2 1 1. H. Vanhaverheke, Interpreting Junk: The Reliability o f Surface Finds fo r Archaeological Research in the M editerranean, in: M. Waelkens (Hrsg.), Sagalassos IV (L eu venl997) 2 5 3 261. 12 Vgl. die Diskussion zwischen R. Hope-Simpson, The Analysis o f Data from Surface Sur­ veys, in: Journal of Fielet A rchaeology 11 (1984) 1 1 5 - 1 1 7 , und]. K Cherry, C om m on Sense in M editerranean Survey?, ebd. 11 7 -1 2 0 .

Einführung

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gen statt. Aber diese sind auf prähistorische Siedlungshügel und antike städtische Siedlungen beschränkt. Das gilt im wesentlichen auch für die in der Türkei durch­ geführten Surveys; sie versuchen in der Regel, die Architektur, U rbanistik, Aus­ dehnung und Chronologie nicht ausgegrabener großer Siedlungen zu erforschen. N ur wenige Unternehmungen galten und gelten dem Landgebiet, und sie waren bis zum Beginn des Tübinger Projekts (s.u. S. Iff.) fast ausnahmslos extensive Surveys, meist prähistorisch orientiert. Allmählich ändert sich jedoch dieses B ild13. Ein Pionier in diesem Bereich war Wolfgang Radt, der in der zweiten Hälfte der 60er Jahre in einem Ein-Mann-Unternehmen antike Gehöfte auf der Halbinsel von Bodrum aufgenommen und in einer mustergültigen Publikation vorgelegt hat, welche die Verdienste extensiver Surveys verdeutlichen kann14. Ähnliche, je­ doch weniger gründliche extensive Surveys haben in der Folgezeit z.B. in Kilikien stattgefunden15. Aber erst seit dem vorletzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts sind Projekte in Angriff genommen worden, die eine durch politische und landschaft­ liche Grenzen definierte Region eingehend zu erforschen beabsichtigten und da­ bei entweder eine Mischung aus extensivem und intensivem oder einen nur inten­ siven Survey durchführten. Die gemischten Strategien verwendeten bzw. verwen­ den z.B. Jim Coulton auf dem Gebiet von Balboura im nördlichen Lykien, das Sagalassos-Projekt von Marc Waelkens in Pisidien und Hans Lohmann in der M ilesia16; die zweite Variante repräsentiert unser Kyaneai-Projekt. Es sei von vornherein betont, daß ich den extensiven Survey für eine legitime Alternative halte, weil es aus zeitlichen und finanziellen Gründen unmöglich ist, den gesamten Bereich der Türkei, geschweige der antiken Welt, in intensiven Surveys zu erfor­ schen. Daher waren auf dem Kolloquium auch Vertreter dieser Methode anwe­ send, wie Th. M arksteiner und S. Saprykin. Beide Verfahrensweisen ergänzen sich meines Erachtens. Mit Hans-Joachim Gehrke und Robin Osborne konnten kompetente Diskus­ sionsleiter gewonnen werden, die selbst mit Survey-Erfahrung ausgestattet sind und mit zum Teil kontroversen Auffassungen auch die Diskussion sehr belebten. Beiden bin ich höchst dankbar, daß sie sich bereit erklärten, eine zusammenfas­ sende Auswertung des Kolloquiums zu verfassen.

13 Vgl. dazu die Beiträge der jährlichen, meist in A nkara veranstalteten Sym posien, publiziert in: Ara§tirm a Sonu^ian Toplantisi Bd. 1-2 0 (Ankara 1983-2002). N icht zu vergessen sind hier epigraphische Surveys, die auch das Landgebiet einbeziehen. H W. Radt, Siedlungen und Bauten auf der Halbinsel von Halikarnassos, in: Istanbuler M it­ teilungen, Beiheft 3 (Tübingen 1970). 15 Fl. H ellenkem per, F. H ild, Neue Forschungen in Kilikien (Wien 1986). S. D urugönül, Türme und Siedlungen im Rauhen Kilikien (Bonn 1998). 16 Zum B alboura-Survey vgl. die Beiträge von J. Coulton, in: Anatolian Studies 3 6 -3 9 (1986— 89); 41 (1991). - Sagalassos: M. Waelkens (Hrsg.), Sagalassos Iff., 19 9 3 ff. - Milesia: H. Loh­ mann, in: Archäol. Anzeiger (1999) 4 3 9 -4 7 3 .Vgl. jetzt auch die amerikanischen Projekte in der Sinope-Rcgion und im Rauhen Kilikien: Am erican Journal of A rchaeology 102 (1998) 367 (Kurzberichte).

Verzeichnis der Tagungsteilnehmer Prof. Dr. John Bintliff, Leiden Dr. Michele Brunet, M aitre de Conference, Paris Prof. Dr. Joseph Coleman Carter, Austin, Tex. Prof. Dr. Lin Foxhall, Leicester Prof. Dr. Joachim Gehrke, Freiburg Dr. des. U lf Hailer, Tübingen Prof. Dr. Bülent Iplikgioglu, Kadiköy-Istanbul Prof. Dr. Michael H. Jameson, Stanford, CA Prof. Dr. Frank Kolb, Tübingen PD Dr. Hans Lohmann, Bochum Dr. Thomas Marksteiner, Wien Prof. Dr. Peter 0 rsted , Kopenhagen Prof. Dr. Robin Osborne, Oxford Dr. des. Aysun §anh, Tübingen Prof. Dr. Sergei Saprykin, Moskau Dr. Christof Schuler, Tübingen Dr. Andreas Thomsen, Tübingen Prof. Dr. Michael W örrle, München

Frank Kolb, Andreas Thomsen Forschungen zu Zentralorten und Chora auf dem Gebiet von Kyaneai (Zentrallykien): Methoden, Ergebnisse, Probleme I. Ziel und Genese des Projekts (von Frank K olb) Ziel des Projekts ist die exemplarische Rekonstruktion der Geschichte einer Sied­ lungskammer, welche zugleich eine politische Einheit darstellte. Dabei sollten vor allem auch die Auswirkungen der politischen Veränderungen (anatolisches Sy­ stem - Einführung des Polis-Systems - römische Provinzverwaltung - byzantini­ sches Bistum - türkische Eroberung) auf die Landschaft und ihre Besiedlung er­ forscht werden. Ich möchte die Genese und die Intentionen des Projekts kurz vorstellen, da es den Anlaß für dieses Kolloquium bildet. Bei Reisen in den Jahren 1973 und 1976 war mir insbesondere auf der Fahrt durch Lykien die ausgezeichnete Erhaltung antiker Ruinen auch außerhalb der städtischen Zentren aufgefallen; links und rechts der Straße ragten des öfteren M auerreste und Sarkophage aus dem Gebüsch hervor. Forschungen zum Verhältnis von Stadt und Land in den folgenden zehn Jahren ließen mir auch die Probleme deutlich werden, die man durch Feldfor­ schungen vielleicht einer Lösung etwas näherbringen könnte. Als ich 1986 von Kiel nach Tübingen kam, fand ich die notwendigen Bedingungen finanzieller und personeller Art vor, ein größeres Projekt zu starten. Es setzt sich aus vier Teilen zusammen: Ubergreifendes Thema ist eine weitge­ spannte regionale Untersuchung mit dem Vergleich zweier unterschiedlich be­ schaffener Landschaften. Das gebirgige Lykien und die Schwemmebene Pamphyliens eignen sich hierzu meines Erachtens besonders, zumal sie unmittelbar be­ nachbart sind und zudem in der Kaiserzeit in einer Provinz zusammengeschlossen waren. Eine vergleichende historische Landeskunde auf der Grundlage einer sy­ stematischen Zusammenstellung aller publizierten literarischen, epigraphischen, numismatischen und archäologischen Quellen sowie der Sekundärliteratur ist da­ her das .Fernzier des Projekts. Für bestimmte grundlegende Probleme sollen auch über diese beiden Landschaften hinausführende Arbeiten abgefaßt werden, und dies ist zum Teil auch schon geschehen. Zur Landschaft Lykien sollen ferner regionale Untersuchungen und Monographien zu bestimmten zentralen Themen

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angefertigt werden und wurden zum Teil schon angefertigt1. Zudem hat Michael W örrle als Herausgeber des Bandes II 4 der Tituli Asiae Minoris zwei Teilneh­ mern des Projekts, Chr. Schuler und M. Zimmermann, die Aufgabe übertragen, das Corpus der Inschriften des Gebietes von Kyaneai zu edieren. Aber gerade auch die inschriftliche Dokumentation w irft Fragen auf, die nur anhand der Analyse eines regionalen Mikrokosmos beantwortet werden können: Wie kam ein Opramaos von Rhodiapolis zu seinem uns aus Inschriften bekannten gewaltigen Reichtum? Ihm standen Iason von Kyaneai und andere wenig nach. Welche materiellen Voraussetzungen erklären, daß man in dem abgelegenen nordlykischen Oinoanda inschriftlich einen kurzen Abriß der Philosophie des von jenem O rt stammenden Diogenes fixiert hat2? Zentrallykien schien mir für die intensive Erforschung einer Siedlungskammer zur Beantwortung solcher Fragen besonders geeignet. Dort hatte zudem eine österreichische Expedition vor ca. 100 Jahren bereits große Teile des Inschriftenmaterials gesammelt und das berühmte Heroon von Trysa nach Wien transportiert. Martin Zimmermann habe ich dann zunächst mit einem Dissertationsthema betraut, welches anhand einer A usw er­ tung des bereits bekannten M aterials den landeskundlichen Rahmen für ein Feldforschungsprojekt abstecken sollte3. Die Auswahl des Gebietes von Kyaneai für die Feldforschungen w ar Ergebnis längerer Überlegungen, bei denen Michael W örrle eine entscheidende Rolle gespielt hat, denn er kannte aufgrund seiner ge­ meinsamen Forschungsreisen mit Wolfgang Wurster in den 70er Jahren dieses Ge­ biet sehr gut. Ich hoffe, er bereut seinen wertvollen Ratschlag noch nicht. W ir er­ hielten eine Arbeitsgenehmigung der türkischen Behörden und führten im Som­ mer 1989 mit finanzieller U nterstützung der Fritz-Thyssen-Stiftung und der Gerda-Henkel-Stiftung eine Testkampagne durch, welche verdeutlichte, daß das Gebiet eine immense Dichte antiker Siedlungsreste aufwies und eine Erforschung 1 Vgi. H. Brandt, Gesellschaft und W irtschaft Pam phyliens und Pisidiens im A ltertum , in: Asia M inor Studien 7 (Bonn 1992). Chr. Schuler, Ländliche Siedlungen und Gemeinden im hellenistischen und römischen Kleinasien, in: Vestigia 50 (M ünchen 1998). H. Schwarz, Soll oder Haben? Die Finanzw irtschaft kleinasiatischer Städte in der römischen Kaiserzeit am Beispiel von Bithynien, Lykien und Ephesos (29 v.C h r.-2 8 4 n.C hr.) (Bonn 2001). M. Zim­ m erm ann, Untersuchungen zur historischen Landeskunde Zentrallykiens, in: Antiquitas Reihe 1, Bd. 42 (Bonn 1992). Die Vita N icolai Sionitae. Griechischer Text, übers, und komm, von H. Blum (Bonn 1997). Chr. K okkinia, Die O pram oas-Inschrift von Rhodiapolis. Euergetismus und soziale Elite in Lykien, in: Antiquitas Reihe 3, Bd. 40 (Bonn 2000). R. Behrwald, D er Lykisehe Bund. Untersuchungen zu Geschichte und Verfassung, in: Antiquitas Reihe 1, Bd. 48 (Bonn 2000). M. D om ingo-G ygax, Untersuchungen zu den lykischen G e­ meinwesen in klassischer und hellenistischer Zeit, in: Antiquitas Reihe 1, Bd. 49 (Bonn 2001). W. Hetz, D er G o lf von Fethiye, in: Antiquitas Reihe 1, Bd. 50 (Bonn 2003). 2 Zu O pram oas s. die A rb eit von K okkinia (Anm . 1). - Iason von Kyaneai: Zim merm ann (s. Anm . 1) 25 2-27 0. L. Beding, Das lason-M onum ent von Kyaneai, in: Lykisehe Studien 1, Asia M inor Studien 9 (Bonn 1993), 25 -38. Kokkinia (s. Anm . 1) 19 9-20 2, 2 2 9 -2 3 1. - D ioge­ nes von O inoanda: A S. H all, W h o was Diogenes o f O inoanda?, in: Journal o f Flellenic Stu­ dies 99 (1979) 16 0 -16 3 . 3 Zur Geschichte der H eroon-R eliefs von Trysa vgl. W. Oberleitner, Das H eroon von Trysa, in: A ntike Welt, Sondernum m er (M ainz 1994) 4—14. - Zim merm ann (s. Anm . 1).

Forschungen zu Zentralorten und C hora auf dem Gebiet von Kyaneai

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auf der Grundlage eines intensiven Surveys lohnend, aber nicht unter einem Zeit­ raum von wenigstens 10 Jahren machbar sein würde. Ein entsprechender Antrag bei der DFG hatte Erfolg; seit 1990 finanziert sie das Projekt4. Es sei hier hervor­ gehoben, daß w ir dieses Projekt niemals hatten durchführen können ohne die wertvolle Unterstüt'zung durch den Fachbereich Geoinformationswesen der Fachhochschule Karlsruhe, dem w ir das Kartenmaterial, die M öglichkeit zur H er­ stellung unserer Pläne, die photogramnietrischen und dreidimensionalen Rekon­ struktionen zu verdanken haben5. Zwei wichtige Tatsachen waren von Beginn an evident: 1. Manche Probleme, die mit Keramik-zentrierten Surveys Z u s a m m e n h ä n g e n , existierten hier nicht. Eine Unterscheidung zwischen site und o ff- s i te erübrigte sich; hier waren fast alle menschlichen Aktivitäten in der Landschaft in Form von sites, wie Terrassenmauern, Pressanlagen, Zisternen, Gräbern usw. noch vorhanden. 2. Angesichts der großen Menge an Befunden konnte man mit der Publikation nicht bis nach dem Ende des Unternehmens warten; das Material wäre dann nicht mehr zu bewältigen gewesen. Die beteiligten M itarbeiter mußten möglichst rasch Vorberichte und abschließende Berichte hersteilen. Das ist der Hintergrund für die Lykischen Studien6. Dabei sei nicht verschwiegen, daß w ir zu Beginn, in den ersten zwei bis drei Jahren, aus Unerfahrenheit viele Fehler gemacht haben. Aber ich denke, w ir konnten diese weitgehend korrigieren, weil w ir die wichtigen Befunde später alle mindestens noch einmal, oft mehrmals aufgesucht haben. Resultate unserer A r­ beiten sind die bisherigen Publikationen, zu denen noch Staats- und M agisterar­ beiten sowie Diplomarbeiten an der Fachhochschule Karlsruhe ergänzend zu er­ wähnen sind. Weitere Arbeiten, vor allem Dissertationen zu bestimmten Befund­ typen, wie Gehöften und ländlichen Siedlungen sowie Gräbern, sind abgeschlos­ sen oder stehen kurz vor dem Abschluß.

II. Voraussetzungen Zu ihnen gehören vor allem die Verödung der Landschaft und die dadurch be­ dingte Konservierung antiker und byzantinischer Siedlungsstätten. Diese Ver­ ödung begann spätestens in osmanischer Zeit, denn die Besiedlung in Form dau­ 4 Außerdem haben Mercedes Benz, die D aim ler-Stiftung innerhalb des Stiftungsverbandes der Deutschen Wissenschaft, die Alexander von H um boldt-Stiftung und die M ax-PlanckGesellschaft mit der Verleihung des M ax-Planck-Preises für Internationale Beziehungen, so­ wie Privatspenden zur Finanzierung des Projektes beigetragen. Ihnen allen sei hier herzlich gedankt. 5 Vor allem W. Böser, G. Hell und A . Rieger sei hier fü r ihre langwährende, große K oopera­ tionsbereitschaft gedankt. 6 Der erste Bericht erschien in den Istanbuler M itteilungen 41 (1991) 18 7-26 4, die folgenden m den Lykischen Studien 1-6 , Asia M inor Studien 9, 18, 24, 29, 41 (1993-2 003 ); Bd. 7 über die Ergebnisse der Kampagnen 19 9 8 -2 0 0 1 und mit Abschlußberichten ist im D ruck.

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Frank K olb, Andreas Thomsen

erhafter Dörfer war offensichtlich bereits im Spätmittelalter und in der frühen N euzeit dürftig7. Ein Steuerregister von 1543 erwähnt anscheinend aber das Dorf Ürer (unter dem Namen Viran = Ören), dessen Olbaumpflanzungen als Ein­ künfte für eine Moschee dienten. Es ist freilich nicht geklärt, ab wann jener Nomadisierungsprozeß einsetzte, welcher mit seiner Ziegenwirtschaft eventuell vor­ handene Baumkulturen weitgehend vernichtet haben muß. Reisende aus der Mitte ties 19. Jahrhunderts erwähnen jedenfalls häufig Nomadenzelte an Orten, in w el­ chen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der sogenannten TanzimatZeit, infolge einer systematischen Seßhaftmachung von Nomaden dauerhafte kleine Dörfer und Einzelgehöfte aus meist kleinen Feldsteinen errichtet wurden8. Erst seit dieser Zeit wurden in beschränktem Umfang antike Ruinen als Stein­ bruch benützt. Heute sind die Nomaden (Yürüken) in unserem Forschungsgebiet meist seßhaft geworden und betreiben in der Regel agrarische Subsistenzwirt­ schaft, verbunden mit Kleinviehhaltung. Das Resultat der jahrhundertelangen Nomadisierung ist eine weitgehend ver­ karstete Landschaft, in welche kleine anbaufähige Ovas (Poljen) eingestreut sind. Über 80% der Landschaft sind mit Wald bedeckt, der in der Regel freilich aus Macchie besteht, in welcher verschiedene Krüppeleichen, w ilder Olbaum, M astix­ strauch, Stechginster und dergleichen dominieren. Diese Macchie dient zum Teil noch als Ziegenweide, zum Teil aber ist sie eingezäunt aufgrund eines Versuchs der Wiederaufforstung des Gebietes mit Kiefernwald. Richtiggehender Waid mit immergrünen Eichen, Pinien und Kiefern existiert noch in Rückzugsgebieten im Norden. Er mag in der Antike ausgedehnter gewesen sein, da vor allem in archai­ scher und klassischer Zeit die meisten Gebäude einen H olz- bzw. Fachwerkaufbau über einem hohen Steinsockel hatten, für dessen Herstellung man gewiß auf vorhandenen Waldbestand zurückgriff. Problematisch sind die Wasserverhältnisse der Region, obwohl die Gesamtnie­ derschläge im Jahr bis zu 1500 mm betragen; aber sie sind im wesentlichen auf die W interzeit beschränkt. Ansonsten ist das Gebiet hydrologisch isoliert, d.h. es gibt keine Wasserquellen, Bäche oder Flüsse. H inzu kommt, daß das geologische Sub­ strat (Karbonatgestein, welches als Kalk ansteht) in seinen oberen Schichten meist wasserdurchlässig ist, so daß auch nur ganz wenige Brunnen existieren9. Infolge­ dessen ist die Region auch heute noch weitgehend auf Zisternenwirtschaft ange­ wiesen, obwohl inzwischen eine Wasserleitung aus dem nordlykischen Gömbe herangeführt wurde.

7 Vgl. die Beiträge von V. H öhfeld zu der neuzeitlichen Besiedlung des Gebiets: Istanbuler Mitteilungen 41 (1991) 2 4 7 -2 6 0 ; Lykisehe Studien 1 (1993) 1 5 1 -1 5 8 ; 2 (1995) 1 0 9 -1 1 8 ; 3 (1996) 18 5 -2 0 1; 4 (1998) 1 3 1 -1 7 6 , 2 4 3 -2 5 0 ; 5 (2000) 2 3 1-2 4 3 ; 6 (2003) 2 15 -2 7 0 . 8 Vgl. Höhfeld, Istanbuler M itteilungen 41 (1991) 258 f.; Lykisehe Studien 3 (1996) 194. 9 Z ur naturräum lichen und geologischen Beschaffenheit des Gebietes siehe H öhfeld, in: Istanbuler Mitteilungen 41 (1991) 2 4 7-24 9. E. Öner, in: Lykisehe Studien 4, 2 6 7-28 0. Ders., K as-D em re Platosu’nda Fiziki C ografya Arastirm alan (= Forschungen zur physischen G e o ­ graphie des Kas-Dem re-Plateaus, Izm ir 2000).

Forschungen zu Zentralorten und C hora auf dem Gebiet von Kyaneai

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Die hydrologische Isolierung geht zurück auf die Hochlage der Region, der w ir aufgrund des heute wichtigsten, unmittelbar am Fuß von Kyaneai gelegenen tür­ kischen Dorfes Yavu den Namen Yavu-Bergland gegeben haben (Abb. 1 u. 2). Dieses Bergland ist klar abgegrenzt durch das tiefeingeschnittene Tal des Flusses Demre, des antiken M yros, im Nordosten, die tiefe Verwerfung des Kasaba-Taies im Nordwesten sowie den ostwestlich verlaufenden Gebirgszug, südlich von dem das Gelände steil zum Meer abfällt. Dieses fast gleichschenklige Dreieck bietet zudem den Vorteil, daß es fast iden­ tisch ist mit dem Territorium der Polis Kyaneai. Noch exakter als durch die geo­ graphischen Gegebenheiten w ird dieses Polis-Territorium jedoch abgegrenzt durch Grabinschriften auf Sarkophagen, welche Grabbußen in aller Regel an In­ stitutionen der Polis zu zahlen vorschreiben, auf deren Gebiet der jeweilige Sar­ kophag steht.

Forschungen zu Zentralorten und C hora auf dem Gebiet von Kyaneai

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III. M ethoden 1. Es sollte sich um die lückenlose Begehung (intensive survey) eines kompletten Polis-Territoriums handeln. Dies ist nicht ganz gelungen, weil der vorgesehene Zeitraum von 10 Jahren doch nicht ganz ausreichte, denn die Befunddichte war noch höher als nach der ersten Test-Kampagne angenommen. Intensiv erforscht wurden immerhin etwa 106 qkm von ca. 136 qkm, d.h. ungefähr drei Viertel; w ei­ tere Areale wurden durch gezielte extensive Begehungen erkundet10. 2. Das Gelände wurde mit Begehungsgruppen von vier bis fünf Personen, die im Abstand von etwa 20 bis 25 m postiert waren und diese Entfernung durch Kompaßpeilung und Zurufen einzuhalten hatten, systematisch erforscht. Krite­ rium für den Abstand zwischen den einzelnen Personen war die Sichtbarkeit von Architekturresten auch in einigermaßen dichtem Gebüsch. 3. Die Befunde wurden, soweit möglich, durch Kompaß-Messung und Satelliten-Messung mit dem Global Positioning System (GPS) lokalisiert. 4. Die Beschreibung der Befunde erfolgte auf der Grundlage vorgedruckter Be­ fundblätter, deren Rubriken alle notwendigen Angaben garantieren sollten. Die Befunde wurden sowohl mit Schwarzweißfilmen als auch mit Diafilmen photo­ graphiert. Kleinere Befunde, wie Zisternen, Pressanlagen, aber auch Ein-RaumKomplexe oder kleinere Zwei-Raum-Komplexe, wurden sofort von Hand ver­ messen. 5. Größere Befunde, wie Siedlungen, Gehöfte und dergleichen, wurden mit Hilfe von Geodäten der Fachhochschule Karlsruhe eingemessen. Diese haben auch von ausgewählten Objekten photogrammetrische Aufnahmen sowie von Gebäuden und Landschaftsreliefs dreidimensionale Rekonstruktionen herge­ stellt11. Es sei hier betont, daß das dichte Gebüsch im Falle größerer Befunde häu­ fig ein Abholzen vor Vermessung und Photographie notwendig machte. 6. Während der Beschreibung und Vermessung der Objekte wurden von ande­ ren Mitgliedern der Gruppe die Kleinfunde, insbesondere die Keramik, aufgele­ sen. Dies war angesichts der Tatsache, daß die antike und mittelalterliche Besied­ lung einschließlich der Infrastruktur fast vollständig erhalten ist, nur an den architektonischen Befunden notwendig. Im Umkreis der Mauerreste waren mei­ stens auch hinreichend freie Flächen vorhanden, welche eine Sichtbarkeit von Kleinfunden ermöglichten. Alle wichtigen, größeren Befunde wurden im Verlauf der Jahre mehrmals aufgesucht, um durch natürliche Prozesse neu freigelegte Ke­ ramikscherben aufzusammeln. 7. Leider konnten w ir bisher nur sehr begrenzte Sondagen vornehmen, um Datierungen der Oberflächenbefunde durch Grabungsresultate zu überprüfen. 10 Mit solchen extensiven Begehungen haben w ir während der Kampagne 2000 im Westen des Forschungsgebietes begonnen. 11 Vgl. die Beiträge von W. Böser, A. Rieger, in: Istanbuler Mitteilungen 41 (1991) 2 6 1-2 6 4 ; A Rieger, in: Lykische Studien 1 (1993) 16 3 -1 6 9 ; 2 (1995) 2 2 9 -2 3 5 ; 3 (1996) 1 3 1 -1 4 0 ; 4 (1998) 28 1-29 3; 5 (2000) 16 3 -18 5 ; 6 (2003) 1 9 9 -2 1 4 ;/ . Lang, Lykische Studien 3 (1996) 12 9 -13 0 ; G. Hell, Lykische Studien 6 (2003) 19 3 -19 8 .

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Abgesehen von einer Tiefenreinigung an einem Hallenbau im Komen-Zentrum Korba fanden diese Sondagen ausschließlich auf dem Av§ar Tepesi statt, und zwar unter der Leitung des Museums A ntalya12. 8. Geomorphologische Untersuchungen, welche Ertug Oner von der Ege-Universität Izmir für uns durchführte, betrafen die Höhe der Erdanschwemmungen in den Ebenen, die Struktur eines künstlichen Hügels in Kyaneai, eines Staubekkens am Fuß des Avsar Tepesi sowie eine generelle geologische Untersuchung des Gebietes13. Mineralogische Untersuchungen wurden in sehr begrenztem Umfang und ohne nennenswerte Resultate durchgeführt14. 9. An sämtlichen Kampagnen nahm der Geograph Volker Höhfeld aus Tübin­ gen teil, welcher die moderne Besiedlung einschließlich der Wüstungen sowie ver­ gleichend die modernen und antiken Fruchtlandflächen untersuchte. Das Resultat letzterer Untersuchung liegt auch in Gestalt einer Karte vor15. 10. Paläontologische Untersuchungen wurden von Karl Großschmidt aus Wien an Skelettfunden in Gräbern unserer Region durchgeführt. Sie erbrachten A uf­ schlüsse zu Krankheitsbild, Lebensdauer und Bestattungssitten16.

IV. Statistische Resultate Geht man von der üblichen Definition eines Fundplatzes (site) aus, so sind unsere Resultate im Raum der antiken Welt einmalig. Auf ca. 106 qkm wurden etwa 3100 Siedlungsbefunde entdeckt, d.h. ein Durchschnitt von knapp 30 pro qkm 17 (Abb. 3). Diese Befunde beziehen sich jedoch auf völlig verschiedene Kategorien: So werden die gesamte Stadt Kyaneai einschließlich ihrer Nekropolen, desglei­ chen jede andere größere oder kleinere Siedlung des Gebietes, ebenso große und kleine Gehöfte samt zugehörigen Wirtschaftsanlagen jeweils als ein Befund ge­ zählt. In gleicher Weise werden eine isoliert in der Landschaft liegende Zisterne oder Pressanlage, ein Grab, der Rest eines antiken Weges, ein Steinbruch oder ein Terrassenmauer-Komplex als ein Befund gezählt. Dies bedeutet, daß nicht jeder Befund, nicht jeder site, ein Siedlungsplatz im demographischen Sinne ist. Es ist daher sinnvoller, die Befunde nach bestimmten Kategorien aufzuschlüs­ seln: Dann ergeben sich acht größere Siedlungen, darunter die Stadt Kyaneai, die 12 W ir sind dem Grabungsleiter A kan A tila sowie dem D irektor des Museums, Metin Pchlivaner, für die vorzügliche K ooperation zu großem Dank verpflichtet. 13 Vgl. die in Anm . 9 zitierten A rbeiten von E. Örter. 14 N aturwissenschaftliche Untersuchungen von M örtelfunden sowie von K eram ik-, Ziegel­ und Glas-Resten erbrachten keine nennenswerten Resultate. 15 V. H öhfeld, G. H ell, A. Rieger (Geographisches Institut der U niversität Tübingen, FH Karlsruhe, Fachbereich Geoinformationswesen), Topographische Karte des Yavu-Berglandes, Tübingen, K arlsruhe 1998. 16 Siehe die Beiträge von K. Großschmidt, in: Lykische Studien 1 (1993), 1 5 9 -16 2 ; 2 (1995), 18 3 -19 2 . K. Großschmidt, E. Großschmidt-Thierer, in: Lykische Studien 4 (1998) 2 5 1-2 6 6 . 17 Die Befunddichte der einzelnen Klem regionen ist aber durchaus unterschiedlich.

Forschungen zu Zentralorten und C hora auf dem Gebiet von Kyaneai

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Dynastensiedlungen sowie die Komen-Zentren*8. Ferner fanden w ir etwa 70 klei­ nere ländliche Siedlungen, fünf nur als Festungen dienende Anlagen, etwa 430 sicher als Gehöfte zu identifizierende Komplexe, darunter 77, die mit einem Turm ausgestattet sind. Sodann sind 170 Ein-Raum-Komplexe zu erwähnen, die aller­ dings ein weiteres Stockwerk besessen haben können. W ir haben sie wegen ihrer geringen Größe, des Fehlens eines Hofkomplexes und sonstiger Wirtschaftsanla­ gen und der seltenen Keramikfunde in ihrem Umkreis in ihrer M ehrzahl als W irt­ schaftsgebäude mit saisonaler Funktion eingestuft. Eine Reihe von ihnen könnten freilich kleine Gehöftanlagen gewesen sein. Weiterhin zeugen 40 isolierte Viehge­ hege, die neben einer ganzen Reihe von entsprechenden, im Zusammenhang mit Gehöften gefundenen Anlagen zu nennen sind, von einer recht bedeutenden Vieh­ zuchthaltung. Mehr als 1000 Gräber, von denen etwa 450 auf das Umland außer­ halb der größeren Siedlungen entfallen, bestätigen die Dichte der Besiedlung. Da­ bei ist davon auszugehen, daß w ir - außer zahlreichen unterirdischen Grabanla­ gen - im oft dichten Gebüsch nicht wenige oberirdisch anstehende Gräber über­ sehen haben. Letzteres gilt auch für andere Befundgattungen: Die Intensität der Bewirtschaf­ tung des Gebietes wird anhand der etwa 350 Terrassenmauer-Komplexe deutlich. Mindestens drei zusammengehörige Terrassenmauern sind das Kriterium für eine Definition als Komplex. Etwa 100 von ihnen sind als groß zu bezeichnen, indem sie einen ganzen Hang terrassieren. Etwa 400 Preßanlagen ergänzen das von den Terrassenmauer-Komplexen gebotene Bild. Die Intensität künstlicher Bewässe­ rung bezeugen Hunderte von Zisternen. Die zahlreichen Ofen, die w ir gefunden haben, sind in der Regel keine Keramik-Produktionsstätten, sondern Kalköfen, welche Steinmaterial von älteren Bauten zur Herstellung von Kalkmörtel verwer­ teten, und dies vermutlich schon seit spätantik-byzantinischer Zeit. Die allenthal­ ben aufgefundenen Steinbrüche können angesichts der intensiven Bautätigkeit nicht verwundern. Erstaunlicher ist schon die hohe Zahl von antiken und byzan­ tinischen Wegeresten, die sich durch die bei Ziegenpfaden der Nomaden unübli­ che Terrassierung zur Abstützung der Wege auszeichnen; sie bezeugen eine über­ aus dichte Verbindung zwischen den einzelnen Orten und Gehöften und von ihnen allen mit dem Zentrum Kyaneai. Die ca. 20 entdeckten heidnischen H eilig­ tümer, sei es in Form von offenen Kultstätten mit Felsaltar, sei es in Form von Tempelgebäuden, geben die einstige Kulttopographie sicherlich nicht getreu w ie­ der, da z. B. Felsaltäre leicht zu übersehen sind. Eher läßt sich anhand der Zahl von ca. 60 Kirchen und Kapellen die Intensität der Christianisierung spätestens ab dem 6. Jahrhundert n. Chr. zuverlässig beurteilen. Beschränkt man sich bei der Statistik auf die mit Sicherheit bewohnten Siedlungsplätze, so betragen diese ca. 512, d.h. etwa fünf pro qkm. Dies gibt aber ls Das Gebiet um den Hafen Teimiusa, welches w ir ursprünglich als Bestandteil des Territo­ riums von Kyaneai betrachtet hatten, ist durch eine jüngst gefundene Inschrift den Gebieten von Iyberissos bzw. M yra zuzuweisen und daher in dieser Statistik nicht enthalten. Die Befunde sind aber doch sinnvollerweise in die Siedlungskarte eingetragen, da so ein zu ­ sammenhängender Ü berblick möglich ist.

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Iw/sitftinkrhp Rpsiedlune des Yavu-Berglätides

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zweifellos nicht ganz die w irkliche Siedlungsdichte des Gebietes wieder, da durch neuzeitliche Besiedlung, die W iederaufforstung von Teilen des Gebietes vor allem im unteren Bereich von Hängen und bisweilen zweifellos auch durch Verschüt­ tung aufgrund von Erosion Siedlungsreste verlorengegangen sind. Zudem haben w ir im dichten Gebüsch, neben zahlreichen kleineren Befunden, wie Gräbern, Pressanlagen, Zisternen und Terrassenmauern usw., sicherlich auch kleinere Einund Zwei-Raum-Komplexe und vielleicht gelegentlich auch ein stark zerstörtes größeres Gehöft übersehen. Man kann die Verlustraten nur schätzen. Beim W ie­ deraufsuchen von Befunden mußten w ir des öfteren einen mehr oder weniger gro­ ßen Umkreis des aufzusuchenden Befundes noch einmal absuchen, wobei w ir hin und wieder auf ein noch nicht entdecktes Grab und dergleichen stießen, ganz sel­ ten jedoch auf einen übersehenen Gehöftkomplex. Die Verlustrate an bewohnten Siedlungsplätzen ist insgesamt wohl auf 5-10% anzusetzen. Dies bedeutet, daß die ursprüngliche Dichte der Siedlungsplätze etwa 5,5 pro qkm betragen haben dürfte. Für eine Einschätzung der Siedlungsstruktur der Landschaft in Antike und byzantinischer Zeit ist diese Verlustrate folglich nicht erheblich. Für einen Vergleich mit anderen, ähnlichen Projekten und die jeweilige Sied­ lungsdichte ist der Hinweis auf die zeitliche Beschränkung unserer Befunde nicht unwichtig. Eindeutig prähistorische Siedlungsplätze haben w ir nur auf dem Av§ar Tepesi im Süden und dem Gölba§i Tepesi im Nordwesten identifizieren können. Ansonsten sind unsere Siedlungsplätze, und damit auch die Einschätzung der Siedlungsdichte, auf den Zeitraum vom 6. Jahrhundert vor bis etwa um 1300 nach Christus beschränkt.

V. D atierungsm öglichkeiten und -problem e Für den H istoriker ist aber nun ferner und vor allem interessant die Verteilung dieser Siedlungsplätze auf verschiedene Epochen. Damit ist das gravierendste Pro­ blem angesprochen, nämlich die Datierung der Siedlungsreste. Zu den in der Re­ gel üblichen Datierungshilfen in Gestalt von Keramik, Ziegeln und anderen Kleinfunden kommen bei uns die Mauerstile. Ferner können gelegentlich In­ schriften helfen, von denen w ir etwa 300 zur Verfügung haben. Weniger wichtig für das Thema der Siedlungsgeschichte sind eine Reihe von Relieffunden, die ca. zwei Dutzend von uns entdeckten Münzen sowie die wenigen literarischen Nach­ richten zu unserem Gebiet. Die Probleme der K eram ik-Chronologie sind wohlbekannt. Für Lykien sind sie zweifellos gravierender als für Griechenland. Vor Beginn unseres Projekts gab es weder eine Publikation noch eine Untersuchung zu lykischer Gebrauchskera­ mik; man hat sich bei den Ausgrabungen in Lykien in aller Regel nur um die Im­ portkeram ik, d, h. um Feinware, gekümmert. Anfangs konnten w ir uns auf eine Zusammenarbeit mit der Lim yra-G rabung stützen. Später hat unsere Keramik­ spezialistin Birgit Rückert nennenswerte Fortschritte bei der Klassifizierung der

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Gebrauchskeramik erzielt19. Ein großes Problem der Keramik-Chronologie, und dies haben w ir anscheinend mit Survey-Projekten in Griechenland und anderswo gemeinsam, ist eine Typologie hellenistischer und kaiserzeitlicher Gebrauchs- und Küchenware. Hätten w ir ferner nicht die Architekturreste an der Erdoberfläche, sondern nur die feine Ware, so wäre die hellenistische Zeit ebenso wie die frühe Kaiserzeit überrepräsentiert. Beide Epochen waren zwar Epochen eines A uf­ schwungs der Landschaft, aber dieser entsprach in seiner Intensität nicht der Keramikstatistik. Einige Zahlen mögen einen Eindruck von unserem Keramik-Spektrum vermit­ teln: Aus unseren G r a b u n g en auf dem Av§ar Tepesi wurden etwa 15 000 Keramik­ scherben inventarisiert, von denen bisher etwa 60% klassifiziert sind. 13000 Scherben wurden von der O b e r flä c h e aufgelesen, von denen bisher etwa 44% klassifiziert, d. h. einer Keramikgattung oder einer spezifischen Gefäßform zuge­ ordnet, aber nur 12,5% datiert werden konnten. Auffällig ist nun z.B ., daß selbst in Zentren wie Kyaneai, für das ein intensiver Ausbau in der frühen und mittleren Kaiserzeit durch Architektur und Inschriften bezeugt wird, relativ wenig frühe Terra Sigillata gefunden wurde20. Noch geringer ist hier der Anteil spätantiker Sigillata, die aber in kleinen Siedlungen und Gehöften häufig auftntt. Zwar w ar in der Tat die Besiedlung unseres Gebietes in der Spätantike sehr dicht, aber die Ke­ ram ik-Statistik gibt die Verhältnisse zwischen den verschiedenen Epochen nicht korrekt wieder. Hinzu kommen folgende Probleme: Bisweilen haben wir auch an recht beacht­ lichen architektonischen Befunden gar keine Keramik gefunden, so vor allem an 40% der Gehöfte. Dies geht in erster Linie auf den dichten Bewuchs, die dadurch gebildete Humusschicht und hohen Steinversturz im Inneren der Gebäude zu­ rück. Auch nur für 40% der Gehöfte können w ir bisher die Keramik datieren. M ittlerweile ist deren Bearbeitung abgeschlossen, und dieser Quotient w ird sich aller Voraussicht nach nicht mehr erheblich verbessern. Wesentlich besser hingegen sieht die Statistik für die Siedlungen aus, die zu 83% datierbare Keramik ergaben. Aber auch dort reflektiert der Keramikbefund kei­ neswegs die Realität der Siedlungsentwicklung: Es dominiert stets die Keramik der spätesten Siedlungsphasen. So haben w ir z.B. in klassischen Dynastensiedlun­ gen, wie Kyaneai und Tiise, welche auch in späterer Zeit noch intensiv besiedelt worden sind, im Siedlungsbereich nur wenige klassische Scherben gefunden, z.B. in Kyaneai nur etwa ein Dutzend. In Tüse ergaben glücklicherweise ausgeraubte Gräber einen nennenswerten Bestand an archaischer und klassischer Keramik. Auf jeden Fall aber hätten w ir die Bedeutung dieser Siedlungen zu den verschie­ denen Epochen anhand der Keramikfunde völlig falsch eingeschätzt, wenn w ir 19 J. Borchhardt, dem Leiter der Lim yra-G rabung, sind w ir für seine Unterstützung zu gro­ ßem Dank verpflichtet. Er stellte uns seine Keram ik-Spezialistin Ingrid Mader, W ien, zur Verfügung. Vgl. deren Veröffentlichungen unserer Keram ik in: Lykische Studien 3 (1996) 8 7 127; 4 (1998) 9 1 -1 2 3 . Siehe ferner B. Rücken, Lykische Studien 5 (2000) 9 5 -13 6 . B. Böhlen­ dorf, ebd. 13 7-16 2. R ücken, Lykische Studien 6 (2003) 1 1 1 —134. Ganz anders z. B. in Tlos im Xanthos-Tal. Die Publikation dieser Keram ik steht noch aus.

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nicht die Architekturreste zur Verfügung gehabt hätten. Besonders krass w irkt sich dies bei den Gehöften aus, bei denen in etwa 40% der Fälle, in denen wir datierbare Keramik gefunden haben, die Entstehungsphase bzw. früheste fest­ stellbare Siedlungsepoche nicht vertreten ist. Auf der anderen Seite haben w ir vor allem in Gräbern Keramik aus einer Zeit entdeckt, welche in Form von Steinarchi­ tektur in unserer Region möglicherweise nicht vertreten ist. Allerdings mag es sich hierbei um ein Problem der Datierung bzw. Laufzeit sogenannter geometri­ scher Keramik handeln21. Auf eine weitere Beobachtung sei hingewiesen: Ein Test mit intensiven Keram ik-Surveys auf gepflügten Feldern im Westen des Gebietes (Ahath Ovasi), der ganz in der Nähe von Gehöften durchgeführt wurde, die am Rande der Felder, aber auf ungepflügtem Gelände liegen, ergab folgendes Bild: Auf den Feldern, wo sich in der Antike zweifellos keine Gehöftanlage befunden hatte, waren stärkere Keramik-Konzentrationen zu verzeichnen als an den Gehöften - und dies auch noch unabhängig von der Entfernung von letzteren. Ich habe schon darauf verwiesen, daß eine Korrektur und Ergänzung der Kera­ mikfunde durch Mauerdatierungen möglich ist. Bekanntlich gelten letztere als problematisch. Es hat sich jedoch gezeigt, daß man unter bestimmten methodi­ schen Voraussetzungen, vor allem bei einer strikten regionalen Begrenzung, durchaus eine Typologie und grobe Chronologie des M auerstils aufstellen kann. Thomas Marksteiner, der an mehreren unserer Kampagnen sowie an Grabungen in Lim yra und Xanthos teilgenommen hat, konnte dies in seiner Dissertation für die archaische bis frühhellenistische Zeit nachweisen22. Unsere Forschungen auf dem Av§ar Tepesi, der gewissermaßen ein Museum für Mauerstile des 6. bis 4. Jahrhunderts v. Chr. darstellt, haben seine Mauer-Typologie im wesentlichen bestätigt und gezeigt, daß sie nicht nur für Festungs-, sondern auch für Hausbauten gilt23. Freilich gibt es epochenspezifische Schwierigkeiten. Während man für die Spätantike und die byzantinische Zeit anhand bestimmter Kriterien, wie etwa der Verwendung von Kalkmörtel mit Ziegelsplittern, auf recht sicherem Boden steht, ist die Chronologie späthellenistischen und frühkaiserzeitlichen M auer­ werks erheblich schwieriger. Dies dürfte wohl nicht zuletzt daran liegen, daß in diesen Epochen bereits eine Reihe von M auerstilen vergangener Epochen zur Verfügung stand, zwischen denen man je nach Geschmack auswählen konnte. Dennoch gibt es bestimmte Anhaltspunkte, wie etwa (Nicht-)Verwendung von Binderblöcken usw. Man kann insgesamt die Probleme einer Chronologie von 21 Keram ik mit geometrischen Kreisen und W ellenbändern kann anscheinend bis ins 6. bzw. 5. Jahrhundert v. Chr. durchlaufen. Vgl. dazu jetzt B. R ücken, F. Kolb (Hrsg.), Problem e der K eram ik-C hronologie des südlichen und westlichen Kleinasien. K olloquium Tübingen 2 4 .26. M ärz 1998, A ntiquitas Reihe 3, Bd. 44 (Bonn 2003), 7 -1 1 . 22 Th. Marksteiner, Die befestigte Siedlung von Lim yra. Studien zur vorröm ischen W ehrar­ chitektur und Siedlungsentwicklung in Lykien unter besonderer Berücksichtigung der klas­ sischen Periode, Forschungen in Lim yra Bd. 1, hrsg. v.J. Borchhardt (W ien 1997). 23 Vgl. A. Thomsen, Die lykische Dynastensiedlung auf dem Av§ar Tepesi, Antiquitas Reihe 3, Bd. 43 (Bonn 2002).

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M auerstilen mit jenen vergleichen, welche bei der Datierung von Steininschriften anhand paläographischer Kriterien entstehen. Die erwähnten Datierungsprobleme lassen sich teilweise durch kumulative Evi­ denz beheben, wobei man freilich darauf achten muß, Zirkelschlüsse zu vermei­ den. Die große Quantität unserer Befunde ermöglicht statistische Rückschlüsse. Wenn man z.B. an einer nennenswerten Zahl von Gehöften mit einem bestimm­ ten M auerstil stets nur Keramik findet, die mit dem Übergang vom Späthellenis­ mus zur frühen Kaiserzeit einsetzt, so w ird man diesen Mauerstil entsprechend datieren und ähnliche Gebäude, an denen man keine datierbare Keramik findet, dieser Epoche zuweisen dürfen. Andererseits kann die Tatsache, daß w ir nur an höchstens 10 der maximal 40 vom Baubefund her klassischen Turmgehöfte auch klassische Keramik gefunden haben, während ansonsten aufgrund jahrhunderte­ langer N utzung nur spätere Keramik vorliegt, nicht daran rütteln, daß auch die übrigen Turmgehöfte in die klassische Zeit gehören. Das Resultat derartiger methodischer Überlegungen sind chronologisch diffe­ renzierte Siedlungskarten (Abb. 4, 5, 6), in welchen freilich - w ie in der allgem ei­ nen Siedlungskarte - gewisse Befundgattungen fehlen, nämlich Terrassenmauern und Spolien. Ihre Einfügung hätte das Bild zu unübersichtlich gemacht, zudem sind erstgenannte oft keinem bestimmten Gehöft zuweisbar und daher kaum da­ tierbar. Für Terrassenmauern wird eine gesonderte Karte hergestellt. Ferner sind in die Epochenkarten nur die mit einiger Sicherheit datierbaren Befunde eingetra­ gen. Das heißt, es gibt eine Differenz zwischen der Zahl eingetragener Befunde in der allgemeinen Siedlungskarte und der Summe der in den Epochenkarten einge­ tragenen Befunde. Man muß sich also die eigentliche Siedlungsdichte in den ein­ zelnen Epochen höher vorstellen als es die Karten wiedergeben. Angesichts der enormen Fülle der Befunde können w ir bei diesem Kolloquium nur kleine Ausschnitte aus unseren Ergebnissen vorstellen. In diesem ersten Vor­ trag sollen die beiden Zentralorte der Region im Verhältnis zu ihrem Umland prä­ sentiert werden; sie gehören verschiedenen Epochen an: der Av§ar Tepesi der archaisch-klassischen Zeit, Kyaneai als Polis-Zentrum der hellenistischen bis b y­ zantinischen Zeit.

VI. D er Av§ar Tepesi und sein T erritorium (von A ndreas Thom sen) 1. F o r s ch u n g s g e s cb ich t e Im Zuge der Feldforschungen des Tübinger Lykienprojekts wurde im Jahre 1992 auf dem etwa 3,2 km südwestlich von Kyaneai gelegenen Av§ar Tepesi eine bis da­ hin unbekannte Dynastensiedlung entdeckt24 (Abb. 1). Die dort in den folgenden 24 Die Siedlung w urde vom Verfasser in seiner 19 99 abgeschlossenen und m ittlerw eile pu b li­ zierten (s. Anm . 23) Dissertation „Die lykische Dynastensiedlung auf dem Av§ar Tepesi“ umfassend bearbeitet.

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m Upllm utisch-rörnischer Zeit

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Jahren durchgeführten Forschungsarbeiten umfaßten die vollständige Aufnahme aller oberirdisch sichtbaren Baureste, das Auflesen von Oberflächenkeramik so­ wie mehrere Sondagen. Ergänzt wurden die aus den Arbeiten in der Siedlung gewonnenen Erkenntnisse durch die intensive Erforschung des Umlandes. Das Ergebnis unserer Bemühungen ist der vorliegende Gesamtplan (Abb. 7). 2. S ie d lu n g s g e s ch ich te Die Geschichte des Ortes reicht zurück bis in prähistorische Zeit. Keramikfunde aus den Grabungen bezeugen eine Siedlungstätigkeit während des 5. und 4. sowie möglicherweise des 3. Jahrtausends v. Chr. Umfang und Intensität dieser vermut­ lich im Bereich der späteren Akropolis zu lokalisierenden Besiedlung sind derzeit freilich nicht zu bestimmen. Nach einem H iat im 2. Jahrtausend setzen die Kera­ mikfunde im 9. bzw. 8. Jahrhundert v. Chr. wieder ein. Die ältesten nachweisbaren Baureste stammen allerdings erst aus dem 6. Jahrhundert, einer Zeit, in der sich auch der Import attischen Trinkgeschirrs einzustellen beginnt. Ihren Höhepunkt erreicht die Siedlung auf dem Av§ar Tepesi im Verlauf des 5. Jahrhunderts, aus dem die meisten erhaltenen Baureste stammen. Hingewiesen sei in diesem Zusam­ menhang nur auf den um die Mitte des 5. Jahrhunderts erfolgten Ausbau von Akropolis und Agora. Nach einem im frühen 4. Jahrhundert einsetzenden N ie­ dergang, der vor allem im Fehlen bedeutender Grabmonumente zum Ausdruck kommt, wird der Av§ar Tepesi in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts schließ­ lich vollständig aufgelassen. Der lykische Name des Av§ar Tepesi ist nicht bekannt. W ir vermuten jedoch, daß er mit dem auf dem Inschriftenpfeiler von Xanthos genannten und von meh­ reren Münzemisionen bekannten ,Zagaba' gleichzusetzen ist25. 3. A u fba u d e r S ied lu n g Die Siedlung des Av§ar Tepesi gliedert sich in drei Hauptbereiche (Abb. 8): a. eine stark befestigte Akropolis, b. eine ummauerte Hangsiedlung und c. eine unbefe­ stigte Außensiedlung. Etwa die Hälfte der Siedlungsfläche wird von Wohnbauten bedeckt. Es handelt sich um reine Siedlungshäuser, denen die für Gehöfte charak­ teristischen Hof- und Wirtschaftsanlagen fehlen. Nekropolen befinden sich so­ wohl im ummauerten als auch im unbefestigten Siedlungsteil. Der bedeutendste Grabbezirk ist die südwestlich der Akropolis gelegene Südnekropole. Grab- und Wohnbezirke grenzen z.T. direkt aneinander, überschneiden sich jedoch nicht. Der neben der Akropolis bedeutendste öffentliche Bereich des Av§ar Tepesi ist die Agora (Abb. 9), deren wichtigste Bauten ein Theatron (Nr. 95) und ein im Zen­ trum des Platzes erbautes Heiligtum (Nr. 252) sind.

25 Vgl. dazu E Kolb, W. Tietz, Zagaba: M ünzprägung und politische Geographie in Zentral­ lykien, in: C hiron 31 (2001) 3 4 7 -4 16 .

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Abb. 7: Gesamtplan des A v$ar Tepesi (Stand 1999)

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Abb. 8: A ufbau der Siedlung a u f dem A v$ar Tepesi

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Abb. 9: Die Agora des Av^ar Tepesi

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4. Z en tra lort u n d U m la n d Eine ganze Reihe von Hinweisen bezeugen, daß es sich bei der Siedlung auf dem Av§ar Tepesi um den ursprünglichen Zentralort des Berglandes von Yavu und somit um den Vorgänger des späteren Polis-Zentrums Kyaneai handeln muß. Vor allem übertrifft der Av§ar Tepesi mit seinen etwa 14 ha bebauter Fläche alle übrigen Siedlungsplätze der Region - einschließlich Kyaneais - um ein Vielfaches (Abb. 10). Im Vergleich zu den anderen Dynastensitzen der Region weist das nähere Umland des Av§ar Tepesi in klassischer Zeit zudem die bei weitem höchste Siedlungsdichte auf. Auffallend ist auch der hohe Anteil besonders großer Ge­ höfte im Umfeld des Avfar Tepesi (Abb. 4.11). Da man - anders als z.B. im Falle der stark befestigten Turmgehöfte an der Westgrenze des Territoriums - bei diesen Anlagen auf fortifikatorische Maßnahmen weitgehend verzichtete, diente die Siedlung den Bewohnern der näheren Umgebung bei Gefahr zweifellos als Zu­ fluchtsstätte. Bemerkenswert ist allerdings, daß sich die Bewohner des unmittel­ baren Umlandes trotz dieser eindeutigen Ausrichtung nicht im Siedlungszentrum, sondern stets in der Nähe ihrer Gehöfte bestatten ließen. Auch an seiner baulichen Ausstattung ist die Bedeutung des Av§ar Tepesi für sein unmittelbares Umland abzulesen. Öffentliche Bauten wie der vielräumige Komplex 93 an der Agora (Abb. 9) weisen ihn als Verwaltungszentrum aus. Gleichzeitig kennzeichnet das Vorhandensein einer ganzen Reihe von H eiligtü­ mern den Av§ar Tepesi als kultischen M ittelpunkt der Gegend. Neben dem Tem­ pel auf der Agora ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch ein dreizeiliges Ge­ bäude an der südöstlichen Peripherie zu nennen, dessen ungewöhnliche Grund­ rißgestaltung an eine kultische N utzung denken läßt (Abb. 12). Das gehäufte A uf­ treten aufwendig gestalteter Grabbauten im 5. Jahrhundert schließlich zeugt nicht nur von der bloßen Anwesenheit, sondern auch vom ausgeprägten Repräsentati­ onswillen einer lokalen Elite (Abb. 13). Die ökonomische Bedeutung des Av§ar Tepesi für das Umland ist an einer Gruppe von gleichfalls in den Randbereichen der Siedlung situierten Bauten ab­ zulesen, die sehr wahrscheinlich viehwirtschaftlichen Zwecken dienten. Ein gro­ ßes, wohl als .kommunaler Viehhof“ zu deutendes Gehege am Westhang wurde vermutlich nicht nur für die Einstellung von Vieh, sondern auch für den Viehhan­ del genutzt. Aus dem westlichen Vorfeld führen zwei von Mauern eingefaßte Wege zur Siedlung, die wohl einen reibungslosen Auftrieb des Viehs gewährlei­ sten sollten. Endpunkte dieser Wege sind der Viehhof und ein als .Gewerbeviertel' gedeuteter Komplex im äußersten Nordwesten des verbauten Geländes. Das Ge­ werbeviertel zeichnet sich durch eine auffallend kleinteilige und verschachtelte Bauweise aus. Drei gemauerte Becken und zwei verschüttete Zisternen legen eine N utzung als Gerberei oder andere mit der W eiterverarbeitung von Tierprodukten in Zusammenhang stehende Tätigkeiten nahe. Die Größe der Siedlung und der differenzierte Baubestand lassen auf einen re­ lativ hohen Spezialisierungsgrad und ein differenziertes Sozialgefüge schließen. Daß von dieser Vielfalt nicht zuletzt das Umland profitiert haben dürfte, muß

Sietliungsflächc befestigt

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Abb. 10. Lykische Siedlungen im Größenvergleich

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K Kammergrab © —

Fels • unbearbeitet

f ^/77?) Pe!s ' senkrecht abgearbsüet Fels • flächig abgearbeitet tBBBHM Mauer - Verlauf zweischaiig erhalten y i'w a cbebb

Mauer - Verlauf einschalig erhalten Mauer mit Orthostat Mauer - Verlauf gesichert Mauer - Verlaut hypothetisch

,y;\\vv-'v'. Verfüllung ^

Weg

Abb. 11 : Ein Großgehöft nördlich des Av\ar Tepesi (Bef. 2733)

nicht eigens betont werden. Neben Berufen, die mit der Viehwirtschaft in Zusam­ menhang stehen, muß es auf dem Av§ar Tepesi auch Steinhauer und Zimmerleute gegeben haben. Die großen Mengen lokaler Gebrauchskeramik deuten auf das Vorhandensein von Töpfereien hin, von denen sich bislang freilich keine Spuren fanden. Zumindest nebenerwerblich scheint - wie der bei einer Sondage ans Licht gekommene Angelhaken zeigt - auch Fischerei betrieben worden zu sein. Da der Fernhandel während der klassischen Epoche in dieser kleinasiatischen Region nur eine geringe Rolle spielte, wäre es zweifellos vermessen, den Av§ar Te­ pesi als .Handelszentrum “ zu bezeichnen. Andererseits läßt die vergleichsweise große Menge in der Siedlung gefundener attischer Keramik den Schluß zu, daß der

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c.a.j'

Abb. 13: Das ,D ynastengrab' in der Südnekropole

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Av§ar Tepesi bei der Verteilung dieses auch in Gehöften anzutreffenden Geschirrs eine wichtige Rolle spielte. Ein entscheidender Impuls für die Entwicklung des Av§ar Tepesi zum Zen­ tralort ging zweifellos von seiner günstigen verkehrsgeographischen Lage aus (Abb. 1/2). Von mehreren großen Fruchtebenen umgeben, beherrscht der 671 m hohe Hügel die gesamte Umgebung und ermöglichte den Machthabern der Sied­ lung sowohl die Kontrolle der ost-westlich verlaufenden Verkehrsverbindungen von Phellos und Antiphellos in Richtung M yra als auch die Überwachung jener Wege, die aus dem Landesinneren nach Aperlai und Teimiusa ans Meer führten. Das vom Av§ar Tepesi aus kontrollierte Gebiet dürfte etwa dem späteren Polisterritorium von Kyaneai entsprochen haben. Die Rolle des Av§ar Tepesi als politisches Zentrum der klassischen Epoche ist evident (Abb. 1). Die Entfernungen nach Kyaneai (3 km), Tüse (5 km), Korba (7 km), H oyran (7,5 km) und Trysa (11 km) sind zweifellos zu gering, als daß diese Orte sich in klassischer Zeit einer weitreichenden Selbständigkeit hätten erfreuen können. Vielmehr muß es sich zumindest im 5. Jahrhundert um vom Av§ar Tepesi abhängige Dynastensitze gehandelt haben, zu deren Hauptaufgaben die Territo­ riumssicherung gezählt haben dürfte. Ihr militärischer Charakter kommt in star­ ken Akropoleis und den im Vergleich dazu eher bescheidenen Ausmaßen der Wohnbereiche zum Ausdruck. Besonders deutlich ist dies am Beispiel von Tüse (Abb. 10). Ähnlich w ie jener Dynast, der sich auf dem Inschriftenpfeiler von Xanthos der Beteiligung von Verwandten ( s y n g en e is ) an seiner Herrschaft rühmt26, werden es auch die Herrscher des Av§ar Tepesi gehalten und M itglieder ihrer Familie als U n­ terdynasten in jenen Orten eingesetzt haben. Da es auf dem Av§ar Tepesi jedoch gleichzeitig H inweise auf das Vorhandensein oligarchischer Strukturen gibt, ist zu vermuten, daß gelegentlich auch außerhalb der Dynastenfamilie stehende, beson­ ders wichtige Gefolgsleute mit der Kontrolle von Grenzorten betraut wurden. In­ dizien für das Mitspracherecht eines Teils der Bevölkerung sind die mit der Funk­ tion von Wehrtürmen und Bastionen in die Siedlungsbefestigung integrierten Wohnhäuser. Es ist kaum anzunehmen, daß deren mit einer so wichtigen Aufgabe betraute Besitzer von allen die Siedlung betreffenden Entscheidungen ausge­ schlossen waren. Die grenzsichernde Funktion der erwähnten Dynastensiedlungen dürften auch zwei ausschließlich zu diesem Zweck wohl um 400 erfolgte Neugründungen, nämlich die beiden Burgen von B üyük Av§ar27 und auf dem Kirandag28 (Abb. 14), bezeugen. Es ist gewiß kein Zufall, daß diese beiden Anlagen sich ausgerechnet an 26 TL 44 c - 27. - Zum Epigramm zuletzt H .-H. Nieswandt, Boreas 18 (1995) 19 ff. und M. Domingo G ygax, Untersuchungen zu den lykischen Gemeinwesen in klassischer und helle­ nistischer Zeit, in: Antiquitas R. 1, Bd. 49 (Bonn 20 01) 6 9 ff.; v g l M. 'Zimmermann, U n ter­ suchungen zur historischen Landeskunde Zentrallykiens, in: Antiquitas R. 1, Bd. 42 (Bonn 1992) 21. 27 T. M arksteiner, in: Lykische Studien 3, 141 ff, 28 U. H ailer, in: Lykische Studien 5, 203 ff.

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Abb. 14: Die Festung a u f dem Kirandag

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der Grenze zu den Territorien von Apollonia, Isinda und Phellos befinden, denn in diesen Bereichen des vom Av§ar Tepesi kontrollierten Gebietes sind keine mit Tiise oder H oyran vergleichbaren Siedlungen anzutreffen. Beide Burganlagen sind sich im Auf bau sehr ähnlich und - wie vor allem am Kirandag deutlich wird offenbar der Akropolis des Avsar Tepesi angeglichen. Abzulesen ist dies z.B. an der Lage des zentralen Turms, an dem Vorhandensein einer zusätzlichen Wehr­ terrasse an der Rückseite und an einer in eine Bastion eingebauten Zisterne. In das Bild eines recht ausgeklügelten Systems von Befestigungen an den Terri­ toriumsgrenzen des Av§ar Tepesi fügen sich auch die stark befestigten Turm­ gehöfte29 im Bereich der Süd westgrenze, eine Festung auf dem Laleli$ukur Tepesi an der Westgrenze sowie eine Reihe kleinerer Wehrbauten und Fluchtburgen, die z.T. wohl nicht ständig bewohnt waren, sondern nur dann aufgesucht wurden, wenn Gefahr drohte. Diese Anlagen scheinen die zwischen den Dynastensitzen und größeren Festungen bestehenden Lücken geschlossen zu haben. Diese Schutzmaßnahmen hat man auch vor dem H intergrund der Auseinander­ setzungen zwischen der xanthischen und einer ostlykischen Dynastie zu verste­ hen30. Das Territorium des Av§ar Tepesi scheint sich nämlich genau an der Grenze zwischen den Einflußbereichen beider Machtblöcke befunden zu haben. Der Av§ar Tepesi könnte schließlich den sich zu Beginn des 4. Jahrhunderts zuspitzen­ den und mit dem Namen des Perikle von Lim yra verbundenen Streitigkeiten zum Opfer gefallen sein. Jedenfalls scheint in dieser Zeit Trysa (s. Abb. 1) die Nach­ folge des Av§ar Tepesi als führender Dynastensitz der Region angetreten zu ha­ ben. Der Ausbau Trysas zu einer Residenz31 und die Errichtung cies Heroons beides wohl um 380/70 - überstiegen die naturräumlichen Ressourcen dieses O r­ tes und sind ohne die U nterstützung eines überregionalen Machthabers, vielleicht des Perikle, kaum denkbar. Die Verlagerung des Machtschwerpunktes ist auch am Baubestand des Av§ar Tepesi abzulesen. So weist das Fehlen herausragender Grabmonumente aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts eindeutig auf einen Bedeutungsrückgang der Siedlung, vor allem jedoch auf das Fehlen einer politisch-sozialen Elite. Gleichzei­ tig läßt das Entstehen qualitätvoller Gräber in Kyaneai und H oyran erkennen, daß neben Trysa auch diese beiden Orte von den neuen Verhältnissen profitierten. M it der weitgehenden Entmachtung des Av§ar Tepesi und dem Ende seiner Funk­ tion als regionales Machtzentrum scheint also eine stärkere Differenzierung der Machtverteilung einhergegangen zu sein32. 29 Trotz der dieser Bauform sicherlich nicht abzusprechenden W ehrhaftigkeit handelt es sich bei den Turmgehöften natürlich in erster Linie um landwirtschaftlich genutzte Anlagen; vgl. U. H ader, in: Lykische Studien 5, 5 9 ff.; den., in: Lykische Studien 6, 6 7 -1 1 0 . 30 7.immermann a. O . 27 ff. 31 T. M arksteiner, Die befestigte Siedlung von Lim yra. Studien zur vorröm ischen W ehrarchi­ tektur und Siedlungsentwicklung in Lykien unter besonderer Berücksichtigung der klassi­ schen Periode (W ien 1997) 182. Der s., Trysa. Eine zentrallykische Niederlassung im Wandel der Zeit (Wien 2002). 32 F. Kolb, in: Frem de Zeiten. Festschr. f. J. Borchhardt zum 60. Geb., hrsg. v. F. Blakolm er u.a., Bd. I (W ien 19 96)6 9.

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W ichtig ist, daß der Av§ar Tepesi in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts voll­ ständig aufgelassen wurde. Die Bevölkerung dürfte in das neue Polis-Zentrum Kyaneai sowie in Komen-Ortc wie Büyük Av§ar oder H oyran umgesiedelt w or­ den sein. Daß schließlich nicht Trysa, sondern Kyaneai Zentrum des neugebilde­ ten Polisterritoriums wurde, liegt sicherlich nicht zuletzt an der zentraleren Lage dieses Siedlungsplatzes. 5. D e m o g r a p h i e u n d Z en tra lortfu n k tion Zum Abschluß stellt sich die Frage, welcher Siedlungskategorie der Av§ar Tepesi zuzurechnen ist. Die im Zusammenhang mit der Kategorisierung lykischer Sied­ lungsplätze zumeist verwendeten Begriffe .H errensitz1, ,Adelsburg', ,Dynasten­ sitz“ oder ,D ynastensiedlung“ tragen allenfalls den politischen Strukturen, nicht aber dem äußeren Erscheinungsbild der Siedlungen Rechnung. Ein städtischer Charakter wird den lykischen Zentren der klassischen Epoche in aller Regel nicht zugestanden. Wendet man auf den Av^ar Tepesi jedoch den von F. Kolb33 entwikkelten Kriterienkatalog eines epochenübergreifenden und siedlungsgeographisch bestimmten Stadtbegriffs an, dann ergibt sich ein überraschend hoher Ü berein­ stimmungsgrad: Die bauliche und administrative Geschlossenheit der Siedlung ist evident. Hinweise auf eine ausgeprägte Arbeitsteilung und ein differenziertes So­ zialgefüge lassen sich ebenfalls ausmachen. Eine gewisse M annigfaltigkeit der Bausubstanz ist der Siedlung ebensowenig abzusprechen wie ihre Zentralortfunk­ tion für das Umland. Einen urbanen Lebensstil wird man auf dem Av§ar Tepesi freilich nicht erwarten dürfen. Die aus den mindestens 130 Wohnhäusern der Siedlung zu ermittelnde Zahl von etwa 1000 Bewohnern schließlich liegt an der für eine Stadt gerade noch akzeptablen unteren Grenze. Zumindest den größeren lykischen Siedlungen der klassischen Epoche - wie Xanthos, Lim yra und mit ge­ wissen Einschränkungen auch dem Av§ar Tepesi - kann aber wohl ein städtischer Charakter nicht abgesprochen werden. Auffallend sind ferner die strukturellen Übereinstimmungen des vom Av§ar Te­ pesi und seinem Territorium entworfenen Bildes mit dem Aufbau griechischer Poleis. Als Stadtsiedlung ist er das politische, militärische, kultische und w irt­ schaftliche Zentrum seines Umlandes. Wie in griechischen Zentren existieren ar­ chitektonisch gestaltete öffentliche Räume wie Akropolis und Agora. Vielleicht kann man den Av§ar Tepesi sogar - stellvertretend für andere lykische Zentralorte dieser Zeit - als eine ,Polis lykischer Prägung“ bezeichnen. Eines jedenfalls zeigen die Strukturen der Siedlung deutlich: Als es im Verlauf des 4. Jahrhunderts in Ly­ kien zur Übernahme des Polissystems nach griechischem Muster kam, war der Boden hierfür bereitet.

I- Kolb, Die Stadt im A ltertum (München 1984) 15.

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VII. Das Polis-Z entrum K yaneai und sein U m land (von Frank K olb) Um die Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr., wohl gegen 360, erfolgte in Lykien eine politische Revolution: Nach dem sogenannten Satrapen-Aufstand in Kleinasien wurde Maussolos von Karien von den Persern mit der Herrschaft über das süd­ westliche Kleinasien betraut. Die neue Satrapie bedeutete zugleich das Ende der lykischen Dynastenherrschaft; die M ünzprägung der Dynasten verschwindet, und an der berühmten Trilingue aus dem lykischen Bundesheiligtum des Letoon bei Xanthos w ird die Einführung des Polis-Systems in Lykien deutlich. Diese er­ folgte also etwa 25 fahre vor der Eroberung des Gebietes durch Alexander den Großen34. Im Yavu-Bergland bedeutete dies die Aufhebung der sechs Dynastensitze des 6. bis 4. Jahrhunderts und die Bildung der Polis Kyaneai. Dies läßt sich nur an­ hand der Architektur verfolgen35: Die neue Stadtmauer von Kyaneai gehört in die frühhellenistische Zeit. Sie umgab ein Areal von ca. 4 ha (Abb. 15, 16). Der neue Verwaltungsmittelpunkt des Yavu-Berglandes erhielt auf verschiedenen Terrassen gegründete orthogonale Stadtviertel, d.h. er wurde an bestimmten Prinzipien der griechischen Stadtplanung ausgerichtet, wenn auch nicht am hippodamischen Sy­ stem. Zu diesem Zweck wurden die Überreste der klassischen Dynastensiedlung weitgehend abgeräumt. N ur wenige Mauerreste und eine Reihe klassischer Grä­ ber zeugen von der Existenz einer zumindest in der ersten Hälfte des 4. Jahrhun­ derts bedeutsamen Dynastensiedlung. Das neue Zentrum wurde vermutlich durch Um siedlung von Bevölkerungsteilen des aufgelassenen Av§ar Tepesi gefüllt. Vor allem aber wurde die politische Gewalt, die Herrschaft über ein Polis-Territorium, hier konzentriert. Die Siedlung Kyaneai ist ein komplexer Palimpsest, w eil sie wohl bis in frühosmanische Zeit besiedelt war. Nicht nur von der klassischen, auch von der helle­ nistischen Siedlung ist außer der Stadtmauer und dem Stadtgrundriß wenig erhal­ ten. Zwar läßt sich an recht vielen Stellen hellenistisches M auerwerk feststellen, als gut erhaltenes öffentliches hellenistisches Gebäude kommt jedoch allenfalls das Theater in Betracht, das aber möglicherweise auch erst in die frühe Kaiserzeit ge­ hört. Der Architrav eines Tempels für die in Zentrallykien bedeutende Göttin Eleuthera, mehrere Inschriften, welche einen Zeus-Kult sowie eine gymnasiale Organisation für Kyaneai belegen, ferner Stifter-Listen, die neben griechischen auch noch zahlreiche lykische Namen enthalten, sind die wesentlichen, zumeist in das 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. gehörenden Dokumente, welche uns Auskunft über das Leben im hellenistischen Kyaneai geben36. Ebenso wie für andere lyki-

34 H. Metzger, La Stele Trilingue du Letoon (Fouilles de Xanthos IV) Paris 1979. 35 Zu Kyaneai vgl. B. Kupke, in: Istanbuler Mitteilungen 41 (1991) 2 0 4 -2 1 8 ; Lykische Stu­ dien 1 (1993) 9 -2 3 ; 2 (1995) 1 1 -3 6 ; 3 (1996) 7 -2 0 ; 4 (1998) 5 -2 4 . C. G em er Hansen, in: Lyki­ sche Studien 3 (1996) 2 1 -3 0 ; 4 (1998), 2 5 -4 2 ; 5. W. Tietz, in: Lykische Studien 6, 9 -1 6 . 36 Vgl. zu den neu gefundenen Inschriften von Kyaneai F. Kolb, M. Zim merm ann, Epigraphica Anatolica 16 (1990) 1 1 5 -1 3 8 . M. Zim merm ann, in: Lykische Studien 1 (1993) 13 9-15 0;

Stadtgebiet 1989 - 2000 B. Kupke - A. §anii - W. Tietz

Forschungen zu Zentralorten und C hora auf dem Gebiet von Kyaneai

Abb. 15: Gesamtplan von K yaneai

Frank K olb, Andreas Thomsen

/

Abb. 16: Kyaneai: ummauertes A real

Forschungen zu Zentralorten und C hora auf dem Gebiet von Kyaneai

37

sehe Poleis ist auch für Kyaneai vor der Kaiserzeit keine Bule, kein Rat der Polis, belegt. Es ist eine lykische Besonderheit, daß offensichtlich die obersten Am tsträ­ ger, die Archonten, eine dominierende Rolle spielen. Im Vergleich zur allgemeinen Siedlungskarte zeigen die Epochenkarten zur klassischen und hellenistisch-römischen Zeit (Abb. 4, 5) im unmittelbaren U m ­ land von Kyaneai relativ wenige Einzelgehöfte. Dies zeugt aber nicht unbedingt von deren geringer Zahl, sondern geht zumindest teilweise auf unsere Datierungs­ probleme zurück. Es ist trotzdem zu erkennen, daß in hellenistisch-römischer Zeit Einzelgehöfte bereits im Abstand von nur etwa 200 m Luftlinie von den Stadtmauern einsetzten. Sie sind z.T. mit Gräbern assoziiert, d.h. sie wurden von ihren Bewohnern als Lebenszentrum betrachtet. Diese Bewohner pendelten nicht zwischen der Siedlung Kyaneai und den Gehöften morgens und abends hin und her. W ir müssen davon ausgehen, daß die Bevölkerungszahl des hellenistischen asty Kyaneai recht klein war; dies zeigt sich schon an der geringen Zahl hellenistischer Gräber in Kyaneai37. In hellenistischer Zeit hatten offensichtlich auch viele M it­ glieder der Polis-Elite ihren Wohnsitz nicht in Kyaneai, sondern wohl in Turmge­ höften und den Komen-Zentren des Umlandes. Kyaneai war zwar politisches, wohl auch kultisches und kulturelles Zentrum, aber kein gewichtiger demogra­ phischer Schwerpunkt der Region. In der Kaiserzeit erfolgte ein erheblicher Urbanisierungsschub. Das Stadtareal wurde durch aufwendige Terrassierungen und Aufschüttungen auf 4,5 ha erwei­ tert. Ein Rathaus, eine Kryptoportikus an der Westseite der Agora, zwei Ther­ men, eine Bibliothek sowie ein dreitoriger Ehrenbogen wurden errichtet, und öffentliche Gebäude säumten einen freilich kurzen Boulevard. Damit einher ging ein demographisches Wachstum, begleitet von einer weitgehenden Konzentration der Elite im städtischen Zentrum. Ca. 300 kaiserzeitliche Sarkophage zeugen da­ von; Kyaneai dürfte allerdings kaum mehr als 1000 Einwohner gezählt haben. Der ältere Plinius zählt Kyaneai zu den ca. 30 ce le b e r r i m a op p id a in Lykien38. Angesichts des kleinen Provinzstädtchens Kyaneai wäre es wenig sinnvoll, c e l e b e rrim u m hier mit .überaus berühmt' zu übersetzen. Vielmehr mag Plinius mit diesem Adjektiv nur ,die bekanntesten“ unter den zahllosen kleinen lykischen Siedlungen bezeichnen. Kyaneai wies zudem einige bedeutende Familien und Per­ sönlichkeiten auf - jedenfalls im 2. Jahrhundert n. Chr. - , die mit ihren Finanzen und bemerkenswerten Monumenten das städtische Leben und die Urbanistik der Siedlung prägten. Hier sind vor allem Iason, dem die Stadt ein großartiges FelsMonument zubilligte, sowie die Familie der Neikostratoi und Xanthippoi zu erwähnen, die sich ein monumentales Tempelgrab am Aufweg nach Kyaneai er-

2 (1995) 49 -56. R. Behrwald, H. Blum, Chr. Schuler, M. Zim m erm ann , in: Lykische Studien 4 (1998) 177-206; Chr. Schuler, in: Lykische Studien 6 (2003) 16 3 -18 6 . 3» 8 ‘ht nur acht Sarkophage mit hellenistischen Inschriften. IHinius, naturalis historia V 28, 101.

38

Frank K olb, Andreas Thomsen

richteten39. Mit ihnen offensichtlich eng verbunden war eine Dame namens Lykia Sthenele, für weiche ein Heroon mitten in der Stadt, neben dem Rathaus, errichtet wurde40. Die inschriftlich bezeugten Stiftungen des Iason für zahlreiche lykische Städte belegen einen Reichtum, nach dessen Quellen zu fragen ist. Er kann nur aus marktorientierter Agrarwirtschaft mit der Produktion von Ol und Wein, aus Holzwirtschaft oder auch Fischindustrie mit Handel über den Hafen Teimiusa entstanden sein (Abb. 1). Diesen hat Martin Zimmermann näher erforscht41 (Abb. 17). Zahlreiche aus­ wärtige H ändler aus dem gesamten M ittelmeerraum scheinen dort verkehrt zu ha­ ben. Einige von ihnen sind in Teimiusa gestorben und haben eine Sarkophagin­ schrift hinterlassen. Sie kommen aus Askalon in Palästina, aus Byzanz, aus Puteoli in Kampanien usw. Die Inschriften zeugen für diesen wie für andere Hafenorte der Region von der Existenz zahlreicher Sklaven. In Teimiusa finden sich in der Kaiserzeit Indizien für eine Fischindustrie großen Stils. Qualitätvolle Sigillata vor allem aus der Spätantike, die hier in großen Mengen auftritt, zeugt von Bedeutung und Reichtum dieses kleinen Hafenortes. W ir wissen durch eine neu entdeckte Inschrift42, daß er in hellenistischer Zeit mit Tyberissos eine Sym politie bildete. Später hat er zu M yra, aber wohl nie zu Kyaneai gehört. Das Zugangsrecht von Kyaneai, das sich in der Zuweisung mancher Grabbußen an diese Polis äußern dürfte43, mag in besonderen Vereinbarungen mit der Nachbar-Polis M yra bzw. mit Tyberissos geregelt gewesen sein, und der Hafen dürfte Kyaneais Tor zur großen Welt gewesen sein. Kyaneai jedenfalls war in der Kaiserzeit nicht mehr nur politisches, sondern auch kulturelles und wirtschaftliches Zentrum seines Polisgebietes. Indizien für handwerkliche Tätigkeit sind allerdings dürftig; Überreste von Eisenschlacken und ein Steinsplitterhaufen, der von Steinmetzarbeiten zu zeugen scheint, sind hier zu erwähnen. Auch in der Spätantike und in frühbyzantinischer Zeit bleibt Kyaneai eine vi­ tale Kleinstadt. Der Mauerring w ird ausgebessert und erweitert, d.h. die Stadt wird sogar größer. Eine M arkthalle w ird am Nordrand der Agora errichtet. Etwa 110 identifizierbare Häuser, zu denen man sicherlich eine beträchtliche Zahl ver­ lorener Gebäude hinzuzählen muß, zeugen innerhalb und außerhalb des M auer­ rings von einer dichten Besiedlung. Drei Basiliken aus derni 6. Jahrhundert, darun39 Vgl. L. Berling, in: Lykische Studien 1 (1993) 2 5 -3 7 . C. G em er Hansen, in: Lykische Stu­ dien 4 (1998) 2 5 -4 1. 40 Die Inschriften w erden in Tituli Asiae M inoris II 4 publiziert werden, die Publikation des Gebäudes bereitet C . G erner Hansen vor. 41 M. Zim merm ann, Teimiusa - ein zentrallykischer H afenplatz als M ittler kulturellen W an­ dels, in: A ntike W elt 31 (2000) 33 3-34 2. 42 Die Inschrift w urde im 2,4 km landeinwärts gelegenen Tyberissos entdeckt und w ird von Chr. Schuler publiziert werden. 43 Zu den Grabbußen von Einw ohnern Teimiusas an Kyaneai und M yra siehe die jetzt teil­ weise zu revidierenden A usführungen von M. Zim merm ann, Untersuchungen (s. Anm . 1) 2 1 3 -2 1 9 .

Plan von Teimiusa

40

Frank K olb, Andreas Thomsen

ter eine gestiftet von einem Bischof Synesios für die Gottesmutter Maria, belegen die intensive Christianisierung dieser kleinen Gemeinde und ihren Rang als Bi­ schofssitz, der durch das Patriarchatsregister von Konstantinopel bis 1315 zum in­ dest als Anspruch belegt ist44. Kyaneai ist eine der am besten erhaltenen byzanti­ nischen Städte der Türkei, und sie zeigt deshalb auch deutlich die Indizien des Niedergangs. Dessen Beginn ist schwer datierbar, weil bekanntlich die sogenannte mittelbyzantinische Zeit, d.h. das 7. bis 11./12. Jahrhundert, eine Art schwarzes Loch bildet - wohl weil man ihre Keramik kaum identifizieren kann43. Sechskleine Kirchen bzw. Kapellen, von denen drei in die Basiliken hineingebaut sind und deren Außerkraftsetzung bezeugen, weisen nicht unbedingt auf einen demographischen Niedergang hin. Wohl aber w ar man nicht mehr in der Lage, eine an­ spruchsvolle Architektur aufrechtzuerhalten. In seiner Endphase ist Kyaneai eine Viehzüchtersiedlung, wie in die Stadt hineingebaute Gehöfte mit größeren Hof­ anlagen bzw. Viehgehegen bezeugen. Glasierte Keramik reicht bis in das 15./ 16. Jahrhundert n.Chr., mithin bis in osmanische Zeit. Als letztes ist auf die enge Verbindung zwischen dem Zentralort und seinem Umland hinzuweisen. Ein dichtes Wegenetz und die Kleinheit des Territoriums erleichterten die Erreichbarkeit des städtischen Zentrums. Von allen Grenzen des Gebietes von Kyaneai aus konnte man in einigermaßen zügigem Fußmarsch bin­ nen etwa zweieinhalb Stunden das Zentrum erreichen. Das Theater, welches zw ei­ fellos nicht nur für festliche Vorführungen, sondern vor allem für die Volksver­ sammlung diente, bot mit seinen maximal 2500 Plätzen genügend Raum für alle männlichen Bürger des Territoriums, und es w ar auch für sie gedacht. Denn in der Stadt selbst wohnten, wie gesagt, wohl kaum mehr als 1000 Men­ schen. Sowohl in d e r h e ll e n i s t is c h e n E p o c h e als auch in der Kaiserzeit war die Zahl der Bewohner des Umlandes wesentlich höher als jene des asty, wenigstens um das Vierfache. Vor allem für die Kaiserzeit einschließlich der Spätantike lassen sich die Bewohnerzahlen des Territoriums mit einiger Plausibilität schätzen: In den sieben Komen-Zentren dürften jeweils zwischen 100 und 300 Bewohner ge­ lebt haben; dies ergibt insgesamt etwa 1500. Von den etwa 70 kleinen Siedlungen waren in der Kaiserzeit etwa 50 gleichzeitig genutzt. Im Schnitt weisen sie etwa sechs H äuser auf. Rechnet man pro Haus fünf Bewohner, so summiert sich dies auf ebenfalls etwa 1500 Personen. Den ca. 250 gleichzeitig genutzten Gehöften darf man aufgrund ihrer größeren Wohnfläche durchaus im Schnitt sechs Bewoh­ ner zuschreiben, so daß man auch hier etwa 1500 Personen errechnen kann. Dies ergibt insgesamt ca. 4500 Bewohner des von uns systematisch begangenen U m lan­ des. Hinzu kommt das nicht intensiv erforschte Gebiet, welches aber offensicht­ lich keine Komen-Zentren aufwies und dessen Einwohnerzahl man deshalb auf der Grundlage der kleinen Siedlungen und Gehöfte hochrechnen kann. Es erge­ 44 Das Register des Patriarchats von Konstantinopel, hrsg. v. H. Hunger, O. Kresten (Wien 1981) 156, Z. 8 f. 45 Zur byzantinischen Keram ik unseres Gebietes und ihren Problem en siehe jetzt B. Böhlen­ dorf, in: Lykische Studien 5 (2000) 33 7-16 2,

Forschungen zu Zentralorten und C hora auf dem Gebiet von Kyaneai

41

ben sich für dieses Gebiet mindestens 700 Personen, so dal? man für die Kaiserzeit auf etwa 5200 Einwohner des Territoriums kommt, zu welchen die ca. 1000 des städtischen Zentrums Kyaneai hinzuzurechnen sind, so daß sich insgesamt knapp 6200 Bewohner des Polisgebiets errechnen lassen. Für die Spätantike liegt die Zahl kaum niedriger: Hier ergibt eine entsprechende Berechnung insgesamt knapp 6000 Einwohner des Gebietes von Kyaneai. Man vergleiche damit die Bevölke­ rungszahl der Landschaft laut Statistik aus dem Jahr 1985, welche 1640 Bewohner aufweist, und man muß sich darüber im klaren sein, daß diese Zahl im 19. Jahr­ hundert noch erheblich niedriger lag.

VIII. Fragen Inwieweit ist der Befund auf dem Gebiet von Kyaneai repräsentativ für den öst­ lichen Mittelmeerraum, zumindest vom Zeitpunkt der Einführung des Polis-Systems an, d.h. von der hellenistischen bis in die byzantinische Zeit? In diesem Zusammenhang sind folgende Eigenschaften des Yavu-Berglandes besonders zu beachten: a. die typisch mediterranen natürlichen und klimatischen Bedingungen, welche bestimmte Voraussetzungen für agrarische Aktivitäten schaffen. Man findet hier das mediterrane Quartett: Getreide, Wein, Ol und Kleinviehhaltung. Die Zahl wenn auch nicht die Kapazität - der von uns entdeckten Pressanlagen entspricht etwa jener des intensiv begangenen Ölproduktionsgebietes im Umland des tune­ sischen Kasserine (2,8/qkm)46. b. die im Prinzip agrarische Ungunst des Gebietes aufgrund des Fehlens von Wasserquellen und des dadurch bedingten Angewiesenseins auf Zisternen sowie wenige Grundwasser-Brunnen. c. die im antiken Vergleich relative Arm ut der Landschaft. A uf sie verweist auch das durchschnittliche Lebensalter der Erwachsenen (Kindersterblichkeit nicht mitgerechnet), welches bei etwa 32 Jahren liegt47. Auf dem Gebiet von Metapont lag das Durchschnittsalter offenbar bei etwa 40 Jahren48. Um so bemerkenswerter ist die erstaunlich hohe Siedlungsdichte. Feldforschungen in Griechenland und Italien kommen in der Regel auf zwei bis vier Siedlungsplätze/qkm, in gebirgigen Gegenden Italiens gar nur auf einen Siedlungsplatz pro drei bis vier qkm. Es ist m. E. unwahrscheinlich, daß das Territorium von Kyaneai dichter besiedelt W'ar als wesentlich fruchtbarere andere Landschaften der antiken Welt. Von daher stellt

46 Vgl. D. J, Mattingly, JR A 1, 33 -56. 1 5 3 -1 6 1 ; ders,, in: G. Shipley, J. Salmon (Hrsg.), Human Landscapes in Classical A n tiq u ity (London 1996) 2 1 3 -2 5 3 , bes. 234 f. 47 Vgl. K. Großschmidt (zitiert in Anm . 16). Vgl./. C. Carter, Agricultural Settlements, in: G. P. C arratelli (Hrsg.), The W estern Greeks (Milano 1996) 368. M. Henneberg, R. Henneberg, J. C. C arter, H ealth in C olonial Metaponto, in: Research and Exploration. N ational Geographie Society 8 (1992) 4 4 6 -4 5 9 ./ . C. Carter, The N ecropoleis o f M etaponto, 2 Bde. (Austin 1999).

42

Frank K olb, Andreas Thomsen

sich die Frage, ob die übliche Unterscheidung zwischen site und o ff- s i te bei Keramik-Surveys aufrechterhalten werden sollte. Vielleicht müssen w ir die Siedlungs­ dichte und die demographischen Verhältnisse in der antiken Welt optimistischer einschätzen, als die moderne Forschung dies bisher üblicherweise tut.

Jo h n Bintliff, Phil H oward A Radical Rethink on Approaches to Surface Survey and the Rural Landscape of Central Greece in Roman Times The Boeotia regional project began in 1978, and on completion of the final field­ w ork campaign in 1997 had mapped some 250 rural sites and four larger, urban sites (for a recent cumulative bibliography cf. Bintliff, 1998). This paper w ill focus on the rural hinterland of the largest city site examined - ancient Thespiae. The city itself was completely surface-surveyed in 1985-6, and proved to be surpris­ ingly large - over 100 hectares densely occupied. Although the final mapping of urban surface finds by date is still in process, prelim inary plotting of a represen­ tative portion of the data (Bintliff, Snodgrass, 1988a; Snodgrass, Bintliff 1991) showed that the town reached its maximum occupation size in Classical Greek times (later Archaic to Early Hellenistic phases), then shrank to between 1/2 and 1/3 of its surface by Early Roman times, to remain at that size throughout the Late Roman period (5th-6th centuries AD). In subsequent years of our project field­ work, surface survey of the city’s rural hinterland to the south was carried out over an area of 5.2 sq.km (figure 1), resulting in the discovery of 18 locations designated as ‘sites’ by field-teams (on the basis of unusual quantity and/or quality of surface finds, prim arily of pottery and tile). These sites had a very spe­ cific chronological profile: none were initially recognised to be prehistoric, one had a major Medieval phase, and 17 of the 18 were Greco-Roman in date. On a re­ valuation of the nature of the taphonomic processes affecting prehistoric sites we are now inclined to see some half-dozen of these sites as vestigial small farmsteads in Bronze Age times (Bintliff, Howard, Snodgrass, 1999). In this paper, however, we shall focus on the much more abundant and representative ceramic finds of Greco-Roman times and the nonetheless equally complex problem of their inter­ pretation in activity terms. The most obvious question one might ask is whether surface ‘sites’ are quanti­ tatively denser than surrounding fields where past human activity is argued to have been lighter and non-focussed. The Boeotia Project used a ‘non-site’ survey methodology (Bintliff, Snodgrass, 1985) where the density of surface artefacts was recorded continuously across the entire surveyed landscape, together with measurement of variable soil visibility to allow for density corrections. With the help of GIS (Arch-Info and Arch-View in our case) it is relatively easy to compare

44

John B in tliff Phil H ow ard

*LSE1

®7HS17

Area 5,2 sq. km 17(18) 'sites’ fig .

300

0

300

600 Meters

1

the density of artefacts at defined radii from the approximate centre of a putative activity focus or ‘site’. In figure 2 we show cumulative percentage curves of sur­ face ceramic density (in sherds per hectare, visibility-corrected) for successive radii in 50m intervals up to 150m out from the site core. For comparison the dens­ ity distribution of all the district offsite fields (minus the fields containing ‘sites’) is shown. It can be seen that densities rise as one approaches sites, and even at 150m radius from a typical site, densities are above regional average - which to­ gether with the progressive density fall-off from the site proper point to the exist-

A R ad ic al R eth in k on A p p ro ach es to S urface S u rv ey

45

ence of ‘infield areas’ or ‘site haloes’ in our data, argued to dem onstrate intensive rubbish disposal and m anuring in the im m ediate surroundings of the typ ical rural site. It m ight also be predicted that such ‘halo effects’ w ould v ary w ith the size of site: Figures 3 -4 separate sm all sites considered to be rural settlem ents and those

46

J o h n B in tlifj, P h il H o w a r d

S h e r d d e n s ity a ro u n d la rge s e ttle m e n ts

Fig. 4

considered as large rural settlem ents, show ing as expected that sherd densities are both denser and more extensive into surrounding fields as settlem ents get larger. The surrounding densities of sm all settlem ents m erge into the level of district offsite by 1 0 0 m radius, w hereas those for large settlem ents are still above regional average at 150m radius distance. A t this point w hat perhaps constitutes the m ost rem arkable feature of Boeotian surface archaeology needs to be introduced: the staggering q u an tity of ancient p o ttery litterin g the agricultural landscape on a continuous basis for kilom etre after kilom etre (figure 5). As a result of total lin e-w alkin g at 15m w alker-intervals w e are able to d isp lay the total d en sity across the landscape b y field transect blocks, corrected for variable soil v isib ility (recorded on a scale of 1 - 1 0 , and co r­ rected proportionately, i.e. a count of 5 sherds in a transect w ith ca.10% soil v is­ ible due to vegetation cover = count 1 , becomes a corrected count of 50). Because the sector under stud y is alm ost 1 0 0 % agricultural land, v isib ility was rarely very poor, w ith crops and weeds being the m ain visib ility-h in dran ces (average visib ility count was around 50% i.e. 5). The average d en sity of finds across the entire lan d ­ scape of 5.2 sq.km . is 2635 sherds per hectare (ie one sherd for every unit of 2x2 m etres of landscape), or in total m ore than 1.37 m illion potsherds in the area under stu d y here. If w e consider that experim ents in Boeotia have suggested that around 16% of ploughsoil finds lie on the im m ediate surface, the putative content of the ploughsoil assem blage w o uld rise to a figure of som e 8 and a half m illion! W ith such staggering densities, it w as decided to sam ple the surface m aterial in the offsite sector for dating purposes, and in all 3714 pieces w ere collected in a rep-

A R ad ic al R e th in k on A p p ro ach es to S u rface S u rv ey

N -> 1 .3 7 million sherds (2635 per hectare)

Settlement sites and sherd density

o Sites Offsite f I 0 - 500 | I 501 - 1000

I

|1001

-2000

1

2001 - 3000 3001 - 5000 ___ 5001 -1 0 0 0 0 ■ I 10001 - 15000 ■ 15001 - 20000 ■ I 20001 - 30000 : No Data (sherds per hectare visibility corrected)

48

J o h n B intlifj, P h il H o w a r d

resentative w ay across the entire surveyed sector. C om parison of the spread and qu an tity of that sam ple b y chronological phase (figures 6-9) revealed a surprising fact: the contribution of late H ellen istic-E arly Rom an, E arly R om an and Late R om an finds was slight com pared to the C lassical G reek period (tech n ically late G eom etric to E arly H ellenistic), w ith Prehistoric and M edieval-M odern even m ore insignificant. Som e 70-80% of all offsite finds belonged to that broad ‘C lassical’ phase. O f course the dom inance of hum an activity debris across the landscape during this one phase w as not hard to account for, since w e saw that at that tim e the city of Thespiae - in w hose near hinterland w e w ere w o rkin g reached easily its m axim al extent and hence inferred population. We have in previous publications discussed at length the origin of such high off­ site densities (cf. especially B intliff, Snodgrass, 1988b; Snodgrass, 1994), attributing them un am b iguo usly to intentional m anuring using accum ulated rubbish of o r­ ganic and inorganic m aterial stockpiled in ancient urban sites and rural estatecentres. The im m ense quantities im plied b y our recorded densities, confined to one phase of landscape occupance, can o n ly em anate from the rubbish of a very large b o d y of people. O ur provisional population num bers for the rural sites in this sector - some 100/150 people in C lassical G reek tim es, pale into com plete insignificance placed beside the estim ate for the contem porary population of the city of T hespiae on the very edge of the surveyed zone to the north - perhaps 14000 inhabitants. T here seems no doubt that the vast m ajo rity of offsite finds reflects the intensive m anuring and hence cultivation of our sector b y fam ers res­ ident in the city, w ith m uch sm aller inputs from the rubbish-heaps at rural sites w ith in the sector itself. A t this point w e can usefully com pare the deep im pact suggested at Thespiae to a radius of at least 2 kilo m etres’ m anuring transport w ith figures produced b y T ony W ilkin so n (1994) for recorded agricultural m anuring zones around N ear Eastern sites he has studied, w here cities over 40ha in size show m anuring scatters of several kilom etres’ radius. GIS m ight be said to ‘lo ve’ m odels w ith such direct spatial im plications, such as this, so w e have exploited its potential to investigate the m anuring-effect more system atically. If m ost offsite m aterial em anates from the city, w e m ight expect to find rubbish transport to have been affected b y distance and slope in relation to an hypothetical c ity farm er and his cart full of m anure. We w ere pleased to find that most of the v ariab ility in offsite densities can be explained through reference to this trend, once w e take out the clearly-defin ed site haloes that surround our re­ corded rural settlem ent sites. A lesser effect that em erged was an additional ele­ vation in ceram ics in a river v alley in the southern p art of the rural sector beyond the cost-surface prediction, pointing to heightened m anuring in an u n usuallyfertile area of fields despite its relative distance from the city. We are curren tly exploring the fine-detail of this m odel by lin kin g m icro-variation in densities to tradition al agricultural tracks across this g en tly-ro llin g landscape.

49

A R ad ic al R eth in k on A p p ro ach es to S u rface S u rv ey

200

0

200 400 Meters Sites H-R

Count of dated sherds in offsite transects

2 3 -5 6 -9

200

0

200 400 Meters Sites R

Count of dated sherds in offsite transects

10

M |2

13-5

200

0

200 400 Meters

Count of dated sherds in offsite transects

Fig. 8

• LR

Sites 0

jjg j 1 - 2

J o h n B intliff, P h il H o w a r d

52

200

0

200 400 Meters » Sites G-H

Count of dated sherds in offsite transects

Fig. 9

l M

]o

\

13- 26

A R a d ic al R eth in k on A p p ro ach es to S urface S u rv ey

53

The analysis of individual sites Some tw o years ago w e w ere at an advanced stage of data synthesis for the surface finds from B oeotia sites, w ith tables of sherds per phase for each site. H ow ever we w ere confronted by the problem all recent intensive surveys have reached at pub­ lication stage - the significance of variable num bers of finds per period at the same location. Figure 10 illustrates the problem w ell: ‘site 64 O tzias’ from the Keos Survey publication (C h erry et al., 1991). The dated collection was sm all and m ulti­ phase, especially for a 2 hectare site. Very slight num erical differences between dated finds for each period led to a rather arb itrary decision to allow confirm ed site-level activity for o n ly two phases of the seven or so po ten tially-rep resen ted in the sam ple collection.

SITE 64. OTZIAS Area: approx. 2.0 ha.? Confirmed activity: Late Roman; Middle Byzantine Dated finds from the site as collected: Greco-Roman 2+; Archaic-Classical 1; Archaic-Hellenistic 2 (plus +1?); Classical-Hellenistic 2; Classical-Late Roman 2 (plus 1+?); Late Roman 4+ (plus 1+?); Roman 1; Middle Byzantine 4; Modern 1+; Hellenistic-Roman 1 (From: Cherry, Davis & Mantzourani, 1991) Fig. 10

Since B oeotia has a perhaps unparalleled carpet of offsite finds, one of the first things we need to do is clarify the param eters of that general landscape activity so as to set into context the den sity and then chronological m akeup of the finds re­ covered from the sites them selves. In other w ords, w ere the site not to have been there, w hat level of offsite discard m ight be expected across its surface and of w hat chronological m ix. C learly some significant am ount of po ttery from our sites is actually a consequence of that general landscape carpet discovered earlier, rather than being a direct result of site activity and related halo activity proper. H ow easy is it, in fact, going beyond the cum ulative frequency-graphs for all sites shown earlier, to isolate the ‘site effect’ on the maps of offsite finds across the w hole district? _ We have been able to m ake good progress in this aspect. Figure 11 shows our s'te L SE l, which is quite close to the eastern edge of the ancient city and m edieval

J o h n B intliff, P h il H o w a r d

54

Survey transects within 200m of LSE1 0

50

0

50

LSE1

100 150 Meters

1 - 500 L- " ] 501 - 1000 ■' " 1 0 0 1 - 2 0 0 0 2001 - 3000 3001 - 5000 5001 - 10000 10001 - 15000 15001 -20000 20001 - 30000 1No Data

Fig. 11

village of Thespiae. The shading in sherds per hectare is dom inated b y a trend of increasing d en sity as w e approach the city to the left of the diagram , so that the site grid lies in a d en sity sector that is essen tially controlled by very high citybased m anuring. O n ly in the east or right-hand edge of the site, w here the general h igh -d en sity carpet begins to drop off rather rapidly, can we see a higher-than-

A R a d ic al R eth in k on A p p ro ach es to S urface S u rv ey

55

expected patch of den sity associated w ith the site. W hat w e appear to be seeing here is a site-halo that is subm erged below n ear-city m anuring un til its eastern rim , w here it em erges to view. The 2 0 0 m den sity histogram not su rp risin gly p ro ­ duces figures all of w hich fall above the regional average for the w hole LSE/THS district offsite. C le a rly the lesson here is that ‘offsite’ im pact on the site collection is lik ely to have been considerable, and needs calculating before w e take the sherds collected at the site as a reflection of a localised activity focus. As w e move in creasin gly further aw ay from the c ity w e w ould expect to see the city-m an ure affect decreasing, allo w in g both sites and site haloes to stand out more m arked ly against local ‘b ackgro un d ’ densities. Site LSE3 (figure 1 2 ) p ro ­ vides a good illustration. We can note here how the extensive site halo is clearly above the characteristic den sity level of local offsite, and also how both the site and its halo seem to lie in association w ith a m odern farm -track. If haloes show' parts of a rural estate given heightened m anuring-treatm ent then these effects seem to be show ing us the ‘infields’ given preferential fertiliser b y the estateowners or m anagers of the sites concerned. A not-uncom m on site-typ e from our survey has been that of sm all rural cem eteries, m ain ly of general C lassical G reek date - w hen ap p ro p riately the greatest level of hum an activity traces occur in the countryside (both at the site and offsite level). These are very difficult to spot through standard recognition of surface sites, since their surface debris is lim ited in d en sity and spatial extent. N o rm ally th ey have been located o w in g to one field w alker spotting a piece of un ­ usually h igh -q u ality finew are in fresh ly-b ro ken and recently-exposed condition (cultivation or other disruption having brought p reviously-protected grave goods into the ploughsoil). The spatial character of such sites is p redictably quite differ­ ent to sites w here a range of indicators point to dom estic, agricultural use. Figure 13 illustrates such a sm all burial site - LSE 4, in its im m ediate landscape context. Not only does the site (the area of n arrow transects w ith in the innerm ost, 50m radius ring) not b etray an y im pact on its surrounding background, but if an yth in g it shows negative levels com pared to the d en sity range of the area around it. It is not difficult to account for this phenom enon: since the vast m ajo rity of offsite finds are of the sam e period as the cem etery, w e m ight expect that a burial precinct would have been left out of the intensive m anure and cultivation program m e, so that it should indeed be below local d en sity expectation. It is saluto ry to note the im plications: apart from the alm ost accidental spotting of rare finew are in very small patches of landscape, such sites are u n lik e ly to catch fieldw alkers’ attention even in areas such as this - where background is relatively low ; closer to large rural sites or urban sites, the chances of d iscovery become even more im probable. A n y density-based m ethodology for site-definition (as applied for exam ple b y C arrete et al., 1995) w ill also fail com pletely in the face of these kinds of surface site. At the core of the site ‘phenom enon’ (w ith or w ith o u t a halo), gridded counting of surface finds u su ally allow s us to distinguish areas of greater or lesser discard activity. W hen - as is norm al w ith dom estic sites - den sity levels are w ell-above local background, we can be confident that the general contouring disp layed is the

J o h n B intliff, P h il H o w a r d

56

S urvey transects within 2 0 0 m o f L S E 3

50

0

50

100 Meters

(ZJ° f

I 1 - 500 501 - 1 0 0 0

m

LSE3 Fig. 12

1001 - 2000 | j | | |

j

20 01 - 3 0 0 0 3001 - 5 0 0 0 5001 - 1 0 0 0 0 10001 - 1 5 0 0 0 15001 - 2 0 0 0 0 20 001 - 3 0 0 0 0 N o D ata

57

A R ad ic al R eth in k on A p p ro ac h e s to S urface S u rv e y

80

0

80

160 Meters

Survey transects I |

LSE4 Fig. n

| 1 - 500 | 501 - 1000 1001 - 2 0 0 0 B8EH 2001 - 3000 ■ ■ 3001 - 5000 m 5001 - 10000 — g 10001 - 15000 H I 15001 - 20000 g g g 20001 - 30000 : i No Data

58

J o h n B intliff, P h il H o w a r d

product of on-site activity rather than variations in offsite m anuring or haloeffects from n earb y sites. F igure 14 show s site LSE3 w ith a clear concentration of discard in the w est-centre of the gridded area. O n alm ost all the sites of this survey sector a separate d en sity count w as m ade of ceram ic tile as opposed to other p o t­ tery, since em pirical studies m ade p revio usly on the Project showed that in tra-site distinctions can frequen tly be m ade b y plo ttin g intense foci of this com m on G reco-Rom an roofing-m aterial. Figure 15, a d o t-distrib utio n of v isib ility-co rrected tile finds, highlights a clear tile-focus in the upper p art of the area just identified as the discard-heart of the surface ceram ic finds. O bvio usly to suggest, as w e w o uld here, that a tiled b uild in g lies in a sm all part of the site (p utatively the m ain residential farm house), the tile peaks should be enhanced over those of all ceram ics. T hat is clearly the case here. In other parts of the B oeotia P ro ject’s surveyed area w e have follow ed up such surface indications w ith larg ely success­ ful geophysical stu d y to pick up the plans of u n d erlyin g farm -buildings (B intliff 1992, 1997; B intliff, D avies et al., 1990).

Sample error and the residuaiity calculation M uch m ental effort has been expended on finding w ays to cope w ith the rather in­ tractable problem noted earlier in our illustratio n from the Keos Survey p u b li­ cation: how to deal w ith the com plex num erical and chronological variety of finds from individual sites. Firstly, if one grids a site and then plots back the dated sherds after study, it is tem pting to read an y clusters of finds for a particular period as m arking parts of the site in use at that tim e. This does not take account of the w a y in w hich m ost surface sites are sam pled d urin g fieldw ork. Figure 16 w ill serve as an exam ple. O n the site grid w e have m apped the percentage of finds collected for dating purposes com pared to the counted den sity for each sam ple rectangle. The field team spent different am ounts of tim e in each collection unit, w ere more then less enthusiastic about how m uch m aterial th ey bagged for study; v isib ility conditions and the apparent d iagn o sticity of typ ical finds w ill also have affected sam pling. In an y case, it is more than helpful to have such a Sam ple Fraction M ap alongside those show ing the distributio n of dated finds, so that we can try and control for clusters of finds arising from larger sam ples rather than genuine heightened activity in the past. In this case it is no tew o rth y that the dated collect­ ion varied from nothing brought back to base, through quite a few units w ith less than 10% collected, up to 3 units w ith over 20% collected. A n application of this approach follow s in figure 17, w here w e have disp layed the spatial dispersal of dated finds from the sam e site for E arly R om an times (R ), as w ell as p o ttery dated to ‘overlap ’ styles - Late H ellen istic to E arly Rom an (H -R ) and E arly to Late R om an (R -L R ). We have m arked the corner of sam ple units w ith above-average sam ple fractions as a guide to those units w here sam ple error m ust be w atched for. A lthough the apparent clustering of R finds in tw o areas - the north-centre and south-w est zones - includes four high sam ple-fraction units, the clustering

A R ad ic al R eth in k on A p p ro ac h e s to S u rface S u rv ey

10

0

LSE3 fig. 14

10

20 Meters

Visibility-corrected total pottery

jo h r tB in tliff.P h ^ ^

........ j -

-

\!• ' •

V.* f

.... »

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\ *y»»

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yK % : M

*» !

i* rv;»j; ?v>*:£

20

Meters

VisibiWy-corrected W e USE3 Fig. ^

61

Samp'e fraction (%) LSE3 40 Meters

Fig. 16

J o h n B intliff, P M H ° w a r d

R

1 Dot =

20 Meters

R -L R O

LSE3 Fig. 17

H 'R □

1 Dot 1

* D0 I

A R a d ic al R eth in k on A p p ro ac h e s to S urface S u rv ey

63

spreads across into m ore norm al units and is therefore lik e ly to reflect genuine activity foci. O verlap period w ares are b y their v ery nature less reliable on m u lti­ period sites, as th ey can w ell com bine features of tw o different period d istrib u t­ ions. In this case, w e argue from the total data for this site (not all shown here) that it began as a large C lassical G reek farm site, w hich shrank to a m uch sm aller farm or even seasonal agricultural base in R om an tim es, before becom ing m erely a field area in Late R om an times. The overlap finds show n here fit this m odel w ell: the H -R finds are m ore w id ely-d istrib uted than R, but also cluster w ith the R (som e thus m irror the larger site of C lassical-H ellen istic tim es); the R -L R finds are the rarest of the three types show n, and seem to fit on and betw een the two foci - w ith m inim al L R activity at the site th ey are p ro b ab ly less-firm ly datable evidence for the R use of the site. D em onstrating that m inor periods show a non-random structure of distributio n across the site is v ery helpful w hen num bers collected are sm all, and the risks of contam ination through ‘offsite’ use across the site increased. We needed to find param eters for the trends in district offsite p o ttery against w hich the site finds could be set, to id en tify in a more rigorous w a y w hether the den sity of finds in any period on the site w ere tru ly elevated above local offsite expectation. Figure 18 d is­ plays the chronological breakdow n for the offsite fieldw alkin g sam ple collections (i.e. essen tially non-site sherds) for about one third of the 5.2 sq.km . LSE/THS sector. The histogram s for the other tw o -th ird s are alm ost identical. W hat w e have

THSHIGHSLIMSUM 800 700 600 500 400 300 200

i

100

!

o

■Fig. 18

-

-

□ Seriesl

Total = 881

64

]o h ? i B in tlifj, P h i l H o w a r d

done is calculate the overall percentage representation of each phase in the district offsite to provide a generalized expectation of the period m akeup of the offsite in the entire sector. A s w e have seen, after rem oving the sites and their haloes from the district ceram ic d en sity map, it is possible to estim ate the d en sity range for b ack­ ground or offsite finds for the area around each site. W ith these figures we are no w in a position to do tw o related things: firstly to com pare site den sity against expect­ ation for the sam e fields had no site been there; secondly to give that non-site ex­ pected den sity an estim ated chronological com position. O ne final m anipulation: in order to com pare and contrast the representation of each period w ith in a site’s collection and betw een sites, w e have standardised the actual assem blage collected for datin g at each site to a single notional collection figure of 500 sherds. The aim of this series of calculations is to set up a N u ll H ypothesis: a reconstruction of the lik e ly den sity and chronological com position of surface ceram ic in the fields w ith in w h ich the site is found, had there been no site in use there, m ust deviate sign ifican tly from the counted and dated site collection statistics, on a phase by phase basis, in order to ju stify an y claim for ‘site’ activity. Two exceptions m ay allow a site to retain non-background status, even if the N u ll H yp o th esis is confirm ed for the global data for the site grid. If in fact the scatter for an y period is not clearly elevated above local background expectation, there rem ain the final tests of localised clusterin g or distinctive qualitative features for the finds. In the first case, as seen in the exam ple of figure 17 above, even though a period has few finds at a site, on average com parable to that expected from surro un din g fields, non-random focussing of those finds m ight still be taken to sign ify enhanced activity w ith in the site area; when collection num bers for one period become lim ited, sm all num ber statistics w o rk against com plete accuracy of m odelling (especially as the basis for com parison - the dated sam ple of all offsite pot - is in itself a sm all sam ple). N onetheless it is probable that discard activity at background levels but w ith a non-random area of deposition at a know n site im plies a form of site use in that phase in contrast to standard dom estic activity; in the case of non-ritual and fun erary m aterial, w e m ight suggest seasonal/tem porary use of the site. The second case is indeed one we have witnessed earlier - small burial plots w here d en sity m ay for good reason fall below that of surrounding fields w ith higher background counts, and w here the contexts also yield lim ited num bers of sherds but often of special w ares. C learly, however, there m ay be occasions w hen some doubt still rem ains as to the exact status of the finds of a par­ ticular period at a site, given the cum ulative processes of averaging of data, the necessary extrapolations in our calculations, and the constant problem of small num ber statistics. N onetheless our ongoing analysis suggests that although such final uncertainties do occur on individual sites, the nature of site use leaving such am bivalent indications is u n lik ely to represent m ajor activity, hence allo w in g us to group these phenom ena into a class of lim ited or doubtful focussed activity. Let us follow the m ain N ull H ypothesis m ethodology through in the case of site T H S4 (figure 19). As can be seen, the ‘ residual’ proportion of C lassical Greek finds (A -H ) is not very significant, and w e argue this to reflect offsite m anuring

A R ad ical R eth in k on A p p ro ach es to S urface S u rv ey

65

SiTE THESPiAE SOUTH 4; RESIDUALS: If the background is 2500, and the counts across the site are in transects of 15,893 average, then 16% of the material ought to be offsite, 84% site. For a standard module of 500 sherds = 80 offsite to be found on the site area. Based on the expected representation for the THS Low sector in offsite of 75% A-H, 3.7% R, 2.85% LR, and 1.66% MED (includes Early Turkish):

Expected Actual Residual

A-H 60 69 10

R 3 32 29

Period length

5-600 years

400 200 years years

LR 2 123 121

Fig. 19

m aterial. In E arly R om an times (R ) there is a m uch greater discrepancy to the ad­ vantage of the site collection, and yet absolute num bers are very low, allo w in g us to suggest that there was focussed activity at the site in this period, but alm ost certainly of lim ited and perhaps seasonal or tem porary form . F in ally the Late Roman (L R ) collection reveals a startlin g contrast, w ith a huge differential from background expectation confirm ing m ajor site occupation. It is w orth noting that although R finds are less than those of A -H , the total im balance between their rep ­ resentation in the district offsite m akes the R collection m uch more significant when found on a site grid. Indeed both the high level of background across the en­ tire LSE/THS survey sector (averaging at 2 635 sherds per hectare v isib ility-co r­ rected, or 1 sherd every 4 sq.m .) and its p redom inantly C lassical G reek com pos­ ition, mean that an y group of fields w o uld tend to look like an ancient settlem ent site to field surveyors used to landscapes w ith ou t m anuring scatters. Figure 2 0 w ill serve as a good illustratio n for this point. The fieldw alkers id e n ti­ fied a site LSE 2 in the near vicinity and east of the ancient city of Thespiae, where offsite carpets as noted earlier are especially dense. The gridded collection h o w ­ ever tailed to reveal structure in the site, and the m aterial was generally very worn änd typical for field m anuring rather than ploughed-up occupation-level m aterial.

J o h n B intliff, P h il H o w a r d

66

LSE2 Fig. 20

Visibility-corrected total pottery

A R a d ic al R eth in k on A p p ro ach es to S urface S u rv ey

67

As the d o t-d en sity map show s, a generally random ised scatter is apparent. The slig h tly elevated d en sity block of four grid-un its in the east of the site is due to a change in land-use across a north-south field bo un dary; this did allow us to ob­ serve another potential problem - w here a freshly-ploughed field (v isib ility-read ing 1 0 ) lies adjacent to one w ith dense stubble (v isib ility 1 - 2 ), the very com m on sighting of sherds in the first case and the very rare sighting in the second tends even w ith visib ility-co rrectio n to leave a residual contrast across that boundary, ow ing to the lin ear nature of the correction applied. V isib ility-co rrectio ns can be shown to produce m uch sm oother transitions across varyin g land-uses in the m iddle ranges of visibility. LSE2 was a helpful test of the m ethodologies outlined so far, but it rem ains on our list of sites because it survived elim ination through passing the last test for site elig ib ility on the list given above. It showed no significant d en sity elevation or in­ ternal structure for the global finds for the site, and its representation for C lassical Greek, R om an and M edieval times w as consistent w ith fields near the ancient city/m edieval village of T hespiae and nothing more. But ... the dated collection (figure 2 1 ) produced a sm all but h ig h ly non-random clustering of prehistoric ceramic and lithic finds. We w ould argue (see B intliff, H o w ard, Snodgrass, 1999) that such m inim al num bers of finds are lik e ly to be all that can be seen of sm all farm sites of the earlier phases of the B ronze A ge in G reece, for reasons of taphonom y and field w alkin g m ethodology. H ow reproducible are our new approaches as w e process site after site from the several hundred identified b y the B oeotia Project? Let us return to a site w hich we already looked at in its offsite context - LSE1, but now in its internal evidence. Figure 2 2 plots the dated sam ple for the C lassical G reek period. This phase dom inated the dated collection, and despite the nearness to Thespiae city, w as still significantly elevated above background expectation, as the R esidual A n alysis chart below confirm s: A -H A ctual Predicted R E SID U A L

R

LR

305 204

83 21

22 10

+101

+62

+ 12

In fact the global surface ‘shape’ of the site is essen tially created b y this one dominant period, since the d en sity contours are larg ely controlled b y the peaks and lows of the C lassical G reek m aterial. H ere it is critical to note that, once we decide that a C lassical G reek concentration is indeed a site rather than offsite material, all the sherds of that age are reinstated as site, since city m anuring w o uld not have been layered across a rural farm site or cem etery, etc. The ‘predicted’ offsue city effect here of 204 sherds now is added to the ‘residual’ above-expectation sherds which indicate site status, creating at 305/500 sherds a clear dom inance for that single phase of use of the site, and hence - larg ely creating the den sity anomaly which makes the site recognisable in the first place.

68

J o h n B intliff, P h il H o w a r d

Grab sample

10

0

10

20 Meters Prehistoric lifhics * 1 Dot = 1 Prehistoric pottery • 1 Dot = 1

LSE2 Fig. 21

In contrast, the E arly Rom an phase, from the R esidual chart, produced a far lo w er q u an tity of finds, y e t the elevation above expectation w as very pronounced. F igure 23 provides the explanation for these ap p aren tly conflicting trends: a very clear non-random focus of activity in a lim ited part of the site. If the C lassical G reek use is postulated at full site activity across the w hole grid, then the R om an use is suggested as a shrunken occupation phase. As for Late R om an, the R esidual chart does not im press w ith strong contrast against expected values - and as noted earlier, w ith such lo w num bers predicted for background and actu ally recovered, sm all num ber statistic biasses w arn us against m aking m uch of m inor fluctuations in the exact figures being used. The distributio n of L R finds (figure 24) - if we subtract the dubious bunching of double-finds in tw o high sam ple-fraction units (tagged) in the south-w est of the site, is v e ry m uch the kind of random and w ide dispersal w e w ould expect of non-focussed background activity.

69

A R a d ic al R e th in k on A p p ro ach es to S urface S u rv ey

Grab o Grab * Grab

LSE1

50

q

0 i—

50 Meters

A-H o C-H a C O

A-H 1 Dot = 1 C-H 1 Dot = 1 C 1 Dot = 1 1 Dot = 1 1 Dot = 1 1 Dot = 1

Fig. 22

Although m any of the sites analysed so far in the LSE/1H S sector are C lassical Greek occupation/cem etery sites w ith either shrunken use in R om an and Late Roman times on a putative perm anent or tem p o rary basis, or m erely offsite activ­ ity traces in these phases, there are as m any w here R om an or Late R om an use is significant or even the dom inant phase in the site’s flourishing. Such contrasting scenarios are im portant to allow us to counteract an y suspicion that the system atic downscaling ol activity traces w hen w e com pare one period against another is

J o h n B intliff, P h il H o w a r d

70

I cc 1 L o ti

50

0

50 Meters

Grab D Grab O R □ H-R

R -j Dot = 1 H-R 1 Dot = 1 1 Dot = 1

Fie. 23

larg ely due to a general change in the production and distribution of ceram ics across tim e (cf. the case made for the A ger Tarraconensis Survey in Spain - C arrete et al., 1995). T hat is not to say that there is not evidence for such intrinsic variab il­ ity across the m ajor historic periods in G reece, but so far our an alysis suggests that greater discard of pot in some periods com pared to others is m uch less im portant than the differences created b y the changing status of p articular sites along a spec­ trum from : suspected largescale, perm anent residential use for m ultifunctional activities; through sm aller-scale perm anent use perhaps for a lesser range of activ­ ities; then into even less-intensive, seasonal o r tem porary use of a location for a lim ited range of activity; and fin ally into offsite activity in w hich the site is treated very m uch as surrounding fields. We m ight co n ven ien tly slot the sm all rural burial class of site into the third category.

A. R a d ic al R e th in k on A p p ro ach es to S u rface S u rv ey

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LSE1

50

0 ..-...~... "

50 Meters ....... .. ........—

Grab LR O 1 Dot = 1 LR o 1 Dot = 1 R-LR a 1 Dot = 1

Fig. 24

To illustrate this last point w e can lo o k at one of the sites so far analysed w here the elusive Rom an presence in o ur landscape fin ally bursts into site dom inance site LSE7. Figure 25 disp lays the surface contouring of the site, w ith im pressive densities peaking in the east-centre sector (the tw o grab sam ples in the low er half of the figure relate to finds collected between the arm s of the form al rectangular grid units). In figure 26 w e see the plot of generic C lassical G reek finds from the dated sam ple collection. The clo sely-d ated ‘C lassical’ (ie 5th-earlier 4th century B C ) finds are strongly-focussed in the w estern part of the site, as are the overlap-period finds of C lassical to H ellenistic date (C -H ); nonetheless these finds constitute less than 10% of the dated collection (90/notional 500 standard sample).

J o h n B intliff, Phil- H o w a r d

72

The R esidual A nalysis: A -H

R

LR

E xpected A ctu al

44 90

4 120

2 243

R esid u al

46

116

241

show s that generic C lassical G reek finds are w ell-ab ove expectation for local background, yet n um erically sligh t com pared to the other k e y phases of site use. It is reasonable to explain this through a lim ited area of the site in use in this first phase, if still at full dom estic level. Both the E arly and Late R om an finds are d ram atically beyond com parison w ith the low background expectation for this locality. W h ilst the E arly R om an p lo t suggests a m arked expansion of site size, suitin g the elevated levels above those of the less extensive C lassical G reek site, Late R om an finds (figure 27) d isp lays the densest and m ost w idespread scatter of dated sherds. C le arly that last period created the essential global contours of su r­ face d en sity recorded b y the d en sity plot across the site, and w o u ld have been the tim e w hen the site saw m ost concentrated and extensive use (all the more m arked w hen w e consider that the finds specifically characterised as ‘L R ’ proper should be largely attributable to a phase of some 200 years, in contrast to the 5-600 years for potential generic C lassical G reek use, and the 400 for E arly R om an use). Figure 28 sum m arizes the k ey statistics and provisional interpretation of the sites so far analysed using our new m ethodology w ith in the LSE/THS sector. N ote that the variable num bers of sherds collected for dating from each site have been standardised to a sam ple size of 500 sherds to enable direct com parison.

Conclusions O ne of the features that has struck us fo rcefully is the in adequacy of sim ple n u­ m erical indications from the site/offsite com parison and from the in tra-site sta­ tistics - revealed clearly in the w a y in w hich this table shows how at times quite different counts can be given a sim ilar interpretation, w h ilst at other tim es sim ilar counts are given quite different interpretations, in site use term s. We think we have been able to dem onstrate that far m ore com plex considerations have to be brought to bear in distinguish in g betw een landscape activity in the site lo cality and focussed, site-based activity. The same com m ent applies eq u ally w ell to study of the internal den sity and chronological com position of site ceram ics. We accept that the final interpretations offered - albeit curren tly - for the sites presented here, m ay change w ith the accum ulation of a far greater num ber of case-studies subjected to the m ethodology, and indeed as a result of the process of constructive criticism b y colleagues w o rkin g w ith other surface surveys. H ow ever we rem ain convinced that surveys m ust now collect inform ation at a level of detail allow ing

A R a d ic al R e th in k on A p p ro ach es to S urface S u rv ey

73

\

LSE7

50

fig. 25

Visibility-corrected total pottery

0

50 Meters

I Grab samples j Ise7

J o h n B intliff, P h il H o w a r d

74

C-H grab □ 1 Dot= 1 I O C7

c 9 rab

LSE:7

o 1 Dot = 1

C-H □ C 50 M eters

Abb. 26

o

1 Dot = 1 1 Dot = 1

A R a d ic al R e th in k on A p p ro ac h e s to S u rface S u rv e y

75



o □

LSE7

50

Fig. 27

0

50 Meters

o

LR grab □ 1 Dot = R-LR grab O 1 Dot = LR □ 1 Dot = R-LR o 1 Dot =

1 1 1 1

J o h n Bintliff, P h il H o w a r d

76

PROVISIONAL SITE INTERPRETATION Per 500 sherds: A-H LSE1 305

R Full occ site 83 + rural sane.? 32 237 Offsite LSE2 [But a prehistoric site!] LSE3 LSE4 LSE5 LSE6 LSE7

425 416 443 345 90

Full occ site 30 Cemetery 13 Full occ site 41 Full occ site 67 Sm all occ 120 H status unclear

THS1 [Cemetery]

120

Full 'occ'

THS2 THS3

77 115

THS4 THS11 THS12 THS13 THS14

60 358 175 77 36

Offsite 47 (Small occ??)57 low activity Offsite 32 Cemetery 45 Full occ. 74 Offsite 63 Offsite 12

THS15 THS16 THS17

439 237 306

Cemetery 3 Large occ. 91 Full use occ. 53

0

Smaller occ site

LR 22 offsite?

Offsite

3 Offsite

6.5 offsite? 4 offsite Smaller low act. site? 4 offsite 29 Offsite Reduced act 243 Full occ Middle occ site Especially MR Smaller low act.

offsite

Offsite

0 Offsite

medium occ site Small occ/low act.

166 Full occ 223 Full occ

123 Full occ 40 Offsite 88 Full occ.site 219 Full occ.site 133 Full occ MEDIEVAL 213 Full occ 0 Offsite Offsite Medium-Large occ. 60 Offsite 25 (low act.-) offs Low activity Small occ site Offsite Full occ.site Small occ.site Offsite

Fig. 28

the problem s and solutions proposed in this paper to be put to further testing and im provem ent, even if this means a slow er rate of progress across the landscape and the abandonm ent of short-cuts such as excessive subsam pling of landscapes and site surfaces. W ithin the scope of this paper w e have avoided specific reference to com ­ plem entary analyses being applied to the sam e LSE/THS data. O ne im portant tool, for exam ple, w hich w e alread y have good and indeed counter-intuitive results from , is view shed analysis, exam ining the in tervisib ility of putative settle­ ment sites w ith each other, contem porary rural burial sites, and the city of Thes­ piae. A nother approach, in the hands of co -directo r A n th o n y Snodgrass, and

A R a d ic al R e th in k on A p p ro ach es to S u rface S u rv ey

77

especially relevant to questions raised and hypotheses m ade in this paper - is that of the functional com position of the assem blage from each site, by phase; w e are optim istic that this w ill give us independent evidence for differing m odes of site activity, not only betw een sites w ith in each period, but for changes in use across different phases at each site (prom ising pioneer w o rk of this kind has been carried out b y Todd W h itelaw on data from the Keos Survey - W hitelaw , 1998).

Notes !. A n e a rlier ve rsio n o f this pap er has appeared in: P haros. J o u rn a l o f the N eth erlan d s In sti­ tute at A th e n s, V II, 5 1 - 9 1 . This -version in co rp o rates so m e re visio n s and has a d iffe re n t selec­ tion o f illu stratio n s.

A cknow ledgem ents: The surface su rvey of the LSE/THS rural d istrict, as part of the B radford-D urham -C am bridge B oeotia Project, was carried out b y the C am bridge team, under the direction of Professor A n th o n y Snodgrass, in the late 1980s and early 1990s. Dr. M ark G illings (L eicester U niversity) undertook the in itial d ata-en try and digitisation of the offsite fieldw alkin g transects and th eir num erical ceram ic and visib ility values, and Dr. Kostas Sbonias (C orfu U n iversity) directed the dataentry process for offsite and site artefact lists. The further digitisation of site rec­ ords and GIS investigation presented here is the w o rk of Phil H ow ard, w hilst the m ethodological procedures for site and offsite activity an alysis and consideration of the w ider interpretative issues is the w o rk of John Bintliff. Professor John Llayes (O xford U n iversity) identified the h istoric-era ceram ics, O liver D ickinson those of prehistoric date. The B oeotia Project has flourished ow ing to the o ut­ standing encouragem ent and practical assistance given to it b y the current Ephor of A ntiquities for B oeotia, Dr. V assilis A ravantinos, w h ilst our accom m odation has been thanks to the kindness and foresight of his em inence H ieronym us Bishop of Livadheia.

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J o h n B intliff, P h il H o w a r d

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M ichele Brunet Le territoire de Thasos: modeles et interpretation des donnees Si le term e de «m o deles» figure dans le titre de mon intervention c ’est parce que, bien evidem m ent, ä toutes les etapes des etudes que nous m enons ä propos des territoires de cites antiques, nous avons recours ä des m odeles, plus ou m oins theoriques, plus ou m oins generaux, parfois im portes d ’autres disciplines. Des modeles servent ä organiser Penquete sur le terrain, des m odeles interviennent encore et toujours au m om ent d ’interpreter les donnees rassem blees. Si bien que finalem ent, on en arrive ä se dem ander si ces investigations nouvelles portant sur des dom aines peu explores n ’ont pas aussi pour avantage de conduire ä la rem ise en cause d ’un certain nom bre de «m odeles regus» concernant l’histoire de la Grece antique. Dans notre program m e de recherche sur le territoire insulaire de la eite thasienne, le point ä mes yeux essentiel fut l’association d ’origine et perm anente entre la geographie et l’arch eo lo gie1. Com m e il va de soi, les geographes s’occuperent de tous les aspects de la recherche p ortant sur Penvironnem ent: caracteristiques «naturelles» geom orphologiques, et m odifications intervenues depuis l’A ntiquite, comme les changem ents clim atiques et les oscillations du niveau m arin, avec leurs consequences sur les traces littoraux. Le poids des facteurs naturels et anthropiques dans le declenchem ent des crises erosives et les changem ents de vegetations purent egalem ent etre evalues gräce ä ce savoir de la geographie traditionnelle. Mais conform em ent ä notre tradition de la geographie hum aine (aujo urd’hui rebaptisee «n ouvelle» geographie2, com m e il y eut naguere une «n ouvelle» histoire), notre prospection eut egalem ent recours ä des m odeles d ’an alyse spatiale, m ettant 1 G eographes: G ille s Sintes et P ierre G e n telle ; archeolog ues: Zisis B onias et m oi-m em e. N ous co nsidero ns a u jo u rd ’hui que le travail de p ro sp e c tio n est acheve, apres 15 annees d ’explorations (p o u r des perio d es plus ou m oin s longues) su r le terrain . P o u r un p re m ier bilan, vo ir Michele Brunet, Le te rrito ire de T h asos, in: L’espace grec, C e n t cinq uante ans de fo u illes de l’Ecole fran^aise d ’A th e n e s (Paris 19 9 6 ) 5 0 - 5 8 . 2 A p ro p o s de l ’h isto ire de la g eographie (p h ysiq u e et hum aine) depuis la fin du X I X Csiecle, vo ir l’essai de M arcel Roncayolo, Le paysage du savant in Pierre N ora (dir.), Les lieu x de m e­ m oire II. La N a tio n 1 (Paris 19 8 6) 4 8 7 - 5 2 8 . Q u a n t aux ra p p o rts p arfo is c o n flictu els entre 1 archeologie et la g eog rap hie (l’archeo log ie du paysag e naissante n ’est-elle pas to u t sim plement «un habit neu f de la g eographie h u m ain e»?), cf. Eric Fouache, L’allu vio n n e m e n t histo nque en G rece occidentale et au P elopo n nese. G e o m o rp h o lo g ie , A rc h e o lo g ie , H istoire, (BC H Suppl. 35, Paris, A th e n e s 5999) 1 - 3 2 .

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M ic h e le B ru n et

l ’accent sur ies notions de reseaux, d ’organisation spatiale et de distribution hierarchisee des points de peuplem ent tout en se m ontrant attentive aux questions d ’echelles, celie des phenom enes etudies tout com m e celle des cartes les reprcsentant3. Toutes ces notions ont ete utilisees de fa^on non pas doctrinaie m ais pragm atique. L’ile de Thasos form ait en effet une unite coherente sur un plan ä la fois geographique et p o litique durant l’A ntiquite. La question du reperage des lim ites frontalieres de la chöra ne se posait done pas p our nous com me un de ces prealables dont la resolution pose tant de problem es q u ’elle en devient l ’objet p rin ci­ pal de l’enquete. Pas d ’interrogation non plus ä propos de la localisation du «site central» tout au nord de l’Jle: ce point est etabii depuis le passage de C yriaq u e d ’A ncone ä Thasos en 1444. N ous avons procede ä un decoupage de l’ile en secteurs correspondant ä des unites m icro-regionales se distinguant com m e autant d’unites paysageres - plaines, vallees, secteurs de collines, plateaux d ’altitude offrant des possibilites de peuplem ent et d ’exploitation differenciees. Pour l’inventaire des sites d ’occupation, nous beneficiions des explorations mences anterieurem ent, depuis l’epoque des voyageurs au X IX e siecle, mais aussi de tous les acquis d ’une recherche d yn am ique et menee en continu par nos collegues de l’Ephorie de Kavala et par l’Ecole fran$aise d ’A rcheologie, presente ä Thasos depuis 19124. N ous avons done debute notre travail d ’exploration en nous fondant sur ce p re­ m ier m aillage de l’occupation de l’ile, m ais nous avons rapidem ent m is l’accent sur les logiques de circulation ä l’interieur du territo ire5, puis sur l’analyse des recur­ rences d ’im plantation des sites repartis entre differentes categories fonctionnelles (villages, ferm es isolees, phrouria, phares), reconnaissables ä p artir de certaines caracteristiques m orphologiques et presentant des criteres de situation constants. C ette prem iere im age de repartition nous fournissait les grandes lignes d ’une structure d ’organisation, qui pouvait etre utilisee ä p artir de cette etape, dans une dem arche dialectique, com me m odele predictif p our la recherche de nouveaux si­ tes. La validite de cette dem arche se trouva verifiee sur le terrain par la decouverte de nouveaux sites correspondant aux criteres d’im plantation et d ’espacem ent qui avaient ete m is en evidence. En outre, ce m odele construit en quelque sorte «de l’in terieur» devint egalem ent un outil d ’an alyse pertinent pour la com prehension des schem as de peuplem ent et des strategies d ’occupation du sol.

3 T outes ces n o tio n s son t co m m o d em en t reg roupees et definies dans Roger Brunet, Robert Terras, H erve Tbery, Les M o ts de la geograp hic, d ictio n n aire critiq ue (M o n tp ellier, Paris 3 1993). 4 O u tre les degagem ents dans l ’asty, de fru ctueuses rech erch es o n t ete c o n d u ites dans le ter­ rito ire depuis fo rt lon gtem ps; v o ir a ce sujet, en co m p le m e n t de Francois S alviat , Yves G randjean, G u id e de T hasos (A th en es, Paris 22 0 0 0 ), le bilan presente p ar Flaido KoukouliC brysanthaki , A rth u r M uller, Stratis Papadopoulos (eds.), T hasos, M atieres p rem ieres et tech n o lo g ie de la p re h isto ire ä nos jo u rs (A th en e s, Paris 1999). 5 Zisis Bonias, Michele Brunet, Gilles Sintes, O rg a n isa tio n des espaces et chem inem ents anti­ ques ä T hasos, in: A rc h e o lo g ie et E spaces (A n tib e s 19 9 0 ) 7 1 - 8 6 .

L e te rrito ire de T h aso s

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N otre dem arche consista done ä adapter un certain nom bre de references theoriques ä la realite d’une entreprise qui devait com poser avec un certain nom bre de contraintes m aterielles. C e faisant, eile em prunte ä la geographie des outils, com me la carte, et des m odes d ’analyse, com m e la com paraison et la confrontation perm anentes entre differentes echelles d ’apprehension des phenom enes. U ne teile approche apparait assez bien adaptee ä nos objectifs: donner une prem iere image synth etique de [’im plantation hum aine dans l’ile de Thasos depuis l’epoque de la fondation coloniale ju sq u ’ä la fin de la periode rom aine. A l’evidence, cette p re­ miere im age devra etre com pletee dans le futur dans quelques regions de l’ile par des prospections plus intensives et dont la them atique p ourra etre plus ciblee. P our term iner ce prem ier point de mon expose, il me sem ble im portant de souligner que m algre les apparences, la collecte des sites destines a form er un corpus qui sera soum is ä analyses et com m entaires est d ’abord et avant tout une operation logique, preorganisee p ar une problem atique qui doit toujours etre clairem ent form ulee. Environ 350 sites ont ete repertories dans notre inventaire; iis se repartissent inegalem ent dans le tem ps entre l’epoque archai'que et l’epoque im periale rom aine. Ces sites sont reportes sur des cartes. C om m ent lire ces cartes, com m ent les in ter­ preter? Q uel sens donner aux configurations spatiales form ees p ar tous ces points dissemines dans l’espace? Les geographes - qui n ’ont plus la naivete des archeologues face aux represen­ tations cartographiques q u ’ils elaborent - sont les prem iers ä nous m ettre en garde: tout p aysage, q u ’il soit contem porain ou restitue par le truchem ent d ’une enquete archeologique, est un System e qui, visualise sous la form e d ’une carte, nous delivre des donnees parm i d ’autres. Ces inform ations issues des paysages doivent de ce fait im perativem ent etre coordonnees ä l’interieur d ’un ensem ble d ’autres donnees pour conduire 1’observateur vers la connaissance des structures et des system es qui les ont produits et que leurs elem ents influencent en retour6. «Sauf a tom ber dans un raisonnem ent circu laire», le sens d ’un paysage-objet archeologique doit done etre etabli autrem ent que par l’exam en du p aysage luimeme, c’est-ä-dire «en fin de com pte, autrem ent que sur l’indice lui-m em e»7. D’oü la necessite im perieuse d ’avoir recours ä d ’autres sources d ’inform ation, ä toutes les formes d ’inform ations disponibles. Elies sont heureusem ent assez nom breuses dans le cas de la polis thasienne. O utre les textes et les inscriptions, testimonia auxquels on songe spontanem ent, il faut aussi penser aux m onnaies, aux amphores et aux tim bres dont elles sont m arquees, aux vestiges des constructions publiques dans l’asty, bref ä l’ensem ble des tem oignages q u ’il convient ensuite de coordonner dans l ’optique d ’une histoire globale, m enee selon les perspectives braudeliennes attentives ä discerner des tem poralites differentielles8. Le projet est 6 V oir su r ce p o int les p ro p o s de Roger Brunet, A n a ly s e des paysages et sem iologie. Elem ents pour un debat, in: Alain Roger (dir.), La th e o rie du paysage en F rance (Seysse! 1995) 7 -2 0 . Philippe Bruneau, Pierre-Yues Balut, A rtistiq u e et A rc h e o lo g ie (Paris 19 9 7) 2 4 9 - 2 5 1 . A prop os de la tra n sp o sitio n des m odes d ’an alyse «an nalistes» ä l ’etude des territo ire s grecs antiques, cf John Bintliff, T h e A n n ale s S c h o o l and A rc h e o lo g y (N ew Y o rk 19 9 1).

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M ic h e le B ru n et

allechant, sa mise en ceuvre pratique rencontre toutefois de m ultiples difficultes. Si des constantes dans la m oyenne et la longue durees se laissent discerner sans problem e, il est beaucoup plus delicat d ’articuler entre eiles les categories d ’inform ations m entionnees ci-dessus, car eiles ressortissent ä des plans et ä des durees dif­ ferentes. M ais surtout, des que nous abordons la question fondam entale de ['iden ­ tification des differents facteurs qui intervinrent dans les choix successifs de peuplem ent et de mise en valeur des campagnes, nous nous heurtons bien vite au vaste problem e de l’econom ie grecque antique et de son role eventuel com me processus h istorique dyn am ique. D one au m odele prim itiviste et ä la figure tutelaire de F in­ le y 9. Tout ceci explique que les tentatives d ’orchestration de l’ensem ble des sour­ ces thasiennes que nous proposons aujo u rd ’hui sont inabouties, car eiles se nourrissent encore de plus d ’interrogations que de certitudes. Toutefois, on pergoit aussi com m ent des enquetes m onographiques ä l’echelle d’une eite teile que celleci sont en m esure d ’apporter une contribution essentielle ä ce debat sur l’econom ie antique, en m ettant en lum iere l’existence de faits et de com portem ents econom iques fort diversifies. A insi, sur les points tres controverses du role de PEtat en m atiere d ’econom ie et du rapport entre l’econom ie et le politique, il me sem ble que Pexam en de Pexem ple thasien fournit quelques elem ents de reponse. II conviendra cependant de se dem ander ju sq u ’ä quel point la eite fut l’organisatrice de son espace rural dans une visee econom ique et selon quels m ecanismes la richesse des particuliers contribua ou non ä celle de PEtat.

U ne constante dans la longue duree: le rapport ile-continent L’ile de Thasos correspond ä la chöra de la cite antique. C ette coherence geopolitique fut acquise, sem ble-t-il, des le m om ent de la colonisation de l’ile par les G recs, au debut du V IIe siecle av. J.-C . N eanm oins, la vie de la cite, son existence mem e, ne se congoivent des ce m om ent que dans la perspective des relations q u ’elle entretient avec le continent, oü la eite eonstitua progressivem ent une Epire, form ant certainem ent une entite territo riale dependante de l’ile oü se trouvaient des fondations coloniales de Thasos qui jouaient le role de lieux d ’echanges (em poria) au contact direct de la T hrace. D epuis le debut du X X e siecle, Pile est placee sous la tutelle adm inistrative de Kavala sise sur le continent, mais dans la longue duree, e’est la situation inverse qui prevaiut: le centre du pouvoir se trouvait sur Pile et contm lait une fran ge de terre continentale jugee necessaire ä l’«equilib re» insulaire, tant du point de vue strategique q u ’econom ique10. II existait done au 9 L’« o rth o d o x ie » p rim itiv iste , qui denie to u t ro le stru ctu re l et rn oteu r ä l ’echange m archand dans la G re ce des cites, com m en ce ä etre discutee avec des arg u m en tation s p ertin en tes et convaincantes, v o ir A lain Bresson, La eite m archande (B ord eau x 2 00 0 ). 10 A p ro p o s des ra p p o rts de depend ence entre les iles m ed iterraneennes et leurs voisines co n tin en tales, v o ir Emile Kolodny, In su larite m ed iterran een n e et specificite de la C o rse in: Christine Villain-Gandossi et alii (dir.), M ed iterran ee, m e r o u v e rte II (P aris 19 9 7 ) 7 6 7 -7 8 7 .

L e te rrito ire de T h aso s

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nioins deux logiques d ’organisation spatiale de !a cite antique, ä deux echelles differentes. La prem iere etait interne ä l’ile; eile prend en com pte les contraintes d ’un espace vaste de 380 km 2, caracterise par un relief accentue et com partim ente qui im plique des difficultes de circulation et de com m unication entre les differentes parties de l’ile, m ais qui trad uit aussi la volonte de m ise en valeur des diverses richesses q u ’elle recele, terres agricoles, forets, m arbres et m inerals. La seconde logique unit l’ile au continent en un ensem ble plus vaste, car le fonctionnem ent de la eite et sa puissance furent fondes des l ’origine sur les possibilites d ’echanges par voie terrestre ou m aritim e. C ette ouverture de la cite vers l’exterieur transparait dans le choix d ’im plantation de Vasty ä l’extrem e nord de l’ile, en un point qui n’est pas le plus favorable du point de vue de l ’equilib re territo rial interne, mais qui signe le lien tres fort qui la rattache ä son Epire et transform e la m er environnante en une sorte de m er interieure proprem ent thasienne.

Les rythm es d ’une histoire du peuplem ent territorial La periodisation ä laquelle l’inventaire des sites du territo ire p en n et d ’aboutir est sensiblem ent differente de la chronologie traditionnelle que l’on fonde sur les evenements. C e sont les interm ittences dans le rapport de l’ile au continent qui p resi­ dent en grande p artie ä la partition de l ’histoire de la cite antique en trois periodes, d’une duree inegale. 1. D e l ’epoque de la colonisation au debut du IV e siecle av. J.-C .

Desservis par une route circulaire, des villages et des sanctuaires extra-urbains occupent tout le p o urto ur de l ’ile, dans la zone de plaine et de piem onts et ä l ’interieur des grandes vallees de l ’O uest. Cette structure du peuplem ent territo rial m anifeste I’em prise de la eite sur la totalite de l’ile, gros organism e coherent et un itaire, m algre les difficultes de com m u­ nication interieures. L’E pire est le com plem ent naturel de l ’ile, en un system e de fonctionnement ä l’echelle regionale qui atteint son apogee ä la fin du VI® et au debut du Ve siecle, m algre la presence des Perses. U ne telle structure, tout comme le comportem ent politique, strategique et com m ercial de la eite l’inscrivent sans ambiguite dans une logique de eite coloniale, les points de com paraison etant nombreux avec les poleis qui se developpent ä la meme epoque en G rande Grece et en Sicile. De ce floru it de la eite, signe d ’une richesse collective, tem oignent son monnayage (choix de l ’etalon thraco-m acedonien) et les nom breux program m es de construction - dont celui du rem part - entrepris au cours de la seconde m oitie du V ie siecle et au prem ier tiers du Ve siecle. C ’est aussi ä cette epoque que se developpe une viticulture qui est en p artie destinee ä l’exportation: des le dernier quart du VICsiecle, les coupes fabriquees dans l’atelier de Phari accom pagnent le

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M ich ele B ru n et

vin thasien en mer N oire. Si la teneur exacte de la p lu s ancienne des lois thasiennes sur le vin et le vinaigre nous echappe11, le souci que m anifeste la eite en prom ulgant vers 480 av. J.-C . ce regiem ent assorti de sanctions severes ne se com prend que dans l’optique des prosodoi qui sont en jeu de son point de vue. En 463, irruption de Pevenement. Les A theniens briserent volontairem ent la structure thasienne en privant la eite de son Epire et des ressources que lui procuraient les m ines du C ontinent, la contraignant ainsi ä se replier sur sa seule chöra civique, l’ile elle-m em e12. Get evenem ent n ’eut aueune consequence im m ediate sur le m ode de peuplem ent et d ’exploitation agricole de Pile, qui se revela neanm oins capable de fournir par ses ressources propres le paiem ent d ’indem nites de guerre et d ’un trib ut parm i les plus eleves de la L igue de D elos, et ce par le biais de l ’instauration d ’un im pot sur le karpos. C e n ’est q u ’ä la toute fin du Ve siecle et au debut du IVe siecle que les T hasiens parvinrent ä restructure!' leur em prise sur le C ontinent, et ce pour peu de tem ps, car la venue de Philippe II de M acedoine dans les parages ä p artir des annees 360 bouleversa de nouveau le fonctionnem ent de la stucture thasienne. 2. Du IV e siecle au milieu du IIe siecle C ’est au cours de cette periode que se produisit un changem ent radical dans les form es du peuplem ent insulaire. O n constate en effet le developpem ent et la d is­ sem ination rapides dans tous les terroirs de Pile de grosses exploitations agricoles isolees, souvent fortifiees par une tour, qui presentent de grandes sim ilitudes avec les ferm es reperees dans les territoires de Crim ee. A la meme epoque, les ateliers de fabrication d ’am phores se m ultiplient: entre 390 et 330 environ (periode du tim brage dit «an c ie n »1-5), Yvon G arlan estim e que 15 ä 20 ateliers pouvaient etre actifs dans l’ile. Et ä p artir des annees 330 ju sq u ’a la disparition, au debut du IIe siecle av. J.-C ., de ce system e d ’estam piüage des em ballages ceram iques dont la visee etait vraisem blablem ent fiscale, le nom bre d ’ateliers est estim e ä une quarantaine. L’etude des m onnaies revele p o ur sa p art que le m onnayage d ’argent fut en regression constante tout au long du IVe siecle ju sq u ’a son arret vers 310 (il reapparut seulem ent vers 180-175), tandis q u ’en revanche la cite em ettait un tres abondant m onnayage de bronze servant uniquem ent aux transactions internes ä la cite 14. C om m ent faut-il interpreter tous ces faits qui se m anifestem concom itam -

11 P o u r ce texte et les autres in scrip tio n s thasiennes relatives au vin , v o ir en d e rn ier lieu Fran­ cois Salviat, Le vin de T h asos, am p h o res, vin et sou rces ecrites (R ech erch es su r les am p hores grecques, B C H Su ppl. 13, A th e n e s, P aris 1986) 1 4 5 - 1 9 6 . 12 V o ir Michele Brunet, T hasos et son E pire a la fin du Ve et au d eb u t du IVe siecle avant J e su s-C h ris t, in: E sclavage, g uerre, econ om ic en G re ce ancienne. H om m ages ä Y vo n G arlan, Textes reunis p a r Pierre Brule, Jacques Oulhen (R ennes 19 9 8) 2 2 9 - 2 4 2 et O livier Picard, T h u c yd id e I. ci et le trib u t de T hasos (R E A 10 0 , 19 9 8) 5 9 1 - 5 9 8 . 13 C f. d o re n a v a n t Yvon G arlan, Les tim b res am p h oriq u es de T hasos. I T im bres p ro to th a siens et tim b res anciens (Etudes thasiennes 18, A th en es, Paris 19 9 9). H C f O livier Picard, M o n naies et com m erce ä T h asos in: Jean A ndreau, Pierre Briant, Ray-

L e te rrito ire de T h aso s

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m ent? La dispersion dans les cam pagnes n ’est nullem ent un phenom ene specifique ä Thasos, com me Pont m ontre ies prospections d’autres territoires qui ont pour la plupart constate le developpem ent de l’habitat rural isole dans le courant du IVe siecle. Toutefois, com pte tenu de l’am pleur de ce phenom ene dans le territo ire thasien et de la m ultiplication en parallele des ateliers am phoriques, il est tentant d’ y voir un tem oignage sur l’intensification de la viticulture localc a des fins d ’exportation. C ependant, les trouvailles de tim bres am phoriques thasiens en m er N oire ne corroborent que partieüem ent cette Hypothese. A insi, si les im portations thasiennes a H istria croissent auto ur de 355, connaissent un apogee entre 330 et 295 et cessent au m ilieu du IIC siecle, il ne faudrait pas im aginer p o ur autant un ballet continuel de navires thasiens ou porteurs de vin thasien franchissant les D etro its15. En effet, en l ’etat actuel de nos connaissances, les quantites en cause ne correspon­ dent qu’ä la cargaison de quelques bateaux p ar an. «C ellu le econom ique cloisonnee» (O livier Picard) mais dyn am ique, Thasos vit alors en m arge des soubresauts de Phistoire p o litique tourm entee du debut de Pepoque hellenistique. On a (’im ­ pression que le developpem ent de la viticulture n ’est pas vraim ent la cause, m ais la consequence d ’un certain contexte favorable d ’echanges com m erciaux et que la eite beneficie alors pleinem ent de sa localisation, qui la place en situation de centre de redistribution dans le cadre d ’echanges qui s’ effectuent ä une echelle regio ­ nale16. R appeions ä ce propos la phrase d ’O livier de Serres, agronom e frangais du debut du X VIIe siecle: «Si vous n ’etes en lieu pour vendre votre vin, que ferezvous d ’un grand vign o b le?». La qualite du vin thasien, reconnu com me l’un des grands crus de l’A n tiquite grecque, serait done p luto t le p ro duit d ’une situation geographique et geopolitique particulieres que de conditions clim atiques ou pedologiques exceptionnelles. On constate Pabandon progressif des exploitations agricoles du territoire ä partir du m ilieu du Ile siecle, qui coincide avec une eclipse du vin thasien clans les sources textuelles et une interruption de la production des am phores dans la p lu ­ part des ateliers. A ucun texte ni inscription ne nous inform e sur les causes de ces phenomenes conjoints et vraisem blablem ent correles. 3. Reviviscence de la cite a l ’epoque imperiale romaine

A cette epoque se m anifeste une certaine concentration de la propriete fonciere: seuls quelques gros dom aines continuent ä etre occupes. En cela, Thasos se conforme ä une tendance qui affecte l’ensem ble des territoires de cites cie la Grece egeniond Descat (eds.), L co n om ie antique. Les cchanges dans l ’A n tiq u ite : le ro le de l’Etat (SaintB ertrand-de C o m m in g es 19 94 ) 3 1 - 4 5 . 5 Voir Alexandru A vram , H istria V III. Les tim b res am p horiq ues. 1. T hasos (B u carest 1996) ct 'ivon G arlan (ed.), P ro d u c tio n et com m erce des am p hores en m er N o ire (A ix -e n -P ro vcnce 1999). ’ Pour les rap p o rts de T hasos avec rh in te rla iid thrace au IV Csiecle, v o ir le d o ssie r de c o n tri-

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r®u n 'es ® Pr o Pos d e l’in scrip tio n c on cern an t l’c m p o rio n de P istiros, B C H 12 3 (19 9 9 )

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M ic h e le B ru n et

enne, et que Ton peut interpreter com m e l’indice d ’une integration dans un ordre econom ique ä une echelle plus vaste, qui bouleverse les equilibres locaux et regionaux. A cette epoque, s ’am orce un processus de m arginalisation, l’in sularite ä laquelle la eite est definitivem ent contrainte devenant un desavantage face ä un continent unifie oü passe la voie Egnatia. M ais le developpem ent de l’exploitation du m arbre entraina peut-etre la redecouverte du vin thasien, qui reapparait dans les sources ä p artir du Ile siecle de notre ere. I! s ’avere done que le ryth m e seJon lequel evoluerent les form es du peuplem ent rural ä Thasos ne se conform e nullem ent ä l’habituelle trip artitio n de l’H istoire grecque antique. L’analyse de certaines institutions com me l’evergetism e civique a d ’ores et dejä conduit ä rem ettre en cause cette m aniere de subordonner - retrecir - toutes les dim ensions de l’histoire ä l ’histoire des grands hommes et des batailles. En se fondant sur l’exam en des institutions civiques, Philippe G authier a clairem ent insiste sur la continuite qui lie l’epoque classique et la haute epoque hellenistique, tandis q u ’ä p artir du Ile siecle ce fut un autre m onde qui se m it en p lace17. B ien que les conquetes d ’A lexandre aient eu d ’im m enses consequences dans to u­ tes sortes de dom aines, «ä certains egards, les institutions ctes cites independantes (ou autonom es) dem eurerent inchangees ou connurent une lente evolution, non une m utation. A u contraire, ä la basse epoque hellenistique, l ’affaiblissem ent ou la disparition des m onarchies grecques et l’entree en scene des R om ains provoquerent ou accelererent des transform ations autrem ent profondes, non seulem ent dans les institutions, m ais encore dans l’organisation econom ique et sociale des com m unautes civiques». La m arque de ces transform ations survenues au m ilieu de l’epoque hellenistique est nettem ent lisible dans les territoires. De m aniere reciproque, il faut desorm ais s'in terro ger plus serieusem ent sur les causes des m utati­ ons dans les form es de peuplem ent qui se m anifesterem un peu partout au cours de la prem iere m oitie du IVe siecle. Plusieurs dim ensions et valeurs de l ’espace, plusieurs rythm es du temps coexi­ stent; c ’est en com parant de nom breux cas p articuliers que Ton parviendra ä degager une vue plus synth etique, actuellem ent encore largem ent prem aturee. C ’est ä cette oeuvre de longue haieine, mais passionnante, que co ntribuent des rencontres fructueuses com me celle qui fut organisee par le Professeur Kolb dans l’accueillante dem eure m unichoise de [’ H istorisches K olleg. Q u ’il en soit rem ercie.

17 Philippe Gauthier, Les cites grecques et leurs b ien faiteurs. C o n trib u tio n ä l’h istoire des in stitu tio n s (B C H Su ppl. X II, A th e n e s, Paris 1985).

C hristof Schuler Politische Organisationsformen auf dem Territorium von Kyaneai D ie K leinstadt K yaneai liegt ungefähr in der M itte ihres Territorium s innerhalb ei­ nes dichten Siedlungsnetzes, das sich quer durch die Epochen als eine M ischung aus E inzelgehöften und G ruppensiedlungen verschiedener K ategorien darstellt1. Aus der M asse dieser Gehöfte und O rtschaften ragt eine kleine G ruppe von Sied­ lungen heraus, die aufgrund ihrer G röße und Struktur als ländliche U nterzentren anzusprechen sind, also innerhalb der Siedlungshierarchie des Territorium s an zw eiter Stelle hinter dem städtischen Z entralort rangieren. Inschriften w eisen diese Siedlungen als Vororte von Landgem einden (öfj(xoi, Kcö|.iat) aus, die in h elle­ nistisch-röm ischer Zeit U ntergliederungen der Polis K yaneai bildeten. D iese dörflichen Zentren stehen im M ittelp un kt des vorliegenden B eitrages, insbeson­ dere die G eschichte und die Institutionen der in ihnen angesiedelten L andgem ein­ den. Für die U ntersuchung politischer O rganisationsform en kom m t den ep igrap hi­ schen Q uellen entscheidende B edeutung zu. A llerd ings enthält keine einzige der mehr als 1 2 0 Inschriften im Stadtgebiet von K yaneai Inform ationen über das Polisterritorium . D ie relevanten Texte liefert das U m land selbst, insbesondere die großen Siedlungen, in denen sich ebenfalls zahlreiche Inschriften erhalten haben. Das M aterial ist freilich w enig differenziert. Es dom inieren Sarkophaginschriften, in denen als Em pfänger von B ußgeldern gelegentlich nicht Institutionen der Polis, sondern die lokalen G em einden genannt w erden (demos von Korba, demos von Trysa etc.). Inschriften dieses Typs sind unsere H auptquelle für O rtsnam en und den Status von Landgem einden; die Sarkophaginschriften liefern dam it das G rundgerüst unserer K enntnis der politischen G eographie in K yaneai und ganz Z entrallykien2. A ndere Inschriftengattungen liegen nur aus Trysa vor: eine E hren­ inschrift und Fragm ente von Ehrendekreten des lokalen D em os3. D ie E inseitig­ keit des epigraphischen M aterials aus dem Territorium von K yaneai bringt es m it 1 Vgl. zum F olgend en die K a rte n A b b . N r. 1 S. 5 (T errito riu m v o n K yan eai) u n d 3, 5, 6 S. 14 -2 1 (Siedlungskarten ) in diesem Band. Die auch fü r den vo rlie g en d en B eitrag g run dleg en de U n tersu ch u n g dieser Fragen hat Zim ­ mermann 19 9 2 vorgelegt. f Petersen und v. Litschan (18 8 9 ) 8 f. N r. 14, 1 1 f. N r. 19; E. Löwy, In sch riften aus G jö lb asch i, in: A rch .-E pigr. M itt. aus Ö sterre ich 7 (18 8 3 ) 1 4 0 - 1 4 4 .

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C h ris to f S ch u ler

sich, daß man bei der V erfolgung vieler Fragen rasch an G renzen stößt, jed o ch w urden in anderen Poleis der R egion teilw eise w eit inhaltsreichere Texte m it In­ form ationen über die xröpo. gefunden, deren A ussagen auch für K yancai fruchtbar gem acht w erden können. Eine vorsichtige V erallgem einerung m ancher E inzelhei­ ten erscheint in diesem Zusammenhang legitim , zum al sich im m er m ehr abzeich­ net, daß es viele G em einsam keiten zw ischen den T erritorien lyk isch er Poleis gab. G erade in den N achbarpoleis K yaneais gibt es m ehrere Siedlungen, die in dieselbe K ategorie gehören w ie die dörflichen Zentren im U m land von K yaneai, allerdings archäologisch m eist gar nicht oder nur ansatzw eise erforscht sind. Eine A usnahm e bilden hier lediglich die A rbeiten von Th. M arksteiner auf den T erritorien von M yra und L im y ra lV o r diesem H intergrund stellt das T erritorium von K yaneai trotz aller Lücken im Q uellenm aterial einen G lücksfall dar, w eil die Inform atio­ nen aus den Inschriften m it der vollständigen archäologischen A ufnahm e säm tli­ cher D em enzentrcn kom biniert w erden können. D eren Siedlungsgeschichte und Struktur soll deshalb im folgenden knapp skizziert werden.

I. Die Siedlungen A uf dem G ebiet von K yaneai sind bisher drei ö% ioi inschriftlich belegt: Korba, T rysa und B ü yü k Av§ar, dessen antiker N am e nicht vollständig überliefert ist5. D iese G em einden gehen säm tlich auf unterschiedlich große befestigte Siedlungen der klassischen Zeit zurück. In T rysa und Korba gab es bereits in dieser Zeit neben den B urganlagen um m auerte H angsiedlungen6. In nachklassischer Zeit w uchsen beide O rte über die Siedlungsm auern der klassischen Zeit hinaus; ebene Flächen am Fuß der steilen Siedlungshügel w urden in die B ebauung einbezogen. Korba 4 Istlada (T errito riu m v o n M y ra): Tb. Marksteiner, A. Konecny m id B. M arksteiner, D e r Istla d a -S u rve y: D ie K am pagn e 19 9 7, X V I. A ra§tlrm a Son u^ lari T op lantlsI (A n k a ra 1999) B d. II, 3 7 3 - 3 7 4 (le tz ter V o rb e ric h t m it w e ite ren H in w eisen); B onda Tepesi (T erritoriu m vo n L im y ra): s. den B eitrag v o n M ark ste in e r in diesem Band. 5 K o rb a , T rysa: Zimmermann (1 9 9 2 ) 8 5 - 9 3 ; B ü y ü k A v§ar: B ehrw ald u .a ., in: K olb (19 98 a) 198 f. m it N r. 21. A u s dem u n eindeutig en B efund d e r In sch riften v o n Teim iusa sch lo ß Zim­ m ermann (19 9 2 ) 2 1 3 - 2 1 9 , daß d er H a fe n o rt un d d er d o rt angesiedelte demos spätestens in d er K a iserz e it ebenfalls fest in das T e rrito riu m von K yan eai in teg riert w ar, nachdem m ö g li­ ch erw eise eine Phase k o n k u rrie re n d e r A n sp rü c h e der N achbarstädte K ya n ea i un d M y ra v o r ­ ausgegangen war. Eine im S o m m er 2000 in Tybetissos e n td eck te In sc h rift z eig t nun, daß Teim iusa zusam m en m it T yb erissos in d er frü h e n K aiserz e it in F o rm einer S y m p o litie mit M y ra verb u n d en war. D ie A n n a h m e te rrito ria le r R echte K ya n ea is bis z u r K iiste, w elche d er z .B . in K olb (19 9 6 ) 2 A b b . 1 p u b lizierte n G e b ie tsk arte z u g ru n d e liegt, w ird dam it u n w a h r­ scheinlich; das In sch riften m aterial aus Teim iusa m uß im L ich t des N eufu ndes neu b e w e rtet w erden. 6 Zu den klassischen B urganlagen in T rysa und K o rb a s. Marksteiner, in: Kolb (1 9 9 3 ) 9 7 - 1 2 8 , zu K o rb a auß erdem den V o rb erich t vo n Geppert, in: K olb (20 00 ) 3 3 - 3 9 . U m fassen d e P u b li­ katio n en zu beiden Sied lu ng en d u rch M a rk ste in e r (Trysa) und G e p p e rt (K o rb a ) sind in V o r­ b ereitung . D e r Sied lu ng splan v o n K o rb a liegt bereits v o r in K olb (1 9 9 9 ) 3 95 Plan 3 so w ie m dem gen annten V o rb erich t v o n G e p p e rt.

P o litisch e O rg an isatio n sfo rm e n au f dem T e rrito riu m von K yan eai

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scheint dann in der K aiserzeit eine stabile E ntw icklung durchgem acht zu haben. In früh b yzan tinisch er Zeit w urde dort nochm als ein beachtlicher A kzen t im Sied­ lungsbild gesetzt: Die T rikonehos-B asilika von Korba gehört zu den größten und architektonisch aufw endigsten Kirchen des T erritorium s7. D eutlich anders verlief die Siedlungsentw icklung in T rysa. Ein großer A usbau im frühen 4. Jah rh un dert v. Chr., in dessen Zusam m enhang auch das bekannte H eroon entstand, dürfte den O rt vorübergehend zu einer der bedeutendsten Siedlungen Z en trallykiens ge­ macht haben. A uf einen w eiteren H öhepunkt lo kaler A ktivitäten in h ellen isti­ scher Z eit folgte dann aber eine Phase der Stagnation oder des R ückschritts. Sied­ lung und N ekropole w uchsen in der K aiserzeit nicht mehr, Inschriften aus dieser Zeit fehlen w eitgehend. Der G rund für diesen N iedergang dürfte in der Lage der Siedlung zu suchen sein. T rysa liegt auf rund 850 m H öhe und dam it höher als alle anderen D em enzentren. Der O rt ist nur unter gew issen M ühen zu erreichen, und in unm ittelbarer N ähe gib t es keine größeren Ebenen. Eine Tendenz z u r V erlage­ rung des Siedlungsschw erpunktes in unm ittelbare N ähe der A ckerflächen ist je ­ denfalls in B ü yü k Av§ar zu beobachten. A us einem kleineren H errensitz ohne an ­ geschlossene H angsiedlung entw ickelte sich dort erst in hellenistischer Zeit eine dörfliche Siedlung bescheidener G röße8. D eren Schw erpunkt verschob sich in der Spätantike in die große Ebene südw estlich des klassischen Siedlungshügels, wo eine um fangreiche Streubesiedlung m it m ehreren Kirchen entstand9. N eben den genannten drei demoi kennen w ir im U m land von K yaneai durch eine h ellen isti­ sche G rabinschrift eine w eitere ländliche G em einde: das peripolion T yin d a10. Diese Siedlung ist von allen ländlichen U nterzentren das kleinste und zugleich das einzige, in dem keine Reste der klassischen Zeit festgestellt w urden. D er O rt ent­ stand dem nach im w esentlichen erst in hellenistischer Zeit und scheint dann ohne große E ntw icklungssprünge w eiterbestanden zu haben. D a K irchenbauten fehlen, wurde T yinda in der Spätantike offenbar bedeutungslos. Insgesam t sind auf dem T erritorium also vier antike D örfer durch Inschriften als Vororte von Landgem einden gesichert. Zusätzlich zu berücksichtigen sind die drei weiteren bedeutenden Siedlungen der klassischen Zeit, über deren späteren Status keine inschriftlichen Inform ationen vorliegen. D ie w ichtigste, der Av§ar Tepesi, w urde in spätklassischer Zeit zugunsten des neuen Poliszentrum s aufge­ 7 Kolb (19 9 8 b ) 3 5 6 A b b . 5. 8 Marksteine)', D ie b efestigte S ie d lu n g von B ü y ü k Av§ar, in: K olb (19 9 6 ) 1 4 1 - 1 5 2 ; §anli, D ie H an gsied lun g vo n B ü y ü k A v jar, eb d. 1 5 3 - 1 8 4 . 9 Pamir, Siedlung X L II in d er O v a v o n B ü y ü k A v§ar, in: Kolb (20 00 ) 1 8 7 - 2 0 1 . 10 D ie In sch rift w u rd e ve rö ffe n tlic h t vo n G. Davies, in: JH S 15 (189 5) 109 Nr. 19 (2 .11. Jh. v.Chr.). D ie P u b lik atio n d e r Sied lu ng d u rch A . § a n ll befindet sich in V o rb ereitu n g ; d e r Plan der Siedlung liegt bereits v o r in Kolb (19 9 9 ) 4 0 0 Plan 15. D ie Z u o rd n u n g des B erglandes um Tyind a zu m T e rrito riu m v o n K ya n ea i b e ru h t allerd in gs n u r auf einem einzig en Text, einer weiteren, u n p u b lizierten S ark o p h ag in sc h rift, in d e r die G ra b b u ß e K ya n ea i zu g esp ro ch en w ird ('Zimmermann [199 2] 8 1). D e r S ark o p h ag , fü r den in den W ien er Scheden n u r eine vage L o k alisierun g vo rlie g t, w u rd e bei d er in tensiven B egehung des G ebietes im R ahm en d e r T ü ­ binger I'eldforsehungen n ich t w ied erg efu n d en un d k ö n n te bei den jü ngsten A u ffo rs tu n g s ­ arbeiten im U m k reis vo n T yin da z e rs tö rt w o rd e n sein.

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C h ris to f S ch u ler

lassen und scheidet dam it für das hier behandelte Them a aus11. D ie N achfolge als - w eit unbedeutenderer - Z entralort der R egion übernahm das südöstlich gegen­ über liegende B ü yü k Av§ar. W ohl an zw eiter Stelle hinter dem Av§ar Tepesi ran ­ gierte in der politischen G eographie der klassischen Zeit die lyk isch e B urg und befestigte Siedlung von Tüse. A uch für die nachklassische Zeit ist dort noch eine substantielle W ohnbebauung zu beobachten, über deren E ntw icklung aber w egen des schlechten E rhaltungszustandes keine genaueren A ussagen m öglich sind. Die geringe Zahl von Sarkophagen spricht dafür, daß der verkehrstechnisch ungünstig gelegene O rt ähnlich w ie T rysa in der K aiserzeit an B edeutung v erlo r12. Trotzdem kom m t für diesen Teil des T erritorium s als Vorort nur T üse in Frage. Im Südosten des T erritorium s entstand in H o yran in A nknüpfung an eine klassische B urgsied­ lung ein w eiteres dörfliches Z entrum 13. D ie ausgedehnte N ekropole zeigt, daß der O rt in der K aiserzeit seine größte B lüte erlebte und in dieser Phase zusam m en m it K orba eindeutig an der Spitze der Siedlungshierarchie im U m land von K yaneai stand. Trotz zahlreicher Inschriften sind w eder der antike N am e noch der Status der Siedlung bekannt, ihre G röße spricht aber dafür, auch H o yran als D em enzen­ trum zu betrachten14. D ie Siedlungszentren der L andgem einden sind nicht groß gewesen. Das Sied­ lungsareal, die A nzahl der H äuser, so w eit sie bestim m bar ist bzw. vorliegt, und die A n zah l der Sarkophage lassen sich für eine ungefähre Schätzung der B evö lke­ rungszahlen heranziehen (Tab. 1 ). A llerdings ist die E rm ittlung dieser Z ahlen m it einigen Problem en verbunden. D ie Zahl der H auseinheiten u n terliegt einem g e­ w issen E rm essensspielraum , da sich R aum kom plexe nicht im m er eindeutig von­ einander trennen lassen. Sie ist zudem ebenso w ie die A usdehnung des Siedlun gs­ areals ein M axim alw ert ohne chronologische D ifferenzierung, da aufgrund des O berflächenbefundes allein eine nähere D atierung der W ohnbebauung in der R e­ gel nicht m öglich ist. D agegen ist die Zahl der Sarkophage insofern zurückhalten d und exakt, als nur zw eifelsfrei erm ittelte Exem plare gezählt w urden. Da Sarko ­ phage häufig sehr gründlich zerstört w erden, dürfte ihre tatsächliche Zahl an den

11 S. d en B e itrag von A . T h o m sen in d iesem B and. 12 E ine d e ta illie rte B e sc h re ib u n g d er S ie d lu n g sreste b ieten Kolb, A kyel, in: Kolb (1995) 11 9150, ein e z u sam m en fassen d e A n a ly s e d e r S ie d lu n g sg e sc h ich te des O rtes K olb ebd. 193-203. 13 S. v o rlä u fig Marksteiner, D ie b efestigte S ie d lu n g von H o y ra n , in: Kolb (1995) 2 0 5 -2 2 8 . E ine a u sfü h rlic h e P u b lik a tio n d er S ie d lu n g w ird vo n G . R u m p p vo rb e reite t. 14 D en b eid en in T ü se u n d H o y ra n h y p o th e tisc h an g en o m m en en L a n d g em ein d e n , die b is­ la n g a n o n ym b leib e n , steh t S o p o u ö a , Kiu|xr| xig v n b ir|v e v o p la v Tfjg jtöXeto? K o ia v e w v , ge­ genü ber, d ie im Leimon des Johannes Moschos b eze u g t ist (c. 214, PG 8 7 .3 ,3 1 0 5 ). D ie sp rac h ­ lich a ttra k tiv e Id e n tifiz ie ru n g m it einem m od. D o rf S ered e au f dem G eb iet von P h ello s (L. Robert, H e lle n ic a X [1955] 202) ist h in fä llig , d a d ieses S ered e n ich t ex istie rt (G. E. Bean, A n z W ie n [1958] 49 A n m . 2; vgl. L. Zgusta, K lein asiatisch e O rtsn am en [H e id e lb e rg 1984] § 1246). S o ro u d a m uß also w e ite rh in im U m la n d vo n K yan eai gesu ch t w erd e n . T ü se ko m m t d afü r w e n ig e r in F rag e, da d e r m od. O rtsn a m e v ielleich t den a n tik e n b e w a h rt h at {Kolb [1995] 193). F ern er m uß m it d er M ö g lic h k e it g e rech n et w erd e n , d aß sich d ie N o tiz gar n ich t auf eines d er h ellen istisch -rö m isch en D cm en zen tren b ezie h t, so n d ern au f einen d er W eiler, d ie seit d e r S p äta n tik e zu teilw eise b each tlic h e r G rö ß e h eran w u ch sen .

P o litisc h e O rg an isatio n sfo rm e n a u f d em T e rrito riu m von K ya n ea i

91

Tab. I: D aten zu r G röße der dörflichen Zentren im U m land von Kyaneai H o y ra n S ie d lu n g sarea l (ha) R au m k o m p le x e S ark o p h age

1,9 67

K o rba 2,3 54

T rysa

B ü y ü k A v§ar

5,1 30 47

3,2 25 21

T yin d a 1 10

T üse 4,1 8

W egen sch le ch te r E rh a ltu n g d er W o h n b eb au u n g n ich t zu erm itteln . * !f A b sch ließ e n d e A n a ly s e d er W o h n b eb au u n g lieg t noch n ich t vor.

einzelnen O rten durchschnittlich um m indestens 10% höher gewesen sein. Trotz dieser M ängel liefern die Werte zusam m engenom m en einen groben M aßstab für die G röße und relative B edeutung der einzelnen Siedlungen, deren E inw ohner­ zahlen sich im B ereich von 100-300 Personen bew egt haben dürften. D iese D aten, so grobm aschig sie auch sein m ögen, sind als Fallbeispiele von großem Interesse, da bisher ähnlich konkrete A ngaben zur G röße an tiker D örfer in K leinasien nicht vo rliegen 15. H insichtlich ih rer topographischen Lage und ihres Siedlungsbildes weisen die D em enzentren einige G em einsam keiten auf. Da sie an B urganlagen der klassischen Zeit anknüpfen, besetzen sie strategisch günstige Positionen auf H ü ­ geln oder Bergen. D ie W ohnbebauung erstreckt sich in oft sehr steilem G elände vorzugsw eise an Südhängen. Sie dehnt sich in nachklassischer Zeit teilw eise bis in die Ebene hinein aus, wo in Trysa und Korba auch öffentliche Bauten entstehen. Dabei w erden die B efestigungen der klassischen Zeit w eitgehend funktionslos. Das peripolion T yinda unterscheidet sich in seiner Struktur nicht von den übrigen Siedlungen, obw ohl es dort keine klassischen Reste gibt. D er O rt liegt an einem kleinen akropolisartigen Felskegel, die W ohnhäuser staffeln sich im w esentlichen am steilen Südhang. A n den R ändern der Siedlungen schließen sich die N ekro p o ­ len an, w obei Sarkophage, die zw ischen H äusern stehen, verm utlich Indizien für das allm ähliche W achstum der W ohnbebauung in hellenistisch-röm ischer Zeit sind. Innerhalb der W ohnbebauung der D em enzentren standen die W ohnhäuser meist dicht gedrängt; in den Steilhängen erschlossen Treppen die einzelnen H au s­ terrassen. W ohnkom plexe dieser A rt eigneten sich w en ig für landw irtschaftliche A ktivitäten, insbesondere nicht für V iehhaltung. Tatsächlich fehlen in den H an g­ siedlungen größere H offlächen und Preßanlagen w eitgehend. Solche für Gehöfte typischen Elem ente finden sich dagegen häufiger an den R ändern der Siedlungen, an denen sich die Bebauung in verstreute E inzelkom plexe auflockert und Siedlungs- und N ekropolenbereiche m eist nicht k lar getrennt sind. In K orba und

15 H. Hellenkemper, F. H ild, N eu e F o rsch u n gen in K ilik ien (D e n k sch riften 186, W ien 1986) passim , m achen un gefäh re A n g ab en zu r H ä u se rz a h l m eh rere r a n tik e r W eiler u n d D ö rfer in K ilikien. D ie S ch ätzw erte sch w an k en zw isc h e n 20 un d 150 H ä u se rn , liegen m eist ab er z w i­ schen 40 und 60 H äu se rn . V gl. fü r das M u tte rla n d Str. 3,4,13: P h ilip p II. o rd n et 346 v .C h r. bei uer A u flö su n g der p h o k isch en S täd te an , d ie k ü n ftig en Kontext d ü rften n ich t m eh r als 50 H aushalte um fassen (s. d azu auch Schuler [199 8] 2 6 f.).

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Trysa folgen in unm ittelbarer Tuchfühlung zu den äußersten Sarkophagen weitere G ehöfte, die w eniger Teil der U m landbesiedelung als letzte A usläufer des d ö rfli­ chen Zentrum s sind. In unm ittelbarer N ähe der Siedlung von H o yran ist eine sehr auffällige H äufung von Preßanlagen zu verzeichnen, die nicht nur für eine gewisse Spezialisierung der Produktion spricht, sondern auch im pliziert, daß Bew ohner der K ernsiedlung hier ihre Ernte verarbeiteten. W ährend solche Beobachtungen den ländlichen C h arakter der D em enzentren unterstreichen, ist aus g run dsätzli­ chen E rw ägungen zudem m it der A nw esenheit von H andw erkern in den D örfern zu rechnen. A uch und gerade auf dem Land bestand zw eifellos eine beträchtliche N achfrage nach den D iensten von T öpfern, Schm ieden und Steinm etzen, die ele­ m entare P rodukte des täglichen B edarfs herstellten. Einen expliziten N achw eis für die Existenz m ehrerer T öpferw erkstätten in einem lykisch en D orf liefert die kaiserzeitliche Inschrift aus D ereköy im nördlichen X an th o stal16. Für das U m ­ land von K yaneai lassen sich nur einige w enige Indizien zusam m enstellen. In H o yran gibt es zw ei R aum kom plexe, bei denen Elisenschlacken bzw. G lasscher­ ben in auffälliger M enge an der O berfläche liegen und auf ein entsprechendes G e­ w erbe hindeuten. Ein G ebäude an der A gora von Korba m it ungew öhnlich langrechteckigem G ru n d riß 17 könnte ebenfalls gew erblichen Zwecken gedient haben. D enkbar ist aber auch eine politische Fun ktio n , etw a als A m tslokal. D ie Sarko­ phage schließlich, von denen vor allem in K orba und H o yran eine erstaunlich große Zahl zu verzeichnen ist (s. Tab. 1 ), sind eine aufw endige G rabform , deren E rrichtung w ohl nur gut situierten F am ilien zuzutrauen ist18. D eren Verm ögen w ird sich in erster Linie auf G rundbesitz gestützt haben, und aus dem Kreis so l­ cher Fam ilien w ird sich die dörfliche Führungsschicht rekru tiert haben, auf die unten noch näher einzugehen ist. Ö ffentliche B auten lassen sich in m ehreren D em enzentren identifizieren. In T rysa befindet sich am Fuß des B urgberges eine P latzanlage m it den R esten eines kleinen hellenistischen Tempels, die Ende des 19. Jahrhunderts von der ö sterrei­ chischen E xpedition un ter O. B enndorf ausgegraben w urden. D ie A usstattung des Platzes kom plettierten E hrenstatuen und ein rechteckiger H allenbau (13,5 m X 9 m), bei dem es sich sicher um ein öffentliches G ebäude handelt. D ie ö sterrei­ chischen A rchäologen berichteten außerdem über R este von Sitzstufen, die den Platz begrenzt haben sollen; von ihnen ist heute nichts mehr erh alten 19. Bei dem Platz muß es sich um die A gora der G em einde handeln, auf der w ohl Versamm ­ lungen abgehalten und jene B eschlüsse verabschiedet w urden, die man an den W änden des Tempels aufzeichnete. Eine ähnliche topographische Situation w ie in T rysa liegt in Korba vor: Im ebenen B ereich am Fuß des H ügels, den die klassische Siedlung besetzt, liegt ein klein er P latz, der auf einer Seite von dem oben erw ähn­ ten langrechteckigen G ebäude abgeschlossen w ird. N ach dem Vorbild von Trysa

16 17 is 19

W örde (1997) 407 Z. 43 f. m it dem K o m m en tar 444-447. Kolb (199 8b ) 356 A b b . 5. V gl. Kolb (199 6a) 1 0 5 f. Marksteiner, in: Kolb (199 3) 119.

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w äre hier außerdem das für Korba inschriftlich bezeugte A po llo n -H eiligtum zu verm uten. D ieses w urde verm utlich von der großen Trikonchos-K irche abgelöst, die in früh b yzan tinisch er Zeit ( 6 . Jah rh un d ert) am w estlichen Rand des Platzes er­ richtet w urd e20. In H o yran schließlich dürfte ein m onum entaler A ltar, der in n er­ halb der N ekro p o le m itten in einer größeren, leicht abschüssigen Freifläche steht., einen öffentlichen K ultplatz m arkieren. Ob der Platz, der außer dem A ltar keine architektonischen B esonderheiten aufw eist, über die A bhaltung von O pfern h in ­ aus auch für andere Z w ecke genutzt w urde, läßt sich nicht sagen. D a in Tüse, T yinda und B ü y ü k Av§ar keine öffentlichen B auten identifiziert w urd en und die genannten P lätze und H eiligtüm er in Trysa und Korba in h ellenistischer Zeit ent­ standen sind, gibt es im gesam ten U m lan d von K yaneai keine öffentlichen B au­ projekte, die der K aiserzeit zuzurechnen w ären. Insbesondere Therm enanlagen, in der K aiserzeit beliebte und auch in kleinasiatischen D örfern w eitverbreitete 21 Elemente öffentlicher Infrastruktur, fehlen. W enn die L andbevölkerung ein Bad genießen w o llte, m ußte man sich in die Stadt begeben, w o zw ei Therm en zur Ver­ fügung standen. Ob dieser M angel an baupolitischem Ehrgeiz als Sym ptom für eine allgem eine Stagnation der Landgem einden auf dem G ebiet von K yaneai zu deuten ist, w ird unten näher zu diskutieren sein.

II. Die G em einden und ihre Institutionen Für die D örfer bzw. G em einden im U m land von K yaneai sind in den Inschriften drei B ezeichnungen belegt: Kü'^U], örftiog und JtEputö/Uov. In einer unpublizierten Sarkophaginschrift aus K orba w ird die G rabbuße an die [Kopßetov] Krof-IT) verw ie­ sen. Der B egriff bezeichnet in diesem Fall nicht das D orf als Siedlung, sondern im verfassungsrechtlichen Sinn die D orfgem einde, die zw ar über eine gew isse Selbst­ verw altung verfügt, aber der Polis, in deren T erritorium sie liegt, ein- und unter­ geordnet ist. Ü blich erw eise w ird in solchen Texten jedoch der B egriff demos ge­ braucht, der im H in b lick auf den Status der G em einde neutraler ist und den Aspekt der eigenen Verfaßtheit und Selbständigkeit in den V ordergrund rückt22. Etwas m ehr Schw ierigkeiten m acht der seltenere Begriff peripolion , der w ie kome sow ohl eine Siedlung als auch eine dort ansässige G em einde bezeichnen kann23. D er sonstige G ebrauch des W ortes legt die Frage nahe, ob es sich speziell auf befestigte Siedlungen in der N ähe der Polisgrenzen bezieht. In Lykien sind Peripolia m ittlerw eile für vier Poleis belegt: X anthos, M yra, K yaneai und L im yra. Ein Isopolitievertrag, den X anthos und M y ra w ohl im 2 . Jah rh un dert v. Chr. ab20 Zu Plänen un d V orb erich ten s. d ie H in w e ise in A n m . 6f. 17. 2| D ie B elege sind z u sam m e n g estellt b ei Schuler (1998) 257 f. A u ch in T eim iu sa au f dem T e r­ ritorium von M y ra (vgl. o ben A nm . 5) ist ein k a ise rz e itlic h e r B au w o h l als T h erm e zu id e n ­ tifizieren. Die B egriffe KU)j.tr| un d öfjfxog w erd en in Schüler (1998) 2 2 -3 2 , 4 1—45 au sfü h rlic h a n a ly ­ siert. 23 S. den Ü b erb lick b ei Schuler ( 1998) 4 5 -4 9 .

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geschlossen haben, belegt ganz allgem ein, daß es auf den T erritorien dieser beiden Poleis jew eils m ehrere peripolia gab, die bisher nicht lo kalisiert sind24. D agegen kennen w ir in den G ebieten von K yaneai und L im yra m it T yinda und einer an­ onym en Siedlung jew eils ein peripolion; beide Siedlungen sind anhand von In­ schriften im G elände id en tifiziert25. D ieser Befund w irft die Frage auf, w ie das V erhältnis zw ischen dernoi und peripolia zu bew erten ist, da in den Territorien von X anthos, K yaneai und M y ra beide Begriffe nebeneinander bezeugt sind, und ob die peripolia sich dadurch auszeichneten, daß sie über B efestigungen verfügten und eine besondere R olle bei der Sicherung des Territorium s spielten. In T yinda fehlt eine B efestigung, und dasselbe g ilt anscheinend für das peripolion im G ebiet von L im yra, das archäologisch nicht näher erforscht ist. Letztere Siedlung geht im übrigen auf einen H erren sitz der klassischen Zeit zurück und entspricht in diesem P un kt den D em enzentren von K yaneai26. Besondere W ehrhaftigkeit w ar dem ­ nach offenbar nicht der G rund für eine m ögliche Sonderrolle dieser beiden p eri­ polia. D ie Inschriften zeigen dagegen übereinstim m end, daß die peripolia Vororte von Landgem einden gewesen sind, und W ö rrle sieht w ohl zu R echt in diesen G e­ m einden eben solche lokalen demoi, w ie sie in Lykien vielfach belegt sind27. Es bleibt aber die Frage, ob alle demoi eines Polisterritorium s peripolia w aren oder nur bestim m te, die sich durch eine besondere G eschichte auszeichneten. L etztere M ö glich keit hat kürzlich W ö rrle favorisiert, der dafür p lädiert, „in den lyk isch en JteptJtöXta ehem als selbständige O rte m it eigenem H interland zu sehen, die bei ihrer Integration in die %ü>pa einer Polis dank ihrer R andlage, ihres politischen G ew ichtes, später E ingem eindung und unerloschenen B ew ußtseins eigener histo­ rischer Identität sich unter den öfj(ioi einen besonderen R ang und eine gew isse A utonom ie als eine A rt Satellitenpoleis zu bew ahren verm ochten“28. D er archäo­ logische Befund in T yinda, das von allen Landgem einden im Territorium von K yaneai das bescheidenste Siedlungszentrum aufw eist, ist freilich nicht geeignet, diese attraktive H ypothese zu stützen. Das Problem m uß offenbleiben, bis neue Inschriftenfunde F ortschritte erm öglichen. U nser W issen über die Institutionen der L andgem einden im U m land von K ya­ neai ist aufgrund der begrenzten A ussagekraft der Inschriften äußerst lückenhaft. D ie B ußgeldverfügungen in den G rabinschriften beweisen die Existenz einer Kasse in den einzelnen L andgem einden, w om it gleichzeitig ein oder m ehrere A m tsträger zu deren V erw altung gefordert sind. A ußerdem m ußten G em einde­ versam m lungen, w ie sie für T rysa nachgew iesen sind, geleitet und D ekrete um ge­ setzt w erden. A usdrücklich e Belege fehlen aber bisher für K yaneai. D ie Poleis X anthos und M y ra gehen in dem Isopolitievertrag ganz selbstverständlich von der E xistenz von F unktionsträgern in den Landgem einden aus, w obei diese unspezi­ 24 Bousquet u n d G authier (1994) 321 f. Z. 36 f. 25 T y in d a: oben A n m . 1 0 ;peripolion im G eb iet von L im y ra : Wörrle (1999). 26 W örrle (1999) 3 5 7 f. 361 f. 27 W örrle (1999) 361 f. m it A n m . 36. 28 W örrle (199 9) 362, d er Ü b e rle g u n g e n von Bousquet u n d G authier (1994) 341 f. w e ite r­ fü h rt. V gl. auch Schüler (1998) 47 A n m . 176.

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fisch als a p y v0 V T E g bezeichnet w erden29. A us m ehreren anderen lykisch en Poleis liegen aber konkrete Belege für ö % i«p x p i vor, und solche jäh rlich w echselnden Vorsteher sind auch für die ö fp o i von K yaneai zu verm uten30. Eine jährliche B e­ setzung von Ä m tern im p liziert zudem W ahlen durch die G em eindeversam m lun­ gen. Da eine reguläre G em eindekasse sich nicht auf der Basis sporadisch anfallen­ der B ußgelder führen läßt, ist m it anderen, regelm äßigen E inkünften zu rechnen, über die uns keine Inform ationen vorliegen31. D ie G rabinschriften bezeugen au ­ ßerdem öffentliche K ulte von Eleuthera in Trysa und A pollon in K orba32, so daß m it Priesteräm tern und religiösen Festen in den betreffenden G em einden zu rech­ nen ist. Eine kü rzlich entdeckte späthellenistische Inschrift aus dem G ebiet von Phellos, dem w estlichen N achbar K yaneais, gibt näheren E inblick in einen sol­ chen ländlichen K ult33. D er Text stam m t aus Klrandag/(^ardakll, einem antiken D orf am Südostrand des T erritorium s von Phellos, in unm ittelbarer N ähe der G renze zu K yaneai. D er Status der Siedlung ist unbekannt, nach Siedlungsge­ schichte und G röße entspricht sie aber den D em enzentren im U m land von K ya­ neai und dürfte deshalb ebenfalls Sitz einer Landgem einde gewesen sein. In KTrandag gab es einen Z eus-K ult, der offenbar von jäh rlich am tierenden Priestern versehen w urde. D iese stifteten üblicherw eise für ein Fest zu Ehren des Gottes ein Rinderopfer, W ein und andere Z utaten fü r die V erköstigung der Festteilnehm er, die im A nschluß an das O pfer ein B ankett feierten. Solche Priesteräm ter, O pfer­ feiern und Festm ahle w ird man auch für die Landgem einden von K yaneai anneh­ men dürfen, auch w enn die organisatorischen D etails von O rt zu O rt verschieden gewesen sein m ögen. Im m erhin läßt sich auf ein D ekretfragm ent aus Trysa ver­ weisen, in dem die dortige G em einde einem W ohltäter die „Proedrie in den A gonen“ verleiht. D iese W ettkäm pfe dürften ihren Platz im R ahm en von religiö ­ sen Festen gehabt haben34. D ie Inschrift von KTrandag illu striert zudem , w ie sich M itglieder einer lokalen Führungsschicht als Euergeten für die Landgem einde engagierten. 29 Bousquet u n d G au th ier (1994) 321 Z. 17 f. 25 f. 3 4 -3 7 . 30 Ein neues Z eugn is fü r einen demarchos, in diesem F all aus dem G eb iet von A ry k a n d a , legt Wörrle (1996) vo r; vgl. auch den Ü b e rb lic k b ei Schuler (1998) 236 f. -11 U b er m ö glich e E in k ü n fte von L an d g em ein d en vgl. allg em ein Schuler (1998) 2 4 4 f. K o m ­ plexe O p eratio n en im B ereich ö ffen tlich er F in an zen b eze u ge n das k ü rz lic h p u b liz ie rte In ­ sch riftfragm ent aus dem peripolion vo n A sarö n ü (W örrle [1999] 363 f.), vo r allem ab e r die große In schrift au s D erek ö y, die ein h o c h d iffe ren zie rte s M o d e ll fü r d ie F in an z ie ru n g eines dörflichen K ultes u n d rig id e G en a u ig k eit b ei d er A b re ch n u n g von S teu ern b ele gt ( W örrle [1997] bes. 4 1 8 -4 2 2 , 4 4 7 -4 5 8 ). 32 Ch. Schuler, G o tth eiten un d G rab b u ß en in L yk ie n , in: L y k ia (im D ru ck ). 33 Ch. Schuler, N eu e In sch riften aus K yan eai u n d U m g e b u n g V: E ine L an d g em ein d e au f dem Territorium von P h ello s?, in: F. Kolb (H rs g .), L y k is c h e S tu d ien 6 (A sia M in o r S tu d ien 48, Bonn 2003) 166 f. N r. 1, m it au sfü h rlich em K o m m entar. 34 Petersen un d v. Luschan (1889) 11 f. N r. 19, F rg. m -n Z. 9. G ru n d sä tzlich k an n m an v e r­ m uten, daß ein g ro ß e r Teil d er G em ein d ev ersam m lu n gen in den D ö rfern zu k u ltisch en Z wecken zu sam m e n trat, ab er an gesich ts d e r sp ä rlich en Q u e lle n ist es m ü ß ig , ü b er den A n te il p o litisch -ad m in istrativ er In h alte zu sp e k u lie re n . V gl. zu K lein asien allgem ein Schüler (1998) 247; zu den a ttisch en Deinen, W hitehead (198 6) 9 0 -9 2 ; Parker (1987) 137.

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K onstitutiver Bestandteil der Landgem einden muß schließlich neben dem Sied­ lungszentrum ein G ebiet gewesen sein, das einen fest definierten B ezirk innerhalb des Po listerrito rium s bildete. In diesen G em arkungen befanden sich zahlreiche E inzelgehöfte und kleinere Siedlungen, deren B ew ohner als M itglieder in die Lo­ kalgem einden integriert gewesen sein dürften; für sie erfüllte das D em enzentrum die R olle eines Z entralortes unterster O rdnung. D abei ist nicht nur an politische und kultische, sondern auch an w irtschaftliche Funktionen zu denken35. Bei aller L ückenhaftigkeit unserer Q uellen zeichnet sich ein recht vielschichti­ ges B ild lo kaler Institutionen in den Landgem einden von K yaneai ab. B edenkt man die Schätzungen d er E inw ohnerzahlen, von denen oben die R ede war, bleibt unter dem Strich eine relativ kleine G ruppe von erw achsenen M ännern, die die H aup tlast der lokalen A ktivitäten trugen. Dies setzt ein erhebliches M aß an E nga­ gem ent der G em eindem itgiieder voraus, unter denen es zw eifellos eine w irtsch aft­ liche und politische Elite gegeben hat. Vor allem diese Führungsschicht, aber auch die durchschnittlichen G em eindem itglieder m üssen zudem noch in das politische G eschehen auf Polisebene involviert gew esen sein36. Insgesam t w ird deutlich, daß die Institutionen der zen trallykisch en Landgem einden Verhältnisse in verk lein er­ tem M aßstab reproduzieren, w ie w ir sie aus Poleis kennen. D ieses Phänom en ist nicht auf Lykien beschränkt, sondern typ isch für dörfliche Institutionen in K lein­ asien insgesam t. Trotzdem ist zu betonen, daß sich in den lykisch en Landgem ein­ den der hellenistisch-röm ischen Zeit keine Elem ente festm achen lassen, die in der epichorischen K ultur der klassischen Zeit w urzeln . D ie H ellen isierun g ist d urch ­ greifend und erfaßt m it gleicher Intensität Z entralorte und Landgem einden; nichts d eutet auf einen kulturellen G egensatz zw ischen Stadt und Land. Das T erritorium von K yaneai bietet ein beinahe idealtypisches B ild; U m das städtische Z entrum in der M itte liegen in einem unregelm äßigen Kreis verteilt m ehrere Landgem einden. D ie V erteilung der Siedlungen bringt es m it sich, daß die große M ehrheit der B evölkerung w eniger als drei K ilom eter L uftlin ie vom nächsten ländlichen U nterzentrum oder von K yaneai selbst entfernt w ohnte. D er Sied lun gsstruktur m it ihrer dezentralen Verteilung der B evölkerung entspricht die politische O rganisation des T erritorium s: D ie größeren Siedlungen bilden als Landgem einden zugleich verfassungsrechtliche Einheiten. W ichtige Bestandteile des öffentlichen Lebens der Landbevölkerung spielten sich in diesen U nterzen ­ tren ab, m it deren Institutionen eine ausgeprägte lokale Identität verbunden gew e­ sen sein dürfte. A ngesichts des m ultipolaren C harakters sow ohl der Siedlungs­ stru k tu r als auch der politischen O rganisation des Territorium s stellt sich die 35 Z u d ö rflich en G em ark u n gen in K lein asien allg em ein un d d er B e te ilig u n g von U m la n d b e­ w o h n ern an k o m m u n alen A k tiv itä te n vgl. Schuler (1998) 3 0 -3 2 ; zu r w irtsch a ftlich en Zentra lo rtfu n k tio n der D em en zen tren s. o ben die Ü b erleg u n g e n z u r P räsen z von H an d w e rk e rn und zu E in zelgeh ö ften und k lein e ren S ie d lu n g e n im U m lan d von K yan eai d ie B eiträge von U . H a ile r u n d A . §anlT in d iesem B an d. 36 Ü b er d ö rflich e F ü h ru n g ssch ich ten in K lein asien allgem ein vgl. Schüler (1998) 2 7 9-282 . Z w ei F a llb eisp iele fü r das E n gagem en t fü h re n d e r M itg lie d e r ly k is c h e r L an d g em ein d en aut P o liseb en e b esp rich t W örrle (1996) 159 u n d (1999) 365.

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Frage, w elche einheitsstiftenden Faktoren eigentlich die Polis K yaneai als Ganzes zusam m engehalten haben. A n erster Stelle ist hier das gem einsam e B ürgerrecht a l­ ler B ew ohner von Stadt und U m land zu nennen. Z ahlreiche Sarkophaginschriften im U m land belegen ausdrücklich das B ürgerrecht der dort Bestatteten, und um ge­ kehrt liegt w eder für K yaneai noch für andere lyk isch e Poleis der geringste H in ­ weis darauf vor, daß es unter der L andbevölkerung rechtlich benachteiligte G rup­ pen gab. D ie ländlichen demoi führten keine iso lierte Existenz, sondern w aren als U ntergliederungen der Bürgerschaft fest in die Polis eingebunden. Da die M it­ glieder der Landgem einden nach ihren M öglichkeiten zw eifellos auch am öffent­ lichen Leben in der Stadt teilnahm en37, setzten die politischen A ktivitäten der Landbevölkerung ein häufiges Kommen und Gehen zw ischen den Einzelgehöften und den D örfern einerseits und zwischen dem gesam ten U m land und K yaneai an­ dererseits voraus. Erm öglicht w urde diese vielschichtige K om m unikation durch ein engm aschiges W egenetz, von dem im R ahm en der T übinger Feldforschungen zahlreiche R este festgestellt w urd en 38. N eben der Integration des E inzelnen in das B ürgerrecht ist auf ko llektiver Ebene eine enge V erzahnung von Polis und Landgem einde zu beobachten. In dem Isopolitievertrag zw ischen Xanthos und M yra w eisen die beiden Poleis den L an d­ gemeinden A ufgaben bei der adm inistrativen U m setzung des Vertrages zu 39. Eine Inschrift aus T rysa belegt eine enge B eziehung zw ischen Landgem einde und Polis aus der um gekehrten Perspektive. Das am besten erhaltene D ekretfragm ent aus Trysa zählt Verdienste eines Flegelochos auf, die sich dieser durch großzügige U n ­ terstützung der Polis in einer finanziellen K rise und bei der V erw altung von Polisäm tern erw orben hatte. Von diesen Leistungen des H egelochos hatte auch die Gemeinde von T rysa profitiert; jedenfalls nahm sie sie zum A nlaß für das uns vo r­ liegende E hrendekret. D abei w ird die lokale G em einde als f||X6 tepog ö rp o g oder öfj(.iog rjjuciyv dem öfj|.iog schlechthin gegenübergestellt, bei dem es sich nur um den 8 fj|tog der Polis handeln kann40. D ie V erankerung der Landgem einde im p o liti­ schen G eschehen der Polis, ja ihre aktive Teilnahm e daran kom m en deutlich zum Ausdruck. Ein anderer Faktor, dem für die K onstituierung und den Z usam m enhalt von Polisterritorien in der aktuellen Forschung eine große Bedeutung zugesprochen wird, ist die V erteilung von H eiligtüm ern auf dem Land41. Für K yaneai haben die 17 Jones (1999) 94—115 arg u m e n tie rt, im k lassisch en un d h ellen istisch en A ttik a h ab e es nur eme geringe M o b ilitä t zw isch en L and u n d S tad t gegeb en , u n d in sb eso n d ere d ie ab g ele g e n e­ ren D em en seien w eitg eh en d iso lie rte G em ein sch aften gew esen . D iese T h ese kan n h ier nich t disku tiert w erd en ; das T e rrito riu m von K yan eai ist w eg en sein er ü b ersch au b aren D im en sio ­ nen in diesem P u n k t jed en falls n ich t m it A ttik a zu vergleich en . 38 Vgl. Kolb (1996a) 107. D ie an tik en We gtrassen im T e rrito riu m von K yan eai sin d in d er Karte A bb. Nr. 3, S. 14/15 in diesem B and verzeich n e t. ■a Bousquet und G authier (1994) 321 Z. 17{. 25 f. 37 m it dem K o m m en tar 339. J Petersen und v. Luschan (1889) 12 N r. 19 F rg. o. L. u .]. R obert, L a C a rie II (P aris 1954) . 2(3 datieren die In schrift in das 2. Jh . v. C h r. G ru n d legen d fü r d ie In terp retatio n dieses Textes '+f £}mmermann (1992) 88 -91. k de Poligfiac, La n aissan ce d e la eite g recq u e: cu ltes, esp ace et so ciete V IIL'-V IL' siecles,

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T übinger Feldforschungen in diesem Punkt keine Erkenntnisse erbracht. Einzeln gelegene H eiligtüm er, die z .B . die G renzen des T erritorium s oder dom inierende P unkte in der Landschaft m arkieren, konnten nicht iden tifiziert w erden. In­ schriftlich belegt sind im U m land lediglich, w ie oben erw ähnt, die K ulte von A pollon in K orba und E leuthera in Trysa. Beide G ottheiten genossen auch in K yaneai eine prom inente Stellung; ob darin allerdings kultische V erbindungen zw ischen der Polis und den beiden Landgem einden zum A usdruck kom m en, läßt sich nicht beantw orten, zum al A po llo n -K ulte in Lykien insgesam t und E leutheraKulte besonders in Z en trallykien so verbreitet sind, daß die K onstellation in K ya­ neai w en ig signifikant erscheint42. Ein w en iger sym bolisches M ittel zu r K ontrolle eines Po listerrito rium s sind B efestigungen43. In diesem Zusam m enhang ist be­ m erkensw ert, daß die Entstehung der Poiis K yaneai im 4. Jah rh un dert v. Chr. keine größeren N eubauten von Festungsanlagen im U m land auslöste, w ährend K yaneai selbst in hellenistischer Zeit m it einem M auerring von beachtlicher Q ua­ lität um geben w urde. Im U m land w urden die aus klassischer Zeit vorhandenen A nlagen offensichtlich als ausreichend em pfunden, w obei m an w ahrscheinlich n ur noch die K ernbereiche der lyk isch en B urgen für einen nicht näher bestim m ­ baren Z eitraum w eiterben utzte44. Für die B eobachtung des T erritorium s und als Stützpunkte für kleinere m ilitärische O perationen eigneten sich die D em enzen­ tren dam it durchaus45. A ls w ichtigstes Band, das Z entralort und U m land zusam ­ m enhielt, bleibt also die Integration der gesam ten B evölkerung in das B ürgerrecht und die institutionelle V erzahnung von Polis und Landgem einden festzuhalten. D ie G rundlage dafür bildeten die gleichm äßige H ellenisierung von Stadt und U m land und die V erteilung der F ührungsschicht im gesam ten Territorium .

(P aris 1984); S. E. Alcock u n d R. Osborne (H rs g .), P lacin g the G ods. S an c tu arie s and Sacred Space in A n c ien t G reece (O x fo rd 1994). 42 F ü r d en k b a re M o d elle d er V erzah n u n g von K ulten d er P o lis und d er L an d g em ein d e n s, zu A ttik a Parker (1997) 139-143. W elch e M ö g lic h k e ite n ein religiö ses F est b ot, d ie E in h eit von S tad t un d U m la n d sym b o lisc h zu m A u s d ru c k zu b rin g en , illu strie rt e in d rü c k lic h d ie gro ße S tiftu n g sin sch rift d er D em o sth en eia aus d em n o rd ly k isc h e n O in o an d a. Im R ah m en dieses Festes, das im 2. Jh . n. C hr. g e stiftet w u rd e , fan d ein e O p fe rp ro zessio n statt, an d e r neb en den A m tsträ g ern d er P o lis auch V ertreter säm tlich er Ktöj.tat des T e rrito riu m s teiln ah m en (M. Wörrle, S tad t und F est im k a ise rz e itlic h e n K lein asien [M ü n ch en 1988] 12 Z. 8 0 -8 3 ). D u rch au s ve rg le ic h b ar ist d ie B e te ilig u n g d er a ttisch en D ein en an d er P ro ze ssio n im R ahm en d er P an ath en äen (W hitehead [1986] 1 3 6 f.). 43 V gl. I. Pimouget, D efen se et territo ire . L’ex em p le m ilesien , in : D H A 21 (1995) 8 9 -1 0 9 . 44 Marksteiner, in: Kolb (1993) 124 (z u r S ie d lu n g sm au er in T ry sa ; vgl. 134 zu T yb erisso s); ebd. 125, 128, 138 (R e p a ra tu ren in K o rb a u n d T eim iu sa); ders., in: Kolb (1995) 162 (A n b au e in er B astio n an d ie B u rg von T ü se in h ell. Z eit, g le ic h z e itig w o h l A u fg ab e d e r S ie d lu n g s­ m au e r); ebd. 222 f. (F eh len hell. U m b a u ten in d e r B u rg von H o y ra n , N e u au fb au erst in späta n tik -b y z . Z eit); ders., in: Kolb (1996b ) 151 (m ö g lich e W eite rb e n u tzu n g d e r O b e rb u rg in B ü y ü k A v§ar). 45 E rg än zen d ko m m en ein ige w e n ig e F estu n gsan lagen von b esch eid en er G rö ß e u n d Q u alität h in z u , d ie au f strategisch en P u n k te n p la z ie rt w u rd e n u n d v ielleich t d er G ren zsich eru n g d ie n te n , z. B. d ie A n lag e au f dem C e^tepe im S ü d w esten des T e rrito riu m s (s. v o rlä u fig Kolb [1999] 399 P lan 13).

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Eine große B edeutung von Landgem einden läßt sich nicht nur für K yaneai be­ obachten, sondern scheint für lykisch e Poleis allgem ein charakteristisch zu sein46. Die Frage d rangt sich auf, w ie dieses besondere G ew icht lyk isch er L andgem ein­ den zu erklären ist, aus w elchen historischen Wurzeln, die lokalen Institutionen ihre V italität beziehen. D ie D em enzentren im U m land von K yaneai gehen säm t­ lich auf m ehr oder w eniger bedeutende Siedlungen der klassischen Z eit zurück. Eine w ichtige Station bei der Entstehung der L andgem einden muß deshalb die A blösung der sog. D ynasten durch die Polis K yaneai m it der B ildung eines ent­ sprechenden T erritorium s im 4. Jah rh un d ert v.C hr. gewesen sein47. Das frühere politische Selbstbew ußtsein dieser O rte scheint sich in den späteren demoi m it begrenzter Selbständigkeit niedergeschlagen zu haben. M angels Q uellen können w ir diesen Prozeß nur im Ergebnis beobachten, da keine der Inschriften aus dem U m land von K yaneai, w elche die E xistenz von Landgem einden dokum entieren, nach dem paläographischen Befund älter als ca. 200 v.C hr. ist. A us drei anderen lykischen Poleis - X anthos, L im yra und Telmessos - liegen aber Inschriften des 4./3. Jahrhunderts vor, in denen TtspioiKOi z .B . von den X anthiern unterschieden werden, w obei beide G ruppen anscheinend gleichberechtigt sind. Diese Texte do­ kum entieren offenbar einen allm ählichen Integrationsprozeß der B ew ohner um ­ liegender Siedlungen in das Territorium und die Institutionen der Polis und könn­ ten ein M odell für die E inbeziehung klassischer Siedlungen in das G ebiet von Kyaneai liefern48. D aß in einem G ebiet m it extrem klein teiliger p olitischer G lie­ derung größere Einheiten aus m ehreren kleineren G em einw esen entstehen oder stärkere Poleis sich ihre schw ächeren N achbarn einverleiben, ist auch außerhalb Lykiens ein verbreitetes Phänom en, und gerade das benachbarte K arien m it sei­ nem ähnlich fragm entierten L andschaftsrelief bietet viele P arallelen49. In Lykien verliefen diese Integrationsprozesse nach zw ei G rundm ustern, die je nach K räfte­ verhältnis zw ischen Zentrum und peripheren G em einden unterschiedliche Grade der Z entralisierung zum Ergebnis hatten. Das T erritorium von K yaneai repräsen­ tiert das eine M odell: U m liegende G em einw esen gehen als öfj(,ioi bzw. Kfijjiai vo ll­ ständig im T erritorium eines überlegenen Z entralortes auf. A uch w enn die Inte­ gration, w ie oben erw ogen, stufenw eise verlaufen sein m ag und R aum für eine be­ grenzte lokale Selbstverw altung läßt, steht am Ende ein geschlossenes P o listerritorium. Die zw eite O rganisationsform , die hier lediglich als H intergrund für die Situation in K yaneai ku rz angesprochen w erden soll, ist die Sym politie; in Lykien kennen w ir m ehrere Beispiele für solche Z usam m enschlüsse, w obei die Belege sämtlich aus der K aiserzeit stam m en50. Z w ar gruppierten sich auch die M itglieder Einen kn app en Ü b e rb lic k ü b er die Q u e lle n b iete t Schuler (1998) 2 1 1 -2 1 5 ; zu ergän zen sind jetzt die von W örrle (199 7) u n d (1999) p u b liz ie rte n N eu fu n d e. S. den B eitrag vo n F. K olb in d iesem B and. 8 G run dlegen d fü r d ie JtepioiKOt in L yk ie n ist M. W örrle, in: C h iro n 8 (1978) 2 3 6 -2 4 6 , d er (1999) 362 f. ein e V erb in d u n g zw isc h e n ih n en u n d den sp äteren JtspiJtöX ia in E rw ä g u n g Zieht. 50

? k naPPen Ü b e rb lic k b ei Schuler (199 8) 2 0 8 -2 1 0 m it w eitere n H in w eise n . Vgl. Zimmermann (1992) 123-141.

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einer Sym p o litie um einen gem einsam en Z entralort, sie bew ahrten dabei aber eine größere Selbständigkeit, und der Verband blieb insgesam t lockerer. D ie von K ya­ neai und anderen lykischen Poleis abhängigen Landgem einden belegen also nicht nur das politische Selbstbew ußtsein und Engagem ent der L andbevölkerung, son­ dern unterstreichen auch, daß die Poleis und ihre T erritorien in Lykien sich nicht als fertige Einheiten konstituierten, sondern daß auf die ersten A nfänge in spät­ klassischer Zeit ein lan gw ieriger E ntw icklungs- und K onsolidierungsprozeß folgte, dessen letzte A usläufer vereinzelt noch in der frühen K aiserzeit greifbar sind51. Im T erritorium von K yaneai scheint im 2 ./I. Jah rh un dert v.C hr. der H öhe­ p un kt der E ntw icklung lo kaler Institutionen erreicht zu sein, da kaum einer der relevanten Texte in nachchristliche Z eit fällt. D azu fügt sich der U m stand, daß in den D em enzentren in der K aiserzeit keine öffentlichen Bauten m ehr entstan­ den. Kann m an daraus auf eine verstärkte Z entralisierung und M onopolisierung öffentlicher Funktionen durch K yaneai schließen, m öglicherw eise ausgelöst durch die neuen R ahm enbedingungen, w elche die G ründung der röm ischen Pro­ vinz 43 n .C hr. m it sich brachte52? In anderen G egenden Kleinasiens ist es gerade die K aiserzeit, in der Landgem einden prosperieren und verstärkt Inschriften er­ richten. A uch im U m land von K yaneai haben einige Landgem einden eine stabile oder d ezid iert positive E ntw icklung durchgem acht, jedenfalls was N ekropolen und W ohnbebauung betrifft. Bereits für die hellenistische Zeit gilt, daß für die L andgem einden eine R eihe von Institutionen zu postulieren w aren, die in den In­ schriften nur einen indirekten oder gar keinen N iederschlag gefunden haben. Daß B ußgeldverfügungen an lokale demoi in den kaiserzeitlich en G rabinschriften auf­ hören und statt dessen P olis-Institutionen oder der kaiserliche Fiskus auch im U m land dom inieren, zeigt zwar, daß man sich von deren G ew icht einen besseren Schutz der G räber versprach, m uß aber nicht der A usdruck eines allgem einen V italitätsverlustes der Landgem einden sein. Jün gste N eufunde aus anderen Teilen Lykiens bew eisen für dortige D örfer das G egenteil53. Der A usfall der D okum en­ tation in der K aiserzeit im U m land von K yaneai könnte dem nach eher eine Frage des „epigraphic hab it“ sein, zum al die Landgem einden schon in hellenistischer Zeit ihre kom m unalen A ktivitäten kaum auf Stein festgehalten haben. D ieser U m ­ stand und das Fehlen kaiserzeitlich er B auprojekte ist allerdings durchaus von B edeutung für unsere E inschätzung des politischen Selbstbew ußtseins und der w irtschaftlichen Kraft der zen trallykisch en Siedlungen im Vergleich zu Dörfern in anderen Landschaften K leinasiens.

si V gl. W örrle ( 1 9 9 9 ) 3 6 2 f. 52 B eisp iele fü r den N ied e rg a n g ö ffen tlich er O rg an isa tio n en w ie P h y le n u n d D ein en in A th en u n d an d eren P o leis un d Ü b erleg u n g e n z u r E rk lä ru n g d ie ser E n tw ic k lu n g fin den sich b ei Jones (198 7) 2 2 -2 4 -Jones (1999) 14 3-150 . 53 D ie In sch rift von D e re k ö y ist in das Ja h r 138 n. C h r. o d e r w en ig sp ä ter zu d atieren (Wörrle [199 7] 4 1 0 -4 1 3 ), d er T ext aus dem penpolion b ei A sarö n ü w u rd e k u rz nach 212 n .C h r. er­ rich tet (W örrle [1999] 354).

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E rw eitert man abschließend den B lick über L ykien und K leinasien hinaus, so w ird in der Forschung über O rganisationsform en von Polisterritorien die Frage diskutiert, in w elchem V erhältnis zueinander naturgeographische und so ziop o litische Faktoren bei der A usprägung von Siedlungsstrukturen und der H eraus­ bildung von ländlichen Z entralorten stehen. D abei geht es insbesondere um die R elation von E inzelgehöften zu dörflichen G ruppensiedlungen und deren A b ­ hängigkeit von den politischen R ahm enbedingungen54. Das Fallbeispiel K yaneai erlaubt in diesem Zusam m enhang folgende Beobachtungen: D ie V erteilung größerer ländlicher Siedlungen m it zentralörtlichen Funktionen in hellenistisch-röm ischer Zeit ist trotz m ancher U m w älzun gen w eitgehend b e­ stim m t von der bereits in klassischer Zeit ausgebildeten Siedlungsstruktur. Die U m w älzung der politischen R ahm enbedingungen, die von der Entstehung der Polis K yaneai m arkiert w ird , bringt keine grundsätzliche Ä nderung in diesem Punkt m it sich. Das B eharrungsverm ögen klassischer Siedlungsplätze w ird nur allm ählich relativiert durch gew andelte strategische und verkehrsgeographische Bedürfnisse: A bgelegene Siedlungen von vorher großer B edeutung stagnieren, günstiger gelegene kleine H errensitze nehm en einen A ufschw ung. D abei spielt auch die N ähe zu größeren A grarflächen eine R olle. Eine besondere V italität der Landgem einden und dam it ein starkes Interesse der L andbevölkerung an den A ktivitäten in den D em envororten ist für die hellenistische Zeit gesichert. Trotz dieser A ttraktivität der größeren Siedlungen w ird das Siedlungsnetz keinesw egs durch sie dom iniert. In einer großen Zahl von Einzelgehöften w ird der Einfluß des O berflächenreliefs spürbar, denn nur diese Siedlungsform erlaubt die optim ale N utzung einer Landschaft m it w enigen großen und vielen kleinen und kleinsten verstreuten Fruchtebenen. Eine große B edeutung von E inzelsiedlungen harm o ­ niert im U m land von K yaneai m it starken kom m unalen A ktivitäten in dörflichen Zentren.

B ibliographie Bousquet, J. un d Gauthier, Ph. (1994), In sc rip tio n s du L eto o n de X an th o s, in: R E G 107 (1 9 9 4 )3 1 9 -3 6 1 Jones, N. F. (1987), P u b lic O rg a n iz a tio n in A n c ien t G reece. A D o c u m en tary S tu d y (P h ila d e l­ p hia) Jones, N. F. (199 9), T h e A sso ciatio n s of C la ss ic a l A th en s. T h e R esp o n se to D em o cracy (N e w York, O xfo rd) 34 D iese D ebatte ist in jü n g ste r Z eit vo r allem von R . O sb o rn e in m eh reren B e iträ g en an ­ gestoßen w o rd en . A u sfü h rlic h e A u sein a n d ersetzu n g e n m it seinen T h esen finden sich bei M. Brunet., C am p ag n es de la G rece an tiq u e. L es d an g ers du p rism e ath en ien , in: T opoi 2 (1992) 33-51 un d , auch m it H in w eise n zu r älteren F o rsch u n g , Schuler (1998) 7 3 -7 7 . E ine Stellungnahm e zu r K ritik von B ru n et un d an d eren hat Osborne, C la ssic al L an d scap e re v is i­ ted, in: lo p o i 6 (1996) 4 9 -6 4 , h ier bes. 5 4 -6 2 v o rgeleg t. Es ist zu h offen , d aß d ie in d en le tzte n Jahren m K lein asien e rarb eiteten E rk en n tn isse in d ieser D eb atte k ü n ftig stä rk e r b each tet werden.

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Kolb, F. (H rsg .) (1993), L yk isch e S tu d ien 1: D ie S ie d lu n g sk a m m e r von K yan eai (A sia M in o r S tu d ien 9, B o nn ) Kolb, F. (H rsg .) (199 5), L yk isch e S tu d ien 2: F o rsch u n gen au f dem G eb iet d er P o lis K yan eai in Z e n tra lly k ie n . B e ric h t ü b er die K am p agn e 1991 (A sia M in o r S tu d ien 18, B onn) Kolb, F. (199 6a), S tad t un d L an d im an tik e n K lein asien : D er T estfall K yan eai, in: Strubbe,}. FI. M., Tybout, R. A. un d Versnel, H. S. (H rs g .), E N E P F E IA . FS H . W. P iek et (A m ste r­ d am ) 9 7 -1 1 2 Kolb, F. (H rsg .) (199 6b ), L yk isch e S tu d ien 3: D ie S ie d lu n g sk a m m e r von K yan ea i in L yk ie n . B e rich t ü b er F e ld fo rsch u n gen im Y av u -B e rg lan d im S o m m er 1992 (A sia M in o r S tu d ien 24, B onn) Kolb, F. (H rs g .) (199 8a), L yk isch e S tu d ie n 4: F e ld fo rsch u n ge n au f dem G eb iet vo n K ya n ea i (Y av u -B erg lan d ). E rgeb n isse d e r K am p agn en 1993/94 (A sia M in o r S tu d ien 29, B o n n ) Kolb, F. (199 8b ), 1996 K yan eai Y ü z e y A rajtT rm alari, XV. Ara§tTrma Sonu^larT ToplantlsT, B d. II (A n k a ra 1 9 9 8 )3 4 5 -3 6 3 Kolb, F. (199 9), 1997 YllT K van eai Y ü z e y Ara$tirm asT, X V I. A ra§tlrm a S o n u $ la ri ToplantlsT B d. II (A n k a ra 1999) 3 8 5 -4 0 0 Kolb, F. (H rs g .) (200 0), L yk isch e S tu d ien 5: D ie S ie d lu n g sk a m m e r d es Y av u -B erglan d es. B e­ rich te ü b er d ie E rgeb n isse d er F e ld fo rsch u n g sk a m p ag n e 1995 auf dem T e rrito riu m d er z e n tra lly k isc h e n P o lis K yan eai (A sia M in o r S tu d ie n 41, B onn) Parker, R. (198 7), F estiv als of the A ttic D em es, in: Linders, T. u n d Nordquist, G. (H rsg .), G ifts to the G ods (U p p sala ) 137-147 Petersen, E. un d v. Luschan, F. (1889), R eisen im sü d w e stlich en K lein asien II: R eise n in L y k ie n , M ily a s u n d K ib yra tie n (W ien ) Schuler, Cb. (199 8), L än d lic h e S ie d lu n g e n un d G em ein d en im h ellen istisch en u n d rö m isch en K lein asien (V estiga 50, M ün ch en ) Whitehead, D. (198 6), T h e D em es o f A ttic a (P rin ce to n ) Wörrle, M. (199 6), Ein W eih altar aus K ilep e/Y e§ilkö y, in : Blakolmer, F. u .a . (H rs g .), F rem d e Z eiten . FS J. B o rch a rd t, B d. I (W ien ) 15 3-160 W örrle, M. (1997), E p igrap h isch e F o rsch u n g en z u r G esch ich te L yk ien s V I. D er Z eus von D e re k ö y : D ie R efo rm eines lä n d lich en K u ltes, in: C h iro n 27 (1997) 399-461 Wörrle, M. (1999), E p igrap h isch e F o rsch u n gen z u r G esch ich te L yk ie n s V II. A sa rö n ü , ein P e rip o lio n von L im y ra , in: C h iro n 29 (1999) 3 5 3 -3 7 0 Zim merm ann, M. (1992), U n tersu c h u n g e n z u r h isto risch en L a n d e sk u n d e Z e n tra lly k ie n s (A n tiq u ita s R eih e 1, 42, B o nn )

Bülent Iplikgioglu Ländliche Siedlungen und das Territorium von Termessos (Pisidien)"" Die R uinen von Term essos 1 in Südw est-P isidien bzw. in W est-Pam phylien nach der P rovin zein teilung des H ierokles 2 erheben sich 24 km nordw estlich des h euti­ gen A n talya (A ttaleia) in einer Seehöhe von über 1000 m am Südw est-Fuß des G üllük bzw. G üldere D agi (Solym os; 1265 m )3. U rsp rün glich zw ar kein griech i­ scher Stadtstaat, durch den starken H ellen isierun gsvo rgan g jedoch in Form einer griechischen Polis organisiert, hatte auch Termessos ein T erritorium , d .h . einen H errschaftsbereich bzw. Landbesitz. Das T erritorium ist in TAM 111,1, Nr. 6 als tj t|(.tet£pa jtepixojpog und rj %d)pa bezeichnet und dadurch vom Stadtgebiet (= f) JT0 X15) abgesondert. In TA M 111,1, Nr. 104 aus dem 3. Jah rh un d ert n.C hr. werden zw ei V erw al­ tungsbezirke in der C hora von Termessos genannt, für deren Schutz eigene, auch anderswo in Pam phylien bezeugte Eipiyvdpxca, also G endarm eriekom m andanten, eingesetzt w aren: A l cxvto Kto^iai Kat öpujiög. D a sich die B ezeichnung: cu avoj Ktojtai („die oben gelegenen D örfer“) keinesw egs auf die östlich der Stadt gele­ gene Ebene, sondern auf im Vergleich m it dem term essischen Stadtgebiet höhere Berge m it entsprechendem Platz für m ehrere Siedlungen bezogen haben kann,

A b k ü rzu n g sv e rzeich n is an h än g en d , S. 1 2 4 f. 1 T ü rk ei-K arte 1:20 000 0, H a rita G ene! M ü d ü rliig ü , H IV: E lm ah (A n k a ra 1943 [195 1]) Ilb/ 39; R. Heberdey, in : R E V A,1 (1934) 734, s.v. „T erm essos, N r. 2 “. 1 Zur G ren ze z w isc h e n L yk ie n u n d P am p h y lie n vgl. T A V O , B V 15. 2: L yk ie n u n d P a m p h y ­ lien; Sb. Jam eson, in : R E S up p l. X III (1973) 2 6 8 -2 7 1 , s.v. „ L y k ia “ un d W. Rüge, in : RE X V III,3 (1949) 3 5 4 -3 5 8 , s.v. „ P am p h y lia “ . 3 T ü rk ei-K arte (o. A n m . 1) IIa/39; Strab. 13, 4, 16, Iff.: xfjc vü v Tep,ur)aaEcov ÖKpag o ujtgpKE^ievoQ Xotjios KaXetxat ZdXupoc; Strab, 14, 3, 9, I f f. sp rich t auch vo n ein em B erg namens „ S o ly m a “: E n a äai])ag zp äg £%ovaa X iirevag, jtöXig ä ^ iö lo yo g Kai ujtepK eixai ö’ aurrje; t ü 26X u(,ia öpog k c ü T e p p ria a ö c n taiö iK t] noXtg, £mKEi.i.i£vr| to ig ffrevolg ö i’ ojv ü jte p ß a a ig e a t iv Etg ti'| v M iX v a ö a . N ach d e r a llgem ein en A u ffa ssu n g von heute en tsp rich t d e r erstere B erg dem h eu tig en G ü llü k D ag i, d er le tzte re h in g egen der G eb irgskette an d er o stly k isc h e n K üste, d ie vo m K ap G h elid o n ia ü b er die B erge P h o in ik u s und O lym p o s (M u sa D a g i) zu m B erg S o ly m o s v e rlä u ft (T ah tali D a g i), vgl. K. G. Lanckolonski, S täd te P a m p h y lie n s u n d P isid ien s, II: P isid ien (P rag , W ien , L e ip z ig 1892) 2, A n m . 1; ' n: RE III A,1 (1927) 9 8 8 f., s.v. „Z öX iijra“; D. Magie, R o m an ru le in A sia M in o r (Princeton 1950) 5 1 7 ff.; 1136, A nm . 11; O. Ak$it, L ik y a T a r ih i (is ta n b u l 1967) 21 f.

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B ü len t Iplikfioglu

setzte H eberd ey 4 die im bis zu einer H öh e von 3000 m ansteigenden Bergland südw estlich von Term essos gelegene und von R. Paribeni und P. R om an elli 5 en t­ deckte R uinenstätte 6 mit den ävcu KÜJjica in Beziehung. D ieser Siedlungsplatz, der über eine U m m auerung und eine A gora sow ie zwei N ekropolen verfügt, wird heute „Ahirta§“ bzw. „Agirta§“ genannt7. N ach H eberd ey 8 dürfte öptmög entw e­ der als Eigennam e oder als Appellativum angesehen werden und ist in der N ähe von den ävio Kä)(.icu, in einer Waldgegend, und zw ar in den Pinienwaldungen im Q uellgebiet des Incirlisu Cayi, nordw estlich von Term essos (und südsüdöstlich des C andir D agi), zu suchen, die die alte Straße von Attaleia nach Isinda d urch­ zieht. D ieser B ezirk (oder O rt?) um faßte verm utlich auch die G egend des Yenice Bogazi (tü 2/tevd), einer Schlucht des Kurugay, nordöstiich von Term essos9. H eb erd ey 10 nahm neben den em o K ä )| ta i und 8pi)j.i6g mindestens noch einen d rit­ ten Verw altungsbereich in der östlich der Stadt gelegenen Ebene an, da dort, in Evdir H am , nördlich von U zu nku yu K ahvesi11, die T ätigkeit von Eirenarchen

4 Term essische Studien (W ien, Leipzig 1929) 6. 5 Studi e ricerche archeologiche nell’A natolia m eridionale, in: M o n A L 23 (1914) 1 8 6 -2 0 2 . 6 10 km südlich von Term essos, 23 km w estlich von A ntalya; T ü rk ei-K arte (o. A nm . 1) IIc/ 39 (D am ). 7 F ü r diesen O rt vgl. auch Cb. Schüler, Ländliche Siedlungen und G em einden im hellenisti­ schen und röm ischen Kleinasien (M ünchen 1998) 48. 8 (o. A nm . 4) 11. 9 Etw a 2 2 -2 8 km nordw estlich von A ntalya (T ü rk ei-K arte [o. Anm . 1] IIa/39); für die E r ­ w ähnung dieses Passes m it einer zur A u ß en fortifik ation von Term essos gehörigen Festung anläßlich des A lexanderzuges vgl. Arr., anab. 1, 27, 8; Strab. 666; vgl. au ch ]. Seibert, D ie E r­ oberung des Perserreiches durch A lexander den G ro ß en auf kartographischer G rundlage (W iesbaden 1985) 54. F ür öpUjröc s. auch H eberdey (o. A nm . 1) 766; St. Mitchell, A natolia: Land, m en, and gods in Asia M inor, I: T h e C elts in A natolia and the im pact of R om an rule (O x fo rd 1993) 196; Schuler (o. A nm . 7) 115 m it A nm . 78. 10 (o. A nm . 4) 11 und (o. Anm . 1) 766. 11 17 km nordw estlich von A ntalya; T ü rk ei-K a rte (o. A nm . 1) IIa/40. D aß die R uinen beim Evdir H am „ L ago n “ hießen (vgl. T ü rk ei-K arte (o. Anm . 1) IIa/39 [Lagonvaharabesi]), ist eine aus den inschriftlich genannten Xaybvec (H eberdey [o. A nm . 4] 8; ders., T A M , III: Tituli Pisidiae; 1: Tituli Term essi et Agri T er messensis [Wien 1941] Nr. 908) resultierende irrige A nnahm e (Ü. Serdaroglu, in: P E C S , 477, s.v. „L agon“). D ie Siedlung führte vielleicht u r­ sprünglich, als eine Ktbfn) in der C h ora von Term essos, den N am en „A nyd ros“ und später, als N eugründung des 5. Jahrhunderts n.C hr. und wie Eudokias in Lykien verm utlich auch nach E udokia, der G attin K aiser T h eo d o siu s’ I I ., benannt, „E udokias“, vgl. H eberdey (o. A nm . 4) 8. 14f; ders. (o. A nm . 1) 734. 7 3 6 f. 7 5 0 f.; H eberdey, T A M (o.) Nr. 779 und ebd. 271; L. R o­ bert, N o m s indigenes dans l’A sie-M ineu re greco-rom aine, I (Paris 1963) 140; G. E. Bean, T u rk ey s southern shore: A n archaeological guide (L o n d on 1968) 113; m it dem neuen Nam en als Stadt der spätantiken P rovinz Pam phylien bei Hier, verzeichnet (680, 2b); B isch o f T im o theos von Term essos und Eudokias nahm im Jah re 431 am K on zil von Ephesos teil (A C O , I 1, 2 S. 63, Nr. 185; I 1, 3 S. 19; I 1, 7 S. 114, N r. 84) und im Jah re 448 B isch o f Sabinianos von T erm essos, Eudokias und lob ia an der Synode von K onstantinopel (vgl. unten A nm . 112; vgl. auch H. Brandt, G esellschaft und W irtschaft Pam phyliens und Pisidiens im A ltertum [Bonn 1992] 177); daß der B rief des M etropoliten von Perge an K aiser Leon I. im Jah re 458 von A uxentius Term issae und Innocentius E udociados unterschrieben wurde (A C O , II 5, 60), zeigt, daß damals Eudokias bereits die U nabhängigkeit von Term essos erreicht hatte. Eudo-

L ä n d l i c h e Sied lu n g en und das T e r r i t o r i u m von T e r m e s s o s (P isidien)

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bezeugt ist12, die wie im Fall von c/I avco K(Ijj.iat m i 6pujA6g für den Schutz des Bezirkes eingesetzt waren. In einer 1993 von uns nahe dem W est-Eingang des term essischen Theaters gefundenen Ehrung ist von Necx K(j\ut| fj Kcrai) die Rede, w o ­ bei wir annehm en, daß mit dem Zusatz f) k ü t c o gemäß der geographischen Situa­ tion das G egenstück zu den wohl in den B ergen westlich von Termessos gelegenen ävto KtOficu gemeint ist. D er V erw altungsbezirk cd KCiTCü K(ö[.iai („die unten gele­ genen D ö rfe r“) um faßte also die im Osten der Stadt vorgelagerte Ebene, und wie Neo. K(b(JU] gehörten verm utlich auch die in derselben Inschrift erwähnten K ep v a v d a , N caß a, O a iu q a a o g , K o ß a v v a , KXya^ux und K o X o v ta i zu dieser Ver­ waltungseinheit. D a die G renzen des Territorium s in hellenistischer Zeit angesichts der unzurei­ chenden Q uellenlage einstweilen nicht ganz feststellbar waren, stellte H eberdey diesbezüglich keine Vermutung an; er war nur der M einung, daß sich die Stadt in ihrer ganzen G eschichte in Richtung W esten am m eisten im 3. Jahrhundert v. Chr. ausgebreitet und deshalb auch ihre innerhalb der Polis O inoanda nordw estlich oberhalb von In cealiler 13 mit eigener bule und gerusia gelegene K olon ie „K leinTerm essos" (Tspj.ir)OOEi5 ol npog O ivoavboic ;)14 in diesem Jahrhundert gegründet haben m üsse15. D a die Inschriften der R öm erzeit aber reichlicher sind und zugleich in diesem Zeitalter am w enigsten G renzänderungen erfolgt waren, hat H eberdey einen gründlichen Versuch zur Festlegung des term essischen T erritori­ ums gem acht16: E r nahm an, daß die C h ora von Term essos bis zu den Q uellen des Karaman C ayi hinauf reichte. D ie natürlichen G renzen dieses G ebietes bilden im Süden und Südw esten das Gelände zw ischen dem Karam an Qayi und dem A lakir (Jayi, im W esten die Bergkette, die, im Süden m it dem Iskend erköy Dagi begin­ nend, im N orden beim Istanoz Qayi (Bozijay, A kkirca Qayi; Tauros) den höchsten Punkt (C and ir D agi) erreicht, und im O sten die Erhebungen, die die Q uellgebiete des Karam an (^ayi und des Qandir Qayi voneinander trennen. N ach H eberdey stellt die natürliche G renze in der östlich der Stadt gelegenen Ebene die m ittlere pamphylische Terrasse dar, wenn der H errschaftsbereich von Termessos die b e­ reits genannte Siedlung beim Evdir Ham m it ihrem Landbesitz einschloß. D em ­ entsprechend verlief die O st-G ren z e westlich der Avpßcütc&v kcoi.i i ] (Pazargedigi

kias erscheint wie Term essos selbst bis in das 12. Jahrh un dert als eigenes B istum in den Notitiae episcopatuum . 12 Heberdey, T A M (o. A nm . 11) Nr. 906. 908 f. 9 1 2 -9 1 5 ; vgl. auch L. Robert, Etudes anatoliennes: R echerches sur les inscriptions grecques de l’A sie M ineure (Paris 1937) 105; Mitchell (o. Anm. 9) 196 m it A nm . 251. 13 T ü rkei-K arte (o. A nm . 1) IIg/31. 14 Steph. B y z . 61 8 ; E u sth ., com m . D io n. 368;/. J. Coulton, Term essians at O inoand a, in: AS 32 (1982) 1 1 5 -1 3 1 ; M. Wörrle, Stadt und Fest im kaiserzeitlichen Kleinasien (M ünchen 1988) 45-53; C. F. Eilen, N. P. Milner, Q . M ucius Scaevola and O enoanda: A new inscription, in: AS 45 (1995) 85. b Heberdey (o. A nm . 1) 734. 16 Heberdey (o. A nm . 4) 5 -1 5 ; den. (o. A nm . 1) 7 3 4 -7 3 7 ; vgl. auch die K arte bei ders.

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B ülent Iplikijioglu

oder Ö renkale) 1 km nördlich von V arsak17, da diese R uinenstätte nach Ausweis ihrer In sch riften 18 der N achbarstadt Perge gehörte. N ach H eberdey ist neben der ganz hypothetischen W est-G renze auch die N o rd -G ren z e schwer zu bestim m en: D ie für die Begrenzung im N orden w ichtige, im etwas südlich des £ u b u k Bogazi gelegenen K irk g öz H am vermauerte G rab in sch rift19, in der die G rabbu ße . . . K a i tt] IlepYodfflv ’Ap[x£|.ii8i verfügt wird, zeigt, daß die N ord w est-E ck e der Ebene zum G ebiet von Perge gehörig war, und die G renze noch südlicher, nahe dem oben erwähnten Yenice Bogazi (m S te v d ) gezogen werden muß. D anach um faßte das term essische Territorium ungefähr ein D reieck von 550 bzw. 600 qkm Fläche, im w esentlichen den O ber- und M ittellauf des Incirlisu (^ayi und des Karam an Qa.yi und ca. 100 bzw. 150 qkm vom W esten der m ittleren pam phylischen T er­ rasse. N eue U ntersuchungen 20 haben jed och erwiesen, daß in erster L inie die von H eberd ey für die röm ische Z eit konstruierte W est- und Süd -G renze der term essischen C h ora beträchtlich erw eitert werden muß: M itchell publizierte eine Inschrift21, die von F ren ch während eines Surveys 1990 im 10 km östlich von K orkuteli, 15 km nordw estlich von Termessos und 40 km nordw estlich von A ntalya gelegenen D o rf Bayat 22 ungefähr zwischen T er­ messos und Isinda 23 gefunden wurde. D er Stein stam m t ursprünglich aus einem Feld südlich des ca. 1 km im Süden des D orfes, auf der rechten Seite des Tauros 17 25 km östlich von Term essos, 12 km nördlich von A ntalya, 9 km w estnordw estlich von Perge (T ü rk ei-K arte 1:200000, H arita G enei M üdürlügü, H V: A ntalya [A nkara 1944 (1950)] IIa/41); vgl. H eberdey (o. A nm . 4) 9; R. M erkelbach, S. §ahin, D ie publizierten Insch riften von Perge, in: E A 11 (1988) 158 ff., Nr. 152; Brandt (o. A nm . 11) 127; S. §ahin, Studien zu den In sch riften von Perge II: D er G esandte A pollon ios und seine Fam ilie, in: E A 25 (1995) 2 f. 12 ff.; Schuler (o. A nm . 7) 262 (A nm . 307). 2 7 9 ff. 18 H. A. Ormerod, E. S. G. Robinson, N o tes and inscriptions from Pam phvlia, in: A B S A 17 (1910/1911) 225 ff., Nr. 1, Z. 3 -5 ; Nr. 8, Z. 11; N r. 9, Z. 2. 19 B. Pace, La zona costiera da Adalia a Side, in: A SA A 3 (1916/1920 [1921]) 35, N r. 19. 20 St. Mitchell, Term essos, king A m yntas and the war w ith the Sandaliotai: A new inscription from Pisidia, in: D. French (H rsg.), Studies in the histo ry and topography o f Lycia and Pisidia in m em oriam A. S. H all (A nkara, O x fo rd 1994) 9 5 -1 0 5 m it B ildtafeln 6 .1 -2 ; D. French, Isinda and Lagbe, ebd. 73 f. mit Tafeln 4 .1 -3 ;/ . Nolle, Kitanaura: M ünzen und G esch ichte einer kleinen Stadt in den ostlykischen Bergen, in: J N G 46 (1996) 7 -2 9 ; M. Zimmermann, P rob u s, C arus und die R äuber im G eb iet des Pisidischen Term essos, in: Z P E 110 (1996) 2 6 5 -2 7 7 ; ß. tplikgioglu, Zum T erritorium von Term essos in Pisidien, in: P. Scherrer, H. Taeuber, H. Thür (H rsg .), Steine und Wege. F estsch rift für D ieter K nibbe zum 65. G eburtstag (W ien 1 9 9 9 )3 0 9 -3 1 4 . 21 D. French, T h e y ear’s w ork, in: A S 41 (1991) 11; St. Mitchell, A m yntas in Pisidien D er letzte K rieg der Galater, in: A M S 12: F orschungen in G alatien (1994) 9 7 -1 0 3 ; ders. (o. A nm . 20); vgl. auch ders., N ative rebellion in the Pisidian Taurus, in: K. H opw ood (H rsg.), O rganised crim e in antiquity (L o n d on 1998) 164 m it A nm . 33. 22 T ü rk ei-K a rte (o. Anm . 1) IIa/37; vgl. auch A. Schönborn bei C. Ritter, D ie E rdku nd e im Verhältnis zur N atu r und zur G esch ichte des M enschen usw., 19. T heil: K lein -A sien , II (B er­ lin 21859) 684. 23 F ü r Isinda vgl. G. E. Bean, in: P E C S , 417, s.v. „Isin d a"; L. Zgusta, K leinasiatische O rtsn am en (Lleidelberg 1984) 202 § 3 8 4 -1 ; French (o. A nm . 21) 11; ders. (o. A nm . 20) 5 7 f.; D. Stiernon, in: D H G E , Fase. 150 (1995) 2 28-230, s.v. „Isinda“.

L ä n d l i c h e Sied lu n gen un d das T e r r i t o r i u m vo n T e r m e s s o s (P is idien)

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(K orku teli £ a y i) befindlichen und heute „Bayat H ü y ü k “ genannten prähistori­ schen Hügels m it hellenistisch-röm ischer K eram ik und antiken W erksteinen so­ wie einem H eroo n 24. Es handelt sich um eine Ehrung von TuTtcdXiümov f] nöXig für einen Kom m andeur namens T p 0 K0vöag ’O ß p ijiö xov, der v n o xov örjjiou m v Tep(j/r|aaea)[v] einem Vertrag entsprechend nach A m yntas zum Krieg gegen die Sandaliotai entsandt wurde, vieles G edenkensw erte durchgeführt hat, bei he­ roischen Kriegstaten gestorben ist und vom K ön ig selbst wegen seiner Tapferkeit mit den größten Bew eisen seines H eroism us und m it einer vergoldeten Statue ge­ ehrt wurde. D er 39 v. Chr. von M . A ntonius als K ön ig der Pisidier eingesetzte galatische Tetrarch A m yntas, der 36 v. Chr. auch die H errschaft über G alatien, Lykaonien und Teile von Pam phylien übernahm 25, führte harte Kriege im Taurusgebirge, w äh­ rend deren er Krem na erobern konnte, nicht aber Sandalion (SctvööXiov, heute Sandal A sari), eine Festung an der Einm ündung des (^ukurdere in den Isparta (^ayi (ein Q uellfluß des K estros), zwischen Krem na und Sagalassos26. M itchell nahm an, daß der geehrte Trokondas ein Term essier war, da dieser von den Termessiern zu A m yntas geschickt wurde, und daß der Stam m ort des D enkm ales sow ohl den Landbesitz als auch den Beerdigungsplatz des Trokondas darstellte, obw ohl die Bestattung mit ausländischer Ehrung gefeiert wurde. D ie Inschrift er­ wähnt also die A llianz zw ischen dem galatischen K önig Am yntas und Term essos im Krieg gegen Sandalion, wobei der D ru ck auf die Sandalioten offensichtlich von termessischen Truppen ausgeübt worden war. D ie in die Zeit um 30 v. Chr. datie­ rende Inschrift rü ckt som it auch den bis dahin nur verm uteten Status von Term es­ sos unter dem K önig A m yntas ins Licht. Auf G rund der Annahm e M itchells, daß T rokondas ein Term essier war und in seinem Landbesitz beerdigt wurde, wo ihm die Typallioten das bereits genannte Denkmal gesetzt haben, ist die N ord w est-G ren ze der term essischen C h ora noch westlicher als in H eberdeys Vorschlag für die röm ische Z eit27, d .h . auch den Fundort um fassend, anzusetzen. (E in aus dem D o rf B ayat stamm endes, je tz t im D epot in K orkuteli befindliches Fragm ent einer In sch rift m it Erw ähnung eines

A. M. Woodward, FL A. Ormerod, A jou rney in South-W estern Asia M inor, in: A B S A 16 (1909/1910) 90. 126; French (o. A nm . 20) 74. 25 H. Buchheim, D ie O rien tp o litik des Trium virn M . A ntonius (G ö tting en 1960) 5 6 f. 26 Strab. 12, 6 ,4 ,1 ff.: T rjv yäp ’A v x io y a a v eycov tr|v Jtpöc t f j ritoid iq f*exp i’AjtoXA.wvictÖog npöc; ’A ltaV ista t fl K ißorap Kai xfjg jrapcopeiov xiv ä Kat xi]v A uK aovlav e m p ä x o to v g ek toü T a u p o u K a ia tp E x o v ra g K üaKag Kai f lia iS a g xi'jv xw p av x a v irjv «Jjpuytöv o u a a v e|aipEtv, Kai sioXXä x<°pia £|eiXev ajtopO ryta Jtpöxepov öv xa,
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B iilen t Iplikijioglu

Eirenarchen [L 86] bestätigt auch die Annahm e, daß die Gegend von B ayat zur C h ora von Term essos gehörte. Bei diesem Eirenarchen handelt es sich w ohl um den Gendarm ariekom m andanten, der für den dortigen Verw altungsbezirk im Territorium , also höchstw ahrscheinlich für öpi^iög. den H eberdey im W aldgebiet nordw estlich der Stadt zu suchen versuchte, zuständig war). Wegen dieser In ­ schrift rechnet auch F rench 28 die beiden Seiten des B ozov a- bzw. Bozgay-Tales nördlich vom 5 km südsüdwestlich von B ayat, 16 km w estnordw estlich von T er­ messos gelegenen D o rf Yazir zum Territorium von Termessos. Es ist akzeptabel, daß die N ord w est-G ren ze schon seit hellenistischer Z eit entlang der w estlichen Seite des Tales des Istanoz Qayi (Bozgay) verlief29. In der 10 km südwestlich von Yazir, im G ebiet des dem D o rf Sim andir zugehö­ rigen Geländes Sim andir Susuzu gelegenen Flur D elikinler haben w ir auf N atu r­ felsen die G rabin schrift eines Term essiers gefunden, die eindeutig für die Z ugehö­ rigkeit der Gegend zur term essischen C h ora spricht: Tepj.iT]ö(aeüg) I K o t t t | 5 I Mcxv£Ou[q]. 3 -4 km nördlich des 21 km südw estlich von Yazir und 33 km w est­ südw estlich von Term essos befindlichen D orfes Bevi§ (auch Begis )30 liegt eine kleine hellenistisch-röm ische Ansiedlung auf einem Felshügel, die noch zum T er­ ritorium von Term essos gehörte 31 (w ohl der w estlichste O rt in der C h ora), Im 12 km südöstlich von Beyis gelegenen D o rf Im ecik 32 am W est-FIang der B ey D agian gibt es ein Felsheiligtum des K ak asbo s-H erak les 33 und südöstlich des D o r ­ fes eine antike Stätte (A sar)34, die innerhalb der term essischen C h ora liegen35. In der R uinenstätte 3 km südwestlich des 7 km südwestlich von Im ecik gelege­ nen D orfes O vacik 36 wurde im Jahre 1975 eine auf vier Seiten beschriftete Stele entdeckt, deren Texte m it einem B rief des ötacnpoTaTog öoiit; an einen gewissen 28 (o. A nm . 20) 57 m it Tafeln 4.1-3. 29 D ie im H ü y iik M ahallesi des D o rfes Yazir (1 km nördlich von Yazir, 3,5 km südw estlich von B ayat, 16 km w estnordw estlich von Term essos [T ü rk ei-K arte (o. Anm . 1) IIa/37]) ge­ fundenen M eilensteine aus d iokletianisch -konstan tin ischer Z eit geben Term essos als A nfang der Straße an; A. M. Woodward, Inscription s from W estern Pisidia, in: A B S A 17 (1910/1911) 2 0 7 f.; H eberdey, T A M (o. Anm . 11) Nr, 9 4 2 -9 4 4 ; D. French , R om an roads and m ilestones o f A sia M inor, Fase. 2: A n interim catalogue o f m ilestones, Part I (O xfo rd 1988) Nr, 191, H ier auch ein Fragm ent eines M arm orquaders m it lateinischer G rabinschrift: Woodward, Ormerod (o. A nm . 24) 90. 126. 1 km südlich von Yazir befindet sich eine R uinenstätte (T ü rk eiK arte [o. A nm . 1] IIa/37 [H b .]) m it einem einzigen ro ck-cu t-Sarkoph ag und einem kleinen p rähistorischen H ügel. N ach French (o. A nm . 20) 74 war dieses Areal Teil der term essischen C h o ra (vgl. auch L. Robert, ITellenica: Recueil d ’epigraphie, de num ism atique et d ’antiquites grecques, X [Paris 1955] 8, der die Gegend zum T erritorium von Isinda rechnete), zu der auch ein niedriger H ügel südlich davon, ca. 1,9 km südlich des D o rfes, nahe dem W est-Ende einer kleinen Ebene (Igligüm e in der K arte) m it einem kleinen Bau auf der Kuppe gehörte. 30 T ü rk ei-K a rte (o. A nm . 1) IIc/36. 31 French (o. A nm . 20) 74. 32 45 km w estsüdw estlich von A ntalya; T ü rk ei-K arte (o. A nm . 1) IIc/37. 33 L. Robert, D ocum ents d ’Asie M ineure, in: B C IT 107 (1983) 569. 34 A. Philippson, R eisen und F orschungen im w estlichen Kleinasien, I - V (G o th a 1 910-1915) B l. 6 m it E rg .-H ft. V; H eberdey (o. A nm . 4) 5, Fig. 1. 35 French (o. A nm . 20 ) 74. 36 T ü rk e i-K a rte (o. A nm . 1) IIg/36.

L ä n d l i c h e Sied lun gen un d das T e r r i t o r i u m v o n T e r m e s s o s (P isi dien )

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'Epficüog ’AaKOupEÜg beginnen, in dem H erm aios für seine Verdienste gelobt wird, daß er R äuber verfolgt und getötet (Xr|öTOÖEiü)Ktr)g, o Xrioxdg cjjovevoag), die G etreideversorgung der Stadt gesichert (o dvvtövag ... dvajtE(tt|)ag) und fin­ den Frieden gearbeitet hatte37. D ieser H erm aios war der Vater des M. Axip. KiXioprrjg, der in zwei auf einer länglichen Ehrenbasis angebrachten Inschriften 38 aus dem westsüdw estlich des D orfes, 22 km ostnord östlich von Elm ah gelegenen Askura39, heute Söbüova mit Spuren einer alten Siedlung in der U m gebung40, erwähnt wird. D ie auf der linken Seite des M onum ents befindliche Inschrift ist ein B rief des Präfekten (g jiap xog ) OtJaXepiog Ei)f|0iog an den „Vorsteher“ (jtpooiKog )41 KtXiopTi]g der Aic[ovp]ecüv, in dem es sich nach der V er­ mutung Zim m erm anns 42 um die Anordnung der Festnahm e der Räuberbanden (öüotr)(.ia tcüv emnoXao&VTtov) handelt. In der anderen, auf der rechten Seite ein­ gemeißelten In sch rift wird Mdpk'og Ai)pf|Xiog KiXiopxr]g, mög xoü yevo,uevod M ap(K ot)) Ai>p(7]Xk>i>) 'E p jia k n i ’A om upgiog, auf Grund eines Beschlusses von R at und V olk (ßovXfig 5t]jao\) 567 |taxi) einer nam entlich nicht genannten Polis als elprjvrjg 3tpoatdtr|g und als dp^iepEiig yEvo^iEvog dvEiKfjTov Seß ctoro v Kai tcöv Emc|)avEoxdxcov K aio ap o jv geehrt. Wegen Inschriften, die die A nw esenheit von röm ischen M ilitärs im term essischen G ebiet für das ausgehende 3. Jahrhund ert n.Chr. belegen43, wurde verm u­ tet, daß wie im Falle Krem nas 44 auch das term essische Territorium durch Ü b er-

-i7 R. M. Harrison, N ouvelles decouvertes rom aines tardives et paleobyzantines en Lycie, in: C R A I (1979) 2 3 5 -2 3 7 ; ders., Upland settlem ents in early medieval Lycia, in: A ctes du C o llo que sur la Lycie antique (Paris 1980) 1 1 2 ff.; S E G X X I X (1979) 1514; L. R oben , in: Bf] (1980) Nr. 4 88; B. Iplikgioglu, G. Celgin, A. V. (Jelgin, N eu e In sch riften aus N o rd -L y kien I (W ien 1992) 15 f.; C. Foss, Lycia in history, in: J. Morganstern (H rsg.), T h e fort at Dereagzi and other material rem ains in its vicinity from antiquity to the m iddle ages (Tübingen 1993) 1 9 f.; Zimmermann (o. A nm . 20) 2 6 5 -2 6 9 ; Mitchell, N ative rebellion (o. A nm . 21) 161 f.; G. H. R. Horsley, St. Mitchell, IK 57: T h e inscriptions o f central Pisidia (B o nn 2000) 5 f., T. 6; jetz t ver­ öffentlicht von M. H. Ballance and Cb. Roueche, A ppendix 2: T h ree inscriptions from O vacik, in: M. Harrison, M ountain and plain from the Lycian coast to the Phrygian plateau in the late Rom an and early B yzantine period, ed. by W Young, Ann A rb o r 2001, 89 f. (= ,O vacik I.A .i‘). 3S iplikgioglu, G. Celgin, A. V. Celgin (o. Anm . 37) 12 f., Nr. 2; 14 ff., Nr. 4; vgl. auch S E G X L I (1991) 1390; C. Brixhe,A. Panayotou, in: B E (1993) N r. 537; Zimmermann (o. A nm . 20) 267 tf. (ein ausgezeichneter A ufsatz zum Verständnis der In sch riften); Mitchell, N ative rebel­ lion (o. A nm . 2 1 ) 162 f.; je tz t veröffentlicht von Ballance, Roueche (o. A nm . 37) 9 6 f. (= ,O v acik IL ). 39 Vgl. Harrison, N ouvelles decouvertes (o. A nm . 37) 237; Iplikgioglu, G. Qelgin,A. 17 Qelgin (o. Anm . 37) 15 f.; Zimmermann (o. Anm . 20) 268; zur N am ensform vgl. H. H ellenkem ­ per, tr. Hild, T I B , V: K ilikien und Isaurien (1990) s.v. „A skora“ . 40 Iplikgioglu, G. (Jelgin, A. V. Qelgin (o. A nm . 37) 12. 41 Zu jtpöoiKOg vgl. M. Kaplan, Les hom ines et la terre ä B yzan ce du V ICau X I e siecle. P ro priete et exploitation du sol (Paris 1992) 198 f., 201. w (o. Anm . 20) 268. 4j Zimmermann (o. A nm . 20) 266, Anm . 8. Der Isaurer Palfuerius Lydius, der sich in K rem na verschanzt hatte, wurde 278 von K aiser Probus mit H ilfe des Statthalters Terentius M arcianus besiegt; H ist. Aug., Probus 16, 4;

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B ü l e n t ip lik ^ io g lu

griffe der R äu ber m M itleidenschaft gezogen w orden ist45. D ie Inschriften aus O vacik und Söbüova stellen nun eindeutige epigraphische Belege für die E xistenz der Räuber in der C h ora von Term essos dar. In dem B rief aus Söbüova war also die Rede von Räuberbanden, die die K om e im term essischen H errschaftsbereich heim gesucht haben46, und die Ehrung für M . Aur. K iliortes, der K aiserpriester von Carus m it seinen Söhnen Carinus und N um erian (2 8 2 -2 8 3 n .C h r .)47 gewesen

H. Brandt, P robus, Pacator Pam phyliae et Isauriae?, in: G. Bonamente, N. D uval (H rsg.), H istoriae Augustae C olloquiu m Parisinum (M acerata 1991) 91; Mitchell (o. Anm . 9) 234 f.; ], Nolle, IK 43: Side im A ltertum . G esch ichte und Zeugnisse, 1: G eographie - G esch ichte Testim onia - G riech ische und Lateinische Insch riften ( 1 -4 ) (B o nn 1993) 288, A nm . 28;

St. Mitchell (m it S. Corm ack , R. Fursdon, E. Owens und j. Öztiirk), C rem na in Pisidia: A n ancient city in peace and in war (L o n d on 1995) 1 7 7 -2 1 8 ; Zimmermann (o. A nm . 20 ) 265 f.; St. Mitchell, T h e Pisidian survey, in: R. Matthews (H rsg .), A ncient Anatolia: F ifty years’ w ork by the B ritish Institute o f A rch aeology at A nkara (L o n d on 1998) 2 4 4 ff. m it Fig. 20.4; ders., N ative rebellion (o. Anm . 21) 15 9 ff., 163 f., 165. Fü r die als „R äuber“ (A ra ra t) bezeich neten Isaurer, die w ohl im m er noch nicht endgültig in das Im perium R om am im eingeglie­ derte selbständige Bergstäm m e w aren, vgl. Z o s., hist. 1, 59; K. H opw ood, P olicing the hin ter­ land: R ou g h C ilicia and Isauria, in: St. Mitchell (H rsg .), A rm ies and frontiers in R om an and Byzan tin e A natolia: Proceedings o f a colloquium held at U niversity C ollege, Swansea, in A pril 1981 (O xfo rd 1983) 1 7 3-187; ders., P olicin g the M elas valley, in: Yayla 5 (1984) 2 5 -2 9 ; ders., T ow ers, territory and terror: H o w the E ast was held, in: Ph. Freeman, D. Kennedy (H rsg.), T h e defence o f the R om an and B yzan tin e E ast: Proceedings o f a colloquium held at the U niversity of Sheffield in April 1986, I (O xfo rd 1986) 3 4 3 -3 5 6 ; ders., C o n sen t and control: H o w the peace was kept in R ough C ilicia, in: D. FL French, C. S, Lightfoot (H rsg .), T h e eastern fron tier o f the R om an em pire: Proceedings of a colloquium held at Ankara in Septem ber 1988, I (O xford 1989) 1 9 1 -2 0 1 ; Hellenkemper, H ild (o. A nm . 39) 18 f.; K. H opwood, T h e links betw een the coastal cities o f W estern R o u g h C ilicia and the interior during the R om an period, in: D e A natolia A ntiqua I (Paris 1991) 3 0 5 -3 0 9 ; Zim m erm ann (o. A nm . 20) 265; K. Tomaschitz, U np ublizierte In sch riften W estkilikiens aus dem N ach laß Terence B . M itford s (W ien 1998) 36, A nm . 94; 78 ff. F ü r die E rrichtu ng eines Festungsgürtels gegen die Isaurer s. N o t. D ign.: 61, Nr. X X I X ; für die „R äuber“ im röm ischen R eich B. Shaw, B and its in the R om an em pire, in: P & P 105 (1984) 3 -5 1 ; in Lykien und Pam phylien F. Schindler, D ie Insch riften von B u bon (N ord iy k ien ) (W ien 1972) 15 f.; M. Sartre, L’O rien t rom ain (Paris 1991) 290; in Pisidien: Mitchell, N ative rebellion (o. Anm . 21). 45 Brandt (o. Anm . 44) 88; Zimmermann (o. A nm . 20) 266, A nm . 9; vgl. auch die G rab in ­ schrift aus dem 3. Jahrhundert n.C hr., in der verfügt wird, daß die G rabbuße an den D em os Big äa«Xiav to jv XEt/iov, also zum Schu tz der Stadtm auern von Term essos verw endet w er­ den solle: B. Iplikgioght, G. Qelgin, A. V. Qelgin, Epigraphische Forschungen in Term essos und seinem T erritoriu m II (W ien 1992) 19f., N r. 9. D er dux in O vacik, der den N am en Av]p. OüpcHWV trägt (s. Mitchell, N ative rebellion [o. A nm . 21] 161), begegnet auch in einer In ­ schrift aus A rykanda (S. §ahin, IK 48: D ie In sch riften von A rykanda [B o nn 1994] Nr. 26) in der E igenschaft eines [xpißoüvoc;] jtpatxcopiavtov, dessen D ien st sehr w ohl mit den Ereignis­ sen in Pisidien verbunden war, vgl. Mitchell ebd. 166; vgl. auch die In sch rift Fleberdey, T A M (o. A nm . 11) Nr. 126 aus dem selben Zeitraum , in der der E^oxioxoixog eitapxoc; t o C lepoü jipcuTcoplou U lpius Silvinus durch R at und V olk von Term essos als otoxi'p und EiJepY£ir|b Tfjg jioXeük; geehrt wird. Daraus läßt sich schließen, daß zu dieser Z eit ein kaiserliches H auptquartier in der G egend anwesend war und daß sogar ein G ardepräfekt in die ernsthaf­ ten lokalen U nruh en im G ebiet von Term essos verw ickelt wurde, Mitchell a.O . 46 Zimmermann (o. A nm . 20) 269. 47 Zum Eeßacrxog und den K a to a p e ? vgl. Zimmermann (o. A nm . 20) 271.

L ä n d l i c h e Sied lu n gen un d das T e r r it o r i u m v o n T e r m e s s o s (P isi dien )

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war, ist laut Zim m erm ann 48 verm utlich durch die Polis Term essos gesetzt worden. K iliortes und sein Vater H erm aios Askureus, der neben dem aktiven Einsatz ge­ gen die R äuber auch für die Sicherung des Getreides für die Polis, d. h. für Term es­ sos, sorgte, hatten als lokale Am tsträger mit der Verfolgung von Räubern zu tun, die mit den literarisch überlieferten Einfällen der Isaurer zur Zeit des Probus und noch des Carus (auf seinem im Frü hjahr 283 erfolgten Zug in den O ) in Pam phylien und in Teilen Lykiens Zusammenhängen. Im fortgesetzten K am pf gegen die Räuber wurden im G ebiet von Term essos w ahrscheinlich kleinere Einheiten ein­ gesetzt, die in befestigten Plätzen auf der C h ora stationiert wurden, wobei regu­ läre Truppen und lokale Einheiten verm utlich zusam m engew irkt haben, da die auf dem Land eingesetzten A m tsträger der P olis, in erster Linie also die Eirenarchen49, die Lage nicht m ehr kontrollieren konnten. D er in Askura begegnende Eparchos (M ilitärkom m andant?) unterstand in diesem K am pf w ohl dem in In ­ schriften aus der R uinenstätte bei O vacik, die noch keinen N am en hat, und Ter­ messos 50 genannten 6 öiaoi]|.iöxaxo 5 öov|, dem auch lokale A m tsträger in den einzelnen kom ai an die Seite gestellt waren51. E ine der Festungen dieses dux war wohl die spätantike Festung im Südw esten des D orfes O vacik (O vacik A sari)52. Zim m erm ann 53 nim m t an, daß es sich hier um ein auf der term essischen C hora angelegtes phrourion zum Schutze der ländlichen B evölkerung handelt, die in der Kaiserzeit zunächst verstreut lebte und nun in den gefährlichen Zeiten zur eigenen Sicherheit in einer O rtsch aft zusam m engezogen und geschlossen angesiedelt wurde. D aß in O vacik term essische M ünzen gefunden wurden, spricht auch für die Zugehörigkeit des Kastells zur term essischen C h ora54. D as D o rf Askura in

48 (o. A nm . 20) 269 m it A nm . 21 (Form ulierung ßovXfjg öt'^iou öö vn cra in E hreninschriften von Term essos: H eberdey, T A M [o. Anm . 11] Nr. 58. 80. 82. 122. 123. 138). 49 Vgl. das für das 3. Jahrh un dert belegte A m t eines Etpr)vapxr)S ttöv avio Kio]rü)v Kai 6pU(.toü oben S. 103; vgl. auch das von uns 1993 gefundene Fragm ent einer In sch rift m it E r ­ wähnung eines E irenarchen aus dem 15 km nordw estlich von Term essos gelegenen D o rf Bayat: eipT]]vdpxou riepiKXE|[ovg — jjrXaTWVog kt\.; E irenarchen waren auch in der östlich von Term essos gelegenen E ben e tätig, oben S. 2, A nm . 12. )0 Heberdey, T A M (o. A nm . 11) Nr. 88; IG R , III , Nr. 436; M. Christol, U n due dans une ins­ cription de Term essos (Pisidie). U n tem oignage sur les troubles interieurs en A sie M ineure romaine au temps de la crise de PEm pire, in: C h iron 8 (1978) 5 2 9 -5 4 0 ; A E (1978) 802; S E G X X V III (1978) 1214; J.-L. Robert, in: B E 9 (1979) N r. 578; Zimmermann (o. A nm . 20) 266 (Anm. 8) und 2 73; Mitchell, N ative rebellion (o. A nm . 21) 1 6 6 f.; der im ausgehenden 3. Ja h r­ hundert mit einem speziellen A uftrag (im K am pf gegen die R äuber) als Öou§ eingesetzte A. Atip. IVIapKiavög. 51 Zimmermann (o. A nm . 20) 272 ff. 52 E. Petersen, F. von Lnsehan, Reisen im südw estlichen K leinasien, II: R eisen in Lykien, Milyas und K ib y ratis (W ien 1889) 164; Harrison, N ouvelles decouvertes (o. A nm . 37) 2 3 5 ff.; ders., Upland settlem ents (o. A nm . 37) 110—114. 53 (o. Anm . 20) 275 (in A nlehnung an die Lesung [xtuv ]poupekov o 5i[aar]]|.t6xaToc Soi>§ in der O v acik -In sch rift; vgl. jed och Mitchell, N ative rebellion (o. Anm . 21) 161: [?M . A v]p. OnpoicDV 6 6i|[aor|]|xÖTaxoc ÖouE) und Ballance, Roueche (o. Anm . 37) 8 9 f. (= ,O vacik I-A.i‘),Z. 1. 54

Schönborn bei Ritter (o. A nm . 22) 809 (H inw eis Fr. Flild).

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B ü l e n t Iplikgioglu

Söbüova gehörte w ahrscheinlich zu den oben genannten avco Kcöjiai von Terrnessos55. A ngesichts dieser U m stände ist w ohl anzunehm en, daß sich das Territorium von Term essos erheblich weiter als H eberdeys Konstruierung nach dem damals bekannten epigraphischen M aterial in südwestliche R ichtung erstreckte. Freund ­ licherw eise teilte uns Fr. H ild mit, daß die 18 km nordöstlich von Eim ali, 59 km w estlich von A ntalya gelegene Gilevgi Kalesi (im zentrallykischen Flochland, zw ischen den D örfern (^obanisa und Gilevgi56) eine G renzfestung von Term essos gewesen sein könnte, da sich die term essische C h ora so w eit nach Südw esten erstreckte57. Eine der avco Kcopcu in der C hora von Term essos war wohl auch U^tepe im G ebiet des Sinanh D agi, 15 km südw estlich von Term essos58, w o sich auf der SüdSeite der Felshöhe G uzkaya(ba§i) stark verfallene antike Pläuser befinden. In der ca. 1 km südlich gelegenen F lu r Bey§ik, anscheinend in einem N ekropolenbereich, fan ­ den w ir 1995 auf Flinw eis Fr. Hilds zwei röm ische Sarkophage in A rkosolien59. D as nach dem Stadiasm os von Patara 60 101 Stadien (19 km ) von Idebessos (K o zagaci) bzw. 60 Stadien (11 km ) von Lykai 61 entfernt gelegene, also im m ittleren O st-L y k ien befindliche K irä v cw p a 62 ttov T;-p[.tr|ao£0)v 63 könnte m it der 9 km nordöstlich von Idebessos, 40 km südw estlich von Antalya gelegenen R uin en­ stätte von Saraycik64, d .h. m it der von Idebessos aus nächsten Ruine einer antiken 55 7-immerrnann (o. A nm . 20) 273. 56 T ü rk ei-K a rte (o. A nm . i ) IIc/35. 57 Fü r Gilevgi vgl. Petersen, von Luschan (o. A nm . 52) 165; G. E. Bean, T h e site o f Podalia, in: A nzW ien 105 (1968) 161 und Taf. I I .4 ;/. /. Coulton, N o rth Lycia before the R om ans, in: J. Borchhardt, G. Dobeseh (H rsg.), A kten des II. Internationalen L ykien-Sym posions, W ien 6 .-1 2 . M ai 1 9 9 0 ,1 (W ien 1993) 84; vgl. auch Zimmermann (o. Anm . 20) 273. 58 T ü rk e i-K a rte (o. A nm . 1) IIc/38. 59 E in er von diesen ist unsere Inv.-N r. T 2 9 2 m it der G rabstrafe an die Polis (der T erm es­ sier?). 60 Zu diesem für die historische G eographie Lykiens ganz w ichtigen Inschriftenfund, der in die R egierungszeit des Claudius datiert und dessen B earbeitung in den H änden S. §ahins liegt, vgl. S. §ahin, E in V orbericht ü ber den Stadiasmus Provinciae Lyciae in Patara, in: Lvkia 1 (1994 [1995]) 1 3 0 -1 3 7 , A bb. 1 -5 = S E G X L I V (1994) 1205. 61 V erm utlich G öd ene (A ltm yaka), Agirta§ oder G edelm e; T ü rk ei-K arte (o. A nm . 1) Ile/38. 62 D e r vielgestaltig entstellte N am e des O rtes kom m t im O rtsnam enverzeichnis des Hier. (679, 8: öfjjiog K a v a u p a ) und in den spätantiken B ischofslisten (A u axav au p a, A ucrytävaupa, ’AÖtKtTOVtxupa) vor, N o t. ep.: 1, 403; 2, 469; 3, 545; 4, 421; 7, 481; 9, 364; 10, 422; 13, 428; E. Galanes, 'H Ilepyr) tfjg naj.i4>uXtas (Thessalonike 1983) 166. 182; Zgusta (o. A nm . 23) 222 § 4 2 5 -2 ; G. Fedalto, H ierarch ia E cclesiastica O rien talis, I: Patriarchatus C onstan tin opolitanu s (Padova 1988) 248; Nolle (o. A nm . 20) 2 7 f. W. M. Ramsay, N o tes and inscriptions from A sia M inor, in: M d l-A 10 (1885) 343 f. hatte nach der hierokleischen R eih enfolge die R uinenstätte in der N ähe von K irk gö z lokalisiert, ohne sich jed och auf feste Bew eism ittel zu stützen. 63 Stadiasm os von Patara, rechte B reitseite, Z. 37; vgl. F. Isik, FL Ifkan, N. Qevik, M iliarium Lyciae. Patara Yol K ihvuz Aniti. D as W egw eiserm onum ent von Patara. Ö nrapor/Vorbericht, in: Lykia 4 (1998/1999 [2001]). 64 T ü rk ei-K a rte (o. Anm . 1) IId/38; T. A. B. Spratt, E. Forbes, Travels in Lycia, M ilyas and the C iby ratis, in com pany w ith the late rev. E. T. DanielI (L o n d on 1847) I 1 7 4 ff.; II 203 f f ;

L ä n d l i c h e Sied lu n g en und das T e r r it o r i u m v o n T e r m e s s o s (P isi dien )

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Stadt, identisch sein65: N olle, der M ünzen einer bisher unbekannten M ünzstätte mit der Legende K IT A von einem Schatzfund aus der „Gegend von A n talya“ publizierte, findet es naheliegend, die Stadt Kitanaura mit dem Prägeort dieser auf G rund ihres Stils und der B uchstabenform en in die hellenistische Z eit, ins 2 . oder 1 . Jahrhundert v. Chr., zu datierenden M ünzen zu identifizieren66. Es handelt sich also um eine in hellenistischer Zeit selbständige Stadt mit eigener M ünzprägung, die um die M itte des 1. Jahrhunderts n .C h r., wie der Verm erk xtov T£p|.ir|Oö£OJV im M eilenm onum ent von Patara zeigt, unter der H errschaft von Termessos stand67. W enn die Identifizierung von Saraycik m it Kitanaura richtig ist - bei einer Bereisung konnten wir 1998 im Stadtgebiet keinen epigraphischen Fund machen, der auf den N am en „Kitanaura“ hinweisen könnte muß der Südw est-W inkel des term essischen Landbesitzes in röm ischer Z eit, in der Kitanaura zu Termessos gehörte, also viel w eiter nach Süden gerückt werden als von H eberdey angenom ­ men. D ie C h ora von Term essos reichte dann über das H och tal von O vacik tief nach O st-L y k ien hinein bis Kitanaura. Was den Verlauf der Südw est-G renze des Territorium s von Termessos zw i­ schen O vacik und Saraycik betrifft, so könnte es vielleicht bis zum Tal Serkiz Alani im lykischen H ochland, 7 km südöstlich von Sögle, 19 km südöstlich von Elm ah, 49 km südwestlich von Term essos, 61 km w estsüdw estlich von A ntalya68, gereicht haben; hier erhebt sich eine von einer antiken Ringm auer um schlossene Felshöhe an der N ord -Seite des Tales, und von der Felsspitze über den Süd-H ang bis in die Ebene erstreckt sich eine kleine antike Stätte, eine ähnliche Situation wie bei der Flochlandsiedlung bei O vacik69. In diesem Fall würden sich die T errito­ rien von Akarassos und Podaleia nur auf die E lm ali-E ben e beschränken. Schönborn bei Ritter (o. A nm . 22) 766; Petersen, von Luschan (o. A nm . 52) 1 5 0-155; E. KaLinka, T A M , II: T itu li Lyciae linguis G raeca et Latina conscrip ti, 3: Regiones m ontanae a valle Xanthi fluminis ad oram orientalem (W ien 1944) 427 (Saracik) Nr. 1222-1230. 65 Nolle (o. A nm . 20) 16. 66 Nolle (o. A nm . 20) 12 ff. 16 ff.; für w eitere, in Saraycik gefundene M ünzen m it derselben Legende im A rchäologischen M useum A ntalya s. M. Arslan, Chr. Lightjoot, C. Tibet, A group o f unknow n coins in A ntalya M useum , in: N C irc 106,1 (1998) 7f. 67 Kitanaura wurde w ohl nach den Piratenkriegen, in denen es verm utlich auf Seiten des Z eniketes stand, von den R öm ern dem term essischen H errschaftsbereich zugewiesen, vgl. dazu die Ü berlegungen von N olle (o. A nm . 20) 2 2 -2 5 , der als term inus ante quem für die Prägung der M ünzen an das Ja h r 74 v. Chr. denkt; vgl. auch ders., M ünzen als Zeugnisse der H ellen isierung Kleinasiens, in: U. Peter (H rsg .), Stephanos nom ism atikos. E dith Schönert-G eiss zum 65. G eburtstag (Berlin 1998) 5 0 7 f. D ie in hellenistischer Zeit selbständige Polis und spä­ tere Korne K itanaura in der C h ora von Term essos wurde also vielleicht erst im 6. Jah rh u n ­ dert Bistum, das als D ikitanaura in den N otitiae episcopatuum erscheint. F ür das E th nik on K m an 'jg, das wohl die H erk u n ft einer Person aus K ita(-N au ra) bezeichnet, s. eine G rabstele aus Patara, S. §ahin, Epig raphische M itteilungen aus A ntalya I: Inschriften aus Pam phylien und Lykien, in: E A 31 (1999) 49, Nr. 15, Z. 4. ^ Auch Serkiz O vasi bzw. Serktz/Sirkis Yaylasi; vgl. T ü rk ei-K arte (o. A nm . 1) IId/35—36. Für Serkiz Alani vgl. Petersen, von Luschan (o. A nm . 52) 163; G. E. Bean , Jo u rn ey s in Northern Lycia 1 9 6 5 -1 9 6 7 (W ien 1971) 33; R. M. Harrison, Survey in central Lycia, in: A ST (1983 [1984]) 76 m it Fig. 6 f . auf S. 245 und H. H ellenkem per, Fr. Hüd, T IB , V III: Lykien und Pamphylien, s.v. „Serkiz A lan i“ (in Vorbereitung).

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Im Forschungsjahr 1999 haben w ir in der Flur Karabucak, etwa 1,5 km westlich von Yarba§igandiri in N ord o st-L y k ien, am westlichen U fer des (^andir Qayi70, die G rabin schrift einer Priesterin aus M v a p a 71 gefunden, das offenbar mit Phaselis in Sym politie stand und dessen T erritorium 72 an die C h ora von Term essos im Süden angrenzte. N ach dem Stadiasmos von Patara w ar die MvapiKT| eine Landschaft in N ord o st-L ykien , verm utlich das Q uellgebiet des Q andir C ayi; K ö a a p a (tfjg ) Mvapucr]c; lag zw ischen Kitanaura und Typallia, an einer Verbindung über Lykai nach Kitanaura und als Ausgangspunkt einer Straße nach Phaselis. M itchell bezw eifelte, daß der Fun dort der bereits genannten Ehrung für Trokondas in B ayat selbst die Stelle der ansonsten unbekannten Stadt Typallia war, und schlug für die Lokalisierung die R uinen einer kleinen, nam enlosen pisidischen Stadt gegenüber von Sandalion in östlicher R ich tung auf den höheren H ängen des Davras D agi vor73. D ieser V orschlag, der zunächst plausibel er­ scheint, wird allerdings durch den Stadiasm os von Patara zw eifelhaft, in dem ein Ttm dW da an einem Weg vom bereits genannten Kitanaura über K osara 74 (tf]g M vapiicfjg) nach Trebenna (Trabenna )75 in O st-L y k ien , zw ischen Kosara und Trebenna genannt w ird76. Aus diesem topographischen G rund haben w ir im Jahre 1999 in der im 19. Jahrhund ert ohne historische und archäologische A n ­ haltspunkte versuchsweise m it M arm ara 77 gleichgesetzten R uinenstätte in den W est-H ängen über dem (Jandir-Tal in N ord o st-L y k ien , heute K arabel78, inten­

70 31 km südw estlich von A ntalya; T ü rk ei-K a rte (o. A nm . 1) I I 9/3 8 . 71 M d p (K a) A tt(pf)X ia) MupjxXa, OulydTiip A rte o w ; j K o v k to u , aar||A.£tTig a n ö Mvä|pwv, lipeict 0e|oü O uap aBovi, KajtEOKEiiaaEV tt']v | aq(.«rto0r|KT|v | g av trj Kai to te vioig: |j.ir|5evi bk l[| ]ö v e vv g-cw 1ßX ti0fjva[i]: x i 6e j.ni, ötöaei |ixpoatai-iov A lt 2 o X [u ] |[ael Ör|vdpta ö ia ^ E iA ifa ] ! nevxaKÖata. Zu dieser In sch rift vgl. auch G, Petzl, Varia Epigraphica, in: E A 33 (2001) 51 f. 72 Stadiasm os von Patara, rechte B reitseite, Z. 3 8 f., 4 7; vgl. I$tk, iskan, Qevik (o. A nm . 63). D ie Stelle von M nara ist höchstw ahrscheinlich die etwa 14 km so. des Fundortes [1300— 1400 m hoch] gelegene, antike Siedlung (M arm ara) auf K avak D agi in T ü rk ei-K arte (o. A nm . 1) IId/39, die zum indest in hellenistischer Z eit den Status einer Polis innehatte und in röm ischer Zeit im T erritorium von Phaselis aufging; vgl. S. §ahin, Epigraphische M itteilun­ gen aus A ntalya V: O lbia und einige andere K ü sten o n e bei K em er in W estpam phylien, in: E A 33 (2001) K arte 1 nach S. 156; B. iplikgioglu, D o g u ve K uzeydogu L yk ia-G ü ney b ati, P i­ sidia E pigrafik-T arihi C ografi Y ü zey Ara§tirm alari P rojesi 2000 Y ih
L ä n d l i c h e Sied lu n g en u n d das T e r r it o r i u m von T e r m e s s o s (P isidien)

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sive Forschungen durchgeführt und konnten dabei auf G rund eines N eufundes 79 und eines C orrigendum 80 (Pace) feststellen, daß diese antike Siedlung mit dem in der B ay at-In sch rift und im Stadiasm os von Patara genannten TimctXXia identisch ist 81 und daß dieses Typallia mit Term essos in Sym politie stand. W ährend dersel­ ben Forschungen wurde in der Flu r Karagedeller, etwa 1-1 ,5 km ostsüdöstlich von C itd ibi K öyü, also sehr wahrscheinlich im Territorium von Typallia, ein Sar­ kophag gefunden, in dessen Inschrift 82 ein Term essier genannt wird, allerdings w ohl als Steinm etz83. A uf Grund der Sym politie der Typallioten mit den Term essiern war der bereits genannte Krieg gegen Sandalion offenbar eine gemeinsame Sache zw ischen Term essos und Typallia, so daß die Typallioten die Bestattung ei­ nes erfolgreichen Kom m andeurs dieses Krieges aus Term essos in seinem Landbe­ sitz m it einem E hrendekret gefeiert haben, wobei anzunehm en ist, daß dort noch andere Ehrendenkm äler für Trokondas (auch seitens Term essos) gesetzt worden sind. In T A M 111,1, N r. 895 und 897 führt die im Bergland südwestlich von Term es­ sos gelegene und von H eberdey mit den avto Konica in Beziehung gesetzte Sied­ lung keinen Eigennam en, sondern es erscheint statt dessen die Bezeichnung tö jiepuröXiov, die R om an elli 84 im Sinne von „Zitadelle“ verstanden hatte85. N ach Fleberdey 86 bringt jed och die G leichsetzung von iiEputoXiov mit den emo Kcoj.tai die richtige Erklärung: W ie JTEpixiopog allgemein das die Stadt umgebende Terri­ torium bezeichne, so bedeute jtEpiJtöXtov staatsrechtlich die G esam theit der in diesem B ezirk gelegenen G em einden, die sich unter diesem N am en zu einer halb­ selbständigen G em einschaft vereinigt hätten. W ir dürfen aus den bisher bekannt gew ordenen Zeugnissen für TteputöXta ent-

Pace (o. Anm . 19) 60 ff.; C. Anti, Esplorazioni archeologiche nella Licia e nella Pam filia, in: M onA L 29 (1923) 661 f. (K arte); V. Viale, R elazione sull’attivitä della m issione archeologica di Adalia nelPanno 1922, in: A SA A 8/9 (1925/1926 [1929]) 3 8 3 f.; Fr. Stark, A lexand ers path from Caria to C ilicia (L o n d on 1958) 250. 79 M öp(Kog) vv AüpijXiog j O o a c ipioo^uöou | .[ ...]iog, Tep^ipjaEvg ä n ö Tim|v a[X]Xt v cd[v, K]a[T£
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nehm en, daß das W ort jrcpurö/Uov sow ohl O rte , d. h. Festungen und Siedlungen, als auch G em einschaften verschiedener N atu r bezeichnete87: D er früheste Beleg für ein Peripolion in Kleinasien ist die Fluchstele von Teos um 470 v .C h r.88, vielleicht im Sinne von „Festung“89. E in im lykischen X anthos gefundener und in die zweite H älfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. gehörender Iso87 Das W ort JtEptJtöXiov ist von W. D ittenberger im Kom m entar zur SIG 3, 570 als Ableitung von jtepi.TtoX.os erklärt worden. F ür die epigraphisch belegten Beispiele aus Halasarna, K am iros und Potidaion, die in die Zeit zwischen ca. 225 bis ca. 153 v. Chr. datieren, vgl. F. G. Maier, Griechische M auerbauinschriften II: U ntersuchungen (Heidelberg 1961) 7 8 ff.; vgl. auch die Zeugnisse ders., Griechische Mauerbauinschriften I: Texte und Kom m entare (H ei­ delberg 1959) 174 tf., N r. 46 (aus Halasarna auf Kos); 183 ff., N r. 49 (K am iros auf Rhodos) und 188 ff., N r. 50 (Potidaion auf Karpathos); zu den zahlreichen anderen griechischen Be­ griffen für Festungsanlagen auf der C h ora vgl. L. R obert, F. G. Maier, Griechische M auer­ bauinschriften, in: G nom on 42 (1970) 5 8 8 f. und 598 ff.; zur Situation auf Kos vgl. auch P. B a­ ker, C o s et Calym na, 2 0 5 -2 0 0 a.C .: Esprit civique et defense nationale (Q uebec 1991) 3 8 -4 7 ; M. Segre, Iscrizioni di C os 1: Testo (R om a 1994) E D 37; für die jiepwtoXia in den literari­ schen N achrichten aus Attika Thuk. 3, 99; 6, 45; 7, 4 8; vgl. auch Dion. H ai., arte. 9, 56; Maier, II: Untersuchungen (o.) 7 9 f. mit Anm . 43 und M. Zimmermann, U ntersuchungen zur histo­ rischen Landeskunde Zentrallykiens (Bonn ! 992} 80, Anm. 110. Diese sind wohl zum Schutz der Landbevölkerung angelegte, aber auch zur Verteidigung des H errschaftsbereiches die­ nende Festungen (vgl. auch Zimmermann [o .] 80), wobei die Bezeichnung in den Inschriften für eine befestigte Gemeinde, d .h . eine größere Anlage von burgartigem Charakter, bei den Schriftstellern jedoch gemäß der Ableitung von nepiTzoXog für eine befestigte W achstation gilt (vgl. Maier, II: U ntersuchungen [o.] 79 f. mit den Anm . 43 ff. D a in den oben genannten Inschriften aus Halasarna, Kamiros und Potidaion von einem „unbefestigten Peripolion“ die Rede ist, bezeichnet das W ort nach Maier nicht - wie etwa cfipoupiov - „in rein technischem Sinn die Festung als Bauw erk“, sondern den „festen P latz“ einer ländlichen Gemeinde der Polis [deren Befestigung erst bei Gefahr eines Angriffs durch fremde Mächte erneuert wird], und der Begriff könne zw ar die eigentliche Verfassungsbezeichnung der O rte nicht ersetzen, aber doch stellvertretend dafür gebraucht werden; vornehm lich auf G rund der Zeugnisse aus Termessos, H eberdey, TAM [o. Anm . 11] N r. 895 und 897, sieht Maier in dem W ort neputÖXiov „eine eindeutig die politische Gemeinde bezeichnende Sonderbedeutung“ , zu der das Mitklingen staatsrechtlicher Begriffe geführt habe, und der Sinn als „Befestigung einer g rö ­ ßeren Gemeinde“ sei eine Eigentümlichkeit der rhodischen Welt des 3. und 2. Jahrhunderts v. Chr. [vgl. auch Zimmermann (o.) 81; Schuler (o. Anm . 7) 49], Z ur Verteidigung des T errito­ riums in den politischen griechischen Städten der hellenistischen und römischen Zeit vgl. A. Avram, G. Vlad Nistor, Apärarea teritoriului in cetätile Grecesti §i problemele zonei Pontiee, in: SCIV 33 [1982] 3 6 5 -3 7 6 , wo Befestigungen in zwei Kategorien, d .h. als Festungen [(j>poupia] und Türm e [unter anderem auch jrcputoXiov], behandelt werden). Das W ort ftspiJtöXiov hatte in der Kaiserzeit auch einen zuvor nicht bezeugten Sinn: „Temenos“, wobei eine Befestigung keine Rolle gespielt zu haben scheint. In Inschriften aus dem karischen Stratonikeia (M. Q. %ahin, IK 21: Die Inschriften von Stratonikeia, Teil I: Panamara [Bonn 1981] N r. 22 4 ; ders., IK 22,1: Die Inschriften von Stratonikeia, Teil 11,1: Lagina, Stratonikeia und U m gebung [Bonn 1982] Nr. 524. 529. 663. 664. 673. 678. 682. 685. 699. 701. 704. 1101) ist mit „jieputöXiov“ die „Tempelanlage der H ekate in Lagina“ bezeichnet, deren Bew ohner als K c a o tK o O v x e g tö neputoXiov neben ßouXt] und Öfjjroc Ehrungen vornahmen. Vgl. auch die vorzügliche Zusammenfassung des Forschungsstandes über die Frage „Peripolion“ in Schü­ ler (o. A nm . 7) 4 5 -4 9 . ss SIG 3, 38, Z. 15. 89 Vgl. Maier, II: Untersuchungen (o. Anm . 87) 79, Anm. 43; Schuler (o. Anm . 7) 46 mit Anm . 172.

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politievertrag zw ischen X anth os und M yra 90 zeigt, daß die JTEptJTO)dCX von den jew eiligen TtoAEiq abgesondert, jedoch von ihnen abhängig waren und som it einen Bestandteil dieser ausm achten, da nach dem W ortlaut der Klausel die A ngehöri­ gen der jtEpUTOMa nicht weniger als die der JtöXeig mit der Bezeichnung „X anthier“ bzw. „M yräer“ erscheinen91. N ach W örrle 92 waren diese Peripolia rechtlich nichts anderes als abhängige im Polisgebiet93. Südsüdw estlich von Baghca 94 in Z entrallykien entdeckte Davies die Ruinen antiker Siedlungen mit B efesti­ gungsanlagen95. In der in die Z eit des 2 . - 1 . Jahrhunderts v.Chr. zu datierenden Inschrift 96 auf einem Sarkophag einer der zwischen diesen Anlagen befindlichen einzelnen Sarkophaggruppen ist die G rabbu ße tcö Tuivöecüv JtEfpjiJtoMjw] ge­ widmet, so daß nicht nur der O rtsnam e (T m v ö a), sondern auch hier am Kiran D agi zw ischen den Territorien von Phellos und Kyaneai die E xistenz eines jtEputo/aov festgestellt werden konn te97, das offensichtlich, vergleichbar m it dem bereits genannten jteputöXiov im term essischen Territorium , eine eigene Kasse und demnach eine (begrenzt) eigenständige Verwaltung bzw. lokale A utonom ie hatte98. E in P eripolion ist auch in Asarönü bei Lim yra bezeugt99: H ier wird in

90 ]. Bousquet, P. Gauthier, Inscriptions du L etoon de X an thos, in: R E G 107 (1994) 3 1 9 -3 4 7 = SEG X L IV (S994) 1218; vgl. auch Schüler (o . Anm . 7) 4 6 f. 91 Bousquet, Gauthier (o. Anm . 90) 339. 92 Epigraphische Forschungen zur Geschichte Lykiens V II: A sarönü, ein Peripolion von Lim yra, in: Chiron 29 (1999) 361. 93 Für Zugehörigkeit zu Bürgerschaftsgliederungen in Lykien vgl. ebd. 3 5 9 f. 94 N ordöstlich von Isinda, ca. 10 km ostnordöstlich von Antiphellos; Türkei-K arte 1 :2 0 0 0 0 0 , H arita Genei Müdürlügii, i IV: Ka§ (Ankara 1944 [1950]) IIh/32. 95 G. Davies, Greek inscriptions from Lycia, in: JH S 15 (1895) 109. 96 Davies (o. Anm. 95) 109, N r. 19, Z. 3 f.; zur Datierung vgl. Zimmermann (o. Anm . 87) 80 mit Anm. 108. 97 In einer nahe der obigen Inschrift gefundenen, aber noch nicht publizierten Grabinschrift (auch aus hellenistischer Zeit) sei der Em pfänger der G rabstrafe der D em os von Kyaneai, so daß die Zugehörigkeit dieses westlichen Hügellandes zum Territorium von Kyaneai be­ wiesen werden könne; wenige hundert Meter weiter südwestlich beginne zu dieser Zeit das Gebiet von Phellos, Zimmermann (o. Anm . 87) 81; vgl. auch Fr. Kolb, M. Zimmermann, F o r ­ schungsziel, Forschungsstand und historische Einleitung, in: Kyaneai 1989: Vorbericht über Feldforschungen im Yavu-Bergland bei Ka$, in: M d l-I 41 (1991) 198. Für Tyinda vgl. W. Rüge, in: R E VII A ,2 (1948) 2557, s.v. „Tyindeis“; L. Robert, Villes d ’Asie Mineure: Etudes de geographic ancienne (Paris 1935, 2 1962) 142 f.; G. E. Bean, Lycian Turkey: An archaeolo­ gical guide (London 1978) 105; Zgusta (o. Anm . 23) 639 § 1380; Zimmermann (o. Anm. 88) 61-6 7 , 7 7 -8 3 , 9 9 f. (bisher die eingehendste Behandlung des Gebietes); Fr. Kolb, Stadt und Land im antiken Kleinasien: D er Testfall Kyaneai, in: J. H. M. Strubbe, R. A. Tybout, H. S. Versnel (eds.), E N E R G E IA : Studies on ancient history and epigraphy presented to H . W. P ick et (Amsterdam 1996) 105 ; Schuler (o. Anm . 7) 47 f.; zur Lage s. zuletzt Fr. K olb, 1997 Yih K yaneai Yüzey Arastirmasi, in: A ST 16,2 (1998 [1999]) 391 und Wörrle (o. A nm . 92) 3 5 8 f. )s Zimmermann (o. Anm . 87) 79 f.; ders. (o. Anm . 20) 273; Kolb, Stadt und Land (o. A nm . 97) 105. liirkei-K arte (o. Anm . 94) IIg /35—36; G. Stanzl, in: J. Borchhardt, Grabungen und F o r­ schungen in Lim yra aus den Jahren 19 8 4 -1 9 9 0 , in: JÖ A i 61 (1 9 9 1 /1 9 9 2 ) Beibf. 127 (K arte); ‘ b. Marksteiner, Die befestigte Siedlung von Lim yra: Studien zur vorröm ischen W ehr­ architektur und Siedlungsentwicklung in Lykien unter besonderer Berücksichtigung der

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einer nicht sehr lange nach der C o n stitu tio A n toniniana gesetzten In sch rift 100 eine Bürgerin von Lim yra als G attin eines als JtptotE iito v e v xtö jiepwioXlq) bezeichneten M annes erwähnt, der als iep E U g x o jv Z E ß a o x o jv mit seiner G em ahlin den ersten R ang in der H ierarchie der städtischen A m ts- und W ürdenträger er­ langt hatte101. G em einsam ist vor allem den beiden lykischen Peripolia von Tyinda und A sarönii, daß sie politisch zu einer Polis gehörten und an der G renze der C h ora lagen102. Einige in den Forschungsjahren 1996 und 1997 in zwei Ruinenstätten in der ter­ m essischen C h ora von uns gefundenen und in die röm ische K aiserzeit gehören­ den Inschriften haben auch zu dem Them a „P eripolion“ beigetragen103: In der von H eberdey m it den a v c o kcöj.icu in Beziehung gesetzten R uinenstätte wurde eine Ehrung durch das TtEputoXiov der KeXß 1!00^ ? 104 entdeckt, so daß der N am e dieses antik-frühbyzantinischen Siedlungsplatzes nunm ehr m it Sicherheit als KeXßr|öa6c festgestellt werden k on n te105. W ir haben auch zwei Ehrungen gefun­ den, in denen von „xö JtEpuröXiov“, wie in den früher bekannt gewordenen P erip o lion-Inschriften dieser Stätte, ohne den Zusatz „K£Xßr|aa£o.)v“ die Rede ist106, und dieses jTEputoXtov erscheint in einer G rabin schrift von der N ord -N ek ro p ole der Stätte nur als Em pfänger des Strafgeldes im Falle unbefugter Benützung des Grabes. D ie andere R uinenstätte ist der ca. 8 km südöstlich von Term essos, nord­ w estlich oberhalb von D oyran und ca. 16 km w estnordw estlich von A ntalya gele­ gene antik-frühbyzantinische Siedlungsplatz auf einem Ausläufer des G öld ag107, der heute „K eldag“ genannt wird: A u f G rund einer hier entdeckten Ehrung, dies­ mal durch N e c x jx o X e ix c o v t o itEpuroXiov108, konnten w ir auch den Eigennam en dieser Siedlung m it Sicherheit erm itteln 109. D ieses jtepuröXiov erscheint ebenso in

klassischen Periode (Wien 1997) 220, Anm . 69; A. Konecny, Hellenistische Turm gehöfte in Zentral- und O stlykien (Wien 1997) 95, Anm. 63 und zuletzt Wörrle (o. Anm . 92) 3 5 3 -3 6 5 mit Abb. 1 -5 auf S. 3 6 6 -3 7 0 . 100 Wörrle (o. A nm . 92) 353 f. 101 Vgl. Wörrle (o. Anm . 92) 355. 102 Vgl. auch Wörrle (o. A nm . 92) 359. *03 Vgl. auch iplikfioglu (o . Anm . 20) 312 f. 104 KeXßiiooewv xö jteputöXiov | £XEi[tr|aev Apiei|t«v MoXeoug | 'Epfiaiou A vyßaX aou EtKovi ixaXicfj Kat xpuocp aTEavip. 105 Vgl. auch B. Iplikpoghi, G. Qelgin, V. Qelgin, Termessos ve Egemenlik Alani EpigrafikTarihi Cografi Y ü zey Ara§tirmalari (1 9 9 2 -1 9 9 6 £ali§m alan ), in: AST 15,1 (1997 [1998]) 378 ff. D er Em pfänger der Strafsumme in drei am selben O rt neugefundenen Grabinschriften (unsere Inv.-N rn. T 270. T 253 und T 271) ist die 0ec< "Apre^tc; KeXßr^acrig, und in einem A ddendum -C orrigendum zu Heberdey, TA M (o. Anm . 11) (unsere Inv.-Nr. T 2 8 0 ) gemeinsam mit dem Zeug 2oAi)j,iEU$ wiederum dieselbe Göttin. 106 Tö JteputöXiov | EtEit.U]aEv |’AjtoXXwviov |Tpoicovöou ’A|jioXXwvlou 'P o|teiXod kxX.; und: Tö jteputöXiov ^Tei(ir|OEv |[ TpoKovöou xptq |riiXXatcoov ktX. 107 T ürkei-K arte (o. Anm . i) IIb/39. 108 NeccJtoXetjtöv |t ö J JteputöXiov Tißeptov K Xauöiov |MötpiceXXov ktX. 109 A uch in unserer im nördlichen Teil der Stätte gefundenen Inv.-Nr. T321 ist der Graberrichter als oIicijt] ev N eajtöXei bezeichnet.

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einer In sch rift 110 von einer byzantinischen K irche im südlichen Teil des O rtes als Vollender des Tempels des Zeug 2xoxf]pm . D ie in der Stadt selbst gefundene Inschrift T A M 111,1, Nr. 1 ist ein weiteres Zeugnis für ein jreputoXiov im G ebiet von Term essos und stam m t etwa aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. In Z. 12 dieses schlecht erhaltenen Ehrendekretes ist nun, wie auf dem Sarkophag von Tyinda und in anderen P eripolion-Inschriften von Term essos, statt des von H eberdey ergänzten T e p ^ o o e c o v vor jT£pi[jt]öX.i[ov] eTE[i|.n]oev der N am e der Siedlung zu erwarten, den w ir noch nicht kennen112. P eripolion erscheint in den bereits angeführten G rabin schriften aus dem lykischen Tyinda und aus K elbessos - wie in den sonstigen ähnlichen K lauseln 113 dort, w o die N am en der jew eiligen G em einden als Em pfänger des Strafgeldes ge­ nannt werden, oder, wie die term essischen 114 und die karischen 115 Beispiele zeigen, als lokale politische O rganisation 116 bzw. als Zentrum einer L ok al­ gem einde117, die selbständig Ehrungen beschließen durfte. D ie jteputöXux von Tyinda, K elbessos und N eapolis machen sich überdies gelegentlich auch m it dem N amen der jew eiligen Gem einde kenntlich. D em nach bezeichnete dieses W ort nicht wie in der D eutung H eberdeys die „staatsrechtliche G esam theit der in einem B ezirk gelegenen G em einden“ 118, sondern eine Siedlung im Inneren oder an der G renze eines P olisterritoriu m s 119 und zugleich eine G em einschaft mit 110 Ali 2ü)Tf|pi xöv vctöv Kai, tryv [.lexdöeaiv xoü äcpet v öpi>|(icrtog ' i o JtepiJio/aov eK xoü iöiou am jp vv xioev Kcd ücpiepioaev |kxX. 111 Die Zugehörigkeit dieser Stätte zur C h ora von Termessos wird auch durch unsere Inv.Nr. T 318 ausgewiesen, in der die Grabstrafe Ali EoXuj.igt verfügt wird. F ü r eine Identifizie­ rung mit dem spätantiken Iobia vgl. Hellenkemper, H ild (o. A nm . 69) s.v. „Iobia“. Iobia wurde wie Eudokias (s. oben Anm . 11) im 5. Jahrhundert Polis und Bistum der spätantiken Provinz Pamphylia (Hier. 680, 1); Sabinianos nahm an der Synode von Konstantinopel im Jahre 448 als Bischof von Termessos, Eudokias und Iobia teil (A C O , II 1, 1 S. 146, N r. 18; II 2, 1 S. 20; II 3, 1 S. 129, N r. 18); während Iobia nur für das 5. Jahrhundert bezeugt ist, erscheinen Termessos und Eudokias bis in das 12. Jahrhundert als Bistüm er in den N otitiae episcopatuum; für Iobia vgl. auch W. Rüge, in: R E I X ,2 (1916) 1838, s.v. „Iobia“ . 112 Vgl. auch Schuler (o. Anm . 7) 48, Anm . 183 und Wörrle (o. Anm . 92) 364. 113 Für die Klausel . . . EKxeiot xw örpsi) Tep,ur]aaea)v . . . vgl. H eberdey, TAM (o. Anm . 11) Nr. 220. 331. 382. 383. 508. 525. 532. 607. 646. 650. 665. 699. 831. 114 Heberdey, TA M (o. Anm . 11) N r. 1. 894 (ohne Angabe der Bezeichnung JtepiJtöAov). 895 und 897 sowie unsere Inv.-N rn. T254. T255. T 260 lind T312. 115 Vgl. oben Anm . 88. 116 In Termessos mit einem apxiov an der Spitze; vgl. Heberdey, TA M (o. Anm . 11) Nr. 893. 898; H eberdey (o. Anm . 4) 6; ders. (o. Anm . 1) 7 6 6 f.; 'Zimmermann (o. Anm . 20) 272 f.; Schüler (o. Anm. 7) 48 mit Anm . 185. n7 Vgl. Bousquet, G authier (o. Anm . 91) 340; Schuler (o . A nm . 7) 49 mit Anm . 188; zu den einschlägigen Strabon-Stellen (7, 7, 6; 14, 2, 22; 16. 2, 10; 17, 3, 21) vgl. Wörrle (o. Anm. 92) 362; zu Schulers Frage ([o. Anm . 7] 48), ob die lykischen jteputoXia die Funktion von D emenzentren hatten, vgl. Wörrle (o. Anm . 92) Anm . 36. 118 Vgl. auch Maier, II: Untersuchungen (o. Anm . 87) 80, Anm . 45; Bousquet, Gauthier (o. Anm. 90) 340, Anm . 82 und Schuler (o. Anm . 7) 48, Anm . 183. Vgl. auch Bousquet, Gauthier (o. Anm. 90) 340. W ährend leicht zu ermitteln ist, daß die Peripolia von Termessos, Kyaneai und Lim yra ganz nahe der Polisgrenze lagen, scheinen da­ gegen diejenigen von Xanthos und M yra als Bestandteile der jeweiligen TtöXeic im ganzen

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(begrenzt) eigenständiger V erw altung 120 und eigener öffentlicher Kasse bzw. ein administratives Z entrum für die ländliche Bevölkerung, eine Verwaltungseinheit der Chora. Einige jteputoÄta waren, wie die Beispiele von Tyinda, K elbessos und N eapolis zeigen, ländliche Siedlungen an der P olisgrcnze: D aß Tyinda zwischen den Territorien von Phellos und Kyaneai nahe der G renzlinie liegt, spricht nach Z im m erm ann 121 dafür, daß die Siedlung aus einer G renzfestung hervorgegangen sein k ö n n te122. D ie Peripolia von Tyinda und A sarönü sind allerdings unbefe­ stigte, wohl nicht auf G rund des Grenzverteidigunsbedürfnisses entstandene K leinpoleis123. M it W ö rrle 124 sind wir der M einung, daß die lykischen und die termessischen Peripolia ehemals selbständige O rte mit eigenem H interland und des­ halb nach der Integration in die C hora einer Polis abhängige ö fjiio i 123 mit b eson­ derem Rang und begrenzter Selbstverwaltung waren. D aher braucht die Lage von Kelbessos und N eapolis jew eils an der südlichen Polisgrenze von Term essos zu Trebenna nicht unbedingt m it einstigem fortifikatorischem bzw. G renzverteidigungszw eck erklärt zu w erden126, obw ohl in Kelbessos Spuren einer Befestigung in R ichtung O , d .h . auf der N ekropolenseite, sichtbar sind. Solche Spuren sind zwar auf der w estlichen Seite nicht zu sehen, doch befindet sich dieser Rand der

Territorium verstreut gewesen zu sein, bzw. die Lage dieser Peripolia im Territorium bleibt unbekannt (zur Diskussion über die Peripolia angesichts der O rganisation des Territorium s im hellenistischen Zeitalter in Lykien [„Perioikoi“ und „Sym politien“] s. dies. a.O .: 341 ff.; vgl. dazu auch Schuler [o. A nm . 7] 47 mit Anm . 176 und Wörrle [o. Anm . 92] 362 f. mit Anm . 37 und 38). 120 Ü ber die O rganisation der Verwaltung der termessischen Peripolia, an deren Spitze ein apycov stand (vgl. oben Anm . 116), kann im einzelnen nichts gesagt werden; zur Verwaltung der attischen vgl. H om m el , in: R E X I X (1937) 852 ff., s.v. „Peripoloi“ und ]. H. Kroll, F. W. Mitchell, Clay tokens stamped with the names of Athenian military com m anders, in: H espe­ ria 49 (1980) 8 6 -8 9 ; zur militärischen O rganisation der Phrouria auf dem Gebiet des lyki­ schen X anthos: J.-L . Robert, Fouilles d ’A m yzon en Carie, I: Exploration, histoire, monnaies et inscriptions (Paris 1983) 125 ff.; zu den A m tsträgern in den Peripolia vgl. auch L. Robert, Hellenics: Recueil d ’epigraphie, de numismatique et d ’antiquites grecques X (Paris 1955) 283 ff. und J.-L . Robert, in: B E (1973) 1 lOf. 121 (o. Anm . 87) 8 0 -8 3 . 122 Vgl. auch Kolb, ’Z immermann (o. Anm . 97) 198. 123 Vgl. auch Schüler (o. Anm . 7) 48 mit Anm . 181; Wörrle (o. A nm . 92) 361 f. 124 (o. Anm . 92) 361 f.; vgl. auch Schüler (o. Anm . 7) 49. 125 Auch die jteputöXia von Halasarna auf K os, I’ otidaion auf Karpathos und Kam iros (vgl. oben Anm . 87) waren in Abhängigkeit geratene Kleinpoleis. 126 Vgl. Zimmermann (o. Anm . 87) 81, wo er einen Zusam menhang zwischen fortihkatorischer Funktion und lokaler Selbstverwaltung der Peripolia herstellt. Immerhin scheint ein fortifikatorischer A spekt mit dem Siedlungsbegriff Peripolion verbunden zu sein. Zu den JtEptJroXoi. den G renzw ächtern, vgl. Robert (o. Anm . 12) 108 ff.; ders. (o. Anm . 29) 283 ff.; J.-L . Robert, in: B E (1973) 1 iOf. D er für das hellenistische Telmessos überlieferte Begriff von „(h)orophylakia“ gehört auch in den Zusammenhang der Grenzbefestigung, vgl. dazu M. Wörrle, Epigraphische Forschungen zur G eschichte Lykiens III, in: Chiron 9 (1979) 9 6 ff .;/.-/_ . Robert, La Carie: H istoire et geographic historique, avec le recueil des inscripti­ ons antiques. La plateau de Tabai et ses environs, II (Paris 1954) 42. 282; dies. (o. Anm . 120) 101 ff. (Betonung der Funktion als „orophylakia“ , als „gardes des montagnes“ im Gegensatz zur älteren Interpretation als G renzw ächter).

L ä n d l i c h e Sied lu n g en un d das T e r r it o r i u m v o n T e r m e s s o s (P isi dien )

1 21

Stätte naturbefestigt an einem Steilhang. Letzteres gilt auch für N eapolis, dessen südlicher Teil auf einem steilen Hügel liegt. Es ist jed och nicht zu entscheiden, was für konkrete Anlässe für die Errichtung der beiden term essischen Peripolia be­ standen. D anach verteilte sich das Territorium (jtepixcüpog, X ^ p a) von Term essos in der K aiserzeit zum indest auf die Verw altungsbezirke cd ävoj Kxöjica im Bergland süd­ westlich der Stadt (sehr w ahrscheinlich die K(bpr| in Söbüova und das nam entlich unbekannte D o rf im B ereich von Ü^tepe), cd KÜtoj Ktöpat in der östlich der Stadt gelegenen Ebene (bezeugt ist N eu Ktöpri f) Kcrno, verm utlich auch Kepuotvöa, N a iß a , O arur|aaas, K o ß a u v a , KXiiapa und KoXovxai, deren genaue Lage unbe­ kannt ist) und öpvpog im nordw estlichen W aldgebiet (?) sow ie auf die bisher b e­ kannt gewordenen Peripolia K elbessos und N eapolis an der G renze zu Trebenna (und in hellenistischer Z eit vielleicht auch noch auf das nam entlich unbekannte Peripolion in T A M 111,1, Nr. 1) als Zentren von Lokalgem einden. E in im Ja h r 1964 von H anfm ann im Ruinenfeld von Term essos entdecktes und dem Anfang eines D ekrets angehöriges F ragm ent 127 zeigt, daß sich Term essos im Jahr 278 v. Chr. m it Sicherheit unter der H errschaft der Ptolem äer befand128, und läßt zugleich fragen, ob sich das term essische Territorium in dieser Z eit im Süden vielleicht bis an die Küste, d. h. bis an den G o lf von A ntalya, ausgedehnt haben könnte. D iese Frage ergibt sich daraus, daß die Ptolem äer in erster Linie m it den an der Küste befindlichen Städten Kleinasiens Beziehung anknüpften und daß deshalb ein Zugang von Term essos zum M eer zu erwarten wäre. Solch eine E r­ wartung bereitet uns aber einige Schw ierigkeiten: Erstens wurde um 150 v.Chr., d.h. über 100 Jahre nach der ptolem äischen H errschaft, am G o lf von Pam phylien durch den pergam enischen K önig A ttalos II. Philadelphos die Stadt Attaleia ge­ gründet129, deren Territorium den term essischen Landbesitz im O sten und teil-

527 L. Robert, D ocum ents de l’Asie Mineure meridionale. Inscriptions, monnaies et geogra­ phie (Geneve, Paris 1966) 5 3 -5 8 ; vgl. dazu auch M. Wörrle, Epigraphische Forschungen zur Geschichte Lykiens I, in: Chiron 7 (1977) 47; E. Will, H istoire politique du monde hellenistique (3 2 3 -3 0 av. J C ), I (N an cy 1979) 141 f.; Nolle (o. Anm . 44) 5 S f.; G. Hölbl, Geschichte des Ptolemäerreiches: Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem G roßen bis zur römischen Eroberung (D arm stadt 1994) 25, 35, 60. 128 Das auf einer im fünften Regierungsjahr des ägyptischen Königs Ptolcm aios II. Philadel­ phos (2 8 3 -2 4 6 v.C hr.), im M onat Aü& vatoc erfolgten Sitzung der Termessier beschlossene Dekret betrifft die Ehrung für den Makedonen Philippos, Sohn des Alexandras, der vom König zum Ttc/|_ic)>uXto.pX*1S ernannt worden war. N ach Robert (o. Anm . 127) 54 weist die Erwähnung des M onats Aliövcüog darauf hin, daß damals in Termessos der makedonische Kalender verwendet wurde. 129 Strab. 14, 667; C. E. Bosch, Studien zur G eschichte Pamphyliens (Ankara 1957) 73 f.; /. Hopp, U ntersuchungen zur Geschichte der letzten Attaliden (M ünchen 1977) 103 f.: Datie­ rung der Gründung „vermutlich schon ins Jahr 158 v. C h r.“; N. Baydur, Die M ünzen von Attaleia in Pamphylien 1, in: JN G 25 (1975) 33-72: die hellenistischen Bronzeprägungen der Stadt schon seit 159 v. Chr.; A. H. M. Jones, The cities ot the eastern Rom an provinces (Amsterdam 2 1983) 1 2 9 f.; zu Attaleia vgl. auch W. Rüge, in: R E 11,2 (1896) 2156, s.v. „A tta­ leia, Nr. 3 “; Jameson, in: R E Suppl. X II (1970) 1 1 0 -1 2 9 , s.v. „Attaleia“; Hellenkemper, Hild (o. Anm. 69) s.v. „Attaleia“ ,

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B ü l e n t Iplik^ ioglu

weise im Südosten begrenzte. H atte Term essos, dessen C h ora sich vorher tat­ sächlich bis an die K üste erstreckte, während der G ründungszeit Attaleias einen Teil seines Landbesitzes zugunsten seiner N achbarstadt verloren? Term essos war 189 v.C hr., d .h. etwa 30 Jahre vor der G ründung Attaleias, durch C n . Manlius V ulso in das röm ische Bündnissystem aufgenom m en w orden, und das m öglicher­ weise während der R egierungszeit des Eum enes II. Soter geschaffene Freund­ schaftsverhältnis zw ischen Pergam on und Term essos wurde durch eine von Attalos II. gestiftete, prächtige Stoa auf der term essischen Agora konsolidiert130. Es wäre also undenkbar, daß Term essos zugunsten seines ostsüdöstlichen N achbarn B od en verloren hätte, zumal Term essos und der G ründer Attaleias in guten freundschaftlichen Beziehungen zueinander standen und noch dazu Termessos und Pergam on Verbündete R om s waren. 1 0 km westsüdw estlich von Attaleia lag andererseits verm utlich das seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. bekannte O lb ia 131, das wahrscheinlich in der Z eit der großen K olonisation durch griechische Siedler ge­ gründet wurde, nach der G ründung Attaleias zunächst an Bedeutung und einen Teil seines Landbesitzes zugunsten seiner östlichen N achbarstadt verlor und schließlich w ohl in deren B esitz geriet132. W eiter w estlich von O lb ia, am Sivridag 130 Yg[_ c(;e Architravinschrift des Baues Heberdey, TA M (o. Anm . 11) N r. 9; vgl. auch ders. (o. Anm. 1) 749; Magie (o. Anm . 3) 264, 280; F. E. Winter, N otes on military architecture in the Termessus region, in: A JA 7 0 /2 (1966) 129; A. Akarca, Yunan Arkeolojisinin Ana Cizgileri I; §ehir ve Savunmasi (Ankara 2J 987) 123; K. Bringmann, H. von Steuben, Schenkungen hellenistischer H errscher an griechische Städte und H eiligtüm er: Zeugnisse und K om m en­ tare (Berlin 1995) 3 7 7 f., N r. 303. Z u r Politik A ttalos’ II. in Pisidien vgl. auch R. A. Kearsley, The Milyas and the Attalids: A decree of the city of Olbasa and a new royal letter of the second century B .C ., in: AS 44 (1994) 4 7 -5 7 . 131 H eute wahrscheinlich die Ruinen auf einem Felshügel an der Küste, nordöstlich von H urm a (Türkei-K arte [o. Anm . 1] IIc/4 0 : A §agi/Yukan K orum a; R. Kiepert, O. Melching, Karte von Kleinasien, Blatt: D II Adalia, Maßstab: 1:40 0 0 0 0 [Berlin 21914]: G urm a); §ahin (o. Anm . 72), der O lbia beim heutigen Keiner (Türkei-K arte [o. A n m .l ] Ile/40) lokalisieren m öchte; zu O lbia vgl. Strab. 14, 667; Plin., nat. 5 ,9 6 ; Ptol., geogr. 5, 5, 2; Steph. Byz. 4 8 9 ;/. A. Cramer, A geographical and historical description of Asia Minor, II (O xford 1832, N D : A m ­ sterdam 1971) 2 74 f.; Spratt, Forbes (o. Anm . 64) I 215. 218; Ramsay (o. Anm . 62) 343, Anm . 2; ders., Antiquities of Southern Phrygia and the border lands, in: A JA 4 (1888) 8, Nr. D .5; K. G. Lanckororiski, Städte Pamphyliens und Pisidiens I: Pamphylien (Prag, Wien, Leip­ zig 1890) 5, N r. 3; 18; W Rüge, in: R E X V II,2 (1937) 2 4 0 4 f., s.v. „Olbia, Nr. 2 “; Bean (o. Anm . 11) 1 0 9 -1 1 1 ; F. Imhoof-Blumer, Kleinasiatische M ünzen, I-II (Wien 19 0 1 -1 9 0 2 , N D : Hildesheim, Zürich, N ew Y ork 1991) 309; Jones (o. Anm . 129) 12 9 f.; Zgusta (o. Anm . 23) 436 § 9 2 6 -2 ; N. Qevik, The localization of O lbia on the Gulf of Pamphylia, in: Lykia 1 (1994 [1995]) 8 9 -1 0 2 ; ders., A nralya-H urm a K ö y ü ’nde B ir Ciftlik Yerle§imi, in: Lykia 2 (1995 [1996]) 3 9 -6 1 ; ders., Kent Antalya’nin Arkeolojik Envanteri Projesi II: H urm a K öy Yüzey Ara$tirm alan, in: A ST 14,1 (1996 [1997]) 2 3 5 -2 5 1 ; Hellenkemper, H ild (o. Anm . 69) s.v. „O lbia“ . 132 Vgl. die an die Polis von Attaleia (xf] ’AtccXeiTdjv ;töXei, vgl. dazu SEG X L V [1995] 1771C ) zu zahlende Geldstrafe in einer Sarkophag-Inschrift aus der ca. 4,5 km westsüdwest­ lich von H urm a gelegenen N ekropole einer antiken Siedlung im unm ittelbar südöstlichen, fast unzugänglichen Waldgebiet (nahe dem westlichen H ang des Tahragüngedigi Dagi [Türkei-K arte (o. Anm . 1) IIc/4 0 ], nördlich des Arapu<;tu Tepesi [Türkei-K arte (o. Anm . 1) IIc/3 9 ]), (^evik, A ntalya-H urm a (o. Anm . 131) 44. 46; ders., Kent A ntalya’nin (o. Anm . 131) 239. 242. N ach einer Revision im Jahre 2000 konnten wir an derselben Stelle des Textes mit

L ä n d l i c h e S ie d lu n g e n un d das T e r r i t o r i u m von T e r m e s s o s (P isi dien )

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beim heutigen D o rf (^aglarca, befand sich schließlich Trebenna133, dessen H e rr­ schaftsbereich in F orm einer Sym politie auch das bei G ed eller 134 am Ende des G ökdere-Tales gelegene O n o b a ra 135 um faßte. Angesichts all dieser Belege muß außer B etracht bleiben, daß sich die term essische C h ora jem als bis zum M eer aus­ gedehnt h ätte136. Vom O sten und N ord osten der term essichen C hora haben wir oben gespro­ chen. Was den N orden betrifft, so bestätigt auch eine von uns in K eklicek, 12 km w estnordw estlich von T erm essos137, gefundene In sch rift 138 m it der in term essischen Inschriften üblichen D atierung nach dem Probulen , daß die Gegend m it an­ tiken Siedlungsresten zur C h ora von Term essos gehörte. Im 8 km nordw estlich Sicherheit lesen: Et mg em O d ^ n y iE , 0 t ) ö e i jtp o a m jto v T fj jtoXei ’A rtaX ew v *x,acp'. Es handelt sich hier wohl um eine Korne von Attaleia. 133 T ürkei-K arte (o. A nm . 1) IIc/3 9 (Tramita); für Trebenna vgl. Hier. 679, 7; Lanckoronski (o. A nm . 3) 224, N r. 184; Paribeni, Romanelli (o. Anm . 5) 2 0 3 -2 2 4 ; W. Rüge , in: R E VI A ,2 (1937) 2 2 6 8 f.; T. R. S. Broughton, Rom an Asia Minor, in: T. Frank (H rsg.), An econom ic survey of ancient R om e, IV (Baltim ore 1938) 734; Fl. von Aulock, Die Münzprägung des Gordian III und der Tranquillina in Lykien (Tübingen 1974) 53 f., 83 f.; Eyice (o. Anm . 75); G. E. Bean, in: P E C S , 9 3 2 ;]on es (o. Anm . 129) 103. 106 ff.; Zgusta (o. A nm . 23) 633 § 13 6 3 -2 ; Mitchell (o. Anm . 9) 77, Anm . 69; N. (Jevik, /. Kizgut, §. Akta\, 1997 Yih Trebenna ve (^evresi Y ü zey Ara§tirmalari, in: A ST 16,2 (1998 [1999]) 4 0 1 -4 2 1 ; Hellenkemper, H ild (o. Anm . 69) s.v. „Trebenna“ . 134 18 km südwestlich von A ntalya; T ürkei-K arte (o. Anm . 1) IIc/3 9 (K edetler). 135 R. Heberdey, E. Kalinka, Bericht über zwei Reisen im südwestlichen Kleinasien (Wien 1897) 3 6 f., N r. 4 7 f.; E. Kalinka, Z ur historischen Topographie Lykiens, in: Beiträge zur A l­ ten Geschichte und Geographie. Festschrift für H einrich Kiepert (Berlin 1898) 168; Kiepert, Meldung ([o. A nm . 131] verzeichnet es südöstlich von G ederler [= Gedeller]); Anti (o. Anm. 78) 6 6 6 f., 740, 743 (N r. 5), 747 (N r. 7), 751 (N r. 9), 754; Vtale (o. Anm . 78) 381 f. (Nr. 32); W. Rüge, in: R E X V I I I ,1 (1939) 485, s.v. „O nobara“ ; Eyice (o. Anm . 75) 26, Anm. 13; Zgusta (o. A nm . 23) 439 § 936; Qevik, A ntalya-H urm a (o. A nm . 131) 46 f. (Lokali­ sierung ohne Beweise in H urm a) = SEG X L V (1995) 1771; Trebenna und O nobara werden auch in dem M onum ent von Patara erwähnt: äitö Tpcxßevvcov gig ’Ovoßapjcx? crtd&ia ... ]• emo ’O voßapw v e j i I 0 d X a a a a [v a x d ö ta . ..; vgl. §ahin (o. A nm . 17) 20, Anm . 43; Qevik, A ntalya-H urm a (o. A nm . 131) 50. A uf G rund m ehrerer von uns 1998 in einer spätantiken Siedlung im 1 km südöstlich von Gedeller gelegenen Waldgebiet D eveboynu (Türkei-K arte [o. Anm . 1] II c /3 9 -4 0 ) gefundener Inschriften (erw ähnt werden Trebennaten aus O nobara in Inv.-Nrn. L 166. L 168. L 169. L 172. L 174, ein Trebennate in Inv.-N r. L 173 und Tpeßevvomov ö öfjuog in Inv.-N r. L I 70) verm uten wir, daß dieser O rt das Zentrum von O nobara war, zu dessen Territorium das Gebiet um Gedeller gehörte. Dies würde auch der topographischen Situation im Stadiasmos von Patara entsprechen. 136 Vgl. auch R. S. Bagnall, The administration of the Ptolem aic possessions outside Egypt (Leiden 1976) 114. In der sog. Lex Antonia de Termessibus (C IL , 2I, 589; ILS, I, 38) wird zwar von portoria maritima und insulae gesprochen, was auch an einen Zugang von Termes­ sos zum M eer denken läßt. D a sich jedoch im G olf von Antalya keine nennenswerten Inseln befinden und da ein brauchbarer H afenplatz in der N ähe von Termessos nicht vorhanden ist, wird im allgemeinen die Ansicht vertreten, daß sich diese lex w ohl nicht auf Termessos allein, sondern auf ein größeres Gebiet bezog und daß somit das termessische Territorium nicht bis ans Meer reichte. 137 4 km östlich von Yazir, 4 km südöstlich von Bayat; T ürkei-K arte (o. A nm . 1) IIa/38 (Keklicikkahvesi); für Keklidschek-Kafe vgl. H eberdey (o. Anm . 4) 11. 138 Unsere Inv.-Nr. T 296.

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Bülent Iplikijioglu

von Term essos, im W aldgebiet gelegenen K orucu k M ahallesi 139 von Bayatbadem lisi ist ein M eilenstein 140 erhalten. A uf Grund dieses durch die Polis von Term es­ sos aufgestellten Steines, den wir bei einer Bereisung 1993 wiederfanden und der aus Zeitm angel nicht aufgenom m en werden konnte und später verlorenging, und der im 5 km östlichen W eiler G edikarasi von Bayatbadem lisi von uns gefundenen In sch rift141, in der m ehrere Personen term essischer H erkun ft genannt werden, liegt die Gegend innerhalb der term essischen C h o ra 142. 2 km südwestlich von K o ­ ru cu k 143 gibt es eine hellenistisch-röm ische R uinenstätte m it einem T u rm 144 und wenigstens vier anderen G ebäuden145. Etw a 10 km nordnordöstlich von Term es­ sos und etwa 6 km nördlich des Yenice Bogazi, w ohl an der G renze zu Perge, be­ findet sich in der H öh le Karain am südsüdöstlichen H ang des §am D ag i 146 das zur term essischen C h ora gehörige H eiligtum der M eter O re ia 147.

A bkürzungen A BSA: ACO: AE: A JA : AMS: AnzW ien:

Annual of the British School at Athens A cta C onciliorum O ecum enicorum L’Annee epigraphique

American Journal of Archacology

Asia M inor Studien Anzeiger der Ö sterreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-historische Klasse A rr., anab.: Arrianos, Anabasis AS: Anatolian Studies Annuario della R. Scuola A rchaeologica di Atene e delle Missioni Italiane ASA A : in Oriente AST: Ara§tirma Sonu^lari Toplantisi Bulletin de Correspondance Hellenique BCH: BE: Bulletin epigraphique C IL : C orpus Inscripttonum Latinarum C R A I: Com ptes rendus de l’Academie des Inscriptions et Belles-Lettres Dictionnaire d ’histoire et de geographie ecclesiastiques D FIG E : D ion. H a)., an r.: D ionysios v, Halikarnaß, Antiquitates Romanae

139 Türkei-K arte (o. Anm . 1) IIa/38 (K orucukdam ); D. French, 1989 Rom a Yollan, Milta§lan ve Yazitlari Ara$tinnalan, in: A S T 8 (1990 [1991]) 233; ders, (o. A nm . 20) 73. h o p rencfj (o. A nm . 20) 73. >41 U nsere Inv.-N r. T 295. 142 Vgl. auch Fleherdey (o. Anm . 4) 5, Fig. 1. 143 T ürkei-K arte (o. A nm . 1) IIa/38 (Karakol); Spratt, Forbes (o. Anm . 64) Karte; Lanckoronski (o. Anm . 132) K arte; H eberdey (o. A nm . 4) 5, Fig. 1 (antike Mauer und Stätte). 144 Woodward, Ormerod (o. Anm . 24) 83, N r. 1. 145 French (o. Anm. 20) 73. 146 E tw a 25 km nordnordwestlich von Antalya; H eberdey (o. Anm. 4) 5, Fig. 1; TürkeiKarte (o. A nm . 1) IIa/39. 147 G. Moretti, Le grotte sacre di Iuvadja, in: A SA A 6 /7 (1 9 2 3/1924 [1926]) 5 4 5-554; S. §ahin, Meter O reia von K arain/A ntalya: Eine G rottengöttin in Südkleinasien, in: E A 17 (1991) 1 2 6 -1 3 2 ; Flellenkemper, Hild (o. Anm . 69) s.v. „Karain“ .

L ä n d l i c h e S ie d lu n g e n und das T e r r it o r i u m v o n T e r m e s s o s (P isi dien )

Hesperia: EA : Eusth., comm . Dion.: Hier.: Eiist. Aug.: IGR: IK: ILS: JH S : JN G : jÖ A I: Lykia: M dl-A : M dl-I: M onA L: Ncirc: N ot. Dign.: N ot. ep.: PECS: Plin., nat.: P&P: Ptol., geogr.: RE: REG: SC IV: SEG: SIG3: Steph. Byz.: Strab.: TAM: TAVO: Thuk.: TIB: Zos., hist.: ZPE:

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journal of the American School of Classical Studies at Athens Epigraphica Anatolica Eustathios, Com m entarii ad D ionysium periegetam H ierokles, Synekdemos H istoria Augusta R. Cagnat, Inscriptiones Graecae ad res Romanas pertinentes, I—IV (Paris 1 911-1927) Inschriften griechischer Städte aus Kleinasien H. Dessau, Inscriptiones Latinae Selectae, I—III (Berlin 1 892-1916) Journal of Hellenic Studies Jahrbuch für N um ism atik und Geldgeschichte Jahreshefte des Ö sterreichischen Archäologischen Instituts A nadolu-A kdeniz Arkeoiojisi Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung M itteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Istanbul M onumenti antichi, pubblicati per cura della Reale Accademia dei Lincei N um ism atic C ircular O. Seeck , N otitia Dignitatum, accedunt N otitia Urbis Constantinopolitanae et Latercula Prouinciarum (Berlin 1876) J. Darrouzes, N otitiae episcopatuum Ecclesiae Constantinopolitanae (Paris 1981) The Princeton Encyclopedia of Classical Sites, ed. R. Stillwell (Princeton 21979) Plinius d. A ., Naturalis historia Past and Present Ptolem aios, Geographika Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft Revue des Etudes Grecques Studii §i cercetari de istorie veche §i arheologie Supplementum Epigraphicum G raecum W. Dittenberger, Sylloge Inscriptionum G raecarum , I-IV (Leipzij 31915—1924) Stephanos (v. Byzanz), Ethnika Strabon, Geographika Tituli Asiae Minoris Tübinger Atlas des Vorderen O rients Thukydides Tabula Imperii Byzantini Zosim os, H istoria nova Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik

Joseph C. Carter, Stephen M. Thompson, Jessica Trelogan Dividing the Chora '" The settlem ent o f the ancient countryside and the rural population (o r the “O th er G reek s” in V icto r H an son ’s phrase) have, in the last decade, becom e im portant, m uch debated topics, in fact, a subfield in ancient history and archaeology to judge from the num ber o f books, articles, and conferences - o f which this is the m ost recent and, we trust, one o f the m ore productive1. T h e study of colonial chorai, especially, has revealed much about the organization of the agricultural territory - and it involves som e related questions which are particular to it, namely the interaction betw een the G reeks and the p re-G reek in­ digenous populations o f the chorai, and the apparently uniform division of the land, at a particular point in time. In mainland G reece, fo r the m ost part, the origins and shape o f the landscape m osaic are m uch less distinct. In addition, several o f the colonial chorai offer unparalleled opportunities to investigate the relationship be­ tween the agricultural populations and those of the urban centers. A disadvantage is that, on the w hole, the historians and archaeologists have few er docum ents and texts to w ork w ith, though there are some notew orth y exceptions even here. This paper will deal with the question o f the scale o f ancient plots, specifically with the dividing o f the land - and will skirt the far m ore com plex questions of land-tenure and private property. M uch has been w ritten on these subjects re­ cently that is very good and stimulating. It has been based, however, on ancient documentary sources and it often involves assumptions and estimates that expand the margins o f error considerably. H ow large a piece o f land would be required to support a typical farm fam ily - whatever that is taken to be - assuming annual cropping or a bi-annual rotation of certain fields, and so forth2? The present archaeological approach to the question also has its problem s and we shall have to resort to som e m ore or less w ell-founded speculation, to o, but in A generous grant from the Packard Humanities Institute made possible the research and preparation for this study for publication. We acknowledge also the active participation of the Soprintendenza archeologica della Basilicata. 1 Victor D, Hanson, The O th er Greeks (N ew York 1995) with comprehensive bibliography and references to ancient and m odern sources. J-W. Gallant, Risk and Survival in A ncient G reece. Reconstructing the Rural D om estic Econom y (Stanford 1991) is a recent and comprehensive study with useful bibliography.

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J o s e p h C . C ar te r , S t e p h e n M . T h o m p s o n , J e s s i c a T re lo g a n

the end I think that we will have a better understanding o f the scale o f plots, in two colonial chorai at least, than has been possible in any other part o f the G reek world. O u r goal is a map - a map o f the ancient chorai w ith settlem ents, and visible boundaries within their topographic setting. It is not an arid topic, but one that leads out in m any directions. “T h e land division geometry, like the geom etry of nature, affects the distribution o f people over lands, their access to productive facilities and m arkets, and their interaction w ith one another .”3 We shall discuss here the system s o f division em ployed in the chorai o f the late 7th century B C colony o f M etaponto on the Ionian coast of Southern Italy and o f C hersonesos in C rim ea on the Black Sea. T h e skeletons o f their cadastral maps are uniquely well-preserved, because o f the system o f division em ployed. D ifferent system s it would appear - n ot rigidly geom etric like these - were in use in, for example the Ionian colon y of O lbia, w hose chora has been system atically investi­ gated. A system sim ilar to that of M etaponto or C hersonesos was used elsewhere, fo r example at H var (the ancient Pharos) and extensively at various sites in W est­ ern and also Eastern Crim ea. T h o se on the Tarkankhut peninsula, investigated by Shcheglov, offer especially good parallels fo r the chorai considered here4. It would appear that colonies whose origins can be traced back to the Peloponnesos fa­ vored the geom etric division o f the land. T h e chorai of M etaponto and C h erso n e­ sos preserve m ore fully than any others the fabric o f the ancient countrysides and their related poleis, and they have for this reason long attracted the interest o f his­ torians and archaeologists alike. T his paper will focus on the chora o f M etaponto, where the authors have carried out much and also quite recent research. T he “division lines” in the chora metapontina were discovered in the 1950's through the study of aerial photographs made during and just after W orld W ar II. This was an optim al time fo r this sort o f investigation. The landscape had not yet begun to be transform ed in consequence o f the agrarian reform s o f the m id -50’s. T h e lines showed up as parallel linear anomalies approxim ately 210 m apart, run­ ning from ju st outside the ancient city, upland through the rich agricultural coastal zone fo r a distance of som e 14 kilom eters. A fter this point begins the eroded clay of the so-called “calanchi” region w ith its quasi-lunar appearance. It was clear to the early investigators, G u ilio Schm iedt and R aym ond Chevallier, D inu Adamesteanu, and G iovanni U ggeri, that there were different systems with different orientations and intervals fo r the B rad ano-B asen to and B asento-C avone watersheds, and it appeared to them at the time that the axes o f none o f the agri­ cultural divisions corresponded to those of the grid plan of the ancient city, which was discovered by aerial photography also at about the same time. T h e earliest reconstruction, by Uggeri, was too rigidly schem atic. A later one by Adamesteanu and Claude Vatin had intervals betw een the lines o f varying 3 Edward T. Price, Dividing the Land. Early Am erican Beginnings of our Private Property Mosaic (C hicago 1995) 5. 4 Alexandre Shcheglov, Polis et C h ora (Besan^on, Paris 1992) 2 5 3 -2 6 8 .

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w idth, even in a single area. Vatin constructed plots of the dim ensions of those of the m id -4ttl century B C division at C hersonesos, where a 630 x 420 m piot consist­ ing o f six 210 X 210 m units was basic. H is plots, however, were not orthogonal, as those o f C hersonesos, but had the shape o f a rhom bus5. This reconstruction by contrast seemed, at first, too contrived and elaborate, especially in the manner in which the surface area was calculated, but also because o f the shape. It seemed that Vatin had identified ancient beach lines, parallel to the coast, but oblique w ith re­ spect to the longitudinal lines, as transverse divisions. These appear on the surface o f the ground as gentle rises, whereas the longitudinal lines are depressions if not deep gullies. A t this time no one had actually excavated a division line. N ow that we have done this, V atin’s hypothesis can be rehabilitated, in one respect, at least the plots were not orthogonal, as we shall see. T h e m ost recent published study o f the M etapontine division lines is that of Max Guy, w ho made use o f the same aerial photographs o f the 1950’s and later, and came to the conclusion that some o f the lines betw een the Bradano and Basento were spaced at approxim ately 210 meters apart, and on the southern side towards the B asento, the interval widened to 240 m, the same as that em ployed between the Basento and C avone6. This area included the division line, previously excavated by us, that was flanked by part o f the Pantanello necropolis and dated to the early fifth century B C by the burials that flanked it. It is a line o f the 240 m wide system , according to Guy. There are other lines on the aerial photos at much narrower intervals, and one, excavated by the Soprintendenza A rcheologica della Basilicata at Pantanello in 1986, and apparently unknow n to Guy, lies approxi­ mately 630 m away from ours. T his could be used to reinforce the parallels with Chersonesos. G u y’s study o f the “division lines” betw een the Basento and Cavone re-establishes the 240 m grid fo r m ost o f that part o f the territory, but he detects what he believes is a second, earlier and narrow er grid w ith a different orientation near the northern side, close to the B asento, in the area know n as San Teodoro. G u y ’s study helps to show that we may be dealing w ith multiple system s developed at different times. The principal problem s and areas o f the debate concerning the "division lines” can be sum marized briefly: 1) D o they actually exist? or are there oth er possible explanations fo r som e or all of the anomalies on the aerial photographs? 2) W hat are the orientations (a) o f the individual “lines” vis-a-vis each other? (b) of the system s vis-ä-vis each other? and the division of the surface o f the ancient city? 3) W hat are the dim ensions o f the intervals betw een the “lines” ? and o f the “lines” themselves?

3 Dinu Adamesteanu, Claude Vatin, L’arriere pays de M ctaponte, in: C R A I (1976) 110-123. Max Guy, Cadastres en band es de M etaponte ä Agde. Q uestions et methodes (Sur les pays des Grecs en O ccident. Collection Etudes Massalietes 4, 1995) 4 2 7 -4 4 4 .

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4) W hat fu nction or functions did they have? Were they prim arily boundary markers, roads, drainage ditches, or irrigation canals, or a com bination of the above? 5) D id som e have functions different from the others ? 6) And finally, what was their date? D id the entire system or system s com e into use at a particular time or was there a developm ent and an evolution? D uring the sum m er o f 1999, the results from three aspects of fieldw ork at M eta­ ponto - intensive field survey, the study o f the aerial photographs and other re­ m ote sensing imagery, and excavation - converged to advance our know ledge of the division lines in a significant way, to put the study on a m ore accurate factual basis, and to provide a new impulse and direction fo r future studies. T h e m ethods and early results o f the M etaponto field survey have been dis­ cussed on various occasions7. T h e survey was first carried out in tw o distinct areas in the heart o f the chora. T h e B rad an o-B asen to survey is bounded by a rectangle stretching betw een the tw o river valleys and measuring approxim ately 10 km on its N -S flank and 4 km on the E -W end. A t its closest point the eastern long side o f the transect lies approxim ately 6 km west o f the ancient city. Survey in this area covered all accessible terrain that had good surface visibility. A ltogether 21.12 km 2 were walked at intervals o f 10 m or less during sum mer and autumn campaigns (1 9 8 1 -1 9 8 5 ). T h e vast m ajority o f land surveyed w ithin this transect is com posed o f upland, relic marine terraces. R elatively smaller portions o f lowland in the Bradano, Basento and Venella valleys were also covered. In the main, the steep slopes separating these zones were not investigated, because o f the dense maquis. T h e sm aller Pantanello survey zone consists o f an irregularly shaped 1.92 km 2 area on the northern margin of the Basento about halfway betw een the B rad an o -B a­ sento transect and the ancient city. T h e land is alm ost exclusively late H olocen e (T 2) and slightly higher late Pleistocene (T 3 ) alluvial terraces8. This lowland zone rep­ resents a transitional zone betw een coastal plan, river valley, and upland terrace. A pproxim ately 550 sites were identified by surface survey in these tw o zones. M o st o f these can be dated from the sixth to the third century B C , that is, to the period o f the colony, and 365 sites had enough black gloss pottery so that they can be dated with a high degree of precision. T h e overall density o f archaeological sites, 24/km2, is high even by M editerranean standards. In fact, the density of G reek sites alone (18/km2) exceeds overall site density fo r many intensive M ed i­ terranean surveys. T h e survey since 1992 has been expanded to include a similar, large transect be­ tween the Basento and Cavone Rivers. In 1999, however, it focused on an 18 km long transect, varying from 200 to 500 meters in w idth, w hich follow s the pro­ posed path o f a m ajor oil and gas pipeline, now already under construction. A

7 Joseph C, Carter, M etapom um -Land, Wealth and Population, in: J.P. Descoeudres (ed.), Greek Colonists and Native Populations (O xfo rd 1990) 4 0 5 -4 4 1 .

s p or (hg geom orphology of the chora, see James T. Abbott, Late Q uaternary Alluviation and Soil Erosion in Southern Italy (Ph D . D issertation, U niversity of Texas 1997).

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total o f 66 sites, again m ostly o f the G reek period, were pinpointed. A n equal attention was paid to the evident traces o f “division lin es” or possible “lines”, which, as noted earlier, appear as linear depressions. The 1999 survey was the m ost intensive to date. All sites were gridded and the density o f the artifact scatter recorded. This highly precise inform ation proved to be very useful, since it was possible - in a three-w ay collaboration betw een our In ­ stitute, the Soprintendenza and A G IP , the pipeline’s ow ner - to carry out fo r the first time ever in southern Italy, in the open countryside, with no obvious archae­ ological features, preventive excavations. We shall say m ore about the results later. T h e second line o f investigation, the study o f historic aerial photographs o f the chora, began in the late spring, as the w hole corpus of some eighty photographs was scanned at high resolution, in A ustin and at the A erofototeca in R om e9. T h e individual photos w ith division lines were registered to a base map o f the entire area o f the chora - an Indian Space Agency (IR S ) panchrom atic image, w ith a res­ olution o f five meters, (fig. 1 )

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Figure 1: Chora o f Metaponto aerial photograph o f the area “Pizzica ” with the division lines indicated.

9 I wish to acknow ledge the generous collaboration o f the A erofototeca, M inistero dei B eni Culturali ed A m bientali, R om e, and especially of D o tto ressa M aria-Filom ena Boem i.

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In Ju ly this team, which included experts from the C en ter for Space R esearch in Austin, established coordinates in the chora fo r site and division lines, with an ac­ curacy on the order of a few tens of centim eters, with a G lobal Positioning System (G P S) survey o f the chora, lasting several w eeks10. A base station was established at Pantanello and positions were taken both at fixed points and using a m obile or kinem atic survey. T h e fixed points included n ot a few division lines and the m ajor axes o f the grid plan o f the ancient city. In this way our current base map o f the chora, the IR S image, and hence the aerial photographs were geo-referenced, using a standard coordinate system (W G S 84 - U niversal Transverse M ercator, w hich is used in m ost parts of the w orld, except Italy). O n e of the problem s of past investigations has been the difficulty in relating the archaeological features - the sites - recorded by the survey team on 1 : 10,000 scale maps using one coordinate system (the G auss-Boaga, favored by Italians) with the “division lines” taken from uncorrected aerial photographs. T h e team devised a system by w hich the original 1 : 10,000 survey maps could be warped to the c o o r­ dinate system established by the G P S survey. N ow , it is possible to know w ith a much greater degree o f accuracy the spatial relationships betw een all the archae­ ological features, including the lines, and the topography of the chora. The m ultiple layers o f inform ation now reside on a G eographical Inform ation System (G IS ) at the Institute, w hich continues to grow both in size and refinem ent. A n im m ediate result o f this ingenious, com plex and tim e-consum ing operation was that the relationships betw een the orientation o f the axes of the individual division lines - as well as the distances betw een them - and the relationship be­ tween the orientation of the axes o f the division o f the chora and those o f the urban center o f the polis can at last be reliably determined. The 21 observed longitudinal lines are not precisely parallel. B etw een the B radano and B asento they vary from 48.11 to 53.97 degrees W o f N , w ith an average o f 51.21 degrees. T h e mean orientation o f the seven transverse lines, identified in the aerial photographs, is 21.91 degrees East o f N o rth with a range betw een 27.09 and 32.47 degrees. O n the average, the angle betw een longitudinal and transverse lines is 81.12 degrees. T h e average or mean distance betw een longitudinal lines is 209.20 m, close to the 210 m approxim ation used in m ost reconstructions, but the range is from 198.82 to 227.87 m. T h e median distance is 2 0 8.9 , and the m ode is 209.6, with a standard deviation o f a m eter and a half (1.59 m). We should note that especially on the southern side o f the chora som e o f the intervals had to be divided by in­ tegers, com m only by 3, to calculate the hypothetical width o f a strip. In the B asento-C avone there is com parable variability. T h e 24 longitudinal lines noted are on the average oriented 73.07 degrees W of N , while the five transverse

10 Special thanks due to our close co llab orator P rofessor M elba C raw ford o f the C en ter for Space R esearch at the U niversity o f Texas, and to Solar Sm ith and Peter D em arest, also of C S R , w ho w orked in the field for tw o weeks, in Ju ly 1999, to initiate the ongoing G P S sur­ vey.

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lines average 30.70 degrees E of N , w hich is very close to the orientation o f the lines in betw een the Bradano and Basento. T h e standard deviation in both cases is close to 2 m (1.95). This suggests that the lines are part of a general system fo r the w hole chora, the difference in orientation o f the longitudinal lines being dictated by the topography. In fact, these lines in both areas are roughly parallel to lines bisecting the land mass betw een the rivers. T h e mean distance between the lines in the B asen to-C avon e transect is on the average 243.3, again close to the figure found in previous studies. T h e range varied from 264.12 to 227.52 w ith a median and a m ode of 244.12 m. T h e standard devi­ ation is only a little m ore than a meter (1.29). Again, in seven cases a wider interval had to be divided, in this case always by 2 , to calculate the width of a standard strip. T h e single m ost im portant result from the geo-referencing o f all the aerial photos and survey inform ation, we believe, is that the orientation of the main axis of the Bradano and Basento area, 51.2 degrees W o f N , is virtually identical to that of the main N W - SE plateia o f the city, 54 degrees. This street divided the m onu­ mental center w ith the sanctuary and agora from the residential area. T his zoning of the urban space by function defined the limits o f future grow th. T h e main pla­ teia and a transverse plateia separating the sanctuary and agora established the orientation o f all successive sub-divisions in the city. We would argue that the cen­ tral division line o f the chora had a sim ilar effect on it. B efore developing this argument further, however, we shall turn to the third as­ pect o f this investigation - excavation. In late Ju ly o f this last year, the survey team was operating in a large field (o f approxim ately 10 hectares) in the area know n as Pizzica on the first marine terrace above the coastal plain. A giant C aterpillar was m ethodically scooping earth to a depth o f 1.20 m and moving it to the side, in preparation fo r planting a vineyard. T h e team spotted a long dark strip of earth that stood out from the lighter-colored soil o f the field. It ran across the w hole field and had the orientation o f our longitudinal division lines. It was in exactly the spot it should have been according to the aerial photos. Further, a sim ilar dark strip o f soil intersected it, n ot quite at a 90° angle. T his transverse line also co rre­ sponded w ith a linear anom aly in the photos. A t several points along the line there were concentrations o f broken tom b slabs, tiles and fragm ents o f black gloss and red-figured kraters, pelikai and am phorae - the types o f vessels typically used to mark burials. A t Pantanello we had found clusters, identified as fam ily groups, lining both sides of the division line feature, which we identified there as a road flanked by a drainage d itch 11. T h e tom bs at Pantanello, the earliest o f which, as m entioned ear­ lier, date to the early 5th century B C , were never m ore than a m eter below the sur­ face, so it seemed that the chances o f finding a division line and burials intact at Pizzica were slender. We to ok the gamble, and in collaboration w ith the Soprintendenza and Dr. A ntonio D e Siena, began to dig at the largest concentration of 11 /■ C. Carter, T h e C h ora of M etaponto: T h e N ecropoleis (A ustin 1998).

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remains o f burials at survey Site 73 6 1-. A n area o f 20 X 20 in was cleared by hiring the same Caterpillar and m onitoring it very closely. O n the first day the first intact tom bs came to light, together w ith the division line. (fig. 2 ) In all six intact burials were recovered, ranging in date from the last years o f the 5th century, that is to our Early Classical Period, to the end o f the 4 tSl century or early 3rcl century B C , our Early H ellenistic Period. O n e o f these, tom b 19, de­ serves particular m ention fo r the quantity and quality o f the grave goods and the unusual tom b type, which, it has been argued, identify the deceased as an adherent to an O rphic-P ythagorean creed 13 (M etaponto and its chora were a hotbed). T h e “lin e” at Pizzica seems to me quite like that at Pantanello. It, too, is 6 m wide or approxim ately 20 G reek feet. This is precisely the width o f the dividing roads described in that rem arkable docum ent, the H eraklea Tablets (I G X IV ,

Figure 2: View o f the longitudinal division excavated at site 736 in the area o f Pizzica.

12 We w ish to take this op portu nity to acknow ledge, once again, the fundam ental im portance o f the collab oration o f the Soprintendenza A rch eologica della Basilicata, and especially o f the Inspector, D o cto r A n ton io D e Siena, w ith our In stitute fo r the success o f the ongoing inves­ tigation o f the chora. T hese jo in t efforts and good relations began over a quarter century ago w ith the invitation of the then-Superintendent P rofessor D in u A dam esteanu, to participate in an international p ro­ je ct focussed on the city, the chora and the hinterland o f M etaponto. 13 Carter, N ecropoleis (note 11) 4 2 -4 4 .

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645), found in the Cavone River and dated to about 300 B C 14. We revealed the uniform surface o f the division feature, and then cut a meter-wide trench across it to bedrock, to determ ine the profile. T h e excavation yielded many fragm ents of pottery at every level, in a uniform fill o f com pact dark soil. T h e sides tapered in, and at the base was a level surface 3.5 m or 12 feet wide. W hat does this p ro­ file indicate? This is an ongoing friendly debate among project members as to how to interpret it. It has been suggested that it was not a road but a trough-like canal. To my eye there were no signs that large quantities o f water had flowed here. O n e would expect deposits and lenses of sand and gravel. T his is a topic fo r future research. A second area o f tom bs, Site 737, and the crossroads were the next objectives o f the excavation. A t Site 737 we again found the line, w hich was nearly 6 m wide at this point, also. This second excavation, located several hundred meters to the N orth , made it possible to determ ine the precise orientation o f an excavated line using the G P S. It is 50.82 degrees W o f N , thus very close to the average 51.21 o f those on the aerial photographs. Six m ore intact burials w ere discovered, and these all dated to the first half o f the fifth century. Tw o were clearly pre-480 B C and therefore belong to our Late A rchaic phase, while the rest probably should be dated to the early part o f the E arly Classical period in the chora. T h e burials in this second area are contem porary w ith the earliest discovered along the division line in Pantanello. It would appear now on the balance o f the evidence that the division lines began to be used as places o f burial around 500 B C at the earliest, at least at these areas. M ore tom bs are com ing to light as I speak in excavations being carried out by the Soprintendenza, at division lines indicated by the survey and remote sensing teams. Seventy burials have been discovered along a second longitudinal line at P izzica, and three hundred and twenty, consisting o f numerous fam ily groups, at Pantanello. C learly som e lines and som e areas o f the chora were p re­ ferred - perhaps because the density o f families was higher - and in others, like Saldone, Sant'A ngelo, V ecchio and this year’s Sites 736 and 737 at Pizzica, we are dealing w ith one or two families at the m ost, over a limited time period. T he study o f the aerial photographs and the w ork o f the survey crew and exca­ vating teams in the ground revealed a far m ore com plex situation than we could have imagined. N o t only was there a transverse line - the first ever to have been identified on the ground - but there was also a diagonal line, intersecting the main “longitudinal lin e” a little to the north o f the crossroads. A limited excavation confirmed the existence of the diagonal one. In our final excavation in early August, at Pizzica, we concentrated on the transverse line. N arrow trenches on the opposite sides o f the field gave us tw o fixed points. The angle is 32° East o f N orth , fairly close to the mean o f 30 meters (29.91) of those identified as lines on the photos. T hen, to the crossroads, where 14 Arianna Uguzzoni, Franco Gbinatti, Le tavole greche di E raclea (R o m e 1968) 13-2 7 . T he G reek texts refer to the dividing roads or strips as antom oi (e.g., in the regulations of the sacred lands o f D ionysos) I, 12 (p. 13). T h ey are discussed on p. 61.

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four corners soon appeared, transverse trenches were dug across both the in ter­ secting axes. T hat across the main N W -SE longitudinal line was subsequently ex­ panded, when evidence appeared that the site had once been used as a quarry to extract the local, conglom erate stone, know n as “puddinga”. T here were partially quarried slabs and very deep, regular wheel ruts running across the exposed sur­ face o f the stone. It would appear that the quarrying activities antedated the divi­ sion line feature. B locks o f “puddinga” o f the dim ensions found here w ere used, fo r example, in the earliest sacred building in the urban center o f M etaponto, O ik o s C 15, and in the temenos wall of the earliest phase of the sacred spring at Pantanello, both o f w hich date to the late 7t!l or early 6th century B C . B efore P iz ­ zica was divided into agricultural fields, it was industrial, and certainly connected to the urban center by a sort o f road, w hich interestingly had the same orientation, it would seem, as the longitudinal line. N o w let us turn to the consequences of these discoveries fo r the history o f the colony. O u r historical sources - adm ittedly later than the fact by centuries and som etim es anecdotal in nature - are unanim ous in that the division o f land took place at the time o f the co lo n y ’s foundation, administered by an oikist along the lines set out in a foundation decree16. T h e G reek term is dasmos. We have no rea­ son to doubt that this indeed happened at M etaponto, as elsewhere. A historian of the colonization o f the N o rth A m erican continent, w hich provide m ore than a few instructive com parisons fo r the study o f ancient colonies, has w ritten, “A llo t­ ting the land became a principal business o f the colonies, for land was long their principal wealth and they could prosper only as they put it in the hands o f people w ho would use it productively .”17 Are the division lines, however, the principal traces o f that original division? Adam esteanu thought s o 18, and his intuition and instincts have been as rem ark­ able as his achievem ents, but the evidence was not there in 1969, and in the light o f thirty years o f subsequent fieldw ork we are forced to disagree. T h e division lines are later, perhaps the remnants o f a ges anadasmos, a redistribution o f the land19. T h e urban center o f M etaponto was created on a m onum ental scale beginning in the middle o f the 61*’ century B C . T his transform ation is know n in great detail and w ith precise chronology thanks to the jo in t efforts, since 1964, of the G erm an A rchaeological Institute in R om e, led by D ieter M ertens 20 and his team, and o f

15 Dieter Mertens, M etaponto: l’evoluzione del centro urbano, in: D. Adamesteanu (ed.), Storia della Basilicata. 1. A ntichitä (Bari 1999) 251. 16 Arthur]. Graham, C o lo n y and M other C ity in A ncient G reece (C hicago 1983) 4 0 -6 8 . 17 Price, Dividing the Land (note 3) 3. 18 D. Adamesteanu, Le suddivisioni di terra nel M etapontino, in: Moses I. Finley (ed.), P rob lemes de la terre en G rece ancienne (Paris, LaH ague 1973) 4 9 -6 1 . 19 D. Asheri, D istrib u zion e di terra nell’antica G recia (Turin 1966) 5 -4 3 . 20 Mertens, M etaponto (note 15) 2 5 8 -2 7 6 .

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the Soprintendenza, by D inu Adamesteanu for the first tw enty years and now by A ntonio D e Siena21. T h e tw o great D oric temples to H era and A p ollo were com pleted betw een 550 and 530 B C . A ccording to D e Siena the architecture o f Temple B , dedicated to A p ollo (not as previously believed to H era), bore a dedication by the tyrant of M etaponto to him self and his fam ily (genos). T h e tom b o f this A rchelaos D e Siena has convincingly identified w ith one in the heart o f a cluster o f aristocratic burials of the m id - 6th century B C , just outside the city ’s walls. This was the period, too, o f the so-called “ekklesiasterion” in its first m onu­ mental, stone form - an am phitheater rising out o f the flat plain with a seating capacity, M ertens calculates, of 8,00022. Even if this was intended for the entire population and not ju st for the male heads o f the families w ho would constitute the ekklesia, M etaponto was a wealthy, populous place about 550 B C , or it had very far-seeing planners. T here can be no doubt, however, about the wealth. Apart from all the building activity, this is also the period when, according to A ttilio Stazio23, Sydney N o e and A nn Jo h n sto n 24, M etap o n to’s splendid silver coinage begins (contem poraneously with that o f Peisistratos in A thens). M etaponto has no nearby sources o f silver, so by this time it must have been exporting its agricul­ tural wealth, adroitly prom oted by the six-row ed ear o f barley that decorated its coinage from this point onwards. O f greater im portance fo r our subject is the creation at this time o f the o rth o ­ gonal grid plan o f the city. It clearly w ent together w ith the construction o f the temples, as the original orientation o f these buildings, begun in the 5 7 0 ’s, was altered to align them with the great plateia m entioned earlier and the other longi­ tudinal and transverse wide streets that may have been in existence at this time. The infilling o f the city plan o f the residential quarter, w hich is ju st now beginning to be excavated, was a gradual process, as D e Siena sees it. Many, if n ot all, o f the long narrow blocks may well belong to the late A rchaic period or later25. The m onum ental buildings, the plan, even the coinage may bear the stamp of the tyrant, and even, we would argue now, the division o f the chora, at least in the earliest phase o f it that has left a visible trace - the main axis o f the grid we have been discussing up to now. All o f this urban construction would have required the marshalling o f great resources o f m an-pow er and wealth. W here did that wealth come from ? It could only have com e from the chora, but the part o f the chora we have seen was not inhabited until the end o f the 6th century at the very earliest.

21 A. DeSiena, La colonizzazion e achea del M etapontino, in: Adamesteanu, Storia della Basilicata 2 3 4 -2 3 6 . 22 Mertens, M etaponto (note 15) 260. 23 Attilio Stazio, O sservazioni sulla rnonetazione di M etaponto, in: A tti del 13 C onvegno, Taranto (N aples 1974) 6 8 -7 2 . 24 Sydney P. Noe, Ann Johnston, T h e C oinage of M etapontum , Parts 1 and 2 (N ew Y ork 1984)49. 25 DeSiena, La colonizzazion e (note 21) 241.

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J o s e p h C . Carte r, S t e p h e n M . T h o m p s o n , J e s s i c a T re lo g a n

T here is the evidence o f the burials we have discussed, but there is the even more com pelling evidence o f the farm houses identified in the survey. In the early A rchaic period only seven sites belonging to the period betw een 700 and 540 B C were identified, and these were principally along the low er slopes o f the rivers, mainly the Basento and its tributary the Venella. T h e sole site in the central area, Site 497, is located beside an abundant all weather spring. T h e population o f the chora. truly begins in the late A rchaic period, 5 4 0 -4 8 0 B C , and now the center as well as valleys begins to be exploited, but the popu­ lation o f the surveyed area o f the chora does not really becom e dense until after 480 B C . (fig. 3) T h e problem is, where was the wealth that supported the grandiose develop­ m ent o f the m id - 6th century being generated? I believe we have a solution, but for the m om ent it cannot be proven. T h e productive farmland of the early 611' century was in the river valleys, w hich have rich, heavy soils. It was the choice land for every kind o f agriculture, and the early colonists would naturally have gravitated there. As p ro o f o f this we can offer the evidence o f the rural sanctuaries along the Bradano (the Temple o f H era know n as the “Tavole Palatine” and Saldone) and along the Basento (Pantanello, San Biagio, Incoronata, and Avinella). T hese were frequented already in the late 7 th century B C , if not earlier, and they were evenly spaced along the rivers26. These sanctuaries, the centers o f cults o f the aristocratic families resident in the chora, may well have been the centers o f dense rural settle­ ments. W hy is that we have no evidence o f them? T h e thorough and brilliant geom orphologic analysis o f the chora by Jam es A b b o t has show n that the chora in the G reek period (as well as before and after) was subjected to massive flooding27. T h e E arly A rchaic sites seen in the survey and the sanctuaries we have m entioned occupy the remnants o f late Pleistocene alluvial terraces, the surfaces o f w hich are both older and higher than that o f late H olocen e (T 2) terraces, w hich cover the bulk o f the main river valleys. Study of the thick sequence o f H olocen e sediments that com prise the T 2 terrace in the Basento Valley has identified a 2 to 8 m thick stratum of alluvium, termed the “classical fill”, towards the top o f the sequence that represents “a high magnitude pulse of sedim ent” . T h e onset o f this phase o f pronounced alluviation can be dated broadly to the first half o f the first m illennium B C . T h e possibility exists that early A rchaic, pre-540 B C sites are on the w hole deeply buried beneath the alluvium. It is a hypothesis that remains to be proven, but it is not totally an argum ent ex silentio. T h e buried sites can be observed along the Bradano river, fo r example, in cuts made in relatively recent times. A t one point farm ers had excavated away five meters or so o f alluvium and were farm ing a Classical G reek field. Betw een 1974 and the present we have been excavating a site know n as the Pantanello Sanctuary,

26 Joseph C. Carter, Sanctuaries in the C h o ra o f M etaponto, in: Susan E. Alcock, Robin Os­ borne (eds.), Placing T h e G ods: Sanctuaries and Sacred Space in A ncient G reece (O xford 1994) 168 -1 7 4 . 27 Jam es T Abbott, G eom orp hic C o n tex t, in: Carter, N ecrop o leis (note 11) 4 9 9 -5 0 1 .

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E a rfy C lassical (480 - 400 BC)

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Division Unes p r o je c t

Figure 3: Chora o f Metaponto. Survey betw een Bradano an d Basento. The Early Classical Period 480 - 400 BC.

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buried under tw o meters of alluvium. Its discovery was fortuitous. It would have been invisible to survey and to aerial photography. T h e site began to be frequented in the late 7th century. In the early and late A rchaic periods, tw o o f its principal features were a spring enclosed by a tem enos wall, a place o f worship, and beside it a large basin, know n as the “collecting basin”, that was probably used as a water supply fo r the surrounding farmland and fo r animals28. M etaponto was noted by one o f our sparse classical sources, Bacchylides, fo r the richness o f its pastures, and it is certain that anim al-raising would have contributed to early M etap onto’s prosperity. It is not difficult to imagine a thriving agricultural econom y in early 61'1 century M etaponto, based on the cereals, grape and olive fo r w hich we have extensive pollen evidence from the early A rchaic period, in the river valleys w hich have the best soil fo r cereals, and on pastoralism and anim al-husbandry in the areas not yet brought under the plow - the high ground betw een the river valleys. This was as yet undivided except, as we would argue, by som e m ajor road axes after 550 B C . T h e division o f the interior betw een the river valleys, the Bradano and Basento and Cavone, into narrow strips and plots is a result o f the intensification of agri­ culture, once the cereals became the unrivaled principal cash crop. Then it would have been profitable to divide these previously underdeveloped areas. T h e strips, roads or canals or both, provided p roperty definition and a necessary physical barrier. Animals could no larger range over the high plains. O th e r areas beyond the divided chora, the eschatia, were, in theory, available fo r expansion - fo r grazing, lum bering, and quarrying. Adamesteanu long held that the sites o f P isticci, P om arico V ecchio, and C o z z o Presepe, and possibly M ontoscaglioso, served as phrouria protecting the chora from the barbarians of the interior29. It is still possible that som e o f these sites and that som e o f the area betw een them and the divided chora were under the con trol o f the indigenous populations living in these centers30. Even w ith this additional eschatia the total territory under M etapontine con trol could be about 500 km 2 - com pared to over 2000 km 2 fo r A ttica, ju st to give an idea o f scale. Social and political change must have accom panied this shift away from exten­ sive farm ing in the nearer chora. T his sort o f intensification required actual physi­ cal occupation o f the land, as V ictor H anson has argued, and this would have been especially true fo r those at some distance from the city. T h e labor force was nat­ urally the family, the oikos, p robably with som e slaves. T h ere is good evidence for servile labor at the Achaean colony o f C ro to n 31 to the south w hich had a similarly 28 Carter, Sanctuaries (note 26) 1 8 3-188. 2‘: Dinu Adamesteanu, La Basilicata antica (Cava dci T irren i 1974) 91. 30 Marcello Tagliente, Mario Lombardo, N u ovi docum ents su P isticci in eta arcaica, in: PP 222 (1985) 2 8 4 -3 0 7 . 31 Adamesteanu, Suddivisioni (note 18) 6 0 -6 1 . Gianfranco Maddoli, I culti di C ro to n c, in: A tti del 23 C onv egn o di Taranto (Taranto 1984) 3 2 7 -3 3 1 . See also Maria L. Lazzarini, Intervento 3 5 3 -3 5 5 , in the same volume.

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densely occupied chora, and, we suspect, was also divided in a similar way into plots in the later A rchaic period. The new plots that were carved out o f a p re­ viously undivided part o f the chora were probably not a part o f the original divi­ sion, but sim ply under the control o f the aristocratic horse- and sheep-breeding families. T h o se w ho settled it and established oikoi there may have been second and third sons, descendants o f the original colonists, or they could have been new colonists, including new arrivals from Sybaris after its destruction in 510 B C , at the hands o f C ro to n . O n e o f the new settlers’ name was recorded: Pythagoras, who left C roto n follow ing the political upheavals provoked by the victory over Sybaris. H e probably brought som e follow ers with him. In any case, the land that had probably been controlled by the aristocratic families or tribes became the holdings o f individual oikoi, who lived on the land and buried their dead in it. L et us turn now to the question o f the size o f the individual holdings, o f plots in the divided central part o f the chora from the later part o f the late A rchaic period to the early H ellenistic period. To do this we shall focus on an area o f the high plains which has been m ost thoroughly covered by the survey, and w here the observed distribution of farm houses and tom bs is m ost likely to approxim ate the actual one in these periods. T h e area is equilateral, measuring 2100 m on a side or about four and a half km 2. T h e basic assum ptions and approxim ations are that each plot had one occupied farm house, and each house had a plot. A basic unit o f 2 1 0 x 2 1 0 m and multiples thereof were used to construct the larger units32. T h e net of division lines com posed o f these basic units was extrapolated over the w hole territory. T hose last tw o assum ptions are particularly open to question; the distance betw een ac­ tual lines on the aerial photographs varies, as we have seen, and we have only one secure transverse line. T h e average distance betw een those in the aerial photos - if they are indeed “lin e s” - is 209 m. B ut this scheme at least serves to give an order of magnitude approxim ation, and a measure o f the relative size of the areas o ccu ­ pied. We further assume that in the periods of maximal population in the chora, in the E arly Classical and Early H ellenistic periods, that all the area was occupied. We cannot be sure in periods like the Late A rchaic and Late Classical w hether some farm plots w ere abandoned or all the land was occupied by larger plots and land holdings. In the E arly Classical period (4 8 0 -4 0 0 B C ) there were, according to this h y p o­ thetical schem e, 28 farm houses and 28 plots varying in size from one basic unit of 210 x 210 m or 4.41 hectares to multiples o f 2, 3, 4, 5 and 6 times the basic unit. There is also one huge b lock o f 20 units. If this area was evenly distributed b e­ tween 28 farm fam ilies, each would have had about 16 (15.75) hectares, i.e., b e­ tween three and four standard units used in the reconstruction. Eighteen families (or 6 4 % o f the population) would have had less than the average am ount o f land. Eight had tw o units (o r 8.82 hectares) and 6 had three units (o r 13.23 hectares). The possessors o f four units (or 17.64 hectares) were equal in num ber to those 32 Carter, M etapontum (note 7) 4 2 7 -4 3 0 .

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w ith three. O n ly four had m ore land, and one o f these seemed to have controlled 88.2 ha. T h e fo u r unit plot consisting o f 17.64 hectares was the second m ost fre ­ quent in the chora o f C hersonesos, where the standard plot of 6 units contained 26.46 ha. There were tw o of these in our reconstruction of this area o f the chora of M etaponto. T his com parison is approxim ate, to o, because we are alm ost certain that the division in the chora o f M etaponto, although suggestively close in som e respects, was different from that o f C hersonesos in others, as we shall see. In the second m ost populous period at M etaponto, our area had 25 families, 18 (o r 7 2 % ) o f w hich had plots equal or less than the average am ount o f land, 17.64 ha, available to this group, w hich as noted was a com m on size at C hersonesos. T h is coincidence, o f course, derives from the fact that we adopted a Chersonesan unit fo r our reconstruction. In the period betw een these tw o periods of maxim um occupation, the late C las­ sical (4 0 0 -3 2 0 B C ), the area is virtually abandoned. Since the areas flanking on the marine terraces, w hich are in close proxim ity to water, do not lose farm s, and our area w hich is far from the nearest obvious w ater source does, we may speculate that drought in this period was at least partially responsible fo r this massive deser­ tion o f the land. T h e picture that emerges from this exam ination o f a limited area o f the chora is not o f a strictly egalitarian regime, but at the same time - w ith one exception - not of gross inequalities. M ore im portant yet, it was not a static system , but developed constantly over the whole life o f the colony, w ith properties changing hands and families being extinguished or leaving the land, and new ones taking their places. We have left C hersonesos till last, because o f time constraints, and will lim it our rem arks to points o f com parison and contrast. O u r know ledge o f the chora o f C hersonesos rests largely on the publications o f colleagues, b oth U krainian and Russian 33 - on G alina N ik olaen k o’s 1999 volum e C hora Chersonesa Tavricheschego, on Shcheglov’s Polis et C hora (1992), and on Sergei Saprykin’s, A ncient Farm s and L a n d - Plots o f the K hora o f Khersonesos Taurike (1994) and, to a lesser degree, on the results o f our jo in t p ro ject (1992 - present) w ith the N ational Pre­ serve o f Tauric C hersonesos34. T h e system s o f land division em ployed by C hersonesos, a su b -colon y o f H eraclea P ontica, o f mixed but prim arily o f M egarian origin, and by M etaponto, a su b -colon y o f Sybaris, o f Achaean origins, are in many ways analogous, and both have left a geom etrical pattern that has survived the centuries. The division o f the chora o f C hersonesos was first recorded by the Russian engineer Strohov in 1786, with a map w hich attem pted to relate it to the topography of the H eraklean pen­ insula. U ntil very recently, this was the only published plan of the chora. A rchae­ ologists began to make use o f the excellent aerial photos of the Soviet air force in 33 Shcheglov, Polis et C h ora (note 4); Galina N ikolaenko, C h ora C hersonesa Tavricheskogo (Sevastopol 1999); Sergei Saprykin, A ncien t Farm s and L and -P lots o f the K hora o f K h er­ sonesos Taurike (A m sterdam 1994). 34 Joseph Carter, Melba Crawford, Paul Lehman, Galina N ikolaenko, Steve Thompson, Jessica Trelogan, T h e C h ora of C h ersonesos in C rim ea (U krain e), A JA , 104 (2000) 7 0 7 -7 4 1 .

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the 1960s, w hich clearly reveal the divisions. G alina N ik o la en k o ’s schem atic plan is based on these. T h e resolution is higher than those made by U .S. spy satellites beginning in 1968, w hich were declassified in 1996 and made available to scholars. T hou gh the resolution is lower - about 2 meters - the advantage of the so-called “C o ron a im ages” is that the whole peninsula appears in a continuous strip. The field divisions are less clear, but we have been able to relate them to the to p o ­ graphy by draping the image over a prelim inary digital elevation model (D E M ), created from radar imagery provided by the European space agency, using a tech­ nique know n as interferom etry. We hope, w orking w ith our colleagues at C h er­ sonesos, to refine and eventually geo-reference it. (fig. 4) T h e C o ron a imagery records the divisions as they were in 1968. U nfortunately, the last decades o f rapid urban expansion and agricultural transform ation have taken their toll, as the com parison betw een the 1968 image and one made in 1993 by the Indian Space A gency makes clear. U sing a program know n as E N V I, we com pare the same limited area near O m ega Bay, w hich is now covered with apart­ ment buildings. In the case o f C hersonesos, the plots are rectangular, but not always as regular and uniform in size as som e have m aintained. Typical is plot no. 131, studied by Z erbetszoff and published by Saprykin in his A ncient Farms. Betw een 1 9 9 4 -1 9 9 6 the N ational Preserve and our Institute jo in tly excavated an early H ellenistic fo r­ tified farm house and plot, know n as site 151 (226 by the original num bering sys­ tem o f Kruglikova). T h e plot measures 411 by 646 meters, or 26.55 hectares, which deviates n ot a little from the standard 420 x 630 m or 26.46 hectares, though the surface area is alm ost precisely equal. T h e unit o f measure em ployed, accord ­ ing to N ik olaenko, was the Egyptian stadion w ith feet o f 0.35 m. This results in

Figure 4: Satellite image o f Fleraklean Peninsula with inset of aerial photograph division lines.

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basic units of 210 x 210 m consisting o f 36 plethra. At H eraklea and presum ably M etaponto, a smaller fo ot of probably 0.296 m was em ployed, resulting in basic units of the same meter dim ensions but consisting o f 50 rather than 36 plethra. T his is a difference in a detail but not in substance. A m ajor consideration, however, is the date and circum stances of the C h ersonesan division. N ik olaenk o in her recent w ork has postulated a single m om ent for the m ajor division o f the chora, the one that has left the lasting traces - the grid of stone paved roads flanked by stone walls. H ere, at C hersonesos, there is no doubt about the identity and function o f the “lines”. T h ey were constructed as roads, and so they remained. It all came into being betw een about 350 B C and 280 B C , though there were later additions and m inor m odifications, especially in the R om an period. O th er scholars, Shcheglov and Saprykin, have argued that the territory of M ayachnyi or Lighthouse P oint was divided earlier, and this is confirm ed by N i­ kolaenko, in part, though she denies that there was a m ajor settlem ent betw een the walls that separate the point from the main part o f the H eraklean peninsula. In fact, N ik olaenk o argues, m ostly on the basis o f the aerial photos and archival ma­ terial, that there were smaller local divisions that were sim ply incorporated into the definitive one o f the m id-fourth century B C . T h e same sort o f thing may have happened, too, at M etaponto, w ith the partition into kleroi o f the first colonists, but we do not know since none has been discovered yet under the alluvial de­ posits. N ikolaenko has in fact identified the remains o f an earlier division at L ig h t­ house P oint and ju st outside the city at Q uarantine Bay. T h e definitive division, according to N ikolaenko, w ent in three stages - a first, where a few m ajor axes were fixed; a second, in which som e secondary roads were marked out creating large blocks within the territory; and in the final, the individ­ ual plots and their subdivision were created35. T his represents an enorm ous in­ vestm ent o f resources o f wealth and m an-pow er - proportionately an even greater one than at M etaponto. It all to o k place in a relatively short arc of tim e - perhaps 5 0 -7 5 years at the m ost. O n ly the state could m uster such resources. A t M eta­ ponto we have associated the earliest division w ith the tyrant, though the later ones may well have been the act o f the demos. Saprykin sees the division o f C h er­ sonesos as the w ork o f dem ocrats inspired by the dem ocrats of their m other city, H eraclea P ontica36. We do not know at C hersonesos, fo r certain, w hether the land was perm anently occupied by resident farm families - no fam ily cem eteries have been discovered on the land dating to the G reek period, to our know ledge - but the arrangem ent of the farm houses, w ith their living quarters and dom estic cults, indicates that they did. Was this a citizen population, as at M etaponto? O n e inscription records the sale o f lots to individuals w hose names appear among those of magistrates of the

35 N ikolaenko, C h o ra (note 33) 3 3 -4 4 . 36 Saprykin, A ncient Farm s (note 33) 7 3 -7 6 .

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urban elite. T h e question of land tenure and the social status of the rural pop u ­ lation of C hersonesos is still a topic fo r lively debate37. T h e study o f the geom etry of rural settlem ents has and is currently leading re­ searchers in a variety o f directions, w hich we can hope will converge in a full and richly detailed picture o f the ancient countryside. As one student o f our own c o ­ lonial societies has w ritten “T h e spatial order o f cadastral maps may be read fo r clues about the social order, the distribution o f landed wealth, the types o f land that were and are valued, spatial patterns o f residence, whether and how settlem ents were planned, and changes in ow nership occasioned by individual interest and social change. T h e identities o f particular societies are often encoded in the geom etry o f their land ow nership . . . ”38

37 E. [. Solomonik, G . M. N ikolaenko, Parcelles de terre chersonesiennes au debut du III s. av. J ' C (Ios P E , I, 2, 40 3 ) in Esclavage et dependance dans 1’hiscographic sovietique recente, in Xe C onferen ce des auteurs-lectueurs du V D l (M oscow 1987) 185-210. 3S Price, D ividing the Land (note 3) 4.

Michael H. Jameson Mapping Greek Cults The m ost distinctive and widespread public constructions o f the G reeks were de­ voted to the w orship o f their gods and heroes. C u lt sites range from large sanctu­ aries containing several temples and a num ber o f other buildings (storehouses, fa­ cilities fo r athletic com petitions and for the accom m odation o f visitors), to simple open-air altars or hearths, with or w ithout a statue. T h e intense scrutiny that m odern surveying techniques have given to the M editerranean countryside has revealed a wide variety o f cult sites, although a good deal fewer than we would ex­ pect. T h e placing o f cult sites in the landscapes has been the ob ject o f considerable discussion in recent years, especially since the w ork o f Francois de Polignac*. Polignac has argued fo r the political dim ensions o f their siting, stressing in particular the im portance of extra-urban sanctuaries at a distance from the center of the early polis as a means o f asserting claims over the intervening territory. His views have been challenged and have been modified by Polignac him self in his later pu bli­ cations2. Particular historical circum stances, it is generally agreed, affect the location o f the city ’s sanctuaries. Athens, w hose chief sanctuary is conspicuously at the heart and not on the margins of A ttica, is not a unique exception. W hile attention to the political elem ent in the spatial organization o f the polis can be rewarding, the prim ary purpose o f the establishm ent o f cult sites may risk being overlooked, namely, the fixing o f sites fo r repeated ritual perform ance and com m unication w ith the supernatural. It is useful to distinguish tw o types of topographic sanctity: one exploits the inherently num inous quality o f places, the association o f features o f the landscape - m ountain tops, caves, springs, groves with the supernatural3. There is no inevitability in the sanctity o f the place, only its potential to be activated by the people w ho use that landscape. T he other source o f sanctity is socially constructed by an agreem ent that a place is conse­ crate, apart from the ordinary. W hile there need be no sharp distinction betw een the two, som e societies seem to manage w ith only the first type o f sanctity. In large, com plex com m unities the latter type is likely to predom inate, especially 1 Polignac (1984), (1994), (1995). 2 E.g., Asheri (1988), H all (1995). 3 Philippson (1939) and Scully (1962), a distinguished architectural historian, have both written on this tvpe o f sanctity. O n G reek and other uses o f m ountain tops, see Langdon (2 0 0 0 ).

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when there is a detailed articulation of structure. H ere relations with the super­ natural are organized tem porally by calendars and spatially by a virtual map o f the cult sites in a com m u n ity ’s territory. T h e elements o f the society, from the com ­ m unity as a w hole to its subdivisions and then the fam ily and the individual, ad­ dress the supernatural and express their needs at specific points in the topography of the tow n and the chora. In G reece, where a priest was not a priest o f A p ollo or Zeus but o f a particular A pollo or Zeus at a particular place, the spatial organiz­ ation of cult was especially im portant4. Interest has focused largely on the polis and its relations with cult sites. A lthough we can rarely gain greater definition we need also to consider the other social entities that engaged in ritual and required sacred space. As a contribution to understanding the place o f religion in the landscape of his­ toric G reece, this paper offers a reconstruction o f the cultic map o f the southern Argolid, the territory o f tw o Classical city-states, H alieis and H erm ion , at the southern tip o f the A kte, the A rgolic peninsula (Fig. 1). T h e inform ation com es from several different types o f source: extensive survey w ork since 1950, intensive survey in 1972 and again in 1 9 7 9 -1 9 8 2 , excavations at the Classical tow n o f H a ­ lieis, the prim arily stone-age Franchthi Cave and m ore briefly elsewhere, inscrip­ tions found by chance or through excavation, and all literary sources, o f w hich an account by Pausanias in the third quarter o f the line! cent. A .D . is the m ost im portant. T h e history and archaeology o f the area is m ost conveniently reviewed in the publications of the survey project (conducted by the U niversity o f P enn syl­ vania, Indiana U niversity and Stanford U niversity), in particular in “A G reek C ountryside. T h e Southern Argolid from P rehistory to the Present D a y ”, by M ichael H . Jam eson, Curtis N . Runnels, and T jeerd van Andel (Stanford, 1994) w hich will be referred to as A G C . (C onvention s used, including the transliter­ ation o f M odern G reek names, are those of /1GC). Appendix A in that w ork is a register o f all sites recorded by the p ro ject. T h e Catalogue of cult sites in the pres­ ent article is based on that register. We restrict ourselves to historic, pagan G reece, i.e., G eom etric to Late Rom an/Byzantine times. N o certain earlier cult site was identified. C onstraints of space do not allow a full discussion here of all the cults catalogued and their distribution. B u t fo r a conference that paid careful attention to the rewards and problem s o f survey w ork a consideration of the m ethods used to identify cult sites seems an appropriate conclusion. T h e southern Argolid in the historical periods exhibits two main settlem ent patterns: ( 1 ) in w hich each local territorial unit has a single (“second o rd er”) cen­ tral settlem ent; ( 2) in which a single, large, central settlem ent is dom inant and the local territories’ nucleated settlem ents are reduced to, at m ost, villages or hamlets. (1) is characteristic o f the early Iron A ge, from the G eom etric to som e point in the A rchaic period, (2) o f the Classical to Late R om an / E arly Byzantine periods (ca. O n these tw o types, cf. Jam eson (1997) w ith a discussion o f the w ork o f the anthropologist Levy (1990). Cole (1994) and (2000b) is attentive to bo th aspects, and cf. Pirenne-Delforge (1994).

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480 B .C .-6 5 0 A .D .), with the center at H erm ion on the east coast, and again in Early M odern-M od ern times (1537 A .D .-) with the m ajor center inland at K ranidhi. “T e rrito ry ”, it must be admitted, is a vague concept. In the Southern A rgolid the territories we have described correspond roughly to the smallest modern administrative units, the koinotites and dem oi, except that the land o f modern Kranidhi, fo r w hich there seems to have been no ancient equivalent, was divided between ancient H alieis, H erm ion and Mases. H erm ion and H alieis (w hile it existed) each had its hom e territory, while each o f the other territories at times supported a single village or small tow n (“second order settlem ent”) from which m ost o f its agricultural land could be reached in an hou rs’ walk. B y the Classical period if not earlier, Halieis and H erm ion were tw o separate poleis. H alieis might be described as “m ononu clear” w ith little if any second order settlem ent below it. H erm ion, on the other hand, was com posed of all the other territories south of the Adheres m ountain range and its continuation to the west, w ith the exception o f the m ost easterly coast (It is entirely possible that territories bordering on Troizen or Epidauros may at times have been claimed or occupied by those cities but such shifts are undetectable). T hese territories co n ­ tinued to function as distinct units within the larger polity of H erm ion, as is shown by a ro ck -cu t inscription E 1 5 , reading horos, on the side of a gorge b e ­ tween the “hom e valley” o f the H erm ion kambos and the Fournoi valley to its north (see Fig. 5). To the north the Fou rn oi valley is separated from the inland basin o f D hidhim a, ancient D idym oi, by a line o f rubble cairns, which we identify with the boleoi lithoi know n from Pausanias and an inscribed H ellenistic border arbitration betw een Epidauros and H erm ion, cited by Pausanias, tw o copies of which survive in part5. T hese markers are referred to in the arbitration but their course show s that their original function was to dem arcate the territory of F o u r­ noi from that o f D id ym oi, not that o f H erm ion and Epidauros6. Aside from Halieis and M ases, the arbitration inscription and Pausanias are the sole written sources fo r the constitu ent territories. O n our maps sites are grouped according to their location in these territories. Ca. 300 B .C . one such territory, that of Halieis in the southern end of the penin­ sula, lost its center w ith the destruction o f the acropolis and abandonm ent o f the town. Som e continuation o f farm ing in the territory suggests that a part o f the population may have moved to or attached itself to H erm ion. T h e date at w hich other subdivisions o f H erm ion were incorporated is unknow n but none are ever reported as poleis in our adm ittedly scanty sources. In the case o f Mases ( C l l ) , a community old enough to be listed in the H om eric Catalogue o f Ships (Iliad 2.562) and to have had an A rchaic temple (C 17), we seem to have a candidate fo r polis status that did not m ake the grade. A com parable situation has been noted on Methana where an early sanctuary is near M S67 on the east coast but M S10 on the

5 Recently Dixon (2000) 151 has sho wn that the arbitration dates from 175-172 B.C. 6See j4GC Appendix F, 596-606.

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west coast eventually becom es the single, m ajor settlem ent on the peninsula (M ee and F orbes, 1997: 69). T h e inform ation available for each polis, H alieis and H erm ion, differs markedly. F o r H alieis it is alm ost entirely from excavation, for H erm ion from lit­ erary sources and inscriptions. E xcept fo r the excavation of a V th cent. A .D . basil­ ica, the only excavations at H erm ion, conducted by Filadhelfevs in 1909, un­ covered the foundations o f a Late A rchaic temple (E 19a) w ithout identifying its owner, about w hich opinion has been divided between Poseidon, w hom w e favor, and A thena. T h e full account of Pausanias, supplemented by other literary sources and a num ber o f inscriptions, offers a quite detailed picture of the cults of a H ellenistic-R om an city. T h ey are included in the catalogue but space does not perm it a thorough analysis (see also Fig. 4 and A G C , Appendix E ). F o r the rural shrines of both cities the results of the survey are the chief source of inform ation. A t H alieis, in contrast to H erm ion w hich lies fo r the m ost part under the m od ­ ern tow n o f E rm ioni, only tw o or three small structures have been built on the site o f the ancient tow n in m odern times. Excavations had the good fortune to locate a votive deposit, altar and tw o other bases on the small acropolis (A 65a), probably belonging to A thena, and the city ’s chief sanctuary, that of A pollo (A 65e), extra m uros, with two temple foundations, an altar, auxiliary buildings and a race track, all now at about 2 m. depth in the sea (see Fig. 3). A third indispensable cult fo r a Classical G reek city was that of D em eter, also outside the city walls but closer to them (A 15). A rchitectural fragm ents o f a small building were identified but no excavation was undertaken by our p roject. R egrettably the heart of the city, the agora area, was not located, and w ith it no doubt a num ber o f cult sites. Very likely it lies in the muddy flat land near the present shoreline. W ithin the built-up areas o f the tow n evidence o f a hero cult, possibly that o f the D iosk ou roi (Wanakes), was found in a private house (A 65b), and in another house or open space what looks like a stele shrine (A 65c). T h e evidence fo r dom estic cult is slight, as it is fo r m ost Classical and Flellenistic residential areas. Small clusters o f votive kotylai, such as were found by the hundreds in the tem ple o f A pollo, occurred at various points throughout the tow n, either deposited in ritual or available fo r use at a shrine or in a dom estic context. R itual space seems to have been largely co n ­ structed or improvised by the participants in ritual rather than being determ ined by architecture. U p against the city wall, near the Southeast G ate, a small structure had votive cups and a floo r that may have held an offering table (A 65d). O utside the gate through w hich w ent the road to the A p ollo sanctuary and then to H erm ion, lay a rectangular structure o f Classical date, now underwater, w hich had six bases fo r interior colum ns or pillars (A 65f). N o cultic materials were found by divers. T he “H y p o style B u ild in g ”, as it has been designated, is m ore likely to have been a h os­ telry serving the A p ollo sanctuary than a shrine. Three shrines w hich can be inferred from textual evidence have yet to be found. O n e is that o f Flerakles (A 101), the hero o f the Tirynthians w ho settled at Halieis no later than the first half o f the V th century; his presence seems inescapable.

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Poseidon (A 102) w hom one would expect in a maritim e tow n such as H alieis, may have received firstfruits o f the tunny fish catch, unless the reference to halieas is sim ply to fisherm en in general. Finally, the inscribed records o f cures at the A sklepieion at Epidauros tell o f the founding o f a shrine o f the god at H alieis w ith D e l­ phic A p o llo ’s approval (A 103).T his may have been situated at a small settlem ent, E 6, betw een H alieis and H erm ion. Five probable cult sites were located in the chora o f H alieis, three by intensive survey, one by extensive survey and one m ost likely by a farm ers chance exca­ vation or observation. All were contem porary with som e phase o f the tow n’s occupation. A 24 on a hill top to the east of the tow n in the Classical period had a similar site and votives w ith those of the acropolis shrine, A 65a, and alone of all cult places in the Halias was revived in the M R period. All the sites were on or close to useful agricultural land. T h e deity of one, A 5, was identified, thanks to a graffito w ith the name o f Zeus. A 24 and the A p ollo sanctuary, A 65e, outside of tow n, may have continued to receive som e attention in the H ellenistic period but the rest o f the extra-urban sites as well as all the sites w ithin the walls were aban­ doned when the tow n ceased to exist. N either the chief shrine of H alieis nor that of H erm ion, while extra muros, fit the original Polignac hypothesis. Processions from the tow n to the A pollo temples covered little m ore than a kilom eter and made no claim to territory. There were other reasons for its siting, o f w hich the m ost obvious is the proxim ity to the shore o f P o rto K heli harbor which offered a protected anchorage and easy beach­ ing fo r visiting boats. B u t a certain distance was m aintained betw een the sanctuary and the tow n, w hich included from the earliest period both the acropolis and the settlem ent on the flat land below it. T h e sanctuary site was a place where visitors and local people could m eet w ithout throw ing the tow n open to strangers or requiring strangers to leave their vessels among the locals. A lthough Halieis is not reported as a m em ber o f the V llth cent. Kalaureian am phictiony (cf. A G C 66- 68), the harbor and w ith it the A pollo sanctuary were surely fam iliar and convenient ports o f call fo r ships moving along the east coast o f G reece. In Fig. 1 we have marked w ith a * the m ajor sanctuaries o f the A rgolic-Saronic region. M ases’ A r­ chaic temple at C 1 7 , w ith a similar relationship b o th to its harbor and settlem ent may also have been visited fo r a time but was abandoned w ith the fading o f the early tow n, C l l . H ad we not evidence fo r the independent existence o f H alieis, we might well have taken the southern Argolid as a w hole to have been the chora of H erm ion w ith its m ajor extra-m ural sanctuary that o f A p ollo on P orto Kheli harbor. Indeed, it is possible that the A pollo sanctuary served this function until Sparta in the V llth cent. B .C . encouraged the independence o f the tow n that had grown up nearby from H erm ion and its dependence on Sparta. There were other considerations fo r the siting o f sanctuaries outside of towns: festivals were occasions fo r the killing and feasting on an exceptional num ber of animals. E arly settlem ents do not seem to have developed w ith spaces reserved for such purposes within them. O pen space im m ediately adjacent to these small settlements was certainly available but a degree o f separation perm itted the co n ­

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spicuous display o f the pom pe to be effective before the next m ajor steps in the com m unal ritual, the presentation of the offerings, the killing, the division of meat and the feasting. A t H alieis the starting point o f the procession would have been the missing agora, probably in the flat land near the enclosed harbor. It then went through the main gate follow ing the road to H erm ion, passing and perhaps paus­ ing at a shrine to the left, up to the south end o f the race-course, through the sta­ dium past the viewing stands to the large altar ju st beyond the northern starting line. (A suggested route fo r H erm ion ’s D em eter festival is proposed below.) T h e other territories of the Southern A rgolid probably all had a single central settlem ent in the A rchaic period which in som e cases survived as villages under H erm ion in Classical and later times (see Fig. 5). Mases, Philanorion, D id ym oi, and E ileoi, were place-nam es reported to Pausanias, and fo r the last two cult sites were also reported, as was D em eter Therm asia (the precise ancient names o f the district and o f the village, not m entioned by Pausanias and undiscovered, are unknow n). Mases ( C l l ) and Eileoi (at G 2 ) had a m inor H ellenistic as well as a C - H com ponents; m odern villages limited what could be seen at P hilanorion and D id ym oi. M iddle R om an, Pausanias’s period, was not represented. It seems likely that throughout antiquity som e citizens o f H erm ion made their hom e close to their land in such villages w hose size would have varied greatly over time. T h e presence o f isolated agricultural sites is characteristic prim arily o f the late Classical/Early H ellenistic (C -H ) period (ca. 3 5 0 -2 5 0 B .C .) and again, to som e degree, in the Late Rom an. E arlier M ases, C l l , near present-day Koiladha, had an A rchaic temple, 2 km. away ( C l 7). A marble sima with lion heads suggests a small Classical temple at Fou rnoi. T h e D em eter sanctuary at D id ym oi is know n from a IV - I IIr d cent. B .C . inscription on a small altar and a ston eperibolos (D 1 2 ) on the m ountainside, away from the ancient settlem ent (D 14) that lies under the m odern village. Tw o other shrines, o f A p ollo and Poseidon, reported by Pausan­ ias, have n ot been found. These three gods could well have been the prim ary deities o f the original com m unity7. Traces o f tw o temples, one at each o f the two settlem ent sites on the Iliokastrro plateau (ancient Eileoi, G l and G 2 ), may co rre­ spond to the naos o f A pollo and the hiera o f D em eter and K ore m entioned by Pausanias but ju st how is not clear. B lo ck s from the hier on o f D em eter Therm asia have been seen but their exact source was not disclosed (E 100). As fo r Mases, we have spoken o f its potential developm ent into a small polis, the course follow ed by H alieis at the southern end o f the peninsula. Investm ent in

7 O n D em eter and Poseidon as characteristic o f the cults o f the eastern (= southern) A rgolid, cf. H all (1 9 9 7 ) 101. In the southern A rgolid one could speak o f a triad: A pollo, Dem eter, P oseidon. T hu s, H alieis A p ollo, D em eter, Poseidon? D id ym oi A p ollo, D em eter, Poseidon E ileoi A p ollo, D e m e te r,---------T h e r m a s ia ---------- , D e m e te r,---------H erm ion A pollo (3), D em eter (3), Poseidon B o u p o rth m o s ---------- , D e m e te r,----------

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a temple would have been a step in that direction. T hree other cult places are know n in its territory: not far from the temple, C l3 a , a pool at the back o f the famous stone-age site o f the Franchthi Cave, had tw o female terracotta protom es and a few votive kotylai, m ost likely from a cult o f the N ym phs. BIO, with an A r­ chaic female figurine and some fine ware on the steep hill of K astraki 2 km. to the east o f Mases, is a good candidate fo r a small rural shrine. This is a very small har­ vest from an area that was surveyed intensively. T h e F ou rnoi valley to the north (Philanoreia) was also examined thoroughly and produced only fragm ents o f two terracotta animals from a single Late G com etric-Subgeom etric site (F 32). T he ter­ ritories o f D id ym oi, Eileoi and “T h erm asia” were n ot surveyed intensively so the lack o f cult sites in the countryside does not perm it any conclusions. In Fig. 2, I have included tw o speculative sites: (B 21??) on the dom inant peak o f Profitis Ilias, a walled M ycenaean refuge site with an E arly M o d em chapel on top which may conceal what one might well expect, an Iron Age cult site o f Zeus, as at E 33, west o f H erm ion. T h e same guess (D 103??) is made fo r the tw in peaks o f M t. D hidhim a, the highest m ountain in the southern A rgolid and undoubtedly the source o f the ancient place name D idym oi. F o r H erm ion itself w ith at least 26 cults attested betw een the Vth cent. B .C . and the IV th cent. A .D ., only a few general com m ents must suffice (see Fig. 4). The ancient tow n occupied a narrow peninsula, ca. 300 m at its widest by 1 km. in length, know n today as the Bisti, and the steep hill, the ancient P ron, from w hich the peninsula projects. It has tw o harbors, one north of the B isti, the other south of Pron. Its best agricultural land lay in the kam bos, the valley to its north and west. There are tw o m ore valleys along the coast to the southw est o f Pron, the first of which leads to the inland valley o f Pikrodhafni, the source o f water for a Late Rom an aqueduct and the site o f a large Flellenistic and Late R om an settlem ent (with traces o f C -H , E R , M R ), E 51. M uch o f H e rm io n ’s territory was included in the intensive survey. Pausanias distinguished the earlier town which occupied the eastern half o f the Bisti, from that o f his ow n day at the base o f the peninsula and on the slopes of Pron. In view o f the course o f the Classical fo rtificatio n walls, w hich have been traced in part, it appears that habitation was n ot limited to the tip in Classical times8. R ather the eastern end o f the town, with such essential deities as Poseidon, Athena and D em eter9, may be thought o f as serving in terms of cult as an acrop­ olis for the early tow n, a function it may have continued to have. It was receptive to new cults into the H ellenistic period when H elios first gained popularity and Sarapis was created and, with Isis, was spread from E gypt throughout the G reek world.

8 The withdrawal from the tip o f the B isti has been connected w ith pirate attacks in the H e l­ lenistic era, cf. Musti and Torelli (1986) 329, and A G C 9 8 -9 9 . B u t the chief tai•get of pirates was the temple o f D em eter ( E l9 s ) w hich lay on Pron above the tow n. It is not evident that moving to the base and slopes o f P ron would have gained much protection. ’ I he Charites are also found on the A thenian A cro p olis (Pans. 1.22.8).

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A n other tw enty cults are attested fo r the rest o f the tow n, the m ost im portant being that o f D em eter C h thonia (E 19s) w hose sanctuary can be placed on the upper slopes o f P ron, ju st beyond the city walls. D em eter plays an unusually large role at H erm ion. She is the city goddess, appears on the city ’s coins, and her an­ nual festival is the city ’s chief celebration and is o f m ore than local fame. There are three cult sites o f the goddess at H erm ion itself and at least five in the chora. W hile the chief sanctuary is extra muros, it is so close to the tow n that even if we follow Pausanias and suppose that the eastern tip o f the peninsula was the old tow n site, it is very far from being a m ajor polis sanctuary at a distance from the central settle­ m ent. M uch o f the ritual was secret and restricted. T h e elaborate pom pe was the core o f the public aspect o f the celebration. Its route may have started from the old city at the eastern end o f the B isti, perhaps from D em eter’s circle o f stones there (E 19d ), through the tow n lying below Pron and then out through the gate by the shrine o f Eileithyia (E 1 9 r) and along the road to Mases (and, if one turned right, to E ileoi) and then up the north side o f Pron to the sanctuary. W ith this route, de­ m arcation o f “H ek ate’s road ” ( G 102 , discussed below, pp. 1 7 6 -1 7 7 ), if it involved the necropolis o f H erm ion, might have been desirable. Alternatively, the route might have run entirely within the tow n to a gate on P ron near the sanctuary. T h e first alternative, however, would have provided m ore scope fo r the procession. B u t here, as at H alieis, there was m inimal op portu nity fo r a claim ing o f the land by means o f ritual passage. W hile the sanctuary looks out upon the lower end o f the kam bos, m ost o f H erm ion ’s fields are hidden. T h e location is n ot unusual fo r a D em eter cult (cf. C o le 1994). W hat is exceptional is its role as the city ’s chief cult. As fo r other shrines in the countryside, Pausanias asssociates the highest hill 2 km. w est o f the tow n w ith Zeus (E 3 3 ), confirm ed by the discovery o f an ash altar; another source places H era on the same height, perhaps where fragm ents o f a female figurine were found around the chapel o f P rofitis Ilias (E 32). A third extram ural site, a ruined temple o f A p ollo (E 1 0 2 ) has not been found. Tw o other possible but dubious sites, E 3 5 and E 76 are quite close to tow n. O n ce again inten­ sive and extensive survey have discovered far few er cult sites than one would ex­ pect. B u t fo r H erm ion the constituent territories as well as its hom e territory may be thought o f as its countryside, so that shrines reported in them by Pausanias m ay have served tow nsm en w ith local properties as well as villagers. B u t, as we have noted earlier, there is no positive indication o f the polis having had anything to do w ith the shrines in the countryside. T h e abundant cults in or close to the tow n o f H erm ion are consistent w ith the R om an date o f our chief source and the view that in these centuries cultic activity in the countryside was relatively sligh t10. M iddle R om an (ca. 2 0 0 -4 0 0 A .D .) activity is revealed by lamps at the old hilltop site o f A 24 near H alieis, itself reoccupied as an agricultural villa in the next period. N ear Mases C 1 2 a Middle G eom etric-A rch aic farm site overlooking the K oiladha plain has nine lamps o f the Late R om an period. These traces do not tes­ tify strongly to a revival o f interest in rural cults at that time. O u r last tw o cases 10 C f. Alcock (1 9 9 3 ) 2 0 0 -2 1 4 , (1994).

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are o f shrines m entioned by Pausanias in his account o f the seacoast, along which he him self did n ot sail (see A G C , Appendix D ). O n e is o f D em eter and her daughter (E 103) and another o f Athena P rom achorm a (“w ho protects the anchor­ age”, E 104). T hou gh both are described as on the isolated headland of B ou p orthm os (m odern M ouzaki), som e 5 km. south o f the tow n, that clear and open pla­ teau shows no trace o f either shrine. We suspect that both were related to a settle­ ment nearby, e.g., the large village E 36 som e 4 km. to the northw est occupied from A rchaic to Late R om an times and that the conspicuous Bou porth m os was used as a reference point by Pausanias’s inform ants. We began by noting the inherent and constructed aspects in the siting of sacred places in the G reek landscape. T h e m ountain-top sanctuaries o f Zeus and H era near H erm ion E 32 and E 33 are the only clear examples o f the former. T hough we have suggested that the tops o f tw o much m ore conspicuous mountains may also have had cult sites (B 100?? and D 1 0 3 ??). A 24 near H alieis and BIO are also on m ore m odest hill-tops. A t H alieis A 65a is an acropolis site; at H erm ion P osei­ d on’s tem ple E 1 9 a is thrust out into the sea and m ay also have been part of a co m ­ plex o f acropolis cults. T h e m ysterious quality o f the pool at the back o f the Franchthi Cave was seen as the hom e o f female spirits (C 13a). T h e three D em eter shrines that have been identified and one Zeus shrine (A 5) are consistent with other shrines o f these gods. T he relatively gentle and undramatic landscape of m ost o f the southern Argolid lends itself better to sacred sites determ ined largely by social considerations. W ho were the people that founded and used these sites? W ithin and close to the tow ns the governm ent o f the polis no doubt to o k the initiative and the responsibility, w ithout precluding in certain periods elite com ­ petition that produced dedications and construction. Lesser cults may have owed their existence to sm aller social groups within the structure o f the polis. T h e countryside is m ore o f a puzzle. In the A rchaic age the central settlem ents o f the various territories, functioning as com m unities, would have been responsible fo r the temples at M ases ( C l 7) and Eileoi ( G l) . A t Mases som e settlem ent continued to serve as a port fo r travelers like Pausanias w ho wished to go up the A rgolic G u lf but the temple had long been abandoned. Philanorion seems to have had a C lassi­ cal temple but it was n ot m entioned to Pausanias. H e did hear o f the shrines at D idym oi but the D em eter shrine w hich has been located shows no archaeological evidence o f being used in his time (w hich does n ot mean it was not in use), and the same is true fo r the temples at Eileoi, at G l and G 2 (not necessarily the A p ollo and D em eter shrines he m entions)11. There is nothing to suggest that any o f the sites beyond H erm ion ’s hom e territory attracted the interest o f the polis o f H erm ion. They all appear to be cult sites serving the interests o f the local people w ho farmed and at times m ay have lived m ore or less perm anently in their vicinity. T he one possible exception, however, that o f D em eter Therm esia (E 100), o f w hich a 11 Alcock (1993) 20 4 , Table 9, m istakely gives M ases, instead o f D id ym oi, as the settlem ent with shrines o f A p o llo , P oseidon, and Dem eter. T h e D em eter shrine is ca. 1.5 km . from the center of the m odern village o f Dhidhim a.

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branch existed in the tow n o f H erm ion, suggests a caution. M ay not, fo r instance, one of the three A p ollo shrines in the tow n also have been an urban version o f a cult in the countryside? As things stand, we can only speculate on the extent of formal political or social organization that supported the rustic cults. I am perhaps influenced by the practice in contem porary G reece o f individual or fam ily bene­ factions in the establishm ent and maintenance o f country churches (|(.OKKA.i]Oia) in inclining to this source in antiquity as well. A t H alieis there is a clear end to organized, com m unal care o f the shrines. W ith the abandonm ent o f the tow n ca. 300 B .C . cult places in both tow n and countryside seem to have died. In the c ity ’s large A p ollo sanctuary there are a few traces o f H e l­ lenistic pottery (as also at A 24) and it has been suspected that the god’s marble statue may be o f R om an date. B ut Pausanias’ silence is telling - the tow n was de­ serted and he seems never to have heard of the sanctuary, even in a ruinous state. A t m ost there m ight have been a brief attem pt at revival perhaps by an individual or a fam ily with property in the vicinity and when that failed the cult was forgotten. If the people o f H alieis found refuge at H erm ion it is possible that they established or reinforced the A p ollo Pythaeus (E 19o ) cult w hich continued in Pausanias’s time. B y then there was only one cult of m ore than local significance, that o f D em eter on the Pron o f H erm ion. T h e great “ international” sanctuary in the larger region was now the A sklepieion of Epidauros, located interestingly n ot on the coast but in the inland heart o f the A kte. F o r the Halias the thinning of all sites after the early H e l­ lenistic period affected cult sites especially severely. T h e apparent vanishing o f rural cults in “old G reece” after the Classical period has attracted attention, especially from A lcock (1993, 1994) w ho has included in ­ form ation on the southern A rgolid in her studies. P art o f the problem is the ab­ sence o f revealing archaeological finds. U nam biguous architectural remains (such as stone colum ns), w hich ought to lead us to Pausanias’s numerous naoi, are ex­ trem ely scanty (outside o f Halieis and H erm ion we can be confident o f only three examples [C 17, G l , G 2]). In Late R om an times only the practice o f leaving lamps at shrines draws attention to cult activity. It is not so much, we suspect, lack o f cult but lack o f distinctive actions that leave a record in the material remains. T h e G reeks in our region, after bestow ing upon their gods an abundance o f simple little kotylai fo r several centuries and many but fewer terracotta figurines, gave up these habits after the Classical period. A lro th ’s recent study (1998) shows that this change was n ot universal but in this part of the G reek w orld at least it seems com ­ plete. A t larger sanctuaries where the elite could gain or reinforce prestige by making personal dedications, votive activity continues. B ut the gifts o f ordinary people becom e virtually undetectable. Sacrifices and food offerings, the principal rituals at all shrines, have had to await the m ost refined techniques of excavation to becom e visible. A task awaiting survey archaeology in particular is the develop­ m ent of other criteria fo r detecting cult sites. In the southern Argolid we used ten ­ tatively the presence o f heavy C orinthian ro o f tiles as an indication o f a cult build­ ing since they are not found at the sites we associate w ith agricultural activity. B ut they will not take us m uch beyond the A rchaic period.

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Even when we have indications o f cult in the form of terracottas or kotylai, there is a nagging worry. Votive objects were manufactured and eventually co n ­ veyed to a cult place. B ut their occurrence does n ot necessarily show that they have reached their ultim ate destination. Clusters o f m iniature kotylai were found at various points in the tow n o f H alieis w ithout any accom panying indications of cult. It is only when m ore than one type o f cultic o b ject is found in quantities that we can be m ore confident, as at A 24 where m iniature arm or occurs along with miniature kotylai. O n a num ber o f sites only one or tw o catalogued items point unequivocally to cult, though not necessarily to where it took place. A lcock concentrated on the gap in rural cult activity betw een Classical and Late R om an times. B u t I find the archaeological record fo r all periods rem arkably thin. In com piling a catalogue of cult sites fo r this conference I have also been struck by the relatively m odest role played by intensive survey in their discovery. As one might expect it has been m ost effective in detecting the sm aller rustic sites - four in the vicinity o f H alieis, but another in a surveyed area only came to light after private excavation prom pted by local inform ation. Intensive survey is best suited to open, usually agricultural areas, and it is not practical to m arch a field team up or dow n a cliff face, with all due respect fo r the w ork o f our colleagues who worked on M ethana or in Lycia. It is to be expected that sites w ith m ore conspicu­ ous remains or those m entioned by Pausanias would attract extensive surveyors, including early and later travelers. B u t one is also struck by the consequences o f excavation. A ll the cult sites in or im m ediately adjacent to the tow n o f Halieis were found by excavation. Private, i.e. unauthorized but tolerated, excavation has also been productive but not always to the benefit o f scholarship. We have good reason to think that the Classical landscape was much m ore densely populated w ith cult places than the archaeological record shows. There is Strabo’s m em orable description o f the many shrines at the estuary o f the Alpheios River in Elis ( 8, p. 343). T h e m ost detailed record we have o f rural shrines com es from the inscribed A ttic sacrificial calendars, especially the D em archia H e M ezon of the A ttic deme o f E rch ia 12. This contains a total o f 1 1 place names and up to 45 separate shrines or altars (but I think certainly few er since altars were shared). There would have been other shrines n ot listed in this calendar, notably o f D emeter and o f H erakles. In Classical and early H ellenistic times A ttica was p ro b ­ ably unusual in the num ber and vigor o f its rural com m unities and their recog­ nized role in the structure o f the polis. Even in A ttica the degree of deme activity probably varied greatly13. We cannot infer that com parable organizations existed in the countryside o f the A rgolic A kte. B u t in A ttica too the archaeological evi­ dence fo r these attested cults is rem arkably slight. E rchia, and the other denies that have furnished sim ilar calendars have not, to be sure, been the subject o f intensive survey w ork but, close to A thens, they have been scoured by the sharp eyes of 12 Daux (1963); S E G 24, 541; Sokolowski (1969) N o , 18. 13 O n the religious life o f the A ttic denies, see M ikahon (19 77); W hitehead (1986) 162-69, 176-223; Verbanck-Pierard (1998).

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many alert visitors, including the now legendary Eugene V anderpool14. H e made various plausible suggestions as to where the E rchian cults were located, but the only archaeological evidence he found was a colum n capital w hich he thought m ight have com e from the deme center. T he territories covered by other A ttic cal­ endars (the M arathonian Tetrapolis and T h o rik o s) have little m ore to show. T h e discrepancy betw een the density o f cult sites and the inform ation produced by surveys is n ot limited to the H ellenistic-M id dle R om an “gap” nor to the southern A rgolid, a p oint dem onstrated by A lcock (1994:248—53) in a review of the results o f a num ber o f surveys. M o re recent publications only confirm her observation. I suggest that the frequency o f visiting and the intensity o f activity at a site ac­ counts fo r the degree of visibility fo r the surveyor (w ith the obvious exceptions of, e.g., a strongly built tow er that was abandoned after a particular military threat evaporated). If we turn again to the sacrificial calendars we see that the m ajority o f the cults received mandated sacrifices only once a year, som e only every other year (in the M arathonian Tetrapolis though not at E rch ia and T h o rik o s). Private per­ sons may, o f course, have made offerings on their ow n initiative at other times. T h e nature o f the offerings too, m ostly food and drink, and the facilties fo r feast­ ing al fresco by the w orshippers (though often the meat o f the sacrificial animal was taken h o m e 15) were not such as to leave a large fo otp rin t at the site. In sum, the m ajority o f the numerous cults G reek com m unities engaged in are archaeologically very hard to detect fo r good reason. B y contrast, the agricultural sites that characterize certain regions in certain periods do represent a significant am ount o f tim e spent by groups o f people in places where agriculture is the p ri­ m ary if not the only reason fo r being there16. I conclude w ith a plea that our research rem ain open to a m ultiplicity of disci­ plines, w ith awareness o f their distinct types o f contribution. Identification o f d i­ vinities remains closely tied to inscriptions. Renew ed and m ore sensitive reading o f Pausanias has helped us to see how he can and cannot help us. A rchaeology alone cannot do the jo b .

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Fig. 1. The northeastern Peloponnesos, Attica, and the southern Argolid. Places in italics belonged to the Kalaureian Amphictiony.

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fig . 2. Topography and suggested territorial boundaries o f the southern Argolid.

Fig. 3. All cult sites of the southern Argolid (for Hermion see Fig. 5).

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Fig. 4. Flalieis and its vicinity.

Fig. >. Fiermion in Pattsanias’s time.

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Fig. 8. Fhe areas covered by the intensive survey.

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M apping G reek C ults C atalogue of Sites (See Fig. 3). Sites that have been identified by survey w ork are referred to by the designations used in A G C , Appendix A, where bibliography and other inform ation not di­ rectly relevant to cult, can be found. T h e prefixes A , B , C etc. refer to the m odern administrative divisions (koinotis or demos) in which the sites are located: A = Porto Kheli, B = K ranidhi, C = Koiladha, D = D hidhim a, E = Erm ioni, F = Fou rnoi, G = Iliokastro. N um bers follow ed by a, b, c, etc. are to distinguish separate cult sites assigned a single num ber in / lG C , Appendix A. T h e territorial units rec­ ognized from A rchaic through R om an times can be seen in Fig. 2. N um bers 100 and above are fo r sites not listed in A G C Appendix A. Parentheses ( ) mean that, although the cult is attested by textual evidence, its precise location has not been determined. Site designations placed between ( ) and follow ed by ?? are nowhere attested but m ight be expected to occur in the locations indicated. T he order o f sites in the catalogue is generally outward from the chief habitation center in each territory. T h e abbreviations fo r dates are those used in A G C : L G /SG = Late G eom etric/Subgeom etric (750-700/ 675 B .C .), A = A rchaic (700/ 675-480 B .C .), C = Classical (4 8 0 -3 3 8 B .C .), C -F I = Late Classical/Early H ellenistic (3 5 0 -ca . 250 B .C .), H = H ellenistic (2 5 0 -5 0 B .C .), E R = E arly R om an (50 B .C .-2 0 0 A .D .), M R = Middle R om an (2 0 0 -4 0 0 A .D .), L R = Late R om an (E arly B yzan tine, 4 0 0 -6 5 0 A .D .). F o r sites that have been located I have included a com m ent on how they were identified, w hether from survey w ork or excavation. Survey, understood broadly, includes the observations o f early travelers and casual visitors, extensive survey in which archaeologists try to identify places m entioned in ancient sources or select locations w hich may be expected to be ancient sites, or follow up on inform ation provided by inform ants . F ro m 1950 on the present w riter w ith various collabo­ rators engaged in extensive survey in the Southern Argolid. Intensive survey, in which teams o f surveyors form ing a line walk over designated areas, looking for all evidence o f ancient activity, began in this region in 1972 and was resumed on a larger scale from 1 9 7 9 -198 2 . B u t extensive survey was never abandoned. In fact, one team o f the intensive survey was often dispatched to “verify ” sites that had been discovered previously by whatever method. O ther relevant discussions o f cult sites in this area are to be found in Frazer (1898), Faraklas (1973), Papakhatzis (1976), M usti and Torelli (1986), K yrou (1990). All make contributions while neglecting certain types o f evidence (Frazer working in a different tim e is not to be faulted), as is true no d ou bt o f the present catalogue. I cite these scholars in the Catalogue only when a specific point needs to be raised.

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M ich a e l H . J a m e s o n

Halieis (Fig. 3) A 65a. A cropolis shrine. O n the top o f the small acropolis, 50 m. high, within the city walls o f Plalieis. D ublin (1969); Jam eson (1969); C . D engate et al., Halieis, I (forthcom ing). C onstru ctions: W hat is presumed to be an altar, form ed by tw o large ashlar blocks o f local conglom erate, and a base with a rectangular cutting, presum ably to hold a statue. Another, separate b lock may have served as the base for a table of offerings. A nearby building o f V - I V s.a. date was the site o f dining, perhaps o ri­ ginally in association with the cult, later as a mess fo r a garrison stationed on the acropolis. A t no period is there any indication of a temple but the presence of m uch votive material may point to som e structure fo r its storage. Associated deposits o f votive material, go dow n to bedrock in places, in the vi­ cinity o f the blocks described above. K otylai and m iniature kotylai, miniature kraters, small bow ls, phialai, and pitchers, figurines (both hand- and m old-m ade), m ostly female but som e male riders, terracotta birds and an ox horn, miniature armor, Lakonian lead votives (including crow ns, “ grids”, a winged female, and a Poseidon w ith trident), jewelry, fragm ents o f inscriptions on bronze and lim e­ stone (one fragm ent), an inscribed marble perirrhanterion, a small marble female head; ash and animal bones. D ate: V I - I V s.a. Identification: A thena? T his is based on (1) predom inately female offerings, but with som e o f m ilitary character; (2) close association o f the site w ith the city wall, at the key point fo r the defense o f the city; (3) one terracotta figurine (H C 72) that may represent a standing female holding a shield; (4) assignm ent to this site o f a bronze inscription o f the first half o f the V s.a., I G IV 554, recording the lending of m oneys o f A thena 0 a m eso n [1974 b]; Petit [1980] 3 7 -3 8 ;p a c e the objections of Brandt [1992]). T h e cult site seems to have been modified at various times in deference to m ili­ tary needs. T h e altar and the statue base remained accessible in IV s.a. and many m old-m ade figurines o f that date were found throughout the acropolis. T h e cult did not survive the to w n ’s abandonm ent, ca. 300 a. (O n the votives see also C . D engate [1988] 176). D iscovery: Excavation. N o traces o f a shrine were observed prior to excavation, but the votive material lies close to the surface and robber trenches were detected in the course o f excavation. It is probable that unauthorized excavation has taken place in m odern times and that the bronze tablet concerning the m oneys of A thena is not the only o b ject to have found its way to the antiquities market. A 65b. H ero cult (o f the D io sk ou roi?). In private H ou se E, R o o m 6 -2 4 , in the L ow er Tow n o f Plalieis were found tw o rectangular lim estone blocks, inscribed on tw o and three sides, respectively (H S 532, 533). T h ey are o f approxim ately the same dim ensions, w ith traces o f stucco on the upper surfaces, and were found lying side by side against a wall. T h e tops o f the tw o blocks were at the level o f the plastered floo r o f the last Classical level (A ) o f the L ow er Tow n, in use roughly in the last half of the IV c. a. This was not the original location o f the tw o blocks

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since one of the inscribed sides was no longer exposed to view. Two miniature kotylai were found, one wedged betw een the tw o blocks near the upper surface and the other betw een the blocks and the wall, at the point where the blocks met. N othing in the house clarifies the function o f these blocks. N either conventional altars nor sacred tables, the blocks w ith their brief and rough w riting seem to mark the location o f dom estic cult by means o f food o ffer­ ings and libations (a black-glazed bolsal, H P 2530, was found lying upside down at the level o f the previous floor, upon w hich the blocks rested). T he laconic inscriptions m ention Wana, i.e. Anax or Anakes (one or both o f the D io skou roi), H ero, repeated once, and D ios. A reference to the D iosk ou roi as sons o f Zeus has been proposed (Jam eson 2001). D ate: last tw o-th irds o f the IV c.a.? N o survival after abandonm ent o f the town. D iscovery: excavation. A 65c. Halieis. Stele shrine? Two connecting long, narrow room s (6 -4 0 , 6 -4 5 ) form ing a corridor, or perhaps an unroofed passageway in the L ow er Tow n of Halieis. In R o o m 6 -4 0 , midway betw een the tw o long walls, is a finely cut square base o f hard gray lim estone, 0.50 m. on a side. A fragm entary shelly limestone pillar, originally leaded into a cutting in the base (0.25 m. on each side), survived in situ. A pair o f stones ju st northeast o f the base appears to mark the foundation for a now missing construction, perhaps an altar. C om parison w ith stele shrines identified at C o rin th (W illiam s [1981]) suggests this was a sim ilar cult site, but the absence o f votive or ritual material leaves open the possibility o f a secular use for the stele. (Inform ation kindly supplied by Bradley A ult; details to be published by him in Halieis II, forthcom ing). D ate: second half o f IV s. a., the date o f the adjacent housing, but very likely of earlier origin. D iscovery: excavation. A 65d. H alieis, Shrine o f a god or hero p rotecting a city gate? A small, roofed structure, trapezoidal in plan, 3.50 m. by 4.40 m. (on the longer side), built against the city wall, 1 m. northeast o f a large circular tower, ca. 10 m. northeast o f the Southeast gate (B oyd and R udolph [1978] 3 5 4 -5 5 ). T h e walls were plastered and painted (in red, at least in part), and the floor was covered w ith cem ent, raised to form a rectangular platform ca. 0.02 m. high, 1 m. from the entrance, which shows no trace o f a door. Wear marks on the platform prom pted the suggestion that a table o f offerings stood upon it. A shallow channel leads from behind the platform to a small basin in the cem ent floor. Several m iniature kotylai on or near the plat­ form suggest this small room was a shrine. D ate: T hird quarter o f IV s.a.? Earlier pottery under the flo o r does n ot point securely to earlier cult activity in the area. D iscovery: excavation. A 15. H alieis, D em eter Sanctuary. O n a gentle slope, facing north, ca. 100 m. east o f the city walls o f H alieis. W orked blocks o f fine lim estone and an Ionic co r­ nice block from a ruined M odern house nearby, together w ith a few rooftile frag­ ments, and a num ber o f large conglom erate blocks point to a shrine building. Part of the extended right forearm o f a life-size marble statue (H S 21) was found nearby. M iniature kotylai and lamps, a kernos fragm ent, black-glazed fine wares, and numerous female figurines, some carrying pigs, point to D em eter. D ate: A -C

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M ichael H . Jam eso n

(V II-m id .IV s.a.), i.e., contem porary w ith the life o f the polis. A few L R coarse ware sherds say nothing about cult in that period. D iscovery: from surface study, but it should be noted that Filadhelfevs tested the site in 1908, according to his notebook, presum ably prom pted by inform ation from local inform ants. H e found figurines with pigs but did not make the conn ection w ith Demeter. A 65e. H alieis, the Sanctuary o f A p ollo. T h e principal sanctuary o f the polis, lying near the shore o f P o rto Kheli harbor, outside and ca. 1 km . N o f the town. Tw o temples oriented N/S, a long (18 m.) altar on the same orientation, south of the temples, possible dining room s, and a race track also oriented N/S, flanked at the N end by foundations fo r viewing stands. All now under the sea, ca. -2 .0 0 m. T h e first temple, 100 feet long and narrow, has a pronaos, w ith a single colum n in antis, and three cham bers. T h e middle and rear cham bers were entered from the w est side. T here is no peristyle but engaged w ooden interior colum ns along the east and west walls and free-standing colum ns along the m id-line o f the building. This building has been called a dining hall rather than a temple by Bergquist (1990 a, 1990 b) and while the middle cham ber very likely was so used, judging by the hearth and debris w ithin it, though perhaps only before the construction of the special purpose room s on the east side o f the sanctuary, there is no reason to deny it the norm al functions o f a temple - shelter fo r a statue o f the god and fo r his pos­ sessions. A hoard o f 18 Aiginetan silver coins was found in the fron t cham ber to ­ gether w ith other votive objects, while the rear cham ber contained at least 6000 m iniature kotylai. A second wider temple (initially thought to be a stoa), lay roughly parallel to the first and separated by a narrow passage. It had Lakonian rather than C orinth ian roofing. Standing on slightly higher ground than the first, and perhaps possessing m ore useful orthostates, it was robbed dow n to the fo u n ­ dations. T h e remains o f som e iron weapons and fragm ents o f m iniature pots, both presum ably votive gifts, were the only items to have survived. It has been sug­ gested that this temple was built at a tim e when Spartans occupied the tow n ’s acropolis in the late V II s.a. (Jam eson [1982]; C . D engate [1988]). D ate: the earliest pottery, from the cella o f the first tem ple, is o f the late V III s.a., perhaps predating the construction o f the tem ple. A fter destruction in the sec­ ond quarter o f the V s.a. there is som e pottery o f H ellenistic date and w ooden posts w ith carbon 14 dates o f ca. 400 p., found upright in the building. It is not evident w hether the pottery indicates cultic use o f the area. T h e placem ent of the posts, however, seems to ignore the plan o f the earlier remains. T h ey ow e their survival to the encroachm ent o f the sea soon after their placem ent. Fragm ents o f a marble statue o f a beardless youth (A pollo) were found in the front cham ber o f the first temple, badly eroded by long im m ersion in the sea. S ty ­ listically the choice is betw een a later IV s.a. date, if the apparently late features are prim arily the result o f water damage, and the R om an period. In the latter case it would seem that recognition o f the cult site survived many centuries o f neglect and that w orship here was revived in the R om an period, although not reported to Pausanias when he visited H erm ion in the II s.p. N o adequate base fo r the statue was found; probably it had remained intact and was robbed out, after the marble

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statue was destroyed. The thin squares o f lim estone, found where one would ex­ pect a statue to have been located, might have been more suitable fo r the foun­ dations for an original V II s.a. wooden statue. Id entification: H alieis (e§ 'AXikxov) is m entioned in the context o f an account concerning the cult of A p ollo Pytha(i)eus at Asine in Bacchylides (Paean 4.59; B arrett, 1954). T h e sanctuary o f A pollo is the site where H alieis is to erect the inscription recording the treaty w ith A thens in 424/23 a. (IG I 3 75, 3 3 -3 4 ). In the front room o f the first temple were found the remains of three temple keys o f iron, fused together, the top one o f w hich bore the inscription xomoXXovfog] (Jam eson [1974 b]). D ate: A -C , with possibly renewed attention in the IT and R periods. D iscovery. The sanctuary was pointed out to archaeologists mapping the sub­ merged parts o f the city site and verified by underw ater survey and by study of balloon photographs taken fo r this purpose. A 65f? A pproxim ately 20 m. outside the H erm ion gate o f H alieis, through which passes the road to the sanctuary o f A p ollo and eventually to H erm ion, stands a rectangular building, som e 11 m. wide by 14.5 m. long, w ith bases fo r six interior supports, now under ca. 2.00 m. o f water. P ottery found was m ostly C with som e fine wares. T h e “ H ypostyle Build ing” as it has been designated, is rather m ore likely to have been a hostelry serving the A p ollo sanctuary than a shrine. (Jam eson [1969] 338; I discuss the building in M . H . M cA llisters fo rth ­ com ing study o f the fortifications o f Halieis.) D ate: IV c. a.? D iscovery: balloon photography in conn ection w ith excavation. A 100. R ustic shrine ?, near A 34 (farm stead), on the peninsula called N isi K heliou w hich form s the south side o f the Ververonda lagoon west o f the m odern vil­ lage o f P o rto Kheli. G uerin et al. (1988); K yrou (1990) 152. B locks taken to be part o f an altar, not described by G uerin et al., and n ot m en­ tioned by K yrou w ho, however, speaks o f traces o f a circular peribolos; miniature kotylai, and fo u r silver hem ioboloi, probably all o f the V s.a., from Aigina, Epidauros, and Sikyon (2). G uerin et al. (1998) and K yrou (1990) suggest that the shrine was destroyed and the coins abandoned as a result o f the A thenian attack o f 425 B .C . (Thuc. 4.45.2). Kyrou suggests the circular peribolos was constructed by Peloponnesian troops. For such a slight construction a cultic function seems m ore likely. T h e associated pottery is not precisely datable and a m ilitary context fo r the site’s abandonm ent does not seem to be required. D iscovery: excavation (private). It is likely that the excavation was prompted by local inform ation derived from a farm er’s chance discovery (cf. the bulld ozer’s revealing site A 33). T h e area was covered by intensive survey a few years prior to the excavation w ithout the shrine’s being detected. A 24. R ustic shrine at K oukouras, a hilltop (100 m.) ca. 2.00 km. southeast o f the town o f H alieis. W orked lim estone blocks, disturbed, perhaps originally from a peribolos wall. Excavation on the hilltop revealed no construction but som e vo­ tive material com parable to that o f A 65a, on the acropolis o f H alieis: many m inia­ ture kotylai, som e black-glazed fine wares, 2 terracotta female figurines (one hold-

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ing a dove H C 272, the other fragm entary ), a fragm entary relief (H C 273) depict­ ing a horse and rider (a type associated w ith hero cults), a m iniature bronze m irror and shield, tw o m iniature lead wreaths o f Lakonian type, all o f late A to H date. The shrine may thus have outlived the tow n o f Flaiieis briefly. A rooftiie reused as a gaming board (F IC 379), together w ith the m iniature arm or dedications, sug­ gests that soldiers may have been stationed on the hill as lookouts. T he presence of many M R lamps, o f II I -V s.p. date and a coin o f the second half of the III s.p., point to revival o f the cult or at least re-use o f the site. A few L R spirally grooved ware sherds. N o Christian sym bols in evidence. D ate: A -H , M R . D iscovery: extensive survey. A 5. Shrine o f Zeus, at Stavros, ca. 2.25 km. north o f the tow n o f Halieis, on the low saddle betw een the valley that drains into P orto Kheli harbor and the Flam boura valley to the north. A line of walls and many w orked blocks scattered around, tw o fragm ents o f shelly lim estone (used fo r architectural refinem ents at H alieis), a L G krater fragm ent, much black glazed pottery (kotylai, kraters), some figured, and a few L akonian rooftiie fragm ents. A precinct w ith a small structure to house offerings? A graffito, Aiög, on the fo o t o f a cup identifies the site as a shrine o f Zeus. The location at crossroads, as the m odern name o f the place indi­ cates, relates the site to local and inter-polis traffic, probably the main road be­ tween Flaiieis and H erm ion. T he open site, unconnected w ith any prom inent landm ark, suits the basin-like sites, open to the sky, identified by V incent Scully (1962) 132-1 5 2 fo r the cults o f Zeus. D ate: pottery is V II-IV s.a., i.e., A -C ., con ­ tem porary w ith the life o f the tow n o f Halieis. D iscovery: extensive survey. A 9. Small settlem ent w ith a cult site ? A t Flam boura M agoula, on a low hill be­ tween the sea and the wide Flam boura valley, 2 .7 0 km. north o f Flaiieis, ov erloo k ­ ing the main road betw een H alieis and H erm ion. T h e settlem ent was occupied in E H I and II, and again in M G -A . In the early Iron Age it may have been a prede­ cessor o f the settlem ent at the tow n site o f Halieis. A rectangular lim estone block with remains o f lead in a cutting on its upper surface, found on the top o f the hill, may have held a stele or a relief such as one m entioned by a local inform ant as com ing from here. A n other inform ant possessed a small bronze bull o f L G date found on this site. Cups are abundant. It may be that som e cult activity, begun when the site was a small settlem ent in the G eom etric period (cf. the tw o terra­ cotta figurines collected at F 32, a B ronze Age and L G -S G village), was continued in A and C tim es, but aside from the bull, unam biguous votive material is lacking. (S. Langd on’s description, in Runnels et al. [1994] 61, 7 1 -7 2 , o f the site as a shrine tout cou rt may be misleading.) D iscovery: intensive survey. B 5 6 . R ustic shrine ? O n a low rise in the Flam boura valley, ca. 500 m. north of A 9 and 3.20 km. north o f Halieis tow n. Together with B 55, about 100 m. to the south, it may be part o f a larger site, i.e. a small settlem ent w ith a shrine as a co m ­ ponent. Evidence fo r the latter is the finding o f tw o female figurine fragm ents, m iniature kotylai, a kalathos, and C orinthian rather than the usual Lakonian tiles. D ate: A -C . D iscovery: intensive survey. T hree cults in the Flalias can be inferred from textual sources.

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(A 101). H erakles was the preem inent hero of the Tirynthians who settled at Halieis, probably shortly after the Persian Wars. H e has been identified on “Tirynthian” coinage of 4th cent. H alieis (I. N . Sovoronos 1909: 2 2 -2 3 ). H erakles is a “Tirynthian Argive, who always go into battle d run k”, according to A ttic Middle C om edy (Ephippus fr. 2 K o ck ). C f. A 65b, a hero cult perhaps originating on the Argive plain. (A 102). Poseidon? T h e H ellenistic author, Antigonus o f K arystos, is quoted as referring to the halieas ( “fisherm en” or “people o f H alieis”) offering the first of the tunny catch to Poseidon (A then. 6.297e). W hile such a practice at H alieis is entirely plausible (cf. A G C 314), Antigonus w rote after the tow n was abandoned. A lthough W ilam ow itz emended to Aioleas, “A iolian s”, a general com m ent on the practice o f fisherm en seems un objectionable. Support fo r a cult of Poseidon may be found in the story o f the “T iry nth ians” consulting the D elphic oracle in order to cure their proclivity to laughter and being told to sacrifice a bull to Poseidon and throw it in the sea w ithout laughing. All children w ere excluded but one boy provokes laughter by asking if they are afraid he will knock the blood bucket over and the effort fails (Theophrastus fr. 124 W immer, ap. A then. 6.261D ). (A 103). T h e inscriptions bearing the accounts o f healing at the Epidaurian A sklepieion contain several references to individuals from H alieis, w ith the ethnic H alikos. In one case a sacred snake coils itself around the axle o f a cart bringing a man hom e to H alieis after an unsuccessful visit to Epidauros to cure his consum p­ tion. T h e snake lenters his house at Halieis and cures him. D elphic A p ollo ap­ proves the proposal o f the H alieis to keep the snake and build a local shrine for Asklepios (IG IV 2 1, 122 xxxiii, lines 6 9 -8 9 ). D ate: T h e inscriptions date from the second half o f IV s.a. T h e spread o f A skle­ pios cults begins only in the last quarter o f V s.a.. A possible site fo r this cult is E 6 at Petrothalassa, betw een H alieis and H e r­ mion, w hich we have, perhaps wrongly, assigned to H erm ionian territory on the assumption that the larger city would have exploited the relatively good land of this district less than 7 km. from the tow n and 5.5 km. from Flaiieis. T here is an ancient well. T h e remains of the C lassical-H ellenistic site reveal an orthogonal pattern, perhaps because refugees from H alieis rebuilt the settlem ent there after ca. 300 B .C ., though it must be said that FI traces are rather less clear than those of C -H date (ca. 3 5 0 -2 5 0 B .C .). E 7, some 750 m. inland from E 6 , w ith A and es­ pecially C and C -H traces, may have been the original settlem ent in this district. Fragments o f a life-size marble statue, including part o f a thigh, and o f a snake were found in surveying the site, while a large marble fo o t was reported by a local informant. If the sanctuary was, in fact, located at Petrothalassa it would have been effectively shared by H alieis and H erm ion before 300 B .C ., a detail that need not have entered the foundation story. B u t since the site also showed signs of H el­ lenistic, E arly R om an and Late R om an use, the statue may have been brought from elsewhere at any time.

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Mases Mases ( C l l ) , on the west coast, is named in the H om eric “Catalogue of Ships” (II. 2.562) and is the point at w hich Pausanias in the II s.p. to ok ship fo r Nauplia (2 .3 6 .1 -3 ). T h e H om eric reference suggests that Mases was a distinct settlem ent in the V III/ V II s.a., at a time when H alieis was not (cf. A G C 5 8 -6 0 ). A t C l l (M agoula E vstratiou), a low rise in the kam bos o f present-day Koiladha, settlem ent was alm ost continuous, and m ost extensive in E H I and II and L G -S G -C -H . We take this site to be the central settlem ent o f this territory. In the L R period, w ith its fondness fo r off-sh ore sites, the island o f K oronis in the bay o f Koiladha, now a private estate, seems to have been a crowded village site (C 45). C l 7. A heavily built terrace on the south side of the Franchthi headland, 2 km. north o f C l l , shows evidence of occupation by a sanctuary, especially in L G / SG A: ashlar blocks, fragm ents o f fluted colum ns and D o ric capitals in lim estone (earlier than the capitals from the early Aphaia temple on Aigina dated to the 2nd quarter o f the V I c.a., Schw andner [1971] 528, A bb. 17), and heavy C orinthian tiles (com parable to those at the older A p ollo temple at H alieis, in A 65e), indicate the presence o f an Archaic temple; votives were m iniature kotylai, a fragm entary seated female figurine, and perhaps a bird (A ). T here have been rum ors o f a relief show ing a boar. A fter the A rchaic period traces are very slight. The L R sherds point to habitation, not cult. T h e sanctuary coexisted w ith the L G / S G -A settle­ ment and was no doubt its chief cult center. T h e figurine fragm ents found are in­ sufficient to identify the deity but the location on the slopes o f a hill agrees with that o f D em eter sanctuaries in the southern A rgolid (at H alieis, H erm ion, and D id ym oi). D engate (1974). D iscovery: intensive survey. C 12? A farm site o f M G -A and again L R date, on the northern end o f a ridge 1 km . w est o f C l l . D istinctive cultic materials are not in evidence before nine lamps o f the L R period. D iscovery: intensive survey. C 1 3 a . C u lt o f N ym ph s? In a pool reached by clim bing over the ro ck -fall to the back o f Franchthi Cave, were found among other sherds ranging from M N to L R a few votive m iniature kotylai and the heads o f tw o female terracotta protom es (A -H ?). It is reasonable to suppose that the cave, so much used in the Stone Age, and still conspicuous in historic times, was the cult site o f local N ym phs. J. D en ­ gate (1999). D iscovery: intensive survey (in con n ection w ith excavation). BIO . R ustic shrine?, on a steep, conical hill (K astraki) 2 km. east of Mases ( C l l ) . N o constructions were observed. A n A rchaic female figurine fragm ent and some fine ware, L G / S G -C but m ostly A -C . D iscovery: intensive survey. (B 100??) O n the dom inant peak overlooking the K oiladha and L ou tro valleys to the W and N , there is a Late H elladic fortified village or refuge, B 21. A frag­ ment o f a Psi figurine is insufficient to make this a M ycenaean cult site and no evi­ dence o f historic activity was found. N onetheless it is hard to believe that it was n ot at som e point the hom e o f a Zeus cult, as was the peak that dom inated the east­ ern end o f the Erm ion i kam bos (E 33). T h e m odern chapel of Profitis Ilias on the sum m it may have dispersed or hidden traces o f an ash altar.

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Philanoreia Philanoreia and Philanorion, “as it is called”, are named respectively by the arbi­ tration inscription and Pausanias (2.36.2). The form er may be taken to refer to the territory, just as D idym ia is used fo r the territory o f D id ym oi in the arbitration, and P hilanorion to the principal settlem ent in the Fou rnoi valley, betw een the ter­ ritory o f Mases and D idym oi. It probably lies under the modern village where a well w ith m uch C pottery and coinage has been found. A lthough the F ou rn oi val­ ley has been the m ost thoroughly surveyed territory in the whole region, it has yielded the least inform ation on cult sites. F 32. Late G eom etric shrine? A t a large B ron ze Age settlem ent site ca. 500 m. northw est o f M odern F ou rnoi a small com ponent o f L G -S G pottery and frag­ ments o f tw o terracotta animal figurines, probably o f that date (Langdon in R u n ­ nels et al. [1994] 71). D iscovery: intensive survey. F 60. A small temple in or near a C village site? Tw o marble lion heads used as spouts fo r a m odern fountain in the village are likely to have been originally from the sima o f a very small C temple. D iscovery: survey.

D idym ia D idym oi (xtopiov ... eiepov) is m entioned im m ediately after P hilanorion by Pausanias (2.36.3) and the territory, D idym ia, is m entioned in the arbitration in ­ scription. T h e survival o f the toponym in the name o f the m odern village, D hid hima, assures identification o f the core o f the territory w ith the inland basin lying below the tw in peaks o f the m ountain w hich are certainly the source o f the name. Pausanias, w ho travelled by sea from Mases up the G u lf o f A rgos and derived his inform ation from the arbitration and from inform ants, speaks o f shrines o f A pollo and Poseidon, "and in addition to them one o f D em eter”, w ith standing statues o f marble. H is phrasing m ay suggest that the first tw o (D 100, D 1 0 1 ) which have not been discovered were close together and near the settlem ent w hich we take to be under the m odern village (D 1 4 ) w here a w ell-built C well can be seen and other finds have been reported, whereas the D em eter shrine (D 1 2 ), w hich has been located, lies on the low er slopes o f the m ountain, 5 km . east of the settlem ent. T h e D hidhim a com m une was not part o f the intensive survey p ro­ ject. D 12. D em eter shrine. A small circular altar, built into the M edieval-M odern chapel o f Ayia M arina, bears a dedication o f a tithe to D em eter by Phanta and A ristomeda and would seem to date from the IV or III s.a. (IG IV.746). T h e inscrip­ tion has long been know n. Study of the site by the survey team show ed that the altar did, in fact, belong to this site since a sm oothed bedding in the bedrock fo r it (or a com parable block) to stand on was found im m ediately to the southw est of the chapel. Furtherm ore, a circuit o f rubble wall could be traced enclosing the area to the east and south o f the church. It is rem iniscent o f Pausanias’s description o f a D em eter cult site in the old part o f H erm ion, “T here are also enclosures o f large,

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rough stones inside w hich they perform secret rites fo r D em eter” (2.34.9). Aside from the inscription there is no indication o f date. D iscovery: Extensive survey. (D 100). Shrine o f A p ollo. (D 101). Shrine o f Poseidon. B oth from Pausanias 2.36.3. (D 103??) C u lt site o f Zeus on M egalo Vouni, the dom inant, tw in-peaked m ountain, visible from much o f the peninsula. Today there is a chapel o f P rofitis Ilias, not obviously o f any great age. In 1958 I found no evidence o f ancient cult on the sum m it but my time was limited and the search cursory. C f. E 33 a hilltop site behind Elerm ion and (B 1 0 0 ??), discussed under Mases (above).

Eileoi E ileoi refers to the plateau lying below the Adheres ridge w hich retained a form of the ancient name to the time o f the second Venetian occupation ca. 1700 A .D ., and to the present day (Sta Ilia), although the present village’s name Iliokastro is a m odern substitute fo r Karakasi. T here are tw o main ancient sites, G1 and G 2 , the first ca. 4.50 km . S of the second (cf. A G C 2 9 -3 2 ). G .l . M agoula sta Ilia, was in historical times m ost heavily occupied in LG /SG but continued in use in A and C . O n the southeast edge o f the extensive site, rec­ tangular blocks o f andesite and poros lim estone, tw o probable colum ns drums of andesite and black-glazed A and C open shapes point to a small temple . It may be that w ith the establishm ent o f G 2 in the C period, G l , already smaller in A than L G -S G , was reduced largely to a cult site. (G 100, 101). Pausanias (2.34.6), travelling from Troizen to H erm ion by land, w rote: “As one goes up the m ountainous road past this rock [the rock o f Theseus] one com es to a temple o f A pollo w ith the epithet Platanistios (" o f the plane tree”) (G 100; Fraser 1895: II, 124, saw a vegetation cult), and to a place, Eileoi, in which are sanctuaries o f D em eter and her daughter K ore (G 1 0 1 ).” R um or that a headless kouros was found at G l does n ot strengthen the site’s claim to the hiera o f D e ­ m eter and K ore but little trust can be put in the rum ored description o f a statue and these goddesses are to be expected at an old agricultural village. G 2. P alaiokastro or K astro tou Karakasi was a small fortified settlem ent with walls o f ashlar m asonry (at least in the low er courses), laid out orthogonally at som e p oint in the C period and occupied in C and C -H times and perhaps to som e degree in the Plellenistic period. A lim estone colum n outside and to the SE o f the walled settlem ent suggests a shrine in that area though not in a location close to water and favorable fo r the presence o f a plane tree and therefore not likely to be that of A pollo. (G 102). R ecen tly an inscription has been found in the m odern village by the church o f Ayios Petros kai Pavlos, left over from rebuilding o f the church, n ot evi­ dently from either o f the ancient settlem ent sites or their shrines. It is a boundary m arker o f the road or street of H ekate: hopog I hoöoü I HeKCtxag T zifopoulos (1 9 9 2 -9 8 ). T h e letters lo o k to be late A or early C in date. T zifopoulos notes that in one account Flekate was the m other of Skylla by Phorbas (H esiod. M. Eh 262

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M erkelbach-W est ap. Schol. Ap. Rh. Arg. 4.828. A pollonius him self has Phorkos as the father, A kusilaos has P horkys F G rH ist 16 F la .) and that M t. Adheres, w hich lies betw een the H erm ionis and Troizenia was know n in antiquity as P horbantion (Steph. B yz. s.v. ctop ß ag ). To this can be added that Skylla is the source of the name of Cape Skyllaion at the east end of M t. Adheres and the pen­ insula. T h e story o f her death is given by Pausanias (2.34.6) w hose statem ent that no grave is show n fo r her m ight suggest that there was, nonetheless, a cult of Skylla. T h e inscription fo r H ek ate’s street was not found at either o f the main ancient sites so there remains a question as to where the cult was located. T h e need to m ark a street o f H ekate (this is not a horos fo r a temenos) suggests that her chthonic associations were prom inent, perhaps in conn ection with a necropolis rather than fo r an independent cult o f H ekate and her kin w hich, in any case, one would look fo r at the eastern end o f the A kte and not on the plateau o f Eileoi. T he only other inscription reported from E ileoi, I G IV.747, a IV s.a. or FI list o f men’s names and patronym ics, probably came from H erm ion. It is com parable to a num ber o f lists found at H erm ion thought to be o f initiates in m ysteries o f D e ­ meter. T h e D em eter shrine of a small settlem ent, m entioned by Pausanias (G 101), is n ot a likely site fo r the publication o f lists o f initiates. I believe that stone and the new stone were both brought from H erm ion fo r reuse in a church. T h e latter may have com e from the vicinity o f the extensive cem etery o f C -L R date that lies along the main road from H erm ion to Mases in the W and to E ileoi and Troizen to the N (see Fig. 4). O n H ekate at crossroads, see Jo h n sto n (1991). Since this inscription marks a road as H ekate’s, presum ably the reader com es upon it from another road. B u t although it is set at crossroads H ek ate’s presence is not limited to that point.

Thermasia A valley dom inated by a steep lim estone outcrop w hich has carried a kastro since the Middle Ages (E 3) opens out to the coast E o f Erm ioni. B y the sea a large la­ goon had a long history as valuable saltings. Venetian docum ents and m odern usage preserve a form , Therm isi, derived undoubtedly from the ancient K oine form of the name o f the district which, as such, is not m entioned in ancient sources (editors o f Pausanias print a D o ric form o f the goddess’s epithet as Thermasia, w hich may have been the earlier form o f the name, but the manu­ scripts also give the K oine 0Ep^n]oia). This territory was not part o f the intensive survey and inform ation obtained, aside from a careful exam ination o f the site of the kastro, came from occasional visits. We have no clue as to the location o f the principal ancient settlem ent (probably not at the kastro, although it yielded L G -C pottery). (E100). Pausanias did not visit but m entions, after Eileoi, a sanctuary (2.34.6): "Towards the sea, on the borders o f the Flerm ionid, is a sanctuary o f D em eter with the epithet Therm asia.” Later, in describing the antiquities o f H erm ion he

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m entions that it too had a shrine of D em eter Therm asia, E 1 9 j (2.34.12; Faraklas [1973] consistently calls the goddess A rtem is). C onfirm ation o f the existence o f a shrine of D em eter came in 1981 from three w orked blocks of lim estone, one carrying a relief o f a temple key and six letters o f an inscription (possible parts o f tw o names) o f H or E R date, in possession of the operator o f a bulldozer who had been w orking in the Therm isi area but w ho volunteered no further details. T h e incom pleteness o f the inscription show s the construction from w hich this b lock derived continued to the left and to the right. T h e tops o f the blocks are finished only roughly w hich suggests that they came from a peribolos wall rather than a building or an altar. C f. D 1 2 and (E 19d ). B u t the representation of a temple key implies the presence o f a temple. B ull-dozing activity m ay point to the vicinity o f the m odern village. D iscovery: private excavation.

H erm io n E 19. (F ig . 4). C f. A G C A ppendix E. A ncient H erm ion (in Ionic and K oine, H erm ione). O u r know ledge of its cults is greatly enriched by the detailed account provided by Pausanias (2 .3 4 .9 -3 5 .1 1 ) in the third quarter o f the II s.p. H is descrip­ tion proceeds w est from the eastern tip o f the long, narrow peninsula, today called the B isti (A lbanian fo r “tail”). E 1 9 a . Poseidon, at the tip o f the peninsula, a hieron. This is usually identified w ith the late A temple foundations (16.25 x 32.98 m.) in the saddle betw een the tw o highest points o f the E segm ent o f the B isti, excavated by Filadhelfevs and restudied by M cA llister (1969). Filadhelfevs and m ore recently Faraklas (1973) have objected that it is not at the very end o f the point, and one might add that Pausanias uses hieron for Poseidon and naos fo r A thena’s shrine w hich com es next. Because the temple when standing would have dom inated the point (note Pausanias’s references, 2.34.9 and 11, to the point as the one on w hich is the sanc­ tuary o f Poseidon) and because a stadium Pausanias describes as lying alongside the Athena temple can not be accom m odated beside the excavated foundations, P oseidon still seems m ost likely to be the god o f the large temple. T h e location points to the maritim e rather than the agricultural aspects o f the god. T h e temple may have been paid for out o f the proceeds o f the sale of the island o f H ydrea (Idhra) to Samians (H d t. 3.59). D iscovery: E arly travellers (survey) follow ed by excavation. (E 19b ). A thena, a naos. A stadium in w hich the Tyndaridai had com peted lay beside her tem ple. T h e space required favors a site close to the valley, running N/ S, that is im m ediately W o f the medieval wall w hich closes o ff the E tip o f the B isti. T his suggests that Pausanias may not be describing the cult sites named in the “form er c ity ” strictly in sequence. (E 19c). Small shrine o f A thena, w ith its ro of fallen in by Pausanias’s time. (E 19d ) . D em eter. “T here are enclosures of large rough stones in w hich they perform secret rites (djxöppi]Ta) fo r D em eter.” C f. D 1 2 , above. (E 19e). T h e Charites (G races).

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(E 19f). Sarapis and Isis. Pausanias (2.34.1) reports their cult on M ethana (cf. IG IV. 8 5 4 -8 5 5 ); fo r the A sklepieion at Epidauros, I G IV 2 1. 35. D unand (1973 II) 1 5 5 -5 6 , rather too cautiously sees Isis at H erm ion only under the empire. (E 19g). Plelios. T h e shrine was in the old, eastern part of the tow n but is not likely to have been earlier than H (his earlier cult is alm ost entirely confined to R hodes). H is cult continued long after Pausanias’s visit. Plelios was central to the thought o f the em peror Julian the A postate and at H erm ion there is a dedication to H elios the King, in verse, possibly contem porary with the emperor, on an altar built into the church o f the Archangel M ichael on Pron (S E G X V I I .164; Jam eson [1958] 115; B ullEp 1960, n. 163). T his altar, however, is explicitly to be established alongside the sekoi of the M other o f the G ods (E 19w ), which suggests a different site than H e lio s’s own naos. As Pausanias proceeds (2 .3 4 .1 1 -1 2 ), he seems to have reached the W half o f the Bisti and the N harbor. Two o f the cults, and a large statue o f Poseidon, are di­ rected towards the sea: (E 1 9 h ). “T here is a temple of A phrodite w ith the epithet ‘of the D eep Sea’ (Pontia) and ‘o f the H a rb o r’ (Lim enia). H er statue is o f marble, large, and w orth seeing fo r its quality.” A large marble statue is not likely to be very early in date, and so H or R . (E 19i). Paus. 2. 34. 12: “There is also a second temple o f A phrodite. She receives various honors from the H erm ionians, including sacrifices w hich it is their cus­ tom to offer her fo r maidens before their marriage and fo r widows when they rem arry.” I would not follow Pirenn e-D elforge (1994) 18 6 -8 8 w ho believes Paus­ anias’s account puts this sanctuary outside the tow n and that sexuality rather than marriage is evoked in this cult. Tw o aspects o f A phrodite are recognized sepa­ rately - one looks to the sea, as does Poseidon at the end o f the peninsula. The other aspect is social. F o r other patrons o f marriage, see E 19v ; we should allow for overlapping in fu nction (cf. E191, Artem is Iphigeneia and E 19s, E ileithyia). These two aspects o f the goddess are also to be seen on the island o f K os, where at the end o f III s. a. there is a priesthood o f A phrodite Pandem os and A phrodite Pontia, the form er receiving sacrifice from married w om en (citizens, nothoi, and resident aliens), the latter from em poroi and naukleroi (Segre [1993]: E D 1 7 8 ). (E 19j). D em eter Therm asia, an urban branch o f the sanctuary in the cou ntry­ side, E 100. (E 19k). N ear the shrine of D em eter Therm asia, a temple of D ion ysos M elanaigis (“O f the black goat”) with annual musical com petitions and in swim m ing (or diving) and row ing, activities w hich suggest the temple was on the shore. ( E l 91). Sanctuary o f Artem is Iphigeneia. This is the only sanctuary o f Artem is attested fo r the Southern Argolid. C ole 2000b has discussed this goddess’s associ­ ation w ith marginal areas, b oth at territorial boundaries and the transitions be­ tween water and land. O ne may wonder w hether what survived in Pausanias’s tune was the urban version of a cult originally on the borders or in a m arshy area. In view o f Iphigeneia’s likely etym ology, the predom inant aspect o f this cult may have been childbirth.

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(E 19m ). T h e hieron of H estia w ith no statue but an altar “and on this they sac­ rifice to H estia”. Is this seem ingly redundant bit o f inform ation added to make clear that the cult remains active? Scholars have disputed whether the site is that of the prytaneion of the city. F o r the prytaneion, Tosi (1966) 1 2 -1 4 , denied by G iangiulio (1982) 9 5 4 -5 5 ; cf. Jam eson (1959) 112. It may be that the city ’s prytaneion no longer functioned as such but that the cult o f the goddess survived. It is also possible that her continuing cult had to do w ith the w orship o f the R om an em per­ ors (cf. Jam eson [1959] 112). (E 19 n, o, p). Paus. 2.35.2: “T here are three temples of A pollo and three statues. O n e has no epithet but the second is Pythaeus and the third is called H orios (o f the B orders). T h ey learned the name Pythaeus from the Argives. F o r Telesilla [the Argive poet o f the V th cent. B .C .] says that Pythaeus, the son of A pollo, came first to the G reeks in their land (A rgos). As fo r w hy they call A p ollo ‘o f the B ord ers,’ I cannot say fo r certain but I surmise that when they had w on a war or a dispute over the borders of their land they decided to honor the god w ith this epithet.” (E 19o ). T h e epithet Pythaeus links H erm ion to the tradition o f a D ryop ian ori­ gin o f settlem ents from Asine dow n to the south coast o f the A rgolic A kte (see A 65e). T h e Asineans o f the SW Peloponnese, descendants of the refugees from the A rgolic A sine, very conscious o f their D ryop ian origins, revived their ties w ith H erm ion in the H period and participated in the city ’s main festival fo r D em eter C h thonia (IG IV.679). Pausanias, however, here gives an Argive version w hich gives Argos priority in this cult in place o f the defeated and expelled Asineans. It is conceivable that when H alieis was abandoned ca. 300 B .C . som e o f the inhabitants moved to H erm ion and maintained their cult o f A pollo Pythaeus in their new hom e, unless they reinforced an existing cult. (E 19p ). Pausanias’s conjecture on the origin o f the epithet H orio s is reasonable and is inform ed by his know ledge o f the arbitration inscription concerning land on the borders betw een Epidauros and Flerm ion. We do not hear o f the oracle at D elphi being consulted in this connection and it is n ot evident w hy A p ollo should be the god so honored. Perhaps there was a dispute that involved a sanctuary of A p ollo. It is quite likely that, as today, the people o f D idym oi were interested in the good land in the Bedheni Valley to the N o f the mountains towards Epidauros. A handsom e A rchaic D o ric capital in the chapel o f Ayios Y ioryios in that valley came from a substantial building. (E 19q ). Paus. 2.35.3: “T he sanctuary of Tyche [Fortune] the H erm ionians say is their m ost recent. In it stands a colossal statue o f Parian m arble.” A colossal statue points to the R om an period, i.e., the tw o centuries preceding Pausanias’s visit. T he goddess was among those represented on coins minted a few years after his visit (Im h o o f-B lu m er and Gardner, 1885: 9 9 -1 0 0 ). H er cult may be connected with that o f the R om an em perors (cf. Jam eson [1959] 112). (E 1 9 r). Eileithyia. As he leaves the tow n Pausanias writes (2.3511): “B y the gate through w hich runs the direct road to Mases there is a shrine o f E ileithyia [the goddess o f childbirth] within the city walls. Every day they propitiate her lavishly

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with sacrifice and incense and a great many dedications are made to the goddess. T h e statue can only be seen by the priestesses.” There are several inscriptions of the R om an period referring to her priestesses (/G IV.699; S E G X V I I .162-63; Jam eson [1959J 109—11). The location o f this gate is fairly certain but the house which is sitting on those countless dedications has yet to be identified. It has been suggested that Eileithyia is near the gates because o f the pollution o f chidbirth. If that were the case one would expect her to be outside the city walls. T h e sym bol­ ism o f a place o f entry is a m ore likely explanation. T h e follow ing are certainly or probably outside the city-w alls: (G 102) H ekate. A lthough a boundary m arker fo r “T h e Street of H ek ate” was found near a church in the Iliokastro plain, we have suggested that it came from H erm ion, and very likely from the vicinity o f the large necropolis along the road to H alieis, Mases and E ile o i. E 19s. Paus. 2 .3 4 .4 -1 0 . “T h e m ost rem arkable sanctuary is that o f D em eter on P ro n .” T h e periegete supplies a detailed account o f the sanctuary o f D em eter C hthonia (probably ju st C hthonia up to the Classical period), the festival and the ritual, w hich can be supplemented by literary references, dedications, and other inscriptions. H ere we restrict ourselves to noting that on the basic fram ew ork of an agrarian cult celebrated near harvest time in sum mer has been built a city -cu lt of regional and even pan-H ellenic renow n. Rem ains of substantial and handsom e walls on the upper slopes o f P ron, outside the line o f the city-w alls, are reasonably if not irrefutably identified w ith the sanctuary (cf. y4G C 5 9 2 -9 3 ). A ccording to Pausanias, there was a main temple in w hich the slaughter of four cow s by four old wom en to ok place. It contained statues “not very ancient” o f Athena and D e ­ meter, and a secret ob ject know n only to the old women. O utside were som e statues o f priestesses. A second tem ple, “with statues standing all around it”, across from C h th on ia’s temple, was dedicated to K lym enos, “king under the earth”, know n elsewhere as Hades, Plouton, Zeus C h thonios, etc. Alongside this is a third tem ple, o f Ares (w ith the epithet Enoialios in an inscription, IG IV. 772, Severan in date). Pausanias also m entions a stoa called the E ch o Stoa and three places, surrounded by curbs o f stone, called “ K ly m enos’s, P lou ton ’s and the A cherousian L a k e.” In the first is a hole in the earth through which H erakles brought up the hound of Hades. T here are references elsewhere to this direct route to the underworld. It would not be surprising in lim estone country fo r there to have been caves or sinkholes around w hich this large com plex was built. (E 19t). H era Telia (= Teleia) is attested in a dedication o f ca. I s.a./I s.p., with Zeus Tel(e)ios? (cf. IG V II.3 2 1 7 ) or possibly H era Parthenos (Stephanus of B y zantion, s.v. 'Epjiitov). Pausanias (2.36.2) places H era ’s sanctuary on Pron but the Hellenistic A ristokles, w ho wrote a treatise Jtepi Tcöv 'Ep.utovqg tepc7)v (F G rH ist 33 F3), has it on M t. K okkygion , to the W o f the town. This sizable b lock, found m the basilica, seems m ore likely to have com e from the nearer hill, the Pron. Three cults know n from inscriptions but not located are likely to have been first established no earlier than late Classical or Llellenistic times: (E l9 u ). A sklepios Soter (S E G X V II.1 6 5 ).

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(E 19v ). Zeus w ith the epithet Asklepios (IG IV .692), jo in tly w ith D em eter C h thonia and probably located in her large sanctuary (E 19u ). (E 19w ). T h e M oth er o f the G ods, alongside of whose sekoi an altar to Plelios the King was dedicated (Jam eson [1959] 115; S E G X V II. 164). (E 19x ). H erm es. Coinage o f the late Und s.p. adds this cult, as well as confirm ­ ing Poseidon, A phrodite, Tyche and D em eter, who also appears on C coinage. (Im h o o f-B lu m er and G ardener 1885: 9 9 -1 0 0 ). To the 24 cults o f fam iliar G reek deities w ithin the tow n in the II s.p. must be added the w orship of the R om an em perors (no H ellenistic king is know n to have gained that privilege). A hopelessly fragm entary I s.p. inscription is on such a grand scale that, w ith no evident reference to D em eter, it must surely be directed to R om a or to an emperor. A series o f imperial dedications o f later date includes Trajan, H adrian, the daughters of M arcus Aurelius, Ju lia D om na, Caracalla, G eta, Severus A lexander and one other unidentifiable Severan (I G IV .7 0 1 -8 ; S E G X I.3 8 1 b and 381c). In the third century the city honored the em peror Aurelian (2 7 0 -7 5 p., IG IV.709). It is possible that the cults o f H estia (E 19k ) and Tyche (E 19q ), noted above, were connected w ith the imperial cult as Vesta and Fortuna. Pausanias (2.36.2) identified a hill W o f H erm ion as M t. K o k ky g ion (also know n as T h o rn ax), where Zeus turned into a cu ck oo in order to mate w ith H era. T h e prom inent hill 1.80 km. W N W o f E rm ioni, separated from P ron by a gap through w hich passes the road to H alieis, is undoubtedly K o kkygion, w ith tw o cult sites, E 32 and E 33. Pausanias assigns a sanctuary o f H era to Pron and of Zeus to K o kkyg ion but A ristokles (FG rH ist 33 P’3) puts her shrine as well on K o k k y x (= K okky gion ). B o th writers may be right if E 1 9 t, H era Teleia (+?), was on Pron and E 32 is then another shrine of H era. E 32. H era? O n the E peak o f K ok ky g ion, under and around the m odern chapel o f Profitis Ilias, female figurine fragm ents and pottery o f C and C -H date. D is ­ covery: Extensive survey. E 3 3 . Zeus, on the W peak of K o k ky g ion , a substantial, roughly rectangular, rubble enclosure within w hich remains o f ash are indications o f a large ash altar. A and C pottery, m ostly kotylai and other open shapes. A M R lamp. D iscovery: Extensive survey (first by Faraklas [1974]). M -L . Z. M unn (1986). (E 101). Pausanias (2.36.2) m entions a ruined temple o f A p ollo w ithout doors, ro of or statue. It is at the fo o t o f K o k ky g ion on the road to Mases fo r those w ho turn aside from the straight road. T h e tw o roads would have follow ed the course of the m odem main road (the straight road) and a parallel route passing through the Pikrodhafni valley. A cult site near its source of water is to be expected but has not been located (a C orinthian colum n capital has been reused at the Pikrodhafni spring). In this valley stands the medieval church o f Ayia Triadha, E 81. E 35? A possible shrine on the N side o f the straight road to Mases (and there­ fore n ot a candidate fo r E 1 0 1 ) may be indicated by remains o f a C orinthian roof tile and a piece o f w orked marble. A few potsherds, at least tw o o f w hich are L R . E 76? In the shallow waters o f P oto k ia Bay, the first bay to the W and S of E r ­ m ioni long lines o f walls are visible from shore and, m ore fully, in balloon p h o to ­

M a p p i n g G r e e k C u lt s

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graphs in which an E-shaped structure and a possible circular area can be detected (A G C 503, Fig. A .32). A sanctuary is one o f the possible explanations fo r the re­ mains. W ater-w orn sherds and rooftiles could date from C -H to E R . In his second-hand account of the sea coast of the H erm ionid, w hich he did not travel him self (cf. A G C , App. D ), Pausanias (2.34.8) reports that on M ouzaki (ancient B ou p orth m os), a prom inent ro ck y headland som e 4 km. S o f H erm ion that juts out towards the island o f D h ok o s (= A peropia), there were sanctuaries of D em eter and her daughter and o f Athena with the epithet Prom achorm a. N o trace o f either sanctuary has been found on the headland whose surface is exposed clearly. (E 102). D em eter and K ore. D em eter sanctuaries in the countryside (cf. C ole [1994]) are likely to be either in the heart o f agricultural land or close to an agri­ cultural com m unity such as that at E 36, a large village w ith a long life (A -L R ), som e 3 km. to the northw est. B ou porthm os as a prom inent landmark may have been used to identify the general area in w hich these shrines lay. (E 103). A thena Prom achorm a, “protecting an anchorage”, presum ably one use­ ful to local inhabitants. This would again not be likely on the headland itself. O rm os K ouverta to the N W o f B ou porthm os seems the m ost obvious candidate with the nearby village at E 36.

Sergei Saprykin Chora and Polis in the Kingdom of Bosporus in the Classical and Hellenistic Periods ' In recent years, regular archaeological excavations in Bosporus have offered an opportunity to examine the spatial developm ent o f the agrarian landscape, as well as the chronology and functioning o f rural settlem ents and country estates. F ield ­ w ork has also provided a deeper insight into the nature o f the econom ic activity of the inhabitants in this region. B efore the m id-1960s, the boundaries o f the agrarian territory o f B osporan cities could only be approxim ated. In light o f intensive ar­ chaeological research and surveys on both the K erch and the Taman peninsulas, scholars have now been able to distinguish levels o f settlem ent and building activ­ ity in the agrarian landscape over time and to separate those regions o f chora be­ longing to the cities from those the kings o f Bosporus. Research results have facili­ tated the establishm ent o f a continuous ch ronology fo r those rural districts linked to w ell-know n historical events within the K ingdom o f Bosporus. T h e data have also served as a basis fo r generating a detailed classification fo r country estates, farms, and fortified sites during the A rchaic, Classical, H ellenistic, and R om an periods. M oreover, a typology o f rural settlem ents1 has brought us closer to the thorny subject o f polis and royal landowning2. Scholars have long maintained, that the division o f agrarian possessions into polis and royal land extends back to the 5tl’ century B C when the G reek cities o f Bosporus were organized in a p o liti­ cal union - symmachia - with the royal dynasty at its head; at first, there were the

L ist o f A b b re v ia tio n s: C I R B - C o rp u s in s crip tio n u m R e g n i B o sp o ra n i K S IA - K r a tk ije s o o b s c h e n ija In s titu ta a rk h e o lo g ii, M o sc o w K S I I M K - K r a tk ije s o o b s c h e n ija In s titu ta isto rii m a te ria l’n o j k u l’tury, M o sc o w M IA - M a te ria ly i issled o v a n ija po a rk h e o lo g ii S S S R , M o s c o w - L e n in g rad

M A IE T - M aterialy po arkheologii, istorii i etnografii Tavrii, Sim feropol R u ssA rk h - R o s s ijs k a ja a rk h e o lo g ija , M o sc o w

V D I - V e stn ik d rev n ej isto rii, M o sc o w 1 A lexander A. M aslennikov , K tip o lo g ii b o s p o rs k ik h p o s e le n ij, in: S o v e tsk a ja A r k h e o lo g ija 2 (1 9 8 9 ) 6 6 - 7 8 ; idem , E llin s k a ja k h o ra na k ra ju O ik u m c n y . S e l’sk a ja te rrito rija e v ro p e jsk o g o B o sp o ra v a n tic h n u ju e p o k h u (M o s c o w 1 998) 1 8 0 -1 8 1 . 2 Anna S. Rusijaeva, Vitalij M. Zubar , B o s p o r K im m e rijs k ij: isto r ija i k u P tu ra (N ik o la e v 1998) 77.

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Se rgei S a p r y k i n

A rchaenactids and from 438 B C onw ard, the Spartocids3. This article intends to exam ine the extent to which this widely held interpretation is valid, given the la­ test archaeological developm ents in the region. D uring the course o f G reek colonization in the 6th century B C , a num ber of H ellenic cities were founded on the shores o f the Strait o f K erch: Panticapaeum, N ym phaeum , Phanagoria, Theod osia, H erm onassa, C epoe, and m ost likely Patraeus as well as som e smaller sites. T hese cities developed independently and sep­ arately over the course o f a century or m ore. O n e com m on feature o f this G reek polis developm ent, however, most certainly included the possession o f certain rural areas. A lthough a clear reconstruction o f the rural landscape o f Bosporus has still proved elusive, certain critical observations can be presented. T h e entire northeastern part o f the K erch peninsula, fo r example, was characterized by socalled “sm all” cities: M yrm ekion, Tyritake, Parthenion, Porthm ion, H erm ision, and C hersonesus o f Z eno, w hich belonged to Panticapaeum ; sites in the sou th­ western part of the peninsula behind Lake Tchurubash belonged to the city of N ym phaeum 4 (Fig. 1 -2 ). It cannot be determ ined to w hich large polis other “sm all” cities belonged. U ndoubtedly, K orokondam a, A chilleion, Tyram ba, Patraeus and probably the Asian K im m erikos were placed on the chora o f the largest cities o f the region - either Phanagoria or H erm onassa - and founded as real G reek colonies directly from the Aegean. To a lesser extent one can also think o f C epoe, since this city bordered Phanagoria and the expansion o f its chora to the west was impeded by Phanagoria’s chora. W hile C epoe could have expanded to the region o f the m odern Phantalovskij peninsula (the ancient Kim m erian Island), its spatial grow th could equally have been controlled by Patraeus, w hich appeared in the third quarter o f the 6 th century B C along the northern coast o f the Taman G u lf5, or by K im m erikos, founded supposedly in the 61*1 century B C 6. G reek authors even m ention another site, Tyram ba, fo r w hich archaeological excavations have established that it was settled not later than the late ö^’-early 5 th century B C and experienced its heyday betw een the 4 th- 3 rci centuries B C 7. T h erefore, the site 3 F o r th e c re a tio n o f th e B o s p o ra n k in g d o m see: Viktor F. G ajdukevich, D a s B o s p o ra n is c h e R e ic h (B e r lin , A m ste rd a m 1 9 7 1 ) 32 ff.; on p o lis and ro y a l land s in th e early p erio d o f B o s p o ­ ran h is to ry see: Irina T. Krouglikova, S e l’sk o e k h o z ia istv o B o s p o ra (M o s c o w 1 9 7 5 ) 160; Maslennikov , E llin s k a ja k h o ra 46. 4 Alexander A. Maslennikov , N e k o to r iv e p ro b le m y ra n n ej isto rii B o s p o rs k o g o go su d arstv a v sv ete n o v e jsh ik h a rk h e o lo g ic h e sk ik h issled o v a n ij v V o s to c h n o m K ry m u (P r o b le m y isto rii, filo lo g ii, k u l’tu ry 3 , M a g n ito g o r s k 1 9 9 6 ) 6 1 —71 \Juri A. Vinogradov , N e k o to r y e d isk u ssio n n y e p ro b le m y g re c h e sk o j k o lo n iz a tz ii B o s p o ra K im m e rijs k o g o , in : V D I 3 (1 9 9 5 ) 1 5 2 -1 6 0 . 5 O n th e e a rly m a teria l fro m P a tra e u s, m o s tly a m p h o ra e fra g m en ts o f th e 6 th- 5 th cen tu ries B C see: Andrej P. A bram ov , A n tic h n ije a m fo ry , in: B o s p o r s k ij S b o r n ik 3 (1 9 9 3 ) 2 0 \Jakov M. Paromov, A r k h e o lo g o -to p o g r a fic h e s k ij plan P a tre ja , in: B o s p o r s k ij S b o rn ik 3 (1 9 9 3 ) 148. 6 A leksej A. Zavoikin, P e rio d iz a tz ija isto rii K im m e rid y , in: D re v n o s ty B o s p o ra 2 (1 9 9 9 ) 1 1 4 -1 2 1 ; idem, K im m e rid a - p o lis na A z ia ts k o m B o s p o re (P ro b le m y is to r ii, filo lo g ii, k u l’tu ry 4 , M a g n ito g o r sk , M o s c o w 1 9 9 7 ) 133 ff. 7 Vladimir D. Blavatskij , A rk h a ic h e s k ij B o s p o r, in: M I A 33 (1 9 5 4 ) 23 ; Anna K. Korovina, T ir a m b a (g o ro d isc h e i n e k r o p o P ). Ito g i a rk h e o lo g ic h e sk ik h ra b o t e k sp ed itz ii G M I I za 1959, 1 9 6 1 -1 9 6 3 i 1 9 6 5 gody, in: S o o b s c h e n ija G M I I 4 (1 9 6 8 ) 5 4 ff.

3

Fig. L R u ra l Territory o f the European Bosporus in the 6lh- 3 nl centuries B C : 1 - chorai of Panticapaeum, N y m phaeum a n d Theodosia; 2 - p ro ba ble chora o f Panticapaeum ; 3 - exca­ vated settlements o f the centuries B C (according to L T. Krouglikova a n d A. A. Mas­ lennikov).

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near the m odern tow n o f Peresyp, traditionally identified with ancient Tyram ba, could hardly have exploited the surrounding lands. U p on closer inspection o f the archaeological map o f the Taman peninsula (Fig.3,/—3), it becom es apparent that from the 6cl’—5 th centuries B C and even throughout antiquity, the site o f A khtanizovskaja 4, dating from the mid 6th cen­ tury B C to the 3 rd century A D , occupied the furtherm ost geographical point w ithin the developed territory east-northeast o f C epoe8. T h e site was linked to Phanagoria by a road, which can only serve to highlight the influence the city ex­ erted in organizing the settlem ent and arranging the w hole surrounding district,

8 Ja k o v M. Paromov, A k h ta n iz o v s k a ja “ b a ta r e jk a ” (u k re p le n n o e p o se le n ije na T a m a n sk o in p o lu o stro v e ), in: B o s p o r s k ij S b o rn ik 4 (1 9 9 4 ) 1 7 5 - 1 7 7 ; idem , O s n o v n ije etap y o sv o e n ija T a m a n sk o g o p o lu o stro v a v a n tic h n u ju e p o c h u . D is s. (S a in t-P e te r s b u rg 1 9 9 8 ) 4 - 7 .

C h o r a and Polis in th e K i n g d o m o f B o s p o r u s

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Fig. 3. Territory of the Asian Bosporus in D ifferen t Periods o f D evelopm ent (according to J. A4. Paromov a n d V. D. K u zn eco v ): 1 - agrarian sites o f the Taman peninsula befo re the Rom an p eiio d ; 2 —choral o f the G reek cities at Taman m the 6-'-; century B C ; 3 —chorai o f the G reek cities at Taman in the late 6 th till the early 5 th century B C .

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an area situated not far from C epoe9. It is significant that Pseudo-Scylax lists the H ellenic cities Phanagoria, C epoe, the Sindian H arbour, Patus (Patraeus or Batae) in the cou ntry o f the Sindians - Sindica (P s.-Scylax 70). A lthough the inform ation provided by P seudo-Scylax is dated to the 4 th century B C , som e of his evidence has been dated even as early as the 6 cl1 century B C 10. A reference to Patus (= P at­ raeus ?) along with Phanagoria and C epoe (perhaps even H erm onassa, if one does not regard the latter as a textual intrusion) presupposes the independent fu nction­ ing o f Patraeus until at least the second or third quarter o f the 4th c. B C , when the Sindian H arbour, referred to by Pseudo-Scylax, was re-nam ed G orgippia. In the last decade o f the 5 111 century B C , C epoe belonged to the Spartocids (A ischin. A p .C tes. 3; Schol. ad D em osth. V III, p. 18 D ind.), while Phanagoria, w hich re­ tained its ow n polis coin mint until 389 B C , had not yet fallen under their co n ­ tro l1*. Thu s, the evidence supplied by Pseudo-Scylax should reflect the period p rior to the subm ission o f Phanagoria, Patraeus, and the Sindian H arb or to the Spartocids and show s that the periplous deals w ith the time before the early 4th century B C . In this passage, C epoe is dealt w ith separately, w hich would signal a tim e when C epoe was independent o f B osporus, i.e. betw een the 6th - late 5 tl1 cen­ tury B C , or had already been incorporated into this kingdom , i.e. betw een the end of the 5th - beginning o f the 4 ^ ’ century B C . I f this was the case, Phanagoria, C epoe, Patraeus and presum ably Pierm onassa must have had their own rural te r­ ritories at least as early as the A rchaic and E arly Classical periods (6 ^ -5 ^ cen­ turies B C ). W hen Spartocus I came to pow er in 438 B C or at the latest under his successor Satyros I, C epoe to ok the side o f the new dynasty; Phanagoria, H erm onassa, and Patraeus possibly still supported the adherents o f the form er ruling fam ily - the Archaeanactids. T h ey did not im m ediately hurry to jo in the symmachia o f the B osporan cities o f the European side (except T heod osia), w hich had becom e the basis fo r a new regime. A fter having brought T heod osia to subm ission and having achieved a victory over H eraclea P ontica at the beginning o f the 4 th century B C , Leu con I initiated what would becom e a period o f broad territorial expansion on the Asian side o f B osporus. A lthough Satyros I had laid the basis fo r this expan­ sion, it was his son and successor, Leu con I, w ho succeeded in subjugating Sindica. Phanagoria, H erm onassa, and Patraeus also would align themselves with the new dynasty. T hese actions could have follow ed events associated w ith the aggressive opposition o f the M aeotae and the Sindians against the G reeks. This con flict is

9 Ja k o v M. Paromov , G la v n ije d o ro g i T a m a n sk o g o p o lu o stro v a v a n tic h n o e v re m y a , in: D re v n o s ty B o s p o r a 1 (1 9 9 8 ) 2 1 6 - 2 2 5 . 10 Michail I. Rostovtzev, S k ifija i B o s p o r (L e n in g ra d 1 9 2 5 ) 2 3 - 2 5 : a lth o u g h M . 1. R o s to v tz e v d en ied th e ea rly d a te o f P o n tic periplus’ w itn e sse s, and d ated th em n o t ea rlie r th an th e 4 th c e n tu r y B C , th e y a re n o w c o n fid e n tly d ated to 5 0 8 - 5 0 0 B C (Alexander A. B aschm akoff , L a sy n th e s e des p erip les p o n tiq u e s [P a ris 1 9 4 8 ] 14, 2 2 ). 11 A lexander N. Zograph, A n c ie n t C o in a g e , P .II ( B A R S u p p l. S eries 33 [ I I ] , O x f o r d 1 9 7 7 ) 2 7 4 ; b u t n o w th e a u to n o m o u s m in t o f th e c ity is d ated to 4 1 5 -4 0 0 / 3 9 3 B C (Aleksej A. Zavoikin, O v rem en i a v to n o m n o j tc h e k a n k i F a n a g o rii, in : B o s p o r s k ij S b o rn ik 6 (1 9 9 5 ) 9 0 - 9 2 ) .

C h o r a and P olis in th e K i n g d o m o f B o s p o r u s

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perhaps echoed in a popular Bosporan legend about the M aeotian queen Tyrgatao and the Sindian king Hecataeus (Polyaen. V III 55). T h e queen together with the M aeotian tribe, the Jazam ati, devastated Sindica and the Asian part o f the B o sp o ­ ran kingdom . As a result, the G reek cities, probably in the tim e of Leucon I, united around the Spartocids, who according into a votive inscription from Sem ibratnee G orod ische - ancient Labrita - expanded into the hinterland o f Sindica12. F rom this time onw ard, Phanagoria could have emerged as a focal point o f Spartocid policy in Sindica and included into her chora the small dom ain o f C epoe and Patraeus. These small cities, in turn, were interested in the supervision by Phana­ goria and by the Spartocids due to the increasingly aggressive actions o f local bar­ barian tribes. A ccording to the above-m entioned inscription from Labryta, there were some problem s betw een the Sindians and the local Scythian ruler. A fter the first half of the 4th century B C , the new ly founded polis o f Gorgippia started to arrange its own chora and included into its possessions already existing cities as well as nearby Sind, Sinda or Sindian Flarbour. In any case, during the course o f the 6th early 41'1 centuries B C , Phanagoria, H erm onassa, C epoe, and presum ably Patraeus had their ow n agricultural land on the islands o f Sindica, Phanagora, and K im m eris (the m odern Phantalovskij peninsula). A t som e tim e, C epoe could also have obtained its own agricultural territory; only later it becam e incorporated into the Phanagorian state. In addition, it should be taken into account that after subm it­ ting to the Spartocids, Phanagoria increased its settlem ent activity along the Phan­ talovskij peninsula, while H erm onassa enlarged its chora east and southeast o f the Taman peninsula. If this was the case, then the “sm all” cities on the Asian side, listed above, fulfilled the same function as their counterparts on the European side, namely to help the largest cities develop the surrounding countryside and keep it in the hands o f their polis com m unities. It was n ot by chance, that Asian K im m erikos had been founded by the tyrants o f B osporus not earlier than in the 4tl’ century B C , i.e. it had been colonized anew13 (P s-Scym n. 8 9 6 -8 9 9 ). T h e same scenario probably applied to other “sm all” B osporan towns or tow nlike cities, since the purpose was to strengthen Bosporan influence in the chora and the posi­ tions o f the large G reek cities in that area. T h e resulting pow er base o f the rulers, then, was as m uch o f polis character as tyrannic in origin. T h e prim ary goal o f this policy was to expand the agrarian possessions to enable a m ore suitable use of resources. Thu s, it seems quite correct to consider that the “sm all” tow ns had to be established in the countryside in order to further develop the agricultural land retained by the large B osporan poleis. 12 Tatiana V. Blavatskaja , P o s v e s c h e n ije L e v k o n a I, in : R o s s A r k h 2 (1 9 9 3 ) 3 4 - 4 1 . 13 Zavoikin, K im m e rid a 133 ff.; idem , P e rio d o z a ts ija 1 2 0 ; cf. Viktor G. Zubarev, A z ia tsk ij B o sp o r (T a m a n sk ij p o lu o s tro v ) p o d a n n y m a n tic n o j p ism e n n o j tra d itsii, in: D re v n o s ti B o sp o ra 2 (1 9 9 9 ) 1 2 4 -1 2 6 : h e places K im m e rik o s at th e site o f P e re s y p ’ w h ere T y ra m b a is trad itio n a lly lo c a liz e d , b u t th is seem s to b e d u b io u s (see: Ju r i M. Desiatcbikov, A sia tsk ij K im m erik [D o s tiz h e n ija S o v e tsk o j a rk h e o lo g ii v X I p ja tile tk e , B a k u 1 9 8 5 ] 1 3 1 -1 3 2 : id e n t­ ifies th e to w n w ith th e site o f K u ch u g u ry ).

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Sergei S a p r y k i n

In the Late A rchaic and E arly Classical periods (m id-late 6^ - beginning o f the S1*1 century B C ), m ost o f the rural settlem ents were situated on the Asian side of the Bosporus - 63 alone on the Taman peninsula. U nfortunately, these sites have never been excavated and their dating is established solely on survey evidence. A t that time, sites were built on the banks o f the K uban River, on the coastline, and in the interior. T h ey were all linked w ith Phanagoria and H erm onassa, which sug­ gests inclusion into their ch orai14. T he first settlem ents appeared there already in the m id-third quarter o f the 6 tl' century B C , w hich speaks fo r initial peaceful re­ lations betw een the G reeks and the Sindians, w ho allowed the G reeks to interfere even in the hinterland o f their territo ry 15. A lready at this time, these early sites were linked to Phanagoria by roads, w hich confirm s a certain role o f this city in colonizing the peninsula16 and organizing the chora. B y the end o f the 6 th- early 5th century B C , the num ber o f interior sites on the Taman peninsula increased sig­ nificantly, a developm ent which should be associated w ith the process o f settle­ ment form ation and polis developm ent. In order to keep the neighbouring lands in the hands o f these poleis, several large sites were established on the chora in the late 6th century B C , such as Tyram ba and im posing sites o f agrarian type like G o lubitzkaja 2 and A khtanizovskaja 4 17. T hese sites should be regarded as adm inis­ trative centers o f certain regions within the chora and subject to polis officials. Q uite another pattern can be observed on the opposite side of the Strait of K erch, where only few sites of the period com e into existence (Fig. 1,3 ). In the sec­ ond quarter o f the 6th century B C , the tow n o f M yrm ekion was founded, appar­ ently n ot so m uch as a result o f the so-called “second ary” colonization, but as a reinforcem ent fo r the neighbouring lands belonging to Panticapaeum 18. Included among rural settlem ents o f that time are: G eroevka 1 , Ju zhno-Tchurubashskoe, which belonged to the chora of N ym phaeum (Fig. 2 )19 , T chokrakskij Spring in the Crim ean A zov region, early Porth m ion, Andreevka the Southern, in the vicin­ ity o f Panticapaeum 20, A ivazovskoe, F ron tov oe, Zhuravka, and N ovopokrovka -

14 Ja k o v M.Paromov, M a te ria ly k a rk h e o lo g ii T a m a n sk o g o p o lu o stro v a (P r ic h e r n o m o r je v V I - V vv. d o n .e., T b ilis i 1 9 9 0 ) 122, 123; idem, O c h e r k isto rii a rk h e o lo g o -to p o g ra fic h e s k o g o issled o v a n ija T a m a n s k o g o p o lu o stro v a , in: B o s p o r s k ij S b o rn ik 1 (1 9 9 2 ) 133; idem, O s n o v n ije 6 - 8 ; Andrej P. Abramov, Ja k o v M.Paromov, R a n n e a n tic h n ije p o se le n ija T a m a n sk o g o p o lu o s ­ tro v a , in: B o s p o r s k ij S b o r n ik 2 (1 9 9 3 ) 71 ff. 15 Abramov, Paromov, R a n n e a n tic h n ije 7 1 . 16 Ja k o v M. Paromov, A r k h e o lo g o -to p o g r a fic h e s k ij p lan F a n a g o r ii, in: B o s p o r s k ij S b o r n ik 2 (1 9 9 3 ) 142. 17 Abramov,

Paromov, R a n n e a n tic h n ije 7 1 - 7 3 ; Paromov, O s n o v n ije 7 - 9 . 18 Vinogradov, N e k o to r iy e 1 5 2 -1 6 0 . 19 Vladimir A. Goroncbarovskij, N o v ije d a n n ije d lia iz u c h e n ija b o s p o rs k o j k h o ry v V I—II vv. d o n .e. (D re v n e e P r ic h e r n o m o r ’je , O d e ssa 1 9 9 1 ) 2 3 - 2 4 ; Viktor N. Zinko, N e k o to r iy e ito g i iz u c h e n ija se i’s k o j o k ru g i a n tic h n o g o N im fe ja , in : M A I E T 5 (1 9 9 6 ) 1 6 -1 8 ; idem, K h o ra N im fe ja v V I - I V vv. d o n .e., in: D re v n o s ti B o s p o r a 1 (1 9 9 8 ) 87 ; see also: Irina T. Krouglikova,

S e l’sk a ja te r r ito r ija (A n tic h n ije go su d a rstv a S e v e rn o g o P r ic h e r n o m o r ’ja , M o sc o w 1 9 8 4 ) 72; eadem , S e l’sk o e k h o z ia js tv o 9 2 - 9 4 ; Maslennikov, E llm s k a ja k h o ra 44 . 20 Maslennikov, N e k o to r ije p ro b le m y 6 1 - 7 1 ; idem, E llin s k a ja k h o ra 3 7 - 4 4 ; idem, D re v n ije

C h o r a and Polis in the K i n g d o m o f B o s p o r u s

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in the region o f Theodosia 21. Som e o f these sites appear to be purely H ellenic, such as G eroevka 1, Ju zhno-T churubashskoe, Porth m ion, Andreevka, whereas others were o f mixed H elleno-Scythian character (e.g. Tchokrakskij Spring). Som e o f these sites clearly belonged to the chorai o f Panticapaeum , Theodosia, and N ym phaeum . T h e m ajority o f Classical agrarian settlem ents is concentrated to the north, northeast, and to the west o f Panticapaeum , spreading over the w hole northeastern part o f the K erch peninsula in the area o f the m odern villages Bagerovo, G lazovka, V ojkovo. T h e territory encompassed by these sites form s a roughly rectangular area, bordered by a line betw een Lake o f Tchokrak - Bagerovo-K erch (Panticapaeum )22 (F ig .l, 2). B oth population and site density strongly suggest that this territory was actually the chora o f Panticapaeum by the early 5th century B C . T his observation is strengthened by the fact that m ost o f the abovem entioned sites w ere in ruins by the beginning o f the 5 th century B C and only few were in use again in the second quarter o f the 5 tl1 century B C . Sites located on the K im m erikos-H ill A , Cape Z yk, and the Cape o f Tchokrak, fo r example, came into existence during this period and probably belonged to Panticapaeum , which had enlarged its chora by the 5t!l century B C . In this same period, the rural territory o f N ym phaeum also began to take shape. Its territory spread to the south o f the so-called “Tyritake R am part”, constructed in the 18th century23 along the coastline betw een Lake Tchurubash and Tobechik; to the west, it bordered the G lubokaja Ravine (35 sq.km and about 6 km in diam ­ eter). It is m ore difficult, however, to attribute ow nership o f the A rchaic site of K im m erikos-H ill A , where pottery fragm ents o f the centuries B C have been discovered. T h e same situation applies to the site o f Tchokrakskij Spring, since, as A. A. M aslennikov notes, the Greeks until the first or second third o f the 5th century B C could hardly have established any settlem ents in the Crim ean Azov region west o f Cape Z y k 24. These sites could be Scythian sites or belong to some other tribes which had close ties with the inhabitants o f the Crim ean fo o t­ hills, w hose graves survive in the form o f rough stone boxes w ithin stone circles25. N evertheless, nothing excludes the possibility that these sites could have been the first G reek or H elleno-Scyth ian creations on the chora o f Panticapaeum , whose inhabitants established good, peaceful relations w ith the Scythians under the A rchaeanactids and early Spartocids. M oreover, this enabled them to develop distant greki v K rym skom P riazov’je, in: V D I 2 (1995) 82; Krouglikova, SePskoe khoziaistvo. 5 5 -5 7 , 88-9 0 . 21 Eleonora B. Petrova , G rek i i “ varvary” antichnoj Feod osii i ee okrugi v V I-[I vv. do n.e., in: M A IE T 5 (1996) 146, 147. 2i Krouglikova, Sel’skaja tern to rija 73. 23 Paper given by A A. M aslennikov during a conferen ce in m em ory o f Prof. V. D . Blavatskij (May 1999). 24 Maslennikov, D revnije greki 82. 2? Alexander A. Maslennikov, K am enniye jaschiki V ostoch nogo K rym a (K istorii sel’skogo näsele- nija E v rop ejsko g o B osp o ra v V I-I vv. do n.e.), in: B osp o rsk ij Sb ornik 8 (1995) 61 ff.; ct. idem, E tn icheskaja prinadlezhnost pogrebenij v kam m enykh jaschikakh Vostochnogo Kryma, in: K S IA 145 (1976) 19-22.

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Se rgei S a p r y k i n

regions o f the peninsula, including the A zov coastline. It is surely no coincidence, that on the eastern and western slopes o f O p u k H ill, where the earliest settlem ent - K im m erikos - had been created, pottery sim ilar to that produced by the barbar­ ian tribes has been found26. W hen examined as a w hole, these facts confirm the peaceful contacts betw een the Bosporan G reeks and the resident population after the events o f 480 and 438 B C in Panticapaeum . As a result, a fortified defensive wall at M yrm ekion, w hich had been erected against the Scythian threat during the first third o f the 5 th century B C , lost im portance already in the second third o f the century due to changes in B osp oro-Scy th ian relations and stability in the king­ dom 27. It is equally difficult to gain a clear picture o f the chora o f Theodosia. As a map o f rural sites in the region illustrates (Fig. 1 , 1), during the 6 E^—3 rd centuries B C it could have extended northw est and northeast o f the city up to a distance o f ap­ proxim ately 20 km. The m ost outlying sites appear to have been G ogolevka and Starij K rim to the north-w est and Batal’noe and BataPnoe 2 to the north-east28. In any case, the rural area in the Eastern Crim ea during the 6'h-early 5 1*1 century B C was divided up exclusively between Panticapaeum , N ym phaeum , and Theodosia with their adjacent territories or chorai. T h e rural sites were m ostly established w ithin a coastal zone w hich did not expand far into the peninsula’s interior. This seems to be a feature w hich distinguishes G reek settlem ents o f the Eastern Taurica from sites on the K uban River delta and Taman peninsula, where even in the ear­ liest periods G reeks becam e accustom ed to spread out deep into the hinterland. Indeed, this difference in settlem ent patterns also reflected the situation in the Eastern C rim ea where colonists had to face political and m ilitary pressure of the steppeland population, mainly the Scythians. This was not the case, fo r example, in the colonies o f the Asian Bosporus, w ith their peaceful relations betw een the Elellenes and the Sindians from the very beginning o f the colonizing process. R ecen t archaeological research has perm itted som e clarification concerning this interpretation. It is now obvious that in the 6tll-5 tl'1 centuries B C , the num ber o f local inhabitants in that region was actually not large enough to threaten the G reek colonies w ith their land possessions. N ative steppeland tribes o f the K erch peninsula strongly depended on the royal Scythians29. Thu s, another explanation must be found fo r the absence or paucity o f G reek farms and sites in the hinter­ land of the K erch peninsula and their prim ary concentration near the coastline or in close proxim ity to the city walls. Stephanus o f Byzantium relates that while founding Panticapaeum the son o f Aietus was granted land fo r the future city from Agaetus, king of the Scythians (Step h.B yz. s.v. Panticapaeum ). Based on this 26 Irina T. Krouglikova, K im m erik v svete arkheologicheskikh issledovanij, in: M IA 85 (1 9 5 8 )2 2 6 . 27 Rusijaeva, Zubar, B osp o r K im m erijskij 24; c i.Ju r i A. Vinogradov, M yrm ekij (O ch erk i arkheologii i istorii B ospora, M oscow 1992) 99—119. 28 Petrova, G rek i i “ varvary” 146,147; Krouglikova, Sel’skaja territorija. 74; Evgeni) A. Katijuschin, Feod osija - K affa - K efe (Feod o sija 1998) 2 3 -2 5 . 29 Maslennikov, N ek o to rije problem y 6 1 -7 1 ; idem, K am ennije jaschiki 62.

C h o r a and P o lis in the K i n g d o m o f B o s p o r u s

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legend, which goes back to the great period o f G reek colonization and the time when the M ilesians founded Panticapaeum in the first quarter o f the 6th century B C , it is possible to conclude that the first G reek settlers could obtain land for es­ tablishing the colon y directly from resident Scythian tribes “by a treaty” with their king. This often occurred, fo r example, during the creation o f apoikiai in the B lack Sea region as in the case of H eraclea P ontica30. T h erefore, the am ount of land possessions o f the early colony was limited in accordance with a special agreem ent w ith the natives, and any new acquisition o f territory follow ed either m ilitary action or the conclusion o f a new treaty. B o th approaches imply the ex­ pansion o f the G reeks at the expense o f neighbouring barbarian lands. T his prob­ ably can also be seen as the cause o f certain devastations and disasters suffered by early H ellenic settlem ents on the K erch peninsula in the course o f the 6 th - begin­ ning o f the 5^' century B C . A rchaeologically, these destructions have been traced in the A rchaic layers o f all these sites, and indicate a possible backlash against G reek attempts to enlarge their possessions. Thu s, in this early period, the G reek poleis o f the Eastern Taurica could possess only a small am ount of territory in their vicinity, and these lands are best characterized sim ply as being “adjacent to the cities”. A t the turn o f the first to the second quarter o f the 5th century B C several new “agrarian” tow ns appeared: Chersonesus o f Z eno, Parthenion (reconstructed), Zephirion, H erm ision, H eracleon, and finally - not later than the late 5th century B C - Cytaeum and Acra. All these towns presum ably belonged to the chora o f Panticapaeum 31, w hich had already been enlarged (see above). T h e polis chora of N ym phaeum also expanded in this time; nine new sites were founded, such as Tobechik 3, T obechik 8, Tobechik 9, O g o n ’ki 1 (Fig.2; 4). O ld farms and country estates like G eroevka 1 grew in size and were rebuilt towards the last quarter o f the 5th century B C . M oreover, kurgans o f the Scythian aristocracy appeared in the chora, attesting to its spread to the west. T h e new w estern bord er of the city ’s land possessions follow ed the O rtePskaja Ravine32. Fragm ents o f H ellenic pottery dated to the 51'1 century B C and discovered along the coast o f M aeotis west o f Cape Z y k show that the G reek penetration in that area could represent an enlargement o f the chora o f Panticapaeum resulting from the addition o f new lands, appropriated from the Scythians. T he agricultural territory o f both Panticapaeum and N ym phaeum underw ent a parallel phase of expansion, though N ym phaeum did not acknow ledge the rule o f the Spartocids. It is probably not by accident, that Pseudo-Scylax, when giving a list o f H ellenic 30 Sergej]. Saprykin, H eracleia Pontica and Tauric C hersonesus before R om an D om ination (V S-I centuries B C ) (A m sterdam 1997) 2 7 -3 0 . 31 Maslennikov, N e k o to rije problem y 6 1 -7 1 ; Evgenij A. Molev, B osp o rsk ij gorod K itej, in: A rkheologia 54 (1986) 3 3 -4 6 ; idem, A rkheologicheskije issledovanija K iteja v 1970-1983 gg. (A rkheologicheskije pam iatniki Ju g o-V osto ch n oj Evropy, K ursk 1985) 59. 32 Zinko, K hora 87—89; idem, N ek o to rije itogi 1 3 -1 4 ; idem , Sakral’naja sk u l’ptura s sel’skoj okrugi N im feja (B o sp orsk ij fenom en: grecheskaja kul’tura n a priferii antichnogo m ini, SaintPetersburg 1999) 1 8 8 -1 9 1 ; Nonna L. Grach, N ek rop o l N im feja (Saint-Petersburg 1999) 25.

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I.

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Fig. 4. Plan o f the Site oj O gon’ki on the Chora o f Nymphaeum (according to V. N. Zinko).

C h o r a an d P olis in th e K i n g d o m o f B o s p o r u s

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cities o f the European Bosporus, states that Theod osia, Cytaeum , N ym phaeum , Panticapaeum, and M yrm ekion were situated on the lands o f the Scythians (Ps. Scylax, 68). In the chora o f Panticapaeum, the subjugated tow n o f M yrm ekion suffered a series o f devastations caused by Scythian acts o f aggression toward the end of the first quarter o f the 5th century B C . M any other rural settlem ents were likewise ruined and stopped functioning33. In the second quarter o f the 5 th cen­ tury B C , a destruction layer appears to be separating tw o Stratigraphie layers at Chersonesus o f Z eno, w hich confirm s a change in settlem ent life. E arlier scholars postulated that G eroevka 1 in the chora o f N ym phaeum was destroyed in the early S1'1 century B C . R ecent research, however, has indicated that no traces of fire and ruins at that time prove an abandonm ent phase betw een the second quarter and the end o f the 5th century34. In addition, the discovery o f Scythian kurgans in its necropolis attests to the stability o f mutual relations betw een the Scythians and N ym phaeum . In contrast, Panticapaeum had to enlarge its chora by force, which explains the appearance o f weapons among the burial goods o f the early necrop­ olis on the site35. T h e developm ent o f agrarian territory within the A sian part o f the state con ­ tinued w ith greater intensity than at any previous time. D uring the course o f the 5th century B C , the possessions o f Phanagoria and H erm onassa expanded to the interior. M ost o f the earlier sites continued in use; the num ber o f settlem ents reached a total o f 81 (Fig. 3, /), w hich indicates a steady relationship betw een the inhabitants and the barbarian tribes o f that region. D espite the political changes caused by the rise to pow er o f the Archaeanactids, the cities o f the Asian Bosporus persisted in extending their rural possessions and dealing on good terms with the resident population. U ltim ately, these developm ents mean that during the 5th cen­ tury B C the rural territory o f the kingdom functioned exclusively as polis land. The tense situation on the chora o f Panticapaeum , unlike the relatively peaceful chorai o f N ym phaeum , Phanagoria, H erm onassa and probably Theodosia, can probably be attributed to the new regime o f the Archaeanactids, since their p oliti­ cal base could draw upon the resources o f G reek poleis on the Asian side o f B o s ­ porus, N ym phaeum and Theodosia. This is confirm ed by V. D . B lavatskij’s sup­ position that the dynasty might originate from one o f the cities o f the A sian B o s ­ porus36. In addition, there is evidence that som e refugees from Panticapaeum, supposedly supporters o f the Archaeanactids or opponents o f B osporan central­ ization, lived in Theod osia since 438 B C , at a tim e when the Spartocids had estab­

33 Vinogradov , M yrm ekij 106,107; idem, Issledovanija na zapadnoj okraine M yrm ekija, in: K SIA 204 (1991) 76; Maslennikov, E llinskaja khora 184. 34 Alexander A. Maslennikov, Zenonov K hersones - gorod ok na M eotide (O ch erk i arkheo­ logii i istorii B osp o ra, M o sco w 1992) 1 2 7 -1 2 9 ; Goroncbarovskij, N o v ije dannije 23, 24; cf. Krouglikova, Sel’skoe khoziaistvo 31. 35 Elena G. Kastanajan, G ru ntovije nekropoli bo sporskikh gorodov V I - I V vv. do n.e. i mestnije ikh osobenn osti, in: M IA 69 (1959) 2 6 0 -2 6 3 . 36 Vladimir D. Blavatskij, A rkhaicheskij B ospor, in: M IA 33 (1954) 8 -2 0 ; idem, A ntichnaja arkheologija i istorija (M oscow 1985) 210.

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lished pow er in the capital of Bosporus (A non. Per. 77; Isokr.Trap. X V II.5 )37. T he new regime probably was either unable or unw illing to prolong the terms of treaty with the Scythians regarding land borders. T h is treaty had been concluded in the 6th century B C while founding Panticapaeum. T h e succeeding stage in developing the chora o f Bosporus occurred in con ju n c­ tion w ith the first Spartocids. In approxim ately 405 B C , N ym phaeum fell into the hands o f this dynasty. A t the end of the first quarter of the 4 th century B C or shortly thereafter, the fight to capture Theodosia began, when Satyros I and then Leucon I put pressure on Sindica, after having seized many areas in the Asian B o s ­ porus. All these events had an impact on the chora. D espite the inclusion o f the city of N ym phaeum into the kingdom , the chora of N ym phaeum flourished in the early 4 tl’ century B C . There were 35 sites in the early 4tll/beginning o f the 3 rc1 century B C ; som e of them were enlarged and reconstructed. In the last quarter of the 5th century B C , G eroevka 1 was transform ed into a large building more than 20 m in length, while in the first half o f the 4 th century B C , a fortified country es­ tate was established consisting of a rectangular tow er and what were m ost likely outer fo rtification walls 1 ,4 -1 ,7 m in width, a courtyard, household and habitation structures. T h e site o f O g o n ’ki 1 can also be seen as a country estate with a co u rt­ yard. A system o f sites along the boundaries o f the city's chora was also created, with the sites situated at a distance o f 1—1,5 km from each other. M oreover, not only was there a visual connection, but a system o f land division into land-plots betw een 1 ha and 2 9 ,4 -3 5 ,4 ha in size was created. It shows that every citizen could possess an allotm ent on the chora. Large farms or com plexes o f farm s were centers o f small adm inistrative units on the chora, while m inor country estates or small farm s, like the households o f G eroevka 2 w ith dugouts, could have been subordinate to them (Fig. 2; 4). Earlier erected sites, such as Ju zhno-T churubashskoe, Tchurubash 9, G eroevka 6 and others were still active and continued in use. T his distribution o f sites underscores the fact that the chora o f N ym phaeum was a developed adm inistrative and econom ic unit w ith an assembled infrastructure in­ cluding lands perceived as adjacent to the city. T o a certain extent, the organization of the polis land o f N ym phaeum is rem iniscent o f the polis chorai o f Tauric C h ersonesus and O lb ia 38. B y the 3 7 0 ’s B C , a traditional agrarian structure o f a H ellenic polis, based on country estates and individual farms w ith their surrounding parcels o f land, sub­ je ct adm inistratively and m ilitarily to the com m unity o f citizens, had been created in the B osp oran kingdom . A t the same tim e, the largest poleis like Panticapaeum 37 Dmitrij P. Kallistov, O ch erk i po istorii Severnogo P rich ern o m o r’ja antichnoj epochi (Leningrad 1949) 213; Fedor V. Skelov-Kovedijaev, Isto rija B osp o ra v V I-IV vekakh do n.e. (D rev n ejsh ije gosudarstva na territorii SS SR , M o sco w 1985) 115. 38 Zinko, K hora 8 7 -8 9 ; idem, N ek o to rije itogi 16; idem and Sergej L. Solov’ev, R ask op k i na poselenii G eroevka 2 v 1992 godu, in: B osp o rsk ij Sb orn ik 4 (1994) 1 59-162; Sergej L. S olov’ev, A leksandr M. Butiagin, Zem lianki na khore N im feya, in: R ussA rkh 2 (1998) 138ff; Goroncbarovskij, N o v ije dannije 2 3 -2 4 ; cf. Maslennikov, E llinskaja khora 44; Krouglikova, Sel’skoe khoziastvo 60, 92.

C h o r a an d P olis m th e K i n g d o m o f B o s p o r u s

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enlarged their land dom ains, and the small sites, unfortified villages, and even small farms were incorporated into large fortified units on the chora. T h e whole system o f control over the poleis and their rural territories came under the authority of polis officials subject to the Spartocids as archons o f Bosporus or o f governors appointed by them. T h e elements o f this system can be subdivided as follow s: a) small farm s - oikoi (Pustynnij Bereg), consisting o f isolated stone buildings w ith one to four room s, with or w ithout a courtyard (Fig. 5, 1); b) country estates - residences o f “royal satraps” or governors o f certain regions on the chora (Tchokrak); c) em ponoi or centers o f trade w ith the barbarians o f the interior w hich w ere at the same time “centers o f royal landow ning” (attribution by A. A. M aslennikov), like G eneralskoe the W estern; d) farms w ith land-plots (Andreevka the Southern, B ak lan’ja R o ck , O k tia b r’skoe etc.); e) villages-&o???<« of the native Scythian rural population in the interior o f the K erch peninsula, con ­ sisting o f m ostly unfortified sites such as A k-Tash, Z olotoe-P lateau , Koshara. Farm s like Andreevka the Southern, O k tia b r’skoe, B ak lan ’ja R o ck are thought to have been ow ned by individual property holders and as belonging to the chora o f Panticapaeum ; while the coastal forts and fortified settlem ents (G en eralsk o e the W estern, T chokrak) were associated w ith the royal chora and were im m edi­ ately subject to the Spartocids39. The boundaries o f the chora o f Theodosia can still be traced. In the 4 tl'- 3 rcl cen­ turies B C it covered a territory o f 1 0 -2 0 sq. km. In the coastal zone H ellenic country estates constituted the dom inant buildings; in the villages o f the interior, the native population obviously prevailed (Vinogradnoe, O tvazhn oe, Boevoe, Tam bovka, Vladislavovka, Frontovoe etc.). O th e r sites inhabited by the local population were situated near Starij K rym beyond the R iver o f Tchuruksu. The chora of Theod osia clearly encompassed the territory adjacent to the city, i.e. the real p o lis-ch ora, divided up into land-plots, and the region, which was subject to the city, w ith viM&ges-komai o f the resident population presum ably sem i-depend­ ent on the polis com m unity40. Indeed, this structure m irrors what we know about the polis chora o f Panticapaeum , confirm ing the polis character o f landownership under the first Spartocids. The period from the 4 th to the end o f the first quarter o f the 3rcl century B C was a flourishing period fo r the chorai o f Phanagoria and H erm onassa. A t that time there were 185 sites, tw othirds o f w hich were new ly organized small sites or sep­ arately placed farm s (Fig. 1 -3 ). It was a process o f consolidation o f the chorai

39 Alexander A. M aslennikov , Sel’skaja territorija E vrop ejsko g o B ospora v antichnuyu epochu, D iss.(M oscow 1993) 12-15; idem, E llinskaja khora 66; idem, D revnije greki 82 ff.; on excavations o f d ifferent types o f rural sites in E ast Taurica see: idem, Issledovanija pam iatnikov B osp o rsk o j k hory v K rim skom P riazov’je (A rk heolog ichesk ije issledovanija v K rym u, Sim feropol 1994) 195. See also: idem, O tipologii 72; Krouglikova, Sel’skaja territorija 7 2 -7 6 . 40 Valentina M. Korpusova, P ro naselennja khori antichnoj Feod osii, in: A rkheologia 6 (1972); Petrova, G rek i i “varvary” 147; cf. Krouglikova, Sel’skoe khoziaistvo 2 5 4 ff.; eadem, Razvedki v Staro -K ry m sk o m rajone v 1956 g., in: K S IIM K 74 (1959) 71; Katijuschin, F eodosija 27.

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Sergei S a p r y k i n

Fig. y Plans o f Bosporan Sites o f the Hellenistic Epoch: 1 - Pustynnij Bereg (according to A. A. Maslennikov); 2 - Bijuk-Janyshar (according to E. Katiuschin); 3 - the tholos o f Taman (according to N. /. S okol’skij); 4 - Djem ete (according to E. M. Alexeeva); 5 - Polianka (according to A. A. Maslennikov).

C h o r a and Pol is in the K i n g d o m o f B o s p o r u s

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nearest to Phanagoria and H erm onassa when the islands o f Kim m erios, Phanagora, G o lu b itzk ij, and the G reat Kandaur had been saturated w ith settlem ents and the num ber o f coastal sites as well as the villages-kom ai in the interior greatly in ­ creased41. A fter the foundation o f G orgippia in the first half of the 4 th century B C , the nearest chora began to play an active role, including such sites as D zhem ete, U tash, Su-Psech, K rasnaja Skala, Krasnij Kurgan. Five unfortified rural sites of the 4 t*1 century B C were found, which were com posed o f several separately stand­ ing houses at a distance o f 5 0 -1 0 0 m from each other. T h ey all belonged to citizens o f Gorgippia42. T h e organization o f the Bosporan chora continued fo r the most part with the polis land possessions o f the largest cities serving as a main base as they had done earlier. O n e difference, however, appeared in the 4 th century B C : a large part of rural territory, chiefly in Eastern Taurica, was covered with numerous villages inhabited by the local rural population on the so-called “distant” chora, and was subjected to polis com m unities, at least to that of Panticapaeum, and through them to the supreme power o f the Spartocids as archons o f Bosporus and Theodosia. In this conn ection, the im portant question arises, if it is correct to define the “ro y al” land at B osporus at that time as being a direct possession o f the Spartocid dynasty. Som e scholars in support o f this connection argue that som e agrarian re­ gions in the interior o f the K erch peninsula, in the C rim ean A zov region and to the west o f N ym phaeum , as well as on the Taman peninsula should be attributed to “ro y al” lands43. This opinion is based on three contem porary narrative ac­ counts. T h e first is Isokrates’ “Trapezitikos”, where there is a description o f a cer­ tain Sopeus, one o f Saty ro s’ I favourites, who “was in charge o f a large region and cared fo r all his (Satyros’ I - S.S.) possessions” (Isokr. Trap. 3). It does not, how ­ ever, follow from this speech that Sopeus had p roperty on royal lands: the verbs apxetv and em j,ie^ei00ai, used in the passage fo r characterizing Sopeus’ functions in the kingdom , have the nuance “ to rule”, “to govern”, “to be in charge o f som e­ thing”, but not the meaning o f ow ning som ething or obtaining som ebody else’s property; they also do not mean “to possess” but sim ply “to govern” as official administrative magistrate, responsable for the state o f affairs on a certain territory which was under the rule o f an archon or tyrant - in this particular case an official

41 Paromov, O sn ov n ije 5 -7 ; idem , P rinzipy izuchenija evolutzii sistem y rasselenija na Tamanskom poluostrove v antichnoe i rannesrednevekovoe vrem ya (D revn ije pam iatniki K ubani, K rasnodar 1990) 5 6 -6 9 ; Vladimir D. Kuznecov, L’organisation du territoire du Bosphore asiatique, in: B C H Suppl. 34 (1999) 344. 42 Ekaterina M. A lekseeva , K izucheniju sel’skikh poselcnij vokrug G orgippii (G orgippia I, Krasnodar 1980) 1 3 -5 1 ; eadem , Sel’skaja territorija (A n tich m je gosudarstva Severnogo P richernom or’ja, M o sco w 1984) 90. 43 See, for exam ple, Sbelov-Kovedijaev, Isto rija B osp o ra 159; Maslennikov, E llinskaja khora 6 6 -7 2 ; idem, D rev nije greki 82 ff.; Krouglikova, Sel’skoe k hoziajstvo 160 ;Ju ri V. Gorlov, Juri A. Lopanov, D revnejshaja sistem a m elioratzii na Tam anskom poluostrove, in: V D I 3 (1995) 121 ff.; Rusijaeva, Zubar , B o sp o r K im m erijskij 34: the authors consider the lands to have belonged to “the ty ra n ts”.

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Se rgei Sa p r y k i n

of the supreme ruler Satyros I44. "Qcrre jioXXfjg fiev X©p«S apxetv, a jtd a r |5 be xfjg öuvdiietog ejti(ieX.eio0ai t f jg e k e iv o u means that Satyros I possessed a territory not as a proprietor, but as an official ruler - archon o f Bosporus - , and Sopeus could have been an ordinary governor o f the subjected territory or o f part o f it, re­ gardless o f any polis or royal status of the land. Polis lands also were divided into adm inistrative, econom ic, military, and strategic units under the charge of polis officials - epimeletoi, and there is no reason to think that Sopeus possessed land granted to him as part o f his own property by the Spartocid ruler or that he was governing over land w hich was a property o f the dynasty. It seems m ore probable that he was in charge o f a region in accordance w ith a rule established in the B o s­ poran state under the Spartocids and applied when a m em ber o f the ruling fam ily or a man closely connected with it received a governorship in the Asian part o f the kingdom. T h e second narrative is a well know n story about G y lon , grandfather o f D e ­ m osthenes from his m o ther’s side. F o r handing over N ym phaeum to the tyrants o f B osporus, he received as a gift from Satyros I a tow n by the name o f C epoe (A eschin. Ap C tes. 171) or - as the Scholia to D em osthenes report - obtained from the dynasts o f Pontus “fo r subsistence the so-called C epoe, som e places . . . ” (Schol. ad D em osth. V III p. 18 D ind.). T h e evidence show s a close parallel to Plu t­ arch’s description o f T h em istocles’ political career in the Persian kingdom , where king A rtaxerxes bestow ed on him as a giftsom e cities: Magnesia fo r bread, Lam psacus fo r wine, and M yus for cnpov (Plut. Them . 29.7). M odern scholarship has understood this act as a gift by the king to the A thenian general who was ap­ pointed ruler over Magnesia and the neighbouring cities with their territories. As a special incentive, all the revenues and taxes w hich were going from these cities to the G reat King, were now channeled to support Them istocles and his fam ily45. G y lon could have also been made Satyros’ governor - epimeletes in C epoe and those lands in the close vicinity, probably the city ’s territory (xonoug xivdg), with the task to levy taxes and the right to take a part o f them fo r his ow n needs. U n like P lu tarch’s account, there is no reference w hatsoever to royal land property; thus, G ylon could rule in C epoe under the supervision o f Satyros I, but not as a propri­ etor. T h e tyrant is seen here m ore as a ruler than as an ow ner o f land. This episode, then, can hardly prove the existence o f royal land property in Bosporus in the early 4tl'1 century B C . Indeed, it only show s that at the beginning o f the century, Cepoe may have had its ow n rural territory. A third piece o f evidence can be found in D io d o ru s’ passage on Eum eles’ ruling in Bosporus when he received 1000 hungry refugees from Callatis, which was be­ sieged in 311/310 B C by Lysimachus. H e gave them not only security but also a polis fo r settlem ent and divided up plots o f land fo r them som ewhere on the king­ 44 O n epim eleom ai and epimeletai as official m agistrates see: Pierre Roussel, Les epim eletes aitoliennes ä D elphes, in: B C H 50 (1926) 1 24-134; N. Salomon, L e cleruchie di A tene (Pisa 1997) 159. 45 F o r details see: Joh n L. Marr, D o n ’t Take It Literally: T hem istocles and the C ase o f the Inedible Victuals, in: C Q 44, 2 (1994) 5 3 6 -5 3 9 .

C h o r a and P olis in the K i n g d o m o f B o s p o r u s

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dom ’s territory (D io d .X X 25.1). A lthough this part o f the text is damaged, a special article has been dedicated to this question, where an attem pt was made to show that the Callatians were settled on the K erch peninsula roughly som ewhere near the chora o f N ym phaeum . T h e king’s action reflected the standards of polis land tenure and polis juridical norm s46. D io d o ru s’ rem ark that Eum eles perished while returning from Sindica to his own land (ek y ap xfjg Zivöiicfjg ejtavicbv eiq Tijv OLKeiav: D io d .X X 25.4) is som etim es taken as evidence fo r royal land p rop ­ erty o f the king47. T his passage, however, by no means can be associated with royal landownership, because it merely relates that the king returned from some place in Sindica outside Bosporus into his own kingdom , i.e. within the borders of the B osporan kingdom . Oikeia can mean not only “private holding”, but also “household affairs”, “som ething w hich belongs to one fam ily ” (L S J. s.v.), so it can point to the B osporan kingdom ruled by Eum eles. Ultim ately, none o f these three accounts proves the existence o f royal landow ­ ning in the K ingdom o f Bosporus under the Spartocids. If their pow er had been tyrannic as was the case w ith the Archaeanactids, it consequently did not step ou t­ side the fram ew ork o f polis adm inistration. T h erefore the land brought under Spartocid con trol in the 4 th till the early 3 rd century B C , should be labelled solely as “polis land”. It is also unnecessary to search fo r G y lo n ’s or Sopeus’ possessions either on the K erch peninsula or on the Taman peninsula, since all the land at that time was divided betw een the largest poleis of Bosporus - Panticapaeum , T h eo d o ­ sia, N ym phaeum , Phanagoria, H erm onassa, G orgippia, and C epoe - at some period in the 4 tl1 century B C under Satyros I. T hese can hardly be considered as royal land possessions. K. M . K olobov a accurately stated that cities incorporated into the K ingdom o f Bosporus at first ruled the adjacent territories on their own, and that the B osporan rulers, including Leucon I, at first had no privately owned land. Even when the pow er o f the Spartocids became stronger, the cities o f B o sp o ­ rus kept their rural possessions (see: V D I 4 (1953) 5 6 ff.). This is certainly true for Panticapaeum, since Strabo says that the B osporan tyrants had earlier owned only a small region by the m outh of M aeotis and Panticapaeum up to Theod osia, while the largest part o f the country up to the isthmus and the K arkinit Bay was in the possession o f the Scythian tribe o f the Tauri (Strabo V II 4.5). T h e geographer also mentions Theod osia as a border tow n between the possessions o f the B osporanians and the Tauri. “Furtheron lies a fruitful cou ntry up to Panticapaeum , a capital of Bosporus, built by the m outh o f M aeotis” - concludes Strabo (V II 4. 4). T he first account indicates that the Spartocids (and p robably the Archaeanactids) had control over the land spanning the w hole K erch peninsula from the capital as far as Theodosia, while the second account proves that the chora o f Theodosia was bordering the land o f the Tauri in the west and the cou ntry subm itted to Pantica­ paeum (the B osporians) in the east. This country was possessed by the “ty ran ts”, 46 Sergej J. Saprykin, E um eles’ B o o n to Callatians (Tam anskaya Starina: Saint-Petersburg 2000) 3 7 -3 9 . 47 Maslennikov, E llinskaja khora 46.

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i.e. the rulers o f Panticapaeum . T hu s, we should consider all land from the Strait o f K erch as far as Theodosia as having been controlled by Panticapaeum and its archons, i.e. the tyrants. T h e latter is confirm ed by epigraphic and num ism atic sources. U n til the mid 3 rd century B C , or in the time before Paerisades II ( 2 8 4 - C . 2 4 5 B C ), all the Spartocid dynasts held the title “archon o f Bosporus and T heod osia, king o f Sindians, o f all the M aeotae”, and, in addition, o f the tribes o f the D osch oi, Toretai, Dandarians, and Psessoi, these being enumerated according to a specific order reflecting the different dates o f their subm ission (C IR B p. 8 4 0 - 8 4 3 ) . T h eir official title is meant to underscore the nature o f their pow er as being o f polis type by origin, d istin­ guishing polis land possessions on the K erch and Taman peninsulas subsumed under the term “B o sp o ru s” (e.g.the lands o f Panticapaeum , N ym phaeum , Phana­ goria, H erm onassa, G orgippia) and the term “T h eod osia”, from lands in the Asian part o f the state inhabited by resident tribes w ho recognized the royal auth­ ority o f the Spartocids. Thus, any search for royal lands o f the Spartocids should target the ou term ost periphery o f B osporus, ancient Sindica, and the neighbour­ ing cou ntry not divided up by poleis. A ccordingly, the w hole K erch peninsula and the Taman peninsula should also be regarded as polis lands, while the vast B o sp o ­ ran possessions in the hinterland o f the Crim ean A zov region, densely covered w ith numerous villages, country estates and forts, ought to be seen as the distant chora o f Panticapaeum , w ith Panticapaeum being b oth the largest city in the king­ dom and its capital. This scenario is underscored by the fact that under the Spar­ tocids only Panticapaeum had a right to mint polis coins until the fall o f the d yn ­ asty at the end o f the 2 nd century B C 48. From the second quarter to the middle o f the 3 rd century B C (c. 270 B C ) all settlem ents, villages, and cou ntry estates in the European Bosporus com pletely disappeared, having succum bed presum ably to attacks by the Sarmatians living in the steppe region betw een the Tanais and B orysthenes rivers. As a result, the Scy ­ thian kingdom in Taurica was created, and a series o f offensives against the C r i­ mean G reeks was initiated. T h e resulting disappearance o f villages and unfortified sites on the K erch peninsula and the abandoning o f forts and fortified settlem ents on the Crim ean coast o f M aeotis, signalled that the w hole structure o f the chora had radically changed. N ew fortified settlem ents were erected everywhere, m ostly w ithin the coastal zone of the Crim ean A zov region, reflecting a habitation pat­ tern considerably different from earlier periods. T h ey to ok the form of small forts, and becam e administrative centers o f their respective subordinate areas. Exam ples o f these newly fortified sites include: the large forts o f P orthm ion and Z olotoe the Eastern, w hich undoubtedly dom inated the vast surrounding district, and fortified cou ntry estates or rather large villas, such as K ru toj Bereg and N o vootradnoe. Typical urban villas (villa urbica) also appeared, fo r example a com ­ plex found in the neighbourhood o f ancient M yrm ekion, which belonged to the chora o f Panticapaeum . T h e chora o f N ym phaeum underw ent a reduction in size; 48 Vladilen A. Anochin, M onetnoe delo B osp ora (K iev 1986) 136-144.

C h o r a an d Polis in the K i n g d o m o f B o s p o r u s

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the num ber o f farms and sites seriously dim inished, and only estates such as G eroevka-1, O g o n ’ki, Tchurubashskoe continued to fu nction, but not beyond the late 2 nd century B C 49. A sim ilar developm ent occurred in the chora o f Theodosia. O n the one hand, barbarian and sem i-barbarian villages practically disappeared, and only G reek farms located close to the walls o f the city continued in use. O n the other hand, a system o f new ly fortified sites (e.g. B iju k -Jan y sh ar [Fig. 5,2], K o k lju k, and T ep e-O ba) established to defend the city ’s chora, was created along the boundaries o f the T heodosian chora. Such sites were also to defend the south­ w estern frontier o f the B osporan kingdom 50. F o r example, the forts on the coast o f M aeotis and in the hinterland o f E ast Crim ea could serve to defend the chorai o f Panticapaeum and N ym phaeum in the east; one m ight strongly argue that the so-called U zu nlar rampart, erected around the middle o f the 3 rd century B C , served to protect against the barbarians - the Scythians and the Sarmatians threatening from the west51. In this period, fortified settlem ents were constructed on ro ck y prom ontories along the coast o f the Strait o f K erch; they were surrounded with strong defensive walls and ramparts. T h e interior living space, which encompassed an area of 0 ,5 -2 ha in size, was densely occupied w ith buildings consisting o f one or tw o room s w hich were oblong in shape, often adapted to topographical considerations. T he m ost studied site o f this type is Z oloto e the Eastern. A. A. M aslennikov maintains that sites o f this type could have belonged to royal lands, while smaller sites, like farms or rural estates, existed on lands far from polis centers, sim ilar in type to those termed suburban (e.g. N ovootrad noe, Artesian, M ichailovka). B ut large forts, such as Z oloto e the Eastern, are also know n in M ainland G reece (B oiotia, Thessaly, L okris etc.) and were usually situated along the borders o f the chorai of large poleis fo r defensive purposes52. Ju st as these G reek establishm ents did not belong to royal lands, the latter being absent from Classical Flellas, one could argue that their B osporan analogies o f the 3 rd- 2 nd centuries B C could also refer to polis and not royal lands. As is evident fo r sites such as G eneralskoe the W estern, we can hardly speak o f royal landowning in H ellenistic Bosporus. T h e desig­ 49 Goroncharovskij, N o vije dannije 2 3 -2 4 ; Zinko, N ek o to riy e itogi 16—18; on the changes of the chora on the K erch peninsula since the second half o f the 3™ century B C see: Krougli­ kova, Sel’skoe k hozijastvo 99, 203; Maslennikov, E llinskaja khora 8 9 -1 0 0 . 50 Krouglikova, Sel’skoe khoziaistvo 72; Petrova, G rek i i “varvary” 151. T h e m ost studied settlem ent o f the T heod osian chora is Bijuk-Janyshar, a small fortress, w hich was to defend the city tow ards the west, presum ably against the Scythian threat. It is dated from the mid 3rcl to the late 2 ml centu ry B C : Katijuscbin, Feod osija 4 0 -4 3 . 51 T his idea I ow e to a private com m unication by A . A . M aslennikov resulting from surveys on the ram part; on the Sarm atian threat in Taurica in the 3 rcl century B C see: Ju rij G. Vino­ gradov, K hersonesskij dekret o “ nesenii D io n isa” Io sP E I (ed.2) 343 i vtorzh en ije sarm atov v Skifiju, in: V D I 3 (1997) 1 1 9-124; on the Sarmatian m onum ents in the region close to the Crim ea see: A leksandr V. Simonenko, Sarm aty Tavrii (K iev 1993) 1 0 4-108. 2,2 John M. Fossey, T h e A ncient T opography of Eastern P hokis (A m sterdam 1986) 19-8 2 ; idem, T h e A ncient Topography o f O poun tian L ok ris (A m sterdam 1990) 1 0 7 -1 1 3 ; Hans Lohmann, A griculture and C o u n try L ife in Classical A ttica, in: A griculture in A ncient G reece, Stock holm 1992) 2 9 -5 7 .

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nation o f the Spartocids from the time o f Paerisades III as “ kings” is not decisive, since it sim ply reflects a H ellenistic tradition where tyrants frequently referred to themselves as “kings”, in keeping with the diadochoi o f Alexander the G reat who were proclaim ed “k in g s” in 308 B C . This is attested fo r the tyrants o f H eraclea Pontica, w ho were declared “ kings” in 306 B C during the last years o f D iony siu s’ rule. T h e d istribution o f rural sites on the Asian side o f Bosporus indicates a quite different situation. F ro m the beginning o f the second quarter o f the 3rd to the end o f the first quarter o f the 1st century B C , the largest num ber o f sites ever was docum ented fo r the w hole area o f the Taman peninsula; according to J. M . P ar­ omov, there were 203 sites (3 large, 7 middle, and the rem ainder small in size) (Fig .3 , 1). P ractically the entire Taman peninsula was divided into land plots. T he process o f consolidating the chora along the already existing boundaries, suggests that it was precisely the polis chora of the largest cities o f the region w hich flou r­ ished at this tim e - Phanagoria and H erm onassa. In addition, there w ere sanctu­ aries w ith their associated sacred lands and temples dedicated to A phrodite Apatura. Som e o f these temples were constructed in tholos form (F ig .5, J ) 53. The stability felt by the rural population in the region itself was due to the lack o f any external m ilitary th r e a t, a situation w hich is in strong contrast to the reduction of the polis chora on the European Bosporus in the face o f the im m inent Scythian threat. All the survey and literary evidence strongly suggests that in the course o f the 3rc,- l st centuries B C , land possessions on the European and Asian B osporus could still belong to the large cities and take the form o f polis lands. M oreover, the activity o f the polis m int at Panticapaeum substantiates the idea that m ost o f the lands on the K erch peninsula continued as possessions o f the capital o f Bosporus. As a consequence o f the econom ic crisis in the mid 3rd century B C , however, som e changes in the structure o f the chora had actually taken place. This developm ent involved a m ore rigid control over land possessions by the ruling Spartocid d yn ­ asty, but no significant alterations in the nature o f land-ow ning and the character of lands as polis territory can be seen. A num ber o f large fortified sites, such as Z o lotoe the Eastern and Sem enovka, emerged as types o f m ilitary-econom ic settle­ ments sim ilar in type to the katoikiai, w hich depended d irectly on the authority o f the ruling dynasty. Since, as archons o f Bosporus and Theod osia, the rulers did n ot form a H ellenistic royal house, but were only nom inally called kings54, those 53 O n tem ple com m unities in the A siatic Bosporu s w ith dependent population see: C IR B 976 (y e a s . . . Kal xoi'g neKaxag . . . äjteKaxeaxr|ae xfji S e to i. . . , 151 A D - the tim e of king R hoim etalces); Sergej A. Zhebelev, Severnoe P rich ern o m o r’je (M oscow , Leningrad 1953) 26; Viktor F. G ajdukevich, B osp o rsk o e tsarstvo (M oscow , Leningrad 1949) 363; on the Taman tolos as a tem ple o f A patura see: N ikolaj L S okol’skij, Tam anskij tolos i rezidetsija K hrisaliska (M oscow 1976). 54 Polis character o f the late Spartocids’ pow er is confirm ed by C IR B 75 (c .1 5 0 -1 2 5 B C ), w here Paerisades IV is called dp'/wv kccL ßaaiX euc naipiaäÖ Tjg xoC ßaaiXetog n a ip ia ü ö o u . Spartokos III, son o f Eum eles, was also titled both as archon and king (C IR B 974; 1043), but som etim es he was sim ply characterised as king w ithout addition o f archon (C IR B 19). T he same is valid fo r Paerisades II and Paerisades IV (C IR B 20; 21; 23; 25; 1036 - Paerisades II;

C h o r a an d P olis in th e K i n g d o m o f B o s p o r u s

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fortified sites night belong to the polis com m unity o f Panticapaeum , their inhab­ itants defending the borderland. T h e developm ent o f the land on the chora had its roots in the Classical and H el­ lenistic periods. T h e chronology o f the discovered sites indicates that in terms of the agrarian territory, a polis structure existed from the 6th century B C until the end o f the 2 nd century B C , due to the fact that the A rchaeanactid and the Spartocid regimes were initially tyrannic. This would explain w hy the settlem ent p ro­ cesses in the rural regions during this period reflected the traditional fram ew ork associated w ith developing polis lands. Since the late 2 nd century B C , when B o s­ porus became part o f the H ellenistic kingdom of Pontus tinder M ithridates V I, cardinal changes in land structure to ok place. R ecent surveys in this region were, in fact, able to distinguish polis lands from actual royal land domains subject to the king in accordance w ith H ellenistic modes o f land tenure. Im m ediately upon establishing his pow er over B osporus, M ithridates Eupator began to utilize the benefits derived from the agrarian possessions o f the largest cities, including Panticapaeum , Phanagoria, H erm onassa, G orgippia. A t this time, a traditional polis land structure happened to exist in the K ingdom o f Bosporus, w ith no royal lands. M ithridates, however, needed to acquire natural resources and had no time to create a new system o f land possessions55 in light o f the up­ com ing war w ith R om e. T h is situation is reflected in a cou ntry estate in the vicin­ ity o f M yrm ekion, w hich was in use from the 3 rd until the first quarter o f the 1st century B C , and was part o f the chora o f Panticapaeum. O th e r sim ilar farm s have been discovered nearby, none o f w hich has ever been excavated56. T h e site of Z olotoe the Eastern thrived until the first quarter o f the 1st century B C 57; several urban farm s existed on the chora o f N ym phaeum , but m ost o f them declined in the late 2 nd century B C , and experienced a revival only close to the end o f the 1st century B C 58. R ural farm s are also docum ented on the chora o f G orgippia, such as D jem ete I and II, altogether m ore than structures, m ostly rectangular in form , with tw o room s, a courtyard, and fence. These sites have been dated to the late 3rd till the early 1st century B C 59 (Fig. 5, 4). 1044 - Paerisades IV ). T h is points to the form al royal pow er o f the dynasty, still based on polis traditions o f their tyrannic regim e. C f. the thesis o f Ju rij G . Vinogradov that H ellenism in Bosporus should be dated from the tim e o f M ithridates E u p ator on (Jurij G. Vinogradov, Bospor i ellinizm [Tretij V sesojuzn ij sim posium po problem am ellinisticheskoj k u l’tury na Vostoke, Erevan 1988] 1 6 -1 7 ). 55 Sergej J. Saprykin, A lexander A. Maslennikov, B osp oran C h ora in the R eign o f M ith ri­ dates V I E upator and his Im m ediate Successors. P art I, in: A ncient C ivilization s fro m Scythia to Siberia 3, 1 (1996) 1 -1 5 ; Sergej J.Saprykin, P on tijsk oe tzarstvo (M oscow 1996) 279. 56 Viktor F. G ajdukevich, Z agorodnaja sel’skaja usad’ba ellinisticheskoj epochi v rajone M y rmekija (B o sp orsk ije goroda II, Leningrad 1981) 55,56; Saprykin, Maslennikov, B osporan Chora 1 -1 5 ; Maslennikov, E llinskaja khora 89; Viktor N. Zinko, A ntichn oe sel’koe poselenije bliz M y rm ek ija (A rk heo lo g ija i istorija B osp o ra I II , K erch 1999) 1 3 3-142. 57 Maslennikov, E llinskaja khora 100. ;>s Zinko, N ek o to rije itogi 17. 59 Alekseeva, K izucheniju 2 7 -4 1 ; eadem , Sel’skaja territorija 90; Kuznecov, L’organisation 344.

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It is not until the period o f M ithridatic rule that one can actually speak of royal land possessions in the Kingdom o f B osporus. Betw een the second quarter and the middle o f the 1st century B C , the structure of the B osporan chora radically changed. The am ount o f polis land was seriously reduced by that time, given that the main part of it was incorporated into the royal land domain. T h e num ber of rural sites, farms, and country estates of the preceding period declined. A lthough a small am ount of polis lands continued to exist in som e places, they did not provide M ithridates V I w ith the necessary gains needed fo r waging longtim e wars with R om e, particularly in the 70s-60s B C , when he began to loose his domains in Asia M inor. A new system o f land tenure was needed and new settlem ents of quite another type appeared. These settlem ents consisted m ostly o f forts and fortresses of fully H ellenistic character, inhabited by katoikoi; they spread over the entire agrarian territory, now mainly in royal possession, o f Eastern Taurica, Sindica, and even the South C rim ea (K utlak). T h ey were subject directly to the royal ad­ m inistration. T hese forts helped the new rulers o f B osporus to keep land, local population, and the G reek cities under control. T h e fortified sites were erected m ostly on hilltops and possessed strong defen­ sive walls about 2 -2 ,5 m wide, deep ditches, and high ramparts. T h e forts differed in size betw een 2 0 0 0 -2 4 0 0 sqm and 11 0 -2 0 0 sqm and usually had one, tw o or even four and m ore tow ers, as well as a variable num ber o f room s (even double or single room houses had rather strong defensive walls). Som e of them had hidden passages beneath the walls descending to wells or w ater reservoirs (e.g. Ilourat, Turkm en, K azantyp, A djim ushkaj) - a characteristic feature o f H ellenistic forts in Eastern A natolia, dated securely to the period o f the M ithridatids or even earlier. Practically all fortresses had a citadel form ing the main part o f the site, another feature characteristic o f M ithridatic forts in P ontic Cappadocia and Paphlagonia60. Scholars have long since rightly interpreted such fortified settlem ents as having a m ilitary-econom ic character, i.e. o f the katoikia-type. T h eir construction echoed a change o f policy set in m otion by King M ithridates V I since 80 B C , when he shifted from philhellenism to enforcing the position o f the g e basilike. H is forts were designed to resist the autonom y of the G reek cities. These cities had experienced grow ing constraints on their independence, after having show n disloyalty to the king during the last years o f the first war w ith R om e. Two cat­ egories o f land existed now - polis and royal - w ith a considerable enlargement o f the latter at the expense o f the first. Since this time, all forts on rural territory of the B osporan kingdom and som e citadels in the cities were built under the strong 60 O n underground stairw ays leading to w ater springs in A sia M in or as elements o f M ith ri­ datic fortification see: H elm ut v. Gall , Zu den kleinasiatischen Treppentunneln, in: A rchaeologischer A nzeiger 82 (1967) 5 0 4 -5 0 9 ; Joachim Biller, Eckart Olsbausen, N o tizen zur historischen G eographie von Pontos (Studien zur R eligion und K ultu r Kleinasiens I, Leiden 1978) 1 6 8 -1 7 7 ; T. Sinclair, Eastern Turkey: an A rch itectu ral and A rchaeological Survey II (L ond on 1989) 2 9 6 -3 5 8 . O n citadels in Eastern A natolia: Eckai't Olsbausen, Joachim Biller, H istorisch-geographische A spekte der G esch ichte des Politisch en und A rm enischen Reiches I (W iesbaden 1984) 1 6 -1 8 , 5 7 -5 9 .

C h o r a and Polis in the K i n g d o m o f B o s p o r u s

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2 tig. 6. The Kingdom o f Bosporus and Settlements o f its Chora during the Time o f Mithridates tu p at or and his Im m ediate Successors: I - military-economic settlements on royal lands; 2 the site o f N ovootradnoe from the 1st century B C till the 4,!l century AD (according to I. T. Krouglikova).

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Se rgei S a p r y k i n

influence o f H ellenistic architecture, borrow ed from Asia M inor, particularly from the royal domains o f the P on tic kings in Eastern A natolia. A n other type o f m ilitary-econom ic settlem ent, found m ostly in the Eastern Crim ea, consisted o f large sites w ith an orthogonal layout, bearing som e stru c­ tural affinity w ith the earlier Bosporan forts o f the 3rcl- l st centuries B C . T h ey o c­ cupied a position usually at the fo ot o f hills, defended by the natural landscape and fortifications (tow ers and walls) on top o f the m ountain ridges. Som e o f these sites, in addition, had their own fortifications and should be divided into 2 or 3 groups according to the plan o f their central section. T h e largest o f these fortified settlem ents included an area o f 1 ,5 -2 ha and usually had a shrine in close proxim ­ ity (G eneral’skoe the Eastern, Polyanka etc. - Fig. 5, 5). A fter the death o f M ithridates Eupator, his successors continued the same p o­ licy o f creating royal strongholds on the ge basilike. Pharnaces II, Asander, and A spourgos com pleted the creation o f royal forts - katoikiai - under direct super­ vision o f the kings. T h ey regarded this as an instrum ent against the separatist m oods o f the G reek cities. Kings Asander, D ynam is, and Aspourgos maintained a balance o f pow er by supporting the autonom y o f G reek poleis up to a certain de­ gree, while at the same tim e strengthening the katoikiai on royal lands and making them the basis o f their rule. Such policy helped to bolster the Bosporan econom y; it enabled the kings to oppose local tribes along the borders o f their lands and led to a stronger dependence o f the cities on royal adm inistration. Ju st as royal forts and fortresses on royal lands around the cities (Fig. 6, 1 -2 ) served to protect against the barbarian threat, an increasing num ber o f resident tribes fell under the direct control o f the kings. T h e system o f land relations with royal landowning at its base functioned successfully w ith only slight m odifications until Late A n ­ tiquity, thus preserving H ellenistic traditions in Bosporus for a long period o f time.

U lf Hailer, Ay sun §anli Gehöfte und kleine ländliche Siedlungen auf dem Gebiet von Kyaneai G eh öfte Das im H interland des südtürkischen K üstenortes Ka§ auf fast 1000 m ü N N auf­ steigende Bergland von Yavu bietet insbesondere für die Erforschung der Sied­ lungsweise in Einzelgehöften wünschensw erte Rahm enbedingungen1. Zum einen hat sich in der R egion das antike G ehöftenetz einschließlich der zugehörigen W irtschaftsstrukturen (vor allem Terrassen, Viehgehege, P reß- und M ahlanlagen, Zisternen) aufgrund einer nur spärlichen nachantiken bzw. nachbyzantinischen Siedlungstätigkeit in weiten Teilen erhalten2. Zum zweiten fallen die geographi­ schen Ränder des Yavu-Berglandes über weite Strecken mit den Territorium s­ grenzen der zentrallykischen Polis Kyaneai zusam m en3. M ithin können sämtliche Befunde zur Siedlungsweise in Einzelgehöften in einen historisch-geographischen Bezugsrahm en gestellt werden. D a sich die Gesam tausdehnung des Territorium s relativ genau erm itteln läßt4, besteht G elegenheit, die G esam tzahl der in der C hora der Polis Kyaneai w irtschaftenden Einzelgehöfte einigerm aßen exakt zu erfassen. Zugleich dürften die antiken G ehöfte der R egion einen wohl repräsenta­ tiven Ü b erb lick über das architektonische Spektrum im lykischen G ehöftbau bie­ ten. D enn der allgemeine Erhaltungszustand gestattet in der Regel nicht nur die R ekonstru ktion von Ausdehnung und G rundriß, sondern verm ittelt darüber hin­ aus in vielen Fällen auch eine konkrete Vorstellung von der ursprünglichen bau­ 1 Zur Forschungssituation in der R egio n s. S. 1 ff,

2 N ich t m ehr zu erm itteln ist der A nteil der aus vergänglichen W erkstoffen errichteten B au ­ ten, d .h . vor allem d er H o lzbau der R egion. D ie H o lzarch itek tu r nachahm enden Felsfassa­ den- und H ausgräber bezeugen eindrücklich, daß H o lz als B au- und W erkstoff gerade im vorhellenistischen Lykien von großer Bedeutung war.

Wieviele antike Einzelgehöfte letztendlich im Zuge der Geländebegehungen nicht registriert wurden, ist kaum exakt zu bestimmen; s. Kolb S. 10. 3 Die Polis K yaneai wurde w ohl im m ittleren 4. Jahrhundert v.Chr. nach A uflösung der lykischen D ynastenherrschaften (im Zuge der N iederschlagung des Satrapenaufstandes) ein­ gerichtet, s. oben B eitrag Kolb S. 34. Sehr w ahrscheinlich bildete das Yavu-Bergland schon im 6. und 5. Jahrhundert bzw. in der ersten H älfte des 4. Jahrhunderts v.C hr. in w eiten Teilen eine politisch-adm inistrativ geschlossene Siedlungskam m er; s. Kolb, Thomsen. 4 S. Kolb S. 5.

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U lf H ailer, Aysun §anh

liehen Erscheinung. Insgesam t bilden die im Bergland von Yavu registrierten G e ­ höftanlagen eine für den gesamten M ittelm eerraum singuläre M aterialbasis, die eine Vielzahl von Fragen zur Siedlungsweise in Einzelgehöften und zum antiken G ehöftbau herausfordert. D ie Beschäftigung mit den G ehöften im Bergland von Yavu kann m ithin einen substantiellen Beitrag nicht nur zur antiken Siedlungs­ form .E inzelgehöft', sondern vor allem auch zum Stellenw ert der C h ora in ihrer Fu n ktion als Siedlungs- und W irtschaftsraum leisten: W elchen Stellenw ert nehmen die Einzelgehöfte im Siedlungsgefüge des YavuBerglandes ein? W ann wurden die ersten E inzelgehöfte gebaut? Wie entw ickelt sich der G ehöftbau im historischen Wandel? W ieviele G eh öfte w irtschafteten in der Z eit vor Einrichtung der Polis Kyaneai, d.h. in archaisch-klassischer Zeit, als das Yavu-Bergland nach dynastisch-feudalen Prinzipien beherrscht wurde? Und wie verteilen sich die E inzelgehöfte in dieser Z eit im U m land? Lassen sich nach der K onstituierung der Polis Kyaneai im 4. Jahrhund ert v. Chr. bezüglich der Zahl und Verteilung der E inzelgehöfte Veränderungen feststellen? U nd angesichts des guten Erhaltungszustands vieler G ehöfte: Sind U nterschiede im G ehöftbau zw i­ schen D ynastenzeit und P oliszeit zu erkennen? L äß t das G ehöftm aterial R ü ck ­ schlüsse auf W irtschaftsw eise/Betriebsform en der G ehöfte zu? D o ch bevor die E ntw icklung der Siedlungsweise in Einzelgehöften anhand der gestellten Fragen in freilich nur groben Strichen nachgezeichnet werden soll, sind die K riterien offenzulegen, nach w elchen ein ländlicher Siedlungsplatz im B erg ­ land von Yavu als E inzelgehöft zu kategorisieren ist. D ie Frage erscheint nur auf den ersten B lick überflüssig, hat aber angesichts des sehr disparaten B efund ­ materials durchaus ihre Berechtigung. Z urecht ist näm lich davor gewarnt worden, unkritisch jeden in ländlicher Einzellage aufgefundenen Baurest sogleich als R uine eines antiken Bauernhofs zu identifizieren5. U n d in der Tat registrierten wir auf dem Land eine Vielzahl von einfachen, zum eist nur einräumigen G ebäuden geringer Bauqualität6, die keinerlei Indizien für eine dauerhafte N utzung als B auernhof aufweisen, wenn auch nicht prinzipiell auszuschließen ist, daß manche dieser Einraum gebäude tatsächlich als sehr ärmliche Bauernstellen dienten. W ahr­ scheinlicher ist, daß es sich bei solchen Bauresten in der M ehrzahl um W irt­ schaftsgebäude im w eitesten Sinn handelt7. M ethodisch ist eine Festlegung von ,G eh öftkriterien “ auch deshalb angeraten, weil bislang in der gesamten Region kein konkretes Schriftzeugnis überliefert ist, das explizit die N utzung eines länd­ lichen Siedlungsplatzes als G eh öft bezeugt8. Som it stützt sich die Fun ktionsbe-

5 R. Osborne , in: B. Weih (H rsg .), A griculture in A ncien t G reece (Stock h olm 1992) 2 1 -2 5 ; D isk u ssio nsp rotok o ll ebd. 5 8 -6 1 . 6 E s geht um ca. 5 0 -6 0 Bauten, deren in den m eisten Fällen w ohl nur sockelhoh e A ufm aue­ rung aus einfachem und lose geschichtetem Bruchsteinm auerw erk bestand. 7 D en k bar ist eine N u tzu ng als externe Speicher/Scheune oder auch als nur tem porär ge­ nutzter U nterstand oder G eräteschuppen für die auf den Ä ck ern und Terrassen arbeitende Landbevölkerung. 8 A ngesichts der Selbstverständlichkeit dieser E xistenzform ist mit einer solchen Praxis auch kaum zu rechnen. E in indirektes Schriftzeugnis bilden die G rabin sch riften auf Sarkophagen,

G e h ö f t e u n d kle in e län d lich e Sied lun gen auf d e m G e b i e t v o n K y a n e a i

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Stimmung der im Bergland von Yavu entdeckten ländlichen Siedlungsplätze - ob D orf, Weiler oder G eh öft - ausschließlich auf den O berflächenbefund. Leider steht bis zum jetzigen Z eitpunkt noch kein stratifiziertes, d.h. durch reguläre Ausgrabungen bzw. Sondagen gewonnenes Fundm aterial zur Verfügung, das nicht nur Inform ationen zum Funktionszusam m enhang eines G ehöfts, d.h. bei­ spielsweise über die N utzung einzelner Räum e, sondern vor allem auch abgesi­ cherte H inw eise zum Baudatum bzw. zur N utzungsdauer liefern könnte (s.u.). D ie im O berflächenbefund zu erkennenden archäologischen Indizien, welche eine D eutung als E inzelgehöft unterstützen, treten in der Regel nicht vereinzelt, sondern in Kum ulierung auf. D ie V ielfalt der archäologischen M erkm ale spiegelt gewissermaßen die K om plexität des bäuerlichen Alltags wider. Folgende Befundm erkm ale rechtfertigen die Bestim m ung eines ländlichen Siedlungsbefundes als E inzelgehöft: 1) eine kom plexe G rundrißanordnung, die im Gebäudebestand oder aufgrund einer differenzierten Binnengliederung eine U nterscheidung in K ern- und N eben ­ bauten (W ohnbau, W irtschaftsgebäude, H ofbereich) erkennen läßt und damit das breite Funktionsspektrum einer gegliederten H aushaltsorganisation, wie sie der bäuerliche Alltag erfordert, reflektiert. 2) ein architektonisch aufwendig errichteter Kernbau9 - erkennbar an der im Vergleich zu den N ebenbauten höheren Aufm auerung in S tein 10, an der besseren Bearbeitung der M auerblöcke und der Verwendung konstruktiv-ästhetischer Bauelem ente (z .B . Randschlag, Schm uckbossen). Je repräsentativer ein ländliches Ensem ble gestaltet wurde, desto w ahrscheinlicher ist es, daß es sich um das auf dem Land liegende Lebenszentrum einer G utsbesitzerfam ilie handelte. D er R e ­ präsentationscharakter solcher G ehöftbau ten erschließt sich nicht nur aus einer elaborierten M auergestaltung bzw. Steinbearbeitung, sondern oftm als auch aus besonders aufwendig gestalteten Tü ren , die zudem in vielen Fällen m it ausgeklü­ gelten, nur von innen zu verriegelnden V erschlußvorrichtungen ausgestattet w ur­ den, was m. E. ebenfalls einen klaren A nhaltspunkt für eine nicht nur saisonale W ohnnutzung darstellt; für eine nur zeitweise oder saisonal bew ohnte Anlage oder ein ausschließlich w irtschaftlich genutztes G ebäude erscheint ein solcher Bauaufwand unverhältnismäßig. 3) E inzel- bzw. Fam iliengräber in der N achbarschaft eines ländlichen B aukom ­ plexes. Grabanlagen weisen einen Siedlungsplatz als H eim statt bzw. Lebenszen­ trum einer auf dem Land lebenden Familie/Sippe aus. 4) im K ontext und in der N achbarschaft ländlicher K om plexe befindliche W irt­ schaftsinstallationen. Im Yavu-Bergland sind dies vor allem Zisternen, Preßanladie in unm ittelbarer N ach barsch aft oder in der N ähe von G eh ö ften stehen und deshalb als zugehörige G rablegen für die d ort lebenden Bauernfam ilien zu verstehen sind. 9 S. unten exem plarisch A bb. 8 auf S. 229. 10 I'iir die N ebengebäude wurde bei den m eisten G ehöften ein geringerer Bauaufwand betrieben: D ie A ufm auerung in Stein beschränkt sich auf wenige Schichten (Sockelhöhe), die M auerblöcke besaßen kleinere Form ate und wurden in der Regel w eniger sorgfältig be­ arbeitet.

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U lf Hailer, Aysun §anli

gen, M ahltassen und M ühlsteine, welche den W irtschaftscharakter eines ländli­ chen Ensem bles ebenso bezeugen wie unm ittelbar angeschlossene bzw. im nähe­ ren U m feld liegende Terrassenkom plexe und Viehgehege. Schon der Aufwand, der beispielsw eise bei Anlage und auch Pflege einer aus dem Fels gehauenen Z i­ sterne oder Preßanlage betrieben werden m ußte, sow ie der schiere W ert der land­ w irtschaftlichen Installationen sprechen für den W ohncharakter der benachbarten B au ten 11. 5) O berflächenkeram ik und Ziegelfragm ente im B ereich ländlicher B au k om ­ plexe deuten ebenfalls auf einen ganzjährig auf dem Land lebenden H aushalt hin, insbesondere wenn G efäßfragm ente in größerer Zahl und unterschiedlicher G a t­ tungen (F ein - und Küchenw are) vorliegen. Von entscheidender Bedeutung für die R ek onstru k tio n der antiken Siedlungs­ geschichte des Yavu-Berglandes ist die D atierung der Einzelgehöfte. W ie schon angedeutet, stützt sich die zeitliche Einordnung der G eh öfte, d .h . die Bestim m ung von Baudatum und Nutzungsdauer, ausschließlich auf den O berflächenbefund. - D abei kom m t der Beurteilung der M auergestaltung entscheidende Bedeutung zu. Es hat sich gezeigt, daß die anhand lykischer W ehr- und R epräsentationsbau­ ten erstellte C h ronologie der M auerstile auch für den lykischen G ehöftbau G ü l­ tigkeit b esitzt12. Infolgedessen sind w ir nicht nur in der Lage, archaische und klas­ sische G ehöfte anhand der M auergestaltung13 von hellenistischen und kaiserzeit­ lichen G ehöften klar zu scheiden. Es ist inzw ischen auch gelungen, einige w esent­ liche K ennzeichen des archaischen G ehöftbaus zu isolieren und som it G ehöfte der frühen D ynastenzeit von solchen der späteren zu unterscheiden. Außerdem hat sich in der Zusam m enschau der in der R egion entdeckten hellenistisch-kaiser­ zeitlichen G ehöfte gezeigt, daß sicher in die K aiserzeit zu datierende G ehöftanla­ gen bautechnische Eigenheiten aufweisen können, die bei hellenistischen K o m ­ plexen nicht anzutreffen sin d 14. - Im B ereich eines G ehöfts abgesammelte signifikante O berflächenkeram ik kann ein architektonisch begründetes Baudatum bestätigen, gibt aber in erster L i­ nie A uskunft über bestim m te N utzungsphasen15. 11 Produktionsanlagen wie OHven-/Weinpressen w urden m it w ertvollen, heute nicht m ehr nachw eisbaren H olzvorrichtun gen (Preßbaum , P reßzug) betrieben, w obei außerdem ein ge­ w isser A nteil an M etallteilen vorauszusetzen ist. So lch e Gerätschaften dürften je nach Stan d ­ ort entw eder an O rt und Stelle oder im benachbarten G eh ö ft gelagert w orden sein. 12 D ie K ennzeichen der im vorröm ischen Lykien verw endeten M auertechniken und -Stile wurden von T h . M arksteiner anhand der lykischen B efestigungsarchitektur herausgearbeitet und in eine ch ron ologische A bfolge gestellt: Tb. Marksteiner, D ie befestigte Siedlung von Lim yra (W ien 1994) 119-133; 165-168. 13 A ber auch anhand anderer K riterien wie G ru nd rißd isposition und Standortw ahl (s. u. S. 2 24 f.). 14 D ie für die kaiserzeitlichen G eh ö fte verw endeten M auersteine besitzen in der Regel klei­ nere quaderhafte Form ate, während hellenistische G ehöftm auern in vielen Fällen aus m ittel­ großen B lö ck en mit unregelm äßigem (poiygonaiisierenciem ) U m riß bestehen. Z eitlich noch nicht exakt fixiert ist der Ü bergang von ,echtem ' hellenistischem L äufer-Binder-M auerw erk zu kaiserzeitlichem K leinquaderm auerw erk. 13 Z ur A ussagekraft der O berfläch enkeram ik s. Kolb S. 10-1 2 .

G e h ö f t e un d klei n e länd lich e Sied lu n gen a u f d e m G e b i e t v o n K y a n e a i

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Im N ahbereich bzw. im U m feld von G ehöften liegende E inzel- oder Fam ili­ engräber können ein für die N utzungszeit einzelner G ehöfte w ichtiger A nhalts­ punkt sein - allerdings nur dann, wenn es sich um G rabtypen handelt, die ch ro n o­ logisch sicher eingeordnet werden k ön n en 16. Im Regelfall stützt sich also die D atierung eines G ehöfts auf unterschiedliche A nhaltspunkte, w obei die G ehöftarch itektur - M auergestaltung und G esam tan­ lage - das grundlegende K riterium bildet; steht signifikante O berflächenkeram ik zur Verfügung und/oder wurden zugehörige G räber registriert, besitzen wir zu­ sätzliche D atierungen, die freilich für sich genom m en N utzungsphasen doku­ mentieren, aber nicht unbedingt den Z eitpunkt der Errichtung des betreffenden G e h ö fts17.

G ehöftestatistik (Baudatum ) E pochen/G ehöfttypen A rchaische Z eit (6 .Jh. v. Chr.) K lassische Zeit (5-/4. Jh . v.C hr.) H ellenistische Zeit/ Frühe K aiserzeit M ittlere und späte K aiserzeit Zahl Turmgehöfte/ G ehöfte ohne Turm

Turm gehöfte

G eh ö fte ohne Turm

G esam t

_

10

10

44

88

132

88

104

192

5 137

51 252

56 389 (41 G ehöfte nicht datierbar)

G eh ö fte ohne Turm

G esam t

G ehöftestatistik (G e h öfte gleichzeitig in N utzung) E pochen/G ehöfttypen A rchaische Zeit (6.Jh . v. C hr.) Klassische Zeit (5./4. Jh . v. Chr.) H ellenistische Zeit/ Frühe K aiserzeit M ittlere und späte K aiserzeit

T urm gehöfte

_ 44 97 61

1 0-12 (?) 96 118 93

1 0-12 (?) 140 215 154

16 D ie regionalen G räber und G rab form en w erden von O liver H ülden im R ahm en einer D issertation bearbeitet und geordnet. O b w o h l die .L au fzeiten“ der einzelnen G rabtypen bis­ lang nicht exakt eingegrenzt werden können, steht die A bfolge der G enese der bislang iden­ tifizierten ländlichen G rabform en fest: Tum ulusgräber, gebaute K am m ergräber und H au s­ gräber (zu letzterem erst durch die A rbeiten auf dem Av§ar Tepesi erschlossenen lykischen G rabtyp s. A. Thomsen zit. S. 13 A nm . 24) sow ie aus dem Fels geschlagene H ausgräber und die spätestens ab 400 v. C h r aufkom m enden Felsfassadengräber sind die charakteristischen G rabtypen der D yn astenzeit (6 .-4 . Jahrh un d ert v.C hr.). D ie m it G eh ö ften assoziierten Sar­ kophage sind gemäß den inschriftlich datierten Exem plaren wohl ausschließlich helleni­ stisch-kaiserzeitlichen Datum s. 17 O berflächenkeram ik und E inzelgräber gew innen an D atierungskraft, w enn der E rh al­ tungszustand der Baureste keine E inord nung zuläßt.

216

U lf H aller, Aysurt § a n h

In der im folgenden skizzierten G eschichte der Siedlungsweise in E inzelgehöf­ ten stehen vor allem siedlungsarchäologische G esichtspunkte im Vordergrund: 1. Zahl und Verteilung der G ehöfte in der C h ora; 2. die G ehöftstand orte 3. die K ennzeichen des regionalen G ehöftbaus; 4. Ü berlegungen zur G ehöftw irtschaft. D abei geht es in erster Linie um das statistisch gestützte A ufzeigen regionaler Entw icklungslinien, weniger um eine an dieser Stelle nicht zu leistende detaillierte M aterialvorlage. A uf den rund 100 erforschten Q uadrakilom etern wurden ca. 430 ländliche B au­ kom plexe registriert, die gemäß der oben aufgelisteten K riterien als Einzelgehöfte zu deuten sin d 18. R und 140 E inzelgehöfte sind wohl archaisch-klassischen B au­ datums, wurden also in einer E poche errichtet, als das Yavu-Bergland von feudal­ aristokratischen Strukturen geprägt w ar19. W ie ein B lick auf die Siedlungskarte mit den archaisch-klassischen Siedlungsplätzen zeigt (A bb. 4 auf S. 16 f.), verteilen sich die dynastenzeitlichen G ehöftanlagen (6 .-4 . Jahrhund ert v.C hr.) nicht gleichm ä­ ßig über die Region. V ielm ehr ist eine auffällige K on zen tration um den größten Z entralort des Berglandes, um die D ynastensiedlung auf dem Av§ar Tepesi zu er­ kennen. Im U m land der übrigen, ebenfalls bereits in vorhellenistischer Zeit p ro ­ sperierenden, kleineren Burgsiedlungen von Tüse, K orba, Trysa, H oyran und Kyaneai fehlt eine entsprechend dichte ländliche Besiedlung bzw. ein ebenso dich­ ter G ürtel aus E inzelgehöften20. D ie aus der zentralen geographischen Lage, der Siedlungsgröße und der Q ualität der Bausubstanz erschlossene Bedeutung des Avfar Tepesi als V orort und M achtzentrum in vorhellenistischer Z eit2 1 wird durch das engmaschige G ehöftenetz in seinem U m feld eindrücklich bestätigt. D ie Aufsiedlung des Berglandes, d .h. das A ufkom m en der Siedlungsweise in E inzelgehöften, setzt in archaischer Zeit ein22. Von den 142 vorhellenistischen G ehöften ist nur für 10 bis 12 Anlagen ein archaisches Baudatum nachweisbar, die gemäß der bei sieben K om plexen registrierten O berflächenkeram ik sowie der vergleichbaren Bauw eise der restlichen Anlagen säm tlich im 6. Jahrhundert v.Chr. errichtet w orden sein dürften. Es ist zu verm uten, daß w ir mit den 10 bis 12 archaischen G ehöften nicht den vollständigen vorklassischen G ehöftbestand im bislang erforschten G ebiet erfaßt haben. Sicherlich sind uns im dicht über­ wachsenen G elände manche Anlagen aufgrund ihres allzu rudim entären E rh al­ tungszustandes entgangen23, und es ist vor allem damit zu rechnen, daß eine nicht näher zu bestim m ende Zahl archaischer G eh öfte im Zuge einer späteren

18 D ie G esam tfläche des Forschungsgebiets und Polisgebiets beträgt ca. 136 Q u ad ratk ilo­ meter. 19 S. Thomsen S. 30. 20 N eben den 142 archaisch-klassischen E inzelgehöften w urden im bislang erforschten G ebiet sieben w eiler- oder dorfartige ländliche K leinsiedlungen jen er E p och e entdeckt. D iese werden unten S. 234 im B eitrag von A. §anh besprochen. 21 s. Kolb-Tbom sen S. 3 0 -3 4 . 22 Indizien für eine vorarchaische ländliche Besiedlung gibt es bislang nicht. 23 Zu den Forschungsbedingungen bei den system atischen Begehungen im Yavu-Bergland s. K olb S. 9 f.

G e h ö f t e un d kl ein e länd lich e Si ed lun gen a u f d e m G e b i e t von K y a n e a i

217

Ü berbauung zerstört wurde; dies ist umso wahrscheinlicher, als sich die beim N eubau eines G ehöfts relevanten Standortkriterien in klassischer Z eit nicht än­ derten (s.u .). A ber auch wenn die G ehöftdichte in archaischer Z eit kaum mehr exakt zu rekonstruieren ist, so dürfte die geringe Zahl der Einzelgehöfte eine in der Tat nur spärliche ländliche Besiedlung in archaischer Zeit widerspiegeln. M it Ausnahm e einer südlich von K orba liegenden Anlage sind alle bislang entdeckten archaischen Einzelgehöfte dem näheren und weiteren Um land der D ynastensiedlung auf dem Av§ar Tepesi zuzurechnen24. Sicherlich handelt es sich hierbei um keine zufällige Befundsituation, vielmehr ist der räum liche Bezug der m eisten archaischen E inzelgehöfte zum Av§ar Tepesi ein Zeugnis für dessen schon für das 6. Jahrhund ert v. Chr. vorauszusetzende Zentralortstellung zu w erten25. Es fällt auf, daß alle archaischen G ehöfte auf Berg-/H ügelkuppen oder in Spornlage gebaut wurden, d. h. in exponierten Lagen, die eine K o n trolle des U m felds gestat­ teten und zugleich eine günstige Verteidigungsposition boten; eine besondere R olle spielte bei der Standortw ahl offensichtlich auch die A nbindung an Ü b e r­ landwege, denn alle bislang registrierten archaischen Einzelgehöfte liegen an w ichtigen regionalen Verkehrsw egen. Bem erkensw ert ist außerdem, daß fast alle archaischen Anlagen in Sichtverbindung mit der D ynastensiedlung auf dem Av§ar Tepesi stehen, was m öglicherw eise als Indiz für eine strategische F u n k tio n der ar­ chaischen G eh öfte zu w erten ist. A uch wenn konkrete Zeugnisse fehlen, ist nicht auszuschließen, daß sich die verhältnism äßig wenigen auf dem Land lebenden H ofherren im Interesse des Z entralorts zur K o ntrolle des Landgebiets verpflich­ teten; insbesondere die in G renznähe liegenden H öfe dürften in diesem Zusam ­ menhang eine besondere V erantw ortung getragen haben. O ptisch e und akustische M eldesignale (Feuer/Rauch, Schall) könnten dabei einen im E rnstfall lebensw ich­ tig schnellen Inform ationsfluß zw ischen den G ehöftanlagen und dem Z entralort gesichert haben. Allerdings soll hier keine L anze für einen schon in archaischer Z eit existieren­ den Ring von ,Landfestungen“ gebrochen werden, dessen einziger Z w eck der Schutz der D ynastensiedlung gewesen wäre. F ü r die archaische Z eit fehlen regel­ rechte U m landfestungen m. W. nicht nur im Befundbild des archaischen YavuBerglandes, sondern auch sonst im östlichen M ittelm eerraum . A b er gerade dieser negative Befund spricht für eine D opp elfunktion der archaischen Um landgehöfte, deren B esitzer zwar in erster Linie V iehzucht und A ckerbau betrieben, zugleich aber auch im E igen- und Allgem eininteresse W acht- und K ontrollaufgaben im Vorfeld des Z entralortes erfüllten. D aß die Lebensverhältnisse in archaischer Zeit, als das U m land nur dünn besiedelt war, tatsächlich prekär waren, zeigt sich aber nicht nur in der Verteilung der Standorte, sondern auch an den K ennzeichen des zeitgenössischen G ehöftbaus.

24 Ein G ehö ft wurde nur ca. 150 m von der klassischen Siedlung entfernt gebaut, vier weitere K om plexe liegen ca. 2 - 4 km von der Siedlung entfernt. 25 S. Thomsen S. 3 0 ff.

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U lf Haile?-, Ay sun §anh

Abb. 1: Grundriß eines archaischen G ehöftes südwestlich des Av$ar Tepesi.

Als Beispiel für ein archaisches G ehöft wird im folgenden ein Kom plex aus dem nächsten U m feld des Av§ar Tepesi, genauer: südöstlich des Burgbergs vorge­ stellt, der die charakteristischen Baum erkm ale archaischer G ehöftanlagen vereint (A bb. 1). D as G ehöft wurde auf einer im N ordw esten von hohen Felsen umstan­ denen, niedrigen H ügelkuppe errichtet, die eine S ichtk ontrolle des Um felds er­ laubt. Zugleich bieten die den G eh öftbereich überragenden Felsen einen geeig­ neten W etterschutz, vor allem im W inter, wenn die kalt-feuchten Stürme, aus nordw estlicher R ichtung vom lykischen Taurus kom m end, das Yavu-Bergland er­ fassen. Im G rundriß ist der K om plex am Av§ar Tepesi, wie auch die übrigen archai­ schen G ehöftanlagen, auffällig kom pakt angelegt, w obei die sichelförm ige Füh­ rung der streckenw eise über 2 m starken A ußenm auern des Kernbaus an die aus Karien bekannten C om pound-A nlagen erinnert26. Allerdings ist der Innenbe26 D ie karischen C o m p o u n d -G eh ö fte wurden erstm als zusam m enfassend vorgestellt von W. Radt, Siedlungen und Bauten auf der H albinsel von H alikarnassos (Tü bingen 1970) 145-183. E in e w irtschafts- und sozialgeschichtliche E inord nung der C om pound-A nlagen in Karien und in der M egaris bietet H. Lohmann, in: W. Eder, K.-J. H ölkeskam p, Volk und Verfassung im vorhellenistischen G riechenland. Festsch rift für K arl-W ilhelm W elw ei (Stuttgart 1997) 6 3 -8 8 .

G e h ö f t e u n d klei n e län d lich e Sied lu n g en a u f d e m G e b i e t v o n K y a n e a i

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'ch des lykischen .Com pound* weniger stark reguliert, bei der G eh öftan lag e am Av§ar Tepesi scheint die gebogene M auerführung eine klare Innenaufteilung ver­ hindert zu haben. E ine stärker regulierte G liederung ist im G eh öftbau des Yavugerglandes erst seit dem 5. Jahrhund ert v.Chr. zu beobachten. Da die eher unschem atische und von kurvilinearen M au erstrecken geprägte Bauw eise wohl kennzeichnend für die Frühphase des lykischen G eh ö ftb au s ist, fassen wir mit den im 6. Jahrhund ert v. Chr. errichteten G eh öften w ohl tatsächlich den Beginn der ländlichen Streubesiedlung im Yavu-Bergland. D ie exponierten G eh ö ftstan d o rte so w ie d ie seh r w e h rh afte Bauw eise d er archaischen E in zelg e­ höfte bezeugen dabei unsichere Lebensverhältnisse in der C h ora: V iehdiebe und Raubtiere dürften im Alltag die Llauptgefahr für die Landbevölkerung g ew esen sein. Wie bei den karischen C o m p o u n d -G eh öften orientierte sich auch die B a u ­ weise der mit befestigten G ehegen ausgestatteten archaischen E in zelg eh ö fte im Yavu-Bergland an den Bedürfnissen von V iehzucht und W eidew irtschaft. D aß der in enger N achbarschaft zur D ynastensiedlung errichtete K om plex tatsächlich das L eben szen tru m eines , V iehbauern“ bildete, bezeugt das dem H aupteingang östlich vorgelagerte Tu m ulus-G rab m it dreieckiger G rund form . [n klassischer Z eit - verstärkt w ohl seit der zw eiten H älfte des 5. Jahrhu n d erts und insbesondere im 4. Jahrhund ert v.Chr. - scheint die A ufsiedlung des YavuBerglandes in eine dynam ische Phase getreten zu sein. In diesem Z eitraum wurde die M ehrzahl der vorhellenistischen E inzelgehöfte erbaut, w obei im näheren und weiteren Um feld des Av§ar Tepesi sogar ein regelrechter ,B a u b o o m “ eingesetzt zu haben scheint27. U m den B urgberg ensteht ein G ü rtel von G ehöften beachtlicher Größe und Bauqualität. Vor allem im nördlichen Vorfeld des Av§ar Tepesi wird nur wenige hundert M eter von der D ynastensiedlung entfernt w ohl schon im Ver­ lauf der ersten H älfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. eine R eihe von größeren, reprä­ sentativ gebauten Einzelgehöften errichtet. Ein eindrucksvolles Beispiel für einen solchen (früh-)klassischen G u tsh o f stellt ein ca. 300 m von der A kropolis des Av§ar Tepesi entfernt gelegener K o m p lex dar (Abb. 2), der zu den größten klassischen G ehöftanlagen der R eg ion zählt28. W ie die meisten der im näheren U m land des Av§ar Tepesi gebauten E inzelg ehöfte besitzt auch diese vielräumige Anlage keinen ausgeprägten W ehrcharakter. D ie Anlage ist im G rundriß vergleichsweise offen angelegt, die A ußenm auern wurden nicht besonders verstärkt. D aß der H ofh err dem Verteidigungsaspekt bei der Entscheidung über den Bauplatz tatsächlich keine P rio rität zugestanden hat, zeigt sich auch darin, daß man nicht den unter fortifikatorischen G esichtspu nkten viel besser geeigneten, steil aufragenden N achbarhügel zum G eh öftstan d ort b e­ stimmte, sondern die für defensive Zw ecke untaugliche Lage un m ittelbar o b er­ halb eines Geländesattels an einem gut ausgebauten Weg. D ie hier lebenden Hofherren fühlten sich in der N achbarschaft zur D ynastensiedlung anscheinend

27 S. Kolb , Thomsen m it A bb. 4. Die G esam tausdehnung des bebauten Areals beträgt ca. 40 m x 35 m.

220

U lf H ailer, A y sun §anli

Abb. 2: Grundriß eines (jrüh)klassischen G ehöftes nördlich des Av$ar Tepesi.

relativ sicher; die räum liche N ähe b ot im E rnstfall die M öglichkeit zur schnellen Flucht hinter die M auern des Zentralortes. D er nur wenige M eter unterhalb des G eh öfts aufgeschüttete und m it letzterem architektonisch eng verbundene m onum entale Tum ulus29 bezeugt den R esidenz­ charakter der Anlage, die offensichtlich das Lebenszentrum einer der bedeutend­ sten Fam ilien im Yavu-Bergland des 5. Jahrhunderts v.Chr. bildete. W ohlstand und Rang des H ofherrn beruhten dabei w ohl in großem M aß auf V iehzucht und 29 Sein D u rchm esser beträgt ca. 11 m.

G e h ö f t e un d kl ein e lä nd lich e Si ed lun gen a u f d e m G e b i e t v o n K y a n e a i

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W eidew irtschaft, denn die am stärksten befestigte G ehöftkom ponente ist ein mas­ siv um m auerter H o f, der, wie schon für die archaischen Anlagen verm utet, in erster Linie w ohl der U nterstellung von Kleinvieh (Ziegen, Schafe) diente. D ie aus der W eidew irtschaft resultierenden Produkte (Fleisch, W olle, Käse) wurden sicherlich in der benachbarten D ynastensiedlung verhandelt, wo der zentrale M arkt des Berglandes eingerichtet worden sein dürfte. A ber nicht nur im U m feld des Av§ar Tepesi erhöht sich in klassischer Zeit die Zahl der E inzelgehöfte, sondern überraschenderw eise auch im Südw esten des Yavu-Berglandes (A bb. 4 auf S. 16 f.) - überraschend, weil die hier auf fast 900 m aufsteigende K irandagi-R egion für bäuerliche Betriebe nicht sonderlich geeignet erscheint. D as K irandagi-Bergland bildet in der G eographie des Y avu-Berglan­ des eine abgeschlossene Landschaftskam m er, besitzt teilweise G ebirgscharakter und weist infolgedessen nur relativ wenige und kleinräum ige A ckerebenen auf. D en noch registrierten wir in diesem G ebiet für die klassische Zeit die nach der Av§ar-Tepesi-Region zw eithöchste G ehöftd ich te30. D a die landw irtschaftliche A ttraktivität für die hohe Siedlungsdichte kaum allein ausschlaggebend gewesen sein dürfte, müssen andere M otive eine m aßgebliche R o lle gespielt haben. W ir wissen, daß in hellenistischer Zeit die Südw estgrenze der Polis Kyaneai im B ereich des Kirandagi verlief31, und es ist zum indest w ahrscheinlich, daß bereits in vorhellenistischer Z eit im Bereich des Kirandagi die Interessenssphären angrenzender D ynastenherrschaften kollidierten, näm lich diejenigen des Av§ar Tepesi, von Phellos und von Isinda32. In diesem K on text ist die im Südwesten des Yavu-Berglandes konstatierte große Zahl klassischer G eh öfte vielleicht als Resultat einer gewissermaßen siedlungspolitischen M aßnahm e zu verstehen, w obei aufgrund der räum lichen N ähe wohl vor allem an den Av§ar Tepesi als Initiator zu denken ist. Ziel dieser M aßnahm e könnte die M anifestierung von G ebietsansprüchen in dieser unter strategischen und verkehrsgeographischen Gesichtspunkten w ichtigen G ebirgsregion gewesen sein, und damit letztendlich die Sicherung der Südw estflanke des zum Av§ar Tepesi gehörenden T erritori­ ums33. D aß die K irand agi-R egion in der Tat prekäres G renzland war, bezeugt die de­ fensive Bauw eise vieler der zwischen Kirandagi und Kizilalan Tepesi errichteten vorhellenistischen G ehöfte. Von den insgesamt 25 klassischen Einzelgehöften be­ sitzen allein zehn einen massiven, w ohl als Turmhaus zu rekonstruierenden K ern-

30 Verf., in: Lykische Studien 5 (im D ru ck ) und Lykische Studien 6 (im D ru ck ). 31 M. 'Zimmermann, U ntersuchungen zur historischen Landeskunde von Zentrallykien (Bonn 1992) 8 0 -8 3 . 32 S. Kolb-Thom sen S. 3 0 ff. Ü berlegungen zur politischen G eographie des dynastenzeitli­ chen Yavu-Berglandes stellt A. T ho m sen in seiner S. 13 A nm . 24 zitierten V eröffentlichungen der D ynastensiedlung auf dem Av§ar Tepesi an. 3j Als m oderne A nalogie kann vielleicht die Besetzung der G olanh öh en durch israelische Siedler dienen. A uch dort soll die Präsenz von Farm ern G ebietsansprüche unterm auern, w o ­ bei ebenfalls m it sicherheitspolitischen Sachzw ängen argum entiert wird. War die KirandagiRegion in der lykischen D yn astenzeit ähnlich um stritten?

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U lf H a ile r ; A y su n §anli

A bb. 3: G run driß eines klassischen Turm gehöftes im K iztlalan -G ebiet.

bau34 (Abb. 3). Damit weist die Kirandagi-Region auch die höchste Dichte an Turmgehöften in unserem Forschungsgebiet auf, während beispielsweise im unmittelbaren Umfeld des Av§ar Tepesi nur zwei klassische Turmgehöfte ver­ zeichnet wurden. Wie schon angedeutet, erübrigte sich offensichtlich eine stärkere Befestigung für die in der Nachbarschaft zur Dynastensiedlung liegenden Einzel­ gehöfte. Die unterschiedlichen Grundrißanlagen klassischer Gehöfte vermitteln eine Eindruck von der zeitgenössischen Vielfalt ländlicher Wohn- und Bauformen einer Vielfalt, die im übrigen die Erstellung einer umfassenden Typologie, in der j e d e s der bislang registrierten Einzelgehöfte einer eindeutig definierten Gruppe zugewiesen werden kann, nicht zuläßt. Das ist allerdings bei einer Alltags- und Nutzarchitektur nicht weiter verwunderlich. Zwar folgt die Mehrzahl der G e­ höfte dem Grundmuster ,Kern-/Wohnbau - Nebengebäude/Wirtschaftsgebäude - H of‘. Aber die Anordnung dieser Komponenten war wohl vor allem von der topographischen Situation und den spezifischen Vorgaben des bäuerlichen Alltags abhängig und notwendigerweise entsprechend variabel. Auf jeden Fall bewährt hat sich die Grundunterscheidung in Gehöfte mit Turmhaus und solche ohne Turmhaus, zumal die Turmgehöfte mit Ausnahme einiger Großgehöfte im Umfeld des Av§ar Tepesi in der Regel in besserer Bau­ qualität ausgeführt wurden, d. h. die Unterscheidung scheint zugleich einen unter34 Verf., in: Lykische Studien 5 (2000) 5 9 -7 8 ; 6 (2003) 6 7 -1 0 9 .

G e h ö f t e un d k le in e lä nd lich e Sied lu n gen a u f de m G e b i e t v o n K y a n e a i

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Abb. 4: G run driß des klassischen Turm gehöftes a u f dem K a ie Tepesi.

schiedlichen sozialen Rang der Hofbesitzer zu dokumentieren. Bisweilen scheint man sogar besonders repräsentative Bauformen des Zentralortes in die Chora übernommen zu haben35. Als anschauliches Beispiel kann hierfür das wehrhafte, wohl in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v.Chr. errichtete Turmgehöft auf dem Kaie Tepesi dienen36 (Abb. 4). Den Kernbau der Anlage bildet ein langrecht­ eckiger Turm, wie er in monumentalerer Ausführung seit ungefähr 400 v. Chr. ebenfalls auf lykischen Akropoleis aufkommt. Ein turmartiger Kernbau mit lang­ rechteckigem Grundriß wurde im Yavu-Bergland bei insgesamt vier Gehöftanla­ gen registriert37, die sich sämtlich durch eine repräsentative architektonische E r­ scheinung auszeichnen. Mithin könnte sich in der Übernahme dieser Bauform ein besonders hoher sozialer Rang des Besitzers manifestieren. Daß die klassischen Turmgehöfte in der Tat eine exklusive ländliche Wohnform waren, zeigt auch das Zahlenverhältnis: 44 klassischen Turmgehöften stehen 88 turmlose Bauernhöfe gegenüber. 3:> Th. M arksteiner , in: F. B la ko lm er u .a. (H rsg .), Frem de Zeiten. F estsch rift für Jürgen Borchhardt (W ien 1996) 92 f. (klassisches G eh ö ft mit langrechteckigem Turm grundriß bei Asar O nü auf dem G ebiet von Lim yra). 36 Verf., in: Lykische Studien 4, 2 2 5 -2 4 1 . 37 Eine w eitere A nlage wurde auf dem G ebiet von Lim vra entdeckt, s. M arkstein er (Anm. 35).

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U lf H a ile r, A y sun §anli

A bb. 5: B lick a u f klassisches G eh öft a u f Bergkuppe.

Die bei klassischen Einzelgehöften regelmäßig anzutreffenden topographi­ schen und architektonischen Kennzeichen sind noch einmal zusammenzufassen: Erstens bevorzugte man in der Dynastenzeit Sicherheitslagen, d.h. Standorte auf exponierten Hügelkuppen (Abb. 5) oder in markanten Spornlagen. Die Kontrolle des Vorfeldes und des zugehörigen Wirtschaftslandes sowie eine möglichst geeig­ nete Verteidigungsposition waren die Hauptgründe für die erhöhten Standorte. Dies brachte gelegentlich den Nachteil einer größeren Entfernung von den Acker­ flächen mit sich. Zweitens besitzen vorhellenistische Gehöfte in der Regel einen kompakten Grundriß. Die Außenmauern können eine nahezu geschlossene Befe­ stigungslinie bilden, wobei die Mauerstärke 1 m nur selten unterschreitet, in vielen Fällen sogar deutlich darüber liegt. Drittens besitzen selbst großräumig angelegte Gehöfte oftmals nur einen einzigen Zugang, der zwar durch die Verwendung monolither Blöcke repräsentativ gestaltet sein kann, dessen Durchgangsweite aber in der Regel selten mehr als 1 m beträgt38. Alle topographischen und architektoni­ schen Indizien zusammengenommen, bezeugen eine z. T. ausgeprägte Wehrhaf­ tigkeit klassischer Gehöfte, bilden mithin einen Beleg dafür, daß die Verhältnisse auf dem Land auch in klassischer Zeit noch einigermaßen unsicher waren. Leider geben die bislang registrierten klassischen Baukomplexe keine Antwort auf die Frage, ob bzw. in welchem Verhältnis subsistenz- und/oder marktorien­ 38 E b d . T a f 3 8 .

G e h ö f t e un d kl ein e lä nd lich e Sied lu n gen a u f d e m G e b i e t von K y a n e a i

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tiert produziert wurde. Die hohe Bauqualität vieler Turmgehöfte spiegelt freilich einen beachtlichen Wohlstand der Hofbesitzer wider, der für Uberschußproduk­ tion spricht. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der landwirt­ schaftlichen Palette in klassischer Zeit. Welche Bedeutung hatten beispielsweise Terrassenkulturen wie Oliven und Wein? Bislang ist nämlich noch nicht eindeutig zu beantworten, in welchem Umfang bereits in klassischer Zeit Terrassenwirt­ schaft betrieben wurde. Allerdings kann in diesem Zusammmenhang die Statistik einen Hinweis geben: Im gesamten Umland wurden rund 400 Preßanlagen gefun­ den, wobei 42 Einzelgehöfte unmittelbar mit solchen Einrichtungen verbunden sind. Aber nur fünf dieser Gehöfte sind möglicherweise dynastenzeitlich zu datie­ ren, während das Gros der Gehöfte mit Preßanlagen in hellenistischer Zeit bzw. in der Kaiserzeit gebaut wurde. Dies ist wohl ein Indiz dafür, daß im Yavu-Bergland Oliven-/'Weinproduktion in vorhellenistischer Zeit auf jeden Fall eine unterge­ ordnete Rolle spielte, während Viehzucht und Weidebetrieb einen großen Stellen­ wert besaßen. Dies bezeugen die mit archaischen und klassischen Anlagen verbundenen um­ mauerten Höfe, die in vielen Fällen einen verhältnismäßig großen Flächenanteil im Gehöftgefüge einnehmen und hauptsächlich dem Schutz des eigenen Vieh ge­ dient haben dürften: Ein wohl ins 4. Jahrhundert v.Chr. zu datierendes Gehöft, das am Westrand des Territoriums oberhalb eines ins benachbarte Kasaba-Tal hinabführenden Paßweges errichtet wurde, ist mit einem ca. 20 m x 20 m großen Mauerviereck ausgestattet (Abb. 6)39. Der Innenraum ist mit Felsen bestanden und es haben sich an keiner Stelle Reste von Binnenstrukturen erhalten. Eine Nutzung als Viehgehege, das außerdem in akuter Gefahr auch als befestigte Zuflucht für die Bewohner der benachbarten Gehöfte gedient haben könnte, er­ scheint evident. Wohl ebenfalls mit Weidewirtschaft sind relativ stark ummau­ erte Hofanlagen zu verbinden, die keinen Gebäudebestand oder nur kleine E in­ raumhäuser aufweisen und in Steilhanglage oder auf felsigen Hochflächen er­ richtet wurden. Bei diesen Anlagen handelt es sich wohl um externe Viehgehege, die in einigen Fällen mit einfachen Hirtenunterkünften ausgestattet und nur temporär von mit ihren Herden durchs Bergland ziehenden Hirten genutzt wur­ den40. Der in einigen Fällen bemerkenswerte Bauaufwand mit Mauerstärken über 1,40 m ist sicher ein Reflex des potentiell riskanten Hirtenalltags im lyki­ schen Bergland. Nach Auflösung der Dynastenherrschaften und der Einrichtung der Polis Kyaneai um die Mitte des 4 .Jahrhunderts v.Chr. kommt es auf dem Land zu spürbaren Veränderungen. Dies läßt sich vor allem an der Zahl und Verteilung der bewirtschafteten Einzelgehöfte ablesen. Von hellenistischer Zeit bis in die Kaiserzeit werden rund 190 Gehöfte neu gebaut, darunter 88 Turmgehöfte. Da gemäß der Oberflächenkeramik 10 bis 12 der klassischen Turmgehöfte sowie ■’9 Verf., in: Lykische Studien 5 (2000) 72 f. 40 In der Regel findet sich in externen Viehgehegen nur sehr wenig bzw. überhaupt keine Keram ik.

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U lf H a ile?; A y su n §anlt

A bb. 6: G run driß einer klassischen G eh öftan lag e m it befestigtem V iehgehege am N ordau s­ gang d er A h ath-E ben e.

15 Gehöfte ohne Turm weitergenutzt wurden, steigt die Zahl der bewirtschafteten Einzelgehöfte in diesem Zeitraum auf etwa 215 Anlagen an. O b die Zunahme der Gehöfte linear oder sprunghaft verlief, ist ohne Feinchronologie kaum zu beant­ worten. Das Gehöftenetz wird insgesamt engmaschiger, dabei verteilen sich die Einzel­ gehöfte im Vergleich zur klassischen Epoche gleichmäßiger übers Land (Abb. 5 auf S. 18 f.). Zwar bildet das Umland des Av§ar Tepesi einschließlich der Kirandagi-Region auch nach Auflassung des Dynastenortes einen regionalen Siedlungs­ schwerpunkt. Seit hellenistischer Zeit entwickelt sich nun aber auch im Umfeld der neuen Komenzentren Korba, Trysa und Hoyran eine dichtere ländliche Be­ siedlung; auch im Umland des neuen Poliszentrums Kyaneai steigt die Zahl der Einzelgehöfte merklich an, allerdings insgesamt weniger auffällig als um die K o­ menzentren. Ein besonderes Phänomen ist die Häufung von Turmgehöften im Bereich kleiner Ackerebenen: Beispielsweise werden im Nordwesten des Territo­ riums im Umland von Korba acht Turmgehöfte in z.T. sehr enger Nachbarschaft errichtet, und westlich des Av$ar Tepesi sowie nördlich des Ce§tepe steigt die Zahl der Turmgehöfte gleichfalls an. Diese Teilgebiete öffnen sich sämtlich nach Süd­ osten und sind mit einem unruhigen, aber keineswegs schroffen Oberflächenrelief

G e h ö f t e un d kl ein e länd lich e Sied lu n gen a u f d e m G e b i e t von K y a n e a i

227

ausgestattet, in das kleine Fruchtebenen eingestreut sind. Ein solches Landschafts­ bild bietet für eine gemischte Landwirtschaft vorzügliche Bedingungen: Ackeru n d Terrassenbau sowie - in kleinerem Maßstab als noch in klassischer Zeit Viehwirtschaft dürften Existenz und Wohlstand der Gutsbesitzer gesichert haben. Da die Mehrzahl dieser in enger Nachbarschaft errichteten Turmgehöfte nach dem Keramikbefund wohl zeitgleich in Nutzung standen, wüßte man gerne, auf welche Weise Besitz- und Wirtschaftsgefüge in solchen .Ballungsräumen“ organi­ siert waren. Für die stattliche Zahl agrarischer Siedlungsplätze im N ord- und Südwesten der Region scheint aber auch die verkehrsgeographische Lage innerhalb des YavuBerglandes ausschlaggebend gewesen sein. Die meisten der neu gebauten Gehöfte liegen beiderseits antiker Uberlandwege. Das heißt, ein möglichst bequemer Zugang zu den lokalen und regionalen Absatzmärkten dürfte bei der Wahl des Bauplatzes ein mitentscheidendes Kriterium gewesen sein. D er gewachsene Stel­ lenwert der Landwirtschaft läßt sich aber nicht nur an der größeren Zahl der Ein­ zelgehöfte ablesen. Wie in vorhellenistischer Zeit können auch Topographie und Architektur Aufschlüsse über die Lebensumstände auf dem Land geben. Es ist wohl kein Zufall, daß hellenistische und kaiserzeitliche Gehöfte am Rand der Fruchtebenen gebaut werden. Die Nähe zum eigenen Land und die möglichst zweckmäßige Bewältigung des bäuerlichen Alltags werden offenbar seit helleni­ stischer Zeit zu wesentlichen Standortkriterien; Plätze, die eine natürliche Schutz­ position bilden und in der Dynastenzeit noch bevorzugt ausgewählt worden wären, verlieren an Attraktivität. Davon ist freilich nicht generell abzuleiten, daß dem Aspekt der Wehrhaftigkeit nun überhaupt keine Bedeutung mehr beigemessen wurde. Hier ist zu differenzie­ ren: Während die turmlosen Gehöfte in der Tat weniger kompakt angelegt werden und nur selten die für archaisch-klassische Einzelgehöfte charakteristischen star­ ken Mauern besitzen, sind die hellenistischen Turmhäuser ebenso wehrhaft-solide gebaut wie ihre klassischen Vorläufer; ein klarer Anhalt für den Defensivcharakter der hellenistischen Turmhäuser ist in der Fensterlosigkeit des Erdgeschosses und in der Höherlegung der Turmtür zu erkennen. Allerdings ist die Gesam tanlage hellenistischer Turmgehöfte im Vergleich zu klassischen Anlagen in der Regel we­ niger kompakt (Abb. 7): Die Nebengebäude sind nicht so fest in das Gehöftgefüge eingebunden, und die nach außen gerichteten Gebäude- und Hofmauern, die bei klassischen Turmgehöften oftmals ebenso massiv wie die Mauern des turmartigen Kernbaus gebaut sind, sind bei hellenistischen Gehöften in der Regel weniger massiv; ummauerte Höfe können sogar ganz fehlen. Die gehobene Bauqualität der meisten hellenistischen Turmgehöfte scheint in größerem Maße als bei klassischen Gehöften der Selbstdarstellung der Hofherren gedient zu haben. Dies zeigt sich auch an der Übernahme moderner Bau- und Steinbearbeitungstechniken aus dem griechischen Bereich - beispielsweise werden im Gehöftbau seit hellenistischer Zeit in zunehmendem Maße Quader sowie regelmäßig versetzte Binderblöcke verwendet wodurch man demonstrierte, daß man auch auf dem Land architek­ tonisch auf der H öhe der Zeit war (Abb. 8).

228

U l f H a ile r, A y su n § a n h

A bb. 7: G run driß eines hellenistischen G eh öftes östlich D ivle.

In der Zusammenschau bezeugen die seit spätklassischer/frühhellenistischer Zeit zunehmende Zahl an Einzelgehöften, die regelmäßigere Verteilung der Bau­ ernhöfe in der Chora, die vor allem nach wirtschaftlich-ökonomischen Kriterien ausgewählten Gehöftstandorte sowie die insgesamt weniger fortifikatorisch aus­ geprägte Gesamtanlage der hellenistischen Gehöfte einen offenbar nach Ein­ richtung der Polis einsetzenden Entwicklungssprung im ländlichen Sektor, der offensichtlich auch die ,Agrartechnologie“ einschloß: Oliven- und Weinanbau ge­ winnen im Zuge der Aufsiedlung und wirtschaftlichen Erschließung der Chora zunehmend an Bedeutung. Wie angedeutet, zeigt sich dies vor allem an der helle­ nistischen und kaiserzeitlichen Datierung der meisten mit Preßanlagen verbunde­ nen Gehöfte. Ein weiteres Indiz für die seit dem 4 .Jahrhundert v.Chr. stark gewachsene Bedeutung von Olive und/oder Wein bilden die im Umfeld hellenisti­ scher und kaiserzeitlicher Gehöfte vielfach registrierten Terrassenkomplexe, wie

G e h ö f t e un d k lein e länd lich e Sied lu n gen a u f de m G e b i e t

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U l f H a iler, A y su n §anli

sie bei vorhellenistischen Gehöften nur selten zu finden und dort möglicherweise einer späteren Nutzungsphase zuzuschreiben sind. Mit einer entwickelten marktoder sogar exportorientierten Wein- und Olproduktion ist im Yavu-Bergland erst seit der Einrichtung der Polis Kyaneai zu rechnen Die seit hellenistischer Zeit ansteigende Zahl an Einzelgehöften spiegelt gewiß eine zahlreicher werdende ländliche Bevölkerung wider. Allerdings gestaltet sich eine Berechnung der in Einzelgehöften lebenden Bevölkerung auf Grundlage allein des archäologischen Befundes schwierig. Die Zahl der Bewohner eines Bau­ ernhofs ist nämlich im Einzelfall nur dann zu schätzen, wenn Anzahl und N ut­ zung der einzelnen Gebäude und Räume einer Gehöftanlage bestimmt werden können. Solange dies nicht der Fall ist, sind entsprechende Berechnungsversuche sehr vorsichtig zu bewerten. Zwar ist davon auszugehen, daß in einem vielräumigen Gehöft mit großer Grundfläche mehr Personen wohnten als in einer kleinen Bauernstelle. Aber auch ein kleiner Bauernhof konnte einer durchaus stattlichen Zahl von Bewohnern ausreichend Platz bieten, wie das Beispiel eines nördlich von Tüse liegenden hellenistisch-kaiserzeitlichen Gehöfts zeigt. Die Anlage setzt sich aus einem einräumigen Gebäude mit einer Nettonutzfläche von ca. 20 Quadrat­ metern und einem ca 10 m x 8 m großen FI of mit einem eingebauten kleinen Raum. Ein nur wenige Meter von dem Gehöft aufgestellter kaiserzeitlicher Sarko­ phag nennt uns diejenigen Gehöftbewohner, die das Recht haben, in der Grablege bestattet zu werden41: der Besitzer und seine Ehefrau sowie die Söhne, Enkel und Sklaven. Das bedeutet, zwischen sechs und zehn Personen dürften zeitweise diese relativ kleine, aus nur zwei Gebäuden mit geringer Grundfläche bestehende G e­ höftanlage bewohnt haben. Nimmt man dieses Kleingehöft zum Gradmesser, stellt sich die Frage, wieviele Personen in einem der großen Turmgehöfte der R e­ gion gelebt und gearbeitet haben (Abb. 9). Möchte man die aus der wachsenden Zahl der Gehöfte ersichtliche demographische Entwicklung numerisch fassen, und legt - unabhängig von der tatsächlich festgestellten architektonischen Vielfalt und Größe der Gehöfte im Yavu-Bergland - eine zurückhaltend geschätzte B e­ wohnerzahl von durchschnittlich sechs Personen je Gehöft zugrunde, lebten in der Dynastenzeit wohl mindestens 800-900 Menschen in Bauernhöfen. Bis in die Kaiserzeit steigt die Zahl auf ca. 1300 Personen an. Fragt man nun nach den Ursa­ chen für diesen Bevölkerungsanstieg, so ist die mit der fortschreitenden Erschlie­ ßung der Chora verbundene, seit hellenistischer Zeit, d.h. seit Einrichtung der Po­ lis Kyaneai offensichtlich stetig wachsende Bedeutung einer marktorientierten Landwirtschaft an erster Stelle zu nennen.

41 M. Z im m erm ann, in: Lykische Studien 2, 52 f.

G e h ö f t e un d kle in e länd lich e Sied lu n g en auf d e m G e b i e t v o n K y an e ai

231

►Sarkophag

©

Fete - uribearbeitet Fels - senJtjechl abgearbeitet

{ fim j ) Feis - flächig abgearbcifet Mauer • Verlauf zwelschaSg erhaiten ■iniiinw Mauer - Verlauf eirachaSig erhallen ----- -- Mauer-Verlauf gesichert

Hellenistisches Turmgehöft mit Sarkophag im Gebiet nordöstlich des Qejtepe (Bef. 10585) Ulf Hailer LYK 1997 30 m

Abb. 9: G run driß eines hellenistischen Turm gehöftes nordöstlich Qe^tepe.

232

U lf H a ile r; A ysu n § a n h

K leine ländliche Siedlungen Neben Einzelgehöften bestimmen kleine ländliche Siedlungen das Bild der Kul­ turlandschaft der Polis Kyaneai. Auf dem bisher systematisch erforschten Areal im Yavu-Bergland wurden 69 solcher Siedlungen entdeckt, die unterschiedlichen Epochen angehören42. Es handelt sich dabei um kleinere Ansiedlungen ohne Zentralortfunktion. Als Terminus für diesen Siedlungstypus kann man das griechische chorion benutzen, auch wenn dieser Begriff erst seit der frühbyzantinischen Zeit als Bezeichnung für kleine Ortschaften und Weiler bezeugt ist43. Als Voraussetzung dafür, einen O rt mit verstreut liegenden Wohnbauten als ländliche Siedlung zu bezeichnen, gilt zunächst eine Zahl von wenigstens drei Wohnhäusern44. Dabei darf der Abstand zwischen benachbarten Wohnbauten die sogenannte Rufweite nicht überschreiten45. Dieses Kriterium ist angesichts der hohen Siedlungsdichte auf dem Gebiet von Kyaneai jedoch nicht anwendbar. Vielmehr muß der jeweilige, von Siedlungsstruktur und Landschaftsrelief be­ stimmte Gesamteindruck über die Definition der Siedlungsform entscheiden. In aller Regel ist dies noch unproblematisch. Schwierigkeiten resultieren aber z.B . daraus, daß bei manchen Anlagen sehr schwierig zu entscheiden ist, ob es sich um kleine Kompaktsiedlungen oder um große Gehöftanlagen handelt. Ferner gibt es Fälle, in denen eine Siedlung anfangs nur aus einem Einzelgehöft bestanden hat und erst später erweitert worden ist. Weitere Probleme liegen vor allem in der Datierung der Befunde, da bisher keine Ausgrabungen in solchen Siedlungen durchgeführt werden konnten. D es­ halb muß man sich zunächst mit den vorläufigen, jedoch durch Analogien einiger­ maßen gesicherten Datierungskriterien der Mauertechniken und der O ber­ flächenfunde, wie Keramik und sonstiger Kleinfunde sowie der topographischen 42 Z u r Verteilung dieser kleinen Siedlungen auf dem Territorium s. Faltplan 5 (Stand 1997), in: Lykische Studien 5 (2000) und Faltplan 2 in Lykische Studien 6 (2003). Sie sind auf der K arte grau m arkiert und m it röm ischen Z iffern versehen. 43 G. A nrich (H agios N ik olao s. D er heilige N ik olao s in der griechischen K irche B d. II 1917 539 f.) bem erkt, ,daß chorion als zusam m engehörige H äusergruppe zu verstehen sei und kom e um faßte die kleinere E in heit chorion . Vgl. dazu zuletzt: H . Blum , D ie Vita N ico lai Sionitai, (1997) Kap. 1 41, 5 8 -6 1 , 66, 70, 79 und S. 94, 110, 123; Blum , Lykia 1 (1994) 5 2 -6 7 . G . Z ur chorion als U ntergliederung von k om e in O inoand a bzw. in Pinara und Sidym a s. W. W örrle, Stadt und Fest im kaiserzeitlichen K leinasien (1988) 139f m. Anm . 354. F ür die Z u ­ sam m enstellung der Belege und L iteratur sow ie für den G ebrauch von kom e und chorion s. Chr. Schüler, Ländliche Siedlungen und G em einden im hellenistischen und röm ischen K leinasien (1998) 4 9 -5 3 , insbesondere 52 f. m. Anm . 2 0 5 -2 1 1 . Seiner M einung nach „muß offen bleiben, inw iew eit K om e und chorion verschiedene O rganisationsgrade andeuten. Festzuhalten ist, daß chorion als W eiler vor dem Ende der Spätantike nicht in den kleinasia­ tischen Insch riften begegnet, daß aber andererseits die Zuordnung kleinerer O rtsch aften zu D orfgem einden bereits in hellenistischer Z eit zw eitelsfrei belegt ist“ . 44 Vgl. dazu Chr. Schuler, a.O . 14 m. A nm . 3 0 -3 2 . 45 D iese wird in der m odernen Siedlungsgeographie m it etwa 150 m angesetzt. Auch D iod or X V I 60, 2 definiert den A bstand, bei dem man von getrennten Siedlungen ausgehen kann, mit ca. 150 m. Vgl. Chr. Schüler, a.O . 27 m. A nm . 59, 60.

G e h ö f t e un d klei n e länd lich e Sied lu n gen auf d e m G e b i e t v o n K y an e ai

233

Lage, zufriedengeben. Die in der Regel schlichte Mauertechnik läßt sich nur auf­ grund der breiten statistischen Basis für eine grobe Chronologie auswerten. Die aufgelesene Oberflächenkeramik enthält zwar stets nur eine begrenzte Zahl signi­ fikanter Fragmente, doch trägt sie wesentlich dazu bei, das lückenhafte Bild, das wir aus den Datierungen der Mauertechniken und aus der Topographie gewinnen, zu ergänzen.

Zahl der Siedlungen m it Keram ikfunden ohne K eram ikfunde m it datierbarer Keram ik

66 3 61

Die kleinen ländlichen Siedlungen in unserem Forschungsgebiet lassen sich grob nach zwei Typen klassifizieren: Konglomeratsiedlungen und Streusiedlungen. Konglomeratsiedlungen breiten sich in zusammenhängender Bebauung auf der verteidigungsfähigen, felsigen Kuppe eines Flügels und teilweise auch an seinen terrassierten Hängen aus. Eine Streusiedlung dagegen besteht aus vereinzelten Gebäuden, die sich oft lose um einen älteren Kernbau - meist ein Turmgehöft herum gruppieren. Bei den späten Siedlungen dieses Typs liegen an der Peripherie oft ein bis drei kleine Kirchen. Am Fuß der Siedlungshänge befindet sich fast immer eine ackerbaufähige Ebene46. Diese beiden Typen lassen sich in eine chronologische Reihenfolge bringen. Siedlungen, die der klassischen und hellenistischen Zeit angehören, sind meist dem ersten Typus zuzuordnen. Ab der hellenistischen Zeit beobachtet man frei­ lich, daß die Hügelkuppen allmählich verlassen werden. Die Gebäudereste liegen nun meist an den Hängen, bisweilen auch am Fuß eines Hügels, während in der spätantik-byzantinischen Zeit die Siedlungen fast immer auf einer leicht erhöhten Terrasse am Rand der Ebenen gegründet werden47. Kleine, dorfähnliche Siedlungen sind erst ab der klassischen Zeit vereinzelt auf dem Territorium von Kyaneai anzutreffen. Das Siedlungsbild dieser Epoche ist jedoch noch nicht von ihnen, sondern von Einzelgehöften geprägt. Es wurden im bisher begangenen Forschungsgebiet lediglich sieben ländliche Siedlungen festgestellt, für die eine klassische Nutzungsphase bezeugt oder wahrscheinlich ist. Deren Siedlungsbild ist von einer exponierten topographischen Lage und einer kompakten Struktur geprägt. Es ergibt sich ein burgartiger Eindruck. Die ober­ sten Raumeinheiten sind sorgfältig aus dem anstehenden Fels gehauen. Die Sied­ lungen verfügen in der Regel über fünf bis sechs Häuser mit einem Siedlungsareal ,|6 Zur Siedlungstypologie s. A. Thom sen in: Lykische Studien 1 (1993) 3 9 ff.; ders. in: L yk i­ sche Studien 2 (1 995) 5 7 ff.; Verf. in: Lykische Studien 4 (1998) 55. 47 Als A usnahm e von dieser T ypologie gibt es auf dem T erritoriu m von Kyaneai freilich drei späte Siedlungen, die einen teilw eise kom pakten C h arak ter zeigen und damit zw ischen beiden Typen schw anken.

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von durchschnittlich einem halben Hektar. In der hellenistisch-kaiserzeitlichen Epoche sind sie aber oft erweitert bzw. überbaut worden. Die Probleme bei der Analyse dieser Siedlungspalimpseste zeigt ein Fundort nördlich des antiken Komenzentrums Hoyran. Er befindet sich auf einem Hügel direkt oberhalb des kleinen Dorfes Divle (Abb. 10). Die Gebäudereste liegen auf der Hügelkuppe und verstreut an seinen südlichen und südwestlichen Hängen bis an den Fuß des Hügels. Die Siedlung besteht aus insgesamt ca. 15 Gebäuderesten, drei Preßanlagen, acht Zisternen und einer spektakulären Nekropole48. Auf der höchsten Stelle des Hügels liegt ein Komplex mit zahlreichen Felsräu­ men (Abb. 11), einer rechteckigen, großen Zisterne, kleinen Becken und Treppen. Seine Lage und Kompaktheit deuten auf einen gewissen Wehrcharakter hin. Sehr viele Steinbettungen sind auf den Felswänden zur Aufnahme quaderartiger Blöcke ausgearbeitet und weisen darauf hin, daß hier ehemals aufgehendes Mau­ erwerk stand. Es muß jedoch angesichts des heutigen Zustandes offenbleiben, ob die Wände vollständig aus Steinmauern oder z.T. auch aus Fachwerk errichtet wa­ ren, da im umliegenden Areal nur eine geringe Menge von Steinmaterial als Versturz vorhanden ist. Obwohl nicht viele in die klassische Zeit datierbare Gebäudereste nachzuwei­ sen sind - der Großteil gehört in die hellenistisch-kaiserzeitliche Epoche - , hat man zwei weitere Anhaltspunkte für die frühe Besiedlungsphase: erstens die recht zahlreichen in klassische Zeit datierbaren Keramikfragmente mit Schwarzfirnis49 und zweitens die Nekropole der Siedlung50. Letztere besteht aus 23 Felsgräbern, die in die westlichen und östlichen Wände eines Felskessels gehauen sind und zweifellos in die klassische Zeit gehören; sie geben als Familiengräber auch einen Anhaltspunkt für die Bevölkerungszahl der Siedlung. Der Kessel muß durch den Einsturz einer natürlichen unterirdischen Höhle enstanden sein. Er hat eine Breite von 35 m (im Süden) bis zu 90 m (im Norden), eine Länge von 100 m und ist ca. 50 m tief. (Abb. 10, 12)51. Die Gräber liegen in unter48 E in e ausführlichere A bhandlung dieser Siedlung m it ihrer N ek rop o le ist im R ahm en des D issertationsp rojektes der Verfasserin in A rbeit. 49 Zw ei archaische (F 10197, F 10200) und zw ei archaisch/klassische Scherben (F 8939, F 10188) lassen angesichts des heutigen Forschungsstandes ohne Sondage keine nähere A u s­ sage darüber zu, ob und inw iew eit hier ab der archaischen Z eit m it einer A nsiedlung zu rech­ nen ist. N äheres zu den betreffenden archaischen Fragm enten s. B. R ü c k e n in: Lykische Stu ­ dien 8 (in V orbereitung). 50 E in ähnlicher Siedlungsplatz (Siedlung 1) m it einer Felsg räb er-N ek rop ole, der in den von M artin Zim m erm ann 1999 durchgeführten Feldforschu ngen im U m land von Teimiusa ent­ deckt w urde, befindet sich am R and der T irm isin -E ben e. Zu einem V orbericht der betreffen­ den Kam pagne s. M. Z im m erm ann in: AW 31 (2000) 3 3 3 -3 4 2 . A ußer den Felsgräbern ist im näheren U m kreis keine in die klassische Z eit datierbare Bausubstanz nachweisbar. 51 Solche D o lin en kom m en sonst im zentralanatolischen H ochland auf der K alkplatte ,O b ru k Yayla (H o ch eb en e)' vor (auch im türkischen O b ru k genannt). D ie F orm en solcher D olin en ähneln einander sehr. Einige D utzend D olin en, die sich in der N ähe des O rtes K izö ren, etwa 4 0 km südlich des Tuz G ölü befinden, haben einen D u rchm esser zw ischen 50 und 200 m und eine T iefe von 50 bis 120 m. Einige sind m it W asser gefüllt, welche verm utlich durch unterirdische K arstquellen gespeist werden. Siehe dazu N. G üldali, G eom orphologie

G e h ö f t e un d k lein e lä nd lich e Sied lu n gen au f de m G e b i e t v o n K y an e ai

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Fels • unbearbeitet Fels - senkrecht abgearh«itet Fels - fischig abgearbeitet Mauer - V erlauf zweischalig erhalten Mauer - V erlauf cinschalig erhalten Mauer - V erlauf gesichert Mauer - Verlauf hypothetisch Versturz FG Felsgrab r PreSanlage Zisterne Becken Treppe

Siedlung LXIX bei Divie Bcf.-N'r. 11400- 11451 Lyfc 98 • 2 A.Sanh

Abb. 10: Plan von Siedlung L X IX b e i D ivle.

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U l f H a iler, A y sun §anli

A bb. 11: F elskom plex in Siedlung L X IX b ei D ivle.

G e h ö f t e u n d k lein e lä nd lich e Si ed lun gen au f d e m G e b i e t von K y a n e a i

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/4£&. /2: Felskessel b e i D ivle.

schiedlicher Höhe, und bis auf eines sind alle als einfache, viereckige Felslöcher ge­ staltet. Nur ein Grab ist als Felsfassadengrab gestaltet, welches Flolzarchitektur nachahmt (Abb. 13). Weil eine genaue zeitliche Einordnung derartiger Monu­ mente beim heutigen Forschungsstand nicht möglich ist, kann man die lykischen Felsfassadengräber lediglich generell in die vorhellenistische Zeit datieren^2. Die der T ü rkei (1979) 61 ff. A bb. 8. D ie E ntstehungszeit dieser D olin en im zentralanatolischen H ochland liegt ihm zufolge w ahrscheinlich im Pleistozän. 32 H in sichtlich der genaueren D atierung der Felsfassadengräber ohne Reliefs und Inschriften ist auch die A rbeit von Z. K uban über die limyräischen Felsgräber abzuwarten: Z. K uban in: O Jh 66 (1997) Beibl. 348 ff. E in e zeitliche Einordnung der Felsfassadengräber mit Reliefs er­ gibt meistens die erste H älfte des 4. Jahrhunderts v.Chr. F ü r die einfachen Felshöhlengräber bildet dieses V erfahren dagegen ein problem atisches U nterfangen. Ö sterreichisch e Reisende zählten die einfachen schm ucklosen G rabhöhlen Pinaras an der steilen Felsw and zu den älte­ sten G räbern Lykiens: O. B enn dorf, C. N iem ann, R eisen im südw estlichen Kleinasien, I. Reisen in Lykien und K arien (1884) 48, 96. Es herrscht jed och in der m odernen Forschung die Meinung, daß solche einfachen G rabhöhlen nicht zw angsläufig am A nfang der E n tw ick ­ lungsreihe lykischer G räb er stand en : J. B orchhardt, M yra. E in e lykische M etropole in anti­ ker und byzantinischer Zeit in: IstForsch 30 (1975) 98 A nm . 17; Cb. B run s-Ö zgan, Lykische G rabreliefs des 5. und 4. Jahrhunderts v.Chr., IstM itt, Beih. 33 (1987) 92. A ndererseits gibt es keine schlagkräftigen A rgum ente, um jene Ü berlegung, diese G räb er an den A nfang der lykischen Felsgräber zu setzen, gänzlich auszuschlicßen. In der altlykischen Siedlung Hizirlik/Telebehi - verm utlich die Vorgängersiedlung von Telmessos - bei Fethiye befinden sich neben den Tum uh und Pfeilergräbern über 100 Felshöhlengräber, während dort nur drei

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U l f H a iler, A y sun §anli

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A bb. 13: Felsfassadengrab von D ivle.

Öffnung eines der einfachen Grablöcher ist mit quaderartigen Blöcken und Mörtel vermauert. Dies weist darauf hin, daß es in späterer Zeit weiterbenutzt worden ist. Die Oberflächenkeramik, die bis in die spätantike Zeit reicht, und die Gebäu­ dereste am Westhang des Siedlungsareals zeigen, daß die Siedlung lange bewohnt war. Das Fehlen einer Kirche, byzantinischen Mauerwerks und byzantinischer Keramik indes beweist, daß sie vor der letztgenannten Zeit verlassen worden ist bzw. wohl allmählich an den Rand der unterhalb liegenden Ebene verlegt wurde. Felsfassadengräber zu finden sind. D a die Siedlung verm utlich Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. oder in den beiden ersten Jahrzeh nten des 4. Jahrhunderts aufgelassen wurde, bildet dies einen D atierungsanhalt für die Felshöhlengräber. Z ur Siedlung von H izirh k näheres s. bei K. Buschm ann, H izirh k bei Fethiye: D as lykische Telebehi in: X . A ra§tirm a Sonuglan T oplantisi (1993) 4 2 9 -4 3 7 . E in anderes Indiz für die frühe E ntstehungszeit der einfachen G rab lö ch er als Felsfassadengräber ist die prom inente Lage eines solchen G rabes zusamm en m it frühen P feilergräbern auf der A gora des Av§ar Tepesi, während sich zwei Felsfassaden­ gräber in peripheren Lagen der jew eiligen N ek rop o le finden. Zu bem erken ist auch die Situa­ tion in K yaneai: W ährend einige Felshöhlengräber d irekt unterhalb der lykischen A krop olis (vergleichbar m it Pinara) liegen, finden sich die Felsfassadengräber w eit entfernt vom Sedlungsplatz, in der Südostnekropole, so daß sie verm utlich später gefertigt w orden sind. Zu den Felsgräbern auf dem Av§ar Tepesi s. A . T hom sen, D ie lykische Dynastensiedlung aut dem Av§ar Tepesi (zitiert auf S. 13 A nm . 24) 176 ff. und 360 ff. D ie Inform ation en über H izirhk/Telmessos und K yaneai verdanke ich W. T ietz, der diese Ü berlegungen insbesondere über Felsgräber von H izirh k ausführlicher behandelt hat: W. T ietz, D er G o lf von Fethiye (A ntiquitas R . 1, Bd. 50) (B o n n 2003) 81—85.

G e h ö f t e un d klei n e länd lich e Sied lu n gen auf d e m G e b i e t von K y a n e a i

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Dies kann man recht sicher feststellen, weil dort eine byzantinische Siedlung (L X X ) mit Kirche gefunden wurde53. Probleme, verschiedene Siedlungsepochen zu unterscheiden, ergeben sich ins­ besondere bei der Differenzierung zwischen hellenistischen und kaiserzeitlichen Siedlungsstrukturen, da sich die einfachen Häuser aus der hellenistischen Zeit kaum von jenen der Kaiserzeit abheben. Die von der Erdoberfläche aufgelesene Keramik bietet in den meisten Fällen überwiegend kaiserzeitliche und spätantike Fragmente. Daher ist nicht auszuschließen, daß dort, wo einige hellenistische Scherben gefunden wurden, bisweilen nur ein oder zwei Einzelgehöfte existierten, während ab der Kaiserzeit um diese hellenistischen Gehöfte herum weitere Häu­ ser gebaut worden sind. Festzuhalten ist auf alle Fälle eine starke Zunahme der Siedlungen ab der Spät­ antike. 58 Siedlungen mit einer in diese Zeit datierbaren Nutzungsphase wurden registiriert. Erst ab der Kaiserzeit vermitteln uns zudem die in den Siedlungen Vorgefunde­ nen Überreste das Bild einer lebhaften landwirtschaflichen Tätigkeit. Sie verfügen über zahlreiche Preßanlagen, welche in drei Fällen von besonderer Bedeutung sind, da sie jeweils mit einem sehr gut erhaltenen, kompakten, direkt an die Sied­ lu n g anschließenden Terrassensystem Z u sa m m e n g e h e n , das in wirtschaftlicher Hinsicht sehr aufschlußreich ist. Eine solche Siedlung befindet sich im Nordosten unseres Forschungsgebiets beim O rt Yurtene54. Sie verfügt über sechs Häuser und um das Siedlungsareal herum über einen ausgedehnten Terrassenkomplex, der durch Flurmauern in sechs Parzellen von 1-1,7 ha geteilt ist (Abb. 14). Die Sied­ lung liegt auf einem hohen Plateau, das mit kleinen, dicht nebeneinander liegen­ den Hügeln überzogen ist. Während der Platz in der hellenistischen Zeit vermut­ lich nur zwei bis drei Häuser umfaßte, sind die anderen Gebäudereste aufgrund der Mauertechnik und des Keramikmaterials in die kaiserzeitliche und spätantike Epoche zu datieren. Die zum Teil gut erhaltenen Häuser liegen regellos und ziemlich dicht beieinan­ der. Bis auf einen großen Komplex sind die Hauseinheiten leicht voneinander zu trennen. Jedes einzelne Haus scheint über seine eigene Zisterne verfügt zu haben. Die Häuser sind einfach gestaltet: ein- oder zweiräumige Komplexe mit einem Hof bzw. einer vorgelagerten Terrasse. Die Zisternen liegen im Flof oder direkt vor dem Gebäude. Bei drei Komplexen sind außerdem Preßanlagen mit großen Preßgewichten gelegen. Da die Gesamtzahl solcher Preßanlagen in einer Siedlung immer geringer als die der Hausreste ist - meist ein bis drei Anlagen pro Siedlung - , ist wohl anzuneh­ men, daß sie von mehreren Familien gemeinsam genutzt wurden. Dafür spricht, daß in der Spätantike die Zahl der Häuser anscheinend jener der Terrassenparzel­ len entspricht. -l3 s. unten S. 2 46 m it A bb . 16. 34 Zu einer detaillierten Behandlung dieser Siedlung s. Verf. in: Lykische Studien 6 (2003) 5 6 64).

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A bb. 14: H urplan m it d er Siedlung von Yurtene.

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U l f H a ller, A y su n §a nli

In der Regel läßt sich die Zweckbestimmung der Pressen in unserem F or­ schungsgebiet nicht eindeutig einordnen. Sie bestehen oft lediglich aus einer aus dem anstehenden Fels herausgehauenen, rechteckigen Preßtenne, einem meist kreisförmigen Auffangbecken und einem rechteckigen Balkenloch in der felsigen Rückwand55. Die Größe und der Typus der Preßgewichte in der Siedlung von Yurtene rechtfertigt jedoch die Annahme, daß hier - trotz der Flöhenlage von ca. 800 m - hauptsächlich Olivenölproduktion betrieben wurde, daneben aber vielleicht auch Weinproduktion. Auf der Oberfläche der zylindrischen Preßsteine befinden sich vom Rand quer zum Zentrum verlaufende trapezoidale Einlassun­ gen, in welchen sich je eine weitere ovale Eintiefung befindet. Diese Preßsteine dienten dazu, einen vertikal stehenden Balken zu befestigen56. D er Stein selbst diente als Gegengewicht am anderen Ende des horizontal gelagerten Preßbalkens. Solche zylindrischen Gegengewichte werden der aus der antiken Literatur be­ kannten Spindelpresse zugewiesen57. Viele Exemplare von verschiedenen G e­ wichten für Spindelpressen sind in unserem Forschungsgebiet entdeckt worden und weisen darauf hin, daß in Zentrallykien technische Entwicklungen in großem Umfang und teilweise nebeneinander eingesetzt wurden58. Siedlungen mit Terrassensystemen, wie jene von Yurtene, scheinen eine beacht­ liche Kontinuität aufzuweisen, wobei ihre Nutzung freilich in allen Fällen an­ scheinend vor der mittelbyzantinischen Zeit abbricht. Das Fehlen einer Kirche rechtfertigt diese Annahme. Die Blütezeit der Siedlung von Yurtene ist anhand des 55 Zu diesem Typ von Preßanlagen s. A. D iler, T h e m ost com m on w ine-press type found in the vicinity o f C ilicia and Lycia, in: Lykia II (1995) 8 3 -9 8 insesondere A bb. 13. 14. D ie T y ­ pologie der Preßanlagen in den kleinen ländlichen Siedlungen des T erritorium s von K yaneai w erden in der D issertation (im D ru ck ) der Verfasserin ausführlicher behandelt werden. Siehe für diesen Typ Preßanlagen in der Siedlung LVI: Verf., in: F. K o lb (H rsg .), Lykische Studien 5 (Asia M in or Studien Bd. 41) 2000, A bb . 24; 25. Zur Typologie der Preßanlagen in Lykien all­ gemein s. A. Konecny, E inige Ö lpressen auf dem B on d a Tepesi und im G ebiet von Istlada, in: Ö Jh 67 (1 9 9 8 ) B eib l. 1 2 1 -1 9 4 ; ders., Lykische Ö lpressen II. D ie Ölverarbeitungsanlagen in der Siedlung auf dem D in ek Tepesi, in: Ö Jh 68 (1999) B eib l. 1 4 1 -1 7 0 . D ie A nlagen des b e­ sprochenen Typs gehören in seiner T ypologie zur G ruppe 1. Zu Preßanlagen in Lykien und im südlichen K leinasien s. ferner A. Diler, A kdeniz B ölgesi antik <;ag zeytinyagi ve §arap i§likleri in: Ara§tirm a Sonu$lari Toplantisi X I (1994) 5 0 5 -5 2 0 ; ders., A kdeniz Bölgesi antik fag zeytin ve üzüm presleri-1993 in: Ara§tirm a So n u flari Toplantisi X I I (1995) 4 4 1 -4 5 7 . 56 Siehe für ein ähnliches Beispiel R. Fran kel, Som e oil presses from W estern G alilee, B A S O R 286 (1 9 9 2 ) 6 6 - 6 7 A bb. 35 a2. F ü r die R ek o n stru k tio n einer Presse m it einem ähnlichen zylindrischen G egengew icht in K afr N abo s. O. C allot, H uileries A ntiques de Syrie du N ord (B ibliotheq u e archeologique et historique 108, 1984) Taf. 122, 123; N. F lanel, R öm ische Ö lund W einprod uktion auf der Iberischen H albinsel am Beispiel von M unigua und M ilreu, M M 30 (1989) 226 A bb. 10. 37 Z ur Spindelpresse s. R. ]. Forbes, Studies in A ncien t T echn ology III (1955) 135-138; E. Jüngst, P. Thielscher, B Jb 157 (1957) 107; N. H an el, a . 0 . 214 A bb. 10. Plinius d. Ä (n.h. 18, 317) bezeugt, daß die Spindelpresse 100 Jah re vor seiner Z eit erfunden wurde. Außerdem s. Vitruv (6, 6, 3) und H eron von A lexandria (M echanik 3, 15). 58 U nzu treffend ist som it die gegenteilige Schlußfolgerung von A. K onecny (Ö Jh Beibl. 67 (1998) 130) für Zentrallykien. E r ging nach Ergebnissen seiner U ntersuchungen im Um land von L im yra davon aus, daß diese technische E ntw ick lu n g in die L an dw irtschaft des antiken und byzantinischen Lykien nicht eingeführt wurde.

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Mauerstils und des auffallend zahlreichen Keramikmaterials in die kaiserzeitlich­ spätantike Epoche zu datieren . Die betreffenden Scherben sind an der Oberfläche häufig durch Riefen verziert. Den überwiegenden Anteil des Keramikmaterials in kleinen Siedlungen bilden generell grobe Gebrauchsware und großformatige Vorratsgefäße; Feinkeramik spielt kaum eine Rolle. Die auffallend hohe Anzahl spätantiker Keramikfragmente in den kleinen Siedlungen legt nahe, daß sie wohl in dieser Epoche eine Blütezeit erlebt haben. Während sich für 58 der insgesamt 69 Siedlungen eine Nutzung in der Spätantike nachweisen läßt, ist bei 24 eine Siedlungskontinuität bis in byzan­ tinische Zeit bezeugt. 21 von ihnen offenbaren ihre späte Besiedlung durch Kir­ chen, während bei den übrigen 3 Siedlungen eine solche Annahme durch entspre­ chend datierbare Oberflächenkeramik gerechtfertigt wird. Es ist freilich zu berücksichtigen, daß das Keramikmaterial Zentrallykiens, ins­ besondere die Gebrauchsware, noch recht unerforscht ist, was es erschwert, die spätantike von der byzantinischen Gebrauchskeramik mit Sicherheit zu sondern. Daher könnte der Anteil der byzantinischen Keramik größer sein als zum gegen­ wärtigen Zeitpunkt zu belegen ist. Andererseits unterstützen Baudatierungen und das Fehlen einer Kirche in einigen in der Spätantike bewohnten Siedlungen die Annahme, daß diese im Laufe der byzantinischen Zeit aufgelassen wurden. Diese beiden Indizien, das Fehlen einer Kirche und des entsprechend datierbaren Kera­ mikmaterials, dürften meines Erachtens zumindest einen Hinweis auf einen ge­ wissen Rückgang der Besiedlung geben, zumal andere Siedlungen 1-3 Kirchen bzw. Kapellen aufweisen. Es scheint generell außer Kirchen keine öffentlichen Bauten in den kleinen ländlichen Siedlungen gegeben zu haben. Daraus kann geschlossen werden, daß die Zentralortfunktionen in der Regel bei den Komenzentren zu suchen sind. Die Kirchen sind zudem meist einschiffige, relativ kleine Kapellen, die kaum als G e­ meindekirchen gedient haben können. Nur in fünf Siedlungen befinden sich der frühbyzantinischen Zeit angehörende, dreischiffige Kirchen von basilikalem Cha­ rakter59. Sie haben alle eine Grundfläche von ca. 2 5 x 1 5 m und zeichnen sich durch eine einfache, dreischiffige Bauform aus. In zwei Fällen sind einschiffige kleine Kapellen an die Südseite angebaut60. In der Forschung gibt es die Ansicht, daß Basiliken mit Kapellen, welche die Apsis flankieren, eine Besonderheit des frühen lykischen Kirchenbaus sind61. Während es sich bei einer der beiden 59 Von diesen fünf B asiliken befindet sich eine in der Siedlung X X V I I I im U rer-G eb iet. Eine knappe Beschreibving dieser Siedlung wurde bereits von A. T hom sen in: Lykische Studien 2 (1995) 64 f. publiziert, w obei sich die Ergebnisse der detaillierteren U ntersuchungen der Hausruinen und der Basilika in diesem V orbericht nicht finden, sondern erst in der D isserta­ tion der Verfasserin präsentiert w erden. W eitere Basiliken liegen in der Siedlung X X X I im A yibeleni-G ebiet (s. K . G eppert in: Lykische Studien 3 (1996) 8 3 -8 6 A bb . 26), in der Sied­ lung X L I I bei B üyük Av§ar, in der Siedlung L in K ocab oy nu z (s. Verf. in: Lykische Studien 4 (1998) 6 7 ff. A bb. 25), und in der Siedlung L X X I X in (Jü rüt. 60 Die Basiliken in der Siedlung X X X I und in der Siedlung L (s. o. A nm . 59) weisen kleine angebaute Kapellen auf. 61 U. Peschlow, Spuren des byzantinischen M ittelalters in Lykien in: J. B orchhardt, G. D o-

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Kirchen um eine solche an das Seitenschiff angebaute und wohl gleichzeitig ent­ standene Kapelle handelt, ist die Kapelle der zweiten Kirche im ehemaligen Sei­ tenschiff errichtet worden. Sie stammt deswegen höchstwahrscheinlich aus einer späteren Phase der Siedlung. Beim Wiederaufbau von Kirchen in Lykien wurden viele nicht in der alten Gestalt wiedererrichtet, sondern durch den Einbau einer kleinen Kirche in die Ruine des Vorgängerbaus ersetzt62. Schmuckelemente deuten darauf hin, daß die Innenausstattung zumindest in einigen Fällen durchaus reich war (Abb. 15). Solche Fragmente wurden auch in zwei kleinen einschiffigen Kirchen des Forschungsgebietes gefunden63. Die meist aus dem lokalen Kalkstein herausgearbeiteten Stücke gehören in der Regel zu Altarschranken. Sie stammen alle aus der frühchristlichen Phase und tragen zur Datierung der Siedlungsphasen bei.

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A bb. 15: B au orn am en tik aus d er B asilika in Siedlung X X V 111.

besch (H rsg.), II. Lykien -Sym posion , Bd. II (1993) 61 m. A nm . 23; Vgl. auch R. M. H arrison, C hurches and C hapels o f C entral Lycia, A natSt 13 (1963) 149. 62 U. Peschlow, a. O . 62. E in e Besonderheit ist hier jed o ch , daß die K apelle nicht im M ittel­ schiff, sondern im Seitenschiff plaziert ist. 63 Es handelt sich hier um die K irche in der Siedlung L X V II bei H id irlar und um die Kirche (Befund N r. 10410) bei Karakuyu. Es ist freilich nicht auszuschließen, daß diese Schm uckele­ m ente ursprünglich zu den Vorgängerbauten bzw. zu früheren dreischiffigen Basiliken ge­ hörten.

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Eine zeitliche Einordnung der kleinen einfachen Kirchen ohne solche Funde bildet dagegen ein problematisches Unterfangen. Weil diese oft nur aus einfachem Bruchsteinmauerwerk mit Mörtel errichtet wurden, fehlen mauertechnische Kri­ terien für die Datierung. Byzantinisches Keramikmaterial innerhalb des Sied­ lungskontextes, das manchmal bis zur spätbyzantinischen Phase reicht, läßt nicht zu, die Entstehungszeit dieser einfachen Kirchenbauten zu bestimmen; es bietet allenfalls Hinweise auf den Nutzungszeitraum sowohl der Siedlung als auch ihrer Sakralbauten. Manche solcher Orte, die eine byzantinische Nutzungsphase mit Kirche auf­ weisen, waren vom Hellenismus an bis in die osmanische bzw. türkische Zeit be­ siedelt. Allerdings ist es schwer auszumachen, ob womöglich zwischen den ver­ schiedenen Phasen Besiedlungslücken vorgekommen sind. Da ein zentrales Pro­ blem der Landwirtschaft im Gebiet von Kyaneai der Mangel an ackerbaufähigen Flächen war, spielte die Nähe der Ansiedlung zu fruchtbaren Böden besonders bei längerer Besiedlungszeit eine große Rolle. Darüber hinaus ist es auffallend, daß in manchen Gebieten dieser Region die Siedlungen in byzantinischer Zeit recht dicht beieinander liegen, während in an­ deren Gegenden Besiedlungslücken vorgekommen zu sein scheinen. Die dichte­ sten Ansammlungen, insbesondere der etwas größeren dorfartigen Siedlungen können wir in der unmittelbaren Nähe von Kyaneai sowie im Umfeld von Komenzentren, wie Büyük Avsar und Hoyran, feststellen. Es scheint, daß die byzan­ tinische Besiedlung sich um bestimmte Ortschaften konzentrierte. Eine byzantinische Siedlung liegt z.B . nördlich von Hoyran, direkt südwestlich unterhalb der oben besprochenen klassischen Siedlung von Divle (Abb. 16). Sie erstreckt sich am nordwestlichen Rand einer Ebene, die heute von den Einwoh­ nern von Divle für den Getreideanbau genutzt wird. Die Tatsache, daß insbesondere byzantinische Siedlungen meist direkt am Rand fruchtbarer Ebenen gegründet worden sind, zeigt wohl, daß der Getreideanbau in späteren Zeiten bei der landwirtschaftlichen Produktion der Siedlungen ein wich­ tige Rolle gespielt hat. Daß zugleich aber die Olivenöl- oder Weinproduktion ge­ nauso wichtig blieb wie in kaiserzeitlich-spätantiker Zeit, scheint die Existenz dreier Preßanlagen in dieser Siedlung und zweier weiterer in der Umgebung anzu­ zeigen. Außer den Preßanlagen fanden sich in dieser Siedlung eine einschiffige Kirche, ca. 12 Hauskomplexe, acht Zisternen und einige Einzelräume, die vermutlich als Wirtschaftsräume dienten. Die Haustypen in den Siedlungen scheinen sich von der klassischen bis in byzantinische Zeit wenig geändert zu haben. Zudem scheinen sie stark von der Topographie abhängig gewesen zu sein. Die einzige bemerkenswerte Entwicklung ist, daß die im flachen Gelände gelegenen Häuser mancher byzantinischen Sied­ lungen komplexer werden, wie in letztem Beispiel, und mehr dem Gehöfttypus zu ähneln beginnen, obwohl auch Hanghäuser mit einer vorgelagerten Terrasse, die für frühere Siedlungen charakteristisch sind, in allen Epochen unverändert V o r­ kommen.

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U lf H a iler, A ysu n § a n h

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Siedlung LXX westlich von Divle Bef. i 1574-11592 Lyk 98 - 3 A. §anli

A bb. 16: Plan von Siedlung L X X westlich D ivle.

Ts Türsturz Z

Zisterne

KO Kaikofen

G e h ö f t e u n d klei n e lä nd lich e Sied lu n gen a u f d e m G e b i e t von K y a n e a i

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Während der Großteil der byzantinischen wie auch der kaiserzeitlichen und spätantiken Siedlungen eine Fläche von 0,5 bis 1 ha umfaßt, ist sie bei einigen dorf­ ähnlichen Siedlungen, deren Schwerpunkt in byzantinischer Zeit liegt, deutlich größer. Sie schwankt hier zwischen 1 und 3,5 Hektar. Die Einwohnerzahl dürfte in den meisten Siedlungen mit durchschnittlich fünf Häusern zwischen 20-40, bei größeren Siedlungen mit 14—15 Häuser bei etwa 60-100 Personen gelegen haben.

Siedlungsgrößen 3 - 5 H äuser 5 - 1 0 H äuser 1 0-15 H äuser H äuserzahl unbestim m bar

38 19 7 5

Siedlungen Siedlungen Siedlungen Siedlungen

Angesichts der wenig sorgfältigen Bautechnik und der recht einfachen Gebäu­ detypen darf man annehmen, daß die Bewohner solch kleiner D örfer in allen Epochen einfache Bauernfamilien waren. Das ist auch daraus zu schließen, daß dort nur sehr selten Sarkophage anzutreffen sind. Man hat mit größter Wahr­ scheinlichkeit sehr bescheidene Gräber gebaut, welche heute wegen ihrer ein­ fachen Ausführung - wahrscheinlich schlichte Erdbestattungen - nicht mehr zu erkennen sind.

Nutzungsphasen (Baudatierung + Keramik)*

60 50



spätklassisch



hell.-kaiserz. spätantik

40 30



byzantinisch

58

20 10

24

0

Abh. 17 N utzungsphasen (* D ieses D iagram m entspricht dem derzeitigen Auswertungsstand der Befunde).

248

U lf H a iler, A ysun § a n h

Wenn man die chronologische Entwicklung der Siedlungsstruktur im gesamten Territorium beobachtet, so ist nach heutigem Stand festzustellen, daß den G roß­ teil der ländlichen Besiedlung in der archaisch-klassischen Zeit Einzelgehöfte bil­ deten, während kleine ländliche Siedlungen zu dieser Zeit noch recht selten sind. Ab der hellenistischen Zeit sehen wir eine Entwicklung bzw. eine Änderung so­ wohl hinsichtlich der topographischen Situation als auch der Zahl der ländlichen Siedlungsplätze. Die Hügelkuppe als Siedlungsplatz wird sowohl bei Einzelge­ höften als auch bei den Siedlungen nicht mehr bevorzugt. Die Gehöfte bzw. Sied­ lungen werden ab jetzt an den Hängen der Hügel, oberhalb einer fruchtbaren Ebene, errichtet. Während die Türme der Turmgehöfte in der hellenistischen Zeit und vielleicht auch weiterhin in römischer Zeit eine gewisse Schutzfunktion für die um sie gruppierten Siedlungen boten, wurden die Siedlungen in spätantik/ byzantinischer Zeit direkt in der Ebene ohne jegliche Schutzmaßnahmen errich­ tet. Dies legt die Schlußfolgerung nahe, daß agrarwirtschaftliche Bequemlichkeit gegenüber dem Sicherheitsbedürfnis in den Vordergrund trat und die Verteidi­ gungsmaßnahmen zentralisiert, d.h. auf die bedeutenderen Ansiedlungen verla­ gert wurden. Dabei ist eine von der gleichmäßig verteilten Siedlungsweise zur Siedlungskon­ zentration tendierende Entwicklung festzustellen. Dies belegt deutlich die Ver­ ödung mancher Gebiete in spätantik-byzantinischer Zeit und die zunehmend dichte Ansammlung von Siedlungen um größere Siedlungszentren wie um die Polis Kyaneai und um die Komenzentren herum.

Lin Foxball Small, Rural Farmstead Sites in Ancient Greece: A Material Cultural Analysis")

In trod u ction The aim of this paper is to investigate the occupancy of small rural sites in ancient Greece, and the activities of their inhabitants by focusing on the material cultural assemblages. I will compare data from the Methana Survey with data from other sites, notably the Vari House, the Dema House and Halieis.

R ural sites and survey Over the past 25 years archaeological survey in Greece has revealed evidence of a heavily used countryside in classical antiquity. In mainland and island Greece sur­ vey work has been carried out in many areas, including Boeotia, Euboea, Attica, Nemea, Methana, the Southern Argolid, Lakonia, Melos, Keos, Messenia and Pylos, (this list is certainly not exhaustive)1. Very few of these sites have been ex-

I would like to thank P rofessor Frank K olb and the H isto risch es K olleg M unich, especially Frau Dr. M üller-Luckner. 1 Boeotia: J. Bintliff, A. Snodgrass, T h e Cam bridge / Bradford Boeotian E xpedition: T he First F ou r Years, in: Jo u rn al o f Field A rch aeology 12 (1985) 123-61;/ . Bintliff, A. Snodgrass, Mediterranean Survey and the City, in: A ntiqu ity 62, no. 234 (1988) 5 7 -7 1 ; Euboea: D. Keller, Classical G reek A gricultural Sites: T h e K arystian Evidence, in: A m erican Journal of A rchaeology 93 (1 9 8 9 ) 275; D. Keller, M. W allace, T h e Canadian K arystia P ro ject: Two Classical Farm steads, in: E ch o s du M onde Classique / Classical Views 7 (1988) 151 -8 ; A ttica: H. Lohm ann, A tene: Forschungen zu Siedlungs- und W irtsch aftstru ktu r des klassischen Attika (K ö ln , Weimar, W ien 1993); N em ea: J. C. Wright, J . F. Cherry, J. L. D avis, E. M antzourani, S. B. Sutton, R. F. Sutton, Jr., T h e N em ea Valley A rchaeological P ropject: A prelim i­ nary R eport, in: H esperia 59 (1990) 5 7 9 -6 5 9 ; M ethana: C. B. M ee, LI. A. Forbes, A Rough and R ock y Place: T h e Landscape and Settlem ent H isto ry o f the M ethana Peninsula, G reece (Liverpool 1997); Southern Argolid: M. EL Ja m eso n , C. N. Runnels, I. LI. van A ndel, A G reek C ountrysid e: T h e Southern Argolid from Prehistory to the Present D ay (Stanford 1994); Lakonia: W, C av an ag h , J. C rouw el, R. W. V. Catling, C. Shipley, C o n tin u ity and

250

Li n F o x h a l l

cavated, and the most important excavated rural sites in Greece remain the Vari House and the Dema House in Attica2. These finds have dramatically changed the perspectives of archaeologists and ancient historians regarding the rural land­ scapes and land use of ancient Greece.

T h e m aterial culture o f rural ‘farm stead’ sites Most of the discussion of small rural sites discovered by archaeological survey has been in terms of locational and spatial analysis. Archaeologists have focused on examining the patterns of distribution of these small sites across the countryside in relation to each other, natural features and resources (water sources, soils, geol­ ogy, etc.), and larger, nucleated settlements. Larger archaeological features such as presses and millstones have regularly been used to argue for the existence of par­ ticular activities (cereal processing, oil production) on these sites. In contrast, the ceramic assemblages have been treated largely as chronological indicators. This is hardly surprising, as so much of the pottery found in survey consists of small fragments in poor condition. However, more information about these sites and their occupants can be gained from a closer examination of these material remains in context. The issue of what these small sites represent, how they relate to land tenure and rural occupation, and who lived in them has been much debated in recent years. When is a ‘farmstead’ a farmstead? And what does the notion of ‘farm­ stead’ mean in any case in the context of ancient Greek countrysides3? How do ‘sites’ relate to background scatter, which in some areas, expecially near centres

Change in a G reek R ural Landscape. T h e Laconia Survey, vol. II (L o n d on 1996); M elos: C. R en frew , J . M. W agstaff (eds.), A n Island Polity. T h e A rch aeology o f E xploitation in M elos (C am bridge 1982); K eos: J. F. Cherry, J. L. D avis, E. M antzourani, Landscape A rchae­ ology as L ong T erm H isto ry : N o rthern K eos in the C y clad ic Islands from Earliest Settlem ent until M odern Tim es (L o s Angeles 1991); M essenia and Pylos: W. A. M acD onald, G. R. Rapp, T h e M innesota M essenia Exped ition: R econ stru ctin g a B ron ze Age Regional E nvironm ent (M inneapolis 1972);/. L. D avis, S. E. A lcock, T h e P ylos R egional A rchaeologi­ cal P roject, http://classics.lsa.um ich.edu/PRAP.htm l. 2 D em a H ouse: J. E. Jo n es, L. H. Sackett, A. J. G raham , T h e D em a H ouse in A ttica, in: BSA 57 (1962) 7 5 -1 1 4 ; Vari H ouse: J. F. Jo n es, A. J. G raham , L. FL Sackett, A n A ttic C ountry H ouse B elo w the Cave o f Pan at Vari, in: B SA 68 (1973) 3 5 5 -4 5 2 . T h e B erbati-L im n es P ro­ ject has recently excavated and published a ‘farm stead’ site: D. J. B lackm an , A rchaeology in G reece 1 9 9 7 -9 8 , in: A rchaeological R ep orts 44 (1998) 1—128; A. Pentinnen, B erbati between A rgos and C o rin th : T h e Excavations at P yrgouthi in 1995 and 1997 from the E arly Iron Age to the E arly R om an Period (Stockh olm 2001). 3 See R. O sborn e, Is it a Farm ? T h e D efinitio n o f A gricultural Sites and Settlem ents in A ncient G reece, in: B. Wells (ed.), A griculture in A ncien t G reece (Stockh olm 1992) 21—8; D. K. Pettigrew , C hasing the Classical Farm stead: A ssessing the F orm ation and Signature ot R ural Settlem ent in G reek Landscape A rchaeology, in: Jo u rn al o f M editerranean A rchaeol­ ogy 14.2 (D ecem ber 2001), w'ith responses by R obin O sborn e and Lin Foxhall.

Sm all, R u r a l F a r m s t e a d Sites in A n c i e n t G r e e c e

251

of dense population is nearly as heavy as the artefact densitiy found on ‘sites’4? Surprisingly, detailed analyses of ceramic assemblages have barely ever been used to address these questions.

Problem s o f interpretation Collections of survey pottery suffer from a number of in-built biases. Because pottery is so important for dating, archaeologists in the field have tended to see, collect, keep and analyse those sherds most likely to serve as diagnostic chro­ nological benchmarks. The ceramic styles of some periods (notable classical and late Roman) are more likely to be seen, collected, and dated than those of other periods5. Within these periods, some wares and shapes are more immediately identified than others and are thus more likely to be collected (the combed and grooved ware amphorae of the Roman and Late Roman periods offer a good example). Also, the total ceramic repertoire of different periods varies enor­ mously: on all kinds of sites some periods display a greater range and diversity of shapes in use than other periods6. Finally, it is important to remember that pot­ tery found in survey (and generally also in excavation) must normally represent discarded items which were either broken in use and thrown away, or else left behind when the site was abandoned. Obviously, these were not usually valuable items. However, unlike the pottery assemblages found on domestic sites in towns, it is more likely that on rural sites generally, especially those in remote lo­ cations, there was probably relatively little post-abandonment deposition of ma­ terial, even if some material might relate to secondary or less intensive uses of a site.

R esearch questions The following analysis is based upon the detailed comparison of datable artefact assemblages from what appear to be several different kinds of site in order to ad­ dress the following questions:

4 An im portant issue that w ill not be addressed in this paper. Se e ]. B in tliff, A Snodgrass, O ff Site P ottery D istribu tions: A R egional and Interregional Perspective, in: C u rren t A n th ro p o l­ ogy 29 (1988) 5 0 6 -1 3 ; S. E. A lco ck ,]. F. Cherry, J. E. D avis, Intensive Survey, A gricultural Practice and the Classical Landscape o f G reece, in: I. M orris (ed.), Classical G reece: A ncient H istories and M odern A rchaeologies (C am bridge 1994) 1 3 7 -7 0 ; Pettigrew , C hasing the Classical Farm stead (n. 3). 5 L . g Bintliff, P. H ow ard , A. Snodgrass, T h e H idden Landscape o f Prehistoric G reece, in: Journal of M editerranean A rchaeology 12 (1999) 139-68. 6 R. F. Sutton, Jr., C eram ic Evidence fo r Settlem ent and Land U se in the G eom etric to H e l­ lenistic Periods, in: C herry et al., Landscape A rchaeology (n. 1) 2 4 5 -6 3 .

252

Lin Foxhall

-

How well does survey pick up these activities, in contrast to excavation? Are assemblages derived from survey and excavation comparable? What if any thing is distinctive about assemblages of small rural sites? How do the ceramic assemblages of isolated ‘farmstead’ sites compare with those from other domestic sites, in villages or towns? - D o assemblages provide clues to activities carried out at these sites? - D o assemblages offer evidence of kinds of people who inhabited these sites, e.g. in terms of status, gender, etc. - D o artefact assemblages provide evidence for different uses of these sites in dif­ ferent periods?

C om p o site rural sites: M ethana In order to produce comparable bodies of data some clustering of material was es­ sential. The body of small rural ‘farmstead’ sites’ which I have analysed are those from Methana7.1 have selected my sample from two groups of site clusters (fig- i): 1) Three groups at 400-500 m altitude: A) above Kaimenikhora and Makrilongos (MS120, M S121, MS122, MS123) B) above Megalochori (MS214, MS215, M S216, MS218) C) above Vromolimni (MS109, M SI 10) 2) Sites and groups of sites associated with relatively flat land at lower altitudes A) M SI 8, very small site on good agricultural land near Ogha (MS67) B) plain of Throni - largest area of flat land in Methana (M SI, MS2, MS3, MS4, MS5, MS6) C) MS7, between the polis site (MS10) and the modern village of Meghalokhori These sites have been analysed individually (see Appendix), but because no one site has very large amounts of material associated with it, I have carried out much of the analysis using a composite of all of these individual assemblages combined in order to compile a ‘critical mass’ of material for statistical credibility (figs. 2, 3). I realise that this will blur the differences between the sites (and demands further work), but my working hypothesis (which I think is borne out by the results) was that there are more differences between these small isolated rural sites, on the one hand, and nucleated settlement sites, on the other hand, than there are between the individual small rural sites themselves.

7 M ee, Forbes, R ough and R o ck y Place (n. 1).

Sm all, R u r a l F a r m s te a d Sites in A n c i e n t G r e e c e

(^ )

253

- Sites included in com posite sample - N ucleated settlem ents

Figure 1: Map o f Sites Discussed, a n d S m all R u ral Sites in C om posite Sam ple on M ethana.

Lin Foxhall

254

1Ä pi-hos

Figure 2: M ethana Sm all R u ral Sites: C om posite Sam ple (C -H E % ).

F ig u re 3 : M eth a n a S m a ll R u r a l Sites: C o m p o site S a m p le ( R - L R % ).

Sm al l, R u r a l F a r m s te a d Sites in A n c i e n t G r e e c e

255

C om paranda Within Methana I have compared the composite sample of small rural sites to a larger site which appears to have been a ‘village’ during classical times, but was resettled as a ‘farmstead’ in the late Roman period. MS67 (Ogha) is situated on a small defensible hill near the coast. It was an important settlement from the early iron age through hellenistic times, but also served as a centre of prehistoric activity (figs. 4, 5). The other sites on which I have drawn for comparative material are: 1) Dema House. This was a ‘suburban’ country house, located near the Dema Wall in Attica, dating to the later fifth century B C , excavated in the 1950s (fig. 6)s. 2) Vari House Qones et al. 1974). This was a relatively remote Attic farmstead on M t Hymettos on the way up to the sanctuary of Pan, dating to the fourth c. B C , excavated during the 1960s (fig. 7)9 3) Halieis houses: House 7, House A, House D (Ault 1994). Halieis was a small to medium sized polis in Southern Argolid, Peloponnese. During the fourth century a considerable amount of housing was built in a grid plan, these hotises were excavated during the 1970s and have been carefully studied by Brad Ault (figs. 8—10 )10. irxJeiefminate 5.4% 0.4% püchgr

krater 1.4%

: '■ ' i

1 -handler 0.7%

cop 9.0%

;

Figure 4: M ethana MS67 (C -H E % ). s Jon es et al., T h e D em a H ouse (n. 2). 9 Jon es et al., A n A ttic C o u n try H ouse (n. 2). 10 B. Ault, Classical H ouses and H ousehold s: A n A rchitectural and A rtifactual Case Study from H alieis, G reece (P h .D . Thesis, Indiana U niversity 1994).

L in Foxhall

256

bathiiib 0 .4% lou'.er

0 .7 % .....

F ig u r e 6: D e m a H o u s e (% ).

. \

pithos 1.9%

Sm all, R u r a l F a r m s t e a d Sites in A n c i e n t G r e e c e

Figure 7: Vari H ou se (%).

cw storage

11%

12% Hgure 8: H alieis H ou se A (%).

257

L in Foxhall

258

9%

11%

Figure 9: H alieis Flo use D (%).

cw storage

10%

F ig u re 1 0 : H a lieis H o u s e 7 (% ).

Sm all, R u r a l F a r m s t e a d Sites in A n c i e n t G r e e c e

259

Backgroun d assum ptions With survey material, I have assumed for the sake of the analysis that one sherd = one pot. This is almost certainly not strictly true, but the assumption is counter­ balanced by large numbers of indeterminate sherds and sherds which can only be specified as originating from ‘open’ or ‘closed’ vessels. Sherd counts derived from excavated material are by vessel (one pot = one pot). I have also assumed that, generally, open vessels in the Greek/Roman repertoire are for eating, drinking, cooking, processing, serving food and wine. Closed vessels, in contrast, are for storage, transport, serving, food, liquids, and other commodities (e.g. perfume). Again, this is not always strictly true, and we do not always know the full range of primary and secondary uses for which particular ceramic vessels (and tiles) were employed. Pottery fabrics have also been cradely categorised (often by the original investigators) as fine (F), medium (M) and coarse (C) wares. This might offer some indication of possible functions, e.g. table wares vs. cooking/processing/storage. Because of the relatively small numbers involved, and the difficulties of closely dating much of the ceramic material (especially from survey, but sometimes also from excavation - some plain black glazed, plain ware and coarseware shapes had a very long lifespan), artefacts have been crudely grouped chronologically as Classical-Hellenistic and Roman-Late Roman. The problems of assessing the signifi­ cance of sherds which can be dated only to within two or even three ceramic peri­ ods (e.g. A -C , A -H E , C -H E ) have been thoroughly discussed by Cherry, Davis and Mantzourani in relation to survey on K eos11. The findings in this case are fairly typical of all survey projects in the Greek world: a considerable proportion of finds can only be roughly dated within ‘classical’ times, sensu lato, but can with certainty be assigned to this era. For the Methana material, the C -F tE chronologi­ cal range has been the main focus of this investigation, though I have discussed these in comparison to the R -L R assemblages at the end of this paper. O ften both elements are present on the same site, although the balance varies. O n many sur­ vey sites other elements are present as well (e.g. prehistoric, early iron age/archaic, mediaeval) - for the purposes of the present analysis these other elements have been ignored. For the purposes of this paper I have not attempted to apply any statistical methods beyond simple comparison of percentages. The available data are very crude, and the sample used here is so small that more sophisticated analyses are likely to lack statistical validity. Nonetheless, simple tabulation of this ceramic material produces some interesting and significant results, even if it is not safe to push the evidence too far.

n ]■ h C herry,]. L. D avis, E. M antzourani, G reek and R om an Settlem ent and Land U se, in: C herry et al., Landscape A rchaeology (n. 1) 3 2 7 -3 3 .

260

Lin Foxhall

Results Some important differences between data derived from excavation and that from survey, of course, emerge from the analysis. N ot surprisingly, excavation generally produces greater quantities of material, and some (but not always a great many) more ‘diagnostics’. Again it is not surprising that pottery from excavated sites is generally better preserved. The large numbers of vessels which can be identified as only ‘open’ or ‘closed’, and the significant numbers of indeterminate sherds found in survey data, form much smaller categories in excavated material. However, many isolated ‘farmsteads’ are shallow sites, which have often been subjected to erosional processes, and were occupied for only a relatively short time in any par­ ticular period or phase (even if they were occupied in more than one period). In consequence, the comparison of excavated and survey data is perhaps more straightforward than it might appear initially. It is clear from this exercise that virtually the same range of pottery, in broadly similar proportions, has been collected from both survey and excavation, where the contexts are broadly comparable. In other words, nucleated/urban/suburban sites, whether represented by survey or excavated material, present a different profile of ceramic assemblages from isolated rural sites (again, irrespective of whether these are represented by survey or excavated material). This demon­ strates what most of those engaged in archaeological survey suspected already, that surface survey picks up a reasonably good sample of the pottery that was originally associated w'ith a site. Comparison of the relative proportions of particular types of pottery within assemblages clearly demonstrates that different kinds of sites have discernably dif­ ferent kinds of assemblages. Most strikingly, it emerges that the sites analysed can be classified along a ‘rural-urban’ continuum, with the Vari House and the Me­ thana rural sites at the extreme ‘rural’ end and the Halieis houses at the extreme ‘urban’ end. This analysis suggests considerable differences in the types of assem­ blage found at the Vari and Dema houses, with the Dema house assemblage dis­ playing a significantly more ‘urban’ character. Within the category of isolated rural sites, the range of pottery found is very similar. Plain black glazed (B G ) finewares are ubiquitous, even if they are present in any individual site in very small amounts. O nly two Methana sites, located in close proximity to each other, produced B G stamped ware (Megarian bowls) in small quantities: MS120 (2) and MS121 (1) (see Appendix). However, MS120 is a largish and complex multiperiod site which may be somewhat unusual. This pat­ tern strongly suggests that B G fineware pottery, broadly speaking is n o t a status indicator, confirming the arguments of Vickers and G ill12. F ig u red pottery, how­ ever, is another matter. Black figured (BF) and red figured (R F) wares are entirely absent on the small rural sites studied here (on Methana a few pieces show up on

12 M. Vickers, D. Gill, A rtful C rafts: A ncient G reek Silverw are and P ottery (O x fo rd 1994).

Sm all, R u r a l F a r m s t e a d Sites in A n c i e n t G r e e c e

Halieis House 7 Halieis House A Halieis House D Dema House Vari House Methana MS10 Methana MS60 Methana MS67 Methana rural sites

261

13 9 16 6 2 1 5 5 0

Figure F l: N um bers o f Figu red Pots/Sherds fro m Flaiieis H ouses, D em a a n d Vari H ouses an d M ethan a sites.

MS 10, the polis site). In contrast, B F and R F wares are present, sometimes in sub­ stantial amounts, on more suburban and urban sites, such as the Dema House, and the urban houses in Halieis (fig. 11). The proportion of fineware cups in the assemblage, and the range of ceramic types found appear to be the most two significant features differentiating isolated rural sites from nucleated villages or urban houses. For Methana, roughly the same range of pottery (including cup) types appears in the nucleated settlement (MS67) as on isolated rural sites, though significantly the proportion of fineware cups is nearly three times as great on MS67 (25.5% % as compared with 9.6% for the composite rural sites)13. The figure for MS67 (25.5% ) is very close to that for the Dema House (24.5% % , and a little lower than for Halieis houses A (30% ), D (30% ) and 7 (27% ). The figure for the Methana rural sites (9.6% ) is, however, much closer to that for the Vari House (13.7% ) (fig 12). Similarly, the proportions of skyphoi are clearly substantially higher on the more ‘urban’ sites (MS67, Dema House ) than on the more ‘rural’ sites (Methana composite, Vari House) (fig.13, 14). The available data from Flaiieis do not allow the calculation of what percentage of the total assemblage is comprised of any par­ ticular shape, however it is clear from the percentage of skyphoi among the cata­ logued finds (the nicest and most diagnostic pottery) that the proportion of skyp­ hoi was at the higher end of the scale, in line with the pattern at Methana MS67 and the Dema Flouse (fig. 15-17). Some less common shapes appear almost ex­ clusively in more ‘urban’ contexts, among them the lekythos, pyxis, lebes gamikos and askos (fig. 14). The kylix appears only in the fifth century Dema house, but never in isolated rural sites. Kantharoi, to some extent the fourth century and H el­ lenistic equivalent of the kylix, appear more regularly but in very small numbers everywhere (figs. 14-17).

13 F or both M S67 and for the M ethana com posite rural sites figures, a p ro p ortio n of the vessels classed sim ply as ‘op en ’ shapes were probably finew are cups, so the proportions given are probably on the low side. T h e figure for M ethana rural sites includes the three Meganan bow ls (the only other high quality finew are); w ithout these the percentage o f fineware cups in this sam ple o f sites is 7 .6 % .

262

L in Foxhall

M ethana com posite

Methana MS67

Figure 12: P ercentage o f F in ew are Cups in the C eram ic A ssem blages fr o m M ethana, Vari H ouse, D em a H ou se a n d H alieis Houses.

In contrast, the ceramic assemblages of the Vari house and the Methana rural sites appear to have slightly higher proportions of ‘cooking/processing’ pots com­ pared to ‘serving/eating’ or even storage vessels (figs. 2, 4, 6, 7). In this regard the Dema House is interesting for the very high proportion of amphorae (22.7% ) compared to other sites, nearly twice as high a proportion as the Vari House (12.1% ) and Methana rural sites (12.8% ) and over three times as high as Methana

Methana rural sites

M ethana MS67

Figure 13: P roportion o f S kyphoi in A ssem blages fr o m M ethana, Vari H ou se a n d D em a H ou se (%).

Sm al l, R u r a l F a r m s te a d Sites in A n c i e n t G r e e c e

skyphos Methana rural sites Vari House Dema House Methana MS67

2.8 0.8 9.7 11.9

kylix 0 0 1.5 0

kantharos krater 2.4 0 0 2.5

0.8 1.5 0.7 1.4

263

lebes pyxis lekythos askos gamikos 0 0 0 0 0 0 0 0 0.7 0.4 1.5 0.7 0 0 0 0

Figure 14: Unusual Fin ew are Shapes in A ssem blages fr o m M ethana, Vari H ou se a n d D em a H ou se (%).

skyp h o s

3.8%

Figure 15: H alieis H ou se A: C a talog u ed C eram ic Finds (C -H E % ).

MS67 (6.5% )14. Relatively larger proportions of lekanis/lekane in the Vari house, Dema house or Methana rural sites may suggest that these vessels were used for both cooking and serving/eating, especially in the last case where proportion of bowls is very low. Among the catalogued finds from the Halieis houses there are relatively few of these vessels, but it is impossible to ascertain what percentage of the total assemblage they comprise (figs. 15-17). Though storage and food pro­ cessing appear to have been relatively important activities on rural sites, they were

14 Figures for the percentage o f am phorae as a p roportion o f the total assem blage are not available for the Flalieis houses, but m ight, especially in the case o f H ouse 7, be nearly as high, see Ault, Classical H ouses and H ousehold s (n. 10) 103.

L in Foxhall

264

in d e te rm in a te 2 .2 %

lo p a s 4 .4 % m o rta r s tra in e d

0.7%

p yxis/lekanis7 /0

1-5%

Figure 16: H alieis H ou se D : C atalog u ed C eram ic Finds (C -H E % ).

3%

F ig u r e 17: Flaiieis H o u s e 7: C a ta lo g u e d C e ra m ic F in d s ( C - H E % ) .

Sm all, R u r a l F a r m s te a d Sites in A n c i e n t G r e e c e

265

plainly important on more urban.sites too. Certainly storage and processing does not appear to be the only, or even necessarily the main, function of C -H E rural sites. Loom weights and spindle whorls form another interesting category of ma­ terial, notable in some cases by their absence. Proper comparison across sites is not feasible because the numbers are too small15. O n Methana, a few were found off site, but none were discovered on any site. Two loom weights and two spindle whorls were found in the Dema house and one spindle whorl was found outside the Vari house. In contrast, small numbers of conical and trapezoidal loomweights, one distaff top, two spools, but no spindle whorls, were found in the Llalieis houses (fig. 18). The finds at Llalieis are paralleled at Olynthos, where many

conical loomweight Halieis House 7 Halieis House A Halieis House D Dema House Vari House Methana

pyramidal loomweight 5 2 7 2

distaff top

spool

spindle whorl

5 6

5

1

2

2 1 off-site

Figure IS: Finds associated w ith Textile Production fr o m H alieis, D em a H ouse, Vari House an d M ethana.

loomweights and spindle whorls were found all over the urban houses, and in very large numbers in a few houses16. It is not easy to explain this pattern of finds con­ vincingly. It is possible that textile production was predominently an urban activ­ ity, only rarely located in the countryside. Or, perhaps when houses were aban­ doned and cleared, more effort was given to removing equipment for textile pro­ duction from rural houses than from urban ones (many more relatively valuable and ‘high status’ items such as metal and coins are found on urban sites than on rural sites). Whatever the explanation, the ‘urban-rural’ continuum emerges clearly in the pattern of distribution of textile related finds.

15 O th er survey projects also record only small num bers o f loom w eights, spindle w horls and other weaving equipm ent, cf. R. F. Sutton, Jr., C eram ic Evidence for Settlem ent and Land Use (n. 6) 2 5 5 -6 . 16 N. D. Cahill, O ly nthu s: Social and Spatial Planning in a G reek C ity (P h .D . D iss., U niver­ sity o f C alifornia, B erkeley 1991) 3 5 5 -6 ; O lynthu s and G reek Tow n Planning in: Classical W orld 93 (2000) 5 0 4 -5 .

266

L in Foxhall

R o m an -L ate R o m an ‘farm steads’ on M ethana The Roman-Late Roman (the bulk of the material is LR ) occupation of rural sites on Methana is very different in character from that of the C -H E era. Most of the pressing equipment for wine and oil production discovered on the peninsula dates to this period. In some cases architectural remains are more evident in the LR period. ‘Farmstead’ assemblages exhibit more coarse ware and fewer fine wares, and there are far more closed, storage vessels in proportion to open vessels for serving and consuming food and drink in comparison with the C -H E assem­ blages. Amphorae alone comprise a remakable 48.6% of the pottery on Methana rural sites (and probably some proportion of the 20.6% of closed vessels), while on MS67, now a ‘farmstead’ site, amphorae represent 59.1 % of the pottery (figs. 3, 5) Though this trend must be partially a reflection of the fact that the R -L R ce­ ramic repertoire was quite different from that of the C -H E period, the differences in types with the assemblages seem too extreme for this to be the whole expla­ nation. These differences from C -H E times underpin the idea that rural sites served dif­ ferent functions in these two periods. The material evidence suggests that the R L R occupants of remote rural sites have less contact with the the one remaining nucleated settlement (MS10, the polis site) than in the C -H E period. They may be of lower status in the overall Roman hierarchy in comparison with C -FIE inhab­ itants. The evidence suggests a landscape which is much more centrally controlled, with more emphasis on production for outside the immediate area than on inter­ nal subsistence.

C on clusions Similar ‘domestic’ assemblages emanate from both systematic, intensive surface collection and from excavation on rural sites of the C -H E period, including pot­ tery for drinking, eating and cooking. B G fine wares are relatively common, es­ pecially fineware cups. However, there are discernable and (I would argue) signifi­ cant internal differences in ceramic assemblages along what one might call an ‘urban-rural’ continuum. This suggests the existence of complex and volatile settlement hierarchies in poleis and their territories, where the countryside is in­ habited in quite a different way than the nucleated settlement centres, in some cases by people of rather different socio-economic statuses. If the inhabitants of the Halieis houses can be called ‘urban’, the occupants of the Dema House might be called ‘suburban’: the material remains suggest that this is a county house be­ longing to relatively wealthy owners. In contrast, the isolated rural sites on Me­ thana, like the Vari house, present a rather different level of material cultural re­ mains and wealth. Rural sites like these were not as intensively occupied as Greek town and ‘suburban’ houses. The scarcity of weaving equipment may suggest that

Sm all, R u r a l F a r m s t e a d Sites in A n c i e n t G r e e c e

267

the full range of domestic activities was not carried out at these small rural dwell­ ings. The use of some of these sites might have been combined with habitation in a nucleated settlement such as M S6717. The low level of material remains on many of these sites suggests that most of the small rural sites documented were not oc­ cupied for very long at any one time, and it is likely that not all were occupied sim­ ultaneously. The ‘life cycles’ of these sites may have been complex, with sites going in and out of use, or with use varying in intensity, over very short periods of time. Remarkably few rural sites of the C -H E period provide evidence of agricultural processing on any substantial scale, probably because many of these activities would not be documented by ceramic evidence alone (all that survives in many cases), and because of the small scale and portable, transitory nature of classical processing equipment. However, even activities such as textile production, which we might expect to be associated with rural life, are more poorly documented on rural than on urban sites. The material cultural patterns of the C -H E period, on the one hand, suggest the values of a Greek polis, in which the urban centre and the territory were perceived as a continuum, unified within a single, self-contained political entity. Though in­ tegrated into to the wider Aegean world, there is a network of closely connected small, medium, and large sites, linked by individual moving between them. The RLR pattern suggests that we are looking at a landscape which is now only a small part of a much larger hierarchy of Aegean occupation. Though the urban inhabit­ ants may have identified themselves with Rome, they do not appear to identify themselves closely with their own countryside, despite the apparent density of rural occupation. This paper is really only the start of a much larger project. Plainly, the detailed analysis of small site assemblages of the kind I have undertaken here demands much further work and larger samples. However it is clear that such analyses can contribute much to our understanding of Greek countrysides and polis territories over time.

17 Methana had three nucleated settlem ents in classical tim es: M S60, M S67 and M S 10 the polis site and largest o f these settlem ents, see M ee, Forbes, R ou g h and R o ck y Place 65.

268

Lin Foxhall

A ppendix: M ethana R ural Sites: R aw D ata (Derived from C. Mee and H. Forbes, Rough and Rocky Place, Appendix 4, 2 8 3 343.)

M E T F IA N A M SI F C -H E open kantharos lekane closed am phora R -L R open mug dish closed am phora lamp

M

C

1 1

F C -H E open krater lekane louterion closed R -L R closed am phora

1 1

M E T H A N A M S2

1 i 2

1

M E T H A N A M S5 F

C -H E open skyphos krater indeterm inate closed jar am phora R -L R closed am phora jar

1 7 2

M E T F IA N A M S4

1

1 1 3 13 1

closed am phora indeterm inate

M

F

C C -H E open skyphos kantharos bow l fishplate lekane cooking pot indeterm inate closed am phora

2 1 1 1 1 2 3 7 1 1

jug jar

5 3 2 1 1 1 1 2 1 1

M E T H A N A M S3 F C -H E open lekane basin m ortar closed hydria am phora

iar

indeterm inate R -L R open lekane

M

c

M E T H A N A M S6 F

1 2

1 1 1

i 2

3 1

1 3

1

C -H E open bosal/skyphos cup bow l lekane basin closed am phora jug jar indeterm inate

1 1 2 2 1

1 1 2 2 2

Sm all, R u r a l Fa r m s te a d Sites in A n c i e n t G r e e c e

R -L R open bowl closed am phora

2 1 1

2

M E T H A N A M S7 C -H E open skyphos kantharos cup bow l lekane lopas chytra cooking pot closed hydria indeterm inate R -L R open kantharos 1-handled mug bowl dish cooking pot closed amphora

F

M

4 1 1 1 1 2

2

C

3 1 1 1 2 6 5 1 1 1

1

1 20 16

2 2 1 1

3 1

F

M

C

jug

M E T H A N A M SI 8 C -H E open plate cooking pot indeterminate

4 1 1 3

M E T H A N A M S 109 F C -H E open closed R -L R open 2 lekane 1 cooking pot closed amphora 6

M

M E T H A N A M S I 10 F C -F IE open lekane 2 lopas 1 closed am phora 7 3 jug jar 3 pithos M E T F IA N A M S120 F C -E H E open 12 skyphos 1 1-handler 1 kantharos 1 lekane 1 lopas chytra 1 cooking pot closed 1 am phora 1 3 jug lamp 3 indeterm inate 2 HE open 3 Meg. bow l 2 closed 3 am phora 1 1 jug R -L R open 1 beaker 1 chytra cooking pot closed 7 am phora 5 jug lamp 1

269

M

1 2

M 1

1 5 1 6

1 1 2 6 1

C

2 3 2 1 2 2

M E T H A N A M S121 F C -H E open 7 M eg. bow l 1 lopas closed 1 )'ug am phora 1

M

1

L in Foxhall

270

M E T H A N A M S122 F C -F IE 3 open 1 kantharos indeterm inate 1 R -L R 3 open 1 bow l i lekane chytra cooking pot 5 closed 21 am phora 3 jug jar 3 1 lamp M E T H A N A M S 123 F C -H E 7 open 1 bow l 2 lekane 1 lopas co ok ing pot 1 closed 5 am phora 4 jug indeterm inate R -L R 4 open co ok ing pot closed 6 am phora M E T H A N A M S214 F C -H E 10 open 2 bosal 2 M eg. bow l 1 bow l chytra lid co ok ing pot closed am phora

M

1 1 1 4 1

M 1

3 1 1 1

1 1

M

1 1 2 1

indeterm inate R -L R open closed am phora

1 3

jug

1

2

M E T H A N A M S 215 F C -F IE 7 open R -L R closed am phora M E T H A N A M S216 F C -H E open lekane 1 closed 1 am phora R -L R open 3 bowl 2 1 lekane 1 co ok ing pot basin 1 closed 9 am phora 1 flagon 1 j ar indeterm inate 1 M E T H A N A M S218 F HE open bow l 1 lekane R -L R 2 open 2 dish lekane 1 closed 1 am phora flagon 1 jug

M 3

1

M

1 1 5

M

1

1 9 3

Thomas Marksteiner D er Bonda-Survey: Archäologische Feldforschungen auf dem Territorium der ostlykischen Polis Limyra Der Bonda-Survey hat sich die feldarchäologische Untersuchung eines zwischen den Küstenebenen von Finike und Demre gelegenen, steil aus der See ansteigen­ den Flöhenzuges zur Aufgabe gemacht (Abb. 1), der, wie Schriftzeugnisse bele­ gen, zumindest in der Kaiserzeit dem Polisterritorium von Limyra zugehörte1. Dieses heute nur auf Maultierpfaden erreichbare und von Wanderhirten saisonal genutzte Hochland, durch welches einst eine in dem Stadiasmos von Patara sowie in der Tabula Peutingeriana verzeichnete Straßenverbindung von Kaunos über Telmessos nach Myra und Attaleia verlief2, war, wie zahlreiche teils ausgedehnte Niederlassungen belegen, in antiker und nachantiker Zeit dicht besiedelt. Bei der Auswahl des Bonda-Gebietes für eine archäologische Prospektion wurden fol­ gende Kriterien vorrangig gewichtet: eine Zugehörigkeit zum Polisterritorium von Limyra, ein guter Erhaltungszustand der Baubefunde sowie eine möglichst deutliche, in der Topographie vorgegebene naturräumliche Abgrenzung3. Schon seit Beginn der 70er Jahre des 20. Jahrhunders führten Mitarbeiter der Limyra-Grabung punktuelle Untersuchungen im Umland des Poliszentrums durch. Insbesondere J. Borchhardt und G. Stanzl unternahmen zahlreiche Bege­ hungen, im Zuge derer sie antike Befunde beschrieben und kartierten: Die Ergeb-

1 Das Feldforschungsunternehm en wurde im R ahm en des Forschungsprogram m es der L i­ m yra-G rabung des In stitutes für K lassische A rchäologie der U niversität W ien durchgeführt und durch den Fonds zur Förderung der W issenschaftlichen Forschung der R epublik Ö ste r­ reich finanziert. Zu V orberichten zum B ond a-Survey s. s. A. Konecny, Th. Marksteinei-, in: X V I. Kazi Sonuglari Toplantisi II (1995) 2 3 7 f.; dies., in: X V II. Kazi Sonuglari Toplantisi II (1996) 1 4 6 f.; dies., in: X V I II. Kazi Sonu$lari Toplantisi (1997) 173 ff.; dies., in: X I X . Kazi Sonu<;lavi Toplantisi II (S998) 2 6 f.; dies. Ö Jh 96 (1997) B eib l. 3 9 0 ff.; A. Konecny, B. M arkstei­ ner, Th. M arksteiner, in: X X . K azi Sonuclari Toplantisi II (1999) 142 ff.; dies., in: X X I . Kazi Sonuijlari Toplantisi II (2000) 8 6 f. 1 Zum Stadiasm os von Patara s. etwa S. §ahin, Lykia 1 (1994) 1 3 0 ff. Zu dieser W egeverbin­ dung s. etwa T A V O B V 15.2 Lykien und Pam phylien; Verf., in: F. K olh (H rsg .), Lykische S tu ­ dien 1. D ie Siedlungskam m er von K yaneai in Lykien (Asia M in o r Studienreihe 9, 1993) 97. 3 Dazu s. Verf. in: K. B elke, F. H ild ,J. Koder, P. Soustal (H rsg.), B yzan z als R aum , D en k -

272

T h o m a s M a r k s te i n e r

A bbildu n g 1

nisse dieser Surveys flössen in Karten des Territoriums und Vorberichte ein4. Der Verfasser beschäftigte sich mit einer Gruppe von Befunden, die Stanzl dem Defen­ sivsystem der Polis zugeschrieben hatte, bei denen es sich jedoch um landwirt­ schaftliche Einrichtungen und Gehöfte handeln dürfte5. A. Konecny untersuchte und veröffentlichte mehrere Turmgehöfte auf dem Territorium von Limyra6. Die erste systematische Oberflächenuntersuchung wurde durch J. Koder und R. Jakobek im Westbereich des Polisterritoriums durchgeführt, wobei spätantike und byzantinische Siedlungsbefunde im Zentrum des Interesses standen, aber auch antike Bauten kartiert und teils auch durch Archäologen der Limyra-Grabung aufgenommen und veröffentlicht wurden7. Die nachantiken Siedlungsbefunde blieben jedoch weitgehend unpubliziert. 4 s. etwa G. Stanzl , 7. Kazi Sonu^lari Toplantisi (1985) 4 4 0 -4 4 2 . 5 Verf. , Ö Jh 63 (1994) 95 ff. 6 A. Konecny, D en k sch rift W ien 235 (1993) 4 7 ff.; ders., H ellenistische Turm gehöfte in Zen­ tral- und O stly k ien (1997) 15 ff. 7 s. R. Ja c o b e k , Jah rb u ch der Ö sterreichisch en B yzan tin istik 42 (1992) 2 8 7 ff.; A. Konecny, Lykia 1 (1994) 1 2 4 -126; Verf., in: F. B la ko lm er et alii (H rsg .), Frem de Zeiten, Festsch rift für J. B orch h ard t I (1996) 85.

D er Bonda-Survey

273

Das Territorium von Limyra war also zu Beginn des Bonda-Surveys im Jahr 1994 schon vergleichsweise gut bekannt. Forschungsreisende, die das abgelegene und schwierig zu erreichende Bonda-Gebiet vor Errichtung der Küstenstrasse durchquert hatten, berichteten von Turmbauten am Wege und Sarkophagen mit Inschriften8. J. Borchhardt besuchte das Gebirgsland in den 70er Jahren9; seine Berichte gaben den Anstoß zur Aufnahme der Surveyarbeiten durch den Verfasser in Zusammenarbeit mit den Archäologen A. Konecny und B. Marksteiner sowie dem Epigraphiker M. Wörrle.

D ie Topographie des Surveygebietes Das etwa 20 km2 umfassende Surveygebiet liegt in den südlichen Bereichen eines steil aus der See aufsteigenden und sich wie ein Keil zwischen die Küstenebenen von Finike/Limyra und Demre/Myra schiebenden Ausläufers des Akdag-Massives. Die nördliche Grenze des Untersuchungsgebietes wird durch ein westlich des Hafenortes Finike/Phoinikous/Phoinix gelegenes, tief eingeschnittenes Trocken­ tal angezeigt, während im Nordwesten die steil ansteigenden und hochgebirgsartigen Charakter annehmenden Höhenbereiche eine natürliche Grenze für menschliche Ansiedlung gebildet zu haben scheinen.

D ie naturräum lichen G rundlagen Der Naturraum des Bonda-Gebietes kann am besten als stark bewegte Bergland­ schaft charakterisiert werden, die durch Kuppen und Grate sowie dazwischen be­ findliche Talfurchen gegliedert wird. Die wenigen landwirtschaftlich nutzbaren Binnenebenen sind relativ kleinflächig, so daß als Nutzland vor allem Hänge zur Verfügung standen, auf denen Terrassenwirtschaft betrieben werden konnte. Die nördlichen Höhen waren wohl in der Antike wie auch heute noch dicht bewaldet und mögen forstwirtschaftlich genutzt worden sein. Im gesamten Bonda-Gebiet fehlen natürliche Fließwasservorkommen, so daß die Wasserversorgung auf Z i­ sternenwirtschaft basierte. Dadurch ergab sich zwangsläufig eine Tendenz zur Siedlungskontinuität im Bereich der in der Errichtung aufwendigen Wasserspei­ cher. Auch die heutigen Viehzüchter und Wanderhirten nutzen noch die antiken Zisternen und sorgen auch fallweise für deren Instandhaltung.

8 7. A. B. Spratt, E. Forbes, Travels in Lycia, M ilyas and C ibyratis I (1847) 143 f.; Freya Stark, Auf den Spuren Alexanders (1962) 176 ff.; R. H eberd ey , E. K alin ka, B ericht über zwei R eisen im Südwestlichen Kleinasien, D en ksch rift W ien 45 (1896) 15. ]■ Borchhardt, in: ]. B orchhardt et alii, M yra. E in e lykische M etropole in antiker und byzantinischer Zeit, in: IstF o rsch 30 (1975) 91 und A nm . 149.

274

T h o m a s M arksteiner

D ie Siedlungslagen Alle größeren dörflichen Ansiedlungen des Bonda-Gebietes befinden sich in Kuppen- oder Gratlage. Dies mag zumeist mit dem wehrhaften Charakter der frühen Niederlassungen, andernfalls aber auch mit Wunsch, Nutzland von Ver­ bauung freizuhalten, in Zusammenhang stehen. Es scheint jedenfalls ein besonde­ res räumliches Naheverhältnis der D örfer zu Agrarflächen bei der Auswahl der Siedlungslagen nicht immer vorrangig gewichtet worden zu sein. Etwas anders stellt sich das Bild bei Betrachtung der in der Regel in peripheren Siedlungslagen, in unmittelbarer Nähe von agrarischem Nutzland errichteten Einzelgehöfte oder Weiler dar.

Z ur Z ielsetzung des B onda-Su rveys Das Ziel der in den Jahren 1994 bis 1999 durchgeführten Untersuchungen war es, siedlungs- und wirtschaftsgeschichtliche Abläufe in einer peripheren Siedlungs­ kammer des Polisterritoriums von Limyra zu rekonstruieren. Dabei wurden bautypologischen und siedlungstypologischen Studien sowie der Erforschung von diachronen Veränderungen der Siedlungsmuster besondere Aufmerksamkeit ge­ widmet. Insgesamt standen weniger Einzelmonumente, als größere Zusammen­ hänge im Vordergrund des Interesses. Diese konnten jedoch ohne Kenntnis von typologisch und chronologisch einordenbaren Einzelobjekten kaum erfaßt wer­ den. Die Grundlage unserer Arbeit bildete daher die Aufnahme der baulichen B e­ funde des Survey-Gebietes. Ein weiteres Desiderat, der Versuch einer Evaluierung der Anbauflächen, welche in Zusammenhang mit der Aufnahme des Baubestandes Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Situation ländlicher Gemeinden erlauben könnte, mußte vorerst zurückgestellt werden. Einige Bedeutung kam der Klärung offener Fragen zur politischen Topographie des Bonda-Gebietes zu, wobei insbe­ sondere die Grenzziehung zwischen den Polisterritorien von Myra und Limyra hervorzuheben ist.

Z ur M ethode des B o n d a-Su rv ey s 10 Das Surveyunternehmen wurde mit vergleichsweise geringen Mitteln und klei­ nem Personalaufwand durchgeführt, wodurch methodische Einschränkungen vorgegeben waren. Insbesondere aufgrund der schwierigen Logistik erschien es ratsam, die Zahl der Mitarbeiter zu beschränken. Im Rahmen der nur achttägigen 10 s. Verf., in: K. B elke, F. H ild ,J. K oder, P. Soustal (H rsg .), B yzan z als R aum , D enkschrift W ien 283, T IB 7 (2000) 1 1 9 ff.

D er Bonda-Survey

275

Kampagnen konnten daher intensive Oberflächenbegehungen mit dem Anspruch auf ein vollständiges Erfassen der Befunde nicht unternommen werden. Dieser Mangel wurde zumindest teilweise durch Informationen seitens der lokalen B e­ völkerung, zumeist Hirten, wettgemacht. Auch erlauben es Erfahrungswerte, ty­ pische Siedlungslagen zu erkennen. Als vorläufiges Ergebnis der Untersuchungen darf festgestellt werden, daß aufgrund der Siedlungskonzentration in dörflichen Agglomerationen die Zahl der Streugehöfte und Weiler vergleichsweise gering gewesen sein dürfte. Neuzeitliche Niederlassungen wurden ausschließlich in Ver­ bindung mit älteren Siedlungsresten aufgenommen, mußten andernfalls aber aus der Untersuchung ausgeklammert bleiben. Die entdeckten antiken, nachantiken und mittelalterlichen Befunde wurden lagemäßig bestimmt, kartiert sowie, sofern ihr Erhaltungszustand dies sinnvoll er­ scheinen ließ, vermessen und dokumentiert. Da aufgrund spezifischer Bedingungen im Surveygebiet oft nur wenige datier­ bare und dann zumeist späte Keramikfunde gemacht wurden, bereitet die zeitliche Einordnung der Befunde besondere Probleme11. Es mußten folglich nebst dem keramologischen Befund auch alternative Ansätze herangezogen werden. G e­ nannt seien vor allem analytische Untersuchungen zur Bautechnik und Bautypo­ logie, wobei diesbezüglich, dank der regen Surveytätigkeit des letzten Jahrzehn­ tes, Vergleichsmaterial aus Lykien zur Verfügung steht12. Dabei mußte jedoch eine gewisse Unschärfe in Kauf genommen werden, da auf diesem Wege bestenfalls eine grobe Zuweisung an Perioden, keinesfalls aber eine feinchronologische D if­ ferenzierung erfolgen kann. Auf die zeitliche Einordnung schlecht erhaltener B e­ funde mußte oft verzichtet werden. Einen weiteren Ansatz, ein relativchronologi­ sches Gerüst zu erstellen, um sich einer Datierung anzunähern, bot das am Befund ablesbare zeitliche Verhältnis von Bauten und Bauabschnitten. Sich an mehreren Befunden und Befundgruppen wiederholende Abläufe erlaubten es, Phasen inten­ siver Bautätigkeit zu erfassen. Auch der epigraphische Befund lieferte chronologi­ sche Indizien. Diese sind zwar zumeist nicht direkt auf Einzelbauten projizierbar, bieten aber doch Informationen zur zeitlichen Spanne der Nutzung von Nieder­ lassungen.

D ie Siedlungen des B o n d a-G eb ietes Im folgenden werden die wichtigsten D örfer und einige Einzelgehöfte des Survey-Gebietes vorgestellt und der Versuch unternommen, anhand der jeweils er­ haltenen Monumente die Geschichte der Niederlassungen nachzuzeichnen13. 11 Zu dieser Frage s. auch ebenda 11 9 f. und F. K o lb in diesem Band. ■ Vergleiche nur die Beiträge von F. K o lb , A. Sanli. U. H ailer und A. Thom sen in diesem Band. 13 Die angeführten O rte sind auf der K arte (A bb. 1) eingezeichnet, die R eihenfolge der B e ­ schreibung führt von O st nach West und von N o rd nach Süd.

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T h o m a s M arksteiner

Diese Informationen sollen die Grundlage für eine Rekonstruktion der Siedlungs­ geschichte des Bonda-Gebietes bilden. An dieser Stelle muß betont werden, daß die Befundaufnahme erst 1999 abgeschlossen wurde und daher die analytische Auswertung des Materials am Anfang steht, so daß nur ein vorläufiger Ergebnis­ stand dargestellt werden kann. Yalak Ba§i (Seehöhe: ca. 600 m; verbaute Gesamtfläche etwa: 7000 m2)

Die Ruinen im Bereich des Yalak Ba§i sind besonders schlecht erhalten: Der un­ tere Bereich der Niederlassung ist durch neuzeitliche Siedlungsaktivität stark in Mitleidenschaft gezogen, während im Gipfelbereich teils gewaltige, unstruktu­ rierte Schutthalden anstehen. Aufgrund des extrem schlechten Erhaltungszustandes sind kaum jemals ge­ schlossene Grundrisse erfaßbar, so daß Schätzungen bezüglich der Zahl der Haus­ einheiten schwierig sind: Diese dürfte etwa bei 25 bis 30 gelegen haben. Klassische Besiedlung wird durch Keramikfunde im Bereich der Niederlassung und in einem nahegelegen Gehöft belegt. Ihre größte Ausdehnung scheint die Siedlung während des Hellenismus und der Kaiserzeit erreicht zu haben. Etwa die gleiche Fläche wurde zu einem späteren Zeitpunkt mittels eines aus Spolien er­ richteten Mauerzuges befestigt. Teils noch anstehende Mauerzüge sowie zahlrei­ che, als Spolienblöcke verbaute bzw. in Versturzlage befindliche Werkstücke zeu­ gen vom einstigen Vorhandensein qualitätvoller Hausteinarchitektur. Ein beson­ ders großflächiger, einräumiger Bau im Südwesten der Siedlung darf vielleicht dem öffentlichen Bereich zugewiesen werden. Darauf weist auch der Umstand, daß in der näheren Umgebung zahlreiche faszierte Blöcke sowie von einem Stu­ fenunterbau stammende Werkstücke in Wiederverwendung versetzt wurden. Diese stammen von einem oder mehreren, relativ aufwendig gestalteten M onu­ menten. Im Weichbild der Niederlassung standen mehrere Sarkophage, die Hauptne­ kropole lag jedoch in einem Geländesattel im Norden, im Bereich einer Wegkreu­ zung. D ort befinden sich die stark zerstörten Reste von etwa zehn Grabbauten. Einige über den Südhang verstreute Gräber geben wohl den Verlauf eines weite­ ren Zugangsw'eges an. In diesem Bereich stand auch ein qualitätvolles Monument, wohl ein Heroon, von dem jedoch nur mehr verstürzte Werkstücke zeugen. Am Yalak Ba§i haben sich keinerlei Hinweise auf die Existenz eines Kirchen­ baus erhalten. Ein Weiterbestehen der Siedlung in nachantiker Zeit wird jedoch durch den Spolienmauerzug an der Südflanke und Keramikfunde belegt. K arakuyu (Seehöhe: ca. 650 m; verbaute Gesamtfläche etwa 15000 m2)

Bei dem D orf mit rund 40 bis 50 Hauseinheiten handelt es sich um die zweit­ größte Niederlassung des Bonda-Gebietes. In Karakuyu konnte keine vorhellemstische Besiedlung nachgewiesen werden; eine hellenistische Phase ist durch Grabinschriften und Keramikfunde belegt.

D er Bonda-Survey

277

Der Ruinenbestand erlaubt es nicht, die Lage eines Ortszentrums während der antiken Siedlungsphasen zu erschließen. Deren Verbauung zog sich über die ge­ samte Nordsüd-Erstreckung der Niederlassung, wobei es sich an der Peripherie um einen lockeren Streuverband gehandelt haben dürfte. In diese Periode gehören meist einräumige Grundrisse, seltener sind zwei- oder dreiräumige Bauten. Häu­ fig sind den Häusern Höfe und Terrassen vorgelagert. An der Peripherie des ver­ bauten Geländes liegen Wirtschaftsgebäude, darunter mehrere Preßhäuser. Im Nordbereich befinden sich auf einer felsigen Erhebung Steleneinlassungen und Nischen: Liier könnte das kultische Zentrum gelegen haben. Das Gelände auf der Kuppe ist in agglutinierender Weise dicht verbaut. Unter den Befunden finden sich teils antike Hausteinbauten, teils späte Mörtelbruchsteinmauern. Es konnten keine Hinweise auf das Bestehen einer Befestigungslinie festgestellt werden. Die Zahl der in und um Karakuyu erhaltenen Sarkophage beträgt knapp 20 Stück, wobei die zeitliche Streuung, wie Inschriften und Schmuck zu erschließen erlauben, vom fortgeschrittenen Hellenismus bis in die späte Kaiserzeit reicht. Die Gräber liegen teils entlang des Zugangsweges im Norden, teils an der Peripherie der Niederlassung; in einigen Fällen sind sie mit einer Hausanlage vergesellschaf­ tet. Eine Konzentration befindet sich am Osthang außerhalb der WohnverbauUng' Die größte Ausdehnung und Verbauungsdichte erreichte der O rt wohl in spät­ antik-frühbyzantinischer Zeit: Eine Geländeterrasse im Westen scheint damals erstmals als Baugrund genutzt worden zu sein. In einer im Zentrum des Ortes ge­ legenen, dreischiffigen Pfeilerbasilika fanden sich geschmückte Architekturfrag­ mente, die Verwandtschaft mit der Bauornamentik der Anlagen von Alakilise, Muskar oder Karabel im nördlichen Hinterland von Myra aufweisen14. Hervor­ zuheben sind mehrere, wahrscheinlich von einem Ziborium stammende Werk­ stücke, die durch A. Piilz aufgrund von Vergleichen in die erste Hälfte des 6. Jah r­ hunderts n. Chr. datiert werden können. Weiters gehört eine große, überdachte Zisterne nahe der Kuppe in die nachantiken Siedlungsphasen. Die in M örtelbruchsteintechnik ausgeführten Hausbauten dieser Periode sind meist einräumig mit vorgelagertem Hof. Die neuzeitliche Nutzung der Ruinen und vor allem der Zisternen führte zu teils nachhaltigen Veränderungen des Siedlungsbildes: Es wurden ausgedehnte Terrassen und mauerbegrenzte Freiflächen angelegt. Ortasan (Seehöhe: ca. 750; verbaute Gesamtfläche etwa 6000 m2)

Im Bereich von Oratasan ist keine vorhellenistische Besiedlung nachweisbar; eine hellenistische Phase wird durch Grabinschriften belegt sowie durch bautypologische Erwägungen indiziert. Den Kuppenbereich nimmt eine sehr schlecht erhaltene Befestigungsanlage von etwa 800 m2 Flächenausdehnung ein, an deren Mauern sich eine antike Phase und 14 s. A. P iilz, M itt e ilu n g e n z u r C h r i s t li c h e n A r c h ä o l o g i e 1 ( 1 9 7 5 ) 62 f.

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eine späte, unter Spolienverwendung ausgeführte Erneuerung nachweisen lassen. Die Errichtung der agglutinierenden Anlage kann aufgrund der Mauertechnik und in Analogie zu Bauten in Bonda Harabesi, Dinek Tepesi und Tespili Yayla in den Hellenismus datiert werden. Um diese Kuppenbefestigung erstreckte sich die aus meist einräumigen Hausanlagen mit vorgelagerten Eiöfen bestehende antike Siedlung. Ein öffentliches Siedlungszentrum konnte in den Ruinen nicht ausge­ macht werden. An der Peripherie der Niederlassung finden sich wiederum ge­ häuft landwirtschaftliche Einrichtungen. Die nachantike Niederlassung scheint auf die Kuppe und den Westhang be­ schränkt gewesen zu sein, wo sich mehrere, in Mörtelbruchsteintechnik errichtete Hausanlagen um einen kleinflächigen Apsidalbau gruppieren. Solch kapellenar­ tige Kultbauten werden in Lykien meist in die mittelbyzantinische Zeit datiert15. Eine Entstehung in Zusammenhang mit oder im Anschluß an die Instandsetzung der Gipfelbefestigung erscheint am wahrscheinlichsten. Diese wurde unter Ver­ wendung zahlreicher Spolien der antiken Siedlung durchgeführt. Im Denkmalbe­ stand von Ortasari fehlen neu errichtete Bauten der spätantik-frühbyzantinischen Periode; auch hat sich keine basilikale Kirche erhalten. Die Niederlassung dürfte in dieser Phase stark an Dynamik eingebüßt haben, die antike Bausubstanz war je ­ doch, wie Keramikfunde belegen, auch im 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. bewohnt. Bonda H arabesi (Seehöhe ca.: 630 m; verbaute Gesamtfläche: etwa 20000 m2)

Im Bereich der Ruinen von Bonda Harabesi ist keine vorhellenistische Besiedlung nachweisbar; eine hellenistische Phase ist durch Grabinschriften belegt sowie durch bautypologische Erwägungen indiziert. Mit geschätzten 60 Hauseinheiten handelt es sich um die größte Niederlassung des Bonda-Gebietes. Eine Kuppenbefestigung nimmt eine Fläche von knapp 1000 m2 ein. Sie kann aufgrund der Mauertechnik und in Analogie zu den anderen Anlagen des BondaGebietes in den frühen Hellenismus datiert werden. Es handelt sich um eine agglutinierende Anlage, bestehend aus mindesten einem turmartigen Kernbau, in den Mauerzug einbezogenen, teils auch zweiräumigen Einbauten und verbinden­ den Mauerzügen; das durch einen Mauerversprung gedeckte Tor öffnete sich nach Westen. Die Anlage weist eine nachantike Ausbauphase auf, im Zuge derer sie nach Osten hin erweitert wurde. In der Niederlassung haben sich zahlreiche Hausgrundrisse der antiken Sied­ lungsphasen erhalten: es handelt sich um ein-, zwei- und dreiräumige Bauten, denen oft Höfe vorgelagert sind. Im verbauten Bereich befinden sich zahlreiche Zisternen. Eine Baugruppe im Zentrum der Niederlassung könnte öffentlichen 15 G eringe G rö ß e einer K irche und das Fehlen von Bauplastik können vielleicht als K riterien für eine D atierung in m ittelbyzantinische Zeit gew ertet w erden, s. U. Peschlow, in :/. B orch­ hardt, G. D obesch (H rsg.), A kten des 2. Internationalen L vkiensym posions in W ien 1990, Band 2, T A M Ergh. 18, D en k sch rift W ien 235 (1993) 61 f.; C. Foss, D O P 48 (1994) 35 spricht sich für eine Zuw eisung sekundärer Einbauten in basilikale A nlagen und anderer, kleinflächi­ ger K irchen im M yragebiet in kom nenische Zeit aus.

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Charakter gehabt haben: Mehreren, in der Breite angeordneten Räumen war eine sich auf eine Hoffläche öffnende Halle vorgelagert. Das sehr qualitätvolle Mauer­ werk weist auf eine Entstehung im Hellenismus oder der frühen Kaiserzeit. In diesem Bereich der Siedlung konnte auch eine auffällige Häufung von Inschriften­ funden festgestellt werden. Knapp 40 teils auch reliefgeschmückte Sarkophaggräber haben sich in den N e­ kropolen der Siedlung erhalten: Die größte Konzentration findet sich im Gelän­ desattel im Norden der Befestigung, weiters liegen mehrere Gräber am Hang süd­ lich der Niederlassung. Im Zentrum der Wohnsiedlung sind einige Gräber mit Hausanlagen vergesellschaftet. In spätantik-frühbyzantinischer Zeit erreichte die Niederlassung ihre größte Ausdehnung: In Mörtelbruchsteirvtechmk errichtete Häuser ziehen sich weit den Westhang hinab und auch der zentrale Bereich war dicht verbaut. Zwei große K ir­ chen entstanden in dieser Periode. In die untere Basilika wurde sekundär eine kleine Saalkirche eingebaut, so daß ein Weiterbestehen der Niederlassung in mit­ telalterlicher Zeit denkbar erscheint. Alti Agag (Seehöhe: ca. 550 m; verbaute Gesamtfläche: etwa 3000 m2).

Im Bereich südlich der Niederlassung Bonda-Harabesi findet sich eine Konzen­ tration vorhellenistischer Befunde. In Alti Agag liegen die Ruinen einer vorhelle­ nistischen, wahrscheinlich klassischen Niederlassung, die sich um einen befestig­ ten Bau in Kuppenlage gruppiert. Die aus fünf bis sechs Hauseinheiten beste­ hende Ansiedlung zeichnet sich durch lockere Verbauungsstruktur aus. Im Inne­ ren der Kuppenbefestigung fanden sich Einbauten, die teilweise sekundär sein dürften. Ein großes Steinbecken weist auf wirtschaftlichen Nutzung zu einem nicht definierbaren Zeitpunkt. Da der für vorhellenistische Herrensitze typische, turmartige Kernbau fehlt, könnte es sich bei dieser Anlage um eine Art Flucht­ burg der dörflichen Gemeinschaft gehandelt haben. Die Hauseinheiten sind meist mehrräumig mit vorgelagerten Höfen und Terrassen. Eine aufwendige, halbkreis­ förmig an Felsen angeschobene Steinsetzung im Nordwesten des Dorfes ließe sich als Zisterne interpretieren, hydraulischer Mörtel hat sich jedoch nicht erhalten. Es fehlen Hinweise auf nachklassische Bautätigkeit, durch eine Mühle des Trapetum-Typs ist allerdings landwirtschaftliche Verarbeitungstätigkeit für spätere Perioden gesichert. Eine Preßanlage im Osten des Dorfes entspricht dem Typus, der ab hellenistischer Zeit verbreitet war: Ihr Auffangbecken wurde zu einem spä­ teren Zeitpunkt zur Zisterne umgearbeitet. Im Süden des Dorfes liegt ein spätantik-frühbyzantinisches Gehöft. Dieses setzt sich aus einem Hauptbau mit angesetztem H of und Nebenbauten zusammen und entspricht im strukturellen Aufbau vergleichbaren Anlagen etwa im IstladaGebiet auf dem Territorium von M yra16. Weiters gehörten landwirtschaftliche Einrichtungen, vielleicht Viehgehege, zur Anlage. 16 Vgl. etwa 7 h. M arksteiner, A. Konecny, X IV . Ara§tirm a Sonu^lari Toplantisi II (1997) 466.

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Ein klassisches Einzelgehöft, dessen struktureller Aufbau aufgrund der schlechten Erhaltung nicht rekonstruiert werden konnte, lag etwa 250 m östlich von Alti Aga^. Auf einer Kuppe südwestlich von Alti Agac befindet sich eine vor­ hellenistische Ringmauer von etwa 50 m Durchmesser. Es fehlen Hinweise auf Einbauten, dies mag jedoch auf die schlechte Erhaltung der Anlage zurückführbar sein, es könnte sich aber auch um eine Fluchtburg gehandelt haben. Kaklik (Seehöhe: 750 m; verbaute Fläche: 650 m2)

Die kleine Befestigungsanlage von Kaklik ist sehr schlecht erhalten, der Bestand erlaubt es allerdings trotzdem, die Struktur der Anlage zu rekonstruieren und zwei Bauphasen zu erschließen: In klassischer Zeit wurde eine sich aus einem turmartigen Kernbau und einer angeschlossenen, ummauerten Fläche zusammen­ setzende, befestigte Anlage errichtet. Vergleichbare Burgen sind in Lykien häufig belegt und werden in der Regel als Herrensitz interpretiert17. In einer hellenistischen Ausbauphase wurde die klassische Ringmauer nach Sü­ den hin erweitert und damit die ummauerte Fläche um etwa ein Drittel vergrö­ ßert. Den bestehenden Mauerring verstärkte man zudem mittels des Einbaus eines Turmes. In diese Zeit darf wohl auch ein rund 50 m östlich der Anlage in den Fels geschlagenes Fassadenkammergrab datiert werden: Hierfür sprechen nebst der Grabinschrift in griechischer Sprache auch bautypologische Erwägungen. Am erhaltenen Baubestand lassen sich keine Hinweise auf spätere Umbauten feststellen. D inek Tepesi (Seehöhe ca: 970 m; verbaute Gesamtfläche: ca. 20000 m2)

Im Bereich der Ruinen auf dem Dinek T. ist keine vorhellenistische Besiedlung nachweisbar; eine hellenistische Phase ist durch Grabinschriften und Keramik­ funde belegt sowie aufgrund bautypologischer Erwägungen indiziert. Die Kuppe des Siedlungshügels wird durch eine befestigte Anlage eingenom­ men. Uber den Süd- und den Westhang erstreckt sich eine ausgedehnte Flangsiedlung von lockerer Verbauungstruktur, in der sich geschätzte 35 bis 40 Hauseinhei­ ten erhalten haben. Im Westbereich, an der Peripherie des verbauten Geländes liegen dem öffentlichen Bereich zuweisbare Bauten. Die Gräber liegen über die Hänge im Süden und Westen der Niederlassung verstreut. Die schlecht erhaltene Befestigungsanlage nimmt eine Fläche von etwa 1400 m2 ein. Es handelt sich im eine agglutinierende Anlage mit je einem kernbauartigen Turm an den Schmalseiten. Ihre Errichtung kann aufgrund der Mauertechnik und in Analogie zu dem Wehrdorf auf der Tespili Yayla in den frühen Hellenismus datiert werden. Keramikfunde aus dem Bereich der Einbauten reichen bis in das fortgeschrittene 3. Jahrhundert v. Chr. zurück und unterstützen den durch die Ar­ chitektur gewonnenen Datierungsansatz. Die dichte Binnenverbauung ist teils im 17 s. etwa Verf., D ie befestigte Siedlung von Lim yra (1997) 1 4 4 ff.

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Verband mit der Kurtine errichtet. An den Mauern lassen sich mehrere Umbau­ phasen ablesen. Schlackenfunde belegen eine gewerbliche Nutzung des Areals in einer späteren Siedlungsphase. Im Bereich südlich unterhalb der Befestigungslinie ist die Hangsiedlung extrem schlecht erhalten: Zahlreiche sorgfältig ausgeführte Werkstücke in den ausgedehn­ ten Schutthalden belegen jedoch das einstige Vorhandensein qualitätvoller Haus­ teinarchitektur insbesondere auf den ersten zwei Geländeterrassen unterhalb der Zitadelle. In diesem Bereich, wohl am Aufweg zur Burg, standen auch mehrere Monumente, von denen verstreute Werkstücke zeugen. Die tiefer am Hang be­ findlichen Bauten sind tendenziell nachlässiger ausgeführt und dürften wohl auch späteren Siedlungsphasen zuzuweisen sein. Auf einer schwach ausgeprägten Erhebung am Fuß des Siedlungshanges befin­ det sich eine Baugruppe. Diese scheint in der Kaiserzeit, im Zuge eines einheitli­ chen Bauprojekt errichtet worden zu sein, das dem öffentlichen Bereich zuzuord­ nen ist. Das Kernstück des Komplexes bildete eine kleine, zweiräumige Therme vor deren Front ein Ehrenmonument stand. An die Badeanlage schließen weitere Bauten an; einer derselben beherbergt einen Hallenraum. Natürliche Senken nördlich und östlich der Therme scheinen zu großen Wasserspeichern ausgebaut worden zu sein. Eine weitere, großflächige Zisterne mit aufgemauerter M ittel­ stütze liegt im Süden der Niederlassung, etwas außerhalb des verbauten Gebietes. Im Weichbild und in der weiteren Umgebung der Niederlassung befinden sich zahlreiche Sarkophage, darunter auch einige besonders aufwendig gestaltete und skulpturengeschmückte Monumente. Ein aus zwei Sarkophagen und einem Altar bestehendes Ensemble erhebt sich auf einer kleinen Terrassenanlage oberhalb der antiken Wegtrasse. Für die Siedlungsgeschichte des Bonda-Gebietes ist der Umstand, daß sich in den Ruinen am Dinek-Tepesi das Vorkommen von Mörtelbruchsteinmauerwerk auf einige Bauten in mittlerer Hanglage beschränkt und zumeist mit Ausbesserun­ gen an bestehenden Gebäuden in Zusammenhang steht, von besonderer Bedeu­ tung. Nachantike Neubauten wurden vorrangig im südöstlichen Hangbereich er­ richtet: Es handelt sich um zwei Hausanlagen. Das Fehlen einer Kirche unter­ streicht die geringe Bedeutung der spätantik-frühbyzantinischen Siedlung. Tespili Yayla (Seehöhe: ca. 1100 m; verbaute Gesamtfläche: etwa 1400 m2)

Im Bereich der Ruinen auf der Tespili Yayla ist keine vorhellenistische Besiedlung nachweisbar; eine hellenistische Phase ist durch Keramikfunde belegt. Die Ruinen gehören zu einer agglutinierenden, befestigten Anlage mit zwei kernbauartigen Türmen an der Angriffsseite, teils in die Ummauerung einbezoge­ nen Einbauten und dichter Binnenverbauung. Ihre Datierung in den Hellenismus basiert auf mauertechnischen Erwägungen und Keramikfunden. Eine Deutung als Wehrdorf wird durch den strukturellen Aufbau der Anlage indiziert. Außerhalb der Ringmauer finden sich nur geringe Verbauungsspuren: Wahrscheinlich lagen an der Südostflanke am Fuß der Befestigungen eine Kultanlage und am Hang un­

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terhalb Grabbauten. Auffällig ist das Fehlen von Sarkophaggräbern. In der nähe­ ren Umgebung wurden mehrere Ölpressen und Zisternen aufgefunden. D er Baubestand im Inneren der Befestigungen erlaubt es zwar, geringfügige, einer sekundären Bauphase zuschreibbare Umbauten abzulesen, insgesamt über­ wiegt jedoch der Eindruck weitgehender Homogenität der Bausubstanz. Dieser wird durch den Keramikbefund gestützt: Es überwiegt hellenistisches Material; nur wenige Scherben deuten auf das Weiterbestehen einer Restsiedlung in nach­ hellenistischer Zeit.

G ehöftanlagen und Streubesiedlung Die Zahl der im Survey-Gebiet aufgefundenen Einzelgehöfte und kleinen Weiler ist relativ gering: Dies könnte mit dem Fehlen systematischer Begehungen erklärt werden, dürfte aber auch mit der Konzentration der Besiedlung in fünf großen Dörfern in Zusammenhang stehen. Mehrfach fanden sich allerdings landwirt­ schaftliche Einrichtungen, etwa Preßanlagen und einfache Bauten, in der Nähe von Feldfluren. Die Einzelgehöfte und Weiler liegen fallweise in der Nähe der dörfli­ chen Siedlungen, sind aber zumeist auf periphere Fruchtkammern orientiert. In ei­ nigen Fällen bereitet die Datierung der Gehöfte Schwierigkeiten, da die bisher am lykischen Material erarbeiteten bautypologischen und mauertechnischen D atie­ rungskriterien nicht greifen und der Keramikbefund keine zeitliche Zuweisung er­ laubt. Im Folgenden sollen einige charakteristische Befunde vorgestellt werden.

G eh öfte im G ießtal w estlich von F in ike Das Gießtal westlich von Finike bietet beiderseits des Trockenbettes landwirt­ schaftlich nutzbares, wenngleich durch felsige Abschnitte kompartimentiertes Gelände. Zahlreiche Terrassierungsmauern zeugen von einstiger landwirtschaftli­ cher Nutzung. In diesem Bereich fanden sich am nördlichen Hangbereich zwei nebeneinander gelegene Terrassenbauten vorhellenistischer Zeitstellung, ein helle­ nistisches Turmgehöft mit zugeordneter Preßanlage, welches die älteren Bauten ersetzt haben dürfte, sowie ein wohl in spätantik-frühbyzantinischer Zeit errich­ teter Bau, der eine Ölmühle und eine Preßanlage beherbergte.

R undtu rm bei O rtasan Etwa 350 m östlich von Ortasari haben sich die Ruinen eines aufgrund der Mau­ ertechnik in hochklassische Zeit datierbaren Rundbaus erhalten. Er konnte über einen an der Nordwestseite befindlichen Eingang betreten werden. Es könnte sich hier um ein Turmgehöft auf kreisförmigen Grundriß handeln, wie sie für die grie­

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chischen Inseln verschiedentlich, für Lykien jedoch bisher nicht nachweisbar sind18. Die in unmittelbarer Nähe befindlichen Fragmente eines Sarkophaggrabes dürfen als Beleg für eine Weiternutzung des Baus bis in die Kaiserzeit gelten.

B efestigtes G eh ö ft bei Y ukari C am h yu rt Im Bereich einer kleinen Binnenebene südwestlich des Dinek Tepesi haben sich die Ruinen eines aufgrund mauertechnischer Kriterien der hellenistischen Periode zuweisbaren, befestigten Gehöftes erhalten. Die kleinflächige, kompakte Anlage war über einen durch einen Mauerversprung links flankierten Zugang betretbar. Im Inneren scheinen eine hofartige Freifläche und an die Außenmauern ange­ lehnte Räumlichkeiten gelegen zu haben. In unmittelbarer Nähe des Kernbaus ha­ ben sich die Ruinen eines Nebengebäudes und mehrere Preßanlagen erhalten.

Ü berlegungen zu den landw irtschaftlichen G rundlagen der Besiedlung des B o n d a-G eb ietes Hervorzuheben sind die zahlreichen, im Bonda-Gebiet erhaltenen Preßanlagen. Diese sind häufig mit Mühlen assoziiert und dienten wohl der Ölproduktion19. Sowohl die Felspressen als auch die Mühlen waren relativ aufwendig herzustellen und bedeuteten eine beachtliche Investition. Derartige Anlagen mußten sich folg­ lich amortisieren und wurden kaum nur für den Eigenbedarf eingerichtet20. In Karakuyu und in der näheren Umgebung der Niederlassung fanden sich bei­ spielsweise Hinweise auf das Vorhandensein von 14 Preßanlagen, für die A. K o­ necny ein Produktionspotential von 14000 1 per Saison errechnete21. Es handelte sich also um eine quasi-industrielle, auf den Verkauf orientierte Produktion von Olivenöl, was insbesondere durch das Vorkommen von Doppelpressen in auf­ wendigen Gebäuden schon für die hellenistische Periode erschlossen werden kann. Unklar bleibt, inwieweit schon in klassischer Zeit in großem Umfang Ö l produziert wurde, da sich in dieser Periode zuweisbaren Baubefunden nur selten Preßanlagen befinden. Diese haben in einigen Fällen kreisförmige Preßbecken, es überwiegt jedoch der spätere, rechteckige Typ, wobei sekundäre Errichtung mög18 s. etwa/. H. Young, H esperia 25 (1956) 122 ff.; A. Bon, B C H 54 (1930) 147 ff.; L. H aselber­ ger, Befestigte Turm gehöfte auf den K ykladeninseln N axos, Paros und K eos (unpublizierte D issertation, T U M ünchen 1978) passim. 19 A. Konecny, Ö Jh 67 (1998) Beibl. 1 2 1 -1 9 4 ; ders., Ö Jh 68 (1999) Beibl. 1 6 0 ff. 20 N o ch heute findet man in Lykien auf die D ecku ng des Eigenbedarf ausgerichtete bäuerli­ che B etriebe, welche die alten M ahltassen sow ie Trapeta oder andere M ahlsteine w eiterver­ wenden, in denen jed och die B earbeitung des Preßgutes m ittels der Fü ße in halbierten und ausgehöhlten Baum stäm m en erfolgt. 21 A. Konecny, Ö Jh 67 (1998) Beibl. 143.

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lieh erscheint, da Gehöfte in der Regel über einen längeren Zeitraum bewirtschaf­ tet wurden. In Mörtelbruchsteintechnik errichtete Preßhäuser belegen, daß die Ölproduktion auch noch in spätantik-frühbyzantinischer Zeit eine bedeutende Rolle spielte. Nebst der Ölwirtschaft ist wohl auch schon für die Antike mit Weinproduktion zu rechnen. Für die frühbyzantinische Zeit bietet die Nikolaus-Vita (VNS c. 25, 55 und 63) eine Quelle für Weinanbau in vergleichbarer Lage und in unmittelbarer räumlicher Nachbarschaft zum Bonda-Gebiet22. In diesem wird seit kürzerem im Bereich der Tespili Yayla wieder Wein angebaut und die Stöcke werden mit Zister­ nenwasser bewässert. Günstige Getreideanbauflächen sind im Bonda-Gebiet, in dem auch heute noch Wintergetreide angebaut wird, vor allem auf zentrale Flöhenlagen und einige kleinflächige Fruchtkammern konzentriert, sonst überwiegt eher starkes Gefälle. Die sehr skeletthaltigen Böden sind insgesamt wohl wenig ertragreich. Eine Epi­ sode der Nikolaus-Vita erlaubt Einblick in die bäuerliche Lebenswelt und die Ertragslage im gebirgigen Hinterland von Myra (VN S c. 59 f.): Die Ernte eines Feldes bei Arneai entsprach der Menge der Aussaat; erst durch das Eingreifen des Archimandriten erhöhte sich das Verhältnis auf 5:1, ein für die antike Landwirt­ schaft hervorragendes Ergebnis23. Bei den Eckzahlen der Episode dürfte es sich jedoch um Extremwerte handeln, so daß das tatsächliche Ertragsverhältnis viel­ leicht im Schnitt bei 3:1 gelegen haben mag. Angesichts der allgemeinen Tendenz früher Landwirtschaft zur Diversifizie­ rung und der reichlichen Verfügbarkeit von Weideflächen kann davon ausgegan­ gen werden, daß im Bonda-Gebiet in antiker Zeit die Viehwirtschaft eine bedeu­ tende Rolle gespielt hat. Für die frühbyzantinische Periode sind in der Nikolaus Vita verschiedentlich Ochsenschlachtungen überliefert (VN S c.56); an anderer Stelle wird ein Hirt mit Weidegründen in den Bergen erwähnt (VNS c.62); wäh­ rend einer Trockenheit fürchten die Bauern um ihre Tiere (VNS c.20). Im SurveyGebiet läßt sich allerdings im archäologischen Befund Viehhaltung mit zwei mög­ lichen Ausnahmen nicht direkt nachweisen: Im Weichbild der klassischen Nieder­ lassung bei Alti Agac und nahe einem spätantik-frühbyzantinischen Gehöft haben sich vielleicht Gehege erhalten. Aus einer Analyse des stratifizierten tierischen Knochenmaterials der Limyra-Grabung ergab sich für die spätgeometrisch-früharchaissche Periode und die ausgehende Kaiserzeit ein signifikantes Uberwiegen der Ziege gegenüber dem Schaf24. Dieses erlaubt wohl auch Rückschlüsse auf die Tierhaltung in den naheliegenden Berglandschaften. Ausweislich des archäologischen Befundes bildete die Ölproduktion einen nicht zu vernachlässigenden Faktor in der Ökonom ie des Bonda-Gebietes und war wahrscheinlich die Grundlage des Wohlstandes der Gemeinwesen. Sie war, 22 Es wird insbesondere ein zum Sio nsk lo stcr gehöriges W eingut erw ähnt (V N S c. 63). 2i s. M. Zimmermann, U ntersuchungen zur historischen Landeskunde Zentrallykiens (A ntiquitas R eih e 1, Bd. 42, 1992) 104 und Anm . 14; FI. Blum, D ie Vita N icolai Sionitae (1997) 119 f. 24 G. Forstenpointner, G. Gaggl, Ö Jh 66 (1967) Beibl. 424.

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wie die zahlreichen aufwendigen Preßanlagen belegen, darauf ausgelegt, nennens­ werte Überschüsse zu erwirtschaften. Diese wurden wohl nicht nur in die städti­ schen Zentren der Region, sondern auch außerhalb Lykiens verhandelt, wie die Grabinschrift eines Reeders und Händlers in Olympos zu erschließen erlaubt, der seinen Reichtum mit dem Verkauf von Ö l im Pontosgebiet gemacht haben dürfte25. Die Bedeutung der Produkte des Hinterlandes - genannt werden Nah­ rungsmittel und Feuerholz - für die Bevölkerung der ostlykischen Küstenstädte wird durch eine weitere Erzählung der Nikolaus Vita (VNS c.52 ) verdeutlicht: Aufgrund der Verweigerung der ländlichen Produzenten, den städtischen Markt zu beliefern, kam es in Myra zu einer Versorgungskrise, durch welche sich die Magistrate zum Eingreifen gezwungen sahen.

Bevölkerungszahlen Schätzungen bezüglich der Einwohnerzahl antiker Niederlassungen und Land­ striche können zumeist nur als Annäherungswerte gelten, sie bieten aber zumin­ dest eine ungefähre Vorstellung der Größenordnungen, mit denen zu rechnen ist. Aufgrund der Zahl der erhaltenen Hauseinheiten läßt sich für die D örfer des Bonda-Gebietes zur Zeit deren größter Ausdehnung eine Einwohnerzahl zwi­ schen 100 und 250 Personen erschließen. Das gebirgige Hinterland von Myra be­ treffende Angaben in der Nikolaus Vita bewegen sich in vergleichbarer Größen­ ordnung26: im D orf Plenion wurden anläßlich eines Festaktes 200 Sitzplätze ein­ gerichtet (VNS c.55); die männliche Bevölkerung von Tragalassos, die herbeigeeilt war, um einen Felsen zu verschieben, zählte 75 Köpfe (VNS c.39); im D orf Plakoma beobachteten 300 Personen die Austreibung eines bösen Geistes (VNS c. 16). Eine vorsichtige, unter Einbeziehung diachroner Verschiebungen der Sied­ lungsschwerpunkte erstellte Schätzung ergibt für das Bonda-Gebiet der Kaiser­ zeit eine Bevölkerung von etwa 800 bis 1000 Seelen.

Strassen und Wege Die heute noch genutzten Saumpfade des Bondagebietes dürften im Großen und Ganzen dem antiken und mittelalterlichen Wegenetz entsprechen: Dies wird durch direkt mit Wegbauarbeiten in Verbindung stehende Einrichtungen, etwa Felstreppungen oder talseitige Stützmauern, sowie durch indirekte Hinweise be­ legt. Zu den letzteren zählen nebst topographischen Vorgaben die oft entlang der Wegverbindungen errichteten Sarkophaggräber, ein Felsrelief und Zisternen. Zu den bedeutendsten Entdeckungen des Bonda-Surveys gehört ein direkt an der 25 A. Konecny , Ö Jh 67 (1998) B eib l. 147. 26 s. die Ü berlegungen von Blum , a. O . 13.

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erhaltenen Wegtrasse gelegenes, inschriftlich auf Straßenbauarbeiten Bezug neh­ mendes Monument27. Das etwa drei Meter lange Bauwerk in Gestalt eines Altars, dessen Inschrift den ersten Statthalter Lykiens, Quintus Veranius, und die Titula­ tur des Claudius nennt, wurde anläßlich der Provinzeinrichtung in der Mitte des ersten Jahrhunderts n. Chr. errichtet. Die ost-west orientierte Hauptachse des Wegesystems diente nicht nur der An­ bindung der dörflichen Gemeinden und dem Nahverkehr zwischen den Küsten­ ebenen von Myra und Limyra, sondern hatte wohl auch über das lokale Aufkom­ men hinausgehende Bedeutung, da sie für den Landverkehr die günstigste Verbin­ dung zwischen O st- und Zentralykien darstellte. Aus einem inschriftlich überlie­ ferten Erlaß zur Regulierung des Fährbetriebes zwischen Myra und Limyra wird jedoch deutlich, daß bei entsprechenden Wetterverhältnissen im Küstenbereich wohl die Schiffahrt das bevorzugte Verkehrsmittel darstellte (O G IS 572). Während im östlichen Bereich des Survey-Gebietes der Verlauf der Hauptachse in der Topographie vorgegeben war - das Trockental hinter Finike bietet sich als Zugangsweg an - scheint sich die Wegführung an Westhang des Bonda-Gebietes in zwei Trassen geteilt zu haben. Eine Wegverbindung führte ins westliche H och­ land und wahrscheinlich weiter nach Myra. Eine weitere Trasse überwindet den steilen Westhang des Bonda-Massives in Richtung der Lagune und dürfte die Kü­ stenebene in Richtung Myra durchlaufen haben. Weiters waren alle dörflichen Siedlungen des Bonda-Gebietes untereinander durch ein dichtes Wegenetz verbunden. Wegverbindungen führten auch an den östlichen Küstenbereich, wo sich kleine Niederlassungen befanden bzw. auch tiefe Buchten als Anlegestellen Verwendung gefunden haben dürften.

Zusam m enfassende Ü berlegungen zu r Siedlungsentw icklung im B o n d a -G eb iet Für die vorhellenistische Zeit sind folgende Siedlungstypen im Ruinenbestand des Bonda-Gebietes nachweisbar: Ein kleiner Herrensitz, eine dörfliche Niederlas­ sung, eine Fluchtburg (?) und mehrere Einzelgehöfte. Auffällig ist das Fehlen eines bedeutenderen Herrensitzes mit entsprechenden Grabbauten bzw. einer Ag­ glomeration von Zentralortcharakter: Man gewinnt den Eindruck, daß es sich beim Bonda-Gebiet um eine periphere Siedlungslage gehandelt haben dürfte. D a­ für spricht auch die Verteilung der Befunde, da sich die vorhellenistische Besied­ lung tendenziell auf den Nahbereich der Küstenebenen bzw. auf besondere Gunstlagen konzentrierte. Auch scheinen Höhenlagen unter 500-600 m Seehöhe bevorzugt worden zu sein.

27 Zu diesem M onu m ent und dem W egesystem des B on d a-G eb ietes s. Verf., M. Wörrle, C h i­ ron 32 (2002) 545 ff.

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In frühhellenistischer Zeit erfolgte wahrscheinlich der Ausbau des klassischen Herrensitzes bei Kaklik. Die Errichtung eines erweiterten Mauerringes und eines relativ aufwendigen Felsgrabes mit Inschrift könnten als Hinweis darauf gewertet werden, daß die grundbesitzende Elite noch in dieser Periode über bedeutende Mittel und den politischen Freiraum, befestigte Anlagen zu errichten, verfügte. In hellenistischer Zeit, wohl schon im 3. Jahrhundert v.Chr., fand im BondaGebiet eine massive Landnahme statt: Die Errichtung von vier strukturell ähnli­ chen und auch in der Flächenausdehnung vergleichbaren, wehrdorfartigen Anla­ gen entlang des Steilabfalles zur Ebene von Myra dürfte wohl einem Planungs­ konzept entsprochen haben und mit dem Schutz des Grenzgebietes von Limyra zur Nachbarpolis in Zusammenhang stehen. Im Fall der Niederlassung Bonda Flarabesi war wohl die hellenistische Neugründung mit einem synoikismos ver­ bunden: Das vorhellenistische D orf bei Alti Aga<; und die frühen Gehöfte der Umgebung wurden ausweislich des archäologischen Befundes in dieser Periode aufgegeben. Um drei dieser hellenistischen Wehrdörfer scheinen sich noch in vor­ römischer Zeit ausgedehnte offene Siedlungen entwickelt zu haben. N ur die höchstgelegene Niederlassung auf der Tespili Yayla vollzog diesen Entwicklungs­ schritt nicht mit. Die Ursache hierfür mag wohl im Mangel ertragreichen agrari­ schen Nutzlandes in der höhenbedingten Ungunstlage begründet gewesen sein. Weiters dürfte in hellenistischer Zeit die dörfliche Niederlassung Karakuyu ge­ gründet worden sein. Im Ruinenbestand haben sich keine Befestigungen erhalten, so daß man davon ausgehen darf, daß es sich um eine offene Siedlung gehandelt zu haben scheint. Aufgrund der dichten späten Überbauung des Kuppenbereiches kann jedoch keine völlige Sicherheit in dieser Frage gewonnen werden. Auch die Niederlassung am Yalak Ba§i, für die sich ebenfalls keine antiken Befestigungen nachweisen lassen, erlebte in hellenistisch-römischer Zeit einen Aufschwung. Der relative Wohlstand, den die Bewohner der Siedlungen während der Zeit des fortgeschrittenen Hellenismus erwerben konnten, wird durch die qualitätvollen, in Flausteintechnik errichteten Hausanlagen und teils aufwendige Sarkophage des lykischen Typs in den verschiedenen Nekropolen belegt. Nicht geklärt werden konnte allerdings die Frage nach der Gestaltung des öffentlichen Raumes in den Niederlassungen des Bonda-Gebietes in hellenistischer Zeit. Man darf jedoch davon ausgehen, daß die bedeutenderen Siedlungen über ein Amtslokal und Kult­ bauten verfügten. Im Siedlungsbereich dürfte die Verbauungsdichte ungleichmä­ ßig gewesen sein; günstige Geländeterrassen waren stark verbaut, während zwi­ schen einzelnen Baugruppen immer wieder Freiflächen bestanden. In der in frühhellenistischer Zeit erfolgten Einrichtung eines Gürtels von Wehr­ dörfern im Grenzgebiet dürfte sich ein zentral gelenktes und politisch motiviertes Bemühen der Polisverwaltung von Limyra um die Organisation des westlichen Randbereiches ihres Territoriums widerspiegeln. Nebst der Grenzsicherung wurde vielleicht auch eine systematische Landnahme und eine Erweiterung der landwirtschaftlichen Nutzfläche, d.h. eine Form der Binnenkolonisation ange­ strebt. Fiingegen darf wohl der am Ruinenbestand ablesbare Aufschwung der Dörfer des Bonda-Gebietes im fortgeschrittenen Hellenismus als Zeichen ökono­

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mischer Prosperität gewertet werden. In hellenistischem Bauzusammenhang ste­ ilende Preßanlagen, darunter auch Zwillingspressen, bieten deutliche Anzeichen für eine verkaufsorientierte Landwirtschaft. Nebst den dörflichen Siedlungen wurden in hellenistischer Zeit auch Einzelge­ höfte und Weiler errichtet: Diese lagen jedoch zumeist in einiger Entfernung von den Ortschaften und waren auf kleine, abgelegene Fruchträume ausgerichtet. Als Beispiele mögen hier etwa ein Weiler oberhalb des G ök Limam im Küstenbereich oder das Gehöft im Trockental westlich von Finike genannt werden28. Wie ein Bau bei Yukan Camhyurt belegt, konnten im grenznahen Bereich Gehöfte die Form von Kleinstfestungen annehmen. In der Kaiserzeit setzten sich die im fortgeschrittenen Hellenismus angelaufe­ nen Entwicklungstendenzen fort: Die flächenmäßige Ausdehnung der Siedlungen scheint, ebenso wie der Wohlstand ihrer Einwohnerschaft, zugenommen zu ha­ ben, Neugründungen von Niederlassungen jedoch nicht erfolgt zu sein. Da es erhebliche Schwierigkeiten bereitet, hochhellenistische und kaiserzeitliche Bau­ befunde zu trennen, ist es nicht möglich, genauere Angaben zur flächenmäßigen Entwicklung der Niederlassungen in diesen Perioden zu machen. Der Wohlstand der Kaiserzeit läßt sich vor allem in den Nekropolen ablesen: ein erheblicher Teil der Sarkophaggräber, zu diesen zählen auch die aufwendigsten O bjekte, sind in dieser Periode entstanden. D er in den Nekropolen zur Schau gestellte Reichtum der Kaiserzeit erlaubte auch die Errichtung von Ehrenmonumenten innerhalb der Niederlassungen. Weiters wurden für die bauliche Gestaltung des öffentlichen Raumes in dieser Periode erhebliche Mittel aufgewendet: Dies wird insbesondere anhand eines an der Peripherie des Siedlungsareals gelegenen Baukomplexes am Dinek Tepesi deutlich. Zu diesem gehörten nebst einer zweiräumigen Thermen­ anlage auch ein Hallenbau und wahrscheinlich auch zwei direkt anschließende, großflächige Wasserspeicher. Das Wehrdorf bei der Tespili Yayla scheint jedoch spätestens in der frühen Kai­ serzeit aufgrund seiner ungünstigen, zur Zeit seiner Gründung wohl mehr auf­ grund strategischer Erwägungen ausgewählten Lage weitgehend verlassen wor­ den zu sein. Während der antiken Siedlungsphasen bildete die Landwirtschaft die vorran­ gige Lebensgrundlage der dörflichen Bevölkerung. Weiters dürften - wie eine Schlackenkonzentration am Dinek Tepesi belegt - in den Dörfern auch Gewerbe­ betriebe angesiedelt gewesen sein. D er für die Kaiserzeit durch Grabbauten und Ehrenmonumente belegte, steigende Reichtum einiger Familien stand wohl mit einer Tendenz zur Konzentration des Grundbesitzes in Zusammenhang. Diese Entwicklung dürfte jedoch nicht zu einer Auslagerung landwirtschaftlicher Funk­ tionen und damit zu einem Strukturwandel in der dörflichen Ökonomie geführt haben. Aus den Inschriften wird die Verschränkung der ländlichen Elite mit dem Zentralort und gleichzeitig deren Bindung an ihre Heimatgemeinden deutlich29. 28 A. Konecny, H ellenistische Turm gehöfte in Zentral- und O stly k ien (1997) 15 ff. 29 s. den Beitrag von M. Wörrle in diesem Band.

D er Bonda-Survcy

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Der Übergang von der kaiserzeitlichen zur spätantik-byzantinischen Kultur stellt sich im Denkmalbestand als fließende Entwicklung dar. Zu einem nicht ge­ nau definierbaren Zeitpunkt, wohl im späteren 4. oder dem frühen 5. Jahrhundert trat anstelle der antiken Hausteintechnik eine massive Verwendung von mörtelge­ bundenem Bruchstein- und Spolienmauerwerk. Die Struktur der Niederlassun­ gen veränderte sich in dieser Periode: Im Zentrum der Siedlungen wurden große Kirchen errichtet; auch scheint die Bebauungsdichte innerhalb der Niederlassun­ gen stark zugenommen zu haben. Zwei in mittlerer Flöhe gelegene Dörfer des Bonda-Gebietes, Karakuyu und Bonda Harabesi, erreichten in dieser Periode ihre größte Flächenausdehnung. Auch in deren Umland scheint die größte Dichte an freistehenden Gehöften in spätantik-byzantinischer Zeit bestanden zu haben. Im Gegensatz zum demographischen Aufschwung in tiefen und mittleren Sied­ lungslagen steht der Niedergang der Niederlassung am Dinek Tepesi: Dieses G e­ meinwesen, dessen Wohlstand für die Kaiserzeit durch besonders aufwendige Grabbauten und den am O rt gepflegten Badeluxus dokumentiert ist, scheint im 4. oder im frühen 5. Jahrhundert stark an Dynamik eingebüßt zu haben. Dies wird besonders durch die Tatsache verdeutlicht, daß im Ruinenbestand kein Kirchen­ bau nachweisbar ist und daß die Befestigungsanlage auf der Kuppe keinerlei H in­ weise auf Instandsetzungsarbeiten aufweist. Keramikfunde und vereinzelte M ör­ telbruchsteinbauten belegen jedoch, daß die Niederlassung nicht völlig aufgelas­ sen wurde. Auffälligerweise hat sich auch in Ortasari kein Hinweis auf einen be­ deutenden Kirchenbau erhalten. Dies und das Fehlen typischer Hausgrundrisse der spätantik-frühbyzantinischen Epoche können als Hinweis darauf gewertet werden, daß die Niederlassung in dieser Zeit von geringer Bedeutung gewesen sein dürfte. Der Niedergang eines der reichsten Gemeinwesen des Bonda-Gebietes könnte mit klimatischen Veränderungen in Zusammenhang stehen, wie sie im östlichen Mittelmeer auch andernorts für diese Zeit dokumentiert sind30. Man muß wohl davon ausgehen, daß in spätantiker Zeit die wirtschaftliche Grundlage des Wohl­ standes, eine Überschußproduktion im landwirtschaftlichen Bereich, wobei ins­ besondere Olivenöl eine tragende Rolle gespielt haben dürfte, weggebrochen ist. Eine geringfügige Zunahme von Nachtfrösten würde völlig ausgereicht haben, Ölkulturen nachhaltig zu schädigen und in der Folge einen massiven Rückgang der Produktion herbeizuführen. Die Frage, inwieweit der Niedergang des nicht erheblich höher als Karakuyu gelegenen Dorfes Ortasan ebenfalls mit klimati­ schen Veränderungen in Zusammenhang gestanden hat, läßt sich nicht mit Sicher­ heit beantworten: Es scheint allerdings, als wäre der sicherlich nicht besonders ausgedehnte Wirtschaftsraum von Ortasan in Lagen zwischen 700 und 800 m See­ höhe befindlich gewesen. Möglich wäre es aber auch, daß die dynamische E n t­ wicklung der nahegelegenen Niederlassung Karakuyu Auswirkungen auf die kleine Nachbargemeinde hatte. 30 s. etwa

W.J. Eastwood, N. Roberts, EL F. Lam b, A n a tS t u d 4 8 ( 1 9 9 8 ) 7 7 f f . ; / Koder, ß y zan -

ttna Australiensia 10 ( 1 9 9 6 ) 2 7 0 ff.

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T h o m a s M a r k s te i n e r

Die Instandsetzungsarbeiten an den antiken Gipfelbefestigungen von Bonda Harabesi und O rtasan mögen im 7. oder 8. Jahrhundert oder im frühen M ittel­ alter ausgeführt worden sein, Sicherheit kann in dieser Frage allerdings nicht ge­ wonnen werden. Zur selben Zeit erfolgte wohl auch die Errichtung eines Spolienmauerzuges an der Südflanke der Niederlassung am Yalak Ba§i. In Lykien allenthalben feststellbare Einbauten kleiner Kirchen in bestehende basilikale Großbauten werden in mittelbyzantinische Zeit datiert. Sie gelten als Zeugnisse des wirtschaftlichen und demographischen Niedergangs im Gefolge der Araberkriege. Im Bonda-Gebiet hat sich ein derartiger Befund nur in Kirche B des Dorfes Bonda Harabesi erhalten. In Ortasan stand ein kleinflächiger Kirchen­ bau im Zentrum eines an der Westseite des Siedlungshügels, am Fuß der Kuppen­ befestigung gelegenen Weilers. Es scheint, als wäre die Siedlungsdichte des BondaGebietes in mittelbyzantinischer Zeit gering gewesen. Vereinzelte Funde von Glasurkeramik belegen eine Weiternutzung der Nieder­ lassungen des Bonda-Gebietes bis in spätbyzantinische Zeit. Dieser Periode kön­ nen jedoch keine Bauaktivitäten zugeordnet werden, so daß es sich um eine Form der Subsistenzwirtschaft in den antiken Ruinen gehandelt haben mag. In der Neuzeit fanden im Bonda-Gebiet nach Angaben aus der Bevölkerung zwei Schübe bäuerlicher Landnahme statt, im Zuge derer vier kleine Weiler und einige Einzelgehöfte errichtet wurden. Deren Bewohner scheinen ihre Existenz in erster Linie von Getreideanbau und Viehzucht gefristet zu haben. D er schlechte, steinige Boden dürfte jedoch auch diese dünne Besiedlung nicht getragen oder je ­ denfalls keinen ausreichenden Lebensstandard ermöglicht haben: Heute ist keiner dieser Weiler mehr permanent bewohnt und die meisten liegen wüst; anstelle der bäuerlichen Wirtschaftsform ist eine saisonale Viehwirtschaft getreten.

Michael Wörrle Ermandyberis von Limyra, ein prominenter Bürger aus der Chora"' Ermandyberis von Limyra lebte um die Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert n.Chr.*. Wir kennen ihn seit 1997 aus der Inschrift, die auf der Basis seiner po­ stumen Ehrenstatue steht2: riTEuvaoi] Epi-iav&eijiiog Aij.iup[ig] E p j,ia v 5 'u ß e p tv Ep|,iav&ijAiog p sa 4

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(piloaiopyiag Kai fivr|fxr)g E V E K E V Ü E O lg .

D er folgende Beitrag soll den vorangehenden Su rveybericht von T h . M arksteiner m it einer epigraphischen Fallstudie ergänzen und einen A nsatz w eiterführender historischer E rw ä­ gungen aufzeigen; er kann nicht ohne D an k für die Einladung zur Teilnahm e an dem B ond aU nternehm en und m anchen guten R at an A. K on ecny und T h . M arksteiner beginnen. D ie Vortragsform ist beibehalten, in den A nm erkungen die w ichtigste D o k u m entatio n hinzuge­ fügt. 1 Die Datierung hängt an der D ekaprotie des Erm andyberis, vgl. u. A nm . 16. 2 Die Basis (A bb. 1) steht, tief im Steinversturz steckend, in den Siedlungsruinen von Bonda (vgl. hierzu M arksteiner, o. S. 280 f. und K arte A bb . 1 auf S. 272), w o ca. 50 m nördlich o b er­ halb der noch heute benützten Zisterne (am W eg ca. 100 m w estlich großer Ziegenställe) geräumige und besser ausgestattete G ebäude deren zentralen B ereich anzudeuten scheinen. Sie ist nur teilweise sichtbar und kann deshalb nicht vollständig beschrieben w erden. Ih r 6,5 cm starkes O b erp rofil endet auf der rechten N ebenseite in 68 cm Tiefe, was Einbindung in einen architektonischen Verband verm uten läßt, auf der O b erfläch e sind Standspuren

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M ich ael W ö r r l e

Der Vater des Ermandyberis hieß Ermandimis, und es ist kein Kunststück, beide Namen als ungriechisch zu erkennen. Sie gehören zum epichorisch-lykischen Na­ mengut: Der erste Bestandteil, in dem sie übereinstimmen, evoziert die Erinne­ rung an den luwischen Mondgott Anna3. Die Frau unseres Ermandyberis hieß Pteunase, ein Name, der mir so noch nicht begegnet, aber ohne Frage auch seiner­ seits der einheimischen Onomastik zuzurechnen ist4. Auch Pteunases Vater hieß Ermandimis, schrieb sich aber, anders als eine Zeile später der Vater des Ermandy­ beris, mit „ei“: Ermandeimis. Vielleicht sollten so die beiden Väter als homonyme, aber verschiedene Personen kenntlich gemacht werden, vielleicht - meines Erach­ tens wahrscheinlicher - handelt es sich aber nur um eine orthographische Inkon­ sequenz, die sachlich bedeutungslos ist. Im letzteren Fall könnten die Eheleute Geschwister sein, am ehesten solche von verschiedenen Müttern. Ehen zwischen Cousins und Cousinen waren im kaiserzeitlichen Lykien gerade auch in Elitefa­ milien wie den Licinnii von Oinoanda und den Arruntii von Xanthos gängige Pra­ xis5, wie oft oder wie selten sich Geschwister heirateten, kann ich nicht sagen, eine demographisch aussagefähige Quelle, wie sie für Teile des kaiserzeitlichen Ägyp­ ten die Zensusdeklarationen darstellen, steht für Lykien nicht zur Verfügung6. Verwandt waren Ermandyberis, dessen Name in seinem engeren Umfeld noch zweimal belegt ist7, und Pteunase wohl in jedem Fall, und dann wird man der Fa­ milie wenigstens in der Namenwahl traditionalistische Ambitionen attestieren, ohne doch in der Lage zu sein, dies sozial- und mentalitätsgeschichtlich bcfriedi-

einer B ronzestatue zu erkennen, das Fußprofil scheint abgeschlagen zu sein, aber in seinem Bereich ist das M onum ent im G erö ll verschüttet. D ie M aße sind: H öhe > 6 7 , Breite 59 (ohne P rofil), T iefe 175 (ohne P rofil) cm , die nach unten zunehm ende G rö ß e der Buchstaben schw ankt zw ischen 2 bis 2,5, der Zeilenabstand beträgt 1 cm. 3 Einen Ü berb lick über die N am engruppe (vgl. neuerdings etwa R. Bebrw ald, in: F. Kolb (H rsg.), Lykische Studien 4 [1998] 1 9 0 f.) gibt L. Zgusta, K leinasiatische Personennam en (Prag 1964) 92 ff. § 97; 1 6 7 ff. § 355. D anach finden sich Erm andyberis und Erm andim is (letz­ terer zu U nrecht bezw eifelt) auch in Inedita aus A ntiphellos und A ndriake. Zu verwandten N am en in L im yra Wörrle, C h iro n 25 (1995) 393; 406; 408, ein Paar postum er Ehrungen für einen Ermapias in M yra hat jüngst S. §ahin, EpA nat. 31 (1999) 4 6 f. publiziert (der H ypogym nasiarch von N . 11 ist natürlich ein Phantom ). 4 O b man sich hier zurecht an den in L im yra bezeugten T e u iv a o (a c ) und seine lykischen Entsprechungen erinnert ( W örrle, a.O . 409)? 5 Vgl. A. Bailand, Fouilles de X an th o s V II. Inscriptions d ’epoque im periale du L eto on (Paris 1981) 153 f. mit w eiteren H inw eisen. 6 Zu den ägyptischen G eschw isterehen vgl. zuletzt K. Hopkins, in: P. Bonte (H rsg.), Epouser au plus proche (Paris 1994) 7 9 -9 5 (freundlicher H inw eis von D . H ennig) und N . Gonis, Z P E 133 (2000) 199 f. mit einem neuen Fall und w eiterer Literatur, für K aricn P. D ebo rd, E. Varinlioglu (H rsg.), Les hautes terres de C arie (Bordeaux 2001) N . 16. W ie weit verbreitet das Phä­ nomen war, ist unklar. Im G egensatz z.u Ehen von G eschw istern mit identischer M utter scheinen solche von G eschw istern aus verschiedenen Verbindungen desselben Vaters für griechische R ech ts- und M oralvorstellungen überhaupt unproblem atisch gewesen zu sein. A uf wie unsicherem B oden freilich Q uantifizierungsversuche stehen, haben A .-A4. Verilhac, C. Vial, Le marriage grec (Paris 1998) 82-101 gezeigt. 7 Epj,iavÖi!pEptc Mepei(.iuöou und 'Ep(tööi|[.ioc Epuctvöußepeoc in einer unpublizierten G rabin sch rift von Bonda.

E r m a n d y b e r i s von L i m y r a , ein p r o m i n e n t e r B ü r g e r aus der C h o r a

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M ichael W örrle

gend zu verorten, schon weil wir ja nicht wissen, wie die anderen Familienmitglie­ der hießen und ob es nicht eben auch unter ihnen die uns meist ganz willkürlich erscheinende, landestypische Mischung griechischer Import- und epichorischer Traditionsnamen gab. Ein Akkulturationsgefälle zwischen Stadt und Land indi­ ziert der onomastische Befund jedenfalls nicht. Ermandyberis war ein politisch engagierter Patriot und hatte eine Reihe öffent­ licher Funktionen in Limyra übernommen. Aus der unspezifizierten Gesamt­ menge der touted dpy/xi, Kai ^eitot'PYiai (Z. 9-11) erschienen fünf besonderer Hervorhebung wert: Zuerst8 die Mitwirkung im wohl auch in Limyra kollegial besetzten Finanzressort der tafiicu9, danach, eine Rangstufe höher, die Leitung eines der beiden Gymnasien Limyras als Gymnasiarch der v e o i , der jungen E r­ wachsenen, der auch für den Unterricht der Epheben zuständig war10, später wie­ der Mitarbeit in einem Kollegium, dem der Prytanen, die wohl als Exekutivgre­ mium für das laufende Management der limyräischen Polis insgesamt verantwort­ lich waren11. Während der Prytanie des Ermandyberis hatte Limyra die efhaid] Ttavrp/upig, also die in den Mitgliedstädten des lykischen Koinon reihum abgehal­ tene Bundesversammlung mit Bundesagon, auszurichten, für die amtierenden Prytanen des jeweiligen Versammlungsortes eine besondere Herausforderung und eine entsprechende Gelegenheit zum Prestigegewinn12. Danach hat Ermandyberis mit der Verteilung von Getreide an die zum Empfang berechtigte Politenelite der GiT0[ieTp0V[.i£V0i die an Leute wie ihn gerichtete Erwartung von ETtiööoeig befrie­ digt, was ihn eine Stange Geld gekostet haben dürfte13. Die Jtatpig ist Ermandy­ beris die Anerkennung, die er sich mit alledem verdient hatte, auch nicht schuldig geblieben und hat ihm mit dem städtischen Kaiserpriestertum die angesehenste ih­ rer öffentlichen Positionen anvertraut, in der er als oberster Repräsentant des G e­ meinwesens bei allen kultischen und politischen Zeremonien und Staatsritualen

s D er Text gibt eine hinsichtlich C h ron olo gie wie Bedeutung absteigende Reihung. 9 Vgl. 'Wörrle, Stadt und F est im kaiserzeitlichen K leinasien (M ünchen 1988) 1 1 4 f. 10 Wörrle, a.O . 113 f . u Wörrle, a.O, 1 0 9 -111. 12 O rtsw echsel der Bundesversam m lung, anscheinend ohne festes R otation sschem a und mit O rtsw ahl von Fall zu F all, bezeugt Strab. 14, 3, 3 für das vorröm ische K oin o n (auvep^ovTOi öe £K(icm]5 jtöXewg et? xö auveöptov, fjv ä v öoKt|iäatoai jt6X.iv eXofievot). Ü b er m ögliche Änderungen in der K aiserzeit lassen sich keine Aussagen m achen. B ekleidung von Prytanie ev eflviKfj Jtavrp/üpei, sogar zw eim al, wird, w ohl etwas später, auch von einem X an th ier ge­ rühm t (T A M II 496, vgl. Bailand, am A nm . 5 a.O . 246 ff. N . 78), und eben dort hat sich ein G ym nasiarch der veoi dadurch besonders hervorgetan, daß er das A m t nicht nur ev eöviKfj jtavr|Yi)pei, sondern dazu auch noch ev cp exei f|pxiipceto 6 Jtcerip amov übernom m en hatte (Balland, a.O . 230 ff. N . 69). D aß die offenbar zur festgeprägten politischen Term inologie ge­ hörende W endung nun auch für L im yra belegt ist, w iderlegt Bailands Verm utung eines spe­ ziellen Bezugs auf X an th o s und das L eto on (a.O . 233 f.) und spricht für die R ich tigkeit der auf Strabons Zeugnis gegründeten Verm utung auch in der K aiserzeit fortdauernden O rts­ w echsels lykischer Bundesversam m lungen (vgl. etwa J, Deininger, D ie Provinziallandtage der röm ischen K aiserzeit [M ünchen 1965] 73). 13 Wörrle, a.O . Strubbe, E pA nat. 13 (1989) 1 1 4 f.

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die erste Rolle spielte14. Wie große Pausen zwischen den einzelnen Funktionsjah­ ren jeweils lagen, wissen wir nicht, Mindestschonfristen waren, wie in allen lyki­ schen Städten so auch in Limyra, durch die Wahlgesetze garantiert. Die damaligen Politiker waren ja echte Amateure; Kontinuität ihres öffentlichen Engagements haben sie in aller Regel zu vermeiden getrachtet, und wenn sie sich ausnahmsweise doch zu Kontinuität gewinnen ließen, dann war das ein weiteres, besonderes Ver­ dienst15. Unser Ermandyberis hat es sich damit erworben, daß er mehr als 25 Jahre lang ÖEKdjtptoxog war16, wobei die Frage direkten Anschlusses der Amtsjahre an­ einander wieder offenbleibt. Viele „sabbaticals“ kann er sich aber nur genehmigt haben, wenn er sehr lang aktiv war; auch das können wir nicht mehr abschätzen, aber gerade bei der Dekaprotie kam langjährige bis lebenslängliche Tätigkeit öfter vor, und den Vogel hat wohl der Mann aus Arneai abgeschossen, der das Amt mit 18 Jahren erstmals übernahm und es mit 86 immer noch bekleidete17. Die Dekaprotoi waren aus den Buleuten, zu denen Ermandyberis mithin ge­ hört haben muß, aufgrund besonderer Vermögensqualifikation erwählt und kon­ trollierten unter persönlicher Haftung für Verluste, weswegen sie eben reich sein mußten, die gesamten städtischen Einkünfte, ordentliche wie Pachten, Zölle oder Steuern und außerordentliche, hier besonders Zuflüsse aus Stiftungsvermögen. Die gesellschaftliche Einstufung solcher Leute haben uns die Inschriften abge­ nommen: Es sind die berühmten jtpcoxoi xfjg jröXecog, mit deren Statuen der öf­ fentliche Raum auch der lykischen Städte möbliert war, und alles, was ich Ihnen bisher erzählt habe, ist vielfach bezeugt: Ermandyberis war einer der kaiserzeitli­ chen Standard-Euergeten Lykiens. Nur: Seine Statue stand, samt Inschrift, nicht in Limyra (dort kann er natürlich eine weitere gehabt haben, aber die kennen wir nicht), sondern auf dem Bonda tepesi im, wie es scheint, durch besonders reprä­ sentative Behausungen ausgezeichneten Ortszentrum der Kome, die heute densel­ ben Namen trägt wie das ganze Gebiet. Sie ist dort postum durch seine schon er­ wähnte Frau Pteunase aufgestellt worden, und ich folgere daraus und aus dem nur dortigen Vorkommen weiterer Namensvettern, daß Ermandyberis in diesem D orf Fleimat hatte und das, was man heute seine Lebensmitte nennen würde. In Ausübung seiner politischen Funktionen muß er aber häufig im städtischen Zentrum von Limyra geweilt haben. D er Bonda tepesi ist zerklüfteter, als man zu­ nächst denkt. Die Wege waren zur Zeit des Ermandyberis dank Pflege, Pflaste­ rung und Stufenanlagen sicher besser gangbar als heute, aber die Hänge waren ge­ nau so steil, im Winter regnete und gewitterte es genau so furchtbar und im Som­ mer hatte es dieselben 40 Grad wie heute. Um nach Limyra zu gelangen, konnte 14 Wörrle, a.O . 1 0 1 -1 0 5 , vgl. C h iro n 29 (1999) 355. 15 Wörrle, a.O . 9 3 -9 6 ; F. Quaß, D ie H o no ratioren sch icht in den Städten des griechischen O stens (Stuttgart 1993) 3 3 4 -3 3 7 . 16 In den Städten Lykiens w urden die SeKaitpcoxoi in den frühen Jah ren H adrians, vor 124, durch eiKoaäjipojTOt abgelöst ( Wörrle , a.O . 162), was für die D atierung unseres D okum ents und der Biographie des Erm andyberis entscheidend ist. 17 Vgl. Quaß, a.O . 177 f. Arneai: T A M II 765. Vierzigjährige E ik o sap ro tie wird in einer In ­ schrift aus Balbura gerühm t: N.P. Milner, A S 41 (1991) 55.

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Ermandyberis entweder zu Fuß gehen oder reiten, was gute Kondition erforderte und einen strammen Tag gekostet haben muß, oder er konnte zwei Stunden sehr steil zur heute Ak liman genannten Bucht hinuntersteigen, dort auf das Linien­ schiff von Myra nach Limyra warten und hoffen, bei günstigem Wind und erträg­ licher See um das Kap von G ök burun herum bequem nach Finike zu kommen18, um von dort noch erneute zwei Stunden diesmal ebenen Weges nach Limyra zu wandern, alles zusammen auch wieder mehr oder weniger ein Tag. Wie oft oder wie selten er die Reise machte, wissen wir nicht. Bei seinen Einkommensverhält­ nissen wird er sich den Besitz eines Stadthauses geleistet, dort während seiner öf­ fentlichen Aktivitäten residiert und auch seine Kinder für die Zeiten des Gymnasionbesuches standesgemäß untergebracht haben; auch davon wissen wir nichts. Um von dem möglichen Maß an Bequemlichkeit und vielleicht sogar Luxus, das er sich in Bonda leistete, eine konkrete Vorstellung zu bekommen, müßte man vom Survey zur Ausgrabung seines Hauses fortschreiten, woran gar nicht zu den­ ken ist. Die erfrischende Dusche, die wir auf dem Bonda tepesi vermißten, hatte er jedenfalls auch nicht, Wasser kam ausschließlich aus der Zisterne, aber das hat ihn bei ganz anderen zivilisatorischen und hygienischen Standards als heute wohl wenig gestört, und er hatte es ja im Gegensatz zu uns auch von klein auf gelernt, damit umzugehen. Wie es um seine jtaiö eia stand, können wir gar nicht einschät­ zen, aber Limyra war kein Kaff, sondern eine jtp io T E iio u a a itö/aq mit dem Titel einer ja,T|TpÖJtoXig toü A dkicov Etlvoug19, und wer dort Prytane, Gymnasiarch und Kaiserpriester war, mußte sich schon einigermaßen souverän auf der kulturellen Höhe der traianisch-hadrianischen Zeit bewegen können. Das Tätigkeitsbild eines Dekaprotos können wir trotz vieler, aber eben mono­ toner epigraphischer Belege für die Funktion nur in rudimentären Ansätzen kon­ kretisieren. Immerhin war unter den römischen Rechtsgelehrten wenigstens der späteste, Modestin, zu der Ansicht gekommen, daß so jemand nicht nur das patri­ monii onus trug, über das anscheinend Konsens bestand, sondern auch ein corpo­ rate ministerium erbrachte20. Das den Dekaprotoi gesetzte Leistungsziel scheint im Prinzip immer dasselbe, der Eingang vorher als Pauschalsummen festgelegter Geldbeträge in die Stadtkasse, gewesen zu sein. Da diese Beträge als Ausgaben auch schon wieder vorweg verplant waren, mußten die Einnahmen zuverlässig und pünktlich kommen, notfalls aus dem eigenen Vermögen der Dekaprotoi, de­ nen dann die jiE y c d a oder sogar doüvKptxa äva^o^taxct entstanden, von denen

18 O G I 572 (vgl. L. Robert, N o m s indigenes dans l’A sie-M ineu re g reco-rom aine [Paris 1963] 35 f. mit Taf. II) enthält ein wohl in das 2. Jahrhundert n. Chr. zu datierendes D ek ret von M yra über die als städtisches M onopol vergebene Linienschiffahrt nach Lim yra. Als H alte­ plätze waren darin außer A ndriake die M ündung des O lii deniz am Westf uß des Bonda tepesi (xö a x ö [ia xf)q At}tvt]c) und f) A aasto. vorgesehen. M it diesem „W aldland“ dürfte der Bonda tepesi insgesamt gem eint sein. Von seinen beiden für das A nlegen von Schiffen geeigneten B u ch ten kom m t zur N u tzu ng von der Siedlung von Bonda aus nur die w estlichere, eben der A k liman, in Frage. 19 Wörrle, a.O . 2 40 mit dem H inw eis auf Bailand, a.O . 176 f. 20 Dtg. 5 0 ,4 , 1 8 ,2 6 .

E r m a n d y b e r i s v o n L i m y r a , ein p r o m i n e n t e r B ü r g e r aus de r C h o r a

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eine Inschrift aus Idebessos spricht21. Das war aber der, dann natürlich spektaku­ läre, Ausnahmefall, in dem das System versagt hatte. Von der Normalität seines Funktionierens zeugt dagegen eine Inschrift der späten 130er Jahre aus der zu Kadyanda gehörigen Kome von Dereköy im äußersten Nordwesten Lykiens22, nach der es für die zehnprozentige Steuer auf den Ertrag des Getreideanbaus, die oixuci] Ö E K a ii], eine dorfbezogene Pauschale gab, die sich bei der jährlichen Abrechnung mit dem Dekaprotos auch als übererfüllt erweisen konnte; es entstanden dann Überschüsse, die dem D orf für die Finanzierung von Gemeinschaftsaufgaben ver­ blieben. Die Komenpauschale war die Zusammenrechnung der Einzelveranlagun­ gen aller Flurstücke des Dorfgebietes. Ihr Besitz war, auch dies alles läßt die er­ wähnte Inschrift von Dereköy erkennen, nicht zeitlos stabil, sondern ständigem Wechsel durch Erbgänge und Immobiliengeschäfte unterworfen und überhaupt bunt gestreut, wobei die Eigentümer, die auch Personengemeinschaften mit ver­ schieden gestückelten Anteilen sein konnten, keineswegs alle ortsansässig waren. Da nach dem Anteil am Gemeindegebiet nicht nur die besonders wichtige aixiKi] Ö8KCtT»], sondern auch andere Leistungsverpflichtungen verrechnet wurden, wa­ ren die Besitzverhältnisse ständig sorgfältig zu kontrollieren, was dadurch ermög­ licht wurde, daß einzelne Dekaprotoi jeweils für bestimmte Dörfer zuständig wa­ ren, und natürlich waren auch die Abgaben in der gerechten Höhe umzulegen und einzutreiben, wobei uns die sicher besonders sensiblen Problemkreise von Ver­ marktung und Adaerierung der Ernten gar nicht zugänglich sind, waren schließ­ lich den einzelnen Leistungspflichtigen und der Gesamtgemeinde korrekte Q uit­ tungen auszustellen. Aus Ägypten haben wir eine ganze Reihe von Papyri, die die Bedeutung dieser Quittungen einschärfen, auch Beschwerden über angeblichen Quittungsbetrug und ungerechtfertigte Zwangsmaßnahmen von Dekaprotoi do­ kumentieren, und in Kleinasien gibt cs natürlich die Ehreninschriften, die einzel­ nen Dekaprotoi mit Variationen von maxie;, 6 iK a io o ü v i| und ä y v E ia korrekte Amtsführung attestieren. Daß sie die Ausnahme, Korruption und Ausbeutung die Regel gewesen seien, folgt daraus nicht so selbstverständlich, wie man es häufig liest, und die gerade für Dekaprotoi typischen langen Amtszeiten, von denen ich vorhin gesprochen habe, sind wohl nicht nur die Konsequenz aus der Vertrautheit mit den örtlichen Verhältnissen, die für eine effiziente Amtsführung nötig war, sondern auch ein Indiz für eine Art Vertrauensverhältnis zwischen den Dekapro­ toi und „ihren“ Dörfern, die langfristige Stabilität wünschenswert erscheinen ließ. Unseren Ermandyberis rühmt seine Frau als ötoöeuoag dyvcoq Kai cpiXoiei|itoc. Das ist ganz originell formuliert und, wie immer, wenn keine unmittelbaren Par­ allelen zur Hand sind23, mit entsprechenden Vorbehalten zu interpretieren, aber 21 TA M II 838. 22 Wörrle, C h iron 27 (1997) 3 9 9 ff., zum W irken der zuständigen D ekaprotoi 4 4 7 -4 5 8 , auch mit den für die folgende Skizze nötigen N achw eisen. 23 A bsolutes cHoöeueiv ist seit hellenistischer Zeit für Reisende in öffentlicher M ission b e­ zeugt. So bezieht sich etwa A ntioch os III, bei dem von Ptolem aios in seinen syrischen D ö r­ fern angestrebten 8Jtioraö|,i8Üeiv-Verbot auf dessen Beschw erde über jtX eiovac xtöv ÖioÖeuonmov KataXweiv te u e i « ßtaq ev r a te kioiauic cä 'to ü (S E G 41, 1574 F; G ), das E dikt

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es scheint doch gemeint zu sein, daß er als professioneller Wanderer viel im Au­ ßendienst zu tun hatte und dabei gerecht, sogar großzügig war. Wir haben dann ein bißchen hinzuzulernen: Ermandyberis war kein abgehobener, fremder Honoratior, der ab und zu aus der fernen Stadt in den Dörfern des Bonda tepesi auf­ tauchte, um Steuern zu kassieren, und, wenn er Pech hatte, von den Bauern gestei­ nigt wurde, wie Libanios die Sache für das Antiocheia des 4. Jahrhunderts hin­ stellt24, sondern ein Mann vom Land, ein muhtar-Typ - aber vermutlich kein eng­ stirniger - aus dem D orf, der dort alle kannte und von allen geachtet war und auf dieser sozialen Basis in seinem Bonda und anderen Dörfern auf dem Bonda Tepesi mit ihren wohl nicht anders als in der Kome von Dereköy klein strukturierten B e­ sitzverhältnissen die übergeordneten Interessen der Polis nicht nur bürokratisch korrekt verwalten, sondern auch in persönlicher Glaubwürdigkeit und Nähe mit Autorität und Augenmaß vertreten konnte. Es ist dies eine Facette von StadtLand-Beziehung, die sich uns in seiner Person erstmals deutlich artikuliert, aber wir haben keinen Grund zu glauben, daß Ermandyberis ein Einzelfall unter den vielen Dekaprotoi war, von denen wir wissen, und die schon deshalb nicht die institutionalisierten Ausbeuter der Landbevölkerung sein konnten, weil sie genau so ja auch für die Abgaben zuständig waren, die im städtischen Siedlungszentrum und, soweit vorhanden, im Hafen anfielen25, und weil sie selbst ja das Fungieren von Dekaprotoi durchaus von beiden Seiten zu sehen bekommen konnten wie je­ ner Ermadortas, der in der Grundbesitzerliste von Dereköy auftaucht, dort mit­ hin Steuern zahlen mußte, und am selben O rt auch als Dekaprotos gewirkt, also Steuern kassiert, und einen Uberschuß hinterlassen hat26. In seinem Fall wissen wir nur nicht, ob die Kome von Dereköy auch seine Heimat war; er gehört dort nämlich nicht zu den großen Bauern und könnte noch andernorts begütert gewe­ sen sein. Unsere Inschrift behauptet, daß ayvcog K a i cpiloTCiiicog ötoöeuetv der durch­ gängige Stil des Ermandyberis in allen ap%ai K a i ^ixoupyiai gewesen sei, ohne uns diese Funktionen unterhalb der Dekaprotie im einzelnen zu verraten. Man denkt

des Vergilius C ap ito rich tet sich 49 n. Chr. gegen 5to5£ijovTeg ö ta ttöv vo,uä)v arp aticäT ai ktX., synonym mit vorhergehendem o i £Jti Talg xpelaig (E. M. Smallwood, D ocum ents illu­ strating the principates o f G aius, Claudius and N ero [C am bridge 1967] 582). G anz entspre­ chender Sprachgebrauch findet sich im N T, Lk. 8, 1: Jesus öiofteixov kccto jtöXtv m l Ko')jit|v ... £ÜaYYeXt^ö(.i£Vog ktX., was Mt. 4, 23 m it JiepifjYev ev öXr| xf) FaXiXciiq ausgedrückt hatte (vgl. Jos., B J 2, 340; IM ak k . 12, 32). Bei den e| aXX
E r m a n d y b e r i s v o n L i m y r a , ein p r o m i n e n t e r B ü r g e r ans der C h o r a

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natürlich an die jrapacpüXaKeg 27, die in der Xü)pa auch der lykischen Städte, per­ sönlich präsent und nicht von irgendeinem Schreibtisch aus, den Polizeidienst lei­ teten, und da wir auch diese Funktion vorzugsweise aus den Amterlisten von städ­ tischen Ehrenstatuenbasen kennen, hat sich hierüber ein Klischee festgefressen, das ich am besten mit den Worten von Keith Flopwood - sie sind seine Summe ei­ ner Studie über die Verhältnisse in Kilikien - formuliere28: „The divorce between police and policed was total: the latter were the partially-hellenized native popu­ lations living on the fringes of the city-state; the former were the cultured and hellenized governing classes who imposed an alien language and laws on their infe­ riors.“ Keinen geringen Beitrag zu diesem Bild hat eine Inschrift aus dem Territo­ rium von Hierapolis, dem heutigen Pamukkale, geleistet29. Sie begrenzt die A n­ sprüche der dortigen JtapctcpiiXctKeg an die Dörfer, in denen sie dienstliche Station machten (die exciör'ij.iiai, von denen die Rede ist, scheinen mir nur ein anderer Aspekt unseres öioöetisiv zu sein), auf Feuerholz, Pferdefutter und |iOVT], ein Dach über dem Kopf. Requirieren sie mehr, drohen Konfiskation und Strafe. Ehrengeschenke an die jtapacpijXaKEg scheinen üblich gewesen und z.T. erpreßt worden zu sein; sie bleiben erlaubt, aber der freie Wille der D örfer wird ausdrück­ lich geschützt. Diese Inschrift gäbe es nicht, wenn keine Mißstände abzustellen gewesen wären, aber man darf nicht überlesen, daß es sich um eine Dekretinitia­ tive der ßot)Xf] von Hierapolis handelt, mit der sich die Flonoratioren eines „citystate“ massive Beschränkungen zugunsten von dessen „populations on the frin­ ges“ und im Interesse einer Stadt und Xtl3Pa vereinigenden, rechtsstaatlichen Poliskonzeption auferlegten - und es steht ihrem negativen Bild dörflicher Poli­ zeierfahrung ausgleichend die Dankesinschrift eines Dorfes von Prusa am Olymp gegenüber30, dem ein korrekter jrapacpt'Xax zum Beschützer geworden war. Die ,rural chiefs“, denen ich begegnet bin, schienen mir überall in der Regel harte Leute zu sein, und nicht jeder, der an Pteunases Statue vorbeigekommen ist, muß nur gute Erinnerungen an Ermandyberis gehabt haben; „total divorce“ ist aber wohl kaum die geeignete Kategorie, seine Beziehungen zu den Menschen auf dem Bonda tepesi zu charakterisieren, mit großer Wahrscheinlichkeit das Gegenteil, aber wir haben eben bisher die Möglichkeit, daß auch ein napacpiiXcd; aus dem Land, für dessen Ordnung er sorgte, selbst kommen konnte, mit Ausnahme von Christof Schuler31, gar nicht ins Auge gefaßt. Schneller als Ermandyberis, in etwa vier Stunden, war Hieratikos, Sohn des Trebemis, in Limyra32. Er war zu Flause im Peripolion von Asarönü und wird in 27 Am Anm . 9 a.O . 115; 1 4 9 f.; Th. Corsten im K om m en tar zu I.Prusa ad O lym pu m (B onn 1991) 23; St. Mitchell, A natolia I (O xfo rd 1993) 195-197. 28 In: Mitchell (H rsg.), A rm ies and F ro ntiers in R om an and B yzan tin e A natolia (1983) 180. 29 O G I 527, vgl. L. Robert, Etudes anatoliennes (Paris 1937) 103-105. 30 S. o. A nm . 27: Tt]prjaavxa a m o v z e v jioXXoTg Kai avacrtpcKpevta K aflapijioq Kat auvqpe-

pÖVTCOC. 31 Ländliche Siedlungen und G em einden im hellenistischen und röm ischen Kleinasien (M ünchen 1 9 9 8 )2 7 7 . 32 Die Inschrift, auf der das Folgende beruht, habe ich C h iron 29 (1999) 3 5 3 -3 7 0 v eröffen t­ licht.

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der Inschrift einer dort errichteten Statuenbasis für seine verstorbene Frau als JtpioTEiXtfv dieser Siedlung bezeichnet, an deren Rechtsstellung hier nur soviel in­ teressiert, daß auch sie als ländliches Subzentrum Komenstatus hatte. Hieratikos und seine Frau hatten mit dem gemeinsam bekleideten Kaiserpriestertum gegen Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. ebenfalls den Weg an die Spitze der städtischen Ämterhierarchie in Limyra geschafft, gewiß nicht ohne die üblichen Vorleistun­ gen kontinuierlichen öffentlichen Engagements, wie wir sie bei Ermandyberis stu­ dieren konnten. Während dessen Statue anscheinend ein privates Unternehmen seiner Frau Pteunase war, wird bei der Kaiserpriesterin in Asarönü ausdrücklich auf das Dekret von Rat und Volk von Limyra hingewiesen, das die Errichtung ih­ res Denkmals durch ihre pietätvollen Söhne autorisierte und zugleich nobilitierte. Fragen nach Mentalitäten sind notorisch besonders heikel, aber es wäre doch in­ teressant, eine Ahnung davon zu haben, w as,Stadt' in den Augen derer bedeutete, die mit Ermandyberis und Hieratikos auf dem Land wohnten. Wäre die Bezie­ hung mit negativen Sentiments überfrachtet gewesen, hätten Ermandyberis und Hieratikos nicht gerade im dörflichen Ambiente sich ganz ausschließlich und de­ monstrativ mit Erfolgen vorgestellt, die nicht nur für uns, sondern gewiß auch für ihre Zeitgenossen mit dem städtischen Zentrum der Polis verbunden waren und auf dort geleisteten Funktionen beruhten. Im Vergleich zu Limyra war das nördlich angrenzende Arykanda, so imposant es sich heute dank guter Erhaltung und jahrelanger Ausgrabungen dem Besucher präsentiert33, eine bescheidene Gebirgs-Polis, und Hieron, der Bürgermeister (ör||iapX0 5 ) der etwa drei Wegstunden entfernten Kome von Kilepe an der Grenze zu Arneai hatte es selbst in den bescheidenen Verhältnissen von Arykanda nicht so weit gebracht wie die beiden Herren aus der %(hpa von Limyra: Neben dem Dem­ archenamt im heimatlichen D orf war er Priester, wenn auch nur des Zeus und nicht des Kaisers, aber immerhin auch er ev xrj jtöXei, und das letztere hat er sicher nicht aus topographischer Pedanterie, sondern wegen des höheren Wertes heraus­ gestellt, den sein Priestertum eben deswegen hatte, weil es eines in der Stadt war34. Noch ein wenig deutlicher tritt dieser Aufsteigerstolz in den Inschriften zweier ebenfalls schon von Christof Schuler35 bemerkter Sarkophage in der zu Perge ge­ hörigen Lyrboton Kome am Westrand Pamphyliens hervor: Das entsprechende Vermögen hatte wohl schon der Vater zusammengebracht, für soziale Mobilität hat es der Sohn genutzt, dem der zugleich trauernde und beglückte Vater aufs Grab daheim im D orf schrieb, daß er nicht nur Mitglied des idy^ia Tfjg ev Ilep'/fl yepow iag geworden sei, sondern von dem honorigen Klub mit einem lebenslan­ gen Priestertum ausgezeichnet wurde und dafür 600 Denare springen ließ. Under­ statement ist das nicht, und Neider mag es im D orf gegeben haben. Das ändert nichts daran, daß die Stadt die Standards vorgab und darstellte, nach denen sich 33 Vgl, die Beiträge von C. Bayburtluoglu und P. Knoblauch zu: /. Borchhardt , G. Dobesch (H rsg.), A kten des II. Internationalen Lykiensym posions (W ien 1993) II 1 1 9 -1 3 0 sowie P. Knoblauch , Cb. Witschel, A rch A nz. (1993) 2 2 9 -2 6 2 . 34 Zu H ieron vgl. Wörrle, in: Frem de Zeiten. Festsch rift J. B orch hard t (W ien 1996) 153-160. 35 S. §ahin, E p X n at. 11 (1988) 1 6 2 f. N . 1581. mit den Ü berlegungen Schulen, a.O . 2 8 0 f.

E r m a n d y b e r i s von L i m y r a , ein p r o m i n e n t e r B ü r g e r aus der C h o r a

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auch in diesem Fall die Wertvorstellungen der Leute auf dem Land ausrichteten. Partizipation daran muß für alle erstrebenswert gewesen sein, vor allem bei den großen Festen in der Stadt Zugehörigkeit zur großen Polis zu erleben, auch wenn man im D orf dafür vorher die Rinder züchten mußte, deren Fiergabe zum ge­ meinsamen Opfer und anschließenden Schmaus der Gemeinde und ihrer Gäste sicher ein Opfer war36. Die Leute vom Land mit Stadtconnections, die wir betrachtet haben, sind zu ihrem sozialen Rang mit Geld gekommen, über das sie auf Grund von Vermögen verfügten, die im Rahmen ihrer Heimatdörfer außergewöhnlich groß waren. Worauf die wirtschaftliche Blüte des kaiserzeitlichen Bonda tepesi beruhte, hat Andreas Konecny in seinen beiden Aufsätzen über die Ölpressen gezeigt, die dort oben bis in die Dörfer an der Vegetationsgrenze für Olivenbäume ein ubiquitäres Phänomen sind37. Diese Ölproduktion muß intensiv, markt- und wohl sogar exportorientiert, in Bonda selbst die überwiegende Kultur gewesen sein, und wenn, was wir nicht ausschließen können, Ermandyberis nicht noch anderswo in Land oder gar in Spekulationsgeschäfte investiert hatte, beruhte sein Reichtum auf O li­ venplantagen, die er um Bonda herum besaß, wobei man freilich nicht an afrikani­ sche oder hispanische Dimensionen denken darf, daneben vielleicht auf Herden von Ziegen, die man im Gegensatz zu den Oliven noch heute auf dem Bonda Te­ pesi trifft und damals in Limyra-Stadt nach dem Ausweis der Knochenanalysen3S anscheinend mehr als alles andere Fleisch verspeiste. Mustafa Adak und Orhan Atvur haben das Grabhaus einer Familie in der ostlykischen Hafenstadt Olympos publiziert, in der es um die Wende vom 2. zum 3. Jahrhundert n. Ch. der Onkel Eudemos als Reeder im Uberseegeschäft mit dem Pontos zu dem großen Geld ge­ bracht hatte, von dem dann der Neffe Zosimas sicher nur einen kleinen Teil in ein aufwendiges Familienmonument investierte39. Auf die Frage, was Eudemos aus Lykien nach dem fernen Norden verschifft haben könnte, sind Adaks Antwor­ ten40 nicht recht überzeugend. Das Ö l, natürlich nicht nur das vom Bonda Tepesi, wäre ein solcher F’xportartikel, mit dem nicht nur Händler, sondern auch Produ­ zenten wie unser Ermandyberis reich werden konnten, so reich, daß ihnen der Sprung in die städtische .society* gelang. Zu Rentiers, absentees, städtischen H o ­ noratioren oder wie immer man die falschen, mindestens einseitigen Bilder benen­ nen will, sind Leute wie er dadurch nicht geworden. So zu reden, als ob es eine Geschichte dieses Mannes gäbe, war leider nur ein Spiel, das sich am Ende in dem Nebel verliert, der oft auch im schönsten Sommer auf dem Bonda Tepesi einfallen kann. Die Struktur, auf der ich es zu entfalten ver­ 36 Für das D em osth eneia-F est im hadrianischen O inoand a waren 27 R in der vorgesehen, de­ ren Lieferung durch die F u n ktion sträger (13) und die D ö rfer (14) der Polis das G rü nd ungs­ dokum ent regelte (am A nm . 9 a.O . Z. 6 8 -8 5 ). 37 Ö Jh . 67 (1998) B 1 2 1 -1 9 4 ; 68 (1999) B 1 4 1-170. Vgl. M arksteiners (o. S. 2 8 6 f.) E rw ägu n­ gen zu m öglichen F acetten w eiterer landw irtschaftlicher A ktivität. jS G. Forstenpointner, G. Gaggl, Ö fh . 66 (1997) 4 1 9 -4 2 6 . 39 EpA nat. 28 (1997) 1 1 - 3 1 ." 40 A .O . 24.

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sucht habe, ist die Annahme einer recht engen interaktiven Verzahnung von Stadt und Land und von unverkrampfter Akzeptanz einer administrativen Ordnung, die im Normalfall so gut funktionierte, daß die Polis aus der Sicht ihrer zentralen wie ihrer ländlich-marginalen, aber eben keineswegs von naiven Eingeborenen be­ siedelten Komponenten als gemeinsamer Wert empfunden und als gemeinsame Aufgabe von beiden Seiten auch gewollt wurde41. Der Weg in den historischen Alltag von D orf und Stadt ist immer noch weit, und über das Lykien der hohen Kaiserzeit hinaus beansprucht mein Experiment keine Geltung.

41 In den pessim istischen R ahm en von Dialogverw eigerung, unüberbrückbarer zivilisatori­ scher D istanz, A usbeutung und Vergew altigung, den Mitchell am Ende seiner Synthese über das ländliche A natolien zeichnet (am A nm . 27 a.O . 1 6 5 -1 9 7 ), passen unsere Beobachtungen in gar keiner W eise. D ie Lehre daraus darf nicht die Leugnung der Schattenseiten (vgl. dazu besonders noch P. H errm ann , H ilferufe aus röm ischen P rovinzen [G ö ttin g en 1990]), muß vielm ehr Zurückhaltung beim E n tw u rf verallgem einernder G esam tbild er sein, von denen w ir das jüngste J. Nolle, in: W. Eck (H rsg.), Lokale A utonom ie und röm ische O rdnungs­ m acht in den kaiserzeitlichen P rovinzen vom 1. bis 3. Jahrh un dert (M ünchen 1999) 93-1 1 3 verdanken. M it seiner reichen D okum entation eröffnet es auch den Zugang zur einschlägigen Vorgängerforschung.

Peter 0rsted

The Segermes-Project Population and Production in the Roman Province of Africa Proconsularis* In the years 1987-90, the Institut N ationale de Patrim oinex in collaboration with a number of Danish research institutes carried out a survey in the area between Bou Ficha and Zaghouan, the so-called Segermes basin, in Tunisia (fig. 1). The results of this work were published in 19952. Its objectives were to reveal the economic mechanisms and social relations between a town and its environs in antiquity, and to find an empirical confirmation, or refutation, of the still ongoing and very the­ oretical discussion re-opened by M. I. Finley in 19733. At its outset the project was given the name Africa Proconsularis , in memory of C. T. Falbe, the Danish consul in Tunisia, who not only carried out pioneering work in mapping the centuriation around Carthage but was also the first Dane to visit the Segermes valley, and the first to leave a short description of Segermes itself4. It should be made clear, however, that the main title of this project does not cover an analysis of the province as a whole, especially as our studies have since made it clear that the greater part of the Sergermes valley, in a purely adminis-

Three volumes have appeared: Dietz, S., Sebai, L. L., Ben Hassan, H. and 0rsted, P. et al., (eds.), Africa Proconsularis. R egional studies in the Segerm es Valley of N o rth ern Tunisia (Copenhagen 1995 and Aarhus 2000) F u rth er refs, are made to Vol. I, or Vol. II. 1 T he form al fram ew ork for the pro ject was an agreem ent made betw een the N ation al T uni­ sian Institute for A rchaeology (IN A A , now IPA ) through its then keeper o f N ational A n ­ tiquities M . Fantar, and the U niversity o f C openhagen, through Peter O rsted and E rik Poulsen. T h e Tunisian side was managed by FI. Slim , the director, L. Sebai and FI. Ben Hassen, to whom I am greatly indebted. 2 Dietz (1995a). In recent research the area is m entioned in: Lassere (1977) 200 and passim; Lepelley (1 9 7 9 -8 1 ) 3 0 4 -3 0 5 and 2 4 8 -2 5 0 (Ziqua); Gascon (1972) 146 and id. (1982) 2 3 0 -3 2 0 . Longer descriptions of the pro ject are found in: Sebai (1990); 0 rsted (1990) 2 6 - 3 7 ; Carlsen (1989) 8 0 3 -8 1 3 , and: E xtrait du Bulletin des Travaux de l’IN A A no. 4 (Tunis 1991); Orsted (1992) 6 9 -9 7 . F urth er in tw o articles in A nt.A fr. (1990) 4 3 -8 6 and (1994) 7 -5 5 ; Orsted (1993) 128; Dietz (1995b) 1 7 1 -9 5 ; Orsted, in: A nt.A fr. (1998) 157-173. 3 The A ncient E co n o m y (L o nd on 1973). M ore on this point is found in Orsted (1992) 69 ff. and Vol. I, 11 ff. T he discussion Ampolo (1987—89). O f im portance fo r the ideas behind this approach are: Leveau (1984); Peyras (1983) 2 0 9 -2 5 3 and Trousset (1977) 175-207. 4 See Lund 1,3.

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P eter 0 r s t e d

Fig. 1: Segermes Valley within Africa Proconsularis

trativc context, lay in the later province of Byzacena. The analysis of the roughly 600 km2 large valley should thus be regarded as a regional, geographically limited investigation which, when compared with other regional analyses, may be viewed as constituting an important piece of that jigsaw puzzle which is the study of the Roman world in Northern Africa. It is to be hoped therefore that our investi­ gations may be able to contribute to a better understanding of the Roman Empire as a whole.

T h e S e g e r m e s - P r o je c t

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An archaeological survey, as I see it, has the ideal objective of recording all the material remains in a given area, making it possible to map the infrastructure of a region and to date it. However, neither descriptions of the archaeological evidence nor statistical dating can carry a survey across the boundary between pre-history and history. For this written sources are needed and are, indeed, a desideratum in regional studies of the Roman Empire, not least in marginal areas such as the Segermes valley. Apart from the inscriptions3, ancient Segermes6 is mentioned only a few times in connection with ecclesiastical gatherings in Carthage7, while the re­ gion itself is briefly and enigmatically mentioned by Victor Vitensis8. Interpretation of the archaeological evidence must therefore rest primarily on comparison and analogy with related areas; related, that is in time as well as space. This presents difficulties, of course, when the starting-point is a relatively small regional framework. Administrative history, both local municipal and central Roman, constitutes a minor problem in this connection because it is marked by uniformity. Social and economic conditions are, on the other hand, determined to a far greater extent by specific environmental factors: for example, the balance be­ tween nature and human beings and the solutions dictated by the landscape and local climatic conditions9. The problem of methodology is obviously associated with the circumstance that no two regions are identical - as a result there is a risk of both circuli vitiosi and harmonisation. These difficulties are not mitigated by an apparent mental schism between archaeologists and historians, nor by the multi­ tudinous, extremely heterogeneous, and not particularly consensus-focused studies carried out in and on Africa10. O ur starting-point, and the backbone of a detailed historical analysis, naturally lies in the site-related investigation as presented in volumes I and II of A frica Proconsularis. This survey revealed a structure where the dominating element was a 5 All the inscriptions from the area are republished w ith photos and com m entary in Vol. II, 713 ff. 6 H ench ir H aratt, A A T f. X X X V I , n. 105, in the com m entary erroneously given as no. 165. C IL , V III, 11170. 11172. Lepelley (1979) 304ff; Gascon (1972) 1 42-144, 146. T h e word Segermes probably means “ h ill”. F o r the etym ology of the w ord (B erber) see B A G (1888) 475 ff. 7 A D 256, 411, 484 and as late as 641 and 649. F o r references see Vol. I, 761 ( Bejaoui, F.). ** Victor de Vita, H ist.pers., (1,10), 11,6: stabat quidem praecelsus super montem qui Ziquensis dicitur et clamabat dextra levaque. V,15: Cresconius presbyter Mizentinae civitatis in speluncula Ziquensis montis repertus est. F o r a decurio from Ziqua, see Lepelley, 1,323. A cta purgationims Felicis, C .S .E .L ., 26, p. 203, 1.2 1 -2 2 (Ingentius respondit decurio sum Ziquensitim). I think it is possible that the Ziqua m entioned here is no t identical with Zaghouan but w ith a civitas south o f Sidi Zit. F o r sources fo r the C h ristian period in this area, see Vol. I, 761. 9 As appears indirectly from Loth (1910) 1. no. 1, and from below, I have found it profitable to consider the problem s and produ ction cond itions experienced by the European colonists in the 19th century. See especially Poncet (1961) and Despois (1955). 10 It should be noted though that no attem pt at com pleteness has been made w ith respect to references, except concerning the Segerm es valley itself. See C arlsen below p. ff. Excellent bibliographic surveys are given in the bibliographies o f Leveau (1984), Lassere (1977), Peyras (1991) and specifically Mattingly and Hitchner (1955) 165-214. M oreover in the issues o f B ib liograp h ie an aly ti q u e de l’A frique a n t i q u e ” .

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large number of agriculturally-based settlements of varying size, as well as signs of the immense efforts made to ensure the water supply manifested by cisterns, aque­ ducts and wells. From the third century AD, Roman Segermes could be called an agrotow n, to use Finley’s term. The founding of the town as a m unicipium 11 was no doubt fol­ lowed by a delimitation of its territory and the recognition of individual private ownership of land - an established fo rm a or aes. Its closest hinterland, the territorium, was clearly associated with an agriculture that must have reached a stage of development that could at least ensure the symbiosis of town and countryside. The main production was a composite of grain - mainly barley - olives, and sheep/goats. In all probability, the town itself functioned as a centre for service and administration. However, Segermes and its growth cannot be fully under­ stood if the civitas (that is oppidum and territorium ) is not set in its wider, regional context. As Finley put it, the study of individual city-states is a kind of c h I de sac. Even given the fact that the ideal was autarchy and autonomy, neither of these can be grasped without investigating and shedding light on the internal and external economic, social and administrative relations of the city-state. In order to do this we must start somewhere and, inspired by Max Weber, an obvious point of depar­ ture would be to consider a civitas as a form of ideal typus and to open the analysis here. To some extent it could be argued that all history is a composite of local his­ tories. O ur first result - obtained in only a couple of weeks - was that although Segermes was a Roman town, both in physical and legislative terms, the accultur­ ation process or Romanization was never more than tentative in its hinterland. This observation turned out to be fundamental and thus to underlay the whole project. 11 T h e neighbouring Pupput was raised to the status o f colonia in the reign o f C om m odus (CIL, V III, 2 4093), which would indicate som e grow th in the region at this time. O n these grounds alone it is easy to suggest that M arcus A urelius was the founder, as usually was the case. C IL 23064 (= 11168) Vol. II, 727 no. 6 is dedicated to divus Severus and was set up be­ tween 10th D ecem ber 213 and 10th D ecem ber 214 (under Caracalla) w ithout doubt by the municipium, even though not d irectly stated. T h is date must be the terminus ante quern. If foundation occurred at so late a date, the achievem ent o f municipium status m ight have had som ething to do w ith possible adjustm ents (confiscations) w hich undoubtedly to o k place in the whole area after Severus had conquered the H adrum etum ian C lodius A lbinus in 197. See Foucher (1964) 201 ff. C ontrad icting this (adm ittedly hypothetical) view is C IL 11173 (IL T 258) w hich was erected in honour o f Fabius Philippianus, w ho had been made ... equ o p u b­ lico adlectus . . . by the em perors A ntoninu s and Verus. T he stone was erected ...decreto decurionum ■■■and . . . publica pecunia ... T h e question is how long the interval could have been betw een the setting up o f the inscription and Philippianus’s adm ission to the equestrian order under M arcus Aurelius and Verus, i.e. 1 6 1 -1 6 9 . B u t under all circum stances the year 161 can be considered the terminus post quem. A ny narrow ing o f the interval betw een 161 and 214 would be hypothetical, but as it is the M arcus Aurelius gentilicium that gives the town its name (and not C om m od um or A ntoninianu m ), and as the stone must have been erected a fairly sh ort time after Philippianus entered the equestrian order, it seem s reasonable to put the achievem ent o f municipal status in the 170’s. In support of this idea is the occurrence of tribus Papiria (IL T 261 = vol. II, 722 ff. w ith references). A t all events Segermes functioned, at the latest, from this time w ith an ordo , i.e. it was at any rate a civitas.

T h e Segcrm es-P roject

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P e te r 0 r s t e c i

Given this starting point, the delimitation of the territorium as shown in fig. 5 - albeit a reconstruction - is essential for an analysis of the relation town/countryside, including an estimation of the size of population and production. We all know how difficult, if not impossible, it is to reach an estimation of numbers in these fields12. However, it was a must in terms of the whole idea of our project to make an attempt at what some scholars label number-games. The fig­ ures I have employed (see fig. 8) were reached by confronting data of chiefly mod­ ern date with the scanty data left to us from antiquity. In my view these data show a certain intrinsic cohesion, and seen individually represent an inner probability. The evidence available stems mainly from 5 sources: 1) The archaeological remains revealed by our survey13 (fig. 3, 4, 6 and 7). 2) Ancient written sources, in particular the Digesta and the agrimensores, Pliny and Columella and inscriptions from the region such as the famous ones from the Medjerda-valley and the Albertine tablets. 3) Information I have gathered from the writings of 19th century French colo­ nists living in the area. This consists partly of descriptions from diaries and the like, partly of information on production and population stemming from the French societes capitalistes from Marseilles and Lyon, who bought, colonised and/ or sold the valley. 4) Production and population figures from 1974, and 5) The corresponding figures for today, i.e. 1990, all of which were obtained from the D epartem ent de Zaghouan archives. Finally, conclusions by analogy are drawn from other parts of North Africa and from the Roman Empire as a whole. What I have called key numbers - reached in this way - are shown in fig. 8. Let us begin by taking a look at the population14.

A . Size o f population: The territorium of Segermes (fig. 5) - covered some 10300 hectares. Within this area we have located some 45 habitations (which must represent the minimum number). As was to be expected, they are of different size. Based on a hypothetical delimitation of the land belonging to the farm called Henchir Sherif, we estab­ lished a typology containing three types of farm having the following total sizes (see fig. 4):

12 See e.g. Hopkins (1978) 32, n.41: “ I am aiming here at rough orders o f m agnitude only.” A lso Mattingly (1988a) 159 ;Jongm an (1988) 108, 131. 13 T h e cartographic basis is Babelon, E., Cagnat, R. and Reinach, S. (1893); Cagnat, R. and Merlin A. (1914). A lso Caillemer, A., Chevallier, R. and Piganiol, A. (1959). T h is is sheet B4 C 3 7 in the old and sheet X X X V I in the new atlas (B o u Ficha). Im portant descriptions also in G auckler (1897), vol. I, fasc. 3, p. 1 7 5 -1 8 1 ,1 1 ,2 p. 6 0 -6 4 .1 1 ,3 , p. 143-146. 14 Jongm an (1988) esp. 66 ff. Very im portant L. Foxhall and H.A. Forbes (1982) 41 —90. Duncan-Jones (1974); Shaw (1982).

Fig. J : Sites recorded by the architecture team.

%

habitation



hydraulic installation upu U kral structure

A

Peter 0 r s t e d

,\..A

310

T h e Se germ es-Projcct

311

NaU> V i / :

big. 5: Sites with sherds dating from AD 200 to 4)0. 9 • A H

G ro u p G ro u p G ro u p G ro u p

I II III IV

+ + + -f

L im its o f the te rrito ry o f Segerm es

312

P eter 0 r s t e d

313

T h e S e g e r m e s - P r o je c t 5

6

7

3

9

!0

II

A

Fig. 7: Distribution o f hydraulic installations recorded by the architecture team.

12

13

M

I n r r e l-v a i' ln - d cistern

0 nimdncdmum

Q o »«»» —

.iq iid c d u c t

- - itq u.u ’cluc! suggested b y G :tnck!er

IS

18

17

13

10

314

P e te r 0 r s t e d

Some useful numbers: (based partly on empirical yields of the region, partly on ancient evidence (such as Varro/Columella) and partly on m odern research (esp. White, Duncan-Jones, FoxhallForbes, Shaw and Mattingly) Size of: V a lle y :...................................................... 60.000 hectar Surveyed a re a :....................................... 40.000 hectar The territorium of S eg erm e s:.............. 10.300 hectar Cultivated area inside the te rrito riu m :.. 3.519 hectar Production of o liv e :........ pr hectar .............80 I. Production of g ra in :.......pr h e c ta r... 600.000 kg Sheep/goats:.............................................6.700 Numbers of Farms in the whole valley:............................69 Inside the territorium :.....................................45 (Group I: 8 farms ä 600 hectars Group II: 23 farms ä 178 hectars Group III: 14 farms ä 100 hectars 45 = in

C o nterw eig hts................................................ 29 Population in one fa m ily ...................................................... 6 In the whole v a lle y :................................. 2.000 .600 (with Segermes) Prices 1 HS 1 assis W a g e s .................................

2 HS

Consumption per person: 10 litres per day 237 kg per year 20 litres per year Labour: 1 hectar of grain . Profit per hectar G ra in ...................

Fig. 8.

21,2 man-day 32 man-day as HS 19 HS

total:

10.354 hectars)

T h e S e g e r m e s - P r o je c t

315

1. (group I) A very large farm covering 600 ha, which must have required out­ side labour or have been managed indirectly by coloni. 2. (group II) A medium-size farm of about 178 ha, which also made use of out­ side labour. 3. (group III) A small farm covering about 100 ha, probably managed by one family on its own. 4. (group IV) Some village-like agglomerations, defined as vici. There appear to be: 8 farms of 600 ha = 4800 ha (group I) 23 farms of 178 ha = 4100 ha (group II) 14 farms of 100 ha = 1400 ha (group III) This amounts to 45 farms covering a total of 10.300 ha. Using the figures set forward by Professor Foxhall15, 6 persons per family may be assumed, giving a minimum of 270 persons. It is clear, however, that at least two of the three above-mentioned groups of farms required more labour than a single family-unit itself could furnish. One of my basic ideas is that conditions in and around 1900 were very similar to those in ancient times, and it is therefore of in­ terest that the population of the Enfida estate (a total of 96000 hectares compris­ ing the Segermes valley) in 1900 was 10758 natives1^. A proportional and even distribution of this number (10758 people : 96000 ha x 10 300 ha) would result in a population of about 1154 inhabitants intra fines in the Segermes valley in 1900. Half of them were certainly shepherd families, while the remainder cultivated grain and olives organised in the so-called H en ch ir system. Transferred to Roman times I would consider this number to be close to a mini­ mum. This means that the size of the additional labour force is to be found some­ where between 270 persons - though these may not all have been workers - and a number somewhat in excess of 1154 persons. We have been able to delimitate one farm with some certainty. It is the Henchir Sherif farm ( L I 2, approx. 2 km north of Segermes itself), which forms another cornerstone in my analysis. This farm comprised some 600 hectares and is, as such, the model for the farms of group I. O f these 600 hectares, 125 hectares seem to have grown grain while 80 hectares were used for the growing of olives. The re­ maining 395 hectares served as grazing ground or lay fallow. If we use the figures presented by Varro and Columella17, one hectare of olives can be managed in 21,1 man-days, and one hectare of grain in 32 man-days18. Using the same distribution key for the other farm groups, the total for the olive-growing area intra fines will come to 1374 hectares for olives, and for grain 1000 hectares. The work force necessary will then amount to some 448 workers. I would like to suggest here that they would normally be attached to the individual farm, and that the annual number of working days amounted to around 200. If we further suppose that all

15 (1982) 49, no. 26. 16 Loth (1910) 96. 17 A survey Mattingly (1994) 93. 18 I'o r the num bers used, see my fig. 8 w ith references and further below.

316

Peter 0 r s t e d

these workers were part of a family numbering 6 persons of which 4 were able to provide work on the farm, we can then divide this number by 4 and multiply it by 6. The resultant sum of 732 persons, when added to the owners families, gives a total close to 1000 persons. Finally, we added the shepherds for the estimated 6700 sheep/goats. Varro tells us - and Columella agrees - that the correct proportion of shepherds to animals is one shepherd to 100 animals. That is to say, a further 67 persons also living in some sort of family-structure, which forces us to add a further (67 x 6) 400 persons. As I consider Segermes itself to have had only a couple of hundred inhabitants and the vici to have been quite small, I reach a total of some 1600 persons. This represents 15 people per km2. A surprisingly high number, I think. In comparison, the whole valley, including the mountains, would appear to have had about 4 inhabitants per km2. Transferred to the approx. 6 000000 km- of the empire as a whole in the third century, these figures form a picture of some 24000000 and 90000000 inhabitants respectively. For the sake of clarity this information can be summarised for the area intra fines (10300 ha, extrapolated from the 600 ha): Year

Pop.

G rain ha

1990: 1974: 1900: A D 250:

2500 2000 1000 1600

2472 2225 600(?) 2145

Yield kg/ha 1000 1000 < 1000 600

O lives ha

Yield 1./ha

G razing ha

Sheep/goats

1957 2781 200 1374

250 100 115 80

2 884 3090 12000 6781

6700 6700 11300 6700

These figures can be used more specifically to set up a number of scenarios where area, exploitation, production, labour and number of farms may be viewed in re­ lation to one another19. O n this background an assessment of the individual farms income/profit20 in antiquity may be of interest. To return to the farms of group I covering 600 hectares and consisting of 80 hectares of olives and 125 hectares of grain: Olive production per year: Area 80 ha

Trees/ha 40

Olive/tree 10 kg

Oil/tree 2 1

Price/1 4 asses

T otal prod./I 6400

Total value 2 5 6 0 0 asses

G rain produ ction per year: Area 125 ha

Prod uction 600 kg/ha

Prod., total 7500 kg

Price per kg 1 assis

Total value 7500 asses

19 In order to elucidate conditions in the N o rth ern A frican region, I have used Loth's (1910) inform ation indicating a planting density o f betw een 39 and 72 trees/ha. Keeping inside Tunisia, Despois’ (1955) figures for the area lying rather m ore to the south are similar, namely about 15 x 15 m land per tree, which gives 44 trees/ha. Perhaps (according to D espois) this re­ flects circum stances in Antiquity. 20 F o r an estim ation o f prices, see Mattingly (1988c) 38. Duncan-Jones (1974) 33, 36.

317

T h e S e g e r m e s - P r o je c t

Daily wage = 2 H S21. Duration of work: 200 days per year22. Using the man-day figures, (fig. 8: 21,2 man-days for 1 hectare of olives and 32 man-days for 1 hectare of grain) the labour force required on this farm is some 40 plus three shepherds23. Allowing for consumption (i.e. 0.65 kg grain and 0.05 litre oil per person per day (fig. 8)), the following table can be set up in order to calcu­ late potential profits: Production: 125 ha at 600 kg (80 ha at 80 1)

G rain 7 5 0 0 0 kg

O live oil 6400 1

D eductions for: Labour force Stores for above F o r the family Stores for above Seed grain

3900 3 900 1422 1422 7500

300 300 120 120

Vectigal (decuma)

7500

640

N et for sale

4 9 3 5 6 kg

Potential incom e: 4 9 3 5 6 kg grain at 1 assis 4920 1 olive oil at 4 asses

4920

4 9 3 5 6 asses 19680 asses

Total

6 9 0 3 6 asses

1

Considering this surplus per hectare and making reductions for la then find: O lives: 19,680 asses : 80 ha Wages: 1694 m an-days at 8 asses : 8 0 ha P rofit on sales

246 asses per ha 170 asses 76 asses

Grain: 49,356 assis : 125 ha Wages: 4000 m an-days at 8 asses : 125 ha

395 asses per ha 256 asses

P rofit on sales

139 asses

Wages in total would amount to (5694 man-days x 8 asses) 45552 asses, to be paid out of the above 69036 asses. This money would rapidly be put into circulation in a secondary circuit in the area, thus giving work and income to other groups in (and possibly outside) the valley. When all the expenses incurred in produc­ tion were paid, the owner of this farm would have had a profit of 23484 asses, or 5871 HS. 21 See Duncan-Jones (1974) 54, no. 2 w ith references. F o r example, a D acian m iner received 2 HS per day as well as his food, see w ith refs. 0rsted (1985) 207. 22 Dunum-}ones (1974) 45, 327; White (1965) 102 23 Cato 10,1.11.10; Duncan-Jones (1974) 327; White (1970) 390 ff.

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Peter 0 r s t e d

O n this type of farm both the surplus for export and the income this produced, and thus the farm’s (owner’s) total potential income would have been relatively modest. By comparison the salary of the procurator regionis , probably seated in Segermes which was a ducenarius, was some thirty times this amount. If we transfer these numbers from the Henchir Sherif-farm to the whole terri­ torium the following figures can be derived, under the assumption, of course, that there is the same ratio between grain and olives throughout the entire 10300 ha as is the case for Henchir Sherif. Again for one year: G rain-grow in g area: O lives: Grazing/unused: L abou r for: Sheep:

2142 1370 6788 3512 6700

ha (annual m anagem ent o f a total of 4285 ha) ha ha sheep/goats

T h e surplus would then be: G rain: 2142 ha at 139 asses (wages and taxes deducted) = O lives: 1370 ha at 76 asses ( ) = Total intra fines A. In com e: (wages and taxes deducted) B: In com e (before wages and taxes) In com e per group per farm in LIS: I G roup: 8 N o . o f farms: B efo re wages: (2 9 6 .2 9 2 ) " 137 833 A fter wages: (1 0 0 4 6 5 ) 46713 5841 P er farm /ow ner

74435 HS 2 6 0 3 0 LIS

= 100465 H S = 296292 HS

II 23

III 14

118015

39330

40085 1743

13 563 969

Through a detailed consideration of the economy of the individual farm types we can draw a further important conclusion. Assuming a general economic rational­ ity, in which the basic element is a reasonable relationship between labour and profit, the surplus of the Group III farms is remarkably low. One family helped by a shepherd has a surplus of 969 HS, which should be compared with the ap­ prox. 1600 HS (4 persons at 2 HS for 200 days) that the same family could earn as casual labourers, although perhaps under favourable circumstances. A reasonable question is whether these farms were able to survive as independent units. A scen­ ario can be set up in which the Group III farms are managed indirectly through locatio and their produce is transferred to the less resource-demanding olives: Group III farms in locatio management: 34 ha olive trees = (34 x 80 1) = from w hich must be subtracted: R en t = 1/3 = O w n consum ption, 6 x 20 1 =

2720 1

F o r sale Incom e (1693 x 4 asses)

1693 1 1693 H S.

9071 1201

T h e S e g e r m e s - P r o je c t

319

The labour needed to achieve this production would be about 21,2 man-days per ha. Therefore 34 ha requires (21,2 x 34) 720 man-days. In a working season of 90 days, a single family produces labour to the extent of about (90 x 4) 360 man-days, bearing in mind that pressing probably took place at the main farm. In addition, this family needed seasonal help to the tune of about 360 man-days - an expendi­ ture of ca. (360 x 2 PIS) 720 HS, which must be subtracted from the 1693 HS noted above. The surplus in this case amounts to 973 HS. In this light, it may be concluded that a colonus family such as this would work less, but earn much the same, if they gave up ownership of their land. It is certainly not unimportant that the coloni system furthermore provided greater social and economic security in times of crisis. This means that the roughly fourteen farms in Group I were probably owned by the larger farms, and also that grain production intra fines should be reduced by (14 x 21 ha) 294 ha, or about 176400 kg, which re­ duces even further the possibility of exporting grain from the valley. If so, it would have been of equal importance that there should exist a structure comprising coloni inside the fines ; as this would increase the area of the large farms and their incomes. A similar calculation for the Group II farms gives the following: 61 ha olives (x 80 1) from w hich m ust be subtracted:

4880 1

R en t (1/3) O w n consum ption (x 6)

16271 120 1

Total Incom e (x 4 asses : 4) Labour costs: (61 ha x 21,2 m an-days) = T he family itself produces

3133 1 3133 H S

T he ow ner m ust purchase Costs (933 x 2 H S) = T h e surplus is thus roughly:

933 man-day: 1866 H S 1267 H S

1293 man-day: 360 m an-day:

In this case the result lies some way from the 1743 PIS that the farm could expect to achieve as owner-occupied. Such farms could well exist as independent units, but did not achieve so m uch m ore by way o f surplus than that the distribution of the cultivated area I have used in the ideal type should be somewhat altered. The area o f cultivated land belonging to the Group I I farm s originally assum ed in the ideal type was rather larger than suggested. Correspondingly that of the Group I farm s was rather smaller, perhaps so small that there would be no n eed o f outside labour.

A classification according to forms of management, in my opinion, thus indi­ cates three types and at the same time points towards a revision of the previous ideal typus and a new direction of research: a number of locator farms/estates (fundi) - perhaps five in all comprising somewhat more than 600 hectares and having around them some thirty coloni farms. In which case the remaining

320

P e te r 0 r s t e d

farms, those classed m Group II above, would have totalled around ten. The latter were owner-occupied and were torn between developing into locator-type farms or becoming coloni farms, that is being purchased by or included into large farms. Considering general developments in Africa, the latter seems most probable. Because these conclusions imply that grain exports were the exception and that the production of grain just balanced the consumption in the valley as a whole, we are left - looking at exports from the region - with a monocultural economy entirely dependent on marketing prospects for olives should there arise a need to import coins. O n the other hand, this was an area of land which could easily feed itself and where the extent of the soil cultivated could be increased if market­ ing prospects improved, if the population increased, or other incentives materi­ alised. Given a price of 1 HS per 1 olive oil and 1 assis pr. kg. grain, the valley could reckon on an annual income of about 300000 HS from sales (coin imports), and if this were achieved - here exclusively based on olives - then a daily wage of 2 HS could well have been paid. The question is, though, whether this in fact holds up very well. Hitherto a possible potential production has been discussed. Consider, for example, the total consumption of oil in Rome, which can be estimated at around (1 000000 x 20 1) 20000000 1 per year. Segermes could supply 200000 1 of this oil, that is to say 1% . It is suggestive that some 100 city states of the size of Segermes would have been able to supply this amount of oil. In terms of ha, this requires 250000 ha, and in terms of labour, around 58 823 men for 90 days. Approximately 2500 km2 of land would thus have been sufficient to supply Rome with its oil, even assuming marginal soil of the type in the Segermes valley. Extra­ polating these figures to the Empire as a whole (say 50000000 inhabitants), the requirements can be covered by an area of 125000 km2 (modern Andalusia is some 90000 km2 ) using a labour fo rce of around 3000 0 0 0 men for 90 days per annum. Even taking into consideration the large unproductive sections of the population such as the millions in the large cities, the Roman army, and the admin­ istration, it would seem that millions of tons of olives must have rotted away or been unsellable and thus valueless - if we are to accept the figures given in recent studies. Mattingly proposed that Libya alone produced perhaps 10000000 litres of oil, which corresponds to half of Rom e’s requirements. Adding the large olivegrowing areas in the rest of Africa, in Spain and in Italy, and assuming the same production figures would result in a surplus production making any sensible pric­ ing impossible. These figures lead us astray, and in consequence the minimalist ap­ proach and moderate ideas about a widespread trade in agricultural products must be retained. The same can, in my view, be applied to the production of grain. Vectigalia and the surplus from the very largest estates (perhaps only the imperial ones) were transported to Rome, hardly anything else. Roman economy can only be understood on a regional basis, and only the regions that can be directly related to large unproductive groups would have been in a position to earn large sums from agriculture. The fact that famine was widespread at times cannot alone have been the result of a lack of potential. There must have been other causes; primarily

T h e S e g e r m e s - P r o je c t

321

a lack of safe marketing outlets and, in association with this, controlled produc­ tion. This leads me to doubt that the prices for olive oil and grain proposed above would hold good at times of poor harvests. In contrast, it is evident that a surplus production for several years running would keep prices down. It should be re­ called in this connection that Segermes lies in an area of Africa where much olive oil and grain are produced. Large production in favourable times would give mar­ keting difficulties on the local, interregional level. Olive oil cannot be sold to those who grow olives and one’s own consumption cannot be greatly increased either. Several good years in succession would have led perhaps to a curtailment of the cultivated area, or to allowing part of the production to rot away, as mentioned above. The monetary surplus calculated for the Segermes valley must therefore have been occasional and variable. There is no doubt, though, that olives could normally be marketed locally and, on rare occasions, interregionally. This is proved by the imports that clearly took place. They must therefore have followed the same curve, i.e. a very uneven one. In spite of the modest amounts involved which could, however, for the biggest farms sometimes have been quite large - an explanation can at any rate be found for the dedicatory inscription at Djeradou, where donations lie around a meagre 2000 HS, and also for the unpretentious buildings of Segermes which, of course, were erected over the course of many years. In the lower stratas of society this must have meant that wages were under constant pressure, probably varying with the prices that could be obtained for the oil. In poor years the whole valley would initially have had to reduce private con­ sumption, then to sell or consume their stores, and perhaps even their seed grain, in the hope that the money earned would be sufficient to purchase foodstuffs and seed grain in the following year. Latent in such a structure are a number of contrasts both intra fines and in re­ lation to the world outside. Perhaps only the five very large farms with dependent smaller farms were actually of sufficient size to give their owners a substantial sur­ plus - at times even a very good surplus. These owners and their families comprise only about 3% of the population. The presumed ten farms in Group II - the du­ bious, indistinct position lying between independence and dependence - com­ prised perhaps 6% , while the thirty colorti farms totalled 18% of the population. The uppermost 3% of the population is reflected in the inscriptions evidence, and together with the next group whose farms were quite often provided with bath complexes, they made up a superficially Romanized sector of the population, a kind of upper class, with an indefinite transition to the coloni farms. The political elite can be found among these roughly forty-five patres familias out of a total of 200. The number of adult males would be rather larger, but the potential political influence was in the hands of about 22%> of the adult male population.

322

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Hans Lohmann Milet und die Milesia Eine antike Großstadt und ihr Umland im Wandel der Z eiten ’ Die Geschichte antiker Städte darf nicht getrennt von der Geschichte ihres U m ­ landes betrachtet werden, denn die Geschicke von Stadt und Land stehen in einer engen wechselseitigen Beziehung. Vor dem Hintergrund, daß an der Wende zum 3. Jahrtausend die historischen Landschaften der antiken Welt in einem bisher un­ bekannten Ausmaß der modernen Entwicklung zum Opfer fallen, kann man dies kaum nachdrücklich genug betonen. Für die Klassische Archäologie bedeutet diese Situation eine geradezu historische Herausforderung, der sie sich aber bisher nicht im erforderlichen Umfang gestellt hat. Um so mehr ist der Weitblick eines Theodor Wiegand zu bewundern, der schon 1902 unmittelbar nach Aufnahme der Grabungen in Milet auch die Erforschung des Umlandes von Milet, der Milesia,

D ie A usführungen beruhen auf den Forschungsergebnissen des P rojektes „Survey in der C hora von M ile t“, das mit freundlicher G enehm igung der türkischen G enerald irektion der Museen und A ltertü m er und mit finanzieller U nterstü tzu ng der D eutschen F orsch u ng s­ gem einschaft zw ischen 1990 und 1999 durchgeführt wurde. Ich danke F. K olb für die E in ­ ladung zum K olloqu ium und die A ufnahm e des Beitrags in diesen B and, K. B öh n e (W ies­ baden) für die Vorlage zu A b b . 1 und G . K alaitzoglou (Essen) für die Vorlagen der Pläne Abb. 10 und 1 i, ferner G . Lüdorf für vielfältige Hilfe. Es gelten die Siglen des A rchäologischen A nzeigers in der Fassung von 1997. Z usätzlich sind hier die folgenden verwendet: Niemeier, Niem eier (1997): Barbara Niemeier, Wolf-Dietrich Niemeier, M ilet 1994-1995. P rojekt .M in oisch -M ykenisch es bis Protogeom etrisches M ilet“, in: A A (1997) 1 8 9 -2 4 8 . Niemeier (1998/99): Wolf-Dietrich Niemeier, M ilet in der B ron zezeit, in: N B A 15 (1998/99) 8 5 -1 0 0 Verf. (1995): Hans Lohmann, Survey in der C h ora von M ilet, in: A A (1995) 2 9 3 -3 3 3 . Verf. (1997): Hans Lohmann, Survey in der C h ora von M ilet, in: A A (1997) 2 8 5 -3 1 1 . Verf. (1999): Hans Lohmann, Survey in der C h ora von M ilet, in: AA (1999) 4 3 9 -4 7 3 . Voigtländer (1986): Walter Voigtländer, U m risse eines vor- und frühgeschichtlichen Z en ­ trums an der karisch-ionischen K üste. E rster Vorbericht. Survey 1984, in: A A (1986) 6 1 3 -6 6 7 . Voigtländer (1988): Walter Voigtländer, A kbük-T eichioussa. Zw eiter V orbericht. Survey 1985-86, in: A A (1988) 5 6 7 -6 2 5 . Im Text und in den F u ß n oten erw ähnte Fundstellennum m ern („S xxx“) des M iletsurvey ver­ weisen auf die archäologische K arte der M ilesischen H albinsel im 3. V orbericht, Verf. (1999) 4 3 9 -4 7 3 Kartenbeilage.

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H ans Lohm ann

ins Auge faßte1. Da er sich bei diesem Vorhaben in kluger Voraussicht nicht auf die unmittelbare Umgebung der Stadt beschränkte, sondern die gesamte (ehema­ lige) Halbinsel von Milet zwischen dem G olf von Akbük, dem Basilikos Kolpos2, im Süden und dem Tal des Maiandros im Norden ins Auge faßte, wird seiner In ­ itiative die erste archäologische Karte der Milesischen Halbinsel von Paul Wilski aus dem Jahre 19063 verdankt, die rund 170 Fundstellen verzeichnet. Doch sollte ein knappes Jahrhundert vergehen, bis die von Wiegand geplante Erforschung der Chora von Milet im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogrammes „Historische Grundlagenforschung in Kleinasien“ mit zeitgemäßem technischen und wissen­ schaftlichen Instrumentarium und in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Geologen und Geomorphologen Realität wurde. Obwohl die Milesia auf Grund tiefgreifender geomorphologischer Veränderungen und mehrfacher Wie­ derbesiedlung - erst in frühbyzantinischer, dann in spätosmanischer Zeit - sowie infolge einer rasanten modernen Entwicklung kein ideales Terrain für einen Sur­ vey bildet, wurden bis zum Abschluß der Arbeiten im Herbst 1999 auf einer Flä­ che von 270 km2 über 600 Fundstellen vom Mittelchalkolithikum bis zur osmanischen Zeit ermittelt. Sie bilden eine solide statistische Basis für die Rekonstruk­ tion der mehr als sechstausendjährigen Siedlungsgeschichte der Halbinsel4. Paral­ lel dazu erforscht H. Brückner mit einem eigenen D FG -P rojek t die Landschafts­ geschichte, insbesondere die Verlandungsgeschichte des Mäandergrabens5. 1 Theodor Wiegand, M ilet II 2. D ie m ilesisehe Landschaft (B erlin 1929). Vgl. dazu Carl Watzinger, T h eo d o r W iegand. E in deutscher A rchäologe 186 4 -1 9 3 6 (M ünchen 1944) 113, 14 9 f. 2 Plin. n.h. 5,135: „Ionia beginnt am Iasischen M eerbusen und zieht sich in zahlreichen W in­ dungen an der K üste hin. Zuerst ist hier der Basilicus sinus“ . R E 111,1 (1897) 96 s.v. Basilicus sinus ( Ludwig Biirchner). 3 Paul Wilski, M ilet I 1. K arte der M ilesischen H albinsel (Berlin 1906) K artenbeilage. 4 Fü r E in zelheiten s. die bisherigen V orberichte: Verf. (1995) 2 9 3 -3 3 3 ; ders., Zur Siedlungs­ archäologie der griechischen P olis, in: G eographische R undschau (1996) H . 10, 5 6 2 -5 6 7 ; Verf. (1997) 2 8 5 -3 1 1 ; ders., Survey auf der H albinsel von M ilet, in: X V I. A ra§tirm a Sonu^lari Toplantisi II. C ilt, 2 5 - 2 9 M ayis 1998 Tarsus (A nkara 1999) 4 9 7 -5 1 1 A bb. 1 -1 4 ; Verf. (1999) 4 3 9 -4 7 3 ; ders., Survey in der C h ora von M ilet 1999. A bschlußberich t, in: X I X . Arastirm a Sonuglari Toplantisi 2. C ilt, 2 2 -2 6 M ayis 2000 Izm ir (A nkara 2001) (1 1 -2 2 ); ders., D ie C hora M ilets in archaischer Z eit, in: Volkmar von G raeve (Hrsg.), Frühes Ionien: F’ ine Bestandsauf­ nahm e, Güzel
M i l e t u n d die M ilesia

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Vollständigkeit war im Rahmen des M ilet-Survey allerdings nicht angestrebt, weder hinsichtlich der heute noch im Gelände vorhandenen Bodendenkmäler noch hinsichtlich des Polisterritorium von Milet, das im Laufe der Jahrhunderte erheblichen Veränderungen unterlag. Denn die Stadt besaß spätestens seit klassi­ scher Zeit die Insel Leros6, seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. Thebai an der Mykale7, und in hellenistischer Zeit neben Myous8 und Pidasa9 als auswärtige Besitzungen auch die Inseln Lepsia (heute Lipsi) und Patmos10, die wie Leros heute zum grie­ chischen Hoheitsgebiet gehören11. Obschon die Auswertung aller Befunde noch längst nicht abgeschlossen ist, sei hier der Versuch unternommen, in stark kom­ primierter Form die Siedlungsgeschichte der Stadt und ihres Umlandes einander gegenüberzustellen. Wenn sich dabei die prähistorischen Phasen schärfer als bis­ her konturieren lassen, so ist dies in erster Linie den neuen Ausgrabungen von Barbara und W olf-Dietrich Niemeier am Athena-Tempel von Milet seit 1994 zu verdanken, die unsere Kenntnis des bronzezeitlichen Milet auf eine völlig neue Grundlage gestellt haben12. Der Graben des Büyük Menderes, der in seinem unteren Teil ab Aydm west­ wärts in prähistorischer Zeit noch eine Meeresbucht bildete, wurde wegen seines günstigen Klimas und fruchtbaren Naturraumes sowie wegen seiner guten Ver­ kehrsverbindungen ins Landesinnere schon früh vom Menschen besiedelt. Da nach neuerer Erkenntnis die für Westkleinasien bislang einzigartigen prähistori-

für die langjährige vertrauensvolle Zusam m enarbeit w ärm stens zu danken. - Z ur Paläogeographie und Landschaftsentw icklung im M äandertal ferner: Bernt Schröder, M ittel- bis jungholozäne Landschaftsgeschichte am U nterlau f des G ro ß en M äander (W -A n atolien ), in: Alex­ ander Ikinger (H rsg .), F estsch rift W olfgang Schirm er (M ünster 1998) 9 1 -1 0 1 ; Björn B. Tenbrüggen, H o lozän e Sedim entation im Tal des M aiandros (B ü yü k M enderes). E in Beitrag zur Paläogeographie der M ilesia (W esttürkei). D ip lom arb eit am Fachbereich G eographie der P hilipps-U niversität M arburg (1997); Britta Schultz, D ie G enese des B afa-Sees - G eo lo g i­ sche, sedim entologische und faunistische Befunde. D iplom arbeit am Fachbereich G eographie der Philipp s-U niversität M arburg (1999). 6 D er N eue Pauly 7 (Stuttgart 1999) 84 s.v. Leros (Hans Kaletsch). 7 Norbert Ehrhardt, M ilet und seine K olon ien (Frank fu rt a.M . -1988) 14f.; Verf., D er Neue Pauly 10 (2001) s.v. T hebai (im D ru ck ). 8 Verf., D er N eue Pauly 8 (Stuttgart 2000) 654 s.v. M yus. 9 Verf., D er N eue Pauly 9 (Stuttgart 2000) 1008 s.v. Pidasa. 10 Ehrhardt a.O . (A nm . 7) 17; Siegfried Lauffer, G riechenland. L exikon der historischen Stätten (M ünchen 1989) 5 1 6 -5 1 8 s.v. Patm os ( Hans Kaletsch). 11 Zum m ilesischen Polisterritorium allg.: Ehrhardt a.O . (A nm . 7) 13 ff. - Zu den Inseln: Albert Rehrn, M ilet II 2. D ie m ilesischen Inseln (Berlin 1929) 1 9 ff.; Ehrhardt a.O . (A nm . 7) 15 ff, 12 Niemeier, N iem eier (1997) 1 8 9-248; ders., T h e M ycenaeans in W estern A natolia and the Problem o f the O rig ins o f the Sea Peoples, in: Seymour Gitin, Amihai Mazar, Ephraim Stern (H rsg.), M editerranean Peoples in Transition (Jerusalem 1998) 1 7 ff.; ders., T h e M inoans of M iletus, in: Philip P. Betancourt, Vassos Karageorghis, R obert Laffineur, Wolf-Dietrich Niemeier (H rsg.), M eletem ata. Studies in Aegean A rchaeology presented to M alcolm IT. W iener as he enters his 65th year, Aegaeum 20 (Eupen 1999) 5 4 3 ff.; N iem eier (1998/99) 8 5 -1 0 0 . Em en knappen Ü b erb lick über die älteren U ntersuchungen zum vor-eisenzeitlichen M ilet bieten Niemeier, N iem eier (1997) 190 ff.

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Hans Lohm ann

sehen Höhlenmalereien, die A. Peschlow 1994 und 1995 im Latmos entdeckte13, ins späte Chalkolithikum datieren, sind sie zeitgleich mit den ältesten Besied­ lungsspuren in Stadt und Umland von Milet. Die spätchalkolithischen Befunde im späteren Stadtgebiet von Milet bezeugen beachtliche Siedlungsaktivitäten schon auf dieser frühen Stufe14 - und dies, obwohl Milet nach den Ergebnissen der geomorphologischen Untersuchungen von H. Brückner und seinen Mitarbeitern da­ mals noch eine Insel bildete15. Die chalkolithische Keramik von Milet I 16 besitzt einerseits Verbindungen zu Inneranatolien, andererseits zu den ägäischen Inseln und zum griechischen Festland, wo die charakteristische Politurmusterware im Chalkolithikum sehr verbreitet ist17. Zur Fiersteilung von Klingen wurde O bsi­ dian von der Insel Melos importiert und weiter nach Anatolien verhandelt18. Auch die Obsidianfunde von „Altinkum Plaji I “ an der Bucht von Altinkum stammen anscheinend aus ägäischen Obsidianvorkommen19. Neben dem späteren Stadtgebiet von Milet selbst war auch der Südrand des ehemaligen Latmischen Golfes (Abb. 1-2) offenbar schon relativ dicht besiedelt. Wegen starker Erosionsvorgänge findet man beim Survey zwar keine prähistori­ sche Keramik an der Erdoberfläche, doch in zahlreichen Grundwasserbrunnen im Raum Yeniköy, die zur Bewässerung der Baumwollfelder ausgehoben wurden, zeichnen sich dunkle horizontale Bänder ab, die spätchalkolithische Keramik ent­ halten20. Wie die geowissenschaftlichen Untersuchungen von B. Bay ergaben21, handelt es sich bei diesen Verfärbungen nicht um Paläoböden, sondern um Paläo-

13 Anneliese Peschlow-Bindokat, Vorläufiger B erich t über die prähistorischen Forschungen im Latm os, in: A A 1996, 1 6 3 -1 7 1 ; dies., Ziegenjagd und K ulttanz. D ie ältesten prähistori­ schen Felsm alereien in W estkleinasien, in; AW 26 (1995) H . 2, 1 1 4 -1 1 7 ; dies., D er Latm os (M ainz 1996) 17 ff. 14 Walter Voigtländer, Funde aus der Insula w estlich des B ouleu terion in M ilet, in: IstM itt 32 (1982) 3 0 ff.; ders., Frü he Funde vom K illiktepe bei M ilet, in: IstM itt 33 (1983) 5 -3 9 ; H er­ mann Parzinger, Z ur frühesten Besiedlung M ilets, in: Festsch rift W. M üller-W iener, IstM itt 39 (1989) 4 1 5 -4 3 1 ; N iem eier (1998/99) 87. - D ie chalkolithischen Funde unter H eroo n III und östlich des K ale-Tepe waren im G egensatz zu denen am A thena-Tem pel nicht stratifiziert. 15 D azu vorläufig: Brückner a.O . (1998) Anm . 5, 235 ff. 16 D ie Zählung der Phasen folgt N iem eier (1998/99) 85 ff. 17 N iem eier (1998/99) 87, A bb. 4. 18 Martha S. Joukow sky, E arly T urkey (D ubuque, Iow a 1996) 134 (in d isch er O bsidian in A phrodisias); N iem eier (1998/99) 87; Niemeier, M ilet: K noten pun kt im bronzezeitlichen M etallhandel zw ischen A natolien und Ägäis?, in: Ünsal Yalcin (H rsg.), A natolian M etals I, 13. B eih eft D er A nschn itt (B ochu m 2000) 125 ff. 19 Hans G. G ebel, N o tiz zur O bsidianindustrie von A ltinkum Plaji bei D idym a, in: IstM itt 34 (1984) 5 ff., bes. 11 f. m it Anm . 2 1 . - Bei dem zw eiw öchigen Survey von H . G . G ebel im Septem ber 1981 wurde noch ein w eiteres D utzend vorw iegend kaiserzeitlicher bis früh­ byzantinischer Fundstellen entdeckt, ein ausführlicher B erich t liegt dem D A I seither vor, blieb aber unpubliziert. F ü r A uskünfte danke ich FI. G . G ebel (B erlin). 20 Verf. (1999) 442 ff. 21 Bilal Bay , G eoarchäologie, anthropogene B od enerosion und D eltavorbau im B ü y ü k M enderes D elta (SW -T ü rk ei), (D iss., B och um 1998); ders., G eoarchäologische A usw ertung der Brunnengrabungen nördlich von Yeniköy, in: A A (1999) 7 7 ff.

M ilet un d die M ilesi a

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Abb. 1: Karte des südlichen Ionien. S.A.-Saph Ada, D.B.=Doganbeleni. (Entwurf K. Böhne, Reinzeichnung G. Kalaitzoglou).

bodensedimente, also um die durch Siedlungstätigkeit mobilisierten und tiefer im Hang wieder abgelagerten Böden. Mithin haben schon die ersten Siedler durch Brandrodung und Ackerbau beträchtliche Erosionsprozesse ausgelöst. Mit der Frühen Bronzezeit ändert sich das Siedlungsbild substantiell, und den Funden im Stadtgebiet läßt sich im Umland nur wenig Vergleichbares mehr gegeniiberstellen. Schon zu Beginn dieser Epoche hatte die marine Transgression der Nacheiszeit einen Pegel erreicht, der nur noch rund fünf Meter unter dem heuti-

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H ans Lohm ann

Abb. 2: Südrand des ehemaligen Latmischen Golfes östlich Yeniköy von Westen.

gen Meeresspiegel lag. Einen Hochstand, der etwa heutigem Niveau entspräche und den manche Kurven behaupten, ist hingegen im Büyük Menderes Graben bisher nicht nachgewiesen22. Zur eustatischen Hebung des Meeresspiegels tritt eine Landsenkung, die nach den Feststellungen von B. Bay im Mäandergraben vier Meter23, in anderen Bereichen der Halbinsel jedoch offenbar weniger be­ trägt24. Dadurch wurde ein Teil der prähistorischen Küstensiedlungen vollständig transgrediert, während von anderen nur noch ihre höchste Lage aus dem Wasser ragt wie im Falle der Halbinseln Sapli Ada (S 271 Abb. 11) und Kömiir Adasi (S 268 Abb. 3 -4 )25 am G olf von Akbük sowie der Insel Tav^an Adasi (S 167, Abb. 5) wenige Dutzend Meter vor der Westküste der Milesischen Halbinsel bei Mavi§ehir26. 22 Bay a.O . 1998 (A nm . 21) 43 ff., A bb . 27. 23 Bay a.O . 1998 (A nm . 21) 43 ff., bes. 48 (0,7m /1000 a). 24 Vgl. die archäologischen Befunde zur Transgressionsproblem atik Verf. (1995) 296 mit A nm . 171, A bb. 86, S. 305; Verf. (1997) 304, A bb. 23. 25 K öm iir Adasi (S 268): Voigtländer (1986) 613 ff., bes. 617 ff., A bb. 4 - 6 , S. 62 I f f . A bb. 17-27; Voigtländer (1988) 6 0 7 f., A bb . 39; Verf., D ie C h ora M ilets in archaischer Z eit, in: D ie Chora M ilets in archaischer Z eit, in: Volkmar von G raeve (H rsg .), Frühes Ionien: Eine Bestands­ aufnahm e, Güzel^am h 1999 (im D ru ck ). 26 Tav§an Adasi (S 167) war offenbar vor nicht allzu langer Z eit noch mit dem Festland ver­ bunden, im W asser läßt sich eine Landverbindung ertasten, vielleicht ein ehem aliger künstli­ cher Dam m . Verf. (1995) 305, A bb. 89.

M i l e t un d die Milesia

Abb. 3: Kömür Adasi (S 268) am G o lf von A kbiik, Lage von Norden.

Abb. 4: Kömür Adasi (S 268) am G olf von A kbiik, Mauern im trangredierten Ufersaum.

331

332

Hans Loh m ann

Abb. 5: Tav$an Adasi (S Ui7): l.dgc vor der Westküste der Milethalbinsel bei Mavi$ehir von Südosten.

In den neuen Ausgrabungen am Athenatempel von Milet, die mit ITilfe einer Well-point Anlage unter dem heutigen Grundwasserspiegel durchgeführt werden, unterscheiden B. und W.-D. Niemeier fünf bronzezeitliche Perioden Milet I I V I27. Das frühbronzezeitliche Milet II besitzt Kontakte zu den Kykladen wie u.a. der Fund eines Kykladenidols lehrt, doch ob Milet zu diesem Zeitpunkt bereits zu einem protourbanen Zentrum aufgestiegen war, ist anhand der wenigen Funde derzeit nicht zu entscheiden28. Das mittelminoische Milet III hat engste Verbin­ dungen zum minoischen Kreta. Mehrere Indizien, die sich in Milet IV verdichten, sprechen für die tatsächliche Präsenz von Minoern29. Denn neben minoischer Haushalts- und Gebrauchskeramik entdeckten B. und W.-D. Niemeier Fragmente minoischer Wandmalereien, ein minoisches Heiligtum und mehrere minoische Siegel von überragender Qualität, die in Verbindung mit einem Zeugnis der Linear-A-Schrift minoische Administration belegen30. Die minoische Siedlung Milet III wird etwa gleichzeitig mit den Alten Palästen Kretas am Ende der Phase Mittelminoisch IIB zerstört, Milet IV in Spätminoisch I B. Unterhalb des jünge­

27 F ü r die V orberichte s .o . A nm . 12. 28 K ykladenidol: N iem eier (1998/99) 88, A bb. 5; ders., a.O . 2000 (A nm . 18) 1 2 7 ff. A bb. 5. 29 N iem eier (1998/99) 8 9 ff.; ders., a.O . 2000 (A nm . 18) 130. 30 N iem eier a.O . 2000 (A nm . 18) 130. - L in ear-A -Sch rift: Niemeier, Niem eier (1997) 240, A bb. 80.

M i l e t und die M ilesia

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ren Zerstörungshorizontes fand sich Tephra des Santorin-Ausbruches31, dessen Frühdatierung in die Mitte des 17. Jh.s v.Chr.32, eine Revision der etablierten Chronologie der griechischen Bronzezeit erfordert33, die sich inzwischen durch­ gesetzt hat34. Die Annahme von W.-D. Niemeier, das minoische Milet IV sei in der Definition von K. Branigan eine „settlement colony“35, findet im Geländebefund der MiletHalbinsel keine Bestätigung. Denn den früh- und mittelbronzezeitlichen Befun­ den im Stadtgebiet läßt sich im Umland generell wenig gegenüberstellen, und es ist schwer zu erkennen, wie sich dieses Bild noch substantiell ändern könnte. In der Milesia beschränken sich Funde aus diesen Epochen auf die Pithosnekropole von Derenkuyu im Innern36 und auf Siedlungsspuren auf der schon erwähnten kleinen Halbinsel Kömür Adasi (S 268, Abb. 3 - 4 ) in ihrem Süden, die nur noch einen Meter aus dem flachen Wasser des Golfes von Akbük ragt und ursprünglich um einiges größer gewesen sein dürfte37. Neben Milet selbst sind Tav§an Adast (S 167) und Kömür Adasi die bedeutendsten bronzezeitlichen Siedlungsplätze der Milesischen Halbinsel, beide sind zudem weitgehend ungestört und von moder­ ner Bebauung völlig unberührt. Tav§an Adasi bietet ein breites Spektrum prähi­ storischer Scherben, in dem allerdings Mittel- und Spätbronzezeit zu dominieren scheinen38. In dem transgredierten Uferstreifen der Kömür Adasi werden prähi­ storische, wohl frühspätbronzezeitliche Mauern freigespült (Abb. 4 ) 39. Diese Stufe entspricht Milet IV. Die Halbinsel, die in der Bronzezeit einen wesentlich ausgedehnteren Siedlungsraum bot, wird infolge der Küstensenkung und des Meeresspiegelanstiegs zunehmend vom Meer abgetragen. Eine Neuvermessung im Jahre 1995 hat Bedenken gegen die These von W. Voigtländer verstärkt, die er­ haltenen Mauerabschnitte seien zwei zeitlich differenten orthogonalen Baukom­ plexen zuzuordnen, die 75° bzw. 88° zu Nord orientiert seien40. Denn die erhalte­ nen Mauerabschnitte sind viel zu kurz, um ihre divergierenden Fluchten in der vorgeschlagenen Weise auf nur zwei Komplexe zu verteilen. 31 Niem eier (1998/99) 92, A bb. 18. 32 Walter Friedrich, Feuer im M eer (H eidelberg 1994) 93, A bb . 7.4. - C h ron ologie-T abelle mit Santorinausbrueh: ebda. 108, A bb. 8.1. 33 Niem eier (1998/99) 97, A nm . 8, der sich für die höhere C h ron olo gie ausspricht. 34 M eine Bedenken - dazu Verf., D ie San torin -K atastrop h e - ein archäologischer M ythos?, in: Eckart Olsbausen, Floiger Sonnabend (H rsg .), N aturkatastrophen in der A ntike, Stu tt­ garter K olloquium zur H istorisch en G eographie des A ltertum s 6, 1996 (Stuttgart 1998) 3 3 7 363 - sind durch den N achw eis von Tephrapartikeln des Santoriniausbruchs im G rönlandeis m ittlerw eile gegenstandslos gew orden. Niem eier a.O . 2000 (A nm . 18) 132. Zum Begriff: Keith Branigan, M inoan C olonialism , in: B SA 76 (1981) 23 ff. 3<> S 159, Verf. (1995) 306. 37 Zu K öm ür Adasi (S 268): s .o . Anm . 23; m inoische Funde: Voi(>tländer (1986) 645 A bb. 21, S. 651 A bb. 24. 38 Engin A kdeniz, 1995 yili büyük M enderes ovasi ve Cevresi yüzey arastirm alan, in: X IV . Ara§tirma Sonuglan Toplantisi II, 2 7 -3 1 M ayis 1996 (A nkara 1997) 235. Verf. (1997) 289, A bb. 2 ,3 . ^ Voigtländer (1986) 618, A bb. 4.

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Neben MM III/SM IB-Scherben finden sich auch Fragmente minoischer Knickrandschalen derselben Stufe41. Die Frage, ob wir hier ebenfalls mit mi­ noischer Präsenz wie in Milet oder nur mit minoischem Einfluß (über Milet?) zu rechnen haben, wird durch die Funde in letzterem Sinne entschieden42. Jedenfalls reicht auch hier die Besiedlung bis ins Spätchalkolithikum und in die Frühe Bron­ zezeit zurück43. Wie die Verteilung der prähistorischen Fundstätten auf der Milethalbinsel zeigt, siedelte man in Chalkolithikum und Bronzezeit offenbar bevorzugt im Küstenbe­ reich, doch haben im Binnenland spätere Besiedlung und starke Erosionsprozesse zu einem höheren Fundstellenverlust geführt als an den Küsten. Das Siedlungs­ bild ist also in allen geomorphologisch instabilen Regionen der Plalbinsel verzerrt, zu denen vor allem der Südrand des ehemaligen Latmischen Golfes zählt sowie der Küstenstreifen im Westen der Halbinsel, nicht hingegen die heute verkarstete milesische Hochebene. Sie war nach den vorliegenden vegetationsgeschichtlichen Daten bis ins 6. Jahrhundert v. Chr. bewaldet und fällt wegen ihrer Wasserlosigkeit als Siedlungsraum für die Frühzeit aus44. Daß ein solcher Untergrund Spuren menschlicher Siedlungstätigkeit, ja selbst die geringen materiellen Hinterlassen­ schaften prähistorischer Jäger oder Hirten vorzüglich bewahrt, haben Surveys in Karstregionen hinreichend gezeigt. Die Fundleere beweist also, daß die H och­ ebene bis weit in die klassische Zeit hinein nur sporadisch von Jägern oder Flirten aufgesucht wurde. Für die Zerstörung von Milet IV in der ersten Hälfte oder um die Mitte des 1 5 .Jahrhunderts v.Chr. sind möglicherweise mykenische Griechen verantwort­ lich. Jedenfalls ist Milet V (1450-1320 v.Chr.) eine mykenische Siedlung. Fort­ schritte auf dem Gebiet der historischen Topographie Westkleinasiens in der Bronzezeit machen es immer wahrscheinlicher, daß Milet mit dem Millawanda der hethitischen Quellen identisch ist, das der Flethiterkönig Mursili II. 1316 zer­ störte45. Damit könnte die mächtige Brandschicht zu verbinden sein, die das Ende von Milet V markiert46. In der Debatte, ob die mykenischen Funde in Milet als Importe durch eine karische Bevölkerung zu deuten sind, oder ob sie auf tatsächliche mykenische 41 Voigtländer (1986) 651, A bb. 21, 24. 42 Niemeier, N iem eier (1997) 243, die hier irrtüm lich von T eichioussa (= Sapli Ada) sprechen, aber ebda. A nm . 405 die Funde von der benachbarten K öm ü r Adasi zitieren, m öchten auch in diesem Fall an m inoische Präsenz denken. D o ch hat Voigtländer (1986) vornehm lich die klassifizierbaren ,Im p o rte“ vorgelegt. D ie H auptm asse der Funde bildet lokale westanatolische K eram ik mit starkem m inoischem Einschlag. 43 Vgl. den typisch spätchalkolithischen C h eesepot Voigtländer (1986) 641, A bb . 18, Nr. 11 bzw. den spätchalkolithisch/ früh bronzezeitlichen H enkel ebd. S. 642, A bb . 19, Nr. 12. 44 Verf. (1995) 307; Verf. (1999) 463. 45 Frank Starke, T roia im K on text des historisch -politisch en und sprachlichen U m feldes Kleinasiens im 2. Jahrtausend , in: Studia T roica 7 (1997) 4 4 7 ff.; N iem eier a.O . 1998 (A nm . 12) 21 ff, 43 ff. (m it w eiterer L it.); Joh n D. Haw kins, Tarkasnaw a king o f Mira, in: A natSt 48 (1998) 2; N iem eier (1998/99) 95. 46 Niem eier (1998/99) 97.

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Präsenz verweisen, sprechen die Grabungsbefunde von B. und W.-D. Niemeier deutlich zugunsten einer Besiedlung Milets durch mykenische Griechen47. Insge­ samt sieben Töpferöfen minoischen und mykenischen Typs auf der relativ kleinen Grabungsfläche am Athena-Tempel erweisen Milet V als bedeutendes Töpferei­ zentrum48. Die hier produzierte Keramik ist nach Form und D ekor rein mykenisch. Dies gilt auch für die einfache unverzierte Haushaltsware aus den Schichten Milet V und V I49. Nach der Zerstörung durch Mursili II. war Milet offenbar kurzfristig unter hethitische Vorherrschaft geraten-’’0. Die Stadtmauer des 13. (?) Jahrhunderts v. Chr. folgt anatolischen, nicht mykenischen Vorbildern51. Funde wie die nicht-ägäischen Schwerter mit Griffdorn aus der Nekropole am Degirmen Tepe52 oder die Scherbe eines mykenischen Kraters mit einem typisch hethitischen Hörnerhelm53 werfen ein bezeichnendes Schlaglicht auf den hethitischen Einfluß, der sich in der folgenden Phase Milet V I (1320—1100 v. Chr.) deutlich abzeichnet, bevor eine neu­ erliche Zerstörung um 1100 v. Chr. sie beendet. Krasser noch als in der Frühen und Mittleren Bronzezeit tritt in der mykeni­ schen Zeit der Unterschied in der Besiedlung von Stadt und Land zutage. Dem Umland Milets galt offenbar nicht das primäre Interesse seiner mykenischen B e­ wohner. Vermutlich von einem zerstörten mykenischen Grab stammen einige gut erhaltene SEI IIIA2-Scherben aus einem Acker unterhalb der Steilklippe von Assesos (S 180, Abb. 6, 7), auf der das 1992 (wieder-) entdeckte Heiligtum der Athena Assesia lag54. D er Name gehört einer sehr alten Sprachschicht an und geht möglicherweise auf das hethitisch-luwisch bezeugte Hassassar(a) - ,Königin' zurück55. Es fanden sich in Assesos ein endneolithisches Ovalhaus56 und spärliche Elinweise auf Siedlungskontinuität in der Bronzezeit. Die mykenische Phase scheint jedoch zu fehlen. Die ältesten eisenzeitlichen Scherben in Assesos datieren in protogeometrische Zeit (Abb. 8). Damit bestätigt sich der im Gelände gewon­ nene Eindruck, daß das Grab S 180 (Abb. 7) nicht Teil einer mykenischen Nekro47 Vgl. Niemeier, Niem eier (1997) 1 9 9 f.; N iem eier a.O . 1998 (Anm . 12) 30 ff. 48 T ö p ferö fen : Niemeier, N iem eier (1997) 221 ff., A bb. 3 8 -4 0 , 4 2 -4 5 ; Niem eier a.O . 1998 (A nm . 12) 31; N iem eier (1998/99) 96, A bb. 20. 49 N iem eier (1998/99) 93, A bb. 19. 50 Vgl. Trevor Bryce, T h e K ingdom of the H ittites (O xfo rd 1998) 3 3 9 ff.; Niem eier (1998/99) 97. 51 N iem eier a.O. 1998 (A nm . 12) 38. 32 Niemeier, N iem eier (1997) 203, A bb. 2; N iem eier a.O . 1998 (A nm . 12) 39. 53 Niemeier, N iem eier (1997) 203 f., A bb. 3; Niem eier a.O . 1998 (A nm . 12) 39, A bb. 15, 16; Niem eier (1998/99) 97, A bb. 21. 34 S 180: Verf. (1995) 306. - Zu Assesos: Verf. (1995) 3 1 1 -3 2 2 ; ders., D er N eu e Pauly 2 (Stu tt­ gart 1997) 111 s.v. A ssesos. - D ie Lage von Assesos erscheint richtig bereits in Olivier Rayet, Albert Thomas, M ilet e le golfe L atm ique (Paris 1877) K arte II. 3:1 D ie A ngabe, der N am e sei karisch, in: D e r N eu e Pauly 2 (Stuttgart 1997) 111 s.v. Assesos, ist zu korrigieren. F ü r diesen H inw eis danke ich W. Blüm el (K ö ln ). N äheres G. Kalaitzoglou. D ie C h roa von M ilet in prähistorischer Z eit (in Vorb.) 56 Reinhard Senff, Sondierungen am Südhang des M engerevtepe (,A ssesos1), in: A A (1995) 225.

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!

Abb. 6: Assesos (S 119): Lage des A thena-Heiligtums auf dem Plateau von Osten. In der linken unteren Ecke am Weg Fundstelle S 180.

pole von Assesos war, sondern nur eine vereinzelte Familiengrablege. Bemerkens­ wert erscheint daran vor allem, daß man demnach in Kleinasien ähnlich wie im griechischen Mutterland bereits in mykenischer Zeit kleine Einzelsiedlungsformen kannte, die man getrost als Gehöfte bezeichnen darf57. In dieselbe Richtung weist eine kleine Gruppe vermutlich mykenischer Gräber am Ufer des Bafa Sees5S. Mit dem Fehlen weiterer mykenischer Siedlungsplätze auf der Halbinsel ge­ winnt indes die Hypothese von T. R. Brvce an Gewicht, der sich auch B. und W.-D. Niemeier anschließen, daß die Mykener in Milet vornehmlich Handelsinteressen verfolgt hätten. T. Bryce dachte dabei vornehmlich an Sklaven, Pferde und Metalle, „which leave little or no trace in the archaeological record“59. Dies trifft für Metalle jedoch kaum zu und für eine exportorientierte Pferdezucht erscheint die Landesnatur der Milesia denkbar ungeeignet. Auch der Metallhandel

57 F ü r Belege s. Verf. (1995) 306, Anm . 204. 58 1996 zufällig entdeckt. G eogr. K oor. (W G S 84): 37° 2 8 ' 2 8 ,8 " N ord , 27° 2 9 ' 3 4 ,0 " O st. - Bei den G räbern wurden keine Scherben beobachtet, die ihre D atierung stützen könnten. 39 Trevor Bryce, T h e nature o f M ycenaean involvem ent in W estern Anatolia, in: H istoria 38 (1 9 8 9 )1 3 .

Abb. 7: Mengereb M evki (S 180): Mykenische Scherben der Stu fe SH IIIB (13. Jahrhundert v. Chr.) aus einem zerstörten G rab und spätklassische Öllampe.

mit Inneranatolien, den Bryce und Niemeier postulieren50, dürfte archäologisch schwer zu belegen sein. Hauptlieferant für Kupfer ist seit der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. Zypern61 und die Karte von G. A. Wagner und O . Oztunali enthält entlang der gesamten westkleinasiatischen Küste von Ionien über Karien, Lykien und Pamphylien bis nach Zentralanatolien keine Erzlagerstätten62. Auch haben die bisherigen Grabungen in den mykenischen Schichten am Athena-Tempel keine Hinweise auf eine besonders nachhaltig betriebene Metallurgie erbracht. Sie hätte zwangsläufig zu einer massiven Entwaldung geführt. Stattdessen deuten 60 Bryce a.O . 13; Niemeier, N iem eier (1997) 243 (m it w eiterer Lit. in Anm . 406); N iem eier (1998/99) 87; N iem eier a.O . 2000 (A nm . 18) 125-136. 61 Zur R olle Zyperns als H auptm etallieferant der Ägäis s. N oel H."Gale, C o p p er O xhide Ingots: I’heir O rigin and T h eir Place in the B ron ze Age M etals Trade in the M editerranean, in: ders. (H rsg.), B ron ze Age Trade in the M editerranean. Papers Presented at the C onferen ce held at Rewley H ouse, O xfo rd , in D ecem ber 1989 (Studies in M editerranean A rchaeology 90, 1991) 197-239. F ü r w ertvolle H inw eise und D iskussion danke ich meinem Freund und Kollegen A. Hauptm ann (B o chu m ) sehr herzlich. 62 Günther A. Wagner, Önder Öztunalt, Prehistoric C o p p er Sources in Turkey, in: Ünsal }aht-in (H rsg.), Anatolian M etals I. 13. B eih eft D er A nschnitt (B ochu m 2000) 31, A bb. 1.

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Abb. 8a. b: Assesos (S 119): Protogeometrische und geometrische K eram ik von der Oberfläche im Bereich des Heiligtums der Athena Assesia..

die verfügbaren vegetationsgeschichtlichen Daten darauf hin, daß sich die Natur nach den massiven Brandrodungen des Spätchalkolithikums in der Bronzezeit regenerierte. Dazu paßt, daß die Karer im 2. Jahrtausend auf der Milet-Halbinsel archäologisch nur punktuell zu fassen sind, allein in die Siedlung auf Kömür Adasi ist auf Grund der Siedlungskontinuität seit dem Spätchalkolithikum als minoisch beeinflußte, karische Siedlung zu deuten63. Als sich mit Beginn der Eisenzeit im Zuge der sog. Ionischen Wanderung, die ihren materiellen Niederschlag im Auftreten protogeometrischer Keramik an zahlreichen Plätzen der Westkleinasiatischen Küste findet64, Neusiedler auch in 63 Zu K öm ür Adasi s.o . A nm . 25. 64 Zur Ionischen W anderung: Joh n Boardman, K olonien und H andel der G riechen (M ü n­ chen 1981) 28 ff.; Anthony M. Snodgrass , T h e E arly G reek Iro n Age: A Reappraisal, in: D H A 9 (1983) 7 3 -8 6 ; ders., T h e E arly Iro n Age o f G reece, in: ders., A n A rchaeology o f G reece

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Abb. 8b.

Milet niederließen, dürften sie - bildlich gesprochen - einen reich gedeckten Tisch vorgefunden haben. Dies hatte bereits G. G lotz intuitiv richtig erfaßt, als er 1925 schrieb: „Milet vereinigte alle Bedingungen für eine große Zukunft in sich. Eine wunderbare Lage: Zwischen zwei Buchten, die durch eine Insel- und Felsenbar­ riere geschützt waren, sprang eine Halbinsel vor, die vier Häfen vor dem Seewind abschirmte. Trotz dieser fast insularen Lage gab es bequeme Verbindungen zum phrygischen Plateau durch das Tal des Mäanders, zu den Gebirgen Kariens durch tiefe Schluchten, eine feuchte Ebene, in der das Getreide wunderbar gedeiht, und

(Berkeley 1987) 1 7 0 -2 1 0; Joh n M. C ook, G reek Settlem ent in the Eastern Aegean and Asia Minor, C A H II2 (1975) 773; Sigrid Deger-Jalkotzy, D er N eue Pauly 6 (Stuttgart 1999) 6 4 8 ff. s.v. K olonisation.

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Hügel mit Weinbergen und Obstbäumen bedeckt; darüber weitgestreckt Plateaus für die Viehzucht.“65 Mit der Einwanderung neuer Bevölkerungselemente in protogeometrischer Zeit beginnt eine neue Epoche, in deren Verlauf Milet zur bedeutendsten archai­ schen Metropole Griechenlands neben Athen aufsteigt. Zur Frage der Ethnogenese der Ionier, deren kulturelle Identität sich wohl endgültig erst in Kleinasien herausgebildet hat66, ist aus den Surveybefunden nichts beizusteuern. Denn die frühen Phasen dieser Entwicklung sind in der Chora Milets archäologisch kaum zu fassen, erst fiir das 6. Jahrhundert v. Chr. ist aus der Kombination antiker Texte und archäologischer Funde das Bild einer vierstufigen Siedlungsstruktur zu ge­ winnen, die neben der Metropole Milet auch kleinere Siedlungsagglomerationen wie Assesos, Argasa und Teichioussa umfaßte. Ihre Basis bildeten zahlreiche Ein­ zelgehöfte, darunter folgten noch ephemäre? Hirtenstationen67. Hinzu kommt mit Didyma ein Heiligtum von weit überregionaler Bedeutung. Der infrastruktu­ relle Ausbau der Chora wird mit dem Bau der Heiligen Straße von Milet nach D i­ dyma greifbar. Im übrigen partizipiert Milet am allgemeinen Aufschwung, den die griechische Welt in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts. v.Chr. nimmt68. Spu­ ren karischer Besiedlung beschränken sich auf den äußersten Südosten der Halb­ insel bei Akbük-Teichioussa. Für Didyma hat N. Ehrhardt seine Zugehörigkeit zu Milet soeben noch einmal schlüssig begründet69. Aber wie steht es eigentlich um Teichioussa, und wo lag es überhaupt? Die ältere Forschung lokalisierte es auf der Kazikh-FIalbinsel bei Doganbeleni70, was gegenüber einer Lage auf der Halbinsel Sapli Ada am G olf von Akbiik eine Ausweitung des milesischen Polisterritorium um rund 25% schon in der archaischen Zeit bedeuten würde71. Die Frage ist also von einiger R e­ levanz. Eine überraschend klare Antwort lieferten eine intensive Begehung und genaue Vermessung der Ruinen von Doganbeleni (Abb. 9—10), die mit freund­ licher Genehmigung der türkischen Behörden im September 2000 im Zuge eines Survey auf der Kazikh-FIalbinsel durchgeführt wurden. Denn es zeigte sich mit

65 Gustave Glotz, H isto ire A ncienne II. H istoire G recque I (Paris 1925) 276. Ä hnlich ders., Le travail dans la G rece ancienne (Paris 1920) 83. 66 Dazu Justus Cobet, Io n ien in der G eschichtsschreibung, in: ders., Volkmar von Graeve (H rsg .), Frühes Ionien: E in e Bestandsaufnahm e, Güzelgam h 1999 (im D ru ck ). 67 N äheres Verf., A ntike H irten in W estkleinasien und der M cgaris: Z ur A rchäologie der m editerranen W eidew irtschaft, in: Karl-Joachim H ölkeskam p, Walter Eder (H rsg.), Volk und Verfassung im vorhellenistischen G riechenland. Beiträge auf dem Sym posium zu E hren von K arl-W ilhelm W elwei in B ochum , 1 .-2 . M ärz 1996 (Stuttgart 1997) 64 ff. 68 Z ur M ilesia im 6. Jh . v.C hr. s. Wolf-Dietrich Niemeier, D ie Zierde Ioniens, in: A A (1999) 3 7 3 -4 1 3 ; Verf., D ie C h ora M ilets in archaischer Zeit, in: Ju stu s C o b et, Volkmar von G raeve (H rsg.), Frühes Ionien: E in e Bestandsaufnahm e, G iizeleam h 1999 (im D ruck). 69 Norbert Ehrhardt, D id ym a und M ilet in archaischer Zeit, in: C h iro n 28 (1998) 11-20. 70 George E. Bean, Joh n M. C ook, T h e Carian C oast III, in: B SA 52 (1957) 108 ff. bes. 109; Robert Stillwell (H rsg.), T h e P rinceton E ncyclopedia o f Classical Sites (Prin ceton N .J . 1976) 8 9 0 f. s.v. Teichioussa ( G eorge Bean). So auch Ehrhardt a.O . (A nm . 7) 2 0 f. 71 D ie Fläche der K azik h -H albinsel beträgt 73 km 2, die der M ilet-H alb in sel 270 km 2.

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Abb. 9: Doganbeleni bei K azikh: Plan der Festung.

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aller nur wünschenswerten Deutlichkeit, daß in Doganbeleni ein reines Phrourion und keine befestigte Siedlung vorliegt72. Für die Lokalisierung von Teichioussa auf Sapli Ada (S 27J, Abb. 11), die schon Voigtländer vorgeschlagen hatte73, be­ deutet dies eine zusätzliche Stütze, da weitere Alternativen nicht in Betracht kom­ men. Die übrigen Befunde auf der Kazikh-FIalbinsel erlauben, die Auffassung von Bean und Cook, eine dichtere Besiedlung setze erst in römischer Zeit ein74, dahingehend zu präzisieren, daß dieses Gebiet in archaischer, klassischer und hel­ lenistischer Zeit offenkundig nicht unter milesischer Kontrolle stand, sondern zum karischen Siedlungsgebiet gehörte75. Chares, der Sohn des Klesis, der im späteren 6. Jahrhundert v.Chr. seine Statue dem Apoll von Didyma weihte, bezeichnet sich in der Weihinschrift als ,Archos‘ von Teichioussa76. W. Rüge deutete dies als Zeichen politischer Selbständigkeit

72 Näheres Verf., W o lag das antike Teichioussa? in: O rbis Terrarum 7, 2001, 1 4 5-174. Voigtländer (1986) 616; Voigtländer (1988) 568 ff. 74 Bean, C ook a.O . (Anm . 70) 109: „At one point only are remains earlier than the Roman

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period to be seen“ . 75 Eine ausführliche Publikation der Ergebnisse des Survey ist in Vorbereitung. - Vorläufig: Verf., Survey bei Kazikh (M ugla), in: 19. A rajtirm a Sonuclan Toplantisi, E Cilt. Mayis - 01 H arziran 2001 Ankara (Ankara 2002) 2 0 9 -2 2 4 . 76 Zu Chares: Albert Rehm , Richard Harder, D idyma II. Die Inschriften (Berlin 1958) 6, N r. 6 Abb. 9; Klaus Tuchelt, D ie archaischen Skulpturen von Didym a (Istanbuler Forschun-

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Abb. 11: Saph Ada (Teichioussa): Lage von Norden.

des Ortes, der erst später milesisch geworden sei, da er in der Tributliste des atti­ schen Seebundes von 454/53 v.Chr. erscheine77, während man heute eher ein kurzfristiges Ausscheren von Teichioussa aus dem milesischen Polisverband um die Mitte des 5. Jahrhunderts annimmt78. M it der Entscheidung in der Lokalisie­ rungsfrage fällt auch auf dieses Problem neues Licht. Denn statt einer abgeschie­ denen Lage bei Kaszikh Iskele, die für Bean und C ook noch der präsumtiven po­ litischen Selbständigkeit ideal zu entsprechen schien79, nimmt Teichioussa mit der leicht zu verteidigenden Halbinsel Saph Ada am südöstlichen Zugang zum milesi­ schen Polisterritorium eine strategische Schlüsselstellung ein. Man darf wohl aus­ schließen, daß Milet im 6. Jahrhundert eine weitreichende Kolonisationstätigkeit entfaltet und nicht einmal die eigene Halbinsel beherrscht hätte. Daher ist auch W. gen 27, Berlin 1970) 7 8 ff., K 47 (5 7 0 /6 0 v.C hr.). N am e und Vatersname stehen nicht im Ver­ dacht, karisch zu sein, wie mir W. Blümel (K öln) noch einmal freundlicherweise bestätigte. /7 Walter Rüge, R E VA,1 (1934) 126 s.v. Teichiussa. 78 Aufgrund der ersten Tributliste von 4 54/53 v. Chr. - Benjamin D. Meritt, Henry T. Wade Gery, Malcolm F. McGregor, The Athenian Tribute Lists (Cambridge, Mass. 1 9 3 9 -5 3 ) Bd. I, 553 t. - wird angenommen, daß „Milesier in Leros, Teichioussa und N eopolitai auf dem W ei­ ßen Vorgebirge“ als Emigranten Tribut an Athen gezahlt hätten, den Milet selbst verweigert hätte. Näheres Karl-Wilhelm Welwei, Das Klassische Athen (D arm stadt 1999) 103 ff. 79 Bean, C ook a.O . (Anm . 70) 110: „In the tribute lists Teichiussa is entered on a par with Leros: it is Milesian, but not a part of the hom e territo ry ... Kazikh on the other hand, ans­ wers admirably to the requirem ents.“

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Voigtländers Vorstellung von Teichioussa als einem „karischen Zentrum“80 abzu­ lehnen, obschon die Häufung karischer Gräber in diesem südöstlichen Bereich der Milesischen Halbinsel gewiß erklärungsbedürftig ist. Dabei besagt es wenig, daß die archaische Keramik von Sapli Ada rein griechisch ist81, da dies für die ka­ rischen Gräber und Compounds zwischen Karaveli Tepe und Saplatan Sirt ebenso gilt82. Mit ihrer eigentümlichen und völlig ungriechischen Architektur widerlegen sie zugleich die These von H. Kaletsch, die Karer seien in Karien „bislang archäo­ logisch kaum isolierbar“83, die angesichts reicher Befunde auf der Bodrum -Halbinsel und im Grion84 doch etwas befremdet. Die nächsten Parallelen zu den kari­ schen Hirtencompounds bei Akbük bilden Ovalbauten bei lasos85 sowie die Compounds im Hinterland von Halikarnassos, die W. Radt schon in den sechzi­ ger Jahren vorbildlich erforscht hatte86. Hingegen sind vergleichbare Anlagen aus der ursprünglich karisch besiedelten Mykale bisher unbekannt87, die allerdings in besonderem Maße bis heute eine terra incognita blieb88. D er Umstand, daß die Sapli Ada benachbarte Halbinsel Kömür Adasi nach langer, möglicherweise sogar kontinuierlicher Besiedlung seit dem Spätchalkolithikum im Laufe des 8. Jahr­ hunderts v. Chr. aufgegeben wird, während Teichioussa offensichtlich erst im spä-

80 Voigtländer (1986) 613 ff.; Voigtländer (1988) 5 6 7 ff. 81 Vgl. Voigtländer ( 1988) 6 0 8 ff., N r. 7 -2 3 , Abb. 4 0 -4 2 . 82 Vgl. S 420 (,Ovalbau A‘): Voigtländer (1988) 613 ff., N r. 2 4 -3 3 , Abb. 4 3 -4 5 . Eigene B eob ­ achtungen an den entsprechenden Fundstellen bestätigen dies: Verf. (1999) 4 4 6 ff. *3 Hans Kaletsch , D er N eue Pauly 6 (Stuttgart 1999) 272 s.v. Kares, Karia. 84 Anneliese Peschlow, Lelegische Siedlungsspurcn am Bafa-See, in: Festschrift Akurgal, Anadolu 21 (1 9 7 8 /8 0 ) 7 9 ff.; dies., D er Latm os (Mainz 1996) 22 f., Abb. 19-21. 85 Doro Levi, Le due p r i m e C a m p a g n e di scavo a lasos, 1 9 6 0 -1 9 6 1 , in: ASAtene N S 23 /2 4 (1 9 6 1 /6 2 ) 5 1 4 -5 1 8 , Abb. 1 2 -1 8 ; Wolfgang Radt, Siedlungen und Bauten auf der Halbinsel von Halikarnassos (Tübingen 1970) 207; M achtheld Meilink, A rchaeology in Asia Minor, in: A JA 79 (1975) 2 1 4 t.; dies., A rchaeology in Asia Minor, in: A JA 80 (1976) 277 Taf. 50, Abb. 18, 19. - Ein weiterer ähnlicher Ovalbau befindet sich 4 km N N W von lasos unterhalb von Zindan Kaie. Geogr. K oor. (W G S 84): 37° 18' 46 ,1 " N ord , 27° 38' 18,1" O st (unpubl.). 86 Zu diesen: Radt a.O . (Anm . 85); ders., Die Leleger auf der Halbinsel von Halikarnassos, in: AW 6 (1975) H . 3, 3—17; ders., Lelegische Com pounds und heutige verwandte Anlagen, in: A nke Schütte (H rsg.), Studien zum antiken Kleinasien 2 (Bonn 1992) 1 -15, Taf. 1 -5 ; Verf. a.O . (A nm . 67) 65 ff. 87 Bei Flom . II. 2,869 ist ,M ykales luftiger Scheitel1 von Karern besiedelt. Die Stadt Melia, bisher fälschlich auf dem Kaie Tepe bei Güzel§amh auf der N ordseite der Mykale lokalisiert, ist nach dem Zeugnis des Hekataios von Milet (F G r li Bd. 1, 9 Frg. 11) ursprünglich karisch: Verf., D er N eue Pauly 7 (Stuttgart 1999) 1183 s.v. Melia. 88 Zur Mykale Theodor Wiegand, Priene (Berlin 1904) 7 -3 4 ; Dietram Müller, Topographi­ scher Bildkommentar zu den H istorien H erodots. Kleinasien (Tübingen 1997) 6 0 6 -6 3 4 Abb. 1 -3 6 . Die Mykale ist Gegenstand eines neuen Forschungsprojektes, das mit U nterstützung der F ritz Thyssen Stiftung Köln und mit freundlicher Genehmigung der türkischen General­ direktion der Altertüm er und Museen 2001 begonnen wurde. D azu vorläufig: Verf., Survey in Theben an der Mykale, 1. Kampagne 2001, in: 20. Arajjtirma Sonu^lan Toplanttsi. 2 6-31 Mayis 2002 Ankara (Ankara 200 3 ), im D ruck; ders., Survey in der Mykale, 2. Kampagne 2 002, in: 21. Ara§tirma Sonu^lan Toplantisi, 2 6 -3 1 Mavis 2003 Ankara (Ankara 2004), im D ruck.

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ten 8. Jahrhundert v.Chr. aufblüht89, spricht in Verbindung mit seiner strategi­ schen Schlüsselstellung am südöstlichen Zugang zur Milesia für eine griechische Gründung. Der rechteckige Hirtenbau S 416 im Westhang des Saplatan Sirt, in dem sich neben einer einzigen älteren Scherbe90 auch ein hellenistischer Ziegelstempel fand, steht mit dem kragsteingewölbten Rechteckraum oberhalb des abschüssigen H o ­ fes bautechnisch ganz in karischer Tradition, während sein orthogonaler Grund­ riß auf wachsenden griechischen Einfluß hindeutet91. Ähnlich läßt sich auch an den Compounds der Bodrum-Halbinsel ein allmähliches Eindringen orthogo­ naler (griechischer) Baupinzipien ablesen92. Auf einen regen wirtschaftlichen Austausch der karischen Hirtenpopulation des Berglandes mit der griechischen Bevölkerung der Milesischen Halbinsel verweist vor allem die rein griechische Keramik in den karischen Gräbern und Compounds. In der sukzessiven Verdrän­ gung der originär karischen Oval- und Rundbauten, wird ein höchst bemerkens­ werter Akkulturationsprozeß augenfällig, der eine bemerkenswerte Parallele in der Sprachentwicklung besitzt. - D er Sympolitievertrag, den M ilet und Pidasa am Grion zwischen 188/7 und 178/7 v. Chr. schlossen93, beendet nicht nur die politi­ sche Selbständigkeit des karischen Ortes, sondern markiert zugleich das Ende die­ ses Hellenisierungsprozesses durch völlige Assimilation des karischen Elementes. Für die archaische Zeit ergibt sich mithin folgendes Bild: Offenbar spielte das Land bereits eine bedeutende Rolle für die Stadt, auch wenn es noch keineswegs bis in den letzten Winkel erschlossen war und die Polis mithin noch über Reser­ ven von Marginalland verfügte. Landnot kann folglich kaum der Hauptgrund für Milets Fernkolonisation94 gewesen sein. Die alljährlichen ,raids“ des Lyderkönigs Alyattes richten sich gegen die milesischen Bauernhöfe (Hdt. 1,17), die die Basis seiner vierstufigen Siedlungsstruktur bilden, um mit einem Minimum an Einsatz und eigenem Risiko der Polis spürbaren Schaden zuzufügen95. Karische Sied­ 89 Die Funde setzen verstärkt erst in spätgeom etrischer Zeit ein, daneben wurden nur verein­ zelte spätchalkolithische und spätbronzezeitliche Scherben beobachtet: Voigtländer (1986) 611, Abb. 41. 90 Voigtländer (1988) 620, N r. 56, Abb. 49 (5. fh. v. Chr.?). 91 Voigtländer (1988) 5 6 7 ff., Abb. 1 (K arte),'b es. S. 5 7 6 ff., Abb. 10-1 3 ; Verf. (1999) 449 f., Abb. 10, 11. 92 Verf. a.O . (A nm . 67) 6 7 f., 71. 93 Albert Rebrn, Das Delphinion, Milet I 3 (Berlin 1914) 3501., Nr. 149; Marcel Pierart, Athenes et Milet, II. L’organisation du territoire, in: M usH clv 42 (1985) 283 f.; Peter Herrmann, Milet VI 1. Inschriften von Milet 1 (Berlin 1996) 184, Nr. 149; Wolfgang Bliimel, Vertrag zw i­ schen Latm os und Pidasa, in: E pA nat 27 (1997) 139. - Zu Pidasa allg.: Verf., D er N eue Pauly 9 (Stuttgart 2000) 1008 s.v. Pidasa. 94 D azu: Norbert Ehrhardt, Problem e der griechischen Kolonisation am Beispiel der milesi­ schen Gründungen, in: Eos 73 (W arschau 1985) 8 9 ff.; ders., Milet und seine Kolonien (Frankfurt a.M. 21988) passim; D er Neue Pauly 6 (Stuttgart 1999) 659 f. (Ü bersicht), 663 f. s.v. Kolonisation ( Walter Eder). 9a fan Pecirka, Die Landgüter der Milesier, in: Jahrbuch für W irtschaftsgeschichte 1971/11, 55 ff.; Victor D. Hanson, Agriculture and Warfare in Classical G reece (Pisa 1983) 40, 43, 59 mit Anm . 67, S. 62 mit Anm . 77, S. 69; Verf. (1995) 3 0 7 ff.

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lungstätigkeit konzentriert sich im Südosten der Milet-Halbinsel am Rande des Grion, während karische Siedlungsspuren auf der Halbinsel selbst durchwegs feh­ len96. D er rege wirtschaftliche Austausch und die allmähliche Akkulturation der Karer des Berglandes bis hin zu ihrer völligen Assimilation darf nicht den Blick dafür verstellen, daß die Beziehungen über die Jahrhunderte wohl kaum aus­ schließlich freundschaftlich waren. Inwieweit die Zerstörung Milets durch die Perser 494 v. Chr. auch eine Zäsur in der Besiedlung seiner Chora markiert, läßt sich nicht abschätzen, da ein feinchro­ nologisches Gerüst der milesischen Keramik von der Klassik bis in frühbyzantini­ sche Zeit nach wie vor fehlt. Trotzdem darf man wohl vermuten, daß die Chora Milets für die Erholung der Stadt von der Katastrophe keine geringe Rolle spielte. Denn eine gestufte Siedlungsstruktur, deren Basis zahlreiche überallhin verstreute Einzelgehöfte bilden, bedeutet für unterschiedlichste Katastrophenszenarien stets eine Risikostreuung. Jedenfalls stellen die Milesier in der Schlacht an der Mykale 479 v. Chr. bereits wieder ein Truppenkontingent, das im persischen Auftrag die Übergänge über die Mykale sichern sollte97, und neben der Erneuerung ihrer Stadtmauern98 trachten sie im 5. Jahrhundert auch anderweitig danach, ihre Chora zu sichern, etwa durch die Befestigung von Assesos oder die Anlage von kleinen Festungen99. Im Hellenismus wandelt sich das Bild erneut. So zeichnet sich zwischen der archaischen und klassischen Zeit einerseits und der hellenistischen andererseits zwar kein Wandel der Siedlungsstruktur ab, aber eine soziale und demographische Umwälzung: Kleinstädte wie Assesos und Teichioussa werden anscheinend aufge­ 96 Die Bemerkungen von G erhard Klem er , Alt-M ilet (Wiesbaden 1966) 21 zu karischen Bauresten in Milet sind überholt. Ders., Die Ruinen von Milet (Berlin 1968) 1, 25, erwähnt zweimal karische G räber auf der Stefania: „Auf diese H ochebene .. . hatten die griechischen Einwanderer die karische Vorbevölkerung zurückgedrängt. Von ihr zeugen dort noch eine Anzahl G räber: in Ringform angelegte Steinsetzungen mit einer anschließenden G rabkam mer, beide überdeckt oder auch nicht, heute meist völlig eingestürzt.“ K onkrete Belege oder Abbildungen bringt Kleiner nicht. Seine Behauptungen werden durch die Surveybefunde nicht gestützt. Die beschriebene G rabform scheint eher griechisch, vor allem wenn man sie mit den karischen Terrassen- oder Podium sgräbern am Saplatan Sirt vergleicht. Karische G räber auf der milesischen H ochebene behauptet auch P. H om m el, in: G erhard Kleiner, Peter H om m el, Wolfgang Müller-Wiener, Panionion und Melie (23. Ergänzungsheft Jd l, Berlin 1967) 168, N r. 5, der ebda., Anm . 467 erwähnt, daß schon Wiegand einen der Hügel ergebnislos aufgraben ließ. Vgl. Verf. (1997) 294. 97 LIdt. 9,104; Johannes Heinrichs, Jonien nach Salamis (Bonn 1989) 58 ff.; Welwei a.O . (A nm . 78) 6 7 ff. bes. 71 ff. - Die G röße des milesischen Truppenkontingents ist schwer zu schätzen, aber wie jeder Kenner der Mykale weiß, erforderte die den Milesiern zugewiesene taktische Aufgabe mindesten 8 0 0 -1 0 0 0 Mann. W ichtiger erscheint der Gesichtspunkt, daß die Aufstellung milesischer Truppen eine Kontinuität der Ausbildung voraussetzt. 9S D azu Justus Cobet, Die Mauern sind die Stadt. Z ur Stadtbefestigung des antiken Milet, in: A A (1997) 263 ff. 99 Die Mauern von Assesos datieren wohl nicht in archaische Zeit, da die Türm e Lotkanten aufweisen, die so früh bisher nicht belegt sind. Z u r Stadtmauer von Assesos Verf. (1995) 314 ff., Abb. 102 -1 0 7 . - Zur Befestigung tier C h ora s. Verf. (1995) 3 1 9 ff., Abb. 108, 109; Verf. (1999) 451, Abb. 13 (S 118: Kastell auf dem Turles).

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geben und veröden100, statt dessen blüht Milet erneut auf und um den ApolloTempel von Didyma entsteht eine größere Siedlungsagglomeration. Klassische und hellenistische Dörfer fehlen im Siedlungsbild101. Wie schon erwähnt, hatte der Wassermangel lange eine Besiedlung der milesischen Hochebene verhindert. Als man sie mit wachsendem Bevölkerungsdruck seit hellenistischer Zeit doch er­ schloß, bildete die Wasserversorgung mittels großer Zisternen eine elementare Voraussetzung jeglicher Siedlungstätigkeit. Daher überrascht es kaum, daß die frühbyzantinische Nach- oder Neubesiedlung nach einem deutlichen Hiat in der frühen und mittleren Kaiserzeit hier wieder anknüpft. Der Befund des zweiphasigen hellenistisch/frühbyzantinischen Gehöftes S 1 7 5 erweist sich somit als gera­ dezu idealtypisch102, denn solche Befunde wiederholen sich mehrfach. Sie lehren, daß es wegen der erforderlichen Investitionen eben gerade nicht verarmte Klein­ bauern waren, die als erste dieses Marginalland kultivierten103. Zu den Kosten der Infrastruktur für solche aufwendigen Zisternen und die nötigen Wohn- und W irt­ schaftsgebäude treten die gewiß nicht unerheblichen Aufwendungen für die U r­ barmachung des Geländes, die erste Aussaat und den Lebensunterhalt bis zur er­ sten Ernte. Von der Größe und Ausstattung der ländlichen Anwesen dieser Zeit haben wir leider keine Vorstellung, da die meisten hellenistischen Gehöfte in der Spätantike und der frühbyzantinischen Zeit neu besiedelt wurden und eine Pha­ sentrennung von Gebäuderesten mit Surveymethoden nur in den seltensten Fällen möglich ist104. Auch die für weite Teile Griechenlands und der Ägäis typischen Turmgehöfte105 ließen sich in der Milesia bisher nicht sicher nachweisen106. Dies 100 Auf Sapli Ada (Teichioussa) wurde keine hellenistische Keramik beobachtet, Teichioussa wird ein letztes Mal in der 2. Hälfte des 4. Jhs. v. Chr. bei A rchestratos von Gela fr. 55 (Athen. 320A ) als ,K om e‘ erwähnt. D azu Mogens H. Hansen, K om e, in: ders. (H rsg .), Studies in the Ancient Greek Polis (Stuttgart 1995) 67; Verf. (1997) 303. 101 Das G ros der Funde von der Fundstelle S 333, einer dörflichen Siedlung am G olf von Akbük, die vielleicht mit dem antiken D em os Argasa bzw. Argaseis zu identifizieren ist, da­ tiert in archaische Zeit, die Inschriften eines Temenos der Argaseis hingegen erst ins 4. Jh. v.Chr. N äheres Verf. (1997) 2 9 9 ff. Abb. 18-22. 102 F ü r Einzelheiten s. Verf. (1995) 3 0 6 ff. Abb. 9 1 -9 3 ; Verf. (1997) 2 9 0 f. 103 Zu vergleichbaren Befunden in Attika und der Megaris: Verj. a.O . (A nm . 67) 7 8 f. 104 So läßt sich beispielsweise an der großen Fundstelle S 179, die neben frühbyzantinischer Keramik auch älteres Material erbrachte, nur zwischen Mauern unterscheiden, die zum G e­ höft gehören, und großen Mandren (H irtenlagern) jüngerer Zeitstellung, die in osmanischer (?) Zeit neben dem G ehöft angelegt wurden: Verf. (1999) 4 5 2 f., Abb. 14. 105 Zu Turm gehöften allgemein: Lothar Haselberger, Befestigte Turm gehöfte im H ellenis­ mus (masch. schriftl. Diss. T H München 1978); Verf., Atene (1993) 138 ff. - In Kleinasien: Andreas Konecny, Hellenistische Turm gehöfte in Zentral- und O stlykien (Wien 1997); Serra Durugönül, Hans G abelm ann, Türm e und Siedlungen im Rauhen Kilikien, in: IstM itt 47 (1997) 2 1 3 -2 2 0 ; Serra Durugönül, Türm e und Siedlungen im Rauhen Kilikien. Asia Minor Studien 28 (1998). 106 Ein angebliches Turmgehöft bei Akbük, das Voigtländer (1986) 633 f. Abb. 14, meldet, konnte mangels näherer Angaben zur Lage im Zuge des M ilet-Survey nicht erneut lokalisiert werden. Die Deutung der Q uader an der Fundstelle S 316 - zu dieser Verf. (1995) 293 - als Reste eines Turmes erscheint mir mittlerweile fraglich. Das einzige mir bekannte Turmgehöft im südlichen Ionien am N ordfuß der Mykale bei Güzel^amh wurde als Kastell mißdeutet:

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hängt nicht nur mit der spätantik-frühbyzantinischen Nachbesiedlung zusam­ men, sondern vor allem mit der weit fortgeschrittenen modernen Zerstörung. Hellenistische Monumentalgräber107 deuten auf eine Konzentration des Grund­ besitzes. Das bedeutendste von ihnen ist das hochhellenistische Mausoleum von Ta Marmara bei Akbük, das hinsichtlich Größe und Aufwand in der Milesia keine Parallele hat (Abb. 12)108. Mangels einer Grabinschrift bleibt der Grabherr an­ onym. Die Gräber bei den hellenistischen Landgütern belegen indes, daß die An­ gehörigen dieser sozialen Elite ihren Lebensmittelpunkt noch auf dem Lande sa­ hen, obschon die meisten vermutlich neben dem Landgut noch ein Stadthaus be­ saßen. Mit dem Aufstieg Milets zur führenden Metropole Ioniens in archaischer Zeit ging nicht nur die Umwandlung der ursprünglichen Naturlandschaft in eine Kulturlandschaft einher, sondern auch ein immenser Umweltverbrauch. Schon im 2. Jahrhundert v.Chr. gab es auf der Elalbinsel nicht mehr das benötigte lang­ stämmige Bauholz für den Bau eines Gymnasiums, das Eumenes II. den Milesiern stiftete109. Die Sedimentraten für das Büyük Menderes Tal stiegen in der Hauptsiedlungsphase zwischen der archaischen und der römischen Zeit auf das Fünfzehnfache110. Die Folge war eine rasante Verlandung des Launischen Golfes, in der Kaiserzeit hatte die bedrohlich näherrückende Deltafront Milet allerdings noch nicht erreicht, der Löwenhafen war selbst in der Spätantike noch frei11', aber das ausgedehnte Schwemmland bildete mittlerweile einen wichtigen Wirtschafts­ faktor112. Mangels großzügiger kaiserzeitlicher Bautätigkeit sind es vor allem die großen Platzanlagen und Säulenhallen aus hellenistischer Zeit, die noch in der Kaiserzeit das Stadtbild entscheidend prägen. Die Faustina-Thermen oder die frühkaiser-

Kleiner, H om m el, Müller-Wiener a.O . (A nm . 96) 3 9 ff., Abb. 1 5 - 1 9 Plan I. Ferner befinden sich Reste eines hellenistischen Turmgehöftes auf der Kazikli-Halbinsel an der Stätte Erenler bei Giirgamlar (vormals ilmin): G eorge E. Bean, Joh n M. C ook, The Carian C oast III, in: BSA 57 (1962) 108 mit Anm. 195, „VS“ (i.e. Village Site) in der K artenskizze ebda., S. 107, Abb. 13 ca. 2 km südwestl. ilmin (h. G iircam lar). Die knappen Bemerkungen bei Bean und C o o k werden der Bedeutung der ausgedehnten mehrphasigen Fundstätte nicht gerecht. 107 Belege Verf. (1999) 455, Anm. 54. 108 S 233: Theodor Wiegand, Zw eiter vorläufiger Bericht über die von den Königlichen M u­ seen in Milet unternommenen Ausgrabungen, in: A A (1902) 14 9 f., Abb. 5, 6; Hans Lauter, A rchitektur des Hellenismus (D arm stadt 1986) 215 Taf. 47a; Verf. (1997) 287. - Z ur Ausrich­ tung auf eine Straße vgl. Wolf ram Hoepfner, Zum Mausoleum von Belevi, in: A A (1993) 112, 122 (Ausrichtung auf die Straße nach Sardis). 109 p e t e r Herrmann, N eue Urkunden zur Geschichte von Milet im 2. Jahrhundert v. Chr., in: IstM itt 15 (1965) 79 ff. 110 Bay a.O . 1998 (A nm . 2 1 )4 0 . 111 Vgl. dazu Brückner a.O . 1996 (A nm . 5) 571, Abb. 3b: N ach dem Bohrprofil M IL 3 besaß der Löwenhafen in spätröm ischer Zeit noch eine Tiefe von 3,5 m. 1 12 peier Herrmann, Milet unter Augustus. C . Iulius Epikrates und die Anfänge des Kaiser­ kults, in: IstM itt 44 (1994) 203 ff. - Dies betätigt vor allem der vor einigen Jahren in Didyma entdeckte Erlaß Justinians, der die Bürger von Justinianopolis (dazu s.u. Anm. 129) durch Steuereinkünfte aus dem Schwemmland begünstigt: Verf. (1997) 304 f.

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1 Abb. 12: A kbiik, Yayvan Tepe: Mausoleum von Ta Marmara (S 233), 2. Jahrhundert v. Chr. Rekonstruktionsversuch. Nach einem A quarell im D A I Istanbul. Foto D A I Istanbul.

zeitlichen Capito-Therm en113 entsprechen den Standards einer mittleren römi­ schen Stadt. Dem Prunk, den die Provinzhauptstadt Ephesos in ihren prächtigen Marmorbauten entfaltet, hat Milet nichts entgegenzusetzen. Unübersehbar er­ lebte Milet im Späthellenismus und in der Kaiserzeit einen Niedergang114, der sich u.a. in einer deutlichen Siedlungsregression des ländlichen Raumes zu spiegeln scheint. Ähnliches gilt für zahlreiche andere Poleis Griechenlands und Klein­ asiens1ls. Wer also erwartet hatte, in den Gunstlagen der Milesischen Halbinsel auf eine oder mehrere große römische villae rusticae zu stoßen, sieht sich ge­ täuscht. Allerdings ergibt sich eine jeweils etwas abweichende Siedlungsge­ 113 Armin von G erkan, Fritz Krischen, Milet I 9. Therm en und Palästren (Berlin 1928) 23 ff.; Klaus Tuchelt, Bemerkungen zu den Capito-Therm en in Milet, in: Mansel’e Armagan. Melanges Mansei Bd. I (1974) 147-169. 1,4 Verf. (1995) 322; N orbert Ehrhardt, Peter Weiß, Trajan, Didyma und Milet. N eue Fragm ente von Kaiserbriefen und ihr K ontext, in: Chiron 25 (1995) 3 4 7 ff.; Verf. (1997) 304; Verf. (1999) 457, 465. 1,3 G raem e Barker, John Lloyd (H rsg.), Rom an Landscapes (London 1991). Das Bild ist in den verschiedenen Landschaften durchaus uneinheitlich, für Griechenland scheint N ieder­ gang eindeutig zu überwiegen. Vgl. die Rez. Verf., Germania 1996, 6 1 2 -6 1 4 .

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schichte der Milesischen Halbinsel, je nachdem, welche Keramikgattung man zu­ grundelegt. Denn obwohl sich in der Milesia ausschließlich Sigillaten des 4. bis 7. Jahrhunderts n. Chr. fanden und keine des 1. bis 3. Jahrhunderts n .C h r.116, müßte man nach den gängigen Chronologien Teile der Gebrauchskeramik in die frühe und mittlere Kaiserzeit datieren117. Hier besteht also noch ein gewisser Klä­ rungsbedarf, da für Milet trotz jahrzehntelanger Grabungstätigkeit bisher eine epochenübergreifende Keramikchronologie fehlt. Welche Rolle das Land für die Stadt spielte und wie man die Ernährungsgrund­ lage für die gewiß nicht kleine städtische Bevölkerung Milets in der Kaiserzeit sicherte, bleibt vorerst ungewiß. Erhellend für das Verhältnis von Stadt und Land in der Kaiserzeit ist der Ausbau einer weit ins Umland ausgreifenden Wasserver­ sorgung Milets, die in ihrem Kernbestand vor die Errichtung des flavischen Nymphäum zurückreicht118. Zwar besaß Milet vermutlich bereits in spätarchaischer und klassischer Zeit, sicher aber seit hellenistischer eine Fließwasserversorgung durch eine Tonrohrleitung519, die indes noch keinen gravierenden Eingriff in den Wasserhaushalt des Umlandes bedeutete. Ein 1996 entdeckter Vorläufer des flavi­ schen Aquädukts, der nördlich des Löwentores in einer Krene endete, nachdem er die hellenistische Stadtmauer geschnitten hatte, läßt sich einstweilen nicht genau datieren (S 230, Abb. 13)120. In ihrem Endausbau war die römische Wasserleitung von Milet dann ein komplexes und dendritisch verzweigtes Gebilde, das im weiten Umkreis um Milet bis hin nach Assesos alle verfügbaren Wasseraustritte unterhalb der Akköyplatte121 faßte und ihr Wasser durch begehbare mannshohe 116 M eike Berndt, Terra-Sigillata-Funde aus dem Survey der milesischen Halbinsel (unpubl. M agisterarbeit, Bochum 1996). 117 M eike Berndt, Kaiserzeitliche und frühbyzantinische Gebrauchskeramik aus dem MiletSurvey (Diss., Bochum 2001). 11S Zum N ym phäum : Julius Hülsen, Milet I 5. Das N ym phaeum (Berlin 1919). - Z u r Datie­ rung: T heodor Wiegand, D ritter vorläufiger Bericht über die von den königlichen Museen begonnenen Ausgrabungen in Milet, SB Berlin 3 (1904) 1; Bernd Kreiler, Die Statthalter Kleinasiens unter den Flaviern (M ünchen 1975) 34 ff.; Volker M. Strocka, Das M ark ttor von Milet 128. B W P r (Berlin 1981) 22; Reinhard Köster, Röm ische Bauornamentik in Milet, in: Wolfgang Müller- Wiener (H rsg.), Milet 1 8 9 9 -1 9 8 0 , 31. Beih. IstM itt (Tübingen 1986) 160. N eue Forschungen zu W asserversorgung Milets: G erhard Tuttahs, Milet 1 9 92-1993. Wasser­ bauliche Problemfelder am G rabungsplatz Milet: Zustand und Aufgaben, in: A A (1995) 2 6 5 275; ders., Vorbericht zur W asserversorgung Milets im Einzugsgebiet des N ym phaeum Aquäduktes in röm ischer Zeit (1. und 2. Jh. n. Chr.), in: A A (1997) 1 6 3-179; ders., Milet und das Wasser, ein Beispiel für die Wasserwirtschaft einer antiken Stadt (Essen 1998); Berthold E Weber, W assersteigetürme in Milet. Die Sondagen auf der Straße zwischen Südmarkt und Magazinhalle im Jah r 1997, in: A A (1999) 109-114. 119 G erhard Tuttahs, Hinweise auf zentrale Wasserversorungsanlagen der antiken Stadt Mi­ let vor der römischen Kaiserzeit, in: Schriftenreihe der Frontinus-G esellschaft Lieft 24 (Köln 2 001) im D ruck. 120 S 230, Verf. (1999) 4 5 7 ff., bes. 459, Abb. 24. Es handelt sich offenbar um Reste derselben Leitung, die bei früheren Ausgrabungen unweit des Löw entores festgestellt wurde: Armin von G erkan, Milet II 3. Die Stadtmauern (Berlin 1935) 41 f., Abb. 19, Taf. 14. Die Anlage setzt die Entfestung Milets voraus. 121 Zur hydrogeologischen Situation Bernt Schröder, Ünsal Yalgirt, Stand der archäologie-

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Abb. 13: Milet: Älterer A quädukt (S 230), 1996 in einem Grundwasserbrunnen am nörd­ lichen Ortsrand von Balat nahe dem Löwentor.

Kanäle nach M ilet leitete. Rund 30 Befunde stehen in unmittelbarem Zusammen­ hang mit diesem Leitungssystem122, dessen nächste Parallele die römische Wasser­ leitung von Aesernia, dem heutigen Isernia, bildet123. Zumindest in der näheren Umgebung Milets bis nach Assesos wären damit alle landwirtschaftlichen B e­ triebe auf die Versorgung aus Brunnen verwiesen, doch sind solche bisher nicht nachgewiesen. Vieles an unserem Bild des frühbyzantinischen Milet erscheint undeutlich, ja widersprüchlich124. Zwar zeichnet sich einerseits für das 6 .Jahrhundert n.Chr. eine gesteigerte Bautätigkeit vornehmlich durch Neubauten und Reparaturen von Kirchen ab125, und ein Hesychios ließ die Faustina-Thermen und die Wasserverrelevanten geologisch/hydrologischen U ntersuchungen im Umfeld von Milet, in: IstM itt 42 (1992) 109-116. 122 Verf. (1999) Kartenbeilage. Fundstellen N r. S 7 3 -7 7 ; S 7 9 -8 7 ; S 91, S 100, S 135, S 1 3 7 139, S 152, S 230, S 3 5 2 -3 5 5 , S 3 9 1 -3 9 2 , S 4 0 9 -4 1 0 , S 574. 123 Vittorio Castellani, La struttura sotteranea delP antico aquedotto di Aesernia, in: Journal of A ncient Topography 1 (1991) 1 1 3-128. 124 D er von Th. W iegand im Rahmen der M ilet-Publikation geplante Band „Das frühchrist­ liche M ilet“ ist nie erschienen, Grabungen von W. Müller-W iener an frühbyzantinischen Bauten Milets blieben durch seinen vorzeitigen Tod unpubliziert. 123 D er Text von Justus Cobet, Volkmar von Graeve, D er N eue Pauly 8 (Stuttgart 2000) 170ff. s.v. Miletos, nimmt hierauf keinen Bezug. Vgl. im Plan Milets ebda. 177 f. von B. F. We­ ber Nr. 11 (M ichaelskirche mit Bischofspalast, 6. Jh .), Nr. 16 („G roße K irche“, 1. FI. 6. Jh .),

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sorgung instand setzen1’6. Doch gleichzeitig mit der Wiederbefestigung Milets aus dem Abbruchmaterial älterer Bauten in justinianischer Zeit - die Bauinschrift Justinians datiert den Umbau des Markttors zum Stadttor ins Jahr 538 n.Chr. (Abb. 14)127 - wird das Stadtgebiet zugleich drastisch verkleinert. Klarer ist der Befund in der Chora Milets, die nach dem Niedergang in der Kai­ serzeit nun eine wahre Renaissance erlebte128. In der Milesia zeichnet sich die frühbyzantinische vor allen anderen Epochen als Phase dichtester Besiedlung und hoher Blüte aus. Die Siedlungsformen umfassen neben der Metropole Milet Ein­ zelgehöfte vom kleinbäuerlichen Anwesen bis zum großen Landgut, Klöster so­ wie kleinstädtische Anlagen. Annähernd gleichzeitig mit der Befestigung Milets entsteht am G olf von Akbük im 6. Jahrhundert n. Chr. eine unbefestigte Neu­ gründung, bei der es sich vielleicht um jenes Justinianopolis handelt, das eine vor mehreren Jah ren an der Heiligen Straße in Didyma entdeckte Inschrift er­ wähnt129. Die stadtartige Siedlung teilte allerdings das Schicksal anderer justinia­ nischer Neugründungen130, indem sie bereits um die Mitte des 7. Jahrhunderts wieder aufgegeben wurde. D och zum Zeitpunkt ihrer Gründung waren die KüN r. 27 (Rundkirche, Anf. 6. Jh .). - Zum Bischofspalast: Wolfgang Müller-Wiener, Milet 1977. 1. Arbeiten im Stadtgebiet b) Arbeiten im N ordkom plex (Bischofspalast), in: IstM itt 29 (1 979) 1 7 0 -1 7 3 ; ders., Rifiessioni sulle caratteristiche dei Palazzi Episcopali, in: FelR av 125/ 126 (1983) 1 0 3 -1 4 5; ders., Untersuchungen im Bischofspalast in Milet (1 9 7 7 -1 9 7 9 ), in: IstM itt 38 (1988) 2 7 9 -2 9 0 . - Z ur M ichaelskirche: Wolfgang Müller-Wiener, Milet 1973-1975. 1. Michaelskirche und D ionysos-Tem pel. Baubefunde und Phasengliederung, in: IstM itt 2 7 /2 8 (1 9 7 7 /7 8 ) 9 4 -1 0 3 ; Otto Feld, Milet 1 9 73-1975. 3. Bautypus und Ausstattung der M ichaelskirche, in: ebda. 117-125. - Z ur „Großen K irche“ : Wolfgang Müller-Wiener, Milet 1972. Die „G roße Kirche“ (sog. Bischofskirche) in Milet, m: IstM itt 2 3 /2 4 (1 9 7 3 /7 4 ) 131— 134; ders., Milet 1981. 1. Arbeiten im Stadtgebiet a) Untersuchungen in der .G roßen K irche“, in: IstM itt 32 (1982) 6 -1 4 ; ders., Milet 1989. Arbeiten in der Grossen Kirche, in: IstM itt 40 (1990) 7 2 -7 8 ; Otto Feld, Milet 1972. Z ur kunstgeschichtlichen Stellung der „G roßen K ir­ che“, in: ebda. 1 3 5 -137. - Z ur Rundkirche: Wolfgang Müller-Wiener, Milet 1980. 1. Arbeiten im Stadtgebiet a) Rundkirche bei der Südmauer, in: IstM itt 31 (1981) 9 6 -9 9 ; ders., Milet 1982, Arbeiten im Stadtgebiet, in: IstM itt 33 (1983) 7 0 -7 9 ; Otto Feld, Eine Kirche für Maria in M iletos, in: Cecil L. Striker, A rchitectural Studies in M em ory of Richard Krautheim er (Mainz 1996) 6 7 -7 0 . 126 v. C erkan, Krischen, a.O . (Anm . 113) 169, N r. 3 4 1 -3 4 3 (Albert Rehm); R E X V (1932) 1619 f. s.v. Miletos N r. 1 (Friedrich Füller von Gaertringen ); Peter Herrmann, Milet VI 1. In ­ schriften von Milet (Berlin 1996) 2 1 3 t., Nr. 3 4 1 -3 4 3 . Bei dem Geehrten handelt es sich wohl nicht um den berühmten H esychios Illustrios, wie noch Rehm annahm. 127 Zur justinianischen Stadtmauer: v. G erkan, a.O . (Anm . 120) 114 ff., 127 f., Taf. 1. Sie er­ scheint nicht im Plan von Weber, a.O . (A nm . 125), aber bei Brückner a.O . 1996 (Anm . 5) 569, Abb. 2. - Zu der Inschrift: H ubert Knackfuss, Milet I 7. D er Südmarkt und die benachbarten Bauanlagen (Berlin 1924) 208; Peter Herrmann, Milet VI 1. Inschriften von Milet (Berlin 1996) 35 f., N r. 206. 12s Einen vergleichbaren Befund erbrachte der Böotien-Survey: Joh n Bintliff, The Roman countryside in central Greece: observations and theories from the Boeotia Survey (1 9 7 8 1987), in: Barker, Lloyd, a.O . (Anm . 115) 12 6 f. 129 Museum Balat. Die Publikation wird von D. Feissel (Paris) vorbereitet. Zum milesischen Justinianopolis vorläufig: Vier/'. (1997) 304 f.; Verf., D er N eue Pauly 6 (Stuttgart 1999) 101 s.v. Iustinianopohs. 130 Vgl. Wolfgang Müller-Wiener, Von der Polis zum K astron, in: Gym nasium 93 (1986) 450.

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Abb. 14: Milet: Justinianische Stadtmauer und Turm bei großem Magazinbau (Toto ff'. Müller-Wiener, April 1977).

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sten anscheinend noch weitgehend sicher, wie zahlreiche küstennahe Siedlungs­ plätze belegen131. Offenbar spielt das Land in der frühbyzantinischen Epoche neuerdings eine be­ deutende Rolle für die Wirtschaftskraft der Stadt. Während die milesische H och­ ebene Getreideanbau nur beschränkt erlaubte, belegen ausgedehnte Altfluren132 in heute oftmals weitgehend verkarsteten Bereichen des Plateaus in Verbindung mit zahlreichen Ölmühlen und Ölpressen, die bei kaum einem der zahlreichen Gehöfte fehlen, daß dem Ölanbau überragende Bedeutung zukam. Sie lassen ähn­ lich wie in Nordsyrien an eine intensive, exportorientierte Ölproduktion den­ ken133. Ein etwaiges Getreidedefizit könnten Ägyptens Getreideüberschüsse ge­ deckt haben134. Für den dramatischen Bevölkerungsrückgang Mitte des 7. Jahr­ hunderts n. Chr., der diese letzte antike Nachblüte abrupt beendete, dürften ähn­ liche Gründe wie für den schon etwas früher erfolgten Niedergang der Städte und Siedlungen Nordsyriens verantwortlich sein, namentlich der Arabereinfall von 650 n. Chr. und die Eroberung Ägyptens durch die Araber135. Konstantinos Porphyrogennetos erwähnt, daß die Truppen Mucawiyas neben Smyrna und Ephesos auch andere Städte Ioniens geplündert hätten136. Ungewiß ist, wo die Besitzer der großen Gutshöfe lebten. Die Anwesen verfü­ gen zwar über große Ölpressenanlagen und Zisternen und häufig über beschei­ dene kleine Eigenkirchen, ihre übrige Ausstattung läßt jedoch alle Elemente eines gehobenen Lebensstils wie Fußbodenheizungen, Bäder, Mosaiken oder Luxus­ keramik vermissen. Daß undekorierte Gebrauchskeramik dominiert, ist nicht ungewöhnlich, aber selbst die ,feine‘ Ware beschränkt sich auf wenige ewig gleiche Terra Sigillata-Schüsseln der Late Roman C-W are137. Sind dies Indizien eines Siedlungsmodells, für das die angelsächsische Forschung das Schlagwort von den „absentee landlords“ geprägt hat138? Daß anders als in der hellenistischen Zeit nur 131 V erf. (1995) 326. 132 Die Auffassung von G r e g o r B o rg , B a r b a r a B o rg , Die unsichtbaren Steinbrüche, in: AW 2 9 (1998) H . 6, 5 0 9 ff., es handele sich bei den ausgedehnten Lesesteinwällen und den zahl­ reichen Lesesteinhaufen nicht um die Hinterlassenschaft einstiger Agrikultur, sondern um „unsichtbare“ Steinbrüche, in denen man oberflächennah und weitflächig Baumaterial schon für den archaischen Apollotempel von Didym a eingewonnen habe, hält einer kritischen Überprüfung nicht stand: N äheres V e rf., Die C h ora Milets in archaischer Zeit, in: J u s t u s C o b e t, V o lk m a r v o n G r a e v e (H rsg .), Frühes Ionien: Eine Bestandsaufnahme, Güzelgamh 1999 (im D ruck). 133 V erf. (1997) 306; V erf. (1999) 465. - Zu den Befunden in Syrien vgl. C h r i s t i n e S tr u b e , D ie „Toten Städte“ . Stadt und Land in N ordsyrien während der Spätantike (M ainz 1996) 6 f., 1 6 f., Abb. 3 1 -3 3 . 134 Die große Zahl nordafrikanischer Am phoren im Fundm aterial des Survey deutet auf ei­ nen regen W arenaustausch mit N ordafrika hin: B e r n d t , a.O . (A nm . 117). 135 S t r u b e a.O . (A nm . 133) 76 f. 136 De administrando imperio 20, hrsg. v. G y u la M o r a v e s ik , R o m illy J . H . J e n k i n s (Washing­ ton D .C .2i 985) 85. - D er N eue Pauly 6 (Stuttgart 1999) 718 f. s.v. K onstantinos N r. 1 ( l o a n n is V assis). O bw ohl Milet nicht explizit erwähnt wird, ist die zeitliche K oinzidenz des Ü b er­ falles auf Ephesos mit dem Abbruch der Besiedlung in der C h ora von Milet doch auffällig. 137 N äheres B e r n d t a.O . (A nm . 117). 138 P a u l P. G u i r a u d , La propriete fonciere en G rece jusqu’a la conquete Romaine (Paris

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selten Gräber bei den frühbyzantinischen Gehöften beobachtet wurden, könnte in die gleiche Richtung deuten, sofern es nicht primär einem Wandel der G rabsit­ ten und Grabformen zu vindizieren ist, wenn frühbyzantinische Gräber beim Survey unentdeckt blieben. D ie mittelbyzantinische Zeit zerfällt in zwei Abschnitte, deren erster vom 8. bis 10. Jahrhundert weitgehend im Dunkeln liegt. In M ilet entstand nach den Arabereinfällen des 7. Jahrhunderts vielleicht Anfang des 8. Jahrhunderts ein erstes Thea­ terkastell, das nach Erdbebenzerstörungen des 1 0. und 1 1. Jahrhunderts in der Komnenenzeit Mitte des 1 2. Jahrhunderts durchgreifend erneuert und verstärkt wurde139. Dieses Kastell (II) war gegenüber der älteren Anlage im Umfang erheb­ lich reduziert und nutzte die Theaterruine nur noch als Sockel und nicht mehr als wesentlichen Bestandteil140. Ein neuerliches Erdbeben Anfang des 1 3 . Jahrhun­ derts zerstörte wesentliche Teile der komnenischen Befestigung und machte ihre Wiederherstellung erforderlich (Phase I I I) 141. Die Wohnbebauung hatte sich im 12. Jahrhundert wahrscheinlich ganz auf den Kaie Tepe zu Füssen der kleinen Theaterzitadelle zurückgezogen, wo sie von einer primitiven letzten Stadtbefesti­ gung geschützt wurde142. Wie ein TL-D atum belegt, wurde aber selbst im 12. Jahrhundert noch ein längerer Strang der antiken Wasserleitung erneuert143. Etwa gleichzeitig mit der zweiten Bauphase des Theaterkastells errichteten ad­ lige Grundbesitzer auf dem Lande Turmburgen (Abb. 1 5 ) 144, die man früher häu­ fig als Militärposten zum Schutze von Straßen mißdeutet hat145, bei denen es sich aber ähnlich unseren mittelalterlichen Turm- oder Donjonburgen um stark befe­ stigte ländliche Anwesen handelt146. In Griechenland finden sie nach 1 2 0 4 große

1893) 391 ff.; A u g u s t e J a r d e , Les cereales dans l’antiquite grecque (Paris 1925, Reprint 1979) i 20 ff.; G u s t a v e G l o t z , Ancient G reece at W ork (London 1927, Reprint 1965) 247 ff.; J o h n F I. K e n t, The Temple Estates of D elos, Rheneia and M ykonos, in: Hesperia 17 (1948) 280, 320; V ic to r E b r e n b e r g , The People of Aristophanes (O xford 1951) 80; M o se s L F in le y , Studies in Land and Credit in Ancient Athens (N ew Brunsw ick, N .J. 1952) 58, 63; W illia m K . P r i t ­ c h e tt, The A ttic Stelai II, in: H esperia 25 (1956) 2 7 5 f.; H u m f r e y H . M ic h e ll, The Econom ics of Ancient G reece (Cam bridge 1957) 43; H e n d r i k H . B o lk e s te in , E conom ic Life in G reece’s Golden Age (Leiden 1958) 26 f.; F r i t z M . H e ic h e lh e im , An Ancient E conom ic H isto ry Bd. 1 (L,eiden 1958) 114; H a n s o n , a.O . (A nm . 95) 37. 139 Zum Theaterkastell: W o lfg a n g M ü lle r - W ie n e r , Mittelalterliche Befestigungen im süd­ lichen Ionien, in: IstM itt 11 (1961) 26 ff., Abb. 5, Taf. 10, 11; d e rs ., Das Theaterkastell von Milet, in: IstM itt 17 (1967) 2 7 9 -2 9 0 ; d e rs ., Untersuchungen auf dem Theaterhügel, in: IstM itt 32 (1982) 1 5 -1 7 ; d e rs ., a.O . 1986 (Anm . 130) 4 3 5 -4 7 5 . 140 M ü lle r - W ie n e r , a.O . 1967 (Anm . 139) 286. 141 M ü lle r - W ie n e r , a.O . 1967 (Anm . 139) 288. 142 M ü lle r - W ie n e r , a.O . 1982 (Anm . 139) 15 ff., Abb. 4. 143 S 574: Kanal einer Wasserleitung im Straßenanschnitt östlich Yeniköy, dessen Sohle aus dicken Tonplatten besteht. F ü r die T L -A n alyse danke ich G .A . Wagner (Heidelberg). 144 S 17, S 50, S 66, S 98, S 165, S 185, S 335, S 344, S 436, S 509. 145 Vgl. z .B . M ü lle r - W ie n e r , a.O . 1961 (A nm . 139) 8, Anm . 6 (S 53, A . A ntonios; S 50, Penere); 18 f.; 23 mit Anm. 36. 37 (3 Türm e bei Yeniköy, S 66; S 98; S 222); 38. Ähnlich noch U rs P e s c h lo w , in: A n n e lie s e P e s c h lo w - B in d o k a t, Der Latm os (M ainz 1996) 88. 146 Dazu V erf. (1995) 3 2 7 f.

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Verbreitung147, als hier mit dem 4. Kreuzzug Erscheinungsformen des abend­ ländischen Feudalismus in Gestalt fränkischer Prinzipate und Baronien auf dem Boden Mittelgriechenlands, der Peloponnes, Attikas und der griechischen Inseln Einzug halten. Sie sind auch außerhalb der Milesia im südlichen Ionien anzutref­ fen148. Für räuberische Überfälle hinreichend gewappnet, vermochten sie indes schon Streifscharen wie den gefürchteten A kinci149 kaum standzuhalten, ge­ schweige denn einer organisierten Armee. Sie könnten im Zuge einer umfangrei­ chen Landvergabe (pronoia ) l5° unter Alexios I. Komnenos entstanden sein, denn unter seiner Herrschaft verläuft um 1118 n. Chr. die Grenze hier etwas südlich der Mäanderlinie151. Da es sich um Landgüter und nicht um Militärposten handelt, spielten sie für die Versorgung der stark geschrumpften Stadt zweifellos eine wichtige Rolle. - Auf der Milesischen Halbinsel endet die byzantinische Besied­ lung um 1300 abrupt mit der archäologisch allenfalls indirekt faßbaren seldschukischen Landnahme. Daß die Turmburgen trotz eindeutiger Belege für ihre überwiegend zivile Nutzung152 so gut wie keine Funde geliefert haben, könnte als Hinweis auf ihre planmäßige Räumung zu werten sein. Dazu passen Nachrichten, daß die sog. akritai (i.e. ,Grenzkämpfer“), die auf den Stratiotengiitern der byzan­ tinischen Themen lebten, wegen des Ausbleibens der jährlichen Bezüge Ende des 13. Jahrhunderts abzogen153. Anfang des 13. Jahrhunderts ist aus Milet Ta Palatia geworden. D er Namens­ wechsel deutet auf eine durchgreifende Zerstörung, vielleicht sogar einen Bevöl­ kerungswechsel134. Die Häfen waren versandet, die Deltafront verlief längst west­ lich der Stadt, ein eingeschränkter Hafenverkehr war nur noch mit Booten mög­ lich. Dennoch blieb Milet bis ins 14. Jahrhundert Bischofssitz und gehörte dann zu den Seldschukenemiraten von Aydin und später der Mentese von M ilas155. Eine Quelle des frühen 15. Jahrhunderts bezeichnet Balat als „kleine Stadt ohne

147 Verf., Atene (K öln 1993) 71 ff.; Merle K. Langdon, The mortared towers of central Greece: an attic supplement, in: BSA 90 (1995) 4 7 5 -5 0 3 , Taf. 5 0 -5 7 . 148 Vgl. Müller-Wiener a.O . (1961) (Anm . 139) 22 f. (2 Türm e westl. Kadikalesi); 56 f. (Türme an der Straße zwischen Prienc und Gümclezköy). Allein am Bafa-See verzeichnet die Karte des Latm os von W. v. M arces 9 isolierte byzantinische Türm e: Theodor Wiegand, Milet III 1. Der Latm os (Berlin 1913) Kartenbeilage. Von diesen behandelt Wiegand, ebda. 83 ff. nur die Turm burg von M ersinet (ebda. S. 83, Abb. 108, Beilage 5 nach S. 72), die einen Kamin besitzt, sowie ein entwickelteres Kleinkastell (13. Jh .?) bei Kapikcren (ebda. S. 8 4 ff., Abb. 1 09-112). 149 Zu diesen: Ernst Werner, Die G eburt einer G roßm acht - die Osmanen (1 3 0 0 -1 4 8 1 ). Ein Beitrag zur Genesis des türkischen Feudalismus (Berlin 31978) Index s.v. A km ci; Suraiya Earoqhi, Geschichte des osmanischen Reiches (M ünchen 2000) 24. 1:10 Z ur Pronoia P eter Wirth , G rundzüge der byzantinischen Geschichte (D arm stad t31997) 8. 1;>1 Wirth, a.O . 110, mit Karte im Anhang „Byzanz im Zeitalter der Komnenen“. Johannes II. Komnenos gelang es im 12. Jh. sogar kurzzeitig, das byzantinische Reich erneut bis A ntiocheia auszudehnen. D er Rückschlag erfolgte Mitte des 13. Jhs.: Wirth, a.O . 133. 152 Näheres Verf. (1995) 326 ff. 1.3 Paul Wittek, Das Fürstentum Mentesche, in: IstM itt 2 (1934) 17. 1.4 Wittek, ebda. 130. 155 Wittek, ebda. 2 4 ff.

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Mauern mit einer zerstörten Burg“156. D er Abstieg zu einem bedeutungslosen D orf der osmanischen Zeit ist vorgezeichnet. Im Zuge einer Sedentarisierungspolitik der osmanischen Sultane157 wurde wahrscheinlich im 16. Jahrhundert Akköy gegründet, doch die typischen (^iftliks, die seit dem 18. Jahrhundert aufkommen, fehlen. M it der Ankunft von Griechen und Arvanites v o m Festland und den Inseln im Laufe des 18. Jahrhunderts, die bereits 1924 im Zuge des sog. Bevölkerungsaustausches wieder verschwanden158, erfolgte auch ein Wandel der Siedlungsstruktur. Denn sie siedelten nicht nur in Dörfern wie A kköy159, Jeronda und Akbük, sondern vornehmlich in zahlreichen, locker verstreuten Einzelgehöften, sog. Damia, von denen die Wilski-Karte eine große Anzahl verzeichnet160. Häufig bestehen die Wohngebäude nur aus zwei Räumen und verraten einen äußerst bescheidenen Lebensstil, wurden aber offen­ sichtlich ganzjährig bewohnt und dienten nicht nur wie heute als Unterkünfte während der Erntezeit. Die meisten fielen nach dem griechisch-türkischen Krieg von 1921/23 in Trümmer, soweit sie nicht von den Flüchtlingen aus Bulgarien reokkupiert wurden, die man nach 1924 hier ansiedelte161. Unter großen Anstren­ gungen verbesserten die Neusiedler die ländliche Infrastruktur durch gepflasterte Straßen, Kuppelzisternen, Brunnen und Hangterrassierungen, während zahlrei­ che, heute allerdings meist restlos zerstörte Kirchen und Kapellen von ihrer Frömmigkeit zeugen.

Zusam m enfassung Menschliche Siedlungstätigkeit im Gebiet des südlichen Ionien hat seit dem späten Chalkolithikum zu tiefgreifenden Veränderungen der natürlichen Umwelt und zur vollständigen Verlandung des Latmischen Golfes geführt sowie gravierende und irreparable Umweltschäden durch Entwaldung und Erosion hinterlassen. Im Laufe einer mehr als fünftausendjährigen Siedlungsgeschichte Milets und der Milesia hat das Verhältnis von Stadt und Land mehrere Phasen höchst unter­ schiedlicher Ausgestaltung durchlaufen. Für die älteste faßbare Besiedlungsphase, das Spät-Chalkolithikum, zeichnet sich vielleicht eine gewisse Vorrangstellung der Siedlung(en) im späteren Stadtgebiet ab. O b Milet in der Frühen Bronzezeit 156 Wittek, ebda. 131. 157 Faroqhi , a.O . (A nm . 149) 78. iss Wiegand, a.O . (A nm . 1 )1 7 . 159 Eine neuzeitliche Inschrift (S 439) aus dem Jahre 1808, die von einem D oppeladler be­ krönt wird und sich auf einem Brunnenstom ion vor der Belediye von A kköy befindet, ist ein wichtiges D okum ent für die Ankunft griechischer Siedler in Akköy. Im Jahre 1914 zählte der O rt 500 ausschließlich griechische Bew ohner: Wiegand, a.O . (A nm . 1) 17. 160 Paul Wilski, Milet I 1. Karte der Milesischen Halbinsel (Berlin 1906) Kartenbeilage. Die Karte ist auch sprachgeschichtlich ein historisches D okum ent, da die Toponym e phonetisch wiedergegeben sind. Sie zeigen viele türkisch-arvanitisch-griechische M ischform en. 161 Wiegand, a.O . (A nm . 1) 17.

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bereits zu einem protourbanen Zentrum aufgestiegen war, ist an Hand der spär­ lichen Befunde derzeit nicht zu entscheiden. Eine überörtliche Funktion mit Aus­ strahlung weit ins Umland darf indes für die mittelminoische Zeit als sicher gelten, für die sich starker minoischer Einfluß, ja minoische Präsenz nur für M ilet selbst klar abzeichnen. Ähnlich ist das mykenische Milet ein Handelszentrum ohne unmittelbar anschließendes Hinterland. Eine mindestens dreistufige Siedlungs­ hierarchie, eine Streusiedlungsstruktur, und ,weltweite“ wirtschaftliche Verflech­ tungen - auch mit den Karern des Hinterlandes - kennzeichnen die archaische Zeit, die große Blütezeit Milets und der Milesia. Zwar steht Milet politisch, kultu­ rell und wirtschaftlich an der Spitze, aber auch das Land verfügt vor allem in seinen Kleinstädten und seinen Fleiligtümern über Kristallisationspunkte von U r­ banität und Kultur. Diese Strukturen erweisen sich als erstaunlich stabil und erlauben eine rasche Erholung nach der Katastrophe von 494 v. Chr. M it dem Hellenismus wächst der Druck auf die Ressourcen, mit der milesischen Flochebene werden die letzten Landreserven mobilisiert. Immer noch spielt das Land eine wichtige Rolle für die Stadt. Dies ändert sich in der römischen Kaiserzeit, in der die Besiedlung des Landes stark zurückgeht. Wie sich die große städtische B e­ völkerung des kaiserzeitlichen Milet eigentlich ernährte, bleibt unklar. Mit der frühbyzantinischen Renaissance kehrt sich das Verhältnis um, jetzt scheint die Milesia geradezu ein Übergewicht gegenüber der Stadt zu gewinnen. D och bereits in mittelbyzantinischer Zeit zieht sich die Besiedlung ganz auf die Stadt zurück, die indes ihren urbanen Charakter noch nicht völlig verloren hat. Der Versuch, im 12./13. Jahrhundert erneut die Kontrolle über das Land zu gewinnen, bleibt Epi­ sode, von der heute nur noch einige byzantinische Turmburgen zeugen. Die seldschukische Landnahme hinterläßt im Umland Milets keine Spuren, während die Stadt ihr Gesicht grundlegend wandelt. Die neue Bautätigkeit im islamischen Milet folgt nicht mehr dem alten sog. hippodamischen Raster, Milet ist eine orien­ talische Siedlung geworden. Nur der Name Balat erinnert noch an früher.

Sum m ary Since the late Chalcolithic period human settlement in southern Ionia contributed considerably to profound changes in the natural environment, leading especially to the complete silting-up of the former Latmian Gulf and provoking serious and mostly irreparable damage by deforestation and erosion. In Miletus and the Mile­ sia five thousand years of settlement history produced several phases of consider­ able change in the interrelation between town and countryside. During the first phase of human occupation, i.e. the Late Chalcolithic period, the area of what later became the town of Miletos seems to have enjoyed a certain predominance. Whether the town already had achieved the status of a proto-urban centre in the Early Bronze Age is difficult to ascertain due to the scarcity of datable finds; for the Middle Minoan period, however, we are entitled to assume a definite prepon-

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derance over the entire region since there are clear indications of strong Minoan influence, indeed of a Minoan presence. Mycenaean Miletos, on the other hand, shows a different pattern in that it was evidently inhabited by Greeks from main­ land Greece without being an agricultural colony in the traditional sense. Follow ­ ing the first destruction by the Plitthite king Mursili II in 1316 B.C. Miletos seems to have come under strong Anatolian influence while in its neighbourhood no relics from this period have been found so far. The so-called Ionian migration initiated a new era in which Miletos became one of the leading towns oi Archaic Greece, almost equal in rank to Athens. A tripartite settlement hierarchy as well as ‘worldwide’ economic relations - very much also with the Carian population in the mountanous regions east of Miletos - characterise the Archaic period as a time of prosperity both for the town and its ‘chora’. While Miletos itself maintained its outstanding position politically, economically and culturally, the townships and sanctuaries of the chora may equally be regarded as significant centres of culture and urbanity. Indeed, these settlement patterns turned out to be astonishingly stable and possibly contributed to the fast recovery of Miletos from the desaster of 494 B.C . In the course of the Hellenistic period pressure on the natural resources increased heavily leading to the mobilization of the last land reserves on the socalled Stefania plateau. At this time the countryside still played an active and im­ portant role as a partner of the town, but everything very quickly changed during the period of the Roman empire when the countryside became depopulated, at least partially. It is difficult to imagine by what means the evidently large popu­ lation of Roman Miletos provided for its living. In the renaissance of the chora during the Early Byzantine period the interre­ lation of town and countryside seems reversed; the Milesia now shows itself to be more powerful economically than the town. However, after the collapse following the Arab invasion of Asia Minor in the middle of the 7th century A.D. and es­ pecially after the destruction of Ephesos in 653 A.D. the population withdrew be­ hind the walls of Miletos which during the Middle Byzsnzinr period somehow managed to retain its former urban character. M iletos’ attempt, during the 12th and 13th centuries, to regain control of the countryside by means of towered farmsteads is no more than a short-lived episode. At about 1300 A.D. the Milesia must have become Seljukian territory although modern survey techniques failed to indicate any traces of its occupation by Seljuk tribes. At the same time the mu­ nicipal area of Miletos was completely changed. Building activity in Islamic M ile­ tos no longer followed the principles of the classical Hippodamian system: Mile­ tos had become an oriental town. Already in the 12th century A.D. habitation was limited to the Kale Tepe and by the early 13th century the name had changed to Ta Palatia from which the modern Turkish name Balat is derived.

Stellungnahmen

H ans-Joachim G ehrke Die Thematik „Chora und Polis“ läßt sich - methodologisch gesehen - zuspitzen auf die Frage nach den Möglichkeiten historisch-archäologischer Oberflächenun­ tersuchungen, von sogenannten Surveys. In der Planung und Durchführung der Tagung ist das deutlich geworden, denn sie bestand im wesentlichen aus der Präsentation und vergleichenden Diskussion entsprechender Forschungen in verschiedenen Regionen der antiken, griechisch-römischen Zivilisation. Diese Präsentationen, zum Teil erstmalig, zum Teil aktualisierend, zum Teil zusammen­ fassend, machten hinreichend deutlich, daß die Grunclaniorderung an die Surveymethodik, nämlich zu verhindern, daß die oberflächigen Untersuchungen ober­ flächlich bleiben, überall beachtet wurde und daß ein ausgeprägtes Methoden­ bewußtsein die Arbeiten leitete. Mit diesen positiven Bemerkungen eines .Zaun­ gastes“, der zudem noch mit faszinierenden Ergebnissen überreich beschenkt wurde, könnte meine Stellungnahme enden. Nun lebt Wissenschaft aber von den offenen Fragen, weniger von den ,abge­ hakten“ Resultaten. Deshalb soll hier vor allem eine Problemanzeige gegeben wer­ den. Diese ist nicht primär im Sinne einer Kritik zu verstehen, zu der mir im ein­ zelnen auch die Kompetenz fehlen würde. Sie soll aber auf einige Schwierigkeiten und Lücken hinweisen, die selbst dann auftauchen, wenn das Geschäft des „sur­ veying“ und efer landeskundlichen Analyse auf höchstem Niveau betrieben wird. Dabei geht es um zwei Bereiche, um die Frage der Arbeitsmethoden selbst (I.) und die damit zusammenhängende Problematik der historischen Deutung (II.).

I. Bekanntlich gibt es, auch wenn man sich auf die hier gewählte Thematik, also das Verhältnis von Umland und Stadt, konzentriert, ganz unterschiedliche Formen und Typen von Surveys. Eine grobe Unterteilung ist die nach dem Grad der Bege­ hung, also in extensive und intensive Surveys. Die Wahl zwischen beiden Varian­ ten ist häufig nicht von der Materiallage oder den Rahmenbedingungen her be­ stimmt, sondern resultiert aus einer Grundsatzentscheidung, die zudem nicht sel­ ten mit pragmatischen Gesichtspunkten, z.B . den Möglichkeiten der Finanzie­ rung, zusammenhängt.

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Extensive Surveys haben - so zeigte sich auch hier - durchaus ihre Berechti­ gung, sind allerdings in besonderem Maße auf das Arbeiten mit Modellen ange­ wiesen und kommen zu weiterführenden Ergebnissen in der Regel nur, wenn er­ hebliche Informationen aus anderweitigen Quellen, etwa Inschriften, Münzen, Reiseberichten zur Verfügung stehen. Der Standard, der sich immer mehr durch­ setzt, ist der des intensiven (Raster-)Surveys, der den meisten der präsentierten Fällen zugrunde lag. Es versteht sich von selbst, daß die Ergebnisse, die in der extensiven wie der intensiven Vorgehensweise erzielt werden, nicht ohne weiteres, ja nur mit erheblichen Vorbehalten kommensurabel sind, auch wenn sie immer wieder verglichen werden bzw. - faute de mieux - verglichen werden müssen. Damit ist bereits ein zentraler Punkt angesprochen, denn die Vergleichbarkeit ist auch bei den intensiven Surveys ein wesentliches, wenn nicht das Kardinalpro­ blem. Auch sie sind derzeit oft nur bedingt wirklich vergleichbar, und das macht es ungemein schwer, Aussagen zu treffen, die über die untersuchte Region hinaus Geltung haben. Die Tagung hat dies mit dem Spektrum der verschiedenen A r­ beitsfelder und -methoden in aller wünschenswerten Deutlichkeit gezeigt. Die mangelnde Vergleichbarkeit resultiert zum einen schon aus Gegebenheiten, die der Forscher nicht in der Hand hat (und die im übrigen eine generelle H ypo­ thek der Surveyarbeit bedeuten): Die Fundchancen sind auf Grund diverser geomorphologischer (besonders Alluvion) und edaphischer Prozesse ganz unter­ schiedlich. Die Grundfrage, wieweit das, was gefunden wurde, repräsentativ ist, stellt sich bei verschiedenen Surveys deshalb in sehr unterschiedlicher Weise. Fer­ ner ist das Fundmaterial selbst vor allem auf Grund der späteren Nutzungsformen sehr different. Es gibt einen geradezu idealtypischen Gegensatz zwischen Keramik- und Architektursurveys. Diese Unterscheidung ist natürlich recht grobschlächtig, doch gibt es in der Tat erhebliche Differenzen zwischen Surveys, die vornehmlich auf die Keramikfunde und deren Auswertung angewiesen sind, und anderen, die auf so viele noch oberirdisch sichtbare architektonische Überreste stoßen, daß diese und deren Auswertung im Zentrum stehen. Es liegt auf der Hand, daß die Vergleich­ barkeit derartiger Surveys als solche ein Problem darstellt. In der Präsentation und Diskussion während der Tagung ist das auch sehr deutlich markiert worden. Differenzen entstehen zum anderen dadurch, daß Surveys unterschiedlich an­ gelegt und konzipiert werden, genauer gesagt, daß die Arbeitsweise, mit der man der methodischen Grundproblematik des Surveys begegnet, zwischen den ver­ schiedenen Wissenschaftlern differiert. Das erstreckt sich auch auf die Auffassung über Kriterien der Datierung oder die Zuverlässigkeit statistischer Verfahren. Bei­ des ist naturgemäß verquickt, da im Idealfalle jedes Team das angesichts der Rah­ menbedingungen im Untersuchungsgebiet und der zu erwartenden und wirklich eintretenden Funde bestgeeignete methodische Instrumentarium wählt. Das führt aber zwangsläufig zu Ergebnissen von sehr unterschiedlicher Aussagekraft, was Korrelationen der Resultate erheblich erschwert. Dies wirkt sich schon bei der unmittelbaren Deutung aus, nämlich bei der elementaren Frage nach dem Datum und der Funktion der wichtigsten Fundkomplexe, also von Scherben und Funda­

Stellungnahm en

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menten bzw. Gebäuderesten. Wo sich innerhalb eines Surveys beide Gruppen in Beziehung setzen ließen, ergaben sich Beobachtungen, die geeignet sind, Schluß­ folgerungen zu relativieren, die sich nur auf eine der Gruppen beziehen. Das ist eine deutliche Problemanzeige. Ähnliches gilt nicht zuletzt für die Fragen der Diachronie, für die Dauer der B e­ siedlung an einem bestimmten Platz bzw. in einer bestimmten Gegend und die Frage des Wandels, von Kontinuität und Siedlungsabbruch. Gerade die besonders gut und methodisch behutsam untersuchten Regionen vermitteln das Bild oft sehr unterschiedlicher Raumnutzung über die Jahrhunderte und Jahrtausende hin. Wo es manchmal andere Ergebnisse gibt, wird zunächst zu fragen sein, ob dies die vergangene - Realität widerspiegelt oder nur die unterschiedlichen Fundchancen und Arbeitsweisen. In Fragen der Diachronie ist naturgemäß das Verhältnis des Surveys zur Gra­ bung gefragt. Es ist offensichtlich, daß die Ergebnisse eines mit einer Grabung verbundenen und die eines ,reinen“ Surveys nicht ohne weiteres kommensurabel sind. Es herrscht aber auch keine Einigkeit darüber, wieweit die Verbindung bei­ der Forschungsmethoden gehen soll und wie die Vergleichbarkeit einzuschätzen ist. Unabhängig davon ist - jedenfalls aus der Sicht des Verfassers dieser Zeilen im Verlauf der Tagung deutlich geworden, was fehlt oder andersherum erreicht wird, wenn auf Grabungen verzichtet wird oder nicht. Hinzu kommt, daß häufig ebenfalls schon auf der ersten Stufe der Befundinter­ pretation auf Parallelen zurückgegriffen werden muß, die lediglich in einer ande­ ren Region belegt sind, etwa Formen von Fläusern, Gefäßtypen usw. Abgesehen davon, daß die gleiche oder ähnliche Form nicht zwangsläufig dieselbe Funktion indiziert, wird durch ein solches - für die Einzeldeutung oft unerläßliches - Ver­ fahren auch die Vergleichbarkeit relativiert: Die Ergebnisse, die man miteinander in Beziehung setzt, sind ja nicht unabhängig voneinander gewonnen; Zirkel­ schlüsse liegen nahe. Generell ist allerdings zu konstatieren, daß die hier präsentierten Untersuchun­ gen auf die beschränkten Aussagemöglichkeiten, die ein Survey als Prospektionsmethode an der Oberfläche hat, in vielfältiger Weise reagiert haben, nicht allein durch kleinere Kontrollgrabungen und die Kooperation mit größeren Grabungen in oder nahe dem Arbeitsgebiet oder etwa die Anlage parallel gelagerter Untersu­ chungen in verschiedenen Regionen. Die Begehungen waren durchweg flankiert durch die Heranziehung aller anderen Informationsmaterialien, von den traditio­ nellen Quellen bzw. dem gesamten Instrumentarium der klassischen Landeskunde bis hin zu modernsten Methoden geowissenschaftlicher Forschung und Prospek­ tion. Faßt man alles zusammen, so bleibt eigentlich nichts zu wünschen übrig außer vielleicht einer systematischen Flur- und Ortsnamenforschung, über deren möglichen Ertrag man freilich nicht überall sehr optimistisch sein darf, oder weitere naturwissenschaftliche Analysen im Bereich der Paläobotanik und Geophysik, de­ ren Anwendung allerdings an bestimmte physische Voraussetzungen geknüpft ist. Allerdings finden sich die Methoden nicht überall in der gleichen Weise. Dies wird in der Regel auch nicht möglich sein, und nicht an jedem O rte ist das gesamte

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Instrumentarium verfüg- oder anwendbar. Dennoch sollte an der Vergleichbarkeit auch der Standards gearbeitet werden, damit die Vergleichbarkeit von Resultaten erleichtert wird. Der Survey als Methode würde manchmal den improvisierenden Charakter verlieren, den er gelegentlich noch immer hat. Gerade vergleichende Betrachtungen wie die auf dieser Tagung, die unterschiedlich systematisierte P ro­ jekte konfrontierte, könnten und sollten dazu beitragen, daß die Standards gleich­ sam kalibriert werden. Das wird nie bis ins letzte, also im Sinne der exakten Wis­ senschaften, möglich sein, aber doch innerhalb gewisser Bandbreiten. Man würde dann nicht mehr - wie jetzt noch sehr oft - Apfel mit Birnen vergleichen, sondern wenigstens nur noch verschiedene Apfelsorten. Gerade die Methoden- und B e­ fundvielfalt, die auf dem komplexen Felde der historischen Landeskunde und Landschaftsarchäologie herrscht, zwingt zu einer solchen Standardisierung. Darüber hinaus ist dies alles besonders wichtig, weil erst schlüssige Vergleiche spezifizierte Aussagen größerer Reichweite erlauben. Solche stehen häufig am Schluß der Untersuchungen, beruhen aber oft auf unterschiedlich tragfähigen Grundlagen. Das gilt besonders für allgemeine Deutungen, schon bei den belieb­ ten Feststellungen darüber, was die Regel und die Ausnahme ist. Der Blick auf die präsentierten Ergebnisse scheint bis jetzt vor allem eine Schlußfolgerung nahezu­ legen: Die siedlungsgeschichtliche (und damit auch sozioökonomische) Konstel­ lation erscheint jeweils desto komplexer, je intensiver und in den Methoden plu­ ralistischer gearbeitet wurde. Die Frage nach der Generalisierung bzw. der Generahsierbarkeit stellt sich jedenfalls angesichts solcher Befunde verstärkt. Damit sind wir definitiv bei dem Problem der weiterführenden Deutungen angelangt.

II. Auf Grund meiner Kompetenz und Profession stehen hier historische Deutungs­ ansätze im Vordergrund, und zwar solche, die auch beim Initiator und den mei­ sten Teilnehmern dominierten. Es geht primär um Bereiche der Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur, um die politische und soziale Organisation des Raumes. In ­ sofern ist das hier verfolgte Anliegen nur Teil eines größeren Forschungszweiges, dem sich unter dem Stichwort ,Mensch und Raum“ auch noch andere Felder legi­ timerweise zuordnen ließen, etwa die Frage nach Raumvorstellungen im Kontext mit - in der Regel - religiös fundierten Naturvorstellungen. Freilich setzen solche und ähnliche Analysen die Grundlagenforschung auf den hier behandelten Gebie­ ten in der Regel voraus. Eis geht also darum, das ,Material', also die Resultate der Surveys, die Scherben, die Hausgrundrisse, die Inschriften, die Luftbilder und Satellitenbefunde, zu nutzen, um zu historisch relevanten Aussagen zu gelangen, die Ergebnisse der Surveys und der sie flankierenden Untersuchungen gleichsam als Quellen zu be­ handeln. Das vorgegebene Thema bildeten - auch in dieser Orientierung - die Land-Stadt-Beziehungen in der Antike. Die dabei gewonnenen Interpretationen

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bezogen sich vor allem auf Fragen der politisch-administrativen Organisation, der wirtschaftlich-sozialen Ordnung und der Raumgestaltung insgesamt. Die öffentlichen Infrastrukturen und generell der Charakter des politischen Sy­ stems (im .klassischen1 Bezugsfeld von Monarchie, Aristokratie und Demokratie) wurden in vielen Projekten thematisiert, die Befunde mit den politischen Rah­ menbedingungen korreliert. Naturgemäß waren in Fragen von Verfassung und Administration die traditionellen Schriftquellen ausschlaggebend. Gerade hier aber könnten Surveys Informationsgewinne (über Neutunde von Inschriften hin­ aus) verzeichnen, wenn es gelänge, aus bestimmten Architekturformen und urbanistischen Konfigurationen, aber auch aus Fundinventaren von Siedlungen und Nekropolen zusätzlich Anhaltspunkte zu erarbeiten, die zweifelsfrei oder doch mit angemessener Plausibilität bestimmte politisch-administrative Zustände indi­ zieren. Hierauf wird zum Teil sehr viel Mühe verwendet, und so sind methodisch gut abgesicherte Ergebnisse zu verzeichnen. Dennoch bleibt häufig noch offen, was die Befunde allein im Flinblick auf das politisch-soziale System aussagen und ob sich solche Zustände mittels Korrelation und Abgleich irgendwann auch dort er­ mitteln lassen, wo keine schriftlichen Zeugnisse vorliegen. Erheblichen Erkenntnisgewinn liefern die Arbeiten durchweg zur Siedlungs­ struktur, aber auch - vor allem wenn noch Inschriften hinzukommen - zur Raum­ ordnung der jeweiligen Landschaft, einschließlich ihrer religiös-kultischen G e­ staltung. Deutlich kristallisieren sich Charaktere und Erscheinungsformen von Zentren und Subzentren heraus, und das komplette System der Landnutzung wird deutlich. Auch hier muß oft auf siedlungsgeographische Modelle zurückge­ griffen werden. Dies erscheint allerdings keineswegs als Manko, vielmehr könnte es sogar die Vergleichbarkeit der Ergebnisse fördern, wenn diese explizit auf entsprechende Modelle bezogen würden - die sich dann auch gegebenenfalls verfeinern ließen. Solche Verfahren könnten insbesondere die Aussagefähigkeit extensiver Surveys vergrößern. Freilich ist gerade hier immer wieder zwischen Regel und Ausnahme zu differenzieren. Eben deshalb aber gilt: Die Bestimmung von Üblichem und Abweichungen setzt den Bezug auf Typisierungen und damit die Modellbildung voraus. Die Suche nach der Siedlungsstruktur, gerade in ihrer Differenziertheit und Hierarchie, ist sehr wichtig für die Beurteilung der ökonomischen Zustände. Auf dieses Gebiet haben sich verschiedene Arbeitsgruppen besonders konzentriert. Neben der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Stadt und Umland selbst und durchaus im Zusammenhang mit ihr - bildete gerade die Klassifizierung und Beurteilung des Wirtschaftslebens ein wesentliches historisches Thema. Die Beobachtungen und daran angeknüpften Deutungen gaben ein durchaus ambivalentes Bild. Einerseits entstand der Eindruck deutlicher Differenzierung und Arbeitsteilung: ,Reine“ Städte haben Zentralortfunktionen auch im wirt­ schaftlichen Bereich, als Stätten intensiver Produktion auf handwerklichem G e­ biet und Plätze von Handel und Austausch, Funktionen, die zum Teil auch in größeren Dörfern, also in Subzentren, nachzuweisen sind. Die landwirtschaftliche

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Tätigkeit wird im wesentlichen auch von den Bewohnern des Landes ausgeübt; diese sind nicht stadtsässig, sondern leben in Subzentren und vor allem kleineren Siedlungen, Einzel- und Turmgehöften im ländlichen Bereich. Andererseits haben wir uns womöglich zum Teil recht große Städte vorzustellen, in denen nicht unbe­ trächtliche Mengen von Dung produziert wurden oder vorhanden waren und eine stark bäuerlich geprägte Bevölkerung lebte. Überhaupt werden auch „agrotowns“ im Sinne von M. I. Finley angenommen. Gerade an diesem Beispiel wird die momentane Grundsatzproblematik beson­ ders deutlich. Die erwähnten Deutungen zeigen große Nähe zu der alten, immer wieder erneuerten und nach wie vor diskutierten Kontroverse zwischen Moderni­ sten und Primitivisten (ich stelle das hier zur schärferen Profilierung des Problems einmal so grobschlächtig nebeneinander). Nicht immer ist klar, ob die erwähnten Deutungen, die sich ja durchaus diesen Positionen zuordnen lassen, Ergebnis der Einsicht in den Zwang der Befunde sind oder eher von der grundsätzlichen, als Ausgangshypothese dienenden Position her zustande gekommen sind. Es ist klar, daß mit der Entscheidung in dieser Alternative auch die Aussagekraft der Ergeb­ nisse unmittelbar verbunden ist. Nach den Untersuchungen, deren Ergebnisse während der Tagung präsentiert wurden, gibt es deutliche Indizien für die hohe Bedeutung des Handels mit Agrarprodukten, nicht zuletzt mit Oliven - und an­ dererseits Hinweise darauf, daß deren Stellenwert nicht überschätzt werden sollte. Gut denkbar ist natürlich, daß beides gegeben war, daß wir räumlich und zeitlich zu differenzieren haben und vor allem auch die jeweiligen besonderen Situationen und Konstellationen im Auge haben müssen. Damit sind wir wieder bei dem Pro­ blem der Abgrenzung des Allgemeinen vom Besonderen, der Regel von der Aus­ nahme und bei dem Postulat des angemessenen Standards bzw. der Standardisie­ rung von Surveys. Eine ähnliche Problemlage findet sich auch bei der nicht minder zelebren T he­ matik des Stadt-Land-Verhältnisses. Einerseits zeigten sich, wie schon erwähnt, deutliche ökonomisch-siedlungshierarchische Differenzierungen, andererseits wurden gute Gründe geltend gemacht und eindeutige Beobachtungen angeführt, welche die These von der schieren Ausbeutung des Landes durch die Stadt und ei­ ner entsprechend schroffen Differenz massiv in Frage stellen. Allerdings sind auch hier zum Teil noch deutliche interpretatorische Drahtseilakte nötig, eindeutige Aussagen offenbar nach wie vor schwierig. Eine Mahnung zur Zurückhaltung in Generalisierungen macht sich immer gut. Aber man hat natürlich die Hoffnung, daß die zunehmend intensive Erforschung der chora auch für allgemeine Aus­ sagen bessere Anhaltspunkte liefert. Immerhin ist deutlich geworden, daß die Verschränkung von Stadt und Land gerade in kleineren und dichter besiedelten Polisterritorien bei aller Differenziertheit - und auch unabhängig vom geomorphologischen Relief und dem Hindernis, das dieses für die Kommunikation be­ deutete - sehr groß gewesen ist. Gerade die besonders intensiven und von ihrer Materialbasis und Methodenvielfalt her besonders aussagekräftigen Untersuchungen lehren, daß wir neben regionalen Unterschieden auch zeitliche Differenzierungen zu berücksichtigen

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haben. In diesem Zusammenhang wurden auch die Ressourcen und Nutzungspo­ tentiale von Landschaftsräumen und deren konkrete, auf der diachronen Schiene durchaus divergierende Inwertsetzung deutlich. Man darf wohl sagen, daß die neuen Survey-Unternehmungen gerade auf diesem Gebiet, in der Verzahnung mit den sich ihrerseits methodisch revolutionierenden Geowissenschaften, besonders reichen Erkenntnisgewinn verzeichnen können. Interessante Aussagen über den Umgang mit Landschaften sind möglich geworden, gerade in der Relation zwi­ schen gewachsenen (und unter den gegebenen vormodernen Umständen zum Teil zwingenden) Wirtschafts- und Siedlungsformen einerseits und politisch-sozial bedingten Veränderungen andererseits. Eine unterschiedliche Rhythmik wurde sichtbar und zugleich eine partiell markante Dynamik vor dem Hintergrund von Prozessen der longue duree - die denn doch alles andere als statisch waren. Gerade die diachrone Tiefenschärfe einiger der vorgestellten Surveys machte das sichtbar, und dies demonstriert, wie unerläßlich die epochenübergreifende Perspektive ge­ rade in der landeskundlichen Forschung ist. Deutlich zeigten sich auch Spuren echten Landesausbaus, der zeitweilig ent­ legene Gebiete erfaßte und dort nicht unerhebliche Ressourcen erschloß. Wie man mittlerweile weiß, kann dies bedenkliche ökologische Konsequenzen haben, was aber wiederum auch nicht zwangsläufig ist, da nachhaltiges Wirtschaften prak­ tiziert wurde und gut bezeugt ist. So kann man aber auch bei der ökologischen Bilanzierung auf die Diskrepanz zwischen aus Befunden resultierenden Erklärun­ gen und vorgegebenen und die Deutung der Befunde bestimmenden Erklärungs­ mustern stoßen, also auf die Frage, wieweit die Ergebnisse eher Vorgefaßtes bestä­ tigen. Damit sind wir wieder bei dem Grundproblem, das nun keineswegs nur eines der Survey-Arbeit und -Auswertung ist. Es ist ja ein Grundproblem jeder wissen­ schaftlichen Arbeit, und es stellt sich naturgemäß dort schärfer, wo schwierige und komplexe Fragen mit neuen Methoden angegangen werden. Im Bereich der Altertumswissenschaften ist dies aber unter anderem die historisch-landeskundliche und landschaftsarchäologische Forschung. Sie arbeitet an den Grenzen, dort wo - hier könnte man geradezu sagen: buchstäblich - Neuland gewonnen wird. Zusammenfassend ließe sich sagen: Auf der Tagung präsentierten sich wichtige Projekte, die dieses Neuland beackern. Ihre Grundlagenarbeit besteht primär in der Oberflächenprospektion, dem sog. Survey, den sie vorwiegend in seinen in­ tensiven Varianten betreiben. Die diesem Verfahren inhärenten Schwächen glei­ chen sie in der Regel durch einen ausgeprägten Methodenpluralismus und durch transdisziplinäre Kooperation, verbunden mit zahlreichen flankierenden U nter­ suchungen aus. Diese Arbeitsweise zeitigt in einzelnen Regionen zum Teil höchst beachtliche Ergebnisse, erschwert aber - neben den objektiv gegebenen Voraus­ setzungen - die Vergleichbarkeit der Ergebnisse und damit den Weg zu allgemei­ nen historischen Aussagen. Ohne die Komplexität aufzugeben, müßte man also Standards entwickeln, die Korrelationen ermöglichen oder erleichtern, und A r­ beiten methodisch parallel konzipieren. In diesem Sinne war die Tagung „Chora und Polis“ wichtig. Sie sei zur Nachahmung empfohlen.

Robin Osborne Configuring the landscape C hora a n d Polis was a timely conference. Intensive surface survey has been a major feature of the archaeology of the Greek and Roman Mediterranean for a quarter of a century, and although developing methodology makes close compari­ son of results difficult, survey data from practically every quarter of the Mediter­ ranean is now available for analysis. There have been some previous discussions involving those involved in survey in the Greek east and those involved in the Roman west (as in Barker and Lloyd Rom an Landscapes London, 1991), but on such occasions the Greek east has not extended further east than Greece itself, and material from current-day Turkey has not figured in those discussions. The exten­ sion in the late 80s and 90s of intensive survey to Turkish territory enables a further and, it turns out, rather different perspective to be put upon the Mediter­ ranean landscape in classical antiquity. W hat the conference and these papers made clear is that there is no single model for ancient Greek and Roman exploitation of the landscape, not even a single model for archaeological enquiry into that exploitation. N o reader of these papers can fail to be impressed by what we now know about ancient landscapes and their habitation and use, while at the same time being more acutely aware than ever of the amount that remains unknown, of the activities upon which archaeology sheds little or no light. In the face of the variety of remains and the consciousness that much remains unknowable it is tempting to turn antiquarian, to concentrat­ ing on amassing the data and to avoid generalisations or explicit model-building. In these concluding remarks I want to reflect upon the variety of evidence and the nature of our ignorance, and to make the case for continuing boldly to build mod­ els. It is appropriate that the matadors of the printed page should prove to be con­ vivial companions at the table, but advancing our understanding further depends upon a certain continued academic bullishness.

Varieties o f rem ains, varieties o f landscape Anyone who undertakes archaeological survey in more than one region cannot fail to be struck by the way the type of material encountered in the field varies. A l­ though it is often convenient to contrast ‘ceramic surveys’ with ‘structural’ sur­

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veys, these are but polar ideal types. All surveys can point to some structures and some sherds, but the nature and quantity of structures or sherds varies over even rather short distances (the structure-rich and sherd-poor archaeology of Hans Lohmann’s Atene contrasts with what is to be found in other parts of Attica, not just with the sherd-rich and structure-poor archaeology of John Bintliff’s Thespiai). If we have a tendency to stress that the picture we have comes from one sort of material in one area and another in another, that is in part a product of the prob­ lems in the field with observing different types of material at the same time: look­ ing for sherds and looking for structural remains, like looking for sherds and looking for lithics, demands looking for quite different sorts of features on the ground surface, or in the plough soil. Conventional though it has been not to tell the story, the history of the land­ scape since antiquity is written into the archaeological record. Centuries of arable agriculture have contributed to the structure-poor archaeology of Boiotia, cen­ turies of at most pastoral exploitation of the landscape have contributed to the preserved structures of the archaeology of Kyaneai. But the subsequent history of the landscape is not responsible for the variety of remains. N o amount of ploughing would make the archaeology of Kyaneai or Atene look like the archae­ ology of Thespiai. But had Boiotia been largely abandoned for arable agriculture in the hellenistic period, like Atene, or at the end of antiquity, like Kyaneai, Thes­ piai would certainly look more like those other places. Comparison would be much facilitated and our analysis of varieties of landscape could be much more confident. A scatter of pot and tile and an upstanding structure are in themselves incom­ mensurable; only interpretation makes them comparable. Purist retreat among those who are primarily dealing with ceramics away from the notion of the ‘site’ and towards ‘areas of activity’ or simply ‘places of special interest’, deliberately opens up the gap between the language of the archaeologist and the language of the historian. Important though it is not to jump to conclusions, not to make every scatter in the countryside a farm, it is even more important not to treat every scatter of artefacts in the countryside as alike in its blandness. If we refrain from interpretating the individual scatter, we in fact render the whole landscape unin­ telligible because we bar ourselves from understanding the sample with which we deal. We are always dealing with a sample, and we need to worry, as Bintliff does in his paper here, about the nature of the sample. In a world where the factors poten­ tially affecting the deposition and preservation of archaeological material are myr­ iad, the stratified random sample or probabilistic sample, that seemed so desirable in the early days of survey, has correctly been abandoned as unattainable. One of the key results of the great variety of archaeological landscapes that have been re­ vealed by survey has been to command an open mindedness about what might be possible or probable. Various types of rural function, all of which leave physical traces, are known from written records but nevertheless have rather scant chance of showing up in the archaeological record.

C o n f i g u r i n g the land sc ap e

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We have to face up to the inevitability that there are some aspects of ancient life that survey archaeology is going to be better at illuminating than others. Ironically survey may be particularly poor at illuminating the sorts of religious and funeral activities that have traditionally been well illustrated by excavation. Both Christof Schuler’s and Michael Jameson’s papers in this volume raise the issue of the invisi­ bility of sanctuaries, more inclined to show up in inscriptions than in the field. M ajor sanctuaries and up-standing temples are one thing, but occasional cult ac­ tivity at a numinous location marked out only by nature or temporary structures is another. If different periods and different types of sites have different chances of appear­ ing in the surveyors’ records then functional analysis is as important for our re­ creation of the ancient landscape as is sorting out date. Equally it is only by risking functional analysis that comparison between landscapes where ancient activity is marked today only by sherd scatters can be made comparable to landscapes which today still feature upstanding structures. If we are not prepared to risk such func­ tional classification it is hard to see why it is worth collecting the material in the first place: only if we can connect remains to people can we ask and answer ques­ tions about ancient societies, economies and political and religious units. Archae­ ology is only a humane discipline if it is prepared to make the leap from things to people. Archaeologists sometimes seem to imagine that their evidence is peculiarly fragile, that it is peculiarly problematic to draw conclusions from the material re­ mains about people’s activities, and that there is some virtue in refraining from guessing where one cannot be certain. In fact no sort of evidence enables the his­ torian to be certain about more than some sorts of particulars: autopsy or film clips may reveal that someone was doing a particular thing in a particular place at a particular time, but fully to answer why that person was doing that there then must always remain speculative. N o one can ever build up a social, economic or political history from a complete survey of particulars: evidence for every particu­ lar does not survive even from yesterdav, and if it did no one could ever survey it all. Historians forge their understanding of the past by spotting patterns and then trying to explain why such patterns should occur. Comparison and contrast are the historian’s basic methods. For archaeologists, by contrast, the primary method has been description. Survey archaeology does not lend itself well to description neither the individual artefacts nor the ‘sites’ (Kyaneai excepted!) are much to write home about. But if archaeologists are prepared to hazard classification of their sites (by time, size and function) then survey can offer plenty in the way of patterns for comparison and contrast. Comparison and contrast between different periods of settlement within a survey area has become conventional, what the papers here show is the scope for comparison and contrast between settlement in different areas at the same period. The challenge to the historian is to explain the variety of the patterns that the archaeologist can now point to.

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C op in g w ith K yaneai The survey of the territory around Kyaneai throws up many challenges. Here we have a major central place which is suddenly abandoned, a new political centre that nevertheless fails ever to achieve dominance in terms of population size, an official settlement hierarchy that can be directly compared to patterns of settle­ ment on the ground, and a density of remains that demands an explanatory model of the economy. The abandonment of Av§ar Tepesi is a particular event not itself explicable in comparative terms, but what does and what does not happen in con­ sequence sheds light not just on this territory but on the possible relationships be­ tween central place and surrounding countryside more generally. How did the farmers who had made use of Av§ar Tepesi’s cattle market survive without it? What does the failure of Kyaneai to take over all the functions of Av§ar Tepesi indicate? The tension between the advantages for the wealthy Ermandyberises of antiquity of living on or close to the land that they own and have worked for them and the need to be with other wealthy men in order to maintain influence over the whole political unit are familiar to historians from such events as the Spartan break-up of Mantineia in the 380s (Xenophon H ellenica 5.2.7). The apparent deci­ sion by the elite to base themselves outside the new centre of Kyaneai suggests that in this case tension was resolved in favour of country residence. But why? Is this a feature to be explained in terms of local expectations, in terms of the particu­ lar economy, or related to the degree to which Kyaneai enjoyed an independent or dependent position in a wider world? What particular combination of community aspiration and participation in a wider economic network secured that Kyaneai took on the functions of the political centre but not the cattle market? It is in the economic sphere that the issue of relations with a wider world are most acute. The extraordinary contrast painted in these papers between the terri­ tory of Kyaneai and the Segermes basin demands explanation. Here we have two areas of the Roman empire in both of which both grain and olives could be cultivated. The Segermes basin survey suggests that there may have been some 45 farms of various sizes in 103 square km. In Kyaneai a very comparable area (105 square km.) has yielded, among other things, some 8 large settlements, about 70 smaller villages or hamlets (45 of them in use in Hellenistic-early imperial period, 58 in use in late antiquity), and no fewer than 430 farms (215 of them in use in Hellenistic and early imperial period, about 155 in use in middle and late im­ perial times). However much we fine-tune these figures by positing different recovery rates or casting doubt on contemporaneity there can be no doubt that the exploitation of the landscape in the two regions was quite different. Any picture we paint of the economy of the Roman empire has to allow for the existence of these two comparably sized territories, one supporting a population of perhaps 1600 the other about four times that number. The past history of settle­ ment locally clearly plays an extremely important part in determining the Roman picture: Roman demands interacted with an already densely populated landscape in central Lycia and with an extremely under-exploited landscape in north Africa.

C o n f i g u r i n g the land sc ap e

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But arguably of equal importance were the economic structures that already existed in Lycia: the people of Kyaneai had not been waiting for Rome before en­ gaging with a wider world. One of the things to emerge most clearly from these papers is the inadequacy of interpreting what goes on in a territory in isolation from a wider world. Whether it is the territory of Thasos or of Miletos or of the Bosporan kingdom that we are concerned with, the history of its settlement and exploitation is tied in very tightly to the demands of a wider world. It would be good to think that historians no longer tried to make sense of cities without cast­ ing their eyes, and their thoughts, to those cities’ territories, but archaeologists, as well as historians, as van Andel and Runnels’ B eyond the Acropolis (Stanford, 1987) already rightly insisted, must learn to see those territories as only the begin­ ning of the wider world. The insertion of the individual polis and chora into that wider world was nothing new in the Roman period, as these papers show we can witness it on Thasos and in the territory of Miletos from the archaic period on. But the territory of Miletos again provides a cautionary tale: the response there to the wider world of Roman demand matches neither that of Kyaneai nor that of the Segermes basin. Peter 0rsted ventures some sums in relation to the Segermes basin. If we take his figures for yield from olives, and assume that two-thirds of the territory of Kyaneai was given over to olive production, then Kyaneai would have been pro­ ducing some 560000 litres of oil annually, of which its own population will have consumed some 140000. That area of olives would have demanded some 224000 man days of labour which, over a 90 day season, could be met by just under 2500 people, something over half the adult population. The 420000 litres of surplus oil would have, again on Orsted’s figures, a value of 420000 HS, or 60 LIS per head of population. The remaining one third of the territory, if all, p e r impossibile, given over to cereals might have produced 2 100000 kg of grain, enough to feed 10500 people, on the basis of 112000 man days, which could be met by the same 2500 people working 45 days each. Only with a very uneven distribution of landownership would great wealth be produced in this community, but even when we have scaled down the figures to allow that not all the territory was agriculturally ex­ ploited, these sums suggest both that the sorts of level of population that the archaeology indicates are possible and that sufficient surplus labour would be available to create from local resources the physical structures from which we now know the community. But it also suggests how heavily dependent the thriv­ ing civic life of these central Lycian communities was on the economy of the whole Mediterranean, and perhaps not just Mediterranean, world - and how drastic an effect any disruption to connections with that bigger economy", or simply in its demand for oil, would be. These figures have little chance of mirroring reality. Their value lies in the sorts of connections that they offer between the remains on the ground and the world ot our texts. We need to be able to accommodate both the landscape of archaeol­ ogy and the individuals of history. The challenge remains to accommodate such possible worlds as this and the possible world of Segermes created by Orsted into

374

R obin O sborne

the wider picture. This is not just a matter of balancing supply and demand, al­ though, as 0 rste d himself suggests, that is no small issue. It is a matter of making these patterns of labour talk to the patterns of local social organisation for which we have epigraphic evidence and to the patterns of individual lives, like the life of Ermandyberis, for which we have more or less rich evidence. The last quarter of a century of intensive survey has provided a lot of data, much of it unexpected. Those data are not an end in themselves but a beginning. They give the possibility of answering questions that long seemed unanswerable, but they raise still more questions to which answers need to be sought. Just as the practical issues raised in surveying have demanded the development of new methods in the field, so the data provided by surveys raise theoretical and inter­ pretative issues which demand new methods from the historian. The discoveries of survey can be so stunning, whether individually, like Av§ar Tepesi, or in aggre­ gate (all those spots on all those maps!), that there can be a temptation simply to present those discoveries as an end in themselves. Bringing together survey data from disparate areas gives a sharp reminder that without interpretation those data belong only to the cabinet of curiosities. Only by comparison and contrast, and only by constructing houses of numerical cards to sharpen our perception of dif­ ferences, can we distinguish between local peculiarities and widespread trends, be­ tween the impact of social preferences and the pressures of supply and demand, between the politics of an Ermandyberis and the politics of a Diocletian.

Register Bearbeitet von Martin K rähmer

P e r s o n e n r e g is te r A lexander der G roße 34, 86, 206 A phrodite 179, 182 - Apatina 206 - Limenia 179 - Pandemos 179 - Pontia 179 Apollon 95, 98, 150, 151, 1 5 4 -1 5 6 , 170, 1 73 -1 7 6 , 182 - von D idym a 342, 347 - H orios 180 - Platanistios 176 - Pvthaeus 1 5 6 ,1 7 1 ,1 8 0 Archaenactids 185, 190, 194, 197, 198, 203, 207 Ares 181 - Enoialios 181 Artemis 178 - Iphigeneia 179 Asklepios 173 - Soter 181 Aspourgos 210 Athena 150, 153, 168, 178, 181, 326, 3 3 5 338 - P rom achorm a 155, 183 B in fo rd ,L . X II Bücher, K. X I Charites

178

D em eter 152, 153, 155-157, 1 7 4 -1 7 6 , 1 7 8 180, 182, 183 - Chthonia 154, 180-182 - Thermasia 152, 155, 177-179 D ionysos Melanaigis 179 D ioskouroi 150, 168, 169

Erm andyberis Finley, M. Garnsey, P.

1 5 4 ,1 8 0 ,1 8 1 34, 95, 98

IX , 82, 306, 366 XI

H asebroek, J. X I H ekate 1 7 6 ,1 7 7 ,1 8 1 Helios 153, 179, 182 Fiera 154, 155, 182 - Teleia 181 Herakles 1 5 0 ,1 5 7 ,1 7 3 H erm es 182 H estia 180, 182 H opkins, K. X I lason von Kyaneai 2, 37, 38 Isis 153, 179 K akasbos-Herakles Kirsten, E. X II K ore 176, 183

108

Letoon 34 L e u co n I 1 9 0 ,1 9 1 ,1 9 8 ,2 0 3 MacMullen, R. IX M aeotae 190 Maussolos von Karien 34 M eter O reia 124 Meyer, Eduard X I Meyer, Ern st X II Mithridates VI 207, 208 - Eup ator 207, 209 N ym phen

Eileithyia Iileuthera

2 9 1 -3 0 1 , 372, 374

174

O pram aos von Rhodiapolis

2

376

R eg ist er

Paerisades II 204 - III 206 Pausanias 1 4 8 -1 5 0 , 1 5 2-158, 1 74-183 Perkins, J. Ward X II Perikies von Lim yra 32 Pharnaces II 210 Philipp II 84 Pieket, H . X I Plouton 181 Philippson, A. X II Poseidon 150, 151, 153, 155, 168, 1 7 3 -1 7 6 , 178, 179, 182

Skylla 176, 177 Spartocids 186, 190, 191, 194, 1 9 7-199, 2 0 1 -2 0 4 , 206, 207 Spartocus I 190 Spengler, O . IX Tyche

1 8 0 ,1 8 2

Waelkens, M. X V Weber, M. IX , 306 Wiegand, Th. 325, 326 Zeus 34, 95, 119, 148, 151, 1 5 3-155, 169, 172, 176, 181, 182, 300 - Asklepios 182 - Chthonios 181 - Teleios 181

Radt, W. X V Ramsav, W. M. X II Rostovtzeff, M. IX Sarapis 153, 179 Satyros I 1 9 0 ,1 9 8 ,2 0 1 - 2 0 3

O r ts r e g is te r Achilleion 186 A cra 195 Africa proconsularis 303, 305 Antiphellos 30 Aperlai 30 Apollonia 32 Argolis 148, 149, 153, 155, 156, 158, 162, 163, 174, 179, 249, 255 Arneai 2 8 4 ,2 9 5 ,3 0 0 Arykanda 9 5 ,1 1 0 ,3 0 0 Asarönü 95, 100, 117, 118, 120 Asine 171, 180 Askalon 38 Assesos 335, 338, 340, 346, 350, 351 Atene 370 Athen 100, 147, 157, 171, 340, 343, 360 Attaleia 104, 122, 123 Attika 97, 1 1 6 ,1 4 0 ,1 4 7 , 157, 162, 2 4 9 ,2 5 0 , 255, 347, 357, 370 Av§ar Tepesi 8, 1 2 -1 5 , 22, 26, 28, 30, 3 2 -3 4 , 89, 90, 2 1 6 -2 2 2 , 226, 238, 372 Basento 129, 130, 132, 133, 138, 139 Batae s.v. Patraeus Bayat 106, 107 Bodrum , Halbinsel von X V Boeotien 43, 46, 53, 370

Bonda Tepesi 88, 271, 2 7 3 -2 7 6 , 279, 281, 2 8 3 -2 8 7 , 2 8 9 -2 9 1 , 295, 296, 298, 299, 301 Bosporus 185, 190, 198, 2 0 1 -2 0 3 , 2 0 6 -2 0 8 , 373 Bradano 129, 130, 132, 133, 138, 139 Büyük Av?ar 30, 33, 8 8 -9 1 , 93, 98, 245 Byzanz 38 C epoc 1 8 6 ,1 8 8 ,1 9 0 ,1 9 1 ,2 0 2 Chersonesos 143 Chersonesos of Zeno 186, 195, 197 C ytaeum 195, 197 D ereköy 92, 95, 100, 297, 298 Didyma 149, 152, 155, 175, 180, 340, 342, 347, 348, 352 Dinek Tepesi 289 Eileoi 152, 154, 155, 176, 177, 181 Epidauros 149, 151, 156, 173, 179, 180 Erchia 157, 158 Gölba§i Tepesi 12 Gorgippia 190, 191, 201, 204, 207 Halieis 148-152, 1 5 4 -1 5 7 , 164, 168-174, 180, 181, 249, 255, 257, 258, 261, 2 6 3 -2 6 6

O r ts r e g i s te r

H eraclea Pontica 142, 144, 190, 195, 206 Heracleon 195 Heraklea 144 H erm ion 1 4 8 -1 5 6 , 164, 1 7 0-173, 175-183 H erm ision 186, 195 H erm onassa 186, 190, 192, 197, 199, 201, 204, 206, 207 Histria 85 H oyran 30, 32, 33, 38, 9 0 -9 3 , 98, 216, 226, 234, 245 Isinda 3 2 ,2 2 1 Istlada 8 8 ,2 7 9 Kasserine 41 Kelbessos 1 1 8 -121 K erch-Halbinsel 185, 194, 195, 1 9 9 ,2 0 1 , ■ 203, 204, 206 Keryanda 105 Kimmeris 191, 194 Kirandag 30, 32 Kitanaura 1 1 3 ,1 1 4 K orba 8, 30, 8 7 -9 3 , 95, 98, 216, 217, 226 K orokondam a 186 Kos 179 K rim 84 Kyaneai 1, 2, 5, 8, 9, 13, 15, 26, 30, 3 2 -3 4 , 3 7 ,3 8 , 40, 41, 8 7 -1 0 1 , 117, 119, 1 2 0 ,2 1 1 , 2 1 2 ,2 1 6 ,2 2 1 ,2 2 5 ,2 2 6 ,2 3 0 ,2 3 2 ,2 3 3 ,2 3 8 , 2 42, 245, 248, 370, 372, 373 L abryta 191 Lim yra 12, 1 4 ,3 3 , 8 8 , 9 3 ,9 4 ,9 9 , 117-119, 223, 2 7 1 -2 7 4 , 28 6 , 287, 2 9 1 -2 9 6 , 2 99-301 Lykien 1, 12, 33, 34, 37, 93, 94, 96, 9 8 -1 0 1 , 1 0 3 ,1 1 1 , 114, 120, 1 5 7 ,2 7 5 ,2 7 8 ,2 8 0 ,2 8 3 , 2 8 5 ,2 8 6 ,2 9 0 ,2 9 2 ,2 9 5 ,3 0 1 ,3 0 2 ,3 3 7 ,3 7 2 , 373 Lyrboton K om e 300 Mases 149, 151, 152, 154, 155, 174, 175, 177, 181, 182 Metapont 41, 128, 130, 134, 136, 137, 139, 140, 142, 144 Methana 149, 157, 179, 249, 2 5 2 -2 5 6 , 2 5 9 263, 2 6 5 -2 7 0 Milesia 325, 333, 336, 345, 347, 348, 350, 3 5 2 ,3 5 7 -3 5 9 Milet 3 2 5 -3 2 8 , 3 3 2 -3 3 5 , 3 3 8 -3 4 0 , 343, 3 4 5 -3 5 3 , 355, 3 5 7 -3 6 0 , 373 M yra 30, 38, 88, 93, 94, 97, 117, 119, 273, 274, 2 7 7 -2 7 9 , 2 8 4 -2 8 7 , 296, 298

377

M yrm ekion 186, 188, 1 9 2 -1 9 5 , 197, 198, 2 0 1 - 2 0 5 ,2 0 7 N eapolis 119-121 N ym phaeum 186, 188, 1 9 2 -1 9 5 , 197, 198, 2 0 1 -2 0 5 , 207 O inoanda 2, 98, 105 Olbia 198 O lym pos 2 8 5 ,3 0 1 Pamphylien 1, 103, 104, 107, 111, 12 1 ,3 0 0 , 337 Panticapaeum 186, 1 92-195, 1 9 7-199, 2 0 1 207 Pantanello 130, 132, 133, 135 Parthenion 186, 195 Patraeus 186, 190, 191 Perge 1 0 4 ,1 0 6 ,1 2 4 ,3 0 0 Phanagoria 186, 188, 190-192, 197, 199, 2 0 L 203, 204, 2 0 6 ,2 0 7 Phellos 30, 32, 90, 95, 117, 120, 221 Philanorion 152, 155 Pisidien 103 Porthm ion 186, 192, 1 9 3 ,2 0 4 Puteoli 38 Segermes 303, 305, 306, 308, 314, 316, 318, 320, 3 2 1 ,3 7 2 ,3 7 3 Serede 90 Sindica 190, 191, 198, 203, 204, 208 Sorouda 90 Sparta 151 Taman-LIalbinsel 185, 188, 191, 192, 194, 2 0 1 ,2 0 3 , 2 0 4 ,2 0 6 Tarkankhut-Halbinsel 128 Teichioussa 340, 3 4 2 -3 4 4 , 346, 347 Teimiusa 30, 38, 88, 93, 98, 234 Telmessos 99, 120 Termessos 103-108, 11 0 -1 1 6 , 118-124 Tespili Yayla 288 Tetrapolis 158 Thasos 8 0 -8 2 , 85, 373 Theodosia 1 8 6 ,1 9 0 ,1 9 3 ,1 9 4 ,1 9 7 - 1 9 9 ,2 0 1 , 2 0 3 -2 0 6 Therm asia 153, 177 Thespiae 43, 48, 54, 65, 66, 76, 370 Thorikos 158 Troizen 1 4 9 ,1 7 6 ,1 7 7 Trysa 30, 32, 33, 8 7 -9 5 , 97, 98, 216, 226 Tüse 13, 30, 32, 90, 91, 93, 98, 216

378

R eg ist er

Tyberissos 38, 88, 98 Tyinda 89, 91, 93, 94, 1 17-120 Typallia 1 1 4 ,1 1 5 Tyram ba 1 8 6 ,1 8 8 ,1 9 2 Tyritake 186

Xanthos 14, 22, 30, 33, 34, 93, 94, 97, 99, 116, 117, 119, 120 Zagaba 22 Zephirion 195

S a c h re g is te r Absatzm ärkte 227 absentee landlords 355 A gone 95 A gora 22, 26, 33, 37, 38, 92, 104, 122, 133, ' 150, 1 5 2 ,2 3 8 agrarian tow n 195 agricultural villa 154 agrotow n 306, 3 66 Akkulturation 306, 345, 346 A kropolis 2 2 ,3 0 , 32, 3 3 ,1 4 9 , 1 5 0 ,1 5 5 , 168, 170, 1 7 1 ,2 1 9 , 223, 238 A ltar 93, 147, 150, 152, 154, 168, 169, 171, 174, 175, 1 7 9 ,2 8 1 ,2 8 6 A m phiktyonie 151 Am phitheater 137 Amtslokal 9 2 ,2 8 7 A m tsträger 94, 98 A pollon-H eiligtum 93, 170 Apollon-Tempel 137, 154, 174, 182 Aquädukt 3 0 6 ,3 5 0 ,3 5 1 Arabereinfall 35 4 , 355 Araberkriege 290 Arbeitsteilung 33 A rchont 37, 95, 120 aristocratic families 141 Asklepieion 156, 173, 179 atelier de fabrication d ’ amphores 84, 85 atelier de Phari 83 Athena Assesia-Heiligtum 335, 336, 338 Austausch 365 barley 306 Basilika 38, 40, 89, 243, 2 7 7 -2 7 9 , 290 Bauernhof 2 1 2 ,2 2 3 ,2 3 0 ,3 4 5 Bauholz 348 Befestigung(s) 98, 120 -anlage 117 Bevölkerungs­ rückgang 354 zahl 2 3 4 ,2 8 5 Bibliothek 37

Bischof(s) 40 -sitz 40 Bouleuterion 350 Brunnen 4 1 ,3 5 1 ,3 5 8 Bürgerrecht 97, 98 Bule 37 Buleutcn 295 Burg 9 0 ,9 8 ,2 8 0 ,2 8 1 -anlage 91 -Siedlung 9 0 ,2 1 6 -turm 3 5 5 - 3 5 7 ,3 5 9 burial 129, 1 3 3-135, 138 - plot 64 cattle market 372 cem etery 6 7 ,6 9 ,1 7 7 central place 372 centre, p roto-urban 359, 360 chorion 232 Christianisierung 9, 40 cistern s.v. Zisterne coastal fort 199 coastal site 2 0 1 ,2 0 5 coloni 3 1 5 ,3 1 9 -3 2 1 Com pound 2 1 9 ,3 4 4 ,3 4 5 -anlage 218 consum ption 314, 317, 3 1 9 -3 2 1 country estate 185, 195, 198, 199, 204, 207,

208' cult - activity 371 - of aristocratic families - site 147

138

dasmos 136 D ekaprotie 2 9 5 -2 9 8 dem archos 95 D eme(n) 95, 97, 100, 101, 157, 158 -Zentrum 8 8 -9 2 , 9 4 -9 6 , 9 8 -1 0 0 , D em eter-Heiligtum 169 D emographie 230, 289, 290

Sac h re g is ter

demos 8 7 -8 9 , 9 3 -9 5 , 97, 99, 100, 117, 120 dörfliche(r) - Gemeinde 286 - Niederlassung 286 - Siedlung 89 - Zentralort X D orf 4, 9 1 -9 3 , 97, 100, 103, 1 2 1 ,2 1 3 , 247, 2 7 4 ,2 8 2 ,2 8 7 - 2 8 9 ,2 9 5 ,2 9 7 -3 0 2 ,3 4 7 ,3 4 8 , 358, 365 D ynasten 30, 99 -familie 30 -herrschaft 34 -o rt 226 -Siedlung 9, 12, 15, 33, 34, 216, 217, 219, 221,222 -sitz 3 0 ,3 2 - 3 4 echanges com m erciaux 85 E hren ­ bogen 37 statue 92 Einwohnerzahl 91, 96, 247, 285 Eirenarch 103, 104, 108, 111 Eisenschlacken 38, 92 ekklcsia 137 Elite 3 2 ,3 7 ,1 5 5 ,1 5 6 , grundbesitzende 287 , ländliche 288 , lokale 26 .p olitical 321 , soziale 348 , städtische 145 -familien 292 emporioi 199 Entwaldung 337, 358, 359 epimeletai 202 Erosion 358, 359 Erzlagerstätte 337 eschatia 140 estate 205 Euergeten 95, 295 exploitations agricoles 84, 85 - fortifees par une tour 84 E xp o rt 8 5 ,3 1 8 Fährbetrieb 286 farm 142, 185, 195, 198, 199, 201, 205, 207, 208, 3 0 8 ,3 1 0 ,3 1 5 - 3 1 9 , 370 -house 58, 138, 141, 143 -site 6 3 ,6 7 ,1 5 4 ,1 7 4 -stead 43, 171, 249, 250, 252, 255, 260, 266 Fassadenkammergrab 280

379

Fels­ altar 9 fassadengrab 215, 237, 238 grab 2 3 4 ,2 3 7 ,2 8 7 ferme 80 Fcstung(s) 9, 14, 31, 116, 288, 341, 346 -anlage 98 Feudalismus 357 Fischerei 28 -industrie 38 Fluchtburg 279, 286 Flurm auer 239 fort 2 0 4 ,2 0 5 ,2 0 8 ,2 1 0 fortified settlement 176, 199, 204 fortified site 1 8 5 ,2 0 8 ge basilike 208 G ehöft X , 3, 4, 7 -9 , 1 2 -1 5 , 26, 30, 37, 40, 87, 91, 92, 96, 97, 101, 2 1 1 -2 2 8 , 230, 232, 239, 245, 248, 2 7 4 -2 7 6 , 279, 280, 282 2 8 4 ,2 8 6 - 2 8 9 ,2 9 0 ,3 3 6 ,3 4 0 ,3 4 7 ,3 5 2 , 355, 358, 366 Geldstrafe 1 1 8 ,1 2 2 Gemeindeversammlung 94, 95 ges anadasmos 136 Getreide 4 1 ,1 4 0 ,2 4 5 -anbau 354 G ew erbe­ betrieb 288 viertel 26 goats 3 0 6 ,3 1 4 ,3 1 6 Grab 3 ,8 ,9 ,1 2 ,1 3 ,3 2 ,3 4 , 3 7 ,1 0 0 ,1 1 8 ,2 1 3 , 2 1 5 ,2 3 4 ,2 3 7 ,2 4 7 ,2 7 6 ,2 7 7 ,2 7 9 ,2 8 0 ,3 0 0 , 336, 3 4 4 -3 4 6 , 348, 355 -bau 26, 282, 286, 288, 289 -büße 5, 38, 89, 93, 106, 110 -haus 2 1 5 ,3 0 1 -m onum ent 22, 32 -strafe 112 grain 3 0 6 ,3 1 4 ,3 1 5 ,3 1 8 ,3 7 2 - export 320 - production 3 1 6 ,3 1 9 grave 193 Grenzfestung 1 1 2 ,1 2 0 G roßstadt 325 G utshof 2 1 9 ,3 5 4 gymnasiale O rganisation 34 Gym nasiarch 294, 296 Hafen 38 Flallenbau 92 hamlet 372 Handel(s) 28, 38, 301, 336, 365, 366

380

Register

-Zentrum 359 H andw erker X I I, 92, 96 Hausw irtschaft X I hearth 147 Heiligtum 9, 22, 26, 93, 97, 98, 108, 124, 170, 332, 340, 359 Hellenisierungsprozeß 345 H era-Tem pel 137 Heraklea Tablets 134 H eroenkult 150, 168, 173 H eroon 2 ,3 2 ,8 9 ,1 0 7 ,2 7 6 H errensitz 89, 94, 101, 286, 287 H ippodamisches System 34 H irten 284, 333 -bau 345 -com pound 344 -population 345 -station 340 -unterkunft 225 H o f 91, 213, 222, 227, 230, 239, 277, 279, 283, 345 -arilage 22, 40, 225 H olzw irtschaft 38 (H )orophylakia 120 hydraulic installations 313 Immobiliengeschäft 297 Im port 8 5 ,3 2 1 ,3 3 3 incom e 3 1 6 ,3 1 7 ,3 1 9 ,3 2 0 Jäger

333

Kaiserpriestertum 294, 296, 300 Kalkofen 9 Kammergrab 215 Kapelle 9, 40, 243, 244, 278, 358 Kapitalismus X I katoikia 2 0 6 ,2 0 8 ,2 1 0 Kirche 9, 40, 89, 93, 119, 233, 238, 239, 2 4 3 - 2 4 5 ,2 7 6 ,2 7 8 ,2 7 9 ,2 8 1 ,2 8 9 ,2 9 0 ,3 5 2 , 3 5 4 ,3 5 8 Kleinbauer 347 Kleinstadt 352, 359 Kleinviehhaltung 4 ,4 1 kleroi 144 K loster 352 K om e(n) 33, 40, 87, 91, 9 3 ,9 8 ,9 9 ,1 0 4 , 105, 110, 1 1 2 ,1 1 5 , 1 1 8 ,1 2 1 , 1 2 3 ,1 9 9 ,2 0 1 ,2 3 2 , 2 34, 295, 297, 298, 300, 347 -Zentrum 8, 9, 37, 226, 243, 245, 248 K ryptoportikus 37 Kult 34, 95, 98 -anlage 281

-bau 287 -platz 153, 154, 156 -topographie 9 Kupfer 337 Kurgan 195, 197 labour 314, 316, 3 1 8 -3 2 0 , 373, 374 - cost 3 1 7 ,3 1 9 - force 3 1 5 ,3 1 7 ,3 2 0 labourer 318 land division 127, 136, 142, 144 land plot 1 9 8 ,1 9 9 ,2 0 3 ,2 0 6 Landgemeinde 8 7 ,9 3 ,9 4 ,9 6 - 1 0 1 Landgut 352 Landwirtschaft 230 , verkaufsorientierte 288 Lebensalter 41 Leiturgie 294 locator 3 1 9 ,3 2 0 Mahl­ anlage (M ühle) 211, 283 stein 2 1 4 ,2 8 3 tasse 2 1 4 ,2 8 3 manuring 45, 48, 54, 55, 58, 65, 67 Markt 2 2 1 ,2 8 5 -halle 38 Mauerring 3 8 ,9 8 ,2 8 0 ,2 8 7 Mausoleum 348, 349 Metall 336 -Handel 336 -urgie 337 M etropole 3 4 0 ,3 4 8 ,3 5 2 millstone 250 M odernisten X I , 366 monocultural econom y 320 N ekropole 8, 22, 8 9 -9 1 , 93, 100, 104, 112, 1 1 8 ,1 2 0 ,1 2 2 ,1 5 4 , 17 7 ,1 8 1 , 1 9 7 ,2 3 4 ,2 3 8 , 276, 279, 287, 288, 333, 335, 365 N om aden 4, 9 N ym phenkult 153 38, 41, 285, 289, 314, 317, 320, 321, 373 4, 301 - l a m p e 337 - m ü h l e 282, 354 - p r e s s e 2 8 2 ,3 0 1 ,3 5 4 - P r o d u k t i o n 2 3 0 ,2 4 2 ,2 4 5 ,2 6 6 ,2 8 3 ,2 8 4 , 3 0 1 ,3 1 2 ,3 5 4 o i k i s t e s 136 o i k o s 199 O ikos-W irtschaft X I Öl

-b au m p flan zu n g

Sac h re g is ter

Oliven 140, 225, 289, 306, 3 1 5 -3 2 1 , 366, 372, 373 -anbau 228 -presse 214 -produktion 3 1 4 ,3 1 6 ,3 7 3 O pfer 95 -prozession 98

-

381

estate center 48 sanctuary 138 settlement 45, 46 shrine 150, 153, 171, 172, 174 site 4 3 ,4 5 ,4 8 ,5 5

Paraphylakes 299 pastoral exploitation 370 pastoralism 140 perioikoi 99 peripolion 8 9 , 9 1 ,9 3 - 9 5 ,9 9 , 115, 1 1 6 -1 2 1 , 299 Pfeilergrab 237, 238 Pferde 336 -zuch t 1 4 1 ,3 3 6 phrourion 80, 111, 116, 120, 140, 342 Phylen 100 plot 143 Podium sgrab 346 population 3 1 4 ,3 1 5 - figures 308 - size 3 0 8 ,3 7 2 pressing equipment 266 Pressanlage 3 ,7 - 9 , 12, 41, 91, 92, 211, 213, 2 1 4 ,2 2 5 ,2 2 8 ,2 3 4 ,2 3 9 ,2 4 2 ,2 4 5 ,2 5 0 ,2 7 9 , 2 8 2 ,2 8 3 ,2 8 5 ,2 8 8 gewicht 239, 242 haus 2 7 7 ,2 8 4 price 3 1 4 ,3 2 1 Priester 95 -äm ter 95 Primitivisten X I , 366 production 3 0 8 ,3 1 9 - 3 3 2 ,3 6 5 - of grain 314 Produktivität X , X I profit 318 Prytane 294, 296 Prytaneion 180

sanctuaire , extra-urbain 83 sanctuary 133, 147, 1 4 9 -1 5 1 , 155, 360, 371 , extra-m ural 151, 154 Sarkophag 1 ,5 ,3 7 ,3 8 ,8 9 - 9 2 ,1 0 8 ,1 1 2 ,1 1 7 , 122, 215, 230, 247, 273, 276, 277, 279, 2 8 1 -2 8 3 , 285, 287, 288, 300 Schaf 1 4 1 ,2 8 4 Schlacken 288 -funde 281 Schmied 92 Sedentarisierungspolitik 358 Selbstverwaltung 93 sheep 3 1 4 ,3 1 6 ,3 1 8 shepherd 3 1 5 -3 1 8 shrine s. v. sanctuary Siedlung(s) 7, 8 , kleine (ländliche) 3, 9, 13, 40, 96, 232, 233, 2 4 3 ,2 4 8 ,3 6 6 -abbruch 363 -agglom eration 340 -platz, prähistorischer 12 - S t r u k t u r 12 site haloe 45, 48, 53, 55, 58, 64 sitom etroum enoi 294 Sklaven 38, 140, 230, 336 Spindelpresse 242 Stadiasmos von Patara 112, 114, 115, 123 Stadtmauer 34, 37, 110, 335, 346, 350, 353 Steinbruch 8, 9 Steinmetz 2 8 ,3 8 ,9 2 ,1 1 5 storehouse 147 Streusiedlung 233 surplus 3 1 8 -3 2 1 ,3 7 3 Sympolitie 38, 88, 99, 100, 115, 120

Rathaus 37 rem part 83 Rinder 95, 301 Ringmauer 1 1 3 ,2 8 1 rom anization 306 royal land 201, 2 0 3 -2 0 5 , 207, 208, 210 rural - burial site 70, 76 - cem etery 55 - cult 154, 156, 157 - estate 55, 205

tamiai 294 Tempel 26, 34, 92, 119, 149, 150, 152, 153, 1 5 5 ,1 7 5 ,1 7 6 ,1 7 8 , 179, 181, 1 8 2 ,2 0 6 ,3 2 6 , 3 3 5 ,3 3 7 , 3 4 7 ,3 7 1 -gebäude 9 -grab 37 Terrassen 2 1 1 ,2 2 7 ,2 4 2 ,2 7 7 -komplex 2 1 4 ,2 2 8 ,2 3 9 -kulturen 225 -m auer 3 ,8 ,9 ,1 2 , 1 5 , 2 8 2 , 3 5 8 - W i r t s c h a f t 273

382

Register

Terrassierungsmauer s. v. Terrassenmauer textile production 265, 267 Theater 2 2 ,3 4 ,4 0 ,1 0 5 ,1 7 0 Therm e 3 7 ,9 3 ,2 8 1 , 288, 3 2 1 ,3 4 8 ,3 4 9 ,3 5 2 , 354 tim b re s a m p h o riq u es th a sien s 85 Töpfer 92 -o fe n 335 -w erkstätte 92 Töpferei 28 -Z en tru m 335 to m b 1 3 3-135 trad e 320 Trapetum 279, 283 Tumulus 220 -grab 2 1 5 ,2 1 9 ,2 3 7 Turm 9, 32, 124, 226, 2 8 0 -2 8 2 , 346, 347, 353 -bau 2 7 3 ,2 7 8 - 2 8 0 -gehöft 1 5 ,2 6 ,3 2 ,3 7 ,2 1 5 ,2 2 2 ,2 2 3 ,2 2 5 2 2 7 ,2 2 9 - 2 3 1 ,2 3 3 ,2 4 8 ,2 7 2 , 282, 3 4 7 ,3 4 8 , 360, 366 -haus 2 2 1 ,2 2 2 ,2 2 7 Ü berschußproduktion 225, 289 Ü berseegeschäft 301 Um w eltverbrauch 348 Urbanistik 37

vin

8 4 -8 6

vinaigre

84

viticulture

83, 85

Volksversammlung 40 votive deposit

150

wage 3 1 7 ,3 1 8 ,3 2 0 ,3 2 1 Wasser­ leitung

355 288

Sp e i c h e r

Versorgung 350, 352 W ehrdorf 2 8 0 ,2 8 1 ,2 8 7 ,2 8 8 Weiler 90, 9 1 ,2 1 3 , 232, 274, 275, 282, 288, 290 Wein

3 8 ,4 1 ,9 5 ,2 2 5 ,2 6 6

-anbau 1 4 0 ,2 2 8 -berg 340 -presse 214 230, 242, 245, 284

-P ro d u k tio n

W irtschaft , exportorientierte

230, 301

, m arktorientierte

X , 224, 230, 301

, subsistenzorientierte

X , 4, 224, 290

W irtschafts­ anlage 22 gebäude 9, 212, 213, 222, 277, 347

vicus 3 1 5 ,3 1 6 Vieh­ bauer 219 gehege 9, 40, 211, 214, 225, 226, 279, 284 haltung 91 handel 26 hof 26 W irtsch a ft 26, 28, 284, 290 z u c h t 9 ,4 0 ,1 4 0 ,2 9 0 ,3 4 0 villa 204 - rustica 349 - urbica 204 village 80, 83, 149, 155, 174, 175, 199, 201, 2 0 4 ,2 0 5 ,2 5 2 ,2 5 5 ,3 1 5 , smaller 372

räume 245 well

306

w o rk fo rce yield

315

373

Yiiriiken

4

Zeuskult

174

Ziege

284, 301

Zimm erleute

28

Zisterne(n) 3, 7 -9 , 12, 26, 32, 41, 211, 213, 2 1 4 ,2 3 4 ,2 3 9 ,2 4 5 ,2 7 7 - 2 7 9 ,2 8 1 ,2 8 2 ,2 8 4 , 2 8 5 ,2 9 1 ,2 9 6 , 306, 347, 3 5 4 ,3 5 8

-Wirtschaft

4, 273

Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien 1 Heinrich Lutz, (H rsg .): Das röm isch-deutsche Reich im politischen System Karls V., 1 982, X II, 2 8 8 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 1 3 7 1 - 0 2 Otto Pflanze (H rsg .): Innenpolitische Problem e des B ism arck -R eich es, X II, 1983, 3 0 4 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 1 4 8 1 - 4

vergriffen

3 Hans C onrad P ever (H rsg .): G astfreundschaft, Taverne und Gasthaus im M ittel­ alter, 1 983, X IV , 2 7 5 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 1 6 6 1 - 2 vergriffen 4 E berhard Weis (H rsg.): Reform en im rheinbiindischen D eutschland, 1984, X V I. 3 1 0 S. ISBN 3 - 4 8 6 - 5 1 6 7 1 -X 5 Heinz, A ngerm eier (H rsg.): Säkulare Aspekte der Reform ationszeit, 1 983, X II, 2 7 8 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 1 8 4 1 - 0 6 G erald D. Felclman (H rsg .): Die Nachwirkungen der Inflation auf die deutsche G eschichte 1 9 2 4 - 1 9 3 3 , 1 985, X II, 4 0 7 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 2 2 2 1 - 3

vergriffen

1 Jürgen K ocka (H rsg .): A rbeiter und Bürger im 19. Jahrhundert. Varianten ihres Verhältnisses im europäischen Vergleich, 1986, X V I, 3 4 2 S. IS B N 3 -4 8 6 -5 2 8 7 1 - 8

vergriffen

8 K on rad Repgen (H rsg.): Krieg und Politik 1 6 1 8 - 1 6 4 8 . Europäische Problem e und Perspektiven, 1 9 8 8, X U , 4 5 4 S. IS B N 3 - 4 8 6 -5 3 7 6 L -X

vergriffen

9 Antoni M gczak (H rsg .): K iientelsystem e im Europa der Frühen Neuzeit, 1 9 88. X , 3 8 6 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 4 0 2 1 -1 10 E berhard K olb (H rsg .): Europa v o rd e m Krieg von 1870. M ächtekonstellation K o n flik tfeld er- K riegsausbruch, 1 987, X II, 2 1 6 S. IS B N 3 - 4 8 6 -5 4 1 2 1 - 8 11 Helmut G eorg K oen igsberger (H rsg .): Republiken und Republikanismus im Europa der Frühen N euzeit, 1 988, X II, 3 2 3 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 4 3 4 1 -5 12 Winfried Schulze (H rsg .): Ständische G esellschaft und soziale M obilität, 1988, X , 4 1 6 S. IS B N 3 - 4 8 6 -5 4 3 5 1 - 2 13 Johan n e Autenrieth (H rsg .): R enaissance- und H umanistenhandschriften, 1988, X II, 2 1 4 S. mit Abbildungen ISBN 3 -4 8 6 -5 4 5 1 1 -6 14 Ernst Schulin (H rsg .): Deutsche G eschichtsw issenschaft nach dem Zw eiten W elt­ krieg ( 1 9 4 5 - 1 9 6 5 ) , 1989, X I, 3 0 3 S. IS B N 3 - 4 8 6 -5 4 8 3 1 - X 15 Wilfried Barrier (H rsg .): Tradition, N orm , Innovation. Soziales und literarisches Traditionsverhalten in der Frühzeit der deutschen Aufklärung, 1 989, X X V , 3 7 0 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 4 7 7 1 -2 16 Hartmut Boockm ann (H rsg.): Die A nfänge der ständischen Vertretungen in Preu­ ßen und seinen Nachbarländern, 1 992, X , 2 6 4 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 5 8 4 0 - 4 17 John C. G. Röhl (H rsg.): D er Ort K aiser W ilhelm s II. in der deutschen G eschichte, 1 9 9 1 , X III, 3 6 6 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 5 8 4 1 - 2

vergriffen

Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien 18 G erhard A. Ritter (H rsg.): D er Aufstieg der deutschen Arbeiterbew egung. S ozial­ demokratie und Freie G ewerkschaften im Parteiensystem und Sozialm ilieu des K aiserreichs, 1990, X X I , 461 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 5 6 4 1 - X 19 R oger Dufraisse (H rsg.): Revolution und G egenrevolution 1 7 8 9 -1 8 3 0 . Zur gei­ stigen Auseinandersetzung in Frankreich und D eutschland, 1991, X V III, 2 7 4 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 5 8 4 4 -7 2 0 Klaus Schreiner (H rsg .): Laienfröm m igkeit im späten Mittelalter. Form en, Funk­ tionen, politisch-soziale Zusam m enhänge, 1992, X II, 411 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 5 9 0 2 - 8 21 Jürgen Miethke (H rsg .): Das Publikum politischer Theorie im 14. Jahrhundert, 1 992, IX , 301 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 5 8 9 8 - 6 2 2 D ieter Simon (H rsg .): E herecht und Fam iliengut in Antike und Mittelalter, 1992, IX , 168 S. IS B N 3 -4 8 6 -5 5 8 8 5 - 4 23

Volker Press (H rsg .): A lternativen zur Reichsverfassung in der Frühen N euzeit? 1995, X II, 2 5 4 S .I S B N 3 - 4 8 6 -5 6 0 3 5 - 2

2 4 Kurt R aaflaub (H rsg .): A nfänge politischen Denkens in der Antike. Griechenland und die nahöstlichen Kulturen, 1993, X X IV , 4 5 4 S. IS B N 3 - 4 8 6 -5 5 9 9 3 -1 2 5 Shulamit Volkov (H rsg .): D eutsche Juden und die M oderne, 1 994, X X IV , 170 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 6 0 2 9 - 8 2 6 Heinrich A. Winkler ( H rsg.): Die deutsche Staatskrise 1 9 3 0 - 1 9 3 3 . Handlungs­ spielräume und Alternativen, 1992, X III, 2 9 6 S. IS B N 3 - 4 8 6 -5 5 9 4 3 - 5

vergriffen

2 7 Johan n es F ried (H rsg .): Dialektik und Rhetorik im früheren und hohen Mittelalter. Rezeption, Überlieferung und gesellschaftliche Wirkung antiker Gelehrsam keit vornehm lich im 9. und 12. Jahrhundert, 1997, X X I , 3 0 4 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 6 0 2 8 - X 2 8 P aolo Prodi (H rsg .): Glaube und Eid. Treueform eln, Glaubensbekenntnisse und Sozialdisziplinierung zwischen M ittelalter und Neuzeit, 1993, X X X , 2 4 6 S. IS B N 3 - 4 8 6 -5 5 9 9 4 - X 2 9 Ludwig Schmugge (H rsg .): Illegitim ität im Spätmittelalter, 1 994, X , 3 1 4 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 6 0 6 9 - 7 3 0 Bernhard K ölver (H rsg .): R echt, Staat und Verwaltung im klassischen Indien, 1 9 9 7 , X V III, 2 5 7 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 6 1 9 3 - 6 31 Elisabeth Fehrenbcich (H rsg .): Adel und Bürgertum in Deutschland 1 7 7 0 - 1 8 4 8 , 1994, X V I, 2 51 S. IS B N 3 -4 8 6 -5 6 0 2 7 -1 3 2 R obert E. Lerner (H rsg .): Neue Richtungen in der hoch- und spätm ittelalterlichen B ibelexegese, 1 996, X I, 191 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 6 0 8 3 -2 33 Klaus H ildebrand (H rsg .): Das D eutsche Reich im Urteil der Großen M ächte und europäischen N achbarn ( 1 8 7 1 - 1 9 4 5 ) , 1995, X , 2 3 2 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 6 0 8 4 - 0 34

Wolfgang J. Mommsen (H rsg .): Kultur und Krieg. Die Rolle der Intellektuellen, K ünstler und Schriftsteller im Ersten W eltkrieg, 1995, X , 2 8 2 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 6 0 8 5 - 9

vergriffen

Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien 35 P eter Krüger (H rsg.): Das europäische Staatensystem im Wandel. Strukturelle Bedingungen und bewegende K räfte seit der Frühen N euzeit, 1996, X V I , 2 7 2 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 6 1 7 1 -5 3 6 P eter Blickte (H rsg.): Theorien kom m unaler Ordnung in Europa, 1996, IX , 2 6 8 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 6 1 9 2 -8 3 7 Hans E berhard M ayer (H rsg .): Die K reuzfahrerstaaten als multikulturelle G esellschaft. Einw anderer und Minderheiten im 12. und 13. Jahrhundert, 1997, X I, 187 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 6 2 5 7 - 6 3 8 M anlio Beltom o (H rsg.): Die Kunst der Disputation. Problem e der R echtsaus­ legung und Rechtsanw endung im 13. und 14. Jahrhundert, 1997, 2 4 8 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 6 2 5 8 - 4 3 9 Frantisek Sm ahel (H rsg .): H äresie und vorzeitige Reform ation im Spätmittelalter, 1 998, XV, 3 0 4 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 6 2 5 9 - 2 4 0 Alfred Hciverkamp (H rsg .): Information, Kommunikation und Selbstdarstellung in m ittelalterlichen Gemeinden, 1998, X X II , 2 8 8 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 6 2 6 0 - 6 41 Knut Schutz (H rsg.): Handwerk in Europa. Vom Spätm ittelalter bis zur Frühen N euzeit, 1 9 9 9 , X I X , 3 1 3 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 6 3 9 5 - 5 42

Werner Eck (H rsg .): Lokale Autonom ie und röm ische O rdnungsm acht in den kaiserzeitlichen Provinzen vom I. bis 3. Jahrhundert, 1999. X , 3 2 7 S. IS B N 3 -4 8 6 -5 6 3 8 5 -8

4 3 M anfred H ilderm eier (H rsg.): Stalinismus vor dem Zweiten W eltkrieg. N eue Wege der Forschung / Stalinism before the Second World War. New Avenues o f R esearch, 1 9 9 8 , X V I, 3 4 5 S. IS B N 3 -4 8 6 -5 6 3 5 0 -5 4 4 Aharon O ppenheim er (H rsg .): Jüdische G eschichte in hellenistisch-röm ischer Zeit. W ege der Forschung: Vom alten zum neuen Schürer, 1999, X I, 2 7 5 S. IS B N 3 -4 8 6 -5 6 4 1 4 -5 4 5 D ietm ar Willoweit (H rsg .): Die Begründung des Rechts als historisches Problem , 2 0 0 0 , V III, 3 4 5 S ., ISBN 3 - 4 8 6 -5 6 4 8 2 - X 4 6 Stephen A. Schitker (H rsg .): D eutschland und Frankreich. Vom Konflikt zur A us­ söhnung. Die Gestaltung der w esteuropäischen Sicherheit, 1 9 1 4 - 1 9 6 3 , 2 0 0 0 , X X , 2 8 0 S., ISBN 3 - 4 8 6 -5 6 4 9 6 - X 47

Wolfgang Reinhard (H rsg.): V erstaatlichung der W elt? Europäische Staatsm odelle und außereuropäische M achtprozesse, 1999, X V I, 3 7 5 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 6 4 1 6 -1

4 8 G erhard B ester (H rsg .): Zw ischen „nationaler Revolution“ und militärischer Aggression. Transform ationen in K irche und G esellschaft unter der konsolidierten N S-G ew altherrschft 1 9 3 4 - 1 9 3 9 , 2 0 0 1 , X X V III, 2 7 6 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 6 5 4 3 -5 4 9 David Cohen (H rsg.): D em okratie, Recht und soziale Kontrolle im klassischen Athen (mit Beiträgen von D. Cohen, J. Com aroff, J. Elster, C. A . Faraone, L. F o x ­ hall, K.-J. Hölkeskam p, A. M affi. J. Martin, W. I. Miller, C. Patterson, G. Thür, H. Versnel) 2 0 0 2 . IX , 2 0 5 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 6 6 6 2 -8

Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien 5 0 Thomas A. Brady (H rsg .): Die deutsche Reform ation zw ischen Spätm ittelalter und Früher N euzeit, 2 0 0 1 , X X I I , 2 5 8 S ., ISBN 3 - 4 8 6 -5 6 5 6 5 - 6 51 H arold Jam es (H rsg .): The Interw ar Depression in an International C ontext (mit Beiträgen von Ch. Buchheini, F. Capie, P. Clavin, B . Eichengreen, G. D. Feldm an, C .-L . H oltfrerich, H. Jam es, A . R itschl, M. Rosengarten, D. Rotherm und, R. Skidelsky, S. Solom ou) 2 0 0 2 , X V III, 192 S., IS B N 3 -4 8 6 -5 6 6 1 0 -5 5 2 C hristof D ipper (H rsg .): Deutschland und Italien 1 8 6 0 - 1 9 6 0 . Politische und kul­ turelle Aspekte im Vergleich (m it Beiträgen von F. Bauer, G. Corni, Chr. Dipper, L. Klinkhanimer, B. M antelli, M . M eriggi, L . Raphael, F. R ugge, W. Schiedet', P. Schient, H .-U . Tham er, U. W engenroth, R. W örsdörfer) 2 0 0 4 , IX , ca. 3 0 0 S. IS B N 3 -4 8 6 -2 0 0 1 5 -1 5 3 Frank-Rutger Hausmann (H rsg.): Die Rolle der G eistesw issenschaften im Dritten Reich 1 9 3 3 - 1 9 4 5 (m it Beiträgen von M. G. A sh, J. Court, H .-J. D ahm s, H. Dainat, J. E lvert, A . Gerhard, F.-R . Hausm ann, C. Knobloch, J. Lerchenm üller, L. M ertens, O. G. O exle, W. Pape, K. L . Pfeiffer, H. W. Schaller) 2 0 0 2 , X X V , 3 7 3 S. IS B N 3 -4 8 6 -5 6 6 3 9 -3 5 4 Frank K olb (H rsg .): C hora und Polis (m it Beiträgen von J. Bintliff, M. Brunet, J. C. Carter, L . Foxhall, H .-J. Gehrke, U. Hailer, Ph. H ow ard, B . Iplikfioglu, M. H. Jam eson, F. Kolb, H. Lohm ann, Th. M arksteiner, P. 0 rs te d , R. Osborne, A. §anli, S. Saprykin, Ch. Schuler, A. Thom sen, M. W örrle) 2 0 0 4 , X V III, 3 8 2 S ., ca. 134 Abb., ISBN 3 -4 8 6 -5 6 7 3 0 - 6 5 5 Hans Günter H ockerts (H rsg.): Koordinaten deutscher G eschichte in der Epoche des O st-W est-K onflikts (m it Beiträgen von A. D oering-M anteuffel, E . Fran 5 ois, K . G abriel, H. G. H ockerts, S. K ott, Ch. S. Maier, H. M öller, J. Paulmann, D. P ol­ lack, M. Sabrow, H.-P. Schw arz, H. Siegrist, M. S zöllösi-Jan ze, D. Willovveit, H. F. Z ach er) 2 0 0 4 , X V III, 3 3 9 S., IS B N 3 -4 8 6 -5 6 7 6 8 -3 5 6 Wolfgang Hardtwig (H rsg .): Utopie und politische H errschaft im Europa der Z w ischenkriegszeit (m it Beiträgen von H. Altrichter, D. Beyrau, M. Brenner, G. Corni, R. G raf, W. H ardtw ig, L . H ölscher, D. Kaufm ann, I. Kershaw, F .-L . K roll, W. Nerdinger, D. N eutatz, P. Nolte, L. Raphael, J. Reulecke, Th. Rohkrämer, K. Schlögel, E . Tenorth) 2 0 0 3 , V II, 3 5 6 S., ISBN 3 -4 8 6 -5 6 6 4 2 -3 5 7 Diethelm K lippel (H rsg .): N aturrecht und Staat. Politische Funktionen des europäi­ schen N aturrechts ( 1 7 .- 1 9 . Jahrhundert) (in Vorbereitung) 5 8 Jürgen R eulecke (H rsg .): G enerationalität und Lebensgeschichte im 2 0. Jah r­ hundert (m it Beiträgen von U . A. J. Becher, H. Bude, B . G iesen, G. H ardach, U. Herbert, U. H errm ann, T. A. Kohut, B . Lindner, H. M om m sen, L . Nietham mer, B . A . Rusinek, A. Schildt, P. Schulz-H ageleit, D. W ierling, J. Zinnecker) 2 0 0 3 , X V II, 3 0 0 S., ISBN 3 -4 8 6 -5 6 7 4 7 - 0

Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien 5 9 Klaus H ildebrand (H rsg.): Zw ischen Politik und Religion. Studien zur Entstehung, E xistenz und Wirkung des Totalitarismus (m it Beiträgen von G. Besier, U. Freitag, K. Hildebrand, M. Hildermeier, H. G. H ockerts, L. Klinkhammer, K. Schreiner) 2 0 0 3 , X I, 155 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 6 7 4 8 - 9 6 0 M arie-Luise R ecker (H rsg .): Parlam entarism us in Europa. Deutschland, England und Frankreich im Vergleich (m it Beiträgen von A . Biefang, A. Kaiser, A . K im ­ m ei, M. Kittel, M. Kreuzer, H. Oberreuter, W. Pyta, M .-L . Recker, U. Thaysen, A. W irsching) 2 0 0 4 , ca. 2 8 0 S. ISBN 3 - 4 8 6 -5 6 8 1 7 -5 61 Helmut Altrichter (H rsg .): G eschichte im Transform ationsprozeß O st-, O stm ittelund Südosteuropas (m it Beiträgen von C . Bethke, K. Brüggem ann, V. Dumbrava, R. Eckert, U. von H irschhausen, J. Hosier, I. Iveljic, W. Jilge, C. Kraft, H. Lem berg, R. Lindner, B . M urgescu, A. Nikzentaitis, A. Pök, H. Sundhaussen, S. Troebst, M . W ien) (in Vorbereitung) 6 2 Jürgen Trabant (H rsg .): Sprache der G eschichte (mit Beiträgen von T. Borsche, G. C acciatore, K. Ehlich, H. D. Kittsteiner, B . Lindorfer, Ch. M eier, T. B . Müller, W. O esterreicher, St. O tto, U. Raulff, J. Trabant) (in Vorbereitung) 6 3 Anselm Doering-M anteuffel (H rsg.): Strukturm erkmale der deutschen G eschichte des 2 0 . Jahrhunderts (in Vorbereitung) 6 4 Jan-D irk M üller (H rsg.): Text und K ontext: Fallstudien und theoretische Begrün­ dungen einer kulturw issenschaftlich angeleiteten Mediävistik (in Vorbereitung) 65 P eter S chäfer (H rsg .), Grounding the M ystic: Social, Cultural, and G eographical Perspectives on the H istory o f Jew ish and Christian M ysticism (in Vorbereitung)

Sonderveröffentlichung H orst Fuhrmann (H rsg.): Die Kaulbach-V illa als Haus des H istorischen K ollegs. Reden und w issenschaftliche Beiträge zur Eröffnung, 1 989, X II, 2 3 2 S. ISBN 3 -4 8 6 -5 5 6 1 1 -8

Oldenbourg

Schriften des Historischen Kollegs: Vorträge 1 Heinrich Lutz: Die deutsche Nation zu Beginn der Neuzeit. Fragen nach dem G elingen und Scheitern deutscher Einheit im 16. Jahrhundert, 1982, IV, 31 S.

vergriffen 2 Otto Pflanze: Bism arcks H errschaftstechnik als Problem der gegenw ärtigen H istoriographie, 1 982, IV, 3 9 S.

vergriffen

3 Hans C onrad P eyer: Gastfreundschaft und kom m erzielle G astlichkeit im M ittelalter, 1983, IV, 2 4 S.

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4 Eberhard Weis: Bayern und Frankreich in der Zeit des K onsulats und des ersten Em pire ( 1 7 9 9 - 1 8 1 5 ) , 1 9 8 4 ,4 1 S. 5 Heinz Angerm eier: R eichsreform und Reform ation, 1983, IV, 7 6 S.

vergriffen vergriffen

6 G erald D. Feldm an: Bayern und Sachsen in der Hyperinflation 1 9 2 2 /2 3 , 1984, IV, 4 I S .

vergriffen

1 Erich Angermann: Abraham Lincoln und die Erneuerung der nationalen Identität der Vereinigten Staaten von A m erika, 1984, IV, 33 S. vergriffen 8 Jürgen K ocka: Traditionsbindung und Klassenbildung. Zum sozialhistorischen Ort der frühen deutschen Arbeiterbew egung, 1 987, 4 8 S. 9 K onrad Repgen: Kriegslegitim ationen in A lteuropa. E ntw u rf einer historischen Typologie, 1985, 27 S. vergriffen 10 Antoni M gczak: Der Staat als Unternehmen. Adel und A m tsträger in Polen und Europa in der Frühen N euzeit, 1 989, 3 2 S. 11 E berhard K olb: D er schw ierige W eg zum Frieden. Das Problem der K riegs­ beendigung 1 8 7 0 /7 1 , 1 985, 33 S. vergriffen 12 Helmut G eorg K oen igsberger: Fürst und G eneralstände. M axim ilian I. in den Niederlanden ( 1 4 7 7 - 1 4 9 3 ) , 1987, 2 7 S.

vergriffen

13 Winfried Schulze: Vom G emeinnutz zum Eigennutz. Über den Normenwandel in der ständischen G esellschaft der Frühen N euzeit, 1 987, 4 0 S.

vergriffen

14 Johan n e Autenrieth: „Litterae V irgilianae“ . Vom Fortleben einer röm ischen Schrift, 1 9 8 8 ,5 1 S. 15 Tilemann Grimm: Blickpunkte auf Siidostasien. Historische und kulturanthropo­ logische Fragen zur Politik, 1 9 88, 3 7 S. 16 Ernst Schulin: G eschichtsw issenschaft in unserem Jahrhundert. Problem e und U m risse einer G eschichte der H istorie, 1988, 3 4 S.

vergriffen

17 Hartmut B oockm ann: G eschäfte und G eschäftigkeit auf dem R eichstag im späten Mittelalter, 1988, 33 S.

vergriffen

18 Wilfried Barrier: Literaturw issenschaft - eine G eschichtsw issenschaft? 1990, 4 2 S. vergriffen

Schriften des Historischen Kollegs: Vorträge 19 John C. G. Röhl: K aiser W ilhelm II. Eine Studie über Cäsarenw ahnsinn, 1989, 3 6 S. vergriffen 2 0 Klaus Schreiner: M önchsein in der A delsgesellschaft des hohen und späten M ittelalters. K lösterliche G em einschaftsbildung zwischen spiritueller Selbst­ behauptung und sozialer Anpassung, 1989, 68 S.

vergriffen

21 Roger Dufraisse: Die Deutschen und Napoleon im 2 0 . Jahrhundert, 1991, 4 3 S. 2 2 Gerhard A. Ritter: Die Sozialdem okratie im Deutschen K aiserreich in sozial­ geschichtlicher Perspektive, 1 989, 7 2 S. vergriffen 2 3 Jü rgen Miethke: Die m ittelalterlichen Universitäten und das gesprochene Wort,

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1 9 9 0 , 4 8 S. 2 4 Dieter Simon: L ob des Eunuchen, 1994, 27 S.

25 Thomas Vogtherr : Der König und der Heilige. Heinrich IV., der heilige Remaklus und die M önche des Doppelklosters Stablo-M alm edy, 1990, 2 9 S.

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2 6 Johannes Schilling: G ew esene M önche. Lebensgeschichten in der Reform ation, 1 9 9 0 ,3 6 S.

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vergriffen

2 7 Kurt Raaflaub : Politisches Denken und Krise der Polis. Athen im Verfassungs­ konflikt des späten 5. Jahrhunderts v.Chr., 1 992, 63 S. 28

Volker Press: Altes Reich und D eutscher Bund. Kontinuität in der Diskontinuität, 1 9 9 5 ,3 1 S.

2 9 Shulamit Volkov: Die Erfindung einer Tradition. Zur Entstehung des modernen Judentum s in D eutschland, 1 992, 3 0 S. 3 0 Franz, B auer: Gehalt und G estalt in der M onumentalsym bolik. Zur Ikonologie des N ationalstaats in Deutschland und Italien 1 8 6 0 - 1 9 1 4 , 1992, 3 9 S. 31 Heinrich A. Winkler: Mußte W eim ar scheitern? Das Ende der ersten Republik und die Kontinuität der deutschen G eschichte. 1991, 3 2 S.

vergriffen

3 2 Johannes F ried : Kunst und K om m erz. Ü ber das Zusam m enwirken von W issen­ schaft und W irtschaft im M ittelalter vornehm lich am Beispiel der Kaufleute und H andelsm essen, 1992, 4 0 S. 3 3 Paolo Prodi: Der Eid in der europäischen Verfassungsgeschichte, 1992, 3 5 S. 3 4 Jean-M arie M oeglin: D ynastisches Bew ußtsein und G eschichtsschreibung. Zum Selbstverständnis der W ittelsbacher, Habsburger und H ohenzollern im Spätm ittel­ alter, 1993, 4 7 S. 35 Bernhard Kölver: Ritual und historischer Raum . Zum indischen G eschichtsver­ ständnis, 1993, 6 5 S. 3 6 Elisabeth Fehrenbach: Adel und Bürgertum im deutschen Vormärz, 1994, 31 S.

Schriften des Historischen Kollegs: Vorträge 3 7 Ludwig Schmugge: Schleichw ege zu Pfründe und Altar. Päpstliche Dispense vom Geburtsmakel 1 4 4 9 - 1 5 3 3 , 1 994, 35 S. 3 8 Hans-Werner Hahn: Zw ischen Fortschritt und Krisen. Die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts als D urchbruchsphase der deutschen Industrialisierung, 1995, 4 7 S. 3 9 R obert E. Le m er: H im m elsvision oder Sinnendelirium ? Franziskaner und P ro­ fessoren als Traum deuter im Paris des 13. Jahrhunderts, 1995, 35 S. 4 0 Andreas Schulz: W eltbürger und G eldaristokraten. H anseatisches Bürgertum im 19. Jahrhundert, 1995, 38 S. 41

Wolfgang J. M ommsen: Die H erausforderung der bürgerlichen Kultur durch die künstlerische Avantgarde. Zum Verhältnis von Kultur und Politik im W ilhelm ini­ schen D eutschland, 1 994, 3 0 S.

4 2 Klaus H ildebrand: Reich - G roßm acht - Nation. Betrachtungen zur G eschichte der deutschen Außenpolitik 1 8 7 1 - 1 9 4 5 , 1 995, 2 5 S. 4 3 Hans E berhard M ayer: H errschaft und Verwaltung im Kreuzfahrerkönigreich Jerusalem , 1996, 38 S. 4 4 P eter B lickle: Reform ation und kom m unaler Geist. Die Antw ort der Theologen auf den Wandel der Verfassung im Spätmittelalter, 1996, 4 2 S. 4 5 P eter Krüger: W ege und W idersprüche der europäischen Integration im 2 0 . Jah r­ hundert, 1 995, 3 9 S. 4 6 Werner Greiling: „Intelligenzblätter“ und gesellschaftlicher Wandel in Thüringen. A nzeigenw esen, N achrichtenverm ittlung, Räsonnem ent und Sozialdisziplinie­ rung, 1995, 3 8 S.

Schriften des H istorischen Kollegs: Dokumentationen 1 Stiftung H istorisches K olleg im Stifterverband für die Deutsche W issenschaft: Erste Verleihung des Preises des Historischen K ollegs. A ufgaben, Stipendiaten, Schriften des Historischen K ollegs, 1984, VI, 7 0 S., mit Abbildungen

vergriffen

2 Theodor-Schieder-G edächtnisvorlesung: Horst Fuhrm ann, Das Interesse am M ittelalter in heutiger Zeit. Beobachtungen und Vermutungen - Lothar Gail, Theodor Schieder 1908 bis 1 9 84, 1 987, 65 S. vergriffen 3 Leopold von Ranke: Vorträge anläßlich seines 100. Todestages. G edenkfeier der H istorischen Kom m ission bei der Bayerischen Akadem ie der W issenschaften und der Stiftung H istorisches K olleg im Stifterverband für die D eutsche W issenschaft am 12. Mai 1986, 1987, 4 4 S.

vergriffen

4 Stiftung H istorisches K olleg im Stifterverband für die Deutsche W issenschaft: Zw eite Verleihung des Preises des H istorischen K ollegs. Aufgaben, Stipendiaten, Schriften des H istorischen K ollegs, 1987, 98 S., mit Abbildungen 5 Theodor-Schieder-G edächtnisvorlesung: Thom as Nipperdey, Religion und G esell­ schaft: Deutschland um 1900, 1988, 2 9 S.

vergriffen

6 Theodor-Schieder-G edächtnisvorlesung: Christian Meier, Die R olle des Krieges im klassischen Athen, 1991, 55 S. vergriffen 7 Stiftung H istorisches K olleg im Stifterverband für die D eutsche W issenschaft: Dritte Verleihung des Preises des Historischen K ollegs. A ufgaben, Stipendiaten, Schriften des H istorischen K ollegs, 1 991, 122 S., mit Abbildungen

vergriffen

8 Stiftung H istorisches K olleg im Stifterverband für die Deutsche W issenschaft: H istorisches K olleg 1 9 8 0 - 1 9 9 0 . Vorträge anläßlich des zehnjährigen Bestehens und zum Gedenken an A lfred Herrhausen, 1991, 63 S. 9 Theodor-Schieder-G edächtnisvorlesung: Karl Leyser, A m Vorabend der ersten europäischen Revolution. Das 11. Jahrhundert als Um bruchszeit, 1 994, 3 2 S. 10 Stiftung H istorisches K olleg im Stifterverband für die Deutsche W issenschaft: Vierte Verleihung des Preises des Historischen K ollegs. Aufgaben, Stipendiaten, Schriften des H istorischen K ollegs, 1993, 9 8 S ., mit Abbildungen 11 Theodor-Schieder-G edächtnisvorlesung: Rudolf Smend, M ose als geschichtliche G estalt, 1 9 9 5 , 2 3 S. 12 Stiftung H istorisches K olleg im Stifterverband für die Deutsche W issenschaft: Ü ber die Offenheit der G eschichte. Kolloquium der M itglieder des H istorischen K ollegs, 2 0 . und 2 1 . N ovem ber 1 992, 1996, 8 4 S.

Vorträge und Dokumentationen sind