Von Jesus zum Markus-Evangelium - Institut für Glaube und

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Institut für Glaube und Wissenschaft Stresemannstraße 22 35037 Marburg www.iguw.de [email protected] Von Jesus zum Markus-Evangelium Der Weg der Überliefe...

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Institut für Glaube und Wissenschaft Stresemannstraße 22 35037 Marburg www.iguw.de [email protected]

Von Jesus zum Markus-Evangelium Der Weg der Überlieferung

Prof. Dr. Rainer Riesner* Zuerst veröffentlicht in: Vox Scripturae – Revista Teológica Brasileira – São Bento do Sul/SC – vol. XXII – n. 1 – jan–jun 2014 – p. 15–44

Zusammenfassung Eine gepflegte Überlieferung von Jesus begann schon vor Ostern. Jesus selbst hat den Jüngern seine Worte in einer Form eingeprägt, die gut im Gedächtnis zu behalten war. Gleich nach Ostern haben Petrus und andere Jünger auch die Taten Jesu in einer solchen Form weitergegeben. Markus stand seit den ersten Jahren der Jerusalemer Urgemeinde in Verbindung mit Petrus. Bereits vor der Veröffentlichung seines Evangeliums, die frühestens 64/65, aber vor 70 in Rom erfolgte, hat Markus Jesus-Überlieferungen schriftlich festgehalten. Das Markus-Evangelium verdient deshalb Vertrauen als ein zuverlässiger Bericht über die Person und das Wirken Jesu. *

Erweiterte Form eines Vortrages, der am 13. Mai 2014 an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg gehalten wurde. Professor Rainer Riesner lehrte Neues Testament am Institut für Evangelische Theologie der Technischen Universität Dortmund. Gegenwärtig leitet er die internationale Doktorandenarbeit des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen sowie das Doktoranden- und Habilitanden-Kolloquium des Arbeitskreises für Evangelikale Theologie in Deutschland. Für eine kritische Durchsicht gilt der Dank Dr. Emmanuel L. Rehfeld. E-mail: [email protected]

Inhaltsverzeichnis 1 Flavius Josephus

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2 Die Anrede Jesu als Lehrer

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3 Die Bedeutung des Gedächtnisses

7

4 Synagogen und Elementarschulen

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5 Auswendiglernen und Anspielungen

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6 Lehrzusammenfassungen

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7 Mnemotechnische Stilmittel

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8 Der Anspruch der Worte Jesu

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9 Die Jünger als Schüler

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10 Die Aussendung der Jünger

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11 Die „Galiläische Krise“

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12 Die Zwölf als Urtradenten

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13 Johannes Markus als Evangeliums-Verfasser

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14 Interne Indizien

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15 Adressaten, Ort und Zeit der Veröffentlichung

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16 Herkunft des Johannes Markus

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17 Kontakt zu Petrus

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18 „Diener des Wortes“

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19 Schriftliche Notizen

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20 Veröffentlichung in Rom

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21 Literatur

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Von Jesus zum Markus-Evangelium

Abkürzungsverzeichnis Rabbinische Literatur ARNA Abot deRabbi Nathan. Rezension A bBB Der babylonische Talmud – Traktat Bava Batra bMeg Der babylonische Talmud – Traktat Megilla mBer Mishna – Traktat Berakhot

Frühjüdische Literatur 1QS Handschriftenrolle aus Qumran (enthält den Text der Gemeinderegel) Ant Flavius Josephus – Antiquitates Judaicae Bell Flavius Josephus – De Bello Judaico CAp Flavius Josephus – Contra Apionem Leg Gaj Philo von Alexandrien – Gesandtschaft an Gajus (Legatio ad Gajum) Mos Philo von Alexandrien – Über das Leben Moses (De vita Mosis) Spec Philo von Alexandrien – Über die Einzelgesetze (De specialibus legibus) Vita Flavius Josephus – Aus meinem Leben (Vita) Vit Cont Philo von Alexandrien – Über das kontemplative Leben (De vita contemplativa)

Frühchristliche Literatur Adv Haer Irenäus – Adversus Haereses Civ Dei Augustinus – Vom Gottesstaat (De civitate dei) Comm in Phlm Hieronymus – Commentaria in Epistolam ad Philemonem HE Eusebius – Historia ecclesiae

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Abkürzungsverzeichnis

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Praep Ev Eusebius – Praeparatio evangelica Vir Ill Hieronymus – De viris illustribus

Weitere Abkürzungen CIJ Corpus inscriptionum Judaicarum GCS Die griechischen christlichen Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte IEJ Israel Exploration Journal Inst Orat Qunitilian – Institutio oratoria

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Von Jesus zum Markus-Evangelium

Wir beginnen mit einem Gedankenexperiment. Versetzen wir uns in unser erstes Schuljahr! Sehen wir den damaligen Lehrer vor uns? Wahrscheinlich war es ja eine Lehrerin! Könnten wir einen ganzen Satz von ihr oder von ihm wörtlich zitieren? Damit stehen wir bei unserer Problematik. Die meisten Neutestamentler nehmen an, dass um 50, also zwanzig Jahre nach Kreuzigung und Auferstehung Jesu im Jahr 30,1 erstmals Jesus-Überlieferungen in Form der Logienquelle schriftlich festgehalten wurden. Das Markus-Evangelium wird von der Mehrheit um 70 datiert. Was aber geschah in den zwanzig bzw. vierzig Jahren zwischen dem Auftreten Jesu und der Abfassung der hypothetischen Logienquelle und des Markus-Evangeliums? Funktionierte die Überlieferung in dieser Zeit nach dem Prinzip der „Stillen Post“, wobei man dem Ersten in der Gruppe ein Wort in das Ohr sagt und beim Letzten kommt etwas völlig anderes heraus? Mein erstes Schuljahr liegt bald sechzig Jahre zurück. Trotzdem kann ich nicht nur einen Satz, sondern sogar drei Sätze, die ich von meiner Grundschullehrerin gelernt habe, mit Sicherheit wörtlich wiedergeben. Warum das so ist, soll später verraten werden.

1 Flavius Josephus Um nicht in einem Zirkel zu argumentieren, befragen wir zuerst eine nichtchristliche Quelle über Jesus. Flavius Josephus, ein jüngerer Zeitgenosse der Apostel, hat bald nach dem Ende des Jüdischen Krieges von 66–70 eine Darstellung darüber verfasst. Um 93 folgte dann eine gesamte Geschichte des jüdischen Volkes, die „Jüdischen Altertümer“. Besonders De Bello Judaico sollten nicht nur Theologiestudierende, sondern auch Pastoren in ihrem Bücherschrank haben. Denn vieles, was das Neue Testament als politischen, kulturellen oder religiösen Hintergrund voraussetzt, wird für uns später Geborene durch Josephus illustriert. Holländische Christen haben im 17. und 18. Jahrhundert diesen jüdischen Geschichtsschreiber für eine so wichtige Begleitlektüre zum Neuen Testament gehalten, dass seine Werke sogar Bibeln als Anhang beigebunden wurden. In den Antiquitates Judaicae erwähnt Josephus auch Jesus. Der jüdische Geschichtsschreiber hat Jesus zwar zu den Warnern vor der Katastrophe des Jüdischen Krieges gerechnet, aber nicht an ihn als den Christus geglaubt. So 1

Zu dieser Datierung vgl. Riesner: Paul’s Early Period (1998), S. 35–58.

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2 Die Anrede Jesu als Lehrer

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ist das berühmte testimonium Flavianum durchaus ambivalent formuliert. Die Substanz dieses Jesus-Zeugnisses wird heute von einer Mehrheit der Forscher für echt gehalten. Besonders lange unbeachtete, syrische Quellen bieten einen recht ursprünglichen Text.2 Josephus schrieb unter anderem: „Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mann … Er war nämlich der Vollbringer rätselhafter Taten und Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen“ (Ant XVIII 63). Damit wird ein Eindruck wiedergegeben, den viele Zeitgenossen von Jesus hatten: Er war nicht nur ein (umstrittener) Wundertäter (Mk 3,22), sondern auch ein „weiser Mann (σοφòς ἀνήρ)“ und „Lehrer (διδάσκαλος)“.

2 Die Anrede Jesu als Lehrer Auch in den Evangelien wird Jesus „Lehrer“ (διδάσκαλος) genannt und sie haben sogar noch den hebräischen bzw. aramäischen Ausdruck aufbewahrt, mit dem Jesus angeredet wurde, nämlich rabbi (ῥαββί, ‫[ רבי‬Mk 9,5; 11,21; Joh 1,32.49 usw.]). Gegenwärtig werden jüdische Schriftgelehrte, die einer Synagogengemeinde vorstehen, Rabbiner genannt. Allerdings ist zu beachten, dass diese Bezeichnung eine geschichtliche Entwicklung durchgemacht hat. Heute muss ein Rabbiner eine mehrjährige akademische Ausbildung absolvieren, verheiratet sein und von mehreren anderen Rabbinern durch Handaufstemmung zum selbständigen Lehren ordiniert werden. Ein solches Amt hat sich aber erst seit dem 2. und 3. Jahrhundert herausgebildet, als nach den Katastrophen des Ersten Jüdischen Krieges 66–70 und des Bar-KochbaAufstandes 132–135 das vorher pluralistische Judentum zum vereinheitlichten Rabbinischen Judentum wurde. Im 1. Jahrhundert war rabbi die respektvolle Anrede für jeden, den man als Lehrer der Heiligen Schrift anerkannte. Auch Johannes der Täufer wurde so angeredet (Joh 3,2.26), obwohl er weder studiert hatte noch verheiratet oder ordiniert war, und für Jesus gilt dasselbe.

3 Die Bedeutung des Gedächtnisses Die Anrede rabbi deutet an, dass der Täufer und Jesus von ihren Zeitgenossen als Lehrer wahrgenommen wurden, weil sie sich offensichtlich der damals 2

Vgl. Whealey: Testimonium Flavianum (2008).

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üblichen Lehrmethoden bedienten (vgl. Lk 11,1).3 Dieser Eindruck wird durch eine Analyse der von beiden überlieferten, leicht memorierbaren Worten bestätigt. Die gesamte antike Pädagogik von der Elementarstufe bis hin zu den griechischen Philosophenschulen und den jüdischen schriftgelehrten Akademien war auf das ständige Training des Gedächtnisses aufgebaut.4 Man teilte nämlich die Überzeugung, dass zum inneren geistigen Besitz nur werden kann, was man sich dem Gedächtnis eingeprägt hat.5 So rühmte sich gerade auch Josephus im Rückblick auf seine Ausbildung eines besonders guten Gedächtnisses (Vita 8). Darüber hinaus hat er als typisch für damalige Juden festgestellt: Bei uns mag man den ersten besten über die Gesetze befragen, und er wird sämtliche Bestimmungen derselben leichter hersagen als seinen eigenen Namen. Weil wir nämlich gleich vom Erwachen des Bewusstseins an die Gesetze erlernen, sind sie in unsere Seelen sozusagen eingegraben (CAp II 178).

Hier spielt sicher auch ein Moment der Übertreibung mit, aber das eifrige Auswendiglernen der Gesetze der Torah bestätigt auch der jüdische Philosoph Philo, der um 40 n. Chr. in Alexandrien wirkte (Leg Gaj 210), und nicht zuletzt ein antiker Antisemit wie der römische Philosoph Seneca. Er musste den Juden zugestehen: „Jene wissen die Gründe für ihre Riten, der größte Teil der [übrigen] Bevölkerung weiß nicht, warum er tut, was er tut“ (De superstitione [Augustinus, Civ Dei VI 10]). Durch beide antiken Autoren erhalten wir eine weitere wichtige Information: Der Lerneifer jüdischer Menschen hing direkt mit ihrer Religion zusammen. Das ist wichtig festzuhalten, weil sonst Bildung in der Antike vor allem ein Privileg der Oberschicht war. Im Judentum galt dagegen: Wer fromm sein wollte, musste lernen. Das verwirklichten besonders die pharisäischen und essenischen Gemeinschaften (Josephus, Bell II 162; 1QS 6,6–8), die sich seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. bildeten.6 Schon das Buch Deuteronomium hatte als Pflicht der Vater eingeschärft: „Du sollst diese meine Worte in dein Herz und deine Seele nehmen … Lehre sie deinen Kindern, 3

Vgl. Riesner: Jesus als Lehrer (1988); ders.: Teacher, Teaching Forms, and Styles (2008); ders.: Messianic Teacher (2011); ders.: Teacher (2013). 4 Vgl. Morgan: Literate Education (1998), S. 251. 5 Vgl. Carruthers: The Book of Memory (1990), S. 13. 6 Vgl. Baumgarten: Flourishing of Jewish Sects (1997), S. 114–136.

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4 Synagogen und Elementarschulen

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indem du mit ihnen darüber redest, wenn du im Hause oder wenn du draußen bist, wenn du aufstehst oder dich niederlegst“ (Dtn 11,18–19).7

4 Synagogen und Elementarschulen Wie aber wurde eine solche religiöse Bildung auch für Nichtwohlhabende möglich? Die Antwort darauf liegt in einer bis heute für das Judentum charakteristischen Institution. Durch den Priester Esra wurde um 400 v. Chr. die Torah in Gestalt der fünf Bücher Mose zum Staatsgesetz (Esr 7,11–14). So ergab sich die Notwendigkeit, das ganze Volk darin zu unterweisen (Neh 8,1–18). Seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. sind in der Diaspora Synagogengebäude bezeugt und seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. auch in Erez Jisrael/Palästina. Antike Religionen waren auf Opfer und Gebet konzentriert. Den Mittelpunkt des synagogalen Gottesdienstes am Schabbat bildete dagegen die Verlesung und Auslegung der Heiligen Schriften.8 Die älteste literarische Quelle mit Schilderungen darüber ist übrigens das lukanische Doppelwerk (Lk 4,16 ff.; Apg 13,14– 15). Die Einführung eines reinen Wortgottesdienstes war eine wirkliche Revolution in der Religionsgeschichte. Deshalb erschien das Judentum antiken Menschen eher als eine Art, wenn auch barbarischer Philosophie. Philo hat diesen verbreiteten Eindruck bei der Verteidigung seiner Religion genutzt, indem er den Sabbatgottesdienst ein „philosophieren“ (φιλοσοφεῖν) nannte und die Synagogengebäude „Lehrhäuser“ (διδασκαλεῖα) (Spec II 61–62; Mos II 215–216 usw.). In neutestamentlicher Zeit durfte jeder religionsmündige Jude am Synagogengottesdienst aktiv teilnehmen. Dazu musste er allerdings lesen können und auch Grundzüge der Auslegung beherrschen. Deshalb waren den Synagogen Elementarschulen angegliedert. In der Luther-Übersetzung von 1912 war darum statt von Synagogen mit einem gewissen Recht von „Schulen“ die Rede. Bis zum heutigen Tag ist es Höhepunkt der Bar-Mizwa, der jüdischen Konfirmation, dass der religionsmündige Vierzehnjährige zum ersten Mal öffentlich aus der Torah vorliest. Das ist gegenwärtig nicht leicht und zur Zeit des Neuen Testaments war es das noch viel weniger. Damals wurde das Hebräische ja ohne Vokalzeichen geschrieben. Unvokalisierte Texte flüssig und fehlerfrei zu 7 8

Vgl. Finsterbusch: Weisung für Israel (2005). Vgl. Safrai: Communal Functions (1995); Binder: Into the Temple Courts (1999), S. 399–404; Levine: The Ancient Synagogue (2000), S. 19–159.

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lesen, ist nicht ganz einfach. Faktisch bedeutete es, dass die für die Sabbatlektionen bestimmten Vorleser sich die entsprechenden Texte auswendig einprägten. Dafür standen die Schriftrollen, die sich natürlich nicht jeder leisten konnte, in der Synagoge auch über die Woche zur Verfügung (vgl. Apg 17,10– 11).

5 Auswendiglernen und Anspielungen Auch abgesehen davon haben sich fromme Juden weite Teile des Alten Testaments ins Gedächtnis eingeprägt. Wer die Torah befolgen wollte, musste sie stets in seinem Inneren tragen, „um Tag und Nacht murmelnd (‫ )יהגה‬über sie nachsinnen“ zu können, wie es in Psalm 1,2 heißt. In der Antike wusste man nämlich, dass sich mit lautem Sprechen leichter auswendig lernen lässt. Darin stimmten der große römische Pädagoge Quintilian (Inst Orat XI 2,33–34) und die Rabbinen überein (bMeg 32a; bBB 21a usw.).9 Das führte früher zu dem antisemitischen Schimpfwort: „Ein Geschrei wie in der Judenschule“. Dass es beim Auswendiglernen nicht bloß um etwas Äußeres geht, wird in anderen Sprachen als dem Deutschen besser zum Ausdruck gebracht. Auf Englisch heißt es „to learn by heart“ und auf Französisch „apprendre par cœur“. Beide Wendungen gehen auf eine biblische Ausdrucksweise zurück. „Schreiben auf die Tafel des Herzens (‫“)כתב על לוח לב‬, so nennen die Sprüche Salomos das Auswendiglernen (Spr 3,3; 7,3).10 Vor diesem religiös-kulturellen Hintergrund ist ein Phänomen zu verstehen, das außerhalb der Erfahrung der meisten von uns liegt. Jesus und auch Paulus durften bei vielen Zuhörern damit rechnen, dass sie Anspielungen auf biblische Texte ohne weiteres verstanden.11 Weil solche Hörer weite Teile des Alten Testaments auswendig beherrschten, wie Josephus (CAp II 175; Ant IV 210–211) und später Eusebius (Praep Ev XI 5) berichten, genügte ein halber Satz oder oft auch nur ein charakteristisches Wort, um bei ihnen die Assoziation an einen ganzen Textzusammenhang hervorzurufen. Ich selbst habe etwas Ähnliches während meiner Zeit als Vikar einer schwäbischen Kirchengemeinde erlebt. In einer Gemeinschaftsstunde, die vor allem von älteren Mitgliedern 9

Vgl. Bonner: Education (1977), S. 165 f.; Riesner: Jesus als Lehrer (1988), S. 196. Vgl. Small: Wax Tablets of the Mind (1997), S. 131–136. 11 Vgl. Allison: Scriptural Allusions (2000). 10

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6 Lehrzusammenfassungen

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besucht wurde, habe ich oftmals einen Bibelvers begonnen und dann mittendrin bewusst aufgehört. Die Zuhörer und Zuhörerinnen haben dann die Fortsetzung des Verses zu Ende gemurmelt, natürlich in der Luther-Übersetzung von 1912.

6 Lehrzusammenfassungen Fromme Juden haben aber nicht nur weite Teile des Alten Testaments auswendig beherrscht, sondern sich auch wichtige Lehrsätze berühmter Rabbinen eingeprägt. Diese Lehrer bedienten sich einer Methode, die schon die Propheten und Weisen des Alten Testaments eingesetzt hatten, aber genauso auch Lehrer der hellenistisch-römischen Kultur. Dabei wurden wichtige Lehren in kurze Sätze komprimiert, die für das Gedächtnis einprägsam formuliert waren. Diese Kunst nennt man Mnemotechnik, vom griechischen Wort mnēmē (μνήμη) für „Gedächtnis“. Auch Jesus hat sich dieses Verfahrens bedient, um Kernsätze seiner Lehre Hörern und Hörerinnen einzuprägen.12 Wir müssen uns das konkret so vorstellen: Oftmals hat Jesus eine längere Rede damit begonnen, dass er ihr einen solchen Lehrsatz voranstellte, den er dann weiter erläuterte und dabei mehrmals wiederholte. So beschreibt Philo das Vorgehen jüdischer Lehrer (Vit Cont 76). Jesus hat auch längere Ausführungen in einem Kernsatz zusammengefasst (vgl. Mk 7,1–20). Auf solche Lehrsummarien konnte Jesus durch seine erhobene Stimme (Lk 8,8; 10,21) oder besondere Einleitungen hinweisen. Besonders typisch, ja sogar spezifisch für ihn war die Einleitung „Amen, ich sage euch …“. Durch ein solches Aufmerksamkeitssignal wussten die Zuhörer und Zuhörerinnen, dass nun ein besonders wichtiger Satz folgen würde, der behalten werden sollte.

7 Mnemotechnische Stilmittel Wir alle wissen aus eigener Erfahrung, dass sich Poesie leichter auswendig lernen und behalten lässt als Prosa. Und jetzt kann auch das Rätsel aufgelöst werden, warum ich nach bald sechzig Jahren einen Ausspruch meiner Lehrerin aus der Grundschule wörtlich behalten konnte. Es war ein kurzes, gereim12

Vgl. Kennedy: New Testament Interpretation (1984), S. 67–69; Riesner: Jesus als Lehrer (1988), S. 359–361.

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tes Morgengebet13 . Dazu kam noch, dass es das ganze Schuljahr über täglich zu Unterrichtsbeginn gemeinsam gesprochen wurde. Damit lernen wir drei Faktoren kennen, die für die Stabilität mündlicher Überlieferung sorgen, wie schon Quintillian (Inst Orat I 1,35–36) wusste: Dichterische Formung, Kürze und Wiederholung. Die Art und Weise, wie etwas in eine dichterische Form gebracht wird, ist allerdings nach Kultur und Zeit verschieden. Die Germanen bevorzugten den Stabreim, also den Anlaut mit demselben Buchstaben oder derselben Silbe. Später wurde im Deutschen der Endreim das übliche Stilmittel der Dichtung. Die häufigste dichterische Formung im Alten Testament und dann später im Judentum ist dagegen der parallelismus membrorum. Wenn man die Worte Jesu in den synoptischen Evangelien analysiert, dann stellt man fest, dass etwa 80 % der selbständigen Einheiten sehr kurz und in irgendeiner Form des parallelismus membrorum geformt sind.14 Nehmen wir als Beispiel das Logion Markus 8,35: „Wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben meinetwegen verliert, der wird es erhalten.“

Die entscheidenden Stichworte sind in Zeile 1 „erhalten“, in 2 und 3 „verlieren“ und in 4 wieder „erhalten“. Wir haben hier also die Form ABB’A’. Das heißt, der Mittelteil wird durch zwei sich entsprechende Teile eingeschlossen. Ein solcher Chiasmus galt in der antiken Rhetorik als ein besonders effektiver mnemotechnischer Kunstgriff.15 Auch andere rhetorische und poetische Stilmittel hat Jesus eingesetzt, um seine Worte einprägsam zu machen.16

8 Der Anspruch der Worte Jesu Das durchgehend in paarweisen Parallelismen und offensichtlich im Zweiheber-Rhythmus formulierte und damit sehr einprägsame Gleichnis vom Hausbau macht Jesu Worte zum Fundament für ein Leben, das in Gottes Gericht be13

„Wie fröhlich bin ich aufgewacht, / wie hab ich geschlafen so sanft die Nacht. / Hab Dank du lieber Vater mein, / dass du hast wollen bei mir sein. / Behüte mich auch diesen Tag, / dass mir kein Leid geschehen mag“. 14 Vgl. Baum: Der mündliche Faktor (2008), S. 202–217. 15 Vgl. Carr: Writing on the Tablet of the Heart (2005), S. 152. 16 Vgl. Riesner: Jesus als Lehrer (1988), S. 392–404; Stein: Jesus’ Teaching (1994), S. 7–32.

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9 Die Jünger als Schüler

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steht: „Wer diese meine Worte (μου τοὺς λόγους τούτους) hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf den Felsen baute …“ (Mt 7,24– 27 / Lk 6,47–49). An der Stellung zu seinen Worten, so sagt Jesus, entscheidet sich Heil und Unheil. Das war ein unerhörter Anspruch (vgl. Mk 13,30–31). So etwas konnte man nach Überzeugung der Rabbinen eigentlich nur von der Torah sagen (ARNA 24).17 Mit diesem Gleichnis stellte Jesus seine Worte also auf dieselbe Stufe. Sollte man sich dann diese Worte nicht zu Herzen nehmen und das hieß eben auch, sie dem Gedächtnis unverlierbar einzuprägen? Besonders eine Gruppe hat das getan.

9 Die Jünger als Schüler Entscheidend für den Beginn einer Überlieferung von Worten Jesu schon vor Ostern war, dass er einen Kreis von Jüngern um sich gesammelt hat.18 Der Ausdruck, den sämtliche deutsche Bibelübersetzungen mit „Jünger“ wiedergeben, ist mathētēs (μαθητής). Diese Bezeichnung für die engsten Anhänger Jesu geht auf das hebräische talmid (‫ )תלמיד‬bzw. das aramäische talmida’ (‫ )תלמידא‬zurück. Beides kommt vom Wortstamm lamad (‫)למד‬, was „lernen“ bedeutet. Der talmid ist ein „Lerner“, also auf gut Deutsch ein „Schüler“. Wenn Jesus seine engsten Anhänger mit diesem Ausdruck benannte (Mt 10,24 / Lk 6,40; Lk 14,26), dann wies er damit auf eine ihrer Hauptaufgaben hin, nämlich von seinem Wort und Verhalten zu lernen (vgl. Mt 11,28–30). Jesus hat seine Jünger persönlich dazu berufen, ihn ständig zu begleiten und nach einer Zeit des Lernens bei seiner Verkündigung zu unterstützen (Mk 1,16–20; 6,7–13; Mt 8,20–21 / Lk 9,59–60). Weil die Jünger stets dabei waren, hörten sie auch immer wieder die Lehrzusammenfassungen, die Jesus bei verschiedenen Gelegenheiten vortrug. Schon allein dadurch konnten sich die Jünger diese Summarien besonders gut einprägen.

17 18

Vgl. Strack/Billerbeck: Das Evangelium nach Matthäus (1926), S. 469 f. Vgl. Riesner: Jesus als Lehrer (1988), S. 408–453; Schürmann: Jesus (1994), S. 64–104; Haacker: Was Jesus lehrte (2010), S. 13–15.

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Von Jesus zum Markus-Evangelium

10 Die Aussendung der Jünger Beim vorösterlichen Wirken Jesu muss man zwei Phasen deutlich unterscheiden. Zuerst wandte er sich in Galiläa an große Volksmassen, die auch von seinen Heilungen angezogen wurden (Mk 3,7–10; 5,21). Das Hauptthema in dieser Zeit war der Anbruch des Reiches Gottes (Mk 1,15). Am Ende seiner Wirksamkeit in Galiläa wollte Jesus dessen gesamte jüdische Bevölkerung zur Umkehr zu Gott rufen und dazu sandte er seine Jünger aus (Mt 10; Mk 6,7–13; Lk 9–10). Dieser Aussendung ging eine besondere Unterweisung voraus. Ein Wort daraus lautet (Lk 10,16; vgl. Mt 10,40): „Wer euch hört, / der hört mich. Und wer euch verachtet, / der verachtet mich. Wer aber mich verachtet, / der verachtet meinen Aussender“.

Dieses Logion ist wieder im parallelismus membrorum aufgebaut und den besonders eindringlichen Zweiheber-Rhythmus kann man noch in der griechischen Fassung wie in der deutschen Übersetzung wahrnehmen. Dabei gibt es eine deutliche, dreifache Steigerung und es wird eine regelrechte Tradentenkette aufgestellt. Als Schüler Jesu haben die Jünger seine Worte weiter zu sagen. Jesu Worte aber gehen auf das zurück, was ihm Gott offenbart hat (vgl. Mt 11,25–27 / Lk 10,21–22). Mit dem „Aussender“ ist nämlich niemand anderes als Gott gemeint, dessen Name hier nach jüdischer Sitte umschrieben wird. Für „aussenden“ steht im Griechischen das Wort apostellein (ἀποστέλλειν). Wenn Jesus seine Jünger aussandte, dann waren sie seine Abgesandten und so ist zu erklären, dass sie später als apostoloi (ἀπόστολοι) bezeichnet wurden. Das griechische Wort ist eine sehr ungewöhnliche Partizipialbildung. Sie wird erklärlich als die geradezu sklavische Wiedergabe des hebräischen Wortes schaliach (‫)שׁליח‬, was „Abgesandter“ bedeutet. Hinter dem zitierten Logion Jesu steht frühjüdisches Botenrecht, wie es die rabbinische Rechtssammlung der Mischna später klassisch formuliert: „Der Gesandte eines Menschen ist wie dieser selbst“ (mBer 5,5). Ein schaliach hatte deshalb nicht das eigene Wort auszurichten, sondern das seines Aussenders. So wird Jesus den Jüngern vor ihrer Aussendung zur Umkehrpredigt in Galiläa auch noch einmal wichtige Lehrsummarien eingeprägt haben (vgl. Mt 5,19; 10,27).

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11 Die „Galiläische Krise“

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11 Die „Galiläische Krise“ Nach dem Urteil Jesu hat die Mehrheit der galiläischen Bevölkerung die Umkehr verweigert. Deshalb spracher über sie mit den „Weherufen“ das Gericht Gottes aus (Mt 11,21–23 / Lk 10,13–15). Durch die große Verkündigungsaktion war aber auch Herodes Antipas, der galiläische Landesherr Jesu, auf ihn aufmerksam geworden (Mk 6,14–16). Herodes hatte schon befürchtet, die Umkehrbewegung von Johannes dem Täufer werde zu einem messianischen Aufstand führen, und hatte ihn deshalb hinrichten lassen (Josephus, Ant XVIII 116–119; vgl. Mk 6,17–29). Man spricht in der Forschung, wie auch Ulrich Wilckens in seiner empfehlenswerten Theologie des Neuen Testaments, von der „Galiläischen Krise“19 . Jesus antwortete darauf wie rund siebenhundert Jahre vorher der Prophet Jesaja. Als dessen Verkündigung abgelehnt wurde, zog er sich in den engsten Kreis seiner Jünger (‫ )למדים‬zurück und offenbarte nur ihnen, was Gott in Zukunft vorhatte (Jes 8,16).20 So war es auch bei Jesus, indem er aus einem weiteren Jüngerkreis noch einmal zwölf Männer auswählte, die ihn weiter begleiten sollten (vgl. Joh 6,66–70), wenn er in sichere Gebiete außerhalb Galiläas auswich (vgl. Mk 7,24.31; 8,27). Die vorösterliche Begründung des Zwölferkreises wird heute von den meisten Forschern als historisch anerkannt.

12 Die Zwölf als Urtradenten Die Zwölfzahl war kein Zufall, sondern hatte eine tiefe symbolisch-theologische Bedeutung. Die Zwölf standen für die zwölf Stämme Israels (Mt 19,28 / Lk 22,30). Jesus gab weder seinen Anspruch auf das alte Gottesvolk noch seine Hoffnung dafür auf. Wie sich diese Hoffnung realisieren sollte, offenbarte Jesus den Zwölfen. Ihnen enthüllte er das Geheimnis seiner Person. Jesus hatte die anbrechende Königsherrschaft Gottes verkündigt, aber über den messianischen König geschwiegen. Dieses so genannte „Messiasgeheimnis“ ist kein Konstrukt des Markus oder der Gemeinde vor ihm, sondern fest in der Überlieferung verankert.21 Jesus bekannte sich im Zwölferkreis zu seinem messianischen Anspruch, aber auch dazu, dass er von Gott her den Weg des leiden19

Wilckens: Geschichte (2002), S. 304–328. Vgl. Riesner: Jesus als Lehrer (1988), S. 476–487; Byrskog: Jesus (1994), S. 39–41. 21 Vgl. Hengel/Schwemer: Jesus und das Judentum (2007), S. 506–525. 20

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den Gottesknechtes von Jesaja 53 gehen müsse (Mk 8,27–33). Die Zwölf waren beim letzten Abendmahl dabei, als Jesus noch einmal deutlich sein Leiden als stellvertretenden Sühnetod ankündigte (Mk 14,12–21). Die Zwölf unter Führung des Petrus bildeten dann nach Ostern für etwa ein Jahrzehnt bis zur Verfolgung durch Agrippa I 41/42 n. Chr. (Apg 12,1–19) die Leitung der Jerusalemer Urgemeinde (Apg 2,14; 8,14).22 In der katechetischen Formel, die Paulus den Korinthern weitergab und die bis ins erste Jahrzehnt der Jerusalemer Urgemeinde zurückreicht,23 werden neben Petrus die Zwölf als Zeugen der Auferstehung genannt (1Kor 15,3–5). Wie wichtig sie waren, sieht man auch daran, dass alle drei Synoptiker Listen mit ihren Namen überliefern (Mk 3,16–19; Mt 10,2–4; Lk 6,13–16). Die Zwölf bildeten eine lebendige Traditionsbrücke zwischen der vor- und nachösterlichen Zeit (Apg 1,13). Sie waren die wichtigsten Augen- und Ohrenzeugen der Geschichte Jesu und die zuverlässigsten Tradenten seiner Worte (vgl. Apg 1,15–26; 6,2). Aber wie gelangte ihre Überlieferung ins Markus-Evangelium?

13 Johannes Markus als Evangeliums-Verfasser Der ungewöhnlich formulierte Titel euaggelion kata Markon (εὐαγγέλιον κατὰ Μάρκον) oder verkürzt kata Markon (Codices ‫ א‬und B) stammt zwar nicht vom Verfasser selbst, geht aber mindestens auf die erste Hälfte des 2. Jahrhunderts zurück.24 Für eine frühe, zuverlässige Überlieferung spricht das Fehlen von Namensvarianten.25 Die älteste Nachricht, die uns hilft, den Verfasser dieses Evangeliums zu identifizieren, stammt von Papias. Er war Bischof der kleinasiatischen Stadt Hierapolis, deren Christengemeinde bereits der KolosserBrief erwähnt (Kol 4,13). Um 110 n. Chr. schrieb Papias sein Werk Auslegung von Herrenworten, das uns leider nur in Fragmenten erhalten blieb, die meist in der Kirchengeschichte des Eusebius von Caesarea stehen.26 Das entsprechende Fragment lautet: Markus als hermeneutēs (ἑρμενευτής) des Petrus schrieb genau auf, an was er [Petrus] sich von dem durch den Herrn Gesagten und Getanen erin22

Vgl. Riesner: Jerusalem (2012). Vgl. Stuhlmacher: (2005), S. 168–174; Häußer: Christusbekenntnis (2006), S. 61–158. 24 Vgl. Hengel: Die Evangelienüberschriften (2007). 25 Vgl. Collins: Mark (2007), S. 2 f. 26 Vgl. Baum: Papias als Kommentator (1996). 23

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13 Johannes Markus als Evangeliums-Verfasser

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nerte, nicht in einer Ordnung (τάξις), denn er [Markus] hatte weder den Herrn gehört noch ihn begleitet, später aber, wie ich sagte, den Petrus, der seine Lehren in Chrienform brachte (ὃς πρὸς τὰς χρείας ἐποίετο τὰς διδασκαλίας), aber nicht wie einer, der eine Zusammenordnung (σύνταξις) der logia (λόγια) des Herrn machte, so dass Markus nicht fehlte, wenn er einiges aufschrieb, wie er [Petrus] es erinnert hatte. Denn er [Markus] machte es zu seiner Sorge, nichts auszulassen, was er gehört hatte, oder irgendetwas daran zu verfälschen. (HE III 39,15)

Papias ist ein sehr früher Zeuge, der vor 100 noch direkten Kontakt mit zwei allerletzten Vertretern der apostolischen Generation, dem Jünger Aristion und dem Presbyter Johannes, hatte (Eusebius, HE III 39,4).27 Schon das spricht gegen eine Erfindung der Nachricht, vor allem aber, dass Papias das Markus-Evangelium nicht einem direkten Jünger zuschrieb. Das Evangelium erhält seine Autorität vielmehr durch die Verbindung des Markus zu Petrus. Die sprachliche Gestalt des Fragments verrät, dass Papias eine höhere literarische Bildung besaß. Er benutzte nämlich Fachvokabular, das wir aus damaliger Rhetorik und Geschichtsschreibung kennen.28 Wenn „Petrus seine Lehren in Chrienform brachte“, so gibt uns das einen wichtigen Einblick in die frühe Weitergabe der Evangelien-Überlieferung. Chrien waren bewusst für das Behalten im Gedächtnis geformte, kurze Texte, die wichtige Worte und Taten berühmter Männer festhalten sollten. Viele der isolierten Traditionen in den Synoptischen Evangelien wären gemäß den antiken Definitionen, wie sie sich bei Theon von Alexandria (Progymnasmata 5) und Quintilian (Inst Orat I 9,3-5) finden, chreiai (χρεῖαι), d. h. „nützliche (Anekdoten)“ gewesen.29 Der Ausdruck logia (λόγια) bezeichnet bei Papias nicht bloß Worte Jesu, sondern ebenso Erzählungen über seine Taten (πραχθέντα [Eusebius, HE III 39,15]). Wenn Markus von Papias der hermeneutēs des Petrus genannt wurde, so meint der Ausdruck hier nicht den Übersetzer ins Griechische, denn das beherrschte der Apostel selbst. Vielmehr hat Markus das, was Petrus von Jesus erinnerte, wie ein Übersetzer genau wiedergegeben. Papias setzte voraus, dass 27

Black (Mark [1994]) behandelt die patristischen Zeugnisse umfassend. Sein Ansatz ist aber einseitig literarisch orientiert und fragt deshalb zu wenig nach historischen Realitäten und Plausibilitäten. Das ist die Stärke der Arbeiten von Richard Bauckham (Anm. 28 und 30) und Martin Hengel (Anm. 44 und 56). 28 Vgl. Kürzinger: Aussage des Papias (1983); Bauckham: Jesus and the Eyewitnesses (2006), S. 202–239. 29 Vgl. Byrskog: Early Church (2007).

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Von Jesus zum Markus-Evangelium

der von ihm erwähnte Markus allgemein bekannt war. Nun kennen wir aus der Apostelgeschichte einen Jerusalemer Johannes Markus und aus den PaulusBriefen sowie dem Ersten Petrus-Brief einen Markus. Der Name Markus war bei Juden des 1. Jahrhunderts extrem selten und schon allein das spricht dafür, dass wir es im Neuen Testament nur mit einem Markus zu tun haben.30 Frühestens im 5. oder 6. Jahrhundert wurden in legendarischen Listen der Siebzig Jünger (vgl. Lk 10,1) bei Pseudo-Dorotheus und Pseudo-Hippolytus31 der Evangelist Markus und Johannes Markus unterschieden.32

14 Interne Indizien Die Zuschreibung des euaggelion kata Markon an einen aus Jerusalem stammenden Judenchristen, der mit Petrus und Paulus in Verbindung stand, wird neben historischen Überlegungen (§§ 16–19) von inneren Indizien unterstützt. Der Verfasser konnte nicht nur Griechisch, sondern auch Aramäisch und Hebräisch, wie die phonetisch richtige Wiedergabe von Worten beider Sprachen zeigt (Mk 5,41; 7,34; 15,34 usw.).33 Er kann deshalb kein Heidenchrist gewesen sein. Nach Udo Schnelle darf man „dem Evangelisten Kenntnisse in der Geographie Palästinas und angrenzender Gebiete nicht einfach absprechen“34 . Auch weiß Markus durchaus über jüdische Bräuche Bescheid (Mk 7,1–13). Für die Richtigkeit der Papias-Notiz spricht weiter, dass Petrus im Markus-Evangelium eine hervorgehobene Stellung einnimmt.35 So steht am Beginn die Schilderung eines 24-Stunden-Tages. Das ist außerhalb der Passion die absolute Ausnahme. Der Bericht reicht von der Berufung der vier ersten Jünger, einschließlich Petrus (Mk 1,16–20), über die Heilung seiner Schwiegermutter (Mk 1,29–31) bis hin zur Begegnung Jesu mit Petrus nach Ende des Sabbats (Mk 1,35–38). Wir haben hier offensichtlich die Erinnerung des Petrus an seinen ersten Tag in der Nachfolge Jesu, der sich ihm tief eingeprägt 30

Vgl. Bauckham: The Gospel of Mark (2012), S. 158–161. Texte bei Schermann: Prophetarum Vitae Fabulosae (1907), S. 132 ff. 32 Vgl. Pölzl: Mitarbeiter (1911), S. 85–91. 33 Die meisten semitischen Worte sind aramäisch (Rüger: Die lexikalischen Aramaismen im Markusevangelium [1984], S. 73–84), einige aber auch hebräisch (Cangh/Toumpsin: L’Évangile de Marc [2005]). 34 Schnelle: Einleitung (2007), S. 242 Anm. 187; vgl. auch Collins: Mark (2007), S. 8 f. 35 Vgl. Feldmeier: Die Darstellung des Petrus (1983). 31

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15 Adressaten, Ort und Zeit der Veröffentlichung

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hat.36 Petrus wird auch ganz am Schluss hervorgehoben: „Geht hin zu seinen Jüngern und zu Petrus …“, heißt es im Engelswort an die Frauen (Mk 16,7).

15 Adressaten, Ort und Zeit der Veröffentlichung Übereinstimmung herrscht wenigstens darüber, dass die Empfänger meist Heidenchristen waren, denn jüdische Bräuche werden erklärt (Mk 7,3–4; 14,12; 15,42). Nach Eusebius hätte Markus sein Evangelium nach Ägypten gebracht (HE II 16) und Hubert M. Humphrey lässt es sogar dort entstanden sein.37 Humphrey geht zu Recht von einer längeren Vorgeschichte des Evangeliums aus, kommt aber aufgrund einer Fehlinterpretation der patristischen Quellen zu seinem Schluss. Eusebius besaß keine alte Tradition und begründete seine Annahme vor allem mit der falschen Identifizierung der essenisierenden Therapeuten als christliche Mönche (HE II 16–17,1).38 Von einer Abfassung des Markus-Evangeliums in Ägypten spricht ausdrücklich nur Johannes Chrysostomus (Homilia [1,7] in Matthaeum), der aber die entsprechende Bemerkung des Eusebius missverstanden hat.39 Die meisten Ausleger nehmen mit der ältesten Überlieferung (Irenäus, Adv Haer III 1,2) eine Adressierung an Christen in Rom oder Italien an. Dafür spricht, dass Markus mehr Latinismen bietet als jeder andere Evangelist (Mk 4,21; 12,42; 15,16 usw.)40 . Auch erklingt das letzte christologische Bekenntnis aus dem Mund eines römischen Centurio (Mk 15,39). Es gibt einen besonders interessanten Hinweis, der das Markus-Evangelium nicht nur mit Rom, sondern sogar mit Jerusalem und Judäa verbindet. Alle drei synoptischen Evangelien berichten von einem Vorfall auf der letzten Wegstrecke zur Kreuzigung Jesu. Ein Simon von Kyrene wurde gezwungen, das patibulum, den Querbalken des Kreuzes, zu schleppen (Mt 27,32 / Mk 15,21 / Lk 23,26). Aber allein das Markus-Evangelium charakterisiert Simon noch näher als den „Vater des Alexander und Rufus“ (Mk 15,21). Diese 36

Vgl. Jeremias: Neutestamentliche Theologie (1988), S. 95; und auch Hengel: Four Gospels (2000), S. 84. 37 Humphrey: From Q to „Secret“ Mark (2006), S. 9–38. 38 Vgl. Griggs: Early Egyptian Christianity (1990), S. 19 f. 39 Vgl. Cranfield: The Gospel according to St Mark (1972), S. 9; Brooks: Mark (1991), S. 27. 40 Vgl. Blass/Debrunner/Rehkopf : Grammatik (1979), S. 6–9; Incigneri: Gospel (2003), S. 100– 103.

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Bemerkung ist nur sinnvoll, wenn die Leser die beiden Söhne kannten. Im Jahr 57 schrieb Paulus seinen Brief an die Christengemeinde in Rom. Am Schluss grüßte er viele Gemeindeglieder, die er in den Jahren zuvor kennengelernt hatte (Röm 16,2–15). Das Römische Reich mit seinen hervorragend ausgebauten und sicheren Straßen erlaubte ein Ausmaß von Mobilität, wie es in späteren Jahrhunderten nicht mehr erreicht wurde. Eine Gruppe mit auffallend hoher Mobilität waren die frühen Christen. Die weit auseinander liegenden Gemeinden waren durch Briefe, Boten und Besuche miteinander verbunden. Michael B. Thompson spricht mit englischem Humor vom „Holy Internet“41 . Am Ende des Römerbriefes heißt es: „Grüßt Rufus … und seine Mutter, die auch mir eine Mutter geworden ist“ (Röm 16,13). Für die Identität dieses Rufus mit dem Rufus im Markus-Evangelium spricht, dass er nicht aus Rom stammte, sondern Paulus früher einmal begegnet war, vielleicht sogar schon in Jerusalem.42 Aus Jerusalem aus der Zeit vor der Tempelzerstörung kennen wir eine Inschrift auf einem Kalksteinsarg zur Zweitbestattung (Ossuar), die vermutlich den anderen Sohn des Simon von Kyrene namens Alexander nennt (IEJ 12 [1962] 9–12).43 Auch das weist darauf hin, dass wir es im Markus-Evangelium nicht mit legendären Gestalten zu tun haben. Hinsichtlich der Zeit der Veröffentlichung sind die Kommentatoren in zwei annähernd gleich große Gruppen gespalten. Die einen datieren Markus kurz vor die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70, die anderen kurz danach. Nach meinem Urteil wurde das Markus-Evangelium während der Neronischen Verfolgung in Rom geschrieben, die mit dem Brand der Stadt im Juli des Jahres 64 begann und dem Selbstmord des Kaisers 68 endete. Für diese Datierung spricht Kapitel 13, wonach Jerusalem und der Tempel noch nicht zerstört sind.44 Auch die Kombination der Personalnotizen über Rufus bestärkt sowohl eine Entstehung des Markus-Evangeliums in Rom wie auch eine Abfassung nicht zu lange nach dem Jahr 57. Das Thema Verfolgung ist besonders akzentuiert (Mk 8,35; 10,30), wie man im synoptischen Vergleich sieht. Ralph P. Martin nannte das Markus-Evangelium sogar einen „persecution tract“45 . Diese Charakteristik 41

Thompson: The Holy Internet (1998). Vgl. Jewett: Romans (2007), S. 322; Haacker: Der Brief des Paulus an die Römer (2012), S. 322. 43 Vgl. Evans: Jesus and the Ossuaries (2003), S. 94–96. 44 Vgl. Edwards: The Gospel according to Mark (2002), S. 7 f.; Hengel: Entstehungszeit und Situation des Markusevangeliums (2007). 45 Martin: Mark (1972), S. 65. 42

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16 Herkunft des Johannes Markus

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passt gut zu einer Veröffentlichung in der Zeit der Neronischen Verfolgung.46 Vielleicht hängt auch der abrupte Schluss in Markus 16,8 „sie fürchteten sich nämlich ἐφοβοῦντο γάρ)“ mit der Verfolgungssituation zusammen. Jedenfalls spricht viel dafür, dass der Evangelist sein Evangelium nicht so, sondern mit einer Erscheinung des Auferstandenen beenden wollte.47 Der Begriff „Veröffentlichung“ wird hier mit Absicht gebraucht, denn das Markus-Evangelium hatte eine längere Vorgeschichte, die mit der Person seines Verfassers zusammenhängt.

16 Herkunft des Johannes Markus Johannes Markus war schon durch seine Herkunft für die Abfassung einer Evangelien-Schrift besonders geeignet. Das erste Mal hören wir von ihm in Apostelgeschichte 12,12: „Petrus ging zum Haus Marias, der Mutter des Johannes mit Beinamen Markus, wo viele beieinander waren und beteten.“ Im neutestamentlichen Judentum gab es sowohl bei Männer- wie bei Frauennamen jeweils die Top Ten. Dazu gehörte auch Maria. Wir hatten sicher alle schon Probleme, die verschiedenen Marien in den Evangelien auseinanderzuhalten. Maria wird hier durch ihren Sohn Johannes Markus näher identifiziert. Er dürfte also zumindest einigen Lesern der Apostelgeschichte bekannt gewesen sein. Johannes gehörte zu den Top Ten der Männernamen, deshalb wird der Beiname Markus genannt. Das ist weder jüdisch noch griechisch, sondern lateinisch. Eine mögliche Erklärung dafür wäre, dass seine Eltern oder Vorfahren von den Römern versklavt worden waren, später aber freigelassen wurden. Auf diese Weise, so ergibt es sich aus einer Nachricht bei Hieronymus (Comm in Phlm 23; Vir Ill 5), hat der Vater des Apostels Paulus, das römische Bürgerrecht erhalten.48 Vielleicht gehörte die Familie des Markus wie Paulus zur griechischsprachigen „Synagoge der Libertiner (συναγωγὴ Λιβερτίνων)“ (Apg 6,9), das heißt „der Freigelassenen (libertini)“. Es dürfte sich um dieselbe Synagoge handeln, zu der die berühmte Theodotos-Inschrift gehörte (CIJ 1404). Aber so wie Paulus Hebräisch konnte (Phil 3,5), wurde die heilige Sprache auch im Elternhaus 46

Vgl. Lane: The Gospel of Mark (1974), S. 17 f.; Bayer: Das Evangelium des Markus (2008), S. 51 f.; und auch Donahue: Windows and Mirrors (1995). 47 Vgl. Gundry: Mark (1992), S. 1009–1012; Evans: Mark 8:27–16:20 (2001), S. 538 f. 48 Vgl. Riesner: Paul’s Early Period (1998), S. 151–154.

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des Markus gepflegt. Darauf weist sein hebräischer Name Jochanan (‫)יוחנן‬, gräzisiert Johannes (Ἰωάννης). Er gehörte also zu jenen Juden Jerusalems, die leicht von einer Sprache in die andere wechseln konnten. Überhaupt muss man bei den Juden Palästinas von einem weit verbreiteten Trilingualismus ausgehen.49 Viele verstanden Hebräisch, Aramäisch und Griechisch. Das war ähnlich wie heute in Jerusalem. Mit dem Taxifahrer redet man Englisch, mit seinem Chef spricht er Ivrit, er selbst aber ist Araber. Lukas bemerkt ausdrücklich, dass zur Urgemeinde auch griechischsprachige Judenchristen, die Hellenistai (Ἑλληνισταί), gehörten (Apg 6,1). Das spricht gegen die Annahme von vielen Übersetzungsfehlern. Das Haus der Maria war der Versammlungsort von griechischsprachigen Gläubigen. Wir erfahren nämlich, dass sich die hebräischsprachigen an einem anderen Ort um den Herrenbruder Jakobus versammelten (Apg 12,17).50 Maria war offensichtlich eine reiche Witwe. Wenn ihr Mann noch gelebt hätte und gläubig gewesen wäre, hätte Lukas ihn genannt. War der Mann dagegen ungläubig, aber noch am Leben, hätten sich die Gläubigen dort nicht versammeln können. Maria besaß ein vornehmes Haus mit einer aufwändigen Toranlage (πυλῶν) und hatte auch mindestens eine Dienerin (Apg 12,13–14). Aus dem Kolosser-Brief erfahren wir, dass Markus einen Vetter namens Barnabas hatte (Kol 4,10). Josef genannt Barnabas war ein aus Zypern gebürtiger Levit (Apg 4,36–37). Er hatte in Jerusalem Grund und Boden erworben und sich in der Heiligen Stadt niedergelassen. Das konnte man nur, wenn man wohlhabend war, und das tat nur, wer fromm war. Der soziale und religiöse Hintergrund des Barnabas passt also gut zu dem seiner Verwandten Maria, der Mutter des Johannes Markus. Aufgrund der Verwandtschaftsverhältnisse kann auch Markus Levit gewesen sein.51 Leviten erhielten schon in alttestamentlicher Zeit eine Schreiberausbildung (vgl. 1Chr 23,3–4; 24,6; 2Chr 34,13). Dass Markus eine literarische Ausbildung hatte, ist aber schon allein durch seinen sozialen und religiösen Hintergrund sicher. Es ist nicht unmöglich, dass Markus mit dem jungen Mann, der bei der Verhaftung Jesu in Gethsemane floh, andeutet, wie ihn die Geschichte Jesu berührt hat (Mk 14,51–52).52 Wenn man 49

Vgl. Baltes: Hebräisches Evangelium (2011), S. 70–150. Vgl. Riesner: Essener und Urgemeinde (1998), S. 64 f. 51 Zu möglichen levitischen Themen im Markus-Evangelium vgl. Brooke: Levi and the Levites (2005), S. 134–138. 52 Vgl. Witherington: The Gospel of Mark (2001), S. 382; Dschulnigg: Das Markusevangelium (2007), S. 376. 50

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17 Kontakt zu Petrus

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Theodor Zahn folgt, dann scheint schon der Canon Muratori um 200 in Rom diese Auffassung vorauszusetzen.53

17 Kontakt zu Petrus Die Verbindung des Johannes Markus zu Petrus reichte bis in die früheste Zeit der Jerusalemer Urgemeinde zurück. Diese Nachricht des Lukas (Apg 12,12) wird durch eine Bemerkung im Ersten Petrus-Brief bestätigt, dessen Herkunft vom Apostel sich begründen lässt.54 Dort heißt es: „Es grüßt euch aus Babylon [d. h. Rom] die Gemeinde, die mit euch erwählt ist, und mein Sohn Markus“ (1Pt 5,13). „Sohn“ ist hier natürlich in einem geistlichen Sinn gemeint. Paulus nannte Timotheus seinen „Sohn“ (1Kor 4,17), weil er diesem jungen Mitarbeiter zu einem geistlichen Vater geworden war (Apg 16,1). Dasselbe galt für das Verhältnis von Petrus und Johannes Markus seit ihrem Kontakt in Jerusalem. Schon in der Hausgemeinde seiner Mutter hörte Markus die Worte und Taten Jesu, wie sie Petrus erinnerte. Gegen eine Verbindung des Markus-Evangeliums mit Petrus wendet Udo Schnelle ein, dass sich dort keine „petrinische Theologie feststellen“ lasse.55 Das ist ein merkwürdiges Argument, denn woher kennt Schnelle diese Theologie, wenn doch beide PetrusBriefe unecht sind und die Petrus-Reden der Apostelgeschichte lukanische Konstruktionen? Der starke Bezug auf die Gottesknechts-Weissagung in Jesaja 53, der das alte Jerusalemer Summarium 1. Korinther 15,3–5, das MarkusEvangelium und den Ersten Petrus-Brief kennzeichnet, könnte auf den Einfluss des Petrus zurückgehen.56

18 „Diener des Wortes“ Um 46/47 begleitete Markus Barnabas und Paulus auf der ersten Missionsreise. Lukas schreibt: „Als sie in die Stadt Salamis [auf Zypern] kamen, verkündigten sie das Wort Gottes (λόγος τοῦ θεοῦ); sie hatten aber auch Johannes 53

Zahn: Einleitung (1994), S. 216 f. Text bei Aland (Hrsg.): Synopsis Quattuor Evangeliorum (1996), S. 538. 54 Vgl. Carson/Moo: Einleitung (2010), S. 772–779. 55 Schnelle: Einleitung (2007), S. 241. 56 Vgl. Schulz: Apostolische Herkunft (1997), S. 125–186; Hengel: Probleme des Markusevangeliums (2007), S. 471–474.

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Von Jesus zum Markus-Evangelium

als hypēretēs (ὑπηρέτης)“ (Apg 13,5). Dieser griechische Ausdruck weist, wie ein Vergleich mit dem Vorwort des Lukas-Evangeliums zeigt (Lk 1,1–4), auf Markus als einen Tradenten von Jesus-Überlieferungen hin. Das Vorwort bezeichnet die „Augenzeugen (αὐτόπται)“, die von Jesus „überlieferten (παρέδοσαν)“, als „hypēretai tou logou (ὑπηρέται τοῦ λόγου) – Diener des Wortes“ (Lk 1,2). Der Lehrdienst der Apostel wird später diakonia tou logou (διακονία τοῦ λόγου) „Dienst des Wortes“ genannt (Apg 6,4). Damit ist nicht einfach die Verkündigung durch Predigt gemeint, denn die vollzogen auch Mitglieder des Siebener-Kreises wie Stephanus und Philippus (Apg 7,2 ff.; 8,5 ff.). Die diakonia tou logou wie die didachē tōn apostolōn (διδαχὴ τῶν ἀποστόλων), die „Lehre der Apostel“ (Apg 2,42), umfasste vor allem auch die Überlieferung von Jesus, wofür die Zwölf die maßgeblichen Tradenten waren.57 Auch nach Darstellung des Lukas war Markus besonders für die Abfassung eines Evangeliums geeignet.

19 Schriftliche Notizen Sowohl in der hellenistisch-römischen wie in der jüdischen Bildung gingen mündliche und schriftliche Überlieferung Hand in Hand. Die mündliche Überlieferung wurde durch schriftliche Aufzeichnungen gesichert und schriftliche Vorlagen dienten zum Memorieren. Loveday Alexander, eine englische Spezialistin für antike Bildung, schreibt: „Once memory has achieved the relatively stable form of anecdote (‚reminiscence‘), the initial transfer to writing can be managed with relative ease.“58 Für „Anekdote“ kann man auch den griechischen Begriff „Chrie χρεία)“ einsetzen. Wir hatten gesehen, dass schon Petrus Jesus-Überlieferungen in diese behältliche Form brachte (§ 13). Spätestens als Johannes Markus die Apostel Barnabas und Paulus um 46/47 als Tradent begleitete, dürfte er auch schon schriftliche Aufzeichnungen mitgeführt haben. Vermutlich gehen diese aber in eine noch frühere Zeit zurück. Nach einer früh und mehrfach bezeugten Überlieferung begab sich Petrus nach der Verfolgung durch Agrippa I um 41/42 nach Rom (Eusebius, HE II 14,6-15,2; Chronikon [Helm 179]) und vielleicht enthält Apostelgeschichte 12,17 (ἐπορεύθη εἰς ἕτε-

57 58

Vgl. Gerhardsson: Memory and Manuscript (1998), S. 208–245. Alexander: Memory and Tradition (2009), S. 148 f.

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19 Schriftliche Notizen

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ρον τόπον) eine Anspielung darauf.59 Es wäre zumindest möglich, dass Markus den Petrus damals begleitete und auch schon eine erste Jesus-Erzählung informell an Interessierte weitergab, so wie es Clemens von Alexandrien schildert (Hypotyposeis [Eusebius, HE VI 14,6-7; 15,2]; Adumbrationes in 1 Pt 5,13 [GCS 17,206]).60 Allerdings ist es ausgeschlossen, das Qumran-Fragment 7Q5 mit dem Text Markus 6,52–53 zu identifizieren und so für eine Frühdatierung des Evangeliums in Anspruch zu nehmen.61 Markus hatte auch Kontakte mit Lukas, dem wir ein anderes Evangelium verdanken.62 Im Philemon- und im Kolosser-Brief grüßen die Zwei zusammen als Mitarbeiter des Paulus (Phlm 23–24; Kol 4,10.14). Beide Briefe dürften nicht in eine römische Gefangenschaft, sondern in eine frühere um 54/55 in Ephesus gehören.63 Damals schon hätte also Lukas von Markus schriftliche Aufzeichnungen von Jesus-Überlieferungen erhalten können.64 In der Tat spricht unter anderem die große Auslassung Markus 6,45–8,26 dafür, dass Lukas nicht den kanonischen Markus als Vorlage hatte, sondern eine Vorform. Eine andere Stelle bringt nicht nur Markus und Lukas in Verbindung, sondern erlaubt auch einen kurzen, aber interessanten Einblick in die Vorgeschichte ihrer Evangelien. Der Zweite Timotheus-Brief setzt die Situation einer zweiten römischen Gefangenschaft des Paulus um 63/64 voraus.65 Es heißt dort: „Lukas ist allein bei mir. Markus nimm mit dir, denn er ist mir nützlich zum Dienst (εἰς διακονίαν)“ (2Tim 4,11). In dieser Gefangenschaft konnte Paulus nicht mehr frei evangelisieren (2Tim 1,16; 2,9; vgl. Apg 28,30– 31). Der Dienst des Markus galt also offensichtlich ihm selbst. Wollte Paulus vor seinem Martyrium von ihm noch mehr über die vorösterliche Geschichte Jesu wissen? Es ist nicht ausgeschlossen, wie die Fortsetzung nahelegt: „Den 59

Vgl. Botermann: Judenedikt (1996), S. 136–140; Riesner: Martyrien der Apostel (2012), S. 176–178. 60 Vgl. Robinson: Redating (1976), S. 107–117. 61 Vgl. Riesner: Essener und Urgemeinde (1998), S. 133 f.; Enste: Kein Markustext in Qumran (2000). 62 Zu Lukas, dem Arzt, als Verfasser des Doppelwerkes aus Evangelium und Apostelgeschichte vgl. Hengel/Schwemer: Paulus zwischen Damaskus und Antiochien (1998); Carson/Moo: Einleitung (2010), S. 242–245. 63 Vgl. Wright: The Epistles of Paul to the Colossians and to Philemon (1986), S. 34–39. 165 f.; Eckey: Die Briefe des Paulus an die Philipper und an Philemon (2006), S. 20–31. 64 Zum Austausch unter Personen und von Traditionen vgl. auch France: The Gospel of Mark (2002), S. 41–45. 65 Riesner: Paul’s Trial (2015).

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Mantelsack (φαιλόνην), den ich in Troas bei Karpus ließ, bringe mit, wenn du kommst, und die Bücher (τὰ βιβλία), vor allem aber die Pergamente (μεμβράνας )“ (2Tim 4,13). Bei den „Büchern“ handelte es sich um alttestamentliche Schriften, bei den Pergament-Notizzetteln vermutlich um Aufzeichnungen von Jesus-Überlieferungen.66

20 Veröffentlichung in Rom In der Antike hat man zwischen informellen Aufzeichnungen, die nur für den eigenen Gebrauch oder höchstens für Schüler oder Freunde bestimmt waren, den hypomnēmata (ὑπομνήματα), und herausgegebenen Büchern, den ekdoseis (ἐκδόσεις), unterschieden. Das Markus-Evangelium wurde gemäß der übereinstimmenden ältesten Überlieferung im Antimarcionitischen Prolog 67 und bei Irenäus (Adv Haer III 1,3) nach den Martyrien der Apostel Paulus und Petrus in Italien veröffentlicht,68 das heißt frühestens 64/65. Zwischen Tod und Auferstehung Jesu im Jahr 30 und dem Markus-Evangelium liegen also etwa 35 Jahre. Das scheint uns Modernen eine sehr lange Zeit für einen zuverlässigen Überlieferungsprozess. Aber es dürfte deutlich geworden sein, aufgrund welcher Umstände wir beim Markus-Evangelium auch historisch begründet damit rechnen dürfen.69 Jesus selbst hat den Jüngern seine Worte in einer Form eingeprägt, die gut im Gedächtnis zu behalten war. Gleich nach Ostern haben Petrus und andere Jünger auch die Taten Jesu in einer solchen Form weitergegeben. Markus stand schon in den ersten Jahren der Jerusalemer Urgemeinde in Verbindung mit Petrus. Bereits vor der Veröffentlichung seines Evangeliums frühestens 64/65, aber vor 70 hat Markus als ein „Diener des Wortes“ Jesus-Überlieferungen schriftlich festgehalten (§ 19). Was Lukas im Vorwort seines Evangeliums sagte (Lk 1,1–4),70 gilt auch für Markus. Er schrieb auf, „was die Augenzeugen (αὐτόπται) von den Tatsachen (πράγματα) überliefert haben (παρέδοσαν), die [durch Jesus] zur Erfüllung gekommen sind“. 66

Vgl. Enste: Kein Markustext in Qumran (2000), S. 92 f. Text bei Aland (Hrsg.): Synopsis Quattuor Evangeliorum (1996), S. 532. 68 Vgl. Taylor: The Gospel according to St. Mark (1966), S. 3–5; Baum: Die Publikationsdaten der Evangelien (1997). 69 Vgl. Riesner: Augenzeugen (2007). 70 Vgl. Baum: Lk 1,1–4 zwischen antiker Historiografie und Fachprosa (2010); Hengel: Lukasprolog (2008). 67

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21 Literatur

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21 Literatur Aland, Kurt (Hrsg.): Synopsis Quattuor Evangeliorum. Locis parallelis evangeliorum apocryphorum et patrum adhibitis, 15. Aufl., Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft, 1996 (siehe S. 23, 26). Alexander, Loveday: Memory and Tradition in the Hellenistic Schools, in: Werner H. Kelber und Samuel Byrskog (Hrsg.): Jesus in Memory. Traditions in Oral and Scribal Perspectives, Waco TX: Baylor University Press, 2009, S. 113–153 (siehe S. 24). Allison, Dale C.: Scriptural Allusions in the New Testament. Light from the Dead Sea Scrolls (Dead Sea Scrolls and Christian Origins Library 5), North Richland Hills TX: Bibal Press, 2000 (siehe S. 10). Baltes, Guido: Hebräisches Evangelium und synoptische Überlieferung. Untersuchungen zum hebräischen Hintergrund der Evangelien (WUNT II/312), Tübingen: Mohr Siebeck, 2011 (siehe S. 22). Bauckham, Richard: Jesus and the Eyewitnesses. The Gospel as Eyewitness Testimony, Grand Rapids und Cambridge: Eerdmans, 2006 (siehe S. 17). Ders.: The Gospel of Mark. Origins and Eyewitnesses, in: Michael F. Bird und Jason Maston (Hrsg.): Earliest Christian History. History, Literature, and Theology. Essays from the Tyndale Fellowship in Honor of Martin Hengel (WUNT II/320), Tübingen: Mohr Siebeck, 2012, S. 145–170 (siehe S. 18). Baum, Armin D.: Papias als Kommentator evangelischer Aussprüche Jesu. Erwägungen zur Art seines Werkes, in: Novum Testamentum 38.3 (1996), S. 257–276 (siehe S. 16). Ders.: Die Publikationsdaten der Evangelien in den ältesten Quellen. Zu Irenäus, adversus haereses 3.1.1, in: Jahrbuch für evangelikale Theologie 11 (1997), S. 77–92 (siehe S. 26). Ders.: Der mündliche Faktor und seine Bedeutung für die synoptische Frage. Analogien aus der antiken Literatur, der Experimentalpsychologie, der Oral-Poetry-Forschung und dem rabbinischen Traditionswesen (TANZ 49), Tübingen: Francke, 2008 (siehe S. 12). Ders.: Lk 1,1–4 zwischen antiker Historiografie und Fachprosa. Zum literaturgeschichtlichen Kontext des lukanischen Prologs, in: Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft 101.1 (2010), S. 33–54 (siehe S. 26). Baumgarten, Albert I.: The Flourishing of Jewish Sects in the Maccabean Era. An Interpretation (JSJSuppl 55), Leiden: Brill, 1997 (siehe S. 8).

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Von Jesus zum Markus-Evangelium

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Von Jesus zum Markus-Evangelium

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