U N G A R N – J A H R B U C H

U N G A R N – J A H R B U C H

U N G A R N – J A H R B U C H Zeitschrift für interdisziplinäre Hungarologie Herausgegeben von ZSOLT K. LENGYEL In Verbindung mit Gabriel ADRIÁNYI (B...

318KB Sizes 3 Downloads 42 Views

Recommend Documents

U N G A R N – J A H R B U C H
Joachim von PUTTKAMER (Jena), Harald ROTH (Potsdam). Andrea SEIDLER (Wien), Gábor UJVÁRY (Budapest). András VIZKELETY

S I C H E R U N G S A B T R E T U N G
S I C H E R U N G S A B T R E T U N G. Aus Anlass des unten beschriebenen Schadensfalles habe ich das. Ing.-Büro Seiber

S I C H E R U N G S A B T R E T U N G
Der Auftrag kommt mit Unterzeichnung der Sicherungsabtretung zustande und ist nicht widerrufbar. Bei Aufträgen ohne aus

A u s s c h r e i b u n g
Koc, Ali Cem. ASV Wuppertal. Boxring Hilden. Jugend bis 69 kg Omeirate, Adnan ... Ali, Mohammed. Boxring Neuss. Boxring

A u s s c h r e i b u n g
05.11.2016 - TV Paderborn. 66,5 kg Kad.-W. Celik, Buse ... TV Paderborn. SR Garath. 50 kg Kadett. Nimani ... Murad, Rama

A U S S C H R E I B U N G
Sportstätte: Sportpark Pennenfeld. Mallwitzstraße 9-11. 53179 Bonn. Disziplinen: Damen-Einzel, Damen-Doppel, Herren-Ei

Y A C H T C L U B B R E G E N Z
Peter Hirschbichler, Heinz Böhler, Max. Rohner, Fritz Trippolt und mir, später kam. Alfred Baer dazu, ist in kürzeste

A U F N A H M E A N T R A G - ASV-Schleswig
Großer Langsee: ungefähre Lage: zwischen Schleswig und Böklund, 113 ha groß. Brautsee: am östlichen Stadtrand von Schles

K U L T U R R I N G R Ü T H E N
26.06.2016 - Sietze de Vries der künstlerische Leiter ist. In dieser Eigenschaft ist er einer der festen. Organisten de

E R F A H R U N G S B E R I C H T
20.08.2013 - Ich habe mit dem Office of International. Affairs (OIA) der KU sehr ... Ich hatte mich für ein Einzelzimme

U N G A R N – J A H R B U C H Zeitschrift für interdisziplinäre Hungarologie

Herausgegeben von ZSOLT K. LENGYEL In Verbindung mit Gabriel ADRIÁNYI (Bonn), Joachim BAHLCKE (Stuttgart) János BUZA (Budapest), Holger FISCHER (Hamburg) Lajos GECSÉNYI (Budapest), Horst GLASSL (München) Ralf Thomas GÖLLNER (Regensburg), Tuomo LAHDELMA (Jyväskylä) István MONOK (Budapest), Teréz OBORNI (Budapest) Joachim von PUTTKAMER (Jena), Harald ROTH (Potsdam) Andrea SEIDLER (Wien), Gábor UJVÁRY (Budapest) András VIZKELETY (Budapest)

Band 32 Jahrgang 2014/2015

Verlag Ungarisches Institut Regensburg 2016

Ungarn–Jahrbuch Zeitschrift für interdisziplinäre Hungarologie Redaktion Zsolt K. Lengyel mit Florian Bucher, Krisztina Busa, Ralf Thomas Göllner, Mihai Márton Der Druck wurde vom ungarischen Nationalen Kulturfonds (Nemzeti Kulturális Alap, Budapest) gefördert Redaktion, Verlag: Ungarisches Institut der Universität Regensburg, Landshuter Straße 4, D-93047 Regensburg, Telefon: [0049] (0941) 943 5440, Telefax: [0049] (0941) 943 5441, [email protected], http://www.ungarisches-institut.de. Beiträge: Die Autorinnen und Autoren werden gebeten, ihre Texte weitzeilig und ohne Formatierungen zu setzen und mit den eventuellen Beilagen sowohl im Papierausdruck als auch elektronisch einzusenden. Publikationsangebote, welche die Kriterien einer Erstveröffentlichung erfüllen, sind willkommen. Für unverlangt zugegangene Schriften und Rezensionsexemplare wird keinerlei Gewähr übernommen. Die zur Veröffentlichung angenommenen Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber und Redaktion wieder. Für ihren Inhalt sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Größere Kürzungen und Bearbeitungen der Texte erfolgen nach Absprache mit den Autorinnen und Autoren. Bezugsbedingungen: Der umsatzsteuerfreie Jahresabonnementpreis ist der jeweilige Bandpreis (z. Zt. EUR 45,–/SFr 100,–), zuzüglich Porto- und Versandkosten. Ein Abonnement verlängert sich, wenn es nicht drei Monate vor Ablauf des Kalenderjahres beim Verlag gekündigt wird. Bestellungen zur Fortsetzung oder von früheren Jahrgängen nehmen der Buchhandel oder der Verlag entgegen. Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar © Ungarisches Institut München e. V. 2016 Das Werk einschließlich aller Abbildungen ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Bearbeitung in elektronischen Systemen

Satz: Ungarisches Institut der Universität Regensburg Druck und Bindung: AZ Druck und Datentechnik GmbH, Kempten ISBN 978–3–929906–69–1 (Buchnummer) · ISSN 0082–755X (Zeitschriftennummer)

INHALTSVERZEICHNIS

Abhandlungen GÁBOR BARABÁS Prinz Koloman und Herzogin Viola von Oppeln Beitrag zu einem historiografischen Disput

1

ÁGNES MALÉTH Diplomatische Beziehungen zwischen Karl I. von Ungarn und dem Papsttum unter Johannes XXII. (1316-1334)

25

RENÁTA SKORKA Die Bürger von Preßburg vor dem Reichshofgericht

39

ZOLTÁN PÉTER BAGI Der junge Peter Ernst II. von Mansfeld im Fünfzehnjährigen Krieg

47

PETRA RAUSCH-MÁTYÁS Die Verwaltung des Edelmetall-Bergbaus von Sathmar unter dem siebenbürgischen Fürsten Gábor Báthory (1608-1613)

61

GÁBOR KÁRMÁN »Verdammtes Konstantinopel« Das Türkenbild der siebenbürgischen Gesandtschaft bei der Hohen Pforte im 17. Jahrhundert

93

FREDERIK KRABBES »dass er in re wirklich dominire, und doch nicht so scheine« Das kaiserliche Generalat in Siebenbürgen unter Jean Louis de Bussy-Rabutin während des Großen Türkenkrieges

115

TIBOR MARTÍ Paul Esterházy, Ritter vom Goldenen Vlies

139

SZILÁRD SZABÓ Ungarns Politik gegenüber Bosnien und Herzegowina 1878-1908

157

IV ISTVÁN GERGELY SZĭTS Zu den deutsch-ungarischen porzellanindustriellen Kontakten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

169

RÓBERT KEREPESZKI Gesellschaftliche Vereine im Ungarn der Horthy-Ära

177

ÉVA PETRÁS Die Rezeption der kirchlichen Soziallehre durch die katholische Intelligenz im Ungarn der 1930er Jahre

195

MICHAEL BRAUN »Lasst den Streit, ihr Länder, legt den Streit beiseite« Béla Bartók und das Ideal der Völkerverständigung

207

VILMOS ERčS Ein Wegbereiter der modernen gesellschaftsgeschichtlichen Forschung in Ungarn: Elemér Mályusz (1898-1989)

229

ANNAMÁRIA FÁBIÁN – IGOR TROST Politolinguistische Analyse der Argumentationsschemata und der Persuasion in der Budapester Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Viktor Orbán vom 2. Februar 2015

243

Forschungsberichte MICHAEL KNÜPPEL Der Teilnachlass von István Futaky (1926-2013) in der Abteilung Handschriften und Seltene Drucke der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

259

MICHAEL PROSSER-SCHELL „Politics, Feasts, Festivals“. Kommentar zum neuen Sammelband der SIEF-Arbeitsgruppe „The Ritual Year“ aus kulturanthropologischer Perspektive und unter besonderer Berücksichtigung hungarologischer und internationaler Thematik

267

V

Mitteilungen LÁSZLÓ LUKÁCS Christbaum der Irrungen

277

AMBRUS MISKOLCZY Der atmosphärische Wandel im Siebenbürgen des 19. Jahrhunderts

293

MARC STEGHERR Ungarischer Regionalismus im rumänischen Siebenbürgen Die notwendige Wiederentdeckung des multiethnischen Osteuropa im 21. Jahrhundert

303

CSABA SZABÓ Das Erbe von Kuno Graf Klebelsberg in Wien

327

Besprechungen Allgemeines und Übergreifendes HONTERUS, J.: Rudimenta Cosmographica. (Ralf Thomas Göllner) WEGER, T. – GÜNDISCH, K.: Kaschau – Košice. Eine kleine Stadtgeschichte. (Wolfgang Kessler) PAAS, J. R.: The German Political Broadsheet 1600-1700. Volume 12: 1686-1700. (Nóra G. Etényi) Kooperation in Europa. Modelle aus dem 20. Jahrhundert / Cooperation in Europe. Models from the 20th Century. (Franz Sz. Horváth) LENGYEL, ZS. K.: Emigráció, szórvány, hungarológia. Válogatott írások 1985-2012. (Franz Sz. Horváth)

335 337 338 345 346

Staat, Recht, Politik GÖNCZI, K. – CARLS, W.: Sächsisch-magdeburgisches Recht in Ungarn und Rumänien. Autonomie und Rechtstransfer im Donau- und Karpatenraum. (Dirk Moldt) Frieden und Konfliktmanagement in interkulturellen Räumen. Das Osmanische Reich und die Habsburgermonarchie in der Frühen Neuzeit. (Antal Szántay)

350

352

VI Der österreichische Neoabsolutismus als Verfassungsund Verwaltungsproblem. Diskussionen über einen strittigen Epochenbegriff. (Ágnes Deák) SEIDERER, G.: Österreichs Neugestaltung. Verfassungspolitik und Verwaltungsreform im österreichischen Neoabsolutismus unter Alexander Bach 1849-1859. (Ágnes Deák) DEÁK, Á.: „Zsandáros és policzájos idďk”. Államrendďrség Magyarországon, 1849-1867. (Loránd L. Mádly) Staatsbürgerschaft und Teilhabe. Bürgerliche, politische und soziale Rechte im östlichen Europa. (Ferenc Eiler) KÜHRER-WIELACH, F.: Siebenbürgen ohne Siebenbürger? Zentralstaatliche Integration und politischer Regionalismus nach dem Ersten Weltkrieg. (Franz Sz. Horváth) Inszenierte Gegenmacht von rechts. Die „Legion Erzengel Michael“ in Rumänien 1918-1938. (Ambrus Miskolczy) GLASS, H.: Deutschland und die Verfolgung der Juden im rumänischen Machtbereich 1940-1944. (Ambrus Miskolczy) Minderheitenpolitik im „unsichtbaren Entscheidungszentrum“. Der „Nachlass László Fritz“ und die Deutschen in Ungarn 1934-1945. (Ferenc Eiler) Jenseits von Aufrechnung und Verdrängung. Neue Forschungen zu Flucht, Vertreibung und Vertriebenenintegration. (Ferenc Eiler) ROTHER, H.-J.: Die Freie Montagsuniversität in Budapest. Eine fliegende Universität in Ungarn vom Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre. (Jeannette Madarász-Lebenhagen) KORKUT, U.: Liberalization Challenges in Hungary. Elitism, Progressivism, and Populism. (Ralf Thomas Göllner) KÜPPER, H.: Ungarns Verfassung vom 25. April 2011. Einführung – Übersetzung – Materialien. (Michael Pießkalla)

355

358 360 362

365 367 372

374 376

378 380 384

Wirtschaft und Gesellschaft BERLÁSZ, J.: Erdélyi jobbágyság – magyar gazdaság. (Antal Szántay) WEISZ, B.: A királyketteje és az ispán harmada. Vámok és vámszedés Magyarországon a középkor elsď felében. (Péter Haraszti Szabó) Hans Dernschwam’s Tagebuch einer Reise nach Konstantinopel und Kleinasien (1553/55). (János Buza) FATA, M.: Migration im kameralistischen Staat Josephs II. Theorie und Praxis der Ansiedlungspolitik in Ungarn, Siebenbürgen, Galizien und der Bukowina von 1768 bis 1790. (Krisztina Kulcsár)

386

388 391

393

VII IFJ. BARTA, J.: „Ha Zemplin vármegyét az útas vizsgálja...” II: Adattár Zemplén vármegye 18. századvégi történetéhez. (Antal Szántay)

397

Kultur und Bildung RIEDEL, J. A.: Bildungsreform und geistliches Ordenswesen im Ungarn der Aufklärung. Die Schulen der Piaristen unter Maria Theresia und Joseph II. (Lilla Krász) UJVÁRI, H.: Kulturtransfer in Kakanien. Zur Jókai-Rezeption in der deutschsprachigen Presse Ungarns (1867-1882). (Krisztina Busa) GANTNER, E. B.: Budapest – Berlin. Die Koordinaten einer Emigration 1919-1933. (Wolfgang Kessler) UJVÁRY, G.: „Egy európai formátumú államférfi”. Klebelsberg Kuno (1875-1932). (Franz Sz. Horváth) „A legnagyobb álmú magyar kultuszminiszter”, gróf Klebelsberg Kuno. (Franz Sz. Horváth) A negyedik nemzedék és ami utána következik. Szekfį Gyula és a magyar történetírás a 20. század elsď felében. (Franz Sz. Horváth) Történeti átértékelés. Hóman Bálint, a történész és a politikus. (Franz Sz. Horváth) OROSZ, L.: Tudomány és politika. Fritz Valjavec (1909-1960) a két világháború közötti magyar-német tudománypolitikai kapcsolatokban. (Franz Sz. Horváth) BITTER, Á.: Deutsche Sprachelemente im Ungarischen als Hilfen beim kognitiven Erwerb des Deutschen. Einsichten aus Unterrichtseinheiten mit ungarischen Deutschlehrern. (Annamária Fábián)

398

402 406 408 409

411 413

415

417

Kirche und Religion SRODECKI, P.: Antemurale Christianitatis. Zur Genese der Bollwerksrhetorik im östlichen Mitteleuropa an der Schwelle vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit. (László Glück) TESZELSZKY, K.: Szenci Molnár Albert elveszettnek hitt Igaz Vallás portréja (1606). (Wolfgang Kessler) Katholische Aufklärung und Josephinismus. Rezeptionsformen in Ostmittel- und Südosteuropa. (Julia Krämer-Riedel) BALOGH, M.: Kardinal József Mindszenty. Ein Leben zwischen kommunistischer Diktatur und Kaltem Krieg. (Gabriel Adriányi)

419 422 423 426

VIII

Chronik Adalbert Toth (12. Mai 1926 – 4. Februar 2014). (Zsolt K. Lengyel) Gyula Borbándi (24. September 1919 – 23. Juli 2014). (Zsolt K. Lengyel) Ágnes R. Várkonyi (9. Februar 1928 – 13. Dezember 2014). (László Solymosi) László Katus (13. Juli 1927 – 26. Januar 2015). (Márta Font) Hungaricum – Ungarisches Institut der Universität Regensburg gegründet. (Zsolt K. Lengyel) Bericht über den Filmabend „Son of Saul“. Regensburg, 15. Juni 2016. (Ralf Eickhoff)

433 436 439 442 445 447

Verschiedenes Autorinnen und Autoren dieses Bandes Veröffentlichungen des Ungarischen Instituts München 1964-2016

451 453

TIBOR M ARTÍ, BUDAPEST

Paul Esterházy, Ritter vom Goldenen Vlies* Quoque hunc Heroem Domus Austria stringat Amore, Perspicua Aurato Vellere Signa dedit.1

Historiografische Vorgeschichte: Über einen wenig erforschten Titel von Paul Esterházy Von Palatin Paul Esterházy ist bekannt, dass er 1681 vom spanischen König Karl II. (1665-1700) den Orden vom Goldenen Vlies erhalten hat. Obwohl die meisten Biografien über die Laufbahn des Palatins diesen Umstand anführen,2 berührt die Literatur meist nur die Tatsache der Auszeichnung *

1

2

Die Studie kam mit der Unterstützung des „Lendület“ Heilige-Krone-Projekts des Instituts für Geschichte des Forschungszentrums für Humanwissenschaften der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (2012-2017) und dank des Forschungsprojekts „Sociedad cortesana y redes diplomáticas: la proyección europea de la monarquía de España (1659–1725) – Universidad Autónoma de Madrid (España)“ zustande. Vorliegende Studie ist die überarbeitete Version eines ungarischsprachigen Vortrags, gehalten 2012 auf der Konferenz in Güns (Kďszeg) anlässlich des 300. Jahrestages des Todes von Paul Esterházy (Tibor Martí: Az aranygyapjas lovag Esterházy Pál. In: Esterházy Pál, a mĮkedvelĎ mecénás. Egy 17. századi arisztokrata-életpálya a politika és a mĮvészet határvidékén. Hgg. Pál Ács [u. a.]. Budapest 2015, 49-66). Bei der Arbeit halfen mit wertvollen Bemerkungen: István Fazekas, Géza Galavics, Mátyás Gödölle, Margit Kopp, János Kalmár, Zsolt Kökényesi, Géza Pálffy, László Schramek, Szabolcs SerfĎzĎ und András Szilágyi. Dank schulde ich Herrn Dipl.-Ing. Alexander Pachta-Reyhofen – dem Kanzler des Ordens vom Goldenen Vlies – für die Forschungserlaubnis in den Archiven des Ordens vom Goldenen Vlies im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv. »Auch das Haus von Österreich erweist Liebe diesem Helden, / und verleiht ihm das hervorragende Abzeichen vom Goldenen Vlies.« Dieses Zitat stammt aus der Dichtung des Druckes, der von Jacob Hoffman anlässlich der zweiten, mit Eva Thököly geschlossenen Ehe Paul Esterházys hergestellt wurde: Applausus Epithalamicus Celsissimo Principi … Paulo Eszterhas … Evae … Tockelin … neo-conjugibus, quando nova augusti … nuptialia festa agebantur, demissime accentus a Jacobo Hoffmann … [1] Fol. Viennae Austriae, Typ. Leopoldi Voigt 1682. Magyar Nemzeti Levéltár Országos Levéltára, Budapest [im Folgenden: MNL OL]. P 125, Nr. 11909. Der obere, erste Teil des Druckes wurde publiziert: Zsigmond Bubics – Lajos Merényi: Herczeg Esterházy Pál nádor 1635-1713. Budapest 1895 (am Ende des V. Buches). Zsigmond Bubics: Gróf Esterházy Pál Magyarország nádora. In: Cornaro Frigyes velenczei követ jelentései Buda várának 1686-ban történt ostromáról és visszavételérĎl. Hg. Zsigmond Bubics. Budapest 1891, XLVI–LXVIII, Anm. 372, 120; Béni Nagy: Herczeg Esterházy Pál nádor, a „ferenczesek jótevĎje“. Eger 1903, 18; Adolf Mohl: Herceg Esterházy Pál nádorispán. A magyar Mária-leventék példaképe. Sopron 1924, 59. Mit falscher Datierung erwähnt: Endre Csatkai: Emlékezés Esterházy Pál nádorra születésének 300. évfordulója alkalmából. Sopron 1935, 20; Emma Iványi: Esterházy Pál nádor közigazgatási tevékenysége (1681-1713). Budapest 1991, 409; István Fazekas: Paul Esterházy. In: Bollwerk Forchtenstein. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung 1993. Hg. Michael

140

Ungarn-Jahrbuch 32 (2014/2015)

mit dem Orden, und dies ausnahmslos ziemlich lakonisch. Die Biografie, die vom Familienarchivar Lajos Merényi unter Mitwirkung von Zsigmond Bubics verfasst wurde, enthält eine kurze Erwähnung.3 Die schon klassische Familiengeschichte von János Eszterházy enthält folgende Zusammenfassung: »1682 betrieb er die Durchsetzung der Beschlüsse des letzten Reichstages beim König, und am Tag des Apostels Matthias, dem 24. Februar, wurde er in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen; das Diplom datiert vom 27. Dezember 1681 in Madrid.«4 In Bezug auf die Tätigkeit von Paul Esterházy als Mäzen machte jedoch Géza Galavics darauf aufmerksam, dass Palatin Paul bewusst und folgerichtig Gedenksäulen zu Ehren der Heiligen bestellt und aufgestellt hat, an deren Feiertag er eine weltliche Anerkennung oder Auszeichnung erhalten oder irgendeinen höheren Rang erreichen sollte. 5 Die Statue des Apostels hl. Matthias, die noch heute vor der Burg von Forchtenstein steht, wurde daher zum Andenken an seine Auszeichnung durch den Orden vom Goldenen Vlies – den vornehmsten weltlichen Orden der Epoche, der auch als Hausorden der Habsburger bezeichnet wird – angefertigt. Die Mitgliedschaft im Orden vom Goldenen Vlies war ein außerordentliches Privileg. Die Mitglieder wurden nicht nur Besitzer eines Ordens: Im Orden, der 1429 von Philipp dem Guten, dem Herrscher von Burgund, gegründet und bis Ende des 17. Jahrhunderts ausschließlich vom Haupt des spanischen Zweiges der Habsburgerdynastie verliehen wurde, waren die Mitglieder in der Regel Würdenträger, deren Familien schon seit Generationen zu alten, dem Herrscherhaus verpflichteten Aristokratenfamilien der obersten Elite gehörten.6 Obwohl Palatin Paul den Höhepunkt seiner Kar-

3 4

5

6

Jakob Perschy. Eisenstadt 1993, 46; Esterházy-kincsek. Öt évszázad mįalkotásai a hercegi gyįjteményekbďl. Hg. András Szilágyi. Budapest 2006-2007, 121-122. Bubics – Merényi 202. János Eszterházy: Az Eszterházy család és oldalágainak leírása. Hg. Miklós Esterházy. Budapest 1901, 112. Géza Galavics: A mecénás Esterházy Pál (Vázlat egy pályaképhez). In: MĮvészettörténeti ÉrtesítĎ 37 (1988) 3-4, 147; Géza Galavics: Fürst Paul Esterházy (1653-1713) als Mäzen. Skizzen zu einer Laufbahn. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 45 (1992) 121-141. Aus der überaus reichhaltigen Fachliteratur zur Geschichte des Ordens vom Goldenen Vlies soll hier lediglich auf die bedeutendsten Werke verwiesen werden: Ignácz Kisfaludi Kassics: Érdem koszorúk vagy Értekezés a felséges austriai császári és királyi uralkodó házat illetĎ jeles rendekrül... Európában most virágzó egyéb jeles rendekrül is. Wien 1840, 10-76; Friedrich Johannes Kalff: Funktion und Bedeutung des Ordens vom Goldenen Vlies in Spanien vom XVI. bis zum XX. Jahrhundert. Bonn 1963 [Dissertation]; Attila Pandula: A Habsburgok házi ordója: az Aranygyapjas Rend. In: Baranya 5-6 (1992) 1-2, 35-48; La Toison d’Or, un mythe européen. Hg. Jean-Luc Liez. Paris 1998; Alfonso de CeballosEscalera y Gila, Marqués de la Floresta: La insigne Orden del Toisón de Oro. Madrid 2000; Pierre Houart – Maxime Benoît-Jeannin: Histoire de la Toison d’Or. La prodigieuse aventure d’un ordre éblouissant de Philippe le Bon à nos jours. Bruxelles 2006; Das Haus Österreich und der Orden vom Goldenen Vlies. Hg. Ordenskanzlei. Graz 2007; La Orden del Toisón de Oro y sus soberanos (1430-2011). Hgg. Fernando Checa Cremades, Joaquín Martínez

T. Martí: Paul Esterházy, Ritter vom Goldenen Vlies

141

riere 1687 erreichte, als er in die Würde des Reichsfürsten erhoben wurde, war der Erhalt des Ordens von herausragender Bedeutung für den Magnaten, der seine Laufbahn mit besonderer Umsicht verfolgte und der Karriere seines Vaters, Palatin Nikolaus,7 nachfolgen und sie sogar übertreffen wollte. Die Erforschung des Erhalts des Ordens vom Goldenen Vlies kann daher für das Verständnis der vielfältigen und besonderen Tätigkeiten des Palatins auf dem Gebiet der Repräsentation in Politik, Macht und Kunst hilfreich sein. Mit dieser Studie soll diese bedeutende Forschungslücke gefüllt werden. Die Quellen in den Archiven des Ordens vom Goldenen Vlies in Wien und Madrid sowie im Familienarchiv ermöglichen es, die einzelnen Schritte Pauls zum Erwerb des Ordens, den Vorgang der Verleihung, die Vorbereitung des Ritterschlags und die Einzelheiten der Zeremonie in der Wiener Augustinerkirche mit großer Genauigkeit nachzuvollziehen. Durch diese Darstellung soll zugleich die Antwort darauf gegeben werden, was der Erhalt des Ordens einem ungarischen Hochadligen bedeutete. Dabei sollen auch jene Kunstwerke geschildert werden, welche die Gestalt des Palatins Paul als Ritter vom Goldenen Vlies zeigen. Diese Forschungsarbeit ist das erste Ergebnis einer größeren Zusammenfassung, die sich die detaillierte Enthüllung des Kontaktsystems des Ordens vom Goldenen Vlies und der ungarischen Aristokratie zum Ziel setzt.

Der Weg zum Orden vom Goldenen Vlies: die politischen Motive eines ungarischen Magnaten Paul Esterházys Sinn für Politik und Machtrepräsentation zeigte sich deutlich in seiner Ambition, den Orden vom Goldenen Vlies zu erhalten. Bereits aus dem Jahr 1672 sind zwei Briefe des ungarischen königlichen Hofmeisters, der den Grafentitel seines Vaters geerbt hatte, bekannt, in denen er sich an den König wandte und um Belohnung für seinen treuen Dienst bat; er zählte darin sogar seine Taten auf. 8 Der außerordentlich ambitiöse

7

8

Correcher. Madrid 2011. Aus den Ergebnissen der spanischen Forschungen zu den mitteleuropäischen Kontakten des Ordens: Pere Molas Ribalta: Austria en la orden del Toisón de Oro, siglos XVI-XVII. In: Pedralbes. Revista d’història moderna 26 (2006) 123-152; Pavel Marek: La Orden del Toisón de Oro. In: Ders.: La embajada española en la corte imperial (1558-1641). Figuras de los embajadores y estrategias clientelares. Universidad Carolina de Praga 2013, 175-183. András Szilágyi: Egy rendhagyó sikertörténet a XVII. században – Esterházy Miklós. In: „És az oszlopok tetején liliomok formáltattak vala”. Tanulmányok Bibó István 70. születésnapjára. Hg. Áron Tóth. Budapest 2011, 79-88. MNL OL P 125, Nr. 7120 und 7121. Die Dokumente ohne Datum können auf 1672 datiert werden. Vgl. Ebenda, P 125, Nr. 7053 (Wien, 22. September 1686). Denkschrift über den

142

Ungarn-Jahrbuch 32 (2014/2015)

Magnat suchte auch mehrere, mit dem königlichen Hof in Wien vertraute Personen auf und bat um ihre Vermittlung und Förderung seiner Karriere. Eine bedeutende Gruppe der von Paul aufgesuchten Personen stellten, neben den höfischen Großwürdenträgern, die einflussreichen Jesuiten.9 Provinzial Ádám Aboedt10 schrieb am 21. März 1680 in einem Brief an Paul,11 dass in seiner Angelegenheit sowohl die Jesuiten als auch der kaiserliche Beichtvater Christophorus Stettinger12 versuchen würden, jede Möglichkeit zu verwerten. Obwohl aus diesem Dokument der eigentliche Inhalt nicht klar hervorgeht, wird schon anhand der Briefe des kaiserlichen Beichtvaters deutlich, dass Paul mit Hilfe der einflussreichen Jesuiten den Orden vom Goldenen Vlies erwerben wollte. In seinem Brief vom 14. Juni 1680 versprach Stettinger, der zugleich Rektor im Jesuitenkollegium von Linz war, dass er der Bitte Pauls entsprechend beim Erwerb des Ordens vom Goldenen Vlies vermitteln werde.13 Paul bemühte sich folgerichtig in seinen Briefen an den kaiserlichen Beichtvater, sich beim Wiener Hof vorteilhaft darzustellen und so die Ordensverleihung zu unterstützen. Der Beichtvater übermittelte Paul aus unmittelbarer Umgebung des Königs stammende Informationen: Am 13. Oktober 1680 teilte er zum Beispiel mit, dass er zur Goldkette, die Paul zugeschickt wurde und für seinen Sohn bestimmt war (diese hatte nichts mit dem Orden zu tun), auch eine Münze sendet, auf der das Porträt Leopolds aufgeprägt war;14 er informierte den ungarischen Magnaten auch über den Tod von Raimondo Montecuccoli kurz nach den Ereignissen.15 In seinem Brief vom 11. November 1680 schrieb Stettinger schon wieder bezüglich des Ordens vom Goldenen

9

10

11 12

13 14 15

Erwerb des Fürstentitels, in der er die herausragenden Taten des Esterházy-Geschlechtes und die eigenen Dienste (den Kampf gegen die Türken auf der Seite Zrínyis, seine Verwundung beim Entsatz Wiens) zur Unterstützung seiner Bitte aufzählte. Es lohnt sich, mit diesem Dokument die Aufzeichnungen des Palatins Paul bezüglich des dem Palatin zustehenden Herzogtitels zu vergleichen: Puncta in negotio tituli Principis. Ebenda, P 125, Nr. 9367. Über den Einfluss und die Rolle der Beichtväter Elisabeth Kovács: Einflüsse geistlicher Ratgeber und höfischer Beichtväter auf das fürstliche Selbstverständnis, auf Machtbegriffe und politische Entscheidungen österreichischer Habsburger während des 17. und 18. Jahrhunderts. In: Cristianesimo Nella Storia 4 (1983) 79-102. Catalogi personarum et officiorum Provinciae Austriae S. I. II: 1601-1640. Hg. Ladislaus Lukács. Rom 1982, 533. Ádám Aboedt an Paul Esterházy, Wien, 21. März 1680. MNL OL P 125, Nr. 939. Bernhard Duhr: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge. III. München 1928, 790-791; Ladislaus Lukács: Catalogus generalis seu Nomenclator biographicus personarum Provinciae Austriae Societatis Iesu (1551-1772). III: R-Z. Rom 1988, 1607; Ferdinand Noèel Golvers: Ferdinand Verbiest, S. J. (1623-1688) and the Chinese Heaven: The Composition of the Astronomical Corpus, Its Diffusion and Reception in the European Republic of Letters. Leuven 2003, 232-233. Pardovil, 14. Juni 1680. MNL OL P 125, Nr. 3804. Ebenda, Nr. 3814. Ebenda, Nr. 3815.

T. Martí: Paul Esterházy, Ritter vom Goldenen Vlies

143

Vlies: Er hatte mit Freude erfahren, dass Esterházy inmitten des ThökölyAufstandes in Ungarn für den Frieden gearbeitet habe; dies würde ihm sicherlich beim Erwerb des Ordens hilfreich sein, und er selbst werde beim König vermitteln.16 Ein Monat später, am 10. Dezember, informierte er Paul aus Linz darüber, dass er vor Seiner Majestät in bestem Licht erscheine, und wenn er seine Tätigkeit weiterhin so fortsetze, würde er das erreichen, was er wünsche.17 Die Korrespondenz mit dem kaiserlichen Beichtvater hat – neben dem bisher fast vergessenen, jedoch ausschlaggebenden Kontakt Pauls zu Wien – auch deshalb eine besondere Beachtung für unser Thema, weil sie eindeutig beweist, dass sich der ungarische Magnat lange vor seiner Wahl zum Palatin um die Mitgliedschaft im Orden beworben hatte. Denn diese war ein Privileg von internationaler Bedeutung und gehörte nicht zum Kreis der ungarischen Titel und Ränge. Der Weg dazu eröffnete sich fast sicher dadurch, dass es ihm am 26. Juni 1679 gelungen ist, den Titel eines Geheimen Rates zu erhalten, der ihn aus der Aristokratie Ungarns in die führende Elite der Habsburgermonarchie emporhob. Der Erwerb des Ordens vom Goldenen Vlies konnte diese Position stärken. Bei der Gestaltung der Karriere von Paul Esterházy war es also ein besonders wichtiger Aspekt, in den Kreis der privilegiertesten Mitglieder der kaiserlichen höfischen Gesellschaft, also unter diejenigen vornehmen Familien der Großwürdenträger des deutschen Reiches und der Erblande aufgenommen zu werden, deren zahlreiche Vertreter auch Mitglieder des Ordens vom Goldenen Vlies waren. Die hervorragendsten Persönlichkeiten der politischen Elite der Habsburgermonarchie waren nämlich fast immer zugleich Ritter des Ordens.18 Als Paul alles unternahm, um den Orden zu erwerben, wollte er aus dem ungarischen Hochadel herausragen und zum Mitglied der höchsten Elite der Habsburgermonarchie werden, denn der Orden brachte nicht nur hinsichtlich Grundstücke, Karriere und Beziehungen, sondern auch auf dem Gebiet der Ränge und Titel Vorteile. Dies erhellt aus dem Umstand, dass er als Palatin Esterházy Ende Dezember 1681 in Ödenburg (Sopron) gleichzeitig mit dem Orden vom Goldenen Vlies auch das Amt des wahren Geheimen Rates erhielt.19 Die Bestrebung von Paul Esterházy, die Ordensmitgliedschaft zu erreichen, war nicht nur durch seine persönlichen politischen Ambitionen be16 17 18 19

Ebenda, Nr. 3816. Ebenda, Nr. 3817. Molas Ribalta 146-146; Das Haus Österreich und der Orden vom Goldenen Vlies. Eine bedeutende Station bei seinem Aufstieg war seine Ernennung zum Kammerherrn am 19. März 1655. Vgl. Die Kammerherren von Erzherzog Leopold (Ignaz), später Leopold I., 1650-1657. Österreichisches Staatsarchiv, Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Wien [im Folgenden: ÖStA HHStA]. Obersthofmeisteramt [im Folgenden: OMeA]. Sonderreihe, Kt. 19, 222-227.

144

Ungarn-Jahrbuch 32 (2014/2015)

gründet. Die Familientradition, dem väterlichen Beispiel zu folgen, spielte dabei eine entscheidende Rolle. Sowohl in der Familie Esterházy als auch unter den Magnaten des Königreichs Ungarn war Palatin Nikolaus Esterházy der erste, der den Orden vom Goldenen Vlies erhalten hatte;20 seine Laufbahn erschien seinem Sohn nicht nur als nachahmenswertes Beispiel, sondern auch als erreichbares und sogar zu übertreffendes Ziel. Dies drückte Paul bei der Ausführung der Fassade des Schlosses in Eisenstadt (Kismarton) durch die künstlerische Repräsentation aus: Eine der zentralen Büsten stellt den Palatin Nikolaus mit der Halskette des Ordens vom Goldenen Vlies dar; daneben ließ Paul seine eigene Büste aufstellen, obwohl er zu diesem Zeitpunkt den Orden noch nicht verliehen bekommen hatte. Die Nachahmung der väterlichen Karriere bestimmte grundsätzlich die Bestrebungen Pauls beim Erwerb nicht nur ungarischer, sondern auch fremder Titel und Ränge.

Der Erwerb des Ordens vom Goldenen Vlies: Von den Empfehlungen bis zur Ankunft des Ordenszeichens in Wien Paul konnte den Orden vom Goldenen Vlies schließlich fast genau im gleichen Alter (im 45./46. Lebensjahr) erwerben, wie einst sein Vater. Der Grund dafür war vor allem, dass trotz der Vermittlung des kaiserlichen Beichtvaters und anderer Kaiser Leopold I. den spanischen König lediglich am 10. September 1681 um die Verleihung des Ordens gebeten hat, also nach der Wahl Pauls zum Palatin am 13. Juni.21 Man wollte wohl abwarten, bis Esterházy die Spitze der ungarischen weltlichen Elite erreicht hatte, bevor er die Bühne der internationalen Ränge betreten sollte. Während aber sein Vater, der erst kurz davor in die Aristokratie aufgestiegen war, drei Jahre nach seiner Wahl zum Palatin warten beziehungsweise um den Orden ringen musste, erreichte sein Sohn innerhalb von einigen Monaten dieses Ziel. 20

21

MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 79; Julián de Pinedo y Salazar: Historia de la Insigne Orden del Toisón de Oro. I-II. Madrid 1787, hier I, 345; Liste nominale des Chevaliers de l’ordre illustre de la Toisón d’Or depuis son institution jusqu’à nos jours. Hg. Chancellerie de L’Ordre. [Wien] 1904, 23 (Nr. 378). Über den Orden vom Goldenen Vlies des Palatins Nikolaus: Angéla Héjjné Détári: A fraknói Esterházy-kincstár a történeti források tükrében. In: Magyarországi reneszánsz és barokk. MĮvészettörténeti tanulmányok. Hg. Géza Galavics. Budapest 1975, 477; Pál Esterházy: Mars Hungaricus. Hg. Gábor Hausner. Budapest 1989, 430; István Hiller: Az ajándékozás Esterházy Miklós nádor politikai gyakorlatában. In: Aetas 7 (1992) 3, 23; Tibor Martí: Datos sobre las relaciones entre la nobleza hispana y los estados húngaros en la época de la Guerra de los Treinta Años. In: „Nobleza hispana, nobleza cristiana: la Orden de San Juan”. Actas del congreso internacional Alcázar de San Juan. 1-4 de octubre de 2008. Hg. Manuel Rivero Rodríguez. Madrid 2009, 488-489. Lateinische Kopie des Briefes: Kaiser Leopold an Karl II., König von Spanien. Ebersdorf, 10. September 1681. MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 87, Fol. 112-113.

T. Martí: Paul Esterházy, Ritter vom Goldenen Vlies

145

Gleichzeitig mit seinem Brief an Karl II. schickte Kaiser Leopold auch seinem Gesandten in Madrid, Ottone Enrico del Carretto (Marquis von Grana) einen Brief.22 In ihm wies er seinen Diplomaten – der selbst Ritter vom Goldenen Vlies war23 – an, die Auszeichnung für Esterházy zu erwirken. Es lohnt sich, die Argumente des Herrschers aus dem Brief hervorzuheben: Die Aufnahme Pauls rechtfertigten die mehrfach bewiesene Ehre und die herausragenden Verdienste der Familie Esterházy und des Palatins selbst, außerdem der besondere Umstand, dass es im Königtum Ungarn »derzeit niemanden gibt, der mit dem Orden vom Goldenen Vlies ausgezeichnet wurde«.24 Der Kaiser hoffte, durch die Auszeichnung Pauls die Notabilitäten des Königtums zu weiteren Verdiensten bewegen zu können 25 – diese Hilfestellung benötigte der Wiener Hof inmitten des damals stattfindenden Reichstages von Ödenburg und wegen des Thököly-Aufstandes besonders dringend. Im Esterházy-Archiv ist der Brief des Sekretärs von Palatin Paul, Mátyás Benyovszky erhalten geblieben; er wurde am 9. September 1681, also am Tag vor dem kaiserlichen Empfehlungsbrief in Wien, an Paul geschrieben.26 Aus ihm ergeben sich weitere wichtige Einzelheiten bezüglich der Empfehlung zur Aufnahme in den Orden. Obwohl der Brief des Kaisers an Karl II. von seinem Sekretär verfasst worden war, der in den spanischen Angelegenheiten verfuhr, unterstützte auch Leopold selbst die Aufnahme Esterházys in den Orden. Wie Benyovszky formulierte, »schlug [der kaiserliche Sekretär, T. M.] jedoch vor, dass auch Euer Gnaden dem Gesandten Seiner Majestät in Spanien schreiben könnte«. Benyovszky verfasste dementsprechend den Brief an den kaiserlichen Gesandten, der sich in Madrid aufhielt, und bat, dass Paul diesen in Ödenburg unterschreiben, versiegeln und ihm rasch nach Wien schicken solle, damit er den Brief so früh wie möglich per Post nach Spanien senden könne. Der Sekretär des Palatins fügte hinzu, »dass jener Sekretär sich erboten hat, dass er auch im Namen Seiner Majestät schreiben wird, dem Gesandten Seiner Majestät in Spanien […]. Ich 22

23

24

25

26

Kopie des ebenfalls in Ebersdorf auf den 10. September 1681 datierten Briefes: Ebenda, Fol. 119. Liste nominale des Chevaliers de l’ordre illustre de la Toisón d’Or Nr. 502: Othon Henri Marquis de Savona, Carretto et Grana, Comte de Millesimo. »[…] Aurei Velleris Ordinem […] observo in inclyto meo Hungariae Regno, non esse, qui hoc Vestrae Maiestatis tam praeclaro effulgeat symbolo. Cujus proceres tamen eo etiam digni videntur vel maxime, quos in hoc Christianitatis antemurali continuis pro fide et bono publico vigiliis contra Christiani nominis hostem, de tota pene Europa, singulariter merentur. Inter quos praereliquis occurrit Illustris syncere dilecta: a multis retro saeculis vetustissima originemque a primis et antiquissimis Hungarorum Ducibus trahens, familia Esterhasiana.« MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 87, Fol. 112r. »[…] hic inclytus ordo […] Regni Proceres ad continuos devotionis stimulos, ulterius excitabuntur«. Ebenda, Fol. 113v. Ebenda, Fol. 128r-v.

146

Ungarn-Jahrbuch 32 (2014/2015)

denke, Euer Gnaden, dass nicht nur seine Kehle, sondern auch seine Geldbörse durstig ist, obwohl ich ihn für einen Grundbesitzer halte, er erwähnt auch oft, dass er Euer Gnaden dazu verhilft und das nicht mehr als eintausend Taler kosten wird«. Der Palatin hielt jedoch die Kosten für das Emporkommen aus der ungarischen Aristokratie für nicht zu hoch. Zwischen Esterházy und dem kaiserlichen Gesandten in Madrid, Marquis von Grana, fand tatsächlich ein Briefwechsel statt. Der Diplomat schrieb am 13. Oktober 1681, dass er alles aufbieten werde, damit Paul Esterházy den Orden vom Goldenen Vlies erhalte.27 Später schickte er Paul sogar eine detaillierte Liste über die Kosten in seiner Angelegenheit, die dieser ihm auch erstattete. Nachweis der Kosten, die Palatin Paul durch Vermittlung des kaiserlichen Gesandten von Madrid, Marquis von Grana Grana, den verschiedenen spanischen Staatsbeamten für den Erwerb des Ordens zahlte28 29

Secretario status, Petro Coloma,29 pro juribus consuetis / Dem Staatssekretär Petro Coloma für die gewohnten Rechte Illius Officiali, quem vocant, primario / Seinem Primarius Pro sigillo / Für die Versiegelung des Diploms Secretario ordinis / Dem Sekretär des Ordens vom Goldenen Vlies Ejusdem officiali Primatis / Dem obersten Beamten desselben Sekretärs Utriusque secretarii, status nempe et Ordinis, Ephebis / Den Beamten des Staatssekretärs und des Sekretärs des Ordens vom Goldenen Vlies Insgesamt

Reichstaler 200 50 24 200 24 32 530

Die Kosten des Ordenserwerbs weist auch ein anderes Dokument aus dem Familienarchiv nach. Es bezeugt, dass der Palatin bereit war, eine größere Summe zu zahlen, um den internationalen Titel zu erhalten.

27 28

29

Marquis von Grana an Paul Esterházy. Madrid, 13. Oktober 1681. Ebenda, Fol. 126r-v. Index expensarum Nomine Excellentissimi Domini Palatini Hungariae a Marchione de Grana erogatarum. Ebenda, Fol. 132. Coloma y Escalona, Pedro, Marqués de Canales (1635-ca. 1689).

147

T. Martí: Paul Esterházy, Ritter vom Goldenen Vlies

Die für den Erwerb des Ordens vom Goldenen Vlies gezahlten Summen30 Reichstaler Primo: Secretario Suae Maiestatis Hispanico, qui recomendatitias, imo et Duplicam nomine Suae Maiestatis in Hispaniam scripsit / Dem spanischen Sekretär des Kaisers, für die Empfehlungen, und gesondert für das Duplikat, das er im Namen Seiner Majestät in spanischer Sprache schrieb Secundo: Eiusdem scriba / Seinem Schreiber Tertio: In Aula Hispanica hinc inde solvendi / Dem Spanischen Hof (dem spanischen Staatsrat) daher zu zahlen Quarto: Re de Armas seu Curiero Hispanico, qui dictum Torquem ex Hispania adfert / Dem „rey de armas”, also dem spanischen Ritter, der das genannte Ordenszeichen des Goldenen Vlieses aus Spanien liefert Quinto: Item eidem unum donum dum praesentat per se / Derselben Person als offizielle Spende bei seiner Ankunft Sexto: Pro Capellano Aulico, aliisque ad altare inservientibus / Dem Hofkaplan und den anderen Teilnehmern des Altardienstes Summa facit / Insgesamt Item Convivium Instituendum / Weiterhin für die Zurichtung des Festessens

150

18 1.000

1.500

75 50 2.793 Nicht genannte Summe

Es ist auch hinsichtlich unseres Themas bemerkenswert, dass über die Ereignisse des Reichstages von Ödenburg im Jahr 1681, der von großem internationalem Interesse begleitet wurde, auch der anwesende spanische Gesandte, Carlo Emanuel d’Este, Marquis von Borgomanero31 detaillierte Meldungen schrieb.32 Eines der wichtigsten Ereignisse des Reichstages war 30

31

32

Expensae quae requiruntur pro Aureo Vellere. MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 87, Fol. 133. Carlo Emanuele d’Este Marchese di Borgomanero e Porlezza. Sein Name kommt in den zeitgenössischen spanischen Quellen meist in der Form »Marqués de Burgomayne« vor. Zu seiner Person Rubén González Cuerva: „España en el guerra de la Liga Santa (16831699)“. In: Tiempo de cambios: guerra, diplomacia y política internacional de la Monarquía Hispánica (1648–1700). Hg. Porfirio Sanz Camañes. Madrid 2012, 221-248. Über seine Laufbahn neuerdings Cinzia Cremonini: Trayectorias distinguidas en tiempos de Carlos II. Carlos Manuel de Este, marqués de Borgomanero, entre Milán, Madrid y Viena. In: Vísperas de Sucesión. Europa y la Monarquía de Carlos II. Hgg. Bernardo J. García García, Antonio Álvarez-Ossorio Alvariño. Madrid 2015, 183-208. Die Publikation der Meldungen der spanischen Gesandten über den Reichstag (und über die Krönung der Königin am 9. Dezember 1681) befindet sich in Vorbereitung.

148

Ungarn-Jahrbuch 32 (2014/2015)

die Wahl des Palatins, und in diesem Zusammenhang ging der Gesandte auf die Person Paul Esterházys gesondert ein: In seinem Brief vom 14. Juni 1681 erwähnte er ihn als einen von vier Kandidaten, die vom Herrscher genannt wurden. Der Gesandte beschrieb den »Grafen Astrassy« als einen Aristokraten, der der Dynastie treu und sehr reich sei. Durch seine Wahl zum Palatin sei schließlich der Wunsch des Kaisers Leopold erfüllt worden, dessen Kandidat Esterházy auch gewesen war. 33 Angesichts der Meldungen des Gesandten ist es offensichtlich, dass Karl II. und seine nähere Umgebung bereits im Sommer 1681 solche Informationen über Paul Esterházy hatten, die seine Aufnahme in den Orden vom Goldenen Vlies günstig beeinflussten. Der kaiserliche Gesandte aus Madrid versprach Kaiser Leopold in seinem Brief vom 15. Oktober 1681, um die Aufnahme Pauls zu bitten. 34 Am 29. Oktober meldete er bereits, dass er wegen der Angelegenheit Esterházys bereits mit dem valido, dem Herzog von Medinaceli,35 gesprochen habe. Dieser übte am Hof König Karls seit 1679 einen bedeutenden Einfluss aus und bekleidete als Günstling mehrere wichtige Ämter. 36 Nach seiner Information hatte der spanische Staatsrat die Angelegenheit bereits besprochen, und er wollte nach Anfertigung des Sitzungsprotokolls weitere Nachrichten übermitteln. Im Fonds der weltlichen Orden im spanischen Nationalarchiv zu Madrid wurden die Dokumente der in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommenen Mitglieder nach Person getrennt geführt. Es war Teil des Verfahrens, dass nach der Entscheidung des Herrschers eine Akte zur betreffenden Person eröffnet und alle zugehörigen Dokumente an einem Ort aufbewahrt wurden. Anhand dieser Unterlagen stellte sich heraus, dass die Akte Esterházys nach den erfolgreichen Verhandlungen vom Oktober und November am 24. Dezember 1681 angelegt wurde. 37 Über die Entscheidung, Paul Esterházy in den Orden vom Goldenen Vlies aufzunehmen, wurde ein königliches Dekret ausgestellt: auf den 27. Dezember datiert, wurde es umgehend zwei Personen weitergeleitet, die es gegenzeichneten.38 Die eine Person war Don Gerónimo de Eguía, Leiter des

33

34 35 36 37

38

»[…] ayer auiendo su Mag[esta]d Cess[are]a nombrado quatro suxetos co[n] el Reyno, escoxió al Conde Astrassy, fidelisimo a la augustissima cassa, muy rico, y finalmente el que Su Magestad deseaua que fuesse, con que dada esta satisfazion al Reyno, que con esto cree aver buelto a la possesión de sus privilegios.« Marqués del Burgomayne an Marqués del Carpio, spanischer Gesandte in Rom. Ödenburg, 14. Juni 1681. Archivo General de Simancas. Estado, Libro 147, Fol. 249r-v. ÖStA HHStA Spanien, Diplomatische Korrespondenz, Kt. 61, Konv. 6, Fol. 235r-v. Juan Francisco de la Cerda Enríquez de Ribera, Marqués de Cogolludo (1637-1691). ÖStA HHStA Spanien, Diplomatische Korrespondenz, Kt. 61, Konv. 6, Fol. 245v. Archivo Histórico Nacional, Madrid [im Folgenden: AHN]. Estado, Leg. 7684, Exp. 65 (1681). MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 87.

T. Martí: Paul Esterházy, Ritter vom Goldenen Vlies

149

königlichen Sekretariats (Despacho Universal), die andere Don Balthasar de Molinet, einer von vier Amtsträgern des Ordens vom Goldenen Vlies und zugleich sein Sekretär (gréfier), der bei der Administration der aufgenommenen Personen eine bedeutende Funktion hatte. Er sorgte dann dafür, dass das Dekret des spanischen Königs dem Gesandten Marquis von Grana, Leopold I. und Esterházy zugeschickt wurde. Neben der Anfertigung der Aufnahmeurkunde und der damit zusammenhängenden Dokumente war für die neuen Ordensmitglieder der Empfang des europaweit bekannten Ordenszeichens von besonderer Bedeutung. Unter den Dokumenten im Wiener Archiv des Ordens vom Goldenen Vlies ist der französische Brief König Karls an den Schatzmeister des Ordens, Jacques Bruneau, erhalten geblieben, in dem er ihn auffordert, die Insignie des Ordens nach Wien zu schicken.39 Hierbei ist der Brief des kaiserlichen Gesandten von Madrid an Esterházy interessant.40 In diesem schrieb der Marquis dem Palatin, dass er selbst den Orden zuschicken wolle, aber dazu noch keine Gelegenheit gehabt hatte: Obwohl er seinen Kammerherrn nach Frankreich senden wollte, war dies nach Mitteilung des französischen Gesandten eine gefährliche Unternehmung, weil die aus Spanien durch Frankreich ins Heilige Römische Reich reisenden Boten wegen des Krieges in der Regel angehalten wurden. Deshalb übergab er »die Sendung« am selben Tag (Ipsis Calendis Ianuarii) lieber dem ordentlichen belgischen Kurier, der schließlich über die spanischen Niederlande und das Deutsche Reich in die Kaiserstadt gelangte. Der offizielle Brief König Karls II. an Kaiser Leopold I. über die Ordensmitgliedschaft Esterházys datierte schließlich vom 27. Dezember 1681 in Madrid.41 Darin teilte er französisch mit, dass der Orden vom Goldenen Vlies den Palatin als Ritter und Bruder (confrere) aufnähme und bat Leopold, Esterházy gemäß den Bräuchen des Ordens zu inaugurieren. Am selben Tag schrieb der spanische Herrscher aus Madrid auch an Esterházy.42 Er nannte ihn »cousin«, was im privaten Briefwechsel der Ordensritter üblich war, und teilte ihm mit, dass er ihm in Anbetracht seiner Verdienste den Orden verleihe.43 Die Insignien des Ordens werde ihm der Kaiser im Rahmen der üblichen Festzeremonie übergeben. Mit den praktischen Aufgaben beauftragte er Charles Mouboan, der in den offiziellen Angelegen39 40

41

42

43

ÖStA HHStA Archiv des Ordens vom Goldenen Vließ, Kt. 14, Nr. 514. Marquis von Grana an Paul Esterházy. Madrid, Januar 1682. MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 87, Fol. 130r-v. Das Konzept des Antwortbriefes von Paul Esterházy an Marquis von Grana. Ebenda, Fol. 134r-v. MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 87, Fol. 115. Die lateinische Umschrift ebenda, Fol. 123. Veröffentlicht von Stephanus Katona: Historia critica regum Hungariae stirpis Austriacae. XV. Pestini 1804, 400-401. Die lateinische Übersetzung des Briefes: MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 87, Fol. 124.

150

Ungarn-Jahrbuch 32 (2014/2015)

heiten des Ordens vom Goldenen Vlies auch früher verfahren hatte,44 sowie den Gesandten der Habsburger in Madrid, Marquis von Grana.

Die Verleihung des Ordens vom Goldenen Vlies: Zeremonie in der Wiener Augustinerkirche Am 24. Februar 1682 erhielt Palatin Esterházy den Orden vom Goldenen Vlies in der Wiener Augustinerkirche.45 Zwar waren weder das Datum noch der Ort des Ereignisses nicht unbekannt, aber Dank der vor kurzem entdeckten archivalischen Quellen können sowohl der Entwurf als auch der wirkliche Ablauf der Zeremonie detailliert nachvollzogen werden. Für Palatin Paul war der Erhalt des Ordens von höchster Bedeutung. Entsprechend gründlich bereitete er sich auf die Einkleidung vor. Darauf verweisen diejenigen Quellen, welche die Einzelheiten der Zeremonie des Ritterschlags beschreiben, nämlich die ständischen Statuten, die im Familienarchiv in mehreren Sprachen (auch Latein und Spanisch) erhalten geblieben sind,46 aber auch die vom Orden bestimmten Vorschriften für die Mitglieder.47 Das neue Ordensmitglied fertigte sogar eine separate Notiz über die Aufgaben in drei Punkten an: Die erste Obliegenheit war die Anfertigung des Reversbriefes über den Empfang des Ordenszeichens und des Statutenbuches des Ordens vom Goldenen Vlies. Als Muster diente nicht 44

45 46

47

Zum Beispiel in der Angelegenheit von Conrad Balthasar Graf von Starhemberg, vgl. AHN Estado 7689, Exp. 44. Coelestin Wolfsgruber: Die Hofkirche zu S. Augustin in Wien. Augsburg 1888, 100. MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 81, 82, 83, 85. Das älteste Statut des Ordens vom Goldenen Vlies im Archiv der fürstlichen Linie der Familie Esterházy ist die Kopie des originalen Exemplars des Palatins Nikolaus Esterházy, die nach seinem Tod angefertigt wurde: Ebenda, Nr. 78. Laut Notiz auf dem Deckblatt des handschriftlichen Bandes wurde das vom spanischen König Philipp IV. verliehene Ordenszeichen Palatin Nikolaus Esterházy am letzten Tag des Jahres 1628 feierlich in Wien übergeben. Die Einkleidung wurde von Kaiser Ferdinand II. in der Anwesenheit des ungarischen Königs Ferdinand III. vollzogen. Das originale Ordenszeichen und das auf Pergament gedruckte Buch (das die Verfassung des Ordens enthielt) brachte Ladislaus Graf Esterházy (1626-1652), Sohn des Palatins Nikolaus, gemäß den Vorschriften des Ordens vom Goldenen Vlies, im Januar 1646 nach dem Tod seines Vaters zurück. Vom Druck, der aus nummerierten Seiten bestand, fertigte er eine Kopie an, »damit dieser in der Burg des Hauses Esterházy in Forchtenstein zur Verehrung und in des Gedenkens würdiger Weise für ewig erhalten bleibt, und damit ihn die Nachkommen des ausgezeichneten großen Grafen Esterházy besichtigen können, zusammen mit den Briefen und mit dem preisenden Werk [Elogium], das am Tag der Bestattung [11. Dezember 1645] in Tyrnau verteilt wurde.« Ein Teil des handschriftlichen Bandes – einschließlich der Notiz zur Herkunft des Bandes – wurde in der Handschrift Farkas Esterházys (1615-1670, Sohn Gabriels, des Bruders von Palatin Nikolaus) geschrieben. Breve relación de las ceremonias, que se usan en la corte cesarea, para poner el collar a un cavallero de la Orden del Tuson de Oro. MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 86.

T. Martí: Paul Esterházy, Ritter vom Goldenen Vlies

151

zufälligerweise der ähnliche Reversbrief48 seines Vaters, Palatin Nikolaus, was der dafür gefertigte Auszug bezeugt.49 Als zweite Aufgabe notierte er den Dankesbrief an König Karl II., den er am 12. Februar 1682 in Wien schrieb, und als dritte das Malen seines Wappens auf Pergament sowie die genaue Beschreibung seiner Titel. 50 Letzteres war wegen der vom Orden vorgeschriebenen Verpflichtungen eines neuen Mitglieds notwendig, denn dieses sollte sein Wappen zeichnen lassen und alle Würden, Ämter und Titel benennen sowie Daten über seine Abstammung, seine Ehefrau(en), die Namen seiner Kinder und seine Laufbahn bis zu seiner Aufnahme in den Orden angeben.51 Von den vier wichtigen Amtsträgern des Ordens vom Goldenen Vlies (Kanzler, Schatzmeister, Gréffier, Herold) 52 sorgte der Schatzmeister (trésorier) dafür, dass das Wappen des neuen Mitglieds in das dazu bestimmte Wappenbuch kopiert wurde. Neben dem eigenen Wappen wurden häufig auch die Wappen der Familien der mütterlichen und väterlichen Großeltern der Ritter kopiert und die genannten Daten in der entsprechenden Reihenfolge auf Französisch ins Buch unter dem Wappen eingetragen. Dies bereitete dem Palatin, der bei der »Erzeugung« von Vorfahren auch sonst große Erfahrungen hatte,53 natürlich keine Schwierigkeit, es konnte ihm sogar eine spannende Aufgabe sein: Paul interessierte sich nämlich leidenschaftlich für die Geschichte seiner Familie und führte beispielsweise im berühmten familiengeschichtlichen Werk „Trophaeum nobilissimae domus Estorasianae“ sogar zahlreiche fiktive Helden an. Der Entwurf der Zeremonie des Ritterschlags beziehungsweise ihre tatsächliche Ordnung kann anhand des Zeremonialprotokolls im Haus-, Hof- und Staatsarchiv nachvollzogen werden.54 Die detaillierteste, in zwölf Punkten zusammengefasste Beschreibung befindet sich im Esterházy-Archiv: Aus dem Dokument „Die Ordnung der Verleihung, des Empfangs und der Inauguration des Ordens vom Goldenen Vlies“55 ergibt sich, dass man beim Ritterschlag von Paul Esterházy den allgemeinen Vorschriften 48

49 50 51

52 53 54

55

Die Kopie des Reversbriefes: ÖStA HHStA Archiv des Ordens vom Goldenen Vlies, Kt. 13, Nr. 378. MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 87, Fol. 140. Ebenda, Fol. 139. Das Wappen von Paul Esterházy und seine französischen biografischen Daten sind hier anhand des Wappenbuchs angegeben, das auch die Wappen der anderen Mitglieder des Ordens vom Goldenen Vlies aus der Epoche Karls II. enthält: Tibor Martí: Familienwappen und Lebensdaten von Palatin Paul Esterházy im Wappenbuch des Ordens vom Goldenen Vlies. In: Wiener Archivforschungen. Festschrift für den ungarischen Archivdelegierten in Wien, István Fazekas. Hgg. Zsuzsanna Cziráki [u. a.]. Wien 2014, 223-232, 420. Kassics 15, 32. István Fazekas: Esterházy Pál nádor és a családtörténet. In: Századok 143 (2009) 905-917. ÖStA HHStA OMeA Ältere Zeremoniellakten, Kt. 13, 24. Februar 1682; Ebenda, ZA Prot. IV, Fol. 42v-44r. MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 81.

152

Ungarn-Jahrbuch 32 (2014/2015)

des Ordens gefolgt ist. Vor der Zeremonie sollten in der Kirche verschiedene Vorbereitungen durchgeführt werden. Im Falle Pauls wurde das im Hofprotokoll beschriebene Andreasfest (30. November) aus dem Jahr 1675 als Vorlage verwendet.56 In diesem (deutschen) Auszug wird detailliert geschildert, welche Personen an der Zeremonie des Ordens teilnahmen: Neben dem Herrscher waren der päpstliche Nuntius, die Gesandten Spaniens 57 und Venedigs,58 die Minister des Herrschers und die wichtigsten Beamten des Hofes sowie die Mitglieder des Ordens vom Goldenen Vlies offiziell eingeladen. In der Kirche wurden das Evangelium, ein silbernes Kruzifix und ein Missale (Messbuch) auf einem separaten Tisch platziert; auf beiden Seiten des Kruzifixes wurden Kerzen in goldenen Kerzenhaltern aufgestellt. Unter den Teilnehmern hatte die in den Quellen mit den ritterlichen Titeln »Rey de Armas« (Spanisch) oder »Rex Armorum« (Latein) erwähnte Person eine besondere Rolle, die als Delegierter des Ordensgroßmeisters, also des spanischen Königs, die Lieferung des Ordenszeichens an den Ort der Inauguration als Aufgabe hatte. Das Statut des Ordens schrieb dem neuen Ritter vor, den Delegierten entsprechend zu empfangen, für seine Unterkunft und Fahrt zu sorgen sowie ihm ein angemessenes Honorar zu zahlen.59

56

57

58

59

Extractus ceremoniarum tempore Collationis Toron[!] observand. ex Protocolo Aulico. Ebenda, Nr. 83. Unter den Dokumenten des Esterházy-Archivs zum Orden vom Goldenen Vlies befindet sich auch das deutsche Zeremoniell der Einkleidung von Conrad Balthasar Graf von Starhemberg. Ebenda, Nr. 80: Starhemberg erhielt den Orden offiziell am 23. Dezember 1680 (Liste nominale des Chevaliers de l’ordre illustre de la Toisón d’Or Nr. 508) und empfing die Ordenszeichen am 27. Mai 1681 in Ödenburg, wo damals der Reichstag zusammentrat. Die Zeremonie hatte vermutlich eine anregende Wirkung auf den späteren Palatin Paul Esterházy und könnte ihn zum Erwerb des Ordens motiviert haben. Die Antwort von Don Carlo d’Este, Marquis von Borgomanero auf den Einladungsbrief von Paul Esterházy. Wien, 10. Februar 1682. MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 87, Fol. 136. Im Februar 1682 war Francesco Kardinal Buonvisi (1626-1700) der päpstliche Nuntius, der Gesandte Venedigs war Domenico Contarini; es ist jedoch nicht gesichert überliefert, ob letzterer an der Auszeichnung Pauls mit dem Ordenszeichen vom Goldenen Vlies teilnahm. Domenico Contarini war bei der Krönung von Eleonore Magdalene (Wittelsbach, die dritte Gattin Leopolds I.) zur ungarischen Königin und bei dem darauffolgenden Festessen anwesend: Géza Pálffy: Koronázási lakomák a 15-17. századi Magyarországon. Az önálló magyar királyi udvar asztali ceremóniarendjének kora újkori továbbélésérĎl és a politikai elit hatalmi reprezentációjáról. In: Századok 138 (2004) 1090. Tractamentum Regi Armorum. MNL OL P 108, Rep. 2/3, Fasc. F, Nr. 84.

T. Martí: Paul Esterházy, Ritter vom Goldenen Vlies

153

Die Ordnung der Verleihung, des Empfangs und der Inauguration des Ordens vom Goldenen Vlies60 1. Seine heilige kaiserliche und königliche Majestät geht aus dem Hof in die nahe Kirche der schuhlosen Augustiner, die Minister, Notabilitäten und Magnaten umkreisen ihn; ihnen geht der Obersthofmeister mit gezogenem Schwert voran. Der Herrscher geht mit diesem Zug durch den gebräuchlichen Eingang ins Sanktuarium der Kirche hinein, die Kaiserin bleibt im Oratorium. 2. Der Kandidat Paul Esterházy trennt sich vom Gefolge und wartet in der Sakristei der Kirche. 3. Nachdem der Kaiser seinen Platz eingenommen und seinen Kopf mit dem Hut bedeckt hatte, setzen sich der Herr Apostolischer Nuntius Kardinal, die Gesandten Spaniens und Venedigs [Paul lud die Gesandten gesondert ein, T. M.], dann die Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies auf die für sie vorbereiteten Bänke (»scamna«, Bank, Hocker, Sitzbank). 4. Der Hocker des kaiserlichen Throns wird weggebracht (»antesedile«); an seine Stelle tritt der Stellvertreter des Herolds (des Boten), er geht auf die Knie und präsentiert demütig Seiner Majestät den Patentbrief des spanischen Königs, nach dem der Herr »Herzog« [!] Esterházy in den glänzendsten Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen und deshalb eingekleidet werden soll.61 5. Der Kaiser befiehlt dem Vizeherold, diesen Brief laut vorzulesen und danach einen der ältesten, angesehensten Ritter des Ordens, Herzog Schwarzenberg, zu sich zu rufen; der Kaiser beauftragt Schwarzenberg, den in der Sakristei wartenden Herrn Kandidaten aufzusuchen und ihn zu fragen, ob er bereit sei, den Orden vom Goldenen Vlies und seine Statuten anzunehmen. 6. Als Herzog Schwarzenberg zurückkommt und Seiner Majestät den Wunsch und die Bereitschaft des Kandidaten kundtut, geht er auf Befehl des Kaisers noch einmal in die Sakristei und führt den Herrn Kandidaten neben sich herein. Dieser tritt ins Sanktuarium ein, beugt sich respektvoll vor dem Altar und Seiner Majestät und schreitet zum kaiserlichen Thron; hier tritt er auf die zweite Stufe und geht auf die Knie. 7. Dann präsentiert ihm der Vizeherold das Buch des Ordens, woraus zunächst der Kandidat, dann der Kaiser das vom Herold ausgewählte Kapitel vorliest.

60 61

Ebenda, Nr. 81. Die Bezeichnung Pauls als Herzog deutet darauf hin, dass das Dokument nachträglich aus dem Zeremonialprotokoll kopiert wurde.

154

Ungarn-Jahrbuch 32 (2014/2015)

8. Danach nimmt der Kaiser das gezogene Schwert vom Obersthofmeister und schlägt ihn, dreimal die linke Schulter des Kandidaten leicht berührend, zum Ritter (»creat Equitem«). 9. Der genannte Herold führt den neuen Ritter des Ordens zum nächsten Tisch, wo er sich auf das vorbereitete Kissen kniet und drei Finger seiner linken Hand auf das geöffnete Messbuch legt, mit der rechten Hand das silberne Kreuz hält und den feierlichen Eid des Ordens schwört, dessen Formel der Herold vorliest. 10. Danach kehrt der Herr Palatin zum Thron des Kaisers zurück und geht auf die Knie (»poplitibus illic ut antea innititur«). Inzwischen holt der Vizeherold vom anderen Tisch die auf das Kissen gelegte Kette des Ordens. Als Herzog Schwarzenberg ihn ruft, schreitet er dahin und hilft Seiner Majestät beim Schmücken des neuen Ritters mit der genannten Kette. 11. Der mit der Kette geschmückte Palatin Ungarns küsst die rechte Hand Seiner Majestät, er umarmt mit seiner Rechten den aufstehenden Palatin. Am Festessen nach der Zeremonie nahmen der Herrscher, die Ritter und die eingeladenen Gäste teil, die Kosten sollte der neue Ritter Paul Esterházy tragen. Laut der bereits erwähnten Quelle waren dabei 80 Personen zugegen. Der päpstliche Nuntius ging in seiner Meldung auf das feierliche Ereignis gesondert ein.62 Die Auszeichnung durch den Orden kann mit mehreren Ergebnissen der mäzenatischen Tätigkeit Paul Esterházys in Zusammenhang gebracht werden. Laut des Inventars von 1722 stellt ein Fresko an der Decke des Schlosses von Lackenbach dar, wie Paul feierlich die Ordenszeichen empfängt.63 Eine weitere interessante Angabe zum Kontakt Paul Esterházys mit dem Orden von Goldenen Vlies ist eine Illustration auf dem Titelblatt eines Druckes, der 1711 mit der Unterstützung Pauls in Tyrnau (Nagyszombat, Trnava) erschien. Der Stich bildet Karl III. ab, der den ungarischen Thron

62

63

ÖStA HHStA Archiv des Ordens vom Goldenen Vlies, Cod. 69, Fol. 53; Martedi futuro il Palatino d’Vngaria pigliera l’ordine del Tosone, e fará poi un suntuoso Banchetto alli principali della Corte nella gran sala della Casa del Paese. Archivio Segreto Vaticano. Segretaria di Stato, Germania 205, Fol. 127r. (Wien, 22. Februar 1682). Der vom Nuntius genannte Ort ist der Konferenzsaal der Landesversammlung von Niederösterreich, der auch sonst zu ähnlichen Zwecken benutzt wurde. Inventario ipsius Arcis Lákenpak – Ex eo magno Palatio intratur ad Audentionale ubi desuper intra Stucaturam pictura repræsentans (?) dum Princeps Paulus Esterházi aureum Velus accepisset [15. Januar 1722]. Judith Schöbel – Petra Schröck – Ulrike Steiner: Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Oberpullendorf. Horn 2005, 262-264. Auf die Angabe machte mich Géza Galavics aufmerksam, das publizierte Inventar erhielt ich mit Hilfe von Margit Kopp.

T. Martí: Paul Esterházy, Ritter vom Goldenen Vlies

155

unter dem Schutz der Unbefleckten Jungfrau Maria bestiegen habe. Die Symbole deuten auf den Mythos des Ordens hin, in dem der heldenhafte Iason nach seinem Sieg über die Drachen schließlich das Goldene Vlies erwirbt, wie auch Karl den Thron erlangte.64

Fazit der neuen Forschungsergebnisse Nachdem Paul Esterházy im Juni 1681 in die Würde des Palatins erhoben und im Dezember des gleichen Jahres zum wirklichen Geheimen Rat ernannt worden war, wurde er mit dem Erwerb des Ordens vom Goldenen Vlies, der vom spanischen König verliehen wurde, zum international anerkannten Mitglied der engeren Elite der übernationalen Aristokratie, die an der Spitze der Habsburgermonarchie stand. Dies geschah in einer Epoche, deren Ereignisse – vor allem der Spanische Erbfolgekrieg – nicht nur die europäischen Machtverhältnisse maßgeblich umgestalteten, sondern auch in der Geschichte des Ordens vom Goldenen Vlies zu beispiellosen Veränderungen führten: Die Teilung des Ordens in eine österreichische (habsburgische) und eine spanische (bourbonische) Linie.65 Weitere Forschungen sind notwendig hinsichtlich der Teilnahme Paul Esterházys an den verschiedenen Ordensfesten, wie den Andreasfesten,66 Domkapitel-Versammlungen, Ritterschlägen und anderen Anlässen, beispielsweise der Krönung im Jahre 1687 und dem Ritterschlag am 5. Mai 1700, dessen Bedeutung vom Archivar und Historiker Leopold Auer betont wurde.67 Bei dieser Zeremonie schlug nämlich Kaiser Leopold Ernst Friedrich Graf von Windischgrätz und Leopold Matthias Graf von Lamberg zu Rittern, um den Anteil der aus dem Reich stammenden Mitglieder im Orden vom Goldenen Vlies (der schon kurz vor seiner Aufteilung stand) zu 64

65

66

67

Der Eintrag von Harald Prickler über den Druck von Tyrnau in der fürstlichen EsterházyBibliothek: Die Fürsten Esterházy. Magnaten, Diplomaten und Mäzene. Hgg. Jakob Perschy, Harald Prickler. Eisenstadt 1995, 263-264. Der Konflikt und die politische Auseinandersetzung der Dynastien wirkten sich auch auf den Orden vom Goldenen Vlies aus. Über den Hintergrund der symbolischen und politischen Maßnahmen des spanischen Königs Philipp V. (Bourbon) hinsichtlich der Ordensmitglieder Javier Rambaud Cabello: El conflicto entre Madrid y Viena por la soberanía de la Orden del Toisón de Oro 1700-1752. In: Antiguo Régimen y liberalismo: homenaje a Miguel Artola. III: Política y cultura. Madrid 1994, 319-326. Zum Andreasfest des Ordens vom Goldenen Vlies siehe Astrid Wielach: Die Ordensfeste der Ritter vom Goldenen Vlies im Spiegel der Wiener Zeremialprotokolle (1665-1790). In: Der Wiener Hof im Spiegel der Zeremonialprotokolle (1652-1800). Eine Annäherung. Hgg. Irmgard Pangerl [u. a.]. Innsbruck/Wien 2007, 287-308; Anna-Katharina Stacher-Gfall: Das Andreasfest des Ordens vom Goldenen Vlies im Spiegel der Zeremonialprotokolle des Wiener Hofes der Jahre 1712 bis 1800. In: Ebenda, 309-336. Leopold Auer: Der Übergang des Ordens an die österreichischen Habsburger. In: Das Haus Österreich und der Orden vom Goldenen Vlies 53-64.

156

Ungarn-Jahrbuch 32 (2014/2015)

erhöhen. Bei diesem Ereignis war auch Paul Esterházy als bekanntes und anerkanntes ungarisches Ordensmitglied und Politiker Mitteleuropas anwesend. 1713 reagierten auch die führenden Amtsträger des Ordens auf die Nachricht vom Tod des Palatins Paul Esterházy, Ritter vom Goldenen Vlies. Zu dieser Zeit war er eines der einflussreichsten und angesehensten Mitglieder des östlichen, von den Habsburgern geführten österreichischen Zweiges des Ordens – obwohl er 1704 wegen seiner beständigen, sein ganzes Leben, seine Laufbahn und sogar das Schicksal des zeitgenössischen Ungarn bestimmenden Habsburgertreue vom spanischen Zweig ausgeschlossen worden war.68 Diese Zusammenhänge sollen jedoch nach weiteren Forschungen in einer nachfolgenden Studie detailliert geschildert werden.

68

Zum Hintergrund der Angelegenheit und eine Aufzählung der 37 Ordensmitglieder, die wegen ihrer Treue zu Erzherzog Karl (später Kaiser, König von Ungarn und Böhmen) aus dem Orden ausgeschlossen wurden: Pinedo y Salazar II, 470-472.