St. Stephan als Kunstwerk Archäologie

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St. Stephan als Kunstwerk Archäologie Neue archäologische Untersuchungen Von Julia Strobl Im Zuge eines Heizungseinbaus ab März 2000 führte die Ab...

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St. Stephan

als Kunstwerk

Archäologie

Neue archäologische Untersuchungen Von Julia Strobl

Im Zuge eines Heizungseinbaus ab März 2000 führte die Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamts Notgrabungen im Stephansdom durch, die neue Erkenntnisse zur frühmittelalterlichen Stadtgeschichte und zu den Vorgängerbauten

Begräbnisstätte genutzt. Die römische La­ germauer wurde von der damaligen Bevöl­ kerung als Stadtmauer weiterverwendet. Besonders spektakulär war der Fund eines turmartigen Baues, vermutlich aus dem 10. Jahrhundert, der einen fast quadratischen Grundriss und eine Apsis aufweist. Ent­ gegen der historischen Meinung, dass vor dem ersten romanischen Kirchenbau des 12. Jahrhunderts das Areal unverbaut war, scheint jetzt eine Deutung dieses Bauwerks als Kapelle der Passauer Bischöfe wahr­ scheinlich. Wien gehörte noch bis 1469 zum Passauer Bistum. Der Tauschvertrag von Mautern, der zwischen Markgraf Le­ opold IV. und Bischof Reginmar von Pas­ sau 1137 abgeschlossen wurde, regelte die Pfarrrechte der Wiener Kirchen und er­ möglichte den Bau der ersten Pfarrkirche von St. Stephan. Dieser erste archäologisch nachgewiesene Bau war eine dreischiffige Basilika. Schon um 1170 erfolgte der zwei­ te Bau einer größeren Kirche. Die Notgra­ bung von 2000/2001 brachte Bruchstücke dieser zweiten Kirche, teilweise mit Resten

Foto: © Julia Strobl

des Domes brachten.

U

nter dem Fußboden beider Sei­ tenschiffe und im gesamten We­ sten des Langhauses wurden gro­ ße Heizelemente installiert, zuvor konnte der Baustellenbereich genau untersucht werden. Der älteste Bodenfund ist ein spätantikes Gräberfeld mit Umfassungsmauer aus dem 4. Jahrhundert, das sich direkt vor den Mauern des römischen Legionslagers Vindobona befand. Es wurden auch fünf Steinplattengräber, Bestattungsorte hoher Persönlichkeiten, entdeckt. Begräbnisstät­ ten der Römer wurden immer außerhalb des Siedlungsgebietes entlang der Ausfall­ straßen angelegt. Das Areal des Stephans­ platzes lag damals an einer wichtigen Stra­ ße, die von der porta principalis, einem Lagerhaupttor, zur römischen Zivilstadt führte, die sich im heutigen 3. Bezirk be­ fand. Die romanische Bevölkerung verließ den Wiener Raum im 5. Jahrhundert auf­ grund der instabilen Lage des Imperiums und der Friedhof wurde erst wieder im Frühmittelalter (9./10.Jh.) als christliche

In einer vergitterten Nische neben dem Bischofstor (Zugang durch den Schriftenstand) wurden die heute verschollenen Kultbilder des Jupiter und des Mars eingemauert. Das Gitter und die Inschrift sind noch zu sehen, die Wiener bezeichneten die antiken Götzen als „Tatermänner“: „Ir menschen alesambt gelaubt in got / und behalt Christi gebot, / des die haidn nit habent getan. / Sie paten an die taterman / […]“ (Moderne Übersetzung: Ihr Menschen alle, glaubt an Gott und behaltet Christi Gebot. Die Heiden haben es nicht getan, sie beteten an die Tatermann‘.)

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Kulturmagazin der Wiener Fremdenführer 2007

Archäologie

von Malerei, zu Tage. Die romanischen Vorgängerbauten des heutigen Domes wa­ ren im Innenraum mit flächendeckender farbiger Architekturmalerei versehen, wie sie auch noch im Bereich der Westempore teilweise erhalten ist. Im Fundamentbe­ reich des südlichen Heidenturmes fand sich eine Steinspolie aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, bemalt mit einem Bischofs­ kopf unter einem Rundbogen. Sie ist nicht nur die älteste erhaltene figürliche Malerei des Domes, sondern auch der mittelalter­ lichen Stadt Wien. Der dritte spätromanische Bau besaß eine durchgehende Westempore, die später in den gotischen Neubau miteinbezogen wurde. Die Weihe erfolgte 1263. Unter großem Zeitdruck wurde nach der Brand­ katastrophe von 1945 im Bereich des Apo­ stelchores eine Grabung durchgeführt, die Grabungsbefunde gingen unglücklicher­ weise verloren. Der Legende nach wurden

die handschriftlichen Aufzeichnungen in der Stadtbahn liegen gelassen und muss­ ten aus dem Gedächtnis rekonstruiert werden! Über 400 Skelette wurden bei der jüngs­ten Ausgrabung freigelegt, pathologisch unter­ sucht und in den Katakomben beigesetzt. Nach einer wissenschaftlichen Auswer­ tung des Materials sind Aufschlüsse über St. Stephan als Begräbniskirche und das Bestattungsbrauchtum vom Mittelalter bis in die Neuzeit zu erwarten. Vor allem die barocken Bestattungen waren sehr reich an Schmuck und Bekleidungsresten. Die Ergebnisse der archäologischen Not­ grabung zeigen, dass die Geschichte des Stephansdomes weiter in die Vergangen­ heit zurückreicht, als bisher bekannt war, und lassen erwarten, dass die Fülle an Material und neuen Erkenntnissen die Forschung noch einige Zeit beschäftigen wird.

Quellen: • Dombaumeister DI Wolfgang Ze­ hetner • BDA, Abt. f. Bodendenkmale • DEHIO-Handbuch Wien, I. Be­ zirk - Innere Stadt; Hrsg. Bundes­ denkmalamt; Verlag Berger, Horn, Wien; 2003;

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