Spirituelle Solidarität mit den Opfern extremer Wetterereignisse

Spirituelle Solidarität mit den Opfern extremer Wetterereignisse

lt uropa ä h t En lteil E na o i g Re Lutherische Welt-Information 11 13 Aus dem Inhalt Slowenien: Schärfung des lutherischen Profils...

663KB Sizes 0 Downloads 0 Views

Recommend Documents

MZ 25.07.16 „Aus Respekt vor den Opfern“ Amoklauf Gedenkminuten
25.07.2016 - Amoklauf Gedenkminuten beim Fischertag als Reaktion auf den Anschlag von München. Keine Salutschüsse beim K

Beate Strobel Internatsleiterin zu sein ist eine Aufgabe mit extremer
Du arbeitest seit 15 Jahren als Heimpädagogin in einem Mädcheninternat. ... später auf die Marienhöhe und zur Leitung de

Black
Liquid Black. Chromschwarzer Metallic-Effekt mit extremer Beständigkeit /. Black Chrome Metallic Effect with. Extreme R

Ouverture spirituelle - Salzburger Festspiele
von Joseph Haydn vertreten, der Schöpfung und den Jahreszeiten. Am. Dirigentenpult steht ... Solisten Genia Kühmeier, Mi

Denira Waibel - Spirituelle Schule
Von der A5 Ausfahrt Ettlingen oder Karlsruhe Rüppurr kommend: Richtung Ettlingen Stadtmitte fahren und auf der Vorfahrts

Spirituelle Artes-Auslegung - boris
hundert, der fälschlicherweise Johannes von Salisbury zugeschrieben wurde und .... alters, Teil1: Aachen-Kochel (Mittela

spirituelle ~ kurzgeschichten - kinski.li
bemitleidete ihn sein Nachbar, doch der Weise sagte nur: “Vielleicht”. Ein ... um dort die Nacht zu verbringen, als

Beten mit den Psalmen
Die jüdische Nobelpreisträgerin Nelly Sachs hat 1949 in einem Gedicht über David die menschlich- religiöse Spannweit

RELIGIÖS-SPIRITUELLE BEGLEITUNG
dem Diözesancaritasverband für die Diözese Augsburg als auch auf ... Beteiligung auf die drei KJF-Verbände (Augsburg, Mü

Gemeinden mit Dorfläden
Absberg. Dorfladen Absberg eG. Mittelfranken. Arberg. Dorfladen Arberg eG. Mittelfranken. Buchschwabach**. Dorfladen Buc

lt uropa ä h t En lteil E na o i g Re

Lutherische Welt-Information 11

13 Aus dem Inhalt

Slowenien: Schärfung des lutherischen Profils............................................... 7 Selbstverpflichtungen zum Umgang mit Flüchtlingen und Fremden...................8 LWB erhält Mittel aus Friedensnobelpreis-Prämie...................9 Kolumbien: Gegen Straflosigkeit bei geschlechtsspezifischer Gewalt.......... 11

Caroline Richter, die Leiterin der LWB-Delegation, mit Yeb Saño beim Sonntagsgottesdienst. Foto: LWB/Sean Hawkey

Spirituelle Solidarität mit den Opfern extremer Wetterereignisse LWB-Delegation bei Klimaänderungskonferenz in Polen Warschau (Polen)/Genf (LWI) – Leitungsverantwortliche und Laien aus der christlichen, buddhistischen und muslimischen Tradition haben sich zusammengefunden im Engagement für ein sinnvolles Ergebnis der Klimaverhandlungen bei der jüngsten Klimakonferenz der Vereinten Nationen (UN), die derzeit in Warschau stattfindet. Die Delegation des Lutherischen Weltbundes (LWB) bei der 19. Tagung der Konferenz der Vertragsparteien (COP-19) des UN-Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen (UNFCCC) haben eine interreligiöse Fastenkette angestossen, die Solidarität demonstriert mit den Armen und Schwachen, die am schwersten von immer häufiger auftretenden extremen Wetterereignissen betroffen sind.

Pranita Biswasi, ein Mitglied der LWBDelegation, bringt persönliche Erfahrungen zu den internationalen Verhandlungen nach Warschau mit: „Durch den Zyklon Phailin, der Orissa in Indien, wo ich lebe, heimgesucht hatte, wurden eine Million Menschen obdachlos, Ernten und Vieh gingen verloren und Existenzen wurden zerstört. Die Katastrophe ist für die Menschen zu Hause sehr real und sie schadet den Ärmsten am meisten. Sie tun sich schwerer, wieder auf die Füsse zu kommen und ihr Leben wieder aufzubauen. Und diese gewaltige Katastrophe vor einem Monat bei uns wurde schon wieder in den Hintergrund gedrängt von anderen, noch gewaltigeren Katastrophen. Sie werden alltäglich und in Fortsetzung auf Seite 3

Aus dem Inhalt Communio 19. Tagung der Konferenz der Vertragsparteien des UN-Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen 1 ��������Spirituelle Solidarität mit den Opfern extremer Wetterereignisse 3 ��������LWB-Delegation bei COP 19 fastet aus Solidarität mit Armen und Verwundbaren 4 ��������LWB stellt interreligiösen Aufruf zur Klimagerechtigkeit vor 4 ��������Durch ihren Glauben motivierte Menschen beziehen gemeinsam Position

6 �������Kirche in Guyana feiert 270 Jahre christliches Zeugnis 7 ��������Slowenien: Schärfung des lutherischen Profils 8 �������Treffen von LWB und ILR regt für die Zukunft weitere theologische Gespräche an 8 �������Selbstverpflichtungen zum Umgang mit Flüchtlingen und Fremden 9 �������LWB erhält Mittel aus Friedensnobelpreis-Prämie

Features & Themen 11 ������Kolumbien: Gegen Straflosigkeit bei geschlechtsspezifischer Gewalt

Kurznachrichten 2 �������LWB gratuliert neu gewählter Erzbischöfin Antje Jackelén

Regionalteil Europa ................................................................................I-IV LWB gratuliert neu gewählter Erzbischöfin Antje Jackelén und anderen internationalen Zusammenhängen sowie die ErDer Lutherische Weltbund hat der Bischöfin von Lund, Dr. Antje Jackelén, zu ihrer Wahl zur nächsten Erzbischöfin der Schwedi- fahrungen hervor, die sie in Studium und Lehre in Deutschland und den USA gesammelt hat. schen Kirche gratuliert. Der LWB begrüsse Jackeléns Wahl zudem als Bestätigung, In einem vom 16. Oktober datierten Schreiben an Jackelén äusserte sich LWB-Generalsekretär Pfr. Martin Junge erfreut da- „dass eine der Gaben, die der LWB der weltweiten Kirche zu geben rüber, dass die Schwedische Kirche ein Oberhaupt gewählt habe, hat, in dem entschlossenen Eintreten für die vollumfängliche Teilhabe von Frauen und Männern an Kirche und Gesellschaft das in seine neue Funktion die „Verwurzelung in der weltweiten liegt“, betonte Junge. Gleichzeitig äusserte er die Hoffnung, Kirche“ und das Verständnis für „den Reichtum und die Vielfalt eines Tages werde „nicht mehr das Geschlecht des/der in eine der weltweiten lutherischen Kirchengemeinschaft“ mitbringe. Junge erklärte: „Ihre Gaben – theologisches Verständnis, Führungsposition gewählten die Schlagzeilen machen…, sondern Seelsorge und Unterscheidungsfähigkeit, sowie Ihr prinzipien- die besonderen Gaben, die er oder sie in das Amt mitbringt.“ Jackelén studierte an den Universitäten Tübingen (Deutschland), orientierter Führungsstil werden in diesem neuen Kapitel Ihres Uppsala und Lund (beide Schweden). Sie lehrte systematische Wirkens nutzbringende Anwendung finden.“ Theologie an der Lutheran School of Theology at Chicago (USA). Bei der Wahl der Nachfolgerin/des Nachfolgers des scheidenden Erzbischofs Anders H. Wejryd, die am 15. Oktober in Uppsala statt- Nach ihrer Ordinierung 1980 war sie als Gemeindepfarrerin in Stockfand, erhielt Jackelén im ersten Wahlgang 55,9 Prozent der Stimmen. holm und Lund tätig, 2007 wurde sie Bischöfin der Diözese Lund. Sie ist damit die erste Frau an der Spitze der Schwedischen Kirche. Im Juni 2014 wird sie in das Amt als Erzbischöfin der Schwedischen Kirche eingeführt. Ihr Vorgänger Wejryd leitet die Kirche seit 2006. Jackelén gehört dem LWB-Rat und seinem Ausschuss für Die Schwedische Kirche ist mit über 6,5 Millionen Mitgliedern Theologie und ökumenische Beziehungen an. Der LWB-Genedie grösste Mitgliedskirche des LWB. ralsekretär hob ihre Leitungsaufgaben in dem LWB-Gremium Lutherischer Weltbund – eine Kirchengemeinschaft 150, route de Ferney Postfach 2100 CH-1211 Genf 2 Schweiz

Englische Ausgabe Pauline Mumia [email protected]

Vertrieb/Abonnement Colette Muanda [email protected]

Deutsche Ausgabe Herausgegeben durch das Deutsche Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) im Auftrag des LWB

Die Lutherische Welt-Information (LWI) wird als Informationsdienst des Lutherischen Weltbundes (LWB) herausgegeben.

Telefon: +41/22-791 61 11 Fax: +41/22-791 66 30 E-Mail: [email protected] www.lutheranworld.org

Redaktion internationaler Teil: Andrea Hellfritz [email protected]

Veröffentlichtes Material gibt, falls dies nicht besonders vermerkt ist, nicht die Haltung oder Meinung des LWB oder seiner Arbeitseinheiten wieder.

Leiterin der Kommunikation Heidi Martinussen [email protected]

Layout Stéphane Gallay [email protected]

Die in der Lutherischen Welt-Information mit „LWI“ gekennzeichneten Beiträge können kostenlos mit Quellenangabe abgedruckt werden.

2

Lutherische Welt-Information Nr. 11/2013

Fortsetzung von Seite 1

ihrem Gefolge zieht sich eine Spur von Leid und Not durch die Welt. Am ersten Konferenztag hatte der Unterhändler der Philippinen, Yeb Saño, die Dringlichkeit der Verhandlungen unterstrichen. Sein Land war wenige Tage vor Konferenzbeginn von dem Supertaifun Haiyan heimgesucht worden. Saño, der seit seiner Rede am 11. November, dem ersten Konferenztag, die Medien meidet, traf in Warschau mit der LWB-Delegation zusammen. Der philippinische Delegierte fastet seit Beginn der Verhandlungen und dankte der LWB-Delegation und den LutheranerInnen weltweit für ihre Unterstützung der Menschen auf den Philippinen und für ihr Eintreten im Sinne eines zufriedenstellenden Ergebnisses der Tagung. „Gemeinsam können wir den Trend umkehren“, so Saño. „In den letzten Tagen bin ich den Medien ausgewichen. Ich habe so etwas noch nie erlebt, sie haben hunderte Anfragen an mich gerichtet. Ich hatte mir nicht vorgestellt, dass ein solcher Schneeballeffekt entstehen würde. Aber uns ist sehr bewusst, dass wir inzwischen die 19. COP-Tagung haben und dass der Prozess sehr langsam vorangeht. Er funktioniert nicht so, wie wir es uns wünschen würden. Deswegen ist es jetzt vielleicht an der Zeit, uns mit realen Menschen in der realen Welt zusammenzutun, um für Klimawandel zu kämpfen und den Trend umzukehren.“ Weiter führte Saño aus, die Auswirkungen des Klimawandels müssten bei den Gemeinwesen, an der Basis bewältigt oder aber erlitten werden, nicht auf der Ebene von Ministerinnen und Diplomaten. „Viele Gemeinwesen verlieren den Kampf [gegen den Klimawandel], aber noch haben wir Hoffnung und aus diesem Grund engagieren wir uns weiter. Noch bleibt etwas Zeit, aber

die Zeit ist sehr kurz. Wenn aber Sie alle mithelfen, können wir es schaffen, können wir diesen Kampf gewinnen.“ Saño dankte der LWB-Delegation und allen anderen, die solidarisch fasten, im Namen der Menschen auf den Philippinen, die von den Folgen des Supertaifuns Haiyan betroffen sind. LWB-Jugendreferentin Caroline Richter beschrieb die Eindrücke der Delegation angesichts seiner Position und seiner Rede im Plenum: Die Rede „hat uns inspiriert, hier in Warschau mit unserer eigenen Delegation und Angehörigen anderer Glaubensrichtungen eine Fastenkette anzustossen. Unser Generalsekretär [Pfr. Martin Junge] und viele andere leitende Persönlichkeiten haben sich ebenfalls entschlossen, zu fasten, und sie alle haben den Aufruf zum Fasten an die Kirchengemeinschaft und an die Gruppen weltweit, die sie vertreten, weitergegeben.“ Richter fuhr fort: „Wir sind in einer ähnlichen Situation, wir haben nie zuvor eine solche Welle der Solidarität erlebt. Die langen Arbeitstage der Konferenz sind zwar strapaziös, aber es ist so aufregend, dass wir nicht schlafen können. Wir haben Vertreterinnen und

Vertreter unterschiedlicher Religionen zusammengebracht, die einen weltweiten Aufruf zu Fasten und Solidarität [für den Klimaschutz] gestartet haben. Wir sind einmütig, wir sind motiviert und wir stehen an Ihrer Seite. Danke, dass Sie ein helles Licht aufgesteckt haben.“

Mitglieder der LWBDelegation bei der COP-19 • Pranita Biswasi, Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Indien • Raquel Kleber, Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien • Martin Kopp, Vereinigung evangelischer Kirchen von Elsass und Lothringen • Matilda Mattson, Schwedische Kirche • Rose Stephens-Booker, Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika • Piotrek Sztwiertnia, EvangelischAugsburgische Kirche in Polen • Elija Zina, Lutherische Kirche in Liberia, LWB-Ratsmitglied Die Delegation wird begleitet von LWBJugendreferentin Caroline Richter.

LWB-Delegationsmitglied Piotrek Sztwiertnia spricht bei einem interreligiösen Treffen während der COP-19 Klimaänderungskonferenz in Warschau. Foto: LWB/Sean Hawkey

LWB-Delegation bei COP 19 fastet aus Solidarität mit Armen und Verwundbaren Die offizielle Delegation des Lutherischen Weltbundes bei der Konferenz der Vertragsparteien des RahmenüberLutherische Welt-Information Nr. 11/2013

einkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (COP  19) hat beschlossen aus Solidarität mit den Ar-

men und Verwundbaren dieser Welt, die unverhältnismässig von den extremen Wetterereignissen betroffen sind, zu fasten. 3

Mehr als 190 Länder waren auf der COP 19 vertreten, die vom 11. bis 22.  November in Warschau (Polen) stattfand und auf der Lösungen für die globalen Herausforderungen des Klimawandels verhandelt werden sollten. Eines der wichtigsten Ziele ist die Reduzierung der CO2-Emissionen. Der philippinische Delegationsleiter, Yeb Saño, sprach während der Eröffnungssitzung am 11. November und richtete einen eindringlichen Appell für klare Ergebnisse bei den Klimaverhandlungen an die Teilnehmenden. Aus Solidarität mit seinen Landsleuten, die von Supertaifun Haiyan betroffen

sind, will er fasten „bis wirksame Ergebnisse absehbar sind“. Verschiedene LWB-Mitgliedskirchen haben in jüngster Zeit die zunehmend starken und häufiger auftretenden Folgen des Klimawandels am eigenen Leib erfahren. Die Dürre in Angola und Namibia, Überschwemmungen in Indien und Hurrikan Sandy in den USA zeigen, dass es die Armen und Verwundbaren dieser Welt sind, die unverhältnismässig stark von diesen extremen Wetterereignissen betroffen sind. Aus diesem Grund hat die LWB-Delegation auf der COP  19 beschlossen, sich Saño anzuschliessen und ebenfalls zu fasten.

Auch LWB-Generalsekretär Pfr. Martin Junge und LWB-Präsident Bischof Dr. Munib A. Younan sowie die LWBVizepräsident/innen aus Asien, Europa und Nordamerika beteiligten sich am 15. November an der Aktion. Der LWB lud seine Mitgliedskirchen ein, bei dieser Initiative ebenfalls mitzumachen und im zeitlichen Rahmen der Konferenz für einen Tag zu fasten, um Solidarität mit den Armen und Verwundbaren zu zeigen, die die negativen Auswirkungen des Klimawandels am stärksten zu spüren bekommen, und wirksame Ergebnisse bei den Klimaschutzverhandlungen zu fordern.

LWB stellt interreligiösen Aufruf zur Klimagerechtigkeit vor Auf Initiative der LWB-Delegation haben hochrangige VertreterInnen der protestantischen, anglikanischen, orthodoxen, katholischen, muslimischen und buddhistischen Tradition sich entschlossen, für ein sinnvolles Ergebnis der Klimaverhandlungen zu fasten. Am 20. November übergab die LWB-Delegation offiziell den „Interreligiösen Aufruf: Fasten für Klimagerechtigkeit“ an Christiana Figueres, die

für das Rahmenübereinkommen über Klimaänderungen verantwortliche Exekutivsekretärin. Der Aufruf wird von 28 Organisationen aus dem religiösen Bereich, darunter dem LWB, unterstützt. „Religiösen Menschen liegt ein verantwortungsvoller Umgang mit der Schöpfung am Herzen. Wir sehen, dass die Armen und Schwachen am stärksten von den schweren Wettereignissen betroffen sind, die in unserer

Cristiana Figueres im Gespräch mit der LWB-Delegation bei der COP-19. Foto: LWB/Sean Hawkey

heutigen Welt immer häufiger werden“, erklärte Caroline Richter, Leiterin der LWB-Delegation. „Durch das Fasten haben Menschen in aller Welt die Möglichkeit, sich solidarisch an die Seite der Armen und Schwachen zu stellen.“ Christiana Figueres nahm den interreligiösen Aufruf entgegen. Sie betonte, damit die Vertragsparteien mit ambitionierten Zielen und Verpflichtungen zu einer Konferenz kommen könnten, müssten die PolitikerInnen auf die Stimme derjenigen hören, die sie vertreten. Die Religionen könnten dazu beitragen, diese Stimme hörbar zu machen. Figueres beschrieb der LWBDelegation ihr Verständnis davon, wie die Religionen mit Einmütigkeit, deutlichen Worten und gemeinsamen Aktionen wesentlich zur Klimagerechtigkeit beitragen können: „Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Sie forderte die interreligiöse Bewegung auf, ihr Engagement auch nach der COP-19 fortzusetzen und auf der nationalen wie internationalen Ebene weiterhin für Klimaschutz einzutreten.

Durch ihren Glauben motivierte Menschen beziehen gemeinsam Position Die Delegationen des Lutherischen Weltbundes, des internationalen katholischen Entwicklungsbündnisses CIDSE sowie des Ökumenischen Rates der Kirchen 4

(ÖRK) haben am Freitag, 22. November, im Rahmen einer Pressekonferenz ihre Initiative zu einem monatlichen Fastentag im Vorfeld der COP-20 vorgestellt.

Gruppen mit religiösem Hintergrund fordern ein greifbares und ambitioniertes Ergebnis der Klimaverhandlungen ein. Lutherische Welt-Information Nr. 11/2013

Interreligiöse Pressekonferenz im Rahmen von COP-19. Foto: LWB/Sean Hawkey

„Denn durch ihren Glauben motivierte Menschen beziehen gemeinsam Position“, so Caroline Richter, Leiterin der LWB-Delegation bei der COP-19. Die jüngste Verhandlungsrunde der Klimakonferenz der Vereinten Nationen sollte das Fundament für das neue Klimaabkommen schaffen, das 2015 in Paris geschlossen werden soll. Am Donnerstag hatten jedoch 800 VertreterInnen von NGOs die Konferenz aus Protest verlassen, da keine Fortschritte gemacht wurden. Während am Freitag weiter über Ziele für die Verringerung von CO 2Emissionen debattiert wurde, diskutierten Delegierte der grossen Weltreligionen darüber, wie von den Verhandelnden ein sinnvolles Ergebnis eingefordert werden könnte. Während der COP-19 hatten sich 28 Organisationen aus dem religiösen Bereich dem „Interreligiösen Aufruf: Fasten für Klimagerechtigkeit“ angeschlossen, der auf eine Initiative der LWB-Delegation zurückgeht. Der Aufruf war am 20. November offiziell der UN-Exekutivsekretärin Christiana Figueres überreicht worden. „Wir laden diejenigen, die dazu in der Lage sind, ein, für ein sinnvolles Ergebnis hier in Warschau zu fasten, in der Perspektive auf die COP-20, die 2014 in Lima (Peru) stattfindet, sowie auf den entscheidenden Stichtag für ein verbindliches Emissionsabkommen aller Länder bei der COP-21 in Paris (Frankreich)“, so der Aufruf. Lutherische Welt-Information Nr. 11/2013

Menschenwürde und die Bewahrung der Schöpfung muss konkret und greifbar werden.“ Die Mitunterzeichnenden des „Interreligiösen Aufrufs: Fasten für Klimagerechtigkeit“ wollen erörtern, wie sie als VertreterInnen der Religionen im Vorfeld der COP-20 weiter zusammenarbeiten können. Der monatliche Fastentag in dieser Phase ist eine der diesbezüglichen Initiativen. „Für religiös motivierte Menschen ist das Fasten ein Zeichen dafür, dass wir unser Leben überdenken, umkehren und uns neu auf einen ver-

Viele der mehr als 15.000 Teilnehmenden an der UN-Klimakonferenz sind Vertreter der Zivilgesellschaft. Foto: Sean Hawkey

Bei der Pressekonferenz am 22. November, an der auch der philippinische Delegierte Yeb Saño teilnahm, betonte Richter: „Fasten ist eine freiwillige Anstrengung, weniger zu verbrauchen. Es bedeutet, sich in einer unglücklichen Zeit dem Genuss von Speisen zu verweigern. Wenn unsere Nächsten leiden, leiden auch wir. Und wir sind der Überzeugung, dass wir etwas Konkretes tun können, um die Situation unserer Nächsten zu verändern.“ Weiter erklärte Richter: „Als durch den Glauben motivierte Menschen fordern wir die Völkergemeinschaft dringend auf, diese am schwersten bedrohten Gruppen bei ihren Gesprächen über die Klimakrise in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen. Das Engagement für den Schutz der

antwortlichen, nachhaltigen Lebensstil verpflichten. Haben wir alles richtig gemacht? Haben wir eine bewusste Entscheidung getroffen, wie wir leben wollen? Können wir uns ändern?“ Richter schloss: „Die Klimakrise ist eine existenzielle Krise und religiös motivierte Menschen schöpfen nun gemeinsam aus ihren spirituellen Ressourcen, um dieser dramatischen Herausforderung zu begegnen.“ (Ein Beitrag von Sean Hawkey, der die LWB-Delegation in Polen begleitet.) Weitere Informationen finden Sie im Blog der LWB-Jugend, auf Facebook und bei Twitter. Dort können Sie auch mit der Delegation in Kontakt treten. www.lwfyouth.org www.facebook.com/LWFYouth www.twitter.com/lwfyouth 5

Kirche in Guyana feiert 270 Jahre christliches Zeugnis Kreuz, Bibel und Schwan New Amsterdam (Guyana)/Genf (LWI) – Mit der Herausgabe von Gedenkmarken, einem feierlichen Gottesdienst und Präsentationen ihrer Gemeinden hat die EvangelischLutherische Kirche in Guyana (ELKG) in der Küstenstadt New Amsterdam ihres 270-jährigen Bestehens gedacht.

symbolisches, bedeutsames Ereignis und sehr, sehr wichtig“, so Prashads Bewertung. Gott habe der ELKG, die im Lauf der Jahre die Abwanderung von Gemeindemitgliedern und Geistlichen zu bewältigen hatte, seine Gnade erwiesen.

ELKG Präsident Pfr. Moses Prashad. Foto: LWB/P. Cuyatti

Über 600 LutheranerInnen nahmen an dem Festgottesdienst teil, der am 16. Oktober in der Lutherischen EbenezerKirche stattfand. Laut Pfr. Moses Prashad, dem Präsidenten der ELKG, handelte es sich hierbei um eine der grössten lutherischen Veranstaltungen in Guyana seit längerer Zeit. Die 1743 gegründete Kirche hat derzeit 13.000 Mitglieder in 14 Regionalgemeinden. In Zusammenarbeit mit der guyanischen Post gab die ELKG am 6. Oktober im Rahmen eines landesweiten Jugendgottesdienstes Gedenkmarken heraus. Die Marken im Wert von 20 bzw. 80 Guyana-Dollar (10 bzw. 40 US-Cent) zeigen das Logo der Kirche – Kreuz, Bibel und Schwan. „Wenn man auf 270 Jahre zurückblickt, ist das für jede Organisation und besonders für eine Kirche ein 6

Denn: „Wir sind immer noch in der Lage, auf andere zuzugehen und die Kirche für sie attraktiv zu machen“, betonte der Kirchenpräsident.

Aktive Rolle von Geistlichen und DiakonInnen Prashad erläuterte, die Kirche stehe vor der Herausforderung, fähige und gut qualifizierte Geistliche, DiakonInnen und Laien für die Zukunft zu mobilisieren und er sei dankbar, dass die ELKG im Mai fünf DiakonInnen ins Pfarramt ordinieren konnte. Als erste christliche Kirche in dem karibischen Land organisiert die ELKG die Ausbildung ihrer Mitglieder zu PfarrerInnen und DiakonInnen vor Ort. Die Lutherische Laienakademie der ELKG, die 2005 ins Leben gerufen wurde, bietet einen zweijährigen Kurs an, mit PfarrerIn-

nen als Dozierenden und Fachleute für die Fächer biblische Exegese, Kirchengeschichte, Homiletik sowie Gottesdienst und Liturgie. Externe TheologInnen leisten zusätzliche Unterstützung. Pfarrerin Dr. Patricia Cuyatti, Gebietsreferentin für Lateinamerika und die Karibik beim Lutherischen Weltbund erklärte, die aktive pastorale Funktion von DiakonInnen ermögliche der guyanischen Kirche, innovative Formen der Verwirklichung ihres Auftrags zu entwickeln. Aktuell arbeiten in den Gemeinden der ELKG 14 DiakonInnen. „Die aktive Rolle von Diakonen und Diakoninnen, Pfarrerinnen und Pfarrern in den Ortsgemeinden ist von zentraler Bedeutung dafür, die Kapazität der ELKG zu erhalten und zu entwickeln, insbesondere im Blick auf die Vermittlung von Kompetenzen und die Eröffnung von Chancen für Laien in Führungspositionen bezüglich Fragen der lutherischen Identität“, so Cuyatti weiter. Die ELKG hat ihren Ursprung in einer Versammlung niederländischer KolonistInnen am 15. Oktober 1743 im Haus Lodewyk Abbensetts‘ in Fort Nassau, die die Gründung einer Kirche anstrebten. Neun Jahre später erhielt diese Kirche ihren ersten Pfarrer, Johan Henrik Faerkenius, und baute ein Gotteshaus. Die ELKG beschreibt sich als landesweite Gemeinschaft christlicher Kirchengemeinden in der lutherischen Tradition und hat sich in ihrem konfessionellen wie ökumenischen Zeugnis zum Ziel gesetzt, das Evangelium in Bezug zu bringen zu den Nöten und Bedürfnissen der Menschen. Ihre Beziehungen zu anderen Kirchen und christlichen Organisationen sind ihr wichtig, denn sie helfen der ELKG, ihre Sicht auf die eigene Arbeit, die eigenen Probleme, Schwächen, Stärken und Gaben zu schärfen. „Die ELKG muss sensibel sein für Probleme wie Ausgrenzung, DiskriminieLutherische Welt-Information Nr. 11/2013

Lutherische Welt-Information

20 13

11

Regionalteil Europa Jugend baut Arche 2020 in Neukirchen mit vielen Partnern

„Hoffnungzeichen“ für Zukunftsaufgaben Einsatz. BildhaueriElf Meter ist sie sche Arbeiten sind lang und mehr als entstanden, es gab fünf Meter hoch: ein Kinderprogramm, die Arche 2020 der Umweltpädagogik Evangelischen Juund Technik wurden gendbildungsstätte in einem Wasserweg Neukirchen. Nach entlang der Lauter dem Vorbild der thematisiert, alte Arche Noah wollte Obstbaumsorten als die Evangelische Ausgleich für das Jugend im Landentnommene Holz kreis Coburg „einen gepflanzt und naOrt für den Auftrag türlich an der Arche zur Bewahrung der gebaut. Schöpfung“ schafBild:Marcus Goldbach fen – und ihrer GeAlleine 800 Holzmeinde einen symGruppenbild mit Arche schindeln wurden bolischen Raum für das Dach von schenken, der die Hand gesägt und geschnitzt. Azubis Generationen und verschiedenste Die Bayreuther Regionalbischöder Coburger Bauinnung setzten das gesellschaftliche Gruppen verbinden fin Dr. Dorothea Greiner beehrte die soll. Einweihung in Neukirchen mit ih- Fundament, und bei den Holzarbeiten rer Anwesenheit. In ihrer feierlichen brachte sich die Zimmererinnung mit Seit September haben die Jugendli- Ansprache erinnerte Greiner an die zwei Azubis ein. Die Jugendgruppe chen in Neukirchen gebaut – am ver- Geschichte der Arche Noah. „Allen, des THW, das Jugendrotkreuz und die gangenen Reformationstag nun ist die die wie Noah auf Gott vertrauen, gibt Jugendfeuerwehr aus der Gemeinde Arche 2020 eingeweiht worden. Rund diese Treue und Liebe Gottes Kraft, bauten mit und drehten auch einen 100 Gäste aus der Region haben sich Projekte anzugehen, die sie ohne Film zum Thema. dazu an der Jugendbildungsstätte ein- Gott nie wagen würden“, unterstrich Greenpeace Deutschland brachte gefunden. die Regionalbischöfin. „Der Bau dieser Arche ist solch ein Projekt. Alle, durch ihren Projektmanager Wolfgang Sadik aus Hamburg die Pläne für die „Diese Arche ist ein Bürgerbeteili- die hier mitgebaut haben, egal ob gungsprojekt und lebt von dem Zu- sie religiös sind oder nicht, wussten: Arche nach Neukirchen und zahlreisammenarbeiten der Generationen. Die Arche hat etwas mit Gott zu tun.“ che regionale Förderer und SpenZukunftsfragen sind Fragen, die uns Die Arche, so Greiner weiter, sei ein der, allen voran die Firma HABA als alle angehen und die immer auch mit Raum, der seine eigene Wirkung auf Hauptsponsor und die Robert Bosch Konsequenzen für Gottes gute Schöp- die Menschen, die ihn nutzen, entfal- Stiftung Miteinander machten dieses Projekt möglich. fung verbunden sind. Deshalb ist Bil- ten werde. dung für nachhaltige Entwicklung eine Nun ist die Arche 2020 fertig – „ein regionale Gemeinwesenaufgabe und Viele Menschen halfen beim Bau an einer Evangelischen Jugendbil- mit: In acht Workshopgruppen wurde Hoffnungszeichen“, so Regionalbidungsstätte sehr gut aufgehoben“, so an vier öffentlichen Mitbautagen an schöfin Greiner, „weil es gelungen ist, Peter Dienst, Jugendbildungsreferent der Arche und rund um die Arche ge- so viele Verbündete beim Mitbauen zu der Gemeinde sowie Leiter und Initia- arbeitet. 92 Auszubildende der Firma finden.“ tor des Projekts Arche 2020. ELKB HABA waren an allen Mitbautagen im I

11

2013

Lutherische Welt-Information Jugendkonferenz der ELKUSFO

Upgrade, Apis und Cajón in Omsk Cajón? Apis? Upgrade? Was ein Upgrade ist, wissen viele schon (denn diese Frage stellt Vladimir Vinogradov, der Koordinator für Jugendarbeit in der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Ural, Sibirien und Ferner Osten (ELKUSFO), schon zum dritten Mal am allerersten Tag der KonBild: ELKUSFO ferenz). Aber was ist ein Cajón? Und was Teilnehmerinnen der Jugendkonferenz ist die „Apis“? Das haben wir erst bei der dritten Jugendkonferenz „Upgrade“ in zum Herstellen eines Cajón. Jawohl, Omsk erfahren, die vom 30. Oktober Herstellen! Und nun zur Frage, was bis zum 3. November 2013 stattfand. ein Cajón eigentlich ist. Schon am 30. Oktober füllte sich das Kirchenzentrum in Omsk mit jungen Menschen aus unserer Kirche vom Ural bis zum fernen Osten. In einem Haus waren Ekaterinburg, Woltschansk, Polewskoj, Tscheljabinsk, Tjumen’, Omsk, Swonarjow Kut, Krasnojarsk, Tomsk, Schelechow und Arsen’jew vertreten. Die Hauptreferenten auf der Konferenz – Christoph Bacher und Christian Ruoss – sind Vertreter der „Apis“. Die „Apis“ ist ein Bund pietistisch ausgerichteter lutherischer Gemeinden innerhalb der württembergischen evangelisch-lutherischen Landeskirche. Jeder Tag begann mit einer Morgenandacht und Bibelarbeit mit dem Bischof der ELKUSFO Otto Schaude. Danach hielten Christoph und Christian Vorlesungen zu den Themen „Was ist die Reformation?“, „Wer ist Christus?“, „Was ist Gnade?“ und „Was ist Glaube?“. Die Lehrveranstaltungen verliefen sehr dynamisch. Jeder revidierte seine Kenntnisse und bildete sich vielleicht ein neues Verständnis dieser Grundfesten. Ein integraler Bestandteil des Tages war die Zeit 11

2013

Ein Cajón (span. Kiste, Kasten) ist ein aus Peru stammendes perkussives Musikinstrument. Es besteht aus einem aus Holz oder anderen Materialien hergestellten Kasten. Die Vertreter der Gemeinden stellten dieses Musikinstrument eigenhändig her. Den jungen Leuten halfen Christian Ruoss (Musiker von Beruf) und Konstantin Dirksen (Tischler). Das Ergebnis waren ausgezeichnete, klangvolle und schöne Cajóns. Abgesehen von der Bibelarbeit und dem Cajónbau arbeiteten die Seminarteilnehmer an heißen Themen der Jugendarbeit. Es wurden die Zielgruppen betrachtet, beziehungsorientierte Methoden der Arbeit mit Teenagern erörtert, es ging um die Sexualerziehung der Heranwachsenden und darum, wie wir anderen von der Rettung durch Jesus erzählen können. Jeden Abend tauschten die jungen Leute Gebetsanliegen und Gründe zum Dank aus und stellten ihre Gemeinden und ihre Kinder- und Jugendarbeit dort vor. Abgeschlossen wurden die Abende mit einem geII

mütlichen Beisammensein der Brüder und Schwestern an einem großen Tisch. Es ergab sich so, dass während der Konferenz drei verschiedene Gottesdienste stattfanden: ein Reformationsgottesdienst, ein Sonntagsgottesdienst und ein Jugendgottesdienst. Der Jugendgottesdienst zum Abschluss der Konferenz ist schon gute Tradition. Das Thema waren diesmal die Worte aus dem Buch Prediger: „Alles hat seine Zeit“. Ganz am Anfang des Gottesdienstes wurde eine Eieruhr gestellt, die dann zwei Stunden lief. Alle wunderten sich, wie schnell die Zeit in Gemeinschaft, Gesang und Gebet vergangen war. Und auch die Zeit der Konferenz insgesamt war ziemlich schnell abgelaufen. Die Brüder und Schwestern sagten einander warme Abschiedsworte und machten sich auf den Heimweg, jeder in seine Gemeinde, mit schönen Erinnerungen, nützlichen Kenntnissen und – einem Cajón! ELKRAS

Regionalteil Europa Frauennetzwerk tagt in Stuttgart

Geschlechtergerechtigkeit biblisch fundiert und kontextualisiert Die WICAS Netzwerkkonferenz Westeuropa tagte vom 18.-21. November 2013 in Stuttgart mit den Liasonfrauen aus Österreich, den Niederlanden, Italien und Deutschland. Gastgebend war die Württembergische Landeskirche. Ebenfalls teil nahmen Dr. Elaine Neuenfeldt, die Leiterin des WICAS Frauennetzwerkes aus Genf, und Synnøve Hinnaland Stendal, Regionalkoordinatorin für Nordeuropa. Neben den Berichten beschäftigten uns zwei Themenschwerpunkte: Das Grundsatzpapier zur Verwirklichung der Geschlechtergerechtigkeit (Gender Justice Policy) des Lutherischen Weltbundes, das 2013 angenommen wurde, und die Vorbereitung der WICAS Europakonferenz 2014. Das Gender Justice Policy Papier wird ab Dezember 2013 in deutscher Übersetzung vorliegen. Ein pädagogischer Spaziergang entlang biblischer Gleichstellungstexten und früheren LWB Beschlüssen führt zu zehn Grundsätzen, die einfach und klar zum Ausdruck bringen, dass Geschlechtergerechtigkeit biblisch fundiert ist. Sie fordern dazu auf, Würde, Gerechtigkeit und Gleichstellung als ein allgemein gültiges Menschenrecht anzuerkennen. Jede Mitgliedskirche und Region ist aufgerufen, diese Grundsätze zu kontextualisieren, Mittel, Wege und Maßnahmen zu finden, um Geschlechtergerechtigkeit vor Ort zu befördern. Eine Arbeitsgruppe des Frauennetzwerkes wird die Frage nach einer Arbeitshilfe oder einem Leitfaden zur regionalen Umsetzung sowie die Vernetzung mit dem Deutschen Nationalkomitee des LWB weiter betreiben. Bei der Europakonferenz von WICAS in Meißen werden die einzelnen Regionen ihre Projektideen zum Thema Frauen und Reformation vorstellen. Es wird darum gehen, welche reformatorischen Impulse Frauen damals und heute zur andauernden Reformation

Bild: C. Schlarb

Die Teilnehmerinnen der Konferenz mit Landesbischof July in Kirche und Gesellschaft beitragen. Geplant ist auch ein Besuch in einer Ausstellung, eine Lesung und die Vorstellung unseres Internet Reformationsprojekts „500 Jahre Reformation von Frauen gestaltet“. Weiterhin wurde beschlossen, die WICAS Postkartenserie neu aufzulegen und die Serie um weitere sechs historische Frauen zu ergänzen. Unsere Beratungsergebnisse und Impulse konnten am Donnerstagvormittag im Gespräch mit Landesbischof Frank Otfried July einfließen und weiter entwickelt werden. Neben allen Beratungen, Planungen und Arbeitsaufträgen haben wir Einblick erhalten in die vielfältigen Arbeitsfelder der Evangelischen Frauen in Württemberg, die uns köstlich bewirtet und Stuttgart bei Nacht gezeigt haben. Ein besonderes Erlebnis war die Begegnung mit der muslimischen Frauengruppe StuFem (Stuttgarter Femina e.V.), die uns am Dienstagabend III

zum Aschura-Tag eingeladen haben. Der Aschura-Tag ist der zehnte Tag des ersten Monats im islamischen Kalender, an dem das Ende der Sintflut feierlich mit einem Mahl begangen wird. Die sog. Noah-Suppe, bestehend aus Weizen, verschiedenen Gemüse- und Obstsorten und Kernen, wird mit Gästen geteilt und reichlich an Nachbarn und Verwandte verteilt. Diese Frauengruppe aus akademisch gebildeten Frauen besteht erst kurze Zeit als eingetragener Verein und hat sich zum Ziel gesetzt, sich im interkulturellen und interreligiösen Dialog zu engagieren und das Potential der Frau für die Integration hervorzuheben. WICAS/C. Schlarb

11

2013

Regionalteil Europa Italien: Kirche in Venedig wiedereröffnet Fünfzehn Monate nach Einsturz der Kirchendecke konnte die älteste lutherische Gemeinde Italiens in Venedig die Wiedereröffnung ihrer Kirche feiern. Am 13. Oktober nahm die Gemeinde mit zahlreichen Gästen ihren Kirchenraum wieder vollständig in Funktion. Im Juni vergangenen Jahres waren große Deckenstücke heruntergestürzt und die Kirche musste geschlossen werden. Die umfangreiche Restaurierung der Kirchendecke dauerte zehn Monate und kostete 250.000 €. Kirchliche Institutionen wie das Deutsche Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes, die Landeskirche Hannovers, das Gustav-Adolf-Werk und die Evan-

gelisch-Lutherische Kirche in Italien haben sich an den Kosten beteiligt. Ebenso gab es eine Förderung durch das Auswärtige Amt der Bundesregierung und von zahlreichen Privatspendern aus dem In- und Ausland. Den großen Teil von 100.000 € musste die Gemeinde jedoch selbst für die Renovierung aufbringen. Das Fest zur Wiedereröffnung begann mit einem Dank der Gemeindepräsidentin Lore Sarpellon und einer Andacht. Anschließend feierte die Gemeinde mit Gästen aus aller Welt mit einem Konzert des Gospelchors Joysingers. ELKI

Estland: Acht Auslandsgemeinden ausgeschlossen

LUTHERISCHER WELTBUND Eine Kirchengemeinschaft Impressum Herausgegeben vom Deutschen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) im Auftrag des LWB verantwortlicher Redakteur: Florian Hübner (FH) · DNK/LWB [email protected] Tel.: +49 (0) 511/2796-437 Fax: +49 (0) 511/2796-182 www.dnk-lwb.de/lwi Grafik & Layout: Noémia Hopfenbach www.hopfenbach.com Druck: Druckhaus Harms · Groß Oesingen

11

2013

2010 wurden die EELK und die E.E.L.K. (Auslandskirche) zur organisatorischen und sichtbaren Einheit der EELK zusammengeschlossen. Damit waren nicht alle einverstanden. Acht Gemeinden aus zwei Propsteien in den USA bildeten eine Gegenbewegung, die die Gemeinschaft mit der EELK aufkündigte. Nach langem Überlegen (LWI berichtete) hat das Konsistorium der Diözese im Ausland beschlossen, folgende dieser Gemeinden aus der EELK auszuschließen: Bergen County, Lakewood Pühavaimu, Los Angeles, New York Pauluse, Toronto Vana-Andrease,

Chicago Erste, Conneticut und Buffalo. Weiterhin wurden die Erste Propstei in den USA und die EELK Chicago Propstei aufgelöst. Stattdessen wurde aus den verbliebenen Gemeinden die EELK USA Propstei gebildet. Die Gemeindeglieder aus diesen Gemeinden haben nun die Möglichkeit, ihre Gemeinde zu wechseln und Mitglied in einer EELK-Gemeinde oder einer von der EELK anerkannten Gemeinde zu werden. Die ausgeschlossenen Gemeinden haben mit der EELK keine Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft mehr. EK

Deutschland: Chatseelsorge.de wird zehn Jahre Die Chatseelsorge der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und der Evangelischen Kirche im Rheinland feiert dieses Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Seit November 2003 sind evangelische Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakone unter www.chatseelsorge.de montags und mittwochs von 20 bis 22 Uhr für Ratsuchende erreichbar. In der Online-Seelsorge können Ratsuchende ohne großen Aufwand mit Pfarrerinnen und Pfarrern Kontakt aufnehmen und selbst entscheiden,

wieweit sie sich im seelsorglichen Gespräch öffnen. Monatlich besuchen rund 400 Menschen den Chat und suchen seelsorgerlichen Rat. Die vertrauliche und anonyme Beratung steht allen zur Verfügung – unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Im offenen Chat werden Diskussionen zu allen Themen geführt, die die User einbringen. Die Ratsuchenden können außerdem im vertraulichen Einzelchat mit einem Seelsorger oder einer Seelsorgerin sprechen. ELKH

IV

rung, Armut und Geschlechterstereotypen und sie muss bei der Bewältigung dieser Probleme das Wort Gottes zum Tragen bringen“, führte Prashad aus. Ein guyanischer Geistlicher vertrat die Kirche bei der Gründungsvollver-

sammlung des LWB 1947. Im Jahr terschiedliche Gottesdienstformen als 1950 wurde die evangelisch-lutherische auch die Nöte der Menschen in aller Kirche im damaligen Britisch-Guayana Welt kennenzulernen, erklärte Prashad: als Mitglied in den LWB aufgenommen. „Partnerschaften, in denen man sich Durch ihre LWB-Mitgliedschaft hat gegenseitig ergänzt, sind sehr wichtig.“ die ELKG die Möglichkeit, sowohl un-

Slowenien: Schärfung des lutherischen Profils Bischof Erniša erhält Verdienstorden für seinen Einsatz für Toleranz Ljubljana (Slowenien)/Genf (LWI) – Bischof Geza Erniša von der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Slowenien ist die höchste staatliche Auszeichnung des Landes verliehen worden, in Anerkennung sowohl seines persönlichen Einsatzes als auch der Bemühungen seiner Kirche um Verständigung im Land. „Wir Evangelischen in Slowenien sind immer eingetreten für Toleranz im Dialog und im Umgang mit religiösen wie soziopolitischen Fragen im Alltag“, erklärte Erniša in einem Interview mit der Lutherischen Welt-Information (LWI). „Und natürlich tun wir das auch weiterhin.“ Er freue sich über die Glückwünsche zu der Ehrung, die ihm Slowenen und Sloweninnen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit und Weltanschauung übermittelt hätten. „Als Lutheraner in Slowenien gehöre ich heute einer Kirche an, die von der Bevölkerungsmehrheit geschätzt wird und deren Standpunkte und Beiträge zu allen relevanten Fragen und Problemen in Kirchen und Gesellschaft ernsthaft gehört werden.“ Am 30. Oktober, dem Vorabend zum Reformationstag, hat Borut Pahor, der Präsident der Republik Slowenien, im Rahmen eines Festakts im Präsidentenpalast von Ljubljana Erniša den Silbernen Orden für Verdienste verliehen. Erniša habe in seiner 18-jährigen Amtszeit als Bischof den Ruf der Kirche und des Landes gefördert. „Bischof Erniša hat das Profil seiner Kirche als im In- und Ausland respektierte Institution sowie auch innerhalb der Gemeinschaft evangelischer KirLutherische Welt-Information Nr. 11/2013

chen geschärft“, so der slowenische Präsident in seiner Verleihungsansprache. Als lebendiger Organismus, dessen Mitglieder gleichzeitig StaatsbürgerInnen seien, müsse die lutherische Kirche Einfluss auf das Land nehmen und zugleich mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, stellte Erniša in seinen Dankesworten fest. „Die ethisch-moralischen Fragen, denen wir uns mithilfe der christlichen Soziallehre stellen, sind eine kontinuierliche Herausforderung an die Gesellschaft, die mit vielfältigen Fragen der Menschenrechte, Religionsfreiheit und Wirtschaft konfrontiert ist“, fuhr Erniša fort. „Als Christinnen und Christen sind wir berufen, zusammenzuarbeiten und sämtliche biblischen und allgemein menschlichen Werte zu Hilfe zu nehmen, um die angemessensten Antworten und Lösungen zu finden.“

Die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Slowenien ist seit 1952 Mitglied im LWB. Ihr gehören 20.000 Gläubige in 13 über ganz Slowenien verteilten Gemeinden an. Bischof Erniša stellte dazu fest, Teil des LWB zu sein sei ein wichtiger Aspekt der Identität seiner Kirche. Es gebe ihr die Möglichkeit, gemeinsam mit lutherischen Kirchen in aller Welt spirituelle und materielle Probleme anzugehen. „Freude am Leben und die Sorgen dieser Welt – das sind zwei Bereiche, zu denen ich möglichst vielen Menschen in der Welt etwas weitergeben möchte“, so Bischof Erniša. „Ich bin der Überzeugung, dass wir Lutherischen auf diese Fragen einige gute, angemessene Antworten zu geben haben.“ Sein Fazit: „Deswegen bin ich froh, Lutheraner zu sein.“

Borut Pahor, der Präsident der Republik Slowenien, verleiht Bischof Geza Erniša (links) den Silbernen Orden für Verdienste. Foto: Stanko Gruden/STA

7

Treffen von LWB und ILR regt für die Zukunft weitere theologische Gespräche an Begegnung internationaler lutherischer Organisationen in Wittenberg Wittenberg (Deutschland)/Genf (LWI) – VertreterInnen des Lutherischen Weltbundes und des Internationalen Lutherischen Rates (ILR) haben die 11 Kirchen, die beiden Organisationen angehören, gemeinsam ermutigt, als „Brücke der Verständigung“ zwischen ILR und LWB zu wirken. In einem Kommuniqué haben die Organisationen in der Folge ihrer Begegnung in Wittenberg am 12./13. November erklärt, bei zukünftigen Treffen von VertreterInnen beider Seiten werde man die Frage der Doppelmitgliedschaft weiter bedenken. Bezüglich der zwischen den Organisationen bestehenden Streitpunkte erläuterten „LWB und ILR […] einander Prozesse, Kontexte und Hintergrund im

Zusammenhang mit Situationen, wo es derzeit keine Einigung gebe“, heisst es in dem Kommuniqué. Weiter wird festgestellt: „LWB und ILR diskutierten Bereiche, wo Konflikte entstanden seien, und wie zukünftige Konflikte in einer von gegenseitigem Respekt geprägten Weise bewältigt werden könnten.“ LWB und ILR führten theologische Gespräche zu ihren jeweiligen Positionen und kamen überein, dass zukünftige theologische Diskussionen hilfreich sein könnten. Beide Seiten werden sich auch weiterhin gegenseitig über ihre Pläne zum 500. Reformationsjubiläum 2017 informieren und die Möglichkeit gemeinsamer Aktivitäten prüfen. Die VertreterInnen beider Organisationen erklärten, sie seien „tief be-

Teilnehmende des Treffens von ILR und LWB in Wittenberg. Foto: Gijsbertus van Hattem

troffen“ von der Naturkatastrophe auf den Philippinen und riefen ihre Mitglieder auf, zu den Nothilfemassnahmen beizutragen und die Opfer des Taifuns Haiyan ins Gebet einzuschliessen. ILR und LWB treffen sich gemäss einer Gemeinsamen Absichtserklärung aus dem Jahr 2005, in der sie regelmässige Begegnungen vereinbart hatten, mit dem Ziel, das gegenseitige Verständnis zwischen beiden Organisationen und ihren Mitgliedskirchen zu stärken. Den Vorsitz des Treffens in Wittenberg teilten sich LWB-Generalsekretär Pfr. Martin Junge und ILR-Vorsitzender Bischof Hans-Jörg Voigt. Der ILR wurde 1958 als Zusammenschluss bekenntnisgebundener lutherischer Kirchen gegründet, die einander unterstützen und sich gemeinsam mit theologischen Fragen auseinandersetzen. Der 1947 gegründete LWB hat derzeit 142 Mitgliedskirchen. „LWB wie ILR dankten einander und würdigten die offenen Gespräche und die dabei demonstrierte Transparenz. Beide Seiten stimmten darin überein, dass die Gespräche wertvoll seien, und sie freuen sich auf die nächste Gelegenheit zu einem Treffen. Es wurde der Wunsch laut, jährliche Treffen durchzuführen“, so das Kommuniqué. Gastgeber des nächsten Treffens, das am 14. Januar 2015 in Genf stattfindet, ist der LWB.

Selbstverpflichtungen zum Umgang mit Flüchtlingen und Fremden LWB-Präsident Younan: „Andere“ annehmen heisst Gerechtigkeit üben Wien (Österreich)/Genf (LWI) – Der Präsi- religiösen Bereich das historische dent des Lutherischen Weltbundes, Papier „Fremde willkommen heissen Bischof Dr. Munib A. Younan, hat ge- – Selbstverpflichtungen von Religimeinsam mit anderen internationalen onsführerinnen und Religionsführern“ Führungspersönlichkeiten aus dem unterzeichnet, das Hilfeleistung für 8

Flüchtlinge, Binnenvertriebene und Staatenlose sowie das Eintreten gegen Fremdenfeindlichkeit festschreibt. Die Unterzeichnungszeremonie fand am 21. November im Rahmen der Lutherische Welt-Information Nr. 11/2013

9. Weltversammlung der Religionen für den Frieden in Wien statt. Über 600 Delegierte aus der buddhistischen, christlichen, hinduistischen, jüdischen und muslimischen Tradition nahmen teil. Je ein/e VertreterIn jeder Religion verlas eine Passage aus dem Dokument, bevor sie/er es unterzeichnete. Die Selbstverpflichtungen, die vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) aufgrund einer Initiative unter Federführung des LWB entwickelt worden waren, wurden im Juni dieses Jahres offiziell vorgestellt und vom LWB-Rat bei seiLWB-Präsident Younan (dritter von links) bei der Weltversammlung der Religionen für den Frieden. ner Tagung im selben Monat bekräftigt. Foto: Religionen für den Frieden Younan stellte fest, die Unterzeichnung Und schliesslich wird nochmals des Dokuments nicht einmal ein Jahr nach und in aller Welt immer wieder auf, das seiner Präsentation sei ein emotionales Dokument als Leitfaden zu nehmen und bekräftigt: „Ich werde Fremde willkomEreignis, das illustriere, was geschehen Regierungen wie Bevölkerungsgruppen, men heissen.“ Die Bestätigung der Selbstverkönne, wenn im religiösen Bereich Verant- die Fremde weiterhin ausgrenzen und wortung Tragende und PolitikerInnen sich absondern, in die Pflicht zu nehmen“, pflichtungen im Rahmen der Weltversammlung moderierte Dr. William erklärte Younan. für das Wohl der Menschheit einsetzten. Das Dokument betont, „die Fremde, Vendley, Generalsekretär der Weltkon„Es beunruhigt uns, dass manche den Flüchtling, die Binnenvertriebene, den ferenz der Religionen für den Frieden, Extremistinnen und Extremisten Andere (Fremde) aufgrund ihrer religiösen Iden- Anderen willkommen zu heissen“ sei einer sie wurde per Akklamation vollzogen. tität ausgrenzen“, so der LWB-Präsident. der zentralen Werte des Glaubens. Es Die Religionsführerinnen und Religionsführer unterzeichneten ihrerseits „Es beunruhigt uns, dass manche Re- verpflichtet ReligionsführerInnen, religiöse gierungen Gesetze gegen Zuwandernde Organisationen und Weltanschauungs- offiziell das Dokument. Ihnen wurde gemeinschaften, Fremde willkommen zu eine Abschrift überreicht. erlassen zu einer Zeit, da unsere Welt sich Religionen für den Frieden ist ein heissen mit Mitgefühl, Barmherzigkeit, zu einem kleinen Dorf wandelt. Genauso multireligiöses Bündnis, das das gegeht es uns angesichts der Immigrantin- Liebe und Gastfreundschaft. „Ich werde mir bewusst machen und meinsame Eintreten für den Frieden nen und Immigranten aus Afrika und dem Nahen Osten, die aus ihren von Krisen die Mitglieder meiner Gemeinschaft da- unter den Religionsgemeinschaften der Welt fördert. geschüttelten Regionen fortlaufen und bis- ran erinnern, dass wir alle irgendwo als Das Dokument „Fremde willkommen weilen dem Tod ins Auge sehen müssen.“ ‚Fremde‘ gelten, dass wir den Fremden in unserer Gemeinschaft so begegnen heissen – Selbstverpflichtungen von Der LWB-Präsident stellte fest, die Unterzeichnung von „Fremde willkom- sollten, wie wir wünschen, dass man uns Religionsführerinnen und Religionsführern“ vollendet den Dialog zu Glauben men heissen“ sei zwar bedeutungsvoll, begegnet. Und nicht hinnehmen werde die fortdauernde Not von Flüchtlingen ich Intoleranz“, so das Dokument weiter. und Flüchtlingsschutz des UNHCR, der Es wird betont, dass Menschen ihr 2012 von Flüchtlingskommissar António und Asylsuchenden zeige jedoch, dass noch ein weiter Weg zurückzulegen sei, Heimatland verlassen aufgrund von Guterres einberufen worden war und bis Politik und Verhalten gegenüber Verfolgung, Gewalt oder Ausbeutung, aus dem eine Empfehlung über einen wegen Naturkatastrophen oder, weil Verhaltenskodex für ReligionsführerInFremden sich wandeln. „Aus diesem Grund fordere ich Reli- sie ihrer Familie ein besseres Leben nen hervorging, den ursprünglich der LWB-Präsident vorgeschlagen hatte. ermöglichen möchten. gionsführerinnen und -führer in Europa

LWB erhält Mittel aus Friedensnobelpreis-Prämie Projekt fördert Bildung von Kindern im Südsudan Genf/Brüssel (LWI) – Der Lutherische Weltbund hat von der Europäischen Union Lutherische Welt-Information Nr. 11/2013

(EU) eine Prämie in Höhe von 600.000 Euro erhalten. Sie soll Bildungsmass-

nahmen für vom Krieg betroffene Kinder im Südsudan finanzieren. Bei 9

Bildungsprojekt des LWB für Flüchtlinge in Yida (Südsudan). Foto: LWB/M. Hyden

der Prämierungsfeier in Brüssel am 20. November unterzeichnete der LWB einen entsprechenden Vertrag mit der EU, die Gelder aus dem ihr 2012 verliehenen Friedensnobelpreis vergibt. „Wir sind dankbar für die Chance, die dieses Projekt bietet“, erklärte Rudelmar Bueno de Faria, Direktor für humanitäre Arbeit in der Abteilung des LWB für Weltdienst (AWD), anlässlich des von der EU-Initiative „Kinder des Friedens“ veranstalteten Festakts. „Der LWB hat umfangreiche Erfahrung in der Bereitstellung von Bildungsangeboten und der Begleitung von Kindern in Konfliktgebieten. Durch dieses Projekt werden wir über 5.000 Kinder erreichen und ihnen Hoffnung auf eine tragfähige und friedliche Zukunft schenken.“ Im Jahr 2012 wurde der EU der mit 930.000 Euro dotierte Friedensnobelpreis verliehen. Die EU beschloss, das Preisgeld auf 4 Millionen Euro aufzustocken und es zur Finanzierung humanitärer Projekte zu verwenden, die von Konflikten betroffenen Kindern in Afrika, Lateinamerika und Asien Bildung ermöglichen. Die EU erklärt, durch das Projekt wolle sie dazu beitragen, „dass die ‚Kinder des Krieges‘ zu ‚Kindern des Friedens‘ werden.“ Weiter soll mit der EU-Initiative „Kinder des Friedens“ auch für mehr Unterstützung für zukünftige Bildungsprojekte geworben werden. LWB/AWD-Direktor Pfr. Eberhard Hitzler unterstrich die Bedeutung 10

der EU-Mittel für die Schaffung einer friedlichen Umgebung für Kinder. „Vor einigen Jahren habe ich eine Schule in Nimule, einem kleinen südsudanesischen Grenzort in der Nähe von Uganda, besucht. Auf dem Gelände lernten und spielten über 500 Kinder“, so Hitzler. „Es schien alles sehr friedlich, bis die Kinder ‚Antonow!‘ zu schreien begannen. Sekunden später wurde die erste von 12 Splitterbomben über dem Dorf abgeworfen. Ich werde nie den Schrecken in den Augen der Kinder vergessen, die in alle Richtungen rannten und Deckung suchten. Die Realität, mit der diese vom Krieg heimgesuchten Kinder konfrontiert sind, hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen.“

Weiter erläuterte Hitzler: „Der LWB leistet seit vielen Jahren Bildungsarbeit und Unterstützung für Kinder in einigen der gefährlichsten Konfliktgebiete der Welt. Wir sind dankbar für die Chance, die das EU-Projekt bietet, und fest entschlossen, Kindern im Südsudan dabei zu helfen, durch dieses Projekt Kinder des Friedens zu werden.“ Der LWB ist eine von neun Organisationen, die im Rahmen der EU-Initiative „Kinder des Friedens“ ausgewählt wurden. Das 18-monatige Projekt startet am 1. Dezember, seine Aktivitäten konzentrieren sich auf Flüchtlingslager in den südsudanesischen Bundesstaaten Upper Nile und Unity, wo etwa 200.000 Menschen leben, die vor der Gewalt in den Bundesstaaten An-Nil al-azraq (Blauer Nil) und Südkordofan im benachbarten Sudan geflohen sind. Eine Mehrheit der Bevölkerung in Upper Nile und Unity sind Flüchtlingskinder im Schulalter, die besonders gefährdet sind insbesondere von Gewalt auf der Ebene der Gemeinwesen und von der Rekrutierung als KindersoldatInnen. Der LWB ist seit mehreren Jahren im Südsudan präsent. Die Mittel der EU-Initiative „Kinder des Friedens“ werden eingesetzt zur Intensivierung von Lernprogrammen und zur Schaffung eines sicheren schulischen Umfelds, einem von akuter Unterfinanzierung betroffenen Bereich.

Der LWB bietet Kindern im Flüchtlingslager Ajuong Thok im südsudanesischen Bundesstaat Unity Schulbildung und Schutz. Anfang August zählte man im Camp täglich 300 bis 400 Neuankömmlinge. Foto: LWB/M. Heyden

Lutherische Welt-Information Nr. 11/2013

Kolumbien: Gegen Straflosigkeit bei geschlechtsspezifischer Gewalt Lutherische Kirche begleitet von HIV Betroffene und ausgegrenzte Frauen Bogotá (Kolumbien)/Genf (LWI) – Am ersten Samstag im Monat treffen sich regelmässig 40 bis 50 Personen in der Erlösergemeinde der Evangelisch-Lutherischen Kirche Kolumbiens (IELCO) in Bogotá. Oft finden sich neue Gesichter bei diesen lockeren Gesprächen über den Alltag, Probleme im Stadtviertel und über den Zweck der Gruppe selbst. „Gemeinsam auf dem Weg“ – anfangs eine Handvoll Menschen, die sich gelegentlich trafen – wurde vor zehn Jahren initiiert. Inzwischen hat sich das Treffen zu einer starken Selbsthilfegruppe von und für Menschen in der kolumbianischen Hauptstadt entwickelt, die von HIV und AIDS betroffen sind. Dazustossen kann jede/r, die oder der möchte, unabhängig vom Geschlecht oder der Glaubenszugehörigkeit. Für viele Personen und Familien, die von HIV betroffen sind, ist das Treffen die einzige Anlaufstelle, wo Hilfe zu finden ist. „Unser Ziel ist null Diskriminierung, was die Zugehörigkeit zur Gruppe angeht, damit wir auch das Ziel von null neuen HIV-Infektionen in unserem Umfeld erreichen“, erklärt Ros Mary Rincon, die die HIV-und-AIDS-Arbeit der IELCO koordiniert, zu den Massnahmen der Kirche im Zusammenhang mit den Zielen der weltweiten HIV-Kampagne 2011-2015. Mit ihrer AIDS-Arbeit fördert die lutherische Kirche das Bewusstsein dafür, wie neuen HIV-Infektionen vorzubeugen ist, sie ermutigt von HIV Betroffene, die Achtung ihrer Würde und ihre Rechte einzufordern, und betreibt nachhaltig die Vernetzung mit lokalen und internationalen zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie Advocacy gegenüber dem Staat. „Die Anstrengungen der Erlösergemeinde zahlen sich aus und andere Kirchen bitten die lutherische Kirche um Unterstützung bei der Schaffung solcher Selbsthilfegruppen“, berichtet Rincon in Lutherische Welt-Information Nr. 11/2013

Ros Mary Rincon, Koordinatorin der HIV-und-AIDS-Arbeit der IELCO. Foto: LWB/Maximilian Haas

einem Interview mit der Lutherischen Welt- in Zusammenarbeit mit dem FrauenInformation (LWI). In Kolumbien sind nach referat der IELCO und dem Programm Schätzungen 190.000 Menschen von HIV „Frauen in Kirche und Gesellschaft“ der betroffen. Die Mehrheit sind Frauen in pre- Abteilung des LWB für Theologie und kären Situationen, die von Armut betroffen Öffentliches Zeugnis. sind, sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt erleiden und nur beschränkt Zugang zu medizinischer Versorgung haben, Verantwortung des Staates erläutert Rincon. Der CEDAW befragte die kolumbianiSie war unter den VertreterInnen sche Regierung zu ihrem Umgang mit von 27 zivilgesellschaftlichen Organi- verschiedenen von ihr eingegangenen sationen, die bei der 56. Tagung des Verpflichtungen, einschliesslich der Ausschusses der Vereinten Nationen für Bemühungen, Gesetze zu ändern, die die Beseitigung der Diskriminierung der aktuell erlauben, dass ärztliches Personal Frau (CEDAW), die vom 30. Septem- Frauen oder Mädchen zwangssterilisiert, ber bis 18. Oktober in Genf (Schweiz) die behindert oder von HIV betroffen sind. stattfand, den Schattenbericht der Fortschritte seien zu verzeichnen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) bei der Stärkung des jeweiligen Gesetzur Prüfung Kolumbiens vorlegten. Vor zesrahmens, so die VertreterInnen der dem Hintergrund des fünf Jahrzehnte Regierung, die allerdings einräumten, andauernden bewaffneten Bürgerkriegs, dass in Kolumbien ein hohes Mass den das Land durchlitten hat, behandelt an häuslicher und sexueller Gewalt der Bericht unter dem Titel „Ein Blick auf existiere und die reproduktiven Rechte die Frauenrechte in Kolumbien“ schwer- von Frauen verletzt würden. punktmässig die Folgen, die sexuelle und Rincon begrüsst den vom Ausschuss geschlechtsspezifische Gewalt für Frauen an die Regierung gerichteten Aufruf, die hat, sowie von HIV betroffene Menschen rechtlichen Rahmenbedingungen zu und ihr Recht auf Gesundheit. überarbeiten und weiterzuentwickeln, Der LWB unterstützte die Teilnahme sowie die Aufforderung, dafür zu sorgen, Rincons an den Sitzungen des CEDAW dass Sterilisierungen mit der frei und 11

auf der Grundlage angemessener Informationen gegebenen Zustimmung der betroffenen Frauen durchgeführt werden. Im Blick auf ihre eigenen Erfahrungen stellt die Mutter einer vierjährigen Tochter fest: „Hätte ich meine Rechte als von HIV betroffene Frau nicht gekannt, hätte mich das ärztliche Personal in der frühen Phase meiner Schwangerschaft zwangssterilisiert.“ Heute gehört zu Rincons Arbeit bei der IELCO die Unterstützung von Frauen in prekären Situationen, die Mühe haben, sich tragfähige Lebensgrundlagen aufzubauen, und „die dabei häufig mit geschlechtsspezifischer und sexueller Gewalt, Angst, Scham und Unwissenheit und mit der Verpflichtung konfrontiert sind, ihre Familie und insbesondere die Kinder zu versorgen und zu schützen.

Prävention und Bestrafung von Vergehen Durch den bewaffneten Konflikt in Kolumbien wurden bis zu 5 Millionen Menschen, mehrheitlich Frauen und Kinder, aus ihren Heimatorten vertrieben. Das entspricht über 10 Prozent der Bevölkerung. Der CEDAW betonte, „zwar leiden alle Zivilistinnen und Zivilisten unter bewaffneten Konflikten, aber Frauen und Mädchen werden vorrangig und zunehmend mehr Opfer der Anwendung von sexueller Gewalt.“ Unter Verweis auf Untersuchungen der NGO Profamilia und des nationalen Instituts für Rechtsmedizin und Kriminaltechnik stellt der Schattenbericht fest, alle am Konflikt in Kolumbien beteiligten bewaffneten Gruppen übten sexuelle Gewalt aus.

Trotzdem hofft Rincon, dass die im Oktober 2012 in Norwegen aufgenommenen Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC), die aktuell in Kuba fortgesetzt werden, eine endgültige Einstellung des Konflikts bringen werden. Für die meisten Frauen aber – das hebt auch der Bericht des CEDAW hervor – endet die Gewalt nicht mit der Unterzeichnung eines Friedensabkommens. Häufig nimmt sie unter den nach dem Ende eines Konflikts herrschenden Bedingungen zu. Weiter verschärft werde sie dadurch, dass nicht gegen sämtliche Formen geschlechtsspezifischer Gewalt Prävention betrieben werde und zu entsprechenden Vergehen keine Ermittlungen eingeleitet bzw. diese nicht bestraft würden, so Rincon. Unter Verweis auf Beispiele aus dem Schattenbericht stellt die IELCOVertreterin fest, die in den Jahren 2010 und 2011 angezeigten Fälle sexueller Gewalt betrafen zu 84 Prozent Frauen, zu 16 Prozent Männer: „Das ist ein Verhältnis zwischen Männern und Frauen von eins zu fünf.“ Rincon bekräftigt die Aussage des nationalen Instituts für Rechtsmedizin und Kriminaltechnik, wonach „die Straflosigkeit […] bei solchen Verbrechen bei 98 Prozent [liegt]. Sie ist gekoppelt mit einer hohen Dunkelziffer nicht angezeigter Übergriffe, der fehlenden Sichtbarkeit dieser Verbrechen und der beständigen Angst davor, sie anzuprangern.“

Advocacy Rincon dankt dem LWB für seine Begleitung der AIDS-Arbeit der IELCO

und der Bemühungen um Frauenrechte und Gendergerechtigkeit. Nach ihrer Einschätzung sind in vielen Bereichen Fortschritte zu verzeichnen, aber es bleiben „immer noch so viele Herausforderungen, was die Überwindung der von Gewalt geprägten Kultur angeht, die in Kolumbien inzwischen alltäglich geworden ist.“ Im Rahmen einer vom LWB organisierten Tagung im Ökumenischen Zentrum in Genf berichteten Rincon und Fabiola Tapasco, ebenfalls aus Kolumbien, von ihren bei der CEDAW-Tagung gesammelten Eindrücken und von der Arbeit der Kirchen mit marginalisierten Frauen in dem lateinamerikanischen Land. Die 30 VertreterInnen kirchlicher Organisationen, die an der Tagung teilnahmen, diskutierten die Probleme beim Schutz der Frauenrechte sowie Möglichkeiten, wie Organisationen aus dem kirchlichen Raum den Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit im Land noch stärker unterstützen können, als es bisher bereits geschieht. Rincon ergänzt, es sei erforderlich, dass Kirchen, Zivilgesellschaft und andere Einrichtungen der Vereinten Nationen ihre Advocacy-Bemühungen ebenfalls verstärken und „Kolumbien in die Verantwortung nehmen hinsichtlich seiner Pflichten aus dem Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, das es 1982 ratifiziert hat.“ Der LWB ist in Kolumbien durch die IELCO, die ihm seit 1966 angehört, und durch das Länderprogramm der Abteilung für Weltdienst präsent.

Herausgegeben von: Deutsches Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) Herrenhäuser Str. 12 30419 Hannover, Deutschland Tel. 0511/2796-437 Fax 0511/2796-182 E-Mail [email protected] www.lutheranworld.org

12

Lutherische Welt-Information Nr. 11/2013