tauschintervalle bei weichen Kontaktlinsen - Johnson Johnson

tauschintervalle bei weichen Kontaktlinsen - Johnson Johnson

die Kontaktlinse 04/2011, S. 23, 10.08.2011, 13:28, FLEC FACHTHEMEN Überblick über unterschiedlich lange Austauschintervalle bei weichen Kontaktlins...

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die Kontaktlinse 04/2011, S. 23, 10.08.2011, 13:28, FLEC

FACHTHEMEN

Überblick über unterschiedlich lange Austauschintervalle bei weichen Kontaktlinsen Anna Sulley, Sheila Hickson-Curran

Über das optimale Austauschintervall für weiche Kontaktlinsen wird bereits diskutiert, seit vor mittlerweile fast 50 Jahren die ersten Hydrogellinsen auf den Markt gekommen sind. Anna Sulley und Sheila Hickson-Curran beleuchten den Hintergrund dieser Debatte und gehen auf die jüngsten Forschungsergebnisse ein.

Als Professor Otto Wichterle mit Hilfe eines Meccano-Bausatzes und des Dynamos vom Fahrrad seines Sohnes 1961 die ersten tragbaren weichen Kontaktlinsen herstellte, hatte er sich bereits Gedanken über ihre Haltbarkeit und das Austauschintervall gemacht. Auf die Frage, was man mit schmutzigen Kontaktlinsen machen sollte, antwortete Wichterle einfach: „Wegwerfen!“1 Zwischen Wichterles bahnbrechender Erfindung vor 50 Jahren und den weichen Kontaktlinsen von heute liegen produktions- und materialtechnisch Welten, aber das optimale Austauschintervall sorgt noch immer für Diskussionen. Die ersten weichen Kontaktlinsen wurden nur ausgetauscht, wenn sie beschädigt waren, verloren gingen oder unbrauchbar waren, da kein Tragekomfort mehr gegeben war beziehungsweise der Visus sich verschlechtert hatte. Je nach Kontaktlinsenträger, Desinfektionssystem und Kontaktlinsenmaterial konnten die Austauschintervalle zwei bis drei Jahre betragen. Als die Verbreitung weicher Kontaktlinsen stieg, führten einige Kontaktlinsenanpasser jedoch eigene Austauschempfehlungen ein, die auf ihren klinischen Erfahrungen mit der Lebensdauer von Kontaktlinsen basierten.1 Die Produktkategorie „weiche Kontaktlinsen zum planmäßigen beziehungsweise häufigen Austausch“ tauchte 1985 in Form der Drei-Monats-Kontaktlinse erstmals auf. 1988, als ACUVUE® in Großbritannien als Kontaktlinse zum wöchentlichen Austausch 1

Erstveröffentlichung im Optician vom 4.2.2011 Clinical Affairs Managerin Johnson & Johnson Vision Care, Inc. Europa, Naher Osten und Afrika 3 Clinical Affairs Managerin Johnson & Johnson Vision, Inc. USA 2

auf den Markt kam, setzte sich umgangssprachlich der Begriff „Wegwerflinsen“ für diesen Kontaktlinsentyp durch. Ende der 1980er-Jahre kamen weitere Kontaktlinsen zum wöchentlichen beziehungsweise zweiwöchentlichen Austausch zum Tagestragen oder verlängerten Tragen auf den Markt. Als Kontaktlinsen mit unterschiedlichen Austauschintervallen verfügbar waren, befasste sich die Forschung mit deren relativen Vorteilen aus klinischer Sicht. Die Belege in der Literatur für die Vorteile des häufigen Austauschs und einmaligen Gebrauchs gegenüber dem ungeplanten Austausch sind zahlreich. Sie beziehen sich hauptsächlich auf Ablagerungen an der Kontaktlinse und deren Einfluss auf die klinische Leistung. Einige frühe Studien zeigten, dass es aus klinischer Sicht vorteilhaft ist, Kontaktlinsen mindestens monatlich auszutauschen. Bei Hydrogellinsen mit hohem Wassergehalt bleibt die Benetzbarkeit der Kontaktlinsenvorderfläche besser erhalten und es kommt zu weniger Ablagerungen, wenn die Kontaktlinsen monatlich anstatt nur alle drei Monate ausgetauscht werden.2 Der monatliche oder noch häufigere Austausch der Kontaktlinsen erhält die Leistung über die gesamte Tragezeit aufrecht. Eine Verlängerung des Austauschintervalls auf drei Monate führt hingegen zu einem signifikanten Leistungsabfall.3 Auch andere Studien belegen, dass aus klinischen Gründen Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch jenen zum monatlichen Austausch vorzuziehen sind. Bereits 1980 wurde angedeutet, dass man dazu beitragen könnte, Ablagerungen, die den Tragekomfort der Kontaktlinsen beeinträchtigen, zu minimieren: Indem man die Kontaktlinsen wöchentlich oder alle zwei Wochen entsorgt.4 Später wurde festgestellt, dass

sich Protein- und Lipidablagerungen auf Kontaktlinsen der Gruppe II im Laufe einer vierwöchigen Tragezeit immer mehr ansammeln.5 Bei einer Untersuchung mit über 1.000 Trägern weicher Kontaktlinsen wurden bei Kontaktlinsen mit zweiwöchentlichen Austauschintervall weniger Trockenheitssymptome und Mängel beim Tragekomfort am Ende des Tages festgestellt als bei Kontaktlinsen mit einem Austauschintervall von vier Wochen.6 Der Tragekomfort zum Zeitpunkt des Austausches war bei Ein-Tages-Kontaktlinsen und Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch gleich gut und in beiden Fällen signifikant besser als bei Kontaktlinsen zum monatlichen Austausch. Andere Autoren belegten, dass Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch in Verbindung mit einer Mehrzwecklösung den Patienten beziehungsweise Kunden mehr Tragekomfort und Zufriedenheit bieten als MonatsaustauschKontaktlinsen.7 Die Austauschhäufigkeit scheint auch ein Faktor für die Entstehung papillärer Veränderungen zu sein. Träger von Hydrogellinsen mit einem Austauschzyklus von einem Tag bis zu drei Wochen wiesen ein signifikant geringeres Risiko auf, an gigantopapillärer Konjunktivitis zu erkranken als jene, die ihre Kontaktlinsen in längeren Abständen austauschten.8 Dass beim Austauschintervall weicher Kontaktlinsen der Grundsatz „je frischer desto besser“ gilt, war also bereits in den Anfangstagen der Kontaktlinsen mit planmäßigem Austausch bekannt. Abgesehen von einigen Speziallinsen, die noch längere Austauschintervalle hatten, wurden am häufigsten Hydrogellinsen zum monatlichen oder noch häufigeren Austausch angepasst.

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FACHTHEMEN Das Debüt der Ein-TagesKontaktlinsen 1995 wurde mit der Einführung der ersten Ein-Tages-Kontaktlinse die Einfachheit und der praktische Nutzen des Kontaktlinsentragens erstmals ohne Reinigung und Desinfektion angeboten. Dies führte zu Vergleichen mit der klinischen Leistung anderer Tragemodalitäten. Bei der Umstellung von Trägern konventioneller Kontaktlinsen auf Ein-Tages-Kontaktlinsen verbesserten sich die Werte in den Bereichen Visus, Tragekomfort, Spaltlampenbefund und Gesamtzufriedenheit.9 Die Häufigkeit von Corneaerkrankungen war bei täglich ausgetauschten Kontaktlinsen geringer als bei anderen Kontaktlinsentypen, einschließlich formstabiler sauerstoffdurchlässiger Kontaktlinsen.10 Ein-Tages-Kontaktlinsen hatten erwiesenermaßen die geringste Komplikationshäufigkeit aller weichen Kontaktlinsen auf Tagestragebasis. Die Komplikationshäufigkeit stieg mit der Länge des Austauschintervalls.11,12 In jüngerer Zeit wurde die relative Häufigkeit ernster Erkrankungen bei verschiedenen Austausch-Modalitäten näher erforscht. Eine britische Studie, die in Manchester durchgeführt wurde, zeigte, dass die Träger von Ein-Tages-Kontaktlinsen von allen weichen Kontaktlinsentypen die geringste Häufigkeit an nicht schwerer Keratitis aufwiesen.13 Andere Studien, durchgeführt von Stapleton und Dart14,15, zeigten kein geringeres Risiko für mikrobielle Keratitis (MK) als bei anderen weichen Kontaktlinsen zum Tagestragen. Von den Trägern von Ein-Tages-Kontaktlinsen, die an mikrobieller Keratitis litten, gab jedoch etwa die Hälfte (52 Prozent) an, die Kontaktlinsen zumindest gelegentlich über Nacht getragen zu haben.14 Das stellt einen wesentlichen Risikofaktor für mikrobielle Keratitis dar. Es scheint auch ein Zusammenhang zwischen der Tragemodalität Ein-Tages-Kontaktlinsen und dem geringsten Risiko für schwere mikrobielle Keratitis zu bestehen. Hierbei zeigten sich jedoch Unterschiede im relativen Risiko zwischen den einzelnen Marken.15 Aus klinischer Sicht stützen mithin zahlreiche Studien die Behauptung, dass beim Austausch weicher Kontaktlinsen gilt: „Je frischer desto besser“. Eine Studie befasste sich mit den Auswirkungen eines mehrmals täglichen Austausches von Hydrogellinsen auf den Tragekomfort. Obwohl der Austausch der Kontaktlinsen mitten am Tag dank der neuen Kontaktlinsen anfänglich zu einer Verbesserung des Tragekomforts führte, zeigten sich beim Tragekomfort am Ende des Tages keine Unterschiede.16 In den 1990er Jahren wurden zahlreiche

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Wie oft sollten Fehlsichtige ihre Kontaktlinsen austauschen?

groß angelegte Vergleichsstudien zur klinischen Leistung von Hydrogellinsen mit unterschiedlicher Austauschhäufigkeit durchgeführt. Im Laufe des letzten Jahrzehnts sind nicht nur neue Designs entstanden, um einer größeren Bandbreite an Fehlsichtigen eine Korrekturmöglichkeit zu bieten, sondern Silikon-Hydrogellinsen haben auch auf den meisten Märkten Hydrogel als Material der ersten Wahl abgelöst. Daher haben weitere Studien mit den derzeit erhältlichen Kontaktlinsen die Argumente für und wider bestimmte Austauschintervalle näher beleuchtet. Das Aufkommen der Silikon-Hydrogellinsen Die Einführung der ersten Silikon-Hydrogellinsen 1999 war ein großer Fortschritt in der Kontaktlinsentechnologie. Die klinische Leistung der Silikon-Hydrogellinsen der ersten Generation und die zögerliche Annahme des verlängerten Tragens seitens der Kontaktlinsenanpasser führten jedoch dazu, dass sie sich relativ langsam durchsetzten. Heutzutage sind Silikon-Hydrogele in Großbritannien die am häufigsten angepassten Kontaktlinsenmaterialien. Sie werden bei der Hälfte aller Neuanpassungen und zwei Drittel aller Umsteiger von anderen Kontaktlinsentypen verwendet.17 Nur ein geringer Prozentsatz der angepassten Kontaktlinsen (fünf Prozent) ist zum verlängerten Tragen gedacht. Dank immer mehr Optionen sorgt das Thema des optimalen Austauschintervalls bei weichen Kontaktlinsen immer wieder für Diskussionen. Für die Silikon-Hydrogellinsen der ersten Generation wurde ein monatlicher Austausch und bis zu 30 Nächte dauerhaftes Tragen empfohlen. Die Option der Silikon-Hydrogellinsen zum zweiwöchentlichen Austausch ergab sich 2004 mit ACUVUE® ADVANCE® mit HYDRACLEAR®. Im darauffolgenden Jahr erschien mit

ACUVUE® OASYS® mit HYDRACLEAR® Plus die erste Silikon-Hydrogellinse einer neuen Generation mit niedrigem Elastizitätsmodulus und Reibungskoeffizient, für deren Benetzbarkeit keine Oberflächenbeschichtung erforderlich ist. 2008 kam dann die erste Ein-Tages-SilikonHydrogellinse 1-DAY ACUVUE® TruEye™ auf den Markt. Seitdem sind Silikon-Hydrogellinsen in den drei häufigsten Austauschintervallen erhältlich. Fast alle (99 Prozent) heute in Großbritannien neu angepassten Kontaktlinsen sind zum monatlichen oder noch häufigeren Austausch und fast die Hälfte (45 Prozent) sind Ein-Tages-Kontaktlinsen.17 Die Austauschhäufigkeit von Kontaktlinsen variiert zwischen einzelnen Märkten weiterhin stark.18 So werden z. B. in Kroatien nur bei sechs Prozent der Anpassungen Ein-Tages-Kontaktlinsen angepasst, während der Anteil in Hong Kong bei 75 Prozent liegt. Nordamerika liegt hingegen bei der Anpassung von Ein-Tages-Kontaktlinsen unter dem weltweiten Durchschnitt (30 Prozent). Die USA und Japan weisen die höchste Marktdurchdringung mit Kontaktlinsen auf (16 beziehungsweise 22 Prozent).19 Dort ist der zweiwöchentliche Austausch die am häufigsten angepasste Modalität bei wiederverwendbaren Kontaktlinsen.20 Mehrere Studien haben sich mit dem Einfluss der Austauschhäufigkeit auf die Leistung moderner Kontaktlinsen befasst. 2007 wurden bei einer Untersuchung zu weichen Monatsaustausch-Kontaktlinsen Träger nach ihrer Meinung zur Leistung ihrer aktuellen Kontaktlinsen befragt.21 Hierbei handelte es sich um Träger verschiedener Marken von Monatsaustausch-Kontaktlinsen (sowohl traditioneller Hydrogel- als auch Silikon-Hydrogellinsen). Über zwei Drittel der Träger von Monatsaustausch-Kontaktlinsen (68 Prozent) stellten im

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Laufe des Monats eine Abnahme des Tragekomforts fest. Dieses Gefühl trat bei Trägern von Hydrogel- und von Silikon-Hydrogellinsen fast gleich häufig auf. Die Unterschiede zwischen beiden Kontaktlinsentypen waren nicht signifikant. Auf die Frage, in welcher Woche des Monats sie üblicherweise bemerkten, dass der Tragekomfort ihrer Kontaktlinsen mangelhaft wurde, gaben 95 Prozent an „in der dritten und vierten Woche“. Träger von Silikon-Hydrogellinsen zum monatlichen Austausch, die mangelhaften Tragekomfort feststellten, tendierten dazu, diesen früher zu bemerken als Hydrogellinsen-Träger. Bei über der Hälfte der Kontaktlinsenträger verschlechterte sich im Laufe eines Monats Tragezeit auch die subjektive Wahrnehmung des Visus und der Augengesundheit. Knapp zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) hatten den Eindruck, am Ende des Monats im Vergleich zum ersten Tag mit den neuen Kontaktlinsen schlechter zu sehen und knapp über die Hälfte der Befragten (53 Prozent) hatten das Gefühl, die Kontaktlinsen seien weniger gesund für ihre Augen. Diese Wahrnehmungen gelten sowohl für Silikon-Hydrogel- als auch für Hydrogellinsen-Träger. Es gab auch Hinweise darauf, dass einige Träger von Monatsaustausch-Kontaktlinsen diese ungeachtet der Austauschmodalität häufiger als einmal im Monat austauschten, um den Tragekomfort aufrechtzuerhalten. Etwa jeder Dritte (34 Prozent) hatte das Gefühl, er müsse sie wegen des mangelnden Tragekomforts vor Monatsende austauschen. Das betraf sowohl Hydrogel- als auch Silikon-Hydrogelinsen-Träger. Andere Autoren haben eine Abnahme der Kontaktlinsenleistung bei steigendem Alter der Kontaktlinse festgestellt. Bei einer aktuellen Studie wurden die Trageerfahrungen der Probanden (Tragekomfort, Symptome und komfortable Tragezeit in Stunden) mit zwei verschiedenen Silikon-Hydrogellinsen (ACUVUE® OASYS® mit HYDRACLEAR® Plus zum zweiwöchentlichen Austausch und Air Optix® Aqua zum monatlichen Austausch) verglichen. 22,23 Beide Kontaktlinsen wiesen eine Leistungsabnahme über die empfohlene Tragedauer auf, in einigen Fällen bereits in der ersten Woche. Bei der Kontaktlinse zum zweiwöchentlichen Austausch nahm der Tragekomfort im Laufe der Tragezeit langsam ab (Abb. 1). Bei der Monatsaustausch-Kontaktlinse hingegen fiel der Anteil der mit dem Gesamtkomfort zufriedenen Kontaktlinsenträger in der ersten Woche der Tragezeit stark ab (von 85 auf 60 Prozent). Gleichzeitig stieg der Anteil der Befragten, die mit dem Tragekomfort unzufrieden waren im

Abbildung 1: Zufriedenheit mit dem Gesamttragekomfort im Rahmen einer randomisierten, probandenmaskierten Studie mit Parallelgruppen aus Trägern von Zwei-Wochen- und Monatskontaktlinsen auf Tagestragebasis22 Abbildung 2: Zufriedenheit mit dem Tragekomfort am Ende des Tages im Rahmen einer randomisierten, probandenmaskierten Studie mit Parallelgruppen aus Trägern von ZweiWochen- und Monatskontaktlinsen auf Tagestragebasis22

Laufe der folgenden drei Wochen an (26 Prozent am Ende des einmonatigen Tragezyklus im Vergleich zu 10 Prozent am Ende des zweiwöchigen Tragezyklus). Die Ergebnisse beim Tragekomfort am Ende des Tages (Abb. 2) wiesen eine ähnliche Verteilung auf. Bei den Trägern von Kontaktlinsen zum monatlichen Austausch stieg die Anzahl der Stunden mit mangelndem Tragekomfort im Laufe der vierwöchigen Tragezeit kontinuierlich an (durchschnittliche Zunahme um 2,2 Stunden Tragezeit mit mangelndem Tragekomfort im Laufe des vierwöchigen Lebenszyklus der Kontaktlinse, d. h. ein statistisch signifikanter Unterschied). Die klinische Beurteilung der Ablagerungen, Benetzbarkeit, Corneastippung und Limbusrötung belegt ebenfalls eine Leistungsabnahme im Laufe der Zeit. Das könnte die Reduzierung des Tragekomforts und die Zunahme der Trockenheitssymptome teilweise erklären. Die Forscher haben sich auch mit den Auswirkungen der Austauschhäufigkeit auf geplante und ungeplante Termine von SilikonHydrogellinsen-Trägern bei ihrem Kontaktlinsenanpasser befasst.24 Der durchschnittliche Abstand zwischen den jährlichen Kontrollterminen war bei Trägern von Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen und monatlichen

Austausch gleich. Sie lag bei 13 Monaten. Zu ungeplanten Terminen aufgrund klinischer Beschwerden in Zusammenhang mit ihren Kontaktlinsen erschienen jedoch signifikant mehr Träger von Monatsaustausch-Kontaktlinsen als Träger von Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch (13 zu 8 Prozent, Abb. 3). Die Beschwerden umfassten Reizungen, mangelnden Tragekomfort und verschwommenen Visus. In Bezug auf medizinisch begründete Besuche wurden bei dieser Studie keine Unterschiede festgestellt. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Kontaktlinsenanpasser diese Ergebnisse im Sinne der Patienten- beziehungsweise Kundenzufriedenheit und der Effizienz ihrer Praxis berücksichtigen sollten, wenn sie sich für die optimale Austauschhäufigkeit bei Silikon-Hydrogellinsen entscheiden. Bei einigen Studien mit Trägern weicher Kontaktlinsen (aus Silikon-Hydrogel und Hydrogel) wurden jedoch keine Unterschiede zwischen den Austauschschemata bezüglich sonstiger klinischer Befunde festgestellt. Bei der Studie zu Kontaktlinsen und trockenen Augen25 ergab sich zwischen den verschiedenen Tragemodalitäten kein signifikanter Unterschied in der Häufigkeit kontaktlinsenbedingter Augentrockenheit. In jüngs-

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FACHTHEMEN ter Zeit wurde auch ein Zusammenhang zwischen weiteren Kontaktlinsenfaktoren wie Wassergehalt, Material, Tragedauer und Ablagerungen einerseits und Corneastippung andererseits festgestellt.26

Compliance beim Austauschintervall Wenn „je frischer desto besser“ aus klinischen Gründen Gültigkeit hat, gilt es dann auch für die Compliance der Patienten beziehungsweise Kunden? Es herrscht breiter Konsens darüber, dass die Compliance in der Gruppe der Träger von Ein-Tages-Kontaktlinsen am größten ist, obwohl man sich bei deren Einführung Sorgen gemacht hatte, die Fehlsichtigen könnten sie wiederverwenden. Jones et al6 gehörten zu den ersten, die berichteten, dass die Träger von Ein-TagesKontaktlinsen die vorgeschriebene Tragezeit eher einhalten als Träger von Austauschkontaktlinsen (98 zu 89 Prozent). Die jüngsten Verbraucherbefragungen stützen diese Erkenntnis. In den USA wurden im Rahmen einer Umfrage unter Kontaktlinsenträgern mit empfohlenen Austauschintervallen von bis zu sechs Monaten festgestellt, dass die Compliance bei den Trägern von Ein-Tages-Kontaktlinsen am größten ist. 94 Prozent der Fehlsichtigen, denen gesagt wurde, sie sollten ihre Kontaktlinsen täglich austauschen, hielten sich daran. Weniger als sechs Prozent entsorgten die Kontaktlinsen jeden zweiten Tag und 0,5 Prozent warteten bis zu einer Woche, bevor sie die Kontaktlinsen austauschten.27 Im Rahmen einer Studie stellten Donshik et al.28 eine gute Korrelation zwischen dem vorgeschriebenen und dem vom Kontaktlinsenträger eingehaltenen Austauschintervall fest: Je länger das Austauschintervall, desto seltener wurde das empfohlene Schema befolgt. Morgan29 berichtete von sehr guten Compliance-Werten bei britischen Trägern von EinTages-Kontaktlinsen: Bis zu 97 Prozent der Probanden entsorgten ihre Kontaktlinsen täglich. Im Vergleich dazu entsorgten 81 Prozent

der Träger von Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch und 82 Prozent der Träger von Monatsaustausch-Kontaktlinsen ihre Kontaktlinsen im empfohlenen Zeitraum. Derselbe Autor stellte auch sehr große Unterschiede in der Compliance von Kontaktlinsenträgern aus verschiedenen Ländern fest. Andere Autoren sind der Meinung, dass die Compliance beim Austausch der Kontaktlinsen in Großbritannien bei Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen und vierwöchentlichen Austausch ähnlich ist. Jones et al.6 stellten bei beiden Modalitäten das gleiche Compliance-Niveau (89 Prozent) fest. Das längste Austauschintervall lag bei Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch bei 28 Tagen und bei Kontaktlinsen zum vierwöchentlichen Austausch bei 50 Tagen. Die jüngsten Studien liefern weiteren Stoff für die Compliance-Diskussion. Dumbleton et al. haben eine Reihe von Befragungen in Nordamerika durchgeführt. Hierzu gehören Untersuchungen zur Austauschhäufigkeit von weichen Kontaktlinsen, zur Compliance der Kontaktlinsenträger und -anpasser hinsichtlich der entsprechenden Empfehlungen und zu den Gründen für mangelnde Compliance seitens der Patienten beziehungsweise Kunden. Mit Hilfe von niedergelassenen Kontaktlinsenanpassern in den USA wurde eine Studie mit Trägern von Silikon-Hydrogellinsen und Ein-Tages-Kontaktlinsen durchgeführt. Dabei waren die Kontaktlinsenträger wie folgt verteilt: 16 Prozent Ein-Tages-Kontaktlinsen, 45 Prozent Silikon-Hydrogellinsen zum zweiwöchentlichen Austausch und 39 Prozent Silikon-Hydrogellinsen zum monatlichen Austausch.30 Ein Prozent der Träger von Monatsaustausch-Kontaktlinsen, vier Prozent der Träger von Ein-Tages-Kontaktlinsen und 18 Prozent der Träger von Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch erhielten Anweisungen, die nicht den Empfehlungen des Herstellers zur Austauschhäufigkeit entsprachen. Vier Prozent der Patienten beziehungsweise Kunden gaben an, von ihrem Kontaktlinsenanpasser keine Empfehlung zur Austauschhäufigkeit bekommen zu haben.

Abbildung 3: Prozentsatz der Patienten bzw. Kunden, die zu einem kontaktlinsenbedingten ungeplanten Termin beim Kontaktlinsenspezialisten erscheinen24

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Vier von zehn Fehlsichtigen, die den Fragebogen ausfüllten, überschritten die Herstellerempfehlung zur Austauschhäufigkeit. Auf die Frage, nach wie vielen Tagen beziehungsweise Monaten sie ihre Kontaktlinsen austauschen, antworteten 15 Prozent der Träger von Ein-Tages-Kontaktlinsen, dass sie ihre Kontaktlinsen erst nach über einem Tag austauschen. Hingegen tauschen 29 Prozent der Träger von Kontaktlinsen zum vierwöchentlichen Austausch erst nach über 31 Tagen ihre Kontaktlinsen aus. 59 Prozent der Träger von Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch tauschen ihre Kontaktlinsen wiederum erst nach über 17 Tagen aus. Die am häufigsten genannten Gründe waren: „ich habe vergessen, an welchem Tag ich die Kontaktlinsen austauschen sollte“ (51 Prozent) und „ich wollte Geld sparen“ (26 Prozent). Eine Studie derselben Gruppe in Kanada und den USA kam bei abweichender Verteilung der Probanden zu ähnlichen Ergebnissen.31 Der Prozentsatz mangelnder Compliance bezüglich des Austauschzeitpunktes war bei den Ein-Tages-Kontaktlinsen am niedrigsten, gefolgt von den MonatsaustauschKontaktlinsen (33 Prozent in Kanada, 28 Prozent in den USA) und den Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch (50 Prozent in Kanada, 52 Prozent in den USA). Die jüngsten Erkenntnisse stützen jedoch die Ansicht, dass das Problem der „gedehnten“ Austauschintervalle, bei Trägern von Kontaktlinsen zum monatlichen Austausch schlimmer ist als bei jenen mit zweiwöchentlichem Austauschintervall.32 Unter zufällig ausgewählten US-amerikanischen Verbrauchern wurde eine Online-Umfrage durchgeführt. Die Befragten wussten dabei nicht, dass die Daten für einen Kontaktlinsenhersteller bestimmt waren. Die Ergebnisse zeigten, dass nur 43 Prozent der Fehlsichtigen, denen eine Kontaktlinse zum zweiwöchentlichen Austausch angepasst wurde und nur 36 Prozent derer, die Monatsaustausch-Kontaktlinsen trugen, das vorgeschriebene Austausch-Schema perfekt einhielten. Ein „geringfügiges Ausdehnen“ (von bis zu einer Woche) wurde bei 65 Prozent der Träger von Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch und bei 55 Prozent in der Gruppe mit Monatsaustausch-Kontaktlinsen festgestellt. Allerdings dehnten nur vier Prozent der Fehlsichtigen mit Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch das Intervall „extrem“ (acht Wochen oder länger) aus. In der Gruppe mit Kontaktlinsen zum monatlichen Austausch waren es hingegen 23 Prozent (Abb. 4). Die Träger von Monatsaustausch-Kontaktlinsen neigen demnach eher dazu, ihre Kontaktlinsen extrem lange über

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das empfohlene Austauschintervall hinaus zu tragen, was zu Problemen mit dem Tragekomfort und/oder Visus führen kann. Es widerspricht der Intuition der Autoren der genannten Studie,32 dass Kontaktlinsenträger, die ein zweiwöchentliches Austauschintervall nicht einhalten, die Anweisungen eher befolgten, wenn man ihnen ein vierwöchentliches Austauschintervall vorschlagen würde. Die Autoren empfehlen bei mangelnder Compliance bei häufigem Austausch die Umstellung auf Ein-Tages-Kontaktlinsen als wahrscheinlich bessere Alternative. Die Bedeutung der Compliance für Tragekomfort und Visus bei Trägern von SilikonHydrogellinsen wird auch in einer weiteren aktuellen US-amerikanischen Studie hervorgehoben.33 Probanden, die Silikon-Hydrogellinsen zum zweiwöchentlichen oder monatlichen Austausch trugen, beurteilten dabei den Tragekomfort und Visus von neuen Kontaktlinsen am Morgen sowie am Ende des ersten Tragetages und zum empfohlenen Austausch-Zeitpunkt. Kontaktlinsenträger mit guter Compliance wiesen am Ende des Tages und wenn die Kontaktlinsen ausgetauscht werden mussten einen besseren Tragekomfort und Visus auf als solche mit mangelhafter Compliance. Das galt unabhängig von der Austauschmodalität. Einen Einfluss auf das Ergebnis der Studie könnte jedoch die Tatsache gehabt haben, dass unter den Trägern von Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch mehr Träger torischer Kontaktlinsen waren als in der Gruppe mit den MonatsaustauschKontaktlinsen. Die Autoren stellen fest, dass einige Kontaktlinsenmaterialien idealerweise alle zwei Wochen ausgetauscht werden sollten, während andere Materialien gut und gerne einen Monat lang getragen werden könnten. Tatsächlich können zahlreiche Kontaktlinseneigenschaften den Tragekomfort beeinflussen. Dazu gehören Materialeigenschaften wie Modulus, Glätte und Benetzbarkeit sowie Benetzungswirkstoffe. Der Tragekomfort ist auch davon abhängig, wie sich Proteine, Lipide und Allergene im Laufe der Zeit auf der Oberfläche ablagern.34 Die Argumente für und wider ein bestimmtes Austauschintervall können unter Compliance-Gesichtspunkten also falsch gewählt sein. Es könnte besser sein, für jeden Fehlsichtigen seine Art, die Kontaktlinsen zu tragen, zusammen mit den für ihn relevanten Kontaktlinseneigenschaften zu berücksichtigen, um die individuell geeignetste TrageModalität festzulegen. Eine neue Studie aus den USA illustriert den Zusammenhang zwischen kontaktlinsenbedingten Augenerkrankungen und der Com-

Abbildung 4: “Ausdehnen des Kontaktlinsen-Austauschintervalls laut einer Untersuchung mit 645 Trägern von Kontaktlinsen zum häufigen Austausch32

pliance in Bezug auf das Austauschschema bei weichen Kontaktlinsen.35 Bei Fehlsichtigen, die den Lebenszyklus ihrer Kontaktlinsen über mehr als das Dreifache des empfohlenen Intervalls „ausdehnten“, wurden signifikant mehr Erkrankungen festgestellt als bei Probanden mit guter Compliance. Interessant ist, dass die Compliance laut den Erkenntnissen dieser Studie nicht nur mit der Austauschhäufigkeit, sondern auch mit dem Kontaktlinsentyp variiert. Im Vergleich zu Trägern von Silikon-Hydrogellinsen tendierten Probanden mit konventionellen Hydrogellinsen dazu, ihre Kontaktlinsen durchschnittlich drei- bis viermal länger über den empfohlenen Austauschzeitpunkt hinaus zu tragen (durchschnittlich 44,8 Tage über Termin bei Probanden mit mangelhafter Compliance und Hydrogellinsen, im Vergleich zu 16 Tagen bei Trägern mit Silikon-Hydrogellinsen). Die Autoren argumentieren, dass Compliance zwar wichtig ist, die Anzahl der Tage, um die der Patient beziehungsweise Kunde die empfohlene Tragezeit überschreitet jedoch ebenfalls ein Schlüsselfaktor sei. Sie stellen fest, dass sogar Kontaktlinsenträger mit nicht vollkommener Compliance die Häufigkeit von Erkrankungen verringern können, indem sie die Anzahl der Tage, um die sie ihre Kontaktlinsen zu lange tragen, reduzieren. Ein weiteres Thema, das die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, ist die Tatsache, dass Kontaktlinsenanpasser von der Herstellerempfehlung abweichende Austauschintervalle kommunizieren.30 Als möglicher Grund wird genannt, dass bei manchen Kontaktlinsentypen die Leistung auch bei längerem Tragen nicht abnimmt. In manchen

Fällen wurde hingegen ein häufigerer Austausch als vom Hersteller empfohlen vorgeschrieben. Das war bei einem Prozent der Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch, aber bei 18 Prozent der Monatsaustausch-Kontaktlinsen der Fall.

Verbesserung der Compliance Auch wenn die Diskussion um die optimale Austauschhäufigkeit noch andauert, herrscht allgemeiner Konsens darüber, dass das Gesamtniveau perfekter Compliance bei wiederverwendbaren Kontaktlinsen niedrig ist. Das Vorgehen in der Praxis sollte daher darauf abzielen, Patienten beziehungsweise Kunden mit mangelhafter Compliance zu identifizieren und diese bei jeder Gelegenheit zur Compliance zu ermutigen.36 Möglichkeiten, die Compliance zu verbessern, sind beispielhaft in Tabelle 1 angeführt. Kontaktlinsenanpasser sollten dem Patienten beziehungsweise Kunden sorgfältig offene Fragen stellen, um gegebenenfalls Mängel bei der Compliance zu entdecken. Diese sollten also eher fragen „Wie oft tauschen Sie Ihre Kontaktlinsen aus?“ anstatt „Tauschen Sie Ihre Kontaktlinsen alle zwei Wochen aus?“. Kontaktlinsenanpasser sollten versuchen, sich in den Kontaktlinsenträger hineinzuversetzen, damit dieser das Gefühl hat, zugeben zu dürfen, dass er gegebenenfalls die Tragezeit ausdehnt. Es sollte jedoch gleichzeitig betont werden, dass für ihn Tragekomfort und Visus erst dann optimal sind, wenn die Kontaktlinsen der Empfehlung entsprechend ausgetauscht werden und dass er im schlimmsten Fall seine Augengesundheit aufs Spiel setzt. Es sollte aufgezeigt wer-

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FACHTHEMEN den, dass das Tragen von Kontaktlinsen über die empfohlene Zeit hinaus mit einem höheren Risiko für kontaktlinsenbedingte Erkrankungen verbunden sein kann.30, 35 Es ist jedoch wichtig, daran zu denken, dass es bei der Compliance nicht nur um das Austauschintervall geht. Tatsächlich geht man davon aus, dass nur zwei Prozent der Kontaktlinsenträger sich an alle Kontaktlinsentrage- und -pflegehinweise halten.29 Die Fehlsichtigen sollten durch Vergleiche, die im Gedächtnis haften bleiben, ermutigt werden, Kontaktlinsen entsprechend den Austausch-Empfehlungen zu erneuern. Bei Ein-Tages-Kontaktlinsen empfiehlt sich etwa die Vorstellung, man würde Papiertaschentücher mehrmals wiederverwenden. Die Ratschläge sollten bei jedem Termin erinnert werden. Über die Bestellrhythmen können Patienten beziehungsweise Kunden identifiziert werden, die weniger Kontaktlinsen verbrauchen als erwartet. Auch der Direktversand an die Kontaktlinsenträger kann die Compliance im Bereich Austauschschema unterstützen. Überlegungen zu den Themen Angebot, Lieferung und Preisgestaltung können ebenfalls zur Verbesserung der Compliance beitragen. Bieten Sie einen Pflegeplan an, der Kontrollen bei allen Kontaktlinsentypen umfasst, damit Sie Ihre Patienten beziehungsweise Kunden regelmäßig beobachten können. Bei Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch kann es zur Compliance beitragen, den Ersten und den Fünfzehnten des Monats als Austauschtermin zu empfehlen.

Verwenden Sie das elektronische Erinnerungssystem ACUMINDER™, um Ihre Patienten beziehungsweise Kunden daran zu erinnern, wann sie ihre Kontaktlinsen austauschen sollen. Schließlich gibt über die Hälfte derer, die ihre Kontaktlinsen nicht zum empfohlenen Termin austauschen, an, einfach vergessen zu haben, an welchem Tag der Austausch hätte erfolgen müssen.30 Bei dieser Studie glaubten 53 Prozent der Kontaktlinsenträger, ein Erinnerungssystem würde ihnen bei der Compliance helfen. Die beliebtesten Methoden waren Erinnerungen per Mobiltelefon oder SMS (29 Prozent) oder ein fixer Tag für den Austausch in der Woche beziehungsweise im Monat (26 Prozent). Kontaktlinsenträger sollten daran erinnert werden, immer ausreichend Kontaktlinsen vorrätig zu haben, um die Compliance beim Austausch zu unterstützen. Zudem sollten sich die Kontaktlinsenanpasser vergewissern, dass ihre Patienten beziehungsweise Kunden eine Ersatzbrille haben, denn dies ist bei der Mehrheit der Fehlsichtigen mit mangelhafter Compliance bezüglich der Austauschhäufigkeit nicht der Fall.30 Die gute Nachricht ist, dass bessere Kommunikation erwiesenermaßen zu besserer Compliance bei der Austauschhäufigkeit führt. Die Gespräche zwischen Kontaktlinsenanpassern und -trägern sind bei Patienten beziehungsweise Kunden mit guter Compliance ausführlicher. Darüber hinaus ist den meisten Kontaktlinsenträgern (78 Prozent) bewusst, dass das rechtzeitige Austauschen der Kontaktlinsen sehr wichtig beziehungsweise wichtig ist.

für den Patienten beziehungsweise Kunden in einem Zeitraum von zwölf Monaten. Die Honorare für die Kontaktlinsenanpasser und die Kosten für Kontaktlinsen und Pflegemittel werden hierbei durch die Anzahl der Male, die die Kontaktlinsen in diesem Zeitraum getragen werden, geteilt. Das Modell zeigt, dass die Kosten pro Tragen bei sphärischen Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen beziehungsweise monatlichen Austausch fast gleich sind. Sie nehmen allerdings bei steigender Tragehäufigkeit ab. Bei Ein-Tages-Kontaktlinsen sind die Kosten pro Tragen geringer als bei wiederverwendbaren Kontaktlinsen, wenn sie ein bis vier Tage pro Woche getragen werden, jedoch höher, wenn man sie sechs bis sieben Tage in der Woche trägt. Die Schwelle liegt bei fünf Tagen Tragezeit pro Woche. In diesem Fall sind die Kosten pro Tragen für die drei Kontaktlinsentypen praktisch gleich hoch (Abb. 5).

Kosten, praktischer Nutzen und Austauschhäufigkeit

Abbildung 5: Kosten pro Tragen bei sphärischen Ein-Tages-Kontaktlinsen sowie Zwei-Wochen- und Monatskontaktlinsen auf Tagestragebasis

Bei der Auswahl des Austauschintervalls für einen bestimmten Fehlsichtigen spielen nicht nur klinische Faktoren eine Rolle, sondern ebenso patienten- beziehungsweise kundenspezifische Faktoren. Die Entscheidung basiert häufig auch auf dem Lebensstil und dem Freizeitverhalten des Fehlsichtigen. Das gilt insbesondere für Ein-Tages-Kontaktlinsen, die eine praktische Option für das gelegentliche oder zeitweilige Kontaktlinsentragen, zum Beispiel in Gesellschaft, beim Sport und auf Reisen, darstellen. Die Kosten sind ein weiterer wichtiger Punkt, der in der Literatur oft vernachlässigt wird. Ein jüngst in Australien entwickeltes Modell führt den Begriff „Kosten pro Tragen“ ein, um die Kosten für Kontaktlinsen mit unterschiedlicher Austauschhäufigkeit direkt miteinander vergleichen zu können.37 „Kosten pro Tragen“ sind die Gesamtkosten

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Nach Efron37 mit freundlicher Genehmigung von Clin Exp Optom

Ein ähnliches Muster auf höherem Kostenniveau ist bei torischen Kontaktlinsen feststellbar. Die Schwelle liegt hier bei drei bis vier Tagen Tragezeit pro Woche. Bei MultifokalKontaktlinsen liegt die Schwelle im Vergleich von Ein-Tages-Kontaktlinsen zu Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch bei vier bis fünf Tagen Tragezeit pro Woche, beim Vergleich von Ein-Tages- zu Monatsaustausch-Kontaktlinsen bei drei Tagen pro Woche. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Ein-Tages-Kontaktlinsen beim zeitweiligen Kontaktlinsentragen am kosteneffizientesten sind, während wiederverwendbare Kontaktlinsen beim Dauertragen kosteneffizienter sind.

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Das Modell kann auf die Kosten für das Kontaktlinsentragen in verschiedenen Ländern angewandt werden. Die relativen Kosten für unterschiedliche Arten des Kontaktlinsentragens werden sich dabei wahrscheinlich nicht ändern. Der Schwellenwert variiert je nach den verglichenen Kontaktlinsenmarken. Kontaktlinsenanpasser sollten dieses Prinzip anwenden, um die Auswirkungen der unterschiedlichen Kostenstrukturen berücksichtigen zu können. Die Kosten pro Tragen können auch zur Unterstützung der Compliance herangezogen werden. Man kann den Patienten beziehungsweise Kunden damit beweisen, wie kosteneffizient ihr derzeitiges Trage- und Austauschschema ist. Die Autoren merken an, dass der von Ein-Tages-Kontaktlinsenträgern am häufigsten genannte Grund für mangelnde Compliance der Wunsch ist, „Geld zu sparen“. Das zeigt, dass die Kosten auch von klinischer Relevanz sein können, obwohl die Compliance beim Austausch von Ein-Tages-Kontaktlinsen auf allen Märkten generell gut ist.28 Schlussfolgerungen Der Schlüssel zum Erfolg beim einzelnen Patienten beziehungsweise Kunden ist die Fähigkeit, die Kontaktlinse (das Material und Design), die Austauschhäufigkeit und die Tragemodalität auszuwählen, die seine individuellen Bedürfnisse erfüllt. Diese Entscheidung basiert auf einer Reihe von Faktoren: klinischen Gesichtspunkten, Wahrscheinlichkeit der Compliance, praktischen Belangen wie Tragerhythmus und Lebensstil sowie der Kostenfrage. Sie helfen, nicht nur die optimale physiologische Reaktion und den besten Visus zu bieten, sondern auch den optimalen Tragekomfort. Mängel in diesem Bereich sind der Hauptgrund für Fehlsichtige, das Kontaktlinsentragen zu unterbrechen oder aufzugeben. Auch wenn die Diskussion um das optimale Austauschintervall für weiche Kontaktlinsen noch andauert, stützt sich die Behauptung „je frischer, desto besser“ aus klinischer Sicht auf zahlreiche Studien der letzten 30 Jahre. Zum Thema Compliance bei unterschiedlichen Austauschhäufigkeiten gibt es widersprüchliche Erkenntnisse. Ein empfehlenswerter Ansatz besteht möglicherweise darin, davon auszugehen, dass fast alle Kontaktlinsenträger in gewissem Ausmaß mangelhafte Compliance aufweisen. Man sollte sich darauf konzentrieren, dieses Fehlverhalten und die Gründe dafür zu identifizieren. Die Förderung der Compliance trägt dazu bei, dass alle Kontaktlinsenträger bestmöglich von ihren Kontaktlinsen profitieren und das Kontaktlinsentragen so sicher und komfortabel wie möglich ist.

Wichtigste Punkte Zahlreiche klinische Studien und Umfragen zur Patienten- beziehungsweise Kundenzufriedenheit stützen die Behauptung, dass beim Austausch weicher Kontaktlinsen (insbesondere beim täglichen Austausch) der Grundsatz gilt „je frischer desto besser“. Die Leistung weicher Kontaktlinsen nimmt generell mit dem Alter der Kontaktlinsen ab. Fast alle heute angepassten Kontaktlinsen sind für Austauschintervalle von einem Monat oder kürzer gedacht. In den USA und Japan, den Märkten mit der höchsten Kontaktlinsen-Durchdringungsrate, sind Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch der am häufigsten angepasste Typ unter den Austauschkontaktlinsen. Die Compliance beim Kontaktlinsenaustausch variiert von Land zu Land. Bei Trägern von Ein-Tages-Kontaktlinsen ist es am wahrscheinlichsten, dass sie sich an den empfohlenen KontaktlinsenAustauschrhythmus halten. Extremes „Ausdehnen“ der Tragezeit ist bei Trägern von Monatsaustausch-Kontaktlinsen wahrscheinlicher als bei Trägern von Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch. Werden die Kontaktlinsen nicht im empfohlenen Intervall ausgetauscht, kann das zu mangelndem Tragekomfort und zu Erkrankungen führen. Träger von Monatsaustausch-Kontaktlinsen brauchen öfter ungeplante Termine aufgrund klinischer Beschwerden als Träger von Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen Austausch. Kontaktlinsenanpasser brauchen in der Praxis Strategien, um die Compliance im Bereich Kontaktlinsenaustausch zu fördern. Die „Kosten pro Tragen“ sind bei sphärischen und torischen Kontaktlinsen zum zweiwöchentlichen und monatlichen Austausch ähnlich hoch.

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Die Autoren : Anna Sulley ist Clinical Affairs Managerin für Europa, den Nahen Osten und Afrika bei Johnson & Johnson Vision Care. Sheila Hickson-Curran ist Director of Medical Affairs bei Vistakon, Johnson & Johnson Vision Care, Inc. in den USA. Der Artikel wurde am The Vision Care InstituteTM erstellt.

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