Wald schafft Zukunft - Wald-MV

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»Wald schafft Zukunft« Die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern – Anstalt des öffentlichen Rechts – für die Jahre 2010 und 2011 www.wald-mv.de UNSER ...

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»Wald schafft Zukunft« Die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern – Anstalt des öffentlichen Rechts – für die Jahre 2010 und 2011

www.wald-mv.de

UNSER LEITBILD Der Wald in Mecklenburg-Vorpommern sichert uns und zukünftigen Generationen wesentliche Lebensgrundlagen. Um seinen natürlichen Reichtum und die vielfältigen Waldfunktionen für alle Menschen im Land zu erhalten, machen wir uns stark.

Für die Bürger, für Waldbesitzer und Kunden sind wir vor Ort erster Ansprechpartner. Fragen rund um Wald und Forstwirtschaft beantworten wir freundlich und kompetent. In forstlicher Tradition sind wir vor allem dem Gemeinwohl verpflichtet. Wir laden alle ein, besonders Kinder und Jugendliche, den Wald zu erleben, ihn kennen und schätzen zu lernen.

In allen Regionen sind wir als leistungsstarke Einheitsforstverwaltung aktiv. In Forstämtern und Revieren bewahren wir den Wald, gestalten ihn für die Menschen erlebbar und bewirtschaften ihn rentabel. Wir legen Wert auf Qualität, Zusammenarbeit und fairen Dialog – untereinander und mit unseren Partnern.

Die Nachhaltigkeit ist seit 300 Jahren unsere Verhaltensnorm für den Umgang mit dem Wald. Wir fördern die Nutzung des umweltfreundlichen, nachwachsenden Rohstoffes Holz und stehen dabei für eine naturnahe, artengerechte Bewirtschaftung des Waldes ein.

Nachhaltige Forstwirtschaft ist ein Generationenvertrag!

»Wald schafft Zukunft« Die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern – Anstalt des öffentlichen Rechts – für die Jahre 2010 und 2011

Übersichtskalender 2010 und 2011 Vorwort

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern – AöR – Landesforst Mecklenburg-Vorpommern 1.1 Grundlagen Aus dem Büro des Vorstandes: Bericht zur Zwischenprüfung der Unternehmerischen Konzeption 2008 bis 2012 1.2 Organisation und Struktur 1.3 Kurzporträt – Die Landesforst MV in Zahlen 1.4 Personal Aus dem Servicegebiet Personal: Christina Zielke, Waldarbeiter-Konzept Stationen im CI-Prozess: Felix Adolphi, Ein Slogan – Ein Leitbild Stationen im CI-Prozess: Lutz Schweinberger, Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung 2010 Aus dem Fachgebiet Vermarktung: Susanne Poeppel, Abschluss des Projektes »Teilautonome Gruppenarbeit«

_ 16 _ 16 _ 18 54 _ 20 _ 22 _ 25 _ _ _ _

26 28 29 32

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36 36 39 41 42

Der eigene Wirkungskreis Der eigene Wirkungskreis 2.1 Waldbewirtschaftung, Waldumbau Aus der Samendarre Jatznick: Eberhard Behrendt, Ein technisches Denkmal in Betrieb 2.1.1 Wetterkapriolen in Mecklenburg-Vorpommern Aus dem Fachgebiet Forstliches Versuchswesen: Dr. Margrit Bemmann, Sturmtief »Doris« mit anschließendem Hagelschlag 2010, Eis und Schnee 2010 | 2011

2.1.2 2.2

2.3

2.4

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Inhalt

Aus dem Forstamt Schuenhagen: Andreas Baumgart, Sommer-Hochwasser in der Nordvorpommerschen Waldlandschaft Zertifizierung in der Landesforst MV Aus dem Forstamt Dargun: Rüdiger Neise, PEFC-Audit 2011 Holz – Unser Hauptprodukt Holzmarktlage 2010 und 2011 Aus dem Fachgebiet Vermarktung: Susanne Poeppel, Wertholzversteigerung am 27. Januar 2010 und 27. Januar 2011 Waldarbeit und Technik Aus den Forstämtern Schildfeld und Jasnitz: Jörg Stübe und Dietmar Schoop, Besuch des Agrarausschusses des Landtages Mecklenburg-Vorpommern Bodenschutz – Street Rubbers – Rücken auch bei Nässe

_ 44 _ 46 _ 47 _ 50 _ 55 _ 56 _ 58 _ 61

2.5

2.6

Aus dem Forstamt Güstrow: Axel Stein, Waldbesitzerstammtisch – Schonende Bewirtschaftung bei der Holzernte Wald und Wild – Jagd in der Landesforst MV Aus dem Fachgebiet Waldbau, Waldschutz, Naturschutz und Jagd: Bärbel Neumann, Wildwirkungsmonitoring-Verfahren in der Landesforst MV Dienstleistung und Beförsterung Aus dem Forstamt Schildfeld: Jörg Stübe, Die Zusammenarbeit des Forstamtes Schildfeld mit dem Waldverein Schildfeld und der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Lüneburg GmbH

_ 63 _ 64 _ 66 _ 67 _ 68

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Inhalt

3.8 3.8.1

3.9 3.9.1

Der übertragene Wirkungskreis Der übertragene Wirkungskreis 3.1 Die Novelle des Landeswaldgesetzes 2011 3.2 Der Wald und seine Funktionen Aus der Presse: Thoralf Plath, Redaktionsmitglied Nordkurier, Der Erholungswald Dargun – Ein Wald für Menschen 3.3 Beratung und Betreuung Aus dem Forstbetrieb Spotendorf: Hartmut Münch, Privatwaldbesitzer, Holzmobilisierung im Privatwald durch die Landesforst MV Aus dem Forstamt Schuenhagen: Andreas Baumgart, Eschentriebsterben – Eine Informationsveranstaltung für Waldbesitzer 3.4 Forstliche Förderung Aus der Forstbaumschule Güstrow: Wilfried Hahn, Geschäftsführer der GmbH, Zwanzig Jahre Erstaufforstung – Zusammenarbeit mit einem Baumschulleiter 3.5 Waldbilanz, Verwaltungsverfahren Aus dem Forstamt Jägerhof: Fred Lockenvitz, Zehn Jahre Ersatzaufforstungen Aus dem Fachgebiet Forsthoheit: Wolfram Lindenkreuz, Touristische Entwicklung und forstbehördliches Handeln Aus dem Fachgebiet Forsthoheit: Bernd Fischer, Eine Autobahn entsteht im Wald – Der Neubau BAB 14 – Eine Herausforderung für die Forstbehörde Aus dem Fachgebiet Waldbau, Waldschutz, Naturschutz und Jagd: Katja Lindenkreuz, Beginn der Außenaufnahmen zur BWI III 3.6 Ausbildung in der Landesforst MV Die Forstinspektoranwärter 2010 | 2011: Marie-Sophie Vöcks, Ausbildungs- und Reisezeitbericht Aus dem Servicegebiet Aus-, Fort- und Weiterbildung: Claudia Luboeinsky, Auszubildenden-Austausch mit Finnland und Ungarn

3.7 3.7.1

_ _ _ _

72 72 73 74

3.10

_ 75 _ 75 _ 76

3.10.1

_ 78 _ 79 _ 81 _ 86 _ 86 _ 89 _ 91 _ 92 _ 93 _ 94

4

Waldschutz Präventiver Waldbrandschutz in der Landesforst MV Aus dem Forstamt Stavenhagen: Ralf Hecker, Waldbrandschutzübung des Landkreises Demmin – »Feuerwalze« in Basedow Naturschutz im Wald Konzept »Biodiversitätsstrategie der Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern« Ein Seilkletterer berichtet: Felix Weisbrich, Seeadlerberingung 2010 – Landesforst MV und Naturschutz tauschen Ringe aus Aus dem Forstamt Schuenhagen: Andreas Baumgart, »Nordvorpommersche Waldlandschaft« − Naturschutzgroßprojekt »chance.natur« Wald und Forschung – Forstliches Versuchswesen Fünfzehn Jahre Forstliches Versuchswesen in Mecklenburg-Vorpommern Ein Tagungsbericht: Michael Wirner, AFSV-Tagung 2010 in Mecklenburg-Vorpommern Aus dem Forstlichen Versuchswesen: Dr. Margrit Bemmann und Heiko Schulz, Waldzustandsberichte 2010 und 2011 Ein Tagungsbericht: Jutta Sündermann, AG Forsteinrichtung 2010 in Juliusruh auf Rügen Wald in der Öffentlichkeit 2. und 3. Waldtag in MV: Christian Lange und Renata Seidel, Der Waldtag MV in den Jahren 2010 und 2011 Aus dem Forstamt Conow: Reginald Rink und Wolfgang Mundt, Das Forst- und Holzmuseum des Forstamtes Conow Internationales Jahr der Wälder Aus der Öffentlichkeitsarbeit: Norman Kessner, Fotowettbewerb zum Jahresmotto »Wälder für Menschen« Aus dem Forstamt Nossentiner Heide: Thomas Kelterborn, Eröffnung des Jugendwaldheimes Loppin Aus dem Forstamt Neu Pudagla: Norbert Sündermann, Eröffnung des Bahnhaltepunktes »Neu Pudagla – Forstamt« Aus dem Forstamt Stavenhagen: Ralf Hecker, »Die Sauen sind los – Schweineeintrieb in den Ivenacker Hutewald«

_ 95 _ 95 _ 99 _ 101 _ 102 _ 105 _ 106 _ _ _ _

108 108 112 113

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Jahresabschluss 2010 und 2011, Lagebericht 2011

_ 124

Impressum

_ 134

Übersichtskalender 2010

Januar 2010

Für die Arbeiten in den Wäldern der Landesforst MV werden nur noch Forstunternehmen mit einem gültigen, von PEFC anerkannten Zertifikat (RAL, DFSZ) zugelassen. Auf der 19. Wertholzversteigerung in Schwerin-Mueß werden 492 Festmeter Holz verkauft. Den Spitzenwert erzielte ein Bergahorn aus dem Forstamt Wredenhagen mit 1.450 Euro pro Festmeter. Der Durchschnittspreis über alle acht Baumarten lag bei 480 Euro pro Festmeter.

Februar 2010

Waldzustandserhebung 2010: Der Gesundheitszustand der Wälder hat sich leicht verbessert. Kiefer und Eiche haben an Vitalität gewonnen, hingegen hat sich der Zustand der Buche verschlechtert. Der Anteil deutlich geschädigter Bäume liegt bei 19 Prozent.

März 2010

Das PEFC-Audit 2009 in den Forstämtern Karbow, Gädebehn und Schildfeld bestätigt der Landesforst MV eine nachhaltige Forstwirtschaft. Eine Befragung von 49 Holzkunden bescheinigt grundlegende Zufriedenheit. Erfragt wurden Lob und Kritik hinsichtlich Vertragsgestaltung, Zusammenarbeit mit der Zentrale, Zusammenarbeit mit den Forstämtern, Vertragsabwicklung und Rechnungsstellung.

April 2010

Über 110 Gäste, darunter 85 Vertreter des kommunalen und privaten Waldbesitzes, finden sich zur Informationsveranstaltung für Waldbesitzer im Forstamt Schuenhagen zum Thema »Eschentriebsterben in Nordvorpommern« ein. Auf der Landespressekonferenz zur Vorstellung des vorläufigen Wirtschaftsberichtes der Landesforst MV 2009 wird bestätigt: Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sind gemeistert. Es wird davon ausgegangen, dass das Ziel ›dauerhafte und vollständige Kostendeckung eigener Wirkungskreis‹ bis 2012 erreicht werden kann.

Mai 2010

Vorstellung ausgewählter Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt »Die Eiche in Mecklenburg-Vorpommern«. Im Landeswald soll der Eichenanteil von acht Prozent in Verbindung mit dem Programm »Naturnahe Forstwirtschaft« langfristig verdoppelt werden. Die Eiche soll künftig, auch im Hinblick auf den Klimawandel, noch höhere Wertschätzung erfahren.

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Übersichtskalender 2010 | 2011

Nachdem bereits im Jahr 2009 Monitoringmaßnahmen zum Eichenprozessionsspinner eingeleitet wurden, greift der Befall 2010 auf siedlungsnahe Eichenbestände über. Erste Bekämpfungsmaßnahme im Stadtwald Dömitz wird durchgeführt. Im Forstamt Conow wird durch Minister Dr. Till Backhaus das Forst- und Holzmuseum Kaliß eröffnet. Hier soll künftig Wissen zum Ökosystem Wald und seiner Geschichte anschaulich vermittelt werden.

Juni 2010

Seit über 30 Jahren werden in Mecklenburg-Vorpommern Seeadler beringt. 2010 waren die Jungvögel in der Revierförsterei Qualitz im Forstamt Schlemmin als erste dran. Mit Hilfe der Beringungsdaten ist Aufklärung über Wanderbewegungen, Raumnutzung, über Ansiedlungsbewegungen sowie Mortalität und Altersaufbau der Seeadler-Population möglich. »Die wilde Doris«, ein Sturmtief mit Starkregen, Hagel und einem Tornado, zieht über die westliche Müritzregion hinweg. Sturmschadensbilanz: circa 100.000 Festmeter Bruch- und Wurfholz sowie Schadholzmengen durch Hagelschlag. Am schwersten betroffen waren die Forstämter Karbow, Wredenhagen und Nossentiner Heide. Der 2. Waldtag Mecklenburg-Vorpommern in Billenhagen, als gemeinschaftliche Aktion der Landesforst MV und der Hansestadt Rostock, wird zeitgleich im Landes-, Kommunal- und Privatwald begangen.

Juli 2010

Bedienstete der Landesforst MV und Jahresjagd-Erlaubnisscheininhaber benötigen einen Nachweis über ihre Schießfertigkeit. Die Landesforst MV möchte hier als Vorbild hinsichtlich Sicherheit, Tierschutzgerechtigkeit und Wildbrethygiene auftreten. Bis 2013 wird die Nachweispflicht schrittweise für alle auf den Flächen der Landesforst MV Jagenden umgesetzt.

August 2010

Rund 100.000 Besucher feiern auf dem MV-Tag den 20. Geburtstag MecklenburgVorpommerns in Schwerin. Im Landeszelt präsentiert sich die Landesforst MV neben zahlreichen Landesinstitutionen.

September 2010

Die Oberste Forst- und Naturschutzbehörde legt Grundsätze über forstliche Nutzungen in geschützten Erlenwaldbiotopen fest. Die Leitlinie gilt für die Landesforst MV verbindlich, andere Waldbesitzer werden auf Beachtung des Inhaltes hingewiesen.

6 _ 7

Übersichtskalender 2011

Die MeLa, landesweit größte Fachausstellung für Landwirtschaft und Ernährung, Fischwirtschaft, Forst, Jagd und Gartenbau, wird 20 Jahre alt. Mehr als 30 Forstwirte aus dem Bundesgebiet nehmen an der 8. Waldarbeitsmeisterschaft in Mühlengeez | Güstrow teil. Landesmeister wird Ralf Sodmann, Forstwirtschaftsmeister im Forstamt Abtshagen-Rügen. Bundestagung der Arbeitsgemeinschaft für Forstliche Standorts- und Vegetationskunde in Mecklenburg-Vorpommern. »Wald schaff t Zukunft« wird Slogan der Landesforst MV (Vorschlag von Wolfgang Mundt, Forstamt Conow).

Oktober 2010

November 2010

Dezember 2010

Das Jahr 2011 – Internationales Jahr der Wälder

Experten der Forsteinrichtung aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien treffen sich auf Einladung der Landesforst MV in Juliusruh | Rügen und tauschen Erfahrungen zum »naturnahen Waldumbau im Klimawandel« aus. Mehr als 60 Waldbesitzer, Forstunternehmer, Dienstleister und Förster nehmen am Waldbesitzerstammtisch (Forstamt Güstrow) teil (Thema: »Bodenschutz bei der Holzernte«) und diskutieren verschiedenste Möglichkeiten der Holzrückung. Wie Feuerwehr, THW, Rettungskräfte und Forstleute zusammenarbeiten, das wird bei der Katastrophenschutzübung »Feuerwalze« in Basedow im Forstamt Stavenhagen getestet. Rund 220 Einsatzkräfte nehmen daran teil. Januar 2011

Den Spitzenpreis bei der 20. Wertholzversteigerung des Landes MecklenburgVorpommern in Schwerin-Mueß erhält eine Stieleiche aus dem Forstamt Friedrichsmoor mit 1.000 Euro pro Festmeter. Insgesamt werden fast 800 Festmeter Laubwertholz von zehn Baumarten verkauft. Der Waldzustandsbericht 2010 belegt einen guten Gesundheitszustand der Wälder in Mecklenburg-Vorpommern. Der Anteil deutlich geschädigter Bäume verringert sich von 19 Prozent auf 17 Prozent. Der Anteil schwach geschädigter Bäume steigt um fünf Prozentpunkte auf 56 Prozent.

Februar 2011

Auf der Landespressekonferenz des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV und der Landesforst MV wird das Internationale Jahr der Wälder in Mecklenburg-Vorpommern eröffnet. Im Vordergrund des Jahresprogramms stehen die Leistungen des Waldes für den Menschen.

Harald Runze, Forstamtsleiter in Bad Doberan wechselt in den Ruhestand. Kommissarischer Leiter wird Felix Weisbrich. Mit einem Adventsmarkt im Forstamt Lüttenhagen beginnt der diesjährige Weihnachtsbaumverkauf in den Forstämtern. Rund 25.000 Fichten, Nordmannund Küstentannen, Kiefern und andere Nadelbäume stehen zur Auswahl. Unter dem Motto »Aktuelles zum Cluster Forst und Holz« treffen sich Vertreter der Landesforst MV, des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV und Holzkunden zum Holzmarktkolloquium in Banzkow.

Der Agrarausschuss des Landtages Mecklenburg-Vorpommern ist zu Gast in den Forstämtern Schildfeld und Jasnitz. Veröffentlichung des ersten Geschäftsberichtes 08 | 09 der Landesforst MV. Anhänge von Eis und Schnee verursachen Bruchschäden im Umfang von 6.000 Festmetern in Kiefernbeständen. Besonders betroffen sind die Forstämter Neubrandenburg und Wredenhagen.

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Übersichtskalender 2010 | 2011

8 _ 9

März 2011

Drittes Verbissgutachten liefert Überblick über die Situation der Verjüngungen in den Forstämtern. Eröffnung der Ausstellung »Kunde vom Wald – Kunst aus zwei Jahrhunderten« auf dem Jagdschloss Granitz | Rügen bildet Beitrag zum bundesweit synchronen Auftakt des Internationalen Jahres der Wälder.

April 2011

Auftakt zur BWI III in MV. Landesinventurleitung ist bei der Landesforst MV angesiedelt.

Mai 2011

Ministerpräsident Erwin Sellering eröffnet 3. Waldtag im Forstamt Friedrichsmoor. Rund 5.000 Besucher informieren sich rund um das Thema Wald und Holz. Erster Qualifizierungslehrgang »Zertifizierter Waldpädagoge« startet in MV. Zweites Hutewaldkolloquium des Forstamtes Stavenhagen auf Schloss Bredenfelde findet regen Anklang. Neueröffnung des Schaugatters mit robusten Turopolje-Hausschweinen im Ivenacker Tiergarten durch Minister Dr. Till Backhaus und Stifter Jost Reinhold. Hier sollen historische Nutzungsformen erlebbar bleiben.

Oktober 2011

Gemeinsame Fachtagung mit dem Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde: Deutsch-Polnische Konferenz »Gefährdung und Schutz der Wälder«. Feierliche Übergabe der restaurierten Revierförsterei Fuhlendorf im Forstamt Schuenhagen des Betriebes für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern an die Landesforst MV.

November 2011

Gemeinsame Fachtagung »Rückepferde in der naturnahen Waldbewirtschaftung« von Landesforst MV und dem »chance.natur«-Projekt »Nordvorpommersche Waldlandschaften« lockt zahlreiche Fachleute zum Diskurs nach Schlemmin. Unter dem Motto »Die Energiewende – künftige Rolle des Rohstoffes Holz« treffen sich Vertreter der Landesforst MV, des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV und Holzkunden zum Holzmarktkolloquium in Linstow.

Dezember 2011

Auftakt des Weihnachtsbaumverkaufs der Landesforst MV zum Dritten Advent. Rund 28.000 Bäume werden auf kleinen und großen Weihnachtsmärkten in den Forstämtern für Besucher zum Kauf und »Selbstschlagen« angeboten.

Erfahrungsaustausch der Leiter und Geschäftsführer aller Landesforstbetriebe in MV. Nach langer Bau- und Sanierungsphase erstrahlt das Jugendwaldheim Loppin in neuem Glanz. Eröffnung und feierliche Schlüsselübergabe durch HeinzGerd Hufen, Leiter des Betriebes für Bau und Liegenschaften MV, an Minister Dr. Till Backhaus und den Vorstand der Landesforst MV, Sven Blomeyer.

Juni 2011

Feierliche Eröffnung der Bahnstation »Neu Pudagla – Forstamt« anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Eisenbahn auf der Insel Usedom. Nun können Einheimische und Touristen auch mit der Usedomer Bäderbahn das Waldkabinett im Forstamt besuchen.

Juli 2011

Ausstellung zu Wald und Forstwirtschaft in MV informiert Besucher des »Freischütz« bei den Schweriner Schlossfestspielen.

August 2011

September 2011

Eröffnung der Waldausstellung »Kunde vom Wald« im Marstall in Schwerin. Gemeinsame Exkursion der Führungskräfte der Landesforst MV zum Landesbetrieb Forst Brandenburg.

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Übersichtskalender 2010 | 2011

10

Vorwort Wir freuen uns, Ihnen den Geschäftsbericht der Landesforst MecklenburgVorpommern – Anstalt des öffentlichen Rechts – für die Jahre 2010 | 2011 präsentieren zu können. Der seit zwei Jahren seinem Namen alle Ehre machende Slogan »Wald schaff t Zukunft« ist Programm. Unser Wald schaff t täglich Zukunft. Die Bildung der Landesforst MV im Jahr 2006 hat sich als strategisch richtige Entscheidung erwiesen. Der Erfolg gibt uns Recht. Die Organisationsform der Einheitsforstverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern hat sich bewährt und als zukunftsfähig erwiesen. Als öffentliches Dienstleistungsunternehmen in allen Fragen des Waldes sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestrebt, den Wünschen der Kunden auch weiterhin gerecht zu werden. Die Unternehmerische Konzeption 2020 wird dafür zentrale Weichenstellungen vornehmen. Als Sachverwalter des öffentlichen Waldes gilt es, diesen behutsam zu nutzen und für die Zukunft zu bewahren. Durch die vielfältigen Aufgaben des übertragenen Wirkungskreises trägt die Untere Forstbehörde dazu bei, den Menschen die nachhaltige Nutzung und den Erhalt des Waldes näherzubringen. Dabei sind Information und Kommunikation ein entscheidender Beitrag einer nachhaltigen Entwicklung.

Ein aufrichtiges Dankeschön für ihre engagierte Arbeit, deren Ergebnis sich im Geschäftsbericht 2010 | 2011 widerspiegelt, geht an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesforst MV.

Dr. Till Backhaus Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V

Dr. Karl Otto Kreer Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz und Vorsitzender des Verwaltungsrates der Landesforst MV – Anstalt des öffentlichen Rechts –

Sven Blomeyer Vorstand der Landesforst MV – Anstalt des öffentlichen Rechts –

Besonders erfreulich sind die Neueinstellungen junger Mitarbeiter. Sie sichern die Zukunftsfähigkeit und Innovationsfähigkeit des Unternehmens. Der vorliegende Geschäftsbericht soll Ihnen Informationen zur aktuellen Arbeit und zu den Entwicklungen in der Landesforst MV geben und gern Anregung sein, sich mit den verschiedenen Aspekten des Waldes und seiner Funktionen zu beschäftigen. Auch in diesem zweiten Geschäftsbericht wird die Vielseitigkeit der Aufgaben der Einheitsforstverwaltung in MV durch Einblicke in den Wald, die Forstämter, den Betriebsteil Forstplanung, Versuchswesen und Informationssysteme und die Zentrale deutlich gemacht.

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Vorwort

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern – AöR –

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern 1.1 Grundlagen

Landesforstanstaltserrichtungsgesetz, LFAErG MV, verabschiedet am 11. Juli 2005

Zum 01. Januar 2006 wurde die Landesforstverwaltung Mecklenburg-Vorpommern in eine Anstalt des öffentlichen Rechts als Einheitsforstverwaltung überführt. Ihre Gründung stellt das Ende einer mehrjährigen Entwicklung dar. Diese beginnt mit einer Organisations- und Wirtschaftlichkeitsuntersuchung der Landesforstverwaltung im Jahr 1999, reicht über die Erstellung des Forstkonzeptes 2000 und mündet im Gesetz zur Errichtung der Landesforstanstalt. Mit Gründung der Landesforst MV sind die Forstämter der bisherigen Landesforstverwaltung in ihr aufgegangen sowie Teile des Landesamtes für Forsten und Großschutzgebiete Mecklenburg-Vorpommern. Rund 193.000 Hektar Wald sind der Landesforstanstalt als neuer Eigentümerin übertragen worden. Sie ist größter Waldbesitzer des Landes und besitzt rund 37 Prozent des Gesamtwaldes in Mecklenburg-Vorpommern.

Aufgaben des eigenen Wirkungskreises … … sind die forstliche und jagdliche Bewirtschaftung des übertragenen Landeswaldes, die Verwaltung des Anstaltsvermögens sowie das Erbringen entgeltlicher Dienstleistungen. Der gegenwärtig für diese Geschäftsfelder vom Land getragene Verlustausgleich (Zuschuss) ist bis 2012, spätestens bis 2015, vollständig abzubauen.

Aufgaben des übertragenen Wirkungskreises … … hier fungiert das Land als Auftraggeber gegenüber der Landesforst MV. Die einzelnen Aufgabenfelder sind in § 2 des Landesforstanstaltserrichtungsgesetzes aufgeführt. Im Wesentlichen sind dies Aufgaben als Untere Forstbehörde, so beispielsweise Beratung zur Förderung des Privat- und Körperschaftswaldes, Naturschutzaufgaben und Öffentlichkeitsarbeit | Umweltbildung | Waldpädagogik. Für die durch diese Tätigkeiten für die Gesellschaft erbrachten Leistungen erhält die Landesforst MV vom Land ein Leistungsentgelt im

Mit dem Wechsel der Rechtsform war der Weg für eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung geebnet. Möglichkeiten einer flexibleren Wirtschaftsführung können somit im Bereich der Haushaltsführung zweckmäßig genutzt werden. Weitere Fortschritte sind beispielsweise die Entwicklung eigener Geschäftsideen, die Einführung der kaufmännischen Buchführung und die Übertragung der Personalund Organisationshoheit sowie der Entscheidungsbefugnis und Ergebnisverantwortung.

Die Satzung der Landesforst MV wurde am 26.02.2007 verabschiedet und im Amtsblatt MV 2007, 317 veröffentlicht.

Rechtliche Grundlage für die Tätigkeit der Landesforst MV ist neben dem Landesforstanstaltserrichtungsgesetz das Landeswaldgesetz vom 27. Juni 2011. Dieses gibt grundsätzliche und forsthoheitliche Regelungen für die Bewirtschaftung des Waldes vor. Zudem weist es auf die Gemeinwohlverpflichtung des Landeswaldes hin, auf der Grundlage einer naturnahen Waldbewirtschaftung. Der aktiv betriebene Waldumbau trägt hier zur Daseinsvorsorge bei. In ihrer Satzung regelt die Landesforst MV unter anderem ihren Aufbau und ihre innere Organisation.

Umfang von jährlich 24,2 Millionen Euro.

Trennung der Aufgabenfelder nach Wirkungskreisen

eigener Wirkungskreis

_ Förderung des Privat- und Körperschaftswaldes

_ Jagd

_ Vorbereitung der forstlichen Rahmenplanung

_ Liegenschaften

_ Standorterkundung, Waldbiotop- und

_ Dienstleistungen _ Neue Geschäftsfelder

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011

Naturraumkartierung, forstliches Monitoring _ Forstliches Versuchswesen _ Führen des Waldverzeichnisses _ Durchführung forstrechtlicher

Kostendeckung bis 2012, spätestens 2015

Die Landesforst MV nimmt das gesamte forstliche Aufgabenspektrum einer Einheitsforstverwaltung wahr. Forsthoheit, Forstliche Dienstleistungen und Forstbetrieb liegen in einer Hand. Es wird dabei sowohl in der Wirtschaftsplanung als auch in der Rechnungslegung zwischen den Aufgaben des eigenen und des übertragenen Wirkungskreises unterschieden.

übertragener Wirkungskreis

_ Forstbetrieb

Verwaltungsverfahren _ Forstaufsicht, Forstschutz _ Naturschutzaufgaben nach Landeswaldgesetz

Leistungsentgelt für Erfüllung

_ Umweltbildung, Waldpädagogik, Waldtourismus

öffentlicher Aufgaben,

_ Daseinsvorsorge

Steigerung der Effizienz

_ Ausbildung

16 _ 17

Die Zwischenprüfung ergab: Mit Ausnahme des Krisenjahres 2009 ist es gelungen, die geplanten Zuschüsse zu unterschreiten. Der überwiegende Teil der vorgesehenen Maßnahmen wurde bereits umgesetzt, beabsichtigte Effekte sind eingetreten oder treten bis 2012 noch ein. In Teilbereichen können die Auswirkungen der ergriffenen Maßnahmen noch nicht festgestellt werden, da es sich um langfristig wirkende Maßnahmen handelt.

Für den Bereich des eigenen Wirkungskreises wurde eine unternehmerische Konzeption für den Zeitraum bis 2012, dem Zeitpunkt der Kostendeckung, erarbeitet. In Übereinstimmung mit der Haushaltsplanung 2008 | 2009 und der mittelfristigen Finanzplanung 2010 bis 2012 wurden Strategien und Maßnahmen festgelegt. Im Jahr 2010 erfolgte die Zwischenprüfung zum Stand der Umsetzung der unternehmerischen Konzeption. Als Vision formuliert die Landesforst MV, bis 2012 anerkannter und zuverlässiger Marktführer für den Wald und seine Produkte im Nordosten Deutschlands zu sein. Im Vordergrund steht dabei die nachhaltige, naturnahe und artengerechte Bewirtschaftung des Waldes. Durch die umfassende Kompetenz der Mitarbeiter und die hohe fachliche Expertise in allen forstlichen Themengebieten ist die Landesforst MV erster Ansprechpartner im Land. Das gelebte Modell der Einheitsforstverwaltung stärkt das Ansehen und die Leistungsfähigkeit des Unternehmens als zuverlässigem und flexiblem Dienstleister im ländlichen Raum.

Aus dem Büro des Vorstandes: Jutta Sündermann

Bericht zur Zwischenprüfung der Unternehmerischen Konzeption 2008 bis 2012 Mit Beschluss vom 07. Dezember 2009 wurde der Vorstand der Landesforst MV durch den Verwaltungsrat beauftragt, eine Zwischenprüfung zum Stand der Umsetzung der »Unternehmerischen Konzeption für den Zeitraum 2008 bis 2012« durchzuführen und im III. Quartal über deren Ergebnisse zu berichten. Das Ziel war eine eingehende Bestandsaufnahme der Geschäftstätigkeit und der Aufgabenerfüllung der Landesforst MV im eigenen Wirkungskreis. Folgende Fragen standen im Jahr 2010 bezüglich der Wirksamkeit der Unternehmerischen Konzeption im Mittelpunkt: Wie ist der Stand der Umsetzung der Unternehmerischen Konzeption? Wird das finanzielle Gesamtziel bis 2012 erreicht? Welcher Änderungs- beziehungsweise Anpassungsbedarf besteht? Welche Maßnahmen zur Zielerreichung sind zusätzlich erforderlich? Erforderliche Korrekturmaßnahmen waren im Ergebnis zu konzipieren und umzusetzen. Die Unternehmerische Konzeption wird 2012 zu einer mittelfristigen Unternehmensstrategie bis 2020 fortgeschrieben beziehungsweise weiterentwickelt. Die Zwischenprüfung erfolgte in Form eines Projektes. Ein Lenkungsausschuss wurde berufen, die operative Projektleitung oblag dem Leiter des Fachbereiches Betriebssteuerung | Finanzen. Zur Beratung stand die Firma business process solutions (bps) aus Hamburg zur Verfügung.

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011

Die Prüfung der Rahmenbedingungen zeigte, dass sich hinsichtlich des Unternehmensumfeldes keine wesentlichen Veränderungen feststellen lassen, insbesondere die Holzmarktlage ist erneut gut. Aus der Hiebsatzschätzung ergibt sich, dass die verfügbare Holzverkaufsmenge auf 875.000 Festmeter pro Jahr gesunken und der Naturverjüngungsanteil mit 22 Prozent deutlich geringer ist. Die Verjüngungsfläche nahm dagegen um 37 Prozent zu. Weitere geplante Schritte zur Verbesserung der Risikostruktur liegen neben der Rücklage zur Risikovorsorge in der Absatzdiversifizierung der Holzvermarktung, dem Ausbau des Dienstleistungssektors sowie in der Steigerung der maschinellen Holzernte auf 60 Prozent des Gesamteinschlags. Änderungs- und Anpassungsbedarf besteht in folgenden Punkten: Korrektur der Umsatzziele für den Verkauf von Schmuckreisig, Abgabe an gewerbliche Verbraucher nur in Selbstwerbung, reduzierter Aufwand zur Bereitstellung, Maßnahmen zur Steigerung der Kostendeckung im Produkt Wildbestandsregulierung durch Verpachtung von Eigenjagdfläche, das Absenken der Zielzahl der Jagdverpachtung auf 25 Prozent wird vorgesehen, die zum verworfenen Verpachtungsziel verbleibenden fünf Prozent werden über privilegierte Begehungsscheine vergeben, neue Geschäftsfelder, die mittelfristig keine Kostendeckung erwarten lassen, sollen aufgegeben werden, Zielstellung zur Inanspruchnahme von staatlichen Förderprogrammen in Höhe von vier Millionen Euro jährlich wird korrigiert, Zielzahlen der Regietechnik werden im Rahmen eines Technikkonzeptes neu festgesetzt. Mittel- und langfristig gesehen muss die Unternehmerische Konzeption dahingehend weiterentwickelt werden, dass – unter Berücksichtigung absehbarer Preisentwicklungen – in »kalkulierbar« schlechten Jahren mindestens Kostendeckung gesichert ist. In Jahren auf Planniveau gilt dagegen ein angemessener Gewinn als Zielmarke. Ansatzpunkte hierfür sind insbesondere: Konzentration und Professionalisierung des Kerngeschäftes der Landesforst MV Anpassung der Kostenstruktur Schaffung einer effizienteren Betriebsstruktur (Konzentration, Spezialisierung, Optimierung der Prozesse) Erweiterung der Rücklage zur Risikovorsorge um spezifische betriebliche Risiken Erschließen zusätzlicher gewinnbringender Geschäftsfelder

18 _ 19

1.2 Organisation und Struktur

Sitz der Zentrale der Landesforst MV ist Malchin. Die Zentrale gliedert sich in drei Fach- und zwei Servicebereiche, welche wiederum fachthematisch in Fachund Servicegebiete unterteilt sind. Der Betriebsteil Forstplanung, Versuchswesen, Informationssysteme (BT FVI) mit Sitz in Schwerin-Görries ist als Stabsstelle für die Zentrale und die Forstämter tätig. Direkt dem Vorstandsbüro angegliedert sind die Bereiche Arbeitssicherheit, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Interne Revision.

Organigramm der Landesforst Mecklenburg-Vorpommern Verwaltungsrat Interne Revision

Vorstand

Arbeitssicherheit

Öffentlichkeitsarbeit

Fachbereich 1:

Fachbereich 2:

Fachbereich 3:

Servicebereich 1:

Servicebereich 2:

Betriebsteil Forst-

Forstpolitik

Waldbehandlung,

Betriebssteuerung,

Organisation,

Recht

planung, Versuchs-

Vermarktung

Finanzen

Personal, Innerer

wesen, Informations-

Dienst, Aus-, Fort-

systeme

und Weiterbildung Fachgebiet 10:

Inspektion

Forsthoheit Fachgebiet 21: Fachgebiet 11:

Fachgebiet 030:

Betriebswirtschaft,

Forsteinrichtung

Der Verwaltungsrat besitzt vor allem eine Kontrollfunktion, hat aber zudem Entscheidungsfunktion über die Leitlinien und forstpolitischen Grundsatzangelegenheiten. Er besteht aus neun ständigen Mitgliedern, davon drei Vertreter aus dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV, zwei gewählte Beschäftigtenvertreter sowie zwei Mitglieder des Landtages, ein Vertreter des Finanzministeriums MV und ein unabhängiges Mitglied mit forstfachlichem und kaufmännischem Sachverstand. Aufsichtsbehörde ist das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV (LU). Das LU übt die Rechtsaufsicht im eigenen sowie die Rechts- und Fachaufsicht im übertragenen Wirkungskreis aus. Die Forstämter der Landesforst MV nehmen die Aufgaben einer Einheitsforstverwaltung wahr: Neben ihrer forstbetrieblichen Arbeit im landeseigenen Wald und ihren Dienstleistungsangeboten gehören dazu auch die Tätigkeit als Untere Forstbehörde, die Beratung und Förderung des privaten Waldbesitzes und vielfältige Aktivitäten für die Erholung sowie Bildung und Information.

Landesforst MV, Forstämter in Mecklenburg-Vorpommern

Controlling

Vermarktung

Fachgebiet 031:

Forstliche Rahmenplanung

Fachgebiet 30:

Zu den Organen zählen laut Landesforstanstaltserrichtungsgesetz der Vorstand als Geschäftsführer sowie der Verwaltungsrat. Der Vorstand ist gerichtlicher und außergerichtlicher Vertreter, Dienstherr und Vertreter der Landesforst MV als Unterer Forstbehörde.

Fachgebiet 22:

Fachgebiet 31:

Standortserkundung,

Finanzen

Natura 2000

Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft

Nationalpark Jasmund

Waldbau, Waldschutz, Fachgebiet 12:

Naturschutz

Fachgebiet 32:

Fachgebiet 032:

Forstförderung

und Jagd

Liegenschaften, Bau

Forstliches Versuchs-

AbtshagenRügen

Stralsund Schuenhagen

wesen

Billenhagen Greifswald Rostock Bad Doberan

Forstamt Abtshagen-Rügen

Forstamt Karbow

Forstamt Sandhof

Forstamt Bad Doberan

Forstamt Ludwigslust

Forstamt Schildfeld

Entwicklung und

Forstamt Billenhagen

Forstamt Lüttenhagen

Forstamt Schlemmin

Betrieb IT-gestützter

Forstamt Conow

Forstamt Mirow

Forstamt Schönberg

Forstamt Dargun

Forstamt Neu Pudagla

Forstamt Schuenhagen

Forstamt Friedrichsmoor

Forstamt Neubrandenburg

Forstamt Stavenhagen

Forstamt Gädebehn

Forstamt Neustrelitz

Forstamt Wredenhagen

Forstamt Güstrow

Forstamt Nossentiner Heide

Verwaltungsgemeinschaft der FoÄ

Forstamt Jägerhof

Forstamt Poggendorf

Rothemühl | Torgelow

Forstamt Jasnitz

Forstamt Radelübbe

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011

Poggendorf

Fachgebiet 033:

Jägerhof

Güstrow

Wismar

Dargun Schönberg Schlemmin

Neu Pudagla

Güstrow Neubrandenburg

Fachverfahren

Malchin Schwerin Gädebehn

Radelübbe

Torgelow

Stavenhagen

Neubrandenburg

Sandhof Nossentiner Heide Friedrichsmoor

Schildfeld

Jasnitz Ludwigslust Conow

20 _ 21

Rothemühl

Nationalpark Müritz Wredenhagen

LüttenNeustrelitz hagen

Karbow Mirow

Beschäftigtenvertreter: für Beamte und Angestellte und für Arbeiter.

Die Entwicklung zur Landesforst MV war begleitet von mehreren Strukturveränderungen. Schrittweise kam es zu einer Reduzierung auf 29 Forstämter mit 194 Revieren im Jahr 2007. Ein Jahr später entstand im Zuge eines Pilotprojektes eine Verwaltungsgemeinschaft aus den beiden Forstämtern Rothemühl und Torgelow. Herbst im Schuenhagener Kronenwald (Andreas Baumgart)

Geschäftsjahre 2010 | 2011 in Zahlen

Holzvermarktung der Landesforst MV

2010

2011

~ 1,2 Mio. Fm

~ 1,2 Mio. Fm

Verkauf (IST) davon Energieholzverkauf davon Brennholz davon Energieholz (Hackschnitzel, Pellets-IS)

924.505 Fm rd. 156.000 Fm rd. 90.000 Fm rd. 66.000 Fm

940.149 Fm rd. 156.000 Fm rd. 99.000 Fm rd. 57.000 Fm

Durchschnittspreis (Gesamt mit Energieholz)

44,59 Euro | Fm

53,02 Euro | Fm

Anzahl der industriellen Holzkunden pro Jahr

44

44

1.068 ha

971 ha

865 ha 280 ha 585 ha

1.049 ha 449 ha 600 ha

rd. 400 ha jährlich

rd. 400 ha jährlich

38 ha

82 ha

1.342 Kommunalwald, 39.381 Privatwald

1.436 Kommunalwald, 34.586 Privatwald

Jährlicher Holzzuwachs

Naturale Leistungen der Landesforst MV Waldpflege in Jungbeständen Verjüngungsfläche (Kunstverjüngung) davon Walderneuerung davon Waldumbau Naturverjüngungen Erstaufforstungen (inkl. Sukzession) Beratung | Betreuung und Forstliche Förderung Anzahl Waldbesitzer Beratungsgespräche

12.498

~ 13.292

36.853 ha

~ 35.465 ha

472 Waldbesitzer im Privatund Körperschaftswald

494 Waldbesitzer im Privatund Körperschaftswald

~ 4,2 Mio. Euro

~ 4,0 Mio. Euro

~ 650

~ 600

25 Stück 5,44 ha

32 Stück 10,41 ha

Eschentriebsterben (Schadfläche)

ca. 46 % der Eschenfläche geschädigt

ca. 55 % der Eschenfläche geschädigt

Waldzustandserhebung

17 % deutlich geschädigte Bäume (Schadstufe 2 – 4)

19 % deutlich geschädigte Bäume (Schadstufe 2 – 4)

16,9 % Kiefer, 33,5 % Eiche, 12,5 % Buche

15,5 % Kiefer, 32,6 % Eiche, 37,1 % Buche

Exkursionen und Waldführungen mit Erwachsenen | Familien

543 Stück mit 8.351 Besuchern

514 Stück mit 10.534 Besuchern

Exkursionen und Waldführungen mit Kindern | Schulklassen

1.077 Stück mit 23.966 Besuchern

1.256 Stück mit 27.682 Besuchern

Besuch von 6.031 Kindern

Besuch von 6.282 Kindern

Fläche ständige Betreuung Anzahl betreuter Waldbesitzer Ausgezahlte Fördermittel Bearbeitete Förderanträge Waldschutz Waldbrände Gesamtwald (ohne Bundeswald)

1.3 Kurzporträt – Die Landesforst MV in Zahlen

Gesamtwaldfläche und Baumartenverteilung Gesamtwaldfläche _ 542.340 ha Baumartenverteilung _ 47 % Kiefer, 15 % sonstiges Nadelholz, 8 % Eiche, 14 % Buche, 16 % sonstiges Laubholz

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011

Anteil deutlich geschädigter Bäume (nach Baumarten) Öffentlichkeitsarbeit

2 Jugendwaldheime

22 _ 23

Körperschaftswald Gesamt Kommunalwald Anderer öffentlicher Wald Privatwald Gesamt Privat Kirche Treuhandwald Gesamtwaldfläche

Anteile in Prozent

277.766 53.590 224.176 192.367

51,2

Personalentwicklung

Höherer Dienst 54.527 45.890 8.637

10,1

183.386 179.476 3.910

33,8

26.661

4,9

542.340

100

Gehobener Dienst

100 90 89,0 84,0

80 70

81,0 77,75

77,0

76,75 69,0

60 50 40 30 20 10 0 Ziel

2006

2008

2010

2011

2013

Vollzeitäquivalente (VZÄ = in Anspruch genommene Stellenanteile)

Staatswald Gesamt Bund Land davon Wald der Landesforstanstalt

Waldfläche in Hektar

Vollzeitäquivalente (VZÄ = in Anspruch genommene Stellenanteile)

Eigentumsverteilung

1.4 Personal

Zum 01. Januar 2006 lag die Zahl der Vollzeitäquivalente bei 1.513 Mitarbeitern, zum 31. Dezember 2011 bei 1.161. Nach dem Personalkonzept 2004 des Landes (LPK) haben 1.032 Vollzeitäquivalenten beziehungsweise Kernstellen eine langfristige Perspektive.

Waldeigentumsentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern

500 450 424

400

395,4 350

376

387,6

384,5 367 338

300 250 200 150 100 50 0

2020

Ziel

2006

2008

2010

2011

2013

2020

Eine Aktualisierung der gesetzlichen Klassifizierung durch die Forstbehörden stellte zum 01. Januar 2012 eine Gesamtwaldfläche von rund 542.340 Hektar fest. 1000

90

93,0

91,5

80 78,25 70

75,95

68,0

65,25

60

59,25 50 40 30 20 10 0 Ziel

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011

Personalentwicklung Waldarbeiter

100

24 _ 25

2006

2008

2010

2011

2013

2020

Vollzeitäquivalente (VZÄ = in Anspruch genommene Stellenanteile)

Vollzeitäquivalente (VZÄ = in Anspruch genommene Stellenanteile)

Mittlerer Dienst

900

906,8 846,5

800 700

733,6

600 500

622,9 567,1 511 476,2

400 300 200 100 0 Ziel

2006

2008

2010

2011

2013

2020

Aus dem Servicegebiet Personal: Christina Zielke

Waldarbeiterkonzept Die Landesforst MV erörterte seit ihrer Gründung im Januar 2006 Lösungsansätze zur Umsetzung des Personalkonzepts des Landes (LPK). Dies geschah in Zusammenarbeit mit dem Zentralen Personalmanagement der Landesregierung und mündete letztlich in einem Waldarbeiterkonzept. Es eröffnete sich die Möglichkeit, in den Jahren 2009 bis 2013 98 Stellen der Straßenbauverwaltung mit Waldarbeitern zu besetzen. Mit der Annahme dieses Angebots konnte die Landesforst MV den notwendigen Stellenabbau im Waldarbeiterbereich sozialverträglich fortführen. Die erste Umschulungsmaßnahme begann bereits im Jahr 2007. Im Ergebnis konnten 32 Forstwirte im Jahr 2009 auf eine Kernstelle der Straßenbauverwaltung wechseln. Neben der Altersteilzeitregelung und somit der vorzeitigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses beeinflusste dies am meisten den sozialverträglichen Personalabbau im Waldarbeiterbereich, wie die Übersicht verdeutlicht.

Die Umschulung erfolgte in 21 ereignisreichen Monaten, die sich in 47 Wochen Fachtheorie im UFAT-Bildungswerk Wöbbelin und in 44 Wochen praktische Ausbildung in einer der Straßen- und Autobahnmeistereien gliederte. Eine dritte und letzte Umschulungsmaßnahme begann am 01. September 2011. Wieder hatten sich zwölf Forstwirte bereit erklärt, den großen und verantwortungsvollen Schritt aus der Landesforst MV hinein in die Straßenbauverwaltung zu gehen. »Wald schaff t« hier im wahrsten Sinne des Wortes »Zukunft«, denn nach bestandener Prüfung im Jahr 2013 erfolgt die Übernahme auf eine Kernstelle in der Straßenbauverwaltung.

Fluktuationen Grund des Ausscheidens

2006

2007

2008

2009

2010

Renteneintritt

7

7

7

7

6

Eintritt ATZ-Freistellungsphase

3

8

9

26

37

Überleitung in andere Behörden*

2

0

6

36

1

ALV (inkl. Vorruhe)

8

7

10

3

3

sonstige Gründe

9

3

5

2

3

Umschulungslehrgang 2009 | 2011 (Christina Zielke)

*inklusive der Überleitungen in die Straßenbauverwaltung

Voraussichtlich im Verlauf des Jahres 2013 erreicht die Landesforst MV demnach ihre Zielstellung aus dem Personalkonzept 2004. Möglich wurde dies vor allem dank des großen Verständnisses und Entgegenkommens des Verkehrsressorts und der Bereitschaft zur Veränderung der Forstwirte. Zum 01. September 2009 haben weitere 33 Forstwirte in einem zweiten von insgesamt drei Durchgängen mit der Umschulung zum Straßenwärter begonnen. Große Überzeugungsarbeit war sowohl bei den potentiellen Umschülern als auch bei den betroffenen Wirtschaftern vor Ort zu leisten. Verlassen doch viele Leistungsträger mit dem Wechsel zur Straßenbauverwaltung die Landesforst MV. Welch großer Schritt es hin zur Umschulung war und wie beschwerlich für manchen der Weg bis zum Abschluss als Straßenwärter ist, zeigt die Tatsache, dass drei Umschüler aus verschiedenen Gründen ihre Ausbildung abbrechen mussten. So wurden am 26. Mai 2011 30 Forstwirte freigesprochen.

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011

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Stationen im CI-Prozess: Felix Adolphi

Ein Slogan – Ein Leitbild Im Zuge der Umsetzung des Forstkonzeptes 2000 erkannte die Leitung der damaligen Landesforstverwaltung die Notwendigkeit, den aus der Wirtschaftstheorie bereits länger bekannten Begriff »Corporate Identity« (CI) auf die Landesforstverwaltung zu übertragen und mit Leben zu erfüllen. Der Begriff CI bezeichnet die Identität eines Unternehmens. Man nimmt demnach an, dass Unternehmen als soziale Systeme wie Personen wahrgenommen werden. Alle Handlungen sollen dem System zugeordnet werden können und diesem somit zu einem Gesicht verhelfen. Dabei verkörpert CI stets das Selbstbild des Unternehmens. Ähnlich wie bei Personen stimmt es nur im Idealfall mit dem Fremdbild überein. Einheitliches Handeln und Auftreten gelten in erster Linie als geeignete Mittel, um auf das Fremdbild einzuwirken. Größe und Vielgestaltigkeit eines Unternehmens wiederum stellen erhebliche Hemmnisse dar. Der Effekt eines CI-Prozesses richtet sich sowohl nach außen als auch in das Unternehmen hinein und kann beispielsweise durch eine transparente Kommunikation von Zielen die Mitarbeiter motivieren. Schon zu Beginn sollte der Prozess einen Beitrag leisten zur »Schaffung einer effektiven, wirtschaftlich starken Landesforstverwaltung mit motivierten und engagierten Mitarbeitern« (CI-Info Nr. 1, Seite 2, 1. Absatz). Innerhalb der Landesforst MV übernahm eine von der Leitung für zwei Jahre ins Leben gerufene Arbeitsgruppe (AG) aus 15 Mitgliedern das Projekt. Diese AG CI begann zunächst, den IST-Zustand des Vorhabens zu analysieren und daraus künftige Handlungsfelder abzuleiten. Der nächste Schritt und Hauptaufgabe der Landesforst MV im Jahr 2010 war es, einen Slogan zu erarbeiten und einzuführen. Per Definition als Wahlspruch oder Schlachtruf genutzt, sollte der Slogan mit wenigen Worten vermitteln, wofür die Institution Landesforst MV steht. Wie im gesamten Prozess führte die Beteiligung der Mitarbeiter bei der Erarbeitung dazu, dass diese sich stark mit dem Endergebnis identifizieren können. Über 60 Mitarbeiter beteiligten sich an dem im März 2010 durch den Vorstand ausgerufenen Wettbewerb. Im Juli hatte dann die Unterarbeitsgruppe »Slogan« die Qual der Wahl. Aus den 192 unterbreiteten Vorschlägen mussten fünf ausgewählt werden. Welcher von diesen fünf Slogans künftig den ersten Eindruck der Landesforst MV prägen sollte, darüber stimmten wiederum die Mitarbeiter ab. Es nahmen 314 Kollegen an der Wahl teil, aus der mit deutlichem Vorsprung und insgesamt 116 Stimmen der Slogan »Wald schaff t Zukunft« von Wolfgang Mundt, Sachbearbeiter im Forstamt Conow, als Sieger hervorging. Der Schriftzug wurde in Anlehnung an den Claim des Landes »MV tut gut.« gestaltet und ziert seitdem nicht nur unsere Druckerzeugnisse, sondern wird von vielen Kollegen dank der CI-Kleidung direkt auf dem Herzen getragen. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Unternehmenskommunikation ist das Leitbild. Als idealen Zielzustand beschreibt diese Erklärung das Selbstverständnis einer Organisation sowie ihre Grundprinzipien. Es gibt Orientierung nach innen, ist handlungsleitend und motivierend. Nach außen verdeutlicht es, wofür die Organisation steht. Bei der IST-Analyse des Gesamtprozesses CI zeigte sich, dass bereits zwei Leitbilder existierten. Das erste entstand 2003, war wenig etabliert und enthielt keine

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011

Aspekte der Wirtschaftlichkeit. Das zweite Leitbild aus der Unternehmerischen Konzeption 2008 dagegen formulierte weder die Unternehmenskultur oder -werte, noch war es in die Organisation hinein gerichtet. Bis 2011 sollte dementsprechend ein neues Leitbild erarbeitet werden. Alle Mitarbeiter wurden daran beteiligt, denn jeder Kollege konnte anhand eines Textbaukastens anmerken, welche sechs Aussagen die wichtigsten für ihn oder sie sind. Die Unterarbeitsgruppe »Leitbild« nahm das Echo der Kollegen auf und verfasste daraus ein aussagefähiges, inhaltsreiches, aber kurzes Leitbild. Ende 2011 setzte der Vorstand das Ergebnis dieser Arbeit in Kraft. Es ist in der Umschlagsseite des vorliegenden Berichtes dargestellt. Die Aufgabe aller Mitarbeiter ist es, dieses Leitbild mit Leben zu erfüllen. Wir werden uns selbst daran messen und von anderen daran gemessen werden, ob das Fremdbild mit dem Selbstbild der Landesforst MV in Einklang steht.

Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung 2010 Zielgerichtete Veränderungen setzen Kenntnisse über die Situation in der Landesforst MV voraus. Wichtig sind insbesondere Informationen darüber, wie zufrieden unsere Mitarbeiter mit ihrem Arbeitsumfeld sind und wie ausgeprägt die Motivation zur Bewältigung der stetig steigenden Anforderungen ist. Auch ihre Einschätzung zum Führungsverhalten in der Landesforst MV ist von zentraler Bedeutung. Um ein Bild davon zu erhalten, bietet sich in erster Linie die Mitarbeiterbefragung an. Den Auftrag zur Vorbereitung und Auswertung erhielt das Unternehmen »SOWI – Institut für angewandte sozialwissenschaftliche Forschung und Evaluation« in Leipzig unter Dr. Johann Gerdes. Bereits bei der ersten Mitarbeiterbefragung im Jahre 2001 war Dr. Gerdes federführend für das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV tätig. Die Methode der Befragung beruhte auf einem Fragebogen mit insgesamt 79 überwiegend geschlossenen Fragen in 13 Fragenkomplexen. Alle Beschäftigten mit dienstlichem Internetzugang konnten den Fragebogen online ausfüllen. Die übrigen Mitarbeiter erhielten ihre Fragen in Papierform. Anschließend übergab der Gesamtpersonalrat die gesammelten Antworten dem Institut. Hierdurch blieben alle Mitarbeiter vollständig anonym. Mit knapp 46 Prozent lag die Rücklaufquote überdurchschnittlich hoch, die Ergebnisse sind repräsentativ. Die höchste Rücklaufquote verzeichnete die Beschäftigtengruppe des höheren Dienstes mit 70 Prozent, die niedrigste mit 35 Prozent die Gruppe der Waldarbeiter. Die Mehrzahl der Mitarbeiter der Landesforst MV ist mit den wesentlichen Faktoren der Arbeit »sehr zufrieden« und »zufrieden«. Das betriff t den ausgewählten Beruf zu 94 Prozent und den Arbeitsplatz zu 87 Prozent. Zu beachten ist, dass zwar 94 Prozent der Verwaltungsmitarbeiter mit ihrem Beruf mindestens »zufrieden«, aber auch 20 Prozent mit dem Arbeitsplatz »unzufrieden« beziehungsweise »sehr unzufrieden« sind. Der Beruf spielt eine besondere Rolle für die Motivation (Berufsstolz). Die konkreten Arbeitsbedingungen werden kritisch, aber weitgehend als erträglich beurteilt.

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Stationen im CI-Prozess: Lutz Schweinberger

Die größte Diskrepanz zwischen den Werten von 2001 und 2010 tritt bei der Aussage auf, man könne »ungestört arbeiten«. Stimmten dem 2001 noch 70 Prozent der Befragten zu, so waren des 2010 nur noch 44 Prozent. Unter Betrachtung der eigenen Leistungsfähigkeit möchten darüber hinaus 71 Prozent der Beschäftigten keine Veränderungen hinsichtlich der Arbeit. Fast unverändert zu 2001 wird die Frage beantwortet, ob die Arbeit Möglichkeiten bietet, sich über einen Erfolg freuen zu können. Bei 35 Prozent der Befragten ist das »sehr häufig« und »häufig«, bei 48 Prozent »manchmal« der Fall. Erstmalig finden sich im Abschnitt »Arbeit und Arbeitsbereich« der Mitarbeiterbefragung 2010 Fragen zur Einschätzung der Motivation. Fast drei Viertel der Befragten können sich »sehr häufig« und »häufig« selbst motivieren, einem Fünftel gelingt das noch »manchmal«. Danach gefragt, für wie motiviert die Mitarbeiter ihre Vorgesetzten halten, beantworten das über die Hälfte mit »hoch« und »sehr hoch«, allerdings aber auch 13 Prozent mit »gering« beziehungsweise »sehr gering«. Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung. Wer sich selbst ausreichend motivieren kann, der schätzt auch den Vorgesetzten als eher »hoch« motiviert ein. Die berufliche Förderung trägt zur Verbesserung der Motivation der Beschäftigten bei. Die Förderung durch Vorgesetzte wird von 45 Prozent als »gut« bis »sehr gut« beurteilt, Frauen sehen sich deutlich weniger gefördert als Männer. Am wenigsten gefördert bewerten sich die Beschäftigten des einfachen und mittleren Verwaltungsdienstes.

Es werden hohe Anforderungen an die Vorgesetzten gestellt. Die Beschäftigten möchten in einem »angenehmen Klima« und möglichst selbstständig arbeiten, der Vorgesetzte soll Ziele vorgeben, sich aber nicht direkt in die Arbeit einmischen. Zudem soll er dabei »neutral« bleiben, niemanden persönlich bevorzugen und den Mitarbeiter als »Fachexperten« anerkennen. Man erwartet mithin keinen autoritären, sondern einen deutlich kooperativen Führungsstil, der Autonomiespielräume für die Mitarbeiter zulässt. Die Arbeitsziele, die Ergebnisse und die Probleme in der Arbeit werden überwiegend regelmäßig mit den Mitarbeitern besprochen. Deutlich kritischer beurteilen die Beschäftigten des mittleren Dienstes den Sachverhalt. Ein einheitliches Erscheinungsbild der Landesforst MV nach innen und nach außen ist den Mitarbeitern wichtig. Mehr als drei Viertel der Befragten sind der Meinung, dass die Dienstuniform in der jetzigen Form grundsätzlich Bestand haben sollte. Die Beschäftigten des höheren Dienstes und des gehobenen Dienstes, die überwiegend »trageberechtigt« sind, votieren hier unterdurchschnittlich. Das Ansehen der Landesforstverwaltung wird positiver bewertet als noch bei der letzten Befragung. Am wichtigsten erscheint den Mitarbeitern der Umgang mit den Kunden, aber auch mit der Bevölkerung, den Anwohnern, Besuchern, Touristen und Waldbesitzern. Waren 2001 noch die meisten nicht überzeugt, dass das Ansehen in der Öffentlichkeit besonders hoch ist, sind es nun knapp mehr als Hälfte.

Insbesondere der Informationsfluss zwischen Zentrale und Forstämtern sowie dem Betriebsteil Forstplanung | Versuchswesen | Informationssysteme (FVI) hat sich seit 2001 verbessert. Im Forstrevier sind die Vorgänge zwischen Revierförster und Waldarbeiter weniger formalisiert und dafür personalisiert, sodass der Informationsfluss schneller und direkter erfolgt. Gleich geblieben im Vergleich zu 2001 ist die bessere Einschätzung des Informationsflusses durch den jeweiligen Absender der Information als durch den Adressaten.

Befragt, ob sie als Berufsanfänger erneut einen Arbeitsplatz in der Landesforst MV anstreben würden, antworten vier von fünf der Befragten mit »ja«. Als Gründe dafür werden vorrangig »die Liebe zur Natur und zum Wald«, »im öffentlichen Dienst beschäftigt zu sein«, aber auch »das Ansehen der eigenen Arbeit in der Öffentlichkeit« beziehungsweise das »Ansehen der Landesforst in der Öffentlichkeit« genannt. Wie schon 2001 sprechen die »Arbeitsbedingungen« etwas weniger dafür, erneut in der Landesforst MV arbeiten zu wollen.

Die Arbeitssicherheit bleibt ein sehr wichtiges Thema. Entsprechend der Arbeitsbedingungen im Forstbereich gilt diese wie bereits 2001 für fast alle Befragten als »sehr wichtig« oder zumindest »wichtig«. Die Arbeitsschutzunterweisungen werden hinsichtlich Häufigkeit und der durchgeführten praktischen Übungen ganz überwiegend als den Erfordernissen angemessen beurteilt. Die Qualität der persönlichen Schutzausrüstung wird erkennbar besser bewertet als noch 2001.

Die Ziele der Institution und die persönlichen Ziele der Mitarbeiter liegen näher beieinander als 2001. Die Befragten haben 2010 dem »Schutz und der Erhaltung des Waldes«, der »Steigerung der Einnahmen«, der »Kostendeckung im eigenen Wirkungskreis« und der »Absenkung der Kosten« in der Landesforst MV die höchste Priorität beigemessen. Die geringste Priorität haben »die Erschließung von Holzreserven im Nichtstaatswald«, die »Verbesserung der Forststrukturen« und die »Verbesserung des Marketings«.

Überwiegend herrscht Zufriedenheit mit dem erreichten Niveau der Weiterbildung. Bei den Mitarbeitern des höheren und gehobenen Dienstes sowie auch bei den Forstwirtschaftsmeistern gehört sie zur regelmäßigen Qualifikationsanpassung. Die Mehrheit hat bereits im laufenden Jahr eine Weiterbildung absolviert. Bei den Forstwirten und bei den Beschäftigten des mittleren Dienstes liegt die letzte Teilnahme dagegen meist schon mehrere Jahre zurück. Mit dem Weiterbildungsangebot sind zwei Drittel der Befragten »zufrieden« und zwölf Prozent sogar »sehr zufrieden«. Die Verwaltungsbeschäftigten äußern sich überdurchschnittlich positiv. Kritischer sehen die Forstwirte und Forstwirtschaftsmeister das Angebot. Ganz ähnlich wird die Qualität der wahrgenommenen Weiterbildungsmaßnahmen beurteilt. Bei den angegebenen Hinderungsgründen zur Nutzung der Maßnahmen spielt der »Faktor Zeit« eine erhebliche Rolle.

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011

Ausgewählte Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung 2010 wurden auf Forstamtsleiter-Dienstberatungen, vor Mitgliedern der Personalvertretungen und weiteren Mitarbeitern vorgestellt und diskutiert. Alle Mitarbeiter der Landesforst MV erhielten Ausfertigungen zu den statistischen Ergebnissen. Die Fachbereichsleiter und Leiter der Außenstellen bekamen den kompletten Bericht und Anhang, um mit dem Material in Personalversammlungen und Dienstberatungen weitere Auswertungen vorzunehmen und gewonnene Erkenntnisse gezielt umzusetzen. Die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung sind insgesamt ein wertvoller Erkenntnisgewinn auch als Grundlage künftiger Entscheidungen. Mitarbeiterbefragung 2010

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Aus dem Fachgebiet Vermarktung:

Abschluss des Projektes »Teilautonome Gruppenarbeit« Das Modell der Teilautonomen Gruppenarbeit zu erproben, entstammt der Unternehmerischen Konzeption der Landesforst MV 2008 bis 2012.

Susanne Poeppel

Längst nicht mehr jedes Revier verfügt aufgrund des verringerten Personalbestandes über eigene Waldarbeiter. Um der Arbeitssicherheit dennoch gerecht zu werden, sind mindestens drei Waldarbeiter pro Arbeitsgruppe angestrebt, was für die Angestellten auch revierübergreifenden Einsatz bedeutet. Bei der Teilautonomen Gruppenarbeit geht es darum, Forstwirte neben der Waldarbeit zu anspruchsvollen Aufgaben beispielsweise im Bereich der Arbeitsorganisation heranzuziehen, gleichzeitig Entscheidungsspielraum zu gewähren und vermehrt Verantwortung zu übertragen. Damit zielt das Projekt auf folgende Aspekte ab: Das Leistungsvermögen der Waldarbeiter soll besser ausgeschöpft werden. Die Motivation der Waldarbeiter soll verbessert werden, weil sie sich vermehrt als Teil des Entscheidungsprozesses sehen. Die Revierleiter sollen um einen Teil der Organisationsaufgaben entlastet werden. Letztendliches Ziel ist eine effizientere Arbeit. Die Wahl zum Erprobungsforstamt fiel auf das Forstamt Stavenhagen. In Anlehnung an das niedersächsische Modell entstand ein Leitfaden für die Durchführung des Modells der Teilautonomen Gruppenarbeit, der alle wesentlichen Festlegungen enthält. Zum 01. August 2009 begann die Teilautonome Gruppenarbeit im Forstamt Stavenhagen. Einige Veränderungen wie die langfristigen Planungszeiträume, die neue Rottenstruktur und die Einführung der Dienstfahrzeuge spürte das Erprobungsforstamt sofort. Andere Neuerungen wie die selbstständige Tätigkeit der Rotten, die größeren Entscheidungsspielräume, die Übertragung größerer Verantwortung an die Rotten sind dabei nicht von einem Tag auf den anderen zu erreichen. Sie sind Teil eines länger andauernden Prozesses. Auch der Einsatz von Fahrzeugen zum Waldarbeiter- und Materialtransport stand während des laufenden Projektes auf dem Prüfstand. Das Pilotprojekt der Teilautonomen Gruppenarbeit im Forstamt Stavenhagen bewies, dass sich das Konzept einer solchen Arbeitsorganisation grundsätzlich dazu eignet, auf die wandelnden Rahmenbedingungen der Waldarbeit zu reagieren. Die Vorteile überwiegen insbesondere hinsichtlich der Arbeitsplanung, des Arbeitsschutzes sowie der Auftragserteilung und -erledigung; gleichzeitig steigen Leistungsfähigkeit und -bereitschaft. Der erfolgreiche Modellversuch eröffnet damit eine Möglichkeit, die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der Landesforst MV insgesamt zu stärken. Als Folge dieser Ergebnisse fiel die Entscheidung, die Erprobungsphase zur Einführung der Teilautonomen Gruppenarbeit zu verlängern und weitere sechs Forstämter einzubeziehen, um die Teilautonome Gruppenarbeit bei unterschiedlichen personellen und territorialen Bedingungen zu überprüfen.

Gespensterwald Nienhagen, 2011 (Bärbel Weinert *)

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011

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Der eigene Wirkungskreis

Der eigene Wirkungskreis 2.1 Waldbewirtschaftung, Waldumbau

Bei Erfüllung einer der geforderten Funktionen (Nutz-, Schutzund Erholungsfunktion) sind zeitgleich möglichst hohe Anteile der übrigen mit zu erfüllen. Erlass »Ziele und Grundsätze einer naturnahen Forstwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern« vom 05. Dezember 1995.

In ihren Wäldern folgt die Landesforst MV dem Grundprinzip einer multifunktionalen Forstwirtschaft. Dies entspricht dem gesetzlichen Auftrag. Dafür muss die Bewirtschaftung sowohl der Nutz- und Schutzfunktion als auch der Erholungsfunktion nachhaltig und gleichrangig Rechnung tragen. Auf Einzelflächen kann dabei eine Funktion überwiegen. Nach heutigen Erkenntnissen trägt eine naturnahe Forstwirtschaft ökologischen wie auch ökonomischen Erfordernissen am besten Rechnung. Die Landesregierung beschloss bereits 1995 ein Programm zur naturnahen Bewirtschaftung der landeseigenen Wälder.

Baumartenverteilung (Oberstand) im Ist-Zustand und in der Zielwaldplanung für den Landeswald MV

100 % 90 %

1% 2% 4%

1% 8

6% 3% 4%

8%

LÄ 63 % Nadelbaumarten 44 %

GFI

60 %

30 %

50 %

2

wesentliche Erhöhung des Anteils standortgerechter Laubbaumarten wesentliche Erhöhung des Anteils gemischter und

3

Ausnutzung aller geeigneten Möglichkeiten natürlicher Verjüngung Verbesserung des Waldgefüges

5

Gewährleistung waldverträglicher Wildbestände

6

Beschränkung des Anbaus ursprünglich nicht heimischer Baumarten

7

Waldschutz vorrangig durch mechanische und biologische Maßnahmen

8

Anwendung umweltschonender Maschinen und Geräte

9

Schutz von Pflanzen- und Tierarten

10

Erhöhung des Altholzanteils und Sicherung von Totholzanteilen

11

Gestaltung und Pflege der Waldränder

12

Errichtung und Betreuung von Naturwaldreservaten

13

Sicherung der Schutz- und Erholungsfunktion von Wäldern

SWLb

48 % 10 %

30 %

10 % 0%

mehrschichtiger Bestände 4

KI 12 %

40 %

20 %

1

DGL

80 % 70 %

13 Ziele und Grundsätze der naturnahen Forstwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern

SNb

SHLb

12 % 4%

37 % Laubbaumarten 56 %

21 %

BU

13 %

EI

14 % 7%

Ist 01.01.2000

Ziel in ca. 100 Jahren

Nach dem Zielwaldmodell soll sich die Baumartenzusammensetzung durch den Umbau von Kiefernreinbeständen in standortgerechtere Mischbestände grundlegend ändern. Der Anteil der Baumart Kiefer wird dementsprechend von rund 48 Prozent auf rund 30 Prozent im Jahr 2100 abgesenkt. Die Überführung erfolgt größtenteils durch Voranbauten aus Buche und Eiche. Hierdurch steigt der Eichenanteil von sieben auf 13 Prozent und der Buchenanteil von 14 auf 21 Prozent. Unter dieser langfristigen Zielsetzung wurden im Jahr 2010 beispielsweise 377 Hektar mit diesen Baumarten umgebaut. Das entspricht einem Anteil von 64 Prozent an der Gesamtumbaufläche und beweist, wie stringent die Landesforst MV die Zielvorgaben umsetzt.

Herbstaspekt mit Rotbuche (Andreas Baumgart)

SNb DGL LÄ GFI KI SWLb SHLb BU EI

sonstige Nadelbäume Douglasie Lärche Gemeine Fichte Kiefer sonstige Weichlaubbäume sonstige Hartlaubbäume Buche Eiche

Anlage einer Kultur unter dem Schutz eines Bestandes.

Trollblumenwiese im Wald (Andreas Baumgart)

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Ein technisches Denkmal in Betrieb Am 28. September 2001 begann die Geschichte der Stätte der Kommunikation, Lehre und Begegnung in der Forstsamendarre Jatznick. Die grundlegende Kooperationsvereinbarung zwischen dem damaligen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern und dem Landkreis Uecker-Randow stellte ein Novum in der Bearbeitung eines EU-Förderprogramms dar.

Waldbauliche Kennzahlen (in Hektar)

Erstaufforstung Waldumbau Walderneuerung Unterbau Jungwuchspflege Läuterung

Quelle: SAP Landesforst MV

2010

2011

14,21 585,01 279,94 3,53 586,07 178,14

17,30* 600,39 448,83 74,97 374,03 142,68 *plus Waldaktie (21 ha)

Die Kennzahlen zeigen, dass 2010 und 2011 mehr als 25 Hektar Wald durch Erstaufforstungen auf ehemaligen Acker- und Brachflächen vermehrt wurden. Dabei überwog die Aufforstung der Flächen mit standortgerechten Laubbaumarten. Des Weiteren verdeutlicht die Tabelle den oben beschriebenen Waldumbau in Richtung des Zielwaldes. Im Vergleich der Jahre 2010 und 2011 ist anzumerken, dass die Waldumbauflächen beinahe gleich groß sind. Der Umbau erfolgt also kontinuierlich. Neben der Pflanzung ist die Pflege junger Waldbestände für die Entwicklung eines artenreichen und strukturierten Waldes von immenser Bedeutung. Da die Förderung junger Waldbestände noch keine vermarktungsfähigen Sortimente erbringt, kann diese Pflegephase zumeist nicht kostendeckend verlaufen. Die Pflege ist jedoch unerlässlich, will man junge Bestände zu stabilen und gemischten, leistungsfähigen und ertragreichen Wäldern erziehen.

Forst-ELER Forstwirtschaftliche Maßnahmen im Rahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums in der europäischen Union.

Unterschiedliche Förderprogramme, getragen durch das Land MecklenburgVorpommern und die Europäische Union, sollen hier positive Anreize schaffen. Seit 2008 ist neben den privaten Waldbesitzern auch die Landesforst MV als Anstalt des öffentlichen Rechts durch den Zuwendungserlass Forst-ELER förderfähig. Somit werden die oben genannten Maßnahmen anteilig finanziert, wie der Waldumbau, die Läuterung und die Jungwuchspflege.

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Aus der Samendarre Jatznick: Eberhard Behrendt

Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach Unterzeichnung der Vereinbarung durch Minister Dr. Till Backhaus und den Vertreter des Landkreises, den damaligen Landrat Siegfried Wack, sollte am 01. Oktober 2011 Bilanz gezogen werden über die Erfolge und Schwierigkeiten des Vorhabens. Denn zwischen der Ausarbeitung einer Machbarkeitsstudie und der feierlichen Übergabe der rekonstruierten und erweiterten Forstsamendarre Jatznick am 14. Dezember 2006 leisteten die Beteiligten unter ständigem Bangen und Hoffen viel Arbeit für das Projekt. Das Fundament dieser, im wahrsten Sinne des Wortes, Erfolgsgeschichte liegt in der Gründung des Fördervereins Samendarre Jatznick am 03. März 1998 mit zuletzt 42 Mitgliedern. Uneigennützige Hilfe erhielt der Verein von der Kommunalgemeinschaft Pomerania e. V., über das Projekt INTERREG III a, insbesondere durch den Geschäftsführer Peter Heise. Von Anfang an war er von der erfolgreichen Umsetzung des Projekts überzeugt und leistete jahrelang moralische wie auch fachliche Unterstützung, um die rund 2,9 Millionen Euro Fördermittel zusammenzutragen. Neben dem »offiziellen« Baugeschehen wirkten über viele Jahre auch Mitarbeiter des zweiten Arbeitsmarktes auf dem Gelände der Forstsamendarre Jatznick. Oft unter schwierigen Bedingungen hielten die Mitarbeiter der Forstsamendarre Jatznick während der gesamten Bauzeit die Produktion aufrecht. Jedoch ließ die Vorfreude auf die Phase nach dem Um- und Ausbau alle Widrigkeiten schnell vergessen. Um die entwickelten Ideen umzusetzen, holte der Förderverein zusätzlich zu den finanziellen Mitteln Sponsoren mit ins Boot. Stellvertretend für alle sind hier die Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern und die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung zu nennen.

Samendarre Jatznick (Landesforst MV)

Die Forstsamendarre Jatznick ist eine von neun Darren in Deutschland und besitzt zahlreiche Alleinstellungsmerkmale. So trägt sie den Titel »Technisches Denkmal«, arbeitet in beiden Wirkungskreisen Saatgutgewinnung und -bearbeitung sowie Umweltbildung und Waldpädagogik und vereint unter ihrem Dach ebenso historische wie auch modernste Produktionsmethoden. Am Vormittag zum »10. Geburtstag der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung« zogen die Beteiligten im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung nicht nur Bilanz, sondern nutzten den Moment auch zur fachlichen Weiterbildung. Prof. Dr. habil R. Kätzel referierte zu dem aktuellen Thema »Klimawandel – Herausforderung für das Saatgutwesen«. Ein wichtiges Ergebnis seiner Ausführungen lautete, dass der Kunstverjüngung mit ausgewähltem, forstlichem Saatgut die Zukunft gehört. Daraus ließe sich auch eine große Zukunft der Forstsamendarre Jatznick ableiten, als moderner und wichtiger forstlicher Dienstleister der Landes-

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Moderne Saatreinigung (Landesforst MV)

forst MV. Die sechs Mitarbeiter der Forstsamendarre leisten seit vielen Jahren eine fachlich gute Arbeit und fühlen sich den Herausforderungen der Zukunft gewachsen. Einen besonderen Höhepunkt bildete der Abschluss der vormittäglichen Veranstaltung. Die Verwaltungsgemeinschaft der Forstämter Rothemühl und Torgelow sowie die Stadtverwaltung Stettin unterzeichneten einen Kooperationsvertrag, besiegelt durch die gemeinsame Pflanzung einer Elsbeere, dem Baum des Jahres 2011. Bei herrlichem Wetter feierten am Nachmittag über 1.400 Besucher mit Sport, Spiel, gegrilltem Wildschwein und vielen anderen Überraschungen den anschließenden »Tag der offenen Tür«. Zusammenfassend präsentiert sich die vor nunmehr 13 Jahren geborene Idee »Rettung« der Forstsamendarre Jatznick als gelungene Gemeinschaftsaktion der Landesforst MV, des Fördervereins Samendarre Jatznick e. V., des Landkreises Uecker-Randow und seiner vielen Helfer. Pflanzung einer Elsbeere, Baum des Jahres 2011 (Monika Walter)

Witterungsextreme zeichneten das Jahr 2010 aus. Von lang anhaltenden Frost- und Schneelagen über Kälte und Nässe im Frühjahr, Hitze und Trockenheit im Juni und Juli bis hin zu Sturm, Hagelschlag sowie Nassschnee am 23. Dezember 2010 ereilte Mecklenburg-Vorpommern die gesamte Bandbreite des Wetters. In den Sturm- und Hagelschadbeständen westlich der Müritz veränderten Randund Folgeschäden 2010 die Disposition der Restbestände. Nicht sichtbare Schäden an den Wurzeln, verminderte Standfestigkeit und weiterhin anhaltende Absterbeerscheinungen erhöhten die Windwurfgefahr. Die vom Hagel verursachten massiven Schädigungen der Rinde und des Kambiums, also abgeschlagene Rinde, Risse und Platzwunden, sind oftmals irreversibel und gepaart mit dem Befall durch Bläuepilze verantwortlich für das weitere Absterben der Bestände. Hier führen die Forstämter eine intensive Überwachung des Blauen Kiefernprachtkäfers in den aufgelichteten Beständen durch. Eine Extremsituation im Jahr 2011 war die fast achtwöchige Dauerregenperiode im Juli und August. Sie verursachte in Waldgebieten mit weniger durchlässigen Böden, besonders im Bereich Vorpommern, lang anhaltende Überstauungen. Wie die Zahlen der Messstation Rostock zeigen, fielen bereits ab Mai überdurchschnittlich hohe Niederschlagsmengen, prozentual zum langjährigen Mittel. Die Böden konnten im Juli und August somit kein Regenwasser mehr aufnehmen.

Niederschlagsmengen – Zahlen der Messstation Rostock 2011

April

58 %

Mai

120 %

Juni

161 %

Juli

484 %

August

327 %

September

61 %

Mehrere Wochen lang stand das Wasser in den Wäldern der betroffenen Regionen örtlich bis zu 60 Zentimeter hoch. Da Staunässe nicht vergleichbar ist mit Überschwemmungen durch Fließgewässer, liegen kaum Erkenntnisse zum Toleranzverhalten der Waldbäume vor. Eine Analyse der bisher erfassten sichtbaren Absterbeerscheinungen auf rund 320 Hektar, insbesondere in Aufforstungen der letzten zwei bis drei Jahre, aber auch bei Rotbuchen-, Eschenund Nadelholzbeständen, erfolgt im Frühjahr 2012.

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2.1.1 Wetterkapriolen in MecklenburgVorpommern

bläuliche Holzverfärbung vor allem an Nadelholz vermindert den Wert des Holzes (Schönheitsfehler)

Aus dem Fachgebiet Forstliches Versuchswesen: Dr. Margrit Bemmann

Sturmtief »Doris« mit anschließendem Hagelschlag 2010, Eis und Schnee 2010 | 2011 Der Sturm »Doris« fegte als Wirbelsturm mit Hagel und Starkregen über die Wälder der westlichen Müritz und hinterließ am 11. Juni 2010 eine etwa 250 Hektar große, verwüstete Schadfläche. Ein Ereignis dieser Art gab es in Mecklenburg-Vorpommern wohl noch nie. Waren die Sturmschäden noch erkennbar und konnten sofort aufgearbeitet werden, so zeigten sich die Auswirkungen des Hagels erst nach rund vier Wochen in ihrem ganzen Ausmaß. Weiterer Schadflächenzugang ist auch im folgenden Jahr zu erwarten, sodass sich die betroffene Fläche voraussichtlich mehr als verdoppelt. Besonders stark betroffen war das Forstamt Wredenhagen. Der Revierförster Dietmar Lenuweit und Olaf Schwahn, Sachbearbeiter im Forstamt, gestalteten eine Exkursion, die acht Monate nach dem Ereignis sehr beeindruckend die Auswirkungen auf den Wald und die »Seele« der Forstkollegen verdeutlichte.

Hagelschäden an Eichen-Jungwuchs im Forstamt Wredenhagen (Jutta Sündermann) Durch Sturm und Hagelschlag entstandene Walderneuerungsfläche (Jutta Sündermann)

Mit einem Schuss Humor, aber immer noch sichtlich ergriffen, zeigte Dietmar Lenuweit nicht nur die großen Kahlflächen von 45 Hektar, sondern auch die noch lange sichtbaren und sich auf die Disposition der Bäume auswirkenden Hagelschäden auf einer elf Hektar großen Versuchsfläche des Forstlichen Versuchswesens mit Eichen, Ahorn und Douglasien.

Hagelschaden Douglasienpflanze (Bend Poeppel)

Überzeugend und anschaulich stellten die Exkursionsleiter auch das waldbauliche Konzept der Wiederbegründung und den Behördenweg zu Kahlschlagsgenehmigungen und Fördermitteln dar. Die Revierförster gingen zudem darauf ein, dass in kürzester Zeit Straßen und Wege frei geschnitten, insgesamt etwa 100.000 Festmeter Windbruch und Schadholz durch Hagelschlag aufgearbeitet, 2,5 Kilometer Wege gebaut sowie ein waldbauliches Konzept erarbeitet wurden. Auch waren keine Personen- und Sachschäden zu beklagen. Dieses Fazit beeindruckte die Exkursionsteilnehmer schwer. Die Schlussfolgerung, dass all dies ohne Arbeitskräfte vor Ort, gute Koordination und Zusammenarbeit mit Unternehmern nicht machbar gewesen wäre, stimmte nachdenklich. Der Schock und die Traurigkeit beim Anblick einer derartigen Waldzerstörung bleiben den Kollegen noch lange im Gedächtnis.

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Aus dem Forstamt Schuenhagen: Andreas Baumgart

Sommer-Hochwasser in der Nordvorpommerschen Waldlandschaft Am 22. Juli 2011 verwandelte sich das flache Grundmoränengebiet in Nordvorpommern wochenlang in eine Flusslandschaft. Die Wassermassen trafen auf bereits vollständig gesättigte Staunässeböden. Das sonst friedliche Flüsschen Barthe trat allerorten über die Ufer und überschwemmte großflächig Grünland, Mais- und Weizenäcker sowie Wald. Allein im Landeswald des Forstamtes Schuenhagen standen ab 25. Juli etwa 500 Hektar Wald unter Wasser. Im Endinger Bruch, einer größeren vermoorten Beckenlandschaft östlich von Velgast, erreichten die Wasserstände am 01. August mehr als 1,20 Meter über Flur. In der Forstabteilung 3285 erfolgten bis zum 20. Juli 2011 Kulturpflegearbeiten auf einer der insgesamt acht Hektar umfassenden Erlenkulturen aus der Frühjahrsaufforstung, bis die Forstwirte die Arbeiten wegen des Starkregens abbrechen mussten. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnte: ihr Werkzeug musste später durch den Revierförster per Motorboot abgeholt werden. Auch die zwischen 80 und 120 Zentimeter großen 1 | 1-Erlen sollten Anfang August vollständig überflutet sein. Die für den 18. August geplante Abnahme der Flächen durch das Landesförderinstitut fand nicht statt. Nach 38 Tagen Überflutung sank der Wasserstand Anfang September auf 135 Zentimeter unter Höchststand. Zurück blieben nicht nur abgestorbene Kulturen, umgestürzte Alteichen, aufgeweichte, überspülte und unpassierbar gewordene

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Wege sowie bisher kaum abschätzbare Schäden an den Beständen, insbesondere bei Rotbuche, Fichte, Vogelkirsche und Bergahorn, sondern eine versumpfte Landschaft mit unzähligen Mücken. Selbst Insektenspray und Moskitonetze brachten kaum Abhilfe für die geplagten Forstwirte und Revierleiter. Die jährlich im Forstamt ab September stattfindenden großen Hiebsmaßnahmen in den EschenKalamitätsbeständen in Höhe von 7.000 Festmetern fielen größtenteils aus. Bereits geschlossene Verträge mit mehreren Unternehmen wurden weitgehend storniert. Bald nach der Flut begann bei allen Betroffenen die Ursachenanalyse, vor allem bei den Land- und Forstwirten. Schuldzuweisungen trafen dabei unter anderem die Wasser- und Bodenverbände sowie die zuständigen Wasserbehörden. Deren langjährige Versäumnisse, nicht nur der viele Regen, wurde als Grund für die Überschwemmungen genannt. Während einerseits nicht oder zu spät erfolgte Krautungen der Barthe und der verbandspflichtigen Gewässer zur Sprache kamen, forderte der Naturschutz gerade jetzt endlich eine Renaturierung der Fließgewässer, die den Wasserabfluss verlangsame, Rückhalteräume schaffe und die extremen Verhältnisse an der Barthe wohl verhindert hätte. Tatsächlich waren die Niederschläge im Vorfeld extrem hoch. Die Messstation Franzburg wies für den Monat Juli im langjährigen Durchschnitt der Messperiode 1961 bis 1990 65 Millimeter aus, im Juli 2011 wurde im benachbarten Steinhagen mit 360 Millimeter das Fünffache gemessen. Auch der August lag mit 150 Millimeter noch weit über dem Durchschnitt, verglichen mit dem langjährigen Mittel von 71 Millimeter.

44 _ 45

Der Leiter des Fachbereichs Forstbetrieb, Thomas Holst, und Revierleiter Uwe Stiehm bei der Besichtigung per Boot der vom Hochwasser betroffenen Waldbestände im Revier Karnin (Andreas Baumgart)

PEFC-Audit 2011 Die Gesamtwaldfläche des Forstamtes Dargun beträgt rund 15.000 Hektar, 5.000 Hektar davon befinden sich im Eigentum der Landesforst MV. Ein Drittel der Fläche nehmen Nadelhölzer ein, zwei Drittel Laubhölzer. Im Nadelholzanteil dominieren die Baumarten Kiefer und Fichte, wobei langfristig der Flächenanteil dieser Baumarten zugunsten der Buche und Eiche zurückgehen wird. Das Laubholz ist mit einem Anteil von 37 Prozent deutlich geprägt von der Baumart Buche, gefolgt von der Eiche mit einem Anteil von 16 Prozent.

2.1.2 Zertifizierung in der Landesforst MV

PEFC Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes Weitere Informationen unter: http://www.pefc.de/pefcinitiative/pefc-hintergrundund-ziele.html (Stand: Dezember 2011)

Das System zur Zertifizierung nachhaltiger Waldbewirtschaftung soll Verbrauchern gewährleisten, dass Produkte mit dem PEFC-Logo aus Forstbetrieben mit einer nachhaltigen und besonders umwelt- und sozialverträglichen Waldbewirtschaftung stammen. Im Zentrum steht die Kontrolle und Dokumentation der Produktkette, die Chain of Custody. Die Inhalte der PEFC-Zertifizierung entstanden auf Grundlage internationaler Beschlüsse, insbesondere auf Folgekonferenzen der Umweltkonferenz von Rio 1992. Für Deutschland maßgebliche Kriterien und Indikatoren verabschiedeten die Ministerkonferenzen zum Schutz der Wälder in Europa in Helsinki, Lissabon und Wien.

FSC® Forest Stewardship Council

Besonderheiten im Forstamt Dargun sind Wiedervernässungsgebiete an Peene und Trebel, das Naturwaldreservat Lähnhorst, Natura-2000-Gebiete und die Naturparks Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See. Hinzu kommen geschützte Biotope, Bodendenkmäler und überaus zahlreich vorhandene Horststandorte von geschützten Vogelarten.

Das Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung verfolgt folgende Ziele:

Karte Forstamt Dargun

Dokumentation und Verbesserung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Hinblick auf ökonomische, ökologische und soziale Standards Verbesserung des Images der Forstwirtschaft und ihrer Marktpartner Unterstützung des Marketings für Holz und Holzprodukte aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung

Im Rahmen des jährlichen PEFC-Audit im Frühjahr 2011 für das Wirtschaftsjahr 2010 überprüfte die unabhängige Zertifizierungsorganisation DQS-GmbH die Einhaltung der vorgegebenen Standards und Kriterien. Da keine Abweichungen festgestellt wurden, erteilte PEFC Deutschland und die DQS-GmbH am 12. Januar 2009 der Region Mecklenburg-Vorpommern erneut das Zertifikat. Auch das FSC®Rezertifizierungsaudit für den Geschäftsbereich Forstamt Radelübbe wurde durchgeführt. Die Organisation GFA Consulting Group GmbH bestätigte die Zertifizierung von rund 6.000 Hektar für weitere fünf Jahre. Damit unterliegen alle der Landesforst MV zugehörigen Waldflächen einem anerkannten Zertifikat. Mit dieser Selbstverpflichtung hebt sie die Bedeutung einer nachhaltigen Holzproduktion und multifunktionalen Waldwirtschaft hervor.

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Rüdiger Neise

Die letzte Forsteinrichtung im Forstamt Dargun vom 01. Januar 2007 zählte rund 33.000 nutzbare Festmeter pro Jahr. In den letzten Jahren unterlag insbesondere die Baumart Esche in den letzten Jahren einer verstärkten Zwangsnutzung aufgrund des fortschreitenden Eschentriebsterbens.

2008 beschloss der Verwaltungsrat der Landesforst MV auf seiner 13. Sitzung die Beibehaltung dieser Zertifizierung nach dem 30. November 2008 in der aktuellen Flächenverteilung und Struktur. Laut Zahlen vom Dezember 2011 entsprechen 169.243 Hektar Holzbodenfläche der Landesforst MV den PEFC-Vorgaben. Voraussetzung für die Verlängerung des PEFC-Zertifikates und zugleich Monitoring-Instrument ist die Erstellung eines regionalen Waldberichtes. Dies stellt eine der zentralen Aufgaben der regionalen PEFC-Arbeitsgruppe dar, welche sich aus den Zertifikatsinhabern sowie Vertretern von Interessenverbänden zusammensetzt. Der in Mecklenburg-Vorpommern erarbeitete Waldbericht wurde 2009 genehmigt und das PEFC-Zertifikat verlängert. Jährliche Stichproben erfolgen auf einem repräsentativen Anteil der zertifizierten Waldfläche.

DQS Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen

Aus dem Forstamt Dargun:

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Im Jahr 2008 hatte hier das letzte Audit stattgefunden. Nun übernahmen die DQS-Auditoren Eva Schlossmacher und Dr. Karl Gruss am 17. Februar 2011 zunächst die Dokumentenprüfung im Forstamt Dargun in Finkenthal. Sie begutachteten unter anderem die Arbeitsschutz- und Waldschutzkontrollbücher, die Dokumentation des Pflanzenschutzmitteleinsatzes und deren Gesamtverbrauch. Auch die Zaunbaustatistik, das Forsteinrichtungswerk, die Jagdstreckenentwicklung im Zusammenhang mit den Ergebnissen des forstlichen Verbissgutachtens sowie der ordnungsgemäße Einsatz eigener Waldarbeiter beziehungsweise forstlicher Lohnunternehmer standen auf der Prüfliste. Vor dem Hintergrund des noch immer akuten Eschentriebsterbens zeigten sich die Auditoren besonders interessiert am Thema Arbeitssicherheit. Dies äußerte sich in Fragen zur regelmäßigen Belehrung und zur ausreichenden Rottenstärke der Waldarbeiter. Nicht nur bei den eigenen Waldarbeitern, auch bei forstlichen Lohnunternehmern und Brennholzselbstwerbern ist das Thema ständig präsent. Die Kontrolle des Motorsägenscheins und der Ausrüstung der Selbstwerber gehört zu den täglichen Aufgaben des Revierförsters, da das Forstamt Dargun zwischen 4.000 und 5.000 Festmeter Brennholz pro Jahr verkauft. Weitere Inhalte der Prüfung waren die Jagd und der Naturschutz. Auf rund 90 Prozent der Forstamtsfläche sind Biotopbäume vorhanden, somit verfügt das Forstamt über einen ausreichenden Anteil. Die im Verlauf der Dokumentenkontrolle im Forstamt angestoßenen Themenschwerpunkte gaben die entsprechende Route für das folgende Vor-Ort-Audit vor. Prüfthemen des Vor-Ort-Audits in den drei Revieren Fürstenhof, Dargun und Brudersdorf waren unter anderem: Revier Fürstenhof Maschineller Unternehmereinsatz im Holzeinschlag: Dokumentprüfung hinsichtlich Zertifizierung nach RAl oder DFSZ, Gewerbeanmeldung, Anlage zur Sicherstellung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Notfallset für Ölhaverien, Einsatz und Dokumentation biologisch schnell abbaubarer Hydraulikflüssigkeiten. Begutachtung einer vom Eschentriebsterben betroffenen Fläche hinsichtlich Arbeitsschutz, Maschineneinsatz, Sicherung der technischen Befahrbarkeit der Rückegassen, Wiederaufforstung mit standortgerechten Baumarten. Revier Dargun Überprüfung von Brennholz-Selbstwerbern und eigenen Mitarbeitern hinsichtlich Einweisung, Belehrung, Ausrüstung Revier Brudersdorf Frischer Erleneinschlag: Erschließung, Befahrung, Pflegezustand Kontrolle einer Flächenvorbehandlung mit Round-Up gegen Brombeere, Eichen- und Douglasienaufforstung unter Kiefernschirm Überprüfung des Fichteneinschlags: Fälltechnik, Ausrüstung der Waldarbeiter, Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften

Forstamt Dargun, Revier Fürstenhof (Landesforst MV)

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2.2 Holz – Unser Hauptprodukt Holzmarktlage 2010 und 2011

Der ifo-Geschäftsklimaindex Deutschland gilt als Frühindikator für die allgemeine Wirtschaftslage.

Allgemeine Wirtschaftslage Nach einem Tief in den Jahren 2008 und 2009 setzte zu Beginn des Jahres 2010 eine spürbare Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage ein. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg infolgedessen sprunghaft an und erreichte im Februar 2011 sein Allzeithoch. Obwohl er sich später wieder leicht abschwächte, verharrte der Geschäftsklimaindex bis zum Jahresende 2011 auf sehr hohem Niveau. Die Holzindustrie hängt in hohem Maße von der Situation im Bauhauptgewerbe ab. Nach Angaben des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie stieg der Umsatz dieser Branche 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Prozent an. Der Wohnungsbau verzeichnete 2011 sogar einen Zuwachs von 14 Prozent gegenüber 2010. Auch die Möbelindustrie vermeldete positive Zahlen, im Jahr 2011 erhöhte sich ihr Umsatz um 6,4 Prozent. Dieser allgemein positive Trend der ökonomischen Entwicklung spiegelte sich auch in der Wirtschaftslage der holzverarbeitenden Industrie und damit letztendlich in den Holzpreisen der Waldbesitzer wider. Die Menge der im Jahr 2011 erteilten Baugenehmigungen lag von Januar bis November in allen Monaten deutlich über der Anzahl der Genehmigungen der Jahre 2009 und 2010. Dies macht Hoffnungen auf eine auch zukünftig positive Wirtschaftsentwicklung.

Nadelschnittholz Bis ins II. Quartal des Jahres 2011 hinein erhöhte sich die Nadelschnittholzproduktion spürbar. Die Steigerungsrate im I. Quartal des Jahres 2011 betrug nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 13,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der starke Holzbedarf vor allem an Fichte im süddeutschen Raum ließ die Preise beim Fichtenstammholz erheblich steigen, welche wiederum auf die Kiefernstammholzpreise ausstrahlten. Das deutlich erhöhte Angebot von Rohholz unter anderem aus Privatwaldflächen führte dazu, dass die Werke höhere Vorräte anlegten. Vor allem bedingt durch Absatzeinbrüche auf traditionell wichtigen Exportmärkten wie Nordafrika und Südeuropa verschlechterten sich mit Beginn des II. Quartals 2011 die Absatzmöglichkeiten von Nadelsägeholzsortimenten. Die außerordentlich hohen Niederschläge in den Sommermonaten minderten obendrein schnell die Qualität bei Rohholzsortimenten vor allem im Nadelholzbereich. Im IV. Quartal 2011 führte die mittlerweile angespannte Ertragslage in vielen Unternehmen der Sägeindustrie dazu, dass trotz des Wettbewerbs um die Sicherung des Rohstoffes die Preise nicht weiter stiegen. Zum Jahresende 2011 versuchte die Branche, die gedrosselte Produktion mit Betriebsferien oder Wartungsarbeiten zu verbinden. Eine Reduzierung der Schnittholzlager in den Werken war die Folge. Einschnitt und Rohholzbedarf zeigten sich aber zu Beginn des Jahres 2012 wieder auf einem hohen Niveau. Erzeugung von Waldhack schnitzeln (Andreas Baumgart)

Wertholz Kirsche (Fachgebiet 21)

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Laubschnittholz Die wirtschaftliche Situation der Laubholzsäger verbesserte sich im Jahr 2011. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Produktion von Laubschnittholz in den ersten drei Quartalen 2011 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 7,3 Prozent an. Planmäßig verlief nach Angaben aus Verarbeiterkreisen der Absatz des Laubschnittholzes, die Branche konnte Verkaufskontrakte zufriedenstellend abwickeln. Eine Ausnahme bildet in diesem Bereich jedoch die Baumart Buche. Hier zeigte sich im Verlauf des Jahres, dass sich vor allem beim Export die optimistischen Erwartungen vom Jahresbeginn nicht vollständig umsetzen ließen. Bedauerlicherweise schloss die Pollmeier Massivholz GmbH im Oktober 2011 ihr Buchensägewerk in Malchow, das erst im Jahr 2000 den Betrieb aufgenommen hatte. Positiv entwickelte sich der Buchenparkettholzbereich. Nachdem die Nachfrage in den Jahren 2008 bis 2010 noch zurückgegangen war, bewegte sich im Jahr 2011 der Trend deutlich aufwärts. Ebenfalls deutlich erhöhte sich der Bedarf bei der Baumart Eiche. Hier sind alle Rohholzsortimente problemlos absetzbar, vor allem bei den Fußbodensortimenten Dielenholz und Parkett kann die Nachfrage im norddeutschen Raum derzeit nicht befriedigt werden.

Industrieholz ist ein Holzsortiment, das als Koppelprodukt beim Holzeinschlag anfällt und wegen ungünstiger Dimension oder Qualität für eine höherwertigere Verwendung in Sägeoder Furnierwerken nicht geeignet ist. Quelle: Landesforsten Rheinland-Pfalz

Energieholz Die Nachfrage nach Brennholz für den privaten Gebrauch stieg auch 2011 weiter an. Neben der Selbstwerbung dieses Produkts nahm der Bedarf an ofenfertig bearbeitetem Kaminholz und Energieholz zur Produktion von Waldhackschnitzeln stark zu. Trotz der allgemeinen Preiserhöhungen der letzten Jahre sank die Nachfrage dieser Sortimente nicht. Das Statistische Bundesamt weist für das Jahr 2010 einen Preisanstieg aller Energieholzsortimente aus, im Folgejahr stabilisierten sich die Preise auf diesem höheren Niveau. Ambitionierte Vorhaben von Energieversorgungskonzernen zum Bau groß dimensionierter Biomasseheizkraftwerke wirken sich bisher kaum auf den regionalen Energieholzmarkt aus. Zunehmend investieren aber Gemeinden in regionale Biogasanlagen, um sich von dem unberechenbaren internationalen Energiemarkt abzulösen. Holzverkauf der Landesforst MV Holz ist das Hauptprodukt der Landesforst MV. Nach einem Tief im Jahr 2009 hat sich die geschilderte Entwicklung der im Berichtszeitraum 2010 | 2011 stark ansteigenden Holzpreise in sehr positiver Weise auf das Betriebsergebnis der Landesforst MV ausgewirkt. Mehr als 49 Millionen Euro Einnahmen realisierte die Landesforst MV aus dem Holzverkauf im Jahr 2011 und übertraf damit die Planvorgaben deutlich.

Entwicklung des Holzpreises der Landesforst MV in den Jahren 2006 – 2011 Quelle: SAP gesamt mit Energieholz

180,0 160,0 140,0

Der Absatz von MDF-Sortimenten entwickelte sich im Jahr 2011 nicht so positiv wie von der Industrie erwartet. Es zeigte sich deutlich, dass nur höherwertig veredelte Produkte, zum Beispiel mit entsprechender Beschichtung, auskömmliche Preise erzielen. Das gilt vor allem für die Produktion von Spanplatten. Hier berichten besonders ältere Werke, die über keine Veredlungstechnologien verfügen, von teilweise existentiellen Problemen.

120,0 100,0 80,0 60,0 40,0 Prozent

OSB Für »oriented strand board«, Platten aus ausgerichteten Spänen« | Grobspanplatte

Holzwerkstoffe Die bereits 2010 sehr hohe Produktion von OSB-Platten blieb auch im ersten Halbjahr 2011 auf stattlichem Niveau. Auch die von der Holzwerkstoffindustrie 2010 durchgesetzten Preisanhebungen für dieses Sortiment wurden beibehalten. Danach ließ sich ein spürbarer Nachfragerückgang beobachten, infolgedessen erhöhten sich die Lagerbestände in den Plattenwerken teilweise deutlich. Die hohe Nachfrage nach Sägesortimenten steigerte das Angebot des Koppelprodukts Industrieholz, welches die Holzwerkstoffindustrie jedoch nicht in gleicher Höhe abschöpfte. Zum Ende des Jahres 2011 musste die Holzwerkstoffindustrie Preisrücknahmen hinnehmen und gab diese an die Waldbesitzer weiter. Nachfolgend stabilisierte sich der OSB-Absatz. Die OSB-Hersteller konnten das vorherige Preisniveau jedoch nicht wieder durchsetzen.

Ausdruck der angespannten wirtschaftlichen Situation, mit der die Plattenhersteller außerhalb des OSB-Bereiches konfrontiert sind, ist die Schließung des MDF | HDF-Werkes Varioboard bei Magdeburg Anfang Mai 2011. Im Jahr 1999 hatte es die Produktion aufgenommen.

20,0 0,0 2006

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der eigene Wirkungskreis

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2007

2008

2009

2010

2011

Energieholz wird überwiegend der thermischen Verwertung durch Verbrennung zugeführt. Die Landesforst MV produziert Brennholz für nicht gewerbliche Selbstwerber und Kaminholz für größere Brennholzlieferanten. Weiterhin werden aus Waldrestholz Energiehackschnitzel gewonnen, die an Biomasseheizkraftwerke ausgeliefert werden.

Wertholzversteigerung am 27. Januar 2010 und 27. Januar 2011 Während der normale Holzverkauf eher unspektakulär und unbeobachtet verläuft, begleitet die alljährlich stattfindenden Wertholzauktionen eine große öffentliche Aufmerksamkeit. Erster Termin ist die Laubwertholzauktion des Landes Mecklenburg-Vorpommern, die seit 20 Jahren stets Ende Januar in der Gaststätte zur Mueßer Bucht bei Schwerin stattfindet. Neben der Landesforst MV versteigern private und kommunale Waldbesitzer meistbietend ihr Holz.

Harvester erfassen ganze Bäume, schneiden sie ab, entasten sie und längen sie nach Sortimentsvorgabe ab. Sie gewährleisten maximale Wertschöpfung durch vollautomatische Vermessung. Ein Harvester entspricht in der Einschlagleistung 15 Forstwirten, unter der theoretischen Annahme, dass die Forstwirte das ganze Jahr im Holzeinschlag tätig sind. Forwarder sammeln die eingeschnittenen Sortimente ein und legen sie für den Abtransport an der Waldstraße ab. Bei Zweimaschinensystemen arbeitet ein Harvester mit einem Forwarder zusammen.

Die Holzpreise schwankten in den vergangenen Jahren stark. Das beeinflusste das Betriebsergebnis der Landesforst MV direkt; in positiver wie in negativer Weise. Die Landesforst MV kann nur in sehr begrenztem Umfang auf die Holzpreisentwicklung reagieren, richtet aber ihr Geschäftsverhalten nach den Erfahrungen des Jahres 2009 risikominimierend aus:

Aus allen Teilen der Bundesrepublik und den Nachbarländern kamen die Kunden, zwölf Unternehmen der Furnier- und Sägeindustrie sowie des Holzhandels. Sie nahmen vor der Auktion die auf dem Wertholzlagerplatz in der Nossentiner Heide angebotenen Hölzer in Augenschein und gaben später ihre Gebote ab. Insgesamt verlief das Bieten eher schleppend, einzelne Hölzer waren dennoch heiß umkämpft.

Mit jedem Sortiment werden nach Möglichkeit mehrere Kunden beliefert. Sortierkriterien vergleichbarer Kunden werden vereinheitlicht, um Lieferströme besser steuern zu können. Es werden die Möglichkeiten verschiedener Vertragslaufzeiten genutzt. Einerseits werden Mehrjahresverträge zur Marktberuhigung und zur Verbesserung der Planbarkeit der Einnahmen geschlossen und andererseits kurze Preisbindungszeiträume vereinbart, um Preisentwicklungsrisiken überschaubar zu halten.

Spitzenpreise erzielte im Jahr 2010 ein Bergahorn aus dem Forstamt Wredenhagen mit 1.450 Euro pro Festmeter und im Jahr 2011 eine Stieleiche aus dem Forstamt Friedrichsmoor mit 1.000 Euro pro Festmeter. Bei einem Volumen von 5,7 Festmetern brachte allein dieser Stamm stattliche 5.700 Euro ein. Mit 534 Festmetern war die angebotene Gesamtmenge im Jahr 2010 nicht so hoch wie in den Vorjahren, denn die krisenhaften Preisentwicklungen hatten auch die Ertragserwartungen geschmälert. Im Jahr 2011 wurde mit 808 Festmetern wieder eine deutlich größere Holzmenge angeboten.

Sich als Lieferant durch Berechenbarkeit, Zuverlässigkeit und hohe Holzqualität bei den Holzkunden auszuzeichnen, darum ist die Landesforst MV sowohl in Konjunkturphasen als auch in Krisenzeiten bemüht. Einen wesentlichen Beitrag zu Holzqualität und Lieferplantreue leisten die eigenen Harvester-ForwarderMaschinensysteme. Während der Holzeinschlag mit der Motorsäge stark durch Witterungsextreme wie Regen und hohe Schneelagen beeinträchtigt wurde, beeindruckten die Harvester im nassen Sommer 2011 und in den Extremwintern 2009 | 10 und 2010 | 11 mit nahezu unveränderter Produktivität. Schwierig war es bei überwiegendem Einschlag mit der Motorsäge in der Vergangenheit, die holzverarbeitende Industrie auch in der Urlaubszeit im Sommer gleichmäßig zu beliefern. Jetzt sichern die neuen technischen Möglichkeiten eine kontinuierliche Versorgung der Werke. Insbesondere das Zusammenspiel von Harvestern und Forwardern in einem Maschinensystem führte dazu, dass eingeschlagene Holzmengen mit eigener Technik unverzüglich gerückt wurden. Damit werden Schäden am Holz vermieden, die bei warmer Witterung durch Bläupilze entstehen und mit Ertragseinbußen verbunden sind.

Die Säge- und Furnierwerke, die zumeist wertvolle Hölzer kaufen, sind häufig Zulieferbetriebe der Möbelindustrie. Der Möbelmarkt wiederum unterliegt Modeströmungen, weshalb nicht in jedem Jahr die gleichen Baumarten gefragt sind. Aus diesem Grund versucht die Landesforst MV, die Angebotsmenge der einzelnen Baumarten bei der Auktion den aktuellen Markttrends anzupassen. So wurde im Jahr 2011 das Augenmerk besonders auf die stark nachgefragten Baumarten Eiche und Esche gelegt. Die Gesamteinnahmen der Landesforst MV von 195.608 Euro für 442 Festmeter im Jahr 2010 und von 240.538 Euro für 561 Festmeter im Jahr 2011 bestätigen diese Auswahl.

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011

Susanne Poeppel

Wertholzeiche (Manuela Walther)

Wie in den Vorjahren gehörten auch 2010 und 2011 Nadelwerthölzer der Landesforst MV zu den erfolgreichen Angeboten auf der Auktion des Landes Brandenburg in Chorin. Es kamen insbesondere hochwertige Kiefern unter den Hammer. Die Angebotsmenge wurde im Jahr 2011 gegenüber den Vorjahren reduziert. Als neue Verkaufsvariante beteiligten sich im Jahr 2011 erstmals die Forstämter Sandhof, Schlemmin und Jasnitz an der Nadelwertholzsubmission des Landes Niedersachsen in Oerrel. Die erzielten Erlöse für die drei angebotenen Baumarten Kiefer, Lärche und Douglasie erfüllten alle Erwartungen und sprechen dafür, diese Form der Vermarktung im kommenden Jahr fortzusetzen. Mit einem Erlös von 1.814 Euro und 589 Euro pro Festmeter erzielte eine Europäische Lärche aus dem Forstamt Schlemmin den höchsten Preis. Die Landesforst MV will mit den Verkaufsformen Auktion und Submission einerseits maximale Erlöse erzielen. Andererseits verfolgt sie damit den Zweck, einer breiten Käuferschaft Einblick zu gewähren, welche hochwertigen Hölzer das Land Mecklenburg-Vorpommern erzeugt. Dieser Werbeeffekt rechtfertigt den hohen organisatorischen und logistischen Aufwand, der mit diesen Verkaufsformen einhergeht.

Der eigene Wirkungskreis

Aus dem Fachgebiet Vermarktung:

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Forstamtsleiter Hackert und Sachbearbeiter Trost mit Lärche aus dem Forstamt Schlemmin (Carsten Küsel)

2.3 Waldarbeit und Technik

Ein Großteil der Waldwege konnte zwar weitestgehend vom Schnee beräumt werden, die Einschlagsflächen allerdings nicht. Auf diesen Flächen gefährden hohe Schneelagen die Arbeitssicherheit dahingehend, dass an den zu fällenden Bäumen die erforderliche Arbeitsplatzfreiheit nicht hergestellt und die Rückweiche nicht angelegt werden kann. Somit können die Waldarbeiter nicht rechtzeitig und nicht weit genug vor dem fallenden Baum zurückweichen.

Kalte Winter mit für unsere Breiten ungewöhnlich hohen und lang andauernden Schneelagen, der Tornado »Doris« mit Windbruch und Hagelschlag und ein extrem nasser Sommer 2011, das waren die Witterungsbesonderheiten der Jahre 2010 und 2011. Diese sind nicht ohne Auswirkungen auf die Waldarbeit geblieben. Die hohen Schneelagen zu Beginn des Jahres 2010 erschwerten die Waldarbeit in einer Art und Weise, dass einige Forstämter die Holzeinschlagsarbeiten aus Gründen der Arbeitssicherheit zeitweise einstellen mussten. Zu nachhaltigen Störungen bei der Lieferplanerfüllung führten diese Witterungsbedingungen aber nicht. Positiv wirkten sich die vor dem Jahreswechsel aufgebauten Holzlagerbestände aus, sie konnten nach Abtauen der Abfuhrwege zügig ausgeliefert werden.

kämpfen. Das ist auch ein entscheidender Grund dafür, dass sich im Bereich Holzeinschlag der Unternehmereinsatz in der Landesforst MV in den Jahren 2010 und 2011 gegenüber 2009 erheblich erhöhte. Die starken Niederschläge im Sommer 2011 behinderten den Holzeinschlag insbesondere in den Forstämtern, die ohnehin über viele Nassstandorte verfügen. Darunter fallen unter anderem Schuenhagen, Abtshagen-Rügen und Billenhagen. Mit der laufenden Aufsummierung der Niederschläge erreichten die Probleme zunehmend auch Forstämter, die sonst kaum von einem »Zuviel« an Wasser betroffen sind. Außerdem verhinderte der Dauerregen ein Abtrocknen der Waldwege. Schäden am Wegenetz waren die Folge. Hirsch auf Waldweg (Bernd Poeppel)

Der Tornado »Doris« schädigte mit Sturm und Hagelschlag am 11. Juni 2010 in einer Schneise der Verwüstung die Forstämter Karbow und Wredenhagen. Ausläufer reichten gar bis in das Forstamt Nossentiner Heide hinein. Das Sturmtief bewirkte einen Schadholzanfall von mehr als 100.000 Festmeter. Um diesen aufzuarbeiten, verstärkten die betroffenen Forstämter den Einsatz forstlicher Lohnunternehmen im Bereich Holzeinschlag und Rückung. Teilweise waren im Forstamt Karbow gleichzeitig zwölf und im Forstamt Wredenhagen sechs Harvester im Einsatz. Der zeitlich konzentrierte Einsatz ermöglichte es, die geschädigten Hölzer zügig und ohne Wertverlust weiter zu verwenden. Im Jahr 2011 hatte besonders das Forstamt Wredenhagen noch mit den Nachwirkungen des Hagelschlages zu

Zeitreihe Unternehmerleistung Holzeinschlag

Menge Holzeinschlag (HE) durch Unternehmer, relativer Anteil Unternehmerleistung (UL) von gesamt, Trendlinie linear 350.000

35,0

300.000

30,0 29,4

250.000

25,0 26,2

200.000

20,0

150.000

15,0

Anteil UL von Einschlag gesamt

17,3 15,1

Linear (Anteil UL von Einschlag gesamt) Quelle: 2003 – 2010 Meldung des Landes MV für das Testbetriebsnetz des BMELV des Bundes; 2011 V-Ist SAP CO

Menge HE (Fm)

100.000 13,5

14,1

18,3 10,0

14,9

50.000

5,0

0

2004

2005

2006

2007

2008

2009

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der eigene Wirkungskreis

2010

Anteil HE relativ von gesamt (%)

davon durch Unternehmer absolut

2011

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Aus den Forstämtern Schildfeld und Jasnitz: Jörg Stübe und Dietmar Schoop

Besuch des Agrarausschusses des Landtages Mecklenburg-Vorpommern Auf Einladung der Landesforst MV besuchten am 09. Dezember 2010 Mitglieder des Agrarausschusses des Landtages die Forstämter Schildfeld und Jasnitz. Dies geschah im Rahmen eines Informationstages über die Arbeit der Landesforst MV. Ziel war es, den Mitgliedern des Agrarausschusses einen aktuellen Eindruck zu vermitteln. Insbesondere interessierten sich die Besucher dafür, inwieweit die Landesforst MV ihre ökonomischen und ökologischen Zielsetzungen im eigenen Wirkungskreis verwirklichen kann. Auch der Vorstand der Landesforst MV, Sven Blomeyer, sowie die beiden Fachbereichsleiter Gustav Wilke und Thomas Holst schlossen sich den Gästen an. Der Leiter des Forstamtes Jasnitz, Dietmar Schoop, stellte neben den allgemeinen Kennzahlen des Forstamtes auch den Technikeinsatz und das Großprojekt der Autobahn 14 vor. Gegenwärtig sind in Jasnitz zwei Harvester und drei Forwarder stationiert. Im Herbst 2011 erweiterte sich der Maschinenpark um jeweils einen weiteren Harvester und Forwarder. Wie in den meisten Forstämtern des Landes sinkt die Zahl der Forstwirte auch in Jasnitz. Der Altersdurchschnitt der Forstwirte und zunehmende Ausfallzeiten durch Krankheit führen dazu, dass die Leistung im Holzeinschlag abnimmt. Diesem Trend wirkt der Einsatz moderner Harvestertechnologie entgegen. Die Landesforst MV ersetzt wegbrechende Kapazitäten im Holzeinschlag, die auf die Verringerung der Anzahl von Forstwirten zurückzuführen ist, durch eigene Forstwirte. Daneben spielt aber auch künftig der Einsatz von Forstunternehmern in der Landesforst MV eine wichtige Rolle. Die Mitglieder des Agrarausschusses verfolgten im Revier Jasnitz eine Vorführung des praktischen Einsatzes dieser Großtechnik. Kompetent beantwortete der Maschineneinsatzleiter Dirk Elsper Fragen zum Einsatz und zu technischen Besonderheiten der Harvester und Forwarder. Vor allem der Einsatz von Bioölen, wie auch der Boden- und Bestandesschutz standen im Zentrum des Gesprächs. Im Anschluss an die Technikvorführung fuhren die Mitglieder des Agrarausschusses in das Forstamt Schildfeld. Verschiedene Themen ließen schwerpunktartig in die derzeitigen Arbeitsbereiche der Landesforst MV einblicken. Der allgemeinen Vorstellung des Forstamtes Schildfeld folgten Informationen zur Managementplanung der Fauna-FloraHabitatrichtlinie (FFH) im Wald, zu den freiwilligen ökologischen Leistungen der Landesforst MV und dem Waldumbau zu klimastabilen Wäldern an Beispielen des Forstamtes. Zudem beschäftigte sich die Einführung mit den Aufgaben und Leistungen der Mitarbeiter des Forstamtes Schildfeld im eigenen und übertragenen Wirkungskreis sowie mit natürlichen und organisatorischen Strukturen. Als langfristig entwickelte Besonderheiten des Forstamtes fanden die Wildbretbearbeitung und -vermarktung sowie die Zusammenarbeit mit der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Waldverein Schildfeld eine ausnehmende Betrachtung. Die Einbindung des Forstamtes in die Arbeit der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Lüneburg GmbH (FVL) stellte in diesem Zusammenhang ein Thema dar, die ständige Betreuung der Mitglieder der FBG durch einen Revierleiter des Forstamtes gilt als beispielhaft. Von besonderem Interesse war nicht nur die mit circa 4.200 Hektar Mitgliedsfläche größte FBG im Land, auch die Teilhaberschaft an der FVL und damit die länderübergreifende Zusammenarbeit in einem forstwirtschaftlichen Zusammenschluss fanden Beachtung.

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Mit dem Namen des Forstamtes Schildfeld verbindet sich in besonderem Maße die Bearbeitung und Vermarktung von Wildbret aus den Eigenjagdbezirken. In einem Rundgang präsentierten die Verantwortlichen neben der Entwicklung des Betriebes auch die Ziele, Aufgaben und Abläufe der Wildbearbeitung. Einigkeit herrschte darüber, dass nur das Engagement und die Identifizierung der Mitarbeiter diesen Erfolg erreichen konnten. Großen Zuspruch fanden bei einem Imbiss die Produkte aus dem Angebot. Im Anschluss widmete sich ein Vortrag der Aufgabe der Forstverwaltung und informierte am Beispiel des FFH-Gebietes »Schaaletal mit Zuflüssen und nahegelegenen Mooren« über die Vorbereitung und Umsetzung der FFH-Managementplanung im Teilbereich Wald. Dabei ging es auch um die frühzeitige und begleitende Einbeziehung aller betroffenen Waldbesitzer. Während der folgenden Exkursion standen Waldlebensraumtypen im Mittelpunkt sowie Maßnahmen zu deren Schutz und Erhaltung. Die Teilnehmer erfuhren über die freiwilligen ökologischen Leistungen der Landesforst MV. Die Revierleiter, welche die Leistungen engagiert umsetzen, haben hier eine besondere Aufgabe. Ob sie nun Alt- und Totholz erhalten, die Artenvielfalt fördern und bewahren oder andere Maßnahmen des Naturschutzes anwenden, all diese Bereiche sind im Wesentlichen ein Ausdruck der Identifizierung mit Aufgabe und Berufsbild. Interessante Exkursionsbilder unterstützten diese Erkenntnis. In dem präsentierten Beispiel einer langfristigen Überführung eines Nadelholzreinbestandes in einen standortgerechten Mischbestand aus Laub- und Nadelholz spiegelte sich die Transformation zu klimastabilen Wäldern und den Umgang der Landesforst MV mit Mitteln der ELER-Förderung. Besondere Diskussion entstand um die Notwendigkeit und Art des Wildschutzes. Alle Anwesenden zeigten sich zufrieden über den wesentlichen Einblick in die Arbeit der Landesforst MV und schätzten den Informationstag als Beitrag einer weiterhin guten Zusammenarbeit. Gleichzeitig nahmen sie Erkenntnisse für die kommende Arbeit im Ausschuss mit. Nicht nur den Mitarbeitern des Forstamtes Schildfeld galt der Dank für das Erreichte. Die Gäste wünschten Erfolg, um die gestellten Ziele zu erreichen. Am Ende sagten die Mitglieder des Agrarausschusses ihre weitere Unterstützung für die Arbeit der Landesforst MV zu. Zum Dank für den aufschlussreichen Tag in den Forstämtern Jasnitz und Schildfeld erhielt Sven Blomeyer ein historisches Försterlehrbuch vom Vorsitzenden des Agrarausschusses, Udo Timm.

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v.l.n.r.: Jörg Stübe (Forstamtsleiter), Gustav Wilke (Fachbereichsleiter Forstpolitik) und Manfred Baum (Referatsleiter für Nachhaltige Entwicklung, Forsten und Naturschutz im LU) Sven Blomeyer und Udo Timm, Vorsitzender des Agrarausschusses (Agrarausschuss MecklenburgVorpommern)

Widmung:

»So wie die Bäume im Boden verwurzelt sind, ist die Forst in Mecklenburg-Vorpommern selbst Wurzel von zwei Aspekten, die für den Agrarausschuss wesentlich sind: die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und der Schutz der Natur selbst. Zur Erinnerung an die Exkursion des Ausschusses für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landtages Mecklenburg-Vorpommern in die Forstämter Jasnitz und Schildfeld am 09. Dezember 2010 Udo Timm – Agrarausschussvorsitzernder Eiche im Wildgatter, Ivenack, 2011 (Astrid Sieker *)

Die Landesforst MV verfolgt bereits seit längerer Zeit die Strategie, bei der Beschaffung neuer Technik ein besonderes Augenmerk auch auf die Minimierung von Bodenverdichtungen nach Befahren zu legen. Daher erwirbt die Landesforst MV bewusst Maschinen, die über besonders breite Reifen verfügen, acht statt sechs Rad-Fahrwerke haben oder ab Werk mit Traktionshilfen ausgerüstet sind. Ziel ist es, möglichst alle Potenziale wie auch Erlenbrücher und Feuchtstandorte zu nutzen. Auf diese Weise kann bodenschonende Technik die Holzernte sichern und gleichzeitig positive wirtschaftliche Ergebnisse erzielen, ohne dass Schäden am verbleibenden Bestand sowie auf den Gassen und Rückewegen entstehen. Das Thema Bodenschutz spielt auch eine besondere Rolle bei der Bewertung neuer Technik noch vor der Beschaffung. Neben Preis und technischen Kriterien fließen Parameter wie Radlasten, Bodendruck, Leergewicht und Zuladung zu einem Drittel in die Entscheidung mit ein.

2.4 Bodenschutz – Street Rubers – Rücken auch bei Nässe

Forwarder ›Wisent‹ mit Bändern »ECOBaltic« von Olofsfors (Bodo Krutsch)

Parallel zum Erwerb bodenschonender Holzernte- und Rücketechnik steht die Suche nach neuen Möglichkeiten und Technologien zur Bodenschonung in Forstzeitschriften, auf Messen und im Internet im Fokus. Der Aspekt der wirtschaftlichen Nutzung ist damit immer verbunden. In der Vergangenheit liefen in diesem Zusammenhang Verhandlungen mit dem Anbieter eines Bodenlaufwagens, der nach dem Prinzip einer Seilkrananlage arbeitet, sich jedoch auf dem Boden bewegt. Das Verfahren erlangte bedauerlicherweise keine Serienreife. Es erfolgten Versuche mit einer professionellen Seilkrananlage. Getestet wurde auch hier der Einsatz von Moorbändern und anderen Traktionshilfen. Dazu wurde zum Beispiel ein Forwarder mit einer zusätzlichen Achse ausgestattet und verfügte damit über ein Zehn-Rad-Fahrwerk. Mit aufgezogenen Moorbändern erwies sich dies als erheblicher Vorteil für die Befahrbarkeit im Bestand. Aufgrund der Länge der Bänder von über drei Rädern und des aus Volleisen bestehenden Materials entstanden jedoch erhebliche Schäden an Abfuhrwegen. Befestigte öffentliche Wege konnte der Spezial-Forwarder ebenfalls nicht überqueren. Dazu mussten die Bänder abgenommen und nach Überfahrung der Straße wieder aufgelegt werden, was einen erheblichen zeitlichen Aufwand zur Folge hatte.

Notiz: Der Landtagsabgeordnete Udo Timm verstarb am 20. August 2011 plötzlich und unerwartet. Er war Mitbegründer des Demokratischen Aufbruchs auf der Insel Rügen und gehörte dem Landtag von 1991 bis 1994 und seit 2002 an. In der aktuellen Wahlperiode war er Vorsitzender des Agrarausschusses sowie Mitglied im Verkehrsausschuss. Udo Timm hatte bei der Landtagswahl 2006 im Wahlkreis 33 Rügen I das Direktmandat errungen und war hier für die Landtagswahl am 04. September 2011 von seiner Partei erneut als Direktkandidat nominiert.

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der eigene Wirkungskreis

Auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten erweckte eine Firma das Interesse, die im Internet eine andere Form von Bändern anbot. Vor der Beschaffung nahmen die Techniker der Landesforst MV diese im Praxiseinsatz in Augenschein und führten Gespräche mit einem Unternehmer im Allgäu. Im Ergebnis erfolgte die Bestellung von einem Satz, bestehend aus vier Bändern. Diese wurden auf einen älteren Forwarder der Zehn-Tonnen-Klasse montiert. Damit verbreiterte sich die Auflagefläche von 600 Millimeter auf 700 Millimeter und die Aufstandsfläche vervielfältigte sich. Die Landesforst MV ging davon aus, dass ein in Hanglagen wirkungsvolles Prinzip auch in der Ebene überzeugen müsste. Langzeit-Erfahrungen mit diesen Bändern gab es bis dahin nicht. Auch Zweifel an der Qualität der Bänder bestanden nicht. Einzige unbekannte Größe war die Haltbarkeit der Boogieachsen des Forwarders aufgrund der Mehrbelastung.

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Street-Rubbers-Bänder: Dabei handelt es sich um Bänder aus Panzerkettengliedern, angepasst an die Bedingungen des Forsteinsatzes. Das Material stammt aus der Militärtechnik. Sie ermöglichen gleichzeitig das Umsetzen der Maschine auf der Achse, da das Befahren von Straßen erlaubt ist.

Nach nunmehr anderthalb Jahren des ununterbrochenen Einsatzes und etwa 4.000 Betriebsstunden beweist die Praxis, dass die Bänder zur termingerechten Holzbringung in der Landesforst MV beigetragen haben, ungeachtet schwieriger Standorte und widriger Witterungsbedingungen. Zwischenzeitlich musste zwar eine Achse ausgetauscht werden, aber bei einer Laufleistung der Maschine von 18.000 Betriebsstunden ist ein solcher Schaden auch ohne den Einsatz von Bändern gut möglich. Das haben die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt. Die Vorteile der Bänder liegen klar auf der Hand: Bodenschonung ist unter allen Einsatzbedingungen möglich, es liegt kein nachgewiesener Mehrverbrauch vor, da die Maschine wesentlich komfortabler abrollt und über Stubben hinweg gleitet. Zusätzlich vermindert sich die körperliche Belastung für den Fahrer. Die Forstwege weisen geringere Beschädigungen auf, denn bei spurversetzter Befahrung entsteht ein Planum, wobei das Profil sichtbar in den Boden eingedrückt bleibt. Dies ist in jedem Fall erforderlich, um die Traktion zu gewährleisten. Die Maschine weist einen errechneten Bodendruck auf wie bei kleineren, leichteren und damit weitaus weniger leistungsfähigeren Maschinen, zum Beispiel die Terri. Nahezu ganzjährig möglich ist damit die Befahrbarkeit von feuchten Standorten, auch bei mehreren Überfahrten sind die Schäden hinsichtlich der Bodenverwundung gering. Die bessere Auslastung der Maschine kann bei der Kalkulation vor Beschaffung neuer Maschinen als positiver Faktor gegengerechnet werden. Die Bänder tragen bei kleinen, leichten Maschinen der Zehn-Tonnen-Klasse zu einer verbesserten Standfähigkeit bei voller Kranauslage bei. Verschleißerscheinungen an den Bändern sind unter den Einsatzbedingungen der Landesforst MV eher gering, sodass sich die Kosten je Festmeter auf etwa 40 bis 50 Cent belaufen und das ist der Kompromiss. Bodenschutz kostet Geld, den Mehraufwand gibt es nicht zum Nulltarif. All die positiven Erfahrungen wurden in der Zeitschrift »Forst und Technik« am 23. November 2010 veröffentlicht. Die Landesforst MV hat im Jahr 2010 einen weiteren Forwarder mit Bändern ausgestattet. 2011 erhielten zusätzlich ein Harvester und drei Forwarder die StreetRubbers-Bändern. Street-Rubbers (Bodo Krutsch)

Waldbesitzerstammtisch – Schonende Bewirtschaftung bei der Holzernte Bei dem jährlichen Arbeitstreffen des Waldvereins Bansow und des Forstamtes Güstrow wurde im Juni 2008 die Idee einer gemeinsamen Veranstaltung für Waldbesitzer, Holzkunden, Dienstleister und Mitarbeitern der Landesforst MV geboren. Diese sollte fachliche Informationen bieten und Plattform für ein besseres Kennenlernen und Gedankenaustausch sein. Unter dem Titel »Waldbesitzerstammtisch« laden der Waldverein Bansow und das Forstamt Güstrow einmal jährlich am ersten Freitag im Oktober ein. Der Stammtisch hat sich etabliert und soll nach dem Willen von Waldverein und Forstamt weitergeführt werden. Im ersten Teil der Veranstaltungen wurden bisher Themen wie Energieholzproduktion, Eschentriebsterben, Flurneuordnung oder Verkehrssicherungspflicht behandelt. Dies erfolgte entweder in Form einer Exkursion oder über Vorträge. Im zweiten Teil des Waldbesitzerstammtisches wird intensiv diskutiert und der eine oder andere neue Kontakt geknüpft. Nach dem im Bezug auf die Teilnehmerzahl etwas zögerlichen Auftakt 2008 konnten wir 2010 schon rund 70 Teilnehmer begrüßen. Eine für die Organisation überaus erfreuliche und überraschende Resonanz, beschäftigen sich Exkursionen und Vorträge doch mit Waldgesetz und Bodenschutz. Im Laufe der Exkursion im Forstbetrieb von Herrn Martin Siegert wurde der Bogen zum Thema Bodenschutz von der Arbeitsorganisation bis hin zu technischen Möglichkeiten gespannt. An der intensiv geführten Diskussion zu kurzfristigen, maximalen Erträgen und langfristiger Verantwortung, der Nutzungsmenge je Eingriff, dem optimalen Einschlagstermin im Zusammenhang mit Lieferzwängen sowie zu bewährten, neuen oder auch in Vergessenheit geratenden Arbeitsverfahren beteiligten sich die Waldbesitzer, Dienstleister und Landesförster gleichermaßen. An drei Exkursionspunkten konnten sich die Teilnehmer des Stammtisches über technische und technologische Möglichkeiten bei der Holzernte und Holzbringung informieren. Am ersten Punkt arbeitete ein Forwarder der Firma Warnick. Thema war hier die Größe bzw. Schwere der am Markt befindlichen Maschinen, Einsatz und Wirkung von Traktions- bzw. Moorbändern, der Einfluss von Radbreiten und Reifeninnendruck sowie aktuelle Entwicklungen am Markt. Am zweiten Punkt konnten sich die Exkursionsteilnehmer über die Pferderückung informieren. Die Firma Kleversaat war hier mit ihren Kaltblutpferden bei der Rückung in einem schwachen Buchenbaumholzbestand im Einsatz. Der Waldbesitzer hatte sich bewusst gegen einen Feinaufschluss alle 20 Meter entschieden und ließ das Holz auf die alle 100 Meter befindlichen Rückegassen ziehen – eine deutliche Reduzierung der befahrenen Fläche. Die Diskussion an diesem Punkt entwickelte sich von den Erntekosten über Fördermöglichkeiten bis hin zur Verfügbarkeit von Pferderückeunternehmen im Land. Am letzten Exkursionspunkt wäre wohl auch ein Pferd versunken. Jedenfalls war die persönliche Einsinktiefe eines jeden Teilnehmers in den anstehenden Moorkörper größer als die des nun vorgestellten Kleinrückezuges. Die Arbeit der modernen Terri-Raupe der Firma Seperant in einem Roterlenbruchwald beeindruckte die Exkursionsteilnehmer wohl am meisten. Natürlich ging es auch an diesem Punkt um Rückekosten, Rückeleistung und den Abstand der Rückegassen.

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der eigene Wirkungskreis

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Aus dem Forstamt Güstrow: Axel Stein

Eines konnten wohl alle von der Exkursion mitnehmen. Das Thema Bodenschutz ist nicht ein alleiniges Thema für die Forstbetriebe oder die forstlichen Dienstleister. In erster Linie stehen die Waldbesitzer in der Verantwortung. Verantwortungsvoller Umgang mit dem Boden beginnt einerseits mit der Erkenntnis um die Notwendigkeit der Einschlagsplanung und dem Wissen um die technischen und technologischen Möglichkeiten. Die Einschlags- und Rückeunternehmen auf der anderen Seite müssen sich den technischen Notwendigkeiten einer bodenschonenden Holzernte stellen und diese entsprechend der standörtlichen Bedingungen anbieten und einsetzen. Der gegebenenfalls notwendige Mehraufwand muss sich in den Holzerntekosten widerspiegeln. Eine Investition in die Zukunft geht oft zu Lasten kurzfristig maximaler Erträge. Sicher werden nicht alle Exkursionsteilnehmer in Zukunft immer und überall mit Bändern, mit Pferd oder mit der Terri rücken. Das ist auch nicht notwendig und war auch nicht das Ziel der Veranstaltung. Den Bodenschutz zu thematisieren und die Beteiligten zum Nach- bzw. Überdenken anzuregen ist uns jedoch gelungen. Waldarbeiterstammtisch (Thomas Langer)

Wildstreckenentwicklung der Landesforst MV 2009 | 2010 und 2010 | 2011 [Stück je Jagdjahr]

Wildart (Stück | Jagdjahr) Rotwild Damwild Schwarzwild Muffelwild Rehwild Summe Schalenwild Füchse Steinmarder Marderhund Dachse Baummarder Waschbären Summe Haarraubwild

2.5 Wald und Wild – Jagd in der Landesforst MV

Lebensraum und Nahrungsgrundlage bieten die von der Landesforst MV bewirtschafteten Wälder den dort lebenden Wildarten, insbesondere dem Rot-, Dam-, Reh- und Schwarzwild. Die Sicherung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen des Waldes ist aber auch unabdingbar verbunden mit der Schaffung angepasster, waldverträglicher Wildbestände. Wald und Wild stellen eine Einheit dar. Alle Mitarbeiter der Landesforst MV stehen hinter dem Ziel, naturnahe und mehrschichtige Waldbestände mit einer hohen Biodiversität zu schaffen. In diesen können die heimischen Hauptbaumarten ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen erzogen werden, die Erhaltung und Entwicklung der übrigen Waldbodenflora ist gewährleistet. Im Rahmen der Jagdausübung gilt es, einerseits artenreiche und gesunde Wildbestände zu erreichen und erhalten, welche an die landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnisse angepasst sind. Andererseits müssen Wildschäden an den Waldbeständen vermieden werden. Die Landesforst MV besitzt eine Gesamtjagdfläche von 208.000 Hektar. Davon werden 165.000 Hektar Jagdfläche in Eigenregie bewirtschaftet. Angepasste Abschusszahlen und eine effektive Bejagung nach wildbiologischen Erkenntnissen

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der eigene Wirkungskreis

2009 | 10

2010 | 2011

Plan

Ist

Ist | 100 ha

Plan

Ist

Ist | 100 ha

1.011 2.613 6.456 41 9.637 19.758

934 2.535 7.297 21 9.887 20.674

0,56 1,52 4,37 0,01 5,93 12,39

1.067 2.798 5.933 41 9.598 19.437

952 2.870 6.334 20 8.651 18.827

0,57 1,73 3,82 0,01 5,22 11,35

534 23 162 68 15 82 884

0,32 0,01 0,10 0,04 0,01 0,05 0,53

562 20 102 63 24 112 883

0,34 0,01 0,06 0,04 0,01 0,07 0,53

verhindern Wildschäden an den Waldbeständen. Dadurch ist es möglich, die waldbaulichen und ökonomischen Ziele in der Waldbewirtschaftung zu erreichen. Im Ergebnis der Jagdstrecke wurden im Jagdjahr 2009 | 2010 476,5 Tonnen und 2010 | 2011 438,8 Tonnen Wildbret vermarktet. Diese erzielten Einnahmen von 967.000 Euro beziehungsweise 941.000 Euro. Dritte an der Ausübung der Jagd angemessen zu beteiligen, das ist erklärtes Ziel der Landesforst MV. Neben der Pachtung von Eigenjagdbezirken besteht für private Jäger die Möglichkeit, über die Teilnahme an Drückjagden, den entgeltlichen Abschuss von Wild oder durch Erlangung eines Jagderlaubnisscheines an der Jagdausübung teilzunehmen. Neu verpachteten die Forstämter im Jahr 2011 ein Flächenpotenzial von 2.630 Hektar in 17 Eigenjagdbezirken. Damit sind nun insgesamt 45.797 Hektar anstaltseigene Jagdfläche in den Händen von Pächtern. Der durchschnittliche Pachtzins der Verpachtungsrunde 2011 lag bei 22,70 Euro je Hektar. In der Landesforst MV sind somit rund 22 Prozent der Gesamtjagdfläche verpachtet. Im Jagdjahr 2010 | 2011 fanden 308 Gesellschaftsjagden in den Forstämtern statt. Insgesamt rund 9.000 private Jäger waren an der Jagd beteiligt. Über entgeltliche Beteiligungsscheine nahmen 1.200 Personen daran teil.

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Aus dem Fachgebiet Waldbau, Waldschutz, Naturschutz und Jagd: Bärbel Neumann

Wildwirkungsmonitoring-Verfahren in der Landesforst MV Die Jagd ist ein wichtiges Instrument, um die anspruchsvollen waldbaulichen Ziele der Landesforst MV umzusetzen. Überhöhte Wildbestände stehen diesen Zielen regional noch entgegen und machen eine natürliche oder künstliche Verjüngung unserer Wälder ohne Zaun unmöglich. Zur Erreichung der ökologischen und ökonomischen Vorgaben in der Landesforst MV ist daher die Reduzierung der Schalenwildbestände auf das waldverträgliche Maß unerlässlich. Das Verfahren des Wildwirkungsmonitorings ermöglicht die Darstellung von Populations- und Waldschadensentwicklung. Es umfasst Schälschadensinventur, Verbissgutachten und Weisergatter-Verfahren und stellt wichtige Instrumente zur Verfügung, um die Verträglichkeit und naturräumliche Angepasstheit der Wildbestände messbar zu machen. Auch Tendenzen lassen sich auf diese Weise festund darstellen und Handlungsschwerpunkte aufzeigen.

Der Anteil des Zaunflächenanteils an den Verjüngungen ist rückläufig.

Zaunflächenanteil an den Verjüngungen [Hektar] Jahr

2008

2009

2010

871,92

1098,07

864,95

127.252

161.495

95.669

334,87

424,99

251,76

38,41 %

38,70 %

29,11 %

Walderneuerung in Hektar Zaunbaufläche in laufenden Metern Zaunbaufläche in Hektar Anteil Zaunbau an Walderneuerung

Im Jahr 2010 erstellte die Landesforst MV das dritte Verbissgutachten in der Zeitreihe 2004, 2007 und 2010 und wertete es anschließend aus. Das Forstliche Verbissgutachten ist eine alle drei Jahre wiederkehrende Stichprobeninventur. Die Grundhaltung besteht darin, das Ausmaß des Wildverbisses erst als relevant zu bezeichnen, wenn dadurch waldbauliche Zielstellungen oder der Erfolg von Verjüngungen mit ausreichender Stammzahldichte und -qualität gefährdet sind. Nur der Anteil des Wildverbisses an Kunst- und Naturverjüngungen gilt daher in diesem Verfahren als schädigend, der über das waldbaulich verträgliche Maß hinausgeht. Hierzu werden die unverbissenen Pflanzen mit der laut Vorgabe notwendigen Stückzahl pro Hektar verglichen, den sogenannten Waldbausollwerten. Den Anteil der gezäunten Verjüngungsflächen erfasst das Verfahren ebenfalls. Vor Beginn der Vegetationsperiode am Ende des Winters entstehen die Aufnahmen zum Forstlichen Verbissgutachten, um so den Einfluss des Wildverbisses auf die Waldverjüngung zu erfassen. Im Ergebnis der drei durchgeführten Inventuren stand folgender durchschnittlicher Verbissanteil, Er stellt eine angenommene Ausfallursache dar bei Nichterreichen der waldbaulichen Sollwerte:

Ein Anteil von 29,4 Prozent bei den Erhebungstrakten, welche die waldbaulichen Sollwerte aufgrund von Wildverbiss nicht erreichten, war zu hoch. Dies mussten die Beteiligten im Ergebnis des Verbissgutachtens feststellen. Der starke Wildverbiss an den Kulturen ist zum Teil auch den starken Schnee- und Frostbedingungen im Winter 2010 zuzuschreiben. Weitere Zeitreihen zur Entwicklung des Verbisses sind nötig, um konkrete Aussagen treffen zu können. In den betroffenen Forstämtern ist es weiter erforderlich, die Jagdstrategien entsprechend anzupassen. Auf Grundlage des Verbissgutachtens erhielten die Forstämter Empfehlungen für die weitere jagdliche Praxis.

Einen Schwerpunkt auf dem Dienstleistungssektor der Landesforst MV bildet die ingenieurtechnische Betreuung von Waldbesitzern. Als oberste Prämisse bei der Beförsterung gilt ein kostendeckendes Verfahren. Die Landesforst MV verfolgt das Ziel, bis 2012 die jährlichen Einnahmen aus diesen Leistungen auf 700.000 Euro zu erhöhen.

Fläche und Einnahmen Betreuung 2006 – 2011 Verbissprozent Jahr

Verbissprozent [%]

2004

14,7

2007

7,0

2010

29,4

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der eigene Wirkungskreis

Jahr

Fläche Betreuungsverträge [ha]

Zuwachs [ha]

Einnahmen aus Betreuung [EUR]

Zuwachs [EUR]

Ständige Verträge [Stück]

Fallweise Verträge [Stück]

Summe [Stück]

2006 2007 2008 2009 2010 2011

30.122 30.366 34.481 36.384 36.853 35.465

1.976 244 4.115 1.903 469 -1.388

523.247 587.200 610.945 515.171 671.878 740.428

5.448 63.953 23.745 -95.774 156.707 68.550

496 500 485 473 472 494

362 407 343 350 375 543

858 907 828 823 847 1.037

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2.6 Dienstleistung und Beförsterung

Aus dem Forstamt Schildfeld: Jörg Stübe

Die Zusammenarbeit des Forstamtes Schildfeld mit dem Waldverein Schildfeld und der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Lüneburg GmbH Eine Form der forstfachlichen Betreuung, die ihres Gleichen sucht, entstand durch die Zusammenarbeit der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Waldverein Schildfeld, der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Lüneburg GmbH (FVL) und dem Forstamt Schildfeld. Nicht nur die Gesellschaftereigenschaft einer FBG in einer forstwirtschaftlichen Vereinigung eines anderen Bundeslandes stellt eine Besonderheit dar, sondern auch die Art der Betreuung der Waldbesitzer. Im Zuge der Privatisierung des Waldes durch die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) veränderte sich ab 1997 der Waldeigentum im Forstamt Schildfeld, wie aus der folgenden Tabelle zu entnehmen ist. Über mehrere Phasen entstand eine Struktur, die neben der hohen Anzahl von 920 Waldeigentümern eine besondere Form des Privatwaldbesitzes bietet. Die Tatsache, dass derzeit rund 72 Prozent des Privat- und Kommunalwaldes in der Hand von nur 22 Waldbesitzern sind, zeigt die differenzierten Besitzverhältnisse.

Entwicklung des Privatwaldes im Forstamt Schildfeld Eigentumsart

1997 [in Hektar]

2011 [in Hektar]

1.367

7.490

735

654

BVVG

3.320

224

Summe

5.422

8.368

Privatwald Kommunalwald

aller forstlichen Bereiche mit Ausnahme der Verkehrssicherung, Jagd und gutachterlichen Tätigkeit. Als besonderer Vertragsinhalt zählt die einvernehmliche Einsetzung eines Revierleiters, der diese Tätigkeit für alle Beteiligten der FBG ausführt. In Zusammenarbeit mit der Zentrale der Landesforst MV gelang es, diese Abweichung für die betroffenen 25 Waldbesitzer mit einer Fläche von 3.521 Hektar zu etablieren. Üblicherweise übernimmt die Betreuung der territorial zuständige Revierleiter. Inzwischen ist die FBG Waldverein Schildfeld auf einen Flächenumfang von rund 4.200 Hektar und 56 Waldbesitzer angewachsen. Im Jahr 2010 stellten diese rund 16.000 Festmeter Holz bereit. Hauptsächlich Fahrzeuge der Waldmarketing GmbH (WMG), einer Tochterfirma der FVL, transportierten das Material in die Verarbeitungswerke. Daneben erfolgten Verjüngungsmaßnahmen auf rund 32 Hektar sowie Jungwuchs- und Jungbestandspflege auf circa 41 Hektar. Ab dem Jahr 2012 unterstützt ein weiterer Revierleiter die Betreuung. Durch die erforderliche Arbeit der FBG Waldverein Schildfeld und Waldflächen von Eigentümern in anderen Forstämtern reichen die betroffenen Gebiete über die Grenzen des Forstamtes Schildfeld hinaus. Hier gilt es, einvernehmliche Lösungen für die Betreuung zu finden. Diese Konzentration weniger Revierleiter auf die Mitglieder der FBG hat sich unter den im Forstamt gegebenen Bedingungen etabliert. Das System bietet den Waldbesitzern eine hohe fachliche Betreuung, die so rund 50 Prozent des Privatwaldes im Forstamt Schildfeld erreicht. Zusatz: Die FVL GmbH ist ein Zusammenschluss von sieben Forstbetriebsgemeinschaften als Gesellschafter. Sie verbindet rund 2.500 Waldbesitzer mit einer Fläche von rund 56.000 Hektar. Im Jahr 2010 vermarktete die FVL rund 300.000 Festmeter Holz. Die Waldmarketing GmbH, eine Tochterfirma der FVL, stellte ein Drittel des Holzes durch firmeneigene Harvester und Rückezüge bereit. Ein weiterer Zweig ist die Frei-Werk-Lieferung des Holzes mit firmeneigenen Fahrzeugen und Trailern an die holzverarbeitende Industrie. Der gesamte Zusammenschluss nennt sich »Waldmärker«. Eschen-Werholz auf Optimalstandort im Kronenwald (Andreas Baumgart)

Mit der einsetzenden Privatisierung schlossen sich im Jahr 2003 zehn Eigentümer mit einer Fläche von 2.027 Hektar zur FBG Waldverein Schildfeld zusammen. Rund 40 Prozent der Fläche bewirtschaftete das Forstamt Schildfeld gemäß einem ständigen Betreuungsvertrag. Neben der Arbeit des ehrenamtlichen Vorstands der FBG Waldverein Schildfeld regelte ein Geschäftsbesorgungsvertrag mit der FVL die Geschäftsführung. Durch die zweijährige kostenfreie Geschäftsführung gelang es, sowohl Rücklagen zu bilden, als auch eine weitere Zusammenarbeit mit der FVBL zu prüfen. Das System der forstfachlichen Betreuung der Mitglieder der FBG Schildfeld änderte sich durch die erfolgreich abgeschlossene Prüfungsphase und den damit verbundenen Erwerb von Gesellschaftsanteilen. Mit zunehmender Aktivität und Wachstum der FBG und dem Ausfall von forstlichen Fachkräften einiger Waldbesitzer entstand ab 2007 ein erhöhter Bedarf an ständiger Betreuung. Auf Initiative des Forstamtes Schildfeld begann gemeinsam mit FBG und FVL die Suche nach Möglichkeiten, diese für alle Mitglieder zu gewährleisten. Es galt, die Interessenlagen der Beteiligten mit den gegebenen Mitteln in Einklang zu bringen. Zum 01. Januar 2008 schlossen die FVL und das Forstamt Schildfeld einen Vertrag über die forstliche Betreuung aller FBG-Mitglieder. Dieser beinhaltete im Wesentlichen die Planung, Überwachung und Durchführung

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der eigene Wirkungskreis

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Der übertragene Wirkungskreis

Der übertragene Wirkungskreis 3.1 Die Novelle des Landeswaldgesetzes 2011

Landeswaldgesetz, LWaldG MV, verabschiedet am 08. Februar 1993 Zum Beispiel die Errichtung der Landesforst MV – AöR –

Das Waldgesetz für das Land Mecklenburg-Vorpommern bildet seit 18 Jahren eine moderne Grundlage, um den Wald und seine vielfältigen Funktionen zu schützen und zu mehren. Wie vorausschauend dieses Gesetz war, zeigte sich in seiner langen Geltungsdauer. Die Regelungen blieben größtenteils unverändert, lediglich im Zusammenhang mit anderen Gesetzesvorhaben waren einzelne Anpassungen nötig. Eine Neufassung des Waldgesetzes erschien nun am 27. Juli 2011. Den Vorschlag zur Novelle des Landeswaldgesetzes brachte die Landesregierung am 29. September 2010 in den Landtag ein. Die Novelle zielte neben der Verwaltungsvereinfachung insbesondere darauf ab, das Gesetz an die inzwischen veränderten Rahmenregelungen des Bundeswaldgesetzes anzupassen sowie die neuen Ansprüche von Forstbetrieben und der Sicherung der Waldfunktionen zu berücksichtigen. Bereits im Vorfeld gab es Schwerpunktdiskussionen mit verschiedenen Vertretern des Waldbesitzes, der Naturschutzverbände und Behörden. Die Landtagsbefassung leitete in der Folge eine umfassende Beteiligung aller Interessengruppen ein, die am Wald und seinen Funktionen Anteil nehmen. Von den 40 angeschriebenen Verbänden brachten sich 23 mit insgesamt 181 Einwendungen und Hinweisen ein. Darin verdeutlicht sich das breite gesellschaftliche Spektrum der Ansprüche an den Wald. Der Waldbesitzer auf der einen Seite ist an möglichst wenigen Einschränkungen seiner Verfügungsrechte interessiert. Naturschutzvertreter wünschen einen hohen Prozessschutzanteil, der Denkmalschutz möchte die Parkflächen aus dem Zuständigkeitsbereich des Waldgesetzes herausgelöst haben. Die Holzindustrie sieht eine uneingeschränkte Holznutzung im Vordergrund und Investitionsplaner wiederum betrachten die Vorschrift eines Waldabstandes mit Skepsis sowie die umfangreichen Ausgleichs- oder Ersatzforderungen bei Inanspruchnahme des Waldes. Diese scheinbar widerstreitenden Interessen am Wald erfordern ein Waldgesetz, das in Mecklenburg-Vorpommern den Wald und seine damit verbundenen naturräumlichen Besonderheiten stärker schützen muss. Mit 71 Einwohnern je Quadratkilometer verfügt das Land im Vergleich zu Skandinavien (17) über eine immer noch relativ dicht besiedelte aber waldarme Landschaft. Folgende Regelungen sind nun unter anderem inhaltlich neu oder klarer gefasst: Waldbestockte Flächen ab 2.000 Quadratmeter sind Wald im Sinne dieses Gesetzes. Schnellwuchsplantagen und Agrarforstsysteme sind kein Wald. Betriebskonzepte für Waldbesitz über 100 Hektar bedürfen keiner behördlichen Bestätigung mehr, wenn ein vereidigter Sachverständiger diese erstellt. Die Regelungen zur ordnungsgemäßen Forstwirtschaft wurden um die

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Anforderungen an die Umsetzung der EU-Richtlinien zu Natura 2000, die Unterhaltung des forstlichen Wegenetzes, den Anteil von Tot- und Altholz sowie an den natürlichen Wasserhaushalt erweitert. Zur Sicherung stabiler Mischwälder wurde ein Mindestbestockungsgrad von 0,7 bei nicht hiebsreifen Beständen festgelegt. Die Anerkennung und Handelbarkeit von Ausgleichsmaßnahmen ist im Rahmen des Ökokontos jetzt bereits vor Bestehen einer Ausgleichspflicht möglich. In denkmalgeschützten Parkanlagen besteht weitgehender Gestaltungsfreiraum, wenn sie Wald bleiben. Die Definition von waldtypischen Gefahren schaff t für Waldbesitzer und Waldbesucher mehr Rechtssicherheit im Umgang mit der Verkehrssicherungspflicht. Für die Ausweisung von Reitwegen sind nun neben den Landkreisen auch die Gemeinden zuständig. Darüber hinaus kann auch der Waldbesitzer das Reiten im Wald auf seinen Flächen gestatten. Neue Formen der Waldnutzung wie zum Beispiel Kletteranlagen und Baumwipfelpfade können jetzt auch forstbehördlich genehmigt werden. Die überarbeiteten Regelungen des Landeswaldgesetzes bieten MecklenburgVorpommern ganz neue Chancen. So erhält das »Naherholungszentrum für Mitteleuropa« eine natürliche Lebensgrundlage für Menschen, Pflanzen und Tiere und wirbt damit für den Ausgleich zwischen den berechtigten Belangen der Waldbesitzer und den Ansprüchen anderer am Wald interessierter Gesellschaftsgruppen. Der Landtag hat mit seinem Beschluss vom 20. Mai 2011 diese neuen Möglichkeiten auf den Weg gebracht. Nun geht es darum, dass unsere Gesellschaft, Bürger, Eigentümer, Verbände und Behörden die aufgestellten Regeln mit Leben erfüllen.

Die Wälder in Mecklenburg-Vorpommern erfüllen vielfältige Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen. In der Regel werden diese auf der gesamten Waldfläche erbracht, bezeichnet als Multifunktionalität des Waldes. Lokal und regional können bestimmte Waldfunktionen eine besonders hohe Bedeutung haben, zum Beispiel für den Naturschutz oder die Trinkwassergewinnung. Für den Tourismus und die Naherholung spielt der Wald im Nordosten Deutschlands eine große Rolle. Etwa ein Drittel aller Wälder haben eine hervorgehobene Erholungsfunktion. In einer gemeinsamen Initiative entwickelten die Stadt und das Forstamt Dargun das Projekt »Erholungswald Dargun«. Die Initiative mündete im September 2011 in eine förmliche Widmung durch eine Rechtsverordnung des Ministers für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V. Damit sind 242 Hektar um den ehemaligen Klosterwald der Kleinstadt Dargun der jetzt zweite ausgewiesene Erholungswald im Land. Sowohl die Stadt als auch die Landesforst MV brachten eigene Waldflächen mit ein. Einen Auftakt nach Maß bot die fröhliche Eröffnung des Walderlebnispfades am 25. Oktober 2011 mit etlichen Schulklassen und Kita-Gruppen aus der Stadt Dargun.

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Das Ökokonto ist hier ein Instrument im Rahmen der Eingriffsregelung im Sinne des Waldgesetzes. Aktuelle Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für die Inanspruchnahme von Waldflächen werden dokumentiert und können in einem Flächenbestand eingetragen werden. Diese Flächen stehen bei späteren Umwandlungen von Waldflächen im Rahmen notwendiger Kompensationsmaßnahmen zur Verfügung.

3.2 Der Wald und seine Funktionen

Aus der Presse: Thoralf Plath, Redaktionsmitglied Nordkurier

Walderlebnispfad (Michael Ludwig)

Der Erholungswald Dargun – Ein Wald für Menschen Dargun hat jetzt eine Seilbahn. Sie steht mitten im Wald, ist gut fünfzig Meter lang und transportiert eine Botschaft: Natur erleben kann richtig Spaß machen. Darguner Schulkinder stellten das Gefährt zum ersten Mal richtig auf die Probe. Der neue Walderlebnispfad ist eröffnet. Ein starkes Stück Wildnis. Der alte Wald am Klostersee steht unter einem besonderen Schutz. Nicht, dass normale Menschen hier keinen Zutritt mehr hätten, wie es in vielen ökologischen Reservaten des Landes der Fall ist. Im Gegenteil: Hier hat das Erleben von Flora und Fauna Vorrang. Das alte Darguner Forstrevier ist nun als »Erholungswald« ausgewiesen, als bislang zweiter in Mecklenburg-Vorpommern überhaupt und mit rund 242 Hektar sein größter. Manfred Baum, Referatsleiter Forstpolitik im Schweriner Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, übergab die von Minister Dr. Till Backhaus frisch unterschriebene Erholungswald-Verordnung offiziell an Bürgermeister Karl-Heinz Graupmann. Die Erholungsfunktion stehe künftig im Vordergrund für die Entwicklung des geschichtsträchtigen Waldes: »Ein slawischer Burgwall, der jüdische Friedhof, Forstdenkmäler, ein Quellmoor, die Wachholderweide, so eine Vielfalt findet man nicht oft.« Für Darguns Stadtoberhaupt erfüllte sich damit ein langgehegter Wunsch, als er zur Eröffnung des Lehrpfades auch noch die Urkunde zum Erholungswald erhielt. »Wir wollen hier gar nicht groß etwas Neues machen, sondern eigentlich nur das in Wert setzen, was da ist, nämlich diesen wunderbaren Wald mit ausgeschilderten Wanderrouten und Sichtachsen. Das ist eine gute Sache für Touristen genauso wie für uns Darguner selbst.« Graupmann gilt als eigentlicher Urheber dieses Doppel-Projekts. Das Forstamt als Partner mit ins Boot zu holen, erwies sich als richtig. Denn die grüne Behörde hat die erste und, fragt man die Darguner Kinder, gewiss auch schönste Attraktion des Klosterwaldes geschaffen: den Walderlebnispfad. Nach fast zwei Jahren Planungsund Bauzeit ist für rund 150.000 Euro auf viereinhalb Kilometern zwischen RütingMoor und Grillhütte ein Geschicklichkeitsparcours entstanden, wie es ihn noch nirgendwo gibt weit und breit in der Region. Eine Einladung zum Klettern, Krabbeln, Springen, Balancieren, sodass die Kinder der Grundschule und der beiden Kitas »Sonnenschein« und »Freiraum« die Eröffnung der 15 Stationen kaum erwarten konnten. Mindestens ebenso viel Spaß wie die Lütten hatten während des Premiere-Rundgangs Claudia Naumann und Marén Zankl vom Dresdner Ingenieurbüro Natur und Bildung. Sie haben dieses waldpädagogische Abenteuerland entworfen. Auch Sven Blomeyer, Chef der Landesforst MV, war begeistert. So ein Walderlebnispfad sei einer der schönsten Beiträge, den man sich zum Internationalen Jahr der Wälder denken könne, sagte er. Steht doch das Jahr der Wälder unter dem Motto: Wälder für Menschen.

Die Beratung der Waldbesitzer ist gesetzlicher Auftrag und geschieht durch kostenlose fachliche und finanzielle Förderung. Sie erfolgt überwiegend durch die 191 Revierförster des Landes, ist aber gleichzeitig Aufgabe des gesamten Personals der Landesforst MV. Ziel der Beratung ist es, den nichtstaatlichen Waldbesitz bei der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung seiner Flächen zu unterstützen, und umfasst das gesamte Spektrum von waldbaulichen über technische und wirtschaftliche bis hin zu ökologischen Fragestellungen. In einem besonderen Fokus steht dabei die Holzmobilisierung insbesondere in bisher nicht oder nur wenig bewirtschaftetem Privatwald, da die Nachfrage der Industrie nach diesem ökologischen Rohstoff laufend weiter steigt.

Holzmobilisierung im Privatwald durch die Landesforst MV Der im Forstamt Güstrow liegende Spotendorfer Wald bestand 1992 eigentumsrechtlich zu 60 Prozent aus BVVG-Flächen und zu 40 Prozent aus wieder gewonnenem Privateigentum. Da meine landwirtschaftlichen Flächen dieses Gebiet umgeben, lag der Gedanke nahe, die Betriebsfläche mit Waldbestand aufzuwerten und so ein weiteres Standbein zu schaffen. Sicher war auch ein Hintergrund des Kaufs, hier ohne weiteren großen Grundeigentümer zu bleiben. So erwarb ich 2004 diesen Wald von der BVVG. Ein Teil der anderen Privatwaldflächen wurde zusätzlich von einigen Alteigentümern erworben. Der Landwirtschaftsbetrieb MPA Laage beschäftigt sich mit Bullenmast und Schafzucht, Mutterkuhhaltung, Leistungsprüfung Fleischrind und Schaf sowie Feldfruchtanbau. Wir bewirtschaften eine Fläche von 530 Hektar und beschäftigen fünf Mitarbeiter sowie zwei Auszubildende. Forstliche Wirtschaftsweise und wie man mit welchen Beständen umzugehen hat, war mir zwar theoretisch aus der Literatur bekannt, aber ich hatte nicht die praktische Erfahrung. Meine Forstbetriebsfläche ist zurzeit 35 Hektar groß. Der Forstort Spotendorfer Holz setzt sich zu 95 Prozent aus jungen Kiefern- und Fichtenbeständen, rund 2 Prozent Bruchstandorten mit Roterle und zu 3 Prozent Altholz mit Kiefer, Rotbuche und Bergahorn in schlechter Qualität zusammen. Die Bestände stocken auf K- und M-Standorten und bedürfen einer kontinuierlichen Pflege, die ich alleine nicht gewährleisten kann. Eine neutrale Meinung unabhängig von Einschlagsunternehmer und eine Beratung im Sinne des Waldes und nicht vordergründig des Holzeinschlags, aber ohne das ökonomische Ziel der Wertschöpfung aus den Augen zu verlieren, war mir wichtig. Außerdem war es mir wichtig, eine Person zu finden, die selbst in Verantwortung für Waldflächen steht und täglich damit umgeht. Kurz nach dem Erwerb

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3.3 Beratung und Betreuung

Entsprechend §43 in Verbindung mit § 34 LWaldG MV

Aus dem Forstbetrieb Spotendorf: Hartmut Münch, Privatwaldbesitzer

meiner Flächen wurde ich mit dem örtlich zuständigen Revierleiter der Landesforst MV, Herrn Burkhard Kupatz, bekannt. Durch den ersten Waldbegang mit Herrn Kupatz wurden mir viele hilfreiche Tipps aus der forstlichen Praxis gegeben und die Augen für forstliche Belange geöffnet. Auch musste ich feststellen, dass dieser Wald auf lange Sicht sicher gut angelegtes Geld darstellt, ich aber kurzfristig nicht die Unkosten über Holzerlöse herein bekommen würde. In den folgenden Jahren habe ich gerne auf die jährliche Beratung durch Herrn Kupatz zurückgegriffen. Hierbei gab es wiederkehrende und neue Themen zu besprechen – Käferkalamitäten, Verkehrssicherung, Pflegerückstände, Waldumbau und gemeinsame Bestandespflege mit den angrenzenden Waldeigentümern. Insbesondere meine Verantwortung als Waldbesitzer in Zusammenhang mit Käferkalamitäten und Verkehrssicherung wurde mir deutlich. Da Herr Kupatz auch den Auftrag hatte, die angrenzenden Waldbesitzer zu beraten, konnten diese ebenfalls über die notwendigen Arbeiten informiert werden. Schnell wurde uns allen klar, dass wir in bestimmten Flächen nur gemeinsam die Pflegearbeiten umsetzen konnten.

pro Jahr. Von Beginn an stellte die Nutzung stark geschädigter Bäume und teilweise ganzer Bestandesteile eine große Herausforderung dar. Nicht zuletzt bei befahrungsempfindlichen Böden und in naturschutzsensiblen Lebensräumen mit hohen Wilddichten, die eine natürliche Verjüngung stark behindern. Die Verantwortlichen in Schuenhagen handelten frühzeitig und gingen dabei strikt nach dem Prinzip der Risikostreuung vor. Sie vermieden größere Kahlhiebe, streuten die Hiebs- und Verjüngungsflächen räumlich und zeitlich und beließen alle vitalen Eschen und Mischbaumarten. Gleichzeitig wurden strenge Bodenschutz-Anforderungen an Holzernte- und Rückesysteme eingehalten und auf jeden »Aktionismus« verzichtet. In der Summe dieser Maßnahmen ließen sich so größere Holzentwertungen, zerfahrene Böden, eine Kostenexplosion bei der Verjüngung und damit Katastrophenflächen weitgehend vermeiden. Eschenlaub (Andreas Baumgart)

Aus diesen Waldbegängen entwickelte sich die eine oder andere forstliche Maßnahme. So konnten die angefallenen Pflegerückstände abgearbeitet und Käferkalamitäten oder Verkehrsicherungsproblemen begegnet werden. Angrenzende oder in der Fläche liegende andere Waldbesitzer wurden in die Bewirtschaftung mit integriert. So wurde der gesamte Spotendorfer Wald in die Bewirtschaftung mit einbezogen. Weitere Ziele wie Umbau von Nadelholz in Laubholz auf den besseren Böden zur Stabilisierung des Waldes können nun durch Naturverjüngung oder Pflanzung angegangen werden. Die erste Beratung und die in den Folgejahren stattgefundenen Waldbegänge waren für mich und meine Nachbarn überaus informativ und vertrauensvoll. In den letzten Jahren habe ich daher immer wieder mit Erfolg im Rahmen von Beförsterungsverträgen mit Herrn Kupatz forstliche Maßnahmen in meinem Wald umgesetzt. Fazit: Auf Grund dessen, wie sich mein Wald entwickelt, sich die Zusammenarbeit gestaltet und die Neutralität gewahrt wird, werden meine Erwartungen an einen öffentlichen Partner voll erfüllt. Ich wünsche mir für die Zukunft weiterhin so eine gute Beratung und Zusammenarbeit.

Aus dem Forstamt Schuenhagen: Andreas Baumgart

Eschentriebsterben – Eine Informationsveranstaltung für Waldbesitzer Die Esche gehört im nordvorpommerschen Forstamt Schuenhagen zu den wichtigsten Wirtschaftsbaumarten. Ihr Anteil im Gesamtwald beträgt rund elf Prozent. Auf den reichen, staunassen Böden der flachen Grundmoräne kommt sie als Mischbaumart natürlich vor und wurde zusätzlich auf Moorböden seit den 1930er Jahren im Reinbestand künstlich begründet. Vor allem hier waren bereits im Jahr 2005 die Schäden durch einen Befall mit Chalaria fraxinea dramatisch. Diese Nebenfruchtform des Falschen Weißen Stengelbecherchens (Hymenoscyphus pseudoalbidus) gilt als Verursacher des Eschentriebsterbens. Wegen der verheerenden Absterbeerscheinungen an Trieben schien eine Erholung der Bestände unwahrscheinlich. Daher erfolgten im Landeswald des Forstamtes Schuenhagen ab 2005 | 2006 jährlich Kalamitätshiebe in Eschenbeständen im Umfang vom Drei- bis Fünffachen des Nachhaltshiebsatzes. Dieser lag bei rund 2.400 Festmeter

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der übertragene Wirkungskreis

Um die gewonnenen Erfahrungen an möglichst viele Waldeigentümer in Mecklenburg-Vorpommern weiterzugeben, fand am 26. April 2010 in Schuenhagen eine große Informationsveranstaltung zum Eschentriebsterben statt. Über 100 Waldbesitzer nahmen daran teil. Im Mittelpunkt standen Vorträge zur Krankheitsgenese, zur Vermarktung von Eschenholz sowie zu forst- und naturschutzrechtlichen Aspekten. Auch Fördermöglichkeiten für betroffene Waldeigentümer und insbesondere forstbetriebliche und waldbautechnische Fragen beim Umgang mit dem Eschentriebsterben kamen zur Sprache. Eine Exkursion im Revier Lendershagen behandelte Probleme wie Kalamitäts-Eschen-Reinbestände auf suboptimalen, moorigen Standorten und geschädigte eschenreiche Buchenwälder mit natürlicher Vorausverjüngung auf nassem Lehm, aber ebenso Chancen wie die Begründung risikoärmerer Folgebestände aus zum Beispiel Bergahorn, Hainbuche und Flatterulme.

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Zwanzig Jahre Erstaufforstung – Zusammenarbeit mit einem Baumschulleiter Die Forstbaumschule Güstrow produziert seit 1925 Forstpflanzen und entwickelte sich in dieser Zeit von einem Revierpflanzenkamp mit 0,25 Hektar zu einer Großbaumschule mit 150 Hektar Wirtschaftsfläche. Die größten Veränderungen der Baumschule erfolgten dabei mit der Wende 1989.

3.4 Forstliche Förderung

Die finanzielle Förderung forstwirtschaftlicher Maßnahmen soll den Waldbesitzern ermöglichen, den Wald unter wirtschaftlich angemessenen Bedingungen zu nutzen, zu erhalten und gegebenenfalls zu mehren. Auf diese Weise bleiben die Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktionen des Waldes nachhaltig erhalten. Das Land Mecklenburg-Vorpommern bietet den privaten und kommunalen Waldbesitzern mit Beteiligung von Bund und Europäischer Union dafür finanzielle Unterstützung, unter anderem über die Förderprogramme GAK und ELER. GAK meint Gemeinschaftsaufgabe und hat die Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes nach Artikel 91 a des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland zum Inhalt. Der Bund finanziert 60 Prozent der Fördermittel und das Land MV beteiligt sich mit 40 Prozent. Die Europäische Union beteiligt sich mit 80 Prozent der Fördermittel an dem europäischen Landwirtschaftsfond (ELER) für die Entwicklung des ländlichen Raumes. Das Land zahlt 20 Prozent.

Naturaldaten und Fördermittelinanspruchnahme

geförderte Maßnahmen

2010

2011

Erstaufforstung Langfristige Überführung Umbau Nachbesserung Jungbestandspflege Standortgutachten Strukturdatenerhebung Waldrandgestaltung Rücken mit Pferd Wegebau

83 ha 162 ha 185 ha 31 ha 271 ha 432 ha 8.009 ha 2.782 m 1.320 Fm 15.140 m

87 ha 243 ha 218 ha 28 ha 207 ha 1.356 ha 9.642 ha 13.652 m 3.407 Fm 18.000 m

3.642.433 € 598.289 €

3.493.601 € 478.318 €

ausgereichte Fördermittel im Rahmen der GAK im Rahmen des ELER

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der übertragene Wirkungskreis

Bis 1989 wurde vom Staat für den Staat angezogen und ausgeliefert. Eine Überproduktion, wie heute oft anzutreffen, gab es praktisch nicht. Ab 1990 begannen die Pflanzenausschreibungen, der Baumartenwechsel vom Nadel- zum Laubholz sowie die Pflanzenstückzahl-Reduzierung je Hektar. All diese Maßnahmen führten zu einer Verringerung der Pflanzenabsatzzahlen und zur Vernichtung vieler bereits angezogener Pflanzen. Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatte Mecklenburg-Vorpommern in der Landwirtschaft noch eine Überproduktion zu verzeichnen. Viele landwirtschaftliche Flächen wurden daher nicht mehr bewirtschaftet und stillgelegt. Für diese Stilllegung erhielten die Landwirte im Ausgleich eine Stilllegungsprämie. Hier setzte die Förderung von Erstaufforstungen an: Es ist natürlich sinnvoller, Geld für neue Wälder auszugeben, als für ungenutzte landwirtschaftliche Flächen. Diese Entwicklung war für die Baumschulen ein Segen, da durch die Erstaufforstungen die Pflanzenreduzierung im Wald kompensiert werden konnte. Die Forstbaumschule Güstrow Leist & Co. KG beschäftigte sich seit 1993 intensiv mit den Erstaufforstungen. Bald stellte sich heraus, dass es künftig nicht mehr ausreichen würde, nur Pflanzen zu produzieren. Vielmehr galt es, den gesamten Dienstleistungssektor von der Pflanzung über den Zaunbau bis hin zur Pflege anzubieten. Daher gründeten wir im Herbst 1993 in Mecklenburg-Vorpommern die Güstrower Garten-, Landschafts- und Forstbaugesellschaft mbH und in Brandenburg die Rathenower GALAFO mbH als Dienstleistungsfirmen. Bereits 1993 | 1994 konnten wir in Mecklenburg-Vorpommern 110 Hektar geförderte Erstaufforstungen realisieren. Anfangs versuchten Landbesitzer, die Aufforstungen in Eigenleistung durchzuführen. Sie kamen bald zu der Erkenntnis, dass eine Fachfirma diese Aufgabe besser durchführen kann. Der Vorteil unseres Firmenverbundes war und ist, dass wir die Pflanzen selbst produzieren und so der Weg von der Pflanzenernte bis zur Aufforstung sehr kurz ist. Dies führt zu hohen Anwuchsprozenten und damit auch zu vielen zufriedenen Kunden. Die Förderrichtlinie von 1993 war noch sehr einfach und übersichtlich gestaltet. Der Erstaufforstende erhielt eine Festbetragsförderung, die auch der »Nicht-Forstmann« schnell überschauen konnte, um seinen Eigenanteil zu berechnen. In den ersten Jahren gab es noch keine GPS-Vermessung. Die angegebenen Flurstücksgrößen waren die Grundlage für die Antragstellung, Ausführung und Abrechnung. Lediglich die Zaunlänge wurde durch Messung und die Pflanzen durch Zählverfahren ermittelt. Bei späteren Kontrollen mittels GPS wurden dann zum Teil größere Abweichungen in der Flächengröße festgestellt, die zu oft erheblichen Fördermittelrückzahlungen führten. Die Förderrichtlinie wurde in den 90er Jahren mehrfach angepasst. Besonders gravierend war die Änderung im Jahr 2000: Die Umstellung von der Festbetragsfinanzierung zur Anteilsfinanzierung brachte einen erheblichen bürokratischen Mehraufwand mit sich. Von Vorteil war für uns, dass wir zu dieser Zeit schon sämtliche Aufforstungsflächengrößen mit dem eigenen GPS-

78

Aus der Forstbaumschule Güstrow: Wilfried Hahn, Geschäftsführer der GmbH

Messgerät ermittelten. Damit war das Problem der Rückforderung von Fördermitteln für uns und unsere Kunden gelöst. Mit der Änderung der ErstaufforstungsFörderrichtlinie im Jahr 2005 war die Motivation für die Erstaufforstenden dann ganz weggefallen. Die Erstaufforstungsprämie sollte nicht mehr über 20 Jahre gezahlt werden, sondern noch maximal sechs Jahre.

Entwicklung im Bereich der geförderten Erstaufforstungen der Forstbaumschule Güstrow Leist & Co. Eigentumsart

Aufforstung Gesamt [in Hektar]

1993 | 1994 2002 | 2003 2010 | 2011

122,53 336,58 437,84

3.5 Waldbilanz, Verwaltungsverfahren

Den Wald zu erhalten und zu mehren ist Grundgedanke des Landeswaldgesetzes und eine wesentliche Aufgabe der Forstbehörden. Die jährliche Waldbilanz dokumentiert dabei die Umsetzung dieses gesetzlichen Auftrages.

davon ErstaufAnteil Erstaufforstung [in Hektar] forstung [in Prozent] 110,27 252,97 16,93

90 75 4

Bericht Waldbilanz 2010 und 2011 [Angaben in Hektar]

Staatswald

Rückblickend kann man sagen, dass die Erstaufforstungen für unseren Betrieb ein großer Erfolg waren. Durch die Förderung der Erstaufforstungen konnten in unserer Baumschule rund 50 Arbeitsplätze erhalten werden. Ferner wurden rund 70 zusätzliche Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt geschaffen. Bei allen unseren Aufforstungen war die gute Zusammenarbeit mit den Revierförstern bis hin zu den Verantwortlichen für Fördermittel in der Landesforst MV und im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern von großem Vorteil. Durch die Förderung der Erstaufforstungen war es letztendlich möglich, seit 1993 allein durch die Forstbaumschule Güstrow 6.350 Hektar in Mecklenburg-Vorpommern aufzuforsten. Bedauerlich ist heute, dass die Erstaufforstung in Mecklenburg-Vorpommern praktisch zum Erliegen gekommen ist. Hier würden wir uns auch aus ökologischen Gründen ein Umdenken wünschen, um wieder mehr Wald statt Mais anzubauen. Holz ist und bleibt unser wichtigster und wertvollster nachwachsender Rohstoff. Heute erfolgen über 90 Prozent unserer Aufforstungen im Wald. Aufforstung als Biotopverbund (Landesforst MV)

Land

Waldumwandlungen

Körperschaftswald Bund

Wald LFoA

Wald BIMA

Kommunalwald

sonst. Körper.

2010

2011

2010

2011

2010

2011

2010

2011

2010

2011

2010

2011

2,15

1,59

3,42

1,94

21,18

18,26

0,15

0,00

15,99

11,73

0,00

2,48

7,61

0,00

12,75

0,95

50,40

48,59

0,00

3,50

3,38

6,81

0,00

1,20

0,00

13,71

0,00

0,00

0,94

4,46

0,00

0,00

0,30

5,72

0,50

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

0,80

0,78

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

0,00

3,69

3,83

0,00

0,00

0,00

4,70

0,50

0,00

7,61

13,71

12,75

0,95

55,03

56,88

0,00

3,50

4,48

18,01

1,00

1,20

5,46

12,12

9,33

-0,99

33,86

38,62

-0,15

3,50

-11,51

6,28

1,00

-1,28

nach § 15 LWaldG bzw. § 45 BWaldG oder Planfeststellungsverfahren

Ersatzaufforstungen nach § 25 LWaldG bzw. § 45 BWaldG oder Planfeststellungsverfahren

weitere Erstaufforstungen nach § 25 LWaldG (ohne Fördermittel) z. B. größere Städte sowie EA auf Landesflächen bzw. Bund

Erstaufforstung mit Fördermitteln (Landesförderrichtlinie) § 25 LWaldG

Sukzessionen (Neuwaldbildung) B°≥0,5; Alter ab 6 Jahre oder Mittelhöhe 1,5m

Summe Erstaufforstung Sukzessionen

Waldflächenbilanz

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der übertragene Wirkungskreis

80 _ 81

Bericht Waldbilanz 2010 und 2011 [Angaben in Hektar]

Treuhandwald

Waldumwandlungen

Privatwald

Gesamtwald

2010

2011

2010

2011

2010

2011

0,00

0,01

21,65

78,35

64,54

114,36

0,00

0,00

75,93

40,10

150,08

101,15

0,12

0,00

30,01

23,07

31,87

46,96

0,00

0,00

82,13

89,68

82,93

90,46

0,00

2,01

0,00

24,37

4,19

34,91

0,12

2,01

188,07

177,22

269,07

273,48

0,12

2,00

166,42

98,87

204,53

159,12

nach § 15 LWaldG bzw. § 45 BWaldG oder Planfeststellungsverfahren

Ersatzaufforstungen nach § 25 LWaldG bzw. § 45 BWaldG oder Planfest stellungsverfahren

weitere Erstaufforstungen nach § 25 LWaldG (ohne Förder mittel) z. B. größere Städte sowie EA auf Landesflächen bzw. Bund

Erstaufforstung mit Fördermitteln (Landesförderrichtlinie) § 25 LWaldG

Sukzessionen (Neuwaldbildung) B°≥0,5; Alter ab 6 Jahre oder Mittelhöhe 1,5m

Summe Erstaufforstung Sukzessionen

Waldflächenbilanz

In Umsetzung des Landeswaldgesetzes führen die Forstbehörden des Landes Mecklenburg-Vorpommern eine hohe Anzahl forstlicher Genehmigungsverfahren durch. Der Vorstand der Landesforst MV ist im Rahmen der Organleihe mit der Aufgabe der Unteren Forstbehörde betraut. Er hat diese Aufgabe an die Leiter der Forstämter und den Fachbereich Forstpolitik zur Ausführung delegiert. Daneben wird die Forstbehörde im Rahmen von Planfeststellungs-, Raumordnungs- oder Bauleitverfahren als Träger öffentlicher Belange nach § 10 Landeswaldgesetz beteiligt. In diesen Verwaltungsverfahren geht es vorrangig um Planungen zur Bau-, Tourismus- und Infrastrukturentwicklung in MecklenburgVorpommern. Übergang (Jenny Block *)

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der übertragene Wirkungskreis

82 _ 83

Verwaltungsverfahren nach folgenden gesetzlichen Grundlagen

Verwaltungsverfahren 2011

Verwaltungsverfahren nach folgenden gesetzlichen Grundlagen

Anzahl Verwaltungsverfahren

Verfahren nach § 2 LWaldG (Wald)

34

Beteiligungen nach § 10 LWaldG: Stellungnahmen (Summe) ROV PFV | Plangenehmigungen, konz. Verfahren BImSchV Renaturierungen F-Pläne | B-Pläne Schutzgebiete nach Naturschutzrecht Flurneuordnungsverfahren Sonstige Verfahren

831 7 73 57 10 462 7 56 159

Allgemeine Stellungnahmen

157

Anerkennung Fe-Werke § 11 Abs. 4 LWaldG

3

Verfahren nach § 12 LWaldG (ordnungsgemäße Fowi)

4

Genehmigungsverfahren nach § 13 LWaldG (Kahlhiebe)

58

Genehmigungsverfahren nach § 13 Abs. 5 LWaldG (hiebsunreife Bestände)

14

Anordnungen nach § 14 LWaldG (Pflicht zur Wiederaufforstung) Genehmigungsverfahren nach § 15 LWaldG (Umwandlungen) davon § 15 Abs.1 ( Staatswald ) Anerkennung nach § 15 Abs. 11 LWaldG

9 60 18 0

Verfahren auf Grundlage § 18 LWaldG (Waldverwüstung, ...) Verfahren auf Grundlage § 19 LWaldG (Waldschutz) Beteiligungsverfahren nach § 20 LWaldG (Waldabstand) Genehmigungsverfahren nach § 20 LWaldG (Waldabstand)

12 1 686 61

Genehmigungsverfahren nach § 21 LWaldG (Schutzwald)

1

Genehmigungsverfahren nach § 22 LWaldG (Erholungswald)

1

Genehmigungsverfahren nach § 25 LWaldG (Erstaufforstung)

72

Prüfverfahren nach § 26 LWaldG (Vorkaufsrecht)

2.202

Genehmigungsverfahren nach § 28 Abs. 4 LWaldG (Fahrgenehmigungen)

1.238

Beteiligungsverfahren nach § 28 Abs. 6 LWaldG (Reitwege) Genehmigungsverfahren nach § 28 Abs. 7 LWaldG (Sport- und Freizeitveranstaltungen) Genehmigungsverfahren nach § 28 Abs. 8 LWaldG (Wanderwege, Radwege)

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der übertragene Wirkungskreis

Anzahl Verwaltungsverfahren

Genehmigungsverfahren nach § 29 Abs. 1 LWaldG (Wohnwagen – Zelten)

5

Genehmigungsverfahren nach § 29 Abs. 3 LWaldG (Tierhaltung)

8

Genehmigungsverfahren nach § 29 Abs. 5 LWaldG (sonstige Waldnutzungen)

5

Genehmigungsverfahren nach § 30 Abs. 1 LWaldG (Waldsperrungen)

0

Anordnungen nach § 30 Abs. 2, 3 LWaldG (Waldsperrungen und Beseitigung)

0

Ordnungsverfügung nach § 34 Abs. 1 LWaldG

1

Anzeigen von Projekten § 34 Abs. 2 Nr. 7 LWaldG

12

Bestellungen nach § 50 LWaldG (Forstschutzbeauftragte)

3

Anhörung nach § 45 BWaldG

0

sonstige Genehmigungsverfahren | Anordnungen Ökokontomaßnahmen (UNB anerkannt) sonstige Beteiligungsverfahren Verfahren Forstkostenverordnung

19 0 122 19

Teilverfahren UVP-Verfahren UVP-Vorprüfungen

2 34

Prüfung Natura 2000

167

Summe

203

Ordnungswidrigkeiten Ordnungswidrigkeitsverfahren nach § 51 LWaldG

373

Summe

373

Summe Verwaltungsverfahren

Aufgrund der Novellierung des Landeswaldgesetzes (siehe 3.1 Novellierung des Landeswaldgesetzes) wurde auf einen Vergleich der Jahre 2010 und 2011 verzichtet. Die Zahl der Verwaltungsverfahren ist relativ konstant geblieben.

4 68 9

84 _ 85

6.295

Aus dem Forstamt Jägerhof: Fred Lockenvitz

Zehn Jahre Ersatzaufforstungen Zehn Jahre Ersatzaufforstungen im Forstamt Jägerhof, das sind 267 Hektar neuer Wald, auf den wir stolz sind. Diesen Wald präsentierte das Forstamt am 23. Juni 2011 den Flächeneigentümern, Vorhabenträgern, beteiligten Behörden, Gemeinden sowie der Presse anhand von vier beispielhaften Exkursionspunkten. Die neuen Waldflächen entstanden überwiegend als Ersatz für Waldflächenverluste im Rahmen der Entwicklung des Industriestandortes Lubmin für die Energiewerke Nord GmbH (EWN). Eine Auftaktveranstaltung hatte am 11. Januar 2000 offiziell den Start der Erstaufforstungen eingeläutet. Unter anderem Dieter Ritscher von EWN, Manfred Baum aus dem LU, Gustav Wilke von der Zentrale der Landesforst MV und das Forstamt Jägerhof nahmen daran teil. Mit diesem Termin begannen die Planungen am Industriestandort Lubminer Heide hinsichtlich Waldflächeninanspruchnahme und Standorterweiterung. Erfreulicherweise für uns Förster übersteigt die Fläche des Neuwaldes die Fläche der Waldverluste deutlich. Aktuell stehen aufgeforstete 267 Hektar Verlusten von 113 Hektar gegenüber. Der Neuwald entstand nicht nur auf landeseigenen Flächen, sondern auch auf privaten. Die Mitarbeiter des Forstamtes Jägerhof konnten so in den letzten Jahren miterleben, dass Neuaufforstungen umgehend aktive Investitionstätigkeiten ausgleichen, welche mit Eingriffen in den Wald verbunden sind. Forstbehörde und Investoren praktizierten auf Grundlage der gesetzlichen Regelungen während der vergangenen zehn Jahre eine konstruktive und aktive Zusammenarbeit. Der Zeitpunkt für die Exkursionsveranstaltung war wohlüberlegt, denn die Vereinten Nationen (UN) riefen das Jahr 2011 zum Internationalen Jahr der Wälder aus und alle Veranstaltungen bundesweit sollten unter dem Motto stehen »Entdecken Sie unser Waldkulturerbe«. Diesem Zweck diente auch diese Exkursionsveranstaltung.

Aus dem Fachgebiet Forsthoheit:

Touristische Entwicklung und forstbehördliches Handeln Die Tourismusintensität in Mecklenburg-Vorpommern weist im Vergleich aller Bundesländer Spitzenwerte auf. Im Jahr 2010 kamen 16.840 Übernachtungen auf 1.000 Einwohner.

Wolfram Lindenkreuz Obwohl die durchschnittliche Auslastung der Schlafgelegenheiten seit dem Jahr 2003 tendenziell zurückgeht, nimmt die Anzahl von Betten und Übernachtungsbetrieben im gleichen Zeitraum kontinuierlich zu. Während im Jahr 2000 2.485 Übernachtungsbetriebe insgesamt 154.300 Betten anboten, stieg die Zahl der Einrichtungen bis 2010 um 23 Prozent auf 3.064 an. Die Bettenzahl erhöhte sich dabei um 15 Prozent auf 178.300. Auffällig ist die ungleiche Verteilung der Übernachtungszahlen. Rund zwei Drittel aller Übernachtungen entfallen laut Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern auf den Bereich der Ostseeküste. Nur ein Drittel aller Übernachtungen erfolgt im Binnenland einschließlich Mecklenburgischer Seenplatte. Die unterschiedliche touristische Bedeutung der Regionen im Land spiegelt sich auch in den Tätigkeiten der Landesforst MV als Untere Forstbehörde wider. In den

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der übertragene Wirkungskreis

»Küstenforstämtern« Schönberg, Bad Doberan, Billenhagen, Schuenhagen, Abtshagen-Rügen und Neu Pudagla nimmt die forstbehördliche Bewertung touristischer Vorhaben einen besonderen Stellenwert ein. Im Jahre 2011 erfolgten zwei Raumordnungsverfahren, um die Genehmigung von touristischen Großprojekten an der Ostsee vorzubereiten. Dabei soll in RibnitzDamgarten auf der Halbinsel Pütnitz ein Sportressort entstehen sowie ein Gesundheitspark in Karlshagen auf der Insel Usedom. Im Sportressort Pütnitz planen die Projektverantwortlichen eine Beherbergungskapazität von bis zu 3.000 Betten auf einer Fläche von insgesamt rund 411 Hektar, der Gesundheitspark in Karlshagen ist mit rund 1.000 Betten auf einem Gelände von rund 25 Hektar angedacht. Beiden Vorhaben ist gemeinsam, dass sie erheblich in bestehende Waldflächen eingreifen. Die Wälder im Küstenbereich erfüllen zahlreiche Waldfunktionen, neben den Nutzfunktionen zum Beispiel den Schutz der Küste oder des Bodens, und haben für die Erholung häufig eine überdurchschnittlich hohe Bedeutung. Folglich unterliegt in diesen Bereichen die Beseitigung des Waldes aus forstbehördlicher Sicht einer besonderen Bewertung. Es ergibt sich ein unmittelbarer Konflikt zwischen dem gesetzlichen Auftrag der Forstbehörde, den Wald zu schützen und zu mehren, und den geplanten, konkret touristischen Einzelvorhaben. Im Zusammenhang mit den beiden oben genannten Fallbeispielen in Küstennähe zeigen sich besonders typische forstrechtliche Fragen. 1. Klärung der Waldeigenschaft Sowohl in Pütnitz als auch in Karlshagen handelt es sich um Flächen, die in der Vergangenheit überwiegend militärischen Nutzen fanden. Diese Nutzung endete in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts und Waldgehölze unterschiedlicher Sukzessionsstadien eroberten die Flächen zurück. Da kein aktuelles Kartenmaterial zur Verfügung stand, das die dynamische Flächenentwicklung der letzten Jahre berücksichtigt, war in beiden Fällen eine Waldkartierung erforderlich. Unter Federführung der Forstbehörde sollte dieses Vorgehen die Waldeigenschaften im Sinne des § 2 Landeswaldgesetz MV (LWaldG) klären. Eine präzise Waldflächenkartierung ist die entscheidende Grundlage für alle weiteren forstbehördlichen Prüfungen, Stellungnahmen, Genehmigungen und Ausgleichserfordernisse. Ergebnisse der Waldkartierung

In Pütnitz nahm das zuständige Forstamt Schuenhagen kurzfristig eine flächendeckende Waldkartierung von mehreren Hundert Hektar vor. Diese Leistung verdient Anerkennung, da sie neben den üblichen Alltagsaufgaben erfolgte. Unterstützung erhielt das Forstamt vom Fachgebiet 033, das systematische Überflüge der Fläche organisierte und so die Herstellung einer Luftbildkarte erst ermöglichte. Die Ergebnisse der Waldkartierung sind hier beispielhaft dargestellt. Sowohl in Karlshagen als auch in Pütnitz bestätigte sich die Erfahrung aus anderen Genehmigungsverfahren: Die Waldkartierung ist gegenüber Dritten erläuterungsbedürftig, da die Walddefinition des Bundes- und des Landeswaldgesetzes nur wenigen bekannt ist. 2. Küstenschutz und Waldumwandlung Die Bedeutung des Waldes für den Küstenschutz ist hoch. Dies verdeutlicht auch die Neufassung des Landeswaldgesetzes, wonach Kahlhiebe einem Genehmigungsvorbehalt der Forstbehörde unterliegen, die innerhalb eines Abstandes von

86

300 Metern zur Mittelwasserlinie der Küstengewässer erfolgen. Dies gilt unabhängig von der Größe der Fläche. Entsprechend hoch ist das öffentliche Interesse, den Küstenschutzwald zu erhalten, zumal die Kombination von Wald und Küste zu einem der Alleinstellungsmerkmale von Mecklenburg-Vorpommern innerhalb Deutschlands gehört. Dem Erhalt des Waldes stehen im Raumordnungsverfahren die Interessen des Tourismus gegenüber, neue attraktive Angebote zu schaffen. Auch für das geplante Sportressort Pütnitz ist dieser Konflikt zu beobachten. Die touristische Attraktivität des gesamten Standortes ist umso größer, je näher Gebäude und Einrichtungen am Wasser liegen. Die Abwägung zwischen den verschiedenen Bedürfnissen in dem Raumordnungs- und in den anschließenden Genehmigungsverfahren »Sportressort Pütnitz« stellt eine der wesentlichen forstbehördlichen Aufgaben dar. 3. Waldabstand Gewinne und Rendite zu erwirtschaften, ist ein berechtigtes Anliegen touristischer Investoren. Deshalb ist die möglichst effiziente und vollständige Bebauung der zur Verfügung stehenden Fläche geboten. Die Gefahren, die durch eine Bebauung in unmittelbarer Nähe zum Wald entstehen, werden häufi g unterschätzt. Sie gehen einerseits vom Wald durch Sturmwurf und -bruch für Sachen und Personen aus, und entstehen andererseits für den Wald durch Feuer oder Funkenflug . Der im Landeswaldgesetz festgelegte Mindestabstand von 30 Metern zwischen dem Wald und baulichen Anlagen dient dazu, diese Gefahren zu minimieren und vorhandene Waldfunktionen zu erhalten. Vorprägung der zentralen Fläche (rote Linie) durch historisch militärische Gebäudereste

Besonders groß ist die Gefahrenlage gerade im Bereich der Küste, in dem sowohl der Gesundheitspark Karlshagen als auch das Sportressort Pütnitz liegen sollen. Insbesondere die erhöhten Windhäufigkeiten und -geschwindigkeiten machen es nötig, die Einhaltung der Waldabstands-Regelungen in beiden Fällen forstbehördlich einzufordern. So entwickelte sich die Waldabstandsproblematik zum zentralen Thema im Raumordnungsverfahrens für den Gesundheitspark Karlshagen. Das Luftbild zeigt die Vorprägung der zentralen Fläche durch historische militärische Gebäudereste als rote Linie. Der Wald grenzt direkt an die ehemalige Bausubstanz an, sodass der Aufbau der ehemaligen Gebäudegrundflächen aufgrund der Waldabstandsregelung nur in veränderter Form möglich ist. Insgesamt zeigen beide Vorhaben, dass eine frühzeitige Beteiligung der Forstbehörde im Interesse des Investors liegt. Rechtliche Regelungen lassen sich auf diese Weise für die weitere Planung berücksichtigen und Lösungen gemeinsam entwickeln. Walderhaltung und Waldmehrung fördern letztlich auch den Tourismus. Nicht nur im Küstenbereich sichert der sorgsame Umgang mit den Waldflächen des Landes eine auf Dauer erfolgreiche touristische Entwicklung.

Eine Autobahn entsteht im Wald – Der Neubau BAB 14 – Eine Herausforderung für die Forstbehörde Der Neubau der Bundesautobahn (BAB) 14 von Magdeburg über Wittenberge nach Schwerin in einer Gesamtlänge von 155 km ist eines der bedeutendsten Straßenbauprojekte in den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die Autobahn A 14 soll den nordöstlichen Verkehrsraum besser erschließen und zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung im Norden, u. a. durch die Anbindung von Mitteldeutschland an die Ostseehäfen, beitragen.

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011

Bernd Fischer

Das Teilstück der BAB 14 in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Trassenverlauf vom Autobahnkreuz Schwerin über Ludwigslust (östlich) und Grabow (westlich) bis zur Landesgrenze nach Brandenburg unterteilt sich in die Verkehrseinheiten (VKE) 6 und 7 mit einer Baustrecke von 25,8 km. Die BAB 14 ist als vordringlicher Bedarf im Bundesverkehrswegeplan 2003 enthalten. Im Jahre 2003 ist für den Neubau in Mecklenburg-Vorpommern eine Linienplanung erarbeitet worden. In einem Raumordnungsverfahren (ROV) wurden verschiedene Linienvorschläge vorgestellt und einer Abwägung aller Belange und sonstigen Betroffenheiten unterzogen. Im Ergebnis ist nach Abschluss des Raumordnungsverfahrens auf Grundlage von § 16 Bundesfernstraßengesetz eine Vorzugsvariante festgelegt worden, die jedoch nicht der favorisierten Variante der Forstbehörde, mit nur drei Hektar Waldinanspruchnahme, entsprach. Ein wesentlicher Grund für die Nichtberücksichtigung der forstlichen Vorzugstrasse mit einer sehr geringen Waldinanspruchnahme waren mögliche Beeinträchtigungen des IBA-Gebietes (Important Bird Areas – faktisches Vogelschutzgebiet) »Ackerlandschaft Prignitz- und Stepenitz« mit der Zielart Ortolan durch den Trassenraum. Für die nunmehr festgelegte Trasse begann im März 2011 das Planfeststellungsverfahren (PVF) für die Träger öffentlicher Belange mit dem Anhörungsverfahren für die VKE 7 in einer Länge von 16 km von der Anschlussstelle Ludwigslust Süd bis zum Autobahnkreuz Schwerin. Das Straßenbauamt Schwerin als Vorhabensträger im Auftrag des Bundes hat durch das Planungsbüro PLAN AKZENT Rostock eine Vielzahl von Planungsunterlagen bereitgestellt, die in einem engen vorgegebenen Zeitrahmen durchzuarbeiten waren. Auf Grundlage des Landeswaldgesetzes und unter Beachtung der künftigen Bewirtschaftung der angrenzenden Wälder sowie der Umsetzung der Kompensationsmaßnahmen ergaben sich allgemeine und konkrete Hinweise und Forderungen zur Berücksichtigung der Waldfunktionen. Die Forstbehörde erarbeitete bis Anfang Mai eine umfangreiche Stellungnahme, die beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr als planfeststellende Behörde erörtert wurde. Letztmalig hatte die Forstbehörde hier die Möglichkeit mit forstrechtlichen Hinweisen auf das Verfahren einzuwirken. Die Waldbilanz in den Planungsunterlagen beinhaltet 147 Hektar Waldumwandlung in den Forstämtern Jasnitz und Ludwigslust. Diese hohe Waldinanspruchnahme erfordert eine entsprechende umfangreiche Kompensation. Neben den Ersatzaufforstungen sind Waldumbau-, Wiedervernässungs-, Biotoppflege, Waldrandgestaltungs-, Sukzessions- und eine Vielzahl von Artenschutzmaßnahmen vorgesehen, die vornehmlich in den betroffenen Forstämtern Ludwigslust und Jasnitz, aber auch in den Forstämtern Friedrichsmoor und Wredenhagen

Der übertragene Wirkungskreis

Aus dem Fachgebiet Forsthoheit:

88 _ 89

Quelle: Planungsunterlagen PLAN AKZENT

Beginn der Außenaufnahmen zur BWI III Im Zusammenhang mit der »Dritten Bundeswaldinventur« (BWI III) entstehen zumeist Assoziationen wie Waldfläche, Baumarten, Verjüngung, Vorrat und Schäden. Doch hinter dem etwas sperrig geratenen Begriff steckt viel mehr, als sich auf den ersten Blick vermuten lässt.

Aus dem Fachgebiet Waldbau, Waldschutz, Naturschutz und Jagd:

Wenn sich Mecklenburg-Vorpommern von April 2011 bis Ende 2012 an der deutschlandweit einheitlichen Großrauminventur des Gesamtwaldes auf Stichprobenbasis beteiligt, erfüllt das Land nicht nur gesetzliche Vorgaben. Gleichzeitig ermöglicht die Inventur auch aktuelle Einblicke in unsere Wälder: Was hat sich seit der letzten Inventur von 2002 verändert? Wie hat sich der Gesamtwald entwickelt? Wie haben die Waldbesitzer den wertvollen Rohstoff Holz genutzt? Welche Waldlebensraumtypen hat Mecklenburg-Vorpommern zu bieten?

Katja Lindenkreuz

Diese vielfältigen Daten bilden die Grundlage für wichtige forst-, handels- und umweltpolitische Entscheidungen zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz des Waldes. Ziel ist es, den Wert der Wälder für die nachfolgenden Generationen zu sichern. Die dritte Inventur schaff t zudem einen Grundstock an Instrumenten, um die Waldbewirtschaftung auf nationaler und regionaler Ebene zu kontrollieren und optimieren. Die Bundesinventurleitung koordiniert die BWI III und wertet anschließend auch die Ergebnisse aus. Sie besteht aus Vertretern des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und des Instituts für Waldökologie und Waldinventuren am Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut Potsdam. In den Händen der jeweiligen Bundesländer liegt die eigentliche Durchführung der Inventur. Die Landesinventurleitung Mecklenburg-Vorpommerns ist bei der Landesforst MV angesiedelt und wird hoheitlich im Auftrag des Landes Mecklenburg-Vorpommern tätig. Ausschließlich forstliche Unternehmer führen im Gegensatz zur BWI II die Feldaufnahmen durch, die Landesinventurleitung kontrolliert diese an mindestens fünf Prozent der Stichprobenpunkte.

Autobahn (Landesforst MV)

als forstlicher und naturschutzfachlicher Ausgleich und Ersatz durchgeführt werden sollen. Zu allen genannten Maßnahmen wie auch Hinweisen zu Wegekonzepten und der Wildbrückenplanung hat sich die Forstbehörde unter Einbeziehung größerer Waldbesitzer geäußert. Voraussichtlich Anfang 2012 ist die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange im PFV für die VKE 6 von der Anschlussstelle B5 »Ludwigslust Süd« bis zur Landesgrenze nach Brandenburg vorgesehen. Auf diesem Trassenabschnitt mit einer Gesamtlänge von 9 km sind Waldflächen in einer Größenordnung von rund 50 Hektar von einer Waldumwandlung im Forstamt Ludwigslust betroffen.

Von April 2011 bis Dezember 2012 entstehen die Außenaufnahmen im gesamten Landeswald mittels der gleichen Methodik wie bei vorhergehenden Inventuren. Das Raster der BWI II in den Maßen zwei Mal zwei Kilometer bleibt unverändert, je Rasterschnittpunkt wird ein Inventurtrakt eingemessen. An den im Wald gelegenen Ecken dieser Quadrate erfolgen im Anschluss die Datenerhebungen. Die mit den Feldaufnahmen beauftragten Forstsachverständigen haben für diesen Zweck ein Betretungsrecht für den Gesamtwald Mecklenburg-Vorpommerns und Fahrgenehmigungen für die jeweils zugeteilten Inventurgebiete. Diese sind nach naturräumlicher Nähe und Forstamtsstrukturen abgegrenzt:

Mit der Umsetzung dieser bisher größten Waldumwandlungsfläche für ein Planungsvorhaben in Mecklenburg-Vorpommern und der Vielzahl der Ausgleichsmaßnahmen hat die Landesforst MV eine forstbehördliche und forstbetriebliche Schwerpunktaufgabe in den nächsten Jahren zu begleiten.

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Der übertragene Wirkungskreis

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Kontrolltrupp der Landesforst MV bei der Arbeit (Katja Lindenkreuz)

Mecklenburg-Vorpommern Nord: Abtshagen-Rügen, Dargun, Poggendorf, Schuenhagen, Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, Nationalpark Jasmund Mecklenburg-Vorpommern Nord-West: Bad Doberan, Billenhagen, Güstrow, Schönberg, Schlemmin Mecklenburg-Vorpommern Süd-West: Conow, Friedrichsmoor, Gädebehn, Jasnitz, Karbow, Ludwigslust, Radelübbe, Schildfeld Mecklenburg-Vorpommern Süd: Lüttenhagen, Mirow, Neustrelitz, Nossentiner Heide, Sandhof, Stavenhagen, Wredenhagen, Nationalpark Müritz Mecklenburg-Vorpommern Ost: Jägerhof, Neu Pudagla, Neubrandenburg, Rothemühl, Torgelow Das Datenspektrum der Feldaufnahmen entspricht im Wesentlichen dem der BWI II. Lediglich die Dokumentation der Waldlebensraumtypen gemäß Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH) und die niedrigere Aufnahmeschwelle für die Erfassung von Totholz kommen unter anderem hinzu. Nachdem die Daten überprüft, komplettiert und ausgewertet sind, folgen nach Abschluss der Außenaufnahmen planmäßig auch Waldentwicklungs- und Holzaufkommensmodellierungen und Aussagen zum geschätzten Kohlenstoffspeicher Wald. Damit liefern die Inventurdaten einen guten Einblick in die Waldverhältnisse sowohl Mecklenburg-Vorpommerns als auch Deutschlands und schaffen wichtige Grundlagen für nationale und internationale Zielsetzungen. Durch den Vergleich zwischen BWI II und BWI III werden auch in den neuen Bundesländern Aussagen zum tatsächlichen Zuwachs und dem Nutzungsverhalten der Waldbesitzer möglich.

3.6 Ausbildung in der Landesforst MV

Die Landesforst MV führt die Forstwirts- und Laufbahnausbildung als Aufgaben des übertragenen Wirkungskreises durch.

gemäß § 2 LFAErG MV vom 11. Mai 2005

Forstwirtschaftsmeister übernehmen die praktische Ausbildung zum Forstwirt in zehn Ausbildungsforstämtern der Landesforst MV. Die reguläre Lehrzeit beträgt drei Jahre. Jährlich stellt die Landesforst MV 20 Auszubildende ein. Da eine Verkürzung der Ausbildung möglich ist, können Lehrlinge auf Antrag direkt vom ersten in das zweite Lehrjahr wechseln. Dieser Weg steht unter anderem Abiturienten offen. Somit befanden sich zum 01. November 2011 insgesamt 53 Lehrlinge in Ausbildung. Aus dem Abschlussjahrgang des dritten Lehrjahres konnte die Landesforst MV im Jahr 2011 sechs Forstwirte als Technikfahrer einstellen.

gemäß § 8 Berufsbildungsgesetz APOForst MV Ausbildungs- und Prüfungsordnung Forst: Verordnung über die forstliche Ausbildung und Prüfung für den Zugang zur Laufbahngruppe 2 des Agrar- und umweltbezogenen Dienstes im Land Mecklenburg-Vorpommern vom 08. Dezember 2010

Die Landesforst MV ist die Ausbildungsbehörde des Landes MecklenburgVorpommern für den Zugang zur Laufbahngruppe 2 des Agrar- und umweltbezogenen Dienstes. Die Ausbildung erfolgt in der klassischen Form des Anwärterjahres oder des zweijährigen Referendariats. Es werden jährlich sechs Anwärter und alle zwei Jahre sechs Referendare gemäß APOForst MV ausgebildet. Von den Anwärterabsolventen erhielten 2011 fünf einen befristeten und ein Absolvent einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei der Landesforst MV.

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Ausbildungs- und Reisezeitbericht Im Oktober 2010 lernten sich sechs junge Forstleute kennen. Alle hatten sich erfolgreich durch die Vorstellungsgespräche gekämpft und standen nun vor einem gemeinsamen Anwärterjahr, voller Erwartungen und persönlicher Neugier.

Die Forstinspektoranwärter 2010 | 2011:

In den ersten drei Wochen mit Aufenthalt in der Zentrale der Landesforst MV in Malchin sowie in der Schulungsstätte in Dümmer wurden wir erst einmal »eingenordet«. So nannte es jedenfalls unser Ausbildungsleiter Torsten Nanzka. Viele Informationen prasselten auf uns ein. Mit dem Satz »Im Studium lernten Sie aus Heftern, jetzt sollten Sie Ordner anlegen« wurde uns sehr schnell die Fülle des neuen Lernstoffs verdeutlicht. Nach dem Kennenlernen in den Forstämtern ging es zurück nach Dümmer. Zwei Wochen Bundesgesetzbuch und Verwaltungsrecht! Jeden Tag motivierten uns jedoch die fürsorgliche Betreuung von Manfred Richter und seinem Team sowie das sehr gute Essen von Neuem. Zurück in den Ausbildungsforstämtern begann die Zeit der Drückjagden und des Laubholzeinschlags. Jetzt konnten wir erstmals unsere theoretischen Kenntnisse in der Praxis erproben. Das Auszeichnen von Beständen und Aufmessen von Holzpoltern und Stammholz, die Einweisung der Forstwirte und die Organisation der Drückjagden standen hier auf unserem Ausbildungsplan. Wir lauschten den langjährigen Erfahrungen der Mitarbeiter des Forstamtes und erlebten den einen oder anderen Aha-Effekt.

Marie-Sophie Vöcks

Nach einem kurzen Heimaturlaub über Weihnachten verbrachten wir die Zeit bis Mai damit, uns sämtliches, vermeintlich prüfungsrelevantes Wissen anzueignen. Viele interessante Anwärtertage halfen uns dabei. Wir besuchten unter anderem die Samendarre in Jatznick, den Wertholzplatz im Forstamt Nossentiner Heide und auch mehrmalige Besuche an der Küste standen auf unserem Terminkalender. Der einmonatige Ausflug in die Forsteinrichtung und Standortskartierung rundeten das Spektrum dieses Ausbildungsabschnittes ab. Ein Höhepunkt der Ausbildung war die einmonatige Reisezeit. Nach reiflich überdachter Planung machten wir uns auf in die weite Welt der historischen Jagdund Forstgeschichte sowie zu aktuellen Brennpunkten der Waldbehandlung und Ökonomie der holzverarbeitenden Industrie. Die Reise begann am Jagdschloss Springe mit beeindruckendem geschichtlichen Hintergrund und führte hin zum größten kommunalen Waldbesitz Deutschlands, der Stadt Brilon. Weiter ging es über den Baumkronenpfad des Nationalpark Hainich und einen großen Privatwaldbetrieb. Im südlichen Brandenburg bereisten wir die Bergbaufolgelandschaften der Braunkohletagebaue und ließen uns mit dem Kahn durch den Spreewald schippern. Pflichtprogramm für jede Forstfrau und jeden Forstmann sind das Revier Massow der Hatzfeldschen-Wildenburg‹schen Verwaltung und das historische Kieferndauerwaldrevier Bärenthoren. Nach zahlreichen weiteren Stationen, unter anderem mit Zwischenstopp in den Holzwerken EGGER und ILIM am Standort in Wismar, endete die Reise in der Bundeshauptstadt. Nicht nur wertvolle Erkenntnisse für unsere persönliche forstliche Entwicklung, auch Vergnüglichkeit und kulturelle Erlebnisse prägten diese Zeit. Auf der Zielgeraden unseres Ausbildungsweges machten wir noch einen Zwischenstopp in den Nationalparks Müritz und Vorpommersche Boddenlandschaft, um uns mit der Materie des Naturschutzes intensiver auseinander zu setzen. Ein mit unvergesslichen Ereignissen ausgefülltes Jahr ging mit erfolgreichen Prüfungen zu Ende.

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Aus dem Servicegebiet Aus-, Fortund Weiterbildung: Claudia Luboeinsky

Finnische Lehrlinge der Forstschule Valtimo bei der Arbeit (Mirko Fischer) Ungarische und deutsche ForstwirtAuszubildende bei der Pflege von Weihnachtsbaumkulturen im Forstamt Neustrelitz (Udo Zander, Nordkurier)

Auszubildenden-Austausch mit Finnland und Ungarn Über das Forstamt Güstrow gelang es der Landesforst MV im Jahr 2008, eine ungarische Partnerschaft für Forstwirtsauszubildende aufzubauen. Möglich wurde dies über das »Leonardo da Vinci«-Mobilitätsprojekt für lebenslanges Lernen der Europäischen Union. Ein Jahr später verließen die ersten vier Lehrlinge die Landesforst MV für ein vierwöchiges Arbeitspraktikum im Forstamt Szilvásvárad im Bükkgebirge. Weitere acht Forstwirtsauszubildende folgten ihnen im Jahr 2010. Auch ungarische Lehrlinge nutzen seit 2010 diese Praktikumsmöglichkeiten in einigen Forstämtern der Landesforst MV. 2010 waren es 16 ungarische Auszubildende, die in den Forstämtern Billenhagen, Dargun, Güstrow und Schuenhagen ein Praktikum absolvierten. In den Sommermonaten 2011 betreuten die Forstämter Billenhagen, Dargun, Güstrow, Schuenhagen, Abtshagen-Rügen, Neustrelitz insgesamt 21 ungarische Lehrlinge. Die Bedeutung der maschinenunterstützten Holzernte speziell mit Forwardern und Harvestern nimmt kontinuierlich zu. Folglich ist es aus Sicht der Landesforst MV zeitgemäß, während der Lehrausbildung für Forstwirte die Fähig- und Fertigkeiten sowie die Kenntnisse rund um die Großmaschinen zu vertiefen. Über das »Leonardo da Vinci«-Mobilitätsprojekt erhalten einige Auszubildende der Landesforst MV ab 2012 deshalb die Möglichkeit, ein vierwöchiges Forstmaschinenpraktikum in Finnland zu absolvieren. Die Fördergelder für diese Maßnahme beantragte das Forstamt Poggendorf bei der Nationalen Agentur für Bildung in Europa. Um sich über die Ausbildungsinhalte und -methoden vor Ort zu informieren, statteten sieben Ausbildungsverantwortliche der Landesforst MV den finnischen Partnern schon im September 2011 einen Besuch ab.

Die Situation für den Waldschutz in den Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns war im Jahr 2010 von Schwierigkeiten geprägt. Neben den extremen Witterungsereignissen kam es zu einer weiteren Verbreitung des Eichenprozessionsspinners in Süd-West-Mecklenburg. Dieser ist in den letzten Jahren zunehmend in Norddeutschland präsent. Seit 2005 häufen sich die Hinweise, dass der wärmeliebende Nachfalter auch in Mecklenburg-Vorpommern zu einem Schadinsekt der einheimischen Eichen wird und ein Begleiter der Frühjahrsgemeinschaft ist. Bei mehrjährigem Vorkommen kann er durch seinen intensiven Fraß alleiniger Verursacher bestandesgefährdender Schäden sein. Außerdem können die Gifthaare der Raupen zu allergischen Reaktionen beim Menschen (auch Tieren) führen. Auch die Nonnenpopulation in den Kieferngebieten der Leussower und Nossentiner-Schwinzer sowie der Strelitzer Heide stieg an. Hinzu kam das Problem des Eschentriebsterbens, insbesondere auf suboptimalen Standorten in Vorpommern. Es war ein Jahr der »besonderen« Waldschutzereignisse. Auch 2011 war die Witterung für die Waldschutzsituation »besonders« entscheidend. Das milde Frühjahr sorgte für einen zeitigen Laubaustrieb, sodass die Insekten der Frühjahrsschadgemeinschaft der Eichen örtlich günstige Entwicklungsbedingungen fanden. Dies ließ auch die Schäden durch den Eichenprozessionsspinner im öffentlichen Grün des Landkreises Ludwigslust ansteigen. In den Wäldern waren es vorrangig die Larven vom Gemeinen Frostspanner, die vereinzelt starken Fraß verursachten. Zudem erlitten besonders die Eichen Anfang Mai spürbare Spätfrostschäden. Dauerregen in den Monaten Juli und August überfluteten großflächig die Waldbestände in Nordvorpommern, mit nachfolgenden Absterbeerscheinungen in den betroffenen Beständen. In dieser Region verstärkte sich auch das Eschentriebsterben. Dagegen brachen aufgrund der Witterung in den Sommermonaten die im Vorjahr beobachteten erhöhten Nonnenpopulationen zusammen.

Die Landesforst MV nimmt im übertragenen Wirkungskreis die Aufgabe des Waldbrandschutzes für den Gesamtwald in Mecklenburg-Vorpommern wahr. Durch das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern erfolgt die Einteilung der Waldgebiete des Landes in die Waldbrandgefahrenklassen A, B und C. Um die Öffentlichkeit zu informieren und vorbeugende Maßnahmen durch die Forstbehörden zu organisieren, rufen die Leitforstämter für Waldbrandschutz entsprechende Waldbrandwarnstufen aus. Diese richten sich nach der jeweiligen Zündbereitschaft der Vegetation in Abhängigkeit von den Wetterdaten. Als Ausdruck der akuten Waldbrandgefährdung reichen sie von Stufe 1 bis 4. Die Stufe 4 signalisiert die höchste Waldbrandgefahr.

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3.7 Waldschutz

Gemeine Eschen leiden seit den 1990er Jahren an Neuartigem Eschentriebsterben. Seit 2002 sind die Schäden auch in Deutschland zu beobachten. Die Symptome sind sehr vielfältig (vorzeitiger Blattfall, Welken der Blätter ab Juli, Absterben der Triebe und Äste, Verbuschung der Krone). An jüngeren Pflanzen ist der Verlauf der Erkrankung letal (tödlich), bei mittelalten und alten Eschen eher chronisch.

3.7.1 Präventiver Waldbrandschutz in der Landesforst MV

Der Waldbrandgefahrenklasse A gehören Gebiete mit hoher | permanenter, B mit mittlerer | saisonaler und C mit geringer Waldbrandgefahr an.

Leitforstämter für Waldbrandschutz

Leiforstamt

Waldbrandgefahrenklasse

Auf Vorschlag der Unteren Forstbehörden legt die Oberste Forstbehörde entsprechend der Waldbrandschutzverordnung Leitforstämter fest. Soweit es sinnvoll ist, berücksichtigen die Grenzen der Leitforstämter die Landkreisgrenzen und die jeweiligen Waldbrandgefahrenklassen. Während der jährlichen Waldbrandsaison vom 01. März bis zum 30. September zeigen Schilder bei den Forstbehörden die aktuellen Waldbrandwarnstufen an. Auch das Fachgebiet Waldbau, Waldschutz, Naturschutz und Jagd publiziert diese täglich im Internet unter www.wald-mv.de für alle Interessierten. Zum möglichst raschen Erkennen von Waldbränden überwachen die kameragestützten automatischen Waldbrandfrüherkennungssysteme Firewatch (AWFS) die Wälder. Ein optisches Sensorsystem (OSS) erkennt mit speziell entwickelter Software jegliche Rauchentwicklung in einem Radius von maximal 15 Kilometern. Im gesamten Land kontrollieren 21 optische Sensorsysteme in vier AWFS-Zentralen insgesamt 267.750 Hektar. Dabei handelt es sich überwiegend um Waldgebiete der Gefahrenklassen A und B.

1. Radelübbe Schildfeld Schönberg

C B C

2. Jasnitz Ludwigslust Conow Karbow

A A A B

3. Sandhof Nossentiner Heide Wredenhagen

B B B

4. Gädebehn Friedrichsmoor

C B

5. Bad Doberan Billenhagen

C C

6. Güstrow Schlemmin Dargun

C C C

Neben den Waldbrand-, Alarm- und Bereitschaftsplänen bei den Forstämtern aktiviert die Zentrale der Landesforst MV ab den Waldbrandwarnstufen 3 und 4 außerdem einen Bereitschaftsplan. Damit ist auch die Zentrale jederzeit telefonisch erreichbar.

7. Mirow Nationalparkamt Müritz Neustrelitz Lüttenhagen

A B B B

Im Jahr 2010 brannte es im Landeswald MV insgesamt 25 Mal, die Gesamtschadfläche lag bei 5,4 Hektar. Ein nasses Frühjahr und ein verregneter Sommer begünstigten die relativ geringe Anzahl und Flächengröße der Brände. Besonders häufig

8. Neubrandenburg Stavenhagen

C C

9. Poggendorf Schuenhagen Nationalparkamt Vorpommern Abtshagen-Rügen

C C C C

10. Neu Pudagla Jägerhof

B C

11. Torgelow Rothemühl

A B

Erkennt der Diensthabende in der zuständigen AWFS-Zentrale eine eindeutige Rauchentwicklung, ist eine unmittelbare Alarmierung der Feuerwehr möglich. Die AWFS-Zentralen und Leitforstämter arbeiten im präventiven Waldbrandschutz sehr eng mit den Fachämtern und Rettungsleitstellen der Landkreise zusammen. Für jeden Landkreis fungiert ein Forstamtsleiter als Kreiswaldbrandschutz-Beauftragter beziehungsweise als dessen Stellvertreter. Dieser ist für die Koordinierung aller Maßnahmen zuständig und gilt als Ansprechpartner bei allen auftretenden Fragen.

Gemäß § 1 Absatz 6 vom 14. Februar 1994: Ein Leitforstamt für den Waldbrandschutz ist ein Forstamt, das für mehrere Forstämter bestimmte Aufgaben des Waldbrandschutzes, wie Auslösen und Aufheben von Waldbrandwarnstufen und Zusammenarbeit mit Kreisverwaltungen, wahrnimmt. Die oberen Forstbehörden (Forstdirektionen) legen fest, welche Forstämter Leitforstämter für den Waldbrandschutz sind.

Löschwasserentnahmestelle (Norman Kessner) Feuerwachturm (Diethard Spörck)

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entstanden Waldbrände im Monat Juli. Die durchschnittliche Schadflächengröße lag bei 0,24 Hektar je Waldbrand. In elf Fällen blieb die Ursache der Brände ungeklärt, vier Brände wurden vorsätzlich gelegt. Bei zehn Bränden stellten Ermittlungen Betriebe oder andere Personen als Verursacher fest. Trotz der widrigen Sommerwitterung traten im Jahr 2011 sieben Brände mehr auf als 2010. Im Landeswald MV summierten sich damit 32 Waldbrände. Die Schadfläche verdoppelte sich fast auf 10,4 Hektar. Am häufigsten brannte es in den Monaten April und Mai. Die durchschnittliche Brandfläche betrug rund 0,33 Hektar. Bei 14 Bränden konnte die Ursache nicht geklärt werden, bei sieben Bränden gehen die Behörden von Brandstiftung aus. Einmal kam es zu einer Selbstentzündung von Munition und neun Brände verursachten »andere Personen«. Auch ein Kurzschluss in einer Stromleitung löste eines der Feuer aus.

Übersicht der Firewatch Überwachungssysteme

AFWS-Zentrale

Forstamtsbereich

Bezeichnung

Jasnitz

Conow Ludwigslust Ludwigslust Karbow Jasnitz Radelübbe

FW T Karenz FW T Dabow Grabow | Schwarz. Berg | Holzberge FW T Groß-Laasch FW T Poltnitz Mobilturm Redefin Mobilturm Bandenitz

Sandhof

Wredenhagen Sandhof Nossentiner Heide Nossentiner Heide Gädebehn

FW T Adamshoffnung Petersdorf Mobilturm Bossow FW T Jabel FW T Malkwitz Mobilturm Dabel

Mirow

Mirow Mirow Lüttenhagen Neustrelitz Natinalparkamt Müritz

FW T Mirow ehem. Rev. Holm FW T Wesenburg | Rothe-Moor-Berg FW T Wokuhl | Pfarrsee FW T Wilhelminenhof Mobilturm-Aussichtsturm Käflingsberg

Torgelow Torgelow Rothemühl Rothemühl Torgelow

Mobilturm Ahlbeck Mobilturm Borkenfriede | Heinrichsdorf Mobilturm Löcknitz Mobilturm Rothemühl Mobilturm Viereck

Torgelow

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Waldbrandschutzübung des Landkreises Demmin – »Feuerwalze« in Basedow Im Raum Liepen-Basedow des Forstamtes Stavenhagen versammelten sich am 16. Oktober 2010 insgesamt 260 Einsatzkräfte aus dem Landkreis Demmin, um eine Waldbrandschutzübung durchzuführen. Als zuständige Behörde für den Kreiswaldbrandschutz hatte das Forstamt Stavenhagen im Jahr 2009 die Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung intensiviert. Auch thematisierte das Forstamt in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit vorbeugender und abwehrender Maßnahmen zum Schutz der Wälder vor Bränden. Eine Arbeitsgruppe Waldbrandschutz rief deshalb die hier vorgestellte Waldbrandschutzübung im Jahr 2010 ins Leben.

Aus dem Forstamt Stavenhagen: Ralf Hecker

In den Wäldern des Forstamtes Stavenhagens besteht grundsätzlich aufgrund der Bestockungsstruktur und des Klimas eine geringe Waldbrandgefahr der Gefahrenklasse C. Bei differenzierter Betrachtung gibt es jedoch auch hier Revierverhältnisse mit höherem Waldbrandrisiko. Besonders ein über 1.500 Hektar großes Waldgebiet mit überwiegender Kiefernbestockung östlich des Malchiner Sees gilt als gefährdet. Den Wald bewirtschaften maßgeblich zwei größere private Forstbetriebe. Vor etwa 30 Jahren wütete dort schon einmal ein Katastrophenwaldbrand, daher lag es nahe, die geplante Übung auf diesen gefährdeten Raum zu konzentrieren. Im Rahmen der Vorbereitung definierten die Beteiligten zuerst Thema und Zielstellung der Übung. Diesen Vorgaben entsprechend stand die Arbeit der Technischen Einsatzleitung des Landkreises Demmin im Fokus. Insbesondere das Vorgehen, um Großschadenslagen zu beherrschen und einen Waldbrand an mehreren Einsatzschwerpunkten zu bekämpfen, sollte Teil der Übung sein. Ebenso wichtig war das Training des koordinierten Handelns von Rettungs-, Katastrophenschutz- und Brandschutzkräften mit den Kräften der Polizei, des Forstamtes, der Bundeswehr und der integrierten Leitstelle Neubrandenburg. Folgende Zielstellungen galt es zu erfüllen: 1. Überprüfung der Alarm- und Meldewege 2. Optimierung der Zusammenarbeit zwischen den Einsatzkräften des Landkreises und der Forstbehörde 3. Sicherstellung der Wasserversorgung über lange Wegstrecken 4. Gezielte Heranführung von Löscheinheiten durch Lotsenkräfte der Forstbehörde 5. Praktische Durchführung der Waldbrandbekämpfung 6. Rettung und Versorgung von Personen Im Rahmen von vier Beratungsterminen erarbeiteten die Beteiligten in Abstimmung und unter Mitwirkung der privaten Waldbesitzer den Übungsablauf. Waldbrandschutzübung »Feuerwalze« (Ralf Hecker)

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Szenario I: Eine durch Rauchentwicklung des Grasbrandes verursachte PkwVerunfallte Person alarmiert Feuerwehr und Rettungsdienst. Szenario II: Waldbesucher bemerken eine starke Rauchentwicklung im Wald und alarmieren die Rettungsleitstelle. 90 Minuten nach der Erstalarmierung löst der Landrat Katastrophenalarm aus. Das Technische Hilfswerk erhält insoweit Vorinformationen, dass eine mobile Wasserentnahmestelle aufzubauen ist. Gleichzeitig legen die Freiwilligen Feuerwehren eine reale Waldbrandschutzschneise an. Im Ergebnis der Übung stand fest, dass sich wichtige Verbindungen zur Brandbekämpfung und Gefahrenabwehr herstellen ließen, dabei wurden auch die verschiedenen Waldeigentumsarten mit einbezogen. Alle Akteure schlossen die Übung in dem Bewusstsein ab, dass Waldbrandbekämpfung spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten erfordert. Besonders die örtlichen Feuerwehren zeigten großes Interesse daran, gemeinsam mit der Forstbehörde die Umsetzung von Schutzmaßnahmen vor Waldbränden weiter auszubauen und zu verbessern. Feuerwalze und Einsatzgebiet (R.Hecker)

Unser Wald soll Holz liefern, der Erholung dienen und im selben Atemzug den Ansprüchen des Naturschutzes und der Landschaftspflege gerecht werden. Durch eine multifunktionale naturnahe Forstwirtschaft lassen sich diese vielfältigen Anforderungen umsetzen. Eine integrative und vielfältige Bewirtschaftung unserer Wälder erwies sich unter den hier geltenden Rahmenbedingungen als richtungsweisend und sichert dabei nachhaltig den Dreiklang von Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion. Diese Funktionen sind als gleichrangig zu betrachten, wobei auf der Einzelfläche ein Aspekt durchaus überwiegen kann.

3.8 Naturschutz im Wald

Bei der Gewährung der Schutzfunktion handelt es sich nicht nur um ein Bedürfnis, das wir als Gesellschaft an den Wald stellen, sondern um den langfristigen und nachhaltigen Erhalt unserer Lebensgrundlagen. Ein zentrales Ziel des Naturschutzes im Wald ist deshalb, die natürlichen Lebensräume zu erhalten und zu verbessern, vor allem für die an den Wald gebundenen Tier- und Pflanzenarten. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag, um die biologische Vielfalt der Waldökosysteme zu sichern und weiterzuentwickeln. Unter dem Begriff »Biologische Vielfalt« oder »Biodiversität« versteht man die Vielfalt der Arten, die Vielfalt der Lebensräume und die genetische Vielfalt innerhalb der Tier- und Pflanzenarten. Biologische Vielfalt umfasst also weit mehr als nur »Artenvielfalt«, mit der sie vereinfachend häufig gleichgesetzt wird. Entsprechende Konzepte, Erlasse und Strategien ermöglichen es, die Ziele umzusetzen. Darüber hinaus gibt es auch viele Projekte, die sich gezielt mit dem Thema Naturschutz im Wald auseinandersetzen und weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen. Naturschutz im Wald sichert die naturnahesten und individuellsten Lebensräume in einer großflächigen Kulturlandschaft. »Schneckenfarn« (Dirk Gutzeit *)

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3.8.1 Konzept »Biodiversitätsstrategie der Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern«

Vom 07. November 2007: Durch die Verwirklichung von rund 330 Zielen und rund 430 Maßnahmen mit einem Zeithorizont bis zum Jahr 2020 soll der Rückgang der biologischen Vielfalt aufgehalten und der Trend umgekehrt werden. Entsprechend den Grundsätzen der CBD erfolgt die Umsetzung nach dem Leitprinzip der Nachhaltigkeit und berücksichtigt daher ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen. Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro wurde 1992 das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) beschlossen, das heute von mehr als 190 Vertragsparteien, darunter auch Deutschland, ratifiziert wurde. Die Verabschiedung dieser Konvention resultierte aus der Erkenntnis, dass die Probleme des alarmierenden, weltweit zu beobachtenden, anthropogen verursachten Rückgangs der biologischen Vielfalt sehr komplex sind und Lösungsansätze eine weltweite Zusammenarbeit erfordern. Gemäß der CBD verpflichteten sich die Vertragsparteien, nationale Strategien, Pläne oder Programme anzupassen. Vor diesem Hintergrund, verbunden mit dem auch in Deutschland besorgniserregenden Rückgang vieler Tier- und Pflanzenarten, beschloss die Bundesregierung im November 2007 die »Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt« (NBS). Der durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) initiierte Umsetzungsprozess sollte alle gesellschaftlichen Akteure einbeziehen.

Waldspezifischer Biodiversitätsparameter [Tabelle 1]

Indikatoren

Teilindikatoren

1 – Repräsentanz

1.1 Waldanteil (Flächenrepräsentanz) 1.2 Naturräumliche Repräsentanz

2 – Fragmentierung

2.1 Fragmentierung

3 – Naturnähe der Vegetationszusammensetzung

3.1 Naturnähe der Baumartenzusammensetzung 3.2 Anteil nichtheimischer Baumarten

4 – Waldstruktur

4.1 Anzahl der vorkommenden Baumarten 4.2 Altersstruktur 4.3 Mischungsstruktur 4.4 Schichtung 4.5 Anteil der Naturverjüngung 4.6 Historische Waldnutzungsformen

5 – Sonderstrukturen

5.1 Totholz 5.2 Altholzinseln 5.3 Waldränder

6 – Artenvielfalt

6.1 Artenvielfalt

7 – Genetische Ressourcen

7.1 Forstgenetische Ressourcen 7.2 Forstliches Vermehrungsgut

8 – Schutzgebiete im Wald

8.1 Schutzgebiete im Wald

9 – Zertifizierte Waldfläche

9.1 Zertifizierte Waldfläche

Mit der Auflage eines länderübergreifenden Projekts zum Erhalt der biologischen Vielfalt in den Wäldern Nordostdeutschlands Anfang 2009 brachten sich die Landesforstverwaltungen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns aktiv in diesen Prozess ein. Die Arbeit in dem zwei Jahre laufenden Projekt war inhaltlich in folgenden Etappen unterteilt: Aufstellung eines Indikatorensystems zur Bemessung des Zustandes der biologischen Vielfalt der Wälder Auswertung und Interpretation der Ergebnisse in Form indikatorbezogener Zustandsbeschreibungen Zusammenstellung bereits etablierter Maßnahmen und Programme zur Erhaltung bzw. Verbesserung einzelner Zustandsparameter der biologischen Vielfalt Darstellung von Defiziten, Ableitung von Handlungsempfehlungen sowie die Formulierung einer Position aus Sicht der Forstverwaltungen In der ersten Etappe des Projekts wurden die Anregungen der Nationalen Strategie zur Verfeinerung eines Indikatorensets für Wälder aufgegriffen, weitere waldspezifische Indikatoren und Teilindikatoren definiert und deren Relevanz für die Biodiversität von Wäldern und für die Forstwirtschaft verdeutlicht. Somit blieben neun Indikatoren und 19 Teilindikatoren zur Bewertung waldspezifischer Biodiversitätsparameter (Tabelle 1). Entsprechend der Bemessung des Zustands der biologischen Vielfalt anhand der erarbeiteten Indikatorenliste ließen sich folgende Schwerpunkte hinsichtlich ihrer Situation und Perspektive für die Wälder Mecklenburg-Vorpommerns herausarbeiten: Der Zustand der biologischen Vielfalt hat sich in den vergangenen 15 Jahren merklich verbessert. Dies ist im Wesentlichen auf die Umsetzung der 1995 im Ministerkabinett verabschiedeten »Grundsätze und Ziele einer naturnahen Forstwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern« in den Landeswäldern zurückzuführen. Im Rahmen

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Alle im Rahmen des Projekts definierten Indikatoren und Teilindikatoren zur Bewertung der biologischen Vielfalt der Wälder Nordostdeutschlands

dieser Strategie erfolgte in den vergangenen Jahren ein umfangreicher Waldumbau, in dessen Zuge sich die Anbaufläche der wichtigsten heimischen Laubbaumarten Buche und Eiche sowie – in geringen Anteilen – auch der Edellaubbaumarten deutlich erhöhte. Damit stieg der Anteil standortgerechter und mehrschichtiger, laubholzdominierter Bestände. Die damit einhergehenden positiven ökologischen Wirkungen werden in wenigen Jahrzehnten noch deutlicher spürbar werden.

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Seeadlerberingung 2010 – Landesforst MV und Naturschutz tauschen Ringe aus Einen Beweis für die mitunter sehr gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Forst- und Naturschutzverwaltung erbrachte die Beringungsaktion 2010 bei jungen Seeadlern:

Im Kontext der naturnahen Waldbaustrategie der Landesforstverwaltung wurden weitere, die Biodiversität fördernde Maßnahmen etabliert und in den folgenden Jahren weiterentwickelt. Dazu gehören z. B. das Programm zur Erhöhung des Alt- und Totholzanteils in bewirtschafteten Wäldern, in dessen Rahmen die Ausweisung sogenannter Altholzinseln initiiert und vorangetrieben wurde. Die Umsetzung des Schutz- und Forschungskonzepts der Naturwaldreservate führte zu einer repräsentativ ausgewählten Kulisse von Prozessschutzflächen, deren besondere Wertigkeit auf der wissenschaftlichen Dauerbeobachtung der auf diesen Flächen weitestgehend ungestört ablaufenden Waldentwicklungsprozesse beruht. Auch die im Rahmen von Generhaltungs-Programmen laufenden Maßnahmen zum Schutz seltener und gefährdeter heimischer Baum- und Straucharten wirken positiv auf die Vielfalt heimischer Waldökosysteme. Der Anteil von Waldflächen, die von der Bewirtschaftung ausgeschlossen sind, ist in Mecklenburg-Vorpommern vergleichsweise hoch. Mit zunehmender Einstellung der Bewirtschaftung in den Nationalparken sowie der Umsetzung des Prozesses zum nationalen Naturerbe wird sich dieser Anteil weiter erhöhen.

»Hotspots der biologischen Vielfalt« in Deutschland sind Regionen, die eine besonders hohe Dichte und Vielfalt charakteristischer Arten, Po pulationen und Lebensräume aufweisen. Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Die größten Probleme für die biologische Vielfalt in den Wäldern Nordostdeutschlands ergeben sich aus der Zurückdrängung und Fragmentierung der Waldfläche. Die daraus resultierenden negativen Effekte werden heute durch eine infrastruk turell bedingte Zerschneidung von Waldinseln sowie die aktuelle Bewaldung, welche nicht mehr das ursprüngliche Standortspektrum umfasst, verstärkt. Anhand der positiven Waldflächenbilanz für Mecklenburg-Vorpommern seit 1992 ist zu erkennen, dass die Landesforstver waltung hier seit Längerem bereits erfolgreich gegensteuert. Um jedoch die Fauna und Flora regionaltypischer Waldökosysteme langfristig zu erhalten, sind zukünftig neben der Waldmehrung Maßnahmen zur wirksamen Vernetzung von Waldlebensräumen unerlässlich. Dabei müssen über die bestehende Waldfläche hinaus Bestandteile der gesamten Landschaft zur Etablierung eines Biotopverbundes einbezogen werden. Identifizierte, sogenannte »Hotspots« der Biodiversität müssen im Wald konsequent geschützt und maßgeblich in derartige Vernetzungsprojekte integriert werden. Dazu bedarf es auch künftig einer verstärkten Förderung biodiversitätsorientierter Maßnahmen und Forschungsvorhaben. Der Schutz, die Erhaltung und die Wiederherstellung oder Erhöhung der biologischen Vielfalt sind ein gesamtgesellschaftliches Anliegen. Langfristige und kontrollierbare Zielstellungen sowie die Sicherstellung solider Finanzierungen sind für die Umsetzung elementare Voraussetzungen.

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Ein Seilkletterer berichtet: Felix Weisbrich

Der Morgennebel zieht durch den Buchenaltholzbestand im Forstamt Schlemmin. In einer besonders ausladenden Baumkrone thront – weithin sichtbar – ein gewaltiger Seeadlerhorst. Zwei Altvögel kreisen in sicherem Abstand um den Baum. Ihre abgehackten Warnrufe klingen weithin und zeigen den menschlichen Eindringlingen, dass sie am Ziel angekommen sind: Heute werden die Seeadlerjungen mit Erkennungsringen markiert. Henning Friz und Detlef Blank rüsten sich für den Aufstieg. Sitzen Gurt und Steigeisen korrekt? Funktionieren die Karabinerhaken? Die beiden sind zwei von 15 Baumsteigern der Landesforst MV und im beruflichen Alltag eher mit Saatguternte und der Verkehrssicherung an Bäumen beschäftigt. Peter Hauff, der Landeskoordinator »Seeadler«, steht am Wurzelanlauf des Baumes und begutachtet den Aufstieg der beiden Arbeiter. Er zeigt sich erfreut über die ganz konkrete Unterstützung durch die Forstverwaltung. Denn die Ringe sind wichtig, um die Verbreitung und das Brutverhalten der Seeadler wissenschaftlich begleiten zu können. Vor hundert Jahren fast ausgerottet und durch umfangreiche Schutzmaßnahmen zurückgekehrt: Der Seeadler ist das herausragende Symbol für den Naturund Artenschutz. Und Mecklenburg-Vorpommern wiederum ist das Seeadlerland schlechthin. Von rund 600 Brutpaaren im Jahr 2008 lebten 43 Prozent in dem nordöstlichen Bundesland an der Ostseeküste. Nicht zuletzt durch die Beringung ließ sich feststellen, dass der Bestand angesichts starker Fischbestände in den eutrophierten Flüssen, Seen und Teichen weiterhin deutlich ansteigt. 2008 verließ der Seeadler erstmals wieder die Liste der bedrohten Arten. Die Forstwirtschaft hat dazu einen gewichtigen Anteil beigetragen. Die Einführung von Horstschutzzonen Anfang der 60er Jahre sowie das Verbot von DDT Anfang der 70er Jahre sicherte den Bruterfolg und stoppte die Vergiftung der Vögel über die Nahrungskette. Förster und Seeadler, trotz aller Diskussion ist das eine Erfolgsgeschichte. »Horstschutz und regelmäßiger Informationsaustausch über Neuansiedlungen lassen zusammen mit der Unterstützung bei der Beringung die Beantwortung einer Vielzahl von populationsökologischen Fragestellungen zu«, so Hauff. Mit der Beringung können Wanderungsbewegungen über die Ostsee nachgewiesen und Erkenntnisse über Mortalität sowie Altersaufbau der Seeadlerpopulation gewonnen werden. Die Baumsteiger sind inzwischen über das Astgewirr des Horstes zu den Jungvögeln vorgedrungen. Sie erwartet kein freundlicher Empfang. Im Nest löst die vermeintliche Gefahr ein Spektakel aus, der Nachwuchs schimpft mächtig, ergibt sich dann aber doch fügsam den Griffen der Baumsteiger. Die Brut erfolgt von Mitte Februar bis Mitte März. Nach rund 40 Tagen schlüpfen die Jungen. Bis zu 90 Tage benötigen diese dann, um stark genug zu werden für die ersten Flugversuche. »Entscheidend ist es, den Zeitpunkt davor für das Beringen abzupassen«, erläutert Hauff. »Oberstes Gebot ist der Schutz der jungen Vögel. Die Aufregung und das Spektakel führen mangels Flugfähigkeit nicht dazu, dass Jungvögel aus dem Horst springen«, sagt er.

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Seeadlerjunges (Felix Weisbrich)

Henning Friz hat inzwischen das Junge in einen Beutel gesteckt und am Seil zu Boden gelassen. Das nasse und dunkelbraune Federkleid blitzt aus der Tasche hervor. Nachdem der Beutel geöffnet ist, versehen Hauff und sein Helfer den zeternden Jungvogel mit dem Vogelring der gemeinsamen Beringungszentrale Hiddensee des Landes Mecklenburg-Vorpommern. »Der Ring muss so weit um die Kralle schließen, dass sich das Tier auch im Laufe des Wachstums nicht daran verletzen, aber ihn auch bei zusammengezogenen Krallen nicht verlieren kann«, erklärt Peter Hauff. Mit geübten Handgriffen verschließt der Naturschützer den ersten Vogelring. Oberhalb der zweiten Kralle bringt er einen Aluminiumring mit Aufschrift an. »Wenn der Vogel auf dem Neststand steht, ist die Farbmarkierung dieses Ringes durch das Fernglas von allen Seiten deutlich zu erkennen«, sagt Hauff. Auf diese Weise verfolgen die Naturschützer seinen Lebensweg.

Schreiadlerschutz die Moorrenaturierungen, die Ausweisung von zehn Prozent Naturwald-Entwicklungsflächen, das heißt Naturwaldparzellen und Altholzinseln, sowie der Erhalt und die Entwicklung von Grünland- und Biotopflächen in der Agrarlandschaft. Für den Wald der Landesforst MV sagte der Vorstand bereits vorab zu, zwei Prozent der eigenen Waldfläche ohne finanziellen Ausgleich zur Verfügung zu stellen. Die Einbindung privater Waldbesitzer in ein langfristiges, naturschutzgerechtes Waldnutzungskonzept könnte Modellcharakter auch für andere national bedeutsame Waldregionen erlangen. Im Vordergrund stehen verschiedene, innovative Vertragsnaturschutzmodelle, die auf dem Freiwilligkeitsprinzip beruhen und angemessene Ausgleichszahlungen für Nutzungseinschränkungen vorsehen. Zur Finanzierung von naturschutzgerechten Regionalentwicklungsmaßnahmen über den Förderzeitraum hinaus ist die Gründung eines revolvierenden Regionalfonds und einer »Bürgerstiftung für Naturschutz und zukunftsfähige Entwicklung« geplant. Geschlossenes Kronendach im Rotbuchenbestand (Andreas Baumgart)

Seeadlerberingung (Felix Weisbrich)

Sicher in der Transporttasche verstaut, geht es nun für das Tier am Seil aufwärts zum sicheren Horst. Detlef Blank setzt den Seeadler in den ausgepolsterten Horst zurück. Nachdem die Männer abgestiegen sind, kehren die Altvögel zurück. Ruhe kehrt ein im Wald. Jeder ist wieder an seinem angestammten Platz: Die Menschen am Boden und die Adler in den Lüften.

Aus dem Forstamt Schuenhagen: Andreas Baumgart

»Nordvorpommersche Waldlandschaft« − Naturschutzgroßprojekt »chance.natur« Innovative Ideen für den Naturschutz in großflächig wertvollen Naturräumen Deutschlands suchte der 2007 gestartete Bundeswettbewerb »idee.natur«. Der damalige Landkreis Nordvorpommern beteiligte sich gemeinsam mit einer Regionalen Partnerschaft. Aus 19 Gemeinden sowie 40 Akteuren vor allem aus Politik und Verwaltung, Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, gewerblicher Wirtschaft und ehrenamtlichen Vereinen bestand der Zusammenschluss. Unter 122 Bewerbern setzte sich 2009 das Projekt der Partnerschaft als eines von drei Wald-Naturschutzgroßprojekten durch. Mehr als zehn Jahre fließen nun über zehn Millionen Euro aus Bundes-, Landes- und kommunalen Mitteln für Naturschutzund Regionalentwicklung in die Region. Die »Nordvorpommersche Waldlandschaft« umfasst circa 8.400 Hektar Wald im Forstamt Schuenhagen. Davon sind rund 4.500 Hektar Privatwald und etwa 3.900 Hektar Wald der Landesforst MV. Mit dem Schreiadler besitzt das Gebiet eine bestandsbedrohte Brutvogelart, deren Erhalt für die Bundesrepublik von großer naturschutzfachlicher Bedeutung ist. Das hier typische enge Nebeneinander von Bruthabitaten, also »blickdichten« Wäldern und Nahrungshabitaten, die als Grünland extensiv genutzt werden, bedingt die landesweit höchste Schreiadlerdichte. Dennoch geht auch in Nordvorpommern der Bestandsrückgang dramatisch vonstatten. Nur noch zehn Brutpaare sind hier zu finden, vor 15 Jahren waren es doppelt so viele. Das Jahr 2010 war geprägt durch die Arbeit am Pflege- und Entwicklungsplan, der als abgestimmte fachliche Grundlage für alle Maßnahmenplanungen gedacht ist. Das Forstamt fungiert in der Lenkungsgruppe als Interessenvertreter für die Forstwirtschaft und versucht gleichzeitig, das Leitbild der »Vorbildfunktion des Landeswaldes« mit konkretem Leben zu erfüllen. Zentrale Elemente sind neben dem

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3.9 Wald und Forschung – Forstliches Versuchswesen 3.9.1 Fünfzehn Jahre Forstliches Versuchswesen in MecklenburgVorpommern

Im Internationalen Jahr der Wälder 2011 liegt das zehnjährige Jubiläum des Forstlichen Versuchswesens bereits fünf Jahre zurück. Damit besteht diese relativ kleine forstliche Ressortforschungseinrichtung nun immerhin 15 Jahre und konnte sich in diesem Zeitraum, der durch eine Vielzahl von Reformen und Strukturveränderungen geprägt war, festigen und ein eigenständiges Profil entwickeln.

Forstliche Versuchsflächennetze in Mecklenburg-Vorpommern

Die ursprüngliche Zielsetzung, die dem Versuchswesen mit seiner Gründung 1996 übertragen wurde, insbesondere angewandte Forschungsprojekte zu bearbeiten und bei der zügigen Einführung der Ergebnisse in die forstliche Praxis mitzuwirken, gehört auch heute noch zu den Kernkompetenzen dieser Einrichtung. Dabei erfolgte sukzessive eine Entwicklung, bei der heute gerade private und kommunale Waldbesitzer verstärkt zu Adressaten der fachlichen Beratung und Betreuung wurden. Beispielgebend hat sich hier insbesondere das bei der Landesforst MV angesiedelte Waldschutzmeldewesen des Landes M-V entwickelt.

Das Waldschutzmeldewesen sichert durch die Überwachung und Erfassung der wichtigsten tierischen, pflanzlichen und pilzlichen (biotischen) Schaderreger, der abiotischen Schadereignisse (Sturm, Dürre, Frost) sowie des Waldbrandgeschehens einen aktuellen Überblick über den Zustand der Wälder in Mecklenburg-Vorpommern. Die Überwachung des forstsanitären Zustandes des Gesamtwaldes wird im Rahmen der Forstaufsicht durch die zuständige Forstbehörde gewährleistet. Zentrales Dokument ist das Waldschutzkontrollbuch. Quelle: Landesforst MV

Aber auch die fachliche Ausrichtung des Forstlichen Versuchswesens wurde in den vergangenen Jahren zunehmend breiter und vielseitiger. Dies resultierte nicht zuletzt daraus, dass man den steigenden Anforderungen der Umsetzung von durch den Bund und der EU initiierten Monitoring-Programmen, die zunehmend auf Ursache-Wirkungsbeziehungen des aktuell ablaufenden Klimawandels sowie deren Rückwirkungen auf Wald und Boden abzielten, mit einer maßvollen, aber kontinuierlichen Anhebung der dazu notwendigen Ressourcen, angemessen Rechnung trug. Zu einem wichtigen Pfeiler wurde auch der Bereich der Naturwaldforschung ausgebaut. Mit dem 1999 initiierten Naturwald-Programm wurde ein zeitgemäßes Monitoring-Programm zur Untersuchung der in unseren Wäldern ohne wirtschaftliche Eingriffe ablaufenden Waldentwicklungsprozesse begründet. Außerdem leistet dieses Programm heute mit faunistischen Untersuchungsschwerpunkten wichtige Erkenntnisse zur Biodiversität unserer Wälder. Tabelle 1: Forstliche Versuchsflächennetze in Mecklenburg-Vorpommern: Für die Durchführung der Versuchs- und Forschungsarbeiten werden landesweit verschiedene Versuchsflächennetze unterhalten und wissenschaftlich betreut. Diese können je nach Fragestellung sehr unterschiedlich angelegt sein. Hierzu zählen wenige Quadratmeter große sogenannte Verbiss-Weiserflächen ebenso, wie waldbaulich-ertragskundliche Versuchsflächen mit Seitenlängen von 25 bis 50 Metern und bis zu 100 Hektar Waldfläche umfassende Naturwaldreservate.

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Versuchsfläche (VFL)

Anzahl

Forschungs- bzw. Monitoring-Inhalte

EU-Intensivmessfläche

2

technisch hoch ausgestatte Intensivmessflächen zur Erfassung von Waldökosystemschäden und deren Ursachen

Naturwaldreservat

35

Dauerbeobachtung der Waldentwicklung aus der Nutzung entlassener Wälder

Naturwaldvergleichsfläche

16

vergleichende Dauerbeobachtung der Waldentwicklung bewirtschafteter Wälder

EU-Level-I-Fläche

17

europaweites Waldzustands-Monitoring

Bodendauerbeobachtung-Forst

57

landesweites Monitoring-Netz zur Beobachtung der Bodenzustandsentwicklung, der Waldernährung und des Waldzustandes

Bundesweite Bodenzustandserhebung

80

bundesweites Monitoring-Netz zur Erfassung des Bodenzustands und seiner Veränderungen

Waldbauliche Versuchsfläche

39

waldbaulich-ertragskundliche Forschung zur Erprobung von Methoden der Waldbehandlung

Waldzustandserhebung

135

Erfassungsnetz für das Waldzustands-Monitoring für den Bund und das Land MV

Flächen zum Schutz forstlicher Genressourcen

2.500

Flächen zum Schutz der genetischen Vielfalt waldbaulich bedeutsamer Baumarten und heimischer Waldgehölze

Waldschutz-Versuchsfläche

19

Versuchsflächen zur Dauerbeobachtung und Überwachung von Schaderregern

Verbiss-Weiserflächen-Paare (gezäunt | ungezäunt)

650

Monitoring-Netz zur Erfassung des örtlichen Verjüngungspotenzials und der Verbisssituation

Forstliches Verbiss-Gutachten

ca. 1.000

temporäres Stichprobennetz zur Erfassung der durchschnittlichen Verbisssituation in den Forstrevieren

Der für die forstliche Forschung nutzbare Etat des Versuchswesens ist in Zeiten knapper Kassen erstaunlicher- und erfreulicherweise gestiegen. Dies hat verschiedene Gründe. So ist der Anteil drittmittelfinanzierter Forschungsprojekte mit einer zunehmenden Integration in den bundesweiten forstwissenschaftlichen und umweltschutzrelevanten Forschungsverbund, aber auch dank einer engen Zusammenarbeit mit der Abteilung Nachhaltige Entwicklung, Forsten und Naturschutz im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Aber auch für Sponsoren und Förderer der Landesforst MV konnten gerade mit dem Forstlichen Versuchswesen in jüngerer Vergangenheit attraktive Forschungs- und Monitoringprojekte aufgelegt werden. Umfassende Synergien haben sich zudem gerade durch die traditionell enge Zusammenarbeit mit dem Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) ergeben. Das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) ist die Serviceeinrichtung des Landesbetriebes Forst Brandenburg und erfüllt praxisbezogene Vorlauf-, Dienstleistungs-, und Spezialaufgaben sowie die wissenschaftliche Beratung und den Wissenstransfer in die Forstpraxis. Im Jahr 2011 konnte das LFE auf eine inzwischen 140-jährige Tradition zurückblicken. Seit der Gründung der »Hauptstation für das Forstliche Versuchwesen« im Jahr 1871 ist in Eberswalde ununterbrochen die Forstliche Forschung zu Hause. Quelle: Land Brandenburg

Das Forstliche Versuchswesen steht heute, wie sein gesamtes Umfeld der forstlichen Produktion und des schonenden Umgangs mit der Ressource Wald, vor großen Herausforderungen: Die umfassenden, zu erwartenden Umweltveränderungen im Zuge des weltweiten Klimawandels, eine zunehmende Nachfrage und Verknappung des nachwachsenden Rohstoffes Holz, gestiegene Anforderungen an die Multifunktionalität der Wälder und die Erhaltung der Biodiversität unserer Ökosysteme, knappe Staatskassen etc. ergeben für ein, mit all dem konfrontierten Spektrum an Waldbesitz unterschiedlichster Größen- und Eigentumsverhältnisse Fragen, deren Antworten auch zwingend auf regionaler Ebene gegeben werden müssen.

In einem eröffnenden Referat stellte Dr. Peter Röhe aus der Abteilung Nachhaltige Entwicklung, Forsten und Naturschutz des Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz die Bedeutung forstwissenschaftlicher Forschung mit regionalem Bezug heraus und begründete die besondere Notwendigkeit von deren Langfristigkeit und Kontinuität. Im Anschluss präsentierten zwölf Referenten mit ihren Fachbeiträgen auf hohem Niveau Inhalte und Ergebnisse aktueller Forschungs- und Monitoringarbeiten. Dabei kamen nicht nur Mitarbeiter des Forstlichen Versuchswesens zu Wort, sondern ebenso verschiedene Kooperationspartner des Versuchswesens sowie Bearbeiter von Drittmittelprojekten. Diese Fachtagung vorzubereiten und durchzuführen, war ein schöner und motivierender Meilenstein für die Mitarbeiter des Forstlichen Versuchswesens. Auch die im Anschluss ausnahmslos positive Resonanz bestätigte den Erfolg ihrer Arbeit. Auf dieser Grundlage kann das Versuchswesen die kommenden fünf Jahre bis zum 20-jährigen Jubiläum in Angriff nehmen und Forstverwaltung und Waldbesitzern auch in diesem Zeitraum als kompetenter Partner beratend zur Seite stehen. Mauerbiene (Lars Fricke *)

Eine weitere Schärfung des Profils, kleinere Korrekturen am Kurs, eine engere Kooperation mit den im Lande ansässigen Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie die weiterzuführende Integration in die bundesweite Forschungslandschaft sind notwendig, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Als gutes Indiz dafür, dass sich das Forstliche Versuchswesen MV in den zurückliegenden 15 Jahren zu einem Erfolgsmodell ›gemausert‹ hat, kann sicher auch der kontinuierlich angestiegene Zuspruch an den durch das Versuchswesen ausgerichteten Fachveranstaltungen gewertet werden. Dies konnte mit der Vortragsveranstaltung anlässlich des 15-jährigen Bestehens eindrucksvoll bestätigt werden. So bot natürlich gerade das Internationale Jahr der Wälder 2011 einen würdigen Anlass, um über ausgewählte Ergebnisse aus der breiten Palette der in den letzten Jahren bearbeiteten Forschungs- und Monitoringthemen zu diskutieren. Die entsprechende Vortragsveranstaltung wurde am 27. Oktober 2011 in einem Hörsaal der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow ausgerichtet. Hierbei konnten sich die etwa 170 Gäste, von denen einige auch aus den benachbarten Bundesländern angereist waren, über die abgeschlossenen und noch laufenden Forschungsprojekte der letzten fünf Jahre informieren.

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Ein Tagungsbericht: Michael Wirner

AFSV-Tagung 2010 in Mecklenburg-Vorpommern Untrennbar mit dem Moor verbunden sind die Begriffe Klimaschutz und Landschaftswasserhaushalt. Um diese Verbindung aufzuzeigen, führte die Bundestagung der Arbeitsgemeinschaft für Forstliche Standorts- und Vegetationskunde (AFSV) vom 22. bis zum 25. September 2010 in die Moore und Feuchtwälder Mecklenburg-Vorpommerns. Die Landesforst MV unterstützte diese Tagung auf Schloss Hasenwinkel, eine Vortragsveranstaltung und ein Exkursionsteil bildeten den Rahmen. Mit ihren zahlreichen Mooren und Seen fiel die Wahl des Tagungsgebiets auf die Naturparkregion Sternberger Seenland. Federführend organisierte das Fachgebiet Standortserkundung | Natura 2000 die Bundestagung und arbeitete dabei eng mit dem Naturpark Sternberger Seenland, den Forstämtern Schlemmin, Gädebehn und Schönberg und dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Weitere Partner fanden sich im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) MV, der Universität Greifswald, dem Planungsbüro IHU – Gesellschaft für Ingenieur- Hydro- und Umweltgeologie mbH Stendal mit Sitz in Güstrow sowie der Landesgruppe MV der AG Geobotanik als Bestandteil des NABU. Eine vielfältige Themenpalette eröffnete sich vier Tage lang den 107 Teilnehmern. Sie diskutierten in dieser Zeit unter anderem über Moorklassifikation, die Klimawirkung von Mooren, Nasswaldbewirtschaftung, Biber, Moorrevitalisierung und das Moorschutzkonzept MV. Die positiven Rückmeldungen zeigten, dass die Tagung bundesweit Impulse setzte und ein hohes fachliches Niveau aufwies: »Die ›Wegweiser‹ zu Ihrer AFSV-Fachtagung sind enorm umfangreich; habe etwas geblättert und gesehen, da war nicht nur geballte Fachkompetenz geboten, sondern auch die TN-Riege war hoch kompetent (auch ALNUS und Biber waren starke Themen dort)«, lobte Ulrich M. Sorg vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. Dr. Helge Walentowsky von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft schrieb an einen Mitarbeiter: »Die Mecklenburger Kollegen haben das, was Sie dankenswerter Weise versuchen, schon geschaff t: ein ressortübergreifendes »Moor-Konsortium«, in dem sich Kollegen aus der Forstverwaltung, aus dem Naturschutz und weiteren Ressorts mit spezifisch ausgerichteten Arbeitsgruppen der Hochschule und mit Fachexperten aus spezialisierten Büros zusammentun. Die Rädchen dort scheinen sehr gut ineinander zu greifen; das müssten wir doch auch schaffen können!« Der Tagungsband und eine DVD enthalten sowohl die Vorträge als auch die Beschreibung der Exkursionspunkte. Auf der DVD sind auch weiterführende Aufsätze zum Thema zu finden. Den Schwung dieser Tagung sollten wir nutzen, um den Moorschutz in unseren Wäldern weiter zu befördern.

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Waldzustandsberichte 2010 und 2011 Der Gesundheitszustand der Wälder in MV erweist sich in den letzten drei Jahren als gleichmäßig stabil.

Aus dem Forstlichen Versuchswesen:

2010: Leicht verbessert zeigt sich der Gesundheitszustand der Wälder in MecklenburgVorpommern gegenüber dem Jahr 2009. Das geht aus dem 19. Waldzustandsbericht hervor.

Dr. Margrit Bemmann und Heiko Schulz

Bezogen auf einzelne Baumarten beziehungsweise Baumartengruppen verbesserte sich der Kronenzustand bei der Rotbuche am deutlichsten. Nach einer starken Fruchtbildung im Jahr 2009 und der damit verbundenen physiologischen Belastung erholte sie sich anschließend wieder. Während 29 Prozent der begutachteten Bäume im Jahr 2009 deutliche Schäden aufwiesen, waren es 2010 nur noch 13 Prozent der Buchen. Auch verbesserte sich der Benadelungszustand der Fichten. Ein leichter Negativtrend um zwei Prozentpunkte ließ sich bei dem Kronenzustand der Kiefer beobachten, sodass aktuell 17 Prozent der angesprochenen Bäume deutliche Schäden zeigen. Sichtbar schlecht erging es 2010 den Eichen. Eine örtlich intensiv fressende Frühjahrsschadgemeinschaft sowie der darauf folgende massive Eichenmehltaubefall auf den Johannistrieben führte bei 34 Prozent der Bäume zu unverkennbarer Zerstörung. Im Fokus der Waldschutzarbeit, allerdings aufgrund der Stichprobenverteilung nicht von der Waldzustandserhebung erfasst, stand nach wie vor das Eschentriebsterben. Nunmehr sind etwa 46 Prozent der Eschenfläche betroffen, 2008 waren es nur 25 Prozent. Besonders in Nord-Ost-Vorpommern sterben auf den organischen und terrestrischen Nassstandorten Eschen aller Altersgruppen ab. 2011: Exakt auf dem Niveau des Vorjahres liegt mit 19,1 Prozent der mittlere Nadel-Blattverlust der Bäume im Jahr 2011. Das geht aus dem 20. Waldzustandsbericht hervor.

Harzzeichen (Sylvia Preißler *)

Jedoch zeigten sich deutliche Unterschiede bei der Betrachtung der einzelnen Baumarten beziehungsweise Baumartengruppen. So verbesserte sich der Kronenzustand der Kiefer deutlich gegenüber dem Vorjahr. Sie ist nach wie vor unsere stabilste Baumart. Der Zustand der Eichen und der sonstigen Nadelbäume verbesserte sich leicht oder blieb im Vergleich zum Jahr 2010 unverändert. Aufgrund einer starken Fruktifikation erhöhte sich dagegen der mittlere Blattverlust der Rotbuchen sprunghaft, ebenfalls verschlechterte sich der Kronenzustand der Fichten und der sonstigen Laubbäume im Durchschnitt leicht. Die Schadstufenverteilung weist 30 Prozent ungeschädigte Bäume aus. Schwach geschädigte Bäume haben einen Anteil von 51 Prozent und 19 Prozent der Bäume sind deutlich geschädigt. Darunter fallen die Schadstufen 2 bis 4.

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Die ganze Welt in einem Tropfen (Gina Seltmann *)

Ein Tagungsbericht: Gerd Klötzer

AG Forsteinrichtung 2010 in Juliusruh auf Rügen Wetterkapriolen prägten dieses Jahr. Dabei ist die Frage, ob es nun wirklich immer wärmer oder wie in diesem Winter eher kälter wird, sekundär. Starkregenfälle mit schnellem oberirdischem Abfluss halten auf jeden Fall die Medien auf Trab. Es ist schon keine große Besonderheit mehr, wenn mehr als der gesamte Monatsniederschlag in zwei Tagen herunterkommt und zum Großteil gar nicht mehr in den Boden eindringt, sondern oberirdisch abfließt. Demgegenüber stehen wiederum Trockenphasen, die vier Wochen und länger anhalten.

nicht wie eine Maschine oder ein technisches Gerät umstellen. Die Verantwortung für unsere Enkel kann uns hier keiner abnehmen. Es bleibt der alte Grundsatz, möglichst das Regal vollzustellen und durch die Nutzung von derzeit noch ausländischen Baumarten zu sehen, was sich in 50 und 100 Jahren bewiesen hat. Vor zehn Jahren war die Eschen-Problematik noch nicht vorauszusehen. Die 100 Jahre, für die wir jetzt pflanzen und verjüngen, liegen folglich noch tiefer im Dunkeln.

Teilnehmer in Juliusruh auf Rügen (Gerd Klötzer) v. l. n. r. J. Luoeinsky, BT FVI, Dr. P. Röhe, LU, H. Pencz, BT FVI (Gerd Klötzer)

Wie schaff t es nur unser Wald, mit diesen Extremen umzugehen, sowohl der heutige als auch der, den wir jetzt für die Zukunft pflanzen? Was gibt es für uns zu tun? Genau zu diesem Thema trafen sich am 06. und 07. Oktober 2010 die verantwortlichen Leiter der forstlichen Kartierung, Datenermittlung und Planung zur Jahrestagung 2010 der Arbeitsgruppe Forsteinrichtung. Auf Deutschlands größter Insel Rügen versammelten sich die Leiter dieser Bereiche forstlicher Zustandserfassung und Planung aus allen Bundesländern, der Schweiz, Österreich und Südtirol. Gastgeber im Hotel »Aquamaris« in Juliusruh war die Landesforst MV. Jörn Luboeinsky, Leiter des Betriebsteils Forstplanung, Versuchswesen, Informationssysteme (BT FVI), präsentierte die Erfahrungen und Vorgehensweisen im Lande Mecklenburg-Vorpommern. Neben dem Fachlichen erfreuten sich die Teilnehmer auch an der Schönheit des Landes und insbesondere der Insel Rügen. »Naturnaher Waldbau im Klimawandel« lautete das interessante Grundthema der Tagung. Dieses stellt ein ganz entscheidendes Thema in der langzeitorientierten Forstwirtschaft dar, gerade nach den immer deutlicher werdenden und aktuellen Witterungsextremen mit Stürmen und Überflutungen. Beginnend mit einer wissenschaftlichen Vortragsreihe konzentrierte sich die Tagung unter anderem auf die Themen »Waldbaukonzepte der Länder im Klimawandel«, »prognostizierte Baumarteneignung« oder »Risiko und Unsicherheit beim Umgang mit Klimaprognosen«. Die Beiträge führten aufschlussreich in die derzeitigen Erkenntnisse ein und zogen oft eine umfangreiche Diskussion nach sich. Am Nachmittag schloss sich eine Exkursion in Rügens Wälder an. Auf der Route durch die Schaabe standen Verfahren der Forsteinrichtung in Mecklenburg-Vorpommern im Fokus der Erläuterungen und der zum Teil sehr ausführlichen Diskussionen. Aber auch die Kiefer als klimatolerante Baumart war Thema in bilateralen Gesprächen. Weiter führte die Exkursion in die Buchenwälder des Nationalpark Jasmund und bis an die Kreidefelsen. Bei herrlichem Wetter genossen die Gäste die Landschaft, ohne sich von den fachlich fundierten Diskussionen ablenken zu lassen. Am Abend organisierte das Hotel direkt am Strand ein Dinner im Zelt bei traumhafter Atmosphäre und Stimmung. Nicht ganz unumstritten ist jedoch ein geheiztes Zelt am Strand bei all seinen Vorteilen, wenn man über den Klimawandel und seine Folgen spricht. Am Donnerstag präsentierten abschließend die einzelnen Bundesländer die Maßnahmen, welche in ihren Augen Lösungsansätze für die bestehenden Probleme darstellen. Ein wirklich überzeugendes Mittel konnte naturgemäß keiner bieten, da wirklich sichere Prognosen zur Klimaentwicklung für derart lange Zeiträume nicht existieren. Der Wald mit seinen langen Entwicklungsphasen lässt sich eben

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Das Leistungsspektrum der Förster im Land ist weit umfangreicher, als manch einer annimmt. Dass wir Förster nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung der Menschen mit einem nachwachsenden Rohstoff und damit zum Gemeinwohl der Gesellschaft leisten, mag erstaunen. Gleichzeitig suchen und finden viele Menschen Erholung im nahen Wald. Zahlreiche Arten wildlebender Pflanzen und Tiere, auch die besonders gefährdeten, haben hier ihr Zuhause. Der Wald ist somit nicht nur als Natur-, sondern auch als Kulturgut anzusehen. Diese Leistungen darzustellen, zu kommunizieren und auf sie aufmerksam zu machen, ist Aufgabe der forstlichen Öffentlichkeitsarbeit. Zu diesem Zweck laden die Forstämter regelmäßig zu Veranstaltungen ein. Von Tagen der offenen Tür und Weihnachtsmärkten im kleinen Rahmen bis zu überregional bekannten Großveranstaltungen mit mehreren Tausend Besuchern reicht deren Spektrum. Auch nutzt die Zentrale Veranstaltungen und Messen im Land, um die breite Öffentlichkeit nicht nur über die Leistungen der Landesforst MV, sondern auch über die Leistungen der Förster aufzuklären. Neben der Information der Öffentlichkeit ist auch die Waldpädagogik eine zentrale Aufgabe der Landesforst MV. Die Forstämter widmen sich diesem Auftrag flächendeckend im ganzen Land. Als Teil der Umweltbildung soll die Waldpädagogik Heranwachsenden an praktischen Beispielen nicht nur das Ökosystem Wald und dessen Vielgestaltigkeit näherbringen. Vielmehr soll sie auch den Blick dafür schärfen, dass der Wald ein für den Menschen unersetzbares Gut ist. Mit dieser Haltung pflegt und nutzt die Forstwirtschaft den Wald, bewahrt und schützt ihn gleichzeitig aber auch. Die Bildungsträger erkannten ihrerseits, dass der Wald und die Forstwirtschaft gute Modelle zur Wissensvermittlung sein können. So spielt die Waldpädagogik im Rahmen der »Bildung für nachhaltige Entwicklung« eine zunehmend wichtige Rolle. Zu diesem Zweck gehen unsere Kollegen regelmäßig auf Lehrer und Schulen zu und unterbreiten verschiedene Angebote. Diese reichen von einer gemeinsamen Wanderung durch das Revier bis zu langjährigen, unterrichtsbegleitenden Kooperationen.

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3.10 Wald in der Öffentlichkeit

Den Arbeitsbereich Umweltbildung | Waldpädagogik | Öffentlichkeitsarbeit vertritt in der Landesforst MV eine direkt dem Vorstand zugeordnete Stabsstelle. In den Forstämtern ist für diesen Arbeitsbereich zeitanteilig ein Sachbearbeiter zuständig. Für Revier- und Forstamtsleiter gehört die Aufgabe zu ihrem komplexen Aufgabenspektrum. Die zu vermittelnden Inhalte sind sehr umfangreich und die Zielgruppen verschieden, dafür steht die Vielfalt der Kommunikationsmedien.

2. und 3. Waldtag in MV: Christian Lange und Renata Seidel

Der Waldtag MV in den Jahren 2010 und 2011 Zwei Gesichter besitzt der Waldtag, der alljährlich zu wechselnden Orten im Land einlädt. Zum einen können sich Waldbesitzer zu aktuellen Themen in Fachvorträgen und auf Exkursionen informieren. Zum anderen ist der Waldtag ein Fest mit buntem Programm, Unterhaltung und Informationen für alle, die sich für Wald und Natur interessieren. Bei Hundevorführungen und Schauwettkämpfen der Waldarbeiter, an Ständen zum Thema Jagd oder bei waldpädagogischen Angeboten für die Kleinen soll für jeden etwas dabei sein. Auch das leibliche Wohl kommt auf einem Waldtag nie zu kurz. Die offizielle Eröffnung des 2. Waldtages in Mecklenburg-Vorpommern am 12. Juni 2010 übernahm Dr. Till Backhaus, Landesminister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV. Die drei Standorte im Bereich des Forstamtes Billenhagen lockten rund 2.500 Besucher, neben dem Hof des Forstamtes selbst öffneten auch das Stadtforstamt Rostock und das Privatwaldrevier Gelbensande ihre Pforten. Mit 1.800 Gästen kam der größte Teil nach Billenhagen, rund 500 Besucher begrüßte das Stadtforstamt Rostock. An der Veranstaltung im Privatwaldrevier Gelbensande nahmen rund 60 geladene Gäste teil, vornehmlich Betriebsleiter aus dem Privatund Kommunalwald. Allen Besuchern wurden zahlreiche Attraktionen zum Thema »Wald und Forstwirtschaft« geboten.

Kletteraktion für Kinder (Landesforst MV)

Falknerin im Gespräch mit Gästen (Landesforst MV)

Rund um das Forstamt Billenhagen lud ein Waldparcours zum Bewegen ein. An elf Stationen führten die Mitarbeiter verschiedenste Arbeiten im Wald vor. Die Besucher lernten, was alles zu unternehmen ist, bevor ein Baum gepflanzt oder eine Naturverjüngung eingeleitet, die Fläche eingezäunt, ein Jungbestand gepflegt oder ein hiebsreifer Baum mit dem Harvester geerntet werden kann. Mitarbeiter des Betriebsteils für Forstliches Versuchswesen und Informationssysteme der Landesforst MV erläuterten das Geschehen. Die Forstamtsleiter Andreas Baumgart und Axel Stein boten regelmäßige Führungen an und beantworteten auch auf dem Weg zwischen den Stationen Fragen. Mitarbeiter anderer Forstämter und der Zentrale betreuten darüber hinaus verschiedene Informationsstände auf dem Forstamtsgelände, beispielsweise zu den Aufgaben der Landesforst MV und zum Thema Zertifizierung. Die Gäste erfuhren Interessantes sowohl über die verschiedenen Berufsbilder im Wald, zum Beispiel des Forstwirtes oder des Zapfenpflückers, als auch über die Arbeit als Harvester- und Forwarderfahrer und den Einsatz von Rückepferden. Verschiedene Firmen, Verbände und Institutionen nutzten die Gelegenheit, sich den Besuchern vorzustellen. Bei abwechslungsreichen Spielen, sportlichen Aktivitäten und einem Waldquiz für Kinder und Erwachsene hatte der Waldtag für die ganze Familie etwas im Angebot. Ein Kunst- und Kulturwettbewerb für Kinder der dritten und vierten Klassenstufe sowie künstlerische Darstellungen von drei Schulen des Amtsbereichs rundeten das Programm in Billenhagen ab. Das Stadtforstamt Rostock konzentrierte sich bei den Angeboten inhaltlich auf die Themen »Waldtourismus und Erholung im Wald« und »Wald und Pferd«. Zu diesen Schwerpunkten stellten sich überwiegend Verbände und Vereine aus der Region vor. Eine etwa 16 Kilometer lange Fahrrad- und Wanderroute verband an diesem Tag die beiden Forstämter miteinander. Auf den ausgewiesenen Routen gab es an verschiedenen Stationen die Möglichkeit, viel über den Wald zu erfahren. Insgesamt nutzten rund 20 Reiter und rund 50 Fahrradfahrer das Angebot, den Weg zwischen den Standorten ohne die Hilfe eines Motors zu überwinden und sich den Wald auf diese Weise zu erschließen.

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Eine forstliche Fachveranstaltung fand wiederum im Forstrevier Gelbensande statt. Rund 60 geladene Gäste nahmen die Einladung an. Vier Vorträge und eine Exkursion am Nachmittag beleuchteten die Themen Kostenmanagement im Forstbetrieb und Erholungseinrichtungen im Wald, Verkehrssicherung, öffentliche Förderung sowie Handel mit Ökopunkten. Rüdiger Neise, Leiter des Forstamtes Dargun, leitete die Veranstaltung, die regen Anklang fand. Insgesamt eine positive Resonanz rief das Programm bei den Besuchern an allen drei Standorten hervor. Allerdings blieb die Besucherzahl trotz vielfältiger Werbung im Vorfeld hinter den Erwartungen zurück, vermutlich als Folge zahlreicher Konkurrenzveranstaltungen im nahen Umfeld. Es ist dennoch gelungen, alle Waldbesitzarten in die Vorbereitung und Durchführung des Waldtages einzubeziehen. Auch arbeiteten die Veranstalter sehr erfolgreich mit den Schulen und Bildungseinrichtungen der Region zusammen. Die Fachveranstaltung im Privatwaldrevier Gelbensande verlief ebenfalls gut, die Vorträge und Diskussionen sorgten wiederholt für zufriedene Reaktionen der Gäste. Besonderes Lob fand der Besuch des Ministers Dr. Till Backhaus, der die Möglichkeit wahrnahm, am Waldtag zur Novellierung des Landeswaldgesetzes Stellung zu nehmen. Am 4. September 2011 folgte der 3. Waldtag am Rande der reizvollen Waldlewitz im Örtchen Friedrichsmoor. In Verbindung mit dem traditionellen Holzfest des heimischen Forstamtes beherbergten die Räumlichkeiten und Parkanlagen des Forstamtes sowie das Jagdschloss die Gäste. Im Internationalen Jahr der Wälder zielte die Veranstaltung darauf ab, allen Waldbesitzern, forstlich Interessierten und Naturbegeisterten Neues und Interessantes über den Wald zu vermitteln, insbesondere über den nachwachsenden Rohstoff Holz, den Naturschutz im Wald, Naturprodukte, gesunde Ernährung und die Jagd. Dass an diesem Sonntag die Wahl eines neuen Landtags anstand, schien dem Zuspruch nicht abträglich zu sein. Schon zur Eröffnung durch Ministerpräsident Erwin Sellering, den Vorstand der Landesforst MV Sven Blomeyer, den Landrat in spe Rolf Christiansen, Forstamtsleiter Christian Lange und Bürgermeister Arne Kröger hatten sich mehrere Hundert Interessierte eingefunden.

Quiz am Waldmobil der Landesforst MV (Landesforst MV)

Eine sehr interessante Vortragsreihe zu den Themen »Was der Wald kann«, »Moorwälder in MV« und »Bewirtschaftung der Roterle« begann am Vormittag. Den Vorträgen schloss sich eine Exkursion an, zu der insbesondere interessierte Waldbesitzer eingeladen waren. Den sehr umfangreichen Angeboten an diesem Tag war der eher mäßige Zuspruch geschuldet, dafür zeigten die Teilnehmer reges Interesse. Auch waldbaulich wenig Interessierte konnten auf dem gesamten Festgelände mit Forstleuten und Jägern ins Gespräch kommen. Diese Chance nutzten die Besucher auch reichlich, sei es am Infostand der Landesforst MV oder an den Lernmobilen von Landesforst MV und Landesjagdverband, die vornehmlich an die Interessen der jüngeren Generation ausgerichtet waren. Eben diese konnten sich auch hoch hinaus auf eine Fichte wagen. Gesichert von zwei Baumsteigern des Forstamtes Schlemmin unternahmen Wagemutige erste Kletterversuche und empfanden die schwierige Arbeit des Zapfenpflückers nach. Sehr vielgestaltig war die Angebotspalette der über 100 Aussteller. Zuhörer konnten den Jagdhornbläsern aus Bahlenhüschen und Neustadt-Glewe lauschen, Zuschauer das Treiben aus 30 Metern Höhe von einer Hebebühne aus betrachten

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Schausägen von Holzskulpturen (Landesforst MV)

oder die Falkner aus Mecklenburg und Schleswig-Holstein beobachten und Genießer erfreuten sich einfach nur des Ambientes von Jagdschloss und Forstamt. Zur Mittagszeit fanden Wildschwein am Spieß und die Schildfelder Wildgrillwurst regen Zuspruch. Nach einer Stunde waren vier Schweine und ein gebackenes Rotkalb durch die hungrigen Gäste verspeist und bis zum Veranstaltungsende etliche Hundert Wildgrillwürste verkauft. Unter der Leitung von Meutenführer Peter Urban begann um 14 Uhr eine Hundeschau, bei der unsere in Mecklenburg-Vorpommern geläufigsten und brauchbaren Jagdhunderassen aufliefen. Wer sich für die Skulpturen der drei Motorsägenschnitzer interessierte, musste eine Stunde später den Kaffeetisch verlassen und sich schnellstmöglich im Schlosspark einfinden. Hier versteigerten Stadtförster Uwe Galonska und Forstwirtschaftsmeister Rolf Schubring sehr kurzweilig die Holzschnitzereien. Der Waldtag in Verbindung mit dem Holzfest in Friedrichsmoor stellte ohne Zweifel einen Höhepunkt im Internationalen Jahr der Wälder 2011 dar, dessen größte Anerkennung der Zuspruch und die Zufriedenheit der Besucher ist. Obwohl keinem die genauen Besucherzahlen bekannt waren, berichtete die Presse am folgenden Morgen über Tausende, die am Sonntag nach Friedrichsmoor strömten und einen Tag rund um die Themen von Wald und Holz erlebten.

Aus dem Forstamt Conow: Reginald Rink und Wolfgang Mundt

Haus des Waldes (Wolfgang Mundt)

Das Forst- und Holzmuseum des Forstamtes Conow Auf dem Gelände des Forsthofs Kaliß eröffnete Minister Dr. Till Backhaus im Mai 2010 das Forst- und Holzmuseum. Auf rund 300 Quadratmetern versammelt die Ausstellung im oberen Stockwerk des Hauses Informationen zu Wald, Forst, Holz und Natur. Bereits 2006 entstand das »Haus des Waldes« aus der ehemaligen Roggenscheune auf dem Forsthof. Knapp eine halbe Million Euro machten es damals möglich, das total baufällige Gebäude unter Beteiligung der Europäischen Union, des Landes und der Gemeinde Neu Kaliß umzubauen und zu sanieren. Die Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern förderte die innere Ausstattung. Seit 2006 fanden hier bereits 200 kulturelle und waldpädagogische Veranstaltungen mit rund 12.000 Besuchern statt. Eine professionelle Konzeption für das »Haus des Waldes« folgte im Jahr 2008, finanziert durch die Bingo-Umweltlotterie, das LUNG und den Verein Wald und Bildung »Kalißer Heide e. V.«. Die praktische Umsetzung ein Jahr später leitete der Historiker Klaus-Dieter Hoppe unter Beteiligung des Designers Klaus-Dieter Steinberg und des Präparators Klaus-Dieter Jost. Minister Dr. Till Backhaus lobte das Museum, weil es die zentrale Bedeutung des Waldes in den Vordergrund rücke. »Vielen ist gar nicht bewusst, wie wichtig der Wald für den Klimaschutz und das Ökosystem ist«, so der Minister. Gerade deshalb ist es wichtig, Menschen intensiv darauf aufmerksam zu machen. Nach der Eröffnung 2010 endete 2011 schließlich der letzte Bauabschnitt. Seit der Eröffnung strömten über 1.300 Besucher in das Museum, um sich über den Rohstoff Holz, die Forstwirtschaft oder das Ökosystem Wald zu informieren. Etwa die Hälfte der Besucher waren Kinder und Jugendliche, die mit ihren Schulklassen zu Projekttagen auf den Forsthof kamen.

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Um genau dieser Zielgruppe ein breites waldpädagogisches Angebot zu machen, entstand im Wald- und Forstmuseum eine »Aktiv-Ecke«. Sie besteht aus Drehtafeln mit Themen wie heimische Bäume, Wildtiere, Märchen im Wald, Forstwirtschaft und Naturschutz. Ziel ist es, die Kinder zum aktiven Mitmachen zu motivieren und ihnen dabei spielerisch Wissen zu vermitteln. Die Ratespiele eignen sich aber aufgrund ihres hohen Anspruchs auch für Jugendliche und Erwachsene. Die aus Mitteln der Stiftung »Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern« finanzierte »Aktiv-Ecke« setzte wieder Klaus-Dieter Steinberg um. Ein besonderer Dank gilt Klaus-Robert Agte, der die Umsetzung dieses Projektes sehr befürwortete.

Besonders das Internationale Jahr der Wälder bot durch bundes- beziehungsweise weltweit konzertierte Aktionen eine Chance, verstärkt auf die Themen des Waldes aufmerksam zu machen. Dem Motto »Wälder für Menschen« entsprechend, zielte die internationale Kampagne darauf ab, das Bewusstsein und Wissen um die Erhaltung und nachhaltige Entwicklung aller Arten von Wäldern zum Nutzen heutiger und künftiger Generationen zu fördern. Unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Christian Wulff informierten alle beteiligten Organisationen und Vereine die deutsche Öffentlichkeit über die Bedeutung des Waldes für jeden Bürger. Die Wege der Information waren dabei so vielgestaltig wie der Wald selbst.

»Aktiv-Ecke« im Wald- und Forstmuseum (Wolfgang Mundt)

3.10.1 Internationales Jahr der Wälder

Auch in Mecklenburg-Vorpommern gab es eine Vielzahl von Veranstaltungen, den Wald mit allen Sinnen zu erkunden. Neben den traditionellen Hoffesten, Tagen der offenen Tür, geführten Wanderungen und Angeboten für Kinder konnten Interessierte bei Waldkonzerten, Lesungen oder anderen kulturellen Ereignissen feststellen, dass der Wald nicht nur eine bloße Ansammlung von Bäumen ist. Anlässlich des Themenjahres fanden sich auch andere Institutionen und Partner zusammen. Gemeinsam nahmen sie das Motto auf und leisteten ihren Beitrag. So wurde im Rahmen der Schweriner Schlossfestspiele die Freilichtbühne zur eindrucksvollen Kulisse für Carl Maria von Webers »Freischütz«. Die Hörspielkirche in Federow widmete dem Wald mehrere Thementage und begeisterte auf einem Grünen Markt gemeinsam mit der Landesforst MV und dem Müritz-Nationalpark hunderte Besucher. Zum Höhepunkt des Jahres im Land entwickelte sich die Ausstellung »Kunde vom Wald – Kunst aus zwei Jahrhunderten«. Diese rief die Bedeutung unserer heimatlichen Wälder und deren nachhaltiger Bewirtschaftung in das Bewusstsein der Menschen und erinnerte sie an ihre Verantwortung für folgende Generationen. Die beiden Minister Dr. Till Backhaus, für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV, sowie Henry Tesch, für Bildung, Wissenschaft und Kultur MV, initiierten diese Ausstellung. Ein besonderer Fokus lag auf dem Bedeutungswandel des Waldes für die Menschen. Schließlich waren die ausgestellten Künstler ebenso Mitglieder der Gesellschaft einer bestimmten Epoche, wie der Wald Spiegelbild der gesellschaftlichen Anforderungen an ihn gewesen ist. Die künstlerische Verarbeitung des Themas vermittelte dies umfassend und eindringlich. Der mit der Ausstellung geschlagene Bogen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart stellte die historische Dimension der Wahrnehmung des Waldes als unverzichtbarem Teil der uns umgebenden und gestalteten Natur dar. Die Ausstellung reihte sich ein in eine Vielzahl von Einzelvorhaben unter dem Motto der bundesweiten Dachkampagne »Entdecken Sie unser Waldkulturerbe!« und war mit einer Zahl von über 68.000 Besuchern ein voller Erfolg.

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Neben Bund, Länder und Kommunen nahmen mehr als 60 Verbände aus Naturschutz, Wirtschaft und Gesellschaft am deutschen Beitrag zum Internationalen Jahr der Wälder teil. Herzstück war das Veranstaltungsprogramm zum Waldkulturerbe mit rund 5.000 Aktionen. Quelle: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e. V.

Aus der Öffentlichkeitsarbeit: Norman Kessner

Das »Herbstblatt« aus der Kategorie »Pflanzen des Waldes« von Jolanta Bartnik-Milz wurde zum Gesamtsieger des Wettbewerbs gekürt.

Fotowettbewerb zum Jahresmotto »Wälder für Menschen« Der Fotowettbewerb »Wald-Welten in MV« stellte einen Höhepunkt im Internationalen Jahr der Wälder dar. Gemeinsam mit dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern ins Leben gerufen, waren alle Hobbyfotografen dazu eingeladen, ihren auf Fotopapier gebannten persönlichen Blickwinkel auf den faszinierenden Lebensraum Wald einzusenden. Neben dem Hauptpreis, einem Wochenende im Ferienhaus »Forsthaus Lähnwitz«, lockten Geldpreise im Gesamtwert von 1.000 Euro sowie Präsentboxen aus dem Wildverarbeitungsbetrieb Schildfeld.

Eröffnung des Jugendwaldheimes Loppin Nach mehrjähriger und aufwendiger Renovierung eröffnete der Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Till Backhaus, am 16. Mai 2011 das zweite Jugendwaldheim der Landesforst MV. In seiner Rede unterstrich der Minister die große Bedeutung der waldpädagogischen Umweltbildung als Zukunftsinvestition. Die Übergabe des Jugendwaldheims Loppin im Internationalen Jahr der Wälder freute Sven Blomeyer, Vorstand Landesforst MV, besonders: »Hier wird in besonderer Weise das weltweite Motto des Internationalen Jahres der Wälder ›Wälder für Menschen‹ sowie das nationale Motto ›Entdecken Sie unser Waldkulturerbe‹ gelebt.«

Insgesamt nahmen 179 Einsender, darunter 62 Kinder, mit insgesamt 515 Motiven am Wettbewerb teil. Die fünfköpfige Jury aus Waldkennern, Naturkundlern und Fotoprofis hatte somit eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen. Die Siegerehrung übernahmen der Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Karl Otto Kreer, und Sven Blomeyer, Vorstand der Landesforst MV, am 17. September 2011 auf der Mecklenburgischen Landwirtschaftsausstellung (MeLa).

Vor 150 Jahren befand sich am Standort Loppin eine Ziegelei des Klosters Malchow, 1933 entstand nach dem Abriss des Brennofens ein Backsteinbau für den Fremdenverkehr. Im Jahr 1952 wechselte die Liegenschaft in das Eigentum des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes Waren und ab 1990 beherbergte das Gebäude den Sitz des Forstamtes Jabel. Nach der Wende eröffnete am 01. September 1991 an gleicher Stelle das Jugendwaldheim Loppin. Durch die vollständige Erneuerung stehen nun zukunftsfähige Möglichkeiten für eine qualifizierte waldpädagogische Umweltbildungsarbeit zur Verfügung. Mit einem Investitionsvolumen von 1,5 Millionen Euro ist es die größte Baumaßnahme in der noch jungen Geschichte der Landesforst MV. Sponsoren wie die Jost-Reinhold-Stiftung und die Firma Kronoply unterstützten das Projekt großzügig. Dank einer Spende aus der Jost-Reinhold-Stiftung war es möglich, zusätzlich den Bau einer Solaranlage zur Warmwasseraufbereitung zu finanzieren sowie einen Warmluftofen und zahlreiche Materialien zur Freizeitgestaltung der Kinder zur Verfügung zu stellen. In den 60 Betten der vier barrierefreien Holzblockhäuser ist künftig ein ganzjähriger Betrieb möglich.

Eine Großzahl der Bilder dokumentierte die bereits in der Bevölkerung vorhandene Sensibilität zum Thema Wald. Gleichwohl dienten die Einsendungen nicht nur der Erweiterung des Bildarchivs, das 2011 neu auf der Homepage der Landesforst MV entstand. Sie illustrieren künftig auch die Veröffentlichungen der Landesforst MV und des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz. Der Wettbewerb war eine Aufforderung an die Menschen, sich mit dem Wald vor ihrer Haustür oder auf einer Reise durch das Land zu befassen. Gleichzeitig sollten sie mit der Einsendung ihre persönliche Beziehung zum Wald abbilden. Die große Teilnehmerzahl und die vielen spannenden Motive bestätigen den Erfolg des Wettbewerbs als Beitrag zur bundesweiten Dachkampagne unter dem Motto »Entdecken Sie unser Waldkulturerbe!«.

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Zahlreiche musikalische und künstlerische Beiträge der Kinder und Jugendlichen aus den nahen Schulen und Kindergärten begleiteten die Eröffnungsveranstaltung des Jugendwaldheims Loppin.

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Aus dem Forstamt Nossentiner Heide: Thomas Kelterborn

Feierliche Schlüsselübergabe durch den Leiter des Betriebes für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern Heinz-Gerd Hufen an Minister Dr. Till Backhaus und an Sven Blomeyer, Vorstand der Landesforst MV (Landesforst MV)

Aus dem Forstamt Neu Pudagla: Norbert Sündermann

Eröffnung des Bahnhaltepunktes »Neu Pudagla – Forstamt« Seit ihrer Einweihung am 01. Juni 2011 verbessert die neue Haltestation »Neu Pudagla – Forstamt« die Anbindung des gleichnamigen Forstamtes und macht dieses für seine jährlich über 100.000 Besucher besser erreichbar. Besonders der Gesteinsgarten, das Waldkabinett, der Kletterwald und der Wildverkauf wirken anziehend auf Jung und Alt. Künftig sollen weitere Attraktionen wie ein Waldklimahaus, ein Baumwipfelpfad und eine Ausleihstation für Fahrräder das Areal noch zusätzlich aufwerten. Mit der Eröffnung eines neuen Haltepunktes begeht die Usedomer Bäderbahn (UBB) das 100-jährige Bestehen des regionalen Eisenbahnverkehrs. Der erste Zug war am 31. Mai 1911 von Swinemünde über den damals neuen Verbindungspunkt Bansin nach Wolgast gefahren. Die UBB entstand 1994 als Tochter der Bahn AG. Exakt ein Jahrhundert später fährt aus Anlass des Inselbahn-Jubiläums wieder eine historische V 100, Baujahr 1973, fahrplanmäßig über die Insel. Einen Haltepunkt der Bahn eigens für ein Forstamt – so etwas gab es seit 1945 in ganz Deutschland nicht mehr. Das Forstamt Neu Pudagla spielte bereits 1824 eine bedeutende Rolle, als Forstmeister Georg Bernhard von Bülow mit der ersten Pension für Urlauber auf Usedom den Grundstein für den heute wohl wichtigsten Wirtschaftsfaktor der Insel legte. Doch erst die Eisenbahn machte den Usedom-Urlaub für mehr Gäste erschwinglich. Im Jahr 1885 rollte die erste Bahn nach Swinemünde. 26 Jahre dauerte es, bis die 40 Kilometer Gleis auf der Insel verlegt waren. Der Brückenschlag zum Festland auf der Wolgaster Seite gelang allerdings erst im Jahr 2000.

Seilerei (Sylvia Schulz) Der neue Haltepunkt mit Forstamtsleiter Norbert Sündermann, Peter Muth aus dem Partnerforstamt Misdroge aus Polen, dem UBB-Vorsitzenden Jörgen Boße und Maskottchen (Sylvia Schulz)

Mit großem Bahnhof feierten Gäste und Mitarbeiter der Landesforst MV zusammen mit dem Verkehrsministerium, dem polnischen Forstamt Misdroy sowie der Usedomer Bäderbahn das Jubiläum. Natürlich sorgten die Jagdhornbläser Usedom und die Band »Die Herren von der Tankstelle« mit Liedern aus den 20er Jahren für musikalische Unterstützung. Auch die Tanzgruppe »Die Lieper Winkelschen Danzlüh«, ein Kasperle-Theater für Kinder, eine Vorführung von Bademoden im Wandel der Zeit sowie Musikstücke der Schüler der Musikschule Wolgast machten die Bahnhofseröffnung zu einem Fest für Jung und Alt. Der neue Bahnhaltepunkt wurde bislang gut angenommen.

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»Die Sauen sind los – Schweineeintrieb in den Ivenacker Hutewald« Mit mehr als 50.000 Besuchern pro Jahr zählt der Ivenacker Tiergarten zu den besucherstärksten Einrichtungen der Landesforst MV. Das Entwicklungskonzept des Tiergartens mit seinen deutschlandweit bekannten Ivenacker Eichen sieht vor, der Öffentlichkeit Kenntnisse über das Erscheinungsbild der kulturhistorisch prägenden Nutzungsform des Hutewaldes zu vermitteln. In Form eines Erlebniswaldes veranschaulicht der Tiergarten dieses Wissen. Forstrechtliche Grundlage dafür ist seit dem 08. Februar 2010 die Schutzwaldverordnung Ivenacker Hutewald. Eine weitere Attraktion bereichert seit dem 25. September 2011 den Ivenacker Hutewald. Dank des Engagements der Jost-Reinhold-Stiftung und der Möglichkeiten der ELER-Förderung demonstrieren von nun an alte Hausschweinrassen das Bild eines Waldkulturerbes, welches vielfach in Vergessenheit geraten ist. im Zentrum des Tiergartens sind diese besonderen Schweine in einer neuen Schaugatteranlage von zwei Hektar Größe zu bewundern. Bei herrlichem Sonnenschein und großem Medieninteresse ließ der Besucheransturm an diesem Tag schon erahnen, dass sich das Projekt in den folgenden Wochen als wahrer Besuchermagnet erweisen würde. Als erste Bewohner des neuen Schaugatters zogen acht Turopolje-Schweine aus dem Haustierpark Lelkendorf ein. Turopolje-Schweine zählen zu den besonders bedrohten alten Haustierrassen und haben ihren Ursprung in den kroatischen Save-Auen. Sie gelten als umgänglich und lassen sich kaum aus der Ruhe bringen. Auch für die Waldmast eignen sich diese Schweine hervorragend, sind sehr robust und kommen mit geringen Futtermengen aus. Das Fleisch bietet sich besonders für die Schinken- und Salamiproduktion an. Fast alle Turopolje-Schweine in Deutschland gehen auf nur zwei Zuchtpaare zurück, die während der Kriegshandlungen in Jugoslawien 1992 nach Wien gerettet wurden. Als »lebende Genreserve« haben Turopolje-Schweine unter den Eichen im Ivenacker Tiergarten ein artgerechtes Refugium gefunden. Ein Wermutstropfen für die neuen Waldbewohner ergibt sich allerdings aus einem Sprichwort, wonach unter Eichen die besten Schinken wachsen.

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Aus dem Forstamt Stavenhagen: Ralf Hecker

Schaugatter im Ivenacker Tiergarten (Landesforst MV) Turopolje-Schweine (Ralf Hecker)

4 Jahresabschluss 2010 und 2011, Lagebericht 2011

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Lagebericht der Landesforst M-V – AöR – für das Geschäftsjahr vom 1. Januar 2011 bis zum 31. Dezember 2011

1. Rahmenbedingungen Das Jahr 2011 war für die Landesforst M-V, Anstalt des öffentlichen Rechts (Landesforst M-V – AöR –), das erfolgreichste Geschäftsjahr seit ihrer Errichtung am 01.01.2006. Die wirtschaftliche Lage hat sich nach den Folgen der weltweiten Finanzmarktkrise im Jahr 2009 weiter entspannt. Bei stabiler Nachfrage am Holzmarkt nahm die Preisentwicklung einen positiven Verlauf. Die Landesforst M-V – AöR – führt ihre Geschäfte nach kaufmännischen Grundsätzen. Sie ist dabei dem Prinzip der Nachhaltigkeit und den Bestimmungen des Landeswaldgesetzes sowie den Belangen des Naturschutzes in besonderer Weise verpflichtet und nimmt mit ihrer naturnah ausgerichteten Waldbewirtschaftung eine Vorbildfunktion ein. Nach dem Landesforstanstaltserrichtungsgesetz M-V (LFAErG M-V) werden wirtschaftlichen, am freien Markt ausgerichteten Tätigkeiten der Landesforst M-V – AöR – – im Schwerpunkt die Bewirtschaftung des eigenen Waldes – als Aufgaben des eigenen Wirkungskreises und die Wahrnehmung hoheitlicher bzw. durch das Land übertragener, gemeinwohlorientierter Aufgaben als Aufgaben des übertragenen Wirkungskreises definiert. Während für die Aufgaben des übertragenen Wirkungskreises der Finanzbedarf – auch zukünftig – nahezu vollständig aus Zuschüssen des Landes gedeckt wird, soll bei den Aufgaben des eigenen Wirkungskreises bis 2012 Kostendeckung erreicht werden. Zur Umsetzung dieses Ziels nutzt die Landesforst M-V – AöR – die im Jahre 2008 in Kraft gesetzte Unternehmerische Konzeption 2008 – 2012 als strategisches Arbeitsprogramm bis 2012. Im Jahr 2011 wurde nach einer Zwischenprüfung dieser Konzeption ein mittelfristiges Unternehmenskonzept für den Zeitraum 2013 – 2020 erarbeitet, welches im Jahr 2012 durch den Verwaltungsrat bestätigt werden soll. Ökonomisches Ziel dieses Konzeptes ist die Gewährleistung einer angemessenen Gewinnerzielung im eigenen Wirkungskreis. Für die Aufgaben des übertragenen Wirkungskreises wurde 2011 unter der Regie der Aufsichtsbehörde und unter Mitwirkung der Landesforst M-V – AöR – ebenfalls mit der Erarbeitung einer mittelfristigen Konzeption begonnen. 2. Aufbauorganisation und Organe Der organisatorische Aufbau der Landesforst M-V – AöR – zeichnet sich durch eine schlanke, flexible, zweistufige Struktur aus. Organe der Landesforst M-V – AöR – sind der Vorstand und der Verwaltungsrat. Die Geschäftsleitung hat ihren Sitz in Malchin, der Betriebsteil Forstplanung, Versuchswesen und Informationssysteme ist in Schwerin ansässig. Der Vorstand, bestehend aus einem Geschäftsführer, vertritt die Landesforst M-V – AöR – gerichtlich und außergerichtlich und nimmt die Funktion der Unteren Forstbehörde wahr. 29 Forstämter fungieren als regionale Filialen. Ihnen zugeordnet sind 194 Reviere, die überregional tätige Schulungsstätte sowie zwei Jugendwaldheime, die Samendarre, das Wisentreservat und der Ivenacker Tiergarten. Der Verwaltungsrat, bestehend aus neun ständigen Mitgliedern und dem Vorsitz des Staatssekretärs im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, beschließt die Leitlinien für die Tätigkeit der Landesforst M-V – AöR –, entscheidet über forstpolitische Grundsatzangelegenheiten der Landesforst M-V – AöR –, berät und kontrolliert den Vorstand.

Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz ist die zuständige Rechts- und Fachaufsichtsbehörde. 3. Wirtschaftliches Umfeld, konjunkturelle Lage, Trends Den Schwerpunkt der unternehmerischen Tätigkeit der Landesforst M-V – AöR – bildet die Rohholzproduktion. Die nachhaltige Holznutzung wird durch die selbstverpflichtende Zertifizierung der Waldbewirtschaftung nach den Grundsätzen von PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes), im Forstamt Radelübbe nach den Grundsätzen von FSC (FSC Forest Stewardship Council) bestätigt. Durch die Förderfähigkeit der Landesforst M-V – AöR – kommen Zuwendungen aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) zum Einsatz, Förderschwerpunkte des ELER bilden die FFH (Fauna-Flora-Haibtat) -Managementplanung und der Waldumbau. Der Erlös aus dem Holzverkauf hat den größten Einfluss auf das Wirtschaftsergebnis. Über ein gut etabliertes Verkaufssystem mit überregionaler Vertragsbindung durch eine zentrale Holzvermarktung werden rund 80 Prozent der Holzmengen in Rahmenverträgen und 20 Prozent durch Verkäufe auf Forstamtsebene vermarktet. _ Allgemeine Wirtschaftslage Der lfo-Geschäftsklimaindex Deutschland – als der Weiser für die allgemeine Wirtschaftslage – stieg zu Beginn des Jahres 2011 sprunghaft an und erreichte im Februar 2011 seinen bisherigen Höchststand. Trotz nachfolgender leichter Abschwächung verharrte der Geschäftsklimaindex bis zum Jahresende 2011 auf sehr hohem Niveau. Nach Angaben des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie e. V. stieg der Umsatz des Bauhauptgewerbes, von dem die Holzindustrie in starkem Maße abhängig ist, 2011 gegenüber 2010 um 9,5 Prozent an. Der Wohnungsbau verzeichnete 2011 sogar ein Plus von 14 Prozent gegenüber 2010 (EUWID 4 / 2012). Der Möbelindustrie gelang es 2011, ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 6,4 Prozent zu erhöhen (EUWID 8 / 2012).

Positiv entwickelte sich der Buchenparkettholzbereich: Nach Rückgängen der Buchen-Parkettholznachfrage in den Jahren 2008 bis 2010 war hier im Jahr 2011 ein deutlicher Aufwärtstrend spürbar. Eine deutliche Nachfragesteigerung ist bei der Baumart Eiche zu spüren. Holzwerkstoffe: Das bereits im Vorjahr sehr hohe Niveau bei der Produktion von OSBPlatten konnte auch im ersten Halbjahr 2011 gehalten werden. Die von der Holzwerkstoffindustrie 2010 durchgesetzten Preisanhebungen für dieses Sortiment konnten im ersten Halbjahr des Jahres 2011 noch festgeschrieben werden. Nach einem Nachfragerückgang zur Jahresmitte 2011 stabilisierte sich der OSB-Absatz zum Jahresende wieder. Der MDF-Bereich konnte mit der positiven Bilanz des OSB-Bereiches im Jahr 2011 nicht mithalten. Energieholz: Die Nachfrage nach Brennholz für den privaten Gebrauch ist auch 2011 weiter gestiegen. Neben der Selbstwerbung von Brennholz nahm der Bedarf an ofenfertig bearbeitetem Kaminholz und an Energieholz zur Produktion von Waldhackschnitzeln weiter stark zu. Das Statistische Bundesamt weist für 2010 einen Preisanstieg aller Energieholzsortimente aus und für 2011 eine Stabilisierung auf diesem höheren Niveau (Holzjournal 3 / 2012). _ Absatzsituation und Trends für den Rundholzverkauf der Landesforst M-V – AöR – Die im Jahr 2009 begonnene und erfolgreich umgesetzte Strategie, teilweise mit kurzen Preisbindungsfristen den sich rasch verändernden Rundholzmarkt möglichst optimal abzubilden, wurde im Jahr 2011 noch fortgesetzt. Bei Verhandlungen für 2012 waren auf Grund der Marktberuhigung teilweise wieder längere Preisbindungszeiträume möglich und sinnvoll.

Dieser Trend der allgemein positiven Wirtschaftsentwicklung spiegelte sich auch in der Wirtschaftslage der holzverarbeitenden Industrie und damit letztendlich in den Holzpreisen für die Waldbesitzer wider.

Um der starken Nachfrage der Nadelholzsägeindustrie gerecht werden zu können und eine höhere Wertschöpfung zu erzielen, wurde ein zusätzliches Sortiment geschaffen.

_ Konjunkturelle Lage der Säge- und Holzwerkstoffindustrie und Wirkung auf die Rohholzpreisentwicklung Nadelschnittholz: Bis ins zweite Quartal des Jahres 2011 hinein war eine starke Erhöhung der Nadelschnittholzverarbeitung zu beobachten. Hoher Holzbedarf – vor allem an Fichte im süddeutschen Raum – führte zu erheblichen Preissteigerungen beim Fichtenstammholz, die auch positiv auf die Kiefernstammholzpreise wirkten. Im vierten Quartal 2011 führte die mittlerweile angespannte Ertragslage in vielen Unternehmen der Sägeindustrie dazu, dass trotz Wettbewerbs um die Sicherung des Rohstoffes keine weiteren Preissteigerungen mehr zu verzeichnen waren. Zum Jahresende 2011 wurde versucht, die Schnittholzlager in den Werken zu reduzieren. Einschnitt und Rohholzbedarf zeigten sich aber zu Beginn des Jahres 2012 wieder auf einem hohen Niveau.

Ein strenger Winter und hohe Preise für fossile Brennstoffe ließen den Brennholzabsatz der Landesforst M-V – AöR – im Jahr 2011 nochmals stark ansteigen. Die mengenmäßige Steigerung bei dem – bereits im Vorjahr – stark nachgefragten Brennholzsortiment betrug 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Laubschnittholz: Die wirtschaftliche Situation der Laubholzsäger verbesserte sich im Jahr 2011. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Produktion von Laubschnittholz in den ersten drei Quartalen 2011 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 7,3 Prozent an (Holzjournal 1 / 2012). Eine

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Lagebericht 2010

Ausnahme bildet dabei jedoch die Baumart Buche. Hier zeigte sich im Verlauf des Jahres, dass die optimistischen Erwartungen zu Jahresbeginn nicht vollständig umsetzbar waren. Bedauerlicherweise schloss zudem die Pollmeier Massivholz GmbH im Oktober 2011 ihr im Jahr 2000 in Betrieb genommenes Buchensägewerk in Malchow.

4. Geschäftsverlauf 4.1. Grundsätzliche Feststellungen zum Geschäftsverlauf Im Wirtschaftsjahr 2011 hatte die Landesforst M-V – AöR – einen gegenüber dem Vorjahr um rund 6,4 Mio. EUR niedrigeren Gesamtzuschussbedarf. Mit Ausnahme des schnell überwundenen Krisenjahres 2009 konnte der Gesamtzuschussbedarf somit seit ihrer Errichtung kontinuierlich reduziert werden. Die Landesforst M-V – AöR – war im Geschäftsjahr 2011 mit einem Anteil von 35 Prozent der Waldfläche weiterhin der größte Rohholzanbieter in Mecklenburg-Vorpommern. Die anhaltend gute konjunkturelle Entwicklung des Holzmarktes ermöglichte für die Landesforst M-V – AöR – gute Absatzmöglichkeiten für fast alle Rohholzsortimente. So konnte die gesamte für 2011 geplante Verkaufs-

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menge an Rohholz bei steigendem Preisniveau vermarktet werden. Die Verkaufsmenge von Rundholz aus dem eigenen Wald lag bei rund 935 Tfm. Hinzu kommen rund 6 Tfm Holz anderer Waldbesitzer. 83 Prozent der verkauften Holzmenge waren Sortimente des Säge- und Industrieholzes, ein Anteil von 17 Prozent wurde im Sektor Energieholz vermarktet, dazu gehören sowohl das Brennholz an Endverbraucher als auch Hackschnitzel für die gewerbliche Energieerzeugung. Die äußerst positive Entwicklung der Holzpreise führte dazu, dass das durchschnittliche Preisniveau bezogen auf den Festmeter verkauften Holzes um 8,35 EUR gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden konnte. Kalamitätsbedingt fielen im Jahr 2011 Holzmengen im Wesentlichen aus zwei Gründen an. Den im Vorjahr durch das Gewittertief »Doris« vom 11. Juni 2010 verursachten Strom- und Hagelschlagschäden folgten in erheblichem Umfang Absterbeerscheinungen in Kiefernbeständen der drei betroffen Forstämter. Zudem setzten sich auch im Jahr 2011 flächige Absterbeerscheinungen in Eschenbeständen, das sogenannte Eschentriebsterben, weiter fort. Schwerpunktmäßig betroffen waren die nordvorpommerschen Forstämter. Zumeist gelang es, diese Mengen in planmäßige Lieferverträge einfließen zu lassen. Durch »Doris« verursachte außerplanmäßige Verjüngungsflächen wurden 2011 weitgehend wiederaufgeforstet. Die Walderneuerungsfläche betrug im Jahr 2011 insgesamt rund 1.050 ha. Die wichtigste Maßnahme der Daseinsvorsorge und Sicherung der besonderen Zweckbestimmung des Waldes der Landesforst M-V – AöR – bildet dabei der Waldumbau mit rund 600 ha, von dem im Rahmen des ELER-Programms der Europäischen Gemeinschaft ein Anteil von rund 81 Prozent der Fläche gefördert wurde. Hinzu kommen jährlich rund 300 – 400 ha Verjüngungsflächen, die sich auf natürlichem Wege, teilweise unterstützt durch waldbauliche Maßnahmen, verjüngen. Außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen in den Sommermonaten und Überschwemmungen in deren Folge verursachten im Jahr 2011 erhebliche Schäden am Waldwegenetz und Gräben, erschwerten die forstbetrieblichen Arbeiten und führten zum Absterben einzelner Waldbestände und Kulturen auf grund- und stauwasserbeeinflussten Standorten – besonders im vorpommerschen Bereich. Das Ausmaß der Schäden (bisher sichtbar sind Absterbeerscheinungen auf rund 320 ha) wird erst in den kommenden Jahren vollständig erkennbar sein. Es muss mit erhöhten Aufwendungen für Wiederaufforstungen und Wiederholungen gerechnet werden. Teilweise können auch die Schäden am Wegenetz aus Kapazitätsgründen seitens der Auftragnehmer erst im Jahr 2012 beseitigt werden. Mit der Investition in ein weiteres hochleistungsfähiges Maschinensystem aus Harvester und Forwarder wurde die gemäß Unternehmerischer Konzeption vorgesehene Ausstattung der Landesforst M-V – AöR – mit Holzernteund Rücketechnik vervollständigt. Mit diesen Systemen werden die schweren und gesundheitsgefährdenden motormanuellen Holzeinschlagsarbeiten abgelöst und der vorzunehmende Stellenabbau im Bereich der Waldarbeiter teilweise kompensiert. Durch die eigenen Harvestersysteme kann die Landesforst M-V – AöR – Holz in gleichbleibend guter Qualität termingerecht bereitstellen. Zudem wurde ein Forwarder zur bodenschonenden Holzrückung in Eigenregie auf befahrungssensiblen Standorten, die hochanteilig auch naturschutzrechtlichen Schutzstatus genießen, beschaff t, sodass den Zertifizierungsanforderungen auf diesen empfindlichen Standorten in besonderem Maße entsprochen werden kann. Im Rahmen der Umsetzung der FFH-Richtlinie wurden im Jahr 2011 insgesamt 53 Managementpläne für Waldlebensraumtypen, die eine Fläche von

rund 21 Tha umfassen, abschließend erarbeitet und 43 Pläne veröffentlicht. Rund 1.300 Waldbesitzer wurden dabei einbezogen. Diese Planungen werden ebenfalls über das ELER-Programm gefördert. In den Bereichen Wildbestandsregulierung, neue Geschäftsfelder und Nebenerzeugnisse waren gegenüber dem Vorjahr ebenfalls leichte Umsatzsteigerungen möglich. Mit Wirkung zum 15.07.2011 wurden die an zwei Standorten tätigen Wildzerlegebetriebe der Landesforst M-V – AöR – mit dem Ziel der Verbesserung der Produktions- und Vermarktungsprozesse organisatorisch zusammengeführt.

rungen gegenüber dem Vorjahr möglich. Die Umsätze aus der Wildbestandsregulierung (v. a. durch höhere Wildbreterlöse und Umsatzsteigerungen aus Wilderzeugnissen sowie Jagdpacht) konnten dabei weiter erhöht werden, ebenso die aus Beförsterung und Nebenerzeugnissen (v. a. Weihnachtsbäume und Saatgut). Bei den forstbetrieblichen Dienstleistungen wurde das Vorjahresniveau dagegen nicht ganz erreicht. Aus Mieten und Pachten wurden rund 1,3 Mio. EUR erlöst, was einem Anteil von rund 2,2 Prozent an den Umsatzerlösen entspricht. Eine Umsatzsteigerung wurde hier bei den Pachten erzielt. Bedingt durch den erheblichen Anstieg der Holzpreise ist der relative Anteil der Umsatzerlöse aus diesen Geschäftsfeldern im Jahr 2011 gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent auf 14 Prozent gesunken.

4.2. Personalentwicklung Im Jahr 2011 waren durchschnittlich rund 1.195 Mitarbeiter beschäftigt. Davon waren durchschnittlich 10 Mitarbeiter in drittmittelfinanzierten Projekten tätig. _ 1. Landeszuschuss zum Verlustausgleich mit 28,3 Mio. Euro _ 2. Landeszuschuss für Investitionen mit 5,3 Mio. Euro Durchschnittlich 49 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren im Jahr 2011 Der Zuschussbedarf aus der Wirtschaftstätigkeit und Umsetzung der überin Teilzeit beschäftigt. tragenen Aufgaben betrug im Jahr 2011 rund 24,6 Mio. EUR. Im eigenen Wirkungskreis wurde erstmalig ein erheblicher Überschuss erwirtschaftet. Der Personalbestand der Landesforst M-V – AöR – wird derzeit im Sinne des Personalkonzepts der Landesregierung auf 1.032 Kernstellen reduziert. Von Rund 9,1 Mio. EUR, die aus gegenüber dem Wirtschaftsplan erwirtschafteten 2012 bis 2020 sind darüber hinaus im übertragenen Wirkungskreis jährlich Mehrerträgen und Minderaufwendungen des Jahres 2011 resultieren, Stellen in einem Wert von 1 Prozent der im Jahre 2010 geplanten Personalkönnen in Anwendung der Bewirtschaftungsregeln zum Wirtschaftsplan der kosten einzusparen. Um auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu Landesforst M-V – AöR – voraussichtlich der Rücklage zur Risikovorsorge können, werden Mitarbeiter auf freie Stellen in anderen Bereichen der zugeführt werden. Landesverwaltung vermittelt. Die über die vorgesehene Personalausstattung hinaus vorhandenen Mitarbeiter des sogenannten Personalüberhangs nehDer Umfang an Zuwendungen aus dem ELER-Programm (rund 3,5 Mio. EUR) men bis zu ihrer erfolgreichen Vermittlung Aufgaben in der Landesforst M-V konnte gegenüber dem Vorjahr um rund 0,2 Mio. EUR gesteigert werden. – AöR – wahr, für die anderenfalls Unternehmerleistungen notwendig wären. Begründet durch die kalamitätsbedingten Nutzungsmengen aus dem 20 Auszubildende begannen 2011 ihre dreijährige Berufsausbildung zum Eschentriebsterben und Hagelschäden erhöhte sich der Bestand an fertigen Forstwirt, 18 schlossen sie erfolgreich ab. 2 Auszubildende haben ihre Ausund unfertigen Erzeugnissen in einer Größenordnung von rund 0,6 Mio. EUR. bildung zu Verwaltungsfachangestellten erfolgreich beendet, dieser Ausbildungszweig wurde eingestellt. Damit waren im Jahr 2011 durchschnittlich Betriebserträgen der Landesforst M-V – AöR – in Höhe von insgesamt rund 54 Auszubildende beschäftigt. 99,4 Mio. EUR stehen Aufwendungen für Material und bezogene Leistungen in Höhe von 13,3 Mio. EUR, ein Personalaufwand von 56,0 Mio. EUR, Darüber hinaus schlossen 6 Forstinspektoranwärter ihre LaufbahnausAbschreibungen von 4,2 Mio. EUR, ertragsunabhängige Steuern mit 0,2 Mio. bildung für den gehobenen Forstdienst ab. Weitere 6 Anwärter haben ihre EUR und sonstige betriebliche Aufwendungen von 15,0 Mio. EUR, insgesamt Ausbildung aufgenommen, 6 Referendare für den höheren Forstdienst rund 88,7 Mio. EUR gegenüber. setzten ihre im Jahr 2010 aufgenommene Ausbildung fort. In der Aufwandsstruktur dominieren – mit einem Anteil von 63 Prozent – 4.3. Umsatz und Ergebnis die Personalkosten. Dieser Anteil sank entsprechend dem angestrebten StelDie Landesforst M-V – AöR – erzielte im Geschäftsjahr 2011 aus der gewöhnlenabbau in Umsetzung des Landespersonalkonzeptes um 2 Prozent lichen Geschäftstätigkeit einen Umsatz in Höhe von 58,0 Mio. EUR. gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2006 betrug der Personalkostenanteil noch Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Umsatzerlöse um rund 9,2 Mio. EUR 71 Prozent. (+18,9 Prozent) und erreichten damit das höchste Niveau seit Errichtung der Landesforst M-V – AöR –. Die Personalkosten stiegen 2011 gegenüber dem Vorjahr um insgesamt um 1,4 Prozent an, wobei der Personalabbau der tarifbedingten PersonalDer durch den Rohholzverkauf erzielte Anteil an den Umsatzerlösen kostensteigerung entgegenwirkt. erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um rund 2 Prozent auf 85,4 Prozent des Gesamtumsatzes. Insgesamt wurden gegenüber dem Vorjahr rund 8,8 Mio. Die Abschreibungen erhöhten sich durch die Investitionstätigkeit der EUR höhere Umsatzerlöse aus Holzverkauf erzielt. Damit stiegen die Umsatz- Vorjahre um rund 5,3 Prozent. erlöse aus Holzverkauf gegenüber dem Vorjahr um rund 21,6 Prozent. Der Materialaufwand stieg gegenüber dem Vorjahr, vor allem bedingt durch An den Umsatzerlösen aus Holzverkauf machten die Säge- und Industrieeine höhere Kunstverjüngungsfläche sowie Kostenanstieg und gestiegenem holzsortimente einen Anteil von rund 94 Prozent aus. Auf den Bereich EnerVerbrauch für Treib- und Schmierstoffe, um rund 0,8 Mio. EUR (+6,1 Prozent). gieholz entfielen rund 6 Prozent. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen fielen um rund 2,0 Mio. EUR In den Bereich Dienstleistungen, neue Geschäftsfelder, Nebenerzeugnissen höher aus als im Vorjahr. Ursächlich dafür sind vor allem die witterungsund Wildbestandsregulierung sowie dem Betrieb der Sondereinrichtungen bedingt notwendig gewordenen höheren Aufwendungen für die Wegewaren mit Umsatzerlösen in Höhe von rund 7,0 Mio. EUR – diese Bereiche unterhaltung und höhere Aufwendungen für die Instandsetzung des machen rund 12,1 Prozent der Umsatzerlöse aus – weitere UmsatzsteigeGebäudebestandes.

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Lagebericht 2010

Gegenüber dem Vorjahr stieg der betriebliche Aufwand um rund 4,5 Prozent. Insgesamt ergibt sich im Geschäftsjahr 2011 ein Jahresüberschuss in Höhe von 10,5 Mio. EUR. 4.4. Investitionen Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände wurden im Geschäftsjahr 2011 in Höhe von 7,6 Mio. EUR vorgenommen. Den größten Anteil machten dabei die Investitionen in Sachanlagen mit fast 7,3 Mio. EUR aus. Dabei entfallen 3,1 Mio. EUR auf Investitionen in den Erwerb von Grundstücken im Zuge der Eigentumsarrondierung und in den Ausbau des Waldwegenetzes. Rund 3,3 Mio. EUR wurden in technische Anlagen und Maschinen und 0,8 Mio. EUR in die Betriebs- und Geschäftsausstattung investiert.

4.6. Finanzlage | Liquidität Das Basiskapital betrug zum Bilanzstichtag 589,7 Mio. EUR und verringerte sich aufgrund notwendiger Korrektur des Anfangsbestands nur geringfügig um 0,3 Mio. EUR gegenüber dem Vorjahr. Die Eigenkapitalquote beträgt nahezu unverändert 98,4 Prozent. Rückstellungen in einer Größenordnung von circa 5,9 Mio. EUR erhöhten sich im Berichtsjahr gegenüber dem Vorjahr um rund 1,7 Mio. EUR. Darin enthalten sind neben Urlaubsrückstellungen im Wesentlichen die Zuschussrückzahlungen, die gegenüber dem Land zu leisten sind. In der Bilanz werden Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 3,7 Mio. EUR ausgewiesen. Gegenüber dem Vorjahr reduzierten sich die Verbindlichkeiten insgesamt um rund 0,1 Mio. EUR.

Mit der Beschaffung eines weiteren Harvesters und eines Forwarders wurde die Ausstattung der durch die Landesforst M-V – AöR – vorgehaltenen Kapazität an Holzernte- und Rücketechnik ergänzt. Ein weiterer Forwarder wurde speziell zur bodenschonenden Holzrückung in Eigenregie auf sensiblen Standorten beschaff t.

Rund 2,9 Mio. EUR betreffen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, diese fielen etwa 1,0 Mio. EUR höher aus als im Vorjahr. Die Summe der sonstigen Verbindlichkeiten beläuft sich auf rund 0,8 Mio. EUR.

Außerdem wurde der Bestand eigener Technik durch die Ersatzbeschaffung eines Harvesters, zwei Forwardern sowie zehn Standardtraktoren erneuert.

In einer Größenordnung von 0,8 Mio. EUR machten im Voraus vereinnahmte Beträge für Begehungsrechte und Jagdverpachtungen sowie Ausgleichszahlungen für langfristige Nutzungsverzichte die Ausweisung von passiven Rechnungsabgrenzungsposten erforderlich.

Dabei wurden in einer Größenordnung von 0,6 Mio. EUR Investitionen aus dem Jahr 2010 nachgeholt, die vor allem aufgrund von Verzögerungen bei der Auslieferung georderter Maschinen und Fahrzeuge nicht im geplanten Umfang realisiert werden konnten. 4.5. Vermögenslage | Liegenschaftsmanagement Die Bilanzsumme erhöhte sich im Berichtsjahr gegenüber dem Vorjahr um circa 12,0 Mio. EUR auf 637,2 Mio. EUR. Der Anteil des Anlagevermögens an der Bilanzsumme beträgt 92,1 Prozent. Das Anlagevermögen hat sich um circa 0,8 Mio. EUR (+0,1 Prozent) erhöht. Begründet ist dies durch die Investitionen in Sachanlagen, vor allem in Spezialfahrzeuge und technische Anlagen. Bei diesen überwog das Investitionsvolumen im Jahr 2011 gegenüber dem Wertverlust infolge Abnutzung. Daneben wurde weiterhin – im Zuge des fortschreitenden Vollzugs der Eigentumsübertragung in den Grundbüchern – eine Berichtigung des bei der Eröffnungsbilanz erfassten Bestandes an Grundstücken vorgenommen. Das Umlaufvermögen hat sich insgesamt um 28,8 Prozent bzw. rund 11,2 Mio. EUR auf 50,2 Mio. EUR erhöht. Dies sind rund 7,9 Prozent der Bilanzsumme. Durch den, im Wesentlichen kalamitätsbedingt, höheren Holzeinschlag wurde das Vorratsvermögen um rund 0,6 Mio. EUR aufgestockt. Der Bestand an Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen erhöhte sich dabei um rund 10,5 Mio. EUR. Die sonstigen Vermögengegenstände stiegen insgesamt um 10,5 Mio. EUR auf 40,4 Mio. EUR. Durch die im Ergebnis des Vorjahres vorgenommene Aufstockung der Risikovorsorgerücklage erhöhte sich diese um 3,5 Mio. EUR. Die Rücklage weist damit einen Stand in Höhe von rund 21,4 Mio. EUR aus. Die Forderungen aus dem Cash-Management des Landes erhöhten sich um rund 6,8 Mio. EUR.

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Die Liquidität wird dadurch sichergestellt, dass die Landesforst M-V – AöR – in das Cash-Management des Landes integriert ist. Die Aufnahme von Krediten ist daher weder erforderlich noch gestattet. 5. Chancen, Risiken und Herausforderungen für die Landesforst M-V – AöR – 5.1. Risikomanagement Die Landesforst M-V – AöR – begegnet bestehenden Risiken mit einem strategischen und operativen Risikomanagementsystem, welches die Identifikation, Quantifizierung, Bewertung und Steuerung von Sicherheitsrisiken umfasst. Mit Wirkung zum 01.01.2011 wurden spezielle interne Regelungen zum Risikomanagement der Landesforst M-V – AöR – in Kraft gesetzt. Ein Risiko-Ausschuss wurde im Jahr 2011 erstmalig berufen, deren Mitglieder die Aufgabe haben, verschiedene Risikofelder im Jahresverlauf zu ermitteln, zu bewerten und regelmäßige Risikomeldungen vorzunehmen sowie Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Einmal jährlich wird der Vorstand in Form eines Risikoberichts informiert. Eine umfassende und regelmäßige Berichterstattung aus dem internen und externen Rechnungswesen sichert den Informationsbedarf des Verwaltungsrates und der Aufsichtsbehörde und dient der Steuerung des operativen Geschäfts. Ein Schwerpunkt der Prüftätigkeit der Internen Revision liegt in der Kontrolle der ordnungsgemäßen Verbuchung der Geschäftsvorfälle in der Finanzbuchhaltung. Risiken, die sich aus Steuer-, Verwaltungs-, Arbeits-, Kartell- und Umweltrecht etc. ergeben können, begegnet die Landesforst M-V – AöR – zunächst mit einer eigenen Rechtsabteilung. Spezielle Fragestellungen werden mit Unterstützung externer Kanzleien und Berater bearbeitet. Die Forsteinrichtung liefert als dekadische Mehrjahresplanung eine Abschätzung der mittel- und langfristigen Perspektiven und sichert die Nachhaltigkeit aus naturaler Sicht. Neben einem kontinuierlichen Waldschutz-Überwachungssystem wird auch dem Waldbrandrisiko durch präventive Waldbrandvorsorge (z. B. durch

Einrichtung von Waldbrandüberwachungszentralen in Leitforstämtern, kameragestützte Überwachungssysteme und Löschwasserentnahmestellen) begegnet.

von Versicherungen ist daher grundsätzlich nicht zulässig. Eine Ausnahme bildet die Versicherung des spezifischen Haftungsrisikos für die Übernahme von Verkehrssicherungspflichten im Rahmen von Dienstleistungen.

ember in allen Monaten deutlich über der Anzahl der in den Jahren 2009 und 2010 erteilten Genehmigungen (Holz Journal 2 / 2012), was die Hoffnungen auf eine – auch zukünftig – positive Wirtschaftsentwicklung zulässt.

Die schwerpunktmäßige Fortführung von Untersuchungen zur Käferfauna in drei Naturwaldreservaten lieferte weitere wichtige Referenzdaten zur Biodiversität der Wälder in M-V.

Langfristig reduziert die Landesforst M-V – AöR – diese Risiken zudem durch den konsequenten Umbau der Waldflächen hin zu stabilen Mischwäldern, eine standortgerechte Waldverjüngung und eine auf hohe Bestandsstabilität ausgerichtete Waldpflege. Auf diese Weise stellt sie sich zudem auf die Folgen der prognostizierten Klimaveränderungen ein.

Für unplanmäßige Mehraufwendungen im Rahmen der Bewältigung von Kalamitäten, überplanmäßige Investitionen zum Ersatz von Verlusten an Maschinen und Ausrüstungen und zur Kompensation unplanmäßiger Mindererträge nach Preiseinbrüchen am Holzmarkt kann nach Zustimmung des Verwaltungsrats auf die zweckgebundene Risikovorsorgerücklage zurückgegriffen werden.

Die Globalisierung der Wirtschaft führt bei lokal auftretenden Störungen der Marktentwicklung zu schnell eintretenden weltweiten Reaktionen. Die Unsicherheit der Folge der Finanzkrise wirkt bis heute spürbar nach.

Mit Unterstützung der Stiftung Wald und Wild in M-V konnte 2011 ein Projekt zur Untersuchung der Lebensraumsituation des stark gefährdeten Schwarzstorches umgesetzt werden.

Beim Wildbret gibt das seit 2010 ansteigende Preisniveau verhaltenen Anlass zu optimistischer Nachfrageentwicklung. Im Bereich der Verpachtung von Jagdrechten wird es bei tendenziellem Nachfragerückgang eine anspruchsvolle Aufgabe sein, bei Neuverpachtungen das bisherige Preisniveau zu halten.

Besondere Anforderungen an das Waldschutzmeldewesen ergaben sich 2011 aus dem anhaltenden Eschen-Triebsterben, dem Eichen-Sterben und in Folge der lang anhaltenden Niederschläge in den Sommermonaten.

5.2. Absatzmarktrisiken Die Holzpreise unterlagen in den vergangenen Jahren starken Marktschwankungen. Daher birgt das Kerngeschäft Holz, welches mit einem Anteil von derzeit rund 85 Prozent die ausschlaggebende Einflussgröße – in positiver wie in negativer Weise – auf die Umsatzerlöse und damit das Betriebsergebnis der Landesforst M-V – AöR – ist, das größte unternehmerische Risiko. Die Landesforst M-V – AöR – kann nur in sehr begrenztem Umfang auf die Holzpreisentwicklung reagieren, richtet aber ihr Geschäftsverhalten nach den Erfahrungen des Jahres 2009 risikominimierend aus: _ Mit jedem Sortiment werden nach Möglichkeit mehrere Kunden beliefert. _ Sortierkriterien vergleichbarer Kunden werden vereinheitlicht, um Lieferströme flexibler steuern zu können. _ Es werden verschiedene Vertragslaufzeiten genutzt. So werden einerseits Mehrjahresverträge zur Marktberuhigung und Verbesserung der Planbarkeit der Einnahmen geschlossen und andererseits werden kurze Preisbindungszeiträume vereinbart, um auf Preisentwicklungen kurzfristig reagieren zu können. Die Landesforst M-V – AöR – zeichnet sich sowohl in Zeiten günstiger Konjunktur als auch in Krisenzeiten als Lieferant durch Berechenbarkeit, Zuverlässigkeit und hohe Produktqualität bei den Holzkunden aus. Einen wesentlichen Beitrag zur Produktqualität und Lieferplantreue leisten die eigenen Harvester-Forwarder-Maschinensysteme, Investitionen in umweltschonende und moderne Technik sichern und steigern die eigene Leistungsfähigkeit und Flexibilität. 5.3. Beschaffungsmarktrisiken Rohstoff verfügbarkeit und Preisänderungen auf der Beschaffungsseite stellen für die Landesforst M-V – AöR – als Urproduzenten ein vergleichsweise geringes Unternehmensrisiko dar. Eine ausgewogene Verteilung der Dienstleistungsaufträge an regional und überregional agierende Dienstleistungsunternehmen dient ebenfalls der Risikominimierung und Sicherung zuverlässiger und kontinuierlicher Lieferfähigkeit der Erzeugnisse. 5.4. Finanzwirtschaftliche Risiken Durch die Einbindung in das Cash-Management des Landes wird die Liquidität der Landesforst M-V – AöR – sichergestellt. Das Land M-V haftet nach § 4 LFAErG M-V (Gewährträgerhaftung) als Träger der Landesforst M-V – AöR – für Verbindlichkeiten Dritten gegenüber unbeschränkt, soweit Befriedigung aus dem Vermögen der Landesforst M-V – AöR – nicht erlangt werden kann. Die Wertgrenze der maximalen Haftung der Landesforst M-V – AöR – wird jährlich im Haushaltsgesetz festgelegt. Im Berichtsjahr beträgt diese Wertgrenze 1 Mio. EUR. Die Landesforst M-V – AöR – unterliegt grundsätzlich in Anwendung der Landeshaushaltsordnung dem Selbstversicherungsprinzip. Der Abschluss

Die Rücklage wird durch Mehrerträge in Zeiten günstiger Holzmarktlage bzw. durch eingesparte sächliche Aufwendungen des eigenen Wirkungskreises gespeist. Mit diesem Instrument sinkt gleichzeitig das Risiko des Trägers der Landesforst M-V – AöR – (Land), unplanmäßige Verluste ausgleichen zu müssen. Zur Minimierung von Forderungsausfallrisiken aus den Handelsbeziehungen der Landesforst M-V – AöR – werden bereits bei Vertragsabschluss Sicherheiten verlangt. Instrumente wie Eigentumsvorbehalt, Bürgschaften (insbesondere beim Holzverkauf) oder Vorauszahlungen finden Anwendung.

Die Landesforstanstalt hat im Wirtschaftsplan für das Jahr 2012 einen Zuschuss in Höhe von 31,6 Mio. EUR inklusive Investitionen und Überhang geplant und für das Jahr 2013 in Höhe von 30,0 Mio. EUR.

Spekulative Geschäfte werden nicht durchgeführt. 5.5. Rechtliche Risiken Durch die Erweiterung wald- bzw. naturschutzrechtlicher Restrisiken sind Nutzungseinschränkungen, z. B. in Vogelschutz- und FFH-Gebieten, mit einer überproportionalen Betroffenheit des Waldes der Landesforst M-V – AöR –, wahrscheinlich. Direkte Einflussmöglichkeiten der Landesforst M-V – AöR – sind begrenzt und zielen im Wesentlichen auf die Begleitung der Managementpläne ab. 5.6. Chancen der künftigen Entwicklung Die Landesforst M-V – AöR – sieht der zukünftigen Unternehmensentwicklung bei zunehmender Globalisierung der Holzmärkte und der zunehmenden Nachfrage nach erneuerbaren Energien optimistisch entgegen. Gegenüber den Wettbewerbern kann sich die Landesforst M-V – AöR – bei einem breit gefächerten Kundenspektrum mit entsprechend unterschiedlichen Anforderungen durch kontinuierliche und hohe Mengenverfügbarkeit in fast allen angebotenen Geschäftsfeldern differenzieren und damit die aktuell günstige Markt- und Wettbewerbsposition auf hohem Qualitätsniveau behaupten. Flächendeckende Präsenz und hohe Zuverlässigkeit zählen zu den Stärken, durch die sich Landesforst M-V – AöR – gegenüber den Kunden als Geschäftspartner auszeichnet. Im Jahr 2010 wurde die Unternehmerische Konzeption 2008 – 2012 einer Zwischenprüfung unterzogen, auf deren Grundlage nun ein mittelfristiges Unternehmenskonzept für den Zeitraum 2013 – 2020 entwickelt wird. Ökonomisches Ziel dieses Konzeptes ist die Gewährleistung einer angemessenen Gewinnerzielung im eigenen Wirkungskreis. 6. Nachtragsbericht (§ 289 Abs. 2 Nr. HGB) Vorgänge von besonderer Bedeutung nach Schluss des Geschäftsjahres und Ausblick In der Zeit zwischen dem Bilanzstichtag (31. Dezember 2011) und dem Aufstellungstag (30. März 2012) sind keine Ereignisse eingetreten, die einen wesentlichen Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben. 7. Prognosebericht Entwicklung der marktwirtschaftlichen Situation Die Anzahl der 2011 erteilten Baugenehmigungen lag von Januar bis Nov-

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Lagebericht 2010

Im Rahmen des Baus der BAB 14 im Westen des Landes und der dabei in erheblichem Umfang notwendigen Inanspruchnahme von Waldflächen werden in den kommenden Jahren umfangreiche Rodungsarbeiten sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen notwendig werden, um deren Ausführung sich die Landesforst M-V – AöR – im Rahmen als Dienstleister bemüht.

8. Forschung und Entwicklung (§ 289 Abs. 2 Nr. 3 HGB) Die Bearbeitung forstwirtschaftlicher Fragestellungen sowie die Umsetzung verschiedener Monitoring-Programme im Wald erfolgt durch das Forstliche Versuchswesen im Betriebsteil Forstplanung, Versuchswesen, Informationssysteme (FVI) der Landesforst M-V – AöR –. Nach wie vor stehen hier angewandte Untersuchungsansätze im Vordergrund, der Anteil der Datenerhebung und -bereitstellung im Rahmen der forstlichen Umwelt-Dauerbeobachtung für Forschungsinvestitionen des Bundes und der EU nimmt jedoch weiter zu. Bei der Fortführung langfristiger waldbaulicher Versuchsreihen standen 2011 insbesondere Versuchsflächen mit heimischer Kiefer im Fokus. Weiterhin wurden aktuelle Fragestellungen zu verschiedenen Verfahren des Waldumbaus von Kiefern-Reinbeständen mit Rotbuche auf Grundlage eines mittelfristigen Praxisversuches behandelt. Im Rahmen projektbezogener Untersuchungen wurde das bereits in den Vorjahren intensiv bearbeitete Themenspektrum zur Bewirtschaftung von Nassstandorten fortgeführt. Durch die Einwerbung von Drittmitteln konnte dafür ein neues Projekt zur Problematik des Eschentriebsterbens und den damit verbundenen Fragestellungen der bodenschonenden Holzernte etabliert werden. Im Rahmen dieses Projekts konnten nach der Auswahl geeigneter Standorte und Eschenbestände im Herbst 2011 zwei Praxistests zur Holzernte auf Nassstandorten abgeschlossen werden. Weitere Praxistests für 2012 wurden vorbereitet und erste Kulturtypen für die Wiederbewaldung von Eschen-Flächen benannt. Im Rahmen turnusgemäßer Untersuchungen über die Rückwirkung der Wildbestände auf die Wälder wurde neben der Auswertung des im Vorjahr durchgeführten Forstlichen Verbissgutachtens ein Verfahren zur Erfassung der Schälschäden in Jungwüchsen und -beständen erprobt und dessen Einführung in 12 Forstämtern vorbereitet. Für die Erhaltung gefährdeter einheimischer Gehölzarten und die Untersuchung von Saatgutbeständen erfolgten verschiedene Forschungsaktivitäten und Maßnahmen. So wurden genetische Untersuchungen von ElsbeerenVorkommen und Eichen-Verjüngungen sowie von Eichen- und DouglasienSaatgutbeständen durchgeführt. Für die zukünftige Vermehrung einheimischer Europäischer Schwarz-Pappeln wurde eine Erhaltungsplantage in der eigenen Forstbaumschule angelegt.

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Zur fachlichen Unterstützung der Forstämter bei der Abwehr von Wildschäden wurde ein Bericht zur Wirksamkeit von Wildverbissschutzmitteln erarbeitet. Darüber hinaus wurde in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) eine Abwehrmaßnahme gegen den Eichen-Prozessionsspinner an Straßen- und Alleenbäumen sowie an angrenzenden Waldrändern im Landkreis Ludwigslust vorbereitet und durchgeführt. Im Rahmen des Forstlichen Umweltmonitorings erfolgten die fristgemäße Erfassung des diesjährigen Gesundheitszustandes der Wälder im Land sowie die Fortführung der Untersuchungen auf den beiden Intensivmessflächen (EU-Level-II). Die Lieferung relevanter Umwelt- und Waldzustandsdaten im Kontext der entsprechenden Bundes- und EU-weiten MonitoringProgramme an die zuständigen Institutionen des Bundes und der EU wurde sichergestellt. Ein Arbeitsschwerpunkt bestand 2011 in der Auswertung und Veröffentlichung der Landesdaten zur Zweiten Bundesweiten Bodenzustandserhebung im Wald (BZE II), welche in Kooperation mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNE) erfolgte. Malchin, den 31. März 2012

SSven Bl Blomeyer Vorstand der Landesforst Mecklenburg-Vorpommern – AöR –

Impressum

Forstamt Abtshagen-Rügen Hauptstraße 4 | 18510 Abtshagen Forstamt Bad Doberan Neue Reihe 46 | 18209 Bad Doberan Forstamt Billenhagen Billenhagen 3 | 18182 Blankenhagen Forstamt Conow Karl-Marx-Straße 20 | 19294 Kaliß

Herausgeber Landesforst MV – Anstalt des öffentlichen Rechts – Fritz-Reuter-Platz 9 17139 Malchin Beiträge und Anfragen richten Sie bitte an die Redaktion Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Autors wieder.

Forstamt Dargun Dorfstraße 69 | 17179 Finkenthal Forstamt Friedrichsmoor Schlossallee 9 | 19306 Friedrichsmoor Forstamt Gädebehn Rönkendorfer Weg 2 | 19089 Gädebehn Forstamt Güstrow Gleviner Burg 1 | 18273 Güstrow Forstamt Jägerhof Hainstraße 5 | 17493 Greifswald-Eldena Forstamt Jasnitz Lange Straße 21 | 19230 Jasnitz Forstamt Karbow Lindenstraße 1 | 19386 Karbow Forstamt Ludwigslust Rosenstraße 22 | 19300 Kremmin Forstamt Lüttenhagen Forsthof 1 | 17258 Feldberger Seenlandschaft OT Lüttenhagen Forstamt Mirow Rudolf-Breitscheid-Straße 26 | 17252 Mirow Forstamt Neu Pudagla 17459 Seebad Ückeritz Forstamt Neubrandenburg Oelmühlenstraße 3 | 17033 Neubrandenburg

Internet www.wald-mv.de E-Mail [email protected] Stand August 2012 Konzept und Gestaltung Metronom | Agentur für Kommunikation und Design GmbH Sigismundstraße 6 04317 Leipzig Redaktion Landesforst MV – Anstalt des öffentlichen Rechts – Jutta Sündermann und Sibylla Hofmann, Telefon 03994.235 101 Felix Adolphi, Telefon 03994.235 108

Forstamt Neustrelitz 17237 Blumenholz OT Wilhelminenhof 6

Metronom | Agentur für Kommunikation und Design GmbH

Forstamt Nossentiner Heide Drewitz 4 | 17214 Nossentiner Hütte

Bildnachweis Titelmotiv von Monika Hildebrandt * Vorwort 1 vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V Vorwort 2 von Scherer Schwerin Vorwort 3 von Felix Adolphi Kapiteleinstieg 1 von Rüdiger Pfäffle * Kapiteleinstieg 2 von Sophie Hauke * Kapiteleinstieg 3 von Andreas Baumgart

Forstamt Poggendorf Grimmener Straße 16 | 18516 Süderholz Forstamt Radelübbe Bakendorfer Weg 7 | 19230 Radelübbe Verwaltungsgemeinschaft Rothemühl / Torgelow Anklamer Straße 10 | 17358 Torgelow Forstamt Sandhof Waldstraße 35 | 19399 Sandhof Forstamt Schildfeld Forsthof 1 | 19260 Schildfeld Forstamt Schlemmin Hauptstraße 10 a | 18249 Schlemmin Forstamt Schönberg An der B 105 | 23936 Gostorf Forstamt Schuenhagen Am Kronenwald 1 | 18469 Schuenhagen Forstamt Stavenhagen An den Tannen 1 | 17139 Gielow

* Teilnehmer des Fotowettbewerbs Wald-Welten 2011 Gesamtherstellung Druckfabrik Dresden GmbH Papier 150 und 300 g matt gestrichen Bilderdruck »Optisilk«, Papier aus nachhaltiger Waldwirtschaft

Forstamt Wredenhagen Dorfstraße 60 | 17213 Fünfseen OT Satow

Landesforst Mecklenburg-Vorpommern _ Geschäftsbericht 2010 | 2011 Impressum

»Wald schafft Zukunft« Die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern – Anstalt des öffentlichen Rechts – für die Jahre 2010 und 2011

www.wald-mv.de