U M I S M A T

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ZBITSCHRIFT f O r U M I S M A T HERAUSGEGEBEN VON J. MENADIER UND K. REGLING. DREIUNDDREISSIGSTER BAND. BERLIN. WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG 1922. ...

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keit der Beherrscher des Kietberger Landchens. Bisher war iiber das Munzwesen der Grafschaft Rietberg iiur wenig bekannt

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lichen Stadtmauer und dem Nonnenkloster Marienberg angelegte. Marktansiedlung ..... kauft das Kloster Marienberg Land in

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Kreise Jericbow I gemaclit und von Herrn Coqui zu Schloss-. Mockern deni ... auch andere Stadte ihre Namen anf die Miinz

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Grdau 8. Grote 248. Lobbecke 1 fg, Pembroke 47. Pon ton d'Amecourt 244. Reinbold 204,. Sclimidt 248. .... Trier, roraisc

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kommen; und Mopsos selbst ist nach anderen nicht der Sohn des. Apollon ... Wenn nun das kilikische Mallos eine kretische

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II 1.7 vgl, S. 11) direkt nachweisbar ist, auf den .... dann cinige wenige von Stolberg, Brcna, Querfurt, sowie einzelue

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FRI als vej-wildei'te Kaisertitulatur erscheint (H. Leuormant. Rev. Num. 1853). ..... L. hob hervor, dass es nicht mdgli

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seine danialigen Grenzen gegeben, es ist ihm also Katalonien zugelegt, weil ... ware es, wollte man das als einen wesent

N U M I S M A T I K
Sein MuTizzeichen *, das auJ3er B. 134, a. b iiur uoch der. Frankfurter Groschen B. 133 vom Jahre 1507 tragt, ist Babr-

T o u r i s m u s
Avenue du Palais de la mer - „Rive gauche“ Richtung „Port Camargue“. F 30240 LE ..... Auf Wunsch, Zubereitung vo

ZBITSCHRIFT f O r

U M I S M A T HERAUSGEGEBEN

VON

J. MENADIER UND K. REGLING.

DREIUNDDREISSIGSTER BAND.

BERLIN.

WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG 1922.

V.

Zur mittelalterlichen Miinzkunde Brandenburgs. 3. Die Hohlpfennigpragung zur Zeit des Kurfiirsten Friedricli

1.

Die Bedeutung des Netzower Fundes, den icli im 82,

Bande dieser Zeitschrift S. 93 fF. Taf. II herausgegeben iiabe. beruht darauf, dafi bier zum ersten Male die brandenburgischen Hohlpfennige der Hohenzollernzeit zusammen mit den zwei-

seitlgen Pfennigen der vorhorgehendeii Periode in einem Funde

vorkommen. Daber kbnnen wlr erst jetzt mit Sicberhoit fest-

stellen, welches die altesten in der Mark gepragten Hoblmtinzen des 15. Jabrbunderts waren. Als Babrfeldt den zweitcn

Band seines ^Miinzwesens der Mark Brandenburg" erscbeinen liefi, waren die Netzower Typen nur aus Funden bekannt, die der

ZeitFriedricbsII. angeborteii, undinExemplaren, derenFabrik auf die Eutstebung nacb 1440 wies*). Zwar war aucb fiir die Adlerpfennige aus den Funden kein Anbaltspunkt gegeben, der ibre

Kntstehung scbon anter Friedricb I. batte beweisen kbnnen; die bisber aas den Funden vorliegende JFasse gebbrt ebenfalls

der spateren Zeit an. Da aber durcb die Urkunden die Tatig-

keit einer Reibe von Miinzstatten bezeugt ist, so wies BabrA 1424 vergrabene Fund von Kl6tze soil nach Bahrteldts AufzeichnuDgeu eitxen eiozigen Stendaler Hoblpfennig enthalten a en, was B. damals fur zufallige BeimischuDg hielt (Archiv fiir Brakeatenkunde III S. 17), ebenso der Faod von Gardelegen von etwa 5C00 - UQzen des wendisclien Miinzvereins und aus dem 14. Jahrhundert einen

aolcben (Memoires de la societd de St. Pdtersbourg V S. 234). Erst dor gleichzeitige 1906 gehobene Fund von Klein-Wolfcersdorf brachte unter 1700 UDzen auch 6 Stendaler Hoblpfenniffe (Babrfeldt in Berl. Miinzbl. N P

IV 1911 S. 239).

Zur DiittQlalterlicbeu Miiuzkunde Brundeoburge.

f'eldt diesem die Adlerpfennige zu, wahrend er den Beginn der andern Geprage in die Zeit Friedrichs If. verlegte. Im Netzower Funde kommen aber die Adlerpfennige und auch die Salzwedeler Hoblmiinzen mit halbem Adler und Schlussel nicht vor.

So miissen wir aus dem Netzower Fande, da sein Um-

fang das zufallige Fehlen zweier in groBen Massen vorhandenen Geprage ausscblieJit, den SchluB ziehen, dafi die Miinzea mit dem Stendaler Wappen und mit dem Helm nicht niir die ersten iu der Mark gepragten Hohlpfennige sind, sondern auch zeitlich

den Adlerpfennigen und Salzwedeler Pfennigen vorausgehen. In der Fundbeschreibung Z. f. N. XXXII 115 habeu wir die Hohlmunzen mit dem Stendaler Wappen als stadtische Miinzen des Stendaler Bezirkes aus der Miinzstatte Stendal,

die Helmpfennige als die entsprechenden Geprage des Berliner Bezirkes aus den jVIiinzstatten Berlin und Frankfurt bezeichnet.

Als einzige kurfiirstliche Hoblmiinzen steben diesen die Adler pfennige gegeniiber, die zur Zeit Friedrichs I. ausschliefilicb in Brandenburg gepragt wurden. Um diese Zuteilung, wie a, a. 0. S. 11(3 versprochen, zu recbtfertigen, miissen wir auf die brandenburgische Miinzgeschicbte des 14. Jabrhunderts zurilckgehen und deren wich-

tigstes Ergebnis, den Erwerb des Pfennigmiinzrechts durcb die beiden genannten Bezirke und die gleicbzeitige Einfiihrung des ewigen Pfennigs, naber untersuchen. Die Salzwedeler Verhaltnisse sind scbon Z. f. N. XXXII 115 ff. ausfiihrlich behandelt.

Zwei wicbtige Auderungen im brandenburgiscben jMiiuzwesen, die Einfiihrung des ewigen Pfennigs statt des jabrlicben Miinzwecbsels und die Pragung von Hoblmiinzen an Stelle

der zweiseitigen Denare, werden zum ersten Male in einem Reformversucb des Markgrafen Ludwig I. vom Jabre 1345 angestrebt (Riedel, Codex diplomaticus Brandenburgensis Berlin 1837 ff. C I S. 22 n. 21). Beide kamen erst viel spater zur Durebfubrung, der ewige Pfennig 1369, aber nur in den Bezirken Stendal und Berlin, die Hoblmiinzen zu Beginn der Hohenzollernberrscbaft.

208

H.

Heioeken:

Wir Lodewicli . . . hehenneuj dat tvij von hede imd amvysung icegen lieren geistlikm und werlililien unser lande, tinses rades, riddern^ Icnapeny horgern tmd gebnyei}, bcdaclit hthen tend hedenlcen den gehrelcen uvd hestverung der mtmie, di si hetlier an dese tiji stverUg gedrugen hehen zmd gehat^ ^md ivillen di af gm latcn und di land hedenlcen met eyner etvigcn steden und unverivandeldcn mttnien, also dat man vorhat ne^nen

und geven sal dry punth penninge der sclven mnntey vor eine. lodige marlc sulvers, wan ivi anders Icein sulver iven

lodicli hehen ivillen^ und di penning solcn hoi sin imd

nicht gevuretf darum dat man si deste mynrc geergevn moge,

Di witte und di wering der penninge sal hcsten hi) einem lode. So sollen vorhat alle di da penning guide hcben van oren undersaten to rechier plege und gelt tyt hue i^enning der m^mte vor einen hrandetiborgschen pennig^ di ivi ufgenomen hehen und ufnemenj ane weder rede nemen Oh

wil wi halden und halten laten to nemen vefle lialven virding hiand. sulvers und to geven vor eine lodige marlc.

Auf die Bitten und Vorbaltungen seiner TJntertaiien^ der

Herren geistlichen und weltliclien Standes. seiner Rate, der

Ititterschaft, der Burger und Bauern, hat sich der Markgraf also entscblossen, eine dauernd giiltige, dem jahrlicben Wecbsel nicht unterworfene Miinze einzufiihren. Da die neuen Pfennige inren einmal festgesetzten "VVert bebalten sollen, so werden sie

in em festes Verbaltnis zur Silbermark gesetzt, die von jetzt

an nicht inebr die brandenburgische oder stendalscbe Mark, die den jedesmaligen Feingebalt der Pfennige im Gewicbt von einer Mark enthiolt und darum Scbwankungen unterlag, sondern die feine Mark sein sollte. t'ber das G-ewicht der neuen onnige wird keine Bestiinmung getroffen, dagegen soli ibr friibercn Vorordnungen n a 1333, fiir Stendal und Kyritz 1343, gingen 340

Pfenn.ge auf die 14V,lotige Mark, „aeh eine™ fur das gauze

Land gultigen ErlaB von 1H34 auf die U'/.lotige Mark 348

Pfennige (Kiedel A XV S. 91 n. 118, A XV S. 109 n 144* Gercken 11 S. 356 n. 305). Wahrend der Feingebalt dor neuen Pfennige urn ein weniges beraufgesetzt wurde, wird das Feingewicht etwa auf die Halftc vermindort, 675 Pfenuige sollton.

Zur mittelalterlicben Muozkuade Brandenburgs.

209

aut' die 151otigc i\rark gehen! Auf die feiiie Mark giiigen namlich von den neuen 720 Stuck, von den alten Pfennigen 371, rcsp. 384 Stuck. Das wirkliche Verhaltnis der Miinzen von etwa 2:1, wie es aus diesen Berechnungen sich ergibt, sollte beim rmtausch zugrunde gelegt werden, indem kiinftig statt eines alten zwei neue Pfennige gegeben werden soUten.

Der MiinzfuB sollte geandert, aber nicht verschlechtert werden. D a s Ve r h a l t n i s z w i s c h e n a u B e r e m u n d i n n e r e m W e r t e d e r

Miinze blieb das alte: nur die Miinzbezeichnung erfubr eine

I^linderungAuf unsere modernen Verhaltnisse uberfcragen bedeutet das so viol, als wenn das Deutsche Reich als hochste ertstufe nicht mehr 20-Markstncke, sondern lO-Markstiicke

auspragen lieBo. diese aber als Doppelkrone bezeichnen wiirde. Uppc clat^ dat loi un$e mimte af laten gen mid dat di under munte unverwandelt^ alse vor gcschreven is, ewichlig sal hhjven in aller marie und dat ivi alle den^ di gulte in den munten

haben, si $hi geistlig oder tvcrliligy ire gut wedergeldefi solen, und den muntmeistern ore iar tmd hcreitscliap, die si

gegeren hcheny weder legem und geiven xvilUn und solcn; de,'i hehen uns di land gemenlig gevolbord to gcven^ icdig man von dem st^^ec^cc geldes ein lot to sand Mertyns dage, di nu neliest to liomend is^ und ein lot sulvers up sand Walpurgen tag, di oh neliest Icomtj und iczUg gehur sal geven van sinie erve van io dem stuche iippe di vorhenanden dage,

hesunderlig up io dem dage, ein lot sulvers. Da die neuen Pfennige beim Umtausch gegen die alten l^einen Gewinn fiir den Landesherrn ergaben, der aus dem j«brlichen Wechsel fliefiende t'berschufi von 25 Prozent der

gesamten Pragung aber kiinftig fortfiel, so brachte die Neuerung einen bedeutenden Ausfall an regelroaCigen Einnahmeu ^iiit sich. Und diese waren zum Teil nicht mehr im Besitze

^es Markgrafen. Schon zur Zeit der Askaiiier, zuerst 13U9 bezeugt (Ricdcl A XXI S. 108 ii. 27), in stMverem Mal5e aber Der Grand war vielleiclit AoechluB an das lilhiscbe MCinzsyatem:

13-i6 wird dort die Mark 14'/, lOtig ausgebracbt und ko^tet 3 Miuk = 48

Scbillingo : dio lOtige Mark kostot dann 63 ScbilHnge (Grantoff, Geecb. dea

bibeck. MilnzfufJes bis zum Jahre 1463: historlsche Scbriften III, Liibeck 1836 S. 12o), Zeitichrift

fUr

Numismatifc.

XXXUl.

14

210

H.

Heinekeo:

unter Ludwigl. waren die gesamten Ertrage der Miinzstatten an TJnternehmer, monetarii, wie sie ohne TJnterscheidung von

den lliinzmeistern in den Urkunden genannt warden, verpaclitet worden, einzelne aaf eine bestimmte Summe festgesetzte Kenten befanden sich in den verscliiedensten Handen. Alle dieso

Berechtigten muBten entsebadigt werden, was in einheitlicher, bier nicbt zu erbrternder Weise gescheben sollte. Die Kosten sollte das Land iibernebmen durcb Leistung eines Scbosses von zwei Lot Silber von iedem Stiicke Geldes oder Besitzes i). Nach Bahrfeldta Ausfiihrungen (I 1889 S. 235) hatte der Entwurf den Zweck, den Landesherrn durch eine starke Verschlechterung der Miinzen

ans seinen fioanziellon N6ten zu befreien. Der jabrliche Wecbsel fiele zwar fort, und datnit der jahrlicbe Gewinn von 25 aus jeder auBgemiinzten Mark, aber dat'iir -wiirde er einen eicmaligen Vorteil Ton 2l2®/o gebabt haben. B. recbnet so, daB der Entwurf von 1346 die AuBbringung von 60 Scbillingen = 720 Pfennigen aus der 15lytigen Mark anordne, wabrend von den altco Pfsnnigen 340 auf die lolQtige Mark gingen. Wenn dies ricbtig wtire, so batte der einmalige Gewinn uur 1127o betragen; denn beim Wecbsel batten 340 noue Pfennigo fiir die gleicbe Anzabl der alten ausgezablt

werden mQsaen, der Gewinn biltto also nur 380 Pfennigo betragen. Da aber zwei neue itlr einon alten Pfennig gegeben werden sollten, was B. niclit

beacbtet, so fallen weitora lOG"/^, fort; die 127^ Bcbliefiiicb reduzieren

Bich auf 8V3 den Unterscbied von ^ gegen denn die alten Pfennigo sind nach der von B. berangezogenen Urkunde von 1333/43 nicbt

15-, sondern nur li^a'^tig: „qQod quevis marca subsistat pura et alba licet in ipsa unum lotum et quatuor denarii deficiant"; Denarius ist der

zwSlfte Teil des Lotes, 4 denarii also Lot, so daB nicbt 363, sondern

371 Pfennige auf die feine Mark geben. — Ein Gewinn aus der Muozo war also weder beabaicbtigt nocb m6glicb, vielmebr sollte der Verlust, wie die Urkunde deutlicb bervorbebt, durcb Einfiibrung des Scbosses gedeckt werden. Davon wird bier bei B. nicbts erwabnt, nur in seiner Urkandonflbersicbt (I S. 83) fiibrt er den ScboB kurz an, oboe aber den innercu Zusammenbang mit der Mdnzreforoi bervorzubeben. Aucb H. Spangenberg, Hof- und Zentralverwaltung dor Mark Bran

denburg im Mittelalter (Leipzig 190S) S. 301, h'alt an der Ansicbt fest,

daB durch die Auspragung von 720 statt 840 Stiick aus der 1515tigen Mark der Feingehalt um mebr als die Halfte verringert worden sei. Weun die auBzupragende Masse ISlotig war, so muBte es aucb jede einzelne darauB ausgeprUgte Miinze werden. Der Unterscbied zwiscben dem 340.

und 720. Teil der Mark bestand nur im Gewicbt, das Verbiiltnie von Silber and Zueatz war nur weoig verschieden {bier 15, dort liVg Lot). Wir haben oben erwtlhnt, daB die Verpacbtung der Mnnzstatten

Z u r m i t t e l a l t e r l i c h e n M i i o z k u D d e B r a n d e D b u r g s . 2 11

Nach dieser markgrafliclien Urkunde war die Reform verordnet wordeii van hede ttnd anwysung wegen des gesamten Landes und der Schofi vom Lande bewilligt. Anders lautet der Bericlit von der VersammluDg der Vertreter des Landes.

der Stande, zu Berlin am 26. September 1345, auf der sie in

Gegenwart von Abgesandten des Landesherrn Stellung zu dem Miinzerlafi nahmen (Kiedel C I 24 n. 23):

schon unter den Aekaniern ihren Aofang oahm. Die alteste udb erhalteoe TJrkande von 1309 bezeugt es fur Preozlau (Riedel A XXI S. 108 n. 27);

quod . . . Nicolao de Berlyn dieto ei Johanni de Ergerstede monetam nostram in Priiizlav, cum dies et icrnnnus Hcysonis de Ergerstede et sttorum avticoriim exspiravit, qui exspiravit a festo beaii Jacobi nunc

proxime affiUuro ad annum integrum, ulterius prcdictis ab ijpso festo heati Jacobi ad triennium coniuUmus pacifice possidendam ci ulterius predictis contulimus et commisimus ipsam monetam ultra ad spacium triuvi

annorum immediate subscquencium, quos quidem annos a Nicolao dicto de Tzervest et a Ludolfo seyiiore, monetario in Primlaw, suis denariis

comparavcruntpredictis denuo contulimus ijysam monetam per sex annorum S2)acium continue subscqucniium, quieie ei pacifice possidendam. Item predictis monetam nostram in Prinzlato cominisimus, locavimus ct coniulitnus per septcm annorum spacium immediate subseqtieniiwn et contituie decurrcncium pacifice possidendam^ regendam et gubernandam. Die Miiozstiltte befaod eich im Jahre 1309 im Pachtbeaitz Heysos

von Ergersted und seinor Freunde. Nacb Ablauf ibres Termins, zu Jakobi 1310 sollten Nikolaus von Berlin und Johann von Ergorsted ibre Pacli-

tung, die auf 6 Jahre, also bis Jakobi 1316, lautete, antreten. Fur die letzten drei Jahre 1313—1316, batten bereits Nikoiaus von Zerbst und dor Prenzlauer Miinzmeister Ludolf der Aitere Ansprucbe auf die iUiiazsttttte, die eie aber an die nenen Pachter vorkauft batten. — Dieser Vertrag etimmt in-

baltlich genan Uberein ujit den epUteren, in denon Ludwig I. die Prage-

statten Stendal und Kyritz verpachtet Die auCerst verwickelten Pacht-

vertrUge bat Bahrfeldt in seiner UrkiindentiberBicht (I S. 36 ff.) aufgeiuhrt und zu entwirren gesncbt. Er bezeicbnet dort die monetarii aU Miinzpachter im Gegensatz zu den berufamaSigen Manzmeistern, die ebenfalls monetarii in den Urkunden genannt werden, und bebt (I S. 13) hervor, daB die Pachter gelegentlich selbst Miinzmeister waren. Diese Scbeidung wird auch in dem

Verzeichnis der Miinzbeamten (I S. 295) darcbgefiihrt. Die Urkuade von 1309 dagegon wird Bchon von Riedel a. a. 0. irrtiimlich mit den Worten iibersobrieben: „Markgraf Waldeniar bestallt Munzinoi.-ter zu Prenzlau uew.**, und ebenso dann von Babtleldt (1 S. 42);

* «Markgraf Waldeniar bestallt Mtinzmeiater in Prenzlau", dor infolgede.ssen

hier und in seinem Manzbeamtenverzeichnia alle in dieser Urkunde 14*

U.

212

Heinekeo:

Nach godes gebort drittcinhundert jahr in deni vif toid viriigesten jahre, ait dem negesiev. manedage vor siinte Michills

dage toas ein sammeminge to dem olden ^Berlin met zvillen tinses hcrcn des marJcgrevetiy von greve Ulriche van Lindotv unde van olde Hasse von Wedele, 'di dar weren von unsses

lierren wegen^ des marlcgreveuy itnd von der laud ivegen von de)' railigcvei'n der ehrVtlcen vedere der hiscoxic von Brandenhxircli unde von Havelberg, von all tmss hcren mannen^ riddern und Icnechien^ von alien steden^ die unsses heren des marlcgrevcn si7i, alse hir nahescreven sieii: ut der olden Marlce^ von over Elve, tiviscJien der Elve tmd der Odcre and der

Eldena^ von den sicden ut der Ulcere und von den steden

over Oder, umme die mnntigey die tinsse here di marhgreve aflegen will wedder den willen des landes', und darselves

ward des gemeinliJcen ovcrein gedragen von alle den, die von

des landes dar gesament weren, dat si itnssen heren hidden

und malmen willen, dat hi ttnss alle lata hi sodanen genaden utid rechtc, alss hi unss gefunden heft und vorhriefet, und

uj7i7nc desse vorbemimede sahe heft tm^ise here geleget in deme lande ein sehot, dat deme lande undrtchtUlce is: tvolde unsse

here miss des vordregen und vorlatn}, dat nehme ivi gerne'. mach deuve des nicht gerin, so hehhe tvi, mann und horgere, 0VC1 ein gedragen, dat toi des schotes vicht en vermbgen to getven von kUinmerachtichcit des landes.

genannten Pachter als MiinzmeiBter auffuLrt. Nach seiaer Interpretation

der spateren inhaltlicb mit diesen ilbereiastioimendon Urkunden ist als

Munzmeister erwiesen onr Ludolf der Altera, zu dessen Namen „uionetariuB

in Prinzlaw" binzugesetzt wird. 1311 wird au8er Ebel, der sich nicbt unter den Pilchtern befindet, noch Heyeo, wohl identisch mit Heyeo von Ergerated, den B. bei Erwabnung der Urkunde (I S. 42) auslifit, als Munzmeister an gefiibrt (Eiedel A XXI S, 111 n. 31). — Auch in zwei anderen Fiillen at Babrt'eldt zu Behr Riedele tTberscbriften vertraut; bei der Urkunde 2. Juni 1336, Riedel A I S. 369 n. 8, lautet Riedels tJberschrifc:

^Markgraf Ludwig iiberlaBt die Kyritzer Miinze einigen Biirgern zu Stendal

vierzehn Jahre im voraus." Es sind aber nach dem Texte der Urkunde

nur 8 Jahre, B. I S. 40 schreibt das nach und wundert eicb (S. 47) fiber Doppelverpachtung. Die Urkunde (Riedel A I S. 373), Miinzrente in Kyritz, laBt Babrfeldt aue,von weil1344 R. nur iibersciireibt: „Markgraf udwig vereignet dem in der Pfarrkirche zn Kyritz gegriindeten Marienaitar * Hebungarecht in Karietzow."

p

Zar mittelalterlicben Miinzkande BraDdenburgs. 213

Aut' diesem Landtage, der ersten seit langer Zeit urkundlich bekannt gewordeneu allgemeinen Vereinigung der Standc^), waren anweseud auBer den landesherrlichen Al)-

geordneteii Vertreter der Bischbfe von Brandenburg und Havelberg, des Adels und der Mannschaft, sowie samtlicher unmittelbaren Stadte der Altmark, Priegnitz, jVIittelmark, Uckermark

und Xeumark. Sie erheben Einspruch gegen die Abschaifung der bisherigen ^Eiinze, da es gegen ihren Willen und unter Verletzung ihrer verbrieften Reclite geschehe. und gegen Einfiihrung des Scbosses, den das Land nicht leisten konne. Um

diesen SchoB dreben sieh alle weiteren Verhandlungen und Bescbliisse. Seine Erbebung zu verbindern, schliefien sie ein

testes Biindnis jsu gegenseitigem Scbutz ab, dessen einzelne Bostimrnungen wir nicht verfolgen wollen. Ok en seal en (jeDGn maun noch en geyen stat hesmideren

einiyes ziurechts silc overgewen^ sonder unses heren gnaden und vidbort cd deVy di hirvorhescreiven sind, Weret dat noih

were, des got en nicht getve^ so schblen die land^ die vorbesckreven stan, tU jeJliJcen lande ixvc tmses heren mann und

tivc horyere von den deden senden^ dare es noth si, di alle vnlhort und alle macht hebhen tit sulcende na genaden unss hereny des marlcgreveny dat ivi hi rechte blitven. Wie die StUnde sieb gegenseitigen Beistand zusiubern,

wenn einer von ihnen wegen dieser Sacbe iji Kontiikt mit der

Hcgierung gerilt, so wollen sie auch gemeiiisani ibre Rechte

vor dem Landesherrn vertreten dureh eine Abordnung, in der

joder Bexirk durob je zwei Ritter und je zwei Biirger vertreten sein soil.

Diese standi^;be Vereinigung ist das erste urkuudliche

2eugnis fur eine Mitwirkung der StUnde bei der Miinzgesetzgebung, und sieher ist sie auch in Wirklichkeit die erste gewesen^). Aucb bier konuten sie eine landeshorrliclie Miinz') SpaDgeoberg a. a. 0. S. 301.

') G. A. V. Mulverstedfc, Die altere Verfaaeung der Landstiinde in der Mark Brandenburg (Berlin 1868) S. 246f. und Bahrfeldt (I S. 32) nehmen an, dali die Markgrafen bei alien landeeherrlichen ilunzverordnungen an

die Genehmignng dutch die Stfijide gebunden gewesen seien. Der Zueatz zu den Urkunden: „mit rade unsers rades" und aboliche, aus denen sie das

I

n.

214

Upinekeu

verordiiuDg our dadurch verhindern, daB sie die dazu iiotigen Mittel, die sie selbst aufbringen und deshalb genebmigeii muBteii, verweigerten. Der von den Standen verfaGte Sitzuiigsbericbt ze\gt deutlich, daB es ihnen nur deshalb um Verbinderung dor neueu Miinze zu tun war, well ihnen in Verfolg dieser Neuerung eine bedeutendo Belastung ihres Vermogeiis zugemutet wurde. Es ist schwer einzusehen, was sie gcgen die Ein-

fiibrung des ewigen Pfennigs selbst einzuwenden gohabt hUtten» Tatsachlich fiihren sie ja auch keinen Grand dagegen an. I)er Vorteil, der in dem Aufhoren des jahrlichen Miinzwecbsels und des damit verbundenen Verlustes von 25% alios baren

Vermbgens lag. kam ihnen alien zugiite, so daB man der markgraflic'hen Urkiinde wohl glauben kann, wenn sie als Grund fiir die lieform die Bitten der gesamten Untertanen, • d. h, Stande, angibt. Ebensowenig konnten sie gegen die Art, wie der ewige Pfennig ins Leben treten sollto, Bedenken haben. L)enn beim Einwechseln der altcn gegen die noiion Pfennigc scbliefien, bezieht eich abor auf den markgrHflicben Rat, der, vom Landcs-

berrn aus MilODern seines Vertrauens berufen, an alien wicbtigen RegieruagshandluQgeQ teilaitnoat, wie von SpaDgenberg a. a. 0. im I. und 2, Abscbnitt ilberzeugend nacbgewiesen wird. Die Stande waren ini 14. Jabr-

hundert nocb nicbt feat genug orgaoisiert, um wie an der Muozgesetzgebung, BO an der allgetneinen Verwaltung standig Anteil ?!U nehmen, nur bei aufierordentlichen Leistuogen wurdon sie beraogezogen (Spangenberg S. 104). Bei dem Verkauf der Salzwedeler Mtinze 1314 (Riedel A XIV S. o2 n. 67) wird nur erwabnt: de maturo consilio nostro7'um comilioruw', bai dem Verkauf der Miinzen des Stendaler und Berliner Bozirkea 1369:

rade unset' rad geven und liwcn getrciven (s. unten), Selbst bei so

wichtigen EescbliisBen wurden also die Stilade nicbt gefragt. AuBer iin

Jabre 1345 iat nur einmal die Mitwirkung der St^ade bezeugt, bei der MUnzordnung von 1347 (Riedel A XIX S. 209 n. 63): Wir Ludivig bekennen, dafi unser houptmann in der inarke, Friedrich von Locken, der

xinsern vollen gewalt kattc zu den zcieien von unsern tvegin, gcred und (jeteidingi hat niit unsera rats, unser lande und unsir stete und viit loilkor der miinttmeisier. Hier werdeu also Land und Stadto besonders aufier dem

Rate aafgefubrt, ein Beweie dafUr, dafi sie nicbt mit dem Rate identiscb waren. Fand somit eine Mitwirkung der Gesamtstande am Miinzwoeen nor auaaahmeweise statt, bo batten sie innerbalb ibres Bezirkea auf

dirt Mtinzverordaungen, die den Bezirk allein betrafen, einen grofieren EiofluB, wie der Gang unserer Untersuchuog fiir die Altmark und Mittelmark zeigen wird.

Zar mittelalterlicben MJlozkunde Braodenburga. 215

(M'litten sie, wie wir geseheii baben, keinen Verlust. Der einzige Grund ihrer Ablehnung ist in der Abneiguiig gegen die geplante

Erhebuug des Schosses zu suchen. Da der Markgraf, der iiber cigene jVIittel nieht verfiigte, nur durch Be^villigung der^niitigen ♦Summen durch die Stande in die Lage rersetzt werden konnte,

den jabrlicben Miinzwecbsel abzuschafFen, so fiel mit dieser Weigerung aucb der ganze Entwurf. Die Scbwierigkeit, die Gresamtbeit der Stande, die noeb obne feste Organisation waren, zu einem gemeinsamen BescbluB, der aucb die scbwierige Erage der Ablbsung der Miinzreuten und der dafiir aufzubringenden Kosten regelte, zu vereinigeii, wird der Grund dafiir gewesen seiu, daC wir weder von seiten

dos Markgrafen nocb der Stande von Verbandlungen horen, welcbe die einbeitlicbe Einftibrung der Reform im gaiizen Territorium zum Gegenstand gebabt Iiatten.

Was fiir das gesamte Land als undurcbfiibrbar sicb erwiesen batte, wurde bald darauf aber in einem einzelnen

Bczirk, der Altmark von neuem versucbt, woriiber uns eine Urkunde Ludwigs I. vom 13. November 1351 uuterricbtet {Ricdel A XV S. 40 n, 185):

Oh hehennc tvi, clat loie use (jetrmve borger tu Stcndal be-

(jnadet hehhen dorcli not tiser land ivile hi der olden Marlce,

iver daiy dat se met rade und volhort user ratmanne davorheHutncd&ft stedc (namlicb Alt- und ^©ustadt Salzwedel, Scebauseu, Gardelegen, Tangcrraunde, Osterburg und Werben) die Brandenhorchsse mtinie vorandern oder verwisseln hunden in den ewighen ]}cnnyn(jy dcs dat geschege met

volhort wind ivillen alter der, die rente und lehen oder gut in der muntye hehhen, so schole wi sie dar tu hehelfen sin des best en des ivi moyen in alien tiden,

Der Markgraf verspricbt der Stadt Stcndal, ibr zur Ein-

tubrung des ewigeu Pfennigs in der Altmark zu verbelfen.

wenn es ibr gelingen wiirde, die ^ustimmung dei andein Stadte zu gemeinsamen MaBregeln und die Einwilligung der Rentenbesitzer zu crbalten. Stcndal ersc-beint bier als Hauptstadt

der gesamten Altmark und Vertreter aller unmittelbaren Stadte,

aueb Salzwedels, dessen Miinzstatte seit 1314 im Besitze der Stadt und der Ritterscbaft sicb befand. Der Landesberr ver-

216

H.

HeinekeD:

bandelt nicbt mit den einzeliien Stadtcn, sondern nur init deren wichtigster, die ihrerseits sicb mit den andern Stadten

in Verbindung setzeii soil, um einca gemeiusainoii Bescliluii

herbeizutiibren. In spaterer Zeit, als die standisobe Vorfassuiig

eine feste Organisation erbalten batte, waren die Stadto der

einzelnen Landesteile zu Vervvaltungsbezirken unter Leitung ibrer Hauptstadte vereinigt, die iiacb vorberiger genieinsamer BeschluBfassung ibre uacbgeordneten Stadte auf den Landtagen vertrateni). Die Stelluug, welcbe Stendal in den Verliandlungen von 1351 einnabm, ist eins von den Elementen. aua

denen die spatere dauernde StUdteorganisation in der Altmarlc

crwucbs. So wenig man aus den Zeugnissen von 3345 auf

ein dauernd geiibtes liecbt der Gesamtstande, an der Miinzgesetzgebung teilzunebmen, scblieiien konnte, su wenig gibt uns die Verbandlung mit Stendal das typiscbe Bild von der in der Altmark iiblicben Mitwirkung der Stande am Miinzwesen ihres Bezirkes. Hier wie 1345 handelt es sicb nicbt

um einen Akt der gewobnlit-ben Miinzgesetzgebung, sondern

um die Frage, wie die notwendigen Ifittel zu bescbaiten seien,

^enn die Einwilligung der Besitzer vou Keiiten. Lehen und \ ^ t-llunze, einbolen sollte,t wurde. war nur zu erbal en wenndie ibncnStendal eine Entsobadi gung gezabl AVenn an , w]e nicbt zu bezweifeln ist, die Jvosten iibernchmen

so te, so mulite es aucb seine Einwilligung zu dem Mtinzedikt A lessen Verwirlclicbung tiel zusammen mit dor l^ie I rkunde voji 1351 beweist also weder fur nocii

Aufbnngung der notigen (:!eldmittel.

^gen die dauernde Mitwirkung der Stadte am Miinzwesen. nnlh IS'iohterwabnung der Kittcrscbatt

'. Schliisse auf die Stellung zieben, die dieser zweite

I, Stando in der Miinzgesetzgebung iuno batte.

erbandlungen mit Stendal scblieiien nicbt aus, dai3 der arJigraf aueh mit der Kitterscbalt gesondert in Unterliandung stand. Sollten sie zu der Deckung der Kosten beran-

gezogen werden, was wir nicbt wissen. so war aucb ibro

iinmung zur jMiinzreform Jiotwondig. gleicbgiiltig, ob sie 'j V. Muiveretedt a. a. O. S. 46 ff.

Zur mitfcelalterlichen Muiizkand© Brandenburge. 217

sonst ill Muuzaugelegeiiheiten gefragt werden muJSteii oder iiicht. Uafi die TTrkunde von 1351 so bewertet werden muii,

zeigt der spater zu behandelndo Vertrag von 1369, durch den das zur Ausfiilirnng kam, was liier in Aussicbt geuommen wurdc.

Die nachste Verordnung t'iir die Stendaler Miinzstatte von 1354, aus der zugleich zu crsehen ist. daB inzwischen die jalirliclio Munzerneuerung nicht abgeschaift war, zeigfc uns, in welcher Weise die Mitwirkang der Stande an den Miinz-

verordnungen gesciiab (Kiedel A XVII S. 505 n. 76): Diu ivir mit all unsenn raiemanncn und steten uf dieser site der Elben in der Alden martjlce hahen (fentzlich uher eyn

gefragm und gevolbordeiy das man sal nmve pfennigs sUin^ so man idler schierst mah, die leide an wyze und xn geivichte

svhollen also gut sin alse etzweyme von alder waren die hrandenhorchsc pfennige, und dicselben pfennigs sal man varen alse recht ist gewesen von alder an christen nnd an juden.

Darumme gehicte tvir all den rittern und Icnechten^ horgern und gehuren, geisilichen und tverliclien luteuf die in derselhen Alden margJce gesezzen sint, bie unsern hidden, das sie dieselben 7iuwen pfenninge nemen sullen one ividersprake. Diese Urkunde stellt einen normalen Akt der llunzgesetz-

gebung vor; die Zuriickfiihrung des in derletztenZeit gesunkenen

]VIunzful3es auf seine friiliere Hohe. Das Gesetz ist bindend

fiir die gesamten Einwohner der Altmark; Kittern und Knappen.

Burgern und Bauern, Geistlichen und Weltlicben wird die

Annabme der neuen Pfennige befoblen. Aber zustande gekommen ist das Gesetz nur durch eine Vereinbarung zwischen Mark-

graf und Stadten, die Zustimmung der Ritterscbaft wurdo

nicbt eingeholt und war daher nicht notwendig, um der Ver ordnung Giiltigkeit zu verleiben.

Wer ouch von unsern manncn unde steten one Stendal tzijns in der munize hat, das sal uf uns sten, ivas man im geben sol in dem ersten iare, und tt-as borgei'e von Stendal dar gnne

hahenf das sol stan uf die ratmanne ze Stendal^ tmd nymand

sal sich vorhalcn oder rorgrifen an den muntgmeistern und

sin gesindc mit wortcn oder mit iverken hie unsen hiddai.

H.

218

Heineken:

Waft die vare sullen tvir und die raimannt behalden als vor geioesen ist.

Da der Miinzfufi verbessert werden sollte, so muIHe eine Bestimmung dariiber gctroffen werden, wieviel von diesen neuen

werfcvolleren Pfennigen anstatt der altcn den Rentenemptangern

auszu2:ablen seien. Der Rat von Stendal orhalt ein Mit-

bestimmungsrocht bei dieser Festsetzung, indem es seiner Ent-

scheidung anheimgestellt wird, 'wieviel seinen Mitbiirgern, die im Besitze von Renten sind, im crsten Jahre gezablt werden

sollen, wahrend fiir alle iibrigen der Landesherr sicb diose Festsetzung vorbebalt. Die JEiinzpolizei soli wie bisher vom

Itate und den niarlvgrUflichenVogtengcmeinsamausgeiibtwerden.

Durch eine einnialige Erhohung des Munzfui3es war es nicht moglicb, den friiberen Zustand wiederherzustellen, daber wurde am 23. Juni 1360 eine stulenweise auf drei Jahre zu

^elteilende Verbesserung der Miinzen verordnet (Riedel A XV S. 155 n. 203):

daz tvir . . . Hermanns Dabpn, hi'tygern m Stendal, hahen entx^lielhen unsere muntse zu Stendal diz jar., daz er die vor-

s^n sail und slan aU hisrche nach gcscri ven stei t. u dem eistenpfenni sail din er/e Brandenhurgi marci c hestan und e a en, wenne man sie hurnet^ drie lotige vierdung silhcrsy

und zii dem nehesteti jare soil man aher hezzern als viel, daz

es m dem dritten jare ividderlcomme in sine statt, und also sail ez demie vorhas bliehen, und der hrandcnhurgische pfenninge sitlei. wegen cyne marolc 29 schilinge und 4 pfenninqe durch daz jar.

Ouch stdlen die ratmanne zu Stendal dis jar Jmdere sin in

dm muntze und die biichschen behalden und die pfcnyiinge

f aJm thun, yo von der marcJc einen pfennig^ dar si alle iccge '^' egenwardig sollen sin. Si stdlen ouch darby sm, wcnne man thuet, dan man bornen sail . . . Ouch sullen misere ratmanne zu Stendal diz jar die vare hahen in

( ei muntze und uber Christen und Juden, wen si vinden oder Dvaren, der die pfen7iingc vetschci, dei- sie uzHeset ttnd ue-

zichet, die sweren uz den lichten^ den sullen sie angriefen und mil ihni varen, als recht ist, und von bruehen, die dar

(the gofallen^ sullen txveene pfenninge nnsm- sin und der dritte

Zur mittelalterlichon Munzkunde Brandenburgs. 219

pfenning der raimayine. Ez sail ouch tmser mimtzmeisier sii

Stendal unsern horgern darseJhens iren geben^ den sie dar inne hahen, als gewonlieic is. Und weret daz unser miiyiU"tncistQY 0U Stendcil diese stucJ^e also uicht Jiilde und dis

ubirfuve an ein stuclce oder meer, dar snllen wir lihir richteji

an lyp und an gud. Ouch sidUn unsere ratmanne su Btendal hcwaven uusevn miini^nieistcy zti Stendal vor unrechte geivalt und daz nlcmant an ihm sich vergreife.

Die Vare, die Miiiizpolizei, war in der liir die ganze Mark

giiltigen Yerordnung von 1347 (Riedel A XIX S. 209 n. 63)

den Ratsmanuen aller Stadte zusammen mit den Vogten liber-

tragen worden. In der Altmark iibte, wie die Urkunde von

1354 zeigte, diese Befugnis Stendal aus. Es ist aus dem Wort-

laut niclit zu erselien. ob sie sich nur auf den dem Rate unmittelbar unterstehenden Stadtbezirk oder auf den ganzenMiinz-

distrikt bezog. 1360 verzichtet der Markgraf auf seinen Anteil

an der Munzpolizei und uberlaBt der Stadt aUein die Vare iiber

Falschmiiiizer, sowie iiber Kipper und Wipper. Man darf Vare nicbt als Aufsicbtsrecht in der IVIiinze bezeiebnen. Dem wider-

spricht einmal die Tatsaehe, da6 1347 sowohlO als aucb spater 1365, wie "wir nocb seben werden (s. S. 222), die Miinzmeister

Anteil daran erhalten, so daB sie also die Aufsicht iiber sjcb selbst erhalten wiirden, ferner aufler der Lbertragung der Vatc aueh die besonders hervorgebobene Aufsicht iiber die Munz-

pragung an den Rat itn Jahre 1360. Die Ratsmannen sollen Hiiter in dor Miinze sein und standig sowohl hei der Praguiig

als audi beim Brennen des Silbers zugegen sein. Zur Kontrolle

soil von jeder ausgemiinzten Mark ein Pfennig in die Buchse gctan werden. Die Tatigkeit die bier dem Rate anheimgegeben wird, ist die des Wardeins, sie schlieBt keine obrigkeitlichen Befugnisse in sich. Denn die Gerichtsbarkeit iber den

Miinzmeister bohalt sich der Markgraf allein vor, der Rat soil ilin nur vor unreehter Gewalt sobiitzcn. Die Vare bezieht sich

auf die Aufsicht iiber das Miinzwesen aulierhalb der Munzstatte

und auf die Strafgewalt iiber diejenigen, welche widerrechtlich

V Dicser vare scohn huter sint unscr voxjgte, die ratman aller stete, die iniinttmcisier und alle ir gtsinde.

H.

220

Hdineken:

eine IHunztatigkeit ausiiben oder durcli Auskippen der scliweren

Stiicke dje Aufrechterhaltuug des MuiizfuBes gefalirdeiL Von den Strafgeldern behUlt sich der Markgraf vor, V;i dem Rate.

Es muB aufFailen, daW bei diesen wichtigen Bestiinmungon die ^Alitwirkung der Stadte, wie wir as 1354 fanden, nielit 1)6zeugt ist. Vielleicht erklart es sich daraus, daB die vorliegendo

Urkunde nicht die eigentliche offizielle Aufzeichnung ist, sonderu -nur die Bestallung fiir den iliinzmeister Hermann Balym, deni

die vorhergetroffenen und besonders verofFentlichten Abmachungc n

im Wortlaut mitgeteilt werden, weil or sich fiir seine (Teschafts^ fiihrung nach ihnen zu richten hatte.

enn man naeh den Griinden fragt, die zu so weitgehendeii

Befugnissen des Stendaler Jtlates gefiihrt haben, und oftenbar

nicht nur fiir das eine Jahr, aus dem sie uns durch die ebeii-

falls nur ein Jalir giiltige jMiinzmeisterbestallung zufallig bo-

zeugt sind, in Wirksamkeit traten, so ist einmal dafiir die Tat-

sache geltend zu machen, dali der Rat der Stadt, in deren

i auern die Miinzstatte sich befand, in erster Ijinie dafiir in

etracbt Kam. Wir finden aber, daii im beoaohbarten Berliner

iSezirk enie Reihe dieser Befugnisse in der Miinzstatte zu Berlin ^ Frankfurter Rate,Berlin, dem iibertragen Vertreterwurde. der Haupts^adt des Bezirkes neben Daraus

kann man auch fur den Stendaler Bezirk den SchluB ziehen,

aaU die Stadt dem Jfarkgrafen gegeniiber als Vertreter dor

gesamten an der Miinzgesetzgebung beteiligten Stadte gait und leser Eigenschaft die Ubertragung der Befugnisse mit verankte. "Wir miiliten dann die Urkunde vou 1360 als ein -icugnis dafur ansehen, dafi rechtlich nicht Stendal allein, sondern

r/w Stendaler Bezirk gehorenden Stadte

anHp ^al erhielt, dieibtaber von Stendal im Namen der andern lein ausgei wurden. =f:j++ Altmarkmid zwei Munzbezirke Miinzen Stendal Salzwedel bestanden,mit die den trotz der ver-

^crago le enen Stellung,Pfennigs die sie zum ^rarkgrafen einnahmen, in der des ewigen gemeinsam handelten, so zerhel die J^^^rg ittelniaund rk inBerlin. zwei Bezi t dendie jMboidon ittelpunkten in BrandenWirrke sindmiiibcr Jahrzehnte, die

Zur mittelalterlichen MOnzkunde Brandeuburgs.

221

deii Vertragen von 1369 vorausgingen, nicht so gut unterricbtet unci wissen daher nicht, ob audi hier Versuche unternommen

\vurden» den ewigcn Pfennig einzufiihren. Aus det Stendaler Urkunde von 1360 geht hervor, daiHndenbeidenraittelmarkischen Miinzdistrikten nicht derselbo MiinzfuB bestand:

Die lifennige alley wwsero* wuntznicistere salt man genteinHchen in alien ttnsern landen nemen und die pfennige sullen

ouch alle geliche gut sin, und die pfennigCy die man machi zu Brandenburg und zu Fremsloiv^ soil man in xmserm lande der marclce nicht nemen.

Die jMiinzen des gesamten Staates sollen einander gleich sein und in alien Bezirken genommen warden mit Ausnahme der

Hrandenburger und Prenzlauer Geprage, 'die in dieser fiir die

Altmark bestimmten Verordnung von dera XJmlauf dort aus-

g'eschlossen werden, also nacb einem andern jVIiinzfuB gepragt sind.

Die Verhaltnisse im Berliner Bezirke stimmen insofern mit denen des Stendaler Bezirkes iibcrein, als auch hier nur

oine markgrafliche Kiinzstatte, die Berliner, vorhanden war.

Dagegen wcichen sie in zwei Punkten von denen des Nachbargebietes ab. Die Ritterschaft, deren Anteilnahme am Miinzwesen in Stendal bereits 1354 ausgeschaltet war. tritt in dem

Vertrag von 1369 als mitberechtigt auf, ein Beweis dafiir, dafi

sie sicb ihre standischen Rochto durch die Stadte nicht hatte

nehmen lassen. Und die Vormachtstellung. die Stendal als un-

bestrittenes alleinigcs Haupt der zu seinejn Bezirke gehbrenden

Stadte im Miinzwesen einnahm, wurde Berlin, dem Sitze der

Miinzverwaltuiig, streitig gemacht durch die Anspruche Frank-

fnrts, welches als Vorort des Landes Lebus gleichberechtigt

neben Berlin stand. So wurden dieser Stadt im Jahre 1365

Befugnisse iiber die Berliner Miinze iibertragen, wie sie 1360

fiir den Stendaler Eat bezeugt sind (Riedel A XXIII S. 97 n. 139): Wir Otte heJcennen offintlichj das ivir . .. Tylen von Brugge,

bilrger mm Berlin, hahin bevolen unser mimt&e sum Berlin dis jar, dtj er vorsian sol und phenmjnge slan, als hirnach geschreben steit . .. Ouch sidlen nnser ratmanne zu Franhen-

vorde dis iar dy vore hahen in der miintze uml ouch ohir crisign und juden, toen si vindin oder ervarm, der di phetitiynge velschity der sy iislesit und t^sziit dy swerin %is den lichten.

222

H. H e i 11 6 k e n;

den sullen sij angryfin und mil em varin als rechl ist. Es

sol ouch unser munzenicisier dy rare habin oher dy, di das siller nnd dy ]}hennyngc velschen iind di) nye silber rnachin vor sante Mertins tay^ too sy di ervarn, dy sullen sy cmyrifcn

und mit en faren cds redd ist, und von den bi'ochen, dy dar abe yevidlen, sullen sive)ie i^hennynye wiser sin 2ind der rafmanne der dritte 'pliemiyng: ouch sol tinser milnzcnieister £:uni

Berlin den ^ins gehiji, den dy en darynne hahen^ als hillich ^st. Ouch sol unser miinsemeister sum Berlin dis iar di

ivechsdtinge cdso halduij das er der phennynge^ dy er gemachit dis jar 16 aide phennynge vor eynen nyen schilling und

tim dy phennynge, die er nicht gemacht hat, sol er ohircynLomen mit unsern raimannen sit Franhenorde\ das ist unser wile %ind dy ratmanne sullen mit em sulche ivege darum vinden,

das er und ouch dy land tmvorterhit bliben. 2lag er des nicht getun, so sol er alle Brandenburger phennynge, di dis iar gemachit shit^ 17 nemin vor eynen nyen schiUi))g: und ivere, das unser mi'mzemeisler mm Berlin dcse stucke nicht

also hilde und di obirtretc an eynem stucke odir an niercn, dar sulle tvir obir richten an libc nml an gute. Ouch sullen

umet Uitmanne su I'rankenvorde hewarin tinsern mitnzcnieisUr

BMn vor unrechtis gewalt und das sich m/wand an em

vorgnffe.

Wie in Stendal 1360, geschieht auch hier die Bcstallun..^

des Muiizmeisters, die Verordnuiig iiber die stufenweise Vei^

besserung des ilunzfaEes, sowie die Ubertragung der Befu"--

msse an deu Frankfurter Kat ohue Erwahnung- der stadtische^n 0 er besser der standischeu Zustimmung. Wie in Stendal er-

m der Rat unter Beibebaltung des Gericbtsstandes vor deni

arkgrafen den Scbutz des Miiuzmeisters und die Tare, die

er aber mit dem IMiinzmeister teilon soil, ohne dafi dieser An-

teil an den Strafgeldern erhielte. Ncu ist die Bestimmu.ig,

gemeinsam mit dem Miinzmeister den Kurs der

auJ^erberlmiscbeu Munzen festsetzen soli. Falls eine Einigung

ai fiber nicht zustande kame, sollen alle andern brandenburgischen Pfennjgo init J 7 Stiick gegen 12 neue Berliner umgcwecliselt werden.

Aucli diese Bestimmungcn siud uns nur aus einer aufoiu

Zur mibtelalterlichen Manzkande Brandenburgs.

223

Jahr lautenden Miinzineisterbestallung bekannt geworden, wlr wissen daher nicbt, ob sie von laDgerer Dauer waren.

wissen fernor nicbt, ob diese Befugnisse in andern Jabren dem Berliner Rate zustanden und vielleieht abwecbselnd von beiden

ausgeiibt wia-den. Uberhaupt wiirde durch diese Xibertraguiig der EinfluB des Berliner Rates, wenn er bereits vorhanden war.

nicbt vollig ausgescbaltet worden sein. So erbalt Frankfurt nicbt die Aufsicht iiber die Munzpragung wie 1360 Stendal, die daber vielleicbt dem ortsanwesenden Rate verblieb, Ferner wabrte sich die Stadt ihren EinfluB durch die Person des Miinz-

meisters Tyle von Brugge, der zwar nicbt Ratsberr war, wobl aber zu den ratsverwandten Familien geborte. Dieser aber

hatte Anteil nicbt nur an der Tare, sondern aucb an der Fest-

setzung des Kurses. So wenig wir daber die Verbaltnisse bis ins einzeluB verfolgen konnen, so dentlicb tritt die wacbsende

Teilnabme der Stadte am jMiinzwesen bervor. Denn Berlin und Frankfurt vertraten zugleicb die gesamten andern Stadte ibres Bezirkes und batten deren Macbt binter sicb. Die Befugnisse, die ibnen iiber die Miinze iibertragen warden, iibten sie zuglcich im Namen aller andern Stadte aus>).

Die Bemiiliungen zur Einfiibruiig des ewigen Pfennigs batten in der Altmark erst nacb mebrmals erneuten Versuchen

Erfolg. Zwei Monate vor der Verordnung fiir den Miinzmeister Hermann Dalym, die ibm die Verpflicbtung zur Zablung der Miinzrenten einscharft und so das Vorbandensein des jabrlichen

Miinzwecbsels erweist, am 22. Marz 1360, stellt der Markgraf Riedel bezeichnet als lahalt der Urkuade von 1365: „AnordDuug

des Markgrafen Otto, wie ea mit dea Munzeo in Berlin und Frankfurt gehalten werden soil" Bahrfpldt (I S. 47): „Markgraf Ottos Verordnung wegen der Miinze in Berlin und Frankfurt". lofolgedessen fuhrt B (I S. 27) Prankfurt unter den markgraflichen Muuzstatten auf und wuadert sich (I S. 239).

daB man von dieser wichtigen Hansestadt nicht fruher als aus dieser Zeit MuDzen und Milnzurkunden keoDt. Die Urkunde von 1366 iat nicht nur kein Beweis fiir das Vorbandensein einer MunzstS-tte in Frankfurt, sondern zeigt mit aller Deutlicbkeit, daB eine solcbe damals nocb nicbt bestand. Dasselbo beweist die Urkunde von 1369, in welcher der Markgraf nur fiir die MimzstUtte Berlin die Verpflicbtung zur Ablosung der llenton ubernimuit

(Riedol A XII S. 601 n. 27). Erst seit 1369 bestebt die MQazstatte In Frankfurt, vgl. S. 229.

224

H.

Heineken:

eiiie niit der alteren von 1351 glcicblautendo Urkunde iiber

Verhandlungeu mit Steiidal aus (Riedel A XV S. 152 n. 201).

Im Jahre 1364 hatte man sich endlich iiber die Art der Durch-

mhrung geeinigt (Riedel A XXV S. 243 n. 103). Aber auch

damals blieb der Entwurf liegen. Als er 1369 in die WirkJicbkeit umgesetzt wurde, ubernabm man in alien Punkten

wbrtlich die 1364 bereits festgesetzten Bestimmungen'). Die Urkunde ist vom Markgrafen Otto am 19. Miirz 1369 zu

Tangermiinde ausgestellt worden (Riedel A XV S. 168 n. 220): Darumme so hehhe tvie der ge7net/ner fmchiey nutte tend fromen wilien derselhen unser lande^ stede und Hide, (femeyne, arm und rike, met wolbedachtem mude, mit rade lUiser ratgeven tmd liivcr getreiven^ . . . hegnadet all unse man, rklder, Imechte, horgere, gehuer und alle Hide in der alden MarJce, hegcystUciie und werltlikey tmd dariu alle U7ise liive getrewe ratincmne, gi'ddemestere und alien gemefjnen, beyde frotnven und mannen^ • . . unsen vorgenanten steden in der alden Marke, Siendal,

Gardelcgen, Sehusen, Tangermiinde, Osterborchy Werhen und

dartu Haiuelberg, darmede, dat sic pcmiinghe hebben scolen

ewicMikcn, dar se inedc kopen tmd verkopen scolen, und eyn

yskch . . . deme andern mede geweren scol.

Der Markgraf verleiht die Gnade des ewigen Pfennigs den gesamten Bewohnern der Altmark; unter den Stadten, die unter Vorantritt Stendals aufgezablt werden, fehlt Salzwcdel, das an den Verhandlungen von 1351 und 1360 beteiligt gewesen war,

neu hinzugetreten ist das zur Priegnitz gehorende Havelberg.

Ok hebhe wie mit ivolbedachten mude, mit rade unser ratgeven

^nd litve getreiiiven . .. verlaten und vertegen , . . mit dissem mive vor uns^ unse erven und vor alle imse nakomelinghe . . .

alles eygens, alles reelits, aller fryheit, pflichten, nutte, fruchte,

a er lente, aller vare und alle des, des alle unse vorvaren. , . . ^^adden . . . in der miinte darsclves in der alden

y 235)sei. meint, der ewige Pfennig 1351derinUrkundn Stendal1360 eingeiuhrtPwordea Dem dali widerepricht die Wiederholung die Vertriige von 1364 und 13fi9. die sich, wenn B. recbt hatte, mit der PJin-

fUhrung von Dingen beacbaftigen miiiten, die bereits vorbandea waren; dem

widerspricbt auch die Erwahnung der Mdnzrenten 1364 uud l.'jGO, die mit Aiifhoren des j'ahrlichen Miinzwechsels auch bitten aufboren miisgen.

Zur mittelalterliclien Miinzkunde Braudeoburgi

225

markcy nilmnicr iit ims, unsen erven oder tu imsen nahomelinglien iveder iu hopende^ tu eyschendej tu ncniende oder weder iu liomcnde etvichlich erujerlye wis, wo man dat iummcr moge. Der Markgraf vcrzichtet fiir sicb, seine Nachkommen und Erben auf alles, was dem Landeslierni bisher an der Miinze der Altmark zustand, fiir alio Zeiten mit der Verpflichtiing, es niemals wieder zuriick zu erwerben.

Und dieselbe mi'mie hehhc wie ... in alley loise^ als vor gescreven steijt, mit alien eijffen, met rechtc, mit plichte, mit.alter fryheit, mil alien nutten und fruchten, mit alien renten, 7nit alien varen, mit aller tuhelioringe und mit alle de^n. der alle unse voi'varen ... und loie selven hadden ... in derselven miinte, unsen liven getreiven ratmannen unser vorgenanten stede iu

rechien eijgendomc, fredelelca tu hehhende und tu besittende und eiviclilik by en to blivende und nimmermer engherlcye wis van en tu homcnde, und willen und siillen vor uns^ unse erven und

vor alle unse nahomelinghe den vorgenanten unsen ratmannen

und gcmeyncn horgern tmser vorgenanten stede eyn recht ghetoerer seyn

...

Oieso JMunze mit alloi landcsliorrliohen Rechten iibertragt er auf die Gesamtbeit dor altmarltischen Stadto als Eigentum fiir alle Zeiten; nicht also dio Stande, zu denen aucb die Ritterschaft zablt, soiidorn die Stadte allein werden die Rechtsnacli-

folger des Markgrafon fiir die altmarkische j\[unze.

Unime die ni'dnte seal niant halden in alter tvise, als hirna

gescrevcn steit. Die ratmanne unser stvde . .. scohn die miinte und vare in aller ivise, als vorgescreven stcit, hebben und ewichlich

beholden und scolen suhen die penninghe laten slan in tinsrr

slat tu Steyndal na SoUiccdelschcn penninglten^ an ivirde und an wichte, mit eynen afteyl'en na eren eygenen tvilhore, won

sic willen, also als en diinket, dat it den sfeden und dem lande niiite und bequeme is. Ok seal men penninghe slan und maken, (las'- men tive vor cynen geven seal, di dar heytcn scherf-pen

ninghe. und met den pennighen mid scherven seal eyn esliche

den andern . . . bereyden. gewercn und beialen. Ok mogen die raimun7ie tenser vorgeiianten siede de penninghe beter maken, danne die Soltivedelsehcn penninghe^ aft it en gud dilnket^ na

erer hrquemlichcit, wen sie willen. Ok mogcn sie penninghe Zcitscbiift

fi i r

NuiiiisTnatik.

XXXMI.

15

226

H.

Heineken

laten slaen unci ivcdder tiphoren und aver ivedder anheven^ iven es des nod is^ tu alien tyden und wen sic willen. Die Ratsmannen sollen die Miinzstatte und die Aiifsicht dariiber

haben, ihre mit einem Abzeiclien nach eigener Entscheidung, versehenen Miinzen in Stendal schlagen lasseu iiiid die Salzwedeler Pfennige als Vorbild nelmien. Aber gebundcn sind si& an dieses lEuster nicht. Es stcht ihnen frei, den MiinzfuM

selbstandig zu bessern. wie sie allein dariiber zu befinden haben, wann die Pragung beginnen und auf'horen soil.

Und also dane penninglie met den afteijlccn scid man nirgent in steden^ up staden^ up vesten, in dorpern^ nocli andersioar maken nocli slan eivichJieh^ went in unser siat Steyndal alleyne. Und sliigen eder malcede ymant^ sie tveren wie sic iveren, anderswar hiiten der stat Steyndal also dane penninghe, wie dat dedeUy die scolen iinreelit syn und die ratmanne unser vorgenanten stcde scolen over sie richten, als over unreclUc liidc,

sunder allerleye vare. Wer oh^ dat ymant die penninglie velschcde und darmede begrepen worde, dat scolen o7c die ratmanne unser

vorhenanden stede ricliten-t als reclit is, sunder vare,

Als einzige Miinzstatte fiir diese durch ein Abzoichen als alt-

markisch kenntlicb gemachten Pfennige wird. Stendal bestimmt.

Das ist fiir jedermann bindend, also audi fiir die munzberechtigten Stadte selbst. Ubertreter, sowie Falschniiinzer, unterstehen der Gerichtsbarkeit der Stadte.

Das Miinzrecht wurde den Stadten allein iiberlassen, aber die mit dem Axifhoren des jahrliclien Miinzwechsels verbundenen

Vorteile kamen der ganzeu Altmark zugute. Daher wurde das gesarate Land zur Aufbringung der von

Otto ausbodungenen Ivaufsumme herangezogcn, die Stadte mit 2240 Mark, das iibrige Land mit 3460 Mark.

iibernimmt dor Markgraf in einor eigenen

die Vcrpfl ichtuund ng zur Ablo sung der Miineine zrenteQuittung n (Riedel *Ur^nde ^ S. 171 n. 221) stellt doti Stadton

iiber den Empfang ihres Antoils an der Kaufsumme aus, wiibrend fiir das Land die Zahlung in droi Raten, jo zu Slartini der folgenden droi Jahre, ausbedungon wird (s. 2^2).

Ves selven gcldes sal man denne vefteinliundert marh silvers

geven vor den tins, den man alle iar ut der miinte plach tu

Zur mittelalterlicben Miinzkande Brandenbnrga. 227

gevende unnd oh vor die jare^ cdso dat man einen islihen geven schal, ifO vor dat pliund geldes twai marlc Brandenborgschen sulvers unnd dar schal ein islilc man ganiz genuge an hehhen^

dat scole wi venndgen sunder allerleie argelist. Fiir die an den Einnahmen aus der Miinze beteiligten war die

Einftibrung des ewigen Pfennigs mit einem erheblichen Ver-

nifigonsvcrlust verbunden. Nach dam damals iiblichen ZinsfiiB von 10 entsprachen die Ronten einem Kapital in zehnfacher Hfibe, sie orliielten aber riur 2 Mark Ablosung fiir das Pfund Rente. J3a von den Stadten zwei Pfund mit der Mark Silbers

gleichgesetzt warden (Riedel A VI S. 409 n. 17), so bestand die Ablosung nur in dem Vierfachen der jabrlichen Zinsen. Die Hbhe der Abfindungssumme fiir die Miinzrenten wurde auf 1500 Mark festgesetzt Diese Zalil gibt uns eine Handhabe zur Berechnung der durcbscbnittlicben Auspragung in Stendal. Da mit dieser Summe 750 Pfund Renten abgelost warden konnten, die Rentan aber dan jabrlichen UberschuB von

25% der Auspragung bildeten, so kommen wir auf 3000 Pfund oder 240 000 Pfannige. Der Jahrasdurcbscbnitt der in Stendal zur Ausmiinzung gelangten Pfenniga iibersteigt dieso Zahl nocb um die Summe, welcbe von den Unkosten versclilungen wurde.

^^^enige jVIonate spater kam ein abnlicher Vertrag mit den Standen des Berliner Bezirkes zustande, iiber den iifarkgraf

Otto am 24. Juni 1369 zu Berlin die Urkunde ausstclltc (Riedel S 501 n. 27). In einem Punkte stimmt dieser Vertrag

o-onau iiberein mit dem alteren fiir Stendal, namlicli in dem,

was der Jlarkgraf aufgibt. Audi hier verzicbtet er endgiiltig auf die !Miinzo des Bezirkes fiir sieb und seine Xacbkommen,

aber seine Reebtsnacbfolger sind nicht die Stadte allein wie in dem Nacbbarbezirke.

Und diselho hii'tncze habe tvi .. . gegehen ... tmsen liben gciruioen radmannen, guldemesiere, iverlcen und gemeyne unser

vorgenoutcn stets und land . . • und sullen . . . den vorgenontoi unsern radmannen und gemcynen horgeren tmser vorgenanicn stete und unser manne dersclhen miinize ... eyn rechter were syn. AuBer den Stadten Berlin, K(3ln, Frankfurt, Spandau, Bernau,

Eberswalde, Landsberg, StrauBberg, Miincbeberg, Drossen, 16*

228

Heineken:

Fiirstenwalde, Mittenwalde, Wriezeii unci Freienwalde erhiilt auch das Land oder, wie es an der zweiten Stelle genauer ausgedruckt wird, die Mannen Anteil am Miinzrecht. JJafi ihneii

auch auf die Munzgesetzgebung EintluB eingeraumt wurde, zeigeii die "weiteren Festsetzungen. Umme die nmntse sail iuan das hidden in aller irise^ als hirna geschreben steit^ also dai die ratmanne unser stete . . . sullen

des mavlU hahen ewichlichen und hehalden, under sicli czu seteenn eyn mimtze, di ilm und dem lande nutze und hequcme

ist, czu machende di pliennige na Stendelschcn xiiienninyen an tvitte und an sioere^ ttnd met erne oberzeichen na irem ivilhnr^ wenne und wy diche sy wollen, also, alse in dunhet, das is den steten und den lande hequeme ist. Were, das tmscr man und

siete des egenanten miintzysers des eyndrechUg ivorden, das sy den phenning und ewlghe miintze ezti nutze und fronime done lande hessern., hogin oder nedern wolden, des sidlin sy, ire erbcn und nachltommen ewiglichen gantz und vid macht haben zu

tounde^ wenne und tvi diclce sye woUin^ ane unser erhen und

nachhommen wederrede. Ouch sullen und mogen x>hennige

slan und machen, der man czivene vor eynne gehin .sal, di dar geheisen syn scherfpennige . . . Ouch mogen sy phenninge lassen slan und weder uphdren und aher wcderum slan, iven in des nod isi, czu alien czyten, loen sy tvollen . . . Wic ouch phmninge czins . . . haben, den sail man gehen achczeyn nuwe phennige vor eynen schilling der alden phenningc, ^Vere aher, das nnse

man und stete des egenanten muntsysers erkenton, das solche tvenmge dem lande czu stvere weren, so sullen und mogen sie

des ivandelen, hessern und atiders setzen, also des ym und deme lande nutze tmd bcqueme ist.

Die Stadte allein erhalten das Hecht, unter sicli die Miinze fest-

zuse zen und mit einom Oberzeichen nach eigener Entscheidung zu verse en. Wie den altmarkiscben die Salzwedeler, so werden

^men diesollen Stendal erneue Pfenni12 gealte als Muster aufgestel in bei cn ezirken 18 Pfennige gelten.lt;Ab ordimr bei Einlialtung dieses Miinzfufies sind die Stadte selbstandig,

zu jeder Anderung ist auch die Zustimmung der Rittorschaft

erforderlich. Die Entscheidung dariiber, ob iiberhaupt und zu "Welchen Terminen gepragt -werden soil, dagegen sclieint nur

Zur Qjittelalterlichen Miinzkuade Brandenburgs,

229

(len Stadten eingeraumt zu sein, obwohl tier AVortlaut der Urkunde es niclit zweifellos ergibt. Wenn also die Ritterschatt aiich als Teilbaber am Miinzrecht genaunt wird, so hat sie doch

nur diejenigen Rechte den Stadten gegeniiber sich gewabrt, die bisher die Gesamtheit der Stande, Ritter und Stadte» dern

Landesberrn gegeniiber besaO. Die eigentlichen JVLiinzherren wurden die Stadte allein. Das driickt deutlich die Bestimmung aus. daB sie allein das Oberzeicben fiir die Miinzen zu wablen haben. Ouch ohergehf. ivir uus des vor wisen erben und alien unsen nachkomlhujen, das tnan nergend . .. penninghe machin noch

slan saly sttmlei' in unsern vorgenanten sieien Berlin und ouch FranJcenvorde cdleijne. Und slUge ader maJcede $y ijmand, sie weren, ivi s\f weren, up den slack ander tvar, utzunsern ergena7iten sfetin Berlin und Franlcenvorde . ..

Diese letzten Bestimmungen entsprecben genau den Stendalern. Nur wird. die Auspragung der mit dem Abzeicheu versebenen

Pfcnnige. u}) den slack, wie es bier beiUt, nicht der in Berlin

bestebenden bisher markgraflichen Munzstatte allein iibertragen,

sondern daneben in der zwoiten Hauptstadt, deren Rat scbon 1365 unmittelbaren EinfluB auf die Pragestatte des Bezirkcs orbalten hatte, eine zweite Munzstatte erricbtot und damit die Gleicbstellung Frankfurts neben Berlin dauernd gesicbert

(vgl. oben S. 223 Anm. 1}. AVie in der Altmark, so erhalten

aueb bier die Stadte al met eijander die gerielitliche Verfolgung

gegen diejenigen, welche anderswo diese Pfennige pragen, ferner gegen ralschiniinzer und Kipper und Wipper. Die Kaufsumme an den Markgrafen betragt fiir die Stadte

2500 Mark, fiir das Land 4000 Mark; wie in Stendal, soUen davon 1500 Mark auf die Ablosung der Miinzrenten und Pacbt-

vertrUge verwandt warden, der Durcbschnitt der jabrlicben Aus pragung war also in beiden markgraflichen Miinzstatten ungefahr

der^'gleicbe gewesen. Aucb den Berliner Standen verspricht

der Markgraf in einer eigenen Urkunde, die Ablosung der Renten in die AVege zu leiten; die Nennung der Berliner Miinzstatte allein beweist, wie wir S. 223 Anm. 1 sahen, wie schon die Ur kunde von 1365, daB vor 1369 in Frankfurt keine Miinze vor-

handen war (Hiedel A 12 S. 503 n. 28). Der Landesberr verkauft den beiden Bezirken scbleehthin

230

H.

Heineken

die Miinze, die in den festgesetzten Orten gehalten werdeu soli. Darin liegt das ausschlieBliche Recht fur die neucn Inhaber, den Bezirk mit den notigen Pfennigen zu versorgen. Er spriclit

den Verzicht auf eigene Pragung nicht ausdriicklich aus, aber der Sinn der Verleihung involvlerfc das notwendiger Weise. Wenn der Markgraf das Recht bebielte, neben den Stadtcn zu pragen, so wurden diese nicht mehr die Miinze des Bezirkes. sondern nur eine Miinze neben der landesherrlichen besitzcn.

Aber die Urkunden heben zugleich hervor, dali nur das aus-

schlieBlicbeReclit, Pfennige (undScherfe) zu schlagen, verauBert werden soil. Dainals wurden andere Miinzsorten in derMark

Brandenburg noch nicht gepragt, so dali dio Beschrankung auf die Pfennigpragung zunachst obne praktischen EintluK auf die alleinige Ausiibung des Miinzrechts durch dio Stadte blieb.

Erst mit Einfiihrung der Groschen2)ragung anderte sich das. Das Recht, andere Miinzen als Pfennige zu pragen, war den

Stadten durch die Vertragc von 1369 nicht eingeraumt wordcn und wurde es auch spater nicht. Fiir die (iroschcupraguiig,

die aber erst iinter Friedrich 11, oinsetzt, war der LandesJierr

daher an die friiheren Abmachungen nicht gobunden. Aber bis

zum Tode des ersten Kurfursten aus deni Hause Hohenzollern

war dem Landesherrn koine Handhabe gegeben, die ausschlieBliche Ansubuiig des Miinzrechts durch die Stadte in den Bezirken

Stendal und Berlin einzuschranken.

Die Vertrage von 1369 waren abgeschlosson wordeii y,mit rade unaer raiyeven und liwcn yetreiven''. Die Zeugcii, die

ihre Namen unter die Urkunden gesetzt habeii, — die Cxi'afen

\on Lindow, die Rochow, Wiilkow, Alvensleben, Bredow, Bis marck, Bartensleben, Schulenburg, Buch, Morner — kehren fast a le auch in den andern Urkunden Ottos des Faulen wieder, so t a man mit Recht in ihnen llitglieder des markgrafliclien a es zu erblicken hat^). Ferner findeu wir aul3er den Bischbfen

^on Lebus und Brandenburg, die beide Vertrage mit unter-

schrieben, die Vertragsschliefienden aufgefiihrt, in der Stendalcr rkunde mun geniet/nlich, die iti der alden mark ringeseten'^ iind samtliche Stadte des Bezirkes, in der Berliner Urkunde ') Spangenberg a. a. O. S. 78; 8. oben S. 213 Amu. 2.

Zur mittelalterlichen Mtinzkunde Brandenburgs. 231

^^nnser manne ghenieynlichen. die in dem miinUyse^' he(se)ssen syn'* und wiederum alle Stadte des Bezirkes. Eiue Mitwirkuug der

gesamten Standc fand also iiiclit statt, wohl aber steheii unter den Zeugen des altmarkischen Vertrages die Ratmannen von

Berlin, Frankfurt und Salzwedel, wabrend der Berliner Vertrag dio Stadte der benachbarten Bezirke nicht nennt,

Salzwedel befand sich unter den Stadten, mit denen Stendal 1351 und 1360 iiber die Einfiibrung des ewigen Pfennigs verbandeln sollte. Da dainals noch nicht der gleichzeitige Yerkauf der Miinzstatte in Aussiobt genommen wurde, so batte es

mit dem Stendaler Bezirk gemeinsam eineii Vertrag niit dem

Markgrafen abscblieBen konnen. Nacbdem abcr Verkauf der ilunzstatte und ewiger Pfennig der Verbandlungsgegenstand

fiir die Stadtegruppe um Steiidal gewoi'den "war, konnte es an

dem Vertrage selbst nicbt mebr teilnebinen, da im Salzwedeler Bezirk scbon seit 1B14 das ]\Iunzre(}bt im Besitz der Stande

war (Z. f. K. XXXII 117). Die Nennung unter den Zeugen zeigt uns aber, daB es an der Absicbt, den jabrlicben AYecbsel

abzuscbaffen, festbielt und an den Verbandlungen teilnabm. Denn wenn wir seben, daB aucb die Stadte Berlin und JFrank-

fiirt, die weuige j\Ionatc spater dasselbe wie Stendal erreicbten, als Zeugen aufgefiibrt werden, daC ferner die Salzwedeler Ge-

prage fiir Stendal, die Stendaler wiederum spater fiir Berlin

und Frankfurt als Muster aufgestellt werden, so miissen wir

die Ergebnisse von 1369 auf eine geineinsame Aktion der fiib-

renden Stadte der Bezirke Stendal, Salzwedel und Berlin zuriickfiibren. Ob freilich aucb in Salzwedel dor ewige Pfennig

damals scbon eingefiibrt wurde, wissen wir nicbt. Erst die

Hoblpfennige aus der Zeit des ersten Hobenzollern geben uns den Beweis, daB er aucb bier bestand.

In den Miinzverleibungsurkunden von 1369 waren keine

Anordnungen dariiber getroften worden, welcben Anteil die

einzelnen Glieder der in ilirer Gesamtbeit Beliebenen am Miinz-

wesen kiinftig baben sollten, aucb don Ratmannen der Stadte, in deren I^Iauern die Miinztatigkeit ausgeiibt wurde, war kein

besondorer Vorrang eingeraumt worden, obwobl sie vorber, zur Zcit der markgrtiflicben Pragung, einen solcben bereits besessen batten. Fiir den Stendaler Bezirk kann es als sicber gelton,

U. U e i n e k e u:

232

dafi Sonderbestimmungen vom i^farkgrafen nicht eriassen wurdeii, sondern die Mitwirkung der einzelnen Stadte am Miinzwesen

durch eigone Abmachungon untereiiiander geregelt wurde,

Denn sie stelJeii am 15. Mai 1369 eine TTrkunde aus iiber J3e-

sehliisse, die sie iiber das ihiien gemeinsam gehiircndc iJIunzreeht gefafit haben (Riedel A VI S. 409 n. 17); Wy ratmanne (lesser stele .. . bekentwii . . . mit dessen hrivc, dat wtj . . . desser stuhcke over en sijnt yhedraghen . .. und loven sy met dessen bryve tinderlanch tinscr eyn demc andern

stede und gans t%i holden^ als sy hir na stan ghescrevon.

Nachdem sie sich gegenseitige Hilfe gelobt in alien Dingen, die geeignet waren, sie in der Ausiibung ihres Miinzrechts zu hindcrn,

und zu gemeinsamem Widerstand gegen Versuche der Landes-

ierrn, ihnen diejVIiinze wieder abzunehmen, zusammengeschlossen

baben, treffen sie Bestimmungen iiber die Verwaltune: der iliinzstatte.

Oh schal unser en met deme andern tm ntan na orme atiiale

iu schaden und tu vromen an alle dem, dat an der mxinilie

ghewimnen xvcrd oder verloren. Unml wan men dy penmjyhe maken schal, dat schal 7nen dun met eyndracht imd fulbort n$e} a et. Ok schal me xmt eyner ysleken desser vorqhe-

nanten steden eynen man nut deme rade dar tu zendcn] di/ schal dar hy wesen, ivan men dat sidver yhilen schal dar me dy pemiyuge schal ave maken, iqype dat met so make als

laniitte sy und bequeme und were, dat dy, dye men dar iu ebodet, m der reyse schaden nymen, den scholde toy allesament na unsen aniale geldot.

gleichen Anteil an Gewinn and Verlust

durrb haben. Der Anfangstermin der IVagung soil

1^60 ZT^fZ"Z~ festgesetzt werden. Wabrend

mn be" r R «bertragen wnrde, sollen

Zn vp'f

a n w 1 sei " ndsol altu r n ddie b ei der P ng anwesend en,e um Ausmunzung selrbastgzuu Ln

trollieren, w.e Stendal 1360, wird nicht erwabnt. Wabr-

bc einlicber ist es, daU diese standiscbe Aufsiebt vom ortsanwesendeii Rate ausgeiibt wurde. Fiir etwaigen Hebadon,

Zur mittelalterlicben Munzkunde Brandenburgs.

233

den die Bevonmachtigten dcr Stadte auf der Raise nehmen, haben alio glcichmaBig aufzukommen. Oh scha2 nymantj he $y (jeystlicli oder iverltlich d'ysten oder jode desse pennvufhe hoathcren oder uppe sulvere legghen unnd ivech tvegheun: tvcre dat id ymand dede, dy schal hetheren met 20 marlcen sulvers und schal dar iu 10 jar uuie dossen stcden sy}} nml hlyven^ dy tu desser munthe horen. Weret ol\ dat id ymant dede^ dy anders icar huthen desse^i steden he.'^etlien ivercy und dar mede hegrepen ivorde, dat scholden dy stede rychten als rechie is.

Auch die jVIiinzpolizeigewalt, friiber vom Markgrafen und der Stadt Stendal gemeiiisam ausgeiibt und 1360 der Stadt alleiii

iibertragen, gebt jetzt auf die Gesamtheit der Stadte liber. Fur ii'bertretungen wird eine Strafe von 20 Mark Silber festgesetzt und fiir Biirger aufierdem zebuj'ahrige Verbaniiuiig aus dea Sttldten, iiber andere Leute sollen die Stadte ricbten, wie es das Rccbt vorscbreibt.

Uyid wet den penningen, dy desse munthe hehben, seal men

Icf'Open iind vcrlccox)en wind schall anders neyne liclite penninge ghelihfn dessen pemiyglie vor vtd nemen by der stede Jcore, sunder dy lichte penninge maclien yderman tcot nemen nach oren iveren^ und desser penninge schal me tive punth

gheven vor dy march stdvers^ dar schal en den andcrn mede gheweren, sunder wy vor desser tyd, er desse penninge ut-

glynghcn, den andern siilve schuldig is glieivesen, dy schal en met sidvere hetalcn, Vorfmer ttere dat toy ratmanne ... en

hether Iconen ghedenkcn; dcs schole ivy gans tmd vulleniacht hehben.

Die Pfennige der Miinzstatte Stendal werden als einziges "NVabrungsgeld des Bezirkes anerkannt, alle andern Pfennig© soil man nicbt fiir voll nehmen. Als dauernd gleichbleibender

Landesmiinze wird ihnen die Vertrotbarkeit aucb fiir Barrengeld zuerkannt, indem kiinftig zwei Pfund Pfennige fiir die Mark

gonommen werden sollen. Dagegen sollen auf Silber lautende Verpflichtungen, die vor Aiisgabe der neuen Pfennige eingegangen sind, mit Silber bezablt wordon. Die Stadte bebalten sich aber das Recht vor, diese Verordnungen abzuandern, wenn es ihnen zweckmUBig erscbeinen sollte.

H.

234

Heineken:

Diese Festsetzungeu enthalten die nahercn Ausfiilirungsbestimmungen zu dem Vertrage mit dem i^farkgrafen. Aber in einem Pankte entsprechen sie niclit dem Gciste der landesherrlichen Verleilmiig. Seit Waldemar bemiiliten sich die

Fiirsten, die Giiltigkeit aller Miinzen glei cliin aBig im ganzen Territorium durchzusetzeii (Kiedel A XXI S. 108

n. 27), noch 1360 war fur die Altmark die Geltung audi der andern Miinzen des Territoriums auBer den brandenburgisclien und prenzlauischen verordnct wordon (s. oben). AVenn daber

der Markgraf Otto die Gleicbheit der Steiidaler Pfeiinige mit den Salzwedelern und spater der Berlin-Frankfurter mit den

Stendalern den neuen Miinzherren zur Annabme empiielilt, so bat er darauf liinwirken wollen, da/5 die Geprage aucb in alien drei Bezirken nebeneinander und als gleicliwertig anerkannt umlaufen sollten.

Kacb den Bescbliissen der altmarkiscben Stadte konnten

aber die andern Geprage, da sie nicbt Wahrungsgeld wareu, nur nacli ihrem Silberwert genommen werden, standen also von Anfang an niedriger im Kurs als das einbeimisclie Geld.

Es 1st zu beachten, daB dies sobon vor Abschlu£ des Berliner

ertrages festgesetzt wurde, bei dem Stendal nicht als Zeiige

genannt wird. Ob unter diesen Umstanden eine Ubereiu-

stimmung uberbaupt angebahnt wurde, erscbeint deshalb zweifelbatt; sicber war sie sobon nacb wenigen Jabren nicht vor-

ianden: denn im Landbuch Karls IV gelten 6 brandenburgisclie, stendalische und 8 berlinisehe Pfennige einen bbbmiscben

Groscben (Kotelmann, Z. t N. XI 26; Babrfeldt II S. 2).

Also eine feste Organisation der Stadte mit regelmaBigen

Zusammenkiinften und gemeinsamer BescbluBfassung wurde im a r 1369 m der Altmark begriindet. Es muB aufFallen, daJ3

besonderen Befugnisse uber die Miinze erbielt, auc ] le nicht, wel cbe es bereits in der voraufgegangenen Zeit

esessen batte. Denn wir werden gleicb seben, dafi in dem

achbarbezirke wabrscbeinlich gloicb mit der Verleibung des

^unzrecbts den Katmannen der mit Miinzstatten begabten ^ar^'^^I'ecbte vor das dengleiche andern wurdeii. D(ir graf batte also fiir eingeriiumt Stendal anordnen konnen, er Grund ist leicht einzuseben. Da in Stendal die einzige

Zui- mittelalterlicben MiiozkuDde Brandenburgs.

235

Munzstatte des ganzen Bezirkes sich befand, so war die G-efahr vorhanden, dai3 der Rat der Stadt sowobl durch die Vorjnaebt-

«tellung, die Stendal den andem gegeniiber einnabm, als auch durch den groBeren EinfiuB, den er als ortsanwesend aucb obne vortragsraaiiig festgelegte Vorrecbte auf die Pragung ausiibte, allmahlich die IVIitwirkuug der andern Stadte beiseite Bchieben wiirde. Die einzige Stadt des Bezirkes, welche dein Vorort vielleicbt darin hatte entgegentreten konnen, Garde-

leg-en, geborte spater dieser Miinzvereiniguug nicbt mebr an.

wie folgende Urkundenstellen zeigent 1395 (Miodel A VI S. 108 n. 148): III viarcas anntiorum reddituiim ita, quod quevis marcavHm valet duo tal&tita et

t/uinque solidos luh. denariomm vel secundum valorem argeniee marvt opidi gliar.delegensis^

1418 (Kicdel A VI S. 113 n. 157): ijuevis marca valet duo

taletita stend. denaHorum — qiievis viarca valet duo talenta et qiunquc tioUdos gardehg. denar,

Auf die Mark gingen nacb den Bestimmungen von 1369 ini

jMiinzbezirk Stendal 40 Scbilliiigo oder zwei Pfund Pfemiige, imeh der Urkunde von 1395 auf die gleiobe Mark 4o Sohil-

linoe liibisclier i>fennigc. Im Jabre 1395 rechnete man ni

Uardelegen also boreits iiach lubiscber AVilbrung ueben der eiiibeimisebeii des Stendaler Bozlrkes. Aber 1418 war die Uibisebe Wabrung die eiiizig berrscbende in Gardelegen; denu

naek Gardelegener Wabrung geberi damals cbenfalls 45 Sobilinge

auf die Mark 1418 geliiirte Gardelegen also iiicht mebr dem 1369 zwiscben den altmarUiseben StUdten gesoblossenen Munz-

verein an, sondern batte siel. an Salzwedel. wo der lub.scbe

l^ulJ ebenfalls der berrscbende war, a«geschlossen<) Diesen tatsacblicben Verbaltnissen trng der Kurfurst M Die lubiscbe oder luueburgvscbe Mark zerfiel in 16 SchilUnge

<1419 u. 1432: Riedel A XXII S. 241 n. 283 u. S. 266 n 276). In Salz-

rraH-on 1440 10 Mark geldes unser stad wertnge gleich 8 1 tund (also

reo Ihm i nge) de«eb l sn W.hruog ate i delAXIV S. 264 n. 336), D.i Ma.k

Salzwedeler Pfennige entsprach also der Mark lubiscber Pfennige. 14.:J6

erhrUt der Mdnzmeister den Auftrag, slaeh upp gude gewcrd unn

u'CTderimje des luhcschcn cleynen holen penning, aUe de to den iydenslaycn w rt, einzuricbten {Hiedol A XXV S. 310 u. 178; Bahrfeldt II S. ol8).

H.

236

Heinekno:

Friedrich L Rechuung, als er auf Wiclerruf der Stadt im Jahre 1427 das Pfennigmiinzreclit verlieh (Riedol A VI S. 116;

Bahrfeldt II S. 516): das $y ein muntze in der vorgnanten unser siai Gardelegen imd pfenninge darin slahen und muntsen lassen mogen in aller inass und gleicherweise an dem silher, an drm horn, an ivcisse und gcwichte alft die salzwedisclicn pfenninge lialtcn und nicht geringer oder minder, sunder sie mugen dir hessern oh fiy ivollen.

Wenn die Stadt iioch zu dem steiidalsclien Miinzbezirk geluirt hatte, so "wiirde diese Miinzrechtsvorleihuiig sanit der Vor-

schrift, nach dem Fufie ciiies andern Bezirkcs zu pragen. einenBrueh des Vertrages von 1369 seitens des Landeshorru bcdeutet haben.

In den andern Stadten des Bezirkes wurde dauornd nach

dem 1369 festgesetzten MiinzfuB (1 Mark = 2 Pfuiid ^ 40

Schilinge) gerechnet^), ein Bowels, dail die gcmeinsam gofalitcn

Beschlusse Bestand batten. Aber die damals voreinbarte Or

ganisation, die jeder Stadt die gleicben Rechto zuerkannle,

wird in dieser Form scbwerlicb von langor Dauer gewescii

sem, enn sie zu der Zeit, als Gardelegen soinen Austritt

vollzog, noeh in alter AVeise bestand, so mufitc dieses Ereignis btadte zu verstarken. Die altesten naeb 1369 gepragten Stendazu beitragen, das Ubergewiclit Stendals iiber die andern

daler Munzen, fiir die die gesamten ytadte das Miinzbild zu wahlen batten, sind aus dem vorliegendon Material nicbt aus-

zusondern, man vermied es, dumb eino Hervorbebung der Miinzstatte der Stadt Stendal Vorrecbte zu gewUbren. Das . tendaler AYappen zeigt damals den einfacben Adler (BabrMt I Taf. 23; B. ir S. 34). er kommt aber aucb in den appen von Gardelegen, Seebausen, Havelberg, Tangermundo,

sterburg vor. Sollten sicb desbalb einmal zweiseitige Adler-

pfennige nach Stendal legen lassen, so konnte man in der Nur SeehauBen rechnet uach Marken Silbers Seehausener Wall-

T'- ^ 32, 33). Das VerbUltnis

R A' Schilling ist nicht angegeben; es besteht aber kein Zweifel, t identiach der im Bezirk geltenden Stendaler Mark (vgl.^ Bahrfeldt I S. ist 31,mit 271).

Zur mittelalterlichen Miiazkunde Brandenburgs.

237

Wahl dieses Miinzbildes koine Bevorrechtung Steudals erkenueu.

Dagegen deutet das Erscheinen des Stadtwappens — lialber

Adler und 4 Steine — auf den Hohlpfennigen des 15. Jabrhunderts auf eine Zuiiahme des Stendaler Einflusses Selbst wenn die kleinereu Stadte auf Grund des Vertrages von l369

ibre Zustimmung dazu gegeben haben, so wird mit der AVahl des Stendaler Wappens als gemeinsamen Hoheitszeicbens docb die Vorberrscliaft Steiulals anerkannt; denn nacb auBon erscheint es Dunmebr als der alleinige MiiuJiherr.

Als der Rat von iStendal 1488 sicb eine Eiuscbrankung des Miinxrccbts duroh den Kurfiirsten Jobann gefallen lasseii

muB, wird ein Antoil der anderu Stadte nicbt mehr erwabnt

(Beckmann, Hist. Beschr. d. ilark Brandenburg, Bd. 11 Tb. 5 S. 226; Riedol, A XV S. 409; Bahrfeldt II S. 59f.):

Wir sollcn uud tvollen aiich furder der muntz nit jvetjter

gehrauchcii oder miintmi, es miintse denn der . . . herr oder

nachJcommendo hcrrhaften, Und auf die tveyse, form und

{frad ivie ir ijnadenn 'pfe)tninij und scherf stahemi; und so

ir fjnaden nit wrtfii^en, soil cdsdcnn mmser Immr aueh atil liegen. Wo ivir aher do ivicder thetenn und anders hiltenn,

tvollen wir idler uusser gereeUiyel-eit, so tvir der miint^e lialben haben^ verlustig und verfallen sein.

Kacb diesor Urkundo ist Stendal der alleinige Inbaber des stlidtiscbon Jliinzrecbts und kann biiidende VerpHicbtungen

dem Landcaherrn gegeniibor oingeben, obno die Zustimmung

der Teilbabor von 1369 einzubolcn. Wir kounen also wobl

sagen, daB im Jabro 1488 ein ausscblieilicbes Miinzrcebt der

Stadt Stendal vorbanden war. AVir baben aueb auf die brunde

bingewiesen, die eine solcbe Monopolisierung miighcb niacbten: Die Uberlegenbeit der Stadt iber die andern klenieren Stadte

und das Feblen einer konkurrierenden lliinzstatte. Aber wie

diese Entwicklung in dem langen Zeitraum von 120 Jabren sicb vollzog, laBt sicb nicbt mebr verfolgen. AVir keunen eben nur den Anfang und das Ende.

Wie die Vertragsbestimmungen von 1369 im Berliner

Bezirke im bcsonderen ausgefiibrt wurden, wie die Mitwirkung der einzelnen Teilbabor am Miinzrecbt sicb gestaltetc, ist uus durcb koine der altmarkiscben entsprscbende XJrkunde iibei-

H.

2 3 8

Heineken:

liefert worden. Wie wir sahen, waren die wirklichen iMviii;;-

herren auch hier die gesamten Stadte allein, obwohl das Miiiizrecht aucb der Ritterscbaft iriit verkauft wurde, der infolge-

dessen bei wichtigen VerordnuiigeTi, wic der Anderung dos MiinzfuBes, das Mitbestimniungsrecht eiiigeraumt wurde. Ob sie aber lange ihren Anteil am Miinzwesen l)elmupten koiinte, erscheint zweifelhaft. Wir konnen aus der Entvvicklung, die die gemeinsame Ubertragung des !Mujizrechts an Ritter unci Stadte in anderen Territorien nabm, schlieiSen, daB auch hier

die durch keitie feste und dauerndc Organisation ziisammengebaltene Ritterscbaft nicht die notige Macht in die Wagschale werfen konnte, um dem Einfliifi der Stadte das Oleichgewicht zu halten. Beim Verkauf der landesherrlichen !Munz-

statte ill Liineburg an die gesamten Kinwohner des Herzogturns im Jahre 129;^ wird festgesetzt^): quod milites et consuies civitatis Lunehuri)^ ([ni ad hoc clccti singidis annis jurahunf, plenum jnnsdiciionem c.t auctoritatcm

haheant inonetariinn x)onendi, iinain candcDtfjne iiwueiam servandi, aucmcntandi^ vuriandi.

Beim Verkauf der landesherrlichen Miinzstatte zu Hannover an Ritterschaft, Land und Stadt Hannover im Jahre V6'2^2.

lautet die entsprechende Bestimmung"^}i

Dar scolen achte io siveren io eneme iarc^ ver riddere o
henontdsn- Tatman^ det se scolen de penninge hewaran na wi^fo unde si7me, aha et done lande unde der siad io Honovcro mitte si. Wanne dat iar umme Izomen so scolen dc r.«r

iiddere cder Jmcchte andere ver in ere siede hc'^ten^ unde dn ver radman andere ver radman Icesen na toiUe unde siniic^

de dat selve to der munte und tvesle sweren^ dat se vor ghesworen hadden, daiselve seal mm don allciarUUes.

n beiden Fallen wird einem AusschuC von Rittern und Ratserren der Stadt, in deren Mauern die Miinzschmicde sich

Mndet, die Ausubung des Munzrcchts im Namon der gesamten ') G. Sadendorf, Urkundenbuch zur Gescbichtd der Herzoge voii Braunschweig und Luoeburg I n. 122. ') C. L. Grotefend u. F. L, Fiedler, Urkundenbuch der Sfcadt Han nover I n. 143.

Zur mittelalterliohen MiiDzkunde Braadenburge.

239

IMiinzbcrecbtigten iibertragen; beide Hauptgruppen der Staiide,

Ritter und Stadte, eihalten den gleicben Anteil am standischen Munzweseii. Aber in Liinebiirg sowobl wie in Hannover konnten die Hitter ihre Reehte nicht wahren, so da6 wir spater die beiden Stadte allein im Besitze des Miinzrechts findeni).

Im Berliner Mixnzbezirk. wo die Kitterschaft von vornhereiu

vom Anteil an der gesetzmaGig^ festgelegten Pragung ausgescblosscn blieb und nur bei Anderung dieser Gesetze in Wirksamkeit trcten sollte, wird diese Entwieklung, die in dem

mangolnden Zusammenschlufi der Ritter zu einer dauernd Imndluiigsfaliigen Organisation ibren Grund hat, sicb nocli scbneller vollzogen baben als in den benaclibarten welfiseben AEiinzbezirken. So boren wir denn nach J369 nicbts mehr von einer Anteilnabme der Ritter an der Ausiibung des Miinzrechts im Berliner Distrikte.

War schon durch diese beschrankte IMitwirkung der Ritter. die 1369 unmittelbar nach AbscblnB des Vertrages

sieber auch in den Ausfiihrungsbestimmungen beriicksicbtigt

worden ist, eine Regelnng der Miinzverwaltnng streng nach Stendaler Muster unmoglicb, so muBte auch das Yorhandensein zweier jVIiinzstatten andere MaBnabmen bervorrufen. DaB

in Anlebnung an die Altmark zwei Verwaltungen geschaffen wurden, bei denen je eine Gruppe von Stadten sich um die

Hauptstadt mit ibrer ]\funzstatte zusanimengescblossen hattc^

verbot die Zusammengeborigkeit aller zu einem Miinzbezirke, in welchem fiir beide Miinzstatten der gleiche MiinzfuB herrschen muBte. DaB diese Ubereinstimmung dauernd gewahrt blieb,

zeigen nicht nur die Urkunden des 15. Jabrhunderts, in denen

Frankfurter und Berliner Gepriige stets als gleich gelten,

sondern auch die Tatsacbe, daJ3 das ganzo Jabrhundert hindurch von beiden Munzstatten mit einem gemoinsamen Bilde,

dem Helm, gcpragt wnrde. Und diese Ubereinstimmung ist zweifellos darauf zuruckzufiihren, daB die Gesamtheit der Stadte ihren EintiuB auf die Gestaltung des IMunzwesens sich wahrte. ') M. Bahrfeldt, die ililnzen dor Stadt Liineburg: Berl. Miinzbl. 1884 Sp. 449. J, Menadier, Das liltesteiliiazweseD Haunovers: Z. f. Num. XIH S. 156 ff.

H. n e i n e k e n :

240

Noch im Jahre J516 schrieb der Vcrfasser des Frankfurter

Stadtbucbes (Riedel A XXIII S. 403): Die side hahen macht pfennig eu muntzcn^ tven as dem land not thiit, inhalts irer privilegien. In welcber Weise aber dieser Anteil der Stadte im Jabre

1369 festgelegt wurde und wie or sich in der Polgezeit gestaltete, ist aus den Quellen nicbt inebr zu erkennen. Die

XJnmoglichkeit, sine so gescblossene Organisation wie die altmarkiscbe zu scbaifen, legt den Gedauken nabe, dafi von vorn-

herein den ortsanwesenden RatmUnnern ein Teil der Befiig-

nisse iibertragen wurde, die in Stendai die A^ertreter aller

Stadte ausiiben sollten. AVir baben ein Zeugnis dafiir, daB

dies wirklich goschab.

Im Jabre 1423 entscbeidet Kurfiirst Priedricb I., zum

Scbiedsrichter iiber Streitigkeiten zwiscben Hat und BCirger-

scbaft der Stadt Frankfurt angerufen (Riedel A XXIII S 16ti n. 226):

Item von der miinze tvcgen sprechen icir, das der rate dieselben mi'mtze vorsien und vcrantwurten. sol, als in die ror

von unsern vorfordcrn marggraven m Brandenhtirg hevoJlicn ist ivorden.

Der Rat soil der Munzo vorsteben und die A'erantwortung tragen,^ wieIJbertragung es ibm von seitens den friiberen Markgrafen anbefoblen 1st. Diese des Landesberrn kann aber uur im Anschlui3 an den A^ertrag von 1369 in einer besonderen

XJrkunde, welcbe die naberen Ausfiibrungsbestimmungen enthielt,

gescbeben sein. Sobald derA^ertrag solbst recbtskraftig geworden war, batte der Harkgraf nicbt mebr das Recbt, Frankfurt besondere Befugnisse oinzuraunien.

"^ enn er im Gegensatz zu seinem Stendai gegenii er dem Rate von Frankfurt und, A^erbalten wie wir annebmen ussen, aucb dem Rate von Berlin A^orrechte vor den andern

einraumte, so mag dabei die Erwagung mitgesprocben baben, dali erne Monopolisieriing dos JEiinzrechts durcb die eine Stadt

m der Eifersucbt der andern iiiren naturlicben Gegner fand, daB fcrner die Vcrpflicbtungj nacb gomcinsamen Grundsatzen

pragen, eine Gewabr fiir den standigon Eiiifluii aucb dor

andern Stadto bot. Die Urkunde von 1423 zeigt uns, dal^

Zur mittelalterlichen Miinzkunde JBrandenburgs.

241

tatsachlich das Miiiizrecht der Gesamtbeit noch bestand, nur

Leitung und Verantwortung besaB der Frankfurter Rat. In anderen Urkunden dagegen erscbeinen die Ratmanneii der beiden Stadte obne Einschraukung als die Miinzherrn. So 1436 (Riedel A IX S. 144 n. 185): als-die von Berlin und Franlcenforde munten zind stahen laien,

1509 bei der Yerleihuug des Pfennigpragerecbts an Krossen durcb Joacbim I. (Riedel 3^ VI S. 232 n. 2429; Bahrfeldt II S. 475):

Das sy £U Crossen in %mser atat pfennig muneeen mtujen zu ydcr seit mit aller freiheii und gerechtiglceit und henemlich am f/ehalt von feinem silber schrotten und aussgahcn, ivie

unser Jibe getrewen hurgermeisier tind rathniannen tmser stat

l^rankfurt an der Oder dy pfemiigmincz Usher aus begnadung unser herschafften tmd vorfarcn gehaht, die noch haben

und munczen, aucli wardiren und probiren laszen^ des sy sick also an inen belern U7id erhtnden, atich die form tind masz darin halten sollen. Wir vergunnen und zugestaiten

und erliavhen inen auch tind iren nachlcomen pfennige zu

niuncze)i^ ivy obstclty dieiveiU sy uns verwanth sein und nicht

ahgelost tverdeu, in gegenwirUigcr lirafi und macht dies brives, dock behalten ivir tms fnr uns und unser erben und nachIcomen hirinnen vor alles^ das sick dieselbon unser hersvhajf ten

und vorfahren gegen den unsern von Franclcfnrih vorbchalicn

haben.

Der Rat voa Krossen soli in der in seiner Stadt zu orricbtenden Pfennigsmiinze dieselben Recbte und Freibeiton

erbalten, wie sie der Frankfurter Rat durcb Verleibung der

Vorganger des Kurfiirsten besitzt, nacb deraselben Scbrot und Korn prilgen lasscii und die Aufsicbt — wardiren und probiren in derselben eise ausiiben.

DaB aber der Rat von Frankfurt aucb damals nocb niclit

alleiniger Inbaber des Munzrechts war, sondern dasselbe im

Namen der Gesamtbeit der Stadte ausiibte, lebrt uns die scbon crwilbnte Aufzeicbnung im Frankfurter Stadtbucb von 1516
not thut, inhalis ircr privilegien. Bei meynen getzlitn, do ZeitscUrUt fUr Numismalik. XXXMI,

U.

242

Heineken:

die stat alhir Use mnnizen^ do yah der }nunts})icister dcm rate von der pfennigmuntz des jarcs hundert guldn.

"Wenn "wir liber Berlin audi niclit in gleicher Weiso unterrichtet sind wie iiber die Schwestermiinzstatte, so ist doch kein

Zweifel, daB die Verhaltnisse Iner ebenso lagan wie in Frank furt, Eine verscbiedene Entwicklung der Beziehungen von

ortsanwesendem Rat zur Gesamtheit der Stadte war niclit gut moglich.

Als Resultat der Untersucliung orgibt sich: Seit 1369-

besafion die Stadte der Altmark und ostlicbon I\rittGlmark in

ibrer Gesamtheit das Pfennigmunzrecht mit dcrselben Aiis-

scliliei31ichkeit, wie es bisber der Landesherr inne gebabt batte.

Sie iibten es aus in den Stadten Stendal einerseits. Berlin und F r a n k f u r t a n d e r s e i t s . Vo n e i n o m s t a n d i s c b e n M i i n z r e c b t

darf man uicbt sprecben, weil die eine Grappe der 8tande» die R-itterscbaft, in der Altmark keinen und in der Mittelmark

nur einen bedingten, nicbt lange behaupteten Anteil daraii

batte. Man inuB das i^Eunzreelit daber als stadtiscb bezeicbnen^ aber nieht in dem Sinne. als ob einzelne Stadte dieses Recbt

allein besessen batten. Das war in der Mittelmark niemals

und in der Altmark erst lange nacb AbscbluB der Vertrage der Fall i).

Von den auf Grund der Vertrage von 1369 gepragten Miinzen, die mit einem Oberzeichen nacli Willkiir der Stadte Bahrfeldt gibt (I S. 25f) an. dali 1369 je die ytiidte der ilunzyeer

>3tendai und Berlin dem Markgrafen das Milnzrecht abkauften; I S. 236

heiBt es: DaB der Markgraf zuerst den altmarkischen Standen und den

2uin Miinzbezirk Stendal gehoripen Stadten die Munze dieses Bezirkes —

mit der Miinzwerkatatte ausscblieDlich in Stendal — und wenigo Monate sputter auch den Stadten dea Miinzkreises Berlin die Miinze desselben —

wit der Pragestatto nur in Berlin und Frankfurt — verkanft babe. —

Beim Stendaler Bezirk nennt er StUnde, womit er wohl die Ritterscbsft meint, und Stadte, obwolil nur die Stildte das Miinzrecbt erwerbon, und beim Berliner Bezirk ItlBt er die Ritterschaft aus, obwohl sie bier an der Erwerbung beteiligt ist. Die Munzstiltten aber bezoicbnet er im Widerspruch damit als stadtiscb. Nacb seiner sonst tiberall im I. und II. Baude

vortrotenen Auffassung besitzen die StUdte Stendal, Berlin und Frankfurt

seit 1869 das Miinzrecht. So bezeiebnot er fUr dio Altmark zu gleicber Zeit drei verscbiedene Miinzberren t Ritterschaft und Stadte, Gesamtheit der Stadte allein, und scblieClich die Stadt Stendal.

Zur mittelalterlicben Miinzkunde Brandenburgs.

243

versehen sein sollten, lassen sich die altmarkisclien Pra-

gungen, wie wir gesehen liaben, aus clem vorliegenden Miinjiniaterial nicht aussondern, dagegen sind die Erzeugnisse der Berliner und Frankfurter MiinzstUtte durch die Dar-

stellung der Wappontiere des Baren und des Hahns auf der Ivehrseite (Babrfeldt I n. 626, 627, 628) audi fiir uns kenntlich gemacbt, die ersteren mit 849, die letzteren mit 27 Stiick audi im Xetzower Funde vertreten (Z. f. N. XXXII 109).

Unter der ilegierung des ersten Hohenzollern traten an Stelle der zweiseitigen Miinzen Hohlpfennige, doien alteste Ve r t r e t e r u n s i m N e t z o w e r F u n d e Z . f . N . X X X I I 11 5 v o r -

liegen. Die Zuteilung der Hohlpfennige mit dem halben Adler und den vier Rautensteinen an Stendal kann

einem Zweifel nicht unterliegen, da sie das Wappen der Stadt. wie es seit dem 15. Jahrhundert gefiibrt wiirde, tragen (Babr

feldt II S. 34). Die Helnipfennige, die einer den Helm als

\Vappen fiibrenden Stadt nicht zugewiesen werden konnen, sind dagegen durch urkundliche Zeugnisse mit Sicberheit zu bcstimmen. Babrfeldt {II S. 28f., S. 430) fiihrt zwei Stellen auf, die eine von 1558, die andere nach 1560, in denen

die franhfurter pfennige mit dem alden hehii lult anderii markischen Gepragen zusammen genannt werden. Seine Zuteilung dieser Miinzen an Frankfurt findet eine Er-

ganzuug durdi eln spater von Buchenau veroffentlichtes sadisiscbes Jlunzmandat von 1511 (Bl. f. Mzfrdc. X S. 3157), in

welcbem unter andern brandenburgischen Pfennigen Bcrlinificlie mit dem helm

sich linden. Daraus gebt hervor, dalJ diese Helmpfennige nicbt

nur in Frankfurt, sondern auch in Berlin gepragt worden sind, Dafi wir keine kurfiirstlicben, sondern stadtische Geprage in ihnen zu erblicken baben, kann nacb den friiberen Aus-

fiihrungen nicbt bezweifelt werden. Die Wahl des Helnies als Oberzeichen an Stelle der stadtisehen Wappen lindet dadurch

seine Erklarung, dafi man als beiden Miinzstiitten gemeinsames dauernd anzuwendendes Miinzbild eben eine andere

Darstellung wUblen mulite. wenn man nicbt die eine Stadt zugunsten der andern zurucksetzen wollte. 16*

2 4 4

£1. 11 e i Q c k e n :

Keine Urkunde ist bisher bekaniit geworden, die uns von der durch Einfiihruiig der Hohlpfennige eingetretenen wiclitigen Anderung im brandeiiburgischeu Miinzwesen Fuiide braciite. Wir sind auf die Miinzeu selbst angewiesen. Durch den vor-

liegenden Fund ist der Beginn ihrer Praguug im ersten Jabrzebnt der Hohenzollernhcrrscbaft gesicbert. Aus den Gewichts-

und Gebaltsimtersucbungen geht bervor, daI5 den zweiseitigeu Uenaren aus der luxemburgiscben Zeit gegeniiber bei VerminderuTig des Gewicbtes eiiie Erbbbung des Feingebaltes eiiitrat. Der Feingebalt der neuen Hoblmiinzen scliwankt bei

21 probierten Stiicken zwiscben 12 Lot 5 Gran und 14 Lot

6 Gran, das Durcbscbnittsgewicbt der Stendaler Mtinzen betrag't 0,379 g, das der Helmpfennige 0,398 g. Die Denare der vorbergebenden Periode haben nacb Babrfeldt fl S. 25) eiiifcn

durchscbnittlicben Feingebalt von 10—12 Lot, wabrend das

Durcbscbnittsgewicbt der Ketzower Stiicke zwiscben 0,57 g

und 0,G6 g liegt, Als dieso Hohlpfennige auf der Feldniark des Dorfes Netzow dem Erdboden anvertraut wurden, batte die

"Pragung der Adlerboblpfennige in dor Mark Brandenburg nocb nicbt begonnen. Da« cliese mit dem alten markgraHicben ' appen ausgestatteten Miinzen nur einer landesberrlicben

JIunzstatte ibren TJrsprung verdanken konnon, unterliegt keineni /weifel. Dagegen mu^ nocb untersucbt werden, welcbe Prage-

orte Ansprucii auf sie erbeben kbnnen. Stendal, Berlin und

Frankfurt scbeiden ganz aus; denn bier liestand neben den stadtiscben keine Jandosberrlicbe Miinze zur Zeit Friodricbs 1.

Von den Miinzstatten der vorbergebenden Periode, die nocb im Besitze des Kurfiirsten waren, werden nur Brandenburg

un Prenzlau urkundlicb erwabnt. Die Noumark mit ICbnigs-

erg befand sicb damals in den Handen des deutscben Ordens; yritz, die alte lliinzstatte der Priegnitz, versobwindet rait

em nde der ittelsbacberberrscbaft ganzlicb aus den Ur'un en. Die neueu landesberrlicben Miinzen in Havelberg und Ratbenow treten erst unter Friedrioli II. in Tatigkeit. DaiJ in Prenzlau, an der Grenze Pommerns, Vinkenaugen gescblagen seien, nimmt Babrfeldt (11 S. 8) wobl mit Hoclit an.

So bleibt als einzigo landcsborrlicbe Miinzstatte, dor Adlerpfennige zugewiesen werden kiinntcn, Brandenburg iibrig.

Zur mittelalterlicben Miiozkande Braadeoburge.

245

In der altesten Urkunde, die uns von der Tatigkeit der

brandenburgisehen Pragestatte unter Friedrich I. Kunde gibt, in der Bestallung des Klaus Miinzer als landesherrlichen jVIiinzmeisters durch Markgraf Johann im Jalire 1427 wird bestimmt (Riedel A IX S. 130 n, 155; Bahrfeldt II S. 445); das er ziim halben slalien soly das ist y XLIII pf. aujf tin lod. 1431 wird dem Kaspar Fuehs die Miinzstatte iibertragen mit

der Weisung (Grercken VII S, 229 n. 93; Bahrf. II S. 445): das er die halten und slalien sol nach den siveien muncxcn Berlin und Francfurih so lang his ivir tms hedenhen, icie

wirs furder damit halten wollen. Und (?e> genant Caspar sol die in kein wiess niclit geringer slahn, den sic itzund ist,

1436 erhalt der neue Miinzmeister Heinrich Salig denselben

Auftrag (Kiedel A IX S. 144 n. 185; Bahrf. IT S. 446). To dem ersten schal dt/ gnante Einricli Salige in unsc stadt Brandenlorch ui^ unsen slag hrandenhorgische pemiige und

scherf, jo die march sulvers up sulk witt und horn unde na allcr tvyse, als die von Berlin %md Frankenvorde pemiinge munien iind slalien laten, munten und slalien, docli eft an der

vynen marck veylde ein quentin ganz oder half myn edder mehr ungeverliken, dat schal dem gnanten Hinrik Salingen sunder vare icesen.

In den Bestalliingsurkunden fur Giese Brewitz durch Kurfiirst Friedrich II von 1440 und 1447 wird verordnet (Raumer, Cod.

dip]. Brand.' cont. I S. 128 n. 98, I S- 217 n. 76; Bahrf. II R. 446if):

den slag tiff gute getverd und ivardrimge der stendahselien

holen pfenning, alse nu gcgenwertig geslagen werden. recht-

vertigen halten, so lang %vir dm das wider dbsagen. Gesehee atich mt/nurung an den stenndaHselien pennigen, der 7nag sich

Gise mit nnserni tvissen tind vidtvort aucli ivol nach richtm und halden. Und er sal in unser stat Brandhorg pfenninge

muntze uff den hrandenhorschen slag und sunderlichen auch auf der stendalischen pfennynge koren tmd an oiler werung so gut slaen tmd machen, als dy ettzund su Stendal geslagen warden, Wahrend die Urkunde von 1427 noch ohne Beriicksichtigung der stadtischen Hiinzstatten die Auspragung von 43 Pfennigen

aus dem halbfeinen Lot anordnot. werden 1431 die Pragungen

H.

246

Heineken:

der Miinzstatten Berlin und Frankfurt als i\Iuster be.stimnit,

aber mit der Einschrankung, daB der Miinzmeister nicht geringer als bisher, d. h. wie 1427 festgesetzt war, prageii darf. Da er sich in Schrot und Korn nacli dcm Naclibarbezirke rlchton

mu6, so ist ihm keine Grenze nach oben gesetzt. Wird dort besser gepragt als bisher in Brandenburg, so muB or seine Miinze auch besser ausbringen. Bei Verringerung des MiinzfuBes darf er aber nur so weit folgen, bis der jetzt in Bran denburg iibliche MiinzfuB erreicht ist. In derselljen Woiso wird

ilim 1440 und 1447 die Pragung nach Stendalcr Cluster vorgesehrieben, Auch bier sichert sich der Kurfurst vor s:erinslialtiger Pragung in seiner Miinze, indem er eine Versclileoho

O

terung des MunzfuBes nach dem Vorgange Stendals von seiner Zustimmung abhangig macht. Aus diesen. Verordnungen geht nocii nicht hervor, daB

eine tlbereinstimmung in alien drei Bezirken hergestellt wurde. Demi es steht niciit darin, daB die Miinzen des &>ton-

daler und Berliner Distriktes einander gleich waren. Aber andere Nachrichten beweisen das deutlich. Die altmarkisciien

Stadte hatten 1369 bestimmt, daB zwei Pfund Pf'ennige fiir die Mark Silber genommen worden niiiBten. Diese Anordnung blieb dauerud in Kraft und verdrangte die Reclinung nach Pfunden im 15. Jahrhundert so gut wic ganz, so daB nunniehr nach Jlarken Pfennige, die Mark zii 40 Schillingen,

dieser zu 12 Pfennigen, gereciinet wurde. Im Berliner Bezirk war die Rechnungseinheit das »Schock Groschen zu

60 Stuck, der Groschen zu 8 Pfennigen. In beiden Be

zirken gingcn demnach 480 Pfennige aut die oberste Einheit.

Da aber zur Zeit der Luxemburger auf den Groschen 8 Ber liner und 7 Steudaler Pfennige gingen (Kotclmann a. a. O.

26), so hatten damals Stendaler Mark und Scliock Grosclien

niclit dcnselben AVert. Von dem Augenblick an, wo diose Gleichsetzung aus den Urkunden nachweisl)ar ist, muB auch die Xlbereinstimmung der Pfennige als orwiesen gelten.

1426 (Gercken VII S, 156 n. 52): drejf yute rheinische gul den fur ei}i schoJc. 1429 (Riedel B III S. 495 n. 1471): ye ein iSiemlliscli murk vor drei gulden.

Zur mittel ilterlichen Miiuzkuado Braadeuburgs.

247

Im Jahre 1429, ehe die kurfCirstliclien Verordnuiigeu von 1431

fiir Brandenburg ins Leben traten, galten die Pfennige des Stendaler und Berliner Distriktes bereits als gleich. Diese

Ubereinstimmung, die zur Zeit der Luxemburger noch niclit vorhanden war, wird wobl zugleich mit der Einfiihrung der

Holilpfcnnige bewirkt worden seiu. Bei den Ketzower Hohl-

miinzen hielt sich der Feingehalt beider Geprage zwiscben denselben Grenzen, wahrend der geringe Unterscbied im Gewicht durcb die Tatsacbe erklart wird, daB, vgl. Z. f. K. XXXII 115,

gegeniiber 2400 altmarkiscben nur 30 Helmpfennige zur Ermittlung des Durcbsebnittsgewicbtes zur Veriugung standen. Da der Einfiibrung von Hohlpfenuigen an Stelle der seit mebr als einem Jabrlmndert allein gepragten zweiseitigen Denare

gleiclizeitig in zwei Bezirken eine Vereinbarung der miinz-

berecbtigten Stadte vorangegangon sein niuB, so wird diese

aucb Bestimmungen entbalten haben, welcbe die Pragung nach

deniselben Miinzfufi fiir beide Bozirke anordneten. Im Braudenburger Bczirk reubnotc man cbenfalls uacb Sobock Gros cben. abcr bier gait der Groscben zur Zoit des Laadbucbes Karls IV. 6 Pfennige. Dureb Verordnung Eriedricbsl. von 1431 wurde die Xibereinstimniung mit den Miinzstatten Berlin und Frankfurt befohleu. Dabcr treffen wir in den Urkunden von 1431 an beide Geprage einander gleieb gesetzt.

1431 (Gercken VII S. 230 n. 96): LX schock an Brand, und Berlin, yfenningen y IJ pJtunt fur I schodc.

1436 (Ebenda S. 262 n. 125): X schock jdhrlic1ie>^ renthe an Brand. Berlinischcn oder Frankenf. phennu/en — ye acht

pfennige vor einen yrosclien. Da nunmebr die Brandenburger mit den Berlin-Frank-

iurter letztere aber scbon vorher mit den Stendaler Pfennigen iibereinstimmteu, so konnte eino Urkunde von 1432 alle drei

in gleicber Weise fur die Bezabking bestimmen (Gerclten Vll S. 237 u. 106):

himdert marck Stendalischer, Brandenburgischcr oder Berliniscker iverunge n zumj vfunt fiir eine marck. Die Frage, ob die ersLe Einfiibrung dioser Hoblpfennige auf Veranlassung oder wenigstens untor Mitwirkung des Kur-

F T.

248

Heinekeo:

fiirsten ins Leben gerufen worden ist, laCt siuh nicht beantw o r t e n , N a c h d e n Ve i t r a g e n v o n 1 3 6 9 w a r e n d i e S t a d t e

berechtigt, Pfennige nach eigenem Miinzfuli oline landesberr-

liches Einspruchsrecbt zu pragen. Da ihnen Verpflichlungen in betrefF des Aufieren der Miinzen nicbt auferlegt worden waren, so konnten sie aus eigener Macbtvollkommenheit hohle statt zweiseitiger Geprage einfuhron. So viel ist aber gewiB,

dafi die ersto Ausfiihrung der Keuerung von den Stadten allein gescbah und dor Kurfiirst spater ilirem Beispiel folgto. Jir scheint aber zunachst nur die anfiere Form, niolit auch Schrot

und Korn der stMtischen Miinzen nacbgeahmt zu haben. Die

^«etzower Pfennige habeu einen Feingebalt von 14 Lot 6 Gran bis 12 Lot 5 Gran und ein Dnrchscbnittsgewieht von 0,379 g, die kurfurstlichen in Brandenburg sind nach der Verordnung von 1427 8l6tig bei einem Gewicbt von 0,34 g (Balirf. II S. 68). Wenn man nicht annehmen will, dai3 die stadtischen Pragungen in den wenigen Jahren, die zwischen der Vergrabung

des 1 undes und der Verordnung liegen konnen, ganz wesent-

lich verschlechtert worden seien, so man sagen, daB der

Kurfiirst zunachst nach einem leichteren Miinzfulie als die

i ac barbezirke gepragt babe. Daraus mtilite man weiter

schlieI3en, daB durch die Verordnung von 1431 ein besserer i unzfuB in der Pragestatte Brandenburg eingefiihrt wurde. Lie zahJreichen Probierungeu von Adlerpfennigon, welche Bahrfeldt in seinem zweiten Bando verofFontlicht hat, stohen damit im Widerspruch; denn sie gehen niemals fiber 8 Lot

inaus. Aber auch die von ihm probierten Helmpfonnige iiber-

s^igen diese Grenze nicht,sind. wahrend Stendal er Pfenni ge bis ot 8,4 Gran feinhaltig Wir konnen daraus schlieiJen.

^ altesten Adlerpfennige in groBoren Mengen damals

noc nicht zum Vorschein gekommen waren und die Hoffnung daran kniipfen, dafi, wie der Netzower Fund uns die altesten

treprage des Stendaler und Berliner Bczirkes, ein spaterer Fund auch die ersten kurfiirstlichen Hohlpfennige mit dem Adior bescheren wird.

Die Darstellung, welche wir von dor Hohlpfennigpragung

2ur Zeit des ersten Friedrich gegeben haben, weicht in vlelen

Punkten von den Ausfiihrungen Bahrfeldts im zweiten Bande

Zor mittelalterlichen Mtinzkunde Brandenburg:

249

seines brandenburgisehen ^liinzwesens ab. Bei seiner Ver-

offontlichung im Jahre 1895 waren die Stendaler, die Helmund die Adler-Hoblpfennige nur aus Funden bekanut, die der Zeit Friedrichs II. angehorten. Da auch die Fabrik dieser Stiicke auf die Zeit iiach 1440 wies, so setzte er den Beginn

ihrer Auspraguiig in diese Zeit und behielt infolgedessen fiir die ersten 25 Jahre der Hoiienzollernherrschaft auBer den

urkundlich bezeugten Salzwedeler Pfennigen nur die Adler-

pfennige iibrig, die er auf Grrund der urkundlichen Notizen liber damalige Tatigkeit mehrerer Miinzst'atten Friedricli I. zuzuweisen sich berechtigt fiihlte. Der Netzower Fund erst

hat gezeigt, dafi sowohl die Stendaler wie die Helm-Hohlpfennige der eraten Zeit Friedrichs I, etwa seinem ersten Jahrzehnt. zuzuschreiben sind, wUhrend das Fehlen der AdlerhohJ-

pfennige im Netzower Funde diese erst spater, wohl im Verf'olg der TJrkunde von 1427 gepragt erweist.

H. Heineken f.