Untitled - macau

Untitled - macau

Lei Áurea 1888 – detalhe Institut Martius-Staden Jahrbuch 2001 - 2002 Nr. 49 Herausgeber: Hernâni Donato Renata S. G. Kutschat Joachim Tiemann ...

1MB Sizes 0 Downloads 11 Views

Recommend Documents

Macau Tour
According to Daiwa estimates, Wynn Macau and. Melco Resorts ... to view the newer developments (Wynn Palace and Parisian

Macau gaming_20170208_CGIHK.pdf
Feb 7, 2017 - that while Wynn Palace's business has recovered somewhat, it is still below Wynn ... Sands China and Wynn

Major Korean prostitution ring busted in Macau - Macau Daily Times
Apr 21, 2015 - The second, also com- missioned by the company, concerned a Hong Kong movie producer with alleged ties to

Page 1 Sly ( AIR MACAU WYNNPALACE GA: AIR MACAU
Above offer is walid for Air Macau boarding pass holder, walid within 7 days upon arrival in Macau. The passenger name m

Wynn Macau - CIMB Group
Nov 3, 2016 - Wynn Palace's slower-than-expected ramp-up from disruptive ... Wynn Palace recorded 3Q EBITDA of US$25.5m

Cotai EXPANSION - APG Macau
WYNN Cotai scheduled opening in February 2016. ♥ MGM Cotai scheduled opening in .... and the Wynn Palace, which is sit

Player Guide - PokerStars Macau
Note: Guarantees are not applicable during Typhoon Level 8 or higher. All numbered tournaments are Official Asia Player

WYNN MACAU FACT SHEET
WYNN MACAU. Linda Chen. PRESIDENT. WYNN DESIGN & DEVELOPMENT. John Littell. MANAGEMENT COMPANY. Wynn Resorts, Limited. C

macau gaming sector - ResearchPool
Sep 12, 2016 - Wynn Macau Ltd's new. Cotai venue Wynn Palace had 43% while MGM China Holdings Ltd's MGM Macau had 42% pr

Lei Áurea 1888 – detalhe

Institut Martius-Staden Jahrbuch 2001 - 2002 Nr. 49

Herausgeber:

Hernâni Donato Renata S. G. Kutschat Joachim Tiemann

Sumário Prefácio - Vorwort Hernâni Donato ............................................................................................................ 07 Deutsche Minderheiten in Lateinamerika Peter Rosenberg ............................................................................................................ 09 Ulrich Schmidels Wahrhaftige Beschreibung (publiziert 1567) im Kontext der deutschen Südamerikaliteratur der Zeit Franz Obermeier ...........................................................................................................51 Johann Heinrich Bloem Gedenken zum 150. Todesjahr 2001 Helmut Andrä ................................................................................................................91 Über die Kindheit der afrobrasilianischen Sklaven im 19. Jahrhundert Hannes Stubbe ........................................................................................................... 111 Leopold Heck und die brasilianische Lex Aurea Rolf Nagel ................................................................................................................... 127 Quatro fases distintas no ensino do alemão em Niterói Carlos Wehrs .............................................................................................................. 133 O conceito de língua materna e suas implicações para o estudo do bilingüismo (alemão-português) Cléo Vilson Altenhofen ............................................................................................... 141 Cultura e poder no tempo dos Mucker João Biehl ................................................................................................................... 163 Regionalentwicklung im Amazonasgebiet Brasiliens Gerd Kohlhepp ........................................................................................................... 183 Staden- bzw. Martius-Staden-Jahrbuch Jahrgänge 1 bis 47/48 (1953 bis 2000) Joachim Tiemann ...................................................................................................... 217 Das Martius-Staden-Institut im Jahre 2002: neue Herausforderungen im Namen einer grossen Tradition Dirk Brinkmann .......................................................................................................... 238 O Instituto Martius-Staden no ano 2002: novos desafios em nome de uma grande tradição Dirk Brinkmann .......................................................................................................... 248 Eventos culturais do Instituto Martius-Staden 2001/2002 ................................... 257 Bilder aus dem Institutsleben ................................................................................. 259 5

Die Seereisen Schmidels

Ulrich Schmidels Wahrhaftige Beschreibung (publiziert 1567) im Kontext der deutschen Südamerikaliteratur der Zeit Franz Obermeier (Kiel) Resumo: Estudo em profundidade da importância dos escritos historiográficos de Ulrich Schmidel, narrativa de sua estadia na América do Sul no século XVI. A obra se divide em duas partes: a crônica e o estudo etnográfico e aborda o estreito relacionamento entre Schmidel e Alvar Nuñez Cabeza de Vaca, o Adelantado do Paraguay. Abstract: Profound analysis of Ulrich Schmidel’s historiographical descriptions relating to his prolonged stay in South America in the 16th century. Schmidel’s work can be divided in two parts, historical and ethnic studies. Both focus on his friendship with Alvar Nuñez Cabeza de Vaca, Paraguay’s “Adelantado”.

Schmidels Südamerika 51

Personengeschichte und Entstehung des Werks Titelseite der Ausgabe von Levinus Hulsius, 1599

Schmidels Werk hat bisher nicht die ihm zustehende Würdigung als eines der wichtigsten Quellenwerke der frühen Kolonialzeit Südamerikas erfahren. Es stand lange Zeit im Schatten des bekannteren und auch literarisch ansprechenderen Reisebuchs von Hans Staden (1557), dessen persönliche Schilderung seiner Gefangenschaft dem modernen Leser durch den geschickten Einsatz von narrativen Elementen entsprechend der heutigen Genretradition des persönlich gefassten Reiseberichts mehr entgegenkommt als die trockene historiographische Chronik des Soldaten Schmidel. Die biographischen Angaben zum Leben Schmidels sind spärlich. Er wurde im niederbayerischen Straubing in einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, die Bürgermeister stellte und im Rat der Stadt vertreten war, geboren. Das Geburtsjahr 52

liegt zwischen 1500 und 1510. Angaben über die Ausbildung sind nicht erhalten, der Besuch der örtlichen Lateinschule ist wohl anzunehmen. Über Antwerpen reiste Schmidel 1534 nach Spanien, wo er sich der Expedition Mendoza in die La Plata-Region anschloss. Dieser Zeitpunkt fällt wohl mit seiner Volljährigkeit zusammen, die damals ausgesprochen wurde, als das Mündel zwischen 20 und 25 Jahre alt war. Als Sohn aus zweiter Ehe bestanden für Schmidel wohl keine großen Ansprüche auf das väterliche Erbe, was mit ein Anlass für die Reise gewesen sein mag. Einer seiner Halbbrüder, Thomas, machte in seiner Heimatstadt Straubing eine ansehnliche Karriere. Nach dem Studium in Ingolstadt wurde er Ratsmitglied, Spitalmeister, Bürgermeister und zuletzt sogar fürstlicher Rat. Sein Brief, der Ulrich Schmidel über die Faktorei der Fugger in Sevilla zuging und den er am 18. Juli 1553 (nach Schmidels Kalender am 25.07.1552) erhielt, veranlasste ihn, nach einem zwanzigjährigen Aufenthalt wegen der Aussicht auf das Erbe seines kinderlosen Bruders zurückzukehren. 1 Er zog von Assunción an die Küste. Insbesondere Schmidels Reise auf dem Landweg von Assunción nach São Vicente hat in der Sekundärliteratur große Beachtung gefunden. Als erster Europäer hatte vor ihm nur der Adelantado von Paraguay, Alvar Nuñez Cabeza de Vaca, von der Küste aus eine ähnliche Strecke zurückgelegt. Es gibt drei Versuche, den Reiseweg Schmidels zu rekonstruieren (Moura 1911, Kloster/Sommer 1942 und Maack 1959), was anhand der ungenügenden Angaben von Schmidel, Unterschieden in den Manus2 kripten und der schwierigen Identifikation von Schmidels Ortsnamen mit heutigen Lokalitäten wohl nur bis zu einem gewissen Grade möglich ist. Am 26.01.1554 (nach seinem Kalender) erreichte er den Hafen von Antwerpen. Wie in Reiseberichten der Zeit üblich endet auch das Buch Schmidels mit dieser Rückkehr. Über seinen Heimweg nach Straubing und sein späteres Leben hat er sich in seinem Buch nicht mehr geäußert. Es sind aber zahlreiche Dokumente erhalten, die eine Rekonstruktion seines Lebenswegs zumindest in den groben Zügen anhand der administrativen Überlieferung der Zeit ermöglichen. Anfang September 1554 ist Schmidel in Straubing urkundlich nachweisbar, schon seit 1554 ist er Mitglied des Rats. In der Zeit zwischen seiner Ankunft und seiner Rückkehr hat er sich wohl u.a. in Augsburg aufgehalten, um bei dortigen Handelsfirmen persönlich über sei1

Eine ähnliche Aufforderung erging an den Venezuelareisenden Philipp von Hutten (15051546) durch dessen Bruder (vgl. Hutten 1999, S.27). Dieser wollte aus Gründen der Ritterehre jedoch nicht mit leeren Händen nach Europa zurückkehren und wurde 1546 in Venezuela von politischen Gegnern ermordet.

2

So spricht das Münchner Manuskript von einer Fahrt den Paraná abwärts, während das Stuttgarter Original von einer Fahrt den Paraná aufwärts spricht, vgl. Maack (1959, S.40 und die Abbildungen 8 und 9 der jeweiligen Stelle im Stuttgarter und Münchner Manuskript). Maack (1959, S.61) glaubt aufgrund der Stromgeschwindigkeit an eine Fahrt flussabwärts.

53

nen Aufenthalt in Südamerika Bericht zu erstatten. Schmidel heiratete Ende 1558 die verwitwete Juliana Hueberin aus Straubing. Die historischen Umstände, insbesondere der religiöse Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten, verhinderten aber, dass Schmidel in Straubing bleiben konnte und dort eine gesellschaftliche Karriere machte. Nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 konnten die Herrscher den Glauben ihrer Untertanen bestimmen. Herzog Albrecht V. von Bayern ließ die Protestanten aus seinem Herrschaftsgebiet ausweisen. Am 15.06.1562 mussten die Straubinger Protestanten die Stadt verlassen. Schmidel ließ sich mit einigen seiner Glaubensgenossen in der damals protestantisch dominierten Reichsstadt Regensburg nieder, wo er am 21.03.1563 als Bürger aufgenommen wurde. Er erwarb ein Haus an der Nordwestecke des Neupfarrplatzes in unmittelbarer Nähe zur evangelischen Hauptkirche im ehemals jüdischen Ghetto, aus dem die Juden kurz zuvor vertrieben worden waren. Das Haus (heute Apotheke Engel) trägt heute noch sein von ihm selbst anlässlich eines Anbaus angebrachtes Wappen, einen 3 halben, nach links gewendeten gekrönten schwarzen Stier in weißem Feld und die Aufschrift “ Ulrich Schmidl von Straubing”. Am hinteren Gebäudeteil dieses Komplexes, dem Altbau zur Wahlenstraße hin, hängt heute ebenfalls eine Ende des 19. Jhdts. angebrachte Gedenktafel.4 5 Schmidels Frau starb bereits um die Jahreswende 1573/74. Schmidel schloss noch zwei weitere Ehen. Am 02.03.1574 heiratete er die ebenfalls verwitwete Benigna Amman, geborene Reichlin von Meldegg, aus adeliger und wohlhabender Familie. Schmidels finanzielles Auskommen war damit gesichert. Sie starb bereits 1577. Ulrich Schmidel heiratete am 15.04.1578 ein drittes Mal Ehrentraud Stockmer, Tochter eines bereits verstorbenen fürstlichen Rats. Schmidel setzt am 08.06.1578 sein Testament auf 6 und stirbt Ende 1580 oder Anfang 1581 in Regensburg. Das Testament wurde jedenfalls am 21.02.1581 eröffnet (Friedrich 1984, S.182). Seine Rüstung, “ so ich aus fremden Landen mit mir gebracht” und einige Waffen (Friedrich 1984, S.181, vgl. auch Friedrich 1997b, S.145) vermacht er einem Freund aus Regensburg. Das Grab ist nicht bekannt.

54

3

Abgebildet auch auf dem Einband des Nachdrucks der Hulsius-Ausgabe 1602, Graz 1962.

4

“Dieses Haus war das Wohnhaus des Ulrich Schmidl von Straubing des Mitentdeckers von Brasilien und Miterbauers von Buenos Aires”. Laut Mitre (1984, S.16) wurde die Tafel 1881 von einem dort wohnenden Namensvetter Schmidels angebracht. Schmidel hat das Haus noch zu Lebzeiten 1578 verkauft, wohl um seine dritte Ehefrau, die er kurz zuvor geheiratet hatte, finanziell abzusichern (Friedrich 1984, S. 180).

5

Die Angaben dieses Abschnitts folgen dem Aufsatz von Friedrich 1997a.

6

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Regensburg Reichsstadt Testamente, Cart. 12, fasc. 36. (zitiert nach Friedrich 1987b, S.276, Fußnote 6). Der vollständige Text des Testaments in Friedrich 1984, S.180-182.

Die Manuskriptüberlieferung Weitgehend geklärt ist das Abfassungsdatum des Werks selbst. Schmidel verfasste sein Werk wohl kurz nach seiner Rückkehr um 1554. Indirekt haben einige Interpreten (Huffines 1978, S.205; Friedrich 1997b, S.128, Fußnote 24) aus einer Anspielung im Text auf den “ gnädigen Herrn Herzog Albrecht” geschlossen7, dass Schmidel sein Buch noch in Straubing beendet hat. Er hätte wohl später, als er von demselben Herzog aus religiösen Gründen aus Straubing nach Regensburg vertrieben wurde, diesen kaum derart ehrerbietig angesprochen. Darauf deuten auch einige äußere Merkmale und inhaltliche Elemente des Stuttgarter Autographs (Württemo bergische Landesbibliothek, Cod. hist. 4 153) hin. Auf dem Vorsatzblatt dieses Original-Manuskripts, das heute in Stuttgart aufbewahrt wird, vermerkt er den Todestag seines Bruders Thomas (20.09.1554)8, er hatte wohl zu diesem Zeitpunkt schon mit der Niederschrift begonnen, vielleicht sein Buch beendet und hielt sich in Straubing auf. Im Text des Buchs (1602, S.92) erwähnt er seinen seligen Bruder, was zeigt, dass diese Passage nach dessen Tod geschrieben sein muss. Auch ein Schriftvergleich mit Schmidels Schrift auf seinem Testament erweist das Stuttgarter Manuskript als Autograph (Friedrich 1987b, S.265). Ein zufällig im Stadtarchiv Straubing erhaltenes und im Text eindeutig als Handschrift von Ulrich Schmidel gekennzeichnetes Abrechnungsblatt über Vormundschaftsgelder weist dieselbe Schrift wie diese beiden Dokumente auf (vgl. hierzu den Aufsatz Friedrich 1987a). Die Provenienz des Papiers aus Augsburg wurde durch eine Wasserzeichenanalyse nahegelegt 9. Ein wie damals üblich als Einband des Stuttgarter Manuskripts verwendetes Pergament, ein Nekrologiumfragment von 1360, wurde von Friedrich aufgrund der in ihm erwähnten Namen durch Vergleich mit zeitgenössischen Straubinger Urkunden und Salbüchern als Straubinger Provenienz erkannt 7

Schmidel [oder wohl ein Bearbeiter an dieser Stelle] berichtet, dass er die Haut eines an dieser Stelle erwähnten Alligators in München in einer Schießstätte des Herzogs gesehen habe. Der Text der Anspielung in Huffines (1978, S. 205). Bezeichnenderweise fehlt dieser Teil sowohl in der Ausgabe von Feyerabend als auch in den späteren Ausgaben von Hulsius (Huffines 1978, l.c.). Alligatoren wurden bald zu b eliebten Schaustücken in Kunstkammern und bei Apothekern (z.B. Shakespeare, Romeo and Juliet, Akt V, Szene 1, v. 43).

8

“1554 Den 20 tag september ist mein breueder Thoman schmidl seillieger mit tott verschienen Zwieschen 2 und 3 veren nach mietag gott sey Jm gennedig vnd parmhertzig und vnns allen Amen”. Es folgt ein Blatt mit der Aufschrift “1554 Alda seinen wier weiter” und einem Leerraum sowie eine als Titel zu deutende Beschriftung: “Zuuernem den Zug vnnd Raiss so ich vlrich schmidl von straubing Jm 1534 Jar Adj 2 Augusto von Anttorff auss per mare nach hispania/ vnd nach malss auff Indiea mit gottess willlen an khumen pin Auch wass mier vnd anndern meinen mit verwanden Zu gestannden vnd begegnet ist wie hernach volgt.” (vgl. Huffines 1978, S.205).

9

Friedrich (1997a, S. 96) nach einer Auskunft von I rtenkauf, dem ehem. Leiter der Handschriftenabteilung der Württembergischen Landesbibliothek, Stuttgart.

55

(Friedrich 1987b). Die Wasserzeichenanalyse des Stuttgarter Manuskripts, von Prof.Gerhard Piccard durchgeführt, hat die Herkunft des Papiers aus Augsburg als wahrscheinlich ermittelt (Friedrich 1987b, S.278, Fußnote 28) und die Beschriftung des Papiers auf die Zeit zwischen 1552-1554 datiert. Augsburger Papier dürfte natürlich aufgrund der Handelsbeziehungen auch in Straubing zu haben gewesen sein, dennoch ist es angesichts der Bedeutung von Augsburg für die wirtschaftlichen Kontakte zu Südamerika durchaus wahrscheinlich, dass sich Schmidel auch dort aufhielt, vielleicht auch dort schon mit der Niederschrift seines Buchs begonnen hat. Auf jeden Fall dürfte er das fertige Manuskript in Straubing zu einem Buchbinder gebracht haben, der gerade vorhandenes Pergament als Einband verwendet hat. Eine Unterschrift Schmidels fehlt auf dem Stuttgarter Manuskript, sie befand sich vielleicht auf der abgerissenen unteren Hälfte des letzten Blatts, dies kann aber nur vermutet werden (Friedrich 1987a, S.262). Eine zweite Handschrift des Schmideltexts befindet sich in München (Bayerische Staatsbibliothek München Cgm 3000). Sie stammt aus der Königlichen Hofund Staatsbibliothek (damalige Signatur Cod. bav. 3000) und gelangte im Jahre 1811 mit dem Manuskriptbestand aus der heute noch bestehenden Regensburger Staatlichen Bibliothek nach München. Die Provenienz des Manuskripts Schmidels ist nicht feststellbar, es liegt aber nahe, dass es sich um eine zeitgenössische Abschrift des Originals Schmidels (Friedrich 1987a, S.257) handelt, der ja in Regensburg ansässig war. Die Abschrift ist fehlerhaft und enthält vor allem zahlreiche falsche Zahlenangaben. Langmantel hat das Manuskript 1889 erstmals ediert, hielt es aber nicht für die Urfassung (Schmidel 1889, S.8, vgl. die bibliographische Angabe im Anhang). Das Stuttgarter Manuskript war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Die Münchner Handschrift enthält den Namenszug Schmidels angeblich in seiner eigenen Handschrift und auf dem Deckblatt die Jahreszahl 1564, vermutlich das Jahr, in dem die Abschrift gefertigt wurde (Huffines 1971, S.11 und Huffines 1978, S.202). Schmidel konnte ja auch Abschriften seiner eigenen Handschrift in seinem Besitz gehabt haben, z.B. weil er sein Original verschenkt oder verliehen hatte. Eine weitere Abschrift befindet sich in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (Cod. geogr. 56). Sie stammt aus einer privaten Schenkung der Gebrüder Wolf in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die stark wassergeschädigte Handschrift blieb trotz Erwähnungen in der Literatur (Hantzsch 1895, S.50, LehmannNitsche 1918, S.152-159) weitgehend unbeachtet, der Titel gleicht dem Münchner Exemplar (Friedrich 1987a, S.262; Abb.beider Titelblätter l.c., S. 260/261). Dem Schriftbild nach stammt sie aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Sie ist mit einem ebenfalls handschriftlichen, von demselben Schreiber kopierten Reisebericht Pere56

grination vnd Raysbüech des edlen Alexanders Züe Bappenheim über eine Fahrt ins Heilige Land im Jahr 1563 zusammengebunden. Lehmann-Nitsche (1918, S. 155), gefolgt von Huffines (1971, S. 11), hat die Nähe des Hamburger Manuskripts zu dem Münchner festgestellt, es finden sich allerdings noch zuviele Abweichungen, um in der Hamburger Version eine reine Abschrift der Münchner zu sehen. Bokor stellt ebenfalls die Hypothese auf, dass die Hamburger Handschrift keine bloße Abschrift der Münchner Handschrift sei, sie hat Stellen, die im Original, nicht aber in der Münchner Handschrift stehen.Vielleicht ist sie eine Abschrift der Münchner Handschrift eventuell über eine oder mehrere Zwischenstufen vermittelt unter zusätzlicher Verwendung einer weiteren Fassung, vielleicht gar der Stuttgarter Handschrift (Bokor 1987, S.81/82). Das bisher nicht bekannte Schmidel-Manuskript aus dem Buchbesitz der Eichstätter Bischöfe befindet sich heute in der Universitätsbibliothek Eichstätt (Codex st. 677), die diese Bestände verwaltet. Die zeitgenössische Abschrift wurde bisher noch nicht auf ihr Verhältnis zu den Überlieferungstraditionen untersucht, sie ist aber mit keiner der bekannten Manuskript-Überlieferungen und veröffentlichten Druckfassungen voll identisch. Sie ist zusammen mit einer Abschrift der protestantischen Kirchenregelung des Consensus Dresdensis von 1571 und weiteren sechs Drucken des 16. Jahrhunderts in einem Volumen zusammengebunden. Obwohl der Band nach dem Ex-Libris aus einer Nürnberger protestantischen Familie stammt, kann der Schmideltext nicht mit dem heute verschollenen, bibliographisch nachgewiesenen Nürnberger Manuskript der Imhoffschen Sammlung identisch sein, 10 das im 19. Jahrhundert noch in der Imhoffschen Sammlung war.

Die ersten Ausgaben Alle frühen Schmidel-Ausgaben sind von protestantischen bzw. im Falle Theodor de Brys kalvinistischen Verlegern erstellt worden, was angesichts des Protestantismus von Schmidel auf eine frühe Rezeption vor allem in diesen Kreisen hindeutet. Inhaltlich enthält die editio princeps zwei wichtige Passagen, die im Münchner Manuskript fehlen. Nach der Beschreibung des Krokodils die Aussage, dass dieses nur getötet werden könne, indem man ihm einen Spiegel vorhalte (Schmidel 1567, S.12 v., Schmidel, hrsg. Langmantel 1889, S.65). Es werde dann durch seinen eigenen hässlichen Anblick getötet. Dieses Märchen ist inhaltlich ein Reflex des 10

Die Beschreibung des Manuskripts nach den unveröffentlichten Notizen von Dr. Klaus-Walter Littger, dem Leiter der Handschriften-Abteilung der UB Eichstätt, die dieser freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

57

mittelalterlichen Glaubens an Basilisken, in dem die Medusa-Sage fortlebt. Die zweite Passage in der Alvar Nuñez Cabeza de Vaca-Episode mit einem Urteil über hochmütige Kriegsleute bringt einen Vergleich des Gouverneurs mit der Terenz-Gestalt des Thraso aus dem Eunuch (Schmidel 1567, 15 r.; Schmidel, hrsg. Langmantel 1889, S.75)11. Beide Passagen sind durch die Anspielungen auf das Bildungswissen über den Basilisken und das Terenz-Stück leicht als Interpolationen eines Abschreibers zu erkennen. Gleich nach der Anspielung auf das Krokodil folgt im übrigen im Münchner Manuskript der für die Datierung des Manuskripts wichtige Hinweis auf die in Herzog Albrechts Schießstand in München ausgestellte Krokodilshaut. Diese Anspielung findet sich auch im Stuttgarter Manuskript (Schmidel, hrsg. Mondschein 1893, S.28), während obige beide Passagen über die Tötung des Krokodils durch den Spiegel und die Stelle mit der Terenz-Anspielung im Stuttgarter Manuskript fehlen. Die Fassung des Stuttgarter Original-Manuskripts bezeichnet den Glauben vom tödlichen Blick des Krokodils als Märchen und ist hier kritischer. Schmidel verweist in dem Stuttgarter Manuskript darauf, dass er selbst Massen von Krokodilen gegessen habe und noch am Leben sei (Schmidel, hrsg. Mondschein 1893, S.28). Dies alles deutet auf Einfügungen von Abschreibern an besagten Stellen hin, die bezeichnenderweise bei einer Tierbeschreibung auf die Tradition der MirabiliaDarstellungen verweisen. Die Illustrationen der Frontispize der Erstausgabe stammen von dem begabten Jost Amman, der später noch weitere Indianerbilder für Hans Weigels Habitus praecipuorum populorum, Nürnberg 1577 schaffen wird.12 Sie zeigen Typen von Bewohnern fremder Länder und stehen in der Tradition der Weltkreis-Allegorien. Der Text selbst ist außer einer Schlussvignette nicht illustriert. Welches Manuskript Feyerabend für seine Edition benutzte, ist nicht bekannt, es handelte sich wohl um keines der uns bekannten. Seine Edition enthält ebenso wie die spätere Ausgabe von Bry zahlreiche kleinere Eingriffe in den Text, die aber eher durch die Druckersprache und die jeweiligen Dialektunterschiede als durch die Manuskripttradition bedingt sind. Wenig gibt es inhaltlich zur Bryschen Fassung von Schmidels Buch zu sagen. Der deutsche Text der Bry-Ausgabe von 1597 ist ein bis in die Dankesformel am Textende hinein identischer Nachdruck seiner Vorlage, der Erstedition von 1567 (Bokor 1987, S. 85). Einzige Neuheit ist entsprechend den anderen Bänden von Brys Sammlung die Unterteilung des Texts in 33 Kapitel, die erstmals beigefügte, aber im Vergleich zu anderen Bry-Bänden eher

58

11

Vgl. auch die Zitate beider Stellen bei Huffines (1971, S. 100/101). In der Fassung von 1602, S.60 fehlt die Terenz-Anspielung ebenfalls.

12

Zu dem Werk Habitus praecipuorum populorum und dem Einfluss seines Bildmaterials auf Lérys Histoire d’un voyage fait en la terre du Bresil (1578) vgl. Obermeier (2000a), S.47-50.

spärliche Bebilderung des Hauptteils und das parallele Erscheinen einer lateinischen Übersetzung 1599 entsprechend den anderen Bänden der Sammlung. Der Frontispiz ist -natürlich mit Ausnahme der Textkartusche in der Mitte- mit dem Titelkupfer des dritten Teils der Bryschen Sammlung, wo Stadens Text zusammen mit einer Übersetzung Lérys veröffentlicht wurde (lateinisch 1592, deutsch 1593), identisch: Er zeigt zwei brasilianische Kannibalen in den Nischen 14 13 zu Seiten der Kartusche, oben am Giebel zwei ein maraca anbetende Indianer . Die drei für Schmidels Text von Bry neuerstellten Illustrationen entsprechen dem Stil der anderen Illustrationen der Brys, eine zeigt die von Schmidel referierte Episode, wie die Europäer während einer Hungersnot in Buenos Aires am Galgen hingerichtete Landsleute verspeisen. Die Schmidel-Ausgaben von Hulsius (dt. und lat. erstmals 1599) haben eine große Bedeutung für die weitere Rezeption des Texts gehabt. Hulsius hat eine mit in den Text integrierten Anmerkungen und nicht immer zu mehr Klarheit beitragenden Verbesserungen geographischer Begriffe versehene Ausgabe herausgegeben, den Text durch Unterteilung in eine größere Anzahl von Kapiteln als bei den Brys noch lesbarer gemacht, eine neue lateinische Übersetzung besorgt und durch seine billige Kleinquartausgabe viel für die Verfügbarkeit des Texts getan. Daneben enthält seine Ausgabe mehr Illustrationen als die vorherigen Ausgaben des Werks, einige davon offenkundig auf die Bryschen Bilder auch anderer Teile der berühmten Sammlung zurückgehend. Hulsius’ Illustrationen von Schmidels Werk bebildern das Werk erstmals angemessen in allen seinen Aspekten, sowohl im geographischen Teil (eine Karte ist beigegeben) als auch in historiographischer und in anthropologischer Hinsicht. In diesen von unbekannter Hand erstellten Illustrationen, finden sich auch einige Indianerdarstellungen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass diese Illustrationen, wie Hulsius selbst behauptet, auf Vorlagen eines Manuskripts zurückgehen, Manuskripte waren damals nur bei Luxusausgaben bebildert, zudem entsprechen die Kupferstiche dem Stil nach den anderen Bänden von Hulsius’ Reisesammlung und konnten nach den Angaben des Buchs problemlos erstellt werden. Der explizite Verweis von Hulsius (1602, Vorwort, unpag. Blatt 1), dass ihm ein bebildertes Manuskript vorgelegen habe, das er für das Original hielt, ist sicher eine der üblichen Beglaubigungsstrategien. Der von

13

Die maraca ist eine aus getrockneten Früchten hergestellte Rassel, die bei schamanistischen Ritualen der Tupi verwendet wurde.

14

Zur ikonographischen und künstlerischen Bewertung dieses Stichs im Kontext der ersten Kannibalismusdarstellungen der Neuen Welt, die eine schon in frühen Mandeville-Drucken nachweisbare Tradition aufgreifen, vgl. Obermeier (2000a, S.21-28), passim, zu dem Titelkupfer dort S.83-85.

59

ihm zugrundegelegte Text ist auf jeden Fall nicht mit dem autographen Stuttgarter Manuskript identisch. Der inhaltlich-stilistische Vergleich der Manuskriptversionen und der ersten gedruckten Fassung mit Hulsius’ Hinzufügungen ist auch im Hinblick auf die Genreentwicklung von Bedeutung. Wie in den späteren Ausgaben von Lérys Histoire d’un voyage fait en la terre du Bresil, erstmals [Genf] 1578, hat Hulsius hier im Sinne editorischer Sorgfalt und inhaltlicher Genauigkeit den Vergleich mit anderer zeitgenössischer Literatur geliefert. Diese in den Text integrierten editorischen Fußnoten, bei Hulsius immer auch als solche gekennzeichnet, deuten wie Lérys in späteren Auflagen hinzugefügte Digressionen auf ein stärkeres objektiv wissenschaftliches Interesse an den naturkundlichen und geographischen Angaben der Reiseliteratur hin. Im Unterschied zu Léry ist es allerdings nicht der Autor selbst, der die entsprechende aktuelle Amerika-Literatur verarbeitet, sondern der Herausgeber, der Parallelen zu Acosta und Lopez de Gómara aufzeigt. Schmidel war zu diesem Zeitpunkt schon längst gestorben, er hat nach seinem schon erwähnten Testament wohl selbst Bücher besessen, erwähnt aber sein eigenes Werk explizit nicht. Es war für ihn wohl eine Art Erinnerungsbuch, aber nicht im persönlichen Sinne, sondern, wie seine Urteile über das historische Geschehen deutlich zeigen, ein Memorial über die historischen Ereignisse der Eroberung und Erschließung einer gänzlich unbekannten Gegend, deren Augenzeuge er gewesen ist. Der Aspekt des Wahrhaftigen im Titel seines Buchs verknüpft sich mit dem des Denkwürdigen, auch wenn dieses für ihn nur überindividuell-historisch war. Schmidel hat die Tragweite der von ihm erlebten Ereignisse wohl zumindest ansatzweise erahnt, das Buch ist sicher auch für Leser konzipiert, die zahlreichen Vergleiche mit europäischen Objekten, Bergen (der Bogenberg, ein Wallfahrtsort seiner Straubinger Heimat, 1602, S.29) oder Flüssen (die Donau, 1602, S.69) bezeugen dies im Text. Für die Verbreitung des Werks genügte dem Autor eine Weitergabe als Manuskript für den zu erwartenden beschränkten Interessentenkreis durchaus. Dies zeigt sich auch an der Publikation erst 1567 und nicht gleich nach der Rückkehr des Autors aus Südamerika wie bei Staden (Erstausgabe Marburg 1557). Entstanden ist das Buch ja, wie wir aus den schon dargelegten Indizien wissen, wohl unmittelbar nach der Rückkehr. Schmidel hätte problemlos, auch wenn er kein Schriftsteller war, durch seine Kontakte zu Nürnberger oder Augsburger Handelsleuten auch einen Buchdrucker finden könnte, der ihm das Manuskript gedruckt hätte. Besonders in Augsburg sind zu Beginn des 16. Jhts. viele Americana in deutscher Übersetzung erschienen. Auch Staden gelang es, einen Drucker zu finden, und Schmidel hätte als Protestant sicher auch einen Pastor oder sonstigen Gelehrten gekannt, der entsprechende nötige Vorworte verfasst 60

hätte, wie dies Johannes Dryander für Stadens Werk getan hat. Aus zufällig erhaltenen Dokumenten15 wissen wir, dass er beispielsweise den Regensburger Theologen Nikolaus Gallus kannte, der selbst zahlreiche theologische Titel verfasst hat und entsprechende Kontakte zum Druckgewerbe sicher gehabt hat.

Die Entstehungsgeschichte von Schmidels Werk und ein Vergleich mit anderen deutschen Südamerikareiseberichten der Zeit Schmidels Buch wurde erst 1567 veröffentlicht und enthält keine genauen Angaben über den Entstehungszeitraum. Auch ein Motiv für die Abfassung des Werks wird nicht genannt. Eine der Hauptfragen für die Vorgeschichte ist natürlich, ob Schmidel schon in Südamerika Notizen über seine Erlebnisse verfasst hat oder erst in Deutschland damit begonnen hat. Wahrscheinlich griff Schmidel auf Angaben in einer knappen persönlichen Agenda mit Entfernungen und Stammesnamen zurück, so die Thesen von Pistilli (1987, S.68) Kirbus (1984, S.108-110) und Classen (1993, S.257), vielleicht auch auf Briefe, die er nach Europa schrieb (Friedrich 1997a). Die Abfassung einer Chronik in Südamerika, etwa analog derjenigen Federmanns, ist wohl angesichts von Schmidels Stellung als untergeordneter Soldat unwahrscheinlich. Am auf uns gekommenen Buch ist dennoch das Bemühen um literarische Gestaltung ersichtlich. Friedrich (1997a, S.97) hat auch die Vermutung aufgestellt, dass die Befragungen durch die Augsburger Handelsherren bei Schmidel den Anstoß für die Niederschrift seiner Erlebnisse gegeben haben könnten. Foster (1991, S.77) zufolge haben die Handelsleute auch die Veröffentlichung des Buchs angeregt, der Interpret spricht sogar von einer “ German, Protestant, mercantile publication of Schmidel’s document”. Da wir hier angesichts der Quellenlage ohnehin auf Vermutungen angewiesen sind, können wir die Frage nicht entscheiden. Angesichts der Seltenheit von Rückkehrern aus Amerika war sicher Interesse von mehreren Seiten gegeben, wobei die Kaufleute eher an praktischen Hinweisen wie Wegrouten und Handelsprodukten interessiert gewesen sein dürften und diese Informationen eher der Geheimhaltung als der Publikation bedurft hätten. Hierfür reichte ein Manuskript, das in interessierten Kreisen zirkulierte. Wir wissen auch nicht, ob die 15

Vgl. einen Brief des Straubinger Bürgermeisters Leonhard Schwartz an Nikolaus Gallus in Regensburg vom 02.05.1562, der laut Text von Schmidel überbracht wurde, in: Friedrich (1984, S.175).

61

editio princeps von Feyerabend auf Schmidels Anraten oder zumindest mit seiner Billigung publiziert wurde, wahrscheinlich ist das nicht angesichts der Tatsache, dass mehrere Manuskripte Schmidels zirkulierten und Feyerabend ein solches wohl ohne Rücksprache mit dem Autor erst dann publizierte, als er thematisch einschlägige Literatur für seine durch neue Texte erweiterte Bearbeitung von Francks Weltbuch suchte. Es handelte sich also um eine ad hoc entschiedene Publikation bei passender Gelegenheit. Hätte Schmidel von der Publikation gewusst, hätte er wie Staden und viele andere Autoren der Zeit zumindest eine kurze Leseransprache oder eine Widmung hinzugefügt. Die Manuskripte selbst liefern über die Entstehungsgeschichte des Buchs nur wenig Informationen. Zumindest wissen wir aus Randnotizen in der Stuttgarter Handschrift, dass der Autor Teile seines Berichts auch nach Antwerpen geschickt hat: “ Nach Annttorff geschrieben 3mal 12 tag 19 juny vnd den 4 tag july april” (Friedrich 1997a, S.97, nach Schmidel, hsrg. Mondschein 1893, Vorwort unpag. 16 Blatt 1). Dies kann aber durchaus auch parallel zur Abfassung des Manuskripts geschehen sein und muss nicht unbedingt darauf hindeuten, wie Friedrich (1997a) meint, dass Schmidel seine aus Südamerika geschriebenen eigenen Briefe nach Antwerpen zur Abfassung des Buchs heranzog. Es lag ja nahe, dass Schmidel von seinem in 20 Jahren erworbenen Wissen auch die an der La Plata-Gegend interessierten Handelshäuser teilhaben lassen wollte. Immerhin war er ja auf einem Schiff zweier Nürnberger Kaufleute nach Südamerika gereist. Sein Wissen um die Infrastruktur der Gegend, die besten Verbindungswege zwischen den einzelnen Orten und mögliche interessante Handelsgüter waren für die Kaufleute von großem Wert. Zudem hat Schmidel wohl auch andere persönliche Mitteilungen von Deutschen an ihre Freunde und Verwandten abgeliefert. Bis heute sind jedenfalls keine Briefe von Schmidel oder andere Zeugnisse des Autors über sein Buch aufgefunden, sie müssen als verschollen gelten und enthielten wohl sehr viel weniger Informationen als das Buch, das doch von Inhalt, chronologischer Abfolge der Ereignisse, Einschüben über die Indianer etc. her als Einheit konzipiert ist. Wie solche Briefe ausgesehen haben, kann man sich sehr gut im Vergleich zum damals publizierten Brief des Philipp von Hutten (1505-1546) über seinen Venezuelaaufenthalt vorstellen. Dieser 1550 anonym veröffentlichte Brief Huttens (Neuausgabe zusammen mit einigen anderen erhaltenen Briefen Huttens aus Venezuela 1999) beschränkt sich auf eine chronologische Abfolge der Entrada, bringt kaum Digressionen z.B. über die Indianer und bestellt in einem kleinen Postskriptum Grüsse an Verwandte und 16

62

Bokor (1997, S.80) hat irrtümlich aus dieser Noti z den Schluss gezogen, das Manuskript sei zwischen dem 19. Juni und 04. Juli 1554 entstanden.

Freunde. Huttens Briefe wurden wohl ohne sein Zutun als Kuriosa veröffentlicht, seine Briefe waren aber für eine Lektüre zumindest im engeren Familien- und Freundeskreis geschrieben. Der Autor kehrte nicht mehr nach Europa zurück und hatte wohl kein Interesse an einer Publikation. Er wurde 1546 in Venezuela von politischen Gegnern ermordet, es war ihm also nicht mehr vergönnt, bei seiner Rückkehr eine überarbeitete Fassung seiner Berichte zu veröffentlichen, selbst wenn er dies beabsichtigt hätte. Der andere deutschsprachige Südamerikareisebericht über Venezuela, Nicolaus Federmanns (ca. 1505-1542) Indianische Historia von 1557, der erst lange nach dem Tod des Autors von einem Verwandten veröffentlicht wurde, bringt eine rein historiographische Chronik, deren genaueste Beschreibungen mit zahlreichen Daten der berichteten Expedition sicher auf ein von Federmann vor Ort geführtes bzw. diktiertes Journal zurückgingen. Federmann befand sich ja in einer an Deutsche, das Handelshaus der Welser, verpachteten Kolonie und als Befehlshaber in einer herausgehobenen Position, dies machte gegenüber den spanischen Institutionen in Santo Domingo und dem Indienrat in Sevilla einen genauen Bericht über seine Aktivitäten in der Kolonie notwendig. Er schreibt auch explizit in seinem Buch, dass dies erwartet wurde17. Grund für die Ausarbeitung dieser Notizen als Buch war zudem die Tatsache, dass sich Federmann bei seiner Rückkehr nach Europa für die eigenmächtig unternommene Expedition gegenüber den Welsern zu rechtfertigen hatte. Federmanns Bericht zeigt in seiner Detailliertheit im übrigen recht schön, wie in Vergleich zu Schmidels geraffter Darstellung oft mehrmonatiger Entradas in kurzen Kapiteln ein solcher Bericht über Expeditionen ausgesehen hätte, würde er, wie dies bei Federmanns Text der Fall war, auf unterwegs mit Hilfe eines „Nottario Scribano publico“ (Federmann 1557, Blatt P iii) erstellten Notizen beruhen. Die Differenzen zwischen einer für den Zeitkontext ausreichend um ethnographische und anthropologische Informationen erweiterten Darstellung bei Schmidel und dem trockenen Rechenschaftsbericht des Eroberers Federmann sprechen für sich. Allerdings bleibt Schmidels Buch im rein historiographischen Bereich und verzichtet wie Hans Stadens erbaulicher Text auf eine persönliche Gestaltung seines Erlebens im Sinne der Erbauungsliteratur, die Stadens Text zu einem Sonderfall in der damaligen Amerikaliteratur macht.

17

“Dann solches alles zuthun, und Kay: May: von allem und yedem, das in den Indianer wirt außgericht, glaubwirdigen bericht zu geben, ist in allen Indianischen Landen Ihrer Kay: May: bevelch und ordnung, das habe ich hiemit, doch auff s kürtzest nach dem buchstaben verteütscht, und doch darneben etwa mit umbstenden ettlicher dinger, mer zu decleriern nit umbgen künden, dann auch solche Relation inn Hispanischer sprach, an ort geschriben [...]” 1557, Blatt P iii, recto und verso Federmann spielt in der Folge des Zitats auf eine Bearbeitung des spanischen Originals für deutsche Leser an, was sich neben der Übersetzung aber auf einige Erklärungen spanischer und indianischer Ausd rücke beschränkt haben dürfte.

63

Bedeutung des Werks von Schmidel Die historische Bedeutung von Schmidels Werk wird heute anerkannt, nachdem Probleme mit dem Kalender (hierzu Pistilli 1980) und die Angaben von Schmidel zur Gründung von Asunción durch Juan de Ayolas statt Juan de Salazar wie historisch richtig das Urteil der Historiker lange Zeit beeinträchtigt haben. Anfang des Jahrhunderts kam es sogar zu einer kleinen publizistischen Polemik in Paraguay über die Qualität von Schmidels Werk.18 Pistilli (1987, bes. S.13ff) geht davon aus, dass zweimal Städte mit dem Namen Asunción gegründet wurden. Die erste, von Schmidel (1602, S. 26ff) beschriebene Gründung in der Nähe der gerade von den Europäern eroberten Indianersiedlung Lambaré durch Juan de Ayolas am 11. Januar 1537 (früherer anderer Termin im Heiligenkalender für die Feier von Maria Himmelfahrt), die nur kurzzeitig bestand, und die heutige Hauptstadt, die von Salazar am 15.08.1537 gegründet wurde. Die geringe narrative Prägung der Historiographie Schmidels ist in der Sekundärliteratur ausführlich behandelt worden. Dies ist allerdings ein gemeinsames Merkmal fast aller frühen Entdeckungsberichte und auch in der 19 historiographischen Ausrichtung des Genres Reisebericht begründet. Classen (1993, S.254) schreibt: “ Schmidel saw himself more as a chronicler or reporter than as a writer of a fictional text”. Classen erwähnt auch den Wechsel des Erzählers von der ersten Person Singular im ersten Kapitel zur ersten Person Plural im Hauptteil des Buchs und wieder zurück zur ersten Person Singular im Kapitel 51, wo Schmidel beschreibt, wie er den Brief seines Bruders erhält. Sein persönliches Schicksal, etwa eine schwere Krankheit in Kapitel 40 (1602, S.62), erwähnt Schmidel getreu dem Objektivitätsgebot der Historiographie nur am Rande und an dieser Stelle auch nur deshalb, weil er die schweren Lebensverhältnisse und häufigen Todesfälle unter den Kolonisten anführt (Classen, l.c.). Literarisch ist vor allem Schmidels sachlich objektiver Stil auffallend, der auf die

64

18

Manuel Domínguez, Historiker, Politiker, Schrifts teller aus Paraguay (1869-1935) und Verfasser nationaler chauvinistischer Literatur, hat sich insbesondere mit der Gründung von Asunción anhand aller verfügbaren Quellen beschäftigt (1918, S.201-266). Er bewies überzeugend anhand der Quellen, dass Salazar der Gründer der Stadt war. Auf den SchmidelText ging Domínguez in der Publikation von 1918 gar nicht ein. Er hatte ihn schon in einem Aufsatz von 1897 (abgedruckt in Domínguez 1956, S.93-110), als unglaubwürdig hingestellt. Das Zeugnis von Schmidel, der ja von einer Gründung durch Ayolas spricht, war in diesem Kontext natürlich eine abweichende Stimme, also musste er notwendigerweise dessen Wahrheit in Frage stellen. Gondra (1871-1927) hat diese einseitige Sicht Schmidels durch Domínguez in einem um 1900 entstandenen Aufsatz (1942, S.155-190) kritisiert.

19

Vgl. zur Entwicklung der narratio und descriptio in Reiseberichten des 16. Jahrhunderts Obermeier (1995, S.10-22 und S.215-227).

Textintention zurückgeführt werden kann. Schmidel wollte eine objektive Chronik liefern, also eine Historia im historiographischen Sinne, er erlaubt sich persönliche Wertungen des Vorgefallenen; allerdings stellt er diese seine Bewertung an den Schluss des jeweiligen Kapitels (z.B. seine Verurteilung der Beseitigung des beliebten Hauptmanns Osorio, 1602, S.6) oder die Charakterisierung eines guten militärischen Leiters vor dem Kapitel über die Absetzung von Cabeza de Vaca (1602, S.60), um dem Objektivitätsanspruch des Hauptteils gerecht zu werden. Er vermeidet den Text durchziehende Polemik, sein Bemühen geht in Richtung einer Faktenschilderung und sein Lakonismus ist die stilistische Entsprechung dieses gänzlichen Verzichts auf “ ornatus” und Ausschmückung des Geschilderten. Diese stilistische Entscheidung ist sicher bewusst getroffen worden, der Vorbildcharakter mündlicher Schilderungen und Befragungen bei einzelnen Elementen wie den Indianerbeschreibungen ist sicher gegeben. Schmidel, der kein Schriftsteller war, hätte angesichts seiner geringen literarischen Bildung auch keinen subjektiven Reisebericht schreiben können, er wollte es aber sicher auch nicht, weil er persönliche Erlebnisse nur in Ausnahmefällen bringt, beispielsweise wenn sie eine historische Situation charakterisieren. Die anderen Elemente, die nicht in diesen historiographischen Kontext fallen, wie z.B. das Kapitel über die Amazonen, der Bericht über eine gigantische Schlange (in der Handschrift in Schmidels Schrift eingefügte Seite im Stuttgarter Autograph! S. 101 v. bis) oder der Ritt auf dem Lama sind wohl auf Anregung von außen hinzugefügt worden. Die ersten Hörer seiner Geschichten oder die Leser seines Manuskripts erwarteten nach ihrer Vorbildung einige solcher Mirabilia und naturkundliche Kuriosa, und so hat Schmidel wohl einige dieser nebensächlichen Episoden eingeflochten (die Schlange, der wahrscheinlich nur sehr kurze Ritt auf einem Lama), um diesem Leserinteresse gerecht zu werden. Bezeichnend ist es wieder, dass diese Episoden, denen Schmidel auch keine große Aufmerksamkeit widmet, von dem Herausgeber Hulsius durch die Illustrationen groß hervorgehoben werden (der Ritt auf dem Lama ist gar auf dem Titelblatt dargestellt!), sicher um das Interesse der Käufer an unterhaltender und sensationeller Reiseliteratur zu wecken. Angesichts der historiographischen Ausrichtung seines Buchs ist es nicht verwunderlich, dass ein persönliches Urteil über seinen langjährigen Südamerikaaufenthalt gänzlich fehlt, dies ist aber im Kontext der Historiographie auch nicht vorgesehen. Bei Staden war dieses Urteil durch das ständige Streben nach dem Schutz vor dem Fremden und die Rückkehr zum Eigenen gleichsam implizit in den Text integriert, Léry bringt in seinem Reisebericht zumindest retrospektiv aus der Sicht der Erinnerung das Bedauern über die Schönheiten des fremden Landes. Bei Schmidel wissen wir nur aus einem zufällig erhaltenen noch zu erwähnenden Brief65

regest, dass er die freien Lebensformen der Neuen Welt durchaus geschätzt hat und nicht nur zur materiellen Sicherung seines Lebensunterhalts gerne nach Südamerika zu seinen Kindern zurückgekehrt wäre. Davon hat er aber an keiner Stelle seines Buchs gesprochen, das für Europäer geschrieben war, die Interesse an dem historiographischen Bericht und nicht am persönlichen Schicksal des Autors hatten.

Indianerbeschreibungen

Schmidels grosse Schlangen (ed. Cramer, Leipzig 1926)

Schmidels Bericht weist zwei inhaltliche Elemente auf, die für die zeitgenössische Reiseliteratur charakteristisch sind: die Chronik und den mit heutigen Begriffen gesagt ethnologischen Teil. Der Chronikcharakter ist für den Leser beim ersten Blick ins Auge fallend. Er dominiert in der Struktur des Werks, die Ereignisse werden in der historischen Abfolge geschildert, auch die kurzen ethnologischen Einschübe sind untergeordnet und finden sich an der Stelle des Werks, wo der Erzähler Schmidel den ersten Kontakt mit den jeweiligen Indianerstämmen beschreibt. Diese Digressionen sind damit die Alternative zu einem abgegrenzten eigenen zweiten ethnologischen Teil, den Staden vorgelegt hat (das 2.Buch in seiner Terminologie). Schmidel beschränkt sich dabei auf einige wesentliche Merkmale. Die Stereo66

typie seiner Beschreibungen legt nahe, dass er sich ein festes Schema bereitgelegt hatte, nach dem er die Indianer einordnet. Insbesondere die auch von Schmidel gebrachten Urteile über Schönheit und geraden Wuchs der Indianer finden sich in zahlreichen Reiseberichten der Epoche und sollen wohl Klischeevorstellungen in der Tradition des mittelalterlichen Wilden Mannes mit behaartem Körper und aggressivem Aussehen widerlegen. Die Bekleidung gehört sicherlich zur äußeren Erscheinung der Indianer, die Rekurrenz des Themas lässt sich durch den Widerspruch zum Bibelbericht (Genesis Kap. 3,7) erklären. Schmidel thematisiert aber diesen insbesondere vor theologischem Hintergrund heiklen Gegensatz zur Schamhaftigkeit nach dem Sündenfall nicht. Schmidels Indianerbeschreibungen sind wie bei seinem Zeitgenossen Alvar Nuñez, der als Rechtfertigung für seine Tätigkeit als Adelantado in Paraguay, nachdem er von einem Aufstand seiner untergebenen Soldaten vertrieben und in Spanien vor Gericht gestellt wurde, im Jahre 1555 seine Comentarios (zusammen mit den bereits 1542 veröffentlichten Naufragios über seine Zeit in Neumexiko) veröffentlichte, aber wohl ohne direkte Kenntnis dieses Vorbilds als kleine Digressionen in den Text eingefügt und sollen kurze Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Stämmen liefern. Die kurzen Einschübe beginnen meist mit der Beschreibung des Äußeren der Indianer: der in Südamerika typische Lippenschmuck, der Körperwuchs und die Schönheit, die manchmal verneint wird. Als nächstes wird der Grad der Bekleidung analysiert, insbesondere die Bedeckung der Geschlechtsteile. Es folgen Ausführungen zu den Nahrungsgewohnheiten sowie zu der Anzahl der Stammesmitglieder. Dann einige verschiedene Bemerkungen zu den Sitten der Indianer. Die Aussagen über die Nahrung hatten neben dem rein informativen Wert wohl für die Kolonisten die Funktion, die Schwierigkeiten des eigenen Überlebens bei den Indianern durch die je nach eigener Lage des Stammes dargebrachten Abgaben von Nahrungsmitteln zu dokumentieren. Der Rest der Informationen lässt sich grob unter dem Gesichtspunkt Sitten der Indianer, materielle Kultur und militärisch relevante Informationen zusammenfassen. Natürlich hatte die Stärke eines Stammes insbesondere bei verfeindeten Indianern für den Landsknecht eine wesentliche Bedeutung, ebenso wie die Stärke der als Unterstützung eigener Kräfte eingesetzten indianischen Hilfstruppen bei den Carios. Manche der Angaben Schmidels mögen zwar wie in Cabeza de Vacas Buch kontingent sein, aber das Auftauchen einiger rekurrenter Motive wie das Äußere und die Nacktheit deuten auf ein festgelegtes Beschreibungsschema hin, das entsprechend der Taxonomie und moralischen Einschätzung der Zeit die Einordnung der Indianer in ein festes Schema ermöglichte. Die Bekleidung und die damit 67

verbundene Schamhaftigkeit können im Sinne der Kongruenz bzw. Differenz zum Bibelbericht als Zeichen für die höhere “ Kultiviertheit” im Vergleich zu gänzlich nackt lebenden Völkern angesehen werden. Hat nun Schmidel sich dieses Schema vor dem Zeithintergrund selbst ausgedacht oder einen ihm etwa durch Antwerpener Kaufleute vorgegebenen Fragenkatalog auf die Indianer angewandt? Es gab ja beispielsweise solche Fragenkataloge, die vom spanischen Hof den Adelantados oder anderen Expeditionsleitern mitgegeben wurden.20 Diese Fragenkataloge sind allerdings sehr umfangreich und wurden wohl in den wenigsten Fällen systematisch beantwortet. Sie stellen eher einen Maximalkatalog dessen dar, was der spanischen Verwaltung beachtenswert erschien. Schmidel bringt nur einige wesentliche, aber charakteristische Merkmale der Fremdkultur, die ihn im persönlichen Kontakt direkt interessierten. Wurde dieser Beschreibungskatalog erst anlässlich der Abfassung des Buchs entwickelt, oder überträgt Schmidel hier ausgearbeitete zeitgenössische Kriterienkataloge, die analog auch Cabeza de Vaca verwendet hat, auf die Indianer, mit denen er im Laufe seines Südamerika-Aufenthalts Kontakt gehabt hat? Schmidels Absicht lag dabei sicher nicht in der theoretischen Erfassung indianischer Kultur oder in einer moralisch-wertenden Schematisierung, wie sie beispielsweise sein Zeitgenosse, der Jesuit José de Acosta (154021 1600), auf die Völker Mittel- und Südamerikas angewandt hat. In Acostas Sicht spielen insbesondere die Kenntnis der Schrift und die Sesshaftigkeit eine erhebliche Rolle. Schmidels Beschreibungen haben allein die Absicht, ein möglichst einfaches und für den Leser auch durchschaubares Schema auf die Indianer anzuwenden, um die Stämme einer gleichen Kulturstufe durch differentielle Merkmale zumindest rudimentär zu charakterisieren. Moralische Wertungen knüpft er an keine dieser Beschreibungen, auch nicht als er über die sexuelle Freizügigkeit der Indianerfrauen spricht, die sich die Europäer -wie er offen zugibt- auch zunutze machten. Insbesondere die Sexualität der Indianer ist ein aus moralischer Sicht immer wieder kritisierter Punkt der damaligen Reiseliteratur, besonders der von Theologen geschriebenen, dieser Vorwurf findet sich aber bei Schmidel überhaupt nicht. Auch die nicht nur bildlich gemeinte Verteufelung der Indianer, Berichte über die Herrschaft des Teufels oder seine Erscheinungen in Amerika, alles die Standardbewertung nichtchristli-

68

20

Drei recht umfangreiche derartige Fragenkataloge wurden veröffentlicht in: Documentos históricos y geográficos relativos a la conquista y colo nización, hrsg. von José Torre Revello, Argentina, Comisión Oficial del IV Centenario de la Primera Fundación de Buenos Aires, 5 Bde: davon, Bd. 1.: Memorias y relaciones históricas y geográficas, S.3-46, eines davon ist undatiert, aber aus dem 16. Jahrhundert, die beiden anderen sind von 1573 und 1577.

21

Acosta, José: De natura Novi Orbis libri duo, et de promulgatione evangelii, apud barbaros, sive de procuranda Indorum salute libri sex, Salamanca: G. Fouquet 1588 (Neuauflage in 2 Bänden, spanisch/lat., 1985/1987).

cher Völker bei theologischen Autoren der Zeit, die auch in Illustrationen dargestellt wird (vgl. hierzu Obermeier 2000a, SS.98-102), finden sich bei Schmidel an keiner Stelle. Ihn interessiert als Landsknecht nur die Zuverlässigkeit der Indianer als Verbündete und damit zusammenhängend ihr zumindest teilweise zu Verrat und Intrige neigender Charakter, wobei Schmidel immerhin so ehrlich ist, zuzugeben, dass einige der indianischen Aufstände durchaus auch auf moralisches Fehlverhalten der Europäer ihnen gegenüber zurückzuführen sind. Im Vergleich zu den Themen, die andere gebildete Reiseschriftsteller üblicherweise abgehandelt haben, fehlt der Teil über die Religion gänzlich, die Sozialstrukturen werden von Schmidel nur am Rand behandelt, etwa wenn er von den Oberen oder Königen spricht. Ein weiteres oft zur abschätzigen Bewertung der Indiokultur herangezogenes Kriterium, das Inzestverbot, das seit Vespucci in den Beschreibungen der Südamerikaner als Stereotyp auftaucht, wird nicht behandelt, es klingt etwas bei der Beschreibung der Carios an, die wahllos ihre Familienmitglieder verkaufen (1602, S. 23). Kannibalismusschilderungen, seit Vespucci und in der deutschen Tradition besonders durch Staden (1557) ein rekurrenter und auch häufig illustrierter Bestandteil insbesondere der Brasilienberichte, sind nur am Rande erwähnt, bei den Carios (1602, S. 23) und den brasilianischen Tupi (“ Toupin”), durch deren Land Schmidel während seines Zugs von Asunción nach São Vicente kommt (1602, S. 94). Die seit Herodot üblicherweise abgehandelten Kategorien bei den Beschreibungen der Fremdkultur sind damit bei Schmidel nur selektiv berücksichtigt, beispielsweise fehlen auch detaillierte Aussagen über die Begräbnissitten, die wir von Thevet (1557/58), Léry (1578) und Staden kennen. Die naturkundlichen Aussagen sind wie bei Staden knapp und zumeist im Zusammenhang mit der Eßbarkeit der Tiere gesehen, ein Merkmal, das sich allerdings auch bei Léry häufig findet, der seine detaillierten Kenntnisse über die Tierwelt wohl dem Wissen der lange in Brasilien lebenden Übersetzer, den “ truchements”22, verdankt. Allein bei der Beschreibung der Amazonen (Kap. 37, S. 53-56) hat Schmidel einem zeitgenössischen Mythos in seinem Buch Raum gegeben, das Thema hat er aber auch nur deshalb eingefügt, da die Suche nach den Amazonen auch das Motiv für eine Expedition war. Er findet sich auch in einem anderen Quellentext der Zeit. Hernando de Ribera, Übersetzer, der schon vor der Mendoza-Expedition in Brasilien auf der Insel Santa Caterina ansässig war und sich den Spaniern anschloss (dies bezeugt Díaz de Guzman, 1986 [1612], S.125), beschreibt sie wie 22

Zur Bedeutung der Übersetzer, französisch truchements (aus einem arabischen Begriff entlehnt), portugiesisch línguas, span. interpretes vgl. anhand zeitgenössischer Dokumente zu Maranhão Obermeier (1998) und in Bezug auf die La-Plata-Gegend das Buch von Arnaud (1950).

69

Schmidel in einem Bericht über die Entrada vom 03.03.1545, dieselbe, an der auch Schmidel beteiligt war und bei der die Spanier die geheimnisvollen Nachrichten über die Amazonen erhielten (Hernando de Ribera, veröffentlicht schon in der Erstausgabe als Anhang zu: Alvar Nuñez Cabeza de Vaca, 1985, S.230). Schmidel hat den Mythos also nicht gänzlich erfunden, sondern die Europäer stießen bei ihren Expeditionen in der Tat auf derartige indianische Erzählungen, die sie nach ihrer Vorbildung in die antike Begrifflichkeit der Amazonen fassten. Dieser Mythos wurde aber ähnlich wie der von El Dorado oder der Sierra de la Plata zu einem konkreten Handlungsmotiv der Conquistadoren. Domínguez (1918, S.100) schreibt recht schön: “ los relatos leyendarios concurrieron a la realización de hechos positivos, empujando las expediciones”. Der Mythos der silber- und goldreichen La Plata-Gegend ist gleichsam als Subtext in Schmidels Buch und den Briefen Iralas immer vorhanden, er wird aber nicht explizit kritisch durchleuchtet. Die des öfteren erwähnten Goldgeschenke der Indianer und das Nachfragen der Europäer, welche benachbarten Völker denn Gold hätten, lassen das Thema ohnehin immer präsent sein. Vermutlich ist Schmidel sowohl mit einigen Informationen über die neue Welt nach Südamerika gereist als auch mit Ratschlägen, worauf er denn bei seinen Beobachtungen achtgeben sollte; den “ Fragenkatalog” hat er sich wohl nach seiner Rückkehr anhand der Gespräche zu Hause, vielleicht auch auf Anraten zeitgenössischer Gebildeter erarbeitet und auf die Beschreibungen in seinem Buch angewandt. Die Schamhaftigkeit und Bekleidung der Indianer gehören zu einem solchen tradierten Merkmal der Reiseliteratur, das Schmidel als Kuriosum sicher erwähnt hätte, aber hier muss nicht unbedingt die eigene Lektüre der zeitgenössischen Literatur Schmidel inhaltlich angeregt haben. Cabeza de Vaca bringt sicher ohne Kenntnis Schmidels ähnliche Selektionskriterien. Möglicherweise hat einer seiner ersten Zuhörer oder Leser Schmidel auf die theologische Bedeutung seiner Beobachtungen hingewiesen, oder die Geistlichen der Kolonie haben dieses Thema des öfteren in ihren Predigten angesprochen. Dies könnte die durchgehende Behandlung des Themenbereichs bei allen Stämmen veranlasst haben. Bei diesem Punkt entsteht des öfteren der Eindruck, dass Schmidel bei seinen Beschreibungen ein festgelegtes Pflichtprogramm abhandelt. Vielleicht liegen auch einige rudimentäre Notizen und Gedächtnisstützen Schmidels diesen standardisierten Beschreibungen zugrunde. Insbesondere die Angaben zu militärischer Stärke der Indianer, zu ihrer Bevölkerungszahl und ihrem ungefähren Siedlungsgebiet dürften schon in der Neuen Welt schriftlich fixiert worden sein. Immerhin zeigen Schmidels für einzelne Stämme differenzierte Beschreibungen, dass die Europäer die Indianer nicht mehr als amorphe Masse wahrnahmen wie in der Frühphase der Entdeckungen, sondern die einzelnen Stämme und 70

ihre Kultur durchaus zu unterscheiden vermochten. Dies ist im Vergleich zu den meisten anderen Reiseberichten der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein erheblicher Fortschritt und zeugt von einem intensiveren Kulturkontakt. Hätte Schmidel einen besseren Bildungsstand besessen, hätte er sich wohl an die Tradition der antiken Länder- und Kulturbeschreibungen angeglichen; dies war aber auch nicht seine Absicht. Er wollte keine Cosmographia schreiben, sondern eine Historia im Sinne einer historiographischen Chronik. Welche Texte der Reiseliteratur Schmidel gekannt hat, ist nicht mehr feststellbar, die Anspielungen auf Acosta, López de Gómara und andere sind Zugaben von Hulsius. Zu der Zeit, als er sein Buch verfasste, standen in Europa nur sehr wenige Texte über Südamerika zur Verfügung. Der am meisten differenzierte Text, Stadens Brasilienbericht, erschien 1557, verfolgt aber durch seine erbaulich-narrative und ethnographische Zielrichtung ein ganz anderes Konzept als Schmidels Buch. Deutliche Reflexe einer naheliegenden Stadenlektüre sind jedenfalls nicht feststellbar, sie ist aber angesichts des Erfolgs von Stadens Buch und seiner Verankerung im protestantischen Kontext und die dadurch bedingte Nähe zu Schmidels Vita wahrscheinlich, hat sich aber in dem wohl schon 1556 fertiggestellten Manuskript nicht mehr niedergeschlagen. Allenfalls die rudimentären Angaben über den Kannibalismus der brasilianischen Tupi könnten auf Staden zurückgehen, diese Informationen standen Schmidel durch den Zug von Nuñez Cabeza de Vaca, seine eigene Rückkehr über Land an die Küste und die eigenen kurzen Aufenthalte bei der Hinfahrt sowie Kontakte zu Schiffen, die auf dem Weg in die La Plata-Region in Brasilien Zwischenhalt machten, aber ohnedies zur Verfügung. Die Briefe von Philipp von Hutten aus der Welserkolonie in Venezuela wurden schon 1550 ohne Nennung des Autors im Anhang der Berichte über Cortés Eroberungen publiziert, Federmanns Bericht aus Venezuela 1557, beide könnte Schmidel also gekannt haben, es finden sich aber keine Reflexe einer Lektüre. Einzige Parallele ist, dass Hutten an einer Stelle (1999, S.94) ebenfalls von Indianerinnen spricht, die die Scham bedecken. Dieses Selektionskriterium ist allerdings vor dem Hintergrund des kanonischen Schöpfungsberichts zeittypisch und nicht an eine Kenntnis des Texts von Hutten gebunden. Auch die Indianer selbst wurden als Informanten über fremde Stämme herangezogen. Schmidel liefert uns an einer Stelle einen schönen Beleg für die Herkunft einiger seiner eigenen Beschreibungen aus militärischen Erkundigungen. In Asunción lässt der Hauptmann Juan de Ayolas die Carios nach dem Stamm der Piembos befragen, zu denen er wenige Zeit später eine Expedition ausrüstet: “ Also ließ unser Häuptmann Don Eyollas diese Carios fragen, nach einer Nation, die heißt Piembos, da antworteten sie, es were von dieser Statt d’Assumption, biß zu diesen Piembos hundert meil Wegs, und lege am Wasser Parabol auffwarts: Darauff 71

ließ er sie weyter fragen: Ob diese Piembos auch Proviandt hetten, und warvon sie sich enthielten, was es für ein Volck und was ihr Wandel und Thun were. Darauf antworteten sie im hinwider: Diese Piembos hetten kein ander Proviandt, dann Fisch und Fleisch, Item Bochshörnlein oder JohansBrodt, Algorobo genandt, auß welchem sie Meel macheten, und essen dasselbe zu den Fischen, Sie machen auch Wein darauß, der ist gar süß, gleich wie bey uns der Medt.” (1602, S. 28). Diese zufällig überlieferte Stelle, die im narrativen Kontext den Hintergrund für eine in der Folge beschriebene Expedition zu besagten Piembos liefert, zeigt uns, wie ähnlich diese militärisch motivierten Befragungen Schmidels Kriterienkatalog sind. Dies ist sicher nicht zufällig. Schmidel erwähnt beispielsweise explizit das Johannisbrot, als er von der Nahrung der Piembos (Patembos) spricht (1602, S.29). Wir müssen also in diesen Befragungen durch die Soldaten ein direktes Vorbild für die Indianerschilderungen der kurzen descriptio-Einschübe sehen, auch wenn Schmidel dann noch einige persönliche Beobachtungen über die Sitten hinzufügt. Es ist also wahrscheinlich, dass sowohl diese Befragungen als auch persönliche, mehr willkürlich ausgewählte Bemerkungen sowie Anregungen von fremder Seite (Nacktheit als Kriterium für den Zivilisationsstand) als Selektionskriterien in Schmidels Indianerpassagen eingeflossen sind. Schmidel verwendet das zeittypische Vergleichsschema, das außereuropäische Erscheinungen mit europäischen Elementen vergleicht, nur bei geographischen Beobachtungen und Bemerkungen über die materielle Kultur der Indianer, nicht aber bei der moralischen Bewertung der Indianer. Schmidel vergleicht einen Berg mit dem Bogenberg seiner Straubinger Heimat (1602, S.29), einen großen Fluss mit der Donau (1602, S.69; analog übrigens ein Vergleich des aus Ulm stammenden Federmann in seiner Indianische Historia 1557, Blatt L 2 verso) oder die Ruder der Kanus der Indianer mit europäischen Rudern (1602, S.15). Diese Vergleiche sind aber eher sporadisch und nicht nach einer stilistischen Absicht in den Text eingestreut. Bezeichnenderweise stammen sie aus Schmidels näherer Heimat und sind auch für den ersten intendierten Leser als ein Verweis auf die dem Autor wie dem Rezipienten selbst bekannten Gegenden zu sehen. Schmidels Indianerbild lässt sich inhaltlich nicht auf einen Nenner bringen, sondern muss vor dem jeweiligen Kontext betrachtet werden. Sozialverhalten und Religion spielen keine Rolle in seiner moralischen Bewertung. Bei Schmidel sind auch die moralischen Urteile über die Indianer gänzlich in deren militärischer Zuverlässigkeit begründet. Die Konformität mit europäischen Verhaltensnormen, etwa der zeremonielle Empfang der Europäer durch einen Indianerhäuptling, werden zwar positiv hervorgehoben (Classen, 1993, S. 258), dies allerdings bei eher sekundären Beobachtungen. Angesichts der Tatsache, dass das Thema Religion auch bei 72

den einzelnen Passagen über die Indianer in dem Buch praktisch unbeachtet bleibt, findet sich verständlicherweise auch die übliche Abwertung der Indianer als NichtChristen in seinem Text nicht. Schmidel hebt die Freundlichkeit der Indianer, die die Europäer mit Nahrungsmitteln versorgen, nicht als “ charité naturelle” wie etwa Thevet oder Léry (Thevet, Singularitez, 1557/58, S 55 v., 84 r. ff, Léry,Histoire, 1580, S. 290) hervor, er betrachtet dies als selbstverständlich. Die Europäer intervenieren auch militärisch, wenn diese Unterstützung ausbleibt. Manchmal sieht Schmidel jedoch auch, dass einige Stämme so arm sind, dass sie nur das Wenige, was sie selbst haben, mit den Spaniern teilen können (“ ihre Armuth gutwillig mitgetheilt” 1602, S.9). Die Bewertungen der Indianer folgen keiner klar erkennbaren ethnographischen Absicht, sondern sind bei passender Gelegenheit angebracht. Ein moralischer Vergleich des Verhaltens der Europäer mit dem der Indianer findet sich nicht, allenfalls Selbstkritik an ungerechtfertigten Strafmaßnahmen der Europäer, insbesondere wenn diese militärische Gegenaktionen der Indianer verursachen. Die bei Autoren wie Montaigne weidlich ausgenutzte Komponente des moralischen Vergleichs zwischen Europäern und Indianern, angelegt schon in einigen Gesprächspassagen der Montaigne bekannten Werke von López de Gómara (La istoria de las Indias, span. Ausgabe 1552, franz. Übersetzung von Martin Fumée 1568 u.ö.) und Jean de Léry (erstmals [Genf] 1578, zahlreiche Neuauflagen), wird nicht dazu genutzt, zumindest ansatzweise die Eigenkultur der Europäer oder ihr moralisches Recht auf die Conquista zu hinterfragen (zu Montaigne vgl. Obermeier 2002b). Dies hat Schmidel allerdings mit der überwiegenden Zahl seiner Zeitgenossen gemein. Auch über das Leben der Indianer in der frühen Kolonialzeit liefert uns Schmidel eine Fülle von Informationen. Er vermerkt, wieviele Indianersklaven er bei den Kriegszügen erhielt. Nach einem Gefecht mit den Maipais erhielt er beispielsweise 19 Sklaven (1602, S. 75), wobei er besonders auf die jungen Frauen wert legte, wie er an dieser Stelle auch zugibt. Nach einem Gefecht mit den Machcakies erhielt er gar an die 50 Gefangene, darunter Männer, Frauen und Kinder (1602, S.90). Diese Stellen sind aber nur kurze Einschübe und dienen eher zur Illustrierung der europäischen Siege, als dass damit eine weitergehende narrative Gestaltungsabsicht des Texts verbunden wäre. Die Enge des Kulturkontakts in der La Plata-Gegend ist durch einen Schmidel betreffenden Briefregest bezeugt. Durch dieses Dokument wissen wir, dass Schmidel in Südamerika mit einer oder mehr Indianerinnen zusammengelebt hat, mit der er auch einige Kinder gehabt hat. Dies belegt ein Brief des Fugger-Vertreters in Sevilla Christoph Raiser vom 17.04.1558 an den spanischen Hof. Der spanische Hof erhielt Kopien von allen Briefen, die Südamerika betrafen. Die Schmidel betreffende Stelle des Briefs in einer Liste mehrerer Briefe mit kurzen Inhaltsangaben lautet wie folgt: 73

“ Sunst hiemit ain briefflen an ainem genant Vlrich schmeidel, ain lange Zeitt In Riodelaplata gewest, alda khinder verlassen, ist Jetztund 3 Jar von dar hinauß khumen, wie mir der fugger anzeigt, Im krieg vmbzeucht, mechte der guet man lieber wider dinen ynd bey seinenn khindern sein, sich vil basser dan heraussen erneren, welt Ime disen brieff lassen Zuschickhen.” (zitiert nach Friedrich 1997a, S. 102). Der Brief eines nicht genannten Schreibers an Schmidel selbst ist nicht erhalten. Vielleicht handelte es sich um eine Nachricht eines Freundes aus Südamerika, oder Schmidel hatte, wie uns die Formulierung Raisers suggeriert, angefragt, ob er nach dorthin zurückkehren könnte. Dieses Dokument ist für uns in mehrerer Hinsicht von großer Bedeutung. Zum einen bezeugt es, dass auch Schmidel wie viele der französischen truchements oder der spanischen bzw. portugiesischen Eroberer mit indianischen Frauen zusammenlebte und von ihnen auch Kinder hatte. Dies ist im Zeitkontext nichts Außergewöhnliches und wurde in den Kolonien auch geduldet, ja sogar gefördert. Diese Poltitik hat schon in den ersten Jahren zu einer starken Zunahme der Mestizenbevölkerung in Paraguay geführt und verbunden mit der relativ geringen Einwanderung in die Gegend zu einer bis heute andauernden großen Bedeutung des Guarani als von großen Teilen der Bevölkerung benutzte lebendige Sprache. In seinem rein historiographischen Bericht hat er diesen Aspekt allerdings unterschlagen, nur generell des öfteren über die Zuteilung von Indianerinnen gesprochen.

Schmidels Reiserouten in Südamerika (1535 - 1553).

74

Schmidels Sicht ist eindeutig eurozentrisch, er verschweigt aber auch kritische Aspekte der Conquista nicht. Unbegründete Strafaktionen der Spanier gegen Indianer, die sie zuvor freundlich aufgenommen haben, verurteilt Schmidel, so im Fall der Surucusen, die niedergemacht werden: “ weiß Gott daß wir in solchem ihnen groß unrecht gethan haben” (1602, S.59). Bei militärisch gerechtfertigten Aktionen gegen feindliche Indianer kennt er aber kein Erbarmen und beschreibt ehrlich die vollzogenen Strafaktionen als Massaker: “ da schlugen wir alle Menschen [der Aygais-Indianer] jung und alt zu todt, dann die Carios habens im Brauch, wann sie kriegen und obsiegen, so muß es alles daran, und haben kein Erbarmung uber das Volck” (1602, S.27). Was hier noch durch indianische Sitten der Verbündeten scheinbar gerechtfertigt wird, bedarf an anderer Stelle, so beim Kampf gegen die Carendies, die Bewohner der Gegend von Buenos Aires, keiner Begründung mehr, sondern wird nur noch trocken konstatiert: Die Landsknechte operierten “ mit bevelch, gemelte Indianische Carendies alle zu Todt zuschlagen und zufangen, und iren Flecken einzunemen” (1602, S.8). Oder beim Kampf gegen den feindlichen Häuptling Dabero: “ und den vierten Tag fielen wir 3. Stund vor Tag inn den Flecken, erschlugen alles was wir darin fanden, und fiengen viel Weiber, daß ward uns ein grosser Behelff ” (1602, S.45). Auch die Legitimität der Versklavung von Frauen, die als Helfer bei der Nahrungsbeschaffung und Sexualpartner eine große Rolle spielten, wird nicht thematisiert. Allerdings waren die militärisch als notwendig angesehenen Aktionen durchaus auch von klaren Handlungsanleitungen geprägt, in welchen Fällen Gnade gewährt werden sollte: “ Uber 4. Monat kamen etliche Aygais, so dißmal nicht anheymisch, noch im Scharmützel gewesen, und begehrten Gnad, da muste sie unser Hauptmann begnaden, nach der Kays. Majest. Befehl, daß man jeden Indianer biß zum drittenmal solte begnaden, were aber sach, daß einer zum drittenmal friedbrüchig würde, so solte derselbe sein Lebenlang ein Leibeygen oder Gefangener seyn.” 1602, S.27 Wir wissen aus zeitgenössischen Berichten viel von den Schwierigkeiten, eine wohlwollende Indianergesetzgebung in Lateinamerika de facto sowohl bei den Siedlern, die Arbeitskräfte brauchten, als auch bei den Soldaten, die sich durch Versklavung der Indianer persönlich bereicherten, durchzusetzen. Die schon er23 wähnte Capitulación von Mendoza bezieht sich explizit auf eine andere Muster23

Coleccion de documentos inéditos , Bd.22.1874, Nachdruck 1966, S.359.

75

Capitulación zwischen der Krone und Francisco de Montejo über die Eroberung Yucatans von 152624, die eine solche wohlwollende Behandlung der Indianer explizit fordert, insbesondere die willkürliche Versklavung freier Indianer unter Strafe stellt und ihnen für getane Arbeit einen gerechten Lohn zuspricht. Der die Indianer betreffende Teil der Capitulación von 1526 wird wörtlich in der Ernennung des Alvar Nuñez vom 18.03.1540 wiederholt25. Die Befreiung zweimal aufständischer Indianer wird in diesen Capitulaciones nicht erwähnt, die Möglichkeit eines gerechten Krieges zur Erhaltung der eigenen Existenz der Eroberer aber explizit vorgesehen, besonders wenn die Indianer die Annahme der christlichen Religion verweigern26. Der Straferlass wurde aufständischen Indianern wohl im Einzelfall gewährt, wenn sie zur Unterwerfung bereit waren (“ ofreciéndoles [i.e. den Indianern der Provinz Ipané] perdón, si voluntariamente viniesen a la real obediencia”) schreibt Díaz de Guzman in seinem historischen Bericht La Argentina, entstanden 1612, Ausgabe 1986 [1612], S.156). Wenn man den Berichten des Pero Hernández in den Comentarios glauben darf, hat Alvar Nuñez auch genau auf eine gute Behandlung der Indianer und ihre Bezahlung für gelieferte Güter geachtet, was nicht wenig zu seiner Unbeliebtheit unter den Soldaten beigetragen haben dürfte. Insbesondere bei der Versklavung besiegter Indianer dürften sich auch mit den einfachen Soldaten Konflikte ergeben haben, da diese Indianer für die Landsknechte neben ihrem Sold und dem Erwerb von Handelsgütern der Indianer eine Art zusätzliche Einnahmequelle darstellten. Nach der Rückkehr von einem Eroberungszug verlangt Cabeza de Vaca die Abgabe des Beuteguts (1602, S.56/57) und eine Bestrafung des Hauptmanns Hernando de Ribera, was die Soldaten durch einen Aufruhr verhindern. Vielleicht waren mit diesem Beutegut auch die an dieser Stelle nicht explizit erwähnten versklavten Indianer gemeint. An anderen Stellen spricht Schmidel wie selbstverständlich von der Versklavung im Krieg besiegter Indianer (1602, S.75, S.90), ohne auf die von ihm mehrfach erwähnte Regelung des dreimaligen Aufstands gegen die Europäer einzugehen. Es handelt sich bei diesen Versklavungen wohl um ein Gewohnheitsrecht, das in der vom Überlebenskampf geprägten täglichen Praxis der Kolonien nicht nur für Schmidel keiner Rechtfertigung durch ein wie auch immer geartetes Konzept der “ guerra justa” bedurfte. Nach der Absetzung von Cabeza de Vaca soll es nach einigen Quellen, die, selbst wenn sie für

76

24

Abgedruckt in: Coleccion de documentos inéditos , Bd.23.1875, Nachdruck 1966, S.201-223.

25

Coleccion de documentos inéditos , Bd.22.1874, Nachdruck 1966, S.18-32 entspricht de r Capitulación von Montejo in: Coleccion de documentos inéditos , Bd.23.1875, Nachdruck 1966, S.209-222.

26

Coleccion de documentos inéditos , Bd.23.1875, Nachdruck 1966, S.27 (aus der MusterCapitulacion Montejos, d.h. allgemeingültig).

Cabeza de Vaca eingenommen sind, hier durchaus glaubwürdig sind (vgl. neben den schon zitierten, von seinem Schreiber Pero Hernández unter Anleitung von Alvar Nuñez verfassten Comentarios z.B. das durchaus glaubwürdige Memorial des Priesters González Paniagua vom 03.03.1545, in der Revista de la Biblioteca nacional, Buenos Aires 1937, S.469), auch zu zahlreichen Versklavungen und Verkäufen freier, also nicht im Krieg besiegter feindlicher Indianer, insbesondere von Indianerinnen gekommen sein, was gegen die Rechtsvorschriften verstieß. Dieses Verhalten der Aufständischen zeigt die große Bedeutung des Sklavenhandels für die Kolonie und deutet wohl darauf hin, dass der Kampf gegen reglementierende Maßnahmen von Cabeza de Vaca ein auslösendes Moment für seine Absetzung war. Es wäre wohl verfehlt, diese militärischen Aktionen mit ihren brutalen Konsequenzen für die Indianer heute einzig unter humanitären Gesichtspunkten zu bewerten und zu verurteilen. Die Politik der damaligen Heere schloss auch in Europa Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung mit ein, die Gräuel der Religionskriege oder später des Dreißigjährigen Krieges sind hinlänglich bekannt (vgl. zu diesem Aspekt bei der Bewertung von Schmidels Buch auch Lefebvre 1987, S.112). Die Eroberungspolitik in Amerika war von klaren utilitaristischen Gesichtspunkten geleitet, die das Ziel hatten, das physische Überleben der Europäer auf jeden Fall und um jeden Preis sicherzustellen. Die militärische Überlegenheit der Europäer und die de-facto Versklavung zahlreicher Indianer sowie der Einsatz entsprechender Repressionsmaßnahmen bildeten hierzu die Voraussetzung. Die Indianer, insbesondere die Frauen, waren als Nahrungsmittellieferanten für das physische Überleben der Europäer von existentieller Bedeutung. Die mit der Versklavung einhergehende sexuelle Promiskuität der Europäer war gewollt, wurde von Martínez de Irala vorgelebt und obwohl katholische Geistliche in der Kolonie anwesend waren, auch geduldet 27.

Die Rezeption Schmidels Die Rezeptionsgeschichte Schmidels weist deutliche Parallelen zu der Stadens auf, auch wenn sein Buch niemals dessen Bekanntheitsgrad durch schon gleich nach dem Erstdruck erstellte zahlreiche Nachdrucke erlangte. Parallel war in der Rezeptionsgeschichte aber das Interesse von Bry und Hulsius an beiden Autoren

27

Der Franziskaner Francisco González Paniagua beschwert sich in seinem Memorial vom 03.03.1545, in dem er für den abgesetzten Cabeza de Vaca eintritt, über die Polygamie, er erwähnt aber wohlweislich nicht, dass diese nicht ursächlich mit der Absetzung des Adelante zusammenhing, sondern schon seit dem Beginn der Kolonie allgemeinverbreitete Praxis unter den Europäern war (Paniagua 1937, S.470/471).

77

für ihre großen Reiseberichtssammlungen, wobei bei Schmidel wohl erst durch die Hulsius-Ausgabe überhaupt ein größerer Bekanntheitsgrad einsetzte. In der Erstausgabe von Schmidels Text durch Feyerabend geht dieser in einer Sammlung von mehreren längeren Texten unter und wurde wohl wenig beachtet, selbst wenn es von der Erstausgabe auch mehrere Einzeldrucke des zweiten Bands unter dem Titel Newe Welt gegeben hat. Schmidels Werk hat im übrigen auch die Kartendarstellungen beeinflusst. Insbesondere die Orte, die er angibt, während seines Zugs von Asunción nach São Vicente durchzogen zu haben, finden sich auf den Karten der Familie Hondius (1606, 1638) und werden auch auf späteren Karten wie denen von Wilhelm Jansenius Blaeu und Johannes Blaeu, zwischen 1599 und 1640 in Amsterdam gedruckt, aufgeführt (vgl. die Zusammenstellung bei Maack, 1959, S. 52-53 und S. 56-60). Man sollte aber vorsichtig sein, von diesen Karten ausgehend den Reiseweg Schmidels erkunden zu wollen, wie dies Maack (1959, S.55) stellenweise versucht, da die Kartographen ja von Schmidel selbst beeinflusst sind und bei der Situierung der Ortsnamen, auch wenn sie diese aus anderen Quellen hatten, angesichts der Unkenntnis des Innern Südamerikas zumeist Phantasie walten ließen. Ab der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts liegen auch spanische Ausgaben Schmidels vor (erstmals 1749, der genaue Titel im Anhang), was wohl zu einer verstärkten Rezeption Schmidels im spanischsprachigen Bereich geführt haben dürfte. Die Schmidel-Rezeption durch Historiker und heimatgeschichtlich interessierte Forscher setzt damit also etwas früher ein als bei Staden, bei dem der erste wirkungsgeschichtlich bedeutende Nachdruck nach der Lücke im 18. Jahrhundert erst wieder 1837 in Ternaux-Compans’ französischer Fassung erschien. Dieses frühe Interesse an Schmidel liegt darin begründet, dass sein Werk ja von der Intention her historiographischen Charakter hat und zudem eine der frühesten Quellen über die La Plata-Region überhaupt ist. Da es nur sehr wenige solcher Quellen über die Eroberung des Gebiets gab, wurde die Übersetzung ins Spanische angesichts des Interesses für die eigene kulturelle Identität und Geschichte der spanischen Kolonien in Lateinamerika schon anlässlich der ersten Quellensammlungen im 18. Jahrhundert veranlasst. Nicht besonders auffallend ist es, dass die Rezeption von Schmidel in holländischen Übersetzungen wie bei Staden fehlt, da hier einfach das kolonialpolitische Interesse der Holländer an Nordbrasilien im 17. Jahrhundert und die dezidiert protestantische Ausrichtung des Texts bei Staden günstige Rezeptionsvoraussetzungen bildeten. Einzige Ausnahme bildet die recht umfassende Sammlung des Druckers und Verlegers Van der Aa von 1706. Über die lateinische Version war Schmidel auch den ersten Historikern der La 78

Plata-Gegend bekannt. Der Jesuit Nicolas del Techo (eigentlich Du Toict, 1611-1685) verwendet Schmidel in seiner Historia provinciae Paraquariae Societatis Iesu, Lüttich 1673, ohne auf ihn namentlich zu verweisen. Pedro Lozano (1697 1752), Verfasser der Historia de la Compañía de Jesús en la provincia del Paraguay, Madrid 1754 - 1755, zitiert ihn häufig, ebenso José Guevara (Historia de la conquista del Paraguay, Río de la Plata y Tucumán: hasta fines del siglo XVI, Buenos Aires 28 1882). Félix de Azaras (1752-1821) Descripción e Historia del Paraguay y del Río de la Plata, Madrid 1847, Bd.1, Prólogo, S.4-5 29, lobt die Exaktheit Schmidels mit Ausnahme seiner Eigennamen und ethnologischen Bezeichnungen. Er hält auch die Zahlenangaben über die Entfernungen sowie die Indianerbezeichnungen für sorgfältig vermerkt. Die Zahlenangaben über die Größe der Stämme werden von Kloster/Sommer (1942, S. 58) und Kirbus (1984, S.96) als übertrieben bezeichnet, es handelt sich wohl um Schätzwerte. Ein Versuch Straubinger Gebildeter im Jahr 1810 eine heimatgeschichtlich motivierte Publikation des Werks des großen Sohnes ihrer Stadt durch Subskription zu ermöglichen, scheiterte. Dazu wurde eine kurze, nur wenige Seiten zählende Bekanntmachung über Ulrich Schmidel, Straubing, 1810 (vorhanden an der Universitätsbibliothek München), separat gedruckt. Schmidels Text geht schließlich mit zahlreichen anderen in die große Sammlung bei Ternaux-Compans 1837 in französischer Übersetzung ein (Histoire veritable d’un voyage curieux fait par Ulrich Schmidel de Straubing, Nuremberg 1599, Paris 1837). Die weiteren Entwicklungen der Ausgaben sind deutlich parallel zu Staden. Wie dieser wird er im Rahmen eines wissenschaftshistorischen Interesses an alten Quellentexten in der Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart 1889 neu aufgelegt, erstmals nach dem Münchner. Die Forschungen des lokalgeschichtlich interessierten Straubinger Rektors der Königlichen Realschule Johannes Mondschein führen zu seinem Aufsatz von 1881, der erstmals die damals bekannten personengeschichtlichen Quellen erforscht, und anlässlich der Entdeckung des Stuttgarter Manuskripts zu seiner Neuausgabe desselben im Jahr 1893 (die genauen Titel siehe den Anhang). Der ehemalige argentinische Staatspräsident Mitre hat ein Vorwort für die Schmidel-Ausgabe von 1903 geschrieben. Dieses Vorwort ist identisch mit einem nach 1881 entstandenen Aufsatz, wo Mitre Schmidel als “ primer historiador del Río de la Plata“ (so der Untertitel des Aufsatzes, der erstmals in den Anales del Museo de La Plata 1890 erschien) bezeichnet. Anlass für diese Neuausgabe von 1903 war 28

Vgl. auch Pistilli (1987, S.76).

29

Zitiert nach Pistilli (1987, S.71). Das Kapitel bei Pistilli (1987, S.61-80) bietet trotz unzureichender bibliographischer Angaben einen guten Überblick der Urteile in der Sekundärliteratur über Schmidel.

79

wohl die bereits erwähnte Polemik zwischen Gondra und Domínguez. Heute wird Schmidel seit dem Buch von Pistilli (1980) angemessen gewürdigt. Vor allem im 20. Jahrhundert werden zahlreiche Bearbeitungen des Texts herausgegeben. Die damals bekannten wichtigen Manuskripte waren durch Langmantel und Mondschein ja veröffentlicht, der Text also auch wieder in neuen Ausgaben greifbar. Alle späteren deutschen Ausgaben bis in die 50er Jahre sind Bearbeitungen des Texts, manchmal eher Nacherzählungen des Stoffs, die sich an die Geschichte Schmidels anlehnen. Den Anfang macht Pannwitz (Deutsche Pfadfinder des 16. Jahrhunderts in Afrika, Asien und Südamerika: Stuttgart 1911 und 1912). Hegaurs Ausgabe von 1914 Wahrhaftige Historie einer wunderbaren Schiffahrt, welche Ulrich Schmidel von Straubing von 1534 bis 1554 in America oder Neuewelt bei Brasilia oder Rio della Plata getan,München 1914; („Engelbert Hegaur“ ist ein Pseudonym für Wilhelm Engelbert Oeftering) ist wohl durch das Interesse des Autors und Übersetzers für alte deutsche Texte und die Renaissanceliteratur bedingt, auch die Ausgabe von Cramer (Abenteuer in Südamerika: 1534 bis 1554, Leipzig 1922 und 1926) ist eine wohl durch die Herausgabe in einer Reihe von frühen Quellentexten angeregte Bearbeitung. Siemes Textbearbeitung Zwanzig Jahre Landsknecht in Südamerika. 1534-1554. Nach der Handschrift hrsg. von Severin Rüttgers, Köln: 1928, erschien ebenfalls in einer Reihe von Volkstexten, wobei hier der Herausgeber Severin Rüttgers einen Bildungsanspruch für einfachere Schichten vertrat, denen nicht nur aus nationalen Gründen zur geistigen Überwindung der als Schande empfundenen Niederlage von 1918 und der Revolution deutsche Literatur zur moralischen Stärkung dargeboten werden sollte, wobei alle kritischen und für das Empfinden der Zeit moralisch anstößigen Aspekte natürlich ausgeklammert wurden. Die Ausgaben von Tepp (Der erste Deutsche am Rio de LaPlata, Buenos Aires: [1934] und seine Romangestaltung unter dem Titel Buenos Aires oder: Die Kinder des Landes bauen eine Stadt,Buenos Aires: 1940) sind sicher durch das heimatgeschichtliche Interesse des Deutschargentiniers angeregt, der seinen in Argentinien lebenden Landsleuten einen wichtigen historischen Text bekanntmachen will. Eindeutig in die national-völkische Richtung gehen die Bearbeitungen von Hans Rubbert: Die glückhafte Rotte: das Gefechtsbuch Ulrich Schmiedels aus Straubing, Zeulenroda 1938, Eduard Christophé: Landsknecht des Kaisers am La Plata: mit Pedro de Mendoza vor den Toren von Buenos Aires; Berlin: [1941] und Oskar Förster, Deutsche Landsknechte in Südamerika. Den Berichten Hans Stadens und Ulrich Schmiedels nacherzählt, Bochum 1942. Bezeichnenderweise wurde das Buch von Gustav Faber, Deutsches Blut in fremder Erde, erstmals Berlin 1939, das unter anderen Reisetexten auch Schmidels Bericht enthielt, im Jahre 1944 in einer eigenen Feldpostausgabe herausgegeben. Diese Texte kann 80

man -auch wenn sie sicherlich keine nationalsozialistische Literatur sind- durchaus als Aufputschliteratur für die im Kriege stehenden Deutschen verstehen. Da aus der glücklichen Zukunft, die die letzten Sätze der Ausgabe von Rubbert 1938 versprochen hatten, nichts wurde, setzt nach dem Krieg ein anderes Interesse ein. Der Südamerikaforscher Krieg veröffentlicht eine populäre Bearbeitung des Buchs Ein Landsknecht am La Plata. Auf den Spuren UlrichSchmidels im Indianerland Südamerikas, Stuttgart 1950, der Straubinger Heimatforscher Keim eine Textbearbeitung Ulrich Schmidls Erlebnisse in Südamerika: nach demFrankfurter Druck (1567), 1962, im selben Jahr erschien in Graz auch das Faksimile der zweiten deutschen Ausgabe von Hulsius 1602 (Titel in einleitender Bibliographie). Die jüngste Übersetzung ins Neuhochdeutsche, hrsg. von Markus Tremmel, Ulrich Schmidels Fahrt in die Neue Welt: erschien Taufkirchen 2000. Die Geschichte der spanischen Ausgaben entspricht der der deutschen. Nach der Erstübersetzung erschien ein Nachdruck in der Coleccion (sic) de Obras y Documentos relativos a la Historia antigua y moderna de las provincias del Rio de la Plata, hrsg. von Pedro de Angelis, Buenos Aires 1836 - 1837. Sämtliche frühen Übersetzungen ins Spanische folgen der lateinischen Ausgabe von Hulsius. Gut kommentierte Ausgaben erschienen 1887 (Nachdruck des Texts der Ausgabe 1749) unter dem Titel Historia y descubrimiento del Rio de la Plata y Paraguay hrsg. von Mariano A. Pelliza in Buenos Aires, 1903 erschien in Buenos Aires die ebenfalls mit vielen Quellen versehene Übersetzung von Samuel A. Lafone Quevedo (Viaje al Rio de la Plata: 1534 -1554) erstmals nach dem Münchner Manuskript. Die erste spanische Übersetzung nach dem Manuskript von Stuttgart wurde von Edmundo Wernicke 1936 herausgegeben (Derrotero y viaje a España y las Indias) und wurde bis heute zahlreiche Male wiederaufgelegt. Selbst eine Bearbeitung als Kinderbuch in Comicform unter dem Titel Ulrico, textos y dibujos de Carlos Schlaen, erschien Buenos Aires 1987. Neuere Ausgaben des Texts beschränken sich auf magere Kommentare und einen Nachdruck der alten, längst überholten Aufsätze, so druckt die Ausgabe Buenos Aires von 1993 (Cronica del viaje a las regiones del Plata, Paraguay y Brasil) wieder mit dem Wernicketext die Sekundärliteratur von 1948 nach. Kritische Ausgaben sind weder in Spanisch noch in Deutsch bisher verfügbar. In Buenos Aires wurde analog zum schon seit längerem bestehenden HansStaden-Institut (heute Martius-Staden-Institut) in São Paulo 1982 im Rahmen der seit 1922 bestehenden Institución Cultural Argentino-Germana das Instituto Ulrico Schmidl ins Leben gerufen, das 1984 seine Tätigkeit aufnahm, aber nach dem Tod des Initiators, des Ingenieurs und Deutschargentiniers Peter Steiner, faktisch seine Arbeit eingestellt hat. 81

Eine Büste von Schmidel befindet sich im Parque Lezama in Buenos Aires, wo man früher vermutete, dass die erste, 1536 gegründete Siedlung stand (abgebildet in Kirbus 1984, S.95). Das Kunstwerk stammt von José Fioravanti. Es wurde gestohlen und im August 2000 auf Initiative der Institución Cultural Argentino-Germana durch einen Zementguss nach dem wiedergefundenen Gipsmodell ersetzt. Im Jahr 1978 haben Archäologen Reste dieser ersten Siedlung an einer anderen Stelle der Stadt in der Zone von Belén de Escobar entdeckt.

Bibliographie Quellen: Acosta, José de: De procuranda Indorum salute, [Hrsg.:] L. Pereña..., Madrid : Consejo Superior de Investigaciones Cientif., (Corpus Hispanorum de pace ;...) Text lat. u. span., Bd.1, Pacificación y colonización, 1984 (... ; 23); Educación y evangelización 1987, (... ; 24) Azara, Félix de: Descripcion é historia del Paraguay y del Rio de la Plata. Obra póstuma de Don Felix de Azara. La publica su sobrino y heredero el señor Don Augustin de Azara... bajo la direccion de Don Basilio Sebastian Castellanos de Losada, 2 Bde., Madrid: Impr. De Sanchéz: Imprenta nacional 1847 Bry, Theodor de: America: 1590 - 1634 ; Amerika oder die Neue Welt; die “ Entdeckung” eines Kontinents in 346 Kupferstichen, bearb. und hrsg. von Gereon Sievernich, Berlin u.a. : Casablanca 1990. Cartas de Indias, publicadas por primera vez, el ministerio de fomento, Madrid 1877 Capitulación que se tomó con Don Pedro de Mendoza para la conquista del Rio de la Plata in: Colección de documentos inéditos relativos al descubrimiento, conquista y colonización de las posesiones españolas en América y Occeanía, sacados, en su mayor parte, del Real Archivo de Indias, bajo la dir. de Joaquin F. Pacheco, Bd.22.1874, Nachdruck Vaduz Kraus 1966, S. 350-360 Colección de documentos inéditos relativos al descubrimiento, conquista y colonizacion de las posesiones españolas en América y Occeanía, sacados, en su mayor parte, del Real Archivo de Indias, bajo la dir. de Joaquin F. Pacheco.... - Repr. d. Ausg. Madrid 1864-1884 Vaduz : Kraus (Colección de documentos inéditos del archivo de Indias.) Bd.1-42.; 1964-1966. Díaz de Guzmán, Ruy: La Argentina, ed. de Enrique de Gandía, 1. ed., (Crónicas de América; 23), Madrid : Historia 16, 1986 Documentos históricos y geográficos relativos a la conquista y colonización, hrsg. von José Torre Revello, Argentina, Comisión Oficial del IV. Centenario de la Primera Fundación de Buenos Aires, 5. Bde Buenos Aires: Peuser 1941, davon,Bd. 1: Memorias y relaciones históricas y geográficas, 1941 82

Federmann, Nicolaus: Indianische Historia: ein schoene kurtzweilige Historia Niclaus Federmanns des Jüngern von Ulm erster Raise..., gantz lustig zu lesen, Faks. Ausg. [der Ausgabe Hagenau 1557] nach d. Orig. in d. Österr. Nationalbibliothek von 1557, Wien : Volkstum-Verl. 1994 Guevara, José: Historia de la conquista del Paraguay, Río de la Plata y Tucumán: hasta fines del siglo XVI, Buenos Aires: Ostwald 1882 (erste vollständige Ausgabe des Manuskripts) [Hutten, Philipp von]: Bericht über die Reise nach Venezuela 1534 - 43, in: Ferdinandi Cortesii: Von dem Newen Hispanien, so im Meer gegen Nidergang, Zwo gantz lustige unnd fruchtreiche Historien,... Transferiert... in hochteutsche Sprach,... von Xysto Betuleio und Andrea Diethero.. Augsburg, 1550. - Bl. LI - LX Hutten, Philipp von: Das Gold der Neuen Welt: die Papiere des Welser-Konquistadors und Generalkapitäns von Venezuela Philipp von Hutten 1534 - 1541, hrsg. von Eberhard Schmitt und Friedrich Karl von Hutten, zweite, neubearb. Aufl. Berlin: Berlin-Verl. Spitz 1999 Irala, Domingo Martínez de: Carta, Abril de 1541 in: Schmidel: Viaje al Rio de la Plata: 1534 - 1554, hrsg. Samuel A. Lafone Quevedo, Buenos Aires 1903, S.391-404 Irala, Domingo Martínez de: Carta al Rey, 01.03.1545, in: El Gobernador Domingo Martínez de Irala, von Ricardo Lafuente Machain, Buenos Aires 1939, S. 453-465 Irala, Domingo Martínez de: Carta, 24.07.1555 al Consejo de Indias, in: El Gobernador Domingo Martínez de Irala, von Ricardo Lafuente Machain, Buenos Aires 1939, S.499-509 Léry, Jean de : Histoire d’un voyage fait en la terre du Brésil, [Genf 15802], Faksimile hrsg. von Jean Claude Morisot und Louis Necker, Genf 1975 Lozano, Pedro: Historia de la conquista del Paraguay, Rio de la Plata y del Tucuman, (Einleitender Teil der Historia de la Compañia de Jesus en la Provincia del Paraguay, erstmals erschienen Madrid 2 Bde., 1754/55), 1. ed., (Coleccion identidad nacional ; 68) Buenos Aires: Gram Ed. 1994 López de Gómara, Francisco: La istoria de las Indias, y la conquista de Mexico, Saragossa, A. Millán, 1552 meist zitiert unter dem Titel der Neuauflage Historia general de las Indias, Medina 1553. Nuñez Cabeza de Vaca, Alvaro: Naufragios y comentarios, ed. de Roberto Ferrando, 2. ed., (Cronicas de América ; 3), Madrid: Historia 16, 1984 Nuñez Cabeza de Vaca, Alvaro: Naufragios y comentarios, 7. ed. (Colección Austral), Madrid: Espasa-Calpe 1985 Nuñez Cabeza de Vaca, Alvaro: Naufragios, edición de Juan Francisco Maura, (Letras hispánicas; 306), Madrid: Cátedra 1989 Paniagua, Francisco González: Memorial del padre Francisco González Paniagua. Sucesos del Río de la Plata desde la llegada del Adelantado Alvar Núñez Cabeza de Vaca a la isla de Santa Catalina [sic für Catarina] hasta la prisión y procesamiento del mismo, in: Revista de la Biblioteca nacional, Buenos Aires, Vol. 1., Buenos Aires [1937]. S. 429-473 Techo, Nicolas del: [i.e. Toict, Nicolas de] Historia provinciae Paraquariae Societatis Iesu, von P. Nicolao DelTecho, Leodii: Hovins 1673 Thevet, André: Cosmographie universelle, 2. Bände, A Paris, Chez Guillaume Chaudiere, 1575 Thevet, André: Les Français en Amerique pendant la deuxième moitié du XVIe siècle, Le Brésil et les Brésiliens par A. Thevet, hrsg. von Suzanne Lussagnet (Pays d’outre mer, Deuxième série, Les classiques de la colonisation), Introduction par Ch. A. Julien, Paris 1953 83

Thevet, André: Les singularités de la France antarctique, facsimilé de l’édition de 1558, hrsg. von Pierre Gasnault, Einführung von Jean Baudry, Paris 1982 Weigel, Hans: Habitus praecipuorum populorum tam virorum quam foeminarum singulari arte depicti, Nürnberg 1577, Nachdruck Unterschneidheim 1969

Forschungsliteratur: Andrä, Helmut: Neue Ergebnisse der Ulrich Schmidl-Forschung, in: Staden-Jahrbuch 33, (1985), S.91-100 Arnaud, Vicente Guillermo: Los interpretes en el descubrimiento, conquista y colonizacion del Rio de la Plata, Buenos Aires: Didot 1950 Bekanntmachung über Ulrich Schmidel, Straubing, 1810 (vorhanden an der UB München) [Aufruf zur Subskription einer geplanten aber nie im Druck erschienenen Schmidel-Ausgabe] Bokor, Hans J.: Ausgleichstendenzen in frühneuhochdeutschen Druckersprachen: unters. an Ulrich Schmidels Südamerika-Bericht in Drucken d. 16. Jh., o.O., 1987, (zugleich Marburg, Univ., Diss., 1988) Classen, Albrecht: Ulrich Schmidel in the Brazilian Jungle: A Sixteenth-Century Travel Account, in: Archiv für das Studium der Neueren Sprachen und Literaturen, Berlin, 1993, S.241-60 Domínguez, Manuel: Ulrich Schmidl in: Revista del Instituto paraguayo, Jahrgang III, [erschienen ca. 1899/1900], Band II, Heft 27, S. 3-16 [Text bricht dann ab] Domínguez, Manuel: El Alma de la Raza, prologo de Juan E. O’Leary, Asunción: C. Zamphirópolos 1918 Domínguez, Manuel: Estudios históricos y literarios, Asunción 1956 Foster, David William: Ulrico Schmidel: Relatos de la conquista del Rio de la Plata y Paraguay 1534-1554, in: Chasqui: Revista de Literatura Latinoamericana, Williamsburg (VA), 1991 Nov, 20:2, 73-77 Friedrich, Werner: Wirkungen der lutherischen Lehre in Stadt und Rentamt Straubing, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing 85.1983 (1984), S.306/307 Friedrich, Werner: Warum wurde Ulrich Schmidl aus seiner Heimat vertrieben: Wirkungen der lutherischen Lehre in Straubing, in: Straubinger Kalender 389 (1985), S. 51-54, 5657 [zitiert als 1985a] Friedrich, Werner: Ulrich Schmidel und die Reformation in Straubing, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 86.1984 (1985), S.173-184 [zitiert als 1985b] Friedrich, Werner: Ein Abrechnungsblatt von Ulrich Schmidl im Stadtarchiv Straubing, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing 88.1986 (1987), S.255-263 [zitiert als 1987a] Friedrich, Werner: Der Einband des Stuttgarter Ulrich Schmidl-Manuskripts, ein Straubinger Nekrologium-Fragment aus dem 14. Jahrhundert erzählt, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing 88.1986 (1987), S.265-278 [zitiert als 1987b] 84

Friedrich, Werner: Ulrich Schmidl, Bürger und Mitglied des Rats zu Straubing: ein Beitrag zur Genealogie der Familie Schmidl, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 98.1996 (1997), S. 93 -130 [zitiert als 1997a] Friedrich, Werner: Ulrich Schmidl von Straubing, Bürger zu Regensburg zur Biographie seiner zweiten und dritten Ehefrau, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 98.1996 (1997), S. 131 -148 [zitiert als 1997b] Gondra, Manuel: Hombres y Letrados de América, Asunción: Editorial Guarania [1942] Granada, Daniel: Diccionario rioplantense razonado, introd. y ed. de Úrsula Kühl de Mones, Madrid: Arco Libros 1998 Granada, Daniel: Diccionario rioplatense razonado, von Daniel Granada, introducción y edición de Ursula Kühl de Mones, Madrid: Arco/Libros 1989 (ursprüngl. ersch. 1889 u.d.T.: Granada, Daniel: Vocabulario rioplatense razonado) Hantzsch, Viktor: Deutsche Reisende des sechzehnten Jahrhunderts, (Leipziger Studien aus dem Gebiet der Geschichte ; 1,4) Leipzig: Duncker & Humblot, 1895 Huffines, Marion L: A sixteenth century german diary, linguistic analysis and comparison of the original and the first printed edition, Diss, Indiana University 1971, Ann Arbor 1971 Huffines, Marion L.: The original manuscript of Ulrich Schmidel, in:The Americas, Bethesda (Md), 34.1978, (Juli 1977-April 1978, hrsg. 1978), Nr.2, S. 202-206 Irtenkauf, Wolfgang: Das Stuttgarter Schmidl-Manuskript, in: Straubinger Tagbatt vom 21.12.1984 Jahn, Bernhard: Raumkonzepte in der frühen Neuzeit: zur Konstruktion von Wirklichkeit in Pilgerberichten, Amerikareisebeschreibungen und Prosaerzählungen, (Mikrokosmos : Beiträge zur Literaturwissenschaft und Bedeutungsforschung 34), Frankfurt am Main [u.a.]: Lang 1993 [zugleich München Diss. 1992] Kirbus, Federico B.: La vida de un heroe y el redescubrimiento de la Sierra de la Plata, in: Utz Schmidl: su vida, sus viajes, su obra, hrsg. von Federico B. Kirbus; Nicolás Cócaro, Buenos Aires: Ed. Tres Tiempos 1984, S. 90-130 Kloster, Wilhelm; Sommer, Friedrich: Schmidl no Brasil quinhentista, von W. Kloster und F. Sommer (Sociedade Hans Staden: Publicações da Sociedade Hans Staden ; 4), São Paulo: Tip. Gutenberg, 1942 [Aus dem Dt. übers.] Lafone Quevedo, Samuel: Rectificaciones al „Estudio sobre la historia y descubrimiento del Río de La Plata y Paraguay“ del Dr. M. Domínguez, in: Revista del instituto paraguayo, Asunción, Jahrgang 3, Heft 29.1901, S.113-124 Lefebvre, Joël: Un allemand dans la ruée vers l’or: le journal de voyage d’Ulrich Schmidel en Amérique du Sud (1534-1554, in: Voyager à la Renaissance: actes du colloque de Tours, 30.06.1983-13.07.83, hrsg. von Jean Ceard, Centre d’Études Supérieures de la Renaissance, Paris: Maisonneuve et Larose 1987, S.99-114 Lehmann-Nitsche, Robert: Ulrich Schmidels Aufenthalt in São Vincente, Brasilien (1553), in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing 31.1928, S. 50-53 Lehmann-Nitsche, Roberto: Los manuscritos del diario de Schmidel, in: Universidad nacional de Buenos Aires, Facultad de filosofia y letras, publicaciónes de la sección de história IV, 1918, S. 3-10 + unpag. Faksimileblätter zugleich erschienen in: Revista de la universidad de Buenos Aires Bd.38, S. 152 ff Maack, Reinhard: Sôbre o itinerário de Ulrich Schmidel através do sul doBrasil: (1552 -1553); uma 85

pesquisa histórico-geográfica, Curitiba, 1959 (Universidade Federal do Paraná : [Boletim da Universidade Federal do Paraná / Geografia física] ; 1) Text portug. u. dt. Mitre, Bartolome: Ulrich Schmidel, Primer historiador del Río de la Plata, Notas bibliográficas y biográficas in: Anales del Museo de La Plata, materiales para la historia física y moral del Continente Sud-Americano, Sección de historia americana I, Buenos Aires u.a. 1890, S. 3-17 Mitre, Bartolome: Ulrich Schmidel, Primer historiador del Río de la Plata, in: Utz Schmidl: su vida, sus viajes, su obra, hrsg. von Federico B. Kirbus ; Nicolás Cócaro, Buenos Aires : Ed. Tres Tiempos, 1984, S.11-23 (Nachdruck des Vorworts der Schmidel-Ausgabe, Buenos Aires 1903, identisch mit dem Aufsatz von Mitre von 1890) Mondschein, Johannes E.: Ulrich Schmidel von Straubing und seine Reisebeschreibung, (Beilage zum Jahresbericht der Königlichen Realschule Straubing) 1880/81 Moura, Gentil de Assis: O caminho do Paraguay a Santo André da Borda do Campo, reconstituição do itinerario de Ulrich Schmidel em 1553 in: Revista do Instituto Historico e geografico de São Paulo, vol. 13.1908, São Paulo 1911, S.167-180 Neuber, Wolfgang: Fremde Welt im europäischen Horizont: zur Topik der deutschen Amerika-Reiseberichte der frühen Neuzeit, Berlin: Schmidt 1991 Nickson, R. Andrew.: Historical dictionary of Paraguay, hrsg. von R. Andrew Nickson, 2. ed., rev., enlarged, and updated, (Latin American historical dictionaries ; 24) Metuchen (NJ) u.a.: Scarecrow Press 1993 Obermeier, Franz: Brasilien in Illustrationen des 16. Jahrhunderts (americana eystettensia, B. 11), Frankfurt, Vervuert 2000 [2000a] Obermeier, Franz: Französische Brasilienreiseberichte im 17. Jahrhundert, Claude d’Abbeville: Histoire de la mission; Yves d’Evreux: Suitte de l’histoire (Abhandlungen zur Sprache und Literatur, 83), Bonn: Romanist. Verlag 1995 (zugleich Regensburg, Univ. Diss, 1994) Obermeier, Franz: Bilder von Kannibalen, Kannibalismus im Bild, Brasilianische Indios in Bildern und Texten des 16. Jahrhunderts, in: Jahrbuch für Geschichte Lateinamerikas, 38.2001, erschienen 2002, p.49-72. [2002a] Obermeier, Franz: Katechismen in der “ língua geral” der brasilianischen Tupiindianer und ihre Überlieferung in zeitgenössischen französischen und portugiesischen Dokumenten des 16. und 17. Jahrhunderts, in: Bibliotheksforum Bayern, 1998, S.48-69 Obermeier, Franz: Montaigne, die Wilden und das Groteske, in: Brasilien-Dialog, hrsg. vom Institut für Brasilienkunde, Mettingen, Heft 3/4. 2001, erschienen 2002, S.27-40. [2002b] Obermeier, Franz: Die Rezeption von Hans Stadens „Wahrhaftige Historia“ und ihrer Ikonographie, in: Jahrbuch Institut Martius-Staden, São Paulo, 1999/2000, S.133-151. Obermeier, Franz: Hans Stadens Wahrhafftige Historia 1557, in: Brasilien-Dialog, hrsg. vom Institut für Brasilienkunde, Mettingen, Heft 3/4.2000, S.92-110 [2000b] Pistilli S., Vicente: La primera fundación de Asunción: la gesta de Don Juan de Ayolas; análisis crítico textual de las fuentes, Asunción: Ed. el Foro, 1987 Pistilli S., Vicente: La cronología de Ulrich Schmidel, Asunción, Paraguay, Instituto Paraguayo de Ciencia del Hombre 1980 Service, Elman R.: Spanish-Guarani relations in early colonial Paraguay, Repr. d. Ausg. Ann 86

Arbor, Mich., University of Michigan, Museum of Anthropology (Anthropological papers, 9) 1954, Westport, Conn.: Greenwood Pr. 1971 Steiner, Peter: Das Testament Ulrich Schmidls und ein Versuch seiner Auswertung, die neuen Forschungsergebnisse über Leben und Familie des ersten Geschichtsschreibers Argentiniens, Typoskript 16 Blatt und 1 unpag. Blatt, o. O, April 1985 [Peter Steiner hat diesen Aufsatz wohl im Rahmen seiner Aktivitäten für das von ihm initiierte Instituto Ulrico Schmidl geschrieben, dieses Institut war Teil der Institución Cultural ArgentinoGermana und ist heute faktisch aufgelöst, der Aufsatz war mir durch den Kontakt zu Herrn Hans Baumann, Martínez, Argentinien zugänglich] Steiner, Peter: Utz Schmidl- der bekannte Unbekannte, in: Argentinisches Tageblatt vom 04.02.1984 Susnik, Branislava: Eine sozio-anthropologische Vision Paraguays, Hrsg. v. Chraska, Wilhelm; Orthmann, Ellen. Aus d. Span. v. Chraska, Wilhelm, Bd. 1, 16. und Hälfte 17. Jahrhundert, 1995, Bd. 2: 18. Jahrhundert 1996, Bd 3,1: 19. Jahrhundert 1, Calvi: Chraska [Verlag] 1992 Utz Schmidl: su vida, sus viajes, su obra, von Federico B. Kirbus; Nicolás Cócaro, Buenos Aires: Ed. Tres Tiempos 1984

Anhang: Bibliographische Beschreibung der frühen Ausgaben: Ulrich Schmidels Wahrhaftige Beschreibung (publiziert 1567)

Manuskriptausgaben: Stuttgarter Autograph: Schmidel, Ulrich: [Reise nach Südamerika in den Jahren 1534 bis 1554] Ulrich Schmidels Reise nach Südamerika in den Jahren 1534 bis 1554, nach der Stuttgarter Handschrift hrsg. von Johannes Mondschein, Straubing: Attenkofer 1893. - 60 S. (Programm Straubing, Königliche Realschule, 1892/93) Münchner Manuskript: Schmidel, Ulrich: Ulrich Schmidels Reise nach Süd-Amerika in den Jahren 1534 bis 1554 : nach der Münchener Handschrift, hrsg. von Valentin Langmantel, Tübingen, Litte87

rar. Verein in Stuttgart, (Literarischer Verein : Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart ; 184) 1889. - 162 S. Eichstätter und Hamburger Manuskript unveröffentlicht. Editio princeps: hrsg. von Sigismund Feyerabend Frankfurt 1567 im Rahmen einer Neubearbeitung von Sebastian Francks Weltbuch (erstmals Tübingen 1534) wohl ohne Wissen des Autors Schmidel. Der zweite Teil mit dem Schmidelbericht weist zwei unterschiedliche Titelblätter auf. Eines trägt den Titel: Ander theil dieses Weltbuchs von Schiffarten. Warhafftige Beschreibunge aller und mancherley sorgfeltigen Schiffarten, auch viler unbekanten erfundnen Landtschafften, Insulen, Königreichen und Stedten [...wie oben unter dem ersten zitierten Titel] Durch Ulrich Schmidt von Straubingen, und andern mehr sodaselbst in eigener Person gegenwertig gewesen, und solches erfaren, Gedruckt zu Franckfurt am Mayn, Anno 1567 Von diesem Titelblatt gibt es auch eine etwas abweichende Version: Neuwe Welt : Das ist, Warhafftige Beschreibunge aller schönen Historien von erfindung viler vnbekanten Königreichen, Landschafften, Jnsulen vnnd Stedten, von derselbigen gelegenheit, wesen, bräuchen... ; Auch von allerley gefahr, streitt vnd scharmützeln... Jtem von erschrecklicher, seltzamer natur und Eygenschafft der Leuthfresser, Durch Ulrich Schmid von Straubingen und andern mehr, so in eigner Person gegenwertig gewesen Franckfurt am Mayn : Feirabend und Hüter, 1567 (Drucker: Lechler). - [6], 110, 59, [1] Bl. [Bibliogr. Nachweis: VD16, Eintrag S 3117] Der eigentliche Beginn des Schmideltexts (S. 1-59) ohne eigenes Titelblatt lautet dann jeweils: Wahrhafftige und liebliche Beschreibung etlicher fürnemen Indianischen Landtschaften und Insulen die vormals in keiner Chroniken gedacht und erstlich in der Schiffart Ulrici Schmidts von Straubingen mit grosser gefahr erkundigt und von ihm selber auffs fleissigt beschrieben und dargethan. [folgt unmittelbar auf derselben Seite der Textbeginn mit Initiale ohne Abstand, Druckervermerk oder Holzschnitte]. Diese verschiedenen Titelblätter bzw. der Titelbeginn haben zu etwas Konfusion in den bibliographischen Beschreibungen der Erstausgabe geführt. Zahlreiche weitere Ausgaben und Bearbeitungen des Werks: Bry (jeweils America, Bd. 7): deutsch 1597, 2. Auflage 1599, 3. Auflage 1617, Bry: lateinische 88

Ausgabe 1599, 2. Auflage 1625 (im Titel fälschlich als 3. Auflage bezeichnet); Hulsius deutsch 1599, 2. Auflage 1602, 3. Auflage 1612, Latein 1599, erste spanische Ausgabe in Historiadores primitivos de las Indias occidentales que juntó, trad. en parte y sacó à luz, ilustrados con erudítas notas y copiosos índices Andrés González Barcía, Madrid : Zúñiga 1749, 3. Bd., 1749. Beachte auch die verschiedenen Schreibungen des Namens: Faber in der lat. Übersetzung, Schmidl in zahlreichen deutschen Ausgaben, auch Schmidt. Angesichts einer fehlenden kritischen Ausgabe empfiehlt es sich trotz der Textergänzungen durch den Herausgeber Hulsius auch das Faksimile der Hulsius-Ausgabe (zweite Auflage von 1602) heranzuziehen: Schmidel, Ulrich: Wahrhafftige Historien einer wunderbaren Schiffart. - Neuausg., Nachdr. der Ausg. Nürnberg, 1602, [Vorwort von Hans Plischke] Graz : Akad. Dr.- u. Verl.-Anst., 1962. - XXVII, 103 S. : Ill., Kt. (Frühe Reisen und Seefahrten ; 1)

Franz Obermeier, geboren 1967 in Kelheim (Bayern), Studium der Romanistik und Slavistik in Regensburg. Promotion über französische Brasilienreiseberichte im 17.Jahrhundert. Bibliotheksausbildung, gegenwärtig an der Universitätsbibliothek in Kiel tätig. Veröffentlichungen: Französische Brasilienreiseberichte im 17.Jahrhundert. Bonn 1995. Katechismen in der „língua geral“ der brasilianischen Tupiindianer... in Bibliotheksforum Bayern 1998. Brasilien in Illustrationen des 16.Jahrhunderts, Frankfurt 2000. Kannibalismus im Bild, Bilder von Kannibalen, brasilianische Indios in Bildern und Texten des 16. Jahrhunderts in Jahrbuch für Geschichte Lateinamerikas, 2001. Die Rezeption von Hans Stadens „Wahrhaftige Historia“ und ihrer Ikonographie in Institut Martius-Staden, Jahrbuch 1999-2000, São Paulo, 2000.

89

Fundação Visconde de Porto Seguro Mantenedora / Institutsträger Presidente

Alfried K. Plöger

Vice-Presidente

Heiner J. G. L. Dauch

1o Secretário

Manfred Michael Schmidt

1. Schriftführer

2 Secretário

Harald J. Dencker

2. Schriftführer

o

1.Vorsitzender Stellv. Vorsitzender

1 Tesoureiro

Eduardo J. J. de Macedo

1. Schatzmeister

2o Tesoureiro

Arnold Steinkopff

2. Schatzmeister

Diretor Vogal

Christian W. Buelau

o

Beirat

Jahrbuch / Anuário 2002 Editor

Hernâni Donato

Editores Executivos

Renata Kutschat Joachim Tiemann

Conselho Editorial

Dr. Carlos Wehrs Dr. Rolf Nagel Jorge Globig Eckard Kupfer Ernst Guenther Lipkau

Coordenação Gráfica

Ivahy Barcellos

Tradução e Revisão

Renata S. G. Kutschat Joachim Tiemann Francelino de Oliveira

Projeto Gráfico

Alessandra Carignani

Herausgeber Redaktion Redaktionsbeirat

Koordination / Grafik Übersetzung und Revision

Grafische Gestaltung

ISSN – 1677-051X

Instituto Martius-Staden Diretor

Dirk Brinkmann

Coordenação Arquivo/Biblioteca

Joachim Tiemann

Administração, Arquivo e Biblioteca Rua 7 de Abril, 59 • 2o, 3o, 4o e 8o andares • 01043-900 • São Paulo-SP Fone: (011) 3151.6300 • Fax: (011) 3255.8391 • E-mail: [email protected]

Edição e Produção Nova Bandeira Produções Editoriais R. Venâncio Ayres, 931 • 05424-030 • São Paulo - SP Fone/Fax: (011) 3873.1956 • 3873.9944 e-mail: [email protected]