Treff für Filmfans vor dem Aus

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Kassel Seite 6 Bericht über Auslandsreise ausgezeichnet KASSEL. Sie freut sich über einen Besuch im europäischen Parament: Lisa Vaupel, Auszubildend...

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Kassel

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Bericht über Auslandsreise ausgezeichnet KASSEL. Sie freut sich über einen Besuch im europäischen Parament: Lisa Vaupel, Auszubildende zur Orthopädieschuhmacherin bei Schott Orthopädie-Schuhtechnik in Homberg, ist die Gewinnerin des ersten Nordhessischen Mobilitätspreises. Ihr Bericht über ihren Auslandsaufenthalt überzeugte die Jury, zu der auch die nordhessischen SPD-Europa-Abgeordnete Martina Werner zählte. „Es ist mir ein besonderes Anliegen, Europa und die Region Nordhessen so eng wie möglich zu verknüpfen“, sagte Werner. Weitere Preise gehen an die Auszubildende zur Damenschneiderin am Kasseler Staatstheater, Clara Merkel, und den Maurer-Azubi Oliver Disse (Rennert Bauunternehmung Kassel). Erstmals war der Preis im Rahmen der dualen Ausbildung (Erasmus+) von der IHK Kassel Marburg und der Handwerkskammer Kassel verliehen worden. Welche Wege führen ins Ausland? Mit dem Projekt „Mobilitätsberatung der hessichen Wirtschaft – Arbeit und Lernen in Europa“ informiert Matthias Werner, Mobilitätsberater der Handwerkskammer Kassel, Auszubildende und junge Fachkräfte, Ausbildungsbetriebe und Bildungsträger. (rax) Infos und Kontakt unter www.arbeiten-und-lernenin-europa.de; E-Mail an: [email protected]

Kurz notiert Ersatzbusse fahren zu neuen Zeiten Aufgrund von Gleisarbeiten fallen bis zum 30. Juli Züge des Regionalexpress RE 9 zwischen Kassel und Eichenberg aus. Für diese Strecke sind Ersatzbusse im Einsatz. Die Fahrzeiten haben sich seit gestern geändert: Von Kassel Richtung Eichenberg fahren die Busse jeweils neun Minuten früher, in Richtung Kassel 16 Minuten später ab. Die Fahrt um 7.24 Uhr bleibt unverändert. Längere Reisezeiten sind zu erwarten. (rax) Weitere Informationen unter Tel. 0800/ 22 35 54 6.

So erreichen Sie die Lokalredaktion: Frank Thonicke, � 05 61/203-24 31, Fax: 05 61/203-24 00, [email protected]

HNA

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Montag, 17. Juli 2017

Rettungsaktion für die legendäre Videothek von Eckhard Baum

Treff für Filmfans vor dem Aus Aus der weltweit ältesten Videothek in Kassel soll ein Zentrum für Filmkultur jenseits des Mainstreams werden VON AXEL SCHWARZ KASSEL. Nach 42 Jahren soll nun endgültig Schluss sein – oder eine neue Geschichte beginnen für die laut GuinnesBuch der Rekorde älteste Videothek der Welt, falls sich genügend Mitstreiter finden. Filmverleih-Pionier Eckhard „Ecki“ Baum, inzwischen 79 Jahre alt, hat sein legendäres Geschäft an der Erzbergerstraße per Ende Oktober gekündigt. Fachkundige Filmfans wollen den Laden als Kulturgut retten und ihn zum Zentrum für besondere, schräge Kinokultur jenseits des Massengeschmacks machen. Davon hat Baums Fundus reichlich zu bieten: Unter den 13 000 Titeln – meist DVDs und Blu-rays, aber auch alte Magnetband-Formate und Super-8Filme – sind ungezählte Filmperlen, die man sonst nirgendwo leihen oder streamen kann. Das in vier Jahrzehnten kuratierte Spektrum reicht vom abseitigen Kult-Thrash bis zum schwarzweißen Kunstfilm der 1960er. Das ist der Vorzug eines Orts, der im Zeitalter von Netflix, Raub-Downloads und Blockbuster-Filmkommerz wie aus der Zeit gefallen scheint.

Niedergang der Videotheken Schon seit Längerem ist der Ladenbetrieb für Baum kaum mehr als ein Hobby. Er liebt es, mit Filmfreunden zu fachsimpeln, doch die Verleihkunden werden immer weniger. In den goldenen 1980ern gab es im Raum Kassel mal über 70 Videotheken, aktuell sind es im Stadtgebiet neben Baums Film-Shop noch zwei. Nur weil seine Frau immer mal finan-

Mit Unterstützern könnte es weitergehen: Inhaber Eckhard „Ecki“ Baum (von links), Medienrechts-Professor Dr. Murad Erdemir sowie Christoph Langguth und Ralf Stadler vom Kasseler Verein Randfilm. Foto: Koch ziell aushelfe, habe er zuletzt die Ladenmiete finanzieren können, erzählt Baum. Jetzt sei aber der Punkt da, wo es so nicht mehr weitergehe. Die Geschichte, wie alles in Kassel begann, wurde in etlichen Medien immer wieder erzählt: 1975, zwei Jahre bevor in den USA die erste Videothek eröffnete, machte der gelernte Schriftsetzer Baum seinen Film-Shop auf – zuerst an der Fuldatalstraße in Wolfsanger. Anfangs verlieh der passionierte Filmfan Super-8-Fil-

me, bis die ersten klobigen Videogeräte und -kassetten auf den Markt kamen. Als sich schließlich der VHSStandard durchgesetzt hatte und praktische jeder Haushalt über ein Abspielgerät verfügte, kamen die Leihkunden in Scharen – und auch massenhaft Konkurrenten. Aber Baums Film-Shop was immer etwas Besonderes. Auch weil der Inhaber, der zeitweise eine kleine Künstleragentur betrieb, nah dran war an der Filmprominenz. Viele verblichene Fotos

hinter dem Tresen zeigen Baum mit Stars wie Pierre Brice, Hape Kerkeling, Fats Domino und Conny Froboess.

Interesse bis nach Australien Gerade war ein Filmteam aus Australien im Laden, um die Story von der ältesten Videothek der Welt einmal mehr zu erzählen. Aber vielleicht ist die ja noch gar nicht wirklich zu Ende: Der Kasseler Verein Randfilm, der seit 2014 das gleichnamige Festival für abseitige und vergessene Filmkunst

Ein Kulturstandort der Filmstadt Kassel Organisatoren des Randfilm-Festivals sehen den Laden als ideale Ergänzung ihrer kulturellen Arbeit

S

ie stehen auf abseitige Filmkunst, auf LeinwandTabubrüche und auf Klassiker des schrägen FreigeisterKinos: Es sind Streifen wie David Lynchs „Eraserhead“ oder Tobe Hoopers „Texas Kettensägen-Massaker“, die Christoph Langguth und Ralf Stadler begeistern. Die Beiden gehören zu den Machern des Randfilmfests, einem noch ungeschliffenen kleinen Juwel in Kassels Kulturlandschaft. Seit 2014 zieht das Festival nicht nur hartgesottene Fans, sondern ein breiteres filminteressiertes Publikum an. Im Vorjahr kamen über 800 Besucher, für die nächste Auflage ab Ende September werden RegiePromis wie Dominik Graf und

Hans W. Geißendörfer beim Randfilmfest erwartet. Dass in der „Filmstadt Kassel“ (Langguth) die weltweit erste Videothek mit ihren vielen Filmspezialitäten sang- und klanglos von der Bildfläche verschwinden soll, damit wollen sich die Mitglieder des Kulturvereins Randfilm nicht abfinden. Als Begegnungsstätte zum Austausch für Filmfans wollen sie den Laden erhalten, auch als kuratiertes Archiv für besondere Leihfilme und als Museum der Video-Ära-Geschichte – „vielleicht auch mit einem kleinen Cafébetrieb“, sagt Langguth: „Wir arbeiten an einem langfristigen Konzept und planen dort auch Filmabende aus unserem Randfilm-Spektrum.“

Mit einer Spendensammlung per Crowdfunding wollen die Randfilmer erreichen, dass zunächst für ein Jahr die Miete aufgebracht werden kann. Zudem haben sie sich auf die Suche nach Sponsoren und Fördermöglichkeiten begeben.

Exkursions-Ziel für Studenten Prof. Dr. Murad Erdemir unterstützt sie dabei. Der Vize-Direktor der Hessischen Landesmedienanstalt lehrt auch Medienrecht an der Uni Göttingen und kommt regelmäßig mit seinen Studenten in Ecki Baums Videothek, um ihnen Einblicke in den Wandel des populären Filmkonsums zu geben. Als aktueller Präsident des Lions Clubs Kassel will Erdemir

das Thema Film auch dort einbringen: Für November hat er den Videotheken-Pionier Baum zu einem Vortrag eingeladen, um dessen „Lebenswerk ein wenig zu würdigen“. Es sei „bedauerlich“, so Erdemir, dass die Stadt Kassel dies bisher „in keiner Weise“ getan habe: Aber noch gibt es Gelegenheit dazu.“ Vom 24. Juli bis 29. August macht Baums Laden erst mal Betriebsferien – diese Zeit wollen die Randfilmer nutzen, um „Leute in den Laden zu kriegen“ und für ihre Rettungsaktion zu werben, sagt Ralf Stadler. Ein filmbezogenes Kulturprogramm mit Livemusik, Vorträgen und Fan-Treffs werde gerade erarbeitet. (asz) Kontakt für Unterstützer: [email protected]

veranstaltet, schmiedet Pläne für einen Weiterbetrieb als Begegnungsstätte für Filmfans. Eckhard Baum hat zwar schon sicherheitshalber einen Räumungsverkauf anberaumt, wäre aber ausgesprochen glücklich, wenn sein Werk durch die Rettungsaktion erhalten würde. „Dann wäre ich bestimmt ein, zwei Mal pro Woche hier“, sagt der Pionier, der immer auch der Letzte seiner Zunft sein wollte: „Vielleicht stehe ich hier mal eines Tages einbalsamiert in der Ecke.“

HINTERGRUND

Fünf Wochen lang Aktionen im Laden Vom 24. Juli bis 29. August, wenn Eckhard Baum Betriebsferien macht, will der Verein Randfilm den FilmShop an der Erzbergerstraße mit einem Alternativprogramm bespielen und für die Rettung des Ladens werben. An allen Samstagen in diesem Zeitraum gibt es von 14 bis 22 Uhr einen VerleihNotdienst: Filme kann man dann für jeweils eine Woche zum Zwei-Tage-Preis ausleihen. Falls sich keine andere Perspektive für einen Weiterbetrieb abzeichnet, gäbe es in der Zeit vom 30. August bis zum 28. Oktober einen Total-Ausverkauf der Filmbestände. (asz)

Das gibt’s nur bei Ecki Baum: Raritäten für den besonderen Filmgeschmack

Sekten-Thrash: „Crossclub“von 1999 ist das Regie-Debut des gebürtigen Kasselers Oliver Krekel, der auch selbst mitspielt.

Japans Lieblings-Ungeheuer: Die Tricktechnik von 1967 wirkt heute eher putzig als gruselig – daher freigegeben ab 12 Jahren.

Für Kenner: Der Regisseur Sergio Martino gilt als Altmeister für alles, was mit Horror, Sex und Kannibalen zu tun hat.

Harter Stoff: In den Werken des kanadischen Undergroundfilmers Bruce LaBruce geht es explizit und nicht jugendfrei zu.

In eigener Sache: 2007 wurde Olaf Saumers 57-minütiger Dokumentarfilm „Eckis Welt“ beim Kasseler Dokfest uraufgeführt.