Tücken und Fallen im Garten - Schweizer Tierschutz STS

Tücken und Fallen im Garten - Schweizer Tierschutz STS

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Tücken und Fallen im Garten

Schächte und Kellertreppen Lichtschächte von Kellerfenstern sind bekannte und häufige Todesfallen. Kleintiere wie Mäuse, Spitzmäuse, Kröten, Frösche oder Molche, aber auch zahlreiche Käfer und andere Insekten oder Schnecken fallen auf ihren Streifzügen, auf der Wanderung oder der Futtersuche in die Licht- oder Lüftungsschächte. Die senkrechten, glatten Wände sind für die Tiere unbezwingbar, sie bleiben für immer gefangen und verdursten oder verhungern elendiglich. Lassen Sie beim Bau die Schächte mindestens 15 cm den Boden überragen. Decken Sie den Schacht wenn möglich ab oder befestigen Sie auf dem Schachtgitter ein feinmaschiges Metallnetz ein. Das Netz können Sie ab und zu einfach reinigen. Je feiner das Netz, desto weniger Tiere fallen hinein. Wählen Sie deshalb maximal 5 mm Maschenweite. Sie können die Schächte zusätzlich mit Laub und Rindenstücken als Versteckmöglichkeiten und Verdunstungsschutz ausstatten. Und vergessen Sie nicht regelmässig zu kontrollieren, ob sich Tiere im Schacht befinden. Kellertreppen wirken wie Lichtschächte. Kontrollieren Sie auch diese regelmässig. Um die Höhe der Stufen zu verringern, können Sie in jede Stufenecke einen Ziegelstein hinlegen oder die Treppe mit einer Ausstiegsrampe versehen.

PETER SCHLUP

Ein Garten mit seinen vielfältigen kultivierten und wilden Pflanzen, ist nicht nur für uns Menschen eine Bereicherung – auch Tiere haben hier ihren Platz. Je naturnaher der Garten gestaltet ist, desto mehr einheimische Wildtiere fühlen sich dort wohl. Einige sind gern gesehene Gäste und erfreuen die Gärtnerin oder den Gärtner, mit anderen tun wir uns eher schwer. Vor allem dann, wenn sie die gehegten Salate, Gemüse und Beeren auf ihrer eigenen Speisekarte haben. Gegen ungebetene Gäste wie Wühlmäuse, Schnecken, Kohlweisslingraupen und wie sie alle heissen, gibt es allerdings tierfreundliche und umweltschonende Abwehrmassnahmen. Und seien wir uns bewusst: Unser Garten soll in erster Linie Freude bereiten. Der Einsatz von Giften schadet den Tieren und der Umwelt. Es gibt heute schonende oder natürliche Möglichkeiten, unsere Kulturen vor ungebetenen Tieren zu schützen. Gefährdete Kulturen können zum Beispiel mit Schneckenzäunen oder Kulturschutznetzen vor ungebetenen Tieren geschützt werden. Tipp zum Vertreiben von Wühlmäusen: Graben Sie ein leere Weinflasche senkrecht in den Boden und lassen Sie diese ca. 10 cm aus dem Boden ragen. Häufig befinden sich aber um unser Haus Einrichtungen, die Wild- und Heimtieren zum Verhängnis werden können. Es gibt eine ganze Anzahl von Fallen und tückischen Situationen, die wir unbewusst in unserem Garten schaffen. Wenn Tiere in solche Fallen geraten, endet dies oft mit qualvollen Todeskämpfen. Meist können diese Situationen und Einrichtungen mit sehr wenig Aufwand vermieden oder entschärft werden. Mit etwas Rücksicht und Umsicht ersparen wir so manchem Wildund Heimtier unnötiges Leid.

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PETER SCHLUP

Schwimmbäder und Teiche Leere Schwimmbäder sind für Tiere Fallgruben aus denen sie nicht entkommen können. Gefüllte Schwimmbäder sind Todesfallen für Igel, Mäuse, Marder, Katzen oder seltener auch für Vögel. Obwohl praktisch alle Tiere schwimmen können, ist es ihnen nicht möglich, über den hohen Rand zu klettern und an Land zu kommen. Sie ertrinken nach erschöpfendem Schwimmen. Dasselbe gilt für Gartenteiche mit Steilufern. Vor allem Gartenplatten, die das Ufer zum Wasser hin überragen, verunmöglichen jegliches Aussteigen. Decken Sie leere Schwimmbäder daher gut ab (gilt zugleich als Unfallschutz für Kinder). Gefüllte Schwimmbäder und steilufrige Gartenteiche versehen Sie am Besten mit einer Ausstiegsrampe. Als Rampe dient ein Holzbrett, das vom Ufer bis ins Wasser ragt und mit Querleisten versehen ist. Achten Sie darauf, dass das Brett gut befestigt ist. Bauen Sie bei einem neuen Swimmingpool einen überstehenden, erhöhten Rand gegen aussen als Übersteigungsschutz. Auf diese Art wird die Gefahr stark vermindert, dass Tiere (v.a. Igel, Mäuse, Spitzmäuse, Amphibien) ins Wasser gelangen. Konstruieren Sie Gartenteiche so, dass mindestens ein Ufer flach ausläuft.

PRO IGEL

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Regenfässer, Brunnen Auch offene Regenfässer oder Brunnen können für Vögel (v. a. Jungvögel) fatale Folgen haben. Wenn sie sich auf den Rand setzen oder Wasser trinken, fallen die noch nicht so agilen Tiere schon mal ins Wasser. Ist keine Ausstiegsmöglichkeit vorhanden, müssen sie elend ertrinken. Eine Abdeckung mit grobem Drahtgeflecht verhindert das Unheil. In Brunnen können Sie eine Ausstiegsrampe anbringen (siehe Schwimmbäder).

In grobmaschigen Netzen bei Reben, Obstbäumen und Gemüsebeeten können sich Vögel oder Igel so verfangen, dass sie sich nicht mehr befreien können. Ein Verhungern oder ein qualvolles Sterben an der Sonne ist die unausweichliche Folge. Wenn die Netze unten offen sind, fliegen Vögel hinein und finden nicht mehr heraus. Um dies zu verhindern, setzen Sie Netze nur dort ein, wo sie absolut nötig sind. Verwenden Sie möglichst engmaschige Netze und spannen Sie diese gut. Der Mindestabstand vom Boden sollte 40 cm betragen, binden Sie das Netz unten zusammen oder schliessen den untersten Bereich mit Stoff ab. Lassen Sie niemals Netze im Garten liegen, darin können sich Tiere leicht verfangen.

PETER SCHLUP

Netze

Kippfenster In erster Linie sind Kippfenster für Katzen eine Falle. Wenn sie durch solche Fenster ein- oder aussteigen und dabei ausrutschen, können sie sich einklemmen. Ein Gitter vor dem Fenster schafft Abhilfe.

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Mähen Bei vielen Gartenarbeiten sind kleinere Tiere gefährdet. Mit etwas Umsicht können sie verschont werden. Lassen Sie das Gras unter Büschen stehen oder suchen Sie unübersichtliche Stellen vorher gründlich ab und mähen erst dann vorsichtig! Dort ruhen und schlafen tagsüber Igel, Frösche, Kröten und andere Tiere. Vor allem die Faden- oder Tellersensen haben fatale Folgen – tödliche Verletzungen oder Verstümmelungen sind nicht selten. Verzichten Sie auf den Einsatz von diesen Geräten, viel tierschonender ist das Mähen von Hand. Falls sich im Garten ein Teich mit Amphibien befindet, unterlassen Sie das Mähen während der Ausstiegszeit der Jungtiere. Diese winzigen Tiere verlassen die Teiche an wenigen Tagen im Juni/Juli. Wenn Sie Ihren Teich gut beobachten, können Sie feststellen, wann dies der Fall ist.

Kompost- und Reisighaufen Reisig- und Laubhaufen sind ideale Unterschlupfe und Überwinterungsplätze für Igel, Spitzmäuse, Amphibien und Blindschleichen und eine riesige Anzahl von nützlichen Insekten. Lassen Sie deshalb in Ihrem Garten solche Haufen möglichst liegen und verbrennen Sie das Material auf keinen Fall. Auch in Komposthaufen hausen eine grosse Anzahl Tiere. Gehen Sie beim Umschichten von Kompost-, Laub- oder Reisighaufen sehr vorsichtig vor und nehmen Sie diese Arbeit möglichst erst im April/Mai vor. Denn Igel erwachen oft erst in dieser Zeit.

Glasscheiben Scheiben von Wintergärten und Balkonen sowie grossflächige Fenster erkennen Vögel oft nicht oder wollen darin gespiegelte Büsche und Bäume anfliegen. Eine Kollision mit einer Glasscheibe endet für Vögel meist tödlich. Verwenden Sie bei Neubauten undurchsichtiges oder strukturiertes Glas. Bestehende Scheiben können Sie mit senkrechten Streifen markieren (Abstand 10 cm, 2 cm breit), verzieren (von Kindern mit Fingerfarbe bemalen lassen) oder auf der Innenseite Vorhänge anbringen. Die schwarzen Vogelsilhouetten nützen relativ wenig.

Hilfreiche Adressen • www.bauen-tiere.ch: Internetseite mit sehr guten Informationen zu Tieren und Bau. Mit Tipps, wie Fallen für einzelne Tierarten vermieden werden können. • www.schneckenzaun.ch: Hersteller von Schneckenzäunen und anderem hilfreichem Gartenmaterial. Thomas Pfau, Juchstrasse 27, 5436 Würenlos, Tel. 056 424 19 14, Fax 056 424 39 14 • www.biocontrol.ch: Natürliche und tierschonende Abwehrmöglichkeiten, umfangreiches Angebot – Gratisbroschüre anfordern. Andermatt Biocontrol AG, 6146 Grossdietwil, Tel. 062 917 50 05, Fax 062 917 50 01, [email protected]

Herausgeber und weitere Auskünfte: Schweizer Tierschutz STS, Fachstelle Wildtiere, Dornacherstrasse 101, Postfach, 4018 Basel, Tel. 061 365 99 99, Fax 061 365 99 90, Postkonto 40-33680-3, [email protected], www.tierschutz.com

12/2013

Dieses und weitere Merkblätter stehen unter www.tierschutz.com/publikationen zum Download bereit.

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