Wasser – Quelle des Lebens - Dompfarre St. Stephan

Wasser – Quelle des Lebens - Dompfarre St. Stephan

72. Jahrgang · Nr. 2 · Herbst 2017 Pfarrblatt Wasser – Quelle des Lebens Schwerpunkt Dompfarre Spirituelles Literatur Ohne Wasser sterben wir. Wie ...

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72. Jahrgang · Nr. 2 · Herbst 2017

Pfarrblatt

Wasser – Quelle des Lebens Schwerpunkt Dompfarre Spirituelles Literatur

Ohne Wasser sterben wir. Wie damit umgehen und unseren Durst nach Leben stillen? Evangelisch-Katholische Begegnungen ∙ Kinderführungen ∙ 30 Jahre St. Ruprecht Heiliger Johannes der Täufer ∙ Fest Mariä Namen Die revidierte Einheitsübersetzung ∙ Bischof und fröhlicher Christ

Editorial

■ Editorial

2

■ Wort des Dompfarrers ■ Wasser – ein Schatz, der allen gehört

3 6

■ Wasser ist Leben

8

■ Frisches, klares Wiener Wasser

9

■ Ohne Wasser sterben wir

10

■ Wir müssen unsere Herzen offen halten!

11

■ Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?

12

■ Einander die Füße waschen

13

■ Vom Wassergrab und dem Fruchtwasser der Gnade

14

■ Mit Gott verbunden

16

■ Das Fest der Taufe Christi

17

■ Strom aus Wasserkraft

18

■ Belebend und erfrischend

19

■ Fratzen und Segensbringer – die Wasserspeier von St. Stephan 20 ■ Quellen – faszinierende Orte und Heiligtümer

21

■ Wir fragen Prominente: »Wasser bedeutet für mich …«

23

■ Wegkreuzungen – EvangelischKatholische Begegnungen 26 ■ 30 Jahre Gemeinde St. Ruprecht 27 ■ Manner mag man eben

28

■ Nachruf Rudolf Sepper

29

■ Zum 80. Geburtstag von Anneliese Kreiner

30

■ Ratespaß und Kulturgenuss

31

■ Erstkommunion

32

■ Gottes Wohnung auf Erden

34

■ Pfarrfirmung 2018

34

■ Seniorenausflug

35

■ Blitzlichter aus St. Stephan

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■ Der neue Pfarrgemeinderat

37

■ Stefflkirtag 2017

37

■ Chronik

38

■ Bischof und fröhlicher Christ

39

■ Revidierte Einheitsübersetzung 40 ■ Steffl

41

■ Fest Mariä Namen

42

■ Hl. Johannes der Täufer

43

■ Einige Termine zum Vormerken 44 ■ Rosenkranzmonat Oktober

46

■ Zum Nachdenken ■ Impressum

48 48

Grüß Gott!

Heuer im Sommerurlaub verbrachte ich mit meiner Familie einige Tage auf einem Flecken Erde, den es vor 20 Jahren noch nicht gab. Genauer gesagt, gegeben hat es ihn schon, aber als ich das letzte Mal Amsterdam besuchte, befand sich an jener Stelle noch das Meer. Es ist schon faszinierend, wie der Mensch die Natur, das Wasser, unter seine Kontrolle bringt und durch die Trockenlegung sowie die Errichtung von Dämmen ganz neue Lebensräume schafft. Zugleich ist der global gesehen sorglose Umgang mit diesem kostbaren Gut Wasser, das allen Menschen geschenkt ist, höchst alarmierend. Ein Innehalten und Betrachten dieses wunderbaren Elements, das Ursprung und Quelle allen Lebens ist, tut gut. Romano Guardini beschrieb das Wasser als „geheimnisvoll“, „selbstlos“, „nur dafür da, anderem zu dienen, rein zu machen und zu erquicken“. Wasser muss ständig fließen, sich verändern und sich in den Kreislauf der Natur ein-

fügen: Wasser regnet herab, um Pflanzen gedeihen zu lassen, es versickert in der Erde, um irgendwo als Quelle hervorzubrechen, windet sich in Bächen und Flüssen, um ins Meer zu münden und steigt schließlich zum Himmel hinauf. Wenn Wasser in einem Behältnis gesammelt wird und es keine Verwendung findet, wird es irgendwann einmal trüb und schal im Geschmack. Wenn es jedoch an keinem bestimmten Zustand festhält, sich in den Dienst stellt und sich ständig erneuert, kann Leben wachsen. Das ist auch das Geheimnis der Liebe: sich verschenken. Aufgrund dieser starken Symbolkraft spielt das Wasser im Leben der Kirche eine zentrale Rolle: sei es bei der Taufe, in der Eucharistiefeier, bei der Fußwaschung oder beim Bekreuzigen mit Weihwasser. Mit Wasser beginnt alles Leben.

Wasser ist kostbar Wir möchten in diesem Pfarrblatt ganz bewusst auf die Kostbarkeit dieser Lebensressource aufmerksam machen und zu einem verantwortungsvollen Umgang einladen. Vielleicht eine konkrete Anregung zur Bewahrung der Schöpfung: Am Freitag, dem Tag des Leidens unseres Herrn, ganz bewusst Wasser trinken und eine Speise wählen, zu deren Erzeugung wenig Wasser verwendet wurde? Jedenfalls wünsche ich viel Freude beim Lesen und schließe mit einem alten Spruch, der früher auf vielen Brunnen zu lesen war: „Gedenke der Quelle, wenn du trinkst!“

Hinweis der Redaktion Wir bitten Autoren und Leser um Verständnis, dass wir aus Gründen der besseren Lesbarkeit und der Unversehrtheit der Sprache Bezeichnungen wie „Christ“, „Katholik“ etc. so wie das ebenfalls grammatikalisch maskuline Wort Mensch als inklusiv, also geschlechtsneutral verstehen und verwenden.

Reaktionen Wenn Sie uns etwas mitteilen wollen, zögern Sie nicht: Schreiben Sie an: Dompfarre St. Stephan, „Pfarrblatt“, Stephansplatz 3, A-1010 Wien, oder per E-Mail: [email protected]

Titelbild: Junge Mangrove. Andreas Kattner, Bahamas 2014

2 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017

M. Staudinger

Inhalt

Wort des Dompfarrers

Liebe Freunde! Respektvoller Umgang mit Wasser

Wenn das Wasser knapp wird, dann ist „Feuer am Dach“. Wie schrecklich haben wieder tausende Menschen diesen Sommer wegen der Trockenheit vor den Gefahren der Waldbrände flüchten müssen oder haben gar einige ihr Leben lassen müssen. Für einen Großteil der Weltbevölkerung ist der Zugang zu sauberem Wasser keine Selbstverständlichkeit. Über eine Milliarde Menschen haben diese Möglichkeit nicht, und täglich sterben so viele Kinder am Mangel an sauberem Trinkwasser. Und heuer mussten – nicht nur in Rom – viele Brunnen ihren Betrieb einstellen, um diese so wertvolle und kostbare Ressource Wasser zu schonen. Auch der Vatikan ging mit dem Abstellen seiner Brunnen mit gutem Beispiel voran.

Suzy Stöckl

Recht auf Trinkwasser – ein Menschenrecht In der Umweltenzyklika „Laudato si“ hat Papst Franziskus nicht nur den Katholiken in Erinnerung gerufen, wie wichtig die Bewahrung der Schöpfung und der verantwortungsvolle Umgang mit der Umwelt für die gesamte Weltbevölkerung ist. Seit einiger Zeit bereitet der Vatikan auch ein Dokument vor, das Kurienkardinal Peter Turkson bei den Vereinten Nationen in Genf Mitte September präsentiert. Es geht um das Recht auf Zugang zu sauberem Trinkwasser als grundlegendes Menschenrecht, das aber von 70 Ländern bisher noch nicht anerkannt wird.

Von einer Ausstellung im Kunsthaus Wien in den vergangenen Monaten war ich besonders beeindruckt. Mit großformatigen Fotos zum Thema Wasser steht der kanadische Künstler Edward Burtynski in der Tradition vieler Ideen des prophetischen Friedensreich Hundertwasser und bringt sie so in die aktuelle weltweite Diskussion ein. Wir sind in unseren Breiten mit Wasser verwöhnt und jeder schätzt die Trinkwasserqualität unserer Seen. Gerade in einem so heißen Sommer weiß ein jeder

nung für unser eigenes Handeln gelten lassen können. Ein respektvoller Umgang mit Wasser ist auf jeden Fall das Gebot der Stunde. Als Wiener weiß ich mich natürlich sehr glücklich aus dem Wasserhahn sprudelndes Quellwasser durch die Wiener Hochquellwasserleitung zu erhalten. Wie berührend und archaisch die Momente, wenn man in den Kalkalpen an der hervorstürzenden Quelle gewahr wird, was da alles aus Gottes Schöpfung aus der idyllischen Bergwelt uns Städtern geschenkt wird. Die Bewahrung der Schöpfung ist schon lange kein esoterisches Thema für grüne

»Das Wasser ist Leben, und ohne Wasser besteht kein Leben. Und vom Leben zu sprechen heißt, von Gott zu sprechen, Ausgangspunkt und Quelle des Lebens, und auch unser christliches Leben beginnt im Zeichen des Wassers, mit der Taufe.« Papst Franziskus von uns die Abkühlung und den Sprung ins kühle Nass zu schätzen. Gleichzeitig kennen wir auch die Gewalt der ungestümen Wasserwogen, wenn mit Unwettern über weite Landstriche Verwüstungen hereinbrechen und das köstliche Nass plötzlich als Naturgewalt Muren auslösen kann oder gar als Tsunami Küstengebiete weit bis ins Landesinnere hinein bis zur Unkenntlichkeit verwüstet. Bilder, die fast an die Urflut erinnern und uns schon zum Nachdenken anregen, ob das alles nur unvermeidbare Naturgewalt ist oder ob wir das auch als Mah-

Chaoten, sondern zu einem wichtigen theologischen Ort des gemeinsamen Ringens geworden. „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser so lechzt meine Seele o Gott nach dir!“ Dieser Durst treibt uns hoffentlich zu mehr Achtsamkeit und Aufmerksamkeit mit all dem, was unser Leben erst ermöglicht. In der Vorfreude auf viele Begegnungen Ihr dankbarer

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017 3

Wasser – Quelle des Lebens

Wasser des Lebens Wenn ich im Sommer mit meinen Geschwistern in den Alpen wandere, dann fasziniert mich immer eine frische Quelle. Und ich habe das Bedürfnis, aus dem klaren und frischen Wasser zu trinken. So ein frisches und klares Wasser hat auch der Jakobsbrunnen in der Nähe von Sychar heute noch zu bieten. Über dieses Wasser spricht Jesus mit der Frau aus Samarien. Doch das frische Wasser des Brunnens wird für ihn zum Anlass, über ein anderes Wasser zu sprechen, über

das lebendige Wasser, über ein Wasser, das unseren Durst nicht nur einmal löscht, sondern für immer. Und dieses Wasser wird in uns selbst zur sprudelnden Quelle. In uns ist die Quelle, die wir in der Landschaft bestaunen.

Aus der inneren Quelle des Heiligen Geistes schöpfen Wenn Jesus vom Wasser und von der lebendigen Quelle in uns spricht, dann meint er den Heiligen Geist. So sagt er es

selbst im 7. Kapitel des Johannesevangeliums. Wer an Jesus glaubt, aus dessen „Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollen, die an ihn glauben.“ (Joh 7,38f) Für mich ist das eine wichtige Erfahrung: Wenn ich müde bin vom Arbeiten, wenn ich mich erschöpft fühle, dann versuche ich, durch die Müdigkeit hindurch in den inneren Raum der Stille auf dem Grund meiner Seele zu gelangen. Dort weiß ich, dass da die Quelle des Heiligen Geistes strömt. Wenn ich dann für diese Quelle durchlässig werde, dann kann ich mitten in meiner Müdigkeit mit einer neuen Frische den Vortrag halten, den Kurs halten, das Gespräch führen. Aber ich kann diese Quelle nicht einfach zur Leistungssteigerung benutzen. Ich kann aus dieser Quelle nur schöpfen, wenn ich mein Ego loslasse, wenn ich durchlässig werde für den Geist Gottes. Der Geist Gottes strömt durch mich hindurch. Man merkt es einem Menschen an, ob er aus der inneren Quelle des Heiligen Geistes schöpft oder ob er sich selbst beweisen will. Wer sich in seinem Vortrag selbst darstellt, der erzeugt in den Zuhörern eher Widerwillen. Manche bewundern vielleicht den Redner. Man hat jedoch ein zwiespältiges Gefühl. Was der Redner sagt, ist durchaus gut und sinnvoll. Aber man merkt, dass er in jedem Wort sich selbst darstellt. Wer aus der Quelle des Heiligen Geistes spricht, der berührt die Herzen der Menschen. Sie achten nicht auf den Sprechenden, sie lassen sich vielmehr von den Worten berühren, weil unmittelbar ihr Herz angesprochen wird.

Reinigende Kraft des Wassers

Jesus bittet die Samariterin am Jakobsbrunnen um etwas zu trinken. Die Frage nach einem Schluck Wasser wird zu einem Gespräch über den Durst nach Liebe und Leben. 4 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017

In der Taufe sind wir mit Wasser übergossen worden. Es meint, dass wir nie austrocknen oder erschöpft werden, weil in uns die Quelle des Heiligen Geistes strömt. Aber wir müssen uns dieser

H. Eichelmüller 2004, Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Wasser stillt den Durst und gibt Kraft. Wasser reinigt. Wasser lässt uns leben. Benediktinermönch P. Anselm Grün über das Wasser, das aus der Quelle des Heiligen Geistes sprudelt.

Die Autoren

Schulter, die bewusste Seite, damit unser Handeln durchlässig wird für den Heiligen Geist.

Grün: Vier-Türme-Verlag

P. Anselm Grün OSB ist Mönch der Abtei Münsterschwarzach und Autor unzähliger spiritueller Bücher Quelle immer wieder bewusst werden. Das Wasser des Heiligen Geistes erfrischt und stärkt nicht nur. Es reinigt uns auch. Früher hat man gesagt: Das Wasser des Heiligen Geistes wäscht uns rein von der Erbsünde. Doch wie sollen wir das verstehen? Ich glaube, dass das Wasser des Heiligen Geistes mich von allen Trübungen reinigt, die sich über mein wahres Selbst legen. Solche Trübungen können beispielsweise die Erwartungen der Eltern sein, die mich mit ihren Erwartungen auf ein Bild festgenagelt haben, das meinem Wesen nicht entspricht. Der Vater sieht im Sohn oft nicht den einmaligen Sohn, sondern den, der seine unerfüllten Träume erfüllen sollte. Oder die Mutter sieht in der Tochter nicht die einzigartige Tochter, sondern all die Bilder, die sie selbst nicht leben durfte. Solche Projektionen trüben unser wahres Selbst. Wenn wir uns beim Betreten einer Kirche mit Weihwasser bekreuzigen, dann erinnern wir uns an die Taufe. Wir berühren mit dem Wasser unsere Stirn und werden uns bewusst, dass das Wasser des Heiligen Geistes unser Denken reinigt von allen Trübungen. Dann berühren wir mit Wasser unseren Unterbauch. Der Heilige Geist reinigt unsere Vitalität und Sexualität von allen Trübungen. Die linke Schulter, die wir berühren, steht für das Unbewusste, für all die oft chaotischen Bilder unserer Träume. Die reinigende Kraft des Heiligen Geistes reicht bis in die Tiefe unseres Unbewussten. Und wir reinigen die rechte

Durst nach Liebe Vom Thema des Wassers leitet Jesus unvermittelt zum Thema des Mannes über, den die Frau holen soll. Ihre Antwort, dass sie keinen Mann hat, bestätigt Jesus: „Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.“ (Joh 4,17f) Die sechs Männer, die die Frau hatte, haben ihre Sehnsucht nach Liebe nicht erfüllt. Jesus ist der siebte Mann, der am Kreuz sein Herz für diese Frau, aber auch für uns alle öffnet. Und aus seinem Herzen strömen Blut und Wasser: Blut und Wasser stehen für die reinigende und heilende Liebe, die aus dem Herzen Jesu auf uns alle herab strömt. Diese Liebe Jesu, die alles in uns durchdringt, erfüllt unseren tiefsten Durst nach Liebe. Wenn wir mit Wasser unseren Durst löschen, können wir uns immer an diese Liebe erinnern, die allein unseren Durst zu löschen vermag. Sie strömt uns in jeder Eucharistiefeier aus dem offenen Herzen Jesu entgegen, damit wir sie trinken und an ihr unseren Durst löschen. ■

In dem Buch „Worte, die uns tragen“ (erschienen 2015 im VierTürme-Verlag) erklärt P. Anselm Grün die Worte des Glaubensbekenntnisses in verständlicher Weise und zeigt, wie heilsam diese Worte für uns Menschen sind.

Dr. Mag. Daniel Abed-Navandi, Kurator Meeresaquarium, Stv. Direktor Haus des Meeres DI Wolfgang Anzengruber, Vorsitzender des Vorstandes, VERBUND AG Mariette Auersperg, Pfarrcaritas Dompfarre St. Stephan Benedikt Felsinger O. Praem., PrämonstratenserChorherr des Stiftes Geras, Buchautor, „Kräuterpfarrer“ Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker, Generalsekretär der Gemeinschaft Evang. Kirchen in Europa, Bischof der Evang. Kirche A.B. in Österreich Mag. Karin Domany, pens. Religionspädagogin, PGR St. Stephan Toni Faber, Dompfarrer Dr. Annemarie Fenzl, Kardinal König-Archiv, eh. Leiterin des Wiener Diözesanarchivs Mag. DDr. Ingrid Fischer, Wiener Theologische Kurse, Programmleiterin der Akademie am Dom Tanja Frank, Seglerin, Olympia-Medaillengewinnerin Jörg Geier, Mitglied des Club of Rome und Assoziierter Direktor von Watershed ao. Univ.-Prof. i.R. Dr. Roland Girtler, Soziologe und Kulturanthropologe Reinhard H. Gruber, Domarchivar von St. Stephan P. Anselm Grün OSB, Mönch der Abtei Münsterschwarzach, Buchautor Maya Hakvoort, Musicaldarstellerin Abt Mag. P. Johannes Jung OSB, Benediktinerabtei „Unserer Lieben Frau zu den Schotten“ Erzbischof Dr. Arsenios Kardamakis, griechischorientalischer Metropolit von Austria Erzbischof Dr. Franz Lackner OFM, Erzdiözese Salzburg Dr. Michael Landau, Caritasdirektor der Erzdiözese Wien und Präsident der Caritas Österreich Univ. Prof. Dr. Michael Langer, Universität Regensburg und Kirchlich-Pädag. Hochschule Wien/ Krems; Autor, Diakon der Erzdiözese München und Freising Jeanette Lehrer, Querflötistin, Instrumentalpädagogin an der HIB Wien Mag. Bettina Leidl, Direktorin vom Kunsthaus Wien Georg Rejda, Sakristeidirektor und Dommesner der Metropolitan- und Domkirche St. Stephan Mag. (FH) Anja Richter, Leitung Sektion Wasserspringen des ASV Wien Andrä Rupprechter, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Harald Schiffl, Geschäftsleitung PR-Agentur, Gemeinde St. Ruprecht Prof. Ingeborg Schödl, freie Publizistin, eh. Redakteurin der Wiener Kirchenzeitung Jochen Schweizer, Unternehmer, Eventmanager, Vortragender Univ.-Prof. Dr. Ludger Schwienhorst-Schönberger, Vorstand d. Instituts für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Kath.-Theol. Fakultät der Uni Wien Mag. Ulli Sima, Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke Dr. Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien Mag. Birgit Staudinger, Theologin, Redaktionsleiterin P. Georg Sporschill SJ, ELIJAH Soziale Werke Em. O.Univ.-Prof. Prälat Dr. Josef Weismayer Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ko-Präsident des Club of Rome MMag. Franz Zehetner, Archiv der Dombauhütte St. Stephan

Redaktion. Redaktionsleitung: Mag. Birgit Staudinger Lektorat: Mag. Birgit Doblhoff-Dier, Mag. Karin Domany, Reinhard H. Gruber, Daniela Tollmann Redaktionsteam: Dompfarrer Toni Faber, Diakon Erwin Boff, Mag. Karin Domany, Mag. Heinrich Foglar-Deinhardstein, Reinhard H. Gruber, Anneliese Höbart

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017 5

Wasser – Quelle des Lebens

Papst Franziskus hat in seiner Enzyklika Laudato si’ die fundamentale Bedeutung des Wassers als Grundlage allen Lebens hervorgehoben und die Notwendigkeit eines neuen Dialogs über die Zukunft der Erde. Zum Weltwassertag am 22. März fand dieses Jahr im Vatikan die internationale Konferenz »Watershed« statt mit dem Päpstlichen Kulturrat und dem Club of Rome als Gastgeber. Von Jörg Geier, in Zusammenarbeit mit Ernst Ulrich von Weizsäcker. Watershed hatte seinen Ursprung in einem Treffen zwischen dem argentinische Club-of-Rome-Mitglied Silvia Zimmermann del Castillo und Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident des Päpstlichen Kulturrats, im Vatikan. Beide erkannten in ihrem Gespräch das Potential einer gemeinsamen Initiative zwischen Vatikan und Club of Rome zum Thema Umwelt wie auch die Notwendigkeit, sich insbesondere mit der Wasserfrage auseinanderzusetzen. Die Konferenz stellte den (messbaren) Wert und die (ethischen) Werte von Wasser in den Vordergrund und beleuchtete diese aus unterschiedlichen Blickwinkeln. 400 Teilnehmer aus 23 Ländern unterschiedlicher Kulturen und Religionen – Vertreter von Regierungsabteilungen und Unternehmen, Meinungsführer von Nichtregierungsorganisationen und Forschungseinrichtungen – unterstrichen den wissenschaftlichen und interdisziplinären Charakter der Veranstaltung. Die Diskussionsbeiträge gingen auf verschiedenartige Zusammenhänge ein und machten deutlich, dass neben dem Willen zum Handeln auch ein gegenseitiges Verständnis vonnöten ist – über politische, kulturelle und religiöse Grenzen hinaus: Wasser als Menschenrecht, Trinkwassermangel bei Kindern, den Blick auf unseren blauen Planeten durch die Augen einer Astronautin – all diese Beiträge zeigten auf, wie eng unse-

re Schicksale miteinander verwoben sind und wie nachlässig wir mit dieser lebensspendenden Ressource umgehen. Kardinal Ravasi betonte die Symbolkraft von Wasser als archetypisches Symbol der Menschheit, beginnend mit dem Konkreten und ausgehend von der materiellen Wirklichkeit. Über 70 % der Erde seien durch Wasser bedeckt, wobei jedoch 97 % davon salzig seien. Prinz Hassan bin Talal von Jordanien setzte Wasser in Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise und wies auf die Notwendigkeit einer Versorgung mit lebenswichtigen Gütern unter menschenwürdigen Umständen hin, um Extremismus entgegenzutreten.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit Neben der Benennung von Problemen konzentrierten sich die Vorträge auf konkrete Handlungsvorschläge wie innovative und wassersparende Geschäftsmodelle in der Landwirtschaft und Industrie, der Bewertung von Wasser, zukunftsweisende Regierungsvereinbarungen oder Museen zur Bewahrung von Wasser als Kulturerbe. Prof. Gunter Pauli, Autor von „The Blue Economy“, wies auf einfache wie effiziente Maßnahmen hin, angefangen mit der Veränderung eigener Konsumgewohnheiten sowie neuer Techniken in der Landwirtschaft. So auch Jennifer Sara, Wasserexpertin der Weltbank, die betonte, wie wichtig es sei, dass Regierungen Regelwerke finden, um geeignete Lösungsansätze zu skalieren, wie z.B. sanitäre Anlagen ohne Kanalisation und die Nutzung von Abfall als Ressource. Laut Erzbischof Paul Richard Gallagher wurden in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts rund 200 Verträge in Bezug auf Wasser erfolgreich abgeschlossen, was zeigt, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Wasserfragen ein hervorragendes Beispiel für eine langfristige Konfliktverhütung ist. NASA-Astronautin Dr. Kathryn Sullivan ging in ihrer Darstellung über die Notwendigkeit neuer Ge-

6 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017

schäftsmodelle und einer gemeinsamen Ethik hinaus und hob die kosmische Sicht der Dinge hervor: „Wir müssen einen Weg finden, um in einer Weise zu leben, die anerkennt, dass wir [alle] die Besatzung dieses Raumschiffs [Erde] sind.“ Das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser wurde 2010 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als Menschenrecht anerkannt. Es bleibt noch viel zu tun in der Sicherung dieses essentiellen Grundbausteins des Lebens. Während die Konferenz einen kleinen Beitrag zum Dialog leistete, werden sich die Teilnehmer – und alle Leser im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten – daran messen lassen müssen, welche konkreten Maßnahmen ergriffen werden, um den vielfältigen Herausforderungen zu begegnen. Insbesondere die Erziehung von Kindern und Jugendlichen in Umweltfragen mit Hilfe von katholischen Netzwerken und Einrichtungen wird hier von Seiten des Vatikans eine entscheidende Rolle spielen. Innovationen und neue Geschäftsmodelle sowie Stakeholder-Dialoge bilden weitere Ansatzpunkte. Dr. Assia Bensalah Alaoui, Sonderbotschafterin des Königs von Marokko, spitzte es so zu: „Entweder sind wir gemeinsam erfolgreich oder wir scheitern gemeinsam.“ Ein neuer Bericht des Club of Rome mit dem deutschen Titel „Wir sind dran“ (erscheint Ende September) widmet ein ganzes Kapitel der Enzyklika Laudato si’, weil hier eine starke Deckung zu unserem Ansatz zur Rettung des Gemeinsamen Hauses (der Erde) besteht.

pixabay

Wasser – ein Schatz, der allen gehört

In Ihrem Beitrag gehen Sie auf neue Geschäftsmodelle ein. Was können wir darüber hinaus noch tun?

Geier: Cordula Giese | Weizsäcker: James Badham

Jörg Geier: Veränderungen fangen mit uns selbst an. Ohne dass wir unsere Konsumgewohnheiten ändern, werden wir auch Konzerne und Politik nicht zum Umdenken bewegen können. Wenn wir alle nur etwas weniger Fleisch essen würden, dann würden wir bereits viele Liter Wasser einsparen, ganz zu schweigen vom sonstigen ökologischen Fußabdruck. Ernst Ulrich von Weizsäcker: Der mit Abstand größte Wasserverbraucher ist die Landwirtschaft. Sie kann in den meisten Ländern das Wasser als „freies Gut“

ze: Poren schließen, denn hier unten ist’s trocken. Aber solche technischen Spartechniken rentieren sich nur, wenn das Wasser sehr knapp oder ziemlich teuer ist. Man sollte der Landwirtschaft in semiariden Gebieten ein klares Signal in Richtung Wassersparsamkeit geben. Analoges gilt natürlich für Energie!

Die Ursachen für konkrete Probleme sind sehr unterschiedlich gelagert. Gibt es auch positive Beispiele, die Hoffnung machen?

Jörg Geier: Äthiopiens Minister Dr. Seleshi Bekele Awulachew berichtete von Erfolgsbeispielen, wie in seinem Land, in dem bis zu 80 % der Bevölkerung von der Landwirtschaft leben, Resilienz als Entwicklungsprinzip eingebunden wurde. Im äthiopischen Hochland betrugen bewaldete Flächen vor 12 Jahren aufgrund von Umweltzerstörung lediglich 3% der Landfläche. Mittlerweile konnte Jörg Geier ist der Bestand auf fast 20 % aufgeforstet Mitglied des werden. Die Auswirkungen auf KlimaClub of Rome und Resilienz, Bindung von CO2 und ProdukAssoziierter Direktivität sind enorm. tor von Watershed Prof. Gunter Pauli ging in seinem Vortrag auf Las Gaviotas in Kolumbien ein, ansehen und hat wenig Anreiz, damit wo bereits 8.000 Hektar unfruchtbares sparsam umzugehen. TröpfchenbewäsLand aufgeforstet wurden. Die Aufforsserung kann den Wasserverbrauch pro tung führte zugleich zu VollbeschäftiKilo Nahrungsmittel auf die Hälfte oder gung in der Region. Zugleich sind bis zu ein Drittel reduzieren. Eine in Australien drei Liter Wasser frei erhältlich. Somit entwickelte Methode der Partiellen Wurwerden in Summe 90 % des Wassers vor zelzonentrocknung spart noch mehr ein: Ort für jeden Einwohner kostenlos verabwechselnd werden Teile des Wurzelteilt. 10 % werden an Wohlhabende in bereichs mit Wassertropfen gefüttert Bogota verkauft. und trocken gelassen. Die trockene ParDr. Sara Ahmed, Vorstandsmitglied tie signalisiert an die von WaterAid Indien, bezog sich auf graoberirdische duelle Fortschritte im Hinblick auf die PflanRechte der Frauen. Plattformen, die den Austausch zwischen Frauen und Mädchen auf der einen und Männern und Jungen auf der anderen Seite fördern, tragen mit zum gegenseitigen Verständnis bei; Frauen-Quoten in Komitees auf Dorf-Ebene helEin kosmischer Blick auf fen dabei, dass die Stimmen unseren Planeten: über 70 % der Frauen gehört werden. der Erde sind von Wasser bedeckt. Ernst Ulrich von WeizEntweder wir bewahren gemeinsam säcker: Ebenfalls sehr unsere Erde oder wir scheitern gemeinsam. wichtig ist natürlich die

Abwasserreinigung. Momentan der große Renner in China. Hat den doppelten Vorteil von Wasserhygiene und Mehrfachverwendung von Wasser.

Welche anderen weniger offensichtlichen Konsequenzen hat Wasserknappheit? Jörg Geier: In Verbindung mit Wasser spricht man auch von der Vernetzung zwischen Wasser, Nahrung und Energie. Wasser ist notwendig für den Anbau von Nahrungsmitteln. Derzeit gehen 72 % der weltweiten Frischwasserversorgung in die Nahrungsmittelproduktion. In Entwicklungsländern sind es teils sogar mehr als 80 %. Im Vergleich dazu gehen

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker ist Ko-Präsident des Club of Rome in den Industrieländern etwa 32 % des Wassers in die Energieproduktion. Weltweit sind es 15 %. Zudem braucht es viel Energie, um Lebensmittel zu produzieren, verarbeiten und transportieren. Die implizite Vernetzung macht die Lage somit noch komplizierter und erfordert ganzheitliche Lösungen. Umgekehrt lassen sich durch die Nutzung erneuerbarer Energien Wasserprobleme abmindern, z. B. bei der Meerwasserentsalzung. Ernst Ulrich von Weizsäcker: Der hohe Prozentsatz der Wassernutzung für Energie hat zwei ganz unterschiedliche Gründe: In den Industrieländern spielt das Wasser für die Landwirtschaft prozentual eine geringere Rolle als in Entwicklungsländern mit meist trockenem Klima; und Atomenergie und Kohlestrom brauchen viel Kühlwasser. Der Umstieg auf erneuerbare Energien (außer Biomasse) ist auch ein Wasser-Fortschritt. ■ Weitere Infos: www.worldwatervalues.org [email protected]

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017 7

Wasser – Quelle des Lebens

Wasser ist Leben Wussten Sie, dass in Ihrem Baumwoll-T-Shirt rund 2500 Liter verwendetes Wasser stecken oder in Ihrem Sonntagsrindsbraten über 15.000 Liter? Wie viel Wasser verbrauchen Herr und Frau Österreicher und wie steht es um unsere Wasserressourcen? Wir haben im Lebensministerium bei Herrn Minister Andrä Rupprechter nachgefragt. österreichischen Verfassung durch das Bundesgesetz verankert.

„Wieviel Wasser verbrauche ich?“ Ein Mensch in Österreich verbraucht durchschnittlich 135 Liter Wasser pro Tag: 44 Liter für das Duschen oder Baden, 40 Liter für die Toilettenspülung, 15 Liter zum Wäschewaschen, 13 Liter zum Putzen, 9 Liter für die persönliche Hygiene, 6 Liter zum Geschirrspülen, 4 Liter zum Trinken und Kochen und 4 Liter für Anderes, wie etwa Blumengießen. Genutztes Wasser kehrt wieder in den natürlichen Wasserkreislauf zurück. Um die Umwelt nicht zu schädigen, muss es jedoch aufwändig gereinigt werden, bevor es einem Gewässer zugeführt werden kann. Die größte Kläranlage Österreichs in Wien reinigt beispielsweise täglich mehr als 500 Millionen Liter Abwässer.

Virtuelles Wasser Wasser verbrauchen wir nicht nur dann, wenn wir den Wasserhahn aufdrehen. Für die Produktion fast aller Güter wird in irgendeiner Form Wasser benötigt. Im Durchschnitt beispielsweise für einen Apfel 125 Liter, für eine Tasse Kaffee 130

Wasservorkommen in Summe 122 km3

18 1,5

1,5 km 3 18 km 3 13 km 3 10 km 3 20 km 3

künstliche Speicher natürliche Seen Gletschereis Bodenwasser Karst- und Kluftgrundwasser 60 km 3 Porengrundwasser in Sedimenten

13 60 10 20 Quelle: BMLFUW 2017

8 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017

Liter, für ein Kilo Rindfleisch 15.400 Liter oder für ein Baumwoll-T-Shirt 2.500 Liter. Kauft man Produkte ein, sollte man somit auch auf die Herkunft und die Produktionsweise achten.

Jugendplattform Generation Blue Unsere Wasserschätze liegen in Zukunft in den Händen unserer Jugend. Es ist daher wichtig, sie schon frühzeitig auf den Wert des Wassers und den sorgsamen Umgang hinzuweisen. Ein eigenes Projekt des Bundesministeriums für Landund Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) widmet sich dieser Aufgabe seit mehr als zehn Jahren. Eine Web-Plattform liefert laufend aktuelle Informationsangebote zum Thema Wasser und Aktionen zum Mitmachen, wie den jährlichen Trinkpass, an dem sich 30.000 Jugendliche beteiligen. Wasser ist unsere wichtigste Lebensgrundlage: Ernährung, Hygiene, Erholung, unzählige Arbeitsplätze – all das ist vom Wasser abhängig. Die wertvolle Ressource ist aber nur begrenzt verfügbar, wir müssen also verantwortungsbewusst und sorgfältig damit umgehen. Mit dem Schutz unserer Gewässer und nachhaltigen Wasserprojekten garantiert mein Ministerium auch weiterhin hohe Lebensqualität und Sicherheit in den Regionen – für ein lebenswertes Österreich. Ihr Andrä Rupprechter (Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft) ■ Weitere Informationen: www.generationblue.at

BMLFUW/Alex Gretter

Österreich ist im Gegensatz zu vielen anderen Ländern reichlich mit kostbarem Wasser versorgt: Nur drei Prozent des Angebots werden genutzt. Es ist also wesentlich mehr vorhanden, als wir brauchen. Die vielfältigen Landschaftsformen und unterschiedlichen klimatischen oder geologischen Verhältnisse führen dazu, dass das Wasser in unserem Land sehr ungleich verteilt ist. Im Rheintal beträgt der mittlere Jahresniederschlag etwa 1.950 mm, im Marchfeld nur 550 mm. In Österreich und der gesamten EU darf die wertvolle Ressource Wasser nur nachhaltig genutzt werden. Dies bedeutet, dass die natürlich gespeicherten Wassermengen und ihre hohe Qualität erhalten bleiben müssen. Jährlich werden in Haushalt, Kleingewerbe, Industrie und Landwirtschaft österreichweit rund 2,5 km³ genutzt. Ein Drittel findet im täglichen Wasserverbrauch in Haushalten Verwendung, zwei Drittel werden für die Industrie und das Gewerbe benötigt, fünf Prozent verbraucht die Landwirtschaft. Gewonnen wird unser Trinkwasser zu 100 Prozent aus dem Grund- und Quellwasser. Der Schutz des Wassers hat besondere Priorität und ist auch in der

Frisches, klares Wiener Wasser – direkt aus den Alpen Dass eine Millionenstadt mit natürlichem Hochquellenwasser versorgt wird, ist eine Besonderheit und auch einer der Gründe der hohen Lebensqualität in Wien. Das weiß man spätestens dann, wenn einen auf Reisen die Lust auf frisches, sauberes Wasser überkommt. Von Ulli Sima. Einem Lebenselixier auf der Spur: Aus den niederösterreichisch-steirischen Alpen kommt das Naturelement direkt in den Wasserhahn. Ganz Wien wird durch die Magistratsabteilung 31 – Wiener Wasser mit frischem Hochquellwasser bester Güte versorgt. Das Wasser fließt in zwei unterirdischen Leitungen, der I. und II. Hochquellenleitung, im natürlichen Gefälle nach Wien.

hundert Trinkbrunnen und 55 Denkmalbrunnen in Wien offerieren frisches, kühles Quellwasser als Durstlöscher – und das vollkommen gratis. Die Betreuung dieser Brunnen, wie beispielsweise deren Reinigung und das Durchspülen der

Energie aus der Kraft des Wassers Übrigens: Für seine rund eintägige Reise von den Quellgebieten Schneeberg, Rax, Schneealpe und Hochschwab nach Wien benötigt das Wasser keine einzige Pumpe und keine zusätzliche Energie – im

Die Kläfferquelle ist eine der größten Trinkwasserquellen Europas. Im Frühjahr, wenn der Schnee zu schmelzen beginnt, sprudeln unvorstellbare 10.000 Liter pro Sekunde aus dem Berg.

Sima: PID/Christian Fürthner | Wiener Wasser/Daniel Novotny

Von der Quelle in den Wasserhahn Mit ihren 32 Wasserbehältern speichert die MA 31 derzeit bis zu 1,6 Millionen Kubikmeter – oder 1,6 Milliarden Liter – frisches Hochquellwasser. Eine unvorstellbare Menge, die dafür sorgt , dass selbst in niederschlagsarmen Zeiten den WienerInnen nie das Wasser ausgeht. Über diese Hochbehälter wird das Wasser in das städtische Rohrnetz eingespeist. So gelangt das erfrischende Nass schließlich in Wohnungen und Häuser, wo jede Wienerin und jeder Wiener im Schnitt 130 Liter pro Tag nutzt. In ganz Wien werden täglich rund 380 Millionen Liter Wasser verbraucht. Wobei der Wasserverbrauch insgesamt seit einigen Jahren rückläufig ist. Das liegt einerseits am laufenden Rohrnetzsanierungsprogramm, und andererseits an wassersparenden Haushaltsgeräten und Einsparungen bei industriellen Prozessen.

Wiener Wasser in öffentlicher Hand Und nicht nur in den eigenen vier Wänden kommt man in den Genuss von Wasser allererster Qualität. Rund neun-

Leitungen, teilen sich die MA 31 und die MA 42 – Wiener Stadtgärten. Die Stadt wird zu hundert Prozent mit Quellwasser versorgt. Die Basis dafür bildet eine starke kommunale Infrastruktur. Heute wie auch in Zukunft ist sie Garant für die hohe Lebensqualität in Wien – das gilt auch und ganz besonders für die Wiener Wasserversorgung.

Ulli Sima ist Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke

Gegenteil: Das in den Hochquellenleitungen fließende Wasser erzeugt sogar so viel Energie, dass 20.000 Haushalte mit Strom versorgt werden können.

Faktenwissen zum Wiener Wasser ▶ Das Rohrnetz für die Wiener Wasserversorgung ist über 3.000 Kilometer lang und umfasst 100.000 Anschlussleitungen. ▶ In 32 Wasserbehältern speichert die MA 31 bis zu 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser, der größte fasst allein 600.000 Kubikmeter. Mehr als das Vierfache des Tagesbedarfs (370.000 m³) wird in der Stadt gespeichert. ▶ Mit den 15 Wasserleitungskraftwerken erzeugt die MA 31 rund 65 Millionen Kilowattstunden Strom jährlich. ■ Weitere Infos auf: www.wienerwasser.at

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Wasser – Quelle des Lebens

Ohne Wasser sterben wir Bettina Leidl über Edward Burtynsky, einen Künstler, der mit seinen Bildern die Menschen zum Umdenken bewegen will.

Bettina Leidl ist Direktorin vom Kunsthaus Wien len Ölkonzerne, allen voran Shell, die sich die desolaten demokratischen Strukturen des Landes zu Nutze machen und die eigene Gewinnmaximierung vor das Leben der Menschen stellen. Die Fotografien des Nigerdeltas firmieren unter dem Titel Anthropozän. Der aktuelle wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurs über den Anthropozän als dem vom Menschen geprägten Erdzeitalter der Gegenwart artikuliert ein Bewusstsein von der fundamentalen und irreversiblen Veränderung unseres Planeten, oder wie es der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk formuliert: „Die Proliferation des neuen Begriffs dürfte vor allem damit zu begründen sein, dass er im Ge-

wand wissenschaftlicher Neutralität eine Botschaft von nahezu unüberbietbarer moralisch-politischer Dringlichkeit übermittelt, eine Botschaft, die in expliziter Sprache lautet: Der Mensch ist für die Bewohnung und Geschäftsführung der Erde im Ganzen verantwortlich geworden, seit seine Anwesenheit auf ihr sich nicht länger im Modus der mehr oder weniger spurlosen Integration vollzieht.“ Der Bedeutung des Anthropozän stellt auch die Brücke zur Herbstausstellung „Visions of Nature“ im Kunsthaus Wien (12. September bis 18. Februar 2018) dar, die sich dem Verhältnis von Mensch, Natur und Landschaft widmet. Die Problemstellungen, die der Klimawandel und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen mit sich bringen, sind hochkomplex. Die künstlerischen Arbeiten zielen auf eine informierte Gesellschaft, denn nur, wenn Wissen und Handeln in Beziehung miteinander bleiben, ist es möglich, Veränderungen einzufordern und in die Wege zu leiten. Das notwendige Umdenken hierfür muss bei uns selbst beginnen. ■

Versteppte Landschaften des Colorado River Delta 2011, der Fluss Colorado, der bei der Einmündung in den Golf von Mexiko nahezu eingetrocknet ist

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Leidl: Lukas Beck | Edward Burtynsky, courtesy Admira, Milan / Galerie Springer Berlin / Metivier Gallery, Toronto

Die großen Landschaftsfotografien des kanadischen Fotografen Edward Burtynsky, die diesen Sommer das Stadtbild Wiens prägten, bestechen durch ihre feine Bildkomposition und magische Schönheit. Bereits vor 10 Jahren verschrieb sich Burtynsky dem Thema Wasser und zeigt seitdem auf, wie die natürliche Ressource Wasser durch das unheilvolle Zusammenspiel von Städtewachstum, zunehmender Verbreitung der Industrie und Globalisierung langsam zur Neige geht. Für Burtynsky ist die Verschwendung von Wasser ein Problem von globaler Dimension: „Wir müssen lernen, uns über die langfristigen Folgen unserer Handlungen eingehender Gedanken zu machen. Ich hoffe, dass meine Bilder einen Denkprozess darüber anregen, dass das Wasser wesentlich für unser Überleben ist.“ So zeigt Burtynsky auf, wie internationale Konzerne – etwa BP (British Petrol) im Fall der Deepwater Horizon – die größten Umweltkatastrophen für Mensch und Natur verursachen, aber die Kosten ihres Handelns der Allgemeinheit aufbürden. Die Aufnahmen des Colorado River Deltas zeigen versteppte Landschaften, die entstanden, nachdem das Wasser 1913 zur Versorgung von Los Angeles abgeleitet wurde. Seine Aufnahmen der weitläufigen Agrarflächen des Imperial Valley führen vor Augen, dass die industrielle Landwirtschaft in den USA nicht nur über 80 Prozent des Trinkwassers verbraucht, sondern durch exzessive Düngung auch die Böden und die Artenvielfalt zerstört. In den Fotoarbeiten vom Mündungsdelta des Niger prangert Burtynsky die größte Umweltkatastrophe der globalisierten Welt an: Zehntausende Barrel Öl flossen in den letzten Jahren in den Fluss und haben die Lebensgrundlage der Bevölkerung entlang des Nigers zerstört. Neben kleinkriminellen lokalen Gruppierungen, die immer wieder die Ölleitungen anzapfen, sind es die internationa-

Wir müssen unsere Herzen offen halten!

Caritas

In weiten Teilen Ostafrikas ist der Leben spendende Regen seit eineinhalb Jahren ausgeblieben. Mehr als 20 Mio. Menschen sind vom Hungertod bedroht. Caritas Präsident Michael Landau ist dennoch überzeugt: Hunger ist kein Naturgesetz! Gemeinsam können wir den Hunger besiegen! „Zuerst sterben die Kamele und dann die Menschen.“ Diesen Satz habe ich sehr oft gehört, als ich vor wenigen Wochen im Norden Kenias im Einsatz war. Zu oft. Wir waren in Marsabit im Norden des Landes und um uns herum – auf den verdorrten Feldern – lagen sie: Die Überreste der toten Tiere. Verdurstet und verendet. Wie Mahnmale inmitten einer kargen Landschaft. Dort, wo es um diese Jahreszeit grün und das Land fruchtbar sein sollte, ist derzeit nichts als Sand und Staub. Nicht nur in Kenia, auch im Südsudan, in Teilen Äthiopiens und andernorts ist die Situation ähnlich dramatisch. Die Nomaden und die Bauern sind ihrer Lebensgrundlage beraubt. Die Vorräte sind längst knapp geworden und die Ernten zu lange ausgeblieben. In vielen Teilen Ostafrikas hat es seit eineinhalb oder zwei Jahren nicht mehr geregnet. Mehr als 20 Millionen Menschen sind vom Hungertod bedroht. Und weltweit gesehen stirbt alle zehn Sekunden ein Kind an den Folgen von Hunger und Unterernährung. Keine Frage: Es ist die größte Hungersnot seit vielen Jahren und Jahrzehnten. Und klar ist auch: Hinter dieser unbeschreiblich großen Zahl stecken immer auch konkrete Menschen und Schicksale. Daran erinnert Papst Franziskus, wenn er sagt: „Wenn die Gesichter und die Geschichten fehlen, beginnen die Leben, sich in Zahlen zu verwandeln, und so laufen wir allmählich Gefahr, den Schmerz der anderen zu bürokratisieren.“ Meine Bitte an Sie und an uns alle lautet: Lassen Sie sich von dieser Not anrühren. Denn mit den Worten des Theologen Johan Baptist Metz: „Es gibt kein Leid, das uns nichts angeht.“ Wir müssen unsere Herzen offen halten!

Caritas Präsident Michael Landau (2.v.li.) und Mitarbeiter der Caritas verteilen dringendst benötigte Lebensmittel in Kenia Wer in die Augen der Menschen geblickt hat, der muss den Eindruck gewinnen: Es sind nicht nur die Felder, sondern auch die Männer, Frauen und Kinder selbst, die hier langsam austrocknen und verdorren. Ich erinnere mich etwa an Yattani Gufu, der traumatisiert in seiner kleinen Hütte saß, als wir ihn im Juni dieses Jahres besuchten. Sein Blick war leer. Die Sätze unzusammenhängend. Der zweifache Familienvater war bis vor kurzem ein zufriedener Mann, lebte unter einfachen Verhältnissen, aber er kam gut über die Runden. Jetzt hat er alles verloren: Die Schafe, die Ziegen und – wenn nicht rasch etwas passiert – auch sein eigenes Leben und das seiner Familie.

und die Voraussetzungen hat, um den Hunger wirksam zu bekämpfen. Ermutigende Etappensiege wurden bereits erzielt. In einer Flut von Hiobsbotschaften droht diese positive Nachricht lediglich oft unterzugehen. Immerhin ging der Hunger von 18,6 Prozent der Weltbevölkerung im Jahr 1990 auf 10,9 Prozent im Jahr 2015 zurück. Heute leiden 167 Mio. Menschen weniger an Hunger als noch vor 10 Jahren, trotz wachsender Weltbevölkerung. Das heißt: Wir können den Hunger besiegen. In Marsabit im Norden Kenias. Im Südsudan. In Äthiopien und an anderen Orten dieser einen Welt. Wir müssen es nur wirklich wollen.

Hilfe > Hunger Hunger ist kein Naturgesetz! In Momenten wie diesen wird mir klarer als sonst: In einer zusammenwachsenden Welt lässt sich Verantwortung nicht abschieben. In einer zusammenwachsenden Welt sind wir als Christen da wie dort gefordert, in Österreich, in Europa und weltweit gesehen. Denn Glaube wird im Hier und Jetzt konkret, oder er wird es gar nicht. Ich meine das nicht moralisierend. Im Gegenteil: Es geht mir um Ermutigung und um das notwendige Selbstbewusstsein, das wir benötigen, um den Hunger zu bekämpfen und Menschen wie Yattani Gufu zu retten. Denn klar ist: Wir sind die erste Generation in der Menschheitsgeschichte, die die Möglichkeiten, die Mittel

Dabei kommt es nicht nur auf die Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft an – hier bei uns und in den betroffenen Ländern selbst. Es kommt auch auf jede und jeden Einzelnen von uns an – denn Verantwortung tragen wir alle. Für uns selbst und füreinander – in der Nothilfe, so wie jetzt, aber auch beim Schaffen von Lebensperspektiven, etwa im Bereich Bildung. Meine Bitte an Sie lautet: Helfen Sie mit, den Hunger zu beenden. Denn Hilfe ist größer als Hunger. Schenken wir Menschen Zuversicht und Hoffnung und die Chance, auf ein selbstbestimmtes Leben. Danke und Vergelt’s Gott schon heute dafür! ■ www.caritas-wien.at

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Wasser – Quelle des Lebens

Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht? Die Wüste ist ein erbarmungsloser Ort. Ohne Wasser gibt es kein Überleben. Davon berichtet auch das Alte Testament: das Volk Israel ist mit Moses als Anführer aus Ägypten durch die Wüste unterwegs. Wenn physische Bedürfnisse plötzlich nicht mehr gestillt sind, stellt sich die Frage nach Gott. Die Frage nach Wasser wird auch zur Frage nach dem Verhältnis zwischen Gott und den Menschen. Von Michael Langer. nur ältere Bürger so über das Dritte Reich sprechen nach dem Motto „Dort herrschte wenigstens Ordnung“ oder über die SED Diktatur in der ehemaligen DDR „Damals hatten wir wenigstens Arbeit.“ Der Sündenbock dafür, dass alles so dramatisch geworden ist, ist rasch ausgemacht: Moses. Mit ihm hadert das

die unmissverständliche Forderung. Die Geschichte von der Wassernot und vom Verdursten ist so etwas wie eine Modellerzählung über das rechte Verhältnis des Menschen zu Gott. Gott ist so lange recht, als die Bedürfnisse gesichert scheinen, als bürgerliches Leben funktioniert, als er uns nicht weh tut, als wir aber auch nicht mit ihm rechnen brauchen. Er lässt uns in Ruhe, wir ihn.

Wer sich ins Leben aufmacht, riskiert in der Wüste zu landen

Eine Wasserquelle inmitten der Wüste. Wir glauben, dass Gott, der uns durch die Wüste leitet, alles zum Guten führt

Volk, und Moses bekennt dem Herrn seine Angst, er könne gesteinigt werden. Eine hochexplosive Atmosphäre, angeheizt von den Unterstellungen, Moses würde das ganze Volk ins Unglück stürzen. „Gebt uns Wasser zu trinken“, so

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Aber wir wissen: Wer sich ins Leben begibt, riskiert viel: Enttäuschung, Schmerz, Krankheit, Einsamkeit, Tod. Diesen Unbill des Lebens meinen die Bilder mit dem Wort „Wüste“. Wer sich dort aufhält, stellt Fragen, wird sich selbst zur Frage, hat Anfragen gegenüber Gott. Oft bleibt nur der Schrei als Ausdruck der Ausweglosigkeit. Wie Hiob, wie die Psalmisten, wie viele Propheten klagt Israel seinen Gott an. Ein verzweifeltes „Warum“ steckt in diesem In-Frage-Stellen Gottes: „Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?“ „Versuchung“ nennt die Schrift solche Situationen, die auch dem Leben Jesu nicht fremd waren und derer man sich nicht zu schämen braucht. Und plötzlich geschieht das Wunder, plötzlich sprudelt das Wasser in der Nähe des Gottesberges. Heute noch wird die Quelle in der Nähe des Katharinenklosters verehrt: Als Zeichen der Treue Gottes gegenüber dem Menschen, weil er das Leben will und nicht die Vernichtung. Gott gibt sein Volk nicht auf, Gott gibt auch uns nicht auf, wenn wir auf dem Weg durch die Wüsten unseres Lebens am Verdursten sind. Wir dürfen murren, schreien, klagen, flehen, bitten:

Langer

Exodus, 17, 1-7: Diese Lesung schildert das Volk Israel auf dem Weg durch die Wüste Sinai. Zwei Kapitel sind es noch, dann ist das Volk am ersten Ziel angelangt und der Bundesschluss mit Gott – der noch heute die Wurzel des Glaubens für Juden, Christen und Muslime ist – wird vollzogen. Aber noch ist es nicht soweit. Lange sind sie Israeliten schon unterwegs gewesen Richtung gelobtes Land. Die Wüste der Sinaihalbinsel ist wunderschön aber erbarmungslos. Sie erscheint wie eine einzige Fata Morgana: ein unendliches Meer von Felszacken und Berggipfeln. Öde Monotonie, die an die Bilder einer Mondlandschaft erinnert, wechselt sich ab mit atemberaubenden Steingebilden in aller erdenklichen Farbenpracht. Das ganze Szenario ist begleitet von glühender Hitze und eisiger Kälte, Sandstürmen, Schlangen, Skorpionen, und unberechenbaren Beduinen. Viele sind daran gescheitert und sterben bis heute darin. Nicht von ungefähr hat die Al-Qaida sich den Sinai als strategischen Ort erkoren. Und nun erzählt uns die Bibel, wie das Volk kein Wasser mehr hat, am Verdursten ist und deshalb mit Moses in Streit gerät. Und wo das Wasser fehlt, wo der Hunger sich einstellt, wo die physischen Grundbedürfnisse des Menschen in Gefahr geraten, da bleiben Vernunft und Besonnenheit auf der Strecke. „Wären wir doch bei den Fleischtöpfen Ägyptens geblieben“ (Ex 16,3), murrt das Volk ein Kapitel zuvor, bevor das Speisewunder von Wachteln und Manna geschieht. „Idealisierung der Vergangenheit“ heißt dieses „Früher war alles besser“-Muster, das man auch in Wahlkampfzeiten beobachten kann. Gelegentlich hört man nicht

Einander die Füße waschen Diakon Michael Langer lehrt kath. Theologie/Religionspädagogik an der Universität Regensburg und der Kirchlich-Päd. Hochschule Wien/Krems und ist Buchautor das sind lebendige Umgangsformen unseres Gesprächs mit Gott. Wer an Gott zweifelt, weiß, dass er mächtig ist und traut ihm etwas zu. Christliche Gebetssprache hat dies oft vergessen. „Zu viel Gesang, zu wenig Schreie“, diagnostizierte vor Jahren Johann Baptist Metz. „Ist Gott in unserer Mitte oder nicht?“ Diese verzweifelte Frage ist allein schon Rede mit Gott. Alle großen Gottessucher kennen die Erfahrung der Nacht, der Leere, des Schweigens, der Finsternis, der Abwesenheit Gottes.

Langer | Fußwaschung: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Geschenktes Wasser ist kein Besitz Ein weiteres: Das Wasser, das wir geschenkt bekommen, ist niemals Besitz. Alles, was sich zu verfestigen oder als verfügbare Sicherheit zu versprechen scheint, wird dem Volk Israel und uns wieder aus der Hand geschlagen. Gott, der uns durch die Wüste führt, ist für Überraschungen gut. Und wir dürfen glauben, dass er am Ende alles zum Guten führt, auch wenn das Wasser ausbleibt und wir zu verdursten drohen. Freilich müssen wir auch Durst entwickeln, um den Geschmack des angebotenen Wassers kosten zu können: Durst nach Versöhnung, nach Treue, nach Dank, nach Angenommensein, nach Leben. Wenn dieser tiefe Durst und jene grundlegende Sehnsucht nicht mehr zu wecken ist, kann es freilich passieren, dass wir die Quelle nicht mehr sehen und neben dem besten Wasser verdursten. ■

Jeanette Lehrer ist Musikerin von Beruf, in ihrer Freizeit aber engagiert sie sich im Wiener Franziskanerkloster für Menschen, die von Armut betroffen sind. Für die Gründonnerstagsfeier im Dom hat sie einige Personen für die Fußwaschung vorbereitet. Sich klein machen, um den Nächsten groß werden zu lassen Es ist mehr als eine symbolische Handlung, wenn während der Gründonnerstagsliturgie der Priester als inniges Zeichen der Demut den Dienst tut, den Jesus an seinen Jüngern in seiner ganzen Liebe hingebungsvoll vollbrachte, diesen Dienst des Waschens der Füße, der damals den Sklaven vorbehalten war. Jesus wollte klein sein, um so seine große Liebe zu schenken. Seine Jünger waren sicher sehr bewegt, als ihr Herr und Meister sich als Freund vor ihnen kniend erniedrigte in solch einer Liebe. Jesus gab seinen Jüngern den Auftrag mit auf den Weg, einander die Füße zu waschen, so wie er es an ihnen getan hatte. Er gab ihnen ein Beispiel, damit auch sie so handeln würden, wie er an ihnen gehandelt hatte. Welch starker Auftrag an seine Jünger! Diesen Auftrag hat Jesus auch in unser Herz geschrieben. Es gilt diesen zu lesen und klingen zu lassen, ihn in Dankbarkeit wahrzunehmen und zu leben. In vielfältiger Weise kommt der Auftrag im Alltag auf uns zu und so drängt es zu fragen: Können wir uns klein machen, um unseren Nächsten groß werden und wachsen zu lassen? Sehen wir das Leid derer, die mitten unter uns leben? Hören wir es, wenn Gott unser Herz braucht, um jenen zu helfen die hilflos, entmutigt, krank, einsam, kraftlos, ohne Hoffnung leben?

ben, gesund zu sein, im Freundes- und Familienkreis Geborgenheit zu finden, in unserer Heimat leben zu dürfen, wertgeschätzt zu werden, ein Dach über dem Kopf zu haben… Mit welcher Last wandern unsere Mitmenschen auf dem Pilgerweg ihres Daseins, wenn ihnen etwas oder sogar mehr davon verwehrt ist? Menschen, die es im Leben nicht leicht haben, die viel oder vielleicht sogar alles aus verschiedenen Gründen verloren haben, die einsam sind oder auf der Straße leben. Mitmenschen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ein wenig Wertschätzung und Geborgenheit erleben zu dürfen und manchmal neben dem Lebensnotwendigen nichts ▶

Sehnsucht nach Wertschätzung und Geborgenheit Ist es nicht ein wenig so: Je mehr wir haben, desto weniger können wir verstehen und erleben, wie es ist, wenig oder nichts zu haben. Wir leben in einer Selbstverständlichkeit Materielles zu besitzen, Arbeit zu ha-

Einander die Füße waschen bedeutet: die Not des anderen sehen und ihm in Wertschätzung begegnen

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Wasser – Quelle des Lebens

Licht und Zuwendung für jene, die im Schatten stehen Einen besonderen Lichtstrahl der Wertschätzung und Zuneigung durften einige Menschen, die aus verschiedenen Gründen Schweres mitmachen oder hinter sich haben und immer noch an den Folgen leiden, bei der Gründonnerstagsliturgie erleben. Kardinal Christoph Schönborn und Dompfarrer Toni Faber luden sie zur Fußwaschung in den Dom ein. Die Gruppe der „Apostel“ war eine bunt zusammengesetzte: Männer und Frauen, Erwachsene und Kinder, Kranke, Obdachlose, Österreicher und nach Österreich Geflüchtete und auch Jugendliche, die sich zur Firmung vorbereitet hatten; gleichsam ein Sinnbild für die Vielfalt unter uns. Der Fußwaschung war eine intensive Vorbereitung vorausgegangen, bei der wir in die Lebensgeschichten mit ihren prägenden Schattenseiten, aber auch die bewegenden Berührungen mit Gott der anderen ein wenig hineinhören durften. Die Sehnsucht der Leidenden nach Gott, der Kraft, Halt, Hoffnung und Frieden schenkt, leuchtete als tiefes Glaubenszeugnis und das Betrachten der Fußwaschung, die an ihnen geschieht, ließ in ihnen Demut und Dankbarkeit spürbar werden. Sie wurden durch diesen Dienst an ihnen reich beschenkt und gleichzeitig beschenkten sie alle anderen mit ihrem Zeugnis. Auch wir Zeugen jenes Liebesdienstes, den Jesus uns aufgetragen hat, sind eingeladen, offen für die Not unseres Nächsten zu sein und einander die Füße zu waschen. ■

Jeanette Lehrer ist Querflötistin und Instrumentalpädagogin an der HIB Wien

Vom Wassergrab und dem Wasser bedeutet Tod und Leben: das spiegelt sich auch im Feiern des Glaubens in der Kirche wider. Ingrid Fischer über den Gebrauch von Wasser in der Liturgie, insbesondere bei der Taufe. Wasser: Element des Todes, des Lebens und der Kindschaft „Auf vielfältige Weise hast du das Wasser dazu erwählt, dass es hinweise auf das Geheimnis der Taufe“. Mit diesen Worten führt das Hochgebet über dem Taufwasser die Feiernden in eine „Heilsgeschichte des Wassers“ von Anbeginn der Welt ein: Gottes Geist hat das Chaoswasser des Schöpfungsanfangs gezähmt, um dem Leben Raum zu geben und in der Sintflut das Böse der Welt untergehen lassen. Er lässt Israel aus einem Dasein in Unfreiheit trockenen Fußes durch die drohenden Wasser des Schilfmeeres ziehen, „Ägypten“ aber – Symbol der Herrschaft des Menschen über den Menschen – darin zugrunde gehen. Weiter heißt es: Von der alten Schuld des Menschen gereinigt, wird, wer mit Christus im „Wassergrab“ der Taufe auf seinen Tod begraben ist, daraus „zum neuen Leben deiner Kinder“ auferstehen.– Starke Bilder, gewonnen aus der Erfahrung allgegenwärtiger lebensfeindlicher, ja tödlicher Bedrängnis, in der Menschen aller Generationen sich – als Bedrohte und Erlöste – wiederfinden. Das griechische Wort für „taufen“ (baptizein) bedeutet u. a. „Schiffbruch erleiden“, wie auch das Kreuz im Hymnus Crux fidelis bis heute als „die Planke, die uns rettet aus dem Schiffbruch dieser Welt“ besungen wird. Worte, die heute erst recht unter die Haut gehen. Ein Vergleich für den „Brunnen der Taufe“ im lateinischen Hochgebet wiederum ist uterus: „Mutterschoß“, den Christi Geist „befruchte (fecundet), damit die Gnade als Mutter … alle in eine neue Kindschaft gebäre.“ Neues Leben aus dem Untergang: Der stärkste und sinnlichste Gebrauch von Wasser in der Liturgie ist also das Ein- und Untertauchen der Taufbewer-

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Ingrid Fischer ist wissenschaftliche Assistentin der Wiener Theologischen Kurse und Programmleiterin der Akademie am Dom ber in die Wasser des Anfangs, in die Flut, ins Schilfmeer, ins Wassergrab, ins Waschwasser, in das Fruchtwasser der Gnade und den Lebensquell des Geistes: Darin wird für die Getauften all das spürbar Wirklichkeit, wovon das Hochgebet spricht.

Wasser zum Waschen und Mischen Im Lauf der Zeit flossen anlässlich einer Taufe jedoch keine „Ströme lebendigen Wassers“ mehr, sondern man bewahrte Wasser in Behältern auf, das auch zur (kultischen) Abwehr oder Reinigung von bösen Kräften (Lustration) verwendet wurde. Wegen der Anfälligkeit von stehendem Wasser für Verderbnis (und Dämonen), musste es seinerseits vor dem Gebrauch exorzisiert und gesegnet werden. Heute soll dieses „Weihwasser“ den Gläubigen beim Überschreiten der Schwelle des Lebensraumes „Kirche“ ihr Getauftsein bewusst machen. Händewaschungen im Zuge liturgischer Handlungen wie bei der Entgegennahme von Naturalgaben für die Mahlfeier, beim Auflegen der Asche, bei Salbungen etc., waren zunächst oft aus praktischen Gründen notwendig. Die Stilisierung und Spiritualisierung etlicher Vollzüge, zudem auch nicht selten Sündenangst und Schuldbewusstsein, haben zu ihrer Ritualisierung und mitunter auch symbolischen Interpretation beigetragen. Ähnliches trifft vermutlich für die Beimengung von Wasser zum Kelch mit Wein in der Eucharistiefeier zu. Im Mittelmeerraum war zur Zeit Jesu bei Tisch,

Lehrer: Privat | Fischer: privat

▶ mehr ersehnen als ein hörendes Herz. Wie gehen wir mit diesen Tatsachen um? Was tun wir, um ein wenig Leid zu lindern?

Fruchtwasser der Gnade

Osterkerze: Christoph Merth | Andreas Kattner

also wohl auch beim Herrenmahl, mit Wasser gemischter Wein üblich. Und auch hier sind theologische und allegorische Deutungen dieser „Mischung“ entstanden: Während die westliche Tradition im Wasser die irdisch-menschliche Dimension am Wandlungsgeschehen erkennt, symbolisiert im byzantinischen Ritus ein wenig heißes Wasser jene/s „Glut des Glaubens, Feuer des Geistes“ – so das Deutewort –, der den Wein zum warmen, lebenspendenden Blut Christi wandelt. Einige frühchristliche Apokryphen (z. B. Petrus-, Paulus- und Thomasakten, 2./3. Jh.) berichten sogar darüber, dass manche christliche Gemeinden nur mit Wasser und Brot Eucharistie gefeiert haben (Aquarier). Doch auch in der Großkir-

che dürfte man sich, wie andere Quellen (etwa das Martyrium des Pionius, 3. Jh.) erwähnen, zeitweise bei Weinmangel mit purem Wasser beholfen haben … Jede Zeit hat ihre eigenen Nöte. Mögen heute die Taufbrunnen reichlich Wasser führen und am Tisch des Herrn der gutgefüllte Becher mit (Misch-)Wein, dem Herzblut Christi, allen Gläubigen gereicht werden! ■

Bei der Segnung des Taufwassers in der Osternacht wird die Osterkerze – Symbol des Auferstandenen – in den „Schoß des göttlichen Brunnens“ eingesenkt: Das Taufwasser wird zum Fruchtwasser der Gnade.

EMERGING FROM WATER von Andreas Kattner, Bahamas 2014. Der Künstler, Kurator und Akademiedozent befasst sich hauptsächlich mit kollaborativen Prozessen; hierbei spielen Identität und Differenz eine wichtige Rolle. Die Serie EMERGING FROM WATER vergleicht die archaischen Momente des Auftauchens, dieses Heraustreten aus der bergenden Isolation des Wassers. Ähnlichkeiten und Unterschiede werden sichtbar und zeigen in ihrem Variantenreichtum die Homogenität des intersubjektiven Erlebens. Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017 15

Wasser – Quelle des Lebens

Mit Gott verbunden Wasser bei der Eucharistie? Aufs erste betrachtet hat Wasser mit der Eucharistie nichts zu tun. Aber im Neuen Testament ist in Zusammenhang mit Jesu Tod sehr wohl von Wasser die Rede. Josef Weismayer wirft einen näheren Blick auf die Verwendung von Wasser bei der heiligen Messe.

Die Vermischung von Wasser und Wein wird zu einem heiligen Zeichen für die Verbindung Gottes mit dem Menschen

erwähnen die alten Berichte, dass bei der Bereitung der Eucharistiefeier nicht nur die Gaben von Brot und Wein in einer Prozession dargebracht wurden, sondern auch diverse Naturalien zur Unterstützung von bedürftigen und notleidenden Gemeindemitgliedern. Das Entgegennehmen dieser verschiedenartigen Gaben machte eine Reinigung der Hände notwendig und sinnvoll. Die Liturgie hat diese Riten Jahrhunderte lang bewahrt. Die Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils hat sich bemüht, vieles durchsichtiger zu machen, denn die liturgischen Gesten sollten auch ohne umständliche Erklärung verständlich sein. Die Gebete, die die Vermischung des Wassers mit Wein und die Händewaschung begleiten, erinnern an die Situation der ersten Jahrhunderte, zeigen aber zugleich die tiefere Bedeutung dieser Riten für die fruchtbare Mitfeier der Eucharistie.

Ein fast unscheinbares Detail wird zu einem heiligen Zeichen Die Vermischung von Wein und Wasser im Zug der Gabenbereitung stellt heute ein fast unscheinbares Detail dar. In der liturgischen Anweisung heißt es einfach: „Der Priester (Diakon) gießt Wein und ein wenig Wasser in den Kelch und spricht leise …“ Der Wortlaut dieses Gebetes will aber sehr wohl zur Mitte des eucharistischen Geschehens hinführen: Die Verbindung des Wassers mit dem Wein wird zu einem heiligen Zeichen: Jesus, der Sohn Gottes, hat unsere Menschennatur, unser Menschsein angenommen. „Dieser Kelch soll uns teilhaben lassen an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat.“ Die liturgische Tradition betonte in den begleitenden Gebeten aber nicht nur die Verbindung des Gottseins Jesu mit seinem Menschsein. Schon der hl. Cyprian von Karthago († 258) deutet die

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Domkapitular Prälat Josef Weismayer ist emeritierter Professor für Dogmatik an der Universität Wien Vermischung in einem ekklesiologischen Sinn: „Wenn der Wein im Kelch mit Wasser vermischt wird, wird das Volk mit Christus verbunden. Opfert jemand nur Wein, so bleibt das Blut Christi ohne uns; opfert er nur Wasser, so ist das Volk ohne Christus.“ Das Konzil von Florenz bekräftigte in seinem Lehrdokument für die Armenier (1439) diese Deutung: Das Vermischen des Weins mit Wasser soll „die Einheit des christlichen Volkes mit Christus“ zum Ausdruck bringen. Aus dem antiken Brauch, den Wein mit Wasser vermischt zu trinken, wird so in der Liturgie ein tiefes Symbol des menschgewordenen Gottessohnes und unserer Verbindung mit ihm. Aus dem einfachen und notwendigen Reinigen der Hände nach dem Entgegennehmen der Gaben für die Eucharistie und die Liebestätigkeit der Gemeinde wird in der Liturgie ein Hinweis auf die Bereitung für das eucharistische Geschehen. Nicht nur körperliche Reinigung ist wichtig, sondern die Bereitung des Herzens. Reinheit des Herzens und Vergebung der Sünden sind Voraussetzung für eine würdige Feier und Teilnahme an der Eucharistie. In der traditionellen Liturgie betete der Priester zur Händewaschung einige Verse von Ps 26, beginnend mit „Lavabo“. In der erneuerten Liturgie nach dem 2. Vatikanischen Konzil spricht der Priester diese Bitte: „Herr, wasch ab meine Schuld, von meinen Sünden mach mich rein!“ (Ps 51,4) ■

Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Aus der Seite Jesu, die der römische Soldat nach seinem Tod mit der Lanze öffnete, „flossen Blut und Wasser heraus“ (Joh 19,34). Und der erste Johannesbrief (1 Joh 5,6) erklärt, Jesus Christus „ist durch Wasser und Blut gekommen“. Beide Texte weisen uns darauf hin, dass wir durch Taufe und Eucharistie mit Christus verbunden sind. Im Ritus unserer Eucharistiefeier spielt Wasser sehr wohl eine Rolle, nämlich bei der Gabenbereitung unmittelbar nach dem Ende des Wortgottesdienstes: Bei der Bereitung des Weines werden einige Tropfen Wasser in den Wein gemischt. Und nach der Bereitung der Gaben reinigt der Priester die Hände mit Wasser. Bei beiden Handlungen deutet ein Gebet das Geschehen. Warum wird etwas Wasser dem Wein beigemischt? In der Antike hat man immer den Wein mit etwas Wasser vermischt getrunken. Das ist auch für das Letzte Abendmahl zu vermuten. Der älteste erhaltene Bericht von einer Eucharistiefeier bei Justin dem Märtyrer († nach 165) spricht davon, dass dem Vorsteher „Brot und ein Becher mit Wasser und Mischtrank“ gebracht wird. Zugleich

Theophanie – das Fest der Taufe Christi In der Orthodoxen Kirche wird das Fest der Taufe Christi ganz besonders gefeiert. Im Anschluss an die Göttliche Liturgie findet die Große Wasserweihe statt. Erzbischof Arsenios Kardamakis über die Bedeutung dieses Festes und den Segen über das Wasser und die ganze Schöpfung. Das Fest der Theophanie ist eines der größten Feste des Kirchenjahres in der Orthodoxen Kirche. Der Feiertag der Taufe Christi wird als eine große Zuwendung des Dreieinigen Gottes zu den Menschen hin verstanden, als eine Offenbarung Gottes, weswegen dieses Fest Theophanie (auch Epiphanie) genannt wird. Das Wort Theophanie setzt sich aus zwei Teilen zusammen, die den Wortinhalt überaus bildhaft darlegen. Es besteht aus dem Griechischen Θεός für

fenbarung des Dreieinigen Gottes und die öffentliche Manifestation der Herkunft und der Identität Jesu Christi. Dieser Tag ist also ein „Tag der Erleuchtung“ und ein „Fest des Lichtes“. Jesus tritt als wahres Licht in unser Leben und macht uns alle zu Teilhabern seines Lichtes. Jesus ist das Licht der Welt. Licht bedeutet gute Taten, die von unserem Verhältnis mit Christus zeugen können. „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5, 16)

Die Große Wasserweihe

Metropolis von Austria

Erzbischof Arsenios Kardamakis ist der griechischorientalische Metropolit von Austria „Gott“ und φαίνεσθαι für „erscheinen“. Dies bedeutet, dass wir zu Theophanie die „Erscheinung Gottes“ lobpreisen. Jesus Christus wurde als Sohn Gottes in der Welt von uns Menschen und in der Schöpfung manifest. Unser Herr ging aus Galiläa zum Fluss Jordan, wo er vom Heiligen Johannes dem Täufer im Wasser des Flusses getauft wurde. Der Heilige Geist kam als Taube aus dem Himmel auf Jesus herab, und eine Stimme aus dem Himmel – nämlich die Stimme Gottes – sprach: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ (Mt 3, 17) Damit wurde die göttliche Natur Christi für alle Menschen sichtbar und hörbar. Johannes der Täufer und der Vorläufer Christi erkennt den Messias und sagt: „Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.” (Joh 1, 34) Das Höchste, das an diesem Tag der Theophanie geschehen ist, war die Of-

Wir alle benötigen Licht und Wasser zum Leben. Ohne beides sind wir physisch nicht lebensfähig. Im Anschluss an die Feier der Göttlichen Liturgie am Feiertag der Theophanie findet jedes Jahr die Große Wasserweihe (in Wien traditionell am Donaukanal) statt. Bei der Großen Wasserweihe geht es nicht, wie es der Name vermuten lässt, primär um das Wasser an sich, sondern darum, dass durch das Wasser die gesamte Schöpfung Gottes gesegnet wird. Wir glauben und bekennen, dass durch die Taufe Jesu Christi im Wasser des Flusses Jordan durch Johannes den Täufer auch alle Gewässer von Gott gesegnet und geheiligt wurden. Deshalb hat diese Wasserweihe eine sehr große Bedeutung für die orthodoxen Christinnen und Christen. Gleichzeitig erinnert uns das Fest der Großen Wasserweihe daran, dass wir alle im Einklang mit der Schöpfung und unserer Umwelt leben sollen und müssen, damit wir unsere gemeinsame Welt für zukünftige Generationen aktiv bewahren. In der Sensibilisierung der Menschheit für die Erhaltung der Schöpfung Gottes liegt der Schlüssel für ein zukünftiges harmonisches und nachhaltiges Leben und Zusammenleben. Das Wasser leidet in unserer Zeit genauso wie die ganze Schöpfung und zwar, weil

der Mensch sorglos und profitgierig den Stellenwert des Wassers sträflich missachtet. Es ist daher sehr wichtig, wenn wir uns als Christen, und zwar unabhängig von der jeweiligen Konfession, aus Anlass dieses sehr alten und wichtigen Festes wieder an die große lebenswichtige Bedeutung des Wassers als Gabe Gottes zurückbesinnen. Ohne den Dreieinigen Gott sind wir psychisch leer und verloren. Nur ein Leben im Lichte Christi vermag uns geistig und körperlich wachsen und gedeihen zu lassen. Sein Licht spornt uns zu Nächstenliebe und guten Taten an. Die Verbindung von drei Elementen – a) die Rettung des Menschen als Bringer des Lichtes in diese Welt, b) das Miteinbeziehen der Schöpfung und ihrer Grundelemente und c) die Offenbarung Gottes – sind somit zentrale Punkte der Feier der Theophanie. ■ Anm. der Red.: In der katholischen Kirche wurde das Gedächtnis der Taufe des Herrn, ein wichtiges Teilmotiv des Epiphaniefestes zu einem eigenen Fest erhoben und wird am Sonntag nach dem 6. Jänner gefeiert).

Bei der Wasserweihe (hier am Donaukanal) wird ein Kreuz in das Wasser getaucht. Das soll daran erinnern, dass durch die Taufe Jesu im Wasser des Flusses Jordan alle Gewässer gesegnet wurden und dass wir alle im Einklang mit der Schöpfung und unserer Umwelt leben sollen und müssen

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Wasser – Quelle des Lebens

Strom aus Wasserkraft – erneuerbar und CO₂-frei In Österreich gibt es über 5000 Wasserkraftwerke. Jeder Kraftwerksbau ist ein Eingriff in die Natur. Wir haben bei Wolfgang Anzengruber vom größten Wasserkraftbetreiber Österreichs nachgefragt, wie Energiegewinnung und Ökologie zusammen gebracht werden können.

Ökologisch verträgliche Wasserkraft VERBUND ist heute einer der größten Erzeuger von Strom aus Wasserkraft in Europa. Über 95 Prozent unserer Stromerzeugung werden aus klimafreundlicher, erneuerbarer Wasserkraft gewonnen. Allein aus den VERBUND-Donaukraftwerken lässt sich der Strombedarf nahezu aller österreichischen Privathaushalte abdecken. Wir führen unsere Wasserkraftwerke effizient und schüt-

Die längste Fischwanderhilfe Europas beim Kraftwerk Ottensheim

zen Mensch, Natur und Klima. Strom aus Wasserkraft ist ein kostbares Gut, in das wir auch in Zukunft umsichtig investieren werden. VERBUND betreibt derzeit 127 Wasserkraftanlagen in Österreich und in Bayern mit einer Gesamtleistung von rund 8.440 MW. Mit diesem hohen Anteil an erneuerbarer, CO₂-freier Erzeugung leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Energie- und Klimaziele in Österreich und in Europa. Unsere Kraftwerke ersparen Jahr für Jahr 24 Millionen Tonnen CO₂. Aber ja, jedes Bauwerk ist ein Eingriff in die Landschaft. Für jedes einzelne dieser Kraftwerke wurden Bäume gefällt und wieder nachgepflanzt. VERBUND übernimmt aktiv die Verantwortung für den Naturschutz und insbesondere für die Gewässerökologie. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie ist ein wesentliches Instrument, um die naturverträgliche Nutzung und den Ausbau der Wasserkraft in Einklang zu bringen bzw. sicherzustellen. Wir beteiligen uns aktiv an der Planung und Umsetzung von Maßnahmen des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans und haben zahlreiche Maßnahmen finanziert und umgesetzt. Diese sind beispielsweise Fischwanderhilfen: Wo es uns möglich ist, lösen wir die Barrierefreiheit für Fische nicht alleine technisch mit einem Schlitzpass, sondern schaffen rund um die Kraftwerke neuen Lebensraum. Wir haben dort Österreichs größte Landschafts-Renaturierung an der Traisen-Mündung beim Kraftwerk Altenwörth und die längste Fischwanderhilfe Europas beim Kraftwerk Ottensheim geschaffen. Bis 2025 werden wir in Summe rund 280 Mio. Euro in Fischwanderhilfen und Renaturierungen entlang Österreichs Flüssen investieren.

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Wolfgang Anzengruber ist Vorsitzender des Vorstandes der VERBUND AG Neben der Gewässerökologie ist auch der Bereich Naturschutz ein wichtiges Aktionsfeld von VERBUND. So sind heute bedeutende Schutzgebiete wie Natura 2000 erst nach Errichtung der Wasserkraftanlagen entstanden und in der Folge auch unter Schutz gestellt worden.

Das leistet die Wasserkraft für die Energiewende Die Wasserkraft ist zentral für das Gelingen der Energiewende in Europa. Aufgrund ihrer Erzeugungscharakteristik verfügt sie über systemdienliche Eigenschaften, die in einem verstärkt volatilen und dezentralen Erzeugungsumfeld – insbesondere durch die Windkraft und Fotovoltaik – zukünftig dringend gebraucht werden. So sind Pumpspeicher die einzige großtechnische Form der Stromspeicherung. Sie können die Volatilität der stetig wachsenden Anteile an Windund Sonnenenergie ausgleichen und damit das Stromnetz in Balance halten. Die zukünftige österreichische Energie- und Klimastrategie muss das Potenzial der Wasserkraft für die Energiewende berücksichtigen – insbesondere auch deshalb, weil Investitionen in Wasserkraft einen hohen Wertschöpfungsanteil für die österreichische Wirtschaft nach sich ziehen. ■

VERBUND

Wasserkraft ist der bedeutendste erneuerbare und CO2-freie Energieträger Österreichs und nimmt somit in der Stromerzeugung eine zentrale Rolle ein. Rund 65 % der heimischen Stromerzeugung stammen aus Wasserkraft – ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz.

Belebend und erfrischend „Im Wasser liegt Heil“, diese Erfahrung machte Pfarrer Sebastian Kneipp an seinem eigenen Leib und ließ auch nachfolgende Generationen an seinen Erkenntnissen teilhaben. Kräuterpfarrer Benedikt über diesen bemerkenswerten Priester, der die positiven Wirkkräfte des Wassers für die Gesundheit erforschte und dabei einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen und die Schöpfung vertrat. Das Land dürstete in diesem Jahr ganz besonders nach Niederschlag und somit Segen von oben. Zumindest dort, wo ich zu Hause bin, haben die Wolken anscheinend immer einen großen Bogen um das östliche Waldviertel gezogen. Wälder, Felder und Teiche zeitigen daher erschreckende Symptome. Nicht nur die Wiener, alle in unserem Bundesland sind verwöhnt durch das Vorhandensein qualitätsvollen Trinkwassers. Man braucht nur den Hahn aufzudrehen und schon quillt das Lebensnotwendige heraus. Vor 120 Jahren starb Pfarrer Sebastian Kneipp, dessen Erkenntnisse bezüglich der Heilkraft des Wassers nicht bloß an seinem einstigen Wirkungsort Bad Wörishofen bis heute hilfreich eingesetzt werden, sondern die Begeisterung des Erfolgs gezielt eingesetzter Güsse und Bäder hält bis heute ungebrochen an. Gewiss nennt er als erstes seiner fünf Wirkprinzipien, die mit Säulen verglichen werden können, die heilende Anwendung des Wassers. Dies darf man jedoch nicht isoliert betrachten und noch weniger bewerten.

Miriam Höhne

Mannigfaltige Kräfte des Wassers Wagen wir einen großen Sprung zurück in die Geschichte und klopfen wir an die Tür der Klosterpforte der heiligen Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen an. In ihrem Werk „Causae et curae“ entschlüsselt sie dem Leser gar mannigfaltige Kräfte, die dem kostbaren Nass innewohnen: „Wärme, Luft, Feuchtigkeit, das Überschwemmen, die Geschwindigkeit und die Beweglichkeit. Den Bäumen gibt es ihren Saft, den Früchten den Geschmack, den Kräutern ihr Grünen. Mit seiner Feuchtigkeit durchdringt es alles mit Nässe, trägt die Vögel, ernährt die Fische, lässt die Tiere in seiner Wärme le-

ben, behält das Gewürm in seinem Schaum zurück und trägt alles, ebenso wie die zehn Gebote und die fünf Bücher Moses’ im Alten Testament es tun, die Gott alle für die geistige Einsicht bestimmt hat. Denn aus lebendiger Quelle entspringen die Gewässer, die alle Unsauberkeit abwaschen.“ Die große Visionärin des 12. Jahrhunderts stellt somit eine Brücke her, die vom Grundelement Wasser hineinreicht in das Schöpfungsund Heilswerk Gottes.

Ganzheitliche Sicht des Menschen Doch kehren wir zu Kneipp und seinen Wasserkuren zurück. In dosierter Form werden mit Hilfe von Wasseranwendungen durch Kälte und Wärme Reize im Körper ausgelöst, die im Sinne der Ganzheitsbehandlung Störungen und Krankheiten im Menschen verringern oder sogar gänzlich beseitigen. Bei jeder Kneipp’schen Anwendung muss also die Überlegung immer vom menschlichen Körper ausgehen. Dabei bleiben aber auch die geistige und die seelische Dimension niemals ausgespart. In einem Ratgeber, den Pfarrer Kneipp 1890 zur Kinderpflege verfasste, schrieb er: „Ich möchte den Hausmüttern einen recht gutgemeinten Rat erteilen: Betrachtet das Wasser als eure Hausapotheke! Wendet das Wasser vernünftig an, und ihr werdet viel ausdauernder und kräftiger eurem Berufe vorstehen können, ihr werdet von vielen Gebrechen verschont bleiben, und euer Berufsleben wird um vieles leichter werden! Auch der Geist wird länger in seiner Kraft erhalten bleiben; denn die Einwirkung des Wassers erstreckt sich auch auf diesen, macht ihn frischer und tüchtiger.“ Diesen Apell richtet der Geistliche einem Kapitel an die Mütter, das sich vor allem darum dreht, wie sie

Benedikt Felsinger O.Praem. ist Chorherr des Stiftes Geras, war enger Mitarbeiter von Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger und wirkt seit 2011 als dessen Nachfolger

für ihren Leib sorgen sollen. Doch um das Ganze abzuschließen, fügt er noch ein ihm ebenso wichtiges Anliegen hinzu: „Wie sollen die Eltern für ihre Seele sorgen?“ Kneipp sah den Heilungsprozess des Menschen nie nur als einen physischen Vorgang. Die Seele durfte bei ihm nie übersehen werden. Und so dürfen wir in ihm einen Wegbereiter einer ganzheitlichen Weise des Umgangs mit der humanen Verfasstheit erkennen. Es erstaunt immer wieder, dass genau diese Sichtweise durch vielerlei Umstände in den Jahrzehnten nach Kneipps Ableben eine Talfahrt mitmachen musste. Wenn wir Wasser betrachten, landen wir letztendlich bei der Taufe, die uns hineinnimmt in die Gemeinschaft Gottes, mit Leib und Seele! ■

Ein Kneipp-Tipp bei Kopfschmerzen oder Müdigkeit Heiß-kalte Genick-Waschung Zwischen Rumpf und Hals treffen die Nervenbahnen gebündelt zusammen. Bei der Morgentoilette oder auch während des Tages empfiehlt es sich daher, eine Handvoll heißes und hinterdrein sofort eine Handvoll kaltes Wasser über das Genick rinnen zu lassen. Nach Möglichkeit zweimal hintereinander. Immer heiß beginnen und kalt enden. Das hat sich schon oft bewährt, wenn jemand unter Kopfschmerzen oder starken Ermüdungserscheinungen leidet.

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Wasser – Quelle des Lebens

Fratzen und Segensbringer – die Wasserspeier von St. Stephan Sie sitzen hoch oben auf dem Rand des Kirchendaches und müssen schwindelfrei sein, denn sie lehnen sich – sprungbereit – weit hinaus und scheinen gespannt das Leben tief unter ihnen, auf dem Platz rund um den Dom, zu beobachten. Sie haben ganz unterschiedliche Größen und Erscheinungsformen: Tiere, meist eher schreckliche, Fabelwesen, aber auch Menschen. Annemarie Fenzl über die Wesen, die Wasser vom Stephansdom speien.

Annemarie Fenzl, ehem. Leiterin des Wiener Diözesanarchivs, ist verantwortlich für das Kardinal König-Archiv ihm sein eigenes Spiegelbild vorsetzten. Die anderen, grinsend und den Bösen verspottend, weil sie wussten: all sein Wüten wird immer an Gottes Größe scheitern. Die dritten schließlich, gutmütig und freundlich als himmlische Wasser-Segensspender. Damit hatten sie alle zusammen eine wichtige Aufgabe übernommen. Zugleich erzählen sie uns aber auch von einer gänzlich anderen Weltsicht unserer Vorfahren, deren Leben ständig durch die bedrängende Sorge um ihr ewiges Seelenheil von düsterem Ernst überschattet war. Für sie bedeutete das Kirchengebäude den Rettungsanker schlechthin – den Vorhof des Himmels, das Paradies: still, relativ sauber, erfüllt von angenehmem Geruch (Weihrauch!), erfüllt mit wundersamem Licht, das durch die bunten Glasfenster in den Raum einfloss, mit Heiligenfiguren, Bildern und Altären geschmückt. Hier konnte die geplagte Seele Ruhe finden. Einen solchen Raum musste man gut vor allem Bösen schützen, das von außen andrängte, aber wohl auch einfach vor unheilspendendem Regen in großen Mengen. Im Normalfall befand sich daher an der Dachtraufe, der Tropfkante des Daches, eine Dachrinne samt Ab-

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flussrohr, über die das gesammelte Regenwasser abgeleitet und zur weiteren Nutzung unten am Boden in Zisternen oder Regentonnen aufgefangen wurde. Im Fall von St. Stephan besorgten das die Wasserspeier. Ihre Aufgabe war es, dafür zu sorgen, das Wasser von der riesigen Dachfläche geordnet abfließen zu lassen und vom Kirchengebäude wegzubefördern.

Himmelswasser, das Segen bringt Aber Wasser bedeutet nicht nur Gefahr, Wasser bedeutet auch Segen. Die Bibel erzählt uns von Jesus, der selbst das Wasser des Lebens und der Liebe ist. Dem Regen, der nach allgemeiner Ansicht als „Himmelswasser“ aus Gottes nächster Nähe kam, wurden besondere Kräfte zugeschrieben. Und die Wasserspeier „spien“ das segenbringende Wasser nun noch aus: eine zusätzliche Abwehrfunktion des Bösen, die überlagert war vom Segen. Auch so kann man die Botschaft der „freundlichen“ Wasserspeier verstehen. Einen berührenden Aspekt dieser „freundlichen“ Wasserspeier greifen daher die sogenannten „Traufenkinder“ auf – ungetauft verstorbene Kinder, die in alten Zeiten nach allgemeiner Überzeugung nicht in den Himmel kommen konnten. Sie wurden von ihren unglücklichen Müttern nicht selten heimlich unter der Dachtraufe der Kirche bestattet, in der Hoffnung, dass das aus den Wasserspeiern herausrieselnde, am Ostertag in geweihtes Wasser verwandelte Regenwasser ihnen gleichsam noch nachträglich das Taufsakrament spenden und dadurch sich schlussendlich auch ihnen das Himmelstor öffnen würde! ■

Fenzl: Privat | Archiv der Dombauhütte

Vom Boden aus kann man sie kaum erkennen. Aber ein kleines Fenster der Wendeltreppe an der Nordseite des Chores gibt einen Blick, sozusagen in Augenhöhe, frei in ihre dramatisch bewegte Welt hoch oben zwischen Himmel und Erde. Aber um sie ihrem Wesen nach zu verstehen, muss man wissen, was sie im Mittelalter wirklich bedeutet haben: sie signalisierten vor allem Abwehr und Schutz. Drei Arten von ihnen gibt es: die einen, fratzenhaft-böse drohend, sollten den Teufel, den Inbegriff alles Bösen, der das Kirchengebäude von außen her immer bedrängt, abschrecken, indem sie

Quellen – faszinierende Orte und Heiligtümer Roland Girtler ist oft mit dem Fahrrad unterwegs. Landauf, landab trifft er auf Menschen, Geschichten, Sagen, Bräuche und eben auch Quellen. Über die Bedeutung des Wassers für das Leben des Menschen und dessen Rituale. Ein bunter Streifzug eines Soziologen.

Girtler: Jack Haijes | Hans Ratschenberger

Roland Girtler ist emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Wien Menschliche Kulturen stehen stets in Zusammenhang mit Wasser. Mit Wasser wird der Durst von Mensch und Tier gelöscht, man benötigt es zur Reinigung und es garantiert das Wachstum der Pflanzen. Aber das Wasser wird auch bei religiösen Ritualen eingesetzt wie bei der Taufe oder als Weihwasser. Für die australischen Eingeborenen hat Wasser in Wassertümpeln eine mythische Bedeutung. Wasser spielt auch im Alten Testament eine Rolle. Darin wird das Paradies als ein ewiger Garten mit frischen Quellen geschildert. Im 42. Psalm Davids heißt es: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, nach dir.“ Eine beinahe heilige Kraft hatte das Wasser auch für den Pfarrer Sebastian Kneipp, der 1821 als Sohn eines armen Webers in Oberschwaben zur Welt kam. Sebastian Kneipp wurde schließlich Priester und als solcher Hausgeistlicher im Kloster Wörishofen bei den Dominikanerinnen. Seine Wasserkuren machten ihn weithin bekannt. Das Vorwort seines Buches über die Wasserkur beendet er mit diesem freundlichen Satz: „Und wenn einst meine Wasserfreunde erfahren, dass ich in die Ewigkeit gewandert bin, dann sollen sie mir den Liebesdienst erweisen und mit einem kräftigen Vaterunser einen kühlenden Strahl Was-

ser mir nachsenden, dorthin, wo der Arzt der Ärzte die arme Seele in der Feuerkur zum ewigen Leben heilt und läutert.“ Ein anderer frommer Herr, allerdings Jahrhunderte vor Kneipp, erkannte im Wasser die große Bedeutung für den Menschen. Es ist dies der heilige Franz von Assisi (1181–1226). In seinem Sonnengesang bezieht er sich in der 4.Strophe mit folgenden Worten ausdrücklich auf das Wasser: „Herr, sei gelobt durch Schwester Wasser, – sie ist gar nützlich, demutsvoll und keusch. – Sie löscht den Durst, wenn wir ermüdet sind“. Für Franziskus ist also das Wasser seine Schwester, die ihm hilft, zu überleben, aber auch

um Gott, dem Schöpfer der Natur, in der er sich manifestiert, zu verehren.

Die Faszination von Quellen Es sind vor allem die Quellen, die uns mit Wasser versorgen und aus denen ganze Flüsse, die Kontinente durchlaufen, entstehen und die eine eigene Faszination ausüben. Vor Jahren radelte ich über den Oberalppass und hielt nachdenklich an der Quelle des Rheins. Auch das Pordoi-Joch in den Dolomiten habe ich mit dem Fahrrad überquert, wobei mich die Quelle des Flusses Cordevole interessierte. In der Nähe des Pordoi traf ich einen Hirten, mit dem ich mich ▶

Die Quelle in der Rot-Kreuz-Kapelle am Hengstpass ist bei vielen Wanderern und Pilgern beliebt

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Wasser – Quelle des Lebens ▶ über Quellen, von denen es dort genug gibt, und deren Segen für die Viehweiden unterhielt. Knapp danach – dies ist gerade für dieses Pfarrblatt einer Erwähnung wert – traf ich zufällig vor einem Rasthaus auf der Passhöhe des Pordoi Frau Friederike Mayr und ihre Tochter Liane. Beide luden mich zu einem Tee ein. Mit ihnen sprach ich über die Quellflüsse in den Dolomiten, die alle mit Sagen verwoben sind. Frau Mayr ist Mutter meines Freundes DDr. Franz Josef Mayr, mit dem ich regelmäßig den Stephansdom aufsuche. Seine Tochter Marietta ist Mitglied des Domchors zu St. Stephan.

Heiliger Segen bei Quellen Es gibt eine Vielzahl von Sagen und Geschichten, in denen Quellen vorkommen. Quellen hängen eng mit dem ewigen Leben zusammen. Sie sind Symbole des dauernden Kreislaufs. Das Wasser, das aus der Erde dringt, nährt das Lebende und steigt zum Himmel auf, von wo es wiederum zur Erde fällt, in diese eindringt und aus dieser neu die Erde beglückt. Die Quelle ist daher auch ein Symbol für das Muttersein.

Quellen in der Antike Für die Griechen und Römer in der Antike war das Wasser ein Geschenk der Götter, jede Quelle hatte daher ihre Schutzgöttin, nämlich eine Najade, die zu den Nymphen gehörte. Eine Legende erzählt z. B., dass die Quellnymphe Egeria die Liebhaberin und Beraterin von Numa Pompilius, dem sagenhaften zweiten König von Rom war. Eine der berühmtesten Quellen der alten Griechen war die Hippokrene (griech. Ἱπποκρήνη, übersetzt die Rossquelle). Der Sage nach ist diese Quelle durch einen Hufschlag des Pegasos – ein geflügeltes Pferd – den ein griechischer Held ritt, entstanden. Wenn jemand aus ihr trank, so erlangte er die Fähigkeit, Schönes zu dichten, er wurde „von der Muse geküsst“. Diese Rossquelle befindet sich nämlich unterhalb des HelikonGebirges, auf dem die Musen wohnten, nördlich von Korinth. 22

Christliche Quellen Im Gemeindegebiet von Leobersdorf, am südlichen Rande des Wiener Beckens, liegt der so genannte „heilsame Brunnen“, der der Mutter Gottes geweiht ist. Bereits 1466 wird diese Quelle als der „Heylige Prunn“ erwähnt, sein Wasser soll besonders bei Augenleiden helfen. Eine blinde Frau hätte hier ihr Augenlicht wieder erhalten, wird erzählt. Die Quelle soll nicht nur Augenleiden heilen, sondern auch, wie es heißt, die Kraft besitzen, heiratslustigen Mädchen einen Mann zu verschaffen. Auch bei schlechtem Wetter kann man um Hilfe bitten. Meine Wanderungen durch den Wiener Wald führen mich manchmal vom Hermannskogel kommend zum Agnes-Brünndl, bei dem seinerzeit auch die Mutter Gottes verehrt wurde. Irgendwie ist dieser Kult in Vergessenheit geraten und auch verboten worden. Ich wische mit dem Wasser aus diesem kargen Brunnen meine Augen aus, dies soll helfen, die Augen zu schützen. Es gibt einige Geschichten, die sich um diese Quelle ranken. In einer heißt es, der König von Polen habe hier einmal gejagt. Bei der Quelle habe er gerastet, eine Fee, also eine Quellnymphe, sei ihm erschienen, die er „liebend umfing“. Der König zog weiter und die Fee brachte neun Monate später ein Mädchen, das sie Agnes nannte, zur Welt. In einem Körbchen mit 30.000 Goldtalern brachte die Fee ihre Tochter zu einem Köhler. Sie wuchs mit dessen Sohn Karl auf. Karl und Agnes verliebten sich. Sie schworen sich Treue. Karl, dem die Fee bei der Quelle an einer heiligen Buche Pferd, Waffen und Rüstung gab, zog in den Krieg gegen die Türken. Bevor er wegzog, erbaute die Fee am Rande des Waldes ein Schloss, das sie „Himmel“ benannte und Agnes schenkte. Hier sollten beide leben, wenn Karl seiner Agnes treu bleibe. Karl kam wieder zurück, doch er war untreu geworden. Als er in das Schloss einzog, versank es mit ihm und Agnes. Die Bruno-Quelle in Bad Mühllacken: Entdeckt wurde der Sage nach diese Quelle im Jahre 1364 durch Bruno, den

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Knappen des Grafen Schaumberg. Bruno war todkrank von einem Kreuzzug hierher gelangt. Er badete im Quellwasser und gesundete. Bereits um 1607 wurde in einer Urkunde bestätigt, dass im Wasser, das von dem „heiligen Brünndl“ hierher fließt, gebadet werden darf. Es entstand eine Badeanstalt mit Kurbetrieb. Heute führen in Mühllacken Marienschwestern vom Berg Karmel einen Kurbetrieb nach den Vorstellungen des Pfarrers Sebastian Kneipp. Die Rot-Kreuz-Kapelle am Hengstpass liegt an einem alten Proviantweg, über den schon im 15. Jh. Lebensmittel aus Windischgarsten ins Ennstal zum Erzberg gebracht wurden. In dieser Kapelle sprudelt frisches Wasser aus einer Quelle. Es soll gut für die Augen sein, aber auch bei eitrigen Wunden soll es helfen. Darauf bezieht sich eine alte Sage, nach der ein Ritter, der von wilden Kämpfen Wunden davon getragen hatte, hier geheilt wurde. Er sah eine Maus mit Verletzungen durch diese Quelle laufen. Sie kam geheilt heraus. Der Ritter wusch sich daher mit diesem Wasser und wurde gesund. Fromme Leute erbauten daraufhin an dieser Stelle eine Kapelle. Bei der jetzigen Kapelle, die 1976 fertig gestellt wurde, fließt das Wasser aus der Quelle direkt unter dem Altar, über dem eine Mutter Gottes-Statue steht. Alljährlich treffen sich hier am „Sonntag nach Matthäus“ (21.9.) Wallfahrer aus den Orten der ganzen Umgebung, um hier zu beten und gemeinsam die Messe zu feiern.

Quellen in der Volksfrömmigkeit Diese heiligen Quellen, von denen es viele in Österreich gibt, haben eine große Bedeutung für die Volksfrömmigkeit, sie bauen auf einer alten Geschichte auf, die in die Antike zurückreicht, vielleicht sogar bis zu den Kelten. Die Gläubigen, die zu diesen heiligen Quellen ziehen, danken vor allem der Mutter Gottes und auch anderen Heiligen für den Schutz, den sie ihnen angedeihen ließen, und bitten um weiteren, ehe man zu Fuß oder mit dem Fahrrad weiter des Weges zieht. Und das ist auch gut so. ■

Wir fragen Prominente: »Wasser bedeutet für mich…«

Sporschill: ELIJAH | Spera: Peter Rigaud

Gedanken beim Duschen Ionela, ein kleines Roma-Mädchen steht am Dorfbrunnen. Ein schwaches Rinnsal füllt langsam seinen Wasserkanister. Sie versucht, die krummen Buchstaben zu entziffern, die mit weißer Farbe an die Mauer geschrieben sind: Kein Trinkwasser. Geduldig wartet sie, bis der Kanister voll ist. Dann schleppt das kleine Mädchen das Wasser nach Hause. Immer wieder muss sie die schwere Last abstellen. Nach Hause – das ist eine Lehmhütte, ohne Strom, ohne Wasser. Die tägliche Hygiene, die Toilette, das Kochen, das Putzen, das Wäschewaschen – findet nicht statt oder muss schwer erkämpft werden. Wenn ich mich morgens dusche, fließt das klare warme Wasser über mein Gesicht den Körper hinab. Es wärmt und es erfrischt, manchmal genieße ich den Wasserstrahl einige Augenblicke länger als es notwendig wäre. Dann denke ich an die Kinder und die Mütter in unserem Dorf, die das Wasser vom Brunnen für die große Familie nach Hause tragen müssen. Ich danke, dass ich eingehüllt bin in menschliche Wärme. Dass unsere Gemeinschaft mich trägt, dass Kinder mich rufen. Ich werde mitgerissen zu Aufgaben und zu Abenteuern. Das Wasser lässt mich spüren, wie Gott mich in Liebe hüllt. Wie in der Messe spreche ich beim Duschen: Herr, wasche ab meine Schuld, von meinen Sünden mache mich rein. Ich danke, dass es im Dorf schon Familien gibt, mit denen wir ein Haus bauen konnten, die sauberes Wasser haben. Sie helfen mit, dass auch ihre Nachbarn an die Quelle des Lebens kommen. Morgens und abends und wenn ich in eine Kirche gehe, nehme ich das Weihwasser und spüre, dass ich getauft bin, eingetaucht in Gottes Barmherzigkeit. In der Psychologie habe ich gelernt, dass Wasser das Symbol für die Liebe ist. Welches Wasser kommt mir jetzt in den

P. Georg Sporschill ist Jesuit, lebt und arbeitet seit 1991 in Osteuropa, jetzt bei ELIJAH Soziale Werke. www.elijah.ro Sinn? Ein ruhiger See, ein reißender Bach, eine schmutzige Lacke, eine klare Quelle, ein lustiges Bächlein, ein Platzregen? Alles sind Bilder für die Liebe, wie ich sie empfangen und geben möchte.

Danielle Spera ist Direktorin des Jüdischen Museums Wien

Innehalten im Wasser Für mich persönlich bedeutet Wasser etwas ganz Spezielles. Es ist neben der Lebensnotwendigkeit auch ein wichtiges Element für rituelle und spirituelle Handlungen. Im Judentum kommt Wasser eine starke religiöse Bedeutung zu, denn schon in der Tora beschreibt die Schöpfungsgeschichte die Wichtigkeit des Wassers. Ohne Wasser wäre das Paradies nicht vorstellbar. Wasser ist unentbehrlich, gleichzeitig kann es aber

auch lebensgefährlich sein. Im Buch Bereshit (1. Buch Mose = Genesis) bricht die Sintflut über die Erde herein und überflutet ein Jahr lang die Welt. Nur Noah, seine Familie und viele Tiere überleben. Die Taube mit dem Olivenzweig symbolisiert neues Leben. G’tt1 schließt einen Bund mit den Menschen und Tieren und verspricht, nie wieder eine derartige Überschwemmung zu bringen. Als Zeichen für den Bund gilt der Regenbogen. In Shemot (2. Buch Mose-Exodus) wird Moses im Wasser gefunden, wenig später wird auch die Bedeutung der rituellen Waschungen zur Reinigung vor dem G‘ttesdienst hervorgehoben. Denn Reinigung spielt im Judentum eine besondere Rolle. Nicht nur das Übergießen der Hände mit Wasser vor religiösen Handlungen und vor jeder Mahlzeit inklusive des Rezitierens des dazugehörigen Segensspruchs, sondern auch das rituelle Bad nimmt einen zentralen ▶ 1 Anm. d. Red.: Diese „vermeidende“ Schreibweise des Gottesnamens entspringt dem Bemühen, den Namen Gottes nicht in eine Form zu bringen, in der er beschmutzt oder zerstört werden kann.

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Wasser – Quelle des Lebens Wasser erlebt. Ich kenne die schlimmen Schmerzen eines Bauchflecks ebenso wie das Gefühl des perfekten Eintauchens. Und als ich mit dreißig Jahren zu springen aufhörte, so zog es mich doch stets ans und ins Wasser. Etwas, das sich bis heute nicht geändert hat. Doch was macht eigentlich die große Faszination dieses Elements aus? – Für mich gibt es da zwei Aspekte. Zum einen den der Turmspringerin. Wasser ermöglicht ein ganz spezielles Körpergefühl und ein breites Spektrum an Bewegungen, die ein Mensch an Land nicht machen kann. Man kann etwa reinköpfeln, ohne sich weh zu tun oder wie schwerelos durch die Wellen gleiten. Zum anderen hat Wasser für mich etwas unheimlich beruhigendes, ja gar etwas besinnliches: Die Stille unter der Wasseroberfläche, die Weite eines Sees oder des Ozeans, das Plätschern eines Wasserfalls – für mich sind das starke Symbole für Frieden und Freiheit. Wenn ich im Wasser bin, dann lebe ich.

Maya Hakvoort ist gebürtige Niederländerin und bekannte Musicaldarstellerin

... dass alles fließt Denn das ist die gefühlte Zeit, die ich im Wasser verbracht habe. Schon als Baby war ich fast täglich mit meiner Mama im Wiener Stadthallenbad. Während mein Papa das Schwimmteam trainierte, nahm mich meine Mutter Huckepack und sprang mit mir hinein. Immer und immer wieder. Schon mit zwei Jahren „hundelte“ ich dann selbst durchs Wasser, mit vier begann ich mit dem Wasserspringen. Eine Leidenschaft, die mich zu vier Olympischen Spielen und zwei EMMedaillen führen sollte. Alle Höhen und Tiefen meiner Sportkarriere habe ich am 24

Die Seglerin Tanja Frank gewann bei den Olympischen Sommerspielen 2016 zusammen mit Thomas Zajac eine Bronzemedaille

… Leben.

Anja Richter zählt zu den erfolgreichsten Wasserspringerinnen Österreichs und leitet heute die Sektion Wasserspringen des Arbeiter Schwimmvereins Wien

…die Hälfte meines Lebens

Wasser kann auch beruhigen – zum Beispiel bei einem Spaziergang am Strand. Das Rauschen des Meeres und der Blick in die Weite der Natur vermitteln Leichtigkeit, die einen den Alltagsstress schnell vergessen lassen. Wasser ist reinigend für Körper und Seele. Wir brauchen das Wasser nicht nur, um uns zu waschen – Wasser dringt viel tiefer. So kann ein Bad auch entspannend oder eine Dusche erfrischend sein. Manchmal fühlt man sich allein durch die Kraft des Wassers wie neu geboren.

Wasser ist die Grundvoraussetzung für alles Leben. Ohne Wasser könnten wir nicht existieren. Es löscht unseren Durst. Wir brauchen es wie die Luft zum Atmen. Doch Wasser kann noch viel mehr. Wasser ist heilend – wenn man weint. Die Tränen eines Menschen können Ausdruck von Freude, aber auch von Schmerz, Trauer oder Betroffenheit sein. Wenn die Emotionen einen überkommen, helfen Tränen, diesen freien Lauf zu lassen. Wasser bringt die Menschen näher zu einander. Denn ein Mensch der weint, zeigt seinen Mitmenschen, dass ihn etwas berührt.

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017

Seit ich denken kann, hat Wasser in meinem Leben eine große Bedeutung. Schon als kleines Mädchen hab ich im Ententeich im Seebad in Neusiedl mit einem kleinen Boot meine Runden gedreht und meine Mama hat Segelkurse gegeben. Das ist wohl eine meiner ersten Kindheitserinnerungen. Und seitdem sind Wasser und Segeln der wichtigste Teil meines Lebens. Ich verbringe im Jahr wahrscheinlich rund 200 Tage am Wasser. Dabei gleicht kein Tag dem andern – und das hat mit dem Wasser zu tun. Wenn ich segle, dann kann ich spüren, ob ich auf einem See bin oder auf dem Meer. Die Wellen sind anders, die Bewegungen… Dann kann ich fühlen, wie das Wasser lebendig ist. Wie es einen eigenen Charakter hat. Diese Vielfalt finde ich unglaublich faszinierend und anziehend. Und jeder sollte mal auf ein Boot steigen, um das Zusammenspiel von Wind und Wasser zu spüren. Dann kann man Wasser ganz anders erleben. Aber natürlich ist Wasser eine Naturgewalt. Ich habe selbst schon ein paar

Richter: Richter | Hakvoort: Inge Prader | Frank: OeSV/Pucher

Stellenwert im Leben religiöser Juden, vor allem religiöser Jüdinnen ein. Das Tauchbad mit reinem Wasser, die Mikwe, das in jeder jüdischen Gemeinde vorhanden sein muss, dient dazu, den Menschen vor allem spirituell zu reinigen vor einer Hochzeit, nach einer Geburt, nach der Menstruation oder nach dem Kontakt mit einem Toten. Vor dem Betreten der Mikwe muss der Körper tadellos sauber sein, nichts darf sich darauf befinden (kein Make up, Nagellack, etc.). Beim vollkommenen Untertauchen in das reine Wasser spricht man Gebete und soll vor allem im Wasser schweben. Dieser sehr konzentrierte Augenblick lässt einen innehalten, in sich Gehen und die heilige Stimmung einfangen. Für mich bedeuten die Besuche in der Mikwe wesentliche Momente meines Lebens. Mein denkwürdigstes Mikwe-Erlebnis war jenes vor meiner Hochzeit, als ich mit meinen Freundinnen im Roten Meer vor Eilat untertauchen durfte. Eine ganz besondere Vorbereitung auf den wertvollsten Tag meines Lebens.

sehr bedrohliche Situationen erlebt. Wenn du über Bord gehst und unter dem Boot eingesperrt bis – da ist es schwer, die Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen. Da merkst du, dass das Wasser viel stärker ist als du selbst. Viele Menschen unterschätzen das. Für mich ist Wasser die stärkste Kraft der Natur. Wasser ist für mich so lebenswichtig wie für jedes Lebewesen. Aber für mich ist es noch mehr – es ist meine Luft zum Atmen.

Daniel Abed-Navandi ist Kurator des Meeresaquariums und stvt. Direktor vom Haus des Meeres

Abed-Navandi: Haus des Meeres | Schweizer: jochen-schweizer.de/ Nicolas Mercier

Verbindung des Lebens Wasser ist die Voraussetzung allen Lebens. Das Leben auf unserem Planeten hat im Wasser begonnen, Leben an Land, im Trockenen, ist ein Sonderfall. Nur ein Viertel der Erdoberfläche ist Festland, der Rest ist von Meerwasser bedeckt. Dort kann heute noch der Ursprung und das Prinzip des Lebens gefunden werden. Blaualgen und Schwämme sind die ältesten Pflanzen und Tiere der Erde, sie sehen heute noch aus wie vor 1.000.000.000 Jahren. Jeder Mensch – ein wandelndes MiniMeer: Den wenigsten Menschen ist bewusst, dass sie das Erbe des Meerwassers in ihren Körpern tragen. Die Zusammensetzung der Salze in unseren Körpersäften spiegelt die Zusammensetzung des Meerwassers nach Hunderten Millionen von Jahren und erinnert uns an unser biochemisches Erbe. Jeder Mensch auf diesem Planeten ist, so betrachtet, ein wandelndes Mini-Meer. Wasser ist ein Medium, in dem alle chemischen Elemente der Erde gelöst zu finden sind, eines, das weit entfernte Lebensräume mit ihren Tieren und Pflan-

zen verbindet – viel stärker als dies durch das Medium Luft an Land der Fall ist. Es ist ein verbindendes Medium, in dem man ohne großen Energieaufwand reisen kann. Auch akustische Signale oder im Wasser gelöste Signalstoffe der Tiere und Pflanzen werden darin über weite Strecken mit Leichtigkeit transportiert. Mit der Wiener U-Bahn durch ehemaligen Tiefseeboden: Wussten Sie, dass Sie mit der Wiener U-Bahn streckenweise durch ehemaligen Tiefseeboden fahren? Das Urmeer „Parathetys“ hat vor 20 Millionen Jahren im heutigen Wien mächtige Tonschichten abgelagert. Mein Beruf als Meeresaquarienkurator im Haus des Meeres verbindet mich besonders mit dem Element Wasser. Jeden Arbeitstag denke ich mit dem Wasser – welche Stoffe sind darin gelöst, wie kann man diese Gase und Salze organisieren, um die darin lebenden Tiere und Pflanzen, aber auch die Besucher außerhalb der Aquarien zufrieden zu stellen? Auch meine Freizeit verbringe ich gerne schwerelos im und am Wasser – ob schwimmend, Apnoe-tauchend oder Boot fahrend.

Der deutsche ExStuntman Jochen Schweizer ist Unternehmer, Eventmanager und bekannt für seine Erlebnisgutscheine

You can’t stop the waves – but you can learn to surf 1 Wasser bedeutet Leben. Für mich trifft diese Aussage jedoch nicht nur im biologischen Sinne zu. Seit ich denken kann, spielt dieses Element eine besondere Rolle in meinem Leben. Fasziniert von der Kraft des Wassers, habe ich schon früh meine Leidenschaft für das Kayakfahren entdeckt und in meiner Jugend die meiste Zeit auf dem Neckar

beim Paddeln verbracht. Schnell haben die heimischen Gewässer meinen Durst nach dieser Naturgewalt jedoch nicht mehr stillen können und ich bereiste als junger Mann die Welt, um immer wildere Flüsse und steilere Wasserfälle zu befahren. Das Gefühl, die Kontrolle über so starke, teilweise unberührte Ströme zu erlangen und im völligen Einklang mit der Natur zu sein, ist für mich noch heute unbeschreiblich. Mein Hobby wurde letztendlich zum Beruf – die Gründung der Firma Kajak Sports Productions, mit der ich zahlreiche Stuntfilme produzierte, legte den Grundstein für mein heutiges Unternehmen. Mit der Marke Jochen Schweizer ermöglichen wir seither jährlich hunderttausenden Menschen außergewöhnliche Erlebnisse. Meine Leidenschaft für das Wasser und den Sport habe ich bis heute beibehalten, wenn auch nicht mehr so extrem: Beim Zenkayaking, dem Paddeln in völliger Stille, erreiche ich ein Gefühl vollkommener Freiheit – den Zustand der Gedankenlosigkeit. In diesem sogenannten „Flow“, dem mentalen Zustand völliger Vertiefung in eine Bewegung, die ich ein halbes Jahrhundert lang trainiert habe, bin ich glücklich und finde Ruhe und Ausgleich zu meinem oft stressigen Alltag. Auf stillem Wasser schöpfe ich Kraft. Seit einiger Zeit ist zu dieser Leidenschaft noch eine weitere hinzugekommen: Ein mir bis heute unerfüllter Traum ist das Surfen auf den großen Wellen vor Hawaii. Mit großer Begeisterung verfolge ich die Profis, die sich dieser Naturgewalt im Pazifik stellen. Auf der stehenden Welle in der Jochen Schweizer Arena in Taufkirchen bei München komme ich diesem Traum bei meinem Training nun täglich einen Schritt näher. Ein Gespür für die Welle und das Wasser zu bekommen und sie mit jedem Ritt mehr zu beherrschen ist ein unglaublich erfüllendes Gefühl. ■

1 „Du kannst die Wellen nicht stoppen, aber du kannst lernen zu surfen“ (Jon Kabat-Zinn), Anm. d. Red.

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500 Jahre Reformation

Wegkreuzungen – EvangelischKatholische Begegnungen Zwei Wege – ein Kreuz: 500 Jahre Geschichte getrennter Wege von evangelischen und katholischen Christen. Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich, Michael Bünker über das gegenwärtige Verhältnis zwischen unseren Kirchen. Vom Gegeneinander zum Miteinander

Gemeinsam unter dem Kreuz Jesu stehen: Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. Österreichs und Kardinal Christoph Schönborn weit den gemeinsamen Schatz, der uns durch die Reformation mit der Wiederentdeckung des Evangeliums gegeben ist. Dass ich zu einer Generation gehöre, die in diesem ökumenischen Mit- und Füreinander den Glauben leben kann, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Die zahlreichen Begegnungen und gewachsenen Beziehungen empfinde ich aber auch als Verpflichtung, nicht stehen zu bleiben, sondern mutig und zuversichtlich auf dem Weg der Einheit zu bleiben. Ganz oben steht für mich in diesem Zusammenhang das Anliegen der „eucharistischen Gastfreundschaft“ als wichtiger Schritt hin zur Einheit am Tisch des Herrn.

Gemeinsam beten Ein wichtiger Impuls dazu kam mit anderen mutigen Pionieren der Ökumene durch den „Weltgebetstag der Frauen“, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1887 zurückreichen. Jährlich treffen einander bis heute (nicht nur) Frauen der verschiedenen Kirchen zum gemeinsamen Gebet,

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das immer von einem bestimmten Land in ökumenischer Weise vorbereitet wird. Der Weltgebetstag hat dazu beigetragen, dass das gemeinsame Gebet zu einer zentralen Form der Begegnung geworden ist. In zahlreichen Pfarren und Gemeinden haben sich Gruppen gebildet, die den jährlichen Gebetstag gemeinsam vorbereiten, dazu einladen und das Gebet gestalten. Aus der Begegnung ist eine Beziehung geworden. Heute können wir dankbar auf eine große Fülle des gemeinsamen Gebets blicken, das in gewisser Weise das Herz des ökumenischen Miteinanders bildet. Wenn sich katholische und evangelische Christinnen und Christen im gemeinsamen Gebet Gott anvertrauen, wächst auch das Vertrauen unter ihnen. So entwickelte sich Schritt für Schritt das Miteinander in zahlreichen Bereichen kirchlichen Lebens, vom Religionsunterricht zu den verschiedenen Formen der Seelsorge, von Caritas und Diakonie bis zum gemeinsamen Eintreten für das Evangelium in der Öffentlichkeit. Unver-

Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ schreibt Martin Buber in seiner Schrift „Ich und Du“ aus dem Jahr 1923. Was der große jüdische Religionsphilosoph als das dialogische Prinzip des menschlichen Lebens entfaltet, kann auch auf die Begegnungen der Kirchen, der evangelischen und katholischen Christinnen und Christen, angewendet werden. Als Folge der Reformation bildeten sich durch den Prozess der Konfessionalisierung nicht nur zwei getrennte Kirchen, sondern auch politische, kulturelle und gesellschaftliche Lager in Europa heraus, die sich für Jahrzehnte feindlich, ja sogar kriegerisch gegenüber standen. Von Ausnahmen abgesehen kam es erst im 20. Jahrhundert, und da vollends ab dem Zweiten Vatikanischen Konzil, zum ökumenischen Dialog und zu Begegnungen zwischen den Kirchen. Die Zeit der gewaltsamen Auseinandersetzungen war zwar schon lange vorüber, dennoch lebten Evangelische und Katholische bestenfalls nebeneinander und wussten wenig vom jeweils anderen. Die Älteren unter uns haben das noch selbst erlebt und wissen davon eindrucksvoll zu erzählen. Das hat sich seit gut fünfzig Jahren grundlegend geändert. Aus dem Nebeneinander ist ein Miteinander geworden. Aktuell erlebe ich das an dem großen Interesse, das gerade im 500. Jahr des Reformationsgedenkens und -jubiläums von katholischer Seite sichtbar wird. Zahlreiche Veranstaltungen sind ökumenisch ausgerichtet, zahlreiche katholische Pfarren und Einrichtungen richten im laufenden Jahr eigene Veranstaltungen aus und entdecken neben allen historischen Fragen vor allem ein Stück

Georg Löffler

gessen ist in Österreich die wichtige Rolle, die die „Ökumenische Morgenfeier“ im Radio von 1968 bis 1997 auf diesem Feld übernommen hat und dann natürlich das bahnbrechende „Ökumenische Sozialwort“ aus dem Jahr 2003. So ist aus den Begegnungen eine Beziehung geworden. Beziehung aber – ich zitiere noch einmal Martin Buber – ist Gegenseitigkeit. Sie beruht auf gegenseitiger Anerkennung und einem Verhältnis „auf gleicher Augenhöhe“, wie es Oberin Christine Gleixner gerne formuliert hat. In jeder guten Beziehung gibt es ein Geben und Empfangen. Heute sprechen wir von der „Ökumene der Gaben“, einem Austausch der besonderen Stärken, mit denen jede Kirche ihr Zeugnis vom Evangelium gibt. Ich denke an das, was die Evangelischen von den Katholischen gelernt und auch übernommen haben. Dazu gehört die Hochschätzung des Abendmahls/der Eucharistie, die Bedeutung der Liturgie und der Sendung der Kirche in die Welt (Katholizität). Umgekehrt fanden in der katholischen Kirche Dinge Eingang, die als typisch evangelisch galten: Die Bedeutung der Heiligen Schrift, die Gottesdienste in der Sprache der Menschen und die Bedeutung des gemeinsamen Kirchenliedes. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Dankbar für diese Gaben, die das kirchliche Leben bereichert haben, hat sich aus dem Miteinander ein Füreinander entwickelt. Dieses Füreinander findet sein Bewährungsfeld in der heutigen Gesellschaft dort, wo angesichts von zunehmender Religionsvielfalt bei gleichzeitig fortschreitender Säkularisierung das gemeinsame Zeugnis von evangelischen und katholischen Christen für das Evangelium gefordert ist. Hier kommt dem Zeugnis der Märtyrer und Märtyrerinnen eine besonders wichtige Rolle zu. Im Füreinander sollen die Unterschiede zwischen den Kirchen aber nicht eingeebnet werden. Mit ihrer je eigenen Geschichte und Prägung, mit ihrem je eigenen Profil stehen sie gemeinsam für die „Freude am Evangelium“ (Papst Franziskus). Der Weg, der ihr Miteinander beschreibt, ist

der der „versöhnten Verschiedenheit“. Diese Begegnungen, die zur Beziehung geworden sind, ereignen sich nicht selten an den Wegkreuzungen. Die Kirche Jesu Christi – katholisch und evangelisch – ist auf dem Weg. Sie ist das wandernde Gottesvolk, das seinen Ursprung und Auftrag kennt und sich ausrichtet

nach dem Reich des Friedens und der Gerechtigkeit, das Gott verheißen hat. Im Zentrum steht dabei das Kreuz, unter das wir uns gemeinsam stellen. Am Kreuz sehen wir im Licht der Auferstehung Gottes Liebe und Hingabe. Es macht uns bewusst, dass wir dort, in Christus, immer schon eins sind. ■

»Eine unverwechselbare Frischzelle im Leib der Kirche« . St. Ruprecht: Die jüngste Gemeinde in der ältesten Kirche Wiens feierte 30. Geburtstag. Von Harald Schiffl. Mit einem Festgottesdienst und einem großen Fest feierte die Gemeinde St. Ruprecht im Mai den Abschluss und Höhepunkt des Festjahres aus Anlass ihres dreißigjährigen Bestehens. Rund 150 Gäste feierten unter dem Motto „… und ihr sollt fröhlich sein“, blickten zurück auf die Anfänge der Gemeinde – unter ihrem ersten Rektor P. Joop Roeland – und schauten voraus in die nächsten Jahre. In seiner Festpredigt sagte P. Hans Brandl SJ, der Rektor der Ruprechtsgemeinde: „Ein siebenfacher Geist bewegt dieses ‚Windrad‘ Ruprechtsgemeinde: Leichtigkeit, Vielheit, Wachsamkeit, Störung, Kirchlichkeit, Einfachheit und Feier. Was sich bewegt, zieht an. Möge diese Bewegung alle, die sie wahrnehmen, innerlich bewegen und anziehen.“ In einem Grußwort meinte der emeritierte Bischof Egon Kapellari, dass die Gemeinde „… eine unverwechselbare Frischzelle im Leib der Kirche von Wien ist mit Ausstrahlung weit über deren Grenzen hinaus …“. Zahlreiche Festgäste, unter ihnen der ehemalige Provinzial der Jesuiten und Rektor von St. Ruprecht, P. Gernot Wisser SJ, Dompfarrer Toni Faber, Dr. Martin Jäggle, Univ.Prof. Dr. Susanne Heine und Dr. Peter Pawlowsky, gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die jüngste Gemeinde in der ältesten Kirche Wiens auch in den nächsten Jahrzehnten von Offenheit, Angstfreiheit und Mut bewegt wird und einen wichtigen Beitrag zu neuen Wegen der Citypastoral leistet. Die Rektoratsgemeinde wird geprägt durch ihre Lage mitten im Bermuda-Dreieck und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Jüdischen Synagoge und zum Morzinplatz. St. Ruprecht ist eine offene Gemeinde. Im Gemeindestatut wird festgehalten: „Wir möchten jedem Menschen mit Respekt vor seiner/ihrer ganzen Person begegnen. Wir möchten Heimat für Menschen sein, die Ausgrenzung erfahren und mit uns Gemeinde leben wollen. Mit der ältesten Kirche Wiens ist uns nicht nur ein Gotteshaus, sondern auch ein kunsthistorisches Kleinod anvertraut. Darum sind wir bemüht, die Ruprechtskirche Gläubigen wie Touristen als einen Ort der Einkehr und Besinnung anzubieten.“ Mittelpunkt und Zentrum der Gemeinde sowie aller Aktivitäten ist der Gemeindegottesdienst am Samstag. Er wird thematisch und inhaltlich seit den Anfängen der Gemeinde jede Woche vom Liturgiekreis vorbereitet. Ein Text von Huub Oosterhuis, dessen Vertonungen in der Ruprechtsgemeinde oft und gerne gesungen werden, fasst die Bemühungen der Gemeinde zusammen: Starr nicht immer auf das, was früher war, bleib nicht stehen im Vergangenen! „Ich“, sagt er, „fange Neues an. Es hat schon begonnen, spürst du es nicht?“ ■ Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017 27

Aus der Dompfarre

Manner mag man eben Kurz nach Ostern ist Carl Manner verstorben. Dompfarrer Toni Faber über einen Mann, dessen Leben und Firmengeschichte eng mit dem Stephansdom verbunden ist.

Eigentlich hätten zwei Steinmetze mit rosa Arbeitsoverall als Grabwache am Grab von Dr. Carl Manner stehen sollen. Zum Abschied am Dornbacher Friedhof sind aber natürlich alle im schwarzen Anzug gekommen. Manner war sein Leben. Der 87-Jährige war seit einigen Jahren zwar nicht mehr operativ im Vorstand tätig, wohl aber im Aufsichtsrat der Josef Manner & Comp. AG. Ende Mai wollte er sein Mandat zurücklegen. Doch es ist anders gekommen: Am Gründonnerstag trat er zum letzten Mal seinen Weg ins Büro der rosa Waffelfabrik in Hernals an. Den Karfreitag nahm sich der bekennende und praktizierende Katholik als strengen Fasttag frei. In der Osternacht erlitt er zu Hause einen Schwächeanfall, am Mittwoch der Osterwoche fielen seine Augen für immer zu. Der legendäre Enkel von Firmengründer Josef Manner ist sein Leben lang nicht von den christlichen Werten abgewichen – womit er seinen 700 Mitarbeitern imponiert hat. Zu seinen Maßstäben gehörte das Bestreben, bei allem Denken, Reden und Tun am Abend guten Gewissens in den Spiegel schauen zu können.

Der „rosa Dom“ Auch nach seinem Mathematikstudium ist der Träger zweier Großer Silberner Eh-

renzeichen immer ein Zahlenmensch geblieben. So manches Auf und Ab der Firmengeschichte hatte er zu meistern. Der Einsturz eines mehrstöckigen Teils des Betriebsgebäudes 2014 gehört sicher zu den dunkelsten Kapiteln der Firmengeschichte, bei dem aber Gott sei Dank niemand verletzt wurde. Bittere Einsparungsprogramme gehören leider auch in einem süßen Betrieb dazu. Doch Manners Auftrag an den Finanzvorstand war eindeutig: „Wir können bei allem sparen, nur nicht beim Stephansdom!“ 1890 wurde das erste Süßwaren- und Waffelgeschäft am Stephansplatz gegründet. Aus diesem Grund erhielt der Stephansdom seinen Platz im Firmenlogo. In gro-

ßer Dankbarkeit für das Wohlergehen des Unternehmens hatte es sich Dr. Carl Manner seit vierzig Jahren zur Pflicht gemacht, dem Dom etwas zurückzugeben, wenn der Steffl schon so getreulich über Manner wacht. Bescheiden wie er war, hat er immer nur von einem Steinmetz gesprochen, der mit allen Lohn- und Nebenkosten von der Firma bezahlt wurde. In Wirklichkeit waren es jedoch mehr als zwei Dombaumitarbeiter, die jahrzehntelang ein verlebendigtes Sponsoring für den Dom waren. Lieber Carl Manner, danke für dein beeindruckendes Leben und für deine Liebe zum Stephansdom! Ruhe in Frieden. ■

Dank an die Österreichischen Bundesgärten Seit Jahrzehnten werden dem Stephansdom von den Österreichischen Bundesgärten in guter alter Tradition Grünpflanzen für die Gestaltung des Heiligen Grabes in St. Stephan zur Verfügung gestellt. Dieser Brauch geht noch auf die Zeit des Dompfarrers Karl Raphael Dorr zurück. Auch dem damaligen Bundeskanzler Leopold Figl war es ein Anliegen, für festliche Anlässe dem Dom einen entsprechenden Schmuck, bestehend aus Grünpflanzen, zur Verfügung zu stellen. Über viele Jahre wurde auf diese Weise auch die Sakramentskapelle (Eligiuskapelle) mit Grünpflanzen der Österreichischen Bundesgärten geschmückt. Seit den 80er Jahren wurde lediglich der Transport in Rechnung gestellt. Das durch das frische Grün reichlich schön geschmückte Heilige Grab erfreut die zahlreichen Besucher und Touristen, von denen zu Ostern besonders viele in den Dom kommen. Wir sagen ein großes Dankeschön!

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Manner: Manner/Noll | Georg Rejda

Aufsichtsratsvorsitzender Carl Manner (1929–2017)

Mit großer Liebe zum Detail Am 21. Juli 2017 ist Bildhauer Rudolf Sepper verstorben. Franz Zehetner, Archivar der Dombauhütte St. Stephan über diesen außergewöhnlichen Künstler und Mitarbeiter.

Herzliche Gratulation!.. Am 14. Juni 2017 wurde unserem Domdekan Konsistorialrat Prälat Karl Rühringer das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich von Ministerialrat Oliver Henhapel überreicht.

Sepper: Archiv der Dombauhütte St.Stephan Rühringer: BKA / Hans Hofer | Prokschi: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Bildhauer und Restaurator Rudolf Sepper (1923–2017) Er wurde am 28. 3. 1923 in Kirchbach im Gailtal geboren. Nach dem Krieg studierte er Bildhauerei an der Wiener Akademie der Bildenden Künste bei Fritz Wotruba. Er konzentrierte seine Schaffenskraft aber nicht auf moderne Skulptur, sondern auf die Beschäftigung mit den gotischen Skulpturen und Architekturdetails am Stephansdom. Er war als freier Mitarbeiter von 1948 bis 1985 für die Dombauhütte tätig. Seine erste Arbeit am Dom war die Predella des Valentinsaltares in der Eligiuskapelle, eines der wenigen Werke von ihm, die er aus Holz schnitzte, ebenso wie das Jesuskind, das in der Weihnachtsliturgie verwendet wird, und 1974 von ihm geschaffen wurde. Hauptsächlich war er aber als Steinbildhauer und Restaurator tätig. Aus seiner Hand stammen zahllose architektonische Details wie Krabben, Kreuzblumen, aber auch figurale Werke wie Wasserspeier, denen er bei aller Rücksicht zur gotischen Umgebung und Treue zum Original seine eigene stilistische Note verliehen hat. Er war auch als sachkundiger Spezialist für die Steinbildwerke an der Neugestaltung des Dom- und Diözesanmuseums 1972/73 und als Bildhauer für die Renovierungsarbeiten an der Votivkirche tätig.

Seine Beschäftigung mit den gotischen Skulpturen des Domes konzentrierte sich nicht nur auf das Ersetzen von beschädigten Teilen, er machte auch Abgüsse des Fensterguckers und des Anton Pilgram vom Orgelfuß. Als Restaurator hatte er auch viele internationale Kontakte, die er zum Erfahrungsaustausch nutzte, so etwa auch mit den verantwortlichen Restauratoren der ägyptischen Pyramiden in Gizeh. Seine Tätigkeit in der Dombauhütte war geprägt von großer Demut gegenüber dem Kunstwerk des Domes und von kollegialem Respekt gegenüber den anderen Mitarbeitern der Dombauhütte, eine tiefe Freundschaft verband ihn auch mit dem Dompfarrer des Wiederaufbaues, Dr. Karl Raphael Dorr. Er hielt auch nach seiner Pensionierung guten Kontakt zur Dombauhütte, pflegte das Gespräch mit den jüngeren Kollegen bis in seine letzten Lebensjahre. Einer seiner letzten Besuche im Dom galt der Ausstellung des Domschatzes auf der Westempore im Dom. Die Gespräche mit ihm waren nicht nur wegen seiner Kenntnis der historischen Vorgänge der Wiederaufbauzeit höchst interessant, sondern auch wegen seiner Aufgeschlossenheit für alles Neue, die seinen bis ins hohe Alter wa■ chen Geist auszeichnete.

Wir gratulieren sehr herzlich und danken zugleich für seine vielen Verdienste für den Stephansdom in seiner Funktion als Domdekan, für die zahlreichen Projekte, die er auch persönlich und finanziell unterstützt hat, vor allem aber dafür, dass der Dom und seine Mitarbeiter ihm stets ein echtes Herzensanliegen gewesen sind und hoffentlich auch bleiben. Mit 31. August ist er als Domdekan emeritiert, wir wünschen weiterhin Gottes Segen!

Für unseren neuen Domdekan Univ.-Prof. Dr. Rudolf Prokschi (ab 1. September 2017) erbitten wir ebenso Gottes Segen und wünschen viel Freude bei diesem Dienst!

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Aus der Dompfarre

Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag, liebe Anneliese Kreiner! Von Karin Domany

Mit diesem altirischen Segensspruch stelle ich mich heute bei dir, liebe Anneliese als Gratulantin ein! Bald vollendest du dein achtes Lebensjahrzehnt! In meine Glückwünsche und meinen

Dank nehme ich auch die vielen Menschen mit hinein, deren Leben du in deiner so unermüdlichen ehrenamtlichen Tätigkeit in so vielen verschiedenen Bereichen sehr bereichert und ein wenig glücklicher gemacht hast: Aus dem Leben der Dompfarre bist du nicht wegzudenken: kein Flohmarkt, kein Adventmarkt, kein Fastensuppenessen, kein Spielenachmittag, keine Bastelrunde, kein Stefflkirtag … ohne deine Mithilfe! Auch in der Pfarrkanzlei/Pfarrcaritas hilfst du regelmäßig bei Schreibarbeiten, z. B. der Geburtstagsbriefe mit! Wie wichtig dir das Leben in unserer

Erzbischöfliche Cur: 750 Jahre für die Menschen da Unter Pfarrer Gerhard von Siebenbürgern wird im Jahr 1267 die Curpriesterschaft bei St. Stephan erstmals urkundlich erwähnt. Seither gibt es diese Gemeinschaft, der die Seelsorge (cura, lat. „Sorge“) der Menschen, die in den Dom kommen, anvertraut ist. 750 Jahre später feierten die Curpriester von St. Stephan am Christi Himmelfahrts-Tag dieses Jubiläum gemeinsam mit Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn, dem die Curpriesterschaft direkt unterstellt ist.

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Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017

Gemeinde ist, zeigt sich auch daran, dass du – wann immer es dir möglich ist – am Pfarrleben teilnimmst: bei den Domgesprächen, beim Frauen_Impuls, bei den Pfarrausflügen usw. Auch dafür danke ich dir! Dein reiches kulturelles Interesse wird wohl auch der Impuls dafür gewesen sein, dass du seit vielen Jahren regelmäßig ehrenamtlich im Museum Albertina tätig bist, und als „gelbe Tante“ konntest du vielen leidenden Kindern im St. Anna Kinderspital das Leben durch Vorlesen am Krankenbett erträglicher machen! Zuallererst aber galt und gilt deine Liebe und Sorge stets deiner Familie, besonders deiner längst erwachsenen Enkelin. Möge dir unser Herrgott noch viele Jahre Lebenskraft und Gesundheit schenken, die dir auch weiterhin deinen reichen Dienst am und für den Mitmenschen möglich machen! Ad multos annos, liebe Anneliese! ■

Kreiner: M. Auersperg | C. Herrlich

„Ich wünsche dir immer einen heiteren Himmel über allem, was du gerne tust, über den Dingen, die du liebst. Gottes Segen umgebe dich ganz. Sein Licht aus der Höhe erleuchte dich und tiefe Zufriedenheit fülle dich aus – heute und an jedem Tag, der vorübergeht.“

Ratespaß und Kulturgenuss Ein Rückblick auf das Mitarbeiterwochenende in Krummau (Ceský Krumlov) im Frühjahr. Von Karin Domany. und Bier eine Weile rätselnd sitzen. Das Ziel unseres diesjährigen Wochenendes war die wunderschöne südböhmische Stadt Krummau („krumme Au“), ein architektonisches Kleinod und UNESCO-Weltkulturerbe. Bei strahlendem Wetter erkundeten wir am Samstag mit unserem Führer die schmalen Gässchen und Plätze der Altstadt und bekamen so einen guten Einund Überblick in Geschichte und Gegenwart des Städtchens. Viele von uns gönnten sich dann am Sonntag auch den Blick von oben aus dem Schlossturm, den sie sich nach 162

Stufen auch redlich verdient hatten. Ein Höhepunkt des Wochenendes war auch in diesem Jahr wieder die ganz persönlich gestaltete heilige Messe, die wir in einem mittelalterlichen Ratssaal feiern durften. Ein paar Stunden „raus“ aus dem Alltag und Schönes gemeinsam erleben tun immer gut. So kehrten wir trotz der kurvenreichen Straßen des Waldviertels wohlbehalten und reich an Eindrücken sehr zufrieden am Abend auf unseren Stephansplatz zurück. ■

Domany

Lucas, unser jüngster Teilnehmer, hielt uns immer wieder ganz schön auf Trab, wenn er die versammelte Runde mit kniffligen Fußballfragen konfrontierte. Stolz waren wir „Alten“, wenn wir einmal eine richtige Antwort errieten! Zwischen Fußball mischte sich dann auch die Geschichte des Stephansdomes, und auch da mussten viele von uns Stephanern eingestehen, dass sie bei weitem vieles über unsere Pfarrkirche nicht wussten! Beim lustigen Raten vergingen die Wartezeiten auf das Essen immer sehr schnell, und auch nach dem Genuss blieben wir alle gerne noch bei gutem Wein

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Aus der Dompfarre

Erstkommunion

Erstkommunion der Volksschule am Judenplatz am 14. Mai 2017, 2B-Klasse 32

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017

Robert Harson

Erstkommunion der Volksschule am Judenplatz am 7. Mai 2017, 2A-Klasse

Pfarr-Erstkommunion am 30. April 2017

Herzliche Einladung zur Pfarr-Erstkommunion am 6. Mai 2018 Vorbereitung in fünf Samstagblöcken, jeweils 10.00 Uhr – 13.00 Uhr in Begleitung eines Elternteils: 25. November 2017, 16. Dezember 2017 20. Jänner 2018, 3. März 2018 14. April 2018

Neues von der Jungschar: Es ist schön, solche Freunde zu haben … Nach dem sehr gelungenen Jungscharlager in Spital am Pyhrn in der ersten Ferienwoche geht es mit neuem Schwung wieder los: Ab 10. September findet im Anschluss an jede Kindermesse im Curhaus von 10.00 bis 11.00 Uhr eine Jungscharstunde statt. Alle Kinder sind herzlich willkommen! Kontakt: [email protected]

Franz Josef Rupprecht/kathbild.at | Hochschorner | S. Czychowski

Elternabend 8. November 2017 um 19:00 Uhr im Curhaus Anmeldung bis 31. Oktober in der Pfarrkanzlei (bitte Taufschein mitbringen). Um eine gute und intensive Vorbereitung zu gewährleisten, können maximal 20 Kinder an der Vorbereitung teilnehmen. Euer/Ihr Dompfarrer Toni Faber im Namen des Erstkommunionteams

Einige Jungscharstunden am Sonntag gab es bereits im vergangenen Arbeitsjahr … dabei wurde auch Zumba getanzt

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017 33

Aus der Dompfarre

Pfarrfirmung 2018 Liebe Jugendliche! Alle, die sich in unserer Dompfarre auf den Empfang des Firmsakraments vorbereiten wollen (Mädchen und Burschen des Geburtsjahrgangs 2004 und älter), sind herzlich willkommen. In mehreren Gruppen, die von Männern und Frauen aus der Dompfarre begleitet werden, werdet ihr euch mit wichtigen Themen des christlichen Lebens auseinander setzen.

Das erste Treffen mit Gruppeneinteilung findet am Freitag, 13. Oktober, von 18–19.30 Uhr im Curhaus, Stephanspl. 3, statt. Die Vorbereitung startet dann mit dem verpflichtenden gemeinsamen Wochenende auf der Burg Wildegg im Wienerwald von Freitag, 10. November, ca. 18.00 bis Sonntag, 12. November, ca. 15.00 Uhr. Genaue Informationen werden noch bekannt gegeben.

Bitte meldet euch zur Firmvorbereitung bis spätestens 6. Oktober in der Pfarrkanzlei an und bringt euren Taufschein mit! Die Firmung findet am Samstag, 9. Juni 2018 um 16.00 Uhr im Dom statt. Auf euer Dabeisein und engagiertes Mittun freut sich im Namen aller Firmbegleiter euer Dompfarrer und Firmspender ■

Pfarrfirmung am 10. Juni 2017

Gottes Wohnung auf Erden „Jedes wirkliche Leben ist Begegnung.“ Dieses Wort von Martin Buber meint, dass wir nur dann „wirklich leben“, wenn uns Begegnung geschenkt wird. Menschen brauchen Begegnung: mit anderen Menschen und, so sind wir als Christen überzeugt, Menschen brauchen auch Begegnung mit Gott. Ein guter Ort, Gott zu begegnen, für große und kleine Menschen, ist seit bald 900 Jahren der Dom – „Gottes Wohnung“ in der Herzmitte von Wien. 34

Mit kleinen Menschen an einem normalen Tag so zwischen großen Menschen, mit Kunstführern, Handys und Tablets „bewaffnet“, durch den unruhigen Dom zu gehen, dass sie Gott auch wirklich begegnen können, ist nicht leicht.

In der Stille der dunklen Kirche wird spürbar: „Wir sind nie allein“ So haben wir schließlich im Jahr 1997, dem Jahr des Domjubiläums, mit unse-

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017

ren abendlichen Besuchen in „Gottes Wohnung“ auf Erden begonnen. Wir sagen immer ganz bewusst: „Besuche“, denn durch die Wohnung eines Freundes „führt“ man nicht, man besucht ihn einfach. Wir brauchen dazu nicht viel, der Dom sorgt für alles selbst: wir bringen Neugier und Freude mit, unsere Lieder und manchmal auch ein Gebet. Wir zünden Teelichter an und manchmal auch Weihrauch. Der Dom schenkt uns dafür

Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Ein Haus voller Zeichen und Wunder. Annemarie Fenzl berichtet über zwanzig Jahre spirituelle Kinderführungen am Dom.

12 Stunden für Geist, Leib und Seele

Dompfarre St. Stephan | Fenzl

Mariette Auersperg über den Ausflug des Seniorenclubs der Dompfarre ins Waldviertel im Juni 2017. Heuer führte der traditionelle Seniorenausflug der Dompfarre St. Stephan in den Norden des schönen Niederösterreichs. Bei herrlichem Sonnenschein starteten wir um acht Uhr früh in Richtung Basilika Maria Dreieichen. Alle und alles im Bus verstaut, bekamen wir von unserem Domkurat Timothy Mc Donnell den Reisesegen für unsere Fahrt, die uns durch die wunderschöne grün-saftige Landschaft mit Wiesen und Wäldern führte. Maria Dreieichen ist eine römisch-katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche in der Gemeinde Rosenburg in Niederösterreich, die im Jahre 1957 zur Basilika minor erhoben wurde. Durch eine sehr interessante Führung von P. Mi-

chael Hüttl OSB über die Geschichte der Basilika lernten wir alle so einiges dazu! Anschließend feierten wir gemeinsam mit einer Seniorengruppe aus Yppsitz den Gottesdienst. Hunger hat sich bereits angemeldet und so stiegen wir alle wieder in unseren Bus und konnten die wunderschöne Fahrt nach Rosenau, unserem nächsten Höhepunkt, genießen. Das im Jahre 1593 erbaute Schloss Rosenau liegt westlich von Zwettl im Waldviertel. Es wurde im Laufe der Jahre mehrfach umgebaut und renoviert. Schloss Rosenau empfing uns in seiner barocken Pracht und dem herrlichen Park voller blühenden Rosen. Im Schlossrestaurant wurden wir mit einem besonderen Mittagessen bestens verköstigt. Mit viel Tatendrang und Kraft besuchten wir das einzige Freimaurer-Mu-

Dunkelheit, Kühle, Weite und vor allem Stille. Denn erst dann können wir seine Stimme hören: er erzählt uns von unseren Vorfahren, deren liebevolle Fürsorge ihn durch die Jahrhunderte getragen und ihn so schön gemacht hat; von guten und bösen Tagen; von Krieg, Krankheit und Not, aber auch von der unzerstörbaren Hoffnung auf einen guten Gott, der keinen im Stich lässt, der auf ihn vertraut. Er schenkt uns Geborgenheit und das Gefühl: Wir sind nie ganz allein. Weil man allein nichts vollbringen kann, hat sich nach und nach ein kleines Team von Idealisten zusammengefunden: Margareta, Reinhard, Georg, Katharina und Charly, der Erfinder der kleinen

bunten Dachziegel. Damit sich aber nicht nur die Seele wohlfühlt, gibt es am Ende in der Sakristei Wurst- und, neuerdings auch Käsesemmeln für alle Kinder und Eltern. Und so wollen wir uns weiter bemühen, den kleinen Menschen, die unser aller Zukunft sind, zu zeigen, worauf es ankommt: ein gutes „Urgefühl“ im Bauch zu haben, wenn man an „Kirche“ denkt und ein unzerstörbares Vertrauen auf einen Vater im Himmel, der ■ es gut mit uns allen meint. Die nächsten Termine: 20. 10., 10. 11. und 27. 12. 2017, 19.00 Uhr. Anmeldung und nähere Informationen im Diözesanarchiv bei Frau Gabriele Lisak: 01/51552 DW 3239 oder [email protected]

seum Österreichs, das auf uns alle großen Eindruck hinterließ. Einige von uns hatten einen kurzen Spaziergang durch den prachtvollen Rosengarten gemacht. Wir trafen uns alle im Bus wieder zur Weiterfahrt zu unserem letzten Ausflugsziel: einem Heurigen vor den Toren Wiens. Mit guter Laune, viel Lachen, Geschichten und Scherzen saßen wir in einer kühlen Laube im Gastgarten bei Wein aus der Wachau, Brettljause, Salaten und verschiedenen Köstlichkeiten aus der Region. Die Zeit des Aufbrechens fiel uns allen schwer, aber nach diesem wunderschönen, harmonischen und ereignisreichen Tag kamen wir in Wien, unserem Ausgangpunkt, pünktlich um 20.00 Uhr wieder an. Dankbar konnten wir alle unvergessliche Eindrücke mit nach Hause nehmen. ■

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017 35

Aus der Dompfarre

Blitzlichter aus St. Stephan

Beim Bücherflohmarkt am 20. und 21. Mai 2017 wurden € 2.200,– eingenommen. Herzliches Dankeschön an Rosemarie Hofer, allen Helfern und Käufern!

Herzlichen Dank an die Firma Aon, die für das Festmahl für den Nächsten im Juni das Sponsoring übernahm und ein großes Team an Mitarbeitern zur Verfügung stellte!

Wallfahrer lassen sich nicht durch schlechte Wettervorhersagen beeindrucken. Am 6. Juni wurde nach Maria Grün gepilgert.

Am 9. Juni war es wieder soweit: Die Lange Nacht der Kirchen. Mitarbeiter der Domkirche sorgten dafür, dass die zahlreichen Besucher ein abwechslungsreiches Programm in St. Stephan erleben durften. 36 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017

S. Czychowski | Abualwafa Mohammed | Dompfarre | Rosemarie Hofer | Rosemarie Hofer | C. Herrlich

Gemeinsam durch die Innenstadt ziehen und Jesus Blumen streuen: Fronleichnamsprozession 2017

Schülerinnen der VIENNA BUSINESS SCHOOL besuchten im Rahmen des muslimischen Religionsunterrichtes gemeinsam mit ihrem Religionslehrer Mag. Abualwafa Mohammed am 27. Juni den Stephansdom. Unser Domarchivar Reinhard H. Gruber erklärte den interessierten Zuhörern nicht nur die Geschichte und Architektur des christlichen Gotteshauses, sondern gab auch der Spiritualität und der christlichen Botschaft breiten Raum.

Wie baut man einen Dom? Dieser spannenden Frage konnten die Teilnehmer an einer der sehr begehrten und gut besuchten Spezialführungen im und rund um den Dom im Rahmen des Stefflkirtags 2017 nachgehen. Von Karin Domany. Viele, und doch viel zu wenige Führungen – so das Feedback der Kirtagsbesucher – wurden auch in diesem Jahr wieder angeboten und waren innerhalb kürzester Zeit restlos ausgebucht. Das wussten jener Herr, der schon vor der offiziellen Öffnung unseres Infostandes nach den kostenlosen Zählkarten fragte, noch ehe sie ausgepackt waren und auch jenes Ehepaar, das sich trotz großer Hitze die Mühe machte, die eine Karte, die sie dann doch nicht benötigten, zurück zu bringen. Zwei der vielen schönen und außergewöhnlichen Erfahrungen und Begegnungen mit Menschen, die

wir Betreuer unseres Infostandes der Dompfarre Jahr für Jahr machen, und die bestätigen, dass 132 Stunden Ausharren bei großer Hitze und bei strömendem Regen sinn- und wertvoll sind. Gerührt und dankbar hüte ich noch heute jenes Lebkuchenherz, das mir eine Dame geschenkt hat, weil ich sie „so glücklich gemacht hatte“ – dabei habe ich doch nichts anderes gemacht, als ihr aufmerksam zugehört und ihr Zeit geschenkt … Der Platz Am Hof war ein guter Ausweichort für den von Baustellen geschüttelten Stephansplatz. Trotzdem freuen wir uns auf nächstes Jahr, denn

Stephansdom und Stefflkirtag gehören einfach zusammen! ■

Wir sind da. Für Sie, für Dich!

C. Herrlich | Störck: www.inshot.at | Rest privat

Der neue Pfarrgemeinderat von St. Stephan

Anlässlich der konstituierenden Sitzung des Pfarrgemeinderats am 10. Mai 2017 sind folgende Personen gewählte und bestellte Mitglieder des PGRs von St. Stephan: Mag. Ernst Wally (Stellvertretender PGR Vorsitzender), Mitglieder des Pfarrleitungsteams: Rosemarie Hofer, Anneliese Höbart und Maja Keglevic; Dipl.-Päd. Eva Maria Hirschl (Schriftführerin), Mag. Marie-Therese Störck (Präventionsbeauftragte), Sigi Czychowski, Mag. Karin Domany, Rainer Michael

Hawlicek, Christian Herrlich, Benjamin Raimerth, Yousif Rasho Amtliche und entsandte Mitglieder: Dompfarrer Toni Faber, Domkurat Liz. Timothy McDonnell, Domkurat Karl-Heinz Schlevoigt, Domkurat Mag. Stefan Jagoschütz, Diakon Mag. Gregor Richter, Sakristeidirektor Georg Rejda Rechnungsprüfer: Mag. Marie-Therese Störck und DI Dr. Thomas Ruth Mitglieder des Vermögensverwaltungsrates: Dompfarrer Toni Faber (Vors.),

Mag. Heinrich Foglar-Deinhardstein LL.M., Anneliese Höbart (Stellv. Vors.), Prof. Franz Michal, Benjamin Raimerth (Schriftführer) Ein herzliches Dankeschön an alle, die zum Gelingen der Pfarrgemeinderatswahl beigetragen haben! Möge die Arbeit in der Pfarre allen viel Freude bereiten und auch auf andere ausstrahlen. Danke aber auch all jenen, die das ganze Jahr über im Kleinen und Verborgenen Gutes wirken – vergelt’s Gott! ■

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017 37

Chronik

DOMFÜHRUNGEN Mo. bis Sa.: 10.30 (engl.) u. 15.00 Uhr Sonn- und Feiertag: 15.00 Uhr

KATAKOMBENFÜHRUNGEN Mo. bis Sa.:

10.00–11.30 Uhr und 13.30–16.30 Uhr

GRUPPENANMELDUNGEN für Dom- und/oder Katakombenführungen unter Tel: 51 552-3054 / per Fax: 51 552-35 26 [email protected]

TURMBESTEIGUNG (Südturm) täglich: 9.00–17.30 Uhr

AUFZUG ZUR PUMMERIN (NORDTURM) täglich: 9.00–17.30 Uhr

AUDIOGUIDE: (ganzjährig, Domführung inkl. evtl. Sonderausstellungen) Mo. bis Sa.: 9.00–11.30 Uhr und 13.00– 16.30 Uhr

FÜHRUNGEN FÜR KLEIN UND GROSS Spezialführungen zu verschiedenen Themen Margareta Chwatal 0664/46 22 007

ÖFFNUNGSZEITEN DES DOMES Mo. bis Sa.: 6.00–22.00 Uhr Sonn- und Feiertag: 7.00–22.00 Uhr

AUSSTELLUNG: „DER DOMSCHATZ VON ST. STEPHAN“ Mo. bis Sa. von 9.00–17.00 Uhr Sonn- und Feiertag 13.00–17.00 Uhr

ABENDFÜHRUNGEN mit Dachrundgang Juli bis September, Dauer ca. 90 min Treffpunkt: Südturm Kassa Nähere Informationen und Preise:

Seit dem letzten Pfarrblatt zu Ostern 2017 wurden getauft Anouk Pop-Bader, Emilya Helmy-Bader, Jason Komrij, Besarta Fazlija, Beatrix Maly, Dr. Matthew Masry, Lea Lenz, Oliver Forbes, Leopold Benda, Felix Steurer, Constantin Hartig, Máxima Vanicek, Matteo Masek, Amelie Ungerböck, Constanza Reinisch, Julian Lachmann, Thiago Gloria, Darian Penker, Nico Strasser, Theodor Bamberg, Anna Absy, Liana Sirimalwatta, Eric Sael, Ella Donhauser, Lena Hauer, Marie Werfring, Erik Csordás, Victoria Paulhart, Bruno Eisner, Vincent Eisner, Livia Reindl, Marie-Luise Wagner, Róbert Szabados, Luisa Bracher, Valentina Hofer, Vita Gnjatic, Eliza Bounggick, Oscar Ermantraut, Kamila Beledi, Julian Haneder, Thomas Truzla, Frida Habersohn, Katharina Schieferle, Lia BaseleresGruber, Johanna Mannagetta-Gutmann, Helene Mutzke, Manuel Schönhacker, Anna Biedermann, Elisa Biedermann, Laurenz Lechner, Simon Posch, Felix Posch, Paula Plank-Maderbacher, Fanny Seidl, Kara Stark, Sajni Bhalla, Matteo Marino, Emma Baumgartner, Julia Klauser, Anna Mateo Seebacher, Emilia Düh, Egon Hofmann, Samira Pecksteiner, Johann Nowotny-Häusler, Nicolas Nindl, Viktoria Springer, Hannah Lang, Francine Lipana-Fernandez und Chayenne Friedl

Getraut wurden Gernot Grosz mit Christa Hafenscherr MBA, Austin Omoregie mit Anna Mucha, MMag. Stefan Tomek mit Dr. Magdalena Gosk,

Tief betroffen Wir trauern um unseren Mitarbeiter des Vereins „Unser Stephansdom“ Mag. Roman Szczepaniak, der kurz vor Drucklegung dieses Pfarrblatts verstorben ist. Unser Gebet und unser ganzes Mitgefühl gilt seiner Familie.

www.stephanskirche.at 38 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017

Pfarrausflug . zum Schloss Niederweiden und ins Naturreservat Marchauen. Am So, 29. Oktober 2017. Herzliche Einladung!

Karl Dankl mit Aurelia Arcanjo da Silva, Dr. Winfried Pinggera mit Christina Ochsner, Ing. Philipp Jodl mit Dr. Iris Uras, Markus Stüber mit Michaela Bakalla, Eduard Frauneder mit Tracy-Ann Moo, Florian Aue mit Clara Ondrasch, Prof. Dr. Markus Margreiter mit Dr. Raffaela Ritter, Sami Samawi mit Marina Maayeh und Dr. Matthew Masry mit Martina Abou Ajram

Von uns gegangen sind Prof. Dr. Karl Korinek, Alice Hermine Rutherford, Adele Schabhietl, Alfred Samer, Dr. Matthäus Vitsich, Johannes Ziganek, Gerta Pfleger-Haisler, Katharina Steindl, Dr. Carl Manner, Pater Paul Mair SJ, Johann Christoph Allmayer-Beck, Dkfm. Paul Mailath-Pokorny, Christine Senn, DI Ludwig Wieser, Maria Luger, Konsistorialrat Pater Alois Bachinger OSFS, Hella Nepp, Martina Neversal-Over, Hilde Nagelreiter, Gabriele Trimmel, Univ.-Prof. DDr. Franz Gerstenbrand, Gertraud Denison, Margarethe Muttenthaler, Univ. Prof. Arch. Paolo Piva, Friederike Beneder, Margareta Merliczek, Herta Pirker

Wir trauern um ▶ um unsere sehr verdiente und liebe Frau Dr. Dkfm. Eveline Elliott, die sich in St. Stephan vielfältig, besonders für die Pfarrcaritas engagierte.

Elliott | Szczepaniak: Unser Stephansdom | Domany

Besichtigungen und Führungen in St. Stephan..

Buchempfehlung

Bischof und fröhlicher Christ Von Ingeborg Schödl Im November dieses Jahres hätte Florian Kuntner sein 40-jähriges Bischofsjubiläum feiern können. Auch zwei Jahrzehnte nach seinem Tod lebt die Erinnerung an ihn, den viel zu früh Verstorbenen, im Herzen vieler Menschen weiter. Kuntner verkörperte ein fröhliches, mitreißendes Christentum. Für diplomatische Formulierungen hatte er nicht viel übrig, sondern sagte stets das, was er dachte, ob gelegen oder nicht. Sein ganzer Einsatz als Priester gehörte dem Aufbau lebendiger Gemeinden, dem auch sein bischöflicher Wahlspruch „Sorge um die Gemeinden“ (2 Kor 11,28) entsprach. Den Vorwurf, „Bischof der Linken“ zu sein, handelte er sich durch seinen kompromisslosen Einsatz für den Frieden und gegen jede Art von Menschenrechtsverletzungen ein. Florian Kuntner wurde am 22. März 1933 als achtes Kind einer Bergbauernfamilie in Kirchberg am Wechsel geboren. Priester zu werden, dafür entschied er sich schon sehr früh. Am 29. Juni 1957 er-

folgte die Weihe durch Kardinal Franz König. Durch das Zweite Vatikanische Konzil eröffnete sich für ihn eine neue Sicht auf das was Kirche sein soll, die ganz seinem Denken und Fühlen entsprach. Den Geist des Konzils in den Pfarrgemeinden zu realisieren, wurde zu seinem Lebensziel. Als Pfarrer in Piesting wurde er zum ersten Bischofsvikar des neuen Vikariats „Unter dem Wienerwald“ bestellt. Eine weitere Station war die des Dompropstes von Wiener Neustadt. Am 20. November 1977 wurde er gemeinsam mit Helmut Krätzl zum Weihbischof der Erzdiözese Wien geweiht. Neben vielen anderen Funktionen hatte er auch die eines Nationaldirektors der Päpstlichen Missionswerke Österreichs und des Präsidenten von „Pax Christi“ inne. Kuntners voller Einsatz galt auch der Entwicklung neuer pastoraler Konzepte, welche die veränderten Lebensbedingungen der Menschen aufgreifen sollten. Dass dies nur gemeinsam mit den

Laien, Männern wie Frauen, geschehen kann, war für ihn eine Selbstverständlichkeit. Florian Kuntner starb, erst 61 Jahre alt, am 30. März 1994 an den Folgen einer Tropenkrankheit. ■

Ingeborg Schödl

FLORIAN KUNTNER

Vom Lausbuben zum Bischof

Ingeborg Schödl: „Florian Kuntner – Vom Lausbuben zum Bischof“, Tyrolia Verlag 2017

Herzliche Einladung zur Buchpräsentation

Mock: Georg Pulling/Kathpress

»Die Kathedrale – Heimat der Seele« von Gernot Candolini am Donnerstag, 30. November 2017 um 19.30 Uhr im Leosaal, Stephanspl. 3, 4. Stock

Requiem für Dr. Alois Mock Am 13. Juni 2017 fand das Requiem für Dr. Alois Mock statt. Der frühere Außenminister war ein häufiger Gottesdienstbesucher und dem Dom sehr verbunden. Weihbischof Krätzl sagte Dank für seine Verdienste und Leistungen für Österreich, vor allem aber für sein Zeugnis als christlicher Politiker.

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017 39

Buchempfehlung

Die neue revidierte Einheitsübersetzung. Aus der Sicht des Alttestamentlers Ludger Schwienhorst-Schönberger Von ihren Anfängen an liest die Kirche ihre Heilige Schrift in verschiedenen Übersetzungen. Darin artikuliert sich der universale Anspruch der biblischen Botschaft. Die in der Bibel bezeugte Wahrheit soll von allen Völkern und Kulturen gehört, gelesen und verstanden werden. Die Kirche verehrt nicht den geoffenbarten Wortlaut eines Buches. So gesehen ist das Christentum keine Buchreligion. Christen glauben an Gott, nicht an die Bibel. Der Gott, an den die Christen glauben, hat nicht nur etwas mitgeteilt, sondern sich selbst. Diese Selbstmitteilung Gottes wird in Bibel bezeugt. In diesem Sinne ist die Bibel nicht das Wort Gottes, sondern sie bezeugt das Wort Gottes, das nach christlichem Verständnis in Jesus Christus Fleisch geworden ist. Dieses Zeugnis will nicht nur feierlich rezitiert, sondern auch verstanden werden. Deshalb gehören Bibelübersetzungen zum Selbstverständnis der Kirche. Das Zweite Vatikanische Konzil hat ausdrücklich daran erinnert.

Moderate Revision Bereits vor dem Konzil, im Jahre 1961, fassten die katholischen Bischöfe des deutschsprachigen Raums den Beschluss, eine neue Übersetzung der Bibel aus den hebräischen und griechischen Urtexten für den kirchlichen Gebrauch zu erstellen. Im Jahre 1971 wurde die erste für den gesamten deutschsprachigen Raum verbindliche katholische Bibelübersetzung, die sogenannte Einheitsübersetzung, von den Bischöfen approbiert. Im Jahre 2006 vereinbarten die Bischöfe auf vielfach geäußerten Wunsch eine „moderate Revision“. Diese liegt nun seit einem Jahr vor. Warum wurde die Einheitsübersetzung revidiert und was hat sich geän40

dert? Grundsätzlich hat sich die Einheitsübersetzung bewährt. Deshalb wurde keine vollständig neue Übersetzung angefertigt, sondern die vorhandene überarbeitet. Die Revision lässt eine klare Tendenz in Richtung einer sogenannten quellsprachenorientierten Übersetzung erkennen. Das heißt, die Übersetzung wurde wieder stärker an den Wortlaut des zu übersetzenden Textes angeglichen, unter Umständen auch unter Inkaufnahme einer gewissen Härte in der Zielsprache. Die bisherige Einheitsübersetzung hat an vielen Stellen den biblischen Text recht frei übersetzt. Sie hat dies vor allem mit Rücksicht auf das Stilempfinden eines deutschsprachigen Lesers getan. Dabei gingen jedoch Eigenarten des biblischen Textes verloren, die für dessen Verständnis von Bedeutung sind. Eines dieser Prinzipien ist die Wortwiederholung. Mit der Wiederholung von Worten werden Zusammenhänge zwischen biblischen Texten hergestellt, die leicht überhört oder überlesen werden. Dazu ein Beispiel: Die Seligpreisungen der Bergpredigt beginnen mit dem Wort „selig“. Seligpreisungen gibt es aber bereits im Alten Testament. Der Psalter wird mit einer Seligpreisung eröffnet. Die bisherige Einheitsübersetzung hat Ps 1,1 mit: „Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt ...“ wiedergegeben. Die Revision hat den Vers jetzt mit: „Selig der Mann, der nicht nach dem Rat der Frevler geht ...“ übersetzt. Dieses Prinzip der sogenannten konkordanten Übersetzung macht deutlich, dass die Bibel ein Netz fein aufeinander abgestimmter Texte bildet. In diesem Sinne ist die Bibel nicht nur eine Bibliothek, sondern auch ein Buch. Wir sprechen von der Einheit der Schrift. Auch wenn das Prinzip der konkordanten Übersetzung nicht immer konsequent durchgeführt wurde, wo es hätte geschehen können, so ist mit der Revision doch ein Text entstanden, der dazu ein-

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017

Ludger SchwienhorstSchönberger ist Professor für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Universität Wien lädt, die vielfältigen Zusammenhänge und Verweise zwischen den einzelnen biblischen Schriften zu entdecken und darüber nachzudenken.

Schreibweise des Gottesnamens: „Herr“ Eine weitere Änderung betrifft den Gottesnamen. Die alte Einheitsübersetzung hatte den hebräischen Gottesnamen JHWH, das sogenannte Tetragramm, in den meisten Fällen mit „der Herr“ wiedergegeben, an einigen Stellen aber auch mit „Jahwe“ (z. B. in Dtn 6,4: „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig.“). Die Revision hat den Gottesnamen konsequent mit „der Herr“ (in Kapitälchen geschrieben) wiedergegeben. Dtn 6,4 lautet jetzt: „Höre, Israel! Der Herr, unser Gott, der Herr ist einzig.“ Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass der Gottesname etwa seit dem 3. Jh. v. Chr. und damit auch zur Zeit Jesu wie im Judentum bis heute nicht ausgesprochen wird. In Ps 110,1 heißt es jetzt: „Es sprach der Herr zu meinem Herrn.“ Wer die revidierte Einheitsübersetzung sorgfältig liest, wird merken, dass der Text zumindest in einigen Schriften stärker revidiert wurde als es der Begriff „moderate Revision“ nahelegt. Besonders die Übersetzung der Psalmen wurde gründlich überarbeitet. Über einzelne Übersetzungen wird man immer streiten können. Insgesamt jedoch kann die Revision als ein gelungenes Projekt angesehen werden, das sich wirklich gelohnt hat und gemäß der Forderung des Konzils dazu beigetragen hat, dass den „Christgläubigen der Zugang zur Heiligen Schrift weit offenstehen muss.“ ■

Schwienhorst-Schönberger

Christen glauben an Gott, nicht an die Bibel

Ein- und Ausblicke

»Und schaut der Steffl lächelnd auf uns nieder…« Seien Sie gegrüßt! Nach einem für Sie hoffentlich erholsamen Sommer freue ich mich, Ihnen wieder ein paar Gedanken von hoher Warte aus übermitteln zu können. Und diesmal beginne ich mit einem Blick zurück in die Geschichte. Ich erinnere mich an ein Ereignis, das genau 169 Jahre zurückliegt. Im Revolutionsjahr 1848 kam es zu einer schrecklichen Bluttat: Es gab einen Mord im Stephansdom. Am 6. Oktober verhinderte eine aufgehetzte Menschenmenge den Ausmarsch eines Grenadierbatallons am Tabor. Die Folge waren viele Tote. Die Nationalgarde im Kärntnerviertel, die gegen die Ausschreitungen operierte, schirmte die Domkirche ab und verriegelte den Aufgang zum alten Steffl, um das Sturmläuten zu verhindern. Gegen 14 Uhr kamen aus der Vorstadt Wieden Nationalgardisten, die sich mit den Aufständischen verbündet hatten, und eröffneten das Feuer auf die Kärntnerviertler, von denen viele ins Innere der Kirche flüchteten und sich verschanzten. Die Wiedner schlugen daraufhin das Riesentor ein und stürmten die Kirche. Es kam zu einem wilden Kampf, ein Leutnant der Kärntnerviertler namens Drechsler verblutete in der Nähe des Eingangs zur Unteren Sakristei beim heutigen Leopoldi-Altar. Die Zeitungen titulierten damals: „Blutiger Kampf in der Stephanskirche!“ Die Einschuss-Stelle einer Gewehrkugel und das eingravierte Datum neben der Lavabo-Nische des Leopoldi-Altares erinnern bis heute an dieses tragische Ereignis.

Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Mord an heiliger Stätte Der Dom war durch dieses blutige Ereignis entweiht. Noch in der Nacht vollzog der damalige Weihbischof Matthias Pollitzer an der Stelle des Geschehens einen Versöhnungsritus. – Einen ähnlichen Ritus vollzog übrigens der Erzbischof von Rouen vor einem Jahr in der Kirche SaintÉtienne-du-Rouvray nach dem schreckli-

chen Mord an dem Priester Jaques Hamel. – Unter dem Beten der Bußpsalmen und dem Rezitieren der entsprechenden Gebete wurden der Boden und die Wände mit Gregoriuswasser gereinigt. Dieses spezielle Weihwasser verwendete man zur Lustration, also zur kultischen Reinigung, wodurch eingedrungenes Unheil vertrieben oder drohendes abgewehrt werden sollte. Weitere Anlässe der Verwendung dieses Wassers waren die Kirch- und Glockenweihe, verschiedene Prozessionen wie die Bitt-Tage oder eben nach einer Entweihung. Die spezielle Mischung des Wassers führte man fälschlicherweise auf Papst Gregor den Großen zurück. Sie bestand aus Wasser, Salz, Asche und Wein. Für jede Beimischung gab es eine eigene Deutung. Die Asche beispielsweise entsteht durch die reinigenden Flammen des Feuers.

Mit allen Wassern gewaschen Das alles ist nun schon sehr lange her. Seit diesem Ereignis musste kein solcher Ritus mehr im Dom vollzogen werden. Aber man könnte sagen, dass der Dom mit allen Wassern gewaschen wurde. Und zwar im eigentlichen Sinn, sehr wohl aber auch im übertragenen Sinn dieser Redewendung. Heute ist dieser Satz eher negativ konnotiert, ursprünglich – er kommt aus der Seemannssprache – zeugte er vom Respekt vor einer Person, die viel Lebenserfahrung sammeln konnte und deshalb ein gesuchter Ratgeber war. Gute Ratgeber hat es im Lauf der Geschichte im Dom viele gegeben: Heilige, große Prediger, Erzbischöfe und stille Seelsorger. Die Menschen bedürfen immer wieder der Reinigung, Rituale können dabei helfen. Im Beichtund Aussprachezimmer des Domes besteht dafür die Gelegenheit, wo hoffentlich erfahrene Priester in einem guten seelsorgerlichen Gespräch oder im Sakrament der Versöhnung im Namen des Herrn die Seele reinwaschen können.

Vielleicht tut Ihnen solch eine „Seelendusche“ auch wieder einmal gut. Sie sind jederzeit willkommen! Die Möglichkeit dafür gibt es übrigens nicht nur im Stephansdom … Mit einem herzlichen „Grüß Gott!“

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017 41

Feste im Kirchenjahr

Fest Mariä Namen Am 12. September feiert die Kirche dieses Fest, dessen Verbreitung besonders mit Wien verbunden ist. Erzbischof Franz Lackner über seinen persönlichen Weg mit Gott, seine Erfahrungen mit dem Rosenkranz und das so wichtige Gebet um Frieden Durch die Gebetsbewegung von P. Petrus und die damit verbundene MariäNamen-Feier hat das Fest des Heiligsten Namen Mariens für mein persönliches Gebetsleben Bedeutung erlangt. Die Kirche feiert es alljährlich am 12. September. In Anlehnung an die besonders im Franziskanerorden entstandene Hochachtung des Namens Jesu, lädt es ein, den Namen Mariens zu verehren.

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner bei der Mariä-Namen-Feier im Stephansdom Ein persönliches Zeugnis am Beginn: Als UNO-Soldat in Zypern hatte ich viel Zeit und war innerlich leer. Beim Lesen der Heiligen Schrift, als ich zu der Stelle kam, wo Jesus sagt „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!“, da war es, als ob Gott an mir vorüberging. Ich konnte nicht mehr weiterlesen, so sehr hat mich diese Berührung mit Gott getroffen. Der Wunsch zu beten wuchs

Herzliche Einladung zur Mariä Namen-Feier 2017 Am Sa 9. 9. und So 10. 9. 2017, jeweils 15.00 Uhr im Stephansdom Glaubenszeugnis von Bischof Dr. Erwin Kräutler – Rosenkranz – Eucharistiefeier Hauptzelebrant: Sa: Erzbischof Mag. Dr. Franz Lackner OFM So: Erzbischof Kardinal Dr. Christoph Schönborn OP Musik: ARS MUSICA + LorettoGemeinschaft; Musikverein Rudolfsheim-Fünfhaus Im Anschluss an die hl. Messe am Sonntag: Prozession mit der Fatima-Statue über Graben und Kohlmarkt zum Josefsplatz

sehr in mir. Zu meinem Erschrecken hatte ich jedoch den guten Glauben meiner Eltern verloren. Zwischen Kindheit und meinem damaligen Alter waren ja nur wenige Jahre vergangen. Fast zufällig fiel mir eine Broschüre in die Hände: „Bete täglich den Rosenkranz!“ Meine erste Reaktion war: „Unmöglich!“. Schließlich bestellte ich doch dieses Heftchen mit der Anleitung zum Rosenkranzgebet. Für mich war jedoch klar, täglich den Rosenkranz zu beten, geht nicht, zumal ich ja Wasserwagenfahrer war und von früh bis spät immer mit einem Beifahrer unterwegs war. Meine erste tiefe Erfahrung war: das Gebet trägt. Das Unmögliche wurde möglich: Es ergab sich, ich konnte jeden Tag den Rosenkranz beten. Später lernte ich als junger Student den Rosenkranzsühnekreuzzug kennen. Bei einer Mariä-Namen-Feier in der Wiener Stadthalle konnte ich von der Ferne den Gründer, P. Petrus Pavlicek, erleben. In einer Zeit der Dunkelheit und Krise suchte ich Zuflucht bei P. Petrus und bat um seine Hilfe. Mit dem Rosenkranz in der Hand fand ich Zuversicht, wie auch Hoffnung. Ich konnte den Weg der Nachfolge weitergehen.

42 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017

Die Verbreitung des Fests ist untrennbar mit Wien verbunden, führte es doch Papst Innozenz XI. (1676–1689) für die Gesamtkirche ein, nachdem 1683 die zweite Belagerung Wiens durch die Osmanen unter dem Oberbefehl des polnischen Königs Johann III. Sobieski beendet werden konnte. Damals wurde dem Heer ein Banner mit der Schutzmantelmadonna vorangetragen. Gerade auch heute braucht es das Gebet für den Frieden. Die Welt ist voller Krisenherde, Kriege bedrohen den Frieden. Bei der Mariä-Namen-Feier, die über Jahrzehnte seit 1958 in der Wiener Stadthalle und seit 2011 im Stephansdom stattfindet, wird um einen Frieden gebetet, wie Gott ihn gibt, den die Welt aber nicht geben kann. Im vorderen Orient, Ursprungsort unseres Glaubens, wo Gott in Jesus Christus als Friedensfürst über diese Erde geschritten ist, wird dieser Friede aufs Schmerzlichste vermisst. Diesen Heilsorten, an denen Menschen heute soviel Unheil durchleiden müssen, schulden wir unser Gebet. Über all dem ist aber nicht zu vergessen, dass auch dort, wo keine Kriege herrschen, sich in den Herzen der Menschen Unfriede finden kann. Möge die Mutter Gottes, deren Namen wir alljährlich am 12. September eingeladen sind zu verehren, uns den Segen Gottes erbitten, wenn wir um Frieden für die Welt beten! ■

Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Bitte um Frieden

Heilige im Dom

Johannes der Täufer

Jung: Schottenstift | Domarchiv

Er ist Vordenker, Wegbereiter und Prophet, der sein Leben für seine Überzeugung lassen musste. Abt Johannes Jung OSB über seine persönliche Beziehung zu Johannes dem Täufer und dessen Bedeutung für uns heute Natürlich habe ich zum Täufer eine besondere Beziehung, ist er doch mein Namenspatron und damit ausdrücklich „zuständig“ für mich, seit ich ins Kloster aufgenommen wurde. Doch so einfach ist das nicht, begegnet er mir doch in ganz verschiedenen Gestalten, die von der Heiligen Schrift überliefert werden. Am bekanntesten ist wahrscheinlich die erste Phase im Leben des Johannes. Das Lukasevangelium setzt seine Geburt mit der Jesu parallel und macht deutlich, dass Gott selbst seine Hand über das Leben beider hält; eindrucksvoll die Begegnung der werdenden Mütter mit dem Gruß nicht nur Elisabets, sondern auch des ungeborenen Johannes; die Geburt selbst, deren Bedeutung von Engeln herausgestellt wird, die schon die Schwangerschaft Elisabets bzw. Marias angekündigt hatten. Und mitten in diesen sorgfältig komponierten Dialogen, Hymnen, Zweifeln und Lösungen fällt der Ausspruch des Engels über den Täufer: Er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und berauschende Getränke wird er nicht trinken und schon vom Mutterleib an wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein. Viele Kinder Israels wird er zum Herrn, ihrem Gott hinwenden. Er wird ihm mit dem Geist und mit der Kraft des Elija vorangehen, um die Herzen der Väter den Kindern zuzuwenden und die Ungehorsamen zu gerechter Gesinnung zu führen und so das Volk für den Herrn bereit zu machen (Lk 1, 15-17). Die Geburtsgeschichte zeichnet Johannes also als „Vorläufer“, griechisch pródromos, dessen Beitrag zur Heilsgeschichte es ist, dem Herrn den Boden zu bereiten für die Verkündigung der Herrschaft Gottes. Damit ist die Weite, aber auch die Begrenzung seiner Sendung umschrieben. Entsprechend beschreiben alle vier Evangelien sein Taufen am Jordan als Ouvertüre für Jesu eigenes Wirken. Markus (1, 7-8) legt ihm in den Mund: Nach mir

kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. Dass Jesus sich von ihm am Jordan taufen lässt, wird die einzige Begegnung der beiden durch ihre Geburt so verbundenen Männer sein. Johannes sammelt eine eigene Jüngergemeinschaft um sich, die anders als die Jünger des Herrn fasten; Johannes sind sie bis zu seinem Tod treu, ein Teil von ihnen hat sich später den Christen angeschlossen. Über die Bedeutung Jesu scheint Johannes, den Herodes Antipas in den Kerker hatte werfen las-

Gedenktag: 24. Juni Prophet, Täufer Jesu, Märtyrer Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.) Darstellungen im Dom: Johannesaltar mit Bild von J. M. Rottmayr, 1708. Als Assistenzfigur am Altar „Maria in der Sonne“, 1699. Am Wr. Neustädter Altars, 1447. An der Brüstung des Friedrichsgrabs, um 1513. Pfeilerfigur im Mittelchor (Südseite), um 1340. Pfeilerfigur im Nordchor, 1893. Pfeilerfigur im Langhaus (Nordseite), um 1450. Zwei Pfeilerfiguren im Langhaus, um 1450. In der Taufkapelle (Bekrönung der Taufkrone), 1481. Pfeilerfigur in der Kreuzkapelle, 1855. Medaillon der Taufe Christi am Lavabo in der Ob. Sakristei, 1722. Auf der mittelalterlichen Wandmalerei auf der Westempore, um 1250. Am rechten äußeren Gewände des Singertores, um 1360. Als Assistenzfigur am Johannes Nepomuk Altar, 1723

Abt Johannes Jung leitet die Benediktinerabtei „Unserer Lieben Frau zu den Schotten“ sen, sich zuletzt unsicher gewesen zu sein, denn er schickt Jünger zu ihm mit der Frage: Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? (Mt 11, 3). Die Antwort Jesu soll Johannes nicht nur Gewissheit geben, sondern reiht, fast wirkt es schon als Grabrede, den Täufer in die Schar der Propheten ein. Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer, doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er (Mt 11, 11). Das Prophetenschicksal des gewaltsamen Todes ereilt den Täufer schließlich auf Grund der Kritik an der unrechtmäßigen Eheschließung Herodes Antipas’, dessen Frau die Enthauptung des bereits Gefangenen durchsetzt. Doch haben auch die Evangelien sein Andenken bewahrt und zeichnen ihn als Heiligen zwischen den Testamenten. Gefragt nach seiner Bedeutung für heute ergeben sich durch diesen kurzen Überblick schon verschiedene geistliche Situationen: 1. Das „Vorläufer-Sein“: zu wissen, dass die Botschaft, die man verkündet, noch nicht das „Evangelium“ ist, aber auf das Größere, das noch kommen soll, hinweist und einem Anderen, Jesus, den Weg bereitet; 2. die Mahnung zur Umkehr, zur Änderung des Lebensstils, als Voraussetzung dafür, das künftige Heil zu sehen; 3. die Konsequenz der Predigt und des eigenen Lebens; Dinge beim Namen zu nennen, die nicht gerne gehört werden, auch wenn persönlicher Schaden droht. Es freut mich sehr, Johannes’ Namen zu tragen; es ist eine beständige Herausforderung. Ich darf auf etwas Größeres zeigen – wie der Johannes des Matthias Grünewald auf den Gekreuzigten. ■

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017 43

Aus Chronik der Dompfarre

Einige Termine zum Vormerken September Sa 9. 9. 15.00 Uhr Mariä Namen-Feier mit Erzbischof Lackner So 10. 9. 15.00 Uhr Mariä Namen-Feier mit Kardinal Schönborn Di 12. 9. 20.00 Uhr Gebetsstunde für die Anliegen der Dompfarre (Barbarakapelle) Do 14. 9. 18.00 Uhr Sendungsfeier für die Religionslehrer mit Kardinal Schönborn Mi 20. 9. 19.00 Uhr Hl. Messe für Leidende und Kranke So 24. 9. Sonntag der Völker 10.15 Uhr Festgottesdienst mit Weihbischof Scharl

Oktober Täglich (Mo–Sa) um 17.00 Uhr Rosenkranzandacht beim Wiener Neustädter Altar. (Näheres siehe Rosenkranzmonat Oktober, Seite 46) Di 3. 10. 18.00 Uhr Sendungsfeier für die Pastoralassistenten und Jugendleiter mit Kardinal Schönborn Mi 4. 10. Hl. Franziskus 17.00 Uhr Tiersegnung am Stephansplatz mit Dompfarrer Faber (Andacht entfällt) 18.00 Uhr Neupriesterfeier: Hl. Messe mit den neu geweihten Priestern des Canisiuswerks und anschließend Primizsegen Do 5. 10. 18.00 Uhr Festgottesdienst der Wiener Ordensspitäler mit Erzbischof Lackner Fr 6. 10. 19.00 Uhr Herz-Jesu-Messe Mo 9. 10. 20.00 Uhr Gebetsstunde für die Anliegen der Dompfarre (Barbarakapelle) Do 19. 10. 19.00 Uhr Jägermesse mit Bischof Zsifkovics Sa 21. 10. 12.00 Uhr Hl. Messe zum Gedenktag des sel. Kaiser Karl mit emer. Militärbischof Werner So 22. 10. Weltmissionssonntag Di 24. 10. 16.00 Uhr Friedensgebet: Medjugorje-Feier mit Kardinal Schönborn Mi 25. 10. 19.00 Uhr Hl. Messe für Leidende und Kranke Fr 27. 10. 19.00 Uhr Stunde der Barmherzigkeit So 29. 10. Pfarrausflug zum Schloss Niederweiden und ins Naturreservat Marchauen

November Mi 1. 11. – Allerheiligen 10.15 Uhr 16.30 Uhr Do 2. 11. – Allerseelen 17.00 Uhr 18.00 Uhr Mo 6. 11. 18.00 Uhr Di 14. 11. 18.00 Uhr Mi 15. 11. Hl. Leopold 18.00 Uhr 20.00 Uhr Sa 18. 11. 12.30 Uhr So 19. 11. 12.00 Uhr Di 21. 11. 18.00 Uhr Fr 24. 11. 19.00 Uhr So 26. 11. Christkönig 09.00 Uhr 10.15 Uhr Mi 29. 11. 19.00 Uhr

Pontifikalamt mit Kardinal Schönborn Vesper mit Kardinal Schönborn Totengedenken/Gräbergang mit Dompfarrer Faber Requiem für alle Verstorbenen mit Kardinal Schönborn Gedenkmesse der ÖJAB Bauinnungsmesse mit Dompfarrer Faber Hochamt mit Dompropst Pucher Gebetsstunde für die Anliegen der Dompfarre (Barbarakapelle) Im Curhaus „Spanferkel & Bier für die Armen von Wien“ – ein außergewöhnliches Festmahl für außergewöhnliche Gäste (Zählkarten: Pforte der Franziskaner, von Do 9. 11. bis Fr 17. 11. 2017) Hl. Messe mit Christian Solidarity International mit Msgr. Schlegl Festgottesdienst zum Weihetag der Curhauskapelle mit Dompfarrer Faber Stunde der Barmherzigkeit Jungscharaufnahme in der Pfarrfamilienmesse Festmesse zum 40-jährigen Bischofsjubiläum von Weihbischof Krätzl Hl. Messe für Leidende und Kranke

44 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017

30+

+ Da die interessanten kulturellen Veranstaltungen des Frauen_ Impuls auch bei Herren sehr beliebt sind, wird eine Umbenennung der Veranstaltungsreihe angedacht. Jedenfalls wird es ab Oktober wieder geistreiche und unterhaltsame Abende geben. Näheres dann im Wochenblatt bzw. auf www.dompfarre.info

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Frauen _ Impuls

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Spenderdankmesse Adventkranzsegnung mit Dompfarrer Faber So 3. 12. 18.00 Uhr Hl. Messe für Menschen mit Behinderung mit Dompfarrer Faber Mi 6. 12. 17.00 Uhr Herbergssuche Fr 8. 12. – Mariä Empfängnis 10.15 Uhr Hochamt mit Kard. Schönborn 16.00 Uhr Immaculatafeier (Beginn bei der Mariensäule auf dem Platz Am Hof) mit Kard. Schönborn Sa 9. 12. 18.00 Uhr Chrysostomus-Liturgie anl. des Patroziniums St. Barbara im byzantinischen Ritus mit Kardinal Schönborn Di 12. 12. 20.00 Uhr Gebetsstunde für die Anliegen der Dompfarre (Barbarakapelle) Mi 13. 12. 17.00 Uhr Herbergssuche Fr 15. 12. 6.30 Uhr Pfarr-Rorate mit anschl. Frühstück 19.00 Uhr Stunde der Barmherzigkeit So 17. 12. 9.00 Uhr Ministrantenaufnahme in der Pfarrfamilienmesse Mi 20. 12. 17.00 Uhr Herbergssuche Do 21. 12. 18.00 Uhr Festgottesdienst zum Gründungstag von Mariazell in der Curhauskapelle Fr 22. 12. 6.30 Uhr Pfarr-Rorate mit anschl. Frühstück So 24. 12. 15.00 Uhr Kinder-Krippenandacht mit Dompfarrer Faber 16.30 Uhr Vesper mit Kardinal Schönborn 24.00 Uhr Christmette mit Dompf. Faber (Kurzfristige Änderungen vorbehalten. Aktuelle Informationen unter www.dompfarre.info)

Dompfarramt St. Stephan, Pfarrblatt

12.00 Uhr 17.00 Uhr

Druckerei Zimmer & Zimmer GmbH FN084623x

Sa 2. 12.

Dompfarramt St. Stephan, Pfarrblatt

Dezember

Rosenkranzmonat Oktober Im Oktober feiern wir im Dom täglich (Mo. bis Sa.) um 17.00 Uhr Rosenkranzandacht beim Wiener Neustädter Altar. An folgenden Tagen findet die Andacht mit Predigt und musikalischer Gestaltung statt: So 1. 10.

Marienfeier zur Eröffnung des RK-Monats (Rosenkranz, Lichterprozession, Pontifikalamt) mit Weihbischof DI Mag. Stephan Turnovszky Fr 6. 10. Regens Kan. Dr. Richard Tatzreiter Mi 11. 10. Dompfarrer Toni Faber Do 19. 10 Abtpräses P. Dr. Maximilian Heim OCist Mo 23. 10. Hochmeister Generalabt Dr. Bruno Platter OT Do 26. 10. Marienfeier „Schutzfrau Österreichs“ (Festandacht, Lichterprozession, Eucharistischer Segen, Pontifikalamt „Für das Vaterland“, Geläute der Pummerin) mit Erzbischof Dr. Franz Lackner Di 31. 10. Prälat Karl Rühringer Feierliche Schlussandacht Zur Vorbereitung auf das Friedensgebet mit Kardinal Schönborn am 24. 10. laden wir ab 15. 10. täglich um 17.00 Uhr herzlich zur Novene ein. (Mit Ausnahme von 19. und 23. 10.)

Herzliche Einladung . zum Kleiderflohmarkt von St. Stephan am 30. 9.–1. 10. 2017 Warenabgabe: ab Freitag, 22.9. bis Donnerstag, 28.9. (bitte NUR Kleidung, Schuhe, Taschen, Hüte) Verkauf: im Klemenssaal, 1010 Wien, Stephansplatz 3, Sa 10–17 Uhr, So 10–15 Uhr

Danke, dass Sie unser Pfarrblatt lesen! Die Produktion eines Heftes kostet rund 5 Euro. In den vergangenen Jahren konnten wir mit den eingelangten Spenden im Schnitt etwa ein Viertel der anfallenden Jahreskosten decken. Wenn Sie uns weiterhin unterstützen möchten, überweisen Sie bitte Ihren finanziellen Beitrag mit Zahlschein auf unser PfarrblattKonto! Herzlichen Dank!

privat

Das ist es mir wert .

Foto: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Mit Ihnen beginnt die Energiezukunft. Danke, Wasserkraft!

Machen Sie jetzt den Schritt in eine nachhaltige Energiezukunft: mit sauberer Energie, GKIGPGO5QPPGPUVTQOKPVGNNKIGPVGP2TQFWMVGPHØTOGJT'PGTIKGGHƂ\KGP\QFGTKPPQXCVKXGP Energiedienstleistungen. Wie einfach Sie sich die Energiezukunft zu Ihnen nach Hause holen können, erfahren Sie auf www.verbund.at

Energieträger: Wasserkraft

100 %

Stromkennzeichnung gem. § 78 Abs.1 und 2 ElWOG 2010 und Stromkennzeichnungs-VO 2011 für den ZeitPfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2017 47 TCWODKU&WTEJFGPXQTNKGIGPFGP8GTUQTIGTOKZHCNNGPYGFGT%1'OKUUKQPGPPQEJ TCFKQCMVKXG#DHÀNNGCPFGT0CEJYGKUGUVCOOGPCWU²UVGTTGKEJ

Zum Nachdenken

So erreichen Sie uns: Dompfarrer

Geheimnisvoll ist das Wasser. Ganz rein und schlicht. – „keusch“ hats der heilige Franziskus genannt. Ganz anspruchslos, als wolle es für sich selbst nichts bedeuten. Selbstlos gleichsam; nur dafür da, anderem zu dienen, rein zu machen und zu erquicken. Aber hast du einmal gesehen, wo es in großer Tiefe stillstand, und dich mit fühlender Seele hineinversenkt? Hast du da gespürt, wie geheimnisvoll die Tiefe war? Wie es schien, als sei’s da drunten aller Wunder voll, lockender, schauriger? Oder hast du einmal gehorcht, wenn es im Strom daherbraust, immerzu strömt und rauscht, strömt und rauscht? Oder die Wirbel kreisen, strudeln, ziehen? Da kann so schwermütige Gewalt daraus aufsteigen, dass das Menschenherz sich losreißen muss … Geheimnisvoll ist das Wasser, schlicht, klar, selbstlos; bereit, reinzuwaschen, was beschmutzt ist, zu erquicken, was dürstet. Und zugleich unergründlich, ruhelos, voller Rätsel und Gewalt; niederlockend in den Untergang. Recht ein Gleichnis der geheimnisvollen Urgründe, aus denen das Leben strömt und der Tod ruft; ein Gleichnis des Lebens selbst, das so klar scheint, und so rätselhaft ist.

Andreas Hermsdorf / pixelio.de

aus: R. Guardini, Von heiligen Zeichen, 1922

Toni Faber 51552-3521 [email protected]

Pfarrkanzlei Mo bis Fr 9.00–15.00 Uhr www.dompfarre.info [email protected] www.facebook.com/Dompfarre Fax: 51552-3720 Christian D. Herrlich 51552-3136 [email protected] Susanne Leibrecht 51552-3535 [email protected] Barbara Masin 51552-3530 [email protected] Birgit Staudinger 51552-3530 [email protected] Tauf- und Trauungsanmeldung Anna Jeż (zusätzlich Fr 14.00–18.00 Uhr) 51552-3534 [email protected]

Pfarrcaritas, Seniorenpastoral Mariette Auersperg 51552-3544 Mi und Do 9.30–11.30 Uhr [email protected]

Domarchiv Reinhard H. Gruber 51552-3531 Unter matricula-online.eu Einsicht in Altmatriken (persönl.: Do 13.00–15.00 Uhr) [email protected] [email protected] Domsakristei 51552-3536

Kirchenmeisteramt/Führungen

mit Deinem guten und heilenden Wort und schenke mir Deinen Frieden und die Freude Deines Wohlgefallens. Denn Du willst nicht meinen Tod, sondern dass ich lebe. Komm, Du Quelle unseres Lebens. Amen. aus: Meditation zum Thema Wasser, www.katholische-kirchepoppenhausen.de

Wenn Sie Exemplare irrtümlich doppelt zugeschickt bekommen oder Name und/oder Adresse falsch geschrieben sind, senden Sie bitte das durch gestrichene oder korrigierte Adress feld an uns. Danke für Ihre Mithilfe!

Guter Gott und Vater, komm zu mir wie Wasser in der Wüste. Ströme in mein Totes Meer der Sorgen und Nöte. Fließe mit Deiner Liebe an die Stellen meiner Lebensgeschichte, die wie sinnlos erscheinen, wie trockenes Land, wie wüst und öde. Komm mit Deinem Wasser des Lebens, komm mit Deiner Liebe,

Finanz- und Verwaltungsdirektion 51552-3767 Führungsanmeldung 51552-3054 www.stephanskirche.at [email protected] Führungen für Klein und Groß 0664/46 22 007 Dombausekretariat 51552-3714 Portier des Curhauses 51552-3540 Dommusik www.dommusik-wien.at [email protected] Domkapellmeister Markus Landerer 51552-3573 [email protected] MMag. Ernst Wally 51552-3193 [email protected] Dommusikus Mag. Thomas Dolezal 0699/1500 21 31 [email protected] Impressum P.b.b. Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1010 Wien Sponsoring Post GZ 02Z031920 S Impressum: Offenlegung nach §25 Mediengesetz, St. Stephan – Mitteilungsblatt der Dompfarre St. Stephan, Herausgeber, Alleininhaber und Redaktion: Dompfarre St. Stephan, 1010 Wien, Stephansplatz 3, DVR 0029874 (1766) Grundsätzliche Richtung: Informations- und Kommunikationsorgan der Dompfarre St. Stephan, unterstützt die Glaubensverkündigung und die Seelsorge. Für den Inhalt verantwortlich: Dompfarrer Toni Faber. Namentlich gekennzeichnete Artikel müssen nicht mit der Ansicht des Herausgebers übereinstimmen. Autorenverzeichnis Seite 5. Gestaltung und Satz: Charly Krimmel | www.sonderzeichen.at Druck: Zimmer Offset- und Digitaldruckges. mbH, 1160 Wien. Gedruckt auf Offsetpapier, chlorfrei gebleicht.