Steuertipps zum Firmenwagen - Haufe Shop

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steuertipps zum Firmenwagen bei Einzelunternehmern Einzelunternehmer, die sich für den Kauf eines Firmenwagens entscheiden, müssen zahlreiche steuer...

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steuertipps zum Firmenwagen bei Einzelunternehmern

Einzelunternehmer, die sich für den Kauf eines Firmenwagens entscheiden, müssen zahlreiche steuerliche Pflichten beachten, haben aber auch die eine oder andere Möglichkeit, gezielt Steuern zu sparen. Im Fokus steht beim Firmenwagen die Besteuerung der Privatfahrten. Sie können es sich hier einfach machen und den zu versteuernden Privatanteil nach einer Pauschalmethode, der so genannten 1%-Regelung, ermitteln. Oder Sie setzen auf Disziplin und führen ein Fahrtenbuch. In den folgenden Passagen verraten wir Ihnen, welche Besonderheiten diese beiden Methoden haben und wann sich welche Methode für Sie als Einzelunternehmer anbietet. Alternative: Privat-Pkw Wir zeigen Ihnen aber auch, dass ein Firmenwagen nicht immer die erste Wahl sein muss. Bei Einhaltung einiger Voraussetzungen winkt auch bei Benutzung eines Privat-Pkws für betriebliche Fahrten ein Betriebsausgabenabzug und mit ein wenig Überzeugungskraft sogar ein Vorsteuerabzug. Wir wünschen Ihnen nun viel Spaß bei der Lektüre dieses Praxisratgebers zum Firmenwagen und viel Erfolg bei Durchsetzung Ihrer individuellen steuerlichen Ziele.

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Firmenwagen oder besser Privat-Pkw nutzen?

Planen Sie als Einzelunternehmer den Kauf eines Autos, das sowohl privat als auch betrieblich genutzt werden soll, haben Sie steuerlich die Qual der Wahl. Behandeln Sie es als Privatfahrzeug oder als Firmenwagen? Die Entscheidung können Sie immer dann treffen, wenn der Pkw voraussichtlich maximal bis zu 50% betrieblich genutzt wird. Bei einer betrieblichen Nutzung von mehr als 50% wird der Pkw automatisch zum Betriebs- vermögen.

Betriebliche Nutzung

Zuordnungswahlrecht

Vermögensart

mehr als 50%

Kein Wahlrecht

zwingend Betriebsvermögen

10% bis 50%

Wahlrecht

Betriebsvermögen oder Privatvermögen

unter 10%

Kein Wahlrecht

zwingend Privatvermögen

Wird ein Privat-Pkw zu betrieblichen Fahrten verwendet, können Sie die dabei entstandenen Kosten nach den beiden folgenden Methoden ermitteln und als Betriebsausgaben geltend machen:

Praxis – Tipp Verwenden Sie für betriebliche Fahrten einen privaten Pkw, sparen Sie viel Papierkram, die aufwändigen Gewinnkorrekturen wegen der Privatnutzung und beim Verkauf des Pkw muss der Verkaufserlös nicht als gewinnerhöhende Betriebseinnahme versteuert werden.

» Methode 1: Sie ziehen für betriebliche Fahrten pauschal 30 Cent je gefahrenen Kilometer als Betriebsausgabe vom Gewinn ab. Sie müssen nur aufzeichnen, an welchen Tagen Sie aus welchen betrieblichen Gründen wie viele Kilometer gefahren sind. Neben diesen 30 Cent pro Kilometer dürfen außer Unfallkosten auf einer betrieblichen Fahrt keine weiteren Pkw-Ausgaben steuerlich geltend gemacht werden.

» Methode 2: Sie führen ein Fahrtenbuch und halten alle Ausgaben im Zusammenhang mit Ihrem Privat-Pkw fest. Als Betriebsausgabe abziehbar ist der prozentual ermittelte Teil der Kosten anhand der Aufzeichnungen im Fahrtenbuch.

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Investitionsabzugsbetrag bei Kaufplanung

Soll ein Pkw gekauft werden, der dem Betriebsvermögen zugeordnet werden soll, können Sie möglicherweise schon im Jahr der Kaufplanung bereits 40% der voraussichtlichen Pkw-Kosten als Betriebsausgaben abziehen (sog. Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 EStG). Die Vergünstigung winkt Ihnen unter folgenden Voraussetzungen:

» Einnahmen-Überschussrechnung: Der Gewinn vor Abzug des Investitionsabzugsbetrags beträgt nicht mehr als 100.000 Euro. » Bilanzierung: Der Wert des Betriebsvermögens im Abzugsbetrag liegt nicht über 235.000 Euro. » 3-Jahres-Planung: Der geplante Kauf ist innerhalb der nächsten drei Jahre geplant.

» Nutzung: Der Pkw muss im Jahr des Kaufs und im Jahr danach zu mindestens 90% betrieblich genutzt werden.

Praxis – Tipp Die mindestens 90%ige betriebliche Nutzung des Firmenwagens im Jahr des Kaufs und im Folgejahr muss zwingend durch ein Fahrtenbuch nachgewiesen werden oder der Pkw wird in diesen beiden Jahren von einem Angestellten genutzt.

Beispiel: Sie planen 2014 den Kauf eines Firmenwagens im Jahr 2017. Voraussichtlicher Kaufpreis sind 40.000 Euro. Folge: Sind die Voraussetzungen zum Abzug des Investitionsabzugsbetrags erfüllt, dürfen Sie bereits bei der Gewinnermittlung 2014 Betriebsausgaben von 16.000 Euro abziehen (40.000 Euro x 40%).

Findet der Kauf nicht innerhalb der nächsten drei Jahre statt oder kann dem Finanzamt die mindestens 90%ige Nutzung im Jahr des Kaufs und im Jahr danach nicht nachgewiesen werden, ändert das Finanzamt rückwirkend den Steuerbescheid des Jahres, in dem der Investitionsabzugsbetrag abgezogen wurde. Dadurch fallen neben der Rückzahlung der Steuervorteile meist auch noch Nachzahlungszinsen an.

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Ermittlung der Anschaffungskosten

Beim Kauf eines Firmenwagens müssen Sie in einem ersten Schritt die Anschaffungskosten ermitteln. Das ist deshalb wichtig, weil Sie diese Anschaffungskosten gewinnmindernd auf sechs Jahre verteilt abschreiben dürfen. Sind Sie zum Vorsteuerabzug berechtigt, werden die Anschaffungskosten folgendermaßen ermittelt:

Kaufpreis laut Rechnung

.......... Euro

+

Sonderausstattung, die beim Kauf des Fahrzeugs gesondert in Rechnung gestellt wird

.......... Euro

+

Überführungskosten

.......... Euro

+

Zulassungskosten

.......... Euro

+

Vermittlungsgebühren, Gutachterkosten

.......... Euro

-

Bereits abgezogener Investitionsabzugsbetrag

.......... Euro

=

Anschaffungskosten des Firmenwagens, die abgeschrieben werden dürfen

.......... Euro

Haben Sie keinen Anspruch auf Vorsteuererstattung, ist auch die Umsatzsteuer aus dem Kaufpreis des Pkws und aus den Nebenkosten in die Anschaffungskosten einzubeziehen.

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Ermittlung der Abschreibung

Die Anschaffungskosten des Firmenwagens dürfen auf sechs Jahre gleich- mäßig verteilt abgeschrieben werden (sog. lineare Abschreibung). Beim Kauf der Pkws im Laufe des Jahres führt die Abschreibung im ersten Jahr nur anteilig zu Betriebsausgaben. Der Restbetrag darf dann im letzten Jahr der Nutzungsdauer als Betriebsausgabe abgezogen werden.

Beispiel: Sie kaufen einen neuen Firmenwagen mit Anschaffungskosten von 30.000 Euro. Der Kauf findet a) am 2.1. oder b) am 14.6. statt. Folge: Die lineare Abschreibung, die als Betriebsausgabe vom Gewinnabgezogen werden darf, entwickelt sich folgendermaßen:

Praxis – Tipp Neben linearen Abschreibung darf unter bestimmten Voraussetzungen auch eine 20%ige Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG vom Gewinn abgezogen werden.

Jahr

Abschreibung Variante 1

Abschreibung Variante 2

1

5.000 Euro

2.917 Euro (5.000 Euro x 7/12)

2

5.000 Euro

5.000 Euro

3

5.000 Euro

5.000 Euro

4

5.000 Euro

5.000 Euro

5

5.000 Euro

5.000 Euro

6

5.000 Euro

5.000 Euro

7

---

2.083 Euro

gesamt

30.000 Euro

30.000 Euro

Voraussetzung für eine 20%ige Sonderabschreibung ist, dass der Gewinn bei der Einnahmen-Überschussrechnung im Vorjahr maximal 100.000 Euro betragen hat oder dass bei bilanzierenden Unternehmern der Wert des Betriebsvermögens im Vorjahr nicht über 235.000 Euro lag. Zudem erwartet das Finanzamt den Nachweis, dass der Pkw im Jahr des Kaufs und im Jahr danach zu mindestens 90% betrieblich genutzt wird. Diese Sonderabschreibung kann im ersten Jahr in voller Höhe abgezogen werden, selbst wenn der Pkw im Laufe des Jahres gekauft wurde.

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Beispiel: Sie erwerben am 2.8. einen Firmenwagen für 45.000 Euro. Die Voraussetzungen für die Sonderabschreibung sind erfüllt. Folge: Die Abschreibung entwickelt sich hier folgendermaßen:

Abschreibung bei Kauf eines gebrauchten Pkws

Jahr

Höhe der Abschreibung

1

lineare Abschreibung 3.125 Euro (45.000 Euro : 6 Jahre = 7.500 Euro x 5/12)

1

Sonderabschreibung 9.000 Euro (20% von 45.000 Euro)

2

7.500 Euro

3

7.500 Euro

4

7.500 Euro

5

7.500 Euro

6

2.875 Euro

gesamt

30.000 Euro

Normalerweise unterstellt das Finanzamt bei der Abschreibung eines Firmenwagens eine sechsjährige Nutzungsdauer. Kaufen Sie sich jedoch einen gebrauchten Pkw, ist diese 6-Jahres-Abschreibung nicht mehr notwendig. Erwerben Sie beispielsweise einen gebrauchten Firmenwagen, der bereits vor sechs Jahren zugelassen wurde, sollte eine Nutzungsdauer von zwei bis drei Jahren angesetzt werden. Eine Sofortabschreibung des gesamten Kaufpreises wird das Finanzamt selbst bei gebrauchten Pkws nicht akzeptieren.

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Betriebsausgabenabzug für typische Pkw-Kosten

Sobald ein Firmenwagen dem Betriebsvermögen zugerechnet wird, dürfen sämtliche Kosten im Zusammenhang mit dem Pkw als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Typische Pkw-Kosten, die den Gewinn mindern dürfen, sind unter anderem:

Abschreibung des Kaufpreises

Beitrag zu Automobilclub

Kfz-Versicherung

Kfz-Steuer

Landkarten-Parkgebühren

Tankkosten

Garagenmiete

Reparaturen

Wartung

TÜV-/AU-Gebühren

Schuldzinsen

Reifenersatz

Praxis – Tipp Gerade Tankrechnungen sind meist aus Thermopapier, das im Laufe der Jahre verblassen kann. Zur Sicherung des Betriebsausgabenabzugs und des Vorsteuerabzugs sollten von solchen Thermorechnungen SicherheitsScans oder Sicherheits-Kopien angefertigt und 10 Jahre lang aufbewahrt werden.

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Besteuerung der Privatnutzung des Firmenwagens

Verbuchen Sie alle angefallenen Kosten in dem Zusammenhang mit dem Firmenwagen als Betriebsausgaben und nutzen diesen betrieblichen Pkw auch zu Privatfahrten, erwartet das Finanzamt eine Gewinnkorrektur. Die Hinzurechnung des Privatanteils an der Pkw-Nutzung kann grundsätzlich nach zwei Methoden erfolgen:

» 1%-Regelung: Hier wird der zu versteuernde Privatanteil monatlich mit 1% des inländischen Bruttolistenfahrzeugs im Zeitpunkt der Erstzulassung ermittelt.

» Fahrtenbuch: Bei einem Fahrtenbuch wird der prozentuale Anteil der privaten Fahrten zu der Gesamtfahrleistung ermittelt. Die Privatnutzung wird durch Anwendung dieses Prozentsatzes auf die tatsächlichen Pkw-Kosten ermittelt.

Ermittlung des Privatanteils nach der 1%-Regelung

Die Anwendung der 1%-Regelung setzt voraus, dass Sie nachweisen können, dass der Pkw zu mehr als 50% betrieblich genutzt wird. Bei Unternehmern, die auf Ihr Fahrzeug angewiesen sind (Handwerker, Kuriere, etc.), wird diese 50%ige betriebliche Nutzung unterstellt. Bei der Ermittlung des Privatanteils nach der 1%-Regelung müssen Sie den inländischen Bruttolistenpreis des Firmenwagens im Zeitpunkt der Erstzulassung ermitteln. Die Ermittlung dieses Listenpreises erfolgt nach folgendem Schema:

Inländischer Listenpreis des Fahrzeugs inklusive Umsatzsteuer (gilt selbst, wenn Sie zum Vorsteuerabzug berechtigt sind) zum Zeitpunkt der Erstzulassung

……. Euro

+

Inländischer Listenpreis der Sonderausstattung, die beim Fahrzeugkauf enthalten war, inklusive Umsatzsteuer darauf

……. Euro

=

Inländischer Bruttolistenpreis für 1%-Regelung

……. Euro

x

1% (= monatlich zu versteuernder Privatanteil)

……. Euro

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Die Sonderausstattung ist im Bruttolistenpreis nur zu erfassen, wenn der Hersteller diese bereits beim Autokauf eingebaut hat. Wer seinen Firmenwagen erst nach dem Kauf aufrüsten lässt, muss die nachträglich bezahlte Sonderausstattung nicht in den Bruttolistenpreis zur Ermittlung der Privatanteils einbeziehen (BFH, Urteil v. 13.10.2010, Az. VI R 12/09).

Keine zusätzlichen Vereinfachungen Da die Finanzverwaltung die 1%-Regelung im Vergleich zur Fahrtenbuchmethode als Vereinfachung gewährt, sind keine Ausnahmen möglich. Der Bundesfinanzhof hat dies bereits bestätigt. Das führt insbesondere in folgenden Situationen in der Praxis zu kuriosen Ergebnissen: Kauf eines gebrauchten Fahrzeugs Sie kaufen einen Firmenwagen, der beim Kauf bereits vier Jahre alt ist. Sie bezahlen dafür 19.000 Euro. Im Zeitpunkt der Erstzulassung vor vier Jahren hatte der Pkw noch einen inländischen Bruttolistenpreis von 40.000 Euro. Obwohl Sie also nur 19.000 Euro bezahlt haben, müssen Sie monatlich einen Privatanteil von 400 Euro versteuern (40.000 Euro x 1%).

Praxis – Tipp O-Ton des Finanzamts und des Bundesfinanzhofs: „Wer sich durch den inländischen Bruttolistenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung steuerlich ungerecht behandelt fühlt, darf gerne ein Fahrtenbuch führen!“.

Kauf eines ausländischen Re-Importfahrzeugs Erwerben Sie im Ausland ein Neufahrzeug für 15.000 Euro, für das in Deutschland ein inländischer Bruttolistenpreis von 22.000 Euro vorgesehen ist, beträgt der monatlich zu versteuernde Privatanteil 220 Euro (22.000 Euro x 1%). Kauf eines Fahrzeugs mit Gewerberabatt Sie erhalten beim Kauf eines Firmenwagens einen Gewerberabatt von 30% und zahlen so anstatt 60.000 Euro nur noch 42.000 Euro. Obwohl solche Rabatte üblich sind, beträgt der Bruttolistenpreis 60.000 Euro, was zu einem monatlich zu versteuernden Privatanteil von 600 Euro führt (60.000 Euro x 1%).

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Privatanteil nur bei tatsächlicher Nutzung

Der zu versteuernde Privatanteil nach der 1%-Regelung muss dem Gewinn nur für Monate hinzugerechnet werden, in dem der Pkw tatsächlich privat genutzt wurde. Können Sie nachweisen, dass der Pkw aus folgenden Gründung nicht privat genutzt wurde, ist für diese Zeit keine Gewinnkorrektur vorzunehmen:

» » » »

Privatanteil nach der 1%-Regelung & Umsatzsteuer

Längerer Krankenhausaufenthalt Längere Urlaubsreise ohne Pkw Führerscheinentzug Auto bei der Versicherung abgemeldet

Auf den ermittelten Privatanteil an der Pkw-Nutzung muss auch noch Umsatzsteuer bezahlt werden. Die private Pkw-Nutzung ist eine „unentgeltliche Wertabgabe“ nach § 3 Abs. 9a Nr. 1 UStG, für die stets 19% Umsatzsteuer fällig wird. Wird der Korrekturbetrag zur Gewinnermittlung für Privatfahrten nach der 1%-Regelung ermittelt, gibt es die folgenden drei Möglichkeiten für die Berechnung der Umsatzsteuer:

Variante 1

Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer sind 80% des Privatanteils nach der 1%-Regelung (Pauschalverfahren)

Variante 2

Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer sind 50% der vorsteuerbelasteten Pkw-Kosten (Schätzung)

Variante 3

Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer sind die auf die betriebliche Nutzung entfallenden vorsteuerbelasteten Kosten (Nachweismethode)

Variante 1: 1%-Wert als umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage Der einfachste Weg, die Umsatzsteuer für die Privatnutzung für einen Firmenwagen zu ermitteln, ist die Ermittlung mit 80% des 1%-Werts.

Berechnungsformel: Inländischer Listenpreis des Fahrzeugs im Zeitpunkt der Erstzulassung x 1% x Anzahl der Monate x 80% = Bemessungsgrundlage für Umsatzsteuer x 19%

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Beispiel: Sie nutzen einen Firmen-Pkw auch privat und ermitteln den Privatanteil nach der 1%-Regelung. Der Privatanteil beträgt 2.500 Euro pro Jahr. Folge: Daraus ergibt sich für die Umsatzsteuer ein Eigenverbrauch von 2.000 Euro (2.500 Euro x 80%). Es fallen also 380 Euro Umsatzsteuer an. Unter dem Strich muss dem Gewinn so ein Betrag von 2.880 Euro zugerechnet werden.

Variante 2: Schätzung auf Basis von 50% der Pkw-Ausgaben Sind die Kosten für den privat genutzten Pkw bekannt, können Sie die Kosten ermitteln, für die ein Vorsteuerabzug geltend gemacht wurde. 50% dieser vorsteuerabzugsberechtigten Kosten können als Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer verwendet werden.

Berechnungsformel Summe der Kfz-Kosten mit Vorsteuerabzug x 50% = Bemessungsgrundlage für Umsatzsteuer x 19%

Variante 3: Nachweismethode nach Aufzeichnungen Die dritte Variante, mit der die Umsatzsteuer für die Privatnutzung ermittelt werden kann, ist die Ermittlung des Anteils der Privatnutzung durch formlose Aufzeichnungen.

Berechnungsformel Kfz-Kosten mit Vorsteuerabzug x private Nutzung in % = Bemessungsgrundlage zur Umsatzsteuer x 19%

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Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb bei 1%-Regelung

Bei Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb dürfen Einzelunternehmer nicht besser gestellt werden als Arbeitnehmer. Deshalb dürfen maximal 30 Cent je Kilometer für die einfache Strecke (= Entfernungspauschale) abgezogen werden. Da Sie bei Anwendung der 1%-Regelung gar nicht wissen, wie hoch die tatsächlich abgezogenen Kosten je Kilometer sind, werden die nicht abziehbaren Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb nach folgendem Schema ermittelt:

Nichtabziehbare Betriebsausgaben für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb (Jahreswert): Bruttolistenpreis x 0,03% x Entfernungskilometer (einfache Strecke) x 12 Monate

………. Euro

-

Entfernungspauschale für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb: 0,30 Euro/km x Entfernungskilometer (einfache Strecke) x Zahl der Arbeitstage

………. Euro

=

Saldo Gewinnerhöhung

………. Euro

Der Vorsteuerabzug für diesen Saldo wird nicht gekürzt und im Gegensatz zum Privatnutzungsanteil fällt hier keine Umsatzsteuer an.

Beispiel: Sie nutzen Ihren Firmenwagen (Bruttolistenpreis 40.000 Euro) an 200 Tagen auch für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb (einfache Strecke 20 km). Nichtabziehbaren Betriebsausgaben zwischen Wohnung und Betrieb fallen in folgender Höhe an:

Zu versteuernder Privatanteil ist begrenzt

Nichtabziehbare Betriebsausgaben: 40.000 Euro x 0,03% x 20 km x 12 Monate

2.880 Euro

-

Entfernungspauschale: 0,30 Euro/km x 20 km x 200 Tage

-1.200 Euro

=

Saldo Gewinnerhöhung

1.680 Euro

Hat der Pkw einen sehr hohen Bruttolistenpreis und verursacht kaum mehr Ausgaben (z.B. weil er bereits in voller Höhe abgeschrieben ist), kann es passieren, dass der zu versteuernde Wert für die Privatnutzung höher ist als die tatsächlichen Pkw-Kosten. In diesem Fall ist der Anteil für die Privatnutzung auf die Höhe der tatsächlichen Pkw-Kosten begrenzt. 13

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Ermittlung des Privatanteils nach Fahrtenbuch Praxis – Tipp Führen Sie ein Fahrtenbuch, können Sie am Jahresende eine Vergleichsrechnung durchführen und den Privatanteil nach der steuerlich günstigsten Methode ermitteln – also entweder nach der 1%-Regelung oder nach der Fahrtenbuch-Methode.

Alternativ zur 1%-Regelung können Sie den zu versteuernden Anteil für die Privatfahrten auch nach der Fahrtenbuch-Methode ermitteln. Der zu versteuernde Anteil der Privatnutzung des Firmenwagens erfolgt in verschiedenen Schritten. Schritt 1:

Privatanteil in Prozent: Privat gefahrene Kilometer : Gesamtfahrleistungen x 100

………..%

Schritt 2:

Ermittlung der gesamten Kfz-Kosten

………. Euro

Schritt 3:

Zu versteuernder Privatanteil: Gesamte Kfz-Kosten x Privatanteil in Prozent

………. Euro

Sonderregelungen zur Fahrtenbuch-Methode Bei der Ermittlung der Gesamtkosten sind folgende Besonderheiten zu beachten:

» Z  iehen Sie neben der linearen Abschreibung eine Sonderabschreibung von 20% nach § 7g Abs. 5 EStG ab, ist diese Sonderabschreibung bei Ermittlung des Privatanteils nicht in die Gesamtkosten einzubeziehen. » P  assiert Ihnen auf einer betrieblichen Fahrt ein Unfall, sind diese Unfallkosten nicht bei Ermittlung des Privatanteils in den Gesamtkosten des Pkw zu erfassen.

Praxis – Tipp Führen Sie ein elektronisches Fahrtenbuch, reicht es nicht, wenn Sie die Fahrten in eine Excel-Tabelle eintragen. Da hier nachträgliche Manipulationen nicht ausgeschlossen werden können, sind Excel-Fahrtenbücher steuerlich stets unwirksam.

Die Aufzeichnungen durch ein Fahrtenbuch sind steuerlich wirksam, wenn folgende Voraussetzungen eingehalten werden:

» D  as Fahrtenbuch muss lückenlos geführt werden. Es ist also jede einzelne Fahrt aufzuzeichnen – ausnahmslos. » D  as Fahrtenbuch muss zeitnah geführt werden. Um keine Probleme mit dem Finanzamt zu bekommen, sollten Sie Aufzeichnungen direkt im Anschluss an die Fahrt führen. » D  as Fahrtenbuch muss in geschlossener Form geführt werden. Nicht zulässig ist eine Loseblattsammlung, die am Jahresende zusammengeheftet wird. Hierdurch sollen Manipulationen ausgeschlossen werden.

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Umsatzsteuer auf Privatanteil bei FahrtenbuchMethode

Sind Sie zum Vorsteuerabzug berechtigt, müssen Sie wie bei der 1%-Regelung19% Umsatzsteuer auf den Privatnutzungswert bezahlen (§ 3 Nr. 9a EStG). Als Bemessungsgrundlage zur Umsatzsteuer werden aber nur die Kosten herangezogen, für die Sie Vorsteuer abziehen konnten.

Beispiel: Sie nutzen einen Privat-Pkw auch zu Privatfahrten. Der Privatnutzungsanteil nach der Fahrtenbuch-Methode beträgt 35%. Die Ermittlung des Privatanteils und der Umsatzsteuer ist folgendermaßen zu ermitteln:

Kfz-Kosten

Mit Vorsteuerabzug

Abschreibung

3.000 Euro

Benzin

2.000 Euro

Reparaturen

800 Euro

Ohne Vorsteuerabzug

Kfz-Steuer

250 Euro

Kfz-Versicherung

570 Euro

Sonstige Kosten

400 Euro

Kosten gesamt

6.200 Euro

820 Euro

Der Privatanteil für die Nutzung des Firmenwagens nach der Fahrtenbuchmethode beträgt 2.457 Euro (6.200 Euro + 820 Euro = 7.020 Euro x 35%). Zusätzlich werden noch 412,30 Euro Umsatzsteuer fällig (6.200 Euro x 35% = 2.170 Euro x 19%). Die Privatnutzung führt also zu einer Gewinnerhöhung von 2.869,30 Euro.

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Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb bei Fahrtenbuch

Neben den Privatfahrten und den betrieblichen Fahrten werden im Fahrtenbuch auch die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb extra ermittelt. Hier gilt wie schon bei der 1%-Regelung, dass Unternehmer nicht besser gestellt werden dürfen als Arbeitnehmer. Die nicht abziehbaren Betriebsausgaben werden für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb nach folgendem Schema ermittelt.

Nichtabziehbare Betriebsausgaben für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb (Jahreswert): Gesamte Kfz-Kosten x Anteil für Fahrten Wohnung und Betrieb in %

………. Euro

-

Entfernungspauschale für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb: 0,30 Euro/km x Entfernungskilometer (einfache Strecke) x Zahl der Arbeitstage

………. Euro

=

Saldo Gewinnerhöhung

………. Euro

Ermittlung des Privatanteils nach der 1%-Regelung oder nach Fahrtenbuch? Praxis – Tipp Während des Jahres können Sie für jedes Fahrzeug nur eine Methode zur Ermittlung des Privatanteils anwenden – entweder die Fahrtenbuchmethode oder die 1%-Regelung. Doch im nächsten Jahr können Sie die Methode zur Ermittlung des Privatanteils jederzeit wechseln.

Wie bereits erwähnt haben Sie am Jahresende ein Wahlrecht. Sie können den Privatanteil nach der Fahrtenbuchmethode oder nach der 1%-Regelung ermitteln, je nachdem, mit welcher Methode Sie steuerlich besser fahren. Hier eine Entscheidungshilfe, wann sich die Fahrtenbuch-Methode lohnen könnte:

» Der Firmenwagen wird gar nicht oder nur in sehr geringem Umfang » » » » »

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privat genutzt. Der Listenpreis des Firmenwagens ist sehr hoch, die laufenden Pkw-Kosten dagegen sehr gering. Der Pkw wurde gebraucht gekauft. Fahrleistung und Pkw-Kosten sind sehr niedrig. Bei der 1%-Regelung greift die Kostendeckelung (Privatanteil entspricht den Pkw-Kosten). Im Betriebsvermögen befinden sich mehrere Firmenwagen und ohne Fahrtenbuch müssten Sie für jedes dieser Fahrzeuge einen Privatanteil

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