STUDIEN MITTEIL UN GEN

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STUDIEN UND MITTEIL UN GEN ZUR GESCHICHTE DES BENEDIKTINERORDENS UND SEINER ZWEIGE HERAUSGEGEBEN VON DER HISTORISCHEN SEKTION DER BAYERISCHEN BENED...

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STUDIEN UND

MITTEIL UN GEN ZUR GESCHICHTE DES

BENEDIKTINERORDENS UND SEINER ZWEIGE

HERAUSGEGEBEN VON DER HISTORISCHEN SEKTION DER BAYERISCHEN BENEDIKTINERAKADEMIE

BAND 119 /2008

EOS VERLAG ERZABTEI ST.OTTILIEN

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IIBelustungen und Experimente" Naturkundliche

Aktivitäten in der Abtei Rott im späten 18. Jahrhundert Von Georg Schrott - Sprockhövel

Eine Besichtigung im Jahr 1788 Am 21. September 1788 besuchten Franz von Paula Schrank! und Georg Amann, im Auftrag der Münchner Akademie der Wissenschaft auf einer Art naturgeschichtlicher "Expedition" befindlich, das Kloster Rott. Fünf Jahre später veröffentlichte Schrank seine dortigen Erlebnisse in einem Reisebericht-, Ihm war es bei der Besichtigung "um die Holzsammlung zu thun, die man im hie-

sigen Naturaliencabineite findet, und von der man mir gesagt hatte, daß die Stücke alle, um vor den Würmern gesichert zu seyn, in einem Bache bey Cham, wo das Kloster eine Besitzung hat, einer leichten Versteinerung wären unterworfen worden. So sonderbar mir diese Nachricht schien, so hatte ich doch schon vom alten Plinius gelernet, in der Natur nichts leichterdings für unmöglich zu halten ... Aber hier wußte man nichts von dieser vorgegebenen Versteinerung, und hielt sie, so gut als ich, für den Zweck einer Holzsammlung ganz unthunlich; man war so weit entfernt, diese oberflächliche Versteinerung jemal versuchet zu haben, daß man es dahingestellt seyn ließ, ob der Bach, von dem ich sprach, auch nur inkrustiren [= durch chemische Ausscheidungen mit einer Kruste überziehen] könne." Schrank, so wird ersichtlich, kam nach Rott nicht nur zum Schauen, sondern auch zum Diskutieren. Mit den dortigen Benediktinern trat er in einen gebildeten Austausch, es wurden gemeinsam Thesen überprüft und Methodenfragen erörtert. "Ausser der Holzsammlung", so Schrank weiter, "hatten wir noch das Vergnügen eine Menge ande-

rer Naturalien, die in der Gegend gesammlet worden, zu sehen. Vorzüglich schön war die Sammlung von Mineralien, die aber fast bloß tyrolische Stücke enthielt. Ueberall ward mehr auf das Nützliche und Unterrichtende, als auf Prunk gesehen, der mehr den Liebhaber und Dilettanten als den Kenner txrräth:" Mit anderen Worten: für Schrank waren die Betreuer der Rotter Sammlungen

keine Dilettanten,

son-

1) Über ihn s. Zimmermann A., Franz von Paula Schrank (1747-1835). Naturforscher zwischen Aufklärung und Romantik (Neue Münchner Beiträge zur Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften. Naturwissenschaftshistorische Reihe 4) München 1981. 2) Schrank F., Reise nach den südlichen Gebirgen von Baiern ... , München 1793, 289 ff.; Nachdruck dieser Passage: Schrank F., Reise zur Benediktinerabtei Rott im Jahre 1788 (Rott am Inn. Beiträge zur Kunst und Geschichte der ehemaligen Benediktinerabtei, hrsg. v. W. Birkmaier, Weißenhorn 1983,227 f.)

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Georg Schrott

dem Kenner, und die Kollektionen konnten der aufklärerischen Nützlichkeitsideologie standhalten. "Vom Naturaliencabinete giengen wir in das physikalische

Cabinet, wo auch die astronomischen Instrumente aufbewahrt werden, wann man eben keinen Gebrauch davon macht. Dieses Cabinet macht dem Kloster vorzügliche Ehre, nicht durch die Kostbarkeit dieser Instrumente, sondern dadurch, daß sie alle das Werk der Hände dieser Ordensmänner sind. Die meisten davon hat der selige P. Emmeramus Sutor verfertiget, ein zu früher Tod hinderte ihn, sie gehörig zu rectificiren [= berichtigen], was aber noch nachgeholt wird; gleichwohl hatte er das Vergnügen wenigstens einige derselben, besonders einen großen Quadranten, vor seinem Tode hergestellt zu sehen." Was astronomische Aktivitäten betrifft, war das Kloster durch die Naturgegebenheiten besonders begünstigt: "Von den Instrumenten stiegen wir auf die Sternwarte selbst. In der That ist nicht bald ein Ort für astronomische Observationen bequemer gelegen als dieses Kloster; allenthalben weit herum herrscht eine große Ebene, die nur kleine Unebenheiten hat, davon wohl die größte die selbst ist, auf welcher das Kloster liegt; zugleich ist der Ort vom Gebirge weit genug entfernet, daß also die vielen Nebel und Wolken, welche in Gebirggegenden zu Hause sind, den schönen Horizon, den die Lage des Klosters verschaffet, nicht mehr trüben können. Man hat auch darauf Bedacht genommen, daß diese Sternwarte selbst von den übrigen Gebäuden, den einzigen Kirchthurm ausgenommen, der nicht zu vermeiden war, durchaus nicht beschränket werde." Angesichts dieser Infrastruktur nahm Schrank an, dass "auch die Botanik ihre Verehrer hier haben würde. Ich hatte allerdings das Vergnügen, ausser einigen andern, die mehr Liebhaber als Kenner waren, in der Person des Hrn. P. Johann Baptist Roth einen selbstgelehrten Botanisten anzutreffen, der es bereits in dieser Wissenschaft, die viel schwerer ist, als sichs der Pöbel der Menschen und der Halbgelehrten einbildet, sehr weit gebracht hat. Niemand ist wohl mehr im Stande sein Verdienst in diesem Falle zu würdigen als ich, der ich mich mit ihm in gleichem Falle befunden habe, und aus eigener Erfahrung weis, welche Mühe es koste, in einer Wissenschaft, die so weitläufig in ihrem Umfange als kostbar in ihren Hilfsmitteln ist, nur einige Vorschritte zu machen. Ich kann diesem verdienstvollen Gelehrten kein besseres Zeugniß geben, als wenn ich die beyden Naturkalender auf die Jahre 1786 und 1787, die er mir zu beliebigem Gebrauche zugestellet hat, hieher seze." Auf 39 Seiten' gibt Schrank nun in synoptischem Abdruck die phänologischen Aufzeichnungen Roths auf die genannten Jahre wieder, die Naturbeobachtungen im Jahreslauf festhielten, etwa, dass am 30. Januar 1786 die Bienen geflogen, am 9. April 1786 und am 3. April 1787 die Schwalben zurückgekehrt seien oder dass am 17. April 1787 die Kirschblüte begann. Im Anschluss an den Abdruck unterzieht Schrank Roths Beobachtungen einer ausgiebigen Reflexion. Es ist dies ein symptomatisches Beispiel für die personellen Kontaktaufnahmen und die Informationsströme, in die sich mit fortschreitender Aufklärung immer mehr Stifte und Religiosen einbeziehen ließen, ein Beleg auch dafür, dass die Entwicklungen der Geistes-, Bildungs- und Wissenschaftsgeschichte im 18. Jahrhundert auf die Klöster einen zunehmenden Veröffentli3) Schrank, Reise (wie Anm. 2), 293-331.

.Belustungen

und Experimente"

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chungs- und Öffentlichkeitsdruck oder -sog ausübten. In dem Maß, indem der enzyklopädische Autodidakt dem geselligen Gebildeten Platz machte, musste auch die monastische Erudition! eine Umbildung erfahren. Die naturkundlichen Aktivitäten seitens der Prälatenklöster im Rahmen der "Katholischen Aufklärung" sind längst zur Kenntnis genommen word ens, freilich aber noch nicht systematisch erforscht. Die Rotter Sammlungen werden in der Literatur gelegentlich erwähnt", sind aber noch kaum ausgewertet7. Dies nachzuholen, ist Ziel der folgenden Darstellung.

4) Eine erste Stufe aufgeklärt-monastischer Erudition stellten die maurinisch geprägten Benediktiner des frühen 18. Jahrhunderts dar; s. dazu Koch L., Der Typus des "monachus eruditus historicus" der Barockzeit und der Frühaufklärung im süddeutsch-katholischen Raum am Beispiel des Benediktiner-Historikers P. Carl Meichelbeck (Literaten - Kleriker - Gelehrte. Zur Geschichte der Gebildeten im vorrnodemen Europa, hrsg. v. R. W. Keck u. a. [Beiträge zur historischen Bildungsforschung 15) Köln - Weimar - Wien 1996, 289-302). 5) S. neben vielen Publikationen zu einzelnen Klöstern und kursorischen Erwähnungen in historischen Handbüchern beispielsweise Kraus A, Naturwissenschaftliche Forschungen an Regensburger Klöstern des Zeitalters der Aufklärung (Naturwissenschaftliche Forschungen in Regensburgs Geschichte, hrsg. v. J. Barthel [Schriftenreihe der Universität Regensburg 4) Regensburg 1981,29-51); Heilingsetzer G., Die Benediktiner im 18. Jahrhundert. Wissenschaft und Gelehrsamkeit im süddeutsch-ästerreichischen Raum (Katholische Aufklärung - Aufklärung im katholischen Deutschland, hrsg. v. H. Klueting u. a. [Studien zu achtzehnten Jahrhundert 15) Hamburg 1993, 20S-224) 219 ff, sowie verschiedene Beiträge in einern entsprechenden Themenheft der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 54 (1991) H. 1; zuletzt: Schrott G., "Splendori simul utilitatique", Naturkundliche Sammlungen in den Klöstern der Oberen Pfalz (Res naturae. Die Oberpfälzer Klöster und die Gaben der Schöpfung. Beiträge des 2. Symposions des Kultur- und Begegnungszentrums Abtei Waldsassen vom 17. bis 19. Juni 2005, hrsg. v. M. Knedlik/G. Schrott [Veröffentlichungen des Kultur- und Begegnungszentrums Abtei Waldsassen 2) Kallmünz 2006, 57-89); ders., "Blitzfang" und "Electricier-Machinen". Zur klösterlichen Sach- und Wissenskultur in der Zeit der Aufklärung (SMGB 118, 2007, 283337); ders., Naturkundliche Sammlungen und Aktivitäten im Kloster Prüfening zur Zeit Rupert Kommanns (Abt Rupert Kommann von Prüferring [1757-1817). Ein Benediktinischer Gelehrter zwischen Aufklärung und Restauration, hrsg. v. M. Knedlik/G. Schrott [BGBR Beibände 17) Regensburg 2007, 207-234). 6) Beispielsweise in: Scheglmann A M., Geschichte der Säkularisation im rechtsrheinischen Bayern. 3. Bd. Die Säkularisation in den 1803 definitiv bayerisch gewesenen oder gewordenen Gebieten. 1. Teil. Die Säkularisation der Fürstbistümer und Benediktinerabteien, Regensburg 1906, 729; Tausendpfund A, Die Aufhebung des Klosters Rott am Inn (Rott am Inn. Beiträge zur Kunst und Geschichte der ehemaligen Benediktinerabtei 2, hrsg. v. W. Birkmaier, Weißenhorn 2002, 311-344) 320. 7) Einige Ansätze in Stutzer D., Die Aufhebung des Klosters Rott in der Säkularisation (Rott am Inn [wie Anm. 2), 253-258) 254.

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Architektonische Voraussetzungen Als erstes seien kurz die architektonischen Verhältnisse skizziert, die den Rahmen für das naturkundliche Sammelwesen in Rott abgaben. Der Trakt, der die Rotter Sammlungen beherbergte, existiert heute nicht mehr, er wurde abgerissen. Jedoch lässt sich die Lage des Armariums anhand eines um 1800 entstandenen Planes von P. Paulinus Schuster ermitteln" (s, Abb. 1).

Abb. 1: Plan des Klosters Rott von P. Paulinus Schuster Danach befanden sich die Räumlichkeiten gegenüber der Kirchenfassade über verschiedenen Wirtschaftsräumen im zweiten Stock des südwestlichen Klosterflügeis. Im Plan sind unter dem Buchstaben "r" ,,4 Zimmer des phiiosophischen Armariums und oben auf der Salon der Sternwarte" eingetragen (s. Abb. 2). Die Zimmerfolge im zweiten Stock erstreckte sich über schätzungsweise 145 Schuh, das wären an die 42 Meter - deutlich mehr als die Ausdehnung der Bibliothek. Im Stockwerk darunter lag, zwischen Kistlerei und Sattlerei, das "Schulzimmer", also offenbar der Vorlesungssaal für das Hausstudium, von dem über ein angrenzendes Treppenhaus das Armarium direkt erreicht werden konnte.

8)

BHStAM:Plansammlung10569.

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und Experimente"

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Abb. 2: Das obere Stockwerk in Schusters Plan; am unteren Ende sind die vier Räume des Armariums mit dem Buchstaben "r" gekennzeichnet.

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Eine als "Idealplan" bezeichnete Klosteransicht (s. Abb. 3) gibt auch Äußere der Architektur wohl (wie etliche andere Bauteile auch) insgesamt listisch wieder", Leider ist die Legende des Originals beschnitten. Dass es bei dem mit dem Buchstaben "R" gekennzeichneten Bereich um die mit Sternwarte bekrönten Räume handelt, lässt sich aber durch einen Abgleich Schusters Plan ermitteln.

das reasich der mit

Abb. 3: Ausschnitt aus dem Rotter "Idea/plan"; im vorderen Trakt ist rechts die Fassade von Armarium und Sternwarte erkennbar Auf das Raumgefüge von Armarium und Sternwarte wird auf der Außenwand des Traktes sehr auffällig hingewiesen durch eine gegenüber dem restlichen Gebäudeflügel zurückspringende, symmetrische Fassade mit Doppelpilastern, eigenem Tor, einem Schweifgiebel mit mächtigen Voluten und zwei kleinen, zweistöckigen Türmen (s. Abb. 4). Im Parterre befanden sich laut Schusters Plan die "Mejjerhaus Stuben ", die" Wagner, und '" Bindereü' sowie Wohnräume für die Stallknechte. Diese Nutzung rechtfertigt die architektonischen Würdemotive in keiner Weise. Vielmehr sollte auf die darüber liegenden Räumlichkeiten optisch besonders aufmerksam gemacht werden. Die Zusammenschau mit Schusters Plan legt nahe, dass sich das Schulzimmer im ersten Stock hinter den drei mittleren Fensterachsen zwischen den inneren Pilastern befand. Die Räume des Armariums dürften sich über zehn Achsen erstreckt haben, beginnend an dem linken WandTÜcksprung. Die Sternwarte 9) S. BHStAM: Plansammlung 9213.

"Belustungen

und Experimente"

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verfügte eventuell über eine eigene Altane vor einem etwas zurückgesetzten Giebel; sollte nämlich die rundbogige Öffnung in der Fassade nur ein Fenster sein, wäre dies außerordentlich schlecht proportioniert. Leider ist die Zeichnung hier aber nicht eindeutig. Die Bekrönung des Giebels mit zwei kleinen Türmen mutet wie ein Echo auf die Chorflankentürme der Stiftskirche an. Überdies fluchtet die Mittelachse der Armariums-Baugruppe beinahe mit der des Kirchenschiffes. Der Trakt, der auf dem Idealplan zwischen der Kirchenfassade und der Sternwarte liegt, ist nie gebaut worden. Diese geometrischen Bezüge, denen auch die merkwürdige Positionierung des Schulzimmers zwischen handwerklich genutzten Räumen geschuldet sein dürfte, wird man als bewusst konzipiertes architektonisches Programm deuten müssen, mit dem der Bauherr seine Wertschätzung für die Wissenschaften und deren Stellenwert im monastischen Leben unterstreichen wollte.

Abb. 4: Ausschnittvergrößerung aus dem .Idealptan " mit der Fassade des Armariums und der Sternwarte

Die Sammlungen der aturalien und der wissenschaftlichen Instrumente waren in verschiedenen Räumen untergebracht; Schrank unterscheidet nämlich in seinem zitierten Reisebericht ausdrücklich ein Naturalien- und ein physikalisches Kabinett. Eine klare Bestimmung, wie die einzelnen Räume ge-

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Georg Schrott ist aber nicht mehr möglich.

In etwa ergibt sich folgende

Situa-

Zwei der vier im Plan eingetragenen Zimmern waren das "armarium physicum" und sein Nebenraum. Einer der verbleibenden Räume (vielleicht sogar beide) könnte das Naturalienkabinett gewesen sein. Möbliert'? war das Armarium laut Inventar mit ,,2 Kästen mit 40 kleinen Schubladen", vier Wandregalen, einer Glasvitrine und einem "Seiten Tischl", In einem ebenzimmer gab es ein Bücherregal für den naturkundlichen Handapparat!'. Das Observationszimmer (in Schusters Plan "Salon" genannt) befand sich über der Zimmerflucht des Armariums. In seinem Inneren erwähnt das Inventar "die Mittagslinie". Man hatte also die Meridianlinie sichtbar gemacht, vielleicht ähnlich wie in der "aula asironomica" in Kremsmiinsterl? oder im Indersdorfer Armarium physico-mathematicurri'", wo sie jeweils auf dem Boden markiert war und durch ein "Mittagsfenster" mit einem Sonnenstrahl beleuchtet werden konnte!". Sutor berichtet: "Die Meridian Linie war anfangs nicht gleich

die wahre, und muste erst durch proportionierung der Fehler und Fortrückung derselben gefunden werden, obschon ich die correction wegen der Veränderung der Declination aus den Sonnenhöhen hinzue nahm. Doch ist sie iezt vollkommen, wie mir die Beobachtungen zeigen, die ich mit Sonnenhöhen zu wiederholten Malen anstellte, und zwar den 26 Januar 85. "15

10) Über Sammlungsmöbel s. te Heesen A., Geschlossene und transparente Ordnungen. Sammlungsmöbel und ihre Wahrnehmung in der Aufklärungszeit (Wahrnehmung der Natur - Natur der Wahrnehmung. Studien zur Geschichte visueller Kultur um 1800, hrsg. v. G. Dürbeck u. a., Dresden 2001,19-34). 11) Über Bibliotheken als Teil naturkundlicher Sammlungen s. Siemer S., Geselligkeit und Methode. Naturgeschichtliches Sammeln im 18. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Abteilung für Universalgeschichte 192) Mainz 2004, 175ff. 12) S. Kraml A., Das "Mittagsloch im Turm" (http://members.nextra.at/stewar/adv/ monat_0001.htm; Zugriff: 4.1.2008). Abgebildet auf einern Kupferstich von 1781 in Klamt J. c., Sternwarte und Museum im Zeitalter der Aufklärung. Der Mathemarische Turm zu Kremsmünster (1749-1758), Mainz 1999, 139. 13) S. Dorner P., Die Indersdorfer Chronik des Chorherren Georgius Penzl (1697-1748) und ihre Bearbeitung durch Propst Gelasius Morhart (1710-1771). Historische Quelle und Beispiel barocker Klostergeschichtsschreibung (Publikationen der Akademie der Augustiner-Chorherren von Windesheim 5) Paring 2003, 82. 14) S. zu diesem Thema jetzt: The Line of the Sun, hrsg. v. F. Camerota, Florenz 2007 (über frühneuzeitliche Meridianlinien im florentinischen Raum, beispielsweise auch in der Kartause Galluzzo). 15) Archiv der Sternwarte Kremsmünster: Briefwechsel Fixlmillner; Transkription in: Ruf M., Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott am Inn (SMGB Erg.-Bd. 32) Sankt Ottilien 1991, 499 f.; Birkrnaier w., P. Emmerarn Sutor [Schuster] t 1787. Vom Kloster aus den Sternenhimmel erforscht (Rott am Inn 2 [wie Anm. 6J, 291-294) 292.

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Naturkundlich

und Experimente"

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aktive Mönche

Das Ausmaß naturkundlicher Aktivitäten scheint in den Klöstern weitgehend an die Initiative einzelner Personen gebunden gewesen zu sein. Prominente Beispiele sind hier Anselm Desing aus Ensdorf'>, Ulrich Weiß aus Irsee" oder Rupert Kommann aus Prüfening!". Von Ausnahmeerscheinungen wie Candid us Huber aus iederaltaich abgesehen':', lässt sich die Gruppe naturkundlich aktiver Mönche und Chorherren grob in drei Typen einteilen: in wissenschaftlich und "bildungspolitisch" besonders interessierte Prälaten wie etwa Franz Töpsl in Polling20 oder Frobenius Forster in Sankt Emmeram-', in die Philosophieprofessoren der Hausstudien, etwa Rupert Kornmann in Prüfening22 oder Johannes Kronbauer in Michelfeid und Weißenohe23, und schließlich in "Hobby- aturkundler" unter den Privatreligiosen wie beispielsweise der entomologisch engagierte Maurus Schub in Ensdorf". Ein ähnliches Zusammenspiel ist in Rott ebenfalls zu konstatieren. Auch hier waren es Prälat, Professoren und "privat" Engagierte, die gemeinsam das naturkundliche Profil des Stifts prägten. Gegen 1750 kann von modernen, empirisch orientierten naturkundlichen Interessen in Rott offenbar noch nicht die Rede sein. Damals hörte hier im Kommunstudium Fr. Placidus Scharl aus Andechs die Philosophie. In seiner Lebensbeschreibung heißt es: "Anstatt die Quellen, Ursachen und Wirkungen und Wirkungen der Natur in der Physik zu behandeln, bot man die aristotelische Grille des Patriarchen der stagiritischen Weltweisheit [Bezeichnung nach Stageira, der Heimatstadt des Aristotelesl und erörterte die Fragen, ob die Physik eine Wissenschaft sei und zwar eine speculative? ... ''25

16) S. Schrott, "Splendori simul utilitatique" (wie Anm. 5),59 ff. 17) S. Pömbacher K., Kloster lrsee, Weißenhorn 1999, 150 ff. 18) S. Schrott, aturkundliche Sammlungen und Aktivitäten im Kloster Prüfening (wie Anm.S). 19) S. zuletzt Grosser D., Die Holzbibliotheken des Benediktinermönchs Candid Huber am Beispiel des "Waldsassener Exemplars" (Res naturae [wie Anm. 5], 91-104) (Lit.!). 20) S. van Dülmen R., Propst Franziskus Töpsl (1711-1796) und das Augustiner-Chorherrenstift Polling. Ein Beitrag zur Geschichte der katholischen Aufklärung in Bayern, Kallmünz 1967. 21) S. Greipl E. L Frobenius Forster 0709-1791). Fürstabt von St. Emmeram in Regensburg (Lebensbilder aus der Geschichte des Bistums Regensburg, hrsg. v. Georg Schwaiger. 1. Tl. [BGBR 23] Regensburg 1989, 385-391). 22) S. Schrott, aturkundliche Sammlungen (wie Anm. 5). 23) S. ders., "Splendori simul utilitatique"(wie Anm. 5) 68/73. 24) S. ebd., 66. 25) Sattler M., Ein Mönchsleben aus der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. ach dem Tagebuche des P. Placidus Scharl O. S. B. von Andechs dargestellt, Regensburg 1868,56.

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Georg Schrott

1776 wurde Gregor Mack26 zum Abt von Rott gewählt. Er hatte somit die in den kommenden Jahren zunehmenden Aktivitäten im naturkundlichen Bereich zu verantworten. Als er 1801 starb, wurde in seiner Leichenpredigt gewürdigt, welche große "Beytriige zur Fortsetzung der angefangenen vieLen Gebäude, zur Errichtung der Wetterableiter über dieselben, zur Erhöhung der Sternwarte, zur Beyschaffung mannigfaltiger NaturaLien- und MünzsammLungen" der Prälat geleistet habe". 1779 ist erstmals die Existenz des Rotter aturalienkabinetts belegt". Macks Weitsicht war es zu verdanken, dass die Patres Emmeram Sutor, [ohann Baptist Roth, Rupert Weigl und Paulinus Schuster längere Studienreisen antreten und sich die Zeit für Experimente und Beobachtungen nehmen konnten - und das trotz Personalknappheit. Unter ihm wurde die Sternwarte gebaut, am 28. Mai 1786 erfolgte die solenne Einweihung mit Musik und einer Rede von P. Emmeram Sutor. Bis zum Jahr 1769 hatte die Bayerischen Benediktinerkongregation ihre zukünftigen Priestermönche in wechselnden Klöstern in einem sogenannten Kommunstudium ausgebildet. Dann jedoch wurde diese Einrichtung geschlossen", und die einzelnen Abteien waren genötigt, die Fratres selber zu unterrichten - der teure Universitätsbesuch war nur besonders begabten und vielversprechenden Männern vorbehalten. Dass die Stifte nun für die Bildung ihrer Religiosen ausschließlich selbst verantwortlich waren, nötigte sie zu einer intellektuellen und materiellen "Aufrüstung" und begünstigte ein Klima der Gelehrsamkeit und der verstärkten aktiven und passiven Partizipation an der Wissensproduktion. Einige Ratter Persönlichkeiten sind hier besonders hervorzuheben. P. Emmeram Sutor/Schuster30 (1759-1787) legte die Profess 1780 ab. Er war "einer der naturwissenschaftlich höchstbegabten Kapiiulare von Rott"31. Abt Gregor Mack förderte ihn daher nach Kräften und erwirkte für ihn durch eine Eingabe an den Papst eine Altersdispens. so dass er vorzeitig zum Priester geweiht werden konnte. Sutor hatte schon vor seinem Klostereintritt an der Salzburger Benediktineruniversität bei dem Ochsenhausener P. Dominikus Beck Astrono26) S. Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wie Anm. 15), 112ff.; Birkmaier w., Die 45 Äbte von Rott am Inn, aus ihrem Leben und Werk- ein Überblick (Rott am Inn 2 [wie Anm. 61,11-62)49f. 27) Mareis M., Trauerrede auf den Hochwürdigen Herrn Gregor [Mack]würdigsten Abt des Hochlöblichen Benediktinerstiftes Rotlt] Tegernsee 1801,20. 28) S. Kellner A, Ein Besuch in süddeutschen Abteien im Jahr 1779 (SMGB81, 1970, 219-249)223. 29) S. Haering S., Studien und Wissenschaften der Bayerischen Benediktinerkongregation vor 1803.Ein Überblick (SMGB101,1990,121-138)128. 30) Zur Biographie s. v. a. die Rotel (z. B.: Staatliche Bibliothek Amberg: Man. 39(7, 231ff.);Lindner A, Die Schriftsteller und die um Wissenschaft und Kunst verdienten Mitglieder des Benediktiner-Ordens im heutigen Königreich Bayern vom Jahre 1750bis zur Gegenwart. 1. Bd., Regensburg 1880,219; Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wie Anm. 15), 339ff. u. ö.; Birkmaier, P. Emmeram Sutor (wie Anm.15). 31) Birkmaier, P. Emmeram Sutor (wie Anm. 15),291. r

.Belustungen

und Experimente"

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mie und Mathematik gehört, reiste 1783 nach Kremsmünster. um in der dortigen Sternwarte mehrere Monate lang von P. Placid us Fixlrnillner und Thaddäus Derflinger zu lernen. 17 6 begab er sich zum selben Zweck nach München zu P. Ildephons Kennedy, dem Regensburger Schottenmönch, der in der Hauptstadt als Sekretär der Akademie der Wissenschaften wirkte. In Rott nahm er schon seit 1781 meteorologische Beobachtungen für die Akademie vor, fertigte Instrumente für das Armarium physicum an, wurde 1784 Direktor der Rotter Sternwarte und Philosophieprofessor im Hausstudium. Im Sommer 1787 starb Sutor jedoch, gerade 28-jährig. In der kurzen Spanne seines Wirkens hatte er neben Lehr- und Sammlungstätigkeit auch Zeit für die Forschung gefunden. Er beantwortete eine Preisfrage der Churbaierischen Akademie über das Barometer und berechnete die geographische Länge seines Heimatklosters so exakt, dass dies in der internationalen Fachliteratur gewürdigt wurde. Von ihm selbst erschien nur ein kleiner astronomischer Aufsatz im Druck'" P. Johann Baptist Roth33 (1759-1801; Profess 1767) betätigte sich als Mineraloge, Botaniker und Insektenkundler und erweiterte die entsprechenden Kollektionen in große Umfang. 1790 begab er sich nach München, um an der Militärakademie bei Mathias Flurl, dem namhaften Mineralogen, zu lernen. Das erwähnte Herbar mit mehreren hundert Proben scheint hauptsächlich von ihm angelegt worden zu sein. Auch eine Käfersammlung nahm er in Angriff. Dabei war er aber außerdem als Regens chori, Schulpräfekt und später als Cellerar tätig. Ein weiterer aturkundler war P. Rupert Weigl34 (1749-1801; Profess 1767). ach seiner Primiz wurde er für vier Jahre ans Regensburger Schottenstift geschickt, wo er Mathematik, Physik und orientalische Sprachen studierte. Zurück in Rott, setzte man ihn als Theologieprofessor im Hausstudium ein, zugleich sanierte er aber auch das vernachlässigte Armarium physicum. Zeitweise wirkte er als Professor für Mathematik und Physik. Emmeram Sutor war einer seiner Schüler. Seit 1781 führte er zusammen mit Sutor systematische meteorologische Beobachtungen für die Bayerische Akademie der Wissenschaften durch und erntete dafür eine Verdienstmedaille. Mit Sutor reiste er 1783 zu Bildungszwecken nach Kremsmünster. Während dieser dort längere Zeit blieb, kehrte Weigl zurück nach Rott und initiierte den Bau der dortigen Sternwarte.

32) Sutor E.,Astronomische Beobachtungen in der Abtey Rot in Bayern am Innstrom ... (Astronomisches Jahrbuch für das Jahr 1790, hrsg. v. J. E. Bode, Berlin 1787, 186 f.): zitiert nach: Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wie Anm. 15),342. 33) S. Lindner, Schriftsteller (wie Anm. 30), 219; Scheglmann, Geschichte der Säkularisation im rechtsrheinischen Bayern 3/1 {wie Anm. 6),729; Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wie Anm. 15), 344 ff. 34) S. Lindner, Schriftsteller (wie Anm. 30), 219 f.; Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wie Anm. 15),330 ff.

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Georg Schrott

P. Paulinus Schuster-" 0767-1809; Profess 1785) war seit 1787, also schon während seiner Studienzeit, Direktor der Rotter Sternwarte, seit 1788 beteiligte er sich an den meteorologischen Beobachtungen für die Akademie. 1790 hörte er zusammen mit P. [ohann Roth bei Flurl in München Mineralogievorlesungen. Etwas später wurde er Philosophieprofessor im Hausstudium. Eine Konventliste von 1802 schreibt ihm folgende Kompetenzen zu: .kuriürstl. Geometer, Astronom der Stiftssternwarte, Professor der Mathematik, Physik, Mineralogie und Anthropologie, Aufseher des physikalischen Annariums und der Naturalieneammiungr>. In der Geodäsie hatte er es zu Fähigkeiten gebracht, die es ihm nach der Säkularisation gestatteten, als "geometra electorialis et speculae asironomicae adjunctus"37 in München angestellt zu werden. eben verschiedenen aus seiner Vermessungstätigkeit resultierenden Plänen38 existiert von ihm noch ein Inventar der Cesteinssarrunlung-". Im Druck erschien ein astronomischer Aufsatz'".

Einblicke in die Rotter Sammlungsbestände Naturalia Im Jahr 1779 besuchten die Patres Beda Plank und Thaddäus Derflinger aus Kremsmünster die Abtei Rott und berichteten: "Noch wies man uns im Konvente ein Sammlungskabinet von verschiedenen Steinen, Conchylien und Kräutern, die ein dortiger Geistlicher angefangen, aber noch sehr unvollkommen hat." 41 Wie diese Bewertung einzuschätzen ist, lässt sich nur schwer beurteilen, schließlich setzten die Kremsmünsterer Sammlungen Maßstäbe besonderer Art. Jedenfalls schreibt dann Mathias Flurl im Juni 1803 in seiner "Pro Memoria ... die Naturalien in ständischen Klöstern betr.": "Das am meisten ausgezeichnete Kabinet von den oberländischen Klöstern hat Polling: hierauf wird Kloster Rott am Inn folgen: dann kömmt jenes vom Berge Andechs». Zumindest zeitweise muss es unter den Rotter Patres ein enzyklopädisches Interesse an der Natur gegeben haben. Dies belegt ein anonymes Inventar mit 35) S. Scheglmann, Geschichte der Säkularisation im rechtsrheinischen Bayern 3/1 (wie Anm. 6), 736; Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wie Anm. 15),353 ff. 36) BHStA M: KL Fasz. 628/7; zitiert nach: Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wie Anm. 15),461. 37) Scheglmann, Geschichte der Säkularisation 3/1 (wie Anm. 6), 736. 38) S. Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wie Anm. 15),355. 39) "Verzeichniß der in Bayern, und den oberpfälzischen Landen vorkommenden Fossilien sammt ihren Geburtsärtern, wie selbe im vaterländischen Kabinet zu Kloster Rot am Inn gesammelt sind ... ", BHStA M: GR Fasz. 655 Nr. 123. 40) S. Schuster P., Astronomische Nachrichten und Beobachtungen aus dem Kloster Rot am Inn in Bayern (Monatliche Correspondenz zur Beförderung der Erd- und Himmels-Kunde 6,1802,441--456). 41) Kellner, Ein Besuch in süddeutschen Abteien (wie Anm. 28),223. 42) Bayerisches Hauptstaatsarchiv: GR Fasz. 655 Nr. 123.

"Belustungen und Experirnente"

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dem Titel" Verzeichniß einiger Stücke aus zerschiedenen Reichen der Natur" 43. Der Verfasser hat hier, Carl von Linne folgend, eine Systematik des Mineral-, Pflanzen- und Tierreiches angelegt. eben jeder Kategorie gibt es eine Leerstelle, in die in Rott vorhandene Proben eingetragen werden konnten. Der Schreiber scheint, was die Beschaffung entsprechender Sammelstücke betrifft, Optimist gewesen zu sein: Beispielsweise zählt er unter den Wiederkäuern Kamel, "Moschus-Thier", Hirsch, Reh, "Elendthier", .Rehnihier", Steinbock, Ziege, Gämse, Schaf und Rind auf. Immerhin konnte eine andere Hand beim Steinbock ein Horn und mehrere Trinkbecher aus diesem Material verzeichnen, beim Rind einen Embryo im vermutlichen Alter VOn4 Monaten. Auf die gleiche Weise wird überall in dem Manuskript verfahren, auch Löwe, Tiger, Panther und ashorn sind nicht ausgespart. Offenbar wurde hier noch ein relativ altes Sarnmelprinzip verfolgt, wonach Repräsentanten für den gesamten Bereich der atur zusammengetragen werden sollten zu einem "Macrocosmos in microcosmo", Doch ab einem gewissen Zeitpunkt wurde die Vervollständigung dieser Spezifikation nicht weiter verfolgt, denn viele Objekte fehlen mer, die sich in anderen Quellen nachweisen lassen, beispielsweise die bei der Klosteraufhebung vorgefundene Insektensammlung oder die Stopfpräparate von Vögeln44. Zusammen mit anderen erhaltenen Verzeichnissen ermöglicht das Inventar aber dennoch einen recht genauen Eindruck von den Beständen. Auch wenn heute kein Rotter Sammelstück mehr nachweisbar ist, so kann man doch in groben Zügen erkennen, was, wie und warum dort gesammelt wurde.

Mineralogie Mineraliensammlungenv dürften am Ende des 18. Jahrhunderts in Klöstern allgemein verbreitet gewesen sein. In Rott hatte P. Rupert Weigl die Sammlung begründet", P. Emmeram Sutor richtete sie 1786 neu ein und fertigte dafür zwei Inventare arr". Die Systematik folgt, wie es auf der Titelseite heißt, "der Eintheilung des Herrn Ritters VOll Horn". Gegliedert nach verschiedenen mineralogischen Kategorien, verzeichnen fünf Spalten jeweils die laufende ummer, das Objekt, die Provenienz, den Beschaffer und das Jahr des Erwerbs. Die Sammlung in Rott enthielt in einem ersten Teil Proben aus folgen-

43) Ebd.; das Inventar ist auf dem Deckel mit dem Buchstaben "H" gekennzeichnet. 44) Zu philosophischen Reflexionen über diese Art des systematischen Sammelns s. Sommer M., Sammeln. Ein philosophischer Versuch, Frankfurt/M. 1999, 82; zu Leerstellen in unabgeschlossenen Sammlungen ebd., 230 f. 45) S. [Scharmüller A.,l Auflösung eines Mineralienkabinetts (Bayern ohne Klöster? Die Säkularisation 1802/03 und die Folgen. Eine Ausstellung des Bayerischen Hauptstaatsarchivs [Ausstellungskataloge der Staatlichen Archive Bayerns 45] München 2(03) 104 f. 46) S. Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wie Arun. 15),330. 47) "Verzeichnüß der in dem Kloster Rot befindlichen Mineralien ... " BHStA M: GR Fasz. 655 r. 123 (Inventar "E") sowie eine erweiterte Reinschrift (im selben Akt, Inventar ,,0"), die hier herangezogen wurde.

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den Bereichen: In der 1. Klasse befinden sich .Erdarten und Steine" mit den Ordnungen "Kalki1rtigeErden, und Steine" ( ummern 1-91), "Thon-Arten" (92125), "Quarz, oder Kießelartige Erden und Steine" (126-189), .Felß-Stein-Arten" (190-216b), in der 2. Klasse "Erdharze, Mineralia, Phlogistica" (217-253), in der 3. Salze (254-286), in der 4. Metalle mit den Ordnungen" Vollkommne. Periecta" (287--474), "Halb-Metalle, inperjecta" (475-517). Ein zweiter Teil umfasste "Fossilien, oder Versteinerungen. Petrificata"48 mit "Phylolithi" (518-534), .Zoolithi" (535-642) und "Lapides megarici, das ist, solche Steine, wo eine Mischung zerschiedener Versteinerungen enthalten" (643-M9). Die Katalognummern ab 650 enthalten Nachträge. Erworben wurden die Stücke des Hauptteils ab dem Jahr 1778, Nachträge wurden noch bis zum Jahr 1790 vorgenommen - in diesem Jahr allein die Nummern 759 bis 1005, also rund ein Viertel der Sammlung. Als "Lieferanten" sind vor allem die Patres Rupert Weigl, Emmeram Sutor und Benno Schmutzer angegeben, außerdem häufig ein "P. Ehrenwerth" von Kremsmünster, also wohl Erenbert Richter, studierter Mineraloge und von 1780 bis 1795 Kustos der naturhistorischen Sammlung seines Heimatklostsrss", Hinzu kamen Schenkungen, beispielsweise durch einen Herrn von Pruggheim und im Jahr 1790 ein großer Posten von Flurl in München. Die Herkünfte konzentrieren sich auf Bayern, Tirol und den übrigen Alpenraum. vereinzelt sind auch Objekte aus fernen Gegenden verzeichnet, etwa aus Böhmen, Sachsen, Ungarn, Siebenbürgen, Italien und selbst aus Island. Offenbar davon getrennt50 wurde ein zweiter Bestand aufgebaut, wie aus dem "Verzeichniß der in Bayern, und den oberpfiilzischen Landen vorkommenden Fossilien sammt ihren Geburtsärtern, wie seIbe in dem vaterländischen Kabinet zu Kloster Rot am Inn gesammelt sind" 51 ersichtlich wird, niedergeschrieben 1802 von P. Paulinus Schuster. Die Bezeichnung verrät, dass es sich bei der Kollektion von 262 Stücken um ein Dokument "patriotischer Mineralogie" handelt. Hier ist explizit ablesbar, was in anderen Sammlungen aus den Provenienzen bereits implizit ersichtlich wurde, dass nämlich das mineralogische Sammeln in den Klöstern durch ein erwachtes Interesse an der unmittelbaren eigenen Naturumgebung motiviert war. Der Einfluss Flurls", bei dem sich P. [ohann Baptist Roth ja in Mineralogie hatte unterrichten lassen, dürfte hier als nicht gering zu veranschlagen sein. 48) Das Wort Fossilien ist hier also bereits im heutigen Sinn verwendet und nicht mehr im alten, der etwa "mineralische Erdfunde" bedeutete. 49) Zu Richters Biographie s. Kurzbiographien zu den Web-Seiten der Sternwarte Kremsmünster (URL:http://mernbers.nextra.at/ stewar/ adv /biograph.htrn#Richter; Zugriff:20.11.2007). 50) Schichtmeister Hilber, der die Bestände nach München schickte, verzeiclmet sie separat; Näheres s. u. 51) BayerischesHauptstaatsarchiv: GR Fasz. 655Nr. 123(Inventar "GU). 52) S. dazu: Krenn D.-M./Lehrberger G., "Glück auf dann liebes Baiern!". Die Anfänge der Mineralogie und Geologie in Bayern. Mathias von Flurl (1756-1823)und sein Lebenswerk (Hefte zur Bayerischen Geschichte und Kultur34) Augsburg 2006, pass.

.Belustungen

und Experimente"

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Botanik P. Johann Baptist Roth hatte wohl zum großen Teil selbst ein Herbarium erstellt, das 1803 644 Specie umfa ste53. Ein nach dem ersten Buchstaben des Gattungsnamens alphabeti eh geordnetes Inventar= zählt ohne ergänzende Informationen die botanischen amen auf. 1791 gehörte die Abtei Rott zu den ersten Subskribenten von Candid Hubers Holzbibliotheken=. Es handelt sich dabei um Sammlungen von Holzschatullen, die äußerlich wie Bücher gestaltet sind. Der Buchrücken besteht aus der Borke des jeweils vorgestellten Gehölzes. Die Kästchen sind wie Bücher aufzuklappen, in ihrem Inneren findet man, wie in Herbarien üblich, die verschiedenen Organe der Pflanze, dazu Holzmasertäfelchen, Harztropfen, manchmal auch vergesellschaftete Insekten, Moose, Flechten und Pilze'". Derartige Sammlungen erfreuten sich in den Klöstern einer gewissen Beliebtheit und sind dort zum Teil heute noch vorhanden'". Die Rotter Kollektion von 111 Holzarten war bei der Aufhebung noch im Hause und wurde nach München abtransportiert. Über ihren erbleib ist nichts bekannf". Außerdem ist für eine weitere Holzsammlung eine Aufstellung vorhanden=', Die holprige Rechtschreibung deutet auf einen nicht sehr gründlich alphabetisierten Schreiber, vielleicht auf einen Laienbruder als Autor hin. Unter den 61 Inventarposten findet man überwiegend einheimische Bäume und Sträucher, einige wenige stammen von jenseits der Alpen'". Ob es in Rott eine eigene Orangerie gab, ist unklar. Den Aufzeichnungen von P. [ohann Baptist Roth ist zu entnehmen, dass frostempfindliche Pflanzen überwintert wurden: "Oie Ra marinsuxke, die den Winter über in gemäßigten Orten gestanden, werden [alii 16. April 17871 ins Freye versezt. "61 Einige Arten von Orangeriepflanzen waren aber vorhanden; unter dem 3. Oktober 1778 ist vermerkt: "Oie Feigenstikke, die Lorberbäume, die Pfriemenginster werden in ihre Win-

53) S. Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wie Anm. 15),345; dort ist irrtümlich von 644 Herbar-Bänden die Rede, doch Hilber (s, u.) verschickte nach der Säkularisation Proben von 644 Pflanzen nach München. 54) BayerischesHauptstaatsarchiv: GR Fasz. 655 r. 123;Inventar "L". 55) S. Feuchter-Schawelka A./Freitag W./Grosser D., Der Landkreis Ebersberg. Geschichte und Gegenwart . Alte HolzsanunJungen. Die Ebersberger Holzbibliothek: Vorgänger,Vorbilder und achfolger, Ebersberg 2001,61. 56) S. ebd., pass., sowie Grosser D., Die Holzbibliotheken des Benediktinermönchs Candid Huber (wie Anm. 19). 57) Beispielsweise in Kremsmünster, Lambach, Lilienfeld. Neresheim, Schlierbach und Strahov; s. die ständig aktualisierte Internet-Seite der Sternwarte Kremsmünster zum Thema: http://members.magnet.at/stewar/adv/monat_9712.htm (Zugriff: 4.1.2(08). 58) Freundliche Auskunft von Herrn Dr. Dietger Grosser, Holzforschung München. 59) BayerischesHauptstaatsarchiv: GR Fasz. 655 r. 123;Inventar "N". 60) Zum Transfer der Holzsammlungen nach München s. u. 61) Schrank, Reise nach den südlichen Gebirgen von Baiern (wie Anm. 2), 300.

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terbehältnisse gebracht. "62 Es stand insgesamt wohl teilweise das kulinarische Interesse im Vordergrund: "Feigen erhielt man viele und schöne von den in Töpfe gesezten Bäumen=", wird für das Jahr 1787 berichtet. Man verfügte außerdem über (wohl selbst vermehrtes) Saatgut exotischer Kräuter wie der Sonnenblume und des Rizinus'". Jedoch spricht ein weiteres Inventar für eine größere Sammlung lebender Pflanzen: Der "Index Herbarij vivj ... "65 ist von einem Fr. Antonius geschrieben66 und klassifiziert nach Linnes System. Man findet hier Hunderte von einheimischen Pflanzen, daneben auch eingebürgerte, etwa Gewürzpflanzen wie den "Crocus offic[inalisl" (Safran) oder den Rosmarin und seit dem 17. Jahrhundert so beliebte Zwiebelpflanzen wie arzissen, Märzenbecher, Hyazinthe und die .Tulipa gesneriana" (Gartentulpe). Zudem sind auch allerlei typische Orangeriepflanzen darunter, etwa "Citrus auraniium" (Pomeranze), "Yucca gloriosa" (Palmlilie), .Heliotropium peruuianum" (Heliotrop, Vanilleblume), "Phoenix dactiliiera" (Dattelpalme), Oleander, Lorbeer, "Cactus flagellifonnis" (Peitschenkaktus) und "Cactus cochenillijer" (Opuntie, Feigenkaktus) und verschiedene Zistrosen - daneben übrigens auch der einjährige Tabak. Unter den Belegen findet sich eine große Zahl von Heilpflanzen. Doch auf der Rückseite des ersten Blattes mahnt der Schreiber den Leser auch: "Contra vim mortis non est medicamen in hortis." C,Gegen die Macht des Todes gibt es keine Heilpflanze im Garten. ") Zoologie Über Muscheln und Schnecken hinaus wiesen klösterliche Naturaliensammlungen aus Gründen der Haltbarkeit und Bezahlbarkeit oft keine tierischen Objekte auf. In Rott stößt man jedoch auf eine recht stattliche Zahl von Exponaten. Neben dem bereits erwähnten" Verzeichniß einiger Stücke aus zerschiedenen Reichen der Natur" gibt es ein "Verzeichnis des ganzen Thierreichesaus dem Kabinette des Benediktiner-Stiftes Rot am Inn" von P. [ohann Baptist Roth aus dem Jahr 179067. Eindeutig bestimmten konservatorische Bedürfnisse die Bestandspolitik. Enthalten sind viele Conchylien, einige Schalentiere, einige Vogeleier, sodann Skelette, Zähne, Geweihe und Hörner von einheimischen Säugern und

62) Ebd., 301 [Paginierungsfehler; recte: 323]. Auf dem Idealplan sind im Ziergarten

Bäume in großen Kübeln eingetragen, doch lässt sich nicht klären, ob es sich hierbei um eine realistische Abbildung oder um künstlerische und idealtypische Staffage handelt. 63) Schrank, Reise nach den südlichen Gebirgen von Baiern (wie Anm. 2),328. 64) S. ebd., 318 f. 65) BayerischesHauptstaatsarchiv: GR Fasz. 655 Nr. 123; Inventar "M". 66) Unsichere Angabe; in Frage kommen P. Anton Gamayer (1748-1781), der allerdings von seiner Primiz 1773 bis zu seinem Tod als Kooperator in Kötzting exponiert war, und Fr. Anton Wimmer, der aber Rott bald nach Beginn seines Noviziats (1795)

wieder verlassen haben soli; s. Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wie Anm. 15),328/367. 67) BHStAM: GR Fasz. 655 Nr. 123; Inventar

ur.

"Belustungen und Experimente"

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Fischen. Jedoch gab es auch Spirituspräparats. drei menschliche Embryonen (im Alter von 3 und 6 Wochen und von 3 Monaten=), einen "Kropf c[on] einer Weibs Person, die sich a[I1I1)o 1780 aus Kleimnuth in Wasserburg erseuiet" 69, sowie Embryonen von Maulwurf, Hase, Hirsch, Rind und Salamander. Zur Herkunft der menschlichen Embryonen gibt es keine Angaben. Lieferant der Sammelstücke von essbaren Tieren war womöglich schlicht die Klosterküche.

Scientifica Als 1811 rue Regensburger Abtei Sankt Emmeram endgültig aufgehoben wurde, umfasste deren Bestand an wissenschaftlichen Instrumenten 330 Nummern?". Dies war im bayerischen Raum eine absolute Ausnahmeerscheinung. In den anderen Stiften liegen die Zahlen weitaus niedriger. Die Säkularisationsakten im Münchner Hauptstaatsarchiv enthalten u. a. ein fortlaufend numeriertes Inventar der physikalischen Instrumente verschiedener landständischer Klöster mit insgesamt 1065 Posten?'. In quantitativer Hinsicht nimmt Rott hier eine überdurchschnittliche, wenn auch nicht herausragende Stellung ein:

68) So das Inventar "G". 69) Ebd. 70) Staatsarchiv Amberg: Reg. Kdl 2491, r. 9; hier nach: Meinel c., "it is to these instruments that modem philosophy owes its existence ... rr Die Luftpumpe, das Vakuum und die Anfänge der Physik in Regensburg. Ausstellung aus Anlaß der Frühjahrstagung des Arbeitskreises Festkörperphysik (AKF) der Deutschen Physikalischen Gesellschaft" Regensburg 22004, 6; URL: (Zugriff: 1. 9. 2007) 71) BHStA: G. R. Fasz. 655 r. 120/1.

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238 Zahl der Inventarposten

94 60

Kloster Polling Tegernsee Benediktbeuern Steingaden Prüfening Andechs

58

Rott

47 44

Ettal Raitenhaslach

39

gerundeter

38 33

Attel Dießen Mallersdorf Oberaltaich Metten Rottenbuch Schäftlarn Fürstenzell Weyarn Wessobrunn Weltenburg Asbach Niederaltaich Beuerberg Au Seeon Aldersbach Sankt ikola

120 118 113 112

30 28 25

25 20 17 17

16 13

11 11 5 3 3

2 2

Durchschnittswert

Der davon nimmt Die

Durchschnitt liegt bei gut 39 Inventarposten pro Kloster, in Rott war die anderthalbfache Menge vorhanden. In der statistischen Rangfolge die Abtei damit den siebten Platz ein. einzelnen Objekte können dem .Inoemarium Des auf der Sternwarte befindlichen apparat's und armarii in dem Kloster Rot" vom 22. November 180272 entnommen werden (s. Anhang). Es ist die volle Breite der üblichen Instrumente abgedeckt, es waren Apparate zur Astronomie, Elektrizität, Magnetis72) BHStAM: Lokalkommission Rott 6. Ähnliche Informationen enthält die zehn Monate später erstellte "Anzeige Der verschiedenen astronomischen, und physikalischen Insirumenie, welche vom secularisirten Kloster Rot nach München zu versenden sind" (ebenfalls BHStAM: Lokalkommission Rott 6); Edition: Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wieAnm. 15),509 ff.

.Belustungen und Experimente"

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mus, Mechanik, Hydrostatik, Pneumatik, Optik, Wärmelehre und Geometrie vorhanden. Dem Inventar zufolge war dem Armarium eine eigene Handbibliothek zugeordnet. Bücher dienten also auch hier als .Reierenzinstanz" 73 der Sammlung. Den "nigromantische" Band "PRAXIS AUREA ARTIS ANGELIClE" (s. Abb. 5) wird man dagegen selbst als Sammelobjekt betrachten dürfen, das um 1800 eher als Curiosum denn als lnformationsquelle verwahrt wurde. Die Rotter Sternwarte war übrigens nicht, wie Stutzer meint, "unter allen Prälatenklöstem der Kuriürstenzeü einzigartig"74, vielmehr gab es eine solche beispielsweise auch in Prüfening und (von 1761 bis 1789 allerdings nur als Provisorium) in Polling75 - ganz zu schweigen von dem staatlich besonders geförderten Observatorium des Stifts Rottenbuch auf dem Hohenpeißenberg'". Der Wert dieser Rotter Einrichtung wurde von der Aufhebungskommission auf 3150 £1. geschätzt".

Artificialia Aus heutiger Sicht gehört ein Kapitel über Artificialia, also von Menschen hergestellte Objekte, die aufgrund ihrer Schönheit oder Seltenheit gesammelt wurden, nicht in diesen Konte t. Jedoch taucht im Rotter Inventar ein Posten auf, der hier zu behandeln ist: ,,2 kleine Tafeln von Spinngewöbe." Sicher handelt es sich hierbei nicht um etwas so Ephemeres wie etwa Spinnennetze. Vielmehr wurden im 18. Jahrhundert als Kuriosität gern sogenannte Spinnwebbilder gesammelt. achweisbar sind sie beispielsweise in der Zisterze Waldsassen78 sowie in der Abtei Prüfening, wo für sie 1793 sogar ein eigenes "Spinnenkabinett" eingerichtet wurde:", das man Gästen des Klosters ebenso wie das Armarium physicum und die Sternwarte zeigte. 73) Siemer, Geselligkeit und Methode (wie Anrn. 11), 175. 74) Stutzer, Die Aufhebung des Klosters Rot! (wie Anm. 7), 254. 75) S. [Wilde 5.,1 St. Georg in Prüfening: Studienzentrum vor den Toren der Reichsstadt (1803 - Die gelehrten Mönche und das Ende einer 1000-jährigen Tradition [Kunstsammlungen des Bistums Regensburg. Diözesanmuseum Regensburg. Kataloge und Schriften 26)] Regensburg 2003, 35-37); van Dül.men, Propst Franziskus Töpsl (wie Anm. 20), 59/l70. 76) S. Mois J., Das Stift Rottenbuch vom Beginn der Neuzeit bis zur Säkularisation (Rottenbuch. Das Augustinerchorherren im Ammergau. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur, hrsg. v. H. Pörnbacher, Weißenhorn 1980,34-68) 53 f. Brachner u. a. führen außerdem, allerdings ohne Quellenangaben, klösterliche Sternwarten in Scheyern, Andechs, Benediktbeuem, Tegernsee, Beuerberg, Sankt Emmeram, Sankt Jakob, Aldersbach und Seeon an; s. Brachner A./Bartl L./Hauffe D., Das Kloster Ochsenhausen. Sternwarte und Armarium aus der Aufklärungszeit, Stuttgart 1989,14. 77) BHStA M: KL 630/11b; hier zitiert nach Stutzer, Die Aufhebung des Klosters Rott (wie Anm. 7), 254. 78) S. Schrott, "Splendori simul utilitatique" (wie Anm. 5), 71. 79) S. [Watberer E.,) Materialien zu einer Geschichte des .Klosters Prüfening. Fortsetzung der Zweiten Abtheilung der Geschichte v. Prüfening vorn Siebenzehnten Jahr-

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Bei Drucken auf "Spinnweben" handelt es sich um Produkte, die seit den 1730er Jahren als eine Tiroler Spezialität vertrieben wurden. Das Material bestand in Wirklichkeit aus den Fäden der Raupen von Gespinstmotten, Kleinschmetterlingen aus der Familie der Hyponomeutidae'v, Vermutlich wurden sie wegen des verwendeten Materials in naturkundlichen Kontexten aufbewahrt. Man kann aber auch annehmen, dass hier - ähnlich wie auch in anderen Stiften'" - noch ein später achklang jener älteren Sammlungspraxis vorliegt, die in den Kunstkammern ihren Ausdruck fanden, wo Naturprodukte, wissenschaftliche Instrumente und ästhetische Artefakte in einem "artifiziellen Chaos"82 vorgefunden werden konnten. Dass auch Gipsabdrücke von Gemmen und Münzen im Rotter Armarium vorhanden waren'", deutet ebenfalls in diese Richtung.

Die Situation im Jahr 1803 Detailliert beschreibt zuletzt am 21. Juli 1803 Schichtmeister Hilber in jenem Abschnitt seines Diariums, der dem Kloster Rott gewidmet ist, die dortige Situations". Er kommentiert: "Sämtlich vorhandene Sammlungen verraten, daß seit wenigen Taren viel fleiß darauf verwendet, in allen Teilen ein Anfang gemacht, nichts aber der Vollständigkeit näher gebracht, und alles Vonvärtsdringen mit dem frühzeitigen Tode der einzelnen Unternehmen wider eingestellt wurde." Das Mineralienkabinett war durcheinander und unvollständig, der von P. Emmeram Sutor 1786 verfasste Katalog D mit insgesamt 1005 Inventarposten war aber als Referenzliste brauchbar und wurde von Hilber zum Vergleich herangezogen'". "Die Mineraliensammlung", so Hilber, "ist in das eigentliche kabinei, in eine Sammlung von blas vaterländ. Stuften und in ein Handkabinet abgeteilt." Vom 6. bis 12. Juli war Hilber damit beschäftigt, die Mineralien für den Transport nach München zu verpacken.

hundert bis zur Aufhebung, 274 (Archiv der Abtei Metten: Bened. Il. 50. EWJ.2b). 80) S. Nicolaus K., Dulvlont's Handbuch der Gemäldekunde. Material- Technik - Pflege, Köln 31986,37. 81) S. Schrott, "Splendori simul utilitatique"(wie Anm. 5), 78f. Ein prominentes Beispiel ist hier die Sternwarte in Kremsmünster mit ihrer Bestandsgliederung in "Naiuralia", .Scientiiica" und "Arte/acta"; s. Doberschiz L., Specula Crernifanensis - Beschreibung der in dem mathematischen Thurme zu Cremsmünster befindlichen Naturalien, Instrumenten, und Seltenheiten, 1764ff. (Kremsmünster, Stiftsbibliothek, Cod. ms. novo1048);zitiert nach Klamt, Sternwarte und Museum im Zeitalter der Aufklärung (wie Anm. 12),321. 82) Schachtner P., Naturkundliche Sammlungen und der Naturwissenschaftliche Verein (Im Turm - im Kabinett - im Labor. Streifzüge durch die Regensburger Wissenschaftsgeschichte, hrsg. V. M. Lorenz, Regensburg 1995,86--99)88. 83) Lt. Diarium des Schichtmeisters Hilber; s. Bayerisches Hauptstaatsarchiv: GR Fasz. 655Nr. 123.Abgedruckt in Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wie Anrn. IS),S07£. 84) BayerischesHauptstaatsarchiv: GR Fasz. 655 Nr. 123.Abgedruckt ebd., 507f. 85) Bayerisches Hauptstaatsarchiv: GR Fasz. 655Nr. 123;Inventar "D".

"Belustungen

und Experimente"

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Sechs weitere Tage erforderte die Beschäftigung mit den biologischen Sammlungen, die ebenfalls in Unordnung waren. "Das Gewächsreich scheint ein Lieblingsstudium gewesen ZlI sein; denn der Vorrat ist sehr groß; nur der grössere Teil hievon nicht mehr brauchbar." Dennoch wurden mehrere Kisten zur Verschikkung nach München gefüllt, desgleichen olche mit zoologischen Naturalien. Unter der Rubrik" echanik" verzeichnet Hilber mehrere Modelle: "Rumfords Vorschlag, wider pen tige Pferde ZlI beschlagen" und "ein mühsam und sauber gearbeitetes Modell für einen beabsidüeten Bau der hiesigen Kirche"; "auch ist das Gebäude der hiesigen Sternwarte im Modelle vorhanden. Es enthält aber ausser den Hauptmauem lind der Dachung nicht die geringste nähere Bezeichnung, daher auch keinen Wert." Hilber hat es offenbar nicht nach München geschickt, so dass es verloren sein dürfte. Auf 40 Schubladen verteilt, fand Hilber schließlich eine Daktyliothek= vor, über 3000 Gipsabdrucke von Reliefbildnissen und Münzen, geordnet nach den Kategorien .Baier. Regenten", "Griechell lind Römer", "Ludwig XIV. von Frankreich", .Pabste, Bischöfe, Heilige Bildnisse" sowie" Verschiedne Bildnisse und Münzen",

Hilber schreibt in seinem Ab chlussbericht am 12. August 1803 u. a.: "Unbrauchbare Stükke, welche profaneren Händen MißbraUCh oder Aberglauben veranlassen könnten, z. B. Embrionen, oder Beschreibungen von übernatürlichen Wirkungen einiger Steinarten, einiger Glieder gewi ser Thiere u, d. g. habe ich gänzlich zernichtet, besonders in Rott, Raitenbuth [= Rottenbuch], Wessobrunn und Andex."87 Die .Ueaersicht der mit Naturalien mll den aufgehobenen Klöstern des Oberlandes beladenen ... Kisten" , die von Hilber an die Münchner Generallandesdirektion geschickt wurden, verzeichnet 39 Kisten, darunter 25 Nummern aus Rott: ,,7. versteinerte Hölzer, und andere Yersteinerungen. 8. Versteinerungen, geschliffile Marmor, Gips- Braunspatarten. 9. übrige Kalk- Kiesel- und Spatarten, einige Tropfsteine. 10. Gebirgs-Thon- lind Talkarten. 11. Kupferartel1. 12. Eisen, Blei, Gold, Silber, einige iibrige Steinarten, besonders Apatite. 13. verschiedne Metalle und Halbmetalle, noch etliche Steinarten. Salze, Erdharze, Abdriike, Tuftstiike. 14. und 15. das Kabinet oaterliindischer Fossilien. 16. Konchilien. 17. 20 Tafeln mit aufgetragene" Vögelll, 1 ausgestopfter Vogel, 2 Hirschgeweihe, 1 Steinbokk- lind 1 Gem horn.L Stük Elfenbein. 86) Zu dieser Sammlung - und QueUengattung s. die verschiedenen Beiträge in: Daktyliotheken. Götter & Caesaren aus der Schublade. Antike Gemmen in Abdrucksammlungen des 1 . und 19. Jahrhunderts, hrsg. v. Valentin Kockel/David Graepler, München 2006. 87) Bayerisches Hauptstaatsarchiv: GR Fasz. 655 r, 123. 88) Ebd.

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18. 19. 20. 21. 22. 23. 24.

25.

26. 27. 28.

29. 30. 31.

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der ausgestopfte Trappe. 2 ausgestopfte Vögel. 1 ausgestopfte Ente. 1 ausgestopfter Vogel. das Skelet eines zweiköpfigen Lammes. 195 Stüke Insekten in einzelnen Gläsern. 89 Gläserne und hölzerne Kapsel mit Insekten. Ein Allerlei, nämlich 1 ausgestopfter Vogel, 2 Becher von Steinbokkhom, 3 skeletirte Köpfe, 1 Kolibri, dann die Nummern aus dem Verzeichnisse J: 2. 5. 17.23. 24.25.29.30.31.33.35.36, und aus dem Verzeichnisse D: 545. 547. 548. 549. 550. der ausgestopfte Robbe, 1 skelet. Reh- 1 skelet. Widderkopf, 2 Rosenkränze, 1 Pokus« ... > mit eingedrükten Figuren, 6 Früchten von Wax 11. d. m. 9 Gläser mit Embrionen. 644 geordnete Pflanzen in Büchern, 24 Bünde ungeordnete Pflanzen, 1 Verschlag mit 150 Saamenarten in Gläsern, 2 derlei mit ungeordneten Saamen, 1 blecherne Bix zum Sammeln der Pflanzen, 1 einfaches und 1 doppeltes Nezz für Schmetterlinge, Pflanzenabdrüke u. d. g. 111 Holzarten im Bücheriormate, 57 kleinere Holzarten, 88 Hefte von Panzers Fauna Germ. und 6 Hefte Index. Rumfords Modell, widerspenstige Pferde zu beschlagen. Modell zu einen Kirchenbau."

Funktionen der Sammlungen Bei der Untersuchung anderer Stifte konnte ein Katalog potentieller Funktionen klösterlicher armaria physica ermittelt werden, die in den verschiedenen Häusern in unterschiedlicher Akzentuierung nachweisbar sind: Forschung - Lehre - gebildete Kommunikation - ständische Repräsentation _ Liebhaberei - religiöse Erbauung. Forschung und Erbauung standen dabei offenbar weniger im Mittelpunkt während die anderen genannten Aufgaben den Kern ausmachten." Wie verhielt es sich im Kloster Rott?

Wissenschaftliche Forschung Rott war sicher kein klösterliches »Porschungszentrum" wie etwa Polling oder Sankt Emmeram. Ansätze wissenschaftlicher Exploration findet man vereinzelt, ausgeprägt aber bei dem vielversprechenden Emmeram Sutor, der, begabt, motiviert und durch die Klosterleitung autorisiert, astronomische und meteorologische Studien anstellte. Das Anlegen und Erweitern der verschiedenen Naturaliensammlungen, das nach systematischen Kriterien erfolgte, ist zumindest als protowissenschaftliche Tätigkeit anzusehen, aus der aber nach 89) S. Schrott, "Splendori simul utilitatique" (wie Anm. 5) 80ft.; ders., Naturkundliche Sammlungen und Aktivitäten im Kloster Priiiening (wie Anm. 5) 221 ft.

.Belustungen und Experimente"

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Sutor offenbar kein dokumentierter Erkenntnisgewinn mehr erzielt wurde, der in den wissenschaftlichen Diskurs einfließen konnte. Die Rotter Aktivitäten auf dem Gebiet der meteorologischen Datenerhebung, deren Ergebnisse an die Akademie der Wissenschaften weitergeleitet wurden, ermöglichten aber zumindest anderwärts neue Erkenntnisse. Vor Ort erlaubte es die gediegene Ausstattung an aturalien und Scientifica, den Horizont der Konventualen weit über rein monastische, theologische und seelsorgerische Fragen hinaus zu erweitern. Am Wissenschaftsbetrieb konnten Rotter Religiosen zumindest rezeptiv recht angemessen teilnehmen.

Lehre Eine Hauptaufgabe des Armariums dürfte im naturkundlichen Unterricht der Kleriker bestanden haben, der sich in den Jahrzehnten vor 1803 als fester Bestandteil des Philosophiestudiurns etabliert hatte. Disputationsdrucke, die dies belegen, scheinen für Rott am Inn nicht vorzuliegen?'. Doch ist der architektonische Konnex von "Schulzimmer" und "philosophischem Armarium" ebenso ein Indiz wie die Spuren der Wirksamkeit der Professoren Emmeram Sutor, Rupert Weigl und Paulinus Schuster im Armarium.

Gebildeter Austausch Museen und Sammlungen waren nach dem Verständnis der Zeitgenossen halböffentliche Einrichtungen, bedingt durch die dort herrschende "Einheit von Sammeln, Forscheil und Kommunizieren zwischen Öffentlichkeit und Prioaiheit, die als ein Hauptcharakteristikum der Sammlungen des 18. Jahrhunderts geiten kann."91 Der Umgang mit Sammelobjekten war noch nicht "stumm" und "kontemplativ", sondern an gesellige, performative Praktiken gebunden'", Dies freilich ist nicht von vornherein kompatibel mit den aszetischen Idealen der monastischen Lebensform, so dass hier ein besonders interessanter Interdiskurs zwischen klösterlichen und aufklärerischen Zielsetzungen zu erwarten ist. Wie also waren hier die Verhältnisse in der Abtei Rott? Sammeln ist gebunden an .Herholschleijen ", mittels derer etwas, das zerstreut ist, an einem Ort zusammengeführt wird - so die elementare sa mm90) Dagegen gibt es solche beispielsweise aus Michelfeid (s. Kronbauer J. E. [Praes.], Aphorismen aus der Mathematik u. aturlehre ..., Amberg 1795), Prüfening (s. Kornmann R. [Praes.], Sätze aus der Philosophie und Mathematik ... Regensburg 1786; ders. [Praes.], Sätze aus dem Rechte der Natur, der Mathematik, und der Naturlehre ... , Regensburg 1787)und Sankt Emmeram (5. Steiglehner C. [Praes.], Propositiones ex universa philosophia et mathesi , Regensburg 1768;ders. [Praes], Positiones ex universa philosophia et mathesi , Regensburg 1770; ders. [Praes.], OBSERVATIONESPHAE OME ORVM ELECTRICORVM , Regensburg 1773; Heinrich P. [Praes.], Positiones mathematicae et physicae , Regensburg 1788; ders. [Praes.], Positiones Selectae Ex Physica Et Mathesi. .., Regensburg 1791;ders. [Praes.], Positiones physicae et rnathematicae... , Regensburg 1799). 91) Siemer, Geselligkeit und Methode (wie Anm. 11),3. 92) S. ebd., 2. r

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lungsphilosophische Erkenntnis von Manfred Sommer?'. Herholschleifen unter den Bedingungen monastischer stabilitas zu vereinen bedeutete wohl in vielen Fällen, dass die Beschaffung von Objekten outgesourced werden musste. In Rott zeichnet sich dies beispielsweise im Mineralienkabinett ab, wo die Zulieferer im Inventar mit verzeichnet wurden. Doch offenbar begaben sich auch Rotter Mönche selbst zum Botanisieren hinaus ins Umland und in die Berge, wie es in der Leichenpredigt auf Abt Gregor Mack heißt94. Sammeln war zudem eng an die Kommunikationsforrn des Briefwechsels gebunden", und man wird postulieren können, dass dies für klausurierte Mönche in noch stärkerem Maße galt als für weltliche Personen. Nur wenig scheint davon erhalten. Im Archiv der Sternwarte von Kremsmünster liegt aber ein Schreiben von P. Rupert Weigl, am 1. September 1787 an Placidus Fixlmillner gerichtet, in dem ausschnitthaft die Pflege einer kommunikativen Vernetzung deutlich wird: "Wundern Sich doch E. H. nur nicht mehr, wenn Ihren werthesten Briefe nicht P. Emeram sondern ich beantworte, P. Emeram ist nicht mehr, am 18 [ulius endigte er an einer Brustwassersucht und anhaltenden Fraisen sein frommes Leben ... Für die mitgetheilte astronomische Beowachtungen danke ich E. H. aufs verbündlichste ... Von der Sonne Fünsterniß vom 15 [unius 1787 kann ich E. H. berichten, daß wir nur einzige 4 Minuten die Sonne sehen könnten ... Solten E. H. mir und unserer Sternwarte, die noch in ihrer ersten Kindheit sich befündet, so hold sein, und gültig erlauben, daß ich mich bei Ihnen öfters Raths erhollen und unsere Beowachtungen oder zum verbessern, oder zum vergleichen vorlegen dürfte um so unsern astronomischen Arbeiten weiters gedeihen verschaffen zukiinnen, so wird ich mit unserm ganzen Stift dero grossen Willfährigkeit aufs verbündlichste dankbar sein. "% Zu nennen sind außerdem die in den Quellen erwähnten Studienreisen. Alle um die naturkundlichen Sammlungen verdienten Mönche waren längere Zeit außer Haus, urn sich weiterzubilden: Emmeram Sutor (zusammen mit Rupert Weigl) 1783 in Kremsmünster bei Fixlrnillner und Derflinger sowie 1786 in München beim Akademiesekretär Kennedy, [ohann Baptist Roth und Paulinus Schuster 1790 in München bei Mathias Flurl, Weigl gar für vier Jahre am Regensburger Schottenstift. Man sieht, dass man sich bei der Auswahl der Ziele an fachliche Autoritäten hielt, die halbwegs in Reichweite waren. Umgekehrt pflegte man den gebildeten Austausch auch mit Gästen, die das Stift Rott besuchten. Aus anderen Klöstern wissen wir, dass das Vorzeigen der Sammlungen zur gelehrten Kommunikation der Mönche mit ihrer Umwelt gehörte. Zahlreiche Reiseberichte legen davon ein ebenso beredtes Zeugnis ab

93) S. Sommer, Sammeln (wie Anm. 44), 205 ff. 94) S. Mareis, Trauerrede (wie Anm. 27),34. 95) S. Siemer, Geselligkeit und Methode (wie Anm. 11),6. 96) Archiv der Sternwarte Kremsmünster: Briefwechsel Fixlmillner. Für die freundliche Unterstützung bei der Materialrecherche in den Beständen von Kremsmünster danke ich herzlich Herrn P. Dr. Amand Kraml, Custos der dortigen Sternwarte.

.Beiustungen

und Experimente"

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wie das Gästebuch des Prüferunger Armariums'". In Rott war dies nicht anders. Die Rotel über P. Emmeram Sutor hebt besonders dessen Kenntnisse in der Astronomie hervor, in der er so geschickt gewesen sei, dass alle Gäste des Klosters seine einzigartige .capacitas" bewundert hätten'". Details über Besuche in Rott geben die erwähnten Reiseberichte der Kremsmünsterer (1779) und Schranks (1788) wieder?'.

Ständische Selbstdarstellung Als eine weitere Funktion naturkundlicher Sammlungen in Klöstern konnte die ständische Selbstdarstellung ermittelt werden. Sie erfolgte nicht nur durch die Sammlungsobjekte, sondern mehr als einmal mittels des architektonischen Zeichensystems. Das prominenteste Beispiel dafür ist Kremsmünster1OO• In Rott zeichnet sich ebenfalls das Bedürfnis ab, die Infrastruktur der Gelehrsamkeit mittels der Architektur zu unterstreichen. Es lässt sich wohl nicht mehr entscheiden, ob der Idealprospekt des Klosters das Äußere von Armarium und Sternwarte realistisch darstellt, doch ist dies nicht unwahrscheinlieh'?'. Andernfalls ist der Plan zumindest als "Absichtserklärung" interessant. Man verfolgte die Idee (und setzte sie wohl auch um), Armarium und Sternwarte an der Fassade weithin ablesbar hervorzuheben.

Liebhaberei "Der Sammlungsraum war eines jener im Verlauf des 18. Jahrhunderts entstehenden ,Refugien der Intimität', die zunehmend das bürgerliche Leben bestimmten." 102 In den Klöstern war dies offenbar ähnlich. Hier konnten Mönche naturkundlichen Steckenpferden nachgehen, die wir heute unter die Rubrik "Selbstverwirklichung" einordnen würden - individuell ausgelebte Faszination an selbstgewählten Gebieten der atur. Nicht zufällig wird daher im Inventar des Rotter Armariums zu lesen sein: "der Galvanismus mit 50 Zink, und Kupfer97) Archiv der Abtei Metten: PrüIeninger Mansarde 438; s. dazu Schrott, Naturkundliche Sammlungen und Aktivitäten im Kloster Prüfening (wie Anm. 5),225 ff. 98) vr ••• Astronomia, in qua tantum sibi conparauerat dexteritatem, & [aciliiatem, vt omnes hue aduenianies hospites eundem admirati singularem in eo suspicereni capaciiaiem." Staatliche Bibliothek Amberg: Man. 39(7, 231 ff., hier: 235. 99) S. Kellner, Ein Besuch in süddeutschen Abteien (wie Anm, 28),223 f.; Schrank, Reise nach den südlichen Gebirgen von Baiern (wie Anm. 2),289 ft. 100) S. Klamt, Sternwarte und Museum im Zeitalter der Aufklärung (wie Anm. 12), pass. 101) Dass dies der Fall ist, legt ein Detail nahe: Die Sternwarte ist auf dem Idealprospekt, der auch unausgeführte Bauteile enthält, von zwei Türmchen flankiert. Diese sind auch auf einern Grundriss von 1801 angedeutet, der offenbar nur den tatsächlich vorhandenen Bestand zeigt. S. den Plan "Stift und Kloster Rot am Inn", BHStA M: Plansammlung 9213a/2; abgebildet in: Rott am Inn [wie Anm. 2], Tafel 127. 102) Siemer, Geselligkeit und Methode (wie Arun. 11), 156.

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blatten, dann noch verschiedene kleine Stücke zu elektrischen Belustungen und Experimenien" 103. Physikalische, mineralische, botanische und zoologische .Belusiungen" machten in den beiden letzten Jahrzehnten der Rotter Geschichte einen gewissen Teil des monastischen Alltags aus. Geistliche Relevanz Es fällt auf, dass der naturkundliche Diskurs in den vormodernen Klöstern insgesamt äußerst schwach mit dem religiösen verwoben war. Wenn überhaupt Mönche ihre naturkundlichen Aktivitäten begründeten, so meist mit der vagen schöpfungstheologisch orientierten Aussage, es stehe Mönchen wohl an, Gottes Werke und damit auch seinen Willen zu erkundsn'P'. Ansonsten führten Sammel- und Forschungsaktivitäten ein relatives Eigenleben ohne Bezug zur monastischen Lebensform und ihren spirituellen Zielen. Dass dies in Rott ähnlich gewesen sein dürfte, lässt sich nur ex negativo schließen. Nirgendwo äußern sich Mönche über die religiöse Relevanz ihres Tuns. Der einzige positive Hinweis könnte in der Baugestalt von Armarium und Sternwarte vorliegen, wenn sie denn tatsächlich als architektonisches Echo auf die Klosterkirche gemeint sein sollte.

Rückschau 1801: Die Leichenpredigt

auf Abt Gregor Mack

1801starb Abt Gregor Mack, der 1776 in sein Amt gewählt worden war und das Kloster daher in jenen Jahren geleitet hatte, in denen dort wie in vielen anderen Ordenshäusern auch das Interesse für die Phänomene der Natur einen enormen Aufschwung erfahren hatte. Pater Marian Mareis aus Attel, dem Verfasser der Leichenpredigt. war dies eine längere Reflexion wert, besonders über Astronomic, Experimentalphysik, Blitzschlag, Botanik und Sammlungstätigkeit: "Als Aaron in das Heiligthum eintratt, hatte er auf seiner Brustzierde die merkwürdigen [hier wörtlich als "merk-würdig" zu verstehen] Worte eingeprägt: Lehre und Wahrheit, wodurch angezeigt wurde, daß er sein Herz mit Wahrheit ausfüllen, und dieselben andern lehren soll. Eben diesen Denkspruch scheint Gregor schon beym Eintritte in die abteyliche Würde gewählet zu haben. In Wahrheit, wie hat dieser weise Abt selbst schon im natürlichen Fache die Begriffe der Seinigen zu berichtigen, über die Vorurtheile des Pöbels zu erheben, und immer näher zur Wahrheit durch wissenschaftliche Kenntnisse hinzuleiten gesucht? "105 Die Bildung der Mönche wird hier einmal mehr als Mittel der sozialen Abgrenzung nach unten propagiert und

103) S. dazu die Edition im Anhang. 104) S. Schrott, "Splendori simul utilitatique" (wie Anm. 5) 85 f.; ders., "Blitzfang" und "Electricier-Machinen" (wie Anm, 5) 332 ff.; ders., Naturkundliche Sarrunlungen und Aktivitäten im Kloster Prüfening (wie Anm. 5) 229. 105) Mareis, Trauerrede (wie Anrn. 27), 32.

"Belustungen

und Experimente"

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zugleich als Symptom der Aufklärung, die ja den Aberglauben und die Vorurteile der einfachen Leute für besonders problematisch erklärte. Mareis konkretisiert dies am Beispiel der Astronomie: Abt Gregor "wußte nur gar zu wohl, wie viel lrrthum, Betrug, Schreckenbilder, Aberglauben die Unwissenheit in der Sternkunde erzeugt. Diesem Uebel zu steuern richtete Er eine ansehnliche Sternwarte auf, und bereicherte sie mit den auserlesensten und kostbarsten Instrumenten. Da sollten Beobachtungen, da mechanische Berechnungen geschehen, da sollte man die Bewegung des Himmels und der Gestirne erforschen, und die am Himmel durch den Lauf der Sterne sich ereignende Begebenheiten gesetzmäßig erklären. "106 Doch auch mit den Methoden der Experimentalphysik sollten Aberglaube und Unwissen bekämpft werden: "Wie gerne pflegt man sogleich über die Gränzen der Natur zu schreiten, alle Vorfälle, die man nicht auf der Stelle erklären kann, den Einuiürkungen iibernaiiirlicher Wesen, oder der Zauberkräfte so gerade hin anzurechnen? Gregor stellte dagegen den schönsten physikalischen Apparat auf, durch dessen Versllche man die Wirkungen der Natur, soviel möglich, ergründen, ihre Kräfte bemessen, die Ursachen mannigfältiger Erscheinungen wahrnehmen, und in das geheimste Triebwerk ihrer Erzeugnisse einsehen kann. "107 Von einer gewissen Brisanz war im 18. Jahrhundert längere Zeit die Installation von Blitzableitern, bis sie vor der Jahrhundertwende immer selbstverständlicher wurde'P". Rott folgte dem Trend der technisch Aufgeklärten: .Hier darf ich des über Jedermanns Augen erhabenen Blitzfanges nicht vergessen, den Gregor dieser grosse Kenner der Natur über alle Gebäude seines Stiftes errichtet, und hingeleitet hat. Wollte Er etwa in die Rechte der göttlichen Allmacht gebietherische Eingrüfte ihun, und die blitzenden Waffen der Gerechtigkeit stumpf machen, Er, der fromme, und gottesfürchtige, und für die Sache Gottes äusserst eifernde Abt? - 0 nein; Er sagt dadurch laut, daß es des Allmächtigen höchsteigner Wille sey, daß wir uns, unsre Häuser, und Vieh, gegen die erschrecklich zerstörenden Anfälle der Gewitter durch alle l1ur mögliche natürliche Hilfsmittel schützen, und vertheidigen soll en. "109 Außerdem sei der Verstorbene auch auf dem Gebiet der Agraraufklärung!" aktiv gewesen. Marian Mareis ordnet hier die botanischen Aktivitäten Rotter Religiosen ein: "Da es so viel daran liegt, die Pflanzen genau zu kennen, um den Nutzen daraus zu ziehen, zu welchen die Natur sie bestimmet hut, die Nahrung und Genesung für Menschen und Tlziere daraus zu befördern: was that Gregor? Er schickte seine geistlichen Söhne in die entferntesten Gebürge, und Gegenden aus, wandte unsägliche Kösten auf, und erhielt durch langwieriges, mühsames Nachforschen die beynahe vollständigste, bewunderungswürdigste Sammlung." III

106) 107) 108) 109) 110)

Ebd. Ebd. S. Schrott G., "Blitzfang" und .Electricter-Machinen" (wie Anm. 5), 334 ff. Mareis, Trauerrede (wie Arun. 27),33. S. dazu Schmid A., atur und Wirtschaft im Zeitalter der Vernunft. Agraraufklärung in den Klöstern der Oberpfalz (Res naturae [wie Anm. 51, 105-122). 111) Mareis, Trauerrede (wie Anm. 27),34.

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Die Aufzählung wird vervollständigt durch die Erwähnung "jener reichhaltigen Sammlung aus dem Thier- und Mineralreiche... r derer Produkte Er durch eben so anhaltendes Forschen entdecket, lind durch beträchtliche Aufwände betjgeschaft hat. "112 Gregor Mack wurde so inszeniert als ein Vertreter der katholischen Aufklärung par excellence. Im weiteren historischen Kontext muss diese Predigt als stützende Maßnahme im Kampf um das Überleben der Klöster unter den Bedingungen der bayerischen Politik gelten. Im München verteidigten zur selben Zeit die Benediktineräbte Carl Klocker von Benediktbeuern und Rupert Kornmann von Prüfening die Rechte der Prälatenklöster im Kurfürstentum 113 - vergeblich! Anderthalb Jahre später war das Schicksal der Stifte in Bayern besiegelt, wie aufgeklärt und gebildet ihre Bewohner auch waren.

Anhang: Der Wortlaut des .Jnventarium" Der Wortlaut der "Anzeige" wurde bereits durch Ruf ediertl'", Hier wird ihm das .Inoentarium" zur Seite gestellt. Zwar weist es einige Inventarposten weniger auf, gibt dafür aber Aufschlüsse über die Innenarchitektur und enthält als Sondergut einen Katalog der naturwissenschaftlichen Handbibliothek. Anmerkungen in den Fußnoten enthalten einige Erläuterungen zum Wortlaut. Insbesondere wurden Informationen ergänzt, die in der "Anzeige" zusätzlich enthalten sind. Informationen des "Tnventarium", die über die "Anzeige" hinausgehen, wurden hingegen nicht eigens gekennzeichnet.

112) Ebd. 113) S. Chrobak w., Im Vorfeld der Säkularisation. Die Politiker Abt Rupert Kornmann und Abt Kar! Klocker (Abt Rupert Kornmann von Prüfening [wie Anm. 51115-136) (Lit.!) 114) S. Ruf, Profeßbuch des Benediktinerstiftes Rott (wie Anm. 15),509 ff.

.Belustungen und Experimente"

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Tnventarium Des auf der Siermoarte befindlichen apparai's und armarii in dem Kloster Rot, verfaßt den 22 Neu: 1802. Aurder AltIwne des observatoriums. 1 quadrant verfertigt von dem verstorbenen Conueniual Emeran Shuster.a 1 ordinaire Camara obscura." Unter dem dach. 1 Sprachrohr. Tridem obseruatiol1szimmer selbst. 1 Sector zur Bestimmung der Pohlhohen. 1 Perspectio, welches eigentnümlicn Herrn Professor angehorig? das Kopernikanische System.d 2 Klobi. 2 Maur quadranien der eine von Messing, der andere von Holz. 2 Tubi von Blech einer VOll 16 der andere 8 Schuh. 1 gregorianisches Telescop 2 Paralactische [nstrumente 2 Penduln" 2 Hanguhren, wovon eine schlagt, und repeiiri, die andere aber nur zu den astronomischen Beobachtungen gehörig_[ 2 bewegliche quadranten VOll Holz. die Mittagslinie. 1 Tubus. ln dun armaria. der Merkur als die Communication des Sprachrohrs. 2 Kästen mit 40 kleinen Schubiiiden, die 2 Brennspiegl von Gipsg, und einige Münzabdrücke von Gipß· 1 Tischl auf welchem eine elektrische Batterie von Messing, und ein solches elektrisches Flugrad. h Nebst einer guten zilinder Electricitaet, und einer Stelle mit 3 messingen Glöckln. a)

Laut der "Anzeige" aus Messing.

In der "Anzeige" an anderer Stelle angeführt. Es fehlt in der "Anzeige". In der "Anzeige" hier außerdem: ,,1 kleines Diet]'." In der "Anzeige" an anderer Stelle. f) In der "Anzeige" bewertet als "gute" Uhren. g) Die "Anzeige" führt hier außerdem einen "blasbalg" an. h) Hierzu eine Anmerkung am Rand: "diese beede Stücke gehören der Angabe nach dem B: Jnnocenz prior im Pilersee." Gemeint ist Innozenz Woerl. Das Flugrad fehlt in der "Anzeige", nicht aber die Batterie.

b) c) d) e)

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Tn der ersten SeitensteIle. der Galvanismus mit 50 Zink, lind Kupferolatten, dann noch verschiedene Stücke: zu elektrischen Belusiungen und Experimenten. Eine Hand Electricitaet mit einer messingnen Stelle.

kleine

In der 2.' Wandstelle. die Experimentalstücke, oder der gesamte apparai zu der neu erkauften Luftpumpe.i die neue Luitpumpe selbst, toelch-ce» erst kürzlich um 150 f erkauft toorden." Im Gläserkasten, in welchen folgende mathematisch geometrische Tnstrumente. 4 Sonnenuhren von Messing. 1 kleine von Holz. 1 Scchi-achil mit 3 Stück Magnet. 1 hölzerne Skize von dioptern zur Höhe Messung. 1 Magnetisches [nclinatorium von Messing. 1 Winklmaas von Messing mit der Wappe des Abts Aemi/ian. 1 detto kleineres. 6 messinge Maasstäbe. 1 detto Winkllinial. 1 messingenes Instrument zu Beschreibung einer Elipse. 1 Compas mit einem Sonnenring. 1 Sezwaag von Messing. 1 Paralei Linial von Messing! 1 quadrant von Messing mit dioptern zu Winklmässungen. 1 messinger proportional zirkL. 1 Schrittmesser von Messing 2 kleine Tafeln von Spinngewöbe. 1 klein halb rundes Stück mit Mosaik. 2 hölzerne papalei [!l Linial 1 Futteral mit einem vollständigen Reiszeug von Messing bis auf den grösseren Maasstaab 1 Salzburger Pfundgewicht von Messing.m Die "Anzeige" informiert hier detaillierter: "die voltaischen Pistolen. 1 Glockenspiel mit 6 Glocken. 6 Flaschen zu einer elektrischienl Batterie. verschiedene zum Theil unvollständige Stücke zu Elektrischen Belustigungen." j) Detaillierter in der "Anzeige": ,,6 Zylinder. 1 gläserne Kugel zum anschrauben. 4 magdeburger Halbkugeln. verschiedene gläserne Röhren. 2 hohle messingne Kugeln." k) Laut "Anzeige" gab es zwei Luftpumpen. I) Fehlt in der "Anzeige". m) Laut "Anzeige" ein "Halb Piundgeuncht". i)

"Belustungen und Experimente"

1 Compas von Messing. 1 System der alten logic, 1 altes Prisma.

VOll

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Messing.n

Unter diesen Gläserkasten. 1 Kasten, mit 12 Schubladen, worin alte Gläser, einige Figuren, und Plan.? 2 Meßtische, wovon einer mit Messing der andere mit Eisen beschlagenv 2 Prisma" nebst 2 künsticicnen» Magneten. 1 alter Thermometer 1 großes plechenes Sprachrohr.

Tt] dem 3.' Wandkasten 12 Stücke größtentheils zur HYdrostatik.s 9 Kapseln, worin verschiedene Stücke zur magnetischen Belustigung sich befinden. 1 gutes magnatisches [!] inclinaiorium, in einer Glasstelle verwahrt. 1 Sonomether. 2 Jnstrumente für die Stoßkraft, mit 8 Helfenbeinenzen Kugln 1 hölzerne Hooelmaschin' 1 hölzernes Instrument zur Bestimmung der gleichzeitigen Bewegung. 1 deto Instrument zum Betaeis der Wurfkraft 1 Uhr, die uermog des gleichgewic1zts die Stunden zeigt. 6 [nstrumenie die verschiedene Gattungen die Höbel anzugeben. 1 hölzernes Instrument zur Tngonometeri. 2 solche, wovon eines die Elasticitaet- lind das andere die Schwerkraft der Körper bestimmt.

n) Eventuell ein Modell des ptolemäischen Weltsystems? 0) Die "Anzeige" ist hier detaillierter: ,,1 Kästchen mit 2 Glasröhren womn eines Wasser im Luftleeren Raum enthält. 6 verschiedene Stücke t>OlI messingneu [nsirumenten 1 Landschaft in Stein geschnitten 3 Brenngläser. 1 hölzenzer Kornpaß mit Sonnenuhr. 1 Maasstab von Schlangenholz verschiedene Zeichnungen lind Kupferstich von physikalischen [nstrumenten 2 Thermometerrohren mit Quecksilber gefüllt. 3 Felle, zu dem Electrophor. verschiedene einzelne Gläßer zum gebrauch der Luftpumpen, und Elektrizität", p) Die "Anzeige" ergänzt hier: ,,2 Meßketten". q) Die "Anzeige" ergänzt hier: ,,lIuf Gestellen". r) Die "Anzeige" ergänzt hier einen weiteren Inventarposten: ,,1 barometer, bey dem das Quecksilber ausgelauffen". 5) ach der "Anzeige" sind es ,,15 [nstrumenie". t) Die Orthographie der "Anzeige" ("Hebelmaschine") lässt erkennen, dass mit .Hobel" nicht etwa der Plural von Hobel gemeint ist.

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Tm 4' Wandknsterl 5 Pentul von verschiedener Lange» 2 kleine Fiaechenzuge" 5 Cadopteris-cche» [nsirumenie samt Spiegl. 1 zilinderisch-cer» Hollspiegel nebst den Figuren," 1 Cadopterischer Spiegel die verschiedene Strahlmbrechungen zu zeigen. 1 gemeines, und 1 Sonnen Migroscop. 2 kleine Camerae obscurae 4 Modln zu Schlagwerkern 1 laterna magica samt 5 Figuren auf Glaß gemahlen. 1 kleiner Guggkasten. 2 Plana inclinata von Holz. 1 Instrument von Holz, um den Fall der Körper zu bestimmen nach nollei» Aufeinen Seiten Tischl. das Modell eines hölzernen Templs zur E/ectricitaeU ln der Mitte. 1 Kugl Electricitaet nebst 9 Flaschen, und 1 Electrophor' 1 Scheiben Electricitaet, mit 1 Electris-cche» Lampe von Messing dann 2 Isolir Stühle."' u) v) w) x)

Die "Anzeige" ergänzt hier: ,,2 derlei], vom obseroatorio." Die "Anzeige" ergänzt: ,,2grossere d[et]"." Die "Anzeige" ergänzt hier: ,,1 ord: Hohlspiegel". Gemeint ist wohl der französische Wissenschaftler Jean Antoine Nollet (1700-1770). Hier folgen in der "Anzeige" einige weitere Inventarposten: ,,2 Heber 3 blechene Kästchen. 1 gläserner Kelch zum Abschrauben. 1 Pyrometer 2 Storchenschnäbel, wovon einer von messing. verschiedne mathematische Figuren von Holz", also wohl geometrische Körper. y) Die "Anzeige" ergänzt hier: ,,1 kleine Scheiben Electricitaet so aber nicht uollsiiindip", z) Die "Anzeige" ergänzt hier: ,,1 dleiol kleines". aal Sie fehlen in der "Anzeige". Hingegen folgen dort noch einige weitere Inventarposten: "Verschiedne AIterthümer 1 alte kurze büchse. 1 bürgermeislerstaab. 2 kleine Messer, wovon eines mit Schnizarbeit 1 kupferner Kelch 1 alter eingelegter Püchsenschaft. 1 grosses Messer.

"Belustungen und Experimente"

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1n dem kleine1l ebenzimmer oder Werkstatt. 1 große, 1 kleine Driihbank samt den Werkzeug.ab 1 Bücherstele in welcher Hausers Phisik 8 Theile, wovon aber der 4.t abgängig ist.ac Schauplaz der Natur 8 Theile.ad Pfennig Einlautung in die mathematische, lind phisikalische geographi= Mo.thel1Ultisch Atlas VOll Thobias Mayr.aI Wolfii Compendium mathematicum. 2 Tom:ag dessen Eiementa matheseos pars, 2,3, et 4.ah Jgnar Anfangsgründe der oturlehre' Beks Unterricht gegen das einschlagen des Blizes!i Hößlins methrologische Beobachtung= Pions mathemaiische Werkschule.aJ 5 Bände der meihrologisch-cen» Ephemeriden von der academie zu München nebst den manchen Düpleten, mit 7 Stück.am Poliers [mnzosisch-ce» grammaire":

1 Paläster. 1 Krug von Serpentin. 1 altes Pferdgebiß 1 Bein [also: Knochen) mit alter Zuschrih, 1 Futeral von gepreßtem Leder 1 künstlicJrerHolzgrallz. [?)" ab) Sie diente laut "AI1Zl:ige" "zum Metalldrehen", die vorher genannte größere dann wohl zum Holzdrechseln. In der "Anzeige" kommen hier noch hinzu: "zwey messingne alphabeie für einen buchbindet.

3Fomlrollen

[?]."

ac) icht zu identifizierendes Werk. ad) [Pluche . A.,) Schau-Platz Der atur, Oder: Unterredung von der Beschaffenheit und den Absichten der atürlichen Dinge ... , Wien - Nürnberg 1746 H. oder eine andere Auflage. ae) Pfennig J. C; Einleitung in die mathematische und physikalische Geographie nach den neuesten Beobachtungen ... , Stettin - Leipzig 1765. af) Maier T., Mathematischer Atlas in welchem auf 60 Tabellen alle Theile der Mathematik vorgestellet ... werden, Augsburg 1745. ag) Wolf{ C, Compendium Elementorum Matheseos Universae in usum studiosae iuventutis adomatum ... , Lausanne u. a. 1742 oder eine andere Auflage. ah) Ders., Elementa Matheseos Universae ... , Halle 1713 ff. oder eine andere Auflage. ai) d'Inarre, C. F., Anfangsgründe der aturlehre ... , Frankfurt/M. 1784. aj) Beck D., Faßlicher Unterricht Gebäude auf eine leichte und sichere Art vor dem Einschlagen des Blitzes zu bewahren ... , Salzburg 1786. ak) icht zu identifizierendes Werk. al) Bion eu eröfnete mathematische WerckschuJe ... r Nürnberg 1741 oder eine andere Auflage. am)Der Baierischen Akademie der Wissenschaften in München meteorologische Ephemeriden ... r München 17 1 ff. an) icht identifizierbar.

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[acquier [nstiiuiiones Phylosaphicae 3 Bände/" Horvats Pltflosophiae 3 Bände.ap deto Reichenberger 2 Bänd.aq Pruchhausen [nst: physicae 1pars:" Physicaliche Abhandlungen 21er pars= Horvat physica particularis." geometria von Pink= Praxis aurea seu liber magicus de ao 1525. ill Manuscriptv' RegnauIt physische Anfangsgründe 4 Bände? w Ozonam geomeihrie= chevigni Science des personnes 2, 3, et. tom. [!Jar Selecta physica oeconomica 2 Bände= Roost Atlas portatilisb• Landwirthschafts Kalender von Falbert" Wolfii ratio praeiectionum= grant praetectiones=

[so Abb. 5]

ao) Jacquier F., Institutiones philosophlcae ad studia theologica potissimum accomodatae, Venedig 1762 oder eine andere Auflage. ap) Evtl. Horvath J. B., Elementa Matheseos. Phllosophiae Auditum Usibus Accomodata. .., Tyrnau 1772 f., doch ist dieses Werk nUTzweibändig. aq) Wohl Reichenberger }. ., Cursus biennalis philosophiae et matheseos universae ... , Regensburg 1774/78. ar) Bruchhausen A., lnstitutionum Physicae Pars Prima ... , Münster 1775 oder eine spätere Auflage. as) Evtl. Band 2 der Reihe: Physicalische und medicinische Abhandlungen der Königlichen Academie der Wissenschaften zu Berlin ... , Gotha 1782. at) Horväth J. B., Physica Particularis ... , Tyrnau 1770 oder eine andere Auflage. au) Nicht identifizierbar. ay) Wohl identisch mit der Handschrift CIm 24112 bisher unbekannter Herkunft in der Bayerischen Staatsbibliothek München. aw)Wohl Regnault N., L' origine ancienne de la Physique nouvelle ... r Paris 1734 (oder eine andere Auflage) oder ders., Physicae Recentioris Origo Antiqua ... r Graz 1755. ax) Vielleicht Ozonam J., La Geometrie pratique ... , Paris 1689 (oder eine andere Auflage) oder ein anderes geometrisches Werk des Autors. ay) de Chevigny, S. D. V., La Science des Personnes de la Cour, de l'Epee et de la Robe ... , Amsterdam 1713 oder eine andere Auflage. az) Selecta physico-oeconomica oder Angenehme und nützliche Sammlungen von allerhand zur Natur-Forschung und Haushaltungs-Kunst gehörigen Begebenheiten ... Stuttgart 1749 ff. ba) Rost J. L., Atlas Portatilis Oder Compendiöse Vorstellung des gantzen Welt-Gebäudes ... , Nürnberg 1723 oder eine spätere Auflage. bb) Felber J. F., Immerwährender Hauß- und Landwirthschaffts-Calender. .. , Nürnberg 1696 oder eine andere Auflage. be) Wolff C, Ratio Praelectionum Wolfianarum In Mathesin Et Philosophiarn Universam ... , Halle 1718 oder eine andere Auflage. bd) Grant B., Praelectiones encyclopaedicae in physicam experimentalem et historiarn naturalem ... , Erford 1770. r

"Belustungen

und Experimente"

255

X15AllREA ARTIE ANGELIC£

LJBER NlAGICUS

Abb. 5: Titelseite der Handschrift "PRAXIS AUREA" Armariumsbibliotliek

aus der Ratter

256

Georg Schrott

Enzyclophaedicae.be Allmanach Novum Betrachtungen der Beschreibung eines Ueber magnetismus

des Petri Phitati. 2 Bänd.bf Erde 1 Band.bg besondern Weltaugesbh von Epp. bi

Luz Biizableiterr)

Churiur-csz-tlcich» abgeordnete Local Commission.

Abbildungsnachweise: Abb.1-4: Abb.5:

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München Bayerische Staatsbibliothek München

be) bf) bg) bh)

Nicht identifizierbar. Pitatus P., Almanach novum ... , Venedig 1542 oder eine andere AuIlage. Nicht identifizierbar. [Schultz E. c.,J Beschreibung eines besondern Welt-Auges, welches in dem Cabinette eines Natur-Freundes zu Hamburg befindlich ... , Hamburg 1779. bi) Epp F. X., Abhandlung von dem Magnetismus der natürlichen E1ektricitaet. .. , München 1777 oder 21778. bj) Luz J. F., Unterricht vom Blitz und den Blitz- oder Wetter Ableitern ... Frankfurt/M. - Leipzig 1784. r