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Einführung Carl Friedrich Abel ist als Sohn und Enkel von Gambenspielern am 22. Dezember 1723 in Cöthen geboren; bei seinem Vater, Christian Ferdinand, handelt es sich wahrscheinlich um die Person, für die J. S. Bach die Gambenpartien im sechsten Brandenburgischen Konzert und in der Cöthener Überarbeitung der Kantate „Mein Herze schwimmt im Blut“, BWV 199 schrieb1. Carl Friedrich studierte in Leipzig, vermutlich bei Bach (die Gambensonaten BWV 1027-1029 könnten für ihn geschrieben worden sein), und erhielt 1745 eine Stelle as „Violgambist“ am Dresdner Hof. Charles Burney schrieb (wobei er sich vermutlich auf Informationen des Komponisten selbst stützte), dass Abel bis 1758 in Dresden blieb, danach aber von dort weggehen musste, „weil er fand, dass die Sparsamkeit, zu welcher der Hof durch die Schrecken des Krieges gezwungen war, seinen Lebensunterhalt dürftig und unsicher machte“ 2; Dresden war zu Beginn des Siebenjährigen Krieges seit 1756 von Preußen besetzt und wurde in der Folge mehrere Male verwüstet. Allerdings verschwindet der Name Abels bereits 1755 aus den Unterlagen des Hofes, und Ernst Ludwig Gerber schrieb, dass Abel Dresden nach einer Meinungsverschiedenheit mit dem Kapellmeister des Hofes Johann Adolph Hasse verließ3. Es ist nicht bekannt, was Abel in der Zwischenzeit gemacht hat oder wo er sich, bevor er im Winter 1758-1759 in London ankam, aufgehalten hat. Abel ließ sich in England nieder (wo er als Charles Frederick bekannt war) und blieb dort bis zu seinem Tode 1787 – mit Ausnahme einiger Jahre in den frühen 1780ern, die er in Deutschland verbrachte. Er wurde schnell einer der prominentesten Musiker Londons. Bereits 1761 begann er, die Konzerte bei Theresa Cornelys, einer Dame der Gesellschaft, zu unterstützen, und zu Beginn der Saison von 1765 ging er eine Partnerschaft mit Johann Christian Bach ein. Die Bach-Abel-Konzerte errangen schnell die Aufmerksamkeit der vornehmen Gesellschaft und beförderten die beiden Komponisten an die Spitze der Deutschen-Fraktion in ihrem Beruf. Die Bach-Abel-Konzerte endeten mit Bachs Tod 1782, und es scheint so als hätte Abel seine anschließende Deutschlandreise gemacht, um seinen Gläubigern zu entkommen: Berichten zufolge hatte Bach bei seinem Tod Schulden von 4000 Pfund, und William Jackson schrieb 1802, die Konzerte „hätten eigentlich ein lukratives Unternehmen sein sollen, aber dem war nicht so.“4 Nach seine Rückkehr aus Deutschland im Winter 1784-1785 wurde Abel ein Elder Statesman in Londons Konzertleben, indem er sowohl als Dirigent und Komponist für das Professional Concert in den Hanover Square Rooms agierte, als auch als Hauptkomponist die konkurrierende Reihe im Pantheon Salomons unterstütze. Sein letzter Auftritt fand einen Monat vor seinem Tode statt. Das Ungewöhnliche an Abel war, dass sein Hauptinstrument die Viola da Gamba war, obgleich er in den Orchestern auch das Violoncello spielte und anscheinend auch Konzerte vom Cembalo aus dirigierte; die meisten berufsmäßigen Gambenspieler im 18. Jahrhundert waren in erster Linie Cellisten. Das Gambenspiel ermöglichte Abel eine unverwechselbare Nische in Londons hart umkämpfter Konzertszene zu besetzen, weil er dabei den Vergleich mit jüngeren und moderneren Spielern vermied – ein immerwährendes Problem für Virtuosen auf gängigeren Instrumenten. Zeitungsannoncen bezeugen, dass es seiner normalen Praxis entsprach, bei öffentlichen Konzerten ein oder zwei Gambenstücke – genannt „Solos“ – beizusteuern, obgleich er gelegentlich auch ganze Konzerte bestritt. In privaten Konzerten, besonders in denen, die von der Kammermusikgruppe der Königin Charlotte gegeben wurden, scheint er in Quartetten oder Quintetten öfter die Violastimme gespielt zu haben. In diesem Zusammenhang scheint mit „Solo“ eine mehrsätzige Sonate für ein Melodieinstrument mit Begleitung eines Basses gemeint zu sein, wobei der Bass normalerweise auf einem Cello gespielt wurde. Abels unbegleitete Gambenstücke, die virtuoser, komplizierter und 1 Bzgl. Abels Biographie siehe W. Knape, Karl Friedrich Abel: Leben und Werke eines frühklassischen Komponisten (Bremen, 1973); P. Holman, ‘“A Solo on the Viola da Gamba”: Carl Friedrich Abel as a Performer’, Ad Parnassum, 2/4 (2004), S. 45-71; idem, Life after Death: the Viola da Gamba in Britain from Purcell to Dolmetsch (Woodbridge, 2010), Kap. 5. 2 C. Burney, A General History of Music (London, 1776-1789), hrg. von F. Mercer (London, 1935), II. S. 1018. 3 E. L. Gerber, Neues historisch-biographisches Lexicon der Tonkünstler, 3 Bde. (Leipzig, 1812-1814; Nachdruck Graz, 1969), I cols. 4-8, at 4. 4 A. Asfour und P. Williamson, ‘William Jackson of Exeter: New Documents’, Gainsborough’s House Review (1996-7), S. 39-152, auf S. 66.

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3 ausgefallener sind als seine Sonaten mit Bass, scheinen für die Unterhaltung eines privaten Freundeskreises komponiert worden zu sein. Abel muss dutzende wenn nicht hunderte von Sonaten für seinen eigenen Gebrauch in Konzerten komponiert haben; die meisten der davon überlieferten stammen aus Manuskripten, die einst Elizabeth Herbert gehört haben, der Gräfin von Pembroke (1737-1831), die wahrscheinlich seine Schülerin gewesen ist5. Bei dem Manuskript [in der British Library mit der Signatur] Add. MS 31697 handelt es sich um einen Sammelband aus sieben einzelnen Teilen, von denen die ersten fünf Autographe [von Abel] und die letzten zwei nicht-autographe Sammlungen von jeweils 15 einfachen Sonaten mit Bass sind – angeordnet in einer sich steigernden Abfolge und offenbar für den Unterricht der Gräfin bestimmt6. Die G-Dur-Sonate, die hier veröffentlicht wird, und die in Knapes Katalog die Nummer WKO 152 hat,7 stammt aus dem ersten Teil des Manuskripts, und zwar den Seiten 3-6v, die vom Komponisten ursprünglich wahrscheinlich auf zwei gefaltete Blätter im Quartformat und im Querformat beschrieben wurden. Die letzte Seite, 6v, war leer und wurde von unbekannter Hand etwa um 1800 mit einem Sologamben-Arrangement der Arie „In diesen heil’gen Hallen“ aus Mozarts Zauberflöte beschrieben8. Darunter hat derjenige, der das Manuskript zusammengestellt hat, – wahrscheinlich der Künstler und Liebhaber-Gambist Thomas Cheeseman (1760-1842?) – ein Menuet für unbegleitete Gambe geklebt, ebenfalls ein Autograph des Komponisten9. Cheeseman bezeichnet das Manuskript Add. MS 31697 auf Seite 2 mit „ehemals das Notenbuch der Gräfin von Pembroke“, aber es gibt keinen unmittelbaren Beweis dafür, dass Abel die vorliegende Sonate für sie komponiert hat. Das Stück ist erheblich schwieriger als alle anderen Sonaten in den nicht-autographen Sammlungen in diesem Manuskript – mit Läufen im ersten Satz, die mehrmals bis zum d’’’ heraufgehen (Abel schrieb seine Gambennoten im Violinschlüssel in der Erwartung, dass sie eine Oktave tiefer gespielt würden), mit einem bis ins einzelne verzierten Adagio und mit einem abschließenden 2/4-Allegro im Stil von moto perpetuo, das zweifellos als sehr schnelles Vorführstück intendiert ist. Sie ist also die einzige Sonate in diesem Manuskript, die Abel für seinen eigenen Gebrauch in öffentlichen Konzerten geschrieben haben könnte, und auch die einzige, die vergleichbar ist mit den zwei „preußischen“ Gambensonaten WKO 149 und 150, die in Berliner Manuskripten überliefert sind10. Gleichwohl enthält die Solostimme einige autographe Fingersätze (es gibt darin auch viele nicht-autographe Fingersätze, einige davon mit Bleistift und rotem Buntstift), die nahe legen, dass Abel das Stück zu Unterrichtszwecken abgeschrieben hat. Wie bereits erwähnt, spielte Abel seine Sonaten wahrscheinlich mit Cellobegleitung. In den 1770er Jahren wurde es üblich, das Cembalo bei Werken dieser Art wegzulassen – solche Werke von Andreas Lidl zum Beispiel sind mit Viola da Gamba e Violoncello überschrieben – obgleich in Veröffentlichungen immer noch bezifferte Bässe angegeben wurden. Dem entsprechend haben Abels Six Easy Sonattas for the Harpsichord or for a Viola da Gamba, Violin or German Flute (London? 1772) einen bezifferten Bass, während nur eine von Abels Sonaten, die in Manuskriptform überliefert sind, Ziffern hat, die offensichtlich später hinzugefügt wurden11. Colchester, Oktober 2010 Peter Holman übersetzt von Günter und Leonore von Zadow

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Über die Herzogin von Pembroke siehe Holman, Life after Death, besonders S. 243-247. Über das Manuskript Add. MS 31697 siehe Holman, Life after Death, besonders S. 209-216. W. Knape, Bibliographisch-thematisches Verzeichnis der Kompositionen von Karl Friedrich Abel (1723-1787) (Cuxhaven, 1971). 8 Praktische Ausgabe: C. F. Abel, Sonata Viola da Gamba Solo Senza Basso und andere Stücke für Bassgambe solo aus der Pembrokesammlung WKO 153-155, hrg. von G. und L. von Zadow (Heidelberg 2008). 9 Über Cheeseman siehe Holman, Life after Death, besonders S. 287-290. 10 Praktische Ausgabe: C. F. Abel, Zwei Berliner Sonaten für Viola da Gamba und Bass, hrg. von G. und L. von Zadow, Einführung von M. O’Loghlin (Heidelberg 2006). 11 Faksimile: C. F. Abel, Six Easy Sonattas, Einführung von M. O’Loghlin (Heidelberg 2005); praktische Ausgabe: C. F. Abel, Six Easy Sonattas, 2 Hefte., hrg. von M. O’Loghlin (Heidelberg 2005). 6 7

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