Speckkäferbefall, was tun?

Speckkäferbefall, was tun?

Speckkäferbefall, was tun? J.F. Freise & K. Stelling Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Task-Force Veterinä...

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Speckkäferbefall, was tun? J.F. Freise & K. Stelling Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Task-Force Veterinärwesen, Fachbereich Schädlingsbekämpfung, Oldenburg „Ich hab’ Speckkäferbefall in meiner Wohnung, was soll ich jetzt tun?“ Oft genug erreichen uns solche Telefonanrufe. Natürlich lautet dann die Antwort von unserer Seite: „Rufen Sie einen professionellen Schädlingsbekämpfer an, vereinbaren Sie einen Ortstermin mit ihm und lassen Sie den Befall genauestens diagnostizieren und eine Artbestimmung durchführen, bevor ein Bekämpfungskonzept entwickelt wird. Die Bekämpfung sollte immer die Fachfirma durchführen!“ Das ist oft nicht das, was der Verbraucher von uns hören will, aber mit dem „Speckkäferbefall“ ist das aus unserer Sicht immer so eine Sache…und die gehört nur in Profihand. Speckkäfer, was ist das? Zunächst ist das mal eine Familienbezeichnung innerhalb der Ordnung der Käfer (Coleoptera). Die Familie der Speckkäfer (Dermestidae) beinhalten neben anderen Gattungen auch die der Dermestes, der „eigentlichen“ Speckkäfer. Wir wollen aus diesem kurzen Beitrag kein Systematik-Lehrstück machen, aber es reicht in der professionellen Branche der Schädlingsbekämpfer einfach nicht mehr aus, nur von einem „Speckkäferbefall“ zu reden. Zumindest spätestens in der Bekämpfungsdokumentation sollte der Gattungsname, wenn möglich sogar der korrekte vollständige wissenschaftliche Name neben dem deutschen Trivialnamen erwähnt werden. Die Familie der Speckkäfer, Dermestidae, vereint weltweit ca. 880 Arten in 8 Unterfamilien. Man geht davon aus, dass ca. 67 verschiedene Arten in Mitteleuropa vorkommen. Einige der Vertreter der Käferfamilie wurden z.B. mit Handelswaren verschleppt und sind daher heute weltweit verbreitet. Zunehmende Mobilität des Menschen in allen Lebensbereichen und der globalisierte Warenaustausch werden für die weitere Ausbreitung sorgen. Die Vereinsamung des Individuums in der modernen Gesellschaft, die in von der Umwelt nicht wahrgenommenen Desorganisation und Vermüllung von Haushalten gipfelt (MessieSyndrom) sowie sogenannte „Leichenwohnungen“ sind immer häufiger Grund für den massivsten Befall durch Speckkäfer. Da die Arten der Familie der Speckkäfer in ihrer Biologie sehr unterschiedlich sind und damit einhergehend unterschiedlichste Nahrungsspektren aufweisen, sind die Befallsermittlung und die Artbestimmung Vorraussetzungen für die richtige Bekämpfung eines Speckkäferbefalls. Speckkäfer sind in den verschiedensten Lebensräumen zu finden. Einige Arten leben als adulte Insekten und als Larven zusammen in der Bodenstreu. Einige Arten sind als Käfer Blütenbesucher, während sich die Larven von tierischen Produkten ernähren. Andere Arten wiederum haben sich auf Nester von Säugetieren, Vögeln, Bienen oder Wespen spezialisiert. Auch gefürchtete Vorratsschädlinge im Getreidebereich gehören zur Familie der Speckkäfer. Die Mitglieder der Familie der Dermestiden durchlaufen eine holometabole Entwicklung mit meist fünf bis sieben Larvenhäutungen, bei ungünstigen Bedingungen können allerdings auch bedeutend mehr Larvenstadien auftreten. Die Käfer sind 1 bis 15 mm lang, lang-oval oder

kugelig. Die kahlen, behaarten oder beschuppten Käfer sind braun bis schwarz, die Flügeldecken weisen bei einigen Arten rote, gelbe oder weiße Muster auf. Die Körper der Larven sind lang gestreckt bis oval, gerade bis gekrümmt, geringfügig abgeflacht bis rund. Auf dem Rücken tragen sie verschiedenartige Borsten, Pfeilhaare sind in Büscheln angeordnet. Die Pfeilhaare haben am Ende ein pfeilartiges Köpfchen und können gegen Prädatoren eingesetzt werden. Die verpuppungsreifen Larven sind 2 bis 30 mm lang. Aufgrund ihrer Fraßschäden, die durch die Larven, bei manchen Arten aber auch durch die Käfer, an verschiedensten Materialien (Pelze, getrocknete Pflanzen, Getreideprodukte, Fleischwaren, Käse, Zigarren, Trockenfisch, Teppichen aus Tierwolle etc.) verursachte werden, sind die Speckkäfer als Material- und Vorratsschädlinge zu bezeichnen. Gleichzeitig sollte die Bedeutung als Gesundheitsschädling nicht vernachlässigt werden: Körper- und Kotproteine der Tiere sowie Chemikalien der Pfeilhaare können beim Menschen bei Inhalation oder Berührung allergische Reaktionen auslösen. Im Folgenden sollen exemplarisch jeweils ein Vertreter der Gattungen Dermestes (Speckkäfer im engeren Sinne), Attagenus (Pelzkäfer), Anthrenus (Kabinett- und Blütenkäfer) und Trogoderma vorgestellt werden. Dermestes lardarius, Gemeiner Speckkäfer Die Larven des weltweit vorkommenden Gemeinen Speckkäfers sind Keratinfresser und entwickeln sich an Materialen tierischer Herkunft, wie z.B. an Häuten, Fellen, toten Insekten, trockenen Kadavern, Trockenfisch, Räucherwaren, Knochen-, Fleischund Fischmehl etc.. Pflanzliche Produkte, wie Kakaobohnen Kopra und Mandeln, Erdnüsse und Weizenkeime werden selten befallen, da zur Entwicklung der Larven tierische Eiweiße und Fette nötig sind, die aber durch Kannibalismus und das Fressen von Vorratsschädlingen erworben werden können. In der Geflügelhaltung können lebende Küken angegriffen werden. Durch das Anlegen der Puppenwiegen können feste Stoffe, von denen sie sich jedoch nicht ernähren, geschädigt werden, wie z.B. Kork, Holz, Blei usw. Ein vermeintlicher Holzschädling entpuppt sich häufig bei näherem Hinsehen, vor allem bei verwahrlosten Wohnungen an Fußleisten Türzargen und –blättern als Befall durch Dermestes lardarius. In einem solchen Fall sollte vor der Bekämpfung (z.B. Ecken- und Nischenbekämpfung im Spritzverfahren mit einem Langzeitinsektizid) alle befallenen Gegenstände inklusive der befallene Fußleisten, Türelemente und Parkettböden entsorgt werden. Bei der Befallserfassung sollten auch nach vorangegangenen Bekämpfungsmaßnahmen gegen z.B. Nager oder Fliegen gefragt werden. In einem solchen Fall kann es zu einem

Sekundärbefall durch den gemeinen Speckkäfer kommen, denn die Kadaver oder Fliegenleichen sind ideale Nahrung für den Speckkäfer. In freier Natur sind sie in alten Vogel- und Wespennestern und an kleinen Kadavern zu erwarten. Die Dauer der Larvenentwicklung ist abhängig von der Nahrung, der Temperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit. Sowohl Larven wie Käfer können Temperaturen unter 0°C über längere Zeit tolerieren. Die untere Entwicklungsgrenze liegt bei 15°C die obere bei 30°C, das Optimum bei 20–25°C. Gesamtentwicklung bei 25°C ca. 1,5 Monate, bei 15°C ca. 5 Monate. Die Käfer sind flugfähig. Während im Freiland in der Regel eine Generation pro Jahr hervorgebracht wird, sind es im umschlossenen Raum bis zu zwei Generationen. In gefährdeten Bereichen, z.B. Museen, sollten Fenster, Lüftungen und andere mögliche Eingänge mit Fliegengaze abgedichtet werden. Erst wenn Befallsherd bzw. Brutplatz gefunden und beseitigt worden sind, kann gegen die dann noch vorhandenen Käfer vorgegangen werden. Befallene Lebensmittel entfernen, Textilien ggf. reinigen und die Verpuppungsplätze freilegen bzw. zugänglich machen. Attagenus pellio, Gefleckter Pelzkäfer Die frisch geschlüpften Käfer des weltweit verbreiteten Pelzkäfers orientieren sich zum Licht hin (positiv phototaktisch).Sie leben als Pollenfresser auf Blüten und fliegen zur Eiablage in dunkle Bereiche mit geeigneten Substraten. Die Larven entwickeln sich an einer Vielzahl trockener organischer Substanzen, sowohl tierischer wie pflanzlicher Herkunft, so z.B. an Wolle, Seide, Teppichen, Pelzen und Fellen, Federn, trockenen Kadavern, Knochen, Kot, Insekten, Samen und Getreideprodukten, trockenen Pflanzen etc. Im Freiland entwickelt der Pelzkäfer sich in Bienenstöcken, Wespennestern sowie Vogel- oder Kleintiernester oder an Kadavern. Das Weibchen legt kaum mehr als 50 Eier ab. Die Larven bewegen sich ruckartig fort. Auf Berührungen reagieren sie mit einer länger andauernden Erstarrung. Die Käfer (Blütenbesucher) fliegen Ende Mai ins Freie und kehren zur Eiablage in die Gebäude zurück. Für die Entwicklung einer Generation benötigt diese Art wahrscheinlich mehr als ein Jahr. Es sollten alle in Frage kommenden Textilien, Teppiche und Polstermöbel auf Befall hin untersucht werden. Befallene Waren und Materialen entfernen bzw. zur Behandlung separieren. Textilien reinigen und das Befallsareals unter Einbeziehung des Aktivitätsbereichs der Larven intensiv reinigen. Häufige Befallsquellen sind Vogelnester. Eine Bekämpfung der Larven, bzw. vorbeugende Behandlung von Textilien erfolgt mit Präparaten gegen Mottenbefall.

Anthrenus museorum, Museumskäfer Die Larven des Museumskäfers sind Keratinfresser und entwickeln sich hauptsächlich an toten Insekten und andere Gliedertieren, können sich aber auch von Wolle, Pelzen, Fellen, Federn und Seide ernähren. In Getreide und Getreideprodukten leben sie von Vorratschädlingen. Im Freiland entwickelt sich der Käfer an Spinnenweben bzw. an den von Spinnen zusammengetragenen Insektenresten und in den Nestern von Hautflüglern und Vögeln. Schädlich sind sie hauptsächlich an zoologischen Sammlungen. Die Käfer selbst sind Pollenfresser und orientieren sich zum Licht hin, so dass sie oft in Fensternähe gefunden werden. Es sollten alle in Frage kommenden Materialien auf Befall hin untersucht werden. Eine Bekämpfung der Larven, bzw. vorbeugende Behandlung von Textilien erfolgt mit Präparaten gegen Mottenbefall. Die Pfeilhaare der Larven können bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen auslösen. Trogoderma angustum, Berlinkäfer Dieser auch als „Berlinkäfer“ bekannte, synanthrope Wohnungsschädling ist insbesondere in Großstädten anzutreffen. Seine Larven ernähren sich von einer Vielzahl trockener organischer Substanz, sowohl tierischer wie pflanzlicher Herkunft. Man findet ihn z. B. an Teppichen, Pelzen und Fellen, Wolltextilien, Federn, getrocknetem Fleisch, Seide, toten Insekten, Nüssen, Pressrückständen aus der Ölgewinnung, pflanzlichen Arzneidrogen und an Getreideprodukten. Die Larven sind gegenüber Trockenheit und Nahrungsmangel sehr widerstandsfähig. Die Dauer der Larvenentwicklung und die Anzahl der Larvenstadien ist abhängig von der Nahrung und der Temperatur. Bei 20°C dauert die gesamte Entwicklung, je nach Jahreszeit, 3 - 4 Monate, bei 25°C 2 – 3 Monate. Die Larven überwintern und verpuppen sich im Frühjahr. Unter ungünstigen Bedingungen kann die Entwicklung auf Jahre verlängert

werden. Die Pfeilhaare der Larven können bei empfindlichen Personen zur allergischen Reaktionen führen. Es sollten alle in Frage kommenden Materialien auf Befall hin untersucht werden. Die Befallsquelle muss aufgefunden und beseitigt werden, dabei können auch in Spalten angesammelte Tierhaare, Insekten oder mumifizierte kleine Kadaver als Befallsherd in Frage kommen. Befallene Waren und Materialen entfernen bzw. zur Behandlung separieren. Textilien reinigen und das Befallsareal unter Einbeziehung des Aktivitätsbereichs der Larven intensiv reinigen. Eine Bekämpfung der Larven, bzw. vorbeugende Behandlung von Textilien erfolgt mit Präparaten gegen Mottenbefall. Bekämpfung eines Dermestiden-Befalls Die Bekämpfung eines Befalls durch Arten der Familie der Speckkäfer gehört in Profihand. Sollte es sich um Vorratsschutzmaßnahmen handeln, ist das Pflanzenschutzgesetz zu beachten und Begasungen des Befallenen Vorratsgutes könnten notwendig werden. Grundsätzlich sind bei einem Befall die betroffenen Waren (Lebensmittel, Textilien) zu identifizieren und zu entfernen. Genauso wichtig ist die Entfernung von Produktresten, weil diese Grundlage für einen Entwicklung der Schädlinge sein können. Textilien sollten entweder chemisch gereinigt werden oder die Schädlinge durch geeignete physikalische Maßnahmen abgetötet werden (erhitzen und einfrieren). Vor einer Bekämpfung mit insektiziden Mitteln müssen die Larvenverstecke zugänglich gemacht werden. Dass kann u.U. auch bedeuten, dass die Fußleisten in den Räumen abgebaut werden müssen. Im Spritzverfahren kann z.B. eine Spotbehandlung mit Langzeitmitteln durchgeführt werden. Es können auch Barrieren um die Befallsstellen notwendig werden. Wo möglich sollte begleitend der Einsatz von Stäubemitteln in Hohlräumen erfolgen. Bei Wärmebehandlungen ist die hohe Temperaturresistenz zu beachten, vor allem während der Diapause dieser Schädlinge, weil Diapausestadien relativ unempfindlich gegenüber Hitze und Kälte sind.