Strategie 2030 - Berenberg

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Hamburgisches WeltWirtschafts Institut BRASILIEN UND DIE FUSSBALL-WM 2014 Strategie 2030 Vermögen und Leben in der nächsten Generation. Eine Initiat...

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Hamburgisches WeltWirtschafts Institut

BRASILIEN UND DIE FUSSBALL-WM 2014

Strategie 2030 Vermögen und Leben in der nächsten Generation. Eine Initiative des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts und Berenberg

Hamburgisches WeltWirtschafts Institut

Brasilien und die Fußball-WM 2014

Strategie 2030 Vermögen und Leben in der nächsten Generation. Eine Initiative des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts und Berenberg

»Berenberg · HWWI: Strategie 2030 – Brasilien und die Fußball-WM 2014« ist eine gemeinsame Studie von Berenberg und HWWI Berenberg · Neuer Jungfernstieg 20 · 20354 Hamburg Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut · Heimhuder Straße 71 · 20148 Hamburg Autoren Berenberg: Wolfgang Pflüger, Dr. Jörn Quitzau HWWI: Prof. Dr. Henning Vöpel Schlussredaktion: Alexa Reinck (Berenberg) Stand: April 2014 Wir haben uns bemüht, alle in dieser Studie enthaltenen Angaben sorgfältig zu recherchieren und zu verarbeiten. Dabei wurde zum Teil auf Informationen Dritter zurückgegriffen. Einzelne Angaben können sich insbesondere durch Zeitablauf oder infolge von gesetzlichen Änderungen als nicht mehr zutreffend erweisen. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität sämtlicher Angaben kann daher keine Gewähr übernommen werden. Bezug über: Berenberg · Unternehmenskommunikation Neuer Jungfernstieg 20 · 20354 Hamburg Telefon +49 40 350 60-410 · Telefax +49 40 350 60-9820 · E-Mail: [email protected] ISSN: 2190-6556

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Berenberg · HWWI: Strategie 2030 · Nr. 18

Strategie 2030 – das ist der Titel einer Forschungsreihe, die unser Haus seit 2005 gemeinsam mit dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) herausgibt. Wir möchten mit diesen Studien Trends aufzeigen, die uns schon jetzt beschäftigen, aber auch Auswirkungen auf morgen haben werden. Denn unser Verhalten von heute wird das Leben der nächsten Generation entscheidend bestimmen und beeinflussen. Die Welt befindet sich in einem immer schnelleren Wandel – hervorgerufen durch fortgesetzte Technologiesprünge, ein rasant wachsendes Wissen und eine globalisierte Wirtschaft. Dabei beeinflussen sich die politischen, gesellschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Veränderungen gegenseitig – mal verstärkend, mal bremsend – und werden so in der Wahrnehmung der Menschen immer komplexer, auch im Sinne von weniger greifbar. Dies gilt umso mehr, als sie weit in die Zukunft reichen, im Falle des demografischen Wandels sogar generationenübergreifend wirken. Vor diesem Hintergrund widmen wir die Schriftenreihe »Strategie 2030 – Vermögen und Leben in der nächsten Generation« langfristigen volkswirtschaftlichen Fragestellungen und beschäftigen uns jenseits klassischer Finanzmarktthemen mit gesellschaftlichen Wandlungsprozessen. Die Studien vereinen die Expertise von über unsere Landesgrenzen hinaus anerkannten Wirtschaftsforschern mit den umfassenden Erfahrungen eines traditionsreichen und führenden Privatbankhauses. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

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Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

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Einleitung

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1 Brasilien im Portrait 1.1 Makroökonomische Perspektiven und Entwicklungsprobleme 1.2 Next Big Economy?

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2 Fußball – Sport und Wirtschaftsfaktor 2.1 Wirtschaftliche Effekte der WM in Brasilien 2.2 Fußball-Soziologie: Nationalmannschaften und Globalisierung 2.3 Mit Fußball Geld verdienen?

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3 Wer wird Weltmeister?

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Fazit

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Literatur- und Quellenverzeichnis

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Zusammenfassung

Am 12. Juni beginnt mit dem Eröffnungsspiel in São Paulo die 20. FIFA Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Zwei Jahre später steht Brasilien erneut im Fokus der Weltöffentlichkeit, wenn Rio de Janeiro Gastgeber der XXXI. Olympischen Sommerspiele sein wird. Brasilien hat damit die Chance, sich der Welt als leistungsstarkes, sicheres und modernes Land zu präsentieren. Doch im Vorfeld der WM ist es in weiten Teilen der Bevölkerung zu massiven Protesten gegen die politische Führung des Landes gekommen. Obwohl kaum ein Land so sport- und insbesondere fußballbegeistert ist wie Brasilien, sehen viele Brasilianer in der WM ein Symbol für Korruption und Misswirtschaft. Wenige Wochen vor Beginn der WM sind einige Stadien immer noch nicht fertiggestellt, und es gibt massive Sicherheitsbedenken. Auch wirtschaftlich läuft im Gastgeberland momentan nicht alles rund. Angesichts der aktuell schwierigen Situation stehen Brasiliens Chancen auf den Gewinn des WM-Titels wohl deutlich besser, als sich schon bald wirtschaftlich unter den führenden Volkswirtschaften etablieren zu können. Brasilien verspricht sich gerade von der WM und den Olympischen Spielen entscheidende Impulse für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Mit der Ausrichtung von Sportgroßereignissen verbinden die Gastgeberländer sehr oft große wirtschaftliche Hoffnungen. Doch der makroökonomische Effekt dieser Events ist im Regelfall vernachlässigbar gering. Im Vorfeld erstellte Kosten-NutzenAnalysen überzeichnen regelmäßig die positiven Effekte. Enttäuschte wirtschaftliche Erwartungen bei den Gastgeberländern sind vorprogrammiert. Zudem bergen insbesondere Olympische Spiele, deren Sportstätten kaum eine Nachnutzung haben, die Gefahr von Fehlinvestitionen bzw. Investitionsruinen (»Weiße Elefanten«). Schwellenländer gehen daher erhebliche Risiken ein, weil es viele andere »Baustellen« in diesen Ländern gibt, in die investiert werden müsste. Damit verbunden ist die Frage nach der Vergabepraxis der veranstaltenden Sportverbände (IOC, FIFA): Bislang musste der Eindruck entstehen, dass dem Ausrichter sehr restriktive Konditionen auferlegt werden und kaum etwas von den direkten Gewinnen dort verbleibt. Politische Entscheidungsträger sollten insofern nicht dem Trugschluss erliegen, mithilfe eines perfekt organisierten und inszenierten Großevents Fehlentwicklungen in anderen politischen und sozialen Bereichen auch nur ansatzweise ausgleichen zu können. Mehr als ein gewisser Feel-good-Faktor in der Bevölkerung ist nicht zu erwarten. In den vergangenen zehn Jahren gab es eine Reihe von Gastgeberländern, die im Anschluss an Sportgroßevents bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklungen genommen haben. Nur: Nichts davon hatte etwas mit der Rolle als Gastgeberland zu tun. Vielmehr ist es so, dass wirtschaftlich aufstrebende Länder erstmals in die Lage kommen, solche Events ausrichten zu können. Als klare Botschaft lässt sich deshalb festhalten: Trotz des immensen gesellschaftlichen Stellenwerts, den Olympische Spiele und Fußballgroßereignisse haben, hängt die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes nicht davon ab, ob es eines dieser Events ausrichten darf.

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Der Wohlstand steigt durch gute Wirtschaftspolitik, eine gut ausgebildete Bevölkerung und die richtigen politischen Weichenstellungen. Mega-Events sind letztlich nicht mehr als ein Schlaglicht, durch das ein Land für eine begrenzte Zeit sichtbar wird. Zur sportlichen Seite: Die Weltmeisterschaften haben durch die Internationalisierung des Vereinsfußballs in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten prinzipiell einen Teil ihrer Exklusivität und Exotik verloren. Die Zeiten, in denen man die Weltstars des Fußballs nur alle vier Jahre bei den Weltmeisterschaften zu Gesicht bekam, sind längst vorbei. Überspitzt gesagt: Die Meisterschaften der weltbesten Spieler werden heutzutage Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr in den Stadien Europas ausgetragen. Und trotzdem: Der WM-Boom ist ungebrochen, Nationalmannschaften erfreuen sich höchster Beliebtheit. Im Unterschied zu vielen anderen Bereichen des politischen und gesellschaftlichen Lebens, in denen die Aspekte des Nationalstaates in den Hintergrund geraten, haben die Nationalmannschaften beim Fußball immer noch größte Bedeutung. Es bleibt die entscheidende Frage: Wer wird Weltmeister? Um Prognosen zu erstellen, ziehen Ökonomen oft Märkte – in diesem Fall die Wettmärkte – heran, denn dort werden alle relevanten Informationen verarbeitet und bewertet. Aus den Wettquoten lassen sich für jedes Land die Wahrscheinlichkeit für den Titelgewinn ermitteln: Der Gastgeber Brasilien hat demzufolge mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 20 % die größten Chancen auf den WM-Titel. Dahinter folgen Deutschland und Argentinien mit jeweils fast 15 %. Titelverteidiger Spanien hat eine Chance von gut 10 %. Brasilien ist also der größte Favorit. Gemessen an diesen Wahrscheinlichkeiten können sich aber viele weitere Mannschaften berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen. Und genau das ist es, was den Reiz des Fußballs ausmacht – die Unkalkulierbarkeit des Spiels.

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Einleitung

Am 12. Juni beginnt mit dem Eröffnungsspiel in São Paulo die 20. FIFA Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Zwei Jahre später steht Brasilien erneut im Fokus der Weltöffentlichkeit, wenn Rio de Janeiro Gastgeber der XXXI. Olympischen Sommerspiele sein wird. Brasilien bietet sich damit die Chance, sich der Welt als leistungsstarkes, sicheres und modernes Land zu präsentieren. Doch im Vorfeld der WM ist es in weiten Teilen der Bevölkerung zu massiven Protesten gegen die politische Führung des Landes gekommen. Obwohl kaum ein Land so sport- und insbesondere fußballbegeistert ist wie Brasilien, sehen viele Brasilianer in der WM ein Symbol für Korruption und Misswirtschaft. Hinzu kommt, dass wenige Wochen vor Beginn der WM einige Stadien noch immer nicht fertiggestellt sind und massive Sicherheitsbedenken herrschen. Brasilien reiht sich damit in die Schwellenländer wie Südafrika und die Ukraine ein, die als Gastgeber der WM 2010 bzw. der EM 2012 ebenfalls mit einer negativen Vorberichterstattung zu kämpfen hatten. Um sportliche Aspekte ging es dabei oft nur noch am Rande. Organisatorische Mängel und die Sorge, ein reibungsloser Ablauf des Turniers sei kaum möglich, dominierten die Stimmung. Wirtschaftlich gehört Brasilien neben Russland, Indien und China zu den großen aufstrebenden Volkswirtschaften, die als sogenannte BRIC-Länder bekannt sind. Obwohl Brasilien gute Jahre mit hohem Wirtschaftswachstum hinter sich hat, offenbaren sich heute viele ungelöste wirtschaftliche und soziale Probleme. Mittlerweile wird Brasilien neben der Türkei, Südafrika, Indien und Indonesien zu den »fragilen Fünf« gezählt, die als besonders anfällig und verwundbar für weltwirtschaftliche Turbulenzen gelten. Sportlich gesehen scheinen heute die Chancen für Brasilien deutlich besser zu stehen, FußballWeltmeister im eigenen Land zu werden, als die ökonomischen Versprechen der Vergangenheit einzulösen. So mischen sich im Vorfeld der WM Vorfreude und Skepsis in Brasilien. Für das Land und die Menschen dürfte die WM ein wichtiges und richtungweisendes Ereignis werden, mit dem sich viele Hoffnungen verbinden – sportlich wie wirtschaftlich. Es ist ungewiss, ob sich alle Hoffnungen Brasiliens erfüllen können. In den nächsten Wochen wird sich aber zumindest die eine Frage beantworten: Wer wird Fußball-Weltmeister 2014?

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1 Brasilien im Portrait

1.1 Makroökonomische Perspektiven und Entwicklungsprobleme Flächen- und bevölkerungsmäßig ist Brasilien das fünftgrößte Land der Welt. Mit seiner Wirtschaftsleistung von ca. 2.400 Mrd. US-Dollar rangiert das Land global an siebter Position. Innerhalb der Gruppe der Schwellenländer wies es über viele Jahre eine hohe Wachstumsdynamik auf. Bei einem Pro-Kopf-Einkommen von ungefähr 12.100 US-Dollar besteht allerdings nach wie vor eine große Lücke zu den großen westlichen Volkswirtschaften. So liegt das vergleichbare deutsche Einkommen bei ca. 39.700 US-Dollar (Angaben jeweils auf Kaufkraftparitätenbasis für 2012). Brasilien ist ein Land mit einer durchaus bewegten politischen Geschichte. Zwischen 1964 und 1985 herrschte eine Militärdiktatur. Seit 1993 (Bevölkerungsreferendum) ist das Land eine präsidiale Demokratie mit weitreichenden politischen Vollmachten für den Präsidenten. Die Parteienlandschaft ist zersplittert und schwach. Dennoch ist das System stabil. Seither hat es nur drei Präsidenten gegeben (Cardoso, Lula, Rousseff). Die Wirtschaftsgeschichte der vergangenen 35 Jahre kann als turbulent bezeichnet werden. Sie war von Anfang der 80er- bis Mitte der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts von einer galoppierenden Inflation gekennzeichnet. In der Spitze (1990) lag die jährliche Teuerungsrate bei 30.377 %. Die Hauptursache wird in der Staatsfinanzierung via Notenbankpresse gesehen, die in keiner Weise durch Steuereinnahmen oder Kreditaufnahmen gedeckt war. Im Juli 1994 wurde dann der (alte) Cruzeiro durch den (neuen) Real und dessen feste Bindung (Curreny Board) an den US-Dollar abgelöst.

Bis zum Jahr 1997 ging die Preissteigerung so auf 7 % zurück, stieg damit aber immer noch schneller als ihr US-Gegenpart. Der Staatshaushalt blieb defizitär. Die brasilianische Währung hätte eigentlich nachgeben müssen (was sie nicht konnte). Faktisch kam es daher zu einer Überbewertung. Die Exporte des Landes brachen ein. Als der bedeutende Bundesstaat Minas Gerais 1998 seinen Schuldendienst einstellte, kam es zu einer massiven Abwertungsspekulation gegen den Real. Die Asienkrise warf ihre Schatten. Ab Januar 1999 verfiel der Real um bis zu 50 %. Die Folge war ein erneuter Inflationsausbruch und eine schwere Rezession. Daraus wiederum resultierte aufgrund der engen Wirtschaftsverflechtung mit Argentinien dessen Staatsbankrott. Neuorientierung wirkt bis heute Dieser Doppelschock innerhalb weniger Jahre führte zu einem neuen Stabilitätsdenken. Der zentrale Staatshaushalt weist seitdem (ohne Zins- und Tilgungsaufwendungen) Überschüsse aus. Trotz der globalen Finanzkrise konnte die Staatsschuldenquote reduziert und bislang bei knapp 62 % gehalten werden. Die Notenbank hielt die Leitzinsen hoch. Zuletzt (Februar 2014) lagen sie nach mehreren Anhebungen bei 10,75 %. Das Tempo der Preissteigerungen ließ nach und lag bei knapp 6 %.

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Investitionen in Humankapital Ein anderer Aspekt der Neuorientierung lag ab 2002 und damit während der bislang drei Amtsperioden linksgerichteter Präsidenten in der Armutsbekämpfung und dem Ausbau der sozialen Infrastruktur (Bildung, Gesundheit, Wohnraum). Es gelang, etwa 40 Mio. Menschen aus der Armut zu führen. Eine kaufkräftige Mittelschicht wuchs heran. Obwohl die Einkommensverteilung in Brasilien nach wie vor zu den ungleichmäßigsten der Welt gehört, ist das soziale Gefälle geringer geworden. Dies spiegelt der seit 1993 fallende Gini-Koeffizient wider. Damals lag er bei 60,4. Zuletzt 1

(2012) waren es 51,9. Damit hebt sich Brasilien positiv von vielen anderen Ländern ab, in denen die Kluft zwischen Arm und Reich breiter und tiefer geworden ist. Ein Kernelement dieses Prozesses ist in der Einführung von Mindestlöhnen zu sehen. Im Jahr 2002 wurden beispielsweise monatlich 200 Real vorgegeben. In 2014 müssen nach der jährlichen Anpassung (diesmal um 6,8 %) 724 Real gezahlt werden. Die Vergütungen sind 13-mal pro Jahr fällig. Innerhalb von zwölf Jahren kam es somit zu einer Steigerung von 262 %. Das staatliche Rentensystem wurde ausgebaut. Wenn man nun allerdings bereits mit 54 Jahren und 70 % des zuletzt gezahlten Lohnes in den Ruhestand gehen kann, dann wurde hier möglicherweise des Guten etwas zu viel getan. Staat und Unternehmen werden zu stark belastet. Als Folge der sozialen Wohltaten stiegen die zu tragenden Lohnnebenkosten von in Brasilien tätigen Unternehmen auf 58 % der nominalen Entgelte. Prozentual und gemessen am BIP, investierte Brasilien über lange Jahre ähnlich viel in das Bildungswesen wie Deutschland. Angesichts einer zweieinhalbmal so hohen Bevölkerungszahl war das aber nicht ausreichend, wie der seit Längerem anhaltende Fachkräftemangel zeigt. Wachstumsschub lässt Versäumnisse vergessen Zwei Faktoren bescherten Brasilien seit Beginn des neuen Jahrtausends einen lang anhaltenden Boom: die Stärkung der Massenkaufkraft und die reichen Rohstoffvorkommen, durch die das Land besonders von den Folgen der Globalisierung und dem unaufhaltsamen Aufstieg Chinas profitierte. Der staatliche Ölkonzern Petrobras zählt weltweit zu den führenden Branchenvertretern. Durch die Tiefseevorkommen steigen seine Reserven. Brasilien avancierte zu einem Rohöl-Nettoexporteur. Der Bergbaukonzern Vale verfügt über die weltweit größten Eisenerzvorkommen. Schließlich gilt das Land als der global drittgrößte Exporteur von Agrarprodukten. Im Vordergrund stehen Sojaprodukte sowie Zucker und Kaffee. Im Jahr 2010 wuchs die Wirtschaft um 7,5 % und damit so stark wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Das half, grundsätzliche Fehlentwicklungen und strukturelle Defizite im Wirtschaftsaufbau zu überdecken: die hohe Konsumlastigkeit des Konjunkturzyklus, die Abhängigkeit von den Rohstoffpreisen und die zu geringe Investitionstätigkeit. Erforderlich sind wesentlich höhere Ausgaben für den Ausbau der öffentlichen Verkehrs-, Energie- und Bildungsinfrastruktur. Das Land wendet für solche Zwecke zurzeit lediglich 1,5 % des BIP 1

Der Gini-Koeffizient ist ein Maß für die Gleichmäßigkeit der Einkommensverteilung. Je geringer der Wert des Gini-Koeffizienten, desto gleichmäßiger ist die Einkommensverteilung. Der Wertebereich liegt zwischen 0 und 1 bzw. – als Prozentwert angegeben – zwischen 0 % und 100 %.

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auf. Der globale Durchschnitt liegt bei 3,8 %. Der Wert der gesamten öffentlichen Infrastruktur erreicht 16 % des BIP. In entwickelten Volkswirtschaften sind es 71 %. Eine der vermeidbaren Konsequenzen: Da nur ca. 20 % des Straßennetzes als befestigt gelten, sind die Transportkosten vom landwirtschaftlichen Erzeuger bis zum Endabnehmer doppelt bis dreimal so hoch wie in anderen Ländern. Wenn es an geschlossenen Kühlketten fehlt, verderben erhebliche Teile der Ware auf dem Weg in die Ladenregale. Auch das ist ein wichtiger Grund für die hohe Sockelinflation des Landes und die damit verbundenen hohen Zinssätze. Diese hohen Zinssätze behinderten private Investitionen in Sachanlagen. Vielfach wurden hohe Renditen aus als sicher geltenden Staatsanleihen langfristigen Kapitalbindungen in Produktionsstätten vorgezogen. Das galt auch für ausländische Investoren. Sie nahmen sogar in erheblichem Umfang Kredite in Niedrigzinswährungen wie dem US-Dollar, dem Yen oder Schweizer Franken auf, um damit brasilianische Schatzanweisungen zu erwerben. Der große Zinsvorsprung lockte. Das half zwar einerseits, die Lücken der defizitären Leistungsbilanz zu schließen. Andererseits stieg der Außenwert des Real über Gebühr. Die Exporte wurden weniger wettbewerbsfähig. Das Land wurde anfällig für abrupte Richtungswechsel spekulativer Auslandsgelder. Aktuelles Makro-Umfeld – mittelfristige Aussichten Seit dem Sommer 2011 ist die gesamte Palette der Rohstoffpreise ins Rutschen geraten. Das hat die strukturellen Schwachstellen der brasilianischen Wirtschaft offengelegt. Der Wirtschaftsaufschwung erwies sich als Kind des globalen Rohstoff-Booms. Auf die Förderung und Verarbeitung von Grundmaterialien entfielen in seinem Spitzenjahr 2011 etwa 25 % des BIP. Deren Exportwert kletterte in nur einem Jahr (von 2010 auf 2011) um ein gutes Drittel auf 160 Mrd. US-Dollar. Das waren 62 % aller Ausfuhren des Landes. Der Industriesektor verlor hingegen zwischen 2007 (24 % BIP-Anteil) und 2011 (13,3 %) erheblich an Gewicht.

Zwischen Frühjahr 2011 und Frühjahr 2014 haben die Notierungen für Öl, Erze, Zucker & Co. (gemessen durch den Thomson Reuters/Jefferies CRB Index) knapp 20 % an Wert eingebüßt. Das Wachstumstempo der brasilianischen Wirtschaft verringerte sich parallel dazu rapide: von 7,5 % in 2010 über 2,7 % (2011) auf nur noch 1,0 % in 2012. Das Jahr 2013 brachte eine Erholung auf 2,3 %. Zahlreiche staatliche Eingriffe im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen (Oktober 2014) zielten auf eine Stärkung der Massenkaufkraft. Die Rahmenbedingungen für den privaten Unternehmenssektor blieben davon jedoch weitestgehend unberührt. Dauerhaft höheres Wachstumstempo ist möglich Es ist jedoch mehr als ein tagespolitischer Zickzackkurs gefordert, wenn das Land seine noch immer bestehenden Vorteile nutzen und auf seinen Potenzialwachstumspfad von 4 bis 5 % BIP-Wachstum zurückkehren möchte.

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Zu den Positiv-Faktoren zählen: • Eine junge Bevölkerung. 48 Mio. Brasilianer sind jünger als 14 Jahre. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei 30,3 Jahren (in den USA bei 37,1 und in Deutschland bei 45,7 Jahren). • Es herrscht politische Stabilität. • Das Land verfügt über enorme natürliche Ressourcen. • Der Industrialisierungsgrad ist für ein Schwellenland relativ fortgeschritten. Erforderlich sind Investitionen in die soziale und verkehrstechnische Infrastruktur. • Trotz kostenloser medizinischer Allgemeinversorgung gilt das Gesundheitswesen als rückständig. Schulen und Universitäten müssen besser ausbilden, um den herrschenden Fachkräftemangel zu lindern. Er ist eine der Hauptursachen für die zu geringe Produktivität der brasilianischen Wirtschaft, zu hohe Lohnabschlüsse, die Ausbildung einer Lohn-Preis-Spirale und eine zu hohe Sockelinflation. • Die Innere Sicherheit muss ausgebaut werden. Nicht im Sinne von mehr Überwachung, sondern durch mehr und besser bezahlte Polizeikräfte. Denn noch immer gibt es mehr als 40 Mio. Brasilianer, die in großstädtischen Slums oder Favelas leben. Hier sind die Verbrechens-/Tötungsquoten untolerierbar hoch. Die Korruption unter den Beamten ist weit verbreitet. • Der Staatseinfluss auf das Wirtschaftsgeschehen muss begrenzt werden. Während der »fetten Jahre« hat es die Regierung versäumt, den Öffentlichen Sektor und das Steuersystem zu reformieren. So gibt es auf Bundesebene beispielsweise 39 Ministerien. Die Belastung des Unternehmenssektors mit Steuern, Abgaben und Lohnnebenkosten ist zu hoch. Das ist einer der Gründe, warum Brasilien auf einer von der Weltbank erstellten Liste der wettbewerbsfähigsten Länder lediglich Rang 53 von 144 untersuchten Staaten einnimmt. • Positive Ansätze: Im Rahmen des in 2011 initiierten Wachstumsprogramms PAC2 (Programa de Aceleracao do Crescimento) werden 1.000 Mrd. Real oder etwa 370 Mrd. Euro für den Städteund Wohnungsbau sowie für Investitionen in die Strom- und Wasserversorgung, aber auch den Transportsektor zur Verfügung gestellt. Seit 2011 wurden so beispielsweise 1.900 Autobahnkilometer fertiggestellt. 7.400 km befinden sich noch im Bau. Das Bahnnetz wuchs um 2.600 km. Zudem können sich ausländische Investoren um Konzessionen für den Betrieb von Bahnstrecken und See- bzw. Flughäfen bewerben.

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1.2 Next Big Economy? Brasilien gilt schon seit vielen Jahren als die nächste aufstrebende Volkswirtschaft. Neben Russland, Indien und China gehört Brasilien zu den sogenannten BRIC-Ländern. Mit diesem Akronym hat einst Jim O’Neill von Goldman Sachs die vier bevölkerungsreichen Volkswirtschaften mit hoher wirtschaftlicher Dynamik bezeichnet. Tatsächlich hat sich Brasilien über viele Jahre wirtschaftlich sehr positiv entwickelt. In den letzten Jahren und Monaten zeigen sich jedoch vermehrt die aufgestauten Probleme Brasiliens. Auch wenn sich der Entwicklungsstand kontinuierlich verbessert hat, regen sich massive Proteste gegen Korruption, Misswirtschaft und soziale Ungleichheit. Zum Teil haben sich diese Proteste auch gegen die WM gerichtet, gewissermaßen als Symbol für eine gegen die Interessen weiter Teile der Bevölkerung gerichtete Politik. Das Pro-Kopf-Einkommen in Brasilien ist seit 2003 stark gestiegen (vgl. Abb. 1). Dennoch hat Brasilien in vielen Bereichen erheblichen Aufholbedarf, das gilt vor allem im sozialen Bereich und bei der Qualität der Institutionen. Beides sind wichtige Faktoren für nachhaltiges und sozial verträgliches Wachstum. Beim Doing-Business-Indikator liegt Brasilien auf Rang 130 und beim Human 2

Development Index auf Rang 85. In den Doing Business Index fließen zum Beispiel Informationen über den Schutz von Investoren und Eigentumsrechten sowie über den Zugang zu Krediten ein. Der Human Development Index misst den gesellschaftlichen Entwicklungsstand einer Volkswirtschaft, unter anderem in Bezug auf Bildung, Gesundheit, Nachhaltigkeit und Chancengerechtigkeit. Im Zuge der jüngsten weltwirtschaftlichen Entwicklung wird Brasilien zu den Ländern gerechnet, die gegenüber den makroökonomischen Verwerfungen der Weltwirtschaft besonders anfällig und verwundbar sind. Als »fragile Fünf« gelten neben Brasilien die Türkei, Südafrika, Indien und Indonesien. Diese Länder weisen hohe Leistungsbilanzdefizite und gleichzeitig eine große Ab2

Vgl. Weltbank (2013); Vereinte Nationen (2013).

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Brasilien Kaufkraftparitäten, in US-Dollar von 2005 10 500 10 000 9 500 9 000 8 500 8 000 7 500 7 000 6 500 6 000 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Abb. 1

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2012

Quelle: Weltbank (2014a).

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hängigkeit von kurzfristigen Kapitalimporten auf. Diese Kombination macht Brasilien anfällig für einen Abzug von Kapital. Sollte insbesondere die US-Zentralbank unerwartet und schnell aus ihrer ultralockeren Geldpolitik aussteigen, könnte Brasilien von einem Abzug von Kapital und einer Abwertung des Real betroffen sein. Währungsturbulenzen können sich unter Umständen sogar zu Währungskrisen ausweiten. Zwar ist der Bestand an Devisenreserven in Brasilien vergleichsweise hoch. Dieser kann aber, wie andere Finanz- und Währungskrisen in der Vergangenheit gezeigt haben, bei spekulativen Attacken sehr schnell zur Neige gehen, wenn die Zentralbank zur Stützung des Wechselkurses auf dem Devisenmarkt interveniert oder die Zinsen anhebt. Wie die Asienkrise von 1997 gezeigt hat, tragen institutionelle Schwächen der heimischen Finanzmärkte und des Bankensektors maßgeblich zu der makroökonomischen Verwundbarkeit von Schwellenländern bei, da die Angst der Investoren und Anleger vor Verlust sich vor diesem Hintergrund schnell krisenhaft zuspitzen kann. Viele Ratingagenturen haben im März dieses Jahres die Kreditwürdigkeit Brasiliens herabgestuft. Brasilianische Staatsanleihen weisen ein durchaus substanzielles Kreditausfallrisiko auf. Die Zinsen der Refinanzierung steigen damit und belasten den öffentlichen Haushalt. Brasilien könnte über Ansteckungseffekte auch in den Sog einer allgemeinen Spekulation gegen Schwellenländer geraten. Schwellenländer-Fonds haben in den letzten Jahren bis zu 50 % an Wert verloren. Die Entwicklung der letzten Monate ist ebenfalls zweischneidig. Die brasilianische Wirtschaft beendete das Jahr 2013 unerwartet robust. Nach der »Fast-Stagnation« der Sommermonate sorgten Rekorderntemengen für einen Schub in der Agrarindustrie. Die Konsumenten blieben ausgabenfreudig. Denn die Regierung unter Ministerpräsidentin Dilmar Rousseff gewährte ein Jahr vor der angestrebten Wiederwahl zahlreiche Steuervergünstigungen und Subventionen. Diese beiden Faktoren sorgten für ein annualisiertes BIP-Wachstum von 2,7 % während des 4. Quartals 2013. Im Gesamtjahr kam die Wirtschaft somit um 2,3 % voran (nach +1,0 % im Vorjahr). Nun haben sich die Aussichten im Jahr der Fußball-WM und der im Oktober anstehenden Präsidentschaftswahlen allerdings deutlich eingetrübt. Die bisherigen Konjunkturstützen geraten ins Wanken. Die anhaltende Dürre in zentralen Agrar-Provinzen wird zu einer schweren Missernte führen. Schon steigen die Nahrungsmittelpreise. Was normalerweise ein großes Plus für die Ökobilanz und die Stromkosten Brasiliens darstellt – nämlich der mit 70 % hohe Anteil der Wasserkraft an der gesamten erzeugten Energiemenge –, wendet sich jetzt ins Gegenteil, denn die Talsperren sind fast leer, teure Öl- und Kohlekraftwerke müssen aktiviert werden, und die Kosten für Industrie und Verbraucher drohen deutlich zu steigen. Schon zuvor war das Verbrauchervertrauen auf den tiefsten Stand seit Mai 2009 gefallen. Die Zentralbank hat seit April 2013 neunmal ihre Leitzinsen (um insgesamt 350 Basispunkte) auf aktuell 10,75 % angehoben. Das drückte zwar die Inflationsrate mit zuletzt 5,7 % in die Nähe eines 12-Monats-Tiefs. Ein Anziehen in den kommenden Monaten ist jedoch sehr wahrscheinlich: Es dürfte zu weiteren Zinsanhebungen kommen. Der private Konsum wird an Dynamik einbüßen.

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Die Industrie hat unverändert mit hohen Lohnkosten, drückenden Steuerlasten, einer schlechten Infrastruktur und nun möglicherweise auch noch mit Stromausfällen zu kämpfen. Diese Faktoren werden das künftige Wirtschaftswachstum eher dämpfen. Ähnliches gilt angesichts der niedrigen Rohstoffpreise für die Exportseite. Das belegt auch das hohe Defizit in der Leistungsbilanz im Januar 2014. Es erreichte den Rekordwert von 11,6 Mrd. US-Dollar. Schon in 2013 hatte sich hier ein Fehlbetrag von 81,4 Mrd. US-Dollar (2012: 52,3 Mrd. US-Dollar) angehäuft. Das entsprach 4,1 % vom BIP und war eine der Hauptursachen für die zwischenzeitliche Schwäche der Landeswährung Real. Diese Anfälligkeit dürfte fortbestehen. Denn auch von den Staatsausgaben ist in diesem Wahljahr kein durchgreifender Stabilisierungsbeitrag zu erwarten. Während Regierung und Notenbank für 2014 mit +2,5 % eine sogar leicht über dem Vorjahr angesiedelte Wachstumserwartung haben, liegt der Konsenswert professioneller Analysten nur noch bei 1,7 %. Für die Verbraucherpreise wird ein Anstieg auf 6,1 % unterstellt. Die Leitzinsen werden bei 11,5 % gesehen. Die Wachstumseuphorie der vergangenen Jahre in und um Brasilien ist einer gewissen Ernüchterung gewichen. Beobachter werden nicht müde, Brasilien eine blühende Zukunft zu prophezeien. Diesen Erwartungen konnte das Land jedoch ebenso lange nicht gerecht werden. Brasilien hat es versäumt, in der Phase des hohen wirtschaftlichen Wachstums das Land zu modernisieren und zu reformieren. In dieser für Schwellenländer typischen Phase der wirtschaftlichen Entwicklung treten soziale Verteilungskonflikte sowie strukturelle und institutionelle Defizite offen zutage. Die bevorstehenden globalen Sportereignisse vermögen wohl nur teilweise und auch nur vorübergehend den verloren gegangenen Zusammenhalt der brasilianischen Gesellschaft zurückzubringen – selbst dann, wenn Brasilien tatsächlich Fußball-Weltmeister im eigenen Land werden sollte.

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2 Fußball – Sport und Wirtschaftsfaktor

2.1 Wirtschaftliche Effekte der WM in Brasilien »And the winner is …« Mit diesen Worten verkündet FIFA-Präsident Sepp Blatter die Entscheidung, welches Land die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten darf. Ein Gewinner steht dann schon sicher fest: die FIFA selbst. Mit der letzten WM 2010 in Südafrika hat die FIFA über einen Vier-Jahres-Zeitraum einen Gewinn vor Steuern in Höhe von über 2,3 Mrd. US-Dollar gemacht. Der Gesamtertrag betrug 3,7 Mrd. US-Dollar, der Aufwand ca. 1,3 Mrd. US-Dollar. Zu den Einnahmen trugen die Fernsehrechte mit 2,4 Mrd. US-Dollar und die Marketingrechte mit 1,1 Mrd. 3

US-Dollar bei.

Auch die Bewerber um die Ausrichtung der WM versprechen sich positive wirtschaftliche Effekte. Denn fast eine halbe Million Touristen kommen dann ins Land, und das Endspiel sehen mehr als eine Milliarde Menschen weltweit am Fernseher, am PC oder auf dem Smart Phone. Mit dieser weltweiten Aufmerksamkeit sollen Touristen und Investoren von der Attraktivität des Landes überzeugt werden, um einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufwärtsprozess in Gang zu setzen. Wenn die Entscheidung der FIFA verkündet worden ist, bleiben dem Gastgeber noch sieben Jahre, um alle notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Brasilien hat am 20. Oktober 2007 als damals einziger Bewerber von der FIFA die Gastgeberrolle übertragen bekommen. Ab diesem Zeitpunkt gehen die Vorbereitungen in die heiße Phase. Vor allem Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, die Stadien sowie die Sicherheit sind erforderlich. Über 10 Mrd. Euro waren hierfür in Brasilien angesetzt. Die jüngsten Nachrichten über den Stand der Vorbereitungen sind jedoch alarmierend. Viele Stadien wurden – wenige Wochen vor Beginn der WM – in unfertigem Zustand der FIFA übergeben. Schon jetzt ist klar, dass nicht alle Baumaßnahmen bis zum 12. Juni fertiggestellt sein werden und vieles improvisiert werden muss. Die Kosten von Sportgroßereignissen sind mittlerweile so hoch, dass die Ausrichtung solcher Events nicht mehr nur als Konsum betrachtet werden kann, sondern als Investition, die eine möglichst hohe Rendite erzielen sollte. Oftmals verbleiben als »Andenken« an Sportgroßereignisse nur die »weißen Elefanten«, überdimensionierte Sportstätten, für die es keine anschließende Verwendung gibt. Diese Investitionen in Sportstätten sind alternativen Investitionen in Schulen und Krankenhäuser gegenüberzustellen. Vor allem in Schwellenländern ist die Rendite von Investitionen in dringend benötigte volkswirtschaftliche öffentliche Güter oft sehr hoch, weshalb es – wie zuletzt auch in Brasilien – zu Widerstand gegen die Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen kommt. Die volkswirtschaftliche Rendite von Sportgroßereignissen ist dabei äußerst schwer zu messen, sie beinhaltet neben den ökonomischen Wachstumseffekten auch »emotionale Renditen« und einen Feel-good-Faktor. Weniger entscheidend, wenngleich oft diskutiert, sind die temporären Einkommens- und Beschäftigungseffekte, die durch die Konsumausgaben von den ausländischen Besuchern und durch die Investitionsausgaben entstehen. Viel wichtiger sind die intangiblen Effekte, die allerdings schwer zu messen sind, weil sie kaum zu isolieren sind und zudem erst langfristig 3

Vgl. FIFA (2014a).

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Ökonomische Effekte von Sportgroßereignissen

Nutzen tangibel

intangibel

Kosten tangibel

intangibel

kurzfristig

langfristig

• Einkommens- und Beschäftigungseffekte • Fiskalische Effekte

• Tourismus • Sportinfrastruktur

• Internationalität • Feel good

• extern: Bekanntheit und Image • intern: Motivation und Identifikation (Civic Pride) • Standortattraktivität

• Planung und Durchführung • Infrastrukturmaßnahmen • Sicherheit

• Instandhaltungskosten • Rückbaumaßnahmen

• Überfüllung • Lärm

• Opportunitätskosten • Flächennutzung Quelle: Vöpel (2010).

Tabelle 1

auftreten. Darunter fallen Image- und Bekanntheitseffekte, die sich positiv auf die Entscheidung von Touristen, Fachkräften und Investoren auswirken sollen. Eine Übersicht über mögliche Effekte findet sich in Tabelle 1. Die bisherigen Erfahrungen der Gastgeber einer WM sind durchaus sehr unterschiedlich. Die regionalwirtschaftlichen Effekte und ökonomischen Nutzen und Kosten von Sportgroßereignissen wie einer Fußball-WM oder Olympischer Spiele sind Gegenstand vieler empirischer Ex-ante- und Ex-post-Studien. Die Ergebnisse fallen gemischt aus, die empirische Evidenz ist folglich sehr un4

einheitlich. Daraus lässt sich schließen, dass es offenbar auf den konkreten Fall und die spezifischen Umstände ankommt, wie hoch die wirtschaftlichen Effekte sind und ob die Ausrichtung eines solchen Events eine lohnende Investition darstellt. In Deutschland beispielsweise hatte die WM 2006 einen Effekt von rund 0,4 Prozentpunkten an 5

der realen Jahreswachstumsrate. Die Beschäftigung ist nur kurzfristig und vor allem im einfachen Dienstleistungsbereich angestiegen. Dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse sind so gut wie nicht entstanden. Auf der anderen Seite ist gerade die WM 2006 ein gutes Beispiel dafür, wie eine Weltmeisterschaft positiv auf weiche Faktoren wirkt. Das Image Deutschlands und die Wahrnehmung dessen, was im Ausland als typisch »deutsch« galt, haben sich in aller Welt stark verändert und verbessert. Deutsche sind nicht notwendigerweise verkrampfte und freudlose Menschen, sondern können durchaus fröhlich und tolerant feiern. Gerade im Vorfeld der WM hatte es Diskussionen über Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit gegeben. Eine gute Referenz für Brasilien sind die Erfahrungen, die Südafrika mit der Ausrichtung der WM 2010 gemacht hat. Wenngleich die direkten wirtschaftlichen Effekte nach wie vor schwierig zu

messen sind, hat die WM nach vier Jahren rückblickend zum Nation Building und Nation Branding 4 5

Vgl. Ahlert (2005); Allmer/Maennig (2009); Kesenne (2012); Porter/Fletcher (2008). Vgl. Brenke/Wagner (2007).

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Südafrikas beigetragen. Die Identifikation und der Stolz (Civic Pride) der Bewohner haben zugenommen und wirken sich positiv auf Motivation und bürgerschaftliches Engagement aus, was sich wiederum wirtschaftlich in erhöhter Produktivität niederschlägt. Ganz ähnliche Effekte dürften auch in und für Brasilien entscheidender sein als die direkten und nur temporär auftretenden Effekte auf Einkommen und Beschäftigung. Die Summe all dieser Effekte macht die Legacy eines Events aus, das Erbe und die Erinnerung, die sich nach Möglichkeit über Generationen hinweg übertragen und auf diese Weise verstetigen. Sportevents haben mittlerweile weltweit eine so große Popularität und mediale Reichweite, dass sie als Werbe- und Imageträger sehr begehrt sind, nicht nur für globale Unternehmen im Rahmen von Sponsoring-Aktivitäten, sondern eben auch für Städte, Regionen und Länder. Entsprechend gibt es eine Art Wettbieten um diese Events. Die Vergabe der Fußball-WM 2014 an Brasilien als damals einzigen Bewerber ist eine große Ausnahme und gewissermaßen als Tribut an die Fußballtradition Brasiliens zu verstehen. Die »Anbieter« der globalen Sportevents sind die großen und mächtigen Weltverbände wie IOC und FIFA, die als Monopolist einen Großteil der Gewinne durch Lizenzierung und Markenrechte abschöpfen. Oftmals werden die Effekte von den Bewerbern überschätzt und insbesondere von demjenigen, der am Ende den Zuschlag bekommt. Dieses Phäno7

men ist als Winner’s Curse bekannt. Hinzu kommt, dass die Entscheidung von Politikern, sich um die Ausrichtung zu bewerben, nicht immer durch das Votum der Bevölkerung hinreichend legitimiert ist. So kann es, wie in den letzten Monaten und verstärkt bei der Ausrichtung des ConfedCup (eine Art Testturnier, an dem der Gastgeber der nächsten WM sowie Vertreter der FIFA-Konföderationen gut ein Jahr vor der WM teilnehmen), zu massiven Protesten weiter Teile der brasilianischen Bevölkerung gegen die WM kommen. »Schulen statt Stadien« und »Brot statt Spiele« – selbst im sportverrückten Brasilien geht die Bevölkerung auf die Straße, um gegen die hohen Ausgaben für überdimensionierte Stadien und nutzlose Infrastruktur zu protestieren. Zum Teil richtete sich der Protest nicht gegen die WM an sich, aber sie ist ein Symbol für Korruption und Misswirtschaft der brasilianischen Politik geworden. In der Bevölkerung und der medialen Öffentlichkeit hat das Image von IOC und FIFA zuletzt stark gelitten. Sotschi 2014, Russland 2018 und Katar 2022 haben nicht eben dazu beigetragen, diese Diskussionen zu entschärfen. Ein wichtiges Motiv bei der Vergabe der Events ist sicherlich die strategische Erschließung neuer, kommerziell interessanter Märkte. Darüber hinaus wird vermehrt die Frage aufgeworfen, ob demokratische Länder überhaupt noch zum Zuge kommen können oder ob nicht autokratische Staaten einen Vorteil darin haben, die oft sehr restriktiven Auflagen von IOC und FIFA gegenüber der eigenen Bevölkerung durchzusetzen. Immer schon haben Politiker und Diktatoren versucht, den Glanz von Sportereignissen zu Propagandazwecken und Selbstdarstellung zu missbrauchen. Autokratische Staaten können im Bewerbungsverfahren leichter als Demokratien große Zugeständnisse machen – ganze Dörfer zwangsumsiedeln und Naturschutzflächen zubetonieren – und hohe Summen bieten. Das ist bequem für die Veranstalter, aber langfristig nicht gut für 6 7

Vgl. DIW (2010). Vgl. Andreff (2012); Horne (2007); Humphreys/van Egteren (2012).

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»Brot statt Spiele« und »Schulen statt Stadien«? Gerade für Schwellenländer sind die Opportunitätskosten eines Sportevents wie der FußballWM im Allgemeinen sehr hoch, da die Investitionen alternativ in Bildung und Gesundheit fließen könnten. Natürlich können die Gelder, die in Stadien und Sportstätten statt in Schulen und Krankenhäuser gehen, nicht die sozialen Probleme eines Landes lösen. Die öffentlichen Ausgaben für Bildung und Gesundheit machen in Brasilien rund 15 % des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Investitionen, die anlässlich der WM getätigt werden, machen dagegen »nur« maximal 1 % am Bruttoinlandsprodukt aus. Selbst wenn diese Investitionen anschließend tatsächlich vollständig unnütz sein sollten, wären sie als Einmaleffekt kaum mehr als ein »Tropfen auf dem heißen Stein« der sozialen Probleme Brasiliens. Gleichzeitig kann die Ausrichtung von Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen – gerade für aufstrebende Volkswirtschaften – sehr wohl positive und auch nachhaltige Wirkungen entfalten. Die potenziellen Effekte, sich über eine erfolgreiche und reibungslose Ausrichtung als Markt für ausländische Direktinvestitionen oder für heimische Exporte attraktiv zu machen und den Nachweis zu erbringen, über die erforderlichen logistischen und institutionellen Voraussetzungen zu verfügen, können einen wichtigen Impuls setzen. Solche Länder senden mit der Ausrichtung von Sportgroßevents gewissermaßen ein »Signal« für den Willen und die Fähigkeit, sich als offenes und modernes Land zu präsentieren. In etablierten Märkten und entwickelten Volkswirtschaften gilt das Gegenteil: Die Opportunitätskosten sind relativ gering und die wirtschaftlichen Effekte ebenfalls. Am Ende bleibt es dabei: Die Entscheidung, ob sich die Ausrichtung von Sportgroßereignissen für ein Land lohnt, muss im Einzelfall genau geprüft werden. Auch in der wissenschaftlichen Literatur existiert keine allgemeingültige Evidenz für oder gegen eine solche Entscheidung.

Kasten 1

den Sport. IOC und FIFA behaupten dagegen – und vielleicht nicht ganz zu Unrecht, auch wenn die Evidenz schwach ist –, dass Länder durch die Ausrichtung von Olympischen Spielen oder der WM in den Fokus der Weltöffentlichkeit geraten und so gezwungen sind, sich zu öffnen und zu modernisieren. Dem IOC ist ebenfalls wichtig, dass der Sport nicht als Mittel politischer oder weltanschaulicher Kundgebungen instrumentalisiert wird. Manche Entscheidung des IOC, zum Beispiel persönliche Trauer im Wettkampf nicht zeigen zu dürfen, hat Kopfschütteln hervorgerufen. Die Grenzziehung ist wie immer sehr schwierig. Denn wie sollte sich das IOC in einer so wertepluralistischen Welt ideologisch positionieren, ohne dadurch die Einheit und Integrationskraft des Sports aufs Spiel zu setzen?

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Dennoch ist es für die Weltsportverbände wichtig, über neue Wege nachzudenken, die Vergabepraxis und mit ihr die Philosophie von Mega-Events zu verändern. Wichtig ist, dass Sportgroßveranstaltungen wieder ein Projekt für die Menschen vor Ort sind. IOC und FIFA sind aufgefordert, die Philosophie und die Konzeption von Sportgroßevents so zu verändern, dass eine Austragung in vielen sehr unterschiedlichen Ländern möglich wird – nicht zuletzt zum Wohle des Sports selbst. Dafür ist eine sozial und ökologisch verträgliche Dimensionierung der Events notwendig. Dies stünde durchaus auch im Einklang mit den Werten und Idealen des Sports, die neben seiner heute unbestritten großen kommerziellen und wirtschaftlichen Bedeutung für die langfristige Glaubwürdigkeit und die Verantwortung des Sports zentral sind. Schlussfolgerungen Der bisherige Überblick zeigt, dass allgemeingültige Aussagen über den Ausrichternutzen bei Großereignissen wie Olympischen Spielen und Fußball-Welt- und -Europameisterschaften nicht möglich sind. Es ist immer eine Einzelfallanalyse nötig. Und dennoch lassen sich die Erfahrungen und Ergebnisse empirischer Analysen zu einer brauchbaren Entscheidungsgrundlage verdichten. • Der makroökonomische Effekt von Sportgroßereignissen ist zu vernachlässigen. Allenfalls Schwellenländer mit niedrigem Bruttoinlandsprodukt können durch die vom Event induzierten Tourismusausgaben und Infrastrukturinvestitionen Wachstumseffekte im niedrigen Prozentbereich verbuchen. Wirtschaftliche Gewinner sind nur auf Branchen- und Unternehmensebene zu finden. • Im Vorfeld von Sportgroßereignissen erstellte Kosten-Nutzen-Analysen überzeichnen regelmäßig die positiven Effekte. Enttäuschte wirtschaftliche Erwartungen bei den Gastgeberländern sind quasi vorprogrammiert. • Die Ausgaben, die zur Durchführung der Sportgroßereignisse in den Gastgeberländern nötig sind, stehen in Konkurrenz zu anderen staatlichen Programmen wie zum Beispiel Bildungsinvestitionen. Es gilt also, etwaige Wohlfahrtsgewinne von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen den Wohlfahrtsgewinnen alternativer Maßnahmen gegenüberzustellen. • Insbesondere Olympische Spiele bergen die Gefahr von Fehlinvestitionen bzw. Investitionsruinen (»Weiße Elefanten«). Schwellenländer gehen mit der Ausrichtung erhebliche Risiken ein. Damit verbunden ist die Frage der Vergabepraxis der veranstaltenden Sportverbände (IOC, FIFA): Bislang musste der Eindruck entstehen, dass dem Ausrichter sehr restriktive Konditionen auferlegt werden und kaum etwas von den direkten Gewinnen dort verbleibt. Auch wenn FIFA und IOC aus durchaus guten Gründen politisch neutral sein wollen, kann der Sport – auch und gerade in politisch schwierigen Ländern – noch stärker ein Botschafter der Toleranz und der Fairness sein. Dafür ist sicherlich zunächst ein verbandsinterner Reformprozess für mehr Offenheit und Transparenz notwendig.

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• Während die messbaren Wohlfahrtseffekte eher zu vernachlässigen sind, bieten Sportgroßereignisse dem Gastgeberland die Möglichkeit für kostenloses – gleichwohl nicht messbares – Standortmarketing. Zudem gibt es zumindest für kurze Zeit einen gewissen Feel-good-Faktor in der Bevölkerung des Gastgeberlandes. Sportgroßveranstaltungen sind mit ihrem wirtschaftlichen Facettenreichtum also ein lohnendes Forschungsfeld für Ökonomen. Es gibt eine Reihe von Detailaspekten, die noch nicht ausreichend durchleuchtet sind. Trotz aller skizzierten Ungewissheiten hat die Vergangenheit aber gezeigt, dass weder Olympische Spiele noch Fußball-Welt- und -Europameisterschaften geeignet sind, das wirtschaftliche Schicksal eines Landes zu wenden. Politische Entscheidungsträger sollten folglich nicht dem Trugschluss erliegen, mithilfe eines perfekt organisierten und inszenierten Großevents Fehlentwicklungen in anderen politischen Bereichen auch nur ansatzweise ausgleichen zu können. In den vergangenen zehn Jahren gab es eine Reihe von Gastgeberländern, die im Anschluss an die Sportevents bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklungen genommen haben. Nur: Nichts davon hatte etwas mit der Rolle als Gastgeberland zu tun. • Griechenland (Olympia 2004) und Portugal (Fußball-EM 2004) profitierten zunächst von den günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Eurozone, bevor beide Länder im Zuge der globalen Finanzkrise und der Euro-Schuldenkrise zu Sanierungsfällen wurden. • Deutschland (Fußball-WM 2006) erlebt seit der Weltmeisterschaft im eigenen Land ein kleines Wirtschaftswunder. Verantwortlich sind dafür allerdings die Reformen der »Agenda 2010« und nicht die gute Laune der Bevölkerung während der WM oder das – durch die erfolgreiche WM zweifellos gestiegene – Ansehen der Deutschen im Ausland. • China (Olympia 2008) hat schon lange vor, während und auch nach den Olympischen Spielen in Peking fabelhaftes Wirtschaftswachstum erzielt. Das Großereignis hat lediglich für einige Wochen die internationale Aufmerksamkeit noch mehr als ohnehin schon üblich auf China gelenkt – rein wirtschaftlich war es quasi ein Non-Event. • Südafrika (Fußball-WM 2010) hat trotz erheblicher Bedenken im Vorfeld einen reibungslosen Turnierverlauf gestaltet, worauf die südafrikanische Bevölkerung zu Recht stolz ist. Allerdings hat der organisatorische WM-Erfolg nicht verhindern können, dass Südafrika auch im Jahr 2014 mit einer Reihe von wirtschaftlichen und politischen Problemen zu kämpfen hat: Ein hohes Maß an Korruption wirkt auf ausländische Investoren genauso abschreckend wie immer wiederkehrende Arbeitskämpfe; und das hohe Leistungsbilanzdefizit macht das Land makroökonomisch anfällig. • Die Ukraine (Fußball-EM 2012) wurde im Vorfeld der gemeinsam mit Polen ausgerichteten Europameisterschaft von internationalen Beobachtern sehr kritisch eingestuft. Zwar blieb der EM-Verlauf störungsfrei, doch die Ereignisse in den ersten Monaten des Jahres 2014 haben gezeigt,

dass sich das politische Schicksal eines Landes natürlich nicht von der Ausrichtung eines sportlichen Großereignisses verändern lässt.

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Als klare Botschaft lässt sich festhalten: Trotz des immensen gesellschaftlichen Stellenwerts, den Olympische Spiele und Fußball-Großereignisse haben, hängt die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes nicht davon ab, ob es eines dieser Events ausrichten darf. Der Wohlstand steigt durch gute Wirtschaftspolitik, durch eine gut ausgebildete Bevölkerung und durch die richtigen politischen Weichenstellungen. Mega-Events sind letztlich nicht mehr als ein Schlaglicht, durch das ein Land für eine begrenzte Zeit sichtbar wird.

Die wirtschaftlichen Effekte des Karnevals in Brasilien Der jährliche Karneval in Brasilien hat immense wirtschaftliche Effekte für Brasilien. Schätzungen belaufen sich auf 3,2 Mrd. US-Dollar allein aus dem Tourismus anlässlich des Karnevals, rund 628 Mio. US-Dollar davon fließen nach Rio de Janeiro. Der Karneval dort lockt 850.000 Besucher an. Mit der großen Parade erlöst Rio 42,7 Mio. US-Dollar aus dem Ticket8

verkauf, Sponsoring und Werbung sowie den TV-Rechten. Mit diesen Zahlen rangiert der Karneval unter den weltweit bekannten Events mit dem größten wirtschaftlichen Impact. Das brasilianische Wirtschaftsministerium schätzt, dass die Fußball-WM 2014 rund 5,5 Mrd. US-Dollar an Einnahmen aus dem Tourismus erlösen wird. Auch die Olympischen Spiele 2016 in Rio werden kaum einen größeren direkten wirtschaftlichen Effekt haben als der jährliche Karneval. Den Nachweis zu erbringen, als Land bzw. als Stadt eine Fußball-WM oder Olympische Spiele ausrichten zu können, hat indes eine ganz andere Qualität als der Karneval. Der Adressat dieses Signals dürfte zudem ein ganz anderer sein.

Kasten 2

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Vgl. Bloomberg (2012).

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2.2 Fußball-Soziologie: Nationalmannschaften und Globalisierung Die Welt wächst zusammen, Europa wächst zusammen, der Fußball globalisiert sich – sind Nationalmannschaften ein Auslaufmodell? Dass Fußball-Welt- und -Europameisterschaften an Massenattraktivität nicht zu überbieten sind, ist nur allzu offensichtlich: Ausverkaufte Stadien, überfüllte Fan-Meilen, die Euphorie auf den Straßen und rekordhohe TV-Einschaltquoten sind eindeutige Belege. In Deutschland sahen 31,1 Mio. Zuschauer das WM-Halbfinale 2010 zwischen Spanien und Deutschland, was einem Marktanteil von gut 83 % entsprach. Laut Angaben der FIFA sahen weltweit insgesamt über eine Milliarde Menschen das Finale zwischen Spanien und Holland, zumindest wenn die Zuschauer bei öffentlichen Veranstaltungen (zum Beispiel Public Viewing) mitgezählt werden. Während der gesamten WM 2010 haben 3,2 Mrd. Menschen (46,6 % der Weltbevölkerung) zumindest einmal kurz in die WMBerichterstattung eingeschaltet.

9

Fußball-Europameisterschaften bekommen innerhalb Europas annähernd eine genauso hohe Aufmerksamkeit wie eine Fußball-WM. Das Halbfinale der EM 2012 zwischen Italien und Deutschland schalteten rund 28 Mio. Fernsehzuschauer ein. Auch alle anderen Spiele der deutschen Nationalmannschaft erreichten sehr hohe Einschaltquoten (siehe Abb. 2). Schon auf den ersten Blick zeigt sich also, wie sehr Fußballgroßereignisse die Bevölkerung weltweit in ihren Bann ziehen. Ökonomen der Universität Münster haben darüber hinaus ermittelt, wie 10

viel den Deutschen der Gewinn des Europameistertitels 2012 finanziell wert wäre. Bei allen methodischen Unzulänglichkeiten, die solche Erhebungen notwendigerweise mit sich bringen, ist das Ergebnis interessant: Die durchschnittliche Zahlungsbereitschaft der Deutschen liegt bei gut 47 Euro und damit deutlich über der durchschnittlichen Zahlungsbereitschaft für den ersten Platz im Medaillenspiegel der deutschen Athleten bei den Olympischen Sommerspielen 2012 (gut 37 Euro). 9 Vgl. FIFA (2011). 10 Vgl. Dilger/Kiefer/Wicker (2013).

Einschaltquoten bei den EM-Spielen 2012 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Fernsehzuschauer in Millionen

30 25 20

27,22

27,65

Deutschland Niederlande

Deutschland Dänemark

26,80

27,98

22,33

15 10 5 0 Deutschland Portugal

Deutschland Italien Quelle: Statista.de.

Abb. 2

22

Deutschland Griechenland

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Hochgerechnet auf die deutsche Gesamtbevölkerung ergab das einen Wert von 3,3 Mrd. Euro für einen etwaigen Titelgewinn bei der EM 2012. Angesichts all dieser Zahlen müssen Fragen nach der Zukunftsfähigkeit von Fußball-Welt- und -Europameisterschaften weit hergeholt erscheinen. Und doch gibt es gesellschaftliche, politische und sportliche Entwicklungen, die prinzipiell geeignet sein können, Welt- und Europameisterschaften künftig einen Teil ihrer Attraktivität zu nehmen. Eine große Rolle spielt dabei die Globalisierung mit ihren Folgen für die Gesellschaft als Ganzes, aber auch für den Sport. So waren Weltmeisterschaften für Fußballfans bis in die 1980er-Jahre hinein praktisch die einzige Möglichkeit, Weltstars aus Brasilien, Argentinien und anderen fernen Ländern live im Fernsehen spielen zu sehen. Diese exklusive und exotische Komponente ist den Weltmeisterschaften inzwischen weitgehend abhandengekommen. Die besten Fußballer der Welt laufen mittlerweile Woche für Woche in der Bundesliga und in den anderen großen Ligen Europas auf. Fußballfans sind heute dank der klassischen und der neuen Medien in der Lage, Top-Stars (wie den Argentinier Lionel Messi in Diensten des FC Barcelona) auch im europäischen Ausland jederzeit bei der Arbeit zuzuschauen. Insgesamt spielen gemessen an den vorläufigen Kadern (Stand: April 2014) rund 70 % der WM-Teilnehmer in europäischen Vereinen, rund 50 % spielen in den fünf großen Ligen: der englischen Premier League, der spanischen Primera Division, der italienischen Serie A, der französischen Ligue1 und der deutschen Bundesliga (vgl. transfermarkt.de). Zudem treffen die besten Spieler der Welt in den europäischen 11

Clubwettbewerben (UEFA Champions League und Europa League) regelmäßig aufeinander. So stehen 15 der 19 Brasilianer aus dem vorläufigen WM-Kader bei einem europäischen Verein unter Vertrag. Überspitzt gesagt: Die Meisterschaften der weltbesten Spieler werden heutzutage Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr in den Stadien Europas ausgetragen. Bei den FIFA11 Zu den Hintergründen siehe auch Szymanski (2014).

Ausländeranteil an den Lizenzspielern der Bundesliga Angaben in Prozent

60 50 40 30 20 10

Abb. 3

2013/14

2011/12

2012/13

2010/11

2009/10

2008/09

2007/08

2006/07

2005/06

2004/05

2003/04

2002/03

2001/02

2000/01

1999/00

1998/99

1997/98

1996/97

1995/96

1994/95

1993/94

1991/92

1992/93

1990/91

0

Quellen: Transfermarkt.de; eigene Berechnungen.

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Weltmeisterschaften geht es letztlich nur noch darum, einen Großteil dieser Spieler in anderer, nach Nationalität geordneter Zusammensetzung gegeneinander antreten zu lassen. Die – prinzipiell publikumswirksame – Exklusivität und Exotik früherer Jahre ist den Weltmeisterschaften also zu einem erheblichen Teil sukzessive verloren gegangen.

Die Globalisierung des Fußballs Die Globalisierung hat auch den Profifußball mit voller Wucht erfasst. In den 1980er-Jahren bewegte sich der Anteil ausländischer Spieler in der Bundesliga noch um die 10 %. Bis kurz nach der Jahrtausendwende stieg die Ausländerquote auf 50 %, seitdem verharrt sie – unter leichten Schwankungen – auf diesem Niveau. Wie sehr sich der Fußball in dieser Zeit globalisiert hat, zeigt eine genauere Analyse der Zahlen: Vor 30 Jahren, also in der Saison 1983/84, spielten 34 Ausländer (das entspricht einer Quote von 8,8 %) aus 20 unterschiedlichen Nationen in der Bundesliga. Dabei stammten lediglich fünf Spieler aus dem außereuropäischen Ausland (zwei Südkoreaner, ein Kongolese, ein Japaner, ein Südafrikaner). Aus den südamerikanischen Fußball-Hochburgen Brasilien und Argentinien hatte kein einziger Spieler den Weg in die Bundesliga gefunden. Dagegen leben wir heute in einer komplett anderen Welt: In der Saison 2013/14 waren 234 Bundesligaakteure Ausländer. Sie kamen von allen fünf Kontinenten aus insgesamt 56 Nationen. Aus dem WM-Gastgeberland Brasilien stammen allein 14 Spieler, darunter auch Akteure der brasilianischen Nationalmannschaft. Innerhalb der vergangenen 30 Jahre hat sich die Bundesliga somit von einer nationalen zu einer sehr weit globalisierten Veranstaltung gewandelt.

Bundesligaspieler und deren Herkunft Saison 1983/84

Saison 2013/14

Europa 31 % Europa 8 % Asien 6 %

Asien 1 %

Amerika 4 % Afrika 4 % Australien u. Ozeanien 1 % Deutschland 91 % Deutschland 54%

Abb. 4

Kasten 3

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Quelle: Statista.de.

Hinzu kommt: Die Globalisierung hat in den vergangenen 20 Jahren Ländergrenzen auch politisch und gesellschaftlich durchlässiger gemacht. Im Zuge der globalen Finanzkrise und der sich anschließenden Vertrauenskrise in der Eurozone haben zahlreiche europäische Spitzenpolitiker erhebliche Anstrengungen unternommen, die Länder Europas politisch enger aneinanderzubinden. Die Idee von den »Vereinigten Staaten von Europa« macht immer öfter die Runde. Es gibt also zumindest in Europa erkennbare Tendenzen, die Nationalstaaten zu überwinden. Falls sich Europa – also der weltweit wichtigste Fußballmarkt – in den nächsten ein oder zwei Dekaden tatsächlich von einem Staatenbund zu einem Bundesstaat entwickeln sollte, wäre es dann nicht folgerichtig, ein »Team Europa« zur FIFA-WM zu entsenden, statt weiterhin mit nationalen Auswahlmannschaften aus Italien, Spanien, den Niederlanden, Frankreich oder Deutschland anzureisen? Wäre die Austragung der UEFA-Europameisterschaft in einem solchen Fall nicht obsolet? Und hätte eine Weltmeisterschaft der Nationen in einem Umfeld, in dem das Nationale zunehmend überwunden wird, überhaupt noch einen sinnvollen Platz? Wäre es nicht eher zeitgemäß, in einem solchen Umfeld die bereits existierende FIFA-Clubweltmeisterschaft aufzuwerten und durch sie die FIFA-Weltmeisterschaft zu ersetzen? Rational betrachtet spricht einiges dafür, dass mit abnehmender Bedeutung des Nationalen auch der Stellenwert der Nationalmannschaften und der Europa- und Weltmeisterschaften sinkt. Fußball ist aber in erster Linie ein emotionales Phänomen, bei dem rationale Aspekte allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die geschilderte Internationalisierung des Fußballs der Attraktivität von UEFA-EM und FIFA-WM bis heute ganz und gar nicht geschadet hat. Vielmehr ist das Interesse an beiden Veranstaltungen in den vergangenen Jahren wei12

ter gestiegen. Den Nationalmannschaften geht es also wie dem Fußball insgesamt: Die Euphorie ist ungebrochen. Die Begeisterung dürfte viel damit zu tun haben, dass der Fußball Menschen miteinander verbindet und dass er ein Gruppen-Event ist. Vielen Fußball-Begeisterten geht es zwar auch, aber nicht nur um den sportlichen Aspekt. Interessante Einsichten liefert die Studie »Wir sind Nationalmannschaft« des Institute for Sports, Business & Society an der EBS Business School. Bei einer Umfrage unter Fans der deutschen Nationalmannschaft gaben 80 % der Befragten an, dass ihnen die Spielphilosophie der DFB-Elf gefalle. Damit ist ein sportlicher Aspekt das wichtigste Motiv, Fan der Nationalmannschaft zu sein. 67 % der Befragten gaben aber auch das gesellschaftliche Erlebnis als 13

Grund für ihre Anhängerschaft an. Dazu passen die Ergebnisse anderer Studien, wonach Menschen größeren Nutzen daraus ziehen, über den Sport zu reden und die Ergebnisse zu feiern, als 14

persönlich beim Ereignis vor Ort im Stadion zu sitzen. Neben dem sportlichen Ereignis spielt das Drumherum also auch eine sehr wichtige Rolle. Europa- und Weltmeisterschaften elektrisieren viel15

fach auch Personen, die sich üblicherweise nicht für den Fußball interessieren. Deutschlands Bevölkerung befindet sich spätestens seit der WM 2006 im eigenen Lande bei den jeweiligen Endrundenturnieren kollektiv im emotionalen Ausnahmezustand. In anderen Ländern ist die Euphorie 12 Laut FIFA lag die durchschnittliche Zuschauerzahl in Privathaushalten bei der WM 2010 um 6 % höher als bei der WM 2006. Vgl. FIFA (2011). 13 Vgl. Bergmann/Schmidt (2013).

14 Vgl. Dilger et al. (2013). Dort finden sich Hinweise auf weitere Studien. 15 Vgl. Bergmann/Schmidt (2013).

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ähnlich groß. Die Medien berichten praktisch bei jeder Welt- und Europameisterschaft von großer Begeisterung und von großem Nationalstolz in der Bevölkerung – so war es 2010 in Südafrika, und so war es 2012 in Polen.

16

Die Fußballverbände UEFA und FIFA werden den Markenstatus der Nationalmannschaften und der FIFA-Welt- sowie der UEFA-Europameisterschaft auch künftig zu nutzen wissen. Auch wenn der Fußball – wie eingangs in diesem Kapitel skizziert – inzwischen sehr weit globalisiert ist und bei einer WM nahezu die gleichen Spieler auflaufen wie in der UEFA Champions League, so haben Welt- und Europameisterschaften für die Fans noch mal einen besonderen Reiz. Neben den bereits genannten Gründen dürfte auch eine Rolle spielen, dass bei Nationalmannschaften im Gegensatz zum Vereinsfußball keine Transfers möglich sind, dass der Kader einer Nationalmannschaft also aus einem festen Spielerpool zusammengesetzt werden muss und somit bei nationalen Auswahlmannschaften höhere Kontinuität und höhere Unverwechselbarkeit herrscht. Nationalmannschaften haben dadurch eine Ankerfunktion.

17

Die Fußballverbände betreiben mit den unterschiedlichen Wettbewerben gewissermaßen eine Produktdifferenzierung. Da daraus sowohl sportlicher Reiz für die Fans als auch erheblicher finanzieller Mehrwert generiert wird, dürften Nationalmannschaften und die Welt- und Europameisterschaften allen Globalisierungstendenzen zum Trotz noch für lange Zeit ein Erfolgsmodell bleiben. Dazu passt die von der UEFA im März 2014 beschlossene Nations League, in der ab dem Jahr 2019 alle zwei Jahre Europas Nationalmannschaften gegeneinander antreten sollen. Die UEFA schätzt den Stellenwert der Nationalmannschaften also offensichtlich auch für die Zukunft hoch ein. Nebenbei ergeben sich aus den Einstellungen der Fans interessante (wirtschafts-)politische Implikationen. Gemäß der bereits erwähnten Studie »Wir sind Nationalmannschaft« ist die DFB-Elf 18

eine »sinnstiftende Quelle einer Volks-Identifikation«. So weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass in einer Zeit, in der gesellschaftliche, politische und soziale Institutionen (wie zum Beispiel Kirchen, Gewerkschaften und Parteien) an Bedeutung verlieren, der Fußball zunehmend identitätsstiftende Funktionen übernimmt. Der Fußball setzt damit einen deutlichen Kontrapunkt zur politisch-gesellschaftlichen Entwicklung, die dadurch geprägt ist, dass wichtige Entscheidungen zunehmend auf europäischer und internationaler Ebene getroffen werden. Die Präferenzen und das Verhalten der Fußballfans deuten darauf hin, dass die Bevölkerung in weiten Teilen noch nicht so weit ist, die heutigen Nationalstaaten zu überwinden. Wir wollen dieses Ergebnis nicht überinterpretieren, aber zumindest sind dies Indizien dafür, dass in Europa zwar Raum ist für die Koordinierung einzelner Politikbereiche, dass dezentrale Politiklösungen der Nationalstaaten aber durchaus weiterhin ihre Berechtigung haben und eine politische Union nicht das mehrheitliche Lebensgefühl der Bürger in Europa widerspiegeln würde.

16 Exemplarisch: vgl. Hawkey (2010). 17 Vgl. Mutz (2013). 18 Vgl. Bergmann/Schmidt (2013).

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Teilnehmende Nationen der WM 2014

Land

FIFA-Weltrangliste, April 2014

Pro-Kopf-Einkommen (Kaufkraftparitäten in US-Dollar), 2012

Human Development Index (Rang), 2012

Aktive Fußballspieler (in Mio.), 2006

Spanien Deutschland Argentinien Portugal

1 2 3 4

32 043 41 245 11 573 25 389

23 5 45 43

2,83 16,31 2,66 0,55

Kolumbien Uruguay Schweiz Italien

5 6 7 8

10 436 15 776 53 281 33 134

91 51 9 25

3,04 0,24 0,57 4,98

Brasilien Belgien Niederlande England

9 10 11 12

11 716 39 751 43 105 37 456

85 17 4 26

13,2 0,82 1,75 4,16

Griechenland USA Chile Kroatien

13 14 15 16

25 331 51 749 22 363 20 964

29 3 40 47

0,76 24,47 2,61 0,36

Frankreich Russland Mexiko Bosnien-Herzegowina

17 19 20 21

36 104 23 501 16 734 9 392

20 55 61 81

4,19 5,80 8,48 0,20

Ecuador Elfenbeinküste Algerien Costa Rica

23 24 25 34

9 637 2 006 8 447 12 733

89 168 93 62

1,03 0,80 1,79 1,08

Ghana Honduras Iran Nigeria

35 36 42 47

2 014 4 174 11 310 2 666

135 120 76 153

0,99 0,42 1,81 6,65

Japan Kamerun Südkorea Australien

48 50 60 63

35 178 2 312 30 801 44 598

10 150 12 2

4,81 0,79 1,09 0,97

Abb. 5

Quellen: Vereinte Nationen (2013); Weltbank (2014b); FIFA (2007); FIFA (2014b).

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27

2.3 Mit Fußball Geld verdienen? Der Fußball boomt. Die Bundesliga eilt von einem Rekord zum nächsten. Der Umsatz in der 19

Saison 2012/13 betrug 2,17 Mrd. Euro und stieg damit gegenüber der Vorsaison um 4,4 %. Die UEFA setzte allein mit der Champions League in der vergangenen Saison rund 1,5 Mrd. Euro um, 20

die FIFA in einem Vier-Jahres-Zeitraum fast 4 Mrd. Euro.

Die Vermutung liegt nahe, dass man mit Fußball viel Geld verdienen kann. Doch das gilt nicht für alle Stakeholder des Fußballs. Viele Vereine machen Verluste, einigen droht sogar die Insolvenz. 21

Im europäischen Fußball stieg die Gesamtverschuldung der Vereine auf 1,7 Mrd. Euro. Dies hat verschiedene Gründe, die mit den (wirtschaftlichen) Besonderheiten des Fußballsports zu tun haben. Zuallererst ist dabei die Ausrichtung der Vereine zu nennen: Im Unterschied zu „normalen“ Wirtschaftsunternehmen haben Fußballvereine nicht das Ziel, den finanziellen Gewinn zu maximieren. Vielmehr geht es um maximalen sportlichen Erfolg unter gleichzeitiger Vermeidung der 22

wirtschaftlichen Insolvenz. Eine weitere Besonderheit: Während im Wirtschaftsleben Wettbewerb ein Positivsummenspiel ist, ist Ligasport ein Nullsummenspiel. Da sich die Vereine im sogenannten Positionswettbewerb befinden, ist die tabellarische Verbesserung eines Vereins zwangsläufig mit der tabellarischen Verschlechterung eines anderen Vereins verbunden. Es kommt also darauf an, in der Tabelle vor der Konkurrenz zu stehen, weil man sich zum Beispiel nur dann für die Champions League qualifiziert und nur so an das ganz große Geld kommt. Dieser Wettstreit um die besten Tabellenplätze setzt starke Anreize für Investitionsspiralen bei den Vereinen, was letztlich zu einem Verschuldungswettlauf (»Rattenrennen«) führen kann. Die Gewinner dieser Investitionsspirale sind im Regelfall die Fußballspieler, weil sich das Wettbieten der Vereine direkt in den Gehältern der Spieler niederschlägt. Um diese Überinvestitionsanreize abzumildern und die sportliche Ausgeglichenheit einer Liga 23

zu erhalten, ist der Wettbewerb reguliert. Umverteilung und Lizenzierung sollen Finanzstabilität und Spannung des sportlichen Wettbewerbs erhalten. Auf europäischer Ebene hat die UEFA mit Wirkung der Saison 2014/15 das Financial Fair Play eingeführt, wonach Vereine nur noch so viel 24

Geld ausgeben dürfen, wie sie aus fußballbezogenen Quellen eingenommen haben. Investments in Vereine werfen aus diesen Gründen kaum Rendite ab. Engagements wie jenes von Abramowitsch oder der Einstieg von großen Unternehmen als Gesellschafter von Vereinen sind daher entweder Mäzenatentum (gelegentlich auch als Sugar Daddies bezeichnet) oder strategischer Natur. Der Fußball insgesamt ist ein Angebotsmonopol. Die FIFA ist zum Beispiel der einzige Weltverband, der eine Weltmeisterschaft ausrichtet, oder die UEFA der einzige Verband, der europäische Wettbewerbe veranstaltet. Aus sportlicher Sicht ist die Monopolstellung positiv zu bewerten: Es ist für Fans und Zuschauer gut, dass es – anders als im Boxen – nur einen Fußball-Weltmeister und nur einen Champions-League-Gewinner gibt. Wirtschaftlich verbindet sich mit der Mono19 20 21 22

Vgl. DFL (2014). Vgl. UEFA (2013); FIFA (2014a). Vgl. UEFA (2013). Sportlichen Erfolg definiert dabei jeder Verein auf seine eigene Weise. Für manche Vereine ist allein der Titelgewinn ein Erfolg,

28

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für andere das Erreichen der Europa- oder Champions League, und für viele ist bereits der Klassenerhalt ein großer Erfolg. 23 Zum speziellen Wettbewerb von Sportligen und deren Regulierung siehe Szymanski (2003); Vroomann (1995). 24 Zur ausführlichen Diskussion siehe Quitzau/Vöpel (2013).

Direkte und indirekte Märkte des Fußballs

direkte Märkte indirekte Märkte

Rezipientenmarkt

Zuschauer

Ticketing

Fußball (Monopol)

Produktmarkt

Sponsoring

Medien

TV- und Medienrechte

Werbemarkt

Unternehmen Abb. 6

Quelle: eigene Darstellung.

polstellung der FIFA eine sehr starke Marktmacht, die zur Abschöpfung von Monopolgewinnen führt (vgl. Abb. 6). Das gilt sogar für die indirekten Märkte. Zum Beispiel fließen bei der Vermarktung der Fernsehrechte alle potenziellen Werbeerlöse der öffentlichen oder privaten TV-Sender bereits in die Gebote mit ein. Die TV-Sender wissen, dass sie mit Fußball im Programm die Werbezeiten teurer verkaufen können. Auf diese Weise schöpft die FIFA die Werbeerlöse der TV-Sender gleich mit ab. Ähnliches gilt für das Sponsoring. Zu einer Fußball-WM werden die Sponsoring-Möglichkeiten der Unternehmen durch strenge Lizenzierung und Markenrechte verknappt, sodass die FIFA Gewinne aus dem Sponsoring maximiert. Warum aber sollten Unternehmen dann überhaupt noch mit der WM werben wollen, wenn die FIFA ohnehin alle potenziellen wirtschaftlichen Effekte abschöpft? Die Unternehmen, die typischerweise bei Sportgroßveranstaltungen als Sponsor auftreten, agieren auf globalen Märkten, die sich einige wenige Anbieter teilen. Würde ein Unternehmen sich entscheiden, nicht als Sponsor bei einer WM oder Olympischen Spielen aufzutreten, täte es einer der Konkurrenten, mit der Folge, dass Marktanteile verloren gingen. Auf oligopolistischen Märkten existiert somit eine Art »Gefangenendilemma«: Aus strategischen Gründen kann es sich kein Unternehmen leisten, nicht als Sponsor aufzutreten. Das treibt die Gebote für das Sponsoring nach oben – und das Geld in die Kassen der FIFA. Ungeachtet dieser Mechanismen haben insbesondere die Sportartikelhersteller und Ausrüster in jedem Jahr einer Fußball-WM Hochkonjunktur. Werbekampagnen mit Stars werden gestartet und neue Produkte präsentiert. Aber auch der WM-Ball ist selbstverständlich markenrechtlich geschützt. Die Umsatzzahlen der Sportartikelhersteller steigen im Umfeld der WM, und die Aktienkurse schießen schon weit vorher nach oben, denn die wirtschaftlichen Effekte einer WM sind den Börsen wohl bekannt.

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29

Warum die Superstars im Fußball so viel verdienen Warum verdienen die Top-Spieler so viel Geld? Diese Frage hat sich wohl schon so mancher gestellt, vor allem dann, wenn man sich über den Star seines Teams geärgert hat, weil dieser mal wieder den Aktionsradius hatte, der einem Bierdeckel entspricht. Ökonomisch gesehen 25

ist es leicht erklärbar, warum die Top-Spieler so viel Geld verdienen. Sie verfügen über eine Fähigkeit, die nicht viele haben: nämlich die Fähigkeit, ein Spiel zu entscheiden, den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage auszumachen. Und dieser Unterschied kann im heutigen Fußballgeschäft Millionen wert sein. So bekommt beispielsweise der Sieger des Champions League Finales 10 Mio. Euro mehr als der Verlierer. Aufgrund ihrer Marktmacht gegenüber den Vereinen können die Top-Spieler genau über diese Millionen verhandeln. Mit anderen Worten: Das Wachstum des Fußballmarktes wandert in die Taschen dieser Spieler. Natürlich würde ein Spieler wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi auch für weit weniger als 10 Mio. Euro Jahresgage immer noch Fußball spielen, statt irgendeiner anderen Tätigkeit nachzugehen. Diese Spieler beziehen eine ökonomische Knappheitsrente. Sie machen den Unterschied aus und sind nicht durch andere Spieler zu ersetzen. Und mehr noch: Gute Spieler machen auch ihre Mitspieler effektiver. Die genialsten Pässe aus dem Mittelfeld bleiben ohne Wirkung, wenn der Stürmer nicht in der Lage ist, die Vorlagen in Tore zu voll26

enden. Jeder Fußball-Fan auf der Welt möchte genau diese Spieler sehen und ist bereit, dafür zu zahlen. Der Spieler muss dafür nicht vor jedem Fan vorspielen; die Fernsehbilder werden zu Kosten von nahe null überall auf der Welt vermarktet. Man spricht hier von sogenannten medialen Hebeln bei der Entlohnung. Die Erlöse bekommt zu überwiegenden Teilen der Spieler. Eine WM ist für einen Spieler immer eine besondere Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen und den Marktwert zu steigern. Dieser Effekt zeigt sich jedes Mal nach einer WM. Typischerweise sind Spielertransfers unmittelbar nach einer WM auch besonders teuer,

weil die Top-Clubs um die Starspieler wettbieten. Die Gefahr ist jedoch auch besonders groß, Spieler zu hoch zu bewerten. Dieses Phänomen ist als Winner’s Curse, als Fluch des Siegers, bekannt. Wer in maximal sieben Spielen der WM überzeugt hat, muss nicht zwangsläufig auch über eine ganze Saison Leistung bringen. Die aktuellen Informationen und Qualitätssignale eines Spielers werden zumeist zu stark gewichtet. Die Enttäuschung ist anschließend manchmal ebenso groß wie zuvor die Erwartungen an einen Spieler. 25 Vgl. Rosen (1981). 26 Vgl. Vöpel (2013).

30

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Kasten 4

3 Wer wird Weltmeister?

Vom 12. Juni bis zum 13. Juli kämpfen 32 Mannschaften um den Titel des Weltmeisters 2014. Wie immer stellt sich im Vorfeld die Frage, wer Weltmeister wird. Fast jeder Fan hält sich zugleich für einen Experten. Entsprechend existieren viele »Theorien«, was den Erfolg im Fußball ausmacht, wer spielen sollte und wer nicht oder welche taktische Aufstellung gewählt werden sollte. Auch von Ökonomen werden aus Anlass einer WM immer wieder Prognosemodelle entwickelt, die den Titelträger vorhersagen sollen. Den besten Prognosegehalt liefern im Allgemeinen die Wettquoten; in sie fließen alle ex ante verfügbaren und »vom Markt« bewerteten Informationen ein. Aus den 27

Wettquoten lassen sich wiederum die Wahrscheinlichkeiten für den Titelgewinn berechnen. In Abbildung 7 sind die Wahrscheinlichkeiten aus den aktuellen Wettquoten berechnet und dargestellt. Brasilien werden mit knapp 20 % Wahrscheinlichkeit die größten Chancen auf den WM-Titel eingeräumt. Dahinter folgen Deutschland und Argentinien mit jeweils fast 15 %. Titelverteidiger Spanien hat eine Chance von gut 10 %. Als Außenseiter werden Belgien, Kolumbien oder Uruguay gehandelt, noch vor etablierten Fußballnationen wie England oder Italien. Auch Chile wird vergleichsweise hoch gehandelt. Hier zeigt sich der kontinentale Heimvorteil der südamerikanischen Teams in den Wettquoten. Der Einfluss des Zufalls ist demnach sehr groß, wird aber dennoch fast immer unterschätzt. Glück und Pech treten in ganz unterschiedlichem Gewand auf: in Form von Pfostentreffern, Fehlentscheidungen des Schiedsrichters oder Verletzungen wichtiger Spieler. Nicht selten weitet sich anfängliches Glück oder Pech zum berühmten »Momentum« aus, das sich jedoch ebenso schnell wieder drehen kann. Würde man die WM unter sonst gleichen Bedingungen ein zweites und drittes Mal spielen, stünde am Ende vermutlich jeweils ein anderer Weltmeister. Der tatsächliche Turnierverlauf stellt somit die Realisation eines »Zufallsereignisses« dar. Unendlich oft wiederholt, 27 Vgl. Quitzau (2006).

Wahrscheinlichkeiten auf den Titel des Fußball-Weltmeisters 2014

Abb. 7

Algerien

Honduras

Iran

Costa Rica

Südkorea

Kamerun

Australien

Nigeria

Griechenland

Kroatien

USA

Ecuador

Ghana

Mexiko

Japan

Elfenbeinküste

Schweiz

Bosnien-Herzegowina

Chile

Russland

England

Italien

Niederlande

Uruguay

Portugal

Kolumbien

Belgien

Frankreich

Spanien

Argentinien

Brasilien

0,20 0,18 0,16 0,14 0,12 0,10 0,08 0,06 0,04 0,02 0

Deutschland

Angaben in Prozent, Stand: 1. April 2014

Quelle: bwin.de; eigene Berechnungen.

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31

konvergiert der Ausgang der WM zu einer bestimmten Wahrscheinlichkeitsverteilung. Wettquoten bilden die Wahrscheinlichkeiten in aller Regel gut ab. In sie fließen alle verfügbaren und relevanten Informationen unmittelbar ein. Die Informationseffizienz von Märkten war lange Zeit ein Paradigma der ökonomischen Theorie. Begründet hat die »Theorie informationseffizienter Finanz28

märkte« der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 2013 Eugene Fama. Diese Theorie bedeutet indes nicht, dass die Märkte das »wahre Modell« kennen, sondern nur, dass die aktuellen Kurse die beste verfügbare Prognose darstellen. Auf Informationsmärkten kann es aber – wie der zweite Nobelpreisträger 2013, Robert Shiller, in seiner Forschung gezeigt hat – dennoch immer wieder zur Entstehung von Blasen und irrationalen Übertreibungen kommen, wenn sich die Bewer29

tung des Marktes von fundamentalen Faktoren abkoppelt. Auf einem experimentellen Aktien30

markt auf Spiegel Online aus Anlass der WM 2010 konnte dieses Phänomen beobachtet werden.

Insofern bilden die Wettmärkte gut ab, was Experten und Beobachter im Durchschnitt für wichtig halten: Brasilien mit Heimvorteil, Spanien als Titelverteidiger und die anderen üblichen Verdächtigen wie Deutschland, Italien oder Argentinien sind die Favoriten. Auch die Geheimtipps sind gar nicht mehr so geheim, denn auch diese privaten Informationen fließen in die öffentlichen Wettquoten mit ein. Uruguay, Chile und Belgien werden gute Chancen eingeräumt, sehr weit zu kommen. Weltmeister werden sie am Ende aber wohl nicht. In der Geschichte der Fußball-WM 28 Vgl. Fama (1970). 29 Vgl. Akerlof/Shiller (2009). 30 Vgl. Berlemann/Vöpel (2012).

Historischer Überblick der Fußball-Weltmeisterschaften Jahr

Gastgeber

Weltmeister

Platzierung Gastgeber

Platzierung Deutschland

1930 1934 1938 1950

Uruguay Italien Frankreich Brasilien

Uruguay Italien Italien Uruguay

Weltmeister Weltmeister Viertelfinale Zweiter

Keine Teilnahme Dritter Achtelfinale Keine Teilnahme

1954 1958 1962 1966

Schweiz Schweden Chile England

Deutschland Brasilien Brasilien England

Viertelfinale Zweiter Halbfinale Weltmeister

Weltmeister Vierter Viertelfinale Zweiter

1970 1974 1978 1982

Mexiko Deutschland Argentinien Spanien

Brasilien Deutschland Argentinien Italien

Viertelfinale Weltmeister Weltmeister Zwischenrunde

Dritter Weltmeister Zwischenrunde Zweiter

1986 1990 1994 1998

Mexiko Italien USA Frankreich

Argentinien Deutschland Brasilien Frankreich

Viertelfinale Dritter Viertelfinale Weltmeister

Zweiter Weltmeister Viertelfinale Viertelfinale

2002 2006 2010 2014

Japan/Südkorea Deutschland Südafrika Brasilien

Brasilien Italien Spanien ?

Achtelfinale/Vierter Dritter Vorrunde ?

Zweiter Dritter Dritter ?

2018 2022

Russland Katar

? ?

? ?

? ?

Tabelle 2

32

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Quelle: FIFA (2014c).

hat es bisher eigentlich keinen echten Sensationssieger gegeben. Was sich hingegen zeigt, ist die offenbar hohe Bedeutung des Heimvorteils (vgl. Tabelle 2). Frankreich ist 1998 im eigenen Land Weltmeister geworden, ebenso Argentinien 1978, Deutschland 1974 oder England 1966. Bei der ersten Weltmeisterschaft in Brasilien 1950 wurde der Gastgeber aber nur Zweiter hinter Weltmeister Uruguay. Grund für den ausgeprägten Heimvorteil mögen die Euphorie im Land und in den Stadien oder die eher gewohnten klimatischen Bedingungen sein. Zudem hat noch keine europäische Nationalmannschaft den Titel in Süd- und Lateinamerika und noch kein südamerikanisches Team in Europa (mit Ausnahme von Brasilien in Schweden 1958) den Titel geholt. Übermäßiger Erwartungsdruck kann bekanntermaßen jedoch auch leistungshemmend wirken. Welches sind aber nun die relevanten Faktoren, die zur Bestimmung der Wettquoten und somit zur Einschätzung der Titelchancen maßgeblich beitragen? Ein einfaches statistisches Regressionsmodell zeigt, dass sich die Wahrscheinlichkeiten eines Titelgewinns weitgehend erklären lassen mit dem durchschnittlichen Marktwert einer Mannschaft und einem sogenannten Dummy, der den Wert 1 annimmt, falls das Team aus Südamerika kommt, und den Wert 0, falls dies nicht der Fall ist. Das Bestimmtheitsmaß dieser Schätzung beträgt 0,85. Das bedeutet, dass sich die Titelwahrscheinlichkeiten zu 85 % aus dem Marktwert der Mannschaften und dem Südamerika-Heimvorteil erklären lassen. Südamerikanische Länder haben – statistisch signifikant – eine um drei Prozentpunkte höhere Titelwahrscheinlichkeit als Länder, die nicht aus Südamerika kommen.

Modell zur Schätzung der Titelwahrscheinlichkeiten Wahrscheinlichkeit =

–0,020 + 0,005 Marktwert + 0,03 Dummy (–3,91) (7,40) (2,72) 2

Bestimmtheitsmaß: R = 0,85 Der t-Wert in Klammern gibt die Signifikanz des Einflusses an. In dieser Schätzung ist der Einfluss des Marktwertes und des Dummys statistisch hochgesichert.

Die Homogenität eines Teams ist gerade im Verlauf eines langen Turniers sehr wichtig. Ein weiterer wichtiger Faktor, der sich in der Schätzung allerdings statistisch als nur schwach signifikant gezeigt hat, ist daher die Ausgeglichenheit eines Teams. Hängt eine Mannschaft zu sehr von nur wenigen oder gar einem einzigen Spieler ab, ist die Gefahr groß, dass eine Mannschaft für den Gegner leichter ausrechenbar wird oder die Mannschaftsleistung durch Verletzung oder Formschwäche dieses Spielers deutlich herabgesetzt wird. In der Schätzung ist dieser Einflussfaktor über alle Teams hinweg vermutlich deshalb nicht statistisch signifikant, weil er nur in engen Matches Bedeutung erlangt. In einer Partie zwischen Spanien und Costa Rica erklären schon die Unterschiede im Marktwert nahezu vollständig die unterschiedlichen Siegwahrscheinlichkeiten.

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33

In Tabelle 3 fällt aber zum Beispiel auf, dass Portugal mit 11,4 Mio. Euro einen höheren durchschnittlichen Marktwert hat als die Niederlande mit 8,3 Mio. Euro. Diese Differenz kommt jedoch fast ausschließlich durch Cristiano Ronaldo zustande. Entsprechend groß ist die Standardabweichung bzw. gering die Ausgeglichenheit im portugiesischen Team. Letztendlich werden die Chancen für Portugal daher als geringer eingeschätzt als für die Niederlande. Denn sollte sich der Schlüsselspieler Ronaldo verletzen oder in schwacher Form sein, hätte dies große Auswirkungen auf das portugiesische Team. Ronaldo wäre für Portugal nicht zu ersetzen. Wie die Wettquoten zeigen, erwartet uns eine spannende WM. Die Vorfreude ist groß auf spannende Spiele, taktische Innovationen und spektakuläre Tore. Die dazugehörige Stimmung wird sich sowohl im fußballverrückten Brasilien als auch hierzulande in den Kneipen und Public-ViewingPlätzen rechtzeitig einstellen. Der Deutsche Bundestag hat hierfür extra den Weg für Public Viewing auf öffentlichen Plätzen auch nach Mitternacht frei gemacht. Es kann also losgehen.

Erfolgsindikatoren der WM-Teilnehmer Land

Quote*

Brasilien Deutschland Argentinien Spanien

Titel-Wahrscheinlichkeit

Durchschnitt Marktwert* (in Mio. Euro)

Standardabweichung

4 6 6 8

19,0 % 13,5 % 13,5 % 10,5 %

23,0 21,1 19,3 26,3

15,7 16,6 25,4 13,6

Belgien Frankreich Kolumbien Uruguay

15 19 23 26

5,9 % 4,7 % 4,0 % 3,5 %

15,6 17,9 7,4 7,4

12,0 10,1 9,5 11,4

Portugal Italien Niederlande England

26 26 26 34

3,5 % 3,5 % 3,5 % 2,7 %

11,4 13,0 8,3 12,9

20,3 6,0 8,5 9,0

Chile Russland Schweiz Bosnien-Herzegowina

41 67 67 126

2,3 % 1,4 % 1,4 % 0,7 %

5,9 7,6 7,7 5,0

10,2 5,7 5,7 6,3

Japan Elfenbeinküste Mexiko Ghana

126 126 151 151

0,7 % 0,7 % 0,6 % 0,6 %

4,1 5,9 3,6 4,7

5,2 7,9 3,3 5,1

USA Ecuador Kroatien Nigeria

151 151 151 251

0,6 % 0,6 % 0,6 % 0,4 %

2,6 2,7 8,5 3,9

1,9 3,7 9,3 5,5

Griechenland Kamerun Australien Südkorea

251 401 501 501

0,4 % 0,2 % 0,2 % 0,2 %

3,5 4,9 1,1 2,4

3,6 4,6 0,7 3,0

1501 1501 1501 1501

0,1 % 0,1 % 0,1 % 0,1 %

0,9 1,3 0,7 1,9

0,6 1,8 1,3 2,0

Iran Costa Rica Honduras Algerien Tabelle 3

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Quellen: bwin.de; Transfermarkt.de. *Stand: 1. April 2014

Weshalb WM-Tippspiele fast immer von Fußball-Laien gewonnen werden Es ist ein bekanntes Phänomen, fast schon ein Ärgernis und auf jeden Fall ein rätselhaftes Paradoxon: Die WM-Tippspiele unter Freunden, in der Familie oder auf der Arbeit werden mit boshafter Regelmäßigkeit von jenen gewonnen, denen man vorher am wenigsten Fußball-Sachverstand attestiert hatte. Es gibt zwei Gründe hierfür. Der erste Grund hat mit der Menge an Informationen und deren Verarbeitung zu tun. Experten verfügen über mehr Informationen und pflegen darüber hinaus diesen zumeist sehr speziellen Informationen ein zu starkes Gewicht beizumessen, etwa ob ein wichtiger Spieler verletzt war oder aktuell außer Form ist. Laien filtern Informationen viel stärker, weshalb weniger davon Einfluss auf ihren Tipp haben. Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Daniel Kahneman, eigentlich Psychologe, bezeichnet diese beiden Arten von 31

Denken als »schnelles Denken« und »langsames Denken«. Beim schnellen Denken werden Informationen nach einfachen, aber sehr brauchbaren Heuristiken verarbeitet und bewertet. Vergangene Erfahrungen werden mit den neuen Informationen »gematcht«. Kahneman nennt diese Verfahren Anchoring und Framing. Beim Anchoring gibt es einen »Erfahrungsanker«, zum Beispiel, dass Brasilien eine Fußballnation ist und jetzt auch noch Heimvorteil hat oder dass Portugal ja diesen guten Spieler, Christiano Ronaldo, hat. Framing steckt den Rahmen bzw. definiert die Situation, in der Informationen verarbeitet werden sollen. Bei Tippspielen versuchen Laien, die ihnen zur Verfügung stehenden Informationen nach einem sehr allgemeinen und vor allem einfachen Algorithmus zu verarbeiten. Experten dagegen möchten sich als solche beweisen und überinterpretieren dabei Informationen und verarbeiten diese nach einem zu komplexen »Modell«. Der zweite Grund für das vergleichsweise schlechte Abschneiden von Experten liegt darin, dass diese sich ganz bewusst von Laien abgrenzen wollen und zu oft auf Außenseiter tippen. Damit profilieren sie sich unter ihresgleichen. Erfolgreicher sind sie damit nicht.

31 Vgl. Kahneman (2011).

Kasten 5

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Fazit Am 13. Juli 2014 steigt im berühmten Maracana-Stadion das Endspiel der 20. FIFA Fußball-Weltmeisterschaft. Ganz Brasilien hofft dann, den sechsten Weltmeistertitel zu erringen. Alles andere als mindestens das Finale wäre im fußballverrückten Brasilien eine große nationale Enttäuschung. Wirtschaftlich ist die Wachstumseuphorie vergangener Jahre schon lange einer tiefen Ernüchterung und Frustration über die politische Klasse Brasiliens gewichen. Das Land benötigt dringend Investitionen in Gesundheit und Bildung sowie eine Reform der Institutionen und ihrer Glaubwürdigkeit. Die Wut der Bevölkerung hat sich selbst gegen den geliebten Fußball gerichtet. Zwar nicht gegen das Spiel selbst, aber die WM ist für viele zu einem Symbol für die selbstherrlichen Entscheidungen von Politikern und Funktionären geworden. Im Herbst 2014 stehen die Präsidentschaftswahlen an. Es bleibt abzuwarten, ob und in welcher Form diese Anstrengungen anlässlich der WM dann auch im Vorfeld der 2016 in Rio de Janeiro stattfindenden Olympischen Sommerspiele fortgesetzt werden. Sicherlich hat das Land eine reibungslose und begeisternde WM verdient. Brasiliens Chancen auf einen Titelgewinn bei der WM sind indes ungleich größer als auf eine schnelle Lösung seiner tiefgreifenden wirtschaftlichen und politischen Probleme. So hilfreich die Improvisationskunst der brasilianischen Spieler auf dem Platz ist, so wenig taugt sie als Ordnungsprinzip einer ganzen Volkswirtschaft. Der Weltmeistertitel aber könnte das Land zumindest für ein paar Monate einigen und die Grundlage für einen von weiten Teilen der Gesellschaft getragenen Erneuerungsprozess sein. Auch für ein Land, in dem Investitionen in Gesundheit und Bildung dringend erforderlich sind, und gerade für ein Land, in dem die Gesellschaft so zerrissen ist wie in Brasilien, kann eine WM viel bewegen. Aber sie ist auch kein Allheilmittel. Ob sich die sportlichen Hoffnungen erfüllen, wird sich indes schon am 13. Juli zeigen.

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Literatur- und Quellenverzeichnis

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In der Reihe »Strategie 2030 – Vermögen und Leben in der nächsten Generation« sind bislang folgende Studien erschienen:

1 Energierohstoffe 2 Ernährung und Wasser 3 Immobilien 4 Maritime Wirtschaft und Transportlogistik (Band A und B) 5 Klimawandel 6 Wissen 7 Sicherheitsindustrie 8 Staatsverschuldung 9 Wirtschaftsfaktor Fußball 10 Mobilität 11 Afrika 12 Nachhaltigkeit 13 Indien 14 Gesundheit 15 Sachwerte 16 Fracking 17 Demografie

Diese Studien stehen Ihnen auf der Website www.berenberg.de unter dem Punkt »Berenberg › Publikationen« als Download zur Verfügung.

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