Weigelsdorf Wiesenschloss.pdf - Kreis Reichenbach, Eulengebirge

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Weigelsdorf, Kreis Reichenbach, Eulengebirge Das Wiesenschloss Eigentümer und Besitzer des Wiesenschlosses war bis 1945 Graf Heinrich von Seherr-Thoss, geboren 1898. Zur Geschichte des Schlosses im Einzelnen – soweit sie mir bekannt ist: Im Jahre 1898 wurde am jetzigen Standort ein kleines Haus gebaut. 1909 bis 1910 wurde dann das bis heute fast unverändert gebliebene Wiesenschloss erstellt. Dieses Schloss ist in den Landkarten als solches eingezeichnet. Beim Bau des Schlosses wurde ein Stein des alten Hauses von 1898 sichtbar eingemauert. Das Schloss war Eigentum der ungefähr 1850 geborenen Gräfin, einer geborenen von Thiele-Winkler, der Großmutter des Grafen Heinrich. Sie stammte aus Oberschlesien, ihr Vater war sehr reich. Ihm gehörten Kohle-, Zink- und Kupfergruben. Sie brachte ca. 3 Millionen Mark mit in die Ehe, für die damalige zeit um 1875 eine horrende Summe. Diese Gräfin baute im Schlosspark an der Straße nach Weigelsdorf ein eigenes Theater. Dieser Rundbau steht heute noch als Ruine. Die Gräfin wollte das von ihr erbaute Wiesenschloss als alterssitz bewohnen. Ihr Mann, Graf Seherr-Thoss verstarb schon zeitig. Mit dem Alterssitz wurde es aber nicht, da die Gräfin, nun fast 60 Jahre alt, mit einem jungen Baron – um die 30 – spurlos, angeblich nach Italien verschwand. Sie blieb verschollen. Das Schloss stand bis 1914 eingerichtet aber unbewohnt leer. Ab 1914 war es dann Erholungsheim für verwundete Offiziere des 1. Weltkrieges, bis nach Kriegsende 1919/20. Die junge gräfliche Familie von Seherr-Thoss bewohnte das Schloß in Weigelsdorf, das bei Kriegsende sinnlos zerstört wurde. In der Zeit von 1920 bis 1931 diente das Wiesenschloss nur gelegentlich bei großen Festen und Treffen des Schlesischen Adels als Gästehaus, zumal solche Zusammenkünfte bis zu einer Woche dauerten. 1931 entschloss sich Graf Heinrich, also der Enkel der alten Gräfin, das Schloss in Weigelsdorf aufzugeben, da der Unterhalt desselben zu kostspielig wurde. Er ließ sich im Wald in den Bergen ein stilvolles Waldhaus bauen. Es wurde 1946 im Wald abgebaut und steht nun neben der Fabrik in Tannenberg. Die übrige gräfliche Familie (Mutter und Schwester von Graf Heinrich) zog in das Forsthaus in Tannenberg. Dafür zogen wir (Oberförster August Otte, meine Mutter und ich) vom Forsthaus Tassenberg ins Wiesenschloss. Fortan war es dann bis 1945 Oberförsterei, mit der Verwaltung von 4 Revieren – 2600 ha. Es waren dies das Gebirgsrevier, das Feldrevier, Revier Quickendorf und Revier Steinkunzendorf. In all diesen Orten waren die Wälder und Felder Besitz des Grafen Heinrich. Der Majoratsherr Graf Heinrich von Seherr-Thoss musste 1945 wie wir alle die Heimat verlassen. Er wurde beruflich Masseur und arbeitete in München in einer Klinik. Ich persönlich wollte noch einmal meine alte Heimat wiedersehen und habe es im Juli 1991 als 80jähriger Forstamtrat a.D. getan. Mit Wehmut gedachte ich dabei der im Wiesenschloss verlebten Jugendjahre. Gez. Heinz Otte (Förster) 31.7.1991 Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Christoph Otte, Sohn von Heinz Otte 2013