Weckt das Feuer in den Herzen der Menschen - Zentralkomitee der

Weckt das Feuer in den Herzen der Menschen - Zentralkomitee der

Arbeitsgemeinschaft katholischer Organisationen und Verbände der Diözese Rottenburg-Stuttgart Jahnstraße 30 D – 70597 Stuttgart Fon: 0711 9791 235 Fax...

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Arbeitsgemeinschaft katholischer Organisationen und Verbände der Diözese Rottenburg-Stuttgart Jahnstraße 30 D – 70597 Stuttgart Fon: 0711 9791 235 Fax: 0711 9791 155 eMail: [email protected] Internet: www.ako-drs.de

Weckt das Feuer in den Herzen der Menschen Ein Diskussionsbeitrag der ako Vertreterversammlung zum Erneuerungsprozess Grundlage dieser Erklärung sind die Ergebnisse des Tags der Verbände im Januar 2012. Verantwortliche aus den katholischen Verbänden sowie Christen aus Dekanaten und Gemeinden beschäftigten sich unter der Überschrift „Im Glauben verwurzelt, politisch aktiv und die Kirche bewegend“ mit dem Erneuerungsprozess der katholischen Kirche. Orientierung am II. Vatikanischen Konzils und den Synoden „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ (1) Das II. Vatikanische Konzil entdeckte wieder die Welt und die Wirklichkeit, in der die Menschen konkret leben. Besonders die lateinamerikanische Kirche entdeckte die herrschenden Ungerechtigkeiten, denen weltweit jährlich Millionen Menschen zum Opfer fallen, als einen Ruf Gottes an uns alle, sich für eine gerechtere Welt einzusetzen, in der alle Kinder Gottes in Würde leben können. Dieser Standortwechsel der Kirche führte zu einem großen Aufbruch. Die Kirche wurde zu einem Zeichen der Hoffnung in dieser Welt, besonders für die „Armen und Bedrängten aller Art“. Dieser Option für die Armen und einer daraus folgenden befreienden Praxis fühlen wir uns verpflichtet und wollen diese im Dialog mit den Ausgegrenzten und den Kirchenleitungen weiterentwickeln. Die Ergebnisse der anschließenden Synoden wollen wir mit den Menschen von heute fortschreiben und dabei die Zeichen der Zeit berücksichtigen. Einen neuen Aufbruch wagen Die Vertreterversammlung der ako diskutierte eine Gestalt unserer Kirche, die die Kirchenräume für viele Frauen und Männer, Familien sowie Kinder und Jugendliche in den Gemeinden wieder öffnet. (2) Unsere Verbandsmitglieder sind im Glauben verwurzelt und lassen sich in ihrem Leben in Kirche, Politik und Gesellschaft von Gott berühren. Dieser Gaube an Jesus Christus hat den Einsatz und die Verantwortung für die Menschen und die Welt zur Folge. (3) Wir werden damit aufgefordert, die Welt von morgen zu bauen. So werden wir zu einer prophetischen Kirche, die unerschrocken und ohne Abstriche die Wahrheit des Evangeliums der Welt verkündet und dadurch für die Menschen menschenwürdiger, bewohnbarer und gerechter wird. Die befreiende Botschaft Jesu Christi und deren erfrischende Offenheit und Menschenfreundlichkeit ist die Grundlage unserer Kirche. (4) Manche Traditionen aufbrechen und neu handeln Der heilige Geist treibt uns an und lässt manche Brauchtumsstrukturen der Kirche verantwortungsbewusst aufbrechen. Kirche im Geiste Jesu ist nicht nur das Bewahren von Traditionen. (5) Neue Formen der Begegnung, des Feierns und des ökumenischen Handelns können das Feuer in den Herzen

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der Menschen, bei Alt und Jung wecken. Die Jugendkirchen, ökumenische Gottesdienste oder Segnungen von Paaren sind erste Ansätze einer neuen Spiritualität. Keine Frau und kein Mann wird am Tisch des Herrn zurückgewiesen In diesem Sinne gewinnen wir die Erkenntnis, dass jeder, der das Hochgebet mit betet und mit seinem Amen zustimmt, zum Tisch des Herrn geladen ist. Dies gilt besonders für Katholiken, die wiederverheiratet Geschiedene sind oder Ehepaare, die in einer konfessionsverbindenden Ehe leben. Der Kommunion und der Leib Christi wird für viele Menschen als ein versöhnendes Zeichen im Leben erfahren. Mitbestimmung von Laien Wir rufen die Frauen und Männer in der Kirche auf, Freiräume des Handelns zu entdecken und in den Gemeinden und Verbänden verantwortlich umzusetzen. Dies bedeutet eine Stärkung für eine laienorientierte Kirche. Die Kirche als Communio ernst zu nehmen bedeutet ein Geflecht von vielfältigen und gestuften Mitwirkungs- und Einflussmöglichkeiten „von oben nach unten“ und Partizipationsmöglichkeiten „von unten nach oben“. (6) Dieser wechselseitige Kommunikationsprozess zwischen Laien und Klerikern bedeutet eine neue Gesprächskultur in gleicher Augenhöhe. Die Aufgaben, Rechte und Pflichten müssen partnerschaftlich geregelt werden. Das Rottenburger Modell in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist ein wichtiger Abschnitt für das Volk Gottes und die Mitverantwortung aller Christgläubigen auf dem Weg, neue Beteiligungs- und Mitentscheidungsformen in den deutschen Diözesen zu erschließen. (7) Dieses Modell verbindet auf allen Ebenen die Funktionen eines Katholikenrates, eines Pastoralrates und der Kirchensteuervertretung in einem Gremium. In Deutschland sollte das Rottenburger Modell über die Rätestrukturen hinaus dahingehend weiterentwickelt werden, dass Laien neue Dienste und Ämter in den Gemeinden und Dekanaten übernehmen. Laien werden gleichberechtigt beteiligt in der Liturgie, in der Pastoral und in der sakramentalen Seelsorge am Menschen. Damit entsteht eine echte Gemeinschaft, die über die Kirche hinaus in die Zivilgesellschaft positiv wirkt. Frauen, Männer und Jugendliche bestimmen in der neuen geschwisterlichen Kirche auf allen Ebenen mit. Bischöfe und Priester sowie Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten haben weiterhin ihre besondere Verantwortung in der Verkündigung der Frohen Botschaft. Das Amt des Diakons wird in einer ersten Stufe für Frauen geöffnet und verheiratete Priester werden wieder im Amt bestätigt. Dies muss in letzter Konsequenz zur Abschaffung des Zölibats führen. Kirche mischt sich politisch in gesellschaftliche Diskussionen ein Für uns Verbände ist es wichtig, dass dieses neue Selbstverständnis der Kirche Folgen für das Handeln in der Welt hat. Die Kirche nimmt Stellung zu Fragen der Zeit, mischt sich damit in aktuelle Themen der Politik ein und setzt die Option für die Armen in der Welt um. In diesem Sinn fordern wir einen Dialog der Kirchen in die Gesellschaft hinein. Dies müsste sich unter anderem in einem neuen, aktuellen Sozial- und Wirtschaftswort ausdrücken. Damit können die Kirchen deutlich machen, dass ihnen das Leben der Menschen wichtig ist und sie eine Botschaft für den Alltag der Menschen haben. Gleichzeitig wäre dies ein großes Zeichen der Ökumene und der Einheit der Bischofskonferenz. Nur in geschwisterlicher Verbundenheit können die Kirchen heute für die Menschen am Rand der Gesellschaft glaubwürdig eintreten und die Welt von morgen gerechter und sozialer gestalten.

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Aus ihrer demokratischen Tradition heraus wollen die katholischen Laienverbände in der Diözese Rottenburg-Stuttgart die Kirche mit gestalten und Kirche leben. „Eine Kirche, die die Erfahrungen der Menschen als ihre eigenen verspürt, die den Schmerz, die Hoffnung, die Angst aller, die sich freuen oder leiden, am eigenen Leib verspürt, diese Kirche wird zum gegenwärtigen Christus – und sie wird wie er erwartet und geliebt“. (8) Harald Hellstern ako - Vorsitzender Quellen zum Weiterlesen: 1. Pastoral Konstitution GAUDIUM ET SPES über die Kirche in der Welt von heute. 2. ako – Arbeitsgemeinschaft Katholischer Organisationen und Verbände Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie ist ein in Zusammenschluss von 37 Verbänden mit über 90.000 Einzelmitgliedern. Weitere Informationen und eine Dokumentation des Tages der Verbände 2012 finden Sie unter www.ako-drs.de. 3. Diözesansynode Rottenburg Stuttgart 1985 – Teil IV (4). 4. Generalvikar Dr. Clemens Stroppel: Rede im März 2011 vor dem Diözesanrat. 5. Prof. Sabine Demel: Impulsreferat Tag der Verbände 2012. 6. Prof. Sabine Demel: Impulsreferat Tag der Verbände 2012. 7. Prof. Richard Puza: Das Rottenburger Modell - „Die Mitverantwortung aller Christgläubigen“. 8. Bischof Oscar Romero 1978.

Verbandliches Handeln als Modell für die Kirche der Zukunft Unsere Aussagen im Diskussionsbeitrag zum Erneuerungsprozess unserer Diözese gründen auf einer verbandlichen Denkweise. Über 90.000 Mitglieder in unserer Diözese sind in ihrem Leben von der Jugend bis in Alter von verbandlicher Arbeit geprägt worden. Diese Erfolgsgeschichte orientiert sich immer wieder an den gesellschaftlichen Veränderungen und nimmt diese in die Diskussionsprozesse auf. Trotz der Verschiedenheit der Verbände konnten im nachfolgenden Leitbild der ako viele Gemeinsamkeiten festgehalten werden. Dies sind Merkmale und Handlungsbeispiele, welche die Kirche erneuern können. Katholische Verbände - sind freie Zusammenschlüsse von engagierten Christen und offen für alle Frauen und Männer, die sich mit den Zielen des Verbandes solidarisieren. - orientieren sich an der Frohen Botschaft von Jesus Christus. - organisieren sich selbst und entsprechen den Bedürfnissen der Mitglieder und deren Lebensund Arbeitswelt. - sind demokratisch verfasst und leben von demokratischen Strukturen, von Mitbestimmung und Mitwirkungsmöglichkeiten auf allen Ebenen. Das verbandliche Engagement basiert auf dem Einsatz für eine demokratische Kultur in der Kirche, die geprägt ist von den gleichberechtigten Entscheidungs- und Mitbestimmungsrechten von Frauen und Männern. - leben vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder. - orientieren sich an den Prinzipien von Personalität, Subsidiarität und Solidarität der katholischen Soziallehre. - gestalten die Gesellschaft mit, mischen sich als Anwälte in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein, engagieren sich für eine nachhaltig gestaltete Zukunft und weltweite Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. - arbeiten mit anderen Gruppen, Bündnissen, Bürgerprojekten und gesellschaftlichen Kräften zusammen, mit denen sich gemeinsame Ziele verwirklichen lassen, insbesondere im ökumenischen Bereich. - führen Aktionen, Projekte und Kampagnen durch, die der Verwirklichung ihrer Ziele dienen. (ako

Leitbild 2004)

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Beispiele aus der aktuellen Arbeit der Verbände: action 365 - www.action365.de Regelmäßige Treffen in ökumenischen Basisgruppen. Vom Leben dieser kleinen, vitalen Keimzellen der großen Kirchen lassen sich Basisgemeinden in aller Welt inspirieren. Sie wollen Motor der Veränderung und Freiraum für Experimente sein. Bund der Deutschen Katholischen Jugend - www.bdkj.info Entwicklungspolitische Jugendaktionen, mit denen Themen rund um die Eine Welt aufgegriffen werden und die unter dem Slogan stehen: „Du findest dich mit Ungerechtigkeiten nicht ab, willst etwas verändern und darauf aufmerksam machen? Dann engagiere dich gemeinsam mit anderen Jugendlichen!“ Bund Katholischer Unternehmer - www.bku.de Dialog mit den Bischöfen unter der Überschrift: „Kirche darf nicht aus Angst zum Ratgeber für Zentralismus werden“. Forderung, dass sich die Pastoral von der „Komm“-Struktur zu einer „Geh-hin“-Seelsorge entwickeln muss. Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart - www.caritas-rottenburg-stuttgart.de Jahresthema „Armut macht krank“. Der Verband setzt sich für Kinderrechte von Kindern ein, deren Familien sich im Asylverfahren befinden. Katholische Arbeitnehmer-Bewegung - www.kab-drs.de Familientag für junge Familien mit dem Thema: „Der politische Jesus – radikal, rebellisch um Gott und den Menschen willen“. Damit fordert die KAB die Kirche auf, sich klarer in der Politik und der Gesellschaft zu positionieren. Katholischer Deutscher Frauenbund - www.stuttgart.frauenbund.de Tag der Diakonin am 29.04.2012 in Ulm unter dem Motto „Partnerschaftliche Kirche sein“. Kolpingwerk - www.kolping-dvrs.de Der Diözesanverband ruft unter dem Motto „Nur Mut – Familien gewinnen“ die zahlreichen Kolpingsfamilien mit ihren Familienkreisen, Familiengruppen und Initiativen auf, sich am Kolping-Familienpreis zu beteiligen. Pax Christi - www.rottenburg-stuttgart.paxchristi.de Ein Schwerpunkt ist die „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“. Da Deutschland mittlerweile der drittgrößte Waffenexporteur in der Welt ist, geht es darum, den Opfern eine Stimme und den Tätern ein Gesicht zu geben. Verband Katholisches Landvolk - www.landvolk.de Die Delegiertenversammlung beschließt am 25.03.2012: „Der Mensch ist der Weg der Kirche“ – Positionen für die heutige Pastoral. Bei „SPES-Tagungen“ werden für den ländlichen Raum wichtige Themen diskutiert, darunter: „Lebensqualität durch Nähe“. Welche Strukturen können in Dörfern und Gemeinden, denen es an Zukunftsperspektiven mangelt, verändert werden?

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