Wahrhaft auferstanden! - Dompfarre St. Stephan

Wahrhaft auferstanden! - Dompfarre St. Stephan

58. Jahrgang/Nr. 3 April 2003 Pfarrblatt »Wahrhaft auferstanden!« Auferstehung im Alltag Nachruf auf Kardinal Groër Stadtmission 2003 Seligsprechun...

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09.04.2011 - neue Jerusalem zu ebnen und zu öffnen. Christus hat dem Tod die. Macht genommen, ja er hat ihn besiegt und

58. Jahrgang/Nr. 3

April 2003

Pfarrblatt

»Wahrhaft auferstanden!« Auferstehung im Alltag Nachruf auf Kardinal Groër Stadtmission 2003 Seligsprechung von Marco d’ Aviano Und schaut der Steffl lächelnd auf uns nieder …

Inhalt ó Editorial 2 ó Wort des Dompfarrers 3 ó Auferstehung: Urgrund unseres Glaubens 4 ó Christus ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen 5 ó Solange noch ein Funke Leben in meinem Herzen ist, lebe ich für die Jugend!« 6 ó Auferstehung durch Vergebung 7 ó Eine Ahnung von Auferstehung 7 ó Auferstehung in meinem Leben 8 ó Auferstehung im Alltag 9 ó Wie Gott mich gemeint hat 9 ó Auf dein Wort hin 10 ó Das Neithart-Grab beim Stephansdom 12 ó In alter Schönheit 14 ó Bevorstehende Restaurierungsphasen am Stephansdom 16 ó Seit über 15 Jahren im Dienste des Domes 17 ó Der Antoniusbrod-Opferstock 18 ó Rückblick 18 ó Wir gratulieren … 19 ó In Memoriam Dr. Kurt Peichel 19 ó Mission – nein danke? 20 ó Stadtmission 2003: 1. Internationaler Kongress für eine Neue Evangelisation 23 ó Grüß Gott, darf ich Sie einladen? 24 ó Programm von Kongress und Mission 25 ó Die Seele der Befreiung Wiens 1683 26 ó Vermittlung in die Unmittelbarkeit Gottes 29 ó Das Hl. Grab 31 ó Autoren 31 ó Management macht impotent 32 ó Und schaut der Steffl lächelnd auf uns nieder …! 33 ó Karwoche und Ostern im Dom zu St. Stephan 34 ó Gottesdienstordnung im Dom 35 ó Karwoche und Ostern im Pfarrgebiet von St. Stephan 35 ó Aus der Schatztruhe 36 ó Impressum 36

Editorial Grüß Gott! Im Namen des Redaktionsteams danke ich für die vielen Rückmeldungen auf unsere letzte Ausgabe. Wir freuen uns, dass wir mit den für Weihnachten eher ungewohnten Themen zum Nachdenken anregen konnten. Sorgenvoll blicken nun viele von uns gemeinsam mit hohen und höchsten Vertretern aus Politik und Kirche auf den verletzten Weltfrieden. Hilflos müssen wir mit ansehen, wie andere entscheiden und wir „einfachen Leute“ nicht um unsere Meinung gebeten werden. Es bleibt uns nur der Auftrag, ja mehr noch die Pflicht, um den Frieden zu beten und zu werben und ihn in unseren Familien, Partnerschaften, Freundschaften und Arbeitsstätten zu bewahren. Wir merken, wie kostbar und bedroht Friede ist. Die vorliegende Nummer bringt Ihnen wieder einiges an Informationen und Neuigkeiten aus der Dompfarre und der Domkirche. Nicht fehlen darf natürlich auch die „Glückwunschecke“, ebenso wie das diesmal besorgte Wort des „alten Steffl“. Thematisch liegt, der liturgischen Jahreszeit entsprechend, der Schwerpunkt auf dem Thema „Auferstehung“. Namhafte Theologen der Wiener Theologischen Fakultät beleuchten das Ereignis der Auferstehung aus biblischer und dogmatischer Perspektive. Persönliche Zeugnisse von „Auferstehung im Alltag“ ergänzen diesen thematischen Teil. Als der geschundene und ermordete Jesus von Nazareth auferstand, war er allein. Wir wissen nicht, warum es keine Augenzeugen dieses Geschehens gibt, wir können nicht sagen, wie und was passiert ist. Vielleicht ist es gut so, denn Augenzeugen hätten wohl auch nicht begreifen können, was so jenseits unserer

Erfahrung liegt. Doch nach der Auferstehung drängte sich Christus den auserwählten Männern und Frauen gleichsam auf. Sie haben erlebt, dass Jesus nicht ein Phantom oder ein Gespenst ist. Er hat mit ihnen gesprochen und gespeist. Sie sollten von dieser Begegnung erzählen, nicht schweigen. Die Auferstehung Jesu hat die Welt verändert. Sie tut es auch

heute noch. Wenn man so will, so ist sie das große weltgeschichtliche Ereignis, das auch heute noch Menschen trägt und bewegt. Die kommende Stadtmission, von der auch in dieser Nummer berichtet wird, will eigentlich keine andere Botschaft verkünden, als „Er lebt und Er ist mitten unter uns!“ Diese österliche Zuversicht wünsche ich Ihnen und mir – und natürlich auch, dass der Gruß des Auferstandenen „Der Friede sei mit euch!“ Wirklichkeit werden möge. In diesem Sinne: „Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaft auferstanden!“ Mit einem herzlichen Grüß Gott aus St. Stephan, Ihr

Reinhard H. Gruber, Domarchivar

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Wenn Sie uns etwas mitteilen wollen, dann zögern Sie nicht: Schreiben Sie bitte an: Dompfarre St. Stephan, „Pfarrblatt“, Stephansplatz 3, A-1010 Wien, oder per E-Mail: [email protected]

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Titelfoto: Auferstehung Christi von Gottfried Hula 2000, Öl auf Leinwand. Stephanisaal des Curhauses

Wort des Dompfarrers Liebe Dompfarrgemeinde! Vielleicht geht es Ihnen auch oft so wie mir: Kommt das Gespräch auf die Kirche, so weiß bald jeder Beispiele dafür zu erzählen, was man alles an der Kirche aussetzen kann. Unbestreitbar gibt es genügend Gelegenheiten und Anlässe, die Kirche in ihren einzelnen Gliedern zu erneuern. Das ecclesia semper reformanda bleibt ein Grundauftrag der Kirche. Kann aber die Sorge um Vermeidung von Ausrutschern die Hauptaufgabe von Kirche sein? Eine Allensbacher Studie weist darauf hin, dass für die Gesamtsicht einer Organisation nicht die Irritationen entscheidend sind, sondern die Gratifikationen viel mehr Bedeutung haben. Auf die Kirche angewandt heißt das: Eine positive Erfahrung von gelungener kirchlicher Begegnung vermag sehr wohl viele auch vorhandene schlechte Erfahrungen aufzuwiegen. Nicht die dauernde Beschäftigung mit bestehenden Defiziten soll unsere Kräfte binden, sondern ein optimistischer Einsatz aller möglichen Ressourcen, auch wenn sie manchmal nur sehr begrenzt und gering erscheinen. „Es sind ja nur fünf Brote und zwei Fische vorhanden“, stellten die Jünger resigniert fest. Was ist das für so viele, die mit großem Hunger und Sehnsucht Jesus zugehört hatten und nun von ihren ganz irdischen Bedürfnissen wieder eingeholt wurden und warteten. Als die Jünger das gaben, was sie hatten, da wurde plötzlich mehr daraus, und es blieb sogar noch einiges übrig. Wenn wir bereit sind, das zu geben, was uns möglich ist, und sei es noch so wenig, dann kann Gott wesentlich mehr daraus machen. Die in den europäischen Großstädten neu feststellbare Sehnsucht nach Spiritualität macht sich nicht nur durch ein Interesse an allen möglichen Psychokulten bis hin zu abstrusen Formen von Okkultismus bemerkbar, sondern zeigt sich auch in einer großen Offenheit der Menschen gegenüber neuen kirchlichen Initiativen. Die ehrliche Suche nach Gott erschöpft sich aber nicht in einer rein transzendenten Gottesschau.

„Wer in Gott eintaucht, taucht neben den Armen wieder auf“ (Prof. Paul M. Zulehner): Der untrennbare Zusammenhalt von Gottes- und Nächstenliebe verlangt danach, sich auch in konkret erfahrbarer Solidarität auszudrücken. Wenn sich die neuen Verkündigungsformen nicht in einem Engagement für die vielfältig erfahrbare und oft verschleierte Armut

immer High-Touch geben; High-Touch im Sinne einer Berührbarkeit und Sensibilität gegenüber allen Formen der Sehnsucht nach Gottesnähe und Solidarität. Die Sehnsucht des Apostels Thomas, der den Beinamen „der Ungläubige“ erhielt, den Auferstandenen selbst sehen und angreifen zu können, scheint mir weit verbreitet. Ich möchte es selbst er-

auswirken, so erreichen sie wenig. Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts. Ein Bereich, in dem die Kirche viel dazugelernt hat, ist die Nutzung der modernen Technik. Selbst aus den meist eher altmodischen Pfarrkanzleien sind Kommunikationsmittel wie E-Mail, Mobiltelefone, Fax und Internet nicht mehr wegzudenken. High-Tech in allen Lebenslagen. Die Vielzahl der technischen Kommunikationsmöglichkeiten kann aber nicht die ganz persönliche Form der menschlichen Begegnung ersetzen, sondern vergrößert geradezu die Sehnsucht danach. Der Wert der direkten menschlichen Begegnung „in Augenhöhe“ ist unersetzbar. So muss es neben High-Tech

leben, selbst erfahren und angreifen und begreifen können, was mich an unauslöschbarem Verlangen nach Transzendenz treibt.Wenn manches von dem, was in der Initiative der Stadtmission so angedacht, versucht und unternommen wird, dazu beiträgt, Antworten auf Fragen der menschlichen Sehnsucht zu finden, dann kann vielleicht Auferstehung im Alltag erfahrbar werden. Auf ein Wiedersehen rund um St. Stephan freut sich und grüßt Sie herzlich Ihr

Dompfarrer Kan. Mag. Anton Faber

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Sept. 2003 3

Wahrhaft auferstanden Auferstehung: Urgrund unseres Glaubens Was sagt die Bibel dazu? Von Markus Tiwald „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos.Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt. (…) Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden; und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren. (…) Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.“ Mit diesen Worten aus 1 Kor 15,14–22 bringt der Apostel Paulus seine feste Überzeugung zum Ausdruck, dass das rettende Handeln Gottes in der Auferstehung Christi auch für uns Menschen Konsequenzen zeitigt, dass auch wir Anteil an der Auferstehung haben werden. Dennoch war es weder für die ersten Jünger Jesu noch für uns Menschen heute leicht, die Auferstehung Jesu in ihrer ganzen Tragweite zu begreifen. So kam es ab dem 19.Jh.(seit D.F.Strauß, 1808–1874) immer mehr zu psychologischen Erklärungsversuchen des Auferstehungsglaubens: Der Konflikt zwischen dem Glauben an Jesus und dessen schändlicher Kreuzigung habe zu einer „kognitiven Dissonanz“ im Empfinden der Jünger geführt und ihre Wunschvorstellungen zu Visionen des AuferstandeFiducia christianorum resurrectio mortuorum, illam credentes, sumus Die Hoffnung der Christen heißt Auferstehung der Toten; alles, was wir sind, sind wir im Glauben daran. Tertullian († um 220)

nen gerinnen lassen. Ähnlich argumentiert unserer Tage auch G. Lüdemann, der

Dr. P. Markus Tiwald OFM die Erscheinungen des Auferstandenen als posttraumatische Belastungsreaktion erklären will: Die Ostererscheinungen seien zunächst der Trauerarbeit des Petrus entflossen und dem unterbewussten Wunsch der Jünger, den Tod ihres Meisters zu verdrängen. So wäre es zu Pfingsten schließlich zu massenekstatischen Zuständen und „Kollektivhalluzinationen“ gekommen. Die Vision des Paulus hingegen wurzle in einem unaufgearbeiteten „Christuskomplex“, der sich vor Damaskus entladen habe. Gerade von Seiten der historisch-kritischen Exegese müssen aber gewichtige Argumente gegen eine solche Verkürzung des Osterglaubens ins Treffen geführt werden. Das von Lüdemann erstellte „Psychogramm“ der Jünger hält letztlich einer seriösen Rückfrage nicht stand. Mit ungeschminkter Deutlichkeit erzählen gerade die ältesten Berichte vom völligen Versagen der Jünger Jesu angesichts der Kreuzigung ihres Meisters. So etwa berichtet Lk 24,11–12 vom Unglauben der Apostel, welche die Botschaft der Frauen vom leeren Grab nur als „Geschwätz“ abtun und auch durch das leere Grab nicht zum Glauben kommen (vgl. Lk 24,22–24). Sinnbildlich sind auch die „verschlossenen Türen“ in Joh 20,19.26 zu deuten: Auch hier vermag weder die Botschaft der Maria von Magdala (20,18) noch die Inspektion des Grabes selbst den Jüngern Mut zu machen.

4 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · April 2003

Von einer Massenhysterie und kollektivem Auferstehungsenthusiasmus kann hier gewiss keine Rede sein. Ganz im Gegenteil scheinen die Jünger eher die sehr „erdige“ Meinung „Aus is’ aus und z’ruckkommen is no kana“ vertreten zu haben. Von etlichen Jüngern wird sogar berichtet, dass sie gleich Fersengeld gegeben hätten, um nicht das gleiche Schicksal wie Jesus zu erleiden: Die Emmausjünger (Lk 24,13–35) verlassen Jerusalem und in Joh 21 werden die Jünger bei der Wiederaufnahme ihrer alltäglichen Arbeit in Galiläa gezeigt (vgl. auch Mk 16,7, wo ebenfalls mit einer Jüngerflucht nach Galiläa gerechnet wird). Für die Jünger war der „Traum Jesu“ offensichtlich „ausgeträumt“ – nun galt es, wenigstens das eigene Leben zu retten. Dazu verließ man das „heiße“ Pflaster Jerusalem, floh ins entfernte Galiläa und kehrte in den früheren Lebensalltag zurück. Erst nach langen Zweifeln und unter wiederholten Begegnungserfahrungen mit dem Auferstandenen gelang es den Jüngern, ihre Angst zu überwinden und mit ihrem – nur zaghaft wachsenden – Glauben auch vor die Öffentlichkeit zu treten. Weniger überschießender Enthusiasmus als eher die hartnäckige Weigerung, an die Auferstehung Jesu zu glauben, scheint das Problem der ersten Zeugen gewesen zu sein. Was wirklich zu Ostern geschehen ist, vermag der Historiker nicht zu beantworten – dies ist und bleibt eine Frage des Glaubens, die sich naturwissenschaftlichem Zugriff entzieht. Dennoch bleibt das Zeugnis der Jünger, das in der Schlichtheit einfacher Fischer und gerade auch in deren „Fantasielosigkeit“ und „erdiger Skepsis“ überzeugend und authentisch wirkt. – Und nicht zuletzt bleibt da auch die eigene Hoffnung, in der Auferstehung Jesu Anteil am „Leben in Fülle“ und Angeld auf die eigene Errettung aus dem Tod erhalten zu haben. ó

Christus ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen Dogmatische Überlegungen von Josef Weismayer „Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen.“ Dieses zentrale Bekenntnis finden wir schon im ersten Brief, den Paulus verfasst hat (1 Thess 4,14). Die Hinrichtung des Meisters hat die Jünger Jesu und alle Frauen und Männer, die sich von ihm in ihrem Leben bestimmen ließen, erschüttert. Sie schienen einer Chimäre nachgelaufen zu sein. „Er ist auferstanden“ (Mk 16,6) Der Tote, der Hingerichtete, der Verachtete und Verspottete hat sich aber als Lebender erwiesen. Er hat sich jenen, „die

„Noli me tangere“ („Berühre mich nicht“). Detail aus dem Ober-St.-Veiter Altar von Hans Leonhard Schäufelein, 1505–1507. Eb. Dom- und Diözesanmuseum Wien

mit ihm gegessen und getrunken haben“, gezeigt, er ist ihnen erschienen (vgl. Apg 10,41). „Auferstehung“ Jesu meint nicht die Wiederbelebung eines Toten (wie etwa des Lazarus), der ins irdische Leben zurückkehrt, in ein Leben, das weiter auf den Tod zugeht.„Christus, von den Toten auferweckt, stirbt nicht mehr“ sagt Univ. Prof. Paulus (Röm 6,9f). Auferstehung Jesu bedeutet den Übergang in die uns noch ver- Dr. Josef Weismayer borgene endgültige Daseinsform bei Gott, den Beginn eines radikal neuen, undeutet Teilhaben an seinem Sieg über zerstörbaren Lebens. Sünde und Tod. Daher beginnt AufersteIsrael erwartete die Auferstehung der hung nicht erst jenseits dieses irdischen Toten am Ende der Zeit, in der Vollendung Leben, sondern schon überall da, wo wir der Geschichte Gottes mit uns Menmit dem Auferstandenen verbunden sind. schen. Jesus ist der Mensch, in dessen Tod Das betont Paulus, wenn er dieses Verwurund Leben bei Gott diese Hoffnung schon zeltsein im Tod Jesu durch die Taufe unWirklichkeit geworden ist. Er ist der „Erstterstreicht, wenn er betont, dass wir jetzt ling der Entschlafenen“ (1 Kor 15,20), der schon den Geist haben, der Jesus von den „Erstgeborene von den Toten“ (Kol 1,18). Toten auferweckt hat (vgl. Röm 8,11). Jesus ist mit seinem vollen MenschUnsere Auferstehung beginnt schon sein beim Vater, aber er ist zugleich in in diesem Leben, sie ist in diesem Sinn ein neuer Weise bei den Seinen. Er hat verProzess, ein Hineinwachsen in die Auferheißen: „Ich bin bei euch alle Tage bis stehungswirklichkeit Christi. Letztlich bezum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Er hat die deutet Auferstehung der Toten für uns, Jünger wieder gesammelt, er hat seiner was es für Jesus bedeutet: Gott wird ein Gemeinde, der Kirche seine Sendung Ja zu unserem Leben sprechen, wenn wir übertragen. Sein Weg der Liebe und des auf ihn hin gelebt haben, wenn er uns Erbarmens ist der Weg der Seinen; das gereinigt und geläutert hat. Auferstewird auch der Maßstab des Gerichtes hung bedeutet, dass unsere menschliche sein. Auferstehung bedeutet, dass Jesu Geschichte „aufgehoben“ wird im Leben ganzes Dasein von Gott angenommen Gottes,wie der Dogmatiker Medard Kehl SJ und bejaht ist. Sein Weg, seine Geschichtreffend formuliert: Alles, was in unserer te ist ans Ende gekommen, vollendet. Geschichte für das Reich Gottes bedeutsam ist, wird „aufgehoben“, d. h. bewahrt; „Ich bin die Auferstehung alles, was nicht integrierbar ist, das Sünund das Leben!“ (Joh 11,25) dige, das Sich-Gott-Verschließende wird In der Auferstehung Jesu gründet unse„aufgehoben“ in die richtend-vergebenre Hoffnung auf Auferstehung. Das bede Liebe Gottes und damit hinweggetont Jesus der Martha gegenüber: „Ich nommen; die von Gott angenommene bin die Auferstehung und das Leben.Wer menschliche Geschichte erhält ihre endan mich glaubt, wird leben, auch wenn gültig gelungene Gestalt, wird „aufgehoer stirbt, und jeder, der lebt und an mich ben“, emporgehoben. „Wie in Adam alle glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben“ sterben, so werden in Christus alle leben(Joh 11,25f). Gemeinschaft mit Jesus bedig gemacht!“ (1 Kor 15,22) ó Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · April 2003 5

Wahrhaft auferstanden »Solange noch ein Funke Leben in meinem Herzen ist, lebe ich für die Jugend!« Meine Erfahrung von Ostern im Sterben eines lieben Menschen. Von Reinhard H. Gruber Die eingangs zitierten Worte sagte Sr. Irmgard auf ihrem Sterbebett. Immer wieder erzählte sie mir von ihrer Arbeit mit Jugendlichen, ihrem Einsatz und ihren Plänen, die sie vielfach verwirklichen konnte. Was mag das für eine Kraft sein, die einen veranlasst, sein ganzes Leben für die Jugend einzusetzen? Welcher Idealismus treibt einen Menschen zu so einem Schritt? Die Antwort ist wohl die, dass Gott selbst ihre Kraft war. Für mein Leben hat mir meine Tante Irmgard einiges mitgegeben: Sie hat mir gezeigt, dass es Menschen braucht, die sich völlig – ganz und bedingungslos – für Gott und die Menschen einsetzen und dass ihre Arbeit Frucht bringt, auch wenn man es oft erst nach Jahrzehnten erfährt oder erkennen kann. Von ihr weiß ich,dass man „Bergführer“ braucht: Menschen als „geistliche Begleiter“, die einen zum Gipfel begleiten. Und schließlich konnte ich von ihr lernen, dass ein wirklich christliches Leben, also ein Leben, das von Christus geprägt ist, sich im Sterben offenbart – auch wenn dieses noch so schwer erscheint. Kurz vor ihrem Tod fragte sie mich: „Glaubst du, dass Ostern kommt? Glaubst du an Ostern?“ Ich wusste, dass in ihr tiefster Karfreitag war und so stellte ich die Gegenfrage: „Was gibt dir jetzt am meisten Kraft?“ Die Antwort war: „Ostern, die Auferstehung!“ Die Hoffnung auf dieses Fest ohne Ende machte es ihr möglich, auch noch auf ihrem Sterbebett apostolisch tätig zu sein: Es kamen unzählige Menschen, Verwandte, Freunde, Mitschwestern und Mitbrüder. Für jeden hatte sie ein gutes Wort parat. Gemeinsam mit mir bereitete sie ihren eigenen Begräbnisgottesdienst vor, suchte Bibelstellen und Lieder aus. Dezidiert wünschte sie, dass bei der Eu-

Sr. Irmgard Gundolf FMA charistiefeier das „Te Deum“ gesungen und am offenen Grab das Glaubensbekenntnis gesprochen wird.„Und läutet zu meinem Begräbnis nicht wie zu einem Requiem, sondern wie am Ostersonntag!“ Dank des Entgegenkommens meines Heimatpfarrers feierten wir damals mitten im August Ostern. Zehn Tage vor ihrem Tod, überschattet von ihrer unheilbaren Krankheit,

schrieb sie in ihrem Abschiedsbrief an die Familie folgende Worte: „Beim Herrn ist Jubel und Fest. Auf dieses Fest freue ich mich. Trauert nicht um mich, sondern freuen wir uns auf den Augenblick, wo wir alle wieder beisammen sein werden. Christus hat den Tod überwunden. Er ist der Herr, dem ich gedient habe. Mein Lebensmotto lautete immer:‚Christus, dem König, mein ganzes Leben‘. Heute sage ich: Christus, dem König, gilt auch mein Sterben. Er ist der Sieger. Bei ihm möchte ich euch zusammen mit Maria und Don Bosco Fürsprecherin sein. Ich bleibe immer mit euch verbunden. Christus ist auferstanden, Amen, Halleluja!“ ó Sr. Irmgard Gundolf FMA starb nach kurzer, schwerer Krankheit am 26. August 1991 im Alter von 58 Jahren in ihrem Heimatort Stams in Tirol.

Der Auferstandene erscheint Maria Magdalena. Glasfenster in der Klosterkirche „Maria Königin“ in Marchegg

6 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · April 2003

Eine Ahnung von Auferstehung von Anton Berger (†)

Msgr. Anton Berger Derzeit sitze und liege ich, übergossen mit kaltem und warmem Wasser, massiert und hinausgetrieben in die abwechslungsreiche Landschaft des Nordburgenlandes, in der Zisterzienserinnenabtei Marienkron zur ersten Kur meines nun sechs Jahrzehnte währenden Lebens. Um den Zentner Körpergewicht zu vermindern, erhungere ich alltäglich 400 Kalorien (zwei Kornspitz und zwei Äpfel als Sünden nicht eingerechnet). Da ich dazwischen auch einige Zeit zum Beten und Meditieren und zum Nachdenken habe, beginne ich auch darüber nachzusinnen, wie Sterben und Leben zusammenhängen.

Dass ich meinen 60 Jahren noch einige – nach Gottes Willen – gute dranfügen kann, braucht es nun diese Zeit des Hungerns, des Abschaltens von den vielen alltäglichen Herausforderungen, des Verkarstens des Wortflusses, des zeitweiligen Entkommens aus dem Beziehungsnetz. So erlebe ich hier nun zwei Wochen lang ein Stück Fastenzeit mitten im Fasching. […] Wenn es so weitergeht, wird mir vielleicht wieder mehr Ruhe geschenkt werden, ein innigeres Wahrnehmen von Gottes Liebe, ein behutsamerer und wirklichkeitsnäherer Umgang mit mir selbst und damit ein kompetenteres Wahrnehmen meiner täglichen Herausforderungen. Die Worte werden wieder eine andere Kraft haben, weil sie sich – wenigstens eine Zeit lang – noch des Schweigens erinnern. So wird aus manchem Sterben eine andere Qualität des Lebens. Diese Erfahrung hochgerechnet, bekomme ich fast eine Witterung, einen Geschmack von Ostern, wenn Jesus seinen Jüngern sagt und vorlebt: ,Wenn das Weizenkorn nicht

in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht …‘ (Joh 12,24). ó Bischofsvikar Anton Berger verfasste diese Zeilen kurz vor seinem plötzlichen Tod am 9. März 2001 als „Wort des Chefredakteurs“ für die Leser der Zeitschrift „miteinander“. Aus: Canisiuswerk (Hg.), „Herzlichst Anton Berger – Gedanken eines Seelsorgers“, Wien 2002

Auferstehung durch Vergebung Von Veronika Bonelli Für mich ist die Beichte immer ein kleines Fest der Auferstehung, denn die Sünde ist es ja, die uns von Gott trennt und in den Tod führt. Doch Gott will uns nicht dem Tod überlassen und so schenkt er uns dieses wunderbare Sakrament der Versöhnung, in dem er alles wegnimmt, was uns hindert, zu ihm zu kommen und alles, was in uns tot ist, zum Leben bringt. Wir dürfen ihm wirklich alles hinlegen, denn „ein zerknirschtes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen“ (vgl. Ps 51). Und so dürfen wir nach jeder Beichte, wenn

wir wirklich bereuen, was wir getan haben, noch einmal neu beginnen. Und so erlebe ich es jedesmal, vor allem, wenn der Kampf davor besonders schwer war; denn natürlich kostet es Überwindung, vor einer anderen Person meine dunklen Seiten auszubreiten. Aber das Gefühl der Befreiung von dem – von Tag zu Tag schwerer gewordenen – Stein auf meinem Herzen und die Ermutigung zum Neubeginn, die Jesus schenkt, machen alles wett! „Hätte ich die Verbrechen der ganzen

Welt begangen“, schreibt Thérèse von Lisieux in ihren biographischen Aufzeichnungen, „behielte ich immer noch dasselbe Vertrauen, dass all diese Vergehen nur ein Wassertropfen sind in einer Feuersglut“. Sie, deren Foto beim Eingang unserer Pfarr- und Domkirche hängt, ist mir Lehrerin geworden beim täglichen Kopfüber-Eintauchen in den Ozean der Barmherzigkeit Gottes. Und so bleibt „Auferstehung“ kein leeres Wort, sondern kann durch diesen Sprung des Vertrauens täglich neu geschehen. ó

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · April 2003 7

Wahrhaft auferstanden Auferstehung in meinem Leben Geschichte einer Rückkehr Ich bin eine 38-jährige Frau und werde vor dem Osterfest wieder in die Kirche eintreten. Mein Austritt aus der Kirche war im Jahr 1996. Ich tat diesen Schritt, obwohl ich an Gott glaubte. Meine vordergründigen Motive waren damals die von mir wahrgenommene Diskrepanz zwischen dem Wort der Bibel und der Praktizierung des Glaubens durch die Menschen (die Kirche). Außerdem war ich in einer sehr schwierigen Lebenssituation, geprägt durch meine aufopfernde Liebe zu einem Mann, der dem moslemischen Glauben angehörte. Obwohl er zu keiner Zeit irgendetwas in dieser Richtung von mir verlangt hatte, hat mich selbst diese Beziehung aus heutiger Sicht in meiner Entscheidung beeinflusst. Diese Entscheidung war schnell, emotional und erzwungen: Mein Meldezettel war plötzlich verschwunden, und ich ließ mir noch am selben Tag ein Duplikat ausstellen, um gleich danach meinen Austritt zu veranlassen. Die Folgen davon waren kurzfristig eine Verschlimmerung meiner Krise durch ein geistiges Vakuum. Anfangs dachte ich, ich muss anstatt der Kirche ein anderes Haus finden. Nach einiger Zeit und intensiven Gesprächen mit Freunden akzeptierte ich jedoch den Gedanken, an Gott zu glauben und keine Religion zu haben. Eine mir nahestehende Klosterschwester sagte damals zu mir, ich sei sowieso Christin, da ich schon das Sakrament der Taufe empfangen hatte. Ich dachte mir damals, ja, irgendwie hat sie ja auch recht, ließ diesen Konflikt jedoch in mir stehen. Zur Zeit meines Austrittes arbeitete ich in der Firma meiner Eltern, wenn auch räumlich von ihnen getrennt.Ich hatte eine gute Position im Verkauf, Marketing, Export, einen guten Verdienst, Entscheidungsfreiheit und die Unterstützung meiner Eltern. Mein Job war sehr interessant, da ich in der ganzen Welt herumflog, immer in guten Hotels übernachtete und viele verschiedene Leute traf. Trotzdem war ich in meinem Leben see-

lisch nie so unglücklich wie damals. Der schon erwähnte Mann, den ich damals liebte, arbeitete in meinem Büro. Er nutzte meine Gefühle ihm gegenüber zu seinem Vorteil, traf ohne mein Wissen eine andere Frau, welche dann auch von ihm schwanger wurde. Ich hatte noch nie in meinem Leben einen derartigen Schmerz erlebt. Es war, als ob mir jemand einen Pfahl mitten durch mein Inneres rammen würde. Trotzdem nahm ich auf ihn Rücksicht und arbeitete weiter mit ihm in einem Büro. Ich wurde Tag für Tag neu verletzt, immer schwächer, und verlor nach und nach mein Selbstwertgefühl – obwohl ich selbst die Macht in der Hand hatte, alles zu ändern! Als die Firma meiner Eltern verkauft wurde, tat ich das auch! Motiviert durch mein Hobby, den Flamencotanz, beschloss ich spontan, nach Spanien zu fliegen, und buchte einen Flug für einen Monat mit Verlängerungsmöglichkeit auf zwei Monate. Am Tag vor meiner Abreise beendete ich die Beziehung – und in Andalusien begann der Heilungsprozess. Die Sonne, das tägliche Tanzen und andere Menschen. Ich wusste nicht, wie lang ich bleiben würde, und spielte auch mit dem Gedanken, ganz dort zu bleiben. Ich wusste nur eines: ich wollte nicht zurück. Ich bewohnte ein kleines Zimmer im alten Maurenviertel „Albayzin“ in Granada. Von meiner Terrasse hatte ich einen direkten Blick auf den Berg „Sacromonte“, auf dem eine kleine Kirche stand. Dort hatte ich zum ersten Mal die Einsicht, dass eine der Hauptursachen meiner Misere war, dass ich einen anderen Menschen zu meinem Gott gemacht hatte. Und dort kam mir auch zum ersten Mal der Gedanke zum Wiedereintritt in die Kirche, was aber de facto noch fast drei Jahre dauern sollte. In diesen drei Jahren lernte ich, mit mir und mit anderen gütiger umzugehen, zu akzeptieren, dass wir Menschen Fehler machen und dass auch die Kirche nicht perfekt ist, aber doch auf sehr wert-

8 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · April 2003

Auferstandener. Kapelle der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, Pramergasse vollen Grundlagen aufbaut, die von wertvollen Menschen praktiziert werden. In der ganzen Zeit meines Austritts suchte ich auch immer wieder die Kirche auf, zum Beten, zur Entscheidungsfindung, ich stand im Gespräch mit Gott und sprach auch öffentlich von meinem Glauben. Ich blieb letztendlich fünf Monate in Spanien. Nach meiner Rückkehr erwarteten mich in Wien Freunde und meine Familie, jedoch auch einige unverarbeitete Probleme. Ich nahm Gesangsstunden, begann eine Psychotherapie, suchte Arbeit und begann, mein neues Leben aufzubauen. Jetzt arbeite ich schon seit fast zwei Jahren für eine Organisation im Entwicklungshilfebereich. Es ist eine hochinteressante Arbeit mit weniger Verdienst, aber von hohem sozialen und ideellem Wert. Ich begann auch mit einer Ausbildung zur Psychotherapeutin.Ich habe einen neuen Freund, wir treffen uns regelmäßig, und leben eine noch junge Beziehung. Bei meinem ersten Termin mit Herrn Dompfarrer Anton Faber, der mich beim Wiedereintritt begleitet hat, war ich trotz

Wie Gott mich gemeint hat Gedanken von Birgit Staudinger Als junger Mensch hat man viele Pläne für sein Leben, viele Wünsche und Träume. Und irgendwann muss man dann plötzlich feststellen, dass man den Großteil von all dem gar nicht verwirklichen kann, weil es sich in einem Leben gar nicht ausgehen würde; dass so manches Ziel zu hoch gesteckt war; dass das Leben anders verlaufen ist, als man es sich vorgestellt hat. Man stößt an seine Grenzen. Das kann manchmal recht schmerzhaft sein. Da war mir folgende chassidische Geschichte ein hilfreicher Gedankenanstoß: „Als es mit Rabbi Sussja ans Sterben kam, fragten ihn seine Anhänger und Freunde: Hast du denn gar keine Angst? Rabbi Sussja gab zur Antwort: Wenn ich an all die Großen und Bedeutenden denke: an Mose und Abraham und Jeremia, den Propheten, dann wird mir schon Angst. Aber ich bin gewiss: Gott wird meiner Absicht noch nicht vollständig überzeugt, diesen Schritt auch wirklich zu tun. Ich brauchte sehr viel Zeit, und war sehr glücklich über die gute Betreuung; die Gespräche mit Mag. Faber empfand ich als sehr erfüllend. Als ich vor der Beichte eingehend die Bibel und den Katechismus zu den Zehn Geboten las, meine eigenen Sünden und deren negative Auswirkungen auf mein Leben erkannte, wusste ich, wonach ich so viele Jahre gesucht hatte: nach Werten, nach Grundregeln des Lebens, nach Bestätigung dessen, was ich in mir als richtig und falsch empfinde; nach der klar definierten Eigenverantwortlichkeit des Menschen. Ich habe die Grundlagen für mein Leben gefunden, die Grundlagen, mich selbst geistig und seelisch gesund zu halten, die Grundlagen im Umgang mit anderen – liebend und doch meinen Werten folgend. Werte, die mir die Kirche bestätigt,mit denen ich aufrecht und offen durchs Leben gehen kann. Das bedeutet die Auferstehung für mein Leben. ó Name und Anschrift der Redaktion bekannt.

mich in der kommenden Welt nicht fragen: Warum bist du nicht Mose oder Abraham oder Jeremia gewesen, sondern er wird mich fragen:Warum bist du nicht Sussja gewesen?“ Das Nachsinnen über diese Erzählung wurde und wird mir auch heute noch zu einer befreienden Erfahrung, einem „Stück Auferstehung im Alltag“: Ich kann Ja zu mir selbst sagen, Ja zu mir, so wie ich bin: mit meinen Fehlern und Schwächen, aber auch mit meinen Stärken und Talenten. Ich kann mich lösen von allen Projektionen, von all dem, was mich daran hindert, ich selbst zu sein. Denn ich weiß: Gott hat zuerst Ja zu mir gesagt. Er nimmt mich, so wie ich bin. Gott fordert, aber er überfordert nicht. Und zu versuchen, so zu werden, wie Gott mich gemeint hat, ist Aufgabe genug für ein ganzes Leben, glaube ich. ó

Auferstehung im Alltag Erfahrungen von Verena Michalke Nicht über große Erlebnisse kann ich berichten, „Auferstehung“ ist ein zu großes Wort dafür. Aber „Alltag“– ja, darüber schon. Alltag des Christseins: Das lebenswendende Ereignis, dass Gott einen liebevoll und nachdrücklich auf einen neuen Weg gestellt hat, liegt lange zurück. Die großen Gefühle sind selten geworden; der „Weg zur Heiligkeit“ erweist sich als länger und steiler, als man im Überwältigtsein des Anfangs gedacht hat. Man verliert einige Illusionen über sich selbst – und das kann ziemlich frustrieren. Immer wieder die gleichen Fehler, die gleichen nicht durchgehaltenen Vorsätze, die gleiche Trägheit … Wird das je anders werden? Werde ich je anders werden? Geh ich meinem Beichtvater, ja geh ich Gott nicht schon ziemlich auf die Nerven damit? Hat es überhaupt Sinn, sich anzustrengen?

In solchen Zeiten passiert es manchmal, dass ein schon hundert Mal gehörtes oder gelesenes Wort, wenn ich es zum hundertundersten Mal z. B. in einer ganz normalen Predigt in einer ganz normalen Messe höre, mich plötzlich anspricht und mir neuen Mut gibt: „Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen. – Ich will es, werde rein!“ (Mk 1,40f). Oder, immer wieder, dass die Worte des Beichtpriesters nach der Lossprechung: „Steh auf und freue dich deines neuen Lebens!“ bewirken, dass ich auch innerlich aufstehe und ihn mit neuem Mut und neuer Freude wieder angehe, den langen Weg. Kein „Auferstehungserlebnis“, aber immer wieder Erlebnisse des „wieder Aufstehens" – Gott sei Dank. Ohne sie wäre Christsein wohl nicht möglich. ó

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In memoriam

»Auf dein Wort hin« Lk 5,5 Dompfarrer Faber zum Tod von Kardinal Dr. Hans Hermann Groër OSB, emeritierter Erzbischof von Wien Nach langer schwerer Krankheit ist am 24. März Alterzbischof Kardinal Hans Hermann Groër im 84. Lebensjahr im Landeskrankenhaus St. Pölten verstorben. Kardinal Groër war von 1986 bis 1995 als Nachfolger von Kardinal König Erzbischof von Wien. Noch eine Woche vor seinem Heimgang konnten sich Kardinal Schönborn und Kardinal König sowie eine Reihe von Weggefährten, von ihm verabschieden. Das offizielle Requiem fand am Freitag, 4. April um 19 Uhr im Wiener Stephansdom statt. Der Gottesdienst wurde genau am Termin der Herz-Jesu-Messe des Monats April gefeiert, deren Einführung im Stephansdom eines der Herzensanliegen Kardinal Groërs gewesen war. Hans (Taufname) Hermann (Ordensname) Groër erblickte am 13. Oktober 1919 in Wien das Licht der Welt. Seine Eltern übersiedelten 1929 aus beruflichen Gründen in die damalige Tschechoslowakei und kehrten 1939 wieder zurück. Nach

dem Besuch des Gymnasiums in Wien und Hollabrunn begann er sein Theologiestudium. Die Priesterweihe empfing er am 12. April 1942. Ein Jahr später schied er aus gesundheitlichen Gründen aus dem deutschen Militärdienst aus, war zunächst als Pfarrvikar in Petronell tätig und blieb dann bis 1946 Pfarrvikar in Bad Vöslau. Anschließend war Groër bis 1952 Studienpräfekt in Hollabrunn, von 1952 bis 1976 Religionsprofessor am Hollabrunner Bundesgymnasium und Studentenseelsorger. Von 1959 bis 1963 war er auch Kaplan in Hollabrunn. Sein besonderes Interesse galt in diesen Jahren verschiedenen Formen des Laienapostolats. Er war in der Pfadfinderbewegung und insbesondere auch für die „Legion Mariens“ tätig, deren gesamtösterreichische Leitung er 1970 übernahm. Für sein weiteres Wirken war schließlich sein Interesse für den beinahe in Vergessenheit geratenen Marienwallfahrts-

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ort Roggendorf von entscheidender Prägung. Auf seine Initiative konnte 1969 die Wallfahrt wieder belebt werden. Nach Restaurierung des aus dem 15. Jahrhundert stammenden Gnadenbildes wurde dieses am 14. September 1969, dem Fest der Kreuzerhöhung, neu geweiht. Dabei schlug Groër den Gläubigen vor, eine Wallfahrt neuen Typs zu beginnen: An jedem Dreizehnten sollten Pilger nach Roggendorf kommen, um für die Festigung im Glauben, für die Erneuerung der Kirche, für Priester- und Ordensberufe und den Frieden in der Welt zu beten. Diese Monatswallfahrt wurde zu einer festen Einrichtung, die er von Anfang an als „Wallfahrt für die Kirche“ verstanden hatte. Im Jahr 1970 wurde Groër zum Wallfahrtsdirektor ernannt. Relativ spät, 1976, entschloss sich Groër, in den Benediktinerorden einzutreten. Seine feierliche Profess legte er am 8. September 1980 im Alter von 61 Jah-

Kardinal Groërs letzte Ruhestätte: die Zisterzienserinnen-Abtei Marienfeld bei Maria Roggendorf. Ihre Gründung bezeichnete er als die „schönste Frucht“ seines Wirkens. ren in der Benediktinerabtei Göttweig als „Pater Hermann“ ab. Auf Groër geht die Gründung des Zisterzienserinnenklosters Marienfeld bei Maria Roggendorf im Jahr 1982 zurück, ebenso das Aufbaugymnasium der Erzdiözese Wien in Hollabrunn, das er von 1974 bis 1986 als Direktor leitete. Wegen seiner Verdienste um die Seelsorge im Weinviertel wurde er 1960 zum Erzbischöflichen Konsistorialrat, 1962 zum Monsignore ernannt. 1973 erhielt er den Berufstitel Oberstudienrat, 1985 Hofrat, 1977 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Niederösterreich. Am 15. Juli 1986 wurde P. Hans Hermann Groër überraschend zum neuen Wiener Erzbischof ernannt. Die Bischofsweihe empfing er von seinem Vorgänger, Kardinal Dr. Franz König, am 14. September 1986 in St. Stephan. Als Motto seines Amtes wählte er „In verbo autem tuo“ („Auf Dein Wort hin“). Die Überreichung des Palliums erfolgte am 29. Juni 1987, am 28. Juni 1988 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal kreiert mit der Titelkirche Joachim und Anna.Vom 13. Mai 1989 bis zum 6. April 1995 war er Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz. Einer der großen Höhepunkte seiner Amtszeit war 1988 der zweite Besuch von Papst Johannes Paul II. Sehr verdient hat sich Groër um seine Domkirche St. Stephan gemacht: Auf seine Initiative hin erhielt der Dom einen neuen Volksaltar und eine neue Orgel.

Auch die Umgestaltung der Katharinenkapelle und die Anschaffung moderner Paramente gehen auf Kardinal Groër zurück. Gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Dr. Helmut Zilk gründete Erzbischof Hans Hermann Groër 1987 den Verein „Rettet den Stephansdom“. Mit Wirkung per 14. September 1995 nahm der Heilige Stuhl sein Rücktrittsgesuch an, das der Erzbischof bereits ein Jahr zuvor aus Altersgründen eingereicht hatte. Vom 1. September 1996 bis 5. Jänner 1998 war er Prior des Benediktinerklosters in Maria Roggendorf. Später übersiedelte Kardinal Groër in die Zisterzienserinnen-Abtei Marienfeld bei Maria Roggendorf, deren Gründung er als die „schönste Frucht“ seines Wirkens nannte und wo er auch seinem Wunsch gemäß nach einem Requiem in der Wallfahrtsbasilika Maria Roggendorf am 5. April bestattet wurde. „Unbeschadet der Schatten gilt es in der Stunde des Abschieds, die Leistungen des Priesters und Bischofs zu würdigen“, sagte Kardinal Christoph Schönborn am Sterbetag seines Amtsvorgängers. Kardinal Groër habe als Seelsorger und Mann der Kirche Großes geleistet, so Kardinal Schönborn.„Angesichts des Todes dürfen die schmerzlichen Fragen der Vergangenheit vertrauensvoll in Gottes Hand gelegt werden. Das gilt für Kardinal Groër wie für jeden Christen. Was uns bleibt, sind Dankbarkeit für das Positive, das er geleistet hat, und fürbittende Erinnerung“.

Das Wirken Groërs als Erzbischof und Kardinal sei in einen schwierigen, ja turbulenten Zeitabschnitt gefallen, betonte Kardinal Schönborn. Trotz aller Schwierigkeiten sei es Groër – etwa durch das Wiener Diözesanforum – gelungen, Vertrauen zu gewinnen und Impulse für die pastorale Erneuerung, wie er sie verstand, zu geben. Schon vor der „Wende“ habe Groërs Interesse auch der kirchlichen Situation in den kommunistisch beherrschten Ländern gegolten:„Nach 1989 hat er dann insbesondere den Wiener Nachbardiözesen im Osten und Norden tatkräftig beim Wiederaufbau geholfen“. Auch mit einzelnen Repräsentanten der Orthodoxie – vor allem mit dem serbischen Patriarchen Pavle I. und dem rumänischen Patriarchen Teoctist I. – sei Groër freundschaftlich verbunden gewesen. Sein Vorgänger, Kardinal Dr. Franz König, gedachte seines Nachfolgers mit den Worten: „Für jeden Christen ist am Ende seines Lebens die Barmherzigkeit Gottes entscheidend: In diesem Sinn gilt unsere Fürbitte Kardinal Groër. Gedenken wir des Guten, das er getan hat, und bitten wir für ihn um jene Barmherzigkeit, die wir alle auch für uns erhoffen“. R.I.P. ó

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Aus der Dompfarre Das Neithart-Grab beim Stephansdom Von Johann Werfring Um 1240 starb der bedeutende Minnesänger Neidhart, dessen Herkunft ebenso unbekannt ist wie sein gesellschaftlicher Status.Gewirkt hatte der Sänger vornehmlich im bairisch-österreichischen Raum. Neidhart ist schon zu seinen Lebzeiten außergewöhnlich erfolgreich gewesen. Mit einem völlig neuartigen Weltentwurf stellte der Dichter den bis dahin gepflogenen Minnesang völlig auf den Kopf, indem er das Minnegeschehen ins bäuerliche Milieu verlagerte. Vermutlich hat vor allem die deftige Erotik der Lie-

der sehr wesentlich zu deren Beliebtheit beigetragen. Weil Neidhart mit seinem Programm beim Publikum so außerordentlich gut angekommen ist, haben nach dem Tod des Sängers zahlreiche Epigonen unter seinem Namen weitergedichtet. Im Lauf der Zeit wurde die Nachdichtung immer derber, bis schließlich am Ausgang des Mittelalters ein grobianistisches Schwankbuch erschien, dessen Held Neithart Fuchs ist, der angeblich identisch ist mit dem (historisch nachweisbaren) Hofnar-

Das neurenovierte Neidhartgrab beim Singertor des Stephansdoms 12 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · April 2003

Dr. Johann Werfring ren des österreichischen Herzogs Otto des Fröhlichen (1301–1339). Der Wiener Historiker Richard Perger, der bedauerlicherweise kürzlich Opfer eines Fahrradunfalles in der Josefstadt wurde, hat den Edelmann Neithart Fuchs sogar konkret lokalisiert: Nach einer uralten Grundbuchseintragung war dieser der Besitzer eines Hauses am Wiener Petersplatz. Mehrere historische Zeugnisse bescheinigen,dass dieser Spaßvogel in einem Hochgrab an der Südwand des Wiener Stephansdomes beigesetzt wurde. Ob indes der Hofmann und Spaßmacher des fröhlichen Wiener Herzogs tatsächlich mit dem „Bauernfeind“ Neithart Fuchs aus dem Schwankbuch identisch ist und ob jener wirklich bei St. Stephan begraben wurde, ist in der Forschung äußerst umstritten. Während seit geraumer Zeit die einen davon ausgingen, dass die historischen Zeugnisse stimmen und die sterblichen Überreste des Spaßmachers in dem gotischen Hochgrab bei St. Stephan ruhen, behaupteten andere, der Minnesänger selbst sei dort bestattet. Eine weitere These ging davon aus, dass keiner der beiden, sondern ein Bischof namens Fuchs dort seine letzte Ruhe fand. Graböffnung Um Licht in die strittige Angelegenheit zu bringen, hat man das so genannte Neidhartgrab bei St. Stephan am 11. April 2000 geöffnet. Die zum Vorschein gekommenen Skelett-Teile (ein Schädel, Arme, ein Becken und Beine) wurden zur

Die Aufführung des Veilchenschwanks Untersuchung in ein Labor gebracht, während das Grab einer umfassenden Restaurierung unterzogen wurde. Mittlerweile hat die Untersuchung der geborgenen Knochen ergeben, dass diese von zwei Männern stammen. Mittels Radiokarbon-Methode konnte auch das Alter eruiert werden: Demnach sind die älteren Knochen zeitlich zwischen 1100 und 1260 n. Chr. und die jüngeren zwischen 1340 und 1400 n. Chr. zu datieren. Daraus kann abgeleitet werden, dass sowohl die Überreste des Minnesängers Neidhart als auch jene des Neithart Fuchs respektive des Spaßmachers am Hofe Ottos des Fröhlichen nachträglich in das Hochgrab transferiert wurden. Weil das Grab nur ein relativ kleines Behältnis für die Unterbringung der Knochen aufweist, ist auszuschließen, dass dort ursprünglich eine Direktbestattung stattgefunden hat. Verschollene Relief-Skizze Von besonderem Interesse wäre für die Wissenschafter die Beantwortung der Frage, für wen das Hochgrab ursprünglich bestimmt war. Im Originalzustand waren sowohl an der Längs- als auch an der Schmalseite des Grabes Reliefs angebracht. Während jenes der Schmalseite heute noch existiert, ist das Relief der Längsseite verschwunden. Der NeithartForscher Erhard Jöst vermutet, dass sich – möglicherweise in Privatbesitz – heute noch zumindest Skizzen dieser Reliefszenen erhalten haben könnten. Die Auffindung solcher Skizzen, so ist Jöst überzeugt, würde nicht nur Hinweise auf die ursprünglich im Grab beigesetzte Person liefern, sondern auch einen wesentlichen Schritt vorwärts in der Neithart-Forschung bedeuten. ó Hinweise bitte an Dr. Erhard Jöst, Ludwigstraße 18, D-74078 Heilbronn. E-Mail: [email protected]

In Wien ist seit eh und je der Veilchenschwank aus dem Schwankbuch „Neithart Fuchs“ überaus beliebt. Am 19. April 2002 ist dieser Schwank von einer Wiener Laienschauspieltruppe, darunter auch der Dombaumeister von St. Stephan, Wolfgang Zehetner, sowie etliche Professoren der Universität Wien, aus Anlass der Präsentation des renovierten Neithart-Hochgrabes vor dem Stephansdom aufgeführt worden: Nach altem Wiener Brauch durfte derjenige, der das erste Veilchen gefunden hatte, sein Finderglück der Herzogin melden und an einer speziellen Zeremonie des Hofes teilnehmen. Der lustige Ritter Neithart Fuchs (Dombaumeister Wolfgang Zehetner) findet das „plimlein“ (Blümchen) und eilt zu Hofe, um dort die frohe Kunde zu melden. Damit er später die Fundstelle wieder lokalisieren kann, bedeckt er jedoch zuvor das Veilchen mit seinem Hut. Allerdings hatte ein arglistiger Bauer aus Zeiselmauer heimlich den Fund observiert. Während sich nun der ahnungslose Ritter Neithart zu Hofe begibt, spielt ihm der Bauer einen Streich. Er entfernt den Hut, verrichtet an der Fundstelle seine Notdurft und bedeckt daraufhin seine übelriechende Hinterlassenschaft abermals mit dem ritterlichen Hut. Unterdessen macht sich die Herzogin mit höfischem Gefolge in Begleitung des Ritters Neithart auf den Weg zu jener Wiese. Die Bestürzung ist gar groß, als

Neithart den Hut lüftet. Ein Aufschrei: Die Herzogin und die ganze erlauchte Hofgesellschaft ist zutiefst entrüstet und Neithart fällt in Ungnade. Jedoch findet Neithart heraus, dass ihm ein „Dörper“ (so die Neidhartsche Ausdrucksweise für Bauer) den Streich gespielt hat. Sogleich schwört er bittere Rache. Mit einem ritterlichen Aufgebot geht er gegen Zeiselmauer vor und die Bauern werden fürchterlich bestraft. Wie sich herausstellt, sind diese aber sehr hart im Nehmen: Nach alter Holzhammermethode wird einer der verwundeten Dörper verarztet und im Zuge seiner Verrichtungen schüttet der mittelalterliche Wundarzt (Prof. Birkhahn vom Institut für Germanistik) eine Schüssel Flüssigkeit von der Bühne hinab. Bis in die erste Zuschauerreihe hinein spritzt das Blut. Skurriles Happy-End: Nachdem die Verwundeten versorgt sind, können sich die robusten Bauernlackeln sogar noch zu einem Dorffest bei Tanz und Musik aufraffen. Und Neithart Fuchs? Durch den Sieg über die Dörper ist seine Ehre wiederhergestellt und die Herzogin nimmt ihn wieder gnädig als ihren Vasallen auf. Die Aufführung des Veilchenschwankes ist beim Publikum außerordentlich gut angekommen. Für musikalische Umrahmung sorgte das auf mittelalterliche Musik spezialisierte Ensemble „Sicut erat“. ó

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Aus der Dompfarre

In alter Schönheit Hiltigund Schreiber über die künstlerische Gestaltung und den Abschluss der Restaurierungsarbeiten in der Unteren Sakristei und der Domherrensakristei 1732 war der Umbau der Unteren Sakristei (Hauptsakristei) soweit fertiggestellt, dass die Innenausstattung begonnen werden konnte. Die reiche plastische Stuckierung von hoher künstlerischer Qualität führte Giovanni Antonio Tencola durch. Anschließend stuckierte er auch die Domherrensakristei. Das theologische Konzept der Unteren Sakristei ist im Alten Testament begründet. Acht Medaillons aus Stuck stellen Propheten dar, über der Verbindungstüre ist eine stuckierte Sitzfigur des Mose mit den Gesetzestafeln gestaltet. Ihr Vis-à-vis ist ein noch nicht restauriertes, überlebensgroßes Kruzifix (um 1400–1450) mit eingeschlossener Kreuzreliquie zu sehen. Es gibt dem, der die Sakristei verlässt, die Botschaft mit: Christus ist aus Liebe zu uns gestorben, um uns zu erlösen. Die vielen Engel in den beiden Stuckdecken wollen auf die Gegenwart Christi in unserem Dom hinweisen. Wo Engel sind, ist der Himmel und dort ist Gott. Das Deckengemälde stellt in Öl auf Leinwand das Gebet und Opfer des Elias auf

dem Berge Karmel dar; es hat ein Ausmaß von 9500 x 260 cm; Signatur: Mar(tino) Altomonte Anno 1732. Restaurierungen erfolgten bereits 1771 und 1834. Domherrensakristei: Die Gestaltung zeigt Darstellungen aus dem Neuen Testament. Deckengemälde: „Christus übergibt dem Apostel Petrus die Schlüssel“, vom kaiserlichen Kammermaler Martin Rauch mit Ölfarben auf Putz gemalt. In gleicher Technik sind sechs Medaillons mit den vier Evangelisten, mit Maria und dem Verkündengel gestaltet. Innen über der Türe thront Ecclesia,das Symbol der Kirche, dargestellt mit Tiara und Chormantel, in der Hand die Schlüssel Petri und das Kirchenmodell. 2001 wurde ich vom Dombaumeister um Beratung und Betreuung bei der Restaurierung gebeten. Nach intensiven Untersuchungen der Schadbilder an der Stuckdecke war eine Freilegung auf die originale Oberfläche technisch die einzig zu verantwortende

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Dr. Hiltigund Schreiber Maßnahme. Nur so konnten tiefe Risse geschlossen und fehlende Teile am Stuck wie z. B. Teile der Draperien, der Ornamente und Fehlstellen an Reliefs fachmännisch einwandfrei ergänzt werden, ebenso die vielen Verletzungen und Abplatzungen. Im Bereich der Galerien war durch Wassereinbruch die Zerstörung der Stuckoberflächen sehr groß. Der Laborbefund des Bundesdenkmalamtes ergab sechs Färbelungen, die unterste fast dunkelgrau glasig und schwer löslich. Der Beschluss, den Stuck auf die Originaloberfläche freizulegen, lässt die ursprüngliche Plastizität des Stuckes (der durch die

Linke Seite: Der linke Engelkopf ist noch nicht restauriert, der rechte gereinigt und mit Feinstuck geschlossen. Oben links: Schmutz- und Staubschichten verunstalteten den kostbaren Stuck. Oben rechts: Fehlstellen wurden mit Kalkmörtel ergänzt und die äußere Schicht mit Feinstuck geschlossen. Anschließend erfolgte die Auftragung einer Kalklasur.

Übermalungen teilweise nivelliert war) wieder zur Wirkung kommen; die originale Oberfläche ist sehr glatt und hat die heutige Farbgebung. So wurden vergleichbare Kostenvoranschläge eingeholt und Frau Mag. Louise Höfinger, eine Spezialistin für Stuck, bekam den Auftrag. Sie begann Anfang Juli 2002 mit der Arbeit. Zuerst wurden Leimfarbenschichten entfernt. Dann wurden die problematischen Schichten mit einer speziellen Abbeize behandelt, und zwar einige Male, bis die dunkelgraue Schicht entfernt war. Es musste kleinflächig gearbeitet werden um zu vermeiden, dass zu viel Wasser und Chemikalien in die originale Schicht eindringen. Mit Dampfgerät und Schwamm wurde nachgereinigt. Fehlstellen wurden mit Kalkmörtel aufgetragen und ergänzt. Es waren sehr intensive, zeitraubende Arbeiten, die Frau Mag. Höfinger und ihr Team hervorragend ausführten. Zum Schluss wurde der gesamte Stuck mit einer Kalklasur dem Farbton der Originalsubstanz angepasst.

Restaurierung des Deckengemäldes von Altomonte in der Unteren Sakristei Zustand: Starke Beschädigung der Leinwand, da sich höchstwahrscheinlich der Bildträger von der Decke löste. Oberfläche sehr verschmutzt, darunter starke, flächige Übermalungen. Verluste von Farbschollen im Bereich der Ablösung des Bildträgers. Stark vergilbter Firnis. Nach Anbotsvergleichen bekam Mag. Michael Odlozil den Auftrag. Ich begleitete auch diese Restaurierungsarbeit und kann nur sagen, er und sein Team arbeiten sehr intensiv. Es war eine Freude zu erleben, wie hell und leuchtend die Farben wurden. Es gab viele Fehlstellen und das Restaurieren wurde mit großem Können durchgeführt. Das freigelegte, restaurierte Gemälde bildet nun mit dem freigelegten Stuck eine künstlerische Einheit.

Schollenbildung, die schon substanzgefährdend war. Mag. Herbert Schwaha, Spezialist für Ölmalerei auf Putz, führte die Arbeiten mit seinem Team durch. Zuerst Grundreinigung, Firnisabnahme, dann Sicherung und Planierung der Schollen. Abnahme der Übermalung, Entfernung der alten, störenden Kittung. Retusche, Firnis. Durch die Freilegung von Stuck und Malerei auf die originale Oberfläche wurde die ausgezeichnete Qualität der Kunstwerke, die zur Ehre Gottes geschaffen worden waren, wieder sichtbar. Ich hatte viel Freude bei der Betreuung dieser Arbeiten, denn erst jetzt wird die Schönheit und die Verkündigungsaussage dieser Räume wieder für alle auf lange Zeit erlebbar. Ein herzliches Dankeschön allen beteiligten Restauratoren für ihren Einsatz. ó

Bestandsaufnahme und Restaurierung der Deckengemälde in der Domherrensakristei Zustand der Malerei: Starke Verschmutzung und Übermalung sowie flächige Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · April 2003 15

Aus der Dompfarre

Bevorstehende Restaurierungsphasen am Stephansdom Von Dombaumeister Wolfgang Zehetner

Die Steinskulptur des hl. Stephanus vom Singertor weist enorme Schäden auf. Oben: Das Gerüst am Südturm wird „wandern“.

Im Mittelpunkt der Domsanierung der nächsten Jahre wird der Hohe Turm stehen. Die besonders reich gegliederte Zone in Höhe von ca. 60–95 Metern über dem Boden wird im Frühjahr an der südlichen Turmseite eingerüstet. Diese Zone umfasst unter anderem sechs freistehende Fialtürme von je 25 m Höhe. Im ersten Jahr werden die detaillierten Untersuchungen und auch schon die Reinigung bzw. das Entfernen der Sinterkrusten begonnen. In der Folge müssen dann die Steinmetz-, die Fugen-, die Eisen und Stahlarbeiten, die Steinfestigung etc. gemacht werden. Die Arbeiten in diesem sehr gefährdeten Bereich, die besonders für die Sicherheit der Passanten, aber auch für die langfristige Erhaltung des Turmes nötig sind, werden mindestens drei,wahrscheinlich aber vier Jahre dauern. Am Albertinischen Chor ist ein Ende der Arbeiten abzusehen. Vom Nordturm über die Ostapsis sind die Arbeiten an die Südwand gewandert, 2003/2004 wird der letzte Teil bis zum Südturm saniert.

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DI Wolfgang Zehetner Im Sommer 2003 wird auch die berühmte Sonnenuhr aus dem 15. Jhdt. am südlichen Chorpfeiler in restauriertem Zustand wieder montiert. Ebenfalls fast in Augenhöhe: Die Steinfigur des Hl. Stephanus am Singertor musste wegen Brüchen und Rissen zur Sanierung abgenommen werden. Auch im Inneren gibt es wesentliche Projekte. Unmittelbar bevorstehend: Die Errichtung des zweiten Beichtzimmers im nördlichen Heidenturm und die Fertigstellung der Bartholomäuskapelle samt Bereichen der Westempore. ó

Seit über 15 Jahren im Dienste des Domes Maria-Luise Heindel über den Verein „Rettet den Stephansdom“ Bei einer Pressekonferenz in Anwesenheit der Gründerväter, Altbürgermeister Dr. Helmut Zilk und Erzbischof Kardinal Dr. Hans Hermann Groer, am Dachboden des Domes wurde der Verein „Rettet den Stephansdom“ am 10. April 1987 aus der Taufe gehoben. Die Schirmherrschaft obliegt jeweils dem amtierenden Erzbischof von Wien, derzeit Kardinal Dr. Christoph Schönborn,und dem amtierenden Bürgermeister von Wien,derzeit Dr. Michael Häupl. Im Vorstand arbeiten Notare, Rechtsanwälte, Wirtschaftstreuhänder, der Dombaumeister u.a.m. Sämtliche Mitglieder des Vorstandes sind ehrenamtlich tätig und verbürgen sich für die ordnungsgemäße Verwendung der Spenden. Die Verwaltung der Spenden erfolgt seit dem Beginn vor 15 Jahren nach den Prinzipien der Zweckmäßigkeit, der Sparsamkeit und der Wirtschaftlichkeit. Die Geschäftsgebarung des Vereins wird jährlich von zwei unabhängigen Wirtschaftsprüfern auf Ordnungsmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit überprüft. Der Steffl und das liebe Geld Die Sorge um die Erhaltung der Domkirche zu St. Stephan ist so alt wie die Kirche selbst. Deshalb versucht der gemeinnützige, weltanschaulich und politisch unabhängige und nicht auf Gewinn ausgerichtete Verein „Rettet den Stephansdom“ seit seiner Gründung mit einer Fülle von Ideen den Ausgleich zwischen den leider abnehmenden Mitteln und dem stetig steigenden Bedarf des Steffl’s zu schaffen. Die Bemühungen von „Rettet den Stephansdom“ um Spenden umfassen eine Vielfalt von Aktionen – sei es mit Konzerten im Dom oder Events auf dem Stephansplatz wie etwa dem Weltmilchtag oder der Punschhütte in der Adventzeit. Die Einnahmen des Vereins setzen sich ferner aus den Beiträgen seiner Mitglieder, aus Sammlungen, Spenden und Widmungen zusammen. Das Ziel ist, genügend Mittel für die bauliche Erhal-

tung aufzubringen und den Stephansdom als Kulturerbe für die Menschheit zu bewahren. Viele honorige Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Politik haben zum Ansehen und Erfolg von “Rettet den Stephansdom” beigetragen. Dies wurde durch die eine oder andere Ehrung belohnt: So erhielt der Verein 1993 einen Preis der “Dr.-Karl-Renner-Stiftung der Stadt Wien”. Zu den Maecenas-Preisträgern für den Stephansdom zählen die Unternehmen Kattus, Manner und HFP Steuerberatungs GesmbH für ihre kreativen Verdienste um den Steffl. Durch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von „Rettet den Stephansdom“ wurde zahlreichen Menschen der Zugang zur Schönheit und dem Wert des Domes gewiesen; so konnten dem Steffl viele neue Freunde gewonnen werden. Auch international zollt man den Lei-

stungen des Vereins Lob und Anerkennung. St. Stephan begleitet das Leben der Menschen dieser Stadt und dieses Landes seit urdenklichen Zeiten. Dank engagierter Menschen wird dies auch noch lange so sein – getreu dem Wahlspruch des Vereins: Sie und wir – gemeinsam für den Steffl! ó

Das Team stellt sich vor:

Rudolf Svoboda, Projektkoordination Der Stephansdom ist für mich ein Kulturdenkmal und Wahrzeichen Österreichs und ein Beispiel für gediegene Zusammenarbeit zwischen Verantwortlichen und Förderern Maria-Luise Heindel, Generalsekretärin Der Stephansdom bedeutet für mich das Herz Österreichs – sowohl in religiöser als auch in geschichtlich-kultureller Hinsicht.

Andrea Püller, Administration Er ist eines der schönsten Bauwerke und es muss alles getan werden damit der „Steffl“ vor dem Verfall bewahrt wird Mag. Roman Szczepaniak, Fotograf Ich versuche die Botschaft der vergangenen Generationen an uns und unsere Nachkommen, die in der unüberschaubaren Anzahl an Kunstgegenständen und architektonischen Details im Dom verborgen ist, für mich persönlich zu entdecken.

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Aus der Dompfarre Der Antoniusbrod-Opferstock Unterstützung für die Pfarrcaritas. Von Franz Schlegl

Viele Dombesucher kennen ihn und suchen ihn auf, bei der vorletzten Säule im Friedrichsschiff steht seine Statue. Antonius von Padua, den die Italiener schlicht „il Santo – der Heilige“ nennen. Er gilt nicht nur als Schutzpatron derer, die etwas verloren haben, sondern auch der Reisenden, der Braut- und Eheleute, er wird bei Fieber, Seuchen und Katastrophen angerufen, ebenso in Armut und Hungersnot. „Der hl. Antonius gibt nichts für nichts“ lautet die Überzeugung des gläu-

bigen Volkes; am liebsten, so sagt man, ist ihm eine Spende für die Armen. Darum steht bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts im Dom ein Opferstock vor seiner Statue mit der Aufschrift: „St. AntoniusBrod“. – Ja, ganz richtig, damals schrieb man Brot noch mit „d“! An der Aktualität dieser „Armenkasse“ hat sich nichts geändert! Hier kommt zu einem guten Teil das Geld für die Caritasarbeit unserer Dompfarre zusammen. Unsere Fachfrau für Altenbetreuung und Caritas, Frau Gabrielle Meran, verwaltet zusammen mit dem Dompfarrer und dem Caritasausschuss dieses Geld, das ausschließlich Bedürftigen, die sich persönlich an uns wenden, die wir also kennen, zur Verfügung steht! Dank der Hilfe vieler guter Menschen, die nicht achtlos an diesem Opferstock vorübergehen, können wir hier in der Dompfarre helfen. Deshalb auch unsere Bitte an Sie: „Lästige“ Münzen lassen sich im Antoniusbrot-Opferstock gut „entsorgen“. Seit wir

mit Euro und Cent bezahlen, haben wir viel mehr Münzen zu tragen. Vielleicht erinnert uns deren Gewicht an das Gewicht der guten Werke vor Gott, besonders wenn sie in Liebe zu den Armen getan werden! Vergessen wir auch nicht: Das soziale Netz ist weitmaschiger geworden. Bitte unterstützen Sie die Pfarrcaritas mit Ihrer Spende! Vergelt’s Gott! ó

Jubiläumsflohmarkt im Curhaus Sa., 14. Juni 2003 von 10.00–17.00 Uhr So., 15. Juni 2003 von 10.00–15.00 Uhr Sollten Sie für den 40. Flohmarkt der Dompfarre Gegenstände (wie z. B. Bücher, Bilder, Vasen etc.) zur Verfügung stellen können, bitten wir Sie, diese beim Portier des Curhauses abzugeben. Kommen Sie kaufen, Kommen Sie helfen! Der Reinerlös wird für caritative Zwecke verwendet. ó

Rückblick ˘ Wir danken den zehn Grundwehrdienern der Pioniertruppenschule Klosterneuburg unter Oberleutnant Stephan Schulz und Oberstabswachtmeister Paul Rott für die Lieferung und Aufstellung der Christbäume des vergangenen Weihnachtsfestes. ˘ Vor 25 Jahren konnten die Karmelitinnen ihr neues Kloster am Hanschweg beziehen. Anlässlich dieses Jubiläums hob Erzbischof Schönborn die päpstliche Klausur auf und ermöglichte dadurch einigen Schwestern des Karmels St. Josef den Besuch des Stephansdomes. Nach einer sehr ausgiebigen Führung am 21. November 2002 lud der Kirchenmeister zu einer Agape in den Kapitelsaal. Einige der Schwestern waren erstmals seit ihrem Ordenseintritt, der bei manchen schon

Jahrzehnte zurückliegt, wieder in St. Stephan. Für alle Beteiligten wird es eine unvergessliche Begegnung bleiben. ˘ Alle zwei Jahre veranstaltet die Sakristeidirektion eine Bildungsfahrt für ihre Mitarbeiter, die heuer vom 19. bis 23. Feber unter der geistlichen Leitung von Dr. Johann Hörist, ehemals Curpriester in

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St. Stephan, nach Neapel führte. Neben täglicher Messfeier und geistlichem Impuls stand vor allem das Kennenlernen der Stadt und eine ausgiebige Besichtigung der Kathedrale zum hl. Januarius auf dem Programm. Eine Wallfahrt zum Marienheiligtum in Pompeji rundete diese Fahrt ab. ˘ Auf Einladung des Obmanns der Österreichischen Mesnergemeinschaft Sepp Fink und unseres Kirchenmeisters Franz Weinwurm trafen sich die Dommesner Österreichs am 10. und 11. März zu einem Erfahrungsaustausch in St. Stephan. Jeder Teilnehmer stellte sich und „seine“ Bischofskirche vor und erzählte von seinen Erfahrungen und Tätigkeiten. Es wurde beschlossen, ein ähnliches Treffen in ca. zwei Jahren in Graz zu organisieren.

In Memoriam Dr.Kurt Peichel Von Rainer Egger Durch unsere gemeinsame Arbeit für den Mittwoch-Club der Dompfarre habe ich Dr. Kurt Peichel näher kennen und schätzen gelernt. An diese Pfarr-Runde, die älteren Menschen Gemeinschaft und manchen interessanten Nachmittag bieten will, wird man zunächst denken, wenn man sich an Dr. Peichel in St. Stephan erinnert. Aber es ist natürlich viel mehr, an das wir denken, wenn wir sein Leben kurz betrachten, einen Lebensweg, wie ihn so viele seiner Generation gegangen sind. Am 14. August 1925 im Wiener Bezirk Landstraße als jüngster von drei Brüdern geboren, besuchte er hier das Gymnasium, unmittelbar nach Ablegung der Matura musste er 1943 zunächst zum Arbeitsdienst, bald darauf zur Wehrmacht einrücken. Bei Monte Cassino verwundet, geriet Kurt Peichel bei Kriegsende in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1946 nach Wien zurückkehrte. Nun begann er an der Wiener

Universität mit dem Jus-Studium, das ihn zum Doktorat und schließlich zum Beruf des Rechtsanwaltes führte. Einen Beruf, den er mit Leib und Seele ausübte, in dem es ihm immer um die Menschen ging, deren Interessen er zu vertreten hatte. 1958 heiratete Kurt Peichel seine Frau Ilse, die ihm auch in seinem Beruf immer eine große Stütze war. Aber seine Familie – der Ehe entstammen zwei Kinder, Irene, geboren 1962 und Roland, geboren 1968 war nun durch 44 Jahre das Zentrum seines Lebens. Unserer Pfarre war Kurt Peichel seit langem verbunden, seine Liebe gehörte der lateinischen Sonntagsmesse, die er regelmäßig mitfeierte, aber auch am Pfarrleben nahm er intensiv Anteil. Besonders setzte er sich seit 1994 für den Mittwoch-Club ein, die Zusammenstellung des regelmäßigen Programms und die Gestaltung der alljährlichen Ausflüge war ihm hier ein besonderes Anliegen. Unerwartet für uns alle wurde Dr. Kurt Peichel am 26. November 2002 aus die-

Dr. Kurt Peichel, (1925–2002) ser Welt abberufen. Seine Familie, viele Freunde aus der Pfarre und viele Berufskollegen nahmen auf dem Wiener Zentralfriedhof Abschied, wo Diakon Ernst Ballner unser aller Betroffenheit in warmen Worten Ausdruck gab. Und einige Tage später gedachten wir in einer abendlichen Messfeier mit Mag. Martin Priller seiner mit dem Wort aus dem Buch Genesis „Haltet mich nicht auf. Der Herr hat meine Reise gelingen lassen. Lasst mich also zu meinem Herrn zurückkehren“ (Gen 24,56) ó

Wir gratulieren …

˘ unserem Domdekan Prälat Dr. Josef Tóth zu seinem 75. Geburtstag, der am 10. Februar im Wiener Priesterseminar gefeiert wurde. Neben zahlreichen Gratulanten stellte sich auch Kardinal Schönborn ein, um auf den Jubilar anzustoßen. Prälat Toth feiert im Juni auch sein Goldenes Priesterjubiläum. Ad multos annos! ˘ Univ. Prof. Dr. Kurt Schubert,internatio-

burtstag.Seit Jahrzehnten nicht ist Prof Schubert Aus Datenschutzgründen angezeigt treuer Lektor der sonntäglichen lateinischen Messe in der Unterkirche von St. Stephan. Herzlichen Glückwunsch! ˘ unserem „jüngsten“ Domkuraten Prälat DDr. Josef Musger zu seinem 94. Geburtstag am 9. Mai. ˘ Domführer Manfred Kantusch (11. Februar) und Mag. Roman Szczepaniak vom Verein „Rettet den Stephansdom“ (26. März) zu ihrem 40. Geburtstag! ˘ Eine wahre Akademikerschwemme gibt es bei den Domministranten. Wir gratulieren zum erfolgreichen Abschluss des Studiums: Mag. Markus Bußlehner Mag. Heinrich Foglar-Deinhardstein DI Christian Hoppe

Wir trauern

um unseren Domelektriker Johann Neuwirth, der nach schwerer Krankheit am 8. Februar im 53. Lebensjahr verstorben ist. Über 35 Jahre hindurch hat unser „Hansi“ ehrenamtlich die Pummerin geläutet und betreut. Beim Requiem in St. Stephan ehrte die größte Glocke Österreichs ihren treuen Glöckner mit drei Ehrenschlägen. R.I.P.

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · April 2003 19

Stadtmission 2003 Mission – nein danke? Über die ,,Zeit zur Aussaat‘‘. Eine Collage von Heinrich Foglar-Deinhardstein ,,Jesus ja – Kirche na ja – Mission nein danke‘‘. So könnte man wohl die Haltung vieler Christen zum Thema ,,Mission‘‘ auf den Punkt bringen. ,,Ist das nicht das, was die Sekten machen?‘‘ – ,,Es soll doch jeder das glauben, was er selbst für richtig hält.‘‘ – ,,Zwangsbeglückung ist doch unchristlich!‘‘ Diese Haltung als ,,skeptisch‘‘ zu bezeichnen, wäre grob verharmlosend. Diese Einstellung ist vielmehr offen ablehnend gegenüber der Mission und tritt vor allem dann auf den Plan, wenn es um Mission hier und heute, also im eigenen Land oder gar – um Gottes willen! – in der eigenen Stadt geht. Ich bin jemand, der diesem Unbehagen rein gefühlsmäßig sehr viel abgewinnen kann. Allerdings habe ich gelernt, dass wir Christen in Glaubensfragen wohl nicht allein unsere Emotionen zur Richtschnur unseres Handelns machen dürfen. Und ein nüchterner Blick in unsere Heilige Schrift belehrt mich – was ,,Mission‘‘ angeht – rasch eines Besseren. ,,Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt‘‘, heißt es da etwa im ersten Petrusbrief (1 Petr 3, 15). Der Völkerapostel Paulus schreibt: ,,So versuchen wir, erfüllt von Ehrfurcht vor dem Herrn, Menschen zu gewinnen; [...] Denn die Liebe Christi drängt uns‘‘ (2 Kor 5,11.14). ,,Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen‘‘ (1 Tim 2,4). ,,Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!‘‘ (1 Kor 9,16). Petrus und Johannes sprechen vor dem Hohen Rat: ,,Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben‘‘ (Apg 4,20). Im Matthäusevangelium ist es unser Herr Jesus Christus selbst, der nach seiner Auferstehung den Auftrag zur Mission gibt: ,,Geht zu allen Völkern, und

macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe‘‘ (Mt 28,19). Ein noch kühneres Wort des Herrn überliefert uns das Johannesevangelium: ,,Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch‘‘ (Joh 20,21). Im aufrüttelnden Konzilstext Apostolicam Actuositatem heißt es dementsprechend: ,,Dazu ist die Kirche ins Leben getreten: sie soll zur Ehre Gottes des Vaters die Herrschaft Christi über die ganze Welt ausbreiten und so alle Menschen der heilbringenden Erlösung teilhaftig machen‘‘ (AA 2). Der Missionsauftrag ist also eindeutig – aber wie gehen wir Christen damit um? Wenn wir tatsächlich glauben, dass wir alle Kirche sind – und das hat schon 1946, lange vor dem Kirchenvolks-Begehren, Papst Pius XII. sozusagen ,,amtlich‘‘ festgehalten –, dann darf die Mission nicht eine Aufgabe der Bischöfe und Priester bleiben, dann muss sie uns alle erfassen. Wir alle müssen die freudige Botschaft der Erlösung durch Christus offensiv anbieten. Das klingt hart und ist es auch. Daher findet in diesem Zusammenhang das sonst so positiv-optimistische Zweite Vatikanische Konzil – in offensichtlich guter Kenntnis der Herzen der Gläubigen – geradezu scharfe Worte: ,,Die Spaltung bei vielen zwischen dem Glauben, den man bekennt, und dem täglichen Leben gehört zu den schweren Verirrungen unserer Zeit [...] Man darf keinen künstlichen Gegensatz zwischen beruflicher und gesellschaftlicher Tätigkeit auf der einen Seite und dem religiösen Leben auf der anderen konstruieren‘‘ (GS 43). Papst Johannes Paul II. sagte 1998 in Wien: ,,Die

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Kirche von heute braucht keine Teilzeitkatholiken, sondern Vollblutchristen!‘‘ Zwei Jahre später ließ der Bischof von Erfurt, Joachim Wanke, die deutsche Kirche mit einem markigen Brief aufhorchen: ,,Unserer Katholischen Kirche in Deutschland fehlt etwas. Es ist nicht das Geld. Es sind auch nicht die Gläubigen. Unserer Katholischen Kirche in Deutschland fehlt die Überzeugung, neue Christen gewinnen zu können. Das ist ihr derzeit schwerster Mangel. In unseren Gemeinden, bis in die Kernbereiche hinein, besteht die Ansicht, dass Mission etwas für Afrika oder Asien sei, nicht aber für Hamburg, München, Leipzig oder Berlin. [...] Dass eine Ortskirche nicht wächst, mag auszuhalten sein, dass sie aber nicht wachsen will, ist schlechthin unakzeptabel. Teilen Sie dieses Urteil? Wenn ja, dann muß uns Katholiken in Deutschland zum Thema, missionarische Kirche‘ mehr einfallen als bisher. ‘‘ Banal gesprochen: Was einen Menschen erfasst und erfüllt, davon redet er: sei es die Familie, der Beruf, oder ganz einfach nur die Erinnerung an einen netten Abend mit Freunden, ein gutes Essen oder den neuesten Kinofilm. Der Glaube aber sollte für uns Christen das sein, was uns am meisten erfasst und erfüllt, das Schönste und Wertvollste in unserem Leben. Warum aber ist mir und vielen gerade dieses Thema peinlich? Dass Mission eine Grundmelodie kirchlichen Lebens ist, das Verständnis dafür ist vielen bei uns in der Dompfarre vor allem durch die Stadtmission ,,Wien ist anders – Gott auch‘‘ im Heiligen Jahr 2000 zugewachsen (Pfarrblatt 55/3, 55/4). Im folgenden Klemens Maria HofbauerJahr 2001 hat das hochkarätige Großstadtsymposion ,,Den Menschen heute das Evangelium bringen‘‘ sicherlich man-

chen geholfen, auch theoretisch besser zu verstehen, was wir bereits im Jahr davor praktisch versucht hatten. Einige Einwände sind aber vielleicht geblieben: Reform vor Mission? Hat die Erneuerung der Kirche nicht Vorrang vor der Mission? Müsste das der Kirche anvertraute Evangelium nicht zunächst nach innen verwirklicht werden, um dann erst wirklich überzeugend der Welt unter die Augen treten zu können? Dazu hat im ,,Krisenjahr‘‘ 1995 der damalige Generalvikar unserer Erzdiözese, Helmut Schüller, festgehalten: ,,Die Frischluft-Zufuhr, die die Kirche braucht, kommt nicht nur aus den Diskussionskreisen über interne Fragen, die kommt auch aus der Auseinandersetzung mit dem Weltauftrag. Es ist ein Holzweg zu glauben, dass es eine Art innere Renovierungsperiode gibt, nach dem Motto: ,Wegen Umbau geschlossen‘, und dann die Hoffnung, dass einige Jahre später die Kunden wieder zurückzugewinnen sind.'' Und Bischof Reinhold Stecher schreibt: ,,Krisenzeiten bringen auch unübersehbare Vorteile. Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, verliert in diesen Nöten völlig den Charakter der Prunkbarke. Leute, die das noch so sehen wollen, leben in der Illusionswelt kitschiger Historienfilme. Aber in Zeiten wie diesen kommt man auch drauf, dass es nicht genügt, wenn die Kirche als moralisches Schlachtschiff durch die Weltgeschichte dampft und sich damit begnügt, seine Kanonen auf das wahre (oder vermeintliche) Böse zu richten. Die Kirche wird auch nicht einfach zum Schnellboot für die Ungestümen, die über alle Wellen hinwegpreschen wollen. In solchen Krisen wird die Kirche wieder zum bescheidenen, rettenden Fischerboot, das sich durchs Weltmeer kämpft und dessen einzige Größe darin besteht, dass der Herr zugestiegen ist und mitfährt – wie da-

mals in der Nacht auf dem See...‘‘ (Vorwort zu ,,Neue Freude an der Kirche‘‘ von Helmut Krätzl). Aus der Zeitschrift ,,miteinander‘‘ darf ich noch zwei treffende Wortmeldungen zitieren: ,,Jesus hat gepredigt: ,Ihr seid das Salz der Erde.‘ Heute scheinen viele zu meinen, dass die Lösung der Probleme darin bestehe, jedes einzelne Salzkorn aufzulesen, in ein Salzfass zu geben und möglichst luftdicht zu verschließen, damit das Salz nur ja nicht verunreinigt werde. Das Problem dabei ist nur, dass man auf diese Weise nicht mehr würzen kann. Und haben Sie schon einmal einen Löffel reines Salz gegessen?'' (Johannes Gratzl, miteinander 7-8/1998). ,,Während wir uns mit unseren innerkirchlichen Problemen beschäftigt haben und die Kirchennahen manchen Grund zur Klage hatten, ist in den letzten Jahren das Leben rund um die kleiner werdende Christenschar munter weitergegangen. Die Menschen haben bisher die verschiedensten Probleme gesammelt: Wir Christen hätten genug zu tun. Allerdings müssten wir dann unsere Sakristeien und Pfarrheime mit ihren theologischen und pastoralen Planspielen verlassen und uns wieder einmal den wirklichen Fragen der Menschen um uns stellen‘‘ (Bischofsvikar Anton Berger, miteinander 9/1998). Dialog statt Mission? Ist gegenüber anderen Religionen nicht Dialog statt Mission angebracht? Ist es nicht eine Respektlosigkeit, Menschen, die ehrlich und ehrfürchtig einen anderen Glauben haben, mit der christlichen Botschaft zu bedrängen? Mit gläserner Klarheit hat Papst Johannes Paul II. genau zu diesem Thema Stellung genommen: Tatsächlich ist der Dialog zwischen den Religionen notwendig, mit den Worten des Papstes: ,,Der Dialog muss weitergehen‘‘. Dieser Dialog dient nicht nur dem Weltfrieden.

Nein, noch mehr: Die Auseinandersetzung mit den Religionen, Kulturen und Philosophien der Welt hilft der Kirche selbst, nämlich bei der ,,Ergründung ihres unendlich reichen Gnadengeheimnisses.‘‘ ,,Denn nicht selten weckt der Geist Gottes, der weht, wo er will, in der allgemeinen menschlichen Erfahrung trotz ihrer vielen Widersprüchlichkeiten Zeichen seiner Gegenwart, die selbst den Jüngern Christi helfen, die Botschaft, deren Überbringer sie sind, vollkommener zu verstehen.‘‘ ,,Die Kirche erkennt nicht nur, dass sie etwas gegeben hat, sondern wieviel sie auch der Geschichte und Entwicklung der Menschheit verdankt.‘‘ Dennoch ,,haben wir Christen die Pflicht, den Dialog so zu entwickeln, dass wir das volle Zeugnis der Hoffnung, die uns erfüllt, vortragen. Wir brauchen uns nicht zu fürchten, dass das eine Beleidigung für die Identität des anderen sein könnte, was frohe Verkündigung eines Geschenkes ist: eines Geschenkes, das für alle bestimmt ist und das allen mit größter Achtung der Freiheit eines jeden einzelnen angeboten werden soll. Es ist das Geschenk der Verkündigung des Gottes, der Liebe ist und die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn hingab. [...] Die Verkündigung dieses Geschenkes ist jedoch für uns eine Gnade, die uns mit Freude erfüllt, und eine Nachricht, die wir zu verkünden verpflichtet sind. [...] Die missionarische Pflicht hindert uns jedoch nicht daran, zum Dialog überzugehen und mit innerer Bereitschaft zuzuhören‘‘ (alle Zitate aus ,,Novo Millennio Ineunte“). Vielleicht kann man sagen, dass Mission heute dialogisch, aber dafür auch der Dialog missionarisch sein muß. ,,Wenn die Gläubigen jenen die frohe Botschaft verkünden, die sie noch nicht kennen, tun sie es, um das Wahre und Gute, das Gott unter den Menschen und Völkern verbreitet hat, zu kräftigen, zu ergänzen und zu erhöhen‘‘ (Weltkatechismus 856).

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · April 2003 21

Stadtmission 2003

,,Mission‘‘ unmodern? Ist der Begriff ,,Mission‘‘ nicht überholt? Wer sich tatsächlich am Wort ,,Mission‘‘ stößt, wem es schrill in den Ohren klingt, der kann – mit dem Konzil und den Päpsten Paul VI. und Johannes Paul II. – die Begriffe ,,Evangelisation‘‘ und ,,Apostolat‘‘ verwenden. Wichtig ist zu betonen, dass wahre Mission nicht in die Gewissensfreiheit des Menschen eingreifen darf. Wahre Mission missbraucht auch keine Macht, sie manipuliert nicht und beschönigt auch nicht die Fehler und Schwächen der Missionierenden. Mit den Worten von Bischof Krätzl: ,,Offensein für andere – das nenne ich Mission!‘‘ Wie geht Mission praktisch? Es gibt sicherlich so manchen einfachen ,,Trick‘‘. Ein Jugendverantwortlicher aus Deutschland erzählte etwa, wie er bei einem gemütlichen Bier die interessantesten Glaubensgespräche mit seinen durchaus ,,kirchenfernen‘‘ Freunden und Bekannten provozierte: Er zeigte ihnen Fotos, die er beim Weltjugendtreffen mit dem Papst gemacht hatte. Freilich gibt es auch eine Mission ohne Tricks. Diese radikalere Variante der Evangelisierung skizzierte Prälat Johann Koller in einem Beitrag für das Jahrbuch 2001 der Erzdiözese Wien (S. 73 f):

Weitere Informationen finden Sie auch im Internet unter: http://www.stadtmission.at oder auch auf der Homepage der Erzdiözese unter: http://stephanscom.at/stadtmission/ Diözesansekretariat Wien ICNE – Stadtmission Wollzeile 2, A-1010 Wien Tel: +43/1/515 52-3314 Fax: +43/1/515 52-2314 E-Mail: [email protected]

,,Ein junger Kaplan kam verzweifelt zum Pfarrer: ,So ein unmögliches Evangelium! Was soll ich heute predigen?‘ Darauf der Pfarrer: ,Sag den Leuten, was Christus ihnen sagen würde.‘ Betroffen ging der Kaplan einige Minuten in die Hauskapelle. Am nächsten Tag hörte der Pfarrer das Echo einer bewegenden Predigt. Ein persönliches Erlebnis: Eines Abends ging ich lustlos zu einem Brautgespräch. Plötzlich zuckte es mir durch den Kopf: ,Sag ihnen das Evangelium vom Sakrament der Ehe!‘ Ich erschrak. Der Gedanke war mir unangenehm, da ich innerlich plötzlich ganz gefordert war. Ich sagte ihnen, dass Gott mit ganzer Leidenschaft will, dass ihre Beziehung gelingt, zeigte ihnen Schritte zu Gott und versuchte, sie für seine Hilfe zu öffnen. Ich sah die zunehmend staunenden Augen der Brautpaare. Manchmal streichelten sie einander zärtlich die Hände. Eine Woche später war die Trauung eines dieser Paare. Nachher kam der Bräutigam auf mich zu: ,Herr Pfarrer, nach dem Brautgespräch haben wir beide nach drei Jahren zum ersten Mal gewusst, dass Gott auch für uns da ist. Das war eine ganz tiefe Freude!‘ Ich war überrascht. Wenn ich gewusst hätte, dass sie schon drei Jahre zusammen sind, hätte ich beim Brautgespräch nicht so frei von Gott sprechen können. Und der Bräutigam weiter: ,Bei der Trauung habe ich gut zugehorcht. Das mit Gott lässt mich nicht mehr ruhen. Herr Pfarrer – wir kommen!‘ Beschämt und betroffen frage ich mich: ,Hat Gott mich verwendet, diese Menschen anzurufen? Warum tue ich das nicht öfter? Bin ich vielen Menschen das Evangelium schuldig geblieben?‘ [...] Leider bin ich zu verkopft erzogen und rede mehr über Gott als von Gott her. Worte Christi,Worte des Lebens sind wie Honig. Dann wächst die Frage: ,Was sollen wir tun?‘ [...] Bei einem Erstkommunionelternabend riskierte ich es, den Eltern Worte Gottes zuzusagen. [...] Die Eltern (fast lauter Nichtkirchen-

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geher) wurden überraschend still. Menschen hatten Tränen in den Augen. [...] Nachher eine Mutter: ,Herr Pfarrer, gilt das auch für mich? Ich bin nicht kirchlich verheiratet, meine Vorfahren waren große Nazis!‘ Und ich: ,Was ich gesagt habe, gilt voll und ganz für Sie!‘ Die Frau begann zu weinen, erzählte ihr tragisches Leben und bat um die Hilfe Gottes. [...] Bei einem Pfarrbesuch in Ostberlin: Der Pfarrer und seine Mitarbeiter erzählten von der kommunistischen Zeit, von der Stasi und von den Enttäuschungen nach der Wende. Plötzlich fragte ich den Pfarrer: ,Welches Evangelium habt ihr für die Stasi und für die Kommunisten?‘ Der Pfarrer wurde rot. Ich erschrak. Aber diese Frage lässt mich nicht mehr los: Welches Evangelium haben wir für...?‘‘ ,,Ein neues Jahrhundert, ein neues Jahrtausend öffnen sich im Lichte Christi. Doch nicht alle sehen dieses Licht. Wir haben die wunderbare und anspruchsvolle Aufgabe, sein Widerschein zu sein. [...] Das ist eine Aufgabe, die uns bangen lässt, wenn wir auf die Schwachheit blicken, die uns so oft glanzlos macht und Schatten auf uns wirft. Doch die Aufgabe ist lösbar, wenn wir uns dem Licht Christi aussetzen und es fertigbringen, uns der Gnade zu öffnen, die uns zu neuen Menschen macht‘‘ (Johannes Paul II., Novo Millennio Ineunte). ó Literatur: Papst Paul VI., Apostolisches Schreiben ,,Evangelii Nuntiandi‘‘, 1975. Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben ,,Novo Millennio Ineunte‘‘, 2001. Die deutschen Bischöfe, ,,Zeit zur Aussaat‘‘. Missionarisch Kirche sein, 2000. Den Menschen heute das Evangelium bringen. Jahrbuch für die Erzdiözese Wien 2001. Großstadtsymposion ,,Den Menschen heute das Evangelium bringen‘‘. Eine Dokumentation, 2002.

Stadtmission 2003: 1. Internationaler Kongress für eine Neue Evangelisation Von Birgit Staudinger Öffnet die Türen für Christus! Kirchentüren öffnen.Wohnungstüren öffnen. Die Türen des Herzens öffnen. Sich öffnen und offen werden für Gott und die Menschen. Das ist das Thema der Stadtmission und des Internationalen Kongresses für eine Neue Evangelisation vom 23. Mai bis zum 1. Juni 2003 in Wien. Dieses Großereignis geht auf die Initiative der vier Kardinäle von Wien, Paris, Lissabon und Brüssel zurück und findet in den kommenden Jahren in den anderen Städten seine Fortsetzung. Worum es geht Ziel ist es, nach neuen Wegen zu suchen, wie man die Botschaft des Evangeliums den Menschen von heute bringen kann speziell hier und jetzt in der Großstadt Wien -, und sich darüber mit Menschen aus anderen Teilen Europas auszutauschen. Bekannte Persönlichkeiten werden an den Vormittagen im Stephansdom dazu Impulse geben (siehe Programm). Diese stehen jeden Tag unter einem besonderen Motto, wie zum Beispiel: „Menschen in der Großstadt“, zu dem unter anderem Kardinal Schönborn und Prof. Paul Zulehner diskutieren werden. Wenn man schon immer einmal Pater Georg Sporschill persönlich hören wollte, wie er vom Leben mit den Straßenkindern berichtet, oder den Gründer von San Egidio in Rom, Andrea Riccardi, kennen lernen wollte, dann sollte man diese Gelegenheit nützen. Im Anschluss an diese Impulse besteht dann die Möglichkeit, sich in einem der vielen Workshops einzubringen, zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen usw. Ein detailliertes Programm kann

man im Internet finden oder im Stadtmissionsbüro anfordern. An den Nachmittagen soll nicht mehr theoretisiert, sondern Zeit und Möglichkeit gegeben werden, bei den verschiedenen missionarischen Aktivitäten der über 100 Pfarren in ganz Wien, die sich auf unterschiedlichste Weise an dem Projekt beteiligen, mitzuarbeiten, um selbst aktiv zu sein. Was es kostet „Nicht so viel und doch auch nicht so wenig!“ – heißt es in dem Anmeldungsfolder für den Kongress. Vielleicht wird der eine oder die andere kurz schlucken, wenn man erfährt: Der Richtpreis für eine Wochenkarte ist € 220,– (€ 110,– für Jugendliche in Ausbildung) inklusive Unterbringung und Kongressunterlagen.Tageskarten um € 10,– berechtigen zur Teilnahme an den jeweiligen Vorträgen, an den Workshops und am Ideenforum. Aber niemand wird aus finanziellen Gründen ausgeschlossen sein. Dieser Preis ist als Orientierung gedacht, jeder soll geben, so viel er kann. Allerdings werden die, die geben können, gebeten, auch wirklich zu geben. Denn so eine große Veranstaltung benötigt viel Organisation und „nicht vom Geben, sondern vom Behalten wird man arm“ (aus Afrika). Aktivitäten der Dompfarre Auch die Dompfarre wird sich nach den guten Erfahrungen der Pfarrmission im Jahr 2000 wieder sehr engagieren: Schon im Vorfeld der Stadtmission wird zum Beispiel eine Hausbesuchsaktion gestartet, bei der Menschen, die im Pfarrgebiet wohnen, besucht und mit einer kleinen

Aufmerksamkeit beschenkt werden. Während des Kongresses ist jeder herzlich in das Zeltcafé am Stephansplatz eingeladen, um bei Kaffee und Kuchen (die gratis serviert werden) über Gott und die Welt zu plaudern. Die Virgilkapelle bei der U-Bahnstation Stephansplatz wird an den frühen Abenden zu einer „Oase der Stille“ verwandelt werden, die zum Stillwerden und zu Gebet bei meditativer Musik einlädt. Auch im Dom selbst wird es die Möglichkeit zu Gebet und Aussprache geben, außen am Stephansdom können

„Geht hinaus“, hat Jesus gesagt, und nicht: „Setzt euch hin und wartet, ob einer kommt!“ Alfred Delp Bibelstellen „gepflückt“ und mit nach Hause genommen werden. Die Dommusik wird zu einem abendlichen Konzert in den Dom einladen. In der Franziskanerkirche wird ein „Abend des Teilens“ stattfinden, an dem Bedürftige mit einem Festmahl bewirtet werden sollen. Dies alles sind nur einige Beispiele eines reichhaltigen Programms, das das Pfarrmissionsteam in Zusammenarbeit mit vielen fleißigen Händen erarbeitet hat. Wenn jemand noch gerne bei der einen oder anderen Aktion mithelfen möchte oder sich vorstellen könnte, Kongressteilnehmer zu beherbergen, ist er / sie herzlich eingeladen, sich in der Pfarrkanzlei zu melden. ó

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · April 2003 23

Die Autoren dieser Nummer Veronika Bonelli, Studentin, Pfarrmissionsteam Dir. Hofrat Dr. Rainer Egger, Österreichisches Staats- und Kriegsarchiv Kan. Mag. Anton Faber, Dompfarrer, Dechant für das Stadtdekanat Wien 1 Roman Faux, Hauptschullehrer Mag. Heinrich Foglar-Deinhardstein, Rechtspraktikant, Domministrant, Firmgruppenleiter, Pfarrbetreuer Stadtmission Reinhard H. Gruber, Domarchivar, Redaktionsleiter Maria-Luise Heindel, Generalsekretärin von „Rettet den Stephansdom“ Benedikt J. Michal, Student, Domministrant, Pfarrgemeinderat, Pfarrbetreuer Stadtmission Verena Michalke, Mitarbeiterin der Dompfarrkanzlei Mag. Martin Priller, Doktorand, Seelsorger in St. Stephan Generaldirektor Dkm. Dr. Claus J. Raidl, Vorsitzender des Vorstands der Böhler-Uddeholm AG Diözesankonservatorin DI Dr. Hiltigund Schreiber, Leiterin des Referates für Kirchliche Kunst- und Denkmalpflege der ED Wien Mag. Birgit Staudinger, Leiterin der Dompfarrkanzlei, Pfarrmissionsteam Dr. Markus Tiwald, Franziskaner, Assistent am Institut für Neutestamentliche Bibelwissenschaft der Universität Wien Prof. Mag. Franz Schlegl, Domkurat, AHS-Lehrer Kan. Prälat Dr. Josef Weismayer, Ordentlicher Universitätsprofessor für Dogmatische Theologie und Dogmengeschichte an der Universität Wien Mag. Dr. Johann Werfring, Historiker Architekt DI Wolfgang Zehetner, Dombaumeister zu St. Stephan

Redaktion Redaktionsleitung: Reinhard H. Gruber Lektorat: Verena Michalke, Mag. Birgit Staudinger, Dr. Martin Tscherkassky Redaktionsteam: Mag. Toni Faber, Roman Faux, Mag. Heinrich Foglar-Deinhardstein, Anneliese Höbart, Verena Michalke, Mag. Birgit Staudinger

Stadtmission 2003 Grüß Gott, darf ich Sie einladen? Ein Erfahrungsbericht von der Stadtmission 2000 von Benedikt J. Michal Ein Hausflur irgendwo im Pfarrgebiet von St. Stephan. Der 1. Mai ist vorbei, weil vertrocknete rote Nelken im Gangfenster liegen. Links ist eine Haustür. Davor steht eine junge Frau, der es anzusehen ist, dass sie Pfarrgemeinderat ist. Die Frau läutet. Eine Mutter öffnet die Tür. Mutter: Ja? Frau: Grüß Gott, ich komme von der Pfarre St. Stephan und ich … Mutter (will sich umdrehen): Einen Moment, ich hole schon das Geldbörserl. Frau (verdutzt) Äh, nein – bleiben Sie doch. Ich möchte kein Geld – ich möchte Sie einladen. Mutter: Mich einladen? Frau: Ja, ich möchte Sie zu den zehn Tagen der Stadtmission einladen, natürlich besonders zu den Veranstaltungen unserer Pfarre. Mutter: Was mache ich bei der Stadtmission – ich habe schon genug zu tun. Frau: Dann kommen Sie einfach ab 24. Mai auf den Stephansplatz. Dort wird von 11 bis 18 Uhr ein Zelt geöffnet sein, in dem Sie Kaffee trinken und über Gott und die Welt reden können. Mutter (verärgert): Ich verstehe! Für den Kaffee soll ich dann zahlen … Frau: (lächelt) Aber nein, der ist natürlich gratis. Sie bekommen ihren Kaffee sogar serviert und können dort mit jemanden reden. Mutter (starrt sie ungläubig an): Das verstehe ich nicht. Was wollen Sie dann von mir? Frau: Wie gesagt, ich möchte Sie gerne persönlich einladen. Hier ist unser Programm und da gibt es auch noch eine kleine Sammlung von Gebeten. Mutter (nimmt den Folder und blättert darin): Frau: Da finden Sie nicht nur die großen Veranstaltungen, wie das Startfest, das Familienfest, das Jugendevent oder das Schlussfest, sondern auch pfarr-

liche Aktionen wie die 7-Kirchen-Rätselrallye am Samstag, die langen Abende des Zeltcafes am Samstag, Montag und Dienstag, ein geistliches Konzert am Samstag Abend, das Musical am Mittwoch Abend und vor allem den großen Abend der Barmherzigkeit. Mutter: Das Zeltcafe kann ich mir schon vorstellen. Das ist wirklich eine nette Idee! Frau: Vielleicht treffen wir uns dort, ich werde nämlich auch servieren. Mutter: Müssen Sie nicht arbeiten? Frau: Ich habe mir für diese Tage frei genommen. Ich möchte möglichst viel von diesem Großereignis in Wien mitbekommen. Deswegen möchte ich zum Beispiel auch zwei Kongressgäste bei mir zu Hause aufnehmen. Da freue ich mich schon darauf, wenn sie mir beim gemeinsamen Frühstück vom erlebnisreichen Vortag alles erzählen, zum Beispiel von der nachmittäglichen Anbetung im Dom vom 15–18 Uhr. Mutter: Haben Sie so eine große Wohnung, um die beiden unterzubringen? Frau: Ein Gästebett und eine Matratze habe ich – das reicht. Am Boden hätte ich sonst ja auch noch Platz, aber zehn Tage auf einer Isomatte mit Schlafsack zu schlafen ist doch sehr hart. Mutter: Das kann ich mir vorstellen. Wir hätten auch ein Gästebett – darf ich mich bei Ihnen melden, wenn ich es mit meinem Mann abgesprochen habe? Frau: Gerne, meine Nummer steht auf dem Pfarrfolder (übergibt den Pfarrfolder). Mutter: Danke, Sie haben mich neugierig gemacht, was das für Menschen sind, die sich so für die Stadtmission einsetzen. Die beiden verabschieden sich und machen sich aus, dass sie sich bei dem großen Abend der Barmherzigkeit sehen werden. ó

Programm von Kongress und Mission Stand: 18. März Vormittag

Nachmittag

Freitag 23. Mai Ankunft und Eröffnung Samstag 24. Mai Menschen der Großstadt

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Sonntag 25. Mai Familie

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Montag 26. Mai Mein Nächster

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Dialogvortrag: Kard. Schönborn und Prof. Zulehner, Wien u. Zeugnisse v. Paris, Lissabon, Brüssel, ✙

Mission in den Pfarren und Zentren der Stadt „Ideenforum“

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Mission in den Pfarren Schwerpunkt: Hauskreise und Café- & Bar-Talks

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Vortrag: M. Carneiro (Sozialistische Abgeordnete, Lissabon) E. de Jong (Weihbischof, Niederlande) u. 15 versch. Themen: zu Partnerschaft u. Familie

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Vortrag: A. Riccardi (Gründer Sant’ Egidio) Rom Zeugnis: P. Sporschill, Wien – Bukarest 15 Themengruppen

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Mission in den Pfarren und Zentren der Stadt „Ideenforum“



Einladung in Kirchen u. Räumen besonderer Art „Abend des Teilens“

Vortrag: Vaclav Havel – angefragt (ehem. Präs. Tschechiens) Prag Zeugnis: Prof. Gerl-Falkovitz h Dresden ✚ 15 Themengruppen

Mission in den Pfarren und Zentren der Stadt „Ideenforum“



Mission in den Pfarren und Zentren der Stadt „Politik und Gesellschaft“

Mission in den Pfarren und Zentren der Stadt „Ideenforum“ ✙

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Konzerte und Künstlerevents

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Grosses Event für junge Leute mit Stars aus aller Welt

Mittwoch 28. Mai Jugend

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Donnerstag 29. Mai, Christi Himmelfahrt Kunst/Kultur

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freitag 30. Mai Missionstag

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Vortrag: Kard. Lustiger Zeugnis: P. Marc de Tibériade, Brüssel 15 Themengruppen „Rendez-vous“ mit den 4 Kardinälen Mission der Laien Festgottesdienst mit den 4 Kardinälen



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2

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Sightseeing u. Mission Treffen der Priester und Bischöfe

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„Ideenforum“

Revue des Kongresses Christus in den kulturellen Zentren Wiens

Mission in den Pfarren und Zentren der Stadt ✙ in den Pfarren

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Höhepunkt der Mission „Abende d. Barmherzigkeit“/ Liturg. Abende in den Pfarren

Mission oder Reflexion in den Pfarren „Ideenforum“

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Abschlussfest mit Kongressteilnehmern, Pfarren und Gästen

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Mission in den Pfarren und Zentren der Stadt



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Eröffnungsfest Kongress und Stadtmission

1

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Familienmissionen u. Familienfeste mit versch. Gruppen „Ideenforum“

Dienstag 27. Mai Politik und Gesellschaft

Sonntag 1. Juni Sendung zur Mission

Anreise Empfang in den Pfarren

Gottesdienste in Pfarren Missionarische Aktionen für die Familien in den Pfarren



Samstag 31. Mai Zukunft der Evangelisation

Abend

Vortrag: Erzbischof Erdö, Budapest Zeugnis: Sr. Elvira, Italien Austauschgruppen



h

2

Vortrag: M. Catta, Paris über die Hl. Thérèse und die Mission, Zeugnisse ICNE Sendungs- gottesdienst

Frühstück in Gastfamilien



Morgengebet



Kongresszeit

1

Mittag- od. Abendessen



Heilige Messe



Missionszeit

2

) Wienerisches Essen mit der Pfarre am Kongressort ) in den Pfarren

3

) Festliches Morgenlob

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · April 2003 25

Heilige im Dom Die Seele der Befreiung Wiens 1683 Zur Seligsprechung des P. Marco d’ Aviano am 27. April 2003 in Rom. Von Reinhard H. Gruber

Der selige P. Marco d’ Aviano, Ölbild in der Kahlenbergkirche. Der Kapuzinerpater Marco d’ Aviano, der bei der Befreiung Wiens 1683 eine entscheidende Rolle spielte, wird von Papst Johannes Paul II. am 27. April in Rom selig gesprochen werden. Wer war dieser Kapuzinerpater, der auch im Dom zu St. Stephan seine mächtige Stimme erhob, hier gebetet und gedankt hat und somit ein echter „Heiliger im Dom“ ist? Der selige Marco d’Aviano, mit bürgerlichem Namen Carlo Domenico Cristofori, erblickte in Aviano (Friaul) am 17.November 1631 das Licht der Welt. Es war P. Marcos Eltern ein Anliegen, ihrem ältesten Sohn eine gute Ausbildung zu ermöglichen und so kam er in das Jesuitenkollegium in Görz, wo er bis zu seinem 17. Lebensjahr blieb. Von dort unternahm er seinen berühmten Fluchtversuch, er wollte die Türken bekehren und per Schiff in die Levante gelangen. Da seine Geldmittel bald erschöpft waren, endete seine Missionsreise in Capodistria (Koper), wo der völlig Mittellose im dortigen Kapuzinerkloster Unterschlupf fand. Er lernte das Ordensleben kennen und trat am 21. November 1648 ins Kapuzinerkloster Conegliano ein. Er erhielt den Namen Marco, den Taufnamen seines Vaters. Die Priesterweihe empfing er am 18. September 1655.

Zehn Jahre später erhielt der Vierunddreißigjährige sein Predigerdiplom.Schnell zeigte sich, dass der privat eher stille und introvertierte Mann als Prediger in seinem ureigensten Element war und seine Zuhörer völlig faszinierte. Die Messen, die P. Marco las, hatten den Charakter von Bußgottesdiensten mit anschließender Generalabsolution. Ihre Höhepunkte waren seine Predigt und der abschließende Segen. Er skizzierte seine Predigten auf einem Blatt Papier, hielt sich dann aber nicht immer an sein Konzept, sondern entwickelte seine oft einstündige Rede stets aus der konkreten Situation heraus. Er sprach einfach und leicht verständlich und hatte eine ungeheure Massenwirkung. Es gab Bekehrungen und Krankenheilungen, die ab 1676 bezeugt sind; Gläubige versuchten sogar, sich seine Habseligkeiten als „Reliquien“ anzueignen. Die ungeheure Wirkung, die sein Auftreten überall erzielte, erregte auch Besorgnis und Misstrauen. Kirchliche Kreise wollten sein Erscheinen oder wenigstens seine Segnungen, von denen sich die Leute schon Wunder erwarteten, verhindern. Der Ruf des Marco d’ Aviano als wundertätiger Prediger blieb aber nicht nur auf Italien beschränkt. So bemühten sich ausländische Fürsten beim Ordensgeneral und beim Papst um den Besuch des P. Marco. Zunächst lehnte Rom eine Missionsreise Marco d’ Avianos nach Deutschland ab, da der Pater die Landessprache nicht beherrschte. 1680 konnte Marco d’ Aviano schließlich seine erste Missionsreise antreten, die ihn zunächst nach Tirol führte. In Innsbruck traf er erstmals den Schwager Kaiser Leopolds I., Karl V. von Lothringen. Weitere Stationen der Reise waren München, Salzburg, Linz, wo es zur ersten Begegnung mit dem Kaiser kam, dann Passau, Regensburg, Eichstätt, Köln, Mainz, Bamberg, Würzburg, Düsseldorf und Augsburg. Marco d’ Aviano verstand es, auch in Deutschland mit seinen auf Italienisch mit einigen deutschen Brocken

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gehaltenen Predigten die Massen zu begeistern. Wieder wurde von Wunderheilungen unter den Zuhörern berichtet. Einer der Fürsten, die sich nördlich der Alpen besonders begeistert für Marco d’ Aviano einsetzten, war Herzog Karl V. von Lothringen, der in Innsbruck als Statthalter Leopolds I. in Tirol und Vorderösterreich residierte. Er war mit Eleonore, der Schwester des Kaisers, verheiratet, jedoch lange kinderlos geblieben. Die Geburt ihres Sohnes im September 1679 hatte das Herzogpaar auf den aus der Ferne wirkenden Segen Marco d’ Avianos zurückgeführt. Bis 1689 wurden den beiden noch vier Söhne und eine Tochter geboren. Nun erwartete das Herzogpaar freudig P. Marco in Innsbruck. Nachdem Karl bei ihm die Beichte abgelegt und die Kommunion empfangen hatte, wurde er auf wunderbare Weise von einer schlecht verheilten Beinverletzung geheilt. Eine weitere Wunderheilung an Karl V. wird aus dem Jahr 1682 berichtet. Ein Jahr später sollte Karl V. als Anführer der kaiserlichen Truppen beim Entsatz von Wien

Grabstätte des Seligen in der Wiener Kapuzinerkirche

noch eine wichtige Rolle spielen. Marco d’ Aviano blieb er Zeit seines Lebens in Freundschaft verbunden. Durch die Vermittlung Karls lernte Marco d’ Aviano 1680 in Linz auch den sehr gläubigen Kaiser Leopold I. kennen. Dieser war ursprünglich als jüngerer Sohn Ferdinands III. für die geistliche Laufbahn bestimmt gewesen, doch durch den frühen Tod seines Bruders Ferdinand auf den Kaiserthron gekommen. Für den Kaiser und den Kapuzinerpater war diese Begegnung der Beginn einer wichtigen freundschaftlichen Beziehung. Nun bemühte sich Leopold um den Besuch seines Freundes in der Hauptstadt. Am 2. Juli 1682 feierte Pater Marco d’ Aviano in Anwesenheit der kaiserlichen Familie in St. Stephan das Hochamt, er predigte wie immer auf Italienisch. Nach dem Segen folgte eine weitere Predigt bei der Pestsäule am Graben. Anschließend begab er sich wieder nach Oberitalien. Der Kaiser unterrichtete P. Marco brieflich über die immer konkreter werdende Gefahr eines türkischen Angriffs. Ausgestattet mit der Vollmacht eines päpstlichen Legaten konnte Marco d’Aviano am 14. August 1683 seine Reise nach Wien antreten, um der Entsatzarmee geistlichen Beistand zu leisten. Am 5. September traf er das alliierte Entsatzheer am Tullnerfeld, drei Tage später feierte er gegenüber von Tulln eine Messe im Zelt des Polenkönigs Jan Sobieski, bei welcher der König und sein Sohn selbst ministrierten. Ein großer Teil der Heerführer empfing die Kommunion, anschließend hielt P. Marco eine zündende Ansprache und erteilte den päpstlichen Segen. Mit dem Kreuz in der Hand suchte er die Kämpfer aufzumuntern. Am 9. September 1683 rückte das Heer in Richtung Kahlenberg vor. Alle Quellen über Marco d’ Aviano berichten, dass er vor der entscheidenden Schlacht am 12. September die Messe auf dem Kahlenberg zelebriert hat. Wo dieser Gottesdienst genau stattfand, ist nicht eindeutig geklärt. Berichte,wonach Marco mit dem Kreuz in der Hand an der Spitze des Heeres stand, gibt es bereits unmittelbar nach

der Belagerung. Das Original dieses Kreuzes befindet sich heute im Dom von Kotor (Cattaro). Das Kapuzinerkloster in Wien hütet eine Kopie, die 1935 angefertigt wurde. Dem besonderen diplomatischen Geschick Marco d’ Avianos war es zu verdanken, dass es zu einer Einigung der am Entsatz beteiligten Heerführer kam. Jeder Fürst befehligte seine Abteilung, der König von Polen – der ranghöchste Feldherr am Schauplatz – hatte das nominelle Oberkommando inne, ihm unterstanden auch die kaiserlichen Truppen, die vom Schwager Leopolds, Herzog Karl V. von Lothringen, angeführt wurden. (Eine Teilnahme des Kaisers an den Kampfhandlungen hätte große diplomatische Schwierigkeiten provoziert, da in diesem Fall natürlich ihm als Ranghöchstem der Oberbefehl zugestanden wäre.) Noch während der Schlacht schrieb Marco d’ Aviano an den Kaiser und unterrichtete ihn vom bisherigen Verlauf der Kampfhandlungen. Die Türken waren im Nachteil, gegen 17 Uhr war Wien befreit. Der Jubel war unbeschreiblich, nicht nur in Wien. In Rom läuteten drei Tage lang die Glocken und Papst Innozenz XI. ordnete das Fest Maria Namen für die ganze Kirche an. Während der siegreiche Polenkönig mit den anderen Heerführern zum Te Deum in den Stephansdom einzog, zog sich P. Marco in die Kapuzinerkirche zurück, um für die gefallenen Soldaten, Christen und Türken, zu beten. Am 14. September 1683 traf der Kaiser in Wien ein und ritt zum Stephansdom, wo Bischof Kollonitsch ein weiteres Te Deum anstimmte. Auch P. Marco war zugegen. Mit der Befreiung Wiens trat eine Wende in den Türkenkriegen ein. In den folgenden Jahren begleitete P. Marco als päpstlicher Legat das Heer unter Karl V. von Lothringen zu den Feldzügen nach Ungarn, insgesamt war er vierzehnmal Gast am kaiserlichen Hof.Trotz seiner angegriffenen Gesundheit kam Marco d’ Aviano 1699 auf Wunsch des Kaisers wieder nach Wien. Hier ging es ihm zusehends schlechter. Leopold befahl seinen persönlichen Ärzten, sich um den Kranken zu kümmern. Als der Gesundheits-

Denkmal (1935) für P. Marco bei der Wiener Kapuzinerkirche

Der wundertätige Segen des seligen Pater Marco: Jesus! Maria! Gott segne dich, Er behüte dich, Er sei dir gnädig! Er wende dir sein Antlitz zu und gebe dir den Frieden! Der Herr segne dich und befreie dich von all deinen Leiden gemäß deinem Glauben, denn alles vermag, wer glaubt! Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

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Heilige im Dom Markus von Aviano feiert vor der Entsatzschlacht um Wien (1683) die Messe auf dem Kahlenberg. Vor ihm knien König Jan Sobieski und die Heerführer. Fresko in der Kahlenbergkirche

zustand des Paters aussichtslos wurde, erteilte ihm der päpstliche Nuntius die General-Absolution, überbrachte den päpstlichen Segen und spendete ihm das Sakrament der Krankensalbung. Marco d’ Aviano legte noch einmal das Glaubensbekenntnis ab und erneuerte die Ordensgelübde. Er starb am 13. August 1699 in Anwesenheit des Kaiserpaares. Leopold I. selbst kümmerte sich um die Trauerfeierlichkeiten, bei denen der Andrang der Menschen so groß war, dass das Militär für Ordnung sorgen musste. Das Grab P. Marcos befindet sich bis heute in der Wiener Kapuzinerkirche. Bereits zu Lebzeiten wurde er als Heiliger angesehen. Nach seinem Tod hoffte man, dass noch zu Lebzeiten Kaiser Leopold I. der Seligsprechungsprozess eingeleitet werden könnte. Doch erst 1904 konnte der informative Prozess in Wien abgeschlossen werden. Am 11. Juni 1904 fand in der Kapuzinerkirche ein feierlicher Gottesdienst „anlässlich der Beendigung des Vorprozesses zur Seligsprechung des Kapuzinerpaters Marco d’ Aviano“ statt. Nun konnte mit dem eigentlichen Apostolischen Prozess begonnen werden. Die vom Kirchenrecht verlangte Rekognition der sterblichen Überreste erfolgte am 6. Juni 1918 in Gegenwart des Kaiserpaares Karl und Zita. Am 6. Juli 1991 veröffentlichte der Vati-

kan ein Dekret, das erklärte, der Diener Gottes Marco d’ Aviano gelte als verehrungswürdig (venerabilis). Am 27. April 2003 erfolgt nun die feierliche Seligsprechung von P. Marco durch Papst Johannes Paul II. im Petersdom zu Rom. Seine Mitbrüder im Wiener Kapuzinerkloster plädieren aus Anlass seiner Seligsprechung für eine historisch korrekte und am heutigen Verständnishorizont orientierte Sicht ihres großen Mitbruders. Vor mehr als 300 Jahren sei die Befreiung von der tödlichen Bedrohung durch das osmanische Machtstreben das „Gebot der Stunde und notwendige Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden in Freiheit“ gewesen. Die Zeiten hätten sich gewandelt, „längst nicht mehr sind die Türken unsere Feinde“. Die Bedrohung des Glaubens und des Friedens sei aber heute radikaler denn je. So sei es daher auch Verantwortung eines jeden einzelnen, für den Frieden in Freiheit zu wirken und zu beten. ó

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Literatur: Provinzialat der Wiener Kapuziner (Hg.), Markus von Aviano. Künder eines geeinten christlichen Europa, Wien 1999 Criscuolo Vincenzo, Markus von Aviano. Christophorus und Retter Europas, in: Jan Mikrut (Hg.), Faszinierende Gestalten der Kirche Österreichs, Band 1, 11ff., Wien 2000 Inernet: http://www.stadtbibliothek.wien.at/ ausstellungen/2000/wa-238/toc-de.htm Der dortige Text stammt von: Isabella Wasner-Peter und Johanna Pisa http://religion.orf.at

Dankgottesdienst Aus Anlass der Seligsprechung feiert unser Erzbischof, Kardinal Dr. Christoph Schönborn, am Donnerstag, 8. Mai 2003, um 18.30 Uhr einen feierlichen Dankgottesdienst in der Kapuzinerkirche (1010 Wien, Neuer Markt). Ein feierlicher Gottesdienst mit Krankensegnung mit Dompfarrer Toni Faber findet am Donnerstag, 15. Mai 2003, um 19.00 Uhr in der Domkirche St. Stephan statt.Wir laden zu diesen Gottesdiensten herzlich ein!

Theologisches Vermittlung in die Unmittelbarkeit Gottes Über den Sinn der Gepflogenheit, die Hl. Messe in bestimmten Anliegen zu feiern. Von Martin Priller „Mess-Intentionen“ steht auf dem großen Buch in der Domsakristei, einem Buch der guten Absichten und wohlgemeinten Gebetsanliegen, die sich die Zelebranten der vielen Eucharistiefeiern in St. Stephan gerne zu Eigen machen: Das Gebet für verstorbene Angehörige ist es meist, was die Menschen in die Messfeier hinein genommen wissen möchten, persönliche Sorgen wie Krankheiten und Prüfungen, die Bitte um Kindersegen, oder auch der Dank für Gottes Führung und Fügung, die Ehrung eines geschätzten Heiligen… Die ihr Anliegen, ihre Intention eintragen lassen in dieses Buch, stellen sich in eine Jahrhunderte lange Tradition, die in unseren Tagen allerdings nicht mehr mit der Selbstverständlichkeit unserer Vorfahren fortgesetzt wird. Die Krise scheint eine zweifache zu sein: eine Krise der Praxis und, mehr noch, eine Krise des Verständnisses. Letztere könnte der Grund sein für erstere – und hat tief reichende Wurzeln: Da man über die Sinnhaftigkeit von Mess-Intentionen nicht sprechen kann, ohne von der Heiligen Messe als Opfer zu sprechen, stößt man schon mit dem ersten Spatenstich in dieses Erdreich auf eine weitere Krise, die des Messopfers nämlich, die sich bei näherem Zusehen wiederum als eine zweifache Krise zeigt: Zum einen ist das eine Krise des Bewusstseins: der „freundliche“ Charakter des eucharistischen Mahles, den das Zweite Vatikanische Konzil stärker als in der Vergangenheit betont hat, ist zugänglicher als der belastete Opferbegriff, sodass die Messe als Opfer gegenüber dem Mahl fast in Vergessenheit zu geraten droht. Zum anderen ist der Opfercharakter der Eucharistie schweren Missverständnissen ausgesetzt, die ihn geradezu anrüchig machen. Friedrich Nietzsches Überlegungen in seinem Werk „Der Antichrist“ sind eine Art Matrix aller modernen Opferkritik. Nietzsche

sieht in der Rede vom Opfertod Christi eine Verzerrung des Evangeliums und gibt die Schuld daran der Jüngerschaft Christi, die sich den grausamen Kreuzestod ihres Meisters irgendwie erklären muss: „Und von nun an tauchte ein absurdes Problem auf: ‚wie konnte Gott das zulassen!‘ Darauf fand die gestörte Vernunft der kleinen Gemeinschaft eine geradezu schrecklich absurde Antwort: Gott gab seinen Sohn zur Vergebung der Sünden, als Opfer. Wie war es mit einem Male zu Ende mit dem Evangelium! Das Schuldopfer, und zwar in seiner widerlichsten, barbarischsten Form, das Opfer des Unschuldigen für die Sünden der Schuldigen! Welch schauderhaftes Heidentum!“ Es scheint angezeigt, von diesen Verständniskrisen ausgehend sich zunächst um eine verstehende Annäherung an den Opfercharakter der Heiligen Messe zu bemühen, um daraus schließlich Klärendes in Bezug auf die Mess-Intentionen abzuleiten. Opfer und Hingabe Um noch einmal anzuknüpfen am Mahlcharakter der Eucharistie, von dem schon die Rede war: Gewiss ist die Feier der Eucharistie ein Gedächtnismahl, das die Erinnerung an das Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern wach hält und damit die Erinnerung an ihn selbst, seine Person, sein Leben, seine Verkündigung, die sich in diesem Mahl so eindringlich ins Zeichenhafte verdichten. Aber ebenso wie Jesus im Abendmahlssaal mit der Geste der Fußwaschung, im Zeichen des füreinander gebrochenen Brotes und des einander dargereichten Kelches nicht nur rückblickend eine Zusammenfassung seiner Lebenseinstellung gibt, sondern vorgreift auf seine bevorstehende Hingabe bis in den Tod, „für euch!“ – eben so wird in der Eucharistiefeier nicht nur die Geste des Abendmahls erinnernd wiederholt,

Mag. Martin Priller sondern auch seine selbstaufopfernde Hingabe wiederholt,das heißt ins Jetzt und Heute herein geholt, vergegenwärtigt. Das Kreuzesopfer Christi vollzieht sich je neu auf dem Opferaltar der Eucharistie. Was ist es nun um dieses Opfer? Verlangt da ein grausamer, nach Rache und Sühne dürstender, durch die Sünden der Menschen beleidigter Gott nach diesem blutigen Opfer, wie man es bei Voltaire, Feuerbach, Nietzsche und Freud nachlesen kann? Das wäre allerdings „schauderhaftes Heidentum“, ein „Mechanismus des beleidigten und wiederhergestellten Rechtes“ (J. Ratzinger): Die Menschheit steht in tiefer Schuld vor Gott und muss durch Sühneleistungen, durch Opfer die Gottheit versöhnen und gnädig stimmen. – Mit dem Christusereignis aber ist es doch genau umgekehrt: „Nicht der Mensch ist es, der zu Gott geht und ihm eine ausgleichende Gabe bringt, sondern Gott kommt zum Menschen, um ihm zu geben. […] Demgemäß erscheint im Neu-

Mess-Intentionen können in der Domsakristei in der Zeit von 6.00 Uhr bis 11.45 Uhr und von 12.45 Uhr bis 17.00 Uhr beim diensthabenden Dommesner bestellt werden. Das Stipendium beträgt laut Beschluss der Österreichischen Bischofskonferenz € 7,–. Eine telefonische Bestellung ist nicht möglich.

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Theologisches en Testament das Kreuz primär als eine Bewegung von oben nach unten. Es steht nicht da als die Versöhnungsleistung, die die Menschheit dem zürnenden Gott anbietet, sondern als Ausdruck jener törichten Liebe Gottes, die sich weggibt, in die Erniedrigung hinein, um so den Menschen zu retten; es ist sein Zugehen auf uns, nicht umgekehrt. Mit dieser Wende in der Sühne-Idee, also in der Achse des Religiösen überhaupt, erhält im Christlichen auch der Kult, die ganze Existenz, eine neue Richtung. Anbetung erfolgt im Christlichen zunächst im dankenden Empfangen der göttlichen Heilstat. Die wesentliche Form des christlichen Kultes heißt daher mit Recht Eucharistia, Danksagung. In diesem Kult werden nicht menschliche Leistungen vor Gott gebracht; er besteht vielmehr darin, dass der Mensch sich beschenken lässt; wir verherrlichen Gott nicht, indem wir ihm vermeintlich aus dem Eigenen geben – als ob es nicht immer schon das Seinige wäre! –, sondern indem wir uns das Seinige schenken lassen und ihn dadurch als den einzigen Herrn anerkennen. […] Christliches Opfern besteht nicht in einem Geben dessen,was Gott ohne uns nicht hätte, sondern darin, dass wir ganz Empfangende werden und uns ganz nehmen lassen von ihm. Das Handelnlassen Gottes an uns – das ist das christliche Opfer“ (J. Ratzinger, Einführung in das Christentum). Wenn wir also in der Feier der Heiligen Messe während der „Opferung“ unsere Gaben bringen – Brot und Wein und in der Kollekte unser „Opfer“, unseren Beitrag für die Erfüllung der Aufgaben der Kirche –, dann ist das kein Opfer im Sinne des Heidentums, sondern Ausdruck dafür, dass wir uns hinein nehmen lassen in die Hingabe Christi an den Vater:„Gott, unser Vater“, beten wir mit einem Gabengebet des Messbuchs, „da wir das Mahl unseres Herrn bereiten, lass uns begreifen, was die Speise seines Lebens war: deinen Willen zu tun. Gib uns den Mut, in sein Opfer einzugehen, auf dass auch uns aus der Hingabe an dich die Kraft zum Leben komme“ (MB 348). – Indem der Gott-Mensch Jesus Christus sich so ganz und gar vorbehaltlos an den Vater

hingibt, sich in seine Arme fallen lässt – vom „nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen“ bis zum „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ –, indem er also ganz Empfangender wird und dem Vater das Handeln überlässt, erschließt sich ihm und mit ihm auch dem Menschen das göttliche Leben. Das ist das ein für allemal dargebrachte Opfer des Neuen Bundes. Die liebende Hingabe Christi vermittelt den Menschen in die Unmittelbarkeit Gottes: Gott gibt aus Liebe zum gefallenen Menschen sein Äußerstes, den Sohn, gibt sich in ihm in die Erniedrigungen des Menschseins hin. Und in der liebenden, sich selbst dem Heil der Welt aufopfernden Hingabe des Sohnes an den Vater wird das durch die Sünde gottfern gewordene Menschsein zurück gegeben in die ewige Liebe des dreifaltigen Gottes, der in sich selbst ewige Mitteilung von Leben und Liebe ist. Opfer und Teilgabe Im Kreuzesopfer Christi, das sich in der Eucharistie je neu vollzieht und in das die Mitfeiernden sich hingebend hinein nehmen lassen, in dieser Lebenshingabe ist uns Anteil am göttlichen Leben gegeben. Wer sein Fleisch und Blut isst und trinkt, wer also in wirkliche Gemeinschaft mit Christus tritt,dem Wort Gottes,das Fleisch geworden ist, der bleibt in Christus und Christus bleibt in ihm: „Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.“ (Joh 6,57) Der Tod vermag diesem Wirken des Opfers Christi keine Grenze zu setzen. Weil die Feier des Sakramentes über das Jetzt und Heute hinausgreift, weil das Opfer Christi dem Menschen Teil gibt an der ewigen Liebe und am ewigen Leben Gottes, sind wir in Christus ein Leib, zu dem die Kirche der Vorzeit genauso gehört wie die Kirche der Vollendung. Die Frucht dieses Opfers wird der ganzen Kirche zuteil, dem ganzen Leib Christi in allen seinen Gliedern, über die Grenzen von Raum und Zeit hinweg. Von daher ist der Brauch zu verstehen, die Hl. Messe „für“ einen Verstorbenen,„für“ einen bestimmten Menschen zu feiern. Es geht um glau-

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bende und liebende Hingabe in der Nachfolge Jesu Christi und in der Gewissheit, dass solche Hingabe uns und einander hinein gibt in die heilbringende, lebenspendende Hingabe Christi. Indem man den Priester bittet, eine bestimmte Intention zu „applizieren“, legt man sozusagen dieses Anliegen als die eigene Opfergabe auf den Altar und weiß es damit aufgehoben in der liebenden Hingabe Gottes an den Menschen. Natürlich kommt diese Frucht des Messopfers immer der ganzen Kirche zu. Die Messe – um kurz noch einige kleinere Missverständnisse anzusprechen – ist keine Dienstleistung, die man für sich privat in Anspruch nehmen kann. Ausdrücklich schreibt das Kirchenrecht vor, dass im Zusammenhang mit Mess-Intentionen jeder Schein von Geschäften zu meiden ist. Man kann eine Messe nicht „kaufen“. Dass man dennoch Geld, das Stipendium, dafür gibt, ist als ein Beitrag zu den für die Liturgie nötigen Aufwendungen zu sehen und als ein „Opfer“ im oben genannten Sinn zu verstehen. Dass es eigens Tarife dafür gibt, soll lediglich Missbrauch und Willkür verhindern. Die Applikation einer Intention durch den Priester ersetzt auch nicht den eigenen fürbittenden, sich hingebenden Mitvollzug des Messopfers. Man muss das Ganze im Blick behalten. Noch einmal: „Opfer“ heißt ja, sich und seine Anliegen ganz weggeben an Gott, ihn handeln lassen, damit er sein Heil wirken kann. Die Mess-Intention ist so gesehen ein besonders inniger Ausdruck dafür, dass die Glieder der Kirche, in dem sie sich an das Geheimnis der Liebe Gottes hingeben, einer für den anderen, wie Christus sich für alle hingab, dadurch dem Heilshandeln Gottes Raum schaffen. Kann man Größeres über menschliches Tun sagen? ó Literatur: Gerhard Ludwig Müller, Die Messe. Quelle christlichen Lebens, Augsburg 2002.

Heilige Zeichen Das Hl.Grab Von Roman Faux Josef von Arimathäa nahm Jesus vom Kreuz und legte IHN in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war (vgl. Lk 23, 53). Die Einrichtung des Heiligen Grabes hat ihr Vorbild in der Schilderung des Begräbnisses Jesu im Neuen Testament. Normalerweise wurden Gekreuzigte irgendwo verscharrt, doch bei Jesus war es anders, er bekam ein ehrenvolles Grab, wie alle Evangelisten betonen. Bis heute ist nicht sicher, ob die von Kaiser Konstantin über dem freigelegten Christusgrab im Jahre 335 n. Chr. fertig gestellte Grabeskirche auch tatsächlich der Ort der Grabesruhe und Auferstehung Jesu ist, dennoch wird seither das mit einem Rollstein verschlossene EinzelFelsgrab von der Christenheit als Heiliges Grab verehrt. Die liturgische Vergegenwärtigung des Heiligen Grabes hatte sich schon im 4. Jahrhundert entwickelt.Ende des 10. Jahrhunderts beschreibt die „Concordia regularis“ des hl. Dunstan die von Jerusalem übernommene Kreuzverehrung am Karfreitag. Zum Schluss der Feier wurde das Kreuz in einer grabartigen Höhle am Altar niedergelegt. Die restlichen konsekrierten Hostien „begrub“ man mit dem Kreuz. Diese Sitte führte zur Entstehung der Hostienhöhle im Korpus des Kreuzes bzw. eines verschließbaren Kästchens im

Das alte Heilige Grab von St. Stephan, aufgestellt im Apostelchor (Aufnahme um 1940). Sockel. Im Mittelalter dagegen wurde die Hostie im Grab verschlossen oder im Kelch ausgestellt. Die Jesuiten entwickelten dann seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts den Brauch, die verhüllte Monstranz im Grab auszusetzen. Weil die Grabesruhe Jesu auf 40 Stunden berechnet wurde – von Karfreitag 15 Uhr bis Ostersonntagmorgen 7 Uhr ergeben sich 9 + 24 + 7 = 40 Stunden – entwickelte sich dadurch am Heiligen Grab das „Vierzigstündige Gebet“. Im 19. Jahrhundert entstanden Heilige Gräber, die den barocken Formen-

Derzeit wird ein schlichtes Heiliges Grab beim Wiener Neustädter Altar aufgestellt.

schatz nachahmten oder im neugotischen oder neuromanischen Stil gehalten waren. Das Heilige Grab sieht man heute leider nicht mehr in sehr vielen Kirchen, weder das temporäre von Karfreitagnachmittag bis zur Osternacht, noch figürliche oder gar bildliche Darstellungen davon, obwohl seit den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts ein Gegentrend zu bemerken ist und wieder mehr Pfarren die Menschen zum Gebet am Heiligen Grab einladen. Mit der Grablegung wird der Gemeinde bildhaft vor Augen gestellt, dass Jesu geschändeter Leib wie ohne jede Hoffnung im Grabe lag: ein Gescheiterter und Verlassener – einer wie wir Menschen. Die Monstranz im oder am Grab und brennende Kerzen sind meist die einzigen Hinweise darauf, dass dieses Grab für Christus keine letzte Ruhestätte sein würde. Jesus ist gestorben und in die tiefste menschliche Not eingegangen. Daher wird das Allerheiligste zum Heiligen Grab gebracht. Den Tod Jesu vor Augen, dürfen wir jedoch glauben, dass unsere Gemeinschaft mit Christus den Tod überdauern wird. ó

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Buchempfehlung „Management macht impotent“ Über das Buch von Rotraud A. Perner berichtet Claus J. Raidl

„Management macht impotent“ ist ein Management-Buch der anderen, der tieferen Art. Kein Reengeneering-Handbuch, keine Anleitung zum Strategiewechsel, keine Ansammlung von Fallbeispielen, kein Rezept zum Führen, kein „How to …“-Buch (How to lead, how to win friends, how to influence people, how to make decisions), keine oberflächlich psychologisierende Abhandlung und kein „… made simple“-Buch (making money made simple, getting on the top made simple, …). Rotraud Perner hat ein Buch für Unternehmensleiter geschrieben, in dem es – so wie ich es sehe – um die Fragen geht, warum verhält sich ein Unternehmensleiter so wie er sich verhält und wo liegen die tieferen (psychologischen) Ursachen für gegebene Verhaltensweisen. In diesem Buch wird auch mit großem Sachverstand und großer Kenntnis der einschlägigen Literatur der Frage nachgegangen: warum will jemand führen, war-

um will jemand zum Unternehmensleiter aufsteigen, und nicht: was soll er machen. Es geht nicht um einen (vermeintlichen) schnellen Erfolg für den Leser, sondern der Leser bekommt die Chance, für sich selbst herauszufinden, warum er manches tut (oder unterlässt), wie er es tut und warum er sich wie verhält. Das Buch hilft bei der Beantwortung dieser Fragen. Für Rotraud Perner stellt sich das Problem,„das richtige Maß zwischen den beiden Extremen autoritär (disziplinierend) versus antiautoritär (gewährend) zu finden“, nicht nur in der Kindererziehung, sondern bei jeglicher Art von Menschenführung. Erfolgreiches Managen besteht nämlich nicht darin, „besser zu sein als die Mitarbeiter, sondern die Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, gut zu sein“. Führungskräfte müssen lernen, ihre Mitarbeiter zu fördern, anstatt ihre eigenen Unzulänglichkeiten mit Monstergehabe zu kompensieren. Wer über ein gesundes, ausbalanciertes Selbstbewusstsein verfügt, braucht sein Revier nicht auf Kosten anderer zu vergrößern. In diesen Analysen erkennt man sehr rasch, wie Verhaltensweisen von Führungskräften – so wie ich es nennen möchte – auf ihre „psychologischen Wurzeln“ zurückgeführt werden können. Interessant ist, dass Rotraud Perner bestimmte hochangesehene Eigenschaften unserer „Helden der Arbeit“ als durchaus pathologisch im Sinne der psychoanalytischen Entwicklungslehre bezeichnet. Diese Lustfallen für Manager sind: besonders starkes Gewinnstreben; Bereitschaft, sich Hierarchien zu unterwerfen; erhöhte Kampfbereitschaft und Aggression; Machtstreben und Kontrollbedürfnisse; Selbstgefälligkeit und Selbstbeweihräucherung; Pseudosexualität und Konkurrenzsucht. Und diese sieben Lustfallen entsprechen den sieben Todsüden der römisch-katholisch Kirche: Der Gier entspricht die Völlerei, der oft gewissenlosen Unterwerfung die Trägheit, der aggressiven Expansionsbereitschaft der

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Dr. Claus J. Raidl Zorn, dem Machtstreben der Geiz, dem Image-Narzissmus der Stolz, der beziehungslosen Sexualität die Unkeuschheit und der Konkurrenz der Neid. Es ist beeindruckend zu lesen, wie vorgeprägt unser Verhalten als Manager durch Kindheitserfahrung ist. Natürlich wird auch die Gefühlswelt analysiert und über die Sexsucht des Managers geschrieben und der Frage nachgegangen, ob wir heute noch zu mehr fähig sind, als zu einer reinen Genital-Sexualität. Beruhigend finde ich den Gedanken, dass wir heute darüber nachdenken müssen, ob wir auch das Recht haben, nicht erfolgreich zu sein. Rotraud Perner stellt mit Recht die Frage, ob unsere Menschenwürde wirklich davon abhängt, wie wir aussehen, was wir können oder nicht können, was wir verdienen und in welchen In-Lokalen wir mit wem verkehren. Ihr gelingt es mit diesem Buch, unsere eingeübten und oft sogar trainierten Verhaltensweisen auf Wurzeln zurückzuführen, die uns allen zu denken geben sollten. ó Perner, Rotraud A.: Management macht impotent. Abschied vom Mythos „Macher“: Allen Chefs, Politikern und anderen Vaterfiguren zugeeignet, und den Frauen in ihrem Umfeld, die zuviel Geduld mit ihnen haben. 1997. 192 S.. ISBN: 3-280-02605-9, KNO-NR: 07 10 40 40 € 24.20

Ein- und Ausblicke „Und schaut der Steffl lächelnd auf uns nieder…!“ Seien Sie gegrüßt! Zum dritten Mal darf ich Sie nun von der höchsten Stelle des Domes herab grüßen. Diesmal „lächle“ ich nicht wirklich. Mein Blick ist sehr sorgenvoll.Schwere Gedanken bedrücken mich. Ich möchte Ihnen davon berichten und Sie an meinen Überlegungen teilhaben lassen. Kennen Sie das Gefühl, dass Ihre Stimme nicht gehört wird? Sie versuchen in einer Diskussion Ihre Meinung darzulegen, sprechen deutlich und verständlich, formulieren klar und eindringlich, aber es nützt nichts. Fast haben Sie das Gefühl, man überhört sie absichtlich, man will Sie einfach nicht verstehen. Werden Sie dann zornig, ungeduldig und fühlen sich einfach missachtet? Wenn es Ihnen auch so ergeht, dann bin ich ein bisschen beruhigt. Ich kenne dieses Gefühl nämlich gut. Mir geht es derzeit genau so. In meinem nunmehr schon einige Jahrhunderte währenden Dasein habe ich mehrere Kriege erlebt. Ich sah zweimal die türkischen Truppen vor der Stadt, napoleonische Soldaten richteten schwere Schäden an und der Erste Weltkrieg brachte großes Leid über uns. Ich konnte nichts gegen diese Schrecken tun, nur zusehen und gleichsam als mahnender Zeigefinger über die Stadt wachen. Am schrecklichsten sind für mich die Erinnerungen an den letzten Weltkrieg, als auch der Dom schwer getroffen wurde. So war es für mich selbstverständlich, am 13. März dieses Jahres zu Mittag meine Stimme zu erheben. Unser Erzbischof hat im Namen der Erzdiözese gemeinsam mit vielen anderen Institutionen zu einer Gedenkminute gegen den drohenden Krieg aufgerufen. Die „St. StephansGlocke“ hat drei Minuten lang durch ihren gewaltigen Klang die Sehnsucht nach Frieden kundgetan. Wurde diese Stimme gehört? Sie drang nicht über das Meer in die Vereinigten Staaten, nicht quer über die Lande in den Irak. Das kann

sie auch gar nicht. Aber die Menschen in der Stadt? Haben sie verstanden, dass Frieden im eigenen Herzen, in der eigenen Familie,in der eigenen Umgebung beginnt und bewahrt werden muss? Die große Glocke konnte nur ein Zeichen sein. Die Stimmen der Glocken von St. Stephan haben über Jahrhunderte hindurch das Leben der Menschen in Freude und Leid begleitet. Ihr Signal hat wichtige Botschaften vermittelt. Bei Brand oder Kriegsgefahr läutete man die „Sturmglocke“, bei der feierlichen Danksagung nach überwundener Gefahr begleitete ihr Klang den Jubelgesang des „Te Deum“. Glocken waren auch immer ein Symbol für den Frieden. In Kriegszeiten mussten sie abgeliefert werden und man hat sie zu Kanonen eingeschmolzen. Die alte Pummerin ist aus erbeuteten türkischen Kanonen gegossen worden und beim großen Dombrand 1945 zerborsten. Nach dem Krieg hat man sie neu gegossen, ein Geschenk des Bundeslandes Oberösterreich. In einem wahren Triumphzug ist sie nach Wien zurückgekehrt, als Symbol des Friedens und des Wiedererstehens Österreichs als freier und unabhängiger Staat. Kardinal Theodor Innitzer hat sie am 26.April 1952 der Gottesmutter geweiht. In der Weiheinschrift heißt es:„Damit durch ihre mächtige Fürbitte Friede sei in Freiheit.“ In der Osternacht und am Ostersonntag wird sie ihre mächtige Stimme wieder erheben. Weit über die Dächer Wiens hinweg läßt sie ihre Botschaft von der Auferstehung des Herrn erklingen:„Christus hat den Tod überwunden.“ Am Ostertag, so heißt es, trat Jesus in die Mitte seiner Jünger und sprach: „Der Friede sei mit euch!“ Seither wird dieser Friede verkündet und um ihn gebetet. Wenn zu Ostern in St. Stephan alle Glocken und die Pummerin läuten, dann möge ihre Stimme gehört werden. Das wünsche ich Ihnen und der ganzen Welt,

Gottesdienstordnung Karwoche und Ostern im Dom zu St.Stephan Palmsonntag, 13. April 2003 19.45 Uhr ca. 10.15 Uhr

Palmweihe bei der Pestsäule am Graben, Palmprozession zum Dom. Pontifikalamt mit Kardinal Dr. Christoph Schönborn. Domchor: P. Planyavsky, Markus-Passion

Montag, 14. April 2003 18.00 Uhr

Chrisammesse – Weihe der Hl. Öle. Kardinal Schönborn feiert mit Priestern aus der ganzen Erzdiözese. Gesänge aus dem Gotteslob für Kantor, Schola, Chor und Gemeinde; Motetten alter und neuer Meister

Gründonnerstag, 17. April 2003 17.15 Uhr 19.00 Uhr

Laudes mit Kardinal Schönborn Hl. Messe vom Letzten Abendmahl und Fußwaschung. Kardinal Schönborn in Konzelebration mit Seelsorgern der Domkirche. Domchor: Motetten und Liedsätze zum Gründonnerstag Anbetung beim Wiener Neustädter Altar bis Mitternacht Keine anderen Gottesdienste an diesem Tag

Karfreitag, 18. April 2003 18.00 Uhr 14.30 Uhr 18.00 Uhr

Trauermette mit Kardinal Schönborn. Choralschola: Gregorianische Gesänge Kreuzweg mit Chorgestaltung Feier vom Leiden und Sterben Christi mit Kardinal Schönborn. Wortgottesdienst, große Fürbitten, Kreuzverehrung und Kreuzprozession durch den Dom, Kommunionfeier Vocalensemble: H. Schütz, Johannespassion; G. P. da Palestrina, Improperien Anbetung beim Wiener Neustädter Altar bis Mitternacht Keine anderen Gottesdienste an diesem Tag.

Karsamstag, 19. April 2003 18.00 Uhr

Trauermette mit Kardinal Schönborn. Choralschola: Gregorianische Gesänge Anbetung beim Wiener Neustädter Altar bis 20.00 Uhr 21.00 Uhr Feier der Osternacht mit Kardinal Schönborn. Segnung des Osterfeuers im Hof des Erzbischöflichen Palais (Stephansplatz 7). Währenddessen bleibt der Dom geschlossen. Prozession in den Dom, Lichtfeier mit Exsultet, Wortgottesdienst, Eucharistiefeier Feier der Osternacht mit Gesängen alter und neuer Meister für Kantor, Schola, Chorensemble und Gemeinde, Orgelmusik Keine anderen Gottesdienste an diesem Tag.

Ostersonntag, 20. April 2003 19.00 Uhr 10.15 Uhr 17.00 Uhr

Pfarrmesse mit anschließender Segnung der Osterspeisen Pontifikalamt mit Kardinal Schönborn. Domchor & Domorchester: J. Haydn, Missa in Angustiis (Nelsonmesse) Feierliche Vesper mit Kardinal Schönborn

Ostermontag, 21. April 2003 10.15 Uhr

Hochamt. Domchor & Domorchester: W. A. Mozart: Missa brevis in C, KV 258 (Piccolomini-Messe)

34 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · April 2003

Karwoche und Ostern im Pfarrgebiet von St.Stephan Franziskanerkirche

Deutschordenskirche

St. Ruprecht

Palmsonntag, 13. April 2003 19.00 Uhr 10.00 Uhr 11.15 Uhr

Hl. Messe

19.00 Uhr 10.30 Uhr ungarisch

10.30 Uhr (keine Prozession)

18.00 Uhr 19.00 Uhr für seelisch Leidende

20.00 Uhr

Gründonnerstag, 17. April 2003 Trauermette Hl. Messe vom letzten Abendmahl

18.00 Uhr 18.00 Uhr

Karfreitag, 18. April 2003 Trauermette Kreuzwegandacht Feier vom Leiden und Sterben Christi

18.00 Uhr 10.00 Uhr 16.00 Uhr

15.00 Uhr 18.00 Uhr ungarisch 19.00 Uhr für seelisch Leidende

20.00 Uhr

Karsamstag, 19. April 2003 Trauermette Feier der Osternacht

18.00 Uhr 20.00 Uhr

19.30 Uhr Laudes 18.00 Uhr 19.45 Uhr für seelisch Leidende 22.00 Uhr ungarisch

Ostersonntag, 20. April 2003 19.00 Uhr 10.00 Uhr J. Haydn: Theresienmesse 11.15 Uhr

19.00 Uhr 10.30 Uhr ungarisch

14.00 Uhr Feier der Osternacht anschl. Frühstück 10.30 Uhr entfällt

Gottesdienstordnung im Dom Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen 7.30 Uhr 9.00 Uhr 9.00 Uhr 10.15 Uhr 11.15 Uhr 12.00 Uhr 17.00 Uhr 18.00 Uhr 19.00 Uhr 21.00 Uhr

Hl. Messe Pfarrmesse oder Pfarrfamilienmesse Kindermesse in der Unterkirche Hauptgottesdienst Hl. Messe (lateinisch, in der Unterkirche) Hl. Messe Vesper Hl. Messe Hl. Messe Hl. Messe

Gottesdienste an Werktagen 6.30 Uhr 7.15 Uhr 8.00 Uhr 12.00 Uhr 17.00 Uhr 18.00 Uhr 19.00 Uhr

Hl. Messe Kapitelmesse mit integrierten Laudes Hl. Messe Hl. Messe Andacht (Samstag 1. Vesper) Hl. Messe Hl. Messe (Samstag in englischer Sprache)

Beichte und Aussprache Montag bis Freitag: 7.00 bis 22.00 Uhr. Samstag: 7.00 bis 13.00 Uhr, 17.00 bis 22.00 Uhr, Sonn- und Feiertag: 8.00 bis 13.00 Uhr, 17.00 bis 22.00 Uhr.

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · April 2003 35

So erreichen Sie uns:

Aus der Schatztruhe der geistlichen Tradition der Kirche Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist; dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht; dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält; dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt. Herr, lass mich trachten, nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste; nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe; nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe. Denn wer sich hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet; wer verzeiht, dem wird vergeben; und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Dem Hl. Franziskus zugeschrieben (Gotteslob Nr.6)

Durch Dunkel zum Licht Durch Leid zur Freude Aus der Gefangenschaft in die Freiheit Vom Krieg zum Frieden Vom Tod zum Leben Durch das Kreuz zur Auferstehung Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, ein gesegnetes Osterfest und erholsame Feiertage! Ihr Dompfarrer Toni Faber und das Redaktionsteam

Dompfarrer Kan. Mag. Anton Faber

51552-3521 [email protected]

Pfarrkanzlei Montag bis Freitag 9.00–12.00 Uhr www.st.stephan.at/dompfarre [email protected] Fax: 51552-3720 Mag. Birgit Staudinger 51552-3530 [email protected] Verena Michalke 51552-3136 [email protected] MMag. Stefan Kramer 51552-3534 Tauf-und Trauungsanmeldung [email protected] Pfarrcaritas, Altenpastoral Mo., Mi., Do., Fr. 8.00–10.00 Uhr [email protected] Gabrielle Meran 51552-3544 [email protected] Domarchiv Reinhard H. Gruber 51552-3531 Altmatrikeneinsicht Do. 13.00–15.00 Uhr [email protected] [email protected] Domsakristei 51552-3536 Kirchenmeisteramt Führungsanmeldung 51552-3526 www.stephanskirche.at [email protected] Dommusik DKpm Mag. Johannes Ebenbauer 51552-3573 Wolfgang Schauersberger 51552-3193 [email protected] Dombau-Sekretariat 51552-3714 Portier – Curhaus 51552-3540

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