Terrorgefahr erfordert neue Einsatzstrategien Innere Sicherheit und

Terrorgefahr erfordert neue Einsatzstrategien Innere Sicherheit und

Vom Bayerischen Roten Kreuz. Für alle, die entscheiden. 01 | 2016 Im Ernstfall bereit Terrorgefahr erfordert neue Einsatzstrategien Interview mit J...

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09.05.2014 - P.) Schwabenstraße 4. 76646 Bruchsal. Telefon 07251.5710. E-Mail: [email protected] .... Neue Bezirksleitung

Vom Bayerischen Roten Kreuz. Für alle, die entscheiden.

01 | 2016

Im Ernstfall bereit

Terrorgefahr erfordert neue Einsatzstrategien Interview mit Joachim Herrmann

Innere Sicherheit und Ehrenamt

www.brk.de

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Wir machen Fahrzeuge ganz besonders. Auch nach dem 25tausendsten. Mehr als 350 Spezialisten bei der WAS arbeiten täglich an dem Besonderen. Denn jedes neue Fahrzeug ist ganz nach Wunsch unserer Kunden ausgestattet und gefertigt. Mittlerweile ist im Mai 2016 das 25tausendste Fahrzeug ausge liefert worden. Eine ganz besondere Zahl. Diese Leistung haben wir auch unseren Kunden zu verdanken, die uns und unseren Fähigkeiten vertrauen. Dafür bedanken wir uns und versprechen: Wir werden auch weiterhin alles tun, um Ihr Fahrzeug zu einem ganz Besonderen zu machen.

Wietmarscher Ambulanz- und Sonder fahrzeug GmbH

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Editorial

Einsatz bedeutet ... Liebe Leserin, lieber Leser, Deutschland ist im Fußballfieber bei der Europameisterschaft in Frankreich. Wir freuen uns auf faire Spiele, viele Tore und ein friedliches Miteinander beim Feiern. Doch bei aller Euphorie darf nicht vergessen werden, dass Großereignisse wie die EM immer auch eine besondere Herausforderung an all jene stellen, die hinter den Kulissen einsatzbereit sind, um Menschen zu unterstützen, die Hilfe brauchen. Auch dieses Jahr werden wieder unzählige haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter viele Stunden dafür investieren, zur Stelle zu sein, wenn Not am Mann ist. Dabei dürfen wir die Augen nicht verschließen vor möglichen Risiken, die derartige Massenveranstaltungen bergen. Die Anschläge in Paris und Brüssel, aber auch die Erfahrungen in Ankara und Istanbul ermahnen uns, Vorsorge zu treffen. Als größte Hilfsorganisation und stärkste Katastrophenschutzeinheit in Bayern hat das Bayerische Rote Kreuz eine hohe Mitverantwortung für die innere Sicherheit Bayerns. Daher stellen wir uns entscheidende Fragen wie die nach der Anpassung unserer Ausrüstung und unserer Einsatzfähigkeit an die veränderte Sicherheitslage, auch durch terroristische Bedrohungen. Ein zentrales Thema, dem wir in der ersten Ausgabe von „BRK einsatzbereit.“ entsprechend viel Platz einräumen. Doch auch weiteren Aspekten unserer Arbeit wollen wir uns widmen. Das Bayerische Rote Kreuz hat viel geleistet in den zurückliegenden drei Jahren. Zu nennen wären hier das Jahrtausendhochwasser von 2013, der G7-Gipfel von 2015, die Bewältigung der Flüchtlingsströme und zuletzt die Versorgung der Opfer des Zugunglücks von Bad Aibling am Faschingsdienstag 2016. Daher ist es uns ein Anliegen, einmal auch all jene in den Vordergrund zu rücken, die tagtäglich mit ihrem Engagement uns zu dem machen, was wir sind: ein starkes Team. Ich freue mich, Ihnen in dieser Ausgabe Aspekte des Rettungsdienstes, des Katastrophenschutzes und der Wasserwacht vorstellen zu dürfen. Mit „BRK einsatzbereit.“ wollen wir ein Bewusstsein für unsere Arbeit schaffen, wollen informieren, präsentieren und initiieren. Ich wünsche Ihnen im Namen des Bayerischen Roten Kreuzes eine interessante und spannende Lektüre. Ihr

Leonhard Stärk Landesgeschäftsführer Bayerisches Rotes Kreuz

einsatzbereit. – 01 | 2016

Inhalt einsatz. Thema Terrorgefahr erfordert neue Einsatzstrategien4

einsatz. Gespräch Joachim Herrmann über innere Sicherheit und Ehrenamt 9

einsatz. Rettungsdienst Allzeit zur Stelle

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einsatz. Wasserwacht Gegen den Schwimm-Notstand

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Ihr Draht zu uns Telefon: 089 9241-0 Telefax: 089 9241-12 00 [email protected] Mehr Informationen zum Bayerischen Roten Kreuz und aktuellen Einsätzen gibt es regelmäßig auf: www.brk.de

Impressum einsatzbereit. erscheint in der heller & partner Mediengruppe Herausgeber und Verlag: heller & partner Mediengruppe Possartstraße 14 81670 München Telefon 089 – 45 71 00 Telefax 089 – 47 40 69 Verlagsleitung: Constanza Swoboda Projektleitung: Christos Leibold Fotos: deepblue4you/iStock, veronicka/Shutterstock, einsatzbereit. Anzeigen: Publishing Group GmbH Possartstraße 14 81679 München Telefon 089 – 45 71 00

Herausgeber: Bayerisches Rotes Kreuz Garmischer Straße 19-21 81373 München Keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit aller Angaben. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Keine Gewähr für unaufgefordert übermittelte Beiträge, Fotos etc. Bei Gewinnspielen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und sonstige Wiedergabe nur mit vorheriger, schriftlicher Genehmigung durch die heller & partner Mediengruppe. © heller & partner 2016

Heftpreis 2,00 Euro (Einzelheft)

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Thema – Terrorgefahr

BRK reagiert auf Terrorgefahr 4

01 | 2016 – einsatzbereit.

Thema – Terrorgefahr

Längst schon ist Terror kein abstraktes Schreckensszenario mehr, dem wir aus sicherer Distanz begegnen können. Die Anschläge in Paris und Brüssel, aber auch die Erfahrungen in Ankara und Istanbul ermahnen uns, unsere Beobachterrolle zu verlassen, Position zu beziehen, uns vorzubereiten und die Initiative zu ergreifen.

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ie jüngsten Ereignisse und auch die einschlägigen Äußerungen führender Innen- sowie Sicherheitspolitiker veranlassen das Bayerische Rote Kreuz, seine Reaktionsmechanismen im Hinblick auf Risiken durch terroristische Bedrohungen kritisch zu hinterfragen. „Als größte Hilfsorganisation und stärkste Katastrophenschutzeinheit mit über 160.000 aktiven Helferinnen und Helfern haben wir eine besondere Verantwortung für die innere Sicherheit Bayerns“, so BRK-Präsident Theo Zellner. „Daher müssen wir unsere Ausrüstung und unsere Einsatzfähigkeit im Hinblick auf die veränderte Sicherheitslage in Deutschland und Bayern überprüfen und sie gegebenenfalls > anpassen.“

Weltweites Gedenken der Opfer von Paris und Brüssel.

einsatzbereit. – 01 | 2016

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Theo Zellner stellt die mobilen Einsatzzentralen des Bayerischen Roten Kreuzes für komplexe und große Einsätze vor.

Dr. med. Florian Meier, stellvertretender Landesarzt des BRK, erläutert Notwendigkeiten für die medizinische Ausstattung der Helfer bei terroristischen Anschlägen.

> Das Anschlagsrisiko in Europa, Deutschland und Bayern ist gestiegen. Fern von Panikmache erfordert diese realistische Einschätzung der Sachlage Engagement und Handlungsbedarf, beides Kernkompetenzen des BRK. Seit jeher entwickelt die Hilfs- und Rettungsorganisation mit der detaillierten Nachbearbeitung von Ereignissen und Krisensituationen Konzepte, die sie sowohl selbst als auch die Bevölkerung für zukünftige Herausforderungen nutzen können. Zentrale Aspekte bilden hier die Gesichtspunkte Prävention, Alarmierung, Einsatztaktik und der daraus resultierende Bedarf an Ausstattung und Ausbildung der Einsatzkräfte. Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk hat dazu eine Arbeitsgruppe mit den Ärzten des BRK, dem

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Cornelia Ast, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Jugendrotreuzes, und Rudi Cermak, Geschäftsführer der Bereitschaften des BRK und Katastrophenschutzbeauftragter für Bayern.

Krisenmanager, den Vertretern des Rettungsdienstes, dem Katastrophenschutzbeauftragten und dem Blutspendedienst ein berufen. Die veränderte Sicherheitslage erfordert die Auseinandersetzung mit neuen Fragestellungen. Es ist denkbar, dass der normale Helfer zukünftig mit Szenarien konfrontiert werden wird, wie er sie sonst nur aus dem Fernsehen oder von Bildern her kennt. Wie kann er darauf vorbereitet werden? Welche Versorgungsvarianten greifen am besten? Im engen Verbund mit der israelischen Hilfsorganisation Roter Davidstern, die auf über jahrzehnten gesammelte Erfahrungen zurückgreifen kann, erarbeitet

01 | 2016 – einsatzbereit.

Thema – Terrorgefahr

Gemeinsam für Sicherheit: die Einsatzkräfte der Polizei und des Bayerischen Roten Kreuzes.

„Daher müssen wir unsere Ausrüstung und unsere Einsatzfähigkeit im Hinblick auf die veränderte Sicherheitslage in Deutschland und Bayern überprüfen und sie gegebenenfalls anpassen.“ Theo Zellner, Präsident Bayerisches Rotes Kreuz

das Bayerische Rote Kreuz Konzepte, die die spezifischen Gegebenheiten von Terrorszenarien berücksichtigen. Schon jetzt wird deutlich: Ein präklinisches „Stay and Play“-Konzept, bei dem der Patient vor Ort stabilisiert wird, um ihn später chirurgischer Hilfe zuzuführen, gerät bei Terrorereignissen schnell an seine Grenzen. Denn hier gilt es, Verletzte möglichst schnell aus der Gefahrenzone zu bringen, um sie einer sicheren Erstbehandlung zuzuführen. Diese kann aufgrund des hohen Verletzungsgrades der Betroffenen nur in der Klinik erfolgen. Nicht zu vergessen die Helfer – die Sorge des BRK gilt natürlich auch seinen Einsatzkräften selbst. Inwieweit ist das BRK für den Selbstschutz seiner Kräfte gerüstet? Gibt es Bedarf bei

einsatzbereit. – 01 | 2016

deren Schutzausstattung? Auch hier muss Sicherheit oberste Priorität haben. „Das ‚Load and Go’-Verfahren, zu dem es bei einem Terrorszenario keine Alternative gibt, erfordert jedoch auch eine kritische Auseinandersetzung mit der daran geknüpften, zentralen Frage, inwieweit die Transportkapazitäten des BRK diesen Anforderungen noch gerecht werden können“, erläutert Dr. med. Florian Meier, stellvertretender Landesarzt des BRK. Neben der dringend notwendigen Anpassung der Fahrzeugausstattung auf die Behandlung lebensbedrohlicher Blutungen muss hierbei die Einsatzfähigkeit des BRK neu beurteilt werden. Eine Aufstockung der Fahrzeugflotte um weitere Rettungswägen, Großraumrettungswägen und spezielle Krankentransportfahrzeuge für mehrere Personen ist auf lange Sicht geboten. Auch die Vernetzung der an einem Terrorszenario beteiligten Hilfsorganisationen und Sicherheitsbehörden stellt einen zentralen Aspekt bei künftigen Rettungskonzepten dar. „Um die aktuelle Sicherheits- bzw. Gefährdungslage einschätzen zu können, ist es dringend notwendig, dass das BRK seine Arbeit in engem Kontakt mit dem Innenministerium und der Polizei koordiniert“, so Theo Zellner. Auch über Einsatzmöglichkeiten im Verbund mit der Bundeswehr und deren mobilen Rettungseinheiten muss nachgedacht werden. Mit Großraumtransporthubschraubern und gepanzerten Rettungsfahrzeugen stünden hier lebensrettende Ressourcen zur Verfügung. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir ohne die Bundeswehr solche > Szenarien durchspielen werden“, so Theo Zellner.

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Thema – Terrorgefahr

„Als größte Hilfsorganisation und stärkste Katastrophenschutzeinheit haben wir eine besondere Verantwortung für die innere Sicherheit Bayerns.“ Theo Zellner, Präsident Bayerisches Rotes Kreuz  > Schon jetzt steht das BRK in gutem Kontakt mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr. Dort hat man zum Beispiel viel Erfahrung bei gefährlichen Einsätzen in Afghanistan gewonnen und weiß daher genau, wie sogenannte taktische Rettungen unter erschwerten Bedingungen durchgeführt werden können.

Anpassung der Strukturen und Ausstattung notwendig Einsatzabläufe im Katastrophenfall optimieren mithilfe von modernster Technik, das ist ein Anliegen, bei dem Theo Zellner auf die Unterstützung des Freistaates zählt. So dürfen die Hilfsorganisationen von dem neuen Informationssystem GeoKAT, das die Bayerische Staatsregierung erst kürzlich entwickelt hat, nicht ausgeschlossen werden. GeoKAT ist ein zentrales Werkzeug zur Koordination und Organisation von Einsätzen in Katastrophenfällen. Mit ihm können wichtige Informationen, beispielsweise darüber, ob sich in einem gefährdeten Gebiet etwaige zu evakuierende Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder Altenheime befinden, in kürzester Zeit abgerufen werden. Ferner will das BRK seine CBRN(E)-Gruppen aufstocken, deren Spezialisten, dezentral in elf Landkreisen stationiert, im Ernstfall Patienten behandeln können, die bei einem Anschlag mit sogenannten„schmutzigen Bomben“ mit gefährlichen Substanzen in Kontakt gekommen sind. Und auch die Krankenhäuser müssen eng in das neue Rettungskonzept eingebunden werden. „Für die Kliniken gilt es, sich auf die veränderte Sicherheitslage vorzubereiten“, so Dr. med. Florian Meier. „Die routinemäßige Versorgung von Sprengstoff- und Schussverletzungen muss gewährleistet sein.“ Ebenso müssen entsprechende Versorgungskapazitäten wie beispielsweise eine ausreichende Zahl an Operationssälen innerhalb kürzester Zeit bereitgestellt werden können. Bayern braucht die Leistungen des BRK. Gezeigt haben dies die Großereignisse und Schadensfälle allein in den letzten drei Jahren: das Jahrtausendhochwasser von 2013, der G7-Gipfel von 2015, die Bewältigung der Flüchtlingsströme und zuletzt die Versorgung der Opfer des Zugunglücks von Bad Aibling am Faschingsdienstag 2016. Trotz der Erstalarmierung der hauptamtlichen Retter über die Integrierte Leitstelle müssen Großeinsätze maßgeblich von Ehrenamtlichen getragen werden. Diese sind auf Helferfreistellung angewiesen. „Die Arbeitgeber müssen sensibilisiert werden, dass ein Einsatz Vorrang hat“, so der Katastrophenschutzbeauftragte und Geschäftsführer der Bereitschaften Rudi Cermak. „Denn ohne Ehrenamtliche geht es nicht.“

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01 | 2016 – einsatzbereit.

Gespräch – Joachim Herrmann

„Die Angst vor Terrorismus darf uns nicht verrückt machen. Wir müssen unser Leben weiterleben.“ Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern

Auf alle Eventu­alitäten vorbereitet Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stärkt mit seinem Engagement die bayerischen Hilfsorganisationen. Mit „einsatzbereit.“ sprach er über die Rolle des BRK im Zuge der steigenden Terrorgefahr, über spezielle Vorbereitungen und die Bedeutung des Ehrenamtes in Bayern. einsatzbereit.: Nach den Anschlägen in Paris herrscht für die EM bei unseren Nachbarn in Frankreich die höchste Alarmstufe. Sehen Sie auch bei uns in Deutschland eine veränderte Sensibilität gegenüber Großereignissen im Vergleich zu früher? Die Terroranschläge in Paris und Brüssel haben den Blick wieder darauf gelenkt, wie hoch das Risiko ist. Solche Anschläge können grundsätzlich überall stattfinden, auch in Köln, Berlin oder München. Gerade große Sportereignisse – ich denke da beispielsweise an den Boston-Marathon – sind potenziell sehr gefährdet. Das müssen wir im Blick haben. Zwar ist das Event selbst ein wahrscheinlicheres Ziel als zum Beispiel

einsatzbereit. – 01 | 2016

Fanfeste, aber im Grunde genommen existiert das Risiko eines Anschlages überall dort, wo viele Menschen konzentriert an einem Ort zu erwarten sind. Genauso wichtig wie eine höhere Wachsamkeit ist jedoch, dass wir uns davon nicht verrückt machen lassen, dass wir unser Leben weiterleben. Wie sieht Ihrer Meinung nach die bestmögliche Vorbereitung auf den Ernstfall aus? Neben entsprechenden Maßnahmen auf Seiten der Sicherheitsbehörden ist vor allem eine enge Zusammenarbeit der > Nachrichtendienste notwendig. 

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Gespräch – Joachim Herrmann Wir haben in der Vergangenheit immer wieder Hinweise aus dem Ausland erhalten. Dadurch konnten bereits Anschläge verhindert werden. Wir müssen akzeptieren, dass Anschläge ein reales Risiko darstellen, und uns entsprechend vorbereiten, um im Ernstfall bei der Rettung und Bergung von Schwerverletzten schnell genug reagieren zu können. Die Polizei muss schnell genug vor Ort sein, um eine länger andauernde Terrorlage, wie wir sie zuletzt in Paris erleben mussten, zu unterbinden.

„Ich bin sehr dankbar dafür, dass sich das Bayerische Rote Kreuz auf Terrorszenarien besonders vorbereitet.“ Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern

Konnten Sie auf dem G7-Gipfel besondere Erkenntnisse sammeln, die sich auch für zukünftige Großveranstaltungen einsetzen lassen? Der G7-Gipfel war aufgrund der Anwesenheit des US-Präsidenten und von anderen Spitzenpersönlichkeiten ein Event von weltweiter Bedeutung mit einem unheimlich starken medialen Interesse. Darauf haben wir uns über ein Jahr lang intensiv vorbereitet. Es war der größte Polizeieinsatz in der bayerischen Geschichte mit einer sehr positiven Bilanz: Es gab ein effektives Konzept, um möglichen Terrorgefahren zu begegnen und um Randale von gewalttätigen Demonstranten zu verhindern. Die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden mit den Einsatzorganisationen verlief reibungslos. Das Rote Kreuz, die anderen Hilfsorganisationen und auch die Feuerwehren waren sehr präsent. Wir waren auf alle Eventualitäten vorbereitet. Das Einsatzkonzept hat perfekt funktioniert. Welche besonderen Aufgaben sehen Sie für das Bayerische Rote Kreuz im Ernstfall? Ich bin sehr dankbar dafür, dass sich das Bayerische Rote Kreuz auf Terrorszenarien besonders vorbereitet. Die Vorsorge bildet seit jeher einen zentralen Aspekt seiner Arbeit, das konnte man bei dem großen Hochwasser vor drei Jahren sehr gut beobachten. Aber wir müssen uns heute auch auf die Gefährdung durch Terroranschläge vorbereiten. Entscheidend hierbei ist, wie schnell die Rettungskräfte vor Ort sind, wie kompetent der Einsatz geführt wird. Davon hängen Menschenleben ab. Da sind wir in Bayern mit dem Bayerischen Roten Kreuz und den anderen Hilfsorganisationen sehr gut aufgestellt. Das hat das Zugunglück in Bad Aibling im Februar dieses Jahres gezeigt: So schrecklich diese Tragödie war, der Einsatz hat perfekt funktioniert. Eine große Zahl von Verletzten konnte innerhalb kürzester Zeit, auch mit dem Einsatz von über 15 Rettungshubschraubern, einer optimalen medizinischen Versorgung zugeführt werden. Das kam durchaus der Größenordnung eines Terroranschlags gleich. Es ist wichtig, dass sich die Hilfsorganisationen darauf vorbereiten. Und dabei das Risiko für die Helfer mit

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01 | 2016 – einsatzbereit.

Gespräch – Joachim Herrmann

Staatsminister Joachim Herrmann mit Helfern der Bergwacht des BRK anlässlich des Staatsempfangs zum Gedenken an die Katastrophe in Bad Aibling.

einbeziehen. Der Blick ins Ausland macht deutlich: Es besteht das Risiko eines Zweitschlages, der bewusst Helfer treffen soll. Oder Verletzte müssen gerettet werden, während gleichzeitig der Schusswechsel mit den Terroristen noch anhält. Das Bayerische Rote Kreuz steht im engen Austausch mit internationalen Hilfsorganisationen. Gibt es von Regierungsseite her Überlegungen, den internationalen Austausch unter ehrenamtlichen Verbänden zu fördern, um das Knowhow zu verbessern? Der internationale Austausch ist für die Hilfsorganisationen meiner Meinung nach sehr wichtig. Das Rote Kreuz ist die Organisation, die weltweit aufgestellt und international vernetzt ist. Deshalb kann ich nur nachdrücklich begrüßen, wenn das Rote Kreuz parallel zum Informationsaustausch mit den staatlichen Behördenunmittelbar den Erfahrungsaustausch mit anderen Rot-Kreuz-Organisationen in der Welt pflegt. Denn gerade die

„Ohne diese große Zahl an ehrenamtlichen Helfern könnten wir den neuen Herausforderungen, die die veränderte Sicherheitslage an uns stellt, gar nicht begegnen.“ Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern

einsatzbereit. – 01 | 2016

Erfahrungen, die zum Beispiel in der Türkei, Israel, Ägypten oder Tunesien mit Terroranschlägen gemacht werden, können hilfreich sein für den Einsatz im eigenen Land. Neben der gestiegenen Terrorgefahr gibt es für das Ehrenamt in Europa und Bayern weitere Herausforderungen – Flüchtlingskrise, Naturkatastrophen und Tragödien wie in Bad Aibling. Wie kann Ihrer Meinung nach das Ehrenamt in Bayern angesichts dieser Herausforderungen zusätzlich gestärkt werden? Wir sind sehr dankbar, dass es so viele Menschen in Bayern gibt, die sich in den Hilfsorganisationen und den Feuerwehren engagieren. Die Einsatzbereitschaft der insgesamt weit über 400.000 Männer und Frauen, von denen die meisten ehrenamtlich arbeiten, kann man gar nicht hoch genug wertschätzen. Ohne diese große Zahl an ehrenamtlichen Helfern könnten wir den neuen Herausforderungen, die die veränderte Sicherheitslage an uns stellt, gar nicht begegnen. Wir unterstützen die Organisationen vor allen Dingen durch die finanzielle Beteiligung des Freistaates bei den Anschaffungskosten der materiellen Ausstattung. Das Ehrenamt als solches können wir nur ideell unterstützen. Ich kann nur immer wieder betonen, wie wichtig es für uns ist. Und ich appelliere an die Unternehmer, dass sie Verständnis dafür haben, wenn Einsätze wie in Bad Aibling Freistellungen während der Arbeitszeit erfordern. Jeden kann es jederzeit treffen, und dann ist es gut, wenn die Kameraden des Roten Kreuzes zur Stelle sind, um zu helfen.

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Rettungsdienst

Der Rettungsdienst im BRK: Allzeit zur Stelle Wenn Not am Mann ist, ist er zur Stelle: Der Rettungsdienst im BRK fährt im Durchschnitt weit über 3.000 Einsätze am Tag und legt dabei mit seinen Fahrzeugen eine Strecke zurück, die dreieinhalb Erdumrundungen entspricht. Leistungsdaten, die sich sehen lassen können.

M

it über 1.200 Notarzt-, Rettungs- und Krankentransportwägen und mehr als 4.500 angestellten Einsatzkräften sowie rund 15.000 freiwilligen Helferinnen und Helfern betreibt das Bayerische Rote Kreuz den größten Rettungsdienst in der Bundesrepublik Deutschland und auf dem westeuropäischen Kontinent. Die Notfallrettung und der Krankentransport bilden hierbei die zentralen Aufgaben. Einsatzsituationen können von schweren Verkehrsunfällen über Brände bis hin zu Unfällen zu Hause oder am Arbeitsplatz reichen. Die schnellstmögliche und qualifizierte Hilfe für akut verletzte oder erkrankte Personen ist bei der Notfallrettung oberstes Gebot. Erstversorgung vor Ort leisten Notärzte und Rettungsassistenten, indem sie sich um die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen bemühen, die Transportfähigkeit herstellen und den Patienten in die nächste aufnahmebereite Versorgungseinrichtung begleiten. Die Planbarkeit des Einsatzes und das Ausbleiben einer sofortigen Notfallversorgung sind die beiden Wesensmerkmale des Krankentransportes. Hier werden Patienten bei medizinisch notwendigen Fahrten zum Arzt, ins Krankenhaus oder zur ambulanten Untersuchung von einem Rettungssanitäter betreut, der den Gesundheitszustand des Patienten überwachen und bei einer Verschlechterung die erforderlichen Maßnahmen

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einleiten kann. Im Gegensatz zum Patientenfahrdienst wird der Krankentransport ausschließlich von ausgebildetem Rettungsfachpersonal durchgeführt. Notfallrettung und Krankentransport erfordern eine hohe Leistungsbereitschaft der Helfer, deren Engagement und Professionalität die tragende Säule des Rettungsdienstes im BRK bildet. Insbesondere die Rolle der rund 15.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern im Rettungsdienst kann hierbei nicht hoch genug gewertschätzt werden. Allein im Rettungsdienst werden pro Jahr 4,69 Millionen Vorhaltestunden geleistet. Zentrales Anliegen des BRK ist daher die Helfergleichstellung. Denn im Gegensatz zu den Helfern der Freiwilligen Feuerwehren haben die Einsatzkräfte des Roten Kreuzes bisher im Einsatzfall gegenüber ihrem Arbeitgeber keinen Anspruch auf Freistellung. Auch gibt es keine rechtliche Grundlage für die Vergütung der Verdienstausfallkosten. Gerade bei Großeinsätzen mit vielen Verletzten, wie jüngst beim Zugunglück in Bad Aibling, kann das BRK auf ehrenamtliche Helferinnen und Helfer nicht verzichten. Dabei muss gewährleistet sein, dass diese sofort ausrücken können und Arbeitgeber dafür sensibilisiert werden, dass ein Einsatz Vorrang hat. Denn hier ist Zeit der entscheidende Faktor. Damit sich auch in Zukunft beim Klang des Martinshorns das beruhigende Gefühl einstellt: Rettung naht.

01 | 2016 – einsatzbereit.

Rettungsdienst

Der Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes in Zahlen

1,81 Millionen Einsätze insgesamt im

letzten Jahr

330

Rettungswachen sowie Stellplätze in

Bayern

Mehr als jedem

7. Bayern wurde 2015 geholfen

einsatzbereit. – 01 | 2016

1.230

Fahrzeuge im Einsatz

Übergriffe auf

RettungsdienstMitarbeiter im Einsatz in 2015

7

Die Fahrleistung pro Jahr beträgt 52.500.000 km, das entspricht über 70-mal von der Erde zum Mond und zurück 13

Wasserwacht

Ulrike Scharf, Umweltministerin und Vorsitzende der Wasserwacht des BRK, zu Besuch bei der Initiative „Schwimmen für alle“.

Gegen den Schwimm-Notstand! Über 5.000 Hilfeleistungen, darunter viele Lebensrettungen: Das ist die Bilanz der Wasserwacht-Bayern für 2015. Aber auch eine steigende Zahl Ertrunkener im Freistaat macht deutlich: Es besteht Handlungsbedarf. Eine Herausforderung, der sich die Aktiven der Wasserwacht-Bayern mit Engagement und Entschlossenheit stellen.

M

it 55.000 aktiven Mitgliedern sowie 70.000 Förderern stellt die Wasserwacht-Bayern die größte Gemeinschaft innerhalb des Bayerischen Roten Kreuzes. Rettungsschwimmen und Wasser­rettung sind tragende Säulen der professionellen Hilfsorganisation. Die Wasserwacht-Bayern kämpft täglich gegen lebensgefährliche Unfälle im und am Wasser. Dennoch stieg die Zahl der Ertrunkenen in Bayern 2015 zum ersten Mal seit Jahren wieder an. Die Gründe sind vielschichtig: ein geringeres Risikobewusstsein innerhalb der Freizeitgesellschaft für die Gefahren des Badens, immer weniger Schwimmbäder und immer weniger Möglichkeiten, die eigenen Schwimmfähigkeiten zu trainieren. Dazu kam ein sehr heißer Sommer und eine nicht unerhebliche Zahl an Flüchtlingen, die die eigenen Fähigkeiten falsch eingeschätzt haben. Für die Wasserwacht-Bayern ist all dies eine klare Aufforderung zur Tat. „Die Weiche wird bereits in der Schule gestellt“, betont Peter Astashenko, Geschäftsführer der Wasserwacht-Bayern, die tragende Rolle, die dem Schulsport bei der Prävention von Ertrinkungsunfällen zuteilwird. „Leider stehen den Schulen immer weniger Möglichkeiten zum Schwimmen zur Verfügung. Hier ist die Politik gefragt, für mehr Ressourcen zu sorgen.“ Die Wasserwacht-Bayern ergreift bereits jetzt alle möglichen Maßnahmen, um den Ertrinkungstod zu verhindern. Neben

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STATEMENT Ulrike Scharf Als größte Wasserrettungsorganisation Bayerns sind wir flächendeckend im Freistaat präsent und im Ernstfall schnell vor Ort. Der stetige Kampf gegen den Ertrinkungstod ist unsere Hauptaufgabe und so konnten wir auch im vergangenen Jahr wieder über 100 Menschen aus akuter Gefahr retten und ihr Leben bewahren. Darüber hinaus haben unsere Ehrenamtlichen tausende Male Erste Hilfe geleistet – vom kleinen Pflaster bis zur Wiederbelebung. Damit aber nicht genug, bei uns lernen auch jedes Jahr über 10.000 Kinder und Jugendliche in Bayern schwimmen. Denn Schwimmen ist nicht nur ein Sport oder eine Freizeitaktivität – Schwimmen ist eine Grundkompetenz, die jeder Mensch beherrschen sollte, um sicher unterwegs zu sein und den Badespaß ohne Gefahren genießen zu können.  der passgenauen Grundausbildung und der Ausbildung zum Rettungsschwimmer unterhält die Wasserwacht-Bayern ein umfangreiches Angebot an Schwimmkursen. Aber auch auf aktuelle Entwicklungen wie die Flüchtlingskrise wird umgehend reagiert – so gibt es ein spezielles Kursangebot für Flüchtlinge, selbstverständlich angepasst an ethnische Eigenheiten.

01 | 2016 – einsatzbereit.

Der 2.500. Rettungswagen Sprinter in Bayern. Im März 2016 wurde der 2.500. Rettungswagen Sprinter von Mercedes-Benz München an das Bayerische Rote Kreuz übergeben. Der Sprinter ist Innovationsführer und steht für zuverlässige Produktqualität. Mit wegweisenden Innovationen wie dem serienmäßigen Seitenwind-Assistenten, ADAPTIVE ESP® und dem Totwinkel-Assistenten setzt der Mercedes-Benz Sprinter weltweit Meilensteine. Wir sind stolz auf das langjährige Vertrauen, das das Bayerische Rote Kreuz in unseren Sprinter setzt.

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