St. Stephan in Konstanz – Chorherrenstift und - kath-musterhausen

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St. Stephan in Konstanz – Chorherrenstift und Pfarrkirche GESCHICHTE DES CHORHERREN-STIFTES ST. STEPHAN An der früheren spätrömischen Straße, der heut...

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St. Stephan in Konstanz – Chorherrenstift und Pfarrkirche GESCHICHTE DES CHORHERREN-STIFTES ST. STEPHAN An der früheren spätrömischen Straße, der heutigen Wessenbergstraße, liegt die Stephanskirche; sie stand zu jener Zeit außerhalb des Bezirkes um die Bischofskirche und der bewohnten Siedlung. In den 50er Jahren durchgeführte archäologische Grabungen nördlich der Kirche zeigten, dass die Stephanskirche im Bereich eines spätrömischen Gräberfeldes des 3.-4. Jahrhunderts lag; möglicherweise diente sie als eine kleine Friedhofskirche. Die früheste Erwähnung der Kirche findet sich in der ersten um 680 verfassten Lebensbeschreibung des heiligen Gallus: Der Heilige, dem im Jahr 613 der Konstanzer Bischofssitz angeboten worden war, lehnte ab und schlug seinen Diakon Johannes von Grabs vor; dieser aber floh aus Bescheidenheit in die Stephanskirche. Der Autor der Gallus-Vita erwähnt zwar den Namen der Kirche, beschreibt sie aber nicht. Trotzdem ist eindeutig, dass die Stephanskirche zu den ältesten Kirchen am Bodensee gehört. Das Bistum Konstanz wurde Ende des 6. Jahrhunderts gegründet. 1125 ist im Zusammenhang mit der Stephanskirche ein Chorherrenstift erwähnt, dessen Gründung jedoch bereits in die spät-karolingische Zeit zurückreichen dürfte. Bischof Salomon l. (839-871) richtete in Salmsach (Thurgau, Schweiz) eine Klerikergemeinschaft ein, die Bischof Salomon III.(890-919) um 900 an die Stephanskirche nach Konstanz verlegte. Inzwischen war die Stephanskirche zur „Bürgerkirche“ herangewachsen. Seit dem 13./14. Jahrhundert waren die Kanonikate und Pfründe vorrangig von Söhnen aus Patrizierfamilien besetzt. Während des Konstanzer Konzils (1414-1418) war die Stephanskirche Tagungsort des päpstlichen Gerichts, der Rota Romana: „Es waren zwölf [Richter], und wurden in die Stephanskirche begleitet. Und es wurden zwölf Stühle gemacht, ein pro Richter, einer hinter dem anderen, mit zwei Klaftern Abstand voneinander. Und sie tagten dreimal die Woche, montags, mittwochs und freitags, wenn es nicht gerade ein Feiertag war. Und wenn sie zu Gericht saßen, so stand vor jedem Richter ein solches Gedränge, dass man kaum durch die Menschenmenge vor ihnen gehen konnte.“ So beschrieb der Konstanzer Chronist Ulrich Richental (gest. 1437) das Treiben in der Stephanskirche während dieser Zeit. Auch bei weiteren kirchlichen Anlässen diente die Stephanskirche der Zusammenkunft, wie z. B. die Freisprache von Sünden durch den Patriarchen von Antiochia jeweils am Gründonnerstag; die Kardinale sowie die deutsche und die englische Nation feierten hier 1416 die Weihnachtsmesse. Ab 1518/1519 drangen die Gedanken der Reformation in die Stadt; erste Anzeichen gab es bereits 1516 in den Predigten des Pfarrers von St. Stephan, Jakob Windner. Der Widerstand des Kapitels war groß, doch der Druck, den der Rat der Stadt auf dessen Mitglieder ausübte, wurde immer stärker. Am 25. April 1525 wurde der gesamte Klerus der Stadt, Chorherren und Kapläne der Stephanskirche inbegriffen, vom Rat gezwungen, dem Bürgermeister, dem Reichsvogt und dem Rat einen Gehorsamseid zuleisten. Am 10. Mai 1527 übergab der Pfarrer der Stephanskirche die Kirche dem Rat, und am 13. Mai 1527 wurde die letzte katholische Messe in der Kirche abgehalten. Danach bezeichnete sich der Rat der Stadt Konstanz als Pfarrer von St. Stephan. Die Kirche war protestantisch, und das Stift befand sich im Exil. In der Folge wütete der Bildersturm, auch innerhalb der Mauern der Stephanskirche: 14 Altäre wurden abgebrochen, die liturgischen Bücher vernichtet, der Kirchenschatz eingeschmolzen, und der Rat eignete sich die Bibliothek an. Nach einem Bericht des Stadtrats war am 21. Januar 1529 alles liquidiert. Am 19. Dezember 1529 predigte der Schweizer Reformator Huldrych (Ulrich) Zwingli in der schmucklosen Stephanskirche über das Amt der Obrigkeit. Obwohl der Katholizismus 1549 in Konstanz wiedereingeführt wurde, konnte erst 1550 ein geordneter Gottesdienst in der Stephanskirche stattfinden. Im Mai 1551 kehrte der Propst Graf Johann von Lupfen mit den Chorherren und den Kaplänen zurück. Die Schenkung von Reliquien der heiligen Stephanus und Nikolaus - das Patrozinium Nikolaus ist neben Stephanus sporadisch ab dem 15. Jahrhundert nachgewiesen – durch das Kloster Weingarten 1763 und bauliche Erneuerungen ab 1770 sind die markantesten Ereignisse des 18. Jahrhunderts. 1803 übernahm Markgraf Karl Friedrich von Baden (1728-1811) die Landeshoheit über das Konstanzer Domkapitel; auch die geistlichen Mitglieder des Stifts St. Stephansprachen dem Markgrafen gegenüber ihre Treue aus. Trotzdem wurde das Stift 1807 nach circa 900 Jahren aufgehoben. Nach den Wirren der Säkularisierung und der Bistumsaufhebung (1821) blieb die Stephanskirche neben der Münster- und der Augustinerpfarrei als einzige Pfarrkirche erhalten. Für fast 125 Jahre galt sie auch als Garnisonskirche.

BAUGESCHICHTE DER KIRCHE ST. STEPHAN Am wenigsten ist aus der Zeit vor dem frühen 11. Jahrhundert über die vorromanische Kirche bekannt. Es ist möglich, dass Römer südlich des sog. Münsterhügels für die Siedlung der Handwerker und Landwirte eine Versammlungs- und Markthalle [Basilika] gebaut hatten, die später, nach dem Abzug der römischen Besatzung, den ersten Christen in Konstanz als Gottesdienstraum diente. Möglich ist aber auch, dass der Bau von vornherein als Kirche errichtet wurde. Ende April 926 wurde die Stephanskirche während des Ungarneinfalls zusammen mit den Randsiedlungen der Stadt zerstört; in welchem Ausmaß, ist allerdings nicht bekannt. Möglicherweise baute Bischof Noting (919-934) das Gotteshaus wieder auf. Trotzdem stand die Stephanskirche auch rund 300 Jahre nach der Wahl Johannes von Grabs zum Bischof (613) weiterhin extra muros, d.h. außerhalb der Stadtmauer. Und dies, obwohl unter Bischof Salomon III.(890-919) ein Markt gegründet worden war, der vor dem Haupteingang der Stephanskirche stattfand. Der Umbau der Stephanskirche war im 12. Jahrhundert wegen des raschen Anwachsens der Marktsiedlung notwendig geworden. Einheitlich melden die Konstanzer Chroniken, dass Bischof Ulrich II. (1127- 1138) den vorromanischen Bau erweitern ließ und die Neuweihe durchführte. Eine Schilderung aus der Chronik von Gerhard Dacher (um 1425-1471), der die Baumaßnahmen sicherlich persönlich verfolgt hatte, betrifft den Umbau der Stephanskirche im 15. Jahrhundert, jedoch enthält sie wichtige Hinweise über das Aussehen des romanischen Baues: „... do wart sant Stephanskiich do gebuwen in der /eng, 0/5 die zwen altar uff der linken siten und uff der rechten siten, als man zu der tür ingat bis zuder hinteren tür. Und die wytte hatte sy, die sie jetzt hat an dem chor, wan der chor stund verkehrt, als der zu Petershusen, und stund hindnan in der kirchen und ist die kirch och etwas gelengert hintersich ußlinaber kum um zehn schuh, won der fronaltar stund recht um die maß enmitten in dem pletz, als jetzt der predigerstuhl stat, do stund das prebisterium, da der priester sitzt, der die fronmesse halt.“ Es heißt, dass es sich um eine dreischiffige Basilika mit quadratischem Chorabschluss im Westen – wie z.B. auch bei der Gregorskirche in Petershausen oder bei Alt-Sankt-Peter in Rom – handelte; der Eingang lag im Osten. Das Mittelschiff war so breit wie heute (10,20 m), die Seitenschiffe um die Hälfte schmaler, und der Raum vermutlich mit einer flachen Holzdecke versehen. Der Chor begann mit dem heutigen fünften Pfeiler im Westen und war durch Rundbogenfenster erhellt. Die nochvorhandene attische, mit Eckknollen versehene Basis des östlichsten Nordpfeilers ist ins 11., eher ins 12. Jahrhundert zu datieren. Der schlechte Zustand der Kirche und der Platzmangel sowohl für die Anforderungen des Chordienstes als auch der Pfarrseelsorge hatten den gotischen Umbau notwendig gemacht. In einer Bittschrift im Jahr 1408 bat der Leutpriester von St. Stephan, Vollmar Sack, im Namen des Stiftskapitels den städtischen Rat um finanzielle Unterstützung, da die meisten Konstanzer zur Pfarrei St. Stephan gehörten. Aus der Dacher-Chronik lassen sich die Umbaumaßnahmen ablesen: Die Kirche wurde nach Osten um ca. 3 m verlängert, die Seitenschiffe auf die doppelte Breite erweitert, und die Bauachse gewendet, d. h. der Kirchenbau wurde jetzt geostet. Die Säulen im Langhaus wurden vermutlich zu achteckigen Pfeilern behauen oder durch solche ersetzt, die sieben Arkaden zu Spitzbogenarkaden umgestaltet und die Obergadenwand höher gezogen. Die zwölf Obergadenfenster behielten mit wenig Aufwand ihre Form und erhielten ein gotisches Maßwerk. Glasmalereien mit jeweils einer Standfigur und einem Stifterwappen schmückten ab circa 1430 die Fenster des Mittelschiffs. Anno 1436 buwete man den lättnerze sant Stefan, unterhalb des tiefgezogenen Triumphbogens. 1483 wurde mit der Errichtung des Turmes begonnen, der wie ein Campanile im Südosten getrennt vom Baukörper der Kirche steht. Doch erst 1485 konnte der mit Blei gedeckte Turmhelm fertiggestellt werden. Die finanzielle Situation der Stiftsfabrik und der Bürger hatte sich nämlich zwischendurch verschlechtert, da die Stadt wirtschaftlich an Bedeutung verloren hatte. Die Bauarbeiten, angefangen um 1428, erstreckten sich über das ganze 15. Jahrhundert. Im Chorhaus und im Langhaus war die Anzahl der Altäre auf sechzehn erhöht worden. Der mit Steinplatten ausgelegte Boden diente als Bestattungsort für Chorherren, Stiftskapläne und Konstanzer Patrizierfamilien, die eine Gräbertaxe an das Stiftskapitel entrichtet hatten. Im Laufe des 17. und bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts sind nur vereinzelte Baumaßnahmen und Änderungen der Einrichtung durchgeführt worden. Es hatten sich jedoch im Laufe der Zeit solche Bauschäden an Chor und Langhaus ergeben, dass eine gründliche Instandsetzung unumgänglich schien. 1770 wurde durch die Baukommission des Stiftskapitels ein Gutachten über den Zustand der Kirche erstellt, und die spätbarocken Änderungen am Bau begannen. Der Chor erhielt eine Stuckdecke, die der Konstanzer Franz Ludwig Hermann (1710-1791) mit einem Deckengemälde ausmalte, ein hölzerner Rundbogen ersetzte 1773 den spitzbogigen, tiefgezogenen Triumphbogen am Chorabschluss; der Lettner wurde abgebrochen und durch ein eisernes Chorgitter ersetzt. Im Langhaus konnte aus Geld-

mangel nur noch eine einfache Gipsdecke gezogen werden. An der Nordseite des Chors riss man die Marien- und Margarethenkapellen ab und ersetzte sie durch eine barocke Sakristei. Dies war die letzte Restaurierung der Kirche vor der Aufhebung des Stiftes. Im 19. Jahrhundert wurden vereinzelt Baumaßnahmen und Änderungen an der Stephanskirche vorgenommen: 1817 die Neueindeckung des Kirchendaches, 1833 die Erneuerung des Dach- und Bodenbelags im Langhaus und in den Seitenschiffen, die Übernahme von zwölf Apostelfiguren aus der durch die Säkularisation aufgelösten Franziskanerkirche und 1835 die Erneuerung der Kirchenbänke. Eine 1811 entfernte Seitenorgel wurde 1819 durch die Orgel der aufgehobenen Kirche St. Johann auf de Empore ersetzt. Im Zusammenhang mit einer großen Innenrenovation (1905-1917) wurde die Decke im Langhaus erneut ersetzt und besteht seither aus Lärchenholz mit sechsgeschnitzten Hochreliefs. Die Kirchenmaler Karl Philipp und Franz Schilling bemalten die Nord- und Südobergadenwände mit zwölf Bildern, die Szenen aus dem Leben Christi zeigen. Eine weitere große Instandsetzung erfolgte von 1978 bis 1997 durch die Staatliche Hochbauverwaltung, die seit der Säkularisation für den Bauunterhalt der Kircheverantwortlich ist. ERGEBNISSE ARCHÄOLOGISCHER UNTERSUCHUNGEN 1982/83 und 1988/90 fanden im Innern der Stephanskirche archäologische Sondierungen statt, die sich aber auf kleine Flächenbeschränkten. Demnach könnte die älteste Konstruktion aus einem Holzbau bestanden haben, der durch Brand vernichtet wurde. Die Reste konnten weder näher datiert noch funktioneil bestimmt werden, d. h. es wurde nicht klar, ob sie zu einem Vorgängerkirchenbau gehörten. Handelt es sich um die Kirche, die im Jahr 926 dem Überfall der Ungarn zum Opfer fiel? Die nächste archäologisch fassbare Schicht besteht aus Mauerfunden, die einem basilikalen Vorgängerbau zugeordnet werden konnten, dessen Grundrissrekonstruktion allerdings nur in groben Zügen möglich ist. Dieser Bau, eine gewestete Basilika, kann aufgrund von Keramikfunden vermutlich noch ins 11. Jahrhundert datiert werden. Ein Abdruck im Bodenniveau deutet darauf hin, dass die Pfeilerbasen bei einem Umbau um deren Breite versetzt wurden. Aus dieser Erkenntnis entwickelt sich ein neues Bild: Nicht nur die Seitenschiffe sind im gotischen Bau erweitert worden, sondern auch das Mittelschiff. Der gotische Umbau fand in zwei Phasenstatt. Nach der Entscheidung, die Kirche zu osten, blieb zunächst der Westchor erhalten, um den Gottesdienst weiterhin zu ermöglichen. Anschließend baute man die Kirche mit dem neuorientierten Chor wie eine Schale um den alten Bau. Die Abschlussnaht ist heute in der Nordwand, rechts von der Eingangstür, noch deutlich zu sehen. Als der Ostchor fertiggestellt und seine Benutzung möglich war, wurden die Umbauarbeiten an der Westapsis fortgesetzt. Die Nord- und Südwände konnten verlängert, und der ursprünglich quadratische Westchor in das neue Mittelschiff integriert werden. Entgegen der bisherigen Forschungsmeinung handelt es sich bei dem gotischen Bau wahrscheinlich um einen grundsätzlichen Neubau, abgesehen von wenigen Teilen, die integriert wurden. Der gotische Bau prägt heute noch das Aussehen der Stephanskirche. Bedeutende Änderungen sind in späteren Zeiten nicht mehr durchgeführt worden. ÄUSSERES Auf dem Stephansplatz stehend überblickt man am besten die klar gegliederte Baustruktur der Stephanskirche und ihre Dimensionen (66,45 m lang und 28,60 m breit). Das Mittelschiff mit seinen zwölf Obergadenfenstern erhebt sich über dem südlichen Seitenschiff. Der 65 m hohe und in vier Geschosse aufgeteilte spätgotische Turm steht wie ein Campanile vor dem Bau. Nach Osten schiebt sich der langgezogene Chor mit seinen drei Spitzbogenfenstern vor. In einer halbrunden abgeschlossenen Nische steht eine 2,15 m hohe Holzfigur des heiligen Stephanus (um 1770). Darunter, auf einem 2 m hohen und rechteckigen Sandstein-Sockel, erhebt sich die Statue des heiligen Nepomuk. die von einem Bildhauer namens Schupp um 1710 geschaffen wurde. Auf der Nordseite schließt sich am Chor die Sakristei an. Im Mauerwerk des Seitenschiffs ist heute noch die zugemauerte Eingangstürsichtbar. Eine Rampe ermöglicht hier seit der letzten Instandsetzung einen behindertengerechten Zugang zur Kirche. Am eindruckvollsten erscheint die Stephanskirche dem Besucher, wenn er den Bau durch den Westeingang betritt und durch das helle Mittelschiff in den farbig leuchtenden Chor blickt.

RUNDGANG DURCH DIE KIRCHE Zwei Reihen von sechs achteckigen Pfeilern mit Spitzbogen gliedern das Mittelschiff. Anden Pfeilern zur Langhausmitte hin kamen nach der Freilegung Fresken mit ganzfigurigen Aposteln zum Vorschein, darunter Petrus, Andreas, Jakobus der Altere, Johannes, Matthäus und Simon. Sie gehören zu einem Apostelzvkius mit Credo-Text, der zwischen 1572 urci 1583 von drei bis vier bislang unbekannten Künstlern gemalt wurde. Die rot eingerahmten Bilder wirken tafelartig; vermutlich waren auch die beiden ersten Ostpfeiler derart ausgestattet. Die am zweiten nordöstlichen Pfeilerangebrachte, in ihren Formen schlichte Barockkanzel stammt aus dem Jahr 1773. Über den Pfeilern, an den nördlichen und südlichen Obergadenwänden malten zwischen 1910 und 1917 die Kirchenmaier Karl Philipp und Franz Schilling zwölf rechteckige Bilder, die Szenen aus dem Leben Christi und in den Zwischenräumen sowie in den Zwickeln Kirchengelehrte und Heiligenfiguren zeigen: An der Nordwand, von Osten nach Westen: Isaias / die Verkündigung; St. Athanasius / die Geburt Christi; St. Chrysostomus /der zwölfjährige Jesus im Tempel / St. Basilius der Große; die Heilige Familie bei der Arbeit / St. Gregor von Nyssa, Johannes der Täufer; das Weinwunder bei der Hochzeit von Kana / St. Gregor von Nazianz, St. Josef; Christus heilt Kranke / St. Cyrill von Jerusalem. An der Südwand, von Westen nachOsten: St. H ilarius /Christus segnet die Kinder; St. Hieronymus/ die Seepredigt Christi; St. Augustinus / das Abendmahl / Gregor der Große / die Kreuzigung; St. Ambrosius / die Schlüsselübergabe an Petrus; der Apostel Paulus / das Pfingstwunder; Jeremias. 1948 wurde die Ausstattung der Wandgemälde als überreich empfunden und teilweise übertüncht. Bei der letzten durchgeführten Restaurierung wurden sie aus Kosten-, aber auch aus ästhetischen Gründen nicht wieder vollständig freigelegt. Nur an der Nordseite, zwischen dem 4. und 5. Pfeiler im Obergaden bekommt man einen Eindruck vom Aussehen des Gesamtwerkes. Ein Blick zurück nach Westen zeigt die im Zuge der jüngsten Restaurierungsmaßnahmen erneuerte Orgel der Orgelbauwerkstatt Georges Heintz (Schiltach, Schwarzwald) und ihre restaurierten Gehäuseteile. Sie besteht aus 58 Registern und 4120 Pfeifen. Damit ist sie die größte rein mechanische Schleifenladenorgel in Baden-Württemberg, die in den letzten Jahrzehnten gebaut wurde. Die in marmorierendem Blau gemalte und mit Gold reich verzierte Fassung gliedert den Orgelprospekt durch ihre zwei Seitentürme und einen Mittelturm und durch die zwei dazwischen liegenden, konkav verlaufenden Zwischenfelder. Diese stammen – abgesehen von dem Mittelturm – von der 1771 durch den Orgelbaumeister Karl Joseph Riepp (Dijon) geschaffenen Tabernakel-Chororgel aus der Salemer Zisterzienserabtei und gelangten 1817 in die Stephanskirche. Der Mittelturm und die beiden trompeten- und paukenspielenden Engel als Bekrönung kamen bei der Erneuerung der Orgel 1937 aus der Kunstwerkstatt Mezger (Überlingen) hinzu. Auf den Seitentürmen des Orgelprospekts stehen die überlebensgroßen Figuren der beiden Patrone der Musica sacra, König David mit der Harfe und die heilige Cäcilia, die auf der Orgel spielt; beide dürften Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden sein. Die Stephanskirche erhielt im Zuge der Innenrenovation von 1905-1917 eine neue Decke aus Lärchenholz, die in vierzehn Feldern aufgeteilt und mit sechs geschnitzten Hochreliefs des Bildhauers Josef Dettlinger(Freiburg) verziert wurde: Gott Vater, Christus, Heiliger Geist, Maria mit dem Kind, St. Stephanus und St. Nikolaus. Vier Stufen führen zu dem erhöhten, langgestreckten Hochchor mit polygonalem Abschluss. Ein hölzerner Rundbogen ersetzte 1773 den spitzbogigen, tiefgezogenen Triumphbogen am Chorabschluss. Das Chorbogenkreuz wurde 1905 in der Werkstatt Mezger (Überlingen) geschaffen. An den östlichsten Pfeilern, zum Mittelschiff hin gewandt, stehen die Holzplastiken Christi und der Madonna. Auf Chorbogen-Konsolen stehen die beiden bemalten Figuren des heiligen Stephanus (in Chorrock und Dalmatik) sowie des zweiten Kirchenpatrons, des hl. Bischofs Nikolaus. Sie sind beide um 1770 entstanden. In zwei übereinander geordneten Reihen zählt das Chorgestühl aus Eiche 58 Sitzplätze bzw. Stallen, die jeweils mit einem Klappsitz sowie Armstützen ausgestattet sind. Klappt man einige dieser Sitzflächen hoch, so entdeckt man sogenannte Miserikordien, hölzerne Sitzkonsolen; manche von ihnen sind mit geschnitzten Drolerien und Menschengesichtern verziert. Über den Seitenwangen, zwischen den Pfeilern, lauern Rücken an Rücken Tier- oder Wesenpaare: Löwen, Greifen bzw. Mischwesen. Das Chorgestühl an sich ist nicht einheitlich, sondern besteht aus drei Teilen. Der älteste, aus der Zeit um 1270, stammt aus dem Konstanzer Münster, als das Domstift im Jahr 1461 ein neues Gestühl für den eigenen Chor schaffen ließ (1470 fertiggestellt). Die zweite Gruppe wurde nachdem gotischen Umbau aus dem ehemaligen Westchor der Kirche übernommen; sie bestand damals aus sechs Stallen und genügte ursprünglich den Anforderungen des Stiftes. Der dritte Teil aus zwei mal sechs unteren Stallen sowie einige Ergänzungen wie Miserikordien werden um 1436 datiert.

Darüber hängen an den hölzernen und mit plastischen Blendarkaden versehenen Chorwänden je vier Ölgemälde auf Holztafeln aus dem 15. Jahrhundert: Stephanus, Johannes der Täufer, Bartholomäus, Nikolaus; Margareta, Dorothea, Barbara und Katharina. An der Nord- und Südwand des Chores stehen zwölf geschnitzte und in Weiß und Goldgefasste Apostelfiguren, die aus der Kirche des benachbarten Franziskanerklosters am Stephansplatz stammen. Die 1,50 m hohen Figuren wurden nach 1700 geschaffen. Zu Ostern 1863 fand der neue Hochaltar aus Eichenholz im Chor der Stephanskirche Aufstellung. In einer Nische im Mittelfeld ist eine geschnitzte Kreuzigung zu sehen: Sie stellt den Augenblick dar, in dem Christusgerade verschieden ist, umgeben von Maria, Johannes und Maria Magdalena, die kniend die Füße Christi küsst. Links und rechts der Nische stehen die Kirchenpatrone, Nikolaus und Stephanus. Über der Kreuzigungsdarstellung, umgeben von zwei Engeln, steht der auferstandene Christus. Die sieben Filigranspitztürme, bis auf eine Höhe von 12 m hinaufsteigend, schließen den Altar ab. Im Chor rahmt ein Werk des Bildhauers Hans Morinck (um 1555-1616) das Sakramentshäuschen. Es ist das einzige überlieferte sowie das größte Werk Morincks, das vollständig mit Rahmen und Figurenprogramm erhalten ist. Es wurde 1594 von Marx Schulthais gestiftet, der als Stadtamtmann Leiter der bischöflichen Stadtverwaltung war. Die sorgfältige Ausführung bis ins Detail lässt vermuten, dass der Tabernakel weitgehend von Morinck selbst geschaffen wurde. Er besteht aus Öhninger Kalkschiefer, der grau-gelbliche und leicht grünliche Farbtöne aufweist. Der Tabernakel ist in verschiedene Geschosse unterteilt und ruht auf einer dreiachsigen Konsole mit Putto, Engelsköpfen und Girlanden. Darüber ist die vergitterte Nische für das Sakrament von den Figuren der Fides und der Spes, im Übergang zur Wandfläche von zwei betenden Engelsbüstenflankiert. Im zweiten Geschoss, umrahmt von zwei Putti mit den Wappen des Stifterpaars, befindet sich eine Abendmahlszene: Vor einem Zelt, um einen runden Tisch in Draufsicht, mit Kelch und Lamm auf einem Teller, haben sich die Apostel versammelt. Es ist eine sehr lebendige Szene der gruppenweise in Gespräche vertieften Jünger mit Jesus, der gerade Judas das Brot reicht. Über einem gesprengten Giebel erhebt sich eine Figur des auferstandenen Christus. Weitere Tafeln Morincks aus Öhninger Kalkschiefer hängen im Chor: an der Nordwand das Epitaph der Effrasina Morinck, seiner Frau; das Werk ist eine Arbeit Morincks auf dem Höhepunkt seines Könnens und entstand um 1592. An der Südwand finden sich eine Kreuztragung, eine Grablegung und ein Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes (alle um 1600). Im Zuge des gotischen Umbaus im 15. Jahrhundert wurden die Fenster des Hochschiffs mit Glasgemälden ausgestattet: Jedes Fenster zeigte das Bild eines Heiligen sowie die Wappen des jeweiligen Stifters. Man nimmt an, dass sie von dem Maler und Glasmaler Claus Nithard geschaffen wurden, der von 1447 bis 1473 in Konstanz nachgewiesen ist. 1863 wurden die bunten Fensterentfernt, um das Langhaus mit durchsichtigem Glas zu erhellen. Der Berner Glasmaler Stanz gab den Heiligenfiguren neue Rahmen und setzte sie in den seitlichen Rundbogenfenstern des Chores wieder ein. Nördliches Fenster (von oben nach unten): St. Stephan mit Palme, Maria mit Kind, Johannes der Täufer mit dem Lamm, Barbara mit Turm, Cäcilia mit Orgel und Schwert. Mittelfenster: die heilige Dreifaltigkeit(Glasmalerwerkstatt Eggert, München; 1862). Südliches Fenster (von oben nach unten): Nikolaus mit Stab und Mitra, Katharina mit Rad und Schwert, Johannes der Evangelist mit Kelch, Apollonia mit Zange und Buch, Dorothea mit Blumenkorb. Bei der gründlichen Instandsetzung ab 1770 erhielt der Chor eine Stuckdecke, die der Konstanzer bischöfliche Hofmaler Franz Ludwig Hermann (1723-1791) mit einem Freskogemälde versah. Umrahmt von reichen Stukkaturen und Engelköpfen auf rosa und gelbem Grund entfaltet sich die Anbetung des Lammes Gottes: Das Lamm Gottes steht auf dem Buch des Lebens mit den sieben Siegeln, das von Engeln getragen wird und umgeben ist von den vier Wesen oder Evangelistensymbolen (Löwe, Stier, Mensch und Adler). Darunter schauen die 24 Ältesten auf Wolken mit Opferschalen und Harfen in den Händen zum Lamm auf und singen; darüber schweben zwei lobpreisende Engel mit einem Schriftband. In den vier Zwickeln erkennt man eine symbolische Darstellung von Hoffnung, Glaube und Liebe, sowie das Opfer Isaaks als Vorbild des Kreuzestodes Christi und als Symbol für die Gottesliebe. Im Westen des nördlichen Seitenschiffes konnte 1993 eine Golgatha-Darstellung(6,40 m x 7,60 m) des fürstbischöflichen Hofmalers Jacob Carl Stauder d. J. (1694-1756) freigelegt werden. Sie diente als Hintergrundsstaffage für ein spätgotisches Kruzifix aus Holz (um 1520/30), das zunächst am Triumphbogen des Chores hing; heute steht es wegen des späteren Einbaus der Seitenempore rechts von seiner Kulisse und ist Bestandteil des Kriegergedächtnisaltares. Links und rechts der vormaligen Aufstellung des Altares erscheinen Gigantenbüsten, die aus Voluten herauswachsen und die Seitenpfeiler tragen. Vor den Wandpfeilern, in Nischen, stehen die zwei Propheten Isaias und Jeremias. Im Hintergrund erhebt sich eine Stadtansicht von Jerusalem, davor stehen römische Soldaten auf dem

Golgathahügel. Rechts von Christus am Kreuz fängt ein Engel sein Blut in einem Kelch auf; links von ihm schwebt der Erzengel Michael mit einer Waage in der Hand: Der Kreuzestod Christi wiegt darauf schwerer als die durch den Apfel symbolisierte Erbsünde. Zwei Putti halten die Erdkugel, um die sich die als Schlange dargestellte Versuchung windet. Weitere Putti halten einen Vorhang über dem Geschehen auf. Stauder reagierte auf die reale Situation, indem er den Schatten des wie dreidimensional wirkenden Wandgemäldes auf die rechte Seite malte, da das Licht durch die Fenster auf der linken Seite flutet. Neben einer Fassadenmalerei in der Wessenbergstraße 13 („Flucht nach Ägypten") ist das Wandgemälde in der Stephanskirche das bisher einzig bekannte und erhaltene Wandbild Stauders in Konstanz. Auf der Nordseite des Westeingangs hängt ein Gemälde (früheres Altarblatt) Stauders, eine Krönung Maria (1739). Als Pendant hierzu befindet sich auf der Südseite ein Gemälde von Johann Georg Ignatius Steinlechner, St. Nikolaus als Kinderfreund (1739). Das erste Wandgemälde rechts des Nordeingangs zeigt einen Heiligen vor einem Torturm und zu seinen Füßen vier Stifter; die Wappenfelder sind heute leer. Darunter abschließend hängt ein Pelzvorhang an einer Stange. Das zweite Wandgemälde weist auf das Martyrium des hl. Andreas am Kreuz hin, welches wie in einem eingetieften Theaterkasten aufgeführt wirkt. Unter den Figurenziehen zwei Folterknechte an den am Kreuzbefestigten Seilen mit einer Umlenkrolle, um die Balken auseinander zu schieben. Beide Wandmalereien sind in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts zu datieren. Als Hochaltargemälde diente bis 1863 das Dreikönigsbild (1616) von Caspar Memberger d. Ä. (gest. 1618). Heute hängt es an der Nordwand, oberhalb des Beichtstuhls. In einem offenen Stall sitzt Maria mit dem Kind auf dem Schoß; vor ihr kniet der greise König und bringt Goldmünzen als Opfergabe dar. Der bärtige Mann hinter dem stehenden König wird als Selbstporträt des Künstlers gedeutet. Das Gemälde gilt als die kostbarste Malerei des Bodenseeraumes in dieser Zeit. Rechts des Beichtstuhls ist ein farbig gefasstes Steinrelief (1,04 m x 1,20 m) in die Wand eingelassen: eine Darstellung des Marientodes aus dem 15. Jahrhundert. Die Seele Mariens ist in der Gestalt eines Kindes vom halbfigurigen Christus im Himmel aufgenommen worden. Um das Sterbebett herum gruppieren sich die Apostel. Für die reich ausgestalteten Rahmen mit Türmen, Fialen, Krabben und Kreuzblumen, an den Hochaltar im Chor angepasst, schuf der Schweizer Maler Paul Melchior Deschwanden (1811-1881) Ende der 1850er Jahre die zwei Gemälde in den Seitenaltären: auf der Nordseite eine Darstellung der Heiligen Familie, südlich die Steinigung des heiligen Stephanus. Die Seitenfiguren stellen im Norden die Heiligen Johannes von Nepomuk und Konrad, im Süden Karl Borromäus und Franz von Sales dar. Auf der Südseite des Chors entstand 1948 die Schmerzensmutterkapelle, indem der Turmzugang geschlossen wurde. Beachtenswert sind das Kreuzgewölbe und die beiden Schlusssteine mit den Patronen Stephanus und Nikolaus (Ende des 15. Jahrhunderts). Das Altargemälde (Mater dolorosa) wird Caspar Memberger d.Ä. zugeschrieben. Im südlichen Seitenschiff, auf der Rückseite des östlichen Mittelschiffspfeilers, ist eine Darstellung des Martyriums des heiligen Stephanus gemalt worden. Ursprünglich bestand die Möglichkeit, von der Wessenbergstraße her durch den spitzbogigen Eingang zwischen dem Chor und dem Turm in die Kirche zu gelangen; der Besucher war durch das Wandgemälde sofort mit dem Kirchenpatron konfrontiert. Vor einer stark befestigten Stadt (Jerusalem) kniet Stephanus im Gewand eines Diakons, der von vier ihn umstehenden Männern gesteinigt wird; ein weiterer im Vordergrund sammelt Steine ein. Im Himmel erwarten Christus und Gott Vater die Seele des Heiligen. Im gemalten Rahmen ist unten ein betender Stifter samt Wappen eingefügt worden: Weihbischof Jakob Eliner, der 1533 eine Chorherrenpfründe bei St. Stephan erhalten hatte. Das Stiftskapitel ließ wegen seiner zahlreichen Armenstiftungen 1577 eine Tafel anbringen, die links unter dem Wandgemälde eingelassen wurde. An der Südwand befinden sich 14 quadratische Kreuzwegstationen des schlesischen Glasmalers Maximilian Bartosz(1949). In starker Nahsicht reduzierte er die Darstellungen auf die Hauptfiguren und verzichtete auf den Hintergrund. An der Westecke des südlichen Seitenschiffes ließ 1929 Stadtpfarrer Eduard Schaack eine Taufkapelle einrichten. Die darin befindliche Ölbergszene stiftete Ende des 17. Jahrhunderts ein Mitglied der Konstanzer Bürgerfamilie Leiner; sie wurde wahrscheinlich von einem Künstler aus dem Umkreis des Christoph Daniel Schenck (1633-1691) geschaffen und zeigt Christus betend, das Gesicht nach oben zu einem Engelgerichtet, der ihm den Kelch entgegen hält. Die malerische Umgebung dieser Szene stammt von dem Konstanzer Jacob Carl Stauder (1729). Der Taufstein datiert in das Jahr 1773. Die Kapelle umgibt ein schmiedeeisernes Barockgitter, in Eichenholz gezogen; eine Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes krönt den Eingang, über der Tür an der Ostseite erscheint das Lamm Gottes.

Verschiedene Stiftungen zwischen 1863 und 1901 machten die Ausstattungen der Seitenschifffenster möglich. In den Fenstern der Nordwand, von Osten nach Westen, sind dargestellt: die Verkündigung, die Heimsuchung, die Geburt Christi, die Beschneidung, der zwölfjährige Christus im Tempel und der Tod des heiligen Joseph. An der Südwand, von Osten nach Westen: das Herz Jesu, die Auferstehung Christi, die Himmelfahrt Christi, das Pfingstfest, die Himmelfahrt Maria, die Krönung Maria, Anna und Maria, St. Antonius von Padua, die Hl. Richard und Karl Borromäus, die Heiligen Barbara und Katharina. BEDEUTUNG Von jeher galt die Stephanskirche für Würdenträger sowie finanzkräftige Mitglieder der Gemeinde als ein beliebter Begräbnisort. Jedoch ist von keiner dieser Personen eine Grabplatte erhalten geblieben. Das Totenregister von 1762 gibt einen Einblick über die Belegung sowie den Standort innerhalb der Kirche; 134 Grabstellen für 175 Verstorbene sind hier registriert. Bei der ab 1763 erfolgten Erneuerung des Bodenbelags wurden die meisten Grabplatten zerschlagen und wieder verwendet, die Epitaphien in der Kirche an Wänden und Pfeilern verteilt. Sie reichen vom 15. bis zum späten 18. Jahrhundert. Beachtenswert ist an der Nordwand das Epitaph des während des Konzils (1414-1418) verstorbenen Kölner Stadtkämmerers Adolf Dominicus Bruwer. Der lateinische Text der Inschrift in hochgotischer Fraktur auf weißem Rorschacher Sandstein erinnert an den Verstorbenen: „Im Jahr des Herrn 1415 am 28. Juni zur Zeit des großen Konzils verstarb der ehrbare Mann, Herr Adolf Dominikus Bruwer, Kämmerer der heiligen Stadt Köln, und wurde hier beerdigt." Die zwei Räume der Sakristei können nicht besichtigt werden. In ihnen wird derzeit der Schatz der Kirche aufbewahrt, darunter wertvolle Monstranzen und Kelche. Ein Gemälde hier ist neben den Darstellungen des Leichnams des heiligen Johannes von Nepomuk, der Auffindung der Gebeine des heiligen Stephanus und des Selbstporträts des Konstanzer Malers Philip Memberger d.Ä. weniger von kunsthistorischem Wert, sondern vor allem von historischer Bedeutung: die sog. Translationstafel. Ihre Inschrift nämlich ist der einzige urkundliche Beleg für die um 900 erfolgte Verlegung des Chorstifts St. Stephan aus Salmsach nach Konstanz. CHRISTINA EGLI Aus dem Kirchenführer „St. Stephan Konstanz“, erschienen im Kunstverlag Josef Fink