Steuertipps für behinderte Menschen - Merget und Partner

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Steuertipps für behinderte Menschen In Deutschland gibt es zahlreiche steuerliche Erleichterungen für behinderte Menschen. Diese sind sehr breit gefäc...

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Steuertipps für behinderte Menschen In Deutschland gibt es zahlreiche steuerliche Erleichterungen für behinderte Menschen. Diese sind sehr breit gefächert und nicht immer leicht zu verstehen. Um Ihnen einen Durchblick in dem Dschungel von Paragrafen und Vorschriften zu ermöglichen, haben wir für Sie die wichtigsten steuerlichen Erleichterungen auf einen Blick zusammen gestellt. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen entsprechen dem gegenwärtigen Stand der Gesetzgebung und können nur einen ersten Überblick verschaffen. Bitte wenden Sie sich an uns oder Ihren steuerlichen Berater, wenn Sie Fragen haben und vor allem, bevor Sie irgendwelche Maßnahmen ergreifen (z.B. Kur, Umbau Wohnung etc.) 1) Pauschbeträge bei der Einkommensteuer gem. § 33 b EStG Behinderten Menschen steht je nach Grad der Behinderung ein Pauschbetrag bis zu 1.420 € jährlich, bei blinden und hilflosen Menschen sogar 3.700 € zu. Arbeitnehmer können sich diesen Pauschbetrag bereits im Rahmen des Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren auf die Lohnsteuerkarte eintragen lassen und aufgrund des Pauschbetrags bereits unter dem Jahr Steuer sparen. Mit diesem Pauschbetrag sind nur die laufenden und typischen Aufwendungen abgegolten, nicht aber die atypischen. Der Abzug der atypischen Aufwendungen würde ggfs. über den §33 EStG erfolgen. 2) Steuerermäßigung für die Beschäftigung einer Pflegekraft oder bei Unterbringung in einem Heim Die Kosten für eine Pflegekraft bzw. für die Unterbringung in einem Heim sind vorrangig als außergewöhnliche Belastung abzugsfähig. Allerdings ist bei der Berechnung der abzugsfähigen außergewöhnlichen Belastungen die zumutbare Belastung abzuziehen. Dieser nicht abzugsfähige Teil kann aber im Rahmen der haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen (20% der Pflegeleistungen, maximal 4.000 €) abgezogen werden. Gegebenfalls ist zu prüfen, ob der Behinderten-Pauschbetrag (siehe Punkt 1) für den Steuerpflichtigen günstiger ist. 3) Steuerabzugsbeträge für die Fahrten Wohnung/Arbeitsstätte und für Familienheimfahrten bei einer doppelten Haushaltsführung Behinderte Menschen, deren Grad der Behinderung weniger als 70 aber mindestens 50 beträgt und die in ihrer Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich beeinträchtig sind (z. B. Merkzeichen "G" oder "aG") oder deren Grad der Behinderung mindestens 70 beträgt, können anstelle der Entfernungspauschale die tatsächlichen Aufwendungen für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

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steuerliche ansetzen. Gleiches gilt auch für Familienheimfahrten bei beruflich bedingter doppelter Haushaltsführung. Beispiel Jahresgesamtfahrleistung 14.000 km Fahrstrecke Wohung-Arbeitsstätte 13 km an 208 Tagen zurück gelegt Neupreis des PKW 24.000 € Reparaturkosten 400 € Kfz-Steuer/Versicherungen 600 € Benzin 1.020 € Berechnungsbeispiel: Wertminderung 1/6 von 24.000 € = Reparaturkosten Kfz-Steuer/Versicherung Benzin Summe Kosten PKW PKW-Kosten: pro km

4.000,- € 400,- € 600,- € 1.020,- € 6.020,- €

6.020,- € 14.000 km

= 0,43 €/km

Anteil Wohnung-Arbeitsstätte: 208 Tage x 26 km (Hin- und Rückfahrt) = 5.408 km x 0,43 € = 2.325,- € Abzugsfähige Kosten als Werbungskosten in Ihrer Anlage N

Im Vergleich Kosten Whg.-Arbeitsstätte mit Entfernungskilometer: 208 Tage x 26 km x 0,30 € = 1.622,40 € à ergibt steuerlichen Vorteil von 702,60 € 4) Setzen Sie Ihre Privatfahrten von der Steuer ab!! Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie zusätzlich von Ihren getätigten Privatfahrten bis zu 15.000 km jährlich als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend machen 5) die Gewährung des Versorgungs-Freibetrags ist bei Schwerbehinderten bereits mit der Vollendung des 60. Lebensjahrs möglich.

6) Steuerermäßigung für die häusliche Pflege von Angehörigen

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Entstehen einem Steuerbürger durch die Pflege eines hilflosen Angehörigen Aufwendungen, kann er anstelle eines Abzugs dieser Aufwendungen als außergewöhnliche Belastung einen Pflegepauschbetrag von 924 € geltend machen. Voraussetzung ist, dass der Steuerbürger die Pflege im Inland entweder in seiner Wohnung oder in der Wohnung der behinderten Person persönlich durchführt und dass er dafür keine Einnahmen z. B. Pflegegeld, erhält. Wird ein behinderter Mensch von mehreren Steuerbürgern gepflegt, wird der Pauschbetrag nach der Zahl der Pflegepersonen geteilt; eine Kürzung um die zumutbare Belastung erfolgt nicht. 7) Kuren und andere Rehamaßnahmen steuerlich berücksichtigen Die vom Steuerpflichtigen getragenen Kosten für eine medizinische Rehabilitationsmaßnahme, wie zum Beispiel eine Anschlussheilbehandlung oder eine Kur, dürfen als außergewöhnliche Belastung abgezogen werden, die Kosten für eine Erholungsreise hingegen nicht. Da die Abgrenzung oft schwierig ist, erkennt das Finanzamt die Kosten nur an, wenn die strengen Voraussetzungen erfüllt worden sind. Sprechen Sie noch vor Reiseantritt mit uns oder Ihrem steuerlichen Berater, wir werden Sie über die notwendigen Voraussetzungen informieren 8) Umbaukosten steuerlich absetzen Bei Kosten für eine notwendige behindertengerechte Wohnungsgestaltung kommt es zunächst darauf an, dass der behinderungsbedingte Aufwand eindeutig von den übrigen Kosten abgrenzbar ist. Aber auch, wenn das der Fall ist, sind die Kosten nur abziehbar, soweit es sich um so genannten "verlorenen Aufwand" handelt. Das heißt, wenn die Aufwendungen für behinderte Menschen nicht auch für einen nicht behinderten Menschen von Vorteil sind. Wenden Sie sich am Besten noch vor dem geplanten Umbau an Ihren steuerlichen Berater, der kann Sie genauestens darüber aufklären, was Sie beachten müssen, damit Sie die Kosten des Umbaus steuerlich geltend machen können. 9) Vorteile i. V. m. einem Schwerbehindertenausweis Wenn Sie einen Schwerbehindertenausweis beantragen, versuchen Sie zu erreichen, dass die Behinderung möglichst weit rückwirkend bescheinigt wird. Einkommensteuerbescheide können rückwirkend (auch für Erben) geändert werden, weil der Schwerbehindertenausweis ein Grundlagenbescheid ist.

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Neben diesen Erleichterungen gibt es noch zahlreiche weitere Vorteile, die behinderte Menschen nutzen können: è Erbschaftsteuer: 41.000 € Freibetrag è die Möglichkeit über Arbeitnehmer-Sparzulagen und Wohnungsbau-Prämien vorzeitig zu verfügen è Steuerermäßigungen bei der Grundsteuer nach § 36 Grundsteuergesetz è Steuerbefreiungen für Blinde bei der Umsatzsteuer (§ 4 Nr. 19 UStG) è Steuerbefreiungen bzw. Steuerermäßigungen bei der Kraftfahrzeugsteuer und Hundesteuer è Behinderungsbedingte Mehraufwendungen für die Krankenversicherung è eine vorrangige Behandlung im Besucherverkehr bei Behörden è Befreiung von Rundfunkgebühren

Wir hoffen, wir konnten Ihnen einen guten Einblick in die Erleichterungen, die Ihnen als behinderten Menschen zustehen, verschaffen.