Schriften des Historischen Kollegs - Kolloquien 9 - Historisches Kolleg

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Schriften des Historischen Kollegs Herausgegeben von der Stiftung Historisches Kolleg Kolloquien 9 R. Oldenbourg Verlag München 1988 Klientelsystem...

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Schriften des Historischen Kollegs Herausgegeben von der Stiftung Historisches Kolleg Kolloquien 9

R. Oldenbourg Verlag München 1988

Klientelsysteme im Europa der Frühen Neuzeit Herausgegeben von An toni Maczak unter Mitarbeit von Elisabeth Müller-Luckner .;

R. Oldenbourg Verlag München 1988

Schriften des Historischen Kollegs im Auftrag der Stiftung Historisches Kolleg im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft herausgegeben von Horst Fuhrmann in Verbindung mit Knut Borchardt, Lothar Gall, Alfred Herrhausen, Karl Leyser, Christian Meier, Horst Nicmeyer, Arnulf Schlüter, Rudolf Smend, Rudolf Vierhaus und Ebcrhard Weis Geschäftsführung: Georg Kalmer Redaktion: Elisabeth Müller-Luckner Organisationsausschuß: Georg Kalmer, Franz Letzelter, Elisabeth Müller-Luckner, Heinz-Rudi Spiegel Die Stiftung Historisches Kolleg hat sich für den Bereich der historisch orientierten Wissenschaften die Förderung von Gele hrten, die sich durch herausragende Leistungen in Forschung und Lehre ausgewiesen haben, zur Aufgabe gesetzt. Sie vergibt zu diesem Zweck jährlich Forschungsstipendien und alle drei Jahre den "Preis des Historischen Kollegs". Die Forschungsstipendien, deren Verleihung zugleich eine Auszeichnung darstellt, sollen den berufenen Wissenschaftlern während eines Kollegjahres die Möglichkeit bieten, frei von anderen Verpflichtungen eine größere Arbeit abzuschließen. Professor Dr. Antoni Mf)czak (Warschau) war - zusammen mit Professor Dr. Jürgen Kocka (Bielefeld) und Professor Dr. Konrad Repgen (Bonn) - Stipendiat des Historischen Kollegs im vierten Kollegjahr (1983/84). Den Obliegenheiten der Stipendiaten gemäß hat Antoni Mf)czak aus seinem Arbeitsbereich ein Kolloquium zum Thema "Patronat Klientel - Beziehungen in der Frühen Neuzeit" vom 17. bis 20. Oktober 1984 in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gehalten. Die Ergebnisse des Kolloquiums werden in diesem Band veröffentlicht. Die Stiftung Historisches Kolleg wird vom Stiftungsfonds Deutsche Bank zur Förderung der \Vissenschaft 111 Forschung und Lehre und vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft getragen. CIP-Kurztitelallfnahme der Deutschen Bibliothek Klientelsysteme im Europa der frühen Neuzeit / hrsg. von Antoni M~czak unter Mitarb. von Elisabeth Müller-Luckner. München: Oldenbourg, 1988 (Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien; 9) ISBN 3-486-54021-1 NE: M~czak, Antoni [Hrsg.]; Historisches Kolleg ,München,; Schriften des Historischen Kollegs / Kolloquien

© 1988 R. Oldenbourg Verlag GmbH, München Das Werk einschließlich aller Abbildungen ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Bearbeitung in elektronischen Systemen. Gesamtherstellung: R. Oldenbourg Graphische Betriebe GmbH, München ISBN 3-486-54021-1

Inhalt cf,

Zur Einführung Antoni JJ;[qczak ........................................................ .

VII

Verzeichnis der Tagungsteilnehmer ...................................... . VIII

1.

Soziale Verflechtungen im Reich unter den Gesichtspunkten Recht, Konfession und Politik Einleitung zur Diskussion:

11-

19 'f-

Petcr 1\10rtlW Über Patrone und Klienten im Heiligen Römischen Reich des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit ................................... .

:i1-

Volker Press

:11

Patronat und Klientel im Heiligen Römischen Reich. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

19

Wo!kal/g Reillbard Oligarchische Verflechtung und Konfession in oberdeutschen Städten. . . . .

47

Kar! Otlllilr Frbl: L'OII !lretin Die Großmächte und das Klientelsystem im Reich am Ende des 18. Jahrhunderts. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

63

11

lt 11

11 11

I!. Soziale Verflechtungen in England, Frankreich und den Niederlanden unter den Gesichtspunkten Hochadel, Beamtenschaft und Staat Einleitung zur Diskussion: !ll/tolli iHqczak Patronage im Herzen des frühneuzeitlichen Europa

83

Vic/or lJ;[OIgall Some Types of Patronage, Mainly in Sixteenth- and Seventeenth-Century England . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

91

l/7illl J3!ockll/am Patronage, Brokerage and Corruption as Symptoms of Incipient State Formation in the Burgundian-Habsburg Netherlands . . . . . . . . . . . . . . . . . . ..

117

Helmllt G. Koen(r;sberp,er Patronage, C1ientage and Elites in the Politics of Philip 11, Cardinal Granvelle and William of Orange ....... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ..

127

Denis Riebet Les liens de clientelc: I'exemple de la «robe. en France aux XVl c et XVWsiecles ........................................................

149

VI

Inhalt

IlI. Klientclsysteme an der Peripherie Europas: Schottland, Polen, Rußland Einleitung zur Diskussion:

Goi Ij/'ied Schrei 11/ 111 Patronage im Staat, Patronage an Stelle des Staates

155

jCllllJ rVorillitid Laisscr-Faire Government and Local Patronage: Scotland, Sixteenth to Early Seventeenth Century ..........................................

159

IIY oicin!J ljgic!ski A Faction Which Could not Lose ..................................... .

177

7-ojia 7-ic/,.,is/
203

Dei nd L !({lIlse! Character and Style of Patron-Client Relations in Russia

211

IV. Klientelsysteme in Italien: im Norden und im Mezzogiorno Einleitung zur Diskussion:

Anlhony Mo!ho Patronage and the State in Early Modern Italy

233

Giorgio Cbittolini Feudalherren und ländliche Gesellschaften in Nord- und Mittclitalien (15.-17.Jahrhundert) ..........................................

243

Welltel' Barberis Die Bildung der "milizia paesana" in Piemont: Zentrale Gewalt und lokale Verhältnisse zwischen dem 16. und 17.Jahrhundert ............

261

Allrelio Lepre Feudalstrukturen und Klientelstrukturen im Süden Italiens

299

V. Klientclsysteme in Spanien Einleitung zur Diskussion:

Helmut

G~

Koen(l!;sbClger

Queries on Spain .............................................. .

.313

iHarla-Tcresa Perez Pimzo/Guy LelllC/lnier Formes du pouvoir local dans l'Espagne moderne et contemporaine: des bandos au caciquisme au royaume de Murcie (XV C - XIX e siccles) VI. Diskussionsbericht

315

34.3

Anloni Mqczak Register. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Zur Einführung Mit dem Gedanken, eine Tagung über Patrone und Klienten im Europa der Frühen Neuzeit abzuhalten, habe ich mich bereits seit den späten 70er Jahren getragen. Erst das wissenschaftliche Interesse am Thema wie auch die finanzielle Unterstützung bei der Ausrichtung eines derartigen, notwendigerweise internationalen Fachgespräches durch das Historische Kolleg ließen den Wunsch dann Wirklichkeit werden. Im Verlauf der Kolloquiums-Vorbereitungen zeigte sich freilich, daß der projektierte Rahmen, der durch Referate abgedeckt werden sollte, begrenzt werden mußte. Teilnehmer, die über die Kolonien in Amerika wie auch für Schweden sprechen sollten, konnten nicht kommen. Professor Aurelio Lepre, auf den wir ebenfalls verzichten mußten, war so freundlich, uns sein Papier zu schicken. So schade einerseits die Absage einzelner, mir bereits bekannter Experten war, so erfreulich war andererseits der Umstand, daß ich im Laufe der eingehenden Vorbereitung auf Gelehrte gestoßen bin, die sich auf das lebhafteste für das Thema interessierten, sich zur aktiven Teilnahme an der Tagung bereit erklärten und versprachen, von ihren Spezialgebieten her zur weiteren Präzisierung des Begriffes von Patronage und deren Beziehung zu anderen Formen von Macht und sozialer Verflechtung beizutragen. Die Anordnung der Referate in vorliegendem Band entspricht dem Programmablauf des Kolloquiums. Die Ausführungen der Berichterstatter, die einzelne Beiträge nicht nur kritisch kommentierten, sondern durchweg auch neue Ideen und Informationen einbrachten, wurden ebenfalls publiziert. Referate in italienischer Sprache wurden ins Deutsche übersetzt. Bei der Zusammenfassung der Diskussion nach Sachgebieten war es unmöglich, alle Wortmeldungen zu berücksichtigen. Von den schriftlich ausgearbeiteten Beiträgen zur Schlußdiskussion habe ich so viel wie möglich übernommen. Wenn mir, trotz meines Bemühens, einen exakten Bericht zu geben, Fehler unterlaufen sein sollten, trage ich dafür die volle Verantwortung. Zuletzt möchte ich mich herzlich bedanken: beim Kuratorium des Historischen Kollegs für seine stets wertvolle Unterstützung, bei den Mitarbeitern des Historischen Kollegs für ihre freundliche und effiziente Hilfe vor, während und nach dem Kolloquium und auch bei den Herren Götz-Erik Flohr und Markus Schreiber für ihre Übersetzerdienste, denen es zu danken war, daß trotz des vielsprachigen Teilnehmerkreises eine babylonische Sprachverwirrung vermieden werden konnte. Warschau, im Januar 1986

Antoni

M~czak

Verzeichnis der Tagungsteilnehtner Prof. Dr. Kar! Otmar Frhr. von Aretin, Mainz Dr. Walter Barberis, Turin Prof. Dr. Wim Blockmans, Rotterdam Prof. Dr. Kar! Bosl, München Prof. Dr. Giorgio Chittolini, Mailand Prof. Dr. Troels Dahlerup, Ärhus/Dänemark Götz-Erik Flohr, München (Historisches Kolleg) Prof. Dr. Horst Fuhrmann, München Georg Kalmer, München (Historisches Kolleg) Dr. Dorothy Koenigsberger, London Prof. Dr. Helmut G. Koenigsberger, London (Stipendiat des Historischen Kollegs 1984/85) Prof. Dr. Eberhard Kolb, Köln (Stipendiat des Historischen Kollegs 1984/85) Dr. E. 1. Kouri, München Prof. Dr. Guy Lemeunier, Murcia/Spanien Dr. Franz Letzelter, Essen Prof. Dr. Antoni M~czak, Warschau (Stipendiat des Historischen Kollegs 1983/84) Prof. Dr. Anthony Molho, Providence, RI/USA Prof. Dr. Peter Moraw, Gießen Dr. Victor Morgan, NOl-wich/England Dr. Elisabeth Müller-Luckner, München (Historisches Kolleg) Priv. Doz. Dr. Rainer A. Müller, München Prof. Dr. Maria Teresa Perez Picazo, Murcia/Spanien Prof. Dr. Hans Conrad Peyer, Zürich (Stipendiat des Historischen Kollegs 1981/82) Prof. Dr. Volker Press, Tübingen Prof. Dr. Paolo Prodi, Villazzano-Trient Prof. Dr. David L. Ransel, Urbana-Champaign, Ill./USA Prof. Dr. Wolfgang Reinharcl, Augsburg Prof. Dr. Denis Richet, Paris Prof. Dr. Marzio Achille Romani, Mantua Prof. Dr. Pierangelo Schiera, Villazzano-Trient Fritz Schmidt, Heiclelberg Dr. Georg Schmiclt, Gießen Prof. Dr. Gottfried Schramm, Freiburg Markus Schreiber, München (Historisches Kolleg) Prof. Dr. Winfried Schulze, Bochum (Stipendiat des Historischen Kollegs 1984/85) Prof. Dr. Wolfgang von Stromer, Altdorf Dr. Wojciech Tygielski, Warschau Prof. Dr. Hermann Wellenreuther, Göttingen Dr. Jenny Wormald, Glasgow Dr. Zofia Zieliftska, Warschau

1. Soziale Verflechtungen 1m Reich unter den Gesichtspunkten Recht, Konfession und Politik Einleitung zur Diskussion

Peter Moraw Über Patrone und Klienten im Heiligen Römischen Reich des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit* I Der folgende Text führt zu den drei Beiträgen hin, die dem Gesamtthema des Kolloquiums für den Raum des Heiligen Römischen Reiches l gewidmet sind, und sieht sich damit zugleich umfassenderen Fragen gegenüber. Es soll ein Ganzes ertastet werden, von dem heute bestenfalls vage Konturen erkennbar sind. Beinahe das einzige, was klar hervortritt, ist der Kontrast zwischen der zu vermutenden Bedeutung der Thematik und dem dürftigen Forschungsstand. Trotz der reichen Literatur über das sp;ümittelalterliche und frühneuzeitliche Deutschland 2 liegen nur sehr wenige einschliigige Spezialarbeiten vor, und wohl ebenso selten ist innerhalb Lllngreifender Stu-

. Frau Dr. Sigrid Jahns (Oberurscl) und Herrn Kollegen Volker Press (Tübingen) bin ich für freundliche Hinweise zu Dank verpflichtet. I Gemäß der neuzeitlichen Grenzziehung ist der Beitrag von Willem Blockmans einem anderen Zusammenhang zugeordnet; ein Teil der von ihm behandelten Territorien gehörte dem Alten Reich an. 2 Propyläen Geschichte Deutschlands: Pe/er iHomw, Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung, 1250-1490, Bd.3 (Berlin 1985); Heinricb LI/tz, Das Ringen um deutsche Einheit und kirchliche Erneuerung, 1490-1648, Bd.4 (Berlin 1983); RI/dol/ Vierbt1lIJ, Staaten und Stände, 1648-1763, Bd.5 (Berlin 1984). Vgl. Pe/er fHomw, Kar! Ofmar Prh, v. Ilrefinu.a., Reich, in: Geschichtliche Grundbegriffe, hrsg. von Offo Brumm; rPemer COllze und Reinbal'f Kose/leck, Bd.5 (Stuttgart 1984) 423-508.

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Peter Moraw

dien ausdrücklich von Patronat und Klientel die Rede 3 Dieser quantitative Tatbestand hat viel mit einem qualitativen zu tun. Die Skepsis vieler Historiker gegenüber sozialwissenschaftlichen Begriffen und Anregungen ist bekannt, oder anders formuliert: die vielfach vorherrschende Orientierung an der Sichtweise der Rechtsgeschichte oder an einer am modernen Verwaltungsstaat maßnehmenden Verfassungsgeschichte steht Neuerungen jener Art im Weg. Demgemiiß gelten Patronat und Klientel in den führenden deutschen Lexika der Gegenwart als Begriffe der antiken Geschichte, der Völkerkunde aus exotischen Bereichen und bestenfalls dann des englischen Parteienlebens im 18. Jahrhunderr' ; in Deutschland kam dergleichen nicht vor. Angesichts dieser Situation wird auch in dieser Übersicht eher von Voraussetzungen und Rahmenbedingungen und von Einzelhillen die Rede sein, wie es einer Einführung wohl auch zukommt. Diese wird subjektiv ausfallen, gemäß dem Arbeitsgebiet des Verfassers die Mediävistik stark beachten und dafür das Verständnis der Neuhistoriker erbitten. Für eine solche Einführung hinderlich ist zunächst ein gleichsam objektiver Tatbestand, der am Anfang zu nennen ist: Das Reich des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit war wohl das vielgestaltigste und komplizierteste Gemeinwesen des Zeitalters. Um 1500 jedenfalls zählte das Reich mehr Fürsten, mehr Städte oder auch mehr Universitäten als jedes andere Land Europas, zugleich bestand eine unübersehbare Zahl von Klöstern und Stiften. Dem Reich entsprach kein einheitliches Wirtschaftsgebiet, vielmehr bestanden im Norden und Süden mindestens zwei, die jeweils auch über die Grenzen hinausgriffen. Nach den seinerzeitigen Rahmenbedingungen, die für jedes Urteil ausschlaggebend sind, wird man zumindest vom Reich um iSOO wie von einem kleinen Kontinent sprechen, der von der einen Grenze zur anderen kaum schneller als in Monatsfrist durchquert werden konnte. Innerhalb dieses Raumes bestanden beträchtliche Entwicklungsunterschiede, die den Entwicklungsunterschieden Europas zwischen Süden und Norden, Westen und Osten entsprachen. So hatte das Reich zugleich Anteil an dem einen der beiden Modernisierungszentren Europas im weiten Umkreis der Rheinmündung und an Regionen mit noch recht urtümlichen Lebensformen. Das andere Modernisierungszentrum, Oberitalien, war durch unziihlige Personenbeziehungen mit Oberdeutschland verknüpft. Selbstverständlich war das Reich eingebettet in die breiten Kulturströme des Gebens und Nehmens in Europa, dessen Mitte es zumindest geographisch bildete. Die klassische Grenze zwischen Mittelalter und Neuzeit um 1500 hat für das Thema "Patronat und Klientel in Deutschland" keine nennenswerte Bedeutung. [n vieler Hinsicht exekutierte die frühe Neuzeit Entscheidungen, die im Mittelalter gefallen waren: soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Tatbestände und der Rah-

Roff Pj7ürke, Beiträge zur Theorie von Patl'onage und Klientel (Diss. Heidelberg 1972); Veren<1 Burkofter-Tmrbsd, Strukturelle Bedingungen für das Entstehen und die Transformation von Pa-

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tronage, in: Schweizerische Zs. für Soziologie I (1977) 3-30; einzelnes unten in Anm.6 f., 11 f., 15f., 19, 22ff., 30f., 3.3, 35ff. 4 Brockhaus Enzyklopädie Bd. 10 (Wiesbaden 1970) 262; Bd.14 (Wiesbaden 1972) 305 ff.; Meycrs Enzyklopädisches Lexikon Bd.13 (Mannheim 1975) 780; Bd. 18 (Mannheim 1976) 301.

Über Patrone lind Klienten im Heiligen Römischen Reich

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men der Reichsverfassung dauerten fort. Hier nicht zu erörtern ist die Frage nach den Anfängen der Thematik als außerhalb der Zeitgrenzen des Kolloquiums gelegenes Problem, bei welchem Sach- und Quellenmomente abzuwägen wären. Eine sehr wesentliche Grenze dürften die neuen Rahmenbedingungen gesetzt haben, die den Beginn des alteuropäischen Zeitalters, den "Aufbruch" in Deutschland ungefähr im 12. Jahrhundert, kennzeichneten - als zum Beispiel das Städtewesen in der Breite ins Leben zu treten begann und die territoriale Verdichtung einsetzte. Das Ende des alteuropäischen Zeitalters ist ungefähr um 1800 zu datieren, wobei man ebensogut ältere Strukturen darüber hinaus verfolgen kann, wie Anfänge des "modernen" Neuen weiter zurückliegen mochten. Der sicherlich bemerkenswerte Einschnitt der Reformation war zum Teil gerade im sozialen Bereich durch ältere Wandlungsvorgänge vorbereitet, die immer wieder ungefähr um 1470 einsetzten. Damals wurde ein Zeitalter überwiegender Stagnation, das seinerseits im 14. Jahrhundert das Ende des "Aufbruchs" bezeichnet hatte, durch eine neue Dynamik abgelöst. Charakteristisch für das Reich sind jcdesmal die beträchtlichen Phasenverschiebungen während dieser "Trendwenden", die mehrere Jahrzehnte, ja zwischen dem äußersten Westen und dem äußersten Osten zwei Gencrationen betragen mochten. Bei dieser Gelcgenheit erinnert man sich zweckmäßigerweise an das - weiterwirkende - historische Erbe aus der Entstehungsgeschichtc Dcutschlands, die von einem Randgebiet des Karolingcrreiches dcn Ausgang nahm und als langwährcnder Wachstumsprozeß schr ungleiche Bestandteile zu cincm Ganzen vercinigcn sollte. Solchen Unterschiedcn standen bedcutsame Ausglcichsvorgänge gegenüber, über welche noch wenig bekannt ist. Der Begriff der "Verdichtung" beschrcibt jedenfalls die Entwicklungsrichtung mchrerer dieser Prozesse; Verdichtung schuf allmählich auch einen stabilisierten Kernbereich im Vcrfassungslebcn, was freilich zugleich Abschichtungsvorgänge am Rand zur Folge hatte. Für die Vcrfassungsgeschichte des späten Mittelalters und der beginnenden Neuzeit werden diese weitrcichenden und wesentlichen Tatbestände durch dic Aggregatzustände der "Offenen Verfassung" und der "Gestalteten Verdichtung" dargetan'. Die sozialenG und politischen 7 Tatsachen und Regeln im besonderen, die wie üblich in untrennbarer Verknüpfung das Rahmenwerk von Patronat und Klientel darstellten, waren nicht weniger komplex als die allgemeine Situation, erst recht angesichts der hier zu überblickenden Zeitspanne von ungefähr vierhundert Jahren mit ihren zahlreichen Wandlungen, Zäsuren und auch Kontinuitäten. Der mehrfach rechtlich und viclfach ökonomisch abgestufte Adel war wie üblich der klassische politische Stand. Dazu traten der vorreformatorische höhere Klerus in ungefähr fünfzig Bistümern, das führende Bürgertum in mehr als dreitausend Städten, von denen freilich die meisten klein blieben, bäuerliche Führungsgruppen in den weit mehr als hunderttausend Dör-

5 Wie Anm. 2. " Handbuch der deutschen Wirtschafts- und Sozialgeschichte, hrsg. von lJermann Aubin lind W{jl!,~(/ng Zorn, Bd. 1 (Stuttgart 1971); Deutsche Führungsschichten in der Neuzeit. Eine Zwischcnbilanz, hrsg. von lJarllls Huber! Hoji/)(/nn und Giinther Fran:z (Boppard 1980). 7 Deutsche Verwaltungsgeschichte, hrsg. von KlIr! G. A.}escrich, Hans Pohl und GeOlg-C!;ristoph /'Oll Unruh, Bd. 1 (Stuttgart 1983).

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Pctcr Moraw

fern und dorfartigen Siedlungen, die heranwachsende "Kaste" der gelehrten Juristen und der nachreformatorische Stand der universitätsbezogenen Pfarrer und späthumanistisch Gebildeten als hier in erster Linie interessierende Gruppen. Am Meer und im Gebirge zeigten sich Sonderformen archaisch-wehrhaften Gepräges 8 , die sich aufgrund von Abstoßungsvorgängen gegenüber der herrschenden und normgebenden Adelsgesellschaft auch politisch absondern mochten - eine Zeitlang oder für die Dauer. Wie wohl jede alteuropäische Großformation ist auch das Reich während des ganzen Zeitraums ungeachtet der angesprochenen Verdichtungsvorgänge zuerst als vielfältig regionalisiertes Phänomen aufzufassen; insofern ist das Reden von einer älteren deutschen wie auch von einer älteren französischen Geschichte in ansehnlichem Maße perspektivisch-anachronistisch. Diese Regionalisierung der allermeisten öffentlich handelnden Gruppen war ein schlechthin grundlegender Tatbestand. Man braucht kaum zu betonen, wie überlegen sich solche im Idealfall als "face-to-face"-Gesellschaften vorstellbaren Gebilde gegenüber weiträumigen Einheiten erwiesen - gemessen an der Intensität der Beziehungen. Auch hier gab es indessen bedeutsame Wandlungsvorgänge, die umfangreicheren sozialen und politischen Formen größere Möglichkeiten zuwachsen ließen. Das Entstehen einer Gesamtgesellschaft "Reich", die diesen Namen nach empirischem Nachweis verdient und nicht nur Postulat der Forschung ist, war wohl die wichtigste dieser Wandlungen; diese Gesamtgesellschaft hat spätestens in dem so wesentlichen Halbjahrhundert zwischen 1470 und 1520 so viel an Konkretion und Umfang gewonnen, daß sie nicht mehr rückgängig zu machen war. Der Begriff der "Verdichtung" beschreibt auch diesen Vorgang einigermaßen bildhaft und zutreffend. Die nächste Grundtatsache, auf die hinzuweisen gerade angesichts der deutschen Forschungslage nützlich scheint, stellt die "horizontale" Gcfügtheit aller öffentlichen Existenz dar, die zu respektieren ebenso notwendig wie schwierig ist. Was gemeint ist, sei abermals am Beispiel des Gesamtreiches angesprochen, gilt aber wohl prinzipiell für alle Gebilde, die hier von Interesse sind. Ein solches Gefüge setzte sich aus heute akzeptierten oder gar mit Sympathie betrachteten, aus heute irritierenden und heute ausgegrenzten Bestandteilen zusammen. Zu den vertrauten oder als "modern" begrüßten Merkmalen gehörten etwa Verwaltung und Rechtspflege, zu den irritierenden das Wirken von Personenbeziehungen und von privatem Kapital im "Staat", zu den abgelehnten Nepotismus und Korruption. Es ist besser, um formulierend statt letzterer etwa vom "Mitunternehmertum" zu reden als vorschnell und anachronistisch zu verurteilen. Ähnlich problematisch erscheint heute der verhältnismäßig enge Staatszweck des älteren Gemeinwesens, gerade auch des Reiches, der sich zeitweise auf die Selbsterhaltung und die Vornahme oder besser Hinnahme der hierfür unbedingt notwendigen Veränderungen beschränkte. Darüber hinaus begnügte sich das Gemeinwesen mit dem Darbieten eines Rahmens für eine Vielzahl kraftvollerer Lebensäußerungen. Für die deutsche Vergangenheit ist schließlich - anders als in den meisten übrigen LänEidgenossenschaft, Friesland, Dithmarschen, in gewisser Hinsicht das Ordensland Preußen und Livland.

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Über Patrone und Klienten im Heiligen Römischen Reich

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dern Europas - dic Identifizierung der Geschichte einer maßgeblichen Dynastie mit der später so erwünschten Nationalgeschichte ein schwieriges Problem; einer solchen Harmonisierung standen die Wahlverfassung, die zeitweilige Existenz mehrerer Großdynastien und die politisch-geographische Randlage der schließlich erfolgreichen Habsburger im Wege. Verschärft wurde diese Problematik jedesmal durch die Mittellage Deutschlands im christlichen Europa. Eine deutsche Großdynastie konnte nicht umhin, europäische Interessen zu entfalten, ebenso wie man ungefähr seit 1470 erkennen kann, daß das politische Geschehen im Reich nicht mehr nur das dynastische Interesse der "Familie der Könige" Europas, sondern auch ein heranwachsendes machtpolitisches Interesse in der Art der kommenden Staatsräson erweckte. In der gleichen Wendezeit, ebenfalls ungefähr seit 1470, trat der Großdynastie innerhalb des Reiches der institutionalisierte Dualismus gegenüber, der die Reichsstände im sich jetzt ausformenden Reichstag zusammenfaßte. So wuchs - aus deutscher Perspektive gesehen aus verschiedenen Wurzeln das Mächteeuropa der Neuzeit heran, das seinerseits die älteren, selbstverständlich weiterdauernden Patronats- und Klientelverhältnisse zwischen natürlichen Personen um neuartige ergänzte, die als Beziehungen zwischen juristischen Personen aufgefaßt werden können? Wiihrend die letztgenannten Zusammenhänge der deutschen Forschung vertraut sind, kann das Thema "Patronat und Klientel" im sozialen und persönlichen Umkreis als bisher irritierender oder gar der Ausgrenzung verfallener Tatbestand gelten. Angesichts dieses "Vor"-urteils erfüllt ein Kolloquium wie das hier dokumentierte eine methodisch wichtige Funktion. Wenn das Interesse an der "horizontalen" gegenüber der allzu geläufigen "vertikalen" Blickrichtung gestärkt wird, kann man die Staatlichkeit Alteuropas mit Hilfe der Verflechtung möglichst vieler Faktoren als "selbsttragende Größe" erfahrbar machen. Ferner wird man sich leichter der Tatsache bewußt, wie rasch das Bemühen um die Rekonstruktion der Vergangenheit zur Bildung von Verständnismodellen führt, die den Quellen eher gegenübergestellt als unmittelbar entnommen werden können. In der besonderen deutschen Forschungspraxis sollten auch primär sozialgeschichtliche Tatbestände wie Patronat und Klientel nicht ohne verfassungsgeschichtliche Zuordnung behandelt werden. Man kann geradezu davon sprechen, daß Institutionen jeder Art, vom Rechtsverhältnis bis zur Behörde, und Personenbeziehungen wie Patronat und Klientel im Normalfall wie zwei Seiten einer einzigen Sache existierten. Neulinge sahen sich ebensogut eingespielten Institutionen wie eingespielten Sozialbeziehungen gegenüber, die man beide akzeptieren mußte. Was man Geschäftsgang oder "bürokratisches" Funktionieren nennt, bedurfte schon angesichts der regelmäßig kleinen Zahl von Amtsträgern, die mit ihrem schlichten Instrumentarium öfter einem weiten Raum mit komplizierten Verhältnissen gegenüberstanden, zusätzlicher sozialer Mechanismen, die erst jenes Funktionieren einigermaßen erklären. Ohne diese vielleicht ungern akzeptierten Bestandteile gibt es keine einleuchtende Gesamtgeschichte, nicht einmal eine Verwaltungsgeschichte rein technischer Art, die einigermaßen plausibel wäre.

<)

Vgl. den Beitrag von Kar! Otllwr hb. ~·Oll Are/in in diesem Band.

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Peter Moraw

Als bemerkenswertem Teil jener Sozial beziehungen wird man dem Phänomen "Patronat und Klientel" die bekannten Haupteigenschaften zuerkennen: die Ungleichheit der Macht- und Mittelausstattung von Patron und Klient und ein relativ dauerhaftes, zunächst persönliches Verhältnis dieser Partner auf Gegenseitigkeit, wobei Schutz und Chancen Dienste und Ergebenheit gegenüberstanden. Nicht jeder Beliebige wurde Klient, vielmehr fand gern eine Vorauswahl durch Voraussetzungen statt, die schon aus Gründen der Überlieferung oft nicht genügend klar sind. Nur im Einzelfall ist gewöhnlich die wichtige Frage nach den Wahlmöglichkeiten des Klienten und der Dauer des Verhältnisses und damit am Ende nach Zustand, Dichte und Komplexität der entsprechenden Gesellschaft zu beantworten. Ebenso wesentlich erscheint die kaum beachtete Prämisse des Konsenses zwischen den Partnern - eines Minimalkonsenses, auf dem etwa die Verdichtung des Reiches im 15. und 16. Jahrhundert aufbaute, oder eines Fundamentalkonsenses, den W. Reinhard für das Augsburger Bürgertum voraussetzt; dadurch wurde ebensosehr die endgültige Polarisierung der Klientelen verhindert wie solche wohl erst ermöglicht. Faßt man diese und jene und alle angeführten Vorbedingungen ins Auge, so wird offenbar, daß man in der historischen Wirklichkeit des spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Deutschland einer unübersehbar großen Zahl verschiedenartiger Fälle von Patronat und Klientel begegnen dürfte. Die Quellensprache zumindest des Mittelalters trägt zur Präzisierung und Abgrenzung der Thematik verhältnismäßig wenig bei lO . Während die Hauptbegriffe nur gelegentlich ungefähr im modernen Sinn bezeugt sind, überwiegen Umschreibungen oder vage und mehrdeutige Formulierungen des Sachverhalts, unter welchen der Begriff des Freundes und der Freundschaft oder die Familien-Terminologie hervorsticht. In der Regel wird der Tatbestand im Einzelfall überhaupt nicht kompakt und eindeutig ausgesprochen und ist vielmehr aus dem Zusammenhang und aus Parallelfällen gleichsam modellhaft zu erschließen. Wenig Stützen bieten die Nachbarbegriffe, deren Verwaschenheit gerade in der Situation des kritischen Vergleichs hervortritt: Dies gilt für das Sprechen von Nepotismus 11 und von Korruption 12, für das Bündnis 13 und wohl für alle Termini, die im Umkreis des Begriffsfeldes verwendet wurden. Das deutsche Kernproblem entspricht dem europäischen: Im heiklen Feld der Patronage wurden die Dinge bestenfalls im gleichsam persönlichen Bereich klar ausgesprochen; einschlägige Quellen, vor allem private Briefe, waren auch noch als Gattung etwas Selte-

10 Mediae et infimae latinitatis lexicon minus, comp.] F Niermtycr(Leiden 1976) 191,776; Latinitatis medii aevi lexicon Bohemorum, Lief. 5 (Praha 1983) 712 f. 11 Wolkang Reinhard, Freunde und Kreaturen. "Verflechtung als Konzept zur Erforschung historischer Führungsgruppen" (München 1979); ders., Nepotismus, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Bd. 3 (Berlin 1984) 947-95l. 12 Wol/gang Schill/et; Probleme historischer Korruptionsforschung, in: Der Staat 16 (1977) 373-392;j(/cob van Klareren, Korruption, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Bd. 2 (Berlin 1978) 1163-1169. Vgl. den Beitrag von Kar! Olmar Frh. 1:01/ Are/in in diesem Band.

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Über Patrone und Klienten im Heiligen Römischen Reich

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nes. Die Durchsicht der wichtigeren deutschen Briefsammlungen des ausgehenden Mittelalters 14 hat erwartungsgemäß wenig Ertrag gebracht. Unter diesen Umständen lohnt es sich, den ältesten aufgefundenen Beleg von einigermaßen aus~eichender Klarheit zu zitieren und historis~h einzuordnen. Es hat:delt sich um eine ruckbhckende Selbstaussage des Kanzlers KaIser Karls IV., des Olmutzer Bischofs johann von Neumarkt (t 1380)15. Dieser stellt selbst einen äußerst bemerkenswerten Fall sozialer Verflechtung dar, insofern er einem großbürgerlichen Familienverband aus Brünn, Prag und Breslau zuzuordnen ist, der das Kanzleramt Karls IV. und König Wenzels mit geringen Unterbrechungen von 1332 bis 1396 innegehabt hat, johann selbst am längsten (1353/54-1371/74). Auch die Chance zur fachlichen Qualifikation schon in oer Kanzlei Königjohanns von Böhmen, des Vaters und Großvaters der genannten Herrscher, entstammt offenbar dieser Sozial beziehung. Zu alledem ist leider in den Quellen keine ausführliche Selbstaussage auffindbar; die Tatsachen müssen aus zahlreichen Mosaiksteinehen nach dem Verständnismodell des königsnahen Personenverbandes 16 erschlossen werden. Offensichtlich waren die Dinge allzu nahe und allzu fundamental, als daß sie unter den zeitgenössischen Voraussetzungen "politik- und sozialwissenschaftlicher" Analyse den Weg in die Formulierung gefunden hätten. Abgeschlossen war hingegen schon ein viel kleinerer Bereich und konnte damit als Gegenstand offenkundig ehrlicher Dankbarkeit und liebevoller Zuneigung ausgesprochen werden: das Klientelverhältnis des jungen johann zur angesehenen schlesischen Adelsfamilie der Pannwitz. Darüber weiß man leider im Detail kaum mehr, als was ein Brief johanns mitteilt, der an den letzten Überlebenden der Patrone, den Breslauer Domkustos Nikolaus von Pannwitz, gerichtet ist. Der Bischof und Kanzler wählte mit "domine singularis" eine Anrede, die viel eher die seinerzeitigen als damals gegenwärtige Rangverhältnisse spiegelte, und fuhr fort: "Nam post mOl'tem virorum nobilium videlicet domini Wolfram i et dominijo(hannis) de Panoviz, fratrum vestrorum, quod nobis Dominus dominancium sub minore nostra fortuna patran os attribuit, nullum confugium nullumque presidium consolationis habemus preter venerabilem nobis personam vestram, in cuius gremio veluti amantissimi patris tutela et si nu letior nostri status habitus et felicitas conquievit."17 johann von Neumarkt stand zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen längst selbst als mächtiger Patron - und als Klient noch größerer Herren - im Mittelpunkt eines Netzes von Sozialbeziehungen und hat in dieser Eigenschaft, wie wohl seinerzeit die Pannwitz, zahlreiche Empfehlungen ausgesprochen l8 . l.j Codex epistolaris Johannis regis Bohemiae, hrsg. von 77Jeoe/orjacobi (Berlin 1841); Politische Correspondenz des Kurfürsten Albrecht Achilles, hrsg. von Fe/ix Priebatsch. 3 Bde. (Leipzig 1894-98) (Pub!. a. d. K. Preuß. Staatsarchiven 59,67,71); Deutsche Privatbriefe des Mittelalters, hrsg. von GeOig SteillhaliSeII, Bd. 1 (Berlin 1899) (Denkmäler der dt. Kulturgesch. I, 1); Nova Alamanniae, hrsg. von Ee/mund E. Stenge! und Klaus Sc/xj/er; 2 Hälften (Berlin, Hannover 1921-76); Briefe Johanns von Neumarkt, hrsg. von Pali! Piur(Beriin 1937) (Vorn Mittelalter zur Reformation 8). I j Peter Mora zu, Grundzüge der Kanzleigeschichte Kaiser Karls IV., in: ZHF 12 (1985) 11-42. 16 Den., in: Deutsche Verwaltungsgeschichte (wie Anm.7) 28 ff. !7 Briefe (wie Anm. 14) 122f. Nr. 80 (1364-1373). !S Z. B. ebd., 146 ff. Nr. 91 ff.

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Diese und ähnliche Handlungen konnten Ausdruck eines speziellen PatronatKlientel-Verhältnisses sein, aber auch weit umfassendere Sozialbeziehungen zum Ausdruck bringen. Damit kommen wir zu einem Hauptproblern der Thematik gerade für die deutschen Verhältnisse mit ihren im Vergleich zu Süd- und Westeuropa bemerkenswerten Quellenschwierigkeiten : zur Abgrenzungsfrage. Wenn nämlich nicht wie im Fall der Pannwitz und johanns von Neumarkt - ein deutlicher sozialer Abstand vor Augen tritt, der ein schon existierendes (legitimes) Verwandtschaftsverhältnis praktisch ausschließt, besteht sehr häufig Unsicherheit darüber, ob nicht an Stelle "nur" von Patronat und Klientel die weitaus wirkungskräftigste Sozialbeziehung des alten Europa vorauszusetzen ist, die Verwandtschaft. Über die sittliche Pflicht, Verwandte angemessen zu versorgen, und über die Zweckmäßigkeit, auf die Loyalität von Verwandten zu bauen, braucht man für die hier angesprochenen jahrhunderte kaum ein Wort zu verlieren. Bei relativ geringem sozialen Abstand konnte ein Nur-Klientelverhältnis in eine Ehebindung und damit in der nächsten Generation in Verwandtschaft übergehen. jedenfalls sind die vier Hauptformen hochwirksamer Personenbeziehungen, die Verwandtschaft, die Landsmannschaft, die Freundschaft und das Patronat-Klientel-Verhältnis, nach Quellenlage und nach zeitgenössischer Praxis wenigstens für deutsche Verhältnisse sehr eng zusammenzurücken. Ihre Unterscheidung wird häufig idealtypischen Charakter annehmen. Aus der Sicht des Mediävisten kann man noch einen Schritt weitergehen und vermuten, daß die drei letztgenannten Typen nach dem Vorbild des ersterwähnten Typus geformt waren, so daß es sich nicht um Gleichrangiges, sondern um eine führende Sozialform und um ihr zugeordnete handelte. Der langjährige Umgang mit prosopographischen Quellen zeigt, daß zumindest in Deutschland verhältnismäßig frühe und ausführliche Selbstzeugnisse über solche sozialen Auswirkungen von Verwandtschaft, die man als Vorbilder für Patronat-Klientel-Verhältnisse im strengen Sinne verstehen könnte, ebenfalls sehr selten sind. Daher sei als zweites Beispiel eine bemerkenswerte Aussage, diesmal aus dem Wiener Kirchen- und Universitätsmilieu um und nach 1400, zitiert, die von johannes Hinderbach (t1486) herrührt. Dr. Hinderbach l9 hat als jurist, kaiserlicher Rat und Kirchenmann eine bemerkenswerte Karriere gemacht, die zuletzt auf den Bischofsthron von Trient führte. Der Text 20 schildert den Zusammenhalt eines "genus" (Familie, Geschlecht) und dessen Erfolge, die einem großen Verwandten, dem Theologen Heinrich von Langenstein (t1397), verdankt wurden. "Hic (Heinrich von Langenstein) fuit ex genere meo, ut ab avia mea, que erat sororis eius filia de villa Langenstein (in Hessen), comperi, nobile patre quamquam admodum paupere genitus et ob multituclinem filio-

19 Pe/er illorrlw. Gelehrte Juristen im Dienst der deutschen Könige des späten Mittelalters (1273-1493), in: Die Rolle der Juristen bei der Entstehung des modernen Staates, hrsg. von Ro11/(/1/ .\dJ/lur(Berlin 1986) 77-147. 20 Zitiert bei Herli/tlllll G"öhln; Das Wien er Kollegiat-, nachmals Domkapitel zum HI. Stephan in seiner persönlichen Zusammensetzung in den ersten zwei Jahrhunderten seines Bestandes 1365-1554 (Diss. masch. Wien 1932) 160, nach Fontes rerum Austriacarum, 11. Abt. Bd. 61 (Wien 1909) 81.

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ru n1 .. , e patria exulare coactus, sed Parisios studendi causa se contulit, ubi in magna aupertate, uti plerique alii, summ um theologie doctoratum cathedramque magistrakm adeptus ad partes ... Alberti ducis Austrie pro fundanda scola Wiennensi postea conductus. Qui alium post se genere nostro, magistrum Hermannum nomine de Treysa oriundum, in eodem Wiennensi studio enutrivit. Qui et ipse ad doctoratum resque pervenit et alium iterum ille post se nos tri generis, magistrum Dietmarum, educavit et eidem ac fratri suo germano domum, quam hodie possidemus, et alia bona vineta quedarn ex testamento reliquit. Cuius ego quoque pietate ad bonarum artium adductus in eum, quem Dei miseratione adeptus sum, gradlUTI et fortunam perveni." Viele Aussagen dieses Textes ließen sich ohne Schwierigkeiten auf das PatronatKlientel-Problem hin interpretieren. Angeführt sei nur eine Kernfrage: Die Sicherheit des Hauses und der engeren Familie, die freilich ihrerseits durch Armut in Frage gestellt werden konnte, war von Sphären der Unsicherheit umgeben - zumindest insofern, als der Zugang zu neuen, wieder Sicherheit gewährenden Positionen nicht sachbezogen und nicht durch abstrakte Qualifikation durch Leistung von diesen Positionen aus geschaffen wurde, sondern durch "zufällige" Personenbeziehungen. Ob solche Personenbeziehungen durch das haltbarste Bindemittel, die Verwandtschaft, oder durch andere, etwas schwächere Wirkkräfte zustande kamen, die auf ein und derselben Skala anzuordnen wären, war demgegenüber sekundär. In der historischen Wirklichkeit wird man stets mit einer größeren Menge solcher Kraftlinien zu rechnen haben, die sich auf eine geringere Zahl von Positionen bezogen. Es mußten also Verflechtungen oder Netze von Personenbeziehungen entstehen, in deren Mitte man erfolgreiche Patrone wie Johann von Neumarkt auffinden kann. Nur Personen am oberen oder unteren Rand der Gesellschaft vermochten entweder nur Patron oder nur Klient zu sein. Der Regelfall war die gleichzeitige Existenz in beiden Rollen, ein Hauptverknüpfungspunkt der alten Gesellschaft. Johann von Neumarkt fühlte sich auf der Höhe seiner Macht als Klient verschiedener Kardinäle und brachte dies brieflich mit den oben beschriebenen "klassischen" Merkmalen zum Ausdruck 21 . Selbstverständlich war er zugleich in verschiedener Weise Patron einer großen Anzahl von Personen seines dienstlichen und regionalen Umkreises bis hin zur Position eines Vermittlers, wenn er für andere Kleriker an die Kurie supplizierte. In ähnlicher Lage waren seine führenden Kanzleibeamten für ihre entsprechend kleineren Systeme. Solche Zusammenhänge stellen die wichtigste oder gar einzige Beziehung zu den Unterschreibern der Kanzlei dar, die als "Privatbeamte" ihrer Patrone gelten müssen. Unter diesen Umständen fielen Außenseiter besonders auf, vor allem wenn sie langdauernden Erfolg hatten. Während die Protonotare und leitenden Notare der Kanzlei normalerweise Klienten des amtierenden oder eines vorausgegangenen Kanzlers und demgemäß auch Kleriker waren, vermochte die energische Gemahlin des Kaisers, Anna von Schweidnitz, einen ihrer Gefolgsleute, den Laien Peter von Jauer, in die Kanzlei einzuschleusen und sich dort behaupten zu lassen - begünstigt

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Briefe (wie Anm. 14) 106fl. Nr. 69ff., 369ff. Nr. 282fl., 460ff. Nr. 3731.

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freilich durch die Herkunft beider aus Schlesien, die Patron in und homo novus mit wichtigen Etablierten teilten 22 . Die breitgelagerten Endprodukte anfangs feingesponnener Personenbeziehungen sind in den Quellen leichter auffindbar als die diffizilen Entstehungsumstände. Sie sind dann freilich auch weniger spezifisch. So konnte man davon sprechen, daß solche Endprodukte in der Stadt kaum von Oligarchien (W. Reinhard) oder im "feudalen" Milieu kaum vom System des Lehnswesens (V. Press) unterscheidbar oder sinnvoll ablösbar seien. Man kann diese Feststellungen wohl in der Weise zusammenfassen, daß offenbar alle realen Einheiten: Hof, Reich, Territorium, Stadt, Kirche, Universität und Dorf samt ihren Untergliederungen von vielfältig verflochtenen Gruppen beherrscht waren. Das der Patronat-Klientel-Frage und parallelen Erscheinungen übergeordnete Phänomen könnte man soziale Verflechtung nennen. Es ist die Schwäche der deutschen Forschung, daß derartige Aussagen verhältnismäßig zeitlos klingen und auch so gemeint sind; denn eine chronologische Differenzierung, etwa in Parallele zu entsprechenden englischen Bestrebungen, ist mit Hilfe verhältnismäßig allgemeiner Kategorien für das Reich vorerst wohl kaum möglich. Man wird auch an das einleitend angesprochene Faktum der äußerst komplizierten Rahmenbedingungen erinnern. Derzeit bleibt kaum etwas anderes übrig als - wie im folgenden versucht - an konkrete Einzelbereiche heranzutreten.

II Als das wohl umfassendste Betrachtungsfeld überhaupt, innerhalb dessen PatronatKlientel-Verhältnisse ertragreich analysiert werden können, hat die vorreformatorische Papstkirche 23 zu gelten. Ihre Grundstrukturen sind während der frühen Neuzeit in den katholisch gebliebenen Teilen Deutschlands nicht grundsätzlich verändert worden. Eine deutsche Besonderheit waren die geistlichen Fürstentümer'", die die Thematik gleichsam konzentrierten. In anderer Weise sind Konzentrationslinien in den KalTieren ungewöhnlich erfolgreicher Kirchenmänner zu sehen, die eine Mehr- oder gar Vielzahl von Patronat-Klientel-Verhältnissen nach- und nebeneinander aufweisen konnten". Es gab jedenfalls eine Art Instanzel1zug nach Amtshierarchie und gerade

2' Peter illomw, König, Reich und Territorium im späten Mittelalter, Bd. 1 (Ms. Heidelberger Habilitationsschrift 1971) 335 f. 23 Bernard Gl/iltemain, La cour pontificale el'Avignon 1309-1376 (Paris 1962); A.-L. Courtcl, Lcs clienteles eles carelinaux limousins en 1378, in: MClanges de l'Ecole frans:aise de Rome 89, 2 (1977) 889-930; Wolfgang Reinhord, Die Verwaltung der Kirche, in: Deutsche Verwaltungsgeschichte, Bel. 1, 143-176; Christialle Sfhl/fhard, Die Deutschen an der päpstlichen Kurie im späten Mittelalter (1378-1447) (Diss. masch. Gießen 1984). 24 Petcr jHomwunel Volker Pre.LI~ Geistliche Fürstentümer, in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 11 (Bcrlin, New York 1983) 711-719. 2) Z. B. Erieb iHeuthen, Nikolaus von Kues 1401-1464 (Münster 31976); Imn Hltmffek, Lamprecht von Brunn, Bischof von Bamberg, in: Fränkische Lebensbilder, Bel. 9 (Neustadt! Aisch 1980) 46-60.

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auch vom Papsttum selbst ausgeübte kraftvolle Patronatsverhältnisse nebeneinander mit einer sonst sehr selten auffindbaren Eindringlichkeit. Die Stufung reichte von der Kurie abwärts bis zu den einfachen Stellen inhabern und solchen, die dies erst werden wollten. Daneben bestanden zahlreiche groß- und kleinräumige regionale Verflechtungen, zumal Beziehungen zu adelig-höfisch-"staatlich"-städtischen Kräften, die durch die einstige Kirchengründung legitimiert, durch Abmachung mit dem Papst legalisiert oder einfach usurpiert waren. Es steht heute klar vor Augen, daß längst vor der Reformation der Laieneinfluß kräftig zunahm und sich die Zahl der Kontakte zum Papsttum verringerte. Gewohnheitsrechtliche adelig-großbürgerliche Besitzansprüche auf Pfründen sind vielfach oder fast regelmäßig mit Hilfe sozialer Verflechtung verwirklicht worden. Die vermögenstragende Grundeinheit der Pfründe, in welche sich der personalpolitisch unmittelbar verfügbare Besitz der Kirchen gliederte, die auch ein sehr erstrebenswertes Maß von wirtschaftlicher Unabhängigkeit und zugleich von Abkömmlichkeit sicherte, war ein lohnendes Ziel. Von den Zeitgenossen ist die Stellenbesetzungsfrage in der Kirche unter dem Gesichtspunkt des Mißbrauchs vielfältig diskutiert worden. Modern klingende scharfe Kritik an der Personalpolitik "von oben" ist freilich jedesmal unter dem Gesichtspunkt zu prüfen, ob nicht die Störung eines eigenen kleineren Interessenkreises abgewendet werden sollte, um innerhalb seiner unbehelligt den gleichen Regeln folgen zu können, die bei anderen getadelt wurden. Wo es so viel zu verteilen gab, lohnten sich Disput und Protest. Den Wettbewerb der Patrone kann man an Dom- und Kollegiatstiften am besten beobachten. Die Kirchengeschichtsschreibung dürfte Gewinn daraus ziehen, wenn sie solche Institutionen nicht in ihrer kirchenrechtlichen Vereinzelung, sondern innerhalb ihrer Netze von Personen zusammenhängen aufsuchen würde 26 • Jener Isolation liegt auch die des Anachronismus verdächtige Vorstellung von einer Qualifikation durch Eignung und Leistung zugrunde, die zumindest viel schwerer beweisbar ist als die soziale Qualifikation. Das Verständnismodell einer komplexen Patronagegesellschaft könnte jedenfalls die (außerhalb des städtischen Milieus) ein wenig in die Isolierung geratenen spätmittelalterlichen Großkirchen leichter dorthin rücken, wohin sie gehören: mitten hinein in die Frage nach dem Funktionieren von Gesellschaft und Verfassung des Alten Reiches. Die Mitte der Reichsverfassung bildete der Königshof. Der Hof, der im späten Mittelalter die größte Integrationsfähigkeit aufwies, war derjenige Karls IV. (1346-13 78)27; vergleichbar damit ist erst wieder der bisher weniger gut bekannte Hof Maximilians 1. (1493-1519)'8 Gemessen an den Verhältnissen Frankreichs oder gar Englands war die Anziehungskraft des karolinischen Hofes geringer, was dem geringeren Ausmaß an

26 Peter iVlom n; Hessische Stiftskirchcn im Mittelalter, in: Archiv für Diplomatik 23 (1977) 425-458; Untersuchungen zu Kloster und Stift (Göttingen 1980). Viel Material in den Bänden der Germania Sacra. 27 Pe/er illomw, Zur Mittelpunktsfunktion Prags im Zeitalter Karls IV., in: Europa slavica - Europa oricntalis, Festschrift für Herbel't Ludat (Berlin 1980) 445-489. 28 }an-Dirk AIiilln; Gedechtnus. Literatur und Hofgesellschaft um Maximilian I. (München 1982) (Forschungcn zur Geschichte der älteren deutschen Literatur 2).

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Staatlichkeit entsprach, das die deutschen Herrscher über die Hausmachtterritorien hinaus zu entfalten vermochten. Die Teilhabe der Reichsglieder an zentralen Entscheidungen war über den Kreis der Kurfürsten hinweg noch nicht institutionalisiert, also patronageverdächtig. Für die Hofverfassung selbst, die ohne schriftliche Ordnung und mit sehr wenigen wirklich durchgeformten Institutionen auskam, galt dasselbe. Man wird am besten von einer patriarchalisch organisierten Gemeinschaft sprechen. Eine bemerkenswerte Quelle für die Patronageverhältnisse am Hof und besonders in der Kanzlei bildet die schon zitierte Korrespondenz des Kanzlers Johann von Neumarkt. Sie weist als Briefempfänger und Briefschreiber eine wegen der vielen Namenslücken schwer feststellbare, jedoch insgesamt wohl dreisteIlige Zahl von Kontaktpersonen aus. Soziale Makro- und Mikroverhältnisse werden darin abgebildet. Die Kanzlei selbst bietet davon eine breite Skala, sie war als "cancellaria mea" oder "cancellaria nostra"29 terminologisch ebenso "privatisiert" wie ein Teil ihres Personals. Denn während die führenden Beamten, die bischöflichen Rang womöglich schon während der Amtszeit und häufiger danach erreichten, nahezu als Gleichrangige angeredet wurden, sicherte Johann die besonderen Funktionen der Registratur, der Besiegelung und der Korrektur durch persönliche Klienten niederen Ranges ab. Selten tritt so klar hervor, daß noch wenig entwickelte behördliche Strukturen durch Patronage gestützt werden mußten. Der Schluß ist erlaubt, daß der erfolgreiche Kanzler am leichtesten als erfolgreicher Patron erkennbar wird; auch das Gegenteilige kann als Tatsache gelten. Auf Sozialbeziehungen dürfte auch das besondere Gesicht der karolinischen Kanzlei zurückgehen, das sie von den unentwickelten Verhältnissen Ludwigs des Bayern ebenso unterscheidet wie von der stärker gelehrt-juristisch geprägten Folgezeit; es war eine ökonomische "Elite", die nicht übel zu Karls eigenem Wesen zu passen scheint. Ein Warnsignal freilich, das hier eher an eine Analogie als an bewußte Personalpolitik zu denken empfiehlt, richtet die wohl interessanteste einschlägige Beobachtung auf: Es war territorialpolitisch sehr unvernünftig, die Kanzlei gegen Ende der Regierungszeit so sehr vom böhmischen "Mutterboden" abzuheben, daß kein einziges ihrer einigermaßen bedeutenden Mitglieder mehr aus dieser neuen Heimat der Dynastie stammte. Gleichwohl geschah es. Diese Entwicklung, die spätestens im Zeitalter Wenzels zur Krise führte oder beitrug, kann nur durch personelle Eigengesetzlichkeiten in Gang gebracht und unwiderstehlich gemacht worden sein; man muß sie im Bereich der Patronage und verwandter Sozialbeziehungen suchen. Sie waren stärker als politische Erwägungen. Auch in anderen Bereichen des Hofes zeigt sich das Funktionieren sozialer Beziehungen recht eindrucksvoll. Hier trafen Kräfte aus der territorialen Tradition der jeweiligen Erbländer und aus königlichen Traditionssträngen zusammen. Die 182 namentlich bekannten inländischen Räte und secretarii Karls IV30 stammten zu 54 Pro-

Briefe (wie Anm. 14) 152 Nr. 96, 240 Nr. 156. Peter Momw, Räte und Kanzlei, in: Kaiser Kar! IV. Staatsmann und Mäzen, hrsg. von Fmli/la/ld .leibt (München 1978) 285-292, 460.

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zent auS den Hausmachtterritorien und zu 46 Prozent aus dem übrigen Reichsgebiet; jedoch kam nur ein Zehntel der letztgenannten nicht aus den vier königsnahen Landschaften, aus Franken, vom Mittelrhein, aus Schwaben und vom Mittelelbe-Saale-Gebiet. Schon diese Tatsache weist auf den sozialen Faktor bei der Rekrutierung der königlichen Räte hin. Ein starkes Drittel von ihnen gehörte Personen verbänden und Familien an, die man als traditionell königsnah bezeichnen kann. Kaum mehr als zwei Dutzend von Personenverbänden, bei zum Teil verschieden vollziehbarer Abgrenzung, beherrschten den Hof, fünf oder sechs davon die Kanzlei. Außenseiter waren selten. Durch Vererbung und auch durch Patronat reproduzierte sich der Hof gleichsam selbst, solange nur das auswärtige Substrat des jeweiligen Verbandes intakt blieb und sich die geographisch-politischen Grundlagen des Königtums nicht radikal wandelten. Nichtstaatliche Elemente trugen auf diese Weise das Gemeinwesen mit, da man solche Stetigkeit in einem Zeitalter allgemeiner Herrschaftsschwäche als staatlich erwünscht bezeichnen muß. Man wird hier die persönlichen Treuebeziehungen zum Herrn hervorheben; Ämter waren noch kaum versachlicht, es gab weniger Zuständigkeitsbereiche als mehr oder minder ausgeschöpfte Potentiale, die sehr stark mit persönlichen Interessen verbunden waren. Bei den Räten vor allem ist das Stichwort des "Mitunternehmertums", ja zum Teil der "Mitherrschaft" angemessen; die eingebrachten Machtmittel sollten auf diese oder jene Weise gleichsam verzinst werden. Manche anrüchigen Begleitumstände würde man heute Korruption nennen, selbst die königliche Gerechtigkeit ist immer wieder käuflich gewesen. Der Königsdienst war jedenfalls attraktiv - auch für Großbürger, deren heimatliche Machtbasis die großen Reichsstädte, Nürnberg oder Frankfurt, waren. Landadelige Herren und Großbürger erwiesen sich zugleich als Mitglieder regionaler Führungsgruppen, so daß der ganze Hof als soziales System zur Auseinandersetzung mit der Umwelt aufgefaßt werden kann. Diese Sozialbeziehungen trugen die Aktivität des Königtums mindestens ebensosehr wie das offizielle Urkundenhandeln, das seinerseits oft genug durch Vorgänge entlang solcher Verbindungslinien ausgelöst worden sein dürfte. Nach alledem darf man den personalpolitischen Spielraum des Herrschers bei weitem nicht für so groß halten, wie sich dies ein unbefangener Beobachter vorstellen könnte. Es gab wenig neu zu verteilen, weil schon so vieles verteilt gewesen ist. Dort, wo dem direkten Patronat des Königs Platz eingeräumt war, bei der Erhebung treuer Dynasten in den Reichsfürstenstand, erwiesen sich die Erfolge als recht gering; die Vorweghingabe der Belohnung vermochte kein dauerhaftes Band zu knüpfen. Am treuesten waren die Burggrafen von Nürnberg aus dem Hause Hohenzollern, solange sie noch nicht Kurfürsten von Branden burg geworden waren. Neues zeigte sich vom ausgehenden 14. Jahrhundert an am deutlichsten in der Juridifizierung des Hofes, die an den führenden Universitäten auch neue Knotenpunkte von später am Hofe fortlebenden Personenbeziehungen schuf. Die gelehrten Juristen des 15. Jahrhunderts wurden zunächst wie zuvor aus regionalen Märkten rekrutiert, bis dann zu einem noch undeutlichen Zeitpunkt nach 1500 ein vom Kaiser genutzter nahezu gesamtdeutscher Juristenmarkt heranwuchs, den auch die Reformation nur zeitweise störte. Das juristische Spezialistentum schuf auch anderwärts bemerkenswert dauerhafte Personenbeziehungen, in deren Verwandtschaftslücken das landsmann-

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schaftlieh gestützte Patronat eintrat;'. Im Rahmen der Verdichtung des Reiches seit etwa 1470, die dann zum Höhepunkt der sogenannten Reichsreform hinführte, bildeten sich seit 1471 über regionale Städtebünde hinaus gemeindeutsche Städtctage und wenig später der Reichstag aus. Damit gewann das politische Gefüge einen zweiten einigermaßen festen Mittelpunkt neben dem königlichen Hof, der auf diese Herausforderung seinerseits mit einer erheblichen Fortentwicklung und neuer Attraktivität für neue Gruppen, zuletzt für die "docti" und "litterati", antwortete l2 . Die neuen Reichsbehörden der frühen Neuzeit bildeten ihrerseits Zonen sozialer Verdichtung aus, von denen die "Aura" des zuletzt in Wetzlar beheimateten Kammergerichts als vom Hof und vom Reichstag abgesetztes Zentrum die interessanteste ist JJ . Die Assessoren des Kammergerichts des 17. und 18. Jahrhunderts entstammten gemäß einem besonderen Präsentationsverfahren allen Territorien des Reiches und repräsentierten gleichwohl etwas relativ Einheitliches: die Schicht der Funktionsträger der zentralen und mittleren fürstlichen Verwaltungsbehörden - sozial gesehen neben landsässigem Adel zum deutlich größeren Teil das Honoratiorenturn ansehnlicher Städte. Sie kamen nicht als Isolierte, sondern entlang beruflicher und sozialer Aktionslinien und bewiesen insgesamt ein beträchtliches Maß sozialer Kontinuität, das sich in der Abwehr von Außenseitern deutlich zeigte. Die "moderne" Form der Beziehungsknüpfung durch die Kavalierstour und "gezielte" Besuche mit Empfehlungsschreiben war längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Der Blick auf das Ganze des Reiches als politisch-soziales Gebilde kann angesichts des Beitrags von V. Press sehr knapp ausfallen und darf ungeachtet der "Störungen" des Reformationszeitalters auf das späte Mittelalter und die frühe Neuzeit gemeinsam gerichtet bleiben. Unter den großräumigen Neuerungen, die die Thematik von Patronat und Klientel betrafen, war wohl der weiterhin wachsende Erfolg des Fürstentums und seiner Staatenwelt am wichtigsten. Durch die Reformation gewannen schließlich die Fürsten aller Konfessionen. Was ihnen in Gestalt des nichtfürstlichen Adels gegenüberstand, unterschied sich beiderseits der wichtigsten Konfessionsgrenze nicht prinzipiell; eher kann man von Phasenunterschieden in parallelen Entwicklungen sprechen. Hatte das 16. Jahrhundert des Adels, wenn so vereinfacht werden darf, gerade im Bereich gewichtiger sozialer Vorgänge eher ein bürgerliches Etikett getragen, insofern die Höhergeborenen von den Aktiveren lernten, so wurde das 17. Jahrhundert nach diesem "Lernprozeß" wieder mehr ein adeliges Zeitalter. Im fortdauernden Dualismus der Reichsverfassung trat das Gewicht der großen, immer kompakter werdenden Fürstenstaaten nach vorn. Dem Kaiser verblieben die kleineren Adelsklienten Jl Pe/er lliomn; Heidelberg: Universität, Hof und Stadt im ausgehendcn Mittelalter, in: Studien zum städtischen Bildungswesen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, hrsg. von Band fHoeller u.a. (Göttingen 1983) 524-552 (Abh. der Akad. der Wiss. in GötÜngen, Philol.-Hist. Kl. 3. F. 137). 32 Wie Anm. 2 und 28. 33 Sigrid Jabm~ Brandenburg-Prcußen im System der Rcichskammergerichts-Präscntationcn 1648-1806, in: Politische Ordnungen und soziale Kräfte im Alten Reich, hrsg. von llemldnn lVeber(Wiesbaden 1980) 169-202; dies., Die Universität Gießen Lind das Reichskammergericht, in: Academia Gissensis, hrsg. von Peler iHoraw und Volke,. Press (Marburg 1982) 189-219.

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sätmittelalterlichen Erbes vor allem im alten königsnahen Bereich, denen der Weg in Staatlichkeit nur unvollkommen oder gar nicht geglückt war. Im 16. und im 17. Jahrhundert war damit noch beachtliche Kaiserpolitik zu machen und war auf seiten des Adels wegen der Stellenvermehrung und bei Rekatholisierungen einiges zu verdienen, vor allem im 18. Jahrhundert veraltete jedoch dieses System unaufhaltsam}"' Auch innerhalb der größeren Territorien und erst recht dann, wenn der erfolgreiche Fürst mehrere Länder zu einem Komplex zusammenzuführen suchte, wurden die Beziehungen zwischen den Machtträgern, das heißt auch vom Fürstenhof "nach unten", unausweichlich komplizierter}>. Der Beitrag von W. Blockmans zeigt dies auf dem Weg vom 13. zum 16. Jahrhundert im besonders hochentwickelten burgundischen Bereich sehr eindrücklich, andere Länder folgten mit entsprechender Phasenverschiebung. Die Entwicklung vollzog sich nicht gleichmäßig schnell, das Jahrhundert zwischen etwa 1450 und 1550 war besonders wichtig. Die wohl wichtigste Neuerung in den protestantisch gewordenen Territorien war die Verflechtung staatlicher und konfessioneller Existenz (man könnte auch sagen: konfessioneller und staatlicher Existenz) in Gestalt ein'es Amtsadels oder eines gehobenen bürgerlichen Beamtentums auS den ratsfähigen Familien der führenden Landesstädte, manchmal auch der benachbarten Reichsstädte. Die sozialen Prozesse innerhalb dieser Gruppen waren an Intensität kaum zu übertreffen; neben der maßgeblichen Verwandtschaft und Verschwilgerung spielten aus der Sicht des Hofes und gegenüber Aufsteigern und Außenseitern auch Patronatsverhältnisse ihre Rolle. Für das mittelgroße Territorium der Landgrafschaft Hessen im 16. Jahrhundert berechnete man einen Kernverband von ungefähr 25 Familien, die württembergische "Ehrbarkeit" wird bis zum großen Einschnitt von 1534 auf etwa sechzig Familien geschätzt. Bei sozialen Krisen, wie derjenigen, die auf 1534 folgte, steigerte sich natürlich die Vielfalt sozialer Prozesse, bis nach einiger Zeit wieder eine Beruhigung eintrat J6 .

Volker Press. Führungsgruppen in der deutschen Gesellschaft im Übergang zur Neuzeit um 1500, in: Deutsche Führungsschichten in der Neuzeit (wie Anm. 6) 29-77; den., Stadt und territoriale Konfessionsbildung, in: Kirche und gesellschaftlicher Wandel in deutschen und niederhlndischen Städten der werdenden Neuzeit, hrsg. von Fmll:z Pctri (Köln, Wien 1980) 251-296 (Stiidteforschung A 10); den., Das römisch-deutsche Reich - ein politisches System in verfassungs- und sozialgeschichtlicher Fragestellung, in: Spezialforschung und "Gesamtgeschichte", hrsg. von Grete Klingenstein und Heinrich Lutz (Wien 1981) 221-242 (Wiener Beitr. zur Geschichte der Neuzeit 8); den., Soziale Folgen der Reformation in Deutschland, in: Schichtung und Entwicklung der Gesellschaft in Polen und Deutschland im 16. und 17.Jahrhundert, hrsg. von ilJarian Bükuj> und Klau.r Zm/(/ck (Wiesbaden 1983) 196-243 (VSWG Beiheft 74). J5 PCleriHomw, Die Entfaltung der deutschen Territorien im 14. und 15.Jahrhundert, in: Landesherrliche Kanzleien im Spätmittelalter (München 1984) 61-108 (Münchener Beiträge zur Mediävistik und Renaissance-Forschung 35). 30 Kar! E. [)cIIlClndt, Amt und Familie, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 2 (1952) 79-133; Han.mwrtill [)ecker-Htllljj; Die geistige Führungsschicht Württembergs, in: Beamtenturn und Pfarrerstand 1400 bis 1800, hrsg. von Caintber Fmllz (Limburg/Lahn 1972) 51-75 (Deutsche Führungsschichten in der Neuzeit 5). Zu den katholischen Verhältnissen z. B. Volker PrtT':. Korbinian von Prielmair (1643-1707) (Ottenhofen 1978). Ji

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Dem in den folgenden Einzelbeiträgen kaum berührten Bereich der Universitäten ist etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen, zumal er für das Thema von Patronat und Klientel im Deutschland des 14./15. Jahrhunderts und der frühen Neuzeit sehr bemerkenswert ist. Die verhältnismäßig spät gegründeten deutschen Universitäten 37 waren seit dem Großen Schisma ihrem regionalen Umkreis in besonderer Weise verhaftet, die meisten waren in der Hand von Fürsten. Entgegen älteren Auffassungen steht heute fest, daß die Universität kein von der Umwelt abgesondertes, anderen Regeln als diese unterworfenes Gebilde gewesen ist. Der Weg in die Universität und das Verhalten innerhalb ihrer waren von den üblichen zeitgenössischen Sozialbeziehungen geprägt, unter welchen Patronat-Klientel-Verhältnisse eher deutlicher als anderswo hervortraten. Bezugspersonen waren Außenstehende wie Landesherren oder städtische Honoratioren, die sich mit der Vergabe von Stiftungsplätzen und Stipendien befaßten, vor allem aber auch die Magister, die für die "Familiae" ihrer Studenten große Teile des Studiums bestimmten; diese und jene Klientelverhältnisse waren oft landsmannschaftlich unterbaut. Für die großen Herren waren die Juristen am interessantesten, die den ersten sozialen Rang einnahmen; die Hinwendung des Adels zur Universität, besonders im 16. Jahrhundert, vollzog sich in diesem Bereich. Was die Universitätslehrer betraf, so bezeichneten nach den durch ehelose Kleriker geprägten Anfängen die Legisten und Mediziner des 15. Jahrhunderts, die sich zu verheiraten begannen, etwas Neues: die Anfänge jener "Kastenbildung", die in der früh neuzeitlichen protestarltischen Familienuniversität 38 gipfelte. Diese geriet ebenso in die Hand von jeweils wenigen "Universitätsfamilien", wie der Territorialstaat den Beamtensippen anheimfiel. Während die Universität als ganze wenigstens zeitweise als sozial eher dynamisches Element aufgefaßt werden kann, zielten die Verhaltensregeln in der Zone sozialer Verdichtung der Universitätsfamilien auf das Beharren ab. Die protestantische Universität der frühen Neuzeit (seit Marburg 1527) war mit den territorialen Beamtenfamilien aufs engste verbunden. Zugleich wirkte sie am Entstehen einer von diesen stark beeinflußten, sozial darunter angesiedelten neuen Großgruppe entscheidend mit: der protestantischen Pfarrerschaft. Sie neigte in ähnlicher Weise zur oligarchischen Verfestigung, verwirklichte diese jedoch nach unten hin nicht gänzlich. Schon infolge des weitverbreiteten Stipendiatenwesens kamen immer neue Kräfte hinzu, die bei der Rekrutierung häufig durch kleine lokale Kollegien im Territorium und dann in der Stipendiatenanstalt der Universität der Patronage klassische Betätigungsfelder boten; die Position des Ephorus der Stipendiatenanstalt war eine der einflußreichsten und begehrtesten. Ein typischer Aufstiegsvorgang innerhalb der Universität führte von der LehrersteIle am vorgeschalteten Pädagogium in die immer noch unterste Fakultät, die Philosophische, innerhalb ihrer von einer schlechte-

Peter iHomu.; Aspekte und Dimensionen älterer deutscher Universitätsgeschichte, in: Academia Gissensis, 1-43; Rainer C SdJluingeJ, Deutsche Universitätsbesucher im 14. und 15.Jahrhundert (Wiesbaden 1986). 38 Peter flIo/"{/w, Kleine Geschichte der Universität Gießen 1607-1982 (Gießen 1982) 42 H. .39 Den., Humboldt in Gießen, in: Geschichte und Gesellschaft 10 (1984) 47-71. 37

Über Patrone und Klienten im Heiligen Römischen Reich

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ren zu einer besseren Professur und dann auf einen Lehrstuhl in einer der höheren Fakultäten. Das hohe Maß von Ungleichheit rief auch hier nach dem Patronat und machte die Position des "starken Mannes" möglich, der organisatorisch, sozial und schließlich auch biologisch der Vater einer Universität werden konnte, wie der Theologe Balthasar Mentzer 1. im frühen 17. Jahrhundert in Gießen. In jeder Generation kam der eine oder andere Außenseiter hinzu, der zumeist durch Heirat integriert wurde und damit den Familienverband auffrischte. Jenes konnte durch Patronage vom Hofe her bewerkstelligt werden, wo zum Beispiel die eine Partei den Pietismus gegen die Orthodoxie fördern mochte, oder umgekehrt. Das aufgeklärte 18. Jahrhundert fügte die Figur der wissenschaftlichen Autorität hinzu, die von einer führenden Universität wie Göttingen auf andere Hohe Schulen hinauswirkte und ihre KlientenSchüler verteilte. An der Wende zum 19. Jahrhundert und danach "regierten" in dieser Form schon "Könige der Wissenschaft", zumal die beiden Humboldt oder auch Liebig. Hier wenigstens ist erkennbar, wann und wodurch die alte Gesellschaft beendet wurde, so daß in der Universität der Wissenschaftler an die Stelle des Gelehrten trat: durch den allgemeinen Wandel des 19. Jahrhunderts, das vielfach gänzlich neue Rahmenbedingungen schuf und unter anderem die alten lokal-regionalen Gefüge durch eine wenigstens prinzipiell sprachgebietsweite Auslese nach neuen Gesichts" 39 punkten a bi oste . Von der letzten wichtigen "Bühne" der Patronat-Klientel-Verhältnisse, der Stadt, braucht angesichts des Beitrags von W. Reinhard nur kurz die Rede zu sein. Für diese dichten und engen Räume wird der europäische Vergleich besonders lohnend sein. Er könnte etwa in Anlehnung an die Forschungen von H. Heers 40 von den höchstentwikkelten Gebieten im Süden und Westen des Kontinents ausgehen und zur Mitte vorstoßen. Hier freilich trifft Heers' so attraktive Frage nach den Adelsparteien, ihren Konflikten und ihrer Patronage schon infolge von Quellenschwierigkeiten auf eine vorerst ungewisse Situation"!, der sich die Spezialforschung annehmen muß. Die Reformationsgeschichte bietet sicherlich das allgemein-historisch wichtigste Untersuchungsfeld städtischer Parteienbildung. Ungeachtet einer im großen gesehen überdurchschnittlichen Dokumentation stehen in entscheidenden Fällen weiterhin Überlicferungsprobleme im Weg. Hier kann die Sozialtopographie einspringen, da es offenbar Bedeutung hat, wenn die Partei der WeIser im Augsburg des 16. Jahrhunderts ebenso im Stadtbild nachbarschaftlich erkennbar wird wie im Brünn des 14. Jahrhunderts die führenden Glieder desjenigen oben erwähnten Personenverbandes, der das luxemburgische Kanzleramt zu monopolisieren suchte. Ein anderes Thema unter einer ganzen Anzahl denkbarer weiterer ist das Hinauswirken der Stadt auf das Umland,

J({cC/lies llm:r, Le clan familial au moyen age (Paris 1974). SelJIleidet; La ville de Mctz au XIlIe ct XIVe siccles (Nancy 1950) 121; G. Weil, Origine du patriciat strasbourgeois aux XIIIc et XIVe siecles. Les lignages Zorn et Mullenheim, in: Bulletin philologique et historiquc (jusqu'au 1610) du Comite des travaux historiques et scientifiques 1 (1969) 257-302 bcs. 288 f.; !lartmuf Boorkll/af/II, SpätmittcIalterliche deutsche Stadt-Tyranncn, in: BI1. für deutsche Landcsgeschichte 119 (1983) 73-91. <0

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wo zum Beispiel der großstädtische Verleger kleinstädtische und dörfliche Handwerker zu Klienten machen mochte·12 . Die modernste, schon eine Grenzsituation darstellende Form eines Patronat-Klientel-Verhältnisses brachten die innenpolitischen Bedingungen der Spätphase des Alten Reiches hervor. Ohne daß die Komponente des Fürstlich-Persönlichen ganz geschwunden wäre, trat das Abstrakt-Politische nun deutlich nach vorn. Die neuen Rahmenbedingungen waren das Mächteeuropa des 18. Jahrhunderts und innerhalb seiner der deutsche Dualismus Österreich-Preußen. Der Beitrag v. Aretins zeigt, daß eine für ältere Jahrhunderte erprobte Fragestellung variiert zu wesentlichen neuen Ergebnissen führen kann. Darüber hinaus stellt sich noch einmal die langwährende, jetzt veraltende, von der deutschen Forschung wegen ihrer verschiedenartig gebrochenen historiographischen Traditionen sicherlich zu wenig gewürdigte Kontinuität des Verfassungslebens im Reich dar. Das soziale Leben war unablösbar hineingeflochten. Wenn das alteuropäische Zeitalter der deutschen Geschichte - wie es in diesem Kolloquium geschehen sollte - anhand einer Frage verhältnismäßig hohen Abstraktionsgrades durchmustert wird, bietet sich ein den Systematiker beängstigendes, ja abstoßendes Bild außerordentlicher Vielfalt - erst recht wenn man sich eingesteht, daß die hier angesprochenen Konkretionen sehr unvollständig sind. Der Historiker jedoch ist geneigt, aus dieser Not eine Tugend zu machen, und wird sagen: Wenn Antworten auf jene abstrakte Frage fruchtbar erscheinen sollen, müssen sie an die konkrete Wirklichkeit zurückgebunden werden. Ein möglicher Ertrag dieses Versuchs sollte demnach am wenigsten im definitorischen Bereich aufzufinden sein und auch nicht so sehr der Korrektur späterer Lexikonartikel über Patronat und Klientel durch Vermeh1'ung ihrer Beispielsammlung dienen. Wichtiger sind zwei andere Punkte: Die Ergänzung und Bereicherung des Instrumentariums des Historikers für die angesprochenen und für weitere Fälle der deutschen Geschichte und eine Dienstleistung für den übergreifenden europiiischen Vergleich von Gesellschaften, dem sich kommende Bestrebungen stellen mögen. Parallel gestellte Fragen und das eine oder andere konkret vergleichbare Datum und Faktum könnten ihn erleichtern. Der damit vielleicht verbundenen Gefahr, daß ganz Europa das vorläufige Endziel seiner Geschichte im modernen Staat erblickt, der Patronage und Klientel endlich zähmen möchte, mag einst ein anderes Münchener Kolloquium entgegenwirken.

IV{)!f~(/ng FOll Stromer, Verflechtungen oberdeutscher Wirtschaftszentren am Beginn der Neuzeit, in: Die Stadt an der Schwelle zur Neuzeit, hrsg. von lI7ilbe!1lI RallJch(Linz 1980) 21-40, bes. 31.

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Volker Press Patronat und Klientel 1m Heiligen Römischen Reich Wenn von Patronat und Klientel im Alten Reich die Rede ist, so ist dies ein ungewöhnliches Thema l . Dies hängt zum einen mit der stark rechtsgeschichtlichen Tradition der Betrachtung des Reichsverbandes zusammen. Die Normen, die durch den Westfälischen Frieden von 1648 noch einmal formuliert und fixiert wurden und danach der Interpretation der Reichs- und Territorialjuristen ein weites Feld boten, haben auch die nachfolgende Verfassungsgeschichte bestimmt. Man wird darauf nicht verzichten können, aber hinter diesem Normensystem steht doch ein sehr komplexes politisches System, das - wie wäre es in Alteuropa anders möglich? - auch von Patronats- und Klientelbeziehungen gestützt wurde, die freilich wiederum von dem Geflecht der rechtlichen Beziehungen des Reichsverbandes reguliert wurden. Man wird daher das eine vom andern nicht trennen können - wenn etwa Lehensbeziehungen sich untrennbar mit Klientelbildungen amalgamierten, so hatte dies rechtliche Vorgaben. Der einzelne Adelige hatte oft mehrere Herren, aber die Orientierung auf einen Hof bedeutete sehr häufig die Vernachlässigung des zweiten Lehensherrn, d. h. eines anderen Hofes. Peter Moraw 2 und der Verfasser} haben auf diese grundlegenden Ge1 Für freundliche Hilfe habe ich den Herren Ernst Böhme, Manfred Rudersdorf und Werner Hubig (alle Tübingen) zu danken. Die folgenden Untersuchungen beruhen zum großen Teil auf den Beobachtungen bei eigenen Forschungen, da das Problem im deutschen Raum erst am Anfang seiner Diskussion steht. Vgl. den Beitrag von Peter Moraw in diesem Band. Gelegentlich wurde die Berechtigung der Anwendung des Modells von Patronat und Klientel auf die Zustände im Alten Reich unter Hinweis auf die rechtliche Fixierung in der Antike in Frage gestellt. Vgl. Jl7illji-ied Bake!; Reformation als Revolution. Die Reformation als Paradigma historischer Begriffsbildung, frühneuzeitlicher Staatswerdung und moderner Sozialgeschichte (Katholisches Leben und Kirchenreform im Zeitalter der Glaubensspaltung 34, Münster '1983) 120-122. 2 Pi'ler iVforaw und Volker Press, Probleme der Sozial- und Verfassungsgeschichte des Heiligen Römischen Reiches im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit (13.-18. Jahrhundert), in: ZHF 2 (1975) 95-107; Peter iHoraw, Landesgeschichte und Reichsgeschichte, in: Jahrbuch für Westdeutsche Landesgeschichte 3 (1977) 175-191; ders., Franken als königsnahe Landschaft im späten Mittelalter, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 112 (1976) 123-138; ders., Hessen und das deutsche Königtum im späten Mittelalter, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 26 (1976) 43-95. J Volker Press, Adel, Reich und Reformation, in: Jl7oll~ang J. iHomnlJeIl (Hrsg.), Stadtbürgertum und Adel in der Reformation. Studien zur Sozialgeschichte der Reformation in England und Deutschland (Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London 5, Stuttgart 1979) 330-383; ders., Stadt und territoriale Konfessionsbildung, in: Pran.z Petri (Hrsg.), Kirche und gesellschaftlicher Wandel in deutschen und niederländischen Städten der werdenden Neuzeit (Städteforschung A 10, Wien, Köln, Graz 1980) 251-296.

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gebenheiten hingewiesen - Wolfgang Reinhard 4 hat immer wieder eindringlich die zentrale Bedeutung von Beziehungsgeflechten für die altständische Gesellschaft betont. Es ist noch auf ein weiteres hinzuweisen; derartige Klientelbeziehungen waren oft von sehr langfristiger Dauer, banden Adels- oder Bürgerfamilien auf Generationen an einen bestimmten Patron. Auch das war typisch für die altständische Gesellschaft Eingriffe in solche festgefügten Klientelbeziehungen konnten in hohem Maße Konflikte produzieren, ebenso wie Ansätze zu neuen Klientelsystemen, die zwangsläufig mit älteren kollidieren mußten. So hat ein Ereignis wie die Reformation notgedrungen traditionelle Strukturen tangiert und auch neue kreiert). Dabei ist festzuhalten, daß nur schwer Politik gemacht, nur schwer Gelder transferiert, nur schwer Informationen weitergegeben werden konnten ohne solche Klientelbeziehungen. Die Fuggersche Klientel in Augsburg G, in Oberschwaben, im Reich, gefördert durch Stipendien, macht dies sehr deutlich - sie ragte in die Kanzleien des Kaisers und namhafter deutscher Fürsten und gewann erheblichen EinfluW. An dieser Stelle sollen vor allem die spezifischen Formen von Patronat und Klientel im Heiligen Römischen Reich diskutiert werden, d. h. unter den besonderen Bedingungen des Territorialstaates und einer immer stärker juridifizierten Verfassungsstruktur. Natürlich gab es auch im Reich und seinen Territorien die auch anderswo typischen Formen von Patronage und Klientelbildung - den Höfling, von seiner Familie umgeben, den Hocharistokraten mit seinem niederadeligen Umfeld, auch Klöster oder sonstige Korporationen in einer Stadt, deren Anhang alle Interpretationsversuche altständischer Gesellschaftsformen nach modernen Schichtungsmodellen so überaus schwierig macht. Hinzu kam die Protektion von Mitgliedern des eigenen grundherrschaftlichen Verbandes bei Hofe und in den neu entstehenden Armeen. Wichtig und direkt mit der territorialen Entwicklung zusammenhängend erscheint zunächst die Ausbildung einer bürgerlichen Beamtenschaft, die vielfach die Territo.j Wolfgang Reinhatd, Freunde und Kreaturen. "Verflechtung" als Konzept zur Erforschung historischer Führungsgruppen (Schriften der philosophischen Fachbereiche der Universität Augsburg 14, München 1979); ders., Papstfinanz und Nepotismus unter Paul V. (1605-1621). Studien und Quellen zur Struktur und zu quantitativen Aspekten des päpstlichen Herrschaftssystems, 2 Bde. (Päpste und Papsttum 6/l-II, Stuttgart 1974); den., Papa Pius. Prolegomena zu einer Sozialgeschichte des Papsttums, in: Von Konstanz nach Trient. Festgabe für August Franzen (Paderborn 1972) 261-299; ders., Der Aufstieg des Hauses Borghese 1537-1621, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 54 (1974) 328-427; ders., Herkunft und Karriere der Päpste 1417-1%3. Beiträge zu einer historischen Soziologie der römischen Kurie, in: Mededelingen van het Nederlandse Historisch Instituut te Rome 38 (1976) 87-108. Vgl. auch seinen Beitrag in diesem Band. 5 Dazu demnächst: Volker Press, Die Territorialstruktur des Reiches und die Ausbreitung der Reformation, in: Festschrift Rainer Wohlfeil. 6 Olaf iV!ijrke, Die Fugger im 16.Jahrhundert. Städtische Elite oder Sonderstruktur? - Ein Diskussionsbeitrag, in: Archiv für Reformationsgeschichte 74 (1983) 141-162. Grundsätzlich zur Familie Fugger: C;öfz Freiherr WIl Pölnifz, Die Fugger (Frankfurt 1960); dm·., Jakob Fugger, 2 Bde. (Tübingen 1949/51); ders., Anton Fugger, 4 Bde. (Tübingen 1958/71). 7 Eine zusammenfassende Studie über die Fuggerschen Stipendiaten wäre ein dringendes Desiderat der Forschung.

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rien erfaßte und sehr schnell untereinander verflochten wurde 8 Sie hat sich, dank der Parallelität familiärer und konfessioneller Entwicklungen, in der Regel mit dem Glaubensstand des jeweiligen Territoriums in besonders hohem Maße identifiziert - dabei ist die katholische Seite der evangelischen nachgefolgt. Die evangelische Entwicklung ist ohne die Patronage durch führende Reformatoren nicht zu verstehen. So war Luther einer der erfolgreichsten Patrone der deutschen Geschichte - durch die Empfehlung von Pfarrern -, ohne daß er die ihm hier zugewachsenen Möglichkeiten auch nur entfernt ausnutzen konnte, sei es durch die Grenzen der eigenen Kraft, sei es wegen des spezifischen Zusammenhalts der Territorien oder der Städte, in die die Empfohlenen gingen 9 Eine offenkundig nicht weniger planmäßige Patronagepolitik haben zwei Generationen später die Jesuiten betrieben, die in hohem Maße die Beamtenschaften von katholischen Territorien prägten - und sich dadurch auch ihren Einfluß sicherten lO . Freilich unterlagen diese Gruppen stets einem schnellen Verfestigungsund Oligarchisierungsprozeß, da sie rasch eine starke Resistenz gegen neue Aufsteiger ausbildeten. Die Karrieren dieser Gruppen waren sehr oft durch wechselseitige Patronage bestimmt, ebenso wie die Aufnahme in diese Familienverbände bis zur Formalisierung der Prüfungen im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert - auch wenn diese Bewegungen durch oligarchische Verfestigung zunehmend geringer wurden 11. Im-

Volk er Pn'sj~ Stadt und territoriale Konfessionsbildung (wie Anm. 3). Für die spätere Zeit: J3ernd WUridni Die Sozialstruktur der Geheimratskollegien in den süddeutschen protestantischen Fürstentümern (1660-1720), in: VSWG 58 (1971) 145-220; dm., Privilegierung und Diszi8

plinierung. Die Entstehung des Berufsbeamtentums in Bayern und Württemberg (1780-1825) (Studien zur modernen Geschichte 21, München 1970). Q Bezeichnenderweise ist dieses Problem noch niemals systematisch untersucht worden. 10 J3el'llbard DU/J/i Die Jesuiten an den deutschen Fürstenhöfen des 16. Jahrhunderts (Frciburgl Br. 1901); den., Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge 1 und 2. 1.2 (Freiburgl BI'. 1907/13), 3 u. 4 (München/Regensburg 1921/28); Rainer A. iHiilloi Universität und Adel. Eine soziostrukturelle Studie zur Geschichte der bayerischen Landesuniversität 1472-1648 (Llldovico Maximilianea 7, Berlin 1974);JoseJ}b Kllckbojj; Geschichte des Gymnasium tricoronatum. Ein Querschnitt durch die Geschichte der Jllgenderziehung in Köln vom 15. bis zum 18. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Rheinischen Museums zu Köln 1, Köln 1931). 11 Sehr deutlich in der bayerischen Beamtenschaft: iHaximilian Lanzinno; Fürst, Räte und Landstände. Die Entstehung der Zentralbehörden in Bayern 1511-1598 (Veröffentlichungen eies Max-Planck-Instituts für Geschichte 61, Göttingen 1979); Reinbard Heydenreute/; Der landesfürstliche Hofrat unter Herzog und Kurfürst Maximilian 1. von Bayern (1598-1651) (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 72, München 1981). Eine Fundgrube dazu: Georg Fercbl, Bayerische Behörden und Beamte (1550-1804), in: Oberbayerisches Archiv 53 (1908-1912), 64 (1925). Ähnlich stellt sich die Entwicklung auf evangelischer Seite in Hessen und in Württemberg dar: Kar! Ernst Demandt, Amt und Familie, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 2 (1952) 79-133; Kurt Dülfet; Fürst und Verwaltung. Grundzüge der hessischen Verwaltungsgeschichte vom 16. zum 18. Jahrhundert, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 3 (1953) 150-223; Wolfgallg lHetz, Zur Sozialgeschichte des Beamtentums in der Zentralverwaltung der Landgrafschaft Hessen-Kassel bis zum 18. Jahrhundert, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 67 (1956) 138-148; Albrecbt Eckbardt, Beamte und Diener der Zentral- und Hofverwaltung Hessen-Darmstadt 1704-1728, in: Hessische Familienkunde 9 (1968) 29-44. Zu Württemberg: Waltber J3ernbardt, Die Zentralbehörden des Herzogmms

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merhin kann man sagen, daß die Formalisierung der Berufslaufbahnen seit dem 18. Jahrhundert diese traditionellen Formen der Patronage keineswegs sogleich beendete. Es war freilich nach wie vor in der Regel der Adel, der Chancen bei Hofe zu vergeben hatte - der Aufstieg bürgerlicher Beamter leitete seit dem 15. Jahrhundert einerseits die Entwicklung einer neuen, mit dem Adel konkurrierenden Gruppe ein. Andererseits wurde durch den Adel mit Hilfe überkommener Positionen und Förderungstechniken auch in diese neuen Gruppen hineinprotegiert. Der führende bayerische Politiker unter dem früheren Kurfürsten Max Emal1llel von Bayern, Korbinian (Freiherr) von Prielmair (1643-1707)12, nahm seinen Aufstieg vom Erdinger Taglöhnersohn durch die doppelte Protektion der Grafen von Rechberg und der Jesuiten. Freilich konnte ursprüngliche Adelsprotektion auch durch die weiteren Entwicklungen verkehrt werden. Nicht selten wandte sich der Klient am Ende seiner Karriere gegen den Patron - ein Extremfall war der fuggerische Stipendiat Abraham Kolbinger, ein Augsburger, der von den Fugger in die Dienste Graf Joachims von Ortenburg, eines Verwandten, empfohlen wurde und mit diesem dann die Hinwendung zum Luthertum und zum reformierten Bekenntnis mitmachte. Nachdem Kolbinger als Präzeptor und Prozeßvertreter gegen Bayern beim Reichskammergericht in ortenburgischen Diensten tätig gewesen war, wurde er von seinem Herrn in die Dienste des reformierten Pfälzer Kurfürsten protegiert, in denen er sich nun aber gegen den alten Patron Graf Joachim wandte, als das schwäbische Original zeitweilig die Fäden der Pfälzer Politik in der Hand hatte U Die Patronage konnte aber auch territorienübergreifend sein - man suchte sich bei politischen Freunden den Einfluß zu sichern, indem man Beamte empfahl oder einsetzte - oder nach Vormundschaften hinterließ; das war nicht nur in der Gegenreformationszeit ein wichtiges Mittel, das etwa Bayern bei seinen badischen Vormundschaften anzuwenden verstand 14. Der Kaiser oder deutsche Landesfürsten, an ihrer Spitze wiederum Bayern, manövrierten ihre Parteigänger in die Dom- und Stiftskapitel, wo sie zu Informanten und bei Wahlen auch zu Votanten im Sinne des Patrons

Württemberg und ihre Beamten 1520-1629,2 Bde. (Stuttgart 1973); Irmga/'d Kothe, Der Fürstliche Rat in Württemberg im 15. und 16. Jahrhundert (Stuttgart 1938); l/'mgard Lange-Kothe, Zur Sozialgeschichte des Fürstlichen Rates in Württemberg im 15. und 16. Jahrhundert, in: VSWG 33 (1940) 237-267. - Zu den welfischen Territorien im 18. Jahrhundert:Joachim Lampe, Aristokratie und Staatspatriziat in Kurhannover. Die Lebenskreise der höheren Beamten in den kurhannoverischen Zentral- und Hofbehörden, 2 Bde. (Göttingen 1963). 12 Volke/' Press, Korbinian von Prielmair (1643-1707). Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen des sozialen Aufstiegs im barocken Bayern (Ottenhofen 1978). IJ Volke/' PrfSj~ Calvinismus und Territorialstaat. Regierung und Zentralbehörden der Kurpfalz 1559-1611 (Kieler Historische Studien 7, Stuttgart 1970) 347-351 und öfter. 14 F/'ied/'ich uon Weech, Badische Geschichte (Karlsruhe 1890) 150-153; Kar! FrclTlZ Reinking, Die Vormundschaften der Herzöge von Bayern in der Markgrafschaft Baden im 16. Jahrhundert (Historische Studien 284, Berlin 1935); Horst Bar/mann, Die Kirchenpolitik der Markgrafen von Baden-Baden 1535-1622 (Freiburger Diözesanarchiv 81, Freiburg 1961); Helmut Steigelmann, Der Geistliche Rat in Baden-Baden und seine Protokolle von 1577 bis 1584 (Stuttgart 1962).

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werden k0l1nten 15 Auf diese Frage wird zurückzukommen sein - die zentralen Fragestellungen sollen jedoch den Patronats-Klientel-Beziehungen unter den Bedingungen der Territorialstruktur des Alten Reiches gelten - also jener Besonderheit, die das Reich von anderen europäischen Ländern unterschied. Dabei wird zunächst auf die Territorien, gelegentlich auf die Städte, dann vor allem auf den Kaiser einzugehen sein. Der Prozeß der Territorialisierung verlief in den einzelnen Teilen Deutschlands unterschiedlich in Geschwindigkeit und Intensität, aber auch in den Formen, stärker im Norden und Osten des Reiches als im Westen und Süden, anders jeweils, was die reaionale Gestalt adeliger Herrschaft angeht. Dort, wo geschlossene Flächenstaaten entb standen, war die Situation relativ einfach: der Landesherr konnte sich auf weiten Strecken gegen den Adel durchsetzen; er tangierte zwar dessen lokale Stellung in der Regel nicht, vermochte jedoch meist, seine Konfession zum Erfolg zu bringen, wenn auch öfter nach langen Auseinandersetzungen. Die Beziehungen des Adels zum Hof und zur Regierung der deutschen Landesstaaten unterlagen den auch anderswo üblichen Gesetzen von Patronat und Klientel, wobei sowohl bei adeligen, bei neuadeligen wie auch bei bürgerlichen Familien eine Tendenz zur Oligarchisierung spürbar wurde. Die Herzöge von Jülich-Cleve-Berg, die Welfen, die Holsteiner, die Mecklenburger, die Pommern, die brandenburgischen Zollern und die sächsischen Wettiner hatten einen relativ geschlossenen Landesstaat erreicht, für die Kontrolle und Einbeziehung der nahen Bistümer freilich spielte der Landadel des Nachbarn eine beträchtliche Rolle. Neben Schutzrechten gewann so die landesfürstliche Klientelbildung in den Domkapiteln zur Integration der geistlichen Gebiete eine beträchtliche Rolle 16 . Dies galt übrigens auch für den Übergang der norddeutschen Bistümer zur Reformation. Anders stand es in den alten Kerngebieten des Reiches, wo die Staatsbildung gebremst war und in zahlreiche kleine Territorialeinheiten gerann - neben den großen Landesstaaten behaupteten sich Reichsprälaten, Reichsgrafen, Reichsritter und Reichsstädte von mehr oder minder großer Bedeutung. Sie erhielten ihre Reichsunmittelbarkeit, aber sie waren nicht stark genug, als daß sie nicht fast zwangsläufig dem Prozeß einer Klientelbildung unterlagen - in jene Gegenden, die als weiße oder bunte Flecken auf der Landkarte wegen ihrer Kleinkammerung erscheinen, suchte der Stär-

! j Beim Kaiser bedeuteten die ersten Bitten, also die Besetzung der ersten vakanten Pfründe, eine solche Möglichkeit. Zu Bayern: iHanji'ed IFeitlau!}; Die Reichskirchenpolitik des Hauses Bayern im Zeichen gegenreformatorischen Engagements und österreichisch-bayerischen Gegensatzes, in: Hubert Glaser (Hrsg.), Wittelsbach und Bayern 2/1: Um Glauben und Reich (München 1980) 48-76. Beispielhaft: den" Kardinal johann Theodor von Bayern (1703-1763), Fürstbischof von Regensburg, Freising und Lüttich. Ein Bischofsleben im Zeichen der bayerischen Reichskirchenpolitik (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg 4, Regensburg 1970). 16 Beispiel für Gegenkräfte: Peter Brunner, Nikolaus von Amsdorf als Bischof von Naumburg (Schriften des Vereins für Rcformationsgeschichte 179, Gütersloh 1961); vgl. auch: Peter 1l1ichael lIa!m, Kirchenschutz und Landesherrschaft in der Mark Brandenburg im späten 15. und frühen 16. jahrhundert, in: jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 28 (1979) 179-220; Peter iHoraw u. Volker Press, Geistliche Fürstentümer, in: Theologische Realenzyklopädie 11 (1983) 711-719; Pre.(j~ Adel (wie Anm. 3).

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kere mit seinen Mitteln einzudringen. Dabei haben Patronats- und Klientelbildungen eine zentrale Rolle gespielt. Für die Anbindung gewannen die Höfe eine entscheidende Bedeutung. Lehensbeziehungen, Dienstverhältnisse und Schutzverträge bildeten den rechtlichen Hintergrund und wiesen den Weg für die Lösung schwieriger Probleme - wobei in der Regel bei Mehrfachbeziehungen eine Entscheidung getroffen werden mußte l7 . Dabei spielte freilich andererseits die verständliche Neigung der adeligen Familien eine Rolle, sich doppelt abzusichern oder sich die Optionen offenzuhalten, die eng mit den genannten Mehrfachbeziehungen zusammenhingen. Brüder gingen in unterschiedliche Dienste bei zwei Landesherren, etwa gleichzeitig in hessisch-darmstädtische oder brandenburgisch-ansbachische. Allerdings wurden auch hier durch zwei Vorgänge die Möglichkeiten des Adeligen, in die Klientel eines Landesfürsten einzurücken, eingeschränkt der Juridifizierungsprozeß der Reichsverfassung hat teils Patronats- und Klientelverhältnisse gefestigt, teils aber zu stärker formalisierten zwischenstaatlichen Beziehungen weiterentwickelt; die Spontaneität und Vielfalt der Möglichkeiten wurde dadurch immer weiter beschnitten; dies wurde wohl in noch viel höherem Maße durch den Konfessionalisierungsprozeß herbeigeführt, der vielfach Alternativen abschnitt, schon durch die Einschränkung des Connubiums. Von der wechselnden Rolle des Kaisers wird am Ende die Rede sein. Ein auf Lehens- und Schutzbeziehungen gestütztes Klientelsystem hat vor allem in den Kerngebieten des Reiches die politische Landschaft strukturiert - in hohem Maße hat der Pfalzgraf solche Herrschaftstechniken angewandt. Die Heidelberger Kurfürsten des 14. und 15. Jahrhunderts konnten am oberen und niederen Rhein ein richtiges Satellitensystem entwickeln, das durch ihre quasi-königliche Rolle geprägt war und durch die Würde König Ruprechts (König 1400-1410) und die Energie Kurfürst Friedrichs des Siegreichen (1451-1476) kräftige Entwicklungsschübe erhalten hat 18. Die Attraktion des Heidelberger Hofes stand neben den Schutzbeziehungen, durch die der Deutschmeister, die Bischöfe von Speyer und Worms, die gleichnamigen Reichsstädte nebst Wimpfen an die Pfalz angebunden waren. Der Adel aus einem sehr weiten Umkreis ging gern nach Heidelberg - eine überlegene Konkurrenz zu Pforzheim, Darmstadt, Ansbach, Stuttgart, von den geistlichen Höfen der Satelliten Worms 17 Zum Beispiel der Reichsritterschaft: Volker Prm; Die Reichsritterschaft im Reich der frühen Neuzeit, in: Nassauische Analen 87 (1976) 101-122; den., Reichsritterschaften, in: Kurt G. A.Jesaieh, Halls Pohl, GeOlg-Christoph VOll Unruh (Hrsg.), Deutsche Verwaltungsgeschichte 1 (Stuttgart 1983) 679-689. 1$ Peter il1oraw, Beamtentum und Rat König Ruprechts, in: ZGO 116 (1%8) 59-126; den, Kanzlei und Kanzleipersonal König Ruprechts, in: Archiv für Diplomatik 15 (1969) 428-531; Karl Heillz Spieß, Lehnsrecht, Lehnspolitik und Lehnsordnung der Pfalzgrafen bei Rhein im Spätmittelalter (Geschichtliche Landeskunde 18, Wiesbaden 1978); Henry J Cohn, The Government of the Rhine Palatinate in the fifteenth Century (Oxford 1965); Richard Lassen, Staat und Kirche in der Pfalz im Ausgang des Mittelalters (Vorreformationsgeschichtliche Forschungen 3, Münster/Westf. 1907); iVlax Steinmetz, Die Politik der Kurpfalz unter Ludwig V. (1508-1544), Teil I: Die Grundlagen. Die Zeit vor der Reformation (Diss. masch., Freiburg 1942); Volker Press, Bayerns wittelsbachische Gegenspieler - Die Heidelberger Kurfürsten von 1505-1685, in: Glaser (Hrsg.), Um Glauben und Reich (wie Anm. 15) 24-39.

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und Speyer ganz zu schweigen, die durchweg von Pfälzer Klienten besetzt waren, welche auch in die entsprechenden Domkapitel einrückten. Die Sogkraft des Pfälzer Hofes reichte auch in die oberdeutschen Reichsstädte, deren studierte Bürgersöhne gern pfälzer Dienste suchten - sie waren es, die dann entscheidenden Anteil an der Hinwendung der Pfalz zum reformierten Bekenntnis nahmen. Das Zerbrechen des Pfälzer Systems mag ex negativo das Funktionieren eines Klientelsystems beleuchten. 1505 scheiterte das Satellitensystem Heidelbergs in der Katastrophe des Landshuter Krieges, der Verlust der Außenbastionen, vor allem der Landvogtei im Elsaß, manövrierte weite Teile des bislang auf Heidelberg orientierten Adels an die Peripherie. Dennoch blieb der pfalzgräfliche Hof ein "Paradies des Adels" - aber die Verbürgerlichung und Verwissenschaftlichung der Regierungsstellen und die damit einsetzende Politik nach dem neuen Prinzip der Territorialisierung zerstörte allmählich das Verhältnis zum Adel. Hinzu kam schließlich seit den 1560er Jahren die Option der Kurfürsten für das reformierte Bekenntnis, die der reichsunmittelbare Adel aus legalen Gründen nicht mitzumachen vermochte '9 . Diese Auseinandersetzungen eskalierten in den 1580er Jahren zu schweren Konflikten. All jene Familien, die bislang den Heidelberger Hof bevölkert hatten, waren nun ausgeschlossen - der Verlust traditioneller Versorgungsmöglichkeiten stand neben der Bedrohung, die die territorialen Ansprüche der Pfalz gegenüber dem Adel für dessen Reichsunmittelbarkeit bedeuteten. Aber auch für die Pfälzer war diese Situation bedrohlich, denn der entvölkerte Hof wirkte prestigemindernd und die Distanz zu den adeligen Vasallen konnte in Krisenzeiten bedrohliche Situationen heraufführen. So gab es starke Anläufe, die Spannungen wieder zu bereinigen - aber es blieben die Reserven gegen den überwiegend lutherischen Adel, der im Ernstfall schwerlich das reformierte Bekenntnis verteidigen würde, sondern eher als eine Art fünfter Ko10l1I1e im reformierten Territorium wirken mußte. Dies wiederum führte in der Spannungszeit nach 1600 zu einer neuerlichen Verdrängung und zum Einrücken landfremder reformierter Adeliger - das Rekrutierungsprinzip nach der Konfession war hier an die Stelle des alten aus der traditionellen Klientel getreten. Vielleicht hat diese Distanz zum territorialen Umfeld die radikale Pfälzer Politik vor dem Dreißigjährigen Krieg begünstigt oder gar hervorgerufen. Andererseits haben die reformierten Pfälzer Räte immer wieder Reformierte protegiert, begaben sich nun die Reformierten unter den wetterauischen Grafen verstärkt in die Klientel der Pfalz. Als aber dort nach 1685 das katholische Haus Neuburg die Regierung antrat, führte dies zu Verdrängungsvorgängen gegenüber den Evangelischen, die durch das Patronagesystem des Hofes und seine neuerliche Begünstigung der Katholiken gefördert wurden 20 . Dadurch wurde 19 Volker Press, Die Ritterschaft im Kraichgau zwischen Reich und Territorium 1500-1623, in: ZGO 121 (1974) 35-98. 20 Diese Bemerkungen stützen sich auf Beobachtungen an den Pfälzer Akten im Generallandesarchiv Karlsruhe - die Bewegungen sind im einzelnen jedoch noch nicht erforscht. Zu den Konfessionskonflikten der Pfalz vor allem neuerdings: Helm Scbmidt, Kurfürst Kar! Philipp von der Pfalz als Reichsfürst (Forschungen zur Geschichte Mannheims und der Pfalz NF 2, Mannheim 1963); /\ljial Ham, Die kurpfälzische Religionsdeklaration von 1705. Ihre Entstehung und Bedeutung für das Zusammenleben der drei im Reich tolerierten Konfessionen (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte, 18, Mainz 1973) (mit der älteren Literatur).

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die Konfessionsproblematik zwischen den katholischen Kurfürsten und dem vorwiegend reformierten Land weiter verschärft. Das Pfälzer Beispiel hat einige der Spielregeln, wie sie sich in den zersplitterten Kernbereichen des Reiches entwickelt hatten, sehr deutlich sichtbar werden lassen. Die Höfe konkurrierten um den Adel; rechtliehe Vorgaben begünstigten und strukturierten die Hinwendungen - die Territorialisierungspolitik belastete andererseits das Verhältnis. Eine Rangfolge der Höfe, nach finanziellen Möglichkeiten, mehr noch nach dem dynastischen Rang, spielte eine erhebliche Rolle sowohl für die Zahl der Adeligen wie für das Ausgreifen. Ein größerer Hof bedeutete nicht nur mehr Einfluß und Repräsentation, sondern erhöhte auch die landesfürstliche Reputation ganz erheblich. Andererseits waren die Chancen, die der Hof für die adelige Familie bot, sehr wichtig - der Fürstendienst wirkte zunächst finanziell entlastend, der Hof war die Vcrteilungsstätte für die Chancen, der Ansatzpunkt für eine politische oder militärische Karriere. Erst der barocke höfische Stil hat dann die Situation zugespitzt und zu unerträglichen finanziellen Belastungen der einzelnen Ritter geführt - manche ritterschaftliche Familie hat sich an den Höfen, etwa von Mannheim, Ludwigsburg oder Ansbach, auch von Dresden und München, ruiniere '. Die Bildung einer adeligen Klientel hat also relativ offene Zonen der Reichsverfassung erfaßt und ist dort neben der formalen Reichsunmittelbarkeit des Adels zu sehen, wie sie sich seit den 1S40er Jahren verfestigte 22 . Sie hat ganz entscheidend die adelige Konfessionsentscheidung bestimmt - innerhalb der Verbiinde folgten die einzelnen Ritter den Lehens-, Dienst- und Klientelbeziehungen des Hofes. Heidelberg, Stuttgart, Ansbach haben einerseits unter "ihrem" Adel dem evangelischen Bekenntnis den Weg geebnet, Innsbruck, München und die geistlichen Höfe andererseits sein Vordringen gehindert 23 • Hier sind entscheidende Weichenstellungen erfolgt, die die deutsche Konfessionspolitik geprägt haben - allerdings hat die reichsrechtliche Loyalität auch die Grenzen markiert. Das reformierte Bekenntnis der Patrone, vor allem der Pfalz, machte die Reichsritterschaft nur in sehr seltenen Fällen mit. - Thomas Schulz hat allerdings am Beispiel des Kantons Kocher jüngst erneut sehr deutlich gezeigt, wie Lehens- und Klientelbeziehungen hier die Konfessionsentscheidungen geprägt haben 24 Es fällt allerdings auf, daß es eben das Netz von Klientelbeziehungen war, das mithalf, die katholische Position zu stabilisieren und die alte Kirche zu verteidigcn - so hat ctwa König Ferdinand die finanzielle Sanierung des Bistums Konstanz in den 1S40er Jahren damit begründet, daß ein bankrottes Kapitel sonst in die Hände der 21 Sehr deutlich akzentuiert bei: Ger' Ko/lmn; Die Schwäbische Reichsritterschaft zwischen Westfälischem Frieden und Reichsdeputationshauptschluß - Untersuchungen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Reichsritterschaft in den Ritterkantonen Neckar-Schwarzwald und Kocher (Schriften zur Südwestdeutschen Landeskunde 17, Stuttgart 1979). 22 Volker Press, Kaiser Kar! V., König Ferdinand und die Entstehung der Reichsritterschaft (Institut für Europäische Geschichte Mainz, Vorträge, Wiesbaden 21980). 23 Presj~ Adel, Reich und Reformation (wie Anm. 3). 24 Thotnas Schuh, Der Kanton Kocher der Schwäbischen Reichsritterschaft 1542-1805. Entstehung, Geschichte, Verfassung und Mitgliederstruktur eines korporativen Adelsverbandes im System des Alten Reiches (Diss. phil. masch. Tübingen 1985).

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Konstanzer Patrizier fallen würde, was zum Übergang des hegauischen Adels zur Reformation führen müßte 25 . Die drei Patronate des Kaisers, des Innsbrucker und des baverischen Hofes bedeuteten eine entscheidende Voraussetzung für die Sicherung de~ alten Kirche in Süddeutschland. Hier zeigte sich das starke Werben um den schwilbischen Adel, der in den Münchener Hof ebenso einrückte wie in das Freisinger Domkapitel, in ein Bistum, das der Herzog als seine Pfarrei bezeichnete. Bei aller katholischen Solidarität gab es zwischen Wittelsbach und Habsburg bittere Rivalitäten um die Führungsrolle in Schwaben, bei der der stiftischen, gräflichen und ritterschaftlichen Klientel eine entscheidende Bedeutung zukam 26 Hier zeichnete sich von München aus eine ähnlich ausgreifende Politik ab wie jene der Pfalz. Aber die Miinchener Wittclsbacher sind daran letztlich ebenso gescheitert wie zuvor ihre Heidelberger Vettern. Aus den adeligen Beziehungen resultierten vielfache Folgen - so haben die gräflichen Obersten und Generäle im Dreißigjährigen Krieg zuweilen den niederen Adel aus der Umgebung in ihre Regimenter eingeführt. Schon am Beispiel München, aber auch öfter fällt auf, daß die Peripherie des Landes oder der Einflußzone in den Kernbereichen des Hofes oft überproportional vertreten war - andererseits ließ sich der Hofadel gern in der Umgebung der Residenz nieder 27 . Diese Formen informeller Herrschaft wurden durch die Reformation neu strukturiert - die Konfessionsbildung schnitt zahlreiche alte Beziehungen ab und kreierte neue. Sie öffnete Bayern erhebliche politische Einflußnahmen auf die nordwestdeutschen Bistümer28 , die allerdings auch das Einrücken von einzelnen Familien aus dem bayerischen Landadel in die Stiftskapitel, etwa von Hildesheim, das Eindringen fremder Familien in die Landstände unter dem Protektorat des wittelsbachischen Bischofs begünstigten. Von der Rolle sächsischen und brandenburgischen Adels für die Anbindung der norddeutschen Stifter war schon die Rede.

Volker Press, Führungsgruppen in der deutschen Gesellschaft im Übergang zur Neuzeit um 1500, in: Hmllls Huvert Hojilltlllil und Giinter Franz (Hrsg.), Deutsche Führungsschichten in der Neuzeit. Eine Zwischenbilanz (Deutsche Führungsgeschichten in der Neuzeit 12, Boppard 1980) 29-77. Zur weiteren Stellung des Bistums Konstanz: Rudolf Reinhardt, Die Beziehungen von Hochstift und Diözese Konstanz zu Habsburg-Österreich in der Neuzeit (Beiträge zur Geschichte der Reichskirche in der Neuzeit 2, Wiesbaden 1966). 26 Volker Press, Schwaben zwischen Bayern, Österreich und dem Reich 1486-1805, in: Ptlllkmz Fried (Hrsg.), Probleme der Integration Ostschwabens in den bayerischen Staat. Bayern und Wittelsbach in Ostschwaben (Augsburger Beiträge zur Landesgeschichte Bayerisch-Schwabens 2, Sigmaringen 1982) 17-78. 27 P,mkmz Frieel, Die Landgerichte Dachau und Kranzberg (Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern 11/12, Kallmünz 1958); derJ., Herrschaftsgeschichte der altbayerischen Landgerichte Dachau und Kranzberg im Hoch- und Spätmittelalter sowie in der frühen Neuzeit (Studien zur bayerischen Verfassungs- und Sozialgeschichte. Arbeiten aus der historischen Atlasforschung in Bayern, Kallmünz 1962). 28 iHax Lossen, Der Kölnische Krieg, 2 Bde. (München und Leipzig 1R82/97); GÜllter lOOfI Lojl'll'sky, Bayerns Weg nach Köln. Geschichte der bayerischen Bistumspolitik in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts (Bonner Historische Forschungen 21, Bonn 1962); Weitl{//ljj; Reichskirchenpolitik (wie Anm. 15). 25

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Natürlich hat eine Patronagepolitik innerhalb der Reichsverfassung auch etwas zu tun mit der Größe des Territoriums. Es gab eine gräfliche Patronagepolitik gegenüber dem umliegenden niederen Adel, wie sie die Hohenlohe, die Oettingen, die Fürstenberg, die Solms und nicht zuletzt die Nassau getrieben haben 29 Sie kollidierte freilich immer wieder mit den landesfürstlichen Interessen und der Reichsunmittelbarkeit der Ritter. Andererseits gehörten auch Reichsgrafen in die Klientel der großen Höfe, vor allem des habsburgischen, der wittelsbachischen und der geistlichen - Beziehungen, die auch hier für die Konfessionsentscheidung eine beträchtliche Rolle spielten. Es war eben kein Zufall, daß die oberschwäbischen Grafen katholisch blieben, daß die Hohenlohe und die CasteIl lutherisch wurden, oder daß einzelne Grafen wie NassauDillenburg, Solms-Braunfels und Sayn-Wittgenstein sich dem reformierten Bekenntnis zuwandten. Ihre Bindung an die oranische Verwandtschaft unter dem pfalzgräflichen Patron ermöglichte einen solchen Schritt trotz der kaiserlichen Verbote, man konnte ihn jedenfalls eher wagen als die Ritter, die stets wegen der latenten Territorialisierungspläne den Rückhalt am Kaiser im Auge behalten mußten. Auch die reichsgräflichen Corpora spiegelten Versuche, sich untereinander im Gefüge des Reiches zu stützen - um sich fremdem Einfluß zu entziehen und selbst solchen zu gewinnen 30 Diese Situation wurde weiter kompliziert durch die Existenz der geistlichen Stifte. Die Fürstenhöfe wurden hier ergänzt durch die geistliche Korporation der Dom- und Stiftskapitel - der kirchenrechtlich verordnete Zölibat schuf besondere Voraussetzungen. Es war schon die Rede davon, wie sehr die Rekrutierung der Kapitulare und der Beamten Einflußmöglichkeiten im Stift öffnete. Der Nepotismus der Bischöfe und Prälaten wies in den geistlichen wie in den weltlichen Bereich, in das Kapital wie an den Hof. Er konnte Weichenstellungen innerhalb des Adels hervorbringen - so sollte in Kempten die 50jährige Regierungszeit des Fürstabts Rupert von Bodman (1678-1728) Unmut hervorrufen, da er dadurch drei Generationen Bodman im Stift zu protegieren vermochte 31 Hier zcigten sich aber auch die Grenzen so ctwa wollten sich die Mitkapitulare, d. h. die dahintcrstehenden Familienverbände,

29 Eine Untersuchung dieses Problems fehlt ganz. Es zeigt sich indessen, daß auch die kleinen Höfe Beziehungen zu benachbarten Adelsgruppen pflegten, die sie unterstützten und auch in Dienstverhältnissen festhielten. 30 Kar! Wolf Der Straßburger Kapitelstreit und der Wetterauer Grafenverein, in: Nassauische Analen 68 (1957) 127-155; Lutz Hatzfeld, Die Geschichte des Wetterauer Grafenvereins von seiner Gründung bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges unter besonderer Berücksichtigung der Grafen von Nassau und Katzeneinbogen. Ein Versuch, in: Mitteilungen des Herborner Altertums- und Geschichtsvereins II (1954) Nr. 2, 17-31, Nr. 3/4, 39-60; III (1955) Nr. 1,1-14, Nr. 2, 29-44; Ralf GlawtSchn(f!" Niederlande, Kalvinismus und Reichsgrafenstand 1559-1584. Nassau-Dillenburg unter Graf Johann VI. (Schriften des hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 36, Marburg 1973) 6-56; deTS., Die Bündnispolitik des Wetterauer Grafenvereins (1565-1583), in: Nassauische Annalen 83 (1972) 78-98. Derzeit bereitet Georg Schmidt(Tübingen) eine größere Studie über den Wetterauischen Grafenverein vor. Zu den fränkischen Grafen: Ernst Böhme, Das fränkische Reichsgrafenkollegium im 16. und 17. Jahrhundert. Formen und Möglichkeiten korporativer Politik des Grafenstandes im Reich der Frühen Neuzeit (Diss. phiI. Tlibingen 1985). 31 Dazu demnächst: Volker Press, Der Kemptener Fürstabt Rupert von Bodman als Reichsprälat.

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die lange Dauer einer solchen (im Prinzip akzeptierten) Protektionspolitik nicht länger gefallen lassen. Es wurde schon gezeigt, wie die Landesfürsten durch ihren Landadel in den Domkapiteln Einfluß üben konnten - für den Handlungsspielraum war somit die Rekrutierung von Kapitularen und Beamtenschaft aus der eigenen Stiftsritterschaft ein wichtiger Faktor einer freien Entwicklung. Andererseits konnte eine Diskrepanz zwischen wenigen Stellen und einer zahlreichen Stiftsritterschaft immer wieder innere Krisen produzieren, so etwa im 16. Jahrhundert im Hochstift Würzburg - die Würzburger Krise um Wilhelm von Grunbach erfaßte weite Teile des deutschen Adels 32 Immerhin blieben die Stifter in hohem Maße attraktiv für den Adel und seine Karrieren. Sie sollten deshalb zu einer wichtigen Barriere für den Katholizismus gegen den Ansturm der Reformatoren werden - zwar fielen diese Bastionen in Nordwestdeutschland, aber im Süden und Westen sollten zuerst die kaiserlich-österreichisch-bayerische Politik, dann der geistliche Vorbehalt von 1555 die Stifte retten. Das aber bedeutete, daß die adeligen Karrieren in den Stiften schließlich unabdingbar an die Katholizität gebunden wurden - daraus zogen Familien einen beträchtlichen Vorteil, die frühzeitig bereit waren, auf die katholische Seite zu setzen; sie machten den Kern jener Familienverbände aus, die die unterschiedlichen Kapitel verknüpften und schließlich erhebliche Protektionsmöglichkeiten für Karrieren in den geistlichen oder weltlichen Diensten der Stifte boten. Daraus sollten sich im 17. Jahrhundert entscheidende Vorteile für die katholischen Adelsfamilien gegenüber den evangelischen ergeben - allerdings spiegelten die Zusammensetzung der Kapitel, ebenso jene der weltlichen Regierungen, eine größere Verdichtung des Reichsverbandes und eine erhöhte Mobilitiit des Adels, nachdem der Papst im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts die traditionellen Ansprüche des umliegenden Adels auf die Kapitelsitze der südwestdeutschen Stifte gegen die Konkurrenz des niederrheinisch-westfälischen Adels verteidigt hatte, der sich bereits teilweise auf eine modernere Katholizität berief 3 } Die geistlichen Höfe boten so ein anderes Profil als die weltlichen, aber auch sie konnten Zentren der Patronage werden - angesichts der Verflechtungen durch Mehrfachkanonikate oft auf sehr verschlungenen Wegen J4 . - Ein anderer Fall waren die kleinen Prälaturen mit hiedricJ; Ortloff; Geschichte der Grumbachischen Händel, Bd. 1-4 Gena 1868/70); Volker Prm; Wilhe1m von Grumbach und die deutsche Adelskrise der 1560er Jahre, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 113 (1977) 396-431. 33 Freilich waren andererseits wesentliche Teile des Adels in den westfälischen Territorien zur Reformation übergegangen. Zu den Ansprüchen des niederrheinisch-westfälischen Adels und ihrer Abwehr durch die rheinisch-fränkische Bistumsgruppe: Andrem Ludwig Veit, Geschichte lind Recht der Stiftsmäßigkeit und die ehemals adeligen Domstifte von Mainz, Würzburg und Bamberg, in: Historisches Jahrbuch 33 (1912) 323-358. Zu den evangelischen Versuchen, die Katholisierung der Stifte abzuwehren: HI/go lHorilz, Die Wahl Rudolfs II., der Reichstag von Regensburg und die Freistellungsbewegung (Marburg 1895); Gmlrun lVeslpJ;al, Der Kampf um die Freistellung auf dem Reichstag zwischen 1556 und 1576 (Diss. phi!. Marburg 1975). H Pe/er [fenche, Die deutschen Domkapitel im 17. und 18. Jahrhundert, 3 Bde. (Bem 1984); I-l lIi1rtllltllln, Der Stiftsadel in den alten Domkapiteln zu Mainz, Trier, Bamberg und Würzburg, in: Mainzer Zcitschr. 73/74 (1978/79) 94-138; Halls Erie!; Feine, Die Besetzung der Reichsbistümer vom Westfälischen Frieden bis zur Säkularisation 1648-1803 (Kirchenrechtliche Abhandlungen 97/98, Stuttgart 1905, ND Amsterdam 1964). 51

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bürgerlich-bäuerlichen Mitgliedern, in denen es zwar Ansiitze zur Patronage, aber keine dauerhafte, die übliche "familia" des Stifts überschreitende Klientelbildung gab]). Die weiterbestehende Katholizität der Stifter konnte nicht ohne Folgen für den Adel bleiben - er war gleichsam ihre geborene Klientel. So bemerkenswerte Prälaten wie die Erzbischöfe Philipp Christoph von Soetern (von TrierY" und Joharll1 Philipp von Schön born (von Mainz)37 waren Söhne evangelischer Eltern - vielfach waren das Festhalten an traditionellen geistlichen Positionen und das evangelische Bekenntnis noch bis in den Beginn des 17. Jahrhunderts vereinbar. Es gab sogar Ansätze zu einer Reformation mit Hilfe einer evangelischen Protektionspolitik, wie sie in Norddeutschland zum Erfolg geführt hatte, auch in einzelnen süddeutschen Bistümern, z. B. in Speyer unter Bischof Marquard von Hattstein (1' 1581 )38 In der Regel aber haben die Mechanismen der Patronagepolitik im Alten Reich zugleich mit den katholischen Stiften auch der alten Kirche selbst gedient; so führte der Weg Soeterns, Schönborns und vieler anderer in eine erneuerte Katholizität, die sich mit der Stabilisierung einer stiftischen Position verbinden ließ. Sehr gut erforscht ist durch die Arbeiten von AIfred Schröcker die Patronage des Hauses Schönborn zu Ende des 17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts - hier wird an einem Musterbeispiel das unglaubliche Ausgreifen einer planmäßigen stiftischen Patronatspolitik sichtbar]'). Entscheidend war freilich

35 Dazu demnächst die Studie von ilrmga/Ll mll Reden-Do};na über die schwäbischen Prälaten. Vgl. derzeit dazu: ilrmgcml !'Oll Redfll-Dobna, Reichstandschaft und Klosterherrschaft. Die schw;ibischen Reichsprälaten im Zeitalter des Barock (Institut für Europäische Geschichte Mainz, Vorträge 78, Wiesbaden 1982). J6 jos/i'/) Ba 11 r, Christoph Philipp von Sötern, geistlicher Kurfürst von Trier und seine Politik während des Dreißigjährigen Krieges, 2 Bde. (Speyer 1897/99). 31 CCnl Wil,l, johann Philipp von Schön born, genannt der Deutsche Salomo, ein Friedensfürst zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (Heidelberg 1896); G'eotg iHentz, johann Philipp von Schönborn, Kurfürst von Mainz, Bischof von Würzburg und Worms, 1605-1673, 2 Bde. (Jena 1896/97); at/o iHl)'et; johann Philipp von Schönborn, Fürstbischof von Würzburg, Bischof von Worms, 1605-1673, in: ders., Varia Franconiae Historica 2 (Mainfränkische Studien 14/2, Würzburg 1981) 371-394; Friedbelm jiilgensmeier; johann Philipp von Schönborn, in: Fränkische Lebensbilder 6 (1975) 161-184; dm"johann Philipp von Schönborn (1605-1673) und die römische Kurie. Ein Beitrag zur Kirchengeschichte des 17. jahrhunderts (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 28, Mainz 1977). J8 Heinz-Peter /vIielke, Die Niederadeligen von Hattstein. Ihre politische und soziale Stellung. Zur Geschichte einer Familie der mittelrheinischen Reichsritterschaft von ihren Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges mit einem Ausblick auf das jahr 1767 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 24, Wiesbaden 1977) 259-337; den., Schwenkfeldiancr im Hofstaat Bischof Marquards von Speyer (1560-1581), in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 28 (1976) 77-82; Volker Press, Das Hochstift Speyer im Reich des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, in: Volker Press, Eugen Reinhard und Hal/smartin Schwarzmaier (Hrsg.), Barock am Oberrhein (Oberrheinische Studien 6, Karlsruhe 1985) 262 f. J9 Illfred Scbröcket; Die Patronage des Lothar Franz von Schön born (1655-1729). Sozialgeschichtliche Studie zum Beziehungsnetz in der Germania Sacra (Beiträge zur Geschichte der Reichskirche in der Neuzeit 10, Wiesbaden 1981); ders., Der Nepotismus des Lothar Franz von Schönborn (1655-1729), in: Zeitschrift für bayer. Landesgeschichte 43 (1980) 93-157; dm., Die Schönborn. Eine Fallstudie zum Typus "materiell-konservativ", in: Blätter für deutsche Landes-

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dafür vor allem unter dem Erzbischof Lothar Franz U 1729) die Behauptung des Erzstifts MairlZ. Die besondere Stellung und das territoriale Ausgreifen des Erzbistums, aber auch seine enge Verklammerung mit dem Kaiserhof boten geradezu ideale Voraussetzungen für eine bewußte Patronagepolitik, wie sie von den Mainzer Kurfürsten auch immer wieder ausgenützt und als Instrument für die politische Durchdringung des umliegenden Raumes benützt worden ist. Das Haus Schönborn freilich vermochte die Mainzer Möglichkeiten durch eine geschickte Familienpolitik ganz erheblich zu steigern, zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch eine bewußte Kombination mit den von nicht weniger als vier Neffen des Erzbischofs Lothar Franz besetzten Bistümern und dem Kaiserhof. In einer solchen einmaligen Konstellation konnte das Haus Schönborn dadurch in der Germania sacra eine bemerkenswerte Rolle spielen und sie zu einer ganz bewußten Patronatspolitik nützen, die wiederum ein gewaltiges Einflußfeld absicherte - nach dem Großonkel und dem Onkel auf dem Mainzer Erzstuhl und den vier bischöflichen Brüdern haben dann auch noch drei Neffen - Repräsentanten einer vierten Generation also -, die nicht Schönborn hießen, die Mitra getragen. Das Schönbornsche System war außerordentlich geschickt aufgebaut - es verband in einer Zeit wiederaufsteigender kaiserlicher Macht die Interessen des Reichsoberhauptes und der Familie mit dem Aufbau einer Klientel, die beiden nutzbar gemacht werden konnte. Als der sehr geistlich geprägte Speyerer Bischof und Kardinal Damian Hugo von Schön born ("11743) gegenüber den eingeschliffenen Spielregeln adeliger Kirchen- und Schönbornscher Protektionspolitik allzusehr die geistlichen Bedürfnisse in den Vordergrund rückte, rief ihn die bischöfliche Verwandtschaft unter Anführung des Erzbischofs Lothar Franz von Mainz ganz energisch zur Ordnung 40 . Die Querverbindungen der Mainzer Protektionspolitik zum Kaiserhof, vor allem zur Reichshofkanzlei 41 , die dem Mainzer Kurfürsten unterstellt war und die dieser zu

geschichte 111 (1975) 209-231; tiers., Besitz und Politik des Hauses Schönborn vom 14. bis zum 18. Jahrhundert, in: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26 (1973) 212-234. Vgl. auch: Jl(/x 1)om(/rw, Würzburger Kirchenfürsten aus dem Hause Schönborn (Wiesentheid 1951); Dtlo 13. Rotgele, Das "Systema der familie". Kommunikation als Mittel des Aufstiegs. Das Beispiel des Hauses Schön born, in: Andrem Kmus (Hrsg.), Land und Reich, Stamm und Nation. Probleme und Perspektiven bayerischer Geschichte. Festgabe für Max Spineller zum 90. Geburtstag, Bel. 2 (München 1984) 137-155. '0 hallz Xarer Remling, Geschichte eler Bischöfe zu Speyer, Bd. 2 (Mainz 1854) 625-665; A/fi'eel /1. Stnwd, Kardinal Damian Hugo, Reichsgraf von Schönborn im Lichte neuer Quellen, in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 24 (1972) 107-153;j(/cob Wille, Bruchsal - Bilder aus einem geistlichen Staat im 18. Jahrhundert (Heidelberg '1900) 14-45; Dito iVIeyet; Damian Hugo von Schönborn, Deutschordenskomtur, Kardinal, Fürstbischof von Speyer und Konstanz, in: Barock in Baden-Württemberg. Vom Ende des Dreißigjährigen Krieges bis zur Französischen Revolution, Be!. 2: Aufsätze, Ausstellungskatalog Bruchsal (Karlsruhe 1981) 335-342; Press, Speyer, 277-283. 4, Lot!;ar Groß, Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei 1559-1806 (Inventare österreichischer staatlicher Archive V.l, Wien 1933). Mit bemerkenswerten Hinweisen auf die genealogischen Verflechtungen der Mitglieder des Kaiserlichen Geheimen Rates: Hem)' F Schwarz, The Imperial privy couneil in the 1i h Century (Harvard Historieal Studies, Cambridge/Mass. 1943).

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Zeiten Josephs 1. mit dem Neffen Friedrich Karl 42 besetzt hatte, waren ganz deutlich und wirkten sich auch in gezielter Patronage, d.h. Protegierung von Vertrauensleuten aus den Erblanden und aus dem Reich aus. Klientelbildungen gab es auch innerhalb des Reichskammergerichts 43 dank der fürstlichen Präsentation von Assessoren, die oft genug Beziehungen zum Ursprungs hof unterhielten und zuweilen auch dorthin zurückkehrten; Sigrid Jahns wird eine Analyse der Reichskammergerichtsassessoren nach 1648 vorlegen, die auch diesen Fragen nachgeht - sie wird diese Spielregeln recht deutlich machen 44 . Freilich gab es Patronagepolitik auch unter den Advokaten und Prokuratoren des Kammergerichts - ihre Wirkungen sind aus der Jurisdiktion dieses obersten Reichsgerichts nicht hinwegzudenken. Aus den Anmerkungen über die Reichshofkanzlei wird überdies deutlich, daß natürlich der Reichshofrat von solchen Phänomenen ganz und gar nicht frei war. Im komplizierten Gefüge des Alten Reiches war auch nicht selten die Klientelbildung eines Landesherrn im Territorium eines anderen - eine Entwicklung, die sehr gefürchtet war, vor allem im Zeitalter der Glaubensspaltung. Solche Tendenzen waren freilich schon sehr viel älter - in ihren Möglichkeiten spiegelten sich sehr oft traditionelle, manchmal durch Lehensbeziehungen verfestigte Beziehungsstränge. Die Bildung einer eigenen Partei in einer anderen landesfürstlichen Regierung konnte auf unterschiedliche Weise erfolgen. Von der Abordnung oder Hinterlassung eigener Beamter in fremden Territorien war schon die Rede. Es gab weitere Möglichkeiten - das Einrücken eines fremden Herren in die Klientel, die Gewinnung eines Teils der Räte!'>. Dies konnte geschehen durch die Lage ihres Besitzes in den eigenen Territorien ihres Patrons - eine Situation, die etwa 1778 für Bayern schlagartig durch die österreichische Okkupation und zeitweilige Annexion des Straubinger Landes entstand 46 Es kamen hinzu direkte Begünstigungen, die oft abenteuerliche Züge annehmen konnten, die Stützung einzelner Gruppen im fremden Territorium. ElligO Elantsc/;. Reichsvizekanzler Friedrich Kar! von Schön born (Salzburger Abhandlungen und Texte aus Wissenschaft und Kunst 2, Augsburg 1929). Rlidol/Smend, Das Reichskammergericht 1: Geschichte und Verfassung (Quellen und Studien zur Verfassungsgeschichte des Deutschen Reiches in Mittelalter und Neuzeit Bd. 4, Heft 3, Weimar 1911). !4 Vgl. zunächst: S(r;rid Jahll.l; Die Universität Gießen und das Reichskammergericht, in: Peter ;\!O/llW und Volka Press (Hrsg.), Academia Gissensis. Beiträge zur älteren Gießcncr Universitätsgeschichte (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 45, Marburg 1982) 189-215; dies., Brandenburg-Preußen im System der Reichskammergerichts-Präsentationen 1648-1806, in: flermanll Weber (Hrsg.), Politische Ordnungen und soziale Kräfte im Alten Reich (Veröffentlichungen des Instituts für Europ. Gesell. Mainz, Abt. Universalgesch., Beiheft 8, Wiesbaden 1980) 169-202; dies., Gescheiterte Reichskammergerichtspräsentationen. Der FallJohann Adam Freiherr von Schroff 1747-1754, in: Mitteilungen des Wetzlarer Geschichtsvereins 31 (1985) 102-138. 45 Diese Frage böte ein weites Feld für die Forschung, wobei gerade bei den wichtigeren deutschen Territorien eine Überprüfung der Beziehungen der jeweiligen Räte von großem Nutzen wäre. 46 Paul ßernard, Joseph II and Bavaria. Two eighteenth century attempts of German unification (The Hague 1965); Aclolf Erhard, Herzogin Maria Anna und der Teschener Friede, in: Oberbayerisches Archiv 40 (1881/84) 1-36. 4'

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Im Verhältnis zu einem überlegenen Nachbarn konnten hier durchaus prekäre Situationen entstehen. Die nach dem Zusammenbruch der habsburgischen Herrschaft erzwungene Emigration der proösterreichischen Ehrbarkeit und die Klosteraufhebungen in Württember~. nach 1534 hatten auch die Tendenz, eine proösterreichisc~1e Klientel nach der Ruckeroberung des Landes durch Herzog Ulnch zu verhll1denf'7 Sie hätte in einer Krisensituation zugunsten der vertriebenen Österreicher wirken und dem wiedergekehrten Herrn sehr gefährlich werden können - auch unter diesem Aspekt ist das Streben der deutschen Landesfürsten nach konfessioneller Einheit zu sehen. So suchte sich der evangelische bayerische oder österreichische Adel an Württemberg anzulehnen, das freilich - selbst in prekärer Situation an der Fürstensolidarität mit den katholischen Landesherren festhielt und allein geistlichen Rückhalt und Emigrationsmöglichkeiten bot 48 So zerschlug Bayern in den 1620er Jahren sehr rasch nach der Erwerbung der Oberpfalz deren alte lutherische bürgerliche und adelige Oberschicht, die den Hebel für eine fremde Macht hätte bilden können" 9 - wie es sich noch 1631 in der Tat beim Einmarsch der Schweden zeigte. Sie hatten aus Oberpfälzer Emigranten in Nürnberg eine Exilregierung gebildet und brachten sie mit ins Land j o. Relative Schwäche der Territorien und konfessionelle, aber auch andere Gegensätze konnten zu Klientelbildungen führen, die dem fremden Fürsten ein Einfallstor boten _ es ging dabei meist um eine Infiltrierung des Rates, weniger um eine solche der Landstände. So hat sehr frühzeitig Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen (t1568) territoriale Ansprüche auf einen allzu weit entfernten Adel fallen lassen, da cl' erkannte, daß dadurch fremden EinfiLlssen auf den gesamten Adel seines Landes grögelT Chancen eröffnet werden konnten'l. Die Brisanz seiner Auseinandersetzungen mit dem Deutschordenskomtur in Marburg, dem Mittelpunkt eines nichtterritorialen

IfilllSlIwr!ill J)aker-l!alijj; Die Entstehung der altwürttembergischen Ehrbarkeit (1250-1534) (Diss. phi!. masch. Wien 1945). Ergänzend dazu Bernhard!, Zentralbehörden (wie Anm. 11) . •\8 Dies zeigte sich etwa in der Haltung Herzog Christophs von Württemberg im Falle des evangelischen bayerischen Ritters Pankraz von Freyberg. Konmd Pregn; Pankraz von Freyberg auf Hohenaschau, ein baierischer Edelmann aus der Reformationszeit (Halle 1893); Leonbard Tbeobald, Der Religionsprozeß gegen Pankraz von Freiberg von 1561, in: Beiträge zur baierischen Kirchengeschichte 21 (1915) 64-72,108-123,157-169. 49 F!'ied!'ie/Y Lippe!'!, Geschichte der Gegenreformation in Staat, Kirche und Sitte der OberpfalzKurpfalz zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (Freiburg/Br. 1901); Augus! SPfl'!, Der oberpfälzische Adel und die Gegenreformation, in: Vierteljahresschrift für Wappenkunde 4 (1900) 1-49; ,)[a.,:imi!ian Hog!, Die Bekehrung der Oberpfalz unter Kurfürst Maximilian 1., 2 Bde. (Regensburg 1903); Jose/ Sturm, Johann Christoph von Preysing. Ein Kulturbild aus dem Anfang des Dreißigjährigen Krieges (München 1923); Wilhe!m G'egenjill'tlw; Jesuiten in der Oberpfalz, 1621-1650, in: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg 11 (1977) 71-220; Walte!' ZiegIn; Die Rekatholisierung der Oberpfalz, in: Glaser (Hrsg.), Wittelsbach und Bayern 2.1 (wie Anm. 15) 436-447. 50 Hierzu hoffe ich eine kleinere Studie vorlegen zu können. 51 Freundlicher Hinweis von Frau Christa Reinhardt (Tübingen). Vg!. auch Alber! Huyskem, Philipp der Großmütige und die Deutschordensballei Hessen, in: Zeitschrift für Hessische Geschichte und Landeskunde 38 (1904) 99-184.

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und daher das hessische Territorium sprengenden Klientelverbandes 52 , zeigte die Gefahren dieser Auseinandersetzungen. Das in Süddeutschland exponierte evangelische Württemberg war zwar durch das Ausscheiden des Adels aus dem Territorium und die enge Verflechtung von bürgerlicher Ehrbarkeit, Bürokratie, Pfarrerstand und Landständen sehr geschlossen gefügt, aber auch hier gab es Gefahren einer fremden Klielltelbildung. Als 1770 die Kronen England-Hannover, Preußen und Dänemark den württembergischen Erbvergleich garantiert hatten, sorgten der Kaiserhof in Wien und der Herzogshof in Stuttgart für die rasche Entfernung der Gesandten, u. a. weil sie in ihnen einen Kristallisationskern für eine fremde Klientel im evangelischen Lande fürchteten, die dem katholischen Herrscher gefährlich werden konnten 53 Die Bildung von Parteien an Fürstenhöfen durch fremde, aber auch durch größere deutsche Mächte wäre ein weites Feld, das vor allem im 17. und 18. Jahrhundert einige Bedeutung erlangen konnte - es erreicht freilich die Grenzbereiche von Patronat und Klientelbildung einerseits, auswärtiger Politik andererseits"!. Auch für die Reichsstädte war eine solche Entwicklung nicht unbedeutend. Der Rückgang ihrer Stellung angesichts der Verfestigung der deutschen Fürstenstaaten führte dazu, daß die Nachbarn verstärkt in die Städte drängten. Die Reliktpositionen der oft aus den Reichsstädten abgeschobenen alten Stadtherren, der Bischöfe und Prälaten, waren Ansätze einer Klientelbildung, die katholische Elemente in den evangelischen Städten fixierten - diese wiederum waren bemüht, deren Zahl gering zu halten 55 . Die Überlagerungen mehrerer Einflußfelder durch verschiedene Reichsstände innerhalb ein und derselben Stadt können insbesondere in Augsburg und Regensburg, aber auch in kleineren Orten wie Lindau, Gengenbach oder Buchau studiert werden. Die landesfürstlichen Nachbarn haben sich sehr bewußt in den Städten einen Anhang geschaffen; in Schwaben z. B. Württemberg mit Hilfe der Höfe von säkularisierten Klöstern, die es in den Reichsstädten behauptete 56 Von solchen Positionen aus ließ

51 Bernbllrd Demei, Von der katholischen zur trikonfessionellen Ordensprovinz. Entwicklungslinien in den Jahren 1526-1680/81, in: Uelo AmoM u. Hein:z Liebing (Hrsg.), St. Elisabeth, der deutsche Orden und ihre Kirche. Festschrift zur 700jährigcn Wiederkehr der Weihe der Elisabethkirche Marburg 1983 (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 18, Marburg 1983) 186-281; Tbeo Niederquell, Geschichte der Deutschordensballei Hessen vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis zu ihrer Auflösung 1809 (Diss. masch. Marburg 1953); ders., Im Kampf um die Reichsunmittelbarkeit. Die Geschichte der Deutschordensballei Hessen, vornehmlich im 16. Jahrhundert, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 5 (1955) 193-222; Hans-Peler Lacbmann und llerlllann Langkabel, Der Deutsche Orden in Hessen (700 Jahre Elisabethkirche in Marburg 1283-1983. Katalog 5, Marburg 1983). )J Vgl. die Akten im Haus-, Hof- und Staatarchiv Wien, Württembergica schwarz 13 b, 14. ,4 Vgl. den Beitrag von Kar! Otmar Freiherr von Aretin in diesem Band. 5' Dies gilt für Städte wie Augsburg, Regensburg, Speycr mit ihren bischöflichen Reliktpositionen, aber auch für Frankfurt, wo sich die katholischen Stifte behaupteten. 56 Die württembergischen Klosterhöfe in Reichsstädten waren immer echte Vorposten württembergischer Einflußnahme. Analog dazu erschien die Präsenz des Landgrafen von Hessen im Hainaer Hof in Frankfurt während der Reformationszeit der Reichsstadt für ihre Freiheit außerordentlich bedrohlich. SigridJabns, Frankfurt, Reformation und Schmalkaldischer Bund. Die Reformations-, Rcichs- und Bündnispolitik der Reichsstadt Frankfurt a. M. 1525-1536 (Studien zur

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sich in die innerstädtischen Konflikte hineinwirken und so eine politisch wirksame Schiedsrichterrolle aufbauen. Durch die Konzentration auf die reichspolitisch relevanten Probleme wurde naturgemiiß der Begriff von Patronat und Klientel sehr weit ausgedehnt. Die Möglichkeiten der Klientelbildung in fremden Territorien scheint relativ stark ausgenützt worden zu sein - dagegen hat die rechtliche Verfestigung des Reichsverbandes auch die Fixierung der informellen Beziehungen mit Hilfe von Klientelverbänden eingeengt. Die Spielregeln wurden, vor allem nach 1648 immer deutlicher festgezogen - namentlich die größeren Herren suchten auch die sich ausbildenden territorialen Möglichkeiten immer konsequenter zur Abwehr fremder Klientelbildungen auszunützen. Andererseits ist die Grenze dessen, was unter Klientelbildung zu verstehen ist, gerade im Alten Reich sehr sd1\ver zu ziehen. Es fragt sich oft, wo die Klientelbildung aufhört und das formale Bündnis beginnt. Es ist auch nicht leicht, festzustellen, ob ein Reichsfürst oder Reichsgraf als Repräsentant seines Territoriums oder als Vertreter seiner sozialen Gruppe gesehen werden soll. Dabei ist freilich die traditionelle Neigung, die "staatliche" Dimension zu betonen, geeignet, Perspektiven zu verstellen. Denn selbst Reichsfürsten traten in die Gefolgschaft von noch Größeren und nahmen an ihren Höfen Ämter an. Dies galt vornehmlich für die Kurfürstentümer (dabei handelte es sich freilich in der Regel um neufürstliche Häuser, die Dienste nahmen, aber auch alte Dynastien fehlen nicht, wie die anhaltischen Askanier, die in sächsischell, pfälzischen und nicht zuletzt in brandenburg-preußischen Diensten zu finden waren). Die territoriale Beziehung wurde gleichsam mit der personalen unentwirrbar verflochten - dies konnte auch Widersprüche auslösen. So wurde z. B. Ende des 18. Jahrhunderts der kaiserliche Gesandte beim Schwäbischen Kreis Graf Königsegg-Aulenburg vom Wiener Hof entlassen, da er auf dem Kreistag zwar die kaiserlichen Intcr"Cssen vertreten hatte, der Vertreter seines eigenen bedrohten Territoriums aber dagegen abgestimmt hatte. Die territorialen Interessen des Grafen deckten sich unter dcrn Druck der französischen Revolutionsarmecn nicht mehr mit den kaiserlichen 57 Vollends fließend werden die Grenzen, wenn man das Patronats- und Klientelsystcm des frühneuzeitlichen Kaisers im Reich betrachtet. Der Reichsverband konnte ohne dieses nicht funktionieren - es hat andererseits notwendigerweise auch die territorialen Patronatssysteme entscheidend beeinflußt. Zwar gab es Fürstenhöfe, die ähnliche Methoden anwenden konnten, etwa der pfälzische, dann der bayerische und schließlich und vor allem der preußische - die Möglichkeiten des Kaisers hat dennoch keiner von ihnen erreicht. Dabei erweist sich überdies, daß kaiserliche Patronatspolitik vorn 15. bis zum 18. Jahrhundert immer weiter ausgriff und immer mehr verfeinert Frankfurter Geschichte 9, Frankfurt 1976) 109-113. Als Beispiel für den württembergischen Einfluß mag Esslingen dienen: Walter Bemhardt, Esslingen und Württemberg (Ausstellungskatalog, Sigmaringen 1981); dm. (Hrsg.), Die Pfleghöfe in Esslingen (Ausstellungskatalog, Sigmaringen 1982); Dtto Borst, Geschichte der Stadt Esslingen am Neckar (Esslingen JI978); Gerht/rel Kittelbngn; Der Adelberger Freihof in Esslingen. Das Asylrecht und der Immunitätsschutz im 16.Jahrhundert (Veröff. der Kommission für geschicht!. Landeskunde in Baden-Württemberg B 23, Stuttgart 1970). \7 Freundlicher Hinweis von Herrn Kollgen Dr. Franz Quarthai (fübingen).

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wurde. In ihr spiegelt sich ein Herzstück der Wiener Reichspolitik - daß sie ihre Wurzeln schon im Mittelalter hat, haben die Studien von Peter Moraweingehend gezeigt 58 In seiner Patronatspolitik konnte der Kaiser freilich nicht absehen von der Struktur des Reiches, die, wie wiederum Moraw gezeigt hat, auch gekennzeichnet war durch unterschiedliche Intensität der Beziehungen, welche die einzelnen Regionen und Zonen zum Kaiser hatten 59. Es konnte nicht gleichgültig sein, ob er in seine eigenen Erblande, in die dem Reich besonders verbundenen kurfürstlichen, in kaisernahe und kaiserferne Zonen, ob er in große oder kleine, katholische oder evangelische Territorien hineinwirkte. So bestanden die alten Spielregeln des kaiserlichen Einflusses ins Reich auch in die Neuzeit fort. Kaiserliche Klientelbildung außerhalb der Erblande erfolgte naturgemäß und vor allem in den kaisernahen Zonen, und sie war ein wichtiges Instrument der kaiserlichen Politik. Selbst ein so reichsferner Herrscher wie Kaiser Friedrich III. hat daran festgehalten - die Rückkehr Maximilians I. ins Reich 1486 bedeutete in hohem Maße die Mobilisierung und Ausdehnung der kaiserlichen Klientel Go. Es zeigte sich, daß der Kaiser immer noch mehr Mittel und Instrumente zur Anbindung zur Verfügung hatte als jeder einzelne deutsche Reichsfürst. Nicht nur, daß er Dienste und Lehen in höherem Maße vergeben konnte - weit mehr: er konnte privilegieren, Standeserhöhungen vornehmen, Exspektanzen verleihen, in seiner richterlichen und schiedsrichterlichen Rolle (in Grenzen) wohlwollender oder weniger wohlwollend sein, zuweilen auch Pfründen in der Reichskirche vergeben. Es wird zu zeigen sein, daß diese kaiserlichen Möglichkeiten im Laufe der Jahre nur noch stiegen 61 . 58 Peter flIomlll, Räte und Kanzlei, in: Ferdinand Seibt (Hrsg.), Kar! IV. Staatsmann und Mäzen (München 1978) 282-292; den'., Wesenszüge der "Regierung" und "Verwaltung" des deutschen Königs im Reich (ca. 1.350-1450), in: Histoire comparee de l'administration (IVe-XVlIIe sii~cles), publies par Wemer Pamvicini und Kar! Feldint/nd IPemer(München 1980) 149-169; den., Personenforschung und deutsches Königtum, in: ZHF 2 (1975) 7-18; ders., Verwaltung und Raum, Gesellschaft, Schriftwesen, in:jeJerieh, Pohl, I'. Unruh (Hrsg.), Verwaltungsgeschichte 1 (wie Anm. 17) 27-31. Vgl. auch Ro/f Pjliicke, Beiträge zur Theorie von Patronage und Klientel (Diss. Heidelberg 1962). 59 Peter iHol'aw, Landesgeschichte und Reichsgeschichte im 14. Jahrhundert, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte (1977) 175-191; ders" Franken als königsnahe Landschaft im späten Mittelalter, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 112 (1976) 123-138; den., Hessen und das deutsche Königtum im späten Mittelalter, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 26 (1976) 43-95; ders" Reichsstadt, Reich und Königtum im späten Mittelalter, in: ZHF 6 (1979) 285-324. 60 Zu Maximilian: Hermann WiesfleckeI; Kaiser Maximilian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit, 4 Bde. (München 1971-1981). Ergänzend aus einer stärker verfassungsgeschichtlichen Perspektive: Heinz Angermeiel; Einleitung zu Deutsche Reichstagsakten, Mittlere Reihe 5.1 (Göttingen 1983) 23-86; ders., Dic Reichsreform 1410-1455. Die Staatsproblematik in Deutschland zwischen Mittelalter und Gegenwart (München 1984). 6' Hier wird deutlich, wie problematisch eine nationalstaatliche Interpretation der Reichsverfassungsentwicklung ist. Neue Ansätze bei: Heinrich Lutz, Das Ringen um deutsche Einheit und kirchliche Erneuerung (Propyläen-Geschichte Dcutschlands 4, Berlin 1983); dm. (Hrsg.), Das Römisch-deutsche Reich im politischen System Karls V. (Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 1, München 1982); demnächst: Volker Press, Der Kaiser, das Reich und die Reformation, in: Sammelband des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.

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Natürlich gab es eine sehr traditionelle kaiserliche Klientel in den alten Kerngebien des Reiches - dort wo sich traditionelle Reichsbeziehungen mit den landesfürstlite .. ehen Möglichkeiten des Hauses Osterreich verbanden, waren ihre Ausformungen besonders intensiv, d. h. in Schwaben. Dabei spielten über die territoriale Konfiguration eine Rolle die unterschiedlichen Zentren Habsburger Einflußmöglichkeiten. Es gab neben dem Hof und der Residenz in Innsbruck, wo bis 1490 und mit Unterbrechungen von 1564-1665 eine eigen,e östen:eichische Linie saß, die durchaus eine spezielle Politik trieb und dem KaIser SchwierIgkeiten machen konnte, auch noch ehe Unterzentren in Günzburg, Rottenburg und Freiburg 62 • Vorderösterreich hat auch eine Reihe von außerterritorialen Zentren gehabt, allen voran Augsburg, das bis zum Ende eine Relaisstation kaiserlichen Einflusses auf das Umfeld blieb. Maximilian 1. hat diese Klientel immer bewußt gestützt und in seine Obödienz zurückgeführt, wobei er besonders bemüht war, die Grafen und Ritter zu gewinnen und weiter an sich zu binden - aber auch an Prälaten und Städte appellierte er. So fand er die Plattform für seine Reichspolitik - sein Hof und seine Dienste wurden bewußt als Mittel zur Anbindung auch von Adeligen aus dem Reich genützt. Aber auch das Bürgel·tum der Reichsstädte wurde diesem Kaiser verpflichtet. Die Beziehungen zu den einzelnen oberdeutschen Reichsstädten sind sichtbar, in einzelnen Fällen sogar sehr deutlich, aber systematisch wurden sie bislang noch nicht erforseht 63 Die Situation komplizierte sich freilich durch die quantitativ wichtigere erbländische Komponente des Hofes - die die grundsätzliche politische Basis des Erzhauses spicgeltc M Auch hier gab es deutlichc Ansätze zur Klientelbildung, wobci besonders die Inhaber der obersten Hofämter erhebliche Möglichkeiten zur Protektion hatten -

.hil'dricb lHetz (Hrsg.), Vorderösterreich. Eine geschichtliche Landeskunde (Freiburg 21967); !lilllJ Erieb Feine, Die Territorienbildung der Habsburger im deutschen Südwesten, vornehmlich

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im späten Mittelalter, in: Zeitschrift für Rechtsgeschichte, Germ. Abt. 67 (1950) 176-308; neuerdings grundlegend die Studien von: Franz Quartbai, Landstände und landständisches Steuerwesen in Schwäbisch-Österreich (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde 16, Stuttgart 1980); ders., Absolutismus und Provinz. Verwaltungsreform und Herrschaftsintensivierung in den österreichischen Vorlanden zur Zeit des Absolutismus (Habil. Schrift masch. Tübingen 1981); Volker PresJ, Schwaben zwischen Bayern, Österreich und dem Reich, in: Pallkr{lZ Frieel (Hrsg.), Probleme eier Integration Ostschwabens in den bayerischen Staat. Bayern und Wittclsbach in Ostschwaben (Augsburger Beiträge zur Landesgeschichte Bayerisch-Schwabens 2, Sigmaringen 1982) 17-78. Demnächst: Hans iV1aier und Volker PreJJ (Hrsg.), Vorderösterreich in der frühen Neuzeit. 63 Zu den Beziehungen zwischen Kaiser und Reich neuerdings grundsätzlich: Angermeier, Reichsreform. Vgl. aber auch: Volker Pm]; Die Erblande und das Reich von Albrecht 11. bis Kar! VI. (1438-1740), in: Robert A. Kann u. Friedrieb Prinz (Hrsg.), Deutschland und Österreich (\\7ien 1980) 44-88; den" Das Römisch-deutsche Reich - ein politisches System in verfassungsund sozialgeschichtlicher Fragestellung, in: Grete Klingemtein u, Heinrich Lutz (Hrsg.), Spezialforschung und "Gesamtgeschichte". Beispiele und Methodenfragen zur Geschichte der frühen Neuzeit (Wiener Beiträge zur Geschichte der Neuzeit 8, Wien 1981) 221-242. ", Dazu eine Fülle von Material in: Die österreichische Zentralverwaltung, 1. Abt. 1. Bd. - 2. Abt. 5. Bd. (Veröffentlichungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs 5-7, 18, 19, 32, 35, 36, 42, 43, Wien 1907 ff). Außerdem: Hubert ehristopb Ebalt, Ausdrucksformen absolutistischer Herrschaft. Der Wiener Hof im 17. und 18. Jahrhundert (Wien 1980).

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sie waren in der Regel Angehörige des erbländischen Adels. Der Kaiserhof soll hier im einzelnen nicht diskutiert werden - bei einer dominierenden Rolle der Erblande hatte er aber auch die kaiserlichen Rechte am Reich zu verkörpern; es entstand immerhin ein kompliziertes Geflecht von Familienbeziehungen zwischen erbländischem und Reichsadel mit dem Zentrum des Hofes 65 . Dabei entwickelte sich eine Tendenz, Erblande und Reich immer enger zu verklammern. Es gab eine Fülle von personalen Querverbindungen zwischen dem Wiener Hof und dem Reich, die durchaus zum Kern einer Klientelbildung werden konnten. Diese war naturgemäß in Südwestdeutschland sehr augeprägt, vor allem in Oberschwaben, um den territorialen Kern der österreichischen Besitzungen, und sie wurde, wie gesagt, unter Maximilian erheblich intensiviert - dabei stieß man auf die bayerische Konkurrenz, die aber angesichts der kaiserlichen Position auf der einen, der in Schwaben gefürchteten bayerischen Territorialpolitik auf der anderen Seite letztlich unterlegen warM Freilich sollte die Rivalität Bayerns bis nach dem Dreißigjährigen Krieg noch gefährlich bleiben, aber sie vermochte den Kaiser auf Dauer nicht zu überspielen. Das habsburgische Patronat band in Oberschwaben Reichsgrafen, Reichsritter und Reichsprälaten an sich und hielt sie bei der alten Kirche. Es scheint, daß dabei die Reichsritter eher auf Innsbruck und die regionalen Zentren, die Reichsgrafen stärker auf den Kaiserhof orientiert waren. Daß die Konstanz habsburgischer Klientelbildung in Schwaben stets begleitet war von einer Konstanz der Irritationen, die durch die territorialen Ansprüche des Erzhauses begründet waren, war nicht nur ein Störfaktor, sondern auch ein Mittel zur Anbindung. Dieses System unterlag freilich Belastungen durch eine allzu starke Abwesenheit des Reichsoberhaupts aus dem Reich oder durch die Etablierung einer eigenen habsburgischen Linie in Innsbruck. Aber gerade die Zeiten der Abwesenheit des Herrschers unter Karl V. zeigten 67 , wie nötig es war, daß man der habsburgischen Klientel durch einen zweiten anwesenden Habsburger einen Hof als Rückhalt gab, den Karl V. niemals bieten konnte. Daß freilich die Konfigurationen um den burgundischen Hof Philipps des Schönen und Karls V. ganz offensichtlich Ansätze einer habsburgischen Klientelbildung im nordwestdeutschen Raum ermöglichten, wie sie kein Kaiser seit dem 13. Jahrhundert erreicht hatte, wird sichtbar, müßte aber im einzelnen noch un-

6, Die Eigenständigkeit des Prager Hofes unter Rudolf 11. war durch diese Züge wesentlich bestimmt. Obgleich Rudolf 11. durch den Geist der Gegenreformation geprägt war, haben einzelne Adelige immer wieder Unterschlupf an seinem Hof gefunden; neuerdings will Josef Polisensky sogar festgestellt haben, daß eine reformierte Gruppierung mit einer gegenreformatorisch-katholischen um den beherrschenden Einfluß in Prag rang. josef PoliIi'Ilskj. Der Krieg und die Gesellschaft in Europa 1618-1648 (Documenta Bohemica Bellum Tricennale Illustrantia 1, Prag, Wien-Köln-Graz 1971); Heillz Scbilling, Konfessionskonflikt und Staatsbildung. Eine Fallstudie über das Verhältnis von religiösem und sozialem Wandel in der Frühneuzeit am Beispiel der Grafschaft Lippe (Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte 48, Gütersloh 1981) 165-167. 66 PrCJ.f, Schwaben (wie Anm. 62). 67 Die Abwesenheit Karls V. ist eine kaum zu unterschätzende Grundtatsache der deutschen Geschichte, die gleichsam ihre Achsen nach Westen verschoben hat.

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ters ucht werden. Andererseits konnte Ferdinand 1. selbst als Römischer König nicht 'en e Möglichkeiten für seine Klientel ausspielen, die einem Reichsoberhaupt zur Veriügung standen 68 - immerhin konnte Bayern unter der Regie L~onhard von Ecks im Zeichen der Abwesenheit Karls V. im schwäbischen Raum den Osterreichern mit der teilweisen Anbindung von Prälaten, Grafen und Rittern noch einmal erhebliche Kon·. kur renz machen. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die Möglichkeiten der Patronatspolitik, wenn Kar! V. seinerseits Leonhard von Eck 69 , den Leiter der bayerischen Politik und Gegenspieler aller habsburgischen Aspirationen, selbst durch eine ExspektanZ auf die Reichsgrafschaft Haag von Bayern abzuwerben trachtete. Die Ostorientierung der habsburgischen Politik nach 1526, dem Jahr des Anfalls von Böhmen und -- zumindest dem Anspruch nach von Ungarn, hat Bayern erneut manche Chance gegeben. Diese bayerische Position stützte freilich in konfessioneller Hinsicht zunächst die Wirksamkeit des österreichischen Patronats - die oberdeutschen Kerngebiete haben sich in wachsender Abgrenzung gegen das württembergisehe Luthertum mit ihrer Katholizität identifiziert; sie haben dadurch zahlreiche kaiserliche und bayerische Parteigänger hervorgebracht - so hat die kaiserliche Klientelbildung, die auf sehr alten reichsgeschichtlichen Wurzeln beruht, den südwestdeutschen Raum auf lange Zeit entscheidend geprägt. Die personalen Beziehungen des verfestigten südwestdeutschen Katholizismus, der sich auf die Innsbrucker Habsburger stützen konnte, wurden die Wurzel einer katholischen Klientelbildung um den Grazer Hof, die wieder nach Südwestdeutschland zurückwirkte und manchen Aufstieg befördert hat. Dies sind wichtige Ereignisse einer gerade abgeschlossenen Arbeit von Gcorg Wieland in Tübingen 70 Der Kaiser konnte sich also auf seine südwestdeutschen Parteigänger verlassen; dies sollte sich im Dreißigjährigen Krieg zeigen, als sie sich gegenüber dem schwedischen Druck und der Sogwirkung der Bündnispolitik Axel Oxenstiernas als absolut resistent erwiesen. In ka~m einer Zone des Reiches haben sich die konfessionellen Brüche und Konflikte mit solcher Schärfe abgespielt wie hier, als sich die kaiserliche Klientel gegen ihre evangelische Nachbarschaft und die schwedischen Protektoren zur Wehr

Frill/z Bembcm/ wn Bucbollz, Geschichte der Regierung Ferdinands 1., 9 Bde. (Wien 1831-1838, Neudruck mit einem Vorwort von Berthold Sutter, Graz 1968-71); AI/oIlJ L!;oIJkJ; Das Zeitalter des Hauses Österreich. Die ersten Jahre der Regierung Ferdinands I. in Österreich (1520-1527) (Veröffentlichung der Kommission für Geschichte Österreichs 4, Wien 1971); At. jial Kob/t!; Antihabsburgische Politik in der Epoche Karls V. Die reichsständische Opposition gegen die Wahl Ferdinands 1. zum römischen König und gegen die Anerkennung seines Königtllms (1524-1534) (Schriftenreihe der Histor. Kommission bei der Bayer. Akademie der Wissenschaften, Göttingen 1982). 69 Eddgard Metzgt!; Leonhard von Eck (1480-1550). Wegbereiter und Begründer des frühabsolutistisehen Bayern (München 1980). 70 Wicland hat seine Ergebnisse am Beispiel der Gegenreformation in einer steierischen Stadt dargelegt: Georg /Pie/al/cl, Leoben in der katholischen Erneuerung. Die Herkunft der innerösterreichischen Führungsschieht und ihre Rolle als Rcformträger. Entwicklungszüge der österreichisehen Jesuitcnprovinz (Diss. Tübingen 1985). 68

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setzte 7l . Mit der Entstehung einer Innsbrucker Linie 1564 und vor allem mit der Festsetzung Kaisers Rudolfs Ir. in Prag wurden die kaiserlichen Beziehungen nach Schwaben ausgedünnt, aber nicht verschüttet. Im gegenreformatorischen Kaiserhof, vor allem in den Behörden, spielten die Schwaben noch lange Zeit eine beträchtliche Rolle 72 - kein Zufall, da zunächst unter ihnen eine ganze Reihe fuggerischer Stipendiaten war. Andererseits hat die Verlegung des Kaiserhofes nach Prag die Ausstrahlung nach Franken und in den mitteldeutschen Raum befördert. Kaiser Matthias hat dies durch die Rückverlegung des Hofes nach Wien zunächst abgebrochen, aber doch einen Prozeß nicht unterbinden können, der erst später, nach 1648, voll zur Wirkung kommen sollte. Die relative reichspolitische Passivität Kaiser Rudolfs 11. erhöhte nicht nur den bayerischen Spielraum in Schwaben, was den katholischen Parteigängern nicht unlieb war, da es ihnen auch einen gewissen Freiraum eröffnete. Offensichtlich bot der Hof Rudolfs 11. - Evans hat in seinen glänzenden Analysen 73 vielleicht die Komponente des Reiches ein wenig vernachlässigt - ein zwiespältiges Bild. Wenn auch reduziert durch die prinzipiell gegenreformatorische Haltung Kaiser Rudolfs 11., setzte dieser doch teilweise die überkonfessionellen Züge der maximilianeischen Zeit fort, ein neues böhmisches Element verstärkte sich - aber zugleich verspielte der ziemlich passive Hof immer neue Chancen, die sich dem Kaiser eröffneten. Weiter ermöglichte der Prager Kaiserhof dem Landadel Böhmens Querverbindungen nach außen, die eine eigene Brisanz erhalten sollten. Maximilian von Bayern wie auch der habsburgische Deutschmeister Erzherzog Maximilian 74 scheinen das Vakuum teilweise aufgefüllt zu haben, das Desinteresse und Passivität des Reichsoberhaupts geschaffen hatten. Die

Bezeichnenderweise entstammten zwei der katholischen "Triumvirn", der härtesten Gegner eines Entgegenkommens gegen die Protestanten auf dem Westfälischen Friedenskongreß, der Prior Adami des restituierten Klosters Murrhardt und der Augsburger Ratsherr Johar1l1 Leuxelring, der alten kaiserlichen Klientel in Schwaben. Vg!. Fritz Di,.kIllCll/ll, Der Westfiilische Frieden (Münster '1977) 199f.; (,'eoffrer Parker, The Thirty Years War (London 1985) 181. 72 Ein Beispiel ist der rührige Reichsvizekanzler des Kaisers Matthias, Hans Ludwig von Ulm, der aus der Umgebung der gleichnamigen Reichsstadt stammte. lVi/beim heibar Kiil//:" /'01/ 1/1/,1 Zli IVarthclllsen, Die Reichsvizekanzlcrschaft Hans Ludwigs von Ulm, 1612 bis 1627, mit besonderer Beziehung zur Erzkanzlerpolitik des Kurfürsten Johann Schweikart von Mainz (Diss. phi!. München 1935); lIse Hüblle!; Reichsvizekanzler Hans Ludwig von Ulm. Eine Biographie (Diss. phi!. masch. Wien 1936); Schwarz, Privy Council (wie Anm. 41) 374-376. Diese Gruppierung war der schwäbischen Position des Hauses Österreich sehr eng verbunden. 7J R.J. W: Ez;ans, The Making of the Habsburg Monarchy 1550-1700: An Interpretation (Oxford 1979); ders., Ruclolf II and his World. A Study in intellectual History (Oxford 1973); deutsch: Rudolf Il.: Ohnmacht und Einsamkeit (Graz, Wien, König 1980); den., The Austrian Habsburgs. The dynasty as a political institution, in: 11. (,'. Dickem (Hrsg.), The Courts of Europe, Politics, patronage and royalty. 1400-1800 (London 1977) 121-145. Neuerdings der Sammelband: Rudolf I!. and his World (Leids Kunsthistorisch Jaarboek 1, Delft 1982). 74 JOJef Hirn, Erzherzog Maximilian, Der Deutschmeister. Regent von Tirol, bisher 2 Bde. (Innsbruck 1915-36); nun: Teil 2.2 erweiterter Neudruck, hrsg. von Heinrich Noj7atJcher (Bozen 1981); Heinrich Noj7atscbe!; Erzherzog Maximilian, Hoch- und Deutschmeister 1585/90-1618. Das Haus Habsburg, der Deutsche Orden und das Reich im konfessionellen Zeitalter (Diss. phi!. masch. Innsbruck 1980). 71

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Irritationen der kaiserlichen Klientel zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges waren unverkennbar - vor allem Bayern hat sie teilweise aufgefangen. Der Krieg brachte eine Wende. Die Zerschlagung der radikalen evangelischen Partei führte zugleich zu einer Reaktivierung der kaiserlichen Klientel - paradoxerweise haben also die Siege des bayerischen und Ligaheers für den Kaiser in dieser Hinsicht die position Maximilians von Bayern eher reduziert. Die Konflikte in den Erblanden brachten den Sieg der kaiserlichen Macht gegenüber den opponierenden Landherren und verbanden sich mit der gewaltigsten sozialen Verschiebung innerhalb des europäischen Adels während der Neuzeit. Aus den Gütern der depossedierten evangelischen Rebellen zimmerten sich kaiserliche Parteigänger und Offiziere ein gewaltiges Vermögen. Dies wurde die Grundlage für die Anbindung der neuformierten böhmischen Aristokratie an den Kaiserhof und für den glanzvollen Wiederaufstieg des Wiener Hofes, der nun seine typische barocke Ausformung erreichen konnte 75 . Ferdinand Ir. versuchte ähnliches auch im Reich mit einer Dotationspolitik zugunsten von erbländisehern Adel und kaiserlichen Parteigängern und zu Lasten geächteter evangelischer Gegner, nach der Nördlinger Schlacht von 1634 noch weniger rücksichtsvoll als zuvor _ so wurden kaiserliche Beamte und Offiziere bedacht, etwa der nachmalige Prinzipalgesandte in Münster Graf Maximilian Trauttmannsdorff mit württembergischen und neippergischen Herrschaften. Vor allem hatte das Restitutionsedikt von 1629 nicht nur eine den Katholiken günstige Auslegung des Religionsfriedens von 1555 im Sinn, sondern auch die klare Zielrichtung einer Verstärkung der traditionellen kaiserlichen Klientel in Schwaben; mit der Vermehrung der reichsunmittelbaren Prälaten sollte eine sehr kaisertreue Gruppe erheblich verstärkt werden 76. Die Wiedererrichtung katholischer Klöster innerhalb des evangelischen Württemberg brachte genau das, was Herzog Ulrich schon 1534 befürchtet hatte - eine geborene Anhängerschaft des Kaisers im Land. Bezeichnenderweise kopierte der schwedische Reichskanzler Axel Oxenstierna die kaiserliche Dotationspolitik in verstärktem Maße, als ihm nach 1632 die militärische Vorherrschaft in Südwestdeutschland zugefallen war; der schwedische Reichskanzler hat diese Politik verknüpft mit planmäßigen Verfassungsmaßnahmen - die Pläne gip-

S: Go/ge, Zum Besitzwechsel böhmischer Güter im dreißigjährigen Kriege, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen 46 (1908) 36-60; 47 (1909) 101-107;Josef Po!t:{emk.y u. Frederick Snider, War and Society in Europe 1618-1648 (Cambridge 1978) 202-216; Kar! Rirbtn; Die böhmischen Länder von 1471-1740, in: Kar! Basl (Hrsg.), Handbuch der Geschichte der böhmischen Länder 2 (Stuttgart 1974) 281-292; ders., Über den Strukturwandel der grundbesitzenden Oberschicht in Böhmen, in: Probleme der böhmischen Geschichte (Veröffentlichung des Collegium Carolinum, München 1964) 49-67. Zu den erfolgreichsten Erwerbern: Golo MaIlII, Wallenstein (Frankfurt 1972 u.ö.); Hel/mut Diwald, Wallenstein: eine Biographie (München 1969); IValtber Ernst Heydelldorff, Die Fürsten und Freiherren von Eggenberg und ihre Vorfahren (Graz 1965); Jarob VOll falke, Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein, Bd. 2 (Wien 1877). 76 Helmut Urball, Das Restitutionsedikt. Versuch einer Interpretation (Diss. phi!. Berlin 1968); Heil/rieb GÜllte/; Das Restitutionsedikt von 1629 und die katholische Restauration Altwirtembergs (Stuttgart 1901). 75

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feiten in der Übergabe des wichtigen Mainz an den Reichskanzler selbst; sie griffen durch eine nahezu vollständige Enteignung der katholischen kaisertreuen Stände tief in die Strukturen des deutschen Südwestens ein. Die Güterdotationen an deutsche Fürsten und schwedische Generäle zielten auf eine evangelische, mit dem Kaiser und den Katholiken zutiefst verfeindete, der Krone Schwedens bedingungslos verpflichtete Parteigängerschaft im Reich, die im Heilbronner Bund auch formal zusammengefaßt war 77 . Die Nördlinger Schlacht vom September 1634 brach die Entwicklung ab und provozierte die Gegenaktion. Beide Experimente aber haben gezeigt, was eine Klientelbildung im Reich bedeuten konnte. Die zahlreichen Stellenvergaben in den Armeen erschlossen ein gewaltiges Potential an Aufstiegschancen für einzelne und für ganze Gruppen, die dadurch zuweilen einen sozialen Aufstieg erkiimpften. Freilich sollte von den neuen Entwicklungen auf Dauer vor allem die kaiserliche Klientelbildung im Reich profitieren, da in Friedenszeiten allein der Kaiser die Trümpfe in der Hand hatte. Mit der Zergliederung Bayerns und einer entsprechenden Dotationspolitik an erbländische und kaisertreue Neufürsten und Grafen suchte seit 1705 Joseph I. das Rezept des Dreißigjährigen Krieges im Spanischen Erbfolgekrieg noch einmal zu aktivieren 78 . Auch hier ging es um eine Verstärkung der kaiserlichen Klientel im Reich. Gerade die kaiserliche Patronatspolitik erwies dann, wie gut das Erzhaus nach 1648 die im Westfälischen Frieden entstandene scheinbar ungünstige Situation bewältigt hat. Die Wiederstabilisierung des Wiener Hofes nach 1618 mündete in einen glänzenden barocken Ausbau; die kaiserliche Armee bestand fort - und sie bot ungewöhnliche Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten; bezeichnenderweise konnte hier der Reichsadel mit dem erbländischen stärker in Konkurrenz treten, denn das erbländische Element am Hof dominierte auch nach 1648 weiter, schon wegen der Option der kaiserlichen Politik im Westfälischen Frieden, erst die interne Stabilisierung zu versuchen. Von hier ließ sich dann erstaunlich rasch ausgreifen, und der kaiserliche Hof konnte geschickt das Rechtssystem des Westfälischen Friedens, die Juridifizierung des Reiches für sich ausnützen. Damit aber ergaben sich neue Möglichkeiten zur Verstärkung der kaiserlichen Klientel - mindestens ebenso wichtig wurden die Möglichkeiten nach 1665, nach dem Anfall der tirolisch-vorderösterreichischen Lande, als der Kaiser dort wieder Landesherr wurde. Die Mobilisierung der Reichskriege gegen Frankreich und der Feldzüge gegen die Türken führten zahlreiche deutsche Adelige in die kaiserliche Armee, die damit auch ein wichtiges Instrument zur Verstärkung der kaiserlichen Klientel im Reich wurde - ihre Mobilität ließ sie auch relativ weit ausgrei-

Jobarllles Kretzscbmtl/; Der Heilbronner Bund 1632-1635, 3 Bde. (Lübeck 1922); (Cbristopb Friedricb) v. Stiilin, Schwedische Schenkungen im Bezug auf Teile des heutigen Königreichs

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Württemberg und an Angehörige zu demselben gehöriger Familien während des Dreißigjährigen Krieges, in: Württ. Vierteljahreshefte für Landesgeschichte NF 3 (1894) 411-455. 78 Diese Politik ist im einzelnen noch ununtersucht. Erste Anmerkungen bei: Sigmund Riez/tI; Geschichte Bayerns 8 (Gotha 1914) 201-212.

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4.3

fen79 Natürlich bewirkten die finanziellen Leistungen einzelner Teile des Reiches eine besondere Schubkraft für das Aufrücken von Offizieren aus dem Reich. Allerdings hatten sich auch grundsätzliche Veränderungen ergeben. Zunächst fehlte nicht eine vorsichtige konfessionelle Öffnung, die freilich durchaus ältere Wurzeln hatte - schon Karl V. hatte einzelne evangelische Adelige an sich zu ziehen gesucht. Der Religionsfriede von 1555 gab diesen auch eine gesicherte Grundlage, erneut für den Kaiser zu optieren - eine Entwicklung, die früh einsetzte, aber durch die Verschärfung der Konfessionsspaltung seit dem Ende des 16. Jahrhunderts aufgehalten wurde. Nach 1648 verstärkte sich dieser Trend erneut - aber die kaiserlichen Dienste führten sehr häufig zur Konversion, denn diese eröffnete erhöhte Chancen bei Hofe, in den kaiserlichen Diensten, in der Armee. Die Konversion erwies sich auch als ein beliebtes Mittel bei Zwistigkeiten innerhalb von Fürsten- oder Grafenfamilien, den kaiserlichen Rückhalt gegen die evangelischen Verwandten zu finden 80 , wenn auch die religiösen Motive - etwa die verstärkte Attraktion eines erneuerten Katholizismus _ nicht wegzudisputieren sind. Denn der Wiener Hof war in seiner inneren Struktur katholisch; der katholische Reichsadel war dadurch sozusagen die geborene kaiserliche Klientel. Dieser Vorteil zeigte sich ganz deutlich in den unterschiedlichen sozialen Entwicklungen katholischer und evangelischer Familien. Aber noch wichtiger war die Ausweitung der Zielgebiete. Die bislang hervorragende Stellung Schwabens für die kaiserliche Rolle im Reich relativierte sich nach 1648 ganz erheblich - Ausdruck einer Verdichtung des Reichsverbandes und eines ausgreifenden kaiserlichen Einflusses. Fränkische und auch rheinische Familien traten nun neben die Schwaben und überholten sie, auch wenn die letzteren wichtig blieben. Aber die Anbindung vieler Schwaben wies nach Innsbruck, während die neuerschlossenen Zielgruppen eher auf Wien orientiert waren. Gemäß dem Charakter des Wien er Hofes hatte die bevorzugte Klientel des Erzhauses deutlich hochadelige Züge, während die Reichsritter an Bedeutung verloren. So bildete sich seit dem Dreißigjährigen Krieg jene typische katholische hocharistokratische Gruppe, die den katholischen Adel des Reiches mit dem Erzhaus verband und die schließlich bis in den westfälischen und nach 1715 in den niederländischen Adel hineinragte. ,1Ll ch

79 Bal/bi/rd ErtlllWllsclör!!eJ; Deutsche Geschichte vom Westfälischen Frieden bis zum Regierungsantritt Friedrichs des Großen 1648-1740, 2 Bde. (Berlin 1892/93); Oswelld Redlich, Weltmacht des Barock. Österreich in der Zeit Kaiser Leopolds l. (Wien 41961); Hans Ericb Feine, Zur Verfassungsentwicklung des Heil. Röm. Reiches seit dem Westfälischen Frieden, in: Zeitschrift für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung )2 (1932) 6)-133; !lnfoll Schindling, Der Westfälische Friede und der Reichstag, in: Weber, Ordnungen (wie Anm. 44) 113-133; das., Die Anfänge des Immerwährenden Reichstages zu Regensburg - Ständevertretung und Staatskunst im barocken Reich (Habil. Sehr. Würzburg 1982); Press, Erblande (wie Anm. 63) 78-84; demnächst das. . Die kaiserliche Stellung nach 1648 - Versuch einer Neubewertung (Vortrag Tübingen, Juni 1979). 80 Dies begann im reformierten Hause Nassau-Dillenburg mit der Konversion der Grafen Johann VIII. und Johann Ludwig. Ähnlich bei den Häusern Hohenlohe, Oettingen, Ortenburg und Löwenstein, wo einzelne Zweige zur alten Kirche übergegangen sind. In der Reichsritterschaft finden sich Parallelen.

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Der fortschreitende Territorialisierungsprozeß hemmte allerdings die Wirksamkeit personaler Beziehungen - aus Klienten wurden formale Verbündete, aber die Kehrseite der Medaille zeichnete sich ab. Die großen Territorien enteilten den kleineren immer mehr, was Autonomie, Festigkeit und Machtentwicklung anging - das Zurückfallen der Kleineren führte diese in großer Zahl in die kaiserliche Klientel. Sie wurde immer mehr Ausdruck einer altertümlichen Welt. Es war die rechtswahrende Funktion des Kaisers, die ihn so attraktiv machte - und sie wirkte sozial-konservativ; zu ihm flüchteten viele vor der drohenden Gefahr einer veränderten Zeit. Eine schwere Finanzkrise sehr vieler kleinerer Reichsstände zeichnete sich ab 8l ; zwar ging es dem protestantischen Hochadel noch immer schlechter als dem katholischen - aber auch die traditionelle kaiserliche Klientel geriet allmählich unter Druck und es stellte sich die Frage, ob eine autonome Existenz auf Dauer aufrechtzuerhalten war. Damit zeigte sich, daß der Wiener Hof nach 1618 einen zunächst erfolgreichen Weg eingeschlagen hatte, der aber schließlich in die Sackgasse führte - er stabilisierte eine zunehmend veraltende Welt gegenüber den vorwärtsdrängenden Kräften im Reich s2 Freilich war dies nicht gleich deutlich. Vielfach suchten deutsche Höfe wenigstens teilweise in Konkurrenz zu Wien zu treten - zunächst München, dann auch Mannheim und Dresden, vor allem aber Berlin. Der Große Kurfürst suchte seinen Hof zur Gewinnung einer reichsgräflichen Parteigängerschaft zu benützen. Er erinnerte sich der alten dynastischen Beziehungen zu den katholischen süddeutschen Hohenzollern und zog sie verstärkt an das Kurhaus heran; für die Grafen von Dohna machte er selbst den Brautwerber für eine lippische Heirat; gerade hier freilich zeigten sich die Grenzen dieser brandenburgischen Politik, denn es gab dort wenige Hochadelsfamilien, wie die Dohna, die die reichsgräflichen Familien anzubinden vermochten. Die berühmte kostspielige Hofhaltung des ersten preußischen Königs, Friedrich 1., erklärt sich ohne Frage auch durch eine solche Politik, die durch die herzoglich-preußische Souveränität seit 1660 und die neue Königswürde seit 1703 begünstigt wurde 83 Der Dazu: Johann Jacob Maser; Von dem Reichs-Ständischen Schulden-Wesen (Frankfurt und Leipzig 1774/75). Vorläufige Zusammenfassung: Volker Press, Die aufgeschobene Mediatisierung. Finanzkrise der Kleinterritorien und kaiserliche Stabilisierungspolitik, in: Bericht über die 32. Versammlung deutscher Historiker in Hamburg 4.-8. Oktober 1978 (= Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Beiheft) (Stuttgart 1979) 139-14l. 82 Eine Untersuchung des Hofes des Großen Kurfürsten fehlt bislang. Vgl. aber die Anmerkungen bei: Ernst Opgenoorth, "Ausländer" in Brandenburg-Preußen als leitende Beamte und Offiziere (Beiheft zum Jahrbuch der Albert-Universität Königsberg/Preußen 28, Würzburg 1967). Allgemein zu dieser Seite der preußischen Entwicklung: Arlo/ph Friedrich Riede!, Der Brandenburg-Preußische Staatshaushalt in den beiden letzten Jahrhunderten, (Berlin 1866). 83 Das soll nicht die problematische Rolle des preußischen Königs verdecken. Aber der Versuch, eine ausstrahlende Attraktion zu schaffen, war deutlich. Es war kein Zufall, daß ein Reichsgraf wie Wittgenstein und ein zu diesem Rang aufgestiegener Reichsritter wie Kolbe die hervorragenden Rollen spielten. Vgl. neuerdings: Linda und jHarsha Frey, Friedrich l. Preußens Erster König (Graz, Köln, Wien 1984) 77-103; dazu immer noch: Otto Hintze, Staat und Gesellschaft unter dem ersten König, in: ders., Regierung und Verwaltung. Gesammelte Abhandlungen 3 (Göttingen 21967) 313-418; Watter Koch, Hof- und Regierungsverfassung König Friedrichs l. (1697-1710) (Untersuchungen zur deutschen Staats- und Rechtsgeschichte AF 136, Breslau 1936). Dazu die Anmerkungen bei: Volker Prm; Reich und höfischer Absolutismus, in: Werner 81

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Soldaten könig Friedrich Wilhelm I. brach dann den Wettlauf mit Wien ab; Preußen ließ das höfische System fallen und setzte auf ein bürokratisch-militärisches, dessen Überlegenheit zunächst nur wenige erkannten - es beschränkte seine Hegemonialpolitik auf Norddeutschland und band seine Parteigänger auf moderne rationalere Weise an sich, wobei es sehr geschickt seine überlegenen finanziellen Möglichkeiten aus84 . lte· spie .. Die Krise Osterreichs nach 1740 ließ dann auch in Wien deutlich werden, daß man vor der Gefahr des Zurückbleibens stand - nach wie vor hatte freilich das Patronagesystem des Wiener Hofes eine hohe Bedeutung für das Reich. Der wittelsbachische Kaiser Karl VII. (1742-1745) mußte schmerzlich erfahren, daß er es nicht ohne weiteres nach seiner Wahl zu mobilisieren vermochte, so daß er zum Kostgänger Frankreichs und Preußens wurde. Andererseits zeichneten sich bei ihm Ansätze eines neuen Patronagesystems, ausgehend von seiner Residenz Frankfurt, ab 8 ). Dennoch nahm das Interesse Wiens an seiner traditionellen Klientel im Reich ab; die Großmachtbildung Österreichs verstärkte nun die alte Priorität der Erblande. Sehr deutlich ist die Vernachlässigung dieser traditionellen Bindungen bei Maria Theresia und ]oseph II. zu sehen, was bei den alten Parteigängern durchaus zu Irritationen führte. Nun ist beim frühen ]oseph II. ein Interesse am Reich nicht zu leugnen, aber seine aufklärerische Rationalität hatte wenig Sinn für die Bedeutung der alten Klientel für das Erzhaus und noch weniger für ihre Verankerung in altertümlichen Vorstellungen 86 Sehr viel schärfer hat die Bedeutung der habsburgischen Parteigängerschaft Napoleon gesehen, denn bei Säkularisation und Mediatisierung war der Gesichtspunkt

CO/ne u. Volker Hentschel (Hrsg.), Ploetz, Deutsche Geschichte (Freiburg 31983) 157-168; Peter Bill1mgart, Der deutsche Hof der Barockzeit als politische Institution, in: August Buck, GeOlg KilujJmilnn, Blake Lee Spilhr u. Conmd l17iedemann (Hrsg.), Europäische Hofkultur im 16. und 17. Jahrhundert 1 (Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung 8/1, Hamburg 1981) 25-37. Vgl. auch Gerd Heinrich, Der Adel in Brandenburg-Preußen, in: Hel/mut RäßIClj Deutscher Adel 1555-1740 (Büdinger Vorträge 1964. Schriften zur Problematik der deutschen Führungsschichten in der Neuzeit 2, Darmstadt 1965). 84 Carl Hinriehs, Friedrich Wilhelm 1. Jugend und Aufstieg (Darmstadt 41974); Gerhanl Oestreich, Friedrich Wilhelm 1. (Persönlichkeit und Geschichte 96/97, Frankfurt a. M. 1977); Peter Baumgart, Epochen der preußischen Monarchie im 18. Jahrhundert, in: ZHF 6 (1979) 287-316, hier: 2931.; Gerel Heinrich, Geschichte Preußens (Berlin 1981) 146-192. Aus marxistischer Sicht: HOlJt Kalbe, Der "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. 1688-1740 (Berlin 21978). Im Gegensatz dazu der Kronprinzenhof Friedrichs des Großen: Fritz Amheim, Der Hof Friedrichs des Großen: Teil 1: Der Hof des Kronprinzen (Geschichte des Preußischen Hofes 2.1, Berlin 1912). 8' NOIker Hammen'tein, Karl VII. und Frankfurt am Main, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 57 (1980) 19-48; Volker Prm~ Das wittelsbachische Kaisertum Karls VII. Voraussetzungen von Entstehung und Scheitern, in: Andrem Kram (Hrsg.), Land und Reich, Stamm und Nation. Probleme und Perspektiven bayerischer Geschichte. Festgabe für Max Spineller zum 90. Geburtstag, Bd. 2 (Schriftenreihe zur Bayerischen Landesgeschichte 79, München 1984) 201234; zuletzt: Peter Claw Hartmann, Karl Albrecht - Kar! VII. Glücklicher Kurfürst. Unglücklicher Kaiser (Regensburg 1985). 86 Zur Reichspolitik Josefs 11.: Kar! Ohr/ar FreiheiT IJon Are/in, Heiliges Römisches Reich 1776-1806. Reichsverfassung und Staatssouveränität, 2 Bde. (Veröffentlichung des Instituts für Europäische Geschichte Mainz 38, Wiesbaden 1967); Bernard, Joscf II (wie Anm. 46).

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ihrer Beseitigung und ihrer Ersetzung durch kalkulierbarere Mittelstaaten unverkennbar, während das Erzhaus nur noch zögernd seine alten Anhänger zu stützen vermochte s7 . Das Erbe für das 19. Jahrhundert war dennoch wichtig - der katholische Hochadel Süddeutschlands blieb bis zum Ende der Monarchie imJahre 1918 mit dem Erzhaus auf das engste verbunden. Patronat und Klientel gehörten offenbar zu den wichtigsten Spielregeln, nach denen das System des spätmittelalterlichen wie des frühneuzeitlichen Reiches funktionierte. Dies galt sowohl für das Verhältnis des Kaisers zum Reichsverband wie zu seinen Erblanden, für seinen Hof wie für seine "Behörden", aber auch für Territorien und Städte, unabhängig von ihrer Größe. Die Ausbildung von Klientelverbänden half den Reichskörper zu strukturieren, sie war nicht nur ein Instrument kaiserlicher Regierung, sondern auch ein wichtiges Mittel zur Ausbildung regionaler Hegemonialsysteme im Reich. Die Konkurrenz um mögliche Klienten war zugleich ein Ausdruck regionaler Machtpolitik. Die Parteigängerschaft dokumentierte sich auf unterschiedliche Weise - im komplexen Gefüge des Reiches war sogar wechselseitige Patronage bei unterschiedlichen Partnern nicht selten. Die Zeitgenossen erkannten die Bedeutung solcher Systeme sehr klar und umschrieben sie auch mit der hier verwandten, aus der Antike entlehnten Terminologie. So war in den Quellen frühzeitig von der kaiserlichen "dientela" die Rede. Es erweist sich somit, daß die Frage nach Patronat und Klientel nicht nur ein Mittel ist, das komplizierte System der kaiserlichen Politik im besonderen und des Reiches im allgemeinen zu erfassen und die nach wie vor unentbehrliche rechts- und verfassungsgeschichtliche Fragestellung zu ergänzen. Die Untersuchungen von Lehensverbiinden, von Landständen, Stiftskapiteln und landesfürstlichen Behörden bietet für diese Fragestellung eine Fülle von Möglichkeiten - der Parameter von Patronat und Klientel hilft sie neu zu strukturieren, ebenso wie die eng damit verbundene Frage nach der Verflechtung. Selbstverständlich müssen beide Probleme in die großen Zusammenhänge eingebettet bleiben. In jedem Fall aber hilft die Erforschung von Beziehungen unter den Gesichtspunkten von Patronat und Klientel sowie von Verflechtungen, das Bild des alten Reiches und seiner Glieder neu zu beleuchten.

Volker PrfJ1, Das "Droit d'Epaves" des Kaisers von Österreich. Finanzkrise und Stabilisierungspolitik zwischen Luneviller und Preßburger Frieden, in: Geschichte und Gesellschaft 6 (1980) 559-)73.

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Wolfgang Reinhard Oligarchische Verflechtung und Konfession in oberdeutschen Städten Da Kolloquien durch ihre Diskussionen der laufenden Forschung neue Impulse geben sollen, ist es sicher berechtigt, statt ausgereiften Ergebnissen einen Zwischenbericht über ein seit 1979 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt vorzulegen, dessen Finanzierung Ende 1988 ausläuft. Dem unabgeschlossenen Charakter des Unternehmens entsprechend kann zwar von mancherlei Erkenntnissen berichtet werden. Es bleiben aber noch genug ungelöste Schwierigkeiten und offene Fragen, für die ich mir den Rat der versammelten Experten erhoffe. Dem Projekt liegt eine doppelte Fragestellung zugrunde: Erstens soll eine an anderen Gegenständen entwickelte These von der ausschlaggebenden Bedeutung oligarchischer Verflechtung für Rekrutierung und Aktivität von Führungsgruppen an einem weiteren Beispiel exemplarisch überprüft werden. Zweitens soll durch die Wahl bikonfessioneller Städte! Oberdeutschlands zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg als Untersuchungsgegenstand ein Beitrag zur sozialen Infrastruktur städtischer Religionspolitik geleistet werden. Am Anfang standen Beobachtungen an so weit voneinander entfernten Gegenständen wie der Römischen Kurie um 1600 2 und der deutschen Geschichtswissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts}, aus denen sich ergab, daß für die Besetzung von Führungspositionen und das Zustandekommen von Entscheidungen personenbezogene Gesichtspunkte statt sachbezogenen eine sehr viel größere Rolle spielen, als die Mehrheit der Forscher bislang wahrhaben wollte. Nicht selten werden die unverzichtbaren sachlichen Bedürfnisse durch die Selbstverständlichkeit von Rollenzuschreibungen auf die Befriedigung der persönlichen reduziert: Verwandte und allenfalls Landsleute I Der Begriff "paritätisch" wird vermieden, weil er strenggenommen einen fertigen Rechtszustand bezeichnet, der im Untersuchungszeitraum erst im Entstehen begriffen ist. 2 Die einstweilen skizzenhaft vorliegen, vgl. Wolfgang Reinhard, Freunde und Kreaturen. "Verflechtung" als Konzept zur Erforschung historischer Führungsgruppen. Römische Oligarchie um 1600 (Schriften der Philosophischen Fachbereiche der Universität Augsburg 14, München 1979). Ich hoffe aber, in absehbarer Zeit das bereits gesammelte Material zu einer umfangreichen Untersuchung "Papstherrschaft und Familienklientel" verarbeiten zu können. J Die inzwischen ausführlich verifiziert sind, vgl. Wolfgang Webe!; Die Priester der Klio. Historisch-sozialwissenschaftliche Studien zur Herkunft und Karriere deutscher Historiker und zur Geschichte der Geschichtswissenschaft 1800-1970 (Frankfurt 1984); den., Biographisches Lexikon zur Geschichtswissenschaft in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz (Frankfurt 1984).

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müssen einfach die bestmöglichen Mitarbeiter eines Papstes sein - der Schüler des berühmten und mit den ortsansässigen Kollegen befreundeten Ordinarius muß einfach der am besten qualifizierte Bewerber sein. Und wer je als Außenseiter kooptiert wird, gerät im einen wie im anderen Fall fast unvermeidlich nachträglich in persönliche Abhängigkeit von maßgebenden Figuren, in ein Klientelverhältnis. Nicht Schicht- oder Klassenzugehörigkeit entscheidet letztlich über die Mitgliedschaft in Führungsgruppen - sie bestimmt höchstens die Vorauswahl -, sondern die persönliche Beziehung zum "richtigen" Mann - oder auch einmal der "richtigen" Frau. "Führungsgruppen sind nicht in erster Linie durch gleiche soziale Daten ihrer Mitglieder konstituiert, sondern durch die soziale Verflechtung dieser Mitglieder, weil dadurch Interaktion ermöglicht, begünstigt, kanalisiert wird."4 Überscharf formuliert: Jede Herrschaft ist oligarchisch, jede Oligarchie beruht aber auf Verflechtung, also gründet Herrschaft stets auf Verflechtung! Grund genug, sie endlich als historischen Forschungsgegenstand zu thematisieren. Was aber ist "Verflechtung"? Es handelt sich um eine Anleihe bei der Nachbarwissensehaft Kulturanthropologie, um eine freie Übertragung des dort üblichen Begriffs "network"', der die Beschreibung und graphische Darstellung der Interaktionen zwischen einer beliebigen Anzahl von Personen bezeichnet. Wenn Personen durch Punkte und Interaktionen durch verschieden gestaltbare Geraden zwischen diesen Punkten dargestellt werden, entsteht tatsächlich der optische Eindruck eines Netzes. Ein solches Netz wird selten so homogen sein, daß es das höchstmögliche Maß an "Dichte" aufwiese - es interagiert ja kaum einmal jeder mit jedem in genau gleichem Ausmaß.

Es wird aber ebensowenig so vollkommen auf eine einzige Person ausgerichtet sein, daß es die höchstmögliche "Zentralität" erreichte - kaum einmal interagieren sämtliche beteiligten Personen direkt nur mit der Person im Zentrum und untereinander nur indirekt über diese, obwohl dies eine ideale Position zur Ausübung von sozialer Kontrolle und Herrschaft ist.

4 5

Reinhard, Freunde, 19. Für die wörtliche Übersetzung "Netzwerk" konnte ich mich nicht erwärmen.

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Auch wo es im Netz eine zentrale Position gibt, bestehen im Regelfall doch mehere Zonen mit direktem und indirektem Kontakt, es gibt Randpositionen und lokale r " Verdichtungen, sogenannte "cluster.

Schließlich steigt die Zahl der Interaktionen auch zwischen einer begrenzten Zahl von Untersuchungspersonen rasch in die Millionen - keineswegs zufällig haben sich die Pioniere der "network"-Forschung mit Vorliebe auf Inseln getummelt, wo so etwas wie eine natürliche Außengrenze des "Netzes" unterstellt werden kann. Historiscbe Verflechtungsanalyse hat in der Regel nicht mit dieser Schwierigkeit zu kämpfen, denn ihr ist es ja nicht mehr möglich, durch Interview und Beobachtung die Gesamtzahl aller Interaktionen zu erfassen. Sie verfügt statt dessen nur über eine von der jeweiligen Quellenüberlieferung bereits vorgegebene Auswahl von Daten. Dadurch wird ihr Aktionsradius nicht selten von vorneherein auf die Oberschichten begrenzt, weil diese bekanntlich mehr Quellen hinterlassen haben. Außerdem muß sie für den Vorteil relativer Überschaubarkeit ihres Materials dadurch bezahlen, daß sie sich ständig dem Verdacht ausgesetzt sieht, ihre Ergebnisse seien nur durch den Zufall oder gar die Manipulation der Quellenüberlieferung zustande gekommen. Streng genommen müßte freilich jede Geschichtswissenschaft diesem Verdacht unterliegen! Diese Schwierigkeit läßt sich aber bis zu einem gewissen Grad dadurch beheben, daß sich historische Verflechtungsanalyse weniger auf das Abzählen "zufällig" überlieferter Interaktionen verlegt (wie viele Briefe wurden in einem gegebenen Zeitraum zwischen Luther und Spalatin gewechselt), als auf den Nachweis von Beziehungen, die solche Interaktion erst ermöglichen und kanalisieren. Wegen ihres höheren Allgemeinheitsgrades sind diese weniger den Zufallsrisiken der Überlieferung ausgesetzt. In der frühen Neuzeit spielen meines Erachtens vier Typen von vorgegebenen 6 oder herstellbaren' Beziehungen die wichtigste Rolle: Verwandtscbaft einschließlich der im Gegensatz zur vorgegebenen Blutsverwandtschaft theoretisch beliebig herstellbaren künstlichen oder rituellen Verwandtschaft (Verschwägerung, Patenschaft). 6 7

Auf Personen bezogen: zugeschriebenen. Auf Personen bezogen: erworbenen.

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LalldsiIlClllllJchajt und andere Formen "kommunalistischer" Solidargemeinschaft, etwa Zugehörigkeit zum selben Orden oder später derselben Studentenverbindung. FrclIndschaj!, aber nicht im romantischen Sinne sentimentaler Zuneigung, sondern als einigermaßen gleichgewichtiges Zweckbündnis nach dem Grundsatz lIdo ut des". Allerdings kann der Begriff "Freundschaft" aber auch zur höflich-euphemistischen Umschreibung einer ungleichgewichtigen Abhängigkeit verwendet werden, einer Patron-Klient-Beziehung, definiert als relativ dauerhaftes Zweckbündnis von Ungleichen, bei dem der mächtigere Partner dem schwächeren Schutz gewährt und dafür Gegenleistungen beanspruchen darf. In der historischen Wirklichkeit sind diese vier Typen nicht immer reinlich zu scheiden. Obendrein können sie sich überlagern (der Landsmann wird zum Freund und schließlich zum Schwager). Das ist der besonders wichtige Fall der Mehrfachbeziehung, der "Multiplexität" im Jargon der "network"-Forschung. Multiplexität kann aber nicht nur die vorgegebenen oder hergestellten Beziehungen kennzeichnen, sondern nicht weniger auch die entlang diesen Beziehungslinien abgewickelten Interaktionen. Handelt es sich um Geld, Information, Hilfe, Zuneigung, um mehrere von diesen "Gütern" oder gar um alle zusammen? Von besonderer Bedeutung für den Historiker ist schließlich die analytische Kategorie der Um welteinfliiJse, denen Gestalt und Inhalt eines "network" unterliegen. Er hat ja in noch höherem Grad als der Anthropologe, der eine uns fernstehende Kultur erforscht, mit von den uns vertrauten radikal abweichenden Verhältnissen zu rechnen. Am bedeutsamsten dürften der Wandel der Werte, der Institutionen und der sozialen Schichtung sein. Während die römische Gesellschaft des frühen 17. Jahrhunderts die Rolle der Patronage mit einer uns schamlos anmutenden Offenheit zur Sprache bringt, weil sie im Sinne der damaligen Wertordnung als soziale Pflichterfüllung galt, ist hinsichtlich der sozialen Beziehungen in der deutschen Geschichtswissenschaft sehr viel mehr Diskretion geboten, weil in unserer Gesellschaft inzwischen die Leistung den Ausschlag geben soll. Die abnehmende Bedeutung der Institution Familie, die zunehmende Bedeutung der Institution Beruf, der Professionalisierung der Gesellschaft, schlägt sich in kennzeichnenden Unterschieden zwischen dem römischen und dem historistischen Patronagesystem nieder: An die Stelle der Familie tritt die "Schule". Schließlich können in einer stark hierarchisierten Gesellschaft mit geringer Mobilität die Patron- oder Klientenrollen sehr dauerhaft, ja sogar erblich sein, während unter Bedingungen erhöhter Mobilität ein sorgfältig aufgebautes und gepflegtes "network" Bedingung des Aufstiegs zum Kardinal oder Lehrstuhlinhaber ist 8 . Welchen wissenschaftlichen Gewinn können wir uns von der Anwendung dieser Methode auf oberdeutsche Städte des 16. Jahrhunderts versprechen? Wir beabsichtigen nicht weniger als einen neuartigen Versuch, die Hinwendung der städtischen Eliten zur einen oder anderen Form der Reformation beziehungsweise ihr Verbleiben bei der alten Kirche und damit die Konfessionalisierung in den Städten zu erklären. Daß

Zu den allgemeinen Methodenüberlegungen vgl. ausführlicher und mit Literaturangaben Reillhard, Freunde.

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solche religiösen Entscheidungen einfach durch Summierung persönlicher Heilserfahrungen ohne jeden Bezug zur sozialen Wirklichkeit zustande gekommen sind, wird heute kaum noch angenommen. Statt dessen hat man es mit einer Analyse der betreffenden städtischen Gesellschaften nach Schichten- oder Klasseninteressen versucht. Doch haben die zahlreich vorliegenden Untersuchungen zu einzelnen Städten, wenn ich richtig sehe, immer wieder das gleiche Ergebnis gebracht. Wenn sich die betreffenden Städte im Rahmen der von Volker Press untersuchten Abhängigkeiten überhaupt frei entscheiden konnten, dann gab es Anhänger des neuen Glaubens in allen gesellschaftlichen Schichten. In diesem allgemeinen Rahmen waren dann die Unterschichten eher neuerungsfreudiger, weil sie mehr zu gewinnen, die Oberschichten zurückhaltender, weil sie mehr zu verlieren hatten - insgesamt nicht gerade ein aufregendes Ergebnis 9 Als Alternative versuchen wir statt dessen, städtische Führungsgruppen des konfessionellen Zeitalters weder als Summen gleichartiger Fälle im Sinne der Schichtungsforschung noch als zufälliges Zusammentreffen mehr oder weniger heilsbedürftiger Individuen aufzufassen, sondern als Gebilde, die im bisher geschilderten Sinn durch Verflechtung strukturiert sind. Soziale Beziehungen und Interaktion werden weder als bloße Indizien für Schichtzugehörigkeit noch als zufällige Eigenschaften und Aktivitäten von Individuen aufgefaßt, sondern Führungsgruppen- und damit Schichtzugehörigkeit kommt erst durch sie zustande und das menschliche Handeln wird durch sie geprägt oder erst ermöglicht. Darum erwarten wir, daß auch die reformatorische Botschaft sich entlang sozialer Beziehungslinien fortpflanzt und auf diese Weise Reformation von einem schon bestehenden gesellschaftlichen "Netz" in der Führungsgruppe getragen wird, während vielleicht ein anderes, mit dem erstgenannten konkurrierendes "network" sich der alten Kirche zur Verfügung stellt. Freilich zeichnet sich auch die Möglichkeit ab, daß die konfessionelle Spaltung bestehende Netze zerreißt und völlig neue entstehen läßt. Das könnte aber zur Folge haben, daß sich die Struktur städtischer Führungsgrupperl unter den Bedingungen des konfessionellen Antagonismus sogar besonders deutlich beobachten läßt. Deswegen erschien uns die Konzentration auf das konfessionelle Zeitalter und die späteren paritätischen Reichsstädte Augsburg, Biberach, Dinkelsbühl und Ravensburg besonders sinnvoll. Biberach und Dinkelsbühl kamen allerdings aus praktischen Gründen für die Untersuchung nicht in Frage, so daß wir unsere Arbeit zunächst auf die stagnierende Mittelstadt Ravensburg, dann aber vor allem auf die blühende Großstadt Augsburg konzentriert haben lO .

Vgl. jüngst Barbarcl Kroemoj Die Einführung der Reformation in Memmingen. Über die Beziehung ihrer sozialen, wirtschaftlichen und politischen Faktoren, in: Memminger Geschichtsblätter (1980) 1-226; Hans-Cbristop/; Rliblatk, Eine bürgerliche Reformation: Nördlingen (Gütersloh 1982). 10 Mit Biberach hatte der Sonderforschungsbereich 8 in Tübingen Großes vor, in Dinkelsbühl ist die Quellenlage extrem ungünstig. 9

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Die Untersuchung Ravensblilgs konnte von Walfgang Schütze bereits 1981 abgeschlossen werden 11, weil mit den Studien zum Patriziat von Alfons Dreher bereits wichtige Vorarbeiten geleistet waren 12 und die Quellenlage darüber hinaus nur einen begrenzten Zugewinn an Information gestattete. Vor allem mußte die Zeit vor der "Verfassungsreform" Karls V. unberücksichtigt bleiben und die Untersuchung auf den Zeitraum 1551-1648 eingeschränkt werden. Was die Quellenlage diktiert, entspricht aber auch der neuen Stadtverfassung: die Beschränkung der Untersuchung auf die circa 15 Mitglieder des Kleinen Rates als der politischen Elite. Da die Mitgliedschaft lebenslang war und die Ergänzung durch Kooptation erfolgte, handelt es sich nur um 88 Personen, für die Schütze eine ausführliche Prosopographie erstellt hat, die über die in anderen einschlägigen Arbeiten üblichen Angaben hinaus nach Kirchenbüchern und Bürgerlisten um möglichst viele verflechtungsrelevante Daten erweitert wurde. Der Kreis besteht aus den Familien des mehrheitlich katholischen Patriziats, das traditionell in der Gesellschaft "zum Esel" organisiert war, und aus den überwiegend evangelischen Familien der zünftischen Oberschicht, die sich in der Gesellschaft "zum Ballen" zusammengefunden hatte. Unter Zuhilfenahme von Sozio-Matrizen wurde die Verflechtung dieser Familien durch Verschwägerung, Patenschaft, Trauzeugenschaft und Bürgschaften bei der Aufnahme ins Bürgerrecht untersucht. Dabei zeigt sich, daß man in Ravensburg in zunehmendem Maße unter sich bleibt. Die Patrizier und die bürgerliche Oberschicht heiraten je länger desto mehr innerhalb der eigenen Gruppe, und wenn zu Beginn noch Bürgschaften von nicht-verwandten Personen und Angehörigen der anderen Konfession vorkommen, so bürgen gegen Ende des Untersuchungszeitraums nur noch Verwandte. Trauzeugen gibt es ohnehin nur bei den Katholiken. Bei den Patenschaften ist aber bis zum Schluß ein die Grenzen zwischen Patriziern und Bürgern überschreitendes Beziehungsnetz zu erkennen. Allerdings werden dabei die konfessionellen Grenzen immer stärker respektiert: Familien unsicherer konfessioneller Zuordnung werden immer seltener. Darüber hinaus haben Angehörige der Führungsgruppe zahlreiche Taufpatenschaften bei der Mittel- und Unterschicht übernommen - die Katholiken auch Trauzeugenschaften -, ein Indiz für bestehende oder neu begründete Klientelverhältnisse. Man könnte es durch den Nachweis von Nachbarschaften noch wahrscheinlicher machen - wenn solche sozialtopographische Untersuchungen beim Ravensburger Quellenbestand möglich wären. Insgesamt bietet sich das Bild abnehmender sozialer Mobilität und zunehmender konfessioneller Abgrenzung, was mit wachsender "Verfilzung" der Führungsgruppen einhergeht. Die Bedeutung des konfessionellen Moments ist aber nicht mit Sicherheit zu gewichten. Wir vermögen nicht auszumachen, wieweit es Ursache oder bloße ver-

" Woll~allg Schütze, Oligarchische Verflechtung und Konfession in der Reichsstadt Ravensburg 1551152-1648. Untersuchungen zur sozialen Verflechtung der politischen Führungsschichten (Diss. phi!. Augsburg 1981). '2 AlfollS DrelJel; Das Patriziat der Reichsstadt Ravensburg. Von den Anfängen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts (Stuttgart 1966), zuerst in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte (1960-1965).

Oligarchische Verflechtung und Konfession in oberdeutschen Städten

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stärkende Begleiterscheinung der zunehmenden sozialen Abgrenzung gewesen ist, die auch mit der wirtschaftlichen Stagnation der Stadt in Zusammenhang gebracht werden könnte. So hat die Untersuchung Ravensburgs zwar zu einer eindrucksvollen Erfassung des Verflechtungspotentials geführt, dessen Aktualisierung in der Politik und der konfessionellen Auseinandersetzung bleibt uns aber aus Quellengründen weitgehend unbekannt. Wir konnten soziale Netze zuverlässig rekonstruieren, wissen aber nicht, ob mit ihnen etwas anzufangen war. Reichere Information dürfen wir von einer parallelen Untersuchung für Ilugsburg erwarten, wo im Gegensatz zu Ravensburg eher zu viele als zu wenig Quellen vorhanden sind. Im Gegensatz zu dort fehlen allerdings die Kirchenbücher fast ganz. Die Untersuchung der politischen Führungsgruppe Augsburgs durch Katarina Sieh-Bu-

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rem, die inzwischen abgeschlossen wurde 13, beschränkt sich auf die Bürgermeister und Stadtpfleger der Jahre 1518-1618, wobei die zeitliche Abgrenzung überwiegend pragmatisch erfolgte 1 \ während die Einschränkung des Kreises der Untersuchungsperso13 VgL Katarill{/ Sieb, Bürgermeisteramt, soziale Verflechtung und Reformation in der freien Reichsstadt Augsburg 1518-1539 (Magisterarbeit Augsburg 1981); dies., Die Augsburger Stadtverfassung um 1500, in: Zeitschrift des historischen Vereins für Schwaben 77 (1983) 125-149; dies., Oligarchie, Konfession und Politik im 16.Jhdt. Zur sozialen Verflechtung der Augsburger Bürgermeister und Stadtpfleger 1518-1618 (Diss. phiL Augsburg 1985). 14 Vor 1518 ist die Quellenlage zu ungünstig, die Reformationszeit wird aber auf diese Weise noch vollständig erfaßt - mit der Zeit nach 1618 belaßt sich Bernd Roeckl Augsburg-München.

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en sachlich begründet ist. Nicht daß die Zahl sämtlicher Angehöriger der engeren

~atsgremien, wie sie von Schütze in Ravensburg bearbeitet wurde, in einer gründli-

chen Detailstudie kaum zu bewältigen wäre, ist das entscheidende Argument für diese Einengung, sondern die Beobachtung, daß die Bürgermeister und Stadtpfleger sich durch den Cursus honorum und ihre Aktivitäten, die beide in Augsburg im Gegensatz zU Ravensburg ziemlich genau zu fassen sind, von vornherein als der ausschlaggebende Personenkreis, als die engere Führungsgruppe darstellen. Deren übrige Angehörige tauchen dann ohnehin im "Netz" dieser Hauptpersonen auf. Von 1518 bis zur kaiserlichen "Verfassungsreform" von 1548 handelt es sich um 15 Personen aus 13 Familien, von 1548 bis 1618 um 59 Personen aus 48 Familien. Vor 1548 wurden alljährlich zwei Bürgermeister gewählt, wobei Wiederwahl nach einem Jahr Pause möglich und üblich war. Die beiden Stadtpfleger, die nach 1548 an diese Stelle treten, und die nunmehr sechs Bürgermeister blieben faktisch lebenslang im Amt. Nachdem Sieh aus den Ratsakten 1) die Personen, ihre Ämterlaufbahn und ihre Aktivitäten identifiziert hatte, hat sie aus weiteren Beständen des Augsburger Stadtarchivs sowie verschiedenen Privatarchiven eine Fülle verflechtungsrelevanter Daten zusammengetragen und in einer prosopographischen Kartei geordnet. Dabei haben sich die in ausgedehnten genealogischen Forschungen rekonstruierten Verwandtschaftsund Verschwägerungsverhältnisse als die ausschlaggebende Kategorie erwiesen. Dafür spricht unter anderem das Bedürfnis auch weniger erlauchter Familien, diese in Chroniken und Genealogien zu dokumentieren. Dafür spricht die Tatsache, daß die Herstellung einer engeren persönlichen Beziehung immer wieder darauf hinausläuft, daß die betreffende Person durch Heirat in einen Familienverband aufgenommen wird. Dafür spricht schließlich ganz besonders die Beobachtung, daß nicht nur der Übernahme von Vormundschaften und Testamentsvollstreckungen, sondern auch der Tätigkeit als Siegier und Zeuge bei privaten Rechtsgeschäften und häufig sogar wirtschaftlichen Partnerschaften in letzter Instanz ein Verwandtschaftsverhältnis zugrundeliegt. In den übrigen Fällen lassen sich solche Beziehungen als Indiz für ein Freundschafts- oder Klientelverhältnis werten, eine Art Beziehung, die im übrigen nur selten direkt nachzuweisen ist. Einmal nennt der Arzt und Politiker Gereon Sailer den Bürgermeister Georg Herwart seinen "Patron"16. Offensichtlich herrscht die Tendenz vor, zumindest Freundschaften wenn irgend möglich in Verwandtschaft zu überführen. Wenn man die bisherigen Ergebnisse dieser Untersuchung mit den bekannten Tatsachen der politischen und religiösen Geschichte der Stadt verrechnet, erkennt man, daß Augsburg im 16. Jahrhundert von vier "Netzen" untereinander verflochtener Familien beherrscht wurde, die sich freilich nicht nur in der Dauer ihres Einflusses erheblich voneinander unterscheiden. Nach Ausdehnung, Kontinuität und fast ständiger Präsenz in den höchsten Stadtämtern am wichtigsten ist das "Netz", in dessen Zentrum die Familie Weiser sitzt, was sich auch daraus erkennen läßt, daß es bis zum Bankrott der Weisergesellschaft 1614 in dieser einen gemeinsamen ökonomischen " Geheime Ratsbücher, Ratsämterbücher und -listen, Ratsbücher und dgl. Stadtarchiv Augsburg, Autographensammlung, 1541 April 12.

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Rahmen hat. Das WeIser-Netz stellt sowohl in der Reformationszeit Bürgermeister wie Hans WeIser 1., Hans Haintzel und Georg Herwart als auch unter der neuen Verfassung die ersten Stadtpfleger des Patrizierregiments Marx Ulstätt und Leo Ravensburger, denen später Christoph Peutinger und Marx WeIser folgen sollten. Es erwe'ist eine enorme Integrationskraft, denn es vereinigt Vertreter verschiedener konfessioneller Richtungen, die im Rat durchaus verschiedenen Faktionen angehören können, freilich eher solchen gemäßigter Orientierung 17 . Es bleibt keineswegs exklusiv patrizisch orientiert, sondern bezieht neu aufsteigende Führungskräfte der Wirtschaft wie die Paler, Reihing, Stenglin, Weiß ebenso ein wie maßgebende Vertreter der Bildungselite, erwähnt sei nur der Humanist Conrad Peutinger. Sogar sozialtopographisch läßt sich das Weiser-Netz lokalisieren: Wichtige Mitglieder leben bevorzugt in dem Viertel südlich des Doms zwischen Hafnerberg und Philippine-Welser-Straße.

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Sehr viel enger strukturiert sind die drei anderen Netze, auch dasjenige, das sich mit den Arzt, Baumgartner und Ilsung um die Fugger gruppierte. Ungeachtet der teilweise zünftischen Herkunft wird hier eine Exklusivitätspolitik betrieben, der eine konsequent altkirchliche und kaiserliche Gesinnung entspricht. Folglich verlieren die Angehörigen dieses Netzes in der Reformationszeit ihren Einfluß und erlangen ihn erst nach der Verfassungsrevision von 1548 wieder. Ein unlängst durchgeführter Vergleich 17 Dieses Netz ist in personeller, politischer und konfessioneller Hinsicht so weit gespannt, daß es vermutlich einer Untergliederung in "cluster"/Faktionen bedarf, eine Arbeit, die noch zu leisten ist.

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der Fugger-Inventuren von 1527 und 1533 mit den Gläubigerverzeichnissen des }-löchstätter-Bankrotts von 1529 hat übrigens gezeigt, daß auch die Geschäftspolitik der Fugg er ähnlichen sozialen Strategien folgt. Sie verstehen es, das Kapital der unmittelbar mit ihnen verschwägerten Familien zu mobilisieren, greifen aber kaum über diesen engeren Kreis hinaus, während die Höchstätter im gesellschaftlichen Nahbereich in dieser Hinsicht wenig Erfolg haben und daher durch weites und risikoreiches Ausgreifen zu Einlagen kommen müssen. Haben wir damit ein Geheimnis des geschäftlichen Erfolgs oder Mißerfolgs identifiziert?18 Auch das Herbrot- Netz mit den Eiselin, Hoser und Jenisch umfaßt soziale Aufsteiger aus der Kaufmannschaft, die sich aber im Gegensatz zum Fugger-Netz durch Zusammenarbeit mit der etablierten Elite, d. h. vor allem dem Weiser-Netz auszeichnen und außerdem evangelischen Überzeugungen anhängen. Es liegt nahe, eine Parallele zu konstruieren zwischen dem Sprengen der herkömmlichen Ordnung durch sozialen Aufstieg und der Zuwendung zu einer neuen Ordnung auch im religiösen Bereich, während die Fugger-Gruppe ihren Aufstieg durch Betonen der bestehenden Ordnung abzusichern versucht hätte - noch heute zwei Möglichkeiten, wie sich Aufsteiger verhalten können! Die Folge dieser Einstellung ist freilich, daß das Herbrot-Netz mit dem Ende der evangelischen Zeit und der Zunftverfassung seinen politischen Einfluß verliert. Ähnliches gilt für das Seitz-Netz, in dem sich im Gegensatz zu den anderen dreien nicht Patrizier und Kaufleute, sondern angesehene Vertreter der Handwerkerschaft zusammengefunden haben wie der Weber Mang Seitz, der Kistler Heinrich Hertz und die Metzger Martin und Melchior Burkard. Sie sind kaum mit der Oberschicht, wohl aber mit den Spitzen des Handwerks und mit zwinglianischen Predigern verflochten. Getragen von der Volksstimmung erlebt dieses Netz bei der Einführung der Reformation den Höhepunkt seiner politischen Geltung l9 , wird dann verdrängt, um im Kalenderstreit der zweiten Jahrhunderthälfte abermals Kristallisationspunkt der Kritik breiter evangelischer Bevölkerungskreise am Rat zu werden. Es hat allerdings den Anschein, als fehlten diesem in der Mittelschicht verwurzelten Netz zwei wesentliche Eigentümlichkeiten der Oberschichtennetze, die nicht nur deren Stabilität, sondern auch eine gewisse Kontinuität der reichsstädtischen Politik allen Schwankungen der Reformationszeit zum Trotz gefördert haben dürften: der ökonomische Fundamentalkonsens über die politischen und religiösen Parteigrenzen hinweg und die soziale Verflechtung über die Stadtgrenzen hinaus. Beiden Sachverhalten muß unser Forschungsprojekt aber ebenfalls gerecht werden. An anderer Stelle 20 habe ich zu zeigen versucht, daß Nürnberg nicht deswegen in bemerkenswertem Gegensatz zu weiter südwestlich gelegenen Städten wie Augsburg 13 Ulrieb Klinker!, Die Augsburger Handelsgesellschaft der Höchstetter. Zusammenbruch 1529, Gläubiger und soziale Verflechtung (Zulassungsarbeit zum Staatsexamen Augsburg 1983). 19 Es ist noch unklar, ob es wie das Herbrot-Netz vielleicht seine Existenz oder zumindest eine gewisse Expansion der Reformation zu verdanken hat, die sich allerdings auch des WeIser-Netzes bedient. 20 Wol/gang Reinbard, Ltlther und die Städte, in: Luther und die politische Welt, hrsg. von GerbCl"! fHüller lind Kar! 011llar von Are/in (Wiesbaden 1984).

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streng lutherisch geworden ist, weil es patrizisch regiert oder gar weil es fränkisch war, sondern infolge seiner längst bestehenden intensiven Kontakte mit Wittenberg und mit Luther selbst. Derartige Verflechtungen gab es auch im Falle Augsburgs, es sei nur an Luthers Doktoranden Johann Frosch erinnert, der Prior des Karmeliterklosters St. Anna und einer der ersten evangelischen Prediger gewesen ist. Sie stand aber in traditioneller Konkurrenz mit anderen Verflechtungen Augsburgs nach Süden und Westen, wo damals andere Typen von Reformation vorherrschten. Es gab eben nicht nur Familienverbindungen Augsburgs nach Nürnberg, sondern um 1530 mindestens 15 Familien, die zugleich in Augsburg und Memmingen Bürgerrecht besaßen. Vier Familien begegnen uns zugleich in Augsburg und Ulm, drei kommen sogar in allen drei Städten vor 21 . In Ulm wie in Memmingen herrschte aber dieselbe Reformation oberdeutschen Typs, die sich zunächst auch in Augsburg durchsetzen sollte. Es erscheint daher lohnend, die Bedeutung derartiger Verflechtungen für die Augsburger Reformation zu untersuchen. Breitangelegte Archivrecherchen in Augsburg, Memmingen, Straßburg und Ulm durch Peter Steuer haben allerdings sowenig wie die bisherigen Veröffentlichungen ein zwischenstädtisches reformatorisches Netz von hoher Dichte erkennen lassen. Vielmehr sind es wie im Falle Nürnberg einzelne zwischenstädtisch besonders intensiv vernetzte Personen, die die ausschlaggebende Rolle gespielt haben, wobei gute Kontakte zu zentralen Stellen der Netze der Führungsgruppe der "Empfängerstadt" von besonderer strategischer Bedeutung gewesen sein dürften. An hervorragender Stelle begegnen uns dabei Mitglieder der Familie Ehinger, die aus Konstanz stammt, inzwischen aber dank Verflechtung mit der in mehreren wichtigen Städten einschließlich Augsburgs vertretenen einflußreichen Familie Neidhart auch in Memmingen wohl etabliert ist. Die Ehinger waren mit den reformationsgeschichtlich wichtigen Blarer von Konstanz verschwägert, Geschäftsfreunde der Augsburger Weiser und sogar am Kaiserhof wohlgelitten. Sie haben nach der Katastrophe des Bauernkriegs die Neuausrichtung der Memminger Reformation auf das Konstanzer Modell betrieben und auch der Augsburger Kirchenpolitik als Vermittler nach Konstanz gedient. Hans Ehinger verkehrte übrigens ebenso vertraut mit den Straßburgern Mathis Pfarrer und Jakob Sturm wie mit dem Augsburger Reformationsbürgermeister Ulrich Rehlinger. Dieser und sein ebenfalls für die Reformation wichtiger einflußreicher Verwandter Wolfgang Rehlinger 22 waren aber für den schließlich in Augsburg maßgebenden Straßburger Einfluß nicht auf diese Vermittlung angewiesen. Wolfgang war über seine Mutter, eine Straßburgerin, mit Sturm verwandt, und auch Ulrich nannte jenen seinen Vetter. Es gibt sogar ein Indiz dafür, daß Ulrich einen Teil seiner Jugend in Straßburg verbracht hae 3 . 21 Vgl. Raimund Eirich, Memmingens Wirtschaft und Patriziat, 1971, 24-27; Die Einführung der Reformation in Ulm, hrsg. von Hans Eugen Specker und Gebhard Jl7eig (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm 2, Ulm 1981); Stadtbibliothek Augsburg 2° Cod. S. 79. 22 Ulrich war ein Vetter von Wolfgangs Vater, vgl. Sieh, Bürgermeisteramt. 23 Laut Peter Steuer verwendet er in Korrespondenz bisweilen das elsässische ü statt des oberdeutschen 11, vgl. Archives comunales de Strasbourg, AST 160, 1531 Dezember 10.

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Auch für die Einleitung des direkten Briefwechsels Ulrich Rehlingers mit Zwingli bedurfte es wohl kaum einer Vermittlung der Ehinger. Wahrscheinlicher ist eine Beteiligung des schwäbischen Ritters Wilhe1m von Sandizell, der als Gevatter Zwinglis . e Art von Sendbotendienst zwischen Zürich und Augsburg verrichtet hat 24 . Seine etn Frau Felicitas Höchstätter war aber eine Tochter von Ulrich Rehlingers Schwester Ann a. Hingegen wußte die Augsburger Führungsgruppe die Beziehungen der Ehinger zum Kaiserhof wohl zu nutzen. Der Verflechtung mit Fürstenhöfen sollte die Zukunft gehören, nachdem das Reformationszeitalter mit einer Niederlage der Städte und einem Sieg der Fürsten geendet und Augsburg mehr denn je vom Kaiserhaus und vom Wittelsbacher Nachbarn abhängig gemacht hatte. Steuer durchforscht daher die Archive von Innsbruck, München und Wien nach Höflingen, Beamten und Günstlingen der Jahre 1550-1620, die aus Augsburg stammen. Am stärksten ist die Augsburger Präsenz in München, wo bisher 48 Personen sicher identifiziert werden konnten, während 15 weitere noch überprüft werden müssen. In Innsbruck und Wien dürfte es sich jeweils um etwa die halbe Anzahl handeln. Es bestehen aber Verbindungen zwischen diesen Höfen. Bereits Lanzinner hat beobachtet, daß man von München an den Kaiserhof wechseln konnte, wobei die bayerischen Herzöge ganz im Sinne von Verflechtung guten Kontakt zu ihren "Ehemaligen" hielten 25 • Nimmt man noch die Universität Ingolstadt als altgläubige Kaderschmiede hinzu, an der zahlreiche Augsburger studierten, so ergibt sich das Bild eines von Augsburg über Ingolstadt und München bis Wien gespannten Netzes, das im Bedarfsfall durchaus zugunsten Augsburgs aktiviert werden konnte, wie sich im Kalenderstreit zeigen sollte. Dieses Augsburger Netz bestand aber weder ausschließlich aus Juristen noch ausschließlich aus Katholiken. Wir treffen bemerkenswerte Protestanten darin an, etwa den einflußreichen Reichspfennigmeister Geizkofler oder den engagierten Politiker Gereon Sailer, der erstaunlicherweise auf der Münchener Gehaltsliste auftauchrZ 6 • Auch war akademische Qualifikation keineswegs das einzige Eintrittsbillet. Gerade in München und Innsbruck dominieren Familien, die schon früher mit diesen Höfen in Geschäftsverbindung gestanden hatten. Es läßt sich sogar zeigen, daß gelegentlich neuangeknüpfte Geschäftsverbindungen alsbald mit einem Amt honoriert wurden 27 . Immerhin, die Mehrzahl der evangelischen Augsburger Familien hatte hier nichts mehr zu suchen. Wir konnten aber bisher nicht ermitteln, ob sie sich etwa ein ähnliches Netz an protestantischen Höfen aufzubauen wußten. Für Stuttgart ist das Ergeb-

24 Vgl. Friedl'ich ZoepJl, Wilhelm von Zell und seine Tätigkeit im Dienste der schwäbischen Reformation, in: Memminger Geschichtsblätter (1921/7) 371. " Vgl. iHaximilian Lanzinner, Fürst, Räte und Landstände. Die Entstehung der Zentralbehörden in Bayern 1511-1598 (Göttingen 1980). 26 Hauptstaatsarchiv München, Hofzahlamtsrechnungen 1554-1562 passim. 27 So im Falle der Lauginger, die in den Hofzahlamtsrechnungen zunächst als Kreditgeber, dann als Beamte auftauchen.

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nis negativ 28 , für Heidelberg 29 und Neuburg steht es von Einzelfällen abgesehen noch aus. Im Kalenderstreit jedenfalls hat das evangelische Augsburg in erster Linie auf seine Verflechtung mit Ulm zurückgegriffen, die 1550-1575 durch 32 sicher identifi_ zierte und 10 wahrscheinliche Eheschließungen gegenüber früher beträchtlich verdichtet worden war 30 . Die Katholiken hingegen mobilisierten ihr eben geschildertes höfisches Netz zu ihren Gunsten. Im Zusammenhang des Kalenderstreits findet sich einer der leider extrem seltenen Texte, in denen das Funktionieren eines Netzes expressis verbis aktenkundig wird. Der evangelische Hans Heinrich Haintzel war wegen Verdachts der Konspiration gegen den Augsburger Rat auf dessen Betreiben von habsburgischer Seite auf dem vorderösterreichischen Schloß Günzburg gefangengesetzt worden. Seine Ulmer Verwandtschaft richtete nun am 15. Januar 1585 ein Bittschreiben nach dem Günzburg übergeordneten Innsbruck, und zwar an den dort wohl einflußreichsten Hofmann, den Augsburger earl WeIser, Bruder der erzherzoglichen Gattin Philippine WeIser. Darin werden die Karten auf den Tisch gelegt: ".. .Ynd dis vnser hoch diemüettig begehren thuon wir an E.Gn. desto käcker, getröster vnd mit mehrer Zuversicht, dieweil ich (das ich zuvor als ein junger vnverständiger nie wargenommen) glaubwürdig finde, dz. diser gefangener mein fraindtlicher lieber brueder vnd wir, E.Gn. vnwirdige blutsfraindt, und E.Gn. mitt vnserem lieben fromben Vatter säligen, Johann Baptista Hainzell, zue geschwistern kinden, vnd also vns vnd vnnserem lieben gefangenen brueeier, In dritthalb graden (wie E.Gn. aus beyligenden sehen künden) mitt bluettsfraindtschafft zugethan seyen .. ,"31

Neben der Außenverflechtung hat immer wieder der ökonomische Fundamentalkonsens innerhalb der Augsburger Führungsgruppen Aufsehen erregt. Ganz davon abgesehen, daß frühneuzeitliche Firmen ebenfalls weitgehend auf Verwandtschafts-, Freundschafts- und Klientelbeziehungen beruhen, ist es für Augsburg höchst bezeichnend, wie immer wieder das gemeinsame ökonomische Interesse durchschlägt und eine irreversible politische oder konfessionelle Polarisierung in der Führungsgruppe verhindert - zumindest was die drei Netze der Oberschicht angeht. Die Sozialgeschichte der Führungsgruppen muß daher nicht nur mit der politischen und religiösen Geschichte Augsburgs verrechnet werden, sondern ebenso mit der Wirtschaftsgeschichte, konkret: es ist zu ermitteln, welche wirtschaftlichen Beziehungen innerhalb und zwischen den Netzen existiert haben.

Vgl. Walter Bembardt, Die Zentralbehörden des Herzogtums Württemberg und ihre Beamten, 1520-1629 (Stuttgart 1972). 29 Bei Volker Press, Calvinismus und Territorialstaat. Regierung und Zentralbehörden der Kurpfalz 1559-1619 (Stuttgart 1970) 213, 282, 347, 361 lassen sich einstweilen vier Augsburger identifizieren. 30 Vgl. Albert Haemmerle, Die Hochzeitsbücher der Augsburger Kaufleute- und Herrenstube (München 1938). 31 Landesregierungsarchiv Innsbruck, Ferdinandea Fasz. 225. - 1517 waren Hans und Peter Haintzel in der Welsergesellschaft engagiert. Katharina WeIser, Schwester des Firmenchefs Bartholomäus V. Welser, dessen Bruder Franz der Vater des Adressaten war, heiratete Hans Haintzel. Aus dieser Ehe stammt der als verstorben erwähnte Johann Baptist Haintzel. Der Absender ist also Enkel einer Weiserin. 28

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Im Rahmen unserer begrenzten Möglichkeiten haben wir dazu folgenden Weg gewählt: auf Grund der reichlich vorliegenden Literatur zur Augsburger Wirtschaftsgechichte und zentraler Bestände des Stadtarchivs 32 wird das Personal der Augsburger ~andelsgesellschaften 1518-1618 prosopographisch erfaßt, und zwar differenziert nach Regierern, Gesellschaftern, Einlegern und Kreditgebern, Angestellten, regelmäßigen Geschäftspartnern und Kreditnehmern. Auf diese Weise dürften die wirtschaftlichen Zusammenhänge innerhalb der Oberschicht und darüber hinaus am ehesten zu fassen sein. Die gewonnenen Angaben werden dann systematisch mit den Ergebnissen der bisherigen sozialgeschichtlichen Analysen verglichen, um zu ermitteln, wie weit sich das wirtschaftliche "network" im Sinne von Multiplexität mit dem sozialen deckt oder im Sinne des erwähnten Fundamentalkonsenses gleichsam quer dazu geknüpft ist. Die entsprechende Datenerhebung wird derzeit von Reinhard lf:7endt durchgeführt. Mit ihrer Auswertung im geschilderten Sinn soll das Projekt seinen Abschluß finden. Die beiden Untersuchungen zur politischen Elite 1518-1618 und zur AußenverfiechtlIng sollen wegen ihres von der Individualität der Bearbeiter geprägten Charakters getrennt veröffentlicht werden, während als Abschluß eine Publikation der verschiedenen Prosopographien mit einer Zusammenfassung der Fragestellung und der sachlichen wie methodologischen Ergebnisse beabsichtigt ist. Wie werden diese Ergebnisse aussehen? Soweit sich bisher absehen läßt, sind nicht nur interessante Details zu erwarten, sondern auch ein sehr viel gen aue res Bild von der inneren Struktur und der konfessionellen Zusammensetzung der Augsburger Führungsgruppen, nach den Maßstäben der Geschichtswissenschaft ein normales und befriedigendes Resultat. Aber sind wir nicht mit größerem Ehrgeiz angetreten? Wollten wir nicht beweisen, daß das Handeln des Menschen durch seine soziale Verflechtung bestimmt wird? Wollten wir nicht endlich genau wissen, warum die Augsburger evangelisch geworden sind oder nicht? Wird uns beides gelingen? Auch wenn sich gezeigt hat, daß planmäßige Nachforschungen einen weit höheren Grad sozialer Verflechtung ans Licht zu bringen vermögen, als bei der bisherigen individualisierenden oder quantifizierenden Interessenrichtung der Forschung möglich war, so hat sich doch zugleich herausgestellt, daß diese Ergebnisse in weit größerem Umfang auf "Indizienbeweisen" beruhen, als ich auf Grund meiner Erfahrungen mit römischen Archivalien angenommen hatte. Dokumente von der Art des HaintzelBriefs zählen zu den seltenen Ausnahmen! Den vorhandenen Zusammenhang von sozialer Verflechtung und menschlichem Handeln im konkreten Einzelfall zwingend nachzuweisen, ist, wenn überhaupt, so offensichtlich nur dann möglich, wenn wie in Rom und bei manchen deutschen Historikern Privatkorrespondenz in größerem Umfang erhalten ist, die über Intentionen Auskunft geben kann. Mit Quellen anderer Art läßt sich aber nur der Tatbestand sozialer Verflechtung als Potential einerseits, die Präferenz zugunsten bestimmter Personen oder Entscheidungen in Interaktionssituationen andererseits nachweisen, nicht aber der ursächliche Zusammenhang zwischen

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Besonders des Bestands "Kaufmannschaft und Handel".

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beiden. Einen solchen Zusammenhang einfach zu unterstellen, entspricht zwar durchaus dem Grad an Plausibilität, der anderswo in den Geistes- und Sozialwissenschaften erreicht wird. Aber damit ist unser Problem nicht gelöst, weil häufig die Richtung des unterstellten Zusammenhangs nicht zu klären ist. Leistet z. B. A für B Bürgschaft, weil bereits eine Verflechtung zwischen beiden besteht, oder kommt eine solche erst durch diesen Patronageakt des A zustande und warum? Wir werden also beträchtliche Disziplin der Formulierung brauchen, um nicht weiterreichende Ergebnisse vorzutäuschen als wirklich zu erzielen sind! Der behauptete Zusammenhang der sozialen Verflechtung mit menschlichem Handeln allgemein und der Konfessionsbildung im besonderen wird vermutlich mit hinreichender Wahrscheinlichkeit demonstriert werden können. Werden wir aber jemals die Frage beantworten können, ob bereits bestehende städtische Faktionen das Substrat von Konfessionsparteien geworden oder aber umgekehrt Konfessionsparteien zu neuen Faktionen geronnen sind? Meines Erachtens ist eine saubere Lösung des methodologischen Problems nur möglich durch Verzicht auf zwingende Aussagen über Handlungsintentionen und Beschränkung auf die Rekonstruktion der Verflechtungsstrukturen. Als eine Art von AIternativprojekt zu dem vorgestellten haben wir daher inzwischen eine soziale Totalgeschichte der ebenfalls bi-konfessionellen Landstadt Oettingen im Nördlinger Ries in Angriff genommen. Grundlage bildet die vollständige Auswertung der Kirchenbücher von 1563 bis 1806, die kurz vor ihrem Abschluß steht 33 . Mit der Familienrekonstitution zum Zweck der üblichen demographischen Analyse geht aber zusätzlich eine Rekonstruktion der ökonomischen Lage und der über Patenschaften, Verschwägerung und Berufsangaben erfaßbaren sozialen Abhängigkeit der einzelnen Familien einher. Zugleich entsteht nämlich ein Häuserbuch der Stadt, dem die Familien und ihr Steueraufkommen zugeordnet werden können. Wenn unser Vorhaben gelingt, wird es möglich sein, nicht nur das System "Oettingen" und seinen Wandel über dreihundert Jahre hin darzustellen, sondern auch den Ort der einzelnen Familie im System anzugeben.

33 Das Projekt wurde in bescheidenem Umfang aus Mitteln der Universität Augsburg gefördert, ansonsten aber von bemerkenswerter studentischer Begeisterung getragen. Es liegt inzwischen in den Händen eines gut eingearbeiteten Teams von drei Doktorandinnen.

Karl Otmar Frhr. von Aretin Die Großmächte und das Klientelsystem 1m Reich am Ende des 18. Jahrhunderts Unter Klientel versteht man eine in Abhängigkeit von irgendwelehen Mächtigeren stehende Anhängerschaft. Jeder Staat wird es unter normalen Umständen zu vermeiden suchen, daß Teile seiner Bürger in einer solehen Abhängigkeit von Kräften stehen, die nicht von ihm bestimmt werden. Die Besonderheiten der deutschen Reichsverfassung nach 1648 begünstigten eine solehe Einflußnahme von außen. Besondere Umstände ließen am Ende des 18. Jahrhunderts im Reich verschiedene Klientelsysteme entstehen. Es waren nicht nur die beiden rivalisierenden Großmächte Österreich und Preußen, sondern auch die Garantiernächte Frankreich und Rußland, die im Reich um eine Anhängerschaft warben. Diese Entwicklung, die für das Reich am Ende des 18. Jahrhunderts charakteristisch war, hat eine lange Vorgeschichte. Das Klientelsystem innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation am Ende des 18. Jahrhunderts beruhte auf der im Westfälischen Frieden gefundenen Ordnung. Zwei Voraussetzungen begünstigten eine solehe Entwicklung: einmal die von Frankreich und Schweden ausgesprochene Garantie der Reichsverfassung, zum anderen das Bündnisrecht der Reichsstände auch mit auswärtigen Mächten, das nur die Einschränkung kannte, daß sich solehe Bündnisse nicht gegen Kaiser und Reich richten dürften I So sehr damit auch die Voraussetzungen für ein Klientelsystem im Westfälischen Frieden geschaffen waren, so dauerte es doch bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, bis derartige Systeme in der Reichspolitik eine bestimmende Rolle spielten. Die von Frankreich und Schweden ausgesprochene Garantie der Reichsverfassung richtete sich eindeutig gegen den Kaiser, der gehindert werden sollte, im Reich eine absolute Monarchie zu errichten. Der Garantieartikel war die Frucht einer sehr wirksamen französischen Propaganda, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts das Gesamthaus Habsburg als eine Einheit auffaßte und gegen eine von Spanien angeführte habsburgische Vorherrschaft über Europa das System des europäischen Gleichgewichts ge1 Vgl. Ernst-Walfgang Bocken/iirde, Der Westfälische Friede und das Bündnisrecht der Reichsstände, in: Der Staat, Zeitschrift für Staatslehre, Öffentliches Recht und Verfassungsgeschichte 8 (1969) 477. Hier auch der wichtige Hinweis, daß sich solche Bündnisse auch nicht gegen die im Westfälischen Frieden gefundene Ordnung richten dürften. Vgl. auch Karl Otmarv. Aretin, Die Kreisassoziationen in der Politik der Mainzer Kurfürsten Johann Philipp und Lothar Franz von Schönborn 1648-1711, in: Das Reich, Friedensgarantie und europäisches Gleichgewicht (1986)

168f.

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stellt hatte 2 . Die europäischen Staaten sollten unter Führung Frankreichs die spanisch-habsburgische Vorherrschaft brechen. Als einer der großen Erfolge der französiehen Politik wurde daher die 1648 erzwungene Trennung der bei den habsburgischen Linien angesehen. Wie Josef Engel in der Einleitung des von ihm betreuten dritten Bandes des Handbuchs für Europäische Geschichte mit Recht betont, ging es Richelieu bei seiner Politik nicht um einen Frieden, der nur den Zustand des Krieges beenden sollte, sondern um eine europäische Friedensordnung, die künftige Kriege unmöglich machen sollte 3 . Im Haus Habsburg sah er den Feind des europäischen Friedens schlechthin, "weil es mit seinem Anspruch, Führungsmacht der Christenheit zu sein, die ganze Christenheit und jeden einzelnen Staat in ihr nicht zu der nötigen, Ordnung verbürgenden und das Böse unter Kontrolle haltenden Ruhe kommen ließ"". Das Friedenssystem Richelieus ging von einer Gleichberechtigung aller souveränen Staaten aus. Es schloß daher auch eine Vormachtstellung Frankreichs aus. Erstes Ziel aber war die Beseitigung des "orgueil" der "Maison d'Autriche". Engel interpretiert das so, als habe Richelieu in erster Linie Spanien hindern wollen, sich zur Vormacht des Christentums zu erheben. Kernstück dieser Ordnung sollte Frankreich sein, das für ihn die einzige wirkliche Friedensmacht war 5 Richelieu starb am 4. Dezember 1642, also fast sechs Jahre vor der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens. Die Vorbereitungen zum Pyrenäenfrieden hat er überhaupt nicht erlebt. Der Friede in seiner endgültigen Gestalt war ein Werk Mazarins, der freilich auf den Vorstellungen Richelieus aufbaute. Der Westfälische Friede wurde zur Grundlage aller späteren europäischen Friedensschlüsse bis hin zum Teschener Frieden von 1779, die sich alle auf den Westfälischen Frieden bezogen.

1. Das Garantiesystem des Westfälischen Friedens und seme Folgen im 17. Jahrhundert Innerhalb des Reiches besaß die von Frankreich und Schweden ausgesprochene Garantie der Reichsverfassung in der Form, in der sie im Westfälischen Frieden gefun2 Vgl. Ernst Kacbel; Die Idee des europäischen Gleichgewichts in der publizistischen Literatur vom 16. bis zur Mitte des 18.Jahrhunderts (Ber!in 1907) 22-29, und Pau! Haue/aer, Der deutsche Libertätsgedanke und die Politik Wilhelms III. von Oranien (Berlin, Bonn 1935) 10 H. u.ö. Zum Garantiesystem vgl. Roman Schnlll; Der Rheinbund in der deutschen Verfassungsgeschichte (Bonn 1955) 29-34, und Klaus Peter Decker; Frankreich und die Reichsstände 1672-75. Die Ansätze zur Bildung einer "Dritten Partei" in den Anfangsjahren des Holländischen Krieges, in: Pariser Historische Studien 18 (1981) 13 f. Hier eine detaillierte Schilderung des bei einer Anrufung der Garantie vorgeschalteten Verfahrens. 3 .fosef Engel, Von der spätmittelalterlichen res publica christiana zum Mächte-Europa der Neuzeit, in: Handbuch der europäischen Geschichte, hrsg. v. Theodor Schieder; Bd. 3, Die Entstehung des neuzeitlichen Europa, hrsg. v. .fosef Engel (Stuttgart 1971) 349. 4 Ebenda, 352. 5 Ebenda, 354. Zu einer ganz ähnlichen Deutung kommt Stepha/l Skalweit in seiner Einleitung zu Arlolf Wild, Les papiers de Richelieu, Empire allemand, Bd. 1 (1616-1629) (Paris 1982) XII.

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den wurde, drei gegen den Kaiser und seine Herrschaft im Reich gerichtete TendenEinmal hinderte sie den Kaiser, gegen die ihm im Westfälischen Frieden abgez:~~enen Einschränkungen seiner Herrschaft durch die Stände vorzugehen. Jeder der\tige Versuch bedrohte den Frieden, berechtigte die Stände, sich gegen den Kaiser :usammenzuschließen und rief die Garantiernächte auf den Plan, ja verpflichtete die Stände geradezu, in einem solchen Fall sich gegen den Kaiser als Friedensstörer mit auswärtigen Mächten zusammenzuschließen. Der Rheinbund von 1658 zeigte die Möglichkeiten einer solchen Politik. Er war unter anderem zustande gekommen, weil eS Ferdinand III. lange nicht gelang, die Spanier zur Räumung der Festung Frankenthai zu bewegen und man im Reich ein den Frieden bedrohendes und im Westfälischen Frieden ausdrücklich untersagtes Zusammenspiel der Höfe von Wien und Ma6 drid arg wö hnte Die zweite, meist übersehene Tendenz richtete sich gegen das Lehenssystem, auf dem das Verhältnis zwischen dem Kaiser und den Ständen noch immer aufgebaut war. Bereits während des Mantuanischen Erbfolgekrieges war bei Richelieu die Idee aufgetaucht, an die Stelle der bestehenden Lehensabhängigkeit nord- und mittelitalienischer Lehen von Kaiser und Reich eine französische Friedensgarantie zu setzen. Es gelang Richelieu zwar im Frieden von Cherasco 1631, dem französischen Kandidaten, dem Herzog von Nevers, Mantua und Montferrat zu beschaffen, doch mußte der Herzog diese beiden Gebiete von Kaiser und Reich zum Lehen nehmen'. Ein französisches Garantiesystem, das sowohl die Lehensordnung des Reiches als auch die spanische Vorherrschaft über Italien berührt hätte, kam jedoch nicht zustande. Eine von Frankreich und Italien ausgeübte Friedensgarantie hätte ohne Zweifel das Lehenssystem aushöhlen und auf die Dauer beseitigen müssen. Die kaiserliche Lehenshoheit in Italien stand und fiel ja mit ihrer Fähigkeit, Frieden zu verbürgen 8 Eine von Frankreich getragene Friedensgarantie wäre nicht ohne Auswirkungen auf das Reich geblieben 9 Allerdings bedeutete dies, daß Frankreich als Friedensmacht in dieses Garantiesystem in der Weise eingebunden gewesen wäre, daß es auf jede eigene Machtpolitik hätte verzichten müssen. Die Gewaltpolitik Ludwigs XlV. und sein Streben, eine französische Oberherrschaft über Europa zu errichten, führten daher dieses Garantiesystem ad absurdum. Der bestimmende Einfluß im Reich, den Mazarin 1658 im Rheinbund erreicht hatte, ging verloren und wich nach dem Krieg gegen Holland 1672 eiVgl. v. Aretin (wie Anm. 1) 171 f. Anna Eg1e1i Die Spanier in der linksrheinischen Pfalz 1620-1632 (Mainz 1971) 18 f. Noch 1667 warnt der Große Kurfürst in seinem Testament vor der Tendenz des Hauses Habsburg, "den getroffenen Friedensschluß zu Munster und Osnabrück umbzustossen", in: Die politischen Testamente der Hohenzollern, hrsg. v. Gearg Kiinfze! und iHar/in Hass, Bd. 1 (Berlin 1911) 53. 7 Vgl. Karl Dlmar v. Are/in, Reichsitalien von Kar! V. bis zum Ende des Alten Reiches. Die Lehensordnungen in Italien im 16. und 17. Jahrhundert und ihre Auswirkungen auf die europäische Politik, in: v. Arelin (wie Anm. 1), 118. BEbenda, 118 f. 9 In der Instruktion für den Duc de Richelieu, als er als französischer Gesandter nach Wien geschickt wurde, vom 28. März 1725 wird noch einmal auf das von Richelieu entworfene Garantiesystem hingewiesen. Ludwig XIV. habe den größeren Ständen eine Garantie gegen den Kaiser angeboten. Vgl. Havelaer (wie Anm. 2) 19. 6

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ner ausgesprochen antifranzösischen Stimmung im Reich, in der sich schließlich arn Ende des 17. Jahrhunderts der ursprünglich gegen Spanien gerichtete Gedanke des europäischen Gleichgewichts unter Wilhelm III. von Oranien gegen Frankreich wandte 10. Die dritte Tendenz richtete sich gegen das Amt des Kaisers, das ja seinen universalen Anspruch nicht verleugnen konnte. Der Westfälische Friede und die von Frankreich und Schweden ausgeübte Garantie der Reichsverfassung beschränkten den Kaiser auf die Rechte eines konstitutionellen deutschen Königs. Wichtige Rechte wie die Entscheidung über Krieg und Frieden, die Handlungsfähigkeit gegenüber dem Ausland und die Gesetzgebung waren ihm genommen worden, beziehungsweise er konnte sie nur gemeinsam mit dem Reichstag, der Vertretung der Stände, ausüben. In diesen Bestimmungen war, zusammen mit dem Bündnisrecht der Stände, eine Tendenz angelegt, das Reich in einen föderativen Bund größerer Stände umzuwandeln. Die verfassungstreue, sich an die Gegebenheiten der im Westfälischen Frieden festgelegten verfassungsmäßigen Ordnung haltende Regierung des in seiner Bedeutung bisher noch lange nicht genügend gewürdigten Kaisers Leopold I. hatte zur Folge, daß er seinen Gegenspieler Ludwig XlV. weitgehend im Reich ausmanövrieren konnte 11. Ihm glückten auf dem Reichstag zwei entscheidende Weichenstellungen: Einmal gelang es ihm, 1670 und 1681 die Reichskriegsverfassung auf die Basis der Reichskreise und der Reichsmatrikel von 1521 zu stellen und damit die Tendenz der größeren Reichsstände zu vereiteln, die Reichsarmee aus den Armeen der sogenannten Armierten zu bilden. Dies hätte unweigerlich das Ende der kleineren Reichsstände bedeutet l2 . Sie hätten in Kriegszeiten die Lasten von Einquartierungen zu tragen gehabt und wären als Stände zweiter Ordnung im Reich erschienen. Zum anderen gelang es Leopold 1., die Landstände in den einzelnen Gebieten von der Verpflichtung zu befreien, die Mittel für die Armeen ihrer Fürsten bereitstellen zu müssen. 1658 hatte Leopold I. in seiner Wahlkapitulation den Fürsten dieses Zugeständnis machen müssen, das 1670 zu einem Reichsschluß erhoben wurde. Leopold verweigerte diesem Be10 Es war daher schon den Zeitgenossen und insbesondere Leibniz unklar, ob der Rheinbund dem Kaiser geschadet oder genutzt hat. Vgl. Hclve!cler (wie Anm. 2) 22. Dieser in unzähligen Flugschriften nachzuvollziehende Prozeß hat mehrfach die Geschichtswissenschaft beschäftigt. Er ist m.E. am überzeugendsten in der Arbeit von Ha vela er (wie Anm. 2) dargestellt, die als Holländerin allen nationalistischen Tendenzen fernstand. Der Titel der Arbeit ist insofern irreführend, als Wilhelm III. selbst fast nichts zur theoretischen Ausgestaltung des Gleichgewichts und des Libertätsgedankens beigetragen hat und die Arbeit im wesentlichen von den Flugschriften handelt, die diese Ideen entwickelten und weitertrugen. Ob man allerdings so weit gehen kann, daß man wie Eherharcl von Vielsch, Das Europäische Gleichgewicht (Leipzig 1942) 144, bei Wilhelm !II. jede Gleichgewichtspolitik leugnet, erscheint doch sehr zweifelhaft. 11 Auch die jüngste Biographie von jolm P. Spielmmm, Leopold I. Zur Macht nicht geboren (1981) sieht die enorme Leistung dieses sicherlich gehemmten und schwierigen Mannes nicht, die darin bestand, das Ansehen des kaiserlichen Amtes im Rahmen der ihm im Westfälischen Frieden verbliebenen Möglichkeiten wiederhergestellt zu haben. Seine Reichspolitik wird durch die Arbeit von Anion .lehinefting, Die Anfänge des Immerwährenden Reichstags zu Regensburg. Standesvertretung und Staatskunst im barocken Reich, (Manuskript), in einem neuen Licht erscheinen. 12 Vgl. u. Aretin (wie Anm. 1) 186 ff.

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chluß des Reichstags die Bestätigung und setzte durch, daß die Landstände nur vers flichtet wurden, die Mittel zum Kontingent zur Reichsarmee bereitzustellen 13. Mit ~iesen bei den Beschlüssen, der vorläufigen Reichskriegsverfassung und der Sicherung der Landstände vor unmäßigen Anforderungen der Landesherrn, hatte Kaiser Leopold einer föderalistischen Entwicklung im Reich einen Riegel vorgebaut, die den kaiserlichen Einfluß im Reich auf ein Minimum reduziert hätte. Das Reich blieb trotz der im Westfälischen Frieden angelegten föderalistischen Tendenzen in seiner hierarchischen Ordnung erhalten, in der nicht die Macht eines Landes, sondern seine Stellung in der Reichsverfassung seine Bedeutung ausmachte. Das legte freilich den Kaiser auf eine ganz bestimmte Klientel fest. Es handelte sich um die geistlichen Fürsten, die mit ihr verbundene Reichsritterschaft, das heißt das katholische Deutschland, des weiteren um die Reichsstädte, die Reichsgrafen und die kleinen Reichsfürsten. Mit Hilfe der geistlichen Fürsten wahrte sich der Kaiser die Mehrheit im Fürstenkollegium, doch war mit dieser Mehrheit keine Macht verbunden. Mit Hilfe seiner Klientel sicherte er sich zwar einen nicht unbeträchtlichen Einfluß im Reich und sicherte sich mit Hilfe der geistlichen Kurfürsten auch für sein Haus die Kaiserkrone. Aber er war weder imstande, die Reichsverfassung in seinem Sinn zu verändern, noch konnte er hoffen, aus dem Reich Kräfte für seine Politik zu gewinnen. Innerhalb des Kräftespiels der europäischen Mächte war er auf die Machtmittel der Großmacht Österreich angewiesen. Diese Zusammenhänge blieben vielen Zeitgenossen hinter dem Glanz verborgen, den Leopold als Verteidiger des christlichen Abendlandes gegen die ungläubigen Türken nach 1683 gewann und der zur Folge hatte, daß auch das kaiserliche Amt wieder an Ansehen gewann. Prinzen und Adelige aus allen Ländern dienten in seiner Armee. Wurde der Kaiser zum Schutzherrn der Mindermächtigen, so ging die Entwicklung bei den Garantiernächten Frankreich und Schweden einen anderen Weg. In der ursprünglichen Garantieidee Richelieus war auch die Garantie der kleineren Mächte vorgesehen. Folgerichtig zählte der Rheinbund von 1658 auch geistliche und kleinere Fürsten zu seinen Mitgliedern. In der Machtpolitik Ludwigs XlV. hatten die kleinen Reichsstände keinen Platz. In einer ersten Phase hatte Ludwig XlV. ein Wächteramt über die Reichsverfassung angestrebt 14 . Sein Versuch, das Reich 1672 im Niederländischen Krieg mit der Drohung neutral zu halten, daß er auf Grund des Westfälischen Friedens nicht nur das Recht habe, gegen jeden Reichsfürsten vorzugehen, der seine Feinde begünstige, sondern dabei auch die Leistung der Garantie durch das Reich verlangte, erlitt ebenso Schiffbruch wie seine Versuche, einen neuen Rheinbund zu bilden. Danach erlosch sein Interesse an den kleinen Ständen. Ihm ging es nun um ein Bündnis mit den größeren Ständen, von deren Macht er profitieren konnte. Damit wurde Ludwig XIV. zum Schutzherrn der im Westfälischen Frieden vorhandenen föderalistischen Tendenzen. Das lag zwar im Interesse seiner Politik einer Machtminderung des Kaisers, entsprach aber nicht der Richelieuschen Garantieidee. Durch seine Gewaltpolitik, nicht zuletzt auch durch die Vertreibung der Huge13

Ebenda, 189.

14

V gl. Deck er (wie Anm. 2) 60-68, 9 H.

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notten, mit der er die mächtigeren protestantischen Reichsstände vor den Kopf stieß, brachte sich Ludwig XlV. selbst um die Früchte seiner Bemühungen. Er konnte weder einen größeren Einbruch im Reich erzielen noch die Föderalisierung des Reiches vorantreiben. Das Bündnis mit dem Großen Kurfürsten von 1679 blieb in dieser Richtung wirkungslos. Auch sein Bündnis mit dem Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, dessen Eroberungen im Feldzug von 1702/03 den kleineren Ständen plastisch vor Augen führte, was sie von einer Föderalisierung des Reiches unter französischer Führung zu gewärtigen hatten, blieb in dieser Richtung ohne Folge. Ludwig XIV. bot den größeren Ständen mehrfach eine Garantie ihrer Existenz gegen den Kaiser an. Da vom Kaiser jedoch keine Bedrohung ausging, blieben diese Bemühungen vergeblich. Doch blieb Frankreich bis 1803 an den größeren Ständen interessiert, die daher auch vornehmlich seine Klientel darstellten. Das galt u. a. für Bayern, in dem Frankreich den einzigen ernst zu nehmenden Konkurrenten der Habsburger als Anwärter auf den Kaiserthron sah. Trotzdem war die französische Klientel im Reich nicht so eindeutig festgesetzt wie die kaiserliche. Der französische Einfluß im Reich stützte sich auch auf die kleineren Stände. Hingegen kann man kaum von einer schwedischen Klientel im Reich sprechen. Die 1648 Schweden zugesprochenen Eroberungen galten als Fremdherrschaft und behinderten ein vertrauensvolles Verhältnis der Reichsstände zu Schweden. Als Schutzmacht der pro(estantischen Stände konnte sich Schweden nach 1648 nicht mehr profilieren. Einmal, weil von Wien kein Versuch mehr unternommen wurde, die protestantischen Stände zu unterdrücken, zum anderen, weil sich am 22. Juli 1653 die evangelischen Stände im Corpus evangelicorum unter Führung Kursachsens formierten, so daß sich Schweden auch als Vertreter der evangelischen Sache überspielt sah. Versuche, in der Reichspolitik eine eigene Rolle zu spielen, führten zu keinen Ergebnissen. So scheiterte das lange und zäh betriebene Projekt einer unter schwedischem Protektorat stehenden Wittelsbachischen Hausunion am Ende des 17.Jahrhunderts 15 . In dieser Entwicklung spiegelte sich natürlich auch der Niedergang der schwedischen Großmacht wider. Betrachtet man die Entwicklung nach dem Westfälischen Frieden als Ganzes, so wird man feststellen, daß sich die ursprünglich gegen den Kaiser und seinen Einfluß im Westfälischen Frieden errichteten Barrieren zu seinen Gunsten entwickelten. Die von Frankreich und Schweden ausgeübte Garantie der Reichsverfassung wurde von Ludwig XIV. um ihre Wirkung gebracht. Auch das Bündnisrecht, das ursprünglich einem auswärtigen Einfluß Tür und Tor hätte öffnen können, wirkte sich am Ende des 17. Jahrhunderts und im Spanischen Erbfolgekrieg in den Subsidienverträgen der größeren Stände zugunsten des Kaisers aus.

15 Vgl. Kar! Theodol' Heige!, Das Projekt einer Wittelsbachischen Hausunion unter schwedischem Protektorat 1667-1697, in: Kar! Theodol' Heige!, Quellen und Abhandlungen zur neueren Geschichte Bayerns, Bd. I (1884) 1-50.

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2. Die Entwicklung im 18. Jahrhundert Die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gefundene Ordnung wurde im Verlauf des 18. Jahrhunderts nicht wesentlich in Frage gestellt. Frankreichs Einfluß im Reich beruhte auf einer durch Subsidien aller Art geförderten Anhängerschaft, ohne daß in der Machtverteilung im Reich wesentliche Veränderungen vorkamen. Das Garantiesystem der Reichsverfassung erlebte in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine Neubelebung. Nach dem Tode Kaiser Karls VI. erklärte Frankreich seine Unterstützung für den Wittelsbacher Kar! VII. mit seinen Pflichten als Garant der Rei~hsverfassung. 1756, nach dem preußischen Einfall in Sachsen, erbaten Sachsen und Osterreich das Eingreifen Frankreichs als Garantiemacht 16 Beides aber blieb Episode und hatte auf die Entwicklung verschiedener Klientelen keinen Einfluß. Nicht einmal die nach dem Aussterben der Habsburger mit Hilfe Frankreichs im Kaisertum des Wittelsbachers Kaiser Karl VII. herbeigeführte Trennung des kaiserlichen Amtes von der Großmacht Österreich konnte die Verhältnisse weitgehend ändern. Mit Kar! VII. sank das Kaisertum zur Bedeutungslosigkeit herab. Weder Karl VII. noch sein Nachfolger Franz I. konnten dem Kaisertum irgendeinen Glanz verleihen. Mit Joseph 11. trat ein Kaiser auf, dem dieses Amt nur noch eine lästige Beschränkung war. Mehr und mehr trat schon unter Maria Theresia die Großmacht Österreich in den Vordergrund. Damit mußte aber der Wert der kaiserlichen Klientel im Reich auf die Dauer in Frage gestellt werden, die eine Reihe kostspieliger Verpflichtungen mit sich brachte, ohne ein Mehr an Macht zu verbürgen. Je mehr sich in Wien die Großmacht Österreich gegenüber dem Amt des Römischen Kaisers durchsetzte, desto mehr mußte der Wert der Stützen des kaiserlichen Amtes, die machtmäßig keinen Gewinn brachten, zweifelhaft werden. Der Aufstieg Preußens zur Großmacht und das österreichisch-französische Bündnis setzten dann in der Reichspolitik neue Akzente. Es dauerte bis in die Zeit nach dem Hubertusburger Frieden, bis Preußen eine eigene Klientel im Reich bildete. Insbesondere nach dem Regierungsantritt des mit einer Habsburgerin verheirateten Ludwigs XVI. 1774 wurde die französische Reichspolitik sehr zurückhaltend. Man beobachtete die Vorgänge und war weiterhin sehr gut informiert. Aber man überließ Preußen den Part einer antihabsburgischen Reichspolitik und griff nur ein, wenn französische Interessen auf dem Spiel standen 17.

16 Die Erklärung vom 1.8.1741 bei] C W:ZJ. Steck, Abhandlung von den Rechten und Pflichten der hohen Garans des Westfälischen Friedens (Halle 1757) 108. Die Schrift wandte sich gegen das sächsisch-österreich ische Vorgehen und warnte vor den Folgen, S. 122 f. Maria Theresia rief auch Schweden an. Dasselbe tat Friedrich der Große, der anführte, er sei vom Kaiser bedroht worden. 17 Eine zusammenfassende Darstellung der französischen Reichspolitik im 18. Jahrhundert fehlt. Einen gewissen Ersatz bietet die Herausgabe der Berichte und Weisungen der französischen Diplomaten im Reich.

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3. Die Ausbildung von Klientelen größerer Mächte im Reich am Ende des 18. Jahrhunderts Eine neue Entwicklung wurde nach dem Hubertusburger Frieden eingeleitet. Auch dann dauerte es noch einige Zeit, bis Preußen nicht nur als protestantische Vormacht, sondern auch als Rivale Österreichs um die Gunst der Stände auftrat. Ein weiteres Element kam hinzu, als Rußland über den Teschener Frieden 1779 zur Garantiernacht der Reichsverfassung wurde. So traten nach 1779 vier Großmächte mit zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen im Reich auf und versuchten, eine Partei um sich zu versammeln. Diese Entwicklung kulminierte aus verschiedenen Gründen in den Jahren 1780-1790. Es sind dies die Jahre eines gestiegenen Interesses an der Reichsverfassung und den Zuständen im Reich. Hatte Friedrich Karl von Moser 1765, unmittelbar nach dem Hubertusburger Frieden, in seiner Schrift "Von dem deutschen Nationalgeist" beklagt, daß kaum einer der Fürsten oder leitenden Minister eine genaue Kenntnis vom Westfälischen Frieden und den Bestimmungen der Reichsverfassung hätten, so ließ sich am Ende der 70er Jahre eine Reihe von Fürsten und Politikern benennen, die darüber sehr genau Bescheid wußten 18. In Mosers Schriften selbst läßt sich das gestiegene Interesse am Reich und die verbesserte Kenntnis von seiner Verfassung ablesen. Die Schriften seines Vaters, die Reichsrechtsschule der 1737 gegründeten Universität Göttingen mit Stefan Pütter und der Universität Halle, zeigten Wirkung. Es waren aber ebenso politische Gründe, die Ende der 70er Jahre ein gesteigertes Interesse am Reich hervorriefen. Der im Bayerischen Erbfolgekrieg 1778 neu aufgebrochene österreichisch-preußische Gegensatz und seine Rückwirkungen auf die kleineren Stände gehörten ebenso dazu wie das Eingreifen der Großmächte Frankreich und Rußland, unter deren Druck der Friede von Teschen zustande gekommen war. Die Gerüchte um den Tausch Bayerns gegen die österreichischen Niederlande und um einen Interessenausgleich mit Preußen, bei dem die Erbansprüche der Hohenzollern auf Ansbach-Bayreuth eine wichtige Rolle spielten, hatten das Reich im Fall einer Versöhnung der rivalisierenden deutschen Großmächte als frei verfügbare Ländermasse erscheinen lassen. Regelmäßig auftauchende Säkularisationsprojekte taten ein übriges. Es war nicht allein der hellsichtige Bischof Franz Ludwig von Würzburg, der 1785 die Ansicht vertrat, die geistlichen Fürsten würden eines Tages das Versöhnungsopfer eines preußisch-österreich ischen Krieges werden l9 . Die ganze, schließlich von Preußen im Fürstenbund von 1785 eingefangene Reichsreformbewegung war in ihrem Ansatz ein Versuch der beunruhigten kleineren Stände, sich gegenüber den Tausch- und Veränderungsplänen zu behaupten. Die Teilung Polens 1772 hatte im Reich erhebliche Unruhe hervorgerufen. Mit dem Hubertusburger Frieden begannen im Reich Tendenzen, an die Stelle des 18 Vgl. dazu Notker Hammerstein, Das politische Denken Friedrich Kar! von Mosers, in: HZ 212 (1971) 318ff. 19 Vgl. Kar! Otmar v. Aretin, Heiliges Römisches Reich 1776-1806, Bd. 1 (1967) 188 ff. Auf dieses Werk sei hier im ganzen verwiesen.

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rehischen Systems ein Gleichgewichtssystem zu setzen, dessen Pole die beiden Großmächte bildeten. Die langen Verhandlungen um den Teschener Frieden hatten allerdings auch sofort die Gefahren eines solchen Systems aufgezeigt. Ei~ ten sich die Kontrahenten, so waren einer Aufteilung des Reiches zwischen den ~e~tschen Großmächten Tür und Tor geöffnet. Eine Rettung der Reichsstände konnte dann nur noch von den Garantiemächten Frankreich und Rußland erwartet werden. Zumindest Rußland stand jedoch seit der polnischen Teilung im Verdacht, durchaus gegen entsprechende Zugeständnisse für Teilungsaktionen gewonnen werden zu kön-

~l:~~chen

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CI) Die österreichisehe Klientel im Reich Kaiser joseph 11. beunruhigte durch verschiedene Maßnahmen die kaiserliche Anhängerschaft im Reich, ohne damit eine österreichische Klientel im Reich aufbauen zu können. Beide hätten kaum aus demselben Personenkreis stammen können. Der kaiserliche Einfluß im Reich beruhte, wie wir sahen, auf den geistlichen Fürsten, der damit in enger Verbindung stehenden Reichsritterschaft, den kleineren Reichsständen, den Reichsstädten und den Landständen in den größeren Ländern, die hier die Ausbildung zum Absolutismus und somit eine dem Kaiser nicht genehme Machtsteigerung der größeren Stände verhindern sollten. Der ganz dem aufklärerischen Denken verhaftete Kaiser joseph 11. sah in der Erhaltung der kaiserlichen Klientel keinen Nutzen. Er sah seinen Etat nur durch erhebliche Ausgaben für Pensionen belastet, denen nur sehr geringe Einnahmen aus dem Reich gegenüberstanden. Für einen Mann, dessen hervorstechendste Eigenschaft der Geiz war, mußte dieses System wenig Anziehendes haben. joseph nahm daher bei seinen verschiedenen Reformmaßnahmen keine Rücksicht auf das Reich. Die folgenschwerste Maßnahme war die im Rahmen einer Diözesanreform durchgeführte Abtrennung der auf Österreich übergreifenden Diözesanteile von Reichsdiözesen. Seine Übergriffe gegen Passau, das 1783 fast drei Viertel seiner in Österreich gelegenen Diözese verlor, rief im ganzen Reich Empörung hervor, wobei sich zum erstenmal auch die evangelischen Stände zugunsten der geistlichen Fürsten einsetzten. In den folgenden Jahren zerstörte Joseph regelmäßig mit seinen Maßnahmen gegen Konstanz, Chur, Regensburg, Lüttich und Freising Ansätze einer österreichischen Reichspolitik 21 . Brixen und Trient traten sogar dem Fürstenbund bei. Was Als l794 ein Streit um die Frage entbrannte, ob Rußland mit dem Teschener Frieden Garantiemacht der Reichsverfassung geworden sei, wurde diese Tatsache von den Gegnern Rußlands ins Feld geführt. Vgl. die von JohallTl earl Wackerhagen anonym verfaßte Schrift "Versuch eines Beweises, daß die Kaiserin von Rußland den Westfälischen Frieden weder garantieren könne noch dürfe, nebst einigen Bemerkungen über die neuesten Weltbegebenheiten" (1794) 25 f. 2! Dies ist besonders deutlich bei Dalbergs Beitritt zum Fürstenbund 1787. In einer sehr offenen Aussprache mit dem mit ihm befreundeten russischen Gesandten im Reich, Graf Romanzoff, bezeichnete Dalberg die Maßnahmen Josephs 11. gegen Regensburg im Mai 1787 als den eigentlichen Grund seines Beitritts. "Wer so gegen alles Recht im Reich verstößt, gegen den muß man sKh zusammenschließen", sagte er dem russischen Gesandten. Schreiben Romanzoffs an Kathanna I!. vom 31.10./11.11.1787, Beziehungen Rußlands zu Frankfurt Main 49, Moskau. 20

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für joseph als Herrscher Österreichs die Durchführung eines für notwendig erkannten Reformprogrammes war, erschien den Reichsständen und den einen erheblichen Teil der kaiserlichen Klientel bildenden geistlichen Fürsten als klarer Rechtsbruch. Im selben Licht erschienen den Ständen die Versuche des Kaisers, 1779 und 1784/85 Bayern oder Teile davon gegen die österreichischen Niederlande zu vertau_ schen. Man war sich zwar im Reich darüber einig, daß ein freiwilliger Tausch nicht gegen die Reichsverfassung verstieß, wie Friedrich der Große in seinem Aufruf zum Fürstenbund behauptete. Die Folgen eines solchen Tausches und das damit verbundene starke Anwachsen der Macht Österreichs schien vielen jedoch bei diesem Kaiser höchst bedenklich. Beide Maßnahmen zusammen bewirkten einen vollkommenen Zusammenbruch des kaiserlichen Ansehens und des kaiserlichen Einflusses im Reich. Auf die Anfrage von Kaunitz an den österreich ischen Gesandten im Reich, Graf Trauttmansdorff, Vom 6. Februar 1786, auf wen in seinem Ministerialbezirk er sich noch verlassen könne, gestand dieser ein, daß er keinen wüßte, der dem Kaiser vertraue 22 . War damit einerseits der kaiserliche Einfluß 1786 im Reich auf Null gesunken, so gewann joseph andererseits als Herr der Großmacht Österreich im Reich auch keine neuen Verbündeten, die sich in eine neue Klientel verwandeln ließen. So schnell war eine Rollenverschiebung im Reich nicht durchzuführen. So sehr joseph sich als ein moderner, aufgeklärt denkender Monarch auch gerieren konnte, im Reich war er der Träger der Karlskrone. Wen hätte joseph auch als Verbündeten gewinnen sollen, mußte er doch sowohl gegen das zu allen Zeiten lebendig gewesene Mißtrauen der Stände gegen den Kaiser ebenso ankämpfen als auch gegen das durch seine Politik hervorgerufene Mißtrauen gegen seine Person. joseph II., der sich zum Entsetzen von Kaunitz nie um ein Verständnis für das Reich bemühte, glaubte, diese Situation im Reich durch sein Bündnis mit Rußland überspielen zu können. Der russische Gesandte im Reich, Graf Romanzoff, trat im Reich wie ein kaiserlicher Gesandter auf, ohne freilich die russischen Sonderinteressen ganz aus dem Auge zu verlieren 23 .

b) Die preußische Klientel im Reich So wie die österreichische Klientel durch die Stellung des Herrschers Österreichs als römischer Kaiser festgelegt war, so war auch der Kurfürst/König von Brandenburg/Preußen auf eine bestimmte Rolle festgelegt. Es lag nahe, daß er der Schutzherr des protestantischen Deutschland wurde. Seit das Haupt des corpus evangclicorum, der Kurfürst von Sachsen, 1697, um König von Polen werden zu können, zum katholischen Glauben übergetreten war - ein Vorgang, der sich bei seinem Sohn 1712 wiederholte -, wurde in Dresden die Reichspolitik nicht vom Kurfürsten, sondern von den sächsischen Räten bestimmt. Auch wenn Sachsen den Vorsitz des corpus nicht abgab, so bedeutete das doch, daß Brandenburg/Preußen in die Rolle eines Führers der Protestanten im Reich hineinwuchs. Diese Rolle wurde von Friedrich dem GroBericht veröffentl. bei v. Aretin (wie Anm. 19) Bd. 2, 142-150. Zur Mission Romanzoffs vgl. K. 0. v. Aretin, Die Mission des Grafen Romanzoff im Reich 1782-1792, in: v. Aretin (wie Anm. 1),337-53.

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ßen nie angestrebt. Er konnte sich ihr jedoch nicht entziehen, zumal sich im proteantischen Bereich Machtverschiebungen ergaben. 1733 kam in Württemberg mit ~erzog Kar! Alexander eine katholische Seitenlinie an die Regieru~g. ~n den Reliionsreversalien vom 17. Dezember 1733 mußte der Herzog nach sachslschem Vor~ild auf viele seiner Regierungsrechte verzichten. Der Vertrag stand unter der Garanie des corpus evangelicorum und besonders neben Dänemark und Schweden unter ~er Preußens. Als 1737 Kar! Alexanders Sohn Kar! Eugen an die Regierung kam, wiederholte sich diese Prozedur. Friedrich der Große, der sich anfangs sehr um Kar! Euen bemüht hatte, wurde 1770 der Garant des sogenannten Erbvergleichs, in dem ~och einmal der protestantische Charakter der württembergischen Regierung und die besonderen Rechte der Landstände festgelegt wurden. 1749 trat der Erbprinz Friedrich von Hessen-Kassel in Schwerin zum Katholizismus über. Als dieser Schritt 1754 dem Vater Wilhelm VIII. bekannt wurde, schränkte er in der sogenannten Assekurationsakte die Regierungsrechte seines Sohnes erheblich ein. Dieser Vertrag stand unter der Garantie der evangelischen Mächte England, Schweden, Dänemark und Preußen. Auf diese Art wurde Preußen zur evangelischen Garantiernacht. Da gleichzeitig seit 1714 der Kurfürst von Hannover König von England war, wurde im 18. Jahrhundert die Reichspolitik der bei den neben Brandenburg wichtigsten protestantischen Kurfürsten Sachsen und Hannover und der beiden mächtigsten protestantischen Landesherren Hessen-Kassel und Württemberg von Ratskollegien bestimmt. Dies gab der preußischen Reichspolitik ein Übergewicht und stempelte Friedrich zum Führer der protestantischen Partei im Reich 24 Aus dieser von Friedrich nicht erstrebten Stellung hätte sich ohne die gravierenden Fehler Josephs H. kaum die Chance ergeben, im Reich, in dem der König zwar viele Verehrer hatte, aber doch seit 1756 als Rechtsbrecher angesehen wurde, eine über die Konfessionsgrenzen hinausreichende Klientel zu versammeln. Das verhinderte im katholischen Lager sein 1742 an Kaiser Kar! VII. herangetragener Vorschlag, das Amt des Kaisers durch die Säkularisierung geistlicher Staaten attraktiver zu machen. Der Anstoß zu einer aktiven Reichspolitik ging von dem russisch-österreichischen Bündnis von 1782 aus, das Friedrich zunächst verborgen geblieben war. Schon während des Bayerischen Erbfolgekriegs hatte Friedrich vergeblich auf eine aktive Unterstützung durch Katharina 11. gehoffr2 5 . Die Tatsache, daß Rußland über den Frieden von Teschen Garantiernacht der Reichsverfassung wurde, beunruhigte ihn ebenso wie Kaunitz 26 . Schon in seiner Instruktion an seinen neuen Gesandten in St. Petersburg, Graf Eustach Görtz, vom 15.7.1779 hatte er die Befürchtung geäußert, "si elle nous jugeait superieure a l'autre, ce serait pour elle une raison de prendre le parti Autri-

24 Eine Untersuchung der Reichspolitik Friedrichs fehlt. " Vgl. dazu Wallgang Stribmy, Die Rußlandpolitik Friedrichs des Großen 1764-1786, in: Beihefte zum Jahrbuch der Albertus-Universität Königsberg Pr. XXVI (1966) 106-114. '6 Ebenda, 103. Von Kaunitz gibt es mehrere Äußerungen vom Herbst 1778, in denen er gegen Katharinas Ehrgeiz Bedenken erhebt.

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chienne"27. Als er im Juli 1783 von dem Bündnis erfuhr, war er zutiefst beunruhigt 28 • Er fürchtete, daß dieses Bündnis im Zusammenhang mit Bemühungen Österreichs stünde, die Großmacht Preußen nach seinem Tod anzugreifen und zu beseitigen. Seine Bemühungen, mit Frankreich zu einem Bündnis zu kommen, scheiterten 29 . Friedrich steigerte sich darüber fast in Panikstimmung. In dieser Situation kam Friedrich die "Reichspolitik" Kaiser Josephs 11. zu Hilfe. In geradezu meisterhafter Weise benutzte er die Ende 1784 vom russischen Gesandten Graf Romanzoff dem Herzog Karl August von Zweibrücken unterbreiteten Vorschläge zum Tausch Bayerns gegen die österreichischen Niederlande und die durch Josephs Diözesanpolitik hervorgerufene Beunruhigung zur Gründung des Fürstenbundes zur Erhaltung der Reichsverfassung. Er legte damit, wie wir gesehen haben,Josephs Außenpolitik in den entscheidenden Jahren 1785/86, also beim Tode Friedrichs, lahm. Friedrich ging es bei der Gründung des Fürstenbundes nicht um die Erhaltung der Reichsverfassung. Sie war ihm vollkommen gleichgültig. Seine Absichten bei der Gründung des Fürstenbundes gingen in zwei Richtungen. Einmal wollte er den Kaiser hindern, sich auf Kosten des Reiches zu vergrößern. Zum anderen hoffte er, bei der Gründung des Dreikurfürstenbundes, der für ihn das Kernstück des Fürstenbundes war, über den Kurfürst von Hannover Verbindung zu England zu bekommen. Dies war Teil eines sehr komplizierten diplomatischen Spiels. Friedrich war in den Verhandlungen mit Frankreich klargeworden, daß der eigentliche Grund dafür, daß keine der europäischen Großmächte mit ihm ein Bündnis abzuschließen bereit war, nicht die Preisgabe Preußens bedeutete. Man fürchtete vielmehr, daß ein mit Preußen abgeschlossenes Bündnis ein von Österreich bestimmtes Gegenbündnis hervorrufen würde, bei dem sehr rasch die europäischen Mächte im Fall des Ablebens Friedrichs in einen Krieg verwickelt werden könnten. Zur Preisgabe Preußens war niemand, nicht einmal Rußland, bereit. So trug schließlich der Fürstenbund entscheidend dazu bei, daß 1786 die Erbfolge in Preußen auf Friedrich Wilhelm 11. ohne Schwierigkeiten vor sich gehen konnte. Für unsere Betrachtung ist dies jedoch nur die eine Seite. Ohne es zu wollen, gewann Friedrich mit dem Fürstenbund eine zahlreiche Klientel im Reich. Die im Grunde ganz andere Ziele verfolgende Fürstenbundbewegung der kleineren deutschen Reichsstände wie Sachsen-Weimar, Baden, Anhalt und einige andere ging im Fürstenbund auf. Mainz schloß sich ihm an und eine Zeitlang schien es, als gelänge ein tiefer Einbruch in die Front der geistlichen Fürsten, der treuesten kaiserlichen Klientel. Tatsächlich traten nur Eichstätt, Brixen und Trient direkt bei, während Konstanz und Worms Dalberg zum Coadjutor wählten und so dem Fürstenbund beitraten. Das waren zwar erheblich weniger, als der ehrgeizige Kurfürst Friedrich Karl von ErthaI von Mainz erhofft hatte. Aber die Tatsache, daß der wichtigste geistliche Fürst, 27 Instruktion veröffcntl. in: Polit. Correspondenz Friedrichs des Großen, hrsg. v. G. B. Volz, Bd. 43, Nr. 27 495. 28 Vgl. Stribmy (wie Anm. 25) 147 f. 29 Vgl. Emil Braun, Preußisch-französische Bündnispläne 1778-1784 (1937).

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d r Kurfürst von Mainz, einem von Preußen bestimmten Bund zur Erhaltung der R:ichsverfassung beigetreten war, zeigte eine völlig neue Situation. Friedrich wußte mit dieser Klientel wenig anzufangen. Sein Nachfolger Friedrich Wilhel m Ir., der beim Zustande kommen des erweiterten Fürstenbundes eine wichtige Rolle gespielt hatte, machte sie zum Ausgangspunkt einer in ihren Zielen reichlich unklaren Reichspolitik, deren Exponent in den Jahren 1786/88 der eifrige, geschäftige, aber im Endergebnis wenig durchsetzungsfähige Herzog Carl August von Weimar war. Sein Plan, 1788 einen Kongreß der Anhänger des Fürstenbundes in Mainz durchzuführen, scheiterte am Einspruch der Kurfürsten von Hannover und Sachsen und der preußischen Minister, die dieser Politik nichts abzugewinnen vermochten. Friedrich Wilhclm II. hätte damals wie später 1792/9.3 in den ersten Jahren der Revolutionskriege gerne die Rolle eines deutschen Königs gespielt. Er konnte sich aber gegen seine Minister nicht durchsetzen. So fühlte sich schließlich die preußische Klientel vor den Kopf gestoßen. Die Verärgerung steigerte sich zu offener Empörung, als in der Lütticher Affäre 1788/89 klar wurde, daß Preußen auch im Traum nicht daran dachte, die Reichsverfassung zu schützen, sondern eine Großmachtpolitik betrieb, für die das Reich und seine Interessen eine "quantite negligeable" war. Merkwürdigerweise war man aber in Berlin auch später noch daran interessiert, unter den geistlichen Fürsten eine Anhängerschaft zu behalten. So bemühte man sich bei Coadjutor- oder Bischofswahlen, eigene Kandidaten ins Spiel zu bringen. Schon bei der Wahl des Erzherzogs Franz zum Coadjutor in Köln und Münster war in Münster ein von Preußen protegierter Gegenkandidat aufgetreten. Erheblich intensiver waren die Bemühungen, den Beitritt des Mainzer Kurfürsten zum Fürstenbund, der vom Domkapitel nicht akzeptiert worden war, durch die Wahl eines Nachfolgers für den kränklichen Friedrich Karl von Erthal abzusichern. Die Vorgänge enthüllten freilich, daß man in Berlin vom Wesen des katholischen Episkopats keine Vorstellung besaß. Das Vorgehen des preußischen Bevollmächtigten Stein, eines älteren Bruders des späteren Reformers, bei der Coadjutorwahl Dalbergs 1787 war so plump skandalös, daß man nur den Schluß ziehen kann, man habe in Berlin das Mainzer Domkapitel für eine Ansammlung bestechlicher Subjekte gehalten. Nachdem Dalberg im März 1787 das ihm von dem Herzog Carl August von Weimar ultimativ gestellte Ansinnen, sofort dem Fürstenbund beizutreten, abgelehnt hatte, kam am 30. März unter großer Geheimhaltung Johann Friedrich Freiherr vom Stein nach Mainz, der 1785 den Beitritt Erthals zum Fürstenbund vermittelt hatte. Stein kam mit erheblichen Geldmitteln und war offenbar der Meinung, in einem Überraschungscoup die Coadjutorwahl auf den ganz unbedeutenden Domherrn Dienheim leiten zu können, von dem man annahm, daß er alles tun würde, was man ihm vorschlug. Um Dalberg zum Verzicht zu bewegen, wurde ihm versprochen, daß er der Nachfolger des Bischofs von Würzburg und nach dem Tod des Reichsvizekanzlers Colloredo dessen Nachfolger werde 30. 30 Ich stütze mich hier auf den eingehenden Bericht des russischen Gesandten Graf Romanzoff vom 29. März/9. April 1787, der die genaueste, von anderen Berichten bestätigte Darstellung der skandalösen Vorgänge am 5. und 6. April 1787 gibt. Beziehungen Rußlands mit Frankfurt/Main,

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Zu den Domherren wurden Verwandte, Freunde und kurfürstliche Dienstleute entsandt, "die ihnen gefälschte Unterschriften der anderen Mitglieder des Kapitels zeigten, als hätten diese schon ihr Einverständnis zur Wahl Dienheims gegeben" und als wäre ihre Zustimmung eigentlich ganz überflüssig. Es wurde ihnen vorgegaukelt, sie könnten durch ihre Zustimmung noch in letzter Minute Mitempfänger der Gelder und Gnaden sein, die der König von Preußen auszuschütten bereit war. Vom Kurfürsten wurden ihnen Rangerhöhungen und Beförderungen von Verwandten in Aussicht gestellt. Dieses schamlose Treiben, an dem sich Erthal eifrig beteiligte, rief schließlich den Domherrn von Walderdorff auf den Plan. Er versammelte die Domherren um sich und stellte die Frage: "Wenn Stein vom König von Preußen ein Schreiben an das Kapitel besitzt, so möge er es präsentieren, damit wir die Verachtung dieses Monarchen uns gegenüber darin erkennen, daß er meint, man könne uns bestechen, und daß er auf diese Weise das erste Domkapitel des deutschen Reiches mit Leibeigenen in eine Reihe stellt, wenn er jedoch kein solches Schreiben besitzt, so soll der König ihn, Stein, wegen Mißbrauch seines Amtes in Spandau festsetzen." Die Aussprache enthüllte dann die vom Kurfürsten veranlaßten Fälschungen und Versprechungen. Es herrschte große Empörung, doch mußte Walderdorff mit Entsetzen feststellen, daß sich bereits zehn Domherren von Stein hatten kaufen lassen. Innerhalb weniger Stunden überschlugen sich die Ereignisse, die schließlich damit endeten, daß die preußischen Gelder dafür verwendet werden mußten, die für Dienheim gewonnenen Mainzer Domherren nun für Dalberg zu gewinnen. Der aufgebrachte Graf Walderdorff hatte Erthal mit seiner Absetzung gedroht, wenn er den von Stein verursachten Skandal nicht sofort damit beende, daß er die Coadjutorwahl freigebe. Diese Umstände wurden natürlich im Reich bekannt und verliehen den preußischen Bemühungen, die deutschen Bischofsstühle mit eigenen Anhängern zu versorgen, nicht gerade den Anstrich von Seriosität. So bemühte man sich vergeblich, die Bischöfe von Speyer, Fulda und Paderborn für den Preußen ergebenen Baron Fürstenberg als Coadjutor zu gewinnen. Auch bei den Bischofswahlen in Regensburg und Freising 1788 gab es, was vorher nie der Fall gewesen war, einen preußischen Kandidaten. Es waren allerdings jeweils wenig angesehene Herren, die sich zur Verfügung stellten. Für den Kaiser war das Auftreten Preußens innerhalb der eigenen Klientel außerordentlich unangenehm, so ungeschickt Preußen hier auch vorging. l) Rußlands Bemiihungen /Im eine Klientel im Reich

Was die kleineren Stände gegenüber Joseph II. so mißtrauisch machte, war nicht nur seine von Fehlgriffen aller Art geprägte Reichspolitik. Es war auch insbesondere Bd. 49, Archiv der Außenpolitik Rußlands, Moskau. Die von Willy AlldreaJ~ Dalbergs Wahl zum Coadjutor von Mainz (1787) und die Politik Car! Augusts von Weimar, in: Archiv für Kulturgeschichte 42 (1960) vertretene Ansicht beruht auf den beschönigenden Angaben Steins und des Herzogs und wurde von mir bereits in meinem Aufsatz "Höhepunkt und Krise des deutschen Fürstenbundes. Die Wahl Dalbergs zum Coadjutor von Mainz (1787)", in: HZ 196 (1963) widerlegt. Romanzoff nennt die gigantische Summe von 200000 fl., die Stein verteilt habe. Vgl. auch K. 0. v. Aretin, Die Wahl Dalbergs zum Coadjutor von Mainz, in: v. Aretin (wie Anm. 1) 374ff.

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das gemeinsame Auftreten mit Rußland. Seit 1782 unterhielt Katharina II. in Frankfurt eine eigene Gesandtschaft, die mit dem damals 28jährigen Grafen Nikolaus Petro. h Romanzoff besetzt wurde. Die Anwesenheit dieses Vertreters eines übermächtiVIC en Staates wurde im Reich mit Mißtrauen betrachtet, das sich noch vergrößerte, als ~omanzoff die Tauschverhandlungen im Dezember 1784 in Zweibrücken führte. Insbesondere die von dem zweibrückischen Minister Hofenfels aufgestellte und von Preußen im Reich verbreitete Behauptung, Romanzoff habe den Herzog zum Tausch zwingen wollen, erregte ungeheures Aufsehen] 1. Rußland erschien als ein Koloß, der die deutschen Reichsstände im Einvernehmen mit dem Kaiser zu einer territorialen Umgestaltung des Reiches zwingen wollte. Von daher stand die Mission Romanzoffs von Anfang an unter einem ungünstigen Stern. Romanzoff, der mehrfach wie ein kaiserlicher Gesandter im Reich auftrat, mußte daher alle Niederlagen der kaiserlichen Politik mit auskosten. Hatte er schon 1784 in der Tauschfrage durch Verdächtigungen von Hofenfels den Ärger und das Mißtrauen des Reiches auf sich gezogen, so wiederholte sich das 1787 bei der Coadjutorwahl Dalbergs. Ebenso erfolglos blieben seine Bemühungen 1785, Sachsen oder Kassel vom Beitritt in den Fürstenbund abzuhalten]2. Er hatte sich mit Dalberg im Auftrag der Kaiserin eng angefreundet und den Auftrag erhalten, koste es, was es wolle, diesen vom Fürstenbund fernzuhalten. Dalberg begründete seinen Beitritt Romanzoff gegenüber "mit der fehlerhaften, verlogenen, das Recht mißachtenden Politik des Kaisers", die es zu bekämpfen gelte, wenn im Reich das Recht weiter seine Geltung behalten solle B Es muß dahingestellt bleiben, ob Dalberg wirklich die kaiserliche Politik mit so harten Worten kritisiert hat oder ob Romanzoff ihm diese Worte in den Mund gelegt hat, um seiner eigenen Empörung Ausdruck zu verleihen. Liest man Romanzoffs Berichte, so erscheinen sie wie ein kritischer Kommentar zu Josephs Reichspolitik. Demgegenüber erscheint die Weisung von KallDitz an seinen Vertrauten im Reich, Graf Trauttmansdorff, vom 9. Februar 1786 wie eine Verhöhnung der russischen Bemühungen. Befriedigt stellt KallDitz darin fest, daß Rußland in Deutschland eigentlich "keinen anderen Einfluß hat als jenen, welchen das Ansehen einer großen Macht gibt"14 "Die Freundschaft zum Kaiser", fuhr Kaunitz süffisant fort, "läßt diesen Einfluß ganz zu unseren Gunsten erscheinen und es muß ihre ständige Sorge sein, sich dieses Vorteils so viel wie möglich zu bedienen."

31 Die Berichte Romanzoffs machen es allerdings sehr zweifelhaft, ob diese vom Herzog Karl August von Zweibrücken stammende Behauptung stimmt. Karl August bemühte sich später intensiv um ein gutes Verhältnis zu Romanzoff und hatte ihn gebeten, mit ihm direkt unter Umgehung seiner Minister zu verkehren, was er ja wohl kaum getan hätte, wenn R. ihn wirklich Ende Dezember 1784 mit seiner Drohung so beleidigt hätte, wie Hofenfels behauptete. Bericht Romanzoff 3./14.10.1785, Beziehungen Rußlands zu Frankfurt/Main, Bd. 34, Moskau. 31 Nach Abschluß des Dreikurfürstenbundes rief der russische Minister Graf Alexander Romanowitsch Woronzow den englischen und den sächsischen Gesandten in St. Petersburg zu sich und beschimpfte sie deswegen, weil dieser Bund den Interessen Rußlands zuwiderlaufe. Mehr als ein Kopfschütteln rief diese Aktion nicht hervor. Bericht des österreichischen Gesandten in St. Petersburg Graf Cobenzl v. 22.7.1785, Staka Rußland II/63, Wien. H B . h ene t 31.10./ 11.11.1787, Beziehungen Rußlands zu Frankfurt/Main 49, Moskau.

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In seiner Weisung war Romanzoff nur auf zwei Reichsstände hingewiesen worden, denen das besondere Wohlwollen der Kaiserin galt: auf Württemberg und HessenKassel. Beiden hatte Katharina offenbar ihre Hilfe beim Erwerb der Kurfürstenwürde versprochen 3 >. Sie setzte sich auch mehrfach erfolglos in Wien dafür ein 36 . Es gelang Romanzoff weder in Stuttgart noch in Kassel eine besondere Vertrauensbasis herzustellen. Kar! Eugen von Württemberg lag Romanzoff nur in den Ohren, die Kaiserin für seinen Plan zu gewinnen, seine nicht ebenbürtige Gemahlin Franziska Gräfin von Hohenheim zur offiziell anerkannten Gemahlin und Herzogin von Württemberg Zu machen, was in Petersburg strikt abgelehnt wurde. 1794/95 leistete Romanzoff bei dem von Wilhelm IX. von Hessen-Kassel inaugurierten Wilhelmsbader Fürstenbund Hilfestellung und gewann auch Württemberg dazu. Die Unterstützung, die Katharina diesem Plan angedeihen ließ, eine eigene Reichsarmee aufzustellen, half jedoch nichts 37 . In Wien lehnte Thugut diesen Plan ab. Da Katharina sich nicht entschließen konnte, selbst in die Revolutionskriege einzugreifen, blieb auch dies Episode. Die Bemühungen Rußlands, als Garantiernacht des Reiches eine besondere Rolle zu spielen, führten zu keinem überzeugenden Ergebnis. 1779 waren die Erwartungen groß. So hatte der russische Gesandte in Regensburg, von der Asseburg, geschrieben 38 : "Als Garantiernacht wird Rußland, so viel ihm gefällig ist, sich in die politischen und kirchlichen Angelegenheiten dieses Reiches einmischen. Einzig und allein von dem wird die Erweiterung seines Kredits, seiner Bedeutung und des Ruhmes, ein uneigennütziger Beschützer fremder Interessen zu sein abhängen." Nach dem Abschluß des österreichisch-russischen Bündnisses, das Katharina ihrem alten Verbündeten Preußen verschwieg, glaubte sie, das Gleichgewicht der deutschen Großmächte in den Händen zu halten 39 . Sie nahm an, bei einem erneuten österreichisch-preußischen Konflikt den Mediator spielen zu können 4o . Diese diplomatischen Winkelzüge waren aber alle zu grob gestrickt. Es gelang Rußland nicht, und das war nicht die Schuld Romanzoffs, eine Klientel im Reich aufzubauen, so viele Mittel und Mühen Katharina auch darauf verwendete.

d) Frankreichs Klientel im Reich Seit der Arbeit von Bertrand Auerbach wurde, soviel ich sehe, die französische Reichspolitik am Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr im Zusammenhang darge-

Weisungen in das Reich 32, Staka Wien. Davon ist mehrfach in den Berichten und Weisungen Romanzoffs die Rede. 36 Als man z. B. Hessen-Kassel vom Beitritt zum Fürstenbund abhalten wollte, kam im Juli 1785 von Katharina der Vorschlag, man solle Hessen-Kassel und Württemberg die Kurwürde verleihen, ein Vorschlag, der in Wien auf Ablehnung stieß. Akten Rußland II, 63, Staka Wien. 37 Vgl. v. Aretin (wie Anm. 19) Bd. 1,301-317. 38 Vgl. Achatz Ferdinand UOIl der Asseburg, Denkwürdigkeiten des Freiherrn Achatz Ferdinand von der Asseburg (1842) 295. 39 Vgl. Sfribrn)' (wie Anm. 25) 140. 40 Ebenda, 143. 34 35

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tellt41. Auerbach beschränkt sich mit guten Gründen auf die große Politik. Um den

~influß Frankreichs auf eine deutsche Klientel festzustellen, müßte man aber gerade den Berichten von Agenten, der Vergabe von Pensionen und Titeln nachgehen. Insofern besitzen wir nur ein ungenaues Bild. Im Gegensatz zu Rußland ließ sich Frankreich nie vor den Karren einer kaiserlichen Reichspolitik spannen. Die österreichisch-französische Allianz von 1756/57 hatte auf die französisc~e Reichspolitik so gut wie keine Auswirkungen. Frankreich blieb der Gegenspieler Osterreichs im Reich, auch wenn diese Politik mit großer Zurückhaltung betrieben wurde. Als sich das Aussterben der bayerischen Wittelsbacher abzeichnete, waren es die Franzosen, die in den bayerischen Archiven Nachforschungen anstellten. Die Tätigkeit der französischen Diplomaten und Gelehrten Du Buat und pfeffel in München galt der Erforschung der österreichischen Erbrechte auf Bayern 42 1778 und 1784/85 stellte sich der französische Außenminister Vergennes gegen die Tauschpläne. Er schickte 1787 Christian Friedrich Pfeffel nach Zweibrücken, um mit einem Angebot von 500000 fI das Angebot Josephs von 350000 fI jährlicher Subsidien an den Herzog zu überbieten. Als der schon genannte Graf Woronzoff den französischen Botschafter in St. Petersburg nach dem Abschluß des Fürstenbundes zu sich bat und ihm Vorhaltungen wegen der zweideutigen Haltung Frankreichs machte, antwortete ihm dieser, "daß dem allerchristlichsten König nichts anderes am Herzen liege, als die Freundschaft zu beiden kaiserlichen Höfen", machte aber die Einschränkung, "solange sie keine Vergrößerungen vorhätten"43. Das war aber nur die halbe Wahrheit. Der französische Gesandte in Mainz, OKelly, galt sowohl Trauttmansdorff als auch Romanzoff als ein Anhänger des Fürstenbundes". In dieser Hinsicht liefen auch Fäden über London 45 . Kaunitz bezeichnete mehrfach Frankreich als den großen Gegenspieler im Reich 46 . Dies wird durch die französischen Akten bestätigt. Vergennes signalisierte am 28. August 1785 dem französischen Diplomaten in Regensburg, Louis Theodore Herissant, "que Catherine se-

Balmnd Alierhach, La France et le Saint Empire Romain Germanique depuis la paix de Westphalie jusqu'i! la Revolution fran~aise (Paris 1912). 41 Vgl. Andreas KrallS, Die historische Forschung an der kurbayerischen Akademie der Wissenschaften (München 1959) 28. H Bericht Cobenzl St. Petersburg 21.7.1785, Staka Rußland II/63, Wien. 4-i Im Bericht vorn 23.1./3.2.1786 gibt Romanzoff eine eingehende Schilderung der französischen Politik. Als der Fürst von Anhalt-Dessau bei einer Audienz beim englischen König im Dezember 1785 in London die Anregung gab, doch Frankreich stärker gegen die Umtriebe der beiden kaiserlichen Höfe im Reich zu mobilisieren, gab ihm dieser zu verstehen, Vergennes werde alles tun, um die Absichten Österreichs und Rußlands im Reich scheitern zu lassen. Beziehungen Rußlands zu Frankfurt/Main 40, Moskau. 4\ In seinem Bericht vorn 3./14.7.1786 schreibt Romanzoff, Dalberg habe ihm versichert, daß der französische Gesandte OKelly gegen ihn intrigiere. Ebenda. 46 Weisungen an Trauttmansdorff vorn 19.2.1786 und 7.2.1787, WidR Staka, Wien. Pavd P. v. Lllilroj{mov,joseph Ir., seine politische und kulturelle Tätigkeit, Bd. 1 (Wien, Leipzig 1910) 181, sieht in der französischen Haltung zur Tauschfrage und zum Fürstenbund den Beginn des endgültigen Erkaltens der österreichisch-französischen Allianz. 41

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conde a un grand desir de s'immiscer dans les affaires de I'Empire et surtout de s'etablir garante des traites de Westfalie"47. Die französiche Reichspolitik war zwar von Joseph II. beunruhigt und versuchte, ihr über Preußen, teilweise auch über England, entgegenzuwirken. Im Grunde ging es aber um das Zusammenwirken der beiden Kaiserrnächte, die Frankreich beunruhig_ ten. Vergennes befürchtete eine enorme Machtsteigerung Österreichs, wenn es dem Kaiser gelang, mit Hilfe Rußlands seine Pläne im Reich zu verwirklichen. In einem sehr subtilen Spiel verhinderte er Erfolge des Kaisers. Diese Politik lief aber zum großen Teil über die großen Höfe 48 . Von einer auf Frankreich eingeschworenen Klientel am Ende des 18. Jahrhunderts kann daher, soviel ich sehe, keine Rede sein.

e) Die Klientel Englands Bis zu einem gewissen Grad gehört hier auch England in den Kreis der europäischen Großmächte. Die im Reich eine eigene Politik betrieben und eine Anhängerschaft besaßen. Schon beim Vorgehen des Kaisers gegen Pass au 1783 hatte sich Hannover zum Fürsprecher der bedrohten geistlichen Fürsten gemacht 49 . Kurz vor Abschluß des Dreikurfürstenbundes, der das Kernstück des Fürstenbundes bildete, versuchten mehrere kleine Fürsten, Hannover zur Vormacht des Fürstenbundes zu machen'o. Dazu waren aber die Verhandlungen zu weit fortgeschritten. Der Versuch, innerhalb des Fürstenbundes eine eigene Klientel zu bilden, wobei sich auch Hannover um einige geistliche Fürsten wie den Fürstbischof von Würzburg bemühte, führte nicht weiter. Allerdings sind Hessen-Kassel und Baden nur über Hannover dem Fürstenbund beigetreten. Die russischen Bemühungen, zwischen England und Österreich ein Bündnis zustande zu bringen, waren auch darauf gerichtet, den Fürstenbund aufzulösen'!. Kaunitz, der ein tiefeingewurzeltes Mißtrauen gegen England hatte, lehnte diesen Vorschlag mit Empörung ab. Zwischen Hannover und Hessen-Kassel blieb jedoch eine so enge Verbindung bestehen, daß Romanzoff berichtete, nur über London wäre etwas beim Landgrafen Wilhelm IX. zu erreichen, "der den preußischen König nicht liebt, dem Kaiser gegenüber verbittert ist, Frankreich haßt und ein Freund Englands in der Hoffnung ist, Subsidien zu erhalten"52. Würde Hannover aus dem Fürstenbund ausscheiden, so würde der Landgraf folgen und versuchen, mit Hannover zusammen eine eigene Partei zu gründen. Zum Ausbau einer hannoverschen, beziehungsweise englischen Klientel im Reich ist es jedoch nicht gekommen. Ansätze dazu gab es noch einmal, als Hannover zu Beginn der Revolutionskriege in Regensburg eine eigene, von Mißtrauen gegen die Vergrößerungsabsichten Österreichs und Preußens gerichtete Politik am Reichstag zu Regensburg betrieb, doch blieb dies Episode.

47 Vgl. Allerbach (wie Anm. 41) 415. 48 49

,0

51 52

Über die Absichten Frankreichs im Reich vgl. ebenda, 417 f. Vgl. v. Aretin (wie Anm. 19) 140f. Ebenda, 182. Weisung Kaunitz an Cobenzl vom 25.6.1785, Staka Rußland I1/63, Wien. Bericht vom 20./31.1.1786, Beziehungen Rußlands zu Frankfurt/Main 40, Moskau.

Die Großmächte und das Klientelsystem im Reich

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Zusammenfassung Durch den Westfälischen Frieden und seine Garantiebestimmungen schien dem ausländischen Einfluß im Reich Tür und Tor geöffnet. Tatsächlich gelang es aber Kaiser Leopold 1., das Reich wieder soweit in den Griff zu bekommen, daß das Reich nicht gegen den Kaiser organisiert werden konnte. Diese Entwicklung hielt bis zum Frieden von Hubertusburg an. Danach war Preußen als die zweite deutsche Großmacht fest etabliert. Im Teschener Frieden wurde Rußland zur dritten Garantiemacht der Reichsverfassung. Ein System schien sich abzuzeichnen, in dem die beiden deutschen Großmächte von den zwei mächtigen Garantiestaaten Frankreich und Rußland flankiert wurden. Da Frankreich und Rußland Verbündete Österreichs waren, schien ein bedrohliches Übergewicht des Kaisers gegeben. Katharina II. ging auch offensichtlich darauf aus, durch ihre Hilfe den Kaiser in die Lage zu versetzen, seine Ziele, wie den Tausch Bayerns gegen die österreichischen Niederlande, durchzuführen. Sie konnte nicht begreifen, daß Joseph I1. bereits im Frühjahr 1785, als sich ein massiver Widerspruch erhob, den Plan fallenließ. Ebenso fassungslos stand Romanzoff vor der Tatsache, daß Dalberg den Beitritt zum Fürstenbund wagen konnte, ohne daß der Wiener Hof dagegen Maßnahmen ergriff 5J In diese merkwürdige Situation, in der sich Preußen im Fürstenbund, Österreich in einem Gegenbund, Rußland mit eigenen Plänen, Frankreich, wenn auch sehr zurückhaltend, um eine Klientel bemühten, und England über Hannover eine eigenständige Reichspolitik betrieb, gab es ein gesteigertes eigenständiges Interesse der Reichsstände an der Reichsverfassung. Tatsächlich änderte sich trotz dieser massiven Einflüsse aber so gut wie nichts. Die Reichsreformbewegung flüchtete sich vor der Übermacht der beiden Kaiserhöfe in den Fürstenbund, den Preußen und Frankreich dazu benutzen, um den Einfluß des Kaisers im Reich zu zerstören. An einer wie immer gearteten Reichsreform hatten sie kein Interesse H Dies gilt auch für England/Hannover, das in erster Linie an der Erhaltung und nicht an der Reform der Reichsverfassung interessiert war. Im Endergebnis war die Zusammenarbeit Österreichs mit Rußland für die österreichischen Pläne nur hinderlich, weil deren Übermacht Mißtrauen erweckte. Der Plan Katharinas, im Bündnis mit beiden deutschen Großmächten eine Art Schiedsrichterrolle in Deutschland zu erreichen, war mit ihrem Engagement in der Tauschfrage und dem Auftreten Romanzoffs in Zweibrücken zu Ende. Da offenbar hinter der Absicht Katharinas kein Plan stand, so blieb das Auftreten des russischen Gesandten im Reich ohne Folgen. Romanzoff beschwerte sich mehrfach darüber, daß er in die russische Politik nicht eingeweiht sei 55 . jJ In einem langen, französisch geschriebenen Bericht an die Kaiserin vom 31.10./11.11.1787 schildert er mit allen Ausdrücken des Erstaunens, daß sich im Reich jederman alles gegen den Kaiser herausnehmen könne. AA., Bd. 49, Moskau. ;4 Folgt man Allerbc1cl; (wie Anm. 41) 417 f., so war das Interesse Frankreichs an einer von den kleineren Ständen bestimmten Reichsreform sogar größer als das Preußens. ;5 So heißt es in seinem Bericht vom 1./12.5.1786: "Da ich keine Ahnung von den Beziehungen Rußlands zu anderen Höfen habe, begehe ich öfter Fehler." Beziehungen Rußlands zu Frankfurt! Main 43, Moskau.

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Andererseits schadeten die Bemühungen Frankreichs, Rußlands, Englands und Preußens, im Reich eine Klientel zu gewinnen, dem Ansehen des Kaisers erheblich. Es gelang zwar Leopold II. in erstaunlich kurzer Zeit, das kaiserliche Ansehen wiederherzustellen. Aber auch er stand in der Konkurrenz zu den drei anderen Mächten und mußte selbst bei den geistlichen Fürsten und kleineren Reichsständen gegen deren Einfluß ankämpfen. Innerhalb des Prozesses der Auflösung des Reiches ist dies eine bisher auch von mir übersehene Entwicklung, die das Reich stärker in die Politik der Großmächte einband, als ihm guttat. Es würde sich lohnen, dem Einfluß der Großmächte auf das Reich und des Reiches auf die Politik der Großmächte näher nachzugehen, was hier nur skizzenhaft gezeichnet werden konnte.

H. Soziale Verflechtungen in England, Frankreich und den Niederlanden unter den Gesichtspunkten Hochadel, Beamtenschaft und Staat Einleitung zur Diskussion

Antoni M(}czak Patronage 1m Herzen des frühneuzeitlichen Europa Die Beiträge zu jenen Ländern, die als der nordwestliche Teil des europäischen Kernlandes definiert werden können, sind so unterschiedlich, wie vermutlich auch die jeweiligen Untersuchungsgegenstände. Denis Richet konzentriert sich auf einen Typus von Patronage-Beziehungen, der für die "gens de robe" charakteristisch war. Die Niederlande stellten sich in der fraglichen Zeit als ein besonders komplexes System von Fürstentümern dar, die vom 15. bis 17. Jahrhundert tiefgreifende politische Veränderungen erfuhren. Der Beitrag von Wim Blockmans konzentriert sich auf die kritische Periode nach der Katastrophe von Nancy, während Helmut Koenigsberger eine andere politische Krise und einen anderen methodischen Ansatz gewählt hat. Viktor Morgan schließlich präsentiert uns in äußerst prägnanter, auf die Beschreibung äußerer Gegebenheiten weitgehend verzichtender Form eine Fülle von Klientelsystemen und greift dabei die tiefverwurzelten Überzeugungen der eigenen Zunft in England heftig an. Die meisten, vielleicht auch alle Formen und Funktionen von Patronage, die hier erwähnt werden, sind auch von anderen Ländern bekannt. Das interessante an Frankreich, den Niederlanden und England aber ist, daß dort eben jene verschiedenen Formen von Patronage in ein und demselben Land vorkommen. Das, was uns diese Beiträge zeigen, ist, daß gerade durch die Koexistenz verschiedener Patrollagearten das Patronage-Muster eines Landes bestimmt wird. Am Beispiel England zeigt sich dies besonders deutlich. Die Tudors bekämpften konsequent den Typus des Subklientelismus, der für die Mechanismen lokaler Einflußnahme so charakteristisch war. Dieser erinnert bisweilen an eine Art "bastard feudalism", wie wir ihn aus einem Pachtvertrag

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in Wales (1585) kennen, demzufolge der Pächter ausschließlich die Tracht seines Herrn tragen und für ihn oder seinen Kandidaten stimmen mußte. In diesem besonderen Fall steht die Tracht als äußeres Zeichen von Loyalität für einen moderneren Typus des Klientelismus, der erst im "korrupten" hannoverianischen Zeitalter zur Blüte gelangte. Lassen Sie mich nun - indem ich auf die Beiträge über Polen vorgreife - Ihre Aufmerksamkeit auf eine ziemlich auffallende Analogie zwischen den zeitgenössischen Wahlmechanismen in diesen, in anderer Hinsicht so unterschiedlichen Ländern lenken. Ein umfassendes Wahlrecht, das in Polen für alle erwachsenen, als Adelige anerkannten Männer galt, trug stark zu einem Anwachsen von Patronage bei. Genauer gesagt, es stellte das Gleichgewicht her zwischen den Forderungen der möglichen Klienten nach Geld und materieller Unterstützung und dem Wunsch der Landbesitzer nach demonstrativer Unterstützung bei Wahlen. Es steht so gut wie außer Zweifel, daß gerade das liberale Wahlrecht die Bindungen Landadeliger untereinander, und zwar auch solcher, die in der Hierarchie weit voneinander entfernt waren, zumindest zeitweise, stärkte. In einigen Fällen bedeutete es für clevere und lokal einflußreiche Kleinadelige eine Art Druckmittel, um die Großen zu fetteren Geldgeschenken zu animieren (oder sogar zu erpressen). Dies muß nicht gleichermaßen charakteristisch für die Ära der "alten Korruption" in England sein, aber Hermann Wellenreuthers kürzlich erschienene, meisterhafte Studie über Landbesitzer und Wahlmechanismen hat mich von einer grundsätzlichen Analogie zwischen beiden Ländern hinsichtlich dieser besonderen Mechanismen überzeugt. "Wahl-Patronage" verdient mehr Aufmerksamkeit, weil sie - aber dies ist nur eine Hypothese - die Patrone zwang, ihre Klientelschaft über die täglichen ökonomischen Interessen hinaus zu erweitern. Morgan beweist mit seinem Beitrag Mut, wenn er die unterschiedlichen Arten von Patronage in ihrer wechselseitigen Beziehung diskutiert. Er zeigt auch, wie komplex dieses unser Thema ist, insbesondere wenn man versucht, die verschiedenartigen Klienteltypen mit ihren entsprechenden Rollen zu den jeweiligen Gesellschaften und Machtsystemen in Beziehung zu setzen. Zu den bekanntesten Beispielen zählen dabei die Minister und Hofgünstlinge unter Königin Elisabeth und James 1. Die Patronage-Mechanismen, die Walsingham, Burghley, Essex, Salisbury und Buckingham benutzten, waren einander ziemlich ähnlich. Dennoch gibt es sicher Historiker, die bestreiten würden, daß sie in ihrer Bedeutung für den Staat alle gleich waren. Einer der Hauptunterschiede bestand vermutlich in der Beziehung des einzelnen Patrons zum Herrscher, noch wichtiger aber war aller Wahrscheinlichkeit nach die jeweilige Auffassung von Politik und Staatsgeschäften. Es wäre wenig sinnvoll zu fragen, ob Burghley Elisabeth und Salisbury ihrem Nachfolger näherstanden als Buckingham dem letzteren. Das Problem ist, daß die Cecils viel mehr von Staatsraison verstanden (was immer damit gemeint sein mag) als der Villiers Clan. Ein ähnlicher, aber doch anders gearteter Fall begegnet bei Kardinal Richelieu, wo sich das Problem rivalisierender Patronage-Verbindungen bei Herrscher und Minister ebenfalls stellt. Das Gesamtbild von Patronage-Strukturen in einzelnen Ländern wird nicht nur von den verschiedenen historischen Realitäten, sondern auch von den sehr unterschiedli-

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ehen Einstellungen historischer Schulen zu diesem Thema bestimmt. In keinem anderen Land wurde Patronage so lange und genau studiert wie in Frankreich. In dieser Hinsicht sind wir alle Professor Roland Mousnier und seiner Schule zu großem Dank verpflichtet. Mousnier gehört in der Tat zu den wenigen Historikern, die sich im Rahmen ihrer Interpretation von Politik und Gesellschaft zu Beginn der Neuzeit ganz auf Patronage konzentrierten. Seine Schlußfolgerungen bezüglich Frankreich wurden in zahlreichen Fallstudien auf andere Länder des Westens ausgedehnt. Ich glaube nicht, daß Mousnier das Phänomen sozialer Verflechtung überbetont hat, vielmehr bin ich der Ansicht 1. daß man Standesgesellschaft und Patronage nicht als Beziehungsgeflecht betrachten sollte, das mit der Existenz sozialer Klassen an sich unvereinbar ist; 2. daß die Unterscheidung zwischen "maitre-fidele" und "protecteur-creature" bestenfalls ein Charakteristikum für Frankreich sein kann (wenn man zwischen beiden Begriffen überhaupt so scharf trennen will); 3. daß die Patron-Klient-Beziehung - in ihrer Wechselbeziehung von Professor Mousnier klar erkannt - unter bestimmten Bedingungen relativ flexibel war; ein Klient war sich bewußt, daß er mehreren Patronen "fidele" sein konnte, ebenso war ihm klar, daß er seine Loyalitäten wechseln konnte. Ad.l Die Frage von Patronage vs. Klassenunterschiede wird in unserer Diskussion erneut zur Sprache kommen. Es gibt darauf wahrscheinlich nicht nur eine Antwort, weil Patronage in manchen Fällen vorwiegend Nachbarschafts-Loyalitäten bezeichnet, bisweilen aber auch ein die ganze Nation umfassendes "broker"-System meint. Aber während eine Patronage, die man "Schutz"-Patronage nennen könnte, dazu tendiert, scharfe Klassenunterschiede auszugleichen und lokale Konflikte zu glätten, ähnelt eine gewaltsame Patronage, die vom stärkeren Partner erzwungen wird, nicht nur der Manifestation eines scharfen Klassenkonfliktes, sie ist vielmehr eine derartige Manifestation. Diese Art von Patronage liegt freilich außerhalb des französischen Forschungsfeldes über "fidelites". Sie ist allerdings in italienischen Studien über Patronage relativ stark vertreten. Vor allem Giorgio Chittolini hat sich in dieser Hinsicht besondere Verdienste erworben. Ad.2 Nachfolgendes stellt eine Schlußfolgerung aus dem dar, was gerade über Gepflogenheiten der Patronagerhetorik gesagt wurde. Eine Vorbedingung für die Unterscheidung zwischen "fideIe" und "creature" ist ein fortgeschrittenes Stadium der Bürokratisierung, in dem "fidelite"-Beziehungen in hohem Maße auf Personen beschränkt sind, die nicht in das Netz öffentlicher und privater Ämterbeziehungen eingeschlossen sind. Sogar das französische Vokabular der Ära Richelieus scheint dieser Unterscheidung zu widersprechen. Nach Pontis, den Mousnier zitiert, wünschte Richelieu, daß seine Beamten nur ihm "fidele" wären; aber waren sie nicht seine "creatures"? Man wird, selbst wenn man die unterschiedlichen Formen von Höflichkeitsbezeugungen und Zeremoniell berücksichtigt, die jeweilige Zeit nicht dadurch besser verstehen, daß man das in den Quellen verwendete Vokabular zur Klassifizierung menschlicher Beziehungen benutzt. Auf diesem Wege wird man bestenfalls zu einer genaueren ErforSchung der zeitgenössischen Phraseologie kommen. Man könnte fragen, ob diese Betonung, die auf die ausdrückliche Erklärung von Treue und Liebe gelegt wird, gerecht-

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fertigt ist. In welchem Maße spiegelt sie die wahre emotionale Verbundenheit des Klienten zum Patron wieder? Man darf natürlich eine echte emotionale Verbundenheit in einigen Fällen nicht ausschließen - ein Beispiel etwa ist Fabian Burggraf von Dohna. In seinen Memoiren beschreibt er höchst anschaulich nicht nur seine Zuneigung zu Heinrich IV. (und welcher fahrende Ritter dieser Zeit hätte dem "charme de son panache blanc" widerstehen können?), sondern auch seine Abneigung gegen seinen eigenen, früheren, kurzzeitigen Patron, Stefan Batory, den König von Polen ungarischer Abstammung (und gegen die polnische Nation im allgemeinen). Es scheint mir eine akzeptable Arbeitshypothese zu sein, daß viele (wenn nicht alle) Zeichen der Zuneigung gegenüber einer höhergestellten Person - dem Patron - nur Konvention waren. War es nicht, zumindest in einigen Fällen, ein zynischer Weg, eine erwünschte Patronagebeziehung herzustellen? Daß größte Vorsicht geboten ist, zeigen einschlägige Texte aus Polen-Litauen, wo die Rhetorik des Klientelismus gut entwickelt und sehr konventionell war. Ad.3 Im Frankreich des frühen 17. Jahrhunderts war es irgendwie möglich, Klient zweier Herren zu sein, auch wenn diese in offenem Streit miteinander lebten. Da es den Kontrahenten in den seltensten Fällen darum zu tun war, ihre Sache baldmöglichst einer friedlichen Entscheidung zuzuführen, kann man nur schwer verstehen, wie ein Klient in derartigen Situationen mit seinen angeblich starken Gefühlen für seine Beschützer zurecht kam. Im Hoch- und Spätmittelalter waren die modernen Patronagebeziehungen denselben Veränderungen unterworfen wie die Feudalbeziehungen. Patronage verlor als Element hochgradig komplexer Beziehungsstrukturen auf einem bestimmten Grad der sozialen Hierarchie ihre Simplizität. Man kann annehmen, daß geteilte Loyalitäten kaum möglich waren, wenn Klienten in die Interessenssphäre ihrer Patrone integriert waren, so etwa, wenn sie von ihnen durch Pacht oder Besitz abhingen. Wo immer Klientelismus andererseits einer Dienst-Beziehung (im strengeren Sinne) ähnelte, konnte der Wechsel von Patronen zur Routine werden. Dies war in Kastilien der Fall, was Claude Marie Gerbet meisterhaft beschreibt, und auch an Magnatenhöfen in Polen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Für das Frankreich des 16. Jahrhunderts scheint charakteristisch gewesen zu sein, daß ein Landadeliger in seinem Schloß ein gutes Leben führen und dieses genießen konnte, so wie uns das Michel de Montaigne in höchsten Tönen preist. Der gleiche Landadelige tat aber vermutlich gut daran, sich um Protektion umzusehen, wenn Gefahr aufzog, vielleicht war er dann sein "vie retiree et particuliere" auch leid und wünschte, es aufzugeben. Klientelbeziehungen waren gang und gäbe; für die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts lassen sich Klientelcliquen auch deutlich abgrenzen. Was meines Wissens allerdings noch immer unklar bleibt, ist die Stabilität, die Dauerhaftigkeit derartiger Bande. Wie oft wurden Beziehungen dieser Art auf Grund veränderter konfessioneller Gegebenheiten neu geknüpft? Richets Primärinteresse richtet sich auf die Rolle der "robins" im klientelen Bezugssystem und im besonderen auf deren Beziehungen zur "haute noblesse". Einige Fragen bleiben jedoch offen. Wie üblich sind auch hier die Ursprünge des Phänomens besser bekannt als die Gründe seines Untergangs. Zu fragen bleibt: Was geschah mit der Patronage während der Fronde? Lloyd Mootes Buch über "A Revolt of the Judges" erwähnt Patronage kaum; auch

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in e Rezensenten werfen diese Fragen nicht auf. Mme. Cubell war der Ansicht, daß n'est pas un hasard (...) si la compagnie s'est alliee aux representants les plus emi" en ts de la noblesse frans:aise" gegen die Politik Mazarins. "Leur alliance s'insere donc ~orrnalernent dans le courant de revolte des privilegies du royaume." Dies würde eine Gleichrangigkeit der Beziehung bedeuten, und zwar gleichrangig auf Grund der besonderen Stärke des "parlement" als rebellierender Zusammenschluß in einer rebellie-

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renden Stadt. Der persönliche Herrschaftsstil Ludwigs XIV. zerstörte die meisten der traditionellen Strukturen des Klientelismus. Anders als seine Vorgänger und deren Kardinäle tolerierte der Sonnenkönig keine patrimonialen klientelen Beziehungen, die den Aufbau eines broker-Systems bedeutet hätten; ebensowenig benötigte er die Patronage seiner Minister und/oder Berater, um seinen Staat zu schützen. So wenigstens scheint es, weil die vor- und frühabsolutistische Ära in dieser Hinsicht viel genauer erforscht wurde. Aber schuf die absolutistische Bürokratie nicht ihre eigenen Formen von Patronage? Ludwig XlV. war der Patron. Wie groß aber war die Klientelpyramide, deren Spitze er darstellte? Beide Beiträge, die den Niederlanden gewidmet sind, zeigen uns ein Land, das sich sehr von Frankreich und England unterscheidet. Blockmans konzentriert sich hauptsächlich auf das 1 S. Jahrhundert und besonders auf die mit dem unheilvollen Jahr 1477 in Zusammenhang stehenden Gegebenheiten. Zu dieser Zeit schien Patronage ein wichtiges Machtmittel in den Händen der burgundischen Regierung gewesen zu sein. Politische Unterstützung, die die Klienten boten, wurde als ein Teil des politischen Handeins verstanden. Die Käuflichkeit herzoglicher Ämter (weltlicher und kirchlicher) wurde von den Ständen (d. h. von den Städten) als dreiste Korruption betrachtet. Blockmans unterstreicht die Bedeutung des broker-Systems (des aktiven wie des passiven), das auf herzoglichem, kirchlichem oder sogar städtischem Patrimonium beruhte, cl' erwähnt aber auch, daß "the great feudal lords could afford patronage with their own resources". Dies könnte besonders wichtig in der späteren Periode gewesen sein, die von Professor Koenigsberger behandelt wird. Sein Thema ist in erster Linie der Kampf zwischen zwei politischen Patronen: Kardinal Granvelle und Wilhelm Prinz von Oranien. In dieser Zeit spielten - zumindest in den südlichen Provinzen der Niederlande - die Provinzgouverneure, die sich ihrer Familienverbindungen zum niederen Adel bedienten, die zentrale Rolle in den patrimonialen Beziehungssystemen. Die Krise in der Mitte des Jahrhunderts zwang die Adeligen, ihre Position zu verteidigen "by expanding their local power base and/or by attempting to capture control of their central government". Beide Strategien "hinged crucially on the control of patronage". Der Hochadel schien mit seiner Fähigkeit, Freunde und Anhänger um sich scharen zu können, ziemlich zufrieden gewesen zu sein; dies war zumindest die Meinung Aerschots, und Granvelle glaubte, daß die Seigneurs immer noch großen Einfluß auf ihre sozial unter ihnen stehenden Nachbarn und selbst auf körperschaftlich organisierte Klienten, d. h. Stadtratsversammlungen, besaßen. Die allgemeine Frage, die hier gestellt werden sollte, ist die nach dem Alter und der Dauerhaftigkeit dieser Situation. Vielleicht noch allgemeiner: nach der Art und Weise, wie Patronagebeziehungen in

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Spannungszeiten und während politischer Krisen sich gestalteten. In einem kürzlich erschienenen Essay über Wilhelm von Oranien billigt Dr. Nierop der Patronage als einem Machtmittel der protestantischen Partei eher geringe Bedeutung zu. Möglicher_ weise bedarf Patronage, um existieren zu können, eines gewissen Grades von Stabilität oder zumindest der Aussicht auf Stabilität. Allerdings könnte man mit gleichem Recht auch sagen, daß potentielle Klienten gerade in Krisenzeiten und bei drohender Gefahr um Protektion nachsuchen. So ist es wohl besser, vorschnelle Generalisierun_ gen zu vermeiden. Menschliche Reaktionen - in diesem Fall die Strategien der Klienten - hängen von zu vielen Variablen ab, um vorhersehbar zu sein. Dies mag zu einigem Zweifel an allzu weitreichenden Thesen über den Klientelismus berechtigen, Thesen vor allem, die von Sozialwissenschaftlern aufgestellt wurden, welche mit dem begrenzten Aussagewert ihrer Studien unzufrieden waren. Doch bleibt noch immer die Frage, in welchem Ausmaß die Adelspatronage, wie sie Koenigsberger schildert, zurückprojeziert werden kann. Was geschah mit ihr während und nach der Befriedung der südlichen Provinzen der Niederlande durch die Spanier? Wurde sie durch einen anderen Patronagetypus mit anderen Patronen ersetzt? Mein allgemeiner Eindruck von den beiden Beiträgen über die Niederlande ist, daß darin zwei verschiedene Länder behandelt werden, obwohl das eigentliche Unterscheidungsmerkmal die Chronologie und nicht die Geographie ist. Das hängt damit zusammen, daß beide Autoren sich auf sehr spezifische Situationen konzentrieren und daß sie bestimmte Typen der Beziehungen und bestimmte Aktionen in den Mittelpunkt stellen. Solche Fallstudien sind höchst aufschlußreich, und sie sollten eigentlich Hand in Hand gehen mit strukturell-typologischen Analysen, wie sie im Beitrag Victor Morgans geboten werden. So drängt sich eigentlich die Frage auf: Welche anderen Patronage-Beziehungen existierten noch in den Niederlanden und wie veränderten sie sich im Laufe der Zeit? Natürlich frage ich mich gleichzeitig, ob eine Antwort auf diese Frage unser wirkliches Ziel sein sollte. Wir untersuchen die Patronage. Aber ich glaube nicht, daß wir es nur um der Patronage willen tun. Es könnte gefährlich sein, sich in sein bevorzugtes Forschungsthema zu verlieben. Die Patronage ist ein besonderes Thema auch deshalb, weil sie als eine Form der Macht stets in unterschiedlichen Verbindungen mit anderen Faktoren und Phänomenen erscheint. Ihre Typologie ist von Bedeutung nicht um ihrer selbst willen, sondern weil sie allgemeinere Veränderungen und Unterschiede gesellschaftlicher Beziehungen reflektieren könnte. Eine Lektion, die wir aus der Entwicklung in den Niederlanden wohl lernen können, scheint zu sein (ich bin versucht, hier eine Hypothese zu wagen), daß, anders als in Großbritannien etwa, Patronage dort schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts im Zuge der Modernisierung verschwand. Könnte es so gewesen sein, daß sie auf Grund der schnellen und tiefgreifenden Entwicklung der Geldwirtschaft veraltete? Oder daß starke Staatsstrukturen ihr ein Ende setzten? Oder darf man zwischen beiden Prozessen gar nicht trennen? Künftiger Forschung möchte ich eine parallele Studie über Verflechtungen - oder Vernetzungen - in beiden Teilen der Niederlande des 17. Jahrhunderts vorschlagen. Möglicherweise wird uns ein Forscher, der sich mit niederländischer Wirtschaft be-

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schäftigt, eines Tages die Frage beantworten können, ob die ökonomische Expansion der vereinigten Provinzen zu dieser Zeit ohne Patronagebeziehungen ausgekommen , t' ob die wirtschaftlichen Verbindungen, wie sie zwischen den Amsterdamer Kauf~, " leuten und ihren Partnern in Ubersee bestanden, rein kommerziellen Charakter besaßen, und wie die Patrizier ihre Macht ausübten,

Victor Morgan Some Types of Patronage, Mainly in Sixteenth- and Seventeenth-Century England I The purpose of this paper is to outline a tentative taxonomy and in the process to review the current state of the literature on the study of patronage and clientage in England in this period 1. Secondly, it also tries to indicate possible items to be included on an agenda for future research. In the process of pursuing these ends I hope that it will become evident that an approach to the period through the study of this topic may integrate a number of what are, at present, rather fragmented studies in political, religious and cultural history2. More generally, the study of patronage provides an opportunity for communication between what over the past twenty years have evolved into rather isolated approaches to the period : the new social-historian lions may yet lay down with the poljtical-history lambs (of both the traditional and the revisionist flocks)

I This paper is much indebted to the stimulus received from the writings of a number of anthropologists and political scientists. See in particular, lvJichael Banton (ed.), The Social Anthropology of Complex Societies (Association of Social Anthropologists Monographs 4, London 1%6); J ClJde IUilibell (ed.), Social Networks in Urban Situations (Manchester 1969); A. Blok, "Variations in Patronage", in: Sociologische Gids 16 (1969) 365-378; E. G. Bailcy(ed.), Gifts and Poison: Thc Politics of Reputation (Oxford 1971);jerem)' Boissevain, Friends of Friends: Networks, Manipulators and Coalitions (Oxford 1974); Ernst Gellnerandjohn lPaterblll)!(eds.), Patrons and Clients in Mediterranean Societies (London 1977); Steifen W. Schmid!, Laura Guast/; Carl H. Lande andjames c: Scott (eds.), Friends, Followers, and Factions: A Reader in Political Clientelism (Berkeley, Ca. 1977); S. N. Eisenstadt and Louis ROlligo; "Patron-Client Relations as a Model of Structuring Social Exchange", in: Comparative Studies in Society and History 22 (1980) 42-77; S: N. Eisemtadt and Rene Lemarchand (eds.), Political Clientelism, Patronage and Development (Beverley Hills, Ca. 1981). 2 Thus far, there has been no overall attempt to integrate the study of the diverse areas of patronage and clientage in Early Modern England. For a discursive introductory bibliography see Vietor iHO/gall, "Alcuni generi dei patronato, in generale nei secoli seicentesimo e settecentesimo in Inghilterra", in: Chairon (forthcoming).

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in the pastures provided by the study of patronage 3 . In this paper I wish to pursue these purposes by foeusing on two issues: the periodisation of different types of patronage proeesses, and the assoeiated and erueial issue of the relationship between the eentre and periphery of politieal power.

II One of the problems in eurrent diseussion of the nature and development of patronage in England is that there is an impreeise use of terminology, and eonsiderable vagueness in the delineation of ehanges in the charaeteristies of patron-dient relationships. Of course, one reason for this is that of the Weberian trivium - wealth, status and power 4 - it is power that is the most diffieult to pinpoint and analyse. It is with

For the debate between the traditional political historians and the "new" social historians see the now classic manifestoes on the one hand, in, G. R. E/ton, The Practice of History (Sydney 1967) and on the other, Peter Las/et!, The Wodd we have lost (London 1965, and later editions), and Lawrence Stone, The Crisis of the Aristocracy 1558-1641 (Oxford 1965) and more broadly Lawrence Stalle, "The Revival of Narrative: Reflections on a New Old History", in: Past & Present 85 (1979) 3-24, reprinted i.n Lawrence Stone, The past and the present (London 1981) 74-96. For the debate over the direction taken by the recent revival of interest in Tudor and more especially, early Stuart parliamentary history see Conrad RIISSdl, "Parliamentary History in Perspective, 1604-1629", in, History LXI (1976) 1-27; Conrad Russe/I, Parliaments and English Politics 1621-1629 (Oxford 1979); Kevin Sharpe (ed.), Faction and Parliament: Essays on Early Stuart History (Oxford 1978) - especially the two essays by Sbarpe in this volume, 1-42,209-244; Ptlii/ Christianson, "The Causes of the English Revolution: A Reappraisal", in:Journal 01 British Studies XV (1976) 40-75;John K. Gruenfeldn; "The Electoral Patronage 01 Sir Thomas Wentworth, Earl 01 Strafford, 1614-1640", in:Journal 01 Modern History 49 (1977) 557-574; Pali/ Cbristiallson, "The Peers, the People and Parliamentary Management in the First Six Months 01 the Long Parliament", op. cil., 617-640;James E. farnell, "The Social and Intellectual Basis 01 London's Role in the English Civil Wars", op. cil., 641-660; G. R. E/ton, "Parliament in the Sixteenth Century: Functions and Fortunes", in: The Historical Journal 22 (1979) 255-278. There is evidence that the revisionists have not yet carried the day. See J H. Hexter, "Power Struggle, Parliament and Liberty in Early Stuart England", in:Journal of Modern History 50 (1978) 1-50; Derek Hin", "Unanimity in the Commons, Aristocratic Intrigues, and the Origins 01 the English Civil War", in:]. M. H. 50 (1978) 51-71; Rober! Zalln; "Thc Concept 01 Opposition in Early Stuart England", in: Albion 12 (1980) 211-234; Austill JPoo/r)'ch, "Court, Country and City Revisited", in: History 65 (1980) 236-245; Derek Hirst, "Parliament, Law and War in the 1620s", in: The HistoricalJournal 23 (1980) 455-461;J H. Hexter, "The Not-So-New-Men", in: New York Review of Books (18 December 1980) 58-61 - review 01 Rlissell's Parliaments and English Politics. For further criticisms 01 revisionism see Theodore K. Rabb, "The Role 01 the Commons", Derek Hirst, "The Place of Principle", Christopher Hili, "Parliament and People in Seventeenth-Century England", in: Past & Present 92 (August 1981) 55-124. The present author has also criticised the revisionists on both specific points and general assumptions, see Vietar iHorgall, "Country, Court and Ca mbridge University, 1558-1640: a Study in the Evolution 01 a Political Culture" (UEA-Norwich Ph. D. 1983) 1-44. 4 Ei Ei Gertb and C IPr(i{bt iHillJ (eds.), From Max Weber: Essays in Sociology (1946; Ncw York 1958) 159-195; lP. G. Runeiman, Social Science and Political Theory (1963; Cambridge 1969) 135-155; Stanislau Andreski; Max Weber's insights and errors (London 1984) 96-98. 3

Some Types of Patt·O!lage

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ow er, and its acquisition, distribution and exercise, as embodied in dyadic relationthat we are primarily engaged wh~n we exam.ine patronage and clientage. ConteI11poraries such as Hobbes weil recogI1lsed th1S qUlcksIlver character of the phenomen on with which we are concerned: "For the nature of Power, is in this point, like to FaI11e, increasing as it proceeds; or like the motion of heavy bodies, which the further they go, make still more haste ... Reputation of power is Power; because it draweth with it the adherence of those that need protection."5 A further inhibition on the delineation of different types of dyadic power relationships arises in practice because many historians are still haunted by the ghostly shape of an outmoded periodisation. Essentially, this derives from a preoccupation with wealth, and changes in its generation and allocation, as the basic determinant, or as Merton describes it, the "loose factor", in bringing about changes in social formations 6 This is in spite of the fact that in their detailed work most historians of Western Europe have long since recognised the utility of a periodisation that acknowledges the existence of a distinct "early modern" era 7 • At the same time, amongst Marxist historians there has been the recurrent debate over the existence and relationship between ancient, asiatic, feudal and capitalist modes of production and of the process of transition from one to the other 8 . There has been particular unease about the extension in both space and time of "feudalism" as an omnium ga therum 9 . Despite this recognition and this unease, in their detailed work even those historians whose own findings undermine the existing schemata continue to perpetuate confusions about patronage deriving from these procrustean formulations. For example, in the past twenty years amongst historians of early modern England perhaps no one historian has been so fertile of hypothesis or productive of substantial - albeit controver-

~hips

, !lJOIIIClS HobbeJ~

Leviathan, ed. C. B. lHacphersoll (1651; Harmondsworth 1968) 150. Rober! K. Jllertoll, Social Theory and Social Structure (1949; 3rd edn., New York 1968). 7 Acknowledged, for example, by the distinguished series initiated by Cambridge University Press and under the general editorship of Professors} Ei. Elliott, Olwen Hufton and Ei. G. Koe1II:~sbetgel; "Cambridge Studies in Early Modern History". 8 Kar! il1m~\; Capital: A Critique of Political Economy (1867; Harmondsworth 1976) 452 n. 21, 914-6; David iHcLellan, Marx's Grundrisse (2nd. edn., London 1973) 83-85, 125-138; Kar! iHmx, Pre-Capitalist Economic Formations, ed. E.} Hobsbawm (London 1964) 60-64; Rodney Hi/toll (cd.), The Transition from Feudalism to Capitalism (London 1976) - the Dobb-Sweezy debate; EI/gene Kamenka and R. s: Neale, Feudalism, Capitalism and Beyond (London 1975); Ban)' Hindl/ess and Paul Hirst, Pre-Capitalist Modes of Production (London 1975) 260-307; Wil/iam H. Shaw, Marx's Theory of History (London 1978) 138-148; Paul Q. Hirst, Marxism and Historical Writing (London 1983) 91-125 - a critique of Anderson; R.} Holtall, The Transition Irom Feudalism to Capitalism (London 1985). For one Marxist historian's view of the impact 01 the transition from leudalism to capitalism on the state see V. G. Kirrnan, State and Society in Europe 1550-1650 (Oxford 1980). 9 Hobsbawm, in: Aia,-x, Pre-Capitalist Economic Formations, 61-3. 6

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sial - interpretations as Professor Lawrence Stone lO . Nonetheless, Stone continues to displaya marked uncertainty in his handling of patronage and the associated problems of periodisation. An instance of this is his disCllssion of the practice of hospitality. He ascribes to hospitality the symbolic function of making manifest "the exercise of patronage over clients "."11 The contemporary complaints about the clecline of hospital_ i ty in the fifty 01' sixty years up to 1640 he attributes to "The decline of these late feudal practices" which a little earlier he describes as dating back "at least to the clays of Beowulf"I2. We have here an assumption of remarkable linearity of process, and of an activity - hospitality - as an archaie residuum from a precedent social formation. Again, Stone appears to treat "patronage and 'good lordship'" as one and the same phenomenon 13 , and to attribute it to the late 15th and early 16th centuries I4 . Elsewhere, he writes of "Aristocratic kinship and clientage lead[ing] to faction and rebellion, such as the Wars of the Roses 01' the Fronde, "."15 Here, one may object to the undifferentiated usage of "faction" to describe both the Wars of the Roses in the 15th century and the very different phenomenon of relatively non-violent politics in Elizabethan and early Stuart England as depicted both by Stone elsewhere in his cellrre, and by many other historians I6 . There is here a failure to distinguish between very different forms of action and the equally distinct forms of relationship that underlie those actions. A similar failure to clraw distinctions is evident in his allusion to "the more simple semi-tribal, feudal 01' community organisations of meclieval society"17, as if these were interchangeable classifications. In fact, in Stone's work we are confronted with a paradox. He has often been at pains to rdute wh at he rightly considers to be the fallacy of linearity of development. For example, his massive study, Crjsjs 01 tbe Aristocraq, argues that a temporCII) decline in the economic fortunes of the nobility around 1600 was closely followed by a temporal) decline in its self-conficlence and prestige cjrm 1640 followed thereafter by a recovery and reassertion of power in novel forms. In his later study of the family in England he explicitly wams against assuming that there can have been anything as straightforward as a linear development in its evolution 18. Nonetheless, this is precisely 10 See in particular, LawrenreStone, The Crisis of the Aristocracy 1558-1641 (Oxford 1965); idem, "Thc Edueational Revolution in England, 1560-1640", in: Past & Present 28 (1964) 41-80; idem, "Thc Size and Composition of thc Oxford Student Body 1580-1909", in: The Univcrsity in Soeiety I: Oxford and Cambridgc from the 14th to the Early 19th Century, ed. Lawre1lre StOlle (Princeton, N.]. 1974) 3-110; idem, "Social Mobility in England, 1500-1700", in: Past & Prescnt 33 (1966) 16-55; idem, The Family, Sex and Marriage in England 1500-1800 (London 1977); idem, "Interpersonal Violenee in English Soeiety 1300-1800", in: Past & Present 101 (1983) 22-33. 11 .5't01le, Family, Sex and Marriagc, 125. 12 ibid. 13 .ltone, Family, 86. 14 Stone, Family, 89. IS Stone, Family, 133. 16 Stone, Crisis, 199-270. 17 Stone, Family, 152. 18 510111', Crisis, 13-15; idem, Family, 20-21. See also the argument adopted in his more reecnt exposition of the long-tcrm trends in violenee in England ("Intcrpersonal Violence", 30-32).

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hat he himself assumes in his discussions of power and patronage. A central, although t ever very clearly focussed premise of Stone's work, and especially of Crisis and Famt1, J So;' emd jHarr;age, is that there was a linear decline "first in kinship [and] then in I ~~t1tagc as thc central organising principle of political groupings"19. It is this which ~eads hirn to write of men secking "thc 'best' patron" circa 1600 as preparing "the way for thc political connexion of the eighteenth century"20 One of the main inducements for Stone to adopt this view of a linear process in the political sphere, and his concomitant failure to demarcate a more refined periodisation, is his excessively schcmatic view of the evolution of the State. This is an important point to which I will return later in the paper. As a result he fails clearly to distinguish between different forms of dyadic relatiol1ship, and bUl1dles them all together, hugger-mugger, as "dien tage". It should be emphasised that Professor Stone's work has been taken as an exemplar of the inadequacies of current approaches to the study of patronage in early modern England for two reasons. First, because in most other respects it is characterised by a high quality of innovation, and an unusually explicit commitment to lay bare the premises, presumptions and prejudices on which it is founded 2l . Second, because another virtue of his ceuure is that it does at least attempt to address large questions over lang periods. One of the main problems in attempting to survey broad changes in the configuration of patronage in early modern England is that the study of patronage does not lend itself to exploration in the langue duree; the characteristic mode is to exarnine in detail a partiCltlar county, a specific parliament 01' group of parliaments, a crucial, but brief period of Court politics, for an individual patron or dient 22 • This

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Sione, Family, 126. Siolle, Crisis, 210. Sione, Crisis, 5-7; idem, Family, 3-41.

22 There is now a well-established tradition of English local and regional studies, usually focusing upon either counties or families. Directly 01' indirectly these throw considerable light on the operation of patronage and faction in the localitis. See, for example, Ralpb A. Gl'ljJitbs (ed.), Patronagc The Crown and the Provinces in Later Medieval England (Gloucester 1981); Roger Vi/gOf, "William Tallboys and Lord Cromwell: Crime and Politics in Lancastrian England", in: Bulletin of the John Rylands Library 55 (1973) 459-482; i}1. eberry, "The Courtenay Earls of Devon: the Formation and Disintegration of a Late Medieval Aristocratic Affinity", in: Southern History I (1979) 71-97; D. E. Lowe, "Patronage and Polities: Edward IV, the Wydevills, and the Couneil of the Prinee of Wales, 1471-83", in: Bulletin of the Board of Celtic Studies 29 (1981) 545-573; C: IV Bel'lll1ld, "The rise of Sir William Compton, early Tudor Courtier", in: English Historieal Review XCVI (1981) 754-777; G. U?: Bemard, The Power of the Early Tudor Nobility: A Study of the Fourth and Fifth Earls of Shrewsbury (Brighton 1985); G. R. E/toll, "Politics and the Pi 1grimage of Grace", in: After the Reformation: Essays in honour of]. H. Hexter, ed. Barbam C. Mi/lamelll (Manchester 1980) 25-56;Jo)'ce YOliingJ~ "The South-Western Rebellion of 1549", in: Southern History I (1979) 99-122; E. Il'eJ~ "Court and County Palatine in the Reign of Henry VIII: The Career of William Brereton of Malpas, in: Transactions of the Historie Society of Lancashire and Cheshire 123 (1971) 1-38; IH. E.Jtlmej~ Change and Continuity in the Tudor North: The Rise of Thomas First Lord Wharton (University of York, Borthwick Institute of Historical Research, Borthwick Papers no. 27; York 1965); Ronald H. Fritze, ''The Role of Family and Religion in the Local Politics of Early Elizabethan England: the case of Hampshire in the 15605", in:

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HistoricalJournal 25 (1982) 267-287; Ciarn Bmd)\ "Faction and the origins of the Dcsmond rebellion of 1579", in: Irish Historical Studies XXII (1981) 289-312; Ilhwn Wal!, "Faction in Local Politics 1580-1620: Struggles for Supremacy in Wiltshirc", in: Wiltshire Archacological Maga_ zine 72/3 (1980) 119-133; Illison Wall, "The Feud and Shakespearc's 'Romeo and Juliet': a Reconsideration", in: Sydncy Studies in English 5 (1979-1980) 84-95; 5: P. Saft, "Sir Thomas Wentworth and the ParliamentalY Represcntation of Yorkshirc, 1614-1628", in: Northcrn History 16 (1980) 130-168; Dauid F AIoslet; "The 'Other Civil War': Internecine Politics in the Warwick_ shire County Committees, 1642-1659", in: Midland HistolY 6 (1981) 58-71. Thc work of two historians in partictilar is of outstanding importance to an understanding of the political culture of both provincial and ccntral politics, and the links betwecn the two areas, See fHcrv)'n JmIlC\; Family, Lineage, and Civil Society: a study of society, politics and mentality in the Durham region, 1500-1640 (Oxford 1974); illenyn JameJj English Politics and the Concept of Honour 148';-1642 (Past & Prescnt Supplement 3, Oxford 1978); IL [[asseli Smith, County and Court: Government and Politics in Norfolk 1558-1603 (Oxford 1974), Much of the recent revival of interest both in political history and in the workings 01 patronage in England in this period is embedded within biographical studies, See IlrtburJosepb Slauin, Politics and Profit: A Study of Sir Ralph Sadler 1507-1547 (Cambridge 1966); 11 la 11 G R, Smitb, Servant of the Cecils: the Life 01 Sir Michael Hickes 1543-1612 (London 1977); Km'n SbtlljJe, Sir Robert Cotton 1586-1631: History and Politics in Early Modern England (Oxford 1979); Linda Lny Pak, Northampton: Patronage and Policy at the Court of James I (London 1982); Linda Leuy Peck, "Court Patronagc and Government Policy: the Jacobean Dilemma", in: Patronage in the Renaissance ed, Guy Fileb Lylleand Slepben Olgel(Princeton, N,]. 1981) 27-46; Ro)' E. Si-!Jreibelj The Political Career of Sir Robert Naunton 1589-1635 (Royal Historical Society Studies in History Series no, 24, London 1981); Rager LotkYelj Buckingham: The Life and Political Career of George Villiers, First Duke of Buckingham 1592-1628 (London 1981), A further aspect of this revival of interest in political history has been a new emphasis on thc Court and on faction in high politics, See G, R, EltOIl, "Tudor Government: thc Points of Contact II1: The Court", in: Transactions of the Royal Historical Society, 5 ser., 26 (1976) 211-228; E W hes, Faction in Tudor England (Historical Association Appreciations in History no, 6, London 1979); Dan"d Starkey, "Representation Through Intimacy: a study in the symbolism of Monarchy and Court officc in early modern England", in: Symbols and Sentiments: Cross-Cultural Stuclics in Symbolism, ed, lall Lewir (London 1977) 187-243; David Stark!?); "From Feud to Faction: English Politics circa 1450-,1550", in: History Today 32 (Nov. 1982) 16-22; Narmhingba Prosad Si'l, "The Rise and Fall of Sir John Gates", in: The HistoricalJournal 24 (1981) 929-943; N. P. Si!, "Sir William Herbert, Earl of Pembrokc (c. 1507-70); In Search of a Personality", in: Welsh History Rcview 11 (1982-3) 92-107: 11, 11. PetrOJiall, "Deviatidnevnia Pravitel nitsa Anglii", in: Voprosy Istorii 4 (1982) 183-189; Wal/ace T iHacCafjr!?)j Queen Elizabeth and thc Making of Policy, 1572-1588 (Princcton, N, J 1981) esp, 431-510; Simon Adamj~ "Faction, Clientage and Party: English Politics 1550-1603", in: History Today 32 (Dcc. 1982) 33-39; Keuin Sbmpe(ed,), Faction anel Parliament: Essays on Early Stuart HistolY (Oxford 1978); Kevin Sb(//pe, "Faction at the Early Stuart Court", in: History Today 33 (Oct. 1983) 39-46; Paul Christianson, "Politics and Parliaments in England, 1604-1629", in: Canadian Journal of History 16 (1981) 107-113; R, T Spellte, "The First Sir Richard Graham of Norton Conyers and Netherby, 1583-1653", in: Northern History 16 (1980) 102-129;JaIJlliHi/le/j "Faction in Latcr Stuart England", in: History Today 33 (Dcc. 1983) 5-1 L Many of the studies that illuminate patronage through the examination of parliamcnts are enumerated in note 3, abovc, See also Stall/ard E. Lehmberg, The Reformation Parliament 1529-1536 (Cambridge 1970); idem, Thc Later Parliaments of Hcnry VIII 1536-1547 (Cambridgc 1977); Rabn'! Zal/er, The Parliamcnt of 1621: A Study in Constitutional Conflict (Bcrkeley, Ca, 1971); Rabn'! E. Ruigb, The Parliament of 1624: Politics and Foreign Poliey (Cambridge, Mass, 1971), There is also evident a new interest in the Upper House, a ncw availability of thc informal notes of parliamcntary debates, and a new availability of biographical information on membcrs of the Commons, All this material has a potential value for the study of political patronage, although that potential rcmains to be fully realised,

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ro blem has been exacerbated because of the 'balkanisation' of English history into ;ntagonistic schools of approach. In this process political his tory, the his tory of po,:,er, een viewed by both sets of protagol11sts as opposed to the exphclt conceptuahsaIlaS b ion and the openness to other disciplines that has characterised much of English his:ory since the mid-1960s 23 We have had a 'new' social his tory and a 'new' economic history, but as yet we have not been offered a 'new' political history. This has undoubtedly contributed to the difficulty of studying patronage over the long-term. At the same time, the study of patronage is not simply the study of political power and contemporaries weil recognised this: "My good lord, advancement in all worlds be obrained by mediation and remembrance of noble friends"21o: it is also the study of a highly pervasive form of social relationship with ramifications in the areas of religious, cultu ral and social histor-y. Therefore, it is likely to provide a convenient bridge between twO hitherto antagonistic approaches to the study of early modern English history· The following paragraphs are intended as no more than a preliminary contribution to a process of clarification of terms. In offering a schema for periodisation of forms of patronagc the intention is not to impose a prescriptivc straightjacket. Rather, the intention is to alert other workers to possible differences and distinctions, and to invite comparisons with other polities.

III In its broadest usage the phrase "patronage and clientage" has been employed in a generic sense to describe dyadic relationships in numerous and often diverse types of society 25. Of course, from the historian's viewpoint the most important thing is to draw the distinctions between the specific forms of this generic category. However, it is worthwhile also noting some general characteristics of the phenomenon. Marc Bloch remarked that "To seek a protector, or to find satisfaction in being one - these things are common to all ages"26, and sociologists have identified the operation of patronage processes in many, essentially modern societies 27 • Nonethelcss, I would wish to reserve the label "patron-client societies" for those societies where it is the domi-

Typical of thc reaction on the part of one of the leading innovators is Stolles remark in 1965 that "Political history is different, and easier" (Crisis, 3). More recently, Professor Stone has exprcssccl some regret at these divisons (Lawrence Stolle, The past and the present (London 1981) 190). On thc othcr side sec G. R. EltOIl, Political History: Principles and Practice (London 1970); idfm, The History of England (Inaugural Lecture, Cambrielgc, January, 1984) 11-12,20. For a different perspective on what political history might be see jacques Le Gof]; "Is Politics Still the Backbonc of History ?" in: Daedalus: Journal of the American Academy of Arts anel Seien ces C, I (1971) 1-19. 24 British Librarv, Lansdowne MS. 57, no. 47, fo1. 112. 25 See the studi~s referred to above, note 1. 26 ;\[an mach, Feudal Society, I: The Growth of Ties of lndependence, trans. L. A. Manyon (Lonclon 1961; 1965 edn.) 147. 23

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nant ancl pcrvasive form of social relationship at all levels. This would exdude those societics, such as in Western Europe and North America today, where patron-dient relationships continue to exist but are ancillary to, rather than the fundamental form of, social relationship. It would also mean that in England the shift from one generic form of society to anothcr from patron-dient to the mass-meritocratic - wouldlleed to be placed quite late; probably somewhere in the first half of the nilleteenth century. It is possible to identify at least three characteristics that are common to all forms of patron-dient societies. The first fundamental characteristic is that patron-dient relationships are dyadic: they are personal and direct relationships. This normally involves personal attachments and face-to-face interactions. The totality of such relationships creates social networks 28 These networks can be extensive, involving perhaps ten thousand individuals at all levels in 16th- to 18th-century England. However, it is evident that the scale of the society in wh ich these networks ex ist, and the ramifications to any particular network, will help to determine the intemity of personal attachment and the frequency and specific form of face-to-face interactions. The second fundamental characteristic is that patron-dient relationships are asymmetric 29 • That is, that they return unequal rewards usually in different forms and often at separate times to two individuals who are distinctly and separately placed in the social hierarchy. However, we need to note that 'patron' and 'dient' indicate social roles rather than persons. Each may perform other roles, in other contexts, with other people}o. It therefore assumes a marked degree of social differentiation in ihe society. The third fundamental charactcristic of patron-dient relationships is that they are reciprocal·ll . That is, they are multi-stranded relationships in wh ich A satisfies Band B satisfies A as compared with the predominant modern form in which A satisfies B, and A is satisfied by X. Such forms of relationship are dearly related to questions of scale in any given society. They are also related to thc issuc of whether there are available alternative institutions and associated mechanisms for the satisfaction of needs. Even when formal institutions, such as the joint-stock companies of early 17th-century England 32 , come into existence they may merely provide a framework within and through 27 See, for example, somc of the studies in Schmidt, Friends, Followcrs, and Factions, and in: EiJcwladt, Political Clientelism, Patronage and Development. 28 earl II LlIIdf, "Thc Dyadic Basis of Clientelism", in: SchmUt, Friends, Followcrs and Factions, XIII;J G. ilIitchelf (cd.), Social Networks in Urban Situations: Analyses of Personal Relationships in Central African Towns (Manchester 1969) 1-76;jerem)' BoiJJeuain, Friends of Friends: Networks, Manipulators and Coalitions (Oxford 1974) 24-48. 29 A. Blok, "Variations in Patronage", in: Sogologische Gids 16 (1969) 365. 30 BoisJemin, Friends, 28-31. Jl BoiJJCUilin, Friends, 25-33. 32 Wilfialn Roberl Sco!l, The Constitution and Finance of English, Scottish and Irish Joint-Stock Companies to 1720 (3 vols., 1912; reprinted, New York 1951); Theodore K. Rabb, Enterprise & Empire: Merchant and Gentry Investment in the Expansion of England, 1575-1630 (Cambridge, Mass. 1967); A. P. Newton, The Colonising Activities of the English Puritans: the last phase oE the English struggle with Spain (Yale Historical Publications, Miscellany 1; New Haven, Conn. 1914); G. A. iHeftet'J~ "The Rulers and Merchants of King's Lynn in the Early Seventeenth Century" (UEA-Norwich Ph. D. 1982) 48-60.

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which more fundamental institutions such as patron-dient relationships, continue to 3}

operatc . If these are some of the features likely to characterise all types of patron-dient socities, what distinctions may be drawn between the various types, and more particu~arlY, wh at is the phasing and chronology of types in England? From thc viewpoint of this paper it is particularly necessary to identify the type of patron-dient society that redominated in England during the 16th and the 17th centuries. This may be done ~oth by contrasting it with, and delimiting it from, precedent and subsequent types, and by lClOking in greater detail at some of its idiosyncratic features. In doing both these things I hope that it will become dear that the type of patronage that prevailed in early modern England was sili generh; a type in its own right, and not just the vestigial residuc of a past type, or the harbinger of a type yet to come.

IV Early modern English historians have themselves contributed to the failure to draw the necessary distinctions. This they have done by contrasting phenomena in their own period with a vaguely defined precedent "feudalism". In fact, from the viewpoint of an examination of early modern patronage, ami at the risk of offending the sensibilitics of one's medievalist colleagues, it is possible to distinguish three fonns of feudalism in England as specific types of patron-dient society. Thc first, and perhaps the 'purest' type we may associate with the Anglo-Norman periocl. Here, patron-dient relationships are embodied in the processes of commendation and infeudation. Those who seek protection and economic security commend thcmselves as dients of a patron. The relationship is firmly established and exdusive, and once established is usually heritable. The corollary of this is the process of infeudation whereby the Crown attaches rights of government to lordship and fief 34 Two JJ Bcyond the issue of the availability of any partieular form of institution is the further question of thc availability or otherwise of an alternative coneeption that can animate and inform the institutional framework. For some diseussion of this theme in the eontext of ideas of the family and 01 the academic college see MOIgtlrl, "Country, Court anel Cambridge University", 251-254. Neither elo I agree with the tendency to see the satisfaetion of needs in mainly material forms (/1. G. R. Smith, Thc Government of Elizabethan Englanel (London 1967) 57; Alt/n G. R. SlIlitb, Thc Emcrgenee of a Nation State: the commonwealth of England 1529-1660 (London 1984) 122; IValfacl' T MtlcCaffre;, "Place and Patronage in Elizabethan Polities", in: Elizabethan Governmcnt anel Soeiety: Essays Presented to Sir John Neale, cel. cl. T BindoflJ Hurst/ield and C. fl Wi//i({l1J.( (London 1961) 97). This is associated with a perspective looking out from the centre, in which the Crown dispenses patronage to subjects (Sharpl', "Faction at the Early Stuart Court", in: History T oday 33 (Oetober 1983) 39). J~ ,lfttre Bloch, Feudal Society (1940; 2 vols., Lonelon 1962); F. L. Gansboj, Feuelalism (1944; 3rd English edition, 1964); e.g.,joseJJb R. Stm)'er; Feudalism (Princeton, N. J. 1965) 122. "Feudalism" has, of course, a number 01 disputeel usages: see the useful review by Olto Brunne!; "Feudalism: The History of a Coneept", rcprinted in: Frederic L. Cbf)'ette (eel.), Lordship anel Community in Medieval Europe (New York 1968) 32-61 and thc note by Hilton, in: Rodllf)' Hilton (cd.), The

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necessary conditions to this type of patron-dient relationship are that it was based On the allclCation of land, and was intended to provide military services. In this it deariy contrasts with the forms of patron-dient relationship that came to prevail in 16th cen_ tury England, and also France J5 , where the relationship was man-to-man, and the role of any land was only incidcntal to the relationship. A furt her characteristic of both this and the succeeding stage was that the satisfaction of needs was dircct. The local lord was the first resort and thc ultimate patron. Finally, the relationship of thc patron and dient was densely multi-strandcd, with a multiplicity of needs being met through the onc relationship, be it the provision of land, of military service, of justice or of physical protection. By 1300 this form of patron-dient relationship was being overlain, and to some dcgree superseded, by a further type. Usually referred to as 'bastard feudalism', probabl y it is more accurate to describe it as 'Iivery and maintenance'. It had its origins in the Crown's need for military service during the 14th centuryJ6 and although it retained the kernel of the notion of commendation, in the increasing complexity of la te medieval society this new form of patron-dient relations had been shorn of the essential link between land and military service. The route to membership of the landed elite was now no longer simply through militaty service so much as through trade, administration, the professions, and most notably the law. Ties of tenancy were no longer as important as once they had been. Albeit, once a family had made it into the elite, it began constructing patron-dient relationships akin to those of the earlier type of feudalism. By this time these took the form of 'goodlordship', which again came to depend almost exdusively on mutual self-interest37 . Largesse was one of the most obvious Transition from Feudalism to Capitalism (London 1976) 30. I am indebted to my colleague, Dr. Jane Martindale, for disCllssing with me the subtleties of meaning in "feudalism". I regret that brevity has excluded these subtleties lrom the preceding remarks! 35 Roland iHoI/SIlit/; The Institutions of France under the Absolute Monarchy 1598-1789: Society and the State (Chicago 1979) 106, 110, et passim. 36 N. B. Lewis, "The Organisation of Indentured Retinues in Fourteenth-Century England", in: Transaetions 01 the Royal Historical Society 4 sero XXVII (1945) 31-34. 37 Thc c1assic deseription of bastard feudalism is in K. B. iVftFar!ane's seminal paper, "Bastard Fcudalism", in: Bulletin of the Institute of Historieal Research XX (1943) 161-180, reprinted in: K. 13. tlleFarfane, England in the Fifteenth Century: Collected Essays (London 1981). G. G. Harriss' introduction to this volume assesscs and updates McFariane on this topie. See also ,H. A. flieh, "Restraint, Meditation and Private Justice: George, Duke of Clarenee as 'Good Lord"', in: The Journal of Legal History 4 (1983) 56-71; ChriJtine Cmpenter; "The Beauehamp affinity: a study of bastard feudalism at work", in: English Historical Review XCV (1980) 514-532; M. Cben); "The Courtenay Earls of Devon: The Formation and Disintegration of a Late Medieval Aristoeratic Affinity", in: Southern History I (1979) 61-97; R. A. Grijfitl)j~ "Patronage, Politics and the Principality of Wales", in: British Government and Administration: Studies Presented to S. B. Chrimes, ed. H. Heareler and H. R. Lo)'n (Cardiff 1974) 69-86; Rali'/; /1. Grifßtbs (ed.), Patronage, Thc Crown and the Provinces in Later Medieval England (Gloucester 1981); Wi/liam Hllse DIII/belm.!r., Lord Hastings' Indentured Retainers 1461-1483: The Lawfulncss of Livery and Retaining under Yorkist and Tudors (Connecticut Academy of Arts & Sciences, Transactions 39,1955; reprinted, New York 1970); M. E..!ame.~ A Tudor Magnate and the Tudor State: Henry Fifth Earl of Northumberland (University of York, Borthwick Institute of Historical Research; Borthwiek Papers no. 30, York 1966).

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anifestations of good lordship and surely it is significant that the display of largesse to have become more important during the 15th century in England 38 S From the viewpoint of the lord there was a requirement for a variety of services in dditio n to military service in order to protect and augment his patrimony. These serv~ces included technical skills in estate management, personalised religious service in :he household and in the chantry, and above all legal services. Experts in all these fields were retained through the payment of fees, annuities, and the gift of offices. Thos e who came within the compass of this relationship formed the 'affinity'39. The 'indenture' or contract was the means by which men were retained in this relationship. These appear to have required service for life, and in this respect bastard feudalism may have retained so me of the characteristics of its more legitimate predecessor-type. Retaining of this type continued to be tolerated by the Crown weil into the reig n of Henry VIII as a means of providing military forces when required. Licences to retain continued into Elizabeth's reign, although one here needs to distinguish between the substance and the form of the practice 40 . The wearing of Iivery had been one way of distinguishing a retinue, and liveries continued to be worn weil into the 17th century. The most notable two occasions each year were when the sheriff, accompanied by the leading gentry of each county, greeted the assize circuit judges. However, by then the significance of the wearing of Iivetywas entirely different from what it had been in the 15th century. Indeed, the same men, if assiduous in their attendan ce, were wearing a different livery each year, supplied by the incumbent sheriff 4l .

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Ftfiril)' NM!, "The Idea of Hospitality in Early Modern England", in: Past & Present 102 (1984)

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((/m!e Raudil/e. "Baronial Councils in the Later Middle Ages", in: Patronage, Pedigree and Power in Late Medieval England, ed. OJorles Ro,l~\' (Gloucester 1979) 87-108;j lf BakCl; "The English Legal Profession, 1450-1550", in: Lawyers in Early Modern Europe and America, ed. lVi/}i'icl Pri'sl(London 1981) 16-41; E. IP. hes. "The Common Lawyers in Pre-Reformation England", in: Transaetions of the Royal Historieal Society, 5 ser., 18 (1968) 145-173; idelll, The Common Lawyers of Pre-Reformation England - Thomas Kebell: A Case Study (Ca 1bridge Studies in English Legal History, Cambridge 1983). I am indebted to Ms. Diane SpeI man for diseussion of her research on attorneys in 15th century Norfolk. ",0 On the question of pro tempore or pro vita retaining see K. B. ivJrF'arlane, The Nobility of Later Medieval England: The Ford Lectures for 1953 and Related Studies (Oxford 1973) 102-121. On retaining in the sixteenth century see j P. (oopn; "Retainers in Tudor England", in: j P. Cooper. Land, Men and Beliefs: Studies in Early-Modern History, cd. G. E. Ay!merandj 5: iHorrif!(London 1983) 89; A. Cml/eron, "The Giving of Livery and Retaining in Henry VIII's Reign", in: Renaissance & Modern Studies XVIII (1974) 34; G. lP. Bernard, "The rise of Sir William Compton, carly Tudor cOllftier", in: English Historieal Review XCVI (1981) 77; Namsbingba Prosad Si!, "The Risc and Fall of Sir John Gates", in: The Historical Journal 24 (1981) 934; JOJce Youings, "The South-Western Rebellion of 1549", in: Southern History 1(1979) 114. 41 J ,). Cockbum, A History of English Assizcs 1558-1714 (Cambridge 1972) 65, 297, 303-4; Suffolk Record Office, Ipswich, HA 93/733/135 Sheriff's Aceount at the Assizes. For a rather imaginative and not always well-informed evocation of the reception of the assize judges by the sheriff, see Ca/herine Drinker Bowcn, The Lion and the Throne: The Life and Times of Sir Edward Coke 1552-1634 (London 1957) 242-3. From the mid-16th century there were numerous attempts to restrict the expenditure by sheriffs on the entertainment and ostentatious display associated \vith the visits of the judges of assize. )9

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The third type of feudalism was fiscal and financial feudalism. In terms of its effects, and the chronology of its occurrence, it may best be considered to be an aspect of the type of patron-dient society that succeeded bastard feudalism, sharing with the preceding types little more than a name. In this stage, feudal rights and incidents were exploited as a means of generating income, and with little 01' no regard for the reciprocal obligations of wh ich those rights and incidents had once formed part. The eHeet was therefore the inverse of that which originally had been intended. Loyalty was dissipa ted and alienation engendered. Considerable attention has been given to the exploi_ tation of its feudal rights by the Crown 42 . In essen ce, this can be seen as one of a number of ploys to fill the hiatus during the shift from a domain state to a tax state that took pi ace in England between the 1520s and the 1690s 43 In addition, the exploitation of feudal rights, and the jettisoning of feudal responsibilities by the aristocracy, it has been argued, was one reason for its loss of leadershi p 44. Even some peasant communities can be found where the recourse to feudal or manorial incidents appear to have been part of an attempt to stern the encroachment on old rights and the assertion by the lord of new responsibilities 45 . Fiscal and financial feudalism affected the operation of patronage in two ways. First, as has been suggested, it helped to destroy the older type of patronage operating along the lines of by then archaie feudal networks. Second, it had a positive effect in encouraging the emergence of new forms of patron-dient relationship. Some men needed to be protected from the inroads of these new demands, other men could provide them with the protection, and yet others, such as those who sought out wardships or concealed lands or the lawyer with a sharp eye for a manorial right in deseutude in a court roll, were the willing agents and beneficiaries of this new and vigorous enthusiasm. As such, fiscal feudalism was only one aspect in a broader transformation of patron-dient relationships that gives a distinct character to the greater part of the 16th and 17th centuries in England. This is intimately linked to what Weber dassified a 'patrimonial bureaucracy'46, and one may weil describe this type of patronage as 'patrimonial patronage'. 42 Joel HztrStfield, "The Revival of FeudaIism in Early Tudor England", in: History, n.s., XXXVII (1952) 131-145; idem, "The Profits of Fiscal FeudaIism, 1541-1602", in: Economic History Review, 2 ser., VIII (1955) 53-61; idem, Thc Quccn's Wards: Wardship and Marriagc under Elizabcth I (London 1958) XIII-29. ·iJ E. Ladew(r; Petasen, "From Domain State to Tax State", in: The Scandinavian Economic History Review XXXIII (1975) 116-148, esp. 116-126. 44 Stalle, Crisis, 13-15, et passim. 45 This remark is bascd on an unpublished paper by Mrs. Barbam Corn/ord on farming in thc Flegg Hundreds in east Norfolk. See also Erie Kerridge, Agrarian Problems in the Sixteenth Century and After (London 1969) 95-6, 112-3. 46 Weber provides a useful se ries of categorisations, although his postulations on the evolutionary relationship between the various categories need not be accepted (see Stanü!ar: Andrl'skz; Max Weber's insights and errors (London 1984) 54-5). See also, Alax' Webe!; The Theory of Social and Economic Organisation, ed. Taleott Parsons(New York 1947) 342-358; idem, Economy and Society: An Outline of Interpretative Sociology, ed. Grenther Roth and C!alts Wittich (3 vols., New York 1968) III, 1006-1109; Reinhare! Bendix, Max Weber: An Intellectual Portrait (1960; Berkeley 1977) 334-369;Jlllien Freulld, The Sociology of Max Weber, trans. Mary Ilford (Paris 1966; Harmondsworth 1972) 239-242.

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v The emergence of patrimonial patronage in early modern England is intimately connected with the transformation in the relationships between the centre and the periphery of poJitical power. In 16th- and 17th-century terms the centre of political ower was represented by the Court rather than by the still rather minimal central ad~inistration47 As we are now coming to reaJise, the Court itself underwent significant development, especially in the first half of the 16th century, that was at least as important as any revolution in governmental procedures that occurred at the same time. The nature of the political periphery was also transformed during the course of the century. Both sociologists and histOl'iaps who see these developments in rather stylised terms as 'state formation' invariably assurne that the development of their rather ill-defined 'State' marked a dedine in patron-dient relationshi ps48 We are introduced to "the Moloch of the State,,4 9 and "the voracious authority of the central government"50, together with the supposed consequential depersonalisation of politics 51 . We are told that "The all-pervading influence of the central government was seeping steadily into the remoter areas subsuming localloyalties under allegiance to itself"52. Kin, clientage and Iocal community are pictured as declining as the influence of the State increases 55 As "the expansion of the bureaucratic nation state took on an independent life of its own", there was a "consequent dedine of kinship and clientage" for these "movements were linkcd like a pair of scaIes"54 Wh at these and similar formulations by other historians fail to recognise is three important distinctions. The first arises from the assumption of a linear decline in patronage, referred to above, rather than acknowledging aseries of transformations in the types of patronage. Onee this erroneous assumption is made, it is possible, for example, to point to the dedine of the independent power and patronage of the Percies and the Dacres in the

47 Für an outline of English administrative structure in this period see IPallace iVIacCa}ji-ey, "Place and Patronage in Elizabethan Politics", in: Elizabethan Government and Socicty: Essays Presented to Sir John Ncalc, cd. s: 7: Binda}!,]. HIIntfield and C H. Williams (London 1961) 95-126; G. R. EI/on, The Tudor Constitution (Cambridge 1960); A. G. R. SlIlitb, Thc Governmcnt of Elizabcthan England (London 1%7); Pelll)' Williams, The Tudor Regime (Oxford 1979) 21-54; G. E Aylmn; The King's Servants: the Civil Service of Chades I 1625-1642 (London 1961). An important but rather neglected source of information on this topic is the GlIidc to the Contents of the PlIblic Record Office (2 vols., London 1963). 48 See, for example, Cbarles Ti/~y (ed.), The Formation of National States in Western Europe (Princeton Stlldies in Political Development 8, Princeton, N.]. 1975); Perl)' Andenall, Lineages of the Absolutist State (London 1974). 49 Stone, Crisis, 268. )0 Stolle, Crisis, 239. " Sione, Crüis, 240. See also 250, 253.' " Sione, Crisis, 264. '3 Stolle, Family 123 et seq. 5·i ' Sione, Family, 134.

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north of England and its replacement by the comparatively more disciplined facto_ turns of the central state as if it marked a significant decline in patronage })er se. True, the men who came to power in the north in the wake of the decline of these inde_ pendent magnate families n'ere far more dependent on office bestowed from the centre as the source of their authority in the localities. But they were only prepared to under_ take the arduous responsibilities of Justice of the Peace, Deputy Lieutenant or mern_ ber of·the Council of the North in return not only for any direct material rewards, but also for the influence and prestige bestowed by the office. One type of patronage and clientage had been replaced by another. A second distinction needs to be made between the manifest andlatent functions of the so-called 'bureaucratic machine'. Clearly, the 'bureaucracy' did have practical tasks to perform. The Clerk of the Crown in Chancery was expected to write out commissions and intermittently to revise the lists in his entry-books. The clerks of the signet were expected to forward warrants to their colleagues across the corridor in the Privy Seal Office, and to dispatch letters missive 55 . The Exchequer of Receipt was expected to receive and desperse revenue. The local gentry appointed as subsidy commissioners were expected to raise some revenue, even if the sum was rarely as large as that with which they were charged. These were the manifest functions of government, and today we would say that their modern equivalent functions were their sole legitimate functions. But in a patrimonial bureaucracy such as that of Tudor and Stuart England, there were also latent functions to be performed. These latent functions were not only the patronage involved in the bestowal of the office by the Crown 56 , but also the services that the incumbent of an office could provide for others, perhaps even at the cost of his ostensib!e bureaucratic functions. These favours in administrative procedure were dispensed from the cornucopia of the Crown's activity, but rarely with the direct knowledge of the monarch. Nonetheless, the larger ends of the Crown were met by these means insofar as they created avested interest in the stability of the existing regime. Most Elizabethan historians appear to admire the efficacy of the system 57 . What they do not appeal' to have asked, is whether objective changes in the real world which the system purported to administer, together with additional demands on the patronage function of the bureaucracy were, by the end of Elizabeth's reign, making it increasingly difficult to accommodate both manifest and latent functions within the existing structure.

;; JHorgan, "Instruments Under the Signet", in: 111organ, "Country, Court and Cambridge", 700-714. I am indebted to Professor Elton for his comments on this appendix. 56 lHacCaffrty, "Place and Patronage", 104. 57 Smith, Government of Elizabethan England; idem, The Emergence of a Nation State; fl!arCa/ FI!)~ "Place and Patronage", 124. In his more recent writings Professor MacCaffrey appears to bc less sanguine about the overall achievements of Elizabethan government (rPallace T f'rf{/(C{ljJ;-e)~ Queen Elizabeth and the Making of Poliey, 1572-1588, Princeton 1981,501-509).

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Ihe third distinction that needs to be drawn is between aspiration and achieveent,8. It is certainly true that during the 16th century increasingly the government :ncerned itself with matters that had been the province of local custom or municipal regulation; matters such as apprenticeship and wage-fixing, poor relief and land draine But central government also went beyond the supervision of the traditional areas ~7 local government. It expanded its concerns to embrace areas hitherto outside any overnmental purview, such as the encouragement of industry and technological inno~ation'9 Indeed, as long as we bear in mind that aspiration is not the same thing as achievement, it might not be inappropriate to describe this process as the rise of the intervention ist state. One basis for these activities was a multitude of statutory enactments made during the 16th century. The historian and author, William Lambarde, complained that ultimately the whole burden of this 'stack of statutes' came to rest on the shoulders of the local justices of the peace 60 . From this viewpoint, and in the routinised experience of large numbers of individuals, the brief, one-off, law-making activities of Tudor Parliaments served not only to augment the status of that institution; it also enhanced the public apprehension of the executive arm of government on which devolved the enforcement of parliament's legislative activity. As the concerns of central government multiplied, so also developed the opportunities for the extension into this new area of the latent no less than the manifest functions of bureaucracy. Indeed, insofar as a provisional qualitative judgement is as yet possible, there are tim es, as in the 15905, when the latent function of providing patronage and encouraging adherence to the regime appears to overwhelm the manifest purposes of executive action on the basis of statutory enactments. Moreover, licences to export grain non abstelnte the statute, gran ted to and then sold by senior courtiers, or the devolution of responsibility to 'private contractors' to enforce the growing of the statutory acreage of hemp, sometimes appear to have become 'dysfunctional' even in terms of their latent function of encouraging adherence to the regime, alienating far larger numbers than those benefiting from these privileges. A further basis for the increased activities of central government derived from the broad executive initiatives residing in the prerogative powers of the Crown. Again,

This distinction is at the root of one of the main debates over the intentions of government in this period : see Joel Hurs/Feld, "Was there a Tudor Despotism after aB ?", in: Transactions of the Royal Historical Society, 5 ser., 17 (1967) 83-108; G. R. EI/on, "The Rule of Law in SixteenthCentUlY England", in: Tudor Men and Institutions: Studies in English Law and Government, cd. Ar/bur] Slauin (Baton Rouge, La. 1972) 265-294. 59 See, for example, S. T. Bindon; "The Making of the Statute of Artificers", in: Elizabethan Government and Society: Essays Presented to Sir John Neale, ed. S. T. Bindo}];) Hun/Feld and C. H Wil/iams(London 1961) 56-94;John Pound, Poverty and Vagrancy in Tudor England (London 1971); 23 Henry VIII, c.5 "Concerning Commissions of Sewers";Joan Think, Economic Policy and Projects: The Development of a Consumer Society in Early Modern England (Oxford 1978); Pelll)' Williams, The Tudor Regime (Oxford 1979) 139-310; Vietor /Horgan, "The Cartographic Image of 'the Country' in Early Modern England", in: Transactions of the Royal Historical SoCIety, 5 ser., 29 (1979) 129-154. 60 IPil/iam Lambarcle, Eirenarcha: or of The Office of the Justice of Pe ace .. (London 1579; 1581 cd. eiL) "Proheme", 190 et seq., sigs. LI-lLi viii]. 58

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there has been an inclination to view the exercise of these initiatives as arising de /lava at the heart of government. However, there is considerable evidence that at least until the 1620s the prerogative, working through the seals, provided a flexible and readily available instrument for the achievement of private ends. Indeed, the prerogative was far more accessible than the infrequent and brief meetings of Parliament. We may be. gin to doubt the origins of much executive action when we encounter a politicking academic drafting a signet letter in favour of one of his faction, ready for the confirma. tory signature of the King 61 . Both these areas of enhanced executive activity increased the occasions when the centre impinged upon the periphery, ami the occasions on which those on the politi. cal periphery, in the counties, spontaneously resorted to the centre in pursuit of the satisfaction of their particular, local ends. As men sought to manipulate the newly available latent functions of government there was a massive increase in the volume of patronage, and a transformation in the mechanisms through which it was exercised. There are two key features to the centralisation of patronage during the 16th century. One is the enhanced role of the royal Court as the ultimate focus of all patronage, and the new demands made on the Prince at the centre of this web. This enhancement was both reflected and encouraged by the developments in the organisational structure of the Court. This is most evident in the changing physical layout and the organisation of personnel to service the needs of the monarch. During the reigns of the first two Tudors old palaces were converted and new palaces were built in order to regltlate access to the fount of executive action in the person of the King. First, there was a retreat from the rough-and-tumble of the communal space of the Hall, under the aegis of the Lord Steward, to the more carefully regulated space of the Presence Chamber, presided over by the Lord Chamberlain. The King then further retreated to the Privy Chamber and Bedchamber, to which access was even more strictly restricted. This restriction inevitably enhanced the importance of those about the King, and offices such as that of Groom of the Stool originating in body-service to the monarch acquired a new and political significance, both within the palace, and abroad in the countlyside when Gentlemen of the Privy Chamber issued forth as the personal representatives of the Crown 62 • From the standpoint of an examination of types of patronage the crucial point to note is the emergence of the role of mediator or broker 63 Vietor iHorgall, "Whose Prerogative in Sixtcenth and Early Seventeenth Century England?", in: Custom, Courts and Counsel: Selected Papers of the 6th British Legal History Confercnce Norwich 1983, ed. Albert Kiml!J~ iHirhe/e Slc1fter and Roger Virgoe (London 1985) 39-64. 62 G. R. Elton, "Tudor Government: The Points of Contact I1I: The Court", in: Transactions of the Royal Historical Society, 5 ser., 26 (1976) 211-228; David Starkey, "Representation Through Intimacy: a study in the symbolism of monarchy and court office in carly modern England", in: Symbols and Sentiments: Cross-Cultural Studies in Symbolism, cd. Ion Lewis (London 1977) 187-224; Hugh Alurmy Baillie, "Etiquette and the Planning of thc Apartments in Baroque Palaces", in: Archaeologia CI (1967) 169-199; Vieto/' Morgall, "Thc 'Country' and the Court, 1500-1640" an as yet unpublished paper delivered to the Annual Confcrence of Anglo-American Historians, London, July 1983. 63 Jeremy Boissevain, Friends of Friends: Networks, Manipulators and Coalitions (Oxford 1974) 147-169. 61

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A defining characteristic of patrimonial patronage that was absent in any significant deg ree from the preceding, feudal, types is the existence of brokerage. The evolution of the royal palace, the elaboration of the ritual surrounding the monarch, and the forrnalisation of body-service all contributed to the brokerage role of courtiers both within the Court, and between the Court and those with needs to be satisfied from outside its confines. If we turn from the Court to the countryside we again see the ernergence of the role of brokers in that context. In both the feudal and the bastardfeudal types of patronage the peasant, husbandman, yeoman or small gentleman ne eded only to look to the household of a dominant great magnate for the satisfaction of his necds. Increasingly during the 16th century this ccased to be the case, although in some areas thc demise of the influential magnatial houschold was a prott'acted businesS, and it was probably not until the 1570s that the process was concludcd. Nor was it only in the so-called 'highland zone', or in the old marcher lordships towards Wales and Scotland that the process was long drawn-out 64 . East Anglia was one of the most densely populated, agriculturally productive and industrially advanced areas of the country yet until his execution in 1572 the Duke of Norfolk could claim that "I count rnyself, by your Majesties favour, as good a Prince at home in my bowling-alley at Norwich, as she [Mary Queen of Scots] is though she were in the middest of Scotland"65. Even in the changed circumstances of late Tudor government the Duke retained a belief that he should be deferred to in all matters that affected his 'Iiberty'. On one occasion he informed eeeil that "I would have been sorry that my country men should have had cause to have judged any matter concerning the Queens Majesty's service in Norfolk or Suffolk should have been committed of first to others than to me"66. However, following the death of the Duke the government of Norfolk devolved upon the shoulders of the resident local gentry, and their various factions entered into direct relationship with courtly patrons who mediated their suits to the Crown 67 . By way of contrast with the Duke of Norfolk, more 'modern' great courtiers and territorial magnates such as the Earl of Leicester in Warwickshire, or the Earl of Huntingdon in Leicestershire, owed their local pre-eminence as much to the offices they held from the

64 See iH. EJamej; Change and Continuity in the Tudor North: the Rise of Thomas First Lord Wharton (University of York, Borthwick Institute of Historical Research; Borthwick Papers no. 27, York 1965); idem, A Tudor Magnate and the Tudor State: Henry Fifth Earl of Northumberland (University of York, Borthwick Institute of Historical Research; Borthwick Papers no. 30, York 1966); idem, "The First Earl of Cumberland (1493-1542) and the Decline of Northern Feudalism", in: Northern History I (1%6) 43-69; ..I: R. WattJ with Swtln J Watts, From Border to Middle Shire Northumberland 1586-1625 (Leicester 1975). 65 William lVfurdin (ed.), A Collection of State Papers Relating to Affairs in the Reign of Queen Elizabeth, ... (2 vols.; London 1759) I, 180. 66 Public Record Office, SP 15/13/52. 67 1 1. Hassell Smitb, Country and Court: Government and Politics in Norfolk, 1558-1603 (Oxford 1974).

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Crown and the patronage that this provided, as they did to the influence that accrued to them directly as substantial local landowners 68 . A further source of difficulty that has tended to cloud disCllssion of patronage in the local context in late Tudor and early Stuart England has been the rather naif assump_ tions made about the nature of the county community 69. Most historians are prepared to admit that such a thing existed, and that contemporary gentlemen were conscious of belonging to it. However, both the protagonists for, and the critics, of the importance of this concept have laboured under the burden of three fallacies. These fallacies are similar to, and connected with, the failure to draw sufficient distinctions between types of patronage, such as is proposed in this paper. It is necessalY to say something of these fallacies in order to provide a context for further remarks on brokerage at the local leveFo. The first fallacy is the notion of 'the country' as in various ways an archaic residue of outmoded loyalties and affiliations. This is akin to the idea that patronage and clientage was subject to a long, linear process of decline. Rather, I would suggest, both 'the country' and patronage underwent fundamental changes of type during the 16th century. One of the difficulties with the word 'country' is that it had a wide range of reference for contemporaries. However, detailed analysis of a broad sam pie of usages indicates a shift of emphasis during the 16th century. One meaning that goes into decline is its application to the vaguely bounded territory or territories of great landed magnates and patrons. Ey contrast, it is used increasingly to refer to the politico-administrative structure provided by county government through the quarter-sessional and assize system, and to the broad social range of participants in that system. At the local level there was a shift in the focus of political activity from the hall of the great magnate to the county shirehouse and grand jury chamber. This was not a residual forum of political action but a new arena in which new forms of patronage relationship had to be evolved. The second fallacy is that of the consensus community. This idea can be traced back to Professor Alan Everitt's path-breaking book, The Comrn unity 0/ Kent ewd the Great Rebellion, published in 1966. In this book Everitt clearly identified the idea of 'the country' with orle of its 16th-17th century usages when, as I would agree, it was often applied to county government and society. He then went on to draw a picture of the peaceful brotherhood of the Kentish gentry as the basis for their identity as a county

Cfaire Cross, The Puritan Earl: The Life of Henry Hastings Third Earl of Huntingdon 1536-1595 (London 1966) 115 et seq.; Wallace T: /HacCaJjiT)\ Queen Elizabeth and the Making of Poliey, 1572-1588 (Prineeton, N. J. 1981) 440-448. 69 For some views on the county eommunity see the useful eoHection of essays edited by E. W: lFes (ed.), The English Revolution 1600-1660 (London 1968); Paez Zagorin, The Court and the Country: the Beginning of the English Revolution (New York 1970); Clive HolmtJ~ "The County Community in Stuart Historiography", in: Journal of British Studies XIX (1980) 54-73. 70 A fuHer exposition is contained in the as yet unpublished paper to wh ich reference is made in note 61 above. The present author is engaged in a substantiallong-term study of the idea of "the country" in England.

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O(1uuunity. Now, on the contrary, I would argue that it was conflict rather than concensus that reinforced this sense of county identity. s A multitude of studies can leave no doubt that factional disputes were a perennial characteristic of provincial society. Although faction was deprecated 71 , and increasingly so as it came to be seen as a manifestation of worthlessness and vain self-glory72, it was almost universally present1 3 • Prestige, power and wealth were the prizes sought within the arena provided by county government. For example, unprecedented grants of knighthood at the start of James' reign seriously disrupted the local orders of precedence on occasions such as the meetings of Quarter Sessions and Assizes and a herald regretted the sight of "all the parts of this kingdom almost in flames of fiery quarreis, only for going before, and no man more contentious for it than such as were wont to go behind"74. These rivalries generated enormous strength of feeling. During a dispute in Wiltshire in the 1590s, when Thomas Thynne was thwarted by one of his rivals in the purehase of areversion of a manor, he was "assaulted with extreme grief insomuch as he shed tears abundantly"75. (Some interesting psychological speculations are possible on the basis of the characteristic forms of personal insult that were bandied about in most such disputes.) It was the experience of factional rivalry as much as Machiavellian precepts that provided an education in instrumentalist politics: "Dissemble with everybody but be not seen to dissemble; win the services of many unto you, it is no matter for their hearts ... whatsoever your adversary say oppose it how true soever it be, because he said it. You must be as careful to break his faction as to strengthen your own ... With the head of the contrary faction neither have friendship nor seem to have emnity."76 There is a great temptation to see faction as omnipresent in both court and country from the 15th to the 18th centuries. However, here again it is possible to make some distinctions and to associate different types of faction with different types of patronage. The first type of faction looked no further for patronage than the household of the local great magnate. In this feudal and bastard-feudal form the local protagonists did not need to seek influence at Court. This type of faction appears to have taken two subsidiary forms. In the first of these, local faction was essentially an expression

iHenyn jamcs, English Politics and the Concept of Honour 1485-1642 (Past & Present Supplement 3; Oxford 1978) 75; s: P. Salt, "Sir Thomas Wentworth and the Parliamentary Representation of Yorkshire, 1614-1628", in: Northern History 16 (1980) 155. 72 JameJ~ Honour, 88. 7J Recent studies have tended to concentrate on faction at Court. See, for example, Simon IldalllJ~ "Faction, Clientage and Party: English Politics, 1550-1603", in: History Today 32 (December 1982) 33-39. In general see E. w: IveJ~ Faction in Tudor England (Historical Association Appreciations in History no. 6, London 1979). 74 Bodleian Library, MS. Wood F. 21 fol. 22. 75 Quoted in Illüon Wal!, "Faction in Local Politics 1580-1620: Struggles for Supremacy in Wiltshire", in: Wiltshire Archaeological Magazine 72/3 (1980) 125. 76 British Library, Additional MS. 34599 fol. 8. 71

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through their affinities of rivalries between great magnates. In the second, competitio n between groups was for primacy within an affinityH The second form of faction we may describe as "gentry faction". Normally, in the counties in which this occurred, there was no one, dominant, magnate, although even where there was, the second and essential characteristic of this form of faction was still invariably present. This second characteristic was the way in which the new obligations for multifarious governmental activity imposed in the 10cal governors - primarily in their capacity as J.p.s - provided instruments for the pursuit of factional rivalries. Lord Keeper Bacon weil recognised this, complaining that many sought to become J.P.s "more to serve the private affection of themselves and friends as in overthrowing an enemy or maintaining a friend, servant or tenant, than to maintain the common good of their country, respecting more the persons than the matters"78 The main instruments - and sometimes the prizes in their own right - with which these factional rivalries were conducted were local offices, the means to which required resort to patronage at Court. Even when a specific office was not being pursued, it remained important for the county gentry to be kept informed of the changing constellation of factions at Court. Substantial Elizabethan county families such as the Gawdys and the Knyvetts in Norfolk in eHect maintained family agents in London, part of whose job it was to hang around the Court and to relay the tittle-tattle of the day. Those with fewer resources relied upon the burgeoning trade of the semi-professional news letter writers 79 This, incidentally, helps to dispose of the third fallacy about the country: that it was isolated. The effective pursuit of local ends through knowledge of, and access to, power at the centre ensured that it was not. In this context the importance of brokerage as an essential characteristic of this type of patronage again becomes evident. It was from within the constellation of Court factions that provincial clients sought their patrons. The process of gaining access to Court influence itself ramified, and an expanding circle of 'private secretaries' became in effeet 'professional' brokers. Michael Hickes, secretary to the Cecils, was only thc

77 The evidence for the conflict betwcen the local protagonists of riyal great magnates is wcllknown. Because of the paucity of suitable sources for the 15th century there is less dircct cvidence of rivalries zuithill affinities. However, there are some tantalising indications of its occurrence in the Paston correspondence. See Norman Davh' (ed.), Paston Letters and Papers of the Fifteenth Century (Oxford 1971) I, 72-3 (no. 46), 529-531 (no. 324); Public Record Office, Cl/18/192 (1451).John Thurston sought office with the Duke of Norfolk because he had guarrelled with his parishioners, and hoped for the Duke's support. I am indebted to my colleague, Dr. Roger Virgoe, for these references and discussion of this point. 78 Folger Shakespeare Library, MS. V.a. 143, pp. 69-70. Bacon also had so me radical answers to this problem, but they were never implemented. If they had been there would have been regular inguisitorial visitations of the local governors. 79 l HJeayes(ed.), Letters of Philip Gawdy 1579-1616 (Roxburghe Club, London 1906); Norfolk Record Office, Knyvett-Wilson collection, passim; F.f. Lel/); "How Information Spread Among the Gentry, 1550-1640", in: Journal of British Studies XXI (1982) 11-34.

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most notable, and possibly the best documented, of those who occupied this type of ro le80 . . . . . . At present, we are m great need of studles that examme the relatIOnship between county faction on the one hand and Court faction on the other. Tentatively one may suggest that the nature of this relations hip was one of the features that distinguished atrimonial patronage from the two major types of feudal patronage. In the latter there ~as a formalised and exclusive relationship between patron and client. In the former thc relationship was more nebulous and more subject to shifts. To borrow the terminology of the economists, feudal patronage represented a command economy, and patrimonial patronage a market economy in the exercise of influence. One reason for this was the diversification and formalisation of the institutional structure of power at the political centre during the 16th ccntury. Both the royal Household and the Council represented overlapping but never entirely coincident circles of power. During the increasingly brief occasions when it was in session, Parliament provided a third centre of power in wh ich local factions no less than Household or Council factions could pursue their ends. Perhaps the dangers inherent in this system of relationships between central and local factions became most evident when one factional leader came to dominate in either the Household or the Council, and then to make the other main institution of central power subject to their contro!. Essex's attempts and Buckingham's considerable success in making the Couneil sllbservient to the Household have attracted considerable attention 81 . But there was always the possibility that the Council might domineer over the Household. Robert Cecil's defallit victory in his confrontation with Essex in the 15905 indicates one possible line of development. Certainly the recurrent clash of interests between Favourite and Secrctary provides a leitmottffor the structure of power and patronage at the heart of govcrnmcnt in this period. The danger to the survival of the system was that local factions would become locked into a one-to-one relationship with a dominant central faction, and all other local factions would be excluded from influence and access to 10cal office and rewards. The alternative danger was that alliocal factions would bccome dependcnt on a monopolistic source of patronage at the centre. In the first instance there was a danger of alienation from the regime in the localities. In the second the danger was that it was no longer the monarch but a 'mayor of the palace' who had effective control of patronage. One of the inherent strengths of the English system of

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11/01/ G: R. Smith, Servant of the Cecils: The Life of Sir Michael Hickes, 1543-1612 (London 1977) 51-80, esp. 56; idem, "The secretariats of the Cecils, circa 1580-1612", in: English Historical Review LXXXIII (1968) 481-504; Riche/rd C. Be/mett, Plaee, Profit and Power: A Study of thc Servants of William Cedl, Elizabethan Statesman (The James Sprunt Studies in History and Political Seienee 51, Chapel Hili, N.C. 1969). 81 Joe! Hurstfielcl, "The Suecession Struggle in Late Elizabethan England", in: Elizabethan Government and Soeiety: Essays Presented to Sir John Neale, ed. 5: T Bindaff, J Hurstfit/cl, C. H lPilliams(London 1961) 389-391; Rager Lockyel; Buekingham: The Life and Political Career of George Villiers, First Duke of Buekingham 1592-1628 (London 1981); Derek Hirst, "Thc Privy Couneil and Problems of Enforeement in the 16205", in: Journal of British Studies XVIII (1978) 55, 59.

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power at the centre as it evolved during the 16th century was that the sources of influ_ ence were so diverse, and the opportunities to mono pol ise them were limited. It was a measure of the astuteness of the Duke of Buckingham that in the fearful expectation of others, if not altogether in reality, he came dose to becoming the fount from which flowed all largesse. Finally, the extent to which these inherent dangers in the overall system came dose to realisation must depend on an understanding of a crucial role in the structure of power at the centre about wh ich we still know all too littIe. Given the approach to issues of patronage and power adumbrated here, the personality, experience, ability, and daily working habits of the monarch become a subject of renewed importance 82 . In the introductory remarks to this paper it was asserted that any examination of patronage needed to distinguish between the actor and the role he filled in any specific situation. The validity of this assertion should become evident if we examine the roles played by the local gentry within a system of patrimonial patronage. In their relationship to the court they were dients. In their relationship with socially inferior members of the county community they were either direct patrons or - and this increasingly - they were brokers between their local dients and central authority. A number of social transformations facilitated and encouraged the development of this role. One was the proliferation of the gentry. Camden remarked on the most obvious sign of this process in the 1570s: "For now there began more Noblemens and private Mens Houses to be built here and there through England; and those neat, large and sumptuous Edifices, than in any other Age before ... "83 Such buildings and their occupants were as evident to lesser members of the village or parish as they were to Camden. That the increased importance of the gentry-dominated small community has not been recognised by historians who have chosen to study "squireless" villages probably teils us more about those historians' presuppositions as to the nature of 'peasant' society, than it does about the range of types of small community in Elizabethan and early Stuart England 84 . By means of this proliferation throughout the countryside both greater and lesser gentry were brought into more direct contact with what are at present rather ill-defined "neighbourhoods" which looked to them for patronage, and the brokerage of local needs through the central authority. For example, when the inhabitants of Kings Lynn, in Norfolk, sought to have a particular dergyman and locallad-made-good presented to a living, they petitioned a neighbouring gentleman, NaThis has been reflected in arecent renewal of interest in the serious scholarly study of individual monarchs in this period. See Carolly Erikson, The First Elizabeth (London 1983);jenny WormaId, 'James VI and I: Two Kings or One?", in: History 68 (1983) 187-209; Chartes Car!toll, Charles I: The Personal Monarch (London 1983). 83 William Call1den, The History or Annals of England, During the whole Life and Reign of Elizabeth ... , in: A Complete History of England: ... , cd. White Kennet!, 11, 452a. 84 A. HasseIl SlIlith, "A Squire and his Community: The Stiffkey Project", in: Bulletin of Local History: East Midlands Region XVI (1981) 13-19; idelll, Analysis of a North Norfolk Coastal Community 1560-1630: Stiffkey, Morston and Langham (Social Science Research Council Project Grant Final Report, 1981). I am indebted to my colleague, Dr. Hassell Smith, and to the student members of oUf post-graduate seminar in English Local and Regional History, for stimulating discussions of this subject. 82

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thaniel Bacon, to use his. co~tacts at Court to have their candidate presented through n exercise of the ecc!eslasttcal patronage of the Lord Keeper 8 ). In contexts such as ahese , resident gentlemen served as mediators between wh at the anthropologist, Ro~ert Redfield, has designated the Great and the Little communities 86 . A further social transformation that multiplied the opportunities for the exercise of the role of broker took place within the "little community". Put summarily, and therefore far toO crudely, it can be said that economic and market forces facilitated the diversification of an hitherto relatively undifferentiated peasantlY into landless labourers on the one hand, and on the other a prosperous group of yeoman farmers. This process of segregation within the small community was reinforced by two further developrnents. One was the percolation of 'godly' religion into the parishes, which seems to have reinforced both the authority and the assertiveness of those who adhered to it. The other was the way in which the same leading inhabitants of the parish or village were also the ultimate beneficiaries of the newly created power which devolved on thern as an outcome of Tudor legislation and in their capacities as churchwardens, overseers of the poor, parish and hundred constables, petty jurors and the like. Just as at the county level the gentry were able to manipulate their new accession of responsibilities for their own factional purposes, so at the level of the small community these 'kulaks' were able to use the same devolved responsibilities to reinforce their own authority. So, in one Wiltshire parish in 1596 we find the "chief inhabitants" drawing up regulations intended to govern the conduct of parochial affairs. A number of provisions effeetively established these same "chief inhabitants" as arbiters of parochial disputes, and, moreover, they attempted to restriet to themselves the right of determining who should and who should not have access to the local justices 87 . Not unexpectedly, the development of these brokerage roles within the small community had a number of advantages from the viewpoint of the gentry. In the first place it had a certain practieal convenience in establishing a familiar row of faces that were likely to turn up at petty sessions and Quarter Sessions. It provided points of contact amongst his social infcriors within a gentleman's neighbourhood. It also provided hirn with a parochial clicntage, obligated to hirn as a patron through a facilitation of their role as petty-brokers. However, the emergence of an articulate 'village elite', and the development of their rcciprocal relationship with the neighbourhood gentry was also one of the factors

11. Hasse!! Smitb and Gi/lian M. Baker (eds.), The Papers of Nathaniel Bacon of Stiffkey, II, 1578-1585 (Norwich 1983) 4, 319. For the ecclesiastical patronage of the Lord Keeper see Rosemary O'Day, "The Ecclesiastical Patronage of the Lord Keeper, 1558-1642", in: Transactions of thc Royal Historical Society, 5 ser., 23 (1973) 89-109. 86 Robert Redjield, "The Social Organisation of Tradition", in his: The Little Community and the Peasant Society and Culture (1956; Chicago 1960). 87 The conclusions of a number of recent studies of small communities are conveniently Sllmmarised in Keitb IVrigbtson, English Society 1580-1680 (London 1982). However, see the caveat as to the correlation of social rank with "godliness" in: Pa trick Collinson, The Religion of Protestants: The Church in English Society 1559-1625 (Oxford 1982) 238-241; Hllntington Library, MS. Ellesmere MS. EL. 6195. 85

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that contributed to a transformation in the character of gentry faction at the county level and concomitant constraints on the exercise of gentry patronage. By the 1580s the spread of "godliness" at both the parochial and the county level had introduced a new, ideologieal, element into factional alignments, in the provinces no less than at Court. At the same time the work of my colleague, Dr. HasseIl Smith, suggests that on issues such as militia rates, that had ramifications at the parochial in addition to the county level, there was some development of grass-roots consciousness of the constitutional principles that underlay these specific issues 88 . The diversity of the types of county societies, and the perennial variety and quirki_ ness of the personalities that arose within them make it wrong to suggest any too rigid chronological division between types of gentry faction. Nonetheless, it is perhaps possible to discern a type that was primarily concerned with the dash of personalities and family interests, and a further type that in some degree superseded the former. This latter phase necessarily involved the exploitation of all the tools of faction made available through patronage. At the same time, to some extent it must have detracted from the importance of patronage as the prime means of articulating the political system at the local level. The county gentry were required not only to satisfy the needs of their parochial dients, they were also constrained by the need to appeal to a yet wider, increasingly articulate, literate, and ideologically aletted constituencl 9 . Hence the appeal, either in e1ection campaigns proper, or at meetings of Quarter Sessions or Assizes to the wonderfully evocative and yet conveniently vague idea of 'the good of the country'90.

VI As it was possible to isolate two main types of feudal patronage, it is also possible to detect two broadly distinct phases in the evolution of patrimonial patronage in England. From the 1680s the structure of power that had existed up to 1640, and that in 1660, in its essentials, had been reinstated for a further twenty years, was subjected to significant changes. Consequentially, the networks of patronage were also modified. The establishment of regular, annual meetings of Parliament reshaped the balance between the institutions of power at the centre. The ability to 'manage' Parliament established a new type of 'first minister' to the Crown. In the process it broke the old conflict between secretaries anel favourites. The configuration of power at the centre was also moelifieel by the successful establishment of financial institutions initially ele-

881'1. HasseIl Smith, "Militia Rates and Militia Statutes 1558-1663", in: The English Commonwealth 1547-1640: Essays in Politics anel Society Presented to Joe! HurstfieleI, ed. Peter Clark, Alan G. R. Smith anel Nicbolas Tytlcke (Leicester 1979) 93-110. 89 Davicl Cressy, Literacy anel the Soeial Order: Reading and Writing in Tuelor anel Stuart England (Cambridge 1980); Derek Hirsl, Thc Representative of the People?: Voters anel Voting in England uneler the Early Stuarts (Cambrielge 1975). 90 1\101gan, "Cambridge University anel 'the Country"', 241-2.

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. ned to servicc an cconomy gcarcd to sustaincd Contincntal warfarc. This confirmcd

s~ influct1CC of a financial intercst that habitually articulated their needs as an influcn~ial elemcnt in the Whig establishment91 .

The concomitant expansion of governmcnt offices provided new influence for thc dispenscrs of patronage. At the same timc the increasingly tcchnical charactcr of administration in certain key areas such as the Navy and the Ordnancc Office 92 encourag ed the devclopment of a professional ethos that was independent of faction or party. The emergence of the professions and of skilled artisan-craftsmen 95 further encourag ed the devclopment of a market sector for services and goods that was at least partly outside the traditional boundaries of political patronage. The iclcological stimulus to the establishment of party during the Exclusion Crisis permunently modified politics not only at the ccntre, but also in the localitics, directly linking groups at the centre with those in the constituencies 94 . In the counties changcs in the economic fortunes of the gentry, combined with changes in the practices of 10cal administration 9 >. The outcome of this was the concentration of significant local political power, and therefore patronage, in the hand of a much smaller group of substantial gentry, some of whom combined this role with that of parliamentary politicians. This served to reduce the hitherto broacl range of gentry with a useful local role to playas brokers, through their direct connections with the centre of power.

Thc preceding outline taxonomy of types of patronage in England, mainly in thc 16th and 17th centuries, is not proposed in any prcscriptivc manner. Rather, it is offered as a stimulus to discussion, and as a me ans of inviting comparison with other politics.

91 See). R. jones, Country and Court: Englanel 1658-1714 (Lonelon 1978); B. w: Hi!!, Thc Growth of Parliamentary Parties (Lonelon 1976); P G. /H. DickJOIl, The Financial Revolution in Englanel: A Stuely in the Devclopment of Public Crcelit 1688-1756 (Lonelon 1967); Gm/fre}" Holmes, British Politics in the Age of Alme (Lonelon 1967). These elevelopments are summariseel in lHolgan, "Approaches", 148-155. 92 llOICtlrd TomIinsan, "Financial anel Administrative Developments in Englanel, 1660-88", in: Thc Restoreel Monarchy 1660-1688, eel.). R.jones (London 1979) 94-117; idcm, Guns anel GovcmIllent: The Orelnance Office Unelcr the Later Stuarts (Lonelon 1979). 9' Geoj/rey Holmes, Augustan Englanel: Professions, State anel Society, 1680-1730 (London 1982); !I/an Ei·tritt, Change in the Provinces: the Seventeenth Century (Leicester University, Department of English Local History, Occasional Papers, Seconel Sc ries, no. 1; Leicester 1972); idfm, "Country, County anel Town: Patterns of Regional Evolution in England", in: Transactions of the Royal Historical Society, 5 ser., 29 (1979) 79-108. 94). R.jOllfJ; The First Whigs: The Politics of the Exclusion Crisis 1678-1683 (London 1961); IV: lliIl, The Growth of Parliamentary Parties 1689-1742 (Lonelon 1976). ) il[rJ/gml, "Approaches", 151-2.



Wim Blockmans Patronage, Brokerage and Corruption as Symptoms of Incipient State Formation in the Burgundian-Habsburg Netherlands When duke Charles the Bold died on the battlefield near Naney on the 5th of January 1477, he leh his territories in a deep erisis. His sole heir, Mary "the Rieh", was unexperienced and unmarrie~, the .Burgundian armies had suffered three terrible defeats within nine months, and 111s subJects had been brought under severe pressure of taxation to support the wars of their prinee. Even before any popular revolt came up, the Estates general, assembled in Ghent, presented long Iists of grievances. This procedure was absolutely normal in the case of a succession. But this time, the range of the problems raised to the government was extraordinarily wide and their tenor radical. Facing French invasions in Burgundy, Picardy, Artois, the south of Hainault and of Flanders, and insurreetions in Liege, Guelders and Luxemburg, the government agreed praetically without discussion to all the eomplaints. Its sole demands were the recognition of the duehess and the mobilisation of an army to defend the territory; both were easily agreed. The estates of Flanders, Holland, Namur and Brabant reccived formal "grcat privileges" or, in the easc of Brabant, an extended version of the "Blijde Incomst" ("Joyeuse Entree"). Moreover, those of Flanders, Brabant and Hainault were the driving forccs behind the first privilege conceded to all thc principalities of the Netherlands in general, on 11 February 1477. Although an offer for concessions was made to the estates of Luxemburg as weil, internaiopposition from some of the nobles prevented their effectuation. Similarly, the estates of Hainault managed to prescnt their partieular grievan ces only during the summer of that year, when the French threat had come to a standstill. The Burgundian government got the situation under control again and could affOl'd to simply refuse any further concession. From October 1477 onwards, it even launehed attempts to rccover items on the dem es ne reeeipts which had been given up a few months earlier. The government eared as little as possible to implement any of the concessions 1. Nevertheless, the one general privilege and the four eoneeded to prineipalities in particular, eonstitute an important body, expressing views of representatives on the organization and thc functioning of the state. It is noteworthy that on this eritieal mo11477. Lc privilegc general et les privileges regionaux de Marie de Bourgogne pour les Pays-Bas, 1171111 1'. Blockmans (Hrsg.), (Standen en Landen LXXX, Kortrijk 1985).

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ment no serious attempt was made to dismantle the Burgunclian state as such. Only a minority of nobles in Luxemburg prderred an alternative dynasty. The overall tend_ ency expressed in the privileges was firmly against state centralisation as it had be en harshly pushed forward during the last decades. Overall, 189 out of the 264 articles (72 o;()) express general interests. Many of the themes occur in similar documents in any other European country, viz. the claims of respect of the privileges and customs, the maintenance of the territorial integrity, the rdusal of foreign officers and the use of other languages than those of the inhabitants. Even concerns about free trade, and questions of war and taxation can be considered to belong to the normal grievances of representative bodies all over Europe. But a striking number of articles is devoted to a matter much less common in early constitutional texts. 60 out of the total number of 264 articles (22.7%) concern forms of corruption practised by ducal officers, ranking from the chancellor himself to the humblest collector of tolls. A lot of attention is paid to the gift giving at the yeady nomination by ducal commissioners of the aldermen in the cities and to the practise of farming out all kinds of offices. It is obvious that all the abovementioned practices are considered as evil, as generating further corruption and as creating new improper burdens for the population. This moral condemnation is important for our subject: the government formally agrees with the subjects in this respect, while we don't know about any open plead from the official side in its ddence. Since the privileges directly originate from grievances, they rder to real facts that occured during the years immediately preceding 1477. Indeed, the discussions within the representative bodies reveal their earlier actions in the fields in which measures were taken in 1477. These concern most the farming out of offices, the abuses of power by ducal officers who are charging too much the consumers of their services, their absenteeism and the cumulation of offices. Specific attention is paid to the nomination procedures for the local magistrates, most pregnantly in the Flemish privilege, in which it takes the initial 13 out of the 47 articles. With a large amount of details, prescriptions are made to avoid that town officials or their personnel were nominated because of gift giving. This practice is thus not restricted to duca 1 officcrs, although the town magistrates were formally designated by ducal commissioners. Their role was to introduce proteges of the duke in the municipal administration, and to keep local clans and factions from having a monopoly of power 2 This conflict of interests may have stimulated the tendency towards corruption from the disadvantaged or threatened part of the polity. In 1464, the Brussels Cbambre des Comjites reported about necessary rdorms in the financial administration of the duchy of Luxemburg. The prevailing system of farming out the offices is said to have led to three forms of corruption: a) collectors make lower entries in the accounts of the demesne than they really receive, Alain Derville, Les pots-de-vin dans le dernier tiers du XV e siede (d'apres les comptes de Lilie et de Saint-Omer), in: 1477 Le privilege general, 449-469. 2

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b)thos e officers enjoying a fixed salary "trouvent plusieurs manieres et autres accidens gui ne sont areputer pour emolumens de leurs offices, sans par leurs comptes en faire reeepte", c) som e even ereate private jurisdietions where they levy taxes on their own behalf. The re port proposes to reward the offieers by a proportion of their reeeipts 3 • The doeuments of praetiee show us, albeit not always in a very clear way, innumerable examples of wh at we eall eorruption, and wh at was, at least partly, eonsidered as sueh by the eontemporaries. In a neutral way, we ean diseern five symptoms whieh are, or ean beeome, partly interrelated. 1. The dukes steadily pushed thei1' relatives and proteges in jobs even without any finaneial reward for themselves. Instead, they expeeted politieal support from their clients. Their bastards - mostly in the ease of Philip the Good - were plaeed on strategie posts like bishop John in Cambrai, bi shop David in Utreeht, Raphael de Mereatel as thc abbot of Saint Bavo in Ghent,John as the dean of Aire and of Saint Donatian in Bruges . In the same vein, they introdueed their lesser clients in munieipal offices and clerieal bencfieia. These institutions always tended to reaet against the intrigues used to cvadc the normal nomination proeedures, and vehemcntly did so again in 1477. 2. It ean bc regarded as a general phenomcnon that prinecs strengthen their position by gift-giving in the form of wine ore more durable advantage5 4 . However, when interrnediary persons within his realm imitate his behaviour, they weaken the prinee's position in the sense that they ereate an own clientage to wh ich he has no direet access. He beeomes dependent on intermediaries to get implementation of his aims. As far as these persons distribute favours frorn their own belongings, like the prinee, their action ean be deseribed as patronage. However, when they use publie funds 01' resourees, or their aceess to persons controlling these, to build up an own clientage, we should consider this as brokerage. Power-brokers aet as intermediaries between the eentral state authorities and the regional and loeal interest groups. To quote a classie definition by the historical anthropologist Erie Wolf: "brokers ... stand guard over the crucial junetures or synapses of relationships which eonneet the loeal system to the larger whole."5 The authority of the monarch thus resides in a pyramid of bilateral personal relationships; this form of penetration is relatively weak and vulnerable, typieal of a segrnented soeiety and a weak state apparatus 6

3 Rager Petit, Les Aides et subsides dans le Luxembourg, 1360 a 1565 (unpublished doctorate thesis at the Universite catholique dc Louvain, 1981-1982, in print). 4 Ricbard Vallgban, Jolm the Fearless. Thc growth 01 Burgundian power (London 1979) 30, 84,

98,211-212. j Eric R. Wolf, Kinship, Friendship and Patron-dient relations in complex societies, in: Steifen

IV. SCbllliell, Carl Lande, Laura G"lIasll; Friends, Followers and Factions. A reader in political clientism (Berkely 1977) 167-177. 6 Anton Blok, Variations in patronage, in: Sociologische Gids XVI (1969) 365-378;]eremy Boüserain, Patrons as brokers, ibidem, 379-386;Jan Breman, Over oude cn nieuwe alhankelijkheidsrelaties. De maatschappelijke context van patronage en makelaardij, in: Buiten de Grenzen. Sociologische opstellen aangeboden aan W. F. Wertheim (Meppel 1971) 31-46; Carl Lande, Thc dyadic basis 01 clientelism, in: Schmidt c.a., Friends, Followers and Factions, XIII-XXXVII.

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3. A third symptom of "corruption" is initiated by those lower in the hierarchy see king the mediation or direct help by a patron or power broker in order to obtain protection and favour. In anticipation, they display deference and offer gifts in the form of "pots-de-vin", "gratitudes", "courtesy" to the patron himself or to those of his servants who may play an intermediary role or simply facilitate the access. This form of "corruption" presupposes the willingness of the higher placed to act as a patron Or broker. This person acts as a broker if he does not dispose of his own patrimonium but of that of the state, the Church or a city, or simply of his personal relationships. Only the duke and the great feudal lords could afford patronage with their own resources. The higher nobility mostly combined positions as dient toward the monarch, broker towards local communities and patron towards humbler individuals 7 . 4. The venality of ducal offices is a means of fastening and, at least in the beginning, increasing the receipts of a government in need of Iiquidities. The representative bodies made it dear in 1477, as on many other occasions, that they refused this system of administration because it did not guarantee any quality on the side of the officer. The holder indeed tended to consider his office as an investment which he had to make as fructifying as possible. This meant an increase of the burdens put upon the population and a decrease in the services offered by the administration, while the government got a financial advantage only on the short term. 5. In the fifth place, I discern the action of those appointed either by venality, passive or active patronage or brokerage. In none of these cases, the officer is chosen because of his specific abilities for the job; in the case of venality, the government only expects cash money, in the two other cases only loyalty. The clifference between them being the status as an established dient or the price paid in the ho pe of becoming one. It is obvious that their commitment to a partiCLilar job is low. In the cases where the officer had to afford preliminary costs, he will try to get as many returns from his investment, as quickly as possible, wh ich makes him particularly intransigent towarcls the subjects. Moreover, many of the informally appointed officers prefer to follow other destinies and charge their own dients as lieutenants, which enhances the risk of a low qualification and lucrative motivation. The personalisation of office-holding thus always implies the weakening of the efficiency for the subjects, and in almost all cases for the government as weH 8 . Brokerage is most obvious in the dergy, where formal rules of qualification and procedure are strict. One can es ti mate the number of direct dients of duke Philip the Good up to 32 in top positions like those of bishop, abbot and dean of important and rich abbeys and chapters. Their aim is political in the sense that the dukes try to have their partisans on important seats within their territories.

Alain Derville, Pots-de-vin, cadeaux, racket, patronage. Essai sur les mecanismes de decision dans I'Etat bourguignon, in: Revue du Nord LVI (1974) 341-364. 8 Compare in this respect, the dear statements about the limits of absolutism in 17th and 18th century France through the sale of offices, by Barrillgton lfiool'e, Social origins of democracy and dictatorship (Harmondsworth 71981) 57-61.

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Their ideal is astate church. Moreover, there are fiscal motives as weil as the care bout the mobilising capacity of the church. During most of the 15th century, the ~ishOP'S seat of Tournai, a French enclave, was held by the president of the duke's hi h couneil. The popes lent themselves to cooperation, simply for money, or barter. g for oolitieal and military support. In 1515 Pope Leo X even conceded to appoint mg r 9 110 abbots without cOl1sulting Charles V. The dukes traditionally had the right to appoint their proteges in a large l1umber of low er clerical offices. In Holland and Zealand, half of the canons and a third of the arish priests were involved 10. Still more important were the higher offices like those ~f dean and provost of chapters, abbots and bishops. In 1448, pope Nicholas V granted Jean Chevrot, bishop of Tournai .and presi~ent of the duke's high council, the right of nomination m 108 clerteal benejlCla followmg the proposal of the duke. The duke regularly recommended to these "creatures" again other proteges. So, at least eight clerical secretaries of the Burgundian and Flemish chancery were offered high prebends during the period 1384-1477, in supplement to their administrative functions and inl1

come • Thc negotiations about subsidies to the government occasioned all types of informal agreements. In this respect, we should mention the memorandum addressed in 1530 by governor general Margaret of Austria to her nephew the emperor; she bluntly dedarcs that it was a custom in Flanders and Brabant that clerical beneficia were offered 12 to relatives of city magistrates to facilitate the negotiations on subsidies . Doeuments clearly show how far this practice was spread, also in a very different provinee like Luxemburg. During the twenties of the sixteenth century, the governor general instrueted her commissioners to pay visits to local dignitaries in a specific sequenee. Tbey bad to offer pensions, gifts, pots-de-vin and patronage in order to obtain their assent to tbe subsidy. In return, gifts were offered to the representatives of the king. One of the most prominent noblemen in the duehy, Salentin d'Isenbourg, was mentioned as a person to be visited by the governmental commissioners in 1526, 1529 and 1531. In return for his assent, he managed to obtain the immunity for his own subjeets and the extension of this high jurisdietion to non-residents 13 . These relations were thus reciprocal, personal, direet and asymmetric; sinee the actors manipulated the public finances, they are to be considered as brokers rather than as patrons. Nevertheless, the practical evidence c1early demonstrates how c10sely interlinked tbe conceptually different phenomena of corruption, venality, brokerage and

lValter Preuenier, Wim BlockmtlllJ, The burgundian Netherlands (Cambridge 1985) 242-246. Ildriaan Gemrd JongkeeJ~ Staat en Kerk in Holland en Zeeland onder de Bourgondische hertogen (1425-1477) (Groningen 1942) 23-41, 270-298; Er/ollart! de /v[or((/II, Les familiers des ducs de Bourgogne dans les canonicats des anciens Pays-Bas, in: Miscellanea L. van der Essen, Id. 9

10

I (Brussels 1947) 429-437. 11 Pien'e CockshallJ, Le personnel de la chancellerie de Bourgogne-Flandre sous les ducs de Bourgogne de la maison de Valois (1384-1477) (Standen en Landen LXXIX, Kortrijk 1982) 144-146. 12 Helmllt G. Koenigsberger, Patronage and bribery during the reign of Charles V, in: Album E. Lo llsse (Louvain-Paris 1961) and Estates and Revolutions (Ithaca-London 1971) 166-175. 13 Petit, Aides et subsides.

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patronage appeal' and how much they interfere with the functioning of the formal state institutions. Other fields in which brokerage and venality occur on a large scale, are those of the judicial officers and the collectors of tolls. In exchange for a quick delivery of the el(pected receipt, the government gave up the control over the just application of judicial sanctions and of duties imposed on the trade. The complaints against the abuses in these matters sounded very bitter because they touched not only the wealth, but also the standards of legitimacy l4. It is important to note that the top of the clerical and administrative hierarchies demonstrated all types of "corruption", so that sanctions from above could hardly be expected. Pope Eugenius IV accepted 12,000 ducates from duke Philip the Good for the nomination of John the Fearless' bastard son to the bishopric of Cambrai. The dukes themselves bribed city officials. Duke John the Fearless used to distribute large quantities of wine to marshai the friendship and political support of the Paris population. He addressed similar gifts to eminent members of the French government in 1412, and to high prelates in the Council of Constance in 1415. Moreover so me of these potential clients received money, books, plate and jewels. The highest council_ lors of Philip the Good accepted huge sums from the king of France in order to favour the peace of Arras in 1435. The Croy family, who occupied eminent functions at COurt and posts of provincial governor in Hainault, Namur and Luxemburg, continued to play on both si des, at least until 1465 15 In 1457, a general inquiry on the fortunes of the ducal officers was launched. It revealed wide corruption, but the municipal magistrates preferred to pay themselves off with a subsidy to avoid an investigation in their own jurisdiction. This type of inquiry was quite exceptio na I because it was used by the Croy faction merely to eliminate their opponents. It nevertheless again proves that sanctions were considered applicable to administrators acting beyond the rules 16 The deputy president of the Parliament of Mechlin, maitre Jean de la Bouverie, did not refuse a "courtesy" of 400 guilders of the Rhine, offered him by the nobles and towns of Holland and Zealand in 1477. They asked him to fasten the deliverance of the "Great Privilege" for their provinces, which was indeed granted on 14 March 17. The sum was worth 1,600 working days of a master mason in Bruges at that time. It is crucial to note that, as I mentioned at the beginning of this paper, large parts of this and the contemporaneous privileges were devoted to measures against corruption. It seems cynical that the Estates used corruption to get stipulations against it; in fact, this 14 lP'im P. Blockllla!lj, Breuk of continu'iteit? De Vlaamse privilegien van 1477 in het licht van het staatsvormingsproces, in: 1477. Le privilege general, 91-117;JaJl VaJl Rompae;; Het grafelijk baljuwsambt in Vlaanderen tijdens de Boergondische periode (Brussels 1967) 359-399, 439-470; lP'im P. Blockmam, De volksvertegenwoordiging in Vlaanderen in de overgang van middelecuwen naar nieuwe tijden (1384-1506) (Brussels 1978) 329-337. 15 Ric!Jard Vaughan,john the Fearless (see n. 4); Philip the Good. The apogee of Burgundy (London 1970) 99-101, 375-378. 16 John Bartitl; Une crise de l'ctat bourguignon: la reformation de 1457, in: Hommage au Prof. Paul Bonenfant (Brussels 1965) 501-511; Blotkmans, Volksvertegenwoordiging, 332-334. 17 A. G.Jongkees, Het Groot Privilegie van Holland en Zeeland (14 maart 1477), in: 1477. Le privilege general, 169, 199.

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dernonstrates that the structural incentives were stronger than a voluntarist approach. Sin ce the government, and especially the dukes and governors general themselves, . troduced various forms of corruption, and since they accepted and even stimulated l~eir role as patrons 18 , this model trickled down to lower levels. It also spread horizontallY at each level since there was no real check from above. The mechanism was much :ike that of Gresham's law: the bad drive out the good for the sake of profit. Wh at may then be the circumstances which provoke the introduction and generalization of atronag e as it was the case of the Burgundian and Habsburg Netherlands? Crucial for ihe understanding of patronage and brokerage is the fact that from the 13th to the 16th century the sphere of social relations in the Netherlands was steadily expanding. Aseries of shifts took place from solidarity groups based on a fllnctional relation (the international trade) to clans on kinship basis (13th century); then to a local identity, underpinned by the membership of a particular corporation; from the end of the 13th century onwards, nationalism on the scale of the principalities emerged both in Brabant and in Flanders, albeit mainly in the exceptional situations of foreign invasion or its threat. The process of unification of principalities under the dukes of Burgundy shaped still a higher level of agglomeration. They systematically tried to give it areal existence through the creation from 1430 onward of new overall institlltions, viz. the Great Council, the duke's council, the central audit-offices, the States General, the Order of the Golden Fleece etc. This institlltionalisation implied homogenization of administrative and legal rules, lInification, centralisation, depersonalisation. It also resllited in a serious expansion of bureallcracy. Thus the expansion of the social sphere in wh ich relevant decisions were taken, was accompanied by the introduction of an overall administration which hurted vested interests; those were strongest on the communal (local) basis, but also existent on the basis of the principalities. The existing social ti es, on which the political system was based, were valued mllch higher than the rules and norms imposed by an external dominant force. This domination was physically feit in such cases as the reduction of the Dutch towns in 1425-33, of Bruges in 1436-38, Ghent in 1447-53, Utrecht in 1455-56, Dinant in 1466, Liege in 1466-68, and so on. These urban revolts were symptomatic for the resistance of the largest relatively autonomous bodies against a different political system. From the viewpoint of the government, it was necessary to break down these intermediary powers in a demonstrative way. They were able to mobilise enough resources to challenge the central government in large sections of the territory. If they succeeded in forming a coalition - which happened for abrief while in 1488 - they were a seriolls threat for the government. And indeed, dllring 1482-85 and 1488-90 the two largest cities of Flanders, Ghent and Bruges, were able to expel archdukc and German king Maximilian from real power in most of Flanders. Even the mighty Charles V nceded three years to redllce his native town Ghent, again, in 1540.

18 1'0111 Rosen/eid, Thc provincial Governors Irom the minority 01 Charles V to the Revolt (Standen cn Landen XVII, Leuven 1959) 1-63.

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All these conflicts illustrate the deep tension between the older established power structures on the local and regional levels on the one hand, and the new ones, imposed on them by a prince whose power was located in many regions and thus less vulner_ able, on the other. The local powers lived in the insecurity of being steadily overruled if not physically threatened by higher, mightier, foreign institutions and persons. The ever lasting danger of troops devastating the countryside and robbing travellers for instance, could be bought off by a convenient "courtesy" to the captain. The go vernment on the other hand, was weil aware of the necessity of making arrangements and of accomodating the local and regional powers to its system. This insecurity made both sides feel the necessity of having some mediating system, linking the new centralising state and the local and regional power structures. Tho se were still in control of considerable resources and they were generally considered to be the adequate social systems. It is typical that in 1477, when privileges were easily obtained, all the major cities did so; whereas the general privilege, as the first in its genre, was rather short (20 articles), the regional charters included three to five times as many stipulations, and most of the principalities did not even consider it useful to possess a copy of the general charter. As persons and institutions found themselves in a weak position vis avis overwhelming central powers, they sought the protection of pOwer brokers. The town of Saint-Omer found it in the person of Antoine de Croy, member of the mighty family of provincial governors and councillors. He was the informant for the town and her protector at court. It was not so much the many "dons et gratuites" that stimulated him to offer his high protection; a mighty man wants to be sure of his own clientage, and derives prestige from the number of his followers. When in 1465 the Croy family nevertheless fell from power, the town found a new protector in the person of the "Grand Biltard" Antoine de Bourgogne, and later in his son. The city of Lille built up such a relation with her captain Antoine de Lannoy, equally belonging to one of the most important noble families in the Burgundo-Habsburgian state 19 The city of Ghent, still the largest in the Netherlands until the end of the 15th century, steadily spent 6 to 14% of her total expenditure on personal gifts and "courtesi es". This item dropped to 1,4% in 1468, as a consequence of severe restrictions imposed by duke Charles the Bold, who endeavoured to rationalise the whole administrative system in his state. By 1500, however, the level of 1.3% was normal again. It is obvious that the beneficiaries were members of the urban elite itself, ancl also members of the court and the central administration from whom protective interventions were expected. The presents took the form of real "pots-de-vin", cloth or cash 20 . These presents were often offered on specific occasions as a visit, a marriage or areal service. Sometimes, they were provoked by the beneficiary or even ty the duke himself. In most cases however, they took an absolutely general and regular shape. General, because all towns und rural administrations used to offer gifts to government offi-

Derville, Les pots-de-vin (see n. 2). iHa/,( Boone, Open bare diensten en initiatieven te Gent tijdens de late middeleeuwcn (14de15de eeuw), in: L'initiative publique des communes en Belgique. Fondements historiques (Aneien Regime). Aetes lle Colloque international Spa (Brussels 1984) 104-111. 19

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. Is Regular, because some Im'ger cities and districts dit not wait for partiCLdar cirel a . tan ces but were accustome d to 0 ff er a year Iy pensIon . . 0 fheers. '. I n t I1e to sel1Ior cu mS ' inning of the 15th centuty, the Franc of Bruges yearly gran ted 20 pounds to the ~:~al secretaries; in the sixties and seventies, the chancellor was yeady offered 300 5 or even more. The city of Antwerp at that time paid him 600 pounds fiCI" anpou 11(1 ' 1111/11·

All these sums were registered in the accounts and controlled by the duke's commissioncrs, who, of course, always were magnificently celebrated during the audit. Nevertheless, they sometimes had to insist on more parsimony, but even then councillors and senior officers of the duke were excluded from any restrictions 2l . The government was equally sceking clients in strategie positions, viz. the clergy and the large cities. It is noteworthy that the great Ghent war of 1447-53 originated from the fUlY of duke Philip the Good because he had not been able to persuade the large COllncil of the city to accept a semi-permanent salt tax, although the duke had presented the proposal personally and ~lthough he ~irst had privatel~ obt~ined the consent of the inflllential deans of the gutlds. When mformal persuasIOn dld not work, het turned to the use of force 22 . There is proof of bribery of such personalities on similar occasions. In 1426, the duke gave the Ghent upper dean of the guilds, Clais van Hoedevelde, a "pres ent" worth 8,000 daily wages of those he was supposed to have represented in the negociations over a subsidy. The receipts are dated on the due dates of the tax 23 . Relying on a system of personal loyal ti es, the government came in a conflict with its own bureaucratic procedures. The system of recruitment, the social behaviollr within the institution, and its external relations are different when it is based on informal personal relations instead of on formal mies. The mies are subordinated to arguments of personal loyalty or personal power. The values of astriet bureaucratic system are undermined by patronage and brokerage. As the government turned to venality of offices because of financial needs, it already undermined the bureaucratic, rational methods of administration. It did still more so by recruiting on the basis of kinship and clientalism. While these informal personal relations were aimed at reinforcing the state, they weakened its formal institutions. Each of the brokers indeed uses public resources for private goals. Only a constant renewal and strengthening of personal ties through gifts, services and deference keeps the pyramid of relations upright. In a way, this system replaces the feudal hierarchy as an integration mechanism within the state; instead of land, parcels of the state power and state income form the material basis of this "feodalisme d'etat". Barrington Moore noted that "as the rise of feudalism out of the decay of the Roman administrative system shows, this form of self-help which victimizes others is in principle opposed to the workings of asound bureaucratic system. A bureaucracy to survive must obtain a monopoly on the making of victims and do it according to a rational principle."24 " Cocks!Jall; Le personnei, 30-31, 147-150. 22 Vaur!Ja)), Philip the Good, 306-310. 2} <> . BlockmclIls, Volksvertegenwoordiging, 566. 24 Social origins 01 dictatorship and democracy, 214.

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In fact, the Burgundians paid their officials only moderate wages, but supplemented these by all kinds of gifts, as signs of appreciation and for further stimulation 25 . Purthermore, they were aware of the fact that all their officers, from the chancellor to the . humblest servant, were receiving gifts from others as well. As power brokers, they indeed were able to fasten services or to influence decisions. This system continued practices familiar in feudalism. Therefore, it was not considered evil to accumulate helleßeü; salaries, pensions and seignorial rights; bureaucratic logic might oppose it, but it was still too weakly accepted to im pose its norms. Everyday's practical difficulties were more easy to overcome through direct personal relations than by formal procedures. The dyadic, asymmetrie personal relations with a specific purpose are common of feu_ dalism, patronage and brokerage. In the case of the former, the ritual and the material basis were more formalised because it was socially accepted as the unchallenged core of the power structure. Patronage and brokerage always operate in the shadow of an official norm, aside which they offer flexible, informal means of government in more complex, monetarised societies. But their sources and pattern were still very traditional. One can consider the need of informal ties as typical of a transitional phase, in which the expansion of the social networks and the introduction of new systems create insecurity. The process of state formation in the Netherlands of the 15th and 16th centuries is such a case. The state was too weak to implement its self-determined goals, and had to rely on informal systems. Those smoothened the tensions between the local powers and the state and integrated them in the larger system. Such a system nonnally comes to an end when one of the two opposed sides decisively gets control over the other. In the southern Netnerlands it was the central state who stopped the extension of brokerage. New recruitment systems in which the professional training in particular universities and colleges played a more important role than before took its place 26 . In the North it were the urban bourgeoisies who introduced severe calvinist values concerning the public and private life. One should nevertheless keep in mind that two centuries, or eight to ten generations, constitute a long period during which cultural facts can develop a momentum on their own. Today the low value attributed to the state, the preference of informal personal accomodation and arrangements instead of the application of rational rules, are still widespread in today's Belgium, much more than in the Netherlands. The fact that the state of the southern Netherlands remained in foreign hands for a further two and a half centuries, helps to explain the necessity of the central government to appeal again to native power brokers. In the Republic of the United Provinces, on the other hand, c1ientalism also reappeared during the seventeenth century. It did no longer luve, however, the function of integrating 10cal and regional powers in the centralised state, as it was the case during its incipient formation before the Revolt. " John Bartiel; Legistes et gens de finances au XV e siede. Les conseillers des ducs Phi lippe le Bon et Charles le Temeraire (Brussels 1955) 98-99; CockJhCllU, Le personnel, 156-158. 26 Henk F. K van Nierop, Willem van Oranje als hoog edelman: patronage in de Habsburgse Nederlanden?, in: Bijdragen en Mededelingen betreffende de Geschiedenis der Nederlanden 99 (1984) 651-676; the first seven pages offer a valuable theoretical introduction.

fielmut G.Koenigsberger Patronage, Clientage and Elites in the Politics of Philip II, Cardinal Granvelle and William of Orange* This paper is an attempt to use bistoire ednementielle to illuminate structural and functional problems of early modern politics, especially the uses and limits of patronag e and clientage. Conversely, the results of this approach can, it is hoped, throw light on events 01' patterns of events, in this case the revolt of the Netherlands. On the 23rd July 1561 Orange and Egmont wrote their famous first letter to Philip Il, denouncing the political role of Cardinal Granvelle and complaining that they were excluded horn all important decision-making in the government of the Netherlands'. The overt opposition of the Netherlands high nobility to the leading minister of the regency government, a government of which they were themselves members, has traditionally been seen as a milestone in, or even the beginning of, the roorspel, the evcnts leading up to the revolt of the Nethcrlands. Now this is rather curious. There was nothing remarkable about aristocratic factionalism 01' about complaints about a royal minister, either in the Netherlands 01' anywhere else in early modern Europe. Complaints against Granvelle hirnself were not new 2 • Has it not simply been hindsight which has endowed the intrigues against the cardinal with more than incidental importance? Were not the real forces causing the revolt much more fundamental than the ambitions of a handful of near-bankrupt noblemen, most of whom eventually took no part in the revolt? Were not the causes of the revolt rather the social upheavals due to thc industrialisation of the Flemish countryside, the distress caused in the big ci ti es by disruption of trade, unemployment and high food prices, the spread of Protestant teaching together with the dislike of religious repression even by those who had every intention of remaining good Catholics, the defence of Netherlands liberties against monarchical autocracy, 01' simply the assertion of Netherlands nationalism against Spanish imperialism? Or again, if one prefers to use the terminology of the modern social sciences, was it not the dysfunction and final breakdown of a society, rather than the actions of a few individuals, which caused such a massive upheaval as the revolt? . I wish to thank Professor Geoffrey Parker, Dr. MariaJose Rodriguez-Salgado and Dr. Guy Wells for rea(ling a draft of this paper and making valuable suggestions. I Niko!aasjapikse, Corrispondentie van Willern den Eerste Prins van Oranje (The Hague 1934) 311-15. Antoine Perrenot did not becorne Cardinal Granvelle until 1561; but for the sake of convenience I shall refer to hirn by this title throughout. 2 M, L'all Durme, Antoon Perrenot (Brussels 1953) 158-60. Kareljan lPil/em Verha/stad, De regering der Nederlanden in de jaren 1555-1559 (Nijrnegen 1937) 45-47.

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These questions, which are really arguments and formulations of causes, do indeed have much validity and the answer to them should be at least a qualified yes, Here I shall only argue that historical instinct and the need for an orderly and dramatic pres_ entation, which are the immediate reasons for our historiographical tradition about the actions of Orange and Egmont, may still be justified by the historical evidence j The government of Philip II in the Netherlands, like all early modern governments depended ultimately on the co-operation of the local elites, At the same time, no pop~ ular movement was successful for more than a short time unless it had the support and leadership of this elite, At a time when both criticism of the king's policy and fear of popular revolt were growing", a prolonged breakdown in co-operation between the monarchy and the Netherlands elite was a serious matter. It was so rcgarded at the time>, and it is therefore a legitimate subject for continued historical study, Historians have givcn different reasons for the breach between Orange and Gran_ velle, Was it a basic dash between two opposed political philosophies? or were there more specific reasons, such as the appointment of Margaret of Parma, rather than Christina of LOITaine, as governor-general? Was it the publication of the plan for the new bishoprics or Orange's unapproved marriage with the Lutheran daughter of the hated Maurice of Saxony? or was it, as the German historian Ernst Marx maintained in a famous controversy with Orange's biographer, Felix Rachfahl, that the prince, Egmont and Glajon only became fully aware of Granvelle's domination of the government when they returned to Brussels from their provincial governments in the spring of 1561 and began to attend meetings of the council of state regularll? Was Orange piqued by the regent's renewal of the Antwerp magistrate in the spring of 1561 without consulting him? For as burgrave of Antwerp Orange daimed this right and he had indeed been so consulted by the king himself in 1558 7 ? Perhaps all these events played their part cumulatively, It is certainly difficult to assign them any deal' order of importance, Here I propose rather to try to look more dosely at the terms in which the struggle between Orange and Granvelle was fought, at Philip II's reaction to it and at its historical implications for the Netherlands and for the Spanish empire,

J

In doing this I have had the advantage of using three important but as yet unpublished studies:

Dacid Lagomal'Jino, Philip II and the Netherlands 1559-1573; fHarfajosiJ RodrZi{/leZ-JCI~r;ado,

From Spanish Regent to European Ruler: Philip II and the Creation of an Empire; and Gay h: Wells, Antwerp and the Government of Philip II 1555-1567, I would like to thank all three authors for making their typeseripts available to me, 4 There were riots in Antwerp as early as 1554, Welfs, Antwerp and the Government of Philip 11, eil., 49-57, Philip II to duke of Savoy, 2 May 1557, writes 01 the danger of being caught by a revolt without soldiers or money to put it down, Emmanuele Filiberto duca di Savoia, I Diarii delle campagne di Fiandra, ed, E. Brune!!J; Biblioteca della socictii storica subalpina, voL CXII, N.5. 21 (Turin 1928) 182-83, 'iHarcantonioJl1ala, 'Relazione di Filipp II re di Spagna, 23 settembre 1559', in: E. Alben; Le relazione degli ambasciatori vene ti al senato, ser. 1, voL 3 (Floren ce 1853) 401: "", e gia se ne (i,c, "manifesta sollevazione de popoli") son visti quaiche segni nelli Paesi Bassi," 6 Ernst iHarx, Studien zur Geschichte des niederländischen Aufstandes (Leipzig 1902) 167 ff, 7 Ibid" 174-75,

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In the middle ages the internal politics of the states of western Europe were largely d termined by the relations between the kings and their most powerful feudal vassals. Be the sixteenth century the feudal nobility had finally given up its earlier ambitions Ybeeo me as independent of the monarchy as possible (as the German princes had ~~ne very suecessfully) and had thrown in their lot with the monarchies. lt could be a ery profitable alliance. In France and 111 the Netherlands the rulers used the great no~Ies as provincial governors s. In this position they were held to represent both the king's authority in the province and also the interests of the community of the prov. ce at the king's court 9 Naturally, only members of the greatest families were usually In appointed to these posts; for the provinci~l nobility :,ould n~t have obeyed some~ne belo w their own rank. The governors fulfilied essential functlons for the monarchies. Not only did they organise the defence and public security of their provinces, but they acted as the king's all-purpose administrative agents, immediately subject to his eommands. They would enforee royal legislation and ordinanees without being hampered by all the legal precedents, traditions and esprit de COIPS of the lawyers in the parliaments and provincial courts. Since they were appointed for life they were, in their turn, most favourably plaeed to advance their own and their families' influence by building up clienteles of lesser nobles and of loeal royal offieials. This they did directly through their eommand of the companies of gem d'arille.\~ in France, and of the balldes d'ordoll 1lc1 11 ce, in the Netherlands, and indirectly by cha11l1elling royal patronage to their followers. They came from a small group of families whieh were c10sely linked by interrnarriage with each other and, through their younger sons, with the noble families just below their own exalted level. These latter families, in their turn and in the same way, were Iinked with other lesser noble farnilies. At the top of this social grouping family connections often extended beyond the fron tiers of the state, from the Netherlands especially to France but also to Germany. In the first half of the sixteenth century the system of provincial governorships had worked weil for the monarchies. CharIes V, Francis I and Henry II had enjoyed loyal and effeetive service from their great seigneurs, even when some of their families, such as the Egmont and the Montmorency, were split in their allegiance in the wars betwcen these rulers. For these wars were straightforward dynastie power struggles in wh ich, aeeording to the ethos of the time, a nobleman's honour was fuHy preserved by loyal service to his own sovereign. Just as importantly, the system worked weH because for the monarchies it was an age of expansion: territorial expansion, such as the incorporation of Groningen, Utrecht and Guelders in the Netherlands, whieh provided proRoberl R. Harding, Anatomy of a Power Elite: The Provincial Governors of Early Modern France (New Havcn and London 1978). Ptllil Rosen/eId, The Provincial Governors from the Minority of Charles V to the Revolt. Standen en Landen, vol. XVII (Louvain and Paris 1959). There was no exact1y similar position in England or Spain. The powers of the lords-lieutenant of the English counties were not nearly as extensive, while Spanish viceroys and governors-general, although having cven greater powers, were not appointed for life. 9 See for instance the typically dual role played by the count of Hoochstraten, govcrnor of Holland, in the 1530's. Helmut G. Koenigsberge/; 'Patronage and Bribery during the Reign of Charles V', Estates anel Revolutions (Ithaca and London 1971) 166-75.

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vincial governorships and a host of lesser positions; and economic expansion, both fo r the countries as a whole ancl more particularly for the governments. Increased tax revenues and greatly expanded credit facilities were used to extend government activi_ ties, especially warfare, and this meant more rewards for government service. It was in the nature of these conditions that they could not last. In the 1550's this fact became unhappily apparent. Economic expansion gave way to economic crisis or, at best, to shifts in the patterns of trade with deeply disturbing social results. Govern_ ment expenditure, optimistically overstretched for decades by continual warfare, finally outran taxable resources and available credit. Peace when it was finally concluded did not end the international rivalries between the great powers and was not expectecl to last. It did, however, cut off the prospect of new military commands for the high nobility and of expanding territorial patronage for the monarchies. The simultaneous injection of religious emotions into politics shattered the simple ethos of loyalty between monarch and ruling elite. These new conditions made the personality of the ruler more important than ever. Where, for whatever immediate cause, confidence in his person collapsed, the whole system of consensus politics between prince and high nobility was also likely to collapse. Different sections of the elite and especially its more ambitious individual members were driven to safeguard their positions and prospects. They could do this by one or both of two methods: by systematically expanding their own local power base far beyond anything they would have eleemed necessary previously and by attempting to capture control of the central government. Neither line of policy was, at least initially, regareled as antimonarchical or as inherently treasonous; both hinged crucially on the control of patronage. The economic and financial crisis struck the whole of western Europe. Collapse of confidence in the person of the ruler occurred in France, Scotland and in the Netherlands. The phenomenon of such a collapse was not entirely fortuitous. It was always very likely to occur at the moment of a disputed succession or of the succession of a child or a woman and of the setting up of a regency, especially if it was the regency of a woman. There was statistically at least a fifty per cent chance of this happening at the end of any reign 10, and this was precisely what happened in these three countries. It was these three countries, too, wh ich slid into civil war and again in all three of them the immediate cause of the civil wars lay in the behaviour of the high nobility.

It looks as if Granvelle was the first person fully to appreciate the nature of the crisis precipitated by Philip II's appointment of Margaret of Parma as regent for the Netherlands. It had been an appointment made very much lallte de miet/x; designed to keep out Christina of Lorraine with her French connections and, even more, Philip's detested and feareel cousin, Maximilian of Bohemia. To Granvelle it seemeel therefore necessary, above all, to maintain royal authority by himself directly controlling government patronage anel, inelirectly, by extending his own reputation anel influence. Was it Granvelle who suggested to the king the setting up of the famous secret consulta, the 10

Helmut Koenigsberger and George L. Mosse, Europe in the Sixteenth CentlllY (London 1968)

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. oer advisory eommittee for the regent, eonsisting of himself, Viglius and Berlayot whieh was designed to bye-pass the eouneil of state? It seems at least likely; but rn~ile' this move was neeessarily seeret, another was deliberately public. Probably in ~559 and possibly bcfore the setting up of the eonsulta, Granvelle wrote to Philip: "Not for anything in the world would I be deemed importunate by Your Majesty, but n'o les5 woule! I wish that my relatives and friends should tax me with undue earelessnes S in rny own case ... for it is so many years now that I have reeeived any favour (lIl crtcd) .,. Now, foreed by neeessity and to avoid the opposition of my family and of everybody else who are expeetantly waiting to see how Your Majesty will treat me ... " he hoped that the king would now show him his favour publicly.ll Granvelle's arguments were entirely eonventional and must have seemed perfeetly reasonablc to thc king. In any ease, he arrangcd for Granvclle's elevation to the cardinalate and to the arehbishoprie of Meehlin. Granvcllc was pleased to be a eardinal and he aeccptcd the arehbishoprie although hc had doubts about thc wholc poliey of the new bishopries and although both he himself and his friends in Spain thought he had been rather hard done by to have been made to give up the mueh rieher bishoprie of Arras. If he wanted to playa prominent politieal role in the Netherlands and preserve royal authority, there was no way in whieh he eould have turned down this expensive honour. For the wh oie scheme, together with the ineorporation of the Brabanti ne abbeys in the new bishopries, was designed not only to fight the growing threat of heresy but to inerease government influenee in the estates of Brabant l2 . At the same time it signalled to everyone that Granvelle was a man of influenee with, and trusted by, the king. Having earned the king's patronage, he eould therefore be relied upon to dispense patronage in turn to his own clients. As it turned out, the poliey worked rather too weil. It gave the impression that Granvelle had more influenee with the king than he aetually did. Orange was just as eoneerend about his clientele as Granvelle. For a while, and beCduse they had been friends, they eould arrange to split royal patronage by making deals, 'log rolling'. As late as January 1561 Orange wrote to Granvelle, signifying his pleasurc at the king's appointment of the Seigneur de Chasteauroulleau to the position of 'chevalier de la cour de parlement' of Dole. He went on to agree to give the eaptaincy of Arguel, wh ich Chasteaurolleau had held, to Granvelle's cousin, the Seigneur Pal1Cras Bonvalot 15 But by the summer of 1561, whatever degree of trust had been left between the prinee and the cardinal had evaporated in hard eompetition. In their letter to the king of 23rd June Orange and Egmont referred three times to the damage to their hOl/llellr et reputation and another time to their bonnmr cf cstilllatioll 14. Now in the sixteenth century bOllllcur and estimation referred to the image others had of a matl's ability to get his way. In politieal terms this always included his ability to dis10

CharIes Weiss, Papiers d'Etat du Cardinal de Granvelle, vol. V (Paris 1844) 657-59. G'eoffi'e)' Parka; The Dutch Revolt (London 1977) 48. n. 24. I wish to thank Professor Parker for lctting me have a fotocopy of Granvelle's letter 01 12 May 1576 where he spccifically makes II

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this point. lJ 11

L. 1'. G'ac!;ard, Correspondance de Guillaume le Taciturne, vol. 2 (Brussels 1850) 4-6. Sec note (1) abovc.

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pense patronage. Orange and Egmont, just as Granvelle, c1aimed that "everyone" Was watching and, in their case, mocking. For Egmont was a successful military leader in the king's service, secc)!1d only to the duke of Alba - and Alba had held the post of viceroy of Naples, and was currently serving as one of the principal shapers of rOyal policy in the king's own Council of State in Spain. Orange was an independent prince in his own right, like thc duke of Savoy, the previous governor-genera!. His marriage to a princess of the electoral house of Saxony showed his own view of his social-politi_ cal status and was meant to show it to the world. With the king in Spain and the govcrnment of the Netherlands entrusted to an inexperienced and not velY intelligent woman - a great change, this, from the formidably intelligent and forceful Mary of Hungary - Orange would expect, and would be expected, to play the lcading political role in the country. In modern language neither Egmont nor Orange could afford to play seccll1d fiddle to a jumped-up civil servant from Franche-Comte. Over the next two years both sides built up their c1ientcles. Orange's precise political objectives in this period are notoriously difficult to penetrate I); but it looks as if he and his friends were aiming at a position in the Netherlands similar to that enjoyed by the Guises in France during the reign of Francis 11. This meant obtaining the e!ecisive voice in e!ecision making in the government ane! control of both central ane! local patronage in ore!er to buile! up irresistible support in the country. In this strategy the provincial governorships were crucia!. Mansfeie! in Luxembourg was the most blatant in exploiting his position. It was reportee! that he "tyrannises the provincial council, signs any requests by his secretary, appropriates fines ancl browbeats the attorney-general in his chambers"16 He sole! positions in the town councils for ten gole! florins, let off a mure!erer for 100 eem ane!, horror of horrors, receivee! the Jews in his province 17 . In Hainault Berghes' behaviour was almost equally autocratic. In March 1560 Margaret of Parma had recommended his appointment to the king preciscly because he hae! local influence and coule! therefore counter-balance the excessive authority of the estates ane! of the bishop of Cambrai 18. The appointment turnee! out to be a great e!isappointment for the regent. Berghes exercised quasi-e!ictorial powers over the c1ergy yet failee! to take effective action against heresy in a province which, because it bore!eree! on France, was particularly exposee! to the infiltration of Calvinist preachers 19. Orange, as one woule! expect, actee! more subtly ane!, at the same time, with a surer aim for the acquisiton of power. He triee! to obtain the nomination as 'First Grane!ee' of Zeclane!, a position which woule! have made him the sole representative of the nobility in the assembly of a province of which he was the governo!,20. More sinister still,

I} CL K 1P: 5wtl/'l, 'Willem van Oranje en de Vestiging van de Macht van de Nederlands Statenvergadering', p.2. I wish to thank Professor Swart for letting me have a copy of the typescript of his unpublished article. 16 Rosen/eid, Provincial Governors, 52. " MoriIlon to Granvelle, 9 Dec. 1564. lPi'i\'j~ Papiers d'Etat, VII, 533. 18 Margaret to Philip II, 17 March 1561. GachtllYl, Correspondance de Marguerite d'Autriche, Duchesse de Parme, avec Philippe II, vol. 1 (Brussels 1867) 148. 19 Rosen/eid, Provincial Governors, 51. 20 Ibid., 53.

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he tried to be appointed rt/warcl, or Jllrintendent, of Brabant. This position, as Granelle wro te in alarm to the king, would have made him supreme in a provinee whieh ~he ruter had always taken eare to administer without the intervention of a provineial 21

~~ . . . . . There is no doubt that Orange and hIs fnends were hlghly suceessful m attachmg larg e numbers of the .nobility and of government officials to themsclves. But inevitably their policy aroused )ealousy and opposItIOn. They fatled to wm over Berlaymont, althoug h they tried to tempt him with the promise of support for his son's election to the bishol)!'ic of Liege 22 - a promise wbieb was in itself a measure of their growing influence in the region. More serious still than their failure witb Berlaymont was the resistance to their overtures by the duke of Aersehot and with him the resistance of the whole huge clan of the Croy and its widespread connections in tbe Walloon provinces. Margaret and Granvelle gleefully reported to Philip a quarrcl which had at'isen during a wedding party attended by all the great seigneurs. Aersehot had declared to Egmont that he was not willing to join the league against Granvelle, that they should not lay down the law for him and that, if they did not wish him for a friend as an equal, he did not care, "for he had as much following of nobles and friends as any of them"23 There is equally no doubt that GratlVelle was building up his own party. In the spring of 1562 he wrote to Philip that the seigneurs no longer accepted his invitations for dinner but that he did not really mind and that he invited "gentlemen, councillors and even burghers to gain their goodwill in case these (i. e. the seigneurs) sholtld push matters further"24. A year later he was still using the same tacties. Many now had their eycs opcned to the true nature of tbe seigneurs' poliey, he informed the king, and many of the nobility bad excused themsclves to him that they could not do what they wished for fear of offending the seigneurs; but he, Granvelle, was entertaining them and kceping his friendship witb tbem. This was the more necessaty as Orange did not even bother any more about being mrintenden! of the estates of Brabant because in effeet he exereised a great part of the powers of tbis office anyway and he did this with the help of van Straelen, the Antwerp banker and superintendent of the taxes of the novennial aide of 1558 25 He himself, Granvelle added virtuously, had asked the regent to exeuse him from attending the eonsultas, so as to prevent further jealousy. But it was an empty gesture, and his enemies knew it; for he had arranged that Margaret sholIld continue to consult him privately26 It was also weil known that Viglius, the president of the privy couneil through which all patronage business was handled, was a faithful 'eardinalist'27 21 L P GadJa"·/, 'La chute du cardinal de Granvelle en 1564' (Etudes et notices historigues conccrnant l'histoire des Pays-Bas, Brussels 1890) 110. 22 Margaret to Philip, 6 Feb. 1563, Weisj~ Papiers d'Etat, VII, 5-6. 23 Ibid. 24 Granvelle to Philip, 13 May 1562. Ibid. VI, 557-60. " ... cavalleros, y consejeros y aun burgeses por ganarles la voluntad para en caso gue guisiessen estos (i. e. the league of seigneurs) reboIver mas las cosas." " Granvelle to Philip, 10 March 1563. Ibid. VII, 19,38. 26 Ibid., 2l. 27 Von Durme, Antoon Perrenot, 177.

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By the spring of 1563 Granvelle was unequivocally presenting the strugglc for the control of patronage and, hence, for power in the Netherlands, as the principal iss ue bctwccn himsclf and thc seigneurs 28 Soon afterwards he knew of thc ultimatul11 Orange, Egmont and Hoorn had sent to Philip on March 11 th, thrcatening to rcsig n from the council of statc - not, significantly, from their provincial governorships _ unless the cardinal went. At almost exactly the same time the Edict of Amboise (19 March 1563) gran ted the Frcnch Huguenots at least a limited degree of tokration anel no doubt ominously from Granvelle's point of view, specially favoured the Hugucno; nobility. He feared, as yet without giving any evidence, that onc of the seigneurs in the Netherlands would make himself leader of the heretics, presumably just as had hap_ pened in France 29 In July he wrote to Philip that the slIjJi:rintendencia which Orange was c1aiming in Brabant would allow him to appoint the margraves of the four princi_ pal cities. The margraves were the representatives of the central government for crimi_ nal jurisdiction in these cities. If Orange controlled them, Granvelle argued, he woulel be more powerful than the duke of Brabant (i. e. Philip II or his regent). It was the cardinal's opposition to this aim which was the main reason for the quarrel between them 30 . In the next letter, on 25th July, Granvelle voiced his fears of the seigneurs' plots with German troops but added, perhaps sincerely, that not all of them knew of the ulti mate plans 3l . On the 20th August, in a long, confused and almost hysterical letter to the king, Granvelle concentrated on the demands for the summoning of the States General. What he feared was not the traditional assembly of the deputies of the estates of the different provinces who would listen together to the king's proposals and then deliberate and answer separately, but a joint meeting where all discussed and resolved on the proposals together. This was what they had done in 1558, when the States General had hammered out the conditions of the huge nine-year aide together with the then regent, the duke of Savoy. Granvelle had opposed the joint sessions at that time but had been overridden by Savoy. He was particularly angry about the IOS5 of royal authority which, he c1aimed, had been involved in allowing the States General to administer the nine-year aide. Straelen, the commissioner for this tax had become his special bete lloir 2. Now Granvelle returned to the charge. Joint meetings wOllld cncourage the estatcs to put forward demands they would not dare to make singly. By 28 Granvelle to Philip, 10 March 1563. IVeiss, Papiers d'Etat, VII, 21. "Y porque veo que se ofenden mucho de que no entren en la consulta, y en renovar el magistrado de las vi lias, t'II 10 qllal na mnviene tri ningllna mantra qlle lengall parte, parqlle strfa !a ruilla de !(/ alltaridad de V. M., por quitarles el sentimiento que muestran tener de que entrevenga yo en ello, he suplicado a Madama (i.e. the regent, Margaret of Parma) 10 que antes muchas vezes, que consienta quc yo me abstenga de las consultas, y que de 10 que de mi quisiera ser informada 10 hare aparte ..." My italies. 29 Granvelle to Philip, 9 May 1563. Ibid., 74-75. 30 Ibid., 13 5-38. 31 Ibid., 165. 32 Fe!ix Rach/ahl, Wilhe1m von Oranien und der niederländische Aufstand, vol. 1 (Halle and Thc Hague 1906) 553-68. Verha/stad, De regering, 116-49. Wells, Antwerp, eh. 3, seetion C, 168-192; eh. 4. sect. D. 236, 243.

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his he meant particularly the question of the new bishoprics and the placards against the estates controlled taxation, the government would lose its credit on the oney market and would no longer be able to raise loans on its own authority. The ~ates General, even if it showed good will, would be so slow about raising money on eredit that, if there was arebellion or an invasion, the enemy would have captured half the eountry before the government could raise any troops and, within a short time, both the country and the Catholic religion would be lost. Orange and Berghes were in leag uC with Straelen and even with some of the associates of Schetz, the king's finanei al agent in the Netherlands. They wanted to change the constitution so that they eo uld command the state, and the regent, or even the king bimself if be came, would have no furtbel' say35 But in spite of all tbese elire predictions Granvelle still raised doubts about the sueees of Orange's and Berghes' policy with the estates. Would the estates really want to pay for the garrisons and service the king's enormous debts, just because the great lords called the tune 34 ? Much of the fault lay with tbe prelates and tbeir refusal to consent to the mdes because of the plans to incorporate their abbeys in the new bishopries. This had made the clergy hated and had exasperated the king, altbough it was really the fault of others. The abbots had "allowed themselves to be led like buffalos without thought of the disastrous results this night have for them"35. In Dcccmber 1563 thc States General met in Brusscls. It was a traditional meeting in which thc provinccs discussed the government proposals separatcly and not in joint session as in 1558. Granvelle thought it best to stay away, for fear thc seigneurs would not come at a1l if he was there. As it was, he admitted that they were trying hard to get the mdcs accepted; but they were doing tbis by trying to build up their own following. Orange entertained the deputies of Flanders and Artois, of whicb Egmont was governor. Egmont entertained those of Orange's provinces of Holland, Zeeland and Utrecht. Tbey gave dinner parties for seventy or eighty persons. The marquis of Bergbes claimed that the States General would pay tbe seven million tbe king owed the troops, if only they were allowed to negotiate together. "Tbc estates of Brabant want to be the bead", Granvelle commented sourly, and "tbe marquis wants to be the eock." Aerscbot bad got tired of tbc festivities and bad left. Granvelle thought that tbe estates and the cities, too, were getting tired of tbe bebaviour of the great lords 36

~eresy. If

* The pattern then was this: botb Granvelle and the great seigneurs were tlying to build up networks of clients among tbe lower nobility, government officials and town councils so as to have tbe greatest possible political infillence in the Netberlands withH Archivo General de Simancas, MS Estado 524, fo. 23-29. I wOllld like to thank Dr. RodriguezSalgado for making a photocopy of this MS available to me. Wein, Papiers d'Etat, VII, 181-87, leaves out some of the most interesting passages of this letter. 3' Ibid., fo. 24. 35 Granvelle to Philip, 8 Sept. 1563. Weh); Papiers d'Etat, VII, 206. 36 Granvelle to Philip, 10 Dec. 1563, lbid., 259-65.

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out, however, fol'mally del'ogating the powers of the king. Neithel' side could pursUe theil' policy quite openly. The cardinal could not affol'd to appeal' to be building up a private following 01' even to oppose the seigneurs outl'ight. They were still the king's councillors and, in the Eboli party and especially in the secl'etary Eraso, they had po\\>_ erful friends at court. Eraso, moreover, had a kind of secret service in the Netherlands in the persons of two officials in the administrations of the Spanish troops in the Netherlands, Alonso de! Canto and Crist6bal de Castellanos, and in the Augustinian friar, Lorenzo de Villavicencio. These three ran a campaign against the cardinal's alleged softness towards heretics, and they had the ear of the king. Later, after Granvelle had left the Netherlands and after Eraso had fallen from favour in Madrid, Villavicen_ cio effortlessly transferred his allegiance to the Alba party and switched his campaign against the seigneurs n These circumstances go far to explain the repulsive tone of Granvelle's letters to the king, his constant disclaimers of his own interests in the Control of patronage and his assurances in his own implicit belief in the uprightness of Orange and his friends, followed by innuendos about their personal loyalty and trustworthiness in religious matters. The trick was similar to that used by Shakespeare's Mark Anthony: "For Brutus is an honourable man", - and it was just as effective 38 . Orange, for his part, had to be equally guarded J9 Not only must the king not suspect him of claiming loyalties which properly be!onged to the ruler, but neither must his own aristocratic allies. While all the provincial governors were trying to build up their clienteles, it looks as if only Orange and Berghes really thought in terms of a Guise-like take-over of the whole government machinelY. The constant demand for the summoning of the States General was apart of this policy. Perhaps some of the seigneurs really believed that this body could res tore consensus in religion. Certainly they wanted to use it in their political game and thought they could control it. This was wh at Granvelle and, eventually, Philip II also thought. Hence their attempts to split the league of seigneurs, especially by detaching Egmont from it and their rcfusal to summon the States General. Certainly, Granvelle's interpretation of Orange's poliey in the early and mid 1560's is supported by what we know, mueh more unambiguously, about the prinee's later poliey. The eonstitutional arrangements which he made for the arehduke Matthias in 1577 left effeetive power with himself and with the States General.jo In order to dominate the States General Orange consistently built up a party of his own followers in the towns. He did so in Holland after 1572, for instanee by his appointment of Pieter Adriansz. van der Werff as burgomastel' of Leiden, even

37 For a detailed description of the careers and activities of these three persons sec Lagomarsillo, Philip I! and the Netherlands, cit. Pt. 11. 38 Among many examples see Granvelle to Philip, 12 March 1562. Weiss, Papiers d'Etat, VI, 534, and 22 May 1563, Ibid., VI!, 79. 39 Rosen/eid, Provincial Govcrnors, 54, especially n. 225. 40 Hehllllt G. Koen(r;sbergf/; 'Why did the States General of thc Netherlands become revolutionary in the Sixteenth century?', in: Parliaments, Estates and Representation, vol. 2, No. 2 (1982) 109. Both for the above article and for the present paper I wish to thank Professor Swart for drawing my attention to some of the c!ocumentation supporting this point.

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hough van der Werff did not belong to a patrician family in that City4l. On ce the civil t ar with Don John of Austria broke out, both sides systematically deposed opposing Wagistrates and had their own followers elected or they simply appointed them 42 . m Orange and Granvelle, then, had a very elear view of the nature of power in the Netherlands and their respective policies were entirely logical. But how successful were they in their attempts to control the towns? Evidently, much work remains to be done on this topic; but such evidence as there is suggests that neither the prince nor the cardinal were very successful. Thanks to the forthcoming book by Dr. Guy Wells we know most about Antwerp. Every spring, half of the city council of 18, the schepenen, were renewed, i. e. chang ed . They were chosen by the regent in her consulta with Viglius, Beriaymont and/o r Noircarmes, the margrave of Antwerp and the chancellor of Brabant. The consulta chose from a list of nine candidates proposed by the city council and from another nine proposed by the wljkmeesters and hooltmannen van de portmje. These were the very respectable, propertied persons who made up the 'third member' of the breede raad of Antwerp. On no occasion did the regent im pose a candidate from outside this group. Not even the duke of Alba did that. The council could make doubly sure of controlling its own renewal by putting forward unsuitable candidates, unknown and obviously unqualified men, or elose relatives of actual councillors. This practice would further restrict the choice of the regent and her consulta 45 Granvelle and Orange would each therefore be able to attract allies in the Antwerp magistrate. Jan van Schoonhoven, burgomaster in 1564-65, was a cardinalist and so was Hendrik van Berehern, a persecutor of heretics in districts under his private jurisdiction outside Antwerp. The banker van Straelen and the pensionary Wesenbeke, as is weil known, were or carne to be Orangists. But neither Granvelle nor Orange could hope to pack the Antwerp council with a majority of his own elients or even organise asolid and reliable voting block. Some of the patrician families deliberately kept contact with both sides. Much the same happened in the French civil wars, and it happened probably in most early modern politics, because preservation of the family and its property was regarded as more important than the views or even the personal fate of the family's individual rnembers. The Antwerp council as a whole was most anxious to avoid committing itself to either side. Its aim was to preserve the city's privileges and independence, especially its independent jurisdiction which assured foreign merchants their personal safety in the city, and to escape too elose a scruting of their religious convictions. Such a policy was not the same as that of the cardinal who wanted a much elearer stand on the placards and the prosecution of heretics and who tried to get the city to accept the "Jall Comelills Hendrik de Patet; Jan van Hout (1542-1609) (The Hague 1946) 34. See also C C Hibbm, Gouda in Revolt. Particularism and pacifism in the revolt of the Netherlands 1572-1588 (Utrecht 1983) 72-76.

Care! llendrik Theodoor Blissemaker, De Afscheiding der Waalsche Gewesten van de Generale Unie, vol. 1 (Haarlern 1895) 240-41. Gachard, Extrait des Registres des Consaux de Tournay, 1472-1490, 1559-1572, 1580-81 (Brussels 1846) 114-16. 43 WeiL,; Antwerp, 89-94. Strictly speaking, the whole council was changed, but half of the new one had to be selected from the membership of the old. 42

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establishment of the new bishopric of Antwerp, as weil as supporting the government over the aides demanded from the estates of Brabant. The prince of Orange was there_ fore seen as a useful ally in the blocking of policies which threatened the basis of Ant_ werp's trade and prosperity. But he was also a dangerous ally; for the Antwerp magis_ trate could not aHord to antagonise the Brussels government and the king because it relied on them to uphold its privileges and trade treaties with foreign powers. Even the maintenance of law and order in the city and the position of the city oligarchy depended in the last resort on the support of the government. Fairly minor disturbances such as those of 1554, demonstrated the helplessness of the council in the face of ~ popular movement and its need to rely on thc government's soldiers as a sanction of last resort 44 . Other towns of the Netherlands may not havc been as independent as Antwerp. The methods of renewal of their magistrates varied, and so did the influence which either the Brussels government 01' the provincial governors could exert. In Hainault the governor and grand bailli was held to control the renewal of the magistrates of the Hainault towns 4,. The appointment of Berghes as governor therefore turned out to be particularly unfortunate for the government 46 . In Flanders, Egmont, as governor, shared the an nu al renewal with several other noble commissioners and, no dOllbt, had the decisive voice 47 • The governor of Holland was reqllired to consult with the schollt in each town 48 . Orange, however, be ca me notoriolls for his high-handed interference in the renewal of the magistrates 49 . But for all their eHorts, it does not look as if the seigneurs were very successful in making the city cOllncils into their clients. When Gral1Velle had left the Netherlands, the seigneurs who now dominated the council of state found, just as Granvelle had foreseen, that they could still not persuade the cities to grant the aides which were essential to maintain the country's defence. As far as we can tell at present, the town cOllncils remained remarkably impervious to the party-building eHorts of either the Brussels government 01' of the provincial governors, at any rate lIntil the outbreak of open civil war'o. They pursued their own interests, including their religious preferences, which one could characterise for most of them as a non-persecuting catholicism, and they did not allow themselves to be integrated into the parties in the way this was happening in France. This does not mean that the towns were not aware that the game was being played for very high stakes. This became apparent as early as 1562 over the question of the Biervleet tolls. Ghent had built a canal to the lower Scheldt estuary and petitioned the government for exemption from the tolls at Biervleet. It was a serious challenge to the Ibid., 233-36, 239-41 and passim. Rosen/eId, Provincial Governors, 23. 46 Cf. above, 132. 3 47 Archives Generales du Royaume, Brussels. Papiers d'Etat et de L'Audience MS 809 , folders for 1561-1566. No folio numbers. Rosen/eId, Provincial Governors, 23. 48 Ibid., 24. 49 Ibid., 54-55. '0 Cf. WeIlJ; Antwerp, 237. 44

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rrunercial supremacy of Antwerp and Granvelle tried to use it deliberately to put COessure on the city to give up its opposition to the establishment of its bishopric. By ~~iJliant diplomacy and great determination, especially on the part of Wesenbeke, Antwerp was able to block this challenge without surrendering in its opposition to the bish opric 51 . But in his dying weeks as Margaret's principal minister Granvelle returned the charge. The occasion was the embargo on English imports, in November and ~eeember of 1563, when he advised the regent to pursue a hard line in order to bring ressure both on the English government and on Antwerp. The city lost its English ~rade to Emden, but also to Flanders, for the Flemish cloth industry reeeived English semi-manufactured cloths via France, or even more simply from extensive smug. 52 gmg . I After the embargo was lifted, the rivalry between Antwerp and Flanders persisted and noW came to involve the great nobles. Egmont supported an attempt by Bruges to have the staple of the Merchant Adventurers moved to Bruges instead of back to Antwerp. The Antwerp council turned to Orange. Somewhat tardily, the prince gave his support. The city won this bout, for the regent was not willing to antagonise Antwerp even more. The city was still much too important for the economy of the Netherlands and the finanees of Philip's government. But the victory was not due to the prinee's intervention, and the city knew it 53 . Once the common enmity to Granvelle had disappeared, the league of seigneurs was showing evident signs of strain 54 . While they now dominated the council of state, they were not able to win control over government patronage. Apparently to everyone's surprise in Brussels, this control passed to Margaret's Spanish secretary, Armenteros. By the early summer of 1564, Viglius was complaining ab out it to Granvelle 55 . At the same time the provincial governors were still extending their powers in their provinces. "Armenteros governs everything now", Viglius wrote to the cardinal in October. In Flanders, especially in Bruges, he continued, there was great opposition to the inquisitor TiteImans. The magistrates of the cities were still ready to maintain the law, but they could no longer be relied upon because "the authority of the governors, with the connivance of Her Highness (i. e. Margaret), increases so much that everyone seeks to please them or at least not to displease them"56.

°

Ibid., 259-65. Ibid., 275-85. jJ Ibid., 299-303. 54 E.G. Morillon to Granvelle, 1 April 1564. WeiJö; Papiers d'Etat, VII, 452. "Le conte d'Egmont et le prince d'Orenges se caressent, touttefois l'on s'apperceoit gue c'est simulation ... Les femmes ne se eedent en rien, et se tiegnent par le bras, incedentes pari passu; et si l'on rencontre une porte estroicte, l'on se serre egalement ensemble, afin gu'il n'y ayt du devant ou derriere ... " This eharacteristic comic opera aspect of Netherlands politics before the storm - there are similar seenes in Mozart's Le nozze di Figaro and in Verdi's Falstaj/- had al ready flowered luxuriously in the grotesgue man oeuvres of the courts of Madrid and Brussels to arrange the resignation-dismissal of Granvelle. See Van Durme, Antoon Perrenot, 207-18. j j Viglius to Granvelle, 12 Juni 1564. Guillaume Groell ~'an Prinsterer; Archives ou Correspondanee Inedite de la Maison d'Orange-Nassau, seI'. 1, vol. 1, 2nd ed. (Leiden 1841) 263-65. 56 Ibid., 317-19. jJ

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In these circumstances it was quite logical that the seigneurs' next move was try to subordinate the council of finance and the privy council to the council of state. If they could achieve this, they would have outflanked both Armenteros and Viglius with the other friends of Granvelle who still remained in the government of the Netherlancls. In this move Orange, Egmont and Berghes were uni ted, although we simply do not know whether their ultimate political aims were identical. But more crucial even than this question is another: would their political victory have been enough, or rather, would it have produced a reasonably stable situation?

* The struggle between Orange and Granvelle and their respective allies had been a struggle for power within a given political context. Neither side had had any intention of breaking this context or of breaking out of it. The ultimate sovereignty of the king (however this ambiguous term might have been interpreted at the time) had not been called into question, nor had the maintenance of the Catholic religion. Unlike Concle and Coligny, none of the great lords of the Netherlands had proclaimed hirnself a leader of a Calvinist movement. Their opposition to the new bishoprics and the inquisition was political and emotional but not religious. The Brabantine abbots and the city councils all over the Netherlands who were in the forefront of this opposition were defending their proporty, their legal rights and their political autonomy. On the other side, Granvelle was certainly worried about the spread of heresy. But he saw the fight against it in terms of political power - and that, precisely, was his quarrel with Orange. "It is laughable", he wrote to Gonzalo Perez in 1563, "to send us depositions made before the inquisitors in Spain so that we should look for heretics here: as if there were not thousands professing heresy to whom we dare not say anything."57 Yet while the contestants accepted the context of the struggle, this context was not stable. Forces which neither Granvelle nor Orange could control broke in on the struggle, swept the contestants aside and radically altered its terms. Both Orange and, much later, Granvelle, managed eventually to return to the struggle, but only after they had accepted the new terms. The forces over which, in the mid-1560's they had no control, were of course the spread of the Protestant movement and Philip II's reaction to this movement. The his tory of Protestantism in the Netherlands, the formation of the Compromise, the hedge preaching, the conventicles, thc image breaking, the alliance between Calvinist nobles and burghers and the formation of the gl/el/x as a fighting force - all these are weil known, and I will not rehearse them here. The king's policy, however, requires abrief account. Inevitably, this account owes a grcat debt to the still unpublished work of David Lagomarsino and Maria Jose Rodriguez-Salgado who, between them and without always a agreeing with each other, provide the most detailed and best-documented analysis of the politics of the Spanish court. The key to an understanding of Philip II's policy is his view of the nature of his empire and of his own position as its ruler. Charles V had failed to have Philip succeed )7

17 June 1563. lPeiss, Papiers d'Etat, VII, 106.

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hirn as emperor; yet Philip thought of his dominions essentially in imperial terms, just s his father had done. He was the ruler of each of them, reigning over them not as ~ing of Spain but as their own prince and by virtue of their own laws of succession. He had swo rn to uphold their rights and privileges. If at times he chose to overrule certain of these rights and privileges, it was only in order to defend even greater rights of his subjects: to live under his, Philip's, rule, to which God had entrusted them, and to live within the true Catholic faith, without being led astray horn their salvation. Of both these rights he himself, and no one else, was the judge 58 . When he was still in the Netherlands, after the emperor's abdication, he ruthlessly exploited the financial resources of Castile to carry on the war with France from the Netherlands. The emperor hirnself, both from Brussels and, later, from Yuste, fully supported and even increased this pressure on Spain 59 . There is every reason to take seriously Philip's cri de ereIIr to Ernrnanuel Philibert, his regent of the Netherlands, in 1557: "Although I have ordered that rny ci ti es in Spain be sold for the defence of the Netherlands (and although I understand very well that they don't believe this), there is nobody in Spain who has got the rnoney to buy these cities, for the whole kingdom is so poor, much poorer than the Netherlands ... I for my part am doing wh at I can and will risk my person for thern and join the army which is to defend these states and I will give them all the rnoney I have ... And for all this they thank me here by saying or thinking that I care nothing for them and that I prefer an inch of Spanish earth to a hundred leagues here. All this I cannot but feel strongly and grieve much over it, for it is so much without cause .,. "60 Yet this hostility which Philip recognised was unavoidable. The supranational policy which the king pursued by force of his inheritance was never likely to be acceptable to subjects who had to pay for it, especially when the king was not among them to distribute royal patronage and personally supervise the administration of their country. England, Scotland and France all experienced deadly faction fights for control of patronage and power during royal minorities and regency governments. All of Philip's dorninions, except the one in which he himself resided, were permanently in the posi58 See for instance Philip's reply to a petition of the estates of Brabant, in 1562, against the incorporation of the ab beys in the new bishoprics. The king maintained that, in case of a doubtful interpretation of the joyollse entree, the decision could not rest with the estates. They should "plustot considerer et interpreter gu'il n'y ait privilege, guelgue fort gu'il soit, gui ne deut cesser pour tel bien que le present, C/lln summa sit ratio qual' pro re/igione /arit ct sa/lls populi mprema lex I'st." Gi/c/;i/rd, Correspondance de Marguerite d'Autriche, vol. 2, 143. 59 Rodr(~uez-Salgado, Spanish Regent to European Ruler, eh. 5. 60 Philip to Savoy, London, 27 May 1557. Archives Generales du Royaume, Les Archives et les Bibliothegues d'Italie, vol. 1, Manuscrits divers 1172, fo. 225-27. " ... y aungue he mandado gue, para defender esos Estados, porgue los tengo en mucho (aungue entiendo muy bien gue no 10 ereen aSl) me vendan las ciudades gue tengo en Espafia, no se halla nadie gue tenga dinero, porque todo el Reyno esta pobre y harto mas gu'esos Estados ... yo, de mi parte, 10 gue puedo hago, qu'es poner con ellos my persona y juntar el exercito, y traer para defension d'esos Estados un todo quanta dinero tengo ... y esto agrandezanmelo ay de manera gue diran 0 pensaran gue no los tengo en nada y gue guiero mas un palmo de tierra en Espafia gue ay cien leguas. Todo esto no puedo dejar de sentirlo mucho y dolerme mucho dello, siendo tan sin causa ..." Gaehard's copy of the original in Turin. Partly guoted in Verho/stad, De regering, 113. n. 90.

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tion of necding regency governments. In 1559, when Philip had been absent fro rn Spain for six years, that country, too, was on the brink of rebellion. The one point On which nearly evelyone agreed during the 1560's was the need for the king's return to the Netherlands to solve its problems. The question was how this could be done. Spain was beset by mortal enemies in the Mediterranean, enemies who could, or SO it was believed, count on the support of a 'fifth column', the Moriscos in southern and eastern Spain. In the event, Spain was plunged into civil war, the revolt of the MOris_ cos, before the most serious stages of the civil war in the Netherlands had even begun. Moreover, the regent whom Philip would have had to leave in Spain, the Infante Don Carlos, was showing progressively more alarming signs of mental instability. Yet there was no obviously acceptable alternative to Carlos. Perhaps a much greater integration of the different parts of Philip's empire would have resolved at least some of his problems. Granvelle, at least, seems to have thought so. Quite consistently with his view of the nature of politics he urged the king to inter_ nationalise his patronage and give encomiendas of the Spanish orders of knighthood to Netherlanders; for then they would have to support the country from wh ich they were deriving their income, and their relatives and clients would be won over with them. Even if only two or three Brabanters were honoured in this way, the cardinal assured the king, 25,000 would support him the more willingly in hope of similar advance_ ment. In Italy, too, so me high positions in government or in the military or naval establishment should be given to some of the principal Netherlands seigneurs who had shown their prowess in these fields. Orange himself, for instance, "would not serve badly (as viceroy) in Sicily, for he would then be far from Germany and perhaps live with greater contentment"61. It was an astonishing proposal, coming as it did in March 1563, at the very height of the cardinal's quarrel with the prince. Granvelle was certainly quite serious about his idea, for he came back to it in a later letter62 , and I do not think he proposed it only to get his most dangerous opponent out of the Netherlands. Philip also took the suggestion seriously, but could not see it in the same way. As to the encomiendas, he replied, they were given only to persons who took the habit (i. e. religious vows) and many did this only to get an erlcomienda. Besides, there were so many people in Spain who served him and whom he could not reward except with money, which he needed for other purposes, or with CIlcolllimdas; and those who did not get one became disgruntled. Still, he was considering one for Gosuin de Varick, governor of Diest, who may have been connected with Orange. As to positions in Italy, there were very few, mainly viceroyalties. For these, because of the importance of religion, it was necessary to find so me one about whom one could feel absolutely safe, not only about his own religious beliefs but about the way he handled such beliefs. With the prince of Orange one just could not know whether it would work out in the way Granvelle suggested 63 .

61 Granvelle to Philip, 10 March 1563, Weiss. Papiers d'Etat, VII, 53-55. 62 Granvelle to Philip, 13 June 1563. Ibid., 156-57. 63 Philip to Granvelle, 13 Junc 1563. Ibid., 85-89.

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Bere indeed was the heart of the matter. It was the unreliability of the civil authori. both of the cities and of the provineial governors, in dealing with heresy wh ich, as ues, Rodriguez- Saga I d 0 h as conv1l1c1l1g . . Iy argue d , ma d e t h ' f h' .. Dr. e ma1l1tenanee 0 t e 1l1qUlSl. n and the enforcement of the plaeards in the Netherlands a matter on whieh Philip u~uld never give way. In Naples and Milan, and even in Galieia in Spain, the civil au~orities could be relied upon to the extent that the introduction of the inquisition co uld be given up in the face of local opposition, or at least postponed indefinitely64. The exchange between Philip and Granvelle showed the central ambiguity at the co re of Philip's empire: here was a king who could speak only Spanish f1uently, who lived in Spain, who surrounded himself with Spanish advisers and who, for seemingly ood reasons, was reluctant to extend his imperial patronage to all his subjeets. It did ~ot matter that all his dominions, just as all countries of Europe in the sixteenth eenwry, bitterly resented having non-natives appointed to 'their' offices and that hardly anyone really wanted to have a truly imperial, international administration. The provinces of the Netherlands were notorious stieklers on this point, even against eaeh other. It did not matter that, in fact, very few Spaniards were appointed in the Netherlands and not many more in Italy. It did not matter that Philip's imperial policies, and not least his policies in the Netherlands, often ran counter to the interests of his Spanish subjects. The overwhelming impression whieh Philip gave to his contemporaries was that he was a Spanish king, ruling a Spanish empire in the interests of the Spaniards. Nowhere was this c1earer than in Philip's policy towards Franee. When the first civil war broke out, in the early summer of 1562, Philip wanted to support the Catholics. The Netherlands, however, refused to eooperate in a policy of intervention. Granvelle and Margaret of Parma counselled against it. The Order of the Golden Fleeee voted unanimously against any military action in Franee 65 . Philip feit this attitude to be both humiliating towards himself and desperately dangerous for the Netherlands. The reports from Chantonnay, Granvelle's brother and Philip's ambassador in France, became more and more alarming. Thus in January 1563 Chantonnay wrote of talk among members of the Freneh royal couneil, of how, now that heresy had gained a foothold in France, the Netherlands were ripe to fall. They were disenchanted with the Spaniards and would choose either the king of Bohemia as their ruler or, beeause Maximilian might not be strong enough to defend them, the king of France himself. Philip would be quite unable to mount a diversionary attack from Italy or from Spain. Once the Netherlands had fallen and its warships had joined with those of Franee, England could not be held and then Spanish commerce with the Indies could no longer be protected. The duke of Savoy would then no longer be able to deny passage to French troops into Italy and the Milanese would be pleased to throw off the burden

64 65

RodrZf!;uez-SaZf!;ado, Spanish Regent to European Ruler, 481 ff. Vig/ius, Memoires, ed. A/phonse Gui/laume Ghis/ail) Wallten (Brussels 1862) 46-47. Gachard,

'La chute', 109.

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of Spanish rule. In all this the French would undoubtedly get help from the Turkish fleet and from the Moors 66 . No doubt, the French councillors, "important persons but not principal ones", as Chantonnay characterised them 67 , were whistling in the dark to keep up their courage in the middle of a civil war, or perhaps they were just trying to frighten Philip's ambas_ sador. If so, they were more successful than they could have hoped. Chantonnay reported their views in the classic form of a domino theory where one future disaster inexorably leads to another. But, for all the usual implausibilities of this theory, there were sufficient reasons for Madrid not to take the threat lightly. Philip had distrusted Maximilian ever since his cousin had edged him out of the succession to the Holy Roman Empire. Maximilian was known to have ambitions in the Netherlands and, when one thinks of the later venture by his son, the archduke Matthias, such ambitions Were far from impossible. Moreover Alba, to whom Chantonnay addressed his letter, had himself in earlier years argued that the Netherlands were strategically very difficult to defend, especially without the presence of their prince. Philip knew all about this argument. He had himself summarised it for his father in 1544 when Carles V was wondering whether to give the Netherlands or Milan as a dowry for a Habsburg princess marrying the second son of Francis 168 . Finally, both Charles V's earlier experience and the ineffectiveness of the mismanaged Spanish intervention from Milan in the French civil war underlined the point made by the French councillors about the invulnerability of France from attacks mounted from Italy or from Spain. Without troops in the Netherlands that were under his complete control, wh ich the bandes d'ordonnancl! clearly were not, Philip could neither pursue a credible great-power policy in northwestern Europe nor even ass ure the safety of a dominion for which he regarded himself just as much responsible as for Spain. There was no alternative to co-operation with the Netherlands nobili ty 69. The first implication of the full realisation of this fact was the necessity of throwing Granvelle to the wolves. It is quite likely, as Professor Lagomarsino has argued with a convincing wealth of documentation, that the cardinal's enemies at court, Secretary Eraso and the Eboli party, egged on by the personal enmity of Simon Renard and the fanaticism of Fray Villavicencio, would in any case have won this round against Granvelle's supporters, Alba and Gonzalo perez. They certainly organised the political mechanics of Granvelle's recall from the Netherlands 70 . Yet Philip's action in this case was very much part of a pattern of political behaviour which he followed consistently

66 Chantonnay to Alba, Paris, 16 Jan. 1563. Archivo Documental Espafiol, pub!. R. Academia de la Historia, V, Negocianciones con Francia (1563), (Madrid 1952) 33-36. 67 "Personas principales, no de los mayores que de los que entran en consejo ... " Ibid., 33. 68 Philip to Charles V, Valladolid, 13 Jan. 1544. M. Fernandez Alvares, ed., Corpus Documental de Carlos V, vo!. II (Salamanca 1975) 306-9. F Chabod, 'Milan 0 los Paises Bajos? Las Discusiones en Espafia sobre la "alternativa" de 1544'. Carlos V (1500-1558). Homenaje de la Universidad de Granada (Granada 1958) 367-70. 69 Here I am following Dr. Rodrfguez-Salgado's interpretation, From Spanish Regent to European Ruler, 449 ff and passim. 70 Lagoll/mJino, Philip II and the Netherlands, Pt. 11.

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hen ever one of his ministers, viceroys or governors ran up against local opposition

~ t seem ed for the moment insuperable. So it was with Margaret of Parma and, later, t ':h her son, Alexander Farnese, with the marquis of Mondejar in Andalucia, with

~~tonio Perez and with the duke of Alba himself. With the viceroys of Sicily the prac. e became a regular system. Machiavelli had recommended making a show of UCcrificing unpopular ministers 71 . In fact it was difficult to avoid doing this where an s:rlY modern ruler had to rely on the co-operation of a local elite. The alm ost universal ~ontemporary lament of the fickleness of princes had much justification, for such ficklen ess was built into the system of early modern government. Granvelle had faithfully carried out Philip's policy in the Netherlands. In the proceSS he had become unacceptable to a large seetion of the local elite. As a result, the country was left virtually undefended against both military and religious attack. There was no way - and here I am again following Dr. Rodriguez-Salgado's argument - in which Philip could have continued Granvelle in office. Failing his own return to the Netherlands, he had to come to some sort of terms with those who commanded the local defence forces, the bandes d'ordonnance. Since Orange and his friends had always proclaimed their loyalty, both to himself and to the Catholic religion, the king had to hope that this alliance would still maintain his ultimate authority, and that the struggle against heresy would, at least, not be further weakened. It was a fodorn hope. Psychologically and politically the aims of the players in this game were too contradictory to make genuine cooperation possible. The tragi-comedy of mutual misunderstanding during Egmont's visit to Madrid shows that this fact was not immediately dear to most of the participants but that, on the contrary, there was quite a lot of mutual good will. One may weIl suspect, however, that Orange at least saw the situation more deady and was not very surprised by the outcome. The immediate result was stasis, a seizing-up of the political process and a virtual standstill of the administrative machine. Again, this was an inbuilt hazard of early modern regimes, and Philip II's empire, with its geographically separate entities and its ethnic and religious tensions, was particularly prone to it. In Sicily, for instance, stasis was practically a permanent condition; for in the island the viceroy and the civil courts, on the one side, and on the other the Spanish inquisition allied with the proto-Mafia of disgruntled nobles and bandits held each other in an immovable balance. Philip reacted by changing the viceroys every three or six years and otherwise making soothing noises to both sides. Neither party, nor anyone else in Sicily, threatened his sovereign authority or the Catholic religion 72 NitcoliJ Alachiawlli; Il prineipe, eap. VII. HE perehe eonosceva le rigorosita passate avergli generato qualque odio, per purgare gli animi di quelli popoli, e guadagnarseli in tutto, volle mostrare ehe se crudelta alcuna era seguita, non era nata da lui (i.e. Ccsare Borgia), ma dall'acerba natura dei ministro (i.c. Ramiro d'Orco). E preso sopra qucsto oeeasione, 10 fece una mattina mettere a Cesena in duo pezzi in su la piazza con un pesso di legno e un eoltello sanguinoso a canto. La feroeita dei quale spettacolo fe ce quelli popoli in un tempo rimanere soddisfatti e stupidi." With Philip II's ministers the eutting in pieces usually applied to their eareers rather than their bOdies, although Juan de Eseobedo might not have thought so if his assassins had left hirn any time to reneet on his fate. n llehnllf G. Koenigsbergcl; Thc Praeticc of Empire (Ithaea 1969) 161-70. 71

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In Spain and in the Netherlands, however, such masterly inactivity was in the long run not possible. In Andalucia stasis developed from the conflicting claims and manoeuvres of the inquisition, the Cludiencia, i.e. the supreme civil court of the prov_ ince, the archbishop of Granada, his hostile cathedral chapter and the governor of th e province, the marquis of Mondejar. All this manoeuvring took place at the expense of the Morisco population and against the background of Moorish raids across the Straits from North Africa. Philip, anxious both over defence and over the apparent resur_ gence of Islam among the nominally Christian Moriscos, backed the hard-line reli_ gious policy of Cardinal Espinosa against Mondejar, the de facta protector of the MOri_ scos. To satisfy local interest groups, as weil as his personal enemies at court, the king relieved Mondejar of his responsibilities for the Moriscos and for internal security. The result was an explosion, the rising of the Moriscos against the paralysed civil and l11ilitalY authorities 73 , followed by more than two years of civil war, then the dispersal and, finally, in the early seventeenth century, the expulsion of the Moriscos. In the Netherlands stasis overtook the regime when, year after year, the estates of Brabant refused to pay the aide for defence which the government had asked for in 1558; when the provincial governors and the city councils blocked the government's religious policy; and when the noble members of the council of state boycotted that body. Then, just as in Andalucia, the dismissal of the principal minister did not succeed in setting the government machinery in motion again. Here, too, the king's initiative in religious policy then triggered the reaction of forces outside the parties of the political and administrative elites, forces which the stasis had allowed to gather strength. They came into the open in the Compromise, the image breaking and the military actions of the armed guCl/X. This was the tragedy of Philip II's empire. For William of Orange it was an opportunity which he had helped to create but which he had not intended and whose nature became c1ear to him only with time. If for him the story in the end also turned to tragedy, it was at least a tragedy followed by catharsis: the foundation of a new, independent state, the United Provinces of the Netherlands.

Schematic analysis 1.

Ear~}'

modem Govemments emd elites

In the absence of a modern civil service with a modern civil service ethos, of which the expectation of a regular and sufficient salary is a necessary but not a sufficient eondition, early modern governments could not govern without elites. These elites will, as in the case of modern soeieties, include high government servants. More important, however, they will include persons, groups of persons, corporations and other institutions whieh command substantial authority in their own right. This means that these elites will be in a c1ientage relationship with the prince (or his ministers) acting as pa-

Cf. K. G(I/'rad, The Causes of the Second Rebellion of thc Alpujarras (1568-71) (Cambridge Ph. D. thesis).

73

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ron. Such a relationship will exist regardless of a relationship based, especially but not two types of relationship, atronag e and c1ientage and personalloyalty, run parallel to each other and are usually fntertwined in varying and, often, unpredictable ways. It follows that the elite will also act as patronage brokers for princely or government atronage. It is of the essence of this situation that it is in practice often impossible to ~raw the line between the interests of the state and of the person, family or status roup of the broker. Indeed it is often precisely in the interests of the patronage bro~ers that such a line should not be drawn c1early, even when they protest the contrary.

~nlY in the case of the high nobility, on personalloyalty. The

2. COIII!JOsite states Since the norm for early modern monarchies was not the unitary nation state but the comp05ite state, the functioning of the patronage - c1ientage relationship was complicated by the inevitable problems and frictions arising from a metropolitan dominion relationship. This was the essen ce of the Spanish Netherlands situation. The problems can be seen under three heads: a) The local elite of the dominion will want more control over patronage and policy than if the king were present. It is gene rally assumed that the king himself can dispense patronage more freely than his governor-general and the king himself can command a degree of personal loyalty which his governor-general cannot command. In periods of economic and political expansion, as they existed up to about 1550, it was usually not too difficult to find a modus1li1lemh In aperiod of economic contraction and political stagnation this became much harder. b) It is inherently difficult for a king of a composite state to operate an imperial patronage system which is both objectively fair and is seen to be fair. The elite of the metropolitan state will always resent offices going to members of the dominion elite. Conversely, the dominion elite will always feel that the king prefers the natives of his metropolitan state. The first pattern appears c1early in Cardinal Granvelle's abortive attempts to induce Philip II to appoint the prince of Orange as viceroy of Naples or Sicily. The second pattern appears in Philip II's complaint to his governor-general in the Netherlands that the Netherlanders believe he cares more for an inch of Spanish soil than for a hundred leagues in the Netherlands. The personality of the principal actors and their personal prejudices and ambitions made solutions to these problems even more difficult. c) In the particular circumstances of the second half of the 16th century religious differences (and, hence, inevitably, constitutional differences) made these problems explosive. This happened also in the case of the Moriscos of Andalucia, and there were similar patterns in the 17th centUlY in Bohemia, Scotland and Catalonia.

3. Limitatiolls The course of the struggle for the control of patronage in the Netherlands during the 1560's, however, also showed the limitations of the effectiveness of the patronageclientage relationship in politics. These fall largely under two heads:

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a) There were corporations - political structures - which were sufficiently autono_ mous not to be easily controlled by either government or aristocratic patronage. This was so primarily for the Netherlands cities and it was also so, although to a lesser el(_ tent, for the great monasteries. The cities had their own patronage system and were, in many respects, dependent on government favour. But their councils remained sub_ stantially autonomous. b) In the religious movements of the period religious motivation could be stronger than self-interest or family interest and, hence, could subtract at least an active minor_ ity from the usual calculations of the patronage-clientage relationship.

4. COl/cll/siom The interaction of all these fOl'ces in the given circumstances was highly complex and not fully predictable from any sort of theoretical analysis. This fact does not make such analysis unnecessary, but it means that histoire evenementielle is necessary to fill the gaps in the theoretical model. From the example of the Netherlands and the Spanish empire in the 1560's it appears that the control of patronage was an essential, but not an exclusive or inclusive, method of exercising political power. It was not synonymous with corruption but it could rarely avoid aspects of corruption and, in the eyes of the opponents of the actors, the smell of corruption. The patronage-clientage relationship did not represent a moral decline, or any sort of decadence, from an earlier supposedly uncorrupt system of political relationships, such as classical feudalism. It was rather a functional necessity of political society in early modern Europe. When this society changed, in the 19th and 20th centuries, neither the patronageclientage relationship nor corruption disappeared. They only changed their modus op-

erandi.

Denis Riehet Les liens de clientele: l'exemple de la «robe» en France aux XVl e et xvn e siecles L'historiographie dominante en France au XIX e et au premier XX e siede a ete marquee par un certificat de bonne conduite decerne aux magistrats, et, plus generalernent, auX hommes de robe longue qui ont contribue a construire, a maintenir, voire a sauver en periode de crise, la France royale des Temps modernes: ce qu'il est convenu d'appeler l'Ancien Regime, formule que je recuse 1 • Ces magistrats, ces gens de robe, ou les trouverons-nous? A Paris, a Aix, a Dijon, a Grenoble (etc.) dans les Parlements et autres cours souveraines (Chambre des Cornptes, Cour des Aides, Cour des monnaies) Presidents et conseillers, mahres des cornptes, magistrats de cours non souveraines (comme le Chiitelet de Paris et les presidiaux) ont constitue un milieu social d'origine geographique et familiale diverse mais ou se developpe, atravers les differences individuelles, une certaine homogeneite dans Je cornportement et le mode de vie. Doit-on y ajouter les avocats? C'est un milieu tres heterogene pour peu qu'on regarde l'age et la fonction. Tous ceux qui esperaient acheter un office commen<;:aient par etre avocats au Parlement (vers vingt cinq ans). Parmi ceux qui restaient avocats il y avait la pietaille, vegetant dans une vie sociale tres netternent inferieure a celle des officiers, faisant partie de cette «bourgeoisie seconde» qu'Henri Drouot avait dece!ee dans la Bourgogne de Mayenne 2 . Mais il y avait aussi une elite de notables qui aurait pu acceder aux plus hauts postes de la magistrature, rnais qui preferaient leur in dependance et leurs profits: ainsi, Antoine Arnauld, dont son fils, d'Andilly, ecrit dans ses Memoires qu'il refusa la charge de procureur general au Parlement de Paris et prefera, en demeurant avocat, servir les «affaires» des grandes familles, ce qui ne l'empeeha pas de jouer une plaee de premier plan dans la notabilite parisienne, voire au plan nationaP. Definir un milieu sodal par la seule profession serait meeonnaitre eette imbrieation des fonctions (<
* 1

2 J

Denh Riehet, La France moderne: l'esprit des institutions (Paris, 1979). Henri Drallal, Mayenne et la Bourgogne (Paris 1937). Roger Cbartier et Denis Riebet, Representation et vouloir politique. Autour des Etats Generaux

de 1614 (Paris 1983).

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Denis Richet

Le probleme qui nous est pose aujourd'hui est celui des liens de patronage et de dienteie qui ont mele en un meme tissu ces gens de robe aux autres couches de la 50_ ciete et de I'etat. Par en haut et par en bas. Par en haut: pour ces officiers le Roi n'est pas seulement le souverain dont depend leur statut, mais le dis pensa te ur de commissions diverses, remuneratrices en profits consolidatrices d'une position acquise au service de l'Etat. Le Roi est le premier de~ 'patrons». Et l'on peut, comme je l'ai tente pour le president Pierre Seguier 4 - grand_ pere du chancelier - depister dans les archives les traces des revenus ainsi tires de commissions et de pensions qui n'entraient pas dans les gages ordinaires de la profes_ sion. En principe (et ce fut rappele dans l'ordonnance de Blois de 1579) servir le Roi et servir un grand seigneur, fOt-il prince du sang royal, etaient deux fonctions incompati_ bles. En fait, c'etait chose courante. Prenons I'exemple de Christophe de Thou, d'abord avocat au Parlement, premier president en 1562, eminent juriste qui contribua ala reformation du droit coOtumier en de nombreuses provinces. Choisi comme conseiller de la maison de Laval - a laquelle il consentit de nombreuses avances d'argent - il fit saisir et mettre en vente le comte de Laval, pour etre rembourse, ce qui fit scandale. Et, en meme temps, il s'occupait des affaires de la maison de Lautrec et de celles du cardinal de Lorraine. Son contemporain Pierre Seguier, lui aussi president au Parlement de Paris, faisait les ,affaires» de la maison de Nevers. Sa femme nous apprend, par devant notaire, en 1565 que la duchesse de Nevers a laisse chez elle, comme gages d'un pret, tous ses bijoux. Seguier fut charge par la Reine-Mere d'une commission de ,liquidation» des biens - et surtout des dettes - de la maison de Nevers. Il en tira plusieurs seigneuries, dont la duchesse, dans le contrat de vente, estiment qu'elles etaient cedees a 50% de leur valeur reelle. Ainsi se melent inextricablement le service public et I'enrichissement prive, dO a I'infortune des Princes. On pourrait multiplier les exemples. Reste asavoir qui etait gagnant et qui etait perdant dans ce jeu de dienteie. Dans les exemples cites on pourrait tirer la condusion suivante: les robins ont gagne, les princes ont perdu. Ce serait, amon sens, confondre des notions tres diverses qui s'interpenetrent dans ces echanges inegaux: l'argent, les terres, les services, l'influence socio-politique jouee par un grand seigneur. Le patronage du duc d'Epernon a ete profitable a la famille Seguier: au president Pierre ler, a son fils le president Antoine, a son petit-fils, le futur chancelier. Commissions et ambassades leur sont venus de ce favori hisse par Henri UI. Il semble que dans les rapports entre robins et princes, si les premiers se sont enrichis (et, en particulier ont acquis des seigneuries) les seconds ont constitue, au profit de leur carriere et de leurs ambitions politiques, un reseau de fidelites qui s'est revele durable.

*

4

Denü Riehet, Les origines et les dfbuts du chancelier Seguier (these manuscrite).

Les liens de dienteie

151

Le mccanisme de ces liens mcrite un examen approfondi. Le grand phenomene du

",rle siec!e, recemment mis en lumiere par Denis Crouzet5 , est I' endeftemenf des fai' ~lles

princieres. Les recettes de ces maisons ne parvenaient pas a satisfaire leurs de1563, ,Iegue» -si j'ose dire - 200.000 ~ us de dettes pour un revenu amme! de 200.000 livres, soit un tiers du montant de la ~Ctte. En 1574, selon Beatrice Veniel 6, le cardinal de Lorraine laissa au jeune Guise, ~n neveu, plus de dettes que de biens. Il en est de meme des Conde dont le trcsorier ~epond, en 1575, a un marchand pourvoyeur qu'il n'a rien dans ses caisses pour le

m:nses . Francrois de Guise, lorsqu'il meurt en

rembourser. Le cas de la familie de Nevers, minutieusement etudie par Denis Crouzet, nous permet de saisir comment officiers et avocats s'inseraient entre ces grands seigneurs debiteurs et leurs creanciers, souvent marchands, mais aussi serviteurs et familiers. Ils s'y inseraient triplement. D'abord en pretant de quoi satisfaire les creanciers les plus exigeants, ou en se portant cautions des dettes contractees par le duc et la duchesse. Ensuite par l'alienation, a bas prix, de terres, seigneuries, maisons urbaines, a leur profit. Bnfin par la commission qui leur etait confiee par l'autorite royale afin de regler la tresorerie seigneuriale. C'est ainsi qu'en 1567-1568 Louis de Gonzague-Nevers constitue un conseil de sept robins charge des proces et du remboursement des dettes. Chacun d'entre eux s'est largement rembourse de ses services. Tout se passait comme si chaque magistrat, fut-i! president au Parlement, etait lie a un certain nombre de familIes princieres. Distinguer la fonction ,publique» de I'enrichissement prive est sans doute un anachronisme pour les realites des XVI e et XVII e siecles. Les listes de ,rentes» constituees par la maison de Nevers eclairent, ecrit Denis Crouzet, la primaute des gens de robe: presidents, conseillers, procureurs, avocats au Parlement sont les principaux crediteurs. Et c'est ainsi que s'est constituee la fortune, materielle, sociale et politique d'une generation de robins. Qu'ont-ils donne en ,echange. aleurs nobles creanciers? Avouons-Ie: l'historien ne sau ra jamais evaluer les prix des services rendus ni mesurer le temps passe ades charges fastidieuses. Pltlsieurs filieres peuvent etre cemees. Les carrieres et la succession des charges: sans la protection du duc d'Epemon les Seguiers ne seraient jamais parvenus aux honneurs que l'on connalt. Sans Catherine de Medicis le huguenot Antoine Arnauld n'aurait jamais echappe aux matines sanglantes de la Saint-Barthelemy. Protection et gains sont des evidences. Mais les services rendus ne sont pas appreciables.

*

l Denir Crollzet, La crise de l'aristocratie en France au XVle siede, in: Histoire economie et soeiete nOl, leI' trimestre (1982). 6 Bea/rief Velliel, Les marchands pourvoyeurs (memoire de I'Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales).

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Denis Riehet

Ces officiers ne sont pas seulement des dients: ils sont, a leur tour, des patrons. Et ici se tisse, a travers tout le corps social, un entrelacement tres serre, qui apparait dans les correspondances et les minutes notariales. Quand le president Antoine Seguier est envoye comme ambassadeur a Venise par Henri IV - c'etait pour eviter son oPposition previsible a l'Edit de Nantes - il echange avec Verthamont, son fidele dient, conseiller au Parlement, intimement mele a ses affaires de familie comme a ses visees politiques des lettres fort instructives 7 . Tout y passe, depuis les proces de sorcellerie jusqu'au~ frasques d'un neveu de Seguier, un peu trop porte sur le duel, voire I'assassinat. Ver_ thamont agit ici comme une sorte de factatum, devoue a la maison des Seguiers. Et iI suivra le futur chancelier pendant toute sa carriere. Lui-meme aura des «dients" si bien qu'on penetre ici dans une veritable cascade de fidelites, qui descend du Roi et des Princes aux plus hauts magistrats, de ceux-ci a de simples conseillers, des conseil_ lers au monde de la basoche (procureurs, avocats, notaires). On peut aller plus loin, jusqu'aux milieux marchands et artisanaux qui sont lies la dienteie princiere ou officiere par de multiples contrats. Dans son memoire Sur les ,marchands pourvoyeurs» qui s'engageaient a fournir a teile grande maison les vivres necessaires a la vie quotidienne, Beatrice Veniel a pu ainsi demontrer I'importance d'un reseau marchand indispensable a la vie des elites: les princes etaient ,dients», au sens actuel du terme, mais les marchands etaient, par la meme, leurs dients. Les registres notariaux Oll sont inscrites les dettes de la maison de Nevers nous montrent I'ampleur de ce reseau. Pour entretenir (en 1593) 155 bouches, 123 chevaux et 24 mulets, 2 ecuyers, 1 medecin, 1 aum6nier, 1 percepteur, 4 gentilshommes servants, 8 valets de chambre, 2 argentiers, 11 pages, 6 laquais, 1 boulanger, 1 patissier, 1 lavandier, 8 officiers de cuisine, 3 officiers de sommellerie, 20 palefreniers - sans compter pres de deux cents personnes faisant partie de sa cour - le duc de Nevers devait s'adresser pres de quatre cents marchands, dont il avait du mal aregier les factures, mais qui dcpendaient de son credit. Meme chose, chez les Guises, qui a Joinville, vers 1565, devaient entretenir tout un personnel aulique 8 . Tous ces noyaux supposaient des fournisseurs, des intermediaires, le jeu du credit. Et lorsque venait la crise ces liens se revelaient decisifs.

a

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7

8

A.N. serie KK. voir op. eit. note 4. jean-lHarfe Constant, Les Guises (Paris 1984).

111. Klientelsysteme an der Peripherie Europas : Schottland, Polen, Rußland Einleitung zur Diskussion

Gott/ried Schramm Patronage 1m Staat, Patronage an Stelle des Staates Zur Debatte stehen vier Referate über drei Teile Europas in drei Jahrhunderten. Während uns Jenny Wormald mit dem Schottland des 16. Jahrhunderts vertraut macht, behandeln Wojciech Tygielski und Zofia Zielinska den Doppelstaat Polen-Litauen an der Wende des 16. zum 17. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Rußland im 18. Jahrhundert steht im Blickpunkt der Gedanken von David Ransel. Gemeinsam ist allen diesen Themen, daß sie uns weitab von Italien, Nordfrankreich, den Niederlanden und Südengland, den Pionierräumen europäischer Modernisierung in der frühen Neuzeit, führen und daß sie zwar mit gleichsam hinterherhinkenden Zonen des Kontinents, aber keineswegs mit archaischen Welten zu tun haben, die sich vorerst gegen tiefergreifende Wandlungen immun erwiesen. Nein, in allen drei Ländern können wir sozialen Wandel, Transformation von Überkommenem beobachten. Damit aber enden bereits die Gemeinsamkeiten. Mehr dürfen wir auch gar nicht erwarten, denn es gibt ja keinen Parallelismus in der Entwicklung der europäischen Auflenräume. Vielmehr drifteten gerade Polen-Litauen und Rußland während des Zeitraumes, den wir betrachten, in ihren politischen Strukturen kraß auseinander. Wenn es trotzdem sinnvoll erscheint, einen Morgen an den Vergleich von so unterschiedlichen Milieus zu wenden, dann nicht wegen markanter Übereinstimmungen, sondern weil beinahe jeder Ländervergleich Nutzen verspricht, wenn er nur richtig angegriffen wird. Meine Einführung soll vier vergleichende Schneisen durch das Wissen, das die vier Referate vor uns ausgebreitet haben, hindurchschlagen. Ziel dabei ist es, einiges Wesentliche aus dem Dargebotenen, das zunächst disparat, in einem regionalen und zeitlichen Neben- und Hintereinander vor uns liegt, herauszulösen, zu koordinieren und gleichsam gegeneinander verrechenbar zu machen.

154

Gottfricd Schramm

1. Beginnen wir mit der Frage, wie modern (oder umgekehrt formuliert: wie tradi_ tionell) Schottland, Polen-Litauen und Rußland in jenen Zeiträumen waren, die un_ sere Referate beleuchten! Diese erste Frage wird uns am längsten aufhalten, weil sie zugleich Gelegenheit geben soll, uns die regionalen Milieus, in die wir geführt werdeI) zu vergegenwärtigen. ' a) Den archaischsten Eindruck in unserer Reihe macht Schottland: zumindest bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Jenny Wormald hat uns (mit unverkennbarer Sympa_ thie) das Bild einer ebenso altertümlichen wie heilen Welt gezeichnet: stabil, ohne erkennbare Klassenkonflikte, frei vom Gerangel aristokratischer Faktionen und, wenn schon nicht immer friedlich, so doch mit klaren Spielregeln, berechenbar. Diese Vor_ züge dankte Schottland keiner gelungenen Modernisierung, sondern im Gegenteil: seiner Abgelegenheit, an der die gefahrvollen Ströme der Modernisierung lange vor_ beigegangen waren. Drei archaische Merkmale heben sich vor allem ab. Einmal war der Krieg hier nicht zum Motor politischen Wandels geworden. Zwar sprachen in der nie endenden Auseinandersetzung mit England gelegentlich die Waffen, aber die von Schottland schlecht vorbereiteten Feldzüge pflegten rasch in Niederlagen zu enden. Für den bescheidenen Aufwand, der für den Mißerfolg nötig war, bedurfte es keiner ständigen Steuern. Und weil der Landesherr nicht auf Steuern drang, fehlte - zweites archaisches Merkmal - die Bedrückung durch einen ständig mehr fordernden Staat, fehlte auch das Anwachsen des staatlichen Apparates. (Für die Besetzung der wenigen Stellen in der Zentrale griff das Königtum noch lange mit Vorliebe auf geistliche Hände zurück.) Vor diesem Hintergrund hatte - drittes Merkmal- der Landadel keinen Anlaß, in der Zentrale Fuß zu fassen: sei es in Ämtern, die spärlich genug gesät und für Laien kaum zugänglich waren; sei es in Landesversammlungen, die in Staatssachen mitentschieden. Die Macht teilten sich die Stuarts - oft rüde, aber geschickt operierende, ausgleichende Herrscher - mit den lokalen Lairds. Die Masse der Gesellschaft war durch vertraglich fixierte Klientelbindungen mit den Großen der jeweiligen Gegend verknüpft. Komplizierter wurden die Verhältnisse, sobald eine unterschiedliche religiöse Option die bislang so einheitliche Gesellschaft durchschnitt und auch politische Parteiungen sich anbahnten. Schließlich bezog 1603 der Weggang Jakobs VI. nach London sein schottisches Stammland in jene Problematik zusammengesetzter Staaten ein, auf die Helmut Koenigsberger in der gestrigen Diskussion hingewiesen hat. Nicht mehr, wie eh und je, ein König führte jetzt in Edinburgh die Zügel, sondern ein Regierungsgremium - noch dazu aus "neuen Männern", die nicht wegen ihres vornehmen Ranges, sondern als Karrieristen der Zentralverwaltung hochgekommen waren. b) Demgegenüber scheint Polen-Litauen um 1600 moderner. Denn hier gab es eine ständige Bedrohung durch Gegner im Osten. Es gab deshalb - im europliischen Maßstab vergleichsweise früh - Ansätze zu einem stehenden Heer und regelmäßige Reichstage, die es mit Steuerbewilligungen zu tun hatten, ohne die sich die militärischen Bedürfnisse nicht erfüllen ließen. Und über diese Reichstage, über die Steuerfrage hatte der regionale Adel gelernt, sich in Reichsangelegenheiten zu engagieren. Aber - und damit blieben der Modernität enge Grenzen gezogen - ein "Steuerstaat" (im Sinne des dänischen Historikers E. Ladewig Petersen) wurde Polen-Litauen nicht.

Patronage im Staat, Patronage an Stelle des Staates

155

blieb "Domänenstaat", in dem der Herrscher das Gros der Staatsausgaben aus dem iroog ut , aus den Mitteln des reichsten Grundbesitzers im Lande, zu bestreiten hatte. Wie stürmisch sIch Polen gerade am Ende des Jahrhunderts wandelte, spIegelt Jo00 Zamoyski, um den sich Tygielskis Referat dreht. Zamoyski begann als Tribun ~ar Adelsdemokratie, der 1572/73 das Recht aller Szlachcicen auf Teilnahme an der ;ÖOigswahl durchdrückte. Aber unter König Stefan Bathory mauserte er sich - über die Ämter von Kronkanzler und -hetman - zum mächtigsten Magnaten des Reiches. Das Netz von Folgern, das er knüpfte, nahm (deutlicher als alle anderen Gruppenbilduogen seiner Zeit) den Typus der später landesweit ausgespannten Magnatenfaktioneo vorweg. Das Beispiel Zamoyski zeigt: inmitten eines Staates, dessen Souveränität mittlerweile eindeutig beim Reichstag lag, war der altertümliche Typus magnatischer Macht erneut im Vormarsch. Wo diese Entwicklung schließlich landete, hat Frau Zielinska anschaulich beschrieben. Im Litauen des 18. Jahrhunderts, dem am klarsten vom Magnaten gesteuerten Ostteil des Doppelstaates, rivalisierten zwei Adelsparteien, deren eine den litauischen Hetman Michael Radziwill, die andere (die sogenannte "Familie") den litauischen Kanzler Michael Czartoryski zum Haupt hatte. Formal handelte es sich noch immer um eine Adelsdemokratie: mit Landtagen, auf denen (durch imperative Mandate gebundene) Abgeordnete für den Reichstag sowie Adelsvertreter für bestimmte Gerichtshöfe gewählt wurden. In Wirklichkeit wurden die "freien Wahlen" von den Parteihäuptern und ihren Handlangern gesteuert, die alle Register von Patronage und Klientel zu ziehen wußten. Ich möchte meinen, daß die Rolle dieser Bindungen in Polen-Litauen noch größer war als anderswo. Denn hier - und allein hier! - bogen sie die Entwicklung des Staates ab, traten sie nicht nur ergänzend (oder konkurrierend) neben andere Ordnungsformen. Vielmehr lieferten sie die eigentliche, alle geschriebenen Grundgesetze entwertende, Ordnung des Staates. Um den Gang der polnischen Geschichte im groben Umriß nachzuzeichnen: bis zum Anfang (oder sogar bis zur Mitte) des 16. Jahrhunderts waren die Staatsgeschäfte zumeist vom König und vom bischöflich-hochadligen Gremium des Senats geführt worden. Die Szlachta (und besonders ihre Oberschicht, der mittlere Adel) hatte dieses Machtmonopol allmählich mit Hilfe eines Zweikam"ffiern-Reichstages aus den Angeln gehoben, dessen - dem House 0/ Commons entsprechende - Landbotenkammer sie beschickte. Daß sich die Szlachta 1572-73 das direkte Königswahlrecht sicherte, bedeutete, wenn auch nur für den Adel, ein demokratisches Extrem, das in der Weltentwicklung erst durch die Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten überholt werden sollte. Die - zeitweilig in Bedrängnis geratenen - Magnaten haben rasch den Gegenangriff angetreten. Nicht, indem sie die Ordnung, die sich eingebürgert hatte, aufzuheben trachteten: sie unterliefen sie vielmehr, indem sie auf dem adelsdemokratischen Klavier (oder Klavizimbel) ihre oligarchische Melodie zu spielen lernten. Parlamentarische Einrichtungen wurden so - über klug eingesetzte Patronagebeziehungen - zu magnatischen Werkzeugen umgeschmiedet. Wenn die Initiative zu unserem Gespräch gerade von einem Polen, Antoni M~czak, ausgegangen ist, dann spielt dabei, so möchte ich meinen, mit, daß Patronage in den Gang der Geschichte seiner Heimat tiefer als anderswo eingegriffen hat.

156

Gottfried Schramm

c) Und nun zu Rußland. Als um 1700 die eigentümlich polnische Mischung vOn formalem Parlamentarismus und informeller Oligarchie ihre Endgestalt annahm wurde der Nachbarstaat im Osten, das Zarenreich, von Peter dem Großen in eine entgegengesetzte Form gezwungen. Sie war zwar durch eine - schon im 16. Jahrhun. dert offen zutage liegende - autokratische Tendenz vorbereitet, aber stellt doch aUch einen tiefen, am zeitgenössischen Mittel-, Nord- und Westeuropa orientierten Bruch mit der russischen Tradition dar. Ein ohne Rücksicht auf soziale Herkunft zusammen. gesetzter Senat; die Rangtabelle als Hierarchieschema des Staatsdienstes; Gehälter statt Landausstattung und Naturalbezügen für die Beamten; schließlich (zumindest als Ziel) geordnete Prozeduren und funktional aufgeteilte Verantwortlichkeiten - das alles war beunruhigend neu, in Rußland wurzellos. Und als 1767 breitere, lange mundtot gehaltene Adelsschichten um ihre Meinung befragt wurden, plädierten sie, wenn sie eine personale oder familiäre Natur von Autorität befürworteten, für eine Wiederher. stellung älterer Zustände. Patronage und Bestechung, die einmal zur unbestrittenen Norm gehört hatten standen seit Peter als kriminell abgestempelt da, ohne in der Praxis freilich zurückge~ drängt zu werden. Selbst die Herrscher konnten den alten Usus nicht entbehren, und der Senat schritt lau genug ein: kein Wunder, wo sie doch selbst in der Patronagehier_ archie eingebunden waren. Wenn eine Clique der anderen die Macht aus der Hand wand, wurde stets den Gestürzten illegale Günstlingswirtschaft vorgeworfen. Aber die Nachfolger wiederholten ohne Scheu, was die Vorgänger praktiziert hatten. Wie hätte sich sonst regieren lassen? Erstaunlich bei dem allen, daß kein Versuch unternommen wurde, die von Peter zerschlagene Ordnung wieder aufzurichten. Vielleicht, weil die russischen Geistlichen keine Mullahs waren und so die Voraussetzungen für einen Chomeini fehlten. Insgesamt: die modernste, am wenigsten eingeschliffene, (und vorerst vielleicht) uno populärste der Ordnungen, die wir vergleichen. Ineffektiv war sie - hier mache ich mir ergänzende Bemerkungen von David Ransel zu eigen - trotz dieser Nachteile keineswegs. Die außenpolitisch-militärische Kraft Rußlands erscheint im 18. Jahrhundert, schon vor Katharina 11., imponierend. Und die Härte, mit der die Führungsschichten aus Bindungen herausgerissen wurden, hatte auch positive, mobilisierende Wirkungen. 2. Fragen wir - in einem zweiten Vergleich - nach den Quellen, die uns für unser Patronagethema zur Verfügung stehen! Für Schottland kommt uns zu Hilfe, daß um die Aufnahme in eine Klientel in einem formellen Brief nachgesucht zu werden pflegte. (Erstaunlich dabei, daß sich für einen so häufigen, formellen Akt kein Briefformular, kein "Normwortlaut" einspielte.) So haben wir - nach Jenny Wormald - ein sehr reiches, jeweils den speziellen Fall erläuterndes Quellenmaterial zur Verfügung. Geradezu überwältigend ist die Quellenfülle, aus der Tygielskis Studien über den Kanzler Zamoyski schöpfen konnten. Die rund 9000 Briefe an einen einzigen Adressaten, die meisten davon Bitten um Gunsterweise des Patrons, stellen für Polen einen einzigartigen Schatz dar. Ja, sie dürften auch in anderen Ländern derselben Zeit nicht so leicht ihresgleichen finden. Zofia Zielinska macht keine Angaben, in welchen Quantitäten uns Zeugnisse für Klientelbeziehungen im Litauen des 18. Jahrhunderts

kraß

Patronage im Staat, Patronage an Stelle des Staates

157

Gebote stehen: vermutlich in ausreichend großen Zahlen, um das Bild dieser gera-

~~zu klassischen Patronagegesellschaft mit aller nur wünschbaren Feinheit nachzuichn en . ze Erstaunlich gegenüber den drei erfreulich gut dokumentierten "Fällen" ist die Quellenannut, die - nach Ransel - für das gleiche Phänomen in Rußland bis weit ins 18. Jahrhundert gilt. Die möglichen Gründe haben wir beide in einem Privatgespräch durchdiskutiert. Kaum anzunehmen ist, daß die Korrespondenz zwischen Patron und Klient einmal eine reich vertretene Quellengattung darstellte, von der sich leider (aufgrund ungünstier Überlieferungsbedingungen) nur dürftige Reste erhielten. g Eher ist wohl anzunehmen, die Beziehungen seien in der Regel lange ohne schriftlichen Niederschlag geblieben. Ransel möchte dafür die Spärlichkeit von Schulen verantwortlich machen. Da Staat und Kirche aber sehr wohl in bestimmten Bereichen eine imponierende Schriftlichkeit entfalteten und dafür auch Schreibkundige fanden, will mir mehr einleuchten, daß in der russischen traditionsbestimmten Gesellschaft der private Bereich zäh an der alten korrespondenzarmen Umgangspraxis festhielt. Hätte man das Bedürfnis empfunden, mehr daraus in Briefen zu fixieren, dann hätte sich das wohl auch unter russischen Verhältnissen schon recht bald verwirklichen lassen. 3. Betrachten wir die Zwecke, denen die Klientelbindungen dienten, so dürfte sich für alle unsere "Fälle" ein ähnliches Bündel ergeben. Überall erscheint nicht nur der Schwi1chere auf Schutz und Förderung durch einen Stärkeren erpicht, sondern auch der Honoratior war um einen zahlreichen Anhang bemüht. Überall wäscht, auch wenn es ein Austausch zwischen Ungleichen bleibt, eine Hand die andere. Das Grundmuster von Patronage ist - das zeigen unsere Fälle exemplarisch - in Raum und Zeit sehr ähnlich. (Nicht verallgemeinerbar bleibt, daß im Schottland des 16. Jahrhunderts und im Litauen des 18. Jahrhunderts faktisch jeder Adlige in eine Klientel eingebunden war.) Die Vorteile, die mit Hilfe von Patronage hereingespielt werden sollten, erscheinen freilich in unseren Beispielen nicht in gleicher Weise gestaffelt. Zu prüfen bleibt, wieweit das durch die Unterschiedlichkeit der herrschenden Verhältnisse und wieweit durch die Tatsache bedingt ist, daß die einschlägigen Quellen nicht denselben Wirklichkeitsausschnitt widerspiegeln. Wenn Mrs. Wormald betont, der schottische Klient habe von seinem Patron - vor allen materiellen Hilfen - Beistand in Fehden erhofft, so entspricht das gewiß archaischen Landesbedingungen, in denen blutige Clan-Auseinandersetzungen den Alltag bestimmten, und Ämter und Würden, zu denen ein Patron den Weg ebnen konnte, nur in kleiner Zahl zur Verfügung standen. Daß aber in den Briefen an Johann Zamoyski die Bitten dominieren, der Kanzler und Hetman möge für seinen Klienten diesen oder jenen königlichen Gunsterweis (darunter vielfach eine Amtsverleihung) erwirken, darf nicht vorschnell als Beweis gewertet werden, die Dinge seien in Polen gänzlich anders gelagert gewesen. Sehr wohl möglich ja, daß ein Klient, der Hilfe in einer - auf dem Boden Polen-Litauens mitnichten seltenen - Clan-Auseinandersetzung brauchte, keinen Brief an den Spitzenmann der Klientel zu richten pflegte, sondern sich dann an dessen örtlichen Vertrauensmann hielt.

i58

Gottfried Schramm

4. Markante Unterschiede zeigen unsere Beispiele, wenn wir danach fragen, welche Optionen jemandem für den Eintritt in die Klientelbindungen offenstanden. In Schottland schloß man sich weitgehend an den einen Laird an, der in der jeweiligen Gegend das Sagen hatte. Hier haben wir es mit einer regionalen Gesellschaftsforma_ tion zu tun, die einem Stamm mit einem Häuptling an der Spitze nahekommt. Rein ausgeformt erscheint dieser archaische Typus auch in Schottland freilich nicht, denn die häufigen Fehden beruhten nicht zuletzt darauf, daß die Klientel des einen Laird in den Machtbereich eines Nachbar-Lairds hineinreichte. In Polen-Litauen um 1600 waren in den meisten Gegenden mehrere Magnaten und damit mehrere Klientelmöglichkeiten vertreten. Ein so weitgespanntes und dichtes Patronagenetz wie das von Johann Zamoyski stand in seincr Zcit noch einmalig da. Einen Sonderfall anderer Art stellt Litauen im 18. Jahrhundert dar, wo sich die Gesell_ schaft in zwei große Patronatsverbände (mit abweichender sozialer Fundierung) polari_ sierte. In Polen, dem andcrcn Teil des Doppelstaates, dürften auch in der Zeit der Sachsenherrscher noch erhebliche Spielräume in der Patronatswahl fortbestanden haben. Das wird wohl auch für Rußland gelten dürfen. 5. Ein letzter Vergleich: Welche Umstände begünstigten eine kräftige Entfaltung des Klientelwesens? Hier zeigt die Gegenüberstellung von Schottland im 16. und Rußland im 18. Jahrhundert, daß Patronage unter kraß abweichendcn Bcdingungen unentbehrlich werden konnte: in Schottland archaische und relativ stabile Verhält_ nisse; in Rußland dagegen eine ins Rutschen gekommene Staats- und Gesellschafts_ ordnung, ein hohcs Maß an Unsicherheit, namentlich in Adelskreisen. Das Phänomen, das wir untersuchen, war offenbar nicht mit eingrcnzbarcn "Lagen" gekoppelt, sondern im Wechsel dcr Umweltbedingungen von erheblichem, gelegentlich sogar steigendem Wert.

fenny Wormald Laisser-faire Government and Local Patronage: Scotland, Sixteenth to Early Seventeenth Century "I loue justice, and wOIl/d that ever)' lIIan

Had that which n;1;hll)' does to him pertain, Yet a!! 111)' kin, my a/lies or my dan In right 01' wrang I mwt alwa)'s maintain,"'/

Thus wrote Alexander Arbuthnott, principal of King's College, Aberdeen, in 1569, one of the very few voices raised in criticism of clientage in early-modern Scotland. The point of the criticism is revealing. For Arbuthnott was not talking about clientage relationships wh ich were bound up with political aspirations or power. He was concerned with local kin-based clientage such as had existed in Scotland as far back as we know, and whose clearest expression lay in the private judicial procedures associated with the bloodfeud. By the end of the sixteenth centLllY, he might have had different things to say; the religious and political convulsions which shattered the traditional structures of the state in the late sixteenth and early seventeenth centuries were already clearly detectable when he wrote, and were to become by the 1580s and 1590s too insistent to be ignored. By then, we can begin to view patronage and clientage in Scotland in a way familiar to historians of other early-modern societies; political factions had for the first time become a permanent major force. Before this period, two related factors had come together to produce a remarkably decentralized state, in which men's horizons were to an unusual degree those of their local communities. Until the late sixteenth century in Scotland, by far the best evidence we have for patronage and clientage is the unique collection of agreements made between local lords and local gentry, unparalleled in the extent of their survival: 800 bonds known as bonds of "manrent" - allegiance - and maintenance, which give us a remarkable picture of the pattern of clientage as it existed within the communities wh ich made up the fissiparous kingdom of Scotland 2 . This article will seek to do two things. First, it will indicate the reasons why Scotland, a small and remote kingdom not naturally much noticed by the greater powers of Europe, was astonishingly stable and successful internally - thus giving it the energy to make an impact on the world outside - precisely because of the I This quatrain is quoted as the frontispiece to R. IP. iHunro, Kinsmen and Clansmen (Edinburgh 1971). 2 These bonds are discussed in detail and calendared in my book, Jenny Wormald, Lords and Men in Scotland: Bonds of Manrent, 1442-1603 (Edinburgh 1985).

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combination of relatively light control from the government and a network of local communities with dearly delineated patronage systems. And second, it will argue that it was when Scotland "came up to date" in a rapid movement in the late sixteenth and early seventeenth centuries, and local patronage became enmeshed in and complicated by the infinitely more fluid patronage groups created by political faction at the "cen_ tre", that stability was significantly undermined, and Scottish self-confidence lost. The laisser-j'aire attitude of the government arose from an extraordinary mixture of bad luck and fortunate circumstance. The bad luck was the terrible repetition of rninorities in the royal house; the only king from 1406 to 1625 who did not start his reign as a minor, or in the case of James I as an absentee king who was an English prisoner for eighteen years (1406-24), was James IV. The famous text frOlll Ecdesiastes "Woe to thee, 0 land, when thy king is a child", has become an historical diche, with a great deal of justification behind it. Yet despite the appalling record of minorities in Scotland - surely the worst in Europe - neither the crown nor the kingdom suffered the grievous effects which might have been expected. For the relatively high level of autonomy in the local communities meant that the minorities eaused little dislocation within the kingdom as a whole. They did indeed produce short-lived bursts of political faction-fighting, but one can hardly regard the cultivation of men whose usefulness was necessarily temporary as having much to tell us about the significance of Scottish patronage and dientage; the group built up by Archibald earl of Angus in 1526, for example, when he seized the young James V and thereby established himself at the head of the minority government, was visibly collapsing within a year, mainly because Angus did not treat his supporters as a patron should, and their dien tage brought them nothing except the impotent realization that having helped him to supreme power, they were now kicked aside 3 . But the minorities did have a profound effeet on monarchical government. The Stewart kings were extremely able and often ruthlcss men, whose periods of personal rule left no doubt about their power, and the respeet in whieh the monarchy was held. But that power was never exercised for long enollgh to allow the crown to build up anything approaching autoeratic kingship; and althOllgh in each reign individuals might suffer at the hands of the king, there was never any collective onslaught on the power of local lords and patrons. On the contrary, the crown, by a policy of intelligent co-operation, gave its backing to local patronage as exercised by families whom it cOllld trust. In the problematic outlying areas of the kingdom, the west and northern highlands, it used the greatest magnates, the earls of Argyll and Huntly, as its lieutenants, encouraging them to build up and extend their affinities as a means of imposing royal control in the localities; in 1501, for example, James IV commanded Alexander earl of Huntly to take bonds from all the leading nobility north of the Mounth in the king's name'- It was a policy which undoubtedly paid off; both these families had arecord of loyal service to the crown which extended,

This episode is described by Gordon DonaldJon, Scotland: James V to James V (Edinburgh 1965) 39-41. 4 Registrllm Secreti Sigilli Regum Scotorum, cd. M. LivingJ/one and others (Edinbllrgh 1908-) vol. 1 no. 722. 3

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. ually without interruption, for a century and a half. Both king and earls got what \11ft wanted; the crown's authority was uphcld, an acceptable level of local stability theyrnaintaincd whethcr therc was an adult king on the throne or not (thc incidents of wa:akdown of that stability being relatcd more to local politics and tensions than to ~:e problems of minority government), and the earls' local pre-eminence was assured. Thc fortunate circumstance was that early-modern Scot!and was exceptionally eaceful. War with England ceased to be a continual threat in the late fourteenth cenp ry Thercafter, although therc werc occasional clashes with English armies, which tuor~aIly resulted in defeat for the Scots and sometimes in disaster, as at the battle of ;lodden in 1513, there was no serious military challenge to Scotland; nor was the Scottish crown in any position to emulate its more powerful and wealthy contemporaries and cmbark on foreign campaigning. If the periods when there was no adult king at all rcduced pressure from the government on the localities, so also did the lack of demands made by the kings themselves; Scotland, for example, did not begin to expcrience the regular taxation which was such a notable feature of England and France, until the last two decades of the sixteenth centUlY, and it was not often called upon to pro duce armies. The fact that the local communities were not expected to provide mcn or money for ambitious kings meant that the crown was less vulnerable than more centrally governed countries to resistance from the communities. It also meant that there was le5s interest in the government, for there was less incentive for men to insist on their voices being heard in mattcrs which directly affected their pockets, or their lives; one only has to compare the vociferous English house of Commons and thc relative lack of enthusiasm by the gentry to turn up to the Scottish parliament to see thc effcct of a less demanding govcrnment. The Scottish crown was therefore engaged in a curious and remarkably successful balancing act. The historical accident which produced in early-modern Scotland a genetically stablc local aristocracy and a monarchy whose periods of direct rule were repeatedly interrupted had the eHect of creating a kingdom which was itself unusually stable, standing somewhere between astate like Burgundy, visibly much more brilliant, but also much weaker because it was "a series of contiguous lordships ... (which) could not coalesce to form the true semblance of a kingdom"5, and a centralized kingdom like England. The crown was a focal point rather than a ruler, presiding over rather than seeking to control directly the disparate areas of its kingdom. Such a role was long regarded by historians of Scotland as evidence of the weakness of the Scottish monarchy. But as even the most powerful of European or English rulers in the early-modern period never had the resources to impose their authority throughout their kingdoms, the position of the Scottish crown should be seen, rather, as paradoxically a source of strength; for it was less vulnerable than its contemporaries to resistancc stirred up among the governed. The crown was, of course, a major source of patronage, but its patronage was channelled into the localities. That was also the case elsewherc. The difference in Scotland was that men did not also voraciously seek its patronage at the centre, at court and in government place; the corruption which was a ; Maurice Keen, The Pelican History 01 Medieval Europe (Harmondsworth 1969) 272-3.

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feature of more "developed" contemporalY societies existed, up until the late sixteenth century, at a comparatively low level. As the crown did not oppress, so it was not itself oppressed. Lack of oppression was also a key factor in local pat'ronage. Indeed, again because of a partiCLtlar historical circumstance, the emphasis in Scotland was on patrons sceking clients rather than clients patrons. The balance of power within the state had be en seriously distorted in the late fourteenth and early fifteenth centuries because of the dominant position first of the vast kingroup of the king who began the Stewart line Robert II (1371-90), and then of the mighty family of Douglas; the Stewarts by 1424 had got their hands on more than half of the fifteen Scottish earldoms, and in the 1440s three Douglas brothers were earls 6 In both cases, the crown attacked. The Ste_ warts were deprived of much of their power by James I, and the Douglases annihilated by James II, with the backing of lesser men whose chance of reaching high position and power within their own localities would only co me with the removal of these farn. ilies 7 After the fall of the Douglases in 1455, no family was ever again to achieve such a concentration of power. The peerage, seriously depleted by the mid·fifteenth cen. tury, was now reconstructed on a much wider base. But the "new men" of the la te fifteenth and sixteenth centuries, the earls of Huntly, Erroll, Argyll, lord Oliphant, lord Maxwell and many others, had to create their own patronage networks by attracting men who had formerly been their social equals. They did so in the only way open to them. They offered their protection, guaranteed by written bonds of maintenance; in return, they sought allegiance, expressed in bonds of manrent 8 It would be quite misleading to suggest that early-modern Scottish clients were in. terested only in protection. But it is a notable feature of Scottish clientage that mate. rial benefits played a remarkably small part in establishing the relationship between patron and client. The men who were now drawn into the affinities of the new lords were themselves already established within the local communities. Thus it was less the case that lords gave local offices than that they sought bonds from men who already held office. Alexander Bannerman of Waterton was a sheriff-depute of Aberdeenshire, for example, when he gave a bond of manrent to William master of Erroll in 1504, as was John Leslie of Syde who similarly bound hirnself to George earl of Huntly in 1541 9 ; at no time did anyone get this office as a result of making a bond to one of

Ranald G. Nicholson, Scotland: Thc Later Middle Ages (Edinburgh 1974) 185-7,330-2. ;Ilexemder Grant, Indepcndence and Nationhood: Scotland 1306-1469 (London 1984) chapter 7. 7 jemllfer lH. Brown (now Wormald), Taming the Magnates? in The Scottish Nation, ed. Gordon iHenzieJ (London 1972) 49-54, and The Exercise of Power, in Scottish Socicty in the Fifteenth Century, ed. J. JH. Browll (London 1977) 47-51. Norman JHacdouga/!, James I1I: A Political Study (Edinburgh 1982) 17-31. Thc Asloan Manuscript, ed. IV, A. Craigie (Scottish Text Society, Edinburgh 1923) vol. 1,239-41. 8 l/7orlllafd, Lords and Men, 49-51. 9 Records of the Sheriff Court of Aberdeenshire (Ncw Spalding Club, Aberdeen 1904) vol. 1, 430-63. Scottish Record Office, Edinburgh, Erroll Charters, "Bonds of Manrent" 18; Gordon Castle Muniments, GD 44 13.8.19. Miscellany of the Spalding Club (Spalding Club, Abcrdeen 1841-52) vol. 2, 261-2, vol. 4, 205. 6

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hesc lords. The exchange of bonds of manrent and maintenance might be directly act ornpanicd by a tangible reward, a grant of land or occasionally money in the form of a c en sion or a lump sum; thus, for example, Gavin Dunbar, archbishop of Glasgow, foliowcd up his bond of maintenancc of 8 December 1527 to George Maxwell of Cowlen by entering him into the lands of Govan on 10 December lO . Yet of all known ~onds, only one-tenth were given in return for land, and a mere handful for money. Thc basis of the relationship must be explained in different terms. We get a much better insight into the Scottish situation from the emphasis in the bonds tbemselves on tbe personal nature of the relationship which tbey articulated. In 1545, for example, James Kennedy of Blairquhan bound himself "be the faith and tre wth in my body lelelie and treulie ... in manrent and service for aH the dais of my life" to Jarnes earl of Arran. He did tbis because Arran "is bundin and oblist to supple rnanteine and defend me and tak my afald trew parte in all my actionis causis and querclis lefull and honest as his gracis lettres of manteinance maid to me therupoun beris, and als bas done and gevin to me sindry gratitudis profittis thankis and plessis"; alld for that, he promised that "I saH nowyr wit se he ir nor know my said lord and rnaisteris harme skaith danger nor apperand perell bot I saU warne him therof als sone as I rnay gudlie and I sall stop and let it at my power; and saU gif him the best consale I can quben I am requirit and saU concele the counsale he schewis to me; and I sall ride and gang with my said lord and maister and for him; and tak his afald lele and trew part in all his actionis causis and querelis lefull and honest aganis aU that levis and de rnay"ll. This is a very typical example of the hundreds of bonds wh ich have co me down to uso It is not, however, an examplar, and this is an important point; the very fact tbat there was never a standard text, but instead endless variation in the order of the clauses and the particular words and phrases used, is itself a valuable reminder of the highly personal and individual nature of each agreement which was recorded when' a bond was made. The personal assistance on wh ich so much stress was laid could take numerous forrns. An earlier Kennedy of Blairquhan had bound himself in 1524 to Colin earl of Argyll in part because Argyll gave up his own claim to Kennedy's lands 12. In 1586, George earl of Huntly put into practical effect his patronage of Donald Robertson, apparent heir of Struan, when he procured from James Menzies of that ilk such right and lf/ilfiam FraJel; Memoirs of the Maxwells of Pollok, vol. 1 (Edinburgh 1863) 257-8. Muniments of the Duke of Hamilton at Lennoxlove, Box 102. - (Translation of the Middle Seots quotation: "by the faith and truth in my body loyally and truly ... in manrent and service for all the days of my life" ... "is bound and obliged to supply maintain and defend me and take my sincere true part in all my actions causes and quarreis lawful and honest as his grace's letters of maintenance made to me thereupon bears, and also has done and given to me sundry gratitudes profits thanks and pleasures" ... "I shall never be aware of, see hear nor know my said lord and master's harm scathe danger nor apparent peril but 1 shall warn hirn thereof as soon as I weil may anel I shall stop and prevent it at my power; and shall give hirn the best counsel I can when I am required and shall conceal the counsel he shows to me; and I shall ridc and go with my said lord and master and for hirn; and take his sincere loyal and true part in all his actions causes quarrels lawful and honest against all living men (Iiterally, all that live and may die)".) " MUl1iments of the Duke of Argyll at Inveraray Castle: Argyll MSS. 10

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title as he had to Struan, and confirmed it to Donald and his heirs U An advantageous marriage such as that between Agnes Stewart, daughter of Alexander Stewart of Gar. lies, and Stewart's lord, John lord Maxwell, was another kind of "gratitude" Or "profit"H One may multiply examples of this kind of thing. It is infinitely more diffi. cult to gel behind these specific instances of patronage, to the informal dealings, th e conversations am! discussions bctwccn patrons and clicnts. Once in Scotland the veil is liftcd slightly, to give us a glimpse of thc activities of a grcat lord on a day devoted not to great affairs but to domcstic pursuits; and the only reason we have an aCCOUnt of such activities is that the day in question was the day of the death of George, fifth earl of Huntly (19 October 1576), and that after the death, which took place with dramatic suddenness - the earl having been "never mirriare ... nor better in health" strange and supernatural events struck terror into the inhabitants of Huntly castle. But the opening section of this splendid sixtecnth-ccntury ghost story is wcIl worth quoting bccausc of its prosaic and yet remarkablc indication of thc way in which clients came to thcir patron for advicc. It should bc said here that the people mentioned in the following quotation, including the earl of Sutherland, Huntly's brothcr-in-Iaw, were clients of Huntly; Huntly was Sutherland's protector in the legal battle over the Sutherland estates between the earl anc! another claimant. .. the erle of Suelderland and his sister (that is, Sutherland's wife anel Huntly's sister) hael bene all nyght with hirn, and war rieldin south; after thare elepartour, he past to ane huntis ... and co me harne aganc to his denIleI' . At thc derltler he cryed for alle futeball, that he micht play efter none .. The auld larde of Grant come in, and brocht with hirn the lord Aelam Goreloun. As thair denner was preparand agane, and were dynand, the erle hirnself was vcrie busie tryand out the rnaner of ane 'lppointment that was betuixt the larde of Cowbardie, callit Murray, and his mother, wha was mareit to one calleel Car, quhilk was ane suddart to the saiel erle ami his brother Adam, in the time of weir. This mater, with sinelrie utheris that he was speikand and dircctand, and the enterteanernent of the lard of Grant, pat off the day while betuixe thrie anel four houris efter none, anel then he enterit to the fute ball ... "15

Whereupon he collapsed, and died a few hours later. But apart from that dramatic event, we may take it that the entertainment, the receiving of guests, the discussion of business with his kinsmen and c1ients, were very much apart of the life of any major patron - cvcn to the cxtent of keeping him away from his OWH sport! 13 Scottish Record Office, GoreIon Castle Muniments, GD 44 13.8.39. Miseellany of the Spalding Club vol. 4, 235-6. I'; William FmJel; The Book of Carlaveroek, vol. 2 (Eelinburgh 1873) 448. 15 Ricbard Banna()'ne, Journal of the Transactions in Scotland, 1570-1573 (Eelinburgh 1806) 483-4. - (Translation of the Middle Seots quotation: " ... the earl of Sutherlanel anel his sister had bccn all night with hirn, anel had rielelen south; after their departure, he passe eI to a hunt ... and came horne again to his dinner ... At the elinner he eallcd for a football, that he might play after noon .. ' The old lairel of Grant eame in, anel brought with hirn the lord Adam GoreIon. As their elinner was prcparing again, and (they) were dining, the earl hirnself was velY busy trying out the manner of an appointment (elebate, negotiation) that was between the laird of Cowbarelie, called Murray, anel his mother, who was marrieel to one ealleel Carr, who was a solelier to the saiel earl anel his brother Adam, in the time of war. This matter, with sunelry others that he was speaking (about) and directing, and the entertainment of the lairel of Grant put off the day (in the sense of elclayed hirn) until betwcen three and four hours after noon, anel then he entered to the football ... ")

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j\bove all, personal assistance was sought and given in cases of dispute and feud. j\lan Cameron of L.a chiel ob.tained from his lord, George sixth earl ofHuntly, in 1591, he promise that hIs feud wlth the Grants of Freuchy and the Mackllltoshes of Dunt achten would not be forgotten when Huntly made his peace with these families, and n indeed no peace would be made at all until Cameron obtained satisfaction 16 It hat :as an accepted commonplace that lords acted as arbiters in the disputes of members 01 their affinities; between 1558 and 1573, the earls of Argyll spent considerable time unravelling the affairs of the Macleods of Dunvegan, the Macdonaids of Dunivaig and the Macleans of Duart, which stemmed from, among other things, disputed succession to the lands of William Macleod of Dunvegan, who died in 1553 leaving a daughter and a brother both of whom had claims to his estatc, and leaving the further complication of the daughter's wardship and marriage l7 And they forced those who had committed crimes to compensate their victims. This crucial aspect, the endless oiling of the wheels of justice - the justice of the feud - takes us to the heart of Scottish lordship and patronage l8 For lords were acting literally in foro ronsallgllillel~ and taking on the ancient role of the kin in the settlement of feud. It was for that reason that patronage was conceived of in highly personal terms. The power and the strength of the obligations of kinship survived throughollt the sixteenth century as the most important force in local society, and indeed, for a few families like the Hamiltons, heirs presumptive to the throne, in national politics as well. Members of kingroups did not give written bonds to the heads of their kin; they did not need to, for their obligations were fundamental and could remain unwritten except in the rare cases of a breakdown of the relationship. To that grollp were adeled those who were not of the kin, 01' at the most velY remote kinsmen. They elid make bonds, and were received into their lorel's affinity "as his awin sone" as one bond expresseel it '9 The connection between patronage and kinship is clear enough; earlymodern society was very far removed from what Lucy Mair has elescribed as "the modern theory ... (that) it may not be wrong that people sholliel want to help their kinsmen, but that it is wrong that they sholilel be able to"2D Where there is debate is in the extent to which kinship and lordship conflicted with one another. In Scotland, there is no eloubt that the second was seen entirely as an extension of the first. When a lorel gave his patronage to his men, he took on the responsibility which he already hael to his kinsmen; his clients were drawn in to the circle of his kin. It was indeed this strongly personal element in lordship, its link with kinship, which produced the very clear-cut patronage networks of early-modern Scotland. Because 16 Scottish Record Office, Gordon Castle Muniments, GD 44 13.9.9. Miscellany of the Spalding Club vol. 4, 245. 17 fl/ormald, Lords and Men, 108-14. For a rather different interpretation of the role of the earls of Argyll in this period, Edward j Cowan, Clanship, Kinship and the Campbell Acquisition of IsIay, in: Scottish Historical Review 58 (1979) 132-57. 18 Jenny fl/ormald, Bloodfeud, Kindred and Government in Early Modern Scotland, in: Past and Present 87 (May 1980) 54-97. Keith AL Broum, Thc Bloodfeud in Scotland, 1573-1625 (Edinburgh, 1986). 19 Scottish Record Office, Curie Collection, GD 111/IV/3. 20 lolIe)' Afail; Primitive Govcrnment (Harmondsworth 1970) 237.

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the real advantage to any dient was that behind him stood the powerful figure of th e head of his kin 01' his lord, bound to give him protection and assistance, rather than immediate material reward, the ~reat weakness of that m?re famOl~s form of lordship, feudallordshlp, WhlCh by defll1Jtlon ll1volved the grantl11g of a hef, was eradicated. Men did not seek a number of lords from whom they would get land. They bound themselves to one lord, from whom they would get maintenance (which in Scotland meant personal protection, without any of the sinister implications sometimes asso_ ciated with it as used of late-medieval English society). It was not that early-modern Scotsmen were more naturally loyal than their "feudal" predecessors. Rather, the in_ ducements which had encouraged vassals to attach themselves to more than one lord and which had thel'efol'e created conflicting loyalties, had almost entil'ely disappeared' Moreover, there was no conflict between kindred and affinity. Members of the greater kindreds did not look for patrons other than the heads of their kin; it was members of lesser kingroups who bound themselves to the heads of the greater, bringing with them their own "kin, freindis allya and dependers". It is, of course, more accurate to say that this brought darity to the structure of local society rather than peace to society. A lord might have an unusually high degree of re!iance on his followers and dependents, but if his help was sought, 01' indeed if he sought their help in his own quarrels, then feud was !ikely to result as weil as to be resolved. The great early sixteenth_ century theologian turned historian and social commentator, John Major, was weil aware of the economic distress caused by feuding. But he was also consciolls, and even perhaps rather prolId, of the devotion of at least the more sllbstantial peasantry to their lord; they too were imbued with the idea of personal connection, which inculcated in them a sense of freedom rather than oppression 21 It was, indeed, because of the extensive personal ti es which bound men together, not just within the lligher echelons of society, but driving down into its lower ranks, that there was never any "dass" eonfliet in Seotland, no outbreaks of what are ealled, rightly 01' wrongly, peasants' re volts just as absence of oppression by the erown prevented the creation of aristoeratie coalitions against it, sueh as happened in Franee. Within the loea!ities, the patronage of a powel'ful lord was sought not only by gentry and lesser men, but also by the burghs. The small burghs in partieular stooe! to gain mueh. The !ittle north-eastern towns of Nairn, Banff and Cullen all turned to the loeal lord for proteetion, lord Fraser of Lovat in the first case, and the Ogilvies of that ilk and of Dunlugus in the others; ane! in the south, Annan and Renfrew did likewise, with lord Maxwell and the earl of Argyll22. The more important burghs, tightknit eommunities which were distinetly touehy about their autonomy under the king, were more resistant; but even as wealthy a burgh as Aberdeen sought the protection of the earls of Huntly23. Patronage in this case was deal' enough; the protector would keep 21 22

jobn Majol; A History of Greater Britain, 1521 (Scottish HistOlY Society, Edinburgh 1892). Miscellany of the Spalding Club, vol. 5, 288. The Annals of Banff (New Spalding Club, Aber-

deen 1891-3) vol. 1,20-1. Fmset; Book of Carlaverock, vol. 2, 496-7. Muniments of the Duke of Argyll at Inveraray. 23 Extracts from the Council Register of the Burgh of Aberdeen (Spalding Club, Aberdeen 1844-48) vol. 1, 22.

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th ern fre e from the interference of others in their affairs. A place like Banff, enticing OgilVY support with the inducement of offices, or the best fishings of their waters, oul d thereby ward off the attempts by other lairds to get too strong a hold on pre-

':selY these things. For Aberdeen, where the prizes were better, the stakes were 11igher

c~d the would-be interferers more powerful. Because of burghai jealousies about their awO privileges, the relationship between them anel their patrons was more uneasy than ~hat of the gentry with their lorels 2 ". Nevertheless, the compromise which encouraged thern to allow one lord 111 to keep others Out workeel weil, anel was accepted by both 25

sides . The factors which were to have a profound effect in disrupting the rclatively dcarcut patronage networks of the localities, grafting onto them the much more complex atronagc of govcrnment anel political faction, may be rcadily enough idcntificd as the ~raurnatic process of thc Reformation movement, and thc single most dramatic political event of thc perioel, the departure of the king to London in 1603. Yet behind both lay a quieter development, but one which was perhaps the most radical of all, and whieh has rightly been describcd as a "silent revolution"26: thc appearance of a literate laity. Thc reasons for the growing intercst of the laity in bccoming literate rather than ernploying othcrs to rcael and write for them are as difficult to explain in latc-mcdieval and early-modcrn Scotland as in any other society. Thc first cvidcncc of it comes from the 1390s, in thc will of Sir James Douglas of Dalkcith, which makcs it dear that this rnan was an owner, lender and borrowcr of books 27 ; and it may bc that he, and those who followcd his lead in the course of the next two ccnturies, were motivatcd by thc desire not to appear backwarel compareel to their contemporaries in thc major kingdoms of Europe, among whom Scotland hael the self-confielence anel temcrity to rank itself. All that is certain is that there was a revolution in lay attitudcs. In thc mid-fifteenth century, it was still largely the case that the clergy still alm ost exclusively fulfilled the dual role of being thc litcratc elitc on the one hand, anel on thc other, thc literate servants of their lay masters. By the mid-sixteenth, those lay masters no longer regarded reading anel writing as in any sense servile or unmanly. The gulf bctween eleric anel layman was now giving way to the gulf between the literate anel the illiterate layman; anel it was thc litcrate layman who was to make his mark on the worlel 28 This revolution was not only a elirect cause of the infiltration of the laity into central government, ultimately to the cxclusion of thc clcrgy. It was the essential pre-rcquisite.

24 Für example, relations between the burgh of Aberdeen and the earls of Huntly were visibly strained in the 1520s and again in the 1540s and 1550s when the burgh feIt that the earl was demanding too much: Register of the Burgh of Aberdeen vol. 1, 217-8, 307 -8, XXX-VI. B. Mclennan, The Reformation and the Burgh of Aberdeen, in: Northern Scotland 2 (1976-7) 119-44. 2) lPormald, Lords and Men, 137-43. 26 Grant G. SimpJoll, Scottish Handwriting, 1150-1650 (Edinburgh 1973) 12. 27 Registrum Honoris de Morton (Bannatyne Club, Edinburgh 1853) vol. 2, 18l. 28 The subject of lay literacy is discussed inJellll)' lPorma/d, Court, Kirk anc! Community: Scotland, 1470-1625 (London 1981) 68-71 and in chapter 9; and Simpson, Scottish Handwriting, 8-12.

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In the fifteenth century, Scottish central government was still dominated, to a fa greater extent than that of England or France, by the professional clerics; they wer: the core, to wh ich amateur laymen sometimes added themselves. Signs of change are detectable hy the end of the century. In the last two decades, the chancellorship Was held hy three earls, Argyll, Angus and Huntly. It was aremarkable innovation, and OOe which was be reversed after 1501; but they, and a few other lesser laymen who se names appear among the lawyers and administrators, were the men of the future29 James V's government in the 1530s was the last of the old kind; and there was enough adverse comment about the predominance of churchmen to suggest the attempt to dam up a rising tide 30 . The king's council, the law courts, were to become the preserve of laymen after James's death in 1542, laymen looking for the sccular rewards of earl_ doms, lordships and offices where before the expectations had been benefices and, for the most successful, bishoprics 31 . A noblesse ele robe was gradually coming into being; sons of lairds and cadet branches of families of lairds were beginning to move into Edinburgh to train in the law and to make a career in the king's government. Most notable was Thomas Hamilton, whose family had established itself in Edinburgh early in the sixteenth century, whose father and brother were lords of Session (the supreme civil court), and whose own career as a lawyer and administrator brought him to the office of secretary to James VI in 1612, and to the peerage as lord Binning in 1613 and earl of Melrose in 1619. By that time, patronage for one's kinsmen was now part of the legal world of Edinburgh, where families like the Hamiltons, Murrays, Hopes and others were creating legal dynasties; patronage for men seeking office and place at court was also part of the very changed world of Scottish government.l2 The impact of the Reformation on the seClIlar stfLlCtures of Scottish society and the aspirations of its leading members was complex and double-edged. Old certainties disappeared for good; and these certainties included traditional social assumptions, for the new and astonishingly confident Kirk not only took unto itself some of the responsibilities which had hitherto been the preserve of kin and lord, such as local discipline and care for the pOOl', but also launched a major onslaught on the formerly unchallenged rights of the kin and the lord to control their followers. Yet the process took time. It was the very strength of kinship and local patronage which does much to explain why the Scottish Reformation was less bloody and violent than in at least some other European countries; there were no extensive persecutions by either side, no wars of religion, no abrupt dissolution of the monasteries. T raditional loyalties and responsibilities continued to cut across new religious divisions; the Catholic earl of Eglinton was prepared to make a bond of friendship with the Protestant lord Boyd in 29 /l. L. Brown, The Scottish "Establishment" in the Later Fifteenth Century, in: Juridical Review 23 (1978) 89-105. G. DonaIdson, The Legal Profession in Scottish Society in the Sixteenth and Seventeenth Century, in: Juridical Review 21 (1976) 1-19. For the list of Scottish chancellors, Handbook of British Chronology, ed. F lVI. Po wicke and E. 13. hyde (London 1%1) 176. JO DOllaldson,James V toJames VII, 55. 31 Jenny Wormald, James VI: New Men for Old? in: Scotia 2 (1978) 73-4. . 32 For details of these legal families, G. Bmrltoll, D. Haig, The Senators of the College of Just tce (Edinburgh 1832).

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63 as the final act of settling a feud between their families, for whatever the new

l~ur~h said, it was still their right and their duty 33. The extraordinary nature of the in ic. I attempt to finance the Kirk is arefleetion of precisely the same force; the unre~!a med clergy held on to two-thirds of their revenues, leaving one-third to be divided O~ween the crown and the new church, for even Protestant magnates would not imbeediately deny their kinsmen and clients their livelihood 34 . Equally, the localism of :ciety militated against any real chance of a Counter-reformation, despite the pressoce of a Catholic queen in the years immediately following the Protestant achieve~eots of 1559-60 and the continuing strength of Catholicism; that localism was, paradoxically, to help the Kirk as it struggled to establish itself. For in areas like the oorth- east or the borders, where powerful Catholic magnates like the earls of Huntly aod Erroll or lord Maxwell could and did protect their Catholic followers, clergy and laity, the new church, throughout the remaining years of the sixteenth century and iota the early years of the seventeenth, fulminated largely in vain. But at no time did these groupS of Catholics join together to create anything more positive than mere survival at local level; and as Catholicism remained localized, so it remained weak 35 . Yet the Reformation movement also jolted people out of their local concerns. Between 1528 and 1542, the Protestants were held back by that powerful king James V. After his death, there was to be no effective king again for some forty years, when Jam es VI began his personal rule. In the meantime, there was to be a long minority, followed by the brief and lamentable period of Mary's reign which ended with her disgrace and abdication in 1567, a short period of civil war, and another minority. In that critical period, which witnessed not only religious change, but also a massive switch in foreign relations in which alliance with the traditional friend, France, gave way to alliance with the traditional enemy, England, the magnates and the most influential among the lairds who had for the most part exercised their power in local affairs were now forced to move into the centre and control events wh ich were very far from loca!. The shifting sands of political faction and political patronage now became a familiar part of the Scottish political scene. They can be seen immediately in the race for power between James earl of Arran, the queen mother Mary of Guise, and Cardinal David Beaton after James V's death, a race which, because of the religious and political ideologies involved, was a very different matter from Archibald earl of Angus's seizure of power in the minority of James V, just sixteen years earlier. Letters of the period show what was happening. In 1544, Sir George Douglas wrote a frantic piece of advice to Mary of Guise, exhorting her to send "ane credabell gentilman" to make offers to lord Gray, whose support the Cardinal was seeking; Gray was a crucial figure, said Douglas, for if he could be persuaded to join Mary's faction, she would have control of the country north of the Tay. The letter was written on 18 October 1544, just too late; J3 Scottish Record Office, Boyd Papers GD 8/177. lPil/iam flYlJe/; Memorials 01 the Montgomeries, Earls 01 Eglinton vol. 2 (Edinburgh 1859) 193-4. 34 This complex subject is analysed by G. Donaldsoll, Account 01 the Collectors 01 Thirds 01 Benefices (Scottish History Society, Edinburgh 1949). J~ jenny lPorma/d, The "Princes" and the Regions in the Scottish Reformation, in Church, Politles and Society: Scotland, 1408-1929, ed. Norman il1acdo/lgall (Edinburgh 1983) 65-84.

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on 20 Oetober, Beaton won, by giving Gray lands for wh ich, two days later, Gray ll1ad a bond of manrent. But Mary, by intervening in the dispute between Gray and 10t~ Ruthven, did sueeeed in attaehing Ruthven to her; and in the long run, after his firs patron was dead, Gray too eame into her following 36 . The use of the bond for POlitica~ purposes was not entirely new. But where it had been rare before, now it beeall1c fre_ quent. Moreover, it was not just the individual bond whieh was being put to new Us e. As men were persuaded to line up on one side or another for politieal and religio us purposes, they joined together to make bonds whieh eould involve huge numbers of people; ninety-seven people bound themselves, at Hamilton on 6 May 1568, to sup_ port Mary queen of Seots, and in 1599 James VI got ten earls and a large number of lesser men to make a bond aeknowledging his fightful claim to the English throne _ a bond whieh presumably had more effeet on ealming a bout of nervousness on the part of the Seottish king than on worrying the English queen 37 . The signifieant differenee between these agreements and the traditional loeal and personal bonds were that they were made for a speeifie purpose, and were short-lived. To that new element in Scottish polities was added another after 1560. As has al. ready been indieated, despite the appearanee of the reformed chureh, with its new so. eial as weil as religious ideology - and its new, tough and exceedingly effective loeal courts - the older social structures remained, for a while, intact; local soeiety eould not yet survive without the good lordship whieh gave it stability. But the new Kirk from the beginning mounted achallenge to both traditional lordship and traditional localism, and in the long run it was to suceeed in breaking down both. It offered the aris. tocracy an in tolerable choice when it demanded their co-operation as godly magistrates, which in effect meant channelling their patronage into personal and financial support for the ministry, but also demanded their obedience to its diseipline. Were they to subject themselves, for the first time, to the discipline of theil' social inferiors? Or were they to stand aloof from this new and most dynamic force beeause it offered them authority on unaceeptable terms? On the wh oIe, they chose the latter. It was the lairds, not the great lords, who were to take the leading lay part in the new ehurch, and in doing so gradually to earve out for themselves a new and more independent role than that of leading clients of aristocratic patrons 38 . In one critical area, the great lords began to lose their automatie place as the most powerful and influential figures of loeal society.

36 The Scottish Correspondence of Mary of Lorraine, ed. Allnie I Ccl1llerOIl (Scottish History $0ciety, Edinburgh 1927) 111-3, 177-9. 37 British Library, Sioane MS. 3199, ff.35r-36r. Gordon Dona/dJon, All the Queen's Men (London 1983) chapter 6 and 165-6. Scottish Record Office, Dalguise Muniments GD 38/1/85b (1599 bond, 27 signatures); another copy, Sioan MS. 3199, ff. 10r-11r, gives 41. 38 IPorma/cI. "Princes", 78-9. On the subject of ecclesiastical patronage, see the pioneer articles by Jallw Kirk, The Exercise of Ecclesiastical Patronage by the Crown, 1560-1572, in Th: Renaissance and Reformation in Scotland: Essays in Honour of Gordon Donaidson, cd. I E3. GoZVdll arid D. Shaw (Edinburgh 1983) 93-113, and Royal and Lay Patronage in the Jacobean Klrk, 1572-1600, in Church, Politics and Society, ed. illaa!ollga/!, 127-50.

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The undermining of traditional localism was caused not so much by any direct onI ught as by example; for the Kirk established a hierarchy of courts, from kirk session s athe level of the parish to the national general assembly, which bound locality and at n tre together far more elosely than had ever been the case in secular society. And C~Jile it did so, it also created a new milieu in which the aspirations of the "new mcn" ~ government, the literate laymen, could have free rein: as part of its insistence on the 111 aration of the powers of the state and the powers of the church, it withdrew the ::~ices of the ministry from the state 39 . This brings us back to the new interest of the laity in central government, the new level of participation - and the new style of patrOnag e which inevitably accompanied both. We havc two problems in trying to understand the nature of political patronage in late-sixteenth century Scotland. The first is one of source material. A great deal of information comes not from Scottish sources, but from the accounts of English diplomats at the Scottish court, men who were after all reporting back to an intensely interested English government what the man who might be the next king of England was like; and it is possible that they imposed on the Scottish situation the much more complex and developed system of English political patronage. The second is architectural. Dr. David Starkey, of the London School of Economics, has rightly insisted that historians consider the crucial fact that the physical lay-out of royal palaces is the key to patronage which depended on access to the king and to his elosest servants. In Scotland, a similar development can be seen in the sixteenth century; indeed, ironically, it was the king who maintained a elerically-dominated government, James V, who was responsible for creating the best surviving example in the British Isles of the new style of royal architecture, in the series of royal apartments in the "Palace" within Stirling Castle 40 . But the Scottish arrangements were simpler than the English; there was, for example, no privy-chamber in Scotland. Moreover, the rooms themselves were smallcr. Although the fundamental question of access was common to both kingdoms, therefore (not to mcntion dangerous, as one unfortunate usher of James VI's chamber found) when he was beaten up for refusing to allow a man access "quhen his Hieness desyrit to be quyet"41, the operation of political patronage may not have been a carbon-copy in Scotland of that in England. We have to conceive of faction in rather different architectural surroundings; and two examples sllggest where the difference may be sOllght. The first is one of the most spectacular political events of the sixteenth century, the murder of Rizzio; if that has anything to tell us other than abollt the violen ce and brutality wh ich could afflict Scottish political life, it is that the most dangerous aspect of political faction in Scotland was that opposing parties could, in extreme cases, operate utterly separately within the confines of the same building. Rizzio was the sacrificial james Kirk, The Second Book of Discipline (Edinburgh 1980) 37-8. For a detailed description of Stirling Castle, see the volume on Stirlingshire published by the Royal Commission on the Ancient Monuments of Scotland (Edinburgh 1963) vol. 1, 179-223; the Palace is described on pp. 196-205. H Thc Register of the Privy Council of Scotland, cd. J H Bur/on antI o/hers (Edinburgh 1877 -) vol. 6, 186-7. 39 40

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victim of the years of separation between Mary queen of Scots and her unofficial cOun. sellors, her household, established on the second floor of the palace of Holyrood, and her official councillors, meeting regularly in the palace, but rarely in the presence of the queen (an unusual feature of this reign, for Scottish monarchs usually attended council meetings). In March 1566, the two groups came together, in the person of Pa. trick lord Ruthven, who had attended the council assiduously since December 1563 but who now at last gained access to the queen, and forced his opinions on her, whe~ he pushed his way up the privy stair into her private apartments, and murdered her Italian secretary42. The second is the reaction of James VI and I to the demands of suitors in Scotland and in England. James is a king with a reputation for being all too easy of access to any suitor for royal patronage; and there are deal' signs before 1603 that he resented the demands made on hirn. Nevertheless, he seems to have found that the problem in England was infinitely greater. The Scottish household ordinances of 1605 did impose restrietions on "the confusit nowmer of personis of all rankis quha hes entres to his Majesteis bed chalmer" insisted that those coming to the chamber must come through the "forework" of the palace, and gave automatie entry to the presence chamber only to noblemen, their heirs, and lords of council. Even so, the language of these ordinances contrasts sharply with James's prodamation of 6 July 1603, made only three months after his arrival in England, in wh ich he publidy stated his wrath against thos e guilty of "contemning our authority" by forcing their way into the privy chamber, and contrasts again with the king's tart rebuke to the English lords attending the padiament of 1621 when he found them in his withdrawing chamber and privy gallery - a rebuke which they regarded as sufficiently offensive to cause some at least to refuse to attend hirn at a1l 43 . The small size of Scottish royal palaces may have made possible an unacceptable degree of separation of conflicting political views and patronage groups, under a ruler who had little political wisdom. But under the control of a ruler of great skilI, it mayaiso have made it more manageable 44 . What is not in doubt is that in the second half of the sixteenth century, the new style of patronage was established - and complained ab out. In the 1590s, the aged diplomat Sir James Melville, the archetypal man of experience who knows it all and cannot resist telling everyone, wrote with savage bitterness about the conflict between the king's council and those of his chamber - even if this was but the palest reflection of the situation in Mary's reign; the council was attacking the members of the chamber who forced the king to subscribe "sindre hurtfull signatours and commissions, and gat The information about the council attendance, particularly lord Ruthven's, and the lack of participation by Mary queen of Scots, comes from my statistical analysis of the cOllncil sederunts during her personal rule, 1561-7, from Register of the Privy Council vol. 1. 43 Register of the Privy COllncil vol. 6, 207-8 (Scottish ordinances). Public Record Office, Landon, SP 14/2/35 (1603 proclamation); SP 14/119/99 (1621 rebuke). 44 Our knowledge of patronage in the reign of James VI has been mllch advanced by the pllblication of The Scottish Bloodfeud, 1573-1625: Politics, Violence and Justice in an Early Modern Society, by my colleague and former research student Keith lVI. Browll. It is fair to add that Dr. Brown's vicw of the architectural evidence is less hesitant than the one suggested here. 42

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st for themselves and their frendis the best and maist proffitable casualties"45. An pa ually archetypal figure, the lamenter of the passing of the good old days, was Rie~ard Maitland of Lethington, courtier, royal official and poet, and father of two of the ~cading politicians of the late sixt~en~h c~ntury: Will.ian,: of L~thington - the first man . the British Isles to have the adJectlve Machlavelhan apphed to hirn - and John of ~hirlestane, secretary and chancellor of James VI. For all that, Maitland indulgcd in ostalg ia for a simpler world, where kinship counted; now, he complained, when he :cnt to court, "thinkand I had sum freindis thair / to help forwart my business", he found37hat "kyndnes (kinship) hel pis not ane hair" and only gold and silver would advance his cause 46 . The king hirnself had doubts about the new developments, as he suffered from the "sollieiters, recommending servants unto me" more for their own · 47 benefit than for h IS . His attitude, and indeed that of men who were not members of the new noblesse de robc, but were yet aware that power and influence increasingly lay in following their lead, can be clearly seen in the immediate aftermath of the death of chancellor Maitland on 3 October 1595. Indeed, in the preceding weeks of his final illness, the letters of English agents were filled with information, rumour and gossip about wh at would happen if he did not recover. The factions were already forming. After his death, they hardened, and in-fighting intensified. Early in September, it had already been reported that the king was intending to spend the winter in Linlithgow, where "our faccaneres (factioners) will not get such access as they had in Edinburgh". The queen was heavily involved, backing the candidature of Seton of Fyvie, then lord president of the Court of Session, or the treasurer, the Master of Glamis, against the leading rivals, the earl of Mar or Walter Stewart, commendator of B1antyre. Her method of trying to get her way was by "entertainment" of the king; never, it was said, had they been on better terms except that James held his ground, and refused to replace Maitland. The reason he gave was that to appoint a nobleman who was al ready a great man would be to put hirn into the most powerful office in the kingdom, and make hirn inevitably a courtier, whose influence might therefore overshadow even that of the king; unlike the Tudors - or Louis XIV - James wanted his nobles not at court but back in their familiar and traditional role of the crown's principal servants in the localities, fulfilling their function as "your (the king's) armes and executers of your lawes", as he described them in the book of advice to his son, Basilikon Doron 48 Indeed, at the very time when the factions at court were wholly pre-occupied with the chancellorship, the king was trying to resolve the succession to the earldom of Atholl, precisely because, as he

4\ SirJames iHe/ville 0/ HalhilI, Memoirs of His Own Life, 1549-1593 (Bannatyne Club, Edinburgh 1827) 375. 46 The Maitland Quarto Manuscript containing Poems by Sir Richard Maitland, Arbuthnot and Others, ed. lP: 11. Cmigie (Scottish Text Society, Edinburgh 1920) 61. " The Basilikon Doron of King James VI, ed. lP: 11. Cmigie (Scottish Text Society, Edinburgh 1944-8) vol. 1, 115. "8 Basilikon Doron vol. 1, 87.

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claimed, that part of the country "was beginning to break since the earl died"49 On the other hand, if he would not appoint a nobleman, neither would he have a lesser man, for he would be only the tool of faction. The king was caught between old and new attitudes and expectations. His position was paralleled by John earl of Mar strongly backed for the chancellorship, desperately anxious to get it - and yet spend~ ing part of this anxious time engaged in trying to drive a hard bargain in the negotia_ tions for the resolution of a feud by the traditional means of compensation 50 . Political patronage and clientage on this scale were new to Scotland, by many still not accepted as a natural part of politicallife, and by no means yet at the stage of eaus_ ing the structural problems or even breakdowns whieh some historians have argued were al ready visible in late-Elizabethan England. Beeause they were accompanied by the unusual and complicating factor of the departure of the king in 1603, it is impossi_ ble to compare the society which Scotland was becoming with the society it had be en for it was no longer an independent kingdom. Nevertheless, if the structure of the ol~ der society, and its patron-client relationships, can hardly be taken as a model for any other, because they themselves had become unusual by the standards of the societies of sixteenth-century Europe, they can certainly be used as a yardstick; for the simpler, apparently old-fashioned but remarkably strong patronage relationships which existed in the local communities, and which were only seriously affected by the new develop_ ments at the centre at the end of the sixteenth century, were a major factor in creating a very stable society. That, wh ether in Scotland or elsewhere, can hardly be said of the increasing maelstrom of the political patronage wh ich Scotland was belatedly beginning to experience. In 1603, Scotland, like many other early-modern European countries, became part of a composite kingdom. The effect, on Scottish government, on social structures, on patronage, is far too vast to be considered here; all that can be offered is a brief postscript to this paper on Scotland as aseparate kingdom. The union of the crowns undoubtedly had a marked impact on the lIoblcsse de robe. Recent work on the French aristocracy has argued that the tensions and distinction between the noblesse d'epee and the lIoblesse ele robe have been overstated 51 . In Scotland, the tensions cannot be denied; and the union of the crowns inevitably gave the victory to the noblesse ele robe, despite the fact that the king himself had a great deal more affection for members of the traditional aristocracy than for his "new men" like Maitland. But his removal to London gave them an importance which they might not have enjoyed had the king remained in Scotland. For they became the key members of the government of the absentee Calcndar of the State Papers relating to Seotland and MalY Queen of Seots, 1547-1603, ed.] Baill emd ot/;e;~f(Edinburgh 1898 -) vol. 12,21-2. For the disputed sueeession to the earldom of Atholl whieh eaused this trouble, The Seots Peerage, ed. J Ba/jour PCll/1 (Edinburgh 1904-14) vol. 1,445-7. 50 For the events deseribed in this paragraph, Calendar of State Papers vol. 12, 3, 6, 21-9, 34-5, 43-52, 66-9. 51 For example, R. R. l!arding, Anatomy of a Power Elite: The Provineial Govcrnors of Early Modern Franee (New Haven 1979); J 13. lPood, The Nobility of the Eleetion of Bayeu X, 1463-1666: Continuity through Change (Princeton 1980). 49

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. the leaders of the council through which he ruled his northern kingdom. Now, ktngn'derwrite that position, they got their earl doms, Dunfermline for Alexander Seton (0 tI f Fyvie in 1605, Lothian for Mark Kerl' of Newbattle in 1606, and so on. They were ooW the leading politicians serving a king desperate to persuade his incredulous Eng~sh subjects that the Scots were as civilised as themselves; they were the men who 1ere in regular contact with the major English politicians, and who had a personal as WeIl as a political stake in appearing to be of the same breed. Small wonder that Dun~rmline wrote to Robert Cecil, future earl of Salisbury, sneering at those long-established members of the Scottish aristocracy like Huntly, who still thought in terms of !oca! power, personallordship, as "our great ydalgoes"52. But however much SalisbUlY 111ay have shared Dunfermline's contempt, the great hidalgoes impinged on hirn far les s than the "new men" whose letters now filled his post-bag, patrons in Scotland, clients in England 5J . Yet for all the problems of dual monarchy, king James, the king who knew and was known by his Scottish subjects, members of the old and the new aristocracies alike, kept the political situation in Scotland reasonably stable until his death in 1625. It was his wholly English son Charles I, the king who neither exercised effective royal patronage in Scotland nor understood how to tap the existing patronage networks, who brought down the stOl'm upon his head 54 The first part of this paper discusscd the personal bonds which were a major factor in crcating social stability, and the political bonds which reflected the beginnings of instability. It is surely a profound irony that from these starting-points came the greatest and most famous bond of all: the National Covenant of 1638, which ushered in the Scottish rebellion against a Scottish king of Britain which was to lead to the revolution wh ich shattered the pe ace of three kingdoms.

Historical Manuseripts Commission, Salisbury Manuseripts (London 1883-1976) vol. 17, 149-50. l) There are many 01 these letters in the early volumes 01 the State Papers, James 1 (SP 14) in the Public Reeord Office, whieh show the Seots learning, as fast as they eould, the fulsome language of dien tage appropriate to an English patron - even if they eomplieated life for the English by their struggles to eradicate the spelling and language of Middle Seots; indeed, there is one, by lord Roxburghe to Ce eil on 2 May 1604, whieh is written in a good hand, and bears a fine italie signature, but whose meaning is wholly obseure: SP 14/817. 54 For James's reign after 1603, see Ala/lrice Lee,]I:, Government by Pen: Seotland under Jamcs VI and 1 (Urbana 1980), an exeellent follow-up to his earlier detailed study of the greatest of new mcn, .lohn Maitland of Thirlcstane and the Foundation of the Stewart Despotism in Seotland (Princeton 1959). For the problems of CharIes 1'5 reign, and that king's own mismanagement of his northern kingdom, iH. Lee,]I:, Charles land the End of Coneiliar Government in Seotland in: Albion 12 (1980) 315-36; Wa/fer !Hake}, The Chureh of the Covenant, 1637-1651 (Edinburgh 1979); [),m'd Sfn'CIIsOJl, The Scottish Revolution, 1637-44 (Newton Abbot 1973). l1

Wojciech Tygielski A Faction Which Could not Lose Jan Zamoyski, the only person who in the late sixteenth century was both Grand Chancellor of the Crown 1 and Commander-in-Chief (hetman wielkl) created a political faction unique for its size and importance, and also relatively weil documented by the let ters exchanged between Zamoyski and his men. In simple terms, the life and career of Zamoyski may be described in several stages 2 Born in 1542 into a rich gentry family, he was educated both at home in Cracow and abro ad in Paris, Strasbourg and Padua. After his return to Po land he became a royal secretary, a position which not only gave him a direct approach to the ruler but also enabled him to learn the essential mechanisms of power in the political centre of the state. After the death of his first royal protector, Zamoyski returned to Ruthenia, becoming politically active in his native Beiz region and achieving prestige among the 10cal gentry. Already during the first free election of the king (1573) the political ideas formulated by him were eagerly listened to by the gentry community. However, it was the se co nd interregnum - after the hasty departure of Henry of Valois and the defeat of the Habsburg candidate - that resulted in the election of the Transylvanian Prince Stefan Batory to the Polish throne and opened prospects of a brilliant career for Zamoyski. The new king, untutored in the language and local realities, chose him as his closest and most confidential adviser. Further promotions followed quickly. In 1576 Zamoyski became the Vice Chancellor of the Crown, two years later the Grand Chancellor, and after another three years Hetman (Commander-in-Chief of armed Forces of the Crown). As the prime minister and closest collaborator of the King he achieved the ultimate goal: a direct influence on the appointments policy of the ruler. Such a brilliant career brought hirn the ill-will and envy of potential rivals, headed by the mighty Zborowski family. To maintain his monopoly of power the Chancellor, in agreement with the King, decided to take radical steps. His leading opponent, Samud Zborowski, was apprehended, imprisoned in Cracow Castle, charged with high treaSOn and hastily decapitated. A year later his brother Krzysztof, impeached at a Diet

"Crown", i. e., Poland; Lithuania had her own chancellors and army commanders. See Kazimierz Lepsz); Wrog Habsburgow - Jan Zamoyski (Z problematyki monografii 0 kanclerzu), in: Roczniki Historyczne 18 (1949) 118-134; Stanisfaw Lempick/; Mecenat Wielkiego Kanclerza. Studia 0 Janie Zamoyskim (Warszawa 1980); Wadaw Sobieski, Trybun ludu szlacheckiego. Pisma historyczne (Warszawa 1978); Artur Sliwinski, Jan Zamoyski, kanclerz i hetman wielki koronny (Warszawa 1947); Aleksander Tamc1wsk/; Dzialalnosc gospodarcza Jana Zamoyskiego kanclerza i hetmana w. kor. (Lwow 1935). I

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Court for the same offence was sentenced by dcfault to banishment 3 A brutal sUppres. sion of the opposition evoked a wave of protest and accusations against Zamoyski and his numerous followers. With the sudden death of their royal protector (1586) thc Cl(. isting conflict erupted into an clcctoral battle 4 • The adversaries of the Chanccllor mostly aligned in a pro-Habsburg camp, anticipated a chance of revenge. ' Ncvertheless it became apparent that the defeat of the Chancellor and his SUpport. ers was not possiblc. Dcspite a double clection, which almost simultaneously gave the Polish throne to a Swedish prince Sigismund Vasa and an Austrian archdukc Maxil11i. lian, the lattcr's road to the crown was effectively blocked by thc armcd forces under Zamoyski's command, which relicved the besiegcd Cracow and later defeated Maxi. milian's army at Byczyna Uanuaty 1588), capturing the archduke himself. However, Zamoyski's power in Po land was called into question from a totally differ_ ent direction. It became obvious that the young King, although owing the crOwn to Zamoyski, did not intend to tolerate the omnipotent influence of his minister. The re. sulting conflict, caused by differences over appointments policy, gained momentul11 to the point of the Chancellor's leaving the Court, while the influence of his follo wers there was drastically limited by the growing power of new royal favourites. The political atmosphere of the last decade of the 16th century depended to a large degree on the mutual relations between the King and the Chancellor, who not only exercised for life two of the most important state offices but also had a host of supporters at his dis. posa!. It soon became evident that in the long run the king could not act effectively without a modlls uiuendi with Zamoyski and his political allies and subordinates. A COI11promise was reached: the King got the Chancellor's support for his Swedish policy, and Zamoyski achieved a partial restoration of influence on a nominating policy and full freedom in his Moldavian and Walachian operations. Diverse centres of opposition, naturally indined to accept Zamoyski as their leader, must have felt disappointed. The most serious and open anti-royal manifestation came only after Zamoyski's death in 1605 5 . Zamoyski's extraordinary and seldom parallelIed career developed into one of the most significant moments of Polish history. This was the early period of elective monarchy which for the power elite was to bring major changes caused by thc creation of immense estates at the South-East (Wolhynia, Podole, Ukraine) joined to thc Polish Crown after the Union of Lublin in 1569. It can therefore be assumed that Zamoyski's career was a harbinger of a different stage of socio-political development. The formation of the new elite at the turn of the 17th century, as weIl as the individual careers accelerating the creation of the new aristocratic dass (magnatcria) atSee jose! Ticbj, Ziipas Jana Zamojskeho ze Zborowskymi v letech 1582-1585 (Praha 1937);]ulian Sutowicz, Sprawa Zborowskich na sejmie 1585, in: Przcgl~d Polski 10/2 (1875). 4 See jobannes CanJ, Das Interregnum Polens im Jahre 1587 und die Parteikämpfe der Häuser Zborowski und Zamojski (Gotha 1861). 5 See Kazimierz Lepszy, Walka stronnictw w picrwszych latach panowania Zygmunta III (Krakow 1929); idem, Rzeczpospolita Polska w dobie sejmu inkwizycyjnego 1589-1592 (KrakoW 1939); /l/lgllJI Sokofowsk/; Przcd rokoszcm (Krakow 1882). J

A Faction Wh ich Couldnot Lose

179

s the constant attention of Polish historians 6 The possession of landed wealth and traet . . ffiee holding are the two well known and ObVlOUS factors. Instead, I have deClded to o \1eentrate on the third element whieh made a magnate's career possiblc, the element CO was mueh less eoncrete yet equally important, namely the social background of hieh "'olitieal activities, the faetors binding members of various social groups to a political feader which made possible the growth of a faction and wh ich, in turn, significantly influenced the fate of the nation. I was interested both in the mechanism of gene rating the diverse social and political ti es which bound an individual to the Chancellor and also in the internal structure and functions of this faction viewed in the changing political conditions. The research on the life and fa te of Zamoyski's extraordinary personality has led to an essential question : in what way did a Chancellor, who owed his career to royal protection, mar.age to keep power and influence in the new politieal eonditions of the state despite a fundamental eonfhet with the new ruler? What gave his position such strength that it withstood the gravest erisis in the 1590s?

Lettcrs and thcir authors: prcsentation of research method In thc seareh for an answer, one turns to the abundant correspondence of the Chancellor whieh survives in the Central State Archives in Warsaw. This material allows us not only to study the multifarious activities of Zamoyski in the field of literature, art, education, eeonomy, architecture, medicine and, last but not least, politics, but also to grasp their social context through the analysis of the group of Zamoyski's correspondents. Because of the limitations of the material it was not possiblc to reconstruct their biographies, apart from several of the most distinguished persons. However, neither individual lives nor separate matters as such form the subject of this study, but rather their reflection in the letters. Nevertheless, I think that this limitation does not exduclc a prosopographic approach such as that adopted by Lawrence Stone? This study thercfore will be based not on the sum of biographies of people includcd in the group researched and the results of such a procedure, but primarily on the analysis of model situations, mechanisms and general patterns of change within the group of the Chancellor's correspondents, as weil as on the texts themselves and the principal motives behind theil' content. The starting-point of this study are the letters, mainly those written and received by Zamoyski. Althollgh I am not going to speak in detail of this material, it is worth emphasizing both the merits and the shortcomings of this source. In the period I am discussing, correspondence became a common form of commllnication among the gentry. A letter was not only a much used means of private conA discussion summarized by Adam Kersten, Warstwa magnacka - kryterium przynaleznosci, in: Magnateria polska jako warstwa spoleczna, XI Powszechny Zjazd HistOlykow Polskich (Toruil 1974). 7 Lawrente Stone, Prosopography, in: Daedalus (Winter 1971) 46-57, 65-73. 6

180

Wojciech Tygielski

tact, but was also an instrument of political propaganda and a chan ne I for tranSaetin various matters. Space does not permit me to analyze the origins of this phenomenon~ but it was eertainly introduced by a new generation of politicians largely edueated a; foreign universities. The letters which focus on such a remarkable personality as Zamoyski are a stylisti_ cally varied, eolourful and fascinating souree collection. This material, despite its inter_ est and wealth of detail, remains extremely diffieult to interpret. In spite of the fact that in the case of Jan Zamoyski the letters are undoubtedly a massive source (c. 9,000 letters) it is hard to apply standard statistical rules of analysis in order to find a pattern of frequency of writing by the most active correspondents. Similarly, it was not pos sible to divide the letters aecording to their eontents. Almost each one of them is an entity in itself, informed by many different motives. Because of this wealth, it was also difficult to select and define the types of letters relating to the social positions of their authors and addressees. There are Zamoyski's letters to his protectors in the early period of his career, to the people of his own kin, to those sharing his political ideas, as weil as laudatory letters to the Chancellor written on occasion of his political triumphs or marriages, letters coming from his dependents, officials, followers and politieal friends as weIl as those exchanged with the senators who were launehing his projects or influencing political opinions in various parts of the country. The letters themselves contain pleas for protection, but also instructions and orders as weIl as economic and political reports. The letter was a medium of official, familial, social, commercial and political contact. In the mass, letters illustrate an intricate system of social relationships based on patterns of mutual services. Pages of most of them are packed wirh rhetoric which renders difficult any interpretation. Finally, the letter is a form of communicating at a distance, and thus if the people in question were staying at the same place, it is doubtful whether any written sign of their contact could be traced 8 A fruitful critique of the epistolary series would also require the knowledge of Zamoyski's itineraries and those of each of his correspondents. This alone could explain the lack of letters, or their abundance at different periods. It would also effectively supplement the overall distribution of letters in time. Such a model research situation does not exist. What does exist is the awareness that the lack of letters in certain periods may be a result (apart from losses in the source material) of various causes - from a low intensity of correspondence and dissolution of the relationship between a given person and Zamoyski, to everyday contacts involving the dosest cooperation. However, it can be taken for gran ted that the exchange ordinarily demonstrates the existence of good relations between the sender and the recipient. Correspondence as a form of contact required the maintenance of a system of delivering letters, fixed places of their distribution and reliable messengers. Although the analysed material permits us to name at least several specialized letter-couriers, messengers usually belonged to the group of trusted confidants, already travelling for some reason and entrusted with the letters along with their main tasks. This, i. e., causes the intensity of Zamoyski's correspondence during the wars with Muscovy 1579-1582.

8

181

A Faction Which Could not Lose

contemporaries viewed the technieal eonditions of delivery as extremely unsatisfaery Letters eontain innumerable eomplaints about the unstable, belated and unsure t~st·age. The laek of eagerly expeeted information hindered many politieal aetions 9 . ~ometimes the reeipient received several letters from one sender at the same time. fhe messengers were a eonstant objeet of eomplaints and aeeusations while the difficulties of their reeruitment were lamented ab out just as often. Such a situation foreed the correspondents to eliminate from the letters the most seeret details which were to be delivered orally by a eonfidential eourier bearing additional credentials lO . Unfortunately for the historian no traee of such messages remains, and this defieieney in the basic souree material must be taken into eonsideration. fhe knowledge that some essential and seeret news were never written down is balanced by several formulas whieh emphasize the eonfidential nature of the information, together with a suggestion of the immediate "erasing" of it or destroying the letters after reading. It is some consolation to notiee that some matters are refleeted in the correspondenee as areminder, although aetually they had been transaeted through the direct eontaet of both parties ". Thus the letters of Zamoyski, though burdened with numerous limitations and unkno wn in their original quantity, certainly refleet a substantial amount of politieal and personal deeisions. For most of the problems analyzed below they remain the sole souree of knowledge'2. It is not easy to give a definite answer to the question of how representative the material actually iso Attempts to approximate the possible gaps - based on the knowledge of the his tory of the family archives, disproportions in the number of letters reccived and writtcn by Zamoyski and the differcnces in the number of lctters from particular

9 ''For a letter written to me, Sir, I could not give an answer before it had been dclivered" ("Na list WM. do mnie pisany, nie moglem pierwej responsll dac, nim mi go oddano") - philosophically remarked Krzysztof Radziwill, Depllty Commander of Lithllania, in a letter to Jan Chodkiewicz, Castellan of Wilno, written in Wilno, April 2, 1578 - Zl;llacy Potkowskl; Sprawy wojenne kr6la Stefana Batorego. Diariusze, relacje, listy i akta z lat 1576-1586, in: Acta historica 11 (Krak6w 1887) 100; hereafter: Polkowski, Sprawy. 10 " ... it is dangerous to entrust a letter with too mllch" (" ... a lystowy tak wyelye zwierzycz nyebeszpyeczna") - wrote Zygmunt Czyzowski, Castellan of Belz, to the Chancellor from Wojslawice, ]uly 9, 1578 - Archiwum Jana Zamoyskiego I, No. 224; hereafter: A]Z, I, 224; "Not all can be entrusted to the paper" ("Wszystko nie moze byc papierowi powierzono") - continued,]llly 8, 1588 from Venice, the Polish diplomat, Stanislaw Reszka - A]Z, IV, 1306; one should not always put everything in a letter" (" ... gdyi nie zawsze si" zeydzie wszytkiego przez list oznajmic") - concluded Zamoyski hirnself in a letter to Jan Chodkiewicz, Great Marshai of Lithllania, written in Ciechan6w, Jllly 31, 1576 - AJZ, I, 87. 11 See, i.a.: AJZ, 1,148,212,246; III, 899; Archiwllm GI6wne Akt Dawnych, Archiwum Zamoyskich (hereafter: AZ) 183 Hieronim Godzi~tkowski to Zamoyski, Ujazd6w,]llne 27, 1600; Biblioteka K6rnicka MS. 1708 f.67 v ; Archiwum Domu Radziwi1l6w, in; Scriptores Rerum Polonicarum VIII (hereafter: SRP VIII) p. 39;Jan Piotrowskl; Dziennik wyprawy Stefana Batorego pod Psk6w (Krak6w 1894) 208. 12 An equally high evaluation of an analogous source material used for investigating the 15thcentury Florentine political structures was expressed recently by Date Kmt, The Rise of the Medici Faction in Florence, 1426-1434 (Oxford 1978) 33; hereafter: Kmt, The Rise. H •••

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182

Diag mm I: Zamoyski's correspondence, a) relations betwcen subperiods, b) relation between let. ters s'erlt and received 270

The mean no, of letters per vear

260 250 240 230 220 210 200 190

[[IJ

t2d

- letters sent and received

- letters written bV Zamovski

180 170 160 150 140 130 120 110 100 90 80 70 60

V V / V V V / V

50 40

/

30 20 10

11111 1672-76

/

V V

/

V V

/

V V / V V

V / / / / / / V V V V V / / / V V / / V / / / V / V V V / / V V V V V / / / / / V V / / / V V / / / V / V V V / / V V / / V V V / / / / / V V / / / ~ 1577-81

1582-86

1587-91

1592-96

1597-01

1602-05

A Faction Which Could not Lose

183

- could give only imperfeet results. Conelusions, apart from establishing that in ye ars erta in years (1593-1603) the degrees of the preservation seems high, cannot be exc . . I res sed quantitative y. P The main positive indicator of the representativeness of the source material is the ilDposing volume of this legacy. In t~e Zamoyski Archive, elose to 12,000 rough copies and documents are connected wlth the person of the Chancellor. The number of !etters - mostly originals - is estimated at about 9,000 13 . I have limited the group of Zamoyski's correspondents to those living in Poland or telDPorarily staying abroad. For the requirements of analysis five-year periods have beel1 introduced, relating to the most important political events in the country and referring to the stages of Zamoyski's own career. The results of such chronological distribution can be expressed both in graphie and tabular form (Diagram I and Table I), cOl1taining 4,569 letters and 861 correspondents.

Ttlble I: Zarnoyski's Correspondence Distributed into Five-year Periods Years

No. olletters Average nurnber olletters per year % se nt received total

1572-76 1577-81 1582-86 1587-91 1592-96 1597-01 1602-05

59 356 485 480 921 1385 735

Total

4421'

8 11 11 21 31 17

2,2 31,2 58,6 27,4 29,0 41,8 18,0

9,6 40,0 38,4 68,6 155,2 235,2 192,0

11,8 71,2 97,0 96,0 184,2 277,0 210,0

% olletters written by Zarnoyski

sent

received

total

19 44 } 51 60 29 16 15 9

5 75 140 66 69 100 43

4 17 16 29 66 100 82

4 26 35 35 66 100 76

!IS

Index 1597

100

. 146 undated letters as weil as 2 letters frorn the period 1563-1571 have been omitted.

Only 20% of the letters were written in the reign of Bathory or earlier. The largest !1Llmber refers to the third five-year period of Sigismund III's rule 1597-1601, as weil as to the neighbouring periods 1592-1596 and 1602-1605. An average number of lettcrs per year in the successive five-year periods indicates this fact even more precisely (the last period is shorter). The initial presentation of this material should end with a word about the intensity of correspondence with particular persons. The indication of concentration would be quite high as there existed a small number of persons who exchanged a few score or even over a hundred !ctters with Zamoyski. On the other hand, there remains an immense multitude who wrote or received one, or at most a few letters. The distribution of letters from this point of view is shown by Table 11. 13 Such a number, even by European standards, seerns very high - see: Anlony 1110Ibo, Cosimo de' Medici: "Pater Patriae" or "Padrino", in: Stanlord Italian Review (Spring 1979) 28; hereafter: lHolbo, Cosirno; Kml, The Rise, 33.

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TaUe ll: Zamoyski's Correspondents According Number of Icttcrs

to

thc Number of Letters Exchanged

Number of persons

-----

%

2-3 4-5 6-10 11-20 21-30 31-

468 200 73 47 35 15 23

54 23 9 5 4 2 3

Total

861

100

} }

}

77

--

14 9

---

Thc fundamental purpose of this study is the correct presentation of the social and funetional structure of the group of Zamoyski's correspondents 14 I have assumed, therefore, that the temporal evolution in the composition of this group expresses synthetically the essen ce and forms of his political influence, and will bring at least a particular answer to the question set above. Thc intended grouping - while attempting to conneet positions held in the society with functions performed for Zamoyski - proved extremely tedious 15 and required many simplifications. Finally, I have selected the following categories: I. 1 royal en tourage 2 royal secretaries 3 diplomats II. 1 high officers of the State (ministers, Crown and Lithuanian dignitaries) 2 secular Senators 3 bishops (Catholic and Orthodox) III. 1 lower officers of the State IV. 1 the remaining gentry

V. 1 soldiers VI. 1 Zamoyski's retainers VII. 1 townsmen 2 lower clergymen VIII. 1 scholars (humanists) 2 physicians 3 foreigners 16 The disproportion in the number of letters in particular periods required the use of

14 Seejlt/ius:< Barde/eh, 0 uj~ciu socjologicznym struktuty spolecznej i ideologii szlachty polskiej, in: Czasopismo Prawno-Historyczne 15/2 (1%3) 159-178. 15 Lack of biographical data, life promotions of the individual persons during the investigated period, a possibility of simultaneous cIassification of the same person to several categories. 16 A marginal group of pcasants as weil as persons socially unidentified have been omitted.

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lative figures. Pcrecntagcs of partieipation in eorrespondcnec for eaeh of thc scleeted ;:oups are expressed both in graphie (Diagram II) and tabular (Table III) forms 17. Vii/gram Il: The relative participation of various social groups in correspondcnce with Jan Zarnoyski (ace. to the number of persons) royal ento-

r-

rage, sec reta ries,

diplomats

90 central

dignitaries secular senators, bishops

80

70

lower grade state offieials

60

50

I I

40

11,1111111

~~~

30

~~

the remaining gentry correspondents

soldiers

~

retainers

20

10 -1---

1572-76

V/ß;~Wi////W//% 1577-81

1582-86

1587-91

1592-96

1597-01

townsmen,

the religious of the lower rank

humanists, foreigners

1602-05

The unequal distribution of letters in particular years and the requiremcnts of analysis indicate the necessity of a special method of investigation. The idea introduced in the text refers to the position of being in contact through correspondence with Zamoyski. The chronological framework of this relationship is established by the first and the last letter exchanged between the Chancellor and the person in question. I have assumed that throughout the period defined by these dates there existed some contact through letters independently of the distribution of letters over time (or their lack). This assumption seems to fit the social reality doser than to take only the dates of surviving letters under consideration. However, in order not to identify the frequent correspondents with those who wrote very seldom, an index of intensity of correspondence has been introduced, serving as a statistical balance in differenciating important correspondents from thc marginal ones. 17

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Tabfe 1I1: Socia! Groups in Corresponclence with Zamoyski, 1572-1605. In %

Years 1572-76 1577-81 1582-86 1587-91 1592-96 1597-01 1602-05

0 13 15 13 9 8 6

II

III

65 46 38 31 28 27 25

11 15 15 19 20 18 17

IV 5,5 2 1

3 9 10 8

V

VI

VII

5,5 11 16 17 15 16 16

11 6 7 7 9 11 13

2 5 6 5 5 5 9

---VII!

----0 2 2 5 5 5 6

--

The first group, composed of lower but influential officials of the central govern_ ment, corresponded with Zamoyski most intensively in the period 1577-1591; this reached its highest frequency in the second half of King Stefan's reign. This SUpports the opinion that Zamoyski was active at the Court only for the first five years of Sigis_ mund III's rule. Senators played a gradually diminishing role among the correspondents although they always remained most important. This most interesting and significant tendency of the ousting of Senators from their leading position by other social groups illustrates indirectly the nature of the Chancellor's own social and political backing. Achieving the top position in the State, Zamoyski became increasingly less occupied with writing letters to his equals while at the same time he tightened contacts with his subordinates and other lesser people. In the first five-year period the senatorial group dominated the letter-exchange pattern. Its members saw young Zamoyski as an attractive and promising politician, and in the same period he used them as his basic support for a possible career. During Batory's reign the importance of this group was gradually rcduced. Zamoyski acquired political independence and coordinated his activities only with apart of the Senate, which deeply offended its other members. This tendcncy continued gradually but consistently in thc reign of Sigismund III. A system of patronage displaced to a large degrce cooperation with political allies from thc Senate. This phenomenon is corroborated by a steady increase in the frequency of correspondence on the part of the lower state officials. It continues for the first 25 years, while in the period 1597-1605 even lower officials were displaced by more subordinate groups. It implies the loss of political influence by the Chancellor. The group of gentry correspondents, anonymous in its mass, also shows the increasing, although unstable, tcndency of development. The index for the period 1572-1576 seems artificially high. During the reign of Batory and in the stormy period after the third royal election, the gentry's share in the Chancellor's correspondence was marginal. In the vortex of his political activities there remained no place for them. Their participation suddenly increased in the period 1592-1601. At that time numerous lesser nobles seemed to have leaned toward the Chancellor, looking for life support and wider perspectives. This should be treated as an important indication of what Zamoyski had to offer politically. In the last years of the Chancellor's life the participation of lesser nobles in Zamoyski's correspondence (letters received by hirn) was only slightly lower.

A Faction Which Could not Lose

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The share of soldiers in Zamoyski's correspondence is exceptionally stable, particuI rly since he was given the office of Hetman. a A steady and distinct increase in the volume of correspondence from retainers ( roup VI) shows Zamoyski's success in building up his own c1ientage (the figure for :572-1576 - eleven - seems improbably high). There is also an increase in the particiation of townsmen and the lower c1ergy. However, for the whole period 1577-1601 it ;emained unchanged as a result of the wide diversity of contacts between members of this group and Zamoyski, from the full subordination of the town of Zamosc or the pri ests performing their duties in the Chancellor's estates, to ties based solelyon mutual economic relations. Much more obvious is the increase of contacts with the scholars and foreigners who swarmed around, benefitting from the Chancellor's patronage, especially during the reign of Sigismund III. One may therefore assume that the basis of the social system built up by Zamoyski was composed mainly of retainers, townsmen and the lower c1ergy as weil as by inteltectuals and foreigners, while the basis of his private political backing was composed of the lower office-holders, gentry and soldiers. This permits a kind of quantitative presentation of his socio-political system on the basis of figures from Table III and Table IV. The results obtained point at the years 1587-91 and the neighbouring periods 1582-86 and 1592-96 as the most important for that building-up of the Chancellor's social backing. li/ble IV: Quantitative Index of Build-up of Zamoyski's Social Backing Column I shows the percentage of lower office-holders, the gentry and soldiers while Column 11 refers to retainers, lower clergy, scholars and fOl'eigners Years

1572-76 1577-81 1582-86 1587-91 1592-96 1597-01 1602-05

22 28 [+6] 32 [+4] 39 [+7] 44 [+5] 44 [-] 41 [-3]

11

1+11

Index 69 = 100

13 13 [-] 15 [+ 2] 17 [+2] 19 [+2] 21 [+2] 28 [+7]

35 41 47 56 63 65 69

51 59 [+8] 68 [+9] 81[+13] 91[ + 10] 94 [+3] 100 [+6]

So far, the analysis has covered nearly the entire body of the Chancellor's correspondents. Although I continue to maintain that the exchange of letters was gene rally a sign of good mutual relations, it is also quite evident that the whole group cannot be understood as a faction, or in a wider sense as a social basis of Zamoyski's activities, determining his leading role in public life l8 .

18 The Chancellor's man ("zamoyszczyk") is understood to be an individual who acts on his behalf or in his name. One either was a Chancellor's man regularly or from time to time. Also it is very probable that a person supported by the Chancellor was a "zamoyszczyk". However, the 101-

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The analysis of functional terminology supplied by the letters has demonstrated its incoherence and lack of consistency. I was forced to develop a distinct classification to describe the degree and nature of connection between Zamoyski and each particular person, taking into account the approximate so ci al position of each individual corre_ sponding with the Chancellor 19 . A systematic study of this variable statistical Popula_ tion was difficult for several reasons. For some there was uncertainty as to their noble condition. The general obstacle however stemmed from the fact that the political and functional stratification within the country as a whole does not fit with the divisions within the group of Zamoyski's adherents (the social structure vs. services perfo rl11e d for Zamoyski). It was also extremely hard to find a common denominator for diverse functions or services performed for Zamoyski. Can a manager of the Chancellor's estates be put on one and the same scale with his political ally belonging to the senato_ rial-magnate group? Despite numerous problems of classification one may still characterise the popula_ tion of Zamoyski's correspondents according to their relation to hirn. I enumerate them in the descending order of their dependence. 1. Zamoyski's officials (totally at his disposal) employed in the Royal Chancery and the Chancellor's household, commanders of his private troops, attorneys, lieutenants, messengers, priests at the Chancellor's own estates and leaseholds, scholars (including professors of Zamosc Academy) etc 20 2. Economic officials (totally at his disposal) - estate stewards, comptrollers, receivers, clerks, petty leaseholders 21 .

lowing exceptions must be stated: a) whcn the Chanccllor's support was enlisted under prcssure from a third party, b) when there exist other traces of patronage apart from the rcqucst in the letter, c) whcn the supplicant was equal in social status with Zamoyski. 19 The propositions of other authors invcstigating analogous trends for different European countries could not be utilized, mostly due to the terminological ambiguity. Among the 15th-century followers of the Medici, Dale Kent distinguished only the "clients" and "partisans" (Kmt, The Rise, 35), the latter understood in a strictly political sense. For modern France, Roland Mousnier cstablished only two basic types of patron-dient relationship: "maitre-fidelc", which according to hirn implied an element of sentiment, and "protecteur-creature" having political meaning (Roland lvJousnieJ; Les Institutions de la France sous la Monarchie Absolue, vol. 1 (Paris 1974) 86-9 2). 20 This group indudes both strictly political officials - Zamoyski's representatives at the royal household, some county and district officials, totally depending on hirn since acting in the sphere of his direct power, as weil as private functionaries, i. e., professional lawyers. 21 It does not seem necessalY to give a raison detre for the imperative need to maintain an cfficient administrative system of the landed estate. It may be added that a degree of political involvement prevented Zamoyski for considerable periods from supervising personally the economic output of his lands. His expanding estate required experienced administrators while the large scale investments called for the best workers and organisers. Although preserved unsatisfactorily, letters of the estate officials indicate that this group maintained elose internal relations, providing the Chancellor with the basis for political activity.

A Faction Wh ich Could not Lose

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3. Political followcrs (totally at his political disposal) - the middle gentry: subordiated county (Polish: wojew6dztwo) and district officials, politically active military t1ornrnanders, leaders of district diets (assemblies of the nobility), couriers entrusted 22 C ith political missions, informants, residents at the royal household, diplomats . VI 4. Political friends (at limited disposal) senatorial level - lower seats in the Senate and royal household dignitaries. Careers they owed to Zamoyski created in them a sense of loyalty to the Chancellor. Their political alliances were of long duration 23 5. Political allies (no dependence) - the key State ministers and chief Senators, equal political partners of Zamoyski. Their careers were not based on his patronage; their offices, farnily ties and wealth guaranteed their independence 24 I have omitted the small, although crucial category of Zamoyski's entourage, the facto ti - his dosest associates performing a variety of tasks who were lIsually recruited frorn among the county officials. Another category of the Chancellor's entourage, important yet difficult to determine, which induded his secretaries, physicians, chaplains, household residents and neighbours, was likewise not taken into account. The method of analysis is the same as the one applied to the whole group of correspondents. I shall try to illustrate the intensity of letter writing for each of the described socio-political groups. The criterion of dassification as a particular group was based on the contents of the letters which reflected the type of the existing bond. Biographical data derived from other sources were used only as a supplement. Relative changes in the correspondence frequency of particular groups is shown in Graph IH. The fundamental tendency of the whole statistical population was a gradual decrease of the relative share of senatorial political allies (corrobOl'ated by the same tendency of this group among all correspondents). The rate of this decrease was at its highest in the first 15 years. Later it significantly slowed down. The place of senatorial allies was gradually taken over by groups of greater degrees of dependence. The role of political friends - nonexistant in the first five years for obvious reasons markedly increased during the reign of Batory and later retained nearly the same level.

22 The followers, particularly those of high social status, took part in managing the private affairs of the Chancellor. The involvement of Drohojowski brothers in his matrimonial strategy is worth mentioning. Jan Krzysztof, Royal Secretary, negotiated on Zamoyski's behalf with the Radziwills for the hand of Krystyna, daughtcr of Mikolaj "the Black", Palatine of Wilno and Chancellor of Lithuania, while Jan Tomasz, Royal Referendary and mpitanells of Przemysl, scrvcd in 1583 as maitre d'h6tel to Gryzelda Batory who, arriving from Transylvania, was escorted by hirn from the COUtltry's frontier to Cracow, entertained on the way at his Wojutycze estate and saw hirn participate at her wedding with Zamoyski. 23 The representatives of this group displayed fullloyalty during the conflict with the Zborowski family, did not desert the Chancellor in the difficult 1590s (a known protest by a group of senators against the anti-Zamoyski declarations of Kolo in 1590) and maintained a long lasting contact through correspondence. Their independent and high social position did not weaken the relationship with the Chancellor, although it changed its nature. '" Briefly, such a relation of political alliance can be illustrated by the words of the Primate, Stanislaw Karnkowski, directed to Zamoyski in 1585. The Archbishop declared that he wanted to have an agreement with the Chancellor "although we do not always go the same way" ("chocia nie zawzdy jedn~ drog~ chodzim") - AJZ, IV, 1083.

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Diagral/l llI: The relative participation in the correspondence of the groups connected with Zamoyski (ace. to the nu mb er of persons corresponding in a given period) 100

Political allies

90

80

~ ~

70

60

50

40

~

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30

20

Political friends

Political followers

Zamoyski's Economic officiaJs

Zamoyski's

officials

10

1572-76

1577-81

1582-86

1587-91

1592-96

1597-01

1602-05

A different picture emerges in respect of the political followers. The general tendency is also that of a rise. However, the apogee of this group's importance falls in the years of political crisis of 1587-1596. At that time all the forces at the Chancellor's disposal were mobilised in order to withstand the dangers created by his conHict with the new ruler. A slight relative deCl'ease of his political followers in the later period may indicate that, for Zamoyski at least, the main conHiet had been overcome. In the last years of the Chancellor's life, the followers were superseded by officials and, to a smaJl degree, by political friends. This, in turn, may mean the closing up of the Zamoyski faction at its basic core as weil as the lack of expansive political tendencies on the part of the Minister himself.

A Faction Wh ich Could not Lose

191

This overall view is significantly supplemented by a constant increase of the relative /1Umber of letters exchanged by the patron with his private officials (his noble serva/1ts), men whose activities were centred directly on the person of the Chancellor. In agreement wi.th this tendency, t~e shar~ of his estate-servants sh~ws, characteristica~ly, a minimum m 1577-1582, whtch agam supports the observatIon that Zamoyski busy making his ministerial career - simply had no time for economic matters. Participation of the Chancellor's other servants slowly but constantly increases, generally unaffected by political events. This illustrates the consistant tendency towards involvement and employment among gradually more numerous and varied groups of dependents. . . . . Using analogous computmg techl1lques, and assummg that the core of the factiOn was composed of Zamoyski's officials as weil as of his followers and political friends, one can obtain the means of constructing a political system developed by the Chancellor by summing up the data describing relative shares of each group in particular periods (Table V). Ic/ble V: Quantitative Index of Build-up of Zamoyski's Faction Years

1- according to the number of persons

II - according to the III - the average number of letters l+II Index 84 2

1572-76 1577-81 1582-86 1587-91 1592-96 1597-01 1602-05

31 54 [+ 23] 68 [+ 14] 76 [+8] 80[ +4] 82 [+2] 84 [+2]

19 37[+18] 65 [+28] 72 [+7] 79 [+7] 82 [+3] 84 [+2]

25 45,5 66,5 74 79,5 82 84

=

100

30 54 [ + 24] } the highest 79 [+ 25] rate 88 [+9] 95 [+ 7] 98 [+3] 100 [+2]

The results obtained indicate that Zamoyski's faction was built most intensively in the reign of Batory. However, the index based on the number of letter lOri/ers favours the period of 1577-1581, while that based on the number of letters points to the second half of this reign. The rate of growth became distinctly slower under Sigismund III although the tendency was maintained. The arithmetical mean of both indices balances the indicated difference. Accepting the final level of the average index (for 1602-05) as 100 the ultimate result indicates again that the reign of Batory was the decisive period of constructing this political organisation.

fortunately there is God, fortune and a friend ..." - Andrzej Taranowski on margin of his lettcr from Adrianople, 1579 25 • not for money do I wish to serve you, Sir" Jan Piotrowski, a royal secretary, to Andrzej Opalinski, Crown MarshalI, 1578 26 • H •••

H •••

25 26

AjZ, I, 290. PolkollJsk/; Sprawy, 105

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Patronage Letters addressed to Zamoyski since his first ministerial nomination show the tend_ ency of a geometric progression. This indicates how quickly people were aware of his potential in influencing royal decisions. An interesting situation can be observed: the favour of the new minister is equally sought by the members of the senatorial group, anxious for his support, and by a growing number of gentry. Their correspondence in turn expresses their political attitude and their wish to find a connection with Zamoy_ ski. In their letters one finds deelarations of "service" and hope of "remuneration through service", first confidential political information, first rcferences to common ancestral background, and first affirmations of joy because of Zamoyski's successes. Zamoyski's foIlowers are to be found among former secretaries of Sigismund Aug us tus, among the electors in Belz district, who promotcd his initial political steps during the first interregnum, and among persons connected with him by blood (the Herburts through his mother, Orzechowskis through his step mother, Ossolinskis through his first wife). He also inherited a group of the elosest retainers and advisers of his father, Stanislaw, the Castellan of Beiz. In the later stages of his career other groups joinec! the cirele of his supporters: leaseholc!ers, county officials anel servants both from thc leaseel royal elomains ancl from his own householel, a numcrous but diffuse group of mcn owing their office or a royal grant to Zamoyski, an important group of his former or actual subordinates anc! finaIly those who enjoyed his cultural patronage. Zamoyski's potential for patronage was the main force elrawing these men to him. Although it was the King who exelusively elistributeel grants, the actual mechanisms of politics were more complicateel. What really mattereel was an opportunity of reaching the contact with the Court anel obtaining the royal favour. Such a goal coulel be achieveel only through a proper recommendation, with the support of a person having elirect access to the king. This became a main elriving force of the patronage system. In many countries in early moelern Europe, the stwcture anel actual mechanisms of patronage elepeneleel on the situation which existeel in each particular householel as weIl as on the personality of the wler anel on his style of government. A contemporary of Zamoyski, queen Elizabeth of Englanel, unlike her preelecessors - mainly Hel1lY VIII anel Eelward VI - raelically curbeel royal grants anel trieel to take the helm of the patronage policy herself, in grants of offices, titles and lanels 27 . At thc same perioel, king Stcfan Batory, electeel to the throne of a country of which he hael no previous political experiencc, seems to have concentrateel his attention on foreign policy. His tenelency to treat the state as one unit automatically createel great opportun ities for his entourage, experienceel in local politics. The chief result was the creation of a viceroy, a royal deputy for internal affairs. Such was a lot of Zamoyski who, accorel-

Wcz!lace T JllacCaj!rey, Place and Patronage in Elizabethan Politics, in: Elizabcthan Govcrnment and Society. Essays prescnted to Sir John Neale (London 1961) 102; hercafter: il1acCafji'c); PI ace. 27

A Faction Which Could not Lose .

193

to the unllsllally unanimolls opinion of contemporary observers, served the king as

~; chief adviser on

promotions policy during most of Batory's reign. Proof of the sure me patronage powers of the Chancellor in this period comes also, indirectly, from fhe correspondence which constantly touched on this subjecL In the later years the Chancellor visibly tried to uphold the image of the indispensability of his personal intervention for key nominations. One can observe the interesting mechanism of the pre~al.e.n~e of his influence in v~rious spheres of public life. Longlasting patronage posslblhtles had created an unwntten rule that so me types of grants belonged to hirn by custom. Until his death one unquestioned zone of his influences, fully established after the war with Muscovy (1579-1582), were the grants in Livo nia . Special agreements with his closest and already influential political associates guaranteed Zamoyski the influence on office nominations in the counties as weil as in thc Church. Thc territorial growth of his inhcrited and leased possessions provided the Chancellor with direct political control over large areas where possible rivals had no chances against his mcn. Even in the case of designation for key offices Zamoyski's loss of influcnce was only temporary. After the particularly llnfavourable first half of the 1590's, the Chancellor succeeded in creating a system of strong press ures on the king through his supportcrs residing permanently at the Court. To transmit Zamoyski's point of view he used Piotr Tylicki (Crown Secretary and later Deputy-Chancel101') and Mikolaj Zebrzydowski (a new Crown Marshai). The group of the Chancellor's spokesmen at Court, owing to the great number of matters for consideration, must have been much larger. Under Batory this function was performed by successive deputy-chancellors, Jan Borukowski and Wojciech Baranowski, totally at Zamoyski's disposal, as weil as by clerks of the lower grade working in the Royal Chancery: Maciej Klodzinski, Tomasz Okun, Jan Piotrowski and Jan Krzysztof Drohojowski. Later this group was joined by the Castellan of Podlasie MaJTin Lesniowolski, a Crown Secretary Wawrzyniec Gembicki, aland official from Plock Andrzej Lipski and others. This way of conducting matters, and the degree of freedom ancl flexibility left to his agents, are shown in three notes added by Zamoyski to a letter sent to Tylicki from Osieck on April 18, 1598: "I am writing to you abollt the matters of many, and it cannot be otherwise. Do not importune His Majesty; having delivered the case, take the answer and do not molest hirn again. Wh ich of the matters is more crucial to me you can distinguish yourself easily"28 Thus detailed tactical dispositions were to guarantee the eHeet and partially substitute for a direct, personal influence over the king. From the point of view of the Chancellor, promotion of patronage was the key element in constructing a supportive system of dependence which, in turn, served as a basis for further political activities. Theoretically one might imagine that such actions of the Chancellor were of two types: he could either promote certain men for posts and offices, or canvass those already in such positions. I suppose that the second method had been used in the earlier stage of his political career, while the first was ap28 "Pisywam do wm. za wielern ich, gdysz inaczey bydz nie moze. Nie przykrz si~ wm. panu:odniosszy, a replikowawszy raz, nie dokuczay wm. daley. Na kt6rych z pr6ib würcey mi nalciy, latwie wm sam przes sie moze rozumiec" - AZ 635.

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Wojciech Tygielski

pIied later, and with great consistency. In any case, in his activities Zamoyski took ad_ vantage of the existing functional structure of the State, attempting only to change its personnel. The exceptions were these charges which he exercised himself. In this case especially as commander-in-chief (hetman wielki), he tried to enlarge their preroga~ tives to the utmost. Seat'ching for European paralleis of the phenomena observed in Poland, one may turn to Elizabethan England, as weil as to the poIitical structures organized in the fifteenth century by the Medici in Florence. Despite the differences in legal, social and economic conditions, the English situation, as known from recent research, might be considered analogus. The monopoly of patronage during the reign of Elizabeth was exercised by Lord Burghley, since 1561 Master of the Court of Wards and since 1572 Lord Treasurer. The Queen and her Minister resemble the pair Batory-Zamoyski, even taking into consideration various differences in character and competence between both pairs. The fundamental difference however rested on the fact that Elizabeth - according to A. G. R. Smith - attempted to retain in her entourage several influential men, none of whom ever controlled the entire patronage system while each became a leader of a political faction. Burghley's elevated position only supports such a thesis. Moreover, after his death in 1598 one can observe a growing struggle for influence over patronage between his son Robert Cecil and the Earl of Essex. This meant the existence of several parallel networks of patronage 19 . In fact, in Poland under Batory the situation was for some years unique: a total domination of one person over patronage policy. It is difficult to find any politicians contemporary to Zamoyski having power similar to his. In the reign of Sigismund however, it is possible to indicate several networks existing simultaneously. One can name a Palatine of Poznan, Hieronim Gostomski, and also some bishops, Stanislaw Karnkowski, Hieronim Rozrazewski, who acted as an independent and effective lobby, and apparently members of Ostrogski family from Wolyn, particularly since Duke Janusz became Castellan of Cracow (the principal lay seat in the Senate), thus drawing the whole family more actively into poIitics. Other influential men included new royal favourites - Vi ce Chancellor Jan Tarnowski and later Crown Marshai Zygmunt Myszkowski. The Deputy Commander of Crown Forces, Stanislaw Z6lkiewski, was to a certain degree independent. Thus in the reign of King Sigismund the structure of patronage poIicies returned to a model already known from England. The times of Batory remain in this respect an intriguing exception. Still another difference in the systems of exercising patronage is worth pointing out. In England one can describe numerous steps leading towards the patronage centre. Burghley's example, cited above, is sufficiently illuminating, but his own private sccrc-

rrr,

Commodities at the disposal of the English ruler displayed a uniform, clear and organized pattcrn and hierarchy of values, unlike in Poland, where it would be difficult to systematize goods lIsed by thc king to reward those who deservcd it. This does not mean, however, that the actual possibilities in Poland were markedly smaller. See A. G. R. Smith, The Government of Elizabethan England (London 1967) 58-61, 64 ff.; hereafter: Smith, The Government; eed! Reml, Mr. Secrctary Cecil and Queen EIizabeth (New York 1961). 29

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195

ar)', Michael Hickes, holding this post for 18 years (1580-1598), also had - due to this a numerous group of clients who wished to find access and get Burghley's suport. According to A. G. R. Smith, such multilevel patterns of dependence were typical ror Elizabethan society 30. The system existing in Po land seemed to have been less developed. Its aim was to reach directly the chief patron, and if additonal support was soug ht, it was from other influential persons and not from private servants of the potential benefactor. Such an impression may obviously arise from letters addressed particularly to Zamoyski and this dangerous bias should not be overlooked. The above conclusion, however, may be the right one, since the scanty number of attempts kn own from the letters to reach the Chancellor through his private officials refer only to pleas and problems dealing with his household and private estate. To reach even such an important person directly was under Polish conditions not an unsurmountable problem, although some people who at times made such contact easier may be mentioned: Jerzy Zamoyski, Bishop of Chelm; Stanislaw Z6lkiewski, Vi ce Crown Commander; Jan Tomasz Drohojowski, a slamsla (Latin : capitaneus) of Przemysl; Szymon Szymonowicz, a poet. Similar results can be drawn hom a comparison with Florence. Dale Kent, in her study of the 15th-century pohtical structures created by the Medici likewise emphasizcd the parallel existence of several dispensers of patronagc subjectcd to thc Medicis, although the relatively small territory of this urban republic stimulated greater freqllcncy of political contacts bctween the ruled and the rulers which diminished the role of tbe intermediaries 31 .

~ffice -

* üf letters addressed to Zamoyski throughout all the period under review, a majority carried supplications. Except for some strictly economic reports the search for patronage was tbe key motive of the letters. The requests are found at nearly every page both in letters written by people who had justified reasons to expect the Chancellor's favour as weH as by men totally unknown, for whom the request was an opening move in their relationship with Zamoyski. Finally, among the supplicants one finds people who coule! not count on any support, being the enemies of Zamoyski or allies of his adversaries. Supplicating was not therefore, as one would expect, just an expression of some famiJiarity and thus justifiable, but rather a kind of a comphment for its recipient, a sign of the author's respect for his position. Such attempts, coloured witb unique and abundant stylistics, referred to various subjects. Requests for small loans or apermit for founding a village at the fron tier appear side by side with supplications for the highest senatorial and ministerial dignities and profitable land grants. Arequest for ennoblement neighbours another for support at a law suit, a demand for remuneration of losses suffered from soldiers stands togetber with claims for soldiers' pay. Requests for support from the king appear to-

Smith, The Government, 61-62. " Kent, The Rise, 92; see also lHo/ho, Cosimo, 7 ff.

30

196

Wojcicch Tygielski

gether with those for the command of a troop, for money assigned to hire soldiers and with pleas for news or for an official transaction of some current matter. Requests of familial, personal and social nature are intermixed with those for instruction and Orders, excuses go together with demands, pleas for concrete goods together with suppli_ cations for abstract on es - such as reward, advice, remembrance, favour and protection or reminding the king of the supplicant's previous merits. In a majority of cases the final effects of these attempts are hard to evaluate. The supplicants' thanks appear extremely rarely in comparison with the requests. Most grants and appointments cannot be corroborated by other SOUl·ces. Moreover, the number of the Chancellor's letters is too limited to illustrate his reaction to a particlllar requcst and to confirm its further transmission to the king. Similarly, the compariso n of requests in letters with other sources of information about the actual appointments does not lead to a complete evaluation. Neverthcless, in accord with numerous eontemporary opinions, and drawing on libels against the Chancellor and other political writings, one can establish that in Batory's times the principal minister usually obtaincd what he wanted. In conscquence, in this period there oeeurred over fifty senatorial and ministerial appointments whieh ean be assigned to the Chancellor's interven_ tion, approval or at least neutrality. Owing to the lack of eomparable eredible external sourees, it is more diffieult to judge the effieaey of Zamoyski's patronage in the reign of Sigismund III. The conclusion, that the Chancellor's possibilities in this field were neither permanently nor deeply limited, is founded on the massive numbcr of requests for patronage still contained in letters addressed to him. The statistical analysis of requests for the whole period diseussed (1,950 requests in 3,514 letters) requires many classifying techniques ancl application of relative figures. The results presented in a graphic form (Diagram IV) are grouped according to three basic types of requests: a) offensive support - requests for aid in order to guarantee the life appointment of the supplicant (material, official etc.); b) defensive support - requests for protection and defence in case of amenace; c) private patronage - requests for help and aid, referring to the private sphere of Zamoyski's life, his household and estate as well as artistic patronage. The offensive support was expected from Zamoyski mostly in the reign of Batory. In the following ten years there was a sharp decline in the relative share of requests of this kind. This may be explained by a conflict with the new ruler which radically limited chances and effects of the Chancellor's influence on the King. This trend was checked and gradually reversed in the period 1597-1605. In place of offensive support, letters were supplicating mainly for private patronage. The address to the direct spheres of Zamoyski's power illustrates the structure of his social backing. This kind of request reached the greatest relative intensity in 1587-1596: exactly at the moment when the Chancellor's possibilities for personal support were at the low ebb and his relations with the king were passing through a critical phase. The requests for Zamoyski's defensive support - for his aid and help were increasing slightly yet consistently in comparison with the wh oie corpus of supplicatio ns .

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J)itlg FilIll IV: A relative share 01 basic kinds 01 requests found in the letters to Zamoyski, 1572- 1605 100

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1577-81

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1592-96

1597-01

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This category was likewise directly involved in the development of the private system of dependence through the appeals to fixed spheres of the Chancellor's power. In the last, c1early distinct, period of 1597-1605, requests for private patronage diminish in relation to those for defensive support as weil as to offensive possibilities caused by his better relations with the Royal Court. Taking under consideration the defensive support and the private patronage viewed against the three distinct time periods, another index can be established. It reveals the degree of Chancellor's concentration on constructing his private social backing and the intensity of this process:

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Years

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% of requests for defensive support and private patronage

1577-1586 1587-1596 1597-1605

51 72

67

The decisive period was the years 1587-1596, the bad times of the Chancellor's public activity. To state this issue fully: I believe that the increase in subordinating and attaching of as many clients as possible was the substitution and compensation for the loss of political power at the Royal Court and in the Realm. This fact was due to the earlier, diffuse and strictly political influence, and the success in the formation of the private social backing became an element in the pressure used to regain the impor_ tance in the later years.

* "Children of different mothers do have different opinions" - let those words of Zamoyski describing and evaluating a rather mild course taken by district Diets of 1600 32 serve as a motto for an attempt to appraise his political activities. What term can be used for the internal political organization centred around the person of the Grand Chancellor? According to modern standards it cannot be called a party, as the basie criteria of common eoncurrence by the members to a stable political programme were not observed 3J . Nevertheless, a notion that there was a programme, or programmes, cannot be rejected. Zamoyski had his own political plans both toward Poland's neighbours (The Habsburgs, Russia, Turkey, Moldavia and Walachia, and probably Sweden) and his compatriots (propositions for electoral reform, projects for a change in modes of holding Diets, provisions for a religious peace, erection of the Crown Tribunal, rdorms in the armed forces). In contrast to the slightly earlier gentry movement for the reform of the State (Executio iurium), supportcrs of Zamoyski had no common programme. This became apparent in their diverse individual activities after the Chancellor's death, while the essential proof was offered by the so-called Zebrzydowski's rebellion. Their programme was the person of their leader and his particular political decisions. To join the ranks of the Chancellor's followers was a grave choice which, however, did not require mutual agreement on political views but rather implied a eertain type of aetivity. Its effeets were to guarantee life benefits. Loyalty to the leader substituted for individual opinions. The success of the patron became one of his servants as weil. It would be fmitless to evaluate the moral side of Zamoyski's aetions. Their object was to achieve and hold the supreme position in the State. Aeeording to the moral standards of his times, he used every accessible method including the greedy accumulation of land, use of Crown troops in internal politieal confliets and a highly develSRP VIII, 155-156 Zamoyski to Krzysztof Radziwill, ZamoscJanuary 24,1600. Halls Doml!Cl; Parties, Elites and Political Developments in Western Europe (Princeton 1972); ]oseph LaPalombarc/, Myron Weiner (eds.), Political Parties and Political Devclopment (Princeton 1966), iHtluritc DUI/ClgCl; Political Parties (New York 1955). Jl

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ed system of patronage. On the other hand the negative consequences of the Chanactivities for the evolution of the political system in Poland should be considcredo The faction created by him, which played a leading part in Polish politics for ~ver 20 years, served as a model for the later aristocratic coteries. The only aim of their c"istence was the struggle for power and influence, with the gradual elimination of 510ans and programmes to be implemented after the political victory34. g Zamoyski's career throws a new light on the political scene of late 16th-century Poland. The instability of her power Hite was the result of constant personal changes ancl shocks caused by the succession of rulers. The actual number of the elite has not been cstablished. In her study of the elite of power under Sigismund Augustus, Anna Sucheni-Grabowska reserved this term for an extremely small group of those who wo rked directly with the King 35 . It seems, however, that ministers, front benehers of Senate, more distinguished and active deputies as weil as several courtiers are not the only choices. Unlike the observer of Elizabethan scene 36 , a student of modern Polish history cannot even approximately establish the number of active protagonists of political life. There, the function of patronage and social range of individual influence seem much broader as weil as addressed to representatives of groups both more numerous and socially complex. Thus we arrive at another basic question : was the life career based on one of the patronage systems and exemplified by a group portrait drawn above, the only one possible? Did the late 16th-century political system ignore the chances of enterprising individuals, unconnected with a partiClilar patron? Finally, had the prestige and parliamentary skills gained by gentry leaders in the third quarter of that century al ready become useless in the new situation determined by the patron-dient re!ationships? It seems that during the period in question, the gradual elimination of the gentlefolk from active, conscious politics was al ready in progress 37 . The development of a system of dependence and subordination to Zamoyski definitely accelerated this tendency. Power centres grouped around individual magnates grew in strength and expanded, pervading, from the late 16th century, the political scene of the whole State. Independent areas were radically shrinking. 17th-century political geography was determined by regional power centres, seats of influential families. Concentric spheres indicating the area of their territorial domination began to meet, covering the whole country and definitely substituting the new pattern of power for the internal demo-

o~lor's

See laxe/ Siellliensk/; Polska kultura polityczna wie ku XVI, in: Kultura staropolska (Krakow 1932), 119-167. 55 111lIJO SlIcheni-Grahowska, Badania nad elit~ wladzy w latach 1551-1562, in: Spoleczenstwo staropolskie 1 (Warszawa 1976) 65, 69, 83-84. 36 Wallace T. MacCaffrey approximates the nllmber of active participants in pllblic politicallife in Elizabethan England at 2,500, adding: "This was a political society of which most of the members knew one other directly or indirectiy and were almost all personally known to the leading ministers" - il!acCaffre;; Place, 99. It seems that such aremark is llnadaptable for the Polish situation. J7 "To escape the might of a magnate, one had to choose the protection of another. The number of politically ambitious and economically independent gentry was presllmably very smalI" - Sllggestivcly stated Antoni M~czak in the paper read in the Instytllt Badan Literackich in Warsaw in Oetober 1982. H

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Wojciech Tygielski

cratic structllre of the nobility. Only a few gentlY families remained independent and influential. This dangerous tendency only began in Zamoyski's lifetime, and I belieYe that the political structure created by hirn served as its essential catalyst. The power of the Chancellor, continllally confirmed by requests for his fayour, met two major challenges : the struggle with the Zborowski family and eyen a longer Con_ test during the reign of Sigismund III. Both tests were passed satisfactorily. In the first case Zamoyski won, being the King's friend. In the second, despite royal hostility, he proyed indispensable and could not be set aside. His power, at that time less spectacu_ laI' and ostentatious, was founded on a different, apparently more stable Core. The comparison of these two phases may reveal the seeret of the Chancellor's political SYstem. In the first period, it was easy to find friends, attracted not so much by his pers~n as by the royal favour he was enjoying. In the later years his power thrived on the pattern of alliances and groups having been bound to him firmly. His numerous follo wers chose to connect their careers with that of the leader, wh ich in effeet created areal and cor:spicuous political force evoking rivals' respect and more conciliatory attitudes. These in turn provided Zamoyski with the actual influence which upheld and fortified the confidence of his men. Although Zamoyski owed his career to the king, his power - ably strengthened and established by patronage - developed later independently of royal interventions and even withstood the ill-will of the monarch, remaining unassailable at the beginning of the 17th century. Royal favour gave immense possibilities. Stability of power together with the possession of landed estates collected by royal grants and skilful market operations in the stage of political ascent could only be safeguarded by the appropriately constructed milieu of men - indebted grateful, expectant and determined to obtain life support from a chosen patron. Grants and appointments for important offices sen/ed as a point of departure in the development of such a system. Its political effectiveness in the case of Zamoyski was proved in the 1590s. An important factor of this test, although mllch more ambiguous, was fame, reputation and popularity. Royal favour had a complex influence: on the one hand, it gave popularity, on the other it created jealousy and illwill which combined private rivalries with differences of political opinion. In this period many men gathered around the leader, while eqllally many were deeply diseouraged and offended. Having a prominent position had its lustre but also a more obscure side. Taking advantage of the state apparatus of power for private ends apart from political and material gains, was eertainly one of the assets. Leaving wh at is obvious aside, it is more interesting to examine the disadvantages. One was the exeess of expectations over actllal possibilities of a patron. Even the dosest allies could have been a nuisance, not to mention the petty satellites ceaselessly supplicating for any benefit. The alliance with the great families and the development of one's own social backing created an incessant stream of requests. As a public official the Chancellor must have reacted to numerous complaints. He was implored with increasing frequency to arrive in person and give judgement in neighbours' quarrels. This was not always technically possible and foreed the Chancellor to look for authorised lieutenants or to find a different SOhltion.

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Generally speaking, a prominent office, apart from obvious assets, meant a host of roblems. To exercise - both in reality and in the eyes of public opinion - a dispensfog power for offices and grants or, in other words, to be in a position to direct royal fa vour , created a double peril. If the number of supplicants was greater than that of chan ees for reward, someone was always left empty-handed and either kept on expecting a bettel' opportunity or went away with ill-will toward the provider of gifts, and thus became a potential adversary or, equally dangerous, began to doubt the patron's influenee. In the first case Zamoyski was losing a man, in the seeond his image was suffering. Another difficulty stemmed from the seemingly constant burden imposed on the patron by his men. Their growing increased the amount of matters to be discus sed . It absorbed the patron's time considerably, to mention only the arbitrations refer red to above. Each small stumble or mishap threatened with grave complications. To overcome them, it was necessary to search for support of others and become indebted for their help in turn. Naturally, I do not wish to suggest that the brilliant career of Zamoyski led only to cares and sorrows on his part. One fact remains dear: his long lasting ability to maintain a multitude of dependent men. This success, apart from the advantageous internal situation and his talents for leadership, was also caused by the lack of an alternative for the masses of gentry with political ambitions. In condusion, it is reasonable to inquire into the balance-sheet of political dccisions made in favour of choosing Zamoyski's patronage. Again, a distortion of the perspective is nearly inevitable. If the group of Zamoyski's most prominent followers, highly placed in the social hierarchy, were a fair sam pie, the picture would appear idyllic. However, those who did not try or did not succeed in making a career under Zamoyski, quite possibly mOre numerous, will always remain anonymous. Nevertheless, the question whether the connection with the Chancellor - understood as an episode of the individual political biography - was a hindrance and a disadvantage in the situation altered by his death, must find a mainly negative answer. A significant group of politicians who gained experience at Zamoyski's side managed to establish a position strong ancl independent enough to thrive after the death of the patron. His former men of the lower level apparently encountered greater obstades. Noticeable symptoms of the faction's crisis in the last years of Zamoyski - deficiency in discipline and inadequate functional efficacy - lead to the hypothesis that the political organism created by the Chancellor did not survive its maker. In the later period only the most distinguished of his followers achieved political success. However, the social system directly connected with the family and the household of Zamoyski displayed much greater durability; its backbone survived till the maturity of the Chancellor's son, Tomasz, who could effectively reconstruct it and reorganize anew.

Zofia Zielinska Magnaten und Adel im politischen Landleben Polen-Litauens des 18. Jahrhunderts Die Zeitspanne der Herrschaft Augusts III. (1733-1763) beschreibend, sprach Wladyslaw Konopczyii.ski, einer der bedeutendsten Kenner des 18. Jahrhunderts, über Orgien der Parteilichkeit". Den Ausdruck "Partei", wie er in diesem Jahrhundert gebraucht wird, kann man nicht mit den neuzeitlichen politischen Parteien gleichsetzen. Zur Bezeichnung für die damaligen Parteien gebrauchen die Geschichtsschreiber den Namen "magnatische Koterie". Ausdrücklich negativ gefärbt ist das Wort "Koterie" in der polnischen Sprache, da die darunter verstandenen Gruppen nicht die Anforderungen erfüllten, die - nach dem heutigen Verständnis - an die politischen Parteien gestellt werden. Das zweite Wort des Begriffes weist darauf hin, daß die Führung der Gruppe dem Magnaten oblag. Versuchen wir nun, uns einzelne Eigenschaften einer solchen "Koterie", vor allem die Beziehungen zwischen ihrem Führer und den adeligen Mitgliedern, vor Augen zu führen. Das Beobachtungsfeld wird das litauische Großfürstentum sein, mit dem ich mich in meinen Forschungen besonders beschäftigt habe. Im untersuchten Zeitraum gibt es dort zwei sich bekämpfende Parteien: die radziwillische Partei, geleitet von dem Großhetman Michael Radziwil!, sowie die sogenannte "Familie"', eine Gruppe, die mit dem Fürsten Michael Czartoryski, dem Großkanzler von Litauen, verbunden war. Der Leiter der radziwillischen Partei war als litauischer Feldherr nicht nur Oberhaupt des Heeres, sondern in Litauen auch Besitzer ausgedehnter Güter, die - "in treue Hände" übergeben - den Pächtern Gewinn versprachen. Der Bruder des Großhetman, Hieronim Radziwil!, Bannerherr von Litauen und märchenhaft reicher Besitzer so berühmter Güter wie Sluck und anderer, hat der Partei viel geholfen. Die Stellung des Michael Czartoryski, der kein reicher Grundbesitzer war, hing ab von der Tatsache, daß die "Familie" großes Vertrauen genoß und beim allgewaltigen Minister Heinrich von Brühl in Gnaden stand. Ihm auch war es zu danken, daß die Protektion Czartoryskis in der Regel erfolgreich verlief. I Beide Parteien werden anschaulich geschildert in dem vierbändigen Memoirenwerk von Marcin Matuszewicz Pamigtniki Marcina Matuszewicza kasztelana brzeskiego, hrsg. v. Adolf Pawiliski, (Warszawa 1876), der erst Klient von Czartoryski, später von Radziwil! war. Die vielfältige Korrespondenz im Familienarchiv Radziwill (Hauptarchiv der Alten Akten in Warschau) sowie zahlreiche verstreut liegende Briefe Michael Czartoryskis vervollständigen das Bild und erlauben tiefe EInbltcke in die Struktur und Handlungsmotive jener Koterie.

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Die Tätigkeit der Politiker der sächsischen Epoche bestand vornehmlich darin, auf Landtagen des Adels zu erscheinen, bei welchen unter anderem Landboten für de Reichstag ausgewählt wurden, auch Richter für den obersten Gerichtshof (das l' ~ flbunai), bei denen die Kandidatenwahl für die wichtigsten Kreisämter stattfand und lokale Wirtschaftsbestimmungen erlassen wurden. Wie nun sah die Tätigkeit der radziwillischen Partei auf diesen Landtagen aus? Rad_ ziwill selbst entschied, nachdem er sich mit den ihm vertrauten Gruppenführern der einzelnen Landkreise besprochen hatte, über die Wahlkandidaten sowie über deren materielle und technische Mittel, die ihre Wahl sichern sollten. Er selbst verfaßte Instruktionen für die Landboten. Die Aufforderung durch den Magnaten zur Landtags_ programmplanung war für den Adeligen nicht nur ein Beweis besonderer Gnade, sondern zeigte auch die Wertschätzung, die ihm das landkreisliche Forum entgegen_ brachte. Das Erscheinen nach dem Aufruf sowie alle weiteren sich ergebenden land_ täglichen Dienste gehörten somit zu den Verpflichtungen des Edelmannes. Ein Ausschluß hätte Ungnade bedeutet und die "Freundschaft", wie offiziell der Bund zwischen dem aristokratischen Patron und dem adeligen Klienten hieß, zerstört. Wenn der Adelige mit den Anweisungen des Magnaten und dessen Geld in seinen Landkreis zurückkehrte, stand ihm die Verwirklichung der Wünsche des Herrn bevor (die Magnaten wurden von dem Adeligen "Herren" genannt). Die Führung der Magnatenpartei im Landtag war klar. Marcin Matuszewicz bezeichnete solche Führer des Adels als "director", "director principalis des Landtags", "principalis actor des Landtags". Der Kontakt zwischen dem adeligen Führer und dem Magnaten war intensiv. Oft versandte der "Direktor" Briefe, in denen er seinen Auftraggeber von seinen Schritten informierte oder auch um schriftliche Vermittlung bei einflußreichen Personen bat. Mit Rücksicht auf das Vertrauen, das der Magnat seinem bedeutendsten Agenten entgegenbrachte, nannte man diesen Typ eines Politikers auch "Konfidenten", "Vertrauten", "Vertraulichen", öfter auch "Eidfreund" ("affidowani przyjaciele"vom lateinischen "fides"). Um seiner praktischen Tätigkeit im Landtag nachgehen und die Wünsche seines Herrn angemessen verwirklichen zu können, mußte der "Direktor" über eine große Anzahl von adeligen Freunden verfügen. Diese rekrutierten sich aus unterschiedlichen Bereichen: 1. Aus dem engsten Familien- und Verwandten kreis; im 18. Jahrhundert war der Familienbund noch intakt - familiäres Zusammengehörigkeitsgefühl zu zeigen, wurde als eine moralische Verpflichtung angesehen. 2. Aus dem Kreis der Beamten von Adelsgerichten und anderen Adelsbehörden, die vom Adelsführer abhängig waren, weil dieser gewöhnlich das Amt des Richters im "Gr6d" (Gr6d bedeutet Burg - gemeint ist das adelige Kreisgericht) oder andere wichtige Ämter im Land bekleidete. Zur Ausweitung dieses Kreises trugen andere Adelige bei, die Protektion bei derartigen Würdenträgern suchten. 3. Aus dem Kreis politischer Bundesgenossen. Diese unterstützten den vom Magnaten begünstigten Agenten als einen Verwalter des Geldes oder der Gnaden des Herrn. 4. Aus dem Kreis "Kleine Nachbarschaft", d.h. des Kleinadels (des Adels ohne

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Höfe, ohne Leibeigene, des Adels mit geringem Besitz), der in der Nähe des Gutes des Direktors" lebte. " 5. Aus dem Kreis jener "Privatbeamter", die aus dem Adel hervorgegangen waren, nun aber im eigenen Gut beschäftigt waren. Man benötigte ihre Hilfe z. B. bei der Vorbereitung der Mahlzeiten bei den Landtagen für den Kleinadel. Mit Rücksicht auf die Proteste der Landtage und der politischen Schriftsteller (denn: "Wer dient - verliert die Freiheit", schrieb Stanislaw Leszczynski) war die Aufgabe dieser Gruppe auf Organisationstätigkeiten begrenzt. Außer über Klienten mußte der Führer auch über gewisse Geldvorräte verfügen, denn manchmal erwies es sich als notwendig, während des Landtags aus der eigenen Tasche vorzuschießen, was später dann der Magnat zurückerstattete. Und endlich mußte er im Landkreis gebürtig sein, denn nur ein Einheimischer konnte im sensiblen, sehr traditionsbewußten Klima der adeligen "HerrenBrüder" seine Autorität behaupten. Alles das erklärt hinlänglich, daß der zur Landtagsführung durch den Magnaten berufene Adelige in seinem Kreis ein einflußreicher Mann war. Obwohl die Ernennung scheinbar der Gunst des Magnaten entsprang, lag sie in Wirklichkeit in den gesellschaftlich-wirtschaftlichen Umständen begründet. Die Institution des "Direktors" stützte sich auf zwei Grundvoraussetzungen, nämlich: Macht (Einfluß auf örtliche Behörden, Vermögen, Bargeld) und Verbundenheit mit den adeligen "Brüdern". Der "Direktor" mußte zumindest zum mittleren Adel gehören - mußte "bene natus et possessionatus" sein. Die materielle und gesellschaftliche Stellung hatte zur Folge, daß der Chef des Adels - trotz seiner großen Abhängigkeit vom Magnaten - mit diesem nicht untrennbar verbunden war. Im Fall der radziwillischen Klientschaft brachte die Bindung des Edelmannes an den Magnaten vor allem wirtschaftliche Vorteile und Protektion vor Gericht. Der materielle Gewinn bestand in erster Linie aus Pfändern der radziwillisehen Güter, die als gewinnbringendes Kapital eingesetzt wurden.' Allerdings bezahlte der Feldherr Radziwill auch direkt mit Geld, indem er die dem Heer zustehenden Steuereinkünfte verpfändete. Im Tribunal, dem obersten Gerichtshof, wurde über das Vermögen der Edelleute entschieden; es hatte sich seit langem als regelrechter Schauplatz von Parteikämpfen entwickelt. Diejenige Partei, die über die Mehrzahl der Richtersitze verfügte, konnte via Urteile Druck auf den politischen Gegner ausüben oder auch Rache an ihm nehmen. Die Verwicklung in einen Gerichtsprozeß und in der Folge die Notwendigkeit eines einflußreichen Beistandes waren häufig Motive für einen Edelmann, sich in den Schutz einer "Herren"-Freundschaft zu begeben. Und ein Letztes: Radziwills Klient war sich klar darüber, daß die Stellung seines aristokratischen Schutzherrn am Dresdner Hof, die, wiewohl schwach in der Zeit des Übergewichts der Czartoryski-Partei ("Familie"), nicht ohne Bedeutung war für seine Bemühungen, besondere Wünsche im Landkreis und die Pacht eines königlichen Guweil der Fürst nicht nur ein großer Herr war, sondern auch viele Leute hatte, die seine Güter als Pfand besaßen und sich fürchteten, daß er sie verkaufen werde, deshalb verpflichteten sie sich ihm." Matuszewiez, op. eit., Bd. H, 200. 2

H'"

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tes zu erlangen. Freilich hat letzteres Motiv beim Eintritt der mittleren und reichen Edelleute in die Partei Radziwills eine vergleichsweise geringe Rolle gespielt; sehr viel stärker ausgeprägt waren die Hoffnungen auf Anteile aus den Rieseneinnahmen der Majorate wie NieSwiez oder Olyka.

* Die Verbündeten des Adelsführers bei der Landtagstätigkeit entstammten seiner eigenen Klientschaft oder dienten ihm aus Rücksicht auf seinen aristokratischen PatrOn. Letztere erhielten vom Magnaten schriftliche Empfehlungen, die dann Hilfe auf dem Landtag garantierten. Dieser Gruppe von "Freunden" überwies der adelige Chef Geld zum Anwerben des Kleinadels aus den umliegenden Dörfern und ihre Hinführung zum Landtag. Jene "ductores populi", wie Matuszewicz sie beschreibt, waren mit der Nachrichtenübermittlung betraut, sie informierten den "Direktor" über die Bemühun_ gen der Gegenseite. Jene, die zum Magnaten direkt Zugang hatten, informierten diesen auch über die Arbeit des "Direktors". Natürlich entsprangen ihre Mitteilungen oft privater Abneigung oder auch Eifersucht. Diese "ductores populi", die sich dem Chef auf Befehl des Magnaten anschlossen, waren in der Partei Radziwills Soldaten, die dem Feldherrn ihren Sold verdankten, aber auch kleine Pächter von Gutsteilen Radziwills, die die Herrengunst zum Aufbau eines kleinen Vermögens nutzten. Dafür dienten sie in der Politik. Gewiß reichte ihr Vermögen bei weitem nicht an das des Führers heran, auch stiegen sie nicht in den Rang des mittleren Adels auf, aber dank Radziwill konnten sie es doch mit dem restlichen Kleinadel aufnehmen. Da sie existentiell vom allmächtigen Patron abhängig waren, waren sie diesem im allgemeinem bis zum Lebensende verbunden. Das unterste Stockwerk der Landtagspartei Radziwills hielt der Kleinadel selbst, der in den Landtag eingeführt wurde. Wurde die oben beschriebene Gruppe in den Quellen noch mit Titeln oder Würdenbezeichnungen beschrieben, so hieß letztere lediglich der "Adel" (szlachta). Dieser Kleinadel hatte sich für Essen, Trinken und ein wenig Geld politisch verdingt. Obgleich nur ein einmaliger Vertrag bestand, entwickelte sich daraus in gewisser Weise doch eine dauerhafte Beziehung. Als Radziwill einmal die Vorbereitungen für einen Landtag vernachlässigte, schoß Matuszewicz selbst für den Kleinadel Geld vor. Er fürchtete nämlich, daß, wenn sie "... wahrnehmen, daß ihnen nichts gegeben wird und daß sie zum Landtag nicht geführt werden, verärgert und verzweifelt sind, daß ihnen weiterhin nichts gegeben wird, daß sie dann zur Partei von Flemming (d. h. der "Familie") übergehen, wo sie mit viel Wohlwollen und offenen Armen aufgenommen werden; einmal aufgenommen, wird es ihnen gut gehen, Lind sie nehmen von dort Geld und kommen nicht mehr zurück. Und so würde unsere Partei ohne Adel et sine popularitate sein. Deswegen mußte ich unsere Partei mit allen Kräften erhalten."3

* ; Op. eit., Bd. III, 160.

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Die Partei des Kanzlers Czartoryski unterschied sich in der Zeit, als dieser am Dresde ner Hof eine mächtige Stellung innehatte, von der Partei Radziwills durch eine bedeutend größere Anhängerschaft im mittleren Adel. In der Koterie Radziwills waren in er oder höchstens einige wenige Kreiswürdenträger, zur "Familie" gehörten viele. ~ährend des Landtags verfügte diese letztere Partei über Leute, die sich wirklich einer lokalen Autorität erfreuten; dagegen stellte die Partei Radziwills eine Menge Kleinadel, einen eher gefährlichen Haufen. Das bedeutete aber nicht, daß sich in den einzelnen Landkreisen die Landtagspartei des Fürsten Czartoryski nur auf Beamte beschränkt hätte. Den Schlägern der Radziwillgruppe gegenüber standen mindere Adelige der "Familie". Diese saßen oft auf den Kammergütern, die von dem Schatzmeister Flemming, dem Schwiegersohn Czartoryskis und Mitglied von dessen Partei, verwaltet wurden und waren von ihm abhängig. Die Kreisbeamten verfügten außerdem über ein Gefolge eigener Klienten aus dem Kleinadel, das sie, wenn es notwenig war, zum Landtag führten. Der adelige Pöbel stellte keinen konstitutiven Bestandteil der Partei dar, er entschied auch nicht über ihre Macht. Die Art, mit welcher Czartoryski seine Anhänger belohnte, erklärt die Struktur der Familie" im besonderen Maße. Da der Fürst-Kanzler über einträglichen Großgrundbesitz nicht verfügte, legte er größten Wert auf die Ernennung der Kreiswürdenträger und auf die Disposition der königlichen Güter. Vielversprechende und erfolgreich ausgeführte Protektion bei der Erlangung von Ämtern und Starosteien war der nötige Anreiz, mit dem die "Familie" die aktiven politischen Vertreter des politischen Adels in ihre Reihen zog. "Son merite reel", schrieb über den Fürsten Michael sein Onkel, König Stanislaus August, "s'est montre surtout en ce, qu'il a assez constamment pousse aux starosties les meilleurs sujets en Lithuanie"4. Das ging vor allen Dingen junge Leute an. Begabte adelige Jugendliche aufzugreifen, ihre Ausbildung zu überwachen, sie in die Reihen der eigenen Partei und vor allem in das Landtagskarussell einzugliedern, sie aber auch ansonsten steter Förderung und Hilfe zu versichern, ließ sich gut mit dem Reformprogramm des Staates verbinden, welches die "Familie" während der ganzen Zeit der Herrschaft Augusts III. erfolglos in die Tat umzusetzen suchte. Durch die sorgfältige Auswahl der Leute wollte Fürst Czartoryski dem Staat einen talentierten Nachwuchs sichern.

* Obwohl die "Familie" eine bedeutend besser organisierte Partei darstellte als die radziwillische, war sie dieser in grundsätzlicher Hinsicht doch unterlegen. Über die Bindungen, die zwischen dem aristokratischen Chef der Partei und seinen adeligen Anhängern bestanden, hat, weder beim Feldherrn, noch beim Kanzler, das politische Programm entschieden. Untersuchungen haben ergeben, daß unter den zur "Familie" gehörenden Landkreiswürdenträgern aus den verschiedenen Bezirken des Großfürstentums Litauen, die, als ihr Patron bei Hof in Ungnade fiel, dennoch in der Partei geblieben sind, nur drei mit Bestimmtheit festgestellt haben, daß ihr Anführer um 4

Stanislas-Auguste, Memoires, hrsg. v.

.s:

Goriai'now, (S. Peterbourg 1914), Bd. I, 17.

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mehr kämpfte als um die Mehrheit im Reichstag oder bei Gericht. Ebensowenig haben jene Konjunkturpolitiker, die sich zur "Familie" gesellten, als diese am Königshof einflußreich war und sie dann wieder - während der Zeit des Konfliktes mit Minister Brühl - verließen, Czartoryskis Programm verstanden. Ein charakteristischer Hinweis auf die Mentalität jener Leute läßt sich in der Art sehen, mit welcher Matuszewicz einen einflußreichen Würdenträger des Landkreises Kowno, Antoni Zabiello, in die Partei Radziwills einzugliedern suchte: ". .. (er) begann damals ihm weiter zuzureden daß es keinen Sinn habe, sich beim litauischen Kanzler zu halten, denn: der Fürst~ Kanzler, der derzeit die Gnade des Königs nicht besitze, könne ihm keine Promotio_ nen erteilen, und um ex proprio zu geben, habe er zu wenig. Der Fürst-Großhetman könne ihm aus dem largischen Geld die Gage eines regimentars geben und ihm außer_ dem über Mniszech, den Kronhofmarschall, Schwiegersohn des Grafen Brühl und königlichen Günstling ... leichter eine Promotion für eine unbesetzte Starostei verschaf_ fen."5 Dieses Zitat enthüllt nicht nur die Motive, aufgrund derer sich die Vertreter des mittleren Adels zur Magnatskoterie begaben, sondern erklärt auch die Ursachen, welche zum Abfall des größten Teils der Konjunkturpolitiker von Czartoryski führten, nachdem der Bruch der "Familie" mit Brühl vollzogen war. Man wird nicht fehlgehen in der Annahme, daß für einen politisch ehrgeizigen mittleren Adeligen die Hauptursache, sich einer Partei anzuschließen, darin bestand, die aktuelle Gunst des königlichen Hofes zu erwerben.

* Zu fragen bleibt dennoch, ob der gesamte politisch interessierte, mittlere und begüterte Adel der Eingliederung in die Klientschaft eines Magnaten zustimmte. Was das Großfürstentum Litauen und sein politisches Leben betrifft, so wird man eher zu einer positiven Antwort neigen. Obwohl die Entscheidung für eine der sich bekämpfenden Parteien während des Landtags beim einzelnen Adeligen nicht unbedingt einer besonderen Zuneigung entspringen mußte, hatte sie doch weitreichende Folgen. So etwa begann der Magnat, für dessen Kandidaten der parteilich nicht festgelegte Adelige stimmte, sich um dessen Freundschaft zu bemühen. Die Gegenseite verfolgte ihn dafür mit Rachegefühlen. Die Aussicht auf Belohnung, die Furcht vor Unterdrückung und die Notwendigkeit einer Protektion veranlaßten den Adeligen schließlich, "Freundschaften" zu versprechen, d. h. sich auf dem Landtag weiterhin in den Dienst einer der Parteien zu stellen. Matuszewicz, der seiner Trauer über die verflossene frühere gute Zeit bisweilen Ausdruck verleiht, einer Zeit, in der der Adelige sich vor Abhängigkeiten schützen konnte, war zugleich überzeugt, daß die adelige Unabhängigkeit zu Ende war, seitdem die Herren angefangen hatten, sich in die kleinsten Einzelheiten des Landtagslebens einzumischen. Die Briefe Michael Czartoryskis bestätigen diesen Gesamteindruck. Czartoryski hebt darin wiederholt hervor, daß für die tatsächliche Kontrolle des politischen adeligen Lebens eine ständige Einflußnahme auf die Landtage notwenig war.

, Matuszewicz, op. eit., Bd. II, 64.

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Die Wurzeln der politischen Abhängigkeit der Edelleute von den Magnaten reichten jedoch tiefer. Aufschlußreich in diesem Zusammenhang ist eine Äußerung eines dem Namen nach unbekannten Dresdner Ratgebers des neuen Königs, Augusts III. 1733 schrieb dieser: "... der seligen Gedächtnis verstorbene König hat den Edelleuten nicht genug Gunst erwiesen. Um dennoch zum Ziel zu kommen, haben sich die Magnaten selbst «jüngere Brüder» ausgesucht und sich ihrer bedient, um die Pläne des Bofes zu durchkreuzen. Man sah ständig die Vorzimmer mächtiger Herren mit Edelleuten überfüllt, die königlichen Vorzimmer dagegen waren beinahe leer, vom Ritterstand traf man kaum jemanden. Die Edelleute kamen in der Überzeugung, daß man einzig durch den Rückhalt der Magnaten zu Ämtern gelangen konnte."6 Die Folge dieser Denkart war, daß der Staat hinter den Magnaten zurücktrat. Das Staatsinteresse wurde ersetzt durch das Interesse des aristokratischen Parteichefs. ,,'" das ist das Schlimmste, was mich, als wohlgeborenen Herrn, am meisten bekümmert und schmerzt, daß beinahe jeder, der irgend etwas pro publico Gutes tut, von mir persönliche Dankbarkeit und Belohnung erwartet"I, klagte Kanzler Czartoryski Herrn Przezdziecki, dem späteren Vizekanzler Litauens und einem jener drei, die sich um eine Reform bemühten. Der erwähnte sächsische Würdenträger war Optimist und sah Anzeichen einer leichten Besserung. Er meinte, es genüge, wenn der König die Vermittlung der Magnaten ausschalte und selbst unmittelbare Kontakte zu den Edelleuten aufnehme: "Wenn nun der Ritterstand sich selbst so ausgezeichnet sieht durch Ihre Königliche Majestät, wird er es nicht unterlassen unter Deinen Schutz zu fliehen, sooft die Mächtigen ihre Einflüsse auch mißbrauchen wollen, um aus ihm ein Werkzeug ihres Ehrgeizes zu machen. Daraus ergibt sich die natürliche Forderung, daß der König Polens - will er mit Ruhe und geziemender Autorität herrschen - die persönliche Bekanntschaft mit verdienten und bekannten Leuten unter den Edlen nicht ausschlagen darf, denn auf diese Weise kann er die Großen durch Kleine und die Kleinen durch Große ständig am Zügel halten."8 August III. hat diese Ratschläge nicht befolgt; während seiner Herrschaft vertiefte sich die Abhängigkeit der Edlen von den Magnaten weiter. Die Unterordnung des Ritterstandes unter die "älteren Brüder", die seit langem charakteristisch für das Großfürstentum Litauen war, bürgerte sich auch während der Regierungszeit des zweiten Wettiners in Polen ein. Der beste Beweis für die politische Degradierung des mittleren Adels in Polen war das Entstehen einer neuen großen Magnatskoterie in den fünfziger Jahren unter der Führung des Kronhofmarschalls Georg Mniszech. Dieser besondere Günstling Brühls, Schwiegersohn des allgewaltigen Ministers, verdrängte die "Familie" Czartoryski bei Hofe (1753). Seine Protektionsmöglichkeiten bei der Verteilung von Ämtern und Starosteien nutzte er, um sich die Vertreter des mittleren und begüterten Adels vor allem aus den Krongebieten gefügig zu machen. Das Bündnis mit dem Feldherrn Radziwill sicherte dieser Koterie auch Einflüsse in Li-

6 7

8

Ich zitiere nach: Szymoll Askenazy, Dwa stulecia (Warszawa 1903), Bd. I, 59. Die Bibliothek der Czartoryski in Krak6w, Handschrift 3127,198. S. Anm. 6.

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tauen. Über die sogenannte "Kamarilla" von Mniszech (mit diesem Namen ging die Partei in die Geschichte ein) sind uns an die 50 dicke Bände erhalten, die die Korre_ spondenz des Hofmarschalls mit den Partei führern der einzelnen Landkreise speziell aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) enthalten. Die Briefe beweisen eindeutig, daß nicht nur unter den Mitgliedern der Gruppe, sondern vor allem auch bei ihrem aristokratischen Führer, ein politisches Programm nicht vorhanden war. Am Ende des sächsischen Zeitalters hatte sich eine Partei herausgebildet, die als trauriges Symbol die Ideenlosigkeit und Unfruchtbarkeit in den Hofkreisen Augusts des Dik_ ken darstellte. Der enge Bund zwischen Mniszech und Brühl, dem eigentlichen Dirigenten des polnischen Lebens, der aber wie sein Kompagnon keine ausgeprägte Individualität besaß, führte schließlich dazu, daß die "Kamarilla" zu einem Werkzeug des Hofes, ja eigentlich die Partei des Hofes wurde. Das Übergewicht dieser Gruppe über die damals schon oppositionelle "Familie" Czartoryskis vergrößerte sich noch. Ob der oben erwähnte sächsische Ratgeber - wenn er damals noch gelebt hätte - Anlaß zur Zufriedenheit gehabt hätte? Gehörte das Übergewicht der Magnaten über die Edelleute tatsächlich zu einer längst vergangenen Erscheinung? Eine derartige Schlußfolgerung wäre wohl voreilig. Es zeigte sich nämlich, daß die Beseitigung der Folgen des Klientelsystems Aktivitäten nach mehreren Richtungen verlangte. Wichtig vor allem war, die Edelleute materiell und organisatorisch von den Mächtigen unabhängig zu machen, den Ritterstand an die Krone zu binden und eine neue politische Ausbildung der "Herren-Brüder" zu veranlassen. Die Edelleute mußten einerseits aus den engen Grenzen ihrer lokalen Angelegenheiten wie auch aus dem Interessenkreis der Magnaten herausgeführt werden, um die notwendigen Aufgaben der Republik überhaupt wahrnehmen zu können. Dafür sollte das von Czartoryski ausgearbeitete reformierte Verfassungs werk die grundlegende Erziehungsreform begleiten. Junge Adelige sollten nicht nur mit der Taktik der Landtagskämpfe vertraut sein, sondern auch staatsbürgerlich denken können. Diese Aufgaben überhaupt erkennen zu können, gehörte zu den wichtigsten Gesichtspunkten der Aufklärungsreform, die im Jahre 1740 im Collegium Nobilium vom Piaristen Stanislaus Konarski in Angriff genommen wurde. Einige Jahre später nahmen sich auch die Jesuitenschulen dieser Aufklärungsarbeit an. Die große Unterrichtsreform, die sämtliche Schultypen und mit ihr eine ganze junge Generation umfaßte, ließ sich allerdings erst zur Zeit König Stanislaus Augusts (1764-1795) durchsetzen. Die Erziehung eines Adeligen zum Staatsbürger, dem die Bedürfnisse des Landes auch bewußt waren, wurde nun als oberste Aufgabe der Schulen betrachtet. Während des sogenannten Vierjährigen Reichstages (1788-1792) ließen sich die Erfolge dieser Erziehungsarbeit studieren. Die junge Generation des Adels machte sich nicht nur daran, die Verfassung des Staates zu verbessern, sondern sie betonte auch ihre Selbständigkeit den Magnaten gegenüber. Feudale Gesellschaftsstrukturen, gekennzeichnet durch die Abhängigkeit des Adels von den Herren, begannen sich aufzulösen, eine moderne Nation war im Entstehen.

David L. Ransel Character and Style of Patron-Client Relations in Russia Patron-dient relations were probably a central feature of Russian life throughout history, but their character and style become visible only in the eighteenth century. Before that time, historians can observe the fundamental bonds of family and kinship but not the more flexible links of patron and dient that must have supplemented family ties. Russians did not send the kind of messages that would reveal patron-client links, and they failed to analyze these essential social bonds. One looks in vain among Muscovite writings for a critical stance toward patronage or even a conscious description of its workings. As independent an observer as the Balkan cleric Jurij Krizanic, who sojourned in Russia at the middle of the seventeenth century and assiduously dissected many aspects of the country's political and social life, did not single out dientage as an ill in need of correction I. This practice was evidently a fact of life that everyone took for grantcd. An epistolary tradition would have brought patron-dient relations into dear view, as happened in the eighteenth century, but Muscovites did not commit their thoughts and acts to paper in this fashion and did not exchange letters in sufficient volume to provide a basis for analysis of patronage. What evidence there is for the period before 1700 must therefore be found in other sources.

Pre-Petrine Evidence On the surface - which is all that can be seen - kinship was the principal bond of Muscovite high politics. In earliest times boyar clans formed the building blocks and worked out a shifting hierarchy among those closest to the grand prince and a mllch less rigid ranking of the remaining clans, which may have bllilt a consensus among themselves to check the ambitions of the mightiest families. This is the view of Nancy Shields Kollmann in her recent analysis of court politics in the fourteenth century. She identifies the hallmarks of the politics of that era as "continllity, personal acquaintance and affinitive principles of grouping such as kinship and marriage links"2. In ad-

See, for example, his book Politika, ed. LU. N. Tikhomirov (Moscow 1965). The boyar clan and court politics: the founding of the Muscovite political system, in: Cahiers du monde russe et sovietiquc 23/1 (Jan-Mar 1982) 18. I

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dition to a common concern about the power of the leading boyar clans, the lesser clans must also have built bonds among themselves through networks of reciprocal aid and patronage, but these links can only occasionally and vaguely be glimpsed, and the extent to which patron-dient relations developed beyond kinship groups is largely a matter of speculation. It should be recalled, however, that this was aperiod of relative_ Iy weak central power. The armed forces consisted mainly of levies of boyars and their retainers. The various dans therefore ran large autonomous operations that had much room for the attachment of personal servitors and dients. A residue of this type of clientage can be seen at the court in Lithuania of the Rus_ si an prince Andrei Kurbskii, who fled Ivan the Terrible's tyranny in the mid sixteenth century. Kurbskii employed a corps of retainers and officials, and he distributed lands and spoils to his followers from Russia on evidently much the same basis as he had done earlier in MUSCOvy3. Perhaps Kurbskii's flight was motivated in part adesire to preserve these older autonomous arrangements from the increasing intervention of the state in the private domain. Another dtle to patron-dient relations in Muscovite times can be found in the institution of suretyship. This means of insuring contracts, payments of debts, performance of du ti es, public service obligations, return of travelers, appearance in court and other acts and arrangements was widely used in early Russia. At first suretyship fell primarily on members of a family, a circumstance that reinforces the importance of kin ti es in earliest tim es. As Muscovy grew so too did the role of suretyship, which came to extend beyond the family and even the clan. Since in some types of suretyship the bond was compulsory, debate continues on just what this relationship implied about preexisting ti es among the persons involved 4 • Still, it stands to reason that those who undertook to guarantee the loyalty of a servitor 01' who pledged to see that litigants appeared for trial were persons with so me leverage or dependence on the principals and therefore either patrons 01' dients. Here would be a logical starting point for further investigations of patron-dient bonds in Muscovy. The consolidation of the autocracy in the sixteenth century changed the relationship among the leading families noted earlier in Nancy Kollmann's formulation. No longer was the grand prince simply first among equals in a duster of rustic dan chiefs. He had become a mighty sovereign whose power was undergirded with an imperial ideology that anointed hirn the God-crowned successor of Roman and Byzantine emperors. The heads of boyar families, though still wealthy and influential, no longe l' enjoyed the kind of autonomy that could threaten the prince 01' provide a sphere for a status in statll. By this time, boyars were even under obligation to serve the tsar of Muscovy, and they had become another rank of state servitor. Patron-dient relations J These arrangements are spelled out at length by lI/ge Auerhach, A. M. Kurbskij. Leben in osteuropäischen Adelsgesellschaften des 16. Jahrhunderts (Bausteine zur Geschichte der Literatur bei den Slawen, Gießen 1985). 4 lYIarc J'zeftel, The History of Suretyship in Old Russian Law, in: Recueils de la Societe Jean Bodin 29 (Brussels 1971) 841-66; Horace ll?: Dewey and ;Irln AI. Kleimola, From the Kinship Group to Every Man His Brother's Keeper: Collective Responsibility in Pre-Petrine Russia, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 30/3 (1982) 321-35.

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accordingly shifted from the rustic patrimonial setting of autonomous or semi-autonomous dans to an integrated patrimonial regime ruled by a single head and deploying relatively unified military and administrative operations. In other words, a shift OCCllfred from what might be called pure patron-dient relations to those deploycd through positions in the military or civil administrative hierarchy. Thc resources available for distribution were those associated with the office, be they goods or control of jobs. For this reason, although loyalty remained focused on an individual, dusters of kin and clients could grow up in particular offices or regiments. Likewise, since the position of any patron was ultimately at the mercy of the supreme ruler and could thus be scutt!cd by intrigue, whimsy, or a change of ruler, patrons even at the highest levels of civil or military service needed to build links to other groups in order to have networks larg e enough to warn them of impending changes or to provide them with protection when a sud den change occurred. The conte nt and style of the relationships is difficult to gauge, and it seems that kinship continued to be the most important bond in Muscovite times. Nevertheless in arecent study of boyars in the late Muscovite period Robert Crummey asserts that the undeniably important ties of blood and marriage "may weil pale in significance before those of patron and dient"5. Although personal correspondence was not common in those days, the few surviving pie ces contain traces of patron-dient relations. Prince V. V. Golitsyn's mather intercedes with her son on behalf of an artillery officer who was tardy in reporting for duty. Courtiers write to leading Duma members simply to remind them of their existence and to reassure them of their loyalty. Other letters requesting help come from people going to unfamiliar postings or stuck in a difficult situation. They need an introduction to facilitate their work or assistance in escaping an unwanted assignment or heavy elebt. Some letters are meant to advance a dient to a new job in someone else's area of responsibili ty 6. In short, patronage is tightly interwoyen with state service, to wh ich everyone is obligated. While it is hard to attribute to this scanty evidence of dien tage the importance Crummey gives it - indeed in another monograph he is himself more tentative abotlt evidence of patron-dient relations 7 - it seems likely that these recorded instances were typical of a much wider pattern of behavior. The few examples of patron-dient relations observable in seventeenth-century sources make dear that these lies bore a dose resemblance to those that can be examineel in greater detail later. They were largely defensive and may have been ubiquitous. There was no effort to legitimate them, since they were imbedded in the patrimonial style of governance. The model was the family or a family estate writ large, and the relations of personal or family loyalty and mutual assistance operated naturally. The cosmic imagery of a patriarchal God caring for his children was strongly reinforced by a corresponding image of the tsar as the loving father who was personally invol; Aristocrats and Servitors: The Boyar Elite in Russia, 1613-1689 (Princeton 1983) 103. Crummey, Aristocrats, 103-05; see also examples in John Keep, The Muscovite Elite and the Approach to Pluralism, in: Slavonic and East European Review 48/3 (April 1970) 208-11, 215. 7 Robert O. Cmmme;, Court Groupings and Politics in Russia, 1645-1649, in: Forschungen zur osteuropäischen Geschichte 24 (1978) 217. 6

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ved with the fate of all his subjects. This notion had substance in regard to the higheSt officers in both central and territorial governance. Not until the last years of the Mus_ covite era did the tsar abandon the practice of giving personal, individualized instruc_ tions to his subordinates in the provincial administration 8 . Ordinary people were COlU_ monly rcferrcd to as "orphans"; symbolically without families of their own they Were the subject of the loving concern of their tsarist father or his surrogates.

The Eighteenth Century Patronage relations came under criticism by articulate members of the nobility for the first time in the eighteenth century. Contributing most directly to the critical stance was the state's decision to adopt rational legal organization as part of a COllscious modcrnizing enterprise forcefully imposed from above. This decision was sylUbolizcd by Peter the Great. Although his predecessors in the seventeenth century showed the way, Peter was the first to galvanize efforts to establish a rational order in Russian administration. He replaced the ancient council of boyars with a Governing Senate whose membership was appointed by the emperor without regard to social origin. The Senate was to function as overseer of the state administration on the basis of a legally defined jurisdiction and competence. Then he threw out the dozens of Muscovite administrative departments (prikazy), with their multitude of confusing and overlapping spheres of action and revenue sourees, and substituted nine collegia I boards. Activities of the collegia were regulated by and coordinated with those of the Senate and subordinate bureaus according to procedures defined in the General Regulations of 1720. Provincial administration likewise underwent a major reorganization. This reform, at least on paper, established uniform regulations for all provincial bureaus 9 These changes made a striking contrast with the traditional patrimonial system baseel on personal delegation of authority. In aeldition, Peter revampeel the entire reward anel recruitment structure. State officials were to receive salaries instead of land grants or payments in kinel for their service. Both salary anel status were to be determineel by one's place on the Table of Ranks, a device Peter createel by borrowing the Muscovite practice of ranking accoreling to hereelity and then shifting it to the bureaucratic princi pIe of merit. Henceforth, through meritorious service a commoner coulel aelvance up the ranking table to a point where he automatically acquired the privileges of hereditary nobility. The crowning achievement of Peter's efforts to implant legal relations in Russian administration was to be the creation of a code of laws. The tsar devoted twenty-five years to this ambitious and ultimately unsuccessful enterprise. From 1700 to 1725 he S. F Platollov, Lektsii po russkoi istorii (St. Petersburg 1901) 374. On the eentral government, see Pete,. B. Browll, Early Modern Russian Bureaueracy: The Evolution of the Chancellery System from Ivan III to Peter the Great (PhD dissertation, University of Chieago 1978); on loeal government, elaes Petersol1, Peter the Great's Administrative and )udicial Reforms: Swedish Antecedents and the Proeess of Reeeption (Stoekholm 1979) ehpt .3. 8

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organized three separate eommissions to work on the task. When the last one met in 1719, Peter, desperate for success, simply ordered the members to translate the Swedish code, am end it to fit Russian conditions, and complete the job within a few rnonths. Not surprisingly, this method created more diffieulties than it resolved. The traditions and eoncepts informing Swedish law had so little in eommon with Russian eonditions that amendment proved at least as troublesome as produeing an entirely ne w code. Six years later when Peter died, the commission was still struggling to shape the foreign code into a usable instrument for Russian jurisprudenee lO • Several of Peter's other efforts shared a similar fate. Failure was most evident in his provincial reforms. Just two years after Peter's death, local administration returned to the seventeenth-century system of military governors exereising undifferentiated executive, judicial, and police authoritl 1 . Arecent quantitative evaluation has shown that the Table of Ranks worked better than previously believed in advancing eommoners, but enlistment of children of the elite at birth or soon after and the action of patronage allowed the leading families to monopolize the higher ranks 12 • In regard to the Governing Senate, wh ich Peter had instituted as the depository of state law and highest judicial instanee, even before his death the tsar complained about the persistenee of traditional vi ces. The senators, he noted sadly, were merely "playing [with the laws] as with eards, lining up one suit to another" while in fact they "strive mightily to plaee mines under the fortress of justiee." Even the most mereiless beatings and threats fai!ed to uproot abuses in wh ich the tsar's most trusted lieutenants helped themselves or their clients to public resourees. Peter moaned that even his closest assoeiate, Aleksandr Menshikov, wallowed in lawlessness: "His mother eoneeived hirn in sin and he is ending his life in knavelY; if he doesn't straighten up, he'll be missing his head."13 Despite setbacks, Peter achieved some important ehanges. If he failed to establish the substance of legal relations, he at least implanted an aspiration. Through ukases and manifestos he projected the new values of open and orderly administrative procedure, functional division of responsibility, and hierarchical subordination l4 . In the institutions of the Senate and central collegia he embodied the pretense of rationality and legal system. With these models to look to, the Russian elite of the eighteenth ccntury began to recognize the new value as superior to traditional ways. At the same V N. Latkill, Zakonodatel'nye kommissii v Rossii v XVIII stoletii (St. Pctersburg 1887) 20-38. [u. v: Gofe, Istoriia oblastnogo upravlcniia v Rossii ot Petra Velikogo do Ekatcriny II, vol. 1 (Moscow 1913) 18-48. 12 S. !H. Troitskii investigated the social background of over 5,000 bureaucrats at mid century and found that roughly one-third were of non-noble origin. Sotsial'nyi sostav i chislennost' biurokratii Rossii v seredine XVIII v., in: Istoricheskie zapiski 89 (1972) 295-352. An argument for persistence at the top posts can be found in Brenda ldeehan- Waten, Autocracy & Aristocracy: The Russian Service Elite of 1730 (New Brunswick, NJ 1982). lJ Quoted in l l Ditiatin, Ekaterininskaia kommissiia 1767 g. "0 sochinenii proekta novogo ulozheniia" (Rostov on Don 1904) 41-44. 11, 11. LajJpo-Danilevskit; L'idee de I'etat et son evolution en Russie depuis les troubles du XVIIe siede jusqu'aux rHormes du XVIIIe, in: Essays in Legal History, ed. Paul Vinogradoff(London 1913) 356-83. George Yaney, The Systematization of Russian Government (Urbana, III. 1973) elucidates this theme throughout. 10 11

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time, predominantly Western educational institutions (also introduced by Peter) grad_ ually deepened and fortified these values to the point that articulate members of the elite feit compelled to attack the traditional system of personal relations with the brib_ ery and toadyism that sustained it. Fortifying this criticism was the belief that the standards for it existed in Russian 50ciety as native Russian values. Russia was not some primitive community, wrote one critic, for it has always had courts to render justice. What seemed to be needed Was better laws. The rulers and leading thinkers had the idea that good laws or consistent laws would end abu ses. Peter did not complete a legal code, but his successors did not abandon the goal. Throughout the century monarchs and ministers made repeated efforts to compile a systematic code, and they regarded the absence of "fundamental laws" as a great misfortune for goverflment and societl 5 . The most impressive effort was Catherine II's Legislative Commission of 1767. Although more aware than her predecessors of the difficulty in achieving a unified code for the empire, she was determined to do it if she could 16. No one seemed to grasp clearly that goodlaws in themselves would do little to improve justice and governmental efficiency so long as people continued to organize themselves in patronage groups and to make these groups the prime focus of their loyalty. The critics understood that the leading institutions served the interests of personal favorites and their clients, and this situation was regarded as deplorable. A good analysis was provided by Nikita Panin at the beginning of Catherine I!'s reign. In speaking of one of the most powerful institutions, the general procuracy, he noted that in Empress Elizabeth's reign "in the first period of office Prince Trubetskoi was general procurator by virtue of court favor ... and consequently did not enforce the laws in good order but could and did everything and, we daresay, arbitrarily corrupted everything; in the later period he himseIf became the toady of favorites and minions."17 The favorites and their clients turned the regular administration to their own partisan purposes, Panin continued, which meant that they enriched themselves at state expense and appropriated offices and patronage to provide for one or another personal clique. "Illegally and without cause they intervened in matters concerning inheritances and the splitting up of private properties that they had put under seal; they confiscated from one and gave to the other ...The most important duties and offices were transformed into ranks and rewards for favorites and flatterers; favor and seniority became cverywhere the basis for assignments; nothing was left to talent and merit. Arbitrarily and by means of court intrigue everyone was grabbing and taking possession of the seetion of government he expected to be of greatest convenience in defeating his riyal or for combining with others against a third." In short, Panin complained, "government busi15 See, for example, Petr Sbuvalol/s comments in Latkill, Zakonodatel'nye kommissii, 82; Denis Fonvizin and Nikita Panins in E. S. Sbllmigorskii, Imperator Pavel I, zhizn' i tsarstvovanie (St. Petersburg 1907), appendix 1-35. 16 See discussion in David L. Ramd, The Politics of Catherinian Russia (New Haven, Conn. 1975) 181-82. 17 Sbornik Imperatorskogo Russkogo Istoricheskogo Obshchestra [SI RIO], 7 (SI. Petersburg 1871) 204.

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eS s was determined by the influence of individuals rather than by the power of state n . "18 institutlOnS Panin's reference to the seizure of state offices for use by particular patronage clusters was an important observation that told something about how leaders of these grOUPS sought to use and especially to sustain their grip on power. Daniel Orlovsky, in arecent article on the late nineteenth century, wrote that "proximity to the tsar or court was no longer enough for sustained political influence. One needed a power-base in the ministerial bureaucracy, and this implied the need for allies within one's own institution as weIl as within others that had key domestic responsibilities."19 Except for the size and shape of the institutions in question, the situation was little different in the eighteenth century. Personal favorites of the ruler might be discovered and elevated spontaneously as in the cases of Aleksandr Menshikov, Ivan Dolgorukii, Ivan Shuvalov, Grigorii Orlov, Grigorii Potemkin, A. S. Vasil'chikov, and others. But unless they attached themselves to a court party with asolid institutional base and with extensions through clients to other areas of government, they remained suspended in a void and could be eliminated. Aleksandr Menshikov's personal proximity to Empress Catherine I did not save hirn from disgrace and exile when his enemies succeeded in cutting away his institutional base through establishment of the Supreme Privy Couneil. Ivan Shuvalov in Empress Elizabeth's reign secured a more solid position by buying into personal networks established among powerful families in the Senate. The same was true of the Orlov brothers during the first decade of Catherine I!'s reign. Seeing achallenge from established groups to their "accidental" rise, they wisely called on the services of the earlier deposed but highly experienced statesman A. P. Bestuzhev-Riumin, and they were aided in establishing this combination by the empress herself who, wanting to play the role of supreme integrationist, understood the importance of balancing one clientele against another. This meant building viable groupings that could compete effectively. Grigorii Orlov then became head of a military office (the artillery department) and his relatives and clients were installed in positions that allowed them to serve as a check on opposing patron-client clusters. In fact, as John LeDonne points out in arecent study, Catherine had to balance off the interests of three or four family clusters in high politics 20 . The case of Grigorii Potemkin proved to be exceptional. Instead of attaching himself to an established or resurgent clientele, this man of extraordinary talent and per18 SJRJO, 7 :206, 209. An exeelient example of the role of powerful individuals was the independenee of the War Collegium when it was under the direetion of the influential favorite Count B. C. Münnieh. This subordinate institution reeeived the right not to execute Senate deerees it found in eonfliet with imperial ukases. Its reports and promotion proposals went direetly from the collegium to the empress, bypassing the Senate and the Cabinet, and it even made dispositions altering foreign poliey without eonsulting the Foreign Affairs Collegium. V G. Shcheglov, Gosudarstvennyi Sovet v Rossii, vol. 1 (Moseow 1892) 624-25. 19 Politieal Clientelism in Russia: the Historical Perspeetive, in: Leadership Seleetion and PatronClient Relations in the USSR and Yugoslavia, cd. I: H. Rigby and Bohdan Harasymiw (London 1983) 186. 20 John P. LeDonne, Ruling Russia: Polities and Administration in the Age of Absolutism 1762-1796 (Princeton 1984) 23-30.

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sonal magnetism virtually built his own network of dients and his own institlltional base. He brollght along to St. Petersburg loyal friends and associates from his military service in the south and installed them in key posts. Potemkin's early appointment by the empress to a high position in the War Collegium, it is true, aided the consolidatio n of his inflllence. Yet he qllickly abandoned those duties and his role in the imperial bedchamber in order to rule over the vast territory of New Russia in the south, where he surrounded hirnself with his relatives and friends. The recent victories Over the Turks created this unusual opportunity, but it also required an unusual person to take advantage of the situation and turn hirnself into a potentate in the south while main_ taining the personal attachment to the empress and the dienteIe in the capital that made possible his continued personal domination in New Russia. Favorites who were unable to build an institutional base and dienteIe network or to attach themselves to and thereby serve the interests of established networks Soon fell into obscurity. Personal talent and political accuity were the keys. There was nothing automatie about the influence of favorites. To be successful over aperiod of time, they had not only to satisfy the emotional needs of the monarch but also to exhibit skill as a partner in a powerful or potentially powerful dienteIe network that could proteet them from subversion by opponents. Even while prudent monarchs understood the need to work through dienteIe groups, the rulers themselves were among the most vigorous opponents of patronage and bribery. They realized that the patronage hierarchies below interfered with their control of the state machine and effective articulation of their own power. Catherine TI waged a major campaign against graft and personal favoritism in the first years of her reign. Looking at the Senate, the depository of law, she noted that it "often promulgated laws, dispensed ranks, titles, money - in a word - nearly everything, and restricted other judicial offices in [the exercise of] their laws and prerogatives." The arrant dependence of lower officials on the powerful men above, she noted, had caused such servility in the lower offices that they had completely forgotten the regulations by wh ich they were to make representations against Senate ukases not in conformity with the law. "The slavishness of persons working in these [lower] offices is indescribable, and no good can be expected from them so long as this evil is not stamped OUt."21 In result, Catherine remarked sadly at another point, "justice was sold to the highest bidder, and no use was made of the laws except where they could benefit the most powerful'>22. The em press was describing the workings of tenacious patron-dient relations. At the time of Catherine's accession, she promised to correct this situation by enacting statutes that would compel government "to carry on its activity within its power and proper bounds, so that in the future every state office would possess its limits and laws"n, But this intention, even if she had carried it out (which she did not), would merely have reinforced the pretense of system. Without a corresponding change in thc

Ditiatin, Ekaterininskaia kommissiia, 42. Catherine II, in: Sochineniia imperatritsy Ekateriny II, ed. A. N. P)pin, 12, pt. 2 (St. Petersburg 1907) 567. 23 v: A. Bil'baso"; Istoriia Ekateriny II, vol. 2 (Berlin 1900) 91. 21

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officials' practice of organizing themselves in informal hierarchies, the pretense of law co uld in the short run do as much to facilitate abu ses as to diminish them. As one of Catherine's advisers pointed out, this condition had in the reign of Empress Elizabeth all owed a mere secretary (Dmitrii Volkov) "to perform the functions of a prime minister under the pretext of operating an administrative system that did not exist"24 Criticism of favoritism and patronage grew even sharper after the 1760s when populaI' nongovernment journals began to appear in print. Although this criticism emanated mostly from a handful nobles educated in the Western spirit and usually identified as "liberals", it was not confined to the left end of the political spectrum. The ultraconscrvative social critic Prince M. M. Shcherbatov was likewise among the discontented, although his solution aimed at a kind of rustic utopia in which everyone knew and kept to his place 25 . And the rulers and their supporters in the press continued at intervals to attack abuses. Hence articulate Russians, political leaders and leading publicists alike, were nearly unanimous in their disdain for the methods that they themselves had to employ daily in order to survive and ac hieve success. The stress here must, of course, be on articulate. In the rare instances when evidence appears on the attitudes of rank and file nobles, as in the cahiers of the Legislative Commission of 1767, they express a preference for the personal or familial nature of authority and thus reveal that, in spite of criticism from on high, patron-dient relations stood at the foundation of society. But even in the case of these expressions in favor of personal authority, the assumption seemed to be that this type of authority would remove abuses 26 For the officials who experienced the conflict between the new value of legality and the persistence of traditional modes of organization the tension may have been personally painful, but when viewed in the larger context of Russia's development it was by no means a negative phenomenon. It acted as a creative force in the growth of Russian administration. First, it served as a spur to action. The assumed existence of a legal rational framework imposed standards incompatible with the prevailing pattern of organization in patron'age groups. The legally instituted standards called for promotion by merit (Table of Ranks), administrative rationality (Senate and subsidiary organs operating according to legally established procedures), and judicial due process (Reforms of 1775). In other words, the normal patterns of patronage and bribery belonged to the area of criminal behavior. Since the persistence of these informal mechanisms forced administrators charged with accomplishing practical ends to engage in patron-dient relations, they were bound to suffer many of the insecurities associated with criminal behavior 27 . The effects were both good and bad from the point of view of government action. Insecurity provided an incentive for effective work, but it also caused officials to expend From Panin's memorandum on the state council (1762), in: SIRIO, vol. 7, 207. See his PlIteshestvie v zemlill Ofirskuiu g-na S ... shvetskogo dvorianina, in: Sochineniia kn. M. M. Shcherbatova, vol. 1 (St. Petersburg 1896) 748-1059. 26 See disclIssion of this isslle in Wilson Augustine, Notes toward a Portrait of the EighteenthCentllry RlIssian Nobility, in: Canadian Slavic Stlldies 4, no. 3 (Fall 1970), esp. 384-86. " See disclIssion by George Yaney, Bureaucracy and Freedom: N. M. Korkunov's Theory of the State, in: American Historical Review 71, no. 2 aanuary 1966) 468-86. 24

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time and energy in building and maintaining elient networks that could protect thern from subversion by legal action. These networks were useful in expediting tasks of government as weil, yet to the extent that they were effective they reinforced reliance on informal rather than formal legal means and delayed the implantation of modern standards. A second circumstance mitigated same of the effects of insecurity. In practice, prosecution was infrequent. So long as a patronage hierarchy carried out its tasks without producing disruption, the central authorities had evelY reason to protect it for the services it performed. Moreover, the groups themselves, especially those in the central government and at court, constituted social power. They were often broad family alliances that extended their tentaeles into many areas of government and society. Personal and kinship loyalties made the groups difficult to penetrate. Even in the absence of material sanctions from, for example, a group in deeline, personal allegiances were frequently strong enough to cause members to scuttle their own careers in preference to switching loyalties and bringing down on their heads the hostility of the g roup 28. These conditions made it difficult for a ruler to uncover abuses or to determine the validity of accusations brought against officials. Disrupting a patronage group usually meant accepting the word of an outside plaintiff, or of representatives of a competing network in a subordinate position, over that of the government's highest officials backed by friends and relatives in many areas of the administration and society. Action against prominent members of the group also ran the risk of weakening a mechanism wh ich, however unsanctioned, was the only one the ruler had to carry out his commands. An attack on one member of a network could produce resistance up and down the line, from superiors who relied on his services and from demoralized subordinates who depended on his proteetion. It required great determination for a monarch to try and root out abuses. When Catherine II at the outset of her reign decided to punish offen ding officials, she found that her only means of compelling the Senate to convict was to appear personally at its deliberations 29 . The senators were in no mood to point the finger, because they understood how vulnerable they themselves were. The patronage hierarchies reached to the highest echelons of administration. Much to her dismay, Catherine's elose supervision revealed that one of the biggest grafters was her own procurator generapo. Therefore, to reform meant to court disaster. Energetic rulers who set out to eleanse their administrations of graft and personal influence peddling soon discovered that insofar as they achieved success, they did so at the risk of undermining the instruments of their own power. Wise rulers learned to respect these limitations and adjust their expectations to reality. Those more daring or foolish, like Peter III and Paul I, enjoyed but brief and stormy careers cut short by assassination.

James HasseIl, The Vicissitudes of Russian Administrative Reform, 1762-1801 (PhO dissertation, Cornell University 1967) 123; DaVld Grlffiths, The Rise and Fall of the Northern System (PhO dissertation, Cornell University 1967) 65-66. 29 S. M. Solov'ev, Istoriia Rossii s drevneishikh vremen, 15 vols. (Moscow 1959-66) vol. 13,215. 30 Ibid., 215-17. 28

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ihc obstacles to exposure and prosecution did not provide foolproof protection to the patronage groups and their participating officials. Occasionally, they still found themselves in serious trouble, which usually occurred when an important superior fell victim to a court intrigue or was caught by a major shift in government policy. At these times the full force of the law was brought to bear against officials who had done n° more than engage in normal modes of political and social organization. ihe banishment of the Dolgorukii family when it became caught in a change of regime in 1730 was described in the painful memo ir of the young woman who, despite the counse! of her family, remained faithful to her betrothal to the favorite Ivan Dolgorukii even as his fate was being sealed. She had become engaged while Ivan was the favoritc of the young Tsar Peter II, and shc rcported that shc suddcnly cnjoycd unusual respect. "Everybody sought my favor and soli ci ted my patronage. Just imagine, to be a girl of fifteen and so fortunate." The serving people in her household gave praises to God and proclaimed that "she will res tore her family and raise her brothers to their father's estate"31. The death of Peter II soon after brought equally sudden changes in the other dircction. "I knew enough abollt the customs of our country to know that when Emperors fall, all favorites follow", she confessed, but she somehow did not expect the conseqllences to be as sharp as they were. "Where had all the former seekers of my patronage fiskaleftj and friends gone? They were all hiding, and even my relatives started to keep their distance; evelyone abandoned me to pie ase new favorites."32 Most instructive was the method used by the new favorite, Ernst-Johann Biron, to persecute the Dolgorukiis. Biron "began by calling in the very people who had been our friends ... qllestioning them about the kind of life we Iived and wh ether we had ever offended anyone or taken bribes ... Dissatisfied with this, he had it announced that anyone could, without danger to hirnself, submit a petition directly to the empress charging that we had abused somebody."33 This pattern of using legal mechanisms to resolve struggles betwecn the "ins" and "outs" of the family and patronagc hierarchies was repeated throughout the centllry. A notorious case of a somewhat different kind involved Cabinet Minister Artcmii Volynskii, who in 1739 attempted to replace thc ruling clique of Baltic Germans with his own leadership and personal following. The attempt failed, and unfortunately for Volynskii and his clients, the threatened Germans, shaken by the challenge, reacted with unwonted severity and refused to limit prosecution to the usual issues of graft and patronage abuse. To these they added charges of high treason, and extended the penalties to horrible tortures and capital sentences. All those associated with Volynskii and his reform plans shared in his disgrace 34 . More to the point were the accusations leveled against Empress Anne's favorite Ernst-Johann Biron two years later when he

31 Thc Memoirs of Princess Natal'ja Borisovna Dolgorllkaia, ed. Cbarles ETaumsend (Coillmblls, Ohio 1977) 38. 32 Ibid., 45. J3 Ibid., 5l. H fit. V. Got'e, 'Proekt 0 popravlenii goslldarstvennykh deI' Artemiia Petrovicha Volynskogo, in: Dela i Dni 3 (1922) 1-31.

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fell from power. His judges denounced him for "always maintaining Bestuzhev in favor and bringing him into the Cabinct of Ministers with grcat contcmpt and slander toward the former ministers"J'. The client in question, A. P. Bestuzhev-Riumin, hirn_ self had to face charges of seeking out and accepting Biron's patronage. Thc court's list of accusations against Bcstuzhev included the following: 1) While in Copcnhagen las ambassadorJ, hc had correspondcd with Biron and at the time of his first return trip to St. Petersburg sought him out so that he might receive through him thc Order of Alexander Nevskii and an increased salm)', which he in fact received. When he was again se nt to Copcnhagen, Biron promoted him to privy councilor anel furthermore promiscd to promote him to Cabinet Minister and to ohtain a pardon for his father; 2) on an order from Biron he attempted to persuade the Danish court to givc [BironJ the title of lllustrious Prince; 3) after Bestuzhev's second return trip to Petersburg Biron promoted him to Cabinet Minister 3 ".

For these crimes both men were deprived of their goods and sent into exile. Similar, if in some cases less severe, fates befell leading hierarchies that were sup_ planted by changes in regime or major policy shifts in 1727, 1730, 1758, 1762, and 1781. Members of formerly powerful groups were hauled before a court and indicted for favoritism and patronage abuses J7 . At the very least they received punishments of demotion, honorable exile, or service in some post distant from the capital. A noteworthy feature of all these indictments and legal proceedings was that, while pretending to encourage legal standards, they may weil have had the opposite impact. Contests for personal influence were the trigger for the legal actions. Since a recently victorious personal or kinship group employed the legal mechanism to remove a competitor and solidify its own position, the action could scarcely represent more than a superficial endorsement of legal system. One could argue that the effect of these actions was to reinforce the practice of patronage and favoritism in government, for the pretense of law and system was turned into an instrument for continued abuse and would not therefore have made people feel more secure in the protection of thc law. They would have all the more reason to rely upon personal connections for security. Still, the maintenance of the pretense was important over the long run as a model of system that could be appealed to and learned from and that could eventually contribute to a belief in the efficacy of legal relations. The vitality of patron-client relations in Russia can be explained by so me positive aspects that have not yet been mentioned. First, patronage groups performed indispensable functions not provided by other institutions. They facilitated a degree of 50cial mobility. This can be seen most clearly at thc upper reaches of the state hierarchy. Rulers usually chose their favorites from among the middle gentIl' and raised these happy individuals and their families to unexpected heights of titled eminence and wealth. A list of only the most noted of each reign included Aleksandr Menshikov Solou'eu, Istoriia Rossii, vol. 11, 39. Ibid., 38-40. 37 R. v: Ovt!;innikou (cd.), Krushenic 'poluderzhavnogo vlastelina', in: Voprosy istorii 9 (Sept. 1970) 94-95; D. A. KorSt/kov, Sud' nad Kniazem D. M. Golitsynym, in: Drevniaia i novaia Rossiia 10 (1879) 20-62; Herbert Kaplan, Russia and the Outbreak of thc Sevcn Years' War (Bcrkeley 1968), esp. chapter 7; on the change in 1781, in which the dispersal of the Panin hierarchy was handled with a minimum of indictments, see G'njjitbs, Rise and Fall, 560-69. J;

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Character and Style 01 Patron-Clicnt Relations in Rllssia

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of a stable tender), Ernst-Johann Biron (minor gentry of Courland), A. G. Razut110vskii (son of a registered Cossaek), A. I. Shuvalov (son of a Petrine arriviste), and Grig orii Potemkin (minor gentry of Smolensk provinee). Catherine II's favorites from Orlo v forward, including Vasil'ehikov, Zavadovskii, Potemkin, ZOI'ieh, Korsakov, Strakhov, Lanskoi, Mordvinov, Ermolov, and Zubov, were all from the poorer gentry, ao d before being raised by the empress they seareely had the means adequate to support themselves in the guards J8 . But not only these persons profi ted. In the train of eaeh favorite eame a large number of additional families who through friendship with the prineipal also inereased their fortunes and the opportunity to rise even higher by gaining entree to the persons aO d plaees that eounted the most. In view of the number of favorites rewarded by empresses Elizabeth and Catherine, the aggregate social ami eeonomie mobility provided by this faetor was not trivial. One historian has reekoned it as the prineipal eontribution to eapital aeeumulation among the leading families of the empire 39 . Furthermore, established aristoeratie clans drew into their patronage networks able servitors from the lesser nobility and from eommoners. The Panin-Kurakin group, to eite one prominent example, was responsible for raising a number of well-known eommoners, including diplomats I. M. Simolin and A. S. Stakhiev, as weil as two leading ministers, D. M. Troshehinskii and State Seeretary M. M. Speranskii 40 The famous radieal A. N. Radishehev got his start with the Vorontsov family. The foreign minister of late Catherinian times, A. A. Bezborodko (of the Ukrainian lesser gentry), eame along in the baggage of Potemkin. This eo-optation of able low-ranking men had two important efkets. It infused new blood and thus kept the patronage system from rigidifying, and it further eontributed to system maintenanee by reinforeing the myth that anyone eould rise if his good deeds and ability eame to the attention of the sovereign. Farther down the governmental and soeial hierarehy politieal patronage provicled a livelihoocl and a measure of dignity for retired servieemen. Those without a pension or suffieient estate to live cleeently eould aequire one by beeoming a provineial voevocla (military governor). It was important to find the right patron and to be able to bribe key offieials of the Heraldry (the government appointments office). "There were many applieants and few vaeaneies, but an appointment was weil worth waiting for. It guaranteecl a reasonable ineome of 600 rubles a year and opened possibilities to supplement it with the many favors wh ich were the perquisites of an offieial position. The voevoda was lodged in government quarters, and if there were none in the town, he was allowed three rooms in a private home.,,41 The voevodas and their sueeessors after the loeal government reforms of the 1770s, the governors and marshals of nobility, could in turn find positions for their clients as officers of the provineial police. At this level the clients were usually lieutenants and eaptains from the lowest strata of the no(SOI1

38/1. Romarlovich-Slavatimkii. Dvorianstvo v Rossii ot nachala XVIII veka do otmena krepost!logo prava (St. Petersburg 1870) 161. 39 Ja. L. Barsko"; Pis'ma imp. Ekateriny II k gr. P. V. Zavadovskomll, in: Rllsskii istoricheskii Zhllrnal 5 (1918) 240-41. 40 HClJse11, Vicissitlldes, 114-15. 41 Le])onne, Rliling Rllssia, 46.

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bility, men who on retirement from military service had few options and in the worst cases would even have had to go to a monastery for support. As clients of local offi_ cials, however, they could receive a regular salary as officers in the provincial police and live in digni ty 42. The most significant factor in the vitality of patronage was undoubtedly the con_ tinuing insecurity of the elite. This insecurity had existed in Muscovite times when the fury of an Ivan IV or the violence of the mob could bring ruin. But a new element Was added by Peter I's assertion of legal order and the demands he imposed at the same time for modernizing the country. This produced a creative tension that was both a cause and an effect of the dynamic development of the Russian state, and it could have acted only after the pretense of legality had been established. With no method of resolving this tension, short of the leadership's abandonment of its commitment to remold society in a modern image, patronage groups served as a needed cushion between the superhuman goals the leadership defined for the country and the all-too-hu_ man materials set in motion to achieve them. Patronage networks functioned as a protection for the basic values of personal security, career, and status, which were not protected by constitutional guarantees and were continuously threatened by competition from other power seekers and by the violence of the modernizing enterprise on which the state was embarked. These informal groups interfered with that enterprise by placing entrenched personal networks in the path to its fulfillment, and yet they also served as the principal means of articulating and executing the ruler's goals. Destroying them would only have increased insecurities and fragmented society further, possibly paralyzing the ruler's ability to act at all. Hence, the persistence of the mediating networks of patronage, even while they constituted an embarrassing anachronism to some social critics anel a hindrance to the rulers, nevertheless also served important interests of everyone. Until some new institution emerged that could facilitate government action while providing a reasonable measure of personal security the increasing demands on the participants in the modernizing enterprise would tend to reinforce rather than remove the influence of patronage groups.

Varieties of Patron-Client Links: A Style Sheet The values and principles underlying the patronage bond co me to light clearly in a document of the age, the first Russian letter-writer. This handbook provides an excellent view of the rituals and uns poken assumptions governing formal social relations among the educated populace of imperial Russia. Letter-writers appeared in large numbers in eighteenth-century Europe. For nearly two hundred years they had been coming out in England, France, and Germany in increasing quantity and variety. Their history may be traced back to the Latin formula-

42

LeDonne, Ruling Russia, 101.

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. sand etiquette books of the Italian Renaissance. In each country the appearance of . . these guidebooks seems to have been assoClated wlth two phenomena: the growth of a ene ral postal system and aperiod of expansion and prosperity giving rise to upward ;ocial mobility. The letter-writer - like other handbooks of the time on science, art, and history - was designed as a shortcut to learning and polish for those who had achieved prosperity or new position without a commensurate level of culture 4O, The first Russian letter-writer followed this pattern. Although appearing much later than its European counterparts, it came at just the time one would expect, in the reign of Catherine II when the civil administration expanded to three times its previous size 44 . Many new officials from the lower nobility and commonality were for the first time taking positions in the state service and must have found a coneise guide to proper style fle

verv usefuL The value of the letter-writer for the historian lies in its lack of concern for the quality of social relations. As a practical guide, the manual had no interest in criticizing social relations. It accepted them as given. The editor sought only the improvement and refinement of the prevailing style. For this reason, the letter-writer is more useful than authentic correspondence in illuminating the mores of the era. Being designed as models, the letters in the handbook had to reHect typical generalized patterns. As Charles Haskins has noted in reference to form letters from an earlier period, "the hundreds of student letters which have reached us in the manuscripts of the Middle Ages have come down through the medium of collections of forms or complete letter-writers, shorn of most of their individuality but for that very reason reflecting the more faithfully the fundamental and universal phases of university life,,45. The same could be said of the Russian letter-writer's faithfulness in representing the quality of formal social relations among the eighteenth-century Russian servicemen. The Russian manual, produced in a compact duodecimo format, first appeared in 1788 as one of the earliest publications of the later wealthy and renowned Glazunov brothers publishing firm. The Glazunovs specialized in the printing of belletristic and historical works aimed at the educated elite 46 . The firm made a wise choice in selecting the style manual as one of its first eHorts. Judging from its publication his tory, the work enjoyed great popularity. A second edition came out within a year of the first, and a third, slightly expanded edition followed in 1793 47 . " The large body of literature available on letter-writers has remained entirely in the province of literary scholars tracing the origins of the epistolary novel. Some examples are: Katberille Hornbeak, The Complete Letter Writer in English, 1568-1800, in: Smith College Studies in Modern Languages, 15, nos. 3-4 1934; Franfoisjost, Essais de literature comparee (Fribourg and Urbana 1968), esp. 11819; Reinbard Nickücb, Die Stilprinzipien in den Deutschen Briefstellern des 17. und 18. Jahrhunderts (Göttingen 1969). 44 N. F Demidova, Biurokratizatsiia gosudarstvennogo apparata absoliutizma v XVII-XVIII vv., in: Absoliutizm v Rossii (Moscow 1964) 238-40. 4; Charles Haskim~ The Rise of Universities (New York 1923) 103. 46 !l. A. Sidorov (ed.), 400 let russkogo knigo-pechataniia 1564-1964, vol. 1 (Moscow 1964) 270; I P. Glaz 11110 v, Russkii biograficheskii slovar', vol. 5, 265-66. 47 Svodnyi katalog russkoi knigi grazhdanskoi pechati XVIII veka 1725-1800, vol. 2 (Moscow 1964) 417. Unfortunately, the pressrun is not indicated on any of the editions.

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One important difference between the Russian letter-writer and the European rnod_ e! after which it was patterned revealed the different shape of the two societies. Euro_ pean letter-writers were usually clirected at the rising bourgeoisie. This early Russia tl manual, while inclucling several items of interest to merchants, allottecl much rnor space to matters concerning noble servicemen. In Russia, where the bourgeoisie wa: lütle developed, the servicemen provided the natural market for the manual. Many of them in the late eighteenth century still had a relatively low level of culture and Were often only semiliterate. They could weil use a manual that would help their corre_ spondence make the right impression on a superior, and it was for these servicernen that the book was designed. Of the 84 examples of written style presented in the book less than a third (27) were devoted to technical questions, and these would have inter~ ested nobles as well as merchants. Among the examples were letters of credit and exchange, payment orders, trave! permits, and internal passports, also specimens of affidavits, leases, a will, and a number of contracts relating principally to the transfer of serfs. The content of most of these form letters reveals that they directly concerned thc interest of nobles, since they refer to serfs and populated estates, the ownership of which was the exclusive privilege of the nobility. The largest part of the letter-writer, the remaining two-thirds, was taken up with communications passing among the elite of serving nobles. Significantly, 60 percent of these examples (34 of 57) dealt directly with the attainment, maintenance, and loss of patronage connections. Preccding these sam pies of written style were two introductory sections. The first presented comments on various types of letter-writing: business letters, letters of reeommendation, of adviee, of thanks, and others. The quality of adviee can be judged from this comment on letters of eourtesy: "Letters eontaining mere politenesses are more diffieult than other types, since for the most part they have nothing of substance to convey. It requires some imagination to fill them up. The usual expressions are so commonly known that no one dares to use them any longer. However, propriety demands that we write something. Thus, it is necessary to apply our witS.,,48 However trivial the content of these letters, the editor was in no doubt about their importanee; he devoted the longest sec ti on of his introduction to this type of letter. And with good reason. These cmpty communications played a vital ritualistic role in the prevailing system of social relations; they maintained interactions among the members of patronage groups and strengthened cohesion and morale within these e!emental building blocks of society. The second introductory section provided a brief list of proper titles to be employed in salutations and complimentary c10sings of letters to persons of variolls ranks in the state service. The reader then arrived at the substance of the manual, the sam pies of proper written style for typical communications of the day. A considerable range and variety of patron-dient letters were presented. Among the 34 sampies devoted exdusively to these matters, the largest number belonged to three Pis'movnik soderzhashchii raznye pis'ma, prosheniia, zapiski po deI LI .•. (St. Petersburg 1789) 12-13.

48

Cbaracter and Style of Patron-Client Relations in Russia

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ategories: requests for jobs and job transfers (7 letters), requests for outright grants in eid (51etters), and requests for intervention and protection in court cases (S letters). Se~eral others represented appeals for patronage protection without specifying the pre'se nature of the favor rcquircd. But more important than any particular request was Cl. the action of the patron-dient link, which bore common characteristics in all the letters. In patronage groups, powerful persons bestowed favors or advanced requests from a subordinate dient to be promoted to a higher rung on the patronage ladder. In this way the superior maintained the respect and gratitude of the subordinate so vital to thc continuation of services required by the superior. The subordinate, who through bribcry or partiCLtlar services manipulatcd his patron, came to expect these benefits. This expectation derived from the subordinate's belief in his patron's power and personal influence; the subordinate relied explicitly on the assumed and somewhat mysterious power of his protector. While this understanding was seldom expressed openly, it ran through nearly all the style manual's letters in subtle yet unmistakable terms. A modest expression of the dependency relationship may be observed in this first letter, in which a patron requests the placing of a dient in a new position. Anyonc else would considcr my boldness inexcusable; but Your Excellency will of course not count mc guilty in consideration of tbc fact that, despitc [my boldness], I have reservcd my most dutiful esteem for the merits and virtures oi your person. In such hope I venture to rcquest most humbly of Your Excellency to take the bcarer oi this [letter] Major l. under your protection and place him in the vacancy now opening at N. Knowing your discernment in evaluating persons, gracious lord, I can firmly assure you of bis abilitics and oi his complete gratitude to you as his truc bcncfactor; wberefore witb great confidence in entrusting him to your favor and with deepest respect I rcmain always. ·49

More often, in making arequest, a dient recorded some specific instance of his worthy services. Or at the very least there was a deal' statement of the dependency relationship, as with the following introduction in arequest for protection in a court case. The petitioner began: "lf you respect my humble request as much as I have respected your orders, then I may rely fully on receiving your help in a court action I am now engaged in with a noble living in my area."50 Occasionally a letter could be quite direct without ritual bows to services previously performed. This was the case in the following letter, which shows a patron appealing to a third party for action on his dient's behalf. The example is revealing also for its attitude toward legal justice (jJl'avomdie); it was something employed to victimize peopIe, and a patron was therefore duty-bound to protect his dients from its depredations. The letter makes dear that it was not only among court parties that legal action was used in this way. I am altogether ccrtain that you have a humanitarian spirit and a charitable heart, which sympathizes with human need, gives aid to the unfortunate and protects and frees them from misfortune. For this reason I present you with an instance in wbich you migbt easily display this virtue and demonstrate it by action. lt is welt known to you that a certain P. K. is leading a miserable existence in the city of N. I won't explain his case; you yourself have a deal' idea of it. It only re49 50

Pis'movnik, 83-85. Ibicl., 164-65.

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mains for me to remind you of his distress wh ich has long since deserved to be an object of YOu charity. I ask sineerely that you woulel reseue this man, whom a eertain person has made a saeri~ fiee to legal justiee anel severity, from the ominous situation now threatening hirn".

More often the examples given in the letter-writer showed a subordinate appealing to a superior, and these letters bore two characteristics. They were exceedingly defer_ ential and contained more 01' less subtle reminders of the superior's obligations. Among the most candid were petitions from widows and dependents of former ser_ vicemen. Since the deceased subordinate could manipulate no longer, the desperate petitioners had to speil out the superior's obligations in detail in order to obtain his essential support. The following sam pIe and two other poignant letters from widows inc1uded in the manual indicate that even after Catherine l1's provincial government reform of 1775, which established local organs for the protection of widows and Orphans 52 , dependents continued to rely on the favor of powerful persons in order to receive survivor benefits. These appeals would usually go to the dead man's former chief, as in this letter to a brigadier. In my present extremity, I make bold to approach you as my sole protector. Extenel a helping hanel to an unfortunate wielow elepriveel of subsistence by her husbancl's death, [a man] who sacri_ ficed his life for the fatherland in pursuit of his duty and your orders. Take pity, kind sir, on my distress, remembering my husband's devotion to you; as he lay dying he pronounced your name as his true benefaetor. And if in thinking of his survivors he went to the grave with this hope in you, would you leave his poor widow and ehildren to perish? I enclose my petition to His Excellency Count N. Be my protector. Testify to my husband's service and with your eharacteristic firmness in defending truth and acting for the unfortunate, present my husband's debts. Kind sir, his service and death in the war ... your protection, my misfortune, my three children, are they not sufficient to obtain for me some charity, with which I might provide my unhappy family sustenance, and witflOut which in all honesty I must perish 53 .

Another letter represented the appeal of a subordinate who had lost his patron's favor and was desperately trying to regain it. As in the case of the widow, this modcllettel' conveys the painful insecurity of the Russian serviceman. Even with all the usual benefits gran ted on retirement, the less exalted servicemen seem to have had difficulty holding body and soul together without additional protection and benefaction of a powerful patron. Most Excellent Count ... Upon entering my position in 1759, I had as my sole object the aelvaneement of the work anel I eagerly tried to perform my eluties with precision anel to gain your favor. For 20 years I enjoyed it before all my fellows, and this was my sole priceless reward. Being fair in all matters, Your Excellency will grant me justice in recognizing the zeal with which I was always attached to your person and my perfect gratitude for your graciousness toward me, for I never dared trouble you by asking any special reward for myself even when you may have encouraged me by lavish praise. Having relied solelyon your favor, my family and I hoped to be honored by your protection forever. But to my misfortune I was suddenly eleprived of it when Your Excellency decieleel to entrust my post to another. Although ... released with all the benefits that could be expected, I remain anxious anel plagued with doubts abollt wh ether I had given you cause to be displeased

SI

Ibid.,71-73.

V GI'/i;or'ev, Reforma mestnogo llpravleniia pri Ekaterine II (St. Petersburg 1910) 271-75, 283-87. 53 Pis'movnik, 68-70. 52

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'th me. For this reason I most humbly beg Your Excellency to return to me, a decrepit of man, wt r eminent patronage; without it, Most Excellent Count, shall I, burdened by a numerous lam-

~ou continue to suffer want from which only you can rescue me.

Y'Ins tead of the considerable rewards that your generous intercession has brollgllt to others, to me it would be a priceless treasure il you but restored your eminent favor, whose bencficent reIt would reinforce my strength exhallsted by the burdens of age and bless me and my poor ::milY; accepting it we shall praise you as our benefactor 54 . t

This letter did not stand alone in the manual as evidence of the impoverishment of state servicemen. A large number of the model letters involved cases of threatened destitution. The appearance of these letters reflected a crisis for the lesser servicemen, who in the late eighteenth century were suffering from the ravages of inflation and the cos ts of meeting the social demand to maintain a Westernized lifestyle 55 . The manual also ineluded letters from people in trouble with the authorities. üne striking example concerns a retired staff officer who was arrested while on a visit away fro m horne. He was appealing to a titled superior: "I served honorably all my life, possessing the rank of staff officer, and now owing to the petition of the provincial registrar N., based neither on law nor decency ... I have been held under arrest for nearly a half year, and the first month I was treated as severely as if I were a common criminal."56 During this time the local authorities made no effort to bring the case to trial. The imprisoned man failed to obtain even a temporary release, despite the offer of two officers to stand surety for hirn. The registrar, in cooperation with the provincial chancery, refused to settle the case until the prisoner paid what the registrar demanded. One might wonder at the inelusion of this letter in a style manuaJ57, but a eloser look at provincial government in eighteenth-century Russia woule! e!ispel doubts about its usefulness. The arbitrariness of local officials was notorious. And little wondeL In the absence of a systematic code or a belief in the efficacy of legal norms and with central government unable to exercise elose control over its agents, the power that those agents necessarily possessed could be employed for their own personal ends. Consequently, innocent citizens often found themselves at the mercy of avaricious local authorities or any powerful person who could buy the authorities' cooperation. Faced with this situation, a Russian appealed not to a legal system that did not operate, but as

Ibid., 63-67. Among such letters were: two letters requesting job transfer or release from service due to debts incurred from the high cost of living in SI. Petersburg (53-57, 57-60); reqllest to patron to help pay large personal debt (74-78); petitioner who served in military and civil bureaucracies has lost villages due to debt (103-7); additional examples (115-19,153-55,162-64,167-68,168-70, 186-88). On the nobility's economic position, see Ilrmdius Kahall, The Costs of 'Westernization' in RlIssia: The Gentry and the Economy in the Eighteenth Century, in: Slavic Review 25, no. 1 (March 1966) 40-66. 56 Pis'movnik, 78-83. >7 In fact, European letter-writers of the seventeenth and eighteenth centuries freqllently included a model letter to a friend in prison. The letter usually conveyed condolences and bore an assumption 01 the imprisoned person's guilt. For an English letter of this type, see Hornbeak, The Complete Letter Writer, 88. The modification that took place in the Russian example is revealing. Thc letter was from an imprisoned man and carried a presumption 01 innocence. j·l

55

230

David L. Ransel

in the case of the arrested staff officer, turned to a protector who could exert influen on the group responsible for his misery. Ce The local dynamics are revealed in the actual case of a soldier by the name of AI ek_ seev who was assaulted by a certain Major Mordvinov in Novgorod province. Aleks ee obtained a judgment against his attacker for 50 rubles in damages. Instead of receivin V payment, he got a surprise visit from the angry major and several of his fellow land: lords, who treated the unfortunate Alekseev to a merciless thrashing for the audacit of fding a complaint against their friend. Alekseev then appealed to the Senate i~ St. Petersburg, which ordered the Novgorod chancery to levy a second fine on MOrdvi_ novand 10 rubles in damages on all participants in the beating. The Senate further directed its Novgorod office to report promptly on its action. Weeks went by with no rcport. The Senate issued another order. Finally it became apparent that the Novgorod chancery was sabotaging the Senate's decision. When nearly a year passed since the first judgment against Mordvinov, Senate officials realized that the provincial authori_ ties in Novgorod were be holden more to criminal elements among the local nObility than to their own superiors in St. Petersburg. As a last resort the Senate paid Alckse ev directly for the damages and withheld that amount from thc salaries of the Novgorod officials 58 Had Mordvinov enjoyed connections at court or in the Senate, the brave Alekseev could surcly have expected more gricf for his effort to win legal redress. Alekseev's case, however, demonstrated the limits of the action of a purcly local patron-dient network. The letter-writer contained examples of more fortunate occasions. In a soeiety where patronage made careers while the bureaucratic principle of advancement by merit, however firmly expressed in law, remained a pious counsel of perfection, a young man had to know how to make the proper contacts. A letter-writer was therefore scarcely complete without examples of introductory letters to potential patrons. The manual recommended the following approach: Dear Sir, Thc respeet and devotion I feel toward worthy persons movcs me to write YOll, even thOligh I do not have the honor of knowing you personally. Your good inclinations and sincere feelings have made your name known to all, and this fact compels me to seek a correspondence with YOli ... Do not refuse this wish. Do not give as a reason my lack of acquaintance with you and bc assured that I am moved to it for no other reason than respect and love of virtuc and merit; giving you full justice in this, I desire to possess sincere friendship and acquaintance.

The manual then offers a proper reply to this request. Dear Sir, You anticipate me in what I have for long sincerely wished, having known of you by reputation from my truest friends. Y our proposal gives me the fullest satisfaction and for this reason I all the more gladly promise you my friendship, which you may be assured I shall endeavor to preserve etemally by showing you my sincerety, kindness and sincere benevolence, with which being now filled, I have the honor to be ... 59

An exchange of this nature created a patronage alliance bencficial to both persons. The first writer found a new patron, and the second was pleased to take on obligations to someone he expected to be useful as a dient. It was doubtless far more common to

58 59

Case quoted at length in G. P. lHakogonenko. Radishchev i ego vremia (Moscow 1956) 137-39. Pis'movnik, 97-100.

Charactcr and Style of Patron-Clicnt Relations in Russia

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ake such connections through informal face-to-face contacts. In this regard the Free-

masonie lodges, which grew up rapidly in the 1770s and 1780s, played an important

~le60 The

modelletters document the initiatory ritual that cannot be captured in its

most typical form. These examples from the first Russian style manual show Russian social relations in an instructive phase. The manual reveals the transferral of habits and associations characteristic of the face-to-face informal relations of previous eras to a society in which written communication had become increasingly important. The letters capture not only the undiminished vigor of the patronage system but, more interesting, the ritualistic forms of various types of patronage relations. The publication of the letter-writer testifies to a growing literacy among the elite, which is usually correlated with a greater involvement in and reliancc on legal relations, but thc content of the model letters makes it dear that the earlier style had not yet been altered in thc direction of legal relations. Despite legal proscriptions and the moral sanction of enlightened social critics, patronage remained the foundation of relations among the Russian servicemen. Until Russian society could provide more than a pretense of legality to protect the values of property, status, and personal security, the patronage system would continue to fulfill this essential function.

See, for example, Imn Elagin's explanation of why he first joined the Masons. Zapiska I. P. Elagina: novye materialy dlia istorii masonstva, in: Russkii Arkhiv 2, no. 1 (1864) 93-110.

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IV. Klientelsysteme in Italien: im Norden und im Mezzogiorno Einleitung zur Diskussion

Anthony Molho Patronage and the State in Early Modern Italy "Les c1ienteles ont existe a toutes les epoques", writes Yves Durand in the opening article of the Festschrift recently dedicated to Roland Mousnier, one of the historians most directly responsible for underscoring the importance of c1ientage and of patronage in early modern European society I. In Mousnier's own vision, c1ientage has been a ubiquitous phenomenon; it, and fidelity (fidelite), the sentiment which underlies it, occupy such an unmistakably central role as to merit the launching of an "enquete internationale" whose object it would be to study their manifestations in as disparate and diverse human relationships as the relation "Mai'tre-Fidele", "la fidelite des epoux", and even "la fidelite des croyants"2. Such an ambitious vision might take us in any number of different directions and may weil run the risk, as Giorgio Chittolini points out in his paper, of falling "nelle genericita che talora si accompagnano ai discorsi sulle relazioni di patronato"3. Given this very real risk, you will not mind, I hope, if I begin my observations by focusing my attention, at least initially, on the narrow field of my own specialization, the history of late mediaeval Florence. The field of Florentine historiography has been particularly vibrant in the past thirty-odd years. Since the publication in 1955 of Hans Baron's Crisis 0/ the Earl)' Itaffan Renaissance, and particularly in the anglophone world, dozens of historians have studied the his tory of that city. Some have focused their attention on Florentine social structures, others on economic development, still others on the history of humanism. I hes Dumm!, Clienteles et fidelites dans le temps et dans l'espace, in: Hommage a Roland Mousnier - Clienteles et fideJites en Europe a l'epoque moderne (Paris 1981) 3-24. 2 First published in the Revue historique of 1975, Mousnier's call for this enquete is reprinted in the volume cited in note 1, XXI-XXIII. 3 Gio/gio Cbittolilli's contribution to this volume, S. 243-259.

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Anthony Molho

Yet, from Baron hirnself to Gilbert and Rubinstein among the older, German-bor n generation, to Becker, Brucker, Martines and Weinstein who represent the first nativ American group of Florentinists, to the even younger generations in England, Aus~ tralia and the U.S. who entered the field more recently, one of the constant historio raphic preoccupations has been the nature of the Florentine state. This preoccupati;~ is not accidental. Baron's own magisterial interpretation of early Renaissance human_ ism appeared in the very same year of the Tenth International Congress of Historical Sciences when, perhaps, the key issues discussed were those raised by F. Hartung and R. Mousnier in their joint presentation regarding "Quelques problemes concernants la monarchie absolue"4. In the very next year, 1956, Federico Chabod presented in Paris his influential essay, significantly entitled "Y a-t-il un Etat de la Renaissance )"5 Several other scholars joined the discussion in the years following. Clearly the question at hand was not new. Arguably, as far as Italy goes, Burckhardt's own formulation of the "state as a work of art" (Der Staat als KUllstwerk) had anticipated some of thc subse_ quent discussion. But the question of the nature of the modern state was very much in the air during the very years when the anglophone historiography on Florence was getting off the ground. It was inevitable that the more general disCllssion would have had a bearing on the orientation of the then budding field of Florentine historiogra_ phy. What, then, can one ask, was the interpretation of the Florentine state which emerged from the work of these scholars? Very briefly, we can compare threc books published within three years of each other: Nicolai Rubinstein's Tbe Goucl'llmenf oj Horenee Under tbe jHediei (London, 1966); Marvin Becker's Florenee in Tramifioll,2 vols. (Baitimore, 1967-8); and Lauro Martines' Lau)'ers arid StatecraJt ill Renaissance Florenee (Princeton, 1968). When these works were first published, there was a rush of discussion which tended to dweIl upon their differences and on the particularity of each author's interpretation. Rubinstein's work viewed the development of Florentine politics from the perspective of electoral politics, Becker's from that of fiscal policy, while Martines examined, above aIl, the contributions of lawyers to the functioning of the Florentine government. Yet, despite these differences, the conclusions of all three are strikingly similar. Rubinstein, Becker, and Martines were concerned with dcscribing a historical process which sprouted into a form of state which, whether or not one calls it modern, was very different !rom the governmental forms which had prcdated it. Thus, Rubinstein analyzed thc Florentine "constitution" whose manipulation enabled the Medici to concentrate in their hands and those of their trusted allies thc vital electoral organisms upon which they relied to control power. Becker, for his part, emphasized the emergence of "public law" which, in the course of the Renaissance, supplan ted "private immunities", while "traditional forms of government intimately assOciated with the era of the medieval commune dissolved". And in another passage,

4 F Hartung & R. iWousnier, Quelqlles problemes eoneernant la monarchie absolue, in: Relazioni dei X Congresso internazionale di seienze storiche (Firenze 1955) IV, 3-55. j Originally delivered as a lecture at the Sorbonne in 1956, Chabod's text was first pllblished in 1958. It i5 now found in his Scritti sul rinascimento (Torino 1967) 605-621.

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raken from a justly acclaimed article of his, Becker compared the Florentine state of the fifteenth century to the "proverbial Leviathan", an institution wh ich had emerged fro m tbe "cbrysalis of the Commune" to become the state of the Renaissance 6 Finally, Martines amphasized the strengthening, botb in Florence and in Milan, of the powers of tbe executive and of tbe centralized government, wbich, in some of its manifestations be argued, was leading in tbe direction of the "modern absolutist state". Of the thr ce historians to whose work we just referred, Martines was the most cautious and tentative in formulating his generalizations on the possible modernity of the Renaissance state. Yet, even he tended to emphasize the centralizing and modernizing aspects of the new governments which emerged in the fifteenth century. What unifies _ at a conceptual and interpretive level- these three studies as weil as other interpretations of those years is their general neglect of particularistic institutions and tendeneies which eroded the power of the central government. What unifies them even more is their emphasis on such categories as bureaucracies, executive power, territorially unitcd states, elements which underscored the modernity of the Renaissance state. Let us now look at three other works on Florentine history, written more recently: Ronald Wcissman's Ritllal Brotherhood in Renaissance Hotel/ce (New York, 1980); D. V. and F. W. Kent's NeighbOl:' and Neighborhood in Renaissance Florencc (Locust Valley, NY, 1982); and RichaJ'd Trexler's long article of 1983, devoted to the Ciompi revolt and entitled "Neighbors and Comradcs". In none of these three does one detect a particularly keen interest in the history of the state. Quite to the contrary. Where RlIbinstcin, Becker and Martines focussed their collectivc attention upon government institlltions and werc inclined to define the term "Florencc" as a political and ideological entity, these younger scholars havc focussed their attention upon a set of categories which, on the surface of things, has very little to do with the Florentine state. In his own analysis, Weissman concludes that the Florentincs of thc fourteenth and fifteenth centuries lived in a world dominated by their neighborhoods, within wh ich they developed their most significant social relations. Florence itself, rather than perceived as an entity whose unity was expressed in its very government, is perceived by Weissman as a conglomerate of sm all villages, of quasi-autarchic neighborhoods which delimited and defined the social and intellectual horizons of most Florentines. In vain will one look to Weissman's book for an explanation of the development of the Florentine state in the fifteenth century. The Kents pursue the very same theme in their study of onc of Florence's sixteen administrative units, the gonfalon Lion Rosso. Where Weissman, before, had overlooked the preceding discussions on the Renaissance state, the Kcnts do take thcm into account. Yet, they appear impatient with the questions raised by previous scholars. The explanations regarding "the 'statist' pressure" allegedly exerted in the fifteenth century "hardly seem to do justice to the complex social and political situation" which they detect in Florentine society. It is the neighborhood which emcrges as the dominant political and sodal category of the Kents' narrative, a category which represented a "distinct and individual corporate world", one wh ich "served 6

Economic Change and the Emerging Territorial State in: Studies in the Renaissance XXX

(1966) 7-39.

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as an intermediary between the citizen and the commune"7. Very much the same pie_ ture is established in Trexler's article, one of whose over-riding conclusions is that neighborhood associations helped create the crucial solidarities at the time of the Ciompi revolutions. Thus, it appears that anglophone historiography on late mediaeval Florenee has completed an interpretive trajectory of some magnitude during the last dozen or So years. From a preoccupation with discovering the roots of the modern state in the history of Florence, a number of American and Australian scholars are now attempting to demonstrate that the city's much vaunted modernity evaporates when Florentine history is examined through the prism of eoncepts appropriated from the social sciences above all anthropologl. This is not the occasion in which to assess the contribution~ made by this younger generation of historians. Nonetheless, what is directly relevant to our proceedings is the fact that the subject of patronage hardly appeared in the work of the first three scholars to whose monographs we already referred, while, with_ out any question at all, it has dominated the interpretation of Weissman, the Kents and Trexler. Clearly, this is not a coincidence. For it will be my claim in the balance of my brief presentation that it was difficult, if not altogether impossible, to conceivc and discuss the subject of patronage so long as the dominant historiographic preoccupa_ tion was that of tracing the history of the "modern state". Chabod's early vision of a "stato impersonale, razionale, legalistico, burocratico, livellatore"IO could easily be accommodated to Becker's view of thc Florentine state as the "proverbial Leviathan", but could hardly come to terms with Weissman's "small-scale, face-to-face society of the Renaissance town". And, to follow Wcissman's explanation, it was precisely thc patron "who provided the requisite links ... in such a fragmented world"ll In some important respects, the interpretive shifts evident in the field of Florentine historiography are themselves reflections of wider changes of interpretation which characterize the debate regarding the nature of the early modern state in Italy. Increasingly, the discussion regarding the modern state has distanced itself from the positions embraced by Antonio Anzilotti, Francesco Ercole and even by the young Chabod hirnself. During the first half of this century the roots of the modern state were found in the very governments which emerged in Italy during the late mediaeval and early modern eras. The "Renaissance state" was marked by a number of characteristics: 'the emergence of a nationalist spirit, the growth of governmental responsibilities, the slow taking shape of bureaucracies and the consequent increase in the administrative eHiciency with which the new governments were run; conversely, the dilution of old feudal obligations, the levelling out of old particularistic institutions, the erosion of regionalism - all these were themes upon which earlier scholars had concentrated their Quotation found on pp. 5 and 8. Social Analysis 14 (December 1983) 53-106. 9 A notable exception to this generalization is 11lison Brown's reeent incisive article: Florence, Renaissance and Early Modern State: Reappraisals, in: Journal of Modern History LVI (1984) 285-300. 10 Federico Cbabod, Lo stato di Milano nell'impero di Carlo V (Milano 1934) 175. I1 iPeissman, op. eit., 22-23. 7

8

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attention. Yet, even Chabod hirnself, in the years immediately following his Parisian address on the Renaissance state, had presented a much more nuanced and complex image of the Milanese state in the sixteenth century, a picture which, if dominated by certain modernizing elements (such as the "forte organizzazione centralizzata" and an "organizzazione burocratica centrale") also contained components endowing it with "caratteristiche di stampo tutt'altro che moderno"12. This sensitivity to the complexity of the early modern Italian states and to the absence of a linear growth from the mediaeval commune to the modern state (conceived in essentially Weberian terms) was expressed even more strongly some years following Chabod's death by Marino Berengo. In 1967 he seemed to turn the old generalizations on their head when he asserted that the most dominant characteristic of the sixteenth century Italian states, far from being their eentralizing tendencies, was the "trionfante partieolarismo dei eorpi", a phenomenon whieh in many senses represented an inversion of a course already undertaken by some fifteenth century republiean n~gimes13. In more reeent years, thanks primarily to the refleetive syntheses of a number of historians, among whom Chittolini, Fasano, Galasso and Musi have presented particularly persuasive arguments, a greater balance has been struck in the general interpretation of explanations of Italian state-building 14 . Thus, Chittolini has argued that there is a nearly contrapuntal relationship between the gradual increase in the authority of the sixteenth century prince and the parallel propensity of the new states to recognize and legitimate old bodies and local institutions. As was the case in other parts of Europe, Chittolini identified in the Italian course of political events the same "dualisrn" between a "potere centrale 0 'sovrano' ... e ... una serie di nuclei territoriali compatti che avevano rinunciato forzatamente all'indipendenza, ma non alla difesa delle loro liberta". And Fasano, although expressing some doubts about Chittolini's tendency to discuss Italian history in light of a presumed "crisis" of the sixteenth century, adopts a similarly balanced and complex view. In her most recent discussion of these problems, she suggests that central and peripheral institutions shared a "complementarita di funzioni", astate of affairs, at least in the state of Tuscany, not only tolerated but encouraged by the prince. There is a great deal of historical work recently completed which reinforces the view of the earIy modern Italian state as neither mediaeval and feudal (in the sense that it fell victim to deeply rooted centrifugal forces inherited from the past), nor as the precocious anticipation of modernizing tendencies which would emerge later in other 12 Federico Chabod, Stipendi nominal i e busta paga effettiva dei funzionari dell'amministrazione milanese alla fine del cinquecento, in: Miscellanea in onore di Roberto Cessi (Roma 1958) 251. 13 iHarino Berengo, Il Cinquecento, in: La storiografia italiana negli ultimi vent'anni ". (Milano 1968) I, 490. 14 For Cbittolini: La formazione dello stato regionale e le istituzioni deI contado (Torino 1979) and his Introduzione to his La crisi degli ordinamenti comunali e le origini dello stato deI Rinascimento (Bologna 1979). For Fasano, Lo stato di Cosimo I (Firenze 1973), her Introduzione, to her Potere e societa negli stati regional i italiani fra '500 e '600 (Bologna 1978) and Gli Stati d'Italia centro-settentrionale tra quattro e cinquecento: continuita. e trasformazioni, in: Societa e storia VI (1983) 617-639. For Ga/asso, Po te re e istituzioni in Italia dalla caduta dell'Impero romano a oggi (Torino 1974), and for jHusi, Stato e pubblica amministrazione nell'ancien regime (Napoli 1979).

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European societies. Ratrler, the same complex balance of fm·ces, institutions and tend_ encies seem to characterize Italian history as that identified by Oestreich, Gerhard and Mousnier in their discussions of Transalpine political history. For Italy itself, F. Diaz's description of Cosimo I's attempt to "menager" a Florentine tradition by solicitously preserving certain institutional and political traditions of long standing while creating his stato nuom; R. Burr Litchfield's thorough demonstrations that the functionaries of the new Meelicean state were elrawn largcly from the city's traditional ruling class; Fasano's own stuelies on the rclationship of Florence to its subject cities anel territories anel on the accommoelation reacheel between provincial elites and the elucal COurt oE Florence; Cozzi's studies on the administration of justice in Venice and Sicily; de Mesquita's anel Chittolini's analyses of the balance of forces between the Milanese signoria and the great feudal families of Lombardy - all these stuelies anel many more under_ score the variety of arrangements possible in the course of the constant dialectic between centrifugal and centripetal forces at work on the Italian scene during the late mediaeval and early moelern centuries l5 . And if it is true as Galasso has argued that Italy during that era was a "pluralita eli formazioni politiche", if its history was "una storia parallela delle singole formazioni politiche presenti nel paese", it might also be possible to argue that the country's multiple histories were infuseel with a certain degree of lInity by their common experiences in struggling to provide a balance between center and periphery, centralizing and dispersive forces, attempts to preserve past privileges and those aimed at creating new ones. But, out of their collective research little seems now to remain of Chabod's early vision of the Renaissance state as an "im personal, rational, legalistic, bureaucratic, levelling" entity. Efforts to attain that goal in sixteenth-seventeenth century Italy would fail as power remained fragmented, dispersed, refracteel through old and new institutions. The topic of patronage in Italian society emerges as an important subjeet of study precisely beeause of the realization regareling the nature of political power and the character of the states which governed the peninsula. Patronage in the era from the fiftenth to the eighteenth centuries operated very much in the same political space which it had occupied before: in the interstices of the state, offering members of various groups, orders, associations or geographieal entities access to rewarels, offices, prizes, protection, fiscal advantage, judicial clemency and the like. In this sense, it may be possible to suggest that the political changes of the early modern period, regarelless of the particular configuration in each state, left enough room available for the survival of a political culture based on the institution of patronage. Indeeel, the more one studies various periods of Italian history, the more one is struck by the longevity and durability of this institution. Paul Veyne recently wrote a masterful study of clientage in the late Roman Empire, in which he argueel that "le Bas-Empire offre dans bien eies elomaines le spectacle ele la clientele". Significantly, he added that those who perceive the persistence of clientage as a reflection of the weakI ) For fllll and more extensive bibliographie referenees the reader is advised to eonsult the "Introduzioni" written by Chittolini and by Faselno to their respective anthologies eited in the preceding note.

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lle ss of the Roman state fail to understand how essential patronage was to the very survi val of the government itself 16 . Cinzio Violante, writing on eleventh eentury Milan, refe rs , without partieular eomment, to the patronage network eultivated by bishop Arimberto!7. And when we move up in time to the history of the fourteenth-fifteenth cenwry eommunes we eneounter myriads of examples, many of them studied at great leng th in reeent years, whieh iIIustrate the resilienee and adaptability of the institution of patronage. Lorenzo de' Mediei's often quoted statement, in whieh he sought to explain the reasons whieh indueed him to follow in his father's and grand-father's steps and assume the leadership of the city, is itself a dear and eolorful rcferenee to the strength of the patronage system in that most Renaissance of Italian eities: " ... mal volentieri aeeettai, e solo per eonservazione degli amiei e sos tanze nostre, perehe a Firenze si puo mal vivere senza 10 stato."18 All throughout the entire ehronologieal span of Italian history, down to Jeremy Boissevain's, Sydel Sylverman's and Paul Littlewood's reeent studies on eontempo1'ary Italy, the institution of patronage is ubiquitouS, a so1't of deep strueture ineradieable from Italian politieal eulture l9 . The three studies presented to our eonferenee fall, I believe, within the historiographie tradition sketehed above. In examining the efforts of Emanuele Filiberto, Duke of Savoy, to ereate astate ex /laVa, Barberis foeusses his attention on the plan to establish a eitizen militia. The objeet of this initiative was to undermine, if not eliminate, old feudal ties between loeal lords and their subjeets and to ereate direet ties of dcpcndenee betwccn the Duke and his subjeets. But the effort failed, preeisely, as Barbcris notes, beeause the "mediazionc di elementi loeali e oggettiva, nceessaria e inquinantc". So, in thc end, the Duke was foreed to take into aeeount the loeal situation (the "mieroeonflittualitii loeali") and to rely on the very notables, whose position he had initially attempted to subvert, as the key elements of his army and as the agents through whom loeal eontrol eould be exereised in the provinees of the Duehy. Thus, the proeess of "state-building" was subjeeted preeisely to the type of aeeommodations whieh, as we already noted, historians of early modern Italy havc highlighted in their reeent work. It may be worth observing that the dynamie element in the pieture drawn by Barberis is represented by the loeal forees whieh, it would appear, by virtue of tradition and the web of eomplex material and power interests, impeded the realization of Emamlele Filiberto's ambitious plans. In some important respeets, Chittolini presents a slightly different image in his own essay. For, in studying the relationships of patronage wh ich grew out of feudal grants awarded in northern Italy from the fifteenth to the seventeenth eenturies, he seems to indieate that in his estimation the erueial agent was the eentral government whieh, at some points was able to im pose its authority, while 16 ClientCle et corruption au service d'etat: La venalite des offices dans le bas empire romain, in: Annales XXXVI (1981) 339-36l. 17 Cin:zio Vialante, Societa milanese nell'eta precomunale (Bari 1974) 232 and following. IS Lorenzo de'iHeclici, Ricordi, in: lP. Roseoe, The Life of Lorenzo de'Medici (London 1902) 426. 19 Jemny Boissemin, Patronage in Sicily, in: Man I (1966) 19-33; Palll Littleluaod, Strings and Kingdoms - The Activities of a Political Mediator in Southern Italy, in: Archives europeennes de sociologie XV (1974) 33-51; Srdel Syh-erman, Three Beils of Civilization: The Life of an ltalian Hili Town (N.Y. 1975).

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at others, because of the prevailing diplomatic and military situation, was cOnstrained to come to terms with established feudal lords, or to award new feudal grants to land_ owning or military families. Thus, in the generally fluid and unsettled world of fif_ teenth century politics, as territorial states were being created, political spaces Were made available to locallords who, drawing on their own authority and wealth, gathered about themselves dientelIes and managed to insert themselves in the power structures of their territorial states. In the Valpadana of the sixteenth and seventeenth centuries on the other hand, when the central government was in a position to wield its ow~ power directly and effectively, the number and extent of feudal grants were severely limited, so that the dien tage relationships based on these grants diminished in impor_ tance. Thus, implicitly but forcefully, Chittolini questions the views of some recent scholars, Ruggiero Romano and Philip J. Jones above all, that the overarching and most significant development of Italian history from the late fourteenth to the seven. teenth century was the continuous "refeudalization" of central and northern Italian societies. Not so, suggests Chittolini, for the changes of the sixteenth and seventeenth centuries represented a substantial break from the preceding developments. Chittolini does add that an outcome of these changes was the establishment of new networks of patronage. He does not identify these, although I suspect that it would be important to examine the shifting patterns of patronage in an area subjected to a noticeable increase of central power. Lepre's paper, broader in scope and more widely ranging than the others, represents an effort to explore the underlying causes explaining the resilienee and longevity of dientelar structures in a vast area of the peninsula (the Mezzogiorno), over a long period of time, from the late Middle Ages to the early nineteenth eentury. In many respects, his interpretation neatly complements and expands upon points already made here. üne of the keys to Lepre's interpretation is his insistenee on the vital importanee of feudalism in the South. It was that region's feudal structures whieh left a pervasive cultural legacy ("[1'] indispensabilitil del potente veniva ... a radicarsi profondamente nella mentalita contadina") and a highly fragmented political and eeonomie situation. A multiplicity of baronial curias dominated the region and within each barony, where peasants were kept largely isolated from the regional market-place, overlapping and complementary patronal webs were fashioned by the baron's agents, each in charge of a specific area of administration. ünce the barons themselves took up residence in Naples, where they could be kept under the surveillance of the royal court, the feuds were left almost entirely under the daily administration of the baron's agents. New centers of dien tage were now forged in baronial palaces in Naples, so that in urban centers and rural areas, because of the traditional fragmentation of political power and the parallel survival, over so long aperiod of time, of feudal structures and traditions, patron-dient relations retained their importance. The general picture which emerges from these papers is dear enough: The political changes introduced in Italy during the early modern era, whatever their import and extent, see m to have borne litde or no influence at all on the continuing viability of patronage and dien tage. Whether we examine Piedmont, Lombardy or the South, we discover that patronage f10urished in the early modern period. We are likely to have made the very same discovery had we cast OLl!" attention on the Veneto, 01" Liguria, Of

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'fuscany, had we concentrated on cities weil inserted in the market economy or on ham lets perched on the Appennines or the Alps. And where, as all three papers suggest, one form of patronage was forced out of the scene because of political changes, it waS replaced by another form of patronage. It would seem, therefore, that, at least on this score, Mousnier's warning had been quite right: Patronage emerges as a deep structure, a kind of timeless fixture on the politicallandscape. But, if that is so, a question inevitably comes to mind: Does such a deep structure, whose permanence seems etemal, have a history of its own? After all, should it not be possible to identify and rneasure the changes over such a longue eil/tee just as historians, recently, have been able to reconstruct the histories of other seemingly timeless and ahistorical subjects? More specifically, what was the influence upon patron-dient relationships of the shifting economic, political and fiscal structures of various Italian societies during the late rnediaeval and early modern eras? There is a need to inject a temporal dimension into the study of patronage, to see it in a specific and time-bound context. Even the most recent study on the subject, Jean-Claude Waquet's book on corruption in seventeenth and eighteenth century Florentine society, tends to force the study of patronage out of its particular historical context into a conceptual framework just as easily adaptable to ancient Rome, to early modern Europe, and to the contemporary US. and US.S.R. 20 ! So, in condusion, we come to the question of definitions. In my estimation, an attempt to define patronage in all its manifold manifestations is likely to be exceedingly difficult, perhaps even fruitless. The discussion we held in our colloquium kept raising aseries of seemingly insoluble problems precisely, it appears, because it is difficult to offer a valid and acceptable comparison between historical situations as different as England was from Spain, and Scotland from Italy. M~czak in his opening remarks warned us of this very problem when he said that "every generalization about patronage finds its contradiction in another case". And Koenigsberger seemed to echo this very point when he added that it was "not possible to construct overall theories" on the question of dientage and patronage. Surely, it might be feasible to suggest a general definition of sorts wh ich would emphasize the reciprocity and social asymmetry of patron-dient relations. But the utility of such adefinition for historians is likely to be limited because it does not take into account local, specific, idiosyncratic conditions prevailing in different polities. Parenthetically, one should add here the obvious point that the diversity of economic and social conditions and of political and cultural traditions was as great in Italy as in the German Empire and that attempts to force the Italian scene into a rigid theoretical explanation willlikely lead to disagreements and contrasts similar to those already encountered in our discussion. What, then, should we do? In seeking to overcome the conceptual dead-end into which I see m to have backed myself in thinking about the question of patronage, I was struck by Pietro Schiera's contribution to our discussion. For Schiera, if I understood hirn correctly, suggested that pattonage is difficult to define precisely because it is not an institution, but rather because it facilitates the functioning of social and governc 20 Jea Il-ClCl lide !f:7aqllet, De la corruption - Morale et Pouvoir a Florence aux XVW et xvm siedes (Paris 1984).

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mental institutions. Metaphorically, it can be thought of as a lubricant of SOftS; 01', if one will, an engine easily adaptable from situation to situation. In my mind, I have now come to think of it in somewhat the same terms that I use to think of ritual: ever present in all societies, nonetheless, it assumes forms partiClllar to each society. Ritual seems to res pond to some deeply feit need of beings to order their social exchanges and their private lives according to some socially determined forms. One should leave anthropologists, socio-biologists, ethologists and other such sages to tell us wh ether patronage also responds to similar needs. Let me simply say here that the example of Italy from Roman times to our very own days provides us a case study of the ubiquity of patronal-dientelar ties. And one starts with Rome and not earlier, not because the Etruscans were more virtuous and noble but because the evidence on them is so scanty. If what I have just said were so then what becomes important in the study of patronage is the very 10cal situation examined and in whose context patronal relations were developed. The economy, social relations, political structures, cultural traditions, religious beliefs - all these provided a concrete historical context within wh ich patrondient relations were forged. And not the least virtue of the three papers submitted to our session is that their authors trace with such admirable precision the local conditions wh ich, in Piedmont, in Lombardy and in the Mezzogiorno gave rise to patrondient relations in the early modern age.

Giorgio Chittolini Feudalherren und ländliche Gesellschaften in Nordund Mittelitalien (15.-17. Jahrhundert) Ziel dieses Aufsatzes ist es, die Eigenschaften und Entwicklungen der Klientelbeziehungen zu verdeutlichen, die sich um den Feudalvertrag in Nord- und Mittelitalien in den ersten Jahrhunderten der Neuzeit, zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert, gebildet haben. Es handelt sich um eine begrenzte Untersuchung, da das ganze Spektrum der möglichen Klientelbeziehungen sehr breit ist und das Feudalwesen nur eine der vielen damit verbundenen möglichen Strukturen darstellt. Demgegenüber schien es sinnvoll, das Problem der Patronat-Klientel-Beziehung in einer ausgewählten und konkreten Situation zu untersuchen, eben dem genannten Lehensverhältnis. Oberflächlichkeiten, die mit Abhandlungen über Patronatsverhältnisse zuweilen einhergehen, werden somit vermieden. In bezug auf das Lehensverhältnis schien es angebracht, bei dessen erneuter und bemerkenswerter Verbreitung zu verweilen, die es in diesen Regionen zwischen dem Ende des Mittelalters und dem Beginn der Neuzeit erfahren hat, und bei der Bedeutung, die der Wiederbelebung und nachfolgenden Dauerhaftigkeit feudaler Institutionen in zahlreichen einschlägigen Nachforschungen der letzten Jahre beigemessen wurde'. Sie dienten oftmals als wichtiges Indiz für die "Krise" der gesamten italienischen Gesellschaft des 16. und 17. Jahrhunderts und als Zeichen und Indikator für deren konstitutionelle und kontinuierliche Schwäche, ungeachtet des Glanzes, den das Zeitalter der Kommunalstaaten und des "Rinascimento" hervorgebrach t hatte 2 . I Ein Wiederaufleben des Interesses an der Geschichte der feudalen Institutionen, auch für Mittel- und Norditalien, wird zwischen dem Ende der 60er Jahre und dem Anfang der 70er Jahre deutlich. Vgl. unter den ersten Erscheinungen das Heft Nr. 29 (1972) der Zeitschrift Quaderni storici mit dem Titel Feudalita e rapporti di classe nella societa moderna, bearbeitet von Pasquille Viflani. Aber man vergleiche auch Gilla Fasolt; Feudo e castello, in: Storia d'Italia Einaudi, Vol. V, I documenti (Turin 1973) 263-308. 2 Über den Zusammenhang von "Refeudalisierung" (oder "feudaler Beständigkeit") und Dekadenz der italienischen Gesellschaft (oder Unbeweglichkeit und Stagnation) gegenüber den großen Veränderungen Westeuropas zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert vergleiche u.a. Emilio Serertt; Storia deI paesaggio agrario italiano (Bari 1962) 194ff.; Rosilrio Villcm; Il riformismo e l'evoluzione delle campagne italiane nel Settecento, in: Studi storici 5 (1964) 609-931; Giotgio Giorgetti, Contadini e proprietari nell'Italia moderna (Turin 1974) 278 ff.; RlIggero ROfnano, Tra due crisi: l'Italia dei Rinascimento (Turin 1971); das., La storia economica. Dal secolo XIV al Settecento, in: Storia d'Italia Einaudi, Vol. II, Dalla caduta dell'Impero romano al sec. XVIII (Turin 1974) 1813-1913; Philipjones, Economia e societii nell'Italia medievale: la leggenda della borghesia, in: Storia d'Italia Einaudi, Annalen, I, Dal Feudalesimo al capitalismo (Turin 1978) 187-372. Zur weiteren Diskussion des Problems vgl. in dem gleichen Band: lvIcluricc IlYlIlclrd, La transizione dal feudalesimo al capitalismo, 1131-1190.

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1. Die Neuverbreitung des Lehenswesens in den Regionalstaaten des "Rinascimento"

Parallel zum Entstehungs- und Konsolidierungsprozeß der neuen Regionalstaaten ist in verschiedenen Zonen Mittel- und Norditaliens im Verlauf des 15. Jahrhunderts eine einzigartige Wiederbelebung der feudalen Institutionen zu beobachten. Es han_ delt sich im Hinblick auf diese geographische Region, die so tief und gründlich Von der kommunalen und städtischen Gesellschaft durchdrungen war, wie sie sich in den vorangegangenen Jahrhunderten entwickelt hatte, um eine einzigartige und anachro_ nistische Wiederbelebung. Einzigartig und anachronistisch deshalb, weil es die städtische Kommune im Gegensatz zu den Vorgängen jenseits der Alpen verstanden hatte, die ländliche "signoria" drastisch zu beschneiden und deren personelle und jurisdiktionelle Abhängigkeitsver_ hältnisse aufzulösen und zu verbieten. Die feudalen Institutionen fanden nun aber eine neue Daseinsberechtigung. Angesichts der Notwendigkeit, in einer politisch einheitlichen Organisation verschiedene Kräfte in ausgedehnten und schlecht direkt kontrollierbaren Gebieten koordinieren zu müssen, konnte das Lehenswesen auf regionaler Ebene als Verbindungs- und Ordnungsinstrument für die herrschaftlichen Machtzentren dienen. Diese waren von den Kommunen niemals vollständig beseitigt worden, sondern hatten sich im Gegenteil in vielen Zonen während der Krisenphase des Stadtstaates noch verstärkt. Im Herzogtum Mailand nahm dieses Phänomen besondere Ausmaße an, vor allem in einigen seiner Randgebiete - in der westlichen Emilia, dem Grenzstreifen zu Ligurien. Es tritt aber auch in anderen Staaten in Erscheinung, dem Herzogtum der Este und der päpstlichen Romagna -, wo die Feudalherrschaft die Form eines apostolischen Vikariats annahm. Zuletzt seien hier noch Genua und auch einige Provinzen des Veneto genannt, trotz des traditionellen Widerwillens der Stadtrepubliken, "fare feudatari" (Feudalherren zu machen). Neubelehnungen setzten sich im mittleren und späten 15. Jahrhundert auch nach der Stabilisierungsphase der Regionalstaaten, während der Friedensperiode in Italien weiter fort. Die Feudalherrschaft konnte zu teilweise unterschiedlichen Zwecken benützt werden: Nicht nur, um die bedeutendsten "signori" und lokalen "domini" an ihre Prinzipien zu binden, sondern auch, um eine neue Aristokratie aus treuen Adeligen zu schaffen, um Freunde und Klienten zu belohnen oder um zu Geld zu gelangen. Dörfer und Gebiete wurden tatsächlich nicht nur alten Familien lokaler "signori" als Lehen übertragen, sondern - und das häufig gegen Entgelt - neuen Familien (Bürgern, Höflingen, Söldnerführern), die in der feudalen Belehnung vor allem das Zeichen einer anerkannten Ehrenstellung und einer Erhebung in den Adelsstand oder aber ein Mittel zum gerichtlichen Schutz ihres Grundbesitzes suchten. Die Feudalherrschaften dehnten sich nicht nur in Gebieten des alten herrschaftlichen Partikularismus aus, sondern auch dort, wo sich der Einfluß der Städte weitgehendst durchgesetzt hatte. Im Mailänder Staat waren Belehnungen in aufeinanderfolgenden Wellen in

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fast allen Provinzen, ausgenommen nur begrenzte Streifen um die städtischen Zen-

tren, zu verzeichnen". Inwieweit konnte das Lehenswesen in der Form, die es im Italien des "Rinascimento" angenommen hatte und auf Grund des Einflusses, den es auf das Leben der ländlichen Gemeinschaft ausübte, eine der Organisationsstrukturen des Klientelwesens sein? Einführend sollte man an einige Grundeigenschaften des Lehenswesens in diesen Gebieten erinnern, die es von den in Europa sonst üblichen feudalen Institutionen unterscheidet. Mit Ausnahme der Gebiete am Rande des "kommunalen Italiens", wie Piemont, Trentino oder Friaul\ war in der Regel mit der Feudalherrschaft nicht der Besitz des Bodens gemeint, den der Träger als Lehen besaß und auf Grund dessen er von den Bauern Abgaben oder Leistungen (Wach- und Frondienste etc.) fordern konnte. Die Rechte des Lehensherrn bestanden vielmehr in dessen Befugnis, Recht zu sprechen (im allgemeinen mit dem "merum et mixturn imperium"; andere Male, wie in der Regel im Gebiet des Veneto, mit einer verringerten Rechtsprechungskompetenz) und in der Befugnis, aus dem Gebiet bestimmte Einnahmen zu ziehen, die ihm der Staat zugestand: allerdings waren dies nur einige unbedeutende Steuern, da der Hauptanteil der Abgaben weiterhin vom Staat eingenommen wurde. Es handelte sich also um Befugnisse und Sonderrechte, die sehr viel begrenzter waren als in anderen europäischen Ländern und die sehr viel weniger dazu befähigten, enge wirtschaftliche und persönliche Abhängigkeitsverhältnisse zwischen dem Herrn und der ländlichen Bevölkerung auszubilden 5 . Die Beziehung zwischen Herr und feudalem Untertan (wenn auch weniger stark als in den französischen oder deutschen Herrschaften) konnte dennoch sehr eng und von beachtlicher Beständigkeit sein, und das Leben der ländlichen Gemeinschaften konnte dadurch sowohl im positiven wie im negativen Sinn spürbar beeinflußt werden. In der Gestalt des Feudalherrn - dies gilt übrigens in jeder Epoche der Geschichte der FeuJ Bezüglich einer kürzlich erschienenen Gesamtdarstellung vgl. GiO/gio Cbittolini, Signorie rural i e feudi alla fine deI Medioevo, in: Storia d'Italia Utet, Gillseppe Galasso (Hrsg.), Vol. IV, Comuni e signorie. Istituzioni, societa e lotte per l'egemonia (Turin 1981) 591-676. Vgl. auch von dem gleichen Autor, La formazione dello stato regionale e le istituzioni deI contado. Secoli XIV-XV (Turin 1979); D. iH. Blleno de fl1esquita, Ludovico Sforza and his vassals, in: Italian Renaissance Studies, edited by E. F.jacob(London 1960) 184-216; Gian fH(/ria Vamnilli, II distretto veronese nel Quattrocento. Vicariati deI comune di Verona e vicariati privati (Verona 1980); Ji'(HJ/, Deall, Lords, Vassals and Clients in Renaissance Ferrara, in: English Historical Review 100 (1985) 106-119. 4 Diese Gegenden werden in vorliegendem Aufsatz nicht thematisiert. Die dortigen Städte hatten zu keiner Zeit bei der Organisation ausgedehnter Territorien eine Rolle gespielt; die herrschaftlichen und feudalen Institutionen haben sich ohne jede Unterbrechung und parallel zu den kommunalen Institutionen entwickelt. S Cesarf iHagm; Il tramonto dei feudo lombardo (Mai land 1937) 14-15,65-73, 121-126; Gina Faso!J; Lineamenti di politica e legislazione feudale veneziana in Terraferma, in: Rivista di storia dei diritto italiano 25 (1952) 61-94; Peter Partnel; The Papal State under Martin V. The Administration and Government of the temporal Power in the early fifteenth Century (London 1958) 186-192; Pbilipjones, The Malatesta of Rimini and the Papal State (Cambridge 1974) 262-288; Cbitto!illl; La formazione dello stato regionale, 65-69; Vamnilll; Il distretto veronese, 55 H., 86 H.

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dalherrschaft - vereinigen sich verständlich erweise immer zwei mögliche und zUwei_ len gleichzeitig nebeneinander in Erscheinung tretende Verhaltensweisen (man hat von einer Art Doktor Jekyll und Mister Hyde gesprochen 6 ): Der Feudalherr konnte Unterdrücker und gleichzeitig Beschützer der Gemeinschaft und Untertanen sein. Nicht selten bringen die Quellen starke Abhängigkeitsverhältnisse der feudalen Un_ tertanen ans Licht, andererseits aber auch Beweise von Solidarität. Diese Situation begegnet uns in der Geschichte des 15. Jahrhunderts, in der beschwerlichen und mühevollen Phase, die mit dem Erstarken und der Konsolidierung der Regionalstaaten einherging, häufig. Der Einfluß des Feudalherren konnte in einer unsicheren Situation, in der die staatliche Organisation noch unvollendet war, dank der Burgen und Soldaten, mit deren Hilfe im Bedarfsfall der ländlichen Bevölkerung Schutz und Verteidigung gewährt werden konnten, sehr stark sein. Dies kommt hauptsächlich in den Gebieten vor, die über lange Zeit hinweg politisch und militä_ risch unsicher waren: dem ligurischen Apennin mit der ganzen Lunigiana und der Gatagnana, der Mittel- und Westemilia, der Romagna, dem Gebirge zwischen den Marken und Umbrien. Im Verlauf der italienischen Kriege zu Beginn des 16.Jahrhunderts lebten in diesen Regionen die Krisen- und Konfliktsituationen zum Teil noch einmal auf. Dadurch sahen sich viele Feudalherren von den Wirren der Zeit dazu gedrängt, gleichermaßen autonome politische und militärische Rollen zu übernehmen, indem sie sich einmal mit diesem, dann mit dem anderen Gegner verbündeten, um damit vielleicht eine kaiserliche Investitur übertragen zu bekommen, die ihre Herrschaft legitimiert hätte. In diesen Situationen gelang es den stärksten und dynamischsten Feudalherren, ausgedehnte Abhängigkeits- oder Klientelverhältnisse auszubilden. Dabei bedienten sie sich ihrer Männer, um den eigenen Grund und Boden zu verteidigen und um kleine bewaffnete Heere zu bilden (es ist bekannt, daß in jener Zeit der ganze Apennin ein Sammelbecken für Soldaten war, und zwar für herrschaftliche Truppen wie auch für Söldner). Gian Galeazzo Manfredi, ein "signore" aus der Romagna, stellte, als er zu Beginn des 15. Jahrhunderts seiner Feudalherrschaft im Lamone-Tal ein Statut gab, dem Text die Worte des Psalm CXXI voran ("Levavi oculos ad montes, unde veniet auxilium mihi ... "), wie um bekräftigen zu wollen, daß der Kern seiner politischen Stärke auf den "fideles" und Vasallen seiner apenninischen Ländereien beruhte. Am anderen Ende der Poebene, in ihren Bergen im Gebiet um Genua, waren die Fieschi das ganze 15. Jahrhundert hindurch in der Lage, "Privat"-Heere mit drei- bis viertausend Männern aufzustellen. Im Gegenzug sicherten die feudalen Herren ihren Untertanen in den häufig wiederkehrenden Kriegsfällen, Auseinandersetzungen und Vergeltungsmaßnahmen einen gewissen Schutz zu (im 15. Jahrhundert wurden zwischen Hügeln und Bergen Dutzende und Aberdutzende von Burgen gebaut oder verstärkt). Im allgemeineren Sinn unterstützten sie darüber hinaus ihre Untertanen bei steuerlichen oder gesetzlichen Konflikten mit den Regierungen derjenigen Staaten, innerhalb deren Grenzen sich Elisabetb 5: Teal!, The Seigneur of Renaissance France: Advocate or Oppressof', in: Thc Journal of Modern HistOlY 37 (1965) 131-150, 147.

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das feudale Territorium befand. Natürlich handelte es sich hierbei um Vereinbarungen, die "tempore guerrarum" zwischen Herren und bäuerlichen Untertanen getroffen wurden. In Friedenszeiten wurden sie durch Bereitstellung von Boden oder Abgabenfreiheit im Tausch gegen die Leistung eines wirklichen und wahrhaftigen Treueschwurs in der Regel dann verlängert. Das Abhängigkeitsverhältnis der feudalen Beziehung wurde somit durch neue Bindungen, die engerer und persönlicherer Natur waren, verstärkt. Auch in ruhigeren Zeiten und außerhalb der genannten Gebiete entstanden im Rahmen der Feudalherrschaft starke Bindungen zwischen Herr und Untertanen. Ein Edelmann, der Ansehen und Einfluß am Hof des Fürsten oder in der Regierung der Republik genoß, hatte auch die Möglichkeit, seinen "comitatini" Hilfe und Unterstützung in den möglicherweise endlosen Auseinandersetzungen mit den Beamten und Rechtsgelehrten des Staates zukommen zu lassen oder sie auch vor den Tücken eines verworrenen und zum Nachteil der Landbevölkerung funktionierenden Verwaltungsapparates zu schützen. Die ländlichen Gemeinschaften empfanden mit großem Unwillen das Gewicht der neuen gesetzlichen und steuerlichen Strukturen, welche die Regierungen im Begriff waren auszubilden. Dieses Gewicht wurde durch die von den Städten auch weiterhin ausgeübte Zwischenvermittlung noch unerträglicher. Dank weitgehender Rechte, die ihnen die Staaten über die alten Landbezirke zugestanden, genossen die Städte weiterhin gewisse Steuererhebungsmöglichkeiten und umfangreiche Machtbefugnisse in bezug auf die Verteilung oder Befreiung von der im Namen des Staates eingezogenen Steuer. Die städtischen Magistrate behaupteten darüber hinauS jurisdiktionelle Rechte über die Landbezirke und übten weitere Rechte in bezug auf die Lebensmittelversorgung, die Regelung der Manufakturtätigkeiten, des Marktes und die Kontrolle des Wassers aus. Genauso drückend und verhaßt war die Präsenz ausgedehnten städtischen Grundbesitzes auf dem Land, der durch ein System aus steuerlichen Vorrechten und gerichtlicher Absicherung geschützt war. Angesichts der vielen Reibungsmöglichkeiten zwischen ländlicher Bevölkerung und Stadt, angesichts der häufigen Steitigkeiten zwischen städtischen Grundbesitzern und Bauern "laboratores terrarum" - in all jenen Situationen also, die geprägt waren von dem tiefen Kontrast zwischen Stadt und Landbezirk - übernahm der Feudalherr eine bedeutende Rolle bei der Verteidigung seiner Untertanen. Diese Rolle übernahm er um so lieber, als der Schutz dieser Gemeinschaft, ihrer Bewohner und Rechte, mit der Verteidigung der eigenen Feudalherrschaft und der damit verbundenen Rechte übereinstimmte. Tatsächlich besitzen wir für das 15. Jahrhundert viele Zeugnisse über die Entstehung von Solidaritätsgemeinschaften, von Komplizenschaften zwischen Feudalherr und Bauern in der gemeinsamen Auseinandersetzung mit den Magistraten, Beamten und städtischen sowie staatlichen Steuereintreibern. Nicht selten gelang es dem Feudalherrn in Übereinstimmung mit seinen Untertanen und dem Fürsten, der ihn nolens volcns gewähren ließ (allenfalls die Städte versuchten, sich aufzulehnen), eine noch weitergehende Macht auszuüben als diejenige, die ihm durch die Investitur zustand: So wurde seine Gerichtsbarkeit zum Beispiel auch gerne von Personen anerkannt, die sich an andere Gerichte hätten wenden können; oder er trieb die Steuern in seinem Lehensgebiet im Namen des Staates ein und erhielt damit große Bedeutung als Mittler

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zwischen Fiskus und Gesellschaft. Um die Mächtigen und Adeligen begann sich auf diese Weise ein Netz nicht immer formalisierter und definierter Treue- und Klientel_ beziehungen mit neuen Einfluß- und Autoritätssphären auszubreiten, das dennoch sehr stark sein konnte. Es ist sehr bezeichnend, daß sich 1426 zum Beispiel, als das ganze Gebiet um Piacenza von einem großen Bauernaufstand erschüttert wurde, die Bauern in vier Grup_ pen oder Parteien organisierten, wobei sie von jeweils einer der großen feudalen Fami_ lien der Provinz geleitet wurden 7 . Die feudale "Klientel" fand im 15. Jahrhundert auf dem Land weite Verbreitung, auch wenn sie der politischen Organisationsform, welche die städtische und kommu_ nale Tradition in Italien eingeführt hatte, fremd war.

2. Aspekte und Eigenschaften der Feudalherrschaft 17. Jahrhundert

lE1

16. und

Die ersten Kriegsjahrzehnte des frühen 16. Jahrhunderts, die Zeit der sogenannten "guerre d'Italia", lösten neben tiefgreifenden politischen Wirren weitreichende Konsequenzen aus: Vor allem in den Grenz- und Randgebieten, wo die "signori" und die Feudalherren erneut Zugang zu einem politisch-militärischen Betätigungsfeld und damit die Möglichkeit, sich zu stärken, sahen, schöpfte der herrschaftliche Partikularismus neue Kraft; darüber hinaus ist in diesen Jahren ein Wiederaufleben der kaiserlichen Macht zu konstatieren, die erneut zum konkreten Bezugspunkt für die Hoffnungen vieler kleiner "signori" wurde, wie auch der Anspruch vor allem Karls V. auf eine wirkliche "souzerain" der kaiserlichen Feudalherren. Der wenig später folgende spanische Friede stellte in dieser Situation allerdings schnell wieder einen Zustand der Ruhe her. Nur einigen wenigen Feudalherrschaften, die nach politischer Aktivität und Autonomie gestrebt hatten, war es gelungen, auf Dauer als kleine herrschaftliche Staaten oder kaiserliche Lehen, die theoretisch gegenüber jeder anderen Staatsmacht, außer dem Kaiser, unabhängig waren, anerkannt zu werden (dies trifft zu auf die alten Herrschaften der Herren von Correggio, der Pico della Mirandola, der Gonzaga von Guastalla und Novellara entlang des Pos, im Apenninenraum auf die verschiedenen Feudalherrschaften der Malaspina, Doria, Fieschi, der Landi in der Lunigiana, im nördlichen Gebiet von Piacenza und dem Gebiet um Tortonat

CbittolillJ~ La formazione dello stato regionale, 143 ff., 218 ff., 257 ff.; den., Signorie rurali c fcudi, 663-667;]obn Larrlfl; Thc Lords of Romagna. Romagnol Society and the Origins of the Signorie (Ithaca, N.Y., 1965); Adriana Sisto, I feudi imperiali nel Tortonese, sec. XI-XIX (Turin 1956) 10 ff.; Gio~'(mni Cberubini, La proprieta fondiaria in Italia nei secoli XV e XVI nella storiografia italiana, in: Societa e storia 1 (1978) 9-35. 8 Kar! Olmar von Are/in, L'ordinamento feudale in Italia nel XVi e nel XVII secolo e le sue ripercussioni sulla politica europea, in: Annali dell'Istituto storico itala-germanico in Trento 4 (19 77) 51-94; Cesare iHagllJ; I feudi imperial i rural i della Lunigiana nei secoli XVI-XVII, in: Studi in onore di Enrico Besta, Vol. III (Mai land 1939) 43-70; Cbillo!ini, Signorie rurali e feudi, 667-68. 7

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Andere Feudalherrschaften dagegen wurden beseitigt oder schrittweise durch Formen direkter und unmittelbarer Herrschaft von seiten der Fürsten ersetzt (in der Romagna, in der Emilia, der Farnese und Estense), wieder andere wurden drastisch in ihfef politisch-gerichtlichen Autonomie beschnitten 9 . Von wenigen Ausnahmen abgesehen, begann die Bedeutung des politischen Feudalwesens deutlich abzunehmen. Lehen, die nicht das Risiko einer Neubelebung gefährlicher Partikularismus- oder Teilungstendenzen in sich bargen, wurden jedoch auch weiterhin vergeben. In den Herrschaftsgebieten der Farnese wie in der päpstlichen Romagna - an die eben erinnert wurde - ging der Beseitigung großer Feudalherrschaften oder untreuer "signorotti" die Vergabe zahlreicher Neukonzessionen an Familien einher mochten diese Städter, Höflinge oder Funktionäre sein. Diese Konzessionen bezogen sich auf kleinere und mittlere Lehen. Die ganze mittel- und norditalienische Region, seien es nun die Staaten, die über eine feudale Tradition bereits verfügten, seien es die Staaten, die gerade jetzt eine Politik der Neubelehnungen durchführten, weist diese Merkmale auf. Vor allem die Toskana förderte die Bildung eines neuen Feudalwesens, nachdem sich das Prinzipat der Medici formell konstituiert hatte. Eine Erhebung aus den vierziger Jahren des 17. Jahrhunderts zeigt, daß 4,3°;() der Gesamtbevölkerung des Staates (sowohl die ländliche wie auch die städtische) einem Feudalherrn verpflichtet waren (der Prozentsatz steigt auf 14% im südlichen Teil des Staates von Siena)lO. In den nördlichen Provinzen des Kirchenstaates betrug der Prozentsatz, nach Angaben, die sich auf den Beginn des 18. Jahrhunderts beziehen, etwa 3% für die Marken, 6% für Umbrien und 5% für die Legationen von Bologna und der Romagna (mit Höchstsätzen bis zu 11 % für das Gebiet des alten Fürstentums von Urbino)11 Eine gewisse Verbreitung fand das jurisdiktionelle Lehen auch auf dem venezianischen Festland, obgleich wir aus unserem Gesamtbild diejenigen Gebiete, die schon dem Patriarchat von Aquileia angehörten, und die Gebiete des Friaul ausschließen. Dieser Vorgang ist vor allem nach den "Versteigerungen" von Feudalherrschaften und Gerichtshoheiten zu beobachten, welche die Republik, bedrängt durch die wohlbekannte Finanznotlage, um die Mitte des 17. Jahrhunderts durchführte l2 . Das Herzogtum Mailand blieb jedoch das Gebiet, in dem das Feudalwesen seine größte Verbreitung fand. Während der gesamten spanischen Zeit folgte Belehnung auf

Letizia /lrmngeli, Giurisdizioni feudali c organizzazione territoriale nel ducato di Parma (15451587), in: Le corti farncsiane di Parma c Piacenza, 1545-1622, Vol. I, Po te re e societa nello stato farncsiano, bearbeitet von Man:io /I. Romani (Rom 1978) 91-147; den.,_ Feudatari e duca negli stati farnesiani, in: Il Rinascimento nelle corti padane (Bari 1977) 77-95; Caterina Casanova, Comunitil e governo pontificio in Romagna in eta moderna (Bologna 1981) 279 H. 10 Gillseppe Pansini, Per una storia dei feudalesimo nel Granducato di Toscana durante il periodo medicco, in: Quaderni storici 7 (1972) 131-187; Elentl fClSano GlIClrill1; Lo stato mediceo di Cosimo I (Florenz 1973) 67-70. 11 !3andino Giacomo Zenobr; Tarda feudalita e reclutamento delle elites neUo Stato Pontificio, secoli XV-XVIII (Urbino 1983) 11, 47. 12 Gillseppe Glillino, I patrizi veneziani di fronte alla proprieta feudale (secoli XV-XVIII). Materiale per una ricerca, in: Quaderni storici 15 (1980) 162-193. 9

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Belehnung, mit einem jähen Anstieg bei Finanzkrisen und mit einem entschieden in_ flationistischen Rhythmus im mittleren und späten 17. Jahrhundert unter der Regie_ rung von Philipp IV. und Karl II. Gegen Mitte des 17. Jahrhunderts - für das mittler_ weile eine Gesamterhebung zur Verfügung steht - erwiesen sich über 900 VOn insge_ samt 1500 Gemeinschaften des Staates als belehnt 13 Wie nun konnte sich bei der Fortdauer des Lehenswesens, ja sogar bei einer Zunehmenden Belehnung in vielen Staaten, die Wirkungskraft der feudalen Institutio_ nen, deren Einflußmöglichkeit auf die ländliche Gesellschaft und die Existenz Von Klientelbeziehungen behaupten? Das oben Gesagte läßt vermuten, daß eine Feudal_ herrschaft, der es gelang, bis in der Neuzeit fortzubestehen, Eigenschaften aufweisen mußte, die von denen des 15. Jahrhunderts verschieden waren. Die Macht der Feudal_ herren, ihre Handlungsfähigkeit und ihre Möglichkeit, um Burgen und in deren Ein_ zugsbereich lebenden Untertanen autonome Zentren politischer und militärischer Macht aufzubauen, haben schon im 15. Jahrhundert schrittweise abgenommen. Dieser Vorgang war mit der Konsolidierung der Regionalstaaten einhergegangen, vor allem nachdem gegen Mitte des 16. Jahrhunderts die unerschütterliche Gegenwart Spaniens auf der Halbinsel Aufruhr und Unruhe ein Ende gesetzt hatte. In der Folge änderte sich das Verhältnis zwischen staatlicher Macht, Feudalherrschaft und ländlicher Gemeinschaft. Je nach Beschaffenheit der Feudalherrschaften in den verschiedenen Gebieten variierten die Ergebnisse dieser Veränderungen. Natürlich gab es Gebiete, in denen sich zeigte, daß die Feudalherrschaft tiefer verwurzelt war und in denen der Feudalherr eine relativ ausgedehnte Handlungsfreiheit besaß. Dies kam in den Randgebieten vor, die weniger in die gerichtlichen, steuerlichen und administrativen Strukturen der Staaten einbezogen waren, dort also, wo Autonomie- und "Separations"-Bewegungen älter und tiefer verankert waren und die Feudalherrschaft anderswo vielleicht sogar ungewöhnliche Privilegien bewahrt hatte. So zum Beispiel in den Bergen des Apennin entlang dem ganzen Bogen, der sich von Ligurien bis zur Adria hinzieht, oder in den Randgebieten der städtischen Landbezirke wie der Maremma von Siena, der Maremma von Pisa. Dieses Phänomen tritt gleichfalls auf in Gebieten, die im 15. Jahrhundert feudalen Einfluß stark konserviert hatten, wie in einem Großteil der westlichen Emilia (wo sich dementsprechend die Autorität der kleinen Staaten der Este und Farnese als ziemlich schwach erwies)14 Es waren darüber hinaus Gebiete, die, eben weil sie sich in einer Randlage befanden, weder großen Ein-

13 lvlagnr; 1I tramonto dei feudo lombardo, 198 ff.; Si/uia Lucia Cllccia, La Lombardia in eta teresiana e giuseppina (Florenz 1977) 22-33. 14 Lino Marinr; Lo stato estense, in: Storia d'Italia Utet, Vol. XVII I ducati padani, 3-211; GioFanni Tocel, 1I ducato di Parma e Piacenza, ibid., 215-356; ders" Le terre traverse. Poteri e territori nei ducati di Parma e Piacenza tra Sei e Settecento (Bologna 1985); ArwlIgell; Giurisdizioni feudali, cit.; Odoardo Rombaldl; Gli Estensi al governo di Reggio. Dal 1523 al 1589 (Reggio Emilia 1959); Danilo J!Jamml, Storia istitutionale della Maremma senese (Siena 1%1) 127 H.; [rene PolFaini Frm; Feudi e nobilta: i possessi feudali dei Salviati nel Senese, secoli XVII-XVIII, in: Bullettino senese di storia patria, 82-83 (1976-76, ma 1977) 239-274.

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fluß der Stadt noch eine weitreichende Expansion des städtischen Grundbesitzes erfahren haben. Dort stellte sich deshalb das Interesse der städtischen Schichten, Ban·ieren gegen den Feudalismus oder Mechanismen zum Schutz ihrer Bodenrechte oder zur Begrenzung der jurisdiktionellen Rechte der Feudalherren über ihre Untertanen zU entwickeln, als geringer heraus. In der Ebene und den Gebieten, die von den Einflüssen der Stadt stärker geprägt waren, trugen jedoch gerade diese Faktoren dazu bei, die feudale Expansion zu bremsen und die Einflußsphäre der Magistrate und Staatsbeamten zu erweitern. Dort, wo alles in allem die Möglichkeit der Autonomie größer und der Einfluß äußerer Kräfte geringer waren, erwies sich der Handlungspielraum des Feudalherrn als ausgedehnter. Die feudale Rechtsprechung stieß auf geringere Beschränkungen und Kontrollen von seiten des Staates. Das feudale Steuerwesen konnte somit dank dem Fortbestehen anderswo veralteter und ungebräuchlich gewordener Tribute, Leistungen persönlicher Natur (Arbeitstage, Burgwachen), Patent- und Monopol rechte, aufrecht erhalten und sogar noch erweitert werden. Auf Grund der Randlage dieser Gebiete besaßen die Bauern oft Grund und Boden in bemerkenswertem Umfang, der Allgemeinbesitz hatte sich erhalten, und es wurden gemeinnützige Gebräuche gepflegt. Es handelte sich also um Gebiete, in denen Gemeinschaft und Privatpersonen Güter, Rechte und Interessen zu verteidigen hatten. Die ländlichen Gesellschaften besaßen Energie und Handlungsmöglichkeiten, die anderswo unbekannt waren. Die Beziehung Gemeinschaft/FeudalherrlStaat (oder Stadt) erhielt sich stark und lebendig. Die Folgen, die sich aus dieser Situation ergaben, weichen jedoch von denjenigen ab, die wir im 15. Jahrhundert vorfinden. Es bestand zwar nach wie vor eine große Interessensolidarität zwischen Feudalherrn und Gemeinschaft gegenüber fürstlichen oder städtischen Beamten. Dies ist beispielsweise bei der Verteidigung der Rechts- und Steuerfreiheit gegenüber lästigen Steuereintreibern zu beobachten, sie zeigt sich aber auch im gemeinsamen Interesse an der Salz- oder Getreidehinterziehung und am -schmuggel, der hier intensiv betrieben wurde. Tatsächlich erneuerte sich zuweilen die Allianz oder Komplizenschaft zwischen Feudalherr und Untertanen. Sehr viel häufiger als im 15. Jahrhundert sind nun allerdings Meldungen über Streitigkeiten und Gegensätze. Der Feudalherr schien im 16. und 17. Jahrhundert weniger Interesse daran zu haben, Einverständnis oder Zustimmung bei den ländlichen Gemeinschaften und Untertanen zu suchen. Dies läßt sich auf eine Einschränkung des politischen Spielraums zurückführen, die den Feudalherren nun aufgezwungen wurde. Der Feudalherr war nicht imstande, lokalautonome Machtzentren zu errichten. Dagegen zeichnete sich die Tendenz ab, feudales Recht statt zur Schaffung neuer Klienteloder Vertrauensverhältnisse zur Mobilisierung der Ressourcen des Feudalbesitzes einzusetzen. In der Gestalt des Feudalherren schien die schlechte Seite, schien Mister Hyde zu überwiegen. Sehr zahlreich sind Beschwerden wegen Mißbrauch oder Anmaßung: wegen unrechtmäßiger Ausweitung der gerichtlichen Gewalt, wegen Willkür in steuerlichen Angelegenheiten, wegen Versuchen, in das Leben (und die Finanzen) der Gemeinschaft einzugreifen, wegen Anspuch auf nicht zustehende Rechte, möglicherweise mit dem Ansinnen auf eine direkte Herrschaft (directu dominium) über Lände-

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reien, die sich schon seit urdenklichen Zeiten im friedlichen Besitz der Gemeinschaf_ ten befanden!:>. Die hier geschilderte Situation war im übrigen eine ziemlich allgemeine und gene_ relle, die mit der politischen Krise des Lehenswesens einherging und auch in anderen Gebieten Europas im 16. und 17. Jahrhundert zu beobachten ist (und die oben ange_ deutete These von der "Rückfeudalisierung" scheinbar bestätigt). Dort, wo der fortbestehende feudalherrschaftliehe Einfluß als Vorbedingung fehlte stellte sich die Situation aus vielen Gründen anders dar. Gemeint sind die Gebiete, i~ denen während des Mittelalters die städtische und kommunale Expansion auf das Land sehr ausgeprägt und deutlich war. Die im 15., 16. und 17. Jahrhundert einander folgenden Belehnungsphasen hatten zu spät eingesetzt, um das administrative und politische System der Stadtstaaten - und das diese dann den Regionalstaaten hinter_ lassen hatten - grundlegend und dauerhaft zu verändern. Ebenfalls unverändert War die Form des Grundbesitzes geblieben. Die alten Formen herrschaftlichen Besitzes (tenures, Zensus etc.) waren verschwunden, der Besitz der Bauern hatte sich drastisch verringert, die Eigentumsrechte waren in hohem Maße in den Händen von Städtern vereinigt. Wenn in der Phase der politischen und administrativen Neuordnung der Staaten das Feudalwesen im 15. Jahrhundert noch einigen Spielraum gehabt hatte, so wirkte es nun ziemlich schwach. Im Zuge der allgemeinen Konsolidierung des politischen Systems Italiens schienen auch die Regierungen der verschiedenen Staaten fähig geworden zu sein, das Ziel einer direkten Verwaltung ihrer Territorien realisieren zu können. Der Freiraum verschiedener territorialer Körperschaften wurde beschnitten und die Macht, welche die Feudalherren in der Vergangenheit offen genossen hatten, eingeschränkt. Zeichen für den geschwundenen Einfluß der Feudalherren ist die relative Höhe ihrer feudalen Einkünfte. In der Lombardei zum Beispiel - um eine Region zu wählen, in der das Feudalwesen seine größte Verbreitung gefunden hat - setzten sich die Einkünfte eines Feudalherren üblicherweise wie folgt zusammen: Einnahmen in Verbindung mit dem Gerichtswesen (in der Regel sehr niedrig, häufig nicht genug, um die Selbstkosten der Justizverwaltung zu begleichen: Lohn des Vogtes, Instandhaltung des Kerkers); Einnahmen durch Privilegien wie Jagd oder Fischfang (auch diese waren, wenn überhaupt vorhanden, sehr gering); Einnahmen aus einigen unbedeutenderen Steuern, vor allem dem sogenannten "imbottato" und den Brot- und Fleischsteuern. Diese zuletzt genannten Abgaben wurden in nicht-belehnten Gebieten von herzoglichen Eintreibern eingezogen und, wie gesagt, in belehnten Gebieten dem Feudalherren überlassen. Es wurde immer an dem Grundsatz festgehalten, daß der Feudalherr keine neuen Steuern auferlegen könne, eine Autonomie des feudalen Fiskus wurde zu keiner Zeit anerkannt. Die Einkünfte waren schon im 15. Jahrhundert nicht hoch gewesen (in den günstigsten Fällen beliefen sie sich auf 20 bis 30% der gesamten Abgaben, die eine Gemein15 Letizia Areal/geli, Domini e feudatario nella prima meta dei XVI sccolo. Due cause antifeudali nel marchesato di Pellegrino, in: Archivio storico per le province parmcsi, IV, 34 (1982) 177-276; Poh'erini Fosi, Feudi e nobilita.

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schaft leisten mußte, meist waren sie aber noch viel geringer). Sie verringerten sich in der spanischen Zeit noch weiter: Die Abgabensätze blieben unverändert, wurden jedoch in einer sich stark entwertenden Währung entrichtet, die Möglichkeit einer Anhebung bestand nicht. Prozentmäßig war der Rückgang noch stärker, da die Gesamtsteuerbelastung bemerkenswert zunahm. In der letzten Periode unter den Sforza und verstärkt in den Anfangsjahren der spanischen Herrschaft sanken sehr häufig die Steueraufkommen ("imbottato", Wein und Fleisch), welche die fiskale Grundausstattung der Feudalherrschaft ausmachten. Wurden Gemeinschaften neu belehnt (nicht Personen, die vorher die Abgaben bezogen hatten), so fand keine 'Ausstattung mit neuen Abgaben statt. Von etwa 80 Belehnungen, die zwischen 1535 und 1600 vorgenommen wurden, brachten nur etwa 10 geringe Einnahmen zugunsten des Feudal herrn mit sich; alle übrigen warfen keine steuerlichen Erträge ab. Der Prozentsatz der Feudal herrschaften ohne Ertrag erhöhte sich im 17. Jahrhundert weiter: Nur etwa 10 von über 200 Belehnungen garantierten irgendwelche Einnahmen 16. Entweder gelang es nun dem Feudalherren, neben anderen (Staat, Gemeinschaft, privaten Steuereintreibern) zum Bezieher von Steuereinnahmen zu werden, oder er ging - wie in den meisten Fällen - leer aus. Darüber hinaus sah er sich in seinem Territorium mit privaten Steuereintreibern konfrontiert. Auch wurde nun seine Vermittlerfunktion, die er bisher zwischen Gemeinschaft und staatlichem Fiskus ausgeübt hatte, stark beschnitten. Dies war besonders dann der Fall, als es den ländlichen Gemeinschaften gegen Ende des 16. Jahrhunderts in der Lombardei und im Veneto gelungen war, eigene Repräsentationsorgane zu schaffen, die sich sowohl gegenüber den staatlichen Magistraten als auch gegenüber ihren städtischen Gegenspielern energisch behaupten konnten: Organisationen des "Contado" und "Territorio", wie sie im mailändischen Staat beziehungsweise auf dem venezianischen Festland genannt wurden 17. Ein besonderes und ausschließliches Recht der Feudalherren war die Ausübung der Rechtsprechung. Aber auch hier scheinen in den genannten Regionen die staatlichen Bemühungen um eine Regelung und Beschränkung der feudalen Macht sehr erfolg-

<6 Es wurden die von Enrico Casanova gemachten Angaben verwendet (auch wenn sie vielleicht nicht ganz vollständig sind): Dizionario feudale delle province componenti l'antico stato di Milano all'epoca della cessazione deI sistema feudale (Mai land 1930). 17 G'iovanni Vigo, Fisco e societa nella Lombardia deI Cinquecento (Bologna 1979) 155ff. und passim; Chiara Porqlleddll, Le origini delle istituzioni "provinciali" nel Principato di Pavia, in: AnnaIi di storia pavese 2-3 (1980) 9-36; dies., Gli ordinamenti deI principato di Pavia tra la fine dcl Cinquecento e la meta del Settecento, in: Bollettino della societ
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reich gewesen zu sein. Die Eigenschaften, die der Rechtsprechende besitzen mußte wie auch seine Amtsdauer wurden genau festgelegt. Ein "sindacato" wurde verpflich~ tend, seine jurisdiktionellen Rechte eng begrenzt und definiert: Er konnte nicht Rich_ ter in Rechtsfragen zwischen Feudalherr und Untertanen sein oder den Feudalherrn begünstigen, er konnte nicht willkürlich Strafen oder Urteile ändern, indem er sie her_ aufsetzte oder minderte, er mußte sich an die Statuten halten. Das Berufungsrecht War in der Regel dem staatlichen Richter vorbehalten, und dieser hatte in schweren Fällen sogar das Recht, in erster Instanz einzugreifen, wenn es sich um Fälle VOn Leuten handelte, die im Feudalgebiet ansässig waren oder um Delikte, die im Feudalterrito_ rium begangen worden waren. Der feudale Richter schien im Vergleich zu dem beispielsweise im Herzogtum Mailand "Maggior magistrato" genannten und VOm Fürsten oder Stadtherren ernannten Richter mit nur untergeordneten Kompetenzen ausge_ stattet gewesen zu sein. (Die Vorrechte des "Maggior magistrato", schon früh in einem berühmten, aber nicht immer angewandten Dekret der Visconti aus dem Jahre 1441 festgelegt, wurden ab den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts immer weitgreifen_ der und umfassender ausgeübt.) Obgleich beeinflußt von dem Überhandnehmen der Belehnungen zu Beginn des 15. Jahrhunderts, konnte sich die Stadt als gerichtliches Oberhaupt für den ganzen Landbezirk unter den politisch-institutionellen Voraussetzungen des spanischen Italiens behaupten. Dadurch, daß sie in Belangen der hohen Justiz wie auch in Grundsatzfragen, mit denen die öffentliche Gewalt den Anspruch erhob, als höchste richterliche Gewalt aufzutreten, entschied, trug sie zu einer Stärkung der staatlichen gegenüber der feudalherrlichen Macht bei 18. Es ist sicher nicht ganz leicht zu verstehen, daß sich in den weniger wichtigen Fragen unbedeutenderer ziviler Streitfälle, Schadensfälle und polizeilicher Probleme (marginale Probleme, die jedoch im Rahmen der bäuerlichen Gemeinschaft große Bedeutung hatten) die Autorität des Feudalherrn gleichermaßen diszipliniert und disziplinierbar zeigte. Wahrscheinlich muß man jedoch auch dies einschränken, da die nämlichen Quellen - Gesetzestexte mit Abhandlungen über den Feudalismus - nicht nur die Bremsfaktoren nennen, denen die feudale Herrschaft unterworfen war, sondern gleichzeitig auch die Freiräume (bei unwichtigeren Fällen und geringeren Vergehen), im Rahmen derer die Befugnisse des "minor magistrato" großzügig angewendet wurden (vielleicht sogar mit Duldung der obersten staatlichen Gerichte). Noch weniger sind wir über einige andere Einflußmöglichkeiten des Feudalherrn informiert, die sicherlich in großem Umfang dazu beigetragen haben, seine Rolle im Leben der ihm untergebenen Gesellschaft zu bestimmen und ein umfassendes Bild von ihm zu zeichnen. Wichtig ist z. B. die Frage, ob es ausgedehnten allodialen Grundbesitz gab, den er besaß, ob finanzielle Bindungen an die Gemeinschaft vorhanden waren? Daraus ließen

18 lHaglll; II tramonto dei feudo lombardo, Kap. I1I; Gilt/io Vümara, Le istituzioni del patriziato, in: Storia di Milano, herausgegeben von der Fondazione Treeeani degli Alfieri, Vol. XI (Mailand 1958) 258-261; Ugo Petronio, Giurisdizioni feudali e idiologia giuridica nel ducato di Milano, in: QlIaderni storiei 9 (1974) 351-402; Pa lISin i, Per una storia dei felldalesimo, eit.; Fmo/i, Lineamenti di storia e legislazione feudale veneziana, eit.

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sich nicht notwendigerweise feudale Vorrechte herleiten; sie konnten aber, falls vorhanden, im Verein mit feudalen Privilegien die Stellung des Feudalherrn stärken: Sie ermöglichten ihm größere Einflußnahme auf die Gesellschaft, wenn er die Absicht hatte, in ihr tiefer Fuß zu fassen, als es ihm die feudalen Normen erlaubt hätten. Sie konnten ihm u. U. die Möglichkeit geben, Streitigkeiten, Ansprüchen, widerrechtlichen Anmaßungen und Mißbräuchen der Gemeinschaft aus einer Position der Stärke entgegenzutreten. Tatsächlich sind in den uns interessierenden Gebieten Zeugnisse über Streitigkeiten und Unfrieden zwischen belehnten Gemeinschaften und "signori" recht zahlreich. Es handelte sich unter anderem um Jahrzehnte dauernde Händel, die eine gewisse Beständigkeit und Dauerhaftigkeit der feudalen Institutionen vermuten lassen. Es wurde über die Höhe bestimmter Abgaben an den Feudalherrn, über den Umfang eventueller Abgabefreiheit für Besitztümer innerhalb der Gemeinschaft, über "schlechtes Betragen" des feudalen Richters, über "Usurpationen" des Feudalherren selbst, über das Recht der Ernennung von unbedeutenderen Beamten der Gemeinschaft und über Wasser- und Jagdrechte gestritten 19. Der Eindruck, es habe eine ausgedehnte Gerichtsbarkeit bestanden (und deshalb ein starker Einfluß der Feudalherrschaft), verringert sich, wenn man zwei Dinge in Betracht zieht: 1) Streitfälle bewegten sich um Fragen, deren Bedeutung gegenüber anderen wichtigen wirtschaftlichen, steuerlichen und administrativen Problemen der Gemeinschaft immer relativ war. Es konnte sehr heftig und lange über wenige Bäume gestritten werden, die der Feudalherr auf dem Dorfplatz der Gemeinschaft gepflanzt hatte, über das Fischereirecht im Burggraben, über die Frage, wie das Gehalt des Gerichtsschreibers zu bezahlen sei; über einige Lire mehr oder weniger bei den Gastwirtschaftsabgaben. Ausdruck und Schärfe des Streites standen häufig zu der Wichtigkeit des jeweiligen Grundes in keinem Verhältnis. 2) Kontroversen zwischen Gemeinschaften und Feudalherren über deren jurisdiktionelle und steuerliche Vorrechte und andere Privilegien haben qualitativ keinen anderen Gehalt als Kontroversen der ländlichen Gemeinschaften (belehnt oder nicht) mit dem Staat (über Unterschlagungen oder Versäumnisse des Vogtes, über die zu bezahlenden Steuern), mit anderen territorialen "Körperschaften" (der Stadt, den schon genannten Magistraten des "Contado" und des "Territorio") und mit Privatpersonen (die zum Beispiel Sonderrechte über Steuereinnahmen in dem betreffenden Ort innehatten, dort Fischereirechte besaßen oder das Recht auf Eintreibung einiger staatlicher Abgaben erworben hatten). Vor allem was die steuerlichen Fragen angeht, waren diese Gegensätze im Leben der Gemeinschaft sehr viel wichtiger und bedeutender. Man kann sich fragen, ob der Feudalherr zu seinen verschiedenen Privilegien und Rechten noch andere Einflußmöglichkeiten hinzufügen konnte, die vielleicht gar

19 Für einige Angaben und Beispiele vgl. Bruno Caizzi, Le classi sociali nella vita milanesc, in: Storia di Milano, VII, eiL, 335-374; Paola Zalloli; Il patrimonio della famiglia Litta alla fine dei Settecento, in: Archivio storico lombardo 98-100 (1971-73) 284-348; CristiflC/ Stefcmilll; Fiscalita e tensione sociale in una comunitii lombarda dei '600: il caso di Maleo, in: Studi Bresciani 4 (1983) 5-32.

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nicht wirklich "feudal" waren (als Kreditgeber der Gemeinschaft, durch den Besitz großer Ländereien und weitere Ankäufe, durch einen Palast im Ort und dortiges Resi_ dieren etc.). Hätte er nicht über Macht- und Einflußmöglichkeiten verfügen können die ihn zu einem noch fürchtenswerteren Gegenspieler für die Gemeinschaft gemach~ hätten? Dies ist nun genau der Punkt. Man hat nicht den Eindruck, daß es dem Feu_ dalherrn in den Gebieten der Poebene gelungen wäre, in seinem Lehensgebiet wirk_ lich Wurzeln zu schlagen und seine feudale Macht zur Erweiterung und Erhöhung von Privilegien und Autorität einzusetzen. Es ist wahr, daß der Feudalherr zuweilen die Funktion eines Geldverleihers übernahm. Häufig geschah dies gegenüber seinen Bauern, aber auch gegenüber anderen Privatpersonen oder der ganzen Gemeinschaft. Allerdings "monopolisierte" er nicht das ländliche Kreditwesen. Es gab andere Mög_ lichkeiten, ein Darlehen zu erhalten, hauptsächlich von Städtern oder kirchlichen Vereinigungen. Das gleiche trifft für den Grundbesitz zu. Der Feudalherr bemühte sich sicherlich meist darum, Gebiete im Umkreis der Gemeinschaften zu erwerben, die seiner Gerichtsbarkeit unterworfen waren. Nach Möglichkeit erwarb er auch dort Feudal_ rechte über Gemeinschaften, wo er schon Land besaß. Ein genaues Bild würde man erhalten, wenn man die Katastereintragungen zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert auswerten würde. Sie könnten eine umfassende und exakte Darstellung darüber geben, wieviel Grund und Boden die Feudalherren in ihren Lehensgebieten besessen haben. Von den wenigen Angaben, die uns heute zur Verfügung stehen, gewinnt man aber nicht den Eindruck, daß eine systematische Politik der Konzentration von Feudalgebieten und Grundbesitz betrieben wurde. Die begrenzte Ausbreitung feudalherrlicher Güter ist auch deshalb von Bedeutung, weil viele Bewohner des Lehens sich damit der - zusätzlichen - Autorität des Lehensherrn als Grundbesitzer entziehen konnten. Waren die Güter in städtischem Besitz (wie schon gesagt, unterstanden die Pächter und Halbpächter der Städter nicht der Rechtsprechung des Feudalherrn. In einigen Dörfern mit weitverbreitetem städtischen Grundbesitz trifft man auf Grenzfälle, wo keine "feudalen Untertanen" existierten), so wurden die jurisdiktionellen Rechte des Feudalherrn zusätzlich eingeschränkt. War das Feudalwesen in den Gebieten der Ebene auch weit verbreitet, so schien es dennoch nicht tief auf die soziale und wirtschaftliche Struktur der Landgebiete einzuwirken. Vor kurzem ist eine Geschichte der spanischen Lombardei geschrieben worden, in welcher der Autor D. Sella ein Vorhandensein feudaler Strukturen praktisch nicht bemerkt hat 20 . Der, obgleich makroskopische, Verkauf von Feudalherrschaften scheint nicht in die Geschichte des "Feudalwesens", sondern vielmehr in die Geschichte sozialer Aufstiegsmechanismen, der Formalisierung des Adelsstandes, zu gehören. Alles in allem war der Titel das oberste Ziel eines Erwerbers. Der Preis, der für diese "Steuer auf die Eitelkeit" bezahlt wurde, war eine Investition in ein Prestigeattribut, das am Hof oder in der Stadt zu Geltung kam, und keine Investition im Hinblick

20 Domenico Sella, Crisis and Continuity. The Economy of Spanish Lombardy in the Seventecnth Ccntury (Cambridge, Mass. 1979). Vgl. besonders das sicbte Kapitel, "A Postscript on Feudalism", 148-173.

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auf die Möglichkeiten sozialer oder wirtschaftlicher Einflußnahme auf die ländliche Gesellschafe 1. Wenn man dennoch von einer "Rückfeudalisierung" der italienischen Landgebiete des 17. Jahrhunderts spricht, so ist deren Zunahme und Bestätigung sicherlich nicht im Rahmen der feudalen Institutionen vonstatten gegangen. Wie man sich vorstellen kann, sind auch die Freiräume bei der Bildung von Partonat-Klientelbindungen eingeschränkt. Selbst dort, wo keine Konfliktsituationen mit dem Feudalherrn erkennbar sind, lassen die Ereignisse in den belehnten Gemeinschaften nur selten Solidar- und Allianzgemeinschaften erkennen, wie sie sich im 15. Jahrhundert dank des Vermittlungsspielraumes des Feudalherrn in Verbindung mit dem Staat oder der Stadt hatten bilden können. Hilfestellung des Feudalherrn gegenüber der Gemeinschaft war nur bei gelegentlichen und unbedeutenderen Eingriffen möglich. So z. B., wenn es sich um Streitigkeiten mit benachbarten Dörfern (um Grenzfragen etwa) oder um Beschwerden gegen die Militärautoritäten, welche die Beherbergung von Soldaten bestimmten, handelte. Es blieb allenfalls ein wenig Freiraum für die Schutz- und Verteidigungsaufgabe, jedoch nicht so sehr gegenüber der Gemeinschaft als Ganzem, als vielmehr gegenüber bestimmten Schichten und sozialen Gruppen. Zahlreiche Dokumente aus der spanischen Zeit (Mitte des 17. Jahrhunderts), als die spanische Regierung den großangelegten Verkauf von Feudalherrschaften beschlossen hatte, belegen für die Lombardei das Auseinandergleiten und Zerfallen der Beziehung zwischen Feudalherr und Landbevölkerung. In der genannten Periode fanden sich die Gemeinschaften vor die Wahl gestellt, "frei" zu bleiben, indem sie die Summe, welche die Kammer aus dem Verkauf einzunehmen hoffte, bezahlten, oder aber die Belehnung zu akzeptieren. Faktisch war die Entscheidung sehr stark durch die Schwierigkeiten der Gemeinschaft bei der Beschaffung der Summe bestimmt. War diese auch nicht sehr hoch, so lag sie doch häufig außerhalb dessen, was die stark zerrütteten kommunalen Finanzen zuließen. Unabhängig vom Ausgang dieser Unternehmungen (der überwiegende Teil der Gemeinschaften wurde belehnt) sind diejenigen Zeugnisse interessant, die wir über das Verhalten der verschiedenen sozialen Gruppen gegenüber der voraussichtlichen Belehnung besitzen 22 . Im allgemeinen waren die "bäuerlichen" Grundbesitzer sowie diejerligen Bewohner, die wirtschaftliche Tätigkeiten von einiger Bedeutung ausübten (Händler, Handwerker), dagegen. Man kann sie als das örtliche "ländliche Bürgertum" bezeichnen, das in vielen Gemeindemittelpunkten ziemlich geschlossen und lebendig

" !lIdo De irJaddalena, Vespro e mattutino in una societa preindustriale. Un saggio fondamentale sulla Lombardia spagnola, e qualche divagazione feudalistica, in: Rivista storica italiana 93 (1981) und dann in den., Dalla citta al borgo. Avvio di una metamorfosi economica e sociale nella Lombardia spagnola (Mailand 1982) 308 ff. Vgl. auch Gul/ino, I patrizi veneziani, und Enriro StumjJo, Spese e guadagni bellici nello Stato piemontese dei Seicento (relazione presentata alla Sedicesima Scttimana di Studio dell'!stituto F. Datini, Prato 1984, noch in Druck). 22 Domeniro Sel/a, Le "redenzioni" dei feudi nello stato di Milano a meta del secolo XVII, in: Fatti c idee di storia economica nei secoli XII-XX. Studi dedicati a Franeo Borlandi (Bologna 1977) 481-492. Vgl. auch Enriro Barot/cel/i, Le colline della grandine. La pieve di Oggiono dalla dominazione spagnola alle rHorme teresiane, in: Archivi di Lecco 8 (1985) 3-224.

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gewesen zu sein scheint. Ihrer Opposition schloß sich immer auch der städtische Grundbesitzer an, mißtrauisch gegen "Neuerungen", die seinen Interessen hätten zuwiderlaufen können. Häufig waren es gerade die Städter, welche die Initiative ergriffen und den Widerstand der Gemeinschaft anstachelten. Zugunsten der Belehnung spra_ chen sich üblicherweise die Bauern ohne eigenen Boden und die ärmsten BeWOhner aus. Sie suchten nicht nur die Last der "Ablösung" zu vermeiden, sondern hofften auch auf den Schutz des neuen feudalen Herren, Schutz vor Gericht und dem Fiskus aber vor allem gegenüber der Gemeinschaft. ' Zahlreich sind die Beschwerden gegen die Mächtigen des Ortes, die nach eigenem Gutdünken "maneggiano il comune" (die Gemeinde leiten) und bei der Wahl der Räte, bei eier Steuerverteilung und bei eier Benutzung eier Gemeindegüter - SOWeit vorhanden - "opprimono i tapini" (die Armen unterdrücken). Tatsächlich schien sich hier eine Allianzmöglichkeit herauszubilden, wie sie auch andere Quellen aufzeigcn (in den Ratssitzungcn eier belehnten Gemeinschaften wurde oft Klage gegen die "huomini di bassa conditione" geführt, daß sie Komplizen des Feudalherren wären und dessen Partei bildeten). Die Allianz stärkte die Handlungsfähigkeit des Herrn, auch wenn sie auf kleine Vorkommnisse im Dorf beschränkt war und vom geringen Einfluß seiner Anhänger abhing. Auch als Beschützer der niedersten Schichten war der Feudalherr nur einer unter vielen anderen (er war, wie schon gesagt, nicht unbedingt ein Gegenspieler der Gemeinschaften bei deren Streitigkeiten und Ansprüchen). Schutzfunktion für die arme Landbevölkerung in diesem oder jenem Dorf konnte auch von großen städtischen Grundbesitzern oder einer Landaristokratie, zusammengesetzt aus Pächtern, Unternehmern, ländlichen Händlern etc., ausgeübt werden. Wenn es in den neuesten Forschungen über die Gesellschaft in der Poebene ein Thema gibt, das beharrlich wiederkehrt, so ist es die Betonung der Dynamik, die das Leben in den Landgebieten prägte 2J .

2J GiO/itmlli Vigo, Fisco e societa; Sel/a, Crisis and Continuity; ders., Fiscalismo spagnolo c crisis dell'economia cittadina, relazionc prcsentata al convegno di studi "Istituzioni e attivita finanziarie milanesi dal XIV al XVIII secolo", Mailand 20-22 Oktober 1977 (provisorische Ausgabe der Aufsätze, Mailand 1977, 347-364); [Je Mi/dda/ma, Dalla citta al borgo. Zu dieser Forschungsrichtung - schon eingeleitet von einem Aufsatz von Lw:!?i Bul/erettt; L'oro, la terra, la societa. Un interpretazione deI nostro Seicento, in: Archivio storico lombardo 80 (1953) 5-66, - vgl. auch Paolo iHalanima, Citta e campagne nell'economia lombarda de! Seicento. Qualche considerazionc, in: Societii e storia 5 (1982) 351-366; hallco /lngiolill/; L'economia milanese nel sistema imperiale spagnolo, ibid., 391-400; C·iOlgio Polilt; I dubbi dello sviluppo. Rilevanza e ruolo politico dcl mondo rurale in alcune opere recenti (secoli XV-XVII), ibid. 367-390. Über das Veneto vergleiche die jüngsten Beiträge von Claudio Powlo, Per una storia delle comunitii, in: Annali veneti 1 (1985) 11-29 und von Se/gio Zamperett/; Lo spiegare e il comprender. Ipotesi per uno studio socio-istituzionale delle comunitil rurali d'antico regime, ibid., 87-95 (mit einer umfangreichen Bibliographie über jüngste Untersuchungen); vgl. auch besonders AA.VV., Dueville, Identificazione di una comunitii de! passato, elat/dia Pouolo(Hrsg.), (Vicenza 1985); DClnila Gasparifl/; Signori e contadini nella contea di Valmareno, secoli XVI-XVII, in: Stato, socie ta e giustizia, II, U3-90.

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Immer wieder wird auf die Zunahme der Landwirtschaft und der landwirtschaftlichen Investitionen, auf die Wiederbelebung des Manufakturwesens und des Handels (welche die wirtschaftliche Krise der Städte, schon viele Male angesprochen und unterstrichen, ausgleichen sollten) hingewiesen. Die Rede ist häufig von einem "ländlichen Bürgertum", das einen bemerkenswerten Einfluß auf das Leben der Gemeinschaften ausüben und nicht selten mit einem eigenen Standesbewußtsein ausgestattet sein konnte (weshalb sich in einigen Orten deren Exponenten als ,,Adelige" bezeichneten). Für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte auf dem Land in den ersten Jahrhunderten der Neuzeit ist dies heute eine der interessantesten Forschungsperspektiven. Eine Perspektive, welche die eingangs angesprochene Schlüsselinterpretation der "Rückfeudalisierung" oder der feudalen Stagnation sehr stark verändert, wenn nicht sogar widerlegt.

Walter Barberis Die Bildung der "milizia paesana" in Piemont: Zentrale Gewalt und lokale Verhältnisse zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert Mit dem Vertrag von Cateau-Cambresis war das Herzogtum Savoyen der einzige europäische Staat geworden, der sich ex novo gebildet hatte - fast so, als ob er niemals eine einflußreiche Vergangenheit gehabt hätte -, und zwar unter der Führung eines zwar legitimen, aber de facto doch von außen eingesetzten Fürsten. Für das in seinen Grenzen neu definierte und zwischen den gegensätzlichen Interessen Frankreichs und Spaniens eingekeilte Herzogtum stellte Piemont das wichtigste Gebiet dar und dies auf Grund der besonderen geographischen Lage, der relativen Fruchtbarkeit des Bodens, der Bevölkerungsdichte und sicher nicht zuletzt des wirtschaftlichen und politischen Gewichtes seiner zahlreichen Adelsgeschlechter wegen. Emanuele Filiberto, der Sieger von St. Quentin wurde nun wieder in seine angestammten Rechte eingesetzt, ohne jedoch die Hinterlassenschaft irgendeiner Form staatlicher Organisation vorzufinden. Dank seiner Regierungsrnaßnahmen nahm so der einzige Versuch zur Bildung eines Staatsapparates Form an, der sich in seiner konkreten Ausformung mit einigen der bekanntesten Abstraktionen der Aufgaben eines "principe cristiano" im 16. Jahrhundert messen konnte. Ausgehend von dieser schwierigen und ungewöhnlichen Situation, gewann das Herzogtum Savoyen wieder eine Identität, nachdem es, ähnlich wie in einem Laboratorium, der politischen Alchemie seines neuen Herrschers ausgesetzt worden war. Natürlich bewegte sich Emanuele Filiberto nicht im luftleeren Raum, als er sich sofort mit der Bildung von Kontrollorganen über militärische, steuerliche und finanzielle Gewalt beschäftigte: Seine Eingriffe, seine Auswahl und seine klaren Absichten trafen auf ein undeutliches, nicht greifbares und zerrissenes soziales Gebilde, das aber dennoch durch wirtschaftlichen Austausch, Gruppenbeziehungen und durch eingehaltene oder auch mißachtete Normen geregelt und das durch Konflikte aufgewühlt, aber durch Gewohnheiten und Modalitäten des Zusammenlebens auch miteinander verflochten war. Die erste bedeutende Initiative Emanuele Filibertos war die Bildung einer "milizia paesana", das heißt, eines Untertanenheeres, das aus waffenfähigen Männern zwischen 18 und 50 Jahren zusammengestellt wurde. Die Einschreibung in Listen und die Auswahl der aktiven Mitglieder sollte in den Gemeinden geschehen, denen die Ehre zuteil geworden war, für ihre Bewaffnung zu sorgen. Freiwillige sollten nur dann angenommen werden, wenn sie sich, auf eigene Kosten ausgerüstet, melden würden. Vertrauenspersonen des Herzogs sollten darüber hinaus zu Hauptmännern, Vögten oder

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Statthaltern ernannt werden - je nach der Bedeutung der jeweiligen Orte -, um den reibungslosen Ablauf der Erfassung und Anwerbung zu überwachen. Die Miliz War nicht auf ein im voraus bestimmtes Aufgebot festgelegt: Den Umständen entspre_ chend sollte dieses mehr oder weniger hoch und immer den Möglichkeiten der einzel_ nen Gemeinden angepaßt sein. Diese Anweisungen waren in einem Edikt enthalten das in den letzten Tagen des Jahres 1560 proklamiert worden war, und in dem de; Herzog unter anderem Gott dankte, dem es gefallen habe "envoyer entre les princes chrctiens sa sainte paix". Der Herzog brachte den Wunsch und die Absicht zum Ausdruck, Gott zu achten und sich seine Verehrung angelegen sein zu lassen, damit dieser "gar'der nos Etats en tranquilite" und "tenil' nOLls sujets en vraye union et concorde"', Er dachte insbesondere an ein Verteidigungsheer, das sich wesentlich von den Aufge_ boten an Abenteurern unterschied, die bis dahin Europa durchquert hatten. Dieses Heer sollte die Idee verbreiten, daß die Verteidigung des eigenen Gebietes und der gewöhnlichen Interessen eines jeden einzelnen Untertanen Teil eines Systems kollekti_ ver Sicherheit war, das vom Staat angeboten wurde, an dessen Spitze ein Fürst stand. Daher auch die Präzisierung, daß die aktiven Mitglieder der Miliz "ne serviront comme mercenaire", sondern "pour la diffense et conservation de leur prince naturel et de leur propre patrie", und dies in ihrer Eigenschaft als "sujets" und "serviteurs", denen zum Ausgleich Immunität und Privilegien zuteil würden. Sicherlich handelte es sich darum, den Ruf Machiavellis nach "arme proprie" nicht im Leeren verklingen zu lassen, aber konkreter noch darum, durch die Umkehrung des Begriffs "omaggio" (Gabe) in den noch unbekannten Begriff "servizio" (Dienst), Mentalitäten und Einstellungen zu verändern und Widerstände zu überwinden. Eine gewisse Zeitlang hatten zum Beispiel die Gemeinden zu den verschiedensten Anlässen "memoriali" (Bittschriften) an den Herzog gerichtet, in denen sie die Bestätigung alter Privilegien forderten, wobei sie als Gründe Mangel an Geldmitteln vortäuschten oder den etwaigen Militär-"dienst" als "carico personale" (persönliche Belastung) darstellten, was sie als Verhandlungsargument im Rahmen der verschiedenen steuerlichen Auflagen und Verpflichtungen vorteilhaft ausnutzen zu können hofften. Einige Personen forderten sogar Nachlässe bzw. die Zahlung einer bestimmten Summe, auf daß sie "liberi et franchi da ogni altro carigo di qualsivoglia sorte" (frei und unabhängig von jeder wie auch immer gearteten Belastung) seien, "et che occorrendoli qualche altro da V.A. [fosse] entrato in dedutione de detta somma seconda Ja quantita et costo che montera esso carigo" (und falls Seine Hoheit weitere Zahlungen benötigen sollte, so würden deren Kosten von der genannten Summe abgezogen werdenf Eine Gemeinde forderte sogar die Beseitigung des Privilegs "di levar insegna, erear abbati e all Vgl. Edit de S.A.S. portant differens privileges et immunites en faveur des gens de guerre, 28. Dezember 1560, in: C Duboin, Raccolta per ordine di materia delle leggi, ci oe editti, patenti, manifesti ece. emanati negli Stati di terraferma sino all'8 dicembre 1798 dai Sovrani della Real Casa di Savoia, dai loro ministri, magistrati ecc. (Turin 1860) Vol. XXVI, Bd. XXVIII, Tit. III, 793-797. 1 Memoriale a capi dei Comune e uomini di Trana umiliato al nobile Paolo Vagnone a eio specialmente deputato da S.A. colle risposte da esso in norne della preloclata S.A. date sopra ci aschedun ca po deI medesimo, 1. Januar 1562, in: Archivio di Stato di Torino (im folgenden mit AST abgekürzt), Abtlg. I, Protocolli Notai Ducali, 224 f., Fol. 2. Des gleichen Wortlautes, siehe ebencla,

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tri ufficiali con radunatione di ßente et portar arme nonostante qualsivoglia inhibitione" (Insignien zu verleihen, Abte und andere Beamte bei Volksversammlungen zu ernennen und Waffen zu tragen, trotz jeglicher Verbote)}, fast so, als hätten sich niemals neue Faktoren in der Beziehung zwischen zentraler Gewalt und neuer lokaler Realität herausgebildet. Der Herzog wies alle Forderungen, die auf eine partikularistische Zersplitterung und lokale Autonomie hinausgelaufen wären, zurück, suchte jedoch, was das Übrige betraf, nach einer Einigung, meist mit der Wendung: "S.A. se ne contenta salvo che fussi per guerra defensiva" (Seine Hoheit bescheidet sich damit, außer es wäre für einen Defensivkrieg). Der Defensivkrieg nämlich war das einzige, auf das sich der Herzog stützen konnte, um die Gesamtheit seiner Untertanen in ein gemeinsames Unternehmen einzubeziehen: Er war gewissermaßen der Prolog zu einer Beziehung, die immer enger wurde - das heißt, die immer enger wurde zwischen der zentralen Gewalt und anderen sozialen Gruppen innerhalb der Grenzen des zukünftigen Staates. Der Gedanke der Selbstverteidigung war die Voraussetzung für die Vorstellung eines ausgedehnteren hierarchischen, harmonisch funktionierenden OrganismuS, so wie ihn der Herzog mit der klassischen Metapher umschrieb, nach der "li membri deI corpo humano, et la moltitudine de la gente, massime di guerra, senza legitimo ca po stare non ponno" (die Glieder des menschlichen Körpers, so wie die Menge des Volkes, besonders im Krieg, nicht ohne legitimes Haupt sein könnent Wohlverstanden, Emanuele Filiberto wußte, daß er nicht viele andere Möglichkeiten hatte: Nachdem er gerade erst an die Macht gekommen war, erlaubten es ihm einerseits die Staatskassen nicht, Söldnerheere anzuwerben, und andererseits hätte er derartige Summen seinen neuen Untertanen nicht aufbürden können). Dennoch war Memoriale a capi umiliato dal comune e uomini di San Maurizio ... ,8. Januar 1562, Fol. 4, und: memoriali di Bernezzo, Cernasca und Vignolo, 15. Januar 1562, Fol. 15; Biella, 21, Januar 1562, Fol. 33; Bardassano, 22. Januar 1562, Fol. 40; Orbassano, 19. Februar 1562, Fol. 53; Bruino, 21. Februar 1562, Fol. 56; Rivoli, 23. Februar 1562, Fol. 58; Riva di Chieri, 10. März 1562, Fol. 77; Boriana, 15. März 1562, Fol. 82. 3 Memoriale a capi umiliato dagli uomini della Castellata di San Martino ... , in: ebenda, Fol. 8. 4 Dies wurde zu einer Wendung, die in zahlreichen Ausführungen Emal1l1e1e Filibertos wiederkehrt und schließlich sogar in den Ernennungsurkunden für ein militärisches Kommando auftaucht: man vergleiche zum Beispiel die Ernennung vom 20. Dezember 1567, mit der der Herzog Don Alfonso d'Este zum Generalhauptmann nominiert (AST, Abtlg. I, Militärangelegenheiten, Impieghi militari, M. 1, Nr. 2, Minute di patenti per concessione di vari impieghi militari, 1560-1575). 5 Darüber äußert er sich in einem das Edikt vom 28. Dezember 1560 vorbereitenden Schriftstück: "non volendo noi gravar essi sudditi et stati nos tri come sarebemo sforzati tenendo militia de gente forastiera alla qllale sarebe necessario de sostenerla con viva forza de gran denari a tale effetto conviene a detti nostri sudditi de intrar al numero et matriclllla di tal militia et si habiano da contentarsi de le prerogative et honori con le lltilitade ct emolumenti qualle respettivamente li podiamo conferire" (da wir unsere Untertanen und Staatsgebiete nicht belasten wollen, wie wir gezwungen wären, es zu tun, wenn wir eine Miliz von Fremden anwerben würden, deren Unterhalt eine große Geldmenge erforderlich machen würde, so ist es in dieser Hinsicht für unsere besagten Untertanen besser, wenn diese sich in die Teilnehmerlisten und Verzeichnisse dieser Miliz eintragen würden; sie müßten sich dann mit den Sonderrechten und Ehren aus den Vorteilen und Bezügen, die wir ihnen entsprechend verleihen können, zufriedengeben). Vgl. AST, Abtlg. I, Protocolli Notai Ducali, 231, Privilegi concessi alli soldati della milizia, 4. Dezember 1560, Fol. 18.

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der Weg zur "milizia paesana" weder eine notwendige Abkürzung, noch entsprang einer Schwärmerei für die Theorie der militärischen Autarkie. Über seine technisc~r Bedeutung und sein kriegerisches Potential hinaus erwies sich die Miliz als ein Mitte~ zur Trennung gefestigter sozialer Verhältnisse und gleichzeitig zur Neuangliederun von Interessen, die im Sinne der neuen absolutistischen Politik des Herzogs Ware g n. Sie hatte also den Zweck, direkte Verbindungen zwischen Fürst und Untertanen Zu schaffen, wobei gleichzeitig das herkömmliche System der Zwischenvermittlung erschüttert wurde, auf das sich die verschiedenen Koalitionen gründeten. Privilegien stellten die Triebfeder für dieses Unternehmen dar, da sie nicht nur Prestigeattribute an Personen aus niederen Verhältnissen beinhalteten, sondern da sie mit einer ganz gen auen Normative eine Kategorie von "scrvitori deI duca" (Diener des Herzogs) VOn der gewohnten Rechtsprechung und von traditionellen Beziehungsmustern loslösten nach denen das Gesellschaftsleben und dessen soziale Hierarchie geordnet waren. De; Herzog, der eine dezidiert anti-adelige Politik vertrat, war sich dieser Konsequenzen deutlich bewußt G• Auch wenn er sich weiterhin noch anderen Bereichen des Militär_ wesens zuwandte, ließ er es sich doch nicht nehmen, selbst eine Regelsammlung zu entwerfen, die sich sehr detailliert mit dem Ausbau der "milizia paesana" beschäftigte. Er hielt engen Kontakt zu Männern seines Vertrauens, die ausgeschickt worden waren, um die verschiedenen lokalen Gegebenheiten zu überprüfen, und er bediente sich der Erfahrung und der Mitarbeit von Ratgebern, um schließlich, nach der Versuchs_ phase', die Mechanismen der Erfassung und Aufgabenverteilung der aktiven Milizmitglieder zu definieren. Am 5.Juli 1566 wurde ein von dem Piacenzer Edelmann Giovanni Antonio Levo - der zum "sergente maggiore generale" der Miliz ernannt worden war - vorbereiteter Text zum Druck freigegeben, der ausführliche Regeln diesbezüglich festlegte, und der durch den Druckermeister Martin Cravotto in kurzer Zeit zur allgemeinen Kenntnisnahme gelangte 8 . Die "milizia paesana" hatte damit ein eigenes theoretisches Manifest und ein offizielles Statut erhalten. Der venezianische Gesandte Girolamo Lippomano erzählt, daß Emamlele Filiberto seine Barone von oben herab behandelte und, "per tenerli bassi dicendo di conoscerli insolentissimi" (um sie niederzuhalten, sagte, daß er sie als äußerst anmaßend kennengelernt habe) und "mai neanco Ii guarda[va) e se gli lassa[va) stare sempre avanti con berretta in mano" (sie niemals ansah und sie immer mit der Kopfbedeckung in der Hand vor sich stehen ließ). Vg!. Archivio di Stato di Venezia (im folgenden mit ASV abgekürzt) Kollegium, V, Secreta, Relazioni, b. 24, 1573, Savoycn, Relazione dcll'ambasciatore Girolamo Lippomano, Fo!. 7. 7 Vorn 29. Dezember 1565 stammt die Entscheidung einer Generalprobe (vg!. Ordine col quale il duca Emanuele Filiberto di Savoia manda ai comuni di procedere alla consegna delle persone alte al militare servizio e delle armi appresso de'medesimi esistenti, in: AST, Protocolli Notai Ducali, 2251., Fo!. 419), wenige Monate später folgt die Ordine col quale la duchessa Margerita di Savoia nella qualita di Luogotenente generale degli Stati manda alla militia della cittii di Torino di tenersi pronta al primo tocco di tamborro per passare la rassegna sotto il colonnello della medesima messer Giuseppe Caresana governatore della citta e cittadella di Torino (vg!. ebenda, 226, März 1566, Fo!. 207). 8 Levo, der schon zu den Zeiten der flandrischen Kriege im Gefolge Emallliele Filibcrtos gewesen war, erhielt seine Funktion als Experte der Milizorganisation in einern Patent vorn 1. Dezember 1564 offiziell bestätigt. Nachdem er sich einige Jahre mit dem Problem beschäftigt hatte, schickte er dem Herzog 1566 einen Plan zur Bildung einer Miliz aus 12000 Mann Fußvolk (vgl. Memoriale a capi umiliato al duca Emanuele Filiberto di Savoia dal cap. Giovanni Antonio LevO 6

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Zeitgenössische Chroniken und Zeugnisse sparten weder an schmeichelhaften Kommentaren noch an quantitativen Werturteilen, die auf den Erfolg der Miliz hinweisen. Giuseppe Cambiano aus Ruffia behauptete in seinem "Historico Discorso"9, daß die Antriebsfeder der Privilegien "diede occasione a molti fuori deI numero stabilito, a farsi descrivere in essa [milizia], armandosi a proprie spese, che radcloppio il numero 0 poco meno" (viele, die sich nicht in dem festgelegten Aufgebot befanden, veranlaßte, sich in diese [Miliz] einzuschreiben, wobei sie sich auf eigene Kosten bewaffneten, was deren Umfang fast verdoppelte). Andererseits war vorgesehen, daß die Privilegien die Zurückhaltung der Piemontesen besiegen würden: In einem Wechselspiel geistvoller Bemerkungen, das der Abfassung des "Discorso" von Levo vorausging, brachte Emal1Uele Filiberto den Wunsch zum Ausdruck, daß die Miliz vollkommen allS Freiwilligen gebildet werden sollte, "quale crede serano molti poichc ha interdetto il porto delle armi alli altri et quelli che haveranno cuore in corpo per non lassarsi privare da detto porto, qual molto aprcciano, spontaneamente daranno illoro norne" (von denen er glaubt, daß es viele sein werden, da er den anderen das Waffentragen verboten hat; und diejenigen, deren Herz daran hängt, sich nicht dieses besagten Waffentragens berauben zu lassen, das sie so sehr schätzen, werden freiwillig ihren Namen angebcn)lO Als er an Leonardo Dell'Rovere schrieb, seinen treuen Vasall, der mit der Überwachung der Milizaushebung in dem Gebiet von Chivasso beauftragt war, erläuterte er: "Sc da poi le mostre presc si presenteranno persone habili che richiedano essere inrollate nella milizia per goder de li privilegi d'essa ci contentiamo che siano accettati pur che vengano bene armati secondo gli ordini a spese loro proprie et non delle comunitil" (Wenn sich von nun an zu unseren Erfassungen fähige Personen melden, die fordern, fest in die Reihen der Miliz aufgenommen zu werden, um in den Genuß der damit verbundenen Privilegien zu kommen, so geben wir uns damit zufrieden, sie willkommen zu heißen, wenn sie gut bewaffnet sind, und zwar auf eigene Ko-

intorno ad alcuni particolari concerncnti la milizia colle risposte della prelodata S.A ... , 28. Mai 1566, in: ebenda, 226, Fo!. 203), der die Überarbeitung eines ersten Entwurfes vom vorausgegangenen Jahr gewesen war (vg!. Novo discorso dcl cap. Giovanni Antonio Levo da Piacenza su una militia di 10000 fanti ... , in: AST, Abtlg. 1, Militärangelegenheiten, Levata di Milizie, einmaliger Sonderkomplex). Der Plan wurde vom Herzog verabschiedet (vgl. Patenti colle quali il duca Emanuele Filibcrto approva il discorso fatto sopra la militia dal cap. Giovanni Antonio Levo di Piacenza sergente maggiore della milizia di S.A. e manda quello stamparsi, colle stampe di Marti no Cravotto con proibizione a qualsiasi altro stampatore di ristamparlo senza licenza della prelodata sA, 5.Juli 1566, in: AST, Abtlg. I, Protocolli Notai Ducali, 226, Fo!. 209) und daraufhin untcr folgendem Titel publiziert: Discorso dell'ordine et modo di armare, compartire et exercitare la milizia dei sercnissimo duca di Savoia. 9 Der Text Cambianos wurde zuerst in Turin im Jahre 1566 veröffentlicht und von erSt/re 5'1llino wiederaufgegriffen in: Historia Patriae Monumenta, Scriptores, I, Augustae Taurinorum 1840, 931-1422. 10 Er fuhr fort: "pero quando non succedesse se ne potra inrollare d'altri et de'piu et tanto nobili come ignobili" (falls dies aber nicht eintreten sollte, kann man andere aufnehmen, Fähigere und Adelige wie Nichtadelige) (vgl. die Antworten Emanuele Filibertos vom 31. Mai auf das Memoriale a capi umiliato ... dal cap. Giovanni Antonio Levo eil., in: AST, Abtlg. I, Protocolli Notai Ducali, 226, Fo!. 204).

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sten, wie es die Befehle besagen, und nicht auf Kosten der Gemeinden)ll. Veneziani_ sche Gesandte überliefern uns Zahlen: Boldu erklärte, daß schon 1561 "per i servizi del paese ascendevano a 24000, ma volendo condurli fuori, non passavano 8000 fanti" (für den Dienst innerhalb des Landes die Zahl der Fußsoldaten auf 24000 Mann ange_ stiegen sei, aber wenn man sie hinausführen wollte, nicht einmal 8000 Fußsoldaten übrigblieben). 1563 informiert Cavalli nur darüber, daß die Miliz an einem guten Punkt angelangt wäre. 1566 schätzt Correr die Anzahl der Männer in Piemont auf 15000, in Savoyen und Bressa auf 10000, von denen insgesamt mehr als die Hälfte fähig gewesen wäre, in den Kampf zu marschieren. 1570 zählt Morosini 16000 Fußsol_ daten in Piemont und 12000 in Savoyen. 1574 ermittelt Lippomano 20000 Mann Fußvolk für die beiden Gebiete, eine Zahl, die nach den Zeugnissen Molins 1575 und Zanes 1578 auf 16000 abgesunken war I2 . Abgesehen von den unterschiedlichen, jedoch erklärbaren Schwankungen, handelte es sich also um einen Erfolg, der sich auch in dem Gelingen der politischen Pläne Emanuele Filibertos widerzuspiegeln scheint und der zum Mythos und zu den Triumphen des wiederauferstandenen savoyischen Geschlechtes beitrug U Es stand dennoch außer Zweifel, daß diese "milizia paesana" nicht der harte Kern der militärischen Organisation des Herzogtums Savoyen werden würde: Die Ausrich_ tung auf "Ordonnanzen", das heißt auf die Heranbildung von Berufssoldaten, die beachtliche und teilweise überwiegende Gegenwart italienischer und anderer Söldner in den Reihen der Piemontesen, die Zweideutigkeit des Begriffes "milizia" in offiziellen Dokumenten, der immer allgemeiner bei der Bezeichnung von Dingen und Problemen, die den Krieg betrafen, angewendet wurde, und die Nichterwähnung von einfachen Untertanen und Gemeinden in den Militärchroniken als Inhaber führender Positionen, ließen im Gegenteil ein Scheitern der ersten Erfahrung oder aber ganz einfach eine Änderung der Anweisungen von seiten der savoyischen Herrscher vermuten. Eine plausible Erklärung wäre es andererseits, das Mißlingen der "arme proprie" als notwendige Folge der absolutistischen Politik der Fürsten zu betrachten, die sich im allgemeinen auf den Einsatz von Söldnertruppen stützte, welche jeweils direkt im Solde dieses oder jenes Herrschers standen, und somit dem Einfluß der verschiedenen lokalen Führungsschichten entzogen waren. Letztendlich ist nicht zu leugnen, daß sich auch im Fall Piemonts Analogien und Überschneidungspunkte mit einem solchen Verlauf ergeben haben. Es entspricht ebenfalls der Wahrheit, daß eine Reihe von Hinweisen zu dem Verdacht berechtigt, daß in diesem Fall die Abläufe weniger linear II Istruzione data dal duca Emanuele Filiberto di Savoia al Signor Leonardo Della Rovere dei Signori di Vinovo, governatore di Chivasso e veedore generale di milizia nel procedere alla mostra della milizia, 6. Oktober 1566, in: ebenda, Fo!. 257. 12 ASV, Kollegium, V, Secreta, Relazioni, b. 24. 13 Über die zeitgenössischen Hagiographen hinaus bestanden bei den Historikern, die sich nachfolgend mir diesen Problemen beschäftigten, keine Zweifel über die Deutlichkeit und Folgerichtigkeit der Erfolge Emanuele Filibertos: vg!. G. Galeani Napione, Notizie storiche riguardanti la milizia istituita dal duca Emanuele Filiberto di Savoia e la monetazione ordinata dallo stesso principe nel 1562 (Turin 1821); E. Scala, Le istituzioni militari sabaude nei secoli XV e XVI (Parma 1921); N. Bmnmccio, L'esercito dei vecchio Piemonte (Rom 1923); den., Ordinamenti militari, in: AA.VV., Ernanuele Filiberto (Turin 1928).

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und einfach waren. Es würde sich hier also nicht um bloße institutionelle Mechanismen im Wechsel oder in der Aufeinanderfolge handeln, sondern um soziale Verhältnisse mit der Tendenz, sich nach bestimmten Interessen auszurichten, Interessen, die weniger deutlich waren, als die Abstraktionen über den fürstlichen Absolutismus oder über die Reaktion des Adels dies im allgemeinen vermuten ließen. Noch viele Jahre lang fuhren die Herzöge fort, auf die allgemeine Bewaffnung zu setzen und die Vergabe von Privilegien für die Mitglieder einer nunmehr vermeintlichen "milizia paesana" zu definieren. Während in den frühen siebziger Jahren des 16.Jahrhunderts die Reaktion des Volkes positiv gewesen zu sein scheint, füllten sich fast dreißig Jahre später ganze Bände, die in signifikanter Weise "bollette spedite dai delcgati pella riforma di questa [milizia] a quelli che non han voluto arruolarsi per cui pagarono una moneta" (Rechnungen, die von den Beauftragten einer Milizreform an diejenigen geschickt worden waren, die sich nicht in die Listen eintragen wollten und deshalb eine Summe bezahlen mußten)14 registrierten. Gegen Ende des Jahrhunderts, mitten im Krieg gegen Frankreich, regten sich die engsten Mitarbeiter Carlo Emanuelc I. über eine Miliz auf, in der es nur Offiziere zu geben schien, die aber dennoch weiterhin einen konkreten Bezugspunkt in der savoyischen Militärorganisation darstellte l5 . Daß dies auch für die Zukunft gelten müsse, zeigte sich daran, daß noch 1615 Kommissare für die "Ievata di milizia" (Aushebung der Miliz) vorgesehen waren und diese - hier im Gegensatz zur früher üblichen Praxis - gehalten waren, "ogni rigore necessario contro gli inobedienti e fuggitivi" (jede notwendige Strenge gegen Ungehorsame und Flüchtige) anzuwenden. Allerdings verfügten sie auch über die "autorita" (die Ermächtigung), "di poter accordare in danari quelli che per lor bisogni desideraranno piu tosto pagare che venire a presidiare" (diejenigen von Geldzahlungen zu befreien, die wegen eigener Angelegenheiten lieber zahlten, als eingezogen wurden)16. Mit anderen Worten, die Miliz zeigte sich nun, obwohl sie noch nicht vollständig verschwunden war, in einem ganz anderen Licht als in den offensichtlich problemlosen Jahren unter Emanuele Filiberto. Immerhin aber blieb die "Idee" einer Miliz in Form der Bewaffnung und Einberufung der Untertanen auch weiterhin bestehen. Man sollte eine Interpretation für falsch erklären, die in den "arme proprie" und dem Söldnertum zwei notwendigerweise alternative Systeme sieht. Völlig abwegig ist es auch, die Frage zu stellen, ob eine andere Lösung für den "stato moderno" besser oder funktioneller gewesen wäre. Gerade in Piemont traten diese zwei Formen der militärischen Organisation nebeneinander auf, und wenn die Anwerbung von Söldnerheeren auch immer von der Entscheidung des Fürsten abhing, so war es doch auch seinem Willen zu danken, daß ein Überleben der Miliz garantiert wurde, unabhängig von der Entscheidung, sich auch, oder überwiegend, der Söldner zu bedienen. Gründe AST, Abtlg. III, Archivio Camerale, Art. 334, Milizia nuova, um 1600. AST, Abtlg. I, Rechtsangelegenheiten, Rappresentanze e pareri dei Consigli di Stato dei Piemonte, Monferrato e Nizza (1514-1655), M.l: Lettera di Don Filiberto di Ceva al Consiglio di Stato, 13. November 1597; Lettera dei governatore Giuseppe di Ruffia al Consiglio di Stato, 30. November 1597. 16 Memorie per I'ordine da farsi per la rifforma delle milizie di Nizza, in: AST, Abtlg. I, Militärangelegenheiten, Levata di milizie, einmaliger Sonderkomplex. 14

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für die scheinbaren Erfolge und die späteren, mehr indirekten Mißerfolge der "milizi paesana" sind anderswo zu suchen, nämlich in dem Gewirr der Beziehungen zwische a dem Herzog und den verschiedenen sozialen Gruppierungen. Etwas substantiell ande~ res hatte sich gegen die Absichten dieser Gruppierungen herausgebildet oder behin_ derte diese Gruppierungen zumindest, zwang sie zu Berichtigungen, auch zu Wider_ sprüchlichen Handlungen, die bestenfalls für die Art und Weise des gemeinsamen Auftretens und der Vereinbarkeit von Söldnern der verschiedensten Sorte und der Untertanenmiliz bedeutungsvoll waren. Da es auf Grund der Gegebenheiten auf kei_ nen Fall möglich gewesen wäre, von einem Vertrag mit Fremden abhängig zu sein wie es ein mit Söldnern geschlossener Vertrag gewesen wäre, befand sich der Rei~ bungspunkt, der die zumindest diskontinuierlichen Entwicklungen ausgelöst hatte, innerhalb der Mechanismen selbst, die zur Aufstellung der Miliz führten. Sicherlich konnte das, was der venezianische Gesandte über die Einwohner Savoy_ ens gesagt hatte, nämlich daß sie kein Volk waren, "abile a maneggiar le armi ne a difenderla [la Savoia] quando ben ogni casa fosse un forte ... i duc terzi dei villani nati a governar armen ti e non atti a ricever disciplina alcuna" (das weder fähig war zur Handhabung von Waffen, noch dazu, es [Savoyen] zu verteidigen, obgleich fast jedes Haus einer Festung gleicht ... und zwei Drittel der Bauern dazu geboren sind, Herden zu führen, aber nicht fähig sind, irgendeine Disziplin zu akzeptieren)l7, auch auf die Piemontesen bezogen werden. Man sollte aber auch den unterschiedlichen Grad der "Zivilisierung" der piemontesischen Gesellschaft berücksichtigen: Der Krieg, bevor er zu einem Faktum heldenhafter Betätigung wurde, das die Erhebung in den Adelsstand, die Erhaltung des Kulturgutes und die Verfestigung der sozialen Hierarchie nach sich zog, war für einen Großteil der Bevölkerung ganz einfach eine Erfahrung, die es zu vermeiden galt, sei es, weil es sich um die aktive Teilnahme oder das passive Erdulden handelte. Nicht zufällig wird der Krieg auch in offiziellen Dokumenten mit einem der schlimmsten Unheile verglichen; alleine der Durchzug eines Heeres, und noch nicht einmal die Schlacht selbst, die selten bewohnte Zentren einbezog, war eine Heimsuchung: "se occoresse peste, guerra, 0, vero, allogiamento dei soldati nel paese che Iddio ne guardi che in tal caso la cittil et suo distretto siano liberi" (sollte Pest herrschen, Krieg oder auch die Unterbringung von Soldaten in der Gegend, so walte Gott, daß in einem solchen Fall die Stadt und deren Umland befreit sind), Steuern zahlen zu müssen "almeno per eI tempo che durera tal infortunio" (mindestens für die Zeit, solange dieses Unglück dauert), so beschworen die Einwohner von Vercelli l8 Auch Offiziere und Soldaten des piemontesischen Heeres auf Durchzug verursachten die größten wirtschaftlichen und logistischen Probleme: Sie mußten mit Wein und anderen Lebensmitteln versorgt und in Häusern untergebracht werden - wobei der militärische Rang genau berücksichtigt werden mußte -, und dies alles im Tausch gegen eine

17 ASV, Kollegium, V, Seereta, Relazioni, b. 24,1573, Savoycn, Relazione dell'ambaseiatorc Girolamo Lippomano eil., Fo!. 6. IS Memoriale al serenissimo duca di Savoia per la sua fidellissima eitta di Vereelli. 20. Januar 1562, in: AST, Abtlg. I, Protocolli Notai Ducali, 224 ff., Fo!. 27.

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Miete, die nie bezahlt wurde l9 . Häufig war eine gesamte Region damit beschäftigt, den unglücklicherweise als Gastgebern ausersehenen Gemeinden nach besten Kräften bei der Verpflegung zu helfen. Es gab keine Möglichkeit, sich diesen Verheerungen zu entziehen: Für den Fall "che in detti luoghi non si trovi fieno abbastanza almen per un quattro 0 sei giorni" (daß sich in den besagten Orten nicht genügend Heu für mindestenS vier oder sechs Tage findet), so besagt ein mehr als aufschlußreicher Befehl "conver ra che le comuni di Condove, Frassinere, Cele, Chiavrie e Novaret ne trovino et 10 conduchino subito ne sopradetti luoghi sotto pena di sofft'ir esse I'alloggio di detta cavalleria" (ist es abgemacht, daß die Gemeinden von Condove, Frassinere, Cele, Chiavrie und Novaret dieses auftreiben und sofort zu den angegebenen Orten bringen, bei Androhung, daß andernfalls sie selbst die Unterkunft für die besagte Kavallerie stellen müßten)20 Gehörten die Truppen einem feindlichen Heer an, blieben nur noch verzweifelte Proteste und dramatische Zeugnisse: Öl, Honig, Nüsse, das wenige Geld, Leintücher, Hemden, Töpfe, Betten, Stühle, Karren, Werkzeuge und Vieh, oft der ganze Reichtum eines Dorfes wurden geplündert oder zerstört. Der Wein, der nicht auf der Stelle getrunken werden konnte, wurde auf dem Heuboden ausgeleert, die Dachböden wurden eingeschlagen, die Ställe verwüstet, die Eingangstüren aus den Angeln gehoben 21 . Aber das war noch nicht der Höhepunkt. Dieser wurde während der jährlichen Lager erreicht, wenn die Herzöge zur Überprüfung alle ihre Truppen versammelten, um Stellen besetzung, Ausrüstung und Ausbildung zu kontrollieren. In den Unterkünften wurden "ogni sorte de sceleratezze et infamie quale da barbari non pure se le imaginariano" (jede Freveltat und Infamie auf jede unvorstellbar barbarische Weise) begangen, und der traurige Normalfall waren "sforzi di donne, latroncinij, sacrilegi sino al rubar le sacre chiese, assasinar" (Vergewaltigung, Diebstähle und Sakrilege, die bis zum Kirchenraub reichten, und Totschlag), ausgeführt von Fremden, Kameraden oder sonstigen Personen 22 . Im Grunde führte der Krieg zu einer Zerstörung der Sitten und zu materieller Verarmung; darüber hinaus war er ein Betätigungsfeld für entgleiste und am Rande der Gesellschaft lebende Existenzen. Das gibt auch der Statt19 AST, Abtlg. III, Archivio Camerale, Art. 816, Suppliche, lettere, copie di patenti, biglietti instrumenti, osservatorie, memorie, calcoli et carte diverse riflettenti il demanio, feudi, acque, comunita, particolari, forti et cose militari, 1338-1742, M 2, Memoriale della citta di Asti [1633]. 20 AST, Abtlg. III, Al'chivio Camerale, Art. 692, Biglietti ducali e regi della commissione di goycrno e di quella esecutiva dei Piemonte dirette alla Camera, al magistrato straordinario, alli senati di PiemoI1te e Nizza, alli consiglio et delegati sovra le cose di guerra et altri, R. 2, Konzept ohne Zeitangabe [aber etwa um 1630], Fo!. 292. Im selben Ton ist etwa zwanzig Jahre später ein anderer Befehl abgefaßt, in dem der mit der Organisation der Unterbringung Beauftragte angehalten wird, "virilmente a compellere e astringere le sudette comunita in persona de'loro sindaci, consiglieri, agenti et particolari" (die untergebenen Gemeinden in Person der Bürgermeister, Räte, Agenten und Privatpersonen mannhaft anzutreiben und zu bezwingen) (vg!. ebenda, 17. Mai 1655, Fo!. 466). 21 AST, Abtlg. III, Archivio Camerale, Art. 472, Atti di visita per danni diversi patiti dalle comllnita, M. 2, Dorzano, 23. Januar 1662; und noch: Atti di visita con somptione d'informazione per Ii danni patiti per la comllnita et uomini di Moncrivello dall'armata spagnola inimica e dalla soldatesca di S.!\. serenissima "., 1618. 22 AST, Abtlg. III, Archivio Camerale, Art. 334, Militia nllova, 1592. Discorsi d'Honorato Firofini alcssandrino intorno a riformar la militia.

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halter von Turin, Leonardo Della Rovere, zu: Nachdem seit einigen Monaten der Sold zur Bezahlung der Soldaten ausgeblieben war, wurde es "difficil cosa, an ci impossibi[ ritener quell i che [avevano] altro modo di vivere" (schwierig, sogar unmöglich, diejen'~ gen zurückzuhalten, die noch einc andere Lebensmöglichkeit hatten), so daß die eioz~_ l gen, die noch im Heer verblieben, "solamente li miserabili et L]uelli" (nur Schurke und jene) waren, die "ripararsi altrove" (woanders weder Schutz suchen WOllten noc~ konnten)25 Aber die Miliz hätte diese Zustände vielleicht sogar beheben können. Auf jeden Fall war für sie ein ganz anderes Verhalten vorgesehen, als es die schreckenerregencle und schändliche Soldateska an den Tag legte, die Ländereien und Dörfer heimsuChte. Für die Mitglieder der Miliz wurde auf eine Vereinbarkeit von militärischer Betätig uo und jahreszeitlich bedingter landwirtschaftlicher Arbeit Rücksicht genommen 24 . E~ waren, oder sollten, Untertanen sein, die zur Teilnahme an der Miliz ausgewählt WUrden, so daß für sie das ansonsten nicht übliche Privileg gelten konnte, wonach sie Weder andere Soldaten beherbergen, noch selbst in einem der anderen militärischen Aufgebote dienen mußten 2 ,. Es entsprach aber auch der Wahrheit, daß nebensächliche Folgen des Krieges ausschlaggebend sein konnten für eine gewisse Zurückhaltung gegenüber einer wie auch immer gearteten militärischen Tätigkeit. Es bleibt eine Tatsache, daß in Zeiten nach einem Friedensschluß, in dem die Erinnerungen an die Grausamkeiten des Krieges noch frisch waren, die Miliz ihren größten Impuls erhielt, und sich sogar als Element sozialen Fortschritts darstellte. Sowohl die Herzöge wie auch ausländische Beobachter und Chronisten glaubten, daß die Privilegien das auslösende Moment für den Eintritt in die Miliz waren, und der Austausch von "Gefälligkeiten" und "Diensten" zwischen Fürst und Untertanen wirkte wie der Einsatz beim Spiel. Vielleicht kann man einige Hinweise auf die Unvollkommenheit bzw. die kontroverse Entwicklung der "milizia paesana" gewinnen, wenn man bei einer Abweichung von den Gewohnheiten beginnt. Einige der neuen Sonderrechte tendierten dazu, den mit militärischen Funktionen betrauten Untertanen von allen anderen Personen zu unterscheiden. Er konnte z. B. jede Art defensiver oder offensiver Waffen tragen, mit Ausnahme von Pistolen und Armbrüsten, die weniger als drei Spannen maßen, und dies zu jeder Zeit und überall. Durch den Vorteil der Immunität für Vergehen, die in Zusammenhang mit dem Militärdienst standen, und AST, Abtlg. I, Lettere Particolari, R, M. 63, Leonardo Della Rovere al Duca, 1573. Die Aufmerksamkeit, die schon in Levos "Discorso" deutlich wird ("Per esercitarli all'ordini s'han\ risguardo atempi, luochi et stagioni ... " (Beim Exerzieren muß man Wetter, Orte undJahreszeiten berücksichtigen ... ) (vgl. AST, Abtlg. I, Militärangelegenheiten, Levata di milizie, einmaliger Sonderkomplex, Novo discorso cit.)), wird später formalisiert, als die Befreiung auf Abzahlung es ermöglichte, mit klaren Worten zu präzisieren, daß "nella descrittionc si havera risguardo ai Massari i quali quando siano soli vogliamo ehe paghino uno chc vada a luogo loro" (bei der Einschreibung die Bauern berücksichtigt werden sollen, die, wenn sie alleine stehen, nach unserem Willen, eincn bezahlen sollen, der an ihrer Statt gehe) (vgl. ebenda, M. 1, Nr. 3, Istruzione del Duca Vittorio Amedeo l. al suo consigliere die Stato e veedore generale Giovanni Battista Gab~­ leone pello nuovo stabilimento della milizia nelle provincie di cuneo, Mondovi, Fossano e SavtgHano, [April 1633]). 25 Vgl. Edit de SAS. portant diffcrens privileges cit. 2J

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durch die Klausel, daß die richtende Gewalt immer aus einer militärischen Jury bestehen mußte und aus keinem anderen Richter oder Magistrat, unterschied sich die Position des Milizangehörigen von jeder anderen. Damit lassen sich auch Mikroorganismen neuer Schiedsformen im ebenfalls neuen Zeichen der herzoglichen Vormacht erkennen. Ein Mitglied der Miliz konnte niemals der Folter unterworfen werden, ausgenommen bei grausamen Verbrechen, und es konnte wegen Schulden oder anderer ziviler Vergehen weder festgenommen noch eingesperrt werden, und seine Güter durften nicht beschlagnahmt werden. Mußte es dennoch einen Teil seines Besitzes herausgeben, so konnte dies nur in Übereinstimmung mit den Bestimmungen des kanonischen Rechtes geschehen, unter Aufhebung sämtlicher lokaler und allgemeingültiger Statuten, Gesetze oder Gewohnheiten. Verspätete sich der Milizangehörige bei der Zahlung einer Geldsumme oder entsprechender Zinsen, so mußte er sich weder steuerlichen noch andersgearteten Strafen unterziehen. Um vollständig von jeglichen gemeinschaftlichen oder verwandtschaftlichen Pflichten befreit zu sein, fehlten lediglich ein paar Sonderrechte: Die Möglichkeit, sich den Aufgaben in der Gemeindeverwaltung entziehen zu können, sich von Vormundschaften und Pflegschaften für Mündel und Minderjährige sowie von der Verwaltung von deren Gütern befreien zu lassen. Zusammen mit dieser geplanten und dann zugestandenen Immunität war dem Milizangehörigen vom Herzog die Garantie gegeben, gegen andere Dorfbewohner, Nachbarn und mehr noch, gegen Notable und Grundbesitzer geschützt zu sein. Dieser Katalog wurde durch ein spezielles Privileg vervollständigt, das den Mittelweg zwischen dem Zwang zu einem Dienst und der Autonomie des Adels auch nach außen hin sichtbar machte: Alle, die sich in die Listen hatten eintragen lassen, konnten Kleider und Besatz tragen, was sonst üblicherweise zur Unterscheidung der Personen von Rang diente 26 . Natürlich konnten sich die unteren Schichten der piemontesischen Gesellschaft der Verlockung eines solchen Angebotes nicht entziehen. Aber auch alle anderen Mitglieder der Gesellschaft, die über einen gesicherten Platz in der festgefügten Hierarchie verfügten, erhoben gegen derart radikale Eingriffe Einspruch. Es war eine Kraftprobe, die zumindest anfänglich geradezu vorschriftsmäßig ablief. Emanuele Filiberto hätte vorgegebene Bündnisse und Ordnungen nur dann erschüttern können, wenn er deren soziale Grundlagen aufs Spiel gesetzt hätte. Aber genau das ist es, was diese Zweigleisigkeit begreifbar macht, was das Nebeneinander von Privilegienerneuerung und Aktionen für eine Milizreform über einen langen Zeitraum hinweg möglich gemacht hat. Die Erweiterung der Privilegien war notwendig, um die Sensibilität der bürgerlichen Schichten gegenüber der Initiative des Herzogs wachzuhalten und zu verstärken. Daraus ergab sich das Drängen nach einigen besonders reizvollen Sonderregelungen: Als 1570 die "milizia paesana" um einige Kompanien "celade", das heißt leichte Reiterei, vergrößert werden sollte, wurde diesen Reitern zugestanden, auf die Jagd zu gehen "con cani sparvieri e astori" (mit Hunden, Sperbern und Habichten), überall, mit Ausnahme der Gebiete, die "riservati alla recreazione" (reserviert für die Erholung) des Herzogs waren, und "quelli ancora ne i quali" (in denen) die Lehensmänner des Her26

Ebenda.

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zogs "investiti nelle caccie" (mit dem Jagdrecht ausgestattet) waren. Und obwohl offen_ sichtlich eine Person, die sich, mit Waffen und Pferd ausgestattet, gemeldet hatte nicht arm sein konnte, genoß sie außer den üblichen Privilegien auch noch einen ge~ sicherten Sold im Krankheitsfall. "Non solamente il soldato, ma ancor la moglie Vestir ogni sorte di setta, portal' berrette con oro e piume a loro piacere" (Außerdem konnte nicht nur ein Soldat, sondern auch noch dessen Ehefrau jede Art Seide tragen und Mützen mit Gold und Federn, ganz wie es ihnen beliebte). Und nachdem ein solcher Soldat "honoratamente cinque anni continui" (fünf aufeinanderfolgende Jahre ehren_ haft) gedient hatte, konnte ihm "venendo al duello der diffesa deI honor suo essere fiffutato da persona nobile" (von einer adeligen Person ein Duell zur Verteidigung seiner eigenen Ehre nicht verweigert werden)27 Carlo Emanuele bestätigte schon in den ersten Monaten seiner Regierung diesen Vertrag mit seinen Untertanen 28 Nach weni_ gen Jahren kam er darauf noch einmal zurück, wobei er Qualität und Quantität der Zugeständnisse an die Milizmitglieder ausweitete und Strafen gegen diejenigen verschärfte, die es gewagt hatten, sich dieser Privilegien unberechtigterweise zu bedie_ nen 29 . Diese Haltung behielt er bis zum Ende seiner langen Regierungszeit an der Spitze des restaurierten savoyischen Staates bei, wobei er darauf bedacht war, seine treuesten Untertanen von der Zahlung von Fracht- und Fährabgaben sowie von Zöllen zu befreien, sie nach besten Kräften vor der zivilen Rechtsprechung zu schützen, ja sogar ihre Bewegungsfreiheit gegenüber der eigenen Familie auszudehnen, indem er die Aufhebung der gewöhnlichen testamentarischen Praxis zugestand. Er schuf damit eine neue soziale Kategorie, die der Miliz einen falschen Hauch von Adel verlieh Jo • Eindeutig waren natürlich die Antworten der niedersten Schichten der piemontesischen Gesellschaft auf diese Verlockungen, die sich schon zwischen den Zeilen der Verordnungen erkennen ließen, mit denen der Herzog in unregelmäßigen Abständen die Reform der Miliz befahl. Wie der Ausdruck "Reform" nicht immer auch eine Änderung bedeutet, sondern im ursprünglichen Sinn Neuordnung meint, so stellt sich die Situation auch für die Miliz dar: Der Herzog drang zwar auf die Bildung einer militärischen Organisation, die auf sozialem Gebiet destabilisierenden Charakter haben sollte; dieser Organismus konnte, bis auf anfängliche Erfolge, jedoch nicht fortbeste-

17 AST, Abtlg. I, Militärangelegenheiten, Levata truppe ncl paese, M. 1, Nr. 2, Minute di patenti dei duca Emanuele Filiberto di concessione di varij privilegi a favore della compania delle ce linde, ossia di cavalleria leggiera paesana, 11. April 1570. Schon vor diesem Patent hatte Emanuele Filiberto 1566 dieses Thema angesprochen (vgl. AST, Abtlg. I, Protocolli Notai Ducali, 231, Conferma di tutti i privilegi, immunita ed onori concessi alla milizia paesana, 24. Januar 1566, Fol. 53). 18 Vgl. Lettere patenti di S.A. colle quali dichiara di quali privilegi debbano godere i soldati della sua milizia, 1. September 1582, in: DlIboin, Raccolta per ordine di materia delle leggi, 798-801. 19 Vgl. Edit de S.A.S. qui accorde pltlsieurs priviICges et franchises aux soldats de sa milice, 10. September 1585, in: ebenda, 802-805. 30 Es folgten aufeinander: Ordine di S.A. portante la riforma generale della milizia paesana, con concessione di varii privilegi e ripartizione dei numero de'soldati per ogni comune, 15. Mai 1594; Ordine di S.A. col quale si concedono nuovi privilegi alla milizia, Juni 1595; Ordine di S.A. por: tante una nuova riforma della milizia paesana con concessione di nuovi privilegi tanto agli ascnttI ad essa, ehe ai soldati di ordinanza, 15. Januar 1603 (Alle jeweils gesammelt in: ebenda, 805-820).

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hen. Mit der Zeit zeigten sich Auflösungserscheinungen, die gleichzeitig das Problem einer Neuordnung aufwarfen. Ob unterschwellig oder offensichtlich, die durch die "levata di milizia" (Aushebung der Miliz) ausgelösten Entwicklungen waren vielfältig und von verschiedenster Art. Sie glichen in ihren Formen den Forderungen der unterschiedlichen sozialen Schichten im Moment der Entstehung eines autokratischen und bürokratischen Staates. Es gab drei alles andere als schwache Tendenzen, die eine dauerhafte Einrichtung der "milizia paesana", so wie sie von EmaI1l1ele Filiberto geplant worden war, in Frage stellten: Der Versuch, betrügerischerweise die Privilegien auszunützen, die der Miliz vorbehalten waren; die Forderung nach einer Ausdehnung dieser Vorrechte auf andere entstehende und konkurrierende Gruppen von "Dienern" des Staates; die Sinnentleerung und der Wirkungsverlust dieser Privilegien. Das alles führte zu "Mißbrauch" und Unregelmäßigkeiten, den einzig sicheren Instrumenten zur Schwächung und zur Infragestellung jeder Abmachung. In der Tat hatte ausgerechnet die Regelung des Waffentragens, mit allen seinen begünstigenden Bedingungen für die Milizteilnehmer, und den Einschränkungen für die übrigen eine hohe Sensibilität im Volk hervorgerufen, so wie es die Absicht Emanuelc Filibertos gewesen war. Nur war dieser sich nicht über die Gleichgültigkeit der meisten Untertanen gegenüber dem Militärdienst im klaren, welche die Waffen gleichzeitig als Arbeitsgerät und Auszeichnungsmerkmal betrachteten. So bedeuteten die Waffen zum Beispiel ein entsprechendes Mittel, das eigene Elend durch Einschüchterung anderer oder ganz einfach durch die Möglichkeit zum Jagen meistern zu können. Waffen stellten darüber hinaus ein Geschäft dar: Man konnte sie verkaufen. Noch 1562 bat Monsignor di Boglio aus dem Umland von Nizza den Herzog, einige Vertrauenspersonen "deputare" (zu bestimmen), die "per ogni terra" (für jedes Gebiet), "cura et avertenza" (Sorge und Aufmerksamkeit) tragen sollten, "che gli inrollati (damit die Eingeschriebenen) ihre "gl'arme" (Waffen) nicht verkauften: Besagte Vertrauenspersonen sollten imstande sein, zu veranlassen, daß diese Leute "star con esse ad ordine et presti per servirsene in ogni occasione" (nach Befehl und Notwendigkeit bewaffnet wären, um sich ihrer [der Waffen] auch zu anderer Gelegenheit bedienen zu können)31. Es sollte eine Person aus dem Volke sein, die als Vermittler zwischen Soldaten und Offizieren fungierte, besonders von dem Moment an, als auch die Offiziere nicht mehr über jeden Verdacht erhaben waren. Es waren nämlich oft die Offiziere, die eine Verständigung mit den entrechteten, aus der Bahn geworfenen oder alleinstehenden Soldaten suchten, um aus Betrug Geld zu machen. Es reichte, daß sich einige dieser Offiziere mit wenigen Gaunern zusammentaten, und das Spiel war gelaufen: Die Reihen einer unvollständigen Kompanie wurden aufgefüllt, und jedesmal, wenn eine "Schau", eine Prüfung oder Kontrolle durch vom Herzog geschickte Offiziere stattfand, wurde eine Reihe dieser sogenannten "passevolants" damit beauftragt, von der einen Kompanie zur anderen zu gehen, um beim Appell Antwort geben zu können, so als wären die Reihen tatsächlich besetzt. Der kommandierende Offizier JI Memoriale a capi umiliato dal Signor di Boglio governatore della citta e contado di Nizza a S.A. in rigllardo all'esercizio della Slla carica e ad alcllni abusi introdottisi a pregilldizio della medesima ... , 3. September 1562, in: AST, Abtlg. I, Protocolli Notai Dllcali, 224 H., Fol. 190 v.

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konnte dann die Besoldung für eine komplette Kompanie einkassieren und den Üb er _ schuß in die eigene Tasche stecken, mit Ausnahme eines geringen Anteiles für dieje_ nigen, die ihm diesen kleinen Dienst erwiesen hatten. Was als Betrugsmöglichkeit für Personen entstanden war, die von verschiedener Warte aus ihr Leben unter anderem mit solchen Notbehelfen fristeten, wurde im 16. Jahrhundert zu einer wahren Heim_ suchung für viele europäische Heere. Schon 1566 mußte dieses Phänomen beunruhi_ gende Ausmaße angenommen haben, da Emanuele Filiberto drohte: "che nessuno ardisca venir in dette mostre, ne presentarsi per passavolante ne in altrui nome 0 con altrui arme sotto pena della galera" (daß es niemand bei Androhung der Kerkerstrafe wage, zu den genannten Schauen zu kommen oder sich als "passavolante" zu präsen_ tieren, weder unter anderem Namen, noch mit fremden Waffen); er fügte darüber hinaus noch hinzu, daß "vinti scudi a chiunque li rivellera" (zwanzig Scudi an jeden, der diese entlarven werde) ausbezahlt würden, und zwar "prontamente dal nostro tesoriere Parella" (sofort von unserem Schatzmeister Parella), mit der Garantie, daß die Zuträger und deren Anzeigen "tenuti secreti" (geheim gehalten) würden 32 . In den "Lettere pa. tenti" von 1582 schrieb Carlo Emanuele, daß "per levar gli abusi che si potrebbero commettere sotto pretesto di detti privilegi" (um die Mißbräuche zu beseitigen, die unter dem Vorwand genannter Privilegien verübt werden können), es strengstens verboten sei, daß "alcuno" (irgendjemand) sich "arruolar sotto altro capitano eccetto quello qual ha la compania dove abita il soldato senza espresso ordine nostro" (ohne unseren ausdrücklichen Befehl unter einem anderen Hauptmann einschreiben [kann], als unter dem, der die Kompanie [des Ortes] unter sich hat, wo der Soldat wohnt), und dies natürlich immer unter der Voraussetzung, daß er "arme ... da sc proprio" (seine eigenen Waffen) hätte 33 . Das Edikt von 1585 bestimmte genauer, daß jeder Offizier "les soldats l'un apres l'autre par nom et surnom" aufrufen müsse, und daß diese ihnen allgemeine Angaben über verschiedene Funktionen machen müßten "afin que ne se commette abus entre ceux qui devroient jouir des privileges de la milice"34 Mit anderen Argumenten versuchte Onorati Firofini einige Jahre später, 1592, diesem Phänomen, das alles andere als verschwunden war, zu begegnen. Er riet, Offiziere aller Dienstgrade besser zu besolden, "accio ehe con essa [provvigione] se possano mantener con luor dignita et reputatione levandosi dal animo ogni pensiero de rubbar gli 501dati ne de passar passavolanti, ma di coraggiosamente servir per conquistar gloria et honore" (so daß diese durch sie [die Vergütung] in Ehre und Anstand leben, ihr Herz von den Gedanken an die Beraubung der Soldaten und das Herumschicken der "passavolanti" befreien und dann tapfer dienen können, um Ruhm und Ehre zu erwerben)35. Aus dem Bestreben heraus, die Situation in den Griff zu bekommen, erklärte Istruzione data dal duca Emanuele Filiberto di Savoia al signor Leonardo Della Rovere eil., in: 226, Fol. 257. 3J Lettcre patenti eit. (vgl. Anmerkung 28) 799. Noeh 1604 gab es eine besondere Ordine di S.A. ehe proibisee ai eapitani della milizia di aeeettare soldati salvo ehe siano cle' luoghi loro assegnatl, 23.Januar 1604, in: ebenda, 821. 3·1 Edit cle S.A.S. eit. (vgl. Anmerkung 29) 804. 35 AST, Abtlg. III, Archivio Camerale, Art. 334, Militia Nuova, 1592, Diseorsi d'Honorato Firofini eit. J2

ebend~

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der Herzog 1594, daß es "in facolta ne delli colonnelli, ne delli capitani di licentiar 0 commutar alcuno deli i soldati descritti senza espressa licentia del generale dell'infanteda 0 del veedore generale" (weder in der Macht der Obersten noch der Hauptmänner (stehen dürfe], irgendeinen der eingeschriebenen Soldaten ohne ausdrückliche Zustimmung des Generals der Reiterei oder des "veedore generale" zu entlassen oder auszutauschen)36. 1636, nachdem viele Jahre vergangen waren, und die "milizia paesana" nur noch Erinnerung war, und nachdem sich auf Grund dutzendweiser aufeinanderfolgender Verordnungen neue und kompliziertere Mechanismen zur Regelung der Einschreibungen gefestigt hatten, wurde müde die Anweisung wiederholt "che gli soldati siano ben armari e ehe gl'uni non servino per gl'altri" (daß die Soldaten gut gewaffnet sein sollen, und die einen nicht für die anderen dienen sollen)37. Das Phänomen hatte demnach schon sehr früh eine geradezu "natürliche" Dimension angenommen. Sehr viel heimtückischer präsentierte sich dagegen die unvermittelte Spannung zwischen den von der "milizia paesana" hervorgerufenen Hierarchien und den Hierarchien, die durch andere Strukturen des entstehenden Staates, die ebenfalls die Neuordnung der Beziehungen zwischen dem Herzog und Untertanen zum Inhalt hatten, ausgelöst wurden. Das Problem hatte, wie man im folgenden noch sehen wird, eine ganz andere Tragweite, aber es war schon daran als heikel zu erkennen, wie es die Besonderheit dieser "Gesellschaftsverträge", welche die Privilegien andeutungsweise garantierten, störte. Halten wir uns zum Beispiel an die Frage des Waffentragens: Hatte sich die Miliz in irgendeinem Ort konstituiert, so kam es, daß die vom Herzog mit der Führung betraute Person das Tragen von Waffen denjenigen, die sich eingeschrieben hatte, erlaubte, und es den übrigen verbot. Daraufhin geschah es, daß die Richter der "vicarie" alle Personen freiließen, die sie zuvor wegen unerlaubtem \"\faffentragen eingesperrt hatten. Ohne direkt einzugreifen, demonstrierte die Gerichtsbarkeit die Fragwürdigkeit dieses den Milizangehörigen zugestandenen Privileges. Bei einem Fall, der sich 1562 im Umland von Nizza ereignet hatte, ließen sich die Richter von den betroffenen Parteien bezahlen. Die mögliche institutionelle Grundlage wurde somit von dem Moment an noch mehr belastet, als auch für Privatpersonen die Möglichkeit einer Verhandlungsbasis geschaffen worden war - mit der Wahrscheinlichkeit zur Korruption. Durch diese Möglichkeit war ein Konflikt zwischen den Teilen desselben Staates schon absehbar geworden J8 . In anderen Fällen war der Eingriff direkt. Die "Lettere patenti" von Carlo Emanuele I aus dem Jahr 1582 beginnen immerhin mit folgender Bestätigung: "Havendoci fatto intender li soldati di nostra militia ehe da alcuni giudici non si sono osservati li privilegi da noi concessi, e sotto preteso di giustizia vcngono indebitamente travagliati di lunghi processi e per cause etiandio leggiere ... Ordine di SA eit. (vg!. Anmerkung 30) 807. AST, Abtlg. III, Archivio Camerale, Art. 637, Istruzioni Camerali, Rcg. 1624, in 1715, Instruttione dell'il!.mo et ecc.mo eonseglio di S.A.R. sovra gl'oecorrcnti di guerra in Asti residente per li signor capitani et officiali di Militia seelta, 16. September 1636, Fo!. 199. 38 Memoriale a capi umiliato a S.A. dal barone di Boglio governatore della citta e contado di Nizza intorno ad alcuni partieolari coneernenti all'escrcizio di detta carica ... , in: AST, Abtlg. I, Protocolli Notai Ducali, 224 ff., .). April 1562, Fo!. 95. )1,

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dichiariamo che li soldati di nostra militia debbano goclere di tutti i privilegi" (Nach_ dem uns die Soldaten unserer Miliz zu verstehen gcgeben haben, daß sich einige Ri L C'l_ ter nicht an die von uns gewährten Privilegien gehalten haben, und daß sie unter de Vorwand der Gerechtigkeit unrechtmäßig in lange Prozesse verwickelt werden, un~ das wegen lcichter Vergehen ... erklären wir, daß die Soldaten unserer Miliz in de Genuß aller Privilegien kommen müssen)J9 Bevor er mit dcm sonst üblichen, autori~ tären Nachdruck den Befehl schließt, gibt Carlo Emanuele überraschenderweise fast verstohlen zu "che li feudatari, li consiglieri e nobili delle terre nostre immcdiate, li ufficiali, e nos tri gabellieri, e dacieri, con li servitori de'suddetti, quali attualmente et ordinariamente servono" (daß die Lehensträger, die Ratgeber und Adeligen Unserer direkten Ländereien, die Beamten, unsere Steuereintreiber und die Zollbeamten, mit den Dienern der Genannten, die ordnungsgemäß den Dienst leisten), in gleicher Weise "del privilegio dei porto delle armi" (vom Privileg des Waffentragens) profitie_ ren konnten, so wie auch die "al tri pr~:ilegiati da noi" (die anderen von uns Privilegier_ ten)4o. Dies waren Zeichen für eine Anderung, die Symptome einer neuen Situation die sich in Bewegung befand, und in der sich die ursprüngliche Bedeutung der Privile~ gien für die Miliz verloren hatte; oder um es besser auszudrücken, einer Situation, in der die Privilegienpolitik sich nach den zahlreichen sozialen Gruppen richten mußte die zum Aufbau des Staatsapparates notwendig waren. Nachdem sich die exklusive~ Unterscheidungsmerkmale verloren hatten, oder mehr noch, nachdem die Garantie oder die gewissen Immunitätsversicherungen sich verringert hatten, die mit dem Konzept der Privilegien selbst verbunden waren, beziehungsweise der besonderen Rechte, die nur einigen gewährt wurden, wich die "milizia paesana" auf andere Beziehungsfor_ men zwischen dem Herrscher, den Institutionen seines Staates und den Untertanen aus: Natürlich wurden dadurch die am wenigsten geschützten, wehrlosesten sozialen Gruppen getroffen, die gerade wegen dieser auf gegenseitigem Vertrauen basierenden Attribute, in den ersten restaurativen Plänen Emal1llele Filibertos Eingang gefunden haben. Dies ist eine Geschichte, deren Spuren verwischt worden sind, und die ganz sicher keinen Platz in der "Militärgeschichte" Savoyens gefunden hat, und noch weniger in irgendeiner anderen "Geschichte der piemontesischen Monarchie" auftaucht, oder wegen ihrer erwähnten Charakteristika in den lokalen Chroniken erwähnt wird. Sie läßt sich nur an Hand einiger verschleierter Andeutungen, häufiger noch durch ihre Nichterwähnung oder ihr Totschweigen erahnen. Nach den Erfolgen in der Bevölkerung, so wie sie von den venezianischen Gesandten und den Chronisten beschrieben worden sind, tauchten nun vielmehr Lücken, Tausende von Einwendungen und weitere Mißbräuche auf, diesmal allerdings - ob mit oder ohne Recht -, um in den Genuß des Privilegs zu kommen, nicht der Miliz angehören zu müssen und vom Dienst in ihr befreit zu werden, der nunmehr ohne Vorteile war. Schon die offiziellen Dokumente informieren über eine tiefverwurzelte und weitverbreitete Konfliktsituation: 1582 verabschiedete und bestätigte der herzogliche Senat die "Lettere patenti" Carlo Emanueles I. über die Privilegien für die Miliz mit 39 40

Lettere patenti eil. (vgl. Anmerkung 28) 798. Ebenda, 800.

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dem kleinen Nachtrag, der besagt, daß "i fiscali die S.A." (die Richter Seiner Hoheit) nur dann gegen ein Mitglied der Miliz nicht vorgehen dürfen, wenn der Fall wirklich legiere" (leicht) sei; bei "battiture 0 effusione di sangue 0 parole di atroce ingiuria" (Schlägen oder Blutvergießen oder schweren Beleidigungen) wäre ein Eingreifen dagegen unbedingt nötig. Im weiteren Verlauf wird festgelegt, daß, wenn kein "altro pa;en te idoneo a tal carigo" (anderer Verwandter für eine solche Aufgabe zur Verfügung steht), Soldaten der Miliz "eSSe re astretti a pigliar carichi di tutelle" (gezwungen werden können, Vormundschaftsverpflichtungen zu übernehmen)41. Anders ausgedrückt, während die Herzöge noch die Privilegien für die Miliz auszuweiten versuchten wenn auch in widersprüchlicher Weise -, so wurden diese von der zweiten Autorität im Staat gleichzeitig beschnitten. Im Mai 1594 wurden die Mitglieder der Miliz als "vecchi, infermi et inhabili a sllodevol esercitio" (Alte, Kranke und für dieses Geschäft Unhihige) beschrieben, aber trotzdem stellte man sich dem Problem einer Reform der Rollenverteilung, die "ogni abuso che circa l'elettione di questa particolar soldatesca potrebbe nascer" (jeden Mißbrauch, der bei der Wahl dieser besonderen Soldateska entstehen könnte) verhindern sollte. Darüber hinaus verdeutlichte man im vorletzten _ dem einundzwanzigsten - Absatz des Reformvorschlags, daß "volendo alcuni delli descritti, dopo d'haver servito un tempo in questa militia esser essimito, presentando un altro idoneo et approvato dal generale dell'infanteria 0 dal veedore generale, sara liccntiatio senz'altro" (jeder der Eingeschriebenen, der austreten will, ohne weiteres sofort entlassen wird, wenn er einige Zeit in dieser Miliz gedient hat und eine andere, geeignete Person präsentiert, die vom General der Infanterie oder vom "veedore generale" akzeptiert wird)42. Ohne weiter auf die Beschreibung der Methoden und Umstände dieser Ersatzmöglichkeiten in den verschiedenen Gemeinden einzugehen, kann man das Resultat in den ersten Zeilen der "Lettere patenti" vom 19. August 1600 nachlesen: "Essendo informati" (Wir sind darüber informiert worden) - macht der Herzog den Vorwurf - "ehe dopo la general riforma della milizia nostra paesana, di qua da'monti, molti soldati in essa arrolati sono passati a miglior vita, altri absentati in maniera ehe il numero stabilito non resta di gran lunga comp!to" (daß nach der vollständigen Reform unserer milizia paesana, von hier bis zu den Bergen, viele in ihr eingeschriebene Soldaten zu einem besseren Leben gefunden haben und andere sich in einer Weise entfernt haben, daß die festgelegte Zahl bei weitem nicht vollständig ist). Das Problem der Neuordnung der Aufgaben war von dem Moment an schwierig, als man "an co remediar alla disubbidienza de'soldati quali quando sono chiamati al servitio, ricusano si escusano al danno deI sen'itio nostro" (Abhilfe schaffen [mußte] für die Ungehorsamkeit der Soldaten, die sich zum Schaden unseres Dienstes weigern oder entschuldigen lassen, wenn sie zu unserem Dienst gerufen werden)"3. Nachdem dies gesagt worden war, beschrieb ein "Ordine" vom 16. Mai 1610 die Miliz als tief zerrüttet: "mol ti abusi nell'inrollarsi nelle nostre militie escusandosi alcuni farlo sotto pretesto d'esser nobili e privilegiati, altri dicendo ehe hanno licenza da noi di portal' le armi" (beim Einschreiben in unsere Miliz sind viele Mißbräuche [gang und gäbe], da

°

-1. 12 iJ

Ebenda, 80l. Ebenda, 806, 808. Ebenda, 813.

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sich einige unter dem Vorwand, adelig und privilegiert zu sein, entschuldigen, und dere angeben, daß sie von uns die Erlaubnis zum Waffen tragen hätten)44. Am 7 A. a~. 1618 verkündete eine andere Bekanntmachung, daß man jeder Art von Betn;g Pnl "molti disordini" (vielen Unregelmäßigkeiten) beigewohnt habe, sei es bei der W~~d der aktiven Mitglieder der "milizia paesana", sei es bei der Anwerbung Von 0 d,l nanze" (Ordonnanzen}:, "tanto dalli colonnelli, ca~itani et altri ufficiali, ~uant~' ~al;; agent! delle comunlta (durch Oberste, Hauptmarlt1er und andere Offiziere sowi durch die Vertreter der Gemeinden)45. Im darauffolgenden Jahr, am 2. Oktober 161; ließ Carlo Emanuele I. eine Reihe seiner Vertrauensmänner zu "deputati" (Beauftra ~ ten) ernennen, die einen neuen Vorschlag für eine Milizreform entwerfen und dess: n Verwirklichung überwachen sollten. Gleichzeitig erließ er einen Befehl, wonach jede andere lokale oder staatliche Autorität diesen Vertrauenspersonen gegenüber zu Gehorsam und Hilfeleistung angehalten wurde: Als Strafe drohten seine "disgrazia" (Un" gnade) und jede andere "arbitraria" (Willkür), und zwar zusätzlich zu den Strafen, wei_ che die "medemi deputati" (selbigen Beauftragten) schon in voller Machtbefugnis und Verfügungsgewalt verhängt hatten 46 Die Ergebnisse waren aber auch nicht besser als die vorhergegangenen, etwa 1618, als schon allen, welche die Reform behindert hatten, mit Strafen gedroht worden war, die "senza formalita di processi" (ohne die Formalität von Prozessen) von der Todesstrafe bis hin zur "confiscatione di tutti i loro beni" (Konfiszierung aller Güter) reichten; oder 1610, als der Herzog allen Offizieren angekündigt hatte, daß er sie ihrer Ämter entheben werde, wenn sie fortführen, die Soldaten "far contribuir" (Abgaben zahlen zu lassen), oder "recattar" (zu bestechen), oder sie im Tausch gegen Geld "escusar" (zu entschuldigen); oder 1603, als er Widerstrebende mit einer Strafe von 10 Scudi beim ersten Mal, mit 25 Scudi beim zweiten Mal und einer eigens zu entscheidenden Strafe bei der dritten Verweigerung sowie dem für immer geltenden Verbot des Waffentragens drohte. Es wurde noch mit "galera" (Kerker) gedroht, wie 1600, und 1594 mit einer vagen "catigo" (Züchtigungf. Die Gemeinden duldeten keine Eingriffe von außen, und der Herzog konnte auf keinen Fall seine ständige Machtprobe mit den lokalen Machtgruppen über eine bestimmte Grenze hinaus führen. 1627, als der Militärdienst sich in den meisten Fällen mit einer Steuer abgelten ließ, mit der man den "occorrenze di guerra" (den Bedürfnissen des Krieges) abzuhelfen suchte, schrieb Carlo Emanuele I. an Bernardino Gentile, der damit betraut war, die Gelder für die Miliz "ricevere" (entgegenzunehmen). Er beklagte sich, daß "i sindaci delle citta, terre et luoghi dello stato" (die Bürgermeister der Städte, der staatlichen Ländereien und Gebiete) sich der Zahlung im Tausch gegen die Unterstützung entzogen hätten, die man von ihnen benötigte, "ai delegati mandati ne! paese per 10 stabilimento della nuova riforma della militia" (für die Abgesandten, die zur Durchsetzung der neuen Milizreform in das Land geschickt worden waren). Und trotzdem hätten sie "poco affetto ... in tal servitio" (wenig Lust ... zu solchem Dienst) erkennen lassen, so daß er, der Herzog, fest dazu entschlossen war, auch sie, "indiffe44

15 16 47

Ebenda, Ebenda, Ebenda, Ebcnda,

822 f. 825. 829. 808, 814, 820, 824, 826, 828.

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rentemente la meta del loro cotizo" (ohne Unterschied die Hälfte ihres "cotizo") zah!en zu lassen 48 . Objektiv gesehen, war dies nicht mehr als eine symbolische Geste. Von all diesen Mißbräuchen, den Schwierigkeiten, die das Gemeinschaftsleben belasteten, der Korruption, dem Austausch von Personen, den Ausweichversuchen und den anderen Streitfällen wurde außer durch indirekte Zeugnisse nur sehr wenig bekannt. Nur im Gegenlicht, aus dem Briefwechsel voller Drohungen des Herzogs mit seinen Beauftragten, aus den Anweisungen an die örtlichen Notabien, aus den Versprechungen, Geld- und anderen Strafen der Bekanntmachungen, aus den Androhungen der Folter, der Konfiszierung der Güter oder Kerkerstrafen und aus den Aufforderungen zur Denunziation, ließen sich heimliche Umtriebe ganzer Dörfer oder Stadtteile, die privaten Dramen der Schwächsten, die Pflichtverletzungen und Abmachungen erahnen. Diejenigen Untertanen, die im Laufe der Jahre "poco fedeli" (wenig treu) oder als Soldaten "mancho obedienti" (weniger gehorsam) gewesen waren 49 , haben nur spärliche Hinweise in Form einiger Aufrufe hinterlassen, in denen eine vorgetäuschte Unfähigkeit zum Dienst an den Waffen, eine Krankheit oder irgendein anderer Vorwand die Gefahr und das Risiko verhindern sollten, in die Miliz einberufen zu werden. Daraus ergaben sich Fälle wie der des Francesco Antonio Cellebrino, der "ammalato iacente in leto per la rottura di una gamba da alcuni mesi in qua" (schon seit einigen Monaten wegen eines Beinbruches krank im Bett lag), und der, als er aufgefordert wurde, sich beim Militärkommando zu melden, um seine Abwesenheit aus den Reihen der Miliz zu rechtfertigen, seinen "compare" (Gevatter), einen gewissen Atreo Malliano, schickte, um seine Geschichte zu erzählen. Cellebrino stellte sich vor als "homo vecchio d'etta di anni cinquantacinque 0 circa" (alter Mann von etwa fünfundfünfzig Jahren) und erklärte sich für "inhabile a portare arme et andar aHa guerra" (unfähig, Waffen zu tragen und in den Krieg zu ziehen); darüber hinaus war er "capo di easa carigo di una famiglia et d'una botega de speciaria qual non poteva senza grandissimo suo danno et forse ruina di casa sua abandonar et andar alla guerra co mo veneva comandato" (Hausherr mit Familie und einem Gewürzwarenladen, den er nicht ohne sehr schwerwiegenden Schaden und vielleicht sogar zum Ruin seines Hauses verlassen und in den Krieg ziehen konnte, so wie es befohlen worden war): Damit der dem Herzog schuldige Dienst nicht vernachlässigt würde, hatte er dafür Vorsorge getroffen, sich selbst zu ersetzen - krank wie er war, und mit seinen Interessen, die er wahren mußte -, und zwar mit einem "sufficiente" (ausreichend ausgestatteten) Soldaten, der von ihm bezahlt wurde, und der mit einer Büchse und "eon monitioni" (mit Munition) ausgerüstet war. Dieser letztere, ein gewisser Sebastiano Pejrano war schon dem Senator Zoello, der damals mit der Kontrolle der Erfassungen betraut gewesen war, zur Billigung vorgeführt und auch ordnungsgemäß akzeptiert worden; er hatte dann den ganzen Dienst unter dem Befehl des Cavalier Pasero im Lager zu Asti bis zu seiner Ent-

Der Brief vom 4. März 1627 ist enthalten in: AST, Abtlg. III, Archivio Camerale, Art. 177, Carichi militari, Nr. 7, Conto reso alI'ill.ma et eCC.ma Camera ducale dal signor Bernardino Gentile come riccvidore dei denaro della riforma della nuova militia dell'anno 1626. 19 AST, Abtlg. III, Archivio Camerale, Art. 334, Militia Nuova, 1592, Discorsi d'Honorato Firofini cit.
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lassung abgeleistet. Für all das - Cellebrino hatte als Zeugen auch Pejrano gerufen _ habe er sich "incorso in pena alcuna et restrittione" (keiner Strafe und Restriktio schuldig) gemacht'O Der Adelige Audino Carretto aus Fossano dagegen hatte an sei~ ner Statt überhaupt niemanden geschickt, da er sich für wirklich krank und deshalb für "scartato" (untauglich) hielt: Er wußte sehr wohl, daß die Befehle Seiner HOheit dahingehend lauteten, daß "ogni habille al porto delle arme" (jeder zum Waffentragen Fähige) sich "senza altro rettenersi al attual servitio di essa S.I\." (ohne weiteres in den Dienst Seiner Hoheit stellen) mußte; er aber, "sendo detenuto in letto" (da er an das Bett gefesselt war), durch "febbre et altra indispositione" (Fieber und andere Unpäß_ lichkeit), konnte nicht anders, als sich beim obersten Gerichtsherren "scusare" (entschuldigen) zu lassen und zu schwören, daß er, sobald er "restituito in sanita" (wiecler_ gesundet) wäre, dem Herzog "con la vita et beni" (mit Leben und Vermögen) dienen würde. Inzwischen hatten auch sein Arzt, Lorenzo Nazarin, und der "cirugico" (Chirurg) Giovenale Bonetto Zeugnis abgelegt, wobei letzterer seinerseits bezeugte, "haver d'ordine del signor medico sudetto cavato sangue al sudetto infermo" (auf Befehl des genannten Herrn Arztes, dem genannten Kranken Blut abgenommen zu haben)jl. Natürlich war im allgemeinen das gewöhnliche Volk den unvorhersehbaren Umstän_ den in größerem Maße ausgeliefert; es konnte sich bei willkürlichen Erpressungsversu_ chen kaum auf gekaufte Zeugen stützen. Oft wurden Mittelsmänner eingeschaltet, die bei der Lösung von Problemen helfen sollten. Als 1616 Dionigi Vachiero, "dottor cli leggi di Avigliana Vice Auditore de guerra di S.I\.S." (Doktor der Rechte aus Avigliana und Vizekriegsauditor Seiner Geheiligten Hoheit), sich in Santhia eingefunden hatte, um zu veranlassen, daß "tutti li soldati cotizzati e volontari, ma esciandio tutti li altri habili al porto delle armi" (alle gedungenen und freiwilligen Soldaten, aber auch alle anderen, zum Waffentragen Fähigen) die Plätze in der Miliz ausfüllen sollten, mußte er den sehr bemerkenswerten "renitenza che molti [facevano] a detto servizio con poco timore delle pene imposteli" (Widerstand [besiegen], den viele dem angesprochenen Dienst [entgegenbrachten], mit wenig Furcht vor den gegen sie verhängten Strafen). Aber abgesehen von den Betrugsversuchen, mit denen er nicht einmal in Berührung kam, wie hätte er die besonderen Situationen beurteilen sollen, die ihm im Licht finsterster Tragödien dargestellt wurden, ohne die Mitarbeit, "l'assistenza, informatione et opera de'sindici per evitar ogni abuso a detta servicio pregiudiciale" (die Hilfe, die Infonnation und die Unterstützung der Bürgermeister, um jeden Mißbrauch dieser genannten präjudiziellen Aufgabe zu vermeiden)? Seine Helfer in Santhia waren die Konsuln Antonio Lana und Giovanni Andrea Pettalis, und zusammen mit ihnen mußte er über die Anträge auf Befreiung vom Milizdienst entscheiden. Diese Gesuche erwiesen sich fast immer als zweideutig, da sie viel mehr die ökonomischen Probleme der Familien erkennbar werden ließen, als daß sie unanfechtbare Gründe für eine Befreiung nannten. Ein gewisser Giacomino Bolvis zum Beispiel erklärte, "effetivamente d'esser storpiato d'una gamba" (tatsächlich an einem Fuß verkrüppelt) zu sein, aber er führte auch die Belastung durch "cinque figlioli" (fünf Kinder) an. Der Adelige Gio50 )l

Ebenda, Dokument ohne Überschrift und Datum (schätzungsweise aber von 1610). Ebenda, Dokument ohne Überschrift, datiert vorn 10. Juni 1615.

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van rll Battista Rachis gab ganz einfach an, alleinstehend mit zehn Kindern zu sein: Dies schien ihm für eine Einberufung Hinderungsgrund genug zu sein. Gaspardo Sala, der nur einen Sohn hatte, wurde dagegen ohne weiteres aufgefordert, zu wählen, wer von ihnen beiden sich bereit erklären würde - ohne Kompromißmöglichkeit -, der Miliz beizutreten. Micheie Guglielmone, der "solo con moglie in parto e con figlia piccola, ferito sopra la testa" (allein mit einer vor der Entbindung stehenden Frau und einer kleinen Tochter und mit einer Verletzung am Kopf) war, wurde nicht freigestellt, sondern nur "fino a recuperata sanita" (bis zu wiedererlangter Gesundheit) beurlaubt. Es gab auch Personen, wie zum Beispiel Giuliano Gabutto, der schon "due fratelli alla guerra" (zwei Brüder im Krieg) hatte, oder Giovanni Sala, der "difettuoso de vista" (schlecht sah), den Vasallen Francesco Dalk Lanze, der "sessagenario" (sechzigjährig) war und "sottoposto alla podagra" (an Gicht litt), und all die anderen, die zusammen mit "carichi" (Belastungen), "tuteie" (Vormundschaftspflichten), mit Geschäften und Gehöften, die sie nicht alleine lassen konnten, beschäftigt waren und gleichzeitig noch "dolori artetici" (Gliederschmerzen) und Stürze auf Grund "il brutto male" (des schweren Übels = Fallsucht) vorbrachten 52 . Die Konsuln mußten sicherlich viele Faktoren berücksichtigen, um den Vizeauditor in seinen Entscheidungen zu beraten. Dies alles spiegelt aber eine Situation wider, in der der Dienst in der Miliz sich schon durch Vertretungen umgehen ließ und die Miliz auch als Finanzierungssystem für andere militärische Strukturen herangezogen wurde. Zweifellos war die Zeit, als die Miliz noch den direkten persönlichen Einsatz forderte, ungleich gefährlicher und beängstigender gewesen. Es wurde immer schwerer, den persönlichen Einsatz und das militärische Risiko durch die Bedeutung, welche die Miliz auf sozialer Ebene beanspruchte, zu rechtfertigen. Einige Situationen gestalteten sich später dann noch komplizierter: So denke man nur an die Gebiete, in denen Konflikte zwischen Personen, verschiedenen Parteien oder Klientelgruppen noch durch religiöse Kontroversen verstärkt wurden. Emanuele Filiberto hatte in dieser Beziehung wahrhaftig zu überstürzt gehandelt: Nachdem er die Waldenser auf die Ebene einer x-beliebigen kriminellen Bande gestellt hatte, zögerte er nicht, sich der "milizia paesana" zu bedienen, um sie zu isolieren und auch militärisch zu bekämpfen. Bis 1562 hatte er erklärt, "veggendo le tribulazioni et adversi ta ehe in piti luoghi sono eausati da diversi seditiosi sotto pretesto della religione" (wenn man Bedrängungen und Unheil erkennt, das an verschiedenen Orten von diversen Verführern unter dem Vorwand der Religion verursacht wird), so ist es die Aufgabe der einzelnen Gemeinden, "fa I' scielta de la gente migliore ert piti habile a l'arme" (die besten und waffenfähigsten Personen auszuwählen); er war sicher, daß sich niemand weigern würde, sondern daß jeder seiner katholischen Untertanen "volentieri la persona sua" (freiwillig seine Person) zur Verfügung stellen würde, um "gagliarda52 Das sehr beschädigte und fast unleserliche Dokument ist unter anderem überschrieben: Consegna deli i ca pi di casa qualli sono soli, e con carighi di figliolanza, tutelle e altri impedimenti per quali chiedono d'essere essimiti dall'andar alla guerra sotto il signor capitano di Santhiii e che Sono stati dal servicio si no all'arrivo dell'ecc.mo signor Auditore generale e Presidente Zoello; es trägt das Datum des 16. September 1616 und ist zufällig enthalten in: AST, Abtlg. III, archivio camerale, Art. 537, Consegne et ordini di consegne per la riforma della nuova militia, 1647.

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mente per il principe" (tapfer für den Fürsten) zu kämpfen; er versprach, daß er tempo et Iuogo" (zu gegebener Zeit und zu gegebenem Ort) "consideratione de li rn~~ riti loro" (Uberlegungen über ihre Verdienste) anstellen würde 53 Die Vorgänge urn di Waldenser in Piemont waren vielfältig und leidvoll; aber dennoch setzte sich die ",.e "tHl .. lizia paesana" nicht einmal auf diesem Gebiet durch. Emanuele Filiberto mußte Be_ rufssoldaten zur Durchführung der Polizei- und Unterdrückungsmaßnahmen einset_ zen und Schutzgarnisonen zur Kontrolle der unruhigsten Täler einrichten. Eine kleine Episode kann hier als Beispiel dienen: 1580 schickten zwei Soldaten ein Gesuch an den Herzog, damit dieser den Schatzmeister der Miliz, Giovanni Zanetto, veranlasse ihre Dienste zu vergüten, auch wenn keine militärischen Aufgaben im engeren Sin~ auszuführen gewesen wären. Ihr Anliegen wurde durch die Aussagen des Kompanie_ kommandanten, Cavalier Pietro Torta, unterstützt, diese sogar vom General-"veedore" und dem "contadore" gegengezeichnet. Die ausschlaggebende Aussage aber kam Von Ambrogio Moresco, einem Priester der Gesellschaft Jesu. Er erklärte, beide Bittsteller für diese Aufgabe ausgewählt zu haben "siccome I'anno passato deI 1579 nel mese di giugno" (da im Monat Juni des vergangenen Jahres 1579) der Herzog "commesso al signor capitano don Pietro Torta governatore di val Perosa" (dem Herrn Hauptmann don Pietro Torta, Statthalter des Perosatales, zugestanden) habe, zwei seiner Soldaten auszuwählen, um die Patres zu begleiten und zu verteidigen, die in "detta valle per convertire predicando quelli heretici" (besagtem Tal, um diese Heretiker durch Gebete zu bekehren) ihren Dienst versahen. Dies war kein neuer Fall, da Moresco aussagte, daß "detto signor capitano ad ogni richiesta e stato sempre con tutti i suoi soldati prontissimo come ancora di presente ad agiutarci ad honor di Dio nostro Signore, della Santa Fede Cattolica et di Sua Altezza" (besagter Herr Hauptmann, früher und auch jetzt noch, immer bereitwilligst auf unsere Bitten eingegangen ist, um uns zur Ehre Gottes, unseres Herren und des Heiligen Katholischen Glaubens und Seiner Hoheit mit allen seinen Soldaten zu helfen)4. Andererseits tendierten die Gemeinden dazu, Aufgaben zurückzuweisen, die sie mit neuen Konfliktstoffen belastet hätten - auch wenn es sich um weniger schwierige Fragen handelte -, da sie schon genug damit zu tun hatten, ihre eigenen internen Widersprüche zu klären. Die "milizia paesana" konnte nicht auch noch die Funktionen einer Polizei übernehmen. 1570 wurde Borgo Ferrero, Hauptmann der Miliz, damit beauftragt, die vielen "sfrosi de'grani" (Getreide betrügereien) zu "invigliare" (kontrollieren), die sich im "mandamento di Mondovi" (Bezirk von Mondovi) zum "pregiudicio del hufficio pubblico" (Schaden des öffentlichen Amtes) zugetragen hatten; aber die Macht, die ihm 53 AST, Abtlg. I, Protocolli Notai Ducali, 224 folgende, Patenti colle quali il duca Emanucle Filiberto onde preservare gli stati dalle introdottesi eresie, ingiunge ai comuni di scegliere e tenere pronti all'armi quel numero d'huomini che avrebbero creduto i migliori e i pii'I habil i a combattere, 20. August 1562. 54 AST, Abtlg. IV, Patenti, commissioni, biglietti di nomine dell'armata e milizie ducali sotto il regno di Emanuele Filiberto dirette all'ufficio di Veadoria e Contadoria general i delle genti di guerra e milizie (im folgenden Patenti ducali), Bd. 1, 1560-1600; es handelt sich um zwei Dokumente, Nr. 143, datiert vom 6. Mai 1580, und Nr. 144, datiert vom 8.Juni 1580.

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der Herzog verliehen hatte, um den Schmuggel in diesem Grenzgebiet unter Kontrolle zu bringen, bezog sich nicht nur darauf, die Dörfer und die Angehörigen der Miliz zu mobilisieren, sondern auch darauf, "deputare persone fedeli, idonee et diligenti" (treue, geeignete und fleißige Personen zu beauftragen), daß sie an verschiedenen Orten ein Informationsnetz aufbauten, durch das die Verantwortlichen entlarvt werden sollten». Auch als dasselbe Gebiet viele Jahre später von dem Bandit Francesco Molino und dessen Männern durchstreift wurde, mit allen "eccessi e assassinamenti" (Ausschreitungen und Totschlägen), die damit verbunden waren, mußte der Herzog auf die "cavalleria et altra gente di guerra" (Kavallerie und anderes Kriegsvolk) zurückgreifen, obwohl er entschieden hatte, daß man gegen die Banditen "immediatamentc" (unverzüglich) mit der Büchse vorgehen könne, "senz'altra formalitii di processo" (ohne jeden formellen Prozeß), und daß praktisch jeder "scarico verso il Senato ... 0 altro magistrato" (ohne Verantwortung gegenüber dem Senat ... oder einem anderen Gericht) die Banditen töten dürfe. Auf die Miliz alleine konnte sich der Herzog nicht mehr verlassen 56. Aber waren dies nicht eher Zeichen von Selbstsicherheit, wenn nicht Entschlossenheit der Herzöge, als Zeichen eines tendenziellen Zurückweisens der "milizia paesana" durch das Volk? Sicher trugen auch diese Aspekte nicht dazu bei, die Spannungen zu beseitigen, und es blieben grundsätzlich lokale und vorübergehende Probleme bestehen. Die signifikantesten Erscheinungen für die inneren Spannungen in der Miliz wurden aber nicht von den unteren Schichten der piemontesischen Gesellschaft hervorgerufen, deren anfängliche Begeisterung und nachfolgende Zurückhaltung schon dargestellt worden ist; vielmehr gingen sie von denjenigen Schichten aus, die auf verschiedenem Niveau darum wetteiferten, sich ihre Position sozialer Überlegenheit mit Hilfe entsprechender materieller und politischer Garantien zu sichern: Es waren dies die Schichten, die durch die anfängliche Initiative Emanuele Filibertos gelähmt und geschwächt werden sollten. Tatsächlich waren es die Schichten, die am stärksten von den Privilegien bedroht wurden, welche die Stellung vieler ihrer Untergebenen verbessern konnten. Sie waren es auch, die zuerst eine indifferente Haltung, wenn nicht offenen Ungehorsam gegenüber der Miliz annahmen. Die Notabien und maßgeblichen Persönlichkeiten der Städte hatten schon äußerst früh reagiert: Mit der üblichen Gewissenhaftigkeit meldete Monsignor di Boglio, daß es 1562 in Nizza viele Personen gegeben habe, die, wenn sie "comandati alle guardie" (zum Wachdienst befohlen) wurden, nicht hingehen wollten, "allegandochi cl privilegio per esser dottori chi per aver uffici" (indem die einen das Privileg, Doktoren zu sein, vorbrachten, die anderen, ein öffentliches Amt innezuhaben, das dem öffentlichen Interesse diente)57. j) AST, Abtlg. I, Protoeolli Notai Ducali, 233 (Registro eoneessioni, Nr. 2, 1569-1575), Deputatione dei eapitano della eolonnella di milizia e sergente maggiore Borgo Ferrero per invigilare sovra gli sfrosi de grani ehe si eommettono nel mandamento dei Mondovi, 1. März 1570, Fo!. 47. 56 AST, Abtlg. lll, Arehivio Camerale, Art. 692, Biglietti dueali e regi eil., R. 2, Konzept des Briefes, der von Vittorio Amedeo I. an den Marchese di Dogliani geschickt worden war, datiert vom 2. März 1631, Fo!. 301. 57 Memoriale a eapi umiliato dal signor di Boglio eil. (AST, Abtlg. I, Protoeolli Notai Ducali, 224 folgende, 3. September 1562, Absatz 9, Fo!. 190v).

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Sie waren die ersten gewesen, die reagiert hatten, und sie waren nicht zufällig Ven ter eines sozialen Mittelstandes - nicht adelig -, die sich ihrer Nützlichkeit für die Ö~: fentlichkeit wie auch der engen Verbundenheit ihres Berufes mit dem Konzept cl "servizio" am Staate, das der Herzog durchzusetzen versuchte, bewußt waren. Sie wes ren es aber auch, die am meisten von einer Institution zu befürchten hatten, die ih:Machenschaften - die sie zwischen den unteren und oberen Ebenen der Gesellschafe gesponnen hatten - in Frage stellte, da diese Gesellschaft sich nun zu veränder t drohte. Selbst wenn der Adel vor den autoritären Absichten gewarnt worden wäre n , so hätte er doch mit Sicherheit die Folgen eines Aufstiegs bestimmter VOlksschichten nicht dirket wahrgenommen; die Mittelschicht dagegen mußte viele ihrer Vorrechte gefährdet sehen. Auch Emanuele Filiberto konnte, wie seine Nachfolger, nicht zu sehr in dieser Richtung insistieren; er traf tatsächlich keine Entscheidung; er antwortete vielmehr: "Voie Sua Altezza che ogniuno sia tenuto alle guardie salvo coloro che ne hanno special privilegio" (Seine Hoheit wünscht, daß jeder zum Wachdienst herange_ zogen werde, mit Ausnahme derjenigen, die besondere Privilegien haben), womit er die Situation unverändert ließ58. Das gleiche geschah 1565 in Asti, wo die "dottori de collegi, legisti et artisti" forderten, von allen personellen und steuerlichen "carichi" (Belastungen) befreit zu werden. Damit stellten sie sich gegen den Rest der Stadt, dem es nicht möglich war, aus den unterschiedlichen verbliebenen Tätigkeiten den Anspruch eines "servizio" für das öffentliche Wohl abzuleiten 59. In Turin und Umgebung, wo jede soziale Gruppe wegen der Nähe zum herzoglichen Hof zu ausgeprägte_ ren Handlungsweisen verleitet wurde, sah die Situation um 1575 etwa folgenderma_ ßen aus: Die Bauern und ärmsten Stadtbewohner, die sich zur Miliz "inrolleti" (gemeldet) hatten, um "de li privilegi militari" (von den militärischen Privilegien) profitieren zu können, verkauften nicht selten ihre Waffen oder zogen es vor, Berufssoldaten zu werden, indem sie sogar desertierten, um eine vorteilhaftere Bezahlung zu erhalten; die "gentilhuomini 0 sia borgesi" (Edelleute oder auch Bürger) der umliegenden Ländereien beabsichtigten keinesfalls, "per loro reputatione esser della militia ma co me nobili [volevano] potrar arme co'suoi servitori" (ihres Ansehens wegen der Miliz anzugehören, aber als adelige Personen [wollten] sie Waffen tragen, so wie auch ihre Diener). Dies konnten sie nur tun, wenn sie weder durch "giurisdittione ne feudo obbligato" (Gerichtsbarkeit noch durch Lehensrechte) dem Herzog verpflichtet waren; andere wieder, die es nicht verhindern konnten, in die Listen der Miliz aufgenommen zu werden, zeigten sich weder bei "mostre ne fattione alcuna sdegnandosi di ritrovarsi in quelle" (Truppenschauen noch bei irgendwelchen Übungen, da sie es für unwürdig erachteten, daran teilzunehmen). Kam ihnen zu Ohren, daß sie sich irgendwo zu dem Milizdienst melden mußten, verschwanden sie sofort "fuori della cittii scusandosi ch'erano occupati in qualche loro particolar negotio" (aus der Stadt und entschuldigten sich damit, daß sie in irgendeiner besonderen Angelegenheit beschäftigt waren). Schließlich gab es Personen, die tatsächlich einige spezielle Privilegien genossen, die Die Antworten Emanuele Filibertos sind angefügt in: Ebenda. Memoriale a capi umiliato dalla citta di Asti al duca Emanuele Filiberto, in: ebencla, 225ff., 26. Februar 1565, Fo!. 80. ;8

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sich von einem Dienst ableiteten, den sie dem Herzog leisteten, und damit trieben sie natürlich Mißbrauch: Da gab es zum Beispiel den "stampator delle monete il qual con unO privileggio [andava) raccogliendo mol ti con dir ehe [eran) suoi servitori et similmente 10 assazator di esse et an co il fattor delle stampe et orefici speciari, mercanti, sertori, calzanti, calligari et molti altri mestrali li quali per abusar dette militia ogniul1o si permette [va) co me buon li pare [va) sotto l'ombra dei servizio di Y.A. di portar arme" (Münzpräger, der mit Hilfe seines Privileges viele Personen um sich sammelte, mit der Behauptung, daß sie seine Helfer wären, gleichermaßen wie auch der Münzgießer, der Hersteller der Münzstöcke sowie Goldschmiede, Händler, Schneider, schuhmacher, Schreiber und viele andere Handwerker, die - um besagte Miliz zu mißbrauchen - unter dem Schutz des Dienstes für Eure Hoheit, so wie es ihnen gefiel, Waffen trugen). Jede dieser genannten Personen zog deutlich erkennbare Klientelnctze zwischen denjenigen, die sich als Bedienstete eines Privilegierten bezeichneten und damit der Einberufung cntgangen waren, gleichzeitig aber das Privileg des Waffentragens genossen. Es gab sogar eine Gruppe Mailänder Kaufleute, die zusammen mit anderen Mitbürgern angeboten hatten - in dem offensichtlichen Versuch, die Sympathien des Herzogs zu gewinnen -, sich zu einer Milizgruppe zusammenzuschließen. Sie versprachen dem Statthalter von Turin, Caresana, innerhalb von drei Monaten bewaffnet und in jeder Beziehung bereit zu sein: Der Großteil hielt sich wirklich an das gegebene Versprechen, und zwar in dem Sinne, daß er sofort hinterher die Waffen wieder verkaufte, um sich nie mehr bei irgendeiner Truppenschau "comparire" (sehen zu lassen). Es war folglich unvermeidbar, daß die Miliz schließlich nurmehr aus "persone machaniche et poco habili al servitio" (verdorbenen und unfähigen Personen für den Dienst) des Herzogs bestand, nachdem es den anderen auf mannigfaltige Weise gelungen war, den ursprünglichen Sinn zu verdrehen, mit denen die Privilegien für die Miliz ursprünglich konzipiert worden waren. Jetzt war es sogar ein Zeichen für das "speciale" (besondere) Interesse des Herzogs - wie zum Beispiel gegenüber "li servitori domestici" (den Hausdienern) seiner Besitzungen, oder denjenigen, die "li parera particolarmente" (ihm besonders auffielen) -, das Recht zu genießen, nicht in den Listen der Miliz aufgeführt zu sein 60 Der Situation mangelte es nicht an widersprüchlichen Aspekten, brachte sie doch den Herzog in eine schwierige, widersprüchliche Position: Zum einen sollte das Verhältnis zu den eigenen Untertanen lebendig und eng erhalten bleiben, ein Verhältnis, das in allen - über die sozialen Schranken hinaus - ein Gefühl der Zugehörigkeit zum Staat und das Bewußtsein der Abhängigkeit vom Fürsten erwecken und festigen sollte. Zum anderen sollte Freiraum für professionelle Kompetenzen, für finanzielle und wirtschaftliche Ressourcen und unternehmerische Initiativen, die für die Existenzmöglichkeit des Staates von grundsätzlicher Bedeutung waren, gewährt und mit der korporativen Konzeption des eigenen Status fest verankert werden. Im wesentlichen verfolgten die Herzöge beide Richtungen, indem sie den Druck ihrer Maßnahmen je AST, Abtlg. I, Militärangelegenheiten, Levata di milizie, einmaliger Sonderkomplex, Il capitano Pietro dc la Rossa da suo parer sopra molte cose ehe dovrebbero esscrc rcformate nel fatto della militia (wahrscheinlich Mai 1574). 60

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nach Augenblick und Situation entweder verstärkten oder lockerten. Bestim Gruppen erhielten sich ihre Sonderrechte und verteidigten diese immer; die Bcrz~te verbargen nicht immer ihre gcreizte Ungeduld und ihren Wunsch nach Vcrschärf~;e g 1621 brachte Carlo Emanuele 1. das Beispiel des antiken Rom vor, in dem "nOn eran , essenti senatori, giureconsulti, avvocati ne altri" (weder Senatoren, Rechtsgclehrte A 0 wälte noch andere befreit waren). Zuvor hatte er über den Fall nachgedacht, daß n, "a l.. cuno habile" (kein Befähigter) sich "ricusare d'esser pronto con le armi alla mano b' 1sognando difender la patria" (weigern [dürfe], bereit zu sein mit den Waffen in det Hand, wenn es nötig wäre, das Vaterland zu verteidigen), und noch weniger "valersi di essentione 0 privileggio veruno che fosse eli professione 0 genio contrario" (sich eine Befreiung oder ein Privileg zunutze machen dürfe], von welchem Beruf oder welcher Begabung er auch wäre). Das Beispiel, so unterstrich er, wäre für all diejenigen be, stimmt, die auf dem genannten Weg "i mezzi della sicurezza et riposo di questi stati" (die Sicherheitsvorkehrungen und die Ruhe dieser Staaten) mit ihrem egoistischen und feigen Verhalten stören wollten; für die ganze "quantitii de dottori inutili et otiosi" (Menge der unnützen und müßigen Doktoren), die sich im Notfall nicht persönlich einschrieben, und darüber hinaus jedes ihrer Privilegien mißbrauchten, während sie "tanto commodi nelle loro case" (überaus bequem in ihren Häusern) blieben und sich sogar weigerten, "pagar qualche cosa per le armi" (etwas für die Waffcn zu zahlen) und "per dar commoditii agli altri di servire in luogo loro" (für die Ausstattung der anderen, die an ihrer Stelle dienten)61. Derartige Mißstände machten die Notwendigkeit eines Wechsels der sozialen Allianzen sichtbar: Es war nicht so sehr das Wiederaufleben oder die Reaktion früherer Koalitionen oder alter Klientclverbindungen, die die Politik des Herzogs in Frage stellten, sondern es war vielmehr gerade der Mechanismus zur Bildung der Staatsstrukturen, der es erforderlich machte - wohlgemerkt über die Aufhebung der vorangegangenen Machtallianzen hinaus -, daß ein noch detaillierter ausgearbeitetes System sozialer Teilnahme auf die Mobilisierung der unteren piemontesischen Gesellschaftsschichten folgte. Neue Formen gegenseitiger Abhängigkeit, neue Klientclbeziehungen und letztlich auch neue Konflikte und Spannungen waren unausweichlich und gleichzeitig auch zweckmäßig, wenn auch im Zeichen und in Richtung der herzoglichen Politik. Der "assolutismo", den die Herzöge anstrebten, konnte nicht umhin, soziale Hierarchien und Funktionsgruppen zu berücksichtigen, die notwendigerweise in ihren gegenseitigen Beziehungen oder während des Rückverteilungsprozesses der Verpflichtungen und Vorteile, Augenblicke der Harmonie und starker Dissonanz aufwiesen. Auch und genau deshalb war nicht einmal daran zu denken, daß man auf den verschiedenen Ebenen auf die mannigfaltigen Mittelsmänner verzichten könnte. Der Wille des Herzogs erforderte Repräsentation, ein Netz von Ermächtigungen und Vermittlungen, damit er an den richtigen Bestimmungsort gelangen konnte. Der ursprüngliche Versuch Emanucle Filibertos, von unten her die piemontesische Gesellschaft aufzulockern, wäre ohne Vermittler und Vertrauenspersonen u.ndenkbar geweEbcnda, M. I, Nr. 1, Invito dcl duca Carlo Emanuele I alla citta di Torino per concorrere aIla nuova crezionc delle truppe cli milizia in difesa degli stati.

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sen: Als sich der Hauptmann Antonio Berra, aus dem Umland von Nizza, über die weitverbreitete Weigerung zur Ausübung des Wachdienstes beklagte, antwortet der Herzog, daß "forse 10 faranno perehe egli glielo commanderii in no me suo" ([die Soldaten] dies vielleicht deshalb täten, weil er es ihnen in seinem Namen befehlen würde); er solle dagegen zusehen, "comandarglielo da parte" (es ihnen im Namen [des Herzogs] zu befehlen), womit er alle zum Gehorsam hätte zwingen können und müssen 61 . Emanuele Filiberto wies jedem den ihm gemäßen Platz an und legte die Spielregeln offen auf den Tisch. Es war darüber hinaus klar, daß ohne die Einbeziehung verschieden repriisentativer Allianzen aus den unterschiedlichen sozialen Bereichen eine solche Politik undenkbar gewesen wäre. Ohne die Unterstützung durch einflußreiche Adelige wäre eine antiadelige Politik nicht durchführbar gewesen; ebensowenig hätten sich die "milizia paesana" und die entsprechenden Volks-"sollevazioni" (Aufstände) ohne Anzeichen des Einverständnisses von seiten des kleinen "Land"-adels realisieren lassen. Das also waren die Startvoraussetzungen, und diese wurden auch zu den Ursachen der nachfolgenden Wende, der Verdichtung der Beziehungen und der Koalitionen um die Person des Herzogs in den mittleren und oberen sozialen Schichten, während die unteren Schichten der Gesellschaft an ihren traditionell subalternen Platz zurückglitten. Nachdem Emal1l1ele Filiberto in Piemont eingetroffen war, mußte er zunächst die "vecchi servitori" (alten Dienenden) an sich binden und veranlassen, daß die "altri invitati da cotal esempio" (anderen, durch dieses Beispiel angeregt), danach trachteten, "con ogni loro potere incaminarsi alle servitü sua" (sich mit all ihrer Macht in seinen Dienst zu stellen); um sie zu locken, konnte er nicht umhin, "i piu honorari et importanti carichi" (die wichtigsten und ehrenvollsten Ämter) zu verteilen, wobei unweigerlich Aufgaben in der Gebietsverwaltung und militärische Obliegenheiten nebeneinanderrückten 63 . Auf diese Weise erhielten Tommaso Valperga aus Masino, Federico Asinari aus Camerano, Giovanni Francesco Costa aus Arignano und Stefano Doria die ersten Ernennungen zu "Obersten" der "milizia paesana"; sie begannen, mit dem "molto diletto fidel vassalo Diego Hortiz de Pros spagnuolo" (teuren und treuen spanischen Vasallen Diego Hortiz de Pros) Beziehungen anzuknüpfen, der seinerseits das erste Amt als Militärverwalter - "General-,contadore' des Kriegsvolkes" - erworben hatte, da er "per il spacio di mol ti anni servito in tal officio et altri di grande importanza alla maesta di Carlo V, imperatore di felice memoria et alla maestii cattolica de re di Spagna" (über den Zeitraum vieler Jahre in diesem und anderen sehr wichtigen Ämtern der Majestät Karls V. gedient hatte, Kaiser seligen Angedenkens; und der katholischen Majestät des Königs von Spanien), Onkel, beziehungsweise Cousin des Herzogs"". Auf die gleiche Art hatten Verwandte, Bekannte und Freunde dieser beAST, Abtig. JII, Archivio Camcrale, Art. 692, Biglietti ducali e regi della commissione di govcrno eil., Nr. 2, Brief des Herzogs an monsignor di Boglio, datiert vom 7. November 1565, Fol. 36. 6' AST, Abtig. I, Protocolli Notai Ducali, 225, Patenti di nomina a governatore deI marchesato di Ceva in favore deI senatorc Carlo Pallavicino, 1. April 1563, Fol. 39. MAST, Abtig. I, Militärangelegenheiten, Impieghi militari, M. 1, Nr. 2, Minute di patenti per concessione di varii impicghi militari, 1560-1575, Patent vom 1. Mai 1560. 62

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schränkten piemontesischen Adelsgruppe noch andere Veteranen verschiedener Ab_ kunft in diese sehr frühe, formlose staatliche Bürokratie integriert. Es handelte sich b . el diesen Personen um die Stammväter der Geschlechter von Staatsdienern, die Aufga_ ben und Funktionen bis zum Ende des Jahrhunderts näher bestimmten. Die Miliz spielte dabei eine wichtige Rolle. Teilweise entsprach sie einer beinahe technischen Anforderung: Die Mitglieder der Miliz mußten von Offizieren geführt werden, die nicht nur in militärischer Hinsicht glaubwürdig waren, sondern auch im Hinblick auf ihre soziale "attendibilita" (Zuverlässigkeit) in den angehörenden Gebieten. Die Regel war also folgende: "siccome essa militia si fa nel paese cossl anchora se gli prevede de paisani capitani accio piLI facilmente si rega la gente che acciosara destinata" (wird diese Miliz in einem Gebiet gebildet, so sehe man Hauptmänner aus dieser Gegend vor, damit sich das ausersehene Volk leichter führen lasse)65. Um ein Beispiel zu nennen: es war nur logisch, daß Giovanni Bartolomeo Cacherano, einer der Herren Von Bricherasio, zum Hauptmann über die Männer der "milizia paesana" aus Bricherasio San Secondo, Osasco und Buriasco ernannt wurde. Ihm, einem Adeligen, wurde eil; "Amt" verliehen, oder besser noch, es wurde eine, wenn auch bescheidene Verbin_ dung mit dem Herzog hergestellt, und den Männern dieser Gemeinden wurde ihr natürlicher Herr unter anderen Vorzeichen präsentiert, nämlich als Funktionär des Staates und als Vermittler. In dem Maß, in dem sich die lokalen Herrschaftsschichten dem Herzog unterwarfen, verlor die Miliz natürlich ihre umstürzlerischen Eigenschaften: Es war nicht mehr notwendig, die Bauern oder Klienten eines Adeligen zu bewaffnen, um diesen einzuschüchtern, sondern man mußte diesen im Gegenteil mit Auszeichnungen überhäufen und immer mehr in ein Klientelverhältnis einbeziehen. Schon Levo war der Meinung, daß es vom wirtschaftlichen Standpunkt aus viel umsichtiger gewesen wäre, den Kreis "delli capitani et officiali" (der Hauptmänner und Offiziere) einzugrenzen, während es aus politischer Sicht günstiger gewesen wäre, großzügig zu verfahren: "Con pitl numero de'membri si serve et si mantiene meglio un corpo et si puo gratificar assai piu persone, cosa da considerarsi per atirarsi il cor degli huomini" (Mit einer größeren Anzahl an Mitgliedern nützt und erhält man eine Truppe besser, und man kann sehr viel mehr Personen auszeichnen, ein wesentlicher Faktor, um die Herzen der Männer zu verführen)66 Diese Miliz, die als Institution so zweideutig und auf sozialer Ebene so flexibel war, daß sie dem Herzog Operationen verschiedener und sogar widersprüchlicher Art erlaubte, war ein geeignetes Organ: Ihr anzugehören erforderte keine besondere Erfahrung; sie bot stets auszeichnende Stellungen, und erlaubte darüber hinaus dem Herzog und dem Amtsträger, in beiderseitigem Einverständnis, ein feinmaschiges Kontroll- und Beziehungsnetz zwischen privatem Interesse und Staatsdienst auf- und auszubauen. Bei einer allgemeinen Unterwerfung unter die herzogliche Vorherrschaft ermöglichte es die Miliz - ähnlich einer Heiratspolitik -, neue Verbindungen zwischen Geschlechtern und Familien zu bilden, Kampfpausen

AST, Abtlg. IV, Patenti dueali, Bd. 1, 1560-1600, Nr. 65, 5. Juli 1566. AST, Abtlg. I, Militärangclegenheiten, Levata di milizie, einmaliger Sonderkomplex, Novo discorso deI capitano Giovanni Antonio Levo eit. 6;

66

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schließen und Allianzen einzugehen. Der niedere Adel war davon stark betroffen, und er war sehr reich an Amtsträgern, die in dieser Rolle nicht selten den einzig möglichen Zugang zum herzoglichen Hof oder zumindest zu dessen angrenzenden schichten sahen. Die Notwendigkeit, Untertanen eines bestimmten Ortes zu regieren, legte die Ernennung von Personen nahe, deren "fedelta, viggilanza, sufficienza, esperienza" (Treue, Wachsamkeit, Eignung, Erfahrung) fest stehen mußten; der weitere Fortgang konnte dann aber unvorhersehbare Wendungen nehmen. Als es sich darum handelte, für die Miliz in Giaveno einen Hauptmann "paesano" (aus der Gegend) zu finden, dachte Emanuele Filiberto an den Vasallen Percivallo Guglielmetti, einen Edelmann aus dem Ort: Neben Giaveno hätte dieser auch noch die Kontrolle über Coazze und die dortige Abtei gehabt. Kommandierender Oberst des Gebietes war Giuseppe Caresana, Gouverneur der Stadt und Zitadelle Turin und Ratgeber des Herzogs. Zwei Jahre nach dieser Entscheidung zeigte sieh die Notwendigkeit einer Neuordnung der lokalen Kommandohierarchie: Der junge Francesco Maria Fea "de gentilhuomini di Giaveno" (von den Herren von Giaveno) wurde zum Fähnrich in der Kompanie Guglielmettis ernannt. Dem jungen Mann konnten sich große Möglichkeiten eröffnen, da ihn das Vorhandensein lokaler Klientelbeziehungen - das gute Einvernehmen zwischen seiner Familie und den Guglielmettis - in die Lage einer möglichen Beziehung zu Caresana versetzte, der inzwischen sogar großer Kammerherr des Herzogs geworden war 67 . Schließlich war die Miliz, nach den Betrachtungen Levos, und über lokale Erfordernisse hinaus, allmählich zu einem nützlichen Werkzeug in den Händen des Herzogs geworden, der für ihre Aufgaben, und sei es nur unter einem Ehrentitel, das heißt ohne Verpflichtung oder Funktion, diejenigen Personen bestimmte, denen er einen Gefallen oder eine Vergütung schuldig war. Aus den verschiedensten Gründen zeichnete man so mit dem Grad eines Hauptmanns der Miliz Personen aus, die dem Herzog Dienste geleistet hatten; sie mußten keine militärischen Aufgaben in diesem oder einem anderen Gebiet erfüllen: Auf diese Weise kam auch Emanuele Filiberto nicht in die Verlegenheit, entscheiden zu müssen, ob einer seiner Vertrauensmänner "assentati nellibro deI soldo di detta militia" (aus den Soldli5tcn besagter Miliz gcstrichen) würde, so daß dieser noch "piu commodamente scrvire [i suoil impotranti affari" (bequemcr seinen wichtigen Geschäften nachgehen) konnte 68 Die einzigen, die aus sehr offensichtlichen Gründen bei der Gestaltung der "milizia paesana" nicht bedacht worden waren, und die in gewisser Weise sogar die erste politische Zielscheibe für die Miliz darstellten, waren die großen Feudalherren und all diejenigen Vasallen, die, zumindest anfänglich, der Restauration der herzoglichen Gcwalt Widerstand oder Mißtrauen entgegengebracht hatten. In Übereinstimmung mit antiken Gewohnheiten hatte Emanuele Filiberto für sie eine "cavalcata" oder "Beihilfe" vorgesehen, zu der die "nobili et principali fameglie de'vassalli" (Familien der adeligen und führenden Vasallen) ihrem Herren gegenüber verpflichtet waren. Es handelte sich dabei um eine Form persönlicher Ehrfurchtsbezeugung, auf Grund derer die FeudalZU

'" AST, Abtlg. IV, Patcnti ducali, Nr. 71, 31. Januar 1567; NI'. 83, 5. November 1568. (" Ebenda, NI'. 126, 14.Juli 1575; NI'. 134, u.Juni 1576; Nr. 135,Juli 1576; NI'. [36,1. Mai 1577.

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herren gezwungen waren, dem Herzog bewaffnet und beritten zu Hilfe zu eilen, Wenn er von ihnen ein Eingreifen verlangt hätte. Nach einer ersten Aufforderung im August 1562 wandte sich der Herzog am 2l. Oktober des gleichen Jahres von neuem "alla no_ bilta del Piemonte" (an den Adel von Piemont), in der klaren Absicht, dessen Bereit_ schaft zu prüfen. Er zeigte die Gefahren auf, die durch "diverse mutationi di Cose" (verschiedene Veränderungen der Dinge) und durch "persecutioni, sollevamenti di popoli, rebellioni" (Verfolgungen, Aufstände der Volksmengen, Rebellionen) ausgelöst werden konnten, und er stellte die Frage, ob die "detti vassalli ... in un tempo si dub_ bioso et per causa si legitima [volessero] porsi in ordine da servir in dette cavaleate ad ogni bisogno che sopravenisse" (besagten Vasallen ... in einer so unsicheren Zeit und aus einem so legitimen Grund gehorchen wollten, um in besagten "cavaleate" für jeden überraschend auftretenden Notfall zu dienen). Eine solehe Hilfe, so versprach er würde er in "ottima memoria" (bester Erinnerung) behalten. Nun war die Reihe al~ den Vasallen, ihre Treue zu erklären und seine Erwartungen zu erfüllen. Irgend etwas aber mußte den Herzog sofort gewarnt haben, daß der Adel sich zurückhaltend zeigen würde und ihm mit aller Wahrscheinlichkeit nicht in der gebührenden Sorgfalt antworten würde. Am darauffolgenden Tag hatte Emanuele Filiberto nämlich eine neue Anordnung erlassen, in der er den Vasallen anzeigte, daß er keine weitere "replica" (Wiederholung) beabsichtige 69 Ein Signal aber hatte er erhalten, und um weiteren gefährlichen Mißverständnissen vorzubeugen, änderte er sehr schnell die "cavaleata" in eine cavaleata-Steuer um. Damit verbannte er die Feudalherren an den Rand der militärischen Organisation, ohne deshalb auf deren Steuerbeiträge zu verzichten 70 Wie man sieht, betrafen diese Veränderungen der piemontesischen Gesellschaft jede einzelne soziale Gruppe. Machten sich auch hauptsächlich das lautstarke Benehmen der Volksschichten und das gemäßigtere - jedoch genauso radikale - Auftreten der mittelständischen Schichten bemerkbar, so waren doch die Interessenskonflikte und die politischen Antagonismen an der Spitze der sozialen Hierarchie nicht weniger wirksam und stark. Es handelte sich nicht so sehr um das Problem der Stellungnahme für oder gegen die Politik der Herzöge, sondern es stellte sich für viele Adelige, die traditionell Herren ganzer Territorien waren, das Problem, eine Identität wiederzufinden, deren Wesen nicht verändert wäre, auch wenn sich die institutionellen Formen der sozialen Beziehungen geändert hatten. Die "milizia paesana" hatte beispielsweise die sichtbarste Veränderung in den Beziehungen der mittleren bis unteren Schichten untereinander bewirkt, aber sie hatte sicherlich auch den oberen Kreisen keine Pro-

6" AST, Abtlg. I, Protocolli Notai

Ducali, 224 folgende, Patenti colle quali il duca Emanucle Filiberto ingiunge a'suoi vassalli e fcudatari di star pronti all'armi colle cavalcate solite a prcstarsi da Il1cdesimi a seguirc la prclodata S.!\. al primo invito che loro verrebbe fatto, 20. August 1562, Fol. 181; vgl. auch: AST, Abtlg. I, Wirtschaftsangclegenheitcn, Cavalcate, M. 1 und M. 2 n.i. 70 Vgl. I3ranwaio, L'escrcito del vecchio Piemonte, I, 41; 11. l,i/lolle, La riforma politica, in: AA.VV., Emanuelc Filiberto 1891.; F Pa/ellil, La legislatione, in: ebenda, 225 ff.; A. G/nlli GIIIlinil. Il riordinamento dclla finanze in Piemonte, in: eben da, 2531.; den., La finanza in Piernonte nella seconda meta deI XVI secolo, in: "Miscellanea di Storia Italiana, Bd. III, XXI (Turin 1924); S} Jr>"ool/ Sviluppo economico e struttura sociale in Picmonte da Emanuclc Filiberto a Carlo Emanuclc III, in: Nuova Rivista Storica XLVI (1962).

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bleme erspart. Im Grund änderten die den Milizangehörigen zugestandenen Privilegien die gesetzliche Situation der verschiedenen sozialen Erscheinungsformen, und es war auf keinen Fall sicher vorauszusetzen, daß ein Adeliger, auch wenn er Oberst der Miliz war, zu allen seinen Untergebenen die gleiche Art der Beziehung unterhielt: Die Asymmetrie blieb vollständig erhalten, die Positionen ließen sich einander nicht mehr annähern, aber die formalen Eigenschaften dieser Beziehungen konnten Änderungen unterliegen, die auf die Substanz nicht ohne Einfluß blieben. Die Vermittlerfunktion, die de facto und auch von Rechts wegen auch dem reichsten und mächtigsten Adel übertragen worden war, stellte ein notwendigerweise umwälzendes Element dar. Für das abnehmende Glück der "milizia paesana" spielte eine Konfliktsituation eine Rolle, an der die bedeutendsten Adeligen maßgeblich beteiligt waren; diese Konflikte wurden offensichtlich nicht nur mit den anderen sozialen Schichten ausgetragen, die mit der Miliz in Zusammenhang standen, sondern auch mit repräsentativen Teilinhabern ebenfalls entstehender staatlicher Institutionen, die in gleicher Weise die Kontrolle über das Territorium und der damit verbundenen wirtschaftlichen und politischen Macht an sich bringen wollten. Die Überlegenheit der NotabIen, die neben ihren Aufgaben auch noch ein hohes Kommando in der Miliz anführen konnten, ließ klientelähnliche Strukturen entstehen, die verschieden waren von den Strukturen, die sich um einflußreiche Notablen bildeten, die eine wichtige Stellung im Finanz- oder Steuerwesen innehatten. Jeder Adelige oder Feudalherr hatte mit der Wiedereinsetzung der Herzöge von Savoyen die exklusive Macht über das eigene Territorium verloren. Aber die Verringerung der Macht war an diesem Punkt zwiespältig, da sich zur Vorherrschaft des Herzogs der Konkurrenzneid auf die anderen bedeutenden Vermittler hinzugesellte: Der Konflikt lag schon innerhalb des Staates, und die Verbündeten des Herzogs waren darin verwickelt. Die Auswirkungen dieser Streitigkeiten auf die täglichen Beziehungen innerhalb des Gemeinschaftslebens konnten auch einen gefährlichen Ausgang nehmen: Man denke nur an die sich Jahre hinziehende Frage des Waffentragens. Im Mai 1566 verfertigte Levo eine Notiz an Emamtele Filiberto, die ein bezeichnendes Licht auf die Situation warf: Nach Levo war es notwendig, daß so bald wie möglich die Privilegien zur allgemeinen Kenntnisnahme gebracht würden, die den Mitgliedern der Miliz gewährt worden waren, und daß darüber hinaus darauf hingewiesen werden sollte, daß die Veröffentlichung für das ganze Piemont gelten sollte, au eh wenn sie in Turin herausgegeben worden wäre. Es kam tatsächlich vor, daß es Offizieren und Soldaten der Miliz nicht gelang, ihre Privilegien geltend zu machen, und daß sogar "quasi ogni dl" (fast jeden Tag) einem von ihnen "svaligiato ... da fiscali dei suoi giachi e maniche" (die Jakken und Ärmel von Steuerbeamten ... ausgeplündert) wurden 7!. Daß die "fiscali" Personen der Gerichtsverwaltung, die gleichzeitig damit beauftragt waren, die Ordnung aufrechtzuerhalten und die Steuerzahlungen zu überwachen - mächtig waren, konnte man auch an anderen Zeichen ablesen. Ebenfalls 1566, einige Monate nach der Mahnung Levos, schrieb der Herzog an den "fiscale generale", Barberij, und klärte

il

Memoriale a capi eit., in: AST, Abtlg. I, Protocolli Notai Ducali 226, 28. Mai 1566, Fol. 203.

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einige Verordnungen: Besonders in bezug auf das Waffentragen sagte Emal1Uele P'I' I 1_ berto, daß es nie seine Absicht gewesen wäre, "feudatari et ufficiali mediati et im me _ diati et li ministri della giustitia" (Feudalherren, mittelbare und unmittelbare Beamte und Magistrate) dieses Privileges zu berauben, dies allerdings nur unter der Vorausset_ zung, daß sie keine anderen Waffen tragen würden "di quelle ehe 50no yermesse alli soldati della militia" (als die den Soldaten der Miliz erlaubt sind). Die Uberwachun dieser Verordnung vertraute der Herzog jedoch ausgerechnet dem "fiscale" Barbel an, und er erlaubte ihm, mit seiner Kompanie und den Beamten der Justiz, die "arrnat: d'ogni sorte d'arme acciü" (dafür mit jeder Art von Waffen ausgerüstet) waren, auszu_ ziehen, um "castigar sommariamente tutti quel~i ehe" (kurz und bündig alle diejenigen zu bestrafen, die) sie "esser contraventori" (als Ubertreter) seiner Befehle gefunden hätten. Ganz sicher mußten sich auch die Justizbeamten korrekt verhalten, und es war die Pflicht Barberijs, dies zu ga:~ntieren: Sie mußten selbstverständlich "giache et l11anig_ lie de maglia" Oacken und Armel aus Maschen) tragen, beritten sein und dabei "arma d'asta per huomo oltm le altre arme" (pro Person jeweils eine Lanze zusätzlich zu den anderen Waffen) tragen. Mit noch größerer Berechnung befahl Emanuele Filiberto daß "tutti li ufficiali et soldati della militia" (alle Offiziere und Soldaten der Miliz) i~ Sinne des gemeinschaftlichen Dienstes, den Forderungen und Wünschen "del sudetto fiscale 0 suo substituito" (des obengenannten Steuerbeamten oder seines Stellvertre_ ters) nach Zusammenarbeit nachkommen müßten 72. Andernfalls hätten sie mit schweren Strafen zu rechnen. Auch das waren offensichtlich Faktoren, die das Gemeinschaftsleben störten und vergifteten; aber es waren nur die Reflexe der Machtkämpfe, die an der Spitze ausgebrochen waren. Ein Beispiel für diese Kompetenzstreitigkeiten, denen noch weit umfangreichere Interessen zugrunde lagen, offenbart sich in einigen Briefen zwischen Emanuele Filiberto, Carlo Emanuele I. und Onorato und Annibale Boglio, die traditionell über die Stadt und das Umland Nizza herrschten, das strategisch eine der wichtigsten Regionen des Herzogtums Savoyen war. Wie bei vielen ein Problem zum anderen kam, zeigt sich in der Person des Onorato Grimaldi, Baron von Boglio: Er war schon Gouverneur der Stadt und des Umlandes von Nizza, als er 1562 vom Herzog auch die Ernennung zum Oberst der "milizia paesana" erhielt; scharfsinnig und äußerst aufmerksam, beklagte sich Boglio bei dem Herzog, daß seit den ersten Briefen diese Aufgabe nicht in der gehörigen Form unter seinen Titeln hervorgehoben worden war. Er ersuche Seine Hoheit, "degnarsi di provederli per I'avenire, perche gli [era] di poco riputazione ancora si presso de la cittil come degli al tri suoi ministri et ufficiali" (sich herabzulassen und für die Zukunft Abhilfe zu schaffen, da er [der Titel] sowohl in der Stadt wie auch bei seinen anderen Ministerialen und Offizieren in so geringem Ansehen stehe), daß der Titel eines Obersten nicht einmal formell in den an ihn gerichteten Schreiben erscheine. Sofort danach bat er, daG ihm die "universal cognitione" (universelle Entscheidllngsgewalt) über Verbot oder Erlaubnis des Waffentragens übertragen werde, da es ihm mehr "al carico SliO che a quello d'altri" (seine Aufgabe, als die von anderen) erAST, Abtlg. III, Archivio Cameralc, Art. 692, Biglictti ducali c regi della commissionc cli govcrno eit., NI'. 2, l7. Oktobcr l566, Fol. 44 folgcndc.

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scheine, in dieser Beziehung eingreifen zu können: Auf diese Weise glaubte er auch, die "tanti abusi" (vielen Mißbräuche) verhindern zu können, die dieses Problem "in dan no de'suoi poveri sudditi" (zum Schaden seiner armen Untertanen) mit sich brachte 73 . Damit jedoch berührte er ein Kernproblem, da, wie man schon gesehen hat, die Erlaubnis, Waffen bei sich tragen zu dürfen, aus vielen Motiven heraus das wichtigste Privileg darstellte: Wer folglich die Schlüssel zum Zugang und zur Regelung dieses Privilegs besaß, verfügte über eine beachtliche Macht. Boglio wußte dies und wählte das Feld der Ehre, um seine Vorrechte zu verteidigen und es dem Herzog abzuschlagen, nach mehreren Seiten hin seine Gunstbeweise mit den damit verbundenen Machtansprüchen zu verteilen. Die Tatsache, daß der Präfekt von Nizza sich schon das Recht angemaßt hatte, nach freiem Ermessen das Waffentragen bei Tag und . Nacht in der Stadt sowie im Umland zu verbieten, widersprach nicht nur der Norm, die der Gouverneur anstrebte, der gleichzeitig auch Oberst der Miliz war und somit für eine solche Entscheidung verantwortlich gewesen wäre, sondern sie verletzte auch die Würde Boglios: Diese Entscheidung war nämlich tatsächlich das Vorrecht seines Amtsvorgängers gewesen. Hätte der Herzog dem Präfekten recht gegeben, hätte er damit zum Ausdruck gebracht, daß er den Gouverneur "in manco estimatione di suoi antecessori" (mit geringerer Wertschätzung als dessen Vorgänger) behandle. Das aber, so deutete Boglio an, würde doch sicher nicht in der Absicht des Herzogs liegen, der ihm nicht die "preminenza" (Überlegenheit) gegenüber dem Präfekten nehmen wolle. Neben den Kompetenzproblemen bewegte den Präfekten nämlich noch eine etwas unklare Angelegenheit, wie Boglio durchblicken ließ: Tatsächlich schien es so, als ob der "prevosto di giustizia" mit seinen Männern, die alle dem Präfekten unterstanden, jede Person entwaffneten, die sie des Nachts antrafen, und daß sie dann in aller Öffentlichkeit mit diesen Waffen, oder mit dem Ertrag aus deren Verkauf, prahlten. Ohne direkt darauf hinzuweisen, beanspruchte Boglio in einem anderen Teil seines Schreibens an den Herzog für sich und seine Miliz auch die Polizeibefugnisse 74 . Dies geschah in dem Vesuch, in den eigenen Händen annähernd alle Instrumente zur Kontrolle des Territoriums zu vereinigen. Boglio endet, indem er sein Ausgangsproblem wiederaufgreift, das heißt, "essendosi degnata VA dar al detto" (nachdem Ihre Hoheit die Gnade erwiesen hat, dem besagten) Signor di Boglio "il carico della milicia di tutto il paese suo di terra nuova per honorarlo et farle gratia" (die Aufsicht über die Miliz seines gesamten Gebietes und neuer Ländereien zu übertragen, um ihn zu ehren und ihm Gunst zu erweisen), er nun hoffe, daß sich der Herzog darüber hinaus noch herablassen werde, "mantenerlo in guel grado di onoranza" (ihn in diesem Ehrenstand zu belassen) und es jedem verwehre, "alterar alla reputatione suo" (an seiner Würde etwas zu verändern). Letzteres vor allem deshalb, weil außer dem Präfekten auch noch ein gewisser signor di Sant'Andrea in dem Umland eingetroffen war und befohlen hatte, in einigen Gebieten die Wachen zu mobilisieren. Nachdem dies in keiner Weise mit

Memoriale a capi umiliato a S.A. dal barone di Boglio eil., in: AST, Abtlg. I, Protocolli Notai Ducali, 224 folgende, April 1562, FoL 95. H Memoriale a capi umiliato a S.A. dal barone di Boglio eil., in: ebenda, 3. September 1565, FoL 188 folgende.

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ihm, dem Gouverneur, abgesprochen worden war, hatte "datto odore SOSpeto al mondo" (es im Volk den Verdacht erweckt), als hätte er sich diese Handlung nur er_ laubt, weil er direkt vom Herzog dazu autorisiert worden sei. Boglio beabsichtigte sicher nicht, die Uberlegenheit der herzoglichen Macht in Frage zu stellen, aber er sprach sich dennoch dafür aus, daß der Regierung über das ganze ihm anvertraute Ge_ biet "reveritto et ubbiditto" (Achtung entgegengebracht und gehorcht) werden Sollte und daß diese Einmischungen schließlich mit einer Bedrohung seines Ansehens en~ den würden. Wenn der Herzog seine Beauftragten schicken wollte, so stehe es ihrn frei, dies zu tun, aber es wäre besser, wenn er den Gouverneur davon unterrichten würde; andernfalls würde er ihn in seiner Ehre kränken und seiner Glaubwürdigkeit berauben, wobei als Konsequenz daraus der Dienst an, oder besser die Vermittlerfunk_ tion gegenüber den Untertanen leiden würde 75 Der Streitfall war damit aber noch nicht ausgestanden. Nach etwas mehr als einern Jahr, im Dezember 1563, wurde Emanuele Filiberto gezwungen einzugreifen, um die Befugnisse des Obersten der Miliz und des Präfekten über die "cognitione de'delitti e punitione de'medesimi" (Entscheidung der Straftaten und deren entsprechende Bestrafung) festzulegen 76 Überrascht von diesem neuen Streit, wollte der Herzog nicht über den Entwurf einer "provisorischen" Regelung hinausgehen. Was die "delitti militari commessi da quelli della mititia" (militärischen Vergehen, die von Angehörigen der Miliz begangen wurden) betraf, so wäre es die Aufgabe des Obersten, diesbezüg_ lich zu entscheiden, auch wenn dieser gleichzeitig das Amt des Gouverneurs ausübe. Für alle "li delitti comuni 0 altri comessi da persone" (die anderen, gewöhnlichen Vergehen, die verübt wurden von Personen), die nicht der Miliz angehörten, wäre dagegen die Reihe an dem Präfekten oder an einem anderen Richter gewesen, zu entscheiden. Wurde jedoch eine Person auf Befehl des Gouverneur-Obersten verhaftet, mußte der Gefangene in den Kerker überführt werden und mit dem gemeinsamen Einverständnis des Gouverneurs und des Präfekten verurteilt werden, es sei denn, der Gouverneur hätte dem Präfekten freiwillig die Entscheidung über das Urteil überlassen. Was dagegen Landesverweisungen, Bekanntmachungen über die Aufnahme von Fremden in Kriegszeiten und die Erlaubnis und das Verbot des Waffelltragens betrafen, so übertrug Emanuele Filiberto die diesbezügliche Verantwortung dem Gouverneur, während dessen Abwesenheit aus der Stadt, dem Präfekten. Der "prevosto di giustitia" mußte sowohl dem Gouverneur wie auch dem Präfekten gehorchen. Daß es sich hier um keine befriedigende Lösung handelte, war offensichtlich; aber andererseits war die Verlegenheit des Herzogs auch kennzeichnend sowohl für seine relative Machtlosigkeit gegenüber der tatsächlichen Stärke seiner Verbündeten-Diener als auch für die Unmöglichkeit einer zu deutlichen Parteinahme. Beide erfüllten für ihn äußerst wichtige Aufgaben, und der Konflikt zwischen ihnen garantierte unter bestimmten Gesich'tspunkten die Erhaltung der herzoglichen Macht. Nur: einfach war es nicht, lnsti-

Ebenda, insbesonders der Punkt Nr. 11, Fol. 191 r. Patenti colle quali Emamtele Filiberto provisoriamente determina la giurisdittione competente al colonnello dclla milizia e al prefetto della citta di Nizza nella cognizione de'delitti c punizionc de'medesimi, in: ebenda, 225, l5. Dezember 1563, Fo!. 156. 75

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tutionen und Personen zu regieren, deren Aufgabenerfüllung in offenem AntagonismuS zueinander stand. Baron von Boglio aber war kein Mann, der aufgab, und als sein Name 1565 erneut auftauchte, wurde er als "molto magnifico consigliere, cambellano, colonnello e governatore" (sehr hervorragender Ratgeber, Kammerherr, Oberst und Gouverneur) angesprochen: Anlaß war eine Ernennung, in der Emanuele Filiberto einem Hauptmann Antonio Berra die Aufgabe eines "sergente maggiore" der Miliz des Umlandes von Nizza übertrug. Berra, der ausdrücklich zu Ergebenheit und Gehorsam gegenüber signor di Boglio angehalten worden war, mußte bei der Anwerbung von 2000 Mann Fußvolk mithelfen 77 . Ebenfalls um die vollständige Autorität Boglios über das gesamte Territorium erneut zu bekräftigen, rief der Herzog auch alle "ufficiali, sindaci, consoli ert uomini del contado die Nizza" (Offiziere, Bürgermeister, Konsuln und Personen des Umlandes von Nizza) zu Gehorsam und Einhaltung der ihnen vom Gouverneur erteilten Befehle aufS. Im Lauf eines Jahres war der gleiche Berra zum Interpreten für die klientelen Ansprüche Boglios geworden: In einem Schreiben an den Herzog brachte Berra den Wunsch des Gouverneurs zum Ausdruck, für die Miliz auch einen Zahlmeister zur Verfügung zu haben - das heißt, einen Eintreiber der notwendigen Gelder zur Besoldung, für Waffen und Ausrüstung im allgemeinen; gleichzeitig schlug er einen seiner Vertrauensmänner, einen gewissen Agostino Bonifiglio als Kandidaten vor; darüber hinaus - so fuhr Berra fort - wäre es dem signor di Boglio auch angenehm, über einen "auditore" für die Miliz verfügen zu können, und er schlug vor, diese Aufgabe dem Edelmann Gaspar Carfarand zu übertragen, der schon Stadtvogt von Nizza und sein guter Freund war 79 Die Boglios waren ein Beispiel dafür, wie eine Familie, die lange Zeit ein Territorium beherrscht hatte, versuchte, die eigenen traditionellen Vorrechte trotz des aufgezwungenen Rollentausches aufrechtzuerhalten. Das Beispiel des Onorato Grimaldi di Boglio wurde peinlich genau fortgesetzt: In den folgenden dreißig Jahren dominierte mit der gleichen Aufmerksamkeit, Hartnäckigkeit und pedantischen Autorität sein Sohn Annibale, der als geheimer Ratgeber des Staates, Kammerherr, Gouverneur und Generalstatthalter des Umlandes von Nizza und General "delle galee" tituliert wurde. Er fuhr fort, jede Handbreit seiner Macht zu verteidigen: Er wies jede Handlung, die nicht direkt mit ihm abgesprochen worden war, zurück, mißtraute jedem, der mit einer noch so geringen administrativen Aufgabe betraut worden war, die nicht seiner direkten Kontrolle unterworfen war, und er verhandelte ununterbrochen mit dem Herzog um einen höchstrangigen Dienst, das heißt um die Anerkennung einer Überlegenheit, die nur gegenüber der herzoglichen Familie zurückgesteckt hätte. Es gab keine einzige Geste, die auch nur im geringsten eine

'7 Patente di nomina in Sargente Maggiore, sotto pere, a'utorita dei governatore di Nizza della milizia di detto contado a favore dcl capitano Antonio Berra, in: eben da, Oktober 1565, Fol. 358. 78 Patenti colle quali Emanuele Filiberto di Savoia manda agli Ufficiali, Sindici, Consoli ct uomini clcI contado di Nizza di obbedire a quanta verrcbbe loro ingiunto dal conte di Boglio intorno alla levata di 2000 fanti ben armati ed al riparto della medcsima sui diversi comuni, in: eben da, Oktober 1565, Fol. 361. 79 Memoriale a capi umiliato al duca Emanuclc Filiberto da Antonio signore di Berra intorno al riordinamento della milizia nel contado di Nizza, in: cbcnda, 226, 26. September 1566, Fol. 243.

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andere Person seines Territoriums ausgezeichnet hätte, die nicht sofort von BOglio I a indirekte "pregiudicio de l'honor" (Beeinträchtigung der Ehre) ausgelegt worden w.. s Jede öffentliche Kundgebung, jede feierliche Handlung, jede Konfrontationsmögrarhc, le _ keit mit anderen Beamten des Herzogs vor den Augen der Bevölkerung - das heiß vor den Augen derjenigen, die von unten eine von oben errichtete Vorherrschaft be~ stätigen konnten - war stets eine Machtprobe: sogar die Fronleichnamsprozession, be' der Boglio niemals zugestimmt hätte, daß seine Kerzen hinter denen einer andere I Autorität getragen worden wären 80. n Ganz sicher war die Art und Weise, mit der diese Persönlichkeiten die "milizia pacsana" betrachteten, ziemlich weit entfernt von der Betrachtungsweise der Herzöge: Es gibt keine Zweifel, daß diese Einstellung mit der Zeit ein weiteres Motiv für den Zer_ fall, wenn nicht für das Scheitern der Miliz wurde. 1633 besagte eine "Instruzione" von Vittorio Amedeo 1., daß "gli incontri succeduti per 10 passato tra i governatori et i colonnelli delle milizie" (die Begegnungen in der Vergangenheit zwischen den Gou_ verneuren und den Obersten der Miliz) dazu geführt hätten, zu "risolvere et stabilire ehe niuno governatore [fosse] colonnello in qualsivoglia luogo" (klären und festzule_ gen, daß kein Gouverneur in welchem Ort auch immer, Oberst wurde)8l. Ursprünglich war die Miliz entstanden, um festgefügte Machtpositionen aus dem Gleichgewicht zu bringen; paradoxerweise, wenn auch in einem total veränderten Zusammenhang, war sie dann zu einem Instrument geworden, mit dessen Hilfe nicht wenige Adelige ihre Stellung erneut stärkten. Auf dem Höhepunkt einer Entwicklung, die von einer Angleichung der Verhältnisse und einem Verblassen der sozialen Unterscheidungsmerkmale mit Hilfe einer militärischen Organisationsform ausgegangen war, bestätigten nun andere Formen der militärischen Organisation eine neue und sehr ausgeprägte soziale Hierarchie und deren entsprechende Rollen und Rangstufen. Die Ehrenhaftigkeit einer Aufgabe stellte deren tatsächliche Nützlichkeit in den Schatten, und der Hof, weit entfernt von den Intrigen und inneren Konflikten der Gesellschaft, wurde zu einem Ort, an dem eine neoritterliche Kultur am Elitenaustausch und -ausgleich teilhatte. Gegen Ende des Jahrhunderts schmückten sich viele Adelige mit der Zugehörigkeit zur "compagnia cli gentilhuomini d'arme", einer Formation, die der physischen Gestalt des Herzogs am nächsten stand 82 . Viele andere Adelige verwoben klientele und verwandtschaftliche Strategien miteinander und schufen so die Voraussetzungen für die Erblichkeit von Ämtern oder doch immerhin für das Weiterbestehen eines Vertrauensverhältnisses und eines gegenseitigen Austausches zwischen der eigenen Familie und der des Her-

AST, Abtlg. I, Lettere Particolari, G, M. 51; vg!. im besonderen die Briefe des Herzogs, Nr. 2, 4. Januar 1599; Nr. 4, 31. Januar 1599; Nr. 6, 31. Mai 1599. . 81 Istruzione del duca Vittorio Amedeo I. cit., in: AST, Abtlg. I, Militärangelegenheiten, Levata dl Milizie, M. 1, Nr. 3, [April 1633). . 82 Vg!. AST, Abtlg. III, Archivio Generale, Art. 692, Biglietti ducali e regi della commissione dl governo eit., Nr. 2, im besonderen die Verfügungen vom 30. April 1590, Fo!. 78; 23. April 1593, Fo!. 91; 29. Mai 1594, Fa!. 95; 26. Juli 1594, Fo!. 97; 1. August 1594, Fo!. 98; 24. August 1594, Fa!. 99; 8. Oktober 1595, Fo!. 100. 80

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zogs83 Zwischen den Lücken einer mittlerweile mannigfaltigen militärischen Organisation verwandelten wieder andere ihre Beamtenposten in kleine unternehmerische Mittelpunkte, indem sie auf privater Basis, aber dennoch immer im Schatten des Staatsdienstes, mit Personen und Material handelten 84 Tatsächlich besaß die Miliz nicht nur in der Anfangsphase, als der Zulauf aus dem Volk aus ihr eine wirkliche Institution zu machen schien, eine genau definierte Bedeutung; besonders wirkungsvoll hat sie ihre Funktion als Scheininstitution, als ein fließender Organismus zwischen genauen Vorschriften und Abweichungen, den jeweiligen Umständen und Zusammenhängen entsprechend, erfüllt. Als "echte" Institution hatte sie den untergeordneten Schichten die vergängliche Illusion eines möglichen teilweisen Loskaufs vorgegaukelt und zur gleichen Zeit der restlichen Gesellschaft die autokratischen Bestrebungen des Herzogs angezeigt. Als "Schein"-Institution dagegen hatte sie es dem Herzog ermöglicht, Bundesgenossen auszuwählen, Vertrauenspersonen auszuzeichnen, die verschiedenen Territorien mit viel Spielraum zu kontrollieren und vor allem die sozialen Vereinbarungen und den sozialen Austausch im unklaren zu belassen wie auch den Zugang und Ausgang zu den vielfältigen Machtbereichen und zu den herrscherlichen Auszeichnungen offenzuhalten. Da die Miliz wie eine richtige Institution das ganze Territorium überzog, ermöglichte sie es dem Herzog, jede ihm beliebige Art von Politik zu betreiben: Durch sie ließen sich soziale Spannungen schüren, die gleichwohl kontrolliert sehr häufig für die Erhaltung der herzoglichen Vorherrschaft nützlich waren. Es ließen sich Koalitionen wiederherstellen; die Stufen der sozialen Leiter bildeten sich neu. Eine Aufgabe innerhalb der Miliz konnte ehrenhalber oder tatsächlich sein: In beiden Fällen war sie widerruflich oder zumindest unsicher, und der Amtsinhaber konnte auf einen Schlag die Verbindung zu dem Beziehungsnetz verlieren, das ihm bis zu dieser Position verholfen hatte. In beiden Fällen bot sich die Möglichkeit, die eigene Position zu verbessern, wenn nicht sogar die Möglichkeit, sich berauschend nahe in Richtung zentraler herzoglicher Macht zu bewegen. Der militärischen Ineffizienz der Institution entsprach im umgekehrten Verhältnis die Wirksamkeit auf politischer und sozialer Ebene. Lediglich mit genaueren Abmachungen, im Umfeld eines nunmehr weiten und komplexen Rückverteilungssytems der Macht, hätte die "milizia paesana" und ihre fragwürdige Funktion nicht die geringste Daseinsberechtigung gehabt.

Ich erlaube mir, zu verweisen auf: lValter Barberis, Uomini di corte nel Cinquecento tra il primato della famiglia e il governo dello Stato, in: Storia d'ltalia, Annali 4, Inte·llettuali e potere (Turin 1981) 885 ff. Besonders über die Weitergabe militärischer Ämter sind einige Dokumente interessant, die den Übergang der KommandosteIlen vom Vater auf den Sohn belegen, enthalten in: AST, Abtlg. IV, Patenti ducali, Nr. 147, 16. Juli 1580; Ne 149, 19. September 1580. 8·i AST, Abtlg. I, Lettere Particolari, R. M. 63, Briefwechsel zwischen dem Herzog und Leonardo Della Rovere, im besonderen NI'. 8, 16. Oktober 1576. 83

Aurelio Lepre Feudalstrukturen und Klientelstrukturen im Süden Italiens 1. Der in diesem Aufsatz betrachtete Zeitraum ist zweifellos sehr lang. Wegen der Bedeutung, die der Frage der Klientelbeziehungen in der Geschichte des "Mezzo'giorno" Italiens zukommt, müßte er in Wirklichkeit jedoch noch länger sein und bis in unsere Tage reichen. Dennoch ist es möglich, sich auf eine Periode bis zum Jahre 1806 zu beschränken, als die Feudalherrschaft abgeschafft wurde. Dieses Datum stellt eine klare Zäsur dar, da es eine Übergangsphase von der archaischen zur bürgerlichkapitalistischen Klientelwirtschaft einleitet, die ziemlich komplex ist und deren Ausgang nicht vorhersehbar ist. Auch im Laufe des Mittelalters und der Neuzeit ist es möglich, chronologische Einschnitte vorzunehmen, indem man Perioden unterscheidet, in denen die Klientelbeziehungen unterschiedliche Merkmale zeigten. Trotz dieser Verschiedenheiten blieben jedoch einige gemeinsame, sehr wichtige Grundzüge unverändert. Auf jene werde ich in dieser Arbeit Bezug nehmen. Es wäre sicher leichter und aus wissenschaftlicher Sicht vielleicht gewinnbringender, einen sehr viel kürzeren Zeitraum oder ein begrenzteres Thema zu betrachten: Die Geschichte des "Mezzogiorno" Italiens bietet reiche Auswahlmöglichkeiten. Aber beim gegenwärtigen Stand der Forschung über den Klientelismus ist es notwendig, zunächt einige allgemeine Punkte dieser Fragestellung in Erinnerung zu bringen. Dies ist sehr wichtig, um sich mit der Analyse der Beziehungen in der Gegenwart auseinandersetzen zu können - in der Klientelverhältnisse fortfahren, einem beachtlichen, wenn auch nicht mehr überwiegenden Teil der Gesellschaft des "Mezzogiorno" ihren Stempel aufzudrücken - und in der Vergangenheit, in der diese Verhältnisse ihren Ursprung haben. Die Fragestellung betrifft auch den Zusammenhang von Anthropologie und Geschichte. Es ist den Anthropologen zu verdanken, daß sie die allgemeinen und besonderen Merkmale der Klientelverhältnisse im "Mezzogiorno" Italiens in der Gegenwart bestimmt haben. Es ist Aufgabe der Historiker zu zeigen, daß diese sehr tief verwurzelt sind und sowohl die Geschichte der politischen und wirtschaftlichen Macht in Mittelalter und Neuzeit betreffen, wie auch die Geschichte der Mentalität und Ideologie. In Wirklichkeit haben sich die Historiker viel mit dem Feudalismus beschäftigt und sehr wenig mit dem Klientelsystem, so daß sich eine Bilanz der Forschungen über dieses Thema darauf beschränken müßte, spärliche und bruchstückhafte Ergebnisse hervorzuheben, welche dadurch erlangt wurden, daß andere Aspekte der süditalienischen Gesellschaft untersucht wurden, wie zum Beispiel Großgrundbesitz, Gemeinden (die "universitates civium"), zentrale und lokale Macht. Es ist dennoch wegen der be-

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stehenden Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten zwischen Feudal- und Klientel_ strukturen I~öglich: e.ine erste Formulierung der Problematik zu wagen und die noch sehr allgememen LlI1Ien des Gesamtbrldes zu skizzIeren. In dIesem Rahmen ist da nn noch Platz für genauere Untersuchungen. Betrachten wir zunächst das Verhältnis zwischen mittelalterlichen und römische Klientelbeziehungen. Nachdem er daran erinnert hatte, daß ein Untervasall auch "dientulus" bezeichnet werden konnte, beobachtete Marino Freccia: "differt tamel~ diens a dientulo, neque de diente habetur mentio in usibus feudorum, sed bene in pandectis."l Aber er benutzt dann gerade die Definition von "diente", um den Unter_ schied zwischen Vasallen und "forestieri" zu unterstreichen (erstere mußten bei der Bearbeitung der feudalen Ländereien stets vorgezogen werden): "vassalli dientes Sunt et pro libertis habentur: in exterorum numero non sunt computandi."2 Der Diskus_ sion über diesen Punkt ordnete sich die ausführlichere Diskussion über die Beziehung von Feudalrecht und römischem oder langobardischem Recht unter, die aber mehr polemischen als wissenschaftlichen Wert hatte: Auf historischem Gebiet ist es notwendiger, diejenigen Merkmale herauszuarbeiten, die es erlauben, den Feudalstruktu_ ren - oder einigen von ihnen - klientelartige Eigenschaften zuzuschreiben, als Kontinuitäten zwischen römischer und feudaler Klientel zu suchen 3 . Die Wichtigsten setzen sich aus Unterordnung, Protektion und Gegenseitigkeit zusammen. Einige Anthropologen haben behauptet, die erstgenannte Eigenschaft gehe über das typische Verhältnis der "patronage" hinaus. Aber für die Geschichte des "Mezzogiorno" Italiens ist kein Zweifel möglich. Die Beziehung zwischen politischer, aber auch wirtschaftlicher Herrschaft und der "patronage" ist sehr eng. Das Verhältnis von Baron und Untertan ist auch, zumindest teilweise, ein Verhältnis von Patron und Klient, wenn auch nicht in dyadischer Form, sondern mehr in Form einer Klientel-Pyramide, die der feudalen Pyramide entspricht'. 2. Die Komplexität der Feudalgesellschaft des "Mezzogiorno", und demnach der Klientclbeziehungen, die sich in ihr entwickelten, werden schon im "Catalogus baronum" augenfällig, dem ersten Zeugnis, das hiervon eine umfangreiche Darstellung liefert 5 An der Spitze der Pyramide befanden sich die Grafen, gefolgt von den Baronen und den "milites"; die Basis wurde von den "villani" gebildet. Der "Catalogus" wurde in den Jahren niedergeschrieben, in denen es den Normannen gelungen war, die Gesellschaft des "Mezzogiorno" in eine solide hierarchische Struktur zu gliedern. Sie integrierten schon bestehende soziale, politische und auch wirtschaftliche Beziehungen und bezogen lokale Führungsschichten, deren rechtliche Privilegien und Patrimonien respektiert wurden, in das Feudalverhältnis und in die neue Verwaltungsorganisation

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I

Marillo Freaia, De subfeudis baron um et investituris feudorum (Neapel 1554) 68 recto.

Ebd., 233 recto. Vgl. Giuliana D'.!lmelio, Polemica antifeudale, feudistica napoletana e diritto longobardo, in: Quaderni storici (März-August 1974) 337 H. 4 Über die Klientelpyramide, vgl. jall/es Scott, Patron - Client. PoIitics and Political Change in Southeast Asia, in: American Science Review (März 1972), nun in: Clientelismo e !11utamento politico, hrsg. von L. GraziCllIO (Mailand 1974). 5 E.jamison (Bearb.), Catalogus Baronum (Rom 1972). 2

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ein. Im Verlauf der normannischen Vorherrschaft wurden schon vorhandene Einrichtungen beibehalten: Zu unterstreichen ist die Fortdauer der Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen, die schon unter den Langobarden von Bedeutung gewesen waren und die sich häufig in Klientelbeziehungen verwandelten, diese verstärkten oder deren Grundlage bildeten. Auch damals war die Gesellschaft des "Mezzogiorno" nicht ganz feudal. Selbst der genannte "Catalogus baron um" nennt nicht nur die Feudalherren, sondern auch die Inhaber von Patrimonien und die Einwohner einiger Städte, das heißt alle freien Personen 6 Die Klientelbeziehungen waren nicht nur von feudal-vasallischer, sondern von unterschiedlicher Natur, charakterisiert durch politische, soziale und auch wirtschaftliche Abhängigkeit. Damit berühren wir einen sehr wichtigen Punkt: Die Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen bei der Bestimmung des Verhältnisses von Patron und Klient. Betrachtet man einige allgemeine Entwicklungslinien in der Geschichte des "Mezzogiorno", so könnte es scheinen, als hätte es eine Übergangsphase gegeben _ mehr oder weniger lang und mehr oder weniger komplex - mit Beziehungen feudalvasallischer Art bis zu wirtschaftlich bestimmten Beziehungen. In Wirklichkeit ist eine diachronische Analyse für die Untersuchung des Klientelverhältnisses im "Mezzogiorno" notwendig, wenn auch weitgehend unzureichend. Die Untersuchung der nachfolgenden Schichtungen (oder der Veränderungen) muß eng mit der Untersuchung der bestehenden Unterschiede, Zersplitterungen und Gliederungen der Gesellschaft Süditaliens verbunden werden. Ein erster, grundsätzlicher Unterschied bestand zwischen Stadt und Land. Der Begriff "Stadt" ist aber noch sehr allgemein. So war die Beziehung Patron-Klient in Neapel anders geartet als in Zentren mittleren oder kleineren Ausmaßes. Aber selbst bei gleicher Größe konnten diese Zentren auf wirtschaftlicher, administrativer, politischer oder auch religiöser Ebene sehr unterschiedlich sein (wichtig war die Unterscheidung zwischen feudalen und königlichen Zentren). Auch der Begriff "Land" ist sehr allgemein und dies erstens auf Grund der großen natürlichen Unterschiede nicht nur zwischen den getreidereichen Ebenen der "Capitanata" und den Hügeln und Bergen der Abruzzen, sondern auch zwischen den genannten Ebenen und dem fruchtbaren Boden der "Campania felix", und zweitens auf Grund der historischen Unterschiede: in ein und derselben Provinz konnten die Klientelbeziehungen sehr unterschiedlich geartet sein, je nachdem wie sich die Beziehung zwischen Herrschern und Beherrschten im Laufe der Geschichte gestaltet hatte. Die Normannen hatten die alten Machtstrukturen dort ersetzt, wo sie auf Widerstand gestoßen waren; sie hatten sie unangetastet gelassen oder nur teilweise verändert, wo eine Übergabe stattgefunden hatte oder wo man zu einer Übereinkunft gekommen war. 3. Die Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen erscheint besonders deutlich an der Pyramidenbasis. In Aquino, Sora und Arce, in der "Terra di Lavoro", mußten die Bauern im 12. Jahrhundert "servitia et salutes" an die "milites" leisten, aber in vielen Fällen auch eine Abgabe in Geld oder Naturalien. In Vairano und stets in der "Terra di Lavoro" waren die Untertanen noch ein Jahrhundert später - über eine Abgabe in 6

Ebd., 264 H.

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Geld und Naturalien hinaus - zu "servitia et redditus", das heißt, zu einer oder mehr eren wöchentlichen "operae" (Arbeitstage) verpflichter7. Im einen wie im anderen Fall variierte die Höhe des "redditus", im zweiten auch der Umfang der "servitia". Es exi_ stierte also eine beachtliche Vielfalt von Beziehungen zwischen Feudalherren und D ntertanen in ein und demselben Gebiet und auch innerhalb eines Lehens; der Einfluß der wirtschaftlichen Beziehungen war beträchtlich. Dieses wird auch an Hand eines Umstandes deutlich, der hiervon ziemlich weit entfernt zu sein scheint: dem der Pro_ tektion. Im Tausch gegen seine "servitia" erhielt ein Untertan von seinem Baron nicht nur militärischen und juristischen, sondern auch wirtschaftlichen Schutz, und das nicht nur, solange er Eigentum des Barons war, sondern auch, wenn er als Freier in den feudalen Ländereien arbeitete. Der Feudalherr hatte in der Tat ein Interesse daran daß der Bauer in seiner Eigenschaft als Bewirtschafter des Bodens und als Lieferan~ des Zehnten (oder des "terraggio") über das notwendige Saatgut verfügte und niemals unter das Existenzminimum fiel. Bei Hungersnöten, die sehr häufig waren, versorgte er ihn mit Getreide, das als Saatgut und als Nahrungsmittel Verwendung fand. Dieses Getreide überließ er ihm leihweise - so daß durch die Schwierigkeiten der Rückerstat_ tung das Abhängigkeitsverhältnis des Bauern nur noch enger wurde. Dennoch war und erwies sich die Funktion des Barons als notwendig. Die Vorstellung von der Unentbehrlichkeit des Machthabers verwurzelte sich auf diese Weise tief in der bäuerlichen Mentalität. Auf Grund der Unterscheidung zwischen ungerechten und schlech_ ten und gerechten und guten Feudalherren kam man gleichzeitig nicht mit der Auffassung des Barons als Unterdrücker in Konflikt. Die Zahlung des "Zehnten" (in Wirklichkeit ein Viertel bis ein Zwanzigstel der Ernte) muß von der Zahlung des "terraggio" unterschieden werden. Beide waren ideologisch unterschiedlich begründet. Der Zehnte orientierte sich an den besonderen Aufgaben, die Kriegsmänner, Kleriker (es gab auch einen kirchlichen Zehnten) und Arbeiter bezahlten. Diese gaben einen Teil ihres Ertrages im Tausch gegen die Protektion, die sie erhielten. Selbst wenn der Zehnte im Verhältnis zur Fläche des vom Bauern bewirtschafteten Bodens stand (normalerweise war er aber auf den Ertrag bezogen), so rechtfertigte dennoch die Protektion und nicht die Nutzung des Bodens die Zahlung des Zehnten. Der Zehnte betraf alle Produkte, im besonderen Weizen, Gerste und andere Getreidearten, aber auch Most und Öl (in der "Terra d'Otranto" überwog der Anteil an Öl). Dadurch, daß der Zehnte in direktem Verhältnis zum Ertrag stand - in schlechten Erntejahren somit niedrig war -, erschien er dem Bauern weniger drückend. Anfänglich hatte der Zehnte dazu gedient, den Feudalherrn und dessen Familie zu ernähren. Er behielt diesen Charakter auch dann noch bei, als sich das persönliche in ein wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis gewandelt hatte. Der Baron konnte den Bauer dazu zwingen, ihm einen Teil der Produkte zu verkaufen: "barones cogere possunt ad sibi vendendum pro necessitate sui victus et familiae"8. Immerhin

7 Iregistri della Cancelleria angioina, rekonstruiert von R. Fitangieri unter Mitarbeit neapoletanischer Archivare, Bd. XIII (Neapel 1959) 286 H. 8 Gio/;an Fmnces(O Capobianco, Tractatus de iure et auctoritate baronurn erga vassallos burgenses (Neapel 1614) 57.

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beruhte dies auf Gegenseitigkeit: "similiter barones cogi possunt ad vendendum victualia vassallis indigentibus". Andererseits interessierte es den Bauer nicht so sehr, außerhalb des Feudalgebietes die unbedeutenden Mengen an Getreide zu verkaufen, die in guten Jahren eventuell für den Handel zur Verfügung stehen konnten, es war ihm mehr daran gelegen, in schlechten Jahren eine Überlebensmöglichkeit zu haben. Diese Chance war ihm wenigstens im Prinzip durch den Grundsatz zugesichert, daß "domini tenentur redditus feudi distribuere in necessitatibus suorum subditorum". Diese Pflicht des Barons stellte für die Untertanen eine Art Garantie dar, die in einer Gesellschaft, in der die Bauern nahe am Existenzminimum lebten, äußerst wichtig war. Zieht man dies nicht in Betracht, dann ist es schwer verständlich, warum in der Geschichte der süditalienischen Landbevölkerung die Auffassung von der Notwendigkeit eines Machthabers, der überwiegend als Patron gesehen wird, so wichtig ist. Das Prinzip der Gegenseitigkeit stellt unzweifelhaft ein unentbehrliches Element der Klientelbeziehung dar, die als Austausch von Gütern und Dienstleistung