UNGARN-JAHRBUCH 1974-1975

UNGARN-JAHRBUCH 1974-1975

312 CHRONIK évfordulóján III. Budapest 1938, S. 423—472. — Gerade von der Byzantinistik mit ihrer philologischen Methode her konnte er hierzu Zusamm...

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évfordulóján III. Budapest 1938, S. 423—472. — Gerade von der Byzantinistik mit ihrer philologischen Methode her konnte er hierzu Zusammenhänge unter anderen Wertungen sehen. MORAVCSIK hat „seinen" Forschungsbereich Byzanz, Regnum Hungaricum und Turkvölker im frühen Mittelalter — in der ganzen Spannweite nie aus den Augen gelassen, sei es mit seinen zahlreichen Arbeiten zur Byzantinistik im engeren Sinn (vgl. das Sammelwerk Studio. Byzantina. Budapest 1967), sei es mit den Veröffentlichungen zur Geschichte verschiedener Turkvölker (wie: Az onogurok történetéhez [Zur Geschichte der Onoguren], in: Magyar nyelv 26 (1930) S. 4—18, 89—109. Die Namensliste der bulgarischen Gesandten am Konzil vom Jahre 869/870, in: Izvestija iz Istoriceskogo Druzestva v Sofija 13 [1933] S. 8—23) und in ihren Ausstrahlungen sogar bis in das frühe Rußland hinein (Zur Frage der Chinove im Igor-Lied, in: International Journal of Slavic Linguistics and Poetics 3 (1960) S. 69—72). Dem Gesamtertrag seines bewundernswürdigen Schaffens wird man indessen nur gerecht, wenn man anerkennt, daß dieser Gelehrte auch die mühevollen und zeitraubenden Nebenarbeiten nie gescheut hat. Die große Zahl der von ihm besprochenen Bücher sowie seine Tätigkeit als Schriftleiter der Serie „Magyar-görög tanulmányok" [Ungarisch-griechische Studien] geben hierfür ein beredtes Beispiel. — Ein im Jahre 1962 zusammengestelltes Verzeichnis all seiner Veröffentlichungen (Monographien, Abhandlungen, Rezensionen) bringt es insgesamt auf die respektable Zahl von 326 Titel (R. BENEDICTY Die literarische Tätigkeit von Gyula Moravcsik, in: Acta Antiqua Academiae Scientiarum Hungaricae 10 [1962] S. 295—313). Der große Gelehrte besaß seit Jahrzehnten eine breite internationale Anerkennung. Er war Mitglied verschiedener ausländischer Akademien und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften. Die Bundesrepublik Deutschland zeichnete ihn aus, die Universität Athen verlieh ihm die Ehrendoktorwürde. Äußere

Lebensdaten:

geboren am 29. Januar 1892 in Budapest. Studium in Budapest. Soldat im 1. Weltkrieg, russische Kriegsgefangenschaft mit Aufenthalt in Sibirien (1915—1920). Nach der Heimkehr zunächst Gymnasiallehrer in Budapest (1920—1923), dann Professor am Eötvös-Kollegium in Budapest. 1924 Habilitation (griechische Philologie). 1936 Universitätsprofessor. 1967 Emeritierung. gestorben am 10. Dezember 1972. Ekkehard Völkl Regensburg

D e m A n d e n k e n an Karl Kurt Klein ( 1 8 9 7 - 1 9 7 1 ) Am 10. Januar 1971 starb in Innsbruck der Sprachforscher und Literaturhistoriker Karl Kurt Klein, der sich durch zahlreiche Veröffentlichungen zur Sprach- und Literaturgeschichte seiner siebenbürgischen Heimat und darüber hinaus des ganzen Donauraumes einen international geachteten Namen erworben hat. Er war am 6. Mai 1897 in Weißkirch bei Bistritz geboren. Aus dem deutschen Gymnasium in Hermannstadt rückte er 1914 als Kriegsfreiwilliger ein. (Fähnrich des 23. k. u. k. Feldjägerbataillons). Nach dem Zusammenbruch der Doppelmonarchie machte er im Rahmen der rumänischen Armee 1919 den Feldzug an der Theiß mit. Danach schloß er seine Universitätsstudien ab (nach Studium der Philologie, Theologie, Jurisprudenz 1920 Staatsexamen für Deutsch, Latein und Griechisch, 1921 Promotion in Klausenburg). 1925 schloß er die Ehe mit Ernestine Buchholz. 1926 habilitierte er sich an der Universität Jassy für deutsche Philologie (bei Trajan Brätu). 1939 übernahm er an der Universität Klausenburg die Nachfolge seines germanistischen Lehrers Gustav Kisch. Die politischen Verhältnisse verhinderten jedoch Übernahme und

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Ausübung der Lehrtätigkeit. Nach dem zweiten Wiener Schiedsspruch (1940) wurde er an die nun ungarisch gewordene Universität Klausenburg zurückberufen, wo er bis zum Sommer 1944 wirkte. Dann kam er auf der Flucht nach dem Westen nach Innsbruck (1946), wo er an der Universität nochmals von unten anfangen mußte. Im Jahre 1946 wurde er zuerst Lehrbeauftragter, später Vertreter des Lehrstuhls für ältere deutsche Sprache u n d Literatur, 1952 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor, 1956 seine Erhebung zum ordentlichen Professor. Neben seiner akademischen Lehrtätigkeit wirkte er auf zahlreichen Tagungen und Ferienkursen durch Vorträge über Fragen seines Forschungsbereiches. Als Mitbegründer und Vorstandsmitglied der „Südostdeutschen Historischen Kommission" und als Mitherausgeber ihrer Veröffentlichungen gab er der Erforschung der südostdeutschen Volks- und Kulturgeschichte wertvolle Anregungen. Der eine Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Lebensarbeit w a r die Frage nach der Herkunft der Siebenbürger Sachsen, womit er sich vor allem in den folgenden Untersuchungen befaßte: Die Nösner Germanistenschule (Bistritz 1943, 223 S.). — Die Goten-Geten-Daken-Sachsen-Gleichung in der Sprachentwicklung der Deutschen Siebenbürgens, in: Südost-Forschungen 11 (1953) S. 85—154. — Zur Siedlungsgeschichte und Sprachgeographie der mittelalterlichen deutschen Siedlungen in Siebenbürgen, in: Siebenbürgische Mundarten. Berlin 1959. S. 5—77 = Berichte über die Verhandlungen der sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philologisch-historische Klasse 104, 3. (mit HELMUT PROTZE und HELMUT KLIMA). — Luxemburg

und Siebenbürgen. Unter Mitarbeit v. ROBERT BRUCH (u. a.) Köln, Graz 1966. (235 S.) = Siebenbürgisches Archiv 5. In zwei Sammelbänden hat er später seine Arbeiten zur siebenbürgischen Sprach- und Volksforschung zusammengefaßt: Transsylvanica. Gesammelte Abhandlungen und Aufsätze zur Sprach- und Siedlungsforschung der Deutschen in Siebenbürgen. München 1963. (362 S.) = Buchreihe der Südostdeutschen Historischen Kommision 12. — Saxonica Septemcastrensia. Forschungen, Reden und Aufsätze aus 4 Jahrzehnten zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen. Marburg 1971. (442 S.) — Ein großer Teil seiner sprachwissenschaftlichen Forschungsergebnisse liegt in dem von ihm angeregten und herausgegebenen „Siebenbürgisch-deutschen Sprachatlas" vor (wobei er das bereits von Richard Huss gesammelte Material verwandte): Siebenbürgisch-deutscher Sprachatlas = Deutscher Sprachatlas. Regionale Sprachatlanten 1, Band 1. Laut- und Formenatlas. Kt. Bl. 60—150. Ein anderer, ebenfalls bedeutsamer Schwerpunkt seiner Lebensarbeit liegt in der südostdeutschen, später auch in der gesamtdeutschen Literaturgeschichte. Von der literarischen Geistesgeschichte der Siebenbürger Sachsen handeln die Werke: Die Deutsche Dichtung Siebenbürgens im Ausgange des 19. und im 20. Jahrhundert. Jena 1925. (178 S.). — Ostlanddichter. Zehn literarische Bildnisstudien siebenbürgisch-sächsischer Dichter der Gegenwart. Kronstadt 1926. (89 S.). — Rumänisch-deutsche Literaturbeziehungen. Zwei Studien aus dem Aufgaben- und Arbeitskreis der Deutschforschung an den rumänischen Universitäten. Heidelberg 1929. (150 S.). — Der Humanist und Reformator Johannes Honter. Untersuchung zur siebenbürgischen Geistes- und Reformationsgeschichte. Hermannstadt, München 1935. (292 S.) = Schriften der deutschen Akademie 22. Der unermüdliche Forscher griff auch weit in die mittelhochdeutsche und althochdeutsche Zeit zurück. Von diesen Arbeiten seien insbesondere erwähnt: Zur Spruchdichtung und Heimatfrage Walthers von der Vogelweide. Beiträge zur Waltherforschung. Innsbruck 1952. (135 S.) = Schlern-Schriften 90. — Die Anfänge der deutschen Literatur. Vorkarlisches Schrifttum im deutschen Südostraum. München 1954. (142 S.) = Veröffentlichungen des südostdeutschen Kulturwerks. Reihe B, 3. Schließlich verdanken wir ihm auch eine kühn ausgreifende und ideenreiche Gesamtdarstellung der auslanddeutschen Schrifttumsgeschichte: Literaturgeschichte des Deutschtums im Ausland. Schrifttum und Geistesleben der deutschen Volksgruppen im Ausland vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Leipzig 1939. (474 S.). In dieser Darstellung wird die ganze Reichweite seines Geistes sichtbar.

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In das Bild dieses Gelehrten gehört ferner die fruchtbare Tätigkeit als Herausgeber : Mit Franz H . Riedl u. K. Ursin: Weltweite Wissenschaft vom Volk. Volk, Welt, Erziehung. Johann Wilhelm Mannhardt zum 75. Geburtstag. Wien, Wiesbaden 1958. (235 S.) .— Mit Eugen Thurnher: Germanistische Abhandlungen. Innsbruck 1959. (345 S.) = Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft 6. — Mit Eugen Thurnher: Gesetz und Wandel. Innsbrucker literaturhistorische Arbeiten. Band 1 — 3 (1960—1965). — Die Lieder Oswalds von Wolkenstein. Unter Mitwirkung von Walter Weiß und Notburga Wolf. Tübingen 1962. (389 S.) = Altdeutsche Textbibliothek 55. — Mit Ludwig E. Schmitt (bearbeitet von Egon Kühebacher): Tirolischer Sprachatlas. Band 1—3. Marburg 1965—1968 (Einleitung mit vielen Karten zu Lautstand, Formenlehre und Wortgebrauch). Das wissenschaftliche Lebenswerk Karl K u r t Kleins bedeutet einen gewichtigen Beitrag zur siebenbürgisch-sächsischen Sprach-, Siedlungs- und Geistesgeschichte, darüber hinaus zur Schrifttumsgeschichte des gesamten deutschen Südostens. Er gehört zu den großen Gestalten der siebenbürgisch-sächsischen Wissenschafts- und Bildungsgeschichte. Vgl. die ausführliche Würdigung von EUGEN THURNHER in: Südostdeutsches Archiv. 14 (1971) S. 1—8. — Davon kurzer Auszug in: Archiv der Suevia Pannonica 7 (1971/72) S. 120 f. Georg Stadtmüller München

Dr. Ludwig Leber 1903-1974 Mit dem Tod des Leiters der Landsmannschaft der Ungarndeutschen in Baden-Württemberg und der Ungarndeutschen Abteilung der Caritas-Flüchtlingshilfe in Stuttgart hat uns am 17. Januar 1974 eine der zentralen und eindrucksvollsten Gestalten des ungarländischen Deutschtums verlassen. Dr. LEBER galt als der reinste Vertreter und Fortsetzer der von weiland JAKOB BLEYER verkörperten staatstreuen Konzeption eines friedlichen Zusammenlebens der Nationalitäten im Karpatenraum im Geiste des vom ersten König Ungarns, dem Heiligen STEPHAN I. gegründeten Vielvolkerreicb.es. Geboren am 6. April 1903 in Törökbálint (Großturwall), in einer vorwiegend deutschen Gemeinde dicht an der Grenze der Millonenstadt Budapest, wuchs LUDWIG LEBER in eine Welt hinein, in welcher — anders als in anderen Nationalitätengebieten — das Deutschtum, rein ständisch und religiös organisiert, ohne eigentlichen Volkstumskampf sein Eigenleben schützte aber gleichzeitig mit einer loyalen Selbstsicherheit den Umgang mit der magyarischen Intelligenz der Hauptstadt pflegte. So fand JAKOB BLEYER, der das im ersten Weltkrieg zum Selbstbewußtsein erwachte Deutschtum Ungarns im Rahmen der historischen ungarischen Staatsidee zusammenführen wollte, in LEBER den besten Generalsekretär für den Ungarländischen Deutschen Volksbildungsverein, in welchem die Deutschen Ungarns zwischen einem unduldsamen ungarischen Chauvinismus und dem sich langsam enthüllenden Machtanspruch des deutschen Nationalsozialismus den richtigen Weg einschlagen und einhalten sollten. In diesem Dienst hat LEBER fast in allen Gemeinden Ungarns, in welchen ein deutscher Anteil vorhanden war, persönliche Kontakte geknüpft. Die Organisationsarbeit entfaltete sich auf einer, nach heutiger Definition sogenannten prae-nationalen Ebene — der Musikwettstreite und Erntedankfeste großer Gemeindegruppen (Siedlungslandschaften), sowie des großen „Schwabenballes" in Budapest, wo Bauern und „Herrische" in einer in Ungarn seltenen demokratischen Volksgemeinschaft eine ganze Nacht miteinander tanzten und am weißen Tisch beisammen saßen. Die Generalversammlung war alljährlich auf den St. Stephanstag (20. August) festgelegt und