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Universität Trier Fachbereich IV Stadt- und Regionalökonomie Seminararbeit im Rahmen eines Kolloquiums im Hauptstudium - WS 2006/07 - „Aktuelle Frage...

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Universität Trier Fachbereich IV Stadt- und Regionalökonomie Seminararbeit im Rahmen eines Kolloquiums im Hauptstudium - WS 2006/07 -

„Aktuelle Fragen der Regional- und Stadtökonomie“

Veranstaltungsnummer 4252 Veranstalter: eingereicht bei: Prof. Dr. Harald Spehl

"Regionale Wirkungen von Infrastruktureinrichtungen" am Beispiel von Arenen Abgabetermin: 16. Februar 2007

Sonja Weber Neustr. 65, 54290 Trier E-Mail: [email protected] 7. Fachsemester BWL-TRS Matrikel-Nr.: 790564

ABBILDUNGSVERZEICHNIS…………………………………………………III ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS………………………………………………. IV

EINLEITUNG…………………………………………………………….……... ..1 1. Grundlegende Informationen über Arenen als Infrastruktureinrichtungen im Bereich der Freizeitgestaltung……….………….. ..2 1.1 Arenen als Infrastruktureinrichtungen…………………………...….. ..2 1.2 Die Einbindung von Arenen in ihre regionale Umwelt……..……… ..3 2. Datengrundlage……………………………………………………………. ..4 3. Einnahmen/ Ausgaben und Umsatzpotenzial…………………..……. ..5 4. Regionalökonomische Wirkungen von Arenen…………………….... ..6 4.1 Leistungserstellung…………………………………………….…. ..6 4.1.1 Nachfrageseitige Aspekte auf Seite des Vereins…......7 4.1.2 Nachfrageseitige Aspekte auf Seite der Anhänger ......8 4.2 Zusammenfassung der zuvor präsentierten Effekte…………...10 5. Leistungsabgabephase…………………………………………………... 11 5.1 Ökonomische Effekte…………………………………………….. 11 5.2 Soziale Effekte…………………………………………………..… 13 6. Negative Auswirkungen von Arenen…………………………………... 14 FAZIT……………………………………………………………………………. 15

LITERATURVERZEICHNIS…………………………………………………...16

II

Abbildungsverzeichnis Abbildung 1 - Aufteilung Gesamtumsatz erste Bundesliga in der Saison 1996/97.. 5 Abbildung 2 - Einnahmequellen………………………………………………………... 6 Abbildung 3 - Zuschauerausgaben im weiteren Umfeld………………………….…..6 Abbildung 4 - Kostenarten……………………………………………………………….6 Abbildung 5 - Beschäftigungseffekte von Arenen……………………………………11

III

Abkürzungsverzeichnis c

marginale Konsumquote

DFB

Deutscher Fußballbund

FC

Fußballclub

IHK

Industrie- und Handelskammer

q

marginale Importquote

VFL

Verein für Leibesübungen

Yx

Gesamt-Regionaleinkommen

IV

Einleitung In

der

vorliegenden

Arbeit

geht

es

um

die

Untersuchung

der

regionalökonomischen Effekte von Arenen als Infrastruktureinrichtung. Im Anschluss an die nicht nur im sportlichen Sinn, sondern ebenso im Hinblick auf die wirtschaftlichen Ziele erfolgreiche Fußballweltmeisterschaft 1 ist es interessant, die Auswirkungen solcher Einrichtungen auf ihr Umfeld einer genaueren

Betrachtung

zu

unterziehen.

Doch

nicht

nur

während

Fußballweltmeisterschaften kommt die ökonomische Bedeutung von Arenen zum Vorschein, Fußball ist und wird auch gerade nach dem Boom der WM zukünftig die beliebteste aktiv als auch passiv betriebene Sportart in Deutschland sein. Mit einem zu großen mittelständischen Unternehmen vergleichbaren Umsatz 2 und einem neuen Rekord an Besucherzahlen während der Saison 2005/06 (mehr als 11 Millionen Menschen sahen in der vergangenen Saison Erstliga-Spiele live im Stadion 3 ) wird die wirtschaftliche Bedeutsamkeit dieser Sportart deutlich. „Europäische Spitzenteams wie Manchester United oder Bayern München erreichen allein im Fanartikel-Geschäft jährliche Umsätze in Höhe von 71 bzw. 50 Millionen DM (Saison 1997/98).“ 4 Doch nicht nur Fußballveranstaltungen, sondern auch Sportarten, wie Leichtathletik oder zunehmend auch American Football,

sorgen für volle Stadien. Vermehrt finden in solchen Einrichtungen

auch Konzerte oder auch sonstige kulturelle Veranstaltungen statt. Vor allem im Verlauf der 90er Jahre wurde immer deutlicher, dass sowohl das Fassungsvermögen

als

auch

die

Qualität

deutscher

Stadien

dem

Umsatzwachstum Grenzen setzen. Aus diesem Grund sind besonders am Ende der 90er Jahre zahlreiche Stadiongroßprojekte in Angriff genommen worden. Hier wären der Bau der Allianz Arena in München, der Veltins-Arena in Gelsenkirchen oder des Borussia-Parks in Mönchengladbach aber auch der Umbau der AOL Arena in Hamburg und der BayArena in Leverkusen als einige Beispiele zu nennen. Die vorliegende Arbeit widmet sich der Frage, auf welche Bereiche Arenen und die sich um sie herum angesiedelten Unternehmen einen besonders starken Einfluss haben? Wie groß die Effekte sind, die direkt mit dem Bau und Betrieb

1

Laut destatis 4-8,5% Umsatzzuwächse in tourismusbezogenen Betrieben, Statistisches Bundesamt (28.09.2006): Gastgewerbe profitiert von Fußball-WM, http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2006/ Einzelhandel dagegen kaum p4070171.htm, (06.01.2007). 2 Näheres hierzu in Kapitel 3. 3 Deutscher Fußballbund (DFB) (2006): http://www.dfb.de/bliga/statistik/index.html 4 Vgl. Dietl, H. M.; Pauli, M (1999): Wirtschaftliche Effekte öffentlich finanzierter Stadionprojekte (Arbeitspapiere des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften, Neue Folge Nr. 61), Paderborn.

1

der Arena zusammenhängen (Leistungserstellung) und wie es mit längerfristig eintretenden Wirkungen aussieht, die man mit dem Infrastrukturangebot zu erzielen hofft (Leistungsabgabephase)? Immer mehr wird dabei die Frage der Finanzierung solcher Projekte in den Fokus der Betrachtung gestellt. 5 An dieser Stelle soll jedoch darauf hingewiesen werden, dass der Finanzierung derartiger Infrastruktureinrichtungen in der vorliegenden Arbeit nur eine untergeordnete Rolle zuteil wird, vielmehr stehen die ökonomischen Wirkungen solcher Einrichtungen im Mittelpunkt der Betrachtung.

1. Grundlegende Informationen über Arenen als Infrastruktureinrichtungen im Bereich der Freizeitgestaltung Im Folgenden sollen in einem ersten Schritt die Merkmale einer Arena als Infrastruktureinrichtung

und

deren

ökonomische

Bedeutung

detaillierter

dargestellt werden. Im Anschluss daran werden ihre Wirkungen auf die regionalen Subsysteme im Allgemeinen aufgezeigt. Diese erste Einordnung von Arenen soll als Grundlage dienen, um im darauf folgenden Hauptteil der Arbeit die regionalökonomischen Auswirkungen dieser Infrastrukturmaßnahme auf zwei verschiedenen Ebenen (Leistungserstellung sowie Leistungsabgabephase) darstellen zu können.

1.1 Arenen als Infrastruktureinrichtungen Arenen stellen eine Infrastruktureinrichtung im Bereich der Freizeitgestaltung 6 dar. Um diesen Begriff jedoch näher zu erläutern, eignen sich weitere Definitionen bzw. Kategorisierungen, die eine Differenzierung ermöglichen. Zum

einen

ist

eine

Einteilung

in

unternehmens-

bzw.

haushaltsnahe

7

Infrastruktur möglich. Zwar wird die von Stadien angebotene Dienstleistung, also die Ausrichtung einer Sportveranstaltung, als Endprodukt von den Haushalten konsumiert, jedoch stellt sie zugleich eine Vorleistung für andere Unternehmen dar, wie lokale Reiseveranstalter u.a., die sich auf die Organisation von Fanreisen spezialisiert haben. Zum anderen wäre die Unterscheidung von materieller, institutioneller und personeller Infrastruktur 8 möglich. In Bezug auf diese Einteilung ist festzuhalten, dass Stadien mit ihrer Ausstattung bzw. Einrichtung eindeutig der materiellen 5

Siehe hierzu: Dietl, H. M.; Pauli, M (1999). Vgl. Hamm, R. (1998): Regionalwirtschaftliche Effekte eines Fußballbundesligisten, in: Raumforschung und Raumordnung, Heft 1, S. 43. 7 Vgl. Jochimsen, R.; Gustafson, K. (1970): Infrastruktur, in: Akademie für Raumforschung und Landesplanung, in: Handwörterbuch der Raumforschung und Raumordnung, Bd. II, 2. Aufl., Hannover, Sp. 1318-1335. 8 Vgl. Brösse, Ulrich (1982): Raumordnungspolitik, 2. Aufl., München, S. 197. 6

2

Infrastruktur zuzuordnen sind. Betrachtet man jedoch das Humankapital, also die personelle Ausstattung (z.B. Fußballprofis) so wird bereits an dieser Stelle der heterogene Charakter von Arenen deutlich. Betrachtet man weitere Merkmale von Infrastruktureinrichtungen, wie die Standortgebundenheit,

Nicht-Rivalität

oder

den

geringen

Grad

der

Spezialisierung, so lässt sich festhalten, dass Arenen generell nicht eindeutig zu kategorisieren sind. Die Standortgebundenheit lässt sich zwar mit dem fixen Standpunkt der Arena begründen, allerdings darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die dort stattfindenden Sportveranstaltungen via Satellit in alle Haushalte übertragen werden können und somit die Aussage über die Standortgebundenheit relativiert wird. Ebenso ist Rivalität um die im Stadion vorhandenen

Plätze

gegeben.

Somit

findet

im

engeren

Sinn

das

Ausschlussprinzip Anwendung. Berücksichtigt man jedoch wiederum die TV-/ Radioübertragung

und

stellt

nicht

das

live-Erlebnis

im

Stadion

den

entscheidenden Aspekt dar, so handelt es sich vielmehr um ein öffentliches Gut. Auch in Bezug auf den Grad der Spezialisierung wird deutlich, dass zu einer genauen Untersuchung der entsprechenden Arena eine Einzelfallanalyse erfolgen muss. So handelt es sich vor allem bei neueren Arenen meist um speziell für den Fußballsport konzipierte Stadien, wie die Allianz Arena in München oder die AOL Arena in Hamburg. 1.2 Die Einbindung von Arenen in ihre regionale Umwelt Nach einer ersten Darstellung von Arenen als Infrastruktureinrichtung und deren ökonomisch relevanten Merkmalen, soll im Anschluss daran eine Einordnung derer in die regionale Umwelt vorgenommen werden. Zunächst wird die Wirkung auf die verschiedenen regionalen Subsysteme verdeutlicht, zu welchen die Politik, Demographie, Ökonomie, Ökologie, Infrastruktur, Kultur, Bildung sowie das Sozialwesen 9 zu zählen sind. Auf alle diese

Subsysteme

übt

diese

Infrastruktureinrichtung

im

Bereich

der

Freizeitgestaltung teils kleineren, teils größeren Einfluss aus. So beispielsweise auch im Hinblick auf den Bildungsbereich. Auch wenn zunächst vielleicht kein eindeutiger Zusammenhang erkennbar ist, wirkt sich eine solche Institution derart auf diesen Bereich aus, dass im Umfeld von erfolgreichen Fußballvereinen vermehrt die Ansiedlung von Sportgymnasien wahrzunehmen ist. 10

9

Vgl. Benson, L. (2000): Regionalwirtschaftliche von Hochschulen während ihrer Leistungsabgabe, Trier, S.4. 10 Weitere Informationen zu Sportgymnasien unter: http://www.fd21.de/41333.asp.

3

Auch die Infrastruktur der Region wird durch solche Freizeiteinrichtungen beeinflusst. Zum einen ist die Arena selbst Teil der regionalen Infrastruktur, zum anderen sind für deren Betrieb weitere Maßnahmen, wie der Ausbau des Verkehrswesens oder die Anlegung von Parkflächen erforderlich. Wie bereits dieses Beispiel zeigt, haben Stadien einen großen Einfluss auf die einzelnen regionalen Subsysteme. Allerdings hat diese Systematisierung den entscheidenden Nachteil, dass Interdependenzen sowie Rückwirkungen auf die Infrastruktureinrichtung selbst vernachlässigt werden. 11 Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht zwar die ökonomische Bedeutung solcher Einrichtungen, jedoch können die zuvor dargestellten Bereiche aufgrund von Wechselwirkungen nicht ganz außer Acht gelassen werden. Dies wird in Abschnitt 4 genauer erläutert.

2. Datengrundlage Die Daten, auf welche sich in der vorliegenden Arbeit bezogen wird, sind Ergebnisse aus Untersuchungen, die sich ebenfalls mit den Auswirkungen von Arenen oder speziellen Teilgebieten davon beschäftigen. Da es zumeist um den Umbau bzw. Neubau einer Arena geht, sind die positiven Effekte in den Mittelpunkt der Untersuchung gerückt worden und müssen aus diesem Grund kritisch betrachtet werden. Ohnehin sollten die Interessengruppen, die eine solche Untersuchung gefördert bzw. die finanziellen Mittel hierfür gestellt haben, bei der Bewertung der Ergebnisse berücksichtigt werden. Im Jahr 1996 wurde „die wirtschaftliche Bedeutung des VFL Borussia Mönchengladbach für die Stadt Mönchengladbach“ untersucht sowie die möglichen Auswirkungen eines neuen Sportparks im Umfeld der Stadt. Auch wenn die Resultate dieser Untersuchung unter speziellen Annahmen mit Hilfe der regionalen Multiplikatorenanalyse ermittelt wurden, liegen diese der folgenden Arbeit nicht zu Grunde, da sie in einer Langfassung 12 erschienen sind und in der vorliegenden Veröffentlichung der IHK Mittlerer Niederrhein nur auszugsweise präsentiert werden. Eine aktuelle Studie liegt im Fall des FC Augsburg vor. Der Verein, dem vergangene Saison der Aufstieg in die zweite Liga gelungen ist, plant den Bau der Augsburg Arena um dem Erfolg und zukünftigen Erwartungen gerecht zu werden. Ohne die Vorgehensweise bei der Berechnung zu erläutern, präsentiert diese Studie lediglich Zahlen, deren Ursprünge dem Leser unklar bleiben.

11 12

Benson, L. (2000): S. 4. Die Langfassung war nicht erhältlich.

4

Darüber hinaus liegen Ergebnisse über die Wirkungen der Trier Arena auf die Stadt vor. Diese Untersuchung gibt Aufschluss darüber, wie sehr die Ergebnisse einer Untersuchung von den zuvor getroffenen Annahmen abhängen. Wie diese ersten Ausführungen zeigen, ist es sehr schwierig detaillierte Informationen

über

die

Untersuchungsmethodik,

also

die

konkrete

Vorgehensweise, sowie das Zustandekommen von wichtigen Zahlen zu erfahren. Aus diesem Grund werden die in dieser Arbeit angeführten Berechnungen durchaus kritisch hinterfragt.

3. Einnahmen/ Ausgaben und Umsatzpotenzial Um das wirtschaftliche Potenzial von Arenen zu verdeutlichen, werden zu Beginn Umsatzzahlen präsentiert sowie die verschiedenen Einnahmequellen, einerseits für die Arena direkt und andererseits für die Region. Dem gegenübergestellt werden die verschiedenen Kostenarten. Neben den ökonomischen Impulsen solcher Einrichtungen sollte nicht unberücksichtigt bleiben, dass die abhängig von der Höhe der generierten Einnahmen abzuführende Gewerbesteuer eine wichtige finanzielle Basis für die Gemeinde darstellt. 13 Während das Umsatzvolumen in der Saison 1995/96 der 18 Erstliga-Clubs bei 650 Mio. DM lag, zeigt folgende Aussage zum 40jährigen Bestehen der FußballBundesliga, welches Umsatzpotenzial möglich ist. „Die Geldmaschine FußballBundesliga läuft weiter hochtourig. Mit einem Gesamtumsatz von über einer Milliarde Euro liegen die 18 Vereine mittlerweile im Bereich einer großen mittelständischen Firma.“ 14 Abbildung 1: Aufteilung Gesamtumsatz erste Bundesliga in der Saison 1996/97

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Dietl, H.M.; Pauli, M. (1999): S. 6.

13

14

Vgl. Zenthöfer, Wolfgang; Leben, Gerd (2005): Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer, 13. Auflage, Stuttgart, S.139. Stern (2003): Von der Elf-Freunde-Romantik zum Milliarden-Unternehmen, http://www.stern.de/sport-motor/fussball/511894.html?eid=510770&s=4, (07.01.2007).

5

In der Saison 2000/01 generierten die Fußballclubs 355,3 Millionen Euro durch den Verkauf der TV-Rechte. Dies entspricht sogar 42% der Vereinseinnahmen. 15 Folgende Darstellung zeigt, abhängig von der individuellen Ausstattung der jeweiligen Arena, in welchen Bereichen sich weitere Einnahmen erzielen lassen: Abbildung 2: Einnahmequellen Eintrittsgelder Werbeinnahmen Gastronomie Merchandising Räumlichkeiten

Trikot- oder Bandenwerbung größtenteils verpachtet Fanartikel Vermietung von Businessseats und Logen Quelle: Eigene Darstellung.

Geht man nun einen Schritt weiter und betrachtet neben den Einnahmen, die direkt auf der Existenz der Arena beruhen, deren Umfeld, so können in der Region folgende Branchen ebenso von dem Vorhandensein dieser profitieren: Abbildung 3: Zuschauerausgaben im weiteren Umfeld

Region

Gastronomie

Tourismusanlagen

Hotels

Handel

Transportbetriebe

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Dietl, H. M.; Pauli, M (1999): S.24.

Demgegenüber entstehen in Bezug auf die Arena selbst im Zeitablauf von der Errichtung über deren Betrieb bis hin zur Brachlegung folgende Kostenarten: Abbildung 4: Kostenarten Grundstückskosten Konstruktionskosten Infrastrukturkosten direkte Betriebskosten Indirekte Betriebskosten Nachnutzungskosten

Grundstück, Abriß alter Gebäude, Erschließung Architekten, Baufacharbeiter, Materialverbrauch Anbindung an öffentl. Verkehr/ Versorgungssysteme variabel: Ordner, Parkplatzwächter, Müllbeseitigung fix: Management, Instandhaltung, Geschäftsstelle Polizei, Bundesgrenzschutz, Ordnungsamt Abriß, Renaturierung Quelle: Dietl, H.M.; Pauli, M. (1999): S. 34.

15

Vgl. Stern (2003): http://www.stern.de/sport-motor/fussball/511894.html?eid=510770 &s =4.

6

4. Regionalökonomische Wirkungen von Arenen Im folgenden Abschnitt sollen die ökonomischen Wirkungen von Arenen auf regionaler Ebene beschrieben werden. Diese lassen sich zwei unterschiedlichen Bereichen zuordnen. Ersterer bezieht sich dabei auf die Leistungserstellung. Diese beschreibt die „kurzfristigen direkten und indirekten Wirkungen auf Einkommen und Beschäftigung“ 16 , die sich zum einen aus dem Bau und Betrieb der Arena und zum anderen der damit verbundenen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ergeben. Der andere Bereich, der sich auf die längerfristigen Wirkungen bezieht, wird im darauf folgenden fünften Abschnitt genauer erläutert.

4.1 Leistungserstellung An dieser Stelle nun sollen solche wirtschaftlichen Effekte dargestellt werden, die unmittelbar mit der Arena in Zusammenhang stehen. Auf der einen Seite tritt die Arena

bzw.

deren

Betreiber

selbst

als

Nachfrager

von

Gütern

und

Dienstleistungen auf, die zur Errichtung bzw. Unterhaltung derer erforderlich sind. Auf der anderen Seite stehen die Anhänger des Vereins, die als Nachfrager der angebotenen Dienstleistung sowie zusätzlicher Leistungen angesehen werden können. 4.1.1 Nachfrageseitige Aspekte auf Seite des Vereins Wie

bereits

zuvor

dargestellt,

werden

in

diesem

Abschnitt

die

regionalökonomischen Effekte beschrieben, die durch den Bau und Betrieb der Arena ausgelöst werden. In diesem Zusammenhang tritt die Arena vor allem als Nachfrager von Produkten und Dienstleistungen auf. Als erstes wäre an dieser Stelle die Nachfrage nach Arbeitskräften 17 zu nennen, denn

die

Angestellten

bzw.

Mitarbeiter

sind

für

die

Erstellung

des

Dienstleistungsangebots der grundlegende Baustein. Zu diesen sind in Bezug auf Fußballarenen Fußballprofis selbst, aber auch das Management, weitere Personen im Bereich der Sportausbildung und -organisation sowie die Angestellten in Gastronomie und Merchandising zu nennen. Das von den Mitarbeitern bezogene Einkommen wird größtenteils wieder in der Region verausgabt 18 und wirkt sich somit positiv auf regionales Einkommen sowie Beschäftigung aus.

16

Benson, L. (2000): S. 8. Vgl. Hamm, R. (1998): S. 43. 18 Dies hängt sowohl von der Konsum- als auch der jeweiligen Importquote ab. 17

7

Im Fall der neuen Fußballarena in Augsburg gehen Untersuchungen davon aus, dass „in der 2. Bundesliga bis zu 75 Arbeitsplätze und in der 1. Bundesliga bis zu 200 Arbeitsplätze geschaffen (werden)“. 19

An Erstliga-Spieltagen geht man

sogar von bis zu 1 000 Beschäftigten aus, die für Verein und Stadion tätig sind. Die

Studie

über

die

„wirtschaftliche

Bedeutung

des

VFL

Borussia

Mönchengladbach für die Stadt Mönchengladbach“ belegt, dass vor dem Bau des Borussia-Parks 100 vollbeschäftigte Mitarbeiter sowie 250 Teilzeitkräfte für den Verein tätig sind. Deren Bruttoeinkommen beläuft sich zusammen auf rund 15 Mio. DM. Durch Verausgabungen innerhalb der Region werden durch diese Personalausgaben zusätzliche regionale Einkommenssteigerungen in Höhe von 2,3 Mio. DM ausgelöst, die neben den 350 für den Verein tätigen Mitarbeiter bei Annahme eines Bruttolohns in Höhe von 50 000 DM 45 weitere Arbeitsplätze schaffen. 20

Betrachtet

man

im

Anschluss

daran

die

wirtschaftlichen

Auswirkungen eines Stadionneubaus, so wird deutlich, dass neben den 200 zusätzlich für den Verein tätigen Mitarbeitern durch indirekte Wirkungen der Personalausgaben anstatt 45 Arbeitsplätze 71 geschaffen werden. Insgesamt entstehen somit 225 neue Arbeitsplätze durch den Bau eines neuen Sportparks. Darüber hinaus tritt die Arena auch als Nachfrager von Sachkapital 21 bzw. Vorleistungen auf. Dazu gehören neben der Errichtung der Arena selbst, deren Einrichtung sowie die Ausstattung des Fußballvereins. Werden diese von Unternehmen innerhalb der Region bezogen, so kommt es durch diese Aufträge zu

einer

Nachfragesteigerung

innerhalb

der

Region.

Die

verbesserte

Auftragslage führt zu Neueinstellungen. Somit lässt sich auch in diesem Zusammenhang von regionalen Einkommens- und Beschäftigungseffekten sprechen, die sich aus Bau und Betrieb der Einrichtung ergeben. Der Bau der Augsburg Arena bringt Aufträge an die Wirtschaft – zum Großteil an Betriebe aus der Region - in Höhe von 65 Mio. € mit sich. 22 Dies führt zum einen zur Schaffung von zeitlich begrenzten Arbeitsplätzen, zum anderen sorgen Instandhaltung sowie der allgemeine Betrieb der Arena jedoch langfristig für einen Zuwachs an Arbeitsplätzen.

19

Vgl.Seinsch, W. (2006): Ein gutes Geschäft, http://www.augsburgarena.de/cms/ website.php, (19.12.2006). 20 Vgl. Hamm, R. (1998):, S. 44. 21 Vgl. Ebenda. 22 Vgl. Seinsch, W. (2006).

8

Wird der Neubau des Borussia-Parks in Mönchengladbach (geplante Kosten 300 Mio. DM) genehmigt, so ergibt sich allein aus diesem für eine geplante Bauzeit von zwei Jahren ein jährlicher Zuwachs von rund 800 Arbeitsplätzen. 23 Durch jährliche Sachausgaben und den damit verbundenen regionalen Einkommenssteigerungen entstehen nach einem Neubau 33 neue Arbeitsplätze. Dies zeigt, dass nicht nur Einkommen und Beschäftigung der direkt betroffenen Unternehmen positiv beeinflusst wird, sondern dass vielmehr aufgrund regionaler Wiederverausgabung des in Arbeitnehmer- und Unternehmenshaushalten entstandenen Einkommens ein multiplikativer Prozess ausgelöst wird. Wie das Beispiel

von

Borussia

Mönchengladbach

zeigt,

werden

über

mehrere

Wirkungsrunden, also auch indirekt, Arbeitsplätze geschaffen. 4.1.2 Nachfrageseitige Aspekte auf Seite der Anhänger Attraktiver Profisport lockt Zuschauer an, deren Verausgabungen ebenso positive ökonomische Auswirkungen für die Region haben. Neben der Austragung von Sportveranstaltungen ist es daher auch sinnvoll, die Arena für weitere Großveranstaltungen wie Musikfestivals oder Konzerte zu nutzen, um möglichst hohe Einnahmen zu generieren. Kommen die Besucher der jeweiligen Veranstaltung aus der Stadt bzw. Region, in welcher sich die Arena befindet, so wird regionale Kaufkraft gebunden und verbleibt innerhalb des regionalen Wirtschaftskreislaufs. 24 Handelt es sich jedoch um aus anderen Regionen angereiste Anhänger, so wird zusätzliche Kaufkraft gebunden und das Einkommen der Region erhöht. Eine Arena als Anziehungspunkt auswärtiger Besucher transformiert damit „überregional „angesaugte“ Finanzmasse in regionale Nachfrage“ 25 und weist so Kennzeichen eines Exportbasis-Sektors auf. Die Exportbasis-Theorie zählt zu den nachfrageorientierten Ansätzen zur Erklärung von regionalem Wachstum und Entwicklung. Die wirtschaftliche Basis einer Region „basic sector“ stellen solche Betriebe dar, die ihre Produkte bzw. Dienstleistungen in andere Regionen exportieren. 26 Zwar sind Arenen mit der dort angebotenen Dienstleistung aufgrund ihrer Standortgebundenheit kein Exportgut im klassischen Sinn, dennoch wird zusätzlicher monetärer Input von außerhalb in die Region importiert und kann daher dennoch als „basic sector“ bezeichnet werden. Den lokalen Sektor „non-basic sector“ stellt somit der nicht23

Vgl. Hamm, R. (1996): Die wirtschaftliche Bedeutung des Vereins „VFL Borussia Mönchengladbach“ für die Stadt Mönchengladbach, in: IHK Mittlerer Niederrhein, S.7. 24 Vgl. Hamm, R. (1996): S.44. 25 Benson, L. (2000): S.9. 26 Vgl. Maier G.; Tödtling, F. (2002): Regional- und Stadtökonomik 2, Regionalentwicklung und Regionalpolitik, 2. Aufl., Wien, S.33.

9

exportierende Teil der Wirtschaft dar, der ebenfalls von den Exporten des „basic sectors“ profitiert, da auf diese Weise mehr Einkommen in die Region fließt. Dies führt dazu, dass „ein Anstieg der Einkommen aus Exporten im lokalen Sektor einen Multiplikatoreffekt in Gang setzt, der schließlich dazu führt, dass der Einkommenszuwachs in der Region deutlich über dem Einkommenszuwachs des Exportsektors liegt.“ 27 Abhängig vom Einkommen, das durch Exporte erzielt wird (Yx), der marginalen Konsumquote (c) und der marginalen Importquote (q) ergibt sich folgende Gleichung zur Berechnung des Exportbasismultiplikators:

Dieser steigt mit wachsender Konsumquote und sinkender Importquote. Es muss an

dieser

Stelle

jedoch

festgehalten

werden,

dass

der

berechnete

Exportbasismultiplikator erst dann seine volle Wirkung entfaltet, wenn das Exportaufkommen von Dauer ist. Bei einer permanenten Erhöhung des Exporteinkommens

steigt

das

Regionaleinkommen

mit

abnehmenden

Zuwächsen an, bis es den vom Exportbasismultiplikator beschriebenen Wert erreicht. Somit liegt nach dieser Theorie der Motor für die Entwicklung einer Region außerhalb dieser. Aufgrund einer hohen auswärtigen Nachfrage nach der angebotenen Dienstleistung kann die Exportbasis-Theorie als Grundlage für die Bewertung der ökonomischen Wirkungen von Arenen herangezogen werden. Dennoch sollte an dieser Stelle angeführt werden, dass die Datengrundlage zur Berechnung dieser Wirkungen ein entscheidendes Problem darstellt. Ob die jeweiligen Besucher der Sportveranstaltung als auswärtige Besucher einzustufen sind, hängt von der jeweiligen Regionsabgrenzung ab und kann das Ergebnis der Untersuchung entscheidend beeinflussen. Auch die Berücksichtigung der Ausgaben einheimischer Zuschauer (da schließlich regionale Kaufkraft gebunden wird) führt zu unterschiedlichen Endwerten. 28 Dies zeigt, dass die Interpretation nur in Bezugnahme auf die zuvor getroffenen Annahmen sinnvoll ist.

27 28

Vgl. Maier G.; Tödtling, F. (2002): S.34. Vgl. Kaiser, J. (2004): Die Arena Trier und ihre regionalökonomischen Affekte für die Region Trier, S.70.

10

4.2 Zusammenfassung der zuvor präsentierten Effekte: Wie

oben

angeführte

Beispiele

verdeutlichen,

lösen

Arenen

auf

drei

verschiedenen Ebenen unterschiedlich starke Beschäftigungseffekte in der Region aus. Dies soll nachfolgende Grafik nochmals verdeutlichen: Abbildung 5: Beschäftigungseffekte von Arenen

Beschäftigte durch den Induzier-

Multiplikatoreffekt

te Effekte Beschäftigungswirkung durch Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen

Indirekte Effekte

Direkte Beschäftigte Direkte Effekte

Quelle: Eigene Darstellung

Auf unterster Ebene und in unmittelbaren Zusammenhang mit der Arena stehen solche Arbeitnehmer, die von der Arena direkt beschäftigt werden. Diese sind an der Erstellung der Dienstleistung maßgeblich beteiligt. Darüber hinaus tritt die Arena als Nachfrager von Sach- und Dienstleistungen auf, die für Bau, Betrieb und Ausstattung des Stadions notwendig sind. Wie die vorab dargestellten Beispiele zeigen, stellen Unternehmen, die unmittelbar für den laufenden Betrieb der Arena tätig sind, zusätzliche Mitarbeiter ein und verstärken so durch zusätzliche Lohnzahlungen den bereits zuvor beschriebenen Einkommens-

und

Beschäftigungseffekt.

Auf

diese

Weise

kann

die

Wirtschaftskraft der Region gestärkt werden. Auf der obersten Ebene und am weitesten entfernt von der Leistungserstellung der Arena an sich sind solche Arbeitsplätze, die aufgrund des Multiplikatoreffekts entstehen. Diese Arbeitsplätze ergeben sich aus zusätzlichen Aufträgen und der damit verbundenen positiven Entwicklung der regionalen Wirtschaft. Es kann ein multiplikativer

Prozess

angestoßen

werden,

der

auf

der

regionalen

Wiederverausgabung des in den Arbeitnehmer- und Unternehmenshaushalten entstandenen Einkommens basiert und der in weiteren Wirkungsrunden positiv auf Einkommen und Beschäftigung wirkt. 29

29

Erhöhtes Einkommen kann zum

Benson, L. (2000): S.10.

11

einen auf der verstärkten Auftragslage von regionsinternen Unternehmen basieren, die einen positiven Einfluss auf die Beschäftigtenzahl ausübt. 30 Zum anderen kann zusätzliches Einkommen aber auch mithilfe der ExportbasisTheorie erklärt werden, nach welcher durch die Anziehung externer Besucher zusätzliche Einkommensströme in die Region gelenkt werden.

5. Leistungsabgabephase In diesem Abschnitt sollen solche Effekte dargestellt werden, die über Bau und Betrieb der Infrastruktureinrichtung hinaus von der Arena in der Region ausgelöst werden. Es sind zum Teil längerfristig eintretende Wirkungen, die man zu erzielen hofft, aber auch ungewollt herbeigeführt werden. 31 Diese lassen sich in verschiedene Gruppen unterteilen. Zuerst soll die ökonomische Bedeutung, also beispielsweise die Sogwirkung auf andere Wirtschaftsbereiche, aber auch die Werbewirkung, die solche Einrichtungen erzielen, aufgezeigt werden. Auch die Bedeutung der sozialen Effekte ist nicht zu unterschätzen und wird aus diesem Grund einer genauern Betrachtung unterzogen.

5.1 Ökonomische Effekte Durch

den

Bau

dazugehörigen

einer

modernen

Arena

Infrastrukturmaßnahmen

sowie

erhoffen

der die

Bereitstellung Städte,

der

zunehmend

Sogeffekte auf Unternehmen oder gar ganze Wirtschaftsbereiche ausüben zu können.

Über

den

Verkauf

von

Fanartikeln

oder

dem

Angebot

an

Gastronomiebetrieben hinaus wird angestrebt, ganze Sport- und Freizeitparks zu errichten. Da Fußballbundesligaspiele hohe Besuchermengen anziehen, bietet sich die Möglichkeit, Einkaufzentren, weitere Unternehmen im Sport- und Kulturbereich oder Betriebe des Hotel- und Gaststättengewerbes in unmittelbarer Nähe anzusiedeln. „In diesem Fall könnte (man) das Stadion als impulsgebenden Kern

bezeichnen,

durch

dessen

Einrichtungen angezogen werden.“

Sogkraft

andere

Unternehmen

und

32

Gegen Ende der 90er Jahre fiel der Beschluss die Errichtung eines Sport-Parks auch im Umkreis des Borussia-Parks durchzuführen. Dabei soll ein überregional bedeutsamer Erholungs- und Freizeitraum mit einem möglichst vielfältigen Angebot aus dem Sport-, Freizeit- und Kulturbereich errichtet werden. Neben 30

Anderer Ansicht sind Dietl; Pauli (1999): Sie betonen die Überschätzung des Multiplikatoreffekts, indem sie Fehler in der Analyse bemängeln. Ihrer Meinung nach ist der Multiplikator in zahlreichen Studien zu hoch angesetzt und dies führt dadurch zu einer Verzerrung der Ergebnisse, S. 50. 31 Vgl. Benson, L. (2000): S. 8. 32 Vgl. Hamm, R. (1998): S.45.

12

dem

neuen

Stadion

sollen

eine

multifunktionale

Indoor-Arena,

eine

Trabrennbahn sowie ein Platz für Konzerte, Festivals u.ä. in unmittelbarer Nähe zum Stadion entstehen. Als weitere Einrichtungen sollen ein Kino, eine SportKlinik, Fitness-Center, Hotels, Restaurants, Familienattraktionen sowie weitere Erholungsmöglichkeiten das Angebot erweitern. 33 Auch im Umfeld der AOL Arena ist im Jahr 2002 eine multifunktionale Halle, die Colorline

Arena

errichtet

worden,

welche

neben

der

Austragung

von

Sportveranstaltungen wie Handball und Eishockey auch für Musikkonzerte oder sonstige Showevents zur Verfügung steht. 34 Ferner werden Hotels, Restaurants sowie weitere Einrichtungen im Bereich der Freizeitgestaltung eingerichtet. Während in Bezug auf Unternehmen, die aufgrund ihrer Produkte und Dienstleistungen an die Arena bzw. den Club gebunden sind, die Existenz der Arena und ihres umfassenden Angebotprogramms als „harter“ Standortfaktor betrachtet werden kann, ist das Kultur- und Freizeitangebot für davon unabhängige Unternehmen eher zu den „weichen“ Standortfaktoren zu zählen. Sie spielen nur eine Rolle, wenn es bei mehreren Standortalternativen gleichwertige harte Standortfaktoren gibt. 35 Somit wird der Arena sowie der Existenz einer Sportmannschaft eine eher periphere Bedeutung zu teil und zählt nicht zu den zentralen standortbestimmenden Determinanten. Dennoch können die für die Arena durchgeführten Infrastrukturmaßnahmen wie der Ausbau des Straßennetzes auch auf andere Wirtschaftsbereiche eine attrahierende Wirkung haben. Eine weitere wichtige Bedeutung kommen Arena und Sportclub als Werbeträger für die Region zu. Aufgrund der Popularität des Fußballsports in Deutschland leisten die Clubs durch ihre Präsenz in den Medien das, was die kommunale Wirtschafts- und Tourismusförderung sowohl Geld als auch Zeit kostet. Während Kaiserslautern mit gerade einmal 120 000 Einwohnern durch die BL-Mannschaft eine relativ hohe Popularität genießt, gibt es durchaus größere und wirtschaftlich bedeutendere Städte deren Medienpräsenz hinter der von Kaiserslautern liegt. Nach Angaben von Borussia Mönchengladbach wurden im Jahr 1995 125 Stunden lang (davon 70% bei den vier großen Sendern: ARD, ZDF, RTL und SAT.1) Berichte über den Verein gesendet. Sollte eine vergleichbare Werbeoffensive von der Stadt selbst in Auftrag gegeben werden, so würde dies die Stadt rund 230 Mio. DM kosten. 36 Zwar würde eine solche Imagekampagne 33

Vgl. Hamm, R. (1998): S. 46. Weitere Informationen hierzu unter: www.colorline-arena.com. 35 Vgl. Grabow, B. (1994): S.156. 36 Vgl. Hamm, R. (1996): S.13 f. 34

13

einen höheren Informationsgehalt besitzen, dennoch steht sie in keinerlei Relation zu dem kostenlosen Dienst, den der Verein selbst leistet. 5.2 Soziale Effekte Im Gegensatz zu Hochschulen, die als Infrastruktureinrichtung im Bereich der Bildung Wissen vermitteln und somit den Wert der Region erhöhen und ihn als Standort für Unternehmen attraktiver machen, ist die Bedeutung von Arenen vielmehr der Bedürfnisbefriedigung im Freizeitbereich zuzurechnen, welcher vor allem in jüngster Zeit eine immer wichtigere Bedeutung zu teil wird. „Der Aufstieg moderner

Erlebniswelten

ist

nicht

denkbar

ohne

eine

gesellschaftlich

durchschlagende Neubewertung von Freizeit als sinnstiftende und glückstiftende Lebenszeit, freilich auch nicht ohne ihre Kommerzialisierung.“ 37 Die zunehmende Bedeutung von Freizeit kann als einer der zentralen Faktoren für den Erfolg von Infrastruktureinrichtungen im Bereich der Freizeitgestaltung angesehen werden. Während die Arbeitszeit seit Anfang des 20. Jahrhunderts durchgehend abnimmt und mittlerweile sogar bei weniger als 40 Stunden liegt, gewinnt im Gegensatz dazu

die

Freizeit

als

Ausgleich

zur

Arbeit

und

als

Möglichkeit

der

Selbstverwirklichung immer mehr an Ansehen. Besonders Wert gelegt wird in der Freizeit auf die Knüpfung sozialer Kontakte und das Gemeinschaftsgefühl. Genau dies kann durch das Zusammengehörigkeitsgefühl in Fanclubs erreicht werden. Das Stadion wird als Begegnungspunkt für Gleichgesinnte angesehen und positiv bewertet. Somit haben Arenen eine besondere Bedeutung in Bezug auf das Verhalten von Arbeitskräften, da Erfolge, Gruppengefühl und Identifizierungsmöglichkeiten die Motivation dieser erhöhen können. 38 Darüber hinaus erfüllen Fußballclub und somit auch die Arena als deren Standort weitere wichtige soziale Aufgaben. So kann durch dort ausgetragene internationale Spiele ein Beitrag zur Völkerverständigung geleistet werden. 39 Arenen stellen einen Ort des Zusammenkommens und Gemeinschaftsgefühls dar, wo das gemeinsame Interesse fernab von allen sozialen und religiösen Unterschieden in den Mittelpunkt rückt. Ebenso kann eine derartige Infrastruktureinrichtung sowie die Existenz eines erfolgreichen Fußballvereins die Bereitschaft der Bevölkerung steigern, selbst aktiv zu werden und Sport zu treiben und somit einen Beitrag zur kommunalen Gesundheitssituation leisten. Somit ist es wichtig, nicht nur auf Grund wirtschaftlicher Erträge den Zuschauerstrom zu vergrößern, also das passive

37

Neumann, M. U. (1998): S.12. Vgl. Hamm, R. (1998): S.47. 39 Vgl. Ebenda. 38

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Sportprogramm zu fördern, sondern auch zunehmend das Sportangebot für die Bevölkerung auszubauen. Auch bei der Argumentation für den Bau der Augsburg Arena wird ein besonderes Augenmerk auf diese Faktoren gelegt: so wird zum einen der Aufbau einer pädagogisch und sportlich hochwertigen Jugendabteilung angestrebt, aber auch Jugendarbeit und Integration sollen mit Hilfe eines neuen Stadions als Identifizierungsobjekt in Angriff genommen werden. 40 „In den genannten Fällen entstehen (…) gesellschaftliche Erträge, denen keine vergleichbaren betriebswirtschaftlichen Erträge des Vereins gegenüberstehen.“ 41 Es handelt sich um positive externe Effekte, die aufgrund mangelnder Quantifizierbarkeit neben ökonomischen Größen häufig unterschätzt werden und dennoch einen bedeutenden gesellschaftlichen Beitrag leisten.

6. Negative Auswirkungen Ferner sollen negative Auswirkungen dieser Form von Infrastruktureinrichtungen aufgezeigt werden. Neben dem positiven Beitrag zur Wirtschaft sowie im sozialen Bereich, können Arenen auch negative externe Effekte erzeugen. Zu diesen zählen beispielsweise die übermäßige Belastung der kommunalen Infrastruktur, wie überfüllte, öffentliche Verkehrsmittel oder Staukosten. In Bezug auf den Bau der Augsburg Arena wird gerade in diesem Zusammenhang ein wichtiges Argument angeführt. So befindet sich das bereits 60 Jahre alte Rosenau-Stadion in einem Wohnviertel direkt in Augsburg gelegen, da es ursprünglich für eine andere Kapazität angelegt wurde. Durch den zunehmenden Erfolg des Vereins und die wachsenden Zuschauerströme kommt es zu einer Übernutzung der Infrastruktur in diesem Gebiet, die in einer zu hohen Verkehrsbelastung sowie fehlenden Parkplätzen deutlich wird. Die umliegenden Wohnviertel werden aufgrund der Lage des Stadions extrem belastet. Aus diesem Grund werden neue Stadien meist außerhalb der großen Städte zunehmend

an

Autobahnanschlussstellen

gebaut

um

dem

erhöhten

Verkehrsgeschehen gerecht zu werden. 42 Darüber hinaus kommt es nicht selten zu Ausschreitungen zwischen Anhängern konkurrierender Clubs. Zum einen erfordert dies ein erhöhtes Polizeiaufgebot, das zusätzliche Kosten verursacht, zum anderen können solche Vorkommnisse abschreckende Wirkungen auf den Besucherzustrom vor allem an Spieltagen (überwiegend Wochenenden) haben. 40

Vgl. Seinsch, W. (2006). Vgl. Hamm, R. (1998): S.47. 42 Beispiele hierfür sind die Allianz Arena, die Veltins-Arena oder auch der Borussia-Park. 41

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Fazit In der vorliegenden Arbeit wurde versucht, die regionalökonomischen Effekte, die von Arenen ausgehen, zu beschreiben und zu systematisieren. Zum einen gibt es solche Effekten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Arena stehen und zum anderen solche, die sich längerfristig betrachtet auf die Region, also das weitere Umfeld auswirken. Zu ersten lässt sich eindeutig feststellen, dass wenn der Verein selbst als Nachfrager von Human- und Sachkapital auftritt, sich sowohl direkte als auch indirekte (durch Wiederverausgabung) regionale Einkommens- und Beschäftigungseffekte erzielen lassen. Auch die Einkommensströme, die durch auswärtige Besucher in die jeweilige Region gelenkt werden, haben den gleichen Effekt zur Folge. Das Mehr an finanziellen Mitteln, das auf diese Weise zur Verfügung steht, hat durch die teilweise innerregionale Wiederverausgabung eine ebenso positive Wirkung auf das Wachstum der Region. Zu den längerfristig eintretenden Effekten zählen neben den ökonomischen wie die Sogwirkung auf andere Wirtschaftbereiche oder die Imagewirkung, aber auch soziale Aufgaben, die solche Einrichtungen übernehmen können. Dennoch sollten die Ergebnisse von diesbezüglichen Veröffentlichungen aufgrund

unterschiedlicher

Berechnungen

und

Vorgehensweisen

kritisch

hinterfragt werden. Auch die im Vorfeld getroffenen Annahmen 43 können die Ergebnisse sehr stark beeinflussen und aus diesem Grund ist es, wie zuvor beschrieben, von großer Bedeutung die unterschiedlichen Interessen zu berücksichtigen, die der Untersuchung zugrunde liegen. Da in einigen Studien ohne Hinweise auf die methodische Vorgehensweise dem Leser lediglich einige Zahlen präsentiert werden, sollten diese doch sehr kritisch betrachtet werden. Ebenso sollte an dieser Stelle nochmals festgehalten werden, dass der Erfolg der jeweiligen Sportmannschaft den wesentlichen Erfolgsfaktor für die Arena und deren Umfeld schlechthin darstellt. 44 Bleibt der Erfolg der Heimmannschaft aus, so werden sowohl Tribünen leer bleiben, als auch andere von der Arena abhängende Betriebe (u.a. Gastronomie, Merchandising) erheblich geringere Umsätze erzielen. Auch die negativen Aspekte von solchen Einrichtungen sollten nicht unberücksichtigt bleiben. Dennoch sollte abschließend konstatiert werden, dass Arenen durchaus eine positive Impulswirkung haben können, das Ausmaß dieser jedoch von vielen weiteren entscheidenden Faktoren abhängt. 43

Hierzu zählen u.a. die Regionsabgrenzung, die Erhebungsmethodik und die Wahl entsprechender Multiplikatoren 44 Vgl. Hamm, R. (1998): S. 46.

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