SYNOPSIS Das Evangelium nach Markus, das - Francesco Carotta

SYNOPSIS Das Evangelium nach Markus, das - Francesco Carotta

V* __________________________________________________ SYNOPSIS Das Evangelium nach Markus, das vermutlich älteste, fängt grosso modo mit der Taufe J...

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V* __________________________________________________

SYNOPSIS

Das Evangelium nach Markus, das vermutlich älteste, fängt grosso modo mit der Taufe Jesu am Jordan an und endet mit Christi Kreuzigung und Grablegung. Nach unserer Parallelstellung würde es heißen, dass die Vorlage des Markus von der Überschreitung des Rubicons bis zur Ermordung und Beisetzung Caesars reicht. Das entspricht dem Schema der Historiker, für die der Beginn des Bürgerkrieges einen klaren Einschnitt darstellt, während kurz nach den Iden des März alle Berichte, sowohl der Biographen als auch der Chronisten, enden.557 Zum Zweck einer genaueren Bestimmung lässt sich folgendes beobachten: Vor der Taufe Jesu558 bringt Markus die Tauftätigkeit des Johannes;559 das würde heißen, dass die Vorlage des Markus mit den Aushebungen des Pompeius anfing. Markus’ Bericht endet – vom falschen Schluss abgesehen 560 – mit dem abgewälzten Grabstein und der Stätte seiner Auferstehung. Die Parallele bei Caesar ist die Errichtung eines Altars an seiner Verbrennungsstätte, der unmittelbar darauf von den Konsuln umgestürzt wurde.561 Zeitlich ging also Markus’ Vorlage vom 1. Januar 49 bis kurz nach den Iden des März 44. Inwieweit Ereignisse, die nach den Iden stattfanden, punktuell dazu genommen wurden, wird sich im Detail herausstellen. Mutatis mutandis enthält Markus in erster Annäherung den Stoff von Buch II der Bürgerkriege Appians, von den Büchern 41 bis 44 der Römischen Geschichte von Cassius Dio bzw. von 28 bis 69 des Caesar von Plutarch und von 30–36 sowie 78–89 von Suetons Divus Iulius. Caesars De bello civili, das auch am 1. Januar 49 anfängt, aber kurz nach Pompeius’ Tod endet, deckt also Markus’ Anfang bis kurz nach dem Ende des Täufers.562 Die beiden anderen Synoptiker Lukas und Matthäus enthalten bekanntlich außer dem parallelen Stoff zu Markus, den sie in unterschiedlichem Maß als *

Kapitel des Buches Caesar: der historische Christus – Eine Ermittlung, Kirchzarten 2016 – überarbeitete und erweiterte Ausgabe von War Jesus Caesar? München 1999. © 1999–2016 Francesco Carotta, Kirchzarten. Online gestellt am 29. Oktober 2016. Letzte Aktualisierung: 4. Dezember 2016.

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Basis und Leitfaden nehmen, Sondergut, teils gemeinsames – die sogenannte Quelle Q –, teils jeweils eigenes. Das Auffälligste an diesem Sondergut ist die Kindheitsgeschichte Jesu, die vor den von Markus geborgten Stoff gelagert wird, hinzu treten Reden Jesu, zum Teil auch des Johannes, bei Matthäus auch weitere Wunder. Johannes, der unabhängig von Markus und folglich auch von Matthäus und Lukas ist, fängt gleichwohl auch mit der Tauftätigkeit seines Namensvetters an. An das Ende jedoch hängt er den Ansatz einer Geschichte des Wiederauferstandenen, die stärker ausgebaut ist als bei Markus’ falschem Schluss und wohl dessen Muster darstellt. Darüber hinaus führt er eigene Reden auf. Die Kindheitsgeschichte Caesars ist uns nicht erhalten, auch scheint sie keine große Rolle gespielt zu haben, denn es finden sich auch sonst kaum Hinweise darauf.563 Dafür findet man jene des Augustus ausgiebig bei Cassius Dio, der den Taten des neuen Caesars – Octavians – seine kurze Kindheitsgeschichte vorausschickte. Diese, für Caesars eigene Kindheitsgeschichte gehalten, wäre dann an den Anfang der Evangelien von Matthäus und Lukas gerückt. Dies folgt dem Schema der Kaiserbiographie von Nikolaus von Damaskus. Nikolaus erzählt nämlich zuerst die Kindheit des jungen Caesars – Octavians – bis zur Ermordung Caesars – des großen –, fügt dann einen Exkurs über die Verschwörung gegen Caesar und dessen Ermordung ein, um schließlich mit der Geschichte Caesars – des neuen, d. h. wieder Octavians – fortzufahren. Daraus ließe sich übrigens die auffällige Lücke im Leben Jesu erklären, die zwischen Kindheitsgeschichte und öffentlichem Auftritt als fertiger Mann klafft. Wir hätten also die Vorlage für die Kindheitsgeschichte Jesu nach Lukas und Matthäus sowie die ausgebaute Geschichte des Wiederauferstandenen nach Johannes in der Biographie des Augustus zu suchen. Die vermuteten Logia Jesu, die verlorene Sprüchesammlung, die nach der Zweiquellentheorie neben dem Urmarkus und mündlicher Tradition als zusätzliche Quelle Q für die Synoptiker gedient haben soll, könnte man theoretisch in einer Sammlung von Sinnsprüchen Caesars suchen, nach dem Muster der von ihm selbst verfaßten Dicta collectanea. In der Praxis wird man im De bello civili schauen, das Reden Caesars enthält.564 Genauer wird man im reichen anekdotischen Material suchen dürfen, das Sueton in den Kapiteln 37 bis 77 seiner erwähnten Caesarbiographie verarbeitet hat. Interessant wird auch zu sehen sein, ob die von Cassius Dio rhetorisch ausgefeilten Reden

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möglicherweise den Stoff für die Reden bei Matthäus und Lukas geliefert haben. Die Geschichte des Sieges Caesars im Bürgerkrieg und seiner Ermordung, die wir als Vorlage für das Evangelium unterstellen, muss gewisse biographische Züge gehabt haben, denn solche sind bei Markus zu beobachten, wie wir sahen. Angesichts seines Anfangs – 1. Januar 49 – müssen wir aber für Markus eine annalistische Quelle vermuten, wie bei Appian. Für die anderen Synoptiker wurde die annalistische Quelle mit sachlich geordneten Themen und rhetorisch geschmückten Reden durchdrungen, wie bei Cassius Dio; dazu sind eine Anekdoten- und Sprüchesammlung wie bei Sueton, Anleihen aus Caesars eigenen Werken, aus der Vita Augusti, insbesondere aus Octavians Kindheitsgeschichte, anzunehmen. Für Johannes gilt prinzipiell dasselbe wie für Markus, wenn auch im johanneischen Text das Mündliche zu überwiegen scheint, während die Ideologie jener des Nikolaus von Damaskus nahe steht. Für Markus ist demnach die Quelle in den Historiae des Asinius Pollio zu suchen. Diese sind verloren, dienten jedoch als Quelle für die anderen Historiker, denn Asinius war, wie wir sahen, Augenzeuge des ganzen Bürgerkriegs gewesen, galt als sehr kritisch, auch seinem Caesar gegenüber, und war als Stifter der ersten öffentlichen römischen Bibliothek – mit griechischer und lateinischer Abteilung – bestens informiert. Besonders getreu findet man Asinius Pollio in Appians Bellum civile565 wieder, unter den Biographen bei Plutarch, der aber dazu auch andere Quellen benutzte. Als zusätzliche Quelle für Lukas, Matthäus und möglicherweise auch Johannes käme theoretisch auch Livius in Frage, Freund des Augustus, Sympathisant des Pompeius und des Senats, mit seinem literarischen Habitus, aber auch seinen Übersetzungsfehlern, chronologischen Unstimmigkeiten, seiner geographischen Unkenntnis und seinem Mangel an militärischem und politischem Sachverstand. Auch sein Werk ist wie das des Asinius Pollio so gut wie verloren (für die in Frage kommende Periode sind nur Auszüge erhalten), es scheint aber von Cassius Dio benutzt worden zu sein, so dass auch hier ein indirekter Vergleich möglich ist. Dann haben wir Sueton, mit seiner der Unterhaltung dienenden Tendenzlosigkeit und Neugier, seinem Realismus und der Vorliebe für Fakten, Anekdoten, Klatsch und allzumenschliche Züge, der weniger Geschichte als Hagiographie betreibt. Was seine Quellen angeht, ist er ein Eklektiker, gilt jedoch als gut informiert und solide. Da er lateinisch schrieb, ist er uns mit Caesars eigenem Bericht unersetzlich, denn Asinius Pollio und, was

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die uns interessierende Periode angeht, auch Livius sind heute nur indirekt und nur in griechischer Zweitnutzung zugänglich. Interessant ist auch Velleius Paterculus mit seinem sehr knappen lateinischen Überblick über die römische Geschichte. Seine tiberische, postaugusteische Tendenz ist als Gegenaltar zu den vorigen interessant. Bei ihm fehlt zum Beispiel jegliche Erwähnung von Caesars Beisetzung, nur der post festum in Rom eintreffende Octavian ist wichtig. Andere Autoren kommen nur punktuell in Frage. Als Quelle für den Urjohannes schließlich könnten wir den hinter Nikolaus von Damaskus stehenden Augustus selbst vermuten,566 mit seiner Autobiographie und seiner dynastischen Sicht der Geschichte seines Adoptivvaters Caesar. Da uns aber Nikolaus von Damaskus nur bruchstückhaft, die Commentarii de vita sua des Augustus bis auf ein Fragment überhaupt nicht erhalten sind, sind wir auf indirekte Vergleiche und die bereits genannten Quellen angewiesen. Alle Evangelisten müssen jedoch primär auf Asinius Pollio zurückgehen, denn wie wir sehen konnten, enthalten sie alle vier die Anekdote vom «losgebundenen» Esel bzw. Eselsfohlen, ergo kam in ihrer Vorlage bei allen der «Legat» Asinius Pollio vor. Als nach Sizilien abgesandt, kommt Asinius bei Appian, Plutarch und Sueton vor, nicht jedoch bei Cassius Dio. Er kann bereits bei Livius gefehlt haben, der ihn, vielleicht um Octavian zu gefallen, ausgelassen hat, weil Asinius als Antonianer galt. Das Sondergut, das Matthäus und Lukas jeweils ergänzend zu Markus dazu bringen, kann auch aus Asinius Pollios Historiae kommen, aber aus einer früheren Zeitspanne als die begrenzte der evangelischen Handlung, 49– 44 v. Chr. So hätten Anekdoten, die auf ein Geschehen vor 49 oder nach 44 Bezug nehmen, an jeweils passender Stelle ihren Platz gefunden. Ähnliches könnte dann auch für Johannes gelten. Aus dem genannten Grund, dass Asinius Pollio für Marcus Antonius war, also zuerst gegen Octavian, passt er jedenfalls auch ideologisch als Quelle für Markus, bei welchem Petrus gut abschneidet und dessen Konkurrent in der Erbnachfolge – Johannes der Lieblingsjünger – nicht einmal auftaucht. Denn nach unserer Parallelstellung entspricht Simon Petrus dem Marcus Antonius (in tandem mit Lepidus) und Johannes dem jungen Caesar, d. h. Octavian Augustus. Bei Markus schneidet Petrus gut ab, bei Johannes eben Johannes. Bei Johannes allein wird Johannes, der Jünger, unter dem Kreuz als Erbe eingesetzt, ja sogar an Jesu Stelle:

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«[…] spricht er zu seiner Mutter: ‹Weib, siehe, das ist dein Sohn!›»567

Jesus adressiert sie hier nicht mit dem erwarteten «Mutter», sondern mit «Weib», gr. gynai, was auch «Frau», «Ehefrau» bedeutet. Das ist korrekt: Sie war Calpurnia, seine – i. e. Caesars – Frau, die dadurch zur Mutter des postum adoptierten Sohnes Octavian wurde, des neuen Caesars, des auferstandenen Jesus. Das passt zur Ideologie des Octavian Augustus, der sich als adoptiver Sohn auch als Alleinerbe ansah, und die nicht zufällig sich pari pari im Johannes Evangelium wiederfindet, welches den Anspruch des Sohnes enthält, dass alles, was des Vaters ist, auch ihm gehöre: «Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben»; «Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat»; «Alles, was mir gehört, gehört auch dir, und was dir gehört [Vater], gehört auch mir»; u. a. 568

Auch der Unterschied, den Johannes zwischen dem Vater und dem Sohn zieht: «Denn der Vater richtet niemand; sondern alles Gericht hat er dem Sohne gegeben.» 569

– spiegelt genau die Clementia des Vaters Caesar wider, der nicht einmal die Feinde verurteilte, wovon der Sohn Abstand nahm, indem er gegen die Mörder seines Adoptivvaters Rache übte, was ihm als Sohn nach alter Sitte zustand und oblag.570 Bei Markus fehlen die Stellen aus gutem Grund: Das passte nämlich dem Marcus Antonius nicht, denn zuerst hatte er der Amnestie für die Mörder zugestimmt und sich dann lange geweigert, als flamen Divi Iulii zu inaugurieren, damit Octavian nicht als Divi filius auftreten konnte. Johannes dagegen hat nicht nur sie, sondern auch andere Stellen dem konsequent angepaßt. Bei ihm war dieser «Jünger, welchen Jesus lieb hatte», schneller als Petrus, lief ihm voraus, und kam zuerst zum Grabe – anders als bei Lukas, bei dem es Petrus allein ist, der zum Grab rennt.571 Der am Markus eng angelehnte Lukas gibt in der Transposition die Tatsachen korrekt wieder, denn nur Antonius, alias Petrus, war bei der Beisetzung Caesars dabei, während Octavian, alias Johannes, gar nicht in Rom, sondern in Apollonia. Zwar gibt auch Johannes zu, dass es Petrus war, der als erster in das Grab hineinging,572 aber anscheinend war es ihm doch unerträglich, und mußte hinzufügen, dass der andere doch schneller gerannt war – was wiederspiegeln dürfte, dass Octavian durch sein rasches Handeln an Marcus Antonius vorbei zu den Spolien kam, i. e. zur Erbschaft und zur Nachfolge Caesars; auch der agonistische Aspekt des Wettrennens paßt, denn, als nach derer Versöhnung, 40 v. Chr. in Brundisium,

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die beiden miteinander im Scherz wetteiferten, zum Beispiel um etwas losten oder würfelten, Antonius jedesmal verlor.573 All dies fehlt bei Markus, und muss fehlen, denn es war Octavians Propaganda und entsprach nicht der Sicht der Dinge nach Marcus Antonius, der nur die private, aber nicht die politische Erbschaft des Octavians anerkannte. Ähnlich verfährt Johannes mit Maria Magdalena. Noch deutlicher als die synoptischen Evangelisten sagt er klar, dass sie es war, die das Verschwinden des Leichnams meldete, und dass dann der Auferstandene zuerst ihr erschien, was sie den Jüngern verkündigte: «Ich habe den Herrn gesehen!»574 – was den Tatsachen entspricht, denn es war Fulvia, alias Maria Magdalena, welche die Hauptrolle bei Caesars Beisetzung spielte; so ist es nur konsequent, dass ihr die Rolle der iuratrix gegeben wird, die eidlich die Apotheose bezeugt575 – sogar in Form einer Erscheinung, denn schließlich hatte sich Caesars Geist auch anderen gezeigt.576 Zugleich aber läßt Johannes, anders als die Synoptiker, nicht Maria Magdalena und die anderen Frauen 577 sondern den Nicodemus die Spezerei für die Salbung für den Leichnam besorgen,578 und den Auferstandenen der Magdalena das berühmte Noli me tangere!, «Rühre mich nicht an!» sprechen, dies begründend mit «denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater.»579 – was wie der Vorwurf an Magdalenas alter ego Fulvia klingt, dass sie den Leichnam Caesars für die Beisetzung vorbereitet hatte, obwohl dafür die Mutter Octavians, Atia, alias Maria des Jakobus, dafür testamentarisch vorgesehen war. In diesem Noli me tangere!, «Rühre mich nicht an!» mag auch nachklingen, dass Octavian Fulvias Tochter Clodia, die er bei Gründung des Triumvirats geheiratet hatte, zwei Jahre später intactam adhuc et virginem, «noch unberührt und jungfräulich» ihrer Mutter zurückgeschickt hatte. Dabei habe er die Fulvia selbst, die angeblich ihm Avancen gemacht haben soll, «mannhaft» abgewiesen.580 Allerdings dürfte der eindeutige Bezug auf Octavian zur letzten Schicht der Redaktion gehören. Denn bei diesem der Magdalena als Gärtner erscheinenden Auferstandenen wird es sich wohl ursprünglich um Caesar selbst handeln, der seine Gärten am Tiber dem Volk für den öffentlichen Zugang vermacht hatte.581 Auch ihre Anrede an ihn, «Rabbuni! das heißt Meister!» ist dann korrekt, weil magister die Anrede des dictator war: magister populi (supra) – was Caesar war, perpetuo sogar, während Octavian nie dictator wurde. Da die Schenkung der Gärten in seinem Testament verfügt wurde, wo er am Schluss den Gaius Octavius durch Adoption in seine Familie aufnahm und ihm seinen Namen verlieh, ergab sich für den Evangelisten Johannes die Gelegenheit, den alten Caesar mit dem neuen «Caesar» zu überblenden.

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Mögen «die zwei Engel in weißen Kleidern», die die Magdalena sieht, «einen zu den Häupten und den anderen zu den Füßen sitzen, da sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten», ursprünglich vermutlich die duo quidam, welche Caesars Pyra angezündet hatten (supra), oder Antonius und Lepidus gewesen sein, welche seinen Leichnam gegen die beabsichtigte Schändung durch die Mörder bewacht hatten, so nehmen sie in der johanneischen Endredaktion eine ähnliche Funktion ein wie die Emmaus-Jünger bei Lukas, d. h. jene der den Octavian nach Mutina begleitenden Konsule (infra). Dass beim Erscheinen der Magdalena der Auferstandene «noch nicht aufgefahren ist zum Vater», könnte sich in der Erstfassung erklären durch die gewohnte Verwechselung von Parthi mit patri, die «Parther» gegen welche Caesar im Begriff war zu ziehen, mit «dem Vater», dem ewigen Jupiter, zu dem ihn die Mörder stattdessen schickten (supra). Die Doublette kurz darauf, die Aufforderung zu verkünden – «ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott» – deutet dagegen auf Octavian und dessen Anspruch, seinen Adoptivvater als Divus Iulius konsekrieren zu lassen, damit er als Divi filius firmieren konnte – ist also später hinzugekommen. Dies eröffnet die Möglichkeit, dass die varia lectio des gleichzeitig gesprochenen mē mou áptou, noli me tangere!, «rühre mich nicht an!», die in einem der ältesten Manuskripte, dem Codex Vaticanus, anzutreffen ist, mit denselben Wörtern aber in einer anderen Reihenfolge, mē áptou mou, vorzuziehen sei, gerade als lectio difficilior. Sie klingt nämlich nicht idiomatisch und hat deswegen zur Konjektur geführt, dass da ursprünglich áptou mou, ohne Negation, «berühre mich», gestanden haben mag,582 sodass die Aufforderung des Auferstandenen keine Abweisung der Magdalena bedeutete, sondern lediglich dazu diente, sich zu vergewissern, dass er doch lebte, indem sie ihn anfasste – ähnlich wie kurz darauf zum ungläubigen Thomas. Wenn diese Konjektur zutreffen sollte, wären wir trotzdem bei Octavian – mit dessen Anerkennung als neuer Caesar und Divi filius sich sowohl Antonius (hier Thomas) als auch Fulvia (Magdalena) schwer taten –, aber vor dem bellum Perusinum und sogar vor der Bildung des Triumvirats. Der Text dieser johanneischen Perikope wäre also nachträglich zuungunsten der Magdalena verschärft worden, wohl unter dem Einfluss der später eskalierenden Entzweiung von Fulvia und Octavian – freilich mit dem Ergebnis der Substitution von Caesar durch Octavian, der so als Auferstandener zum lebenden Jesus avancierte. Als er sich selbst als den Autor seines Evangeliums vorstellt,583 sagend, er sei «der Jünger welchen Jesus lieb hatte», präzisiert Johannes, der habe «auch an seiner Brust beim Abendessen gelegen und gefragt: Herr, wer ist’s, der dich

291 verrät?»584 Man darf bewundern, wie geschickt er hier die Tatsachen verdreht. Denn beim letzten Abendmahl war er, Johannes der Jünger, gar nicht dabei – an den Iden des März befand sich Octavian nämlich nicht in Rom, wie wir sahen (supra). An seiner Brust, als der Becher kreiste und Caesar als die beste Art zu sterben den plötzlichen Tod pries, wird wohl indes Decimus Brutus gelegen haben, den Caesar persönlich mitgenommen hatte, um Umtrunk zu halten.585 Stattdessen aber hatte Octavian, als Caesar aus dem Spanienfeldzug gegen die Kinder des Pompeius nach Rom zurückkam, zusammen mit dem Verräter, Decimus Iunius Brutus, Caesars Judas, in der Kutsche gesessen, die jener mit Caesar und Antonius folgte;586 und er hatte sich dann nicht gescheut, nach Caesars Ermordung, demselben Verräter zur Hilfe zu eilen, als er von Antonius in Mutina belagert worden war.587 Insofern hat Johannes die Fakten doch gebracht, nur eben leicht in seinem Sinne verbrämt. Die Tendenz ist jedenfalls eindeutig, die Unterschrift unverwechselbar. Dies gibt uns die Möglichkeit, bereits jetzt zumindest das erste und das letzte Evangelium, Markus und Johannes, ihrem jeweiligen Schutzherrn zuzuordnen. Das Evangelium nach Markus: nach Marcus Antonius; das Evangelium nach Johannes: nach dem jungen (Caesar) – nach Octavian.588 Als ikonographische Bestätigung dessen sei hier vermerkt, dass das Wappentier des Antonius der Löwe war 589 – wie beim Evangelisten Markus –, während bei Octavian Jupiters Adler Symbolcharakter hatte 590 – wie bei Johannes.

109. Adlercameo des Augustus / 110. Aureus des Antonius

Orientierungsschema Zu einer besseren Orientierung wollen wir versuchen, in erster Annäherung unsere Arbeitshypothese stemmatisch darzustellen. Das muss hier aus Gründen der Übersichtlichkeit schemenhaft bleiben. Alternative Hypothesen, verschiedene Stärken und Schichten der Beeinflussung, Überkreuzungen, Überlieferungsgeschichte etc. können nicht visualisiert werden.

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Es handelt sich um eine reine Arbeitshypothese, die erst überprüft werden muss und die, wenn nötig, Änderungen und Präzisierungen erfahren kann. CAESAR

ASINIVS POLLIO AVGVSTVS LIVIVS DAMASCENVS

(Proto-Marcus) BIBLIA IVDAICA

(Gnosis) (Q+)

SVETON APPIAN PLVTARCH DIO : Primärquelle : Quelle : sekundärer Einfluß

MARCVS

IOHANNES LVCAS MATTHAEVS

VORHANDEN VERLOREN (hypothetisch)

Q+ : gemeinsames und getrenntes Sondergut von Lukas und Matthäus

Chronologische Verschiebungen Innerhalb dieses provisorisch abgesteckten Rahmens könnten wir nun mit dem Vergleich Stelle für Stelle anfangen, jeweils bei Caesar und bei Jesus. Aber welche Stellen sind mit welchen zu vergleichen? Wir können nicht einfach Markus Kapitel für Kapitel mit Appian oder Plutarch vergleichen. Denn selbst wenn wir unterstellen, dass alle drei auf Asinius Pollios Historiae zurückgehen, besitzen wir diese genausowenig wie den hypothetischen Urmarkus, der seinerseits nicht unbedingt direkt Asinius Pollio als Vorlage hatte, sondern eine Zwischenquelle. Diese wird eine Zusammenfassung gewesen sein, denn Markus ist viel kürzer als Appians ausführliche Geschichte des Bürgerkriegs. Markus hat kein historiographisches Interesse, zumal er den traumatischen Bürgerkrieg ungeschehen machen möchte, und so wird vieles bei ihm weggefallen sein, ähnlich wie bei Plutarchs Biographie, und noch mehr. Andererseits hat Markus Eigenes dazugesponnen, wie wir sahen. Darüber hinaus müssen wir damit rechnen, dass die Evangelisten sich nicht strikt an die chronologische Reihenfolge gehalten haben. Dies ist bei den antiken Biographen üblich, die nur am Anfang und am Ende chronologisch berichten, während sie in die Mitte alles Übrige verstauen, thematisch geordnet, meist als Beispiele für Tugenden und Laster: so Caesars Biograph Sueton, so gelegentlich sogar der sonst streng chronologisch vorgehende

293 Plutarch.591 Dies tun bisweilen auch die prinzipiell annalistischen Historiker, insbesondere dann, wenn sie zur Erklärung der gegenwärtigen Vorkommnisse Vergangenes einflechten: so Cassius Dio des öfteren (supra), so gelegentlich auch Appian. Was unvermeidlich zu chronologischen Unklarheiten führt. Appian zum Beispiel berichtet über Publius Clodius’ Freveltat, die sich im Jahr 62 ereignete, erst im Zusammenhang mit der Wahl des Clodius zum Volkstribunen im Jahr 59 in Form eines Exkurses.592 Interessanterweise begegnen wir Clodius, den wir bei Markus als Lahmen, Aussätzigen und Zöllner orten konnten, auch in einem Einschub, unmittelbar nach Cafarnaum/Corfinium und vor der Schändung des Saturnustempels/Sabbats in Rom. Als ob in Markus’ Vorlage, wo Caesar 49 das erste Mal in Rom einzieht, des Clodius gedacht worden wäre, des umtriebigen Tribuns, der in der Zwischenzeit ermordet worden war. Als ob hier am Beispiel des Clodius gezeigt worden wäre, was aus Caesars politischen Freunden in Rom inzwischen geworden war, und wie es Curio und Antonius gegangen wäre, wenn sie nicht bei Caesar Zuflucht genommen hätten. Vor Markus hat jedenfalls bereits Bischof Papias von Hierapolis gewarnt, der um das Jahr 140 bemerkte: «Markus, der Dolmetscher des Petrus gewesen war, schrieb die Worte und Taten des Herrn, an die er sich erinnerte, genau auf, allerdings nicht der Reihe nach. Denn er hatte den Herrn weder gehört noch begleitet, sondern, wie gesagt, später den Petrus: Dieser richtete seine Lehrvorträge nach den Bedürfnissen ein, gab aber keine geordnete Darstellung der Reden des Herrn. So war es kein Fehler des Markus, wenn er einiges aufschrieb, wie es ihm das Gedächtnis eingab. Auf eins jedoch hat er geachtet: nichts auszulassen und dabei nicht zu lügen.» 593

Demnach dürfen wir davon ausgehen, dass die Geschichte der Bürgerkriege Caesars im Evangelium vollständig enthalten ist, wenn auch in transponierter, okkultierter Form, müssen aber mit manchen Verschiebungen bereits bei Markus rechnen, bei den anderen Evangelisten erst recht. Markus kannte nämlich, unserem Gewährsmann zufolge, die Geschichte nur vom Hörensagen und zeichnete nur das auf, was ihm das Gedächtnis eingab. Dieses Gedächtnis war zum einen sein eigenes, zum anderen das anderer Leute, die er als Gedächtnisstütze dazugeholt haben mag – ein bei Historikern übliches Verfahren, besonders beliebt zur Rekonstruktion verlorener «heiliger» Texte.594 Folgt man Papias, müsste man daher einen Flüsterposteffekt unterstellen. Dies würde sich mit der Annahme der Leben-Jesu-Forschung decken, die gewöhnlich davon ausgeht, dass das Evangelium lange gepredigt wurde, bevor man es aufschrieb: So sei bei der Redaktion der synoptischen Evangelien

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sowohl allgemein Tradiertes als auch «mündliches Sondergut» mitverarbeitet worden. Bei Johannes ist sogar umstritten, ob und wieweit er schriftliche Quellen benutzte.595 Noch suspekter hört sich an, dass zu Papias’ Zeit, wo die Fixierung der Schrift noch nicht abgeschlossen war, die Auffassung herrschte, dass Markus die Worte und Taten des Herrn «nicht der Reihe nach» aufgeschrieben habe. Das lässt sehr befürchten, dass sich jemand veranlasst fühlen konnte, die «richtige» Reihenfolge wiederherzustellen. Ist die Reihenfolge bei unserem Markus jene, die Papias kannte, oder eine, die aufgrund von Papias’ Äußerungen «richtiggestellt» wurde? Die Frage ist insofern nicht müßig, als gerade zu Papias’ Zeit der Kampf zwischen Markioniten und Antimarkioniten um den richtigen Kanon entflammte. Für unseren Text stimmt auch eine weitere Äußerung des Papias nachdenklich: Was Markus gehört hatte, war das, was Petrus für «seine Lehrvorträge nach den Bedürfnissen eingerichtet» hatte. Das klingt nach Niederschrift von Homilien bzw. nach Kopie von Notizen zu den Homilien. Bei der Homilie ging man damals wie heute nach einem rigiden Muster vor: Man wählte zuerst den Text aus der Heiligen Schrift aus, den man anfänglich vorlas. Der Lektüre folgte die Predigt in der Form der Auslegung des vorgelesenen Textes, die eine praktische Anwendung auf das Leben der Gläubigen enthielt. Ist nun Markus ein solcher Text, so stünde er zu der Caesar-Geschichte wie der Text der Homilie zu seinem heiligen Text. Bei der Homilie kam dann hinzu, dass man auch andere Zitate bemühte, aus derselben Schrift oder aus anderen, die zu dem Vorgelesenen thematisch passten. Dafür versah man zuerst die Stellen, die man aus den vorgesehenen Schriften zu entnehmen gedachte, mit einem Randvermerk. Man verwendete dafür nicht unser , das ein «v» sein soll und für lateinisch visum, «gesehen», steht, sondern ein «Chi-Rho» Y, was für griechisch chrēstos, «nützlich, brauchbar, tauglich», stand: Man hatte eben die nützlichen Stellen vormarkiert, die man wiederzuverwenden gedachte, um sie dann in einen anderen Kontext einzuordnen. Wie wir sahen, sprach sich dieses chrēstos in hellenistischer Zeit genauso wie christos, «Gesalbter», aus, bzw. wie Christos, was zur Titulatur Jesu gehört und wofür derselbe Kürzel Y verwendet wird. Dies ist wahrscheinlich zufällig,596 lässt jedoch im Zusammenhang mit der Äußerung von Papias an eine Entstehung der christlichen Schriften zuerst als «Chrestomathie» denken: als eine für den Predigt-Unterricht bestimmte Sammlung ausgewählter Textauszüge.

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Um eine Vorstellung davon zu haben, welche Art von Verschiebungen beim Übergang von den Caesarquellen zum Evangelium vorgekommen sind, können wir uns jene anschauen, die von einem Evangelisten zum anderen zu beobachten sind. Caesars Pyra ist zu Markus’ Myrrhe nicht anders geworden als Markus’ Myrrhe zu Matthäus’ Galle. Zum Zwecke unserer angestrebten Synopsis sind wir für die Auswahl der zu vergleichenden Stellen auf die in den vorausgegangenen Kapiteln erprobte Methode angewiesen: Erst auf die Requisiten schauen, dann auf die Namen und ihre möglichen Veränderungen, ohne uns von den Sinneswandlungen, der hinzugekommenen Predigt und den alttestamentlichen, zuletzt eingefügten Zitaten irritieren zu lassen. Requisiten können im Tradierungsprozess mutieren, denn, wie wir sahen, eine Pyra kann zu Myrrhe werden, und diese dann zu Galle. Diese Methode kann uns allerdings ermöglichen zu überprüfen, wie weit Markus tatsächlich die Reihenfolge der Texte durcheinandergebracht hat, und ob dies wahllos geschah oder durch redaktionelle Erfordernisse diktiert wurde. Womöglich können wir die ursprüngliche Reihenfolge des Markus wiederherstellen. Dem geneigten Leser sei an dieser Stelle mitgeteilt, dass wir in diesem Kapitel nicht nur nach offensichtlichen Verschreibungen Ausschau halten, sondern auch nach weniger offensichtlichen, besser versteckten. Dem mit der Textkritik weniger Vertrauten mögen daher manche Vermutungen spekulativ erscheinen.597 Dazu legitimiert aber die Tatsache, dass unsere Hypothese, nach dem, was wir in den vorausgegangenen Kapiteln sehen konnten, als bereits verifiziert gelten darf, sodass es nun nicht mehr darum geht «ob», sondern «wie» die Umschreibung von Iulius Caesar zu Jesus Christus stattgefunden hat.

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MARKUS Titel N ACH M ARCUS (Antonius)

N ACH M ARKUS (dem Evangelisten)

Markus ist nicht der Autor, sondern der Auftraggeber, der Schirmherr.598 Dem Titel nach geht dieses Evangelium auf die von Marcus Antonius (alias Simon Petrus) autorisierte Fassung zurück.

Incipit Gute Nachricht des Imperiums des Gaius Caesar.599

Anfang des Evangeliums von Jesus Christus.600

Evangelium bedeutet primär «Siegesmeldung», und Caesars Sieg war die wahre «gute Botschaft», die für die Völker über Freiheit oder Verknechtung entschied. Archē bedeutet nicht nur «Anfang, Beginn», sondern vor allem «Herrschaft, Macht», und übersetzt daher lateinisch imperium. Es könnte also über ein euangelion tēs archēs, «Siegesmeldung des (beginnenden guten) Imperiums», zu archē tou evangeliou, «Anfang des Evangeliums», gekommen sein.601 Pompeius kam vor Caesar an die Macht, und ebnete über das erste Triumvirat ihm den Weg. Mit Caesars Unterstützung war dem Pompeius das imperium über das gesamte römische Mittelmeer übertragen worden, 602 und Caesar ließ dann die von Pompeius eingeführte Neuordnung des Ostens bestätigen.

Wie geschrieben steht im Propheten Jesaja: «Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der da bereite deinen Weg.» «Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet seine Steige richtig!» 603

Pompeius wurde später die cura annonae anvertraut, die «Sorge um Brotgetreide», wozu sich die cura viarum gesellte, die «Sorge um die Wege», was nach Pompeius von Caesar und dann von Augustus gepflegt wurde. Dies könnte in Markus’ Vorlage gestanden und ihm Anlass gegeben haben, das Jesaia-Zitat über die «Wege» zu bemühen – bereits am Anfang, um den Rahmen für die folgende Geschichte des Pompeius/Johannes zu geben. Dessen Charakter als in den Text übernommene ursprüngliche Scholie ist jedenfalls nicht zu verhehlen.

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Die Verlagerung von Rom in die Wüste wird erleichtert durch die Ähnlichkeit zwischen lateinisch Romae «in Rom» und griechisch erēmōi, «in der Wüste», übliche Masche bei Markus – wie gehabt, und wie wir in der Folge öfters beobachten werden.

Rüstungen des Pompeius : Tauftätigkeit des Johannes Pompeius war in Rom und rüstete auf. Währenddessen forderte Metellus Scipio Caesar auf, seine Soldaten zu entlassen. 604

Johannes der Täufer war in der Wüste und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.605

Wir haben gesehen, dass die Taufe für lustratio steht bzw. für ein als dilutum missverstandenes dilectus, also für Rüstungen und Aushebungen, dass hinter «predigte», kēryssōn, Caesar steckt, hinter der «Buße», metanoias, Metellus, hinter den «Sünden», (h)amartiōn, armorum, «Waffen, Armee». Nach demselben Muster ist hier Rom zur Wüste geworden: Romae > erēmōi, «in Rom» zu «in der Wüste».606 Das sollten wir uns merken. Denn diese Verwechselung von Rom und Wüste könnte die Erklärung dafür sein, warum bei Markus Jesus nur einmal in Jerusalem einzieht, während Johannes insgesamt fünf Male aufzählt: Die anderen Male könnte Markus Jesus in die Wüste geschickt haben. Auch Caesar kam nach Ausbruch des Bürgerkrieges fünf Mal nach Rom: • das erste Mal nach Überschreitung des Rubicons, über Corfinium (Belagerung des Domitius), Brindisi (Verfolgung des Pompeius) und Einzug in Rom (Auseinandersetzung am Saturntempel mit Metellus), auf dem Weg nach Spanien (gegen Petreius und Afranius); • das zweite Mal zurück von Spanien, auf dem Weg nach Brindisi (Fahrt über das stürmische Ionische Meer), Dyrrhachium (Belagerung des Pompeius), Thessalien (Sieg bei Pharsalos), Ägypten (Kleopatra, Alexandrinischer Krieg), Pontus (Pharnakes, veni vidi vici); • das dritte Mal zurück von Kleinasien, bevor er nach Afrika ging (Scipio und Cato); • das vierte Mal zurück von Afrika (Feier der vier Triumphe) und bevor er abermals nach Spanien zog (gegen Pompeius’ Söhne); • das fünfte Mal zurück von Spanien, als er, bevor er gegen die Parther ziehen konnte, ermordet wurde. Wir werden sehen, was Markus aus Rom jeweils macht. Für den Augenblick sind wir aber noch am Anfang des Bürgerkrieges. Pompeius ist in Rom, für Markus ist also Johannes in der Wüste. Pompeius wird aber bald die Stadt

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verlassen, und mit ihm das Gros der senatorischen Partei. Lässt Markus sie die Wüste verlassen? Mitnichten: Er lässt korrekt alle Welt aus der Stadt hinausziehen – und über den Jordan gehen: Die Konsuln und der größte Teil des Senats verließen fluchtartig die Stadt und drängten Pompeius, eilends nach Italien hinauszugehen und Truppen aufzubieten. Er warb vergeblich in Kampanien bei den dort angesiedelten Veteranen und zog dann nach Apulien.607

Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Leute von Jerusalem und ließen sich von ihm taufen im Jordan und bekannten ihre Sünden. Johannes aber trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden … 608

Rom hat er jetzt «Jerusalem» genannt, Italien zum «jüdischen Land» gemacht bzw. zum «Jordan», denn er «tauft» ja dort, er hebt dort aus. Das ist konsequent. So könnten die im ager campanus angesiedelten Veteranen sich zum «ledernen Gürtel» verwandelt haben, denn zōnē dermatinē klingt nach Gebiet der Veteranen.609 Dieses aus dem Buch der Könige übernommene Zitat kennzeichnet Elia und deutet an, dass es hier um die von Iulius angesiedelten Veteranen geht. Mit diesem «ledernen Gürtel um die Lenden» wollte Markus wahrscheinlich vorwegnehmen, dass Magnus/Johannes für seine Ungerechtigkeit Iulius/Elia gegenüber bald büßen musste. Da hat er sich erinnert, dass Pompeius nach der Niederlage bei Pharsalos das Feldherrngewand hatte ablegen, eine zur Flucht passende Kleidung anziehen und auf dem erstbesten Ross fliehen müssen.610 Mit diesem späteren Lumpengewand im Kopf mag Markus bereits im fluchtartigen panischen Auszug nach Kampanien mit Hab und Gut eher eine Karawane als eine Armee gesehen haben,611 daher Kampanien zum «Kamel» gemacht – was sich auf Griechisch anbietet – man vergleiche die Wortstämme: ΚΑΜΠΑ(νια) > ΚΑΜΗΛ(ος). Weil trechō «laufen, rennen, eilen» heißt, triches aber «Haare» sind, konnte der «fluchtartige Auszug nach Kampanien» zu einem «Anzug aus Kamelhaaren» werden.612 Das schien Markus zum büßenden Johannes passend. Schlechte Vorzeichen und Himmelserscheinungen hatten den Auszug der Senatspartei aus Rom begleitet, die endgültige Aufhebung der alten Staatsordnung und die bevorstehende Revolution angekündigt: Blutregen, schwitzende Götterbilder, in Tempel einschlagende Blitze.613 Die aussagekräftigsten unter den schlechten Zeichen manifestierten sich aber unmittelbar vor Pharsalos: Sie läuteten die Niederlage des Magnus ein, d. h. die Buße des Johannes. Als in der Nacht vor der Schlacht Pompeius opferte,

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entkamen ihm einige Opfertiere und konnten nicht mehr eingefangen werden: […] und ein Schwarm Honigbienen, matte Tiere, ließ sich auf den Altären nieder.614

[…] und aß Heuschrecken und wilden Honig …615

Die Parallele ist evident. Dazu sei auf die Ähnlichkeit hingewiesen zwischen «Schwarm», esmos, und esthiōn, «aß», zwischen «ließ sich nieder», ekathise, und akridas, «Heuschrecken», sowie «Honigbienen», melissōn, und meli agrion, «wilder Honig».

Pompeius’ Niederlage : Johannes’ Zeugnis Am nächsten Tag bestätigten sich in der Schlacht die schlechten Vorzeichen, der (Pontifex) Maximus erwies sich stärker als (Pompeius) Magnus. Die Stelle haben wir bereits in einem vorigen Kapitel behandelt: Von Caesar besiegt, floh Pompeius und befahl den Dienern, zu Caesar zu gehen. So musste er sich die Schuhe selbst ausziehen, aber Favonius war sich nicht zu schade, ihm dabei zu helfen, wie beim Waschen der Füße und der Bereitung des Mahles. So freimütig leistete ihm Favonius diese Dienste. 616

[…] und predigte und sprach: Es kommt einer nach mir, der ist stärker als ich; und ich bin nicht wert, dass ich mich vor ihm bücke und die Riemen seiner Schuhe löse. Ich taufe euch mit Wasser; er aber wird euch mit dem heiligen Geist taufen.617

Hervorzuheben ist lediglich noch die Ähnlichkeit zwischen «Dienstleistung», (h)ypourgia, und (h)agion, «heiliger» und zwischen Favonius, griechisch Phaōnios, und pneuma, «Geist» – noch verstärkt dadurch, dass favonius ein Windname ist, unser «Föhn», wie auch pneuma zuerst «Hauch», «Wind» bedeutet und erst im abgeleiteten Sinn «Atem», «Geist». Der warme Wind Favonius steht klassisch für den Atem des Frühlings, so etwa im Pervigilium Veneris, wo er als spiritus erscheint,618 womit Venus die Natur durchdringt und regeneriert. So stünde «heiliger Geist» für «Föhns Dienstbereitschaft». Zu vermerken ist noch, dass auch hier wie oben Mk 1:4 der Name Caesar hinter ekēryssen, «predigte», versteckt wird. Damit hat Markus unter Vorwegnahme späterer Ereignisse gezeigt, wie Johannes seine Tauftätigkeit büßen musste, d. h. wie der einst große Pompeius heruntergekommen war, trotz und wegen seiner ungeheuerlichen Rüstungen. Diese Stellen, die erst später, nach Pharsalos, hätten erzählt werden sollen, sind schon hier, unmittelbar nach dem Verlassen Roms, als Pompeius und die Konsuln noch in Kampanien sind, eingefügt worden. Dies geschah nicht beliebig.

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Markus hatte einen Aufhänger. Der auf den Opferaltar sich niederlassende Schwarm Bienen hatte den Blutregen überlagern können, der «wilde» Honig, (meli) agrion im ager (campanus), dem kampanischen «Acker», an der Stelle seinen Lockvogel finden können. Auch die Favonius-Anekdote und die Frage, wer nun der Stärkere sei, hatten dort ihren Vorläufer. Pompeius hatte im Senat behauptet, die in Italien aufzubietende Truppenstärke reiche nicht aus, um Rom gegen Caesar zu verteidigen. Favonius hatte da Pompeius aufgefordert, endlich mit dem Fuß auf die Erde zu stampfen, da er sich früher gebrüstet hatte, nur mit dem Fuß auf den Boden stampfen zu müssen, um Italien mit seinen Armeen auszufüllen. Tatsächlich gaben die Italiker aber dem starken Pompeius zu verstehen, «dass sie ihn aus Furcht vor einem noch Stärkeren preisgeben würden».619 Das bot Markus die Gelegenheit, die spätere Stelle, wo nach Pharsalos Pompeius endgültig vor dem Stärkeren floh, wo er nicht mehr mit dem Fuß stampfen konnte, ja sogar Hilfe brauchte, um die Sandalen auszuziehen, hierher vorzuverlagern. Der sprachliche Aufhänger wird wahrscheinlich die Ähnlichkeit zwischen dem ‹Stampfen› mit dem Fuß des Pompeius und dem ‹Schuhe-Ausziehen› des Favonius: Markus könnte sein kypsas, «sich bückend» (um die Sandalen zu lösen), aus einem ktypēsas, «stampfend» (mit dem Fuß auf die Erde), haben, was ihm zur Vermengung der beiden Anekdoten mit denselben Akteuren, Pompeius und Favonius, verhalf. Wir sehen also, dass Markus gezielt Stellen verschiebt, mit aussagekräftigeren schwächere überlagert. Da er aber im alten Duktus weitererzählt, so darf man daraus schließen, dass zumindest der Ur-Markus chronologisch korrekt erzählt hatte.

Gaius’ Traum : Jesu Taufe Im nächsten Abschnitt wendet sich Markus Jesus zu, der sich zur Zeit der Taufe des Johannes in Galiläa befindet – wie Gaius Caesar zur Zeit der Aushebungen des Pompeius selbst in Gallien war: Zur Zeit von Caesar in die und hielt sich verhandelte er rekrutierte. 620

Pompeius’ Rüstungen war Gallia Cisalpina gekommen in Ravenna auf. Von dort mit Pompeius, der in Italien

Und es begab sich zu der Zeit, dass Jesus aus Nazaret in Galiläa kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan.621

Dass Galiläa hier Gallia sein muss, sahen wir bereits. Verblüffend ist indes, dass der Jordan für Italien steht; da aber die ‹Rüstungen des Pompeius› bereits zur ‹Taufe des Johannes› geworden sind, muss ‹Italien›, wo Pompeius

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rekrutierte, zum ‹Jordan› werden, wo Johannes taufte. Als Eselsbrücke diente der Rubicon, die Grenze zu Italien. Genauso verblüffend ist es, dass Markus Ravenna zu Nazaret gemacht hat. Er hat anscheinend zuerst die Reihenfolge der Silben verkehrt, das Ravenna seiner Vorlage für ein heterographisch von rechts nach links zu lesendes aramäisches Wort gehalten – RA-VE-NA <|> NA-VE-RA –, und ist dann über NAZERA bei NAZARET gelandet. Ravenna war die letzte Stadt von Caesars Machtbereich. Dort am Rubicon, an der Grenze zu Italien, wartete Caesar, bereit, es mit den Waffen zu rächen, falls der Senat die für ihn intercedierenden Volkstribunen angreifen sollte, zögerte aber, bewaffnet in das römische Mutterland einzudringen. Und hier hatte er einen Traum: Man sagt, dass in der Nacht vor dem Übergang über den Rubicon er einen unsittlichen Traum hatte: Es war ihm, als ob er mit seiner Mutter verkehrte in unaussprechlichem Beischlaf. 622

Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.623

Plutarch setzt die Szene vor den Rubicon, Markus bringt sie nach dem Ausstieg Jesu aus dem Wasser. Es muss aber kein Widerspruch sein, denn Caesar hatte in Ravenna ein rituelles Bad genommen, bevor er zum Rubicon schritt. Außerdem hat Markus ja die Rekrutierungen als Taufe missverstanden, und die waren bereits voll im Gange. Der andere Unterschied, ‹Traum› ≠ ‹Himmel›, ist verschwindend klein im Griechischen: Traum, onar > ouranos, Himmel. Die Stimme aus dem Himmel ist das Traumgesicht. Und da Caesar auch eine Mutter im Himmel hatte, Venus, deren Attribut die Taube war, kam der Traum vom Himmel, in Gestalt einer Taube. Denselben Traum hatte Caesar schon einmal in Gades (Cadíz) gehabt – falls es zwei verschiedene Träume sind und nicht ein und derselbe, über den er am Rubicon noch einmal nachdachte. Da hatte er am Herkules-Tempel gerade eine Statue des großen Alexander gesehen und hatte geweint, der eigenen Tatenlosigkeit überdrüssig, weil er noch nichts Bemerkenswertes vollbracht in einem Alter, wo Alexander sich schon den ganzen Erdkreis unterworfen hatte. Da waren ihm die Hellseher des nahe gelegenen Astarte-Tempels zu Hilfe gekommen. In der Krypta624 verbrachte er als Orakelbefrager die Nacht und hatte jenen Traum, der ihn verwirrte: Es schien ihm, er habe mit seiner Mutter Beischlaf gehabt. Daraufhin machten die Traumdeuter ihm die größten Hoffnungen. Sie deuteten das ungeheuerliche Traumbild als Ankündigung seiner Herrschaft über den ganzen Erdkreis, da die Mutter, die sich ihm im

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Traum hingegeben habe, keine andere sei als die Erde, die für die Mutter aller gehalten wird.625 Die Mutter aller war nach antikem Verständnis auch das Vaterland, wie ein ähnlicher Traum verdeutlicht, den schon Hippias vor der Schlacht von Marathon gehabt hatte, bei dem es ihm träumte, er läge mit seiner Mutter im Bett, woraus er schloss, dass er nach Athen zurückkommen und seine Herrschaft wieder gewinnen werde.626 Ein Traum vom Geschlechtsverkehr mit der lebenden Mutter galt als günstig für jeden Demagogen und Politiker: «Denn die Mutter bedeutet das Vaterland. Wie nämlich der Mann gemäß dem Gesetz der Aphrodite den Körper der Frau zur Gänze beherrscht, wenn sie sich gerne und willig fügt, so wird der Träumende die Angelegenheiten der Polis zur Gänze leiten.» 627

Der Bezug zu Aphrodite wird erst recht für Caesar gegolten haben, der sich als ein Nachkomme der Venus sah, zumal im Tempel der Venus Marina zu Gades. Als «Mutter» aller wird Venus in jenem auch heute für seine Gemüse- und Obstgärten gebenedeiten Landstrich gegolten haben, weil sie zuerst als holitoria erscheint, als Göttin des Gemüsegartens: Erde im Sinne von fruchtbarem Boden, von Garten, Acker und Humus – die Erzeugerin und Ernährerin aller Erdgeborenen.628 Man mag sich fragen, was für Tränke die Traumdeuter am Tempel der Venus Marina in Gades den Orakelsuchenden gereicht haben mögen, damit sie deutlich deutbare Träume hatten. Man darf vermuten, dass sie als AphroditePriester mit Aphrodisiaka arbeiteten, im dortigen starken Wein vermengt, und der wirre Traum des sonst abstinenten Caesar scheint darauf zu deuten. Jedenfalls, anders als man, biologisch denkend, glauben könnte, ist die Mutter hier nicht die fünf Jahre vor dem Vorgang am Rubicon verstorbene Aurelia, sondern die himmlische Mutter. Im übrigen muss Caesars Orakel am Rubicon stehen – und deswegen hat Plutarch es hierhin versetzt –, denn es galt, einen geschichtsträchtigen Präzedenzfall wettzumachen: Der ältere Brutus war seinerzeit nach Delphi zur Befragung des Orakels geschickt worden. Als er den Spruch vernahm, Herrscher werde jener, der als erster die Mutter küsse, hatte er sich nicht wie seine beiden Begleiter beeilt, schnell nach Hause zu kommen, sondern bereits bei der Landung in Italien sich hingeworfen und die Erde geküsst. Die Prophezeiung war in Erfüllung gegangen: Brutus konnte die Könige vertreiben und erster Consul werden. So musste, wie damals bei der Abschaffung der Monarchie und der Einsetzung der Oligarchie,629 auch jetzt umgekehrt, bei der Ausschaltung des Senats durch Caesars Alleinherrschaft, das

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alte Orakel wieder her und den Wink der Götter verkünden – nur dass damals Brutus sich auf die Mutter Erde geworfen und sie geküsst hatte, während nun die Mutter selbst es war, die im Traum sich hingegeben und am lieben Sohn ihr Wohlgefallen hatte: ein kleiner, bedeutungsträchtiger Unterschied. Markus versteht die «Mutter» allerdings vor allem als Ahnmutter Venus, deutlich erkennbar an ihrem Attribut, der Taube, die freilich auf den Münzen, die der imperator, der siegreiche Caesar, prägen ließ, als geflügelte und kränzende Victoria-Nike erscheint. Die siegbringende Venus wird dort buchstäblich als Nikē-phoros dargestellt: Sie hält eine kleine Nike, Personifizierung des Sieges, in der Hand, die ihrerseits einen Lorbeerkranz in der Hand hält. Sie ist die «umkränzende» Nike, zu griechisch peristephēs; peristeros, -a, aber heißt auf Griechisch «Taube».

111. Denar Caesars, 44 v. Chr. Rs.: CAESAR·IMP(erator)

Auch Venus’ Taube hält im Schnabel zuweilen einen grünen Zweig oder Kranz. Nicht zufällig erinnert sie an die Vögel des Hellsehers aus Padua, die den Sieg Caesars angekündigt hatten. Es ist uns leider nicht überliefert, um welche Vögel es sich handelte, doch wer an den Venussohn dachte, musste an Venus’ Taube denken. Wie wir schon sahen, hatten in der Nacht vor Pharsalos beide, Caesar und Pompeius, der Venus geopfert: Caesar hatte gelobt, im Falle eines Sieges ihr als der Siegesbringerin einen Tempel in Rom zu errichten; Pompeius hatte geträumt, ihr zu Rom einen Tempel eingeweiht zu haben. Beides ging in Erfüllung: Pompeius’ Spolien dienten der Ausschmückung von Caesars Venustempel.630 Denn Venus hatte sich eben für ihren lieben Sohn entschieden. Weil Markus, wie wir oben sahen, bereits den glücklichen Ausgang des durch den Traum angekündigten Machtkampfes präsent hatte, überblendet auch hier der spätere Sieg den unheimlichen Traum am Rubicon.631

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Provokation Caesars : Jesu Versuchung Nachdem Markus so die himmlischen Vorzeichen eingeholt hat, wendet er sich dem irdischen Geschehen zu: Die Volkstribunen flohen aus Rom und flüchteten sich zu Caesar, der in Ravenna war und auf diese Kunde hin auf Rimini zu marschierte; vom Senat an ihrem Leben bedroht, fuhren sie als Sklaven verkleidet, nachts, auf einem Mietwagen. In dem Zustand zeigte er sie am Morgen seinen Legionären.632

Und alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste; und er war in der Wüste vierzig Tage [und vierzig Nächte] und ward versucht von dem Satan und war bei den Tieren, und die Engel dienten ihm.633

Hier müssen wir uns auf Doubletten gefasst machen. Denn der ‹Geist› ist diesmal nicht Favonius, sondern die Volkstribunen, wohl wegen der Ähnlichkeit zwischen plebs und pneuma. Auch zur ‹Wüste›, erēmon, wird nicht nur Rom, sondern auch Ariminum (Rimini) und im Sog sogar Ravenna. Ähnlich wie bei der Clodius-Anekdote, wo die Dienerinnen zu den ‹Vieren› geworden waren, sind die ‹Sklaven›, therapontōn, zu tessarakonta, ‹vierzig› sogar diesmal geworden; ‹als Sklaven nachts› wurden sie dann zu ‹vierzig Nächten›, zu denen sich ‹am nächsten Tag› ‹vierzig Tage› gesellen mussten. Sehr direkt wird hier der Senat ‹Satan› genannt – wegen des Klangs (einfache Metathesis) und wegen der Bedeutung: Im Senat saßen ja die unnachgiebigen ‹Widersacher›. In Opposition dazu wird die Legion zu ‹Engel›, auch hier sowohl wegen des Klanges – LEGIO(N) > ONGILE > ANGELOI (silbenweise rückwärtsgelesen, wie bei Ravenna > Nazaret; Legion im Singular: zur Stelle war zuerst nur die XIII) – als auch wegen der Bedeutung: Die ihren Feldherrn und die Volkstribunen schützende Legion wird zu ‹dienenden Engeln›. Die ‹Tiere›, mit denen Jesus war, thēriōn, dürften indes die Tribunen selbst sein – auf welche die den Wagen ziehenden Mulis abgefärbt haben dürften, auf dem die Volkstribunen geflohen waren, oder jene, die Caesar vor seinen Wagen spannte, bevor er selbst nach Rimini fuhr.634

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Caesar eröffnet den Bürgerkrieg : Jesus predigt das Evangelium Er sprach zu den Soldaten: Pompeius sei nun übergelaufen. Unter ihm, Caesar, seien sie nach Gallien gekommen und haben es befriedet. Unter seiner Führung haben sie neun Jahre lang dem Staat mit höchstem Erfolg gedient. Trotzdem sei sein Mandat verkürzt und Pompeius das Imperium übertragen worden. Sie mögen nun Ehre und Würde ihres Feldherrn vor den Feinden schützen. Diese riefen laut, ihm und den Tribunen treu sein zu wollen. 635

Nachdem aber Johannes gefangen gelegt war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! 636

Bei Caesar und den ihm folgenden Autoren wurde die Rede Caesars an seine Soldaten noch vor der Überschreitung des Rubicons gehalten. Hintergrund war die Verkürzung von Caesars Mandat in Gallien und seine Verhinderung, für das nächste Konsulat zu kandidieren.637 Den Kern der Rede stellten der Verrat des Pompeius dar, der zur Senatspartei übergelaufen war, die gesetzwidrige Ausrufung Caesars und seiner Truppen zu Staatsfeinden sowie die Übergabe des Oberkommandos an Pompeius. Dabei unterstrich das erbarmungswürdige Aussehen der geflohenen, erschöpften Volkstribunen die Ernsthaftigkeit der Lage. Die Parallele zwischen dem ‹Überlaufen› des Pompeius und der ‹Gefangennahme› des Johannes wird klarer, wenn man sich den griechischen Markus-Text anschaut: paradothēnai steht dort und heißt «übergeben», d. h. «verraten»; weil es aber auch «überantworten» und «abliefern» bedeuten kann, wird die Übersetzung in Richtung «gefangen legen» forciert. Caesar sagt, Pompeius sei deductum ac depravatum: Paradothēnai ist gar keine schlechte Übersetzung davon. Dass euangelion mitunter für emphyliōn, «der Bürgerkriege», stehen kann, haben wir bei Markus’ Anfang gesehen (cf. Anm. 599); jetzt steht es hier für den gallischen Krieg, der in römischen Augen die Befriedung zum Zweck hatte, in jenen Caesars auch die Integration ins Reich. Da hinter «predigte», kēryssōn, bis jetzt immer Caesar steckte, wird hier ein Gaius Caesar der Vorlage sich in Iēsous kēryssōn, «Jesus predigte», umgewandelt haben. «Gottes», tou theou steht hier für Pompēiou, statt des bei Markus sonst üblichen Pneuma. Die «Buße» indes, metanoia, stand zwischendurch für Metellus, jedoch hatten wir bereits in einem vorigen Kapitel vermutet, sie könne allgemein für militum stehen. Da wir Caesars Rede an seine Soldaten in diesem Fall aus Caesars Feder selbst haben und nicht aus Zweitquellen, sind wir

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ausnahmsweise in der glücklichen Lage, Markus’ metanoia im Werden zu erleben.638 Caesar sagt, erst als er sah, dass die Stimmung der Soldaten für ihn war, habe er den Beschluss gefasst, nach Rimini zu marschieren 639 – wozu er den Rubicon überschreiten und den Bürgerkrieg eröffnen musste: Cognita militum voluntate – «den Willen der Soldaten erkannt». Cognita wird griechisch von gignōskō abgeleitet, man könnte also ein gnōtē unterstellen; aber auch voluntas im gegebenen Sinne von «Überzeugung, Gesinnung, Meinung» wäre mit einem von gignōskō abgeleiteten Wort wiederzugeben: gnōmē; nun heißt metanoia eigentlich metagnoia bzw. metagnōsis und kommt auch von gignōskō: metagignōskō, «im nachhinein erkennen», d. h. «bereuen» und daher auch «büßen». Meta-gnoia sieht aus, als ob es sich direkt von militum voluntate ergeben hätte (bzw. von cognita militum voluntate) mit Beibehaltung des Klanges des ersten Glieds und Übersetzung des zweiten – ähnlich wie im Deutschen aus Castra Regina «Regensburg» wurde. Schließlich bedeutet pistis nicht nur «Glaube», wie im letzten Teil des Markus-Verses übersetzt wird, sondern auch und vor allem «Treue», was in der lateinischen Entsprechung fides noch deutlicher hervortritt. Hinter «Tut Buße und glaubt an das Evangelium!» steckt also der Aufruf an die Soldaten, im bevorstehenden Vindicationskrieg ihrem Feldherrn und den Volkstribunen die Treue zu halten, und sicher zu sein, dass die «gute Nachricht» des Sieges kommen wird.

Grenzüberschreitung : Am Galiläischen Meer Im nächsten Vers dürfen wir bewundern, wie treu Markus seinerseits ist. Denn gleich Caesar erwähnt er den Rubicon gar nicht. In seiner Vorlage hat er zwar gefunden, dass Caesar die Grenze zwischen Gallien und Italien überschritten hat, aber er macht daraus einen Spaziergang am Galiläischen Meer: Caesar fuhr nach Rimini, wo er Antonius und Curio traf. Als er zum Flusse Rubico kam, der die Grenze zu Italien bildet, hielt er inne, den Blick auf die Strömung gerichtet. Dann setzte er mit Schwung über den Fluss und sagte: Der Würfel sei geworfen! In Eile setzte er hierauf seine Reise fort, nahm mit Tagesanbruch Ariminum und stieß noch darüber hinaus vor.640

Als er aber am Galiläischen Meer entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, wie sie ihre Netze ins Meer warfen; denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. 641

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Auf die Idee, die Grenze zu Gallien zum Galiläischen Meer zu machen, ist Markus wegen des Flusses gekommen und der Strömung, auf die der Blick gerichtet ist. Er wußte natürlich auch, dass am anderen Ufer Cafarnaum auftreten sollte, das am See Genezareth liegt; jedoch scheint dies hier kaum eine Rolle gespielt zu haben, denn er sagt nicht See Genezareth, sondern eben Galiläisches Meer, und zwar «am Galiläischen Meer entlang». Anscheinend hat er die «Grenze», oros, mit ora [maris], dem «Meeresufer», verwechselt und so die ‹Überschreitung der Gallischen Grenze› zu einem ‹Spaziergang am Galiläischen Meer› gemacht. Dann verwechselte er folgerichtig auch «Würfel», alea mit (h)aleeis, «Fischer» – wie wir bereits sahen –, so dass logischerweise ‹der schwungvolle Satz über den Fluss› zum ‹Werfen der Netze ins Meer› werden musste. In dieser Fischerlogik verfangen, konnte im nächsten Satz Ariminum nicht umhin, als hominum, «der Menschen», missverstanden zu werden, so dass sich die ‹Einnahme Ariminums› zum ‹Menschenfischen› wunderbar verwandelte. Darauf hat natürlich abgefärbt, dass unmittelbar danach Antonius, Curio und die anderen zu Caesar Geflüchteten zu Armeeführern gemacht worden waren, wie wir in einem vorigen Kapitel bereits sahen. *** Jetzt, wo wir mit Schwung über den Rubicon sind und Markus’ Kopiertechniken und Umredigierungskünste Satz für Satz verfolgen und bewundern konnten, ist es an der Zeit, dass auch wir wie Caesar am Rubicon innehalten und den Blick auf die Strömung richten. Bei der satzweisen Nebeneinanderstellung haben wir auch unsere Hypothesen überprüfen können: Manche haben sich bestätigt, manche haben wir aufgeben müssen, manch andere haben sich präzisiert oder sind komplexer geworden, Doubletten sind aufgetaucht. Sollten wir weiter vertiefen, würde es uns wahrscheinlich noch einmal so ergehen. Die Untersuchung ist keinesfalls abgeschlossen. Zudem führt die Notwendigkeit, die Übergänge vom Latein zum Griechischen übersichtlich auf deutsch darzustellen und nachvollziehbar zu machen, zu gelegentlichen Ungenauigkeiten. Alles in allem jedoch haben wir sehen können, dass der Markus-Text tatsächlich römische Geschichte behandelt, dass Markus Vers für Vers in derselben Reihenfolge erzählt wie die anderen Caesar-Biographen oder die Berichte über den römischen Bürgerkrieg. Nur eben, dass er so erzählt, wie er den Text verstanden hat, beziehungsweise verstanden haben wollte. Seine geographisch-chronologischen Angaben – wie etwa 1:9 «er kam von Nazaret in

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Galiläa»; 1:14 «er kam nach Galiläa»; 1:16 «er ging am Galiläischen Meer» – sind überhaupt keine redaktionellen Floskeln, wie vermutet wurde, um lose Erzählstücke irgendwie zusammenzuflicken. Vielmehr folgt er brav seiner Vorlage – 1:9 «er kam nach Ravenna in Gallia citerior»; 1:14 «er zog nach Gallien»; 1:16 «er überschritt die Gallische Grenze» –, die er aber anders deutet, und wiederholt lieber dreimal dasselbe, als dass er irgend etwas weglässt. Insofern bestätigt sich das Verdikt des Papias, dass Markus darauf bedacht war, «nichts auszulassen und dabei nicht zu lügen». Man kann ihm abnehmen, dass er sich nicht besser erinnerte, denn als Markus seine Kopie verfasste, war eine Weile vergangen seit der «Himmelfahrt des Herrn». Und während er kopierte, erinnerte er sich an die letzte Sonntagspredigt und nicht an die Historiae des Asinius Pollio, die nur in mancher Bibliothek zugänglich waren, und ihm offensichtlich auch in der Kurzfassung, die er vor Augen hatte und aus der er abschrieb, ein Graus waren, denn sie berichteten vom traumatischen Bürgerkrieg, an den sich keiner mehr erinnern wollte. Wenn es also eine Frage des Gedächtnisses war, dann eine des kollektiven Gedächtnisses, der Erinnerung der Gemeinde, zu der er gehörte. Anscheinend hatten die Kindeskinder der in Asien angesiedelten Veteranen, deren Mütter und Großmütter Einheimische waren, keinen Bezug mehr zum Latein außer als Befehlssprache, so dass der aus Markus’ Kopier- und Redaktionsarbeit entstandene gesäuberte Text für sie eine getreue Kopie war – rührender Beweis ihrer blinden Treue. Insofern haben wir schon unser Ergebnis. Es fällt uns daher leichter, realistisch zu sein. Und wir müssen es sein: Um knappe anderthalb Spalten von Markus übersichtlich wiederzugeben, haben wir nämlich stolze zehn Textseiten gebraucht und fast genauso viele Seiten Anmerkungen, die sich verdoppeln würden, falls man die Übersetzung der lateinischen und griechischen Zitate hinzufügte. Da kämen wir allein für Markus auf circa tausend Seiten. Hier kann unmöglich der Ort dafür sein. So sollten wir uns an Caesar ein Beispiel nehmen und in Eile unsere Reise fortsetzen, damit wir vor Tagesanbruch noch die wichtigsten Plätze einnehmen können. Wir schauen uns in der Folge nur noch perikopenweise an, wie Markus die Geschichte des Bürgerkriegs in seinem Evangelium umgestaltet hat. Wir verpassen nicht viel, denn etliches haben wir bereits ausführlich in den vorausgegangenen Kapiteln behandelt. Die dort ausgearbeiteten Parallelen werden uns nun zur Orientierung dienen. Wo es nötig sein wird, werden wir freilich punktuell ins Detail gehen.

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Belagerung von Corfinium : Der Besessene von Cafarnaum Dass der in Corfinium ‹belagerte› Domitius zum ‹Besessenen› von Cafarnaum (Bibeldeutsch: Kapharnaum) wegen der Doppelbedeutung von lat. obsessus wurde, sahen wir bereits in einem früheren Kapitel. Bemerkenswert ist, wie Markus hier den Namen Domitius, mit dem er nichts anfangen kann, in den Text versenkt: Oidamen tis ei, «Wir wissen, wer du bist», lässt er den unsauberen Geist dem Nazarener sagen. Zur Visualisierung: DOMITIVS > ΔΟΜΙΤΙΟC > ΟΙΔΑΜΕΝΤΙC

Dass Jesus Nazarener für Gaius Caesar steht, wissen wir schon. Zu notieren ist dagegen, weil es öfters bei Markus vorkommt, dass ‹unsauberer Geist› offensichtlich für ‹Pompeianer› steht. Eigentlich war es naheliegend: Anthrōpos en pneumati akathartō, «ein Mensch in unsauberem Geist», klingt nämlich nach homo in pompeiano exercitu, «ein Mann in Pompeius’ Armee».

Pompeius in Brindisi : Die fiebernde Schwiegermutter Pompeius in Brundisium ist zur penthera pyressousa, zur «fiebrigen Schwiegermutter» gemacht worden. Als Schwiegersohn musste dann Antonius, d. h. Simon, herhalten, vielleicht weil er später bei der Überfahrt von Caesars Flotte eine besondere Rolle in Brindisi spielen sollte, wahrscheinlicher jedoch, weil Markus fand, dass penthera Simōnos zu Brundisium passte. Erstaunlicherweise konnte Pompeius Brindisi verlassen – wunderbarerweise verließ das Fieber die Schwiegermutter.

Caesar geht nach Rom : Jesus geht in die Wüste Hier bei Mk 1:35 haben wir, wie erwartet, Rom wieder als «Wüste», Romae als erēmōi. Das erklärt, warum wir davor nicht den nach Sizilien geschickten Asinius (Eselsfüllen) haben, auch nicht den missratenen Feldzug des Curio (verdorrter Feigenbaum). Da Markus Jesus nur einmal in Rom einziehen lässt – auch hier hat er ihn stattdessen in die Wüste geschickt –, musste er die Anekdoten des Asinius und Curio vor den Einzug in Jerusalem verschieben: Man findet sie unter Mk 11:1–7 und 11:12–4.

Publius Clodius : Aussätziger, Lahmer, Levi Die in verschiedene Heilungen aufgeteilte Geschichte des Publius Clodius ist, wie wir sahen, als Exkurs in Mk 1:40–2.17 eingeschoben worden. Da die

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Clodius-Geschichte 62 bzw. 59 stattfand, der Bürgerkrieg aber zehn Jahre später, 49, begann, musste sie irgendwo interpoliert werden. Wir haben vermutet, Markus habe sie als Stadtgeschichte da eingeschoben, als Caesar nach Rom zurückgekommen war. Markus könnte aber einen anderen Aufhänger gefunden haben, nämlich in der Ähnlichkeit des Namens Petreius mit lepros, «Aussätziger». Denn danach zog Caesar gegen Petreius nach Spanien.

Caesar und der Saturnustempel : Jesus und der Sabbat Wie wir sahen, ist die Räumung des Staatsschatzes aus dem Saturnustempel von Markus ausführlich behandelt worden: als Streitgespräch über das Fasten (Saturnus als sata, «Ähren», wahrgenommen) und über den Sabbat (Saturnus als Saturni dies, als Sabbat). Der Intercessionsversuch des Metellus wurde zur Heilung der verdorrten Hand (Metellus als mutilus, «Krüppel», interpretiert).

Caesar Herr Italiens : Zulauf des Volks Dazu ist keine Erklärung nötig. Galiläa ist hier Gallia, wie gehabt, Judäa Italien, Jerusalem Rom. Über die anderen darf man spekulieren. Idumäa, die Heimat von Herodes’ Vater, könnte für Illyria stehen, während Tyrus und Sidon doch original sind, denn sie waren für Caesar des Weges, als er später nach Pontus zog.

Caesar ernennt seine Legaten : Berufung der zwölf Jünger Appian gibt zwei Listen an. Die erste enthält die Namen jener, die von Caesar ernannt wurden, bevor er nach Spanien gegen Petreius und Afranius zog, «zur Absicherung Italiens, so dass Pompeius es nicht mehr betreten konnte». Die zweite folgte nach der Rückkehr aus Spanien, bei der er «nach eigenem Gutdünken rings in die Provinzen Statthalter entsandte oder sie austauschte». Dies war notwendig geworden, unter anderem weil Curio inzwischen in Afrika geschlagen worden war, und Gaius Antonius in Illyrien. Außerdem hatte es eine Meuterei in Placentia gegeben, die Caesar durch die Auswahl von zwölf Rädelsführern, die er hinrichten ließ, niederschlug. Einer von den zwölf konnte beweisen, dass er beim Ausbruch der Meuterei nicht zugegen war, worauf Caesar den Centurio, der ihn angezeigt hatte, an seiner Stelle hinrichten ließ.642

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Auch Markus bringt zuerst die Berufung der zwölf Jünger (3:13–19), später dann ihre Aussendung (6:7–13). Bei ihm fallen alle Namen bereits beim ersten Mal. Allerdings fügt er schon da die Bemerkung ein, dass einer, nämlich Judas Ischariot, ihn verraten sollte, was an den verräterischen Centurio erinnert und die Frage nach dem Austausch stillschweigend impliziert. Somit ist es angebracht, beide Listen von Caesars Legaten zusammen mit jener der Jünger bei Markus zu vergleichen. Unter den vor dem Spanienfeldzug Ernannten erwähnt Appian: Aemilius Lepidus (Rom); Marcus Antonius (Italien und die dort stehenden Truppen); Curio (Sizilien: an Catos Stelle); Quintus Valerius (Sardinien); Gaius Antonius (Illyrien); Licinius Crassus (Gallia Cisalpina); außerdem Hortensius (Admiral der Ionischen Flotte) und Dolabella (Admiral der Tyrrhenischen). Nach dem Spanienfeldzug kommen hinzu: Publius Isauricus (Caesars Mitconsul); Marcus Lepidus (Spanien); Aulus Albinus (Sizilien); Sextus Peducaeus (Sardinien) und Decimus (Iunius) Brutus (neuerobertes Gallien). Insgesamt hat Appian genau zwölf Namen, wobei Lepidus zweimal vorkommt, einmal als Aemilius, einmal als Marcus. Markus führt an: «Und er ging auf einen Berg und rief zu sich, welche er wollte, und die gingen hin zu ihm. Und er setzte zwölf ein, die er auch Apostel nannte, dass sie bei ihm sein sollten und dass er sie aussendete zu predigen und dass sie Vollmacht hätten, die bösen Geister auszutreiben. Und er setzte die Zwölf ein und gab Simon den Namen Petrus; und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, und gab ihnen den Namen Boanerges, das heißt: Donnersöhne; und Andreas und Philippus und Bartholomäus und Matthäus und Thomas und Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Thaddäus und Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn dann verriet.» 643

Wie wir sehen, entsprechen die Zwölf den von Caesar eigenmächtig ausgewählten und ernannten Legaten. Dass sie anstelle der ‹Pompeianer› eingesetzt wurden, erkennt man daran, dass sie «Vollmacht haben, die ‹bösen Geister› auszutreiben». Wir treffen wieder auf alte Bekannte: Simon < Antonius (ANTONIVS spiegelverkehrt als SIMONA gelesen); Petrus < Lepidus (der Praetor als Petrus, in der Folge womöglich auch Lepidus als lapis, lapidis «Stein» verstanden und zum Petrus – auch «Stein» – gemacht). Hier können wir beobachten, wie Simon zu Petrus wird. Appian sagt: «Er ernannte Lepidus zum Kommandanten der Stadt und Antonius Italiens». Markus verstand: «Er nannte Lepidus den Antonius» und machte daraus: «und er gab Simon den Namen Petrus».644 Der Grund dürfte darin liegen, dass ab da Antonius ein festes Paar mit Lepidus

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bildet, bis zum Tod Caesars und darüber hinaus, in das zweite Triumvirat hinein. «Jakobus, der Sohn des Zebedäus», dürfte Marcus Octavius sein, ein Unterfeldherr des Pompeius, der gegen Dolabella geschickt worden war, Gaius Antonius in Illyrien geschlagen hatte und Caesar so zur Ernennung eines Nachfolgers gezwungen: OCTAVIVS > ΟΚΤΑΒΙΟC > ΙΑΚΩΒΟC (für POMPEIVS > ΖΕΒΕΔΑΙΟC s. u.). Wegen der Nähe im Text zu Octavius, der ihn geschlagen hatte, konnte dann «Gaius, der Bruder des Antonius» zu «Johannes, der Bruder des Jakobus» werden. Hier half es, dass Gaios nahe zu neos, «jung», steht, sodass es nach bekanntem Muster zu Johannes werden konnte. Auch dass «Bruder» im Griechischen nicht sehr weit von «Antonius» liegt, wird dem Markus nicht missfallen haben (ΑΝΤΩΝΙΟΝ ≈ ΑΔΕΛΦΟΝ). Für (filii) Tonitrui 645 gehalten – worin der Hauptteil von Antonius, Toni, steckt –, wären dann beide Antonii zu den «Donnersöhnen» geworden. Hinter den Boanerges, den «Donnersöhnen», auf griechisch (h)yioi brontēs, könnte allerdings auch Brutus stehen, Decimus Brutus. Da dieser mit Beinamen auch Albinus hieß, wie Aulus Albinus, könnten beide als «Brutus’ Söhne», (h)yioi Brontēs, wahrgenommen und schließlich zu «Donnersöhnen» gemacht worden sein.646 Zu Andreas kann Curio weniger wegen des Schriftbildes geworden sein (CVRIONEM > ΑΝΔΡΕΑΝ) als wegen des Sinns (Curio von co-vir, wie curia von co-viria, und vir dann mit anēr, andros übersetzt) – wobei nicht auszuschließen ist, dass auf die Namen Petrus und Andreas jene von Petreius und Afranius abgefärbt haben. Deutlich erkennbar sind darüber hinaus: Philippus < Lepidus;647 Simon Kananäus < Gaius Antonius (Simon < Antonius, Kananäus < Gaius); Judas < (Decimus) Junius (Brutus); Iskariot < Isauricus. Damit hätte Markus Gaius Antonius zweimal gebracht, wie auch Lepidus, der aber auch zweimal auf der Liste steht; dafür hätte er aus Judas/Iunius und Iskariot/Isauricus einen einzigen gemacht – Judas Iskariot –, wie oben mit Simon und Petrus. Theoretisch könnte auf Iskariot sicarius, «Meuchelmörder», abgefärbt haben, ein Beiname, der aber auf den anderen Iunius, Marcus Brutus, gemünzt wäre (der hier als Pompeianer noch nicht auf der Liste ist und sein kann, denn er wurde erst nach Pharsalos von Caesar begnadigt und wiederaufgenommen). Zu Philippus ist allerdings zu sagen, dass es einen solchen unter den Volkstribunen gab, die 49 für Caesar intercedierten. Caesar nennt ihn zusammen mit seinem Vater, auch einem Philippus,648 welcher Atia, die

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Schwestertochter Caesars, geheiratet hatte und somit der Stiefvater Octavians, des späteren Augustus, war. Es ist daher nicht auszuschließen, dass der Name Philippus auf Markus’ Vorlage stand, obwohl er bei Appian fehlt. «Söhne des Zebedäus» kommen bei Markus nicht expressis verbis vor (nur Jakobus ist «Sohn des Zebedäus», Johannes ist «Bruder des Jakobus»); die «Donnersöhne» könnten daher an die echten «Söhne des Zebedäus» bloß angeglichen worden sein, die später auftauchen (Mk 10:35–45) und nicht unbedingt dieselben sind, wie wir sehen werden, sondern Pompeius’ Söhne. Bei den anderen Jüngern darf man auch hier, wie oben bei den Ländernamen, spekulieren: Es gibt einen dritten Jakobus auf Markus’ Liste, «des Alphäus Sohn». Zu einem solchen wurde Clodius, wie gesehen: Er wäre hier zu postumer Ehre gekommen – zugleich als Matthäus, als mataios, Frevler. Auch Thomas könnte eine weitere Doublette von (An)tonius sein. Bartholomäus sieht wie eine Kontraktion von Valerius und Dolabella aus (‹b› wird im Griechischen zu der Zeit bereits wie ‹v›, deutsch ‹w›, ausgesprochen); hinter Bartholomäus könnte theoretisch auch der Caesar sehr gewogene Ptolemaios Auletes stehen, wobei «Bar-Ptolomäus», «Sohn des Ptolemaios», an Ptolemaios’ Tochter Kleopatra oder an den späteren Sohn von Caesar und Kleopatra, Kaisarion, erinnerte, dessen vorgesehener ägyptischer Dynastiename ebenfalls Ptolemaios war; schließlich bestünde noch die Möglichkeit, dass Bartholomäus von Aristobulos kommt, den Caesar parallel zur Entsendung seiner Legaten in sein Heimatland Palaestina geschickt hatte, um dort ein Unternehmen gegen Pompeius einzuleiten.649 Thaddäus könnte Peducaeus sein, und falls er Judas hieß, wäre auch er, wie Isauricus/Iskariot, mit (Decimus) Iunius (Brutus) zusammengeschmolzen; da aber manche Handschriften für Thaddäus die Variante Lebbäus aufweisen, wäre er ursprünglich eine weitere Doublette von Lepidus gewesen. Für Matthäus schließlich bietet sich auch jener Matius an, der zwar auf Appians Liste nicht steht, dem aber Caesar als seinem Freund aus dem Pontus die berühmte Worte veni, vidi, vici nach Rom schrieb, und der wegen seiner Habgier, die Plutarch zusammen mit der Verrücktheit Dolabellas und der Trunksucht des Antonius nennt, in Verruf kam, und daher wohl auch als ein mataios, einer von Caesars «Sündern», gelten konnte.650 Auch der Pseudo-Marius Amatius, der nach Caesars Tod den ersten Altar an seiner Verbrennungstätte aufstellen ließ, könnte nachträglich in die Rolle des Matthäus geschlüpft sein. Bei diesen zuletzt genannten unklaren Kandidaten müssen wir die Entscheidung offenlassen: Vielleicht finden wir im Laufe der Untersuchung

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Hinweise, die die Waage zugunsten dieser oder jener Möglichkeit neigen lassen werden. Hier, wie bei den Doubletten, können wir uns jedenfalls die Frage stellen: Sind sie deswegen hinzugekommen, weil Markus die Namen jener Legaten, die später keine Rolle spielten und daher unbekannt waren, einfach weggelassen und sie mit Doubletten oder auch mit anderen Namen ersetzt hat, um irgendwie auf die heilige Zahl zwölf zu kommen, die ihm von den zur Hinrichtung bestimmten Meuterern geboten war? Abschließend lässt sich jedenfalls sagen, dass Markus all seine Jünger ins Trockene gebracht hat, keinen erfunden und keinen ausgelassen. Zur Hälfte sind die Namen klar erkennbar, zur Hälfte zeigen sie, dass sie eingerenkt werden mussten. Aber zwölf sind sie, sogar dass dabei ein fauler war, hat Markus korrekt wiedergegeben: Denn Caesars Legat in der Gallia ulterior, Decimus Iunius Brutus, sollte Caesars Judas werden, ihn an den Iden des März zur Senatssitzung abholen, wo die Dolche der Verschwörer auf ihn warteten.

Caesar außerhalb der Stadt : Jesus ist von Sinnen In Rom sprach Caesar zuerst außerhalb der Stadtmauer zum Volke, dem er Getreidelieferung verspricht651 – als Jesus nach Hause kam, kam das Volk zusammen, das kein Brot zu essen hatte.652 Caesar ist «außerhalb» (des Pomeriums) – Jesus ist «außer» (sich). Exestē muss nicht «von Sinnen» bedeuten, sondern eher «trat hinaus».

Caesar spricht zu den Senatoren : Jesus zu den Schriftgelehrten Außerhalb des Pomeriums sprach Caesar auch zu den Senatoren. Er wandte sich gegen den Bürgerkrieg und versuchte, die Senatoren, die in Rom geblieben waren, zu veranlassen, Abgesandte zu den anderen Senatoren zu schicken, die mit Pompeius nach Thessalonike geflohen waren.653 In der Parallelstelle bei Markus spricht Jesus zu den Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, dass Satan nicht den Satan austreiben kann, dass ein Reich, das mit sich selbst uneins ist, nicht bestehen kann.654 Auch hier steht Satan für Senat, und da es zu der Zeit zwei Senate gibt (die Caesarianer samt Neutralen in Rom, die Pomepeianer in Thessalonike), gibt es zwei Satane. Im Zusammenhang mit der gegenseitigen Anrede werden die Senatoren als Schriftgelehrte bezeichnet – was nicht überrascht, denn die Anrede für die Senatoren war patres conscripti, was eigentlich «Väter und Beigeordnete» bedeutet. Weil es aber wortwörtlich «Väter und (auf die Senatorenliste) Dazugeschriebene» heißt, macht Markus daraus mal «Alte und

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Schriftgelehrte», mal «Pharisäer und Schriftgelehrte», mal «(Hohe-)priester und Schriftgelehrte», manchmal kombiniert er sie sogar, wie 11:27: «Hohepriester, Schriftgelehrte und Alte». Er hat anscheinend für conscripti keine andere Möglichkeit als grammateis, «Schriftgelehrte», gesehen, während ihm für patres mehrere Deutungsmöglichkeiten offenstanden: Als «Stammesväter», als senatores, waren sie die «Alten»; als «Optimaten», patricii, die «Pharisäer»; und als patres einfach die «Priester». Wobei Pharisaioi und presbyteroi in Markus’ Augen und Ohren den Vorteil hatten, patres ähnlich zu sehen und danach zu klingen. Überraschend ist, dass an dieser Stelle nur «Schriftgelehrte» steht. Als ob Markus angesichts zweier Senate die patres conscripti aufgeteilt hätte, die patres mit Pompeius hätte ausziehen lassen und bei Caesar die conscripti zurückgelassen. Wie üblich sind die «unsauberen Geister» auch hier die Pompeianer, während der «heilige Geist» diesmal Pompeius selbst sein könnte (Pompeius Magnus als to Pneuma to (h)agion, mit Wahrnehmung von AGNVS in MAGNVS als AGIOS/ΑΓΙΟC ), mit dem Caesar einen Ausgleich suchte und gegen den er zugleich polemisierte, weil er gegen die Friedensbemühungen Caesars gelästert und das Absenden von Botschaftern als ein Zeichen der Schwäche abgetan hatte. Somit wäre die unverzeihliche «Sünde wider den heiligen Geist» jene «des Pompeius gegen den Friedenswillen». Der Beelzebub, der «die bösen Geister in ihrem Obersten austreiben» will (Mk 3:22), könnte hier Caesars Schwiegervater Piso sein, der den Vorschlag gemacht hatte, Abgesandte zu Pompeius zu schicken:655 Nicht zufällig weisen die meisten Handschriften die Schreibweise Beezeboul auf. Es fand sich aber doch keiner, um zu Pompeius zu gehen – die Abgesandten hatten Angst, er könnte sie als Feinde betrachten, da sie gegen seine Anweisung in Rom geblieben waren. Daraufhin beschloß Caesar, gegen die Pompeianer in Spanien zu ziehen.656 Dabei sprach er das berühmte Wort: «Er gehe jetzt zu dem Heer ohne Führer und werde sich dann dem Führer ohne Heer zuwenden.»657

Dasselbe Wort scheint hier bei Markus nachzuklingen: «Niemand kann aber in das Haus eines Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken fesselt; erst dann kann er sein Haus berauben.» 658

Wobei er «Heer», exercitum, mit skeue, «Hausrat», und mit ischyron, «Starken», verwechselt hätte, sowie «Führer», ducem, mit domum, «Haus» und dēsē, «fesselt».

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Gegen Petreius und Afranius : die wahren Verwandten Petreius als mētēr sou analysiert (wegen der üblichen Verwechselbarkeit von Π und Μ im Griechischen, die wir bereits bei ΠΥΡΑ > ΜΥΡΑ hatten) wird zu «deine Mutter» (ΠΕΤΡΕΙΟC > MHTHRCΟΥ), Afranius als adelphoi sou zu «deine Geschwister» (ΑΦΡΑΝΙΟC > ΑΔΕΛΦΟΙCΟΥ). Und wie Caesar Petreius und Afranius draußen in Spanien besiegte und ihre Soldaten, sofern sie wollten, in seine Legionen eingliederte, so lässt Jesus Mutter und Geschwister draußen bleiben und erklärt jene, die um ihn sind und Gottes Willen tun, zu seinen wahren Verwandten. Wobei hinter «Wille», thelēma, Ilerda, der Platz des Sieges, sich verstecken kann (ILERDA > LERIDA > RELIDA > ΘΕΛΗΜΑ). Damit hat Markus den Spanienfeldzug abgehakt und ist dabei fast so knapp geblieben wie Sueton. Vom Anfang seines Evangeliums bis hierher hat Markus chronologisch korrekt über die Ereignisse vom Ausbruch des Bürgerkrieges bis zum Spanienfeldzug berichtet. Einzige Ausnahmen waren einerseits der Clodius-Exkurs, d. h. bei Markus der Einschub der Heilungen des Aussätzigen und des Lahmen, sowie die Berufung des Levi (1:40–2:17); andererseits die Verschiebung der Geschichten Asinius’ und Curios sowie die Frage nach Jesu Vollmacht nach 11:1–33. Ab dem Spanienfeldzug fängt Markus an, die Reihenfolge beträchtlich durcheinanderzuwerfen. Jetzt müsste er Caesar zurück aus Spanien begleiten, ihn unterwegs erfahren lassen, dass er zum Dictator ernannt wurde, dann in Piacenza die Auseinandersetzung mit den Meuterern haben, wo die Zwölf ausgesucht werden, dann kurz in Rom sein und schließlich in Brindisi die Rede an seine Soldaten halten, bevor er über das stürmische Ionische Meer setzt und mit der Belagerung des Pompeius beginnt. Statt dessen schiebt Markus 4:1–33 die Gleichnisse ein, von denen es anzunehmen ist, dass sie eine Umschreibung der den Sieg bei Pharsalos begleitenden Vorzeichen sind, die Caesar an der ionischen Küste berichtet wurden. Man kann sich vorstellen, wie es dazu kam. Markus hat einfach das Ionische Meer und die Ionischen Inseln im Westen Griechenlands mit der ionischen Küste und den ihr vorgelagerten Inseln im Osten in einen Topf geworfen. Da auch Griechenland als Ganzes im Orient Ionia hieß, fiel ihm die Verwechslung nicht auf. Ja, er bringt es mit Italien durcheinander, aus dem er schon Judäa gemacht hat.

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Es ist jedoch müßig, jedesmal die redaktionellen Gründe nachzuvollziehen, die Markus für seine Verschiebungen gehabt haben mag. Vielleicht waren die Verschiebungen mitunter allein technisch bedingt, man kennt ja die Blättervertauschungstheorien. Womöglich hat er seine Notizen zuerst auf die jeweils leere Papyrusrückseite geschrieben, auf deren Vorderseite der richtige Text stand. Die Codices waren aus jeweils vier Doppelblättern zu je vier Seiten zusammengeheftet. Die Hefte bestanden aus 16 Seiten, wovon bis zur Mitte die geraden Seiten und ab der Mitte die ungeraden auf die glatte Papyrusvorderseite fielen. Hat man jetzt den Evangelientext zuerst auf die rauhen Rückseiten geschrieben und später umgebunden, war der Salat vorprogrammiert. Da gäbe es Spielraum für faszinierende, für uns jedoch im Moment wenig brauchbare Spekulationen. Wir ziehen daher vor, statt Markus’ sprunghafter Reihenfolge die etablierte Chronologie des Bürgerkriegs zur Grundlage zu nehmen. Damit können wir anfangen, die ursprüngliche Reihenfolge des Markus-Evangeliums zu rekonstruieren.

Ernennung zum Dictator : Das Bekenntnis des Petrus Auf dem Rückweg von Spanien hält Caesar in vielen Gemeinden und erfährt unterwegs, dass der Praetor M. Lepidus ein Gesetz zur Einrichtung der Diktatur eingebracht hat und er zum dictator ernannt wurde.659 Auch Jesus ist unterwegs und hält mit seinen Jüngern in vielen Dörfern. Caesarea Philippi steht offenkundig für Caesar und Lepidus. Als praetor hat Lepidus Caesar zum dictator ernennen lassen. So ist es Petrus, der dem Jesus sagt: «Du bist der Christus!» Petrus ist Lepidus dem vermeintlichen Sinne nach (als ob von lapis, lapidis, «Stein»), dem Schriftbild und wohl auch dem Klang nach gibt Petrus praetor wieder. Von Christus haben wir gesehen, dass es als Abkürzung für archiereus megistos stehen kann, i. e. für pontifex maximus. In der Tat, bis dahin hatte Caesar, seit dem Ablauf seines Mandats in Gallien, kein anderes Amt inne als pontifex maximus. Dictator ist also seine erste politische Magistratur seit Anfang des Bürgerkrieges, d. h. seit Beginn des Evangeliums. Markus hat offenkundig Christus zu einem Amalgam von pontifex maximus und dictator gemacht. Dictator – das von dicere, «sagen», kommt: «jener, der das Sagen hat» – hat er in der wiederholten Fragestellung versteckt: «Was ‹sagt› ihr? Was ‹sagen› die Leute, dass ich sei?» Die falschen Antworten auf diese Fragen verdecken ihrerseits den richtigen Namen Caesars: Elia, Aussprache Ilia, steht

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für Iulius – über die Variante Ilius, die die Abstammung von dem Aeneas-Sohn Ilus/Ilos unterstrich. Im Gegensatz zum Herkommen hatte Lepidus die neue Bezeichnung dictator für Caesar sofort verwenden lassen, ohne die offizielle Einsetzung und Einweihung abzuwarten. Aber Caesar wollte zu dem Zeitpunkt kein Diktator sein: Schon nach elf Tagen legte er die Diktatur nieder und ließ sich zusammen mit Servilius Isauricus zum Konsul wählen.660 Auch Jesus ist die neue Titulatur, die er von Petrus bekommen hat, nicht genehm: «Und er bedrohte sie, dass sie niemand von ihm sagen sollten.» 661

Das ist das ganze Geheimnis des Messiasgeheimnisses: Caesar wurde vom Praetor Lepidus zum dictator ernannt und sofort so genannt – das verbat er sich. Jesus wurde von Petrus Christus genannt – das verbat er sich: Messiasgeheimnis. Aber was verbat er sich? Dass sie ihn Christus nannten? Kaum: Der Satz ist anders aufgebaut: «Und er bedrohte sie, dass sie niemand von ihm sagen sollten.» Was sollte man von ihm nicht «sagen»? Der Text «sagt» es nicht: Aber dictator kommt von dicere, «sagen». Markus hat dictator hinter dicere versteckt. Der Messias ist der dictator, Markus’ Messiasgeheimnis ein Kinderrätsel.

Meuterei in Piacenza : Verwerfung in Nazaret Über die Meuterei der zwei Legionen bei Placentia haben wir oben bereits gesprochen, denn am Ende wurden die Zwölf zur Hinrichtung ausgelost, unter denen der verräterische Centurio war.662 Der Name Placentia ist zu patrida geworden, was als «Vaterstadt» wiedergegeben wird. Der Name Nazaret steht bei Markus nicht. Nur weil man gedacht hat, Jesus hieße deswegen Nazarener weil er aus Nazaret war und weil hier patrida steht, was als «Vaterstadt» übersetzt wird, denkt man, wir seien hier in Nazaret: Wir sind in Piacenza. Der Zimmermann (in den meisten Markus-Handschriften steht nicht «Sohn des Zimmermanns», sondern «Zimmermann») ist Caesar selbst: Der pontifex, wortwörtlich «Brückenbauer», ist zu gr. tektōn, dt. «Zimmermann», gemacht worden; der freigebliebene Teil des Titels, maximus, ist dann als Mari us gelesen und als (h)o (h)yios tēs Marias, «Marias Sohn», verstanden worden – was zum Neffen des Marius, geboren während Marius’ Konsulats, übrigens gut passte. So wurde der pontifex maximus zum «Zimmermann, Marias Sohn». Die Namen der Verwandten, die hier genannt werden, sind ihrerseits jene seiner Legaten, die gefallen waren: Gaius Antonius, in Illyrien von Octavius

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geschlagen, ist hier der Bruder des Jakobus, wie gehabt, während Octavius zu Josetos (deutsch «Joses») geworden ist (anscheinend ist lateinisch «C» als griechisches sigma lunatum ‹C›, als das in den Handschriften übliche, wie ein Mond geformte sigma, d. h. als «S» interpretiert: OCTAVIVS > ΙΩCΗΤΟC ). Dies sollten wir uns merken, denn wir werden sehen, dass später ein anderer Octavius, Octavian, als Josetos/Joses auftreten wird. Simon ist noch einmal Antonius, auch wie gehabt, und Judas jener Iunius Brutus, dem Gallien unterstand (vom Unterschied zwischen Cisalpina und Ulterior wurde hier anscheinend abgesehen). Die den Meuterern von Caesar angedrohte Bestrafung «nach väterlichem Gesetz», d. h. die Dezimierung, ist hier verbrämt worden als «Keiner ist Prophet in seinem Vaterland». Er brachte es aber nicht übers Herz, jeden Zehnten aus beiden Legionen auszulosen – à 6000 Mann wären es 1200 gewesen –, nahm erst jeden Zehnten vom Zehnten, und dann noch einmal, um endlich nur zwölf Rädelsführer hinrichten zu lassen: «Und er konnte dort nicht eine einzige Tat tun, außer dass er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte.» 663

So wird die Hinrichtung der Zwölf, statt handgreiflich, als Hände-Auflegen verschämt präsentiert. Eine Heilung war es insofern, als die Soldaten ihm danach mit großem Eifer nach Brindisi folgten, von wo aus er sie über das Ionium gegen Pompeius führte. Sie geht bei Markus nahtlos in die Aussendung der Zwölf über, die zu je zweien verschickt werden – wie die meuternden Legionen zwei sind. Damit hat Markus dreierlei missi miteinander vermengt, die zufällig jeweils zwölf waren: die zwölf in den Tod «geschickten» Rädelsführer; die zwölf in die Provinzen «abgesandten» Legaten; die zwölf nach Brindisi «befohlenen» Legionen. Nebenbei bemerkt: Dass Caesar unterwegs von Piacenza nach Brindisi sich zum zweiten Mal in Rom kurz aufhielt, übergeht Markus einfach mit dem Satz: «Und er ging rings umher in die Dörfer und lehrte.» 664

Diesmal hat er ihn statt in die «Wüste» in die «Dörfer» geschickt, aus Rom nicht erēmōi, sondern kōmas, «Dörfer», gemacht. Das schien ihm hier passender. Als ob er in seiner Vorlage diesmal nicht den Lokativ Romae gefunden hätte, mit der Endung ‹e›, die er am Anfang von erēmōi braucht: Kein ‹e›, kein erēmōi – mag er sich gesagt haben. Hat er statt dessen den Akkusativ Romam, «nach Rom», gehabt, so hat er das zuerst in kōmēn, «Dorf»,

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umgewandelt, und dann, wegen des Kontextes, auf den Plural kōmas, «Dörfer», erweitert.

Abfahrt aus Brindisi : Aussendung der zwölf Jünger In Brindisi angekommen, wo er wenig Schiffe zur Verfügung hatte, sagte Caesar seinen Soldaten, dass sie getrost Gepäck, Tross, Ausrüstung und Besitz in Italien zurücklassen sollten, damit so viele wie möglich unbehindert und kampfbereit in den Schiffen Platz finden und diese unbeladen dem Winterwetter besser trotzen konnten. Ziel war, die Pompeianer zu überraschen, ihre Stellungen einzunehmen, sich an ihrem Proviant zu bedienen. Da sie nichts bei sich hatten, waren die Soldaten um so entschlossener, ihre Not am Überfluss der Pompeianer zu lindern. Die Rechnung ging auf: Statt nur fünf Legionen fanden zwei weitere in den Schiffen Platz, sie setzten trotz der schlechten Winde sicher über und nahmen ohne Schwertstreich sofort Oricum und Apollonia ein.665 Markus: «Und er rief die Zwölf zu sich und fing an, sie auszusenden je zwei und zwei, und gab ihnen Macht über die unreinen Geister und gebot ihnen, nichts mitzunehmen auf den Weg als allein einen Stab, kein Brot, keine Tasche, kein Geld im Gürtel, wohl aber Schuhe an den Füßen, und nicht zwei Hemden anzuziehen. Und er sprach zu ihnen: Wo ihr in ein Haus gehen werdet, da bleibt, bis ihr von dort weiterzieht. Und wo man euch nicht aufnimmt und nicht hört, da geht und schüttelt den Staub von euren Füßen zum Zeugnis gegen sie. Und sie zogen aus und predigten, man solle Buße tun, und trieben viele böse Geister aus und salbten viele Kranke mit Öl und machten sie gesund.»666

«Fünf und zwei» war Markus anscheinend zu kompliziert, und er machte daraus «zwei und zwei». Die «Füße» verdeutlichen, wie Markus impedimenta, «Gepäck, Troß», bzw. expediti, «unbehindert, kampfbereit», verstanden hat: Er hat darin -pedi- erkannt, und es für «Füße» gehalten. So verstand er impedimenta als (h)ypodedemenous (sandalia), «Schuhe an den Füßen», und expediti als ek tōn podōn, «von den Füßen», und folglich als Staub abschütteln. Den «Winter», cheimōn, hat er für einen chitōn, «Rock», gehalten; «durchschiffen», perān, mit einer pēran, «Tasche», verwechselt; und wahrscheinlich aus «rasch», rapidus, eine rabdos, eine «Rute», einen «Stab», gemacht. Die «bösen Geister» sind wie immer die Pompeianer, während Apollonia, das «Öl» beinhaltet, womit – elaiō – viele «Kranken», arrōstous (von Orikos?), geheilt werden.

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Es ist aber wahrscheinlich, dass der zweite Teil der Markus-Perikope, eingeleitet durch «Und er sprach zu ihnen …», nicht zur Rede in Brindisi gehört, sondern zu einer späteren Rede und einem späteren Ereignis, das hierher geholt und von Markus redaktionell vermengt wurde. Nach der Landung in Epirus konnte Caesar zwar Apollonia und Orikos einnehmen, Dyrrhachium aber, das Hauptlager des Pompeius, fiel nicht, trotz langwieriger Belagerung. Als Caesar nach zwei verlorenen Gefechten die Belagerung aufgeben musste, war sein Heer außerdem in so große Hungersnot geraten, dass eine Seuche im Lager umging. Auf dem Abmarsch Richtung Thessalien kam er wieder nach Apollonia – und dies kann Markus den Aufhänger für den Einschub hier geliefert haben –, wo er den Verletzten und Kranken die erste Pflege zukommen ließ. Richtig gesund wurden sie erst in Gomphoi. Diese Stadt hatte ihm wie andere die Tore verschlossen, in der Annahme, er sei auf der Flucht vor Pompeius. An ihr statuierte er ein Exempel und gab sie seinen Soldaten zur Plünderung frei. Diese fanden hier zusammen mit reichlichen Vorräten große Mengen Wein, tranken sich voll davon, ja sie zechten noch unterwegs fröhlich weiter. Der Rausch, bei dem sich die Germanen – die bekanntlich zahlreich in Caesars Armee waren, namentlich in der Reiterei – besonders auszeichneten, trieb die Seuche aus ihrem Körper heraus und machte sie zu neuen, gesunden Menschen.667 So müssen wir die zweite Hälfte von obiger Markus-Perikope auch anders lesen: Wo die «Jünger», d. h. die «Jungs», nicht aufgenommen wurden, «schüttelten sie» nicht nur «den Staub von ihren Füßen als Zeugnis gegen sie», sondern legten die Stadt in Schutt und Asche, um ein Exempel zu statuieren. Sie predigten nicht nur die Buße, sondern ließen büßen. Zweierlei ist merkwürdig: Die bösen Geister, die hier ausgetrieben werden, sind nicht nur die Pompeianer, sondern die Seuche, und das «heilende Öl», womit sie «salbten und viele Kranke gesund machten», war bester griechischer Wein, das wundertätige Allheilmittel ein unvergesslicher kollektiver Rausch. Auffällig ist allerdings, dass das von Markus benutze Wort für die «Kranken», ar-rōstous, eigentlich «kraftlos, mutlos» bedeutet, und daher weniger zu den von der Seuche Befallenen passt, wo Ableitungen von nosos, «Krankheit», etwa nosountas, geeigneter gewesen wären, hervorragend jedoch zu allen Caesars Leuten: zu den nach der Schlappe von Dyrrhachium angeschlagenen Legionären, als auch überhaupt zu den seit Sulla niedergeschlagenen Marianern. Diese Stelle kann nicht genug hervorgehoben werden, denn hier konnte Markus konkretisiert sehen, was man von Caesars Siegen allgemein hielt,

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nämlich dass sie Wunder waren. Der wunderbare Feldherr wird hier zum wundertätigen Therapeuten (mit Hilfe des allgemeinen Glaubens, dass Caesar, und nicht Pompeius, der wahre Arzt der kränkenden Republik gewesen war 668). Von hier aus ließ Markus den Gedanken auf die benachbarten Texte übergreifen, und so wurden alle anderen Siege nicht nur zu Wundern, sondern auch, wo irgend möglich, zu Wunderheilungen.

Unruhiger Wellengang : Stillung des Sturmes Nach der Rede führte Caesar seine Soldaten sogleich von der Rednerbühne aus zu den Schiffen hin. Er musste aber wegen des unruhigen Wellenganges auf offener See vor Anker gehen. Der Wind hemmte ihn, sodass er selbst den ersten Tag des neuen Jahres noch in Brundisium verweilen musste. Inzwischen trafen zwei weitere Legionen ein: jene, die gemeutert hatten und nun doch gehorsam gefolgt waren, und Caesar nahm sie auch dazu. Endlich legte sich der Wind und beruhigte sich das Meer, und er startete zur Winterszeit auf Lastschiffen. Caesars Fahrzeuge wurden von den Winden zu den Keraunischen Felsen hingetrieben – er schickte sie sofort zurück, um die übrigen Truppen herbeizuholen.669 Markus: «Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Laßt uns hinüberfahren. Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Schiff war, und es waren noch andere Schiffe bei ihm. Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Schiff, so dass das Schiff schon voll wurde. Und er war hinten im Schiff und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam! Und sie kamen ans andere Ufer des Sees in die Gegend der Gerasener. Und als er aus dem Schiff trat, lief ihm alsbald entgegen […].» 670

Die Anekdote ist offensichtlich dieselbe. Sie fängt mit dem Einschiffen an, geht mit dem Sturm weiter, mündet in die Landung bei den Kerauniern bzw. Gerasenern und endet mit dem «Zurückschicken der Schiffe» bzw. dem «Entgegenlaufen beim Treten aus dem Schiff». Das einzige, was Markus durcheinandergebracht hat, ist «das Verweilen in Brundisium», das bei ihm zum «Schlafen auf dem Kissen hinten auf dem Schiff» geworden ist – darin bestärkt, dass auch Caesar in der nächsten Anekdote (s. u.) «sich wie ein armer unbekannter Geselle in einen Winkel des Schiffes warf, wo er ruhig liegenblieb».671 Brundisium hat er aufgelöst zuerst in prymna, «Hinterdeck», und, anscheinend weil es ihm zu kurz vorkam,

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noch einmal in proskephalaion, als «Kissen» statt als «Vorderbank» verstanden – wodurch katheudōn nicht als «untätig, ruhend» sondern als echt «schlafend» genommen wurde. Dann brauchte er nur noch den Gehorsam von den Legionen auf Wind und Meer zu verlagern – und fertig war die Stillung des Sturmes!

Caesars Glück fährt mit : Jesus wandelt auf dem Meer Die Anekdote von Caesars Versuch, incognito auf einem Boot nach Brindisi zurückzufahren, um die weiteren, sich verspätenden Legionen persönlich abzuholen, haben wir in einem vorigen Kapitel bereits ausführlich behandelt.672 Hier sei dazu vermerkt, dass Markus vom Zögern des Antonius und seiner nicht gerade rühmlichen Überfahrt nicht berichtet. Vom zögernden Petrus, der auf dem Wasser geht, erschrickt und zu sinken anfängt, schreit, bis Jesus ihn ergreift, berichtet nur Matthäus.673 Die einzige Spur, die bei Markus davon geblieben ist, ist der Landeplatz des Antonius: Dalmatien, das an einer anderen Stelle auf Dalmanoutha abgefärbt haben könnte, wie wir sahen und noch sehen werden.

Belagerung des Pompeius : Heilung des Besessenen Auch dies haben wir behandelt, allerdings nur zur Hälfte, Mk 5:1–11. Als «Gerasener» wird dieser «Besessene» nur bezeichnet, weil Jesus bei den Gerasenern gelandet war, d. h. Caesar bei den Keraunischen Felsen. Wie wir sahen,674 handelt es sich um Pompeius selbst, der hier höchstpersönlich zum «Menschen mit einem unsauberen Geist wird». «Besessen» ist er, weil er «belagert» wurde: Lateinisch obsessus bedeutet beides. «Fesseln ließ er sich nicht», denn er «durchbrach wiederholt die Belagerung», die schließlich aufgegeben werden musste. Die «Verschanzungen», munimenta, sind als monumenta, «Denkmäler», und daher «Gräber» missverstanden worden. Legion heißt er, weil er welche dabei hat. Die «Herde Säue am Berge» könnten die «Herden Kleinvieh aus dem Epirus» sein, die den Caesarianern als Proviant dienten, aber mit dem «Heer der Feinde» zusammengeschmolzen sind wegen der gegenseitigen Vorwürfe, «Tiere» zu sein. Hinzuzufügen ist hier, dass die Säue im nächsten Absatz bereits etwas anderes sein könnten. Als Caesar nach einer unglücklichen Schlappe die Belagerung aufgeben musste, baten ihn seine Leute, sie sofort gegen die Feinde zu führen, um die Scharte auszuwetzen; er erlaubte es ihnen kurz

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danach; vorher zog er sich zurück und lockte die Pompeianer auf ein für ihn günstigeres Gelände, in die Thessalische Ebene herunter, wo er sie bei Pharsalos schlug, obwohl sie zahlenmäßig doppelt so stark waren.675 Auch Jesus wird von den unsauberen Geistern gebeten, sie in die Säue fahren zu lassen; und er erlaubte es ihnen, und die unsauberen Geister fuhren aus und fuhren in die Säue, und die Herde stürzte sich den Abhang hinunter ins Meer, zweitausend an der Zahl.676 Diesmal hat Markus auch Caesars Soldaten zu unsauberen Geistern gemacht, die bei ihm sonst immer nur die Pompeianer sind. Dann hat er bei (h)ypechōrei, «zog sich zurück», choirous, «Säue», zu erkennen geglaubt, Thessalia für thalassa, «Meer», gehalten, Pharsalus für pharagx, pharaggos, «Schlucht, Kluft, Abgrund», und so wurde der «Abzug nach Pharsalus in Thessalien» zum «Absturz der Säue den Abhang hinunter ins Meer».677 Die Zahl «zweitausend», falls sie sich auf die Truppenstärke bezieht, wäre fast korrekt, denn Caesar hatte «zweiundzwanzigtausend» Mann: Markus hätte bei dischilioi pros dismyriois einfach den zweiten Teil verloren. Im Falle jedoch, dass die relative Anzahl damit gemeint war – Pompeius hatte doppelt so viele Soldaten wie Caesar –, hätte er diplasioi, «doppelt», mit dischilioi, «zweitausend», durcheinandergebracht (ΔΙΠΛΑCΙΟΙ ≈ ΔΙCΧΙΛΙΟΙ).678 Der Rest der Perikope erzählt in geraffter Form den weiteren Verlauf des Feldzugs bis zum Sieg Caesars, der Niedergeschlagenheit des Pompeius und seiner Flucht: «Pompeius, der vom anderen Flügel aus die zersprengte Reiterei fliehen sah, war von Sinnen. Er vergaß, dass er Pompeius der Große war. Gleich einem von einem Gott mit Irrsinn Geschlagenen ging er schweigend in sein Zelt und wartete sitzend auf das, was kommen werde. Als das ganze Heer in die Flucht geschlagen wurde und die Feinde das Lager stürmten und schon die Verteidiger angriffen, erst dann kam er wieder zu sich, sprach, wie es heißt, das einzige Wort: ‹Also auch ins Lager?›, vertauschte sein Feldherrngewand mit einem anderen, das sich zur Flucht besser schickte, und stahl sich davon.» 679

Die Parallelstelle bei Markus lautet: «Und die Hirten flohen und verkündigten das in der Stadt und auf dem Lande. Und die Leute gingen hinaus, um zu sehen, was geschehen war, und kamen zu Jesus und sahen den Besessenen, wie er da saß, bekleidet und vernünftig, den, der die Legion unreiner Geister gehabt hatte; und sie fürchteten sich. Und die es gesehen hatten, erzählten ihnen, was mit dem Besessenen geschehen war, und das von den Säuen. Und sie fingen an und baten Jesus, aus ihrem Gebiet fortzugehen. Und als er in das Schiff trat, bat ihn der Besessene, dass er bei ihm bleiben dürfe. Aber er ließ es ihm nicht zu, sondern sprach zu ihm: Geh hin in dein Haus zu den Deinen und verkünde ihnen, welch große Wohltat dir der Herr getan und wie er sich deiner erbarmt hat. Und er ging hin und fing an, in den Zehn Städten auszurufen, welch große Wohltat ihm Jesus getan hatte; und jedermann verwunderte sich.» 680

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Die ‹fliehenden Reiter› sind zu den ‹fliehenden Hirten› geworden, die ‹Erstürmung des Lagers› zum ‹Betreten des Schiffes›: Hat hier Markus «in das Lager», eis to stratopedon, als eis to ploion, «in das Schiff», gelesen, hat er stratopedon nicht im Sinne von «Heerlager» und «Heer», sondern von «Flotte» genommen und in -pedon ploion gesehen? Hat er «erstürmten», epebainon, als embainon(tos), «er trat», wahrgenommen? Oder hat hier abgefärbt, dass Pompeius, über Larissa ans Meer gekommen, ein Schiff betrat und damit weiterflüchtete, über Mitylene bis nach Ägypten? Die Dekapolis, die «Zehn Städte», wo der Besessene hinging, fehlen bei Plutarch. Aber Appian in der Parallelstelle fängt schon an, die Stationen der Flucht anzugeben, indem er die erste Stadt, Larissa, nennt.

«Das haben sie gewollt» : Zweite Leidensankündigung Als Caesar in das Lager des Pompeius gelangte und sah, dass, obwohl er seine Soldaten ermahnt hatte, die römischen Bürger unter den Feinden zu schonen, doch viele tot am Boden lagen und andere noch getötet wurden, sagte er seufzend: «Das haben sie gewollt. Trotz meiner großen Leistungen wäre ich, Gaius Caesar, sogar zum Tode verurteilt worden, wenn ich nicht meine Armee um Hilfe gebeten hätte.» 681

Markus macht daraus eine Leidensankündigung: «Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen, und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er nach drei Tagen auferstehen. Sie aber verstanden das Wort nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen.» 682

Hervorzuheben ist hier, dass Caesar sich selbst Gaius nennt, und nicht Iulius. Folgerichtig steht bei Markus «Menschensohn»: Gaius wird als Gai us aufgelöst, «Erden- bzw. Menschensohn». Dieser war da noch nicht getötet worden, aber weil später doch, verleitete dies ihn dazu, eine Leidensankündigung daraus zu machen. Dass er wiederauferstehen wird, ist seine Art, die Hilfe seiner Armee zu verstehen, die er sich nur im Himmel und nicht auf Erden vorstellen kann. Auch die «drei Tage» stimmen dann insofern, als Caesars Beisetzung, die zu seinem postumen Siege gegen die Mörder werden sollte, am dritten Tag nach der Ermordung stattfand.683 Der Unterschied zwischen «er wäre getötet worden» bei Caesar und «er soll getötet werden» bei Jesus ist kaum relevant im Griechischen, wo die Zeitstufen der Verben nicht fest sind, sondern dem Aspekt unterliegen.

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Diese Leidensankündigung wird in den Evangelien-Ausgaben als die zweite gezählt. Nun haben wir die erste noch nicht gesehen. Man findet sie bei Markus 8:31 bis 9:1. Wie ist sie bei Caesar einzuordnen? Einen Hinweis gibt uns die gerade gesehene zweite Leidensankündigung, die so einsetzt: «Und sie gingen von da hinweg und zogen durch Galiläa.» 684

Sie verweist uns an den Anfang des Evangeliums zurück, vor dem Jordan bzw. dem Rubicon. Dort ist nicht die zweite, wohl aber die erste Leidensankündigung zu lokalisieren, die ohne Ort- und Zeitangabe angeführt wird und im Anfang wie eine Doublette der zweiten sich anhört: «Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.» 685

Beim genaueren Hinsehen jedoch merken wir, dass hier «Älteste und Hohepriester und Schriftgelehrte» anwesend sind, von denen wir inzwischen wissen, dass es sich um die Anrede an die Senatoren handelt: patres conscripti. Wir sind also im Senat, und es wird geredet. Schauen wir uns die Fortsetzung an: «Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.» 686

Satan steht für den Senat. Petrus ist Lepidus oder Antonius. Der bedrohte Petrus, der anfing, ihm zu wehren und dem gesagt wird: «Geh weg von mir, Satan!» ist der Antonius, der für Caesar intercedierte, der an seinem Leben bedroht wurde und den Senat unter Anrufung der Götter und schwerem Fluchen verlässt: «Er stürzte wie besessen hinaus, prophezeite Krieg, Mord, Proskription, Verbannung, Enteignung und alle Übel, die ihnen bevorstehen, und häufte schwere Flüche auf jene, die daran schuld seien.» 687

Diese Leidensankündigung, die von Antonius/Petrus an die Adresse der Senatoren/Satane gerichtet war, dreht Markus um, als ob sie sich auf Caesar/Jesus beziehen würde: Etwas anderes passte ja nicht in sein Schema. Als er davon erfuhr, hatte Caesar die Drohung an die intercedierenden Volkstribunen als den Gipfel der «Missachtung aller göttlichen und menschlichen Gesetze» dargestellt.688 Markus stimmt auf seine Weise ein: «Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.»

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Jetzt, wo wir die erste Leidensankündigung als Malediktion des aus dem Senat verjagten Antonius orten konnten, können wir auch den Eingangssatz der zweiten einordnen: «Und sie gingen von da hinweg und zogen durch Galiläa» ist zu verstehen als: «Und die Volkstribunen verließen den Senat und die Stadt und flüchteten sich zu Caesar nach Gallien.» Dies ermöglicht uns, auch die darauffolgende Rede Jesu an das Volk und seine Jünger zu lokalisieren. Es ist die Diskussion Caesars mit seinen Offizieren vor der Überschreitung des Rubicons. Wie wir bereits sahen, zögerte Caesar, bewaffnet über den Grenzfluss zu setzen, denn es hieß, den Bürgerkrieg zu eröffnen. Er hielt inne, wog das Dafür und das Dagegen ab und beriet sich mit den Freunden in seinem Gefolge. Er sagte: «Nicht hinüberzugehen wird mir Bedrängnis und Unglück bereiten, hinüberzugehen hingegen allen Menschen.» Und er fragte sich, wie die Nachwelt über ihn urteilen werde, wenn er nun die Waffen entscheiden ließe. Schließlich setzte er aber wie ein von Gott ergriffener Mensch mit Schwung hinüber mit dem Wort: «Der Würfel sei geworfen» und besetzte bald Ariminum und dann, wie man weiß, alle anderen Städte und das ganze Reich.689 Markus’ Wiedergabe: «Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s erhalten. Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden? Denn was kann der Mensch geben, damit er seine Seele löse? Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln. Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie sehen das Reich Gottes kommen mit Kraft.» 690

Anders als Caesar hat Jesus keine Zweifel. Die Alternative jedoch ist geblieben. Caesar machte seinem Gefolge klar, dass den fatalen Schritt nicht zu wagen das eigene Verderben bedeutete, ihn zu wagen den Bürgerkrieg. So ist es auch bei Jesus, denn das «Evangelium», die «Siegesmeldung», konnte nur am Ende eines Bürgerkriegs erfolgen, wie wir nun wissen. Alea hat Markus hier zu antallagma, «Lösegeld», gemacht, so wurde aus Alea iacta est: «als Lösegeld geben» – und damit es einen Sinn bekommt, hat er vervollständigt: «Denn was kann der Mensch geben, damit er seine Seele löse?» Die Bedenken schließlich, die Caesar hatte, was das Urteil der Nachwelt angeht, verarbeitet Markus so: «Wer sich aber meiner und meiner Worte

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schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.» – Wobei die «Engel» auch hier seine Legionen sind.

Schmaus in Pompeius’ Lager : Speisung der Fünf- und Viertausend Vor der Schlacht hatte Caesar seine Soldaten aufgefordert, beim Ausmarsch demonstrativ die Lagermauer niederzureißen, um sich selbst und dem Feind klarzumachen, dass sie nichts zu verlieren hätten und das feindliche Lager einnehmen müssten. Dem kamen die Soldaten um so leichter nach, als ihnen im eigenen Lager das Nötigste fehlte, während die wohlversorgten Feinde in Üppigkeit sich sonnten. Nach der Einnahme von Pompeius’ Lager quartierte sich Caesar dort ein, wie er angedroht hatte, und verzehrte selbst die für Pompeius vorbereiteten Speisen, und das gesamte Heer jene der Feinde.691 Es wurde zu einem richtigen Schmaus, denn die Pompeianer waren so siegessicher gewesen, dass sie ein luxuriöses Essen hatten vorbereiten lassen. Kunstvolle Lauben waren da zu sehen, die Zelte waren mit frischem Rasen ausgelegt oder gar mit Efeu umwunden und mit Myrten bekränzt, die Tische waren mit bunten Decken geschmückt, mit Silbergeschirr und reichlich Trinkgefäßen gedeckt; ja, der Wein war nicht nur wie üblich in kleine Amphoren, sondern in die größeren Mischkrüge gefüllt, wo man Wasser-und-Wein-Schorle erwartet hätte.692 Elemente dieser Anekdote findet man bei Markus in der Speisung der Fünftausend und noch einmal in jener der Viertausend wieder, sowie in der Hochzeit zu Kana, über die aber nur Johannes berichtet. Der Grund, warum die Evangelisten mehrere getrennte Perikopen daraus machen, liegt darin, dass dieser im Lager des Pompeius nicht der einzige Schmaus von Caesars «Volk» war. Bereits bei der Plünderung Gomphois war es zu einer Freß- und Trinkorgie gekommen, wie wir sahen. Und dann gab es natürlich die unvergesslichen epula, die Festmahle, die Caesar dem Volk später in Rom bei Gelegenheit seiner Triumphe spendete, wie auch bei den nachträglichen Feierlichkeiten zu Ehren seiner verstorbenen Tochter Iulia. Dazu kamen die traditionellen sportulae, «Speisekörbchen» mit Viktualien und Geld, die Caesar reichlicher als je zuvor im Volk verteilen ließ, sowie die Anlegung von Kolonien als Belohnung für die Veteranen und Existenzgründung für die kinderreichen Stadtbewohner.

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Es ist in den Quellen von mehreren Festessen die Rede; von zweiundzwanzigtausend in der ganzen Stadt aufgestellten Tischen, auch draußen auf den Straßen und Kreuzungen, an denen bewirtet wurde; von sechstausend Muränen im Gewicht von über zweitausend heutigen Kilos, die der Fischzüchter Hirrius, ein ehemaliger Feind Caesars, auf Kredit geliefert hatte; von einer Amphore (rund 20 Liter) Falernum, dem besten Weißwein Italiens, pro Tischgruppe von neun Gästen, und dazu ein cadus, ein noch größerer Krug (rund 30 Liter), aber nicht wie üblich mit Wasser gefüllt, sondern mit Wein aus Chios; von einem Festschmaus, der wiederholt wurde, weil jemand sich beklagt hatte, der erste sei zu bescheiden gewesen und der Großzügigkeit Caesars nicht würdig – dabei fallen die Namen von noch weiteren ausgesuchten Weinsorten, außer Falernum und Chios auch Lesbos und Mamertinum; schließlich ist von Lebensmittelverteilungen die Rede, an jene, die nicht dabeisein konnten, nicht nur Getreide und Öl, sondern auch Geld – dreihundert Münzen plus einhundert Verzugszinsen – und, was außerordentlich erschien, auch Fleisch.693 Wie man sieht, sind hier alle Elemente versammelt, die in der Speisung der Fünftausend (Mk 6:30–44), der Viertausend (Mk 8:1–9) und der Hochzeit von Kana (Jh 2:1–11) vorkommen: Das Silber bzw. das Geld (zweihundert Silberlinge); das Essen draußen im Freien und in Gruppen, auf dem grünen Gras; die Üppigkeit nach dem Hunger; die Speisekörbchen mit den übrigen Brocken; das Brot; der Wein; die Klage, es sei zu wenig; die mit Wein gefüllten Wasserkrüge.694 Zu bemerken ist, dass bei Markus beide Szenen in der «Wüste» spielen, erēmōi, wovon wir wissen, dass es für Romae steht: Wir sind also «in Rom». Da aber Elemente dabei sind, die eher an den Schmaus im Lager des Pompeius erinnern – das «grüne Gras» zum Beispiel –, kann Markus die verschiedenen Anekdoten miteinander vermengt haben. Dies machen übrigens auch die klassischen Quellen, wo jeder Autor auf seine Weise zusammenfasst. Da nach der Speisung der Viertausend Jesus in ein Schiff tritt und nach Dalmanoutha fährt, wie nach dem Schmaus im Lager des Pompeius Caesar per Schiff auf Alexandria zusteuert, dürfte die Speisung der Viertausend ursprünglich mehr Elemente vom Schmaus im Lager des Pompeius enthalten haben. Leider ist die Speisung der Viertausend im Laufe der sukzessiven Redaktionen und Kopien jener der Fünftausend so angeglichen worden, dass sie jegliche Originalität verloren hat. Aus dem Grund haben auch wir die verschiedenen Festmahle zusammen behandeln müssen.

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Die «zwei Fische» bzw. «etliche Fischlein» könnten die bei den triumphalen Festmahlen servierten Muränen des Fischzüchters Hirrius gewesen sein. Dann ging die Anzahl «zwei Fische» in Ordnung, denn offiziell, und abgesehen von der Wiederholung, waren es zwei Bankette. Da die «Festmahle» (h)estiaseis hießen, man sie aber wegen der feierlich geschlachteten Tiere auch «Opfer» nannte, thysiai, könnten auch so die ichthyas, die «Fische», sich eingeschmuggelt haben, als Mix von (h)estiaseis und thysias – zumal Caesar, als Sohn der Venus, der vom Schaum des Meeres Geborenen, gerne Fische servierte.695 Hier wäre die unbestimmte Anzahl «etliche Fischlein» angebrachter. Was die Anzahl der Brote angeht, wenn Markus prandiis mit panibus verwechselt hat, also «Festmahle» mit «Brote›», dann könnte es mit fünf bzw. mit sieben hinkommen, je nachdem, ob man auch die eine Wiederholung bzw. die Fleischverteilung extra zählt oder nicht. Die «Hochzeit zu Kana» ist das «Festmahl zu Ehren der Iulia». Hier haben wir noch einmal Gelegenheit zu beobachten, dass die Vorlage des Johannes – anders als jene des Markus, die lateinisch war –, bereits eine griechische gewesen sein muss. Denn aus der lateinischen Form des Namens, IVLIA, lässt sich kein KANA herauslesen, wohl aber aus der griechischen Form ΙΟΥΛΙΑ: ΙΟ kann als Κ wahrgenommen werden (ΙΟ > ΙC > Κ ), sowie ΛΙ als Ν (ΛΙ > Ν): ΙΟΥΛΙΑ > ΙCΥΛΙΑ > ΚΥΝΑ > ΚΑΝΑ (Βei kyna kann es nicht bleiben: Es wäre ja «Hündin»! Und da fehlte anscheinend eine Ortschaft des Namens.)

Das erklärt, warum, anders als Johannes, Markus keine Hochzeit zu Kana hat und haben kann. Wir werden sehen, dass er statt dessen aus Iulia, der Tochter des Iulius, die Tochter des Jairus macht: IVLIVS > IAIRVS > ΙΑΙΡΟC

Abschließend sei hier darauf aufmerksam gemacht, dass der Prolog zur Speisung der Fünftausend, wo Jesus die Apostel auffordert: «Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruhet ein wenig. Denn ihrer waren viele, die ab und zu gingen; und sie hatten nicht Zeit genug zu essen. Und sie fuhren in einem Schiff an eine einsame Stätte für sich allein.» 696

– auf die Anlegung von Kolonien anspielen kann, die Caesar den Veteranen und dem Stadtproletariat zugleich gab, als Preis für die Siege und als Reduzierung der Anzahl der Hungerleidenden in der Stadt. Dass anstelle von «Kolonien anlegen» hier das Bild der «wegfahrenden Apostel» tritt, hat damit zu tun, dass lateinisch «Kolonien anlegen» colonias deducere heißt,

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wortwörtlich «Kolonien abführen», im Sinne von abziehen lassen und woanders ansiedeln. Dass Markus, obwohl sie «von Rom» abziehen, sie trotzdem «in die Wüste» gehen lässt, dürfte darauf zurückgehen, dass die Deduzierten römische Kolonien waren, die an abgelegenen, zum Teil tatsächlich verwüsteten Orten neugegründet wurden, wie z. B. Karthago und Korinth auf den Ruinen der vormals zerstörten Städte. So brachte er wohl «von der Wüste» und «in die Wüste» durcheinander.

Prodigien : Gleichnisse Nach dem Sieg in Pharsalos verfolgte Caesar Pompeius bis nach Ägypten. Dabei kam er an der Küste Kleinasiens vorbei, wo er von den Prodigien hörte, die seinen Sieg angekündigt bzw. begleitet hatten. Diese Wunderzeichen finden wir bei Markus nicht, dafür aber Gleichnisse, die wie deren Umformulierung klingen. Mehr als an miracula, «Wunder», glaubten die Römer an signa, «Zeichen», omina, «Vorzeichen», prodigia, «Wunderzeichen», und unterhielten sogar extra Kollegien von Zeichenlesern, insbesondere augures und haruspices, «Vogel- und Opferschauer». Die ersten, als auspices, beobachteten die Vögel, wie sie flogen und wie sie fraßen, die zweiten die Eingeweide der Opfertiere, wie sie beschaffen waren, verstanden es jeweils als Zeichen, zogen daraus Schlüsse über bevorstehende Ereignisse und machten ihre praesagia, ihre «Vorhersagen». Antonius war stolz, augur zu sein, und ließ sich als solcher feierlich in Münzen portraitieren. Octavian übertrumpfte ihn mit seinem letztlich angenommenen Titel augustus.697 Als pontifex maximus mit der Oberaufsicht aller Priesterkollegien betraut, kannte Caesar ihr Handwerk. Er nahm die Zeichenleser nicht ganz für voll, am wenigsten die Opferschauer, und fielen schlechte Zeichen, so ignorierte er sie – selbst wenn sie seinen Tod voraussagten, mit der Behauptung, der Deuter hätte sie auch anders auslegen können, wenn er nur gewollt hätte; oder er zog sie ins Lächerliche mit dem Diktum – falls mal bei einem Opfertier kein Herz sich fand –, ein herzloses Tier, das sei kein Wunder. Gleichwohl versuchte er sie zu entkräften, denn er kannte nur allzugut die Macht des Aberglaubens beim Volke: Brach also die Achse seines Triumphwagens, dann lief er weiter auf den Knien und stieg so die Treppe hinauf zum Kapitol;698 stolperte er bei der Landung in Afrika, öffnete er im Fallen geistesgegenwärtig die Arme und sagte: «Ich halte dich, Afrika»;699 und im Krieg nutzte er kalt die Niedergeschlagenheit aus, die schlechte Zeichen bei den Feinden verursachten. Bei ihm selbst jedoch ist

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nirgendwo ein Anzeichen von Aberglaube zu erkennen. Auch an ein Leben nach dem Tode glaubte er nicht. Jedenfalls betrachtete er den Tod als das Ende von allem, Freude und Leiden, wie zu Catos Empörung seine Rede über die Catilinarier bezeugt. Ob er deswegen unsterblich wurde? Ein einziges Mal benutzt er in seinen Schriften das Wort credo, «ich glaube» – aber dann im prosaischen Sinne von «ich vermute».700 So hat seine Auflistung der Wunderzeichen, die seinen Sieg über Pompeius bei Pharsalos begleiteten, etwas Besonderes. Das Wort Wunderzeichen fällt bei ihm nicht, nicht einmal das Wort Zeichen. Genau genommen ist kein Vorzeichen darunter, keines, das den Sieg im voraus angekündigt hätte. Als das Größte und Erste betrachtet er, daß die bloße Nachricht seines Sieges und seiner Ankunft den Legaten des Pompeius davon abgehalten hätte, den Schatz der Artemis von Ephesos zu plündern: So hatte er abermals den Tempelschatz gerettet. Dann erwähnt er, daß die Statue der Victoria im Tempel von Elis sich am Tag seines Sieges umgedreht hatte; daß man bis Antiochia in Syrien, Ptolomais und Pergamon Schlachtgeschrei, Tubenschall und Pauken gehört hatte; und schließlich, daß in Tralles im Tempel der Victoria, wo Caesar eine Statue geweiht war, eine Palme gezeigt wurde, die in jenen Tagen zwischen den Steinfugen des Bodens gesproßt und hoch bis zum Dach gewachsen war.701 Nach antikem Verständnis waren all dies zwar Zeichen, jedoch keine außerordentlichen: Sie zeugten lediglich davon, mit welcher gespannten Erwartung die Städte Asiens auf den Ausgang des Weltbürgerkrieges harrten, wie schnell und mit welchem Effekt die Nachricht von Caesars Sieg sich ausgebreitet hatte. Dass er den Tempelschatz gerettet hatte, das war seine Art und Politik; dass die Statue der Victoria sich umgedreht hatte, das war eine typische Propagandaaktion von Parteigängern; dass der Schall der Schlacht bis nach Syrien zu hören war, das musste sein, da hing zu viel davon ab, da horchten alle allzu gespannt. Einzig Caesars Siegespalme war etwas Besonderes, obwohl auch sie kein Vorzeichen war. Eine Lücke, die manche anscheinend schmerzlich empfanden. Denn sie wurde gefüllt mit der Voraussage des Gaius Cornelius, eines Hellsehers aus Padua,702 der den Sieg Caesars prophezeit hatte. Er war gerade an jenem Tag bei der Vogelschau und beobachtete, wie einige Vögel nicht nur Kunde von der Schlacht gaben, sondern sie auch in einem gewissen Maße vorführten, und sagte zu den Umstehenden: «Jetzt fällt die Entscheidung», und als er neue Zeichen sah, rief er: «Caesar, du siegst!» Alles stand bestürzt und wollte der Deutung des Hellsehers keinen Glauben schenken. Die Anekdote findet sich sowohl bei Dio Cassius als auch bei Plutarch. Beim letzteren findet man als

333 Zeichen nur noch die Palme und die Vögel – und zwar hintereinander.703 Appian und Sueton bringen überhaupt keine Zeichen. Wir erwarten daher höchstens die Palme im Evangelium zu finden, mit eventueller Begleitung der Vögel. Aber da sie ein Zeichen des Sieges war, und zwar in einem Bürgerkrieg – ein Trauma auch für Caesar, denn er mied darüber zu triumphieren –, wird Markus sie kaum so bringen können, sie wohl unkenntlich machen und einer Mutation unterziehen. Pharsalos schließt sich zeitlich fast unmittelbar an die oben untersuchte Metellus-Anekdote an.704 Dazwischen ist nur die Spanienkampagne, die militärisch wichtig ist, jedoch in Caesars Biographien kaum eine Rolle spielt. Wir finden keine Palme. Kurz nach der Heilung des Mannes mit der verdorrten Hand – des transponierten Metellus – stehen jedoch zwei Gleichnisse, bei denen es um wachsende Pflanzen geht – vom Sämann und vom Senfkorn – und auch Vögel vorkommen. Im Gleichnis vom Senfkorn erkennen wir mehrere der gesuchten Requisiten: «Und er sprach: Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis wollen wir es abbilden? Es ist wie ein Senfkorn: Wenn das gesät wird aufs Land, so ist’s das kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden; und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer als alle Kräuter und treibt große Zweige, so daß die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können.» 705

Kein Palmenspross, aber ein Senfkorn, eine kleine Pflanze, die auch hier erst am Boden betrachtet wird und dann in ihrem Wachstum – wie bei Caesars Palme; Vögel werden hier auch beobachtet, sowohl am Himmel – wie bei der Vogelschau – als auch unter dem Schatten – wie die Palme unter dem Tempeldach. Werfen wir einen Blick aufs Griechische, so sehen wir, daß «Palme» und «Senf» sich zwar deutlich voneinander unterscheiden, jedoch nicht so weit auseinander liegen wie im Deutschen: phoinika und sinapi, ΦΟΙΝΙΚΑ > CΙΝΑΠΙ, bzw. der Aussprache nach: finika und sinapi.706 Es ist jedoch fraglich, ob es sich um die Vögel des Hellsehers aus Padua handelt, nicht nur weil Markus den späteren Livius kaum gekannt haben kann, sondern einfach weil der ganze Kontext fehlt: Es gibt keinen Kampf unter den Vögeln, auch kommen keine Raben oder Krähen vor; wie unser Markus gestrickt ist, hätte er aus Cornelius sicherlich eine cornix, eine «Krähe», gemacht. Seine Vögel nennt Markus nicht oiônoi, «Weissagevögel» wie Plutarch, oder einfach ornithes wie Dio Cassius. Er wählt statt dessen peteina, ein seltenes Wort, das eher die Form ptêna hatte und eigentlich «Geflügel, Federvieh» bedeutet. Hat er das unübliche Wort deswegen gewählt, weil peteina phoinika, der «Palme», näher kam? War er unglücklich mit sinapi, kam

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es ihm zu weit weg von phoinika vor, und hat er peteina auf ihre Zweige gesetzt, damit es näher klingt?707 Wir haben die Möglichkeit, dies zu überprüfen. Denn durch das Senfkorn ist der Palmenspross-Komplex nicht ganz abgehandelt. Es fehlt noch das Wesentliche: Die Palme war zwischen den Fugen des Steinbodens gesprossen, wo eigentlich keine Pflanze wurzeln kann, mangels Erde; sie war unter dem Dach des Tempels gewachsen, wo es eigentlich kein Licht gibt und wo sie hätte ersticken sollen; und sie war von niemandem gesät oder gesetzt worden und war allein aufgegangen und gewachsen. Das war das Wunderbare, das Mirakulöse, darum wurde sie ja gezeigt, das war das Zeichen. Dem gewissenhaften Markus war dies nicht entgangen, und so hatte er sich bereits in dem vor dem Senfkorn erscheinenden Gleichnis, dem vom Sämann, darangemacht. Er hatte dabei alle seine landwirtschaftlichen Kenntnisse mobilisiert und für seine offenbar bäuerliche Gemeinde eine malerische, idyllische Sonntagsrede gehalten. Es war nach Pharsalos. Er hatte gesiegt – von seiner Macht über die bösen Geister hatte Markus gerade berichtet –, und alles Volk lief ihm nun zu. Er war hinter Pompeius her, der nach Ägypten flüchtete, und war so an die ionische Küste gekommen, und die Völker von den Inseln und vom Festland standen nun zu ihm. Wie die von Caesar berichteten Zeichen verdeutlichen, hatte er in Ephesos, der Hauptstadt der römischen Provinz Asien, angelegt, wo er Huldigungen aus Elis, Antiochia, Ptolomais, Pergamon und Tralles empfing. Entsprechend ist die Situation bei Markus: «Und er fing abermals an, am Meer zu lehren. Und es versammelte sich eine sehr große Menge bei ihm, so daß er in ein Boot steigen mußte, das im Wasser lag; er setzte sich, und alles Volk stand auf dem Lande am Meer.» 708

Jetzt hat Markus ein Problem: Es geht nicht um Seine Worte, die er so wiedergeben könnte, auch nicht um Seine Taten, aus denen er Wunder machen könnte. Es geht um Zeichen, die ausgelegt werden. Er könnte das passende griechische Wort benutzen, sêmeia, das auch Plutarch hier verwendet. Markus gebraucht es selbst an anderer Stelle, wo Jesus Zeichen vom Himmel abverlangt werden (Mk 8:11). Sei es, weil ihm parabolai näher bei prodigia zu liegen schienen als sêmeia, sei es, weil es ihm weniger um die Zeichen als um die daraus gezogenen Schlüsse ging, um es heimlich zu sagen, ohne es zu verraten, machte er daraus Gleichnisse: «Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen; und in seiner Predigt sprach er zu ihnen.»709

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In Wahrheit war es Markus’ eigene Predigt bzw. jene vom letzten Wanderprediger, der vorbeigekommen war, aber auch so ist es nicht völlig unwahr, denn gerade diese Zeichen hat Caesar selbst aufgezählt. Jetzt müsste Markus die Palme einführen. Statt dessen redet er von Saat: «Hört zu! Siehe, es ging ein Sämann aus zu säen. Und es begab sich, indem er säte, daß einiges auf den Weg fiel; da kamen die Vögel und fraßen’s auf. Einiges fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging alsbald auf, weil es keine tiefe Erde hatte. Als nun die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. Und einiges fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen empor und erstickten’s, und es brachte keine Frucht. Und einiges fiel auf gutes Land, ging auf und wuchs und brachte Frucht, und einiges trug dreißigfach und einiges sechzigfach und einiges hundertfach.» 710

Da hat er fast alles beisammen: den felsigen Boden, ohne tiefe Erde – wie in den Fugen im Steinboden; dass es dort kaum Wurzeln schlagen konnte und hätte verdorren sollen; dass da, wo kein Licht ist, jede Pflanze erstickt – ob unter den Dornen oder unter dem Tempeldach. Und doch war sie aufgegangen, als ob sie auf gutem Land gewesen wäre. Vielleicht nicht hundertprozentig, wie auf Freiland, aber immerhin sechzig, dreißig Prozent. Nur eines hat er hier nicht: die Palme eben, die auf dem Tempelboden gewachsen war. Stattdessen hat er die Vögel, welche die auf den Weg gefallene Saat auffressen. Anscheinend hat er auch hier phoinika, «Palme», mit peteina, «Geflügel», ersetzt, und in der Folge ephyse, «wuchs», mit epese, «fiel»: So wie die Palme gesprossen war, so ist für die Vögel etwas gefallen. Jetzt erinnert Markus daran, dass es sich nur um ein Zeichen handelt: «Und er sprach: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Und als er allein war, fragten ihn, die um ihn waren, samt den Zwölfen, nach den Gleichnissen. Und er sprach zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben; denen aber draußen widerfährt es alles in Gleichnissen…» 711

So hat er vom Sieg Caesars nicht gesprochen und doch davon gesprochen, denn damit fing ja das Reich Gottes an. Denn mit seinem Sieg gehörte das Reich ihm, zugleich war er Gott des Reiches. Jedenfalls fing mit Pharsalos eine neue Ära an. Die Münzprägestätten im Osten, die früher nach der Ära des Seleukos und später des Pompeius datiert hatten, zählten nun die Zeit nach Pharsalos.712 Für jene, die in Pharsalos dabeigewesen waren, hatte das Reich kein Geheimnis. Die da draußen im Reich hatten es zuerst über die Zeichen erfahren müssen. Wer Augen hatte zu sehen, wie jener Hellseher, hatte es gesehen, und wer es nicht sehen konnte, der brauchte nur auf ihn zu hören. Wer aber weder Augen noch Ohren hatte, der war von der Gegenpartei, dem war nicht zu helfen. So fand die letzte Hand bei Markus es passend, seiner Sonntagspredigt noch ein Zitat aus Jesaja hinzuzufügen: Das machte das Ganze glaubwürdiger und ließ die

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bösen Zungen verstummen, die meinten, sie hätten es schon mal anders gehört: «… damit sie es mit sehenden Augen sehen und doch nicht erkennen und mit hörenden Ohren hören und doch nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde.» 713

Nachdem Markus die Zeichen gebracht hat und die Warnung, muss er sie auch auslegen. Denn die Zeichen waren nur wichtig, weil sie als Sieg gedeutet wurden. Weil wir aber keine Zeichen mehr haben, keine Wunderpalme und keine ominösen Vögel, sondern nur einen ganz banalen Sämann, kann Markus’ Deutung kein Zeichenauslegen mehr sein, sondern ein einfaches Gleichnis. Damit aber etwas vom Ominösen hängenbleibt, macht er ein Geheimnis daraus und lässt Jesus die banale Erklärung einer banalen Geschichte nur heimlich mitteilen (Mk 4:13–20). Das hat natürlich den weiteren Vorteil, dass, wenn jemand ihm vorwarf, vom Tradierten abzuweichen und Neues, Ungeheuerliches hinzuzudichten, Markus sagen konnte: Es war seine Geheimlehre, deswegen ist es erst jetzt herausgekommen. Das hat er uns so befohlen: «Und er sprach zu ihnen: Zündet man etwa ein Licht an, um es unter den Scheffel oder unter die Bank zu setzen? Keineswegs, sondern um es auf den Leuchter zu setzen. Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden soll, und ist nichts geheim, was nicht an den Tag kommen soll.» 714

Damit hat sich der Evangelist gegen Häresievorwürfe abgesichert: Markion läßt grüßen. Aber da war noch was: die Palme, sie war von allein gesprossen, ohne Saat. Da hinkt die Story. Dem muss vorgebeugt werden, die letzten Spuren müssen verwischt werden: «Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst, und er weiß nicht, wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.» 715

Jetzt ist Markus von der Palme völlig weggekommen, aber er hat etwas Wesentliches in Erinnerung gebracht: dass Sein Sieg das Reich Gottes brachte, das heißt, dass den Veteranen Land gegeben wurde, gehörig verteilt, dem einen mehr, dem anderen weniger, je nach Fruchtbarkeit des Bodens, freilich noch ungerodet, voller Dornen und Gestrüpp, doch fruchtbar. Und aus diesem Land waren jene gesprossen, die ihm zuhörten, die Kindeskinder der Veteranen. Für sie war die wahre Siegespalme das Stück Land, das ihre Väter bekommen und sie von ihnen ererbt hatten. Sie pflückten keine Datteln,

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sondern mähten mit der Sichel das Getreide. Im übrigen verstanden sie nur noch wenig Latein, sprachen inzwischen Griechisch wie die anderen im Osten, vermischt mit Aramäischem, dem Dialekt ihrer Gegend, ihrer Mütter. So redete er ihnen nach dem Mund, von Sachen, die sie verstanden! So ungefähr hätte wahrscheinlich unser Markus, oder sein Vorfahr, der Urmarkus, sein kreatives Gebilde gegen die Aufsicht der römischen Kolonienverwaltung im Orient verteidigt. Er hätte sicherlich nicht auf sich sitzen lassen, er habe sich einen eigenen Jesus Christus gestrickt, sondern wäre felsenfest dabei geblieben, dass er den Parens Optime Meritus predigte, wie eh und je, den Gott der Veteranen, der Vorfahren seiner galiläischen, syrischen oder palästinensischen Gemeinde. Nur eben, dass er nun so sprach, wie die Nachkommen es verstehen konnten, die keine Bürgerkriege mehr gekannt hatten, die nicht wussten, daß das Reich Gottes auf Erden in den Wehen des Bürgerkrieges geboren worden war, und damit nur Hässliches verbanden. ER, ihr Gottessohn und Gott, hatte in ihrer Vorstellung keine Bürgerkriege geführt, sondern einfach den Frieden gebracht. Er hatte einige Verstockte überzeugen müssen, dabei war er etwas heftig geworden, das war alles, denn auch ihnen hatte er verziehen. Was er getan hatte, war, den Hunger zu stillen, den Landlosen Land zu geben. Und nebenbei hatte er Kranke geheilt, ihnen medizinische Versorgung zukommen lassen. Das war das Reich Gottes, das er mit seinem Opfertod gesichert hatte. Und dabei sollte es bleiben, in aller Ewigkeit.

Pompeius nach Ägypten : Ende des Täufers Auf seiner Flucht nahm Pompeius in Mytilene seine reizende Frau Cornelia mit an Bord. Er wollte eigentlich bei den Parthern Schutz suchen, aber um die junge Frau nicht zuchtlosen Barbaren in die Hände zu geben, entschied er sich für Ägypten und steuerte Kasion an, einen Bergvorsprung bei Pelusium. Dort hatte sein Schützling, der dreizehnjährige König Ptolemaios, mit Regenten, Hof und Armee gelagert, um die aufgrund väterlichen Testaments mitregierende, sieben Jahre ältere Schwestergemahlin Kleopatra daran zu hindern, mit Hilfe syrischer Araber wieder auf den Thron zu gelangen, von dem er sie verjagt hatte. Vom Schiff aus schickte Pompeius Unterhändler zum jungen König. Dieser war ihm vom Vater her Freundschaft und Dank schuldig. Er beriet sich mit seinen Regenten, dem Statthalter Achillas, dem Vormund, Schatzmeister und Eunuchen Potheinos und den Obersten der Gabinianer, des zur Soldateska

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verkommenen alten römischen Besatzungskorps. Dabei war der samische Rhetor Theodotos, der Lehrer des Knaben, zugegen. Die einen machten den Vorschlag, aus alter Dankbarkeit Pompeius aufzunehmen, die anderen befürchteten, er könne die Macht im Lande ergreifen. Daraufhin verlangte der Rhetor den Kopf des Pompeius, schlug vor, ihn in einen Hinterhalt zu locken und zu töten, um Caesar damit eine Gefälligkeit zu erweisen. Mit diesem Plan drang der Rhetor durch. Sie schickten also ein von Achillas befehligtes Killerkommando zum Schiff des Pompeius, darunter zwei Gabinianer, einen Salvius und einen Septimius. Dieser, der früher unter Pompeius gedient hatte, redete ihn als Imperator an und lockte ihn so in ihr Boot. Als er sich dort an der Hand seines Freigelassenen Philippus festhielt, ermordeten sie ihn, noch in Sichtweite seiner auf dem Schiff gebliebenen Frau. Es war am Tag nach seinem Geburtstag. Dann trennten sie das Haupt ab und brachten es dem Rhetor, die geköpfte Leiche übergaben sie dem Philippus, der sie an Land mit Hilfe eines anderen vorbeikommenden Pompeianers beisetzte. Als Caesar drei Tage später nach Alexandria kam, überbrachte ihm der Rhetor auf seinem Schiff das Haupt des Pompeius, aber Caesar wandte sich erschüttert ab, und als er den Ring des Pompeius entgegennahm, weinte er. Den Tätern aber ließ er später die gebührende Strafe widerfahren.716 Markus verarbeitet in seiner Wiedergabe so gut wie alle Details: «Und es kam dem König Herodes zu Ohren; denn der Name Jesu war nun bekannt. Und die Leute sprachen: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; darum tut er solche Taten. Einige aber sprachen: Er ist Elia; andere aber: Er ist ein Prophet wie einer der Propheten. Als es aber Herodes hörte, sprach er: Es ist Johannes, den ich enthauptet habe, der ist auferstanden. Denn er, Herodes, hatte ausgesandt und Johannes ergriffen und ins Gefängnis geworfen um der Herodias willen, der Frau seines Bruders Philippus; denn er hatte sie geheiratet. Johannes hatte nämlich zu Herodes gesagt: Es ist nicht recht, dass du die Frau deines Bruders hast. Herodias aber stellte ihm nach und wollte ihn töten und konnte es nicht. Denn Herodes fürchtete Johannes, weil er wußte, dass er ein frommer und heiliger Mann war, und hielt ihn in Gewahrsam; und wenn er ihn hörte, wurde er sehr unruhig; doch hörte er ihn gern. Und es kam ein gelegener Tag, als Herodes an seinem Geburtstag ein Festmahl gab für seine Großen und die Obersten und die Vornehmsten von Galiläa. Da trat herein die Tochter der Herodias und tanzte und gefiel Herodes und denen, die mit am Tisch saßen. Da sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, ich will’s dir geben. Und er schwor ihr einen Eid: Was du von mir bittest, will ich dir geben, bis zur Hälfte meines Königreichs. Und sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes’ des Täufers. Da ging sie sogleich eilig hinein zum König, bat ihn und sprach: Ich will, dass du mir gibst, jetzt gleich auf einer Schale, das Haupt Johannes’ des Täufers. Und der König wurde sehr betrübt. Doch wegen des Eides und derer, die mit am Tisch saßen, wollte er sie keine Fehlbitte tun lassen.

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Und sogleich schickte der König den Henker hin und befahl, das Haupt des Johannes herzubringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis und trug sein Haupt herbei auf einer Schale und gab’s dem Mädchen, und das Mädchen gab’s seiner Mutter. Und als das seine Jünger hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.» 717

Der Dreh- und Angelpunkt, der die ganze Geschichte umkippen lässt, ist der Anstifter zum Mord des Pompeius: Der Rhetor wird zu Herodes. Leichte Verwechselung auf Griechisch übrigens, mit den fast identischen vier Buchstaben des Wortstocks, lediglich Metathesis von Vokal und Konsonant innerhalb der Silben und Vertauschung der Dentalen Δ für Τ : ΡΗΤΩ(ρ) > ΗΡΩΔ(ης). Ihm folgen dann alle anderen: Der Freigelassene Philippus wird zum gleichnamigen Bruder des Herodes und Pompeius’ Frau Cornelia zu Herodes’ Frau Herodias. Die dynastische Geschwisterehe zwischen Kleopatra und ihrem Bruder Ptolemaios wird zur verbotenen Ehe zwischen Herodes und dem Weib seines Bruders. Pompeius, der Wohltäter von Ptolemaios’ Vater, bleibt natürlich Johannes, wird aber als frommer und heiliger Mann bezeichnet. Die Beratung am Geburtstag des Pompeius wird zum Mahl am Geburtstag des Herodes, die Befehlshaber der Gabinianer werden zu den Obersten und Vornehmsten aus Galiläa. Als Samier erfreut sich der Rhetor Theodotos, der den Kopf des Pompeius forderte, einer Verdopplung: (h)o Samios Theodotos wird zur (orchē)samenēs thygatros, zur «tanzenden Tochter», die sich das Haupt des Johannes erbat. Der Mörder, Septimius, der Pompeius als Imperator anredet, wird zum spekoulator, was nicht «Henker», sondern eigentlich «Späher, Spion oder Leibgardist» bedeutet. Die Tötung und Enthauptung des Pompeius auf der «Flucht» – phygē – wird zu jener des Johannes im «Gefängnis» – phylakē. Das Haupt, das Theodotos überbracht wird und von diesem Caesar, wird nun dem Mädchen gegeben, und diese gibt es ihrer Mutter. Interessant ist hier, dass die «Tochter» nun «Mädchen» genannt wird, unter Verwendung eines auffälligen Wortes – korasion – dicht bei Kaisar: Caesar. Es stimmt sogar das, was fehlt: der Name der Tochter der Herodias, den der Evangelist nicht nennt. Salome hieß sie ja – und stellt eine kaum verformte griechische Lesart von Salvius, dem anderen Mörder, dar: CΑΛΟΥΙ(ος) ≈ CΑΛΩΜ(η). Markus kann den Namen schon deswegen nicht haben, weil seine Vorlage lateinisch war, wie wir sahen. Nur Johannes hätte ihn führen können, hätte er die Anekdote erzählt. Bei Markus wird der Kopf des Täufers auf einer «Schale», bzw. «Schüssel» (Luther) getragen, in der graeca veritas allerdings: epì pínaki – was eigentlich «auf einem Brett» bedeutet, wobei pinax insbesondere beim Bretterwerk der Schiffe benutzt wird. Nun aber wurde von Pompeius geschrieben, dass sein

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Hals auf ein transtrum, «Querbank, Ruderbank» des Schiffes, gelegt wurde, als man ihn enthauptete,718 was in der Bedeutung nahe bei griechisch pinax bleibt, worauf der Kopf des Täufers getragen wurde. Der Anfang der Markus-Perikope – von «Und es kam dem König Herodes zu Ohren …» bis «… Es ist Johannes, den ich enthauptet habe, der ist auferstanden» – bezieht sich weniger auf die Befürchtungen des Rhetors bei der Ankunft des Pompeius in Ägypten, sondern vielmehr auf seine frustrierten Hoffnungen, als Caesar dann kam und die vermeintliche Gefälligkeit gar nicht schätzte und vor dem grausigen Präsent – «… Es ist Johannes, den ich enthauptet habe …» – schauderte. Somit hat Markus zuerst die Ankunft Caesars erzählt und erst dann die Ermordung des Pompeius. Damit stellt er abermals seinen rein caesarianischen Gesichtspunkt unter Beweis. Es sei schließlich vermerkt, dass hinter dem Namen Elia, der hier fällt, Iulius stecken kann, wie wir sahen. Dass da, wo Caesar die Nachfolge des Pompeius im Osten antritt, der offizielle Gentilname Caesars steht, wird nicht verwundern.

Caesar in Alexandria : Jesus in Dalmanoutha Nachdem Caesar den Siegelring des Pompeius von Theodotos auf seinem im Hafen Alexandrias am Anker liegenden Schiff entgegengenommen und damit Vollmacht über den von Pompeius abhängigen Osten auch formell erhalten hatte, verließ er das Schiff, ging an Land und ließ als römischer Konsul seine Liktoren mit den fasces, den öffentlichen Amtszeichen, vor sich her schreiten. Doch die von Potheinos aufgestachelte Menge empörte sich über die römischen Zeichen, denn dadurch werde die Majestät ihres Königs Ptolemaios herabgewürdigt, schrien sie. Da Caesar aber auf den Zeichen der römischen Autorität bestand, kam es zu wiederholten Tumulten, bei denen einigen Soldaten die Waffen abgenommen, manche sogar ermordet wurden, worauf er Zuflucht im Königspalast suchte, während sein Schiff wieder auf See hinausfuhr und wartete, bis sämtliche Schiffe mit den nachrückenden Legionen den Hafen erreicht hatten.719 Markus’ Verarbeitung ist auch diesmal sehr detailgetreu: «Und alsbald stieg er in das Schiff mit seinen Jüngern und kam in die Gegend von Dalmanoutha. Und die Pharisäer kamen heraus und fingen an, mit ihm zu streiten, versuchten ihn und forderten von ihm Zeichen vom Himmel. Und er seufzte in seinem Geist und sprach: Was fordert doch dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben werden! Und er verließ sie und stieg wieder in das Schiff und fuhr hinüber.» 720

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Hier haben wir das Dalmanoutha, wovon wir an anderer Stelle vermutet hatten, dass womöglich «Dalmatien», der Landeplatz des Antonius/Petrus, darauf abgefärbt haben könnte. Tatsächlich aber steht Dalmanoutha hier für Alexandria. Wie die Mutation erfolgte, sehen wir am besten, wenn wir beide Namen untereinander schreiben. Da in den Handschriften anstelle von Dalmanoutha viele Varianten auftreten, darunter Magadan und Magdala, von denen die Textkritiker meinen, sie haben den Anlaut Dal verloren, weil der als «von» verstanden wurde, schreiben wir auch Magdala gleich unter Alexandria mit: Α Λ Ε Ξ Α Ν Δ Ρ Ι Α Δ Α Λ Μ Α Ν Ο Υ Θ Α Μ Α Γ Δ Α Λ Α

Das heißt nicht nur, dass Dalmanoutha für Alexandria steht, sondern wir müssen uns auch mit dem Gedanken vertraut machen, dass die Magdalena nicht aus Magdala, sondern aus Alexandria ist – was unsere anfängliche Vermutung, hinter Maria Magdalena stehe nicht nur Fulvia, sondern teilweise auch Kleopatra, als die andere Frau des Antonius, erhärtet. Die beiden Frauen hätten ein Amalgam erfahren, ähnlich wie Antonius und Lepidus zu dem einen Simon Petrus wurden. Die gegen Caesar sich empörenden Alexandriner heißen hier Pharisäer. Ob Markus ihnen diesen Namen gab, weil sie Anhänger des Ptolemaios waren, bzw., da dieser unmündig war, den seines Vormunds Potheinos, der, wie wir sehen werden, sofort gegen Caesar zu intrigieren begann, oder aber einfach deswegen, weil Markus alle gegen Caesar Sprechenden so nannte, darf für den Augenblick dahingestellt bleiben – wir werden in der nächsten Perikope wieder darauf stoßen und dann schlauer sein. Die «Zeichen vom Himmel» sind jedenfalls die «Zeichen Roms». Markus hat die signa nicht als Amts- bzw. Feldzeichen verstanden – was übrigens auch das griechische Wort sēmeia bedeutet –, sondern als «Vorzeichen». Folglich wurde aus «römisch», romanus, ein ouranos, «Himmel» – was in Markus’ Vorstellung und in jener seiner Veteranenkinder-Gemeinde sicherlich nicht falsch war. Jedenfalls bleibt Markus beim Thema: Wie Caesar seine Zeichen nicht aufgab, so gab Jesus den Pharisäern kein Zeichen. Und wie Caesar lieber sein Schiff vorläufig sich zurückziehen ließ, bis die ganze Flotte herüberfuhr, so trat Jesus wieder in sein Schiff und fuhr hinüber. Hier sei vermerkt, dass manche modernistischen Bibelübersetzer zu Jesu «Schiffen» lieber «Boot» sagen, so wie sie das Galiläische «Meer» lieber einen «See» nennen. Dies tun sie, damit ihre Vorstellung, die Handlung

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spiele am See Genezareth, der kein Meer ist und wo es keine Schiffe gibt, sondern nur Boote, glaubwürdiger bleibt: Sie tun lieber dem Griechischen Gewalt an, wo regelmäßig von ploion und thalassa die Rede ist, als dass sie ihre Vorstellungen hinterfragen.

Warnung vor Potheinos : Warnung vor den Pharisäern Caesar hatte sich vorgenommen, den Streit zwischen den Kindern des verstorbenen Ptolemaios Auletes zu schlichten, der zur Zeit seines Konsulats ein Bündnis mit Rom geschlossen und dort eine Kopie seines Testaments hinterlegt hatte: Nach väterlichem Willen sollte die ältere Tochter Kleopatra Mitkönigin des unmündigen Sohns Ptolemaios werden. Dies war natürlich nicht im Sinne des Potheinos, der als Vormund des dreizehnjährigen Sohns ihn in seiner Hand hatte, nicht aber die willensstarke und intelligente zwanzigjährige Tochter. So hatte er gegen sie intrigiert und sie verjagen lassen, wie wir sahen. Als sie erfuhr, dass Caesar sich im Königspalast aufhielt, verließ sie ihre syrischen Truppen, fuhr auf einem Nachen mit einem einzigen Begleiter und schaffte es im Schutze der Dunkelheit, sich zu ihm hineinzuschleichen, indem sie sich in einen Bettsack legte und so unbemerkt durch das Schloßtor zu Caesar tragen ließ. Der listige, mutige Einfall amüsierte und imponierte Caesar, fasziniert von ihrer Anmut und dem Reiz ihres Umgangs. So nahm er sich der Sache von Ptolemaios’ Tochter besonders an und vermittelte eine Versöhnung mit ihrem Bruder, zu deren Feier ein Festmahl veranstaltet wurde. Das wiederum bedrohte Potheinos’ Position. Um Caesar verhasst zu machen, sagte er den Soldaten des Königs, denen er verschimmeltes altes Getreide zuteilen ließ, sie sollten stillhalten und zufrieden sein, da sie am fremden Tisch gefüttert würden. Die königliche Tafel ließ er mit Geschirr aus Holz und Ton decken und gab als Begründung an, das aus Gold und Silber habe an Caesar abgeliefert werden müssen als Zahlung für eine alte Schuld. Dies sagte er, obwohl Caesar den Kindern seines alten Partners Ptolemaios die Hälfte der Summe, die ihr Vater ihm schuldete, erlassen hatte. Aber Caesars Barbier war auf der Lauer. Misstrauisch und neugierig, ließ er nichts ununtersucht, spitzte überall seine Ohren und bekam beim Festmahl Wind davon, dass Potheinos und Achillas ein Attentat gegen Caesar planten. Dieser ließ den Saal umstellen, Boten mit Kassibern wurden enttarnt. Potheinos wurde aus dem Weg geräumt, Achillas, der zuerst entwischt war und

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zu dem Kleopatras jüngere Schwester Arsinoe und dann auch Brüderchen Ptolemaios floh, wurde besiegt. Währenddessen erfreute sich Caesar eine Weile an Kleopatras Gelagen, die nun allein regierte und kurz nachdem er Ägypten verlassen hatte einen Sohn gebar: Ptolemaios Kaisarion.721 Diese Geschichte dröselt Markus in zwei Perikopen auf, wovon die eine vor dem Sauerteig der Pharisäer warnt und auf die Zeichenforderung der Pharisäer in Dalmanoutha folgt, während die andere vom syrophönizischen Weib handelt. Hier beide Perikopen nacheinander: «Und er stand auf und ging von dort in das Gebiet von Tyrus. Und er ging in ein Haus und wollte es niemanden wissen lassen und konnte doch nicht verborgen bleiben, sondern alsbald hörte eine Frau von ihm, deren Töchterlein einen unreinen Geist hatte. Und sie kam und fiel nieder zu seinen Füßen – die Frau war aber eine Griechin aus Syrophönizien – und bat ihn, dass er den bösen Geist von ihrer Tochter austreibe. Jesus aber sprach zu ihr: Laß zuvor die Kinder satt werden; es ist nicht recht, dass man den Kindern das Brot wegnehme und werfe es vor die Hunde. Sie antwortete aber und sprach zu ihm: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde unter dem Tisch von den Brosamen der Kinder. Und er sprach zu ihr: Um des Wortes willen geh hin, der böse Geist ist von deiner Tochter ausgefahren. Und sie ging hin in ihr Haus und fand das Kind auf dem Bett liegen, und der böse Geist war ausgefahren.»722

Ins «Gebiet von Tyrus», ta (h)oria Tyrou, was man auch mit «Schiffslagerplätze von Tyrus» übersetzen könnte, fuhr in der Tat Caesar, als er Ägypten Richtung Pontus verließ, um Pharnakes zu bekämpfen. Markus könnte auch ein Amalgam mit den «Cohorten aus Syrien» gemacht haben, von wo Caesar Verstärkung erwartete, und wo auch Kleopatra angeheuert hatte: cohortes > tahoria; Syria > Tyros.723 Das ‹Verborgen-Bleiben› könnte sich sowohl darauf beziehen, dass Caesar sich im Königspalast verschanzt hielt, als auch darauf, dass Kleopatra heimlich zu ihm kam. Wie Kleopatra in einen Bettsack gerollt heimlich zu Caesar getragen wurde, so kam die Frau zum verborgen bleibenden Jesus und fiel nieder zu seinen Füßen. Kleopatra war von Haus aus keine Ägypterin, sondern eine Hellenin, Sprössling der makedonischen Nachfolger Alexanders – die Frau, die zu Jesus kam, wird ausdrücklich als Griechin bezeichnet, «aus Syrophönizien». Markus sagt syrophoinis(s)a, «Syrophönizierin», was erstaunt, denn entweder war sie Griechin oder Syrophönizierin. So wird salomonisch «aus Syrophönizien» übersetzt. Auffälligerweise jedoch steht die griechische Schreibweise von syrophoinisa zur lateinischen von Kleopatra wie Dalmanoutha zu Alexandria: C L E C Υ Ρ

O P A T R A Ο Φ ΟΙ Ν ΙC Α

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Syrophoinisa klingt außerdem als ob es eine Kontraktion von Arsinoe und Potheinos wäre, des Namens der anderen Tochter des Auletes und Gegenspielerin der Schwester Kleopatra, mit jenem des Vormunds des jungeren Bruders, der mit ihr gemeinsame Sache gegen Caesar machte. Die «Tochter mit dem bösen Geist» wäre also Arsinoe mit Potheinos, und eine weitere Umschreibung derselben Syrophoinisa. Zum «bösen Geist» wird hier auch Brüderchen Ptolemaios samt Vormund Potheinos: Sie haben das Pech, dass ihre Namen auch nicht weit von pneuma, «Geist», liegen, wie jener des noch herumgeisternden Pompeius. «Bös» natürlich, weil feindlich, aber auch «unrein», weil mit einer Armee dahinter – auch hier exercitus > akathartos. Das Brot steht nicht nur für das gute Getreide, das Caesar für seine Soldaten requirierte, und für das schlechte, das für jene des Königs abfiel, wohl aber auch für das goldene und silberne Tafelgeschirr, das zur Tilgung der Schulden den Kindern genommen worden war – wobei hier Caesar die Freude hat, zu kynaria, zu «Hunden», zu werden. Aber er schasst Potheinos wegen seines bösen Geredes, wie Jesus den bösen Geist vertreibt wegen seines Wortes. Und so liegt zum Schluss bei beiden Geschichten ein Kindlein auf dem Lager – als der Dämon ausgefahren war. Die zweite Perikope ist unnötig lang: «Und sie hatten vergessen, Brot mitzubringen, und hatten nicht mehr mit sich im Boot als ein Brot. Und er gebot ihnen und sprach: Schaut zu und seht euch vor vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes. Und sie bedachten hin und her, dass sie kein Brot hätten. Und er merkte das und sprach zu ihnen: Was bekümmert ihr euch doch, dass ihr kein Brot habt? Versteht ihr noch nicht, und begreift ihr noch nicht? Habt ihr noch ein verhärtetes Herz in euch? Habt Augen und seht nicht, und habt Ohren und hört nicht? Und denkt nicht daran: Als ich die fünf Brote brach für die Fünftausend, wieviel Körbe voll Brocken habt ihr da aufgesammelt? Sie sagten: Zwölf. Und als ich die sieben brach für die Viertausend, wieviel Körbe voll Brocken habt ihr da aufgesammelt? Sie sagten: Sieben. Und er sprach zu ihnen: Begreift ihr denn noch nicht?» 724

Wie man sieht, enthält sie nur zwei Elemente: Das verdorbene Getreide, das Potheinos den Soldaten des Königs servierte, wird hier zum Sauerteig der Pharisäer. Hier können wir die oben offengelassene Frage beantworten, wer nun hinter den Pharisäern stünde: Es ist Potheinos. Interessant ist, dass auch von Herodes die Rede ist, als ob in Markus’ Vorlage der Rhetor Theodotos noch die Hände mit im Spiel gehabt hätte. Dann haben wir die wachen Augen und spitzen Ohren von Caesars Barbier, die hier zur mahnenden Frage werden: Habt Augen und seht nicht, und habt Ohren und hört nicht?

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Der Rest ist Markus’ Brotküche. Nur der Schluss – Begreift ihr denn noch nicht? – scheint ein Echo von Caesars misslungenem Versöhnungsversuch wiederzugeben.

Sieg über Pharnakes : Heilung eines Taubstummen Caesar verließ Ägypten und ging über Syrien und Galatien nach Pontus, wo Pharnakes römische Gebiete, darunter auch Kleinarmenien, das dem Galaterkönig Deiotaros zuerkannt worden war, erobert hatte. Deiotaros hatte Pompeius unterstützt, er aber nicht; so dachte Pharnakes, Caesar werde dulden, dass er sich jetzt die Gebiete zurückhole, die seinem Vater Mithradates dem Großen einst gehört hatten. So verließ er sein Reich am Kimmerischen Bosporos, an der heutigen Krim, das Pompeius ihm als Dank dafür gegeben hatte, dass er seinen gegen ihn Krieg führenden Vater zum Selbstmord getrieben hatte, und drang über Kolchis und Kleinarmenien in Pontus und Kappadokien ein. Caesar aber traute eher dem treuen Deiotaros als dem treulosen Pharnakes und schickte Domitius hin, um die römische Hoheit wiederherzustellen. Den Domitius hatte Pharnakes zurückschlagen können und in seinem barbarischen Übermut die Römer in seinem Gebiet massakriert, ja sogar nicht wenige kastrieren lassen. Als er aber hörte, dass Caesar selbst heranrückte, sich mit Deiotaros versöhnt und von diesem Truppenverstärkung bekommen hatte, ließ er ihm durch Gesandte Verhandlungsangebote zukommen, bot ihm einen goldenen Kranz und seine Tochter an und versuchte, ihn damit für sich einzunehmen, dass er Pompeius nicht unterstützt hatte. Um über seine Absichten zu täuschen, hörte sich Caesar die erste und die zweite Gesandtschaft freundlich an, bei der dritten dann machte er Pharnakes plötzlich den Vorwurf, sowohl den eigenen Vater ermordet als auch seinen Wohltäter Pompeius im Stich gelassen zu haben – und darüberhinaus nicht Wiedergutzumachendes verbrochen zu haben, nämlich römische Bürger, die in Pontus geschäftlich unterwegs waren, ihres Lebens, oder noch schlimmer ihrer Zeugungsfähigkeit beraubt zu haben. Und auf der Stelle lieferte er ihm die Schlacht, verjagte ihn aus Pontus und rieb sein Heer völlig auf. Das war die Schlacht von Zela. Auf keinen anderen Sieg war Caesar so stolz wie auf diesen. Nach Rom schickte er die berühmte Meldung, unübertroffenes Beispiel eindrücklicher Kürze – veni vidi vici –, und ließ sie später im Triumph auf einer Inschrift vorantragen.725

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Wir haben gesehen, dass der Evangelist Johannes daraus die Heilung eines Blindgeborenen gemacht hat – veni vidi vici > ich kam, wusch mich und sah –, und Markus die Heilung eines Blinden – veni vidi vici > ich sehe die Menschen umhergehen, als sehe ich Bäume. Bei Johannes jedoch war die Heilung viel ausgearbeiteter, man konnte den Namen der pontischen Stadt Zela als «Teich Siloah» wiedererkennen sowie «verjagte» (den Pharnakes), expulit, als exspuit, «spuckte» (dem Blinden in die Augen). Diese Elemente – die Lokalisierung sowie das expulit / exspuit – hat Markus in eine zweite Heilung eingebracht, die Heilung eines Taubstummen, und so die Pharnakes-Anekdote verdoppelt. Der Grund für die Doublette liegt darin, dass in Markus’ Vorlage, wie wir sahen, der Spruch im Zusammenhang mit dem Triumph in Rom vorkam, während Johannes’ Quelle chronologisch berichtete und den Spruch als eine vom pontischen Zela abgeschickte Nachricht ansah. In Markus’ Heilung eines Taubstummen wird daher auch ein heilendes Spucken zu erwarten sein, möglichst zusammen mit einer dreigliedrigen Abwandlung des veni vidi vici: «Und als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyros, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege. Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hepphatha!, das heißt: Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig. Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.» 726

Das «Gebiet von Tyros» dürfte darauf hindeuten, dass Caesar mit seinen Truppen – auch hier cohortium > tōn horiōn – zuerst in Syria landete, und namentlich in Tyros.727 Sidon ist nach Tyros die nächste Stadt an der Küste Phöniziens, wo er sicherlich auch ans Land gegangen sein wird. Sidon ist aber sprachlich und schriftbildlich nahe genug bei Zēla (Aussprache Zile), um in der markinischen Adaption damit verschmolzen zu sein; das Galiläische Meer steht für Pontus – als Meer Galatiens wahrgenommen; und die Zehn Städte, die Dekapolis, könnten für Deiotaros stehen, das «Gebiet» – (h)oriōn – der Zehn Städte jedoch weniger für sein Reich als für die von ihm dem Caesar zur Verfügung gestellten Kohorten.728 Der Taubstumme ist natürlich Pharnakes, der nach erprobtem Muster als Besiegter geheilt werden soll. Der Name seines Gebrechens sorgt jedoch für Überraschung, denn für «taubstumm» müsste im Griechischen kōphos reichen; statt dessen fügt Markus das tautologische

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mogilalos, «schwersprechend», hinzu. Kommt mogilalos von brachylogos, «kurz im Ausdruck», was Caesar mit seinem bündigen veni vidi vici war, und wurde es beim Übertragen auf Pharnaces ins Pejorative gedreht?729 Die Sinnverschiebung könnte dann auf Caesars Verhalten zurückgehen, der, um über seine Absichten zu täuschen, sich den Gesandtschaften des Pharnakes gegenüber zuerst taub und stumm stellte. Sicher dürfte der Blick zum «Himmel» des seufzenden Jesus auf den Hinweis des genervten Caesar auf die wiederherzustellende «römische» Ordnung zurückgehen: romanum > ouranon – wie oben. Unterhalten kann man sich darüber, ob das «spuckend», ptysas, auch hier wie gehabt auf Verformung von expulit in exspuit, «vertrieb» in «spuckte», zurückgeht, oder ob darauf die Speichelleckerei des Pharnakes abgefärbt haben mag. Das unmittelbar darauffolgende hepphatha, «tu dich auf», scheint auf das sich Auftun von ganz Kleinasien für Caesar zu beziehen, könnte aber einfach ein ex Ponto verdecken, «aus Pontus»: «Er verjagte ihn aus Pontus», expulit ex Ponto > exspuit kai: (h)epphatha, «er spuckte und [sagte]: Tu dich auf». Den Dreitakt des veni vidi vici finden wir auch hier wieder, zweimal ineinanderverschachtelt, und er bleibt erhalten, trotz der Varianten, die von Manuskript zu Manuskript zu beobachten sind: Ein Mal als «spuckte [in die Ohren], schaute [zum Himmel] und berührte [die Zunge]», das andere Mal als «seufzte, sprach, tu dich auf!».730 Das Gebot, «es niemandem zu sagen», die Bemerkung, dass «je mehr er’s verbot, desto mehr breiteten sie es aus», und die «Verwunderung über die Maßen» könnten auf den Stolz Caesars auf diesen fulminanten Sieg hindeuten sowie den strahlenden, ewigen Ruhm, der nicht zuletzt auf die bewunderte Brachylogie, die Kürze im Ausdruck, zurückgeht. Zu bemerken ist hier, dass nicht einmal diesmal Galiläa Galiläa ist. Denn aus Ägypten kommend ist Caesar von Alexandria über See bis nach Antiochia gefahren und erst von da aus über Land nach Galatien gelangt. Das heißt, er ist an Galiläa lediglich vorbeigesegelt, an Land scheint er zwischendurch erst in Tyros gegangen zu sein.731 Dafür zeigt Markus Konsequenz in der Verwechselung. Er nennt hier Galatien Galiläa, wie er anfänglich Gallien Galiläa genannt hatte. Nun klingen Galatien und Gallien nicht von ungefähr ähnlich, sondern weil in beiden Fällen dort physisch Gallier lebten. Dass Caesar seine Basis und Rückendeckung bei den Galliern fand, hatte Gründe. Man könnte denken, da er Gallien erobert hatte, müssten die Gallier auf ihn zornig gewesen sein. Das Gegenteil ist der Fall: Sie rechneten ihm hoch an, dass er sie zu Römern gemacht hatte und bei

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ihnen rekrutierte. Der Kern seiner Truppen waren Gallier, seine Reiterei Germanen, denen er sogar die Pferde der römischen Ritter gab; Gallier waren seine Kolonisten, die er überall im Reich ansiedelte,732 und auch die neuen Senatoren, die er ernannte: Die Aristokraten spotteten, er habe mit der gallischen Hose die römische Toga verdrängt, ja, gerade die Aufnahme dieser«Halbbarbaren» in die Curia war eines der Motive, die zu seiner Ermordung führten.733 Tatsächlich hatte er gegen die gallische Tracht nichts, denn als seine Legionen in Germanien belagert wurden, drang er zu ihnen durch feindliches Gebiet als Gallier gekleidet vor.734 Dass er den römischen Tempelschatz, der angelegt worden war, um die Abwehr einer erneuten Galliergefahr zu finanzieren, geleert hatte, um die Münzen zu prägen, die zwar im Münzbild den endgültigen Sieg über Gallien propagierten, jedoch de facto verwendet wurden, um seine gallischen Legionäre zu bezahlen, die ihm Macht über den römischen Senat verschafften, musste ihn in den Augen der Römer und noch viel mehr seiner gallischen Mannen endgültig zum Gallier machen. Sein Schwert, das sie ihm im Kampf vor Gergovia entrissen hatten, ließ er nicht zufällig im gallischen Weihbezirk hängen.735 So ist es nur folgerichtig, dass Markus aus Caesar den «Galiläer» gemacht hat. Falls etwas anderes als eine zufällige Namensähnlichkeit das Motiv dafür war, dann dies: Die Legionen, die Herodes zuerst von Antonius und dann von Octavian bekam, um König von Judäa zu werden und zu bleiben, und bei denen die Gallier den Grundstock bildeten, siedelte er später nach iulischem Muster als Veteranenkolonien in seinem Gebiet an, namentlich in Galiläa, dazu in Samaria und der Dekapolis. Dadurch wurde Galiläa zum «gallischen» Gebiet – was in Markus’ Redaktionsprozess zur Vereinheitlichung aller Gallien und Galatien in Galiläa geführt haben mag. Dass später Vespasian in Galiläa siegte, wie einst Caesar in Gallien, dürfte weiter zum Amalgam beigetragen haben, zumal wenn die anderen kanonischen Evangelien unter Vespasian und seinen Erben redigiert gewesen sein sollen. Nach dem Sieg über Pharnakes eilte Caesar nach Rom, wo er die Vorbereitungen für den Krieg in Africa, dem heutigen Tunesien, traf, wo sich die Reste der Pompeianer nach der Niederlage bei Pharsalos um Scipio und Cato gesammelt hatten. Wie wir sahen, schickte Caesar von Zela aus vorab seine Siegesmeldung – veni vidi vici – nach Rom. Markus kann die Siegesmeldung jetzt unmöglich schicken, denn er hat sie in eine Blindenheilung umgewandelt – «ich sehe die Menschen umhergehen, als sehe ich Bäume». So schickt er statt dessen den geheilten «Blinden», den caecus, von dem wir wissen, dass dadurch Caesar verdeckt wird – was nicht

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unwahr ist, denn unmittelbar nach der Siegesmeldung kam auch Caesar selbst nach Rom: «Und er schickte ihn heim und sprach: Geh nicht hinein in das Dorf!»736

Woran wir sehen, für welche Variante der Wiedergabe des Namens «Rom» er sich entscheidet: Schickt er ihn in die «Wüste» oder in das «Dorf»? Auch hier, wie nach Piacenza, entscheidet er sich für das zweite: als ob er fände, dass wegen des Akkusativs, Bewegung zu, besser kōmēn zu Romam passt, erēmōi dafür besser zum Lokativ, Romae. Aus diesem und den vorausgegangenen Fällen lässt sich inzwischen folgende Regel ableiten: Wo Markus in seiner Vorlage jemanden in Rom vorfindet, wie am Anfang des Bürgerkriegs Pompeius, da macht er aus dem Lokativ Romae erēmōi – und lässt ihn in der Wüste sein; wo jemand statt dessen nach Rom geht, wie jetzt Caesar nach Zela, da macht er aus dem Akkusativ Romam kōmēn – und schickt ihn in das Dorf oder in die Dörfer. Diese Tendenz in Rom ein Dorf bzw. eine Stadt zu sehen wird natürlich dadurch verstärkt, dass nach genuinem römischen Sprachgebrauch, man für Rom gerne einfach urbs, «die Stadt», sagt. Das Bild der «Wüste» indes wurde dadurch eingeprägt, dass während des Bürgerkriegs alles verwüstet wurde, nicht nur das Land, sondern auch die Städte, angefangen bei Rom selbst. Aber da Rom nicht nur «die Stadt» war, sondern auch «das Reich», urbi et orbi, besteht daher die Möglichkeit, dass auf den Satz «Geh nicht hinein in das Dorf!» die Verjagung Pharnakes’ aus den römischen Gebieten zusätzlich abgefärbt haben mag.

Meuterei der Veteranen : Die bösen Weingärtner Caesar eilte nach Rom, denn dort herrschte inzwischen Unruhe – unter der Zivilbevölkerung, weil das Kreditwesen wegen des Bürgerkriegs inzwischen zum Erliegen gekommen war, unter den Veteranen, weil sie entlassen werden wollten und die versprochenen Siegesprämien verlangten. Die Art, wie Caesar mit diesen Unruhen fertig wurde, erregte Aufsehen. Markus gibt die Beruhigung der Veteranen-Meuterei als Gleichnis der bösen Weingärtner, die Regulierung des Kreditwesens als Antwort auf die Frage zum Zinsgroschen wieder. Beide Anekdoten befinden sich bei ihm noch hintereinander. Die Meuterei der Veteranen hatte bedrohliche Formen angenommen. Die meisten von ihnen hielten sich in Kampanien auf, um nach Afrika vorauszufahren, sahen aber dort vor ihren Augen genau die Ländereien, die die Großgrundbesitzer noch hielten und die ihnen zugeteilt werden sollten, und

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daneben die Kolonien der früheren Veteranen des Pompeius, die zur Zeit von Caesars Konsulat dort angesiedelt worden waren. Mit diesen blühenden Gärten im Visier wollten sie überhaupt nicht mehr nach Afrika, verlangten die sofortige Entlassung und das ihnen zustehende Stück Ackerland; dazu erwarteten sie die Auszahlung der immer wieder versprochenen und immer wieder aufgeschobenen Siegesprämien. Den Praetor Sallustius, zur Regelung dieser Angelegenheit entsandt, hätten sie beinahe getötet. Dann folgten sie ihm nach Rom, wo er dem herbeieilenden Caesar Bericht erstatten wollte, brachten unterwegs neben anderen auch zwei ehemalige Praetoren um, die Senatoren Cosconius und Galba, und verlangten Caesar persönlich zu sprechen. Obwohl seine terrorisierten Freunde ihn davon abhalten wollten und ihn drängten, den Meuterern seine Leibgarde entgegenzusenden, mischte er sich ganz verwegen unter sie und begab sich ohne Vorankündigung zum Marsfeld, wo er dann auf der Rednerbühne erschien. Die Soldaten grüßten ihn als ihren Feldherrn und verlangten ihre Entlassung und ihre Landlose. Die Siegesprämien ließen sie unerwähnt, meinend, dass so unter Druck gesetzt – er brauchte ja dringend Soldaten für den Afrikafeldzug – er von sich aus noch größere Geschenke anbieten würde. Ihr Erpressungsversuch ging daneben, denn wider Erwarten entließ er sie auf der Stelle, wies ihnen weite Landstriche in Italien an, wo sie sich als Bauern niederlassen konnten, teils aus dem öffentlichen Besitz, teils von ihm persönlich dazugekauft, und sagte zu, die versprochenen Summen teils sofort auszuzahlen, teils mit Zinsen in naher Zukunft zu erstatten, wenn er mit Hilfe anderer Männer seinen Triumph feiern werde. Als er sie dann, statt wie gewohnt mit Commilitones, mit Quirites anredete, sie also nicht «Mitstreiter, Soldaten», sondern «Bürger» nannte und dadurch die Entlassung als vollzogen darstellte, konnten sie nicht mehr an sich halten und baten ihn, in seinem Dienst bleiben zu dürfen. Die Soldaten seiner Lieblingslegion, der Zehnten, gegen die er sich verstimmt zeigte, verlangten sogar, er möge nun das Los werfen und zur Sühne einen Teil ihrer Mannschaft hinrichten lassen. Da wollte Caesar angesichts ihrer bitteren Reue nicht mehr weiter stacheln, versöhnte sich mit all seinen Leuten, nahm die Willigen und noch Wehrfähigen doch mit und fuhr geradewegs nach Afrika. Nach Meinung Dios sah Caesar nicht ungern die Verwegensten unter ihnen in Afrika fallen, denn er war gütig und seinen Soldaten sehr gewogen, hatte aber für Soldateska-Umtriebe nichts übrig. Nach Sueton entzog er den Rädelsführern ein Drittel sowohl der Beute als auch des ihnen zugeteilten Ackers. Nach Plutarch dagegen gab es böses Blut wegen der in den Augen der

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Konservativen zu milden Behandlung der Meuterer – in Wahrheit aber, weil er die Ländereien unter ihnen aufteilte, die die Latifundisten gerne weiter für sich und ihre Sklavenhaltung behalten hätten. Hier zeigte sich, dass Caesar seine Soldaten nicht wie üblich täuschen wollte, sondern das Programm der Gracchen in die Tat umsetzte: Er gab den Veteranen nicht etwa ein Stück Land, weil sie mit ihm Krieg geführt hatten, sondern er hatte mit ihnen Krieg geführt, damit sie ihr Stück Land bekamen. Das war das Unerträgliche. Deswegen gab er es ihnen, nicht weil, sondern obwohl sie meuterten.737 Markus greift diesmal auf das Stilmittel des Gleichnisses zurück – ähnlich wie er es bei der Darstellung der Pharsalos begleitenden Prodigien getan hatte: «Und er fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes. Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil an den Früchten des Weinbergs hole. Sie nahmen ihn aber, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den Kopf und schmähten ihn. Und er sandte noch einen andern, den töteten sie; und viele andere: Die einen schlugen sie, die andern töteten sie. Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn; den sandte er als letzten auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Sie aber, die Weingärtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein! Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg. Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben. Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen (Psalm 118:22–3): ‹Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen›? Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen. Und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon.» 738

Kampania hat er diesmal zu ampelōna, «Weinberg», gemacht. Passend, muss man sagen, denn der Wein jener Region war und ist bis heute berühmt. Die «Weingärtner», die im griechischen Text einfach geōrgoi, «Bauern», genannt werden, sind natürlich die anzusiedelnden Veteranen, die angehenden Kolonisten; anscheinend hat die Vulgata eine Reminiszenz daran bewahrt, denn sie nennt die Weingärtner zwar durchgehend dem Griechischen entsprechend agricolae, an der entscheidenden Stelle jedoch statt dessen coloni, «Kolonisten».739 Die Knechte, die hintereinander zu den treulosen Weingärtnern geschickt und teils geschlagen, teils getötet wurden, sind die Praetoren, die teils knapp entkamen, teils umgebracht wurden: als Beamten im Dienst konnten sie in der markinischen Annäherung douloi, «Diener» genannt werden. Der «geliebte

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Sohn», (h)yios agapētos, ist aus Cosconius und Galba herausgelesen; naheliegend, denn ihr Herr war der geliebte Sohn der Liebesgöttin, den die Meuterer in der Person seiner Diener treffen wollten. Der «Erbe», klēronomos, und das «Erbe», klēronomia, enthalten beide das Wort klēros, das «Los» bedeutet, sowohl das, das man wirft, als auch ein «erloster oder ererbter Anteil», insbesondere ein «Landlos»: In der Caesar-Anekdote kommen alle drei «Lose» vor, die Landlose, die er mitunter auch aus seinem eigenen Anteil, seinem «Los», den Veteranen zukommen ließ, als auch das Los, das die Zehnte Legion als Sühne über sich geworfen wünschte, zur Dezimierung. Der «Herr» des Weinbergs ist Caesar, der hier als kyrios wiedergegeben wird, was seine Funktion gut trifft wie auch den Namen imitiert. Der Kernsatz in Caesars Rede – «er werde alle seine Zusagen einhalten, wenn er mit Hilfe anderer Männer seinen Triumph feiere» – verflacht bei Markus – «er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben» –, wobei hier die als Sühne von der Zehnten Legion verlangte Strafe oder die in Afrika später gegen die Rädelsführer tatsächlich vollzogene nachklingen mag. Die entwaffnende Anrede quirites, «Bürger», die die Meuterei auf der Stelle beendete, wird bei Markus mit einer Sonderbehandlung bedacht: In der Schlussredaktion wird ein Psalm bemüht, der mit (h)o lithos anfängt, was «der Stein» bedeutet, aber wie quirites klingt; darin ist auch das Wort kyrios enthalten, was «Herr» bedeutet, aber auch wie Caesar klingt, und nahe bei quirites; schließlich besingt der Psalm «ein Wunder vor unsern Augen», das die Anrede der Soldaten mit quirites bewirkt hatte. So war der Redakteur letzter Hand sicherlich stolz über die pfiffige Auswahl seines Zitats. Der Abschluss ist dann evident: «Sie konnten nicht mehr an sich halten» wird zu: «Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen». Im letzten Satz vollzieht sich dann ein Rollentausch: «Er entließ sie und zog nach Afrika» wird umgedreht in «Und sie ließen ihn und gingen davon».

Zins und Tilgung : Der Zinsgroschen Seit Ausbruch des Bürgerkriegs war das Kreditwesen zum Erlahmen gekommen. Die Hoffnung auf einen allgemeinen Schuldenerlass hatte die Schuldner dazu bewogen, ihre Schulden nicht zurückzuzahlen, und die Gläubiger einen Ausgleich darin zu suchen, dass sie selbst auf Kredit aufkauften.

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Den allgemeinen Schuldenerlass wies Caesar mit dem Hinweis zurück, dass er selbst die meisten Schulden hatte – sogar von seinen Soldaten hatte er am Anfang des Bürgerkriegs Geld geliehen bekommen –, und dafür wollte er geradestehen: Schließlich hatte er noch weitere Anleihen vor. Er hatte nämlich enormen Bedarf an Geld: Er musste ja die Soldaten bezahlen, die er brauchte, um ans Geld zu kommen – wie er trefflich den Kreislauf beschrieb.740 So entschied er salomonisch, dass die inzwischen von den Schuldnern zurückgezahlten Zinsen als Tilgung anzusehen waren, dass andererseits der Wert der Güter vor Ausbruch des Bürgerkriegs zugrunde gelegt werden sollte; zur Schätzung setzte er besondere Kommissionen ein. Mit diesen Maßnahmen drückte er die Schulden um circa ein Viertel und brachte das Geschäftsleben wieder in Gang.741 Markus verwechselt diese Schuldenschätzung mit der Steuerschätzung und macht daraus eine Steuerfrage: «Und sie sandten zu ihm einige von den Pharisäern und von den Anhängern des Herodes, dass sie ihn fingen mit Worten. Und sie kamen und sprachen zu ihm: Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen, sondern du lehrst den Weg Gottes recht. Ist’s recht, dass man dem Kaiser Steuern zahlt oder nicht? Sollen wir zahlen oder nicht zahlen? Er aber merkte ihre Heuchelei und sprach zu ihnen: Was versucht ihr mich? Bringt mir einen Silbergroschen, dass ich ihn sehe! Und sie brachten einen. Da sprach er: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach Jesus zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Und sie wunderten sich über ihn.» 742

Anscheinend ist Markus durch das Lehnwort kēnsos (< census) irregeführt worden, das im Lateinischen für «Schätzung» steht, im Griechischen aber die Bedeutung «Steuer» übernommen hatte. So wird bei ihm die Frage nach dem allgemeinen Schuldenerlass oder der Beteiligung an Caesars Staatsanleihe zu der immer aktuellen und am Rande des Imperiums besonders brisanten: Soll man dem Kaiser Steuer zahlen oder nicht? Der Name Caesar (qua Kaiser) ist diesmal nicht verdeckt. Die Entscheidung, dass der Wert zu zahlen war, der von Caesars Kommissionen festgelegt wurde – in Markus’ Sprache: So gebt dem Gläubiger, was der Caesar sagt –, wird zu: «So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.» Der Zusatz – «und Gott, was Gottes ist» – könnte darauf hindeuten, dass in Markus’ Vorlage nach dieser das Kreditwesen und das Volk betreffenden Maßnahme die anderen benannt waren, die den Einfluss der oberen Schichten regulieren sollten: einerseits Auflösung aller das politische Leben dominierenden und vergiftenden Geheimbündeleien, die sich gerne hinter religiöser Fassade und Initiationsriten versteckten, andererseits Erhöhung der

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tradierten Priester- und Augurenkollegien sowie der Künstler- und Handwerkerzünfte.743 Merkwürdigerweise hat der volle Satz – «So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist» – noch die Struktur von Caesars Lehrsatz – «man brauche die Soldaten fürs Geld und das Geld für die Soldaten» –, auch wenn die Überkreuzung verlorengegangen ist. Die Anrede an Caesar – «Meister» – ist korrekt: Zu der Zeit war Caesar wieder dictator,744 wofür die Anrede, wie wir sahen, magister war, die auf den alten Namen für dictator zurückging: magister populi. Allerdings wird Markus hier dictator als didaskale, «Meister», gelesen haben, im Sinne von «Schulmeister», also dictator als «Diktat-Diktierer». Als ob Markus sich an die Grundbedeutung gehalten hätte: dictator von dicere, «sagen» – im deutschen Wort Dichter erhalten: der «Sager». Auch der Name der Münze, dēnarion, trifft zu, denn Caesar ließ hauptsächlich Silberdenare prägen. Caesars Portrait auf der Münze ist kaum inaktuell. Caesars eigenes Konterfei erscheint zwar erst nach dem Afrikafeldzug im Münzbild (Abb. 42/43). Sein Name aber – CAESAR – wurde bereits mit der ersten Münze nach Eröffnung des Bürgerkrieges eingeprägt, wie wir sahen (cf. u. a. Abb. 13/14/20/22/71), und auf jenen seines Nachfolgers dann DIVVS IVLIVS (Abb. 47/48/100), «der Gott Iulius», sodass ob man die Münze nun dem Caesar oder Gott gab, machte es keinen Unterschied, denn der Empfänger war derselbe: Die Qual der Wahl hatte man nicht. Am Anfang der Perikope ist von Pharisäern und Herodianern die Rede. Die Pharisäer sind meist die Pompeianer. In den Quellen, bei Dio zum Beispiel, wird gesagt, dass das Kreditwesen lahmgelegt war, seitdem Caesar gegen Pompeius gezogen war. Unter Pharisäern und Herodianern müssen wir uns in diesem Fall die Pompeianer und die Caesarianer vorstellen, die auch in der Frage der Schuldentilgung unterschiedlicher Meinung waren, da die Pompeianer meist zu den Gläubigern, die Caesarianer zu den Schuldnern zählten. Dadurch wird hier Caesar auch zum Herodes gemacht, statt wie üblich nur zu Jesus, was einer gewissen Komik nicht entbehrt: Jesus und Herodes als eine Person! Aber das hatten wir schon mal: Der Kopf des Johannes war Herodes präsentiert worden – wie jener des Pompeius dem Caesar. Die Verschmelzung wurde natürlich dadurch erleichtert, dass Herodes, dessen idumäischer Vater von Caesar adoptiert worden war, auch Iulius hieß, und von Antonius und Octavian zum König von Judäa gemacht.

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Catos Tod und Caesars Anfall : Heilung des fallsüchtigen Knaben Nach der Schlacht bei Pharsalos waren Cato und Scipio nach Afrika, dem heutigen Tunesien, geflohen, wo sie mit Hilfe von Iuba, dem König der Numider, namhafte Streitkräfte zusammengebracht hatten. Cato bewachte Utica im Norden, wo auch die dreihundert ihm treu gebliebenen Männer sich zusammengefunden hatten, die sich als den legitimen Senat ansahen, seinerzeit mit Pompeius Rom verlassen und, bis zu dessen Niederlage, in Thessalonike getagt hatten. Scipio dagegen, mit den kriegserfahrenen Offizieren, darunter Labienus, Petreius und Afranius, hatte sein Lager in Hadrumetum, dem heutigen Sousse, aufgeschlagen und überwachte die Küste. Sie erwarteten, dass Caesar wie einst Curio, sein unglücklicher Legat, den er am Anfang des Bürgerkrieges nach Afrika geschickt hatte, an der zu Sizilien sich hinstreckenden Halbinsel im Nordosten landete. Damals war Curio zwischen die Pompeianer in Utica und die von Südwesten heranrückenden Numider geraten und aufgerieben worden. Caesar landete mit wenig Truppen zur Winterszeit überraschend südlich von Scipios Lager, hatte aber anfänglich arg zu kämpfen, um die zahlenmäßige Unterlegenheit wettzumachen. Einmal, in einer müßigen Stunde, hatten sich seine Reiter hingesetzt und schauten einem Afrikaner zu, der vor ihnen tanzte und dabei wunderbar die Flöte spielte. Plötzlich kreisten die Feinde sie ein und warfen sich auf sie, die einen machten sie nieder, die anderen verfolgten sie in Richtung Lager; wäre Caesar selbst nicht vom Wall hergeeilt, um die Flucht aufzuhalten, wäre an dem Tag alles schon zu Ende gewesen. Endlich konnten all seine Schiffe aus Sizilien zu ihm stoßen, und es gelang ihm, Iubas Kräfte zu spalten, indem er den maurischen Fürsten Bocchus dazu bewegte, Iubas Gebiet von Westen her anzugreifen. Da begab er sich in Thapsos in eine Mausefalle zwischen dem See und dem Meer, so dass die verlockten Scipio und Afranius abermals ihre Kräfte trennten, um ihm nördlich und südlich die Auswege zu versperren. So konnte Caesar nacheinander die Widersacher Scipio und Afranius überrennen, Iuba und seine Numider in die Flucht schlagen und an einem Tag alle ihre drei Lager einnehmen. Einige der ehemaligen Senatoren und Praetoren, die dem Gemetzel entkamen, gaben sich bei der Gefangennahme den Tod, denn jene, die er nach Pharsalos begnadigt hatte, hegten nun keine Hoffnung mehr, abermals von ihm geschont zu werden, während Iuba Caesars Rache für das Massaker an Curio fürchtete. So töteten sich Petreius und Iuba gegenseitig, während Scipio sich mit eigener Hand die Brust durchbohrte und sich ins Meer warf. Tatsächlich ließ Caesar die treulosen Rückfälligen hinrichten. Einige jedoch schonte er auch

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jetzt. Das beste Schicksal hatte Iubas kleiner Sohn, der auch Iuba hieß, der zwar später in Caesars Triumphzug mitgeführt wurde, dann aber beste Erziehung genoss, sodass aus dem numidischen Barbaren einer der gelehrtesten römischen Historiker griechischer Zunge wurde. Cato hatte an der Schlacht nicht teilgenommen, weil er das Kommando dem ehemaligen Konsul Scipio überlassen hatte und selbst nur die Besatzung von Utica befehligte. Caesar eilte zu ihm und hoffte, ihn lebendig aufzufinden und nicht bereits tot, wie einst Pompeius. Als Cato aber von Caesars Sieg erfuhr, floh er nicht wie die meisten in seiner Umgebung, tat so, als ob er vertrauensvoll auf ihn warte, gab sich dann aber den Tod. Catos Freitod war nicht nur Ausdruck hochmütigen Stolzes – als Bruder von Caesars Geliebter Servilia hätte er genausowenig wie Servilias Sohn Brutus zu befürchten gehabt –, sondern nahm auch bestialische Züge an. Als sein Sohn, den er besonders herzlich vor dem Schlafengehen umarmte, sein Schwert vom gewohnten Platz neben seinem Lager entfernen ließ, drohte Cato, er könne sich mit seinem Kleid erhängen, sein Haupt an den Mauern zerschmettern, sich kopfüber vom Dach zu Boden werfen oder durch Anhalten des Atems töten. Als das Schwert zurückgelegt wurde, verlangte er Platos Schrift über die Seele, aber kaum allein, schnitt er sich den Bauch auf, sodass die Eingeweide herausquollen. Die Ärzte schoben sie wieder hinein und vernähten die Wunde. Da täuschte er Schlaf vor und riss dann mit seinen Händen den Verband ab, löste die Naht, erweiterte wie ein wildes Tier mit seinen Nägeln die Wunde, drang mit den Fingern in den Leib hinein und zerrte die Eingeweide auseinander, bis er darüber starb. Er galt als der standhafteste aller Männer beim Festhalten an einer einmal gefassten Meinung. Allerdings bestimmte er Recht, Rechtschaffenheit oder Moral nicht nach allgemeinem Empfinden, sondern aufgrund hochgemuter philosophischer Erwägungen. Entsprechend war das Urteil über ihn wie im Leben, so auch im Tod gespalten. Während ein Teil der Einwohner Uticas ihm ein ehrenvolles Begräbnis bereitete, erklärte Caesar dagegen, er gönne ihm diesen Tod nicht, denn Cato habe ihm die Erhaltung seines Lebens auch nicht gegönnt. Es blieb Caesar nur übrig, seine Milde gegen Catos Sohn zu zeigen, den er begnadigte, wie gegen die Einwohner von Utica, die, anders als die dreihundert Männer im Pseudo-Senat, alle unversehrt blieben. So wurde der Krieg in Afrika, trotz des glänzenden Sieges bei Thapsos, vom Selbstmord Catos überschattet. Hinzu kam das Gerücht, Caesar habe am Kampf selbst gar nicht teilgenommen. Denn während er das Heer zur Schlacht

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bereitstellte, habe ihn ein Anfall seiner Krankheit überrascht, und er sei in Ohnmacht gefallen. Schon beim ersten Schütteln, noch bevor er das Bewusstsein verlor, habe er sich auf einen nahegelegenen Turm tragen lassen, wo er ruhig wartete, bis alles vorüber war. Von diesen epilepsieähnlichen Anfällen soll Caesar mindestens zwei in Ausübung seiner Ämter erlitten haben, das erste Mal in Corduba. Er versuchte dagegen durch karge Kost anzukämpfen und sich durch lange Märsche, ständigen Aufenthalt unter freiem Himmel, barhäuptig unter Sonne und Regen widerstandsfähig zu halten. Allerdings hatte das Fasten zusammen mit den Strapazen von so vielen Kriegszügen und Kriegsjahren in atemraubendem Tempo eine Kehrseite: Er verfiel in regelrechte Kachexie, was die Schwächeanfälle geradezu förderte.745 Markus interessiert sich auch hier nicht für das tatsächliche Kriegsgeschehen. Wir werden bei ihm vergeblich nach Details des Kriegsverlaufs suchen. Wie immer macht er aus dem Sieg eine Heilung. Allerdings, da es in diesem Fall einen tatsächlich Sterbenden – den Selbstmord verübenden Cato – sowie einen an epilepsieähnlichen Anfällen Leidenden – Caesar – gab, bringt er alles durcheinander, vermischt es womöglich auch noch mit dem tanzenden Afrikaner, dem Barbarenjungen Iuba und Catos Sohn, und macht daraus die Heilung des fallsüchtigen Knaben. «Und sie kamen zu den Jüngern und sahen eine große Menge um sie herum und Schriftgelehrte, die mit ihnen stritten. Und sobald die Menge ihn sah, entsetzten sich alle, liefen herbei und grüßten ihn. Und er fragte sie: Was streitet ihr mit ihnen? Einer aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist, und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten’s nicht. Er aber antwortete ihnen und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir! Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist’s, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst – alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Als nun Jesus sah, dass das Volk herbeilief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein! Da schrie er und riss ihn sehr und fuhr aus. Und der Knabe lag da wie tot, so dass die Menge sagte: Er ist tot. Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf. Und als er heimkam, fragten ihn seine Jünger für sich allein: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? Und er sprach: Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten und Fasten.» 746

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Dass wir im Krieg gegen die Senatspartei sind, erkennen wir daran, dass die Jünger mit den Schriftgelehrten streiten. Und wie Caesars Legaten in Afrika bis dahin unterlegen waren und es nicht geschafft hatten, die Pompeianer von dort zu verjagen, sind die Jünger bis zum Eintreffen Jesu unterlegen und können den feindlichen Geist nicht austreiben. Dieser wird als «sprachlos», alalos, bezeichnet. Wer ist hier gemeint? Der junge flötenspielende Berber, der den Tanz mit tödlichem Ausgang inszenierte? Der junge Sohn des Berberkönigs Iuba, der erst später sich von einem barbaros, einem Griechisch Lallenden, zu einem der großen Gelehrten griechischer Zunge entwickelte? Oder Catos Sohn, der hier noch versteckt beim Namen genannt wird? Weiter unten nämlich, bei der direkten Anrede, sehen wir, dass der Geist nicht nur alalon, sondern auch kōphon, «taub», eigentlich «taubstumm», genannt wird. Hat Markus mit diesem Neutrum kōphon den Eigennamen Cato(n) wiedergegeben? Der Anfall des «fallsüchtigen Knaben» wird zweimal beschrieben. Dabei fallen Verben wie «reißen», die an das «Herausreißen» der eigenen Eingeweide durch Cato denken lassen oder die wie «wird starr», griechisch xērainetai, von jenem xēron, «trocken», kommen, von dem wir an anderer Stelle sahen, dass es Curio(n) wiedergibt. Wohingegen «schäumt», afrizei, Assoziationen mit «Afrika» bzw. dem tanzenden «Afrikaner» erweckt. So dürften wir hinter dem ersten Anfall eher den Überfall vermuten – von Caesar, der plötzlich im Winter in Afrika erschien, und den Numidern, die einen flötenspielenden Tänzer vorschickten, um Caesars Reiter zu überfallen. Im zweiten Anfall dagegen, wo es um den kōphon geht, dürfte es sich um Cato(n) und sein lautloses wie eitles Selbstzerfleischen handeln. Erst Markus’ redaktionelle Vereinheitlichung der Zeit, des Ortes und der Handlung brachte beide zusammen. Eine Bestätigung dessen sehen wir darin, dass im ersten Anfall Jesus das unversöhnliche Wort seiner Ungeduld ausspricht – «O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen?» –, das keine Heilung einleiten kann, sondern eben die Hinrichtung der treulosen Rückfälligen diskret ahnen lässt. Im zweiten dagegen haben wir den Toten, der doch nicht tot ist – wie der tödlich verwundete Cato noch verarztet worden war –, während die Worte Caesars, der Cato seinen Tod nicht gegönnt hatte, nun zu jenen werden, die den Toten wiederauferstehen lassen. Der «Glaube» nämlich, um den es in der Auseinandersetzung zwischen Jesus und dem Vater des Kindes geht, dürfte auch hier wie sonst die fides sein, jedoch diesmal im Sinne von in fidem et potestatem se permittere, sich «in Gnade und

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Ungnade ergeben» – was Cato ja dem Caesar nicht gönnen wollte, sosehr Caesar ihm auch seine Gnade gönnte: «Wenn du kannst – alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt» ist eine gute markinische Übersetzung von in fidem et potestatem se permittere. Schließlich hat Markus auch noch Catos Selbstmord und Caesars epilepsieähnlichen Anfall verschmelzen lassen. Denn Caesars Kachexie, die sich kaum durch Selbstkasteiung und karge Kost ausheilen ließ, klingt noch nach im Ausgang der Perikope: «Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten und Fasten.» Allerdings ist die ausführliche Erzählung von Caesars Anfall an einer passenderen Stelle zu finden – im Gethsemane: «… und fing an zu zittern und zu zagen und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet! Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf die Erde und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge.» 747

Dort hat Markus Caesars Anfall «vernünftig», leider auch «allzu menschlich» verarbeiten können, als Jesu Zittern und Zagen vor dem eigenen Tod. Wir werden sehen, was für einen Aufhänger Markus hatte, um diese Stelle genau dort zu bringen.

Cato und Anticato : Wider die Schriftgelehrten Die Polemik um Catos Selbstmord nahm kulturpolitische Konturen an. Cicero verteidigte in einer Schrift Catos Verhalten, in der er für dessen Tugend schwärmte, worauf Caesar sich veranlasst fühlte, eine Gegenschrift zu verfassen, in der er zwar Ciceros Beredsamkeit lobte, Catos Heuchelei jedoch anprangerte. Beide Schriften, Ciceros «Cato» und Caesars «Anticato», wurden eifrigst von den jeweiligen Parteigängern gelesen und polarisierten die Leser über Jahrhunderte. Leider sind beide Schriften für uns verloren, aber wir kennen ansatzweise deren Inhalt aus der Sekundärliteratur, vor allem Plutarch und Appian.748 Wie wir früher gesehen haben, warf Caesar Cato unter anderem vor, er habe seine schwangere Frau Marcia dem reichen und betagten Hortensius abgetreten, um sie bald als reiche Witwe wieder zu heiraten, dadurch aus schnöder Habgier die Ehe zu einem Geldgeschäft erniedrigt, seine Frau wie ein profitables Leihgut eingesetzt. Nur zur Tarnung habe er Trauerkleider getragen, keinen Kranz mehr bei Gastmahlen sich aufs Haupt gesetzt – ob er nun für den verstorbenen Hortensius dies tat oder für die in seinen Augen von Caesar bedrohte alte Ordnung. Tatsächlich zeigte Cato sich bald überall in

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Trauertracht und eilte unverzüglich hinter Pompeius her. Die von der reichen Witwe angeschaffte Erbschaft war zu Catos persönlicher Kriegskasse geworden.749 Markus wird Caesars Polemik gegen Cato im Anschluss an den Afrikafeldzug vorgefunden haben. Nicht zufällig finden wie den Kern jener berühmten Polemik, in typischer Abwandlung, nach den bösen Weingärtnern, i. e. nach der Meuterei der Veteranen, wieder: «Und er lehrte sie und sprach zu ihnen: Seht euch vor vor den Schriftgelehrten, die gern in langen Gewändern gehen und lassen sich auf dem Markt grüßen und sitzen gern obenan in den Synagogen und am Tisch beim Mahl; sie fressen die Häuser der Witwen und verrichten zum Schein lange Gebete. Die werden ein um so härteres Urteil empfangen.»750

Als graue Eminenz der Senatspartei wird Cato hier konsequent zu den «Schriftgelehrten» gezählt, von denen wir wissen, dass sie die conscripti sind, aus der Senatoren-Anrede patres conscripti. Ihre für Caesars Verhältnisse harte Bestrafung in Utica wird klar ausgesprochen: «Die werden ein um so härteres Urteil empfangen.» Die «zum Schein verrichteten langen Gebete» dürften eine Anspielung auf Catos Filibuster sein, die unendlichen Reden, die er im Senat hielt, unter anderem um Gegner am Sprechen zu hindern oder um unangenehme Abstimmungen hinauszuschieben. Der Kernsatz – «sie fressen die Häuser der Witwen» – gibt Caesars Meinung über Catos Erbschleicherei durch Heiratsschwindel noch deutlich wieder.

Triumphzüge in Rom : Einzug in Jerusalem Caesar kehrte nun nach Rom zurück und feierte hintereinander vier Triumphe: den gallischen, den alexandrinischen, den pontischen und den afrikanischen – keinen pharsalischen jedoch, denn er wollte sich mit dem Sieg im traumatischen Bürgerkrieg, zu dem er genötigt worden war, nicht brüsten, die Wunde nicht vertiefen und das Andenken an Pompeius nicht verletzen. Dabei löste er alle seine Gelübde und Versprechen ein, von den Zuteilungen an Soldaten und Volk bis zur Weihung eines Tempels an seine Ahnfrau Venus – hier stellte er freilich zur Seite der Göttin ein schönes Standbild der Kleopatra auf.751 Angesprochen haben wir die Triumphe bereits oben, im Zusammenhang mit den improvisierten Festmahlen, u. a. bei der Einnahme des Lagers von Pompeius bei Pharsalos, die in Markus’ Erzählung mit den Festmahlen beim Anlass der Triumphe in Rom zusammengelaufen zu sein scheinen. Dabei war auch die Rede von den Spenden an Geld, Öl, Wein und Getreide sowie von der

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Landverteilung an die Kolonisten. Auch die Triumphzüge selbst fanden wir bereits bei Markus, versteckt bei der Blindenheilung, als Wiedergabe von veni vidi vici – «ich sehe die Menschen umhergehen, als sehe ich Bäume». Beim Triumph nämlich ziehen die Sieger mit einem Laubkranz auf dem Kopf an einer jubelnden Menge vorbei. Diese jubelnde Menge zeigt uns Markus beim Einzug in Jerusalem, unmittelbar im Anschluss an die Anekdote des losgebundenen Eselsfüllens, in der er die Ablösung des Cato durch Asinius Pollio in Sizilien verarbeitete: «Und sie führten das Füllen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten. Und die vorangingen und die nachfolgten, schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt! Hosianna in der Höhe! Und er ging hinein nach Jerusalem und in den Tempel …» 752

Man erkennt leicht, dass hier alle Requisiten des römischen Triumphes in leichter Abwandlung vorkommen: das geschmückte Reittier, die ausgebreiteten Kleider, die grünen Zweige, der Zug, der Triumphschrei, das Lob des Triumphators und des höchsten Gottes, Jupiters, die Route und der Einzug in die Stadt, in den Tempel … Die Differenzen sind vergleichsweise klein: Ein Esel statt einem Triumphwagen mit vier Schimmeln – jedoch bei der ovatio, dem kleinen Triumph, den Caesar nach dem letzten Spanienfeldzug erhielt, war der Triumphator beritten, wie wir sahen («ich bin nicht König, ich bin Caesar»). Dass dieses eine Pferd dann zum Esel wird, hat mit Asinius Pollio, wortwörtlich «Eselsfüllen», zu tun – dadurch begünstigt, dass die Leute natürlich das Bild von einem Caesar im Kopf hatten, der seinen triumphalen Zug durch Italien einst auf einem Muligespann angefangen hatte.753 «Hosianna» statt io triumphe ist dem Bibelzitat geschuldet, das hier bemüht wird. Das Hosianna bot sich vermutlich an, um die fescennini, die derben Spottlieder, zu verdecken, die insbesondere von den Soldaten der Sitte entsprechend für den Triumphator gesungen wurden. Beim gallischen Triumph gehörte folgendes zum Anständigsten, was zu hören war: «Städter, sperrt eure Frauen ein! Den kahlen Buhler bringen wir herbei. Gold hast du in Gallien verhurt, Hier hast du es dir gepumpt.»754

Jupiter, der höchste Gott, fehlt nicht, dem die Triumphe galten, in dessen roter Tracht, in dessen Wagen und als dessen Verkörperung der Triumphator zog. Der Name Jupiter wird korrekt in seinen Bestandteilen analysiert – Diu-Pater

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– und als «Vater David» wiedergegeben: Anscheinend hat Markus für Diu die Variante Div genommen, die ihm womöglich Caesars Titel Divus suggerierte und die eine bessere Eselsbrücke zu «David» bildet. Auffällig ist, dass keine Parallele von Jupiter zu Jahwe gezogen wird: Markus denkt nicht alttestamentlich, die Zitate aus der Bibel der Juden gehören nicht zu den alten Schichten. Die Anwesenheit Jupiters verdeutlicht, dass an dieser Stelle Markus auch die echten Triumphe vom Jahr 46 eingewoben hat und nicht nur den ersten Einzug in Rom 49. Allerdings sind die Erwähnungen des Asinius, i. e. des «Füllens», am Anfang der Perikope und des Jupiter, i. e. «Vater David», an deren Ende die einzige Spur davon. Die ursprüngliche Vorlage dieser Stelle wird man vergeblich im Verlauf des Bürgerkriegs suchen, sondern interessanterweise unmittelbar davor finden, als Caesar, von jenseits der Alpen kommend, die Gallia Cisalpina an der Grenze Italiens besucht, um sie wegen der Kandidatur des Antonius zum Augurenpriesteramt anzusprechen: «Die Ankunft Caesars wurde von allen Städten gallischen und römischen Rechts mit unglaublichen Ehrbezeugungen und Liebe empfangen. Er kam nun zum ersten Mal nach jenem gewaltigen Sieg über ganz Gallien dorthin. Nichts wurde versäumt, was man sich zum Schmuck der Tore, der Wege und aller Plätze, wo Caesar sich hinbegab, ausdenken konnte. Alles Volk lief ihm mit den Kindern entgegen, überall brachte man Opfer dar, die Marktplätze und die Tempel wurden mit gedeckten Tischen und Speisesofas belegt, als ob man vorab und fröhlich einen überfälligen Triumph feierte: So groß war die Freigebigkeit der Vermögenden wie der Enthusiasmus der kleinen Leute.» 755

Das ist eindeutig Markus’ Hauptquelle für den Einzug in Jerusalem. Deutlich wird dies durch den jeweiligen Anfang der nächsten Perikope, bei Caesar – «Nach seiner raschen Rundreise durch ganz Oberitalien …» – und bei Jesus – «Und er besah ringsum alles …»756 Womit wir hier eine zweite wichtige Erkenntnis bestätigt sehen, die uns bereits bei den Clodius-Anekdoten auffiel: Markus’ Vorlage enthielt Stellen, die chronologisch vor dem Anfang des Bürgerkriegs lagen. Wir müssen damit rechnen, dass die Beschränkung auf die Jahre 49 bis 44 eine redaktionelle und keine stofflich vorgegebene ist.

Die Söhne des Pompeius : Die Söhne des Zebedäus Als die Feierlichkeiten in Rom ihr Ende gefunden hatten, zog Caesar gegen die Söhne des Pompeius nach Spanien. Diese hatten trotz ihrer Jugend ein Heer von erstaunlicher Größe zusammenbekommen, denn zu ihnen kamen alle führenden pompejanischen Persönlichkeiten, die sich aus Afrika hatten retten

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können, sowie tapfere Völkerschaften wie die Spanier und die Keltiberer; dazu Sklaven, denen sie die Freiheit versprochen hatten. Ihrem Vater ähnlich hatten sie bewiesen, dass sie fähig und würdig waren, dieses Heer zu führen, und hatten trotz der Anwesenheit von Caesars Legaten ganz Baetica und viele Städte in ihre Macht gebracht. Caesar nahm sie zuerst nicht ernst, kam dann plötzlich, seinen Truppen vorauseilend, im Vertrauen, dass sein Ruhm allein den abtrünnigen Städten und Pompeius’ Söhnen einen Schreck einjagen werde. Diese ließen sich aber nicht beeindrucken, auf des Vaters Ruhm und ihre Stärke vertrauend, die in ihren Augen jene Caesars aufwogen. Ja, sie warfen dem taktierenden Caesar Feigheit vor, sodass dieser die Schlacht in einer für ihn ungünstigen Lage auf dem Abhang unter Munda annahm. Caesar gab auch diesmal «Venus» als Parole aus, Pompeius’ Söhne aber, die um die Würde ihres unglücklichen Vaters kämpften, «Pietas». Als Caesar von einer Anhöhe sah, wie beide Armeen aufeinanderprallten, seine Truppen Furcht überkam und sie zu weichen begannen, hob er seine Hände zum Himmel und flehte alle Götter an, es möchten doch nicht durch eine Niederlage so viele Siege zuschanden werden. Dann eilte er zu seinen Soldaten, lief durch die Reihen der Kämpfenden und schrie ihnen zu, ob sie sich nicht schämten, ihn solchen Knaben in die Hände zu liefern. Als auch dies nicht vermochte, die angstvolle Stimmung zu ändern, entriss Caesar einem Soldaten den Schild und rief den Stabsoffizieren, die ihn umgaben, zu: «Dies wird das Ende meines Lebens und eures Kriegsdienstes sein!» Dann stürmte er vor die Schlachtreihen der Seinen, dicht auf die Feinde zu, bis auf zehn Fuß Entfernung. Zweihundert Lanzen flogen ihm entgegen, doch gelang es ihm, vor den einen auszuweichen, die anderen mit seinem Schild aufzufangen. Jetzt endlich rannten die Tribunen vor und stellten sich vor ihn, zuerst die decumani, die legendäre Zehnte Legion, Caesars praetoria, und dann das gesamte Heer warf sich auf die Feinde und konnte sie nach schwerstem Kampf und tapferstem Einsatz gegen Abend endlich niederringen. Über dreißigtausend wurden getötet, aber auch Caesar verlor tausend seiner besten Leute. Da soll er zu seinen Freunden gesagt haben, er habe schon oft um den Sieg, diesmal aber um sein Leben gekämpft.757 Aus Pompeius’ Söhnen, die die Machtstellung des Magnus für sich beanspruchten, macht Markus die Söhne des Zebedäus, die rechts und links in der Herrlichkeit des Meisters sitzen wollen: «Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, um was wir dich bitten werden. Er sprach zu ihnen: Was

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wollt ihr, dass ich für euch tue? Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wißt nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir, Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist. Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wißt, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.»758

Pompeius wird hier nicht wie üblich zu «Johannes», sondern zu «Zebedäus». Dass dieser aber eine Doublette des «Täufers» darstellt, erkennt man noch daran, dass die beiden Söhne gegen Jesus behaupten, sie könnten sich doch «taufen» lassen wie er – wobei die Taufe auch hier wie sonst Aushebungen und Rekrutierungen bedeutet. Der Kelch, den sie auch trinken können, steht für Spanien, leicht erkennbar im Griechischen: «Spanien», Ibērian, potērion, «Kelch». Freilich kann auf diesen «Kelch», Aussprache potirion, auch lateinisch potiri, «sich bemächtigen», «in die eigene Gewalt bringen», abgefärbt haben – was Pompeius’ Söhne mit Spanien taten. Die Herrlichkeit ist der jeweilige Ruhm, auf den beide Seiten pochten, Caesar auf seinen, Pompeius’ Söhne auf den des Vaters. Die Rechte und die Linke, zu denen sie sitzen wollen, wovon wiederholt die Rede ist, sind auch bei Caesar da, einmal als die Truppen, die von beiden Seiten her mit unterschiedlichen Parolen aufeinanderprallen, dann als die Hände, die Caesar hebt, um die Götter anzuflehen, und schließlich als die Hände der Knaben, in die er nicht fallen will. Die Namen selbst aber, die «Rechte» und die «Linke», hat Markus wie üblich in den Text hineingelesen – wahrscheinlich zuerst die «Linke»: In seiner Vorlage standen nämlich die «Vornehmen», die aus Afrika zu Pompeius’ Söhnen gekommen waren, und er mag hier statt «von den Vornehmen», ex aristōn, lieber ex aristerōn, «zur Linken», gelesen haben; aus Symmetriegründen wurden dann die «Fähigen», «Geschickten», die dexteri, als «Rechtshänder» interpretiert und «zur Rechten» versetzt. Dabei könnten auch die Parolen geholfen haben, die auf beiden Seiten ausgegeben wurden, «Venus» und «Pietas», Aphroditēn und Eusebeian, die im griechischen Kontext gewisse Ähnlichkeiten vor allem mit «zur Linken» aufweisen, das einmal mit aristerōn, das andere Mal aber mit euōnymōn wiedergegeben wird.759

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Die Problematik der Herrscher bzw. der Mächtigen, die ihren Völkern Gewalt antun, ist konkret die der Schlacht. Das Besondere bei dieser war, dass der Feldherr, der hinter seinen Soldaten zu stehen hatte, diesmal selbst nach vorne ging, die Tribunen mit sich reißend und die Soldaten hinterher. Damit war die Welt auf den Kopf gestellt – der Feldherr als Feldknecht, der sein Leben aufs Spiel setzte und damit seine Armee rettete: eine Umkehrung der üblichen Ordnung, die den Sieg brachte. Genau dies ist Markus wichtig, wichtiger als der Sieg selbst: «Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele» – wobei «Menschensohn» natürlich Gai-us ist. Was Markus’ Mechanismus angeht, sehen wir auch hier, dass er die Idee des Dienens und ihre Parallelisierung mit jener des Leben-Gebens von Caesars Spruch an seine Offiziere hat – «Dies wird das Ende meines Lebens und eures Kriegsdienstes sein!» –, das Wort selbst aber hineingelesen hat. Da waren diese «zweihundert Speere», die gegen Caesar geschleudert wurden; da machte Markus aus «zweihundert», diakosia, diakonos, «Diener» und aus «Speere», dorata, doulos, «Knecht». Konsequenterweise machte er dann aus den «zehn Fuß» Abstand zu den Feinden die «Zehn», ohne nähere Bestimmung, die sich gegen Jakobus und Johannes empören: Das ist insofern korrekt, als gerade diese zehn Fuß Abstand es waren, die seine Leute dazu bewegten, endlich Front zu machen gegen die Pompeianer. Vermutlich hat er dafür die «zehn Fuß Abstand» einfach vermengt mit den decumani, den «Zehnern», den Soldaten der «Zehnten» Legion, Caesars praetoria, von denen dann der heftigste und entscheidende Angriff auf die Pompeianer ausgegangen war. Die Namen «Jakobus» und «Johannes» stellen uns vor die Wahl, ob nun Johannes für iuvenis, «der Jüngling», steht oder für Gnaeus: Beide Möglichkeiten hatten wir ja an früheren Stellen in Erwägung gezogen. Wir können es hier kaum entscheiden: Denn von den beiden Söhnen des Pompeius hieß der Ältere Gnaeus und der «jüngere» Sextus. Da weder Gnaeus noch Sextus Ähnlichkeiten mit «Jakobus» aufweisen, müssen wir vermuten, dass der Name «Jakobus» hier neben «Johannes» unter dem Einfluss einer anderen Stelle steht, wo beide Namen als Paar auftauchten, zum Beispiel in der Verklärung Jesu, Mk 9:2. Die Lösung dieser Frage werden wir also bis zur Analyse jener Perikope aufschieben.

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Der Name Zebedaius ist derart, dass er einen früheren Pompeius überdeckt haben kann: POMPEI > ΖΕΒΕΔΑΙ(ου). Allerdings kann auch er an diese Stelle gewandert sein, zum Beispiel zusammen mit Jakobus, den wir bereits als «Sohn des Zebedäus» antrafen. Auch hier sei wiederholt, dass Markus überhaupt kein Interesse für das tatsächliche Kriegsgeschehen hat. So wird man bei ihm vergeblich nach dem Ausgang der Schlacht suchen, bei der Caesars persönlicher Einsatz zwar das wankende und weichende Heer zum Stehen gebracht hatte, die aber entschieden wurde von der Umkreisung der Pompeianer durch die maurischen Reiter des Königs Bogud und durch einen Fehler des Labienus, der Truppen zur Verteidigung des Lagers abzog, was die allgemeine Flucht der Seinen einleitete. Geschweige denn, dass er die anschließende Romanze Caesars mit Boguds Frau Eunoe erwähnt hätte! Dagegen darf man sich fragen, ob in Markus’ Text nicht das weitere Schicksal von Pompeius’ Söhnen nachklingt, das tragische des älteren, Gnaeus, der, wie einst der Vater, auf der Flucht getötet und dessen Kopf Caesar gebracht wurde, das glücklichere des jüngeren, Sextus, der sich rettete, wieder Truppen sammelte und später Caesars Nachfolgern Antonius und Octavian lange das Imperium streitig machte. Daran lassen Jesu Worte denken, die sich wie vom Munde des Täufers anhören: «Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.» Am wichtigsten jedoch war Markus nun einmal der Dienst des Gaius als Soldat an der Front, in Lebensgefahr, der den Sieg Caesars rettete: der Erste als letzter, der gerade dadurch zum Allerersten wird. Um dies hervorzuheben, nimmt er eine Änderung des Ablaufs in Kauf – und schließt damit ab.

Caesar Divus Iulius : Davids Sohn und Herr Sieger in allen Bürgerkriegen, eilte Caesar nach Rom, nunmehr gefürchtet und gefeiert wie kein Mensch zuvor. Vor seinem Glück beugten die Römer das Haupt und fügten sich willig ins Joch. Sie hofften unter der Monarchie Erholung zu finden und machten aus Caesar einen Alleinherrscher: Per Senatsbeschluss ernannten sie ihn zum automatisch wiedergewählten Konsul, zum Diktator auf Lebzeiten, zum obersten Sittenrichter, sie verliehen ihm den Titel «Imperator» als Vorname und jenen des «Gebärers des Vaterlandes» als Beiname, ließen seine Statue unter den Königen aufstellen und seinen

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Thronsitz in der Orchestra, erteilten ihm das Recht, jederzeit die rote Triumphaltracht zu tragen, seine Geschäfte auf einem Thron aus Elfenbein und Gold zu erledigen, und erklärten ihn an seinem Leib als heilig und unverletzlich, wie ein Volkstribun. Womit er alle Praerogativen eines absoluten Monarchen hatte und mehr als ein König war – auch wenn er den Titel König als von den Vorfahren verflucht ablehnte. Dann erhöhten sie ihn aber auch in die sakrale Sphäre. Hoherpriester des Jupiter und Pontifex maximus war er bereits. Nun verliehen sie ihm selbst göttliche Ehren: den goldenen Sessel in der Curia und vor dem Tribunal, einen Götterwagen und eine Tragbahre für seine Statue bei der Prozession während der Zirkusspiele, eigene Tempel, eigene Statuen neben jenen der Götter, in allen Tempeln in Rom und in jeder Stadt des Reichs und außerhalb, bei den Verbündeten, Altäre mit eigenem Kult und Verpflichtung für die Priester, alljährlich all seine Siege zu zelebrieren, einen Platz an der Göttertafel, die Benennung eines Monats nach seinem Namen, ein eigenes Priesterkollegium bei den Luperkalien. Schließlich machten sie ihn geradewegs zum Divus Iulius und stellten in der Person des Antonius einen Hohenpriester seiner selbst, wie für Jupiter. Zwar sollte Letzteres erst nach seinem Ableben umgesetzt werden, dadurch war er aber schon zu Lebzeiten nicht nur Gott, sondern auch ein monotheistischer Gott, ein archaischer Gottkönig mit Imperium über die ganze Welt. Das Sonderbare war, dass all diese Ehren ihm von jenen Römern gegeben wurden, die ihre Könige aus der Stadt verjagt hatten, und dass sie dies nicht nur aus Furcht taten oder um ihm zu schmeicheln, sondern auch aus Liebe. Liebe, die er nicht enttäuschte, ließ er doch, was keiner vor ihm je getan hatte und jede menschliche Vorstellung übertraf, alle, die gegen ihn Krieg geführt hatten und noch am Leben waren, begnadigen und unversehrt nach Italien zurückkehren, ja, er setzte sie in Amt und Würden wieder ein. Den Witwen der Gefallenen erstattete er ihre Mitgift und gab den Waisenkindern ihren jeweiligen Anteil am Vermögen. Ja, er ließ sogar die Statuen des Pompeius und des Sulla wieder aufrichten. Das gab allem anderen, womit er die Liebe des Volkes zu gewinnen suchte, mit Spielen, Theateraufführungen, Speisungen, Getreidespenden und Anlage von Siedlungen, seinen eigentlichen Sinn. Zur Besiegelung des gegenseitigen Vertrauens wurde ihm und seiner Clementia ein Tempel gelobt. Daraufhin entließ er gegen alle Bedenken seine spanische Leibgarde und verließ sich auf die ihm verliehene sacrosanctitas, die

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tribunizische Unverletzlichkeit, und auf den Eid der Senatoren und Ritter, die versprachen, sein Leben notfalls unter Einsatz ihres eigenen zu schützen.760 Aus diesem realisierten Gottkönigtum macht Markus die Frage nach dem größten Gebot und den Disput über Davids Sohn und Herr: «Und es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: ‹Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit allen deinen Kräften› (5. Mose 6:4–5). Das andre ist dies: ‹Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst› (3. Mose 19:18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese. Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er ist nur einer, und ist kein anderer außer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und mit allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. Als Jesus aber sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.»761

Die Schriftgelehrten sind auch hier die conscripti, die Senatoren: Der eine, der hier als pars pro toto auftritt, ist jener, der die Ehrenbeschlüsse vorlas. Dass wir am Ende der Bürgerkriege sind und Caesar gesiegt hatte, erkennen wir daran, dass der Streit hier als beendet angesehen wird und Jesus «fein geantwortet hatte». Es ist denkbar, dass die Ehrenbeschlüsse von Cicero vorgetragen wurden, der am Bürgerkrieg nicht aktiv teilgenommen hatte – das könnte hier seinen Niederschlag darin finden, dass dieser Schriftgelehrte einer von denen war, der beim Streit nur «zugehört» hatte. «Unser Gott ist allein der Herr» – das traf nun für Caesar zu, wenn auch die umgekehrte Reihenfolge die ursprünglichere war: Der Herr ist allein unser Gott. Wobei dieses aus dem Buch Mose zitierte Gebot, das zur bedingungslosen Liebe zu dem Herrn verpflichtet, wie die Eidformel der Senatoren und Ritter sich anhört, die versprechen, Caesar zu lieben und ihn unter Einsatz ihres Lebens zu verteidigen. Das andere Gebot – «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst» – überdeckt die Clementia Caesaris, die Verzeihung für all seine Feinde, ohne freilich dem Unerhörten an dieser Clementia gerecht zu werden, die forderte, alles im Bürgerkrieg Geschehene, also auch die erlittenen Ungerechtigkeiten, zu vergessen, und geradezu die einstigen Feinde zu lieben: «Lasst uns deshalb, Väter, vereint bleiben mit Vertrauen, vergessend aller vergangenen Geschehnisse, als ob sie durch einen Dämon bewirkt worden wären, und beginnen wir einander zu lieben, ohne Argwohn, als ob wir neue Bürger wären. So daß Ihr mich wie einen Vater behandeln, Euch meiner Sorge und meines Schutzes erfreuen werdet, ohne etwas Unangenehmes zu fürchten, und ich werde mich um Euch kümmern wie um meine Kinder, betend, daß all Eure Taten immer die besten sein mögen und doch

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notgedrungenermaßen die Beschränkungen der menschlichen Natur ertragend, die guten Bürger mit gebührenden Ehren belohnend und die übrigen korrigierend, soweit es möglich ist.» 762

Darauf gründet nicht nur das Leben von Individuen und Völkern, sondern das Zusammenleben verschiedener Menschen und Völker in einem Weltreich. Man könnte natürlich schmunzeln, dass es dem Caesar nicht schwer fiel, seine Feinde zu lieben, denn er wusste aus persönlicher vielfacher Erfahrung, dass gerade die ärgsten Feinde oft die schönsten Schwestern haben, war doch Caesars Geliebte Servilia die Schwester seines verbissensten Widersachers Cato. Die Liebe zu den Feinden war aber in diesem Sinne den Römern spätestens seit dem Raub der Sabinerinnen als staatstragend vertraut, Alexander hatte es auch bei der Massenhochzeit seiner Makedonier mit den Frauen der Perser praktiziert, und Caesar selbst war dem Beispiel gefolgt, als er seine Tochter Iulia dem Sullaner Pompeius zur Frau gegeben hatte. Nun, nach siegreicher Beendigung des Bürgerkriegs, wollte er mit dieser verallgemeinernden Steigerung nicht nur den Krieg, sondern auch den Frieden gewinnen. Damit hatte Caesar das Neue gebracht, indem er auf das Uralte anknüpfte. Jedenfalls, das zum fundamentalen christlichen gewordene, bis dahin unerhörte Gebot «Liebet eure Feinde!» wurde von Caesar persönlich formuliert, in einer Rede, in der er sich als «Vater Unser» all seiner Kinder anbietet. Man findet es nicht bei Markus, aber wohl bei Matthäus, als Essenz der neuen Botschaft, der neuen Reichsmoral, in klarer Opposition zur alttestamentarischen, zu der jedes Individuum und jedes Volk durchaus fähig ist: «Ihr habt gehört, dass gesagt ist (3. Mose 19:18): ‹Du sollst deinen Nächsten lieben› und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.» 763

Dass es das römische Reich ist, verdeutlicht jenes «im Himmel», en ouranois, von dem wir sahen, dass es romanus verdeckt. «Vater im Himmel» ist hier also Caesar als parens patriae, als «Gebärer des Vaterlandes», der aber als Divus in die Sphäre Jupiters rückt, des Wettergottes, der regnen lässt über alle, nach eigenem Gutdünken und gerecht zugleich. Nebenbei bemerkt, die unweigerliche Tatsache, dass Matthäus auf Markus fußt, bedeutet nicht, dass seine Hinzufügungen rein redaktionell sind. In diesem Fall kann man ersehen, dass Matthäi Hinzufügung zu Markus

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offensichtlich von anderen Caesarquellen kommen, jenen, die auch dem Cassius Dio zur Verfügung standen. Diesmal hat Matthäus die Fassung, die der ursprünglichen Caesarquelle näher kommt, er hat das «Liebet eure Feinde», das Fundament der Clementia Caesaris. Und kombiniert sie kreativ mit einer früheren Polemik. Diese ganze Problematik – alte Moral gegen neue Moral – war nämlich Bestandteil von Caesars Anticato, den er hatte schreiben müssen in Erwiderung auf die Verherrlichung Catos, die Cicero in Umlauf gebracht hatte, um ihm zu schaden.764 Diese in der Antike viel gelesenen und diskutierten antagonistischen Werke, Cato und Anticato, sind leider nicht erhalten, bis auf wenige Zitate. Es trifft sich, dass darunter eins ist, das gerade zu unserem Thema passt, worin Caesar dem Moralapostel Cato vorwirft, nicht einmal das natürlichste aller Gebote beachtet zu haben, nämlich die Liebe zu seinen Nächsten: «Caesar schreibt im ersten Buch seines Anticato: «bis auf Einen nämlich, den die Natur ganz anders geschaffen hat, hat ein jeder die Seinen lieb.»765

Wir wissen leider nicht, wie es wörtlich weiter ging, aber inhaltlich kann man es sich leicht vorstellen:766 Cato – denn dieser «Einer» war eindeutig Cato, dessen Einmaligkeit bereits Cicero hervorgehoben hatte,767 welche Caesar ironisiert –, dieser einmalige Moralapostel, war nicht einmal in der Lage, das fertig zu bringen, was alle, Menschen und Tiere, von Natur aus tun, nämlich die Seinen zu lieben. Hier spielt Caesar wohl auf Catos lieblosen und opportunistischen Umgang mit seiner jungen Frau Marcia an, die er wie ein Zuhälter einem alten Mann abgetreten hatte, um sie dann als reiche Witwe wieder zu heiraten.768 Wie hätte Cato sich dann zu dem steigern können, was notwendig ist, um alle Kriege zu beenden, insbesondere den Bürgerkrieg, um den ewigen Frieden zu sichern, nämlich zur Clementia, zur Barmherzigkeit den Fremden und sogar den Feinden gegenüber? Ja, er war so verstockt, dass er Caesar nicht einmal gönnte, dass er ihn begnadige, und hat deswegen Selbstmord geübt, damit niemand, vor allem kein Feind, ihm das erweisen kann, was er niemandem erweisen wollte, nicht einmal den Seinen: Barmherzigkeit. Zusammen mit der von Dio wiedergegebenen Rede Caesars an die Senatoren (supra), ist die Anticato-Polemik Caesars offensichtlich Teil des Urtextes zum obigen Matthäuszitat – wobei natürlich die Ironie verloren geht, wie so oft. Redaktionell ist festzustellen, dass die Vorlage des Matthäus Anekdoten enthielt, die in jener von Markus fehlten oder verkürzter vorkamen. Jedenfalls zeigt diese Matthäus-Passage, dass es im Evangelium

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ursprünglich nicht darum ging, der alttestamentarischen Moral des Moses die neutestamentarische Jesu entgegenzusetzen, sondern zu referieren, wie Caesar in seiner Opposition zur altrömischen Moral eines Cato exemplarisch demonstrierte, wie verlogen sie war, unfähig sogar natürliche Gesetze zu erfüllen, wie die familiäre Nächstenliebe, geschweige denn kulturell höhere, und für das Allgemeinwohl notwendige, wie das Liebet-Eure-Feinde, auch nur zu begreifen. Der Evangelist hatte diesen Streit mit den Catonianern nur transferiert ad usum Iudaeorum, zum Gebrauch der Juden, delokalisiert und adaptiert, und zu einer Auseinandersetzung Jesu mit dem alten Gesetz gemacht. Die darauffolgende Anrede an Jesus – «Meister», didaskale – steht bei Markus – um zu ihm zurückzukehren (supra) – wie immer für magister populi, also dictator, hat aber diesmal wohl eine intensivere Bedeutung, denn zu diesem Anlass ist Caesar zum Diktator auf Lebzeiten gewählt worden. Die «Brandopfer» und «Schlachtopfer» deuten hier mehr auf den für den neuen Gott eingerichteten Kult als auf jene, die die Festivitäten zu seinem fünften Triumph begleiteten: Das römische Reich, das imperium populi romani, war daran, das imperium des Vaters aller zu werden, wie auf Erden so im Himmel. Der Schlusssatz schließlich – «Und hinfort wagte niemand mehr, ihn zu fragen» – lässt noch durchklingen, dass die Zeit der Bürgerkriege feierlich beendet worden war. Man vergleiche die Wortwahl Appians: «Niemand wagte mehr, ihm irgendwie zu widersprechen.» 769

Adventus Caesaris : Vom Kommen Christi Markus 13 ist ein Abschlusskapitel: Danach fängt die Passion an. Es ist nicht auszuschließen, dass dieses apokalyptische Kapitel der ursprüngliche Abschluss sogar des ganzen Markus ist, das vor die Leidensgeschichte gerückt sein könnte, um dem falschen Schluss 16:9–20 Platz zu machen. Jedenfalls findet man dessen Entsprechung größtenteils in der Zusammenfassung, die Appian als Einleitung seines Bellum civile bringt und womit er die Fortsetzung der Bürgerkriege nach Caesars Ermordung ankündigt. Der Aufhänger scheint die Bautätigkeit Caesars gewesen zu sein, der nicht nur für sein neues Forum mit Venustempel alte Gebäude, Häuser und sogar Tempel hatte abreißen lassen. Dies klingt in Markus’ Kapitelanfang nach, wo ein Jünger sagt: «Meister, siehe, was für Steine und was für Bauten!»

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– worauf Jesus antwortet: «Nicht ein Stein wird auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen werde.» 770

Nach bekanntem Muster hat Markus auch hier wahrscheinlich rem (publicam) mit (h)ieron, «Staat» mit «Tempel», verwechselt und übergeleitet auf den Zusammenbruch des Staates und das Wiederaufflammen der Bürgerkriege nach Caesars Ermordung. Diese nennt Markus auch beim Namen, mit seinen «Kriegen und Kriegsgeschrei».771 Die Wortwahl verrät deutlich, dass Bürgerkriege und Proskriptionen gemeint sind – Appian: «Dabei überließen die Parteiführer einander gegenseitig ihre Feinde und schonten zu diesem Zweck weder Freunde noch Brüder; so weit überwog ja die Abneigung gegen die Feinde die Liebe zu den Angehörigen.» 772

Markus: «Und es wird überantworten ein Bruder den andern zum Tode und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören wider die Eltern und werden ihnen zum Tode helfen.» 773

Die «vielen», die «kommen werden unter meinem Namen und sagen: Ich bin’s» und «viele verführen» werden,774 spielen klar auf Antonius, Lepidus und Octavian an, die in Caesars Namen – Letzterer buchstäblich unter seinem Namen, denn er ließ sich in Caesar umbenennen – auftreten und gegeneinander Krieg führen.775 Erwartungsgemäß tauchen die inzwischen bekannten Apostelnamen auf – «Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas» – allerdings «für sich allein»,776 womit auf ihre grundsätzliche Zwietracht trotz gelegentlicher provisorischer Versöhnung hingewiesen wird. Auch das Bild, dass diese Bürgerkriege eine neue Welt gebären werden – Appian: «So waltete die göttliche Vorsehung, um die heute allumfassende Kaisermacht ins Leben zu rufen.» 777

–, ist vorgegeben – Markus: «Das ist der Anfang der Wehen.» 778

Wobei hier die gewohnte Überblendung der beiden Sinne von archē, «Anfang» und «Macht», wiederkehrt. Die berühmte Markusstelle, wo mit einem Daniel-Zitat vom «Greuel der Verwüstung» die Rede ist, der «da steht, wo er nicht soll», dürfte indes die Proskriptionen meinen, die nicht mehr hätten sein sollen, nachdem Caesars Milde mit der Rachsucht Sullas gebrochen hatte. Doch wollten die Triumvirn die Ermordung des milden Caesar nicht ungesühnt lassen, proskribierten

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ihrerseits die Hintermänner des Attentates und erklärten so gerecht wie unrechtmäßig viele römische Bürger, Senatoren und Ritter, anhand einer ausgehängten Liste für vogelfrei, schrieben hohes Kopfgeld aus, ließen alle Fluchtwege besetzen, alle geheimen Verstecke durchspüren, die Ausgänge der Stadt, Häfen, Marschen und Sümpfe;779 dieser Anschlag und das erbarmungslose Wüten der Kopfgeldjäger führte bei denen, deren Name auf der Liste stand, zu so panischen wie vergeblichen Fluchtversuchen, die Appian so entsetzt beschreibt und die auch bei Markus nichts von ihrem Schrecken verloren haben. Appian: «Mit der Bekanntgabe der Listen kam es nun sogleich in Stadt und Land […] zu unwürdigen Fluchtversuchen und Verkleidungen […]. Einige stiegen in Brunnen hinunter, andere in schmutzige Kloaken, wieder andere verkrochen sich in rauchgeschwärzten Kaminen oder saßen ganz still unter den dicht aneinandergefügten Ziegeln ihrer Dächer. Manche hatten nämlich nicht weniger Angst vor ihren Frauen und feindlich gesinnten Kindern als vor den Mördern […]; es gab auch solche, die ihre Schuldner oder Nachbarn fürchteten, die es nach ihren Ländereien gelüstete.»780

Und Markus: «Wenn ihr aber sehet den Greuel der Verwüstung stehen, wo er nicht soll – wer es liest, der merke auf! –, alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe ins Gebirge. Wer auf dem Dache ist, der steige nicht hernieder und gehe nicht hinein, etwas aus seinem Hause zu holen. Und wer auf dem Felde ist, der wende sich nicht um, seinen Mantel zu holen. Weh aber den Schwangeren und Säugenden zu jener Zeit!» 781

«Judäa» steht natürlich auch hier für Italia. Im griechischen Ausdruck für «Greuel der Verwüstung», to bdelygma tēs erēmōseōs, finden wir im Kern die bekannte markinische Gleichsetzung von Roma und erēmos, «Rom» und «Wüste», wieder – was korrekt ist, die Proskriptionen trafen ja hauptsächlich Stadtrömer. Gleichzeitig gibt erēmōsis das Ergebnis der Proskriptionen wieder, denn das Verb erēmoō bedeutet nicht nur «verwüsten» sondern zuerst «leer machen», insbesondere «menschenleer machen», was ja die Proskriptionen und die darausfolgenden Greueltaten in vielen Häusern und Geschlechtern bewirkten, und was das Wort bdelygma, «Greuel», rechtfertigt, das hier vermutlich vom Wortlaut des Daniel-Zitats hervorgerufen wird, und möglicherweise proscriptio überlagert (ähnlich wie etwa die «Myrrhe» bei Matthäus zitatsbedingt zur «Galle» wurde, supra). Auch der Ausgang ist parallel. Appian: «Von denen aber, die zu entrinnen vermochten, […] wurden jene, die gegen alle Erwartung am Leben blieben, später begnadigt und gelangten zu Ämtern in der Stadt sowie zu führenden Stellungen im Krieg, ja sogar zu Triumphen.» 782

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Markus: «Und wenn der Herr diese Tage nicht verkürzt hätte, würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er diese Tage verkürzt.» 783

Der Hinweis auf «manchen falschen Christus und falschen Prophet, der sich erheben wird und Zeichen und Wunder tun»,784 dürfte sich auf die Verführungskraft der Verschwörer Brutus und Cassius, oder des zuerst erfolgreichen Sextus Pompeius, beziehen. Es könnte aber auch die Auseinandersetzung um die höchsten Priesterwürden wiedergeben – Lepidus pontifex maximus, Antonius flamen Divi Iulii, Octavian Divi Iulii filius –, wie auch ihre gegeneinander geführten Kriege. Markus’ Fremdkörper mitten im Kapitel 13 – «Wenn sie euch nun hinführen und überantworten werden, so sorget nicht zuvor, was ihr reden sollt; sondern was euch zu der Stunde gegeben wird, das redet.» 785

– kann sich daher zwar auf die mit den Proskriptionen einhergehenden Verhöre beziehen, doch ebenso ist es möglich, dass Markus hier den Primat der Improvisation bei Caesars Kriegsführung vorgefunden hat: «Einen Kampf nahm Caesar nicht erst nach vorausgegangener Planung auf, sondern immer, wenn sich eine Gelegenheit dazu ergab, oft unmittelbar aus dem Marsch heraus […].» 786

Dies könnte sogar für Markus ein Aufhänger dafür gewesen sein, die Überlegungen über den durch Caesar beendeten und nach seinem Tod doch wiederaufflammenden Bürgerkrieg hierher zu versetzen. Schließlich hatte Caesar selbst prophezeit, dass das Gemeinwesen die Bürgerkriege wieder erleiden würde, wenn ihm etwas zustöße – was tatsächlich nach seiner Ermordung eintrat.787 Einen zweiten Aufhänger lieferte Caesars Kalenderreform, der zu der Zeit als pontifex maximus bestimmte, dass vom Mond- zum mit wenigen Korrekturen heute noch gültigen Sonnenjahr zu wechseln war – ein Ärgernis für Cicero, der unerträglich fand, dass Caesar nun auch den Gestirnen Befehle erteilte. Allerdings dürften die von Markus aus Jesaja geborgten Verse – «Aber zu der Zeit, nach dieser Trübsal, werden Sonne und Mond ihren Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.» 788

– jene Vergils überdeckt haben, der beschrieb, wie «ob Caesars Ermordung die Sonne über Rom klagte, als sie ihr strahlendes Haupt in stählernes Grauen einhüllte und eine ruchlose Welt vor ewiger Nacht sich entsetzte; […]

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wie nie zuvor fielen so dicht die Blitze aus heiterem Himmel, und auf dem unheilvollen flammten schrecklich die Kometen.» 789

Der Feigenbaum schließlich (Mk 13:28) – sykē –, dessen Blüte den Sommer ankündigt, erinnert an Sizilien, das zwischen den Triumvirn und dem letzten überlebenden Sohn des Pompeius lange umkämpft blieb und dadurch der Machtübernahme durch Caesars Adoptivsohn Octavian lange im Wege stand. Der das Kapitel abschließende Aufruf – «Wachet!» – identifiziert einwandfrei die Adressaten von Markus’ Evangelium: die Wächter des Reichs, die Veteranen, die jederzeit als evocati wieder einberufen werden konnten – und was die Triumvirn tatsächlich taten.790 *** Hier angekommen, können wir den ganzen Markus-Text nach vorne und nach hinten überblicken. Wir sind jetzt mit Markus’ «Arbeitsweise» vertraut und können den Rest besser einordnen. Vor uns steht die Leidensgeschichte, die mit dem Plan der Feinde791 anfängt und mit der Auferstehung792 endet. Hinter uns sind nur ganz wenige Perikopen bei unserem chronologischen, Caesars Geschichte folgenden Vorgehen nicht gestreift worden. Darunter sind:

Der reiche Jüngling und vom Lohn der Nachfolge – die sich als die markinische Wiedergabe 793 der Auseinandersetzung zwischen Antonius und Octavian um das Erbe Caesars entpuppen.794 Man erkennt die Problematik: Octavian wollte die bei Antonius deponierten Gelder haben, denn er hatte gemäß Caesars Testament als Adoptivsohn an jeden römischen Bürger fünfundsiebzig Denare zu zahlen; da Antonius sie ihm nicht gab, verkaufte er seine ganze Habe und bettelte auch noch dazu, um Antonius zu beschämen; so trat Octavian in Caesars Fußstapfen, denn es gelang ihm, die Sympathie der Bürger für sich zu gewinnen, die in Kampanien angesiedelten Veteranen an sich zu binden und so nicht nur Caesars private Erbschaft, sondern auch die politische, das Imperium, zu gewinnen – Jesus (hier fungiert Simon Petrus, i. e. Antonius als Jesus) sagte dem reichen Jünger (es ist der junge Caesar, i. e. Octavian), er solle alles verkaufen, was er habe, und den Armen geben, um dadurch einen Schatz im Himmel zu haben (i. e. bei den Römern), und ihm (i. e. Caesar) dann zu folgen; der Jünger ist unmutig und entsetzt, worauf Jesus das Wort spricht, dass es leichter sei, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme (hier haben wir, wie im ersten Markus-Kapitel, unser «Kamel» wieder, das für

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Kampanien steht). Die Problematik des ewigen Lebens, das zu ererben sei, dürfte mit Octavians Versuch zu tun haben, Antonius ermorden zu lassen, um an seine Erbschaft heranzukommen, und jene des Verlassens von Vater und Mutter mit Octavians Entscheidung, trotz der Widerstände seiner Mutter und seines Stiefvaters Caesars Erbschaft anzutreten. Das Wort von den Ersten, die die Letzten sein werden, das Petrus sich anhören muss, ist schließlich das, was dem alten Weggefährten Caesars, Antonius, widerfuhr: Er musste sich ansehen, wie ein Jüngling ihm den Rang ablief. Diese beiden Perikopen gehören daher zum Kapitel 13 Vom Kommen Christi, mit welchem zusammen sie ursprünglich nach der Auferstehung kamen; sie sind wahrscheinlich aus redaktionellen Gründen zu den Söhnen des Zebedäus795 gesellt worden, weil in der Auseinandersetzung um Caesars Erbe auch der letzte überlebende PompeiusSohn mitmischte.

Die Auferstehung der Toten – ist die Frage nach Caesars Nachfolge und somit nach Caesars legitimem Erbe. Wie man weiß, war Calpurnia kinderlos, als er starb, und seine Tochter Iulia, die er dem Pompeius zur Frau gegeben hatte, war kinderlos gestorben. In Caesars Testament, wie wir später sehen werden, war als Erbe ein postumer Sohn genannt, falls er ihm noch nachgeboren worden wäre. Dort werden wir auch sehen, dass man munkelte, Caesar habe kurz vor seinem Tod seinen Freund, den Dichter Helvius Cinna, mit der Vorbereitung eines Gesetzes beauftragt, wonach er zur Sicherung der Nachkommenschaft so viele Frauen heiraten durfte, wie er wollte und welche er wollte. Das wäre natürlich auf Kleopatra gemünzt gewesen, deren Unterstützung er im Partherkrieg brauchte und deren Sohn er durch eine legale Ehe zu seinem Erben gemacht hätte. Diese übrigens stand dem Caesar darin nicht nach, denn nachdem sie vor ihm mit Pompeius’ ältestem Sohn liiert gewesen war, verband sie sich nach ihm mit Antonius (vom Intermezzo mit Cassius denkt man, es sei nur politisch gewesen) und versuchte es nach dessen Niederlage auch mit Octavian, aber vergeblich. Dieser sorgte dann dafür, dass ihr auch ihre Kinder als unbeliebte Konkurrenten in der Erbnachfolge genommen wurden: Caesars Sohn Kaisarion wurde physisch eliminiert, Antonius’ Kinder in die Obhut ihrer Stiefmutter Octavia gegeben, der Schwester Octavians und ehemaligen Frau des Antonius, die er für Kleopatra verschmäht hatte. All dies führt zur Frage der Witwenehe, die Jesus von den Sadduzäern gestellt wird, wessen Frau in der Wiederauferstehung eine siebenmal

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Verwitwete denn sei, die im Leben sieben hintereinander verstorbene Brüder geheiratet hatte. Worauf die Antwort erfolgt, Gott sei der Gott Jakobs – d. h. des Octavian/Jakobus, der sich als Erbe durchsetzte. Die Abschlussbemerkung «Gott ist nicht der Toten, sondern der Lebendigen Gott» gibt ein Bonmot Octavians wieder, der in Ägypten den Sarg Alexanders aus der Gruft heben und sich zeigen ließ, ihn mit einer goldenen Krone und Blumen ehrte, die Gräber der Ptolemäer aber nicht einmal anschauen wollte, meinend, er habe «einen König sehen wollen und keine Toten».796

Der Blinde von Jericho – Bartimäus, der schreiend am Wege steht und bedroht wird, er soll stillschweigen,797 ist Artemidoros von Knidos,798 der auf dem ganzen Weg Caesars zur Senatssitzung versuchte, ihm eine Schriftrolle in die Hand zu drücken, die ihn vor der Verschwörung warnen sollte, und immer wieder weggedrängt wurde. Die Namen sind noch gut erkennbar – Artemidoros > Bartimäus;799 Divus > Div us > Sohn Davids – und die Blindheit dürfte damit zu tun haben, dass Caesar nicht dazu kam, die Schriftrolle zu lesen, als ob ihn die Gottheit auch hierin für sein bevorstehendes Schicksal blind gemacht hätte (es ist dieselbe Gleichsetzung Caesar = caecus, die wir bei veni vidi vici bereits trafen). Diese Stelle gehörte ursprünglich also zum Passionsbericht.

Warnung vor Ärgernissen Die «Kleinen», denen man nicht Ärgernis geben soll, sind Caesars kleine Leute mit den großen Taten, die für musterhaftes, ja heroisches Beispiel gesorgt hatten. Die «Hand», die du «abhauen» sollst, wenn sie dir Ärgernis schafft, erinnert an Caesars Vorgehen am Ende des Gallischen Bürgerkriegs, als er an jenen, die abermals seiner Milde gespottet hatten und schon wieder die Waffen gegen ihn getragen, ein Exempel statuierte und ihnen die Hände abhauen ließ, ihr Leben aber schonte, um möglichst viele Beispiele für die Bestrafung von Rebellen zu schaffen.800 Sie ist aber auch jene des Acilius, der in einem Seegefecht bei Massilia (heute Marseille), als ihm die rechte Hand abgehauen wurde, mit der er nach dem Hinterdeck eines feindlichen Schiffes gegriffen hatte, auf das Schiff sprang und die Feinde mit der Stachelspitze seines Schildbuckels vor sich hertrieb – wobei Massilia zum mulos, zum «Mühlstein», wird und das Seegefecht zum Meer, in das der Mühlstein geworfen wird.

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Das «Auge», das du «von dir werfen sollst», wenn es dir Ärgernis schafft, ist das des Scaeva: Obwohl ihm bereits ein Auge ausgeschossen war und hundertzwanzig Pfeile seine Hüfte, seine Schulter und sein Schild durchbohrten, behauptete er seinen Posten am Tor des Kastells, das ihm zur Bewachung überlassen war. Und das «gute Salz», kalon to (h)alas, das nicht kraftlos wird und das man bei sich haben soll, sind die Leute vom Schlage des guten Gaius Acilius und des guten Cassius Scaeva.801

Des Jairus Tochter und die blutflüssige Frau – sind dieselbe Person, nämlich des Iulius Tochter Iulia, die zuerst in Ohnmacht gefallen und einen Abort gehabt hatte – als sie die blutbedeckte Toga ihres bei einer politischen Kundgebung leicht verletzten Mannes Pompeius gesehen hatte – und später an Kindbettfieber starb, während das neugeborene Töchterchen nur wenige Tage überlebte.802 Diese Tragödie wurde allgemein als die Ursache für die Entzweiung von Caesar und Pompeius angesehen und somit für den darauf folgenden Bürgerkrieg, denn so gab es keinen gemeinsamen Erben von Caesar und Pompeius, dessen neue Frau überdies zur Familie Sullas und somit zur Gegenpartei gehörte. Markus’ Bericht803 stimmt mit der Realität insofern überein, als Caesars Tochter die erste Frühgeburt überlebte und das später geborene Töchterchen nicht (sofort) starb. Diese Stelle gehört daher zusammen mit den aus der Geschichte des Publius Clodius entwickelten Perikopen Heilung eines Aussätzigen, des Gichtbrüchigen und Berufung des Levi 804 in die Zeit vor dem Rubicon/Jordan, also vor Beginn des Bürgerkriegs und daher zu einem ursprünglichen Vorspann des Evangeliums oder zu einem Exkurs.805 Dahin gruppiert sich auch

Die Verklärung Jesu – wo die weiß leuchtenden Kleider, die kein Bleicher auf Erden so weiß machen kann,806 Caesars Kandidatur zu seinem Konsulat wiedergeben könnten:807 Dann wären hier die Kleider des Kandidaten, die tatsächlich candid zu sein hatten, wortwörtlich genommen, möglicherweise auch candidatus mit consulatus verwechselt worden. Nur, von welchem Caesar? Dem großen Caesar, oder dem jungen, ihm nachfolgend und denselben Namen tragend, Octavian? Falls es sich um den ersten Caesar handeln würde, wären diesmal die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes die Mitglieder des ersten Triumvirats – Pompeius, Crassus und Caesar selbst, der im Bunde der jüngste war, vom Alter

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her und politisch. Bei den Namen der Triade Elia, Moses und Jesus wäre «Elia» die uns bereits bekannte Doublette von Iulius, der de facto das Konsulat ohne Kollegen führte; «Moses» wären die mores, die Sitten, gegen die das private Abkommen der Drei verstieß; der «Menschensohn», der viel leiden und verachtet werden sollte, wäre auch hier Gaius, der durch die Agrargesetze sich die Liebe von Volk und Veteranen, jedoch auch den Hass der Großgrundbesitzer zuzog, dem am Ende des Jahres alles angelastet wurde, und dem vorerst nur übrigblieb, in den gallischen Krieg zu ziehen, dann als Belohnung zuerst bekriegt und schließlich ermordet werden sollte. Auch die drei Hütten (skēnas, tabernacula: eigentlich «drei (Feldherren)-Zelte») würden theoretisch einen Sinn ergeben. Nur: In den Berichten über die Bildung des ersten Triumvirats ist nirgendwo von Zelten die Rede. Die Namen der Jünger jedoch, Petrus, Jakobus und Johannes, die regelmäßig für Antonius, Lepidus und den jungen Caesar, i. e. Octavian, stehen, eröffnen die Möglichkeit, dass hier das zweite Triumvirat gemeint ist. Und da würden die Zelte passen, denn das erste Abkommen unter den Triumvirn fand auf einer kleinen und flachen Insel des Flusses Lavinius in der Nähe von Mutina (heute Modena, in der Po-Ebene) statt. Dort trafen sich die einst Verfeindeten zwei Tage lang von morgens bis abends, angesichts von je fünf Legionen und je dreihundert Mann, die sie am Flussufer und an den Brücken gelassen hatten, unter dem Vorsitz des jungen Caesar, der zu der Zeit gerade vom Privatmann zum Konsul avanciert war. Auch hier gäbe es also die «ganz leuchtend weißen Kleider», in einem noch prägnanteren Sinn, denn Octavian hatte zuerst seine Armee als Privatmann rekrutiert, trug also eine weiße Toga ohne die roten Streifen der Amtsinhaber, hatte inzwischen aber kandidiert und war Konsul geworden, war also anfällig für die oben in Erwägung gezogene Verwechselung von candidatus und consulatus. Auf den Ufern reihten sich die Zelte der drei unbefestigten Feldlager, und gut sichtbar die Zelte der drei Feldherren, auf dem Inselchen selbst oder an den Brücken, denn zwei Tage lang im November ging ohne Zelte nichts, so dass die drei skēnai, die drei «Zelte» (Luthers «Hütten»), die Petrus aufstellen will, hier ihren Prototyp gefunden hätten; die «Wolke», die sie überschattete, nephelē, stünde für lat. nebula und wäre dann der «Nebel» der Po-Ebene, der im November 43 an der Flussinsel besonders dicht gewesen sein muss; zum Berg wäre dann die Flusslandschaft geworden unter der üblichen Verwechselung von lat. ora, «Ufer», mit gr. oros, «Berg». Wie man weiß, wurden dort auch die Proskriptionen gegen die Mandanten von Caesars Ermordung beschlossen – von Markus an dieser Stelle als Streit

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mit den Schriftgelehrten verhüllt –, Caesar selbst aber zum Divus Iulius bestätigt – hier Elia, der «wieder kommt und alles wieder zurechtbringt» –, so dass jene von Tyrannenmördern zu Gottesmördern wurden. Es wurden daher alle früheren Senatsbeschlüsse, die Caesar schon zu Lebzeiten vergötterten, bekräftigt; neue kamen dazu: • Der erste war der Eid auf sämtliche von Caesar getroffenen Maßnahmen, die dadurch nicht nur bindend, sondern auch heilig wurden – bei Markus: «Das ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören!», mit üblicher Trennung von Div us als «Gottessohn», besonders naheliegend in Anwesenheit des Divi filius (zu bemerken ist, dass der hier angesprochene Brauch des Eids der Regierenden auf Caesars Akten bis heute im Eid auf das Evangelium samt Bibel überlebt hat); • der zweite war der Bau des Tempels des Divus Iulius und die Wiederaufrichtung des Altars an seiner Verbrennungsstätte, wobei seine Statue zusammen mit jener der Venus in den Prozessionen mitzuführen war – das «Das ist mein lieber Sohn» bezog sich also auf Caesar als Venussohn, Antonius erkannte ja Octavian als Divi filius kaum an (auch hier der Brauch der Prozession mit Madonna und Jesus, der sich bis heute erhalten hat); • der dritte war, dass die Dankesfeste für künftige Siege nicht nur dem Sieger, sondern auch ihm galten – bei Markus indirekt als Auferstehung von den Toten, als postumer Sieg (auch dieser Brauch der Danksagung an Jesus und nicht nur an den Sieger hat sich erhalten); • der vierte war die Feier seines Geburtstags durch das Tragen von Lorbeer und durch Lustbarkeiten (im Text nicht zu orten, aber der Weihnachtsbrauch mit Tannenbaum und Geschenken ist hier begründet – wobei in Frankreich, Caesars Gallien, Ironie der Geschichte, als Geburtstag der Republik der 14. Juli gefeiert wird, oft schon am Vorabend: am Geburtstag Caesars); • der fünfte war, den Tag seiner Ermordung zum Unglückstag zu erklären und den Ort in eine Latrine zu verwandeln (gedacht wird im heutigen Rom an den Iden des März an Caesars Ermordung, mit Kerzen und Blumen – aber an der Verbrennungsstätte am Forum Romanum, und nicht an der Curia des Pompeius, heute in Piazza Argentina –, als Vorwegnahme der Beisetzung also, keinesfalls als Zelebration des Mordes); • der sechste das Verbot, sein Bild bei den Beisetzungen von verwandten Toten mitzuführen – das ist nicht nur im Osterritual erhalten, bei dem wir eine Auferstehung haben, die wir nicht hätten, wenn Caesar weiterhin zu den Toten gezählt worden wäre, sondern in Markus’ Text ausführlich wiedergegeben, als «Elia» – wohl Iulius –, der zuerst «gekommen war und alles zurechtgebracht hatte», als «Menschensohn» – wohl Gai us, i. e. Caesar –, der «viel leiden

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sollte und verachtet wurde», und in der Klage: «Elia ist schon gekommen, und sie haben an ihm getan, was sie wollten», worin die Begründung der Triumvirn für die Proskriptionen hörbar wird, die meinten, dass nun Härte angezeigt sei, da Caesars Milde nicht honoriert wurde.808 *** Vor uns indes steht der Passionsbericht, wovon wir den Kern bereits im Kapitel «Crux» behandelten, wenn auch aus einem anderen Blickwinkel.

Der Plan der Feinde – die noch zögern und Angst vor dem Volk haben,809 hat seine Entsprechung bei Caesar in den anfänglich ängstlichen und noch unentschlossenen Verschwörern.810 Die Datierung ist interessant: «Es waren noch zwei Tage bis zum Osterfest.» Als ob man idus, die «Iden», die Mitte des Monats, als dies, «Tage», missverstanden hätte: Wir sind noch an den Iden des Februar, den Lupercalien, die jene des März, Caesars Ostern, ankündigen.

Die Salbung in Bethanien – im Hause Simons des Aussätzigen, bei dem eine Frau aus einem Alabastergefäß Nardenöl aufs Haupt des zu Tisch sitzenden Jesus goß,811 entspricht dem Lupercalienfest, bei dem Antonius als lupercus gekleidet, d. h. so gut wie nackt und wie ein Athlet mit Öl gesalbt,812 dem auf der Rednerbühne sitzenden Caesar ein Königsdiadem aufs Haupt setzte. Man erkennt die Namen: Antonius ist wie gewöhnlich Simon, aber als lupercus wird er zum lepros, zum «Aussätzigen»; da er hier eine Sonderrolle spielte, erfreut er sich einer Verdopplung: aus Antonius wird Bēthania (wohl über die weibliche Form Antōnia); die «Rednerbühne», rostra (pl. von rostrum), scheint zum alabastron, «Alabastergefäß», geworden zu sein, während das Preziöse an Caesars «vergoldetem Elfenbeinsessel» sich im «unverfälschten und köstlichen Nardenöl» wiederfindet.813 Vermutlich weil Markus’ Leser die Verleihung der Königswürde nicht mit einem Diadem, sondern mit Salbung assoziierten, wanderte das Öl vom Körper des nackten Antonius in die Hände der Frau – unter Verwechselung von «nackt», gymnos, mit gynē, «Frau» – und so auf Caesars, i. e. Jesu, Haupt. Die Frau taucht deswegen auf, weil Antonius als Lupercus die Frauen mit einem Fellstreifen zu berühren hatte, was sie auch gerne geschehen ließen, denn es galt als gutes Omen für baldige Schwangerschft und leichte Geburt. Dem Caesar dagegen wurde Antonius’

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nicht gerade geschickte Handlung zum Verhängnis, denn obwohl er das Diadem wiederholt abschlug, warfen ihm die Gegner trotzdem vor, er wolle sich zum König machen lassen, und nahmen es zum Anlass für seine Ermordung.814 Bei Markus kommt verlässlich die erwartete Entsprechung: Die Handlung der Frau verursacht Unwillen, Jesus aber wertet sie als eine VorausSalbung zu seinem Begräbnis.

Der Verrat des Judas Ischariot – ist wohl der Verrat des Marcus Iunius Brutus.815 Die Entsprechung Iunius > Judas haben wir bereits gesehen; Ischariot wird allgemein mit sicarius, «Meuchelmörder», assoziert – was zu Marcus Iulius Brutus passt. Das Motiv des Geldes in Gestalt der Bestechung des Judas taucht bei Brutus und seinen Hintermännern nach Caesars Ermordung auf, als sie beschließen, die Menge mit Geld auf ihre Seite zu ziehen.816

Das letzte Abendmahl – ist jenes von Caesar im Hause des Lepidus,817 wie oben gesehen.

Die Ankündigung der Verleugnung des Petrus – steht redaktionell unter dem Einfluss der vier Perikopen später kommenden Verleugnung des Petrus. Zumindest das Ende dieser Perikope – «heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich zweimal verleugnen»818 – muss also hierher vorgerückt worden sein, damit sie als Prophezeiung dient. Wir werden sehen, dass sie chronologisch mit der Verleugnung des Petrus hinter Jesu Gefangennahme gehört. Eine prophetische Deutung allerdings stand mit dem leicht zu erkennenden Rest bereits hier an seiner logischen Stelle, wie wir bald sehen werden: Die Beteuerung des Petrus – «wenn ich auch mit dir sterben müsste, wollte ich dich nicht verleugnen» – spielt auf den Eid der Senatoren an, die sich verpflichtet hatten, Caesars Leben mit ihrem eigenen zu schützen oder seine Rächer zu sein.819 Da Antonius dies später bei der ersten Unterredung mit den Mördern sowie bei der Leichenrede den Senatoren vorwerfen wird,820 wird der Eid in Petrus’ Mund gelegt. Der Eid der Senatoren hatte bewirkt, dass Caesar seine Leibgarde entlassen hatte, was seine Ermordung ermöglichte: Daher steht logisch am Anfang der Perikope das Sacharja-Zitat: «Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden sich zerstreuen.» Fast hätten aber die Mörder

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ihr Vorhaben nicht in die Tat umsetzen können, denn vier Tage später sollte Caesar in den Feldzug gegen die Parther ziehen, und dann hätte ihn sofort wieder eine Leibgarde umgeben.821 So könnte hinter Jesu Ankündigung – «Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen nach Galiläa» – der geplante Feldzug gegen die Parther stehen, für den Caesar bereits seine Legionen vorausgeschickt hatte: Galiläa könnte hier trotzdem wie gewöhnlich für Gallia insofern stehen, als Caesar nach der Niederwerfung der Parther über den Kaukasus hoch zu den Skythen ziehen wollte, von dort den Germanen in den Rücken fallen und bis zu seiner Armee in Gallien vordringen.822 Daher könnten die «Schafe», probata, des Sacharja-Zitats von einem ursprünglichen Parthi herbeigerufen worden sein. Vor seinem Abmarsch sollte Caesar bei der Senatssitzung, in der er ermordet wurde … «… zum König ernannt werden, da in den Schicksalsbüchern geschrieben steht, die Parther könnten nur von einem König geschlagen werden».823

Man vergleiche noch mal aus diesem Blickwinkel die markinische Anführung des Sacharja-Zitats: «denn es steht geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden sich zerstreuen.» 824

Man sieht, wie bei Markus eine Prophezeiung mit einer anderen ersetzt wird: Anscheinend waren zum Zeitpunkt der Endredaktion die Sibyllinischen Bücher out und die jüdischen Propheten in. Unschwer zu erraten, wo und wann: in Galiläa, ein Jahrhundert später, nach dem Sieg Vespasians im jüdischen Krieg und dem Aufstieg des Juden Flavius Josephus zu seinem Religionsbeauftragten – wie wir im nächsten Kapitel sehen werden. Dass es sich um Caesars Ernennung zum König handelt, ist außer in der typischen Parallele König/Hirte noch daran einwandfrei erkennbar, dass in beiden Fällen dies als Grund für größtes und allgemeines Ärgernis genommen wurde.825

Jesus in Gethsemane In der Nacht nach dem Trinkgelage bei seinem letzten Abendmahl im Hause des Lepidus, wo er, als der Kelch kreiste und die Frage gestellt wurde «Was ist die beste Art zu sterben?», von allen den plötzlichen Tod gepriesen hatte, womit er sein eigenes Ende anzukündigen schien, und von dem zu reden, was sich am folgenden Tag zutragen sollte, nämlich von seiner Ermordung, erlitt

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Caesar einen Schwächeanfall. Die Quellen, die davon berichten, erwähnen es zusammen mit dem Traum der Calpurnia, in welchem sie ihn auf ihrem Schoß erdolcht und mit viel Blut überströmt sah, aber auch mit Caesars eigenem Traum, in dem er sich mehrmals über den Wolken schweben sah, und wie er dem Jupiter die rechte Hand reichte. Beides, der Schwächeanfall in der Nacht mit dem anhaltenden Unwohlsein am Morgen, sowie die Alpträume, ließen ihn lange zögern, ob er überhaupt zur Senatssitzung gehen sollte. Er wollte schon den Antonius entsenden, um die Senatssitzung zu beenden, wurde aber doch von Decimus Brutus überredet, der ihn ins Verderben führte.826 Es war aber nicht der erste Schwächeanfall Caesars vor den Iden: Es hatte vorher einen anderen gegeben, der wie eine Vorankündigung wirkte. Als größter Grund für das Ärgernis über Caesar wird von den Historikern der Vorfall vor dem Tempel der Venus Genetrix angeführt,827 wo er die Pläne und den Fortschritt der Bauarbeiten an seinem Forum Iulium sichtete und die Konsuln, Praetoren und den ganzen Senat, die ihm den Beschluss über die ihm verliehenen übermenschlichen Ehrungen überbrachten, sitzend empfangen hatte – was ihm als Beleidigung des Senats ausgelegt wurde. Es hieß, dass Caesar versucht hätte aufzustehen, Cornelius Balbus ihn aber festgehalten hätte. Dafür wurden zwei Gründe angegeben; seitens der Gegner, dass Balbus ihm zugeflüstert hätte: «Vergiss nicht, dass du Caesar bist und verlangen darfst, dass man dich als höheres Wesen verehrt» – was zwar im Sinne der Beschlüsse war, die ihn Jupiter-gleich machten, was aber nicht zu Caesars Antwort passte, der dahinter rufschädigende Schmeichelei witterte und den Senatoren bedeutet hatte, sie täten besser, die Ehrungen einzuschränken, statt sie ständig zu vermehren; aus Caesars Freundeskreis war indes zu hören, er habe gerade die Vorboten eines seiner Schwächeanfälle gespürt – Balbus habe ihn deswegen bereits festgehalten –, und weil diese nicht nur von Schwindel, sondern auch von Zuckungen und Bauchkrämpfen begleitet waren, sei er sitzen geblieben, um seinen Leib besser unter Kontrolle zu halten, bis der Anfall vorüber sei. Die Senatoren sollen jedenfalls sehr niedergeschlagen sich abgewandt haben. Als Caesar klarwurde, dass sein Verhalten den Feinden eine Handhabe geliefert hatte, nach der sie gegen ihn suchten, machte er sich auf den Weg nach Hause, riss sich das Gewand vom Hals und schrie seinen Freunden zu, er sei bereit, die Kehle hinzuhalten: Wer wolle, solle zustoßen. Gleichwohl bat er sie, ihn zu bewachen; auf die Frage jedoch, ob er sich wiederum von seiner spanischen Leibgarde beschützen lassen wolle, gab er zur Antwort: «Es gibt nichts Unseligeres als dauerndes Bewachtwerden; das gehört zu einem Menschen, der sich immer fürchtet», oder nach anderer Fassung: «es sei

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besser, einmal zu sterben als ständig den Tod zu erwarten.» All dies findet man in markinischer Bearbeitung wieder: «Und sie kamen zu einem Garten mit Namen Gethsemane. Und er sprach zu seinen Jüngern: Setzt euch hierher, bis ich gebetet habe. Und er nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes und fing an zu zittern und zu zagen und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet! Und er ging ein wenig weiter, fiel auf die Erde und betete, dass, so es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge, und sprach: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!» 828

Falls es sich hier bei Jesus um Caesar handelt, wäre der Auslöser der sich wiederholende Schwächeanfall, der Dreh- und Angelpunkt aber dieser: Caesar bittet seine Freunde, ihn zu bewachen; Jesus sagt seinen Jüngern: «bleibt hier und wachet!». Das forum wäre dann als chōrion, «Hof, Garten», missverstanden worden, was dann für Venus bedeutet, als genetrix zum Gethsemane zu werden, mit dem Vorteil, als «Ölkelter», capit oleum, interpretiert eine der möglichen Übersetzungen von Kapitol zu sein,829 – dessen Einfluss hier deswegen zu unterstellen ist, weil Caesar dorthin, zum Jupiter Optimus Maximus, die mit einem Diadem umwundenen Lorbeerkränze hatte bringen lassen, die ihm auf den Rostra angeboten bzw. seiner Statue aufgesetzt worden waren. Dass die Szene sich an einem Tempel abspielt, wäre noch daran zu erkennen, dass Jesus betet. Die Namen der Jünger wären die obligaten Petrus, Jakobus und Johannes. Die Aufforderung des Balbus an Caesar, vor den Senatoren sitzen zu bleiben, wäre noch in der Aufforderung Jesu an die Jünger zu erkennen: «setzt euch». Der bevorstehende und befürchtete Anfall Caesars wäre im «er fing an zu zittern und zu zagen» sowie im «fiel auf die Erde und betete, dass, so es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge» noch deutlich zu sehen; und im «Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet!» bereits das Bewusstwerden Caesars, er schwebe nun in Todesgefahr, seine Aufforderung an die Freunde, sie mögen ihn nun bewachen, wie auch sein Trotzen, einmal sterben sei besser als immer bewacht zu werden. Der Spruch des Balbus – «Vergiß nicht, dass du Caesar bist und verlangen darfst, dass man dich als höheres Wesen verehrt» – wäre im ersten Teil von Jesu Ausspruch – «Abba, mein Vater, alles ist dir möglich» – zu erkennen: Das «höhere Wesen», wohl in diesem Kontext Jupiter, wäre durch «Abba, mein Vater» wiedergegeben, wobei der zweite Teil von Iuppiter, -piter, ausnahmsweise etymologisch korrekt als pater verstanden und der übrigbleibende Wortanfang Iup- als dessen aramäische Doublette Abba, auch «Vater», verwertet wird; im «alles ist dir möglich» wäre sowohl das von Balbus ausgesprochene unumschränkte «Dürfen» Caesars als auch die Macht

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des Optimus Maximus zu spüren. Der zweite Teil von Jesu Ausspruch – «nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!» – wäre dagegen Caesars Spruch selbst – «er sei bereit, die Kehle hinzuhalten; wer wolle, solle zustoßen»: Hier wäre einfach gula (gr. trachēlos), «Kehle», mit kylix, «Kelch», verwechselt worden, was zu Markus’ potērion, auch «Kelch», geführt hätte. Das alles wäre dann überblendet und aktualisiert worden vom zweiten Schwächeanfall nach dem Trinkgelage, wo der Abstinenzler Caesar doch aus dem kreisenden Kelch trank, und es ihm nicht bekommen hatte – zumal Decimus Brutus neben ihm saß –, mit dem darauffolgen (Alp)traum seines Aufstiegs über den Wolken zum Vater Jupiter, der ihm die Hand reichte und zu sich holte. Allerdings könnte es sich in diesem Fall nicht um Caesar, sondern um Marcus Brutus handeln, und das berühmte «Auch Du mein Sohn» in dieses «Abba, mein Vater» umgedreht worden sein; auch hatte Brutus eine gute Szene auf dem Kapitol, das, wie wir sahen, mitunter mit Gethsemane übersetzt werden kann. Bald taucht nämlich wieder Petrus auf, an zentraler Stelle, allerdings indem er schläft.830 Brutus war aufgestachelt worden, sich endlich des alten Brutus, der die Könige vertrieben hatte, würdig zu zeigen, indem sie nachts sowohl die Statue des älteren Brutus auf dem Kapitol als auch das Tribunal und den Sessel, auf welchem er als Praetor bei den Gerichtsverhandlungen Platz nahm, mit der Mahnung beschrifteten: «Brutus, du schläfst!»831 Parallel dazu sehen wir Jesus, auch nachts, zu Petrus sagen: «Simon, schläfst du?» (Hier erkennen wir freilich, wie es dazu gekommen ist, dass auch Brutus zu Petrus werden konnte, nicht nur wegen der Ähnlichkeit beider Namen, sondern vor allem weil er Praetor war; auch bei Lepidus hatten wir dies beobachten können, der als Praetor die erste Diktatur Caesars beantragt hatte.) Ein anderer berühmter Satz, den Jesus in dieser Perikope spricht – «der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach» –, geht auf Brutus’ Frau zurück, Porcia, Catos Tochter, die in die Verschwörung eingeweiht werden wollte; weil aber Brutus befürchtete, sie könnte unter Folter aus körperlicher Schwäche ausplaudern, brachte sie sich heimlich eine Wunde am Schenkel bei und sagte dann: «Du, mein Gemahl, vertraust wohl meinem Geiste, dass er nichts ausplaudern wird, misstraust jedoch meinem Leibe, und dein Denken war nur zu menschlich. Doch ich habe gefunden, dass auch dieser schweigen kann.»832 Da sie aber, obwohl sie Catos Tochter war, am Tage des Attentats, während sie auf die Nachricht vom Ausgang wartete, vor lauter Anspannung in Ohnmacht gefallen war, war doch ihr Fleisch schwach gewesen; während Brutus, der trotz der Meldung vom Ohnmachtsanfall seiner Frau bei

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der Sache geblieben war, gezeigt hatte, dass der Wille stärker war – somit blieb Markus bei seiner leichten Veränderung von Porcias Spruch doch bei der Realität. Dieser Ohnmachtsanfall der Porcia während des Wartens, die übrigens zuerst für tot gehalten worden war, mag abgefärbt haben auf obigen Vers: «[…] fiel auf die Erde und betete, dass, so es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge […].»833 Hinter diesem Passus jedoch hatten wir bereits bei der Untersuchung der Heilung des fallsüchtigen Knaben (supra) einen Schwächeanfall des an Kachexie leidenden Caesar vermutet, was die eingehende Analyse des Anfangs der Perikope nun bestätigt hat. Die darauffolgende Reiteration des Motivs des Schlafens kann mit den wiederholten Aufforderungen an Brutus zu tun haben, endlich zu handeln, kann sich aber auch auf Calpurnia beziehen, die in der Nacht vor Caesars Ermordung von ihm dabei beobachtet wurde, wie sie in tiefem Schlaf unverständliche Worte und abgerissene Seufzer ausstieß. Ihr träumte, sie weine über ihren Gemahl, den sie ermordet in den Armen halte. Markus: «und kam wieder und fand sie abermals schlafend; denn ihre Augen waren voll Schlafs, und sie wußten nicht, was sie ihm antworten sollten. […] Siehe, des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände.» 834

Wobei man in den Augen «voll Schlafs», eigentlich «schwere» Augen, katabarynomenoi, den Namen der Calpurnia erkennen kann. Hier, wie im ganzen Abgang, kündigt sich jedoch die Anwesenheit des Verräters Decimus Brutus an, der, weil Caesar sich wegen Calpurnias ängstlicher Erregung verspätete, kam, um ihn abzuholen: Er fragte, ob Caesar nun wirklich den wartenden Senatoren melden lassen wolle, sie möchten nach Hause gehen und ein andermal wiederkommen, wenn Calpurnia besser geträumt habe; und mit diesem Wort fasste ihn Brutus bei der Hand und zog ihn mit sich fort. Markus: «Ach, wollt ihr denn schlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist gekommen. Siehe, des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände. Steht auf, laßt uns gehen! Siehe, der mich verrät, ist nahe.» 835

Jesu Gefangennahme – ist in Wahrheit seine Ermordung, denn es ist jene Caesars:836 Dies haben wir bereits im Kapitel «Crux» näher untersucht. Zu beobachten ist, wie korrekt hier Judas nicht Ischariot, sondern «der Zwölfe einer» genannt wird: Caesar war ja nicht von Marcus, sondern von Decimus Brutus, wortwörtlich dem «Zehnten», abgeholt worden. Dass wir in einer Senatssitzung, und zwar einer feindlichen, sind, verdeutlicht die Anwesenheit der Schar der

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«Schriftgelehrten und Ältesten», wo wir wiederum die Formel patres conscripti erkennen; auch «Hohepriester» steht korrekt im Plural, denn außer dem pontifex maximus Caesar werden hier die opfernden Priester genannt. Ein Zeichen ist auch bei Caesars Attentat vereinbart: Tillius Cimber trat dicht vor sein Antlitz hin und bat um die Rückberufung seines verbannten Bruders, während andere Caesars Hände fassten und seine Brust und sein Haupt küssten; dann griff Tillius ihn mit beiden Händen an seiner purpurnen Toga, als ob es das Signal zum Angriff war, und zog ihm das Gewand vom Hals und den Schultern weg.837 Naheliegend wird das bei Markus zum Judaskuss: «Welchen ich küssen werde, der ist’s; den greift und führt ihn sicher hinweg.» 838

Die gegenseitigen Verletzungen der hastigen Angreifer und der Stoß des Cassius an Caesars Gesicht werden zu dem Schlag gegen des Hohenpriesters Knecht, der ihm ein Ohr abhaut – wobei os, oris, «Gesicht», als auris, «Ohr», missverstanden wird. Caesars verzweifelter Abwehrversuch, der die Angreifer anschreit, wird zur Antwort Jesu, der seine Häscher als Mörder abstempelt. Unabwendbar wurde das Attentat durch die Abmachung, dass jeder das Opfer treffen sollte, was wiedergegeben wird mit: «Aber es muss die Schrift erfüllt werden.» Die panische Flucht der Mörder aus dem Senatsgebäude, das bei Markus zu einem Tempel wird – «ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen …» –, ist auch da: «Da verließen ihn alle und flohen.» Das Bild des Jünglings, der Jesus nachfolgte, der mit einer Leinwand bekleidet war auf der bloßen Haut, den sie ergriffen und der die Leinwand fahren ließ und nackt davonlief,839 ist ein Kompositum: Zum einen sind da die von Markus noch nicht verarbeiteten Reste der Beschreibung des heftigen Kampfes zu erkennen – Cimber hatte ja Caesar das Gewand ringsum über Hals und Kopf weggezogen, Caesar es ihm aber aus den Händen wieder entrissen, dann seinerseits den ersten Angreifer, Casca, bei der Hand gepackt, sich gedreht und ihn hinter sich hergeschleppt, schließlich aber, überwältigt, Cascas Hand losgelassen, sich die Toga über den Kopf gezogen und seinen Leib den Stichen überlassen; zum anderen dürfte sich das Bild der Mörder vermengt haben, die im Senat noch eine Rede halten wollten, die aber, da niemand dageblieben war, ihre Togen wie Schilde um den linken Arm wickelten und hinwegrannten;840 außerdem befand sich auf dem Forum auch Cassius’ Sohn, der gerade die sogenannte männliche Toga anlegen sollte, wofür er vorher die kindliche toga praetexta ablegen musste: Um den hatten sich die Verschwörer vor dem Attentat versammelt;841 den Jüngling abgeben dürften jedoch im Kern

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zwei späte Mitläufer der Verschwörer: einerseits Caesars Schwager, der Praetor Cornelius Cinna, der in der dem Attentat folgenden Ansammlung von Freiheitliebenden und Mietlingen auf dem Forum unerwartet in die Mitte trat und seine Amtskleidung ablegte, wie wenn er mit ihr als dem Geschenk eines Tyrannen nichts mehr zu tun haben wollte; andererseits Cornelius Dolabella, junger Mann vornehmer Herkunft, der von Caesar als sein Nachfolger im Amt des Konsulats für den Rest des Jahres gewählt worden und bei der Ansammlung auf dem Forum im Konsulgewand, das er bereits angelegt hatte, erschienen war, und trotzdem als zweiter nach Cinna den ermordeten Caesar zu schmähen begann und sich als Mitwisser der Verschwörung gab.842 Damit haben wir doppelt und dreifach den Jüngling – Cassius’ Sohn und Dolabella – wie auch das weggerissene, ausgezogene, abgelegte, immer umkämpfte Gewand – die Toga Caesars, jene der Mörder und des jungen Cassius, das Amtskleid Cinnas und Dolabellas. Beide letzte verleugneten damit zugleich ihre Verbindung zu Caesar, mussten es aber bald bitter bereuen – Dolabella musste um sein Konsulat bangen, denn ohne Caesars Legitimation hatte er mit seinen 25 Jahren nicht einmal das geforderte Alter, der Praetor Cinna, der bei der darauffolgenden Senatssitzung vor Tagesanbruch im Tempel der Tellus wieder in seiner Amtstracht erschien, wurde von den nicht gekauften Bürgern und von Caesars Feldzugsteilnehmern mit Steinen beworfen, die auch das Gebäude, in dem er Zuflucht gesucht hatte, in Brand gesteckt hätten, was Lepidus knapp verhinderte. Damit sind wir voll bei der

Verleugnung des Petrus – zumal, wie wir wissen, der Name Petrus vom Praetor Lepidus herstammt, der Caesars erste Diktatur beantragte – was zum Bekenntnis des Petrus zum Christus wurde: Jetzt, wo hier mit Lepidus wieder ein Praetor da ist, lässt Markus sich die Gelegenheit nicht entgehen, die jetzige Verleugnung in Kontrast zum damaligen Bekenntnis zu stellen. Legitimiert ist er durch das lavierende, ja suspekte Verhalten des Antonius, der nach Caesars Ermordung in fester Verbindung mit Lepidus agiert und somit in Markus’ Augen endgültig zu Simon Petrus zusammengeschmolzen ist. Antonius war der Verschwörung, von der er durch Trebonius Wind bekommen hatte, nicht beigetreten, hatte sie jedoch an Caesar auch nicht verraten, was ihm das Leben rettete – die Verschwörer verzichteten darauf, ihn zusammen mit Caesar zu töten, und begnügten sich damit, ihn vor dem Senatsgebäude in ein Gespräch zu verwickeln.843 Er wollte nun Caesar einerseits rächen, andererseits einen möglichst günstigen

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Senatsbeschluss erreichen – vordergründig um des Friedens willen, in Wahrheit, weil er die Bruti fürchtete, vor allem den Verräter Decimus, der Caesars Nachfolger in der Gallia Cisalpina geworden war und somit mit seinen Truppen Rom direkt bedrohen konnte. All dies stellt den Hintergrund für Markus’ Perikope über die Verleugnung des Petrus dar. Das Ambiente – das Lagerfeuer der Knechte, an dem sich Petrus wärmt – liefern die Umstände jener dramatischen Nacht: Antonius hatte Nachtwachen angeordnet, und Feuer loderten allenthalben über die Stadt hin. Das Kolorit – das abermalige Krähen des Hahns, das die dreifache Verleugnung ankündigt – liefern die Namen: Die Tellus, die «Muttererde», in deren Tempel vor Tagesanbruch die außerordentliche Senatssitzung stattfand, die, angesichts der Uhrzeit – «vierte Nachtwache», quarta vigilia, volkstümlich auch secundis galliciniis, «am zweiten Hahnschrei», genannt – als gallus, «Hahn», missverstanden wird – tellus, telluris wird zu alektōr, «Hahn» –, was Cinnas Name, als ob er von cecini, «sang, krähte», käme, deuten ließ.844 Das zweimalige Krähen kommt dann konsequent vom zweiten Cinna, Helvius, Caesars Freund, der, als er vernahm, dass Caesars Leiche auf dem Forum verbrannt werde, obwohl er fieberte, aufstand und hinging. Als er aufs Forum kam, nannte einer aus dem Volk seinen Namen einem Nachbarn, der ihn danach fragte, dieser sagte ihn einem anderen weiter – und schon hatte das Gerücht sich verbreitet, er sei jener Cornelius Cinna, der eine schmähliche Rede gegen Caesar gehalten hatte: Obwohl er leugnete und versuchte, die Namensgleichheit zu erklären, stürzte sich die Menge auf ihn und riss ihn auf der Stelle in Stücke. So hatte Helvius Cinna für die Verleugnung des Praetors Cornelius Cinna bitter zahlen müssen. Auch hier werden Requisiten und Namen der umgedeuteten Geschichte angepasst: Caesars Scheiterhaufen wird zum Lagerfeuer und Cinnas Fieber zu seinem «Sich wärmen»; da er ein Freund des Pontifex maximus Caesar war und Cinna hieß, wird er zur ancilla, zur «Magd» des Hohenpriesters; er wird für Cornelius gehalten, also für einen Galilaeus, und da es zwei Cornelii gab (der andere Cinna und Dolabella), wird er zu «einem von ihnen»; sein Leugnen wird als abermalige Verleugnung interpretiert und natürlich Petrus zugeschoben, denn der Verleugner war der Praetor gewesen, so war es naheliegend, auch HELVIVS als ΠΕΤΡΟC zu lesen; über seine bestialische Zerstückelung – kein Körperteil konnte mehr für die Beisetzung gefunden werden – wird ein schamhafter Schleier geworfen: «Er hob an zu weinen».845

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Vor dem Hohen Rat Der erste Satz dieser Perikope 846 – «Und sie führten Jesus hinweg zu dem Hohenpriester» – gehört natürlich zum Ende von Jesu Gefangennahme, wo es heißt: «Da verließen ihn alle und flohen.» Die Vorlage für beides ist der Bericht, dass nach Caesars Ermordung alle auf einmal auseinanderstoben, und dass nur drei Sklaven die Leiche mit einer Sänfte nach Hause trugen;847 da er zu der Zeit in der domus publica, dem Haus des pontifex maximus am Forum, residierte, ist Markus’ Wortwahl – «Und sie führten Jesus hinweg zu dem Hohenpriester» – hier zutreffend, bis auf die Tatsache, dass er bereits tot war. «Und es versammelten sich alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten.»

Das könnte die von Antonius einberufene außerordentliche Senatssitzung vor Tagesanbruch im Tempel der Tellus, oder aber die vorhergehende kleinere Versammlung zur Eröffnung von Caesars Testament im Hause des Antonius sein. Jedenfalls wird folgerichtig sofort Petrus genannt, der auch diesmal Antonius zusammen mit Lepidus ist: «Petrus aber folgte ihm nach von ferne bis hinein in des Hohenpriesters Palast und saß bei den Knechten und wärmte sich am Feuer.»

Trotz der verkürzten Wiedergabe sind alle drei hier enthaltenen Informationen richtig. Antonius war ja, wie wir sahen, zuerst außerhalb des Gebäudes, in dem Caesar ermordet worden war, in ein Gespräch verwickelt worden, legte dann Sklavenkleidung an und hielt sich versteckt, ließ aber noch in der nämlichen Nacht im Schutze der Nachtwachen mit lodernden Feuern, die er überall in der Stadt aufgestellt hatte, Caesars Geld und amtliche Auszeichnungen abholen und in sein Haus bringen. Er parlamentierte auch mit den Unterhändlern der Mörder, die sich ins Kapitol zurückgezogen hatten, vereinbarte mit ihnen die besagte Senatssitzung, gab ihnen schließlich sogar seinen und Fulvias Sohn als Geisel und bewirtete den Cassius, während Lepidus, der auch einen Sohn als Geisel gestellt hatte, seinerseits den Brutus empfing. Insofern war auch Antonius+Lepidus wie Simon Petrus «ihm von ferne gefolgt», war «in des Hohenpriesters Palast»848 gewesen, «bei den Knechten gesessen» und hatte sich «am Feuer gewärmt». Was dann folgt, über das «Zeugnis», das «gesucht» wird, «auf dass sie ihn zum Tode brächten», und «falsch gegeben» wird und «nicht übereinstimmt», ist im Hintergrund der Senatssitzung zu sehen, bei der die Mörder sich widersprachen und – von Antonius mit der Realität konfrontiert – nolens volens darauf verzichten mussten, Caesar zum Tyrannen zu erklären und seine Leiche zu schänden, weil sonst auch seine Akten kassiert worden wären und sie

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damit ihre Ämter, Pfründen und Provinzen verloren hätten. Überlagert wird der Bericht jedoch von der Eröffnung von Caesars Testament – vom «Zeugnis», auf das es ankam –, wo seine private und, wie sich herausstellte, auch politische Nachfolge – wer «der Christus, der Sohn des Hochgelobten» sei – geregelt war, die ja Octavian für sich entschied, als er später nach Rom kam, die Erbschaft antrat und durch Annahme der testamentarisch verfügten Adoption zum postumen Sohn avancierte. Caesars Testament, das bei den Vestalinnen hinterlegt worden war, wurde auf Verlangen seines Schwiegervaters Lucius Piso eröffnet und im Hause des Antonius vorgelesen.849 Die «Knechte», bei denen Petrus «saß» und «sich am Feuer wärmte», könnten daher durchaus die «Hüterinnen des VestaFeuer»› sein, bei denen das Testament hinterlegt war – was auch zu Markus’ hypēretōn besser passt, das kaum «Knechte» bedeutet – nicht zufällig übersetzt die Vulgata mit ministris (der Genitiv Plural von hypēretōn, wie auch der Ablativ von ministris lässt offen, ob es männlich oder weiblich gemeint ist). Dann wäre «des Hohenpriesters Palast» nicht nur das Haus Caesars, sondern auch das des Antonius: Wie Markus selbst zwei Perikopen weiter (15:16) erklärt, ist aulē kein «Palast», sondern das praetorium, in der Stadt wohl die Residenz des höchsten Beamten, welcher nach Caesars Ermordung Antonius als amtierender Konsul war (die Überführung von Caesars Akten und Kasse ins Haus des Antonius war die Umsetzung der translatio praetorii). Ähnliches ließe es sich auch von Lepidus sagen, der als magister equitum der Stellvertreter des magister populi, des dictator Caesar war. Als Hoherpriester konnte Antonius in der markinischen theokratischen Sichtweise insofern angesehen werden, als der pontifex maximus tot war, er als augur und Konsul dessen Beisetzung zu ministrieren hatte, wozu auch die Testamentseröffnung gehörte, und designierter flamen Divi Iulii war (wir werden in der übernächsten Perikope sehen, dass auch Lepidus, vorgesehener künftiger pontifex maximus, als Hoherpriester fungieren wird). Antonius und die anwesenden Senatoren hatten zuerst entscheiden müssen, welches Testament das gültige sei, denn in früheren hatte Caesar immer seinen Schwiegersohn Pompeius als Erben vorgesehen, erst im letzten hatte er drei Erben eingesetzt, Enkel seiner Schwestern, ersatzweise für einen eventuell ihm nachgeborenen Sohn, zu dessen Tutoren Antonius und jener Decimus Brutus, der ihn ermorden sollte, zählten; am Schluss, ultima cera, hatte Caesar dann einen der drei Ersatzerben, Gaius Octavius, in seine Familie aufgenommen und ihm seinen Namen verliehen (er hieß nun Gaius Iulius Caesar Gai filius Octavianus).850

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Die präliminare Bestimmung des gültigen Testaments wird bei Markus zuerst zur Suche nach einem Zeugnis und zum falsch gegebenen Zeugnis; im zweiten Anlauf aber, weil er die «drei Erben», die tres heredes, als treis (h)ēmerai, «drei Tage», verstanden hat, wird das testamentum zu ton naon touton, zu «diesen Tempel», der statt «handschriftlich» «handgemacht» wird, während der «andere», d. h. der neue Erbe, Octavius, nicht mehr «in die Familie aufgenommen», sondern «als Tempel gebaut» wird – unter Verwechselung der beiden Sinne von oikos, «Familie» und «Tempel», was das mehrdeutige poiō, «machen», statt als «adoptieren» als «bauen» missverstehen lässt.851 Dass es sich um das Testament handelt, verdeutlicht das Schweigen Jesu, der zu dem, was da «gezeugt» wird, «nichts antwortet»: Caesar war ja schon tot. Bei der Frage aber, ob er «der Christus, der Sohn des Hochgelobten» sei, ist der neue Caesar, der adoptierte Gaius Octavius, i. e. Octavian, gefragt. Und der wusste noch keine Antwort, denn bei der Eröffnung des Testaments war er nicht in Rom, sondern in Apollonia. Als er nach Rom zurückkam, hatte er allerdings eine Antwort: Er hatte nicht nur die Erbschaft angetreten und die Adoption angenommen, sondern hatte von Anfang an aus der privaten Angelegenheit ein Politikum gemacht. Er stellte zum Ärger seines «Tutors» Antonius demonstrativ Caesars leeren Stuhl mit seinem goldenen Kranz aus und hatte bei seinem ersten Auftritt großes Aufsehen erregt, indem er stehend neben Caesars Statue auf den Rostra vor dem Volk geschworen hatte, «er wolle Ehren und Stellung seines Vaters erlangen» – und streckte dabei die Rechte zu dessen Standbild hin: Sogar Cicero, der dies berichtet, hatte es das Blut gefrieren lassen: «von so einem möchte ich nicht gerettet werden!»852 Antonius betrachtete es als frevelhafte Anmaßung, dass ein Privatmann in Rom Anspruch auf Erblichkeit der Ämter erheben konnte, noch frevelhafter als Caesars Machtkonzentration. Bei Markus wird das logische Nicht-Antworten, sowohl Caesars, weil tot, als auch Oktavians, weil zuerst abwesend, vorausgeschickt, dann aber Octavians Rede vor dem Volk fast wörtlich wiedergegeben: «Und der Hohepriester stand auf, trat in die Mitte und fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen? Er aber schwieg still und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus aber sprach: Ich bin’s; und ihr werdet sehen des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft und kommen mit des Himmels Wolken.» 853

«Bist du der Christus?» – sofern es ursprünglich ist, denn das Wort «Christus» fehlt an dieser Stelle in mancher Handschrift854 – ist hier als «bist

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du der Erbe?» zu verstehen, mit Gleichsetzung von heres, heredis und christos. Der Sohn des «hochgelobten» Caesar ist seit Annahme der Adoption Octavian, der mit seinem neuen Beinamen Gai filius, «des Menschen Sohn», auf die erfüllte condicio nominis ferendi, «Bedingung der Namensführung», die für die Gültigkeit der Adoption nötig war, hinweist; Cicero hatte es prägnant ausgesprochen: O puer qui omnia nomini debes855 – «O Kind, der du alles dem Namen verdankst!» Die kleine Veränderung – das Auftauchen von «des Himmels Wolken» – geht auf die Rechnung des Daniel-Zitats, das Octavians Rede überlagert. Die Empörung des Antonius über die unerhörte Anmaßung Octavians, die zur mörderischen Auseinandersetzung eskalierte, findet ihren Ausdruck im Hohenpriester, der seine Kleider zerriss und ihn wegen Gotteslästerung des Todes schuldig befand. Damit hat Markus auch den Dreh gefunden, zu Caesars Leiche zurückzukehren, von der zum Zeitpunkt der privaten Testamentseröffnung noch offengeblieben war, ob sie überhaupt bestattet werden konnte oder ob sie von den Verschwörern durch die Stadt geschleift, geschändet und in den Tiber geworfen, während sein Vermögen versteigert und seine Akten kassiert werden sollten; nur die Furcht vor dem Konsul Antonius und dem magister equitum Lepidus ließ sie davon absehen.856 «Da fingen etliche an, ihn anzuspeien und sein Angesicht zu verdecken und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage uns! Und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht.»857

Man fühlt sich zurückversetzt zu Jesu Gefangennahme bzw. zur Ermordung Caesars, wo er sich den Kopf verhüllte und Cassius ihn ins Gesicht schlug. Danach jedoch, bei der postumen Auseinandersetzung in der Senatssitzung, könnte das «Anspeien» auf lat. conspuo zurückgehen, das zwar «zusammenspeien» bedeutet, vor allem aber im übertragenen Sinne von «verachten, schmähen»; das «Angesicht verdecken» könnte auf die verweigerte Bestattung hindeuten; hinter prophēteuson, «weissage», könnte proboulos, eine Übersetzung von consul, stecken, sowie hinter (h)ypēretai, fälschlich «Knechte», lat. ministri, der magister Lepidus, dessen Name in alapis, gr. rhapismasin, den «Schlägen ins Angesicht», zu orten wäre. Bevor wir diese Perikope verlassen, müssen wir ein Wort verlieren über jenes «Christus», das hier mit «Sohn des Hochgelobten» gleichgesetzt wird, aber nicht in allen Handschriften steht. Hier steht christos für heres, «Erbe», während an den bis jetzt gesehenen Stellen die Deutung als Variante von chrēstos, «nützlich, gütig, selig (im Sinne von verstorben)» oder als Kurzform für archiereus megistos, d. h. pontifex maximus, sich aufdrängte. Wie kurz angedeutet, hat hier Octavians Annahme der Adoption den Beschluss

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überlagert, dass der als Tyrann getötete Caesar doch bestattet werden sollte, und zwar als pontifex maximus. Daher könnte das Wort christos im überlagernden Text vom Durchschimmern nicht nur der Tatsache, dass er tot war, sondern auch des darunterliegenden pontifex maximus herrühren. Im übrigen stand pontifex maximus ohnehin im Zusammenhang mit der Frage der Erbschaft insofern, als eine der besonderen Ehren, die Caesar verliehen worden waren, vorsah, dass sein Sohn, falls er einen solchen zeuge oder auch nur adoptiere, zum pontifex maximus ernannt werden sollte.858 Zur Herkunft und Bedeutung des Namens Christus liefert besagte Senatssitzung einen womöglich interessanten Hinweis. Der zentrale Beschluss lautete: «Der Mord an Caesar solle gerichtlich nicht verfolgt werden, wohl aber sollten seine sämtlichen Maßnahmen und Beschlüsse ihre Gültigkeit bewahren – denn das gereicht der Stadt zum Besten.» Die Freunde der begnadigten Mörder hatten zu deren Sicherheit nachdrücklichst auf die Beifügung der letztgenannten Worte bestanden, wonach Caesars Maßnahmen nicht so sehr aus Rechts- als vielmehr aus Nützlichkeitsgründen ihre Geltung behalten sollten.859 Dia chreian, «wegen des Nutzens», sagt Appian: Jetzt hatte Caesar es amtlich, dass er nicht der «Gerechte», sondern der «Nützliche» war: chrēstos. Dies wird Antonius legitimiert haben, seine Caesarstatue aufzustellen mit der Inschrift: PARENTI OPTIME MERITO – wo meritus für chrēstos steht. Es war eine Retourkutsche. Der Name Christos, sofern er von chrēstos beeinflusst ist, wäre die klassische Annahme einer Beleidigung, die trotzig ins Positive gedreht wird.

Vor Pilatus Wie bereits am Ansatz dieser Perikope 860 ersichtlich – «Und alsbald in der Frühe hielten die Hohenpriester einen Rat mit den Ältesten und Schriftgelehrten, dazu der ganze hohe Rat […]»

– wird hier die außerordentliche plenare Senatssitzung im Morgengrauen abermals angekündigt. Über die Auseinandersetzung wird das Wesentliche mitgeteilt – dass sie sich ergebnislos gestritten hatten, wurde ja in der Perikope Vor dem Hohen Rat bereits deutlich. Im zweiten Teil der Perikope erfahren wir, was Sache war: Dort wird gefragt: «Bist du der König der Juden?» – d. h. es ging darum, ob Caesar als Tyrann zu betrachten sei, was seine Mörder zu Tyrannenmördern gemacht und so automatisch gerettet hätte. Deswegen «beschuldigten» und «verklagten» «die Hohenpriester» – d. h. hier die Anführer der Attentäter – «ihn hart». Aber Jesus antwortet nichts; einmal sagt

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er zwar: «Du sagt es», was aber von Markus selbst als nichts bewertet wird: «Antwortest du nichts? […] Jesus aber antwortete nichts mehr» – er war schon tot. Den Ausgang der Sitzung erfahren wir überraschenderweise bereits am Anfang der Perikope: «[…] und banden Jesus, führten ihn hinweg und überantworteten ihn dem Pilatus.»

Das ist die Ausführung des letzten Beschlusses, der vorsah, dass Caesars Leiche doch beigesetzt werde, die seinem Schwiegervater Piso anvertraut wurde – und tatsächlich sehen wir ihn später am Tag der Bestattung die Leiche auf das Forum bringen. Hier ist Lucius Piso zu Pilatus geworden, und das «Binden» im Sinne von «verbinden» bezieht sich auf die Präparierung der Leiche, mit «Binden» eben. Die Vorwegnahme der Übergabe an Piso/Pilatus hat sicherlich eine redaktionelle Funktion, damit Jesus von Pilatus gefragt werde und somit die postume Verhandlung wie ein Prozess zu Lebzeiten eines stummen Angeklagten aussieht. Einen Aufhänger fand Markus aber bereits in seiner Vorlage. Darin stand nämlich, dass nach Beendigung der Senatssitzung, als alles klar zu sein schien, einige Senatoren Piso noch hart bedrängt hatten, er solle Caesar doch nicht öffentlich beisetzen, worauf Piso schrie, sie seien die wahren Tyrannen, die ihn daran hindern wollten, den pontifex maximus beizusetzen, und eine Wiederaufnahme der Sitzung verlangte, bei der es dann zum besagten Beschluss kam. Hinter der Verwunderung des Pilatus am Ende der Perikope könnte indes die Verwunderung der Mitstreiter des Brutus stehen, die es nicht fassen konnten, dass er Caesars öffentliche Beisetzung stillschweigend akzeptierte, was sich dann als kapitaler Fehler herausstellte.

Verurteilung und Verspottung Während der Verhandlung hatte sich eine Volksmenge vor dem Senatsgebäude angesammelt. Als Dolabella mit seinen nicht enden wollenden Ausschweifungen über sein eigenes Amt die Zeit vergeudete, gingen Antonius und Lepidus hinaus, worauf die Menge aufschrie, aber mit entgegengesetzten Forderungen: Die einen verlangten, die Tat müsse bestraft werden, die Mehrzahl aber, denn alle Mietlinge des Brutus waren auch dabei, verlangten den Frieden – womit die Amnestie für die Mörder gemeint war. Daraufhin sagte Antonius, er persönlich sei für die Bestrafung der Mörder und Eidbrecher, doch als Konsul müsse ihm das Gemeinwohl mehr am Herzen

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liegen als das Recht, und zur Amnestie rate nicht nur die Mehrheit der Senatoren, sondern auch Caesar selbst, der zum Heile der Stadt jenen Bürgern das Leben geschenkt hatte, die er im Bürgerkrieg gefangengenommen hatte; mehr noch: einem jeden seiner Leute hatte er gegönnt, einem von ihnen bestimmten Mann der Gegenpartei das Leben zu retten; so waren mehrere, darunter auch Brutus, heil und frei davongekommen, die nun ein Attentat gegen ihn geplant und ihn dabei ermordet hatten.861 Diese erste Rede des Antonius vor der Volksmenge ist bei Markus fast wörtlich erhalten: «Er pflegte aber ihnen zum Fest einen Gefangenen loszugeben, welchen sie begehrten. Es war aber einer, genannt Barabbas, gefangen mit den Aufrührern, die im Aufruhr einen Mord begangen hatten. Und das Volk ging hinauf und bat, dass er täte, wie er pflegte.» 862

Nachdem Antonius auf beide Gruppen eingegangen war und unter dem Mantel der Beruhigung die Spannung noch mehr erhöht und so seinen Coup bei Caesars Beisetzung vorbereitet hatte, ging er wieder in die Senatssitzung hinein, der er vorstand. Draußen blieb Lepidus, der als Reiteroberst für die öffentliche Ordnung zu sorgen hatte, der jetzt aber, allein ohne Antonius, zuerst weinte und jammerte, dann zwischen beiden Gruppen zu lavieren suchte, die immer lauter schrien, die einen: «Räche den Caesar!» – die anderen: «Friede der Stadt!» Darauf antwortete er Ambivalentes, etwa: «Welche Eide sollen den Bestand des Friedens sichern?» oder: «Caesar, der tatsächlich sakrosankte und ehrenwerte Mann, ist von uns gegangen, indes wir scheuen uns, die Stadt der noch übrigen Männer zu berauben.» Als erneut der Ruf erscholl: «Dann räche ihn allein!», fingen die Mietlinge an, die um seinen Ehrgeiz wußten, Lepidus zu schmeicheln, und boten ihm Caesars Stelle als Pontifex maximus an. Er schlug nicht ab, sondern sagte: «Denkt in dieser Sache später an mich, wenn ich würdiger erscheine!» Als die Mietlinge sahen, dass er daran Gefallen fand, forderten sie immer lauter den Frieden, und Lepidus gab nach: «Es widerspricht zwar der Religion und dem Gesetz, dennoch will ich euren Wünschen nachkommen.» Nach diesen Worten begab er sich eilig hinauf in den Senat, wo dann tatsächlich die Amnestie für Brutus und die Beisetzung von Caesars Leiche beschlossen wurde. Markus: «Pilatus aber antwortete ihnen: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden losgebe? Denn er merkte, dass ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. Aber die Hohenpriester reizten das Volk auf, dass er ihnen viel lieber den Barabbas losgäbe. Pilatus aber antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Was soll ich denn tun mit dem, den ihr den König der Juden nennet? Da schrien sie abermals: Kreuzige ihn! Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er denn Übles getan? Aber sie schrien noch viel mehr: Kreuzige ihn! Pilatus

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aber gedachte, dem Volk zu Willen zu sein, und gab ihnen Barabbas los und ließ Jesus geißeln und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt würde.»863

Auch diese Vorgänge hat Markus noch fast unverändert wiedergegeben. Pilatus freilich ist jetzt nicht mehr Piso, sondern Lepidus, der, allein handelnd, nicht mehr in Symbiose mit Antonius, also nicht (Simon) Petrus ist. Bei «Hohepriester» hat er die Mietlinge und Pontifex maximus miteinander vermengt; so ist nämlich die Missgunst des nicht bestochenen Teils des Volkes wegen des Verrats an Caesar,864 vermengt mit der Gier des Lepidus nach der ihm angebotenen Stelle Caesars als Pontifex maximus, zu dem Neid der Hohenpriester geworden, die Jesus dem Pilatus überantwortet haben. Aus beiden Rufen – «räche ihn (Caesar)!» und «erhalte ihn (den Frieden, d. h. Brutus)!» – hat er einen gemacht: «Kreuzige ihn!»: Möglicherweise wurde in seiner lateinischen Vorlage die inhaltliche Opposition zwischen «(dem geleisteten Eid) die Treue wahren» und «den Frieden bewahren» auch in den Rufen beibehalten, die etwa gelautet haben mögen: «serva fidem (iuris iurandi)!» und «serva pacem!», wobei er hier zwangsläufig seruo, «wahren», mit staurō, «kreuzigen», verwechseln musste. Das «Geißeln» zum Schluss bezeichnet bei Markus das lateinische Wort flagello; das hat er wohl verwechselt mit flagito, «dringend fordern», was ja beide Gruppen, die Mietlinge vor allem, taten, oder mit flagitium, dem «schimpflichen Verhalten» des Lepidus und der «Schande» der Freisprechung des Brutus. Manches hat er nicht verwendet, wie etwa den Spruch des Lepidus: «Denkt in dieser Sache später an mich, wenn ich würdiger erscheine!», was von einem anderen Evangelisten in den Mund des einen Mitgekreuzigten Jesu gelegt wird («Gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!»865); oder das «Weinen und Jammern» des Lepidus vor der Volksmenge, das unter Verwechselung von fleo, «weinen», fluo, «fließen», und louō, «waschen», dem «Sich-die-Hände-Waschen» des Pilatus vor dem Volk866 Pate gestanden haben mag. Der Rest der Perikope, mit der angeblichen Verspottung, ist bereits die Beschreibung von Caesars Leiche, wie sie von Piso (dem anderen «Pilatus») aufs Forum (hier praetorion) gebracht wurde, aufgebahrt mit Purpurtracht (bleibt) und goldenem Kranz (hier geflochtener Dornenkrone). Dies haben wir bereits ausführlich im Kapitel «Crux» behandelt, zusammen mit der nächsten Perikope. Hinzuzufügen ist jedoch dies: Die Vorstellung einer Geißelung Jesu wurde von einer anderen Geißelung induziert, nämlich jener des angesehenen Bürgers aus Novum Comum, einer von Caesar deduzierten Kolonie: Zu Kriegsbeginn war dieser

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Bürger in Rom von Caesars Feinden gegeißelt worden, um zu demonstrieren, dass das Bürgerrecht, das Caesar ihnen verliehen hatte, ungültig war, da ja römische Bürger nicht gegeißelt werden durften. Jene Geißelung, mit Ruten vorgenommen, sollte Caesar empfindlich treffen: Der Konsul Marcellus verriet dabei im Zorn seine wahre Gesinnung; er erklärte, die Schläge seien das Zeichen für den Rechtsstand eines Fremdlings, und der Mann solle nur seine Striemen tragen und Caesar vorweisen.867 Die Geißelung Jesu und das Schlagen mit der Rute aufs Haupt, zur Verhöhnung,868 zeigt Reminiszenzen an jene, womit der neurömische Bürger aus Novum Comum traktiert worden war, um Caesar zu verletzen und zu verhöhnen.

Kreuzigung und Tod Bei dieser werden wir entsprechend nur noch drei Punkte hervorheben: die Finsternis, den letzten Spruch Jesu und die Frauen, die da waren und von ferne zuschauten. DIE F INSTERNIS: Es ist bekannt, dass viele antike Autoren berichten, dass bei Caesars Ermordung die Sonne sich verhüllte, einer von ihnen gibt uns sogar die Zeitangabe: von der sechsten Stunde an bis zur Nacht.869 Und es wurde bereits von vielen Gelehrten erkannt, dass die Evangelisten genau dasselbe über den Tod Christi berichten, sogar unter Beibehaltung derselben Zeitangabe – zumindest für den Anfang der Finsternis: zur sechsten Stunde, also zur Mittagszeit.870 «Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.» 871

Wobei die Einschränkung bis zur neunten Stunde mit der Verfinsterung selbst zu tun haben mag, die den einbrechenden Abend schon als Nacht erscheinen ließ,872 aber auch einer stilistischen Figur des Evangelien-Schreibers geschuldet sein kann, der triadischen variierenden Wiederholung von Handlungen, denn bei Markus gliedern drei Zeitangaben das Geschehen am Kreuz: um die dritte Stunde Kreuzigung; um die sechste Stunde Finsternis; um die neunte Stunde Tod.873 Allerdings könnte nicht nur die sechste Stunde, als Anfang der Fisternis bei Caesars Ermordung,874 sondern auch die neunte Stunde in Markus’ Vorlage gestanden haben, denn sie stimmt überein mit der Zeit zu welcher Caesars Leiche von Piso auf die Rostra am Forum Romanum gebracht wurde, am Tag der Beisetzung, wo die Menge ihn dann tot sah, und die

400 Zeremonie anfing.875 Diese Uhrzeit war wohl die wichtigste, denn interessanterweise fängt die christliche Karfreitagsliturgie «zum Tod des Herrn» traditionnel um 15:00 h an, also zur neunten Stunde. Die dritte Stunde (um 9:00 h) wäre dann gewählt worden, rückwärts und symmetrisch, mit weiteren drei Stunden Abstand zur sechsten (um 12:00 h), um mit dieser und der neunten (15:00 h) eine perfekte Triade zu bilden, sowie Zeit für die fiktive Agonie am Kreuz zu geben. Für die Finsternis war die Zeitspanne von drei Stunden redaktionell befriedigender, den gesuchten triadischen Effekt verstärkend, als sie bis in die Nacht hinein dauern zu lassen – obwohl gänzlich unverständlich, im Anfang und Ende. Denn, wenn der Christus zur dritten Stunde gekreuzigt wurde, warum fing die Finsternis nicht da an, sondern erst drei Stunden später? Was war da besonderes passiert, um dies zu rechtfertigen – außer eben die verdrängte Erinnerung an Uhrzeit von Caesars Tod? Und wenn die Finsternis nur bis zur neunten Stunde dauerte, da ER noch ein bißchen redete (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?) bevor er verschied, war doch die Finsternis schon vorbei, also wieder hell, als ER starb – als ob es ein freudiges, leuchtendes Ereignis gewesen wäre, und ER quasi schon da auferstanden wäre. Davon wird man vergeblich Spuren in der gängigen ikonographischen Dramatisierung suchen, mit dunklen Wolken am Golgotha, aber im Bewußtsein der Christen ist eigentlich schon Karfreitag der Tag der Auferstehung, förmlich geblieben in manchen Konfessionen, zum Beispiel bei den Maroniten – und entspricht Caesars Beisetzung, die zu seinem postumen Sieg gegen die Mörder werden konnte. DER LETZTE SPRUCH : Wir haben gesehen, dass bei Caesars Beisetzung der Sitte entsprechend ein Mime mit Caesars Maske vor dem Gesicht, seine Stimme und Gestus imitierend, den Vers aus Pacuvius’ Waffengericht vortrug: Men(e) servasse, ut essent qui me perderent? – «Ach, hab ich sie denn gerettet, damit sie mich ermorden?»876

Als ob Caesar selbst vom Jenseits her zu seinen Mördern spräche. Es ist Jesu letzter Spruch: «Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lema sabachtani? Das ist verdolmetscht: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» 877

Markus hat den Satz rückwärts übersetzt: Das letzte Wort, perderent, das vom Sinn her «zugrunde richten, ins Verderben stürzen» bedeutet und wir daher sinngemäß mit «ermorden» übersetzt haben, hat Markus umgangssprachlich

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als «verlieren» verstanden und mit enkatelipes übersetzt, korrekt eigentlich, denn es bedeutet nicht nur «verlassen», sondern auch «verraten» – was ja wohl hier gemeint ist (er mag an proderent, «übergeben, verraten», gedacht haben); dann hat er ut weiter korrekt mit eis übersetzt, was eher «wofür» als «warum» bedeutet (nicht zufällig hat die Vulgata hier ebenfalls ut), sodass der zweite Teil von Markus’ Satz auch in der jetzigen Fassung klassisch mit «damit du mich verrätst» übersetzt werden müsste – hätten wir da nicht andere Bilder im Kopf. Und die rühren daher, dass der erste Teil des Pacuvius-Verses nicht ins Griechische übersetzt wurde, sondern aramäisch gelesen: ΜΕΝΕ hat er zuerst linksläufig als ΕΝΕΜ gelesen, was zur Wahrnehmung als ΕΛΙΕΛΙ, «o Gott, o Gott», führte (womöglich unter dem Einfluss von manes, «Manen, Seelen der Verstorbenen», die für vergöttert galten, daher dii manes, «die Götter Manen», was im Falle Caesars naheliegend war), dann aber noch mal rechtsläufig als ΛΕΜΑ gelesen, SERVASSE als CΑΒΑΧΘΑΝΙ, als ob es die aramäische Übersetzung von seinem perderent wäre.878 Damit hätten wir restlos diesen mysteriösen Satz aufgeklärt, um den so viel und so kreativ herumphantasiert wurde. DER ZERRISSENE V ORHANG: Es ist bekannt, dass Caesars Ehefrau Calpurnia in der Nacht vor dessen Ermordung im Traum sah, wie ihr Gemahl auf ihrem Schoß erdolcht wird. Weniger bekannt ist, dass sie es im Zusammenhang mit dem Einstürzen des Giebels des Hauses träumte: An Caesars Haus – wohl die domus publica des Pontifex maximus – war auf Senatsbeschluss ein fastigium, ein «Vordergiebel, Firstschmuck» angebracht worden, wie bei einem Tempel, als Zierde und zum Zeichen der Würde; ihn sah Calpurnia im Traum herabgerissen und brach darüber in Klagen und Tränen aus.879 Daraus wird bei Markus: «Und der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke von obenan bis unten aus.» 880

Luther hat hier wohl nach seiner Vorstellung übersetzt, denn tou naou bedeutet nicht «im Tempel», sondern «des Tempels». Darüberhinaus ist katapétasma wortwörtlich «das Darübergebreitete», also nicht unbedingt ein Vorhang, sondern eher eine Decke. Insgesamt also ist tò katapétasma toû naoû eher «die Tempeldecke» als «der Tempelvorhang», oder gar «das Tempeldach», «der Tempelgiebel». Weit weg vom fastigium an Caesars Haus ist Markus mit seinem katapétasma nicht – wenn man ihn wörtlich nimmt. Tut man das, dann

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fällt auch auf, dass eschísthē nicht unbedingt «zerriss», sondern primär «sich spaltete» heißt – so wie Steine es tun, nicht Stoff. Erst mit Luthers Hilfe hat Markus aus dem Vordergiebel einen Vorhang gemacht, der zerreißt und nicht einstürzt. Aber die Idee des Stürzens ist doch erhalten, im ap’ ánōthen (h)éōs kátō, eigentlich «von oben herab hinunter». Sodass es auffällig wird, dass im benutzten Namen für «Vorhang», katapétasma, noch katapíptō, «Herunterfallen», durchschimmert. Zumal es eine Tradition gibt, die nicht von «Vorhang» des Tempels, sondern von culmen, «First des Daches», spricht, bzw. von superliminare, der riesengroßen «Oberschwelle», die beim Einstürzen zerbrach881 – wie an Caesars Haus das fastigium. Es gab WEITERE PRODIGIEN im Zusammenhang mit Caesars Ermordung: Ein starkes Erdbeben erschütterte die Erde,882 ein gewaltiger Sturmwind riss die um den Tempel des Saturnus und der Fides errichteten Tafeln weg und zertrümmerte sie,883 ominösen Gräber von Heroen wurden geöffnet,884 und blasse schweigende Schattengestalten wurden nachts umherwandeln gesehen.885 Und nach Caesars Beisetzung, die zu seiner Auferstehung wurde, weil ja das empörte Volk die Mörder aus Rom verjagte, konnten auch viele Verbannte nach Rom in Ehre zurückkommen, welche das Volk orcini nannte, als ob sie vom Orcus, dem Reich der Toten, wiederkehrten.886 Dies greift Markus nicht auf, wohl aber Matthäus: «Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.» 887

DIE F RAUEN: «Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter welchen waren Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jakobus’ des Kleinen, und (die) des Joset, und Salome, die ihm nachgefolgt waren, da er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.» 888

Diese Frauen, die Namen haben und deren Eigenschaft als Mütter von noch kleinen Söhnen hervorgehoben wird, wer sind sie? Und vor allem: Was wollen sie? Es ist zu beobachten, dass sie nach dem «Hauptmann» kommen, «der dabeistand ihm gegenüber und sah, dass er so verschied, und sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!»889 Es gibt die Rede des Antonius wieder, der der Beisetzung Caesars vorstand, und ihn dabei nicht nur als außerordentlichen Menschen sondern auch seinen himmlischen Ursprung

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lobte, wegen seiner göttlichen Taten, und weil er Sohn der Venus war – also Sohn Gottes im Griechischen, wo theós beides ist, «Gott» und «Göttin». Und da eine derartig außerordentliche Volksversammlung wie bei Caesars Beisetzung als comitium centuriatum bezeichnet werden konnte, musste der Konsul Antonius als dessen Vorsteher volksetymologisch markinisch für den centurio gehalten werden. Wir haben im Kapitel «Crux» dazu erwähnt, hinter diesem «Hauptmann» könne aber auch der junge Octavian stecken, der als «Gottes Sohn» auftrat, indem er seinen Adoptivvater zuerst zu einem Gott machte. Jetzt, wo wir etwas erfahrener sind mit Markus’ Genauigkeit in der Verdrehung, müssen wir feststellen, dass der «Hauptmann» von einem «Menschen» sagt, er sei «Gottes Sohn»: So könnte dieser eher Octavian selbst sein, und das würde bedeuten, dass der «Hauptmann» jener war, der zuerst in Octavian den «Gottes Sohn» erkannte und ihn als einen solchen akzeptierte, ja ihm dazu verhalf.890 Und dieser war nicht Antonius, der sich unter Aufbietung aller Kräfte dagegenstemmte, sondern formal-juristisch seine Brüder, die die Adoption des Octavians legalisierten, ideologisch jedoch dessen Busenfeind Cicero – und siehe da: Im griechischen Text heißt der «Hauptmann» centurio (auffälligerweise unter Verwendung eines lateinischen Wortes, das Cicero ähnelt: ΚΙΚΕΡΩΝ > ΚΕΝΤΥΡΙΩΝ; wir werden in der nächsten Perikope sehen, dass dieser «Hauptmann» auch in der Folge die Rolle Ciceros zu übernehmen scheint). Es will etwas heißen, dass diese Frauen in dem Augenblick auftreten, wo der Kampf um Caesars Nachfolge voll im Gange ist. Sind sie die Mütter der möglichen Erben Caesars? Die Bestimmung des Testaments, die vorsah, dass die Ersatzerben nur in Ermangelung eines legitimen leiblichen Sohns in Frage kamen, hatte alle Frauen auf den Plan gerufen, die Hoffnung hegten, entweder schwanger zu sein – wie die Ehefrau Calpurnia – oder ihren Sohn als legitim anerkennen lassen zu können – wie die Nichte Atia, Mutter des unter den Ersatzerben genannten und in die Familie Caesars adoptierten Gaius Octavius, und wie Kleopatra, deren Sohn Kaisarion bereits Caesars Namen tragen durfte und den sie in Alexandria, wohin Caesar, wie man munkelte, seine Hauptstadt verlegen wollte, zum Mitregenten machen sollte.891 Dann gab es Mucia, die Mutter der Kinder des Pompeius, die auf ihre Erbschaft warteten und nun nach Caesars Ermordung Morgenluft witterten – zumal Caesar früher eine Affäre mit Mucia gehabt hatte, sodass ihr Mann Pompeius ihn deswegen oft seufzend seinen «Aegisthus» nannte.892 Der mythische Aegisthus hatte Klytaimnestra verführt und mit ihr zwei Kinder gezeugt, als ihr Mann Agamemnon in den

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zehnjährigen Trojanischen Krieg gezogen war; so wird Pompeius den Caesar seinen «Aegisthus» genannt haben, wenn dieser sich seiner Frau näherte, während er irgendwo Krieg führte; später verstieß Pompeius Mucia, um ausgerechnet die Tochter seines «Aegisthus» zu heiraten; ob er dies nur aus Machtgier tat, wie ihm vorgeworfen wurde, oder auch weil er Zweifel an der Vaterschaft des einen oder anderen Sohnes hegte, ist nicht überliefert; jedenfalls dürfte jene Vorgeschichte nach Caesars Ermordung die Hoffnungen der Kinder der Mucia auf die väterliche Erbschaft – welche auch immer – erhöht haben. Auch Amatius, der sich als Enkel des Marius ausgab – tatsächlich wurde er, wenn nicht Marius, zumindest Pseudo-Marius genannt –, den ersten Altar an der Verbrennungsstätte Caesars errichtet hatte und daher beim Volk sehr beliebt war, wird eine Mutter gehabt haben, die eine Maria, geborene oder angeheiratete, gewesen sein muss. Schließlich gab es sicherlich auch Konkubinen, unter welchen jene die älteren Rechte hatten, die ihm schon während des Gallienfeldzugs gefolgt waren, war doch in aller Munde, dass er in Gallien viele Verhältnisse gehabt hatte, namentlich mit verheirateten Frauen.893 Fest steht jedenfalls, dass der Volkstribun Helvius Cinna – derselbe, von dessen schaurigem Tod bei Caesars Beisetzung wir hörten – herumerzählte, er habe ein schriftlich ausformuliertes Gesetz vorbereitet, das er auf Caesars Geheiß in dessen Abwesenheit einbringen wollte, wonach, um Kinder zu zeugen und seine Nachkommenschaft zu sichern, er jede Frau heiraten durfte, die er wollte, und so viele, wie er wollte.894 Zumindest bis zum Eintreffen des Gaius Octavius, der beim Tod Caesars noch in Apollonia war und erst Wochen später, nachdem er Kräfte gesammelt hatte, nach Rom kam und die Adoption annahm, stand nur fest, dass Antonius zu einem der Tutoren des postumen Erben ernannt war. Welcher dieser sein würde, und ob überhaupt, musste geklärt werden. Ist als Magdalena die Fulvia zu verstehen, die Frau des Antonius, die gerade zur Zeit von Caesars Ermordung und Beisetzung einen Sohn empfing, den sie Iullus nannte, womöglich nicht nur, weil die Mutter des Antonius eine Iulia war, sondern weil sie ihn als einen mystischen Sohn des ermordeten Caesar ansah? Oder, weil Magdala, «Turm», auf Alexandria hinweisen mag, die Stadt mit dem berühmten Leuchtturm Pharos, könnte Maria Magdalena etwa zugleich auch Kleopatra sein, Caesars Geliebte wie Magdalena Jesu «Gefährtin» und «Lieblingsjünger», die er «liebte» bzw. «küsste»,895 Rivalin und später, als Ehefrau des Antonius, Nachfolgerin der Fulvia, und daher mit dieser dann amalgamiert? Kleopatra scheint jedoch dem Namen nach im Maria des Kleopas (Vulgata: Maria Cleopae) vorzukommen, die Markus nicht anführt, aber

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Johannes (Jh 19:25); und da Markus Maria Magdalena zusammen mit Maria des Joses, sehen lässt, wo er hingelegt ward (Mk 15:47), ist unter Maria Magdalena wohl Fulvia und nicht Kleopatra zu verstehen, welche zwar zu der Zeit in Rom weilte, aber als Nicht-Römerin und nicht-blutverwandt keine Rolle bei Caesars Beisetzung spielen konnte, wohl aber Fulvia und Calpurnia, die hier als Maria des Joseph zu erkennen ist, weil Tochter des Piso (spiegelverkehrt gelesen: Osip > Joseph/Joset). Atia, die beauftragt war mit der Beisetzung, aber nicht zum Zuge kam, ist dagegen unter «Maria, der Mutter Jakobus’ des Kleinen» zu verstehen, die Mutter des jungen Gaius Octavius, für welchen Jakobus hier steht (supra). Heißen sie alle drei Maria, weil sie dem Haus der Iulii angehörten – Calpurnia durch Heirat mit Caesar für eine Iulia gehalten (so wie auch die frühere verstoßene Ehefrau Caesars bei Appian Iulia genannt wird, supra), Fulvia durch Heirat mit Antonius, dessen Mutter eine Iulia war, Atia weil Tochter der Iulia, einer Schwester Caesars – und weil die erste und berühmteste Iulia, Caesars Tante, die Frau des Marius gewesen war, also die Ur-Maria schlechthin? Und wird zusätzlich jede Frau Caesars Maria genannt, weil sie vor allem für Nicht-Römer dann als eine Iulia galt, und deswegen auch Kleopatra als Maria angesehen, mit dem Zusatz Cleopae? Folgerichtig wird die Mutter der Kinder des Zebedäus – welche zwar nicht von Markus, aber von Matthäus angeführt wird (Mt 27:56), und die als die «Mutter der Kinder des Pompeius» zu verstehen ist, also Mucia, – nicht Maria genannt. Da die statt ihrer von Markus genannte Salome und von Lukas genannte Johanna (Lk 24:10) auch nicht Maria genannt werden, dürften auch diese keine Frauen von Caesar sein. Daher könnten ihre Namen nur andere Benennungen der parallelen Mutter der Kinder des Zebedäus sein, was für Johanna jedenfalls passt, denn Pompeius ist nicht nur zum Zebedäus, sondern auch hauptsächlich zu Johannes (dem Täufer) transponiert worden; Salome könnte also auch dieselbe bezeichnen, und ihr Name dann von Pompeia kommen, eine anders mutierte weibliche Form von Zebedäus sein. In dieser Optik wären die Frauen, «die ihm nachgefolgt waren, da er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren», als Caesars Konkubinen zu identifizieren, jene, die mit in Gallien waren, und jene, die mit ihm nach Rom gekommen waren. Da Markus hier von «vielen» spricht, kann dies kaum zutreffen, selbst bei einem Caesar, dem noch mehr angedichtet wurde, als tatsächlich zutraf. So müssen wir annehmen, dass Markus unter dem Einfluss vom Bild der vielen Matronen aus allen Völkern stand, die mit ihren Kindern zu Caesars Beisetzung gekommen waren.896

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Das bedeutet aber, dass wir auch hier, wie in der Perikope Vor dem Hohen Rat bereits beobachtet, damit rechnen müssen, dass der Text mit der Problematik von Caesars Erbschaft einen früheren überlagert hat, in dem es nur um Caesars Beisetzung ging. Es hieße, dass Caesars heilige Geschichte irgendwann rückwärts umgeschrieben wurde, ausgehend von der späteren Auseinandersetzung zwischen Antonius und Octavian, wobei der Gesichtspunkt des Letzeren sich erst am Schluss, nach dem Weichen des Antonius, durchsetzte.

Jesu Grablegung und Auferstehung Auch hier hat Markus zwei Geschichten übereinandergelegt. Darunter liegt, was an Caesars Verbrennungsstätte unmittelbar passierte, darüber, was dann geschah, als Octavian in Rom eintraf und als er sich schließlich durchsetzte. Unmittelbar an der Verbrennungsstätte war zweierlei geschehen: Caesars Freigelassene hatten seine Gebeine aufgelesen und im Familiengrab beigesetzt; das Volk, wohl auf Initiative des Pseudo-Marius Amatius, hatte an der Stelle, wo die Pyra gebrannt hatte, einen runden Altar bzw. eine Säule errichtet und wollte nun darauf opfern und Caesar wie einem Gotte Gaben darbringen. Indessen, um die Senatoren zu besänftigen, die ihm seine aufrührerische Leichenrede bei Caesars Beisetzung nachtrugen, weigerte sich Antonius, den Altar zu weihen, der daraufhin von seinem übereifrigen Kollegen Dolabella umgestürzt wurde; den Amatius aber ließ Antonius kraft seiner konsularischen Gewalt gar ohne Gerichtsverfahren hinrichten und übte Rache an jenen, die ihr Missfallen darüber ausdrückten: Es hatte nämlich einen Mann gegeben, der dem empörten Volk die Sockel zeigte, von denen die Statuen Caesars gestürzt worden waren, sowie die Werkstätten, wo sie zertrümmert wurden; die aufgebrachte Menge steckte sofort Feuer an, Antonius holte weitere Truppen heran, tötete einige und ließ von den Gefangenen die Sklaven kreuzigen und die freien Bürger vom Tarpeischen Felsen hinunterwerfen.897 Als Octavian in Rom eintraf, war auch dieser Vorfall Grund für seine Wut gegen Antonius, er ließ ihm keine Ruhe, schloss sich dem von Cicero gegen ihn entfachten Terror an, nahm am Krieg gegen ihn in Gallien teil, wo Antonius in Mutina eine Niederlage einstecken musste, bis er ihn endlich dazu gebracht hatte, nicht nur der Wiederaufrichtung des Altars zuzustimmen, sondern auch an selber Stätte der Weihung eines Tempels zur Verehrung Caesars als Gott; dabei wurde der Familie verboten, sein Bildnis bei den

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Beisetzungsfeierlichkeiten ihrer Verstorbenen mitzuführen, denn es sollte untermauert werden, dass er kein Toter mehr war, sondern ein lebendiger Gott.898 Markus bringt beide Momente zusammen und folgt damit dem Beispiel klassischer Historiographen, wie etwa Appian, der in einem Atemzug die Errichtung des Altars an Caesars Verbrennungsstätte und den später von Octavian errichteten Tempel nennt.899 «Und als es schon Abend wurde und weil Rüsttag war, das ist der Tag vor dem Sabbat, kam Joseph von Arimathia, ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete, der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Pilatus aber wunderte sich, dass er schon tot sei, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon lange gestorben sei. Und als er’s erkundet hatte von dem Hauptmann, gab er Joseph den Leichnam. Und der kaufte ein Leinentuch und nahm ihn ab und wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen, und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür. Aber Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Joses, sahen, wo er hingelegt wurde. Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.» 900

Im «Grab», das «in einen Felsen gehauen war», erkennen wir den Altar bzw. die Säule des Amatius, denn Markus’ mnēma bzw. mnēmeion ist kaum ein «Grab», sondern ein «Monument», ein «Denkmal», und wenn doch, dann ein «Grabmal»; und es war nicht unbedingt, wie die luthersche Übersetzung festlegt, in einen «Fels» gehauen, sondern ex petras, was auch aus einem einzelnen Steinblock bedeutet, und erinnert mit diesem lithos, diesem «Marmorstein», davor, fatal an Amatius’ runden «Altar», der nach seiner Wiedererrichtung vor dem Tempel des Divus Iulius sich befand und worauf oder neben welchem von Anfang an eine fast zwanzig Fuß hohe Säule aus numidischem Marmor stand.901 Im Namen des «Grablegers», Joseph von Arimathia, scheint jener des Pseudo-Marius Amatius nachzuklingen – obwohl Markus bei diesem «angesehenen Ratsherrn», der von Pilatus sich den Leichnam Jesu erbat, zuerst an Piso gedacht haben mag, den er bereits Pilatus genannt hatte, der zusammen mit Octavians Mutter Atia mit der Beisetzung

408 Caesars beauftragt war 902 und der tatsächlich Caesars Leiche aufs Forum brachte: Hinter dem Namen Joseph von Arimathia kann man Piso (spiegelverkehrt gelesen: Osip > Joseph) und Atia, als eine Iulia wohl Maria Atia, erahnen. Damit scheint Markus seine noch nicht verwendeten Reste aus Caesars Beisetzung untergebracht zu haben und hätte über die Mutter Atia uns wieder zu Octavian geführt, denn Jōsēph könnte auch für Octauius stehen (besonders in der Variante Jōsētos, die in Zusammenhang mit der Maria einige Verse weiter auftaucht), sobald man das «c» von Octauius als griechisch «s» (sigma lunatum) liest. Als «Hauptmann», centurio, hat in der postumen Optik den Antonius der uns inzwischen bekannte Cicero überlagert, von dem es stimmt, dass er sich dafür einsetzte, dass Octavian den «Leichnam» bekam, sobald man als sōma nicht mehr die physische «Leiche» sondern die materielle Hinterlassenschaft einer Person, mit Substanz, Werten und Stand, versteht, und das ist, was er von Caesar wollte und bekam. So dürfte auch die sindōn hier dann weniger die «Leinwand» sein denn die Toga im Sinne von Amtstracht – wie oben bei Caesar, Cornelius Cinna und Dolabella beobachtet –, und würde somit die damit verbundene Würde bezeichnen: die purpurne, die Caesars Leiche trug? Die konsularische des Antonius, der selbstherrlich sich des Amatius bemächtigte und ihn kaltstellte? Die weiße des noch ohne Ämter, aus eigener Initiative handelnden Octavian, der erst später die praetorische und konsularische tragen sollte? Das «Opfern» des Volkes, zuerst während der Verbrennung von Caesars Leiche, auf welche allerlei Wertvolles geworfen wurde, vor allem von den Matronen, die sogar ihren Schmuck und die Halsketten und vorgewebten Tuniken ihrer Kinder opferten, dann bei Caesars Altar und Säule, und das frustrierte Verlangen nach dessen Einweihung, mutiert zu den Frauen, die vergeblich mit ihren Spezereien und Salben zum Grabe gehen: Dort finden sie den Stein so abgewälzt wie Amatius’ Altar, dort finden sie einen Jüngling und entsetzen sich, wie die Volksmenge über Antonius; dort wird ihnen die Stätte gezeigt, «wo sie ihn hinlegten», wie die Werkstätte gezeigt wurde, wo die umgeworfenen Caesarstatuen zertrümmert werden sollten. Ab da zieht aber Markus ein anderes Register: Aus dem Mund des «Jünglings», des neaniskos, womit nicht mehr Antonius, sondern nur der puer Octavian gemeint sein kann, zumal er im «langen weißen Kleid» ist, d. h. mit einer einfachen Toga wie ein gerade volljährig gewordener Privatmann, lässt er die Frauen fragen, ob sie «Jesus den Nazarener, den Gekreuzigten» suchen, der wiederauferstanden ist. Hier hat er sich beim vollen, neuen Namen genannt: GAIVM CAESAREM OCTAVIANVM > ΙΗCΟΥΝ ΝΑΖΑΡΗΝΟΝ

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ΕCΤΑΥΡΩΜΕΝΟΝ.

Der unter Antonius leidende junge Caesar: nicht als «Octavian», wie Antonius spottete, sondern als «Gekreuzigter». Dem Antonius kündigt er sogleich den Krieg an: «Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.» Hier wird die Niederlage des Antonius in Gallien angekündigt. Und dass die Drohung auch als solche verstanden wurde, verdeutlicht die Reaktion der Frauen, die hinausgehen und fliehen von dem Grabe und zittern, entsetzt sind und sich fürchten – womit wir wieder an Antonius’ Massaker an Amatius’ Anhängern erinnert werden.

Erscheinungen des Auferstandenen – Himmelfahrt Markus’ langer Schluss wird von den Forschern als falsch betrachtet und stellt in der Tat eine ungeschickte Zusammenfassung dessen dar, was in den anderen Evangelien über den Wiederauferstandenen berichtet wird. Daher sind hier gerafft Taten des Octavian zu finden: Die «zwei von ihnen», denen er sich unterwegs offenbart, «da sie über Land gingen» – die Konsulen Hirtius und Pansa auf dem Feldzug nach Mutina, denen Octavianus als Caesars Erbe mit seiner privaten Armee sich hinzugesellte –, sind die Emmaus-Jünger des Lukas; etc. Der kurze Alternativschluss dagegen passt nahtlos zum vorhergehenden Text. Darin ist davon die Rede – übersetzt man wörtlich –, dass «alle Kommandostellen in kurzer Zeit jenen übergeben wurden, die um Petrus standen», dass aber «danach Jesus aus dem Orient erschien […]»903 – was zur Situation gut passt: Antonius hatte alle Macht auf sich und seine Verwandten konzentriert,904 als Octavian von Apollonia kommend in Rom erschien, wobei bei heiterem und wolkenlosem Himmel plötzlich ein Kreis in der Art eines Regenbogens die Scheibe der Sonne umgab.905 Hier dürfte «Orient, Sonnenaufgang», anatolē, für Apollonia stehen – was zufällig insofern stimmt, als jene Stadt im Osten lag.906 Auch der Rest des Satzes, wo von «ausschicken, absenden» die Rede ist, passt ins Bild: Den jungen Großneffen hatte Caesar ja dorthin vorausgeschickt, in Erwartung des Feldzuges gegen die Parther, die sich hier hinter dem Wort aphtharton, «unsterblich», zu verstecken scheinen. Das (h)ieron, das im letzten Teil des Satzes auftaucht, dürfte dann der von Octavian erbaute «Tempel» sein, der insofern für die «Verkündigung des ewigen Heils» stehen könnte, als auch Appian an der oben wiederholt zitierten Stelle,907 womit er das zweite Buch abschließt, den Bau des Tempels des Divus Iulius durch den jungen Caesar als Zeichen seiner Übernahme der Macht

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Caesars ansah und damit auch als Symbol und Materialisierung der zu seiner Zeit noch bestehenden Regierungsform, die Caesar begründet hatte: des heilbringenden und ewigen Imperium Romanum.908 Das dürfte der wahrscheinliche Schluss des Urmarkus gewesen sein. Es ist jedoch weiterer Stoff hinzugekommen, der chronologisch später liegt. Wir haben oben gesehen, dass zwei Perikopen, Der reiche Jüngling und Vom Lohn der Nachfolge, zwei Momente der Auseinandersetzung zwischen Octavian und Antonius darstellen: Sie hätten also hier, unmittelbar nach diesem sogenannten kurzen Schluss, stehen müssen. Danach kam die Versöhnung und die Bildung des zweiten Triumvirats, was in der Verklärung Jesu sich niedergeschlagen haben dürfte. Schließlich kamen die Proskriptionen, von denen wir sahen, dass sie in Vom Kommen Christi nachweisbar sind. Der chronologische Abschluss des Markus dürfte daher die Perikope sein, die üblicherweise Vom Warten auf das Kommen Christi betitelt wird und mit der Aufforderung an seine Leute endet: «Wachet!»909 Wenn aber dieser Stoff nicht dahinter angeordnet wurde, sondern innerhalb der Grenzen von Caesars heiliger Geschichte – nämlich vom Rubicon bis zu Caesars Beisetzung –, dann weil es unüberwindbare Widerstände gegen den Aufstieg Octavians zum Divi Filius gab. Und das war die Opposition von Fulvia und Antonius. Die Geschichte von Octavians Aufstieg konnte daher in Markus’ Vorlage erst später aufgenommen werden, nach dem bellum Perusinum gegen Fulvia, oder gar nach dem Sieg über Antonius und Kleopatra, aber auch dann musste sie sich in den bereits traditionell gewordenen Rahmen zwängen – was sie freilich tat, indem sie Caesars Geschichte überlagerte. Der Divi Filius hatte sich nicht bloß zur Rechten des Divus Iulius, sondern auch auf dessen Stuhl gesetzt. Für numismatische Evidenz dieser planmäßigen Besetzung des Amtsstuhls Caesars sorgten die sukzessiven Prägungen des Octavian bzw. Augustus, die die sella curulis, den Amtsstuhl Caesars, mit dessen goldenem Kranz zeigen, dann, wie gesehen, Octavian auf derselben sella mit Victoria auf der Hand und schließlich Agrippa neben Augustus auf dem zum bisellium gewordenen Amtsstuhl:910 goldener Kranz auf dem Thron des Vaters (Abb. 112); der Sohn, sitzend auf des Vaters Thron (Abb. 113); des Sohnes Sohn, sitzend zur Rechten des Vaters (Abb. 114).

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112./113. Denare Octavians und 114. des Platorinus: 42, vor 31 und 13 v. Chr.

*** Wir haben nun Markus vollständig durchschritten,911 müssten uns jetzt an die anderen Evangelien machen – und eigentlich könnten wir gleich bei Markus von vorne wieder anfangen. Unsere Grundannahme – das Evangelium sei eine verkappte heilige Geschichte Caesars – hat sich am Beispiel des ältesten restlos bestätigt. Wir können daher unser Rettungsboot, das wir zu unserer Sicherheit noch in der Hinterhand gehabt haben, nämlich dass nur Teile von Caesars Vita auf Jesus abgefärbt haben mögen und dieser daher eine eigenständige Existenz bewahre, ruhig über Bord werfen. Denn wir haben bei Markus nichts gefunden, was nicht in der Caesargeschichte seinen klaren Ursprung hätte – wie unzulänglich und revisionsbedürftig unsere Analyse bis jetzt auch gewesen sein mag. Die anderen Evangelisten fügen dem Stoff des Markus nichts Wesentliches hinzu, und wenn, dann findet man auch das bei Caesar – wie punktuell beobachtet, so zuletzt bei der Mutter der Kinder des Zebedäus oder anfänglich beim Beinamen des Asinius Pollio. So wäre die Untersuchung der anderen zwar interessant, doch in der Sache würde sich nichts mehr ändern. Wir könnten zum Beispiel die KINDHEITSGESCHICHTE des Octavian und des Christkindes parallel abrollen lassen und entdecken, dass Bethlehem Velitrae ist (heute Velletri), wo Octavian auf dem großelterlichen Landgut seine ersten Jahre verbrachte und wo Jahrhunderte später noch seine cella gezeigt wurde, ein winziger Raum, «nur so groß wie eine Vorratskammer», wie Sueton sagt, in welcher er nach Meinung der Nachbarschaft auch geboren wurde;912 diese Idee der winzigen Vorratskammer gekoppelt mit dem tatsächlichen Ort seiner Geburt – ad capita bubula, «an den Ochsenköpfen», in der Gegend des Palatins – hat, verstanden als «auf den Viehfuttern», zur Vorstellung der «Krippe» geführt, am Kopfe des Ochsen, am Fuße des Palastes (Palatin > Palast); dass er kurz vor Sonnenaufgang geboren wurde, ergab dann die Heilige Nacht.

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JESU STAMMBAUM überdeckt das Gerede über Herkunft und Stand der Familie der Octavii, die zur Zeit der Tarquinii und des Servius Patrizier gewesen sein sollen, dann Plebeier, und erst vom Divus Iulius wieder in den Patrizierstand zurückgeführt wurden (was zur «davidischen» Abstammung Jesu führte). Die WEISEN AUS DEM MORGENLAND, wovon einer schwarz ist, und die als Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe bringen, entstehen aus dem Klatsch, den Antonius für seine Polemik ausschlachtete, Octavians Urgroßvater sei afrikanischer Herkunft und in Thurii (Weihrauch: als ob Thurii von tus, turis, «Weihrauch», käme) ein Geldmakler gewesen (Gold) und habe einen Salbenladen betrieben (Myrrhe);913 die Idee, sie seien gabenbringende, kniende Könige aus dem Morgenland, kommt von Augustus’ Reise in den Orient, wo er von den Parthern bereitwillig Armenien sowie die von Crassus und Antonius verlorenen Feldzeichen zurückbekam und wohin sogar Inder und Skythen denkwürdige Gesandtschaften zu ihm schickten.914 Der KINDERMORD DES HERODES geht nicht nur darauf zurück, dass Herodes tatsächlich Kinder, und zwar zwei eigene Söhne, die er von der HasmonäerErbin Mariamme hatte, töten ließ, sondern ursprünglich auch auf Octavian, denn wenige Monate vor seiner Geburt wurde in Rom durch ein Wunderzeichen verkündet, die Natur sei gerade dabei, dem römischen Volk einen König zu gebären; daraufhin habe der in Schrecken versetzte Senat beschlossen, dass kein in jenem Jahr geborenes Kind aufgezogen werden dürfe; die Männer aber, die schwangere Frauen hatten, hätten dafür gesorgt, dass der Beschluss nicht rechtskräftig werde.915 Auch das andere dem Herodes zugeschobene Verbrechen, die F LUCHT DER HEILIGEN F AMILIE NACH Ä GYPTEN verursacht zu haben, hat seinen Ursprung bei Caesar, und vor allem bei seinem Nachfolger Octavian Augustus. Denn nicht nur Caesar selbst hatte im Kindesalter vor den Meuchelmördern des Sulla fliehen müssen; auch Livia musste nach dem bellum Perusinum im Jahr 40 v. Chr. mit ihrem damals zweijährigen Sohn Tiberius vor den Häschern des Octavian flüchten – desselben Octavian, der sie später heiraten und ihren Sohn Tiberius adoptieren sollte, ja sie selbst zur Tochter und eigenen Priesterin des werdenden Divus Augustus machen.916 Gleichzeitg mit ihr floh auch Fulvia,917 die verschmähte und bekriegte Schwiegermutter des Octavian, nach demselben unglücklichen Krieg um Perusia, und die wollte mit den Kindern des Antonius zu ihm, der zu der Zeit bei Kleopatra weilte, und ihn von ihr loszureißen. Livia flüchtete sich zuerst nach Sizilien zu Sextus Pompeius, der die Meere kontrollierte und sie, sowie Antonius’ Mutter Iulia, per Schiff weiter nach

413 Osten zu Antonius fahren ließ.918 Alle Frauen trafen auf ihn in Griechenland, der inzwischen aus Ägypten kommend unterwegs nach Italien war. Von Antonius beschuldigt, den Krieg aus Eifersucht angezettelt zu haben, starb Fulvia kurz darauf an Kummer in Sykion, während Livia, nachdem ihr Mann Tiberius Nero den Frieden zwischen Sextus Pompeius und den Triumvirn erreicht hatte, mit ihm bald nach Rom zurückkam, wo sie Octavian kennenlernte, der sich für sie von seiner im Kindbett liegenden Gattin Scribonia scheiden ließ, die Scheidung zwischen Tiberius Nero und Livia erzwang, um sie heiraten zu können, obwohl sie hochschwanger war.919 Da derselbe Octavian kaum zehn Jahre später den Sohn der Fulvia und Antonius, Antyllus, und sogar den jungen Ptolemaios Kaisarion, den Sohn seines Adoptivavaters Caesar und der Kleopatra, von seinen Schergen in Ägypten hetzen und ermorden ließ, konnte auch die Flucht der Livia, heimlich auf einsamen Wegen, in Begleitung allein ihres Mannes, mit dem Kindlein und künftigen Kaiser auf dem Arm, verkürzt und resümierend als eine Flucht nach Ägypten in Erinnerung bleiben – zumal auch die gleichzeitig fliehende Fulvia mit den Kindern des Antonius zu ihm wollte, der bis dahin in Ägypten gewesen war. Dass der Evangelist die Schuld an der Verfolgung von Octavian auf Herodes schiebt, hatte wohl okkultative Gründe. Die V ERKÜNDIGUNG und die UNBEFLECKTE EMPFÄNGNIS berichten von Octavians Mutter Atia, die sich um Mitternacht zu einem Opfer für Apollo begab, wobei ihre Sänfte im Tempel abgestellt wurde; sie schlief ein, aber eine Schlange kam plötzlich zu ihr gekrochen und ging kurz darauf wieder hinaus; nach ihrem Erwachen reinigte Atia sich, wie wenn ihr Gatte Beischlaf mit ihr gehabt hätte; und sogleich entstand auf ihrem Körper der Fleck einer gemalten Schlange, der niemals mehr getilgt werden konnte, sodass sie sich daraufhin des Besuchs öffentlicher Bäder enthielt. Augustus sei im zehnten Monat danach geboren und deswegen als Sohn des Apollo betrachtet worden. Die «befleckte» Empfängnis musste natürlich aus Gründen des Anstandes zur «unbefleckten» werden, die einkriechende Schlange in der christlichen Ikonographie den Kopf von der Jungfrau zertreten bekommen, und, im positiven Sinne, vom hineinkommenden und verkündenden Engel Gabriel ersetzt werden (hier dürfte draco, «Schlange», als «Drache» und in der Folge, statt wie naheliegend als Teufel, als archangelos, Erzengel, genommen worden sein). Der STERN VON BETHLEHEM indes geht auf Atias Traum zurück, den sie kurz vor der Niederkunft hatte, ihr Schoß würde zu den Sternen emporgetragen und breite sich über Erde und Himmel aus – was sich natürlich mit dem

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Erscheinen des sidus Iulium, Caesars Sterns, des Kometen, vermengt, der während der Spiele leuchtete, die der puer, das «Kind», Octavian später für den konsekrierten Divus Iulius gab.920 Der A USSPRUCH DES SIMEON IM T EMPEL, «seine Augen hätten den Heiland gesehen, der bereitet wurde vor allen Völkern», ist jener des Figulus, der, als er im Senat die Stunde der Geburt Octavians erfuhr, erklärte, der Herr der Welt sei geboren worden; und der andere Ausspruch, das Jesulein sei «das Licht, zu erleuchten die Heiden», ist der Traum des Octavius, der sah, wie aus Atias Schoß das strahlende Licht der Sonne aufging.921 Zu Simeon wird Figulus, als ob von ficus, «Feige», käme, griechisch sykon, was über sykeōn zu Symeōn führt. Auch das V ERSCHWINDEN DES KINDES kam bei Octavian vor: Eines Abends wurde er von der Amme in die Wiege gelegt; am nächsten Morgen war er zuerst nicht auffindbar und wurde erst nach langem Suchen hoch oben in einem Turm entdeckt, wo er am Boden lag, dem Sonnenaufgang zugewandt. So ging auch Jesus als Kind verloren – die Eltern dachten, er sei bei den Verwandten und Bekannten (entspricht der Amme) – und wurde erst nach langem Suchen im Tempel (entspricht dem hohen Turm) gefunden. Dort hörte das Jesulein den Gelehrten zu und sprach zu ihnen, und alle staunten und entsetzten sich, und die Mutter behielt alles in ihrem Herzen – der kleine Octavian, wie er anfing zu sprechen, befahl den im Teich quakenden Fröschen zu schweigen, und diese schwiegen tatsächlich, und zur Zeit Suetons immer noch, wie man erzählte.922 Wobei hier die quakenden «Frösche» für «Gelehrte», gehalten werden – ein sehr populäres Bild. Dies kurz für den jeweiligen Anfang der Evangelien des Matthäus und des Lukas. An deren Ende könnten wir dann die ERSCHEINUNGEN DES WIEDERAUFERSTANDENEN sehen, d. h. die Taten des jungen Caesar Octavian auf dem Weg zur Macht. Die Konsuln von 43, die mit dem jungen Caesar nach Mutina marschierten, ohne ihn anzuerkennen, werden zu den EmmausJüngern, die den Auferstandenen nicht erkannten; der skeptische Antonius wird zum ungläubigen Thomas; Octavians ärgster Gegner, den er erst nach langen Kriegen und zwischenzeitlicher Versöhnung ausschalten konnte, Sextus Pompeius, wird, als «sechster Pneuma» verstanden und unter Hinzunahme von dessen zeitweiligem Verbündeten Antonius, zu den sieben Geistern, die er «ausgetrieben hatte» – folglich ist Maria Magdalena hier wiederum Fulvia; Augustus’ geheimes und daher vielbeschwatztes Abendmahl, das man dōdekatheos, «der Zwölf-Götter», nannte, bei dem die Gäste in der Tracht von Göttern und Göttinnen bei Tisch lagen und Augustus selbst im Ornat des

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Apoll aufgetreten war und das als Zeichen rücksichtsloser Grausamkeit sehr gescholten wurde, denn zu der Zeit herrschte große Hungersnot, wird zur Offenbarung des Auferstandenen an die Elf, die zu Tisch saßen und die er wegen ihrer Herzenshärte schalt.923 In der Mitte des Evangeliums fügen aber Matthäus und Lukas Fakten hinzu, die Caesar betreffen und die bei Markus nicht, oder anders oder kürzer, vorgekommen waren. Hier kann man zum Beispiel den zum Porcius (Cato) übergelaufenen Brutus als den zu den Schweinehirten gegangenen, VERLORENEN SOHN entdecken, oder den vergeblichen Schwur der Pompeianer vor Pharsalos als V ERBOT DES SCHWÖRENS wiederfinden. Und wir würden mit Überraschung feststellen, dass hinter Jesu berühmten Worten Caesars Gesetze und Verordnungen stecken: So steht hinter dem guten Hirten, der seine Schafe kennt, Caesars Maßnahme, der die Ausbreitung des Weidelands auf Kosten des Ackers dadurch eindämmte, dass er den Einsatz von Sklaven als Hirten einschränkte;924 Caesars Bereinigung des Marktes, der auf importierte Luxuswaren Zölle erhob und die Lebensmittel strengstens beaufsichtigen ließ,925 wird zur REINIGUNG DES T EMPELS; und Caesars allgemeine SCHULDENREGULIERUNG,926 die wir bereits bei Markus sahen, kehrt bei Matthäus als Kernsatz im Vaterunser wieder: «Erlass uns unsere Schulden, wie wir sie unseren Schuldnern erlassen.» Den Ansatz vom A VE MARIA indes wird man in den rührenden und feierlichen Leichenreden an die verstorbenen Iuliae finden, so an Caesars Frau Cornelia und an Marius’ Witwe: «Meiner Tante Iulia mütterliches Geschlecht stammt von Königen, das väterliche ist mit den unsterblichen Göttern verwandt […].» 927

Interessanterweise findet man dieses zusätzliche caesarische Gut von Matthäus und Lukas bei Sueton, und zwar nicht chronologisch, sondern thematisch geordnet, so dass man daraus schließen wird, dass, während Markus über eine rein chronologische, annalistische Quelle verfügte, Matthäus und Lukas auch auf eine thematische zurückgriffen; eine ähnliche wird auch jene zu Octavian gewesen sein, denn für ihn findet man die Informationen nicht bei Appian, der chronologisch vorgeht, sondern wiederum bei Sueton, und zwar im thematischen Teil, oder bei Cassius Dio, dann aber in einem Exkurs. Matthäus und Lukas haben auch JESU GENEALOGIEN und die BERGPREDIGT hinzugefügt. Wobei – um das kurz anzureißen –, das Auffällige bei den GENEALOGIEN JESU ist nicht einmal, dass sie bei Markus und Johannes fehlen, oder dass Lukas ganz andere Namen anführt als Matthäus (von den zahlreichen Varianten der Manuskripte gar nicht zu reden), sondern – wie nicht Voltaire sondern etwa

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sein Landsmann, der Dominikaner Pater R.-L. Bruckberger, es hervorhob –, dass bei Matthäus928 auffällig viele Frauen vorkommen, die ja in einer patrilinearen Ahnenreihe eigentlich nichts zu suchen haben, und deren fragwürdige Keuschheit patriarchalisch-biblischen Ehevorstellungen kaum entspricht, sondern eher dazu dient, die traditionelle jüdische Kritik abzuwehren, Maria habe ihren Sohn Jesum nicht von ihrem Mann empfangen. Als ob Matthäus sagen würde: Seht ihr, eure Thamar (eine Kanaaniterin, Schwiegertochter des Judas, Sohn des Jakobs, die sich ihm prostituierte), Rahab (eine Hure aus Jericho, die ihre Stadt verriet), Ruth (eine Moabitin und Heidin, die sich dem Boaz anbot und ihn zwang, sie zu heiraten) oder das Weib des Uria (des Hethiters, i.e. Bathseba, die Ehebrecherin, die zur Geliebte des David wurde, der für sie meuchlings ihren Mann in den Tod schickte, der ihm treu gedient hatte: Uriasbrief) waren in der Hinsicht nicht besser. Das heißt, Matthäus wollte ursprünglich gar nicht eine Genealogie Jesu aufstellen, sondern seine übliche Midrashim bemühen, d. h. Passagen und Gestalten aus der Bibel der Juden heraussuchen, die das Unerhörte der neuen Botschaft vorwegzunehmen schienen. Weil es ja allzu skandalös erschien, versuchten spätere Hände, die vier Weiber zweifelhafter Tugend – die nicht-jüdischen, heidnischen, sich prostituierenden Ehebrecherinnen –, in einer langen Genealogie zu ertränken, sodass sie möglichst übersehen wurden. Und weil es anscheinend jemand immer noch merkte, änderte Lukas alle Namen, wohl um das Entfernen der Frauennamen im Austausch aller anderen untergehen zu lassen. Damit waren auch die Spuren verwischt, die hinter Jesus, Maria, Joseph und dem Heiligen Geist auf Augustus und die befleckte Empfängnis seiner Mutter Atia – aber nicht von Octavius, sondern von Apollo – hinwiesen, oder, in der späteren Generation, auf Tiberius, der zwar von der Livia, aber nicht von Augustus war. Aber jene unkeuschen Jungfrauen in der Ahnenreihe Jesu, deren Namen noch bei Matthäus zu lesen sind, und die ihre römischen Äquivalente ersetzten – etwa Acca Larentia, Rhea Silvia, Tanaquil, Ocrisia –, weisen heute noch eher auf die römische «Wölfin» bzw. auf Caesars Ahnmutter Venus als auf Patriarchen, und zeugen für den späthellenistischen, römischen, julianischen Ursprung des Evangeliums, in versteckter aber doch unleugbarer Weise. Wobei im Diskurs mit den Juden der christliche Jude Matthäus bei Tamar, Rahab, Ruth und Bathseba von «unseren» Weibern gesprochen haben mag, somit im Sog die Eingemeindung der römischen Maria ins christlich-jüdische Amalgam nach sich ziehend. Die BERGPREDIGT , deren zentrale Sätze Lukas wiedergibt:

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«Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. Seid selig ihr, die ihr hier hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr hier weinet; denn ihr werdet lachen … Aber dagegen, weh euch Reichen! denn ihr habt euren Trost dahin. Weh euch, die ihr voll seid! denn euch wird hungern. Weh euch, die ihr lachet! denn ihr werdet weinen und heulen.»929

– stellt Caesars politisches revolutionäres Programm dar, das im Sinne der Gracchen die Großgrundbesitzer enteignete, und das Land den verarmten Bauern und Veteranen gab. Wie er es mit der Armut und dem Hungern meinte, erkennt man an seinen Reden in Brundisium oder vor Pharsalos, wo er seine Legionäre aufforderte, sich um Gepäck und Proviant nicht zu kümmern, denn im Lager des Pompeius gäbe es mehr als genug, um alle satt zu machen. Da änderte es sich schlagartig, wer zu weinen und wer zu lachen hatte – und zwar in dieser Welt: Die Armen bekamen die besten Ländereien des römischen Reichs zugeteilt. Die «geistlich Armen», die erst im Himmel ihren Anteil bekommen, werden erst in Matthäi Verbrämung zu solchen.930 Es fällt auch noch auf, daß DIE CHRISTLICHEN F EIERTAGE kalendarisch auf Daten fallen, die bereits caesarisch besetzt waren. Wenn wir zum Beispiel feststellten, dass der 15. März, der Tag, an dem Cassius Longinus Caesar erdolchte, die berühmten Iden des März, zum Festtag des zum Heiligen avancierten Miles Longinus gemacht wurde, der Jesu am Kreuz mit seiner Lanze stach, wird man sich fragen, ob dies ein Einzelfall war, oder ob es System hat. Es hat, es hat: Am 17. März zum Beispiel fällt das Fest des Heiligen Joseph von Arimathia, der nach der Kreuzigung den römischen Statthalter Pontius Pilatus um den Leichnam von Jesus Christus bat und ihn in sein eigenes Grab legte – von dem wir sahen, dass es sich um Calpurnius Piso handelt, Caesars Schwiegervater, der die Beisetzung Caesars durchsetze und seinen Leichnam aufs Forum brachte: In der Nacht vor dem 17. März 44 v. Chr., dem Fest der Liberalia, dem dritten Tag nach den Iden, war Piso beschäftigt, die Requisiten zu zimmern für die am nächsten Morgen stattzufindende Beisetzung seines Schwiegersohns, des Pontifex maximus: eine Bahre in Form des Venustempels, ein Tropaeum, woran dessen effigies aus Wachs zu hängen hatte, etc. –, sodass er nicht nur der Schwiegervater des pontifex war, sondern auch der wahre Zimmermann, der Brückenbauer für die Reise ins Jenseits: ponti-fex. Zwei Tage später, am 19. März, wurden nach der am Forum erfolgten Kremation Caesars Asche und Gebeine in eine Urne gelegt und zu Grabe getragen, was wiederum Piso organisiert haben wird. Folgerichtig erlebt der Heilige Joseph von Arimathia am 19. März seine Doublette im Heiligen Joseph dem Zimmermann.

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Auch diese Daten unterstreichen, dass das später beweglich gewordene Ostern nichts anderes ist als das Begehen von Caesars Beisetzung. Aber auch die alten und wichtigen christlichen Festtage fielen und fallen ausnahmslos auf die Jahrestage Caesars, an seiner Geburt und an seinen Siegen – wie die nach Munda erlassenen Ehren- und Vergöttlichungsbeschlüsse verlangten (supra): «… ferner sollte … die Stadt jedes Jahr die Tage seiner Siege zelebrieren … [und] seine Geburt ehren …».

Epiphanie, am 6. Januar, ein großes Fest bevor es zum Dreikönigstag herabgestuft wurde, das ursprüngliche Weihnachten, fällt zufälligerweise auf das Datum des senatus consultum ultimum (49 v. Chr.), das Caesar zum Staatsfeind machte und ihn zur Überschreitung des Rubicons veranlasste. Somit verdient es seinen Namen: epiphania, die «Erscheinung» des Herren. Denn ab da erschien Caesar vor Rom, in all seiner Herrlichkeit. Aber auch Dreikönig geht auf die Iulii zurück, wenn auch zum Divi filius Augustus und zu dessen Abstammung – wie wir sehen konnten (supra). Sankt Laurentius, am 10. August, fällt auf den Tag der Schlacht bei Pharsalos (48 v. Chr.) und verdeutlicht damit, dass dieser heilige «Lorbeergekränzte» eigentlich Caesar als Triumphator darstellt. Wie ein selbständiger auf dem Rost gegrillter Heiliger musste Laurentius auftauchen, als Christus nicht mehr als verbrannt, sondern als gekreuzigt und sein Leichnam als beerdigt verstanden wurde, und somit das Hauptmerkmal bei Caesar, die Kremation, waise und herrenlos geworden war. Den Verlust eines wesentlichen Requisits konnte der gegrillte Laurentius ersatzweise auffangen, als Märtyrer, zusammen mit seinem mythischen Pendant, dem Phönix aus der Asche, der die Auferstehung repräsentierte. Auch andere Merkmale Caesars hat Laurentius auffangen können, etwa das Buch, Caesars technologische Erfindung, das die Künstler ihm ostentativ in der Hand tragen lassen (so auf den Mosaiken in Ravenna), oder die Tatsache, dass er die Reichtümer der Kirche unter den Armen aufgeteilt hatte, wie Caesar in seinem Testament – Hauptmerkmale, die man beim evangelischen Jesus bitterlich vermisst, und die nach einem Ersatzheiligen verlangten. Caesars Geburtstag, am 13. Juli, fiel auf den letzten und wichtigsten Tag der ludi Apollinares, der öffentlichen Spiele zur Ehre des Apollo, die vom 6. bis zum 13. Juli währten, sodass das Feiern von Caesars Geburtstag um einen Tag verschoben wurde, von den Triumvirn auf den 12. Juli vorgezogen. Trotzdem verschmolz sein Fest mit dem des Apollo, und da Apollo unter anderem der Gott war, der Tod und Verderben über Menschen und Vieh schickte, zum

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Beispiel die Pest, wurde Divus Iulius zum guten Apollo, der sie abwehrte und vertrieb. Die Heilungen von der Pest in christlicher Zeit werden auffälligerweise mit diesem Datum verbunden – so das Redemptor-Fest in Venedig. Dort wütete die Pest drei Jahre lang (1575–1577), und die Stadt gelobte, dem Redemptor eine Kirche zu bauen, falls er die Pest zum Stillstand bringt – was er tat. Für endgültig besiegt wurde die Seuche am 13. Juli 1577 erklärt, an Caesars Geburtstag, aber gefeiert wird die grandiose Festa del Redentore nicht am 13., sondern am dritten Sonntag im Juli – als ob das alte Gebot, dass der Tag noch dem Unheilsbringer und nicht dem Heiler gehört, heute noch währte. Ähnliches übrigens ließe sich von anderen Städten sagen, etwa vom Fest der Santa Rosalia in Palermo, die auch die Stadt von der Pest befreite (1624), und deren Fest in der Nacht des 14. Juli gefeiert wird. Womit die Heilige Rosalia sich in die Liste der Ersatzheiligen einreiht, wie der o. g. Heilige Laurentius. In puncto Ersatzfeier zeichnen sich die Franzosen besonders aus, die Einwohner jenes Gallien, das Caesar an das Römische Reich anschloss: In der nämlichen Nacht des 14 Juillet, also eigentlich am Abend des 13., feiern sie ausgelassen auf den Straßen ihre prise de la Bastille – meinen sie. De facto aber war die Bastille damals längst nicht mehr benutzt, und an Gefangenen zum Befreien soll darin lediglich ein Sonderling sich befunden haben, der wegen nächtlicher Ruhestörung eingesperrt war und sich für Julius Caesar hielt. Als ob auch für die Franzosen – wie für die Venetianer, die Palermitaner, und viele anderen – das zu feiernde Datum schon festgestanden hätte, an dem man von der Pest befreit wird – ob Seuche oder Ancien Régime: Caesars Geburtstag. Die Rückverfolgung der Evangelien bis zu ihren caesarischen Ursprüngen, ermöglicht scheinbare Widersprüche zwischen den Evangelien oder auch bei ein und demselben Evangelisten aufzulösen. Dies könnte Verwechselungen und Fehler vermeiden. Dazu ein modernes Beispiel. Der US-Präsident Bush hat zu Beginn des sogenannten War on Terror die Parole ausgegeben: «Wer nicht mit uns ist, der ist gegen uns». Er tat es als guter Christ, im Glauben, es seien Worte des Herrn: Sie stünden ja im Evangelium.931 Durch die Rückführung auf die Caesar-Quellen stellt es sich heraus, dass jene Worte von Pompeius alias Johannes dem Täufer gesprochen wurden, während Jesus, also Caesar, das Gegenteil davon gesagt hat, nämlich: «Wer nicht wider uns ist, der ist für uns».932 Hätte der Präsident dies gewusst, hätte er es sich zweimal überlegt, die Parole eines Verlierers zu übernehmen, welche die Neutralen zu Feinden macht und dadurch den Gegner stärkt – und

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ihm, seinem Land, seinen Allierten und nicht zuletzt der Welt wäre ein Pyrrhussieg erspart geblieben.

Gleichnis und Predigt als Stilmittel der Okkultierung Im Absatz – Meuterei der Veteranen : Die bösen Weingärtner» (supra) – konnten wir sehen, wie eine Caesar-Anekdote in ein Gleichnis umgewandelt wird, weil sie dem Evangelisten peinlich ist – in jenem Fall, weil es daran erinnerte, dass der himmlische Wunderheiler ganz irdische Armeen und sogar meuternde Legionäre hatte. Dadurch okkultierte er die Beteiligung des Herrn am Bürgerkrieg – denn Er hatte es nicht getan, sondern nur gesagt, es waren nicht seine Taten, sondern seine Worte, keine Handlungen, sondern reine Lehre. Aber es galt nicht nur den traumatischen Bürgerkrieg vergessen zu machen, sondern auch die sexuellen Neigungen des Herrn, der als Sohn der Venus sich konsequent der Libido hingab, sich der Liebe der Frauen der angesehensten Römer erfreute, ja bereit war, für Geschenke an seine Geliebten Unsummen zu verwenden – was anscheinend dem Evangelisten genauso peinlich war, denn er verwandelte auch das in reine Lehre. Von Sueton erfahren wir, dass Caesar nach Britannien gegangen sein soll, in der Hoffnung dort Perlen zu finden; wenn er ihre Größe verglich, wog er sie manchmal mit eigener Hand ab. Warum er ein so sinnliches Verhätnis zu Perlen hatte, und so eine große Gier danach, berichtet derselbe Autor, genüsslich: «Es besteht allgemein die Ansicht, dass Caesar sich gern in Liebesabenteur einließ und dafür viel Geld ausgab. So soll er auch viele angesehene Frauen verführt haben, darunter die Postumia des Servius Sulpicius, die Lollia des Aulus Gabinius, die Tertulla des Marcus Crassus, sogar die Mucia, die Frau des Cn. Pompeius. […] Vor allen anderen aber liebte er die Mutter des Marcus Brutus, Servilia, der er schon während seines ersten Konsulats einen Perlenschmuck für sechs Millionen Sesterzen kaufte […].» 933

Matthäus bettet das in die Bergpredigt ein: «[…] und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf das sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen.» 934

Nun ist es jedem Bauer klar, dass Säue Perlen überhaupt nicht zertreten können – ohne Hufe, mit ihren kleinen Pfoten, und dazu gespreizten Zehen. So ist es auch nicht ihre Art, zu zertreten: Sie würden eher versuchen, die Perlen zu fressen. Es ist also eher an metaphorische «Säue» zu denken. Wer Italienisch kann, hat hier keine Schwierigkeit, unter diesen «Säuen» die «Mätressen» zu erkennen, denn troia heißt nicht nur «junge Sau», sondern

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bezeichnet im übertragenen Sinne auch eine libidinöse Frau leichter Sitte, die uneheliche Verhältnisse unterhält, von der Nymphomanin bis zur Mätresse, und die gerne Geschenke annimmt, quasi eine Prostituierte, allerdings teuerer. Vulgärlateinisch hätte man also durchaus sagen können, dass Caesar seinen «Säuen» Perlen hinwarf – mit widersprüchlichem Erfolg übrigens, denn er wurde von Marcus Brutus umgebracht, dem Sohn der Servilia, justament jener Mätresse, der er die größte Perle geschenkt hatte: Im Endeffekt hatte er wirklich seine Perlen vor die Säue geworfen. Da man in anderen Sprachen mit «Sau» anderes assoziert, ist die Anspielung in der deutschen Übersetzung verloren, ja bereits im Griechischen – was dem Evangelisten sicherlich zupass kam, denn es half ihm, die kostspieligen und heiklen Affären des Herrn zu okkultieren. Hätte er denn seiner Gemeinde verraten können, dass unter den vielen «Säuen», die der Herr beglückte, auch die Frau von Johannes dem Täufer zählte? Oder dass die größte «Sau», der er die größte Perle geworfen hatte, ausgerechnet die Mutter des Barabbas war? Lieber daraus diskret eine Lehre ziehen, Ihn einfach nur predigen lassen, quasi vom Jenseits, Heikles und Peinliches übergehend. So unterläuft man am besten den Argwohn der Kritiker. Vielleicht nicht zufällig fängt die oben zitierte Perikope mit dem Satz: «Richtet nicht, auf das ihr nicht gerichtet werdet.» 935

Es ging darum, etwas zu verschleiern, wofür man den Herr an den Pranger zu stellen pflegte, ihn aus der Schusslinie zu nehmen: zuerst indem man forderte, nicht zu kritisieren, denn jeder hat Dreck am Stecken, zum anderen indem man das Kritisierte unkenntlich machte, vage von «Säuen» faselte, der Perlen unwürdig, und dabei gleichwohl mit einem Verbot belegte. So entsteht die reine Lehre, das Evangelium.

Bilanz und Fazit Unsere anfängliche Arbeitshypothese, die wir von der etablierten Textkritik übernommen hatten – die Entstellungen haben sich zuerst aufgrund von volksetymologischen Prozessen im Laufe der anfänglichen mündlichen Tradierung ergeben und sich dann aufgrund von Verballhornungen während des schriftlichen Kopierprozesses verstärkt –, hat sich so nicht bestätigt. Wir haben vielmehr feststellen müssen, dass, zumindest bei den Namen, die Entstellungen auf ursprüngliche Lesefehler zurückgehen, und zwar bei Markus ausgehend von der lateinischen Urform.

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Da sie Verschreibungen sind, gehen sie auf das Konto von Gelehrten, auch dann wenn diese vom Volksmund geborgt haben mögen. Obwohl die Sprache des Evangeliums einfach ist – man hat sagen können: Sacrae Scripturae sermo humilis – ist sie auch bei Markus, trotz seiner volkstümlichen, unliterarischen, aus der gesprochenen Sprache entnommenen Ausdrücke – mitunter aus dem Aramäischen der Umgebung und dem lateinischen sermo castrensis – stilistisch nicht niveaulos: rhetorisch unkonventionell, aber doch geschult, rhythmisch in der Diktion, parataktisch-episch in kleine gleichmässige Kola gegliedert, mit metrischen Klauseln, die eigentlich eher zur Dichtung als zur Prosa gehören, wo auch die Farbe der Vokale, dunkel oder hell, je nach zu erzeugender Stimmung, beachtet wird; reich an rhetorischen Figuren – Congeries, Alliteration, Amplificatio, Geminatio, Oxymoron, Anapher, Epipher, Chiasmus, Wortspiel – mit verschiedenen Erzählstrukturen: Chorschlüssen, einleitenden rhetorischen Fragen, Ringkompositionen, Wundererzählungen, prophetischen Reden, Triaden, Kontrasten, Dramatisierungen über Entwicklung von Themen (etwa von den rekurrierenden ‹Sehen›, ‹Brot›, und vor allem vom ‹Messiasgeheimnis›) und Vordeutungen (wie des Todes Christi). Dies alles spricht für die hohe literarische Kohärenz des Textes.936 Das heißt aber auch, dass die typischen markinischen «Verwechselungen» – Gallia > Galilaea, Corfinium > Cafarnaum, Praetor > Petrus, etc. pp. – dem Evangelisten nicht unterlaufen sind, sondern gewollt waren, bewusst vorgenommen, zu einem bestimmten Zweck – wofür ihr mehr als häufiges, geradezu systematisches Vorkommen spricht. Da das Ergebnis der Umschreibung derart ist, dass die Identität der Vorlage gänzlich unkenntlich gemacht wurde, dürfte genau dies Sinn und Zweck gewesen sein: die Okkultierung. Man muss zugeben, und wohl auch anerkennen, dass dem Markus die Verschleierung perfekt gelungen ist: Der einzige Satz, der direkt verrät, dass es sich ursprünglich um einen Bürgerkrieg handelte – «Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen sei, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert […]»937 – fällt nicht bei ihm, sondern bei Matthäus. Und trotz dieser Preisgebung ist es den Textkritikern bisher verschlossen geblieben, dass unter dem Evangelium der Bericht über den römischen Bürgerkrieg liegt – so gründlich hat Markus jede Spur davon verwischt. Der Hauptgrund dafür liegt auf der Hand: Die Bürgerkriege waren ein Trauma gewesen – und eine Schande. Caesar vermied es, um seinen Sieg in Pharsalos über die Pompeianer zu triumphieren, obwohl er ihnen die Schuld

423 dafür gab.938 Es war etwas, an das man lieber nicht erinnerte, denn nicht alle waren auf derselben Seite gewesen. Darum hatte Caesar in seiner berühmten Rede an die Senatoren das Vergessen zum Gebot gemacht, damit der Hass aufhört und man inVertrauen und Liebe wie neue Bürger miteinander lebt: «Lasst uns deshalb, Väter, vereint bleiben mit Vertrauen, vergessend aller vergangenen Geschehnisse, als ob sie durch einen Dämon bewirkt worden wären, und beginnen wir einander zu lieben, ohne Argwohn, als ob wir neue Bürger wären.» 939

Die Bürgerkriegsgeschehnisse waren also des Teufels, und sollten vergessen werden. Wie konnte man dann den Kindeskindern der in den caesarischen Kolonien angesiedelten Veteranen die Geschichte ihres Gründers erzählen, ohne sein Verbot zu brechen, dass alles vergessen werden sollte? Wie erzählt man eine Geschichte unter dem Gebot des Vergessens? De mortuis nihil nisi bene – schon über Normalsterblichen soll man nur Gutes sagen. Was dann, wenn es sich um den zu den Göttern gehobenen Stifter handelt, der den eigenen Vorfahren die Scholle gegeben hat, wovon man noch lebt? Kann man erzählen, dass dies um den Preis von zigtausend Toten erreicht worden war? Dass Er den Feinden nicht nur das Lager ihrer Legionen auf dem Schlachtfeld genommen hatte, sondern auch, und schon vorher, quasi als Einübung, das Lager ihrer Ehefrauen zu Hause? Daraus wäre wohl kaum eine heilige Geschichte geworden. Andererseits hätte aber das Verschweigen des Unguten die ganze Geschichte verschwinden lassen, denn das Wertvolle davon, die erreichte Neuordnung, die neue Lehre, war wohl im Streit durchgesetzt worden. Eine übliche diegetische Transposition, mit chronologischem, geographischem, kulturellem und sprachlichem Verlagern und Näherbringen der Geschichte, reichte nicht. Man musste dazu alle Schlachten als Wunderheilungen und Vertreibungen von Dämonen darstellen, und wo es nicht ging, dann als Streitgespräche, entsprechend erzählt: als Gleichnisse und Predigten. Man muss zugeben, dass der Evangelist diese fast unmögliche Aufgabe, die Quadratur des Kreises – zu vergessen und doch erzählen, zu erzählen und doch vergessen lassen –, hervorragend gemeistert hat. Er hat uns einen Text geliefert, der die Lehre fast gänzlich unverfälscht wiedergibt, der als Fundament einer Weltreligion über Jahrtausende hinweg für viele Völker dienen konnte, und bis heute, trotz aller soziokulturellen Veränderungen und Umwälzungen, kaum an Wert verloren hat. Es gab aber auch einen anderen Grund für die Okkultierung: die Verfolgung durch Octavian Augustus der anderen Caesarianer, der Anhänger der Fulvia und des Antonius. Es ist bekannt, dass Augustus viele ihm

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unangenehme Schriften aus den Bibliotheken entfernen ließ, und man kann sich fragen, ob dies der Grund ist, warum von Caesars eigenen Schriften nur zwei erhalten sind,940 oder ob ein so fundamentaler Text für die Geschichte des Bürgerkriegs – die mutatis mutandis auch von Markus erzählt wird –, wie die Historiae des Asinius Pollio, nicht aus demselben Grund verschollen ist. Und da die Evangelien, zumindest die synoptischen, eher die Version des fulvianischen und antonianischen Parens Optime Meritus als jene des augusteischen Divus Iulius erzählen, dürfte auch dies ein Grund für die Okkultierung gewesen sein: die Geschichte für die kaiserliche Zensur unkenntlich zu machen. Ein exoterischer, unverfänglicher Text, der auch da und dann öffentlich und liturgisch benutzt werden konnte, wo der esoterische in den Untergrund gehen musste. Dass dies ein Grund für die Verwendung dieses umgeschriebenen unverfänglichen Text war, verrät Markus selbst, als er uns um die Existenz zweier Lehren unterrichtet, die eine, geheime, für die Eingeweihten, die andere, öffentliche, für die Aussenseiter: «Und er sprach zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben; denen aber draußen widerfährt es alles in Gleichnissen…» 941

Ein Untergrundtext der Anfänge also, der auch spätere Katakombenzeiten überleben konnte. Womit wir bei der Crux unserer Untersuchung wären, denn sie fördert zu Tage, was der Evangelist verschleiert haben wollte. Einerseits entzieht sie mancher Spekulation den Boden, die in Romanen und Filmen als absolut provozierend dargestellt wurde, andererseits aber deckt sie noch Gravierendes auf. Nein: Jesus Christus hatte kein Verhältnis zur Maria Magdalena, war mit ihr nicht verheiratet, sie war auch nicht seine Geliebte, und er hatte keine Kinder mit ihr. Denn Maria Magdalena (alias Fulvia), war mit Simon Petrus (alias Marcus Antonius) in dritter Ehe verheiratet, nachdem sie in erster mit dem Gelähmten (Publius Clodius) und in zweiter mit dem Apostel Andreas (Curio) verheiratet gewesen war. Beide Söhne aus dieser letzten Ehe wurden später vom Christkind (dem adoptierten Octavian Augustus) umgebracht, der auch den Sohn (Kaisarion) von Jesus Christus (Julius Caesar) und Maria von Kleopas (Kleopatra) töten ließ, um selbst als der eingeborene Sohn (d. h. als einziger Erbe) übrig zu bleiben. Um dies zu erreichen, hatte dasselbe Christkind (Octavian) zuerst Maria Magdalena (Fulvia) bekriegt, und dann auch noch Maria von Kleopas

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(Kleopatra), die er zusammen mit ihrem neuen Mann, Simon Petrus (Marcus Antonius) in den Selbstmord trieb. Dies zu erzählen und zu verschleiern, blieb aber dem Evangelisten erspart, denn seine annalistische Quelle ging vom Anfang des Jahres 49 v. Chr. bis Ende 43, wie wir sahen, während die Missetaten des Octavians später geschahen. Man hätte sie in der Apostelgeschichte wiederfinden können, aber sie ist nicht von Markus, und da wurde anders gearbeitet. Erspart blieb dem Markus auch, was vor 49 passierte, darunter eine andere, sehr erbauliche Geschichte: Jesus Christus (Julius Caesar) hatte, während Johannes (Pompeius) am Jordan taufte (d. h. auf dem Orientfeldzug war), dessen Frau (Mucia) verführt, von der jener sich trennen ließ, um aber die eigene Tochter (Julia) des Mannes, Jesus Christus (Julius Caesar), der ihm Hörner aufgesetzt hatte, zu ehelichen (Hochzeit von Kana) – wobei der Schwiegersohn sechs Jahre älter war als der Schwiegervater. Als die junge Frau am Kindbettsfieber starb, verriet Johannes der Täufer (Pompeius) Jesus Christus (Caesar), ging zu seinen Feinden über und führte Krieg gegen ihn, den er aber verlor; als Folge wurde er auf Rat von Herodes (i. e. einem Rhetor in Ägypten) enthauptet. Wobei im Evangelium nur das Ende der Geschichte zu finden ist, unter Ausparung des Anfangs. Aus dem Fokus des Evangelisten blieb auch, dass die Frau des Johannes (Pompeius) nicht die einzige Geliebte von Jesus Christus (alias Caesar) war, der auch mit der Mutter (Servilia) des Barabbas (Marcus Brutus) ein Verhältnis hatte. Der Herr war aber seinerseits sehr tolerant, denn die Ehebrecherin, die Jesus Christus (alias Julius Caesar) vor der Steinigung rettete, war seine eigene Ehefrau (Pompeia), die der Gelähmte (Publius Clodius) nächtlich zu besuchen versuchte. Da Markus die Anekdote der Heilung des Gelähmten bringt, hätte er auch die Ehebrecherin erwähnen müssen; aber er begnügt sich diskret mit der Frage nach dem Scheidebrief – wobei, als Überbleibsel des ursprünglichen Tatbestandes, dessen Zulässigkeit nur im Falle des Ehebruchs betont wird.942 Nicht nur den Bürgerkrieg also, sondern auch die familiären Verhältnisse, fühlte sich der Evangelist verpflichtet zu verschleiern, um keinen Anstoß vor einer Gemeinde zu geben, die offensichtlich den wahren Lebenswandel ihrer Heiligen kaum verkraftet hätte. Dass die Aufdeckung der Urgeschichte den Plan des Evangelisten umwerfen könnte, ist nicht zu befürchten. Denn die Theologen, gute Schüler, werden nie zulassen, dass das, was er verschleierte, wieder ins Bewusstsein rückt. Jene höhere Raison, die Jesum Christum in die Welt gesetzt hat, wird auch für seinen Erhalt sorgen.

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Welche die Raison war, beschreibt der Kirchenvater Orosius, als er beklagt, dass die Rache, die in allen drei Kontinenten des römischen Reichs gegen die Mörder Caesars demonstrativ geübt wurde, zwar die gerechte Strafe für ein ungerechtes Verbrechen war, aber dennoch zur Saat für neue Gewalt und Bürgerkriege wurde – wie die Zähne des Drachens, die Medea in der Fabel säte, woraus gegeneinander kämpfende Krieger erwuchsen. Die römischen Armeen aber, die aus der Asche des getöteten Caesar hervorgingen, non legenda pueris, «waren keine Lektüre für die Kinder», sondern eine bittere Lektion für die Völker. Deswegen wurde die Macht einem Einzigen gegeben, damit alle Menschen lernen, danach zu streben, demütig zu gefallen statt übermütig zu beleidigen. Und weil dafür ein Meister notwendig war, nachdem Caesar Augustus die Dinge ordnen konnte, natus est Dominus Christus, «wurde der Herr Christus geboren», der, obwohl göttlich, demütig die Form eines Dieners übernahm, damit nicht nur die Bestrafung des Hochmuts sichtbar wird, sondern auch die Lehre der Demut zum Exempel werden konnte.943 Womit dieser Kirchenvater uns diskret mitteilt, dass der Herr Christus als Caesars Komplement natus est, «geboren wurde», damit seine Lehre, das Evangelium, als eine andere, erzählbare Fassung vom Advent des Reichs Gottes – das heißt aber von dessen Geburtswehen, der unerträglich grausamen Geschichte der Bürgerkriege – legenda pueris, «den Kindern zur Lektüre», gegeben werden konnte, ohne dass sie zur Saat von neuer Gewalt werde. Diese Vorgabe bestimmte, wie der Markus erzählte, seinen narrativen Stoff auswählte und verarbeitete, eventuell auch Wichtiges ausließ, wenn es nicht gegangen wäre, ohne dass die Rache im Vordergrund gestanden hätte. So findet man in seinem Evangelium den Tod des Judas nicht, wovon wir erst bei Matthäus und in der Apostelgeschichte erfahren, obwohl dessen Vorlage, der Tod des Decimus Iunius Brutus, zeitlich vor den Proskriptionen fiel, die wohl als kleine Apokalypse im Evangelium Marci aufgenommen wurden.944 Aber während die Proskriptionen als kommender Greuel der Verwüstung prophezeit werden konnten – also als noch nicht geschehen, ohne jegliche Andeutung, dass es als Rache für die Ermordung des Menschsohns kommen wird –, hätte dieser Aspekt der Rache Gottes beim Tod des Verräters nicht gänzlich verschwiegen werden können. Da aber Gott bei ihm nur barmherzig ist, ließ Markus es einfach aus. Matthäus dagegen, der weniger Hemmungen hatte, an den Bürgerkrieg zu erinnern – hatte er es doch bereits preisgegeben mit seinem unmarkinischen «ich bin nicht gekommen den Frieden zu bringen, sondern das Schwert» –, läßt uns ungeniert wissen, dass Judas sich selbst umbrachte:

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«Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hob sich davon, ging hin und erhängte sich selbst.» 945

In der Apostelgeschichte stirbt Judas anders: «[…] stürzte vornüber und ist mitten entzweigeborsten und all sein Eingeweide ausgeschüttet.»946

Zwei widersprüchliche Fassungen, die nicht in Einklang zu bringen sind – wenn man nicht auf abenteuerliche und verlegene Erklärungen zurückgreifen will, wie etwa, dass der Strick, womit sich Judas erhängte, gerissen und er auf etwas Scharfes gefallen sei, Felsen- oder Baumstumpfspitze, was ihn den Bauch aufschlitzte. Beide aber stellen sich als verschiedene Wiedergaben der Erzählung über den Tod vom Caesars Verräter Decimus Iunius Brutus heraus. Dieser Brutus, einst Anhänger Caesars, im gallischen Krieg ausgezeichnet und Anfang 44 mit der Verwaltung von Gallia Cisalpina beauftragt, war zu den Verschwörern übergewechselt und hatte Caesar an den Iden des März zur Senatssitzung abgeholt, bei der er ermordet wurde. Danach ging er in die Cisalpina, die er vom Senat bestätigt bekommen hatte, wo er von Antonius belagert wurde, von den beiden Konsuln und Octavian jedoch zuerst entsetzt. Als sich aber Octavian mit Antonius und Lepidus verständigte, wollte der dadurch in die Klemme geratene Decimus zu dem anderen Iunius Brutus, dem Caesarmörder Marcus, nach Makedonien flüchten, wurde aber von Räubern gefangen und gefesselt, dann an einem keltischen Häuptling übergeben, welcher Antonius verständigte, der Männer schickte, um Decimus zu töten und ihm dann das Haupt zu senden.947 Der Name des keltischen Häuptlings wird lateinisch meist mit Camelus, griechisch Kamilos angegeben.948 Auch die Art des Sterbens von Caesars Verräter bleibt etwas vage, weil die Berichte da elliptisch sind, während sie betonen, dass er sich feige verhielt: Er wollte oder musste abtreten, um seinen Darm zu entleeren, weigerte sich, dem Henker seinen Hals hinzugeben, verfiel in Jammern und Klagen, und wartete erst, dass ein Kriegskamerad sich vor seinen Augen freiwillig zuerst das Leben nahm.949 Da sich dieser vermutlich vornüber auf sein Schwert warf – wie auch beim Tod des anderen Brutus, Marcus, berichtet, auch mit Hilfe eines Freundes 950 – kann man annehmen, dass auch Decimus auf diese Weise umkam, wenn auch widerstrebend. Bei dieser Art von Selbstmord wurde der Bauch aufgeschlitzt, denn das Schwert drängt von unten geführt unter dem Brustkorb nach oben möglichst ins Herz, und – wie bei dem Selbstmord des Catos beschrieben (supra) – entsprechend können die Eingeweide herausquellen, sodass der Bericht in der Apostelgeschichte über Judas – «[…] stürzte

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vornüber und ist mitten entzweigeborsten und all sein Eingeweide ausgeschüttet» – sehr realistisch wäre, wobei die aus Schiss erfolgte Darmentleerung des Decimus darauf abgefärbt haben kann. Dass dies bei Matthäus zu einem Selbstmord durch Erhängen wird, dürfte von der Tatsache begünstigt gewesen sein, dass in den Berichten über Decimus vom Hals die Rede ist, den er aufgefordert wurde hinzugeben (Seneca: praebere cervicem), den er aber dem Schwert entzog (Valerius Maximus: ceruicem gladio subtraxit), was dem Evangelisten Anlass gab, an eine andere Art von Tod zu denken. Zudem kommt das von Velleius benutzte lateinische Verb für «abschlachten» (iugulatus est), von iugulum, «Kehle», und bedeutet ursprünglich nicht nur «die Kehle abschneiden» sondern auch und zuerst «abwürgen, hinwürgen». Schließlich, da Decimus gefesselt war, und außerdem der Name des keltischen Häuptlings, in dessen Händen er gefallen war, Kamilos, auf griechisch «Tau, dickes Seil» bezeichnet, war auch das Instrument fürs Erhängen mental dabei, als «Strick», was natürlich für einen Verräter bestens passte. Weil dies in Gallia, «im Keltenland», stattfand,951 in der Provinz, die Decimus von Caesar als Preis für seine Treue erhalten und vom Senat als Lohn für seinen Verrat bestätigt bekommen hatte, erklärt sich auch, warum der Acker, der Judas mit seinem Blutgeld erworben hatte, Akeldamach genannt wurde:952 (H)ē Keltikē, «Keltenland», stand ursprünglich da, entsprechend angepasst, damit es «Blutacker» bedeute – wobei aber der Wortstamm kaum verändert wird: kelt > keld. Dass in der Apostelgeschichte der Tod des Judas von Petrus angekündigt wird, ist historisch richtig, denn es war Antonius, der den Kopf des Decimus verlangt hatte. Womit wir gelernt haben, dass wie das Evangelium auch die Apostelgeschichte vom Bericht des römischen Bürgerkriegs abgeleitet ist, dem sie punktuell sogar näher sein kann. Weil die Apostel nur Menschen waren, durfte ihre Geschichte auch Momente der Rache enthalten, was das Evangelium, zumindest jenes des Markus, als Bericht über das Kommen des Reichs Gottes, völlig ausgeblendet haben wollte. Was wir jetzt auch besser überblicken können, ist warum der caesarische Ursprung mancher evangelischen Stellen leichter zu erkennen ist, vor allem bei den Worten – zum Beispiel «Wer nicht wider uns ist, der ist für uns», was sich praktisch identisch sowohl im Evangelium als auch in den Caesar-Quellen wiederfindet –, für andere aber weniger leicht, oder ganz schwierig, speziell bei den kriegerischen Taten – etwa beim Besessenen von Cafarnaum als der Belagerte von Corfinium, trotz der Ähnlichkeit der Ortsnamen, und obwohl

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lateinisch obsessus beides bedeutet, «Belagerter» und «Besessener». Es hat einfach damit zu tun, dass, wie der Kirchenvater Orosius uns zuflüstert, der Evangelist alles Kriegerische ausblenden wollte, aus den oben genannten Gründen, und daher bei den Taten größere Verrenkungen machen musste, um das zu sagen, was er nicht sagen durfte, als bei den Worten, die weitgehend so bleiben konnten, bei minimaler Verschiebung des Kontextes. Da er dabei sehr kreativ sein musste – etwa beim zuletzt genannten Beispiel, indem er den Namen des feindlichen Kommandanten von Corfinium, Domitius, hinter dem Spruch des unsauberen Geistes an den Nazarener versteckt, Oidamen tis ei, «Wir wissen, wer du bist» – wirkt es in den Augen des unbedarften Lesers, als ob es hier zwischen beiden Ausdrücken keinen Zusammenhang gäbe. Das hat das Evangelium zweitausend Jahre lang vor der Entkryptung geschützt, und schützt es weiterhin in den Augen all jener, die nicht wissen – oder nicht wissen wollen –, welche Sprünge eine diegetische Transposition machen kann, welche vielseitige List sie anwenden kann, wenn es darauf ankommt, dieselbe Geschichte, aber als eine ganz andere, zu erzählen. *** Hier angelangt, nach all unseren Wegen, Umwegen und Holzwegen, müssten wir eigentlich wieder bei Markus von vorne anfangen und dort, wo wir verschiedene Hypothesen nebeneinander stehen ließen, die Stellen neu beleuchten, um zu gesicherteren Ergebnissen zu kommen. Dies würde aber unseren Rahmen völlig sprengen, zumal die Aufgabe dieses Buches nicht darin liegt, in allen Details gesicherte Ergebnisse zu liefern. Wir sind eher in der Situation des Kolumbus, der auszog, um gen Westen nach Indien zu gelangen – und aus Versehen Amerika entdeckte. Mit der Karte, die er sich von den neuentdeckten Inseln machte, könnte man heute nicht nach Amerika reisen, und seine Karavellen waren auch nicht TÜVgeprüft. Doch sind viele nach ihm losgefahren, haben einen Kontinent ausgemacht und ihn bewohnt. Sollte diese die erste von vielen kommenden Arbeiten sein, so wäre es schon ein großer Gewinn.953 Was wir von dieser Stelle aus überblicken können, ist zum einen der Prozess, der von der heiligen Geschichte des Divus Iulius – beziehungsweise des Parens Optime Meritus – zum Evangelium geführt haben dürfte, zum anderen der historische Rahmen, innerhalb dessen er stattgefunden hat. Dies wird uns wiederum ermöglichen, zum einen eine Arbeitshypothese für die Untersuchung der anderen Bücher des Neuen Testaments, insbesondere der Apostelgeschichte und Paulusbriefe, aufzustellen, zum anderen eine Theorie

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der Entstehung sowohl des Christentums als auch anderer verwandter Religionen zu skizzieren. Dies wollen wir zum Schluss anreißen.

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Plut. Caes. 68; Suet. Jul. 85; App. BC 2.148; Dio Cass. HR 44.51. Mk 1:9. Mk 1:4–5. Der Markus-Schluss 16:9–20 ist bekanntlich spätere Hinzufügung. Dieser beschreibt die Erscheinungen des Auferstandenen, an die zuerst nicht geglaubt wird (16:11); dem entspricht bei Caesar das Auftreten des Octavian als neuer Caesar, der zuerst auf Widerstand stößt. Dass gerade dies spätere Hinzufügung und Angleichung an das Evangelium des Johannes ist, wird uns einen Wink geben über die jeweilige Autorenschaft (s. u.). Dio Cass. HR 44.51.1. Mk 6:29. Caesar berichtet nur bis zum Tod des Pompeius und seiner Ankunft in Ägypten, d. h. über die entscheidenden Jahre des Machtwechsels, 49 und 48. Selbst wenn man den Rest des Corpus Caesarianum dazu nimmt – Bellum Alexandrinum, Africum und Hispaniense –, fehlt hier immer noch der Bericht über Caesars Ermordung. Bei beiden erhaltenen Biographien Caesars – von Plutarch und Sueton – ist der Anfang verloren gegangen und ist aus den zu uns gekommenen spärlichen Zitaten nicht rekonstruierbar. Darunter gehört: Sid. Apoll. carm. 2.120: Iulius in lucem venit dum laurea flagrat – «Iulius kam zur Welt als der Lorbeer loderte»; dies wurde betrachtet als gutes Omen künftiger Größe des Kindes, geboren zu den ludi Apollinares, am 13. Juli; was Servius zu bestätigen scheint, Aen. 6.798: Suetonius ait in vita Caesarum, responsa esse data per totum orbem, nasci invictum imperatorem; cf. WEINSTOCK (1971) «1. Caesar’s Birth», p. 19–26. Da bei der Geburt des Christkindes nicht Caesars lodernder Lorbeer vorkommt, sondern stattdessen der von Octavian auf sich gedeutete Komet, ist die Zuordnung der evangelischen Kindheitsgeschichte bereits dadurch geklärt. Bis auf die Kriegsberichte und wenige Briefe sind leider alle Werke Caesars verloren. Darunter war ein De analogia, ein Anticato, ein Poem Die Reise (Suet. Jul. 56). Auch von den kleinen Schriften seiner Jugend ist uns keine erhalten: Gedichte und Reden (Plut. Caes. 2), Das Lob des Herkules, eine Tragödie Ödipus und Gesammelte Sinnsprüche. Sie waren derart, dass Augustus deren Veröffentlichung verbot, Suet. Jul. 56.7: feruntur et †aituero ab adulescentulo quaedam scripta, ut 'Laudes Herculis,' tragoedia 'Oedipus,' item 'Dicta collectanea': quos omnis libellos uetuit Augustus publicari in epistula, quam breuem admodum ac simplicem ad Pompeium Macrum, cui ordinandas bibliothecas delegauerat, misit. Der die Kindheit und Jugend betreffende Anfangsteil fehlt auch bei den erhaltenen Biographien Caesars. Cf. G ABBA (1956). Das Evangelium nach Johannes heißt ja so, weil nach Jh 24 vom Lieblingsjünger Johannes selbst geschrieben, der nach unserer Hypothese Octavian Augustus ist. Jh 19:26: Ἰησοῦς οὖν ἰδὼν τὴν μητέρα καὶ τὸν μαθητὴν παρεστῶτα ὃν ἠγάπα, λέγει τῇ μητρί, Γύναι, ἴδε ὁ υἱός σου. εἶτα λέγει τῷ μαθητῇ, Ἴδε ἡ μήτηρ σου. καὶ ἀπ' ἐκείνης τῆς ὥρας ἔλαβεν αὐτὴν ὁ μαθητὴς εἰς τὰ ἴδια. Jh 3:35: ὁ πατὴρ ἀγαπᾷ τὸν υἱόν, καὶ πάντα δέδωκεν ἐν τῇ χειρὶ αὐτοῦ. 5:23: ὁ μὴ τιμῶν τὸν υἱὸν οὐ τιμᾷ τὸν πατέρα τὸν πέμψαντα αὐτόν. 17:10: καὶ τὰ ἐμὰ πάντα σά ἐστιν καὶ τὰ σὰ ἐμά, καὶ δεδόξασμαι ἐν αὐτοῖς. Jh 5:22: οὐδὲ γὰρ ὁ πατὴρ κρίνει οὐδένα, ἀλλὰ τὴν κρίσιν πᾶσαν δέδωκεν τῷ υἱῷ. Suet. Aug. 10: omnium bellorum initium et causam hinc sumpsit: nihil conuenientius ducens quam necem auunculi uindicare tuerique acta, confestim ut Apollonia rediit, Brutum Cassiumque et ui necopinantis et, quia prouisum periculum subterfugerant, legibus adgredi reosque caedis absentis deferre statuit. App. BC 2.8.32: εἰ μὴ δι' ἀπιστίαν οἱ πονηροὶ δεόμενοι μὲν ἦσαν ἐλεεινοί, τυχόντες δὲ ἐγίγνοντο τῶν εὐεργετῶν ἐχθροί, εἶτα ἐπίβουλοι, οὔτ' ἂν Γάιον Καίσαρα ἀνῃρήκεσαν, οὓς ἐκεῖνος δορὶ λαβὼν ἔσωσεν ἐλέῳ καὶ φίλους θέμενος ἐπὶ ἀρχὰς καὶ τιμὰς καὶ δωρεὰς προήγαγεν ἀθρόως, οὔτ' ἂν ἡμεῖς τοῖς ἐνυβρίσασι καὶ πολεμίους ἀναγράψασιν ἡμᾶς ὧδε ἀθρόως ἠναγκαζόμεθα χρῆσθαι. Jh 20:4: ἔτρεχον δὲ οἱ δύο ὁμοῦ· καὶ ὁ ἄλλος μαθητὴς προέδραμεν τάχιον τοῦ Πέτρου καὶ ἦλθεν πρῶτος εἰς τὸ μνημεῖον. Lk 24:12: Ὁ δὲ Πέτρος ἀναστὰς ἔδραμεν ἐπὶ τὸ μνημεῖον. Jh 20:6: ἔρχεται οὖν καὶ Σίμων Πέτρος ἀκολουθῶν αὐτῷ, καὶ εἰσῆλθεν εἰς τὸ μνημεῖον· Plut. Ant. 33.1–5: Ἀντώνιος δὲ μετὰ τὰς διαλύσεις Οὐεντίδιον μὲν εἰς Ἀσίαν προὔπεμπε, Πάρθοις ἐμποδὼν ἐσόμενον τοῦ πρόσω χωρεῖν, αὐτὸς δὲ Καίσαρι χαριζόμενος ἱερεὺς ἀπεδείχθη τοῦ προτέρου Καίσαρος· καὶ τἆλλα κοινῶς καὶ φιλικῶς ἐν τοῖς πολιτικοῖς καὶ μεγίστοις ἔπραττον. αἱ δὲ περὶ τὰς παιδιὰς ἅμιλλαι τὸν Ἀντώνιον ἐλύπουν, ἀεὶ τοῦ Καίσαρος ἔλαττον φερόμενον. ἦν γάρ τις ἀνὴρ σὺν αὐτῷ

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μαντικὸς ἀπ' Αἰγύπτου τῶν τὰς γενέσεις ἐπισκοπούντων, ὃς εἴτε Κλεοπάτρᾳ χαριζόμενος εἴτε χρώμενος ἀληθείᾳ πρὸς τὸν Ἀντώνιον ἐπαρρησιάζετο, λέγων τὴν τύχην αὐτοῦ λαμπροτάτην οὖσαν καὶ μεγίστην ὑπὸ τῆς Καίσαρος ἀμαυροῦσθαι, καὶ συνεβούλευε πορρωτάτω τοῦ νεανίσκου ποιεῖν ἑαυτόν. “ὁ γὰρ σός” ἔφη “δαίμων τὸν τούτου φοβεῖται· καὶ γαῦρος ὢν καὶ ὑψηλὸς ὅταν ᾖ καθ' ἑαυτόν, ὑπ' ἐκείνου γίνεται ταπεινότερος ἐγγίσαντος καὶ ἀγεννέστερος.” καὶ μέντοι τὰ γινόμενα τῷ Αἰγυπτίῳ μαρτυρεῖν ἐδόκει. λέγεται γὰρ ὅτι κληρουμένων μετὰ παιδιᾶς ἐφ' ὅτῳ τύχοιεν ἑκάστοτε καὶ κυβευόντων ἔλαττον ἔχων ὁ Ἀντώνιος ἀπῄει· πολλάκις δὲ συμβαλόντων ἀλεκτρυόνας, πολλάκις δὲ μαχίμους ὄρτυγας, ἐνίκων οἱ Καίσαρος. ἐφ' οἷς ἀνιώμενος ἀδήλως ὁ Ἀντώνιος καὶ μᾶλλόν τι τῷ Αἰγυπτίῳ προσέχων, ἀπῆρεν ἐκ τῆς Ἰταλίας, ἐγχειρίσας Καίσαρι τὰ οἰκεῖα· Jh 20:1–2: Τῇ δὲ μιᾷ τῶν σαββάτων Μαρία ἡ Μαγδαληνὴ ἔρχεται πρωῒ σκοτίας ἔτι οὔσης εἰς τὸ μνημεῖον, καὶ βλέπει τὸν λίθον ἠρμένον ἐκ τοῦ μνημείου. τρέχει οὖν καὶ ἔρχεται πρὸς Σίμωνα Πέτρον καὶ πρὸς τὸν ἄλλον μαθητὴν ὃν ἐφίλει ὁ Ἰησοῦς, καὶ λέγει αὐτοῖς, Ἦραν τὸν κύριον ἐκ τοῦ μνημείου, καὶ οὐκ οἴδαμεν ποῦ ἔθηκαν αὐτόν. Jh 20:14: ταῦτα εἰποῦσα ἐστράφη εἰς τὰ ὀπίσω, καὶ θεωρεῖ τὸν Ἰησοῦν ἑστῶτα, καὶ οὐκ ᾔδει ὅτι Ἰησοῦς ἐστιν. Jh 20:18: ἔρχεται Μαρία ἡ Μαγδαληνὴ ἀγγέλλουσα τοῖς μαθηταῖς ὅτι Ἑώρακα τὸν κύριον, καὶ ταῦτα εἶπεν αὐτῇ. Das Zeugnis eines iurator war im postumen Kanonisierungsprozess der Divi unentbehrlich, wie man es sich auch von Proculus für die Apotheose des Romulus erzählte (Aur. Vict., de vir. illus. 2.13), oder wie von Numerius Atticus berichtet, der unter Eid aussagte, dass er die Seele des Augustus während der Kremation in den Himmel hatte steigen sehen – wofür Livia ihm eine Million Sesterzen schenkte (Suet. Aug. 100: nec defuit uir praetorius, qui se effigiem cremati euntem in caelum uidisse iuraret; Dio Cass. HR 56.46.2: ἐκείνη δὲ δὴ Νουμερίῳ τινὶ Ἀττικῷ, βουλευτῇ ἐστρατηγηκότι, πέντε καὶ εἴκοσι μυριάδας ἐχαρίσατο, ὅτι τὸν Αὔγουστον ἐς τὸν οὐρανόν, κατὰ τὰ περί τε τοῦ Πρόκλου καὶ περὶ τοῦ Ῥωμύλου λεγόμενα, ἀνιόντα ἑορακέναι ὤμοσε. Erscheinungen von Caesars Gestalt vor der Schlacht von Philippi: einem Thessalier, Suet. Aug. 96.1: Eunti Philippos Thessalus quidam de futura uictoria nuntiauit auctore Diuo Caesare, cuius sibi species itinere auio occurrisset; dem Brutus als sein böser Geist, wiederholt, Plut. Caes. 69.6–11: Μάλιστα δὲ τὸ Βρούτῳ γενόμενον φάσμα τὴν Καίσαρος ἐδήλωσε σφαγὴν οὐ γενομένην θεοῖς ἀρεστήν· […] ψόφου δέ τινος αἰσθέσθαι περὶ τὴν θύραν ἔδοξε, καὶ πρὸς τὸ τοῦ λύχνου φῶς ἤδη καταφερομένου σκεψάμενος, ὄψιν εἶδε φοβερὰν ἀνδρὸς ἐκφύλου τὸ μέγεθος καὶ χαλεποῦ τὸ εἶδος. ἐκπλαγεὶς δὲ τὸ πρῶτον, ὡς ἑώρα μήτε πράττοντά τι μήτε φθεγγόμενον, ἀλλ' ἑστῶτα σιγῇ παρὰ τὴν κλίνην, ἠρώτα [ὅς]τίς ἐστιν. ἀποκρίνεται δ' αὐτῷ τὸ φάσμα· “ὁ σὸς ὦ Βροῦτε δαίμων κακός· ὄψει δέ με περὶ Φιλίππους.” τότε μὲν οὖν ὁ Βροῦτος εὐθαρσῶς “ὄψομαι” εἶπε, καὶ τὸ δαιμόνιον εὐθὺς ἐκποδὼν ἀπῄει. […] τῷ δ' ἱκνουμένῳ χρόνῳ περὶ τοὺς Φιλίππους […] τὴν δὲ δευτέραν αὐτῷ μάχεσθαι μέλλοντι φοιτᾷ τὸ αὐτὸ φάσμα τῆς νυκτὸς αὖθις, οὐχ ὥστε τι προσειπεῖν, ἀλλὰ συνεὶς ὁ Βροῦτος τὸ πεπρωμένον […]; cf. auch Plut. Brut. 36, 48; Plut. Caes. 69.2; bei der Schlacht selbst: dem Cassius als apokalyptischer Reiter, Val. Max. 1.8.8: Facta mentione urbis, e qua primordia ciuitas nostra traxit, diuus Iulius fausta proles eius se nobis offert. quem C. Cassius numquam sine praefatione publici parricidii nominandus, cum acie Philippensi ardentissimo animo perstaret, uidit humano habitu augustiorem, purpureo paludamento amictum, minaci uultu et concitato equo in se impetum facientem. quo aspectu perterritus tergum hosti dedit uoce illa prius emissa: 'quid enim amplius agam, si occidisse parum est?' non occideras tu quidem, Cassi, Caesarem, neque enim ulla extingui diuinitas potest, sed mortali adhuc corpore utentem uiolando meruisti ut tam infestum haberes deum. Mk 16:1: Καὶ διαγενομένου τοῦ σαββάτου Μαρία ἡ Μαγδαληνὴ καὶ Μαρία ἡ Ἰακώβου καὶ Σαλώμη ἠγόρασαν ἀρώματα ἵνα ἐλθοῦσαι ἀλείψωσιν αὐτόν. Lk 23:55–24:1: Κατακολουθήσασαι δὲ αἱ γυναῖκες, αἵτινες ἦσαν συνεληλυθυῖαι ἐκ τῆς Γαλιλαίας αὐτῷ, ἐθεάσαντο τὸ μνημεῖον καὶ ὡς ἐτέθη τὸ σῶμα αὐτοῦ, ὑποστρέψασαι δὲ ἡτοίμασαν ἀρώματα καὶ μύρα. Καὶ τὸ μὲν σάββατον ἡσύχασαν κατὰ τὴν ἐντολήν, τῇ δὲ μιᾷ τῶν σαββάτων ὄρθρου βαθέως ἐπὶ τὸ μνῆμα ἦλθον φέρουσαι ἃ ἡτοίμασαν ἀρώματα. Jh 19:39: ἦλθεν δὲ καὶ Νικόδημος, ὁ ἐλθὼν πρὸς αὐτὸν νυκτὸς τὸ πρῶτον, φέρων μίγμα σμύρνης καὶ ἀλόης ὡς λίτρας ἑκατόν. Jh 20:17: λέγει αὐτῇ Ἰησοῦς, Μή μου ἅπτου, οὔπω γὰρ ἀναβέβηκα πρὸς τὸν πατέρα· Martial 11.20; cf. Artikel «Fulvia: Die Mutter des Christentums?» Kiel 2012, Anm. 149, 150. Suet. Caes. 83: Populo hortos circa Tiberim publice […] legauit. Cf. ALAND & NESTLE, 271984, Jh 20:17: μή μου ἅπτου | 1 3 2 B ¦ [3 2 Lipsius cj]. Ganzer Passus bei Jh:20.11–18: Μαρία δὲ εἱστήκει πρὸς τῷ μνημείῳ ἔξω κλαίουσα. ὡς οὖν ἔκλαιεν παρέκυψεν εἰς τὸ μνημεῖον, καὶ θεωρεῖ δύο ἀγγέλους ἐν λευκοῖς καθεζομένους, ἕνα πρὸς τῇ κεφαλῇ καὶ ἕνα πρὸς τοῖς ποσίν, ὅπου ἔκειτο τὸ σῶμα τοῦ Ἰησοῦ. καὶ λέγουσιν αὐτῇ ἐκεῖνοι, Γύναι, τί κλαίεις; λέγει αὐτοῖς ὅτι Ἦραν τὸν κύριόν μου, καὶ οὐκ οἶδα ποῦ ἔθηκαν αὐτόν. ταῦτα εἰποῦσα ἐστράφη εἰς τὰ ὀπίσω, καὶ θεωρεῖ τὸν Ἰησοῦν ἑστῶτα, καὶ οὐκ ᾔδει ὅτι Ἰησοῦς ἐστιν. λέγει αὐτῇ Ἰησοῦς, Γύναι, τί κλαίεις; τίνα

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ζητεῖς; ἐκείνη δοκοῦσα ὅτι ὁ κηπουρός ἐστιν λέγει αὐτῷ, Κύριε, εἰ σὺ ἐβάστασας αὐτόν, εἰπέ μοι ποῦ ἔθηκας αὐτόν, κἀγὼ αὐτὸν ἀρῶ. λέγει αὐτῇ Ἰησοῦς, Μαρία. στραφεῖσα ἐκείνη λέγει αὐτῷ Ἑβραϊστί, Ραββουνι (ὃ λέγεται Διδάσκαλε). λέγει αὐτῇ Ἰησοῦς, Μή μου ἅπτου, οὔπω γὰρ ἀναβέβηκα πρὸς τὸν πατέρα· πορεύου δὲ πρὸς τοὺς ἀδελφούς μου καὶ εἰπὲ αὐτοῖς, Ἀναβαίνω πρὸς τὸν πατέρα μου καὶ πατέρα ὑμῶν καὶ θεόν μου καὶ θεὸν ὑμῶν. ἔρχεται Μαρία ἡ Μαγδαληνὴ ἀγγέλλουσα τοῖς μαθηταῖς ὅτι Ἑώρακα τὸν κύριον, καὶ ταῦτα εἶπεν αὐτῇ. Jh 21:24: Οὗτός ἐστιν ὁ μαθητὴς ὁ μαρτυρῶν περὶ τούτων καὶ γράψας ταῦτα, καὶ οἴδαμεν ὅτι ἀληθὴς αὐτοῦ ἡ μαρτυρία ἐστίν. Jh 21:20: Ἐπιστραφεὶς ὁ Πέτρος βλέπει τὸν μαθητὴν ὃν ἠγάπα ὁ Ἰησοῦς ἀκολουθοῦντα, ὃς καὶ ἀνέπεσεν ἐν τῷ δείπνῳ ἐπὶ τὸ στῆθος αὐτοῦ καὶ εἶπεν, Κύριε, τίς ἐστιν ὁ παραδιδούς σε; App. BC 2.115.479: ὁ δὲ Καῖσαρ πρὸ μιᾶς τοῦδε τοῦ βουλευτηρίου χωρῶν ἐπὶ δεῖπνον ἐς Λέπιδον τὸν ἵππαρχον, ἐπήγετο Δέκμον Βροῦτον Ἀλβῖνον ἐς τὸν πότον καὶ λόγον ἐπὶ τῇ κύλικι προύθηκε, τίς ἄριστος ἀνθρώπῳ θάνατος· αἱρουμένων δὲ ἕτερα ἑτέρων αὐτὸς ἐκ πάντων ἐπῄνει τὸν αἰφνίδιον. Ἐκ δ' Ἰβηρίας ἐπανιόντι Καίσαρι πάντες μὲν οἱ πρῶτοι πολλῶν ἡμερῶν ὁδὸν ἀπήντων, ἐτιμήθη δ' Ἀντώνιος ἐκπρεπῶς ὑπ' αὐτοῦ. κομιζόμενος γὰρ ἐπὶ ζεύγους διὰ τῆς Ἰταλίας, Ἀντώνιον εἶχε μεθ' ἑαυτοῦ συνοχούμενον, ὄπισθεν δὲ Βροῦτον Ἀλβῖνον καὶ τὸν τῆς ἀδελφῆς υἱὸν Ὀκταουϊανόν, ὃς μετὰ ταῦτα Καῖσαρ ὠνομάσθη καὶ Ῥωμαίων ἦρξε πλεῖστον χρόνον. Suet. Aug. 10: sed aduersante conatibus suis M. Antonio consule, quem uel praecipuum adiutorem sperauerat, ac ne publicum quidem et translatiuum ius ulla in re sibi sine pactione grauissimae mercedis impertiente, ad optimates se contulit, quibus eum inuisum sentiebat, maxime quod D. Brutum obsessum Mutinae prouincia a Caesare data et per senatum confirmata expellere armis niteretur. hortantibus itaque nonnullis percussores ei subornauit, ac fraude deprehensa periculum in uicem metuens ueteranos simul in suum ac rei p. auxilium quanta potuit largitione contraxit; iussusque comparato exercitui pro praetore praeesse et cum Hirtio ac Pansa, qui consulatum susceperant, D. Bruto opem ferre, demandatum bellum tertio mense confecit duobus proeliis. Dies könnte den falschen Schluss bei Markus erklären. Womöglich fiel sein ursprünglicher Schluss so sehr philopetrinisch und antijohanneisch aus – i. e. pro Antonius und contra Octavian –, dass er später durch den jetzigen projohanneischen ersetzt wurde. Der Löwe auf den Münzen des Marcus Antonius wird von Kommentatoren außer mit dem Tierkreiszeichen des Antonius auch mit den Wappen der gallischen Stadt Lugdunum, wo er Münzen mit Löwen auf dem Revers habe prägen lassen (Massilia hatte nachweislich einen Löwen auf den Stadtwappen), in Zusammenhang gebracht sowie mit einer Stelle von Plinius (Hist. Nat. VIII 21), wo berichtet wird, dass Antonius darin Gefallen fand, öffentlich in einer von Löwen gezogenen Biga zu erscheinen. Auffällig ist jedoch, dass, anders als auf den in Lugdunum geprägten Münzen, auf dieser der Löwe ein Schwert in der Pranke hält: Ein Löwe mit einem Schwert war laut Plutarch (Pomp. 80) im Siegelring des Pompeius eingraviert, den Theodotos dem Caesar in Alexandria übergab. Als magister equitum Caesars hatte sich Antonius in Rom, während Caesar in Alexandria mit dem Krieg und Kleopatra beschäftigt war, die Güter des Pompeius unter den Nagel gerissen, insbesondere dessen Villa, die er noch luxuriöser umbauen ließ (Plut. Caes. 51). Nach Caesars Tod bekam Antonius von Caesars Frau Calpurnia dessen Schatz samt Akten und Unterlagen (Plut. Ant. 15). Darunter kann sich der Siegelring des Pompeius befunden haben, den Antonius verwendet haben mag, nachdem er bei der Aufteilung des Reichs mit den anderen Triumvirn, Octavian und Lepidus, den Osten, d. h. den ehemaligen Machtbereich des Pompeius, erhielt. Sollte aber Caesar Pompeius’ Siegelring Kleopatra gegeben haben, so dürfte Antonius ihn von ihr bekommen haben. Jedenfalls hat der Evangelist Markus einen Löwen, das Wappentier des Marcus Antonius, als Symbol – wie der Löwe von Venedig zeigt. Interessanterweise haben die Venezianer die Reliquien des Markus aus Alexandria erhalten, der Stadt, wo Marcus Antonius starb und begraben worden war. Bei Octavian kam noch der Steinbock als Nativitätsgestirn hinzu, cf. Anm. 454. Auch die Attribute der anderen Evangelisten haben ihren Ursprung bei Caesar/Octavian: Der Stier des Lukas ist jener der Städtegründer bzw. des Mars Ultor, der Engel des Matthäus ist die Victoria. Der Tetramorph syrischen Ursprungs (Ez 1:4sqq, Apc 4:6sqq) war Zuordnungsrahmen. Suet. Jul. 37–77, Plut. Caes. 15–17. App. civ. 2.14.52–53. Bei Eusebius, Ekklēsiastikē historia 3.39.15: "Μάρκος μὲν ἑρμηνευτὴς Πέτρου γενόμενος, ὅσα ἐμνημόνευσεν, ἀκριβῶς ἔγραψεν, οὐ μέντοι τάξει τὰ ὑπὸ τοῦ κυρίου ἢ λεχθέντα ἢ πραχθέντα. οὔτε γὰρ ἤκουσεν τοῦ κυρίου οὔτε παρηκολούθησεν αὐτῷ, ὕστερον δὲ, ὡς ἔφην, Πέτρῳ· ὃς πρὸς τὰς χρείας ἐποιεῖτο τὰς διδασκαλίας, ἀλλ' οὐχ ὥσπερ σύνταξιν τῶν κυριακῶν ποιούμενος λογίων, ὥστε οὐδὲν

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ἥμαρτεν Μάρκος οὕτως ἔνια γράψας ὡς ἀπεμνημόνευσεν. ἑνὸς γὰρ ἐποιήσατο πρόνοιαν, τοῦ μηδὲν ὧν ἤκουσεν παραλιπεῖν ἢ ψεύσασθαί τι ἐν αὐτοῖς". Als Beispiel möge die spätere Rekonstruktion der 24 Bücher der Juden dienen, die bei der Tempelzerstörung verbrannt worden waren und die von Esra teils «aus den Herzen der Menschen» gesammelt, teils in einer neuen Offenbarung empfangen und diktiert wurden. Cf. 2 Esr 14:45 (auch 4 Esr genannt: Apokryphon). Cf. u. a. Chr. Burchard in Der Kleine Pauly (1979), s. v. «Jesus», Sp. 1345. Der Kürzel Chi-Rho, Y wurde auch für andere Wörter benutzt, wie z. B. χιλιάρχης, wörtwörtlich Anführer von tausend Mann, aber auch Oberst, Kriegstribun, oder Befehlshaber, Staatskanzler. In diesem Sinne würde es auch zu Caesar passen. Typische Lesefehler in den Handschriften des Markusevangeliums kann man zum Beispiel bei COUCHOUD (1926) aufgelistet finden – hier folgend nur einige wenige, z. B. im lateinischen Text: ACCIPIETIS gelesen als ACCEPISTI; ADPROPINQVARET als ADPROPINQVANT; TENENS als TENDENS; CVSTODIEBANT als CRVCIFΙGEBANT; ACCENDITVR als ACCEDIT; COEPIT als COIECIT; NEMINI DIXERIS als NE INTROIERIS; INIVRIAM als INVIDIAM; PERCVTIEBANT als PERCIPIEBANT; GRABATTO als QVADRATO; DISSVPAVIT als DISTVRBAVIT; HAEC als FECIT … Und im griechischen Text: ΑΝΕΠΕΙΣΑΝ als ΑΝΕΣΕΙΣΑΝ; ΕΝΑΓΚΑΛΙΣΑΜΕΝΟΣ als ΠΡΟΣΚΑΛΕΣΑΜΕΝΟΣ; ΠΡΟΣΧΕΡΟΝΤΕΣ als ΠΡΟΣΤΡΕΧΟΝΤΕΣ; ΘΕΛΕΤΕ als ΛΕΓΕΤΕ; ΑΜΑ als ΑΛΛΑ; ΠΟΛΛΑ als ΠΛΟΙΑ; ΕΤΥΠΤΟΝ als ΕΝΥΠΤΟΝ; ΛΑΛΕΙΝ als ΕΛΑΛΕΙ, ΚΑΙ ΘΡΑΥΣΑΣΑ als ΣΥΝΤΡΙΨΑΣΑ … etc. Dies sind nur einige Beispiele aus einzelnen Manuskripten. Angesichts dessen bleiben die von uns beobachteten Verschreibungen, wie etwa LEPIDVS gelesen als PILATVS, oder ΕΝΙΚΗΣΑ als ΕΝΙΨΑ ganz im Rahmen, ja an der untersten Grenze des damals Üblichen. Von Marcus Antonius ist, wie wir sahen, der Gens-Name, Antonius, zu Simon (Petrus) geworden, der aber, wie Papias mitteilt, als «Dolmetscher» Markus hatte. Es ist wohl zu verstehen: Simon war der verdolmetschte Name des Markus (Marcus Antonius). App. BC 2.72.299: Ἀλλὰ τάδε μὲν ᾠκονόμει θεὸς ἐς ἀρχὴν τῆσδε τῆς νῦν ἐπεχούσης τὰ πάντα ἡγεμονίας. Zum Imperium aber hatte der Bürgerkrieg geführt, cf. App. BC 2.1.1: ἕτερα ἐμφύλια ῾Ρωμαίοις τοιάδε ἐγίγνετο, μέχρι Γάιος Καῖσαρ καὶ Πομπήιος Μάγνος ἀλλήλοις ἐπολέμησαν καὶ Πομπήιον μὲν καθεῖλεν ὁ Καῖσαρ […]. Vell. 2.48: Intra breue deinde spatium, belli ciuilis exarserunt initia […], sodass ein Abfärben des Wortes emphylia, «Bürgerkriege», auf euangelion, «Siegesmeldung», nicht auszuschließen ist. Mk 1.1: Ἀρχὴ τοῦ εὐαγγελίου Ἰησοῦ Χριστοῦ [υἱοῦ θεοῦ]. Für εὐαγγελίζομαι, «eine gute Nachricht bringen, Erfreuliches verkünden» als Siegesmeldung, cf. das Überbringen der guten Nachricht, dass der Krieg zu Ende sei, nach dem vermeintlichen Sieg des Pompeius gegen Caesar in Dyrrhachium, Plut. Pomp. 66.3.7: ἐθελονταὶ δὲ πολλοὶ πρὸς Κορνηλίαν ἔπλεον εἰς Λέσβον εὐαγγελιζόμενοι πέρας ἔχειν τὸν πόλεμον· Mit archē übersetzen imperium u. a. Nicolaus Damascenus (Bios Kaisaros 18.53), Dio Cassius (HR 45.2.7) und Appian (BC 2.32.124: τῆς Καίσαρος ἀρχῆς τελευταία), der auch ēgemonia hat (i. a. BC 3.18.66). Interessant ist es zu sehen, wie beim jeweiligen ersten Auftritt des Namens bei Markus und Appian die Entsprechung zu Jesus Christus Gaius Caesar ist, und nicht, wie man denken könnte, Julius Caesar. Als Gaius Caesar spricht sich auch Caesar selbst an, bei Plutarch (Caes. 46). Bei Gelegenheit der letzten Redaktion des Markus war Gaius sicherlich nahe genug an Jesus, wie auch Caesar an Christus, um eine Substitution zu rechtfertigen – zumal, wie wir sahen, die nomina sacra in den Manuskripten immer abgekürzt wurden auf den ersten und letzten Buchstaben (supra). Velleius HR 2.31.2-3: Cn. Pompeius ad eos [scil. piratas] opprimendos mitteretur essetque ei imperium aequum in omnibus prouinciis cum proconsulibus usque ad quinquagesimum miliarium a mari. Quo senatus consulto paene totius terrarum orbis imperium uni uiro deferebatur. sed tamen idem hoc ante †biennium† in M. Antonii praetura decretum erat. Es handelte sich um die cura orae maritimae zur Bekämpfung der Piraten, cf. Sallust. Hist. 3.fr.2: Qui orae maritimae, qua Romanum esset imperium, curator ior piratis. Dass Caesar als einziger die Übergabe einer faktisch monarchischen Machtbefugnis an Pompeius unterstützte, wird von Plutarch berichtet, Plut. Pomp. 25.24: ἔγραψε δὲ Γαβίνιος, εἷς τῶν Πομπηΐου συνήθων, νόμον οὐ ναυαρχίαν, ἄντικρυς δὲ μοναρχίαν αὐτῷ διδόντα καὶ δύναμιν ἐπὶ πάντας ἀνθρώπους ἀνυπεύθυνον. ἐδίδου γὰρ ἄρχειν ὁ νόμος αὐτῷ τῆς ἐντὸς Ἡρακλείων στηλῶν θαλάσσης, ἠπείρου δὲ πάσης ἐπὶ σταδίους τετρακοσίους ἀπὸ θαλάσσης. […] Ἀναγνωσθέντων δὲ τούτων ὁ μὲν δῆμος ὑπερφυῶς ἐδέξατο, τῆς δὲ συγκλήτου τοῖς μεγίστοις καὶ δυνατωτάτοις ἔδοξε μεῖζον μὲν φθόνου, φόβου δὲ ἄξιον εἶναι τὸ τῆς ἐξουσίας ἀπερίληπτον καὶ ἀόριστον. ὅθεν ἐνίσταντο τῷ νόμῳ, πλὴν Καίσαρος· οὗτος δὲ συνηγόρει τῷ νόμῳ, Πομπηΐου μὲν

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ἐλάχιστα φροντίζων, ὑποδυόμενος δὲ τὸν δῆμον ἐξ ἀρχῆς ἑαυτῷ καὶ κτώμενος. Über die schließliche monarchische Machtfülle des Pompeius cf. Plut. Pomp. 30.2: τοῦτο δ' ἦν ἐφ' ἑνὶ συλλήβδην γενέσθαι τὴν Ῥωμαίων ἡγεμονίαν· Ibidem 30.5: ἐκυρώθη δ' οὖν ὁ νόμος, ὡς λέγουσι, πάσαις ταῖς φυλαῖς, καὶ κύριος ἀποδέδεικτο μὴ παρὼν ὁ Πομπήϊος ἁπάντων σχεδὸν ὧν ὁ Σύλλας ὅπλοις καὶ πολέμῳ τῆς πόλεως κρατήσας. Καθὼς γέγραπται ἐν τῷ Ἠσαΐᾳ τῷ προφήτῃ, Ἰδοὺ ἀποστέλλω τὸν ἄγγελόν μου πρὸ προσώπου σου, ὃς κατασκευάσει τὴν ὁδόν σου· φωνὴ βοῶντος ἐν τῇ ἐρήμῳ, Ἑτοιμάσατε τὴν ὁδὸν κυρίου, εὐθείας ποιεῖτε τὰς τρίβους αὐτοῦ – S. o. Kapitel III. WORTE UND WUNDER , Die Taufe. Plut. Caes. 30.1–2, 30.4. Suet. Jul. 29. Vell. 2.48.1 und 2.48.5. Caes. Civ. 1.11.1. Caes. Civ. 1.26.4. Über Q. Caecilius Metellus Pius Scipio, einen verbissenen Opponent Caesars, cf. Anm. 111. Cf. Caes. Civ. 1.2.1: Haec Scipionis oratio, quod senatus in urbe habebatur Pompeiusque aderat, ex ipsius ore Pompei mitti uidebatur. Mk 1:4: ἐγένετο Ἰωάννης [ὁ] βαπτίζων ἐν τῇ ἐρήμῳ καὶ κηρύσσων βάπτισμα μετανοίας εἰς ἄφεσιν ἁμαρτιῶν. Bereits gesehen haben wir auch, wie die Namen Pompeius und Johannes sich entsprechen - über (h)o Gnaios > Johannes. Da Appian aber beide Kontrahenten eingangs Gaius Caesar und Pompeius Magnus nennt, müssen wir auch hier, wie oben bei Gaius Caesar > Jesus Christus, an eine Substitution von Pompeius Magnus durch Baptizōn Johannes denken. Diese sind akustisch und schriftbildlich nicht sehr weit voneinander, aber auch nicht übermäßig nahe. Der Übergang könnte woanders passiert sein, so dass dem Evangelisten bei seiner Redaktion klar war, dass Magnus mit Johannes zu ersetzen war. War aber Pompeius Magnus in der Vorlage eine Einheit, dann hätten ursprünglich Mk 1:1 und 1:4 zusammengehört: «Anfang des Evangeliums von Jesus Christus [dem Sohn Gottes]. Johannes war in der Wüste […]» hätte gelautet: «Anfang der Bürgerkriege zwischen Gaius Caesar und Pompeius Magnus. Dieser war in Rom […]». Durch den Einschub des Jesaja-Zitats Mk 1:2–3 sind die beiden Bestandteile von Pompeius Magnus getrennt worden: Pompeius blieb als uiou theou, als «Sohn Gottes», bei Jesus hängen, Magnus verselbständigte sich als Johannes und bekam als Ersatz für Pompeius (h)o baptizōn, «der Täufer», dazu, der entliehen wurde vom postulabat, «forderte», des Metellus Scipio. Sehen wir richtig, so wäre «der Täufer» der «Aufrüster», der vom Gegner die «Abrüstung» verlangt. Der Satz wäre ursprünglich so aufgebaut worden, um die Verlogenheit des Pompeius/Johannes hervorzuheben. Vell. 2.49.4: Cn. Pompeius consulesque et maior pars senatus, relicta Vrbe ac deinde Italia, transmisere Dyrrachium. Suet. Jul. 34: […] Brundisium tetendit, quo consules Pompeiusque confugerant quam primum transfretaturi. Caes. Civ. 1.6.3–7: de reliquis rebus ad senatum refertur: tota Italia dilectus habeatur; […] pecunia uti ex aerario Pompeio detur. […] consules—quod ante id tempus accidit nunquam— […] ex urbe proficiscuntur […] tota Italia dilectus habentur, arma imperantur, pecunia a municipiis exiguntur, e fanis tolluntur, omnia diuina humanaque iura permiscentur. Caes. Civ. 1.10.1: Acceptis mandatis Roscius cum [L.] Caesare Capuam peruenit ibique consules Pompeiumque inuenit; postulata Caesaris renuntiat. Dio Cass. HR 41.6.1: φοβηθεὶς οὖν διὰ ταῦθ' ὁ Πομπήιος (καὶ γὰρ εὖ ἠπίστατο ὅτι πολὺ τοῦ Καίσαρος, ἄν γε ἐπὶ τῷ δήμῳ γένωνται, ἐλαττωθήσεται) αὐτός τε ἐς Καμπανίαν πρὶν τοὺς πρέσβεις ἐπανελθεῖν, ὡς καὶ ῥᾷον ἐκεῖ πολεμήσων, προαπῆρε, καὶ τὴν βουλὴν ἅπασαν μετὰ τῶν τὰς ἀρχὰς ἐχόντων ἀκολουθῆσαί οἱ ἐκέλευσεν, ἄδειάν τέ σφισι δόγματι τῆς ἐκδημίας δούς, καὶ προειπὼν ὅτι τὸν ὑπομείναντα ἔν τε τῷ ἴσῳ καὶ ἐν τῷ ὁμοίῳ τοῖς τὰ ἐναντία σφίσι πράττουσιν ἕξοι. App. BC 2.36.142: Ὧν οἱ ὕπατοι πυνθανόμενοι τὸν Πομπήιον οὐκ εἴων ἐπὶ τῆς ἑαυτοῦ γνώμης ἐμπειροπολέμως εὐσταθεῖν, ἀλλ' ἐξώτρυνον ἐκπηδᾶν ἐς τὴν Ἰταλίαν καὶ στρατολογεῖν ὡς τῆς πόλεως καταληφθησομένης αὐτίκα. App. BC 2.37[148]: ἐξῄει τῆς τε βουλῆς καὶ τῆς πόλεως αὐτίκα ἐς τὴν ἐν Καπύῃ στρατιάν, καὶ οἱ ὕπατοι συνείποντο αὐτῷ· τοὺς ἄλλους δ' ἀπορία τε ἐς πολὺ κατεῖχε, καὶ διενυκτέρευον ἐν τῷ βουλευτηρίῳ μετ' ἀλλήλων. ἅμα δ' ἡμέρᾳ τὸ πλέον ὅμως ἐξῄει καὶ ἐδίωκε τὸν Πομπήιον. App. BC 2.39[152]: Αὐτὸς δ' ὁ Πομπήιος τῶν ἀμφ' αὑτὸν ἤδη τελῶν τὰ μὲν ἔδωκε τοῖς ὑπάτοις προαπάγειν ἐς Ἤπειρον ἐκ Βρεντεσίου, καὶ διέπλευσαν οἵδε αὐτίκα ἀσφαλῶς ἐς Δυρράχιον· ἣν Ἐπίδαμνόν τινες εἶναι νομίζουσι διὰ τοιάνδε ἄγνοιαν. Plut. Caes. 34: Οἱ μὲν οὖν ὕπατοι μηδ' ἃ νόμος ἐστὶ πρὸ ἐξόδου θύσαντες ἔφυγον, ἔφευγον δὲ καὶ τῶν βουλευτῶν οἱ πλεῖστοι, τρόπον τινὰ δι' ἁρπαγῆς ἀπὸ τῶν ἰδίων ὅ τι τύχοιεν ὥσπερ ἀλλοτρίων λαμβάνοντες. εἰσὶ δ' οἳ καὶ σφόδρα τὰ Καίσαρος ᾑρημένοι πρότερον ἐξέπεσον ὑπὸ θάμβους τότε τῶν λογισμῶν, καὶ συμπαρηνέχθησαν οὐδὲν δεόμενοι τῷ ῥεύματι τῆς φορᾶς ἐκείνης.

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Plut. Caes. 35: Ὁ δὲ Καῖσαρ τήν τε τοῦ Δομιτίου στρατιὰν παρέλαβε, καὶ τοὺς ἄλλους, ὅσους ἐν ταῖς πόλεσι Πομπηΐῳ στρατολογουμένους ἔφθασε καταλαβών. πολὺς δὲ γεγονὼς ἤδη καὶ φοβερός, ἐπ' αὐτὸν ἤλαυνε Πομπήϊον. ὁ δ' οὐκ ἐδέξατο τὴν ἔφοδον, ἀλλ' εἰς Βρεντέσιον φυγών, τοὺς μὲν ὑπάτους πρότερον ἔστειλε μετὰ δυνάμεως εἰς Δυρράχιον, αὐτὸς δ' ὀλίγον ὕστερον ἐπελθόντος Καίσαρος ἐξέπλευσεν […]. Mk 1:5–6: καὶ ἐξεπορεύετο πρὸς αὐτὸν πᾶσα ἡ Ἰουδαία χώρα καὶ οἱ Ἱεροσολυμῖται πάντες, καὶ ἐβαπτίζοντο ὑπ᾿ αὐτοῦ ἐν τῷ Ἰορδάνῃ ποταμῷ ἐξομολογούμενοι τὰς ἁμαρτίας αὐτῶν. καὶ ἦν ὁ Ἰωάννης ἐνδεδυμένος τρίχας καμήλου καὶ ζώνην δερματίνην περὶ τὴν ὀσφὺν αὐτοῦ […]. Letzter Satz ist ein Zitat aus dem zweiten Buch der Könige (2 Rg 1:8, cf. Zch 13:4) und kennzeichnet dort Elia; er fehlt im Bezae Cantabrigiensis und in der Itala (Vetus Latina). Campania war insofern für den Krieg entscheidend, als dort die ersten Kolonien angesiedelt worden waren, deren erste Siedler zwar Pompeius-Veteranen gewesen waren, die jedoch erst die lex Julia, Caesars Agrargesetze während seines Consulats im Jahr 59, ermöglicht hatte. Entsprechend bot Kampanien Pompeius keinen sicheren Halt (cf. Caes. Civ. 1.14: Cn. Pompeius pridie eius diei ex urbe profectus iter ad legiones habebat, quas a Caesare acceptas in Apulia hibernorum causa disposuerat. dilectus circa urbem intermittuntur; nihil citra Capuam tutum esse omnibus uidetur. Capuae primumn sese confirmant et colligunt dilectumque colonorum, qui lege Iulia Capuam deducti erant, habere instituunt; gladiatoresque, quos ibi Caesar in ludo habebat, ad forum productos Lentulus ‹spe› libertatis confirmat atque iis equos attribuit et se sequi iussit; quos postea monitus ab suis, quod ea res omnium iudicio reprehendebatur, circum familiares conuentus Campaniae custodiae causa distribuit; Dio Cass. HR 41.6.4: οὐ μὴν καὶ ἀκριβῆ πίστιν τοῦ μὴ οὐκ ἐγκαταλείψειν αὐτὸν πρὸς τὸν ἐκ τοῦ κρείττονος φόβον εἶχον. Pompeius musste weiterziehen und sich zuerst nach Apulien zu den beiden Legionen begeben, die er von Caesar bekommen hatte, als er angab, Krieg in Syrien führen zu müssen, dann über Brindisi nach Dyrrhachium abziehen. Das vom zweiten Buch der Könige (2 Rg 1:8) übernommene Markus-Zitat könnte in seinem Teil «um die ‹Lenden», osphyn, asphalēs, «sicher», überdecken, denn Pompeius war dort nicht sicher – es sei denn, es klingt hier Apulien nach, cf. Caes. Civ. 1.14. Caes. Civ. 3.96.3: Pompeius, iam cum intra uallum nostri uersarentur, equum nactus detractis insignibus imperatoriis decumana porta se ex castris eiecit protinusque equo citato Larisam contendit. Plut. Caes. 45: ἀπεδύσατο μὲν τὴν ἐναγώνιον καὶ στρατηγικὴν ἐσθῆτα, φεύγοντι δὲ πρέπουσαν μεταλαβὼν ὑπεξῆλθεν. App. BC 2.81.343: καὶ εἰπὼν τήν τε στολὴν ἐνήλλαξε καὶ ἵππου ἐπιβὰς σὺν φίλοις τέσσαρσιν […]. Plut. Caes. 34: Οἱ μὲν οὖν ὕπατοι μηδ' ἃ νόμος ἐστὶ πρὸ ἐξόδου θύσαντες ἔφυγον, ἔφευγον δὲ καὶ τῶν βουλευτῶν οἱ πλεῖστοι, τρόπον τινὰ δι' ἁρπαγῆς ἀπὸ τῶν ἰδίων ὅ τι τύχοιεν ὥσπερ ἀλλοτρίων λαμβάνοντες. εἰσὶ δ' οἳ καὶ σφόδρα τὰ Καίσαρος ᾑρημένοι πρότερον ἐξέπεσον ὑπὸ θάμβους τότε τῶν λογισμῶν, καὶ συμπαρηνέχθησαν οὐδὲν δεόμενοι τῷ ῥεύματι τῆς φορᾶς ἐκείνης. οἰκτρότατον δὲ τὸ θέαμα τῆς πόλεως ἦν, ἐπιφερομένου τοσούτου χειμῶνος ὥσπερ νεὼς ὑπὸ κυβερνητῶν ἀπαγορευόντων πρὸς τὸ συντυχὸν ἐκπεσεῖν κομιζομένης. Dio Cass. HR 41.7.1-3: κἀκ τούτου καὶ ἐς τὰ ἄλλα ὁμοίως πάντα θορυβώδης σφῶν καὶ ταραχώδης ἡ ἀνάστασις ἐγένετο. οἵ τε γὰρ ἐξιόντες (ἦσαν δὲ πάντες ὡς εἰπεῖν οἱ πρῶτοι καὶ τῆς βουλῆς καὶ τῆς ἱππάδος καὶ προσέτι καὶ τὸ τοῦ ὁμίλου) λόγῳ μὲν ἐπὶ πολέμῳ ἀφωρμῶντο, ἔργῳ δὲ τὰ τῶν ἑαλωκότων ἔπασχον· τήν τε γὰρ πατρίδα καὶ τὰς ἐν αὐτῇ διατριβὰς ἐκλιπεῖν καὶ τὰ ἀλλότρια τείχη οἰκειότερα τῶν σφετέρων νομίζειν ἀναγκαζόμενοι δεινῶς ἐλυποῦντο. οἵ τε γὰρ πανοικησίᾳ ἀνιστάμενοι τὰ ἱερὰ καὶ τοὺς οἴκους τό τε ἔδαφος τὸ πατρῷον ὡς καὶ τῶν ἀντιστασιωτῶν εὐθὺς ἐσόμενα ἀπέλιπον, καὶ αὐτοὶ οὕτω τὴν γνώμην, ἄν γε καὶ περισωθῶσιν, εἶχον ὡς κἀν τῇ Μακεδονίᾳ τῇ τε Θρᾴκῃ κατοικήσοντες· […]. Den einen Einfluss könnte das «Fluchtartige» im Verlassen der Stadt ausgeübt und sich im Gewand aus Kamelhaaren versteckt haben: triches sind «Haare», aber trechō heißt «laufen, rennen, eilen»; kamēlos ist ein Kamel, aber auch eine Karawane; und kamilos ist ein Ankertau: Hat Markus hier Pompeius mit dem ganzen Tross fliehen oder fluchtartig den Anker lichten und seine Armee abführen sehen, die Stadt wie ein Schiff ohne Kapitän hinter sich lassend? Den zweiten das «Übersetzen», lateinisch transfretare: Einfach als transferre wahrgenommen, und weil ferre «tragen» heißt und das «Kamel» «Tragtier» bedeutet, hatte Markus «transkamelen» daraus gemacht, ein für ihn typischer Latino-Aramaismus. Dann hatte er das «Tragen» auf Kleider bezogen (endeduménos heißt in diesem Sinne «trug»), trans in trichas, «Haare», umgedeutet, und so transferre zu einem «Gewand aus Kamelhaaren» verwandelt. Drittens könnte theoretisch auch trans fretum, «über die Meeresenge», über trans canalem zu trichas kamēlou geworden sein. Unbenommen davon ist «Kamel» jedoch wahrscheinlicher aus einem missverstandenen Campania bzw. Capua entstanden. App. BC 2.36.144: τέρατά τε αὐτοῖς ἐπέπιπτε πολλὰ καὶ σημεῖα οὐράνια· αἷμά τε γὰρ ἔδοξεν ὁ θεὸς ὗσαι καὶ ξόανα ἱδρῶσαι καὶ κεραυνοὶ πεσεῖν ἐπὶ νεὼς πολλοὺς καὶ ἡμίονος τεκεῖν· ἄλλα τε πολλὰ

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δυσχερῆ προεσήμαινε τὴν ἐς ἀεὶ τῆς πολειτείας ἀναίρεσίν τε καὶ μεταβολήν. – «Dazu überfielen sie Vorzeichen und Himmelserscheinungen: Es schien, als lasse Gott Blut regnen, die Götterstatuen schwitzten, Blitze schlugen in viele Tempel ein und ein Maultier fohlte. Auch viele anderen Zeichen kündigten die endgültige Aufhebung der alten Staatsordnung und die Revolution an.» App. BC 2.68.283: αὐτῷ δὲ τῷ Πομπηίῳ τῆς αὐτῆς νυκτός τινα τῶν ἱερείων ἐκφυγόντα οὐ συνελήφθη, καὶ μελισσῶν ἑσμὸς ἐπὶ τοῖς βωμοῖς ἐκάθισε, ζῴου νωχελοῦς. Mk 1:6: […] καὶ ἐσθίων ἀκρίδας καὶ μέλι ἄγριον. Plut. Pomp. 73: τοὺς δὲ θεράποντας ἀπιέναι πρὸς Καίσαρα κελεύσας καὶ μὴ δεδιέναι, […] ἐπεὶ δὲ καιρὸς ἦν δείπνου καὶ παρεσκεύασεν ὁ ναύκληρος ἐκ τῶν παρόντων, ἰδὼν ὁ Φαώνιος οἰκετῶν ἀπορίᾳ τὸν Πομπήϊον ἀρχόμενον αὑτὸν ὑπολύειν προσέδραμε καὶ ὑπέλυσε καὶ συνήλειψε. καὶ τὸ λοιπὸν ἐκ τούτου περιέπων καὶ θεραπεύων ὅσα δεσπότας δοῦλοι, μέχρι νίψεως ποδῶν καὶ δείπνου παρασκευῆς, διετέλεσεν, ὥστε τὴν ἐλευθεριότητα τῆς ὑπουργίας ἐκείνης θεασάμενον ἄν τινα καὶ τὸ ἀφελὲς καὶ ἄπλαστον εἰπεῖν· Φεῦ τοῖσι γενναίοισιν ὡς ἅπαν καλόν. Zum «Stärkeren» und zu Caesar als «chrēstos» cf. Plut. Pomp. 75: τῶν δὲ Μιτυληναίων τὸν Πομπήϊον ἀσπασαμένων καὶ παρακαλούντων εἰσελθεῖν εἰς τὴν πόλιν, οὐκ ἠθέλησεν, ἀλλὰ κἀκείνους ἐκέλευσε τῷ κρατοῦντι πείθεσθαι καὶ θαρρεῖν· εὐγνώμονα γὰρ εἶναι Καίσαρα καὶ χρηστόν. Mk 1:7–8: καὶ ἐκήρυσσεν λέγων, Ἔρχεται ὁ ἰσχυρότερός μου ὀπίσω μου, οὗ οὐκ εἰμὶ ἱκανὸς κύψας λῦσαι τὸν ἱμάντα τῶν ὑποδημάτων αὐτοῦ· ἐγὼ ἐβάπτισα ὑμᾶς ὕδατι, αὐτὸς δὲ βαπτίσει ὑμᾶς ἐν πνεύματι ἁγίῳ. Pervigilium Veneris, Vers 14: Ipsa surgentes papillas de Favoni spiritu / urget in toros tepentes, […] Plut. Caes. 33: Φαώνιος δ' αὐτὸν ἐκέλευε τῷ ποδὶ κτυπεῖν τὴν γῆν, ἐπεὶ μεγαληγορῶν ποτε πρὸς τὴν σύγκλητον οὐδὲν εἴα πολυπραγμονεῖν οὐδὲ φροντίζειν ἐκείνους τῆς ἐπὶ τὸν πόλεμον παρασκευῆς· αὐτὸς γὰρ ὅταν ἐπίῃ κρούσας τὸ ἔδαφος τῷ ποδὶ στρατευμάτων ἐμπλήσειν τὴν Ἰταλίαν. οὐ μὴν ἀλλὰ καὶ τότε πλήθει δυνάμεως ὑπερέβαλλεν ὁ Πομπήϊος τὴν Καίσαρος· εἴασε δ' οὐδεὶς τὸν ἄνδρα χρήσασθαι τοῖς ἑαυτοῦ λογισμοῖς, ἀλλ' ὑπ' ἀγγελμάτων πολλῶν καὶ ψευδῶν καὶ φόβων, ὡς ἐφεστῶτος ἤδη τοῦ πολέμου καὶ πάντα κατέχοντος, εἴξας καὶ συνεκκρουσθεὶς τῇ πάντων φορᾷ ψηφίζεται ταραχὴν ὁρᾶν καὶ τὴν πόλιν ἐξέλιπε, κελεύσας ἕπεσθαι τὴν γερουσίαν καὶ μηδένα μένειν τῶν πρὸ τῆς τυραννίδος ᾑρημένων τὴν πατρίδα καὶ τὴν ἐλευθερίαν. App. BC 2.37.146: Φαώνιος μὲν Πομπήιον ἐπισκώπτων τοῦ ποτὲ λεχθέντος ὑπ' αὐτοῦ, παρεκάλει τὴν γῆν πατάξαι τῷ ποδὶ καὶ τὰ στρατόπεδα ἐξ αὐτῆς ἀναγαγεῖν· ὁ δὲ “ἕξετε,” εἶπεν, “ἂν ἐπακολουθῆτέ μοι καὶ μὴ δεινὸν ἡγῆσθε τὴν Ῥώμην ἀπολιπεῖν, καὶ εἰ τὴν Ἰταλίαν ἐπὶ τῇ Ῥώμῃ δεήσειεν.” Dio Cass. HR 41.6.3–4: πρὸς δ' ἔτι καὶ τὰ χρήματα τὰ δημόσια τά τε ἀναθήματα τὰ ἐν τῇ πόλει πάντα ἀναιρεθῆναι προσέταξεν αὐτοῖς ψηφίσασθαι, ἐλπίζων παμπληθεῖς ἀπ' αὐτῶν στρατιώτας ἀθροίσειν. τοσαύτην γὰρ εὔνοιαν αὐτοῦ πᾶσαι ὡς εἰπεῖν αἱ ἐν τῇ Ἰταλίᾳ πόλεις εἶχον ὥστε, ἐπειδὴ ἤκουσαν αὐτὸν ὀλίγον ἔμπροσθεν ἐπικινδύνως νοσοῦντα, σωτήρια αὐτοῦ δημοσίᾳ θύσειν εὔξασθαι. καὶ ὅτι μὲν μέγα καὶ λαμπρὸν τοῦτ' αὐτῷ ἔδοσαν, οὐδ' ἂν εἷς ἀντιλέξειεν· οὐ γὰρ ἔστιν ὅτῳ ποτὲ ἄλλῳ, ἔξω τῶν μετὰ ταῦτα τὸ πᾶν κράτος λαβόντων, τοιοῦτόν τι ἐψηφίσθη· οὐ μὴν καὶ ἀκριβῆ πίστιν τοῦ μὴ οὐκ ἐγκαταλείψειν αὐτὸν πρὸς τὸν ἐκ τοῦ κρείττονος φόβον εἶχον. Suet. Jul. 30: […] transiit in citeriorem Galliam, conuentibusque peractis Rauennae substitit, bello uindicaturus si quid de tribunis plebis intercedentibus pro se grauius a senatu constitutum esset. App. BC 2.32.124: Ὁ δ' ἄρτι τὸν ὠκεανὸν ἐκ Βρεττανῶν διεπεπλεύκει καὶ ἀπὸ Κελτῶν τῶν ἀμφὶ τὸν Ῥῆνον τὰ ὄρη τὰ Ἄλπεια διελθὼν σὺν πεντακισχιλίοις πεζοῖς καὶ ἱππεῦσι τριακοσίοις κατέβαινεν ἐπὶ Ῥαβέννης, ἣ συναφής τε ἦν τῇ Ἰταλίᾳ καὶ τῆς Καίσαρος ἀρχῆς τελευταία. Für die Abrüstungskorrespondenz zwischen Caesar und Pompeius cf. Caes. Civ. 1.8–11 und die parallele Überlieferung bei Appian, Plutarch und Cassius Dio. Mk 1:9: Καὶ ἐγένετο ἐν ἐκείναις ταῖς ἡμέραις ἦλθεν Ἰησοῦς ἀπὸ Ναζαρὲτ τῆς Γαλιλαίας καὶ ἐβαπτίσθη εἰς τὸν Ἰορδάνην ὑπὸ Ἰωάννου. Plut. Caes. 32: λέγεται δὲ τῇ προτέρᾳ νυκτὶ τῆς διαβάσεως ὄναρ ἰδεῖν ἔκθεσμον· ἐδόκει γὰρ αὐτὸς τῇ ἑαυτοῦ μητρὶ μείγνυσθαι τὴν ἄρρητον μεῖξιν. Mk 1:10–11: καὶ εὐθὺς ἀναβαίνων ἐκ τοῦ ὕδατος εἶδεν σχιζομένους τοὺς οὐρανοὺς καὶ τὸ πνεῦμα ὡς περιστερὰν καταβαῖνον εἰς αὐτόν· καὶ φωνὴ ἐγένετο ἐκ τῶν οὐρανῶν, Σὺ εἶ ὁ υἱός μου ὁ ἀγαπητός, ἐν σοὶ εὐδόκησα. Rufus Festus Avienus, Ora Maritima, vv 310–313: ab arce qua diei occasus est, Veneri marinae consecrata est insula templumque in illa Veneris et penetral cavum oraculumque. – «Auf der Festungsseite, wo der Tag stirbt, ist eine Insel, der Venus marina geweiht, und in ihr ein Tempel mit einer tiefen Krypta und einer Orakelstätte». Die Krypta soll heute noch zu sehen sei, befindet sich aber leider im militärischen Sperrgebiet.

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Suet. Jul. 7: […] Gadisque uenisset, animaduersa apud Herculis templum Magni Alexandri imagine ingemuit et quasi pertaesus ignauiam suam, quod nihil dum a se memorabile actum esset in aetate, qua iam Alexander orbem terrarum subegisset […]. Etiam confusum eum somnio proximae noctis (nam uisus erat per quietem stuprum matri intulisse) coiectores ad amplissimam spem incitauerunt, arbitrium terrarum orbis portendi interpretantes, quando mater, quam subiectam sibi uidisset, non alia esset quam terra, quae omnium parens haberetur. Dio Cass. HR 37.52.2: διά τε τἆλλα καὶ ὅτι ἐν τοῖς Γαδείροις, ὅτε ἐταμίευε, τῇ μητρὶ συγγίγνεσθαι ὄναρ ἔδοξε, καὶ παρὰ τῶν μάντεων ἔμαθεν ὅτι ἐν μεγάλῃ δυνάμει ἔσται. Das Bürgerrecht, das Caesar später (im Jahr 49) den Gaditanern verlieh, soll eine Ehrung wegen dieses Traums gewesen sein, den er 68 zur Zeit seiner Quaestur in Gades gehabt hatte, cf. Dio Cass. HR 41.24.2: τοῦτο δὲ ἐποίησεν ἀμειβόμενός σφας τῆς τοῦ ὀνείρου ὄψεως, δι' ἧς ἐνταῦθα, ὅτε ἐταμίευσε, συγγεγονέναι τῇ μητρὶ ἔδοξε, καὶ ἀπ' αὐτοῦ καὶ τὴν ἐλπίδα τῆς μοναρχίας, ὥσπερ εἶπον, ἔλαβεν. Unter Augustus ist Gades nach Liv. Epit. 110 als municipium bezeugt. Herodot 6.107.1–2. Artemidor 1.79.91.21–23. Zur Vorstellung, dass solche Träume bei Herrschenden oder Herrschaftsaspiranten verbreitet gewesen sind, cf. Soph. OT 980–98; dass derartige Träume nicht immer ernst genommen wurden, verdeutlicht Pl. R. 9.571c-d. Dagegen waren Unterstellungen eines tatsächlichen Inzestes eindeutig negativ besetzt: D. L. 38.5–6 für Periander; Suet. Nero 5.2 [anders Tac. Ann. 14.2]. Zu Caesars Traum cf. WEBER (2000) 4.3.2.2. p. 180–5. Die Gärten standen in der Obhut der Venus: Plin. NH 19.50: hortos tutelae Veneris adsignante Plauto (fab. inc. 25 Leo), und die holitores feierten ihr Fest (Varro r.r. 1.1.6, L.L. 6.20: tum – i. e. am 19. August, Tag der Vinalia: Venus ad Libitinam, Venus ad circum Maximum – feriati sunt holitores). In Sulmo, Surrentum, Pompei und Casinum stand sie in Kultverbindung mit Ceres. Cf. LATTE (1960), p. 183 u. 187. Eine Vorstellung davon, wie der Tempel der Venus Marina zu Gades und dessen Umgebung und Umstände damals gewesen sein mögen, liefert mutatis mutandis das heutige El Rocío mit seiner Ermita mitten von marismas und Gemüse- und Obstgärten, Ziel von Pilgerfahrten vor allem an Pfingsten, wo die Jungfrau Mutter Gottes als blanca paloma, «weiße Taube», inbrünstig verehrt wird. Viele Autoren sprechen von «Republik» für die Zeit der Herrschaft der Nobilität, der zuerst patrizischen, dann senatorischen Oligarchie. Dies ist für die römische Zeit insofern falsch, als res publica einfach «Staat» bedeutet und nicht eine besondere Verfassungsform. Darauf hat nicht zufällig Caesar hingewiesen, der Sulla einen Analphabeten nannte, der behauptet hatte, durch Niederlegung der Diktatur habe er die res publica wiederhergestellt, denn der Name sei abstrakt und beziehe sich weder auf die Form noch auf den Inhalt. Suet. Jul. 77: nihil esse rem publicam, appellationem modo sine corpore ac specie. Sullam nescisse litteras, qui dictaturam deposuerit. Cf. Llewelyn M ORGAN, «‹levi quidem de re …› – Julius Caesar as Tyrant and Pedant», JRS 87 1997. App. BC 2.68.281–69.284: θυόμενός τε νυκτὸς μέσης τὸν Ἄρη κατεκάλει καὶ τὴν ἑαυτοῦ πρόγονον Ἀφροδίτην (ἐκ γὰρ Αἰνείου καὶ Ἴλου τοῦ Αἰνείου τὸ τῶν Ἰουλίων γένος παρενεχθέντος τοῦ ὀνόματος ἡγεῖτο εἶναι), νεών τε αὐτῇ νικηφόρῳ χαριστήριον ἐν Ῥώμῃ ποιήσειν εὔχετο κατορθώσας. […] μικρόν τε πρὸ ἕω πανικὸν ἐνέπεσεν αὐτοῦ τῷ στρατῷ· καὶ τόδε περιδραμὼν αὐτὸς καὶ καταστήσας ἀνεπαύετο σὺν ὕπνῳ βαθεῖ· περιεγειράντων δ' αὐτὸν τῶν φίλων, ὄναρ ἔφασκεν ἄρτι νεὼν ἐν Ῥώμῃ καθιεροῦν Ἀφροδίτῃ νικηφόρῳ. Καὶ τόδε μὲν ἀγνοίᾳ τῆς Καίσαρος εὐχῆς οἵ τε φίλοι καὶ ὁ στρατὸς ἅπας πυθόμενοι ἥδοντο […]. Dio Cass. HR 37.52.2: δόξης τε γὰρ ἐπιθυμῶν, καὶ τὸν Πομπήιον τούς τε ἄλλους τοὺς πρὸ αὐτοῦ μέγα ποτὲ δυνηθέντας ζηλῶν, οὐδὲν ὀλίγον ἐφρόνει, ἀλλ' ἤλπιζεν, ἄν τι τότε κατεργάσηται, ὕπατός τε εὐθὺς αἱρεθήσεσθαι καὶ ὑπερφυᾶ ἔργα ἀποδείξεσθαι, διά τε τἆλλα καὶ ὅτι ἐν τοῖς Γαδείροις, ὅτε ἐταμίευε, τῇ μητρὶ συγγίγνεσθαι ὄναρ ἔδοξε, καὶ παρὰ τῶν μάντεων ἔμαθεν ὅτι ἐν μεγάλῃ δυνάμει ἔσται. ὅθενπερ καὶ εἰκόνα Ἀλεξάνδρου ἐνταῦθα ἐν τῷ Ἡρακλέους ἀνακειμένην ἰδὼν ἀνεστέναξε, καὶ κατωδύρατο ὅτι μηδέν πω μέγα ἔργον ἐπεποιήκει. Aus dem über Caesars Traum und Brutus’ Orakel Gesagtem erklärt sich, warum es in der Antike keinen gemeinen Ödipus gab, sondern nur einen König Ödipus. App. BC 2.33.133: Ἀντωνίου δὲ καὶ Κασσίου δημαρχούντοιν μετὰ Κουρίωνα καὶ τὴν Κουρίωνος γνώμην ἐπαινούντοιν, ἡ βουλὴ φιλονικότερον ἔτι τὴν Πομπηίου στρατιὰν φύλακα σφῶν ἡγοῦντο εἶναι, τὴν δὲ Καίσαρος πολεμίαν. καὶ οἱ ὕπατοι, Μάρκελλός τε καὶ Λέντλος, ἐκέλευον τοῖς ἀμφὶ τὸν Ἀντώνιον ἐκστῆναι τοῦ συνεδρίου, μή τι καὶ δημαρχοῦντες ὅμως πάθοιεν ἀτοπώτερον. ἔνθα δὴ μέγα βοήσας ὁ Ἀντώνιος ἀνά τε ἔδραμε τῆς ἕδρας σὺν ὀργῇ καὶ περὶ τῆς ἀρχῆς ἐπεθείαζεν αὐτοῖς, ὡς ἱερὰ καὶ ἄσυλος οὖσα ὑβρίζοιτο, καὶ περὶ σφῶν, ὅτι γνώμην ἐσφέροντες, ἣν δοκοῦσι συνοίσειν, ἐξαλαύνοιντο σὺν ὕβρει, μήτε τινὰ σφαγὴν μήτε μύσος ἐργασάμενοι. ταῦτα δ' εἰπὼν ἐξέτρεχεν ὥσπερ ἔνθους, πολέμους καὶ

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σφαγὰς καὶ προγραφὰς καὶ φυγὰς καὶ δημεύσεις καὶ ὅσα ἄλλα αὐτοῖς ἔμελλεν ἔσεσθαι, προθεσπίζων ἀράς τε βαρείας τοῖς τούτων αἰτίοις ἐπαρώμενος. συνεξέθεον δ' αὐτῷ Κουρίων τε καὶ Κάσσιος· καὶ γάρ τις ἤδη στρατὸς ἑωρᾶτο ἐκ Πομπηίου περιιστάμενος τὸ βουλευτήριον. οἵδε μὲν δὴ τάχει πολλῷ πρὸς Καίσαρα, νυκτὸς αὐτίκα, λαθόντες ἐχώρουν ἐπὶ ὀχήματος μισθωτοῦ, θεραπόντων ἐσθῆτας ἐνδύντες. καὶ αὐτοὺς ἔτι ὧδε ἔχοντας ὁ Καῖσαρ ἐπεδείκνυ τῷ στρατῷ καὶ ἠρέθιζε λέγων, ὅτι καὶ σφᾶς τοσάδε ἐργασαμένους ἡγοῦνται πολεμίους καὶ τοιούσδε ἄνδρας ὑπὲρ αὐτῶν τι φθεγξαμένους οὕτως ἐξελαύνουσιν αἰσχρῶς. Ὁ μὲν δὴ πόλεμος ἑκατέρωθεν ἀνέῳκτο καὶ κεκήρυκτο ἤδη σαφῶς […]. Plut. Caes. 31: οἱ περὶ Λέντλον οὐκ εἴων ὑπατεύοντες, ἀλλὰ καὶ τῆς βουλῆς Ἀντώνιον καὶ Κουρίωνα προπηλακίσαντες ἐξήλασαν ἀτίμως, τὴν εὐπρεπεστάτην Καίσαρι τῶν προφάσεων αὐτοὶ μηχανησάμενοι καὶ δι' ἧς μάλιστα τοὺς στρατιώτας παρώξυνεν, ἐπιδεικνύμενος ἄνδρας ἐλλογίμους καὶ ἄρχοντας ἐπὶ μισθίων ζευγῶν πεφευγότας ἐν ἐσθῆσιν οἰκετικαῖς· οὕτω γὰρ ἀπὸ Ῥώμης σκευάσαντες ἑαυτοὺς διὰ φόβον ὑπεξῄεσαν. Caes. Civ. 1.5.3–5: decurritur ad illum extremum atque ultimum senatus consultum […] itaque […] et de imperio Caesaris et de amplissimis uiris, tribunis plebis, grauissime acerbissimeque decernitur. profugiunt statim ex urbe tribunis plebis seseque ad Caesarem conferunt. is eo tempore erat Ravennae expectabatque suis lenissimis postulatis responsa […]. Caes. Civ. 1.7.1–8.1: Quibus rebus cognitis Caesar apud milites contionatur […]. conclamant legionis XIII, quae aderat, milites […] sese paratos esse imperatoris sui tribunorumque plebis iniurias defendere. Cognita militum uoluntate Ariminum cum ea legione proficiscitur ibique tribunos plebis, qui ad eum confugerant, conuenit. Suet. Jul. 33: Atque ita traiecto exercitu, adhibitis tribunis plebis, qui pulsi superuenerant, procontione fidem militum flens ac ueste a pectore discissa inuocauit. Mk 1:12–13: Καὶ εὐθὺς τὸ πνεῦμα αὐτὸν ἐκβάλλει εἰς τὴν ἔρημον. καὶ ἦν ἐν τῇ ἐρήμῳ τεσσαράκοντα ἡμέρας πειραζόμενος ὑπὸ τοῦ Σατανᾶ, καὶ ἦν μετὰ τῶν θηρίων, καὶ οἱ ἄγγελοι διηκόνουν αὐτῷ. Plut. Caes. 32: αὐτὸς δὲ τῶν μισθίων ζευγῶν ἐπιβὰς ἑνός, ἤλαυνεν ἑτέραν τινὰ πρῶτον ὁδόν· εἶτα πρὸς τὸ Ἀρίμινον ἐπιστρέψας, App. BC 2.35.138: καὶ ζεύγους ἐπιβὰς ἤλαυνεν ἐς τὸ Ἀρίμινον, ἑπομένων οἱ τῶν ἱππέων ἐκ διαστήματος. Suet. Jul. 31: […] Dein post solis occasum mulis e proximo pistrino ad uehiculum iunctis occultissimum iter modico comitatu ingressus est. Aus den verschiedenen Stellen lässt sich rekonstruieren, dass Caesar die zu ihm nach Ravenna geeilten Volkstribunen den Soldaten im selben erbärmlichen Zustand zeigte, wie sie geflohen waren: Dazu gehörte außer der Sklavenkleidung natürlich auch die Mietkarre. Dies geschah aber womöglich in Rimini. Nach Caesars Bericht scheint er auf die Kunde der Ereignisse in Rom hin in Ravenna seine Rede an die Soldaten gehalten zu haben (Civ. 1.7.1: quibus rebus cognitis Caesar apud milites contionatur), während er die Ankunft der Volkstribunen erst in Rimini vermeldet (Civ. 1.8.1: Cognita militum uoluntate Ariminum cum ea legione proficiscitur ibique tribunos plebis, qui ad eum confugerant, conuenit). Demnach erreichte ihn die Kunde von der Flucht der Tribunen vor deren Ankunft. Er hatte noch Zeit, den Soldaten die Rede zu halten und nach Rimini zu marschieren, bevor jene dort eintrafen, wo er sie dann den Soldaten zeigte. Dies wird von den Berichten Appians und Plutarchs nicht in Frage gestellt. Anders Cassius Dio, der die Rede erst in Rimini stattfinden lässt, wo Caesar Curio und die anderen, welche mit ihm zusammen eingetroffen waren, veranlasste, der Truppe über die Vorgänge zu berichten, dabei selbst die Leute weiter aufstachelte, indem er noch Worte hinzufügte, wie sie die augenblickliche Lage erforderte (Dio Cass. HR 41.4.1, cf. Anm. 640). Auffällig ist, dass, um nach Rimini zu fahren, auch Caesar seinerseits einen Wagen nahm sowie ein Muligespann aus einer Mühle. Angeblich fuhr er aus Sicherheitsgründen in getrenntem Wagen und heimlich (cf. Plut. l. c.). Es sieht aber so aus, als ob Caesar die Mulis nahm, um sich auf dieselbe Ebene wie die Tribunen zu begeben – was seinem Stil entsprechen dürfte (cf. die Oppius-Anekdote). Daraus wäre zu schließen, dass auch die Zugtiere am Wagen der Volkstribunen Mulis waren – was wiederum zu den Umständen gepasst hätte. Caes. Civ. 1.7.1–8: Quibus rebus cognitis Caesar apud milites contionatur. omnium temporum iniurias inimicorum in se commemorat; a quibus deductum ac deprauatum Pompeium queritur inuidia atque obtrectatione laudis suae, cuius ipse honori et dignitati semper fauerit adiutorque fuerit. nouum in re publica introductum exemplum queritur, ut tribunicia intercessio armis notaretur atque opprimeretur, quae superioribus annis armis esset restituta. […] hortatur, cuius imperatoris ductu VIIII annis rem publicam felicissime gesserint plurimaque proelia secunda fecerint, omnem Galliam Germaniamque pacauerint, ut eius existimationem dignitatemque ab inimicis defendant. conclamant legionis XIII, quae aderat, milites […] sese paratos esse imperatoris sui tribunorumque plebis iniurias defendere. Mk 1:14–5: Μετὰ δὲ τὸ παραδοθῆναι τὸν Ἰωάννην ἦλθεν ὁ Ἰησοῦς εἰς τὴν Γαλιλαίαν κηρύσσων τὸ εὐαγγέλιον τοῦ θεοῦ καὶ λέγων ὅτι Πεπλήρωται ὁ καιρὸς καὶ ἤγγικεν ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ· μετανοεῖτε καὶ πιστεύετε ἐν τῷ εὐαγγελίῳ.

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Caes. Civ. 1.9.2: Sibi semper primam fuisse dignitatem uitaque potiorem. doluisse se, quod populi Romani beneficium sibi per contumeliam ab inimicis extorqueretur ereptoque semenstri imperio in urbem retraheretur, cuius absenti rationem haberi proximis comitiis populus iussisset. Asinius Pollio war am Rubicon, also Augenzeuge. Man weiß, dass er Caesars commentarii kritisierte: Sie seien ungenau und nicht sehr wahrheitsgetreu, denn Caesar habe in vielen Fällen ohne Prüfung den von anderen berichteten Taten Glauben geschenkt, und was die eigenen angeht, ob absichtlich oder aus Vergesslichkeit, habe er irrtümlich berichtet; deswegen glaubte er, dass Caesar vorhatte, sie umzuarbeiten und zu verbessern (Suet. Jul. 56). Nun aber berichtet hier Caesar über eigene Taten, und die Rede an seine Soldaten vor dem unumkehrbaren Schritt war so entscheidend gewesen, dass er sie kaum hätte vergessen können. Sie absichtlich ändern konnte er kaum, denn zu viele hatten sie gehört, nicht nur die Soldaten, auch die Volkstribunen und seine Offiziere. Er kann höchstens die Rede hier zusammengefasst (z. B.: omnium temporum iniurias inimicorum in se commemorat), dort ausführlicher gestaltet haben (z. B. 1.7.2–6, der ganze Passus über das Vetorecht der Tribunen, von Sulla bis Pompeius mit Exkurs über Saturninus und die Gracchen). Insofern ist die Annahme nicht unberechtigt, dass der Augenzeuge Asinius Pollio eine nicht grundsätzlich andere Fassung dieser Rede Caesars festgehalten hat. Da, wie wir sahen, Markus auf Asinius Pollio zurückgeht, ist in diesem Fall der direkte Vergleich Caesar/Markus legitim, auch wenn die anderen Quellen hier schweigen bzw. nur den theatralischen Teil der Rede, die Zurschaustellung der in Sklavenkleidung geflohenen Volkstribunen, hervorheben. Caes. Civ. 1.8.1: Cognita militum uoluntate Ariminum cum ea legione proficiscitur […]. Caes. Civ. 1.8.1: [Cognita militum uoluntate Ariminum cum ea legione proficiscitur] ibique tribunos plebis, qui ad eum confugerant, conuenit. App. BC 2.35.138–141: καὶ ζεύγους ἐπιβὰς ἤλαυνεν ἐς τὸ Ἀρίμινον, ἑπομένων οἱ τῶν ἱππέων ἐκ διαστήματος. δρόμῳ δ' ἐλθὼν ἐπὶ τὸν Ῥουβίκωνα ποταμόν, ὃς ὁρίζει τὴν Ἰταλίαν, ἔστη τοῦ δρόμου καὶ ἐς τὸ ῥεῦμα ἀφορῶν περιεφέρετο τῇ γνώμῃ, λογιζόμενος ἕκαστα τῶν ἐσομένων κακῶν, εἰ τόνδε τὸν ποταμὸν σὺν ὅπλοις περάσειε. καὶ πρὸς τοὺς παρόντας εἶπεν ἀνενεγκών· “ἡ μὲν ἐπίσχεσις, ὦ φίλοι, τῆσδε τῆς διαβάσεως ἐμοὶ κακῶν ἄρξει, ἡ δὲ διάβασις πᾶσιν ἀνθρώποις.” καὶ εἰπὼν οἷά τις ἔνθους ἐπέρα σὺν ὁρμῇ, τὸ κοινὸν τόδε ἐπειπών· “ὁ κύβος ἀνερρίφθω.” δρόμῳ δ' ἐντεῦθεν ἐπιὼν Ἀρίμινόν τε αἱρεῖ περὶ ἕω καὶ ἐς τὸ πρόσθεν ἐχώρει […]. Plut. Caes. 32: αὐτὸς δὲ τῶν μισθίων ζευγῶν ἐπιβὰς ἑνός, ἤλαυνεν ἑτέραν τινὰ πρῶτον ὁδόν· εἶτα πρὸς τὸ Ἀρίμινον ἐπιστρέψας, ὡς ἦλθεν ἐπὶ τὸν διορίζοντα τὴν ἐντὸς Ἄλπεων Γαλατίαν ἀπὸ τῆς ἄλλης Ἰταλίας ποταμὸν (Ῥουβίκων καλεῖται), καὶ λογισμὸς αὐτὸν εἰσῄει, μᾶλλον ἐγγίζοντα τῷ δεινῷ καὶ περιφερόμενον τῷ μεγέθει τῶν τολμωμένων, ἔσχετο δρόμου, καὶ τὴν πορείαν ἐπιστήσας, πολλὰ μὲν αὐτὸς ἐν ἑαυτῷ διήνεγκε σιγῇ τὴν γνώμην ἐπ' ἀμφότερα μεταλαμβάνων, καὶ τροπὰς ἔσχεν αὐτῷ τότε <τὸ> βούλευμα πλείστας· πολλὰ δὲ καὶ τῶν φίλων τοῖς παροῦσιν, ὧν ἦν καὶ Πολλίων Ἀσίνιος, συνδιηπόρησεν, ἀναλογιζόμενος ἡλίκων κακῶν ἄρξει πᾶσιν ἀνθρώποις ἡ διάβασις, ὅσον τε λόγον αὐτῆς τοῖς αὖθις ἀπολείψουσι. τέλος δὲ μετὰ θυμοῦ τινος ὥσπερ ἀφεὶς ἑαυτὸν ἐκ τοῦ λογισμοῦ πρὸς τὸ μέλλον, καὶ τοῦτο δὴ τὸ κοινὸν τοῖς εἰς τύχας ἐμβαίνουσιν ἀπόρους καὶ τόλμας προοίμιον ὑπειπὼν “ἀνερρίφθω κύβος,” ὥρμησε πρὸς τὴν διάβασιν, καὶ δρόμῳ τὸ λοιπὸν ἤδη χρώμενος, εἰσέπεσε πρὸ ἡμέρας εἰς τὸ Ἀρίμινον, καὶ κατέσχε. Dio Cass. HR 41.4.1: πυθόμενος οὖν ταῦτα ἐκεῖνος ἔς τε Ἀρίμινον ἦλθεν, ἔξω τῆς ἑαυτοῦ ἀρχῆς τότε πρῶτον προχωρήσας, καὶ συναγαγὼν τοὺς στρατιώτας ἐκέλευσε τόν τε Κουρίωνα καὶ τοὺς ἄλλους τοὺς μετ' αὐτοῦ ἐλθόντας σφίσι τὰ πραχθέντα διηγήσασθαι. γενομένου δὲ τούτου προσπαρώξυνεν αὐτούς, ἐπειπὼν ὅσα ὁ καιρὸς ἀπῄτει. Mk 1:16: Καὶ παράγων παρὰ τὴν θάλασσαν τῆς Γαλιλαίας εἶδεν Σίμωνα καὶ Ἀνδρέαν τὸν ἀδελφὸν Σίμωνος ἀμφιβάλλοντας ἐν τῇ θαλάσσῃ· ἦσαν γὰρ ἁλιεῖς. App. BC 2.41.165–42.7: Λέπιδον δὲ Αἰμίλιον ἐφίστη τῇ πόλει καὶ τὸν δήμαρχον Μᾶρκον Ἀντώνιον τῇ Ἰταλίᾳ καὶ τῷ περὶ αὐτὴν στρατῷ. ἔς τε τὰ ἔξω Κουρίωνα μὲν ἀντὶ Κάτωνος ᾑρεῖτο ἡγεῖσθαι Σικελίας, Κόιντον δὲ Σαρδοῦς, καὶ ἐς τὴν Ἰλλυρίδα Γάιον Ἀντώνιον ἔπεμπε καὶ τὴν ἐντὸς Ἄλπεων Γαλατίαν ἐπέτρεπε Λικινίῳ Κράσσῳ. ἐκέλευσε δὲ καὶ νεῶν στόλους δύο γίγνεσθαι κατὰ σπουδήν, ἀμφί τε τὸν Ἰόνιον καὶ περὶ τὴν Τυρρηνίαν· καὶ ναυάρχους αὐτοῖς ἔτι γιγνομένοις ἐπέστησεν Ὁρτήσιόν τε καὶ Δολοβέλλαν. Οὕτω κρατυνάμενος ὁ Καῖσαρ ἄβατον Πομπηίῳ γενέσθαι τὴν Ἰταλίαν ἐς Ἰβηρίαν ᾔει, ἔνθα Πετρηίῳ καὶ Ἀφρανίῳ τοῖς Πομπηίου στρατηγοῖς συμβαλὼν ἧττον αὐτῶν ἐφέρετο τά γε πρῶτα, μετὰ δὲ ἀγχωμάλως ἀλλήλοις ἐπολέμουν ἀμφὶ πόλιν Ἰλέρτην. App. BC 2.46.190–47.192: οὕτω μὲν δὴ τὰ σὺν Κουρίωνι ἐς Λιβύην ἐπιπλεύσαντα Ῥωμαίων δύο τέλη διώλετο ἅπαντα καὶ ὅσοι μετ' αὐτῶν ἦσαν ἱππέες τε καὶ ψιλοὶ καὶ ὑπηρέται τοῦ στρατοῦ· Ἰόβας δ' ἐς τὰ οἰκεῖα ἀνέστρεφε, μέγιστον ἔργον τόδε Πομπηίῳ καταλογιζόμενος. Καὶ τῶν αὐτῶν ἡμερῶν Ἀντώνιός τε περὶ τὴν Ἰλλυρίδα ἡττᾶτο ὑπὸ Ὀκταουίου κατὰ Δολοβέλλα Πομπηίῳ στρατηγοῦντος, καὶ στρατιὰ

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Καίσαρος ἄλλη περὶ Πλακεντίαν στασιάσασα τῶν ἀρχόντων κατεβόησεν, ὡς ἔν τε τῇ στρατείᾳ βραδύνοντες καὶ τὰς πέντε μνᾶς οὐ λαβόντες, ἥν τινα δωρεὰν αὐτοῖς ὁ Καῖσαρ ἔτι περὶ Βρεντέσιον ὑπέσχητο. ὧν ὁ Καῖσαρ πυθόμενος ἐκ Μαςσαλίας ἐς Πλακεντίαν ἠπείγετο συντόμως καὶ ἐς ἔτι στασιάζοντας ἐπελθὼν ἔλεγεν ὧδε· […]. App. BC 2.47.195–48.197: […] χρήσομαι τῷ πατρίῳ νόμῳ καὶ τοῦ ἐνάτου τέλους, ἐπειδὴ μάλιστα τῆς στάσεως κατῆρξε, τὸ δέκατον διακληρώσω θανεῖν.” θρήνου δὲ ἀθρόως ἐξ ἅπαντος τοῦ τέλους γενομένου, οἱ μὲν ἄρχοντες αὐτοῦ προσπεσόντες ἱκέτευον, ὁ δὲ Καῖσαρ μόλις τε καὶ κατ' ὀλίγον ἐνδιδοὺς ἐς τοσοῦτον ὅμως ὑφῆκεν, ὡς ἑκατὸν καὶ εἴκοσι μόνους, οἳ κατάρξαι μάλιστα ἐδόκουν, διακληρῶσαι καὶ δυώδεκα αὐτῶν τοὺς λαχόντας ἀνελεῖν. τῶν δὲ δυώδεκα τῶνδε ἐφάνη τις οὐδ' ἐπιδημῶν, ὅτε ἡ στάσις ἐγίγνετο· καὶ ὁ Καῖσαρ τὸν ἐμφήναντα λοχαγὸν ἔκτεινεν ἀντ' αὐτοῦ. Ἡ μὲν δὴ περὶ Πλακεντίαν στάσις οὕτως ἐλέλυτο, ὁ δὲ Καῖσαρ ἐς Ῥώμην παρῆλθε, καὶ αὐτὸν ὁ δῆμος πεφρικὼς ᾑρεῖτο δικτάτορα, οὔτε τι τῆς βουλῆς ψηφιζομένης οὔτε προχειροτονοῦντος ἄρχοντος. ὁ δέ, εἴτε παραιτησάμενος τὴν ἀρχὴν ὡς ἐπίφθονον εἴτε οὐ χρῄζων, ἄρξας ἐπὶ ἕνδεκα μόνας ἡμέρας (ὧδε γάρ τισι δοκεῖ) ὑπάτους ἐς τὸ μέλλον ἀπέφηνεν ἑαυτόν τε καὶ Πούπλιον Ἰσαυρικόν. ἡγεμόνας τε ἐς τὰ ἔθνη περιέπεμπεν ἢ ἐνήλλαττεν, ἐφ' ἑαυτοῦ καταλέγων, ἐς μὲν Ἰβηρίαν Μᾶρκον Λέπιδον, ἐς δὲ Σικελίαν Αὖλον Ἀλβῖνον, ἐς δὲ Σαρδὼ Σέξστον Πεδουκαῖον, ἐς δὲ τὴν νεόληπτον Γαλατίαν Δέκμον Βροῦτον. Mk 3:13–19: Καὶ ἀναβαίνει εἰς τὸ ὄρος καὶ προσκαλεῖται οὓς ἤθελεν αὐτός, καὶ ἀπῆλθον πρὸς αὐτόν. καὶ ἐποίησεν δώδεκα, [οὓς καὶ ἀποστόλους ὠνόμασεν,] ἵνα ὦσιν μετ' αὐτοῦ καὶ ἵνα ἀποστέλλῃ αὐτοὺς κηρύσσειν καὶ ἔχειν ἐξουσίαν ἐκβάλλειν τὰ δαιμόνια· [καὶ ἐποίησεν τοὺς δώδεκα,] καὶ ἐπέθηκεν ὄνομα τῷ Σίμωνι Πέτρον, καὶ Ἰάκωβον τὸν τοῦ Ζεβεδαίου καὶ Ἰωάννην τὸν ἀδελφὸν τοῦ Ἰακώβου, καὶ ἐπέθηκεν αὐτοῖς ὀνόματα Βοανηργές, ὅ ἐστιν Υἱοὶ Βροντῆς· καὶ Ἀνδρέαν καὶ Φίλιππον καὶ Βαρθολομαῖον καὶ Μαθθαῖον καὶ Θωμᾶν καὶ Ἰάκωβον τὸν τοῦ Ἁλφαίου καὶ Θαδδαῖον καὶ Σίμωνα τὸν Καναναῖον καὶ Ἰούδαν Ἰσκαριώθ, ὃς καὶ παρέδωκεν αὐτόν. Mk 3:16: καὶ ἐπέθηκεν ὄνομα τῷ Σίμωνι Πέτρον. Markus könnte Appians ephistē, «er setzte ihn über» (machte ihn zum Vorsteher), als epethēken gelesen haben, «er setzte ihm davor», «er erlegte ihm auf» (er verpasste ihm den Namen). Vulgata (ALAND & NESTLE 181957): Et imposuit Simoni nomen Petrus: et Jacobum Zebedaei, et Ioannem fratri Iacobi, et imposuit eis nomina Boanerges, quod est Filii Tonitrui. Decimus Iunius Brutus war von einem Postumius Albinus adoptiert worden. Ein Albinus Bruti f. erscheint mit C. Pansa auf Denaren des J. 43 v. Chr. (MOMMSEN RMW 652). Metathesis: Lepidus > Piledus > Philippus. Hier könnte jedoch auch Aemilius nachgeholfen haben: AEMILIVM > ΦΙΛΙΠΠΟΝ. Caes. Civ. 1.6.3–5: Faustus Sulla pro praetore in Mauretaniam mittatur […] de Fausto impedit Philippus tribunus plebis. […] Philippus et Cotta priuato consilio praetereuntur, neque eorum sortes deiciuntur. Dio Cass. HR 41.18.1: τόν τε Ἀριστόβουλον οἴκαδε ἐς τὴν Παλαιστίνην, ὅπως τῷ Πομπηίῳ τι ἀντιπράξῃ, ἔστειλε· […]. Plut. Caes. 50, 51. Dio Cass. HR 41.15.4–16.1: τὰ δ' αὐτὰ ταῦτα καὶ πρὸς τὸν δῆμον, καὶ αὐτὸν ἔξω τοῦ πωμηρίου συνελθόντα, εἰπὼν σῖτόν τε ἐκ τῶν νήσων μετεπέμψατο […]. Mk 3:20–21: Καὶ ἔρχεται εἰς οἶκον· καὶ συνέρχεται πάλιν ὄχλος, ὥστε μὴ δύνασθαι αὐτοὺς μηδὲ ἄρτον φαγεῖν. καὶ ἀκούσαντες οἱ παρ' αὐτοῦ ἐξῆλθον κρατῆσαι αὐτόν, ἔλεγον γὰρ ὅτι ἐξέστη. Dio Cass. HR 41.15.2–4: πρός τε τὴν Ῥώμην ἦλθε, καὶ τῆς γερουσίας οἱ ἔξω τοῦ πωμηρίου ὑπό τε τοῦ Ἀντωνίου καὶ ὑπὸ τοῦ Λογγίνου παρασκευασθείσης […] καὶ διὰ τοῦτ' οὔτ' ᾐτιάσατό τινα οὔτ' ἠπείλησέ τινι οὐδέν, ἀλλὰ καὶ καταδρομὴν κατὰ τῶν πολεμεῖν πολίταις ἐθελόντων οὐκ ἄνευ ἀρῶν ἐποιήσατο, καὶ τὸ τελευταῖον πρέσβεις ὑπέρ τε τῆς εἰρήνης καὶ ὑπὲρ τῆς ὁμονοίας σφῶν παραχρῆμα πρός τε τοὺς ὑπάτους καὶ πρὸς τὸν Πομπήιον πεμφθῆναι ἐσηγήσατο. Caes. Civ. 1.32.2-9: ipse ad urbem proficiscitur. coacto senatu iniurias inimicorum commemorat […] legatos ad Pompeium de compositione mitti oportere, neque se reformidare, quod in senatu Pompeius paulo ante dixisset, ad quos legati mitterentur, his auctoritatem attribui timoremque eorum qui mitterent significari. tenuis atque infirmi haec animi uideri. se uero, ut operibus anteire studuerit, sic iustitia et aequitate uelle superare. Mk 3:22–28: καὶ οἱ γραμματεῖς οἱ ἀπὸ Ἱεροσολύμων καταβάντες ἔλεγον ὅτι Βεελζεβοὺλ ἔχει, καὶ ὅτι ἐν τῷ ἄρχοντι τῶν δαιμονίων ἐκβάλλει τὰ δαιμόνια. καὶ προσκαλεσάμενος αὐτοὺς ἐν παραβολαῖς ἔλεγεν αὐτοῖς, Πῶς δύναται Σατανᾶς Σατανᾶν ἐκβάλλειν; καὶ ἐὰν βασιλεία ἐφ' ἑαυτὴν μερισθῇ, οὐ δύναται σταθῆναι ἡ βασιλεία ἐκείνη· καὶ ἐὰν οἰκία ἐφ' ἑαυτὴν μερισθῇ, οὐ δυνήσεται ἡ οἰκία ἐκείνη σταθῆναι. καὶ εἰ ὁ Σατανᾶς ἀνέστη ἐφ' ἑαυτὸν καὶ ἐμερίσθη, οὐ δύναται στῆναι ἀλλὰ τέλος ἔχει. ἀλλ' οὐ δύναται οὐδεὶς εἰς τὴν οἰκίαν τοῦ ἰσχυροῦ εἰσελθὼν τὰ σκεύη αὐτοῦ διαρπάσαι ἐὰν μὴ πρῶτον τὸν ἰσχυρὸν δήσῃ,

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καὶ τότε τὴν οἰκίαν αὐτοῦ διαρπάσει. Ἀμὴν λέγω ὑμῖν ὅτι πάντα ἀφεθήσεται τοῖς υἱοῖς τῶν ἀνθρώπων, τὰ ἁμαρτήματα καὶ αἱ βλασφημίαι ὅσα ἐὰν βλασφημήσωσιν· […]. Plut. Caes. 37: Ἐπανελθόντα δ' εἰς Ῥώμην Καίσαρα Πείσων μὲν ὁ πενθερὸς παρεκάλει πρὸς Πομπήϊον ἀποστέλλειν ἄνδρας ὑπὲρ διαλύσεως, Ἰσαυρικὸς δὲ Καίσαρι χαριζόμενος ἀντεῖπεν. Dio Cass. HR 41.16.4: καὶ μάλισθ' ὅτι οἱ πρέσβεις οἱ τὰς καταλλαγὰς δῆθεν πρυτανεύσοντες ᾑρέθησαν μέν, οὐκ ἐξῆλθον δέ, ἀλλ' ὅτι καὶ ἐμνήσθη ποτὲ περὶ αὐτῶν ὁ Πίσων ὁ πενθερὸς αὐτοῦ αἰτίαν ἔσχε. Caes. Civ. 1.33.2–3: Probat rem senatus de mittendis legatis; sed qui mitterentur non reperiebantur, maximeque timoris causa pro se quisque id munus legationis recusabat. Pompeius enim discedens ab urbe in senatu dixerat eodem se habiturum loco, qui Romae remansissent, et qui in castris Caesaris fuissent. sic triduum disputationibus excusationibusque extrahitur. subicitur etiam L. Metellus tribunus plebis ab inimicis Caesaris, qui hanc rem distrahat, reliquasque res, quascumque agere instituerit, impediat. cuius cognito consilio Caesar frustra diebus aliquot consumptis, ne reliquum tempus amittat, infecti iis, quae agere destinauerat, ab urbe proficiscitur atque in ulteriorem Galliam peruenit. Suet. Jul. 34: ire se ad exercitum sine duce et inde reuersurum ad ducem sine exercitu. Mk 3:27: ἀλλ' οὐ δύναται οὐδεὶς εἰς τὴν οἰκίαν τοῦ ἰσχυροῦ εἰσελθὼν τὰ σκεύη αὐτοῦ διαρπάσαι ἐὰν μὴ πρῶτον τὸν ἰσχυρὸν δήσῃ, καὶ τότε τὴν οἰκίαν αὐτοῦ διαρπάσει. Caes. Civ. 2.21.5: eadem ratione priuate ac publice quibusdam ciuitatibus habitis honoribus Tarracone dicedit pedibusque Narbonem atque inde Massiliam peruenit. ibi legem de dictatore latam seseque dictatorem dictum a M. Lepido praetore cognoscit. Dio Cass. HR 41.36.1: ἐν ὁδῷ δὲ ἔτ' ὄντος αὐτοῦ Μᾶρκος Αἰμίλιος Λέπιδος, οὗτος ὁ καὶ ἐν τῇ τριαρχίᾳ ὕστερον γενόμενος, τῷ τε δήμῳ συνεβούλευσε στρατηγῶν δικτάτορα τὸν Καίσαρα προχειρίσασθαι καὶ εὐθὺς εἶπεν αὐτὸν παρὰ τὰ πάτρια. Plut. Caes. 37: ἀλλ' ἐν ἡμέραις ἕνδεκα τὴν μὲν μοναρχίαν ἀπειπάμενος, ὕπατον δ' ἀναδείξας ἑαυτὸν καὶ Σερουΐλιον Ἰσαυρικόν, […]; Dio Cass. HR 41.36.4: ποιήσας δὲ ταῦτα καὶ τὸ ὄνομα τῆς δικτατορίας ἀπεῖπε· […]. Mk 8:27–30: Καὶ ἐξῆλθεν ὁ Ἰησοῦς καὶ οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ εἰς τὰς κώμας Καισαρείας τῆς Φιλίππου· καὶ ἐν τῇ ὁδῷ ἐπηρώτα τοὺς μαθητὰς αὐτοῦ λέγων αὐτοῖς, Τίνα με λέγουσιν οἱ ἄνθρωποι εἶναι; οἱ δὲ εἶπαν αὐτῷ λέγοντες [ὅτι] Ἰωάννην τὸν βαπτιστήν, καὶ ἄλλοι, Ἠλίαν, ἄλλοι δὲ ὅτι εἷς τῶν προφητῶν. καὶ αὐτὸς ἐπηρώτα αὐτούς, Ὑμεῖς δὲ τίνα με λέγετε εἶναι; ἀποκριθεὶς ὁ Πέτρος λέγει αὐτῷ, Σὺ εἶ ὁ Χριστός. καὶ ἐπετίμησεν αὐτοῖς ἵνα μηδενὶ λέγωσιν περὶ αὐτοῦ. Supra, sowie: Suet. Jul. 69: et nonam quidem legionem apud Placentiam, quanquam in armis adhuc Pompeius esset, totam cum ignominia missam fecit aegreque post multas et supplicis preces, nec nisi exacta de sontibus poena, restituit […]. Mk 6:5: καὶ οὐκ ἐδύνατο ἐκεῖ ποιῆσαι οὐδεμίαν δύναμιν, εἰ μὴ ὀλίγοις ἀρρώστοις ἐπιθεὶς τὰς χεῖρας ἐθεράπευσεν· Mk 6:6: Καὶ περιῆγεν τὰς κώμας κύκλῳ διδάσκων. Caes. Civ. 3.6: Caesar ut Brundisium uenit, contionatus apud milites, quoniam prope ad finem laborum ac periculorum esset peruentum, aequo animo mancipia atque inpedimenta in Italia relinquerent, ipsi expediti naues conscenderent, quo maior numerus militum posset inponi, omniaque ex uictoria et ex sua liberalitate sperarent, conclamantibus omnibus, imperaret, quod uellet, quodcumque imperauisset, se aequo animo esset facturos, II. Nonas Ianuarias naues soluit. impositae, ut supra demonstratum est, legiones VII. postridie terram attigit. App. BC 2.53.217–20: “Οὔτε τῆς ὥρας τὸ χειμέριον, ὦ ἄνδρες, οἳ περὶ τῶν μεγίστων ἐμοὶ συναίρεσθε, οὔθ' ἡ τῶν ἄλλων βραδυτὴς ἢ ἔνδεια τῆς πρεπούσης παρασκευῆς ἐφέξει με τῆς ὁρμῆς· ἀντὶ γὰρ πάντων ἡγοῦμαί μοι συνοίσειν τὴν ταχυεργίαν. καὶ πρώτους ἡμᾶς, οἳ πρῶτοι συνεδράμομεν ἀλλήλοις, ἀξιῶ θεράποντας μὲν ἐνταῦθα καὶ ὑποζύγια καὶ παρασκευὴν καὶ πάνθ' ὑπολιπέσθαι, ἵνα ἡμᾶς αἱ παροῦσαι νῆες ὑποδέξωνται, μόνους δ' εὐθὺς ἐμβάντας περᾶν, ἵνα τοὺς ἐχθροὺς διαλάθοιμεν, τῷ μὲν χειμῶνι τύχην ἀγαθὴν ἀντιθέντες, τῇ δ' ὀλιγότητι τόλμαν, τῇ δ' ἀπορίᾳ τὴν τῶν ἐχθρῶν εὐπορίαν, ἧς ἔστιν ἡμῖν εὐθὺς ἐπιβαίνουσιν ἐπὶ τὴν γῆν κρατεῖν, ἢν εἰδῶμεν, ὅτι μὴ κρατήσασιν οὐδέν ἐστιν ἴδιον. ἴωμεν οὖν ἐπὶ θεράποντάς τε καὶ σκεύη καὶ ἀγορὰν τὴν ἐκείνων, ἕως χειμάζουσιν ἐν ὑποστέγοις. ἴωμεν, ἕως Πομπήιος ἡγεῖται κἀμὲ χειμάζειν ἢ περὶ πομπὰς καὶ θυσίας ὑπατικὰς εἶναι. εἰδόσι δ' ὑμῖν ἐκφέρω δυνατώτατον ἐν πολέμοις ἔργον εἶναι τὸ ἀδόκητον· φιλότιμον δὲ καὶ πρώτιστον δόξαν ἀπενέγκασθαι τῶν ἐσομένων καὶ τοῖς αὐτίκα διωξομένοις ἡμᾶς ἀσφαλῆ τὰ ἐκεῖ προετοιμάσαι. ἐγὼ μὲν δὴ καὶ τόνδε τὸν καιρὸν πλεῖν ἂν ἢ λέγειν μᾶλλον ἐβουλόμην, ἵνα με Πομπήιος ἴδῃ, νομίζων ἔτι τὴν ἀρχὴν ἐν Ῥώμῃ διατίθεσθαι· τὸ δὲ ὑμέτερον εὐπειθὲς εἰδὼς ὅμως ἀναμένω τὴν ἀπόκρισιν.” Mk 6:7–13: καὶ προςκαλεῖται τοὺς δώδεκα, καὶ ἤρξατο αὐτοὺς ἀποστέλλειν δύο δύο, καὶ ἐδίδου αὐτοῖς ἐξουσίαν τῶν πνευμάτων τῶν ἀκαθάρτων· καὶ παρήγγειλεν αὐτοῖς ἵνα μηδὲν ἄρωσιν εἰς ὁδὸν εἰ μὴ ῥάβδον μόνον, μὴ ἄρτον, μὴ πήραν, μὴ εἰς τὴν ζώνην χαλκόν, ἀλλὰ ὑποδεδεμένους σανδάλια καὶ μὴ

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ἐνδύσασθαι δύο χιτῶνας. καὶ ἔλεγεν αὐτοῖς, Ὅπου ἐὰν εἰσέλθητε εἰς οἰκίαν, ἐκεῖ μένετε ἕως ἂν ἐξέλθητε ἐκεῖθεν. καὶ ὃς ἂν τόπος μὴ δέξηται ὑμᾶς μηδὲ ἀκούσωσιν ὑμῶν, ἐκπορευόμενοι ἐκεῖθεν ἐκτινάξατε τὸν χοῦν τὸν ὑποκάτω τῶν ποδῶν ὑμῶν εἰς μαρτύριον αὐτοῖς. Καὶ ἐξελθόντες ἐκήρυξαν ἵνα μετανοῶσιν, καὶ δαιμόνια πολλὰ ἐξέβαλλον, καὶ ἤλειφον ἐλαίῳ πολλοὺς ἀρρώστους καὶ ἐθεράπευον. App. BC 2.64.267–8: Καὶ τάδε εἰπὼν ἐς Ἀπολλωνίαν εὐθὺς μετῄει καὶ ἀπ' αὐτῆς ἐς Θεσσαλίαν νυκτὸς ὑπεχώρει λανθάνων· Γόμφους τε πόλιν μικρὰν οὐ δεχομένην αὐτὸν ἐξεῖλεν ὑπὸ ὀργῆς καὶ ἐπέτρεψε τῷ στρατῷ διαρπάσαι. οἱ δ' ὡς ἐκ λιμοῦ πάντων ἐνεπίμπλαντο ἀθρόως καὶ ἐμεθύσκοντο ἀπρεπῶς, καὶ μάλιστα αὐτῶν οἱ Γερμανοὶ γελοιότατοι κατὰ τὴν μέθην ἦσαν […]. Plut. Caes. 40-1: τότε δὲ καί τι νόσημα λοιμῶδες ἐλέχθη, τὴν ἀτοπίαν τῆς διαίτης ποιησάμενον ἀρχήν, ἐν τῇ στρατιᾷ περιφέρεσθαι τῇ Καίσαρος […] Ὁ δὲ τὴν μὲν ἄλλην πορείαν χαλεπῶς ἤνυσεν, οὐδενὸς παρέχοντος ἀγοράν, ἀλλὰ πάντων καταφρονούντων διὰ τὴν ἔναγχος ἧτταν· ὡς δ' εἷλε Γόμφους Θεσσαλικὴν πόλιν, οὐ μόνον ἔθρεψε τὴν στρατιάν, ἀλλὰ καὶ τοῦ νοσήματος ἀπήλλαξε παραλόγως. ἀφθόνῳ γὰρ ἐνέτυχον οἴνῳ, καὶ πιόντες ἀνέδην, εἶτα χρώμενοι κώμοις καὶ βακχεύοντες ἀνὰ τὴν ὁδὸν ἐκ μέθης, διεκρούσαντο καὶ παρήλλαξαν τὸ πάθος, εἰς ἕξιν ἑτέραν τοῖς σώμασι μεταπεσόντες. Caes. Civ. 3.80: Coniuncto exercitu Caesar Gomphos peruenit, quod est oppidum primum uenientibus ab Epiro. […] Pompeius nondum Thessaliae appropinquabat. Caesar castris munitis scalas musculosque ad repentinam oppugnationem fieri et crates parari iussit. quibus rebus effectis cohortatus milites docuit, quantum usum haberet ad subleuandam omnium rerum inopiam potiri oppiduo pleno atque opulento, simul reliquis ciuitatibus huius urbis exemplo inferri terrorem et id fieri celeriter, priusquam auxilia concurrerent. itaque usus singulari militum studio eodem quo uenerat die post horam nonam oppidum altissimis moenibus oppugnare adgressus ante solis occasum expugnauit et ad diripiendum militibus concessit statimque ab oppido castra mouit et Metropolim uenit, sic ut nuntios expugnati oppidi famamque antecederet. Plut. Caes. 28.6: πολλοὶ δ' ἦσαν οἱ καὶ λέγειν ἐν μέσῳ τολμῶντες ἤδη, πλὴν ὑπὸ μοναρχίας ἀνήκεστον εἶναι τὴν πολιτείαν, καὶ τὸ φάρμακον τοῦτο χρῆναι τοῦ πρᾳοτάτου τῶν ἰατρῶν ἀνασχέσθαι προσφέροντος, ὑποδηλοῦντες <δὴ> τὸν Πομπήϊον. App. BC 2.54.221–2: Ἀναβοήσαντος δὲ σὺν ὁρμῇ τοῦ στρατοῦ παντὸς ἄγειν σφᾶς, εὐθὺς ἐπὶ τὴν θάλασσαν ἦγεν ἀπὸ τοῦ βήματος, πέντε πεζῶν τέλη καὶ ἱππέας λογάδας ἑξακοσίους. καὶ ἐπ' ἀγκυρῶν ἀπεσάλευε κλυδωνίου διαταράσσοντος. χειμέριοι δ' ἦσαν τροπαί, καὶ τὸ πνεῦμα ἄκοντα καὶ ἀσχάλλοντα κατεκώλυε, μέχρι καὶ τὴν πρώτην τοῦ ἔτους ἡμέραν ἐν Βρεντεσίῳ διατρῖψαι. καὶ δύο τελῶν ἄλλων ἐπελθόντων, ὁ δὲ καὶ τάδε προσλαβὼν ἀνήγετο χειμῶνος ἐπὶ ὁλκάδων· […] ὑπὸ δὲ χειμώνων ἐς τὰ Κεραύνια ὄρη περιαχθεὶς τὰ μὲν πλοῖα εὐθὺς ἐς Βρεντέσιον ἐπὶ τὴν ἄλλην στρατιὰν περιέπεμπεν […]. Mk 4:35–5:2: Καὶ λέγει αὐτοῖς ἐν ἐκείνῃ τῇ ἡμέρᾳ ὀψίας γενομένης, Διέλθωμεν εἰς τὸ πέραν. καὶ ἀφέντες τὸν ὄχλον παραλαμβάνουσιν αὐτὸν ὡς ἦν ἐν τῷ πλοίῳ, καὶ ἄλλα πλοῖα ἦν μετ' αὐτοῦ. καὶ γίνεται λαῖλαψ μεγάλη ἀνέμου, καὶ τὰ κύματα ἐπέβαλλεν εἰς τὸ πλοῖον, ὥστε ἤδη γεμίζεσθαι τὸ πλοῖον. καὶ αὐτὸς ἦν ἐν τῇ πρύμνῃ ἐπὶ τὸ προσκεφάλαιον καθεύδων· καὶ ἐγείρουσιν αὐτὸν καὶ λέγουσιν αὐτῷ, Διδάσκαλε, οὐ μέλει σοι ὅτι ἀπολλύμεθα; καὶ διεγερθεὶς ἐπετίμησεν τῷ ἀνέμῳ καὶ εἶπεν τῇ θαλάσσῃ, Σιώπα, πεφίμωσο. καὶ ἐκόπασεν ὁ ἄνεμος, καὶ ἐγένετο γαλήνη μεγάλη. καὶ εἶπεν αὐτοῖς, Τί δειλοί ἐστε; οὔπω ἔχετε πίστιν; καὶ ἐφοβήθησαν φόβον μέγαν, καὶ ἔλεγον πρὸς ἀλλήλους, Τίς ἄρα οὗτός ἐστιν ὅτι καὶ ὁ ἄνεμος καὶ ἡ θάλασσα ὑπακούει αὐτῷ; Καὶ ἦλθον εἰς τὸ πέραν τῆς θαλάσσης εἰς τὴν χώραν τῶν Γερασηνῶν. καὶ ἐξελθόντος αὐτοῦ ἐκ τοῦ πλοίου [εὐθὺς] ὑπήντησεν αὐτῷ ἐκ τῶν μνημείων ἄνθρωπος ἐν πνεύματι ἀκαθάρτῳ […]. Plut. Caes. 38.2: νυκτὸς οὖν ἐσθῆτι θεράποντος ἐπικρυψάμενος ἐνέβη, καὶ καταβαλὼν ἑαυτὸν ὥς τινα τῶν παρημελημένωνn ἡσύχαζε. S. 47sqq. Mt 14:28–33. Supra, S. 47. Caes. Civ. 3.73: Caesar ab superioribus consiliis depulsus omnem sibi commutandam beilli rationem existimauit. itaque uno tempore paesidiis omnibus deductis et oppugnatione dimissa coactoque in unum locum exercitu contionem apud milites habuit […] 3.74: […] simulque omnes arderent cupiditate pugnandi, cum superioris etiam ordinis nonnulli ratione permoti manendum eo loco et rem proelio committendam existimarent. contre ea Caesar neque satis militis perterritis confidebat spatiumque interponendum ad recreandos animos putabat, relictisque munitionibus magnopere rei frumentariae timebat. 3.75: Itaque nulla interposita mora sauciorum modo et aegrorum habita ratione impedimenta omnia silentio prima nocte ex castris Apollonia praemisit ac conquiescere ante iter confectum uetuit. App. BC 2.63.264–64.267: ὡς δὲ ὁ Καῖσαρ οὐδὲ τοῦτ' ἀνασχόμενος ὀλίγους μόλις ἐκόλασεν, αὐτίκα πᾶσιν αὐτοῦ πρὸς τὴν μετριοπάθειαν ὁρμὴ τοσήδε ἐνέπιπτεν, ὡς εὐθὺς αὐτὸν ἄγειν ἀξιοῦν ἐπὶ τοὺς πολεμίους· καὶ ἐνέκειντο σφόδρα προθύμως, παρακαλοῦντές τε καὶ ὑπισχνούμενοι διορθώσεσθαι τὸ

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ἁμάρτημα νίκῃ καλῇ· κατά τε σφᾶς ἐπιστρεφόμενοι πρὸς ἀλλήλους ἰλαδὸν κατὰ μέρη συνώμνυντο, ἐφορῶντος αὐτοῦ Καίσαρος, μὴ ἐπανήξειν ἐκ τῆς μάχης, εἰ μὴ κρατοῖεν. Ὅθεν αὐτὸν οἱ μὲν φίλοι παρεκάλουν ἀποχρήσασθαι τοιᾷδε μετανοίᾳ καὶ προθυμίᾳ στρατοῦ· ὁ δ' ἐς μὲν τὸ πλῆθος εἶπεν, ὅτι μετὰ βελτιόνων καιρῶν αὐτοὺς ἐπὶ τοὺς πολεμίους ἄξει, καὶ μεμνῆσθαι τῆσδε τῆς προθυμίας διεκελεύσατο, τοὺς δὲ φίλους ἀνεδίδασκεν, ὅτι χρὴ καὶ τῶνδε προεξελεῖν τὸν φόβον τῆς ἥττης πολὺν αὐτοῖς ἐγγενόμενον καὶ τῶν πολεμίων τὸ φρόνημα ἀκμάζον προκαθελεῖν. ὡμολόγει τε μεταγιγνώσκειν πρὸς Δυρραχίῳ στρατοπεδεύσας. ἔνθα ἔστιν ἡ παρασκευὴ πᾶσα Πομπηίῳ, δέον ἀποσπᾶν αὐτὸν ἑτέρωθι ἐς ὁμοίας ἀπορίας. Καὶ τάδε εἰπὼν ἐς Ἀπολλωνίαν εὐθὺς μετῄει καὶ ἀπ' αὐτῆς ἐς Θεσσαλίαν νυκτὸς ὑπεχώρει λανθάνων· […]. Mk 5:12–13: καὶ παρεκάλεσαν αὐτὸν λέγοντες, Πέμψον ἡμᾶς εἰς τοὺς χοίρους, ἵνα εἰς αὐτοὺς εἰσέλθωμεν. καὶ ἐπέτρεψεν αὐτοῖς. καὶ ἐξελθόντα τὰ πνεύματα τὰ ἀκάθαρτα εἰσῆλθον εἰς τοὺς χοίρους, καὶ ὥρμησεν ἡ ἀγέλη κατὰ τοῦ κρημνοῦ εἰς τὴν θάλασσαν, ὡς δισχίλιοι, καὶ ἐπνίγοντο ἐν τῇ θαλάσσῃ. Klar dürfte jedenfalls sein, dass sowohl thalassa bei den Gerasenern als auch die Säue nicht passen, Ersteres weil dort nur ein Binnensee ist und kein Meer, Letzteres weil im jüdischen Land keine Säue gezüchtet wurden: Beides deutet also, zusammen mit dem Namen Legion, zweifelsohne auf eine ursprünglich römische Geschichte hin. App. BC 2.70.289: Στρατιὰ δ' ἦν, ὡς ἐμοὶ δοκεῖ, πολλῶν ἀμφίλογα εἰπόντων ἑπομένῳ μάλιστα Ῥωμαίων τοῖς τὰ πιθανώτατα γράφουσι περὶ τῶν ἐξ Ἰταλίας ἀνδρῶν, οἷς δὴ καὶ μάλιστα θαρροῦντες τὰ συμμαχικὰ οὐκ ἀκριβοῦσιν οὐδὲ ἀναγράφουσιν ὡς ἀλλότρια καὶ ὀλίγην ἐν αὐτοῖς εἰς προσθήκην χώραν ἔχοντα, Καίσαρι μὲν ἐς δισχιλίους ἐπὶ δισμυρίοις, καὶ τούτων ἱππέες ἦσαν ἀμφὶ τοὺς χιλίους, Πομπηίῳ δὲ ὑπὲρ τὸ διπλάσιον, καὶ τούτων ἱππέες ἐς ἑπτακισχιλίους. Plut. Pomp. 69: ἦσαν δὲ οἱ μὲν μετὰ Καίσαρος δισχίλιοι πρὸς δισμυρίοις, οἱ δὲ μετὰ Πομπηΐου βραχεῖ πλείονες ἢ διπλάσιοι τούτων. Plut. Caes. 45: Πομπήϊος δ' ὡς κατεῖδεν ἀπὸ θατέρου τοὺς ἱππεῖς φυγῇ σκεδασθέντας, οὐκέτ' ἦν ὁ αὐτὸς οὐδ' ἐμέμνητο Πομπήϊος ὢν Μᾶγνος, ἀλλ' ὑπὸ θεοῦ μάλιστα βλαπτομένῳ τὴν γνώμην ἐοικώς [ἢ διὰ θείας ἥττης τεθαμβημένος], ἄφθογγος ᾤχετ' ἀπιὼν ἐπὶ σκηνήν, καὶ καθεζόμενος ἐκαραδόκει τὸ μέλλον, ἄχρι οὗ τροπῆς ἁπάντων γενομένης ἐπέβαινον οἱ πολέμιοι τοῦ χάρακος καὶ διεμάχοντο πρὸς τοὺς φυλάττοντας. τότε δ' ὥσπερ ἔννους γενόμενος, καὶ ταύτην μόνην ὥς φασι φωνὴν ἀφεὶς “οὐκοῦν καὶ ἐπὶ τὴν παρεμβολήν;” ἀπεδύ-σατο μὲν τὴν ἐναγώνιον καὶ στρατηγικὴν ἐσθῆτα, φεύγοντι δὲ πρέπουσαν μεταλαβὼν ὑπεξῆλθεν. App. BC 2.81.339–43: Πομπήιος δ' ἐπεὶ τὴν τροπὴν εἶδεν, ἔκφρων αὑτοῦ γενόμενος ἀπῄει βάδην ἐς τὸ στρατόπεδον καὶ παρελθὼν ἐς τὴν σκηνὴν ἐκαθέζετο ἄναυδος, οἷόν τι καὶ τὸν Τελαμῶνος Αἴαντά φασιν ἐν Ἰλίῳ παθεῖν, ἐν μέσοις πολεμίοις ὑπὸ θεοβλαβείας. τῶν δ' ἄλλων ὀλίγοι πάνυ ἐσῄεσαν ἐς τὸ στρατόπεδον· τὸ γὰρ κήρυγμα τοῦ Καίσαρος ἑστάναι τε ἀκινδύνως ἐποίει, καὶ παραδραμόντων τῶν πολεμίων διεσκίδνη κατὰ μέρος. ληγούσης δὲ τῆς ἡμέρας ὁ Καῖσαρ τὸν στρατὸν ἀσχέτως που περιθέων ἱκέτευε προσπονῆσαι, μέχρι καὶ τὸν χάρακα τοῦ Πομπηίου λάβοιεν, ἐκδιδάσκων, ὅτι, εἰ συσταῖεν αὖθις οἱ πολέμιοι, μίαν ἡμέραν ἔσονται νενικηκότες, εἰ δὲ τὸ στρατόπεδον αὐτῶν ἕλοιεν, τὸν πόλεμον ἑνὶ τῷδε ἔργῳ κατωρθωκότες ἂν εἶεν. τάς τε οὖν χεῖρας αὐτοῖς ὤρεγε καὶ πρῶτος ἐξῆρχε δρόμου. τοῖς δὲ τὰ μὲν σώματα ἔκαμνε, τὴν δὲ ψυχὴν ὅ τε λογισμὸς καὶ ὁ αὐτοκράτωρ συντρέχων ἐκούφιζεν. ᾐώρει δὲ καὶ ἡ τῶν γεγονότων εὐπραξία καὶ ἐλπίς, ὅτι καὶ τὸν χάρακα αἱρήσουσι καὶ πολλὰ τὰ ἐν αὐτῷ· ἥκιστα δ' ἐν ἐλπίσιν ἢ εὐτυχίαις ἄνθρωποι καμάτων αἰσθάνονται. οἱ μὲν δὴ καὶ τῷδε προσπεσόντες ἐπεχείρουν σὺν πολλῇ πρὸς τοὺς ἀπομαχομένους καταφρονήσει, ὁ δὲ Πομπήιος μαθὼν ἐξ ἀλλοκότου σιωπῆς τοσοῦτον ἀπέρρηξεν· “οὐκοῦν καὶ ἐπὶ τὸν χάρακα ἡμῶν;” καὶ εἰπὼν τήν τε στολὴν ἐνήλλαξε καὶ ἵππου ἐπιβὰς σὺν φίλοις τέσσαρσιν οὐκ ἀνέσχε δρόμου, πρὶν ἀρχομένης ἡμέρας ἐν Λαρίσσῃ γενέσθαι. Caes. Civ. 3.96: Pompeius, iam cum intra uallum nostri uersarentur, equum nactus detractis insignibus imperatoriis decumana porta se ex castris eiecit protinusque equo citato Larisam contendit. neque ibi constitit, sed eadem celeritate paucos suos ex fuga nactus nocturno itinere non intermisso comitatu equitatum XXX ad mare peruenit nauemque frumentariam conscendit, saepe, ut dicebatur, querens tantum se opinionem fefellisse, ut a quo genere hominum uictoriam sperasset, ab eo initio fugae paene proditus uideretur. Mk 5:14–20: καὶ οἱ βόσκοντες αὐτοὺς ἔφυγον καὶ ἀπήγγειλαν εἰς τὴν πόλιν καὶ εἰς τοὺς ἀγρούς· καὶ ἦλθον ἰδεῖν τί ἐστιν τὸ γεγονός. καὶ ἔρχονται πρὸς τὸν Ἰησοῦν, καὶ θεωροῦσιν τὸν δαιμονιζόμενον καθήμενον ἱματισμένον καὶ σωφρονοῦντα, τὸν ἐσχηκότα τὸν λεγιῶνα, καὶ ἐφοβήθησαν. καὶ διηγήσαντο αὐτοῖς οἱ ἰδόντες πῶς ἐγένετο τῷ δαιμονιζομένῳ καὶ περὶ τῶν χοίρων. καὶ ἤρξαντο παρακαλεῖν αὐτὸν ἀπελθεῖν ἀπὸ τῶν ὁρίων αὐτῶν. καὶ ἐμβαίνοντος αὐτοῦ εἰς τὸ πλοῖον παρεκάλει αὐτὸν ὁ δαιμονισθεὶς ἵνα μετ' αὐτοῦ ᾖ. καὶ οὐκ ἀφῆκεν αὐτόν, ἀλλὰ λέγει αὐτῷ, Ὕπαγε εἰς τὸν οἶκόν σου πρὸς

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τοὺς σούς, καὶ ἀπάγγειλον αὐτοῖς ὅσα ὁ κύριός σοι πεποίηκεν καὶ ἠλέησέν σε. καὶ ἀπῆλθεν καὶ ἤρξατο κηρύσσειν ἐν τῇ Δεκαπόλει ὅσα ἐποίησεν αὐτῷ ὁ Ἰησοῦς, καὶ πάντες ἐθαύμαζον. Suet. Jul. 30.4: quod probabilius facit Asinius Pollio, Pharsalica acie caesos profligatosque aduersarios prospicientem haec eum ad uerbum dixisse referens: 'hoc uoluerunt; tantis rebus gestis Gaius Caesar condemnatus essem, nisi ab exercitu auxilium petissem.' Plut. Caes. 46: Ὁ δὲ Καῖσαρ ὡς ἐν τῷ χάρακι τοῦ Πομπηΐου γενόμενος τούς τε κειμένους νεκροὺς ἤδη τῶν πολεμίων εἶδε καὶ τοὺς ἔτι κτεινομένους, εἶπεν ἄρα στενάξας· “τοῦτ' ἐβουλήθησαν, εἰς τοῦτό μ' ἀνάγκης ὑπηγάγοντο, ἵνα Γάϊος Καῖσαρ ὁ μεγίστους πολέμους κατορθώσας, εἰ προηκάμην τὰ στρατεύματα, κἂν κατεδικάσθην.” ταῦτά φησι Πολλίων Ἀσίνιος (HRR II 68) τὰ ῥήματα Ῥωμαϊστὶ μὲν ἀναφθέγξασθαι τὸν Καίσαρα παρὰ τὸν τότε καιρόν, Ἑλληνιστὶ δ' ὑφ' αὑτοῦ γεγράφθαι· τῶν δ' ἀποθανόντων τοὺς πλείστους οἰκέτας γενέσθαι, περὶ τὴν κατάληψιν τοῦ χάρακος ἀναιρεθέντας, στρατιώτας δὲ μὴ πλείους ἑξακιςχιλίων πεσεῖν. Ob Caesar wirklich lateinisch gesprochen hatte und Asinius seine Worte auf Griechisch aufgeschrieben, wie Plutarch bemerkt, wird von vielen Kommentatoren insofern angezweifelt, als Asinius seine Historiae lateinisch verfasste. Es wird daher vermutet, dass es umgekehrt war, dass Caesar bei der Gelegenheit griechisch sprach, wie so oft, wenn er von seinen Offizieren, jedoch nicht von den Soldaten verstanden werden wollte, Asinius aber die Worte lateinisch wiedergab. Ein Kopist hätte dann, da Plutarch Asinius’ Zitat seinerseits ins Griechische übersetzt hat, lateinisch und griechisch vertauscht. Mk 9:31–2: Ὁ υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου παραδίδοται εἰς χεῖρας ἀνθρώπων, καὶ ἀποκτενοῦσιν αὐτόν, καὶ ἀποκτανθεὶς μετὰ τρεῖς ἡμέρας ἀναστήσεται. οἱ δὲ ἠγνόουν τὸ ῥῆμα, καὶ ἐφοβοῦντο αὐτὸν ἐπερωτῆσαι. Cf. F. CAROTTA – A. EICKENBERG, «Liberalia tu accusas! Restituting the ancient date of Caesar’s funus», REA 113, 2011, pp. 447–467. Mk 9:30: Κἀκεῖθεν ἐξελθόντες παρεπορεύοντο διὰ τῆς Γαλιλαίας […]. Mk 8:31: Καὶ ἤρξατο διδάσκειν αὐτοὺς ὅτι δεῖ τὸν υἱὸν τοῦ ἀνθρώπου πολλὰ παθεῖν καὶ ἀποδοκιμασθῆναι ὑπὸ τῶν πρεσβυτέρων καὶ τῶν ἀρχιερέων καὶ τῶν γραμματέων καὶ ἀποκτανθῆναι καὶ μετὰ τρεῖς ἡμέρας ἀναστῆναι· Mk 8:32–3: καὶ παρρησίᾳ τὸν λόγον ἐλάλει. καὶ προσλαβόμενος ὁ Πέτρος αὐτὸν ἤρξατο ἐπιτιμᾶν αὐτῷ. ὁ δὲ ἐπιστραφεὶς καὶ ἰδὼν τοὺς μαθητὰς αὐτοῦ ἐπετίμησεν Πέτρῳ καὶ λέγει, Ὕπαγε ὀπίσω μου, Σατανᾶ, ὅτι οὐ φρονεῖς τὰ τοῦ θεοῦ ἀλλὰ τὰ τῶν ἀνθρώπων. App. BC 2.33.131–2: καὶ οἱ ὕπατοι, Μάρκελλός τε καὶ Λέντλος, ἐκέλευον τοῖς ἀμφὶ τὸν Ἀντώνιον ἐκστῆναι τοῦ συνεδρίου, μή τι καὶ δημαρχοῦντες ὅμως πάθοιεν ἀτοπώτερον. ἔνθα δὴ μέγα βοήσας ὁ Ἀντώνιος ἀνά τε ἔδραμε τῆς ἕδρας σὺν ὀργῇ καὶ περὶ τῆς ἀρχῆς ἐπεθείαζεν αὐτοῖς, ὡς ἱερὰ καὶ ἄσυλος οὖσα ὑβρίζοιτο, καὶ περὶ σφῶν, ὅτι γνώμην ἐσφέροντες, ἣν δοκοῦσι συνοίσειν, ἐξαλαύνοιντο σὺν ὕβρει, μήτε τινὰ σφαγὴν μήτε μύσος ἐργασάμενοι. ταῦτα δ' εἰπὼν ἐξέτρεχεν ὥσπερ ἔνθους, πολέμους καὶ σφαγὰς καὶ προγραφὰς καὶ φυγὰς καὶ δημεύσεις καὶ ὅσα ἄλλα αὐτοῖς ἔμελλεν ἔσεσθαι, προθεσπίζων ἀράς τε βαρείας τοῖς τούτων αἰτίοις ἐπαρώμενος. Caes. Civ. 1.6.8: omnia diuina humanaque iura permiscentur. App. BC 2.35.139–41: δρόμῳ δ' ἐλθὼν ἐπὶ τὸν Ῥουβίκωνα ποταμόν, ὃς ὁρίζει τὴν Ἰταλίαν, ἔστη τοῦ δρόμου καὶ ἐς τὸ ῥεῦμα ἀφορῶν περιεφέρετο τῇ γνώμῃ, λογιζόμενος ἕκαστα τῶν ἐσομένων κακῶν, εἰ τόνδε τὸν ποταμὸν σὺν ὅπλοις περάσειε. καὶ πρὸς τοὺς παρόντας εἶπεν ἀνενεγκών· “ἡ μὲν ἐπίσχεσις, ὦ φίλοι, τῆσδε τῆς διαβάσεως ἐμοὶ κακῶν ἄρξει, ἡ δὲ διάβασις πᾶσιν ἀνθρώποις.” καὶ εἰπὼν οἷά τις ἔνθους ἐπέρα σὺν ὁρμῇ, τὸ κοινὸν τόδε ἐπειπών· “ὁ κύβος ἀνερρίφθω.” δρόμῳ δ' ἐντεῦθεν ἐπιὼν Ἀρίμινόν τε αἱρεῖ περὶ ἕω καὶ ἐς τὸ πρόσθεν ἐχώρει […]. Plut. Caes. 32: πολλὰ μὲν αὐτὸς ἐν ἑαυτῷ διήνεγκε σιγῇ τὴν γνώμην ἐπ' ἀμφότερα μεταλαμβάνων, καὶ τροπὰς ἔσχεν αὐτῷ τότε <τὸ> βούλευμα πλείστας· πολλὰ δὲ καὶ τῶν φίλων τοῖς παροῦσιν, ὧν ἦν καὶ Πολλίων Ἀσίνιος, συνδιηπόρησεν, ἀναλογιζόμενος ἡλίκων κακῶν ἄρξει πᾶσιν ἀνθρώποις ἡ διάβασις, ὅσον τε λόγον αὐτῆς τοῖς αὖθις ἀπολείψουσι. τέλος δὲ μετὰ θυμοῦ τινος ὥσπερ ἀφεὶς ἑαυτὸν ἐκ τοῦ λογισμοῦ πρὸς τὸ μέλλον, καὶ τοῦτο δὴ τὸ κοινὸν τοῖς εἰς τύχας ἐμβαίνουσιν ἀπόρους καὶ τόλμας προοίμιον ὑπειπὼν “ἀνερρίφθω κύβος,” ὥρμησε πρὸς τὴν διάβασιν, καὶ δρόμῳ τὸ λοιπὸν ἤδη χρώμενος, εἰσέπεσε πρὸ ἡμέρας εἰς τὸ Ἀρίμινον, καὶ κατέσχε. Suet. Jul. 31–2: consecutusque cohortis ad Rubiconem flumen, qui prouinciae eius finis erat, paulum constitit, ac reputans quantum moliretur, conuersus ad proximos: «etiam nunc,» inquit, «regredi possumus; quod si ponticulum transierimus, omnia armis agenda erunt.» cunctanti ostentum tale factum est. quidam eximia magnitudine et forma in proximo sedens repente apparuit harundine canens; ad quem audiendum cum praeter pastores plurimi etiam ex stationibus milites concurrissent interque eos et aeneatores, rapta ab uno tuba prosiliuit ad flumen et ingenti spiritu classicum exorsus pertendit ad

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alteram ripam. tunc Caesar: «eatur,» inquit, «quo deorum ostenta et inimicorum iniquitas uocat. iacta alea est,» inquit. atque ita traiecto exercitu […]. Mk 8:34–9:1: Καὶ προσκαλεσάμενος τὸν ὄχλον σὺν τοῖς μαθηταῖς αὐτοῦ εἶπεν αὐτοῖς, Εἴ τις θέλει ὀπίσω μου ἐλθεῖν, ἀπαρνησάσθω ἑαυτὸν καὶ ἀράτω τὸν σταυρὸν αὐτοῦ καὶ ἀκολουθείτω μοι. ὃς γὰρ ἐὰν θέλῃ τὴν ψυχὴν αὐτοῦ σῶσαι ἀπολέσει αὐτήν· ὃς δ' ἂν ἀπολέσει τὴν ψυχὴν αὐτοῦ ἕνεκεν [ἐμοῦ καὶ] τοῦ εὐαγγελίου σώσει αὐτήν. τί γὰρ ὠφελεῖ ἄνθρωπον κερδῆσαι τὸν κόσμον ὅλον καὶ ζημιωθῆναι τὴν ψυχὴν αὐτοῦ; τί γὰρ δοῖ ἄνθρωπος ἀντάλλαγμα τῆς ψυχῆς αὐτοῦ; ὃς γὰρ ἐὰν ἐπαισχυνθῇ με καὶ τοὺς ἐμοὺς λόγους ἐν τῇ γενεᾷ ταύτῃ τῇ μοιχαλίδι καὶ ἁμαρτωλῷ, καὶ ὁ υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου ἐπαισχυνθήσεται αὐτὸν ὅταν ἔλθῃ ἐν τῇ δόξῃ τοῦ πατρὸς αὐτοῦ μετὰ τῶν ἀγγέλων τῶν ἁγίων. Καὶ ἔλεγεν αὐτοῖς, Ἀμὴν λέγω ὑμῖν ὅτι εἰσίν τινες ὧδε τῶν ἑστηκότων οἵτινες οὐ μὴ γεύσωνται θανάτου ἕως ἂν ἴδωσιν τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ ἐληλυθυῖαν ἐν δυνάμει. App. BC 2.74.310: “[…] πρὸ δὲ πάντων, ὡς ἂν εἰδείην ὑμᾶς ἔγωγε ὧν συνετίθεσθε μεμνημένους τε καὶ νίκην πάντως ἢ θάνατον αἱρουμένους, καθέλετέ μοι προϊόντες ἐπὶ τὴν μάχην τὰ τείχη τὰ σφέτερα αὐτῶν καὶ τὴν τάφρον ἐγχώσατε, ἵνα μηδὲν ἔχωμεν, ἂν μὴ κρατῶμεν, ἴδωσι δ' ἡμᾶς ἀσταθμεύτους οἱ πολέμιοι καὶ συνῶσιν, ὅτι πρὸς ἀνάγκης ἐστὶν ἡμῖν ἐν τοῖς ἐκείνων σταθμεῦσαι.”; ibidem 2.81.344: ὁ δὲ Καῖσαρ, ὡς ἐπηπείλησε παρατάσσων, ἐν τῷ Πομπηίου χάρακι ἐστάθμευσε, καὶ αὐτός τε τὴν ἐκείνου βρώμην καὶ ὁ στρατὸς ἅπας τὴν τῶν πολεμίων ἐδαίσαντο. Caes. Civ. 3.96: In castris Pompei uidere licuit trichilas structas, magnum argenti pondus expositum, recentibus caespitibus tabernacula constrata, Luci etiam et Lentuli et nonnullorum tabernacula protecta hedera multaque praeterea, quae nimiam luxuriem et uictoriae fiduciam designarent, ut facile exixtimari posset nihil eos de euentu eius diei timuisse, qui non necessarias conquirerent uoluptates. at hi miserrimo ac patientissimo exercitu Caesaris luxuriem obiciebant, cui semper omnia ad necessarium usum defuissent. Plut. Pomp. 72: Αἱροῦντες δὲ τὸ στρατόπεδον ἐθεῶντο τὴν ἄνοιαν καὶ κουφότητα τῶν πολεμίων. πᾶσα γὰρ σκηνὴ μυρσίναις κατέστεπτο καὶ στρωμναῖς ἀνθιναῖς ἤσκητο καὶ τραπέζαις ἐκπωμάτων μεσταῖς· καὶ κρατῆρες οἴνου προὔκειντο, καὶ παρασκευὴ καὶ κόσμος ἦν τεθυκότων καὶ πανηγυριζόντων μᾶλλον ἢ πρὸς μάχην ἐξοπλιζομένων. οὕτω ταῖς ἐλπίσι διεφθαρμένοι καὶ γέμοντες ἀνοήτου θράσους ἐπὶ τὸν πόλεμον ἐχώρουν. Plut. Caes. 55: Μετὰ δὲ τοὺς θριάμβους <τοῖς> στρατιώταις τε μεγάλας δωρεὰς ἐδίδου, καὶ τὸν δῆμον ἀνελάμβανεν ἑστιάσεσι καὶ θέαις, ἑστιάσας μὲν ἐν δισμυρίοις καὶ δισχιλίοις τρικλίνοις ὁμοῦ σύμπαντας, θέας δὲ καὶ μονομάχων καὶ ναυμάχων ἀνδρῶν παρασχὼν ἐπὶ τῇ θυγατρὶ Ἰουλίᾳ πάλαι τεθνεώσῃ. Ibidem 57: αὖθις ἀνελάμβανε τὸν δῆμον ἑστιάσεσι καὶ σιτηρεσίοις, τὸ δὲ στρατιωτικὸν ἀποικίαις […]. Suet. Jul. 38: populo praeter frumenti denos modios ac totidem olei libras trecenos quoque nummos, quos pollicitus olim erat, uiritim diuisit et hoc amplius centenos pro mora. annuam etiam habitationem Romae usque ad bina milia nummum, in Italia non ultra quingenos sestertios remisit. adiecit epulum ac uiscerationem et post Hispaniensem uictoriam duo prandia; nam cum prius parce neque pro liberalitate sua praebitum iudicaret, quinto post die aliud largissimum praebuit. Vell. 2.56.2: Caesar omnium uictor regressus in urbem, quod humanam excedat fidem, omnibus qui contra se arma tulerant ignouit, magnificentissimisque gladiatorii muneris, naumachiae et equitum peditumque, simul elephantorum certaminis spectaculis epulique per multos dies dati celebratione repleuit eam. Plin. NH IX 171: Murenarum vivarium privatim excogitavit ante alios C. Hirrus, qui cenis triumphalibus Caesaris dictatoris sex milia numero murenarum mutua appendit. nam permutare quidem pretio noluit aliave merce. Ibidem XIV 97: non et Caesar dictator triumphi sui cena vini Falerni amphoras, Chii cados in convivia distribuit? idem Hispaniensi triumpho Chium et Falernum dedit, epulo vero in tertio consulatu suo Falernum, Chium, Lesbium, Mamertinum, quo tempore primum quattuor genera vini adposita constat. Mk 6:30–44: Καὶ συνάγονται οἱ ἀπόστολοι πρὸς τὸν Ἰησοῦν, καὶ ἀπήγγειλαν αὐτῷ πάντα ὅσα ἐποιήσαν καὶ ὅσα ἐδίδαξαν. καὶ λέγει αὐτοῖς, Δεῦτε ὑμεῖς αὐτοὶ κατ' ἰδίαν εἰς ἔρημον τόπον καὶ ἀναπαύσασθε ὀλίγον. ἦσαν γὰρ οἱ ἐρχόμενοι καὶ οἱ ὑπάγοντες πολλοί, καὶ οὐδὲ φαγεῖν εὐκαίρουν. καὶ ἀπῆλθον ἐν τῷ πλοίῳ εἰς ἔρημον τόπον κατ' ἰδίαν. καὶ εἶδον αὐτοὺς ὑπάγοντας καὶ ἐπέγνωσαν πολλοί, καὶ πεζῇ ἀπὸ πασῶν τῶν πόλεων συνέδραμον ἐκεῖ καὶ προῆλθον αὐτούς. καὶ ἐξελθὼν εἶδεν πολὺν ὄχλον, καὶ ἐσπλαγχνίσθη ἐπ' αὐτοὺς ὅτι ἦσαν ὡς πρόβατα μὴ ἔχοντα ποιμένα, καὶ ἤρξατο διδάσκειν αὐτοὺς πολλά. Καὶ ἤδη ὥρας πολλῆς γενομένης προσελθόντες [αὐτῷ] οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ ἔλεγον ὅτι Ἔρημός ἐστιν ὁ τόπος, καὶ ἤδη ὥρα πολλή· ἀπόλυσον αὐτούς, ἵνα ἀπελθόντες εἰς τοὺς κύκλῳ ἀγροὺς καὶ κώμας ἀγοράσωσιν ἑαυτοῖς τί φάγωσιν. ὁ δὲ ἀποκριθεὶς εἶπεν αὐτοῖς, Δότε αὐτοῖς ὑμεῖς φαγεῖν. καὶ λέγουσιν αὐτῷ, Ἀπελθόντες ἀγοράσωμεν δηναρίων διακοσίων ἄρτους καὶ δώσωμεν αὐτοῖς φαγεῖν; ὁ δὲ λέγει αὐτοῖς, Πόσους ἄρτους ἔχετε; ὑπάγετε ἴδετε. καὶ γνόντες λέγουσιν, Πέντε, καὶ δύο ἰχθύας. καὶ ἐπέταξεν

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αὐτοῖς ἀνακλῖναι πάντας συμπόσια συμπόσια ἐπὶ τῷ χλωρῷ χόρτῳ. καὶ ἀνέπεσαν πρασιαὶ πρασιαὶ κατὰ ἑκατὸν καὶ κατὰ πεντήκοντα. καὶ λαβὼν τοὺς πέντε ἄρτους καὶ τοὺς δύο ἰχθύας ἀναβλέψας εἰς τὸν οὐρανὸν εὐλόγησεν καὶ κατέκλασεν τοὺς ἄρτους καὶ ἐδίδου τοῖς μαθηταῖς [αὐτοῦ] ἵνα παρατιθῶσιν αὐτοῖς, καὶ τοὺς δύο ἰχθύας ἐμέρισεν πᾶσιν. καὶ ἔφαγον πάντες καὶ ἐχορτάσθησαν· καὶ ἦραν κλάσματα δώδεκα κοφίνων πληρώματα καὶ ἀπὸ τῶν ἰχθύων. καὶ ἦσαν οἱ φαγόντες [τοὺς ἄρτους] πεντακισχίλιοι ἄνδρες. Ibidem 8:1-9: Ἐν ἐκείναις ταῖς ἡμέραις πάλιν πολλοῦ ὄχλου ὄντος καὶ μὴ ἐχόντων τί φάγωσιν, προσκαλεσάμενος τοὺς μαθητὰς λέγει αὐτοῖς, Σπλαγχνίζομαι ἐπὶ τὸν ὄχλον ὅτι ἤδη ἡμέραι τρεῖς προσμένουσίν μοι καὶ οὐκ ἔχουσιν τί φάγωσιν· καὶ ἐὰν ἀπολύσω αὐτοὺς νήστεις εἰς οἶκον αὐτῶν, ἐκλυθήσονται ἐν τῇ ὁδῷ· καί τινες αὐτῶν ἀπὸ μακρόθεν ἥκασιν. καὶ ἀπεκρίθησαν αὐτῷ οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ ὅτι Πόθεν τούτους δυνήσεταί τις ὧδε χορτάσαι ἄρτων ἐπ' ἐρημίας; καὶ ἠρώτα αὐτούς, Πόσους ἔχετε ἄρτους; οἱ δὲ εἶπαν, Ἑπτά. καὶ παραγγέλλει τῷ ὄχλῳ ἀναπεσεῖν ἐπὶ τῆς γῆς· καὶ λαβὼν τοὺς ἑπτὰ ἄρτους εὐχαριστήσας ἔκλασεν καὶ ἐδίδου τοῖς μαθηταῖς αὐτοῦ ἵνα παρατιθῶσιν καὶ παρέθηκαν τῷ ὄχλῳ. καὶ εἶχον ἰχθύδια ὀλίγα· καὶ εὐλογήσας αὐτὰ εἶπεν καὶ ταῦτα παρατιθέναι. καὶ ἔφαγον καὶ ἐχορτάσθησαν, καὶ ἦραν περισσεύματα κλασμάτων ἑπτὰ σπυρίδας. ἦσαν δὲ ὡς τετρακισχίλιοι. καὶ ἀπέλυσεν αὐτούς. Jh 2:1-11: Καὶ τῇ ἡμέρᾳ τῇ τρίτῃ γάμος ἐγένετο ἐν Κανὰ τῆς Γαλιλαίας, καὶ ἦν ἡ μήτηρ τοῦ Ἰησοῦ ἐκεῖ· ἐκλήθη δὲ καὶ ὁ Ἰησοῦς καὶ οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ εἰς τὸν γάμον. καὶ ὑστερήσαντος οἴνου λέγει ἡ μήτηρ τοῦ Ἰησοῦ πρὸς αὐτόν, Οἶνον οὐκ ἔχουσιν. [καὶ] λέγει αὐτῇ ὁ Ἰησοῦς, Τί ἐμοὶ καὶ σοί, γύναι; οὔπω ἥκει ἡ ὥρα μου. λέγει ἡ μήτηρ αὐτοῦ τοῖς διακόνοις, Ὅ τι ἂν λέγῃ ὑμῖν ποιήσατε. ἦσαν δὲ ἐκεῖ λίθιναι ὑδρίαι ἓξ κατὰ τὸν καθαρισμὸν τῶν Ἰουδαίων κείμεναι, χωροῦσαι ἀνὰ μετρητὰς δύο ἢ τρεῖς. λέγει αὐτοῖς ὁ Ἰησοῦς, Γεμίσατε τὰς ὑδρίας ὕδατος. καὶ ἐγέμισαν αὐτὰς ἕως ἄνω. καὶ λέγει αὐτοῖς, Ἀντλήσατε νῦν καὶ φέρετε τῷ ἀρχιτρικλίνῳ· οἱ δὲ ἤνεγκαν. ὡς δὲ ἐγεύσατο ὁ ἀρχιτρίκλινος τὸ ὕδωρ οἶνον γεγενημένον, καὶ οὐκ ᾔδει πόθεν ἐστίν, οἱ δὲ διάκονοι ᾔδεισαν οἱ ἠντληκότες τὸ ὕδωρ, φωνεῖ τὸν νυμφίον ὁ ἀρχιτρίκλινος καὶ λέγει αὐτῷ, Πᾶς ἄνθρωπος πρῶτον τὸν καλὸν οἶνον τίθησιν, καὶ ὅταν μεθυσθῶσιν τὸν ἐλάσσω· σὺ τετήρηκας τὸν καλὸν οἶνον ἕως ἄρτι. Ταύτην ἐποίησεν ἀρχὴν τῶν σημείων ὁ Ἰησοῦς ἐν Κανὰ τῆς Γαλιλαίας καὶ ἐφανέρωσεν τὴν δόξαν αὐτοῦ, καὶ ἐπίστευσαν εἰς αὐτὸν οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ. Man vergleiche das angegebene Zitat bei Plutarch, wo die Festmahl-Vorbereitungen im Lager des Pompeius beschrieben werden und, für uns erstaunlich, der Luxus «Opfer» genannt wird: […] καὶ παρασκευὴ καὶ κόσμος ἦν τεθυκότων καὶ πανηγυριζόντων μᾶλλον ἢ πρὸς μάχην ἐξοπλιζομένων. – «[…] und es war alles zubereitet und hergerichtet, als hätten sie geopfert und wollten ein Fest feiern, und nicht, als wollten sie sich zum Kampfe rüsten.» Daneben findet man in der Beschreibung der Triumphalmahle in Rom wiederholt das ähnlich lautende Wort θέας für «Spektakel»: Solche begleiteten nämlich die Festmahle. Wieder in Rom, nach dem Spanienfeldzug, findet man ἑστιάσες für «Speisungen»: αὖθις ἀνελάμβανε τὸν δῆμον ἑστιάσεσι καὶ σιτηρεσίοις, " – «… und so versuchte er aufs neue das Volk durch Speisungen und Getreidespenden zu gewinnen.» Wie bei Markus so oft, könnten aber die «Fische» auf falsche Wahrnehmung eines lateinischen Wortes zurückgehen, in diesem Fall uiscus, «Fleisch», von dem «Fleischverteilung», uisceratio, abgeleitet wird (cf. Suet. Jul. 38: adiecit epulum ac uiscerationem – cf. Anm. 693). Hat hier Markus «Fleisch», uiscus, als piscis, «Fisch», gelesen – oder, wegen des ähnlichen Klanges, wurde es beim Diktat verhört? Mk 6:31–32: Δεῦτε ὑμεῖς αὐτοὶ κατ' ἰδίαν εἰς ἔρημον τόπον καὶ ἀναπαύσασθε ὀλίγον. ἦσαν γὰρ οἱ ἐρχόμενοι καὶ οἱ ὑπάγοντες πολλοί, καὶ οὐδὲ φαγεῖν εὐκαίρουν. καὶ ἀπῆλθον ἐν τῷ πλοίῳ εἰς ἔρημον τόπον κατ' ἰδίαν. Suet. Aug. 7: […] ut Augustus potius uocaretur, non tantum nouo sed etiam ampliore cognomine, quod loca quoque religiosa et in quibus augurato quid consecratur augusta dicantur, ab auctu uel ab auium gestu gustuue […]. Suet. Jul. 37: Gallici triumphi die Velabrum praeteruehens paene curru excussus est axe diffracto ascenditque Capitolium […]. Dies ahmen die Christen heute noch nach, wenn sie auf dem Weg zu irgendeiner Pilgerstätte die letzte Strecke auf den Knien laufen, mit besonderem Eifer bergauf. Cf. Suet. Jul. 59: prolapsus etiam in egressu nauis uerso ad melius omine: 'teneo te,' inquit, 'Africa.' Dies macht bis heute mancher Papst nach, wenn er in ein fremdes Land ankommend, den Boden küsst, traditionnel mit offenen Armen. Caes. Civ. 3.70: His tantis malis haec subsidia succurrebant, quominus omnis deleretur exercitus, quod Pompeius insidias timens, credo quod haec praeter spem acciderant eius qui paulo ante ex castris fugientis suos conspexerat, munitionibus adpropinquare aliquamdiu non audebat, equitesque eius angustiis atque his a Caesaris militibus occupatis, ad insequendum tardabantur. ita parvae res magnum in utramque partem momentum habuerunt. Ähnlicher Sinn von credo als «ich vermute» in der Rede des Curio, Caes. Civ. 2.31 u. 32.

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Caes. Civ. 3.105: Caesar cum in Asiam venisset, reperiebat T. Ampium conatum esse pecunias tollere Epheso ex fano Dianae eiusque rei causa senatores omnes ex provincia evocavisse, ut his testibus in summam pecuniae uteretur, sed interpellatum adventu Caesaris profugisse. ita duobus temporibus Ephesiae pecuniae Caesar auxilium tulit. item constabat Elide in templo Minervae repetitis atque enumeratis diebus, quo die proelium secundum Caesar fecisset, simulacrum Victoriae, quod ante ipsam Minervam conlocatum esset et ante ad simulacrum Minervae spectavisset, ad valvas se templi limenque convertisse. eodemque die Antiochiae in Syria bis tantus exercitus clamor et signorum sonus exauditus est, ut in muris armata civitas discurreret. hoc idem Ptolomaide accidit. Pergamique in occultis ac reconditis templi, quo praeter sacerdotes adire fas non est—quae Graeci adyta appellant—tympana sonuerunt. item Trallibus in templo Victoriae, ubi Caesaris statuam consecraverant, palma per eos dies [in tecto] inter coagmenta lapidum ex pavimento exstitisse ostendebatur. Padua war die Heimatstadt von Livius, der einen auffälligen Hang zu Vor- und Wunderzeichen hatte. Plutarch lässt die Überlieferung dieser Anekdote auf ihn zurückgehen. Plut. Caes. 47: Σημείων δὲ πολλῶν γενομένων τῆς νίκης ἐπιφανέστατον ἱστορεῖται τὸ περὶ Τράλλεις. ἐν γὰρ ἱερῷ Νίκης ἀνδριὰς εἱστήκει Καίσαρος, καὶ τὸ περὶ αὐτῷ χωρίον αὐτό τε στερεὸν φύσει καὶ λίθῳ σκληρῷ κατεστρωμένον ἦν ἄνωθεν· ἐκ τούτου λέγουσιν ἀνατεῖλαι φοίνικα παρὰ τὴν βάσιν τοῦ ἀνδριάντος. ἐν δὲ Παταβίῳ Γάϊος Κορνήλιος, ἀνὴρ εὐδόκιμος ἐπὶ μαντικῇ, Λιβίου τοῦ συγγραφέως πολίτης καὶ γνώριμος, ἐτύγχανεν ἐπ' οἰωνοῖς καθήμενος ἐκείνην τὴν ἡμέραν. καὶ πρῶτον μέν, ὡς Λίβιός φησι, τὸν καιρὸν ἔγνω τῆς μάχης, καὶ πρὸς τοὺς παρόντας εἶπεν ὅτι καὶ δὴ περαίνεται τὸ χρῆμα καὶ συνίασιν εἰς ἔργον οἱ ἄνδρες. αὖθις δὲ πρὸς τῇ θέᾳ γενόμενος καὶ τὰ σημεῖα κατιδών, ἀνήλατο μετ' ἐνθουσιασμοῦ βοῶν· “νικᾷς ὦ Καῖσαρ.” ἐκπλαγέντων δὲ τῶν παρατυχόντων, περιελὼν τὸν στέφανον ἀπὸ τῆς κεφαλῆς ἐνώμοτος ἔφη μὴ πρὶν ἐπιθήσεσθαι πάλιν, ἢ τῇ τέχνῃ μαρτυρῆσαι τὸ ἔργον. ταῦτα μὲν οὖν ὁ Λίβιος οὕτως γενέσθαι καταβεβαιοῦται. Dio Cass. HR 41.61.3–5: καὶ ἐν Τράλλεσι φοίνικά τε ἐν τῷ τῆς Νίκης ναῷ ἀναφῦναι καὶ τὴν θεὸν αὐτὴν πρὸς εἰκόνα τοῦ Καίσαρος ἐν πλαγίῳ που κειμένην μεταστραφῆναι, […] καὶ ἐν Παταουίῳ τῆς νῦν Ἰταλίας τότε δὲ ἔτι Γαλατίας ὄρνιθάς τινας οὐχ ὅτι διαγγεῖλαι αὐτὴν ἀλλὰ καὶ δεῖξαι τρόπον τινά· Γάιος γάρ τις Κορνήλιος πάντα τὰ γενόμενα ἀκριβῶς τε ἐξ αὐτῶν ἐτεκμήρατο καὶ τοῖς παροῦσιν ἐξηγήσατο. Im Kapitel III «WORTE UND WUNDER ». Mk 4:30–32: Καὶ ἔλεγεν, Πῶς ὁμοιώσωμεν τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ, ἢ ἐν τίνι αὐτὴν παραβολῇ θῶμεν; ὡς κόκκῳ σινάπεως, ὃς ὅταν σπαρῇ ἐπὶ τῆς γῆς, μικρότερον ὂν πάντων τῶν σπερμάτων τῶν ἐπὶ τῆς γῆς, καὶ ὅταν σπαρῇ, ἀναβαίνει καὶ γίνεται μεῖζον πάντων τῶν λαχάνων καὶ ποιεῖ κλάδους μεγάλους, ὥστε δύνασθαι ὑπὸ τὴν σκιὰν αὐτοῦ τὰ πετεινὰ τοῦ οὐρανοῦ κατασκηνοῦν. Die sinntragenden Konsonanten stehen in verkehrter Reihenfolge: PhNK <|> SNP (wobei hier K von ΦΟΙΝΙΚΑ wegen der Attraktion der Adjektive zum Sibilanten tendiert: cf. deutsch phönizisch). Hat hier ein später aramäischer Blick das Wort ΦΟΙΝΙΚΑ als Heterogramm wahrgenommen und als CΙΝΑΠΙ spiegelverkehrt gebracht? Oder ist einfach der Wortanfang ΦΟ bzw. Φ (in der Vorlage kann durchaus ΦΙΝΙΚΑ gestanden haben) als C, als sigma lunatum gelesen worden (mit Metathesis der zwei letzten Vokale und Verwechslung von Κ und Π)? Tauben nisteten aber auf dem Schößling der anderen Palme, die Caesar bei Munda später fand, mit Deutung auf Octavian. Cf. Suet. Aug. 94.11: Apud Mundam Diuus Iulius castris locum capiens cum siluam caederet, arborem palmae repertam conseruari ut omen uictoriae iussit; ex ea continuo enata suboles adeo in paucis diebus adoleuit, ut non aequiperaret modo matricem, uerum et obtegeret frequentareturque columbarum nidis, quamuis id auium genus duram et asperam frondem maxime uitet. illo et praecipue ostento motum Caesarem ferunt, ne quem alium sibi succedere quam sororis nepotem uellet. Mk 4:1: Καὶ πάλιν ἤρξατο διδάσκειν παρὰ τὴν θάλασσαν. καὶ συνάγεται πρὸς αὐτὸν ὄχλος πλεῖστος, ὥστε αὐτὸν εἰς πλοῖον ἐμβάντα καθῆσθαι ἐν τῇ θαλάσσῃ, καὶ πᾶς ὁ ὄχλος πρὸς τὴν θάλασσαν ἐπὶ τῆς γῆς ἦσαν. Mk 4:2: καὶ ἐδίδασκεν αὐτοὺς ἐν παραβολαῖς πολλά, καὶ ἔλεγεν αὐτοῖς ἐν τῇ διδαχῇ αὐτοῦ […]. Mk 4:3–8: Ἀκούετε. ἰδοὺ ἐξῆλθεν ὁ σπείρων σπεῖραι. καὶ ἐγένετο ἐν τῷ σπείρειν ὃ μὲν ἔπεσεν παρὰ τὴν ὁδόν, καὶ ἦλθεν τὰ πετεινὰ καὶ κατέφαγεν αὐτό. καὶ ἄλλο ἔπεσεν ἐπὶ τὸ πετρῶδες ὅπου οὐκ εἶχεν γῆν πολλήν, καὶ εὐθὺς ἐξανέτειλεν διὰ τὸ μὴ ἔχειν βάθος γῆς· καὶ ὅτε ἀνέτειλεν ὁ ἥλιος ἐκαυματίσθη, καὶ διὰ τὸ μὴ ἔχειν ῥίζαν ἐξηράνθη. καὶ ἄλλο ἔπεσεν εἰς τὰς ἀκάνθας, καὶ ἀνέβησαν αἱ ἄκανθαι καὶ συνέπνιξαν αὐτό, καὶ καρπὸν οὐκ ἔδωκεν. καὶ ἄλλα ἔπεσεν εἰς τὴν γῆν τὴν καλήν, καὶ ἐδίδου καρπὸν ἀναβαίνοντα καὶ αὐξανόμενα, καὶ ἔφερεν ἓν τριάκοντα καὶ ἓν ἑξήκοντα καὶ ἓν ἑκατόν.

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Mk 4:9–11: καὶ ἔλεγεν, Ὃς ἔχει ὦτα ἀκούειν ἀκουέτω. Καὶ ὅτε ἐγένετο κατὰ μόνας, ἠρώτων αὐτὸν οἱ περὶ αὐτὸν σὺν τοῖς δώδεκα τὰς παραβολάς. καὶ ἔλεγεν αὐτοῖς, Ὑμῖν τὸ μυστήριον δέδοται τῆς βασιλείας τοῦ θεοῦ· ἐκείνοις δὲ τοῖς ἔξω ἐν παραβολαῖς τὰ πάντα γίνεται […]. Cf. u. a. LESCHHORN, p. 211sqq. Mk 4:12 (Jes. 6:9-10): ἵνα βλέποντες βλέπωσιν καὶ μὴ ἴδωσιν, καὶ ἀκούοντες ἀκούωσιν καὶ μὴ συνιῶσιν, μήποτε ἐπιστρέψωσιν καὶ ἀφεθῇ αὐτοῖς. Mk 4:21–2: Καὶ ἔλεγεν αὐτοῖς, Μήτι ἔρχεται ὁ λύχνος ἵνα ὑπὸ τὸν μόδιον τεθῇ ἢ ὑπὸ τὴν κλίνην; οὐχ ἵνα ἐπὶ τὴν λυχνίαν τεθῇ; οὐ γάρ ἐστιν κρυπτὸν ἐὰν μὴ ἵνα φανερωθῇ, οὐδὲ ἐγένετο ἀπόκρυφον ἀλλ' ἵνα ἔλθῃ εἰς φανερόν. Mk 4.26–29: Καὶ ἔλεγεν, Οὕτως ἐστὶν ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ ὡς ἄνθρωπος βάλῃ τὸν σπόρον ἐπὶ τῆς γῆς καὶ καθεύδῃ καὶ ἐγείρηται νύκτα καὶ ἡμέραν, καὶ ὁ σπόρος βλαστᾷ καὶ μηκύνηται ὡς οὐκ οἶδεν αὐτός. αὐτομάτη ἡ γῆ καρποφορεῖ, πρῶτον χόρτον, εἶτεν στάχυν, εἶτεν πλήρη σῖτον ἐν τῷ στάχυϊ. ὅταν δὲ παραδοῖ ὁ καρπός, εὐθὺς ἀποστέλλει τὸ δρέπανον, ὅτι παρέστηκεν ὁ θερισμός. Caes. Civ. 3.104, 106, 112.; App. BC 2.84–6: Ὁ μὲν δὴ διὰ τάδε ἐς τὴν Αἴγυπτον ἔπλειἄρτι δ' ἐκπεσούσης ἀπ' Αἰγύπτου Κλεοπάτρας, ἣ τῷ ἀδελφῷ συνῆρχε, καὶ στρατὸν ἀμφὶ τὴν Συρίαν ἀγειρούσης, Πτολεμαῖος ὁ τῆς Κλεοπάτρας ἀδελφὸς ἀμφὶ τὸ Κάσσιον τῆς Αἰγύπτου ταῖς Κλεοπάτρας ἐσβολαῖς ἐφήδρευε, καί πως κατὰ δαίμονα ἐς τὸ Κάσσιον τὸ πνεῦμα τὸν Πομπήιον κατέφερε. θεασάμενος δὲ στρατὸν ἐπὶ τῆς γῆς πολὺν ἔστησε τὸν πλοῦν καὶ εἴκασεν, ὅπερ ἦν, παρεῖναι τὸν βασιλέα. πέμψας τε ἔφραζε περὶ ἑαυτοῦ καὶ τῆς τοῦ πατρὸς φιλίας. ὁ δὲ ἦν μὲν περὶ τρισκαίδεκα ἔτη μάλιστα γεγονώς, ἐπετρόπευον δ' αὐτῷ τὴν μὲν στρατιὰν Ἀχιλλᾶς, τὰ δὲ χρήματα Ποθεινὸς εὐνοῦχος· οἳ βουλὴν προυτίθεντο περὶ τοῦ Πομπηίου. καὶ παρὼν ὁ Σάμιος Θεόδοτος ὁ ῥήτωρ, διδάσκαλος ὢν τοῦ παιδός, ἀθέμιστον εἰσηγεῖτο ἔργον, ἐνεδρεῦσαι καὶ κτεῖναι Πομπήιον ὡς χαριουμένους Καίσαρι. κυρωθείσης δὲ τῆς γνώμης σκάφος εὐτελὲς ἐπ' αὐτὸν ἐπέμπετο, ὡς τῆς θαλάσσης οὔσης ἁλιτενοῦς καὶ μεγάλαις ναυσὶν οὐκ εὐχεροῦς, ὑπηρέται τέ τινες τῶν βασιλικῶν ἐνέβαινον ἐς τὸ σκάφος. καὶ Σεμπρώνιος, ἀνὴρ Ῥωμαῖος τότε μὲν τῷ βασιλεῖ, πάλαι δὲ αὐτῷ Πομπηίῳ στρατευσάμενος, δεξιὰν ἔφερε παρὰ τοῦ βασιλέως τῷ Πομπηίῳ καὶ ἐκέλευεν ὡς ἐς φίλον τὸν παῖδα διαπλεῦσαι. […] καὶ ὃς αὐτίκα μὲν ἐπένευσεν, ἀποστραφέντα δ' εὐθὺς ἐπάταξε πρῶτος, εἶθ' ἕτεροι. καὶ τὸ μὲν γύναιον τοῦ Πομπηίου καὶ οἱ φίλοι ταῦτα μακρόθεν ὁρῶντες ἀνῴμωζόν τε καὶ χεῖρας ἐς θεοὺς ἐκδίκους σπονδῶν ἀνίσχοντες ἀπέπλεον τάχιστα ὡς ἐκ πολεμίας. Πομπηίου δὲ τὴν μὲν κεφαλὴν ἀποτεμόντες οἱ περὶ Ποθεινὸν ἐφύλασσον Καίσαρι ὡς ἐπὶ μεγίσταις ἀμοιβαῖς (ὁ δὲ αὐτοὺς ἠμύνατο ἀξίως τῆς ἀθεμιστίας), τὸ δὲ λοιπὸν σῶμά τις ἔθαψεν ἐπὶ τῆς ἠϊόνος καὶ τάφον ἤγειρεν εὐτελῆ· […]. Plutarch geht mit Appian weitgehend konform (Plut. Pomp. 76–80), nur der Name des Mörders ist statt Sempronius Septimius, und er nennt einen zweiten, den Centurio Salvius. Cf. Plut. Pomp. 78–80: Ταῦτα κυρώσαντες ἐπ' Ἀχιλλᾷ ποιοῦνται τὴν πρᾶξιν. ὁ δὲ Σεπτίμιόν τινα πάλαι γεγονότα Πομπηΐου ταξίαρχον παραλαβών, καὶ Σάλβιον ἕτερον ἑκατοντάρχην καὶ τρεῖς ἢ τέτταρας ὑπηρέτας, ἀνήχθη πρὸς τὴν Πομπηΐου ναῦν. […] ἐν τούτῳ δὲ πελαζούσης τῆς ἁλιάδος φθάσας ὁ Σεπτίμιος ἐξανέστη καὶ Ῥωμαϊστὶ τὸν Πομπήϊον αὐτοκράτορα προσηγόρευσεν. […] ἀσπασάμενος οὖν τὴν Κορνηλίαν προαποθρηνοῦσαν αὐτοῦ τὸ τέλος, καὶ δύο ἑκατοντάρχας προεμβῆναι κελεύσας καὶ τῶν ἀπελευθέρων ἕνα Φίλιππον καὶ θεράποντα Σκύθην ὄνομα, […] ἐν τούτῳ δὲ τὸν Πομπήϊον τῆς τοῦ Φιλίππου λαμβανόμενον χειρός, ὅπως ῥᾷον ἐξανασταίη, Σεπτίμιος ὄπισθεν τῷ ξίφει διελαύνει πρῶτος, εἶτα Σάλβιος μετ' ἐκεῖνον, εἶτα Ἀχιλλᾶς ἐσπάσαντο τὰς μαχαίρας. […] τοῦ δὲ Πομπηΐου τὴν μὲν κεφαλὴν ἀποτέμνουσι, τὸ δὲ ἄλλο σῶμα γυμνὸν ἐκβαλόντες ἀπὸ τῆς ἁλιάδος τοῖς δεομένοις τοιούτου θεάματος ἀπέλιπον. παρέμεινε δὲ αὐτῷ Φίλιππος, ἕως ἐγένοντο μεστοὶ τῆς ὄψεως· εἶτα περιλούσας τῇ θαλάσσῃ τὸ σῶμα καὶ χιτωνίῳ τινὶ τῶν ἑαυτοῦ περιστείλας, ἄλλο δὲ οὐδὲν ἔχων, ἀλλὰ περισκοπῶν τὸν αἰγιαλὸν εὗρε μικρᾶς ἁλιάδος λείψανα, παλαιὰ μέν, ἀρκοῦντα δὲ νεκρῷ γυμνῷ καὶ οὐδὲ ὅλῳ πυρκαϊὰν ἀναγκαίαν παρασχεῖν. […] Τοῦτο Πομπηΐου τέλος. οὐ πολλῷ δὲ ὕστερον Καῖσαρ ἐλθὼν εἰς Αἴγυπτον ἄγους τοσούτου καταπεπλησμένην τὸν μὲν προσφέροντα τὴν κεφαλὴν ὡς παλαμναῖον ἀπεστράφη, τὴν δὲ σφραγῖδα τοῦ Πομπηΐου δεξάμενος ἐδάκρυσεν· ἦν δὲ γλυφὴ λέων ξιφήρης. Ἀχιλλᾶν δὲ καὶ Ποθεινὸν ἀπέσφαξεν· αὐτὸς δὲ ὁ βασιλεὺς μάχῃ λειφθεὶς περὶ τὸν ποταμὸν ἠφανίσθη. Θεόδοτον δὲ τὸν σοφιστὴν ἡ μὲν ἐκ Καίσαρος δίκη παρῆλθε· φυγὼν γὰρ Αἴγυπτον ἐπλανᾶτο ταπεινὰ πράττων καὶ μισούμενος· Βροῦτος δὲ Μάρκος, ὅτε Καίσαρα κτείνας ἐκράτησεν, ἐξευρὼν αὐτὸν ἐν Ἀσίᾳ καὶ πᾶσαν αἰκίαν αἰκισάμενος ἀπέκτεινεν. τὰ δὲ λείψανα τοῦ Πομπηΐου Κορνηλία δεξαμένη κομισθέντα, περὶ τὸν Ἀλβανὸν ἔθηκεν. Plut. Caes. 48: εἰς δ' Ἀλεξάνδρειαν ἐπὶ Πομπηΐῳ τεθνηκότι καταχθείς, Θεόδοτον μὲν ἀπεστράφη, τὴν Πομπηΐου κεφαλὴν προσφέροντα, τὴν δὲ σφραγῖδα δεξάμενος τοῦ ἀνδρὸς κατεδάκρυσεν· Dio Cass. HR 42.5, 7, 8.; Liv. Per. 112: Cn. Pompeius cum Aegyptum petisset, iussu Ptolemaei regis, pupilli sui, auctore Theodoto praeceptore, cuius magna aput regem auctoritas erat, et Pothino occisus est ab Archelao, cui id facinus erat delegatum, in navicula antequam in terram exiret. Cornelia uxor et Sex.

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Pompei filius Cypron refugerunt. Caesar post tertium diem insecutus, cum ei Theodotus caput Pompei et anulum obtulisset, infensus est et inlacrimavit. Mk 6:14–29: Καὶ ἤκουσεν ὁ βασιλεὺς Ἡρῴδης, φανερὸν γὰρ ἐγένετο τὸ ὄνομα αὐτοῦ, καὶ ἔλεγον ὅτι Ἰωάννης ὁ βαπτίζων ἐγήγερται ἐκ νεκρῶν, καὶ διὰ τοῦτο ἐνεργοῦσιν αἱ δυνάμεις ἐν αὐτῷ. ἄλλοι δὲ ἔλεγον ὅτι Ἠλίας ἐστίν· ἄλλοι δὲ ἔλεγον ὅτι προφήτης ὡς εἷς τῶν προφητῶν. ἀκούσας δὲ ὁ Ἡρῴδης ἔλεγεν, Ὃν ἐγὼ ἀπεκεφάλισα Ἰωάννην, οὗτος ἠγέρθη. Αὐτὸς γὰρ ὁ Ἡρῴδης ἀποστείλας ἐκράτησεν τὸν Ἰωάννην καὶ ἔδησεν αὐτὸν ἐν φυλακῇ διὰ Ἡρῳδιάδα τὴν γυναῖκα Φιλίππου τοῦ ἀδελφοῦ αὐτοῦ, ὅτι αὐτὴν ἐγάμησεν· ἔλεγεν γὰρ ὁ Ἰωάννης τῷ Ἡρῴδῃ ὅτι Οὐκ ἔξεστίν σοι ἔχειν τὴν γυναῖκα τοῦ ἀδελφοῦ σου. ἡ δὲ Ἡρῳδιὰς ἐνεῖχεν αὐτῷ καὶ ἤθελεν αὐτὸν ἀποκτεῖναι, καὶ οὐκ ἠδύνατο· ὁ γὰρ Ἡρῴδης ἐφοβεῖτο τὸν Ἰωάννην, εἰδὼς αὐτὸν ἄνδρα δίκαιον καὶ ἅγιον, καὶ συνετήρει αὐτόν, καὶ ἀκούσας αὐτοῦ πολλὰ ἐποίει, καὶ ἡδέως αὐτοῦ ἤκουεν. Καὶ γενομένης ἡμέρας εὐκαίρου ὅτε Ἡρῴδης τοῖς γενεσίοις αὐτοῦ δεῖπνον ἐποίησεν τοῖς μεγιστᾶσιν αὐτοῦ καὶ τοῖς χιλιάρχοις καὶ τοῖς πρώτοις τῆς Γαλιλαίας, καὶ εἰσελθούσης τῆς θυγατρὸς αὐτοῦ Ἡρῳδιάδος καὶ ὀρχησαμένης, ἤρεσεν τῷ Ἡρῴδῃ καὶ τοῖς συνανακειμένοις. εἶπεν ὁ βασιλεὺς τῷ κορασίῳ, Αἴτησόν με ὃ ἐὰν θέλῃς, καὶ δώσω σοι· καὶ ὤμοσεν αὐτῇ [πολλά], Ὅ τι ἐάν με αἰτήσῃς δώσω σοι ἕως ἡμίσους τῆς βασιλείας μου. καὶ ἐξελθοῦσα εἶπεν τῇ μητρὶ αὐτῆς, Τί αἰτήσωμαι; ἡ δὲ εἶπεν, Τὴν κεφαλὴν Ἰωάννου τοῦ βαπτίζοντος. καὶ εἰσελθοῦσα εὐθὺς μετὰ σπουδῆς πρὸς τὸν βασιλέα ᾐτήσατο λέγουσα, Θέλω ἵνα ἐξαυτῆς δῷς μοι ἐπὶ πίνακι τὴν κεφαλὴν Ἰωάννου τοῦ βαπτιστοῦ. καὶ περίλυπος γενόμενος ὁ βασιλεὺς διὰ τοὺς ὅρκους καὶ τοὺς ἀνακειμένους οὐκ ἠθέλησεν ἀθετῆσαι αὐτήν· καὶ εὐθὺς ἀποστείλας ὁ βασιλεὺς σπεκουλάτορα ἐπέταξεν ἐνέγκαι τὴν κεφαλὴν αὐτοῦ. καὶ ἀπελθὼν ἀπεκεφάλισεν αὐτὸν ἐν τῇ φυλακῇ καὶ ἤνεγκεν τὴν κεφαλὴν αὐτοῦ ἐπὶ πίνακι καὶ ἔδωκεν αὐτὴν τῷ κορασίῳ, καὶ τὸ κοράσιον ἔδωκεν αὐτὴν τῇ μητρὶ αὐτῆς. καὶ ἀκούσαντες οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ ἦλθον καὶ ἦραν τὸ πτῶμα αὐτοῦ καὶ ἔθηκαν αὐτὸ ἐν μνημείῳ. Lucanus BC 8.667–675: nam saeuus in ipso / Septimius sceleris maius scelus inuenit actu, / ac retegit sacros scisso uelamine uoltus / semianimis Magni spirantiaque occupat ora / collaque in obliquo ponit languentia transtro. / tunc neruos uenasque secat nodosaque frangit / ossa diu: nondum artis erat caput ense rotare. / at, postquam trunco ceruix abscisa recessit […]. Mitteilung von Arne Eickenberg. Dio Cass. HR 42.7.2–3: καὶ ἐκεῖνον μὲν οὐκέτι περιόντα κατέλαβε, τῇ δ' Ἀλεξανδρείᾳ αὐτῇ μετ' ὀλίγων πολὺ πρὸ τῶν ἄλλων, πρὶν τὸν Πτολεμαῖον ἐκ τοῦ Πηλουσίου ἐλθεῖν, προσπλεύσας, καὶ τοὺς Ἀλεξανδρέας θορυβουμένους ἐπὶ τῷ τοῦ Πομπηίου θανάτῳ εὑρών, οὐκ ἐθάρσησεν εὐθὺς ἐς τὴν γῆν ἐκβῆναι, ἀλλ' ἀνορμισάμενος ἀνεῖχε μέχρις οὗ τήν τε κεφαλὴν καὶ τὸν δακτύλιον αὐτοῦ πεμφθέντα οἱ ὑπὸ τοῦ Πτολεμαίου εἶδεν. οὕτω δὴ ἐς μὲν τὴν ἤπειρον θαρσούντως προσέσχεν, ἀγανακτήσεως δὲ ἐπὶ τοῖς ῥαβδούχοις αὐτοῦ παρὰ τοῦ πλήθους γενομένης αὐτὸς μὲν ἀγαπητῶς ἐς τὰ βασίλεια προκατέφυγε, τῶν δὲ δὴ στρατιωτῶν τινες τὰ ὅπλα ἀφῃρέθησαν, καὶ διὰ τοῦθ' οἱ λοιποὶ ἀνωρμίσαντο αὖθις, ἕως πᾶσαι αἱ νῆες ἐπικατήχθησαν. Caes. Civ. 3.106-7: Caesar paucos dies in Asia moratus cum audisset Pompeium Cypri visum, coniectans eum Aegyptum iter habere propter necessitudines regni reliquasque eius loci opportunitates cum legione una, quam se ex Thessalia sequi iusserat, et altera, quam ex Achaia a Q. Fufio legato evocaverat, equitibusque DCCC et navibus longis Rhodiis x et Asiaticis paucis Alexandriam pervenit. in his erant legionariorum milia tria CC; reliqui vulneribus ex proeliis et labore ac magnitudine itineris confecti consequi non potuerant. sed Caesar confisus fama rerum gestarum infirmis auxiliis proficisci non dubitaverat aeque omnem sibi locum tutum fore existimans. Alexandriae de Pompei morte cognoscit atque ibi primum e navi egrediens clamorem militum audit, quos rex in oppido praesidii causa reliquerat, et concursum ad se fieri videt, quod fasces anteferrentur. in hoc omnis multitudo maiestatem regiam minui praedicabat. hoc sedato tumultu crebrae continuis diebus ex concursu multitudinis concitationes fiebant conpluresque milites in viis urbis omnibus partibus interficiebantur. Quibus rebus animadversis legiones sibi alias ex Asia adduci iussit, quas ex Pompeianis militibus confecerat. ipse enim necessario etesiis tenebatur, qui navigantibus Alexandria flant adversissimi venti. Mk 8:10–13: Καὶ εὐθὺς ἐμβὰς εἰς τὸ πλοῖον μετὰ τῶν μαθητῶν αὐτοῦ ἦλθεν εἰς τὰ μέρη Δαλμανουθά. Καὶ ἐξῆλθον οἱ Φαρισαῖοι καὶ ἤρξαντο συζητεῖν αὐτῷ, ζητοῦντες παρ' αὐτοῦ σημεῖον ἀπὸ τοῦ οὐρανοῦ, πειράζοντες αὐτόν. καὶ ἀναστενάξας τῷ πνεύματι αὐτοῦ λέγει, Τί ἡ γενεὰ αὕτη ζητεῖ σημεῖον; ἀμὴν λέγω ὑμῖν, εἰ δοθήσεται τῇ γενεᾷ ταύτῃ σημεῖον. καὶ ἀφεὶς αὐτοὺς πάλιν ἐμβὰς ἀπῆλθεν εἰς τὸ πέραν. Caes. Civ. 3.107–112: interim controversias regum ad populum Romanum et ad se, quod esset consul, pertinere existimans, atque eo magis officio suo convenire, quod superiore consulatu cum patre Ptolomaeo ex lege et senatus consulto societas erat facta, ostendit sibi placere regem Ptolomaeum atque eius sororem Cleopatram exercitus, quos haberent, dimittere et de controversiis iure apud se potius quam inter se armis disceptare. Erat in procuratione regni propter aetatem pueri nutricius eius, eunuchus nomine Pothinus. is primum inter suos queri atque indignari coepit regem ad causam dicendam evocari; deinde adiutores quosdam consilii sui nanctus ex regis amicis exercitum a Pelusio clam Alexandriam evocavit atque

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eundem Achillam, cuius supra meminimus, omnibus copiis praefecit. hunc incitatum suis et regis inflatum pollicitationibus, quae fieri vellet, litteris nuntiisque edocuit. in testamento Ptolomaei patris heredes erant scripti ex duobus filiis maior et ex duabus ea quae aetate antecedebat. haec uti fierent, per omnes deos perque foedera quae Romae fecisset, eodem testamento Ptolomaeus populum Romanum obtestabatur. tabulae testamenti unae per legatos eius Romam erant adlatae, ut in aerario ponerentur— hae cum propter publicas occupationes poni non potuissent, apud Pompeium sunt depositae—alterae eodem exemplo relictae atque obsignatae Alexandriae proferebantur. De his rebus cum ageretur apud Caesarem, isque maxime vellet pro communi amico atque arbitro controversias regum componere, subito exercitus regius equitatusque omnis venire Alexandriam nuntiatur. […] interim filia minor Ptolomaei regis vacuam possessionem regni sperans ad Achillam sese ex regia traiecit unaque bellum administrare coepit. sed celeriter est inter eos de principatu controversia orta, quae res apud milites largitiones auxit; magnis enim iacturis sibi quisque eorum animos conciliabat. haec dum apud hostes geruntur, Pothinus, [nutricius pueri et procurator regni, in parte Caesaris,] cum ad Achillam nuntios mitteret hortareturque, ne negotio desisteret neve animo deficeret, indicatis deprehensisque internuntiis a Caesare est interfectus. haec initia belli Alexandrini fuerunt. Plut. Caes. 48–9: Τὸν δ' αὐτόθι πόλεμον οἱ μὲν οὐκ ἀναγκαῖον, ἀλλ' ἔρωτι Κλεοπάτρας ἄδοξον αὐτῷ καὶ κινδυνώδη γενέσθαι λέγουσιν, οἱ δὲ τοὺς βασιλικοὺς αἰτιῶνται, καὶ μάλιστα τὸν εὐνοῦχον Ποθεινόν, ὃς πλεῖστον δυνάμενος, καὶ Πομπήϊον μὲν ἀνῃρηκὼς ἔναγχος, ἐκβεβληκὼς δὲ Κλεοπάτραν, κρύφα μὲν ἐπεβούλευε τῷ Καίσαρι – καὶ διὰ τοῦτό φασιν αὐτὸν ἀρξάμενον ἔκτοτε διανυκτερεύειν ἐν τοῖς πότοις ἕνεκα φυλακῆς τοῦ σώματος – , φανερῶς δ' οὐκ ἦν ἀνεκτός, ἐπίφθονα πολλὰ καὶ πρὸς ὕβριν εἰς τὸν Καίσαρα λέγων καὶ πράττων. τοὺς μὲν γὰρ στρατιώτας τὸν κάκιστον μετρουμένους καὶ παλαιότατον σῖτον ἐκέλευσεν ἀνέχεσθαι καὶ στέργειν ἐσθίοντας τὰ ἀλλότρια, πρὸς δὲ τὰ δεῖπνα σκεύεσιν ἐχρῆτο ξυλίνοις καὶ κεραμεοῖς, ὡς τὰ χρυσᾶ καὶ ἀργυρᾶ πάντα Καίσαρος ἔχοντος εἴς τι χρέος. ὤφειλε γὰρ ὁ τοῦ βασιλεύοντος τότε πατὴρ Καίσαρι χιλίας ἑπτακοσίας πεντήκοντα μυριάδας, ὧν τὰς μὲν ἄλλας ἀνῆκε τοῖς παισὶν αὐτοῦ πρότερον ὁ Καῖσαρ, τὰς δὲ χιλίας ἠξίου τότε λαβὼν διαθρέψαι τὸ στράτευμα. τοῦ δὲ Ποθεινοῦ νῦν μὲν αὐτὸν ἀπιέναι καὶ τῶν μεγάλων ἔχεσθαι πραγμάτων κελεύοντος, ὕστερον δὲ κομιεῖσθαι μετὰ χάριτος, εἰπὼν ὡς Αἰγυπτίων ἐλάχιστα δέοιτο συμβούλων, κρύφα τὴν Κλεοπάτραν ἀπὸ τῆς χώρας μετεπέμπετο. Κἀκείνη παραλαβοῦσα τῶν φίλων Ἀπολλόδωρον τὸν Σικελιώτην μόνον, εἰς ἀκάτιον μικρὸν ἐμβᾶσα, τοῖς μὲν βασιλείοις προσέσχεν ἤδη συσκοτάζοντος· ἀπόρου δὲ τοῦ λαθεῖν ὄντος ἄλλως, ἡ μὲν εἰς στρωματόδεσμον ἐνδῦσα προτείνει μακρὰν ἑαυτήν, ὁ δ' Ἀπολλόδωρος ἱμάντι συνδήσας τὸν στρωματόδεσμον εἰσκομίζει διὰ θυρῶν πρὸς τὸν Καίσαρα. καὶ τούτῳ τε πρώτῳ λέγεται τῷ τεχνήματι τῆς Κλεοπάτρας ἁλῶναι λαμυρᾶς φανείσης, καὶ τῆς ἄλλης ὁμιλίας καὶ χάριτος ἥττων γενόμενος, διαλλάξαι πρὸς τὸν ἀδελφὸν ὡς συμβασιλεύσουσαν. ἔπειτα δ' ἐπὶ ταῖς διαλλαγαῖς ἑστιωμένων ἁπάντων, οἰκέτης Καίσαρος κουρεύς, διὰ δειλίαν ᾗ πάντας ἀνθρώπους ὑπερέβαλεν οὐδὲν ἐῶν ἀνεξέταστον, ἀλλ' ὠτακουστῶν καὶ πολυπραγμονῶν, συνῆκεν ἐπιβουλὴν Καίσαρι πραττομένην ὑπ' Ἀχιλλᾶ τοῦ στρατηγοῦ καὶ Ποθεινοῦ τοῦ εὐνούχου. φωράσας δ' ὁ Καῖσαρ, φρουρὰν μὲν περιέστησε τῷ ἀνδρῶνι, τὸν δὲ Ποθεινὸν ἀνεῖλεν· ὁ δ' Ἀχιλλᾶς φυγὼν εἰς τὸ στρατόπεδον περιΐστησιν αὐτῷ βαρὺν καὶ δυσμεταχείριστον πόλεμον, ὀλιγοστῷ τοσαύτην ἀμυνομένῳ πόλιν καὶ δύναμιν. […] τέλος δὲ τοῦ βασιλέως πρὸς τοὺς πολεμίους ἀποχωρήσαντος, ἐπελθὼν καὶ συνάψας μάχην ἐνίκησε, πολλῶν πεσόντων αὐτοῦ τε τοῦ βασιλέως ἀφανοῦς γενομένου. καταλιπὼν δὲ τὴν Κλεοπάτραν βασιλεύουσαν Αἰγύπτου καὶ μικρὸν ὕστερον ἐξ αὐτοῦ τεκοῦσαν υἱόν, ὃν Ἀλεξανδρεῖς Καισαρίωνα προσηγόρευον, ὥρμησεν ἐπὶ Συρίας. Vell. 2.53–54: Pompeius profugiens cum duobus Lentulis consularibus Sextoque filio et Fauonio praetorio quos comites ei fortuna adgregauerat, aliis, ut Parthos, aliis, ut Africam peteret, in qua fidelissimum partium suarum haberet regem Iubam, suadentibus, Aegyptum petere proposuit memor beneficiorum quae in patrem eius Ptolemaei, qui tum puero quam iuueni propior regnabat Alexandriae, contulerat. Sed quis in aduersis beneficiorum seruat memoriam? Aut quis ullam calamitosis deberi putat gratiam? Aut quando fortuna non mutat fidem? Missi itaque ab rege qui uenientem Cn. Pompeium—is iam a Mytilenis Corneliam uxorem receptam in nauem fugae comitem habere coeperat—consilio Theodoti et Achillae exciperent hortarenturque ut ex oneraria in eam nauem quae obuiam processerat transcenderet: quod cum fecisset, princeps Romani nominis imperio arbitrioque Aegyptii mancipii, C. Caesare P. Seruilio consulibus iugulatus est. Hic post tres consulatus et totidem triumphos domitumque terrarum orbem sanctissimi atque praestantissimi uiri, in id euecti super quod ascendi non potest, duodesexagesimum annum agentis, pridie natalem ipsius, uitae fuit exitus, in tantum in illo uiro a se discordante fortuna ut, cui modo ad uictoriam terra defuerat, deesset ad sepulturam. […] Non fuit maior in Caesarem quam in Pompeium fuerat regis eorumque, quorum is auctoritate regebatur, fides. Quippe cum uenientem eum temptassent insidiis ac deinde bello lacessere auderent, utrique summorum imperatorum, alteri superstiti, meritas poenas luere suppliciis.

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Mk 7:24–30: Ἐκεῖθεν δὲ ἀναστὰς ἀπῆλθεν εἰς τὰ ὅρια Τύρου. καὶ εἰσελθὼν εἰς οἰκίαν οὐδένα ἤθελεν γνῶναι, καὶ οὐκ ἠδυνήθη λαθεῖν· ἀλλ' εὐθὺς ἀκούσασα γυνὴ περὶ αὐτοῦ, ἧς εἶχεν τὸ θυγάτριον αὐτῆς πνεῦμα ἀκάθαρτον, ἐλθοῦσα προσέπεσεν πρὸς τοὺς πόδας αὐτοῦ· ἡ δὲ γυνὴ ἦν Ἑλληνίς, Συροφοινίκισσα τῷ γένει· καὶ ἠρώτα αὐτὸν ἵνα τὸ δαιμόνιον ἐκβάλῃ ἐκ τῆς θυγατρὸς αὐτῆς. καὶ ἔλεγεν αὐτῇ, Ἄφες πρῶτον χορτασθῆναι τὰ τέκνα, οὐ γάρ ἐστιν καλὸν λαβεῖν τὸν ἄρτον τῶν τέκνων καὶ τοῖς κυναρίοις βαλεῖν. ἡ δὲ ἀπεκρίθη καὶ λέγει αὐτῷ, Κύριε, καὶ τὰ κυνάρια ὑποκάτω τῆς τραπέζης ἐσθίουσιν ἀπὸ τῶν ψιχίων τῶν παιδίων. καὶ εἶπεν αὐτῇ, Διὰ τοῦτον τὸν λόγον ὕπαγε, ἐξελήλυθεν ἐκ τῆς θυγατρός σου τὸ δαιμόνιον. καὶ ἀπελθοῦσα εἰς τὸν οἶκον αὐτῆς εὗρεν τὸ παιδίον βεβλημένον ἐπὶ τὴν κλίνην καὶ τὸ δαιμόνιον ἐξεληλυθός. Cf. Bellum Alexandrinum, incipit: Bello Alexandrino conflato, Caesar Rhodo, atque ex Suria Ciliciaque omnem classem accersit, ex Creta sagittarios, equites Nabataeorum Malcho evocat: tormenta undique conquiri, et frumentum mitti, auxiliaque adduci iubet. In der Tat, der aus Cilicien zur Hilfe eilende Mithridates Pergamenus sollte über Syrien kommen und bekam dort weitere Verstärkung vom Nabatäer Malchus, der bereits Cleopatra unterstützte. Mithridates konnte im alexandrinischen Krieg entscheidend zugunsten Caesars eingreifen. Und wieder über Syrien geht auch Caesar von Ägypten aus nach Pontus, dem Pharnakes entgegen: cf. Bell. Alex. 65: Quum in Suriam Caesar ex Aegypto venisset […]. Dass Caesar dabei durch Tyrus kam, zeigt Dio Cass. HR 42.49.2: τά τε ἀναθήματα τοῦ ἐν τῇ Τύρῳ Ἡρακλέους πάντα ἀνείλετο, ὅτι τήν τε γυναῖκα καὶ τὸν παῖδα τοῦ Πομπηίου ὑπεδέξαντο ὅτε ἔφυγον. – «Aus dem Tempel des Herakles in Tyros nahm er sämtliche Weihgaben weg, weil die Bürger Gattin und Sohn des Pompeius auf der Flucht aufgenommen hatten.» Diese Behauptung geht wohl auf pompeianische Propaganda zurück, denn sie fehlt bei Appian, Plutarch und Sueton, aber dass Caesar unterwegs von Ägypten nach Pontus in Tyros ans Land ging, dürfte als gesichert gelten. Dass Tyrus für Syria stehen kann, beweisen die Varianten von Syrophoini(ki)ssa, die in Handschriften mitunter auch Tyrophoinissa genannt wird. Theoretisch könnte das «Gebiet von Tyrus», ta (h)oria Tyrou, auch der See Mareotis sein, zwischen welchem und dem offenen Meer Alexandria lag. Einige Evangelien-Handschriften weisen in der Tat die Lesart methoria Tyrou auf. Aber methoria könnte sich auch in me ta horia auflösen – und wir wären wieder bei den cohortes. Mk 8:14–21: Καὶ ἐπελάθοντο λαβεῖν ἄρτους, καὶ εἰ μὴ ἕνα ἄρτον οὐκ εἶχον μεθ' ἑαυτῶν ἐν τῷ πλοίῳ. καὶ διεστέλλετο αὐτοῖς λέγων, Ὁρᾶτε, βλέπετε ἀπὸ τῆς ζύμης τῶν Φαρισαίων καὶ τῆς ζύμης Ἡρῴδου. καὶ διελογίζοντο πρὸς ἀλλήλους ὅτι Ἄρτους οὐκ ἔχομεν. καὶ γνοὺς λέγει αὐτοῖς, Τί διαλογίζεσθε ὅτι ἄρτους οὐκ ἔχετε; οὔπω νοεῖτε οὐδὲ συνίετε; πεπωρωμένην ἔχετε τὴν καρδίαν ὑμῶν; ὀφθαλμοὺς ἔχοντες οὐ βλέπετε καὶ ὦτα ἔχοντες οὐκ ἀκούετε; καὶ οὐ μνημονεύετε, ὅτε τοὺς πέντε ἄρτους ἔκλασα εἰς τοὺς πεντακισχιλίους, πόσους κοφίνους κλασμάτων πλήρεις ἤρατε; λέγουσιν αὐτῷ, Δώδεκα. Ὅτε τοὺς ἑπτὰ εἰς τοὺς τετρακισχιλίους, πόσων σπυρίδων πληρώματα κλασμάτων ἤρατε; καὶ λέγουσιν [αὐτῷ], Ἑπτά. καὶ ἔλεγεν αὐτοῖς, Οὔπω συνίετε; Plut. Caes. 49–50: […] ὥρμησεν ἐπὶ Συρίας. Κἀκεῖθεν ἐπιὼν τὴν Ἀσίαν, ἐπυνθάνετο Δομίτιον μὲν ὑπὸ Φαρνάκου τοῦ Μιθριδάτου παιδὸς ἡττημένον ἐκ Πόντου πεφευγέναι σὺν ὀλίγοις, Φαρνάκην δὲ τῇ νίκῃ χρώμενον ἀπλήστως, καὶ Βιθυνίαν ἔχοντα καὶ Καππαδοκίαν, Ἀρμενίας ἐφίεσθαι τῆς μικρᾶς καλουμένης, καὶ πάντας ἀνιστάναι τοὺς ταύτῃ βασιλεῖς καὶ τετράρχας. εὐθὺς οὖν ἐπὶ τὸν ἄνδρα τρισὶν ἤλαυνε τάγμασι, καὶ περὶ πόλιν Ζῆλαν μάχην μεγάλην συνάψας αὐτὸν μὲν ἐξέβαλε τοῦ Πόντου φεύγοντα, τὴν δὲ στρατιὰν ἄρδην ἀνεῖλε· καὶ τῆς μάχης ταύτης τὴν ὀξύτητα καὶ τὸ τάχος ἀναγγέλλων εἰς Ῥώμην πρός τινα τῶν φίλων Μάτιον ἔγραψε τρεῖς λέξεις· “ἦλθον, εἶδον, ἐνίκησα.” Ῥωμαϊστὶ δ' αἱ λέξεις, εἰς ὅμοιον ἀπολήγουσαι σχῆμα ῥήματος, οὐκ ἀπίθανον τὴν βραχυλογίαν ἔχουσιν. App. BC 2.91.381–4: Τοσάδε μὲν δὴ Καῖσαρ ἐργασάμενος ἐν Ἀλεξανδρείᾳ διὰ Συρίας ἐπὶ Φαρνάκην ἠπείγετο. ὁ δὲ ἤδη μὲν εἴργαστο πολλὰ καὶ περιεσπάκει τινὰ Ῥωμαίων χωρία καὶ Δομιτίῳ Καίσαρος στρατηγῷ συνενεχθεὶς ἐς μάχην ἐνενικήκει πάνυ λαμπρῶς, καὶ τῷδε μάλιστα ἐπαρθεὶς Ἀμισὸν πόλιν ἐν τῷ Πόντῳ ῥωμαΐζουσαν ἐξηνδραπόδιστο καὶ τοὺς παῖδας αὐτῶν τομίας ἐπεποίητο πάντας· προσιόντος δὲ τοῦ Καίσαρος ἐταράσσετο καὶ μετεγίγνωσκε καὶ ἀπὸ σταδίων διακοσίων γενομένῳ πρέσβεις ἔπεμπεν ὑπὲρ εἰρήνης, στέφανόν τε χρύσειον αὐτῷ φέροντας καὶ ἐς γάμον ὑπ' ἀνοίας ἐγγυῶντας Καίσαρι τὴν Φαρνάκους θυγατέρα. ὁ δ' αἰσθόμενος ὧν φέρουσι, προῆλθε μετὰ τοῦ στρατοῦ καὶ ἐς τὸ πρόσθεν ἐβάδιζε λεσχηνεύων τοῖς πρέσβεσι, μέχρι προσπελάσας τῷ χάρακι τοῦ Φαρνάκους καὶ τοσόνδε εἰπών· “οὐ γὰρ αὐτίκα δώσει δίκην ὁ πατροκτόνος;” ἐπὶ τὸν ἵππον ἀνεπήδησε καὶ εὐθὺς ἐκ πρώτης βοῆς τρέπεταί τε τὸν Φαρνάκην καὶ πολλοὺς ἔκτεινε, σὺν χιλίοις που μάλιστα ὢν ἱππεῦσιν τοῖς πρώτοις αὐτῷ συνδραμοῦσιν· ὅτε καί φασιν αὐτὸν εἰπεῖν· “ὦ μακάριε Πομπήιε, τοιούτοις ἄρα κατὰ Μιθριδάτην τὸν τοῦδε πατέρα πολεμῶν ἀνδράσι μέγας τε ἐνομίσθης καὶ μέγας ἐπεκλήθης.” ἐς δὲ Ῥώμην περὶ τῆσδε τῆς μάχης ἐπέστελλεν· “ἐγὼ δὲ ἦλθον, εἶδον, ἐνίκησα.” Μετὰ δὲ τοῦτο Φαρνάκης μὲν ἀγαπῶν ἐς τὴν ἀρχὴν Βοσπόρου, τὴν δεδομένην οἱ παρὰ Πομπηίου, συνέφυγεν· […]. Dio Cass. HR 42.45-8.

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Suet. Jul. 35: ab Alexandria in Syriam et inde Pontum transiit urgentibus de Pharnace nuntiis, quem Mithridatis Magni filium ac tunc occasione temporum bellantem iamque multiplici successu praeferocem, intra quintum quam adfuerat diem, quattuor quibus in conspectum uenit horis, una profligauit acie; crebro commemorans Pompei felicitatem, cui praecipua militiae laus de tam inbelli genere hostium contigisset. Suet. Jul. 37: Pontico triumpho inter pompae fercula trium uerborum praetulit titulum «veni vidi vici» non acta belli significantem sicut ceteris, sed celeriter confecti notam. Vell. 2.55: […] nam uictus ab eo Pharnaces uix quidquam gloriae eius adstruxit […]. Mk 7:31–37: Καὶ πάλιν ἐξελθὼν ἐκ τῶν ὁρίων Τύρου ἦλθεν διὰ Σιδῶνος εἰς τὴν θάλασσαν τῆς Γαλιλαίας ἀνὰ μέσον τῶν ὁρίων Δεκαπόλεως. καὶ φέρουσιν αὐτῷ κωφὸν καὶ μογιλάλον, καὶ παρακαλοῦσιν αὐτὸν ἵνα ἐπιθῇ αὐτῷ τὴν χεῖρα. καὶ ἀπολαβόμενος αὐτὸν ἀπὸ τοῦ ὄχλου κατ' ἰδίαν ἔβαλεν τοὺς δακτύλους αὐτοῦ εἰς τὰ ὦτα αὐτοῦ καὶ πτύσας ἥψατο τῆς γλώσσης αὐτοῦ, καὶ ἀναβλέψας εἰς τὸν οὐρανὸν ἐστέναξεν, καὶ λέγει αὐτῷ, Εφφαθα, ὅ ἐστιν, Διανοίχθητι. καὶ [εὐθέως] ἠνοίγησαν αὐτοῦ αἱ ἀκοαί, καὶ ἐλύθη ὁ δεσμὸς τῆς γλώσσης αὐτοῦ, καὶ ἐλάλει ὀρθῶς. καὶ διεστείλατο αὐτοῖς ἵνα μηδενὶ λέγωσιν· ὅσον δὲ αὐτοῖς διεστέλλετο, αὐτοὶ μᾶλλον περισσότερον ἐκήρυσσον. καὶ ὑπερπερισσῶς ἐξεπλήσσοντο λέγοντες, Καλῶς πάντα πεποίηκεν· καὶ τοὺς κωφοὺς ποιεῖ ἀκούειν καὶ [τοὺς] ἀλάλους λαλεῖν. Cf. Anm. 723. Markus’ Wortwahl – «mitten in das Gebiet der zehn Städte», lässt die Möglichkeit offen, dass dieses «mitten», meson, für ein unsprünglicheres meros, «Teil», steht (cf. Mt 2:22: ta merē tēs Galilaias, «die Gegend von Galiläa», eigentlich «die Teile von Galiläa»). Falls kein Einfluss des lateinischen mare, «Meer», vorliegt, womit wir lediglich eine andere Wiedergabe vom «Galiläischen Meer» hätten, könnten diese «Teile» natürlich etwas ganz anderes als die «Gegend» sein, nämlich die «Abteilungen», die «Truppen». Und zwar in beiden Fällen, hier bei Markus die von Deiotaros Caesar zur Verfügung gestellten Abteilungen, dort bei Matthäus die von Caesar vor Ausbruch des Bürgerkrieges in die Cisalpina konzentrierten Truppen. Das verstärkt die Vermutung, dass hinter tōn horiōn ein cohortium zu wittern ist. Oder sollte etwa kōphon kai «Kappadokia» verdecken, mogilalon dann «Armenia minor», die umkämpften Gebiete? Zu vergleichen wäre kōphon kai mit Cappadocia, sowie kai mogilalon mit Armenia minor. Man könnte meinen, zwischen diesen beiden letzten bestünde keine Ähnlichkeit. Beim genaueren Hinsehen muss man feststellen, dass die Variation innerhalb von Markus’ Bandbreite bleibt: A R M E N I A M I N O R Κ ΑΙ Μ Ο Γ Ι Λ Α Λ Ο Ν Wobei für das Erscheinen von -lalon, «lallend, redend», der Einfluss von kaloumenē, «genannt», zu vermuten wäre (cf. Plutarchs Armenia (h)ē mikra kaloumenē, «Armenien, die kleine genannte»). Daraus könnte man schließen, dass (h)epphatha mit seinem seinem initialen «e-», das wie ein Augment aussieht, einen ursprünglicheren griechischen Aorist verdeckt, der mit «seufzte» und «sprach» den wiederzugebenden Dreitakt bildete und erst später aramäisch gedeutet wurde: epháthē, «wurde gesagt»? Womit wir einen weiteren Beweis hätten, dass das Aramäische zu einer späteren Redaktionsschicht gehört. Cf. Anm. 723. Suet. Jul. 24: Qua fiducia ad legiones, quas a re publica acceperat, alias priuato sumptu addidit, unam etiam ex Transalpinis conscriptam, uocabulo quoque Gallico (Alauda enim appellabatur), quam disciplina cultuque Romano institutam et ornatam postea uniuersam ciuitate donauit. Tac. Ann. 11.24: tunc solida domi quies et adversus externa floruimus, cum Transpadani in civitatem recepti, cum specie deductarum per orbem terrae legionum additis provincialium validissimis fesso imperio subventum est. Suet. Jul. 41: Senatum suppleuit […]. Suet. Jul. 80: Peregrinis in senatum allectis libellus propositus est: «Bonum factum! Ne quis senatori nouo curiam monstrare uelit», et illa vulgo canebantur: «Gallos Caesar in triumphum ducit, idem in curiam; / Galli bracas deposuerunt, latum clauum sumpserunt.» Suet. Jul. 76: Eadem licentia spreto patrio more magistratus in pluris annos ordinauit, decem praetoris uiris consularia ornamenta tribuit, ciuitate donatos et quosdam e semibarbaris Gallorum recepit in curiam. Suet. Jul. 58: at idem obsessione castrorum in Germania nuntiata per stationes hostium Gallico habitu penetrauit ad suos. Plut. Caes. 26: ἔδοξε δὲ κατ' ἀρχάς τι καὶ σφαλῆναι, καὶ δεικνύουσιν Ἀρβέρνοι ξιφίδιον πρὸς ἱερῷ κρεμάμενον, ὡς δὴ Καίσαρος λάφυρον· ὃ θεασάμενος αὐτὸς ὕστερον ἐμειδίασε, καὶ τῶν φίλων καθελεῖν κελευόντων οὐκ εἴασεν, ἱερὸν ἡγούμενος. Mk 8:26: καὶ ἀπέστειλεν αὐτὸν εἰς οἶκον αὐτοῦ λέγων, Μηδὲ εἰς τὴν κώμην εἰσέλθῃς.

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Plut. Caes. 51: καὶ κακῶς ἤκουσεν, ὅτι τῶν στρατιωτῶν στασιασάντων καὶ δύο στρατηγικοὺς ἄνδρας ἀνελόντων, Κοσκώνιον καὶ Γάλβαν, ἐπετίμησε μὲν αὐτοῖς τοσοῦτον ὅσον ἀντὶ στρατιωτῶν πολίτας προσαγορεῦσαι, χιλίας δὲ διένειμεν ἑκάστῳ δραχμὰς καὶ χώραν τῆς Ἰταλίας ἀπεκλήρωσε πολλήν. App. BC 2.92.386–94.396: πυθόμενος δ' ἐν Ῥώμῃ στάσιν εἶναι καὶ Ἀντώνιον τὸν ἵππαρχον αὑτοῦ τὴν ἀγορὰν στρατιᾷ φυλάσσειν, πάντα μεθεὶς ἐς Ῥώμην ἠπείγετο. ὡς δ' ἦλθεν, ἡ μὲν στάσις ἡ πολιτικὴ κατεπαύετο, ἑτέρα δ' ἐπ' αὐτὸν ἀνίστατο τοῦ στρατοῦ, ὡς οὔτε τὰ ἐπηγγελμένα σφίσιν ἐπὶ τῷ κατὰ Φάρσαλον ἔργῳ λαβόντες οὔτε ἐννόμως ἔτι βραδύνοντες ἐν τῇ στρατείᾳ· ἀφεθῆναί τε πάντες ἐπὶ τὰ αὑτῶν ἠξίουν. ὁ δ' ἐπηγγέλλετο μὲν αὐτοῖς ἀόριστά τινα ἐν Φαρσάλῳ, καὶ ἕτερα ἀόριστα, ὅταν ὁ ἐν Λιβύῃ πόλεμος ἐκτελεσθῇ· τότε δ' ἔπεμπεν ἄλλας ὁρίζων ἑκάστῳ χιλίας δραχμάς. οἱ δὲ αὐτὸν οὐχ ὑπισχνεῖσθαι μᾶλλον ἢ αὐτίκα διδόναι πάντα ἐκέλευον· καὶ περὶ τῶνδε Σαλούστιον Κρίσπον πεμφθέντα πρὸς αὐτοὺς ὀλίγου καὶ διέφθειραν, εἰ μὴ διέφυγε. πυθόμενος δ' ὁ Καῖσαρ τέλος μὲν ἄλλο στρατιωτῶν, οἳ τὴν πόλιν ἐξ Ἀντωνίου παρεφύλασσον, περιέστησε τῇ οἰκίᾳ καὶ ταῖς τῆς πόλεως ἐξόδοις, δείσας περὶ ἁρπαγῆς· αὐτὸς δέ, πάντων δεδιότων καὶ παραινούντων αὐτῷ τὴν ὁρμὴν τοῦ στρατοῦ φυλάξασθαι, μάλα θρασέως αὐτοῖς ἔτι στασιάζουσιν ἐς τὸ Ἄρειον πεδίον ἐπῆλθεν οὐ προμηνύσας καὶ ἐπὶ βήματος ὤφθη. Οἱ δὲ σὺν θορύβῳ τε ἄνοπλοι συνέτρεχον καί, ὡς ἔθος, ἄφνω φανέντα σφίσιν ἠσπάζοντο αὐτοκράτορα. κελεύσαντος δ' ὅ τι θέλοιεν εἰπεῖν, περὶ μὲν τῶν δωρεῶν ἐς ὄψιν εἰπεῖν αὐτοῦ παρόντος οὐδὲ ἐτόλμησαν ὑπὸ τῆς αὐτῆς ἐκπλήξεως, ὡς δὲ μετριώτερον, ἀφεθῆναι τῆς στρατείας ἀνεβόησαν, ἐλπίσαντες στρατοῦ δεόμενον ἐς τοὺς ὑπολοίπους πολέμους αὐτὸν ἐρεῖν τι καὶ περὶ τῶν δωρεῶν. ὁ δὲ παρὰ τὴν ἁπάντων δόξαν οὐδὲ μελλήσας ἀπεκρίνατο· “ἀφίημι.” καταπλαγέντων δ' αὐτῶν ἔτι μᾶλλον καὶ σιωπῆς βαθυτάτης γενομένης ἐπεῖπε· “καὶ δώσω γε ὑμῖν τὰ ἐπηγγελμένα ἅπαντα, ὅταν θριαμβεύσω μεθ' ἑτέρων.” ἀδοκήτου δ' αὐτοῖς ἅμα καὶ τοῦδε καὶ φιλανθρώπου φανέντος, αἰδὼς αὐτίκα πᾶσιν ἐνέπιπτεν καὶ λογισμὸς μετὰ ζήλου, εἰ δόξουσι μὲν αὐτοὶ καταλιπεῖν σφῶν τὸν αὐτοκράτορα ἐν μέσοις τοσοῖσδε πολεμίοις, θριαμβεύσουσι δ' ἀνθ' αὑτῶν ἕτεροι καὶ σφεῖς τῶν ἐν Λιβύῃ κερδῶν ἐκπεσοῦνται, μεγάλων ἔσεσθαι νομιζομένων, ἐχθροί τε ὁμοίως αὐτοῦ τε Καίσαρος ἔσονται καὶ τῶν πολεμίων. δείσαντες οὖν ἔτι μᾶλλον ἡσύχαζον ἐξ ἀπορίας, ἐλπίζοντες ἐνδώσειν τι καὶ τὸν Καίσαρα καὶ μεταγνώσεσθαι διὰ τὴν ἐν χερσὶ χρείαν. ὁ δ' ἀνθησύχαζε καὶ τῶν φίλων αὐτὸν παρακαλούντων ἐπιφθέγξασθαί τι πρὸς αὐτοὺς ἄλλο καὶ μὴ βραχεῖ καὶ αὐστηρῷ λόγῳ πολλὰ συνεστρατευμένους ἐγκαταλιπεῖν, ἀρχόμενος λέγειν πολίτας ἀντὶ στρατιωτῶν προσεῖπεν· ὅπερ ἐστὶ σύμβολον ἀφειμένων τῆς στρατείας καὶ ἰδιωτευόντων. Οἱ δ' οὐκ ἐνεγκόντες ἔτι ἀνέκραγον μετανοεῖν καὶ παρεκάλουν αὐτῷ συστρατεύεσθαι. ἀποστρεφομένου τε τοῦ Καίσαρος καὶ ἀπιόντος ἀπὸ τοῦ βήματος, οἱ δὲ σὺν ἐπείξει πλέονι βοῶντες ἐνέκειντο παραμεῖναί τε αὐτὸν καὶ κολάζειν σφῶν τοὺς ἁμαρτόντας. ὁ δ' ἔτι μέν τι διέτριψεν, οὔτε ἀπιὼν οὔτε ἐπανιών, ὑποκρινόμενος ἀπορεῖν· ἐπανελθὼν δ' ὅμως ἔφη κολάσειν μὲν αὐτῶν οὐδένα, ἄχθεσθαι δ', ὅτι καὶ τὸ δέκατον τέλος, ὃ προετίμησεν αἰεί, τοιαῦτα θορυβεῖ. “καὶ τόδε,” ἔφη, “μόνον ἀφίημι τῆς στρατείας· δώσω δὲ καὶ τῷδε ὅμως τὰ ὑπεσχημένα ἅπαντα, ἐπανελθὼν ἐκ Λιβύης. δώσω δὲ καὶ γῆν ἅπασιν ἐκτελεσθέντων τῶν πολέμων, οὐ καθάπερ Σύλλας, ἀφαιρούμενος ἑτέρων ἣν ἔχουσι καὶ τοῖς ἀφαιρεθεῖσι τοὺς λαβόντας συνοικίζων καὶ ποιῶν ἀλλήλοις ἐς αἰεὶ πολεμίους, ἀλλὰ τὴν τοῦ δήμου γῆν ἐπινέμων καὶ τὴν ἐμαυτοῦ, καὶ τὰ δέοντα προσωνούμενος.” κρότου δὲ καὶ εὐφημίας παρὰ πάντων γενομένης, τὸ δέκατον ὑπερήλγει τέλος, ἐς μόνον αὐτὸ τοῦ Καίσαρος ἀδιαλλάκτου φανέντος· καὶ σφᾶς αὐτὸν ἠξίουν διακληρῶσαί τε καὶ τὸ μέρος θανάτῳ ζημιῶσαι. ὁ δὲ οὐδὲν αὐτοὺς ὑπερεθίζειν ἔτι δεόμενος ἀκριβῶς μετανοοῦντας, συνηλλάσσετο ἅπασι καὶ εὐθὺς ἐπὶ τὸν ἐν Λιβύῃ πόλεμον ἐξῄει. Dio Cass. HR 42.52–5. Suet. Jul. 67: nec milites eos pro contione, sed blandiore nomine commilitones appellabat […]. Suet. Jul. 70: decimanos autem Romae cum ingentibus minis summoque etiam urbis periculo missionem et praemia flagitantes, ardente tunc in Africa bello, neque adire cunctatus est, quanquam deterrentibus amicis, neque dimittere; sed una uoce, qua ‘Quirites’ eos pro militibus appellarat, tam facile circumegit et flexit, ut ei milites esse confestim responderint et quamuis recusantem ultro in Africam sint secuti; ac sic quoque seditiosissimum quemque et praedae et agri destinati tertia parte multauit. Mk 12:1–12: Καὶ ἤρξατο αὐτοῖς ἐν παραβολαῖς λαλεῖν, Ἀμπελῶνα ἄνθρωπος ἐφύτευσεν, καὶ περιέθηκεν φραγμὸν καὶ ὤρυξεν ὑπολήνιον καὶ ᾠκοδόμησεν πύργον, καὶ ἐξέδετο αὐτὸν γεωργοῖς, καὶ ἀπεδήμησεν. καὶ ἀπέστειλεν πρὸς τοὺς γεωργοὺς τῷ καιρῷ δοῦλον, ἵνα παρὰ τῶν γεωργῶν λάβῃ ἀπὸ τῶν καρπῶν τοῦ ἀμπελῶνος· καὶ λαβόντες αὐτὸν ἔδειραν καὶ ἀπέστειλαν κενόν. καὶ πάλιν ἀπέστειλεν πρὸς αὐτοὺς ἄλλον δοῦλον· κἀκεῖνον ἐκεφαλίωσαν καὶ ἠτίμασαν. καὶ ἄλλον ἀπέστειλεν, κἀκεῖνον ἀπέκτειναν, καὶ πολλοὺς ἄλλους, οὓς μὲν δέροντες οὓς δὲ ἀποκτέννοντες. ἔτι ἕνα εἶχεν, υἱὸν ἀγαπητόν· ἀπέστειλεν αὐτὸν ἔσχατον πρὸς αὐτοὺς λέγων ὅτι Ἐντραπήσονται τὸν υἱόν μου. ἐκεῖνοι δὲ οἱ γεωργοὶ πρὸς ἑαυτοὺς εἶπαν ὅτι Οὗτός ἐστιν ὁ κληρονόμος· δεῦτε ἀποκτείνωμεν αὐτόν, καὶ ἡμῶν ἔσται ἡ κληρονομία. καὶ λαβόντες ἀπέκτειναν αὐτόν, καὶ ἐξέβαλον αὐτὸν ἔξω τοῦ ἀμπελῶνος. τί [οὖν] ποιήσει ὁ κύριος τοῦ ἀμπελῶνος; ἐλεύσεται καὶ ἀπολέσει τοὺς γεωργούς, καὶ δώσει τὸν ἀμπελῶνα ἄλλοις. οὐδὲ τὴν γραφὴν ταύτην ἀνέγνωτε, Λίθον ὃν ἀπεδοκίμασαν οἱ οἰκοδομοῦντες, οὗτος ἐγενήθη εἰς κεφαλὴν

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γωνίας· παρὰ κυρίου ἐγένετο αὕτη, καὶ ἔστιν θαυμαστὴ ἐν ὀφθαλμοῖς ἡμῶν; Καὶ ἐζήτουν αὐτὸν κρατῆσαι, καὶ ἐφοβήθησαν τὸν ὄχλον, ἔγνωσαν γὰρ ὅτι πρὸς αὐτοὺς τὴν παραβολὴν εἶπεν. καὶ ἀφέντες αὐτὸν ἀπῆλθον. Mk 12:7–9, Vulgata: coloni autem dixerunt ad invicem hic est heres venite occidamus eum et nostra erit hereditas et adprehendentes eum occiderunt et eiecerunt extra vineam quid ergo faciet dominus vineae veniet et perdet colonos et dabit vineam aliis. Dio Cass. HR 42.49.4–5: τό τε σύμπαν εἰπεῖν, χρηματοποιὸς ἀνὴρ ἐγένετο, δύο τε εἶναι λέγων τὰ τὰς δυναστείας παρασκευάζοντα καὶ φυλάσσοντα καὶ ἐπαύξοντα, στρατιώτας καὶ χρήματα, καὶ ταῦτα δι' ἀλλήλων συνεστηκέναι· τῇ τε γὰρ τροφῇ τὰ στρατεύματα συνέχεσθαι, καὶ ἐκείνην ἐκ τῶν ὅπλων συλλέγεσθαι· κἂν θάτερον ὁποτερονοῦν αὐτῶν ἐνδεὲς ᾖ, καὶ τὸ ἕτερον συγκαταλυθήσεσθαι. Suet. Jul. 42: de pecuniis mutuis disiecta nouarum tabularum expectatione, quae crebro mouebatur, decreuit tandem, ut debitores creditoribus satis facerent per aestimationem possessionum, quanti quasque ante ciuile bellum comparassent, deducto summae aeris alieni, si quid usurae nomine numeratum aut perscriptum fuisset; qua condicione quarta pars fere crediti deperibat. Dio Cass. HR 42.50.4: ὅθενπερ καὶ χρεῶν ἀποκοπὰς ἀξιοῦντος τοῦ πλήθους γενέσθαι οὐκ ἐποίησεν, εἰπὼν ὅτι καὶ αὐτὸς πολλὰ ὀφείλω· Dio Cass. HR 42.51.1–3: τοῖς τε γὰρ πολλοῖς ἐχαρίσατο τόν τε τόκον τὸν ἐποφειλόμενόν σφισιν ἐξ οὗ πρὸς τὸν Πομπήιον ἐξεπολεμώθη πάντα, καὶ τὸ ἐνοίκιον ὅσον ἐς πεντακοσίας δραχμὰς ἦν ἐνιαυτοῦ ἑνὸς ἀφείς, καὶ προσέτι καὶ τὰς τιμήσεις τῶν κτημάτων, ἐν οἷς τὴν ἀπόδοσιν τῶν δανεισμάτων κατὰ τοὺς νόμους γίγνεσθαι ἔδει, πρὸς τὴν ἐν τῷ χρόνῳ ἀξίαν ἐπαναγαγών, ἐπειδὴ τῷ πλήθει τῶν δεδημοσιωμένων πολὺ πάντα ἐπευώνιστο. Cf. auch Dio Cass. HR 41.37–38. Mk 12:13–17: Καὶ ἀποστέλλουσιν πρὸς αὐτόν τινας τῶν Φαρισαίων καὶ τῶν Ἡρῳδιανῶν ἵνα αὐτὸν ἀγρεύσωσιν λόγῳ. καὶ ἐλθόντες λέγουσιν αὐτῷ, Διδάσκαλε, οἴδαμεν ὅτι ἀληθὴς εἶ καὶ οὐ μέλει σοι περὶ οὐδενός, οὐ γὰρ βλέπεις εἰς πρόςωπον ἀνθρώπων, ἀλλ' ἐπ' ἀληθείας τὴν ὁδὸν τοῦ θεοῦ διδάσκεις· ἔξεστιν δοῦναι κῆνσον Καίσαρι ἢ οὔ; δῶμεν ἢ μὴ δῶμεν; ὁ δὲ εἰδὼς αὐτῶν τὴν ὑπόκρισιν εἶπεν αὐτοῖς, Τί με πειράζετε; φέρετέ μοι δηνάριον ἵνα ἴδω. οἱ δὲ ἤνεγκαν. καὶ λέγει αὐτοῖς, Τίνος ἡ εἰκὼν αὕτη καὶ ἡ ἐπιγραφή; οἱ δὲ εἶπαν αὐτῷ, Καίσαρος. ὁ δὲ Ἰησοῦς εἶπεν αὐτοῖς, Τὰ Καίσαρος ἀπόδοτε Καίσαρι καὶ τὰ τοῦ θεοῦ τῷ θεῷ. καὶ ἐξεθαύμαζον ἐπ' αὐτῷ. Dio Cass. HR 42.51.3–5: τούτους τε οὖν ταῦτα πράξας ἀνηρτήσατο, καὶ τῶν προσεταιριστῶν τῶν τε συναγωνιστῶν τοὺς μὲν βουλευτὰς ἱερωσύναις τε καὶ ἀρχαῖς ταῖς τε ἐς τὸν λοιπὸν τοῦ ἔτους ἐκείνου χρόνον καὶ ταῖς ἐς νέωτα (ἵνα γὰρ πλείους αὐτῶν ἀμείψηται, στρατηγούς τε δέκα ἐς τὸ ἐπιὸν ἔτος ἀπέδειξε καὶ ἱερέας ὑπὲρ τὸ νενομισμένον· τοῖς τε γὰρ ποντίφιξι καὶ τοῖς οἰωνισταῖς, ὧν καὶ αὐτὸς ἦν, τοῖς τε πεντεκαίδεκα καλουμένοις ἕνα ἑκάστοις προσένειμε, καίπερ αὐτὸς βουληθεὶς πάσας τὰς ἱερωσύνας λαβεῖν ὥσπερ ἐψήφιστο), τοὺς δὲ ἱππέας τοῦ τέλους τούς τε ἑκατοντάρχους καὶ τοὺς ὑπομείονας ἄλλοις τέ τισι καὶ τῷ καὶ ἐς τὸ συνέδριόν τινας ἀπ' αὐτῶν ἀντὶ τῶν ἀπολωλότων καταλέξαι. Suet. Jul. 42: Cuncta collegia praeter antiquitus constituta distraxit. Suet. Jul. 76: Tertium et quartum consulatum titulo tenus gessit, contentus dictaturae potestate decretae cum consulatibus simul […]. Dio Cass. HR 42.55.4: ταῦτά <τε> ἐν ἐκείνῳ τῷ ἔτει, ἐν ᾧ δικτάτωρ μὲν ὄντως αὐτὸς τὸ δεύτερον ἦρξεν, ὕπατοι δὲ ἐπ' ἐξόδῳ αὐτοῦ ἀποδειχθέντες ὅ τε Καλῆνος καὶ ὁ Οὐατίνιος ἐλέγοντο εἶναι, ἐποίησε […]. Suet. Jul. 35: Dehinc Scipionem ac Iubam reliquias partium in Africa refouentis deuicit. Vell. 2.55: Nusquam erat Pompeius corpore, adhuc ubique uiuebat nomine. Quippe ingens partium eius fauor bellum excitauerat Africum quod ciebat rex Iuba et Scipio, uir consularis, ante biennium quam extingueretur Pompeius, lectus ab eo socer, eorumque copias auxerat M. Cato, ingenti cum difficultate itinerum locorumque inopia, perductis ad eos legionibus: qui uir, cum summum ei a militibus deferretur imperium, honoratiori parere maluit. Admonet promissae breuitatis fides quanto omnia transcursu dicenda sint. Sequens fortunam suam Caesar peruectus in Africam est, quam, occiso Curione, Iulianarum duce partium, Pompeiani obtinebant exercitus. Ibi primo uaria fortuna, mox pugnauit sua, inclinataeque hostium copiae; nec dissimilis ibi aduersus uictos quam in priores clementia Caesaris fuit. Dio Cass. HR 42.56-43.13. App. BC 2.95-100.397: Διαβαλὼν δ' ἐκ Ῥηγίου τὸν πορθμὸν ἐπὶ Μεσσήνης ἐς Λιλύβαιον ἦλθε. καὶ πυθόμενος Κάτωνα μὲν τὴν παρασκευὴν τοῦ πολέμου ναυσὶ καὶ πεζῶν τινι μέρει φρουρεῖν ἐν Ἰτύκῃ μετὰ τῶν τριακοσίων, οὓς ἀπὸ σφῶν ἐκ πολλοῦ προβούλους ἐπεποίηντο τοῦ πολέμου καὶ σύγκλητον ἐκάλουν, τὸν δ' αὐτοκράτορα Λεύκιον Σκιπίωνα καὶ τοὺς ἀρίστους ἐν Ἀδρυμητῷ στρατοπεδεύειν, διέπλευσεν ἐπὶ τὸν Σκιπίωνα. [409–12]: οὐ μὴν οὐδ' ἐς ὕπνον ἀπιὼν ἐνήλλαξέ τι τῶν συνήθων, πλὴν ὅτι υἱὸν ἠσπάσατο φιλοφρονέστερον. τὸ δὲ ξιφίδιον τῇ κλίνῃ τὸ σύνηθες οὐχ εὑρὼν παρακείμενον ἐξεβόησεν, ὅτι προδιδοῖτο ὑπὸ τῶν οἰκείων τοῖς πολεμίοις· τίνι γὰρ ἔφη χρήσεσθαι προσιόντων, ἂν νυκτὸς ἐπίωσι; τῶν δὲ αὐτὸν παρακαλούντων μηδὲν ἐφ' ἑαυτὸν βουλεύειν, ἀλλ' ἀναπαύεσθαι χωρὶς ξιφιδίου, ἀξιοπιστότερον

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ἔτι εἶπεν· “οὐ γὰρ ἔστι μοι θέλοντι καὶ δι' ἐσθῆτος ἐμαυτὸν ἀποπνῖξαι καὶ ἐς τὰ τείχη τὴν κεφαλὴν ἀπαράξαι καὶ ἐς τράχηλον κυβιστῆσαι καὶ τὸ πνεῦμα κατασχόντα ἐκτρῖψαι;” πολλά τε ὅμοια εἰπὼν παρήγαγεν αὐτοὺς παραθεῖναι τὸ ξιφίδιον. ὡς δὲ ἐτέθη, Πλάτωνος αἰτήσας τὴν περὶ ψυχῆς συγγραφὴν ἀνεγίνωσκε. Καὶ ἐπεὶ τέλος εἶχε τῷ Πλάτωνι ὁ λόγος, ἀναπαύεσθαι τοὺς περὶ θύρας ὑπολαβὼν ἔτρωσεν αὑτὸν ὑπὸ τὰ στέρνα· προπεσόντων δ' αὐτῷ τῶν σπλάγχνων καὶ στόνου τινὸς ἐξακουσθέντος ἐσέδραμον οἱ περὶ θύρας· καὶ οἱ ἰατροὶ τὰ σπλάγχνα ἔτι σῶα ὄντα ἐνέθηκαν ἔνδον καὶ τὰς πληγὰς ἐπιρράψαντες ἐπέδησαν. ὁ δὲ ἀνενεγκὼν αὖθις ὑπεκρίνετο καὶ κατεμέμφετο μὲν ἑαυτῷ πληγῆς ἀσθενοῦς, χάριν δ' ὡμολόγει τοῖς περισώσασι καὶ καταδαρθεῖν ἔφη δεῖσθαι. οἱ μὲν δὴ τὸ ξίφος ἔχοντες ᾤχοντο καὶ τὰς θύρας ὡς ἠρεμοῦντι ἐπέκλεισαν· ὁ δ' ὕπνου δόξαν αὐτοῖς παρασχὼν τὰ δεσμὰ ταῖς χερσὶ μετὰ σιγῆς ἀπερρήγνυ καὶ τὰς ῥαφὰς τοῦ τραύματος ἀνέπτυσσεν, οἷα θηρίον τό τε τραῦμα καὶ τὴν γαστέρα εὐρύνων ὄνυξι καὶ δακτύλοις ἐρευνῶν καὶ τὰ σπλάγχνα διαρρίπτων, μέχρι ἐτελεύτησεν, ἔτη μὲν ἀμφὶ πεντήκοντα γεγονώς, ὁμολογούμενος δὲ τήν τε γνώμην, ἐς ὅ τι κρίνειε, πάντων ἀνδρῶν ἐπιμονώτατος φῦναι καὶ τὸ δίκαιον ἢ πρέπον ἢ καλὸν οὐκ ἔθεσι μᾶλλον ἢ μεγαλοψύχοις λογισμοῖς ὁρίσαι. […] τοιόσδε μὲν δὴ Κάτων ἦν, καὶ αὐτὸν οἱ Ἰτυκαῖοι λαμπρῶς ἔθαπτον· ὁ δὲ Καῖσαρ ἔφη μέν οἱ φθονῆσαι Κάτωνα καλῆς ἐπιδείξεως […]. Plut. Caes. 52-54: Τῶν δὲ περὶ Κάτωνα καὶ Σκιπίωνα μετὰ τὴν ἐν Φαρσάλῳ μάχην εἰς Λιβύην φυγόντων κἀκεῖ, τοῦ βασιλέως Ἰόβα βοηθοῦντος αὐτοῖς, ἠθροικότων δυνάμεις ἀξιολόγους, ἔγνω στρατεύειν ὁ Καῖσαρ ἐπ' αὐτούς· […] οἱ γὰρ Νομάδες, ἐπιφαινόμενοι πολλοὶ καὶ ταχεῖς ἑκάστοτε, κατεῖχον τὴν χώραν· καί ποτε τῶν Καίσαρος ἱππέων σχολὴν ἀγόντων (ἔτυχε γὰρ αὐτοῖς ἀνὴρ Λίβυς ἐπιδεικνύμενος ὄρχησιν ἅμα καὶ μοναυλῶν θαύματος ἀξίως), οἱ μὲν ἐκάθηντο τερπόμενοι, τοῖς παισὶ τοὺς ἵππους ἐπιτρέψαντες, ἐξαίφνης δὲ περιελθόντες ἐμβάλλουσιν οἱ πολέμιοι, καὶ τοὺς μὲν αὐτοῦ κτείνουσι, τοῖς δ' εἰς τὸ στρατόπεδον προτροπάδην ἐλαυνομένοις συνεισέπεσον. εἰ δὲ μὴ Καῖσαρ αὐτός, ἅμα δὲ Καίσαρι Πολλίων Ἀσίνιος, βοηθοῦντες ἐκ τοῦ χάρακος ἔσχον τὴν φυγήν, διεπέπρακτ' ἂν ὁ πόλεμος. […] οἱ μὲν <οὖν> ταῦτα περὶ τῆς μάχης ἐκείνης ἀναγγέλλουσιν· οἱ δ' οὔ φασιν αὐτὸν ἐν τῷ ἔργῳ γενέσθαι, συντάττοντος δὲ τὴν στρατιὰν καὶ διακοςμοῦντος ἅψασθαι τὸ σύνηθες νόσημα· τὸν δ' εὐθὺς αἰσθόμενον ἀρχομένου, πρὶν ἐκταράττεσθαι καὶ καταλαμβάνεσθαι παντάπασιν ὑπὸ τοῦ πάθους τὴν αἴσθησιν ἤδη σειομένην, εἴς τινα τῶν πλησίον πύργων κομισθῆναι καὶ διαγαγεῖν ἐν ἡσυχίᾳ. τῶν δὲ πεφευγότων ἐκ τῆς μάχης ὑπατικῶν καὶ στρατηγικῶν ἀνδρῶν οἱ μὲν ἑαυτοὺς διέφθειραν ἁλισκόμενοι, συχνοὺς δὲ Καῖσαρ ἔκτεινεν ἁλόντας. ἡ δὲ τῶν πόνων ὑπομονὴ παρὰ τὴν τοῦ σώματος δύναμιν ἐγκαρτερεῖν δοκοῦντος ἐξέπληττεν, ὅτι καὶ τὴν ἕξιν ὢν ἰσχνός, καὶ τὴν σάρκα λευκὸς καὶ ἁπαλός, καὶ τὴν κεφαλὴν νοσώδης, καὶ τοῖς ἐπιληπτικοῖς ἔνοχος (ἐν Κορδύβῃ πρῶτον αὐτῷ τοῦ πάθους ὡς λέγεται τούτου προσπεσόντος), οὐ μαλακίας ἐποιήσατο τὴν ἀρρωστίαν πρόφασιν, ἀλλὰ θεραπείαν τῆς ἀρρωστίας τὴν στρατείαν, ταῖς ἀτρύτοις ὁδοιπορίαις καὶ ταῖς εὐτελέσι διαίταις καὶ τῷ θυραυλεῖν ἐνδελεχῶς καὶ ταλαιπωρεῖν ἀπομαχόμενος τῷ πάθει καὶ τὸ σῶμα τηρῶν δυσάλωτον. Plut. Caes. 17: ἡ δὲ τῶν πόνων ὑπομονὴ παρὰ τὴν τοῦ σώματος δύναμιν ἐγκαρτερεῖν δοκοῦντος ἐξέπληττεν, ὅτι καὶ τὴν ἕξιν ὢν ἰσχνός, καὶ τὴν σάρκα λευκὸς καὶ ἁπαλός, καὶ τὴν κεφαλὴν νοσώδης, καὶ τοῖς ἐπιληπτικοῖς ἔνοχος (ἐν Κορδύβῃ πρῶτον αὐτῷ τοῦ πάθους ὡς λέγεται τούτου προσπεσόντος), οὐ μαλακίας ἐποιήσατο τὴν ἀρρωστίαν πρόφασιν, ἀλλὰ θεραπείαν τῆς ἀρρωστίας τὴν στρατείαν, ταῖς ἀτρύτοις ὁδοιπορίαις καὶ ταῖς εὐτελέσι διαίταις καὶ τῷ θυραυλεῖν ἐνδελεχῶς καὶ ταλαιπωρεῖν ἀπομαχόμενος τῷ πάθει καὶ τὸ σῶμα τηρῶν δυσάλωτον. Suet. Jul. 45: Fuisse traditur excelsa statura, colore candido, teretibus membris, ore paulo pleniore, nigris uegetisque oculis, ualitudine prospera, nisi quod tempore extremo repente animo linqui atque etiam per somnum exterreri solebat. comitiali quoque morbo bis inter res agendas correptus est. Suet. Jul. 57: Armorum et equitandi peritissimus, laboris ultra fidem patiens erat. in agmine nonnumquam equo, saepius pedibus anteibat, capite detecto, seu sol seu imber esset […]. Cf. auch M ACCHI – REGGI (1986). Mk 9:14–29: Καὶ ἐλθόντες πρὸς τοὺς μαθητὰς εἶδον ὄχλον πολὺν περὶ αὐτοὺς καὶ γραμματεῖς συζητοῦντας πρὸς αὐτούς. καὶ εὐθὺς πᾶς ὁ ὄχλος ἰδόντες αὐτὸν ἐξεθαμβήθησαν, καὶ προστρέχοντες ἠσπάζοντο αὐτόν. καὶ ἐπηρώτησεν αὐτούς, Τί συζητεῖτε πρὸς αὑτούς; καὶ ἀπεκρίθη αὐτῷ εἷς ἐκ τοῦ ὄχλου, Διδάσκαλε, ἤνεγκα τὸν υἱόν μου πρὸς σέ, ἔχοντα πνεῦμα ἄλαλον· καὶ ὅπου ἐὰν αὐτὸν καταλάβῃ ῥήσσει αὐτόν, καὶ ἀφρίζει καὶ τρίζει τοὺς ὀδόντας καὶ ξηραίνεται· καὶ εἶπα τοῖς μαθηταῖς σου ἵνα αὐτὸ ἐκβάλωσιν, καὶ οὐκ ἴσχυσαν. ὁ δὲ ἀποκριθεὶς αὐτοῖς λέγει, Ὦ γενεὰ ἄπιστος, ἕως πότε πρὸς ὑμᾶς ἔσομαι; ἕως πότε ἀνέξομαι ὑμῶν; φέρετε αὐτὸν πρός με. καὶ ἤνεγκαν αὐτὸν πρὸς αὐτόν. καὶ ἰδὼν αὐτὸν τὸ πνεῦμα εὐθὺς συνεσπάραξεν αὐτόν, καὶ πεσὼν ἐπὶ τῆς γῆς ἐκυλίετο ἀφρίζων. καὶ ἐπηρώτησεν τὸν πατέρα αὐτοῦ, Πόσος χρόνος ἐστὶν ὡς τοῦτο γέγονεν αὐτῷ; ὁ δὲ εἶπεν, Ἐκ παιδιόθεν· καὶ πολλάκις καὶ εἰς πῦρ αὐτὸν ἔβαλεν καὶ εἰς ὕδατα ἵνα ἀπολέσῃ αὐτόν· ἀλλ' εἴ τι δύνῃ, βοήθησον ἡμῖν σπλαγχνισθεὶς ἐφ' ἡμᾶς. ὁ δὲ Ἰησοῦς εἶπεν αὐτῷ, Τὸ Εἰ δύνῃ – πάντα δυνατὰ τῷ πιστεύοντι. εὐθὺς κράξας ὁ πατὴρ τοῦ παιδίου ἔλεγεν, Πιστεύω· βοήθει μου τῇ ἀπιστίᾳ. ἰδὼν δὲ ὁ Ἰησοῦς ὅτι ἐπισυντρέχει ὄχλος ἐπετίμησεν

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τῷ πνεύματι τῷ ἀκαθάρτῳ λέγων αὐτῷ, Τὸ ἄλαλον καὶ κωφὸν πνεῦμα, ἐγὼ ἐπιτάσσω σοι, ἔξελθε ἐξ αὐτοῦ καὶ μηκέτι εἰσέλθῃς εἰς αὐτόν. καὶ κράξας καὶ πολλὰ σπαράξας ἐξῆλθεν· καὶ ἐγένετο ὡσεὶ νεκρός, ὥστε τοὺς πολλοὺς λέγειν ὅτι ἀπέθανεν. ὁ δὲ Ἰησοῦς κρατήσας τῆς χειρὸς αὐτοῦ ἤγειρεν αὐτόν, καὶ ἀνέστη. καὶ εἰσελθόντος αὐτοῦ εἰς οἶκον οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ κατ' ἰδίαν ἐπηρώτων αὐτόν, Ὅτι ἡμεῖς οὐκ ἠδυνήθημεν ἐκβαλεῖν αὐτό; καὶ εἶπεν αὐτοῖς, Τοῦτο τὸ γένος ἐν οὐδενὶ δύναται ἐξελθεῖν εἰ μὴ ἐν προσευχῇ. Mk 14.33–5: […] καὶ ἤρξατο ἐκθαμβεῖσθαι καὶ ἀδημονεῖν, καὶ λέγει αὐτοῖς, Περίλυπός ἐστιν ἡ ψυχή μου ἕως θανάτου· μείνατε ὧδε καὶ γρηγορεῖτε. καὶ προελθὼν μικρὸν ἔπιπτεν ἐπὶ τῆς γῆς, καὶ προσηύχετο ἵνα εἰ δυνατόν ἐστιν παρέλθῃ ἀπ' αὐτοῦ ἡ ὥρα […]. Cf. TSCHIEDEL, H.-J. (1981). Plut. Cic. 39: ἐκ δὲ τούτου διετέλει τιμῶν καὶ φιλοφρονούμενος, ὥστε καὶ γράψαντι λόγον ἐγκώμιον Κάτωνος ἀντιγράφων τόν τε λόγον αὐτοῦ καὶ τὸν βίον ὡς μάλιστα τῷ Περικλέους ἐοικότα καὶ Θηραμένους ἐπαινεῖν. ὁ μὲν οὖν Κικέρωνος λόγος Κάτων, ὁ δὲ Καίσαρος Ἀντικάτων ἐπιγέγραπται. Plut. Cat. Mi. 25; Cat. Mi. 52: ὁ μὲν οὖν Πομπήϊος οὔτε δύναμιν ἔχων ἑτοίμην, οὔθ' οὓς κατέλεγε τότε προθύμους ὁρῶν, ἐξέλιπε τὴν Ῥώμην, ὁ δὲ Κάτων ἕπεσθαι καὶ συμφεύγειν ἐγνωκώς, τὸν μὲν νεώτερον υἱὸν εἰς Βρεττίους ὑπεξέθετο πρὸς Μουνάτιον, τὸν δὲ πρεσβύτερον εἶχε σὺν ἑαυτῷ. τῆς δ' οἰκίας καὶ τῶν θυγατέρων κηδεμόνος δεομένων, ἀνέλαβε πάλιν τὴν Μαρκίαν, χηρεύουσαν ἐπὶ χρήμασι πολλοῖς· ὁ γὰρ Ὁρτήσιος θνῄσκων ἐκείνην ἀπέλιπε κληρονόμον. εἰς ὃ δὴ μάλιστα λοιδορούμενος ὁ Καῖσαρ τῷ Κάτωνι φιλοπλουτίαν προφέρει καὶ μισθαρνίαν ἐπὶ τῷ γάμῳ. τί γὰρ ἔδει παραχωρεῖν δεόμενον γυναικός, ἢ τί μὴ δεόμενον αὖθις ἀναλαμβάνειν, εἰ μὴ δέλεαρ ἐξ ἀρχῆς ὑφείθη τὸ γύναιον Ὁρτησίῳ καὶ νέαν ἔχρησεν ἵνα πλουσίαν ἀπολάβῃ; […] εἰ δ' ἄλλῃ πῃ μὴ καλῶς πέπρακται τὰ περὶ τὸν γάμον, ἐπισκεπτέον. ἐγγυησάμενος γοῦν τὴν Μαρκίαν ὁ Κάτων καὶ τὸν οἶκον ἐπιτρέψας ἐκείνῃ καὶ τὰς θυγατέρας, αὐτὸς ἐδίωκε Πομπήϊον. Ἀπ' ἐκείνης δὲ λέγεται τῆς ἡμέρας μήτε κεφαλὴν ἔτι κείρασθαι μήτε γένεια, μήτε στέφανον ἐπιθέσθαι, πένθους δὲ καὶ κατηφείας καὶ βαρύτητος ἐπὶ ταῖς συμφοραῖς τῆς πατρίδος ἓν σχῆμα νικώντων ὁμοίως καὶ νικωμένων ἄχρι τελευτῆς διαφυλάξαι. App. BC 2.99.413–4: Μαρκίᾳ γέ τοι τῇ Φιλίππου συνὼν ἐκ παρθένου καὶ ἀρεσκόμενος αὐτῇ μάλιστα καὶ παῖδας ἔχων ἐξ ἐκείνης ἔδωκεν ὅμως αὐτὴν Ὁρτησίῳ τῶν φίλων τινί, παίδων τε ἐπιθυμοῦντι καὶ τεκνοποιοῦ γυναικὸς οὐ τυγχάνοντι, μέχρι κἀκείνῳ κυήσασαν ἐς τὸν οἶκον αὖθις ὡς χρήσας ἀνεδέξατο. τοιόσδε μὲν δὴ Κάτων ἦν, καὶ αὐτὸν οἱ Ἰτυκαῖοι λαμπρῶς ἔθαπτον· ὁ δὲ Καῖσαρ ἔφη μέν οἱ φθονῆσαι Κάτωνα καλῆς ἐπιδείξεως, Κικέρωνος δὲ ποιήσαντος ἐγκώμιον ἐς αὐτὸν ἐπιγράψαντος Κάτων, ἀντέγραψε κατηγορίαν ὁ Καῖσαρ καὶ ἐπέγραψεν Ἀντικάτων. Mk 12:38–40: Καὶ ἐν τῇ διδαχῇ αὐτοῦ ἔλεγεν, Βλέπετε ἀπὸ τῶν γραμματέων τῶν θελόντων ἐν στολαῖς περιπατεῖν καὶ ἀσπασμοὺς ἐν ταῖς ἀγοραῖς καὶ πρωτοκαθεδρίας ἐν ταῖς συναγωγαῖς καὶ πρωτοκλισίας ἐν τοῖς δείπνοις· οἱ κατεσθίοντες τὰς οἰκίας τῶν χηρῶν καὶ προφάσει μακρὰ προσευχόμενοι, οὗτοι λήμψονται περισσότερον κρίμα. App. BC 2.101.418–102.425. Plut. Caes. 55. Suet. Jul. 37. Mk 11.7–11: καὶ φέρουσιν τὸν πῶλον πρὸς τὸν Ἰησοῦν, καὶ ἐπιβάλλουσιν αὐτῷ τὰ ἱμάτια αὐτῶν, καὶ ἐκάθισεν ἐπ' αὐτόν. καὶ πολλοὶ τὰ ἱμάτια αὐτῶν ἔστρωσαν εἰς τὴν ὁδόν, ἄλλοι δὲ στιβάδας κόψαντες ἐκ τῶν ἀγρῶν. καὶ οἱ προάγοντες καὶ οἱ ἀκολουθοῦντες ἔκραζον, Ὡσαννά· Εὐλογημένος ὁ ἐρχόμενος ἐν ὀνόματι κυρίου· Εὐλογημένη ἡ ἐρχομένη βασιλεία τοῦ πατρὸς ἡμῶν Δαυίδ· Ὡσαννὰ ἐν τοῖς ὑψίστοις. Καὶ εἰσῆλθεν εἰς Ἱεροσόλυμα εἰς τὸ ἱερόν· […]. Suet. Jul. 31.2: Dein post solis occasum mulis e proximo pistrino ad uehiculum iunctis occultissimum iter modico comitatu ingressus est; et cum luminibus extinctis decessisset uia, diu errabundus tandem ad lucem duce reperto per angustissimos tramites pedibus euasit. consecutusque cohortis ad Rubiconem flumen, qui prouinciae eius finis erat, paulum constitit […]. Auch die «Befana», die personifizierte Epiphanie, zieht in der norditalienischen Volksfantasie am 6. Janaur, dem Ausbruch des Bürgerkriegs, nachts herum, auf einem von Mulis bzw. Eseln gezogenen Karren, und bringt den guten Kindern Geschenke. Im protestantisch geprägten Nordeuropa scheinen diese Mulis bzw. Esel zu den Rentieren des Weihnachtsmannes mutiert sein. Suet. Jul. 51: Ne prouincialibus quidem matrimoniis abstinuisse uel hoc disticho apparet iactato aeque a militibus per Gallicum triumphum: / Vrbani seruate uxores: moechum caluom adducimus; / Aurum in Gallia effutuisti, hic sumpsisti mutuum. Hirt. Gal. 8.50–51: Ipse hibernis peractis contra consuetudinem in Italiam quam maximis itineribus est profectus, ut municipia et colonias appellaret, quibus M. Antonii, quaestoris sui, commendaverat sacerdotii petitionem. […] Exceptus est Caesaris adventus ab omnibus municipiis et coloniis incredibili honore atque amore. tum primum enim veniebat ab illo universae Galliae bello. nihil relinquebatur, quod ad ornatum portarum, itinerum, locorum omnium, qua Caesar iturus erat, excogitari poterat. cum liberis omnis multitudo obviam procedebat, hostiae omnibus locis immolabantur, tricliniis stratis fora templaque

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occupabantur, ut vel spectatissimi triumphi laetitia praecipi posset. tanta erat magnificentia apud opulentiores, cupiditas apud humiliores. Hirt. Gal. 8.52: Cum omnes regiones Galliae togatae Caesar percucurrisset, summa celeritate ad exercitum Nemetocennam rediit legionibusque ex omnibus hibernis ad fines Treverorum evocatis eo profectus est ibique exercitum lustravit. Mk 11.1: καὶ περιβλεψάμενος πάντα, ὀψίας ἤδη οὔσης τῆς ὥρας, ἐξῆλθεν εἰς Βηθανίαν μετὰ τῶν δώδεκα. Suet. Jul. 35: Dehinc Scipionem ac Iubam reliquias partium in Africa refouentis deuicit, Pompei liberos in Hispania. Vell. 2.55: Victorem Africani belli Caesarem grauius excepit Hispaniense—nam uictus ab eo Pharnaces uix quidquam gloriae eius adstruxit,—quod Cn. Pompeius, Magni filius, adulescens impetus ad bella maximi, ingens ac terribile conflauerat, undique ad eum adhuc paterni nominis magnitudinem sequentium ex toto orbe terrarum auxiliis confluentibus. Sua Caesarem in Hispaniam comitata fortuna est, sed nullum umquam atrocius periculosiusque ab eo initum proelium adeo ut plus quam dubio Marte descenderet equo consistensque ante recedentem suorum aciem, increpita prius fortuna quod se in eum seruasset exitum, denuntiaret militibus uestigio se non recessurum: proinde uiderent quem et quo loco imperatorem deserturi forent. Verecundia magis quam uirtute acies restituta et a duce quam a milite fortius. Cn. Pompeius, grauis uulnere inuentus inter solitudines auias, interemptus est; Labienum Varumque acies abstulit. Plut. Caes. 56: Συντελεσθέντων δὲ τούτων ὕπατος ἀποδειχθεὶς τὸ τέταρτον, εἰς Ἰβηρίαν ἐστράτευσεν ἐπὶ τοὺς Πομπηΐο παῖδας, νέους μὲν ὄντας ἔτι, θαυμαστὴν δὲ τῷ πλήθει στρατιὰν συνειλοχότας καὶ τόλμαν ἀποδεικνυμένους ἀξιόχρεων πρὸς ἡγεμονίαν, ὥστε κίνδυνον τῷ Καίσαρι περιστῆσαι τὸν ἔσχατον. ἡ δὲ μεγάλη μάχη περὶ πόλιν συνέστη Μοῦνδαν, ἐν ᾗ Καῖσαρ ἐκθλιβομένους ὁρῶν τοὺς ἑαυτοῦ καὶ κακῶς ἀντέχοντας, ἐβόα διὰ τῶν ὅπλων καὶ τῶν τάξεων περιθέων, εἰ μηδὲν αἰδοῦνται, λαβόντας αὐτὸν ἐγχειρίσαι τοῖς παιδαρίοις. μόλις δὲ προθυμίᾳ πολλῇ τοὺς πολεμίους ὠσάμενος, ἐκείνων μὲν ὑπὲρ τρισμυρίους διέφθειρε, τῶν δ' ἑαυτοῦ χιλίους ἀπώλεσε τοὺς ἀρίστους. ἀπιὼν δὲ μετὰ τὴν μάχην πρὸς τοὺς φίλους εἶπεν, ὡς πολλάκις μὲν ἀγωνίσαιτο περὶ νίκης, νῦν δὲ πρῶτον περὶ ψυχῆς. ταύτην τὴν μάχην ἐνίκησε τῇ τῶν Διονυσίων ἑορτῇ, καθ' ἣν λέγεται καὶ Πομπήϊος Μᾶγνος ἐπὶ τὸν πόλεμον ἐξελθεῖν· διὰ μέσου δὲ χρόνος ἐνιαυτῶν τεσσάρων διῆλθε. τῶν δὲ Πομπηΐου παίδων ὁ μὲν νεώτερος διέφυγε, τοῦ δὲ πρεσβυτέρου μεθ' ἡμέρας ὀλίγας Δείδιος ἀνήνεγκε τὴν κεφαλήν. Τοῦτον ἔσχατον Καῖσαρ ἐπολέμησε τὸν πόλεμον· ὁ δ' ἀπ' αὐτοῦ καταχθεὶς θρίαμβος ὡς οὐδὲν ἄλλο Ῥωμαίους ἠνίασεν. οὐ γὰρ ἀλλοφύλους ἡγεμόνας οὐδὲ βαρβάρους βασιλεῖς κατηγωνισμένον, ἀνδρὸς δὲ Ῥωμαίων κρατίστου τύχαις κεχρημένου παῖδας καὶ γένος ἄρδην ἀνῃρηκότα ταῖς τῆς πατρίδος ἐπιπομπεύειν συμφοραῖς οὐ καλῶς εἶχεν, ἀγαλλόμενον ἐπὶ τούτοις ὧν μία καὶ πρὸς θεοὺς καὶ πρὸς ἀνθρώπους ἀπολογία τὸ μετ' ἀνάγκης πεπρᾶχθαι, καὶ ταῦτα πρότερον μήτ' ἄγγελον μήτε γράμματα δημοσίᾳ πέμψαντα περὶ νίκης ἀπὸ τῶν ἐμφυλίων πολέμων, ἀλλ' ἀπωσάμενον αἰσχύνῃ τὴν δόξαν. App. BC 2.103.426–104.33: Αὐτὸς δὲ ἤδη τέταρτον ὑπατεύων ἐπὶ τὸν νέον Πομπήιον ἐστράτευεν ἐς Ἰβηρίαν, ὅσπερ αὐτῷ λοιπὸς ἦν ἔτι πόλεμος ἐμφύλιος, οὐκ εὐκαταφρόνητος· τῶν τε γὰρ ἀρίστων ὅσοι διεπεφεύγεσαν ἐκ Λιβύης, ἐκεῖ συνέδραμον, καὶ στρατὸς ὁ μὲν ἐξ αὐτῆς Λιβύης τε καὶ Φαρσάλου τοῖς ἡγεμόσι συνῆλθεν, ὁ δὲ ἐξ Ἰβήρων τε καὶ Κελτιβήρων, ἔθνους ἀλκίμου καὶ χαίροντος ἀεὶ μάχαις. πολὺς δὲ καὶ δούλων ὅμιλος ἐστρατεύετο τῷ Πομπηίῳ· καὶ τέταρτον ἔτος εἶχον ἐν τοῖς γυμνασίοις καὶ γνώμην ἕτοιμον ἀγωνίσασθαι μετὰ ἀπογνώσεως. […] Δι' ἃ καὶ ὁ Καῖσαρ αὐτὸς ἐβράδυνεν, ἔστε πού τι αὐτῷ κατασκεπτομένῳ προσπελάσας ὁ Πομπήιος ὠνείδισεν ἐς δειλίαν. καὶ τὸ ὄνειδος οὐκ ἐνεγκὼν ὁ Καῖσαρ ἐξέτασσε παρὰ πόλιν Κορδύβην, σύνθημα καὶ τότε δοὺς Ἀφροδίτην· ἔδωκε δὲ καὶ ὁ Πομπήιος Εὐσέβειαν. ὡς δὲ καὶ συνιόντων ἤδη τοῦ Καίσαρος στρατοῦ τὸ δέος ἥπτετο καὶ ὄκνος ἐπεγίγνετο τῷ φόβῳ, θεοὺς πάντας ὁ Καῖσαρ ἱκέτευε, τὰς χεῖρας ἐς τὸν οὐρανὸν ἀνίσχων, μὴ ἑνὶ πόνῳ τῷδε πολλὰ καὶ λαμπρὰ ἔργα μιῆναι, καὶ τοὺς στρατιώτας ἐπιθέων παρεκάλει τό τε κράνος τῆς κεφαλῆς ἀφαιρῶν ἐς πρόσωπον ἐδυσώπει καὶ προύτρεπεν. οἱ δὲ οὐδ' ὥς τι μετέβαλλον ἀπὸ τοῦ δέους, ἕως ὁ Καῖσαρ αὐτὸς ἁρπάσας τινὸς ἀσπίδα καὶ τοῖς ἀμφ' αὐτὸν ἡγεμόσιν εἰπών· “ἔσται τοῦτο τέλος ἐμοί τε τοῦ βίου καὶ ὑμῖν τῶν στρατειῶν,” προύδραμε τῆς τάξεως ἐς τοὺς πολεμίους ἐπὶ τοσοῦτον, ὡς μόνους αὐτῶν ἀποσχεῖν δέκα πόδας καὶ διακόσια αὐτῷ δόρατα ἐπιβληθῆναι καὶ τούτων τὰ μὲν αὐτὸν ἐκκλῖναι, τὰ δὲ ἐς τὴν ἀσπίδα ἀναδέξασθαι. τότε γὰρ δὴ τῶν τε ἡγεμόνων προθέων ἕκαστος ἵστατο παρ' αὐτόν, καὶ ὁ στρατὸς ἅπας ἐμπεσὼν μετὰ ὁρμῆς ὅλην ἠγωνίζετο τὴν ἡμέραν, προύχων τε καὶ ἡττώμενος αἰεὶ παρὰ μέρος, μέχρις ἐς ἑσπέραν μόλις ἐνίκησεν, ὅτε καὶ φασὶν αὐτὸν εἰπεῖν, ὅτι πολλάκις μὲν ἀγωνίσαιτο περὶ νίκης, νῦν δὲ καὶ περὶ ψυχῆς. Dio Cass. HR 43.28–41. Mk 10:35–45: Καὶ προσπορεύονται αὐτῷ Ἰάκωβος καὶ Ἰωάννης οἱ υἱοὶ Ζεβεδαίου λέγοντες αὐτῷ, Διδάσκαλε, θέλομεν ἵνα ὃ ἐὰν αἰτήσωμέν σε ποιήσῃς ἡμῖν. ὁ δὲ εἶπεν αὐτοῖς, Τί θέλετέ [με] ποιήσω

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ὑμῖν; οἱ δὲ εἶπαν αὐτῷ, Δὸς ἡμῖν ἵνα εἷς σου ἐκ δεξιῶν καὶ εἷς ἐξ ἀριστερῶν καθίσωμεν ἐν τῇ δόξῃ σου. ὁ δὲ Ἰησοῦς εἶπεν αὐτοῖς, Οὐκ οἴδατε τί αἰτεῖσθε. δύνασθε πιεῖν τὸ ποτήριον ὃ ἐγὼ πίνω, ἢ τὸ βάπτισμα ὃ ἐγὼ βαπτίζομαι βαπτισθῆναι; οἱ δὲ εἶπαν αὐτῷ, Δυνάμεθα. ὁ δὲ Ἰησοῦς εἶπεν αὐτοῖς, Τὸ ποτήριον ὃ ἐγὼ πίνω πίεσθε καὶ τὸ βάπτισμα ὃ ἐγὼ βαπτίζομαι βαπτισθήσεσθε, τὸ δὲ καθίσαι ἐκ δεξιῶν μου ἢ ἐξ εὐωνύμων οὐκ ἔστιν ἐμὸν δοῦναι, ἀλλ' οἷς ἡτοίμασται. Καὶ ἀκούσαντες οἱ δέκα ἤρξαντο ἀγανακτεῖν περὶ Ἰακώβου καὶ Ἰωάννου. καὶ προσκαλεσάμενος αὐτοὺς ὁ Ἰησοῦς λέγει αὐτοῖς, Οἴδατε ὅτι οἱ δοκοῦντες ἄρχειν τῶν ἐθνῶν κατακυριεύουσιν αὐτῶν καὶ οἱ μεγάλοι αὐτῶν κατεξουσιάζουσιν αὐτῶν. οὐχ οὕτως δέ ἐστιν ἐν ὑμῖν· ἀλλ' ὃς ἂν θέλῃ μέγας γενέσθαι ἐν ὑμῖν, ἔσται ὑμῶν διάκονος, καὶ ὃς ἂν θέλῃ ἐν ὑμῖν εἶναι πρῶτος, ἔσται πάντων δοῦλος· καὶ γὰρ ὁ υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου οὐκ ἦλθεν διακονηθῆναι ἀλλὰ διακονῆσαι καὶ δοῦναι τὴν ψυχὴν αὐτοῦ λύτρον ἀντὶ πολλῶν. Cf. App. BC 2.104.430: σύνθημα καὶ τότε δοὺς Ἀφροδίτην· ἔδωκε δὲ καὶ ὁ Πομπήιος Εὐσέβειαν. Vell. 2.56: Caesar omnium uictor regressus in urbem, quod humanam excedat fidem, omnibus qui contra se arma tulerant ignouit […]. Suet. Jul. 76: non enim honores modo nimios recepit: continuum consulatum, perpetuam dictaturam praefecturamque morum, insuper praenomen Imperatoris, cognomen Patris patriae, statuam inter reges, suggestum in orchestra; sed et ampliora etiam humano fastigio decerni sibi passus est: sedem auream in curia et pro tribunali, tensam et ferculum circensi pompa, templa, aras, simulacra iuxta deos, puluinar, flaminem, lupercos, appellationem mensis e suo nomine; ac nullos non honores ad libidinem cepit et dedit. Plut. Caes. 57: Οὐ μὴν ἀλλὰ καὶ πρὸς τὴν τύχην τοῦ ἀνδρὸς ἐγκεκλικότες, καὶ δεδεγμένοι τὸν χαλινόν, καὶ τῶν ἐμφυλίων πολέμων καὶ κακῶν ἀναπνοὴν ἡγούμενοι τὴν μοναρχίαν, δικτάτορα μὲν αὐτὸν ἀπέδειξαν διὰ βίου· τοῦτο δ' ἦν ὁμολογουμένη [μὲν] τυραννίς, τῷ ἀνυπευθύνῳ τῆς μοναρχίας τὸ ἀκατάπαυστον προσλαβούσης· τιμὰς δὲ τὰς πρώτας Κικέρωνος εἰς τὴν βουλὴν γράψαντος, ὧν ἁμῶς γέ πως ἀνθρώπινον ἦν τὸ μέγεθος, ἕτεροι προςτιθέντες ὑπερβολὰς καὶ διαμιλλώμενοι πρὸς ἀλλήλους, ἐξειργάσαντο καὶ τοῖς πρᾳοτάτοις ἐπαχθῆ τὸν ἄνδρα καὶ λυπηρὸν γενέσθαι διὰ τὸν ὄγκον καὶ τὴν ἀτοπίαν τῶν ψηφιζομένων, οἷς οὐδὲν ἧττον οἴονται συναγωνίσασθαι τῶν κολακευόντων Καίσαρα τοὺς μισοῦντας, ὅπως ὅτι πλείστας κατ' αὐτοῦ προφάσεις ἔχωσι καὶ μετὰ μεγίστων ἐγκλημάτων ἐπιχειρεῖν δοκῶσιν. ἐπεὶ τά γ' ἄλλα, τῶν ἐμφυλίων αὐτῷ πολέμων πέρας ἐσχηκότων, ἀνέγκλητον <ἑαυτὸν> παρεῖχε· καὶ τό γε τῆς Ἐπιεικείας ἱερὸν οὐκ ἀπὸ τρόπου δοκοῦσι χαριστήριον ἐπὶ τῇ πρᾳότητι ψηφίσασθαι. καὶ γὰρ ἀφῆκε πολλοὺς τῶν πεπολεμηκότων πρὸς αὐτόν, ἐνίοις δὲ καὶ ἀρχὰς καὶ τιμάς, ὡς Βρούτῳ καὶ Κασσίῳ, προσέθηκεν· ἐστρατήγουν γὰρ ἀμφότεροι· καὶ τὰς Πομπηΐου καταβεβλημένας εἰκόνας οὐ περιεῖδεν, ἀλλ' ἀνέστησεν, ἐφ' ᾧ καὶ Κικέρων εἶπεν, ὅτι Καῖσαρ τοὺς Πομπηΐου στήσας ἀνδριάντας τοὺς ἰδίους ἔπηξε. τῶν δὲ φίλων ἀξιούντων αὐτὸν δορυφορεῖσθαι καὶ πολλῶν ἐπὶ τοῦτο παρεχόντων ἑαυτούς, οὐχ ὑπέμεινεν, εἰπὼν ὡς βέλτιόν ἐστιν ἅπαξ ἀποθανεῖν ἢ ἀεὶ προσδοκᾶν. τὴν δ' εὔνοιαν ὡς κάλλιστον ἅμα καὶ βεβαιότατον ἑαυτῷ περιβαλλόμενος φυλακτήριον, αὖθις ἀνελάμβανε τὸν δῆμον ἑστιάσεσι καὶ σιτηρεσίοις, τὸ δὲ στρατιωτικὸν ἀποικίαις […]. App. BC 2.106.440–107.444: ὁ δὲ Καῖσαρ ἐς Ῥώμην ἠπείγετο, τὰ ἐμφύλια πάντα καθελών, ἐπὶ φόβου καὶ δόξης, οἵας οὔ τις πρὸ τοῦ· ὅθεν αὐτῷ τιμαὶ πᾶσαι, ὅσαι ὑπὲρ ἄνθρωπον, ἀμέτρως ἐς χάριν ἐπενοοῦντο, θυσιῶν τε πέρι καὶ ἀγώνων καὶ ἀναθημάτων ἐν πᾶσιν ἱεροῖς καὶ δημοσίοις χωρίοις, ἀνὰ φυλὴν ἑκάστην καὶ ἐν ἔθνεσιν ἅπασι, καὶ ἐν βασιλεῦσιν, ὅσοι Ῥωμαίοις φίλοι. σχήματά τε ἐπεγράφετο ταῖς εἰκόσι ποικίλα, καὶ στέφανος ἐκ δρυὸς ἦν ἐπ' ἐνίαις ὡς σωτῆρι τῆς πατρίδος, ᾧ πάλαι τοὺς ὑπερασπίσαντας ἐγέραιρον οἱ περισωθέντες. ἀνερρήθη δὲ καὶ πατὴρ πατρίδος, καὶ δικτάτωρ ἐς τὸν ἑαυτοῦ βίον ᾑρέθη καὶ ὕπατος ἐς δέκα ἔτη, καὶ τὸ σῶμα ἱερὸς καὶ ἄσυλος εἶναι καὶ χρηματίζειν ἐπὶ θρόνων ἐλεφαντίνων τε καὶ χρυσέων, καὶ θύειν μὲν αὐτὸν αἰεὶ θριαμβικῶς ἠμφιεσμένον, τὴν δὲ πόλιν ἀνὰ ἔτος ἕκαστον, αἷς αὐτὸς ἡμέραις ἐν παρατάξεσιν ἐνίκα, ἱερέας δὲ καὶ ἱερείας ἀνὰ πενταετὲς εὐχὰς δημοσίας ὑπὲρ αὐτοῦ τίθεσθαι, καὶ τὰς ἀρχὰς εὐθὺς καθισταμένας ὀμνύναι μηδενὶ τῶν ὑπὸ Καίσαρος ὁριζομένων ἀντιπράξειν. ἔς τε τιμὴν τῆς γενέσεως αὐτοῦ τὸν Κυϊντίλιον μῆνα Ἰούλιον ἀντὶ Κυϊντιλίου μετωνόμασαν εἶναι. καὶ νεὼς ἐψηφίσαντο πολλοὺς αὐτῷ γενέσθαι καθάπερ θεῷ καὶ κοινὸν αὐτοῦ καὶ Ἐπιεικείας, ἀλλήλους δεξιουμένων· οὕτως ἐδεδοίκεσαν μὲν ὡς δεσπότην, εὔχοντο δὲ σφίσιν ἐπιεικῆ γενέσθαι. Εἰσὶ δ' οἳ καὶ βασιλέα προσειπεῖν ἐπενόουν, μέχρι μαθὼν αὐτὸς ἀπηγόρευσε καὶ ἠπείλησεν ὡς ἀθέμιστον ὄνομα μετὰ τὴν τῶν προγόνων ἀράν. σπεῖραι δ' ὅσαι στρατηγίδες αὐτὸν ἐκ τῶν πολέμων ἔτι ἐσωματοφυλάκουν, ἀπέστησε τῆς φυλακῆς καὶ μετὰ τῆς δημοσίας ὑπηρεσίας ἐπεφαίνετο μόνης. Dio Cass. HR 44.4–7: ἐγένετο δὲ τὰ δοθέντα αὐτῷ μετ' ἐκεῖνα ὅσα εἴρηται τοσάδε καὶ τοιάδε· καθ' ἓν γάρ, εἰ καὶ μὴ πάντα ἅμα μήτε ἐσηνέχθη μήτε ἐκυρώθη, λελέξεται. τὰ μὲν γὰρ πρῶτα φαίνεσθαί τε αὐτὸν ἀεὶ καὶ ἐν αὐτῇ τῇ πόλει τὴν στολὴν τὴν ἐπινίκιον ἐνδεδυκότα, καὶ καθέζεσθαι ἐπὶ τοῦ ἀρχικοῦ δίφρου πανταχῇ πλὴν ἐν ταῖς πανηγύρεσιν, ἐψηφίσαντο· τότε γὰρ ἐπί τε τοῦ δημαρχικοῦ βάθρου καὶ μετὰ τῶν ἀεὶ δημαρχούντων θεᾶσθαι ἔλαβε. σκῦλά τέ τινα ὀπῖμα ἐς τὸν τοῦ Διὸς τοῦ Φερετρίου νεὼν ἀναθεῖναί οἱ ὥσπερ τινὰ πολέμιον αὐτοστράτηγον αὐτοχειρίᾳ [ποῖ] πεφονευκότι, καὶ τοῖς ῥαβδούχοις δαφνηφοροῦσιν ἀεὶ χρῆσθαι, μετά τε τὰς ἀνοχὰς τὰς Λατίνας ἐπὶ κέλητος ἐς τὴν πόλιν ἐκ τοῦ Ἀλβανοῦ

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ἐσελαύνειν ἔδοσαν. πρός τε τούτοις τοιούτοις οὖσι πατέρα τε αὐτὸν τῆς πατρίδος ἐπωνόμασαν καὶ ἐς τὰ νομίσματα ἐνεχάραξαν, τά τε γενέθλια αὐτοῦ δημοσίᾳ θύειν ἐψηφίσαντο, καὶ ἐν ταῖς πόλεσι τοῖς τε ναοῖς τοῖς ἐν τῇ Ῥώμῃ πᾶσιν ἀνδριάντα τινὰ αὐτοῦ εἶναι ἐκέλευσαν, καὶ ἐπί γε τοῦ βήματος δύο, τὸν μὲν ὡς τοὺς πολίτας σεσωκότος τὸν δὲ ὡς τὴν πόλιν ἐκ πολιορκίας ἐξῃρημένου, μετὰ τῶν στεφάνων τῶν ἐπὶ τοῖς τοιούτοις νενομισμένων ἱδρύσαντο. νεών τε Ὁμονοίας καινῆς, ὡς καὶ δι' αὐτοῦ εἰρηνοῦντες, οἰκοδομῆσαι, καὶ πανήγυριν αὐτῇ ἐτησίαν ἄγειν ἔγνωσαν. ὡς δὲ ταῦτα ἐδέξατο, τά τε ἕλη οἱ τὰ Πομπτῖνα χῶσαι καὶ τὸν ἰσθμὸν τὸν τῆς Πελοποννήσου διορύξαι βουλευτήριόν τέ τι καινὸν ποιῆσαι προσέταξαν, ἐπειδὴ τὸ Ὁστίλιον καίπερ ἀνοικοδομηθὲν καθῃρέθη, πρόφασιν μὲν τοῦ ναὸν Εὐτυχίας ἐνταῦθ' οἰκοδομηθῆναι, ὃν καὶ ὁ Λέπιδος ἱππαρχήσας ἐξεποίησεν, ἔργῳ δὲ ὅπως μήτε ἐν ἐκείνῳ τὸ τοῦ Σύλλου ὄνομα σώζοιτο καὶ ἕτερον ἐκ καινῆς κατασκευασθὲν Ἰούλιον ὀνομασθείη, ὥσπερ που καὶ τόν τε μῆνα ἐν ᾧ ἐγεγέννητο Ἰούλιον κἀκ τῶν φυλῶν μίαν τὴν κλήρῳ λαχοῦσαν Ἰουλίαν ἐπεκάλεσαν. καὶ αὐτὸν μὲν τιμητὴν καὶ μόνον καὶ διὰ βίου εἶναι, τά τε τοῖς δημάρχοις δεδομένα καρποῦσθαι, ὅπως, ἄν τις ἢ ἔργῳ ἢ καὶ λόγῳ αὐτὸν ὑβρίσῃ, ἱερός τε ᾖ καὶ ἐν τῷ ἄγει ἐνέχηται, τὸν δὲ δὴ υἱόν, ἄν τινα γεννήσῃ ἢ καὶ ἐσποιήσηται, ἀρχιερέα ἀποδειχθῆναι ἐψηφίσαντο. ὡς δὲ καὶ τούτοις ἔχαιρε, δίφρος τέ οἱ ἐπίχρυσος, καὶ στολὴ ᾗ ποτε οἱ βασιλῆς ἐκέχρηντο, φρουρά τε ἐκ τῶν ἱππέων καὶ ἐκ τῶν βουλευτῶν ἐδόθη· καὶ προσέτι καὶ εὔχεσθαι ὑπὲρ αὐτοῦ δημοσίᾳ κατ' ἔτος ἕκαστον, τήν τε τύχην αὐτοῦ ὀμνύναι, καὶ τὰ πραχθησόμενα αὐτῷ πάντα κύρια ἕξειν ἐνόμισαν. κἀκ τούτου καὶ πενταετηρίδα οἱ ὡς ἥρωι, ἱεροποιούς τε ἐς τὰς τοῦ Πανὸς γυμνοπαιδίας, τρίτην τινὰ ἑταιρίαν [ἣν] Ἰουλίαν ὀνομάσαντες, κἀν ταῖς ὁπλομαχίαις μίαν τινὰ ἀεὶ ἡμέραν καὶ ἐν τῇ Ῥώμῃ καὶ ἐν τῇ ἄλλῃ Ἰταλίᾳ ἀνέθεσαν. καὶ ἐπειδὴ καὶ τούτοις ἠρέσκετο, οὕτω δὴ ἔς τε τὰ θέατρα τόν τε δίφρον αὐτοῦ τὸν ἐπίχρυσον καὶ τὸν στέφανον τὸν διάλιθον καὶ διάχρυσον, ἐξ ἴσου τοῖς τῶν θεῶν, ἐσκομίζεσθαι κἀν ταῖς ἱπποδρομίαις ὀχὸν ἐσάγεσθαι ἐψηφίσαντο. καὶ τέλος Δία τε αὐτὸν ἄντικρυς Ἰούλιον προσηγόρευσαν, καὶ ναὸν αὐτῷ τῇ <τ'> Ἐπιεικείᾳ αὐτοῦ τεμενισθῆναι ἔγνωσαν, ἱερέα σφίσι τὸν Ἀντώνιον ὥσπερ τινὰ Διάλιον προχειρισάμενοι. καὶ ἅ γε μάλιστα τὴν διάνοιαν αὐτῶν ἐξέφηνεν, ἅμα τε ταῦτα ἐψηφίζοντο καὶ τάφον αὐτῷ ἐντὸς τοῦ πωμηρίου ποιήσασθαι ἔδοσαν· τά τε δόγματα τὰ περὶ τούτων γιγνόμενα ἐς μὲν στήλας ἀργυρᾶς χρυσοῖς γράμμασιν ἐνέγραψαν, ὑπὸ δὲ δὴ τοὺς πόδας τοῦ Διὸς τοῦ Καπιτωλίου ὑπέθεσαν, δηλοῦντές οἱ καὶ μάλα ἐναργῶς ὅτι ἄνθρωπος εἴη. Mk 12:28–34: Καὶ προσελθὼν εἷς τῶν γραμματέων ἀκούσας αὐτῶν συζητούντων, ἰδὼν ὅτι καλῶς ἀπεκρίθη αὐτοῖς, ἐπηρώτησεν αὐτόν, Ποία ἐστὶν ἐντολὴ πρώτη πάντων; ἀπεκρίθη ὁ Ἰησοῦς ὅτι Πρώτη ἐστίν, Ἄκουε, Ἰσραήλ, κύριος ὁ θεὸς ἡμῶν κύριος εἷς ἐστιν, καὶ ἀγαπήσεις κύριον τὸν θεόν σου ἐξ ὅλης τῆς καρδίας σου καὶ ἐξ ὅλης τῆς ψυχῆς σου καὶ ἐξ ὅλης τῆς διανοίας σου καὶ ἐξ ὅλης τῆς ἰσχύος σου. δευτέρα αὕτη, Ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν. μείζων τούτων ἄλλη ἐντολὴ οὐκ ἔστιν. καὶ εἶπεν αὐτῷ ὁ γραμματεύς, Καλῶς, διδάσκαλε, ἐπ' ἀληθείας εἶπες ὅτι εἷς ἐστιν καὶ οὐκ ἔστιν ἄλλος πλὴν αὐτοῦ· καὶ τὸ ἀγαπᾶν αὐτὸν ἐξ ὅλης τῆς καρδίας καὶ ἐξ ὅλης τῆς συνέσεως καὶ ἐξ ὅλης τῆς ἰσχύος καὶ τὸ ἀγαπᾶν τὸν πλησίον ὡς ἑαυτὸν περισσότερόν ἐστιν πάντων τῶν ὁλοκαυτωμάτων καὶ θυσιῶν. καὶ ὁ Ἰησοῦς ἰδὼν [αὐτὸν] ὅτι νουνεχῶς ἀπεκρίθη εἶπεν αὐτῷ, Οὐ μακρὰν εἶ ἀπὸ τῆς βασιλείας τοῦ θεοῦ. καὶ οὐδεὶς οὐκέτι ἐτόλμα αὐτὸν ἐπερωτῆσαι. Cass. Dio HR 43.17.4–6: ὥστε θαρσούντως, ὦ πατέρες, οἰκειωθῶμεν, ἐκλαθόμενοι μὲν πάντων τῶν συμβεβηκότων ὡς καὶ ἀνάγκῃ τινὶ δαιμονίᾳ γεγονότων, ἀρξάμενοι δὲ ἀνυπόπτως ἀλλήλους καθάπερ τινὰς καινοὺς πολίτας φιλεῖν, ἵν' ὑμεῖς τε ὡς πρὸς πατέρα με προσφέρησθε, τὴν μὲν πρόνοιαν τήν τε κηδεμονίαν τὴν παρ' ἐμοῦ καρπούμενοι, τῶν δὲ δυσχερεστέρων μηδὲν φοβούμενοι, καὶ ἐγὼ ὡς παίδων ὑμῶν ἐπιμελῶμαι, πάντα μὲν τὰ κάλλιστα ἀεὶ γίγνεσθαι ὑφ' ὑμῶν εὐχόμενος, φέρων δὲ ἀναγκαίως τὰ ἀνθρώπινα, καὶ τοὺς μὲν ἀγαθοὺς ταῖς προσηκούσαις τιμαῖς ἀγάλλων, τοὺς δὲ λοιποὺς ἐπανορθῶν καθ' ὅσον ἐνδέχεται. Mt 5.43–45: Ἠκούσατε ὅτι ἐρρέθη, Ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου καὶ μισήσεις τὸν ἐχθρόν σου. ἐγὼ δὲ λέγω ὑμῖν, ἀγαπᾶτε τοὺς ἐχθροὺς ὑμῶν καὶ προσεύχεσθε ὑπὲρ τῶν διωκόντων ὑμᾶς, ὅπως γένησθε υἱοὶ τοῦ πατρὸς ὑμῶν τοῦ ἐν οὐρανοῖς, ὅτι τὸν ἥλιον αὐτοῦ ἀνατέλλει ἐπὶ πονηροὺς καὶ ἀγαθοὺς καὶ βρέχει ἐπὶ δικαίους καὶ ἀδίκους. Supra, p. 95sq, sowie Anm. 347 u. 242. Aus Priscian 6.36 (GL II 227.2): Caesar in Anticatone priore: «uno enim excepto, quem alius modi atque omnis natura finxit, suos quisque habet charos.» Cf. TSCHIEDEL 1981, p. 105sqq. Cf. Cic. Murena-Rede, 60. Supra S. 95sq u. Anm. 242. App. BC 1.4.15: στασιώτην τε μέγιςτον, ᾧ διὰ μεγαλουργίαν πολεμικὴν Μέγας ἐπώνυμον ἦν, οὗτος δὴ μάλιστα πολέμου κράτει σαφῶς καθελών, οὐδενὸς αὐτῷ θαρροῦντος εἰς οὐδὲν ἔτι ἀντειπεῖν, δεύτερος ἐπὶ Σύλλᾳ δικτάτωρ ἐς τὸ διηνεκὲς ᾑρέθη· καὶ στάσεις αὖθις κατεπαύοντο πᾶσαι […].

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Mk 13:1–2: Καὶ ἐκπορευομένου αὐτοῦ ἐκ τοῦ ἱεροῦ λέγει αὐτῷ εἷς [ἐκ] τῶν μαθητῶν αὐτοῦ, Διδάσκαλε, ἴδε ποταποὶ λίθοι καὶ ποταπαὶ οἰκοδομαί. καὶ ὁ Ἰησοῦς εἶπεν αὐτῷ, Βλέπεις ταύτας τὰς μεγάλας οἰκοδομάς; οὐ μὴ ἀφεθῇ ὧδε λίθος ἐπὶ λίθον ὃς οὐ μὴ καταλυθῇ. Mk 13:7: […] πολέμους καὶ ἀκοὰς πολέμων […]. App. BC 1.5.18: […] τοὺς ἐχθροὺς ἀλλήλοις τῶν στασιωτῶν ἀντιπαρεχόντων καὶ ἐς τοῦτο ἀμελούντων καὶ φίλων καὶ ἀδελφῶν· τοσοῦτον ἐκράτει τῆς ἐς τὰ οἰκεῖα εὐνοίας ἡ ἐς τὰ ἀντίπαλα φιλονικία. Mk 13:12: καὶ παραδώσει ἀδελφὸς ἀδελφὸν εἰς θάνατον καὶ πατὴρ τέκνον, καὶ ἐπαναστήσονται τέκνα ἐπὶ γονεῖς καὶ θανατώσουσιν αὐτούς […]. Mk 13:6: πολλοὶ ἐλεύσονται ἐπὶ τῷ ὀνόματί μου λέγοντες ὅτι Ἐγώ εἰμι, καὶ πολλοὺς πλανήσουσιν. App. BC 1.5.19: προϊόντες τε τὴν Ῥωμαίων ἀρχὴν ὡς ἰδιωτικὸν σφῶν κτῆμα διενείμαντο ἐφ' ἑαυτῶν τρεῖς οἵδε ἄνδρες, Ἀντώνιός τε καὶ Λέπιδος καὶ ὅτῳ πρότερον μὲν Ὀκτάουιος ὄνομα ἦν, Καίσαρι δὲ πρὸς γένους ὢν καὶ θετὸς ἐν διαθήκαις ὑπ' αὐτοῦ γενόμενος Καῖσαρ ἐκ τοῦδε μετωνομάζετο. Mk 13:3: Καὶ καθημένου αὐτοῦ εἰς τὸ Ὄρος τῶν Ἐλαιῶν κατέναντι τοῦ ἱεροῦ ἐπηρώτα αὐτὸν κατ' ἰδίαν Πέτρος καὶ Ἰάκωβος καὶ Ἰωάννης καὶ Ἀνδρέας […]. In Petrus und Jakobus dürften sich hier Antonius und Lepidus aufgeteilt haben – wer welcher sei, können wir vorerst offenlassen – während Johannes wie üblich für Octavian steht. Andreas kann aber diesmal unmöglich Curio sein – wie wir bei den Jüngern am Rubicon/Jordan vermutet haben –, der zu diesem Zeitpunkt längst verstorben war; Andreas könnte diesmal Asinius sein, der sich im Sukzessionsstreit zwischen Antonius und Octavian als Friedensbringer einschaltete (Konsul 40, Vergil besang ihn in der 4. Ecloge als Wiederbringer der Saturnia regna): Beide Namen haben dieselbe Anzahl von Buchstaben, denselben Wortanfang, dasselbe Wortende und enthalten beide im Kern ein «n»: ASINIVS > ΑΝΔΡΕΑC. Dann aber müsste man sich fragen, ob der Jünger, der mit Simon am Jordan das Paar bildet, nicht etwa auch Asinius ist, der wie Curio am Rubicon war, zumindest aber, ob nicht das der Grund war, warum hier Asinius zu Andreas wird. Andere Möglichkeiten für Andreas: der Pseudomarius Amatius und Ahenobarbus, die im Nachfolgestreit auch ihre Rolle spielten (für die numismatischen Belege des Letzteren cf. ALFÖLDI (1973) p. 111–112, pl. XIII, 1–4). App. BC 2.72.299: Ἀλλὰ τάδε μὲν ᾠκονόμει θεὸς ἐς ἀρχὴν τῆσδε τῆς νῦν ἐπεχούσης τὰ πάντα ἡγεμονίας […]. Mk 13:8: ἀρχὴ ὠδίνων ταῦτα. App. BC 4.8.31–12.48. App. BC 4.12.48–13.51: ἅμα δὲ ταῖς προγραφαῖς αἵ τε πύλαι κατείχοντο καὶ ὅσαι ἄλλαι τῆς πόλεως ἔξοδοί τε καὶ λιμένες ἢ ἕλη καὶ τέλματα ἢ εἴ τι ἄλλο ἐς φυγὴν ὕποπτον ἦν ἢ ἐς λαθραίους καταφυγάς· τήν τε χώραν ἐπετέτραπτο τοῖς λοχαγοῖς ἐρευνᾶν περιθέουσι, καὶ ἐγίγνετο πάντα ὁμοῦ. Εὐθὺς οὖν ἦν ἀνά τε τὴν χώραν καὶ ἀνὰ τὴν πόλιν, ὡς ἕκαστός πῃ συνελαμβάνετο, ἀνδρολήψια αἰφνίδια πολλὰ καὶ τρόποι τῶν φόνων ποικίλοι τῶν τε κεφαλῶν ἀποτομαὶ τοῦ μισθοῦ χάριν ἐς ἐπίδειξιν φυγαί τε ἀπρεπεῖς καὶ σχήματα ἄτοπα ἐκ τοῦ πρὶν περιφανοῦς. κατέδυνον γὰρ οἱ μὲν ἐς φρέατα, οἱ δὲ ἐς τὰς ὑπονόμους τάφρους ἐπὶ τὰ ἀκάθαρτα, οἱ δὲ ἐς καπνώδεις ὑπωροφίας ἢ τῶν τεγῶν ταῖς κεραμίσι βυομέναις ὑπεκάθηντο μετὰ σιγῆς βαθυτάτης. ἐδεδοίκεσαν γὰρ οὐχ ἧσσον τῶν σφαγέων οἱ μὲν γυναῖκας ἢ παῖδας οὐκ εὐμενῶς σφίσιν ἔχοντας, οἱ δὲ ἐξελευθέρους τε καὶ θεράποντας, οἱ δὲ καὶ δανεισμάτων χρήστας ἢ χωρίων γείτονας ἐπιθυμίᾳ τῶν χωρίων. Cf. auch 4.13–51, passim. Mk 13:14–17: Ὅταν δὲ ἴδητε τὸ βδέλυγμα τῆς ἐρημώσεως ἑστηκότα ὅπου οὐ δεῖ, ὁ ἀναγινώσκων νοείτω, τότε οἱ ἐν τῇ Ἰουδαίᾳ φευγέτωσαν εἰς τὰ ὄρη, ὁ [δὲ] ἐπὶ τοῦ δώματος μὴ καταβάτω μηδὲ εἰσελθάτω ἆραί τι ἐκ τῆς οἰκίας αὐτοῦ, καὶ ὁ εἰς τὸν ἀγρὸν μὴ ἐπιστρεψάτω εἰς τὰ ὀπίσω ἆραι τὸ ἱμάτιον αὐτοῦ. οὐαὶ δὲ ταῖς ἐν γαστρὶ ἐχούσαις καὶ ταῖς θηλαζούσαις ἐν ἐκείναις ταῖς ἡμέραις. App. BC 4.15.60: τῶν δὲ ἐκφυγόντων οἱ μὲν ὑπὸ ναυαγίων ἀπώλλυντο, ἐς πάντα σφίσι τῆς τύχης ἐπιβαρούσης, οἱ δὲ ἐπανήχθησαν ἐκ παραλόγων ἐπί τε ἀρχὰς τῆς πόλεως καὶ στρατηγίας πολέμων καὶ θριάμβους. Ibidem 4.16.63: (οὐ γὰρ ἀξιαφήγητον ἀναίρεσις ἁπλῆ καὶ φυγὴ ἢ τῶν τριῶν ἀνδρῶν τισι συγγνόντων ὕστερον ἐπάνοδος ἢ ἐπανελθόντων ἀφανὴς καταβίωσις) […]. Mk 13:20: καὶ εἰ μὴ ἐκολόβωσεν κύριος τὰς ἡμέρας, οὐκ ἂν ἐσώθη πᾶσα σάρξ. ἀλλὰ διὰ τοὺς ἐκλεκτοὺς οὓς ἐξελέξατο ἐκολόβωσεν τὰς ἡμέρας. Mk 13:21–22: καὶ τότε ἐάν τις ὑμῖν εἴπῃ, Ἴδε ὧδε ὁ Χριστός, Ἴδε ἐκεῖ, μὴ πιστεύετε· ἐγερθήσονται γὰρ ψευδόχριστοι καὶ ψευδοπροφῆται καὶ δώσουσιν σημεῖα καὶ τέρατα πρὸς τὸ ἀποπλανᾶν, εἰ δυνατόν, τοὺς ἐκλεκτούς. Mk 13:11: καὶ ὅταν ἄγωσιν ὑμᾶς παραδιδόντες, μὴ προμεριμνᾶτε τί λαλήσητε, ἀλλ' ὃ ἐὰν δοθῇ ὑμῖν ἐν ἐκείνῃ τῇ ὥρᾳ τοῦτο λαλεῖτε […]. Suet. Jul. 60: Proelia non tantum destinato, sed ex occasione sumebat ac saepe ab itinere statim […].

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Suet. Jul. 86.2: non tam sua quam rei publicae interesse, uti salvus esset: se iam pridem potentiae gloriaeque abunde adeptum; rem publicam, si quid sibi eveniret, neque quietam fore et aliquanto deteriore condicione ciuilia bella subituram. Mk 13:24–25: Ἀλλὰ ἐν ἐκείναις ταῖς ἡμέραις μετὰ τὴν θλῖψιν ἐκείνην ὁ ἥλιος σκοτισθήσεται, καὶ ἡ σελήνη οὐ δώσει τὸ φέγγος αὐτῆς, καὶ οἱ ἀστέρες ἔσονται ἐκ τοῦ οὐρανοῦ πίπτοντες, καὶ αἱ δυνάμεις αἱ ἐν τοῖς οὐρανοῖς σαλευθήσονται. Verg. Georg. 1.466–8: ille etiam exstincto miseratus Caesare Romam, / cum caput obscura nitidum ferrugine texit, / impiaque aeternam timuerunt saecula noctem. Ibidem 487–8: […] non alias caelo ceciderunt plura sereno / fulgura, nec diri totiens arsere cometae. Cf. B OTERMANN (1968), p. 204 und passim. Mk 14. Mk 16. Mk 10:17–27; 28–31. Plut. Ant. 16 und Parallelüberlieferung. Mk 10:35–45. Mk 12:18–27; Suet. Aug. 18. Mk 10:46–52. Plut. Caes. 65 und Parallelüberlieferung. Dies dürfte einen Rückschluss ermöglichen, was die offene Frage anbelangt, wer hinter dem Apostel Bartholomäus stecke. Naheliegend wäre es, es käme von Bar Ptolomäus, mit Bar als «Sohn», womit dann Kaisarion Ptolemaios selbst, der Sohn Caesars und der Kleopatra, gemeint sein dürfte. Wenn aber Bartimäus von Artemidoros kommt, dann könnte Bartholomäus eine Doublette davon sein. Die entsprechende Generierung eines Anfangs-B wäre hier durch Attraktion von Bar erfolgt (siehe aber auch unten, Bethania von Antonius, wo B wie eine Verschreibung von A aussieht und kein Buchstabe hinzugefügt wird, denn T/Θ bleibt dort an dritter Stelle). Caes. Gal. 8.44. Suet. Jul. 68; Mk 9:42–50. Plut. Pomp. 53 und Parallelüberlieferung. Mk 5:21–43. Mk 1:40–5; 2:1–12; 2:13–7. Plut. Caes. 45 und Parallelüberlieferung. Der Aufhänger für den Einschub des Vorspanns oder Exkurses an dieser Stelle nach der Heilung des Besessenen (i. e. nach Dyrrhachium und Pharsalos) wäre die neue Frau des Pompeius gewesen, Cornelia, die als Musikerin den Vorwand dafür geliefert haben könnte, dass Caesar die aus dem jungen Adel stammenden Reiter des Pompeius in der Rede an seine Soldaten vor der Schlacht von Pharsalos als Tänzerinnen verspottete. So hätten die «Tänzerinnen» die Cornelia, und Cornelia die Julia evoziert. Mk 9:2–13. Plut. Caes. 14. Dio Cass. HR 44.4sqq, 47.18sq. App. BC 4.8.32sq. Mk 14:1–2. Dio Cass. HR 44.15.2. Mk 14:3–9. Plut. Caes. 61: γυμνοί ; Ant. 12: ἀληλιμμένοι λίπα. Falls nicht die weibliche Form Antōnia, wäre hier Antonius (auf Gr. im Akkusativ: Antōnion bzw. Antōna, je nachdem ob aus Antōnios oder Antōn) mit Bēthania (im Dativ, aber das iota subscriptum schreibt man nicht unbedingt) zu vergleichen: ΑΝΤΩΝΙΟΝ bzw. ΑΝΤΩΝΑ > ΒΗΘΑΝΙΑ; man beachte die Ähnlichkeit im Duktus der beiden entscheidenden Anfangsbuchstaben: ΑΝ > ΒΗ. Ob «aus Elfenbein», eburneum, mit myrou nardou, «Nardenöl», zu vergleichen wäre, ist eine der Hypothesen. Was das Angebot des lorbeerumkränzten Diadems ihm einhandelte, war Caesar bewusst, denn er stand schließlich voller Ärger von der Rednerbühne auf, zog die Toga vom Halse weg und rief, er wolle jedem, der es verlange, die Kehle hinhalten. Plut. Ant. 12: ἀνέστη μὲν οὖν ὁ Καῖσαρ ἀχθεσθεὶς ἀπὸ τοῦ βήματος, καὶ τὸ ἱμάτιον ἀπάγων ἀπὸ τοῦ τραχήλου τῷ βουλομένῳ παρέχειν τὴν σφαγὴν ἐβόα. Anders in Plut. Caes. 60, wo derselbe Spruch Caesar bei anderer Gelegenheit (bei der Verlesung der ihn ehrenden Senatsbeschlüsse im Venustempel) in den Mund gelegt wird: ὥστε κἀκεῖνον ἐννοήσαντα παραχρῆμα μὲν οἴκαδε τραπέσθαι καὶ βοᾶν πρὸς τοὺς φίλους ἀπαγαγόντα τοῦ τραχήλου τὸ ἱμάτιον, ὡς ἕτοιμος εἴη τῷ βουλομένῳ τὴν σφαγὴν παρέχειν […]. Cf. auch App. BC 2.109.454. Mk 14.10–1; App. BC 2.111.464–112.469 und Parallelüberlieferung. App. BC 2.120.503, 121.508, 141.591.

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Mk 14:12–26; Plut. Caes. 63 und Parallelüberlieferung. Mk 14:30. App. BC 2.124.520; Dio Cass. HR 44.7.4. App. BC 2.144.602. App. BC 2.114.476. Plut. Caes. 58. Suet. Jul. 79. Mk 14:27. Plut. Caes. 60, 61, jeweils erster Satz, und Parallelüberlieferung; Mk 14:27. Die Anwesenheit des Namens Galiläa in der Perikope, die, wie wir sahen, auf Gallien deutet, könnte schließlich zu einer Überdeterminierung des Namens Petrus geführt haben. In den Berichten ist nämlich wiederholt die Rede davon, dass beide Bruti von Caesar schon früher besonders begünstigt worden waren, indem der eine, Decimus Brutus, seine Nachfolge in der Gallia Transalpina, Marcus Brutus aber in der Gallia Cisalpina hatte antreten können (App. BC 2.111.465; 2.124.518). So könnte hinter diesem Petrus überraschenderweise nicht nur Simon Petrus, i. e. Antonius (mit oder ohne Lepidus) stehen, sondern auch Brutus, was vom Schriftbild und vom Klang her nicht unüberwindbar ist: BRVTVS > ΠΕΤΡΟC. Dieser Verdacht wird erhärtet durch die Anwesenheit des Brutus als Petrus in der nächsten Perikope. App. BC 2.115.479–480: ὁ δὲ Καῖσαρ πρὸ μιᾶς τοῦδε τοῦ βουλευτηρίου χωρῶν ἐπὶ δεῖπνον ἐς Λέπιδον τὸν ἵππαρχον, ἐπήγετο Δέκμον Βροῦτον Ἀλβῖνον ἐς τὸν πότον καὶ λόγον ἐπὶ τῇ κύλικι προύθηκε, τίς ἄριστος ἀνθρώπῳ θάνατος· αἱρουμένων δὲ ἕτερα ἑτέρων αὐτὸς ἐκ πάντων ἐπῄνει τὸν αἰφνίδιον. καὶ ὁ μὲν ὧδε προυμαντεύετο ἑαυτῷ καὶ ἐλεςχήνευε περὶ τῶν ἐς τὴν αὔριον ἐσομένων· ἐπὶ δὲ τῷ πότῳ νυκτὸς αὐτῷ τὸ σῶμα νωθρὸν ἐγίγνετο, καὶ ἡ γυνὴ Καλπουρνία ἐνύπνιον αἵματι πολλῷ καταρρεόμενον ἰδοῦσα κατεκώλυε μὴ προελθεῖν. θυομένῳ τε πολλάκις ἦν τὰ σημεῖα φοβερά. καὶ πέμπειν ἔμελλεν Ἀντώνιον διαλύσοντα τὴν βουλήν. ἀλλὰ Δέκμος παρὼν ἔπεισε μὴ λαβεῖν ὑπεροψίας διαβολήν, αὐτὸν δὲ αὐτὴν ἐπελθόντα διαλῦσαι. καὶ ὁ μὲν ἐπὶ τοῦτο ἐκομίζετο φορείῳ. Suet. Jul. 81.3sq: ea uero nocte, cui inluxit dies caedis, et ipse sibi uisus est per quietem interdum supra nubes uolitare, alias cum Ioue dextram iungere; et Calpurnia uxor imaginata est conlabi fastigium domus maritumque in gremio suo confodi; ac subito cubiculi fores sponte patuerunt. Ob haec simul et ob infirmam ualitudinem diu cunctatus an se contineret et quae apud senatum proposuerat agere differret, tandem Decimo Bruto adhortante, ne frequentis ac iam dudum opperientis destitueret, quinta fere hora progressus est […]. Suet. Jul. 78; Plut. Caes. 60, Ant. 12; App. BC 2.107.446, 2.109.454–5; Dio Cass. HR 44.8. Mk 14:32–36: Καὶ ἔρχονται εἰς χωρίον οὗ τὸ ὄνομα Γεθσημανί, καὶ λέγει τοῖς μαθηταῖς αὐτοῦ, Καθίσατε ὧδε ἕως προσεύξωμαι. καὶ παραλαμβάνει τὸν Πέτρον καὶ [τὸν] Ἰάκωβον καὶ [τὸν] Ἰωάννην μετ' αὐτοῦ, καὶ ἤρξατο ἐκθαμβεῖσθαι καὶ ἀδημονεῖν, καὶ λέγει αὐτοῖς, Περίλυπός ἐστιν ἡ ψυχή μου ἕως θανάτου· μείνατε ὧδε καὶ γρηγορεῖτε. καὶ προελθὼν μικρὸν ἔπιπτεν ἐπὶ τῆς γῆς, καὶ προσηύχετο ἵνα εἰ δυνατόν ἐστιν παρέλθῃ ἀπ' αὐτοῦ ἡ ὥρα, καὶ ἔλεγεν, Αββα ὁ πατήρ, πάντα δυνατά σοι· παρένεγκε τὸ ποτήριον τοῦτο ἀπ' ἐμοῦ· ἀλλ' οὐ τί ἐγὼ θέλω ἀλλὰ τί σύ. Die anderen möglichen verballhornten Übersetzungen von CAPITOLIVM – «Schädelstätte» (< ΚΡΑΝΙΟΥ ΤΟΠΟΝ < CAPI TOLIVM) und «Ölgarten» (< CAMPVS OLEI) – sahen wir bereits. Mk 14:32–36. Plut. Caes. 62 und Parallelüberlieferung. Dio Cass. HR 44.13; Plut. Brut. 13. Mk 14:35. Mk 14:40–41: καὶ πάλιν ἐλθὼν εὗρεν αὐτοὺς καθεύδοντας, ἦσαν γὰρ αὐτῶν οἱ ὀφθαλμοὶ καταβαρυνόμενοι, καὶ οὐκ ᾔδεισαν τί ἀποκριθῶσιν αὐτῷ. […] ἰδοὺ παραδίδοται ὁ υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου εἰς τὰς χεῖρας τῶν ἁμαρτωλῶν. Plut. Caes. 63–64; Mk 14:41–42: καὶ λέγει αὐτοῖς, Καθεύδετε τὸ λοιπὸν καὶ ἀναπαύεσθε; ἀπέχει· ἦλθεν ἡ ὥρα, ἰδοὺ παραδίδοται ὁ υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου εἰς τὰς χεῖρας τῶν ἁμαρτωλῶν. ἐγείρεσθε ἄγωμεν· ἰδοὺ ὁ παραδιδούς με ἤγγικεν. Mk 14.43–51; Plut. Caes. 66 und Parallelüberlieferung. App. BC 2.117.491. Plut. Caes. 66: εἰσιόντος δὲ Καίσαρος ἡ βουλὴ μὲν ὑπεξανέστη θεραπεύουσα, τῶν δὲ περὶ Βροῦτον οἱ μὲν ἐξόπισθεν τὸν δίφρον αὐτοῦ περιέστησαν, οἱ δ' ἀπήντησαν ὡς δὴ Τιλλίῳ Κίμβρῳ περὶ ἀδελφοῦ φυγάδος ἐντυχάνοντι συνδεησόμενοι, καὶ συνεδέοντο μέχρι τοῦ δίφρου παρακολουθοῦντες. ὡς δὲ καθίσας διεκρούετο τὰς δεήσεις καὶ προσκειμένων βιαιότερον ἠγανάκτει πρὸς ἕκαστον, ὁ μὲν Τίλλιος τὴν τήβεννον αὐτοῦ ταῖς χερσὶν ἀμφοτέραις συλλαβὼν ἀπὸ τοῦ τραχήλου κατῆγεν, ὅπερ ἦν σύνθημα τῆς ἐπιχειρήσεως. Plut. Brut. 17: Καίσαρι δ' εἰσιόντι μὲν ἡ σύγκλητος ὑπεξανέστη, καθεζόμενον δ' εὐθὺς ἐκεῖνοι περιέσχον ἁθρόοι, Τίλλιον Κίμβρον ἐξ ἑαυτῶν προβάλλοντες, ὑπὲρ ἀδελφοῦ φυγάδος δεόμενον, καὶ συνεδέοντο πάντες, ἁπτόμενοί τε χειρῶν καὶ στέρνα καὶ κεφαλὴν

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καταφιλοῦν<τες>. ἀποτριβομένου δὲ τὰς δεήσεις τὸ πρῶτον, εἶθ' ὡς οὐκ ἀνίεσαν ἐξανισταμένου βίᾳ, Τίλλιος μὲν ἀμφοτέραις ταῖς χερσὶν ἐκ τῶν ὤμων κατέσπασε τὸ ἱμάτιον […]. Mk 14:44: Ὃν ἂν φιλήσω αὐτός ἐστιν· κρατήσατε αὐτὸν καὶ ἀπάγετε ἀσφαλῶς. Mk 14:51–2. App. BC 2.117.492, 2.119.499. Zur Entstehung des Bildes eines Jünglings könnten darüber hinaus die Geschichte über den fremden Sklaven, der vor dem Attentat vergeblich zu Caesar herbeigeeilt war, beigetragen haben, die Plutarch am Ende von Caes. 64 erzählt, sowie die Sklaven, die Caesars Leiche nach dem Attentat abführten (cf. Nikolaus Damascenus). Plut. Brut. 14. App. BC 2.121.508–122.511. Plut. Ant. 13. Die Nacht war bei den Römern bekanntlich nicht bloß in Stunden eingeteilt, sondern in vier vigiliae, «Nachtwachen» à drei Stunden, so dass die Zeit ἔτι πρὸ ἡμέρας, «noch vor Tagesanbruch», die Appian angibt, in eine der Nachtwachen fiel, in die quarta, vielleich sogar in die tertia vigilia, und sein Rundschreiben wird die Senatoren in der secunda vigilia erreicht haben (in jener Nacht schlief sowieso keiner). So könnte Markus’ wiederholter Hinweis auf das «zweite Krähen» des Hahns und die «dritte Verleugnung» von lateinischen Zeitangaben in seiner Vorlage (die genauer als bei Appian gewesen sein mag) bedingt sein. In seinem zur Zeit noch unveröffentlichten Manuskript Taubenflug und Hahnenschrei – ‹Ornithologisches› zum Markusevangelium. II. Der Hahn hat Gert LÜDERITZ , Tübingen, nicht nur gezeigt, dass es keine Hähne in Jerusalem gab – deren Haltung war verboten – und dass Markus’ «Hahnenschrei», alektorophōnia (13:36: dort gibt Markus die Namen aller vier Nachtwachen an), dem lat. gallicinium entspricht und daher eine Zeitspanne ist – die tertia vigilia, die «dritte Nachtwache» –, sondern auch den Beweis erbracht, dass secundis galliciniis, «am zweiten Hahnenschrei», als Äquivalent für quarta vigilia, «in der dritten Nachtwache», verwendet wurde (cf. auch LENSKI RCH. 2008. The Interpretation of St. Matthew’s Gospel 15–28. Minneapolis, p. 1036). Daher ist Mk 14:72 «ehe der Hahn zweimal kräht» als Zeitangabe zu verstehen: «vor der vierten Nachtwache». Plut. Caes. 68; App. BC 2.147.613; Mk 14:66–72. Mk 14:53–65. App. BC 2.118.498. Die deutsche Übersetzung von aulē mit «Palast» ist insofern inkonsequent, als Markus selbst zwei Perikopen weiter (15:16) aulē als praetorium erklärt, was noch abenteuerlicher auch mit «Burg» bzw. «Richthaus» übersetzt wird. Suet. Jul. 83: postulante ergo Lucio Pisone socero testamentum eius aperitur recitaturque in Antoni domo, quod Idibus Septembribus proximis in Lauicano suo fecerat demandaueratque uirgini Vestali maximae. Quintus Tubero tradit heredem ab eo scribi solitum ex consulatu ipsius primo usque ad initium ciuilis belli Cn. Pompeium, idque militibus pro contione recitatum. sed nouissimo testamento tres instituit heredes sororum nepotes, Gaium Octauium ex dodrante, et Lucium Pinarium et Quintum Pedium ex quadrante reliquo[s]; in ima cera Gaium Octauium etiam in familiam nomenque adoptauit; plerosque percussorum in tutoribus fili, si qui sibi nasceretur, nominauit, Decimum Brutum etiam in secundis heredibus. Zu dieser Problematik cf. SCHMITTHENNER (1973). Cf. CANCIK (1975). «Christus Imperator». In H. V . STIETENCRON (Hg.), Der Name Gottes, Düsseldorf, S. 113sq. Das domō in Markus’ oikodomō kommt vermutlich von einem domus, das in der ursprünglichen Vorlage statt familia gestanden haben mag. Cic. Att. 16.15.3: quamquam enim in praesentia belle iste puer retundit Antonium, tamen exitum expectare debemus. at quae contio! nam est missa mihi. iurat «ita sibi parentis honores consequi liceat», et simul dextram intendit ad statuam. μηδὲ σωθείην ὑπό γε τοιούτου! Mk 14:60–2: καὶ ἀναστὰς ὁ ἀρχιερεὺς εἰς μέσον ἐπηρώτησεν τὸν Ἰησοῦν λέγων, Οὐκ ἀποκρίνῃ οὐδέν; τί οὗτοί σου καταμαρτυροῦσιν; ὁ δὲ ἐσιώπα καὶ οὐκ ἀπεκρίνατο οὐδέν. πάλιν ὁ ἀρχιερεὺς ἐπηρώτα αὐτὸν καὶ λέγει αὐτῷ, Σὺ εἶ ὁ Χριστὸς ὁ υἱὸς τοῦ εὐλογητοῦ; ὁ δὲ Ἰησοῦς εἶπεν, Ἐγώ εἰμι, καὶ ὄψεσθε τὸν υἱὸν τοῦ ἀνθρώπου ἐκ δεξιῶν καθήμενον τῆς δυνάμεως καὶ ἐρχόμενον μετὰ τῶν νεφελῶν τοῦ οὐρανοῦ. Der Zusatz ὁ Χριστὸς fehlt in Φ pc k – cf. ALAND & NESTLE (181957). Cic. 13. Phil. 11.24. Suet. Jul. 82: Fuerat animus coniuratis corpus occisi in Tiberim trahere, bona publicare, acta rescindere, sed metu Marci Antoni consulis et magistri equitum Lepidi destiterunt. App. BC 2.128.535, 134.559; Dio Cass. HR 44.35.1.

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Mk 14:65. Dio Cass. HR 44.5.3. Diese Information über die Erblichkeit der Stellung Caesars als Pontifex maximus steht nur bei Cassius Dio und ist daher fragwürdig; cf. SCHMITTHENNER (1973), p. 9: «[…] die Kapitel Cass. Dio 44,4–7 [stehen] in einer historiographischen Tradition, die Wirkliches, Geplantes und – wird man hinzufügen müssen – in verleumderischer Absicht Unterschobenes häuft, um den zum Mord führenden Hass zu motivieren.» Auch wenn es unterschoben war, dass Caesar seinen Erben zum pontifex maximus machen wollte, das Gerücht war jedenfalls zu Dios Zeit in Umlauf (und verwunderte niemanden, denn die späteren Kaiser waren alle selbst pontifex maximus). Da es in der untersuchten Markus-Stelle genau darum geht – um den Hass, der zum Mord führte –, könnte die Information auch in Markus’ Vorlage gestanden haben – in diesem Fall aber als Hinzufügung des Octavian, denn die Anspielung «… oder auch nur adoptiere …» ist allzusehr im Sinne des Octavian, als dass es von Caesar geplant sein könnte. App. BC 2.135.563–4: Τοιαῦτα εἰπόντος τοῦ Ἀντωνίου σὺν ἀνατάσει τε καὶ ὁρμῇ βαρυτέρᾳ, γίγνεται δόγμα, ἡσυχαζόντων ἤδη καὶ ἀγαπώντων ἁπάντων, φόνου μὲν οὐκ εἶναι δίκας ἐπὶ τῷ Καίσαρι, κύρια δὲ εἶναι τὰ πεπραγμένα αὐτῷ πάντα καὶ ἐγνωσμένα, “ἐπεὶ τῇ πόλει συμφέρει.” ἐβιάσαντο γὰρ τόδε ἐς ἀσφάλειαν οἱ τῶν περισῳζομένων οἰκεῖοι προστεθῆναι μάλιστα, ὡς οὐ δικαίως φυλασσόμενα μᾶλλον ἢ διὰ χρείαν. καὶ ὁ Ἀντώνιος αὐτοῖς ἐς τοῦτο ἐνέδωκεν. Mk 15:1–5: Καὶ εὐθὺς πρωῒ συμβούλιον ποιήσαντες οἱ ἀρχιερεῖς μετὰ τῶν πρεσβυτέρων καὶ γραμματέων καὶ ὅλον τὸ συνέδριον δήσαντες τὸν Ἰησοῦν ἀπήνεγκαν καὶ παρέδωκαν Πιλάτῳ. καὶ ἐπηρώτα αὐτὸν ὁ Πιλᾶτος, Σὺ εἶ ὁ βασιλεὺς τῶν Ἰουδαίων; ὁ δὲ ἀποκριθεὶς αὐτῷ λέγει, Σὺ λέγεις. καὶ κατηγόρουν αὐτοῦ οἱ ἀρχιερεῖς πολλά. ὁ δὲ Πιλᾶτος πάλιν ἐπηρώτα αὐτὸν λέγων, Οὐκ ἀποκρίνῃ οὐδέν; ἴδε πόσα σου κατηγοροῦσιν. ὁ δὲ Ἰησοῦς οὐκέτι οὐδὲν ἀπεκρίθη, ὥστε θαυμάζειν τὸν Πιλᾶτον. App. BC 2.130.542–131.547: Ὧδε δὲ ἔτι ἐχόντων, ὁ Ἀντώνιος καὶ ὁ Λέπιδος ἐκ τοῦ βουλευτηρίου προῆλθον· καὶ γάρ τινες αὐτοὺς ἐκ πολλοῦ συνδραμόντες ἐκάλουν. ὡς δὲ ὤφθησαν ἐκ μετεώρου καὶ σιγὴ κεκραγότων μόλις ἐγίγνετο, […] ἐπιβοώντων δ' ἑτέρων τὸ πεπραγμένον ἐπεξιέναι καὶ τῶν πλεόνων περὶ τῆς εἰρήνης παρακαλούντων, τοῖς μὲν περὶ τῆς εἰρήνης ἔφη· “περὶ τούτου σκοποῦμεν, ὡς ἔσται τε καὶ γενομένη διαμενεῖ· δυσεύρετον γὰρ ἤδη τὸ ἀσφαλὲς αὐτῆς, ὅτι μηδὲ Καίσαρα ὤνησαν ὅρκοι τοσοίδε καὶ ἀραί.” ἐς δὲ τοὺς ἐπεξιέναι παρακαλοῦντας ἐπιστραφεὶς ἐπῄνει μὲν ὡς εὐορκότερα καὶ εὐσεβέστερα αἱρουμένους καί “αὐτὸς ἄν,” ἔφη, “συνετασσόμην ὑμῖν καὶ τὰ αὐτὰ πρῶτος ἐβόων, εἰ μὴ ὕπατος ἦν, ᾧ τοῦ λεγομένου συμφέρειν μᾶλλον ἢ τοῦ δικαίου μέλει· ὧδε γὰρ ἡμῖν οἱ ἔνδον παραινοῦσιν. οὕτω δέ που καὶ Καῖσαρ αὐτός, οὓς εἷλε πολέμῳ τῶν πολιτῶν, διὰ τὸ συμφέρον τῆς πόλεως περισώσας ὑπ' αὐτῶν ἀπέθανε.” Τοιαῦτα τοῦ Ἀντωνίου παρὰ μέρος τεχνάζοντος […]. Suet. Jul. 75: Acie Pharsalica proclamauit, ut ciuibus parceretur, deincepsque nemini non suorum quem uellet unum partis aduersae seruare concessit. Nec ulli perisse nisi in proelio reperientur […]. Mk 15:6–8: Κατὰ δὲ ἑορτὴν ἀπέλυεν αὐτοῖς ἕνα δέσμιον ὃν παρῃτοῦντο. ἦν δὲ ὁ λεγόμενος Βαραββᾶς μετὰ τῶν στασιαστῶν δεδεμένος οἵτινες ἐν τῇ στάσει φόνον πεποιήκεισαν. καὶ ἀναβὰς ὁ ὄχλος ἤρξατο αἰτεῖσθαι καθὼς ἐποίει αὐτοῖς. Mk 15:9–15: ὁ δὲ Πιλᾶτος ἀπεκρίθη αὐτοῖς λέγων, Θέλετε ἀπολύσω ὑμῖν τὸν βασιλέα τῶν Ἰουδαίων; ἐγίνωσκεν γὰρ ὅτι διὰ φθόνον παραδεδώκεισαν αὐτὸν οἱ ἀρχιερεῖς. οἱ δὲ ἀρχιερεῖς ἀνέσεισαν τὸν ὄχλον ἵνα μᾶλλον τὸν Βαραββᾶν ἀπολύσῃ αὐτοῖς. ὁ δὲ Πιλᾶτος πάλιν ἀποκριθεὶς ἔλεγεν αὐτοῖς, Τί οὖν [θέλετε] ποιήσω [ὃν λέγετε] τὸν βασιλέα τῶν Ἰουδαίων; οἱ δὲ πάλιν ἔκραξαν, Σταύρωσον αὐτόν. ὁ δὲ Πιλᾶτος ἔλεγεν αὐτοῖς, Τί γὰρ ἐποίησεν κακόν; οἱ δὲ περισσῶς ἔκραξαν, Σταύρωσον αὐτόν. ὁ δὲ Πιλᾶτος βουλόμενος τῷ ὄχλῳ τὸ ἱκανὸν ποιῆσαι ἀπέλυσεν αὐτοῖς τὸν Βαραββᾶν, καὶ παρέδωκεν τὸν Ἰησοῦν φραγελλώσας ἵνα σταυρωθῇ. Cf. in diesem Zusammenhang den Sinn von invidia bei Sueton, wo es nicht «Neid», sondern «Missgunst, Hass» bedeutet – Suet. Jul. 84: Inter ludos cantata sunt quaedam ad miserationem et invidiam caedis eius accomodata, ex Pacuvi Armorum iudicio «Men servasse, ut essent qui me perderent?» Lk 23:42: καὶ ἔλεγεν, Ἰησοῦ, μνήσθητί μου ὅταν ἔλθῃς ἐν τῇ βασιλείᾳ σου. Mt 27:24: ἰδὼν δὲ ὁ Πιλᾶτος ὅτι οὐδὲν ὠφελεῖ ἀλλὰ μᾶλλον θόρυβος γίνεται, λαβὼν ὕδωρ ἀπενίψατο τὰς χεῖρας ἀπέναντι τοῦ ὄχλου, λέγων, Ἀθῷός εἰμι ἀπὸ τοῦ αἵματος τούτου· ὑμεῖς ὄψεσθε. App. BC 2.26: Πόλιν δὲ Νεόκωμον ὁ Καῖσαρ ἐς Λατίου δίκαιον ἐπὶ τῶν Ἄλπεων ᾠκίκει, ὧν ὅσοι κατ' ἔτος ἦρχον, ἐγίγνοντο Ῥωμαίων πολῖται· τόδε γὰρ ἰσχύει τὸ Λάτιον. τῶν οὖν Νεοκώμων τινά, ἄρχοντά τε αὐτοῖς γενόμενον καὶ παρὰ τοῦτο Ῥωμαῖον εἶναι νομιζόμενον, ὁ Μάρκελλος ἐφ' ὕβρει τοῦ Καίσαρος ἔξηνε ῥάβδοις ἐφ' ὁτῳδή, οὐ πασχόντων τοῦτο Ῥωμαίων· καὶ τὸν νοῦν ὑπὸ ὀργῆς ἀνεκάλυπτε, τὰς πληγὰς εἶναι ξενίας σύμβολον. καὶ φέρειν αὐτὰς ἐκέλευε καὶ δεικνύναι τῷ Καίσαρι. οὕτω μὲν ὑβριστικῶς ὁ Μάρκελλος. Suet. Jul. 28.3: nec contentus Marcellus prouincias Caesari et priuilegium eripere,

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retulit etiam, ut colonis, quos rogatione Vatinia Nouum Comum deduxisset, ciuitas adimeretur, quod per ambitionem et ultra praescriptum data esset. Mark 15:15–19: ὁ δὲ Πιλᾶτος βουλόμενος τῷ ὄχλῳ τὸ ἱκανὸν ποιῆσαι ἀπέλυσεν αὐτοῖς τὸν Βαραββᾶν, καὶ παρέδωκεν τὸν Ἰησοῦν φραγελλώσας ἵνα σταυρωθῇ. Οἱ δὲ στρατιῶται ἀπήγαγον αὐτὸν ἔσω τῆς αὐλῆς, ὅ ἐστιν πραιτώριον, καὶ συγκαλοῦσιν ὅλην τὴν σπεῖραν. καὶ ἐνδιδύσκουσιν αὐτὸν πορφύραν καὶ περιτιθέασιν αὐτῷ πλέξαντες ἀκάνθινον στέφανον· καὶ ἤρξαντο ἀσπάζεσθαι αὐτόν, Χαῖρε, βασιλεῦ τῶν Ἰουδαίων· καὶ ἔτυπτον αὐτοῦ τὴν κεφαλὴν καλάμῳ καὶ ἐνέπτυον αὐτῷ, καὶ τιθέντες τὰ γόνατα προσεκύνουν αὐτῷ. Vergil, georg. 1.466–68: ille etiam exstincto miseratus Caesare Romam, / cum caput obscura nitidum ferrugine texit / impiaque aeternam timuerunt saecula noctem. Dazu kommentiert Servius, georg. 1.466.1–5: ILLE ETIAM EXTINCTO MISERATVS C. R. bonum epilogi repperit locum, ut in Augusti gratiam defleat Caesaris mortem. constat autem, occiso Caesare in senatu pridie iduum Maiarum solis fuisse defectum ab hora sexta usque ad noctem: quod quia multis tractum horis est, dicit 'aeternam timuerunt saecula noctem'. Ovid, met. 15.785sq.: solis quoque tristis imago lurida sollicitis praebebat lumina terris. Plinius, nat. 2.98: Fiunt prodigiosi et longiores solis defectus, qualis occiso dictatore Caesare […]. Auflistung bei EICKENBERG (2015), S. 22, Anm. 97; ausführliche Behandlung S. 49sqq. Mk 15:33: Καὶ γενομένης ὥρας ἕκτης σκότος ἐγένετο ἐφ' ὅλην τὴν γῆν ἕως ὥρας ἐνάτης. Mt 27:45: Ἀπὸ δὲ ἕκτης ὥρας σκότος ἐγένετο ἐπὶ πᾶσαν τὴν γῆν ἕως ὥρας ἐνάτης. Lk 23:44: Καὶ ἦν ἤδη ὡσεὶ ὥρα ἕκτη καὶ σκότος ἐγένετο ἐφ' ὅλην τὴν γῆν ἕως ὥρας ἐνάτης τοῦ ἡλίου ἐκλιπόντος […]. Cf. EICKENBERG (2015), Kap. «Von der Nacht zur Neunten», S. 32sqq. Cf. LÜDERITZ (1984), S. 187. Mk 15:25: ἦν δὲ ὥρα τρίτη καὶ ἐσταύρωσαν αὐτόν. Mk 15:33: Καὶ γενομένης ὥρας ἕκτης σκότος ἐγένετο ἐφ' ὅλην τὴν γῆν ἕως ὥρας ἐνάτης. Mk 34–37: καὶ τῇ ἐνάτῃ ὥρᾳ […] ὁ δὲ Ἰησοῦς ἀφεὶς φωνὴν μεγάλην ἐξέπνευσεν. Cf. supra Anm. 869. Die zitierte Servius-Stelle scheint korrupt zu sein, jedenfalls emendieren Kommentatoren iduum Maiarum in iduum Ma[rt]iarum (cf. EICKENBERG 2015, Appendix 2, p. 164sqq). Dann würde aber pridie nicht mehr stimmen, da Caesar ja an den Iden des März getötet wurde, und nicht am Vortag – was übrigens erklären könnte, warum Martiarum in Maiarum verschlimmbessert wurde. Sollte aber die Finsternis am Vortag stattgefunden haben (so EICKENBERG, ibidem), dann würde zwar pridie stimmen, jedoch die Wendung occiso Caesare in senatu nicht mehr, denn da lebte er noch. Jedenfalls ist eine Finsternis – außer einer Sonnenfinsternis, was diese nicht war, sondern von einem entfernten Vulkanausbruch (Ätna) verursacht (ibidem) – unmöglich genau nach Stunden definierbar. Wäre aber pridie in die zu emendieren – die Stelle insgesamt in: constat autem, occiso Caesare in senatu [pri]die iduum Ma[rt]iarum solis fuisse defectum ab hora sexta usque ad noctem – dann wäre hora sexta die Todeszeit Caesars gewesen, denn er hatte sich um die fünfte Stunde auf den Weg zum Senat gemacht, Suet. Jul. 81.4: tandem Decimo Bruto adhortante, ne frequentis ac iam dudum opperientis destitueret, quinta fere hora progressus est. Die sechste Stunde entspricht auch der Kalkulation von HENDRIKS (2008), p. 140sq, der anhand der historiographischen Quellen (App. BC 2.117; Plut. Caes. 66.3-7, Brut. 17.3-7; Suet. Jul. 82.1-2; Dio Cass. HR 4419.3-5; Nic. Dam. Bios Kais. 24,88-90 – also unabhängig von der Servius Stelle) 12:00 h als die Zeit von Caesars Ermordung ermittelt. Dazu passend hätten die Dichter die Finsternis ab der Todeszeit Caesars anfangen lassen – was Markus dann in seiner Vorlage vorfand (Mk Vulgata 15:33: Et, facta hora sexta, tenebrae factae sunt […]). Cf. Tagesablauf bei HENDRIKS (2008), S. 148, der anhand der Quellen (App. BC 2.143; Plut. Caes. 68.1; Dio Cass. HR 44.35.4; Suet. Jul. 84.1) für das Aufstellen des Leichnams auf die Rostra 15:30' h ermittelt – was am 17. März in Rom, kurz vor der Frühling-Tagundnachtgleiche, kaum später als die volle römische neunte Stunde fällt (neunte Stunde am Aequinoctium: zwischen 14:00 h und 15:00 h; volle neunte Stunde: 15:00 h – wobei jedoch Polhöhe und Sonnendeklination zu berücksichtigen sind, cf. http://www.imperium-romanum.info/wiki/index.php?title=Tageszeit / Mathematischer Exkurs). Nach der Tabelle in EICKENBERG (2015), S. 178sq, bei einem errechneten Sonnenaufgang um 6:20 h und einem Sonnenuntergang um 18:18 h, ging die neunte Temporalstunde an diesem Tag in Rom genauer von äquinoktial 14:18 h bis 15:18 h, was nur 12 Minuten vor dem von Hendriks angegebenen Zeitpunkt des Hinausbringen des Leichnams zum Forum um 15:30 h bedeutet – also innerhalb der unvermeidlichen Toleranz einer zeitlichen Rekonstruktion aus literarischen Quellen, die von Hendriks von plus/minus einer Stunde berechnet wird, d. h. für Pisos Eintritt aufs Forum ein Zeitintervall von ca. 14:30–16:30 h, was die römische neunte Stunde ziemlich vollständig umfasst. Suet. Jul. 84. Cf. Anm. 864.

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Mk 15:34: καὶ τῇ ἐνάτῃ ὥρᾳ ἐβόησεν ὁ Ἰησοῦς φωνῇ μεγάλῃ, Ελωι ελωι λεμα σαβαχθανι; ὅ ἐστιν μεθερμηνευόμενον Ὁ θεός μου ὁ θεός μου, εἰς τί ἐγκατέλιπές με; Die Lektion ελωι ist aus den Septuaginta (Ps 22:2) entliehen; die in den Handschriften festzustellenden Varianten – ηλι, λαμα, σαβαφθανι, ζαφθανι etc. (cf. Aland & Nestle 181957) – zeigen zum einen, wie instabil und sekundär die aramäische Lesart ist, zum anderen, wie sie sich um den lateinischen PacuviusText drehen (φ für v, ζ für s, etc.). Interessanterweise können wir anhand des Vergleichs Markus/Pacuvius erkennen, dass in Markus’ Vorlage das erste Wort mene ausgeschrieben und nicht in men abgekürzt war. Suet. Jul. 81.3: et Calpurnia uxor imaginata est conlabi fastigium domus maritumque in gremio suo confodi;. Plut. Caes. 63.9: ἐδόκει δ' ἄρα κλαίειν ἐκεῖνον ἐπὶ ταῖς ἀγκάλαις ἔχουσα κατεσφαγμένον· οἱ δ' οὔ φασι τῇ γυναικὶ ταύτην γενέσθαι τὴν ὄψιν, ἀλλ', ἦν γάρ τι τῇ Καίσαρος οἰκίᾳ προσκείμενον οἷον ἐπὶ κόσμῳ καὶ σεμνότητι τῆς βουλῆς ψηφισαμένης ἀκρωτήριον, ὡς Λίβιος ἱστορεῖ, τοῦτ' ὄναρ ἡ Καλπουρνία θεασαμένη καταρρηγνύμενον ἔδοξε ποτνιᾶσθαι καὶ δακρύειν. Mk 15:38: Καὶ τὸ καταπέτασμα τοῦ ναοῦ ἐσχίσθη εἰς δύο ἀπ' ἄνωθεν ἕως κάτω. Wörtlich erhalten in Matthäus, Mt 27:51: Καὶ ἰδοὺ τὸ καταπέτασμα τοῦ ναοῦ ἐσχίσθη ἀπ' ἄνωθεν ἕως κάτω εἰς δύο. Erst Lukas ändert den Ausdruck, und paßt ihn der Vorstellung vom Zerreissen eines Schleiers an, Lk 23:45: ἐσχίσθη δὲ τὸ καταπέτασμα τοῦ ναοῦ μέσον. Hieronymus, Comm. in Matt. 4.27.51: in evangelio cuius saepe facimus mentionem superliminare templi infinitae magnitudinis fractum esse atque divisum legimus; Hier. epist. 120.8.1: in evangelio autem quod Hebraicis litteris scriptum est legimus, non velum templi scissum, sed superliminare templi mirae magnitudinis corruisse. Sedul. pasch. carm. 5.270sq: maioris culmina templi procubuisse videns; Cf. dazu EICKENBERG (2015), Kap. 13, S. 67sqq. Dio Cass. HR 45.17.4: τοὺς δὲ ἄλλους ἐκεῖνά τε ἐτάραττε καὶ σεισμὸς μέγας γενόμενος; Vergil. georg. 1.475: insolitis tremuerunt motibus Alpes; Ovid. met. 15.798: motamque tremoribus urbem; cf. auch Petron. 124.1.287: ipsa tremat tellus lacerataque tecta rebellent. Dio Cass. HR 45.17.3.1–3: καὶ πνεῦμα μέγα ἐπιγενόμενον τάς τε στήλας τὰς περὶ τὸ Κρόνιον καὶ περὶ τὸν τῆς Πίστεως νεὼν προσπεπηγυίας ἀπέρρηξε καὶ διεσκέδασε. Suet. Jul. 81.1.1–2.1: Sed Caesari futura caedes euidentibus prodigiis denuntiata est. paucos ante menses, cum in colonia Capua deducti lege Iulia coloni ad extruendas uillas uetustissima sepulcra dis[s]icerent idque eo studiosius facerent, quod aliquantum uasculorum operis antiqui scrutantes reperiebant, tabula aenea in monimento, in quo dicebatur Capys conditor Capuae sepultus, inuenta est conscripta litteris uerbisque Graecis hac sententia: quandoque ossa Capyis detecta essent, fore ut illo prognatus manu consanguineorum necaretur magnisque mox Italiae cladibus uindicaretur. cuius rei, ne quis fabulosam aut commenticiam putet, auctor est Cornelius Balbus, familiarissimus Caesaris. Ovid. met. 15.797: umbrasque silentum erravisse ferunt; Vergil. georg. 1.477sq: et simulacra modis pallentia miris uisa sub obscurum noctis. Dio Cass. HR 45.47.3: τίς γὰρ οὐκ οἶδε τοῦθ', ὅτι [Ἀντώνιος] πολλοὺς φεύγοντας καὶ ἐπὶ τοῦ Καίσαρος καὶ μετὰ ταῦτα ἐκ τῶν γραμμάτων δὴ τῶν ἐκείνου καταγαγὼν […]; Suet. Aug. 35.1: Senatorum […] post necem Caesaris per gratiam et praemium adlecti, quos orcinos vulgus vocabat […]. Mt 27:52–53: καὶ τὰ μνημεῖα ἀνεῴχθησαν καὶ πολλὰ σώματα τῶν κεκοιμημένων ἁγίων ἠγέρθησαν, καὶ ἐξελθόντες ἐκ τῶν μνημείων μετὰ τὴν ἔγερσιν αὐτοῦ εἰσῆλθον εἰς τὴν ἁγίαν πόλιν καὶ ἐνεφανίσθησαν πολλοῖς. Über diese weiteren Prodigien – das Zerreissen des Vorhangs im Tempel, Erdbeben, die Gräber, die sich auftun, das Aufstehen der Heiligen, etc. – ausführlich bei EICKENBERG (2015), Kap. 10–13, S. 52–73, und passim. Mk 15:40–41: Ἦσαν δὲ καὶ γυναῖκες ἀπὸ μακρόθεν θεωροῦσαι, ἐν αἷς καὶ Μαρία ἡ Μαγδαληνὴ καὶ Μαρία ἡ Ἰακώβου τοῦ μικροῦ καὶ Ἰωσῆτος μήτηρ καὶ Σαλώμη, αἳ ὅτε ἦν ἐν τῇ Γαλιλαίᾳ ἠκολούθουν αὐτῷ καὶ διηκόνουν αὐτῷ, καὶ ἄλλαι πολλαὶ αἱ συναναβᾶσαι αὐτῷ εἰς Ἱεροσόλυμα. Mt 27:55–56: Ἦσαν δὲ ἐκεῖ γυναῖκες πολλαὶ ἀπὸ μακρόθεν θεωροῦσαι, αἵτινες ἠκολούθησαν τῷ Ἰησοῦ ἀπὸ τῆς Γαλιλαίας διακονοῦσαι αὐτῷ· ἐν αἷς ἦν Μαρία ἡ Μαγδαληνὴ καὶ Μαρία ἡ τοῦ Ἰακώβου καὶ Ἰωσὴφ μήτηρ καὶ ἡ μήτηρ τῶν υἱῶν Ζεβεδαίου. Lk 23:49: εἱστήκεισαν δὲ πάντες οἱ γνωστοὶ αὐτῷ ἀπὸ μακρόθεν, καὶ γυναῖκες αἱ συνακολουθοῦσαι αὐτῷ ἀπὸ τῆς Γαλιλαίας, ὁρῶσαι ταῦτα. Lk 24:10: ἦσαν δὲ ἡ Μαγδαληνὴ Μαρία καὶ Ἰωάννα καὶ Μαρία ἡ Ἰακώβου· καὶ αἱ λοιπαὶ σὺν αὐταῖς ἔλεγον πρὸς τοὺς ἀποστόλους ταῦτα. Jh 19:25: εἱστήκεισαν δὲ παρὰ τῷ σταυρῷ τοῦ Ἰησοῦ ἡ μήτηρ αὐτοῦ καὶ ἡ ἀδελφὴ τῆς μητρὸς αὐτοῦ, Μαρία ἡ τοῦ Κλωπᾶ καὶ Μαρία ἡ Μαγδαληνή – Vulgata: Stabant autem iuxta crucem Iesu mater eius et soror matris eius, Maria Cleopae, et Maria Magdalene. Mk 15:39: Ἰδὼν δὲ ὁ κεντυρίων ὁ παρεστηκὼς ἐξ ἐναντίας αὐτοῦ ὅτι οὕτως ἐξέπνευσεν εἶπεν, Ἀληθῶς οὗτος ὁ ἄνθρωπος υἱὸς θεοῦ ἦν.

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Cic. Phil. 3.2.3–5, 3.4.8–9, 4.2.1, 5.16.43, 12.4.9: C. Caesar adulescens, paene potius puer, incredibili ac divina quadam mente atque virtute, cum maxime furor arderet Antoni, […] nec postulantibus nec cogitantibus nobis, quia non posse fieri videbatur, firmissimum exercitum ex invicto genere veteranorum militum comparavit, patrimoniumque suum […] in rei publicae salutis conlocavit […] Cui quidem hodierno die, patres conscripti […] tribuenda est auctoritas, ut rem publicam non modo a se susceptam sed etiam a nobis commendatam possit defendere. […] Quod autem praesidium erat salutis libertatisque vestrae, si C. Caesaris fortissimorum sui patris militum exercitus non fuisset? Cuius de laudibus et honoribus qui ei pro divinis et immortalibus meritis divini immortalesque debentur. […] Quis tum nobis, quis populo Romano optulit hunc divinum adulescentem deus? […] C. Caesarem deorum beneficio natum ad haec tempora. Caesaris […] incredibilis ac divina virtus. Cf. ALFÖLDI (1973), p. 120: «C’est le ton solennel de la sotériologie hellénistique qu’on retrouve dans ces plaidoyers […]. Par ces louanges, Cicéron se mettait malgré lui à l’unisson de la monarchie naissante.» Suet. Jul. 52: Dilexit et reginas, […] sed maxime Cleopatram, cum qua et conuiuia in primam lucem saepe protraxit et eadem naue thalamego paene Aethiopia tenus Aegytum penetrauit, nisi exercitus sequi recusasset, quam denique accitam in urbem non nisi maximis honoribus praemiisque auctam remisit filiumque natum appellare nomine suo passus est. Suet. Jul. 79: Quin etiam uaria fama percrebruit migraturum Alexandream uel Ilium, translatis simul opibus imperii exhaustaque Italia dilectibus et procuratione urbis amicis permissa […]. Über Kleopatras frustrierte Hoffnung auf die Nennung ihres Sohnes Kaisarion in Caesars Testament cf. Nicolaus Damascenus 20.68. Suet. Jul. 50.1: […] plurimasque et illustres feminas corrupisse [scil. Caesar], in quibus […] etiam Cn. Pompei Muciam. nam certe Pompeio et a Curionibus patre et filio et a multis exprobratum est, quod cuius causa post tres liberos exegisset uxorem et quem gemens Aegisthum appellare consuesset, eius postea filiam potentiae cupiditate in matrimonium recepisset. Über Caesars «Herumhuren» in Gallien, das seine Soldaten beim gallischen Triumph besangen, cf. Anm. 754. Dass ein Gaius Julius Vindex später in Aquitanien auftauchen kann, um Gallier und Römer zur Empörung gegen den verhassten Nero aufzurufen, hat sicherlich mit der Saat, die Caesar in Gallien gestreut hatte, zu tun (der erste Namensträger war unter Caesar römischer Bürger geworden und zu dem Namen gekommen). Dass Caesars Spezialität gerade die Liebschaft mit verheirateten Frauen war, zeigt die Liste bei Sueton Jul. 50. Suet. Jul. 52: Heluius Cinna Tr. Pl. plerisque confessus est habuisse se scriptam paratemque legem, quam Caesar ferre iussisset cum ipse abesset, ut ei uxores liberorum quaerendorum causa quas et quot uellet ducere licet. Cf. Evangelium der Maria; Evangelium nach Philippus 32 u. 55. Suet. Jul. 84: […] matronae etiam pleraeque ornamenta sua, quae gerebant, et liberorum bullas atque praetextas. Dio Cass. HR 44.51.1–2: […] βωμὸν δέ τινα ἐν τῷ τῆς πυρᾶς χωρίῳ ἱδρυσάμενοι (τὰ γὰρ <ὀστᾶ> αὐτοῦ οἱ ἐξελεύθεροι προανείλοντο καὶ ἐς τὸ πατρῷον μνημεῖον κατέθεντο) θύειν τε ἐπ' αὐτῷ καὶ κατάρχεσθαι τῷ Καίσαρι ὡς καὶ θεῷ ἐπεχείρουν. οἱ οὖν ὕπατοι ἐκεῖνόν τε ἀνέτρεψαν, καί τινας ἀγανακτήσαντας ἐπὶ τούτῳ ἐκόλασαν […]. App. BC 3.2.2–3.3.9: Ἀντώνιον μὲν ἡ βουλὴ δι' αἰτίας εἶχεν ἐπὶ τοῖς ἐπιταφίοις τοῦ Καίσαρος, ὑφ' ὧν δὴ μάλιστα ὁ δῆμος ἐρεθισθεὶς ὑπερεῖδε τῆς ἄρτι ἐπεψηφιςμένης ἀμνηστίας καὶ ἐπὶ τὰς οἰκίας τῶν σφαγέων σὺν πυρὶ ἔδραμον· ὁ δὲ αὐτὴν χαλεπαίνουσαν ἑνὶ τοιῷδε πολιτεύματι ἐς εὔνοιαν ἑαυτοῦ μετέβαλεν. Ἀμάτιος ἦν ὁ Ψευδομάριος· Μαρίου γὰρ ὑπεκρίνετο υἱωνὸς εἶναι καὶ διὰ Μάριον ὑπερήρεσκε τῷ δήμῳ. γιγνόμενος οὖν κατὰ τήνδε τὴν ὑπόκρισιν συγγενὴς τῷ Καίσαρι, ὑπερήλγει μάλιστα αὐτοῦ τεθνεῶτος καὶ βωμὸν ἐπῳκοδόμει τῇ πυρᾷ καὶ χεῖρα θρασυτέρων ἀνδρῶν εἶχε καὶ φοβερὸς ἦν ἀεὶ τοῖς σφαγεῦσιν· ὧν οἱ μὲν ἄλλοι διεπεφεύγεσαν ἐκ τῆς πόλεως καὶ ὅσοι παρ' αὐτοῦ Καίσαρος εἰλήφεσαν ἡγεμονίας ἐθνῶν, ἀπεληλύθεσαν ἐπὶ τὰς ἡγεμονίας, Βροῦτος μὲν ὁ Δέκμος ἐς τὴν ὅμορον τῆς Ἰταλίας Κελτικήν, Τρεβώνιος δὲ ἐς τὴν Ἀσίαν τὴν περὶ Ἰωνίαν, Τίλλιος δὲ Κίμβερ ἐς Βιθυνίαν· Κάσσιος δὲ καὶ Βροῦτος ὁ Μᾶρκος, ὧν δὴ καὶ μάλιστα τῇ βουλῇ διέφερεν, ᾕρηντο μὲν καὶ οἵδε ὑπὸ τοῦ Καίσαρος ἐς τὸ μέλλον ἔτος ἡγεμονεύειν, Συρίας μὲν ὁ Κάσσιος καὶ Μακεδονίας ὁ Βροῦτος, ἔτι δὲ ὄντες ἀστικοὶ στρατηγοὶ ... ὑπ' ἀνάγκης καὶ διατάγμασιν οἷα στρατηγοὶ τοὺς κληρούχους ἐθεράπευον, ὅσοις τε ἄλλοις ἐπενόουν, καὶ τὰ κληρουχήματα συγχωροῦντες αὐτοῖς πιπράσκειν, τοῦ νόμου κωλύοντος ἐντὸς εἴκοσιν ἐτῶν ἀποδίδοσθαι. Τούτοις δὲ αὐτοῖς ὁ Ἀμάτιος, ὅτε συντύχοι, καὶ ἐνεδρεύσειν ἐλέγετο. τῷδε οὖν τῷ λόγῳ τῆς ἐνέδρας ὁ Ἀντώνιος ἐπιβαίνων οἷα ὕπατος συλλαμβάνει καὶ κτείνει τὸν Ἀμάτιον χωρὶς δίκης, μάλα θρασέως· καὶ ἡ βουλὴ τὸ μὲν ἔργον ἐθαύμαζεν ὡς μέγα καὶ παράνομον, τὴν δὲ χρείαν αὐτοῦ προσεποιοῦντο ἥδιστα· οὐ γὰρ αὐτοῖς ἐδόκει ποτὲ χωρὶς τοιᾶσδε τόλμης ἀσφαλῆ τὰ κατὰ Βροῦτον καὶ Κάσσιον ἔσεσθαι. οἱ δὲ τοῦ Ἀματίου στασιῶται καὶ ὁ ἄλλος δῆμος ἐπ' ἐκείνοις πόθῳ τε τοῦ Ἀματίου καὶ ἀγανακτήσει τοῦ γεγονότος, ὅτι μάλιστα αὐτὸ ὁ

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Ἀντώνιος ἐπεπράχει ὑπὸ τοῦ δήμου τιμώμενος, οὐκ ἠξίουν σφῶν καταφρονεῖν· τὴν ἀγορὰν οὖν καταλαβόντες ἐβόων καὶ τὸν Ἀντώνιον ἐβλασφήμουν καὶ τὰς ἀρχὰς ἐκέλευον ἀντὶ Ἀματίου τὸν βωμὸν ἐκθεοῦν καὶ θύειν ἐπ' αὐτοῦ Καίσαρι πρώτους. ἐξελαυνόμενοι δ' ἐκ τῆς ἀγορᾶς ὑπὸ στρατιωτῶν ἐπιπεμφθέντων ὑπὸ Ἀντωνίου μᾶλλόν τε ἠγανάκτουν καὶ ἐκεκράγεσαν καὶ ἕδρας ἔνιοι τῶν Καίσαρος ἀνδριάντων ἐπεδείκνυον ἀνῃρημένων. ὡς δέ τις αὐτοῖς ἔφη καὶ τὸ ἐργαστήριον, ἔνθα οἱ ἀνδριάντες ἀνεσκευάζοντο, δείξειν, εὐθὺς εἵποντο καὶ ἰδόντες ἐνεπίμπρασαν, ἕως ἑτέρων ἐπιπεμφθέντων ἐξ Ἀντωνίου ἀμυνόμενοί τε ἀνῃρέθησαν ἔνιοι καὶ συλληφθέντες ἕτεροι ἐκρεμάσθησαν, ὅσοι θεράποντες ἦσαν, οἱ δὲ ἐλεύθεροι κατὰ τοῦ κρημνοῦ κατερρίφησαν. Dio Cass. HR 47.19.2: πρὸς δὲ τούτοις ἀπεῖπον μὲν μηδεμίαν εἰκόνα αὐτοῦ, καθάπερ θεοῦ τινος ὡς ἀληθῶς ὄντος, ἐν ταῖς τῶν συγγενῶν αὐτοῦ ἐκφοραῖς πέμπεσθαι, ὅπερ ἐκ τοῦ πάνυ ἀρχαίου καὶ τότε ἔτι ἐγίγνετο· App. BC 2.148.616–7: ἔνθα βωμὸς πρῶτος ἐτέθη, νῦν δ' ἐστὶ νεὼς αὐτοῦ Καίσαρος, θείων τιμῶν ἀξιουμένου· ὁ γάρ τοι θετὸς αὐτῷ παῖς Ὀκτάουιος, τό τε ὄνομα ἐς τὸν Καίσαρα μεταβαλὼν καὶ κατ' ἴχνος ἐκείνου τῇ πολιτείᾳ προσιών, τήν τε ἀρχὴν τὴν ἐπικρατοῦσαν ἔτι νῦν, ἐρριζωμένην ὑπ' ἐκείνου, μειζόνως ἐκρατύνατο καὶ τὸν πατέρα τιμῶν ἰσοθέων ἠξίωσεν· […]. Mk 15:42–47; 16.1–8: Καὶ ἤδη ὀψίας γενομένης, ἐπεὶ ἦν παρασκευή, ὅ ἐστιν προσάββατον, ἐλθὼν Ἰωσὴφ [ὁ] ἀπὸ Ἁριμαθαίας εὐσχήμων βουλευτής, ὃς καὶ αὐτὸς ἦν προσδεχόμενος τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ, τολμήσας εἰσῆλθεν πρὸς τὸν Πιλᾶτον καὶ ᾐτήσατο τὸ σῶμα τοῦ Ἰησοῦ. ὁ δὲ Πιλᾶτος ἐθαύμασεν εἰ ἤδη τέθνηκεν, καὶ προσκαλεσάμενος τὸν κεντυρίωνα ἐπηρώτησεν αὐτὸν εἰ πάλαι ἀπέθανεν· καὶ γνοὺς ἀπὸ τοῦ κεντυρίωνος ἐδωρήσατο τὸ πτῶμα τῷ Ἰωσήφ. καὶ ἀγοράσας σινδόνα καθελὼν αὐτὸν ἐνείλησεν τῇ σινδόνι καὶ ἔθηκεν αὐτὸν ἐν μνημείῳ ὃ ἦν λελατομημένον ἐκ πέτρας, καὶ προσεκύλισεν λίθον ἐπὶ τὴν θύραν τοῦ μνημείου. ἡ δὲ Μαρία ἡ Μαγδαληνὴ καὶ Μαρία ἡ Ἰωσῆτος ἐθεώρουν ποῦ τέθειται. Καὶ διαγενομένου τοῦ σαββάτου Μαρία ἡ Μαγδαληνὴ καὶ Μαρία ἡ Ἰακώβου καὶ Σαλώμη ἠγόρασαν ἀρώματα ἵνα ἐλθοῦσαι ἀλείψωσιν αὐτόν. καὶ λίαν πρωῒ τῇ μιᾷ τῶν σαββάτων ἔρχονται ἐπὶ τὸ μνημεῖον ἀνατείλαντος τοῦ ἡλίου. καὶ ἔλεγον πρὸς ἑαυτάς, Τίς ἀποκυλίσει ἡμῖν τὸν λίθον ἐκ τῆς θύρας τοῦ μνημείου; καὶ ἀναβλέψασαι θεωροῦσιν ὅτι ἀποκεκύλισται ὁ λίθος, ἦν γὰρ μέγας σφόδρα. καὶ εἰσελθοῦσαι εἰς τὸ μνημεῖον εἶδον νεανίσκον καθήμενον ἐν τοῖς δεξιοῖς περιβεβλημένον στολὴν λευκήν, καὶ ἐξεθαμβήθησαν. ὁ δὲ λέγει αὐταῖς, Μὴ ἐκθαμβεῖσθε· Ἰησοῦν ζητεῖτε τὸν Ναζαρηνὸν τὸν ἐσταυρωμένον· ἠγέρθη, οὐκ ἔστιν ὧδε· ἴδε ὁ τόπος ὅπου ἔθηκαν αὐτόν. ἀλλὰ ὑπάγετε εἴπατε τοῖς μαθηταῖς αὐτοῦ καὶ τῷ Πέτρῳ ὅτι Προάγει ὑμᾶς εἰς τὴν Γαλιλαίαν· ἐκεῖ αὐτὸν ὄψεσθε, καθὼς εἶπεν ὑμῖν. καὶ ἐξελθοῦσαι ἔφυγον ἀπὸ τοῦ μνημείου, εἶχεν γὰρ αὐτὰς τρόμος καὶ ἔκστασις· καὶ οὐδενὶ οὐδὲν εἶπαν, ἐφοβοῦντο γάρ. Suet. Jul. 85: cf. Anm. 44. Für Piso, Calpurnias Vater, als den tatsächlichen Beisetzer Caesars cf. die bereits zitierten Stellen des Appian; für Atia als die testamentarisch Mitbeauftragte cf. Nicolaus Damascenus 17.48: ἐπισκήψειε δὲ καὶ Ἀτία τῇ μητρὶ τοῦ παιδὸς τῆς ἑαυτοῦ ταφῆς ἐπιμεληθῆναι. Der kurze Schluss von Markus steht in den Handschriften, die ihn anführen, unmittelbar nach 16:8 und lautet: ΑΛΛΩC Πάντα δὲ τὰ παρηγγελμένα τοῖς περὶ τὸν Πέτρον συντόμως ἐξήγγειλαν. Μετὰ δὲ ταῦτα καὶ αὐτὸς ὁ Ἰησοῦς [εφανη] ἀπὸ ἀνατολῆς καὶ ἄχρι δύσεως ἐξαπέστειλεν δι' αὐτῶν τὸ ἱερὸν καὶ ἄφθαρτον κήρυγμα τῆς αἰωνίου σωτηρίας. ἀμήν.  – Theologen übersetzen etwa so: «Alles Aufgetragene berichteten sie kurz denen um Petrus. Danach sandte auch Jesus selbst vom Aufgang bis zum Untergang durch sie die heilige und unvergängliche Botschaft von der ewigen Rettung / vom ewigen Heil aus.» Diese Textgestaltung und diese Übersetzung machen sprachlich und inhaltlich wenig Sinn, was der Grund sein könnte, warum dieser Passus gerne unterdrückt wird. Sie basieren auf der Annahme, dass u. a. δύσεως «(Sonnen)untergang» bedeutet und nicht etwa eine Form von δύω, «sich begeben», sei (dass εφανη nach ὁ Ἰησοῦς in den meisten Handschriften fehlt und doch manchmal hinzugefügt wurde, müsste eigentlich hellhörig machen), oder dass τὸ ἱερὸν als Adjektiv, «heilig», und nicht als Substantiv, «heiliger Bezirk, Tempel», zu deuten sei. Cf. Plut. Ant. 15; Dio Cass. HR 44.53. Suet. Aug. 95: Post necem Caesaris reuerso ab Apollonia et ingrediente eo urbem repente liquido ac puro sereno circulus ad speciem caelestis arcus orbem solis ambiit […]. Apollonia war ein wichtiger Punkt an der via Egnatia, im Süden Illyriens, heute das Dorf Poian in Albanien. App. BC 2.148.616–7. Cf. Anm. 899. Τὸ ἱερὸν könnte daher nicht nur wegen der Schreibweise einfach für Rom stehen. Mk 13:33–7. Cf. Z ANKER (1990), p. 43, Abb. 25 b; p. 64, Abb. 44 b; p. 219, Abb. 168 b.

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Bei erneuter Durchsicht stellt man das Fehlen ganz weniger Details fest – etwa, dass «Simon von Kyrene» laut Markus «vom Felde kam» und «der Vater von Alexander und Rufus war» (Mk 15:21: Καὶ ἀγγαρεύουσιν παράγοντά τινα Σίμωνα Κυρηναῖον ἐρχόμενον ἀπ' ἀγροῦ, τὸν πατέρα Ἀλεξάνδρου καὶ Ῥούφου, ἵνα ἄρῃ τὸν σταυρὸν αὐτοῦ). Wir haben im Kapitel «Crux» gesehen, dass Simon von Kyrene für Antonius per praeconem, «Antonius durch den Herold», steht. Sueton (Jul. 76) gibt als einen der Gründe, die zu Caesars Ermordung führten, an, dass er wichtige Posten nicht mehr an die römische Nomenklatura, sondern an seine Diener und Freigelassenen vergab, darunter das Kommando der drei Legionen, die er in Alexandria zurückgelassen hatte: «an den in seinem Haus aufgewachsenen Rufio, Sohn eines seiner Freigelassenen»: trium legionum, quas Alexandreae relinquebat, curam et imperium Rufioni liberti sui filio exoleto suo demandauit. Stand in Markus’ Vorlage, dass der Vater des in Alexandria im Felde stehenden Rufio dem Antonius als Herold diente? Suet. Aug. 6: nutrimentorum eius ostenditur adhuc locus in auito suburbano iuxta Velitras permodicus et cellae penuariae instar, tenetque uicinitatem opinio tamquam et natus ibi sit. Suet. Aug. 2 und 4. Suet. Aug. 21.4–5. Bei der Rückgabe der signa sind auf Münzen kniende Parther zu sehen, cf. u. a. B.M.C. 4549, Imp. 40, R.I.C. 122, sowie B.M.C. 4525, Imp. 14, R.I.C. 99; kniender Armenier: B.M.C. 4547, Imp. 43, R.I.C. 119, sowie B.M.C. p. 62 note, Imp. p. 5 note, R.I.C. 103; Standarte darbringender, kniender Gallier: B.M.C. 4678, Imp. 127, R.I.C. 175. Suet. Aug. 94.3. Vell. Pater. HR 2.75: Liuia, nobilissimi et fortissimi uiri Drusi Claudiani filia, genere, probitate, forma Romanarum eminentissima, quam postea coniugem Augusti uidimus, quam transgressi ad deos sacerdotem ac filiam, tum fugiens mox futuri sui Caesaris arma manus bimum hunc Tiberium Caesarem, uindicem Romani imperii futurumque eiusdem Caesaris filium, gestans sinu, per auia itinerum uitatis militum gladiis uno comitante, quo facilius occultaretur fuga, peruenit ad mare et cum uiro Nerone peruecta in Siciliam est. Vell. Pater. HR 2.76: Inuiolatam excedere Italia Caesar passus Fuluiam Plancumque, muliebris fugae comitem. Suet. Tib. 6.1–3; App. BC 5.50.210sq; 52.217; 59.249. Tac. ann. 5.1.1, Suet. Aug. 62.2, Tib. 4.3. Suet. Aug. 94.4. Puer, «Kind, Knabe» wurde Octavian auch spöttisch genannt, cf. Suet. Aug. 12: […] quasi alii se puerum […] iactassent. Suet. Aug. 94.4–5; Lk 2:22–35. Suet. Aug. 94.6–7; Lk 2:41–52. Suet. Aug. 70.1–2; Mk 16:14; Lk 24:30. Suet. Jul. 42.2: neue ii, qui pecuariam facerent, minus tertia parte puberum ingenuorum inter pastores haberent. Caesars Verachtung für die Hirten ist ein auffälliger Leitfaden seiner Schriften: Im Bürgerkrieg wirft er Pompeius wiederholt vor, er würde sogar Hirten rekrutieren. Die Hirten-Sklaven waren nicht nur seit den Sklavenaufständen der Inbegriff des Abscheulichen und der Barbarei, sondern waren für die Ackerbauer, die die Römer waren und noch sein wollten, der Gegner schlechthin – cf. die in Polla, Lucanien gefundene alte akephale Inschrift, CIL 12..638, auf der ein römischer Feldherr, entweder Popilius Laenas, cos. 132 v. Chr. (nach Th. Mommsen) oder (nach A. E. Gordon) Appius Claudius Pulcher, cos. 143 v. Chr., als seine große Tat angibt, der erste gewesen zu sein, der die Hirten vom öffentlichen Ackerland zugunsten der Pflüger weichen ließ: primus fecei ut de agro poplico / aratoribus dederent paastores. Vom Gesichtspunkt der Populares kam noch hinzu, dass die Großgrundbesitzer ihre Latifundien nur durch den Einsatz von Sklaven, durch Aufgabe des Ackerbaus und Hinwendung zur Weidewirtschaft halten konnten. Dadurch wurde aber das Getreide knapp, die Städte waren voller hungernder Proletarier, während die Rekruten für die Armee fehlten, die effektiv nur von freien Bauern gestellt werden konnten: Das Hauptinstrument des Legionärs war der Spaten und nicht der Hirtenstab. Caesars Anlage von Kolonien hatte daher den Zweck, die freien Bauern zu vermehren und die Hirten-Sklaven verschwinden zu lassen – und dadurch das Stadtproletariat zu verringern. Die Bestimmung, dass die Viehzüchter mindestens ein Drittel ihrer Hirten als freie einstellen mussten, machte die Viehzucht finanziell weniger attraktiv und verleitete die freien Hirten dazu, zum Ackerbau überzuwechseln. Denn längerfristig konnte das Weiden nur als Familienunternehmen betrieben werden; vermehrte sich aber die Familie, so musste der knappe Boden intensiver bewirtschaftet, schließlich zum Ackerbau übergewechselt werden; dadurch wurde das Weiden auf die für den Ackerbau völlig ungeeigneten Gebiete eingeschränkt, und selbst dort, auf hügeligem Gelände, durch den Weinanbau ersetzt. Suet. Jul. 43.4.

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Suet. Jul. 42.3. Cf. auch Dio Cass. HR 41.37–38. Suet. Jul. 6: Amitae meae Iuliae maternum genus ab regibus ortum, paternum cum diis immortalibus conjunctum est […]. Cf. Lk 1:28, Vulgata: Maria […] «Ave, gratia plena, Dominus tecum». Nebeneinanderzustellen ist Amitae meae mit Ave Maria; gratia plena mit maternum genus; sowie dominus tecum mit cum diis coniunctum. N. B.: Lukas ist nicht so nahe am Urtext wie sonst Markus. Mt 1:2–17. Lk 6:20–25: Μακάριοι οἱ πτωχοί, ὅτι ὑμετέρα ἐστὶν ἡ βασιλεία τοῦ θεοῦ. μακάριοι οἱ πεινῶντες νῦν, ὅτι χορτασθήσεσθε. μακάριοι οἱ κλαίοντες νῦν, ὅτι γελάσετε. […] Πλὴν οὐαὶ ὑμῖν τοῖς πλουσίοις, ὅτι ἀπέχετε τὴν παράκλησιν ὑμῶν. οὐαὶ ὑμῖν, οἱ ἐμπεπλησμένοι νῦν, ὅτι πεινάσετε. οὐαί, οἱ γελῶντες νῦν, ὅτι πενθήσετε καὶ κλαύσετε. Mt 5:3: Μακάριοι οἱ πτωχοὶ τῷ πνεύματι, ὅτι αὐτῶν ἐστιν ἡ βασιλεία τῶν οὐρανῶν. Mt 12:30; Lk 11:23. Supra. Mk 9:40; Lk 9:50. Supra. Suet. Jul. 47.1: Britanniam petisse spe margaritarum, quarum amplitudinem conferentem interdum sua manu exegisse pondus. Ibidem 50.1–2: pronum et sumptuosum in libidines fuisse constans opinio est, plurimasque et illustres feminas corrupisse, in quibus Postumiam Serui Sulpici[i], Lolliam Auli Gabini, Tertullam Marci Crassi, etiam Cn. Pompei Muciam. […: ausgelassener Passus supra Anm. 892] sed ante alias dilexit Marci Bruti matrem Seruiliam, cui et proximo suo consulatu sexagiens sestertium margaritam mercatus est […]. Mt 7:6: […] μηδὲ βάλητε τοὺς μαργαρίτας ὑμῶν ἔμπροσθεν τῶν χοίρων, μήποτε καταπατήσουσιν αὐτοὺς ἐν τοῖς ποσὶν αὐτῶν καὶ στραφέντες ῥήξωσιν ὑμᾶς. Mt 7:1: Μὴ κρίνετε, ἵνα μὴ κριθῆτε· Cf. LÜDERITZ (1984), p. 165–203. Cf. auch CARRIER (2014), p. 507: «[The Gospels] are not seriously researched biographies or historical accounts—and are certainly not eyewitness testimonies or even collected hearsay. Their literary art and structure are simply too sophisticated for that.» Supra, p. 44, Anm. 64. Suet. Jul. 30.4: cf. supra Anm. 681. Cass. Dio HR 43.17.4–5: ὥστε θαρσούντως, ὦ πατέρες, οἰκειωθῶμεν, ἐκλαθόμενοι μὲν πάντων τῶν συμβεβηκότων ὡς καὶ ἀνάγκῃ τινὶ δαιμονίᾳ γεγονότων, ἀρξάμενοι δὲ ἀνυπόπτως ἀλλήλους καθάπερ τινὰς καινοὺς πολίτας φιλεῖν […]. Supra, Anm. 564. Supra, Anm. 711. Supra, Kap. III. «Worte und Wunder». Pauli Orosii Historiae adversum paganos, 6.17.4–10: Percensuit latitudinem regni sui Roma cladibus suis atque in suam conuersa caedem singulas quasque gentes ibidem, ubi domuit, uindicauit. Asiae Europae atque Africae, non dico tribus mundi partibus sed totis trium partium angulis edidit gladiatores suos feriatisque inimicis spectaculum miserae ultionis ingessit. nec tamen sufficit ipsas quoque cum auctoribus causas fuisse consumptas; recidiua semina in eodem agro germinant, magna continuo metentibus malorum incrementa cum magno sudore factura: uictor ciuilis belli a ciuibus Caesar occiditur, in caedem unius trahuntur agmina consciorum. certum enim erat, quia Caesar indigne peremptus plures habere posset ultores; plurimaque nobilitas una simul catena sceleris copulatur, ne forte tanta malorum materia non belli magnitudine suppleatur sed uindictae breuitate tenuetur. Medeam illam fabulae ferunt dentes quondam occisi seuisse serpentis, e quibus quasi conpetens semini seges armati homines terra emerserint seseque mox inuicem pugnando prostrauerint. equidem hoc poetarum commenta finxerunt; nostra autem Roma Caesare occiso quanta de cineribus eius agmina armata parturiit! quanta bella in testimonium miserae fecunditatis non legenda pueris sed spectanda populis excitauit! et tamen horum omnium malorum initium superbia est: inde exarserunt bella ciuilia, inde iterum pullularunt. non ergo iniusta caedes est eorum, qui eam iniuste consectantur, si ambitionis aemulatio per ipsos atque in ipsis et agitur et punitur, donec qui detrectauere collegium, discant ferre dominatum, summaque imperii totius ad unum redacta longe aliud omnes homines uiuendi genus subeant, ut omnes humiliter placere studeant, non insolenter offendere. sed ad tam salubrem humilitatis doctrinam magistro opus est. itaque opportune conpositis rebus Augusti Caesaris natus est Dominus Christus, qui cum in forma Dei esset, formam serui humiliter adsumpsit, ut tunc demum aptior fieret humilitatis institutio, quando iam per totum mundum poena superbiae omnibus esset exemplo. Über den Tod des Decimus [Iunius Brutus] berichtet Appian am Ende vom 3. Buch seiner Geschichte der römischen Bürgerkriege (BC 3.98), über die den Proskriptionen vorausgehende Bildung des Triumvirats unmittelbar danach am Anfang von Buch 4 (BC 4.2). Ähnlich Cassius Dio in seiner römischen Geschichte, beides hintereinander am Ende von Buch 46, jeweils HR 46.53 und 46.55. Für

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die Verarbeitung der Proskriptionen als Greuel der Verwüstung in Mk 13, vide supra: «Adventus Caesaris : Vom Kommen Christi». Mt 27:5: καὶ ῥίψας τὰ ἀργύρια εἰς τὸν ναὸν ἀνεχώρησεν, καὶ ἀπελθὼν ἀπήγξατο. Act 1:18: καὶ πρηνὴς γενόμενος ἐλάκησεν μέσος, καὶ ἐξεχύθη πάντα τὰ σπλάγχνα αὐτοῦ. App. BC 3.98: Ἁλοὺς δὲ ὑπὸ λῃστῶν καὶ δεθείς, ἤρετο μὲν ὅτου Κελτῶν δυνάστου τὸ ἔθνος εἴη, μαθὼν δ' ὅτι Καμίλου, πολλὰ πεποιηκὼς εὖ τὸν Κάμιλον, ἄγειν αὑτὸν αὐτοῖς ἐς τὸν Κάμιλον ἐκέλευεν. ὁ δὲ ἀχθέντα ἰδὼν ἐφιλοφρονεῖτο μὲν ἐς τὸ φανερὸν καὶ τοῖς δήσασιν ἐπεμέμφετο ὑπ' ἀγνοίας ἐνυβρίσασιν ἀνδρὶ τοσῷδε, κρύφα δ' ἐπέστελλεν Ἀντωνίῳ. καὶ ὁ Ἀντώνιός τι παθὼν ἐπὶ τῇ μεταβολῇ οὐχ ὑπέστη τὸν ἄνδρα ἰδεῖν, ἀλλ' ἐκέλευσε τῷ Καμίλῳ κτείναντα τὴν κεφαλὴν ἐς αὑτὸν ἐκπέμψαι· καὶ τὴν κεφαλὴν ἰδὼν ἐκέλευσε τοῖς παροῦσι θάψαι. τοῦτο Δέκμῳ τέλος ἦν, ἱππάρχῃ τε Καίσαρος γενομένῳ καὶ ἄρξαντι τῆς παλαιᾶς Κελτικῆς ὑπ' ἐκείνῳ καὶ ἐς τὸ μέλλον ἔτος ὑπατεύειν ὑπ' αὐτοῦ κεχειροτονημένῳ καὶ τῆς ἑτέρας Κελτικῆς ἄρχειν. Vell. 2.64.1–2: D. Brutus, desertus primo a Planco, postea etiam insidiis eiusdem petitus, paulatim relinquente eum exercitu fugiens in hospitis cuiusdam nobilis uiri, nomine Cameli, domo ab his quos miserat Antonius iugulatus est, iustissimasque optime de se merito uiro C. Caesari poenas dedit. Cuius cum primus omnium amicorum fuisset, interfector fuit et fortunae, ex qua fructum tulerat, inuidiam in auctorem relegabat censebatque aequum quae acceperat a Caesare retinere, Caesarem qui illa dederat perisse. Liv. Epit. 120: Dec. Brutus, cui senatus, ut persequeretur Antonium, mandaverat, relictus a legionibus suis profugisset, caesus iussu Antoni, in cuius potestatem venerat, a Capeno Sequano [interfectus est]. Oros. Hist. adv. pag.: 6.18.7: postea D. Brutus in Gallia a Sequanis captus et occisus est. Der Sequaner, in dessen Hand der aus Mutina fliehende Decimus Brutus fiel, und der ihn auf Befehl des Antonius hinrichten ließ, heißt bei Velleius Paterculus Camelus (2.64.1), und bei Appian Kamilos (BC 3.98), während Capenus sich als varia lectio bei Livius findet (Epit. 120); Zitate supra Anm. 947; für mögliche sprachliche Übergänge cf. supra, Anm. 162. Val. Max. IX.13.3: Quid, Brutus exiguom et infelix momentum uitae quanto dedecore emit! qui a Furio, quem ad eum occidendum Antonius miserat, conprehensus, non solum ceruicem gladio subtraxit, sed etiam constantius eam praebere admonitus ipsis his uerbis iurauit: 'ita uiuam, dabo'. L. Annaeus Seneca iunior, Epist. 82.12: mors enim illa quae in Catone gloriosa est in Bruto statim turpis est et erubescenda. Hic est enim Brutus qui, cum periturus mortis moras quaereret, ad exonerandum ventrem secessit et evocatus ad mortem iussusque praebere cervicem, 'praebebo', inquit 'ita vivam'. Cass. Dio HR 46.53.3–54.1: συνελήφθη τε μονωθεὶς ὑπ' ἐχθροῦ τινος, καὶ μέλλων σφαγήσεσθαι ἐδεινοπάθει καὶ ὠδύρετο, μέχρις οὗ Ἕλουιός τις Βλασίων, εὐνοϊκῶς οἱ ἐκ συστρατείας ἔχων, ἑαυτὸν ἑκὼν ὁρῶντος αὐτοῦ προαπέκτεινε. καὶ ὁ μὲν οὕτως ἐπαπέθανεν […]. Plut. Caes. 69.13sq: […] ἀλλὰ συνεὶς ὁ Βροῦτος τὸ πεπρωμένον, ἔρριψε φέρων ἑαυτὸν εἰς τὸν κίνδυνον. Οὐ μὴν ἔπεσεν ἀγωνιζόμενος, ἀλλὰ τῆς τροπῆς γενομένης ἀναφυγὼν πρός τι κρημνῶδες, καὶ τῷ ξίφει γυμνῷ προσβαλὼν τὸ στέρνον, ἅμα καὶ φίλου τινὸς ὥς φασι συνεπιρρώσαντος τὴν πληγήν, ἀπέθανεν. App. BC 4.1: Δύο μὲν δὴ Γαΐου Καίσαρος φονεῖς οὕτω δίκην, ἐν ταῖς σφετέραις αὐτῶν στρατηγίαις ἐκπολεμηθέντες, ἐδεδώκεσαν, Τρεβώνιος ἐν τῇ Ἀσίᾳ καὶ Δέκμος ἐν τῇ Κελτικῇ· Act 1:15–19: Καὶ ἐν ταῖς ἡμέραις ταύταις ἀναστὰς Πέτρος ἐν μέσῳ τῶν ἀδελφῶν εἶπεν (ἦν τε ὄχλος ὀνομάτων ἐπὶ τὸ αὐτὸ ὡς ἑκατὸν εἴκοσι), Ἄνδρες ἀδελφοί, ἔδει πληρωθῆναι τὴν γραφὴν ἣν προεῖπεν τὸ πνεῦμα τὸ ἅγιον διὰ στόματος Δαυὶδ περὶ Ἰούδα τοῦ γενομένου ὁδηγοῦ τοῖς συλλαβοῦσιν Ἰησοῦν, ὅτι κατηριθμημένος ἦν ἐν ἡμῖν καὶ ἔλαχεν τὸν κλῆρον τῆς διακονίας ταύτης. Οὗτος μὲν οὖν ἐκτήσατο χωρίον ἐκ μισθοῦ τῆς ἀδικίας, καὶ πρηνὴς γενόμενος ἐλάκησεν μέσος, καὶ ἐξεχύθη πάντα τὰ σπλάγχνα αὐτοῦ. καὶ γνωστὸν ἐγένετο πᾶσι τοῖς κατοικοῦσιν Ἰερουσαλήμ, ὥστε κληθῆναι τὸ χωρίον ἐκεῖνο τῇ [ἰδίᾳ] διαλέκτῳ αὐτῶν Ἀκελδαμάχ, τοῦτ' ἔστιν, Χωρίον Αἵματος. Bereichernd waren die inzwischen erschienenen Publikationen von HENDRIKS (2008) und EICKENBERG (2015).