STUDIEN MITTEILUNGEN

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STUDIEN UND MITTEILUNGEN ZUR GESCHICHTE DES BENEDIKTINERORDENS UND SEINER ZWEIGE HERAUSGEGEBEN VON DER HISTORISCHEN SEKTION DER BAYERISCHEN BENEDIK...

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STUDIEN UND

MITTEILUNGEN ZUR GESCHICHTE DES

BENEDIKTINERORDENS UND SEINER ZWEIGE

HERAUSGEGEBEN VON DER HISTORISCHEN SEKTION DER BAYERISCHEN BENEDIKTINERAKADEMIE

BAND 124/2013

EOS VERLAG ERZABTEI ST.OTTILIEN

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Aus dem verlorenen Traditionsbuch des Klosters Niederaltaich von Roman Deutinger - München Am 9. März 1517 brach [ohannes Turmair, genannt Aventinus, nachdem er kurz zuvor zum offiziellen bayerischen Hofhistoriographen ernannt worden war, zu einer großen, mit Unterbrechungen insgesamt zwei Jahre dauernden Forschungsreise auf, die ihn zu den wichtigsten Kloster- und Stiftsbibliotheken des damaligen Bayern führte. Dort versorgte er sich mit Quellenmaterial für seine umfassenden "Annales ducum Boiariae", die er auf dieser Grundlage 1521 vollendete. Eine der ersten Stationen auf dieser Reise war die alte Benediktinerabtei Niederaltaich an der Donau. Hier traf er am 7. Juli ein und blieb volle drei Wochen; im Oktober machte er auf der Rückreise nochmals hier Station, diesmal jedoch nur für eine kurze Übernachtung'. Frucht des ausgiebigen Forschungsaufenthalts in diesem Kloster war ein eigenes Dossier von 212 dicht beschriebenen Quartseiten. Zunächst hat sich Aventin einige umfangreichere Texte in diesen Codex kopieren lassen; eigenhändig hat er dann eine ganze Reihe von weiteren Notizen hinzugefügt. Der Band wird heute in der Bayerischen Staatsbibliothek verwahrt und trägt die Signatur elm 966. Bekannt ist die Handschrift vor allem dadurch geworden, dass allein durch die in ihr enthaltene Kopie die umfangreichen und auch inhaltlich bedeutenden Niederaltaicher Annalen des 11. Jahrhunderts überliefert sind-, Daneben enthält sie auch die "Annales Fuldenses" als Abschrift aus einem heute in Leipzig liegenden Codex', ferner Auszüge aus den älteren Salzburger Annalen', aus 1) Haus-Kalender (ed. G. Leidinger, [ohannes Turmair's genannt Aventinus kleinere Schriften. Nachträge [lohannes Turmair's genannt Aventinus sämmtliche Werke 61, München 1908), 30; zum Autor vgl. März Ch., Aventinus, Johannes, in: Deutscher Humanismus 1480-1520. Verfasserlexikon, Bd. I, Berlin - New York 2008,72-108, zum Kalender Wanderwitz H., Beobachtungen zu Aventins "Hauskalender" (Studien zur bayerischen Landesgeschichtsschreibung in Mittelalter und Neuzeit. Festgabe für Andreas Kraus zum 90. Geburtstag, hrsg. von A. Schmid, Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Beiheft 41, München 2012, 245-281. 2) Clm 966, fol. 57r-65r, 69v-71v, 76r-103r; vgl. Annales Altahenses maiores (ed. E. L B. von Oefele, MGH.SRG 4, 1891). 3) Clm 966, fol. 2r-55v; vgl. Armales Fuldenses sive Annales regni Franeorum orientalis (ed, F. Kurze, MGH.SRG 7, 1891). Zur Vorlage (Leipzig, Universitätsbibliothek, Rep. IT4° 129a) vgl. Bisehoff B., Die südostdeutschen Schreibschulen und Bibliotheken in der Karolingerzeit 2: Die vorwiegend österreichischen Diözesen, Wiesbaden 1980,7f. 4) Clm 966, fol. 7v-57v als Randnotizen zu den Armales Fuldenses und Annales Alta-

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Roman Deutinger

der "Chronik der Böhmen" des Cosmas von Prag aus einer später nach Straßburg gekommenen und dort 1870 verbrannten Vorlage', Exzerpte aus den historiographischen Arbeiten Abt Hermanns von Niederaltaich und seiner Fortsetzer'', aus der "Descriptio gentium et diversarum nationum Europe" des Passauer Domdekans Albert Behaim", aus dem Nekrolog des Klosters" sowie schließlich noch Exzerpte aus zahlreichen Urkunden, darunter - ausnahmsweise im Volltext - das Privilegium minus für Herzog Heinrich I. von Österreich von 1156in der Bestätigung durch Kaiser Friedrich 11.9• So gut wie alle Bearbeiter der vorstehend genannten Texte haben den Codex Aventins für ihre jeweiligen Editionen und Untersuchungen herangezogen und ihn mehr oder weniger gründlich ausgewertet. Es haben ihn somit schon recht viele Gelehrte in den Händen gehabt, doch keiner von ihnen mich selbst eingeschlossen'? - hat bislang den knappen eigenhändigen Notizen Aventins auf der ersten Seite der Handschrift (fol. Ir) Beachtung geschenkt. Auf den ersten Blick scheinen sie tatsächlich wenig ergiebig zu sein, bilden sie doch keinen fortlaufenden Text, sondern vermerken hauptsächlich, scheinbar zusammenhanglos, Orts- und Personennamen. Aventin selbst hat

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henses; vgl. Excerpta Aventini ex Annalibus Iuvavensibus derivati (ed. H. Bresslau, MGH.SS 30/2,1934,743£.) und dazu grundlegend Bresslau H., Die ältere Salzburger Annalistik, Abh. Berlin 1923 Nr. 2 (1923) 26-29. Ob diese Exzerpte ebenfalls in Niederaltaich gemacht sind, ist allerdings fraglich; mehrfach hat Aventin in dem Codex für seine Vorlagen einen anderen Ort angegeben, etwa fol. Ir: Baihaoiae in bibliotheca, fol. Iv und fol. 65v: (Ex) Oting, oder auch fol. 2r: Eginhardus scrips it res gestas Caroli ab eadem educaius qui Strubiorum urbe extat et Windbag. Außerdem dürfte das Epitaph für Chunigunt peccatrix (fol, 62v, ed. Philipp Jaffe, MGH.SS 17, 1861, 329 Anm. 57) in Dießen abgeschrieben worden sein. Vgl. schon Deutinger R, "Königswahl" und Herzogserhebung Arnulfs von Bayern. Das Zeugnis der älteren Salzburger Annalen zum Jahr 920 (DA 58,2002,17-68, hier 46-50). Clm 966, fol. 73r-v, 75r-v; vgl. Die Chronik der Böhmen des Cosmas von Prag (ed. B. Bretholz, MGH.SRG, N. S. 2, 1923, 136-140 und 253f.). Zur Vorlage (ehemals Straßburg, Stadtbibliothek, Cod. 88) Nass K., Heinrich der Löwe oder Heinrich XIII. von Bayern? Zum Widmungsgedicht des Straßburger Codex 88 (DA SO,1994, 603610) mit der älteren Literatur. Clm 966, fol. 66r-69r; vgl. Müller M., Die Annalen und Chroniken im Herzogtum Bayern 1250-1314 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 77), München 1983,13-15 und 86. Umfangreichere Auszüge aus denselben Texten notierte Aventin im gleichzeitig angelegten Notizbuch Mü~~hen, Bayerische Staatsbibliothek, elm 1204. Vorlage war die Handschrift Wien, Osterreichische Nationalbibliothek, Cod. 413. Clm 966, fol. 105r-106r; vgl. Englberger J., Albert Behaim und die Loreher Tradition in der Passauer Geschichtsschreibung. Die Descriptio gentium et diversarum nationum Europe (MGH.SRI 57), Hannover 2007,361-372. Clm 966, fol. 6v; vgl. Necrologium monasterii Altahae Inferioris (ed. M. Fastlinger, MGH.N 4, 1920,27-72. Die Vorlage befindet sich heute in Jena, Universitätsbibliothek, Ms. Bose q. 1. Clm 966, fol. 74r-75r; vgl. Die Urkunden Friedrichs I. 1 (ed. F. Appelt, MGH.DRG 10/1,1975) 259 f. Nr. 151 mit Vorbemerkung 255. Siehe oben Anm. 4.

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am Ende dieser Aufzeichnungen ihre Herkunft vermerkt: Ex libro traditionum Nidemaltach, In der bis heute genauesten Beschreibung der Handschrift wurde diese eigentlich präzise Angabe allerdings missverstanden und auf einen angeblichen Traditionscodex des Abtes Hermann von Niederaltaich (1242-1273, t 1275) bezogen, den es gar nicht gibt". Vermutlich hat der Bearbeiter dabei an die umfangreichen urbariellen Aufzeichnungen gedacht, die dieser Abt angelegt hat, und sämtliche späteren Benutzer haben diese falsche Identifizierung ungeprüft hingenommen. In den Urbaren Hermanns findet sich jedoch nichts, was die Vorlage für Aventins Notizen hätte sein können's, Vielmehr hatte er offenbar tatsächlich ein heute verlorenes Traditionsbuch des Klosters vor sich liegen, auf das sich Abt Hermann seinerseits für seine eigenen Arbeiten stützte, wenngleich er diese Vorlage an einer Stelle recht missverständlich als "Salbuch" charakterisierte'P, Trotz der beiden Hinweise bei Hermann und bei Aventin hat man lange Zeit sogar ganz an der Existenz eines solchen Traditionsbuchs gezweifelt, bis vor wenigen Jahren einige Fragmente davon in der Diözesanbibliothek von St. Pölten aufgefunden wurden, die (leider nur schlecht lesbare) Einträge aus dem späten 12. und frühen 13. Jahrhundert enthalten". Die Exzerpte Aventins bewahren somit den Inhalt von Niederaltaicher Traditionsurkunden, die ansonsten verloren und deshalb bis heute unbekannt geblieben sind. Es dürften an die dreißig Dokumente gewesen sein, die der Humanist für sein Dossier ausgewertet hat. Die genaue Zahl ist schwer zu bestimmen, da bei bloßen Namenaufzählungen nicht eindeutig zu sagen ist, ob sie aus einer oder aus mehreren Vorlagen genommen sind. Das Traditionsbuch selbst war zweifellos wesentlich umfangreicher. Aventin kam es anscheinend

11) von Giesebrecht W., MGH.SS 20, 1868, 773, wiederholt in Annales Altahenses maiores (wie Anm. 2) VI: "f. 1. Variae notae, praesertim ex libro traditionum ab Her-

manno abbate confecto". 12) Die Urbare Abt Hermanns von Niederaltaich (ed. J. Klose, QEBG, N. F. 43/1-2), München 2003. 13) Klose, Urbare (wie Anm. 12) 799: in libro nostro,quod diciiur salpuch. Vgl. den Kommentar ebd. 800. 14) KloseJ., Die Urkunden Abt Hermanns von Niederaltaich (1242-1273) (QEBG,N. F. 43/4), München 2010, 32·-34·. Zum älteren Forschungsstand vg!. Widemann J., Die Traditionen der bayerischen Klöster (ZBLG 1, 1928, 225-243, hier 233); Frhr. von

Reitzenstein W.-A., Die Überlieferung der Traditionen in Bayern und die Ortsnamenschreibung der Traditionen von Regensburg-St. Paul, in: Ortsname und Urkunde. Frühmittelalterliche Ortsnamenüberlieferung, hrsg. von R. Schützeichel, BNF, N. F., Beiheft 29, Heidelberg 1990,13--50,hier 18; Prinz M., Regensburg - Straubing - Bogen. Studien zur mittelalterlichen Namenüberlieferung im ostbayerischen Donauraum. 1. Teil: Unkomponierte Namen (Materialien zur bayerischen Landesgeschichte 20), München 2007, 62. Leidinger G., Fundationes monasteriorum Bavariae (NA 24,1899,671-717), verweist 693 fälschlich auf "Traditionsnotizen aus Niederaltaich", die in die Fundationes-Sammlung aus dem 14. Jahrhundert Eingang gefunden hätten, doch handelt es sich dabei vielmehr um Regesten von bekannten Königsdiplomen.

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vornehmlich auf die prominenten Personen an, die in den Urkunden genannt wurden, und so hat er offenbar nur eine kleine Auswahl von ihnen berücksichtigt. Jedenfalls kommen in den Exzerpten Herzöge und Grafen, Vögte und andere Hochadlige weitaus häufiger vor, als man es bei einem Traditionsbuch erwarten würde. Aventins Auswahl war somit durch seine besonderen historischen Interessen bedingt. Die Traditionsnotizen enthalten, wie es bei derlei Aufzeichnungen die Regel ist, keine Datierungen, so dass die zeitliche Einordnung meist nur ungefähr über die Amtszeiten der Äbte möglich ist, die aber ihrerseits teilweise unsicher sind15• Eine Ausnahme bilden die beiden ältesten Stücke (Nr. 10 und 11), die noch aus dem 8. Jahrhundert stammen und auf den Tag genau datiert sind. Sie sind offenbar der kleine Rest jenes umfangreicheren Urkundenbestandes, der am Ende dieses Jahrhunderts Abt Urolf als Grundlage für die Zusammenstellung eines Besitzverzeichnisses diente, das als "Breviarius Urolfi" in jüngeren Abschriften noch erhalten ist16• Der Großteil der von Aventin herangezogenen Urkunden stammt aber aus dem 10. und 11. Jahrhundert, die jüngste (Nr. 8) von der Mitte des 12. Jahrhunderts. Ein Ordnungsprinzip lässt sich in den Notizen nicht erkennen, weder ein chronologisches noch ein geographisches. Über die Anordnung der Urkunden in der Vorlage lässt sich folglich nichts aussagen. Überwiegend sind einfach die Namen von Äbten, Vögten, Tradenten und Traditionsobjekten aneinandergereiht, gelegentlich gibt Aventin auch eine Art Kurzregest zu der ihm vorliegenden Urkunde (Nr, 9, 10,12-15,19,23,25). Immerhin hat er anscheinend Wert auf eine genaue Übernahme der Schreibweise in der Vorlage gelegt. Eine Edition der Urkunden-Exzerpte ist mit diversen Schwierigkeiten verbunden. Da ist zunächst der simple Umstand, dass die flüchtig hingekritzelten Notizen Aventins teilweise nur schwer zu lesen sind". Da sie meistens keine vollständigen Sätze ergeben, sondern nur disparate Reihen von Namen und 15) Vg!. für die ältere Zeit Deutinger R, Äbte und Konvent des Klosters Niederaltaich in der Karolingerzeit (SMGB 117, 2006, 31~); für das 11. und 12. Jahrhundert Hemmerle J., Die Benediktinerklöster in Bayern (GermBen 2), Augsburg 1970, 193 und Stadtmüller G. - Pfister B., Geschichte der Abtei Niederaltaich, Augsburg 1971 (Grafenau 21986) 458, beide basierend auf Lackner J. B., Memoriale seu Altachae Inferioris Memoria Superstes ... , Passau 1779,61-68. Zur mangelnden Zuverlässigkeit vg!. am Beispiel Abt Liutpolds (111S-1131?) Mohr c., Die Traditionen des Klosters Oberaltaich (QEBG, N. F. 30/1), München 1979,94· Anm. 29. 16) Klose, Urbare (wie Anm. 12) 72S-759; vgl. Wanderwitz H., Quellenkritische Studien zu den bayerischen Besitzlisten des 8. Jahrhunderts (DA 39,1983,27-84, hier 59-66; TIefenbach H., Die Namen des Breviarius Urolfi, in: Ortsname und Urkunde. Frühmittelalterliche Ortsnamenüberlieferung, hrsg. von R. Schützeichei, BNF, N. E, Beiheft 29, Heidelberg 1990, 60-96, wieder abgedruckt in TIefenbach H., Von Mimigemaford nach Reganespurg. Gesammelte Schriften zu altsächsischen und althochdeutschen Namen, hrsg. von A. Greule - J. Riecke, Regensburg 2009, 163-208. Übrigens hat Aventin in seinen beiden Niederaltaich-Dossiers aueh Exzerpte aus diesem Breviarius gemacht: elm 966, fo!. 3r, und elm 1204, fol. 28v. 17) Unsichere Lesungen sind mit Fragezeichen versehen. Für Ratschläge bei heiklen

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des Klosters Niederaltaich

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begleitenden Informationen bilden, lässt sich der Sinn der Worte auch nicht ohne weiteres aus dem Zusammenhang erschließen. Bereits erwähnt wurde, dass nicht immer erkennbar ist, welche Namen überhaupt zusammengehören, ob sie also aus derselben oder aus verschiedenen Urkunden des Traditionsbuchs entnommen sind. Und schließlich ist eine Identifizierung der Orte und Personen nur in denjenigen Fällen eindeutig möglich, wo eine entsprechende Niederaltaicher Parallelüberlieferung vorliegt, bei den Orten etwa über den Breviarius Urolfi oder die Urbare des 13. jahrhundertsl'', bei den Personen über die Geschichte der Klostervögte aus der Feder Abt Hermanns'", Die folgende Edition kann aus all diesen Gründen nur vorläufigen Charakter beanspruchen; sie dient eher der erstmaligen Bekanntmachung des Texts als seiner erschöpfenden Behandlung.

1. Ellisa Truta suum [?] proprium Gepa Frideburch

2. Rutberto20 abbate nobilis matrona Liutpurch21 filiae Imiza Enziwib Liuza 3. Hizila de Helmgersperg22 Morr ... e [?] propriam [?] vin[eam?] 4. villa Tagoberteshusen 23 Engila Engilhard 5. Hazaga Suanchilt Engiza 6. Tekkenaw24

18) 19)

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Transkriptionsfällen danke ich Martin Wagendorfer (München/Wien) und Roman Zehetmayer (St. pölten). Wie Anm. 16 und 12. De advocatis Altahensibus (ed. Ph. Jaffe, MGH.SS 17, 1861, 373-376); dazu Piendl M., Die Grafen von Bogen. Genealogie, Besitz- und Herrschaftsgeschichte. I (lahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 55,1952,25-82, hier 29-31); Störmer W., Früher Adel. Studien zur politischen Führungsschicht im fränkisch-deutschen Reich vom 8. bis 11. Jahrhundert (Monographien zur Geschichte des Mittelalters 6), Stuttgart 1973,449--451; Wattenbach W. - Schmale F.-J., Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Vom Tode Kaiser Heinrichs V. bis zum Ende des Interregnum, Bd. 1, Darrnstadt 1976, 185 f.; Loibl R., Der Herrschaftsraum der Grafen von Vombach und ihrer Nachfolger. Studien zur Herrschaftsgeschichte Ostbayerns im hohen Mittelalter (Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Reihe 11,Heft 5), München 1997, 226-234. Abt Rupert (1100-1118). Om 1204, fol. 27v hat Aventin im Niederaltaicher Abtkatalog (ed. Ph. Jaffe, MGH. SS 17, 366-368) dem Namen Rupertus hinzugefügt: Liutpurch /ilia Imiza Aschvin 1100. Zum Vogt Aschwin siehe unten Anm. 69. Markt Hengersberg (Lkr. DeggendorO. Tabertshausen (Gem. Aholming, Lkr. DeggendorO. Vgl. Klose, Urbare (wie Anm. 12) 103-106 Nr. 66-81 u.ö, Deggenau (Stadt DeggendorO.

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Roman Deutinger

7. Liutpoldo25 abbate Adalpertus2h adtxxatus 8. Pertholdus27 comes advocatus Vdalschalco28 abbate (1110 Regnanie Henrico epistola super aram sancti Petri Hierusalem scripta tabulis marmoreis descendit. Angelus eam tenuit, ut fulgur emicabat de eo. Saracenis traditurum Judeos, quia non scierunt [?] legem et diem dominicam) 9. Agilolfus29 abbas advocatus Rafoldus30 Eklcihart minister duds Arnulfi31 qui dat Wehzinpach 32 filius Cerolt 10. Wolfpertus33 abbas Maeiol consensu Thassilonis34 dat Altdorpf35 iuxta curte publica Feterah 36. Actum Ergeltinga 37 Thassilonis regno 42 3 id. Aprilis 38

25) Abt Liutpold (1118-1131). 26) Graf Albert I. von Bogen (t 1144/46). Vgl. De advocatis (wie Anrn. 19) 373 Z. 31:

tuit advocatus Altahensis ecc/esie tempore Liupoldi et Adalfridi et Ruperti et Gerhardi abbatum; zur Person Piendl, Grafen (wie Anrn. 19) 53 f.; Tyrol1er F., Genealogie des alt-

27) 28) 29) 30)

31) 32) 33) 34) 35) 36)

37) 38)

bayerischen Adels im Hochmittelalter, in: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, hrsg. von W. Wegener, Göttingen 1962,45-611, hier 240 Nr. 17. Graf Berthold 11. von Bogen (t 1167); zur Person Piendl, Grafen (wie Anm. 19) 57 f.; Tyroller, Genealogie (wie Anrn. 26) 241-244 Nr. 24. Abt Udalschalk (2. Hälfte 12. ]h.). Abt Egilolf (vor 929 bis nach 932). Vgl, De advocatis (wieAnrn. 19) 373 Z. 17f.: Tempore Amoldi ducis et Agilolfi abbatis Rtlffoldus [uit advocatus ecc/esie Altahensis. Zur Person vgl. spekulativ Mitterauer M., Karolingische Markgrafen im Südosten. Fränkische Reichsaristokratie und bayerischer Stammesadel im österreichischen Raum (Archiv für österreichische Geschichte 123), Wien 1963, 150f. und 237. Herzog Arnulf von Bayern (907/22-937). Wetzenbach (Gern. Schaufling, Lkr. Deggendorf); vgl, Klose, Urbare (wie Anm. 12) 253Nr.64. Abt Wolfbert (vor 777 bis nach 789). Herzog Tassilo Ill. (748-788). Markt Altdorf (Lkr. Landshut), Pfettrach, linker Nebenfluss der Isar, bzw. der Ort Pfettrach (Markt Altdorf, Lkr. Landshut): vgl. Klose, Urbare (wie Anrn. 12) 752 Nr. 43: Meiol, Eigil, Cvndpald tradiderunt hereditatem suam in loco, qui dicitur Phetarah. Durch die Angabe des Traditionsbuchs dürfte die Identifizierung des Schenkungsortes mit dem niederbayerisehen Pfettrach gesichert sein; vgl. die Diskussion in Klose, Urbare (wie Anm. 12) 743£. zu Nr. 22. Markt Ergolding (Lkr. Landshut). 789 April 11. Vgl. Klose, Urbare (wie Anm. 12) 801 Nr. 2: Item anno ducatus predicti

Thassylonis ducis XXXO et etiam XL ono exstitit Wolfpertus abbas.

Aus dem verlorenen Traditionsbuch

des Klosters Niederaltaich

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11.6 anno Thassiionis'" Ebersindus.w abbas Hiltrulach41 in pago Quinzingova42 13 kl.lunias43 12. Henricus 44 dux Carinianorum (dat Tekinpach 45), filius Bertholdi46 ducis, adoocatus monasierii Chunradus47 Quonrati, is obiit 98948 id. (?1 Cozotting'" 13. Chuniprecht in Aschaso dat vineam in manum Friderici51 archiepiscopi Sal. in manum Cuonrati52 monastcrii advocati, Quunibertus 14. Wihlanus [?1 dat Munt53 Paizunhusen [?154 in manus Henrici55 ducis et advocati Uuasigrimi56 39) Herzog TassiIo Ill. (748-788). 40) Abt Eberswind (vor 748 bis nach 762). 41) Nicht bestimmbar, vgl. jedoch Klose, Urbare (wie Anm. 12) 754 Nr. 51: Pepo tradidit hereditaiem suam in loco, qui diciiur Hiltirohersdorf. Falls tatsächlich derselbe Name gemeint ist, handelt es sich um einen abgegangenen Ort nahe Ettling (Gern. Wallersdorf, Lkr. Dingolfing-Landau); vgl, den Kommentar ebd. 42) Künzinggau. 43) 753 Mai 20. 44) Heinrich, Herzog von Kärnten 97~978 und 985-989, Herzog von Bayern 983-985. 45) In Degernbach (Stadt Bogen, Lkr. Straubing-Bogen) besaß das Kloster später nur einige Zehnten, in Degembach (Stadt Pfarrkirchen, Lkr. Rottal-Inn) hingegen einen ganzen Hof und eine Mühle, so dass letzteres eher in Frage kommt; vgl. Klose, Urbare (wie Anm. 12) 607 Nr. 23, 609 Nr. 35 und 632 Nr. 26. 46) Herzog Berthold von Bayern (938-947). 47) Vg!. De advocatis (wie Anm. 19) 373 z. 20 f.: Tempore canonicorum et Perhtoldi ducis

fuit Chunradus advocatus. 48) Das Todesjahr bezieht sich anscheinend auf Herzog Heinrich, der tatsächlich in diesem Jahr starb. 49) Eher Gosselding (Markt PiIsting, Lkr. Dingolfing-Landau) als Gosselding (Markt Buchbach. Lkr. MühldorO oder Gutzlstang (heute Unterstuben, Markt Reisbach. Lkr. Dingolfing-Landau), wie vorgeschlagen von Förstemann E. - [ellinghaus H., Altdeutsches Namenbuch, Bd. 2/1, Bonn 3. Aufl. 1913, 1021. Der Ort fehlt in den Urbaren des 13. Jahrhunderts, erscheint aber 1004 als Niederaltaicher Besitz; vgl, Die Urkunden Heinrichs Il, und Arduins (ed. H. Bresslau u.a., MGH.DRG 3, 1903) 114 Nr. 90 und 115 Nr. 91. SO) Markt Aschach an der Donau (Bez. Eferding, Oberösterreich). Vgl. Klose, Urbare (wie Anm. 12) 51~518 Nr. 449--468. 51) Erzbischof Friedrich I. von Salzburg (958-991). Er hatte das Kloster zeitweise als Lehen inne, vg!. Wolfher, Vita Godehardi posterior c. 4 (ed. G. H. Pertz, MGH.SS 11, 1854,199): Eo tempore beatus vir Fridericus luvavensis episcopus idem monasierium bene-

ficii causa gubernavit tempore Heinrici duds prioris. 52) Siehe oben Anm. 47. 53) So hat Aventin eindeutig geschrieben. Ist vielleicht der Abtname Ratmund (10271049) zu lesen? 54) Vermutlich Petzenhausen (Markt PiIsting, Lkr. Dingolfing-Landau). 55) Wenn die Tradition in die Zeit des Abtes Ratmund fällt (siehe oben Anm. 53), ist Herzog Heinrich VD. 0027-1047) gemeint. 56) Vg!. De advocatis (wie Anm. 19) 373 Z. 21: Heinricus dux habuit Waesigrimum advoca-

tum.

Roman Deutinger

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15. Heriprecht vulgo Heze di[aconus?] Tutono57 episcopo dat Madalgeresdorf58 adoocatus Perahtholdust" 16. Chunipertus'v abbas advocatus Albricus61 17. Henricus nobilis vir de Sunzing62 Harduuich63 comes palatii Harduuich comes de Pahha [?]64 Marcward lringi filius 18. Udalrich 65 comes filius Meginhardi66 Fridericus advocatus 19. Walkero67 abbate Hizila nobilis femina cum filio Ratoldo dat Ekking68 filii Aribo et Hartman oceisi Ascwinus

69

advocatus

57) Bischof Tuto von Regensburg (893-930). Vielleicht hatte er, wie später Friedrich von Salzburg, das Kloster als Lehen inne? 58) Malgersdorf (Lkr, Rottal-Inn); vg!. Klose, Urbare (wie Anm. 12) 766 Nr. 7. 59) Vg!. De advocatis (wie Anm. 19) 373 21 f.: Tuto episcopus habuit Perhtoldum advocaturn. Angesichts der Zeitstellung könnte Berthold, der jüngere Bruder Herzog Arnulfs und spätere Herzog (938-947), gemeint sein. 60) Abt Kunibert (vor 947 bis vor 963). 61) Vg!. De advocatis (wie Anm. 19) 373 Z. 18f.: Tempore Chuniberti abbatis et Perhtoldi ducis fuit Albricus advocatus. Zu diesem Vogt, der vermutlich mit dem gleichnamigen Vetter Herzog Arnulfs identisch ist, vgl. Mitterauer, Markgrafen (wie Anm. 30) 237f. 62) Sunzing (Gem. Leiblfing, Lkr. Straubing-Bogen), 63) Hartwig I. (t um 985) oder Hartwig Il, (t 1027)? Vgl. Tyroller, Genealogie (wie Anm. 26) 56 f. Nr. 10 und 58 Nr. 17, sowie neuerdings Paulus Ch., Das Pfalzgrafenamt in Bayern im Frühen und Hohen Mittelalter (Studien zur bayerischen Verfassungs- und Sozialgeschichte 25), München 2007, 199-207 und 226-231. 64) Falls man das vorausgehende de als dedit zu lesen hat, vielleicht Obem-/Untembach (Gem. Auerbach, Lkr. DeggendorO; vgl. Klose, Urbare (wie Anm. 12) 253 Nr. 65. 65) Graf Ulrich 11. von Formbach bzw. von Wmdberg-Radlberg (t 1097); vgl. Loibl, Herrschaftsraum (wie Anm. 19) 373 f. 66) Graf Meginhard von Formbach (t 1066); vg!. Loibl, Herrschaftsraum (wie Anm. 19) 371f. 67) Abt Waltker (1068-1098). 68) Ecking (Gem. Iggensbach, Lkr. DeggendorO; vg!. Klose, Urbare (wie Anm. 12) 304 Nr.98. 69) Vg!. De advocatis (wie Anm. 19) 373 Z. 26f.: Aschwinus auiem, comes de Bogen, fuit

z.

tempore Heinrici quarti et Adalhardi, Wenzlai et Walckeri abbaturn advocatus Altahensis ecdesie; zur Person Piendl, Grafen (wie Anm. 19) 30-35; Mohr, Traditionen Oberalteich (wie Anm. 15) 12~-132·; Holzfurtner L. - Piendl M., Mitterfels. Die Pfleggerichte Mitterfels und Schwarzach und die Herrschaften Falkenstein. Brennberg und Siegenstein (Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern 62), München 2002, 19-23.

Aus dem verlorenen Traditionsbuch

20. Ruperius

70

abbas adtxxatus Adalberlus

des Klosters Niederaltaich

215

71

21. Gotehardo72 abbate Asquill73 nobilis vir filius eius Adalprecht Megillhardus74 advoeatus advocatus p. [?] Rutperlus75 22. Raimundus 76 abbas Ulricus 77 advoeatus er nobili [?] comi Marcquardus advocatus

[?]

praetor urbanus

23. Eo abbate78 nobilis Sigilzart filius Willihalmi comitis 2 uineas ad Ascahe79 tradit fratribus Gerolle et Poppolle contradicentibus ill mallum advocati Ruoperti'" et filius suus Wrnzezlaus fieret [?] monachus 24. Tagopertus et Adalger ea quae [?] quidam

[?]

25. AlaTUIlQoineam ad Aschahe81 uxor Willehalmi filii eius Reginoldus et Marchwardus

70) Abt Rupert (1100-1118). 71) Graf Albert I. von Bogen (t 1144/ 46); siehe oben Anm. 26. 72) Abt Gotthard (996-1022). 73) Zu diesem älteren Aschwin vgl. Piendl, Grafen (wie Anm. 19) 50; Holzfurtner Piendl, Mitterfels (wie Anm. 69) 24 f. 74) Vg!. De advocatis (wie Anm. 19) 373 Z. 22f.: Tempore sanet; Godehardi abbatis Meinhart et Ruprehi fuerullt advocati ecclesie. Zur Identifizierung Meginhards mit dem 1066 verstorbenen Grafen von Formbach vgl. Loibl, Herrschaftsraum (wie Anm. 19) 140. 75) Vgl. De advocatis (wie Anm. 19) 373 Z. 23f.: Tempore Raimundi abbatis fuerunt advoeati ecclesie Rutpertus, Udalricus comes et Marquardus. Nach Tyroller, Genealogie (wie Anm. 26) 165 Nr. 2 und Störmer, Früher Adel (wie Anm. 19) 451 ist dieser Rupert identisch mit dem gleichnamigen Burggrafen von Regensburg, belegt ea. 990 bis ca. 1035. 76) Abt Ratmund 0027-1049). 77) Graf Ulrich von Formbach (t nach 1048); vgl. Loibl, Herrschaftsraum (wie Anm. 19) 372 und oben Anm. 75. Der Titel praetor für einen Burggrafen ist ungewöhnlich, aber nicht singulär; vg!. etwa Die Traditionen des Hochstifts Regensburg und des Klosters St. Emmeram (00. J. Widemann (QEBG, N. F. 8, München 1943, Nr. 650 von 1080/88). Clm 1204, fol. 27v hat Aventin im Niederaltaicher Abtkatalog (ed. Ph. laffe, MGH.SS 17, 1861, 366-368) dem Namen Ratmundus hinzugefügt: Ulricus

praetor urbanus. 78) 79) 80) 81>

Abt Ratmund 0027-1049). Markt Aschach an der Donau: siehe oben Anm. 50. Siehe oben Anm. 74 und 75. Markt Aschach an der Donau; siehe oben Anm. SO.

Roman Deutinger

216

26. Abbate Ratmundo82 Uota83 soror Hermanni=

et

Ekkihardi8S marchionum

27. Adalhardus86 abbas advocatus Marchward 28. 1040 Aschwin

87

quoque [?] advocatus

29. Christina88 uxor Friderici'" comitis alius maritus Geroldlls90 comes Ex libro traditionum Nidernaltach

Aventin war im Sommer 1517 nicht der letzte, der das Traditionsbuch gesehen hat. Auch im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts gibt es noch Spuren seiner Benutzung. So hat der protestantische Kirchenhistoriker Kaspar Brusch (1518-1559) Niederaltaich im Jahr 1552 besucht und sich dort Notizen für eine umfassende Geschichte der deutschen Klöster gemacht, die allerdings ein Torso geblieben ist. Die Niederaltaich betreffenden Passagen wurden erst lange nach seinem Tod veröffentlicht?', Für seine Darstellung hat Brusch offensichtlich auch das Traditionsbuch ausgewertet, allerdings noch weniger systematisch als Aventin. Aus dieser Vorlage sind zweifellos folgende vier Nachrichten entnommen'F:

82) Abt Ratmund (1027-1049). 83) Tochter Markgraf Ekkehards. I. von Meißen, 1018 verheiratet mit Herzog Boleslaw I. Chrobry von Polen (t 1025), weitere Lebensdaten unbekannt; vgl, Rupp G., Die Ekkehardiner. Markgrafen von Meißen und ihre Beziehungen zum Reich und zu den Piasten (Europäische Hochschulschriften Ill/691), Frankfurt am Main u.a. 1996,201 f. 84) Markgraf Hermann I. von Meißen (1009-1038). 85) Markgraf Ekkehard IT.von Meißen (1038-1046). 86) AbtAdalhard (1055-1062). 87) Siehe oben Anm. 73. 88) Vermutlich die Gründerin des Klosters Asbach (um 1090), vgl, Geier J., Die Traditionen, Urkunden und Urbare des Klosters Asbach (QEBG, N. F. 23), München 1969,23·-29·. 89) Vermutlich der gleichnamige "Eppensteiner" (t um 1060); vg!. Tyroller, Genealogie (wie Anm. 26) 112 Nr. 14. 90) Vermutlich der gleichnamige Graf im Rottachgau
Aus dem verlorenen Traditionsbuch

des Klosters Niederaltaich

217

1. Wolffbertus93 secundus, huic dedit cum consensu Thassilonis Nobilis Principis Mariol quidam tnllulam Altorph juxta fluenta Feterah, a patre moriente sibi relictam, anno Regni Thassilonis 42. 2. Cnunibertus'" habuit beneiicam foeminam quandam ingenuam Radgardim, quae dedit Mülilldorphium9S• 3. Diotmarust" ... Consecuius est Tegenbachiumt? a Conrado quodam liberohomine. 4. Rupertus98 donatur a Pezaph quadam muliere et ejus filia Enzibele.

Nach Aventin und Brusch hat anscheinend noch ein dritter Gelehrter das Traditionsbuch benutzt. Im Jahr 1585 verfasste der Niederaltaicher Prior und spätere Propst von Rinchnach Matthias Aubele (t 1605) einen Katalog der Äbte von Niederaltaich mit teilweise recht detaillierten Nachrichten zu ihrem WIrken. Ähnlich wie dreihundert Jahre vor ihm Abt Hermann stellte er dabei mehrfach die Namen der Vögte fest, die den einzelnen Äbten zuzuordnen waren. Da keine der Angaben Aubeles sich in der Vogtreihe Hermanns findet, diese also als Vorlage ausscheidet, hat er das Traditionsbuch anscheinend direkt ausgewertet, wenngleich nur ganz sporadisch und inkonsequent. Vielleicht war es zu seiner Zeit schon nicht mehr vollständig; nach ihm fehlen jedenfalls weitere Hinweise auf eine Kenntnis der Quelle. Alle späteren Hauschronisten haben lediglich die Informationen aus Aubele übernommen. Direkt oder indirekt aus dem Traditionsbuch stammen vermutlich folgende Angaben in der Chronik Aubeles von 158599:

93) Abt Wolfbert (vor 777 bis nach 789). Einen Abt Wolfbert 11. hat es nie gegeben, vgl. Deutinger, Äbte (wie Anm. 15) 33 und 36f. Zur ganzen Notiz vgl. Aventin, Exzerpt Nr.10. 94) Abt Kunibert (vor 947 bis vor 963). 95) Nicht sicher bestimmbar; Klose, Urbare (wie Anm. 12) 537 Nr. 41 identifiziert einen Ort, der in den Urbaren des 13. Jahrhunderts MU/dort heißt, hypothetisch mit Frauenmühle (Stadt und Lkr. Regen). 96) Abt Dietmar I. 0049-1055). 97) Degembach, siehe Aventin, Exzerpt Nr. 12. 98) Abt Rupert (1100-1118). Die beiden Frauennamen scheinen verlesen. 99) Fundacio Coenobü Celeberrimi Inferioris Altahae nee non Abbatum omnium qui in eodem vixerunt brevis commemoratio ac descriptio ... A Fratre Matthia Aubele Conventuali ac pro tempore Priore indigno collecta Anno Domini MDLXXXV. Benutzt ist das Exemplar München, Bayerische Staatsbibliothek, elm 27126; ein weiteres findet sich in Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 11090. Zum Werk vgl. nur knapp Stadtmüller - Pfister, Geschichte (wie Anm. 15) 210 und 447.

Roman Dentinger

218

fol.11v 1. Grimaldus

2. Cunibertus

100.

101.

Conradus Advocatus R1lfoldus102 Advocatus

fo1. 20 v

3. Luitpoldus

103.

Albertus

104

Advocatus

fol.22v

4. Diethericus Gerhardus lOS Berchtoldus 106 Comes advocatus

Zwar sind die verschiedenen Exzerpte aus dem verlorenen Niederaltaicher Traditionsbuch bislang von der historischen Forschung übersehen worden, ihr Inhalt war aber teilweise bereits bekannt, hatte doch schon Abt Hermann von Niederaltaich dasselbe Material für seine Geschichte der Klostervogtei ausgewertetl'", Gerade die Namen der Vögte des 10. und 11. Jahrhunderts kehren folglich in allen Aufzeichnungen wieder. Dennoch bieten vor allem Aventins Notizen zahlreiche neue Informationen, die für diese nicht gerade quellengesättigte Zeit hochwillkommen sind. So erfahren wir hier beispielsweise erstmals von einem minister Herzog Arnulfs (t 937) namens Ekkihart sowie von einer Schenkung Herzog Heinrichs Ill. von Bayern und Kärnten (t 989) an das Kloster und somit etwas über die Machtgrundlagen der Liutpoldingerfamilie. Wenn Matthias Aubele richtig exzerpiert hat, dann ist schon für die Mitte des 9. Jahrhunderts ein Vogt nachgewiesen, also deutlich früher als bisher bekannt. In mehreren Fällen ist nunmehr zu erkennen, wie Niederaltaicher Besitz, den man aus späteren Urbaren kennt, an die Abtei gekommen ist, und zu einigen Orten findet sich in den Traditionen der früheste urkundliche Beleg. Vor allem aber bieten die Exzerpte Material zur Genealogie und Besitzgeschichte verschiedener bayerischer Hochadelsfamilien, die in irgendeiner Form mit dem Kloster in Verbindung standen, sei es als Vögte, sei es als Schenker. Man sieht schon an diesen Beispielen, dass eine Auswertung der Traditionsnotizen in vielerlei Hinsicht möglich ist. Um so mehr wird man es künftig bedauern müssen, dass das Original des Niederaltaicher Traditionsbuchs, das ungleich mehr an Information geboten hätte, unwiederbringlich verloren ist. 100) Abt Grimald (nach 851 bis vor 857 oder eher nach 864bis 872). 101) Abt Kunibert (vor 947 bis vor 963). 102) Siehe Aventin, Exzerpt Nr. 9, wo der VogtRaffold Kuniberts Amtsvorgänger Egilolf (vor 929 bis nach 932) zugewiesen ist. 103) Abt Liutpold (1118-1131). 104) Graf Albert I. von Bogen (t 1144/46). SieheAventin, Exzerpt Nr. 7. 105) Die Äbte Dietrich und Gerhard amtierten Mitte 12 Jahrhundert. 106) Graf Berthold H. von Bogen (t 1167). Siehe oben Anm. 27. 107) Siehe oben Anm. 19.