Wiener Studien

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Cou -isi^l WIENEB, STUDIEN. //' Zeitschrift für klassische Philologie, Supplement der Zeitschrift für die österr. Gymnasien. Verantwortliche ...

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Cou

-isi^l

WIENEB, STUDIEN. //'

Zeitschrift für klassische Philologie,

Supplement der

Zeitschrift für die österr.

Gymnasien.

Verantwortliche Redakteure:

E. Hauler, H. v.

Arnim.

y.

Siebenundzwanzigster Jahrgang

.1905.

—*&£%& (m) %>^i-

Wien

1905.

Verlag von Karl Gerol d's Sohn, I.,

Barbaragasse

2.

Inhaltsverzeichnis

des siebenundzwanzigsten Bandes.

Seite

,

Isokrates

und

die Sokratik.

Zur Rede des Isäus

irepi

II.

I,

Von «, Gomperz

tou AiKaiOfevoiiC K\r]pou. Von Artur Ledl

Vulgärmetrisches aus Lucilius. Von

J.

M.

.

Stowasser

163

— 207

147

— 162

211

— 230

Ein verkanntes Bruchstück von Ciceros Rede pro Q. Gallio. Von Isidor

Hilberg

93—

Die in Ciceros Galliuna erwähnten cunvivia poetarum ac pliilosophontm und ihr Verfasser. Von Edmund Hauler Textkritische Beiträge zu Ciceros Officien.

Der Gebrauch der Apostrophe

Von

Rieh.

Mo 11 weide.

bei den lateinischen Epikern.

.

95 35

94

— 105 — 61

Von Johann

Endt

106—129

Senecas Schrift „De dementia" und das Fragment des Bischofs Hilde242 bert. Von Maximilian Adler. Allerlei

Bemerkungen zu Pseudacro. Von

J.

M. Stowasser.

Lexikalisches und Biblisches aus Tertullian. Von August

Lexikalische Vermutungen zu Büchelers Carmina epigraphica. J.

M.

.

.

.

Enge lb rech t II.

Von

Stowasser

Zur griechischen Kompositionsbildung. Von Fr. Stolz Griechisch-Lateinisches.

Zum R.

Indikativ

im

Von

Fr.

Hauptsatze

Stolz irrealer

231

— 241

208

— 210

130

— 136

Von

Bedingungsperioden.

Wimmerer

260—298

Zu den griechischen Schlachtfelderstudien. Von Zur Geschichte der

— 250 — 92 62 — 74 75

legio

J.

Kromayer

.

XIIII gemina. Von Robert Goldfinger

.

.

.

1—34 251



"259

Miszellen. Seite

Über neue Bruchstücke eines gnostischen Psalmes von fahrt. Von Anton Swoboda

Christi Höllen-

299—301

"Atioc KüpiMoc Von Jakob Weiß

Zu Horaz

Sat. I 1, 105.

Der Schwiegervater des

301—302

Von Hermann Schickinger Visellius.

Von

Isidor

137—138

Hilberg

Bemerkungen über den Codex Parisinus Latinus 79S5-

Zu Fronto

S.

152, Z. 3 (Naber).

p.

152, 14

Zur

Inschrift

und 28

Von Edmund Hauler

(Naber).

Von Edmund Hauler

J.

M. Stowasser

Von

J.

M. Stowasser

Nochmals

caia.

141

— 146 146

.

304

.

von Ai'n-Wassel. Von N. Vulic

BVKCA, CAIA. Von

— 304

Von Johann

Endt Zu Fronto

302

138—140

.

141

302

Zu den

griechischen Schlachtfelderstudien.

Vorbemerkung. Die Ausgrabungen der griechischen Archäologischen Gesellauf dem Schlachtfelde von Chäronea und die glückliche Auffindung des Grabhügels der Makedonen daselbst durch Sotiriades *) machen eine erneute Prüfung der Frage nach dem genauen Orte des Kampfes notwendig. Indem ich darauf eingehe, fasse ich zugleich das zusammen, was ich sonst über die in meinem ersten Bande der antiken Schlachtfelder behandelten Fragen noch zu sagen habe. Es handelt sich dabei einerseits um die Widerlegung der

schaft

Einwendungen E. Lammerts

um

2 ),

der zwar ohne Autopsie,

aber mit

so größerer Sicherheit die hier vorliegenden Probleme in neuer

Weise

gelöst hat

„Autorität"

einer

und auf dessen Ausführungen und Urteile als die auf kriegswissenschaftlichem H. Delbrück sich

(Preußische Jahrbücher 1904, S. 209 f.) mich aber die erneute Untersuchung dieser Fragen wenigstens in einem Punkte, bei Mantinea 362 v. Chr., über meine frühere Ansicht hinaus zu einem Ergebnisse geführt, welches ebensosehr von meiner wie von der bisher allgemein angenommenen Auffassung abweicht und das ich mir deshalb hier

mehrfach berufen Anderseits

hat.

hat

den Fachgenossen vorzulegen erlaube. Ich beginne der Zeitfolge entsprechend mit der Behandlung

dann Chäronea und zum Schlüsse Sellasia folgen. Über die zweite Schlacht von Mantinea ist nichts weiter zu bemerken.

dieser Schlacht,

1

)

lasse

Mitteil, des

2 )

Bd. XIII.

Neue Jahrb. S.

112

ff.

deutschen arch. Instituts in Athen. 1903. Bd. 28, S. 301 ff. f. d. klass. Altertum usw. von Ilberg und Gerth. 1904.

196

Wiener Studien. XXVII.

ff.

1905.

253

ff.

J.

KKOMAYER.

Mantinea (362

Man

vergleiche zu

dem Folgenden Karte

2

v.

Chr.).

und 6 meiner antiken Schlachtfelder.

Ich habe (Schlachtfelder I, S. 47 ff.) den Schauplatz des Kamvon Mantinea in die engste Stelle der Ebene zwischen Kapnistra und Mytika verlegt und den Angriff des Epaminondas von Südwesten her vom Nordiüße des Berges von Merkovuni aus erfolgen

pfes

lassen.

Diese Ansetzung findet Lammerts Beifall nicht, weil der Anmarsch zu lang sei. Die Schlachthaufen der Böotier hätten danach bei

ihrem Anmärsche

während dessen

fast drei

Kilometer zurücklegen müssen, und

die Spartaner so viel übrige Zeit gewesen,

sei für

daß die MögÜberraschung ausgeschlossen gewesen wäre. Das folge aus den Vorgängen bei Mantinea (418) und Nemea (395). Trotzdem der Feind hier in Schlachtordnung schon weit näher gewesen sei, ohne daß die Spartaner es bemerkt gehabt hätten, sei es ihnen doch in beiden Fällen gelungen, sich noch rechtzeitig zu formieren und dem Angriffe zu begegnen. Man frage also, warum die Spartaner keine Gegenmaßregeln gegen den Einbruch getroffen hätten? Ferner aber hätten die Thebaner atemlos und in stark gelockerten Reihen an den Feind kommen müssen, wenn man ihnen habe zumuten wollen, fast drei Kilometer weit „unter Waffen und in enger Gefechtsaufstellung" zu marschieren. (S. 121 f.) Auch die Flankenanlehnung der Spartaner an Kapnistra und Mytika sei unwahrscheinlich; sie widerspräche dem Geiste der

ihre verlassene Schlachtordnung wieder einzunehmen, lichkeit

einer

antiken Taktik. (S. 122

Er schlägt daher

f.)

Lager der Lakedämonier etwa Tempel des Poseidon dicht bei Mantinea zu setzen, den Epaminondas von dem Nordhang der Mytika aus seinen Angriff machen zu lassen und das Schlachtfeld etwa in die Mitte zwischen diesen beiden Punkten mitten in die freie Ebene zu verlegen. (S. 126.) *) vier Kilometer

weiter

Lammert kommt

vor,

das

nördlich an den

also mit einigen Modifikationen auf die alte

von mir schon Schlachtf.

50 zurückgewiesene Ansicht von Leake den Einwurf über die zu große Länge von Epaminondas Anmarsch betrifft, so ist es ganz richtig, daß die Spartaner Zeit zu Gegenmaßregeln .hatten, und ich habe ja zurück.

2 )

Was

D.

h.

S.

zunächst

etwa

in die

Gegend des Khans Platza auf Karte

6.

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEN. gerade

deshalb

worden sind

sogar

angenommen, daß solche getroffen Aber selbst wenn man das wie Lam-

selber

(Schlachtf. 69).

mert nicht gelten lassen will, so folgt daraus doch nichts gegen meinen topographischen Ansatz an sich. Denn da Epaminondas darauf rechnen durfte, daß sein Anmarsch, welcher durch Reiterabteilungen verschleiert war (Schlachtf. 65), nicht sofort vom Feinde erkannt werden würde, so war die Zeit für Gegenmaßregeln doch sehr knapp, und es war fraglich, ob bei der allgemeinen Ver-

wirrung der Gegner noch so

viel

Kaltblütigkeit und Beherrschung

um in der kurzen Spanne Zeit noch zu Änderungen der Gefechtsdispositionen zu schreiten, welche leicht nur noch die Unruhe und Unsicherheit vermehren konnten. Die Parallelen von Mantinea 418 und Nemea sind daher nicht zuder Situation vorhanden sein würde,

und zwar um so weniger, als bei der Schlacht des Epaminondas ausdrücklich von den Spartanern berichtet wird, daß nicht nur die taktische Ordnung gelöst war, sondern die Leute sogar abgesattelt und die Rüstungen ausgezogen hatten (Xen. Hell. VII 5, 22), während bei den beiden anderen Schlachten eine weit größere Kampfbereitschaft vorhanden gewesen sein muß. Denn bei Nemea waren die Lager seit längerer Zeit nur knappe zwei Kilometer auseinander und man mußte jeden Augenblick auf ein Anrücken des Gegners gefaßt sein, welches übrigens bei der zwischen den Lagern liegenden Schlucht und dem mit Gestrüpp bedeckten Getreffend,

lände (Xen. Hell.

wie L. meint;

dem Marsch

in

IV

2,

15.

19)

der

Nähe

rasch

in

erfolgen

konnte

um

ein auf

es sich

des Feindes befindliches Heer,

je nach der Marschformation,

sehr

nicht so schnell

und bei Mantinea 418 handelte

die es inne hatte,

Schlachtordnung

aufstellen

das sich

unter Umständen

konnte.

Warum man

schließlich in Gefechtstellung nicht drei Kilometer marschieren

und

warum man

dabei

außer Atem

kommen muß,

ist

kann

mir nicht

klar geworden.

Nicht

besser

steht es mit

den Ausstellungen,

die L.

wegen

der Flankenanlehnungen des spartanischen Heeres macht (S. 123).

Er teilt den erstaunten Lesern mit, daß „ein Hoplitenheer in der Ebene weder die Überflügelung durch Reiter noch durch Leichte fürchtete" und daß es dagegen nur zwei Mittel gab: „entweder machte man die Linie ebenso lang wie die der Gegner, oder man u Auch die Reiterei verließ sich auf den schnellen Durchbruch bedurfte nach Lammert der Flankendeckung nicht, „denn sie trug .

ihr bestes Schutzmittel in sich selber, in der Beweglichkeit ihrer Pferde und ihrer kleinen selbständigen Abteilungen, die gegen jede

4

J.

Flankenbedrohung

leicht die

KKOMAYER. entsprechenden Gegenbewegungen aus-

führen konnten ..." „Daher", so schließt der Verfasser seine Erörterung, „hatte eine natürliche Flankendeckung für die antiken

Heere keinen oder doch nur einen sehr problematischen Wert." Die Pnradoxien, welche in den angeführten Sätzen aufgehäuft sind, bedürfen eigentlich überhaupt keiner Widerlegung. Schlachten, wie die von Cannae, Zama und viele andere, in denen die Reiterei die Entscheidung gebracht hat, indem sie dem schweren Fußvolke den Rücken kam, sind für L. offenbar nicht vorhanden, oder war etwa der griechische Hoplit gegen thessalische und böotische Reiterei bewehrter als der Legionär gegen karthagische Kavallerie? Und wie soll sich numerisch schwächere Reiterei gegen Überflügelung in

durch eine zahlreichere decken, da ja beide über dieselbe „Beweglichund kleiner selbständiger Abteilungen" verfügen?

keit der Pferde

Lammert

hat

sich

eine

hellenischen Hoplitenschlacht

romantisch-ritterliche

zurechtgelegt,

in

der

Theorie

man

stets

der

nur

mit wohlberechneten gleichen Kräften und ohne im Gelände Vorteile irgendwelcher Art zu suchen, in den Kampf gegangen sein soll.

(Neue Jahrb. f. d. klass. Altert. III, S. 9 ff. 1899.) Hätte so etwas in Griechenland überhaupt je existiert, so wäre es in den Zeiten der Xenophon, Agesilaos und Iphikrates längst zu Grabe getragen gewesen.

Flügelanlehnung war also für eine besonders an Reiterei und Leichten schwächere Armee, wie die des Agesilaos es ohne Zweifel bei Mantinea

gegentreten

wenn

sie

in

gewesen

ist,

notwendige Vorbedingung für das Ent-

freiem Felde. Natürlich kann eine Flügelanlehnung,

wie bei Mantinea in Bergen besteht, auch schädlich sein;

man sich ihrer nicht versichert und den Gegner heraufkommen läßt. Aber da man in der Defensivstellung näher an den Höhen war, hatte man es in der Hand, dem Gegner zuvorzukommen, sobald er Miene machte, die Flankendeckung zu besetzen. Daß die Athener solche Gegenmaßregeln getroffen haben, als die vorgeschobenen Abteilungen des Epaminondas an den westlichen Hängen der Kapnistra Stellung nahmen, ist daher auch ohne ausdrückliches Zeugnis anzunehmen 1 ). Es ist nicht besonders berichtet, weil es zu keinem Versuche einer Bedrohung der athenischen Flanke nämlich dann, wenn

') Damit erledigt sich der Einwurf Lammerts (S. 122), daß die vorgeschobenen Abteilungen der Thebaner die Athener hätten flankieren können. Nebenbei bemerke ich hier, daß nach meiner Karte (Schlachtf. Nr. 2) die vorgeschobenen

Abteilungen nicht, wie Lammert infolge falscher Kartenlesung glaubt, nur 50 Meter hoch am Abhänge eingezeichnet sind.

90,

sondern

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEN.

5

gekommen

sondern die thebanischen Abteilungen sich dem ist, gemäß damit begnügten, durch ihre Aufstellung eine Hilfssendung nach dem anderen Flügel der Schlacht zu verhindern. Wenn somit die Schwierigkeiten, welche meiner Lösung der Befehle

Lokalfrage entgegenstehen die, sie

sollen,

sich in nichts auflösen, so

wachsen

welche Lammerts Vorschlage entgegenstehen, je genauer betrachtet, desto mehr.

man

Schon die Tatsache, daß Epaminondas auf seinem Flankenmarsch vor der Schlacht nach der Bergkette „gegenüber von Tegea" marschierte

xd Trpöc ecTrepav

Kai dvxmepav xfjc Texeac öpn, VII 5, 21), ist durchschlagend. Denn der Nordabhang der Mytika, von wo nach Lammert der Angriffsflügel des Epaminondas ja vorgegangen ist und wo also der von Xenophon erwähnte Halteplatz des Heeres (Hell. VII 5, 22) zu suchen wäre, schaut nach Mantinea hin und ist von dieser Stadt nur ^ l [ 2 Kilometer, von Tegea dagegen 12 Kilometer entfernt, liegt also nicht dvxmepctv sondern xfjc Mavxtveiac. Dazu kommt, daß hügeliges Tfjc Teyeac, Gelände für die nach Xenophon (Hell. VII 5, 24) in der rechten Flanke des Epaminondas vorgeschobenen Abteilungen hier nicht vorhanden ist. Lammert hat denn auch in seiner Verlegenheit nichts anderes zu tun gewußt, als den Standort für diese Truppen, mit einem Fragezeichen versehen, an den Nordfuß der Kapnistra (!) zu l verlegen. Das wäre 2 / 2 Kilometer von der Front der Gegner entfernt, während Epaminondas Angriffsflügel nach Lammert vor Beginn des Anmarsches nur etwas über einen Kilometer von den Feinden entfernt gewesen ist. Wie diese Abteilungen die Aufgabe erfüllen sollten, die Athener an einer Unterstützung des angegriffenen Flügels zu hindern, ist nicht zu begreifen. Weiter aber läßt Lammert die ganze Armee des Epaminondas „von der Talenge aus an der Skope die nördlichen Abhänge der Mytika ersteigen" (S. 126). Dieselben sind aber in Wirklichkeit von Anfang an so steil und von solchen Felsblöcken übersät, daß wir im Schweiße unseres Angesichts hinaufgeklettert sind und an ein Er läßt Marschieren einer Armee hier gar nicht zu denken ist. das Heer dann hier Halt machen und ein Lager schlagen, während (Tipöc

Hell.



er die Formierung des Angriffsflügels im Widerspruche zu Xenophon und zu sich selber (vgl. 117) einen Kilometer weiter westlich an den Nordabhang des Berges verlegt 1 ). l

)

Das

sollen,

wie

man

aus der beigegebenen Skizze siebt, offenbar die er habe sich längs derselben (der nördlichen

unverständlichen Worte bedeuten,

Abhänge) „bis an

die südlichen

Talwinkel" gezogen.

6

J.

KROMAYEK.

Endlich bringt er mit seiner Annahme, daß das Lager der Spartaner beim Poseidontempel von Mantinea, das Schlachtfeld über einen Kilometer südlich davon in der freien Ebene gewesen sei (S. 126), eine neue Unmöglichkeit vor. Wo haben die Lakedämonier abgesattelt und abgerüstet, als sie Epaminondas Halt machen sahen? Natürlich im Lager. Also müßten sie von ihrer Kampfstellung erst über einen Kilometer zurück und dann, als sie die

Thebaner anrücken sahen, wieder über einen Kilometer vorgegangen sein und das trotz ihrer Überraschung und trotz des kurzen Abstandes von nur einem Kilometer, in welchem Epaminondas nach Lammert bei Beginn seines Anmarsches von ihnen stand. Sie hätten ja froh

sie sich an dem Orte, wo sie waren, Zustand setzen konnten, ehe die Thebaner

wenn

sein können,

in verteidigungsfähigen

da waren.

Kurz, die L.'sche Hypothese

ist

nach allen Seiten hin undurch-

Worte über sie geWohl aber muß ich noch über die taktischen Details der Bewegungen des Epaminondas vor der Schlacht ein Wort sagen, dacht und unhaltbar.

Ich habe schon zu viel

macht.

besonders da deren Analyse uns den

Weg

zu der neuen und wie

mir scheint richtigeren Auffassung der ganzen Schlacht zeigt.

Die Bewegungen

der thebanischen

hatte ich (Schlachtf. S. 58

Epaminondas

ff.)

Armee vor der Schlacht

folgendermaßen geschildert:

Truppen aus Tegea in nördlicher Entfernung von 7 9 Kilometern vom Feinde in Schlachtordnung auf, läßt dann mit Lochen links abschwenken und marschiert so im Flankenmarsch bis an die Berge im Westen der Ebene. Hier läßt er Halt machen, zur Herstellung der Front mit Lochen rechts einschwenken, seinen Angriffsflügel formieren und gegen den Feind vorgehen. Gegen diese AufRichtung heraus,

führt

stellt

seine



sie in einer

fassung hat Lammert Einspruch erhoben.





Ein Aufmarsch in volle Schlachtordnung so meint er habe vor Beginn des Flankenmarsches nicht stattgefunden; denn der Ausdruck cuverdiTeTo bei Xenophon bedeute das nicht not-

wendig;

ein Abschwenken mit Lochen sei ebensowenig anzudenn die Griechen hätten nur die Enomotien- (Sektions), nicht die Lochenkolonne gekannt (S. 115); endlich sei man dann natürlich auch nicht wieder mit Lochen eingeschwenkt, um die Front herzustellen; die von mir zum Beleg dafür angezogenen

nehmen;

Worte Xenophons Ttopeuojuevouc

(Hell.

Xöxouc

k

VII

5,

jueTuiTiov

22)

TmpcrfaYÜJV

bedeuteten

Lochen zur Front eingeschwenkt habe,

touc

em

Ke'puuc

daß man mit sondern daß man mit nicht,

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEN. Lochen (S.

der

in

aufmarschiert

Marschrichtung

bisherigen

7

sei

119).

Er schlägt daher im Gegensatz zu meiner Auffassung folgenden Hergang vor: Epaminondas marschiert in einer Enomotien-, (Sektions)kolonne, und zwar in einer einzigen aus Tegea aus, läßt an dem Punkte, wo der Flankenmarsch beginnen soll, diese Sektionskolonne, welche bisher lose Marschdistanzen gehabt hatte, aufschließen

heißen

cuverarreTO



dann

schwenkt

,

derselben

in



das

soll

aufgeschlos-

und marschiert so halten und dazu bestimmten Lochen

senen Sektionskolonne mit der Spitze links ab bis

zu den Bergen

115).

(S.

Hier

läßt er die Spitze

den Angriffshaufen, indem er die aufmarschieren läßt. Den

bildet

nebeneinander

so

gebildeten Angriffs-

noch die Front nach dem Gebirge hat, läßt er dann rechts einschwenken und gegen den Feind vorgehen. Was das ganze übrige Heer tut, sagt er nicht und soll nach seiner Ansicht auch Xenophon nicht gesagt haben, so daß wir über dessen Bewegungen völlig im Unklaren bleiben. Diese Darstellung ist in allen Punkten unzutreffend, mit Ausnahme des einen, daß die zitierten Worte Xenophons (Hell. VII 5, 22) den Aufmarsch und nicht das Einschwenken mit Lochen haufen,

welcher

bezeichnen.

Daß Epaminondas ausmarschiert sein

soll,

in einer einzigen ist

Sektionskolonne aus Tegea

zunächst ausgeschlossen. Heere von der

Größe marschieren nicht

in einer, sondern in mehreren Kolonnen, demselben Terrain 150 Jahre später Machanidas Und Philopömen jeder in drei Kolonnen aus Tegea und Mantinea ausmarschiert sind (Schlachtf. S. 295. 300).

wie

denn

auch

Daß

die

ujCTrep

auf

Worte Xenophons

eköc, cuver&TTeTO von

kolonne

(a.

a.

Denn

TrpuuTov

dem bloßen Aufrücken

oder Kolonnen zu verstehen

wohl möglich.

O. 21)

es handelt

sich

seien,

hier

ist

jdp,

uev

dieser Sektionsgleichfalls

nicht

nach der Schilderung

um die Herstellung einer Gefechtsformation, welche den direkten Anmarsch zum Angriff auf die Stellung des Gegners

Xenophons erwarten Xcto,

die

rnv

Worte

läßt:

uev eirei

ercei je MH V eieTaKTo auriu xö CTpdieuua übe eßoücuvrouwTdTnv irpöc touc TroXeui'ouc ouk r\je, wobei

je unv eteraKTO

eine Formationsveränderung

und

auruj

nicht

tö ein

crpaieujua

einfaches

üjc

eßouXero

Aufschließen

voraussetzen, und zwar eine solche, welche beim Gegner die Meinung erwecken sollte, daß es unmittelbar zur Schlacht gehe: toöto be TTpdTTUJv cacpnvi£eiv ebÖKei uue etc

u«Xnv TrapecKeudZeio

und ihn

tat-

8

KROMAYER.

J.

auch

sich

veranlassen,

sächlich

Man

Schlachtordnung aufzustellen.

in

hat daher hier einen Aufmarsch zu größerer Frontbreite,

als

und wenn es sich auch nicht dieser Aufmarsch bis zur Phalanxfront daß läßt, strikte beweisen im nichts Wege, das Wort cuvTaTTec9cu, steht doch fortgesetzt ist, so Sinne synonym mit TrapaidTTecöai in diesem welches sehr häufig zu sehen,

Sektionskolonnen boten,

1 gebraucht wird, auch hier so aufzufassen ). Ein Abschwenken mit Lochen ist aber dann der leichteste

Übergang zu einem Flankenmarsche,

dem wegen

bei

der nötigen

Gefechtsbereitschaft eine zu große Verlängerung der Marschkolonne

und hier wird ein solcher dadurch noch daß Xenophon von nach der Flanke abmarschierten Lochen (em Ke'piuc Tropeuouevouc Xöxouc) spricht. Denn daß die Griechen die Lochenkolonne, wie Lammert glaubt, nicht gekannt haben sollten, davon kann im Ernste nicht die vermieden werden

Rede

sein.

Lammert Xenophon

bei

soll;

nahegelegt,

besonders

Acik.

daraus,

ttoX.

Kai'

Kepuuc TTOpeuuuvTcu,

schließt

Behauptung einzig auf

stützt sich für diese 11, 8,

c.

oupav

wo

örirrou

es heißt:

örctv

die Stelle

uev

fäp

evuu^oTia evujuoxi'a eTretai

cttI

und

daß die Spartaner und ebenso die anderen Grie-

chen nur die Enomotienkolonne gekannt hätten 2 ). Das folgt aber aus der Stelle keineswegs, sondern nur, daß die Enomotienkolonne, die hier beschrieben wird, auf

tion

Märschen

wie das ja auch ganz

war,

die gewöhnliche

selbstverständlich

ist.

Forma-

Daß

aber

andere Kolonnen unbekannt gewesen wären, geht daraus nicht hervor und wird sogar durch die Stelle selbst, wenn man etwas weiter widerlegt.

liest,

Wo

nämlich die Herstellung der Front nach der

Flanke der Marschkolonne beschrieben ')

Anab.

I

4,

Sache

bei

V

tinea Thuk. die

cuvTCiTTew in der Bedeutung in Linie

So wird 8,

so

wird,

66

Kalpe u. ö.

ib.

VI

5,

gebraucht,

aufgefaßt,

wenn

heißt

daß man

es,

aufstellen

bei

Kunaxa

Nemea Hell. IV 2, 19. 21, bei Manund Lammert hat selbst früher für Mantinea

31,

bei

er in seiner S. 4 zitierten

Abhandlung

S.

27 von

dann nach dem Flankenmarsche „einfach rechtsum machte" und so die Front wiederherstellt. Er hat bei dem Flankenmarsche also an eine irapaYi^TH» d. h. einen Reihenmarsch im Sinne der Taktiker gedacht. Daß das falsch ist, wegen der Worte Xenophons touc eiri Kepuuc Tropeuouevouc Xöxouc, hat er später eingesehen, einer

aber

„zunächt in der gewöhnlichen Weise formierten Linie"

nicht

für

nötig

gehalten,

seinen

spricht,

die

früheren Irrtum ausdrücklich richtigzu-

stellen.

Er scheint zu seinem Irrtume dadurch gekommen zu sein, daß er das zu evuJUOTia zog, während es zu koit' oupäv gehört. Arirrou wird dem Worte, zu welchem es gehört, gewöhnlich angehängt; so Kyrop. I 5, 12. 2

)

Wort 6,

9;

oryrrou

Anab.

III 2,

14.

V

7,

6 u.

ö.

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEN. zu diesem Zwecke

Lochen eingeschwenkt habe

„mit

9

(töv

Xöxov

eKactov üjarep xpiripn dvTiTtpuupov toic evavtioic crpeqpouciv). Es

schon Bauer

wie

vorher,

also

IV

(bei Müller

1,

S.

2,

330)

muß mit

Recht hervorgehoben hat, die Lochenkolonne hergestellt gewesen sein. So ist denn auch bei den Taktikern sowohl ganz allgemein von Marschkolonnen aus beliebig großen Abteilungen die Rede, als auch im besonderen von Kolonnen, welche aus Sevorficu von 265 und aus Teipapxiai von 64 Mann gebildet sind ); ja Xenophon erwähnt sogar eine Kolonne, deren einzelne Abteilungen eine Stärke 1

Mann

von 1000

2

hatten

).

Lochenkolonne ist also durchaus im Sinne der griechischen Taktik und auch eine Verlängerung der Kolonne durch den Marsch selber muß trotz Lammerts Widerspruch aus inneren Gründen stattgefunden haben 3 ). Wollte man nun aus der Kolonne

Der Marsch

*)

in

Arrian xexvn. tokt. 28 Hercher

marsch)

uev

T€Tpapxiac

ecxiv, e-rreiodv

=

Koechly

TÖYua xdYuaxi

36, 2: eiraYurrn

eü9ü

e-rr'

Xomai xexpapxiai xaüxr] einxexaYUevai

ai

e'Trnxai,

(Kolonnen-

olov

TtopeüuuvTou,

n,Y0uuevr|C f]

au Eeva-

Yiac riYOU.uevric ai \onrai SevaYiai ercujvxai, £vi xe \6yuj, erreiöäv toö Trpon,Youinevou TOtY^ciToc xolc oupaYoic oi toö eqpeEnc xdYluaxoc riYe^övec cuvdirxujciv. 2 )

Kyrop.

II

4,

3:

TrapaYYeikac

xrjv

Trpujxr)v

x i ^ l0CTU v

eirecOat

Kaxä

oeuxepav Kax' oüpdv xaüxnc dKoXouGeiv Kai 6iä -rravxöc oüxwc. 8 Meine Bemerkung (Sehlachtf. S. 63), daß die Kolonne „sich heim Marsche ) natürlich verlängert habe", findet Lammert unzutreffend, da die Kolonne eine

XÖipav,

xrjv b&

„geöffnete" hätte

sein

müssen.

Das

ist

aber nicht der Fall wegen der größeren

Nehmen

wir z.B. Lochen von 150 Mann, Xenophons Aax. tto\. und eine Tiefe der Phalanx von 12 Mann an, wie sie bei Leuktra war, so bilden diese Abteilungen ungefähr Quadrate und es entsteht bei der Schwenkung überhaupt keine Lücke. Selbst aber wenn die Fronten der schwenkenden Abteilungen beträchtlich größer waren als ihre Tiefe, wurden die entstehenden Lücken auf dem Marsche sofort ausgefüllt, da der Tiefe der Aufstellung bei den Griechen.

wie

in

Soldat in Schlachtstellung nur 3

Fuß

= 88

Zentimeter in der Tiefe hat, auf dem die Marschbreite für den Ein-

Marsche aber weit mehr braucht, wie denn auch zelnen

das Doppelte

seiner Frontbreite

in der

Schlacht, nämlich 6

Fuß betrug

So erhält ja auch der preußische Soldat auf Märschen durchschnittlich 1-44 Meter ein Bataillon in Sektionskolonne hat 360 Meter Marschund der griechische Hoplit mit Schild, Lanze und schwerer Rüstung tiefe (Pol.

XII

19, 8).





brauchte sicher noch mehr, besonders bei einem Marsche querfeldein. geöffneten Kolonne im Sinne der modernen Taktik kann also nicht

Von

einer

Rede und eine Verlängerung derselben ist aus inneren Gründen anzunehmen. Daher hatte ich meine Ansicht auch gar nicht, wie L. mir (S. 116) unterschiebt, auf Xenophons Worte ^EexöGr) aüxui f] qpdXaYt gestützt, sondern nur die Möglichkeit offen gelassen, diese Worte so zu interpretieren (Sehlachtf. S. 86, A. 1). Die Bemerkung L.'s, daß Xen. dann Ausdrücke, wie dTTOCiräc6ai, biaciräcOat, die

sein

ötappaYnvai

oder

ähnliche

würde,

gebraucht haben

die richtige Auffassung der

Worte Xenophons

ist

deshalb unzutreffend,

nicht einzutreten brauchen.

weil „Lücken" bei einer solchen Verlängerung s.

u. S.

13,

A.

1.

Über

10

J.

KROMAYER.





nachob Enomotien- oder Lochenkolonnen ist dabei gleich der Angriffsflügel durch Aufmarsch formiert war, die Front nach dem Feinde herstellen, so blieb gar nichts anderes übrig, als

dem

das durch Einschwenken griffsflügels selber

und des Anvon Anfang an

der einzelnen Abteilungen

zu bewerkstelligen, wie

ich

es

und nur fälschlich auf die Worte Xenophons gestützt Aber es ist allerdings im höchsten Grade auffällig, daß Xenophon von dieser Bewegung, die doch zum Verständnis schlechterdings notwendig ist, kein Wort sagt, sondern, nachdem er von dem Aufmarsche der Lochen gesprochen hat, einfach fortfährt: 6 bt tö CTpareujua dvTmpuupov üjcnep Tpir)pr) irpocnje. Diese Worte hat zwar Lammert auf Einschwenkung des Angriffshaufens beziehen wollen, so daß wenigstens die Schwenkung dieses wichtigsten Teiles des Heeres angedeutet wäre. Aber eine genaue Betrachtung der Worte zeigt, daß hier weder von dem Angriffsflügel noch von einer Schwenkung die Rede ist, sondern von einem Vorgehen (TrpocfJYe), und zwar von einem Vorgehen des ganzen Heeres in derjenigen Stellung, welche Xenophon dvTiTrpuupoc nennt. Hier ist also in unserer bisherigen Auffassung der ganzen Situation etwas noch nicht in Ordnung, und dies ist deshalb der Punkt, an welchem ich mit meiner neuen Auffassung der Schlacht gefordert

hatte.

einsetzen möchte.

Man

hat

bisher

allgemein

angenommen,

daß Epaminondas

seine Böotier in besonders tiefer Aufstellung auf den linken Flügel

und diesen

bestimmt habe, während er Zentrum und auf den rechten Flügel als Defensivflügel verwiesen habe. Der Angriffsflügel sei wegen des schrägen Anmarsches zuerst mit dem Feinde zusammengestoßen, im übrigen aber das Heer mit breiter Phalanxfront in Linie gegen gestellt

die

als Angriffsflügel

anderen Truppen

ins

den Feind vorgegangen.

Annahme

ging

trachteten Gedanken,

daß

Diese

hervor

aus

dem

als

unantastbar

be-

die schiefe Schlachtordnung wie bei Leuktra so auch hier zur Anwendung gekommen sein müsse, und darüber hat man ganz versäumt, genau und vorurteilsfrei zu untersuchen, worauf denn eigentlich für Mantinea die Annahme der schiefen Schlachtordnung beruht. Unsere Kenntnis von der Schlachtanlage des Epaminondas ;

stützt sich ja, wenn wir von dem in dieser Beziehung unbrauchbaren Diodor absehen, ausschließlich auf Xenophon. Wo aber steht bei Xenophon auch nur ein Wort, durch das

die

moderne Anschauung gerechtfertigt würde.

.

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTEELDERSTUDIEN.

11

Wo

steht, daß Epaminondas aus den Böotiern einen besonders Schlachthaufen gebildet und daß er ihn auf den linken Flügel gestellt habe? Die Worte, welche dafür angezogen werden, lauten:

tiefen

touc

TTapa-fcrfuJV

eTTOiricaio tö

em Kepwc

iropeuouevouc Xöxouc ec ueTumov icxupöv Also kein Wort von Thebanern

eauröv eußoXov.

-rrepl

oder überhaupt einem Teile

des Heeres;

Flügel oder überhaupt einem Flügel. Es

ist

kein

Wort von linkem

vielmehr die Rede von

ganze Heer; denn das ganze nach der Flanke abmarschierten Lochen. Wo steht ferner ein Wort von Offensiv- und Defensivflügel und Vorschieben des ersteren? — Die Worte, welche das besagen der Bildung eines eußoXov durch das

Heer

steht in

sollen, sind: 6 be tö

Kai

y«P

cTpotTeuua dvriTrpujpov wcTtep

uev

tuj

on,

TiapecKeudZieTO

icxupoTÖnriy

Tpir)pn, TxpocfjYe

dTuuvi£ec9cu,

.

.

tö be

dc9evecTaTov ndppuu aTrecTncev. Ist aber wohl dvTiTrpiypoc „mit dem Bug dem Feinde zu" ein passender Ausdruck für eine Armee, die mit einem vorgeschobenen

Flügel schräg, sonst aber wie

den Feind ein

Und

vorrückt?

Anmarsch

schräger

alle

Armeen damals

durch die Worte

ist

anschaulich

oder

in Linie

Ttdppuu

gegen

dTrecnicev

genügend

überhaupt

charakterisiert?

Dazu kommt

eine Schwierigkeit

welche die

sachlicher Art,

bisherige Auffassung geradezu als unmöglich erscheinen läßt.

Wie

will

man

bei

dieser Schlachtdisposition die

dem

der detachierten Abteilungen vor

Es

gibt

eine sehr große

Absendung

rechten Flügel erklären?

Anzahl von Schlachten im Altertum

mit schiefer Schlachtordnung, aber nirgends erinnere ich mich, von solchen vor

dem

Defensivflügel vorgeschobenen Abteilungen dabei

gelesen zu haben.

Das widerspricht

ja auch

Schlachtordnung. Denn dabei

dem

Defensivflügel vermeiden.

geradezu

will

man

der

Idee

ja einen

Man wird doch

der

schiefen

Zusammenstoß auf

also nicht hier deta-

Truppen vorschieben, durch die ein Zusammenstoß gerade herbeigeführt werden muß. Ich habe diese Maßregel (Schlachtf. S. 66) damit zu erklären versucht, daß der äußerste rechte Flügel der Thebaner im Augenblicke des Zusammenstoßes noch etwa zwei Kilometer von dem linken der Gegner, den Athenern, entfernt gewesen sei, während die chierte

athenischen Hopliten von der Einbruchsteile selber nur etwa 800 Meter

abgestanden hätten. Aber was beweist das? Bei einer Schwenkung der Athener Schritte,

den

der Einbruchstelle hin hätte sich mit jedem vorwärts machten, die Entfernung von Flügel und

nach sie

12

J.

KROMAYER.

Zentrum der schräg anmarschierenden Gegner verringert, und sie hätten bei einer solchen Bewegung dem Feinde auch ohne alle detachierte Abteilungen Flanke und Rücken geboten. Kurz, es türmen sich hier so viele Interpretations- und sachdaß man, glaube ich, die bisherige Auf-

liche Schwierigkeiten auf,

fassung fallen lassen und sich nach einer anderen umsehen muß. Sie liegt auf der

Hand, wenn wir uns

genauem Anschlüsse

in

an Xenophon die Situation vorstellen. hatten das Heer des

Wir

Epaminondas

verlassen,

es in

als

Kolonne nach links marschierend am westlichen Rande der Ebene von Tegea angekommen war. Hier läßt der Feldherr nun die einzelnen bisher hintereinander marschierenden Lochen nebeneinander aber nicht zu voller Phalanx, welche ihre Front aufmarschieren nach dem Gebirge und ihre rechte Flanke nach dem Gegner hin gehabt haben würde, sondern nur so weit, daß die ganze Armee ein kxupöv eußoXov, eine „wuchtige Kolonne" bildet. Die Worte ;

Xenophons: napaja*[(bv touc em Kepuuc Tropeuoue'vouc Xöxouc eic ueTumov icxupöv e-rroirjcaTO tö Tiepi eautöv eußoXov bedeuten also „durch Aufmarsch der nach der Flanke marschierenden Lochen bildete er eine wuchtige Kolonne".

Wie

er das

im einzelnen gemacht hat,

können

näher;

wir

malige

griechische

und

nach

der

uns aber nach Elementartaktik

Zusammensetzung

dem,

Wenn

wir

anknüpfen an die

Xenophon

aus Xenophon der

wenigstens eine ungefähre Vorstellung

von etwa 6000

sagt

was wir über

Armee

sonst

nicht

die

da-

wissen

Epaminondas

des

davon machen.

ungefähre Zahl

der Thebaner

— 7000 Mann und annehmen, daß diese den vordersten

der Schlachthaufen gebildet hätten, dieses Haufens von eine Front

so

würde sich bei einer Tiefe auch bei Leuktra gewesen

50 Schilden, wie er von 120 140 Streitern ergeben,



wie auch schon (Schlachtf. S. 64) für die Böotier angenommen hatte. Die einzelnen Lochen würden in diesem Haufen der damaligen Taktik entsprechend so gestanden haben, daß sie alle Anteil an der Front hatten, d. h. sie würden bei einer Stärke von war,

desselben

ich das

150

Mann



ich setze diese

Zahl nur beispielsweise, da wir über



Lochen keine Nachrichten haben nur mit 3 Mann in der Front und 50 Mann in der Tiefe gestanden haben. Da sie in so schmaler Front vorher nicht marschiert haben können, so muß mit dem Aufmarsche der Lochen zur Kolonne zu gleicher Zeit eine Vertiefung in der Formation der einzelnen Lochen die

Stärke

der

böotischen

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEN. eingetreten

über

sein,

die

aber Xenophon,

über

als

ein

13 Detail,

begreiflicherweise schweigt.

Ähnlich wie die Böotier werden auch die anderen Kontingente aufmarschiert sein, so daß das ganze eußoAov des Epaminondas, je nachdem man die Stärke der Armee und die Stärke der detachierten

Abteilungen annimmt,

aus

oder

drei

vier

solcher

hintereinander

stehender Haufen

zusammengesetzt war, welche auch nach dem Aufmarsche noch die Front nach dem Gebirge zu hatten. Da die bisherige Marschkolonne des Epaminondas viel länger gewesen war als die neue (ercel eHeiden. coituj f\ qpa\dߣ) *) so hatte ,

der Feldherr,

als er

am Rande

der Ebene

Spitze natürlich halten (uttö toic erst

den Aufmarsch

hergestellt war,

ließ

vollziehen

uipr|XoTc

e'06TO

Als

lassen.

der Spitze (dvaAaßeiv irapaYYeiXac Td öirXa

Er

führt so das

dem Bug nach vorn gegen den Feind Er hat

die

Schlachtkolonne

die

fpreiTo);

das

Heer wie (tö

war,

xd cmXa) und dann

und marschierte

er wieder antreten

folgt: oi b' n,Ko\ou9ouv.

angekommen

selbst

an

ganze Heer

eine Triere mit

ctpaieoua

dviiTTpiupov

beim Antreten mit der Spitze eine Viertelschwenkung rechts gegen den Feind gemacht, eine Bewegung, die von Xenophon nicht besonders namhaft gemacht zu werden brauchte, weil ihr Resultat durch die zuletzt zitierten Worte mit genügender Deutlichkeit gekennzeichnet war. Bei dieser Auffassung fallen alle bisherigen Schwierigkeiten fort. Man versteht jetzt, warum Xenophon von einer Herstellung der Phalanxfront durch Einschwenken der Lochen nicht gesprochen hat: Es hat eben keine stattgefunden. Man begreift, weshalb er diesen Anmarsch der gewaltigen Kolonne mit dem Anlaufen der Triere gegen den Feind, den Bug nach vorn, verglichen hat; warum er die Aufstellung des ganzen Heeres ein euß°A° v genannt hat. ÜJCTiep

xpiripn,

Es kolonne

ist

irpocfiYe).

derselbe Ausdruck,

braucht,

Parallele (6

'Ett.

und

steht

au Kai toö

also gleich

wie

dazu ittttikoö

der,

den er für

in absichtlicher

eußoXov icxupöv

die Reiter-

und deutlicher eTroiricaxo).

wiederEs erklärt sich jetzt weit ungezwungener BerechEpaminondas holte Betonung des Umstandes, daß nach nung durch den Sieg an einem Punkte die ganze Schlacht entals früher die

J )

Meine frühere Interpretation dieser Worte

(Schlachtf. S. 86)

halte ich

langer Linie aufgestellt war" (S. 117) kommt zwar der Wahrheit bedeutend näher, ist aber insofern noch nicht ganz zutreffend, als Epaminondas damals nicht in Linie, sondern in Kolonne stand. Es muß daher heißen: „da sein Heer sich in langnicht

aufrecht.

Die Auffassung Lammerts

gestreckter Formation befand

-1

.

„da

sein

Heer

in

14

J.

KROMAYER.

schieden werden mußte. Denn bei der Annahme der schiefen Phalanx wäre der Einbruchspunkt zwar auch der erste und wichtigste, aber nicht der einzige gewesen, an dem es zum Zusammentreffen

kommen

mußte.

Ferner wird jetzt die Bedeutung der Detachierung nach der rechten Flanke hin klar. Links wurde die Sturmkolonne von der Reiterei gedeckt, aber rechts durch nichts. Die Athener auf ihrem Flügel hatten gar keinen Gegner sich gegenüber und hätten

wenn

gewesen wäre, der Kolonne ohne Scheu in die Flanke fallen können. Auch die Bemerkung Xenophons, daß die Formationsveränderungen des Epaminondas ausgesehen hätten als ob er ein Lager nicht jene Detachierung

wolle (eiK&c9r| cTpaTOTTeöeouuevuj),

schlagen

deutlichen Sinn.

Wenn Epaminondas

Stellung formiert gehabt und

das

nur

erhält

die

erst jetzt

Thebaner

andere Heer

in

einen tiefer

in langgestreckter

Phalanx belassen hätte, so wäre nicht recht zu ersehen, weshalb die Feinde an Beziehurjg eines Lagers hätten denken sollen. Wenn er dagegen die ganze langgestreckte Marschkolonne bis auf 200 Mann verkürzte, so mußte das natürlich den Gegnern als ein Aufgeben der Schlachtbereitschaftsstellung erscheinen. Die Parallele zu der Schlachtanlage von Mantinea ist also nicht, wie man bisher stets angenommen hat, die Schlacht von Leuktra, sondern vielmehr das Gefecht von Tegyra, gleichfalls ein Durchbruchsgefecht, wo Pelopidas mit einer ganz gleichartigen Sturmkolonne ohne schiefe Schlachtordnung die Schlachtreihe der Gegner durchstößt 1 ), und die dritte Schlacht bei Mantinea (207) insofern wenigstens, als dort der Anmarsch des Machanidas eine solche Absicht andeutete und von den Achäern ein solcher Durchbruchsversuch vermutet wurde 2 ). Der Grund, warum Epaminondas diese auffallend tiefe Formation wählte, welche mehr an die Schlachthaufen der Landsknechte als an die griechische Phalanx erinnert, wird darin gelegen haben, daß das Gros seiner Truppen nicht zuverlässig war, wie

1

)

eic

aüröc ö£ (Pelopidas) touc ÖTrXixac xpiaKociouc övrac eXm^uiv ko.0' 8 irpocßdXoi fiäXiCTcc 6iaKÖiyeiv üirepßäX-

Plut. Pelop. 17:

öXvrov

cuvrjYorfev,

irXtiBei touc iroXeu.iouc. Auch die Reiterei scheint sich hier in ähnlicher Weise an dem Durchbruch beteiligt zu haben wie bei Mantinea; denn es heißt von ihr: xfjv u£v unrov euöüc ircicav ^KeXeuce irapeXauveiv dir' oüpäc üjc -rrpo-

Xovtüc

eu.ßaXoöcav. 2 )

Tirj

Dann

fügt aber Plutarch über ihre Tätigkeit nichts weiter hinzu.

Polyb. XI 12, 4: ö öe Mctxctvioctc tö

cpäXctYY 1 Trpocuitujv

u.£v

irpüiTOV

irpöc tö öeSiöv tüjv TroXeu.iujv.

imdbetEev

ibc

öpBict

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEN.

Xenophon

ausdrücklich

das ja

andeutet

15

1

nicht weil es ihm an ), gutem Willen, sondern weil es ihm an Schulung für irgendwie kompliziertere Bewegungen fehlte. Wir haben eben in ihnen eine Summe von Bürgermilizen vor uns, welche so gut wie nie in größerem und überhaupt noch nie in so großem Verbände gekämpft hatten wie bei Mantinea, und welche schlechterdings nichts anderes kannten als den Frontalkarapf der Parallelschlacht. Das kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Hätte Epaminondas nun seine Böotier

zum Gewaltstoße

allein

den anderen

mäßig sehr langen Anmarsch mit

auf

dem

linken Flügel verwendet und

schwierige Aufgabe

die

seinem Gewalthaufen

in

zugemutet,

den

verhältnis-

Phalanxlinie und in gleicher

auszuführen

und

so in spitzem

Höhe

Winkel

auf den Feind zu stoßen, so wäre wahrscheinlich der ganze Ano-riff mißglückt. Denn auch abgesehen von der mangelnden Schulung,

kann

eine

Phalanx

kommen

in

langer Linie im Gelände unmöglich so schnell

Es wären Ungleichheiten, Risse und Lücken entstanden, mit deren Ausfüllung und Ausgleichung die kostbare Zeit verloren gegangen wäre. Hätte man aber darauf beim linken Flügel keine Rücksicht genommen, so wäre man allein an den Feind gekommen und unter dem Eindrucke von dem übrigen Heere im Stiche gelassen zu sein. Ganz anders war dagegen die Sachlage, wenn die ganze Armee in einer einzigen tiefen Aufstellung formiert war. Dann hatte der Feldherr die ganze Masse in seiner Hand. Die hinteren Haufen kamen zwar auch nicht an den Feind, aber sie verstärkten die Wucht des Stoßes und konnten im Notfalle, wenn ein Flankenangriff von seiten der Gegner erfolgte, aus der Tiefe heraus denselben weit besser abwehren, als wenn man nur eine flachere Aufvorwärts

stellung von

wie ein Haufe.

etwa 50 Mann dazu zur Verfügung gehabt

hätte.

Es fragt sich, ob durch diese Auffassung nicht eine wesentVerschiebung des Bildes eintritt, welches man sich bisher von Epaminondas als Taktiker gemacht hatte, und ob nicht im besonderen auch die Ausführungen, welche ich selber über die kriegsgeschichtliche Stellung des Epaminondas gegeben habe, nicht einer wesentlichen Modifikation unterzogen werden müssen. liche

Im

Denn

ersten Augenblicke

scheint

das äußere Bild der Schlacht

Statt einer geschlossenen Linie, x )

Hell. VII

5,

23:

das

ist

welche

ein in

allerdings nötig zu sein.

ganz anderes geworden. Offensiv- und Defensiv-

tö äcöevecTaxov Tröppuu d-rrecTncev, eibuuc ort r|TTn9ev

äGufuiav äv Trapdcxoi toic

1

lueö

eauxoü

pd)|ur|v

be rote iroXeuioic.

16

J.

KROMAYER.

haben wir einen oder vielmehr zwei tiefe Gewaltund die Reiterei, welche auf einen Punkt ihren Stoß richten, und daneben nur noch eine größere detachierte Abteilung von Reiterei und Fußvolk, welche den anderen Flügel des Gegners beschäftigt. Ein Zentrum ist überhaupt nicht mehr flügel

zerfällt,

haufen,

die Hopliten

vorhanden.

Aber wenn man Bild

nicht beirren

kommt, im Auge

durch dies äußerlich

sich

läßt,

behält,

sondern das Prinzip,

man

so gewahrt

anders

geartete

auf welches es an-

alsbald,

daß

sich

doch

nicht allzu viel geändert hat.

noch da und beide eben jetzt haben ihre alten die früher als vorgeschobene Abteilungen bezeichneten Truppen, welche auf den Abhängen der Kapnistra eine abwartende Stellung eingenommen haben und eben leisten sollen, was Aufgabe des Defensivflügels ist: Beschäftigung und Hinhaltung der Gegner. Der Offensivfiügel unter Epaminondas selber und die beigegebene Reiterei bat nach wie vor den Hauptstoß zu führen und die Ent-

und Defensivflügel

Offensiv-

Aufgaben. Den

beide

sind

Defensivflügel bilden

scheidung zu bringen.

Die Kräfteverteilung, das Prinzip der Arbeitsteilung, die der Aufgaben, alles was die Neuerung des Epaminondas zu dem epochemachenden Ereignis gestempelt hatte, bleibt nach wie vor bestehen. Nur die äußere Form ist eine andere, und wir sind dadurch

Differenzierung

um

ein charakteristisches Schlachtenbild aus

dem Altertum

reicher

geworden.

II.

Chärouea. Man

vergleiche zu folgendem die Skizze S. 19.

Die erwähnte Entdeckung von Sotiriades, daß der Tumulus von Brämagas die Reste eines großen Teiles der bei Chäronea gefallenen Krieger enthalte, hat in die Diskussion über die

Schlachtfeldes

ein

sprechung ich

um

sich

durch

neues

Lammerts und

in

Lage des

dessen Be-

lieber eintrete, als Sotiriades Ausführungen vornehmen Ton ruhiger Sachlichkeit von denen

der anderen

als er zugleich

wirklich Neues

hineingebracht,

so

einen

abheben, und

Moment

Kämpen

und Belangreiches

frage beizubringen.

in

der einzige in

diesem Streite vorteilhaft dem es gelungen ist,

ist,

der

ganzen

Schlachtfelder-

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEN.

17

Ich hatte (Schlachtf. S. 159) den Raum, in welchem die Schlacht unbedingt geschlagen sein müsse, im Westen durch das Ende des Akontiongebirges, im Osten durch die Mündung des Keratapasses

abgegrenzt, und zwar letzteres deshalb, weil der

Rückzug der

Grie-

nach Lebadea gegangen sei und die Straße von Chäronea dorthin eben über den Keratapaß geführt habe 1 ). Innerhalb dieses Raumes von 2 3 Quadratkilometern hatte ich dann die Stellung der Griechen so bestimmt, daß sie quer über die Talebene hinlaufend dieselbe gesperrt habe, und sie ferner aus Gründen innerer Wahrscheinlichkeit bis an die westliche Grenze des bezeichneten Raumes vorgerückt, da es mir natürlich schien, anzunehmen, daß die Griechen, wie sie sich rechts an den Kephissos anlehnten, so links die befreundete Stadt Chäronea in gleicher Weise als Flankendeckung benutzt hätten. Gegen diese weite Vorschiebung hat nun Sotiriades mit Recht die östliche Lage des Tumulus geltend gemacht und mit überzeugenden Gründen ausgeführt, daß ein Zusammentragen der Toten auf eine mehr als 2 Kilometer vom Schlachtfelde entfernte Stelle bei den örtlichen Verhältnissen dieses Teiles der Ebene durchaus unwahrscheinlich sei (S. 313 ff.). Er schlägt deshalb vor, unter Belassung der Frontrichtung, die ich dem griechischen Heere gegeben, und unter Anerkennung der Gründe, welche eine Sperrung der Talebene und eine Anlehnung an Fluß und Gebirge rechts und links wahrscheinlich machten, das Schlachtfeld starke 2 Kilometer weiter östlich zu verlegen. Den Ausgang des Keratapasses läßt er dabei zwar nicht unmittelbar in die Schlachtlinie mit eingezogen, aber doch durch leichte Truppen gedeckt sein, so daß er als Rückzugslinie freigehalten wurde 2 ) und die uirepbeHioi töttoi, welche Philipp bei seinem Zurückchen



Daß

auch weiter östlich über die sich verflachenden und durch die enge Schlucht bei Brämaga zurückgehen konnten, sollte damit nicht bestritten werden. Aber der Rückzug nach Lebadea bleibt doch nur verständlich, wenn die Straße durch das Keratatal von Anfang an als Hauptrückzugsstraße ins Auge gefaßt war und große Teile der Armee auf ihr zurückgingen, so daß die weiter östlich zurückgehenden Truppen Anschluß *)

Teile

des Heeres

Ausläufer des Thurion

nach dieser Seite hin fanden. Denn sonst sieht man nicht ein, weshalb man sich von der natürlichen Rückzugslinie, welche nach Südosten auf Haliartos und Theben zu ging, nach Südwesten nach Lebadea gewandt haben sollte. 2 Sotiriades erwähnt S. 328 den Keratapaß, „welchen wohl die Griechen durch eine geschickte Truppenverteilung für sich freigehalten haben müssen *, und spricht in d. A. von leichten Truppen, welche die Bodengestaltnng hier verlangte. Im Anschluß an die Skizze der Schlachtaufstellung (S. 305) würde man danach im Sinne von Sotiriades an ein Detachement von leichten Truppen )

1

zu denken haben. Wiener Studien. XXVII.

1905.

18

J.

weichen östlich

erreichte,

findet

er

KROMAYER. „an den

vom Löwendenkmal" wieder

sanften

Hängen

(S. 328).

Mit dieser Ansetzung rückt das Schlachtfeld

an die

liche

östliche

Grenze

des

der Hügel

von

mir

statt

an die west-

bezeichneten Raumes,

nicht über dieselbe hinaus. Denn es bleibt die Forderung, daß der Keratapaß nicht vor der griechischen Stellung liegen dürfe, vollkommen gewahrt. Die taktische Situation wird von dieser Ände-

aber

rung daher nur leicht, die strategische und der ganze Hergang des Feldzuges überhaupt nicht berührt. Man wird sich mithin der Ansetzung sehr wohl anschließen

können und ist dem griechischen Gelehrten auch für diese aus seiner Entdeckung mit Scharfsinn und Glück gezogenen Konsequenz zu

Dank

verpflichtet.

Nur

eine kleine Korrektur, welche diese Ansicht noch sicherer

möchte ich mir erlauben. Die Breite der Ebene vom Kephissos beim Tumulus bis zur Mündung des Keratapasses ist nur wenig größer als die Breite der Ebene bei Chäronea selber. Dieser Umstand macht es möglich und die Wichtigkeit des Passes macht es nötig, anzunehmen, daß seine Mündung nicht nur durch ein Detachement leichter Truppen gedeckt, sondern daß sie vollständig mit in die Schlachtstellung einbezogen gewesen ist. Es müssen also die südlichen Flügel der Griechen und Makedonier nicht bloß bis an die neue Chaussee von Chäronea nach Livadia oder etwas über sie hinausgegangen sein, wie Sotiriades das auf seiner Skizze einzeichnet, sondern der linke Flügel der Griechen muß bis an den Fuß der Höhen gereicht haben, welche den Keratapaß im Südwesten begrenzen, so daß er rittlings über dem alten Weg Chäronea-Lebadea stand und denselben sperrte. Die Stellung der Athener, welche ja bekanntlich in dieser Schlacht den linken Flügel hatten, würde sich also in dem etwa 1 Kilometer breiten Räume zwischen der modernen Chaussee nach Livadia und der alten Straße durch den Keratapaß befunden und noch etwas über die letztere hinausgereicht haben, ein Raum, der für ihr Kontingent von etwa 10.000 Mann gerade ausreicht. Diese Stellung liegt, wie die beigegebene Skizze zeigt, auf rechten Ufer eines unscheinbaren Bächleins dem Molos meiner dem und auf einem nach Osten etwas ansteigenden Terrain; Karte stellt,





war also für eine Verteidigungsstellung außerordentlich günstig. So wird es erklärlich, daß Philipp die Athener durch absichtliches Zurückweichen über den Bach lockte und erst, als sie so sie

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEN.

19

20

J.

auf das nach Westen

Polyaens

KROMAYER.

ansteigende Gelände,

gekommen waren, zum

Der ganze Verlauf der Schlacht wesentlichen Punkten

ebenso

tuttoi

uirepbeEioi

bleibt also gleichfalls in allen

bestehen,

Schlachtfeldern dargestellt hatte.

die

Angriff tiberging und sie schlug 1 ).

wie

ich

ihn

in

meinen

Der Kampf auf den beiden nörd-

lichen Flügeln wird überhaupt durch diese

Verlegung nicht

in Mit-

leidenschaft gezogen; auf den südlichen Flügeln haben wir gleich-

Weichen des Philipp, die Gewinnung günschließlich den entscheidenden Vorstoß zu und stigeren Geländes konstatieren, nur daß bei dem Zurückgehen jetzt keine Drehung des makedonischen Flügels nach rechts, sondern dem Gebirge entsprechend eher eine solche nach links anzunehmen sein wird. Dieser Lokalisierung und der damit zusammenhängenden Auffassung der Herganges hat Lammert nun aber seinerseits widersprochen. Er hat zwar infolge von Sotiriades Entdeckung ebenfalls seine frühere Ansetzung der Schlacht aufgegeben und läßt jetzt die Griechen mit der Front nach Norden oder Nord-Nordwesten die ganze Breite des Ausganges des Keratapasses einnehmen und auf beiden Ufern des Molosbaches stehen, so daß sie sich mit ihrem linken Flügel bis an den Abhang erstreckt hätten, dessen Kuppe auf der Skizze mit der Höhenbestimmung 177 versehen ist, während ihr rechter Flügel frei in die Ebene hinausgeragt hätte (S. 278). Diese Ansetzung ist nicht wohl möglich. Denn erstens wäre dabei eine Anlehnung des rechten Ffügels an den Kephissos, die Lammert auch ausdrücklich dahingestellt sein läßt, nicht zu erreichen gewesen, und man hätte also von der überlegenen thessalisch-makedonischen Reiterei des Gegners überflügelt werden können, eine Annahme, die nicht gerade wahrscheinlich ist und sich nur auf Lammerts schon oben widerlegte falls

ein

anfängliches

Theorie von stützt

2 ). ')

seite des

(S.

der Wertlosigkeit

darüber oben

2 Meter (Sotiriades 303, A. 2)

man annehmen

so daß

südlich von der 2 )

3

Der Ausgang des Keratales hat Thuriongebirges überhaupt

Daß



Überflügelungen im Altertum

der

S.

— so

Und

f.)

zweitens

sind

wie die Talausgänge an der Nord-

sich,

am Polyandrion der Thebaner um Anschwemmung des Flüßchens erhöht, heute kaum merkbare Senkung unmittelbar z.

B.

durch die

kann, daß die

modernen Chaussee früher etwas bedeutender gewesen

die Griechen,

dann

welche

sich

sein wird.

selbst vor der Niederlage ihrer Söldner

Ebene zu einer Schlacht herabgewagt hatten, nach deren Vernichtung sich erst recht im freien Felde unterlegen fühlen und daher Flankenanlehnungen suchen mußten, liegt auf der Hand und ist auch von Sotiriades nicht in die phokische

S.

317

f.

mit Recht

hervorgehoben.

Woher

sollten

ferner

die Griechen in der

dürren Ebene im Anfang August das Wasser bekommen, wenn Kephissos heranreichten?

sie nicht

an den

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEN. die UTxepbeEioi tötioi

des Polyaen

Denn etwa 500 Meter

nördlich

schlechterdings nicht zu finden.

oder

nord-nordwestlich von der welche Lammert den Philipp sind Bodenwellen, wie Lammert sie hier

um

Stellung der Athener, eine Strecke,

zurückgehen lassen

will,

irrtümlich voraussetzt,

dern die Ebene

ist

21

und

weit

breit

nicht

hier vollständig platt

So unglücklich wie

in

mehr zu

finden,

son-

1

).

der Lokalisierung

ist

Lammert nun

aber auch in seiner Rekonstruktion des Kampfes zwischen Philipp und den Athenern selbst. Er hält nämlich die Auffassung, daß die Athener durch verstellten Rückzug auf ungünstiges Gelände gelockt habe, nicht für richtig, sondern glaubt, daß Philipp gleich beim ersten Angriffe so ernstlich geschlagen sei, daß seine Phalanx in vollste Deroute geraten und so ins Davonlaufen gekommen sei, daß die Athener trotz der Anfeuerung ihres Führers

Philipp

ihnen nicht mehr hätten

Stratokies

nachkommen können, weil sie Makedonen laufen konnten".

„nicht so schnell und so lange wie die

Sie hätten den Feinden daher „Luft lassen"

erheblich

hinter

ihnen zurückgeblieben.

möglich geworden, seine Truppen wieder

müssen und Dadurch sei

seien sogar es

Philipp

langsamen Schritt fallen zu lassen, und als er dann höheres Gelände erreicht habe, seiner Phalanx sogar durch schnell angeordnetes Eindublieren der Mannschaften eine größere Frontausdehnung zu geben, als die Athener gehabt hätten. Dies Manöver habe die Athener, als sie nun endlich die Makedonen wieder eingeholt hätten, so bestürzt und fassungslos gemacht, daß Philipp jetzt einen leichten Sieg errungen habe (S.

129

in

ff.).

Von

wundersamen Vorgängen steht in unseren Quellen kein Wort. Die beiden Strategemata Polyaens (IV 2, 2 und 7), welche die Schlacht von Chäronea behandeln und auf die Lammert sich stützt, erzählen den Hergang in etwas allen

diesen

höchst

voneinander abweichender Fassung, aber inhaltlich übereinstimmend als Lammert. Seine Auffassung ergibt, wie er selbst gesteht, „allerdings gerade das Gegenteil von dem, was man

und ganz anders

x der die Gegend auch hier weit besser kennt als die Leute, ) Lammert, welche da waren, nimmt an, daß sich „zwei Bodenwellen" rechts und links vom „Molostale" in die Ebene nach Norden hineinzögen, und wirft Sotiriades vor, daß er sie „nicht beachtet" habe (S. 279). In Wirklichkeit ist, wie ich nur bestätigen kann, davon nichts vorhanden. Die Auffüllungen der Winterbäche beschränken sich natürlich auf die Gegend unmittelbar am Rande der Ebene.

Vgl. die vorvorige

Anm. Lammert

tappt hier,

Konstruktionen macht, völlig im Dunkeln

wie überall, wo er topographische

(vgl. S. 5.

25.

28 A.

1.

31

£f.).

22

J.

bisher

aus

ihnen

KROMAYER.

herauszulesen

pflegte",

und wird nur dadurch

ermöglicht, daß er die beiden Strategeme willkürlich zu

einem

bindet und das zweite mitten in das erste hineinschiebt,

ver-

nachdem

ihm Anfang und Ende abgeschnitten hat 1 ). Aber selbst mit dieser durch nichts begründeten Vergewaltigung der Quellen kommt er nicht zum Ziel, sondern er muß auch im einzelnen die Übersetzung noch in unerhörter Weise pressen. In den Worten ei'Sac eveKXivev muß nach ihm der Begriff des gezwungenen Zurückweichens stecken, obgleich der Begriff der Notwendigkeit in den Worten an sich schlechterdings nicht liegt, und Stellen, wie z. B. urceiKei Kai GeXuuv efKXiveiai 2 ), beweisen, daß diese Wortverbindung sehr wohl als Ausdruck für freiwilliges Zurückweichen anwendbar ist. In der Aufmunterung des Stratokies zu energischer Verfolgung und den Worten ouk dvf|Ke öiujkujv soll liegen, daß die Athener lässig in der Verfolgung gewesen seien und die fliehenden Makedonier nicht hätten einholen können. Die Wendung 0i\ittttoc em iröba ävexwpei soll bedeuten, daß die Makedonier vorher gelaufen sind und daß es dem Könige gelingt, „seine Leute aus dem Laufen wieder in ruhigen Schritt zu bringen". Die Besiegung der ungeübten und stürmischen Athener (ö£eic Kai drfüuvacTOi) durch die wohl trainierten Makedonier (r^CKr|KÖTec Kai YeY u M vacu £ V01 ) wird nicht mit der Dauer des Kampfes, sondern mit der Ausdehnung der Phalanxfront motiviert, was schlechterdings keinen Sinn gibt (S. 130 f.). er

Und noch trauriger sieht es mit der militärischen Seite der Sache aus. Die Makedonier sind nach einem ernstlichen Angriffe völlig geschlagen und laufen was sie können davon. Da keine Reserven vorhanden sind, ist in diesem Falle in der alten Hoplitenschlacht die Sache definitiv entschieden. Selbst wenn sehr wenig verfolgt wie das z. B. die Spartaner taten, setzt und ordnet die geschlagene Truppe sich nicht leicht wieder. Das Gefühl, dem Gegner wird,

')

Von dem

zweiten Strategem

pujveict

und hinten Kai euxeipuJTOUC

Worten

töttudv

eingeschoben

werden vorn

eTroirjce

die

Worte 0i\iTnroc ev Xcu-

gestrichen und der Rest hinter den

Xaßöuevoc mit ein paar zugefügten „Kai"

(S.

131, A.

1).

in das erste

Strategem

Der amputierte Schwanz Kai euxeipwTOUC

liroince



dann später (S. 132) in der Übersetzung ganz gemütlich wieder da. Auch daran, daß Frontin II 1, 9 das zweite Strategem schon ganz ebenso gelesen hat wie Polyaen und das erste gar nicht kennt, nimmt Lammert keinen Anstoß. *) Sophokles Phaedra bei Stobaeus Gaisford II, p. 459, 26. ist

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEX.

23

gewachsen gewesen zu sein, die Verluste, die Unordnung, die mit solcher Flucht verbunden sind, wirken zu mächti». Hier aber soll sich die Phalanx nach 500 Metern so setzt Lammert nicht nur wieder gesetzt haben, sondern die Entfernung jetzt an

nicht





sie soll trotz der

unablässigen Verfolgung der Stratokies sich völlig

beruhigt, wieder geordnet und, noch bevor die Athener sie wieder

erreichen konnten, eine Formationsveränderung gemacht haben, durch die nichts Geringeres als eine Überflügelung der Athener in beiden Flanken erreicht wurde. Das ist eine Kumulierung von Unmöglichkeiten.

Das Eindublieren und das dazu nötige Abstandnehmen nach wie Lammert es hier annimmt, sind nicht so einfache

der Seite,

Bewegungen. Denn

es handelt sich dabei nicht um eine nach einem oder zwei Befehlen auszuführende Verschiebung ganzer Abteilungen, sondern jede einzelne Rolle muß weiter als die nebenstehende Ab-

stand nehmen,

um

den immer größer werdenden

dublierungen zu gewinnen. kompliziert

wie

genug,

hier zur

sie

so

ist

Ist

es in der Schlacht,

Verfügung

stand,

Raum

dem

das schon auf

so

in

für die Ein-

Exerzierplatze

kurzer Zeit,

mit erschütterten Truppen und

gar noch auf beiden Flügeln ganz undurchführbar.

Es kommt hinzu, daß die Bewegung nicht einmal zweckmäßig Denn soviel die Phalanx sich verlängert, soviel schwächt sie sich in der Tiefe. Hatte sie aber schon eben dem Angriffe der ist.

Athener nicht gestanden, sondern Reißaus genommen,

so wird sie

es in ihrer verminderten Tiefe erst recht tun.

Endlich wird durch die oben besprochene Kontamination der beiden Strategeme eine neue militärische Ungereimtheit in die Darstellung

gebracht:

diese ganze Evolution

wird

danach im Kehrt

vorgenommen 1 ). Während heutzutage jeder Unteroffizier weiß, daß das erste Kommando, welches man nach dem Zurückgehen zu geben hat, das Kommando „Front!" ist, war dieser Grundsatz der Elementartaktik und des gesunden Menschenverstandes zu Philipps Zeit offenbar noch nicht erfunden. J )

Der kontaminierte Lammertsche Text lautet nämlich

:

OiXittttoc

.

.

.

ÖTrepöesiuJv

Xaßöuevoc Kai y Y v wckwv toüc |uev 'AGnvcu'ouc öHeic Kai dfujuväcTOUc, toüc be MaKeoövac r|CKr|KÖTac Kai Y€Y u ^ vac u € vou<: ^l ttoXü tv]v rrapäTaEiv eKxeivac, xax^iuc irapeXuce toüc 'A0nvaiouc Kai -rrapaGappüvac tö TrXfi0oc ävacxpeiyac eüpuücTWC eußdXXei toic 'AGnvaioic Kai XauTrpwc ä-rujvicduevoc IviKt]Cev. Also erst kommt die Verlängerung der Phalanx (6KT6ivac), dann die Verblüfftheit der Athener (uap^Xuce), dann die Ansprache (irapaGappin ac) und endtöttujv

i

!

lich das

„Front" (ävacxpeiyac).

Nette Kriegskunst!

>

24

J.

KROMAYER. III.

S Man

vergleiche

e

1

1

a

s

i

zum Folgenden

a.

die Skizze auf S. 29.

Meine Ansetzung des Schlachtfeldes von Sellasia enthält nach Lanimert drei Unwahrscheinlichkeiten, um derentwillen er sie verwerfen zu müssen glaubt. Er meint, daß erstens die Ansetzung des makedonischen Lagers, zweitens die Kämpfe am Euas und drittens die am Olymp nicht zu der Schilderung des Herganges bei Polybios paßten.

dem makedonischen Lager

Von

sagt

Polybios

(II

66,

1),

Xaßwv TrpdßXn,ua töv TöpYuXov KccAouuevov TCOTOtuöv. Daraus schließt L., daß das Lager unmittelbar am Rande des Gorgylos gewesen sein müsse, und meine Bestimmung, wonach es etwa 300 Meter 1 ) nördlich davon gelegen hat, im Widerspruch zu Polybios stehe. Denn eine Schutzwehr erfülle ihren Zweck nur dann, wenn der Verteidiger unmittelbar dahinterstehe, ohne ihn seien selbst viel stärkere Hindernisse vom Feinde leicht zu überwinden (S. 198). Daß vorgeschobene Abteilungen die Schlucht beobachten und im Bedarfsfalle aus dem nur 300 Meter entfernten Lager sofort Verstärkung erhalten konnten, scheint Lammert nicht für möglich zu halten: Die Institution der Vorposten ist ihm offenbar unbekannt. So ist denn auch die Behauptung, daß Polybios sich die TrpoßXriuaTa immer unmittelbar vor der Front gedacht habe, natürlich verkehrt. Bei der Belagerung von Phönike in Epiros hat die eine Partei den dortigen Fluß als TtpößXriua genommen (Pol. II 5, 5) und zu ihrem Schütze die Brücke abgebrochen. Die andere stellt sie in der Nacht wieder her und geht unbemerkt über, weil, wie Polybios hier ausdrücklich einmal bemerkt, die Gegner habe

Antigonos

es

aufgeschlagen

keine Vorposten ausgestellt hatten.

Ebenso

sind an anderer Stelle

drei Flüsse: der Tigris,

vor

ßXn,ucxTa

dem Heere

bei Polybios

Lykos und Kapros, zu

(V 51,

4)

sogar

gleicher Zeit Trpo-

des Antiochos.

') Ich habe das Lager des Antigonos in der Gegend des Khans des Sakelund Dagla angesetzt (Schlachtf. 228, A. 1), von denen ersterer 300, letzterer 500 Meter vom Gorgylos ab liegt. Mit welchem Recht L. darin einen Widerspruch sieht, da ein Lager für 30.000 Mann doch kein geometrischer Punkt ist, in die Karte einbekenne ich nicht zu verstehen. Ich hätte es meint L. zeichnen sollen, so gut wie ich das Lager des Kleomenes eingezeichnet hätte.

larios



Lammert

hat sich hier leider versehen, er sieht ein Stück Fruchtland auf meiner

Schlachtkarte, (S.



198, A.

2.)

welches zufällig viereckig

ist,

für das

Lager des Kleomenes an!

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEN. Nicht besser steht es mit Lammerts Einwendungen am Euas.

25

in betreff

der Vorgänge

Er

begreift

zunächst

nicht,

wie

bei

meiner

Lokalisierung

6600 Mann in der fast unzugänglichen Gorgylosschlucht im Dunkel der Nacht Aufstellung genommen haben können, „ohne Hals und Beine zu brechen und ohne durch einen Laut den kaum 100 Meter über ihnen stehenden Feinden ihre Anwesenheit zu verraten (S. 200). 14

Schon in meinen Schlachtfeldern, S. 232, A. 1, ist die Antwort darauf gegeben: Die Truppen standen in dem trockenen Bette des Baches. Sie konnten vom Eingange der Schlucht aus abtei-

dem Bette so weit aufwärts geschoben Das Bett bietet kaum Hindernisse und Wo die Truppen der Gegner in der Nacht ist hinreichend breit. wissen wir zudem nicht, und noch weniger, wie es mit lagerten, ihrer Wachsamkeit bestellt war, die ja bekanntlich nicht die stärkste lungsweise und vorsichtig in

werden, wie es nötig war.

Seite griechischer Milizen

gewesen

ist.

Lammert versteht aber ferner nicht, wie die Makedonier am Morgen die 5 — 7 Meter hohen Ränder der Schlucht erklettert und dann die steilen Hänge erstiegen haben können, ohne daß man ihnen „einfach durch von oben herabgewälzte Steine die Knochen zerschmettert hätte" und wie Polybios bei der großen Steilheit des Berges noch von einem Druck habe sprechen können (ßdpoc ttic cuvtdEewc), den die Stürmenden ausgeübt hätten (S. 200).

Was

zunächst die Steilränder anlangt, so sind

ersteiglich. Ich bin selbst wiederholt herauf-

Sie bestehen aus

sie

ganz wohl

und heruntergeklettert.

genügend weichem Erdreich, um dem Fuß überall

Stand zu gewähren; und was den Anstieg auf den Berg betrifft, so ist die Antwort bei Polybios (II 68, 7) und in meinen Schlachtfeldern (S. 237) auch schon im voraus gegeben. Man ließ die

Stürmenden absichtlich hinauf, weil man bei dem tollkühnen Unterfangen seiner Sache ganz sicher zu sein glaubte und die Feinde mit um so größerem Verluste den ganzen Hang hinabwerfen wollte. So entwickelte sich erst auf der Höhe der Kampf, und die Er-

wähnung

der Schwerkraft

der in geschlossenen

taktischen Abtei-

lungen kämpfenden Makedonier gegenüber dem lockeren, mangelhaft bewaffneten und taktisch ungeschulten lakonischen Landsturm ist

am Platze. Endlich kommen L.

hier

ganz

die Distanzen zu gering vor. Ein Anstieg

nur 100 Metern eigne sich nicht für die von Polybios empfohlene Taktik, den Feinden aus „weiter Entfernung" ck ttoXXoü

von

26

J.

KROMAYER.

entgegenzugehen und sich auf sie zu stürzen, „dann selber in ruhigem Schritte zurückzugehen und immer in höherem Gelände wieder Stand zu fassen". Und ebensowenig sei der Rückenangriff der spartanischen Leichten vom Zentrum auf die Stürmenden verständlich. Denn die zwischen den Stürmern und den anderen makedonischen

Truppen entstandene Lücke habe nach meiner Ansetzung nur etwa 200 Meter ausgemacht, und die Verpflichtung, die hier eindringenden überkecken Feinde zu verscheuchen, habe so auf der Hand gelegen, daß diese Unterlassung von Seiten des Zentrums

undenkbar, „einfach Verrat" gewesen wäre (S. 201). Auch hier übersieht L. wieder die Hauptsachen. Bei der von Polybios geforderten Taktik handelt es sich nicht

um

ein

schaften

man

geordnetes auf

sondern

Gefecht,

mühsam den Berg

um

Angriffe

stoßend den Aufstieg von oben her

Ordnung zu

lösen

Mann-

Diesen

soll

und immer wieder vormachen und dabei ihre

Schritt für Schritt weichend, steigend

feste

loser

erkletternde Krieger.

streitig

Dazu gibt eine geneigte Fläche genug Kaum. Und was den Rücken-

suchen.

von 100 Meter Breite mehr

als

und dessen Zurückweichen bestrikten Befehl, nicht makedonische Zentrum trifft, eher vorzugehen, als bis auf dem Olymp die Flagge gehißt war (Schlachtf. 236). Was L. Verrat nennt, nennt man also sonst Subordination. Zwischen den achäischen Reserven und den Stürmenden angriff der

spartanischen Leichten

so hatte

lag

das

zudem die Schlucht. Lammerts drittes Bedenken Meine Schilderung bald

sein;

soll

ich

„mehr oder weniger

man

die steil

des

betraf die

Geländes

Hänge

als

Kämpfe auf dem Olymp.

soll

„sanft

hier

widerspruchsvoll

ansteigend",

bald

als

abfallendes Gelände" bezeichnen, so daß

auf ihnen „zu Tale" stürmen

und im Phalanxkampf unüber-

windliche Hindernisse finden kann. „Das sind doch



so meint L.



Meine erste Aufgabe hätte sein müssen, hier genaue Messungen vorzunehmen und deren Ergebnisse zahlenmäßig anzugeben" (S. 206). Allerdings sind meine Angaben widerspruchsvoll und rätselhaft aber nur für Leute, die keine Karte lesen können und nicht wissen, was relative Begriffe sind. Wer eine Karte lesen kann, sieht aus der von Sellasia alles was er braucht. Die mit größter Feinheit und Genauigkeit ausgeführte Aufnahme des Hauptmann Goeppel verzeichnet hier die Niveaulinien sogar von 10 zu 10 Metern und sagt dem Kundigen auf den ersten Blick, wie das Gelände aussieht, so daß genauere Messungen rätselhafte Niveauverhältnisse.

;

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEN.

27

absolut überflüssig sind. Denn die Biegungen der Niveaulinien 50 und 60 ergeben ohne weiteres, daß z. B. der linke Flügel der Phalanx des Kleomenes beim Angriffe 10 15 Meter abwärts und dann



wieder etwa 5

— 10 Meter

um das Wiesenwelches nach meiner Ansetzung der Phalanxkampf hin und her schwankt, zu überwinden; und daß diese Senkung

tälchen,

aufwärts zu steigen hatte,

über

und Hebung sich auf etwa 300 Meter Längenausdehnung verteilte, daß auf je 100 Meter 7—8 Meter Fall oder Steigung kommen 1 ). Das ist relativ viel und wenig. Wenig für einen in freiem Schritte und ungehindert gehenden Menschen, der diese Steigung spielend überwindet; viel für eine große Masse gepanzerter und schwerbewaffneter Sarissenträger, deren ganze Kraft durch die Zurückstoßung des Gegners in Anspruch so

genommen

wird.

Denn

die kleinste Kraftanstrengung,

welche hier

hinzugefügt oder abgezogen wird, kann entscheidend werden für das Ganze. In diesem Sinne kann man mit vollem Rechte dasselbe Ge-

wo es sich um Phalanxkampf oder -Aufstellung handelt, als mehr oder weniger steil, und wo das nicht der Fall ist, als sanft ansteigend bezeichnen, und ich hätte mir nie träumen lassen, daß jemand die Naivetät haben würde, darin einen Widerspruch zu lände,

sehen.

L. begreift ferner nicht, warum Kleomenes, wie ich das annehme, Gegner auf die halbe Höhe des Olymp heraufgelassen und sich den nicht während des Flankenmarsches durch die kaum 400 Meter von ihm entfernt liegende Talsenkung auf ihn geworfen habe; warum ferner Antigonos, wenn er einmal so hoch gekommen war, nicht noch weiter hinaufgestiegen sei, um Kleomenes von oben zu fassen warum endlich Antigonos den Ausfall des Gegners aus seinen Schanzen nicht auf dem Rücken nördlich des Wiesentälchens erwartet habe, wo er doch das Terrain für sich hatte (S. 203 u. 207). Ein Blick auf die Karte belehrt über die Gegenstandslosigkeit auch dieser Einwände.

:

Die Stellung auf halber Höhe konnte Antigonos leicht einnehmen, wenn er den Punkt 116, 4 durch eine Abteilung auserlesener Truppen vor dem Aufmarsche der Armee schnell besetzen ließ und dann seine Truppen auf dem Rücken nördlich des Wiesentales oder durch das Tal nördlich des Rückens hinaufführte. Ein Aufstieg nach 1 welche auf der beiliegenden kleinen Skizze nicht ) Für diese Details, wiedergegeben werden konnten, ist Karte 5 meiner antiken Schlachtfelder zu

vergleichen.

28

J.

KROMAYER.

6) verbot sich von selber, nach Annahme von Kleomenes schon unserer weil dieser Punkt hinaufgeschoben, weiter besetzt war. Hätte Antigonos seine Phalanx

der Spitze des Olymphügels (Punkt 152,

Kleomenes das Gleiche getan und beide hätten nur für geeignetes ungeeignetes Gelände für den Phalanxkampf eingetauscht. Eine Vorschiebung endlich der makedonischen Phalanx möglichst nahe an die Verschanzungen heran empfahl sich für Antigonos, weil er ja nach dem Gelingen des Sturmes auf den Euas möglichst schnell bei der Hand sein mußte, um Kleomenes die Möglichkeit eines geordneten Rückzuges abzuschneiden. Da sich sämtliche Ausstellungen L.s auf diese Weise glatt erledigen, so könnte ich hier die Untersuchung schließen, wenn nicht, streng logisch betrachtet, die Möglichkeit vorläge, daß Lammert trotz der Nichtigkeit seiner Einwendungen doch noch eine andere Lösung des topographischen Problems gefunden hätte, die der Überlieferung und den Anforderungen der militärischen Lage vielleicht so hätte natürlich

ebensogut entspräche.

Wir werden

noch zu prüfen haben,

also

was

er

denn Posi-

an Stelle meiner Bestimmungen hat setzen wollen.

tives

Lammert nimmt die wo ich sie angesetzt

Stellung des lakonischen Zentrums ebenda

im Oenustal am Einflüsse des GorOenus (Punkt 3 der Skizze). Den Kleomenes und Eukleidas läßt er aber nicht die rechts und links

an,

meiner

gylos

unmittelbar

Karte

in

anliegenden

hatte,

den

Höhen

besetzt

halten,

sondern er weist

ihnen auf viel entfernteren Berggipfeln ihre Plätze an. soll

auf einer

in

der

Luftlinie

etwa

l

\ /2

Kilometer

Kleomenes nordöstlich

vom Zentrum

entfernten Kuppe des Olymp (Punkt 4 der Skizze) Eukleidas auf den Turlahöhen (Punkt 2 der Skizze) V/4 Kilometer

vom Zentrum

Lager angelegt gehabt haben 1 ). Die zwischen diesen drei Punkten liegenden Höhen und Hänge, also der Euas selbst und die Abhänge der Turlahöhen auf der einen Seite des Tales, die Olympkuppe 152, 6 und ihre Hänge westlich

')

Kuppe

ein festes

Die bezeichnete Olymphöhe (180 Meter) wählt

L., weil er meint, sie

und

die

Kuppen des Olympos und die erstere der ganze Umgebung beherrschende Punkt (S. 197. 210). Das ist aber nicht

152, 6 seien die beiden einzigen

höchste, die

Die Olympgruppe dehnt sich noch 2

der Fall.

—3

Kilometer weiter nach Norden

hin aus, als unsere Schlachtkarte sich erstreckt, und erreicht ihren höchsten

ziemlich

am Nordende. Hier

gleichfalls

höheren Talsohle

Punkt

234 Meter über der dort natürlich Punkt 180 an ist der Gebirgsstock ein

steigt sie sogar auf.

Vom

ziemlich einheitlicher, nach Norden zu ansteigender. Alles das wäre aus unserer

Übersichtsskizze Schlachtf.

zu ersehen gewesen.

S.

216

und aus

S.

219/220, A.

2,

sowie

S. 223,

A. 1

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEN.

29

nach rechts und links auf der anderen Seite sollen völlig unbesetzt gewesen sein. Das Lager des Antigonos denkt sich Lammert in der Gegend des Khan des Krevatas (Punkt 1 der Skizze), im Süden begrenzt von einem winzigen Tälchen, das er als die Gorgylosschlucht ansieht (S. 210 ff. und 252).

Skizze von SrJlasia. Urläntenmß. wirhiirhr Stillungen dtrsAnngono&C^

des Antiqonos "]| 1 Lager HesJtntißonos 2 Lager de$ EiMdJas 3 Zentnern derSfiartaner\ r Lager desJüeenneries j

^

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Man

stelle sich die strategische Situation vor,

welche sich hier-

von nur 20.000 Mann teilt sich in drei räumlich weit voneinander getrennte Teile und läßt eine um die Hälfte überlegene Armee von 30.000 Mann im Zentrum zwischen ihren drei Positionen Stellung nehmen. Sie gibt damit dem schon an und für sich bedeutend überlegenen Gegner die Möglichkeit, über jeden einzelnen Teil mit Übermacht herzufallen und ihn aufzureiben, ehe die anderen zu Hilfe kommen können. Besonders mußte aus

ergibt.

Eine Armee

dieses Schicksal

der kleinsten und zugleich exponiertesten Abtei-

30

J.

KROMAYER.

dem Zentrum, im Oenustale drohen. Es war bei einer einigermaßen geschickten Führung rechts und links umgangen und ver-

lung,

Kleomenes und Eukleidas

nichtet, ehe

aus ihren Lagern rühren konnten

sich auf ihren fernen

Dann war

1

).

der

Bergen

Zusammenhang

zwischen beiden ganz zerrissen und Antigonos konnte in aller Ruhe dasselbe Manöver an Eukleidas auf seinen Turlahöhen wiederholen, wie denn ja Lammert selber annimmt, daß eine Abteilung von

6600 Mann, also ein verhältnismäßig recht kleiner Teil von Anti* gonos' Armee, genügt hat, die Gegner aus dieser Stellung hinauszuwerfen.

Eine jeglichem

fehlerhafte,

so

dem gesunden Menschenverstände und

Verständnis

militärischen

ins

Gesicht

schlagende

Dis-

Kleomenes nicht gemacht, könnte Führer wie Antigonos nicht unbenutzt gelassen und ein Militär-

position ein

kann

ein Feldherr wie

wie Polybios nicht als vortrefflich bezeichnet haben.

schriftsteller

Dazu kommt, daß damentierung

Wenn

Auffassung

Fun-

die quellenmäßige

Polybios die Stellung des Kleomenes mit den Worten

Zwei Hügel liegen unmittelbar am Eingange (in

beschreibt:

etcdbou);

Tfjc

dieser

völlig fehlt.

der

Weg

zwischen ihnen hindurch

führt

7

ölvty\c

am

Flusse

entlang; diese Hügel besetzte und verschanzte Kleomenes; in der Ebene am Flusse stellte er Reiter und Söldner auf (Pol. II 65, 8), so ist die einzig mögliche Auffassung die, daß die genannten Hügel die nächsten

Wären trennte

am

Flusse gewesen sind.

vom

weiter entfernte

gemeint,

so hätte

wäre geradezu irreführend und

die Schilderung des Polybios

Und

kehrt.

Flusse durch andere Höhen ge-

das ausgesprochen werden müssen oder

ebenso sind die folgenden Worte,

in

welchen die

ver-

ganze

Stellung des Kleomenes als eine einzige TTap&TOtEic uud eine einzige irapeußoXri

der

Armee

Wenn meint,

bezeichnet in drei

wird,

nicht

zu vereinen mit der Trennung

räumlich voneinander geschiedene Korps 2 ).

endlich

die Schlacht

an drei untereinander

von Sellasia

nicht

sich,

wie Lammert

zusammenhängenden Punkten

J rechtzeitige Besetzung der von Kleomenes unbesetzt gelassenen ) Durch Euaskuppe, sowie der Punkte 152, 6 und 116, 4 des Olymp hätte man überdies jede Hilfesendung aus den Lagern unterbinden können. 2 TrapdxaEic bei Polybios schon den allgemeinen Begriff Schlacht ) Daß haben kann, beweist hier gar nichts. Daß eine Aufstellung in drei räumlich voneinander geschiedene Korps ein irapÖTaEic genannt werden kann, hat Lammert

(S. 271), nicht belegt. Von in sich abgeschlossenen Lagern oder überhaupt von mehreren getrennten Lagern spricht Polybios nirgends. II 65, 9

nur behauptet ist

auch nur von einer zusammenhängenden Befestigungslinie die Rede.

ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDEESTUDIEN. und mit ein so

Fronten abgespielt hätte,

drei verschiedenen

von dem gewöhnlichen Schema der

so

31

wäre das

antiken Schlacht

ab-

weichendes Bild gewesen, daß ein Militärschriftsteller wie Polybios es hätte vermerken müssen. Statt dessen läuft bei ihm die Schlacht wie jede andere ab und von einer Trennung in drei verschiedene Gefechte mit verschiedenen Fronten ist nicht die geringste Andeu-

tung gegeben.

Daß auch

Plutarch,

welcher ausdrücklich von einem in der entstandenen bidcTracua spricht, sich

Schlachtreihe des Antigonos

als eine zusammenhängende gedacht hat, zugeben (S. 271 f.). Wo liegt also nun die Berechtigung zu der Lammertschen Konstruktion? Mit den militärischen Anforderungen stimmt sie nicht, mit Polybios stimmt sie nicht und mit Plutarch stimmt sie auch

die Schlachtaufstellung

muß Lammert

selbst

nicht.

Ebenso wimmelt

die

Lammertsche Rekonstruktion auch im

einzelnen von militärischen und quellenkritischen Unmöglichkeiten.





habe, um die Turlahöhen so meint Lammert Antigonos zu stürmen, die dazu bestimmten Mannschaften in der Nacht dicht bei seinem Lager, in dem Tälchen, das er für den Gorgylos hält,

Da aber die Turlahöhen hier an ihrer habe er sie noch in der Nacht südlich um die ganze Berggruppe herummarschieren lassen, um das Lager auf der Spitze von der Nordwest- und Südwestseite aus angreifen Wozu die Aufzu können (S. 253 f.). Sonderbare Maßregeln stellung im sogenannten Gorgylostal am Nordostfuße der Höhen, wenn man sie von Westen her angreifen will? Wozu der Marsch Aufstellung

nehmen

Nordostseite zu

lassen.

steil seien,

!

im Süden um die ganze Berggruppe herum in fast 3 /4 Kreisbogen, da für einen Angriff von Westen her der weit kürzere und bequemere Weg im Norden an der Kuppe entlang zur Verfügung stand. Denn hier führte die Straße, die Antigonos bei seinem Anmärsche benutzt hatte, während im Süden um den Berg herum kein Weg und noch

dazu sehr schwieriges koupiertes zeigt. Karte Terrain, wie ein Blick auf die unbegründet. Polybios Ansetzung Auch quellenmäßig ist die

heute dichtes Waldgestrüpp

ist,

Sturm direkt vom Gorgylos aus erfolgen, und Lammert muß selber zugeben, daß seine Annahme dazu in direktem Widerläßt den

spruche steht

(S.

254).

von einer Umgehung

Er

redet,

stützt sich lediglich auf Plutarch,

aber auch keine Angaben stützen könnten.

Bewegung irgendwie mit der weiteren Angabe des Polybios (II eine so zweckwidrige

der

enthält, die

66,

10. 67.

1),

Auch

daß

für

32

J.

KKOMAYEU.

den Sturm auf den Euas das Zeichen vom Olymp aus mit einer Fahne gegeben werden sollte, steht die Annahme in Widerspruch. Denn man kann von der Westseite der Turlahöhen aus den Olymp gar nicht sehen, da eben die Turlahöhen dazwischen liegen. Dazu kommt, daß bei einem Sturm auf diese Höhen von Westen aus das spartanische Zentrum im Oenustale unmöglich den Angreifern hätte in den Rücken fallen können, wie das nach Polybios geschehen ist (II 67, 2). Denn die Turlahöhen sind auf der Westseite lange nicht so steil und hoch wie auf der Ostseite, sondern sitzen auf dem Plateau als zwei nur etwa 50 60 Meter hohe Höcker auf, so daß der Anstieg nicht länger als 10 15 Minuten dauert. Das spartanische Zentrum im Oenustale aber hätte, um in den Rücken der Sturmkolonneu zu gelangen, wenigstens 3 Kilometer zu marschieren gehabt, nämlich, wie L. auch selbst (S. 257) ganz unbefangen annimmt, um die Südseite des Euas herum, d. h. ohne Weg und Steg durch Wald und Gebirge. Es wäre also viel zu spät gekommen, selbst wenn es sofort bei Beginn des Angriffes vom Oenustale auf-





gebrochen wäre.

Aber Lammerts Spartaner fliegen nicht nur unglaublich schnell über Berg und Hügel, sie bringen auch das Kunststück fertig, während ihres eigenen Gefechtes an den Turlahöhen den Reiterangriff Philopömens unten im Oenustale zu beobachten, schleunigst alle wieder Kehrt zu machen, ihre 3 Kilometer durch Wald und Berg wieder zurückzulaufen und noch zu rechter Zeit zu kommen, ehe das makedonische Zentrum mit seiner Übermacht von 1200 Reitern und 2000 Schwerbewaffneten die wenigen Reiter der Lakedämonier im Tale geworfen

Ebenso unglaublich

Kampf

für den

Hier

soll

auf

hat.

ist

die Situation,

dem Olymp anzunehmen

welche Lammert

uns

zumutet.

Antigonos seine Phalanx einen schmalen Bergrücken

hinaufgeführt haben, der in einer einzigen Steigung von 1100 Meter

Länge den 150 Meter über

die Talsohle aufragenden

Berg hinauf-

Skizze zwischen Punkt 1 und 4). Das ergibt eine durchschnittliche Steigung von 13 14 Meter auf 100, d. h. eine Steigung,

zieht

(s.



welche die unserer beträchtliches

modernen Alpenchausseen noch um ein und auch für das geschlossene Vorgehen

steilsten

übertrifft

moderner Infanterie schon Schwierigkeiten hätte 1 ). ]

)



Eine Steigung von nur 7 8 Meter auf 100 Meter ist für modernen Alpendas normale Maximum. Der Voranschlag für die Simplonstraße der für den Mont Cenis sogar nur 6* 95_%" Maximalsteigung; die

schon hatte 8*3 10,

straßen



ZU DEN GRIECHISCHEN SCHLACHTFELDERSTUDIEN. Aber der Rücken

33

bildet nicht einmal eine glatte Fläche, son-

von einzelnen Felsblöcken unterbrochenen und von vielfachen Rissen durchzogenen Kalksteinboden. Dazu ist dern

höckerigen,

hat

er so schmal, daß, wie ein Blick auf die Niveaulinien der Göppel-

schen Schlachtkarte zeigt, bei gleichmäßigem Vorgehen der Phalanx beiden Flügel um 30 40 Meter senkrechter Erhebung tiefer



die

gestanden

hätten

das Zentrum.

als

Das

sind

Terrainverhältnisse für einen Phalanskampf. Hier

ganz

unmögliche

nun Antigonos seine Phalanx 900 Meter weit den Berg hinaufgeführt und dann soll Kleomenes sie wieder 900 Meter den Berg hinuntergejagt haben

bis ins

Oenustal

(S.

soll

259).

Wie die Makedonier da hinuntergekommen sind, sagt Lammert nicht; da er aber der Meinung ist, daß „selbst ein einzelner

Mann

nicht 20 Schritt querfeldein rückwärts machen kann, ohne zu stolpern und zu fallen, eine Heeresmasse von 15.000 Mann dabei aber außer Rand und Band kommen würde" (S. 131, A.), so muß

wohl annehmen, daß die Makedonier Kehrt gemacht haben und daß die Spartaner die 900 Meter lang bergab Zeit hatten, mit ihren Sarissen deren Rücken zu bearbeiten. Aber das erschüttert die makedonischen Phalanx nicht im mindesten. Sie erreicht „fest zusammenhaltend und schrittweise zurückgehend die Talebene und den gegener

überliegenden Abhang" (S. 259), nachdem

sie

vorher nur noch die

etwa 2 Meter hohen Steilränder des Oenusflusses (vgl. die Karte) hinuntergesprungen und auf der anderen Seite wieder heraufgeklettert eine Leistung, die ihr natürlich trotz der Verfolgung der Spar-

ist,

taner auch noch spielend gelingt. Jetzt hat sie endlich das Terrain für

sich,

und da

die

spartanische Phalanx,

solchen übermenschlichen Leistungen los"

(Lammert

der gerade

S. 269)

vom Euas

im Oenustal

geht

zurückkommenden

her

Quellen wissen nichts davon



steht,

wie begreiflich, nach

Gegner

ihrer



wieder

zum

sie

„rat-

und mut-

unter Beihilfe

Sieger



unsere

Angriffe vor und jagt



den ganzen Berg von und schreibe wieder hinauf und 150 Steigung 1100 Meter Länge und Meter zugleich oben aus ihren Schanzen heraus.

die

Spartaner

sage

nur 6*25X, die moderne und die franWillmann, Handbuch für die Ingenieurwissenschaften, Bd. I, 32 f., wo noch mehr Belege). Bei 17-4 Meter Steigung auf 100 (d. h. bei einem Winkel von 10°) kann selbst Infanterie nur noch auf kurze Strecken in Ordnung vorrücken (Rüstow, Lehre von der Anwendung der Verschanzungen S. 159. Vgl. meine Schlachtfelder S. 338, A. 2). ältere preußische

zösische

Wegeordnung

sogar nur

b%

Wiener Studien. XXVII.

erlaubt

Steigungen

1905.

(v.

3

34

J.

Wenn

wir

wenig

gleich

zum

KROMAYER.

Schlüsse auf die militärisch wie quellenkritisch

befriedigenden Leistungen Lammerts

den

bei

drei

behandelten Schlachten zurückblicken, so fürchte ich fast, von seiten meiner Leser die unwillige Frage zu vernehmen, ob es denn nötig

durch eine so eingehende Widerlegung liegender Irrtümer und Verkehrtheiten in Anspruch

war, ihre Zeit und Geduld

auf der

Hand

Die Frage hat ihre Berechtigung, wenn man nur auf den inneren Wert der L. sehen Einwürfe Rücksicht nimmt. Indessen war die Lage doch nicht von Anfang an so klar. Eine angesehene

zu nehmen.

aufgenommen und sie selbst Apparat von Gelehrsamkeit und so imponierender Überlegenheit in Ton und Ausdruck auf, daß sie beim ersten Anblick sehr wohl den Schein der Wahrheit erwecken konnten. Hat doch selbst ein „Kenner" wie Delbrück sich so täuschen lassen, daß er L., wie erwähnt, als eine Autorität auf Fachzeitschrift hatte die Ausführungen

traten mit einem großen

militärischem Gebiete bezeichnet, sich seinen Urteilen angeschlossen

und von ihm behauptet hat, er habe sich, gestützt auf umfassende und durchdringende philologische Forschung, entscheidende Ver1 dienste um das antike Kriegswesen erworben ). In solcher Lage hilft nur eine Radikalkur und wenn sie langwierig ist, so macht ein billig Denkender dafür nicht den Arzr, sondern die Krankheit verantwortlich. Czernowitz. x

)

J.

Über Delbrücks

stehenden Fragen wolle Zeitschrift"

sonstige

Irrtümer

man meinen

erscheinenden Aufsatz

in

bezug

auf

KROMAYER. die

hier

dem nächsten Hefte der „Wahre und falsche Sachkritik" in

in

Rede

„Historischen vergleichen.

,

Textkritische Beiträge zu Ciceros Officien. Von

allen Schriften Ciceros

kaum

eine beliebter gewesen Daraus und häufiger gelesen erklärt es sich, daß sie in einer außerordentlich großen Zahl von Handschriften 1 ) mit sehr vielen Varianten überliefert sind. Zufälligerweise sind nun aber für die ersten Drucke derselben minderwertige Handschriften be„primi editores codicum recentissimorum asseclae u nutzt worden und die zahlreichen Herausgeber 2 ) und Bearbeiter haben sich lange von dem suggestiven Zwange des gedruckten Textes nicht freimachen können. Wenn auch in der neueren Zeit, namentlich seit der grundlegenden großen Orelli-Baiterschen Ausgabe, die besten bis jetzt bekannten Handschriften der Officien zu ihrem Rechte gekommen sind, so zeigen sich doch immer noch manche Spuren der ursprünglichen schlechteren Rezension, und man wird bei näherem Einblicke zugestehen müssen, daß trotz der vielen sorgfältigen und gelehrten Arbeiten auf diesem Gebiete doch von einer definitiven Konstituierung des Textes noch keine Rede sein kann, weil die Kenntnis von der handschriftlichen Überlieferung desselben bis jetzt unvollständig und ungenau ist. Die vorhandenen Handschriften müssen auf das sorgfältigste verglichen und auch nachverglichen, untersucht und verwertet werden, bevor an eine allen Ansprüchen als

ist

die Officien.





') Eine genaue Angabe über die Zahl der Officienhandschriften läßt sich noch nicht machen, jedoch schätze ich sie auf Grund der mir zu Gebote stehenden Hilfsmittel mindestens auf hundert. Beiläufig bemerke ich, daß zufolge freundlicher brieflicher Mitteilung des P. Benigno Femandez, des bibliotecario mayor der berühmten Bibliothek des Eeal 31onastero de San Lorenzo de l'Escoriäl,

und darunter 15 Officienhandschriften besitzt. F. L. A. Schweiger führt in seinem Handb. d. klass. Bibliogr. von dem ersten Officiendrucke durch Ioan. Fust und Pet. Schöffer, Mainz 1465, bis 1832 mehr

dieselbe 78 Cicero2

)

als

300 Ausgaben dieser Schrift auf! 3*

36

RICH.

MOLLWEIDE.

wissenschaftlicher Kritik genügende

ken

Ausgabe der

zu den-

Officien

ist.

Der Brand in der Turiner Nationalbibliothek vom 26. Januar 1904, dem auch Cicero unter anderen mit zwei allerdings glimpflich davongekommenen Officienhandschriften in Mitleidenschaft gezogen

bei

1

Veranlassung zur Beschleunigung derartiger Arbeiten sein. 2 in Mailand den Ambros. 29 infer. (A) ) und auf der hiesigen Universitätsbibliothek durch die Liberalität und freundliche Vermittlung der betreffenden Bibliotheksverwaltungen den

ist ), sollte

Ich habe

(c) vergleichen und mich überzeugen können, daß die bekannten Angaben oftmals ungenau und unvollständig v quod non exprobrandi causa dico, ipse expertus quam lubrica

Bern. 104

darüber sind



res sit! u

Sodann habe ich die noch unbekannte Handschrift Nr. 37 von Saint-Die wenigstens teilweise verglichen. Die Angabe im Catalogue general T. III, p. 493, daß sie aus dem 15. Jahrhundert sei, ist unrichtig oder doch ungenau: Der Text und die meisten Interlinearglossen stammen der Schrift nach aus dem Ende des 13., die Marginalbemerkungen dagegen aus dem 15. Jahrhundert. Die nicht wertlose Handschrift, die ich mit S bezeichne, scheint zu der Gruppe bAPzn gehören und namentlich mit A näher verwandt zu sein. Da sie aber auch viele der Klasse cpL eigentümliche Varianten aufweist, so dürften wir sie wohl als einen deutliche Spuren der Kontamination aufweisenden Mischkodex der Stadtbibl.

anzusehen haben.

Ich

hier

teile

einige Lesarten

den

aus



ersten

Kapiteln mit: § 1 atulimus (darüber dedimus) litterarum grecarum; § 2 quoad quantum proficias te non pleniorem (darüber vel planiorem) nee vero (nach nee ist hoc mit Auslassungszeichen







rationem (expungiert und ausgestrichen und A übergeschrieben) von anderer Hand scientiam darüber) vendicare distinete et

(=







qui etiam § 3 sed etiam hos sungszeichen a mit übergeschriebenem c);

(darüber mit anderer

Hand und

stümmelte Abkürzung

ist)

Hand und

(= A) *)

Greci

2 j

tioniert,

laborasset

Vgl.

Rivista

benutzt,



angnoscere;

di Filol.

§

Luglio 1904.

4

die

wovon



oris

oris ver-

(adhuc von anderer

= B) —

id genus

Inventario



in utraque soerate

dei Codici



superstiti

1

— 137

und

III

95—131

kolla-

eine Kollation von F. Eyssenhardt

leider ebensowenig wie die von E. Popp ebenfalls benutzte von Aug. Luchs besonders publiziert ist.

aber

L

si

est

etc.

Popp zu seinen Untersuchungen

Kollation des

maior

Tinte orationis,

grecorum adhuc

Baiter hat von dieser Handschrift nur I

E.



ue)

Tinte expungiert und ausgestrichen



Latini Antichi

e





cquarint (nach a Auslas-

TEXTKRITISCHE BEITRÄGE ZU CICEROS OFFICIEN.

— philosophia gravia — in negligendo (=5c);



exordiri

(=

sita)

§ 5 pervertunt

c)

sita est vitae



(=

37

{posita über

neque iustip) possint (darüber pos-



tiam neque', § 6 sint in promptu (= 2?c) dicunt Itaque proprio, et achademicorum





— — quoquomodo (= p) (darüber quocunque modo); § 7 dißnire — a ratione — posi— id minus (= tum — confirmari (z= A, mit über § 8 rectum opinor quod- § 9 triplex igitur — nam (= A, nam autem aut) — iocunditatemque — pugnare aut) — autem —

sant)

— explosa



(darüber remota)

in hac

-

et

erili

(=B)

est

o

i)

c);

est

statt

(statt

videatur;



§ 10 neque solum

duobus modis propositis (modis ex-

quam — Primum igitur — declinetque (= Orelli) eaque — videatur — adquirat {=. acquirat B cp) — omnium animantium — procreata sunt (= A) — paululum admodum (über paululum valde



pungiert und ausgestrichen)

§11

Itaque

de-,

vitamque corpusque

2

paulum übergeschrieben)

Da

ist



qui

(=

die Handschrift

ich hoffe,

p) rationis



rebus.

recht bald bis zu

Ende

kolla-

tionieren zu können, so gehe ich nicht weiter auf die Besprechung

der angeführten Varianten

ein

und

will

nur auf declinetque eaque

§ 11 zurückkommen, weil sie vielleicht zu einer Emendation führt

und zugleich

ein

helles Licht

nannten Interpolatoren

auf die Arbeitsmethode der soge-

Das que

wirft.

hinter declinet

ist

nicht die

Konjunktion que, was ja nicht unmöglich wäre 1 ) und wie es offenbar auch in der Handschrift selbst aufgefaßt ist, sondern das Relativum quae, ebenso wie que hinter ea. Dies deutet darauf hin, daß ea zu streichen

ist,

was an

videantur besser

ist.

S

wegen des Konjunktivs den ursprünglichen und

schon

sich

enthält

also

hier

auch den interpolierten Text. Aus der Variante videntur daß man richtig erkannt hatte, daß, wenn das Demonstr. ea vor dem Relat. quae stand, nicht der Konjunktiv videantur, sondern der Indikativ videntur zu setzen sei. Die Handschrift zeigt also ein merkwürdiges Gemisch von Richtigem und Falschem. Ich bin übrigens der festen Überzeugung, daß im allgemeinen zugleich

ergibt sich aber auch,

der Officientext

gut

überliefert

dafür

scheinlichkeitsbeweis

Nonius

in

ist.

Ich möchte

folgendem

eine Art

Umstände

Wahr-

erblicken.

190 kürzere oder längere Stellen, die man gleichsam als Stichproben betrachten kann. Sie verteilen sich ziemlich gleichmäßig auf den ganzen Text, nur beginnen sie

im

zitiert

aus den Officien

Buche mit §

III.

1 )

1,

im

II.

mit §

2,

im

Orelli hat declinetque in seiner Ausgabe.

I.

dagegen

erst mit § 56,

EICH. MOLLWEIDE.

38

was

die

dieser

Vermutung

Schrift

Nach meiner

nahelegt, daß Nonius bei seinen Exzerpten aus

einen

sogenannten

codex

acephalus

benutzt

habe.

ziemlich genauen Berechnung betragen nun aber diese

Zitate etwa sieben Seiten Officientext in der

Ausgabe von

C F.

W.

Müller (1898), während die ganze Schrift dort 130 Seiten umfaßt; da aber I 56 erst p. 20 beginnt, so bilden sie demnach etwa x /i5

ganzen Textes. Abgesehen von Einzelnheiten, stimmen nun aber Cicero- und Noniustext im ganzen überein. Man ist also wohl berechtigt zu sagen, daß, wenn ein so bedeutender Bruchteil des Textes, an Nonius kontrolliert, sich im ganzen als gut überliefert erweist, man dies auch vom Ganzen annehmen kann. Wir haben also fast die Gewißheit, daß wir den Officientext im allgemeinen in der Gestalt besitzen, wie er im 3. und vielleicht sogar im 2. Jahrhundert war, und dieser Umstand bietet immerhin eine Art von des

„Richtmaß" für die Textkritik.

Daß

Text sei, wird sich denn gerade in den beiden ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung müssen die Texte der einzelnen Schriftsteller und insbesondere auch Ciceros, wie sich aus allerdings

dies der ursprüngliche, unverfälschte

kaum behaupten

lassen,

den ältesten Subskriptionen ergibt, sehr verderbt und verunstaltet gewesen sein; und daß auch Nonius nicht durchgehends den korrekten Text vor sich gehabt hat, ergibt sich deutlich daraus, daß in mehreren Fällen die bessere Rezension nicht bei ihm, sondern in

den Cicerohandschriften erhalten ist. Aber im ganzen beschränken die Fehler gewiß nur auf die mit der Continua der Kapital-

sich

und früheren Uncialschrift unvermeidlichen Versehen und Irrtümer auf manche Glossen der Erklärer, die schon frühzeitig in den Text eingedrungen waren. Es liegt auf der Hand, daß diese

sowie

Fehlerquellen

auch in der Zeit

nach Nonius vorauszusetzen

sind,

und daß besonders noch einmal bei der Umschrift aus der älteren in die jüngere Uncialschrift und aus dieser in die Minuskelschrift, zumal die sprachlichen und sonstigen Kenntnisse der Abschreiber immer geringer wurden, zahlreiche Irrtümer und Fehler in die Handschriften eindringen mußten. Aber gerade ganz sinnlose Varianten aus dieser Übergangszeit, die sich in den meisten Handschriften vorfinden, lassen zuweilen den Fehler erkennen und verbessern, weshalb man auch mit der Ausmerzung derselben aus den kritischen Apparaten mit großer Vorsicht zu Werke gehen muß.

Von den nur

eines

vielen Beispielen

heraus,

scheint. OfF. II 87

von Fehlern greife ich ganz besonders instruktiv zu sein commodissime Xenophon Socraticus perfür

weil es mir

Has

res

diese Art

TEXTKRITISCHE BEITRÄGE ZU CICEROS OFFICIEN. qui Oeconomicus inscribitur,

secutus est in eo libro,

cum

aestate

fere

essemus,

qua

es tu nunc,

e

quem

39 nos,

ista

Graeco in Latinum

convertimus.

haben

Hier nunc. in

Allein

der Tat

Handschriften

alle

um

es

tu

hat in Rasur qua tu mit weggelassenem es, das ja leicht aus dem unmittelbar vorhergehenden essemus

ergänzt werden kann.

zwar

und Herausgeber qua

A

so mehr,

Ich halte diese Lesart von

weil

sie

durch

A

und

für gut,

die sinnlose Variante essemus

quam nunc

in p gestützt wird, denn quam ist augenscheinlich aus verdorben, was in der Minuskelschrift sehr leicht geschehen qua tu

konnte (in

st.

iu).

Wenn

aber auch in der Feststellung und Untersuchung des handschriftlichen Materials noch sehr viel zu tun übrig bleibt, so möchte ich doch an einigen typischen Fällen nachzuweisen versuchen, daß auch jetzt schon bei methodischer Verwertung der vorhandenen kritischen Hilfsmittel manche Schäden aufgedeckt und vielleicht auch geheilt werden können. Off. I 4 Nulla enim vitae pars neque publicis neque privatis

neque

forensibus

quid, neque et

si

neque

cum

colendo sita vitae

scheint

mir

in

domesticis

in

altero contrahas,

den

est

honestas

Worten

et

rebus,

neque

si

tecum agas

vacare officio potest,

neglegendo turpitudo.

neque

forensibus

neque

in eoque

Zunächst domesticis

von dem so häufigen und so leicht begreiflichen Eindringen von Erklärungen in den Text vorzuliegen; denn inhaltlich sind doch diese Worte weiter nichts als eine durchaus müßige tautologische Wiederholung des vorhergehenden neque ein

recht

deutliches Beispiel

während formell das viermalige neque, infolgt, so schwerfällig ist, daß es wohl einem späteren Erklärer und Abschreiber, nicht aber einem Meister des Stils, wie Cicero, zugetraut werden darf. Es sind eben forensibus und domesticis Erklärungen zu publicis und privatis, die, ursprünglich übergeschrieben, später durch Versehen in den Text neque zurechtgedrungen und durch naheliegendes neque gestutzt sind. Sodann bin ich mit Pearce der Ansicht, daß vitae hinter sita zu tilgen ist, weil es inhaltlich unnötig und störend und wahrscheinlich irrtümlich als Erklärung aus vitae pars zu Anfang des Satzes hergenommen ist. Ein äußerer Anhalt für die Unechtheit des Wortes scheint sich auch aus seiner schwankenden Stel1 — lung in den Handschriften sita vitae est und sita est vitae

publicis

neque privatis,

dem nachher noch zweimal neque





a )

Vgl. auch S, pag. 37.

)

40

RICH.

zu ergeben.

MOLLWEIDE.

Endlich bietet die Stelle noch eine andere Schwierigschon in dem Schwanken der Überlieferung

keit, die sich ebenfalls

zeigt.

AHab

nis

neglegendo turpitudo,

haben in eoque et colendo sita vitae est honestas omB: in eoque excolendo (was wohl eine Bestätigung der Lesart von AHab ist, indem et colendo zu excolendo verderbt wurde), während c: in eoque colendo und nachher mit B und S: et in neglegendo hat. Die Herausgeber haben sämtlich et et in den Text aufgenommen. Diese Zusammenfassung der beideu Begriffe officio colendo und neglegendo durch et et ist aber nach meiner Meinung falsch und ganz unlogisch; denn honestas und turpitudo können nicht zu gleicher Zeit vorhanden sein, wie dies durch et et ausgedrückt wird, und ebensowenig colere und neglegere officium; denn das eine schließt das andere aus und die beiden Begriffe stehen nicht in einem kopulativen, sondern in einem et







disjunktiven

zueinander.

Verhältnisse

Diese

Zusammen-

falsche

fassung der beiden Begriffe wird durch das Fehlen der Präposition in vor neglegendo

noch stärker hervorgehoben.

Lesart cS(B): in eoque colendo setzen, wie es

zum

Das

hier



et

Es

ist

deshalb die

in neglegendo in den Text zu

Teil schon bei Orelli geschehen ist

(et

in neg-

notwendige disjunktive Verhältnis würde allerdings noch weit nachdrücklicher durch aut aut hervorgehoben sein, und da et und aut sehr häufig in den Handschriften miteinander verwechselt werden, so wäre es nicht unmöglich, daß das legendo).





et



der Vulgata auf ursprüngliches aut

et

aut hindeutete,

in

welchem Falle dann natürlich wegen der engeren Verbindung der beiden Begriffe in vor neglegendo fehlen müßte. In beiden Handschriftengruppen wäre wieder Richtiges und Falsches zu gleicher Zeit vorhanden, in der Weise, daß die Spuren rationeller Rezension nicht zu verkennen

24 Atque

I

sind

x

).

Mae quidem

dustria inferuntur,

iniuriac,

quae nocendi causa de in-

saepe a metu proficiscuntur,

cum

is,

qui nocere

Ein ähnlicher Fall liegt vor II 14 ab eisdemquc et, quae nocent, interet, quae xisi possunt esse, capiuntur. Auch hier halte ich die enge Zusammenfassung der beiden Subjekte und Prädikate durch et et für unlogisch, weil zwei verschiedene Subjekte und zwei verschiedene Prädikate vorhanden sind. Außerdem wird das erste et bei Nonius p. 330: ab isdemque quae no*)

ficiuntur



cent

interficiuntur

und

in c weggelassen.

Auch das auf das

erste et folgende

Nonius hin zu streichen sein, wie es bei C. F. W. Müller schon geschehen ist. Die beachtenswerte Variante possint in c, die eine wesentliche Nuancierung des Gedankens bewirkt, wie schon die Form

eae

(c

:

ea) dürfte auf die Auktorität des

nuanciert

ist:

„quae nocent

— quae

usui possxmt esse u

zur Weglassung des Demonstrativs sein.

,

dürfte ein weiterer

Grund

TEXTKRITISCHE BEITRÄGE ZU CICEROS OFFICIEN. alteri cogitat,

nisi

ne,

timet,

Ab

commodo.

lassen ne weg,

auch

id

fecerit,

p hat ne

si

aliquo

ipse

id

non

41

afficiatur in-

fecerit.

Ich halte

abgesehen von der Variante adficiatur aliquo, übereinstimmt, für falsch und die Lesart von p für richtig, weil der Ton wegen des Gegensatzes ipse afficiatur auf der Negadie Vulgata, mit der

c,

wenn er dies nicht tut, er selbst Der Fehler in auf die Entstehung der rezipierten Lesart ne, nisi hin: durch Dittographie von ne entstand aus ne si irrtümlich ne ne si und daraus ne nisi, was um so leichter geschehen konnte, weil die

tion ruht:

Ab

zeigt

Formen

ne, nei, ni (noch bei Nonius, vgl. L. Müller Ind.

unter ni) öfters verwechselt werden. in

Sobald aber

erst

Comment.

einmal nisi

den Text eingedrungen war, mußte das ursprüngliche richtige getilgt werden. I 34 Est enim ulciscendi et puniendi modus; atque haud scio

non

an

eum

satis sit

ne quid

qui lacessierit,

posthac

tale

et

ceteri

iniuriae suae poenitere,

ad iniuriam

sint

ut et ipse

tardiores.



Ausgaben

Hinter

wohl auch committat. Im Gegensatze zu auf handschriftlicher Grundlage allen anderen neueren Herausgebern halte ich mit den älteren hier ein Verbum wie faciat oder committat für durchaus notwendig; denn die Auslassung desselben nach dem nachdrücklichen ut ne, et in engere während doch die Subjekte ipse und ceteri durch et Verbindung gebracht sind und bei dem zweiten Subjekte das Ver-

posthac hat

c:

faciat,

die meisten älteren





bum

sint

gesetzt

unmöglich zu

Verbum

in

hart oder vielmehr

scheint mir unerträglich

ist,

Nach

sein.

einer finalen Konjunktion

regelmäßigen Satzkonstruktion

der

kann nicht

sicherlich das

ausgelassen

werden. Jedenfalls liegt an dieser Stelle das Verhältnis ganz anders als z. B. Off. I 82 valde considerandum est, ne quid temere, ne quid crudeliter, wo c gewiß falsch fiat hinter temere einsetzt und in a

über crudeliter:

Quas

tu mihi,

s

(=

inquit,

scilicet)

fiat

geschrieben

intercessiones?

ist,

oder Phil. I 25

quas religiones?,

wo

die

Va-

und nominas was ja bei inquis schon aus dem unciceronianischen Gebrauche des Wortes erhellt. Diese beiden Fälle sind offenbar ganz verschieden von unserer Stelle: im ersten ist die Weglassung des Verbums dadurch erklärlich, daß rianten

inquis

zweifellos

hinter

intercessiones

spätere Erklärungen

hinter religiones

sind,

ne quid temere, ne quid crudeliter, ähnlich wie ne quid nimis, Aufsind, die nicht direkt von dem vorhergehenden

forderungssätze

abhängen, während sie im zweiten, wo überhaupt vorhanden ist, durch die -lebhafte rhetorische begreiflich ist. Trotzdem glaube ich nicht, daß durch

considerandum

est

keine Konjunktion

Frage

leicht

RICH. MOLLWEIDE.

42

Verbums

Einsetzung

des

wenn auch

sprachlich

die Stelle

geheilt

vollständig

korrekt wäre,

der Satz

denn

ist,

so ließe sich doch

schwer ersehen, wie die Verderbnis entstanden sein sollte. Nach meiner Ansicht ist vielmehr ne quid tale posthac (faciat, committat) weiter nichts als ursprüngliche Erklärung zu ad iniuriam sint tardiFraglich scheint ores, die in den Text geraten Und zu tilgen ist. nur, ob posthac zum Texte oder zur Erklärung gehört, aber wegen des Gegensatzes von Vergangenheit und Zukunft scheint mir das ut et ipse posthac et ceteri ad iniuriam erstere der Fall zu sein :

sint tardiores

1

).

56 Nihil autem similitudo bonorum; in I

voluntates,

in iis

fit,

amabilius

est

quibus

nee copidatius

enim eadem studia

ut aeque quisque

quam morum eaedem

sunt,

altero delectetur ac se ipso,

2

quod Pythagoras vult in amicitia, ut unus fiat ex pluribus. Statt dessen überliefert Nonius p. 417 unter ultimum, primum: eeficiturque id quod Pythagoras ultimum in amicitia puidem de finibus bonorum et malotavit, ut unus fiat ex pluribus. rum III (30) eorum dico, qui summum bonum, quod ultimum appelefficiturque id

),



:

L. Müller bemerkt zu ultimum im kri-

lamus, in animo ponerent.

minus eleganter codd. Cic, er bei Nonius der Lesart vult in den Cicerohandschriften vor. Es ist begreiflich, daß sich die Herausgeber den beiden Lesarten gegenüber schroff entgegen gestanden haben. Während sie früher nach der Ausgabe von C. Lange die Lesart von Nonius aufgenommen hatten, entschieden sie sich später für vult, als Jac. Gronov die Lesart der Cicerohandschriften mit der Begründung verteidigt hatte, daß die Handschrift, deren sich Nonius bedient habe, ohne Zweifel an dieser Stelle verderbt gewesen, und daß das Verbum velle bei Definitionen sehr gebräuchlich sei. Die neueren Herausgeber, außer Stuerenburg (1834), haben wohl alle die Lesart vult der Cicerohandschriften tischen Apparate: zieht

also

beibehalten.

wägt, so

die

'vidt in amicitia

Lesart

ultimum

Wenn man

ist es in

die

Entscheidung zu kommen;

J

)

Warum

2 )

c hat

überlieferung,

ziehen

ist.

in

putavit

beiden Lesarten

soll

denn

die

gegen

sind nicht stichhaltig,

gegeneinander abdie Lesart

wenn man

Nonius gerade an dieser

Diese Wortstellung in

sondern tardiores

.

der Tat äußerst schwierig, zu einer befriedigenden

vorgebrachten Gründe untersucht.

.

c

scheint

mir

idtimum sie

näher

Stelle eine schlechte

besser zu sein,

weil

nicht

sint,

hervorhebender Stellung zu stehen hat.

idqite efficitur, was vielleicht, trotz der Auktorität der Noniuswegen der hervorhebenden Stellung des Hauptbegriffes id vorzu-

TEXTKRITISCHE BEITRÄGE ZU CICEKOS OFFICIEN.

4o

während das sonst richtig überultimum in alphabetischer Reihenfolge richtig angeführt ist, und auch die sonstigen dort unter ultimum erwähnten Zitate mit der Schriftstellerüberlieferung übereinstimmen? Ferner ist es ja richtig, daß velle vielfach in Definitionen gebraucht wird, nur muß dann die Definition selbst folgen, was hier nicht der Fall ist. Anderseits ist auch nicht in Abrede zu stellen, daß, wenn auch ultimum, das sehr gut etwa einem ecxcrrov der griechischen Vorlage entspräche, hier durchaus passend wäre, doch das nachfolgende putavit durchaus den Eindruck einer zurechtstutzenden Verlegenheitserklärung macht. Ich glaube, daß wir es hier mit einem außerordentlich interessanten Falle ältester Textverderbnis und Textinterpolation bei Cicero zu tun haben, und daß beide ÜberCicerohandschrift benutzt haben,

lieferte Zitat

unter

wenigstens

lieferungen,

Wahrscheinlich

ultimum

lautete

teilweise,

der

vult in amicitia,

das

Richtige

erhalten

ursprüngliche Text:

'was Pythagoras

als

haben.

quod Pythagoras höchstes Ziel

der

wobei man natürlich auch leicht esse kann, hinter ultimum ergänzen wenn man ultimum nicht als Objekt, sondern als Subjektsakkusativ auffassen will. Der Fehler rührt also aus ältester Zeit, vor Nonius, her und erklärt sich paläostatt graphisch sehr leicht durch Haplographie von V in VVLT Freundschaft

(will)

definiert',

:

VLTIMV VVLT

VLTIMV VLT geschrieben. VLTIMV VLT entwickelten sich nun

wurde versehentlich

Aus diesem unverständlichen

zwei Lesarten: nach der ersten, der der Cicerohandschriften, wurde

VLTIM

als

unverständlich ganz getilgt und

des m-Striches über

dem

ersten

V

zu

VVLT

VVLT vult,

nach Wegfall was notdürftig

und gezwungen einen gewissen Sinn gab; nach der zweiten dagegen, die Nonius benutzte, mußte nach Wegfall des unverständ-

VLT,

VLTIMV

Dittographie der ersten des Satzes Konstruktion Silbe von VLTIMV erscheinen konnte, die berichtigt werden, was durch interpoliertes putavit geschah. I 64 TJt enim apud Platonem est, omnem morem Lacedae-

lichen

moniorum

das hinter

inflammatum

esse

als eine

cupiditate

vincendi,

sie,

ut

quisque

animi magnitudine maxime excellet, ita maxime vult prineeps omnium vel potius solus esse. Die Worte vel potius solus scheinen mir nach prineeps omnium sinnlos zu sein; denn davon, daß solus substantivisch in dem Sinne von Alleinherrscher gebraucht sei, wie einige es erklärt haben, kann doch ernstlich keine Rede sein, und ebensowenig kann prineeps omnium dazu ergänzt werden. Nun hat aber c die Variante vult statt vel potius, und diese scheint mir die Lösung des Rätsels an die Hand zu geben. Wie es sich im An-

;

44

MOLLWEIDE.

RICH.

um nimia

fange des Satzes nur

cupiditas principatus handelt,

omnium

stand ursprünglich auch nur ita vidi princeps

so

im Texte princeps wurde später durch übergeschriebenes solus, oder vollständiger vult solus, nämlich princeps omnium esse, erklärt, das wohl abgekürzt v. solus geschrieben, später falsch zu vel und vel potius esse

verändert und zusammen mit solus in den Text genommen wurde. Die zur Erläuterung der unsrigen angeführte Stelle Vell. Pat. I 33 Nam usque Pompeius, ut primum ad rem publicam adgressus est, quemquam animo parem tulit; et quibus rebus primus esse debebat,

primus und solus adjekmacht aber ganz den Eindruck, als ob sie

solus esse cupiebat beweist nichts, weil dort

gebraucht sind,

tivisch

dann

sich an die

schon

sehr

früh

bei Cicero

interpolierte Stelle

anschlösse. I

A:

arma

77 Cedant

linguae und c:

singer-Zumpt

— 73

Erklärung

als

wird

der

Statt laudi hat

aber schon bei Heu-

(von Baiter nicht,

bemerkt und § 72

selbst Pison.

togae, concedat laurea laudi.

paci

Bei Cicero

aufgefaßt).

zweimal,

des Verses

erste Teil

der zweite § 74 mit der Lesart laudi ohne Variante zitiert. Dagegen findet er sich mit linguae Quint. Inst. Or. XI 1, 24 (In car-

minibus utinam pepercisset,

quae non desierunt carpere maligni: Laus Pison. v. 36. (Baehrens, Poet. lat. min. I 227), Plin. Nat. hist. VII 117 (salve primus omnium parens patriae appellate, primus in toga triumphum linguaeque lauream merite),



Cedant

Plut.

linguae),

Comp.

Dem. 2

Cic. et

rd ÖTrXa

(die

eöei

Trißevvuj

fijj

und Decl. den Worten In C.

TXwTTri rf)v OpiaußiKrjv UTrekeiv bdqpvn,v) § 6.

Endlich

läßt

sich

aus

pace

in

i
Tri

M. Tüll. Cic. Decl.

Sali.

§ 7

den Vers ziemlich genau umschreiben, fast mit Bestimmtheit annehmen, daß der Umschreibung die Lesart von c: paci zugrunde gelegen hat. Die qui togatus armatos

handschriftliche

der

nommen

ist,

schließt

sich

an,

unserer

beglaubigt

daß

sind.

Assonanz

an,

linguae zu lesen

getadelten

Ausdruck



daß sei.

laudi

die

also

drei

nimmt man

Seit Spalding



verfaßt

Pison.

Cicero

78

hatte.

laudi,

habe

zu lau



dagegen

den

(ursprünglich

ent-

Orelli

wohl

als

an-

beab-

durch

den

der deshalb an unserer Stelle

der

Antanaclisis

bescheideneren linguae ersetzt,

hat

Stelle

Hexameter einem Gedichte

dieser

Beiers Ansicht

die

die alle drei durch testimonia

das Cicero über sein Konsulat

an unserer Stelle sichtigte

bellum oppressi,

linguae und paci,

ältesten Zeit

wohl allgemein

maßend

et

)

Überlieferung

Varianten laudi, aus

1

Bei Baiter wohl mit Unrecht eingeklammert.

real)

TEXTKRITISCHE BEITRÄGE ZU CICEROS OFEICIEN. richtige tige;

Baiter

sei;

laudi

hält

an beiden Stellen

Baehrens, Fragm. poet. Born.

Beier-Orellis

an;

De

Peiser,

p.

invect.

für

45

das Rich-

303 schließt sich der Ansicht quae Sali, et Cic. nominibus

feruntur (Progr. Posen 1903) p. 19 glaubt dagegen nicht, daß Cicero

um dem Vorwurfe

der Anmaßung zu begegnen, daß vielmehr der Vers v malitia malignorum ut Quintiliani verbo utar, variatum esse u mit anderen Worten, daß statt laudi von Ciceros Feinden boshafterweise linguae eingesetzt sei, um ihn zu verhöhnen, und daß später diese Variante bona fide, ohne daß man etwas von der darin steckenden Bosheit gemerkt hätte, in den Cicerotext eingedrungen sei. Wenn ich auch fest überzeugt bin, daß Peiser mit seiner Erklärung der Lesart linguae auf dem richtigen Wege ist, so kann ich mich doch wegen der dritten Variante paci, die ich, wie ich oben auseinander gesetzt habe,

aus Bescheidenheit,

laudi durch linguae ersetzt habe,

,

und gut beglaubigt

iür alt

halte, keiner dieser

Ansichten völlig an-

schließen, sondern glaube allerdings mit Beier-Orelli-Baehrens,

Cicero

um dem Vorwurfe

selbst,

Anmaßung

der

daß

die Spitze abzu-

brechen und anderseits der boshaft persiflierenden Änderung linguae entgegen zu treten, den weniger selbstbewußten und objektiveren

Ausdruck paci, den

er schon früher statt laudi eingesetzt hatte, auch an unserer Stelle verwendet hat. Dieser hatte aber wenig Beachtung gefunden, weil entweder der ursprüngliche Ausdruck

beibehalten

laudi

oder die boshafte

Lob

Wendung

linguae

allmählich

in den Text aufgenommen wurde. Denn daß Cicero gegen die boshaften Anzapfungen wegen dieses Verses nicht gleichgiltig geblieben war, wie namentlich Peiser annimmt, ersieht man recht deutlich aus den dem Verse unmittelbar vorangehenden Worten Illud autem Optimum est, in quod invadi solere ab inprobis und invidis audio, besonders aber aus den sehr deutlichen Liebenswürdigkeiten, die er dem Piso an den Kopf wirft, Pison. 73 und 74: scire cupio, quid tandem in isto u versu repreliendas „cedant arma togae a — „Tuae dicis inquit „togae summ um imperatorem esse cessurum. Quid nunc te, asine, litteras doceam? Non opus est verbis, sed fustibus. Non dixi hunc togam, qua sum amictus, nee arma, scutum aut gladium unius imperatoris, sed quia pacis est insigne et otii toga, contra autem

bona

fide,

als

das

seiner Beredtsamkeit ausdrückend,

.

arma tumultus

atque

bellum ac tumultum

.

.

poetarum more locutus hoc atque otio concessurum.

Graeco ülo poeta: probabit genus

liari tuo

sapere mirabitur. laudi

belli,

paci

.

Nam

n At in

cum

tu

altero illo

et

intellegi volui

Quaere ex fami-

agnoscet, neque

te

nihil

u inquit „liaeres: concedat laurea

timidus ac tremens

tuis

ipse

furacissimis

;

46

RICH.

MOLLWEIDE.

manibus detr actum e cruentis fuscibus laureum ad portam Esquilinum ubiecisti, indicasti non modo umplissimue, sed etiam minimae luudi lauream concessisse". Wenn ferner Cicero die Behauptung Pisos scheinbar als völlig unbegründet zurückweist, daß Pompeius wegen dieses Verses und insbesondere wegen des Ausdrucks luudi auf ihn erzürnt sei (§ 74 und 75 Atque ista orutione hoc tarnen

intelleg i,

versu esse factum

non

fuisse

scriptisque

scelerate, .

.

.

vis,

Pompeium inimicum

mihi

isto

Omitto nihil istum versum pertinuisse ad illum

meum, quem quuntum potuissem multis saepe orutionibus decorussem, hunc uno violure versu etc.) so glaube ich ,

dem obigen wiederholten summum imperutorem, unius imperatoris, dem weiter unten § 78 geflissentlich gebrauchten Ausdrucke vir abundans bellicis laudibus Gh. Pompeius und dem ebenfalls wiederholten pucis, puci folgern zu doch

aus

dürfen, daß Cicero bei Gelegenheit der Rede gegen Piso eifrig die Gelegenheit ergriffen habe, vor versammeltem Senate den Pompeius

gegenüber allzu ruhmredigen und selbstgefälligen Ausdruck laudi authentisch zu interpretieren und gewissermaßen zu revocieren und durch den bescheideneren Ausdruck puci zu ersetzen, der aber, wie wir schon gesehen haben, dem ursprünglichen luudi und dem sarkastischen linguae gegenüber nicht durchdrang und nur selten in den Handschriften der Officien überliefert wurde. Wenn sich nun in c die Variante puci der echten Rezension erhalten hat, so ist das ein recht deutlicher Beweis dafür, auf wie alter und guter Überlieferung stellenweise diese Handschrift beruht. Vielleicht

ist

es

auch sogar noch möglich zu eruieren, wer den phänomenalen Witz verbrochen hat, dem immerhin eine gewisse litterargeschichtliche Bedeutung nicht abgesprochen werden kann. Wenn man zu der oben zitierten Stelle in Pison. § 73 noch in C. Sali. Decl. § 8 Sed quid ego de te pluru querur? quid enim mentiri turpe ducis, qui mihi eguisti

uusus

sis

elequentium ut Vitium

putrocinio?

zur Vergleichung

obicere,

cuius semper nocens

heranzieht,

so wird

man

es

daß entweder Sallust oder Piso der Verbrecher gewesen sei, wenn auch der letztere wegen des temperamentvollen und Cicero so recht von Herzen kommenden Kosewortes asine die größere Wahrscheinlichkeit für sich hat. I 112 Atque huec differentiu nutururum tuntum habet vim, ut nonnunquam mortem sibi ipse consciscere ulius debeat, alius [in eudem cuusu] non debeut. Num enim alia in causu M. Cuto fuit, für nicht unwahrscheinlich halten,

aliu ceteri, qui se in Africu Caesari trudideruut? In die

Worte

ulius in

eadem causa non

AB Hb

debeat, die sich in

fehlen

cp finden,

TEXTKRITISCHE BEITRÄGE ZU CICEROS OFFICIEN.

47

während a nur in eadem causa wegläßt, was auch Baiter und C. F.W. Müller (1898) einklammern, während die meisten Herausgeber, auch Schiche,

unbeanstandet lassen.

Ich bin ebenfalls der Anganze Satz alius in eadem causa non debeat und zwar alius wegen des vorhergehenden alius, ist, mit dem es korrespondiert, und das sonst völlig in der Luft stehen würde, in eadem causa aber wegen des folgenden alia in causa aus demselben Grunde. Außerdem aber erregt noch die Fragepartikel num hier starkes Bedenken. Cicero stellt in einer oratorischen Frage die Behauptung auf, daß M. Cato in ganz anderer

daß notwendig

es

das

sicht,

der

Lage gewesen den Tod geben

sei

als

seine Mitkämpfer,

als

lebend

und daß

er sich

lieber

dem Tyrannen

vor Augen treten mußte. nicht mit num eingeleitet

Die oratorische Frage kann deshalb werden, das eine verneinende Antwort voraussetzt, sondern es

ist

und tert., Basil.) Non statt Num x ) zu schreiben, das in lebhafter Frage oft (Merguet zitiert nur aus Ciceros Reden etwa 150 Fälle) statt nonne gebraucht wird und übrigens vielmehr

mit

(Gu.

c

sec.

in mehreren von den ältesten Drucken, z. B. Venet. 1498, wohl auch auf handschriftlicher Grundlage in den Text aufgenommen ist. I 154 Atque hoc idem in parentis, in amici re aut periculo

auch

Die Zusammenstellung in re aut periculo ist unlogisch, denn periculum ein spezieller Begriff, beide können

fecerit.

res ist ein genereller,

deshalb

durch das disjunktive aut zueinander

nicht

werden,

gestellt

in

Gegensatz

besonders da es sich mit Bezug auf das vorher-

gehende periculum discrimenque nur um den speziellen Begriff periculum handeln kann. Die Variante in c: in parentis aut amici re vel periculo scheint mir noch die Spur der richtigen Lesart zu zeigen und veranlaßt mich zu schreiben: in parentis amicive periculo. Ve, das passender als aut hier eine Auswahl von Personen be-

um

zeichnet,

deren Gefahr es sich handelt, konnte sehr leicht zu die Wiederholung von aut nach re sehr ein-

dann war

re werden,

fach und erklärlich. In II 2

c

weist noch vel auf das ursprüngliche ve hin.

Ego autem, quam diu

res publica per eos gerebatur, quiomnis meas curas cogitationesque in eam cum autem dominatu unius omnia tenerentur neque esset

bus se ipsa commiserat,

conferebam

;

usquam

consilio

publicae,

summos

essem

confectus

x )

Num

aut

auctoritati

viros,

nisi

amisissem,

iis

locus,

nee

restitissem.

socios

me

denique

tuendae rei

angoribus dedidi,

Zunächst halte

quibus

ich die in

A

und non wurden auch sonst in den Handschriften miteinander wo a umgekehrt n (non) statt num hat.

verwechselt, vgl. § 159,

48

MOLLWEIDE.

RICH.

überlieferte Stellung

für besser,

dem im Anfange

satze zu

eam

conferebam in

weil so der Begriff in eam,

eam conferebam

in

statt

der betont

im Gegen-

ist,

des Satzes stehenden res publica an das

Ende desselben gesetzt ist. Sodann halte ich die bei Nonius p. 268, 32 und auch in einem Gu. überlieferte Variante quibus eram confectus, die auch von einigen Herausgebern in den Text aufgenommen ist, im Munde Ciceros gerade zur Zeit der Abfassung der Officien für viel lebendiger und drastischer. IL 15 Qui enim aegris subveniretur, quae esset oblectatio valentium,

qui victus aut cultus,

rent?

quibus rebus

exculta Jiominum

cultu bestiarum. Die

Worte a

tantum

vita

a victu

distat

victu et cultu bestiarum scheinen

et

mir

denn von cultus kann doch bei Tieren auf

unsinnig zu sein,

hier

nisi tarn multae nobis artes ministra-

keinen Fall die Rede sein, und. die von den Erklärern angeführten

daß cultus synonym mit victus und dem griechischen bicuta sei, sind wenig beweiskräftig. Aus diesem Grunde hat deshalb schon Facciolati den ganzen Satz quibus rebus exculta hominum vita tantum distat a victu et cultu bestiarum mit dem Obeliscus bezeichnet, während Unger bloß et cultu getilgt hat. Stellen,

entsprechend

Das radikale Heilmittel Facciolatis ist natürlich nicht zu billigen, und das Ungers ist auch nur eine willkürliche Halbheit, die an die Variante Gu. quint. erinnert,

Dagegen

behält. et cultu,

die sich

bietet

der victu

auch im Gu.

tert.

victu

et

cultu

ist

in

c:

a bestiarum victu

einen Fingerzeig,

findet,

welche Weise die Verderbnis entstanden

aber cultu bei-

wegläßt,

et

Umstellung

die

auf

Der ganze Ausdruck

ist.

m. E. zu streichen und es wird heißen müssen: hominum vita tantum distat a bestiarum (i. e.

quibus rebus exculta

Der dem unmittelbar vorangehenden qui victus aut cultus entnommene Ausdruck victu et cultu ist ursprünglich zur Erklärung über distat geschrieben gewesen und später hinter a und in c und Gu. tert. hinter bestiarum in den Text eingedrungen. Ich bemerke

vita!)

daß

noch,

sprüngliche

diese Glosse

Form

gehenden qui

um

um

so interessanter

des Textes

gibt

und

et

auch

in

dem voran-

das eine oder das andere, victus aut cidtus, sondern et

tarn

multae nobis artes ministrarent,

so halte ich die Varianten in

ministrarent, quibus exculta

multae erwarten

und

.

.

.

cpL:

Was

beides,

In der

den Satz

quibus rebus exculta...

nisi tarn

für besser,

artes nicht

um

handelt es sich.

cultus,

Glosse hat sich also die bessere Rezension erhalten. betrifft,

denn nicht

victus aut cultus statt aut einzusetzen ist;

das eine und das andere, victus nisi

sie die ur-

weil

ist,

weil

multa nobis artes

man

tot

statt tarn

durch nobis von multae getrennt

TEXTKRITISCHE BEITRÄGE ZU CICEROS OFFICIEN.

49

außerdem aber der intransitive Gebrauch von miniist, daß die älteren Herausgeber ohne handschriftliche Grundlage ministrarentur dafür eingesetzt haben, während die meisten Erklärer eas res dazu ergänzt wissen wollen, was doch auch sprachlich sehr hart und gezwungen sein würde. Alle diese Schwierigkeiten fallen bei der Lesart c: tarn multa weg, was sein

würde,

strarent so auffällig

Objekt zu ministrarent mit Recht an hervorhebender Stelle steht. Schiebe hat tarn multa in den Text aufgenommen, aber quibus als

Forchhammer (vgl. Idph V 1898, annimmt, dadurch die Beziehung auf multa gewahrt würde, während quibus allein auf artes zu beziehen wäre. Diese Annahme scheint mir auf einer allzu feinen und künstlichen grammatischen Distinktion zu beruhen; denn daß diese Beziehung unzutreffend wäre, ist schon bei der einfachsten Überlegung ersichtlich und wird rebus beibehalten, weil, wie er mit S. 266)

durch die Lesart von

am

c

besten widerlegt.

hominum

non potuissent nee aediinstituti, tum iuris ficari nee frequentari; aequa discriptio certaque vivendi diseiplina; quas res et mansuetudo II 15 Urbes vero sine

ex quo

animorum

consecuta

et

coetu

leges

vereeundia

moresque

est

effectumque,

ut

esset

vita

munitior, atque ut dando et aeeipiendo mutuandisque facultatibus

et

commodandis mala re egeremus. An dieser Stelle sind die Worte atque ut dando et aeeipiendo mutuandisque facultatibus et commodandis sehr kontrovers, wie schon die schwankende Überlieferung vermuten läßt. Baiter, Unger, Gruber haben mit sämtlichen Handschriften, auch A und C: mutandisque, Heusinger-Zumpt, Orelli, Müller, Schiebe dagegen mutuandis; Ac außerdem noch commodis statt commodandis. Raph. Küher bemerkt in einer Anmerkung seiner Übersetzung: ^mutuandisque. Die andere Lesart ist 22 mutatione officiorum, durch den Austausch von Diensten, d.i. wechselseitige Dienste; allein das Wort mutuandis entspricht besser dem folgenden commodandis". Die Variante mutuandis stammt aus Nonius, der die Stelle p. 275 folgendermaßen mutandisque, wie

I 7,

atque ut dando et aeeipiendo mutuandisque facidtatibus commodandis nulla re egeremus und sie unter dem Stichworte commodare est mutuari zitiert, nachdem er vorher Lucilius lib.

überliefert: et

XXVII:

certa sunt sine

geführt hat.

Es handelt

detrimento quae inter sese conmodent anihm um commodare, das durch

sich also bei

mutuari erklärt wird. Da es nun ganz undenkbar ist, daß Nonius commodare durch mutuari erklärt hätte, wenn es in seiner Vorlage, wie in den späteren Cicerohandschriften, unmittelbar vorangegangen wäre, so

ist

es

nach meiner Ansicht

Wiener Studien. XXVII. 1905.

klar,

daß

er in seiner Officien*

50

RICH.



handscbrift

einem

und

bei

MOLLWEIDE.

dieser

Annahme können

seine Arbeitsweise

einzelnen Falle

wir vielleicht in



beobachten!

weiter

mutuandis

atque ut commodandis facultatibus nidla re egerewar durch mutuandis glossiert, was ihm commodandis mus, d. h. Erklärung und zu dem Zitate gab: commodare der Veranlassung zu nichts fand als:

M.

commodandis facultatibus nidla re egeremus. Der Umstand, daß bei Nonius zuerst ein Zitat aus Lucilius kommt, steht natürlich durchaus nicht der Annahme entgegen, daß er seine Erklärung von comest

mutuari

Tullius

de

Offtciis

lib.

II:

atque

ut

kommentierten Officienhandschrift entnommen habe. später das tautologische mutuandis vor commodandis den Officientext eingedrungen war, fühlte man das Ungehörige

modare

einer

Nachdem aber in

und Fehlerhafte

dieser

Nebeneinanderstellung.

Dies

erklärt

das

Entstehen der Varianten mutandis und commodis, durch welche die tautologischen Ausdrücke beseitigt werden sollten.

Aber auch

die

Worte dando

Ansicht weiter nichts sind

et

oder commodandis oder zu beiden, gedeutet habe, als Glossen aus

die nach meiner Erklärung zu mutuandis wie ich schon oben an-

accipiendo,

als eine spätere

sind,

dem Texte zu

entfernen

und

es ist

nur zu schreiben atque ut commodandis facultatibus nulla re egeremus. Es ist leicht möglich, daß unsere Stelle durch die schon

oben

22 in hoc naturam debemus ducem sequi, in medium afferre mutatione ofßciorum, dando

erwähnte Stelle

communes

utilitates

I

ist, wo wohl ebenfalls mutuatione statt mutaund dando accipiendo trotz seines formelhaften Aussehens als Glosse zu streichen ist. Wir hätten also auch hier wieder eine sehr frühzeitige und recht komplizierte Verderbnis des ciceronianischen Textes festzustellen, die sicherlich einzig und allein auf das Schuldkonto der Ciceroüberlieferung zu setzen ist und

accipiendo beeinflußt tione

einzusetzen

erst später in den Noniustext eindrang. ist diese Stelle aber sehr interessant und wichtig Frage des gegenseitigen Verhältnisses der Überlieferung bei Cicero und bei Nonius. Im ganzen scheint mir die Sache so zu liegen, daß sich gelegentlich, wie in diesem Falle, Cicero- und Noniusüberlieferung gegenseitig beeinflußt haben, wenn auch bei der Anordnung des Sprachmaterials und der unvollständigen und ungenauen Art des Zitierens bei Nonius, insbesondere auch bei der

Jedenfalls

für

die

technischen Einrichtung der Handschriften ein methodisches gegenseitiges Vergleichen

und Durchkorrigieren, wie

es sonst

bei

den

einzelnen Schriftstellern ganz gewöhnlich war, völlig ausgeschlossen

TEXTKRITISCHE BEITRÄGE ZU CICEROs OFFICIEN.

51

gewesen zu sein scheint. Offenbar sind Cicero- und Noniustext im ganzen unabhängig von einander überliefert und verderbt, worden. So ist es erklärlich, daß die Noniusüberlieferung, so unglaublich fehlerhaft sie auch oft ist, doch zuweilen das Richtige oder wenigstens Spuren des Richtigen erhalten hat, während die CiceroüberHieraus

lieferung Falsches bietet.

im

einzelnen Falle

erhellt,

aber

19

Magnam

sccundas ad res

vim

wie groß ihre Autorität ihre

hat.

esse in fortuna in

vel adversas,

welche Vorsicht

auch,

Verwertung zur Voraussetzung

kritische II

kann,

sein

quis ignorat?

utramque partem,

Nam

vel

cum prospero cum reflavit,

et,

ad exitus pervehimur optatos, et, manches Anstößige, insbesondere ist die Konstruktion magna vis est in fortuna in utramque partem, abgesehen davon, daß das zweimalige in dicht hintereinander stiAber auch listisch unschön und grammatikalisch bedenklich ist. res adversas, vel secundas ad vel die doch als erklärende Worte die utramque partem von magnam vim als esse in Apposition zu in fortuna in abhängig zu denken sind, und man deshalb in und nicht ad voraussetzen würde, machen ganz den Eindruck wirren, zurechtgestutzten Glossenlateins. Zu beachten ist außerdem noch, daß mit Beziehung auf utramque in partem gleieh unmittelbar nachher § 20 neutram in partem ohne weiteren erklärenden Zusatz gebraucht wird. Die Stelle ist nun Lactant. Inst.-Div. III 29, 4 folgendermaßen überliefert: Magnam esse fortunae vim in utramque

flatu

utimur,

eins

affligimur

partem,

ad

.

Die

quis

exitus

Stelle hat

nesciat?

1

)

Nam

pervenimus optatos,

et et

cum cum

Facciolati hat die Variante fortunae

eins

utimur

aäfliginiur.

Schon

prospero reflavit,

flatu

statt in fortuna

in

den Text

aufgenommen. Ferner sind aber sicherlich auch die bei Lact, fehlenden Worte vel secundas ad res vel adversas als in den Text eingedrungene Erklärung zu utramque in partem zu streichen, und zwar wegen des schon oben angeführten grammatikalischen Verstoßes, besonders aber auch deshalb, weil der Ausdruck, an sich durch den gleich darauf folgenden Satz eius utimur etc. zur Genüge erklärt wird. Daraus ergibt sich die wichtige Tatsache, daß Lact, an dieser Stelle eine von dieser Glosse noch reine Rezension benutzt hat. Daß aber auch diese nicht mehr unbedingt zuverlässig und authenschon

Nam

leicht verständlich,

et,

cum prospero

flatu

tisch war, ergibt sich aus

!)

den übrigen Varianten quis nesciat

Mit Recht schreibt Sam. Brandt in seiner Ausgabe

wegen des unmittelbar darauf folgenden

quis,

inquis,

CSEL:

nescit?

Ego

(nescit)

quis nescit vero nescio. 4*

52

KICH.

und pervenimus

quis ignorat

statt

Wendung von

pervehimur.

Auf

die erste

Wert legen, weil sie als formelvöllig unbewußt und unbeabsichtigt

Lact, leicht

der anderen formelhaften

statt

statt

ich allerdings gar keinen

möchte hafte

MOLLWEIDE.

Dagegen

konnte.

Wendung

ich

halte

die

quis ignorat eingesetzt

Lesart pervenimus

schlechter als die Lesart pervehimur

werden

bei Lact,

für

der Cicerohandschriften,

die

auch durch den Fehler pervehimus in H, der den Übergang zu pervenimus bei Lact, illustriert, gestützt wird, wenn ich auch die Lesart provehimur in p und einigen anderen Handschriften vorziehe, weil sie poetischer ist und die ganze Stelle einen gewissen dichterischen Schwung im Ausdrucke zeigt. Auch hieraus ergibt sich wieder,

daß schon zur Zeit des Lact, die Officienrezension schwankend und unsicher gewesen sein muß. Daß aber Lact, längere Stellen wie diese

dem Gedächtnisse

aus

habe,

zitiert

halte ich für unglaub-

würdig. II

84

solveretur ; et

Numquam armis quibus

ordine;

et

vehementius actum

est

castris temptata res est ab

ita

restiti,

Numquam

ut

nee maius

hoc

totum

quam me

consule,

ne

omni gener e hominum

malum

de re publica

alienum fuit nee melius nee facilius dissolutum est; fraudandi enim spe sublata solvendi necessitas consecuta est. Statt ne solveretur hat p: ne non solveretur, was was ja natürlich unmöglich ist und das Gegenteil ausdrückt von

tolleretur.

aes

dem, was hier gesagt werden soll, aber gerade durch das falsche non auf die Spur des Richtigen hinführt. Nach meiner Ansicht ist statt ne solveretur zu schreiben ut non solveretur, denn ut non ist im Gegensatze zu ne die stark betonende Verneinung in einem Finalsatze, und auf das non solvere des Nichtzahlen kam es an (ne solveretur damit nicht gezahlt würde, ut non solveretur , damit nicht gezahlt würde!). Ein Erklärer faßte diesen Unterschied nicht richtig

auf und setzte In

p

nur

ist in ist

dem

statt

non das ihm richtiger scheinende ne

ut

ein.

fehlerhaften ne non noch das richtige non erhalten,

das fehlerhafte ne zugleich statt ut mit beibehalten worden.

Als aber erst einmal das falsche ne allgemein eingedrungen war, mußte dann in der neuen unsinnigen und nur in p erhaltenen Lesart ne non das non getilgt werden und die Vulgata ne allein übrig bleiben.

Aber

die Stelle

enthält

nach meiner Ansicht noch einen

Fehler in den Worten fraudandi enim spe sublata solvendi necessitas consecuta ich

est.

BHabA

für richtig halte.

haben

solvendi,

cp dagegen vendendi, was

Cicero bezieht sich hier ersichtlich auf seine

zweite Rede gegen Catilina. Die solvendi necessitas lag für die ver-

schuldeten Catilinarier

immer

vor,

als

aber

die

spes

fraudandi.

TEXTKRITISCHE BEITRÄGE ZU CICEROS OFFICIEN.

53

die Hoffnung, sich durch einen allgemeinen „Kladderadatsch" von ihren Schulden befreien zu können, vereitelt wurde, trat die necessitas vendendi an sie heran, d. h. die Notwendigkeit, durch den Verkauf ihrer Güter sich Mittel zur Bezahlung ihrer Schulden zu d. h.

verschaffen,

in

aere

18 Unum est genus eorum, qui magno etiam possessiones habent, quarum amore

in Cat. II

vgl.

maiores

alieno

adducti dissolvi (vgl. dissolutum

possunt

.

.

An

.

tdbulae novae ?

verum auctionariae

ferentur,

est .

.

.

an unserer Stelle!) nullo modo meo beneßcio tabalae novae pro-

(also vendendi necessitas!) neque

solvi

salvi esse?) possunt.

st.

Sed cum

III 5

tota philosophia,

mi

Cicero,

tuosa nee ulla pars eins inculta ac deserta

in ea locus

nee

est

uberior

quam

de

lionesteque vivendi praeeepta dueuntur. st.

enitn

= dis-

qui possessiones habent, alia ratione ulla salvi esse (solvi

isti,

frugifera

et

fruetuosa,

es steht

mit anderer Tinte und von

und zwar dicht neben

Wir

hier

sehen

den Interpolator

Hand am Rande

geschrieben

fruetuosa, das die Zeile schließt.



da fruetuosa zu dem

voller Tätigkeit:

hat frugifera nee fruetuosa

aber (bei Baiter nicht bemerkt)

späterer

infruetuosa,

frue-

et

feracior

a quibus constanter

offieiis,

c

frugifera

tum nullus

sit,



wohl aus später Zeit! in c

in

stehenden frugifera nee

nicht paßte, so setzte er statt dessen infruetuosa ein, unbekümmert,

ob

dadurch

stand.

platte Tautologie

die

Aber auch

die

der Vulgata, besonders verglichen mit

und

feracior

die Lesart

uberior ist eine

nee

in c

streichen Inst.

VI

2,

sei,

in

wenn man

15 In quibus

{tota philosophia!)

dem

kaum weniger

infruetuosa et

ent-

fruetuosa

in

gleich darauf folgenden platte Tautologie

1

und

),

daß frugifera als den Text eingedrungen und einfach zu

könnte

Erklärung zu fruetuosa

nee

frugifera

Zusammenstellung frugifera

darauf hindeuten,

nicht aus der variierten Stelle Lact. Div.

ipsis nihil esse testatur in

melius

et

omni philosophia

fruetuosius quam praeeepta

dare {vivendi praeeepta) die Verbindung bona

et

vitae

fruetuosa an unserer

Stelle einsetzen darf. III 6 Suscepisti onus praeterea grave et Athenarum et Cratippi; ad quos cum tamquam ad mercaturam bonorum artium sis profectus, inanem redire turpissimum est dedecorantem et urbis auetoritatem et magistri. Die Lesart der Handschriften ad quos cum tamquam wird durch Nonius 213, 4 bestätigt, während S. 431, 20, wo die Stelle noch einmal zitiert wird, die Handschriften quo haben,

!)

Erträglicher

grancliferae

et

ist

schon Phil.

fruetuosae!

II

101 die Zusammenstellung orationes

54

EICH.

MOLLWEIDE.

was L. Müller zu quo quom, Lindsay zu quom ergänzt, p hat die ganz abweichenden Lesart ad quae cum. Alle drei Lesarten bieten Schwierigkeiten, insofern weder quos noch quo oder gar quae ohne Härte auf die vorhergehenden Substantive Athenae und Cratippus bezogen werden kann; denn Erklärungen, wie die Grubers: v ad quos, Athen personifiziert, daher in bezug auf beide das Maskulin" und ähnliche, beseitigen natürlich die Schwierigkeit nur scheinbar.

Ich

Lesart von p: ad quae cum die Spur des Richtigen zu erblicken, quae wird in p wahrscheinlich que oder bloß que geschrieben sein; ad quae sind fälschlich getrennt, und es muß

glaube

in der

adque gelesen werden, was sehr häufig stand

Im Texte

statt atque steht.

ADQVEQVO,

ursprünglich

also

woraus

namentlich

sich,

wenn erst einmal der m-Strich über dem O weggefallen war, die Entstehung der verschiedenen Lesarten leicht erklärt. An den Satz Suscepisti onus praeterea grave schließt sich dann atque quom tam-

quam

sehr gut an. III 10

scribit

eodem

Accedit

quadam

in

Panaetium audierat,

ut

eam partem, quam

Apelles

enim pidchritudo

nemo

Posidonius,

Rufum

etiam

qui

dicere

solere

qui

pictor esset inventus, qui in Coa Venere

inchoatam

corporis

reliqui

locuples

testis

P. Putilium

epistula

reliquisset,

absolveret

imitandi spem auferebat),

(oris

sie ea,

quae Panaetius praetermisisset perfecisset praestantiam

schieden überliefert; ist

et non perfecisset propter eorum, quae neminem persecutum. Die Stelle ist sehr ver-

H hat

in coa uenere,

in choa uenere expungiert

und inchoare

B: in choa am Rande

ucnere, in c

geschrieben

(ersteres bei Baiter nicht angegeben), a; inchoauere } b: incho ueneris,

p: in templo coa Gu.

tert.

:

ueneris,

A: incho

iconiae ueneris, Gu. quint.

:

ueneris

(also

incho getilgt!),

choae ueneris, die übrigen Gu.,

Goth. und mehrere andere Handschriften sowie alte

coa

oder

coae

ganz

partem absolverent

ist

weg.

Die Konstruktion

in

Drucke lassen Coa Venere eam

sondern späCoae Veneris eam partem absolverent. Ich

jedenfalls nicht ciceronianisch,

teres Glossenlatein statt

auf Grund

der handschriftlichen Überlieferung in c und daß in choa zu streichen und qui Veneris eam partem, quam Apelles inchoatam reliquisset zu schreiben ist. In choa

vermute

namentlich

in

A,

oder in coa vor Veneris dürfte

irrtümlich

durch das

in

der Zeile

darunter stehende inchoatam oder incoatam veranlaßt sein, worauf

Marginalbemerkung inchoare und die Expungierung von inchoa und die Tilgung von incho vor ueneris in A hindeutet. Nachdem aber einmal inchoa in den Text eingedrungen und als in Choa oder in Coa gedeutet war, mußte Veneris auch in Venere verdie

in c

:

!

TEXTKRITISCHE BEITRAGE ZU CICEROS OFFICIEN.

55

wandelt werden, und die Erklärer machten sich an die Arbeit, wie es sich am deutlichsten in zwei Oxon. zeigt, wo sie sich zu der antiquarischen Interpolation in templo

gelehrten

während doch

schwingen,

die

coae

ueneris

berühmte Venusstatue

auf-

des Apelles

im Asklepiostempel auf der Insel Kos stand III

26 Deinde,

alterum

qui

violat,

aliquid commodi naturam aut magis

ut ipse

consequatur, aut nihil existimat se facere contra

fugiendam censet mortem, paupertatem, dolorem, amissionem etiam liberorum, propinquorum, amicorum quam facere cuiquam iniuriam. Si nihil existimat contra naturam fieri hominibus violandis, quid cum eo disseras, qui omnino hominem ex homine tollat? sin fugiendum id quidem censet, sed multo illa peiora, mortem., paupertatem, dolorem,

errat in eo,

animi gravius

vitiis

quod ullum aut corporis aut fortunae Vitium existumat. c hat (bei Baiter nicbt bemerkt)

•/•

censet

peiora, mortem.

Das über mortem stebende siglum

•/•

=

id est

kann

nur der Anfang einer Erklärung sein, die folgendermaßen lautete •/• mortem, paupertatem, dolorem und zu illa peiora gehörte, worunter aber, wie weiter oben gesagt ist, mortem, paupertatem, dolorem, amissionem etiam liberorum, propinquorum, amicorum zu verstehen ist.

Es

ist

nun

aber

nicht

die

ganze

Stelle,

halber nur mortem, paupertatem, dolorem etc.

erwarten würde



sondern der Kürze

— wonach

man

eigentlich

zur Erklärung übergeschrieben und später

in den Text gedrungen, während das siglum •/• allein noch in c über peiora übrig geblieben ist. Dieser Fall zeigt recht augenscheinlich, eine wie alte und treffliche Rezension in c teilweise

noch vorhanden

ist.

29 Forsitan quispiam dixerit: Nonne igitur sapiens, si fame ipse conßciatur, abstulerit cibum alteri homini ad nidlam rem utili? [Minime vero ; non enim mihi est vita mea utilior quam animi talis Quid? si Phalaadfectio, neminem ut violem commodi mei gratia.] III

inmanem, vir bonus, ne ipse frigore connonne faciat? Haec ad iudicandum sunt facillima. Nam, si quid ab homine ad nullam partem utili utilitatis tuae causa detraxeris, inhumane feceris contraque naturae legem sin autem is tu sis, qui multum utilitatem rei publicae atque rim, crudelem

fbdatur,

tyrannum

et

vestitu spoliare possit,

;

hominum societaii, si in vita remaneas, adferre possis, eam causam alteri detraxeris, non sit reprehendendum.

si

quid,

ob

Die Stelle ist handschriftlich gut überliefert und es sind von den Herausgebern bis auf G. F. Unger keine Bedenken erhoben worden. Dieser hat die Worte minime gratia als unecht eingeklammert, und ebenso



56

MOLLWEIDE.

RICH.

nach seinem Vorgange Baiter und C. F. W. Müller, während sie Schiche ganz weggelassen, Gruber dagegen, wenn sie ihm hier auch ungehörig erscheinen, doch beibehalten hat. Unger begründet seine Athetese folgendermaßen

„Die Antwort auf die beiden Fragen und Quid? nonne faciat?) folgt erst nach der zweiten § 30, wo die Worte Haec ad iudicandum sunt facillima deutlich zeigen, daß hier noch kein iudicium versucht worden ist. Noch deutlicher zeigt das Urteil selbst, welches dort abgegeben wird, daß die von uns eingeklammerten Worte unecht sind, denn Cicero erlaubt dem Weisen, den unnützen Menschen im Notfalle der Speise zu berauben." Nach meiner Ansicht werden die eingeklammerten Worte völlig mit Unrecht beanstandet und getilgt. Schon auf die erste Frage wird ein iudicium abgegeben: es ist dem Weisen durchaus nicht erlaubt, den unnützen Menschen zu seinem persönlichen Vorteile (utilitatis tuae causa) der Speise zu berauben. Darauf wird die Frage verengert und auf den Tyrannen Phalaris spezialisiert, und § 30 die Antwort erteilt, daß



(Nonne

:



utili?

man

allerdings nicht zu persönlichem Vorteile so etwas tun dürfe, wohl aber, wenn man durch Erhaltung seines Lebens dem Staate

und der menschlichen Gesellschaft wesentlichen Nutze n verschaffen könne: sin autem

non Suntne

alteri detraxeris,

III

turus non

68

in

igitur insidiae

Schon Facciolati hat an

sie in

eam causam

tendere piagas,

etiamsi excita-

der Frage Anstoß

genommen

Weise erklärt, indem er sie dem Verkäufer während doch nach dem Zusammenhange offenbar h. Cicero selbst, die Frage aufwirft. Die meisten

gekünstelter

Mund

den

tu sis .... si quid ob

is

reprehendendum.

nee agitaturus? Ipsae enim ferae nullo insequente saepe

sis

ineidunt.

und

sit

legt,

der Redende,

d.

Erklärer nahmen dagegen suntne

in dem Sinne von nonne sunt, nach agitaturus sei dann die Antwort sunt vero zu ergänzen, worauf dann die Begründung mit enim folge. Man sieht, nur durch mehrere willkürliche Annahmen läßt sich auf diese Weise die Stelle

Ohne

ob ne so ohne weiteres im Sinne von nonne gebraucht werden kann, nehme ich vor allem daran Anstoß, daß man die Antwort sunt vero ergänzen soll, damit erklären.

dann

die

vielmehr,

kein

Begründung mit

x )

ipsae

daß zu schreiben

Fragesatz,

insofern

weiter darauf einzugehen,

sondern

ist

ein

1

):

enim folgen kann. Sunt,

ne,

igitur ...

Behauptungssatz

(ne

=

Ich vermute

Es

ist

gar

nae in der

Diese Auffassung scheint sogar auch handschriftlich begründet zu sein, der Gu. quart. Sunt igitur ne, während der Gu. tert. igitur wegläßt,

das allerdings auch durch Nonius 369, 19 gesichert

ist.

.

TEXTKRITISCHE BEITRÄGE ZU CICEROS OFFICIEN. Bedeutung III

Mos

profecto),

vero,

mit ipsae enim

auf den dann sogleich die Begründung

folgt.

100 reddi captivos negavit (M. Atilius Regulas!)

adulescentes esse

cum

Itaque tum,

57

esse utile;

bonos duces, se iam confectum senectute

et

vigilando necabatur,

.

.

quam

erat in meliore causa,

domi senex captivus, periurus consularis remansisset. A hat hier eigentümliche Varianten: senio statt senectute und iugulando statt vigilando, die sich auch in c findet (bei Baiter nicht erwähnt). Ich bin der Ansicht, daß das archaische Wort Senium, das bei Nonius (Senium est taedium et odium: dictum a senectute, quod senes omnibus odio sint et taedio) gerade aus älteren Schriftstellern angeführt wird, hier mit Recht dem Regulus in den Mund gelegt wird und in den Text aufzunehmen ist, besonders auch deswegen, weil es ganz unwahrscheinlich ist, daß das entlegene archaische Wort Senium als Erklärung für das gewöhnliche senectute in den Text eingedrungen sein sollte, während der umgekehrte Fall leicht begreiflich ist. Was die zweite Variante iugulando anbetrifft, von der man leicht geneigt sein könnte anzunehmen, daß es eine antike Reaktion gegen die stark übertreibende Legende von der grausamen Bestrafung des Regulus sei, so ist sie doch als ein unabsichtliches, si

zwei

namentlich

aus

der

Minuskelschrift

{in

tu)

statt

leicht

zu

er-

klärendes Versehen anzusehen, und ganz abgesehen davon, daß die schwülstige Ausdrucksweise iugulando necavit statt des einfachen iugulavit

zu

kaum

verwerfen,

mehreren Stellen III 113

schon aus dem Grunde

ciceronianisch sein dürfte, weil

De

*)

in

die

betreffende

derselben

Legende

Form

bei Cicero

sich

an

vorfindet.

nam

quibus non omnes uno modo;

Polybius, bonus

auctor in primis, ex decem nobilissimis, qui tum erant missi, novem revertisse dicit re

a senatu non impetrata ;

quam erat egressus e castris, Romae remansisse; reditu enim

post,

redisset,

in

unum

ex decem, qui paulo

quasi aliquid esset oblitus,

castra

liberatum se esse

iure

non rede; fraus enim astringit, non dissolvit periurium. Hab haben distringit, cp astringit, Gu.prim.: destringit, Gu. quint.: periurium non solvit. Orelli, C.F.W. Müller, Schiebe haben astringit, Unger, Baiter, Gruber distringit aufiurando interpretabatur,

AB

genommen. Bei Heusinger-Zumpt wird zu der „Mihi destringit, quod legitur in Bern, ab, ßdis astringit

6 )

sit

Vgl.

in Bern, d,

in L. Pison. 43

resectis palpebris illigatum in

malo

libro,

et

c,

Stelle

bemerkt:

auetoribus,

ingeniöse

cum

interpolato,

quem Karthaginienses ille 31. Regulus, machina vigilando neeaverunt etc.

Nee mihi

58

RICH.

MOLLWEIDE.

verum videtur, eo sensu, quo gladium destringi dicimus, i. e. periurium apertius etiam nocentius fit". Abgesehen davon, daß nach Baiters wohl glaubwürdigerer Angabe ab nicht destringit, sondern distringit haben, paßt auch diese Erklärung ganz und gar nicht in den Zusammenhang; denn es soll doch offenbar der Gedanke ausgedrückt werden: Betrug ist Meineid, aber nicht Erfüllung des Eides. C. F.W. Müller bemerkt: „statt astringit haben die besseren Handschriften das unverständliche distringit und Gruber: „dagegen kommt distringere, welches die schlechteren Handschriften hier haben, in solcher Bedeutung (als Gegensatz zu dissolvere!) gar nicht und bei Cicero nur das Part, districtus vor. Der Trug hebt den Meineid nicht auf, sondern befestigt, d.h. verstärkt ihn noch". Ernesti und Unger klammern periurium ein, und letzterer bemerkt: „periurium ist entweder zu streichen oder in deiurium zu verwandeln, ein Ausdruck, dessen sich Gellius VI (VII) 18 bei Erzählung dieser Begebenheit bedient, vermutlich nach einem alten Historiker". Wie man sieht, ist der Wirrwarr der Überlieferung und der Erklärungen sehr groß. Ich bin der Meinung, daß der scharf pointierte, antithetische Gedanke auch eine antithetische Form und Ausdrucks weise voraussetzen läßt, daß also die Lesart distringit als Gegensatz zu dissolvit von vornherein den Vorzug verdient, wenn sonst sich ein guter Sinn damit verbinden läßt. Sodann halte ich periurium mit Ernesti und Unger für eine Glosse, und zwar zu distringit: betrügerische Umgehung eines Eides ist ein periurium. Diese Ansicht findet gewissermaßen auch eine handschriftliche Bestätigung durch die Transposition periurium non solvit im Gu. quint., vor allem aber in der bei Baiter angegebenen und auch von mir notierten Interpunktion in A: non dissolvit. periurium. Fuit, durch die periurium als Glosse oder als zu tilgen bezeichnet zu werden scheint. Die Formen distringit und dissolvit sind dann fast intransitiv gebraucht, was keinen Anstoß erregen kann, da aus dem unmittelbar vorhergehenden liberatum (fast dissolidum) se esse iureiurando 11

=

leicht iureiurando

iurando aliquem deiurio vincti,

dazu ergänzt und durch die Analogie von

liberare, constringere, vincire (vgl. Gellius

solutosque

esse se ac liberatos

religione,

VI

iure-

[VII] 18

iureiurando

das allgemeine Objekt ali-

werden kann, quem aber selbstverständlich ist. Daß bei Cicero außer an dieser Stelle wenigstens in den Reden von distringere keine andere Form als districtus vorkommt, kann kein Hindernis sein, es beizubehalten.

satisfacto)

gerechtfertigt

Die Konjektur deiurium statt periurium, die trotz des unmittelbar vorhergehenden iusiurandum ganz plausibel erscheinen könnte,

TEXTKRITISCHE BEITRÄGE ZU CICERO S OFFICIEN. die Erzählung,

weil

calliditas

wie bei Gellius,

entnommen

Historiker

59

ist

(vgl.

wahrscheinlich einem alten auch frans und gleich nachher stulta

mit fraudulenta calliditas bei Gellius

omnibus ignominiis omnium notarum et damnis soribus

notatos et

und eosque a

mit

censoresque

eos

ignominiis

adfecerint),

in

cen-

postea der das

archaische deiurium, ähnlich wie senio III 100, nicht auffällig wäre,

Entstehung des Fehlers sich, wie dort, leicht erklären doch schon aus dem Grunde zu verwerfen, weil nach der Analogie von liberare iureiurando zu distringere und dissolvere nicht etwa der Akkusativ, wie dies bei der Vulgata periurium geschieht, sondern der Ablativ deiurio zu ergänzen wäre. III 114 Sed illnd maximuni: Octo hominum milia tenebat Hannibal, non qnos in acie cepisset, aut qui periculo mortis diffugissent, sed qui relicti in castris fuissent a Paulo et a Varrone consulibus. Eos senatus non censuit redimendos, cum id parva pecunia fieri

und

die

ließe, ist

posset, ut esset insitum militibus nostris aut vincere aut emori.

quidem

re audita

fractum

animum Hannibalis

idem,

scribit

Qua quod

senatus populusque JRomanus rebus afflictis tarn excelso animo fuisset. Sic

honestatis

comparatione

quae

ea,

videntur

utilia

vincuntur.

§ 15 C. Acutus autem, qui Graece scripsit historiam, plares alt qui in castra revertissent, eadem fraude, ut iureiurando fuisse, liberarentur, eosque

iam nach dem Vorgange Wolfs

a censoribus omnibus ignominiis

notatos. Sit

loci finis. Der ganze § 114 ist und Heusingers auch von Baiter eingeklammert, weil er dem Inhalte nach nicht hierher gehöre, und so die beiden Darstellungen desselben Vorfalles bei Polybius und Acilius in ungehöriger Weise aus-

huius

einander gerissen würden.

Unger,

Gruber,

seiner Stelle,

Die neueren Herausgeber, insbesondere lassen den Paragraphen an

Müller und Schiche

wenn auch Gruber

eines Abschreibers

oder

für

ihn entweder für das Einschiebsel

Randbemerkung des Verfassers

eine

und Müller ihn ebenfalls als störend zwischen der Erzählung des Polybius und des Acilius ansieht. Nach meiner Ansicht ist § 114 durchaus echt, und die Bemerkung § 113 De quibus non omnes uno modo zeigt deutlich, daß Cicero zwei verschiedene Darstellungen des Vorfalles bringen will. Die zweifellos hier vorhandene Schwierigkeit, daß der Zusammenhang der Erzählung gestört ist, kann aber durch eine Transposition der einzelnen Sätze mit Leichtigselbst

hält,

keit beseitigt werden, in der Weise,

§113



duceretur daß hinter itaque notatos folgt, sodann § 114



sogleich § 115 von Acilius vincuntur und endlich der Rest von § 115 Sit iam huius loci besser mit c geschrieben wird: Sed iam huius finis, wofür wohl bis

.

60 loci

RICH. finis

weil

sit,

MOLLWEIDE.

sed bei derartigen Schlußphrasen in der Regel

den Übergang bildet

und gar keine Veranlassung zu der hervorsit das zudem sehr leicht mit einem vorauszusetzenden set verwechselt werden konnte! zu Anfang des Satzes vorliegt. Die Stelle würde also zu lauten haben: § 113 Itaque decrevit senatus, ut ille veterator et callidus vinctus ad Hannibalem hebenden Stellung von





.

duceretur.

§

1

15 C. Acilius autem,

plures ait fuisse,

qui Graece scripsit historiam,

eadem fraude, ut iure a censoribus omnibus ignominiis notatos.

qui in castra

iurando liberarentur, eosque

.

revertissent

§ 114 Sed illud maxumum: Octo hominum milia tenebat Hannibal, non quos in acie cepisset, aut qui pericido mortis diffugissent, sed qui relicti in castris fuissent a Paulo

senatus non

cum

censuit redimendos,

et

id

a Varrone consulibus. Eos parva pecunia fieri posset,

ut esset insitum militibus nostris aut vincere aut emori.

Qua

quidem.

fractum animum Hannibalis scribit idem, quod senatus populusque JRomanus rebus afflictis tarn excelso animo fuisset. Sic honestatis comparatione ea, quae videntur utilia, vincuntur. § 115 re

audita

Ohne auf die anderen Varianten an finis sit. und anderen guten Handschriften weiter einzugehen, von denen man die eine oder andere aus äußeren und inneren Gründen vorzuziehen geneigt sein könnte, wie octo milia hominum (c) statt octo hominum milia, periculum (PERICVLO) mortis Sed iam huius

loci

dieser Stelle in c

defugissent

(c)

effugissent

statt

(p)

mori {Ä) statt emori, scripsit (c) bemerken, daß in Ac: Acilius,

Ac

pericido

mortis

diffugissent,

möchte ich nur noch dagegen Facilius steht.

statt scribit,

in BHab BHab etwas

Unsinniges zu bieten, Herausgeber schreiben deshalb mit Ac: Acilius, C.F.W. Müller dagegen C. Acilius, auf Grund der wohl durchaus berechtigten Annahme mehrerer Herausgeber (z. B. Heusinger-Zumpt), daß unter diesem Acilius der bei Plutarch, Gellius 1 ), Macrobius erwähnte G. Acilius zu verstehen sei. Diese Annahme scheint mir durch die unsinnige Variante Facilius in ab gewissermaßen ihre Bestätigung zu finden, denn Facilius ist natürlich in F. Acilius zu zerlegen, und in F, das leicht aus ursprünglichem C oder G entstehen konnte, steckt jedenfalls das praenomen. Das Verderbnis ist ersichtlich sehr alt, da in den meisten Handschriften keine Spur mehr von dem C vorhanden ist, und läßt sich aus der Continua der scheinen hier das Richtige,

die

HB

Kapital- oder Uncialschrift

2 )

VI

(VII) 14, 9

Et

in

(GACIL1VS)

sehr leicht erklären.

senatum quidem introducti

sandten Carneades, Diogenes, Critolans!) interprete usi sunt

(die athenischen

C

Acilio senatore

Ge.

.

TEXTKRITISCHE BEITRÄGE ZU CICEROS OFFICIEN. Vale igitur, mi Cicero, tibique persaade esse

III 121

mihi carissimum, sed multo fore cariorem, ceptisque

si

61 te

quidem

monitis prae-

talibus

Handschriften

Alle

haben monumentis oder zu der er ) Lambins, (ed. 1565) nur bemerkt: Sic restihii libris omnibus invitis, in quibus et scriptum et impressum est, talibus monumentis. Fast alle Herausgeber haben diese Konjektur verworfen, von den neueren haben sie wohl nur noch C. F. W. Müller und Schiche beibehalten. Es scheint mir hohe Zeit zu sein, daß diese ganz unglückliche Konjektur Lambins endlich einmal von der Bildfläche verschwindet 2 ); denn abgesehen davon, daß monitis neben praeceptis eine recht müßige Tautologie wäre, entspricht auch monumentis in der Bedeutung „Werke, Schriften" durchaus dem Sinne des ganzen Schlußkapitels, in dem Cicero immer wieder auf sein Werk zurückkommt magnum, hi tibi tres libri (Habes a patre munus ., his voluminibus), um mit den Worten zu schließen: si talibus monumentis praeceptisque laetäbere. Richtig erklären hier Heusinger-Zumpt den Ausdruck: „Monumenta sunt libri, quibus praecepta filio salutaria continentur u eine Bedeutung von monumenta, die sich auch, um nur die nächstliegenden Stellen anzuführen, Off. I 156 in monulaetäbere.

monimentis

statt

monitis,

einer Konjektur

J



.

.

,

mentis litterarum und III 4

Straßburg 1 )

i.

ist,

aus

di Cicerone

tradotto

amaestramenti,

ob monitis

weil in einer

dem XVI.

der Officien

Stelle

Prof. Dr.

E.

Ich bin im Zweifel,

einer Handschrift

monumenta mandata

in

Jahvh.

vorfindet.

MOLLWEIDE.

doch ursprünglich die Variante italienischen Übersetzung

handschriftlichen (vgl.

volgare italiano,

also

nicht

RICH.

litteris

monitis steht.

Bibl. Apost. Vat.

II

libro

Codici Capponiani Nr. 51)

Ob

dieser Übersetzer

degli Uffici

an

dieser

schon die Aus-

gabe Lambins benutzt haben kann, wird sich schwerlich feststellen lassen. 2 So ist die geradezu falsche Variante oder Konjektur I 3 qui iam Mos ) fere se aequarunt statt qui iam Ulis fere se aequarunt schon längst aus dem Texte verschwunden, während ibid. die zum mindesten unnötige Konjektur elaboraret statt der Lesart laboraret (S laborasset) aller guten Handschriften auch bei den meisten neueren Herausgebern beibehalten ist. Endlich möchte ich noch I, 1 der Lesart der meisten guten Handschriften ad discendum (auch A in Korrektur u. S) statt der von fast allen Herausgebern eingesetzten Variante ad dicendum das Wort reden, denn, wenn auch der etwas unbestimmte Gedanke beide Ausdrücke zuläßt, so scheint mir doch ad discendum durch die unmittelbar

darauf folgenden Worte

werden.

Quam

ob

rem

disces tu

quidem ...et

disces bedingt zu

Lexikalisches

und

Biblisches aus Tertullian.

Das Adjektivum bestiuus

1.

(überliefert liest iuus).

Der aus Ägypten stammende Gnostiker Valentinus hat um die II. christlichen Jahrhunderts unter Benützung platonischer Ideen über philosophische Ausdeutung mythologischer Überlieferungen ein kompliziertes System der Welt- und MenschheitsMitte des

entwicklung, auf das er die christliche Grundidee von der Erlösung der Menschheit projizierte, aufgestellt.

durch das große des

II.

Werk

Wir

sind darüber orientiert

des Bischofs Irenäus von

christlichen Jahrhunderts)

e\eYX 0C

KOtl

Lyon

(zweite Hälfte

avotTpoTTn,

irjc

vyeu-

buuvüuou TVUJceuuc, das uns bloß fragmentarisch in seiner griechischen

Urform,

vollständig

erhalten

ist.

in

einer

sehr

lateinischen Übersetzung

alten

Ausschließlich von Irenäus abhängig

und wenn

ist

Tertullian in

im folgenden nur auf Tertullian Rücksicht nehme, so geschieht es, weil eben Fragen, die den tertullianischen Text betreffen, behandelt werden seiner Schrift

acluersus

Valentinianos,

ich

sollen.

In

der

von Valentinus

Entwicklungsgeschichte

oder ewigen Geister eine Hauptrolle, weibliches

Wesen zu

mythisch

dargestellten,

gehaltenen

alles Geisteslebens spielen die dreißig die,

je ein

einer Syzygie gruppiert, die Fülle der idealen

Welt oder das Pleroma bilden. Der letzte weibliche Äon, genannt, trennte sich von seiner männlichen Geisteshälfte, Rätsel des an der Spitze der Geisteswelt als npoTT&xuup

Genossin,

Äonen

männliches und

der "Evvoia

oder

Xrfn.

(Stille

des

Sophia

um

das

mit seiner

ewigen Gedankens),

stehenden Bythos (Urgrund) oder Aiüuv Te\eioc zu ergründen, das nur dem eingebornen Sohne des Bythos, dem Pater oder Nouc oder

Monogenes, dem Anfang deshalb in Leidenschaft

aller

Dinge, bekannt

zum Nus, um

ist.

Sophia entbrennt Gemein-

so der unmittelbaren

LEXIKALISCHES UND BIBLISCHES AUS TERTULLIAN. des Vaters

schaft

empfängt

von

sie

dem Pleroma

sich

Zu diesem nun

raris

hoc?

Mannes,

ahmt

Bemerkung

sortita

suo

de

est

(adu. Valent.

parere;

Die

et

10):

mi-

uultures

wurde bisher meist unrichtig mit dem Codex Pater-

Stelle

niacensis (parere}

man in Übereinstimmung ahmt schreiben zu müssen

zum Verständnis

liefert

verstanden, indem

sed

c.

tarnen sine mascido matres (so Iunius statt

et

mater).

des überlieferten

und

macht

letzteren Detail der valentinianischeu Lehre

gallina

feminas tantum

eines

die Enthyrnesis.

die höhnische

et

wird aber für ihren Aber-

ausgeschieden. Darüber traurig,

ohne Beisein

selbst,

Wesen,

gebiert ein weibliches

Tertullian

zu werden,

teilhaftig

witz bestraft und aus

63

glaubte.

aber Aelian de nat. anim.

Den II

Schlüssel

46 ^vrca be

appeva oü (paa Yivec9ai iroxe, dXXä Gr)\eiac aTrdcac. Tertullian spielt also auf den im Altertum weitverbreiteten Glauben an, daß mdtures feminas tanes unter den Geiern nur Weibchen gebe





und daß diese Geierweibchen demnach tum (ergänze esse) ahmt ohne Männchen Mütter von Jungen würden. Daß hier matres (erg. esse

oder

steht

fieri)

statt

des natürlichen

mag

parere,

mit

dem

weiteren Aberglauben des Altertums zusammenhängen, dessen derselbe Aelian

ottouc be

a.

O. gedenkt:

yvirac be

juf|

(M

"rixTeiv

ve-

Trenucuai,

üubiveiv.

Die ohne Zutun eines Mannes geborene Enthyrnesis, die von Cap. 14 an auch Achamoth heißt, wird in diesem Capitel miserabilis genannt und dieser Ausdruck mit den Worten begründet:

forma nee facies idla deuestiua scilicet et abortiua genitura. dum ita rerum habet, flectitur a siiperioribus Christus aborsum id illud informet de suis uiribus, solius substantiae, non certe nee

.

etiam scientiae forma.



anzufangen war als änaS XeTÖuevov schrieb

man

teils

es

Da

dem

mit

findet

sich

verzeichnet

defectiua,

teils

überlieferten bei

und

Georges 7

allerdings

noch

mit Verkleidet' übersetzt

intempestiua (so Öhler).

Tertullian auf seine in Cap. 10 gemachte

.

deuestiua nichts

überlieferten Wortbild steckt aber klärlich de bestiua, mit

Ausdruck

.

In



dem

welchem

Bemerkung über

die Geburtstätigkeit der Sophia anspielt, die die Enthyrnesis nach Art gewisser Tiere, der Hennen und Geierweibchen, ohne voraus-

gegangene Begattung durch einen Mann geboren habe: die Enthyrnesis war infolge ihrer ohne den gestaltenden Samen des Mannes erfolgten und frühzeitigen, weil unzeitigen Geburt unförmlich und ungestaltet und mußte erst durch Christus geformt werden. Wenn also schon die genitura durch Attribute charakterisiert werden sollte, so war es einzig richtig, sie nach ihrem Anfang und Ende

AUGUST ENGELBRECHT.

64 zu charakterisieren:

sie

begann nach der vermeintlichen Art gewisser

Tiere ohne die Zeugungstätigkeit eines männlichen Wesens und endete mit einer Frühgeburt;

sie

wird demnach

sehr passend als bestiua

und abortiua bezeichnet. Die Form bestiuus ist allerdings im lateinischen Sprachschatz bisher noch nicht nachgewiesen, sonst aber einwandfrei. Von dem

man überhaupt erst spät ein Adjektiv gedenn bestiarius gebrauchten Cicero und andere Schriftsteller gewöhnlich nur in substantivischer Bedeutung, während die adjektivische Georges nur mit Sen. ep. 70, 22 in ludo bestiario belegt (Analoga dazu sind faba glebarius, fabarius, gleba Substantiv bestia scheint bildet zu haben,

herba

— — — herbarius). Verhältnismäßig spät erst bildeten die christlichen

Schriftsteller

agneus,

Wenn

und

bestialis

capreus,

cereus,

der Nebenform besta,

bestens (von

herbeus,

petreus,

terreus

roseus,

wie

u.

a.).

nach unserer Kenntnis der Dinge die Adjektiva bestialis und bestens noch nicht in Gebrauch waren, so lag es für Tertullian bei seiner besonderen Vorliebe für somit zu Zeiten des Tertullian

die Adjektiva auf iuus nahe, die

Form

bestiuus in die Schriftsprache

einzuführen, vgl. distantiuus de anima 9, concupiscentiuus anim. 16

neben concupiscentialis, putatiuus Marc. III potestatiuus

anim. 32

Hermog.

neben substantialis

u.

ö.

2.

Canicola

u.

a.

Marcion, aus,

=

canicula)

(überliefert

über den

um

natus

und:

est

triste

iam

et

apud Pontum

bestiis

quid tarn comesor mus Ponticus

Euxine,

illius

suae amisit.

daß

die Handschriften

Es kann nun kein bloßer

quam

mir vielmehr ille

crucicola,

ist

daemonicola,

formell

Marcion

quam

Christianis.

lucemam

inuenerat, extincto lumine

kein

sondern

ille

Schreibfehler bieten:

das

sein,

der Fehler

wohl durch das

Das ist. zu und sachlich nach der Analogie von

geforderte Masculinum

Substantiv canicola

quem

zu stecken,

in canicula

sed nihil

qui nuptias abstulit?

inuenire cupiebat,

Zufall,

nicht illa,

:

qui euangelia conrosit? ne tu,

canicula Diogenes hominem

ftdei

1

illic

barbariae importunior Marcion.

quam

meridie circumferens, Marcion deum,

scheint

quam quod

probabiliorem feram philosophis edidisti

illa

durch

das Geburtsland des

inliospitalis Pontus,

quid enim tarn castrator carnis castor

nam

kuviköc.

gegen Marcion läßt

sich zu den Sätzen zu versteigen I

barbarum ac

tarn

1,

m.

In der Einleitung zu den fünf Büchern sich Tertullian

de carn. Christi

11,

19, indignatiuus anim. 16, substantiuus Herrn. 19,

deicola,

canicola

saxicola,

ersetzen

uentricola gebildet.

Der

:

LEXIKALISCHES UND BIBLISCHES AUS TERTULLIAN. Ausdruck des voranstehenden Satzes feram

65

edidisti erfordert

mit

nichten canicula; denn das Deminutiv wäre neben fera gewiß sehr

und auch

gewählt

unpassend

Form

die



der Antithese

Diogenes

Marcion denm amisit beweist, daß der Autor in seiner Begründung des probabiliorem feram edidisti keineswegs den Vergleich der beiden genannten Männer auf

hominem inuenire

cupiebat

vom wilden Tiere durchführen wollte, nur dem vorausgehenden bestiis importunior Marcion der Basis des Bildes

sondern zuliebe

den Begriff fera in übertragener Bedeutung festgehalten hat. Es ist demnach an unserer Stelle nicht der küuuv AiOTevnc, sondern der kuviköc AiO"fevr)c genannt und canicola muß eine außerordentlich gelungene Übersetzung des griechischen kuviköc genannt werden,

etwa 611

demselben Sinne,

in

C

töv kuviköv

ßi'ov

in

dem

die

Kyniker

bei

Athenäus XIII

utuouuevot heißen. 3.

Adonerare.

Der neue Thesaurus linguae Latinae bietet für die Existenz adonerare als Beleg nur das Lemma aus den Kompositums des Notae Tironianae tab. 80 n. 75 adonerat. Das Verbum ist aber bei Tertullian herzustellen, adu. Valentinianos 6:

materiis ipsis

satisfiet.

multa

adonerentur. Diese Form saec. XI,

haben,

während

das

die

Iunius

sie

si et ridebitur alicubi,

digna sunt reuinci,

bietet der

ne grauitate

Codex Montepessulanus 307

anderen Handschriften das sinnlose adorentur

in

adomentur

verwandelte.

Man

übersetze

„Vieles verdient so (d. h. mit Ironie) abgetan zu werden, damit es nicht durch den Ernst,

mit

dem man

es behandelt,

ein zu großes



Schwere) Gewicht bekomme". Der Doppelsinn von grauitas (Ernst legte die Wahl von adonerare besonders nahe. Man hat also für adonerare die Bedeutung „beladen, beschweren, gewichtig machen" anzusetzen; hinsichtlich der neben dem Begriff des Simplex onerare scheinbar überflüssigen Zusammensetzung mit adposita adatnplio, adaugeo u. 4.

Viritas

ä.

ist

auf die

Kom-

zu verweisen.

(überliefert ueritas)

=

uirilitas.

Adu. Valentin. 33 berichtet Tertullian von einer Variante der Lehre der Valentinianer, nach der Bythos, der oberste Äon, eine doppelte Vereinigung eingegangen sei: extiterunt enim de scJwla ipsius diseipuli super magistrum, qui duplex coniugium ßytho suo adßngerent, Cogitationem et Voluntatem. una enim satis non erat Cogitatio, qua nihil producere potuisset ex duabus facillime pro-

latum

(so

die Überlieferung;

Wiener Studien. XXVII.

1S05.

falsch

ist

die jetzige

Vulgata 5

facil-

AUGUST ENGELBRECHT.

66 limo prolatu)

secundum coniugium

(so

ist

zweifellos zu schreiben

entsprechend der Vorlage bei Irenäus Kord cu£uYi'av, während das tiberlieferte und merkwürdigerweise noch nie beanständete primum

coniugium offenbar von einem Leser stammt, der die präpositionale Bedeutung von secundum nicht erkannte und deshalb primum statt des vermeintlichen Zahlwortes secundum schreiben zu müssen glaubte) Monogenem et Veritatem, ad imaginem quidem Cogitationis feminam Veritatem,

ad imaginem Voluntatis mar cm Monogenem,

enim uis, ut quae effectum praestat cogitationi,

maris

uoluntatis

obtinet

censum.

Rhenanus zwar den Sinn richtig wieder, doch liegt es nahe, daran zu denken, daß in ueritatis das durch den Sinn geuiritas findet ihre forderte uiritatis stecke. Die Neubildung uir Analogien in deitas, filieitas und Tertullian selbst hat ad nationes

Das

eingesetzte maris, wofür ueritatis

zuerst von Beatus

überliefert

ist,

gibt



111, 2 R.) das Substantiv pueritas gebildet.

II 9 (p.

Daß

das ungewohnte Wort uiritatis in das naheliegende uerivon den Abschreibern geändert wurde, wundern wir uns nicht; hätte Tertullian hingegen das gewöhnliche uirilitatis geschrieben,

tatis

so hätte

sich

dieses

Wort

in der

Überlieferung widerstandsfähiger

erwiesen. 5.

Subsurio.

Eine sichere Emendation des Rigaltius ist offenbar von den Herausgebern Tertullians nur deshalb verschmäht worden, weil das betreffende Wort sonst nicht zu belegen ist. Adu. Valent. 17 heißt es: prae gaudio enim tanti ex infelicitate successus concalefacta simidque contemplatione ipsa angelicorum luminum, ut ita dixerim, subfermentata quodammodo subpudet, sed aliter exprimere non est suriit intra et ipsa in Mos. Die Handschriften bieten das sinnlose substruit, Rhenanus änderte sinngemäß, aber gegen alle diplomatische Wahrscheinlichkeit subauit, während Tertullian offenbar subsuriit schrieb. Wir kennen allerdings nur das Simplex surire, das den Zustand des in der Brunst Seins bei Lebewesen männlichen Geschlechts bezeichnet, sowie subare von dem gleichen Affekt bei weiblichen Wesen gebraucht wird, z. B. Tertullian Apolog. 46: noui et Phrynen meretricem Diogenis supra recubantis ardori subantem. Es ist aber kein rechter Grund ersichtlich, warum nicht auch





bezug auf weibliche Wesen gesagt worden sein soll oder es auch bei Apul. Apol. 38 memento de solis 2)iscibus haec uolumina a nie conscripta, qui eorum coitu progignantur, qui ex limo coalescant, quoties et quid anni cuiusque eorum gener is surire in

kann.

Denn wenn

LEXIKALISCHES UND BIBLISCHES AUS TERTULLIAN.

67

feminae subent, mares suriant heißt, so ist der unterschiedslose Gebrauch beider Verba durch Festus p. 310, 16 M. gesichert: ita ut opprobrium

mulieribus

tractum

inde

cum subare

sit,

surire

et

bezug

(Hschr. subire) dicuntur. Ja Tertullian selbst gebi-aucht subare in

nunc flentem Sarpedonis casum, nunc foede subantem in sororem. Was endlieh die Komposition mit sub- anbelangt, so wurde sie durch das vorausgehende subfermentata nahegelegt, das übrigens selbst auch ein äuai Xeföuevov auf Juppiter, Apolog. 14: louem

Tertullians

ist.

6.

Mit Unrecht

De

iudicii,

possit.

alioquin

decerpere

bis

in

Man

si

der Bedeutung übersetze:

punire.

in ultimum finem deomnis diuina censura perfici finem, quod et nunc animae

erit ratio

carnis

non sustineretur inferos,

=

der Überlieferung abgewichen Tert.

denique haec

ut exhibitione

decerpuntur apud gebraucht.

Decerpere

man von

ist

carnis resurr. 17:

stinati

ist

..

in solis

animabus

„Sonst würde mit

zum äußersten Weltende gewartet werden,

die Seelen

Seelen

im Fegefeuer

gestraft werden".

betreffendes Gericht

destinaretur.

„strafen" wie das Simplex

findet

Gericht nicht

weil auch jetzt schon

Also ein teilweises, die

schon jetzt

demnach kein jüngstes Gericht notwendig,

dem

Hier

carpere

statt

wenn

und

nicht

es wäre auch das

dann aufzuweckende Fleisch zu richten wäre. Mit Unrecht hat man Konjektur des Gelenius decerpunt allgemein angenommen; denn der Gedanke mit decerpunt, wobei quod Relativpronomen wäre „die Seelen bekommen schon jetzt im Fegefeuer etwas von dem Gerichte ab, sie bekommen gewissermaßen einen Vorgeschmack davon (Hoppe, Syntax und Stil des Tertullian, Leipzig 1903, S. 181, übersetzt decerpere mit „genießen"), scheint mir schief zu sein, da, wie gesagt, Tertullian beweisen will, daß die Seelen schon jetzt ganz abgeurteilt werden und nur wegen der Bestrafung des Fleisches das jüngste Gericht notwendig sei. Übrigens ist der Satz si solis animabus destinaretur für das Verständnis der Stelle ganz überflüssig und erweist sich schon durch seine Stellung als Interpolation: einst als Erklärung zu alioquin bei- oder übergeschrieben, ist er durch einen Schreiberirrtum in den Text gekommen und noch dazu an eine Stelle geraten, an der er doch unmöglich stehen kann. die

14

7.

Sonitus

=

significatio.

Daß sonare aliquem oder aliquid auch bei Cicero hie und da einem praedicare, significare gleichkommt, ist bekannt. Derselbe 5*

AUGUST ENGELBRECHT.

68

Gebrauch

auch bei Tertullian

findet sich

Wenn man nun

S. 15.

man

Student Latini berücksichtigt, versteht

derselben Schrift

Stelle

a.

O.

monarchiam sonare

ohneweiters eine andere

saluo unione diuinitatis

20:

c.

Hoppe,

vgl.

öfters,

den Satz adu. Praxean 3

et

Monar-

ch iae sonitu, aus der sich für das lateinische Lexikon die bisher

8.

Daniel

7,

13

=

Bedeutung von sonitus

nicht beobachtete

— 14

Fassung bei Tertullian

lateinischer

in

significatio ergibt.

und

anderen Autoren. für die Geschichte

Ein

reiches Zitat

dem Propheten Daniel

aus

aduersus Marcionem III 7

Tertullian

tamquam

hominis

filüts

et

aderat in conspectu

et

data

est

ner a-)

et

aeimm 4 abitur

)

5 ).

,

des Bibeltextes außerordentlich lehr-

ei

potestas regia

omnis gloria quae

So

et et

die

Stelle

(7,

findet

f.)

sich

cum nubibus

bei caeli

usque

uenit

et

in

potestas

et

regnum

eius,

ob mit Recht,

et

vor

usque in

eius

non

quod

unseren Ausgaben

stimmung mit den Handschriften, nur das Pamelius eingesetzt;

13

ecce

et

qui adsistebant

famidabunda*).

non auferetur,

lautet

):

ad ueterem dierum adduxerunt illum. omnes nationes terrae secundum ge-

ueniens eins

1

in

aderat

uiti-

Übereinist

wird sich später zeigen.

von

Wir

zum Buch Daniel nicht Übersetzung Septuaginta, der sondern auch die bloß die griechische des Theodotion, welche sogar in der Kirche an die Stelle der älteren

sind bekanntlich in der glücklichen Lage,

LXX

getreten

ist,

zu besitzen. Eine vergleichende Zusammenstellung

der beiden rücksichtlich

der obigen Stelle

ist

für das Verständnis

Übersetzung Tertullians unerläßlich. Ich gebe den Wortlaut nach der Rezension von H. B. Swete (The Old Testament in Greek IIP, Cambridge 1899), die freilich richtiger bloß eine zuverlässige Wiedergabe des Textes des Codex Vaticanus B genannt werden sollte. Da für unseren Zweck die Lesarten des Codex Alexandrinus A von Wichtigkeit sind, setze ich sie in Parenthese bei: der

lateinischen

')

Bekanntlich

liegt

dieses

Kapitel

in

der

Form

eines

ausführlichen Exzerptes auch in der Schrift aduersus Iudaeos vor,

außerordentlich in

der es als

Kap. 14 steht; die dortselbst vorkommenden Varianten unseres Bibeltextes führe ich anmerkungsweise zu den betreffenden Wörtern an. Adu. Marc. IV 39 ist das Zitat nicht ausgeschrieben. 2 )

3 )

4

genus.

famidabunda] seruient

aeuum]

Uli.

)

eius usque in

)

uitiabitur] corrumpetur.

b

illius

aeterna.

LEXIKALISCHES UND BIBLISCHES AUS TERTULLIAN. Septuaginta:

Theodotion:

uerd

Kai ibou

oupavoö

tujv vecpeXujv xoö

dvGpujrrou

ep-

A) Kai euuc

toö

uiöc

uüc

XÖuevoc

r\v

(-f

TraXaioö tujv fiuepujv eqpöacev Kai

TTpociixö 1 !

(evuurriov

aiiTil)

auTOÖ TrpocrrraYov auTÖv A Kai

statt

eböGn

r\

Kai

Xai

dpxn

Kai

(aÖTw

bouXeuouav auiuj f]

eEoucia

auioö eEoucia

ou rrapeXeüceTai,

tttic

Xaoi,

r\

cpu-

A) yXwccai

fehlt in

(Kai

Kai

Ti|uf]

r\

Kai rrdvTec oi

ßaciXei'a,

auiuj

Kai

auiuj).

tt.

69

A).

b.

aiuuvioc,

Kai

ibou

Kai

oupavoö

uuc

X eT0 Kai

wc

t"iv

veqpeXwv

toö

dvOpuuTrou

rjp-

tujv

erci

uiöc

TraXaiöc f|uepüJv rrap-

Kai oi rrapecxriKÖTec auTUJ.

fjcav

Kai

rrap-

eböGn auTUJ

eEoucia Kai Tijuf| ßaciXiKT] Kai Trdvra Ta e'Gvn iric Ync Katd Yevn Kai Träca böEa auTuu X axpeüouca. Kai r\ eEoucia auToö eEoucia aiuuvioc, nric ou uf| dp 6rj, Kai u.n,

n,

auTOÖ,

ßaciXeia

vi

Tic

ou

qpGaprj.

ßaci-

r\

Xeia auTOu ou biaqpGapriceTai.

Die gesperrt gedruckten Wörter an Stellen, an denen die beiden griechischen Texte voneinander abweichen, entsprechen der lateinischen Fassung bei Tertullian. Daraus ergibt sich, daß Tertullian einen kontaminierten griechischen Text vor sich hatte, der teils Lesarten des Theodotion bot (und zwar in der Fassung des

Codex Alexandrinus),

Ein derartig noch heute vor bei Iustinus dem Märtyrer Dial. cum Tryph. 31 (Band I, Teil 2, S. 103 der 3. Ausgabe von Otto): Kai ibou ueid tujv veqpeXwv toö oupavoö kontaminierter

uuc

uiöc

solche

teils

griechischer Text

der Septuaginta.

liegt

nun

epxöuevoc (Kai) rjXGev euuc toö TraXaiou eviümov au toö KaioiTrapecTn.KÖTec

dvöpuuTTOu

tujv fiuepüjv
Trpocr|YCXTOv XiKr]

auTÖv.

Kai TrdvTa

XaTpeuouca. Kai Kai

f|

ßaciXeia

Kai

t d e'Gvn r\

auTUJ eEoucia Kai Tiuri ßacikütci t e v n. Kai rrdca böEa

eböbr) Tf|c jf\c

eEoucia auToö eEoucia aiuuvioc,

auToö ou

ur|

qpGaprj.

mung

mit dem Text Tertullians fehlt nur während die von mir der Übersichtlichkeit

Klammern

rijic

ou

ur|

dpGri,

Zur vollständigen Übereinstimf|Tic

vor ou

halber

ur)

qpGaprj,

zwischen

ein-

und Kai Tiuf] Tertullian gegenüber ein Plus darstellen. Die Fassung Iustins läßt sich demnach in ihren sämtlichen Einzelnheiten als Mischtext vonTheodotionund Septuagintalesarten deuten, mit Ausnahme des epxöuevoc
gestellten

beiden

Kai

richtige Lesart mit der darauf bezüglichen Variante (epxöuevoc

Theodotion

einerseits

und

rjpxeTO

verband, daß auch die letztere

in

der Septuaginta

anderseits)

bei

so

den Text eindrang: ursprünglich

hieß es wohl entweder epxöuevoc euuc toö rraXaiou tujv f|uepwv rrapnv

AUGUST ENGELBRECHT.

70 oder n\9ev Kai

toö TraXaioü tujv fnuepüuv

euuc

irgendwie

Einbeziehung der

gegenteiligen Lesart epxöuevoc fj\6ev

beigeschriebenen

tou TraXaioü tujv f|uepwv

eine

(oder Kai Trapnv, eventuell rjXSev Kai

rrapnv

woraus durch

Trapfjv,

der Handschrift

in

euuc

.

.

Trapfiv)

.

wurde.

epxöuevoc und rj\0ev nicht durch Kai verbunden waren, scheint

Daß

einer Anzahl lateinischer Übersetzungen hervorzugehen, in denen ueniens uenit festsitzt, während ueniens et uenit nicht zu be-

aus

legen

ist.

Die lateinischen Übersetzungen Beziehungen instruktiv, weshalb ich

Text

ihr

lich

bekannt

gesichert

kritisch

aber auch in anderen Auswahl, so weit näm-

sind sie in

und

ist

ihre Textesüberlieferung

vorfahre. In chronologischer Reihenfolge rangieren die

ist,

Autoren, die unsere Danielstelle in lateinischer Übersetzung bieten,

Tertullian

folgendermaßeo:

=

T

(adu. Marc.

III 7

[vgl.

adu.

Cyprian = C (Testim. II 26 246—248), Lactanz = L (Inst. IV 12,

lud. 14], also geschrieben nach 207),

=

p.

92, 17 Hartel, verfaßt etwa

=

12

p.

312, 10 Brandt u.

zwischen 305

(De errore

— 311,

prof. rel. 24, 6

=

Calaritanus

=

413

=A

— 426

um

psalmos 144,

tus super

(De

=

360), 1

epit. 42,

315),

p. 115,

4

=

p.

721, 5 B, also

=

Firmicus Maternus F 29 Halm, um 347), Lucifer

in deum delinquentibus 30 Hilarius Pictaviensis H (Tracta-

=

=

p. 829,

ciuitate dei 18,

Euagrius

*),

auch

ö.,

um

A (De non parcendo

p. 274, 16 Hartel,

stinus

bezw.

=

34

E

9 Zingerle, nach 360),

=

p. 320,

(Altercatio

Augu-

Hoffmann, zwischen Simonis et Theophili 1

p. 42, 10 Bratke, um 440). Hiezu kommt noch der Text der lateinischen Vulgata=V, der sich mit dem Text der Lemmata im Danielkommentar des h. Hieronymus (Patrol. lat. XXV 533 Migne)

deckt.

Da den

der älteste Zeuge für die lateinische Fassung,

vollständigsten,

beziehungsweise

weitläufigsten

Tertullian,

Text

bietet,

Grundlage der Textesrezension verwenden, indem die Abweichungen der anderen Autoren als varia lectio darunter gesetzt werden sollen; die griechischen Zeugen werden Theodotion Cod. Alehiebei mit 0, beziehungsweise 9a, 0ß (a so läßt dieser sich passend als

xandrinus,

ß

=

=

Cod.

Vaticanus),

O

(Septuaginta),

I

(Iustinus) be-

zeichnet:

Die Anführungen der Danielstelle bei Augustin Coutra aduersarium legis (XLII 645 M.) und De trinitate II 18, 33 (XLI1 867 M.) stimmen nach der Rezension der Mauriner bis auf unwesentliche Details mit dem Wort*)

et proph. II 3, 12

laut in der Civitas überein.

LEXIKALISCHES UND BIBLISCHES AUS TERTULLIAN.

Et

cum nubibus

ecce

ad

usque

sistebant

adduxerunt

nationes

terrae

illam.

data

est

et

GOI)

(uüc

(epxöjLievoc

LH,


0) V

qui

et

ad-

omnes omnis gloria famidabunda. et

et

potestas

ei

TAHAV.

(ueid 01)

regia

et

regnum

et

eins

quod

fj\9ev

(Variante)

Trapfjv I)

(epxöuevoc

et

V

aderat

AV,

Ol)

cTr)KÖTec

stetit

et

I)

LAH

(0ßO)

fehlt

TCLF,

faTov auTov 0a

obtulerunt

T,

et

ipsi datus est (auTÜJ eööOn, Tijun

dpxri Kai

f)

tam-

ueniebat

Ol)

ßaciXiKf)

Tiun Kai

f\

TCFE,

aderat

TCF,

et

0,

in con-

et

auTw

Ol)

aÜTüj

V

(Tipocr]-

oblatus est

A. irapncav

(dböÖr) ei

anti-

(Trapfjv

qui adsistebant (Kai oi Trape-

O

ei

(koi

data

TCLAFHE,

potestas regia (e£ou-

principatus

HA, regnum

ßuaXeia 0)

(fipxeio

adduxerunt illum

est

0) A, dedit

et

LAHA,

peruenit (eqpGacev 0)

CLFV,

eum

auTw 0ß) AH, praelatus datum oder datus) est ei

Kai

A,

uetustum

CF,

(0)AHAV

fehlt

Trpocr|x9ii

(bezw.

©a)

TCFE,

— illum fehlt in E

anticipauit A,

T,

Kai

rjv

in conspectu eins (dvumiov aÜTou 0«1)

spectu eins

CLFE

in fori 0)

CFEV, «f LAA, sicut H ueniens uenit ueniens et (epxöuevoc Kai Oß) I) TCAFE,

ueterem (rraXaioö 01)

LHAV

(f|

hominis ueniens uenit

conspectu eins

T, quasi

ueniens erat

quum L

cia

filius

aeuum quae non auferetur

cum

Varianten:

Kai

in

uitiabitur.

quam

Kai

aderat

secundum genera

potestas eins usque in

non

tamquam

caell

dierum.

neterem

71

honor

et

et

honor

et

regnum Imperium

et

honorem et regnum V omnes nationes terrae omnis gloria famidabunda (TrdvTa xd e'Ovn, ifjc Kaxd fivr] Kai Träca böEa Xaipeuouca 1 omnes [auTiy X.]) T, -ffjc reges terrae per genus et omnis claritas seruiens ei (ei hat aber bei Cyprian nur der für den Text der Bibelstellen bekanntlich nicht maßgebende Codex Sessorianus) CE (seruient) omnes reges terrae et regnum et omnis claritas seruient ei (so die Handschrift) F, omnes popidi tribus linguae ipsi seruient (rcdvTec oi Xaoi

LA,

potestatem

et

secundum genera

et

7

qpuXat

YXüjccai auTüj

bouXeuouav

tribus linguae seruient ei

LA

seruient

Xaoi

0ß)

ei

H

(irdviec

et (Kai

Ol)

oi

©a)

qpuXai

TCLAFHE,

potestas aeterna (eEoucia

AV

(seruiunt),

aituvioc

{et

linguae),

omnes popidi

Kai

-fXüjccai

fehlt (0)

AV

omnes populi

tribus et linguae

bouXeuouav

auruj

usque in aeuum T,

01) V, pwtestas perpetua

AHA,

CLFE

non auferetur (ou un. äpOrj Ol) TCFV, non transibit (ou TrapeXeucexai 0) A, non mouetur (richtiger mouehitar) E, nunquam transibit LAH regnum] Imperium A quod (f|Tic O) aeterna

CLAFHAE

TV, fehlt (01) corrumpetur alle übrigen. Aus

dieser

non]

numquam A

Zusammenstellung der Lesarten ergibt

uitiabitur T,

sich folgendes.

AUGUST ENGELBRECHT.

72

Auf denText von Cyprian gehen

sichtlich die Zitate cyprianisclie Text bildet daher die Handhabe zu Verbesserungen, beziehungsweise Richtigstellungen bei Firmicus sowohl als bei Euagrius. Es ist zunächst klar, daß Halms Rezension des Firmicus-Textes et data est ei potestas regia et regmim et omnis claritas et omnes reges terrae seruicnt ei falsch ist und in der handschriftlichen Überlieferung nur das sinnlos verschriebene et regnum durch per genus zu ersetzen, sowie scruient in seruiens zu ändern ist. Bei Euagrius scheint et stetit obtulerunt eum nur irrtümlich ausgefallen zu sein und auch bei ihm dürfte seruiens statt seruient das Ursprüngliche gewesen sein; nach potestas regia wird wohl mit den anderen Handschriften außer dem Bambergensis et einzusetzen sein. Somit scheiden von unserer weiteren Betrachtung die Zeugen FE aus.

und Euagrius zurück;

bei Firraicus

der



Von den

übrigbleibenden bieten die

beiden ältesten Ge-

währsmänner, Tertullian und Cyprian,

die weitläufigsten Textesfassungen, deren Zurückgehen auf eine und dieselbe griechische Rezension zwar evident ist, die aber nicht unbedeutende Discrepanzeu in der Wahl des lateinischen Ausdrucks aufweisen. Hiebei zeigt sich die Übersetzung Tertullians als die wörtlichere; denn selbst die Wiedergabe von eEoucia aiujvioc durch usque in aeuum ist schließlich nur deshalb gewählt, um den dem Adjektiv aiuuvioc zugrunde liegenden Begriff aiujv genau zum Ausdruck zu bringen. Cyprians Fassung verrät die Hand des ehemaligen Rhetors, der das Asyndeton uenit. aderat (stetit) unerträglich fand und daher et einschob; denn daß nicht etwa bei Tertullian ein Fehler der Überlieferung anzunehmen und nach dem Vorgang des Pamelius et aderat zu edieren sei, beweist das Asyndeton

uenit.

anticipauit

bei Lucifer Calaritanus.

Auch das

stetit

verdankt rhetorischen Erwägungen seinen Ursprung: es sollte auch in etymologischer Beziehung die richtige Relation dieses Prädikates zu dem Verbum adsistebant zum Ausdruck gebracht werden. In ähnlicher Weise ist das vom griechischen Text sogar gänzlich abweichende omnes reges terrae (statt o. nationes t.) zu erklären: das Dienen der Könige der Erde war eben eine rhetorisch wirksamere Bezeichnung der potestas regia als das Dienen der Völker

der Erde.

Der Text des Lucifer

steht

in

seinem ersten Teil wegen

des ueniens uenit und des Asyndetons nach uenit demTertullianischen nahe,

zeigt

aber

sonst

ziemlich

engen Anschluß an die Fassung

LEXIKALISCHES UND BIBLISCHES AUS TERTULLIAN. des Theodotion im Codex Vaticanus.

Altertümlich,

73

weil möglichst

die Wiedergabe eqpOacev durch anticipauit. Der Text bei Lactantius 1 ) weist für uns nichts Charakteristisches auf: es zeigt sich bei ihm noch der Einfluß des Septua-

wörtlich,

ist

gintatextes,

der in der Folge, soweit er sich nicht durch die Ver-

wendung der Cyprianiscben Testimonia

erhielt,

mehr und mehr

in

Vergessenheit geriet.

reinster

In relativ

tion

in

der Fassung des

Form gibt den Text von TheodoCodex Vaticanus Hilarius wieder,

während bei Augustin eine,

auch was die Wortstellung anbelangt, wörtliche Übersetzung nach Theodotion in der Fassung des Cod. Alexandrinus vorliegt; nur an einer Stelle schien es

Augustin ratsamer,

das unbestimmte Subjekt

der

aktiven Satzkonstruktion (TTpocnjaYOV auxöv) durch die entsprechende

Wendung aus der Welt zu schaffen. Was endlich den Vulgatatext, der von Hieronymus

passive

mit Zugrundelegung

einer

älteren Übersetzung

ihm

doch wohl

hergestellt

ist,

an-

Spuren relativ älterer Fassung bedeutsame Lesarten der Septuaginta, daneben Rücksichtnahme auf Theodotion nach der Fassung des Codex Alexandrinus, und die singulare aktive Satzgestaltung declit ei potestatem ... et regnum ist sicher stilistische Änderung des Hieronymus. belangt,

Um

so zeigen

eine

sich in

als

leichtere Übersicht

über die gewonnenen Resultate

zu vermitteln, dürfte vielleicht folgendes

Stemma

der Übersetzungen

zweckdienlich sein:

Somit

ergibt

sich

aus unserer Behandlung

Übersetzungen der Danielstelle, daß eine ')

Der Aufsatz von Rönsch über

schrift für die historische

gänglich.

Theologie

die Bibelzitate des

XLI

lateinischen

der

wörtlicheÜbersetzung

(1871) 531

ff.

Lactanz

war mir

in

der Zeit-

leider nicht zu-

AUGUST ENGELBRECHT.

74

Sep tuagintatextes

des finden

nachzuweisen

nicht

sich einzelne Lesarten daraus,

und zwar je

ist;

älter die

jedoch

Über-

setzung, desto mehr. Je jünger die Übersetzungen sind, desto aussie auf den Text des Theodotion zurück. Wo Übersetzungen des Tertullian und Cyprian Lesarten des Theodotion folgen, berücksichtigen sie die Fassung, die der Codex Alexandrinus bietet; auch die Vulgata hält es so, während bei Augustinus die Rezension des Codex Alexandrinus überhaupt zur Alleinherrschaft gelangt ist. Als noch von der Septuaginta beeinflußt, im übrigen aber Theodotion nach dem Codex Vaticanus B folgend, erweist sich der Text bei Lactantius, noch engeren Anschluß an Theodotion ß bei sonstigen Berührungen mit spezifischen Lesarten des Lactantius und an einer entscheidenden Stelle mit

schließlicher gehen die

ältesten

Tertullian-Cyprian weist Lucifer auf, schließlich

Wien.

nach Theodotion

B

bis endlich Hilarius eine aus-

gearbeitete Übersetzung bietet.

AUGUST ENGELBRECHT.

Allerlei

Bemerkungen zu Pseudacro

In langer Arbeit hat

bronze

rocher de

K

die hssl.

stabiliert',

ist

Grundlage

aber

der

in

1

).

c

für

Ps wie

weiteren

einen

kritischen

immer glücklich 2 gewesen. Da man nun K noch mit dem Text zu kämpfen hat, habe ich, um andern die Arbeit zu erleichtern, die Marginalia meines Handexemplars hier zusammengestellt. Denn der Autor ist besser als sein Ruf (was auch Marx an verschiedenen Orten betont); er schöpfte aus guten Quellen, was z. B. auch C. II 6, 11 der Ausdruck sine

Behandlung auch nach

leider nicht

)

aerbo substantia (e) zeigt, der, verglichen mit Priscian VIII 51, den

Autor

als

Schüler des Theotistus legitimiert. Einem Studiengenossen

des Erzgrammatikers also wird

man

nicht leicht mißtrauen dürfen,

eher der Überlieferung.

Eine Hauptquelle der Verderbnis sind die vielen Graeca, denen bisweilen auch praef. II, p.

K ratlos

gegenübersteht.

So hat er

XIV) sogar lückenhaft drucken

lassen,

S. II 5, 11

(cf.

obwohl die Hss.

ganz deutlich lesen: priaum] ibiaiTaiov, o evimvidZiei Tic 3 ), Ö6ev Kai p. 49 naeh Petschenig gegeben, wo der Ductus der Hss. eAeTXovTwv TTpumcrov eivai töv Aöyov bietet. Eine andere Stelle: Epist. II 1, 133 carmina ditirambica uel poema uocantur

priuatum, oder A.

bessert sich nach S. II 1,1 iraiuuvia).

a )

Denn an

ad Apollinem peanes zu peonia (Gr.

des Autors Orthoepie darf nicht gerüttelt werden.

P(orphyrio), ü/(oraz), iv(eller), X(enia Austriaca), Ps(eudacro).

Namen-

lose Zitate gehen auf Pseudacro, Hss. 2 )

III

nach K. Manchmal lag die Besserung auf der Hand, wie

26,

16,

wo

econtra posuit s )

II 5 100.

es heißen soll Inpiger :

et

quae pige.r

Quia solent

homines

in

dem

Zitat aus

Apulus.J Laboriosus; at (Hss.

Apulus

ut)

Lucan C. Lucanus

a. d. r.

quae cupiunt per somnum uidere Schol, zu

S.

76

M.

J.

Er sprach

euhie

=

1,

daher

Daher seine

Schreibung 240 und C. III 15, 7 thlas. 9 thiadas Bacchas dixit a sacrificio

eö uie C. II

Agteus, agiae C. III 6,

Demgemäß

YI monophthongisch.

B. den Diphthong

z.

Etymologie

STOWASSER.

11, 17,

Arpiarum

schreibt er C. II 19,

seine

S. II

theadas; theon enim Graeci deum ita et sacrificium uocauerunt. Mit Unrecht denkt IT an Oedv. Nach Analogie von Dareus Darms, platea, Medea sprach Ps *theadas, das er selbst durch uelut als Eigenbildung charakterisierte, und lehnte es an 6eid£etv, 0emLetztes Etymon war also tö öelov, das tatsächctric, öeictcuöc an. lich den Begriff 'Gottheit' und 'Opfer' vereinigt. Mit Unrecht schreibt uelut



KC

ferner

noch

I

11, 1

exadeca (a

exdeca (=

= cc =

ce\

bexa)

eine Hs.

wohl (h)excedeca

wird

gewesen

das Ursprüngliche

Denn da wenigstens

16).

X),

sein.

Auch C. zones sich

wohl das unbelegbare f scazonis zu seil, 115 laganae sunt de siligine quaedam faetae,

(e£ Kai

wird

III 16, 12

auflösen.

lies

S. I 6,

facae, d. h. der Menippea

Wort, das mir im Latein sonst nur im Titel juüpov (vgl. Cic. ad Att. I 19, 2) begegnet. E. II 1, irrt; lies öxeiv Graece, wie auch S. II 8, 36 158 fluere hoc in g. (trotz S. I 5, 46) das hssl. rrapoxeiv bleiben muß. Leicht bessert sich S. I 10, 18 qui dramatopoeos zu quia asmatopoeos erat mit dem später angehängten Übersetzungsversuch hoc est (qui) amatorias canein

cpaKai,



em

Tfj

qpaKfj

K

tiones (chansons amatoires) scripserat

a

).

Diese Stelle läßt mich nämlich die Frage aufwerfen: Soll

man

K

in den die offenbar späten Einschübe und Worterklärungen mit ich einen Text stellen oder mit Meyer einfach auswerfen? Müßte

solchen Text edieren,

P

entlehnten Stellen

so benützte ich

die Kursive;

1.

zur Bezeichnung der aus

zur Scheidung der Scholien-

2.

massen größere und kleinere Antiqua; 3. zur Charakterisierung dieser Einschübe Petitschrift. Ich ließe also ein Druckbild herstellen wie Epi II 2, 41 etkicam i,i est moralem didicit .... proscriptus est id est hereditate priuatus est

terismon nitur

wo

id est

UC

e.

perdurauit

in translatione

,

q.

Oder

S.

Epi

I

18,

per imaginationem deSCVlbit,

S.

I

EpO

21

7,

P

5 (wie I

1

ifl

metapllOrCL

hoc

beweist) per caraceTTabeTCU

id est reca-

(Hss. falsch praecanitur, vgl. recinant S. 377, Z. 5) oder ebenda,

der Glossator J )



nicht

Entstelltes Griechisch

Ps



das

Wort mit verkehrten Quan-

scheint mir auch C.

I

9,

8,

wo

ich diota] uina-

rium uas, KoXeöv |uaYap(iK)öv vermute. Vgl. Hesychius (offenbar das lat. culleus) Ko\eöv. tibpioc. Ein Amphoreus ist kein iiasculum. Vgl. auch Epo 16, 7 'caerulea ad oculos rettulit, qnos stimmmatos (vgl. cri|U|ui; die Vulgata stibiatus) habent aut ('c. g.' pro} 'gente caesia ab oculorum colore id est c(i)ano (= kucivuj); C. IV 13, 8 doeta sali ade (gr. uia\xd6r|c), Hss.: saltare.

:

ALLERLEI BEMERKUNGEN ZU PSEUDACRO. aussprach (*e-pödos aus ex und 2, Cod. A

titäten

secundus (uersus) tetrameter

P)

Codd.

Z. 18,

S. 377,

dimeter,

siue

und daher

statt epödos)

ttoüc

^

der Unsinn entstand Epo

77

qui epodos dicitur

id ext

uno pede minor.

Dies

Weise

darum von höchster Bedeutung, weil nur auf diese Scheidung zwischen dem Sprachgebrauch des

ist

eine reinliche

und dem der hirnverbrannten

wohlunterrichteten Scholiasten

zu erzielen

linearversionisten

Inter-

dem Leser das Verständnis C. 1 8, 3 amando perdere

die

ist,

K

auf den ersten Blick eröffnet. So ediert Per cata antiphrasin declamat. Hätte er drucken lassen cata antiphrasin so wäre klar, daß ein Übersetzungsversuch vorper reclamat{ionein) liegt. Oder I 1, 14 wird nur verständlich, wenn man liest: a Myrtilo auriga siue uectionario Pelopis, d. h. der Neologismus *uecüonarius, den ich aus den Zügen der Hss. erkenne (ähnlich frz. ,

C

ital. vetturino) gehört dem Glossator des neunten, nicht dem Ps des fünften Jahrh. (K Syrub. phil. Bonn. 499 2 ). Doch dies ist leicht begreiflich. Schwierig wird die Sache erst, wenn das Interpretament die Glosse völlig verdrängt hat (Beispiele aus P in den X). Ein Muster dafür ist C. I 23, wo K ohne jede Erläuterung schreibt: (Asclepiadeus) per resolutionem scanditur

voiturier,

.... Glyconius, qui 101)

et

scanditur.

metrischen Schemata

die

idem oder item, Rönsch Coli. phil. Offenbar meint der Scholiast, nach choriambisch gelesen

ipse (d. h.

per resolutionem





seien

vorn und nach hinten skandierbar:

das

heißt

aber

nicht res.,

reu..,

offenbar

und zu edieren war:

primus uersus
et

c

cenati haec diät, 2 )

ist ]

T,

Derlei

nicht

A

C. II

2,

19, Z.

Z. 8

u.

a.

m.

aut quoniam ita uersus ordinati sunt,

offene Donbletten

im Recht.

Vgl.

verunstalten

s— Z. 12, Epo Damit verbindet

16

4, 2, Z.

sich

leider oft

20

oft

f.

^

Z.

18

Hier

genug den Text.

die Doubletteu C. I

ferner

ut singulis

f.,

1,

7,

C.

IV

Z. 3 6,

noch Entstellung wie Epo

1,

2,

^

Z. 6,

Z. 6

^

15.

wo

reparet nichts ist als Leseväriante zu separet (lies: ut ceram separet et mel sincerum, was nebenbei gesagt ein schöner Beleg für die richtige Etymologie von sine cera ist), mit langobardischem, langstieligem r wie S. I 6, 127, wo wieder reparet richtig 2 ) I

r

ist,

nicht separet.

Anders steht es Epi

bewahrt: pituita proprie

est

I

1,

108,

qp\^Y|na

das fade Interpretament morbus bieten.

wo

der uralte Erfurter den wahren Text während die anderen Hss. datür

capitis,

K hat

dies nicht erkannt (Bd. II, S. 395).

78

J.

snae (enabwciv)

clausulae

quibusque

STOWASSER.

M.

rednant

chischen Terminus

Minder

handelt.

).

um

Original noch durchschimmern, da es sich

Man

1

sieht hier

Etyma

die

aber

durchsichtig

das

eines grieS. I 6,

ist

86 argentarii, qui habent f summam rerum uenalium oder im oliaarum. Beides nächsten Scholion gar qui habet f griechischen Wortes (Meyer eines sind PseudoÜbersetzungen

summam

=

Summa

praef. VIII).

argentarii sunt qui habent xeXwviav.

Text

scheinlich in seinem

Ähnlich

(=

das se

Wer

S. II

ist

quam

ultra

wo

1, 1,

TeXuuXictv

scilicet)

jedoch das Weitere fassen also stand

AeEeuuc

muß

will,

wird:

wenn man

denes

})(oeyseos entpuppt. Also: ultra

so

will,

uocabuli ins Griechische

ursprünglich

'Poesie', -i-

opus erklärt

tenclere

ipsius uocabuli. Gute Hss. lassen mit Kecht weg, denn habet ist hier gleich hauet. habet f

se ratio

übersetzen.

Also hatte Ps:

üuvia.

Der andere Interpret las wahrund kam so zu seinen „Oliven".

legem

ultra

P

=

teXoc, res uenales

hier,

d.

daß sich auch ipsius

quam

h.

als

'Stil'

oder

mißverstan-

ratio hauet (XeHeuuc).

id est poeseos, uocabuli.

auch

bloß Graeca,

nicht

Allein

Glossatorenwahnsinn

angegriffen,

singular um rerum.

Was

einfachstes Latein

wie Epi II

dieser Zusatz

1,

51

hat

sagt das Parallel-

soll,

scholion iudices, secundum

quorum sententiam Entiius sapiens

Daraus

da evioi singiili

wird klar,

Enni annalium

setzung von

vorkam.

chisch

C.

I

durch

dem

das

vorliegt,

übergeschriebenes

Glossator grieVgl.

überdies

daß ursprüngliches

erhellt,

dicta

fuit.

hier eine Über-

sind,

einziges Stück in seiner Art!

Ein

wo durch Vergleich von 59

12, 19,

documenta

daß,

der

iudices

critici

disputationes

uel

sinn-

widrig erläutert wurde. C.

I

Alcaeum x )

34 hatte Ps ganz richtig erklärt:

1,

et

Sappho,

Stammt aus

tTniöiuciv in den P.

quos

P, daher Vgl.

K

apud Lesbum 2

hier

P

(eTTtublKÖc)

vita 22

und

LESBOVM

(so

nach

vielleicht nicht anzutasten; sicher aber gehört

wo er nur in der Wahl des I, S. 8, Verbum war zu ergänzen, sondern hie autem

idest ultimus cantatidus ac per hoc succinendus.

S. II

1,

30

propter

konstantem

zu Servius Bd.

Ersatzwortes unglücklich war. Kein uersus

)

das

sinnstörende

evepYÄc (durch £v epYUi). Jedenfalls bei carminum auetorem secutus Alcaeum,

Vielleicht

ist

auch

in opere

suo Übersetzung von scripsit Urica (lib. IV)

P aus

Ps

quod

(Hss. irrig quem,

ergänzt:

:

was Holder unbegreiflicherweise beibehält) £vepYwc ita iaetat (se) Aeolium Carmen ad Italos deduxisse modos und bei Ps: fertur Lucilius suam uitam scripsisse £vepYÜJC et sibi non pepercisse. 2 Diesen Sprachgebrauch habe ich in den besprochen (S. 15) und darnach P I 35, 1 das hsl. potentiü zu (a)put antiü gebessert. Holder erwähnt das nicht einmal. Wie sehr ich aber Recht hatte, zeigt ein Blick in die Acrostelle, wo tatsächlich aput Antium steht. )

X

ALLERLEI BEMERKUNGEN ZU PSEUDACRO. Gebrauch

rcp,

vgl.

K

im Index) insulam natos

esse

79

Ein

constat.

Alleswisser setzte hinzu: aut ab eo Lesbio, qui primus fiät lyricus

funkelnagelneue Weisheit

Diese

scriptor.

wo im A noch

(=

richtig leuius

zog er aus C. III

Laeuius) steht,

während

1, 2,

die jün-

geren Hss. die Korruptel lesbius haben.

Minder sicher bin ich über Epi

maris manera

I 6, 6 Indici

man den ZuEntweder dachte Ps an Rubine und schrieb avöpaxec, was durch (c}arbones erläutert wurde und eigentlich carbunculi hätte heißen müssen, oder er dachte an Almandine (Isid. Orig. XVI 13 lignis [d. h. Xuxvic] ... gignitur probatissima apud Indos) so daß arbores eine Falschdeutung von lignis wäre. Jedenfalls ist der Text nicht haltbar. Diese Stelle bringt mich zu einigen geographischen Bemerkungen. Ps ist in diesen Dingen stets gut beschlagen. Vgl. z. B. j arbores hoc

hebenum

est

so bieten

satz,

et

uniones in conchis.

Tilgt

zwei Möglichkeiten.

sich

,

Epi

I

wo

14, 3,

uum

lapidem

zusammen zu lesen sind: Varia nunc uicus imminens Anieni ad octa-

zwei Scholien

oppidum in Sabinis

olim,

ultra Tibur

uia

wo

Valeria,

Generalstabskarte die Lage des Ortes

mit

gezeichnet

der Treue ist

1

einer

Kann man

).

daß er das Vorgebirge Palinurus nach Sizilien versetzt, C. III 4, 28? Oder ist ein Wort ausgefallen Palinurus promuncturium (ctraritim) est Siciliae? Hat P die Cantabrer wirklich in Gallien gesucht, C. II 6, 2, oder ist ein offenes cc wie so oft verlesen worden: Gallicce (in beiden Autoren) Galliciae? Hat Ps Formiae wirklich in Sizilien gewähnt C. III 16, 34, oder ist statt SICVLA daselbst CECVBA zu lesen? Laestrygonia amphora] Formiana siue Caecuba, in quibus locis cyclopes (appellativ Kannibalen) fuerunt, qui Laestryeinem Autor von solcher Genauigkeit

zutrauen,

=

=

gones vocabantur. freilich

1 )

z.

B.

nulli e.

selbst

von Modernen nicht immer

Ähnliche Zerreißungen, die

C. III 22, 16

quondam

q. s. (Cf.

gunt

e.

q.

I

86,

'esto'

P). C. I 9, 23 s.

(aus P).

ilici

aber

et subdole. nam male in tenendo perseuerante 5 MALYS] arbor quae tenet uelum et

arbor (ipsa) generis feminini

20 quae ambitu

et

consueuerunt (Hss. heder am). Vgl. auch A. einzusehen,

grauitate des

daß

H erklärt:

erkannt hat, ließen sich häufen. Vgl.

aduerbium concedentis, sicut esto, aegram I 1, 12 Propter opum magnitudinem Attalus

C. I 14,

sed

hederae

K nicht

geteilt wird.

:

flexere mariti. C.

masculini generis; C.

Ich glaube überall an sein besseres Wissen, das

est,

poma uero

finest

neictri.

concupiscenti amplexu ita inligat se, ilici ut inligat; s. Epo 4 artius quam stilici ita 15, p. 216, wo K mit Recht eine Lücke annimmt, ohne

JScholion zu 222 gehört, da es das incolumi (Apyponebant tragoediis satyrica dramata, in quibus

dieses

salua maiestate grauitatis

e.

q. s.

80

J.

K

M.

STOWASSER.

Campania. Nichts 30 Ulubris] locus desertus in campania, d. h. „in der Campagna di Roma", ein Sprachgebrauch, der seit Diokletian (Wissowa III 1, S. 1438) aufkam s und für den Ps noch mehrere Exempel bietet, die aber in Veientana ciuitas campaniae nennt (das Index fehlen: S. II 3, 143 Auch 'ineptiae') und Epi I 17, 8 Ferentinum oppidum campaniae. Epo 9, 1 ist Caecubum wohl gleich vino di campagna (campanum) und Epo 1, 30 umschreibt Ps ausdrücklich den Begriff campania als das Land zwischen Frascati und capo Circello: Circea moenia, So

bietet z. ß.

ihnen zu lernen,

an

ist

im Index bis

elf Stellen für

auf eine Epi

I

11,

K K

Campania

id est nolo continuare agros Tusculanos usque

A);

(so

ad Circeum. In diesen Fällen war wohl campania mit kleinem Anfangsbuchstaben zu drucken. Wenn wir zu C. II 3, 83 den Unsinn

lesen Anticyra

kaum

so wird er hier

insida Propontidis,

allerdings

P

mitübernommen ist. Bei diesem aber dürfte wohl die Urform gewesen sein Anticyra insida proprie (c ppe) Opuntidis ('Ottouvtiöoc), wenn man eben beide zu bessern

Landschaften

lokrischen

zu lesen

sein,

Opunta

ist

aus

Einheit

faßt

(vgl.

P

27,

I

11,

wo

1

wo schon

II 6, 114,

als

er

oppidum Locridis est). Ebensowenig ) autem daß Ps die Molosser nach Kreta versetzt hat

glaube ich daran, S.

weil

die Variante

besten Hss.

der

cretis

auf

Graecis (neben Graeciensibus) hinweist, und noch weniger kann ich

mich entschließen, C.

II 18, 8 mit JBTaus

HYMETTIAE]

est

f thebaica

id

dicuntur.

K

de Hymetto

Pzu

interpolieren:

marmora

monte

nimmt Achaica aus

P

auf,

TRABES

excisa,

quae

verwischt aber

damit den Tatbestand, daß quae als auf einen Plural zurückweisend nicht das Beiwort, sondern das Derselbe Fehler (aus

')

Accusativ

Tram

wird

eben

P

Hauptwort meinen muß (den Archi-

übernommen) auch

Nominativ,

wie bei

in

\ipZS.

uns im Deutschen

384. z.

B.

Der

isolierte

Turm

oder

das Accusativ-m des Lateinischen tragen turr(e)m, tra(be)m. Neben statera,

cretera u. a. hat P und Ps Persida, Aeolida (Serta Harteliana) oder Crotonam S. II 4, 3, Salamina C. I 15, 23 (wie auf der tabula Peutingeriana), capud Gorgon(a)e C. III 4, 57, aegidam C. 1 1511 im A, dessen Altertümlichkeiten leider oft wegwischt, wie ihm ja auch die Italaform prodeesse C. I 14, 14 entgangen ist. Hierher rechne ich auch das griechisch dekli nierte Thuriüs enim Brittiorum oppidum est (= Goupiouc vgl. das atomüs des Lucilius). Die Satzgestaltung identisch mit der Verwendung von isolierten Ablativen in Kalenderdaten C. III 8, 1 Kalendis Martiis Matronalia diceC. III 18, 10 Nonis Decembribus Faunalia ex (et Hss.) Faunobantur rum cultu (Hss. culta) dicebantur. Wir reden nicht anders: 'Zu Weihnachten'

pautliera,

Ps

allein

K

=

ist

das

schönste Fest

spanisch Burgos)

zu

S. II 3,

14

nomen

des Jahres

u.

dgl.

siren siue sirena

e.

q.

s.

JB'undos (wie etwa Vorgänge hinein führt die Glosse

Vgl. S. I 5, 34

oppidi. Mitten in diese

ALLERLEI BEMERKUNGEN ZU PSEUDACRO. trav,

tö emcTuXiov).

dings

mit Reserve

kaum irregehen, wenn TPATTHKIA dicuntur vermute.

Ich werde

quae

81 ich aller-

Trabs

=

nahe genug. TpannE CITBEAM aut Ähnlich klingt mir C. IV 1, 20 pro f difficili et nobüi posuit aut ... odoratam, ut aedificantis dkiitias indicaret. Die Stelle löst sich selbst. Denn da sofort aedificantis folgt, ist klar, daß der Unsinn für pro (ae)difici(o)lo liegt ja

TRABEM

Gemeint ist eine aedificatio heißt, und zwar bei Cato, Gellius, dessen Affchen Nonius (429 1 M. urbs In den X hatte est aedificatio-, ciuitas incolae) und Ambrosius. ich noch auf eine Stelle des P hingewiesen C. I 30, wo mir Holder nicht geglaubt hat („Du mußt es dreimal sagen!"), obwohl der ZuTir.

(Not.

steht

Kapelle, gesagt

satz



133,

öfter

in

Inschriften).

„Bauwerk", wofür

ist

oder sagen



es sonst

wir offen die vollere Rezension

des Scholions

ut .... adsit aedibus consecratis Ps durch precatur den Beweis erbringt, daß im Anfang zu lesen ist: quasi epigramma in aedi {fi)cationem Veneris (= sacellum Vener is) scriptum, quam

bei

a

7

consecrar(i

se ipso

a)it.

Ps eine Parallele 8. I 8, 7 NOV1S an propter recentem dedicationem (lies aedi(J%) cationem) Maecenatis. Hier kann kein Zweifel sein, und zwar nach S. II 3, 308 {Maecenas) qui tunc hortos aedificqbat

Zu gutem Glück (HOBTIS) Quia

bietet

magnos. Vielleicht glaubt mir Holder

Wenn

aber oben TponrriKia

ich

jetzt.

statt

Thebaica

vermutete,

so

schwebten mir andere Stellen vor, in denen gleichfalls mißverstandene

Wörter

als

Eigennamen gehen;

ciuium

contra ui(tia) Zitat aus

brachte.

Ovid

Wir

bei

P

z.

B. S. I 4, 1 Eupolis Cratinusque

(Hss. lucilium) scripserunt, oder das falsche

C. II 5, 20, das

K

Ps formam laudat

irrtümlich in den

lesen bei diesem Jiuius pueri

et

hinein-

in car-

mine suo. Offenbar war hier noch ein Gedicht genannt, und. zwar, da anderswo von einem Gyges nicht die Rede ist, C. III 7. Nun zitiert Ps mit Anfangsworten (S. I 10, 1 quod Lucilii uersus damnasset in satura 'Eupolis atque Cratinus ), die Anfangsworte von C. III 7 aber lauten QVID FLES. Hier also ist zu ergänzen huius pueri formam laudat et in carmine suo (Q VID FLES}. Daraus wurde im heutigen P: OVIDIVS. gibt C. I 24, 19 Vulgäres 1 ) ist bei oft mißverstanden. dagegen leuius fit: leuigatur statt leuicatur (Basis von alleger)\ 1

K

*) i

(

K

Ganz abgesehen von Momentwörtern (die oft durch uelut, quasi als solche 1, 1 epodon quasi *postoden, hoc est* postuocem, *post-

gekennzeichnet sind), z.B.Epo cantilenam usw.,

wo

K irrtümlich post öden usw. hat.

Wiener Studien. XXVII.

1905.

Vgl.unser Vorwort', 'Nachwort'. 6

82

J.

war

S. I

10,

M. STO WASSER.

K

67 leuitati (Glätte) richtig.

K

satz zu prosperitas steht, c

wie deutsch manger,

Elend'.

etamer,

fils,

also cattivitä,

5

vgl.

reponse, feuille

wo

es als

Gegenchetif)

4,

So spiegelt sich chanson, maison, charpentier, mesurer, ecueile (Schüssel) u. a. m. in cantio, filius,

man wohl

bei Ps. Daher wird

alle

joie,

II 9,

vorliegt;

gelee

*chetivite (cattivo,

1 mansio, carpentarius, nianducare, stagnare ),

tella u. a.,

daß C.

übersieht,

cursum gelata non habet die Basis für frz. A. p. 63 sine sata (singularisierter Plural wie C. III 10, u. dgl.) Für captiuitas übersieht

mensurare, scu-

115 aus dem

S. I 3,

uiolauerit des Erfurter Codex nolauerit

voleur)

voler,

(frz.

herauslesen dürfen, obwohl sonst meist inuolare in vulgären Texten steht

(Rönsch

Ebenso weist

Coli. p. 75).

C.

I 17, 1

das conmedet des

auf ein romanisch gesprochenes (vgl. armada) conmetet,

Komikern quos

A

aus den

hinlänglich bekannt.

Mit mehr Reserve empfehle ich

S. II 3,

hdbebant in collo

da wenigstens

(frz.

coton)

,

255 Focalia cotonas, in

Stokes Irish

und den Hisp. fam. das Subst. Corona als Kleidungsstück gebraucht wird. Auch capillor {%) um (etwa * cheveloire) S. I 8,48 2 ist unsicher, da capillura (chevelure) gleichzeitig naheliegt ).

glosses

Nicht

cmaE

vulgäre,

eigentlich

aber

seltene

Wörter, ja bisweilen

mir an folgenden Stellen in den Hss. ver-

scheinen

£ipr)ueva

wischt: S. I

CLITELLAS

5,47

.

instrumenta,

f

quibus

malia stemuntur. Ich denke doch *instramenta (offenes wie der alte Cato

DITIIS

sagte

C. I 5, 5

instragula.

animo f factiosa.

cc)

ani,

oder

SIMPLEX MVN-

doch *fac (e)tiosa. S. II 4, 30 LVBBICA] introrsum j limpida. Es wird wohl Himida gemeint sein (vgl. Umax). S. II 8, 39 tibi fictiles et j subtiles in usu sunt calices. Natürlich sutiles Ton- und Lederbecher'. S. I 10, 44 wehrt sich Ps gegen H. Hie j plena; nam nihil .

.

.

.

Ich

denke

c



ioculare in Georgias scripsit

Ich glaube plana,

{Vergilius).

d.

h.

TrXava. S. II 3,

verstanden, x )

=

2 wird das scriptorum quaeque retexens des // falsch als

käme

Auffällig S. I

3,

es

von

scriptor,

nicht

von

scripta.

Daher

=

stancare

56 im Sinne von itamer, nicht wie sonst

ital.

*stagnicare; Rönsch Coli. ph. 129. 2 )

dafür

Welche Vorsicht

liefere

ich

in

mich selbst

der

Annahme von Vulgarismen anzuwenden

als Beispiel.

In den

Glosse des Vatic. effiminita stimata besprochen, hei Iuvenal bezogen

heute selbst, ob nicht

Wiener Stud. haue

ich

ist,

die

die Glosse richtig auf eTTi|ur|vta

und stimata aus ital. stirna erklärt. Und doch zweifle ich epim eni(a): tu s(J)timata (xa ciTÜ.uara) zu lesen ist.

I

.

.

ALLERLEI BEMERKUNGEN ZU PSEUDACRO.

cöpilantum,

more

der Scholiast:

schreibt

cöpilationibus ponunt (Hss. an (Hss. 4, 2 uitam securant Signa

suis S. II

80

ardiqua dicta in

qui

beiden

cogit..).

Stellen

d. h. secccnt

sccuntar,

=

secuni) C. I 11, 6

LIQVES

consumes potando. Dies bessert sich einfach

consummes p(c)olando.

zu

C. I 15, 33

protelet durch

Lesung

Ar

(proteget

IV

C.

hat Hauthal,

richtige

einzig

die

bei

;

).

obstare,

9, 1

*esstent)

1

P

wie so

oft,

K

in

geführt;

die Irre

nach den alten Hss. tempus .... Vgl. Rönsch Coli. phil. 54. quominus .... clari extent (Hss. essent, ist

habeantur.

26 (Müites) quadam nocte

f sagin as eorum et uiaomnia perdiderunt. Lies sagmas ecorum, wie Epi I 13, 8, wo gar sarcinas statt sagmas steht. C. IV 14, 7 sagt legis expertes Latinae. Der Scholiast

Epi

II 2,

.

.

tica

H

doch nur 'des Lateinischen unkundig') uel f ciuitatis. Da vom Bürgerrecht in seinen beiden Formen hier wie etwa bei Suet. Aug. 47 (Pauly) nicht die Rede ist, wollte das cubilitatis des A nicht ohne Sinn zu ciuilitatis machen. Ich finde aber dann das nescii so störend, daß ich von derselben Basis aus *coibilitatis vorschlage (vgl. cohibilis und seine Derivate bei Latinitatis nescii

h.

(d.

K

Afrikanern

und Apuleius). Das Wort drückt

seit Gellius

den Gehorsam

gegen das Gesetz aus: toribus coliibentur Tac. 2 ).

Kürze

In aller

gidas

noctes .... quia

x )

ista

will ich

nucem

C. III 2, 9 balanus

Unmittelbar

habent

A. Dies

:

vergleicht.

(Oder

habent.

et

hierauf

berechtigt hier

Im X. Jahrh. wohl kaum 2 )

uiunt

Gelegentlich

qua(e)re(nte)

zu

schon

ein

arabisches Zahlzeichen S

einiges für den Afrikaner

caelatorem ac plasten



P

S. I 2,

134 significat Fabio pro adidtero

P

C. I

deutsch zu reden

1,

1).

erklärt den Vers des

richtig so:

declinationes

V

und

faciei

(qainta)

=

ista

5 vorliegen?

P

angemerkt.

statuar(i)am

P

S. I 3, 91

(Hs. statuarum

P



A. p. 217,

nach

iudicatu(i)ri den Herausgebern

(ßi)

e.

ganz

q.

s.

Vgl.

ohne Sinn,

H

et tulit

ganz

cassis

Antonio ab Athenis Alexandream transtulis.se. „ Statuerei " nach dem Muster von argentaria u. dgl.

31.

Atelier

relatuiri

Veteres

begreiflich, der diei

ueteres declinatione

=

um

P

wie

abtun,

C. III 7, 7 fri-

Offenbar sine

ACHILLEI]

Scholion

schreiben:

erat.

procura-

möglich).

sei

Euandrum hunc

ceTs (V)

Dies wird nur aus

Vlixei.

sollte

das

auiem) significat.

vortrefflich

aliae

ein paar ähnliche Stellen

(Hs.

sine

prouinciae

eloquium insolitum facundia praeceps est dicere, quae praecipit(abanf)

nisa f(acundia}

quentiam (Hss. uisus .... praecipit). 6*

elo-

84

J.

und Carm.

Vgl. gr. Kotcc«

M.

STOWASSER.

d.

s.

Lucia

Harster 406 quo cassa Die anderen Hss. bieten

ed.

putabere uilis in zeitgenössischem Latein. suis,

d.

i.

(s uis),

amentem,

uelut

offenbar Interpretament

l

seruis

nicht amantem,

C. II 18, 8 uilicac,

9 aelut,

ibid.

seruantem. C.

7,25 altissimus, nach

II

7,

hingegen

absolute

ist

oratu, nicht orobuersantem, nicht ob-

Urnen

C. III 10, 9 ante

9 nicht absolute,

P summus

sondern obsolete

richtig).

Epi

II

1,

(C.

49

I,

der „Pompfuneberer",

(Druckfehler?).

14, 20,

(fehlt bei

egiptiorum. Lies dea exibitorum

Libitina dea

C. II 8, 1

C. III 3, 25

nicht uicinae.

natu persuasam. C. I

dazu.

nicht uult uideri.

,

K

Epo

4,

3

im Index)

nämlich funerum,

qui efferenda corpora conducunt S. II

6, 19.

gilt es hier sehr genau zuzusehen und nicht leichtsinnig ins Gelag hinein unerhörte Wörter und Formen zu bilden. Ein Beispiel

Doch

bietet dafür S. II 4, 13.

H

sagt:

erit, illa memento et ut magis alba rotundis melioris ut suci ponere, namque marem cohibent callosa uitellum.

longa quibus facies ouis

Ganz vernünftig erklärt der Scholiast longiora oua et meliora sunt quam rotunda et albidiora. Ein anderer wollte den Begriff sucus verdeutlichen

und

fügte

Dazu gab wahrscheinlich

hinzu:

fortiora

ein Dritter

aut

eine

melioris saporis.

auf albidiora reimende

Umschreibung sapidiora. Zufällig stand dies aber beim nächsten Vers, und zwar mit langobardischem r und mit offenem a. Infolgedessen bezog man es irrtümlich auf callosa und schrieb *sapidosa (rv&), natürlich gegen alle Sprachgesetze, da derlei Adjektive eben nicht von Adjektiven gebildet werden. Eine Handschrift verschrieb das offene cc zu *scipidosa (y). Hauthal erfand sofort ein *stipidosa (hätte mindestens *stipitosa zu lauten 1 ) und folgte dessen Träumen. Es war zu edieren: (SVCI MELIOPdS) 2 ): for-

K

Auch

')

S. II 3.

5 wird wohl

alsiosus

(Varro, Plinius) zu schreiben sein,

nicht *algiosus, obwohl der gleiche Schreibfehler im Amplonianus steht alciossus: frigorossus.

K

2 In der mutmaßlichen Herstellung der Lemmata ist überhaupt oft ) wenig glücklich, so gleich auf derselben Seite ergänzt er zu V. 21 (aliis), wo der Sinn der Worte dazu zwingt zu schreiben {male creditur) id est noxii ...

non bene

sunt,

ut

dem,

was ich

Lemma

:

ripae creditur.

seinerzeit

zu setzen war.

Hierher gehört auch

über die Stelle

ausgeführt

Die Überlieferung lautet

habe,

S. I 9,

69,

wo nach

nur (tricesima) als

dort: qaae Neomenias dicunt quando peragäur in Kalendis Iudei semper sabbatizant. Diese von mit der mala crux versehenen Worte sind bis auf eine Kleinigkeit richtig. Lies: {TRICESIMÄ) quas neomenias dicunt. P{ost) XX(I)X S dies lunaris cursus quando peragitur, (i(dest) Kalendis)) Iudaei sein-

p

XXX

o dies

lunaris

cursus

K

,

ALLERLEI BEMERKUNGEN ZU PSEUDACRO.

sapid(i)or a und darauf mit Ergänzung

tiora aut melioris saporis,

des

85

VITELLVM

Lemma: (MARE31}

pro gallo

(

denn aus

T v);

anderen Eiern werden gallinae. Derlei Dinge mahnen zur Vorsicht! Lag hier der Fehler an Mißdeutung langobardischer Schrift,

anderswo noch Majuskeln und INCERTI vertauscht

so spielen

INCEPTI ALICVIVS so liegt die

REI

cum

1

MOTV

45

III 4,

12,

zu percuti wurde,

C

METVENDV MQVI

man

MQVI

sich

löst

nach der Parallele C.

cum

NIOVI (Itacismus) auf. Niobe cum filiis peremptis.

linem sagitta metuendu(m)

Denn Abkürzungen

per-

filiis

III 6, 1

interemit) zu

suis

filiis

I

:

schreibt

so

cmptis,

wenn

ist,

ELEMENTA

B. C.

z.

I 12,24 Entstehung auf der Hand. Darum wird man A hat Apollinem sagitta metuendum qui cum filiis

so erklären dürfen

peremptis;

SICVTI ALIA

Wenn

mit.

(Nioben

Also:

Apol-

1

haben natürlich diesen Scholien gleichB. Stertinius Epi I 12, 20 nicht weniger falls als 220 Bücher über Stoizismus geschrieben hat, credat Iudaeus Apella, non ego. Er wird wohl circa uiginti libros geschrieben haben (CCXX, nicht CCXX. Vgl. Mommsens laterciili hinterm Epo 10, 17 wird wohl Probus), oder die non uirilis eiulatio des kaum durch infemalis (Hss.), sondern durch -i- femalis (id est zu P Epi II 1, 204 verfeminalis) erklärt worden sein. Was )

Daß

arg mitgespielt.

z.

H

K

mutet hat,

wird

omatus.

Dasselbe

unrichtig

hat

(LVGVBRE)

sago

Hauthal

S.

I 4,

sein, statt

aut(eni)

cp

actor

lies:

Epo

atro

nicht spiritum (spum), wie er

hac oda

C. I 27,

1: esse

lösen ist:

RVNICO]

(Hss.

patrio).

60 das spem der Hss. ganz richtig

fühlte, so hätte er es richtig erläutern sollen

scendum

undique superfusus

27

9,

und nach ihm

significat

(nonnihil)

oder S.

c

unde Os{ci) gen 9

'

(Ji)nihil I

5, 54,

sptm

K

als

wo

Und wenn Abkürzung

= speciem,

schreiben.

seueritatis

aber

Ebenso

uoluptati

obsceni


purpureo

mi-

der Hss. zu

figurate ut 'Cressa genus'.

per sabbatizant. Eine absolut richtige Erklärung des rosch-chodesch. Vgl. meine grundlegende Arbeit Zschr. f. d. öst. Gymn. 1889, S. 292. J

Die

wichtige juristische Kürzung zu

K

durch das uns S. I 9, 37 gibt genau genug. In beiden Fällen liegen ja Ligaturen vor, so daß schon Cruquius um ein Haar besser Kp Kp schrieb. Nur übersah dieser wieder, daß zwar die Hauptzeichen identisch sind, die titulae jedoch verschieden; denn wie die tironischen Noten n(i)s(i), n(obi)s, r(ur)s{um) u.dgl. mit unterdrückten Vokalen geben, so steht hier K(au)s{a) an erster Stelle, )

Österreichern

gewohnte

k.

k.

nicht

den Tironianern; man sprach ja zu konsonantischem AusHaut, so daß ein moderner Herausgeber bei der Umschrift in unsere Lettern wird edieren müssen: aut ks kr debebat. an zweiter aber

i

Rom

K(ade)r wie d(one)e

bei

die Infinitive schon in klassischer Zeit wie heute mit

86

J.

M.

STOWASSER.

Diese letzten Beispiele führen mich zur Ausfüllung von Lücken, denen der Text des Ps überreich ist. Homoeoteleuta namentlich an und Wortwiederholungen verstümmeln ihn oft bis zur Unverständlichschon erkannt, mehr noch zu bessern übrig keit. Vieles hat hier

K

gelassen. C. II 16 in militia igitur alea ludebatur, ne exercitus otio tor-

kann man durch Einschub retten: in militia {lliaca) e. q. s. I 13, 8 Vinium patemi cognominis (commone)facit. C. III 9, 13 (Comptos crines] cum) crines (iuu)enum nobilium calamistro crisparentur. A. p. 71 Vsus] id est consuetudo sine ratio{nc) loquendi, mit den Hss. ohne Sinn sine. C. II 6, 14 Pro loco (angustoy angulum dicit. S. I 6, 34 et cetera sibi eure (fore). Auch im P C. III 4, 27 (gegen Petschenig, nach Ps IV 11, 5) Deuota nunc euid(enter deuou)enda e. q. s. C. I 7, 10: Quia in agone uerberibus (iuuenes uobiles} immobiles caedebantur. Epi II 1, 208 quasi per (funeni) funambulüm Genetiv, wie im gräzisierenden rithmüm C. III 18, 15 oder in conuiuiüm S. I 2, 17

peret

(Palamedes). Epi

K

wo K unnötig konjiziert hat. Epi II 1, quae res (Hs. quaeris) de quibus (loquitur) ex medio accersit. Epi II 1, 62 primus {rome) comedias. C. III 6, 12 expetis(se) saepe. C. IV 2, 10 liberi in{ni in) Liberum. Inni hymni, wie C. I 21, 1. C. IV 9, 6 fuit (pri)undo et Pindarum. Epi I 18, 14 non plus quam quinque actus (ac tris) personae S. II 2,

(vgl.

168

.

47 ex P),

comoedia

.

.

.

.

.

.,

=

1

).

denen P eine verläßliche Handhabe bietet, wie C. II 13, 25 (vgl. Wien. Stud. 1900, S. 129, gegen Meyer-Holders Roman vom schönen Phaon): queritur Sappho (Frg. 16 B) de puellis ..., quod {öden) non ament, oder S. I 10, 77, wo nach P sich ergänzt consolabatur se Ms uerbis (die Arbuscula), quae (nunc etiam de Ho ratio ipso intel)leguntur. Besonders

sicher

sind Ergänzungen,

zu

K

Und so sei es gestattet, eine ganz besondere crux (von mit drei Kreuzen bedacht) in gleicher Weise anzugehen. C. I 7, 1 ... sibi Tibur (i)tem esse laudandum, cuius uoluptate capiatur, (Anienis) .

amoenitate sc(ilicety uicini

acquar (uni)

.... accar. ist

lückig.

Ich ergänze

')

Albuneae nymphae(i) eiusdemque nemoris

Nymphaei

Ebenso

vers

et

Tiburti (iiarum). Die Hss. ist

unerläßlich,

vgl.

.

.

.

Tiburtem

.

.

.

.

se

domus Albuneae: H.

Fabel S. II 3, 299 bis zur Sinnlosigkeit nach P so: Aesopi fabula, qua dicit duas

die äsopische sie

Ähnlich C. III 16, 23 die Glosse erkennt die Kontamination:

nudus] conspieuus.

liest,

nudus

:

(conpilatus

splendidior

:

magis) conspieuus.

Wer den

Horaz-

ALLERLEI BEMERKUNGEN ZU PSEUDACRO.

(imam

peras habere

poster{g)ino sna

ante

alter

se,

am

uero)

pos

87

Mo

se mortales. In

in f primo aliena (condi } unde dliena) cognoscimus facilius; nostra enim uidere uix possumus. (Hss. quae

posse

....

uitia,

postremo

....

Für

....).

die Möglichkeit

von *poster-

ginus verweise ich auf posterganeus bei Cälius und Arnobius

dann j primo Natürlich

nicht als * ( prinio d. h. *TTpopptviiu gibt es wieder Stellen

keiner Theorie zugänglich sind.

an

So C-

1

Sollte

).

zu deuten sein?

daß

sich so geartet,

I 38, 3 uetat

puerum

sie

rosas,

quae iam per acto uere inueniri solent studiose quaerere. Jeder unbefangene Leser würde zunächst glauben, es müsse non inueniri

P

heißen; allein ein Blick auf die Quelle, nämlich uere

terito

.

.

.

ex frigidioribus

adferri)

(solent

.

.

.

prae-

daß Ps inuehi oder

zeigt,

vulgär inuehiri meint. S. I 2,

DEPVGIS]

93 lesen wir

natibus,

ut

Sine

natibus .... uel

hie

de'

das Scholion ursprünglich

u.

c.

ualde' intellegatur.

macris

d.

h.

u.

i.

lautete

an.

K

Zum

Offenbar

Ein sciolus glaubte und hängte das Vei-

natibus.

darin uctKpoic zu erkennen, übersetzte es falsch

legenheitssätzchen u.

certe

l

c

magnis

aperire {a)edificare. Wer C. IV 4, 34 C. S. 13 liest (wo edueti allerdings eigentlich nur a potiore parte von Drusus gilt) und sich an Varro bei Nonius 447 educit obstetrix, educat nutrix erinnert, wird einsehen, daß aperire educere zu schreiben ist. Daraus educare und edificare\ den letzten Schritt der Verderbnis tut erst K. Auch sonst ist ihm vielfach der Text in Unordnung geraten. S. II 4 32 z. B. gibt der V in lucina pelori :

vergleicht

:

?

ubi optimi murices naseuntur.

und

ebenso

polationen im

richtig

E

liest

täuschen.

Am

Anfang

f lucrina.

K

Die Worte

setzt v

murice B. voraus

sich

durch die InterH: Murice

ließ

sind

nichts als

B{cuano) m(eliory lucrina pelor^is)] •i-ubi optimi murices naseuntur Hier war der Liebe Müh' umsonst.

Zu die

C. I 26, 9 fügt der Scholiast mitten in ein Scholion des

Worte Lamias enim

ueteres

nobiles

familias (familie

.

P

A\ aber

femine V) dicebant. Sie beruhen auf dem Scholion zu C. III 17, 1, das gleichfalls aus stammt, aber um eine Iuvenalstelle vermehrt

P

ist,

die tatsächlich

: )

Virilem

(Lamiarum

caede madenti

IV 154) das Wort

Nur teilweise läßt sich die empfindliche Lücke Epo 8, 18 aus P füllen penem fascinum dixit propter obscenam figuram, quam (adicere sole-

bant praefascinandis rebus, unde etiam

:

'ore ) adiecerat in sequenti; linguä enim detersa fronte mulieres amputare infantibus fascinum putant. Vgl. für den metaphorischen Gehrauch Epi I 3, 25 amputare uitia, curas. 1

:

88

J.

cuveKÖoxiKUJC

in

STOWASSER.

M.

dem genannten Sinn

zeigt.

Hier

ist

also mit Til-

gung der Interpolation alles gerettet. Nicht so jedoch an der anderen

P

die Worte folgen: qnod uulgus vorhandenen Material ist eine länitiü genns uocabat. Mit dem Entscheidung nicht zu treffen; man könnte an Haruinum oder Hemurinum denken, A legt dagegen Samnitium so nahe. Hier bleibt

wo auf

Stelle,

die

Entlehnung aus

nur das N-L- übrig.

noch ein paar Worte zu dem Horazglossar, Ausgabe abschließt p. 380 ff. Offenbar falsch ist s Konjektur zu S. II 3, 272, die er nicht gemacht hätte, z. B. wenn ihm nicht entgangen wäre, daß die Notiz aus P stammt. C. I 8 Titel Eristice uel eperclietice. C. II 56 lies iuuentute statt mit

Zu dem

guter Letzt

K seine

K

Epo 2, 53 Afra auis id est gallina Maur(a) (Hs. maior); metire .... 'mensura' im Imperativ (frz. mesurer). das der 36 9, Glossator mit Recht tadelt, der Scholiast selbst aber II 15, 15 S. (mesuree). Zu I 2, 98 erinnere ich, daß ein gebraucht: mensurata

iuuencide;

Epo

C

corpus ist S.

lectica

59 wird nach

statt

posse, nicht operari.

Theristria

1

)

(öepicTpia)

99 ganz richtig „durchscheinende Sommerkleidchen".

I 2,

S. I 6,

118

operiri

forum

schreiben

sein.

P

statt

Alamanus A(pii)lo manno,

torum, ebenda 144 fusile Ebenda 229 ist tocus nichts

(statt futile)

als

locus Romae c. q. s.). Die Glosse emendieren Trpoepe9i£uu incesso usw. Velabro:

Wie wenig wahres Wissen aber

Zu

S. II 3,

uas zu

locus (Pseudacro

CGL

II

447

ist

:

zu

hinter diesen Glossen eigent-

wo zu den Worten des 11 Menandro das Interpretament debaccJianti tritt. Dem Glossator war also Menander und Mänade ein Ding. Darum braucht man auch nicht zu erschrecken, wenn lasciuos amores C. II 11, 7 mit flexuosos erläutert wird. Der famose Glossator delich steckt,

zeigt deutlich S. II 3, 11,

Platona

stipare

placierte die treffende

(Epi

I

seien.

Erklärung von C.

I 36,

20 (lasciuae hederae)

Und

daher läßt mich die Frage ganz kühl, ob die scruta oder uiminea oder uiminalia 7, 65) uasa uiminosa Ich weiß, sie waren rimosa, und die Glossatoren haben

hierher.

eben Unsinn gelesen und geschrieben.

Doch um dem Feder

beiseite

legen.

gleichen

Es hat

Vorwurf zu entgehen, will ich die sich mir darum gehandelt, an einer

erlesenen Suite von treffenden Beispielen die Besserungsfähigkeit des

!)

Hieronymus

Quaest. Hebr. II 528 und die Reichenauer

das Grundwort GepiCTpov (LXX).

Glossen

haben

ALLERLEI BEMERKUNGEN ZU PSEUDACRO. Neben den

gegenwärtigen Textes darzutun. öst.

89

der Zeitschr.

in

f.

d.

Gyrnn. besprochenen sind hier hundertdreißig Stellen behandelt.

mag stellenweise in der Therapie geirrt haben, in der Diagnose wohl kaum. Wer aber das hier Vorgebrachte vorurteilsfrei gelesen bat, wird mir gewiß zugeben, daß in diesen so elend erhaltenen Trümmern bloß der Überlieferung alles Mißtrauen gebührt, aber durchaus nicht dem Autor. Ich

Nachtrag. .

.

iva

.

juri

ti

dTrdXuTai.

'iwavv.q S. I 2, 1

.

.

anbub

tibia ...

.

oder

anbuba?

iß.

V. 41 war der

Vorname ausgeschrieben wie Publius S. I 7, 1, also QVINT 9 ASCONIVS, nicht quem t. V. 98 mit Vr: ueruculüm (graec. Genet., oben S. 86). S. I 4, 21 nullo merito (de) dic(a)tionis\ V. 48 uelatiora uerba im Sinne von ornatus oder obscurus; ueraciora gegen die Tatsachen. S. I 6, 113 fallacem circum propter samardacüm

K

.

(mendacia),

.

.

enim et mathematici olim steter ant (et) imperiti. Kaum euTreipiKoi, sondern wohl eunupiKoi, die euirupo•f cköttoi, irupKooi, pyromantes (Schol. Bern. Luc. Usener VI 428, Servius Aen. III 359), welche die eurcupoc Te'xvn. treiben; Eur. illic

Phoen. 954. Verblüffend einfach bessert sich die interpolierte Stelle 2 (Leitern describit (vgl. V. 20 in Ute). S. I 8, 11 ist jene von der Bentley fälschlich zu S. I 3, 6 berichtet; denn hier lesen cZ! statt ustrina tonstrina, meinen aber sicher *tostrina ) von torrere. Ahnlich glossiert war ihre Vorlage gleich darauf, wo S. I 7, Stelle,

1

:

sie statt alienae exinde bieten (aus exxnae verlesen). S. I 10, 5 non ... quia concedo ..., idem concedo ei omnia; Hss. idem ... et V. 66 hätte .BT mit dem stets verläßlichen V schreiben sollen .

.

.

dieuntur

Graeci

Man denke in

.

.

dem Scholion zu

zeigte,

.

metatragoediam (ueTccTpcrfUJbiav). des Wortes Metaphysik. Sollte pituita fortis indigestio, von dem sich

scripsisse

an die Entstehung S. I 7,

6

daß der Scholiast an peius

(frz.

deutsches Interpretament stecken:

Interpretamente: x )

In

enthalten.

pul Epi

dem Verzeichnis

1, 13,

10,

pet) dachte, nicht

fort

indigestio?

>i-

ganta

S. II

der Wörter auf tna Zschr.

f.

8, 84,

d. öst.

auch ein Deutsche urpora S.

Gymn. 1886

nicht

90

J.

und,

II 4, 81

S. II 3, 53

et

wenn

STOWASSER.

M.

nicht

ich

irre,

auch suhle Epi

wohl

nunc 'deridef, quod(e)

superius (V. 45

calopodiae Doppelplural; Rönsch Coli. phil. 156. V. 121

irrt

ac sapientibus

monibus

probatum

esse

id est

:

paucis

V. 106

K, wenn er

paucis

agnominibus der Hss. aufgibt. Ps schrieb wie Lucilius: non malle

4, 15.

I

f.).

ac gnoDort ver-

multi (stulti) sunt. Fremdwort Yvwuovec, hier Haplographie. V. 228 Tusci acceptum uicum habitarunt•; damit stimmt wohl Festus: loco .. his dato, Servius zu Aen. V 560 cui pars urbis est data. Und doch: Stand hier nicht einmal *asseptum (Sperrgasse, Ghetto)? Zu demselben Vers: impia ergo turba (pro) periura aiit (X), quia (len)V. 239 Eins (dem} ones ibi habitabant negotiatores{que) insanus uidebitur, quia

führte das

.

Dicil II 6,

wie ist

.

.

.

248 [de illo] 254 proturbaretur vgl. S. II 2, 131. S. 87 contemptibilius ossa tangentis. Gemeint ist öipa, gesprochen

nominis actoris Aesopi

(io)cum

der gleichnamige Sohn.

filius,

(frz. jeu).

SVBTILE] Rimas

issa, cassa u. dgl.

liabens S. II 8, 38.

V. 54 cortina uel uela singularisierter Plural,

Epi I

1,

das Scholion disserit,

3 der Satz qui (nicht quia)

zu V. 4

was ganz

V. 14

abschließen.

richtig

ist.

....

Ebenda

frz. volle.

agriculturam

bietet

V

sollte

dixerit,

h.

d.

quia

Vgl. unten zu Epi I 15, 45. V. 31

chir gl* dicitur manus. Hss. chiros (langobardisch). Ebenda uocantur medici{s) vgl. Rönsch Coli. p. 58. V. 48 liefert ein seltenes Wort. ? Hss. cur non maiora uitia metuatis, cum minora uitia f recu Der V recupatis, andere recupiatis, von offenen Irrtümern abgesehen. Gemeint ist RECVTIAT1S, aus Augustin bekannt. Da quaccumque ein Fragezeichen ferner im Apparat zu quaeque setzt, so sei auf Rönsch Coli. ph. 50 verwiesen und auf Stellen wie Epi I 16, 22 cibis quibusque uesci. V. 59 legem Othonis

=

K

quae senatori certam qui

Tarentinos

distichicon fecit,

summam

(Hss.

patrimonii

Corinthios)

distraJiicon fecit

Vierzeiliges" hin.

Das

eigenartige Wort.

uicit.

statuit.

V. 64 Curius

V. 67 weisen

die

.

.

.,

.

Hss.

auf ursprüngliches oictixiköv „Ein

disticon in den jüngeren Hss. verwischt das

V. 77 uicOoöcBcu,

in publicis

actibus

demereri

den Hss.). Nicht selten bieten ältere und jüngere Hss. Teile des ursprünglichen Textes. So hier zu 78 uenentur] insidiis captare (V) cupiant (T in der Entstellung capiant). Ähnlich Epi I 12,20 Empedocles Agragentinus {V) gentilibus (V) retia. e. q. s. Epi I 1, 79 ad nasas haec nos (Hss. nas) dicimus. (nicht demorari mit

Cf.

frz.

la nasse.

Epi beachten:

I

2,

49

sind

nisi fueris

gleichfalls uitiis

beide

Handschriftengruppen

purus, diuitiae totae (V) te

(l~)

zu

omare

ALLERLEI BEMERKUNGEN ZU PSEUDACRO. non possimt

V

=

(totae

tutte,

ital.

Rönsch I und

toutes,

frz.

91

338).

Da Ps ganz wie die Italiener den absoluten AbI 3, 3. Gerundiums im Sinne eines PPrA braucht (Rönsch Coli, 111), so war an der Überlieferung im Erfurter nichts zu tadeln.

Epi lativ des phil.

N

Zwei Scholien sind überdies zu verbinden: HEBRVS IVALI COMPEDE VINCTVS, quia tardior est meatu nines trudendo (= trudens) per (während) hietnem; tarde enim filiere uidentur amnes, cum redundant

A ppendendo luity. F. AVSVS Epi r,

(=

I 6,

40 scheint

V milia

..,

.

lese

ex(pal-

F(astidire}) Hss. appendendo V,

der posset hat)

Vulgarismus

ein

ex quibus, tollere

pouvoir) zu lesen sein?

REGI(A)S. apud

si

uel

poterat

scripsit (alle

ei

se

Hss. bis

Sinngemäß erpoteret (ital. potere>

omnes.

Sollte nicht

11, 2 lies

SARD.

versteckt:

uellet,

partem

fordert die Stelle den Konjunktiv. frz.

interpretanda non

et

T.

habere ...

auf

Das seltsame Scholion zu V. 10

contemnere

:

appetendo

crustis.

carmina Pindari

ich

SAUDIS

cinitas;

CROESI

oppidum. V. 13 furni .... quasi *furui(ni)? I 14,2 domin(i)is? V. 3 ut omnes. I 15,45 Potest Epicureos dicere. Qui ait (nämlich die epikurische Schule, Epikur).

durch

Sardes;

Dieser Sprachgebrauch schützt sich gegen jede Konjektur

die Stelle Epi I 14

serit (V),

Epi

-i-

I

Hoc secundum

Stoicos.

Qui non

dis-

nisi .... 16,

45

bietet

Fein

völlig sinnvolles

=

Wort commissatio

quidquid commiserit, „seine gesamte Tätigkeit", das zwar vulgär, aber nicht auszutilgen ist.

Ebenso wichtig ist Epi I 17, 53. Dort steht neben dem an sich ganz vernünftigen hoc est, qui magno uult inputare e. q. s. der jüngeren Hss. im alten V ein ganz unsinniges punire. Und doch ist

Es ist die Vulgärform ponire (= ponere), Rönsch Coli, 226 (noch heute in der Studentensprache „einen ponieren"), wie A. p. 135 desinire (VT) und superuiuiret (A) an anderer Stelle. Ebenso mißverstanden ist das darauffolgende Scholion. folgt der Interpolation einer jüngeren Hs., alle anderen geben: meretricis impudentiam imitatur et oblique (rbf qui y co «) petitionem. es richtig.

phil.

K

.

.

.

Zu lesen ist nach dem Muster von manumissio, obliquepetitionem als ein Wort. Epi

I 18,

durch apriis

Ex

beim

abl.

46 ergo Aetolis aprariis?

entstellt). inst,

Ebenda

habe ich

in

V. 82 ex

dictoaudientia u. dgl.

(Hs. amplis;

vielleicht

praeamaritudine

den X. besprochen

;

stili.

praeamaritudo

92 ist

M.

J.

neu im Thesaurus.

I 19,

1

STOWASSER. (Z. 7)

ist

Cratinus zu tilgen.

Ebenda

connumerare. Vgl. Act. apost. I 17; denn Pseudacros Sprache erweist sich schon nach dem hier Mitgeteilten als durchaus vulgär; sie steht direkt neben den Italafragmenten in einer Linie mit den Lucanund Iuvenalscholien. Es wäre verdienstlich, alles Vulgäre zusammenhat manches weggewischt und ich selbst hätte zu zustellen. C. II 18, 15 an exeludi nicht rütteln sollen (vgl. die Beispiele bei Rönsch Coli. phil. 291).

K

Wien.

J.

M.

STOWASSER.

Verzeichnis des lexikalisch Bemerkenswerten. (ac)dißci(o)lum 81

konkret 81

Aedificatio

aegida nom. 80

Aeolida 80

amputare metaphor. vgl. ALL 1904 S. 283 87 (ävaKUKXiKux;) 77 anbub oder anbuba? 89 apraria 91 asmatopoeos 76 asseptus uicus, Ghetto? 90 calopodiae Doppelplur. 90 camp ania (di Borna) 80 capillur a oder capilPerücke 82 captiuitas Elend, Jammer 82 cassa Hure 83 f. c(i)ani lor(i)um ? alsiosus 84

= commissatio = Tätigkeit 91 coibilitas Unterwürfigkeit 83 conmedare = conmetare 82 connumerare 92 cotonest 82 Crotona nom. 80 cyclodemereriSO desinire 91 distichicon 90 e|iurupiKoi Feuerpropes appell. 79 und Kuh vertauscht 78 eorum = swae pheten 89 (evepYÜuc) 78 78 eristice 88 exeludi = extrudi 92 eperchetice 88 sagma) 83 76 fac(e)tiosus 82 /or£ funerum) 84 /aeae = exibitores Gorgona nom. 89 yvtOiuovec; 99 deutsch 89 Fundos nom. 80 gelata = gelee oculi

=

KÜotvoi 76

in*

evioi

(vgl.

(^ttujöikö<;)

(i.

viell.

qpciKCiI

e.

S'2

(h)excedeca76

instrumenta 82

inueliiri? (vgl. ponire, desinire, super uiuire) 87

voews (jew) 90

itaL Mart. als nom. 80

familiae 87

Lesbius poeta!8

f.

K(au)s(a) K(ade)r(e) 85

leui eure 81

f.

(XeEic) 78

Lamiae

limidus? 82

nobiles

mannus

=

Nachspiel gallina Maur(a) 88 mensurare 82 u. 88 uexaxpaYWoia .Mm. JDec. als nom. 80 nymphae(um) 86 obliquepetitio (wie domuitio) 91 öijm 90 Ooidius falso laudatus 81 peonia Opunta nom. 80 Optintis 80 ossa Persida nom. 80 cp\ef|ua 77 trXava 82 ponire 91 2J0Sse 87 Trcuujvia 75 poteret 91 praeamaritudo 91 prode esse 80 * irpoppiviuj 87 2)Oster(g)in um 87

Apulus

88

zur Tr. 89

=

=

(p)saltade

= vpaXxdor) od. (p)saltere? 76 reclamat(to) = ävTicppaon; 77 = ävotKÜKXujaic 77 sagmae e(c)orum an eorum? (ALL

reuolutio Salamina nom. 80

re 90

II

recute35

ff.)

83

sapid(i)ora 84 sata „die Saat" Sing. 82 seewrare 83 sincerum, sine cera 77 sirena nom. 80 o(i)xr)|uaxa? 82 stagnare verzinnen 82 stimmatus (von oxiuui) 76 statuaria Bildhauergeschäft 83 superuiuire 91

saltade 76

s(«)i*m« deutsch ? 89

=

Ooupioix; als nom. 80 Thuriüs narius Kutscher 77 »eZa Sing.

iieruculum 89

=

(xe\ujvia) 78

Oeiäoec, 6eiov 76

tostrina von torrere 89 tjoj'/e

uolare stehlen 82.

90

uelata uerba 89

theristrion 88

xpairrjKia 80

uecüo-

uerbum substantiae 75

:

Ein verkanntes Bruchstück von Ciceros Rede pro

Hieronymus' berühmtem Brief an Nepotianus findet sich c. 8 XXII 534 sq. Migne)

In

=

folgende Stelle (Ep. 52

M.

quem pulcherrimum illud elogium est: 'Dcmopraeripuit, ne esses primus orator, tu Uli, ne solas', in in

Tullius,

sthenes tibi oratione

Q. Gallio.

pro

Quinto

Gallio

quid

de

favore

vulgi

et

de inperitis c

contionatoribus loquatur,

enim, quae

sum

ipse

ne his fraudibus ludaris:

attende,

Loqaor

nuper expertus: unus quidam poeta nominatus,

Jiomo perlitteratus, cuius sunt illa colloquia poetarum ac philosophorum,

cum atque

Euripidem et Menandrum inter se et Epicurum disserentes, quorum aetates non

facit

scimus esse disiunctas, quantos

enim

condiscipidos

habet

in

is

plausus

theatro,

et

alio loco

Socratem

annis, sed saecidis

clamores movet? multos

qui simul

litteras

non

didi-

cerunt!

Hirzel zitiert diese

aus

Cicero

geführt

seinem vortrefflichen Buch

in

Stelle

vorzuliegen

S.

das

,

XXXIII

2,

rest.

unmöglich

mit

II 348, 2

hier kein Zitat

loquor

enim

ein-

Trotzdem war dies die Meinung von 576 und von Meineke, Men. et Philem.

werden konnte.

Härtung, Eurip.

'Der Dialog'

und bemerkt dazu: „Mir scheint

II

zu der auch

Orelli,

Fragmm.

Cic. ed. II

zu neigen

Meinung ist, die neueren Cicero-Ausgaben lehren, die heute allgemein herrschende. Wir finden nämlich sowohl in der Fragmenten-Sammlung von C. L. Kayser als auch in der von C. F. W. Müller unter den Überresten der Galliana als Nr. 2 scheint".

wie

Hirzels

folgendes merkwürdige „Bruchstück": M. Tiälius — in oratione pro Q. Gallio quid de favore vulgi et de inperitis contionatoribus loquatur attende. Punktum Es wird also alles Ernstes angenommen, Hieronymus habe ein Zitat aus Ciceros Rede pro Q. Gallio angekündigt, es aber bei der Ankündigung bewenden lassen. Das nächstliegende Mittel, einer so ungereimten Annahme zu entgehen !

j

I

:

94

ISIDOR HILBERG.



die Statuierung einer Lücke, welche das Zitat verschlungen ist von keiner Seite ergriffen worden, offenbar aus der habe wohlbegründeten Scheu, textkritische Vermutungen zu einem Brief des Hieronymus zu wagen, bevor eine wirklich kritische Ausgabe vorliegt. Da mir die Ehre und das Glück zu Teil geworden ist, von der Wiener Akademie zum Herausgeber von Hieronymus' Briefen bestimmt zu werden, so bin ich in der Lage, auf Grund der besten, zuverlässigsten Überlieferung, ohne einen Buchstaben durch Konjektur zu ändern, die Stelle in der ursprünglichen Fassung zu edieren und alle Zweifel, ob hier wirklich Worte Ciceros vorliegen, zu beseitigen. In meiner Ausgabe wird die Stelle so lauten (die Abweichungen vom Vulgattext sind durch den Druck



,

hervorgehoben)

Marcus 'Demosthenes

Tullius,

ad quem pulcherrimum ne

praeripuit,

tibi

primus

esses

illud

elogium

orator,

tu

in oratione pro Quinto Gallio quid de favore vidgi

solas',

et

Uli,

est:

ne

de inpe-

c

ritis

His autem ludis (loquor nuper cxpertus) unus quidam poeta dominatur, cuius sunt illa convivia poetarum ac philo-

contionatoribus loquatur, attende:

enim, quae liomo

sum

ipse

perlitteratus,

sophorum, cum facit Euripiden

et

Menandrum

inter se

et

alio locö

Socraten atque Epicurum disserentes, quorum aetates non annis. sed saeculis scimus fuisse disiunctas. Atque his quantos plausus et clamores

simul

movet!

litter as

Jetzt

Multos enim

condiscipulos

habet

in

theatro,

qui

non didicerunf.

wird,

wie

ich

denke,

niemand mehr bezweifeln,

daß

wir es tatsächlich mit einem interessanten Bruchstück aus Ciceros

Rede pro Q. Gallio zu tun haben. Wir dürfen wohl annehmen, daß das von Nonius p. 63 erhaltene Fragment der Galliana: Ego te certo scio omnes logos, qui ludis dicti sunt, animadvertisse sich auf dieselben ludi bezieht, von denen hier die Rede ist. Aber was waren das für ludi und wer war der von Cicero verspottete Verfasser jener

anachronistischen convivia? Sein

unbekannt bleiben,

solange

Daß

Mann

bringt.

scheint

mir

aber der aus

nicht ein glücklicher

der

den Worten

theatro, qui simul litteras

Name

epikureischen Schule midtos enim

wird wohl

Fund Aufschluß angehörte,

condiscipulos habet in

non didicerunt hervorzugehen, welche eine

deutliche Beziehung auf die den Epikureern eigene Geringschätzung

der wissenschaftlichen Bildung und ihre gegenseitige Beräucherung enthalten.

Czernowitz.

ISIDOR HILBERG.

Die in Ciceros Galliana erwähnten convivia

poetarnm ac philosophorum und ihr Verfasser. Kollege

Hilberg

bat

das

anerkennenswerte

Verdienst,

obige interessante Brucbstück sicher Ciceros Galliana

das

zugewiesen

und dessen Wortlaut nach der besten handschriftlichen Überlieferung festgestellt und verbessert zu haben. Dies reizt, über sein überaus vorsichtiges, mir zudem fragliches Urteil bezüglich der im Fragmente erwähnten convivia poetarum ac philosophorum und ihres Dichters hinauszugelangen.



Für mich läßt zunächst der Wortlaut: His autem ludis unus quidam poeta dominatur keinen Zweifel, daß die Spiele theatralischer Art waren; dies besagen noch deutlicher die weiteren Worte: Atque his (conviviis usw.) quantos plausus et clamores movet! Multos enim condiscipulos habet in theatro, qui simul litter as non didicerunt. Das offenbar richtig schon von Hilberg damit in Beziehung gebrachte Nonius-Fragment aus unserer Rede :

Ego

te certo scio

omnes

logos, qui ludis

dicti sunt,

animadvertisse

weist ferner auf ein komisches, an Wortwitzen sehr reiches Stück.

Da

aber zur Zeit der Gerichtsverhandlung (im Jahre 64) wie über-

haupt

seit

Sulla der

war, so wird

Mimus

das populärste römische Bühnenspiel

man ungezwungen an

einen solchen zu denken haben.

Von den beiden Hauptvertretern dieses Genre, Decimus Laberius und Publilius Syrus, die damals die mimischen Possen in Rom und den italischen Landstädten zur Blüte brachten, kann nach dem ganzen Tenor der

Stelle

der geachtete

Standesgenosse, nicht gemeint sein Dabei will ich

Ritter

Laberius,

Ciceros

1

).

auf das wohl absichtlich gesetzte unus quidam poeta Herr und Meister, spielt die erste Geige"), worin das dominum (gregis) esse noch mit herauszuklingen scheint, keinen besonderen Nachdruck legen. Denn in diesem Falle ist Publilius Syrus offenkundig bezeichnet; nur er selbst war nämlich archimimus und dominus der ersten Mimentruppe, Laberius bis zum Jahre 46 allein Mimograph. *)

dominatur

(„ist

.

96

Auch wenn Hieronymus hätte (M. Tullius et

HAULER.

E.

— in

de inperitis contionatoribus

1

zum voraus angedeutet

schon

es nicht

oratione pro Q.

Gallio quid de favore vulgi

loquatur,

ginge es doch

attende),

aus dem direkten Tadel Ciceros über den zeitlichen Schnitzer, den der homo perlitteratus verbrochen haben soll und den die vielen condiscipuli in theatro, qui simul litteras non didicerunt, stürmisch

daß die Bezeichnung homo perund der unus quidam po'eta den niede-

beklatscht haben, deutlich hervor, litteratus sarkastisch

gemeint

ren Schichten angehören

ist

muß. Dies paßt meines Erachtens

Publilius Syrus, den mimicae scaenae

trefflich

H. etwa 93 geboren und 83 nach Rom gekommen 2 ), als Sklave eines libertinus, bevor er selbst freigelassen und sorgfältiger erzogen worden war (Macrob. Sat. II 7, 7), wohl mit vielen zusammen den Elementarunterricht erhalten hatte. auf

XXXV

conditor (Plin. N.

199), der

Daß

der

Mimus

bei

dem namentlich

die

Höhen

des Theaters

Publikum den günstigsten ganz fand, ist leicht begreiflich und überdies direkt Resonanzboden bezeugt. Trotz aller Anstrengungen des Syrus konnten die Gebildeten, wie Cicero, lange diesen mit Zeit, Ort und Personen keck füllenden, nicht oder minder gebildeten

umspringenden,

überaus

witzigen,

aber

ebenso

derb-realistischen

und kunstlosen Stücken kein rechtes Interesse abgewinnen. Im Jahre 64 war Cicero gegen diese Dichtungen sicher nicht minder voreingenommen als im Jahre 55, in welchem er (Epist. VII 1, 1) damals gegebenen Mimen communes nennt 3 ), noch auch die weniger harthörig, als er es noch im Jahre 46 ist, wenn er (Epist. XII 18, 2) über den berühmten Wettkampf des Syrus und ')

In

der

Bedeutung „Theaterpublikum", wie das Zeitwort

Cicero pro Sest. 118

erscheint:

Nam cum

schon bei

so

ageretur togata Simulans..,

caterva

impuri hominis imminens contionata est. *) Hillscher, Fleck. Suppl.-Bd. XVIII 366, 401. 3 Daß communis hier einen abträglichen Sinn hat, geht aus dem Zusammenhang hervor (vgl. auch das fge nobis erant ea perpetienda ludi tota

clarissima concentione in ore

)

.

non

tui stomachi).

Antibarb.

6

s.

Sen. Contr. I 10,

dem

v. 2,

In

.

;

der Umgangssprache hatte es

diese

.

. .

.

von Krebs-Schmalz,

mit Unrecht als neulateinisch bezeichnete Bedeutung; dies zeigt 5

communis

locus „Bordell"; Vulg. Marc.

14; Treb. Poll. Gallien. 17, 5;

tatsächlichen Erfolg des

Mimus

CGI. IV 499, 21

7,

2

und

c inmundum

5,

u.

Act. Apost. a.



Nur

Rechnung, wenn er ihn in seinem IL Buche De orat. § 216 ff. bei der Behandlung des Lächerlichen öfters als sehr komisch wirksam erwähnt (bes. § 251, 259, 274). Doch ist diese Partie wohl mit Bedacht dem witzigen G. Iulius Caesar Strabo, einem Vorfahren des bekannten Mimenfreundes C. Iulius Caesar, in den Mund gelegt; dabei wird stets der große Unterschied zwischen Redner und Mimen hervorgehoben (§ 247, 251 u. a.) und jenem die größte Vorsicht eingeschärft (§ 242, 244 ff.). trägt Cic.

DIE IN CICEROS GALLIANA

ERWÄHNTEN CONVIVIA Equidem

97

usw.

iam dbdurui, ut ludis Caesaris nostri aninio aequissimo viderem T. Plancum, audirem Laberii et Publili poemata. Nihil mihi tarn deesse scito, quam quicum 1 haec familiariter docteque rideam ). Erst unmittelbar nach Cäsars an

Laberius

Tod,

Cornificius

schreibt

:

sie

Syrus sich der freiheitlichen Idee anschmiegte, äußert sich

als

der Redner versöhnlicher (ad Att.

XIV

2,

1)

:

Ex

priore (epistula)

theatrum Publiliumque cognovi, bona signa consentientis multitudinis.

von Cicero, wie

Auffällig könnte nur die

des

Mimus angeführte Bezeichnung

es scheint, als Titel

convivia poetarum

ac pliilo-

sophorum scheinen. Nun ist aber die Mimenliteratur hauptsächlich aus lustigen Darstellungen bei Götterfesten und Gelagen 2 ) entsprungen. Es würde sich also ein Mimus mit diesem Inhalte nicht weit vom Ursprung der literarischen Gattung selbst entfernen.

Zudem

weisen

auf

ähnliche

Stoffe

3

)

Titel

Laberius,

bei

wie

Anspielungen auf die lustige Person im Mimus,

den sannio, vielleicht ) auch den Iuppiter riciniatus finden sich im Antwortschreiben Ciceros (Fam. IX J

16,8) aus

dem

gleichen Jahre auf einen witzigen Brief des Paetus; vgl. hierüber

und über andere ähnliche Äußerungen Ciceros H.Reich, Der Mimus, S. 62 ff., der aber die obigen Stellen zu wenig in Betracht zieht, wenn er meint, daß Cicero „als witziger und geistreicher Mann eine gewisse Vorliebe für den Mimus gehabt habe"; auf S. 166 nennt er Cicero ohneweiters „den guten Freund des Mimus". 2 Auch später finden wir der Unterhaltung halber Mimen beiderlei Ge) schlechts an der Tafel Vornehmer, so nennt Cic. or. Phil. II 101 die von Antonius mit großen Teilen des reichen Campanerlandes beschenkten mimi et mimae dessen compransores 3 )

et

conlusores.

Im Jahre 54

CüvöetTTvoi,

übersetzte

Q. Cicero

was seinem Bruder (ad Quintum

fr.

Sophokles'

burleskes

Satyrdrama

weniger

als billigens-

II 15, 3) nichts

erscheint. Die Baxxic (oder BotKxiooc Täf-ioc) und die OctKf) des Phlyakographen Sopatros scheinen nach den bei Athenaeus (IV 158 D, 176 A, VI 230 E, XIV 656 F, XV 702 B) erhaltenen Bruchstücken im wesentlichen Festschmäuse

wert

t

1

Über Epicharms "Hßac y^MOC, Kuu.uacxal r\ "Aqpaicroc, Tä Kai meine Abhandlung „Zur Geschichte des griechischen Mimus" in den Xenia Austriaca (1893), I 87, 89 f. Daß auch Sophron bei einer Mahlzeit plaudernde Frauen auf die Bühne brachte, habe ich daselbst S. 112 ff. dargelegt. R. Hirzel, Der Dialog I (1895) kennt meine Ausführungen nicht, wenn er z.B. S. 156 sagt: „Sophron scheint auch zuerst eine Mahlzeit und die dabei jgeführten Reden in einem eigenen Werke behandelt zu haben". Ich setzte als Titel nach Ahrens Tal 6ÜJ|uevai Y^vaiKec an, Kaibel in den Comicorum Grae\corum fragm. I 1 (1899), p. 156 nach v. Wilamowitz Tai cuvapiCTibcat. Daß auch K. gewesen zu

0a\acca

f

sein.

v^l.

I

'



meine Arbeit nicht herangezogen hat, zeigt u. a. noch seine Einreihung des Mimus rAyTe^oc mit Botzon unter die (lUUOI dvopeioi; zu wesentlich demselben Ergebnisse, Lvie ich (S. 121 ff.) gelangt war, kam v. Wilamowitz, Hermes XXXIV (1899), 206 ff.; Christ,

Gesch. der griech.

Lit. 4 (1905), führt

nichtsdestoweniger

Beispiel für einen iuTuoc dvbpeioc gerade wieder diesen auf. jjEinreihung,

Da

S.

291 als erstes

ich hinsichtlich

Fassung und Deutung der Bruchstücke Sophrons vielfach von Kaibel

ibweiche, behalte ich mir Weiteres hierüber vor. Wiener Studien. XXVII.

1S05.

7

;

98

HAULER.

E.

Compüalia,

Satumalia, nennt

Parilicii

Nuptiae,

(ludi),

ja

Choricius

Apologie des Mimus XIII 8 unter dessen typischen geradezu den des Gastgebers und der Gäste (ecndfopa

in seiner

Stoffen

Auch

Kai öaixuuövac).

ergibt sich aus Laberius'

Fragmenten manche

komische oder derbe Bezugnahme auf Philosophisches so wird im V. 72 ff. (Ribb.) die Selbstbleudung Demokrits witzig verwertet, im V. 36 die kynische Sekte sehr derb abgefertigt und im Frg. 154 die pythagoreische Lehre von der Seelenwanderung humoristisch ausgelegt {hominem fieri ex mido, coluhram ex mutiere, 1 Dabei wollen vgl. Cancer 17: nee Pythagoream dogmam doctus ). wir den von Cicero ad Att. I 16, 13 und Sen. Apocol. 9 erwähnten natürlich

sprichwörtlichen 2

fahren hat

aus

dem

),

weil er verschiedene Erklärungen erist

3

lieber

),

Auch der Vermutung Ribbecks, der Mimus Laberius gehe auf breit uud salbungsvoll

Spiele lassen.

Loquentes

Laie

Faba mimus,

ja mit Unrecht sogar weggedeutet worden des

Philosophen

sprechende

auf

verweist

(er

und

TrXaTuXÖTOC

die

Akademiker), möchte ich nicht allzuviel Gewicht weil nach der besten Überlieferung (mit Onions und

Tr\aTupr|uocüvr| der

beilegen,

Lindsay, Noniusausg.) der Singular Laie loquens zu lesen sein wird. Aber beweiskräftig ist aus dem nächst verwandten, durch den Mimus Bühnenspiel,

abgelösten ponius,

Hauptrolle Publilius

der Atellane,

Dossennus

der

in

spielte

Syrus

4 ).

die

als

Noch bei

leichter

Philosoph

wird

erklärlich

Griechen

den

Philosophia

die

buckliger

beliebte

Pom-

des die

es

lustige

uns,

daß

philosophische

Symposienliteratur, in welcher Sokrates die Hauptrolle spielte und

zu der Epikur beigesteuert hatte, für seine Zwecke ausnützte, wenn wir erwägen, daß damals philosophische Themata in Rom aktuell

waren;

es

ist

ja

die

Zeit,

Rdbirius und Catius

faßte,

und Terentius Varro wohl

in

ihre die

der Lukrez sein Lehrgedicht

Dialoge

epikureischen

meisten

ab-

schrieben

saturae Menippeae

seiner

Dieser betitelte das IL Buch nepmXouc, direkt TTepi cptXococpiac, in einer anderen (TTepi aipeceuuv) gab er in Form einer Wegkarte eine Übersicht über den Zusammenhang und die Abzweigungen der einzelnen (Cic.

Acad.

post. I 8) veröffentlichte.

einer seiner Satiren, des

1

)

S.

auch Lactanz Div.

ijuae sententia

mimo dignior quam 2

Inst.

VII

12, 31

(Corp. Script. Eccl. Lat. XIX):

(Pythagorae migrare animas) deliri hominis, quoniam ridicula schola fuit, ne refelli

quidem

)

Vgl. Th. Birt in Dieterichs „Pulcinella", S. 277

)

A. Otto,

3

f.

„Die Sprichwörter und sprichw. Redensarten der Kömer"

mimus; O. E. Schmidt, Philo]. LVI 554. *) F. Marx in Pauly-Wissowas Real-Enc.

s.

v.

et

serio debuit.

AteUanae fabulae,

s.

v.

Sp. 1919.

ERWÄHNTEN CONVIVIA

DIE IN CICEROS GALLIANA

99

usw.

4

a primo compito dextimam viam muniit Epicurus) und in der AoYOjuaxia ließ er offenbar bei einem Philosophengastmahl Stoiker und Epikureer einen Redekampf darüber liefern, ob die Lust oder die diapaHi'a xfjc ipuxnc das höchste Gut sei. Ähnlich hatte Timon, die Ilias parodierend, im I. Buche (Frg. 402

Philosophenschulen

seiner

eine

Sillen

Sokrates vorkam

Gerade

Buch.

:

Philosophenschlacht

geschildert,

in

der

auch

1

).

an

der

Sokrates,

unserer

neben

Stelle

Epikur

Unterredner beim Gelage genannte Philosoph, ist mit seinem silenartigen Äußeren, der großen Glatze, den hervorquellenden als

Augen,

der

aufgestülpten

Nase

großen

mit

dem

Nasenlöchern,

Munde mit wulstigen Lippen, dem kurzen, dicken Halse, den breiten Schultern und einem Hängebauch, dazu mit seinen übrigen Absonderlichkeiten schon seit Eupolis 2 ) und Aristophanes als eine überaus dankbare Bühnenfigur wohlbekannt. Ihn hieß breiten

auch schon der eben genannte Timon (Sill. 62 Diels, Sext. Empir. Adv. math. VII 9) einen Ethologen, d. i. einen philosophischen Mimen (vgl. Cic. De orat. II 242 mimorwn. .ethologorum), und der Epikureer Zeno Als

(Cic.

De

deor. nat. I 93) einen scurra Atticus

und

Meister

erster

„Fanatiker"

des

Gespräches,

3

).

als

anregender Gast voll Humor und Ironie, Eigenschaften, die er, der Mimenfreund, mit dem Mimus selbst gemein hat 4 ), und als unver-

außerdem Sokrates nicht nur für Xenophons und Piatons Symposien und die übrigen Scherz und Ernst mengenden

wüstlicher Zecher paßte

)

Vgl. H. Diels, Poet- jihilos. fragm. p. 190,

)

Dieser läßt nach Frg. 361 (Kock)

J

2

posion ganz gegen ein

Lied

öeiEiv

seine Art (Xen. Conv.

Stesichoros

des

zur Leier

3, 1

der

legentlich

verhöhnten

nicht,

wie

und

ff.

singen:

Crrjcixöpou irpöc tv)v Äüpav, oivoxönv

|

beabsichtigte Karikatur,

fr.

25.

den Philosophen bei einem

Ae£ü|uevoc be Cu)Kpdxr|C rr)v £i
R. Hirzel,

Dies

Der Dialog

I

ist

bekanntlich auch Phrynichos

(in

D)

eTii-

ohne Zweifel

154 meint, ein ge-

alten Volkssitte von Sokrates gemachtes Zugeständnis.

den Weisen

Sym-

bes. Plato Prot. p. 347 C,

Übrigens

den KujjuaCTai)

und

Ameipsias (im Konnos). 3 )

Aus der neueren

Zeit

ist

Wielands Sprüchlein anführenswert:

Sokrates in der Schellenkapp'

drum kein Läpp. Aber nehmt 'nem Esel sein Löwenvisier: Da steht er und ist ein Müllertier. Bleibt Sokrates, wird

V^l. dazu Reich 4 )

a.

0. 357

a.

O. S. 354.

Vgl. Ivo Bruns, ff.

Das

Griechen, Kap. II, III und Reich an mimischen Darbietungen geht be-

literar. Porträt der

Sokrates' aufrichtige Freude

sonders aus Xenophons Gastmahl hervor.

100

HAULER.

E.

auch

sondern

CuuKpaTiKd,

cuuiröcict

ein mimisches con-

trefflich in

viviam philosophorum. Gegenüber ihm nun,

dem

„Enthusiasten der

Nüchternheit", der trotzdem alle anderen Mitzecher unter den Tisch

zu

wird

vermochte,

trinken

der

traditionell

charakterisierte Epikur als schwacher Trinker

worden

sein.

gespräch

1

)

Dabei werden auf

mit

die

Spitze

die

natürlich auch über das dankbare

wie dies

ball gespielt haben,

als

getriebenen,

alio loco

gemacht

lebhaftesten Wechsel-

beiden im

Thema

Genußmensch

lächerlich

pointierten

Sätzen

der Liebe ebenso Fang-

der sicher als Weiberfreund,

eleganter Stutzer und epikureischer Weichling charakterisierte Menander 2 ) mit dem typischen Weiberfeinde und mürrisch-ernsten CKnviKÖc

Euripides

qpiXöcoqpoc

wenigen an Euripides

tat.

Man

in den nicht und Menander (11,

könnte

B. 36, 458, 481, 483)

(z.

595 usw.) anklingenden SpruchTeil mehr minder freie Entlehnungen oder Remiuiszenzen aus unserem Stücke sehen. Trotzdem erscheint es mir sehr fraglich, ob Cicero mit illa convivia poetarum ac philosophorum den eigentlichen Titel habe angeben wollen. Da er ein Ereignis aus der jüngsten Vergangenheit erwähnt (quae sum ipse nuper expertus), war ein genaues Zitieren nicht nötig, übrigens wohl auch gar nicht in seiner Absicht Wie er nämlich den Dichter namentlicher Anführung gelegen. nicht würdigt, so will er dies offenbar auch seiner Leistung Er begnügt sich, damit, diese durch nicht zuteil werden lassen. 83, 143, 397, 444, 497, 498, 537,

versen des Syrns

zum

wenigstens

Angabe des Hauptinhaltes zu charakterisieren. Nun ist mehr als wahrscheinlich, daß Syrus' Mimen, auch

aber

von ihm teilweise improvisierten, eigentliche

Vorkommen

das

Literatur,

der

beiden

')

mit

dann

zweier

wenigstens

solcher

Titel

es die

gehabt hatten;

Namen

in

unserer

Aufführung der Publilischen Stücke zu Zeiten verehrenden Seneca (vgl. Epist. Mor. 108, 8 f.),

die

ihn

Das Gefallen der Römer an

mimischer Bewegung

spöttischer, witziger "Wechselrede in Versen

schon

zeigen

die

Fescenninen (inconditis

inter se

fundentes versibus.., nee absoni a voce tnotus erant); vgl. weiter Ennius' und Novius' komische Dispute zwischen Leben und Tod und die rednerische iocularia

altercatio (Cic. Brut. 156, ')

Ob

bei Pliaedr.

16-1,

V

1,

173).

12

f.,

der den Dichter so schildert: unguento deli-

und ihn darob von (quisnam cinaedus ille in conspectum tneum audet venire?), nicht etwa eine Erinnerung an unseren Mimus Denn ganz so pflegten Mimen in der Rolle von Verliebten oder vorliegt? Weichlichen aufzutreten (vgl. z. B. Arnobius IV 35 f.). Phaedrus zeigt gerade im butuft,

vestitu

fluens

veniebat

gressn

Demetrius aus Phaleron cinaedus

V.

Buche ganz

auffällige

ille

delicato et languido

schelten

läßt

Beziehungen zum Mimus.

DIE IN CICEROS GALLIANA endlich praktische Rücksichten

ERWÄHNTEN CONVIVIA (so

usw.

lOl

die übliche titidi pronimtiatio

1

im Theater) lassen schließen, daß der Dichter jedenfalls für alle ephemer gedachten, auch an gebildete Ohren gerichteten zu denen er zweifelsohne das unsere rechnete, vorher einen Stücke, angemessenen Namen auszuwählen nicht versäumt haben wird. Dazu kommt, daß von eben den zwei uns überlieferten Titelu Piiblüius Putader eine nach Non. p. 133, 9 (M., 193 Lindsay) toribus, „Beschneider von Bäumen", lautet, was schon Wölfflin (Phil. XXII 444) mit Recht als keinen einleuchtenden Mimentitel bezeichnet hat. Springt nun nicht nach dem Obigen sofort als leichte Verbesserung Potatoribus in die Augen? Dann läßt sich auch für das aus eben diesem Mimus angeführte Fragment Progredere et, ne quis latibuletur, prospice ohne allzuviel Phantasie eine komische Situation gewinnen. Die wackeren Philosophen (die Genannten mit ihren Begleitern 2 ) bezechen sich ohne Zweifel bis auf Sokrates; Epikur aber, der natürlich von der atomistischen Heilswahrheit 3 ), der Untrüglichkeit der Sinne, von der diapaSia des Weisen und nicht als

:

der Nichtigkeit der Todesfurcht gepredigt hatte (vielleicht läßt sich V. 430 unserer Spruchsammlung: Nimium boni est in morte, cid nil

sit

mali ihm direkt

in

obigen Worten seinen Parasiten

den

Mund

legen),

mit den vorangehen

heißt

(oder einen Jünger)

und ordentlich auslugen. Seine eigenen Augen dürften zwar bereits vom Weine getrübt und sein Gang schon derart schwankend sein, daß er für sein teures, benebeltes Haupt nicht ohne Grund Befürchtungen hegen mag. Aber die Angst vor dem latibidum so

doch erst recht verständlich, wenn etwas Derartiges soeben besprochen oder besser auf der Bühne geschehen, kurz das Gelage ganz unerwartet gesprengt worden war. Dies konnte durch die wird



Worte (Orig. XVIII 49): Mimi habebant suum actorcm, qui, agerent, fabulam jironuntiaret beziehen sich auf die Tätigkeit des Prologsprechers im Mimus, der, wie dies nicht selten bei der Palliata der Fall war, unmittelbar vor Beginn der Aufführung (statt einer neuerlichen tituli pronuntiatio durch den praeco) selbst den Namen des Stückes und des Dichters dem Publikum kund tun konnte vgl. meine Bemerkungen in d. Phormio-Ausg. S. 32. 2 Vgl. Fest. (p. 326 M., 482 Th.): quod secundarum partium fuerit, ) qui fere Omnibus mimis parasitus inducatur. Hier wohl PhilosopheDjünger. 3 Vielleicht wurde u. a. eines der im Symposion Epikurs (Usener, Epicurea S. 115 ff., Hirzel a. O. I 363) behandelten Themen von der Verdauung, über die wärmende Kraft des Weines, den Beischlaf und den Verdauungsspaziergang auf dieses Grunddogma zurückgeführt. Wie mannigfaltig und unterhaltend übrigens die antiken Tischgespräche sein konnten, geht u. a. aus den neun inhaltsreichen Büchern Plutarchs Xi^urrociaKd hervor. J

)

Isidors

antequam

mimum

;



)

102

E.

HAULER.

im Mimus wohl unerläßliche mima in echt geschehen, daß sie in der Zerrgestalt der heftigen, zänkischen Xanthippe, deren Name ohnehin in der Mimenliteratur ) vertreten ist, das Zechen und die epuuTiKoi Xöyoi in wachsender Aufregung belauscht und, sobald Sokrates seine Gegner durch seine Dialektik und Trinkfertigkeit niedergerungen hat, den Sieger wörtlich und tätlich in der mimisch derben Weise demütigt und samt den anderen nach Hause jagt. Hinsichtlich der Komposition der convivia (bezw. Fotatores) und über die hidi möchte ich mit aller gebotenen Vorsicht noch eine weitere Vermutung aussprechen. War das Ganze ein Stück, so muß es nach Ciceros Worten mindestens aus zwei Szenen sympotischen Inhalts, die dann miteinander irgend verknüpft waren, bestanden haben. Denn wäre so, wie etwa im Platonischen Symposion, die Gesellschaft im wesentlichen schon von Anfang an vereinigt gewesen, so würde die Setzung des Plurals convivia unerklärlich sein. Die unmittelbare Aufeinanderfolge zweier ähnlicher Szenen bleibt aber recht auffällig, auch wenn man sich Syrus in beiden als virtuose Hauptperson vorstellt und den oben angedeuteten komischen Abschluß für die ziemlich äußerlich verbundenen Hälften als gemeinsam gelten lassen will. Das Ganze ließe sich dann als ein cnibolium (Intermezzo) zwischen anderen größeren ernsteren Stücken oder (nach der allerdings erst aus dem Jahre 46 stammenden Bemerkung Ciceros Farn. IX 16, 7) als cxodium (Nachspiel) denken. Aber dieser Annahme scheint mir die Wendung His autem ludls unus qiiidam poeta dominatur zu widersprechen, die doch nur auf ein tonangebendes Auftreten des Syrus in wenigstens einem selbständigen größeren Stück gehen kann. Nun wissen wir, daß die Mimen als eigene Darbietungen schon seit 238, ständig seit 173 v. Chr. an uns

noch

fehlende,

burlesker Weise

so

1



!) In den von A. Brinkmann und H. Reich (a. O. S. 152 f.) herangezogenen Acta XanthipjKte et Pölyxenae (vgl. Texts and studies contributions to biblical

and patristic litterature II 3, S. 73) begegnet der h. Xanthippe, die sich eben zu einem sehr fröhlichen Gastmahl begeben will, ein Dämon in der Gestalt ihres im Hause gehaltenen Mimen da sie glaubt, er wolle sich mit ihr einen Scherz ;

erlauben, expiiyev

schleudert sie ihm

Aufschrei die Flucht. (nicht,

einen eisernen Yasenständer ins Gesicht Kai cuv-

aÜTOÖ öAnv T^v öuuv. Darauf

Von

ergreift der

Dämon

unter einem lärmenden

der eigentlichen Xanthippe erzählt Athen.

V

"219

B

wie er angibt, nach Plato, sondern wohl nach einer komischen Darstellung

oder Anekdote) Ähnliches: Zav9iTnrn x a ^™i H v "fuvr], r\tic Kai viirrnpac aü(CuüKp.) Kaxex ei T H C KeqpaXfjc. Schon bei Xen. Conv. 2, 10 widerspricht

xoö

Sokrates nicht,

als Antisthenes

Kai tujv "feY evr u £ VUJV Ka ' )l

T(^ v

sie so: d\\ä XP*Ü T uvaiK i Tt^ v oücwv, ecouevuuv x a ^6^wr c'Tr) charakterisiert.

oluat 6£

DIE IN CICEROS GALLIANA

ERWÄHNTEN CONVIVIA

usw.

103

den Floralien erschienen und bereits zu Accius' und Lucilius' Zeit die entwickeltere Form (Verbindung von Dialog, Gesang und Spiel mehrerer Personen) zeigten und seit Sulla sich immer mehr vervollkommneten 1 ). Für dieses mit ausgelassenster Lustbarkeit und in tollster Weinlaune gefeierte Fest, das in der damaligen Zeit vom 28. April bis 3. Mai stattfand, wäre das Zecherstück Potatores gewiß sehr passend und die Vorführung zweier Gelagsszenen wohl zu

Anfang und zu Ende einer etwas größeren Posse leicht erklärlich. Vielleicht begünstigt die Fassung der Worte bei Cicero illa convivia poetarum ac philosophorum sowie alio loco diese Erklärung mehr als die andere, allerdings auch mögliche, Syrus habe an mit

diesem sechstägigen Feste

inhaltsverwandten Stücken

zwei

2 )

einen durchschlagenden Erfolg erzielt.

das Ausgeführte, das entsprechend der Natur der Stelle mit mehreren Unbekannten rechnet, im wesentlichen richtig, so kommt zu den etwa 650 Sprüchen des Syrus, die voll kerniger Lebensweisheit Ist

dem größeren, uns von Petron Sat. 55 erhaltenen Bruchdas ich nicht allein 3 ) wegen der von Bücheier und Wölfflin

sind, ferner zu

stück, :

)

Über

die oft große Mitgliederzahl besserer

aktige Stücke aufführen konnten, vgl. Reich 2 )

Der

differenziert

Titel Potatores

gewesen

könnte durch

Nonius' Zitat

sein.

genau; oder darf man annehmen, daß Stelle Publili liputatoribus

O.

Überlieferung dieser

in der handschriftlichen

abgesehen von der Auslassung der Sigle für us

das anscheinend dittographierte rior ibus) entstanden ist?

a.

Mimentrappen, die auch mehr-

S. 88 ff., 563 ff, 608. den Zusatz poetae und phÜOSOphi O. wäre dann freilich etwas minder a.

li

aus

dem Zahlzeichen



II



(alteris

(9)

oder poste-

Die Stellung des Attributes wäre immerhin minder ge-

wöhnlich. Wir müssen uns hier mit einem non Hauet bescheiden.

jämmerlichen Epigramms und das über den großen Dichter Mopsus aus Tbracien läßt Trimalchio nach der drolligen Unterscheidung Ciceros und rublilius' ego alterum puto disertiorem fuisse, alterum honestiorem mit den Worten quid enim his melius dici potest? doch kaum eine bloße Nachahmung des Syrus folgen, sondern Petron, der elegantiae arbiter des Mimenfreundes 3

)

Auf

die Verlesung

seines

eigenen

längere, schöngeistige Gespräch ähnlicher Güte

:

Nero, wird diese markante Stelle Trimalchio deshalb wörtlich in den Mund gelegt haben, um den Scherz zu steigern: der Schlemmer merkt nicht im mindesten,

daß

Frau

er

damit an seinem eigenen Tafelluxus und der Verschwendung für seine

diese Verse selbst im Geiste des unhofmännischer Weise den Argwohn Neros wachrufen müssen, die Spitze des Tadels richte sich direkt gegen das Genußleben am Hofe. Für Publilius «als Autor scheint außer den kühnen Wortbildungen (pietaticultrix. gracilipes, crotalistria) und Verbindungen (ventus die bitterste Kritik übt.

Publilius

gedichtet,

so hätte

ttxtüis, nebula linea)

probitas e carbuncidis

weise

Hätte Petron

er

in

ganz

auch der dem Spruchhaften so nahe Vers nisi ut

(= nunquam

scintillat pr. e c.)

zu passen;

auch handschriftlich begründeten) Fassung bei Bücheier Ribbeck 3 heißt es geradezu probitas est carbanculus.

x ,

in

scintillet

der

Wölfflin

(teil-

und

104

E.

HAULEE.

und 262 f.) und Schanz (Rom. Lit.-Gesch. I 2 161) für echt halte, weiter zu den Fragmenten bei Priscian. I 532, 25 (H.) und Isidor. Orig. XIX 23 und den meines Erachtens von Ribbeck nicht mit Recht übergangenen Stellen aus Sen. Contr. VII 3, 8 Publilianam sententiam dedit: Abdicationes, inquit, suas veneno diluit et Herum (a.

O.

S.

446

sachlichen

geltend

f.)

gemachten

stilistischen,

Gründe gegen Friedländer

metrischen

Cena Trim.

(Petronii

S.

:

Mortem,

inquit,

Publi(Ji)us

2

meam

Mucium

)f

Aut Mucio,

effudit

und aus Macrob.

1

)

cum

inprtmis malivolum

Sat. II 2, 8

vidisset

solito

tri-

nescio quid incommodi accessit aut nescio cui aliquid boni noch dieser Bericht aus Cicero in sehr erwünschter Weise hinzu, der, wie mir höchst wahrscheinlich ist, den Inhalt eines größeren Stückes des gewandten Syrers, vielleicht sogar den zweier seiner Possen uns teilweise enthüllt und zugleich lehrt, daß dieser, was von vorneherein glaubwürdig ist, schon vor Cäsars Spielen im Jahre 46 3 ) eine bedeutende Rolle in Rom gespielt hatte. Denn die gewöhnliche, z. B. von Ribbeck (Gesch. d. röm. Dichtung I 2 219 f.) vertretene Annahme, der Künstler sei erst damals von den Bühnen der italischen Landstädte auf die der Hauptstadt gekommen, fußt auf einer meiner Ansicht nach unrichtigen Erklärung von Macrobius' Worten 4 ). Cäsar dürfte Syrus' große Zugkraft auf die Massen bereits bei seinen glänzenden Spielen stiorem,

inquit,



Nur nebenher will Über Giftmischermimen vgl. Reich a. O. 587 ff. daß nach Quintil. VIII 3, 66 iu der Rede pro Q- Gallio die Schilderung- eines recht üppigen Gelages enthalten war (videbar videre. .quosdam ex vino vacillantis, quosdam hestema ex potatioiie oscitantis usw.) und der als erster Jungattiker bekannte M. Calidius dem Angeklagten vorwarf sibi eum venenum paravisse (Cic. Brut. 277). Sollte etwa Syrus auf diesen Prozeß in einem Mimus Bezug genommen haben ? 2 So auch z. B. das. II 7, 5 ff. im cod. Bamb. ) 1

)

ich

bemerken,

.

3 )

Daß

im folgenden

in

diesem Jahre, nicht, wie

M. Tullius Cicero usw. )

Diese

(Inhaltsangabe)

Stelle,

scripta

S.

252

f.,

422).

die Wölfflin

zurückgeführt

(Publilius Syrus)

ductus

unsere Literaturgeschichten angeben,

alle

Wettkampf zwischen Syrus und Laberius stattgefunden hat, XII 18, 2 hervor (vgl. O. E. Schmidt, Der Briefwechsel des

(45) der

geht aus Cic. Epist. 4



ingentique

mit

Noctes AU. VIII 15 cum mimos componeret oppidis agere coepisset, pro-

Recht auf Gellius

lautet

hat,

(II

7,

adsensu in Italiae

7)

:

Bamb. m. J ) Romae per Caesaris ludos omnes, qui tunc operas suas in scaenam locaverant, provocavit. Hier bildet productus

(2>raeductos et

(denn -os nach der Variante des

B

J

ergäbe

mit

agere

eine

Tautologie)

einen

wirksamen Gegensatz zu agere coepisset und bedeutet „emporgekommen, groß und berühmt geworden". Nach der üblichen Auffassung müßte es denn doch Romam heißen.

DIE IN CICEROS GALLIANA als

ERWÄHNTEN CONVIVIA

105

usw.

Adil (65) und weiterhin zur Erlangung des Oberpontifikates (63)

verwertet und erprobt haben.

Ich würde mich freuen,

wenn

ich zunächst Kollegen Hilberg

daß uns hier eine wichtige Nachricht über den Mimendichter Syrus vorliegt, überzeugt hätte. In diesem Falle schwindet für uns der scheinbare Anachronismus dieser convivia und wir werden Cicero gerne glauben, daß der schon damals die übrigen dramatischen Gattungen siegreich bekämpfende und aus dem Felde schlagende Mimus Menander 1 ) und Euripides, die Hauptin

der

Hauptsache,

vorbilder für Roms Komödie und Tragödie, sowie die philosophischen Koryphäen Sokrates und Epikur dem hauptstädtischen Publikum als lächerliche

Figuren vorzuführen wagte.

Wien.

x

)

E.

H AULER.

Als Hauptvertreter der neueren Komödie wird er wie bei Plutarch

Aristophanes, so mit

dem im

I.

Jahrhundert

n.

Chr. lebenden Klassiker des

Philistion in den allerdings viel später entstandenen CuyKpicic, 6id\eKTOC usw. zusammengestellt progr. 1887).

(vgl.

Mevävöpou

mit

Mimus

Kai (tuXicxiuuvoc

Studemund, Breslauer Sommer-

:

Der Gebrauch der Apostrophe

bei

den lateini-

schen Epikern. Die epische Ruhe verläßt Homer

Wenn

er von noch doch von dem Berichteten nicht hinreißen. Trotzdem kann er das Unbedeutende und die Eigenschaften einzelner Gegenstände beobachten 1 ) und darstellen. So fließt der Strom seiner Erzählung ruhig dahin. Nur manchmal erweckt das Schicksal eines Helden seine Teilnahme so, daß er sich von dem Erzählen abwendet und den Gefährdeten anredet. Und nur wenig Helden wird diese Auszeichnung zuteil. Pandaros schnellt seinen Pfeil von der Sehne gegen Menelaos. Da ruft diesem der Dichter zu:

so erregten Leidenschaften erzählt,

otibe ce'Oev,

dedva-roi

selten.

so läßt er sich

MeveXae, 9eoi uaKCtpec XeXdGovio

(II.

IV 127

2 f.

).

Denselben Fürsten spricht Homer an einer anderen Stelle (II. VII 104) an. Hektor fordert die Achäer zum Zweikampfe heraus. Niemand will es mit ihm aufnehmen. Menelaos bezeichnet dies als Schmach und rüstet sich zum Streite. Der nimmt aber voraussichtlich einen schlimmen Ausgang. verkündet er evQcc Ke Tot,

MeveXae,

"EwTopoc ev

TraXäjurjav,

ei

(II.

juf|

cpdvri

Sänger bangt davor, daher

ßiötoio TeXeuTn, ttoXu qpepiepoc

«brei

rjev,

dvdiSavxec eXov ßaaXfjec 'Axcuwv.

Ebenso nahe geht dem Dichter der 692 f.):

letzte

Gang

des Patroklos

XVI

evGa xiva TTpujTov, Tiva TTcn-pÖKXeic, ÖT6 J )

2 )

statt

Dem

:

bn,

b'

ce Geoi

Nägelsbach, Anmerkungen zur Ilias In

der Ilias Latina (346

f.)

findet

üctcitov eSevdpiEac,

Gdvaidvbe KdXeccav; 3 ,

S.

100 (V. 245).

die Apostrophe

in

derselben Szene

Foederaque intento turhavit Pandarus arcu Te, Menelae, petens.

DER GEBRAUCH DER APOSTROPHE

Nun

XVI

U.

ist

692 ein Laufvers, der sonst

V

erscheint, so U.

703

107

usw.

der dritten Person

in

f.:

evöa xiva TrpuJTov, xiva

uciaiov eHevdpi£av

b'

1

Ektujp xe TTpiduoio rrdic Kai X"^ K £° C "Apvic;

Ähnlich

VIII 273; XI 299.

U.

ist

dem

Als sich Achill nach

Falle des Patroklos rüstet

Achäer zum Kampfe vorbereiten, gesprochen

XX

(II.

oi

ujc

wird

der Sohn

und

die

des Peleus an-

1 f.):

vnuä

uev Tiapü

duqpi ce, TTr|Aeoc uie,

Anders

)

geartet

IV 146

IL

ist

Kopuuvici 6ujpn,ccovro

äKÖpnrov 'Axouoi

udxn,c

Gleichnisse. Dasselbe gilt von

II.

Hier

f.

XV

2

).

steht die

und

365, 582

Anrede im 754. Die

XVI

zweite Stelle lautet: 'ÄVTlXoXOC

b'

6TTÖpOUC€ KUUDV

ßXnuevuj diEn, töv 0n,pnTr)p ujc

OC

l'

€Kl VeßpÜJ

6opövra

uneAuce be Tuia

eTuxn.ce ßctXuuv,

*

coi, MeAdviTnie, Göp' 'Avti'äoxoc uevexdpuiic

eiri

xeuxea

UJC,

et euvrjcpi

t'

;j

cuAi']cujv ).

Sparsam geht auch

die

Goethe verwendet

4

).

Anrede recht

die

Es

Odyssee mit der Apostrophe um.

wird nur der Sauhirt angesprochen

selten in

Hermann und

Dorothea. Er verbindet damit besondere Wirkungen. So im Gesänge c

Klio:

A.

W.

Aber du zaudertest noch, vorsichtiger Nachbar, und v.

Schlegel erklärt,

bringe etwas Drolliges

dies

sagtest."

zum Aus-

druck (Kritische Schriften I 65). Ferner liest man (Erato) \Aber du sagtest indes, ehrwürdiger Richter, zu Hermann.' Goethe zeigt :

sich hierin als 'Ouripwck J )

Verg. Aen. XI 664

Quem

TTOin,Tr)C,

f.

der weiß, was er zu tun hat

a ).

bildet dies nach:

primum, quem postremum, aspera virgo, Deicis ? Dazu bemerkt Servius: Homer icum est interrogationem ad ipsum referre, qui describitur. Es fiel ihm somit die Ähnlichkeit mit Homer auf. Auch Statins ahmt dies nach (Theb. IX 744): Quos, age, Farrhasio sternis, puer improbe, cornu? 2

telo

Ähnlich

XX

152

Ooiße (KaQllov). den römischen Epikern selten; ein Beispiel steht bei Statius (Theb. II 474). Die Prosphonesis eines Helden nach seinem Tode ist bei den Lateinern ebenfalls nicht oft zu finden. Lucanus redet den Curio an (IV 799), Ovid (Met. IX 641) den Bacchus. 4 Die Stellen zählt Nitzsch im Philol. XVI 151 auf. 5 Die Arbeit von Heß (Programm von Bunzlau 1866), der die Anreden bei Goethe und Voß eine Kuriosität nennt, war mir nicht zugänglich. )

3

)

)

)

II.

Diese Art

d|U(pi

der Apostrophe

ce,

fjie

ist

bei

:

JOHANN ENDT.

108

Wenn daß

nun Homer die Apostrophe anwendet, so ist anzunehmen, den Brauch Homers nachbilden. Beginnen

die römischen Epileer

wir mit Vergil.

Den Dichter

der Aeneis interessieren Personen, die zu Italien,

besonders zu den Römern, in Beziehung stehen. Uion

neu aufleben. So gesprochen wird:

ist

es begreiflich,

TJna acies iuvenum,

Nomen

ducit

daß Aen.

V

soll in Italien

564

Polites an-

quam parvus ovantem

avi referens Priamus, tua clara, Polite,

Progenies, auetura Italos.

Sproß des troischen Königshauses. Seinen Tod Aeneas im zweiten Buche erzählen (526 ff.). Die näheren Umstände, wie Polites getötet wird, machen es be1 greiflich, daß Vergil die Apostrophe verwendet ). Dazukommt, daß der Held durch seinen Sohn eng mit Italien verbunden ist. Aus demselben Grunde wird die Amme des Aeneas (Aen. VII 1 ff.) angeredet. Ist ja mit ihrem Namen ein Stück Land bezeichnet und so Italien und die Römer daran dauernd gemahnt, daß sie des Priamos Reich in Hesperien neu und für ewig zu gründen hatten. Ferner Polites

ein

ist

läßt der Dichter durch



ist

leicht einzusehen,

weshalb Vergil Aen.

X

200,

201

die Stadt

Mantua anspricht. Wer redete nicht gern von seiner Heimat! Auch die Wiederholung des Namens zeugt, wie nahe dem Dichter die Stelle geht. So ist es auch zu erklären, daß Vergil gegen seine sonstige Gewohnheit eine Stadt durch eine Apostrophe hervorhebt. Auffällig

kann

daß Pallas

es sein,

selten

angesprochen wird,

Nur einmal (Aen. X 411) steht Gegenüber der Patrokleia ist dies zu beDoch hängt dies damit zusammen, daß das Interesse des tonen. Dichters durch mehr Helden in Anspruch genommen ist. Dafür widmet ihm Vergil nach seinem Tode einen Nachruf (X 507 ff.)

wo

seine Aristeia berichtet wird.

sein

Name im

O

Vokativ.

dolor atque decus

Haec

Cum

te

prima

magnum

rediture parenti!

dies hello dedit, haec

Putulorum

tarnen ingentis

eadem

aafert,

linquis acervos.

Das Schicksal der Brüder Landes und Thymber (Aen. 396

muß

2 )

Eltern

sie

Mitleid erregen. nicht

Unterschiede:

auseinander

dem Thymber

')

Brosin zu der Stelle.

2

Brosin zu

)

X

390|2.

X

390

bis

So ähnlich waren beide, daß selbst die kannten.

Jetzt

schlägt er das

aber schafft Pallas

Haupt

ab, die Rechte

:

DER GEBRAUCH DER APOSTROPHE dem Larides

l

Tod

Nicht minder fesselt Vergil der

).

Er

(Aen. XII 542 ff.).

im

fällt

laurentischen

Griechen

Streitscharen,

zerstörte,

konnten ihn des Lebens berauben.

nicht

Achilles,

109

usw.

des Aeolus

Nicht

Gebiete.

der

Priamos

des

der

Reich

Doch hier war ihm Worte des Aeneas

ein Ziel gesteckt. Die Darstellung erinnert an die

im zweiten Buch

(l96ff.)

Captique dolis lacrimisque

coactis,

Quos neque Tydides nee Larisaeus Achilles,

Non anni domuere

Wenn At

tu dictis,

decem, non mille carinae.

dem Mettus

(Aen. VIII 643)

Vergil

manercs,

Albane,

Fufetius

so hat dies seinen

zuruft:

Schon

Grund.

Um

Livius bemerkt: Avertere omnes a tanta foeditate oculos.

so

mehr

hat der zartfühlende Vergil das Bedürfnis, seinen Abscheu vor dieser

Art der Bestrafung auszudrücken. Er kann nur dadurch die grau-

same Todesart verständlich machen, daß er Verbrechens des Albaners hinweist 2 ). Doch

auf ist

Größe des

die

dem

Servius die

Anrede aufgefallen; denn er sagt: dicens ex sua persona ad ipsum Mettium 5 ). Sie ist auch gegen unser Gefühl gebraucht. Die Anrede VIII 668

f.

{Et

Catilina, minaci

te,

Pendentem

sco-

pulo Furiarumque ora trementeni) scheint ebenfalls nicht notwendig

zu

Es müßte denn

sein.

hingestellt sein.

Ahnliches

Übrigens

vorhanden.

Mischkruge

wird

abschreckendes Beispiel bei Statius (Theb. VI 541 [519]) etwas

Catilina ist

In

als ein

der Beschreibung

Admet angesprochen.

der Bilder

Grund

Ein

auf

dazu

dem liegt

nicht vor.

Es

ist

daß jeder Epiker

natürlich,

besonders betont, aber nur dort,

wo

Helden seines Epos

die

sie in einer

eigenartigen

Lage

den Menelaos nur dort an, wo ihm Gefahr droht, sein Leben zu verlieren. Pandaros entsendet seinen Pfeil, Menelaos ist das Ziel. Da versichert der Dichter den Helden der sind.

Homer

also redet

Teilnahme der Götter. Ebenso steht es mit II. VII 104. Patroklos wird auch nur da vom Dichter angesprochen, wo ihm das Todeslos bestimmt ist. Das Mitgefühl mit dem Geschicke einzelner Personen ist auch bei den römischen Epikern der Anlaß zu mancher Apostrophe. Sie *)

Ganz

Zwillingen 2

.

et

wie

Vergil

)

Brosin zu der Stelle.

)

Macrob. Sat. IV

3 .

gleich

illud:

verfährt

Eurymedon und Lycormas

At

4,

Sil.

Ital.

(II

636

ff.),

wo

er

von den

erzählt.

11 erklärt: et

Mild a causa

tu dictis, Albane, maneres.

est

ex affectu indignantis

JOHANN ENDT.

110

also die Anrede. Statius spricht die

begründen 265 ff.):

Nee mirum: nam

tu

Ornatus, Argia, geris

Argia an (Theb.

II

inf austos donante marito

dirumque

monile

Harmoniae.

Schon

die

Wahl

der

Worte infaustos und dirum

Mitleid den Dichter zu der Apostrophe bewog.

Quo

tenditis iras,

A

miseri?

Auch

läßt erkennen,

Er

daß

fragt (I 155

hier drückt Statius

durch

f.):

das

Wort miser den Grund zur Apostrophe aus. Das ungewöhnliche Lebensende des Archemorus entlockt dem Dichter eine Frage mit Apostrophe (V 534 ff.); vix prima ad limina vitae, ignaro serpente stehen hier im Zusammenhang mit der Anrede. Eunaeus, der Priester des Bakchos, verläßt seinen Dienst, will die Kämpfer trennen 1 ), da wird er von Kapaneus mit der Lanze getötet (Stat. Theb. VII 649 ff.). Schon die Frage: quem terrere queas? läßt die Sorge des Sängers erkennen. Theb. X 498 ff. berichtet Statius, daß Aleidamas getötet wird. Die

Anrede

rechtfertigt der Dichter selbst:

tuque, o speetate palaestris

Omnibus

et

nuper Nemaeo

in pulvere felix,

Alcidama, primis quem caestibus ipse ligarat Tyndarides, nitidi moriens convexa magistri

averso pariter deus

oeeidit

astro.

Zeit noch glücklich, findet er jetzt im

Kampfe

Picspicis:

Vor kurzer

seinen Tod.

Grund mancher Apostrophe an. So durch infelix (II 633); oder Occidis et trist i, pugnax Lepontice, fato (IV 235). Traurig ist das Geschick des Thapsus (IV 635): Tu quoque, Thapse, cadis tumulo post fata negato. Mitleid erregend ist auch der Tod des Tyrrhenus. Er erfüllt in der Schlacht als Hornbläser seine Pflicht, da wird ihm die Kehle durchschossen (IV 167 ff.). Im siebenten Buche berichtet der Dichter, wie Fabius die Mannszucht wiederherstellte (93 ff.): Italicus

Silius

gibt

ebenfalls

durch

Adjektiva

den

discedere signis

Haud

licitum,

summumque

decus, quo tollis ad astra

Imperii, Romane, caput, parere docebat.

Hier veranlaßt den Anruf das Selbstgefühl, der Stolz, Römer zu heißen, der Gedanke, Bürger eines so großen

zu

sein.

stolz

Ahnlich

klingt: ')

nam

ist

die

tempore,

Prosphonesis

und mächtigen Reiches

IX 346 ff.

Roma, Nidlo maior

Vgl. damit, was Macrobius, Sat. IV

4,

1 ff.

sagt.

begründet.

eris.

Wie

Seine Freude

:

DER GEBRAUCH DER APOSTROPHE

111

usw.

XVII 494 ff. darüber aus, daß Karthago besiegt und alle getötet sind, die Sagunt zerstört oder die heiligen Fluten des Trasimennus und den Po befleckt hatten. spricht der Dichter

ist

VI 62

dient die Apostrophe einem anderen

Serranus,

darum nomen,

Zwecke

tua, Regule, proles.

Durch den Namen des Sohnes wird dem Dichter und den Römern Vater in Erinnerung gebracht. Sein von der Sage umwobenes Schicksal, seine Treue fällt jedem sofort ein und dadurch sofort der

sich ein

stellt

Zusammenhang mit dem

ersten punischen Kriege her.

Zugleich wird auf die Erzählung des Marus (VI 101

schon

bis 551)

vorbereitet.

Bei Lucan findet sich die Apostrophe an Caesar einige Male.

So IV 321

ff.:

Hos

licet

in fluvios saniem tabemque ferarum,

Pallida Dictaeis, Caesar, nascentia saxis

Infundas aconita palam,

Non Es

ist

wirft

decepta

Romana

iuventus

bibet.

somit nichts Gutes, was der Dichter Caesar nachsagt. V 310 ff. ihm Lucan arge Dinge vor. Er fragt ihn: ipse per omne

Fasque nefasque rues? lassare et disce sine armis Posse pati, liceat scelerum tibi ponere finem. Scelerum summa wird dem Caesar VI 303 ff. vorgehalten: Dolet heu semperque dolebit,

Quod scelerum, Caesar, prodest

Cum

tibi

summa

tuorum,

genero pugnasse pio.

Auch VII 168 ff. bewegt

er sich auf gleichem

Boden:

At tu, quos scelerum superos, quas rite vocasti Eumenidas, Caesar? Stygii quae numina regni? Wechsel im Ausdrucke Hie

ftiror,

für dieselbe

Sache zeigt VII 551:

hie rabies, hie sunt tua er im i na, Caesar.

Arges wird diesem VII 721

f.

entgegengehalten:

Tu Caesar

in alto

Caedis adhuc cumulo patriae per viscera vadis. Alles tut Caesar aus

Haß; doch

richtet er

damit nichts aus (VII

809). Nicht einmal die Toten läßt er verbrennen (VII 812).

sagt ihm Lucan, nur kein freundliches Wort.

Pompeius redet

er Caesar

Vieles

Nach dem Tode des

nochmals an (IX 1047):

:

JOHANN ENDT.

112

Hmicinc tu, Caesar, scelerato Marte Qui tibi flendus erat?

Auch

petisti,

Lucan das Verbrecherische des Krieges hervor.

hier hebt

Aus allen Stellen geht hervor, daß Lucan die Schuld am Ausbruche des Bürgerkrieges dem Caesar zuschreibt. Durch die Apostrophe kennzeichnet er seine Stellung zu beiden Männern. Durch dieses Mittel bringt der Dichter seine Antipathie gegen den Julier

zum Ausdruck. Dagegen

Pompeius der Teilnahme und Gunst verschieden von Homer ist die Anrede VII 29 ff! Nicht handelnd wird Pompeius eingeführt, sondern an einen unerfüllbaren Wunsch sind irreale Nachsätze angeschlossen, in denen Pompeius wieder und wieder angesprochen wird. Der Dichter nimmt die Gelegenheit wahr zu sagen, daß er auf Seite der Feinde Caesars stehe. Dieser Zug läßt sich fast bei jeder Apostrophe an Pompeius erkennen. In diesem Sinne spricht er auch Ägypten an; unerkenntlich hat es sich gezeigt: Rom hat alle ägyptischen Götter aufgenommen, dafür hat Ägypten den großen Pompeius getötet und läßt ihn im Staube liegen. Rom wird getadelt, daß es seiner Pflicht, die Asche seines Führers zu holen, noch nicht nachgekommen ist (VIII 823ff.). Daher auch die Teilnahme am Geschicke der Cornelia (VIII 41 ff., V 726, 805ff.); freilich geht der Dichter hier über die Grenzen des Epos hinaus 1 ). der

versichert er den

Römer (VII

Wie

213, 726).

In Anreden

an andere Personen läßt sich das menschliche Gefühl des Dichters als Ursache erkennen, was sich auch durch

manche Worte

verrät.

So

V

224 ff.

Nee Territat

te

vicinia

leti

ambiguis frustratum sortibus, Appi;

Iure sed incerto

mundi

Chalcidos Euboicae

sabsidere

vana spe

regnum

rapte parabas.

Heu demens! VI 262

ist

infelix an die Spitze gestellt,

um

die

Anrede zu

recht-

fertigen.

Pathetisch und nur durch die Voreingenommenheit gegen Caesar erklärlich ist die Apostrophe an Brutus (VII 586 ff.). Er wird decus imperii, spes suprema senatus genannt und aufgefordert, sich nicht in die Mitte der soll

Feinde zu stürzen.

Durch

ja später Caesar fallen. x )

Teuffel-Schwabe, Geschichte

d.

röm.

Lit. 5 § 303, 5.

seine

Hand

DER GEBRAUCH DER APOSTROPHE Mit

derartigen Stellen

wenigstens

wendung

äußerlich,

an

römischen Epiker, gehen in der VerSie gebrauchen sie nämlich in

schließen

Homer

113

usw.

sich die

Aber

an.

der Apostrophe weiter.

sie

um Abwechslung herbeizuführen. Homer nennt oft ganze Reihen von Kämpfern, die ihr Leben unter den Händen eines Helden lassen, ohne einzelne anzureden. Ebenso bringt der Schiffskatalog keine Apostrophe. Auch bei Apollonios Rhodios ist dies Mittel *) nicht gebraucht, obwohl er Gelegenheit dazu hätte, wo er die angibt, die sich an der Fahrt der Argo beteiligten (I 23. Aufzählungen,

Römern aber

35, 45, 49, 51, 65, 69, 71, 77 u. a. Stellen). Bei den

eine

ist

geringe Zahl

von Versen

hinreichend,

irgend jemand anspricht. Verg. Aen.

Kämpfern Ismarus hervorgehoben

X

118

daß

der Dichter 145 wird unter den

bis

(139ff.):

Te quoque magnanimae viderunt, Ismare, gentes Volnera dirigere et calamos armare veneno,

Maeonia generöse domo.

Im Entscheidungskampfe zwischen Aeneas und Turnus, wo

so viele

getötet werden, unterbricht der Dichter die

Anrede 2 ).

Aufzählung durch eine Zugleich wird die Aufmerksamkeit neu angeregt XII 538 f: Dextera nee tua

te,

Graium

fortissime, Cretheu,

Eripuit Turno. Vergil läßt auch sonst an pathetischen Stellen

einen Vokativ ein-

Aen. VI 30 f.:

treten,

tu quoque

Partem opere in tanto

(silieret dolor), Icare,

magnam

höheres.

Die Türflügel würden das Geschick des Icarus enthalten, wenn den Dädalus nicht der Schmerz um ihn abhielte, es darzustellen. Oft Met.

bedient

sich

*)

Man

vgl.

15,

der

Apostrophe

in

der Aufzählung.

Sedes Scelerata in der Unter-

Argonaut. IV 1483 und 1465 ff.

Gegensatz zur repetitio bei

V

Ovid

IV 457 ff. werden Bewohner der Homer

ist

Die variatio bei Vergil im den Alten nicht entgangen. Macrob. Sat.

Uff. 2

)

Dies machen auch Lyriker. Horat. C. II

13,

21

ff.

:

Quam paene

furvae regna Proserpinae Et iiidicantem vidimus Aeacum

Sedesque discretas piorum

et

Aeoliis fidibus querentem

Sappho puellis de popularibus Et te sonantem plenius aureo, Alcaee. Wiener Studien. XXVII.

lfiOö.

8

/

JOHANN ENDT.

114

Tityos, Tantalos,

genannt:

weit

Sisyphos,

Danaiden. Unter den Bildern,

Tantalos und Sisyphos spricht der Dichter an. die

Arachne

Gewebe

in ihr

einwebt,

ist

die

Ixion,

Iüppiter dargestellt (Met.

VI

11 Off.):

Addidit, ut Satyri celatus imagine pulchram

Iüppiter implerit gemino Nycteida

Amphitryon

X

Met.

99

nach

wird

gesprochen:

Lucan Streitkräfte

fetu,

Tirynthia, cepit.

te,

Anzahl von Pflanzen der Epheu anohne daß ein

einer

vos quoque, flexipedes hederae, venistis,

Grund

sichtlicher

cum

fuerit,

vorliegt.

169

III

nennt Länder und Städte, die

ff.

stellen.

Im V. 205 wird

Quique colunt Titanen

angerufen:

quae tua munera, Pallas,

et,

Lugent damnatae Phoebo

dem Pompeius

die Göttin Pallas

victore,

Celaenae.

Ebenso hebt der Dichter im folgenden Abschnitte (V. 247) die Araber hervor: ignotum vobis, Arabes, venistis in orbem. V 49 ff. berichtet Lucan von den Ehren, die Völker und Könige vom Senate Da wird in der Reihe der Ausgezeichneten Ptolomäus erhielten. angeredet. Hier mit Recht. Denn dieser König sollte dem Pompeius noch das Leben nehmen. Und der Dichter deutet selbst den Grund zu seiner Prosphonesis an. den Punica

In

des Silius

Italiens

dies

ist

Mittel

ebenfalls

verwendet. VIII 364 hinc Tibur, Catille, tuum unterbricht das Einförmige der Aufzählung. X 39 f. (Oppetis et Tyrio super inguina fixe verato Maecenas) fügt sich auch hier ein und ist zugleich durch die

Bedeutung des Namens veranlaßt. Auch sonst benutzt Silius Italicus die Apostrophe, um in längere Aufzählungen Abwechslung zu bringen

XIV

wie

223, 226, 229.

Ferner findet sich auch

in

der Thebais des Statius eine Anzahl

II 375 ff. ward der Weg angegeben, den Tydeus nach Theben einschlägt. Die ersten Orte, an denen er vorbeikommt, werden ohne besondere Betonung genannt; doch Eleusis macht im

solcher Anreden.

folgenden Eleusin,

durch

eine

die

geschieht

Ausnahme: hinc

Laetus

abit

Anrede an den

IX

Römer von Homer.

sieht

IX 311

f.

ist

Thebaner Pharsalus

die

et

tc,

Reihe

belebt,

mitis

wieder dasselbe

767.

In dieser Art der die

Nisum

praetervectus

(II 382f.).

man am

Verwendung der Apostrophe entfernen sich Gebrauch weiter aus. Dies

Sie bilden ihren

deutlichsten

darin,

daß

sie

sogar Städte,

Inseln,

:

DER GEBRAUCH DER APOSTROPHE Berge, Flüsse, Seen, Quellen ansprechen. spricht

(Met.

Aeneas

(Verg. Aen. III 705)

VI 421) Athen

angeredet.

115

usw.

In seiner Ich-Erzählung;

Bei Ovid wird

Selinunt an.

Lucan

liebt es

besonders,

Rom

durch den Vokativ hervorzuheben: I 85, 519, III 159, IV 692, VI 312, VII 418; daneben Phaseiis (VIII 251), Epidamnus (X 545), Pharsalia (VII535

1

).

man

Apostrophe an ein234), Karthago (X 657), Flavina (VIII 490). Sparsamer verfährt Statius in der Thebais damit; II 382 wurde schon angeführt. Bei Silius Italicus

liest

gleichfalls die

Rom (X

zelne Städte:

Aeneas redet in seiner Erzählung auch die Arethusa an (Verg. Aen. III 696). Dieselbe Quelle erwähnt Silius Italicus V 489 f.

Huc Hennaea

cohors, Triquetris

quam

miserat oris

Hex, Arethusa, tuus. besonders den Trasimennus in sein Herz 547 ist der Vokativ Thrasymenne zu lesen; dann noch XVII 496. Man kann wohl ebenso IV 703, V 581 sagen, daß diese Anrufe durch die Bedeutung der Schlacht an dem See gerechtfertigt seien, aber sie wiederholen sich dort, wo sie nicht besonders angebracht sind. Von Flüssen seien erwähnt: der Hebrus (Ovid Met. XI 50), Nilus (Ovid Met. I 728, Luc. V 712, Valerius Fl. Arg. IV 346), Silius Italicus

Schon

geschlossen.

hat

I

;

Lyrcius (Stat. Theb. IV 117), Alpheus Pactolus (Sil. Ital. I 234),

(ibid.

VII 424), Inachus

(Stat.

Bhundacus

Theb.

IV

119),

IV

Enipeus

sind Berge

in

(ibid.

(Ovid

der Apostrophe

zu

(ibid.

XIV

229),

VII

229),

Met.

VII

(Valer. Fl. III 35), Tiberinus (ibid.

Seltener

Asopus

239),

Chrysas

84).

wie bei

finden,

Lucan der Pamasus (V 77 f.), bei Statius der Kithaeron (Theb. IV 371), bei Silius Italicus der Fiscellus (VIII 517). Auch die Namen von Inseln und Ländern sind selten zu finden. Statius redet Delos an (Theb. III 439), Lucanus (II 623) Corcyra, Ägypten (VIII 827, 834). Damit ist es noch nicht genug. werden angesprochen. So bei Ovid Met.

Denn auch

XIV

Et Alpino modo quae Audebatis aquae, non

794

die

Gewässer

f.:

certare rigori

ceditis ignibus ipsis.

Ahnlich bei Lucan IV 306. Der Corus wird auch in der Apostrophe gefunden (Lucan V 599). Steht bei Lucan VII 834 allgemein aves im ')

Die Anrede Verg. Aen.

Stelle gerechtfertigt. Vgl. S. 108.

X

200, 201 (Mantua)

ist

durch

das Pathos der

JOHANN ENDT.

116 Vokativ, so

man

liest

loquax. Selbst der

den Metamorphosen des Ovid

in

Lud fer

535) corve

wird von Ovid angerufen (Met. II 723).

In seiner Ich-Erzählung ruft Aeneas

(II

patria, o divum domus Ilium Moenia Dardanidum!

Servius bemerkt dazu:

(II

O PATRIA

dazu Androm. aechmal. fragm.

IX

241) aus: incluta hello

et

versus Ennianus.

Thilo

ap. Ribb. et ap. Vahl.

zitiert

Die Stelle

hat uns Cicero Tusc. disp. III 44 erhalten:

Priami domus!

pater, o patria, o

Damit

ist

zugleich der Ursprung für diese Art der Apostrophe be-

ist die Tragödie. Und wie Vergil die Annales des Ennius heranzieht, so benützt er hier eine Stelle desselben Dichters aus dessen Dramen. Es ist daher auch für diese Anrede dramatischer Einfluß maßgebend gewesen, wie Vergil auch sonst Dramati-

Es

stimmt.

).

Ennius

des

(=

De

Cic.

hingewiesen or.

Ebenso

V

Orci

167)

III,

:

die Unterwelt salvete

tibi

(Varro ferner

infera;

Roma,

Desine,

von Ennius

wird

terra Thraeca,

14):

Auch

Übrigens kann noch auf eine Stelle der Saturae werden, wo Rom angesprochen wird

1

sches benützt

Land angerufen (Varro 1. L. fanum inclitum Maro locavit.

ein

Liberi 1.

L.

tuos hostis.

j

VII

(daselbst

7):

VII

Acherusia templa alta

magna templa

6):

caelitum.

Derlei Anreden

Tragiker.

Man

(Oedip. rex YuaXov.

liest

1090)

Auch das

w

natürlich auch die griechischen Sophokles (Aias 596) üj xXeivd XaXauic,

gebrauchen bei

KiGaipduv,

(Philoct. 1081)

Schlaf werden angesprochen. Ahnlich z.

w

Koi'Xac

Treipac

Licht, die Luft, die 4>dua, der Sonnenstrahl, der ist

es

auch bei Euripides, der

B. den Lorbeer, den Vogel dXKUÖvn, (dXKUuuv) anredet. Aischylos

hat ebenfalls solche Anreden, so Prom. 88, Hik. 776.

Es geschieht dies in lyrischen Stellen. Damit kommen wir zu den Lyrikern, bei denen sich Beispiele genug finden, wie Simonides ZTrdpTa Traxpt ruft. Es geht also die Anrede an Orte und die Natur auf lyrische Vorbilder zurück 2 ). Vergil übernimmt sie von den dramatischen Dichtern. ')

Vgl. auch Plautus Bacch. 932/3. Macrob. Sat.

Aen. II 281 mit Ennius in Alexandro: 2

)

In

der

Anthologia Palatina

manchen Epigrammen. Städte angerufen.

So

VI

2,

18 vergleicht Verg.

lux Troiae, germane Hector.

findet sich diese Art der Apostrophe in werden Tenos, Delos, Phrygien, Sparta und andere

:

DER GEBRAUCH DER APOSTROPHE Homer

spricht

ujc

pa

XV

II.

cu,

fji€

365 f.

in

117

usw.

einem Vergleiche den Phoibos an

:

Ooiße, ttoXüv K&uaiov Kai öi£uv

cüfxeac 'Apfeiujv^ÜTOia be qpü£av evwpcac.

Der Gott in

ist

also in Tätigkeit, beteiligt sich

die Flucht

zu schlagen.

Den

zu Phoibos.

Apollonios

Bei

pi'ucpa

ist

Griechen

fleht

Iason

oupavoö

i'kco

TteTpac

MeXavtiouc apir|KOOC.

Verschieden davon

wird also auch hier tätig geschildert.

IV 1194

Apoll. Rhod.

die

Rhodios

Erfolg des Gebetes gibt der Dichter so (IV 1704f.):

Anjoibri, xuvn. be Kai'

Apollo

am Kampfe,

vujuqpai b'

ff.:

auprfoc iräcai, öie uvricano Tauoio,

iuepöevG' 'Y.uevaiov dvriiruov

dWoie

b'

auTe

oiöBev oTai deibov e\iccö)uevai nepi kukXov,

"Hpi^ ceio eKTiir cu

-

f«p Kai

em

qppeci GfJKac

'ApriTtic.

Die Göttin wird somit angesprochen,

und getanzt wird.

Diesen Gebrauch

weil ihr zu

Ehren gesungen

der Apostrophe

finden

Wenn

den Römern allgemein.

wir

den Göttern etwas gelobt oder ihnen ein Opfer dargebracht wird, so werden sie vom Dichter bei ihrem Namen gerufen. Verg. Aen. VI 18 f.: bei

Bedditus Ins

primum

terris, tibi.

Phoebe, sacravit

Remighim alarum. Verg. Aen. VIII 84

Quam

f.

pins Aeneas

tibi

enim,

tibi,

maxima

Iuno,

Mactat. ibid.

X

541

f.:

arma Lecta refert umeris, ibid.

XI

6

tibi,

Serestus

rex Gradive, tropaeum.

ff.:

fulgentiaque induit

Mezenti dacis exuvias,

tibi,

arma:

magne, tropaeum,

Bellipotens.

Ähnlich auch Verg. Aen. VII 389

Ferner Ovid. Met. IV 753

Dis

ff.

ff.:

tribus ille focos totidem de caespite ponit,

Laevum Mercurio, dextrum tibi, bellica virgo ; Ära Iovis media est Mactatur vacca Minervae, Alipedi vituhts, taurus tibi, summe deorum.

:

JOHANN ENDT.

118

Theb.

Stat.

616:

II

Dumque 704

II

trahit prensis

taurum

tibi

cornibus,

Euhan.

ff.:

Hac

ait et meritae pulchrum tibi, Pallas, honorem Sanguinea de strage parat praedamque iacentem Comportat gaudens ingentiaque acta recenset.

IV 456

ibid.

ff.

Tris Hecatae totidemque satis Acheronte nefasto Virginibus iubet esse focos;

Quamquam

infossus

tibi,

rector Averni,

hämo super at

tarnen agger in auras

Pineus. Sil.

191:

II

Ital.

Herculeasque

tibi

exuvias, Dictynna, vovebat.

IV 201:

ibid.

Caesariem crinemque

tibi,

Gradive, vovebat.

um des Wechsels im Ausdrucke halber angesprochen, so in der Ich-Erzählung des Aeneas (Verg. Aen. III 371), ferner Aen. VII 49, 797, X 316, XII 503; Daneben werden

die Götter

oft

auch

IV IV Römers

Ovid. Met. II 435, 543, 677, 680,

VII 186;

Stat.

Jedenfalls

ist

Theb.

die religio des

17

ff,

289,

VI

V

hier als

Wenigstens werden wir bei

nesis anzusehen.

nahme

684,

II 72,

nicht fehl gehen; vgl. Aen. VII 48

Fauno Picus pater

;

115, 596; Sil. Ital.

532,

IX 4

f.,

XI

40.

Grund der ProsphoVergil mit dieser An-

f.:

isque

parentem

Te, Saturne, refert.

VII 797

Qui

f.:

Tiberine, tuos

saltus,

sacrumque Numici

Litus arant.

X

315

f.:

Inde Lichan

Et

tibi,

ferit

exsectum iam matre perempta

Phoebe, sacrum.

Vergil konnte sich auf ähnliche Anrufe der Götter beziehen, da feststehende Formeln vorhanden waren, von denen er nicht abweichen wollte. Da kann außerdem auf die Anthologia Latina hingewiesen werden, in der sich Weihinschriften finden, die ganz an Vergil erinnern. So II Nr. 262: Susceptum merito votum tibi, Mercuri, solvi, Ut facias hilares semper tua templa colamus. II Nr.

228: Catius hoc tuo

donufm

Hercules

invicte,

Numini

sancto dicavit praetor urbis [annuus.

libens

DER GEBRAUCH DER APOSTROPHE Hercules wird auch sonst so

oft in

solchen Aufschriften angesprochen,

O. II Nr. 22, 23, 868, 869; 248 beginnt: promiserat. Lucius Mumius donum

a. a.

tibei

.

Fortuna Pollux

liest

man

Latona

251,

a.

.

De decuma,

Victor,

.

a.

Silvanus 250,

O. 249,

866

Aesculapius

256,

119

usw.

wird

(er

Castor und

Phoebigena

Cytherea auch in anderem Zusammenhang im Vokativ wie Antholog. Lat. I 1, 202: Hie, Cytherea, tuo poteras cum Marie iacere: Vulcanus prohibetur aquis, Sol pellitur umbris. genannt).

Doch

steht

Auf den Stil der Dedikationsepigramme hat bereits E. Norden in seinem Kommentar zum sechsten Buche der Aeneis S. 125, V. 18 f., hingewiesen. Die Anthologia Palatina enthält aber nicht allein So wird der Traum anwo es gar nicht und Schiffsrheder, gesprochen, der Kaufmann nötig ist. Kurz, was die römischen Epiker tun, sehen wir in der griechischen Anthologie. Nicht ohne Einfluß dürften auch Weihungen gewesen sein, wie sie zum Beispiel durch Livius erhalten sind. Auch von der Bühne her kannten sie die Römer. Aus den Aeneaden des Accius ist der Anfang der Weihung des P. Decius Mus vorhanden Beispiele

diese Art

für

der Apostrophe.

:

Te sanete venerans preeibus,

invicte,

invoco:

Portenta ut popido, patriae verruncent bene.

Damit

kann

Liv. VIII 9, 6

werden.

verglichen

Dieser

Schrift-

das Anrufen der Götter bei

gibt noch andere Belege für Gelübden und dergleichen I 9, 6, I 24,

steller

:

I

32.

Verhältnismäßig selten verwendet Valerius Flaccus die Apostrophe im allgemeinen und die Götter ruft er bei Opfern gar nicht oft an.

Tum

I

188 ff. geschieht das Zweite:

laeti statuunt aras,

Summus

honor,

tibi

tibi,

aquarum,

rector

caerideis in litore vittis

Et Zephyris Glaucoque bovem

Thetidique iuvencam

Deicit Ancaeus.

Die Götter spricht er auch sonst nur hie und da an, so II 79 f. den Vulcan,

II

302 die Diana mit dea.

des Verses die Anrede fallen,

Hier

könnte

wenn praeßeis durch

ohne Änderung praeficit ersetzt

würde.

Die Apostrophe wird von Valerius Flaccus nicht motiviert; denn er setzt keine Adjektiva, wie nefastus, infelix, miser und ähnliche.

Damit Epos noch

ist

die

Verwendung der Apostrophe im

nicht erschöpft.

Ovid braucht

viel

lateinischen

Arten des Überganges,

:

:

JOHANN ENDT

120

um

Da kommt ihm

neue Erzählungen anknüpfen zu können. Anrede gerade recht, Met. V 572 ff.

die

Exigit alma Ceres nata secura recepta,

Quae

tibi

causa fugae, cur

Arethusa, sacer fons.

sis,

Hier dient die Frage zur Anknüpfung Kleinere

und weist auf 499 zurück. Ovid in der zweiten Person nach an den Helden der Erzählung, so Met. V 242 ff.,

Abschnitte

der Ansprache

erzählt

VII 144 ff., IX 229-238, 447—453, XI 236—244. Vergil gebraucht dabei quoque: Aen. VII 1. Ebenso bedient sich des quoque Statius: Theb. IV 246, IX 311. Silius Italicus hat neben quoque (III 287) noch etiam (II 636, VIII 588). Auch at erscheint in diesem Zusammenhang: Sil. Ital. II 632, 696; Stat. Theb. VI 491;LucanVII 168, IX 815. Doch wird auch ohne Konjunktion ein neuer Abschnitt durch Apostrophe eingeleitet: Stat. Teb. III 99, wo die Verse 99 bis 120 in der zweiten Person gehalten sind; V 534, VI 513, VII 649,

XI

574.

X

Verg. Aen.

Non

185 f.:

ego

Ligurum ductor

te,

Transierim, Cinyre,

Dies erinnert an Hör. C. Liber und an Hör. C.

IV

Wir gehen daher

silebo.

21

I 12,

30

9,

f.

fortissime hello,

paucis comitate Cupavo.

et

f.:

:

Proeliis audax, ncqae te silebo,

Non

ego te meis Chartis

mit der Behauptung nicht

Verse des Vergil steht es mit Aen. X 791 ff.

angeführten

in

inornatum

irre,

das Lyrische übergehen.

daß die Ebenso

Hie mortis durae casum tuaque optima facta, Si qua ftdem tanto est operi latura vetustas, Non equidem nee te, iuvenis, memorande, silebo. Hier findet sich das

Verbum

Noch bezeichnender Nee

ist

silere

wie bei Horaz.

Aen. VII 733 f.:

tu carminibus nostris indictus abibis,

Oebale.

Der Dichter sondern preisen

tritt

nicht

ausdrücklich

nennt will.

hier

Horaz

Fortunati ambo!

Also

wie

ein

sein

mit Lied,

seiner in

Tätigkeit

dem

dies

si

IX 446

IV

9,

hervor,

Oebalus

31 chartis.

an:

quid mea carmina possunt,

umquam memori

lyrischer

f.

den

er

läßt sich wieder heranziehen: C.

Sofort schließt sich hier Aen.

Nidla

nur

Dichter

vos eximet aevo.

verspricht

Vergil

seinen

Helden

:

DER GEBRAUCH DER APOSTROPHE Unsterblichkeit durch

seine Gedichte

1

).

121

usw.

Freilich

ließe

sich

Hom.

Od. XXIV 195ff. vergleichen, wo es heißt, der Ruhm der Penelope werde nie vergehen; denn die Götter verewigen die keusche Gemahlin des Odysseus unter den Menschen durch den schönsten Gesang. Aber welch gewaltiger Unterschied besteht! Zunächst spricht die Seele des Atriden bei Homer, dort aber Vergil selbst. Ferner besorgen in der Odyssee die Götter das Verewigen durch den Gesang, im lateinischen Epos aber stellt der Dichter selbst ewigen Ruhm durch seine Lieder in Aussicht. Bei Homer ist das Ganze der Ausdruck der Bewunderung durch Agamemnon, in der Aueis ist es ein Versprechen des Dichters. Wie einfach und erhaben ist die Anerkennung der Tugend der Penelope durch den Atriden! Daneben nehmen sich die Verse Vergils großsprecherisch aus.

Lucan verwendet non spricht (IV 8 11

At

silere;

er führt gleich aus,

was

er ver-

ff.):

quando non proderit ista silere, aevi Senium sua fama repellit, Digna damus, iuvenis, meritae praeconia vitae.

A

Stat.

Theb.

nos,

tibi

omne

quibus

II

629 f. wählt die Form einer Frage:

Vos quoque, Thcspiadae, cur infitiatus honora

Arcuerim fama? Bei Silius Italicus

Anrede mit einem ähnlichen Gedanken

die

ist

verbunden (VII 162 ff.):

Haud fas, Bacche, Quamquam magna Largitor

tuos tacitum tramittere honores,

incepta vocent.

Memorabere, sacri

gravidae cid nectare

laticis,

vites

Nulluni dant prelis nomen praeferre Fahrnis.

Lucan (VII 207 wie Vergil. Aber er allein in Anspruch

Unsterblichkeit und beständige Gunst verspricht bis 213)

dem Pompeius

nimmt das (208

Verdienst

in

ähnlicher Weise

dafür

nicht

für

sich

ff.)

Sive sua tantum venient in saecula fama,

Sive aliquid magnis nostri quoque cura laboris

Nominibus prodesse

Zu

Stat.

der Scholiast: 31usa, quem

*)

Theb.

Ad

velit

a

I

41:

potest.

Quem

prius lieroum, Clio, dabis? bemerkt

invocationem redit poeta se

primum heroum



describi

Interrogative quaerit •

Figura

a

biairdpricic id

Heinze, Virgils epische Technik S. 365, sieht hierin nur Nachklänge der

Formeln des Prooemiums.

JOHANN ENDT.

122

parentis laudibus'.

solitis

auf,

Horaüus (Carm. I 12, 13 sq.): ''quid prius dicam Es fiel also dem alten Erklärer bereits ein Mittel verwende, das dem Lyriker zukommt.

ut

est addubitatio,

daß Statins

Ovid fügt den Metamorphosen einen Epilog an, in dem er Werke und sich Unsterblichkeit voraussagt. Die Erklärer ziehen zum Vergleiche Hör. C. III 30 heran, ebenso Pind. Pyth.

seinem

VI

Prop. III

10ff.,

2,

21,

Stat. Silv. I 1, 91

Also

ff.

die Vorbilder

sind unstreitig lyrische Stücke. In diesen sprechen die Dichter ihr Selbstgefühl aus. Die lateinischen Dichter führen diesen Brauch in

das Epos

IX 980

Man

ein.

vergleiche auch Stat. Theb. XII 8 10 ff.,

Lucan

bis 986.

Es

unzweifelhaft, daß in der großen Menge der Anreden, den Epen der Römer finden, manche berechtigt sind. Und es lassen sich für eine Anzahl derselben Gründe ausfindig machen. Aber trotzdem fällt es auf, daß die römischen Dichter die Apostrophe viel öfters verwenden als das Vorbild Homers es ist

die sich in

rätlich erscheinen läßt.

Römer ein Wort beim Teilnahme verrät, ist Homers Vorgang

Selbst dort,

wo

die

Anrufe gebrauchen, das ihre gegen sie ). Denn z. B. II. XII 113, 127, XVII 497, 46(3 ist vr|TTioc oder vn,moi vorhanden, die Person aber wird nicht angesprochen. So ist damit das Vorgehen der Lateiner als eine Neuerung hinzustellen. Dem Römer gefällt seinem Charakter entsprechend das Rhetorische, das Pathetische. Wenn Vergil in rhetorischer Weise Reden ausarbeitet, der Erzählung dramatischen Charakter verleiht 2 ), so ist es auch begreiflich, daß er dem Affekt leicht zugänglich ist und ihm Ausdruck gibt. Wie er seine Helden im Affekt handeln und sprechen läßt, so kann auch er sich nicht vom Pathos ganz frei machen. Vergil und die anderen römischen Epiker bewahren nicht mehr die epische Ruhe und Objektivität, die uns bei Homer entgegentritt 3 ). Was den Dichter erregt, soll sich auch dem Leser mitteilen, er will diesen in dieselbe Stimmung

XX

1

versetzen,

ihn

die

Der

öftere

anderes nach sich.

Es

beherrscht.

Empfindens hierin sondern der Lyrik zukommt. subjektiven

Gebrauch

Wenn

ist

immer eine Äußerung des

vorhanden,

der

das

Apostrophe

die Dichter fast

in

)

Vgl. R. Heinze, Virgils epische Technik S. 364.

)

Ebenda

1

2 3 )

Schriften

S. 9,

Nägelsbach, I,

S. 42.

nicht

zieht allen

dem Epos,

noch etwas Aufzählungen

13.

Anmerk.

zur Ilias

S.

100.

A.

W.

t.

Schlegel,

Kritische

:

DER GEBRAUCH DER APOSTROPHE



123

usw.

sammeln oder einander bekämpfen, ist durch die Anrede auszeichnen, glaubt man es gar nicht, daß ihnen so viele Leute nahe stehen. Die Anrede wird zur Manier und Unwahrheit. Es ist eben nicht möglich, daß die Dichter an vielen Kämpfern in derselben Schlacht so innig Anteil nehmen. Das Mittel wird also ganz abgeschwächt. Und will der Dichter unsere Aufmerksamkeit durch solche Anrufe anregen, so gelingt ihm dies die ersten paar Male, 1 später aber verfängt dies nicht mehr ). Es ist zuzugeben, daß nicht alle Epiker die Apostrophe in gleicher Ausdehnung verwenden. Vergil geht wohl in ihrer Verwendung weit über Homer hinaus 2 ). Aber trotzdem ist er noch mäßig im Vergleiche mit Ovid oder Lucan. Dazu kommt noch, daß er die Anrede meist irgendwie begründet, bei Ovid dagegen ist oft kein stichhältiger Grund zu finden. Dies ist schon daran zu erkennen, daß Vergil außer in der Ich-Erzählung keine Stadt oder einen Fluß 3 ) oder dergleichen anspricht. Ebenso vermeidet es dieser Dichter, in eigener Person an andern Stellen einen anzureden. Es geschieht dies im sechsten Buche, wo Anchises seinem Sohne die kommenden Geschlechter verkünden will. Da warnt er Caesar und Pompeius vor dem Bürgerkriege (832 f.) und wendet sich besonders an den Julier (834f.). Dann richtet er seine Worte an Cato und Cossus (Quis te, magne Cato, tacitum aat te, Cosse, relinquat? 841), an Serranus (844), endlich an Fabius Maximus (845 f.), um dann allgemein die Römer an ihre große Aufgabe zu erinnern (851 ff.) nun Helden

ob

gleichgültig

Tu



sich

einen oder sogar mehrere

regere imperio populos,

(Hae

tibi

Parcere subiectis

1 )

affektiert

A.

W.

v.

)

3 )

et

spricht

I

S.

47 sagt:

bis zu manierierten

'Virgil verrät

oder

Ausrufungen über und an

sq.).

So auch Heinze

Er

debellare superbos.

Schlegel, Kritische Schriften

Teilnahme und geht darin

seine Helden' (IV 408 2

Romane, memento

erunt artes) pacisque inponere morem,

a.

a.

O. S. 367.

immer den Tiberimis

an,

nicht

den

Tiberis

oder er läßt

(X421) den Pallas sagen, er selbst macht es ähnlich in Amasene pater (VII 685). Er tut dies in Anlehnung an älteren Sprachgebrauch, wie dies ein Vergleich mit Ennius ergibt. Dieser sagt pater Tiberine, Quirine pater, pater optime Olympi. Ich sehe hier von der Georgica ab, wo (II 146) Clitumnus ohne den Beisatz pater angesprochen wird. Doch lehrt der folgende Vers, daß der Flußgott gemeint ist. Weidner findet in seinem Kommentar zu Vergil S. 285 den Ausdruck arx alta maneres auffallend. Er zieht andere Beispiele der Apostrophe aus Vergil heran, sieht aber doch einen großen Unterschied und erklärt dann die Tliybri pater

Anrede Aen.

II 56

durch die religio sacri. Er übersieht dabei das Pathos der

Stelle.

JOHANN ENDT.

124

Wie

Beruf des Römers! Die Weltherrschaft ist ihm Anrede an Marcellus (VI 882 f.) ist schon äußerlich durch Heu miserande puer das Pathos angedeutet. stolz ist dieser

Bei

beschieden.

Auch

die

der

Anrede an Troia

Man

findet sich nur in der Ich-Erzählung

daß Aeneas (Aen. III 124ff., 270ff.) Orte nennt, an denen er vorbei kam, ohne einzelne durch eine Apostrophe zu betonen. Nur III 696 und 705 geschieht dies. Diesen Gebrauch der Anrede, der also bei Vergil nur in der Erzählung des Aeneas vorhanden ist, hat zunächst Ovid und nach ihm die andern Epiker auf alle Reihen und Aufzählungen ausgedehnt. Dann gingen sie noch darin weiter, daß sie Berge, Quellen, Winde und Sterne ansprechen. Freilich konnte sich Ovid, wenn auch nicht berechtigt, auf Vergil als Vorbild berufen, da dieser z. B. in dem Katalog Aen. VII 647 bis 817 den Ufens (745) und den Tiberinus (797) anredet. Ein Beispiel bietet Ovid für den erweiterten Gebrauch in den Easti (Aen. II 241

f.).

beachte ferner,

wo er erzählt, wie Proserpina ihre Tochter sucht. Da wird Henna angeredet (462), Acts (468), Gela (470), Zanclaea Charybdis

(III),

(499), Nisaei canes (500), endlich Attica terra (502).

Lucan bringt

Da (441

I 392 bis 465 den Katalog des Heeres Caesars. Ansprache an den Sarmaten (430), den Treverer den Ligurer (442); die Barden (449) und Druiden (451)

findet sich die *),

werden ebenfalls hervorgehoben. Bei Vergil

ist

bereits ein Ansatz zu sehen, die

drei oder vier Zeilen aufrecht zu

erhalten,

sei

es

Anrede durch

durch die Ver-

wendung der zweiten Person des Zeitwortes oder des Pronomens. Doch sind diese Beispiele nicht zu häufig (VII 1 4, X 324 — 327, XII 542 547). Ovid dehnt diesen Gebrauch weiter aus; denn die





Apostrophe geht durch acht bis zehn Verse hindurch und ist in dieser Weise an mehr Stellen als bei Vergil vorhanden. Aus Lucans Pharsalia nenne ich IV 254—259, 799—804, V310— 316, VI 249— 262, VII 29— 41, 418 427. Silius Italicus hat gleichfalls diesen Gebrauch, so II 632—635, IV 167—170. Er verbindet auch die Anrede an zwei miteinander wie VII 199 205 und IX 346—353. Statius redet den Seher Maeou durch zehn Zeilen an (III 99 109). Vgl. auch







V

X 498—507,

die

650—655. In VII 649-687 umschließt er Erzählung durch eine Apostrophe zum Beginn und am Schluß.

151

ff.)

535—539, Für

1 )

erster

die

Anreden

in

der llias verweist Nitzsch (Philol.

auf die metrische Beschaffenheit der In den Versen 436

Hand geschrieben

— 410,

die in den Handschriften

sind, steht die

XVI

Namen Menelaos und

MVBUG

nicht von

Apostrophe an den Fluß Meduana.

DER GEBRAUCH DER APOSTROPHE auf die

besonders

Patroklos,

Verbindung

125

usw.

und

TTciTpÖKXeec mTreö,

behauptet, daß für diese Vokative das Motiv der Versbildung maß-

gebend A.

W.

gewesen

(Kritische Schriften

daß

'Jene Figur,

Diese Ansiebt sprach ganz allgemein schon

sei.

Schlegel

v.

I

65)

der Dichter die Person,

im Jahre 1797

aus:

die er redend einführt,

im Griechischen bei einigen Namen die Be-

selbst anredet, welche

mag veranlaßt haben, ist hier (in Goethes Hermann und Dorothea) nur ein paarmal benutzt.' Anbang zu Od. H 55) schließen sich Nitzsch an. Ameis und Hentze (im quemlichkeit

Versbaues

des

.

Aber

für so allgemein giltig

wenigstens was den

.

.

möchte ich dies nicht hinstellen, anlangt. Es ist wohl richtig,

Namen Menelaos

daß dem Vokativ MeveXae ein coi oder toi vorausgeht (II. IV 146, VII 104, XIII 603, XXIII 600). So könnte es scheinen, als ob der Dichter den Dativ meiden wollte. Aber er bildet ihn doch; so steht er

am Ende

des Verses

andere Füße

nicht

sich MeveXduj

IV

vierten

7,

XXIV

116).

Doch

sind

im zweiten und dritten findet

IV 128; im Form „ w

94; im ersten und zweiten Od.

IL I 159.

Nur Od. XI 460

gewahrt.

Wie

II.

und

dritten

(Od. VIII 518,

ausgeschlossen;

ist

Dabei

ist

stets

die

^ ^ — ^ gemessen, da

evi



nachfolgt.

II. auch der Genetiv MeveXäou gebraucht IV 100, 177 im dritten und vierten Fuß. Somit kann die anapästische Form des Namens nicht allein die Ursache zur Verwendung des Vokativs MeveXae bilden. Denn die Messung ^ ^ - ^ läßt sich in der Form des Genetivs und Dativs erreichen (wie Od. XI 460). Auch für die lateinischen Dichter kann man die Ansicht, daß nur metrisches Bedürfnis für die Anwendung der Apostrophe ausschlaggebend ist, nicht überall aufrecht erhalten; denn ob Roma, Arethusa, Medea, barbara, aqaae, Jiederac, Carthago, aves, Oenens,

der Dativ,

Orpheus,

so

ist

:

Caphareus, Periphas, Älcyone, Aeacides, Lampetides, La-

ndes, Phenr, Hypsipyle im Nominativ oder Vokativ stehen, die Quantität gleichgültig.

daß

die

kurze Endsilbe

Lucan gebraucht Caesar Trochäus (VII 721, 551), gemacht (IV 322, V 310,

hört die erste Silbe einmal

einmal

zum

dritten.

ist

für

Ja der Vokativ ist manchmal so gestellt, des Namens durch Stellung lang wird. nur im fünften und sechsten Fuß als sonst als Spondeus, durch Position dazu VI 304, VII 812, IX 1047). Dabei ge-

zum

Anders

ersten Fuß, dreimal

zum

zweiten,

steht es mit der O-Deklination.

Die

durch Nichtbeachten des Schluß-s des Nominativs vor einem Konsonanten über eine Kürze. Sobald dieser Vorgang nicht mehr gestattet war, mußte man auf andere Auswege

älteren

denken.

Dichter

Hier

verfügten

trat der

Vokativ

ein.

Die Zahl der Wörter auf

-US

JOHANN ENDT.

126

diesem Kasus

iu

ist

eine

Mittel,

den

bei

hatte

man

Kürze im Nominativ oder Accusativ

man gebrauchte im

fünften

immer den

fünften

Vokativ

genannten Dichtern größer

Für das Neutrum

anderer Deklinationen.

Fuß den Plural 1 ). Fuß bilden hülfe,

als die

ein anderes

zu

erreichen,

Wenn nun so

der

würde diese

den Gebrauch der Anrede erklären. Keller nun (a. a. O. 1987) sieht in diesem metrischen Bedürfnis den Grund Und, wie schon gesagt wurde, ist sie an für manche Apostrophe. manchen Stellen nicht aus dem Pathos oder dem rhetorischen Effekt hervorgegangen und stört geradezu den epischen Gang der Handlung. Somit bedienen sich ihrer die Römer vielfach deshalb, um eine kurze Silbe im Hexameter zu gewinnen. Da der fünfte Fuß ein Dactylus sein soll, so wird auch an dieser Stelle die Anrede am öftesten gefunden. Bei Vergil ist die Zahl der Vokative im fünften Fuß fast gleich der gesamten Summe der Vokative im ersten, zweiten, dritten und sechsten Fuß. Ovid setzt die Apostrophe am öftesten im fünften Fuß, öfter als in einem jeden der übrigen Füße, ebenso macht es Lucan, Silius, Statius in der Thebais und Valerius Flaccus. Bei Vergil erscheint denn der Vokativ am zahlreichsten im sechsten Fuß, dann im zweiten, seltener im dritten, im vierten steht er nicht. Ovid bevorzugt den ersten und zweiten, hat aber auch Beispiele für den dritten, vierten und sechsten, allerdings in geringerer Zahl. Lucan verwendet die Apostrophe im sechsten, dritten, zweiten, ersten, seltener im vierten, Statius (in der Thebais) im dritten, sechsten, ersten, seltener im zweiten und vierten, Valerius Flaccus im zweiten, dritten, sechsten, ersten, seltener im vierten Fuß. Also gemeinsam ist diesen Dichtern: der Vokativ der Apostrophe steht am öftesten im fünften Fuß, am seltensten im vierten ~). schwierige Versstelle

Bis jetzt wurde nur der Nominativ und Vokativ besprochen, dagegen die übrigen Kasus nicht in Erwägung gezogen. Doch gilt, was für den Nominativ der O-Stämme gesagt wurde, auch für die anderen Fälle. Der epische Dichter kann nur summe deorum verwenden, wie schon Naevius Summe deum regnator gebraucht. Dagegen ist es ihm unmöglich, summi (summo, summum) deorum im

Hexameter unterzubringen

ff.

1902,

(4)

P. Maas, Studien

;

479— 549);

der

).

Ein Mittel

möchte

es ermöglichen,

Keller O., Grammatische Aufsätze, Pluralis poetiCUS, S. 198

')

198

3

Apostrophe

3

Iuppiter

in der

tibi

Ich-Erzählung

summe tandem male

Hecuba des Ennius.

ff.,

besonders

Römern (Arch. f. 1. Lex. XII Buch, Anhang V (S. 399 f.).

poet. Plural bei den

E. Norden, Vergils sechstes

~) )

zum

ist

dabei ausgeschlossen.

re gesta gratulor steht

im Fragm.

X

DER GEBRAUCH DER APOSTROPHE

127

usw.

Doch ist die auf summus nicht unmittelbar deorum folgte. Verbindung sumtnus deorum so fest, daß sie der Dichter nicht trennen kann. Ebenso steht es mit Satuniia Inno (Inno Satumia stellt Ennius), maxima Inno, Tritonia virgo, Tritonia Pallas-, auch Atticae terrae, Delio, Euhio, Pythio sind im Hexameter unmöglich. Solche Wörter stehen nur im Nominativ oder Vokativ, wie man bei Carter, Epitheta deorum, quae apud poetas Latinos leguntur, ersieht. Apollo parens kann in allen Kasus erscheinen, weon beide Wörter getrennt werden; Ov. Met. IX 444 Phoeboque parente, Sil. It. wenn

IX 345 Phoebumque

vocate parentem.

Namen,

die einen Dactylus

Metrum

bilden (Delhis)

ein solches

darstellen

im Nominativ und

oder deren drei letzte Silben [Tritonia, Latonia), kommen nur

Vokativ vor. Andere Namen (oder Epitheta), die einen Tribrachys {Bromius) oder einen Amphimacer (Lyaeus) bilden, können in allen Kasus erscheinen so Lyaeus, Bromius ist im Dativ (Luc. V 73, VIII 801; Stat. Theb. VII 651) und Accusativ (Ov. Met. IV 11) ;

vorhanden, nicht im Vokativ. In anderen Namen ließe sich wohl durch andere Mittel eine Form erreichen, die im Dactylus möglich ist: Proserpinae mit folgendem h oder kurzem Vokal würde zu ^-^. Dies setzt aber

noch größere Künstelei voraus als es der Vokativ ist. Die römischen Dichter wählen somit das kleinere Übel. Freilich könnte es hie und da ohne Apostrophe abgehen. Bacchus z. B. bietet nicht die Schwierigkeiten für den Vers wie maxima Inno oder wie Proserpina. Überhaupt die zweisilbigen Namen ließen sich leicht ohne Apostrophe unterbringen. Aber der allgemeine Gebrauch dieses Mittels verschont auch diese nicht.

Man die sich

sieht leicht ein,

daß durch

Hexameters Daher gestatten So messen sie Porsena

die Gesetze des

Verwendung der Namen sehr erschwert die

- ~ ~

Dichter auch

sonst

Freiheiten.

wird.

VIII 478), wo der Vers mit Porsena magne, iubebas 1 schließt ). Vergil Aen. VIII 646 dagegen hat Porsenna iubebat an das Versende gestellt und ist nicht genötigt, die Quantität zu ändern 2). Lucan umgeht den Namen Pompeius, der sich leichter fügt, durch (Sil. Ital.

Magnus 3).

Andere Beispiele bei Keller

1 )

2 )

Vom

es 'gähnt J

a.

a.

Ähnlich weiß sich Goethe zu helfen,

papiernen 3

Die Griechen gestatten sich bei Eigennamen manche

und

Stil 5 S. 99,

O. S. 197.

um

den Hiat zu meiden; 0. Schroeder,

wo Heine zum Vergleich herangezogen

schlottert'.

Vgl. dazu Anthol. Lat. I

Magne, Europam

1,

400:

premis Libyam, fortes tua pignera nati et

Asiam: nomina tanta

iacent.

ist,

bei

dem

JOHANN ENDT.

128 Freiheit im Verse.

verwehrt

So konnte

sein, dasselbe

Mit

es

auch den römischen Dichtern nicht

zu tun, nur

der Apostrophe

ist

das

in

anderer Art.

Pronomen der zweiten Person

Der Genetiv des Personalpronomens (tui) wird dagegen die Formen tibi, tc, tu und tuus in manchen Formen. Das Fürwort kann vor oder nach dem Vokativ stehen; doch ist es zuweilen von ihm durch ein Wort oder durch mehrere getrennt, ja es kann sogar in dem Verse stehen, der dem Vokativ vorausgeht. Von der Trennung des Fürwortes von seinem Vokativ sehe ich hier ab. Tibi stellt Vergil stets vor den Vokativ (VI 18, VIII 84, X 200, 316, 394, 542, XI 7). Ebenso setzt er te vor den Namen; will er dies nicht, so trennt er te davon. Tu ist niemals unmittelbar beim Vokativ zu rinden. Tuus steht vor oder nach dem Namen. Bei Ovid überwiegt das Schema tibi -\- Vokativ und te -J- Vokativ das entgegengesetzte. Tu verbindet er manchmal mit dem Vokativ. Tuus folgt immer dem Vokativ. Luc an stellt sich als genauer Nachahmer des Vergil dar. Er läßt den Vokativ nach tibi und te unmittelbar folgen, tuus setzt er ihm nach, höchst selten vor; dies geschieht vor dem sechsten Fuß (VI 363). Tu dagegen schickt er dem Vokativ voraus. Silius Italic us schließt sich diesem Vorgange an, doch nicht streng. Er stellt wohl tibi meist vor den Vokativ, doch 1234 ihm nach; ebenso steht te vor der Apostrophe oder von ihr getrennt; tu vereinigt er nicht unmittelbar mit ihr. Tuus ist weit öfter nachgestellt als dem Vokativ vorangeschickt. Auch bei Statius (in der Thebais) wird tibi und te der Apostrophe vorausgeschickt. Tu steht gleichfalls vor dem Vokativ, wogegen tuus entweder vor oder hinter ihm sich findet. Valerius Fl accus setzt tibi und te vor die Anrede, tuus dagegen nach. Bemerkenswert erscheint auch die Quantität von tibi. Vorangestellt macht es meist zwei Kürzen aus. Ganz selten ist es iambisch, wie Sil. Ital. V 544, IV 201, Valer. Flacc. VIII 142. Dann kommt aber die Beschaffenheit des folgenden Wortes in Betracht: Laevine, ~. Nachgestelltes tibi erscheint iambisch Gradive, Medea, also bei Ovid Met. X 121, IX 715. Die Formen von tuus sind entweder als zwei Kürzen verwendet (tuus, tua) oder als Iamben. Zur Bildung des sechsten Fußes ist tuorum von Valerius Flaccus gebraucht von

selbst gegeben.

nicht

verwendet,

(VIII 312).

manchen Wörtern und Vokativ kein daß die kurze Endsilbe mancher Vokative Unterschied besteht, durch Stellung lang wird. Somit kann der Vokativ die Apostrophe

Es wurde schon darauf hingewiesen, daß

hinsichtlich

bei

der Quantität zwischen Nominativ

DER GEBRAUCH DER APOSTROPHE

129

usw.

nicht herbeigeführt haben. Diese Tatsache wird durch die Beobachtung gestützt, daß in manchem Verse, der die zweite Person enthält, überhaupt kein Vokativ enthalten ist. Dies geschieht bei Ovid Met. I 488 f., Lucan I 94, 114ff., IV 799ff., V 805. Es ist gleichzeitig eine Abweichung von Homer.

Aber trotzdem können

der zweiten Art durch das

die Fälle

Versbedürfnis veranlaßt worden sein.

kurze Silben durch das Pronomen

tibi,

Denn

der Dichter gewinnt durch die zweite Person der

Mehrzahl statt der dritten. Daneben darf aber behauptet werden, daß oft keine andere Ursache als der Wille des Dichters vorliegt, der die Apostrophe zu einer Manier ausgebildet hat. Es liegt somit manchmal kein innerer Grund vor, die Anrede zu verwenden. Diese Manier ist bei Ovid zu finden und bei späteren Dichtern. Sie äußert sich dadurch, daß nicht nur fast alle Helden, sondern auch leblose Wesen angesprochen werden. Aristoteles lobt (Poet. 1460 a, 6 ff.) Homer: "Ouripoc be dXXa re TroXXd aSioc erraiveicGai Kai

ouk

Troinrujv

(rfvoei ö

bei

iroieTv

auröv.

eXdxicia Xereiv ou jap ecii Kaid

bn.

Kai öti uövoc tüjv

auiöv yap bei töv

xaÖTa

uiur|Tr|C.

oi

TTOinrriv

uev ouv

äXXoi

auxoi uev bi'öXou
öXrfa Trpoiuiacduevoc eö9uc eicaYei dvbpa Kai oubev'

dr)9ri

dXX' e'xovra

lateinischen Dichter,

wie

oft

fjGn.

Wie

reden

sie

Tuvaka

r\

rj

dXXo

verstoßen

oft

die

xi

[rjGoc]

dagegen die

Personen an

statt

sie

redend einzuführen!

Die römischen Epiker bedienen sich

somit

der

Apostrophe

Homer. Sie erweitern ihren Gebrauch. Vielfach ist sie bloß ein Mittel, die Aufmerksamkeit auf etwas zu richten oder Abwechslung in eine bald längere, bald kürzere Reihe oder Aufzählung viel öfter als

Homer nur

Götter oder Helden an, die am gehen die Römer darin weiter, daß sie fast jeden Kämpfer interessant machen wollen, die Götter besonders bei Opfern und Gelübden jedoch auch in anderen Situationen anrufen, schließlich die ganze belebte und unbelebte Natur. Mit der Apostrophe verbindet sich an manchen Stellen ein lyrisches Moment, das sich bei den Römern allein findet. Daneben hat das Streben nach kurzen Silben die Anwendung der Apostrophe veranlaßt. An

zu bringen.

Kampfe

Spricht

beteiligt sind,

so





manchen

Stellen ist ihr

Gebrauch der Manier entsprungen.

Smichow. ')

Dr.

G. Curcio, L' apostrofe nella poesia latina,

ist

JOHANN ENDT.

mir nur durch eine Anzeige

bekannt. Wiener Studien. XXVII.

1905.

9

Griechisch-Lateinisches. 1.

Meine

in

Noch dieser

ein

Wort über

XXV

Zeitschrift

dX?.o7iQÖ6a?J.og.

15

f.

gegebene Erklärung

C

Kompositums Ö£ aMoie Ttpöc d\\ov epxexai' hat zu meiner Befriedigung die Zustimmung Brugmanns gefunden (Die Demonstrativpronomina der indog. Sprachen 68 1 ). Nur die Bildung des Kompositums erklärt Brugmann etwas anders als ich, indem er sagt: „Hier ist bei der Einbeziehung von aXXoxa in die Zusammensetzung das Element, welches Träger der temporalen Bedeutung dieses homerischen

war,

zur

Erleichterung

der

Kompositionsbildung

ausgeschieden

worden". In der Tat sollte

man

dXXoxETiQoöaXXog erwarten, wie ja wirk-

Wortform aus Chrysostomos bezeugt ist. Man darf aber doch nicht übersehen, daß die Morenfolge — ~ — ~ - ~ oder, falls die Positionslänge vor -Tip- vernachlässigt werden sollte, — ~ ~ ~ — « niemals in das daktylische Versmaß passen konnte. Also war schon von diesem Gesichtspunkte eine äußerliche Veränderung des zu lich diese

-

postulierenden d?.Xox£7iQo6aXXog unbedingt notwendig. Diese Verände-

rung der ursprünglichen Gestalt konnte aber doch am leichtesten Anlehnung an andere Komposita geschehen welche im ersten Gliede zwar nicht das temporale aXXoxe, aber das Thema dXXoenthielten, und so glaube ich, bleibt die von mir a. a. O. gegebene Erklärung, daß 6.XXonQd6aXXog seine Gestalt der Anlehnung an die in

,

Stammkomposita verdanke, zu Recht bestehen. Oder mit anderen Worten: Unter dem Drucke des Versmaßes wurde ursprüngliches dXXoxsTtQÖöaXXog in dXXoitQoöaXXog umgewandelt, wozu dXXo-yvaxog, dXXo-stö^g, dXXo-&Qoog, dXXo-yQovecav und die allerdings eigentlich nicht zusammengesetzten, aber als

dem Gefühle

Zusammensetzungen erscheinenden

der Sprechenden doch

dXXodccnog, dXXotQtog die ge-

GRIECHISCH-LATEINISCHES.

131

Moment maßgebende bei der Umgestaltung des vorauszusetzenden Kompositums äXXoxsjiQÖöccXXog eigneten Muster abgeben konnten. Ich halte das technische

der Unbrauchbarkeit im Verse für das einzig

äXXojiQÖöaXXog. Wie äXXo- verschiedene andere syntaktische Beziehungen vertrat, so konnte ihm ganz gut auch die noch dazu

in



unserem Kompositum von der Zeit seiner Entstehung her inhärierende zeitliche Bedeutung untergelegt oder, richtiger gesagt, aus ihm herausgelesen werden.



Eine andere Deutung gibt unserem Kompositum Breal, Memoires de

la soc.

de lingu. XIII 106, indem er erklärt: „C'est celui qui dit

une chose ä l'un, autre chose a, l'autre (dXXo irpöc dXXov), qui dit blanc ou noir ä volonte." Wer die Stelle 6 831 ff. aufmerksam liest, wird sicher herausfinden, daß es sich um Parteinahme des Ares, das eine Mal für die Griechen, das andere Mal für die Trojaner handelt. Nicht

c

einem jeden, sondern einmal erGriechen Partei, ein zweites Mal für die Trojaner. Er ist „wetterwendisch". Diesem Sinne unseres Kompositums wird meine Erklärung vollkommen gerecht, nicht aber die Brealsche, die auch sprachlich ö dXXo npöc dXXov, seil. Xeruiv' keineswegs so glatt ä volonte' redet er

greift er für die

c

Ich wenigstens wüßte ganz und gar nicht nach welchem Vorbilde man die von Breal angenommene Erklärung aus unserem Kompositum herauslesen könnte, wenn man vielleicht auch zugeben mag, daß '6 dXXo Trpöc dXXov' zur Not in dem oben angegebenen Sinne gedeutet werden kann. Allein diese Auslegung hat eben gar keinen Anhalt in der Überlieferung. Dagegen bieten eine gewiß nicht zu verachtende Stütze für meine Erklärung die a. a. 0. S. 16 beigebrachten ähnlichen Verbindungen und die aus dem Altertum überlieferten Deutungen des Kompositums "aXXuic in dXXiy tivi uetaerrpeepöuevoe' und dXXoTe dXXov qpiXov TTOiouuevoc'. Nicht will das Wort besagen, daß er jedem zu Gefallen rede, sondern daß er als unverläßlicher Geselle bald auf die Seite des einen, bald auf die des anderen trete. So und nicht anders sind die Verse G 832 ff

Breal

annimmt.

ist

als

zu

rechtfertigen,

c

"Oc Trptunv uev euoi xe Kai "Hpn.

crreGt'

aTopeuuuv

Tpuuai uaxeö"(Jao"0ai, drdp 'Ap^etoiaiv dpriHeiv,

Növ be uetd

Tpujeffffiv ouiXei, tüjv be XeXatfTai

zu verstehen. „Neulich stand er auf unserer Seite, jetzt steht er auf um werktätigen Anteil am Kampfe zu

Seite der Troer", natürlich, c

nehmen. Das kann aber 6 dXXo irpöc dXXov sc. Xefwv' niemals beT deuten. ohl aber wird meine Erklärung diesem Sinne gerecht.

W

9*

132

FR. STOLZ.

Ich glaubte ausdrücklich, die Brealsche

positums zurückweisen zu sollen, da

Deutung unseres Komwie mir scheint,

sie trotz ihrer,

Anerkennung Wackernagels in seinem eben erschienenen zweiten Teil der Altindischen Grammatik S. 327 gefunden hat, wo sie ohne weitere Bemerkung vernicht zu bezweifelnden Unrichtigkeit die

zeichnet

als

ist,

ob sich ihre Richtigkeit von selbst verstünde. 2.

nüntiö, nöntiö

V 156 — 163

Im Eranos

et

Übersendung

ihm

ich

hat Axel

nuntio, sim. u

satz über „Nontio

zu

u. ä.

Dank

W. Ahlberg

einen

Auf-

veröffentlicht, für dessen gütige

Dabei

verpflichtet bin.

kommen

selbstverständlich die Ausführungen von Solmsen, Studien

zur

lat.

(Übergang von unbetontem ve vi in 0) und die von mir Indog. Forsch. XIII 111 f. befürwortete Einschränkung, der1 zufolge nur die Lautverbindung ove in Betracht komme ), welche durch ovo oo zu Ö geworden ist, zur Sprache. A. spricht sich gegen diese Anschauung aus und vermag nicht einzusehen, warum eine solche von der gemeinüblichen abweichende Behandlungsweise habe Platz greifen können. Zum Beweise dafür, daß die oben ausgesprochene Ansicht von dem Wandel von ovo zu oo ö, bez. ove zu ovo oo ö unrichtig sei, wird insbesondere novitäs ins Feld geführt. Da die Grundform *novotäs gewesen ist, stünde nach den obigen Ausführungen *nötäs zu erwarten. Wenn nun aber nur novitäs wirklich überliefert ist, so ist dies noch kein durchschlagender Beweis gegen die oben vorgebrachte Darlegung. Denn novitäs ist ganz sicher nicht anders zu beurteilen als favitor das auch der Sprachgesch. 82

ff.

,

Verfasser des in Frage stehenden Aufsatzes S. 158 als eine Analogie-

bildung nach den übrigen Substantiven auf

-itor erklärt,

als

cavitum

ist

zu novtis neugebildet nach dem Verhältnis von

cavitiö,

nicht anders

Novitäs

über die ich a. a. O. gehandelt habe. novitäs

:

novus,

parvitäs parvus, prävitäs prävus, brevitäs brevis, suävitäs : suävis :

:

und

beweist

also

wahrscheinlich oud.

Ich

hatte

nichts

:

gegen

unsere

aus

anderen

gemachte Annahme der Behandlung von insbesondere lötus ins Feld geführt,

u. a.

Gründen ovo,

ove,

das

ich

und mit mötus, fötum, vötum verglich, eine Erklärung, die mittlerweile auch von Sommer in seinem Handbuche S. 639 (vgl. auch 231) beigebracht worden ist. Allerdings geht Sommer auf die indog. Grundform *loudtos zurück,

von Houetos Hovotos Hootos

aus der zunächst J

)

lat.

herleitete

Hovatos entstehen mußte.

Näheres darüber weiter unten.

Von da

gelangt

man

r

GRIECHISCH-LATEINISCHES. auch ohne

Annahme

133

der Mittelstufe Hovetos zu Hovotos *lootos

latus.

hervorgehoben daß allerdings die Form lautus aus früherer Zeit bezeugt sei, trotzdem aber die in der Literatur erst später auftauchende Form latus als die ältere gelten müsse, wobei ich mich ganz besonders auf den bekannten Übergang von ov in av berufen konnte. Denn deswegen, weil eine WortIch

habe

ausdrücklich

,

literarisch belegt ist, muß sie nicht achges chic htlich jün ger sein als eine durch ältere Überlieferung beglaubigte. Nach meinem Dafürhalten ist in der Literatur allerdings die lautgesetzliche Form lötits durch die Neubildung form erst auch sp

in späterer Zeit

lautus, synkopiert aus *lavitus, verdrängt

dem Gebrauche

worden,

sie ist

aber nicht aus

der allgemeinen Verkehrssprache geschwunden und

hat von

dieser aus später Eingang in die Literatur gefunden, so daß Quintilian sie als die gewöhnliche bezeichnen konnte. Wenn Ahlberg dagegen ins Feld führt, daß Priscian latus neben lautus beurteile, wie plöstra neben plaustra, so scheint mir dies gegen meine Ausführung nicht ins Gewicht zu fallen. Halte ich ja doch auch latus für eine alte volkstümliche Form, die im Schriftlatein durch die Neubildung lautus verdrängt worden ist. Freilich glaube ich nicht, daß ersteres aus dem zweiten entstanden ist, indem au nach bekannter Weise in ö überging, latus also eine spezifisch mundartliche als

Form

darstellen würde, sondern ich betrachte beide

neben

selbständige,

einander

denen die eine (lautus aus

einhergehende

*lavitus)

auf

Formen

Bildungen,

dem Wege

von

der Analogie

geschaffen worden

ist, während die andere (latus) die regelrechte Entwicklung aus der Grundform *lo]idtos darstellt, die bereits festgeworden war, als der Übergang von ov in av in vortoniger Silbe

sich entwickelte.

warum später es

Allerdings vermag ich Gründe

nicht

anzugeben,

dem besagten Übergang neu aufgekommene lautus wieder dem seinerzeit zurückgestellten latus weichen mußte, das nach

müßte denn daß

die

allgemein

anerkannte Tatsache zur Erklärung

sich nicht ungern aus dem Schatze der volkstümlichen Redeweise bereichert und aus diesem

genügen,

die

Literatursprache

Fonds ihre Lücken ausfüllt. Denn daran wird man sicher nicht denken dürfen, daß sich im Munde der Gebildeten die Aussprache des au nach ö hin zu verschieben begann und darum latus an die Stelle von lautus trat. Dagegen spricht sicher die Tatsache, daß in der Schriftsprache und übrigens auch in der Volkssprache au festgehalten wurde, wie unter anderem die bekannte Anekdote in Suetonius' Leben des Vespasian c. 22 beweist, aus der deutlich hervorgeht, daß man schriftgemäß plaustra sprach, nicht wie d&sVolk plöstra.

134

FR. STOLZ.

um so beachtenswerter, als man nach MeyerGrundriß der romanischen Philologie 1 2 465 in plöstra die ursprüngliche Form zu sehen hat, welche in hyperurbaner Sprechweise zu plaustra wurde, wie dasselbe von plödere, cöda, föces usw. behauptet wird. Vgl. darüber Thurneysen (Kuhns Zeitschrift XXVIII 156 f.), der meines Wissens zuerst diesen Übergang von ö in au für cautcs, plaudö, ausculum, cauda, caupö, aula, Dieser Fall

Lübke

ist

bei Gröber,

claudus, fauccs, Plaatus, haurire

Handbuch 91

f.

will für

angenommen

hat.

Auch Sommer

plaudere aus *plödcre nur den Standpunkt

der „HyperUrbanisierung" gelten lassen, den hinsichtlich cauda auch

Walde, Latein, etym. Wörterb. S. 106 gelten zu lassen nicht ganz abgeneigt ist, wenn er sagt: „cauda entweder Hyperurbanismus für cöda, oder, wenn ursprünglicher, mit Ablaut -ou- gegenüber balt. ö (u) u Man müßte nach dem Gesagten unbedingt eher erwarten, daß .

für lötus in

dem Munde

der Gebildeten lautus hätte eintreten sollen,

wie plaustra für plöstra. Gewiß hätte also die Vermutung Thurneysens

(Kuhns Zeitschr. XXVIII 156), lautus

sei

durch Hyperurbanisierung

aus lötus entstanden, größere Wahrscheinlichkeit für sich als die Be-

hauptung des alten Priscian,

es

sei

„more antiquo" lautus

in lötus

übergegangen, wofür, wenigstens soweit es die Sprache der Gebildeten betrifft,

keinerlei Anhaltspunkte

gefunden werden können. Vielleicht

muß man nun doch mehr Gewicht 4,

lotum

13 legen,

sei

Indog. Forsch. XIII 111 geschehen

einandersetzungen aus

(lötus)

bleibt

ist

lautum

nur die

für

gleichberechtigt

I,

Form gewesen, als es Nach unseren früheren Aus-

ist.

die Schriftsprache

(lautus)

Annahme

auf die Angabe Quintilians

die gebräuchliche

geradezu

Entstehung von lötum

ausgeschlossen. Somit Formen seit alter Zeit

möglich, daß beide

nebeneinander

standen und im Inventar des

nischen Wortschatzes geführt wurden, aus

dem

in älterer Zeit

latei-

lautum

{lautus), später lötum (lötus) als die bevorzugten Formen hervorgezogen wurden und an die Oberfläche traten. Es scheint mir sonach kein Grund vorhanden zu sein, der mich nötigte, von meinen a. a. 0. geäußerten Anschauungen über das Verhältnis von lötus lautus -Intus abzugehen. Daß gerade in der Sprache des Plautus die Formen lautum lautus erscheinen, hängt ganz gewiß mit dem Umstände

zusammen, sich

vollzog

daß

in

und

jener Zeit der Übergang von Hovere zu lavere

lavö lävi lautum

ein

einheitliches Lautbild

dar-

boten. So wird es begreiflich, daß damals die älteren

Formen lötum

den Hintergrund gedrängt wurden, aus dem Aueh die Sprache

sie allerdings

lötus in

später wieder auftauchen sollten.

Launen der Mode

gefallen

lassen.

Vielleicht

hat

muß

sich die

übrigens

der

*

135

GRIECHISCH-LATEINISCHES. adjektivische

begeben,

das

Gebrauch von lautus alte

wieder

latus

die nächste Veranlassung

hervorzuziehen

und

dazu

schriftfähig

zu machen.

A. den Grundsatz aufstellt, daß ove ovi ovo im Wortinnern den beiden Schlußsilben) zu ov(e) ov(i) ov{o) synkopiert werden, so ist er gezwungen, nönus mötus fütus vötus usw. als Analogiebildungen zu erklären, während sie sich viel ungezwungener auf die gleiche Weise wie latus deuten lassen. Daß man ein Recht

Da

(nicht in

und Lentoformen zu unterscheiden, wird man doch allen Seiten zuzugeben sich herbeilassen müssen, und von allmählich dann hat die Sache überhaupt keine Schwierigkeit: Houdtos ist Lentoform, *lou{?)tos Allegroform. In der Erklärung der letzteren treffe ich mit A. zusammen. Nur muß von den von ihm neben -latus aufgeführten Formen nüper gestrichen werden, das sicher nicht aus hat, Allegro-

*novi(o)per entstanden

ist,

sondern indog. nü- enthält (Variante

Was

mich ganz besonders noch in meiner Auffassung bekräftigt, ist das Nebeneinander von prörsus einerseits und rärsus sürsum anderseits, worauf schon Indog. Forsch. XIII, 114 hingewiesen worden ist. Diese Formen, welche von außerordentlicher Wichtigkeit für die richtige Beurteilung unserer Frage sind, hätte Auch cöntiö neben A. nicht mit Stillschweigen übergehen dürfen. Nöntiö und erklären. zu befriedigend nicht coventionid vermag A. angegebenen dem auf ferner niintiö, nändinum und nöndinum finden Wege eine ganz befriedigende Erklärung (vgl. auch Sommer Handbuch S. 175), was man von der von Ahlberg versuchten kaum wird behaupten können. Bei dieser Gelegenheit möchte ich hervorheben, daß Zimmermann, Indog. Forsch. XV 121 f. die von mir ib. XIII, 111 gegen seine Erklärung von -por vorgebrachten Bedenken meines Erachtens durchaus nicht widerlegt hat, und freue mich feststellen zu können, daß auch Ahlberg S. 163 1 auf meiner Seite steht. zu nü-

in nüdius).

Am Schlüsse

dieser Zeilen sei noch ausdrücklich hervorgehoben, 159 stehende Annahme „Si in secunda syllaba post daß die Seite vocales consona n erat, haec n sonans n fiebat, tum ovn in ovon transiebat et ön evadebat" meines Erachtens schon an und für sich nur sehr geringe lautphysiologische Wahrscheinlichkeit hat. Daß

nach ovon

Wenn

das folgende n sonantisch und ovn in übergegangen sein soll, dünkt mich ganz unwahrscheinlich. der Synkope *noventiö l )

des

e

Synkope des Vokals der zweiten

Silbe erleidet,

dann

l die Form des Verbums beibehalten, weil auch A. sie anführt, ) Ich habe obwohl mir natürlich bekannt ist, daß nüntiäre ein von nüntius oder, wie Brugmann, Indog. Forsch. XVII 368 richtiger will, von nüntium abgeleitetes Zeitwort

FR. STOLZ.

136

spricht alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß das dem Vokal vorausgehende u sich mit dem davorstehenden o zum Diphthong ou vereinigte, der regelrecht zu ü wurde. Das ist der naturgemäße Verlauf; dagegen darf man nicht etwa növem ins Feld führen. Denn die indog. Grundform *neun war sicher schon im Uritalischen zweisilbig. Aber in dem Kompositum nündinum ist ü regelrecht aus öu entstanden, wie man aus dem inschriftlich überlieferten noundinum aus *nou{e)ndinom ersieht. Da nämlich u mit dem vorausgehenden o die diphthongische Verbindung ou einging, was unmittelbar nach der Synkopierung des c

mußte das folgenden konsonantisch bleiben. Bildet ja doch der Diphthong ou dem folgenden n gegenüber nur einen einheitlichen Sonanten und das Verhalten von ou -f- n ist kein anderes als des von u -\- n. Genau so verhält es sich mit dem erfolgte,

Diphthonge

oi:

aus indog. *oinos wird nicht etwa

der Diphthong

sondern

oi

bleibt

unverändert

Auch ursprünglich

folgenden Sonoren n.

lat.

*oinos *oienos,

erhalten trotz

des

deinde wird

dreisilbiges

nur zu deinde (zweisilbig), das sich nicht zu * deinde *deiende weiter entwickelt hat. Ebensowenig, wie in diesen vollkommen klaren Fällen, hat

man

ein Recht, ein aus -oven- entstandenes -oun- sich

zu -ovn-

weiter entwickeln zu lassen, vielmehr wird es -ün-.

FR. STOLZ.

Innsbruck.

ist.

Für

letzteres

ist

sicher

noventium die durch Festus

164,

28

zeugte Vorstufe, von der übrigens *noventiäre abgeleitet sein kann, Stufe

nüntium nöntium *{nountium)

nichts Bedenkliches, aus

mann

dem nüntiö

erreicht war.

nöntiö

o.

O. diesem eine

be-

hat auch ein *noventiö

entsprungen sind.

noch ursprünglichere, standene Form *novi-ventio- vorausgegangen sein Text in Betracht kommenden Sachlage nichts. a.

Darum

(Th.)

bevor die

Daß nach Brug-

durch Zusammensetzung entändert an der für den soll,

Miszellen.

Zu Horaz Sat.

I

I,

105.

Die Vulgata: Est inter Tanain quiddam socerumque Viselli wird mit Berufung auf Porphyrio dahin erklärt, daß Tanais ein Verschnittener, der Schwiegervater des Visellius dagegen ein liomo Jiemiosus, also mit einem Hodenbruche behaftet gewesen sei. Muß schon die Art und Weise, wie der Dichter die zwei Extreme des Geizes und der Verschwendung, des Zuwenig und Zuviel exemplifiziert, Bedenken erregen, so erscheint zudem das Gegenstück zum spado Tanais in seltsamer Umschreibung als socer Viselli. Ferner ist zu erwägen, daß bei der großen Anzahl von spadones, die schon zu Horazens Zeit in Rom gewesen sein dürften, die wenigsten Leser von den Namen der einzelnen Kenntnis gehabt haben werden, zudem jene noch nicht den Einfluß erlangt hatten wie später besonders am byzantinischen Hofe. Daher glaubte schon Hofmann Peerlkamp (1863) durch eine kühne Konjektur dem Verse ein anderes Aussehen geben zu müssen, indem er vorschlug: Est inter Tanain quiddam Eridanumque, Viselli, wobei Viselli als Vokativ gedacht ist. Fritsche führt diese Konjektur „als Warnungstafel für junge Philologen" an und es ist nicht zu leugnen, daß sie großartig in ihrer Willkür ist. In einer Hinsicht scheint jedoch Peerlkamp doch das Richtige getroffen zu haben; Tanain versteht jeder unbefangene Leser als Flußnamen, zumal Horaz den Don wiederholt als äußersten östlichen Fluß zitiert. So z. B. Carm. III 10, 1; 4, 36; 29, 28: IV 15, 24. Ebenso kennen ihn Vergil Georg. IV 517, Tibull. IV 1, 146 und Properz III 30, 2. Ist unter Tanain der Don zu verstehen, so liegt es nahe, als Gegensatz einen anderen, entweder westlich gelegenen oder wasserarmen Flußnamen zu vermuten. Dies erscheint mir jedoch aus paläographischen Gründen unmöglich. Vielleicht lautete aber der Vers in der ursprünglichen Fassung: Est inter Tanain quiddam collumque sitellae. Es ist ein Unterschied zwischen dem Don und dem Halse einer Los-Flasche.

:

:

MISZELLEN.

138

Es wäre nicht zu wundern, wenn die Abschreiber das Wort verstanden hätten. Es findet sich zweimal bei Cicero, zweimal bei Livius und bezeichnet ein Gefäß mit engem Halse und weitem Bauche, das mit Wasser gefüllt zum Losen gebraucht wurde; die hölzernen Lose wurden hineingeworfen, das Gefäß geschüttelt, worauf wegen des engen Halses jedesmal nur ein Los obenauf schwamm. Sitellae als Eigenname gefaßt, ließ die Verbindung Collum Sitellae als Gegensatz zum Don nicht mehr verständlich erscheinen. Doch wurde vielleicht noch früher Collum in cöleum verderbt, wodurch der Vers die Gestalt erhielt Est inter Tanain qaiddam cöleiimque Sitelli. Es ist ein Unterschied zwischen dem Tanais und dem Hodensacke des Sitellius. Nun lag es nahe, an Stelle des unbekannten Eigennamens Sitelli den bekannteren Viselli zu setzen, und so las man den Vers Est inter Tanain quiddam cöleiimque Viselli. Da sprang nun meines Erachtens der Kommentator, mag es Porphyrio gewesen sein oder ein anderer, mit seiner Scheingelehrsamkeit ein und versitella nicht

kündigte

dem staunenden

Leser, Tanais sei ein spado, Visellius ein

homo Jierniosus gewesen. Der Vers fand jedoch noch keine Ruhe. Es kam der pedantische Metriker, dem die Synizese bedenklich vorkam, mit der wegen der Länge des ö die Form cöleiimque dreisilbig zu lesen ist, und dieser änderte das cöleum in socerum, wobei die frühere Erklärung recht gut stehen bleiben konnte, so daß statt des Visellius sein Schwiegervater das Gebrechen aufgehalst erhielt. Die einzelnen Stadien, welche die lectio genuina bis zur heutigen Vulgata durchlaufen, wären also meiner Vermutung nach folgende collumque (Est inter Tanain quiddam) collumque sitellae Sitellae



cöleiimque Sitelli



cöleiimque

Viselli

— — soccrumque

Viselli.

HERMANN SCHICKINGER.

Linz.

Zur

Inschrift von Ain-Wassel.

A. Schulten hat über diese wichtige Inschrift im Hermes XXIX 204 ff. einen vorzüglichen Kommentar veröffentlicht. Doch sind darin, wie mir scheint, einige Fragen nicht einwandfrei beantwortet worden. In den folgenden Zeilen werde ich versuchen, dies zu zeigen. Schulten meint, daß die lex unseres Steines eine wörtliche Kopie der ebenda I 4 f. (legis divi Hadriani), I 8 (legis Hadrianae) und II 11 (lege Hana unzweifelhaft lege Hadriana) erwähnten

=

Hadriana oder

derselben ist. Diese heißt es nach der sciptam (für scriptum) intulit exemplum legis Hadrianae. Aber nach einer Vermutung, die wegen des am Ende der betreffenden Zeile noch vorhandenen Raumes sehr wahrscheinlich ist, dürfte legem infra scriptam intulit (ad) (oder secundum) exemplum l. zu lesen sein. Dann haben wir schon hier einen Fingerlex

eigentlich ich, ist nicht

Ansicht, glaube Überlieferung: legem infra

H

|

eines

richtig.

Teiles I

6—8

|







139

MISZELLEN. zeig,

daß unsere

Denn

eine lex, dieselbe,

nicht

lex keine wörtliche Abschrift der lex

Hadriana

ist.

ad exemplum legis gemacht worden ist, kann sondern muß eine andere sein. Am besten aber die

man, daß Schulten nicht recht

hat, aus unserer lex selbst. fängt m. E. I 13 mit dem Worte omnes an. Wenn nun I 13 II 10 aus der lex Hadriana entnommen wäre, würde es unmöglich sein, zu sagen: id ins datur, quod et lege Ha(ß,ria)na comprehensum, wie überliefert, oder id ins datur, quod est l. H. comprehensum, wie emendiert wird. „Das(selbe) Recht wird gegeben, wie es durch die lex Hadriana zusammengefaßt ist", kann nur gesagt werden, wenn von einem anderen, von der l. Hadriana verschiedenen Gesetz die Rede ist. Zu demselben Schluß führen anos de rudibus agris et iis, qui per uns die Worte lege Hana continuos inculti sunt (II 11 ff.). Man sieht daraus, daß die lex Hadriana im allgemeinen über rüdes agri handelte. Darin wurden also nicht die saltus, die hier mit Namen erwähnt werden {Blandianus, Udensis usw.), genannt. Auch aus diesem Grunde kann man nicht annehmen, daß 1 13 II 10 (13) eine Kopie der lex Hadriana ist. Dasselbe gilt aber dann natürlich für II 14 III 7, da auch hier dieselben saltus genannt werden. So bleibt noch III 7 18 übrig. Was diesen Schluß betrifft, ist es nicht zu leugnen, daß es ein Teil der lex Hadriana sein könnte; wir haben aber

sieht

Die

eigentliche

lex

.

.

X

.



keinen Beweis dafür. Aus den Worten omnes partes agrorum (I 13 f.) ..., quae in centu(riis finitim)is saltus Blandiani Uden(sisque et i)n Ulis partibus su(ii£), quae ex saltu Lamiano et Domitiano iuncta Thusdritano sunt nee a conduetoribus ex(er)centur (II 2 ff.) hat Schulten geschlossen, daß dem saltus Tintsdr itanus Teile von vier angrenzenden saltus (Blandianus, Udensis, Lamianus und Domitianus) zugeschlagen wurden. Darüber äußert er sich (S. 219) folgendermaßen: „Entsprechend den zum s. Thusdritanus geschlageneu {iunetae) Parzellen des s. Domitianus und Lamianus, die nachher genannt werden, werden auch vom s. Blandianus und Udensis zum s. Thusdritanus Parzellen geschlagen" und (S. 220) „Die Auffassung, daß der s. Thusdritanus mit Teilen von vier angrenzenden saltus (Blandianus, Udensis Lamianus, Domitianus) verbunden sei, bestätigt die Fassung (II 14 ff.)." Aber an unserer Stelle wird ausdrücklich nur für Teile der saltus Lamianus und Domitianus gesagt, daß sie zu dem s. Thusdritanus geschlagen wurden, Das wird auch III 4 ff. de his quoque r{elictis partibus, quae) ex Lamiano et Domit(iano saltu hni)ctae Thusdritano sun(t) gesagt. Für die übrigen zwei ist es weder an der ersten noch an der zweiten Stelle ausgesprochen. Schulten aber findet, daß den eben zitierten Worten das ex Blandiano et Udensi saltu II 14 ff. entspricht, und daß die ersten die genaue, die letzten eine abgekürzte Formulierung sind (S. 220). Mit anderen Worten ex Blandiano et Udensi saltu sollte eigentlich bedeuten: n ex partibus, quae ex Blandiano et Udensi saltu iunetae Thusdritano sunt". Ist dies glaublich? Ich denke nicht. Denn diese zwei Stellen entsprechen einander nicht nur nicht, sondern sie be-





140

MISZELLEN.

zeichnen sogar einen Gegensatz. Wenn nicht ausdrücklich gesagt ist, daß Teile des saltus Blandianus und Udensis einem anderen saltus zugeschlagen wurden, während man dies gleichzeitig für den s. Lamianus und Domitianus ausspricht, so läßt sich dies nur so erklären, daß für jene nicht dasselbe gilt, was für diese zwei anderen, daß sie also integri geblieben sind. So finden sie sich auch nicht in dem Ulpianus L. 6 C. de omni agro deserto ... (11, 59 [58]) vorgesehenen Falle: ut quisque conductor fuerit inventus possessor fundi, qui ex publico vel templorum iure descendit, huic ager iungatur inutilior. Ist dies richtig, so wird auch die Ergänzung II 2 f. in centu(f'iis Der, welcher glaubt, daß Parzellen des fmitimyis problematisch. saltus Blandianus und Udensis zum saltus Thusdritanus geschlagen wurden, wird sich natürlich die ersten zwei saltus am ehesten als

dritten benachbart denken. Wir aber haben keinen Grund dafür. Statt ßnitimis wäre es vielleicht besser, desertis (oder incidtis) zu setzen. II 7 f. nee a conduetoribus ex^er^centur bezieht sich vielleicht nur auf den saltus Lamianus und Domitianus, nicht auch

dem

auf den

s.

Blandianus und Udensis.

Aus dem Ausdrucke proximo quinquennio

in

III 14

ff.

quas

partes aridas fruetum quisque debebit dare, eas pr(o)ximo quinquennio ei däbit, in cuius conduetione agr. oecupaverit', post it tempus rationi(bus) hat man den Schluß gezogen, daß der conductor auf fünf Jahre pachtete. Schulten bemerkt mit Recht, daß dies nicht gestattet r ist. as er aber daraus entnehmen zu können glaubt, ist ebenfalls nicht richtig. Er meint: „Da aber bei fünf Pachtjahren die Okkupation z. B. im dritten Pachtjahre beginnen kann, so setzt ein folgendes Quinquennium eine längere als fünfjährige Pachtperiode voraus. Wir lernen also vielmehr, daß die kaiserlichen saltus auf mehr als fünf Jahre verpachtet wurden". Man sieht, daß nach Schulten der Okkupant seine Fruchtquote fünf Jahre demjenigen Conductor zu entrichten hatte, der ihm den Acker gegeben hatte. Das würde aber heißen, daß der Conductor in den letzten fünf Jahren keine Okkupation erlaubte, da ihm sonst der Okkupant nicht fünf Jahre, sondern weniger lan^e seine Quoten hätte entrichten können. Dies ist natürlich nicht mö^licli. Man muß annehmen, daß der Conductor, dem die Quote zu entrichten war, nicht derselbe

W

mußte, welcher die Okkupation bewilligt hatte, sondern auch nachfolgender. Zwar gestattet der Ausdruck III 16 ei dabit, in cuius conduetione agr. oecupaverit diese Erklärung nicht das heißt nur: 'demjenigen wird er dies geben, während dessen Pachtperiode er den Acker okkupiert hat', aber dem wird nicht so große Wichtigkeit beizulegen sein; es läßt sich wohl annehmen, daß oecupaverit im Sinne von oecupatam liabebit steht. sein

ein



Belgrad.

N.

VULIC.

MISZELLEN.

141

BVRCA. CAIA. Unter den Vergilglossen

CGL. IV

steht

43426 clauaca burca 432" 15 burca clauaca.

Nach verunglückten Versuchen anderer, die man im VI. des CGL. unter cloaca und bor da nachlesen kann, habe zuletzt in den W. Stud. diese Stelle besprochen sie sich beziehen muß auf den Vergilvers:

und

festgestellt,

B. ich

daß

immanemque Gyan sternentis agmina claua. Aus dem Rest suchte ich a. a. O. die cäbutta der Iren zu

BVRCA

gewinnen, sehr ansprechend ffewiß, aber voreilig. Denn ist völlig heil und lediglich Weiterbildung von bura, buris, genau nach dem Muster von baris barca (aus barica). Rh. Mus. XL1I 583. Das beweist die dem Deminutiv bar cell a entsprechende Form burcellum im Liber monstrorum I 12 (Haupt Opusc. II 215) TJlixes magnum burcellum iecit in ocnlum eins. Der Geschlechtswandel versteht sich durch zugedachtes Substantiv ganz wie bei aruus (ager), arua {terra), aruum (opus, iugus?) da das Wort eigentlich Adjektiv ist „zum Krümmel geeignet". Es erübrigt also noch zur völligen Klärung der Glosse die Deutung der Silbe CA. Sie ist Überrest eines dritten Synonyms. Vgl. Isid. Or. XVII 7, 7 claua .... haec et caia, quam Horatius cateiam dicit, dazu bei Fulgentius sogar ein Verbura caiare. Die Glosse lautete also einmal: ,

,

claua, ca(ia), burca

und

man

ia als ict (idest) faßte. Zu guter Letzt heißt caia? Offenbar hat irgend ein Dichter sein unzertrennliches Handgewaffen seine Braut genannt, ganz wie unser Körner im Schwertlied: „Als wärst du mir getraut, als eine liebe Braut" ubi ego Gaius, ibi tu Gaia. Diese Metapher scheint zudie

entstellte sich,

da

Was

Frage:

=

und selbst wenn Fulgentius nicht lügen sollte, so bei Plautus denselben Sinn gehabt haben. Der Schwiegervater in spe prügelt einen lästigen Bewerber hinaus und sagt „ego grunde zu

liegen,

kann caiare

te

caiabo" ich werde dich „bebrauten".

Wien.

J.

M.

STOWASSER.

Bemerkungen über den Codex Parisinus Latinus 7985. Der

Codex Parisinus 7985 (bei O. Keller, Pseudacronis in Horatium vetustiora I, pag. VII mit l bezeichnet), auf Papier geschrieben, dem XV. Jahrhundert angehörig, ist von Keller

scholia

dem genannten Buche absichtlich nicht herangezogen worden (praefatio p. VII), weil die ältere Handschrift Partsinus 7988 (p) vorhanden ist. Da es mir durch die Freundlichkeit Professors Keller gegönnt war, l zu vergleichen, so seien mir einige Bemerkungen

in

über diesen Codex gestattet, die sich auf die Scholien beziehen, die im ersten Bande von Kellers Ausgabe vorliegen.

142

MISZELLEN. zur Familie V c p. Die Verwandtschaft mit c p deutlichsten der Umstand, daß er gemeinsam mit diesen

gehört

Z

am

beweist

von Epod. 15, 1 bis 17, 53 geht und Epod. 17, 53 mit dem Worte respondentem wie cp abschließt. Ferner zeigen von Epod. 17, 8 ab die Scholien in Z wie die in cp von V Abweichungen. Endlich macht Z im Carm. saec. zu einigen Vergilzitaten dieselben Zusätze wie cp und überliefert wie diese einige Scholien, die sich in A nicht finden. Daß aber Z derselben Sippe wie V cp angehört, erhärtet die Tatsache, daß in den genannten Handschriften von C. II 20 bis zum Schluß dieses Gedichtes keine Erklärungen vorhanden sind. Der Codex ist sehr nachlässig geschrieben. Bei Homoeoteleuta sind fast durchaus eine oder mehrere Zeilen übersprungen. An den vielen leer gelassenen Stellen sind nicht immer griechische Worte einzusetzen, meistens lateinische, so C. I 35, 16 (quia magnae), II 3, 13 {instrumenta), II 3, 17 (Terentius bene), II 7, 10 (Parmula (notandum tarnen), II 15, 15 (cura), relicta), II 7, 3 Die Vorlage war somit nicht II 16, 22 (iielis curas) u. v. a. mehr überall lesbar. Auch sonst zeigt sich oft die geringe Güte des Z in schlechten Lesarten, wie sie so späten Handschriften überhaupt eigen sind. Indes weist Z manche auf, die keine andere hat. So liest man C. I 4, 5 (Keller 33, 4) saltatibus 1 ), was Keller als richtig in seinem Texte stehen hat. Man sieht deutlich, daß der Schreiber erst saltantibus hatte, dann das n tilgte und darüber den Verbindungsstrich zwischen a und t zog. C. IV 2, 27 (K. 331, 16) lesen sämtliche Handschriften in Calabriae saltu Matinae statt Matino, was Z überliefert. Auch C. IV 2, 13 (K. 330, 11) in dem Vergilzitat hat Z richtig Elei metas. In C. III 18, 10 wird in b V: Faunorum culta gelesen. Keller schlägt dafür im Apparat (285, 2) cultus vor. Diese Lesart hat Z. Daneben kommt noch die Orthographie in Betracht, in der Z manchmal allein die richtige Form hat. So diiliyrambus mit th und y C. IV 2, 10 und 11, wo die übrigen Handschriften das nicht besitzen, während das y bloß V hat. Z schreibt auch sylla-





AV

'

]t

(C. IV 2, 11), C. I 5, 14 metapliora (mit r v). Doch will ich diese Seite des Z nicht allzuviel Gewicht legen. Was nun die Stellung von Z in der Familie cp anlangt, so stimmt er öfter mit zusammen als c p. Als Beweis diene folgendes. In der Angabe des Metrums in den Carmina weichen cp oft von P oder V ab. Z hat, abgesehen von Fehlern, dieselbe Überlieferung wie P, beziehungsweise wie Bf, in C. I 2 (Keller 20, 11 14),

barum auf

V

V

A

B



A

1 3

10-12),

(27,

17—20),

I

I

6

(38,

9(47, 24—48,

6),

3—4), I

I

11 (53,

7

(40,

2—8),

16—18), I

14

(63,

I

8

(45,

22—23),

16 (71, 11—17), I 17 (75, 19—20), I 18 (80. 3-4), I 19 (83, 8), I 21 (88, 3—4). In den angeführten Stellen sindcp mit sim. hinter den anderen Handschriften genannt. In C. I 4 weichen cp und Z nicht von ab, ebenso I 5, I 10, I 12, I 13 (B V et), I 20; C. I 15 geht Z zusammen mit cp und unterscheidet sich von

I

7



Arv

')

Sultationibus hat dafür der Vatic. Lat. 4611.

'

MISZELLEN.

ABV.

143

V

erst mit C. I 19; aber von C. I 20 bis an V in der Bestimmung des Metrums an. Im zweiten Buche der Carmina hat V zu 7 eine Angabe, Im dritten Z nicht, wogegen zu C. II 18 Z mit V übereinstimmt. Buche ist gleichfalls Z auf Seite des V\ letzteres gibt zu III 3 und 12 das Metrum an; in III 10 hat V auch die Worte von ABVh: sed V fort. alt. m. sagt der Herausgeber und Z gibt ihm Recht, da es nichts überliefert. Weder V noch Z erklären das Metrum im vierten Buche. Für die Epoden liest man über das Metrum zu V Z, ebenso zu 11 (417, 12. 13), während 417, 1 (378, 7-9) in 10. 11 V allein vorhanden ist. Die nahe Verwand schaft des Z mit V zeigt sich in dem Umstände, daß er nur wenige Schoben mehr enthält als V. Und. durch diese werden auch cp als nächste Verwandte nachgewiesen, weil sie durch cp gleichfalls belegbar sind. Aber cp unterscheiden sich dadurch von £, daß sie weit mehr andere Erklärungen aufweisen als Z und als V. So haben cp in C. I 22 das Scholion zu V. 3 Fertili arbos (Hauthal I 87, 9. 10), ferner V. 13 Virgüius extulit mit den weiteren Worten in c: hec decios mar tos magnosque camillos;V.lb Virgüius semina; V. 17 Virgüius Cauri. Alle diese Erklärungen fehlen in Z. Eine Reihe von Scholien stehen zu C. 124 in cp, während Z keines derselben gibt. Dasselbe gilt für C. I 25. 26. 28. 31. Ein Scholion enthalten cp mehr als Z in C. I 19,1.120, 2 und an anderen Stellen. Solche Erklärungen, die cp, aber nicht I

Allerdings beginnt

38 schließt sich

Z

stets









Z zukommen, finden sich auch in C. I 3. wo V noch fehlt. Für die sonstigen Scholien mögen

sein,

in

denen

mit

13.

15.

16. 17. 18,

Stellen angeführt eine andere Fassung

einige

A

V stimmt, wogegen 6 (14, 26—28), 10 (15, 21), Z

10.

6.

c

p

15 (17, 1—3). 25 (18, 1 1, 10—13), 32 (19, 10. 11), 32 (19, 12. 13), 34 (19, 20—23), 35 (20. 3. 4), 35 (20, 6. 7 ); 1 sq. I 2, 1 (20, 15-21, 5), (21, 6-11), 1—4 (21, 13—16), 7 (21,26—30), 7 (22, 1. 2), 9 (22, 8-18), 13 (22, 23-23, 2), 14 (23, 3—5), 15 (23. 6—10), 17 (23, 14), 17 (23, 16. 17), 18 (23, 21. 22), 20 (23, 24-24, 9), 23(24. 10— 13), 25 sq. (24, 14—16; 17—19), 27 (24, 20—22), 31 3—5), 32 (25, (25, 8—12), 33 (25, 13—17), 35 (25, 18—20), 36 (25, 23—26), 37 (25, 28. 29), 38 (26, 1—5), 41 (26, 8—14), 42 (26, 16—19), 47 (26, 24. 25), 50 (27, 1. 2), 51 (27, 4—7). I 20, 11 (87, 23. 24). Außerdem kommen solche Scholien vor, in denen c oder p von A T abweicht, wogegen Z es mit diesen beiden hält. Dahin gehört C. I 1, 3 (K. 14, 8. 9. 10—13), 5 (14, 20. 21), 9 (15, 15-20), 20 (17, 15. 16), als Belege für p Z, dagegen für c Z C. I 1, 8 (15, 12. 31 (19, 6—8). Diese 13), 26 (18, 14. 15), 29 (18, 30—19, 3),

haben. C.

1

Stellen ließen sich stark vermehren.

Vergleicht man damit die Scholien, in denen cp Z gemeinsam nicht denselben Text wie V bieten, so ist deren Zahl weit geringer: C. I 1, 1. 2(13, 11—15), 15(17, 4-7), 33(19, 17—19); pl

A

')

An den zwei

letztgenannten Stellen

ist Z

=

r

et

v

=

f.

144

MISZ ELLEN.

AT

weichen von ab in I 1, 20 (17, 17. 18), 2, 6 (21, 22—24); et dagegen sind nur mit einer Stelle vertreten: C. I 1, 19 (17,9. 10). Schon durch diese Zahlenverhältnisse ist erwiesen, daß Z mit der Tradition A l~ mehr zu tun hat als cp, also auch mit V mehr als

mit cp.

Wie steht Z zu V von C. I 19 ab? Die Verwandtschaft beider Handschriften zeigt sich zunächst darin, daß Z in fast allen Fällen steht, wo V vorhanden ist. Eine Ausnahme davon bilden ganz kurze Scholien und die Erklärungen, die aus einem Worte bestehen. Für diese versagt Z meistens; z. B. C. I 26, 12. 35, 19. III 2, 4. IV 3, 12. 4, 34. 57. 65; 120, 9. 33, 10. III 2, 29. 4, 33. 30, 1. Besonders häufig fehlt Z für Worterklärungen im vierten Buche der Carmina. Das Fehlen mancher Erklärung wird auf Rechnung des Urhebers der ZI-Tradition, seltener auf die des Schreibers zu setzen sein. Auch das Gegenspiel findet statt: Z ist mit dem Scholion vertreten, V dagegen nicht. Ich nenne folgende Stellen: C. I 24, 6 (95, 15. 16), 25, 15 (96, 16), 26, 9 (101, i-4), 32, 13 (117, 18—20), 34, 9 (120, 22. 23), II 3, 10 (147, 10), 9, 1 (164, 5-8), 10, 6 (167, 11, 18 (171, 14. 15), III 1, 1 (207, 5-11), 4, 30 (233, 5), 57 (236, 24—237, 2), 12, 10 (271, 15—18). 17, 8 (282, 11—13), 19, 7 (287, 8), 20, 14 (290, 24. 25), 24, 24 (300, 1. 2), 27, 75. 76 4). Sieht man nach der Tradition der genannten Scholien, (313, 1 so ist sie gut; überall ist A vorhanden und wenigstens ein Vertreter der T-Rezension, meistens T oder P oder V b, f~ a, so daß auch wieder hier sich zeigt, daß Z einer alten Rezension angehört, die mit A viel gemeinsam hat *). Dagegen trifft es sich selten, daß Z mit T b allein eine Mitteilung bietet, wie C. IV 8, 17 (354, 7—10). Sonst ist Z nicht vorhanden, wenn V ein Scholion nicht enthält, so C. I 27 (101, 15. 16), II 9, 9 (164, 21), 20, 2 (205, 10), III 24, 32 (300, 22), 27, 62 (312, 3), IV, 9 (355, 10. 11). C. I 20, 9 (87, 17 2 ) haben cp Z das Scholion nicht, V enthält es nicht auf dem Rande, sondern unter den Glossen. In den beiden ersten Stellen fehlen auch C p, wahrscheinlich in der dritten, dann in der fünften; K. 312, 3 sind cp vorhanden. Somit geht Z auch hier wieder als nächster Verwandter mit cp. Diese beiden verhalten sich aber nicht durchgängig so, wie Z dort, wo V ohne Z steht. Denn C. I 20, 9. 26, 12. IV 2, 4. III 2, 29. 30, 1 fehlen auch cp, in C. I 35, 19. IV 3, 12. 4, 34. III 4, 33 haben cp die Erklärungen, weist p I 33, 10 stimmt p mit Ar V, c weicht ab; IV 4, 57. 65 das Scholion auf, c dagegen nicht. Es ergibt sich somit auch hier, daß Z innerhalb der Familie VcpZ dem V näher steht als cp. 7),

4,



Der

kritische

Apparat

lehrt

gleichfalls,

daß

VZ

viel



mit-

einander gemeinsam haben. 115, 26 mit VZ, 145, 5 idcst plebem bieten V Z\ 147, 22. 23 lassen VZ an beiden Stellen hoc est weg; (ebenso 253, 6 nuntius id est; 262, 14 id est; 266, 10 necessitas; a Alle Stellen sind auch in cp vertreten, wodurch neuerdings die Beziehungen mit diesen Handschriften dargetan werden. 2 Epo. 8, 8 hat bloß A das Scholion, VcpZ bieten es nicht, also )

)

wahrscheinlich interpoliert.

engen ist

es

MISZELLEN. 268, 12 duöbus;

10

235,

solutis signißcans

Vi;

145

immunem haben Vi; 237, 18 Vi; 244, 20

241, 5 autem fehlt in

crinibus

pocius de

armis und thyna (thimal) merce beatum ist die Stellung in Vi; 258, 20 respondit Vi; 259, 3 hat. V Magnae famae magnae formae, dieselben Worte enthält auch l; 99, 12 bietet V dei, l olei, was wieder auf die Ähnlichkeit beider Handschriften weist; 268, 4 epitheton V, epiteton l; 275, 8 uiuentem V, uiuentes l gegenüber iuuentae. Hie und da kommt noch eine andere Handschrift dazu, so 85, 22 r, das wie Vi ueneri wegläßt; ebenso 169, 26, wo est in r Vi fehlt; 150, 5 lesen r Vi fatorum. Es könnte noch eine bedeutende Anzahl von Stellen aufgezählt werden, in denen Vcpl ais gemeinsame Gruppe erscheinen; doch halte ich dies nach den beigebrachten für überflüssig. Dagegen muß ich auf eine andere Verbindung des V l hinweisen. 169, 7 hispanarum gens est pugnatrix liest man in v Vi; 236, 2 urbi in v Vi; 253, 11 fehlt opaco in v Vi; ebenso 236, 18 ut schreiben v Vi bellorofontis ; 255, 23 dicebantur v V l; 255, 25 acerra nicht in v Vi. In 179, 5. 15. 6 geht l gleichliest man ut





falls

mit v V;

hinter belli (Z. 5) setzt

einen Doppelpunkt und

es

Utrunque omnia dida supra digna sacro silentio. In anderen Beispielen treten zu v Vi noch andere Handschriften. So

hat

dann



typhoeus ist bieten quiescentes V a Vi; 235, 6 posuit r\Vl; 236, \6 ut nicht in Vi vorhanden. 238, 11 a deo steht in V 'bf Vi, 238, 15 uirtutes in T ab f V cl; 241, 17 insigne Vi. An allen angeführten Stellen erscheint v Vi; ob noch ein oder mehrere Manuskripte dazu kommen, ist gleichgiltig. Dies gilt zunächst für T ',

Ev

Arav

'

dann auch für r, a, E, b, f, die alle in weiterem Sinne zur ["- Rezension gehören. Wenn 241, 17 auch erscheint, so sieht man daraus

A

eine alte Tradition handelt. Wir kommen also hier zu dem Ergebnis, v Vi oder |~' Vi bieten für die Carmina eine ebenso alte Tradition wie für die Sermones. Keller hat Epod. 15 bis 17, 53 zwei Scholienmassen schon in der Anordnung geschieden. Auf den geraden Seiten steht die Überlieferung cp, gegenüber V V. Nun hat l auch alle Schoben, welche cp ausweisen; doch hat er 16, 50 51 bis magnos bei Seite gelassen (444, 5 8 magnos), ferner 16, 52 (446, 5 7) und 16, 57 (446, 8 9), wahrscheinlich durch Nachlässigkeit. Auffällig ist, daß außer cp l auch v an manchen Stellen erscheint; v aber ist bekanntlich eine Tradition, die vielfach mit geht. Ferner kommen Stellen vor, die in gleichfalls vertreten sind. Dadurch wird es klar, daß cpl in Epod. 15 bis 17, 53 teilweise eine ältere Überlieferung vertreten als T V. So ist es begreiflich, daß Keller cp einen besonderen Platz angewiesen hat. Für die gute Quelle der Rezension l spricht auch der Umstand, daß l in manchen Lesarten mit stimmt; dazu kommt l dann noch die eine oder andere Handschrift. 254, 19 haben die Lesart debeat; 126, 22 miscebit; 151, 3 briseidem ; 351, 18 nil. 109, 22 steht tutelam in Arl; 264, 1 in denselben Handschriften zulydis. In der Schreibung britiorum finden sich 259, 21 deutlich,



daß

es sich

um







A

V

A

A

Ajl

Wiener Stadien. XXVII.

1905.

10

146

MISZELLEN. 114, 22 haben ui ArapZ; 135, 6 cui Ar Vi; Ar aV l ut — facit weg; 126, 25 schreiben uel AjpZ', idest in ATacl, ebenso 327, 24 in A Vi autem,

sammen; lassen fehlt

Act

272, 5 331, 4 334, 2

A

und 346, 6 celebrantur. 313,2 est weisen cp Z früher darauf hingewiesen wurde, daß Z Schoben abgehen, aber in A vorhanden sind, so sind jetzt besitzt, die für einzelne Lesarten und Z wieder beieinander zu finden. Die eine Wahrnehmung ergänzt die andere und beide zusammen beweisen, daß Z an diesen Stellen von der ältesten Überlieferung der bieten

aus.

poetico

Wie schon

V

A

Pseudacronischen Schoben abstammt. Indes kann ich mich der Ansicht P. Wessners (Beil. philol. Wochenschrift 1905, S. 250) nicht anschließen, daß Z direkt aus A' geflossen sei. Denn, wenn Z mit A V stimmt, so ist der Einfluß des V zu beachten, wenn aber Z die Leseart von AV (oder Ar oder Aj) hat, dann ist der Durchgang durch die T-Redaktion nicht zu bezweifeln; denn A Z ist ganz selten. somit zwar als eine nachlässig geschriebene Z zeigt sich Handschrift, aber an einigen Stellen mit Lesarten, die als allein richtig bezeichnet werden müssen. Innerhalb der Familie VcpZ ist Z dem V mehr verwandt als cp. Die Übereinstimmung mit A V oder A T beweist, daß Z von der ältesten Überlieferung der Pseudacronischen Schoben abstammt. Für Epod. 15 bis 17, 53 vertreten cpt teilweise die Überlieferung des Codex A, was durch Keller, Pseudacronis scholia II p. 510 f. bestätigt wird.

JOHANN ENDT.

Smichow.

Zu Fronto

S.

152, Z.

3 (Naber).

Nach unseren Fronto-Ausgaben soll die bessernde und glosHand a. O. zu liber des Textes Mire bemerkt haben. Dies bestätigt Brakman (Frontoniana I 35) mit den Worten Mire sierende

iutercolumniaris. Daß die betreffenden Zeichen dem Rande, sondern zwischen den zwei Textspalten der

est glossa

nicht auf 385. Seite

des Ambrosianischen Palimpsestes stehen, ist allerdings richtig, aber Lesung selbst ist unzutreffend. Ich sehe vielmehr Misti, eine Verbalform, welche auch in dem bisher mangelhaft gelesenen Texte dieses Frontobriefes, aber eine Zeile tiefer sich findet und die der Korrektor offenbar als Seltenheit verzeichnet hat. Die Stelle kommt zu dem Belege bei Catull 14, 14, zu misse, wie Guyet bei Lucilius 742 (Marx) wohl richtig hergestellt hat, und den wenigen sicheren Beispielen von Zusammensetzungen mit mittere (Neue -Wagener, Formenl. III 500 f.) neu hinzu. die

Wien.

EDMUND HAULER.

Zur Rede des

Mus tsq)

rov Amouqysvovq kK^ou.

Die fünfte Rede des Isäus behandelt einen im ganzen klaren Rechtsfall, enthält aber in der Darstellung der verwandtschaftlichen

Verhältnisse Widersprüche,

die

zum

Teil

auf offenbarer Textver-

und schon mancherlei Erklärungs- und Emendationsversuche hervorgerufen haben. Der vorliegende Aufsatz stellt sich die Aufgabe, in knapper Form die schwebenden Fragen neuerdings zu entwickeln, die früheren Ansichten zu würdigen und, wenn möglich, einen bescheidenen Beitrag zur Lösung der Schwierigberuhen

derbnis

keiten zu liefern.

Vorerst das Stemma: Dikäogenes

r Menexenus au des lyaratus

I

I

I

I.

~\

I.

/\

Proxenus

I

Frau des Frau des Frau des Dikäogenes Demokies Kephisophon Theopompus

II.

Dikäogenes

III.

Harmodius

.1

I

Kephisodotus

jrecher

Die Familie, deren Geschicke und Verhältnisse uns vorgeführt Darauf weisen die

werden, gehört zur besten Gesellschaft Athens.

Würden und Amter, haben,

die Dikäogenes I. und Menexenus I. bekleidet Weihegaben an die Unsterblichen, die ebenso Frömmigkeit als ihren Kunstsinn zeugen, endlich die be-

ihre reichen

für ihre

deutende

Höhe

des strittigen Erbes 1 ).

Die Mitglieder des Hauses

und ff. im besonderen § 41 u. R. und namentlich § 42 xä dvaOriuaxa (am Ende des Paragraphen als orrdAuaTa bezeichnet), a Mevetevoc Aus § 35 outoc rpuuv TaXävxuuv iroincänevoc ätreöave irpiv ävaOeivcu (Dikäogenes III.) irapa\aßd>v töv KXfjpov Trap' r^uiiiv qpepovTa ,uic6cuav xoö l

)

Zur Einleitung

Blass, att. Bereds. II

2

vgl.

543

ff.

Schäfer,

Demosthenes

u.

s.

Z. III 1 2. 211

;

y<*P

Wiener Studien. XXVII.

i

1905.

LI

ARTUR LEDL.

148

haben

bloß

nicht

durch

zahlreiche

XeiroupTiai,

Tpirjpapxicu

und

Bürgersinn betätigt (§ 41), sondern auch der Reihe nach ihre Vaterlandsliebe mit ihrem Blute besiegelt: Dikäogenes,

eicqpopai ihren

des Hauses Ahnherr, Eleusis 446, sein

Dikäogenes 411

fiel

bei

einem Einfall

Sohn Menexenus

in

einem Seelreffen vor Knidos

dessen Sohn

(§ 42, § 6). Letzterer

Deshalb meldeten sich seine vier

hinterließ keinen leiblichen Erben.

Schwestern,

der Lakedämonier in

bei Spartolos 429,

die noch zu seinen Lebzeiten

hatten,

geheiratet

ver-

Männern als ihren Kupioi, beim Archon zur emnach Reiskes Vermutung biKacia K\r)pou. Aber auch Proxenus beanspruchte für seinen Sohn der Schwager des Menexenus I. 1 von

treten

ihren



)



Dikäogenes III. ein Dritteil des Erbes, indem er sich auf ein Testament berief, worin der Verstorbene seinen Neffen adoptiert hatte. Die Forderung wurde von den natürlichen Erben anerkannt (rj

biaöriKn] TncTeVjcavrec oi fiuetepoi -itaTepec eveijuavro tov KXfipov

[irj

ccutöv])

[-rrpöc

und

somit

ohne

weiteren Rechtsstreit

dem Dikäo-

genes III. das verlangte Drittel, den Töchtern des Menexenus der vom Reste auf jede entfallende Teil zugesprochen (§ 5 6).



Zwölf Jahre lang blieb jede der fünf Familien im ruhigen Besitze ihres Erbteiles. Allein einige Jahre nach Athens Kapitulation (404) der Redner sagt ungenau bucTuxncötcv)c xfjc rröXeujc Kai cidceuuc Yevouevrjc 2 ) zu einer Zeit, da sich die Nachwehen jener Schreckenstage auf allen Gebieten des öffentlichen und privaten Lebens noch immer fühlbar machten, erhob Dikäogenes III. auf das ganze Erbe Anspruch, indem er ein neues Testament vorwies (§ 7). Die Bestürzung der ahnungslos Überraschten kann man sich vorstellen. Es mutet uns an, als ob in den Worten § 8 fjueic



uev

ouv

uaivecGcu



auiöv

f]YOÜue0a

Tri

Xrjtei

eine Erinnerung

jugendlichen Sprechers an jene Tage nachklänge,

wo

des

er ein solches

im Kreise der Seinen öfters vernommen haben mochte.

Urteil

evmuTOÖ ÖY&on,KOVTa

|uväc

ergibt

sich,

wenn man

bei

der

Berechnung den

normalen Zinsfuß £tri bpotXMrj zugrundelegt (O. Schulthess, Die Vormundschaftsrechnung des Demosthenes 1899, S. 4), als Kapital die Summe von 11 Talenten. 1 Reiske zu § 46 u. R. (bei Dobson, orat. att. IV. B. p. 108), Schoemann ) Ausgabe S. 287, Droysen, Z. S. f. d. A. W. 1839, S. 582 Anm. Die Vermutung stützt sich nicht auf § 10 AiKCUOY^vr|C oütoci £yY ut< * t,jü &v Y^vouc, sondern

wohl auf die zumeist beachtete Sitte, einen nahen Verwandten zu adoptieren ferner auf die Namensgleichheit des Sohnes des Proxenus mit Dikäogenes L, da man ja an eine Namensänderung nach der Adoption nicht zu denken braucht. Van den Es, de iure famil. Lugd. Bat. 1864, p. 96. 2 Daß die Redner oft auf Athens Niederlage im peloponnesischen Kriege in dieser Weise anspielen, ist bekannt; ich erinnere nur an Lys. XII 43, XIII 3, )

XXX

10.

ZUR REDE DES ISÄUS

149

usw.

Dikäogenes hatte leichtes Spiel. Von den Männern der in ihrem Erbe bedrohten Schwestern war nur mehr Polyaratus 1 ), der Vater des Sprechers, am Leben 2 ). Die drei anderen Familien waren fast ganz in seinen Händen. Denn die Witwen nach jenen Männern waren, da sie noch keine erwachsenen Söhne besaßen, in die Tutel ihres nächsten männlichen Verwandten, des Dikäogenes III., des

Adoptivsohnes sagt

— eTTirpoTTOC

gekommen.

toten Bruders,

ihres

somit ihr KUpioc;

er

war aber auch

der

Nachkommen

— des

Ihr

Gegner war

das wird

ausdrücklich ge-

Theopomp

(§ 10), vielleicht

auch des im § 9 genannten Mädchens. Leicht fand er Leute, die So kam es, daß die Echtheit des Testamentes bezeugten. Polyaratus unterlag, als er das Testament vor Gericht anfocht. Das ganze Erbe wurde dem Dikäogenes zugesprochen und dem

ihm

')

Droysen hat der Vater

äußert,

in

des

der Z. S.

Sprechers

f.

sei

d.

A.

W.

identisch

S.

914 Anm. die Vermutung ge-

mit

dem

bei

[Dem.] 40, 6

er-

wähnten Polyaratus Cholargeus, der nach dieser Stelle drei Söhne: Menexenus, Bathyllus und Periander und eine Tochter hatte. Die Kombination beruht einerseits auf der Namensgleichheit das Demotikon und andere Geschwister des anderseits auf den Worten des § 34 Sprechers werden in u. R. nicht genannt i'v a .... (ur) |uövov xä övö|uaxa aüxibv [xüjv -rrpoYÖvujv] e'xuj^iev dXXä Kai xä Xpnuaxa, woraus man schloß, daß der Sprecher wie sein Großvater Menexenus geheißen habe. Ich glaube, nur besonnen gehandelt zu haben, wenn ich diese Hypothese in meine Darstellung, bezw. Argumentation in keiner Weise hineinzog. 2 Dem widerspricht nicht § 7 erreibn, £vei'|uavxo xöv KXrjpov £K€Kxr|xo exacroc öujoeKa £xr) ä eXaxe. Denn damit können jene Männer nicht eigentlich gemeint sein, da das Tochter- oder Schwestererbe in die Hand des Gatten nicht übergeht. Für meine Behauptung berufe ich mich auf den § 9, den ich auch aus anderen Gründen vollständig zitiere: koi r]ueic uiv Kaxau)eubo|uapxupn.6evxec dmjuXecaiuev xä övxa Kai -fäp 6 -rraxrip oü ttoXXüj xpövai ücxepov |uexä xrjv





.

)

.

.



öiKnv exeXeüxr|ce, iTpiv eireteXÖeiv oic eTrecKrmmxo xujv luapxüpuuv. bä irpöc

r^uäc

uüc

IßoüXexo

Kriqpicoqpaivxoc xoö TTatavi^uuc

ä-fujvicduevoc

xrj

euyaxepa Ik xoO

aüxrj

rm^pa

AiKaioy^vvic

eEr^Xace

|udpouc, ä6eXqpiof)v

fxäv

xr|v

oöcav AiKaio-

Yevouc xoö KaxaXnrövxoc xd xp^^axa, dqpeiXexo oe xn,v AniuoKXeouc ^evopLevr]v YuvaiKa, a AiKaiof£vr|c doeXqpöc ujv £ouuKev, dcpeiXexö xe Kai xr)v Kncpicooöxov Wenn es eingangs heißt ko.1 r)|ueTc Kaxa|ur|xepa Kai aüxöv xoöxov äiravxa. HJ6übo|uapxupr|0evx€C, dmjuXecaiuev xd övxa, so sind darunter alle vier Familien gemeint, wie § 7 fiuqpecßtyrei rmtv ctTravxoc xoö KXn,pou und § 8 rnuetc |u£v ouv |naivec9ai aüxöv i*|YOü|H€9a. Denn allen vier Familien wurde ja das Erbe streitig

gemacht und auch auf Grund des fälschlich bezeugten Testamentes widerrechtlich entrissen. Dazu habe, sagt der Sprecher, nicht wenig der Umstand beigetragen, daß sein Vater Polyaratus aus dem Leben geschieden sei, ehe er gegen die Zeugen des Gegners klagbar geworden war. War denn dieser der einzige, der den Eintritt des Unglücks hätte aufhalten können? Man sollte doch denken, daß er sich zu jener Klage mit seinen Schwägern verbunden hatte, oder daß diese nach seinem Tode an seine Stelle traten; geschah dies nicht, so waren sie offenbar nicht mehr am Leben. 11*

ARTUR LEDL.

150 Polyaratus

blieb nichts übrig, als die

Zeugen des Gegners

vyeubo-

uapxupiüjv zu belangen; er leistete auch die em'cKrmnc, aber an der

Ausführung seines Vorhabens hinderte ihn der Tod. Und wieder vergingen mehrere Jahre. Inzwischen wuchsen die Söhne der beraubten Schwestern heran, fest entschlossen, sich ihr gutes Recht zu erkämpfen. Zuerst zog Menexenus IL, wohl der älteste der Vettern, einen jener Zeugen, namens Lykon, vor Gericht und setzte dessen Verurteilung durch *). Allein Dikäogenes verstand es, den jungen Mann auf seine Seite zu bringen, indem er ihm die Übergabe seines Erbteiles versprach, falls er von der Verfolgung der übrigen Zeugen abstünde (§ 13 14). Kaum aber hatte er seinen Zweck erreicht, machte er auch schon keine Miene mehr, das geschlossene Übereinkommen zu halten. Menexenus erkannte endlich die Täuschung und schlug sich wieder auf die Seite seiner Vettern, die nun auf den gegen Lykon einmal errungenen Erfolg gestützt, gegen Dikäogenes selbst mittels einer dvabiKia (Meier-Schoemann, 2 att. Proz. II S. 612 u. 973 ff.) vorzugehen beschlossen (§ 14). Der Sohn des Polyaratus, der Sprecher u. R., und Kephisodotus, der Sohn des Theopompus, waren die Kläger, und zwar erhoben sie auf das ganze Erbe Anspruch 2 ). Bei der Anakrisis jedoch legte in



Wenn der Sprecher im § 35 von Dikäogenes III. sagt KapiTUKd|U€voc aüTÖv [töv K\fjpov] Ö6Ka £tit\, so braucht man als Ende dieses Zeitraumes nicht den Tag anzusetzen, an dem er die Restitutionsklage beim Archon einreichte, sondern darf jene Zeitangabe wohl auf die Gerichtsverhandlung beziehen, in der unsere Rede gehalten ist. Beide Prozesse zogen sich infolge der Quertreibereien des Gegners bedeutend in die Länge und mögen beinahe ein Jahr gedauert haben. Die Zeugenklage gegen Lykon mochte ein bis zwei Jahre vorher unternommen worden sein. 2 der Gegenüberstellung im § 12 MeveEevoc .... äveijnöc üjv Krjqpt) Aus coböxuj TOUTUii (cf. § 2) Kai e|uoi kann man entnehmen, daß Menexenus bei der Gerichtsverhandlung nicht anwesend ist, ferner daß in der weiteren Erzählung unter f)ueic nur die beiden letzteren gemeint sind, obwohl es im § 14 heißt: J

)

äoiKrjöeic be [ö MevdEevoc] üttö AiKctioyevouc

nun im

|ne9' r^uüjv

irdtX.iv

e'-rrpaTtev.

Wenn

Kax" aYX lCT£ i av Kai eXdxouev tö |aepoc e'Kacroc, so sind die letzten Worte entweder so zu verstehen, § 16 gesagt

wird eboEe Te

r]|uiv

XaxeTv toö

KÄ.r)pou

daß jeder der beiden Vettern oder daß jede der vier Familien die Xf)Eic unterOhne mich bestimmt zu entscheiden, will ich nur daran erinnern, daß nach § 26 eine yuvr) existiert, der nach § 27 dasselbe |u^poc zukommt, wie der nimmt.

Mutter des Sprechers, von der jedoch kein Sohn und schon gar nicht ein erwachsener genannt ist. Sie mußte sich daher bei der Xf)Eic xoö KXr)pou von ihrem Gatten Da dieser aber bei der biKn, (TTpwTCtpxibr)c) als ihrem KÜpioc vertreten lassen.

eYYÜUC g e g en Leochares nicht als Kläger auftrat, wie ich aus der Art, wie im § 27 als Zeuge vorgeführt wird, schließen zu können glaube, so dürfte ebenso wie Menexenus,

auch nicht an der

b\Kr\

u/eubouapxupiuiv

als

er er,

Kläger be-

ZUR REDE DES ISÄUS

151

usw.

Dikäogenes Namen dessen Freund Leochares, gegen den ja auch unsere Rede gehalten ist, die biauapxupia ein, uf| embiKOV elvai töv Daraufhin schritten die Vettern zur Zeugenklage, bei der xXfjpov. sie ihre Sache so erfolgreich verfochten, daß sie die Richter völlig für sich gewannen. Schon war die Abstimmung vorgenommen und die Stimmsteine aus der Urne geschüttet worden, um ausgezählt

wandte sich Leochares, seine Niederlage vorausGegner mit der inständigen Bitte, davon abzusehen; und Dikäogenes erklärte sich zu einem Vergleiche bereit, kraft da

zu werden,

sehend, an die

dessen er

den Schwestern

toten Adoptivvaters wieder

seines

Auch

zwei Drittel des Erbes abtrat.

stellte er

zwei Bürgen,

die

den



genannten Leochares und einen gewissen Mnesiptolemus (§ 16 18). Da aber hierüber ein Protokoll nur in aller Eile und ohne genaue

Bestimmungen aufgenommen worden war, während die Details wenn auch vor Zeugen, abgemacht wurden, gelang es

mündlich,

dem Dikäogenes, sich der Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen zu entziehen und den Gegnern neue Ungelegenheiten zu bereiten (§ 19 25). So blieb den Vettern nichts übrig, als Leochares



mittels

einer

biKn.

epfi)r|C

zu belangen,

ihrem Rechte zu kommen.

um

diesem Prozesse

In

Rede von dem Sohne des Polyaratus

verfaßte

solche

auf

die

ist

gehalten.

gehen wir nun

Soviel über die Vorgeschichte des Prozesses;

über zur Besprechung der

Nach dem

Weise zu von Isäus

strittigen Stellen.

Brüder und BruderSöhne eines toten Bruders erhalten den Teil, Ob aber der auf ihren Vater entfiele, wenn er noch lebte 1 ). Schwestern und Schwesterkinder gleichfalls in stirpes oder jedoch söhne

attischen Erbfolgegesetze teilen

in stirpes;

in capita

d. h.

läßt

teilten,

sich aus

unseren Quellen

nicht mit voller

Sicherheit entscheiden. Zu der zweiten Annahme scheinen gewisse Angaben u. R. geradezu zu zwingen. Im § 9 (zitiert unter Anm. 2 S. 149) nennt nämlich der Sprecher unter den aus ihrem Erbe Verjagten eine Nichte des toten Dikäogenes IL, und zwar die Tochter

des Kephisophon. KnqpicocpüüVTOC

gewesen

teiligt

uöc sein.

Dieses

Mädchen

einen

Bruder,

Vermutlich

nach § 12 MeveEevoc 6 noch mehrere Jahre nach

besitzt

der

brauchte nur einer der Vettern die Klage zu

führen; drang er damit durch, so wurde eine neue eirioiKacia notwendig, bei der

Ansprüche vorbringen konnte. Macartatea [Dem.] XLIII 51 lautet: eäv ö&eXqpol

jeder, der sich berechtigt hielt, seine l )

Das Gesetz

in der

öuoiräTopec [Kupiouc eivcu tujv Tr}v

xoO

Anm.

irorrpöc

270.

noipav

xp\-\\xä"zujv]- kö!

\ciYX<* veiv -

wcw

eäv iraToec eS ööeXcpüJv fvr]aoi,

^7 gl- Meier-Schoemann,

att.

Proz. II 2

S.

5-2.

ARTUR LEDL.

152 jener Vertreibung

Worte

eHriXace ex

auffassen,

unter

kann man

so

den Lebenden

toö uepouc nicht als

kaum

sich

war. bloß

man

Will

also die

Wendung

rhetorische

der Schlußfolgerung entziehen,

„daß der im § 9 genannten dbeXcpibf) neben ihrem § 12 genannten Bruder eine besondere Berechtigung zugestanden habe".

Darauf hat Bunsen (de iure hered. p. 27/8) die Lehre gedie auch Schoemann (Ausgabe S. 288) vertritt: „sorores defuncti non modo cum aliarum sororum sed etiam cum suis ipsarum liberis in capita divisisse." Allein schon de Boor (att. Intestaterbrecht S. 42) hat erkannt, daß diese Regel mit Isäus Rede Tiepi toö TTuppou K\r|pou unvereinbar sei, da nach § 3 verglichen mit § 5, die Mutter des Sprechers der Rede allein auf das Erbe des Pyrrhus als dessen Schwester Anspruch macht. Demgemäß

gründet,

formulierte

er

seine Ansicht so:

„Kinderlose Schwestern

erhalten

jede einen Kopfteil, die Kinder verstorbener Schwestern ohne Unter-

ob

schied,

Kopfteil;

Männer oder Weiber

sie

die lebenden Schwestern,

sind,

jedes

ebenfalls

einen

welche Kinder haben, wie die

kinderlosen, jede nur einen Kopfteil, der dann auf ihre Söhne, so-

bald diese mündig sind, und vielleicht auch auf ihre Töchter über-

gehen mag." Gegen ihn haben K. F. Hermann

(Z. S.

f.

d.

A.

W. 1840

und Platner (Richters krit. Jahrb. f. d. R. W. 1840 S. 204 ff.) Stellung genommen und dabei auch für die Schwestersöhne die successio in stirpes postuliert, während Schoemann (allg. Lit. Ztg. 1840 E. Bl. S. 526) auf Seite de Boors getreten ist. Zwischen S.

39

ff.)

diesen zwei Ansichten hat sich jeder zu entscheiden,

dem

allgemein

angenommen, und doch könnte man

daß sie seither worden wäre *).

durch

neue

der sich mit

Hermanns

attischen Erbrecht beschäftigt. Die Lehre

nicht

Argumente

beweiskräftige

ist

heute

behaupten, gestützt

Unsere Kenntnis des Erbrechtes der Schwestern und Schwesterberuht eben einzig auf der Paraphrase des Erbgesetzes

kinder Is.

XI

—2

ö vöuoc

KXrjpovouiav,

xr|v

TToir|Ke loci,

1

irpüJTOv

edv

uiciv

dbeXqpoic

Te

öuoTrdTopec*

Kai

dbeXqpiboic Tie-

.... edv b outoi

urj

beütepov dbeX9dc öuoTiaTpiac KaXeT Kai rraibac touc £k toutuuv ')

Dies

gilt

natürlich nur, soweit ich die betreffende Literatur kenne,

d.

2 ).

i.

genannten Schriften Gras6hof, Symbolae ad doctrinam iur. att. Diss. B. 1877, Buermann, Rh. Mus. N. F. Bd. 32, Lipsius, Bursians Ib. Bd. 15, 2 S. 345 ff., Meier-Schoemann, att. Proz. II S. 583, Änm. 272, Thalheim, Rechtsaltertiimer S. 67, Anm. 3, Caillemer, le droit de succession ä Äthanes. Par.außer

Caen

den

79, *)

im Text

habe ich erst in die Hand bekommen, als der Aufsatz bereits gesetzt war. Die Einlage der Macartatea weist an dieser Stelle eine Lücke auf.

ZUR REDE DES ISÄUS

usw.

153

Wenn

nun die Anhänger Hermanns für ihre Meinung „die GleichAusdruckes" in den beiden Abschnitten des zitierten Gesetzes geltend machen, nach, der man für die Schwesterkinder dieselbe Art der Berechtigung wie für die Bruderkinder erwarten dürfe, so haben dagegen die Anhänger de Boors die Angaben u. R. für sich. Gegen dieses Moment können auch die theoretischen Erwägungen Hermanns nicht voll ins Gewicht fallen, daß de Boors Norm eine Benachteiligung der Kinder lebender Schwestern sowie eine Verletzung des Grundsatzes Kpaxeiv xouc appevac enthalte. Auch der bei Isäus VII 19 ausgesprochene Satz, daß eine Schwester und der Sohn einer verstorbenen Schwester zu gleichen Teilen erben, verhilft zu keiner Klarheit; denn, wie schon Schoemann bemerkt hat, haben wir keinen Anhaltspunkt (a. a. O. S. 530) dafür, ob die im § 31 (vgl. § 44) genannten Kinder jener Schwester zur Zeit der dort (§ 19) erwähnten Erbteilung schon vorhanden gewesen seien. Wenn endlich Platner (a. a. O. S. 204) und Grasshof die fünfte Rede des Isäus könne zur (a. a. O. S. 27) einwenden, der vorliegenden Frage nicht benutzt werden, da Entscheidung man, „um die Ansprüche der Intestaterben in den Nachlaß des Dikäogenes zu bestimmen, nur auf die Zeit absehen könne, wo Dikäogenes mit Tode abging; zu dieser Zeit aber seien nur die vier Schwestern zur Erbfolge berufen gewesen und jede habe auch .... ihren Anteil erhalten", so läßt sich darauf erwidern, daß heit des

Bemerkung nicht eigentlich die Beweiskraft der vor kommenden §§ 9 und 12 berührt werde. Dieser Einsicht konnte sich auch Buermanu (a. a. O. S. 356) nicht entziehen; er glaubte jedoch „das einzige Bedenken aus dem Wege räumen zu können" durch den Nachweis, daß die fraglichen Worte im § 9 verderbt seien. Da neuerdings seiner Behauptung Thalheim (Hermes Bd. 38, S. 461 und in einer Fußnote seiner Textausgabe, durch

diese

allem in Betracht

Leipzig 1903) beigestimmt rungen näher befassen.

hat,

will

ich

mich mit seinen Ausfüh-

„Man müßte", sagt Buermann, „nach § 9 annehmen, daß die Frau des Kephisophon zur Zeit der dort berichteten Vertreibung bereits tot gewesen wäre. Diese Annahme aber steht mit anderen Stellen der Rede in direktem Widerspruch. Es heißt § 16 mit Bezug auf die Zeit des letzten Prozesses Kaxd böav uev oubevi TrpocfiKev tou

GavövToc

KXripou,

dbeXqpaic

wv

Korr'

aTXicTeiav be tcuc Aikcüotcvouc tou aTio-

eiciv

ai fuuerepai

unrepec § 18 dcpictaTo

uev

AiKCüOTevr|c toiv buoiv uepoiv tou KXf)pou tcuc AiKCtioTe'vouc dbcXcpaic

§ 20 diuoXÖTei dvaucpicßr)TriTa rrapabiiiceiv tcuc AiKaiOYevouc dbeXqpcuc

ARTUß LEDL.

154

§ 26 direcTri AiKaiOYevn.c tcuc yuvouHi toiv buoiv uepoiv toö KXn,pou. Ich schließe aus diesen Stellen, daß alle vier Schwestern noch zur

am Leben waren, daß mithin auch die Frau des Kephisophon noch lebte, als Dikäogenes den ersten Prozeß gewann, daß mit anderen Worten in § 9 zu lesen ist: Tnv Kn,cpiZeit des letzten Prozesses

toö TTaiavieuuc -fuvaiKa .... dbeXqpr)v oucav AiKOuoYevouc."

coqpujvroc

bemerke zur Vorsicht, daß, wenn man wirklich annehmen wollte, es sei in der Tat eine von den vier Schwestern nicht mehr am Leben gewesen, unsere Rede einen direkten Beweis Man müßte aus den für die Teilung in stirpes enthalten würde. schon angeführten Worten § 16 Korrd böciv uev oöbevl rrpocfJKev, köt' dxxKTei'av be rak AtKCtiOYevouc .... dbeXcpaic unter der gemachten Voraussetzung notwendig schließen, daß auch die tote Schwester nach dem Gesetze als Nächstberechtigte zu betrachten war, daß also auch ihre Kinder nur durch sie, d. h. an ihrer Stelle „Ich

und ihren Anteil erben konnten." Mit dieser Bemerkung aber hat Buermann selbst, angedeutet, auf wie unsicherer Grundlage seine Annahme steht, „daß alle vier Schwestern zur Zeit des letzten Prozesses am Leben waren". Ich nicht daran erinnern, daß im § 7 von den Gatten der vier Schwestern so gesprochen wird, als ob sie noch lebten, während wir doch aus § 9 geschlossen haben, daß drei davon unterdessen

will

schon gestorben waren (Anm. 5); ich will mich auch nicht darauf Rede § 29 einer leiblichen Schwester

berufen, daß in der neunten

des Erblassers schieht,

die,

Trpöc

wenn

Traxpöc

sie

noch

in

Erwähnung gemehr Berechtigung hätte

ähnlicher Weise

lebte,

weit

begnüge mich vielBehauptung auf mehr mit der Bemerkung, daß Buermann eine Angabe gründet, die in ihrer allgemeinen Fassung sich nicht unabhängig von der Theorie des Erbrechtes beurteilen läßt. Hat als der Sprecher, ein dbeXqpöc irpöc unrpöc: ich

seine

doch

de Boor

buoiv

uepoiv toö

den Worten

mit

KXrjpou



18) dcpictaro

toiv

AiKaiOYevr|C

dbeXqpaic

tcuc AiKOiiOYevouc

die

Annahme

gut vereinen zu können geglaubt, daß die Mütter des Kephisodotus

und Menexenus

II.

bereits

gestorben seien,

und Buermann

selbst

hat indirekt zugegeben, daß unter der Voraussetzung einer Teilung in stirpes der Redner sich ganz gut in solcher Weise ausdrücken konnte,

selbst

erbberechtigte

wenn

eine der Schwestern tot war,

Nachkommen

Ich glaube so den äußeren Grund als nicht

innere

genug

Gründe

wofern

für

d.

h.

nur

Buermanns Konjektur auch zwei dem Wortlaute der

stichhältig erwiesen zu haben, will aber



sie

besaß.

solche,

die

sich

aus

ZUR REDE DES ISÄÜS

155

usw.



namhaft machen, die mir den überlieferten Text 1. ruft die Änderung von GuYCtiepa in fuvaiKa einen anstößigen Gleichklang hervor mit dem folgenden AnuoKXeouc Y u vau
ergeben

scheinen:

völlig zu sichern

sich

dann kürzer fassen, etwa so

:

e£r|\ace tr\v Kncpicocpuivioc yuvcukcx

Kai Tf]V AnuoKAeouc, ducpoiepac dbeXqpdc oöcac AiKaio-fevouc; 2. geht

vorgeschlagenen Vertauschung

der

bei

scheinlich erstrebte Mannigfaltigkeit ist

leicht

um

zu erkennen, daß Isäus,

trächtigen

in

im rechten Lichte

Es

die trockene Aufzählung,

Abwechslung zu bringen und

konnte,

des Dikäogenes

vom Redner augen-

Zuhörer zu erregen,

die Trd9r| der

die seine Absicht,

die

des Ausdruckes verloren.

die

leicht beein-

herzlose Tat

erscheinen zu lassen,

Nennung der aus ihrem Erbe vertriebenen Familien

bei

der

geflissentlich

jedesmal eine andere Bezeichnung des Verwandtschaftsverhältnisses wählte. So ergab sich die Steigerung: Tochter, Gattin, Mutter.

Dieses Ergebnis spricht also nichten. Allein, wie

für die Ansicht de

kann man aus dem

Ehe wir darauf näher

eingehen,

Boors?

Mit

argen Dilemma entkommen?

wollen wir uns vorerst mit einer

anderen vielumstrittenen Stelle befassen, deren richtige Herstellung und Erklärung mir von ausschlaggebender Bedeutung für die ganze

Frage zu

sein scheint. Ich

ebuuxe AiKaiofevnc

dvTi

be

Tauin be

Tfjc

TtpoiKÖc

ir\v

irj

-fuvaiKi,

r|V

ue'poc öcovirep

irj

„nur zu verteidigen,

Dikäogenes denkt.

Tf]V

oiKiav

eauToö

aitTÜj

Trjv

6 TTpwTapxibr|c

uritpl rrj

„Diese Lesung

meine § 26: TTpujTapxibn

dbeXqpriv

tr|v

ist",

erri

*fdp tuj

ev KepaueiKty

e'xei,

TToTauiw

TetTapaKOVTa uvaic,

TTpocr|Kei

TtapebujKe.

toö

KXripou

eiuf).

sagt

Buermann (Hermes, Bd. 19

wenn man .... an den Das ist aber .... unmöglich.

älteren

Es

S. 362),

verstorbenen sind im § 5

die Männer aufgezählt, welche die Schwestern jenes Dikäogenes noch zu Lebzeiten desselben heirateten; darauf folgt § 6 die Erzählung von seinem Tode. Wäre nun wirklich schon bei seinen Lebzeiten die eine der Schwestern zum zweitenmale mit Protarchides verheiratet worden, so könnte dieser Name im § 5 gar nicht fehlen." (Schoemann, a. a. O. S. 527 8.) Somit kann der im § 26 genannte Dikäogenes nur der lebende



Adoptivsohn gleichen Namens sein. Dann aber ist die handschriftLesart unhaltbar. Denn an seine leibliche Schwester zu denken, ist von vornherein ausgeschlossen; die Töchter des Menexenus aber stehen zu ihm, falls man ihn, den Adoptivsohn, in die natürliche Verwandtschaft einreiht, im Verhältnisse von xnGibec, liche

ARTUR LEDL.

156

dem von

ihre Töchter in

wandtschaftsnamen

dveipiai.

Daß

Verwendung der Ver-

die

der angedeuteten Weise nicht ungewöhnlich

in

war, hat Tlialheim (Hermes Bd. 38 S. 461) durch Beispiele

X

2, ö 9eioc in II) dargetan.

Wenn

er aber

schwestern des Dikäogenes spricht,

um

des

die attischen

Wir fragen

so

ist

a. a.

(Is.

VI

4,

O. von Adoptiv-

das offenbar ein Irrtum

Redner hochverdienten Gelehrten. „Wer kann denn eigentlich mit jener Frau

also:

des Protarchides gemeint sein?"

Darauf

Schoemann (Ausg.

gibt

S. 289)

die

allgemeine Ant-

wort: „Illud certe manifestum est mulierem illam, cuius § 26 mentio fit, non potuisse nisi aut ipsius Dicaeogenis secundi sororem fuisse aut filiam". ist

man

zur

Demokies.

Indem man die erste Möglichkeit in Erwägung zog, Annahme gelangt, der Redner meine die Witwe des Namentlich Buermann hat diesen Gedanken seinerzeit

(a. a. O. S. 359), später jedoch (Hermes Bd. 19 zugunsten einer anderen Vermutung zurückgezogen. Man

energisch verfochten S. 362)

nun freilich, warum gerade an die Witwe des Demokies zu denken sei. Offenbar, weil sie kinderlos war. Ich dächte, dies hätte

fragt

Hindernis

ein

Daß

sie

für

zweite

eine

Heirat

einen Vorzug vor

sonst

ihren

bedeutet

ungefähr

ebenfalls verwitweten Schwestern gehabt habe,

ist

(vgl.

Is.

III 15).

gleichalterigen,

nicht ersichtlich.

So hat wohl die Erwägung auf sie geführt, daß eine Witwe mit Kindern sich nicht so leicht entschlossen haben mochte, ein zweitesmal zu heiraten, und auch nicht so leieht einen Mann gefunden hätte, weil ihre Kinder aus zweiter Ehe mit denen aus der ersten die immerhin noch zu erwartende Erbschaft hätten teilen müssen. Doch genug der Subtilitäten; versuchen wir lieber im Wortlaute der Stelle Kriterien für eine Entscheidung zu finden. Gesetzt, es sei hier wirklich die Witwe des Demokies gemeint, so darf man sich, glaube ich, mit Recht über die Fassung des Gedankens wundern. Der Redner konnte einfach sagen „eine Schwester meiner Mutter, die Witwe des Demokies" und der Satz Tauxrj



irj

Yuvaud ....

war

7rpocr|K€i

überflüssig.

toO KXrjpou ue'poc öcovirep

Auffallend nun gar

ist

unrpi

rrj

eur)

der bestimmte Artikel

ir\v

Tri

Dazu bemerkt schon Schoemann (Ausg. S. 289): „neque ita nude Dicaeogenis sororem designari potuisse credo cum non haec una esset sed tres praeterea illius sorores, ex quibus quaenam esset illa de qua loqueretur paullo disertius haud dubie döeXcpnv Tnv....

significandum fuisset."

Wir

und

gehen zur zweiten Reihe der angedeuteten Möglichkeiten über. Indem wir uns erachten somit

diesen Fall

für abgetan

ZUR REDE DES ISÄUS

157

usw.

nach

möglicherweise existierenden Nichten des toten Dikäogenes umsehen, stoßen wir zuerst auf die Schwester des Sprechers. Sie hatte Reiske bei seiner Konjektur euauTOÖ im Sinne (bei Dobson,

Allein seine Vermutung fällt und steht mit or. att. IV. p. 101). Bunsens Regel über das Erbrecht der Schwesterkinder, deren Unnahbarkeit bereits bemerkt worden ist (s. S. 152). Schoemann (Ausg. S. 289) dachte an die Schwester des Kephisodotus und schrieb daher toutou, womit der neben dem Sprecher stehende junge Mann bezeichnet werde. Dieser Vorschlag fand auch den Beifall de Boors, da er, wie Weissenborn (in Ersch und Grubers Encyklopädie s. v. Is. S. 294) sagt, „seiner Ansicht von der Erbteilung zwischen Töchtern und Kindern verstorbener Töchter sehr günstig ist". Wenn aber jenen zu seiner Vermutung gerade der Umstand bewog, daß Dikäogenes er kann das Mädchen naturgemäß nur vor der Mündigsprechung ihres Bruders verlobt haben Vormund der Kinder des Theopomp war, so läßt sich dem entgegenhalten, daß der Vormund seinem Mündel die Mitgift nicht aus Eigenem zu geben pflegte 1 ). Das hat Dikäogenes getan, wie der im § 27 berichtete Vorgang ersehen läßt. Daß toutou eine leichte





Änderung für eauTOÜ wäre, hat nichts zu besagen. Allein die Verwendung des bloßen toutou ohne beigefügten Eigennamen wäre dem sonstigen Sprachgebrauch der Rede entgegen und daher auffallend. Die Annahme einer größeren Lücke oder, daß eine Entstellung von KriqncobÖTOu vorliege, ist wenig wahrscheinlich und auch von niemandem in Erwägung gezogen. Noch schwerer zu erklären wäre die Verderbnis von Mevetevou, das Buermann (Hermes XIX S. 363) „als entfernte Möglichkeit hinstellen" wollte. Für diesen Vorschlag kann man nicht einmal den Grund, den Schoe-

mann

für seine Ansicht vorgebracht hat,

geltend machen, da

ob Menexenus

man

und somit auch seine Schwester unter der Vormundschaft des Dikäogenes gestanden sind. Denn im § 9 und § 10 geschieht seiner keine Erwähnung. Auch könnte man seine Mündigsprechung so zeitlich ansetzen, daß Dikäogenes als Vormund kaum in die Lage kam, das Mädchen an berechtigte Zweifel hegen darf,

')

statieren

Denn daß hätten,

wir

wie

hier

einen Fall von

ihn Deraosthenes

II.

selbstloser Opferwilligkeit zu kon-

XXVII

69 äX\ouc

|uev

Tivac

rjör|

tüjv

ävbpwv äTropoüvTiuv Gu-fUTepac Trapä ccdüjv auxüuv €kö6vtcic (vgl. Dem. XLV 54; Lys. XIX 59) im Auge hat, dünkt mir wenig glaubhaft. Die zitierten Worte sind ebenso ein locus communis wie ihr Gegenteil, das eher noch der Wahrheit nahe kommt, die Klage nämlich, daß man au3 Armut eine Schwester oder Tochter nicht ausstatten könne (Dem. ttoXitujv oü iuövov cuY'fevujv,

XXVII

66,

XLV

74, Lys.

XII

ä\Xä Kai

(piXuuv

21, XIII 45).

ARTUR LEDL.

158

Anm. 1 S. 150). Daher hat Buermann Menexenus sei schon vor der Verlobung zu dem Auswege gegriffen, seiner Schwester gestorben, und will (a. a. O. S. 364) hiefür einen Anhaltspunkt im § 44 gewonnen haben, wo der Sprecher zum Gegner sagt: dXX' oiibe xct dvaöriuaTa, a MeveEevoc Tpiwv xaXdvTwv Bruders Statt zu verloben

(vgl.

irouicduevoc direOave nplv dva0e!vai, eic rröXiv KeKÖuixac, dXX' ev toic XiöoupYeioic eti KuXivbeiiai. Hatte

wirklich

Menexenus

so hinterließ er offenbar

bestellt,

II.

ein

jene Weihgeschenke

Vermögen und der

Adoptivvetter brauchte seine Schwester schon gar nicht aus Eigenem

nun männliche Geschwister hatte oder nicht. MeveSevoc mit Dobree 1 ) ein Fehler anzuerkennen und viel eher an den toten Dikäogenes IL zu denken, dann läßt sich kein giltiger Grund für die Annahme vorbringen, daß der genannte junge Mann schon tot war. Denn sein Fernbleiben von der Gerichtsverhandlung kann ganz gut darin seine Erklärung finden, daß er durch Geschäfte verhindert oder von Athen abwesend war 2 ). Auch sind, wie mir scheint, die Worte § 12 auszustatten,

Ist

aber

in

ob

sie

dem Worte

TrpocnKOV auTilj Toö xXr|pou ue'poc ocovTiep euoi eher durch als

TTpocfjKev

iL

zu

erklären

und

eine

noch am Leben war. Es kann mithin nur an ein Mädchen überhaupt keinen Bruder hatte.

daß

iL

Trpocr|Ket

weitere Bestätigung

dafür,

er

1 )

gedacht

werden,

Dieser bemerkt in den Adversaria critica ad Isaeum (bei Dobson

das

or. att.

im Jahre 429 gefallene Menexenus I. nicht wohl gemeint sein könne, da doch der Sprecher dem Dikäogenes III. nicht eine Unterlassung zum Vorwurfe machen könne, die bereits sein Adoptivvater begangen habe. Er empfiehlt daher MeveSevoc durch exeTvoc zu korrigieren, das auf den im § 43 genannten toten Dikäogenes II. zu beziehen sei. Fuhr (Berl. ph. W. S. 1904, Nr. 33/4, S. 1033, Anm. 9) stimmt ihm in der Hauptsache bei, möchte aber lieber AiKaio*fevr)C „vielleicht mit dem Zusätze 6 Mevet^vou schreiben". Gegen die Gleichsetzung mit dem im § 12 vorkommenden MeveSevoc bemerkt Fuhr, „dies zu tun gehe deswegen nicht, weil dieser Menexenus den Dikäogenes gar nichts angegangen sei". M. E. müßte man in dem Falle annehmen, daß der junge Mann kinder- und geschwisterlos gestorben und von seinem Adoptivvetter beerbt worden sei. Da dies jedoch erst vor kurzer Zeit geschehen sein konnte (§ 14 irdXiv )ue0' f)|uu)v eirpaxxev), so wäre der Vorwurf § 44 ev toic XiGoupYeioic exi Ku\ivbeiTCti unberechtigt. 2 Man könnte ja allenfalls auf Menexenus II. die Bemerkung (§ 39) xouc ) öe [Y|uwv] irepieujpa elc xouc u.ic6ujxoüc iövxac beziehen, die Schoemann (z. St.) dahin deutet, daß unter uicOuuxoi Taglöhner gemeint seien. Reiske hat an den Söldnerberuf gedacht, der damals nicht selten der letzte Ausweg finanziell herabgekommener Leute war. Wir brauchen aber gar nicht vorauszusetzen daß Menexenus unbemittelt war. Dann konnte er als Bürgersoldat oder als Trierarch IV. Bd. p. X),

daß

an

dieser Stelle

der

,

ins Feld gezogen sein.

ZUR REDE DES ISÄUS

Doch wie denke

so in

ich,

man den

soll

am

Es ist, daß das überlieferte eauroö Dafür spricht auch die analoge Aus-

verderbten Text verbessern?

wahrscheinlichsten,

AiKaiOYevouc zu ändern

drucksweise

159

usw.

ist.

§ 18 dqpicraTO uev AiKaioYevnc toiv buoiv uepoiv toö xXripou xaic AtKaiojevouc dbeXcpaic, wo ebenfalls zwei verschiedene in

Dikäogenes gemeint sind. Schon Schoemann (Ausg. S. 289) hat darauf aufmerksam gemacht, daß vielleicht ein Abschreiber, der

Männer

die beiden

für identisch

rung vorgenommen habe

Anm.

272).

(a.

0.)

a.

Dann aber

für

schreibung

ist

(vgl.

hielt,

Proz. II 2 S. 583

att.

mit Weissenborn

bleibt nichts

übrig,

als

zu

lesen.

Eine

dbeXqpibfjv

äbeXqpr]v

die vermeintliche Verbesse-

Meier-Schoemann,

derartige Ver-

nichts Seltenes; § 9 u. R. enthält einen Beleg dafür.

Aber mit demselben Gelehrten der Witwe des Demokies eine sonst nicht genannte Tochter zu geben, dazu werden wir uns schwerlich entschließen können. Denn der Mangel jeder näheren Bestimmung scheint mir nicht dadurch genügend gerechtfertigt, „daß in demDer bestimmte Arselben Paragraphen ihr Gatte genannt wird". vor dbeXcp{ib)fiv

tikel

bestimmte

deutig

Worten

nicht an

bezeichnet

eine

einzelne Person. die

bereits

Wer

im § 9 genannte

erwähnte oder

dächte

dbeXcpibfj,

nun

um

ein-

diesen

bei

mehr

so

als

wir von einer anderen Nichte sonst nichts vernehmen?

Da nun

dieses Mädchen nach dem früher unabhängig von gewonnenen Ergebnis keinen Bruder besaß, so haben jeder Theorie

wir damit jeden Anhaltspunkt capita aus

für

dem Wege geräumt. Wir

die

Annahme

stellen

einer Teilung in

uns demnach ganz auf

den Standpunkt der successio in stirpes und können von ihm aus 1. die Probe auf die Richtigkeit unserer Kombination und 2. neue Gründe zur Widerlegung der von Buermann vorgetragenen Ansicht ausfindig machen. Vor allem wird nun die erbrechtliche Stellung der im § 9 genannten dbeXqpibf) völlig klar. Sie ist nämlich als vater- und bruderlose

Waise

liche

Habe

eine Erbtochter,

freilich

ohne Vermögen



die väter-

hat vermutlich der Krieg verzehrt, das mütterliche Erbe

hat Dikäogenes

an

sich

gebracht

eEr|Xace

ck toö

uepouc



und,

wie ich noch hinzufügen möchte, ohne einen männlichen Verwandten von Vaterseite. Auf sie passen vollkommen die Worte § 26 Taüin. be

Tfj

eurj.

YuvaiKi

Es

entfällt

Trpocr|K€i

auf

sie

toö xXripou ue'poc öcov

das volle uepoc,

das

-rrep

in.

junjpi

ursprünglich

xrj

ihrer

Zweitens kann man Mutter, einer Tante des Sprechers, zukam. nun auch noch weitere Gründe gegen die Ansicht geltend machen, jenes Mädchen habe einen Bruder (MeveEevoc) gehabt, der jedoch

ARTUR LEDL.

160

vor der Hochzeit seiner Schwester gestorben

Annahme würden

Worte

die

§ 9 e£n,Xace

e\c

sei.

Denn

unter dieser

tou uepouc,

wie Thal-

heim (Hermes Bd. 38, S. 460) bemerkt, einen Anachronismus enthalten. Einen solchen Ausweg hält der genannte Gelehrte für nicht

„Der Ausdruck", sagt

recht plausibel.

was

für etwas,

Tochter nie

er,

„e£r|Xace £k toö uepouc

sondern worauf

sie nur nach des Bruders Tode Anspruch erhalten hat, wäre doch wirklich unglaublich; und ebenso wenig wahrscheinlich ist dabei die Absicht des Redners, da er drei Paragraphen später durch den Bericht von dem Auftreten des Menexenus die beabsichtigte Wirkung

die

besessen,

wieder aufhebt."

Es

demnach nur noch

erübrigt uns

die letzten

Konsequenzen

zu ziehen.

Wir haben bisher die Richtigkeit des im § 9 überlieferten Textes erwiesen und wiederholt betont, daß die Worte e£r|Xace k. t. X. nur eine wörtliche Auslegung zulassen, wir haben ferner zwischen diesem Paragraphen und § 26 auf Grund einer höchst wahrschein-

Emendation

eine Beziehung geschaffen, die haben endlich geglaubt, aus den vorhandenen Tatsachen den Schluß ziehen zu dürfen, daß die in den beiden Paragraphen genannte, von uns identifizierte dbeXqpibfj keinen Bruder, weder einen lebenden noch einen toten, haben könne: so folgt nun ganz natürlich, daß wir endlich in dem Paragraphen, der allein verderbt sein kann, die nötige Korrektur vornehmen, d. h. daß wir in § 12 MeveEevoc 6 AnuoKXeouc zu schreiben vorschlagen. Eine derartige Verschreibung, zumal an unserer Stelle, ist nicht so befremdlich, als auf den ersten Blick scheinen mag. Denn daß die lichen

des

letzteren

diese Ansicht unterstützt, wir

Eigennamen

in

der Überlieferung vielfach

haben,

ist

allgemein anerkannt (vgl. Fuhr

litten

arge Entstellungen a.

a.

0.).

er-

Gerade

unsere Rede bietet Beispiele hiefür. Ich erinnere nur, welche ernste Bedenken gegen MeveHevoc im § 36 (s. Anm. 1 S. 158) bestehen, wenn es

am

auch

wahrscheinlichsten

fehler vorliegt.

reichen

Fall.

zweiter

Hand

Hier

ist,

daß

ein

bloßer Auslassungs-

im § 9 zeigt einen lehrKncpicocpuJVTOC (korr. 2) Verbesserung von

die Überlieferung

Allein ist

für ursprüngliches bio yevouc (pr.); letzteres ist augen-

durch aberratio entstanden, da zwei Zeilen später Ai KOujoYevouc steht. So kann auch im § 12 KrjqpicoJcpuJVTOC durch das in derselben Zeile gelesene, gleich anlautende Krjcpico öötuj her-

scheinlich

vorgerufen

Aber

sein.

es entsteht

nun

Ergebnisse aus § 26 zu

die Frage, ob denn die nach unserem ziehenden Folgerungen mit dem überein-

— ZUR REDE DES ISÄUS

161

usw.

stimmen, was wir über die attische Epiklereninstitution wissen. Der

XLVI

einschlägige Nöuoc steht bei [Dem.]

bduapra

bixaioic

upöc Tratpöc,

eivai

dbeXqpöc

f\

€K tautnc eivai Ttaibac Yvn.ciouc.

edv uev eTTiKXnpöc tpe'ijjn,

Ttarfip

f\

Tic

toutov Kiipiov

töv Kupiov

ri.

e'xeiv,

Wir haben

eivai.

cv

18:

Hv dv

öuoTraTUjp

e-fYur)cn.

edv be unbeic

edv be

juiq

rj,

erti

TraTnroc 6

r|

r\

toutuuv.

ötiu av

ctti-

also mit Recht die fragliche

bezeichnet; denn ihr Großvater und ihr mehr am Leben, einen Bruder aber hatte sie überhaupt nicht. Aber sie bekam ja nach § 26 eine Mitgift. Daraus müssen wir schließen, daß ihr von ihrem Vater kein Vermögen hinterlassen worden war, kurz, daß sie eine Gfjcca war. Die DeBestimmungen für des Ausdruckes und die diese Art der finition Erbtöchter enthält die Einlage bei [Dem.] XLIII 54: Tüjv erriK\r|pwv dbeXqpibfj

als

Vater waren

öcoti

Erbtochter nicht

6r|TiKÖv TeXoöciv,

edv

ßouXnrai

un,

e'xeiv

6 e-fTUTara -f-evouc,

biboTO)

embouc 6 uev TrevxaKoaouebiuvoc TrevraKOciac bpaxudc

edv be

juf|

f\

auTÖv

exn 6 eTTUTaxuj xevouc

e'xeiv

11

f\

ur)

eKbCu,

6 dpxuiv eTrava-fKaCeTuu

Wichtig für beide Gesetze

eKboövai kt\.

ex-

ist

vor

allem die Frage, wer der Kupioc oder 6 eYfuTcrra jevouc (dfXiCTeuc) sei.

Für

die

eigentlichen

ergibt sich aus den

eTTiK\r|poi

Angaben

der Redner und aus theoretischen Erwägungen, daß dies der nach

dem

attischen Intestaterbrecht

Vermögen

handelt

es

sich

ja

dem

Erblasser

— jeweilig

am



denn

um

nächsten

dessen

stehende

dann dessen Sohn, der Sohn einer Schwester des Erblassers, der Bruder seines Vaters usw. In der dritten Rede des Isäus § 74 wird auch den Brüdern der Mutter des Erblassers ein Anrecht auf die Hand der Erbtochter zuerkannt, nicht aber den Brüdern ihrer Mutter (vgl. männliche Verwandte

sei,

also des Erblassers Bruder,

Hafter, die Erbtochter, Zür.-L. 1887, S. 36

1,

Meier-Schoem.

att.

Proz. II 2 S. 614).

Auch bei der Gfjcca war der nächste männliche Verwandte wohl der Bruder ihres Vaters. Da aber Dikäogenes nach § 26 die Verlobung des Mädchens vornimmt, so haben wir schließen zu dürfen geglaubt, daß es keinen männlichen Verwandten Trpöc Tratpöc gehabt habe, der dazu verpflichtet gewesen wäre. Daß für die Bestimmung des dTX lCT£uc

einer 6f|cca

die

gleiche Regel gelte wie

wäre ein naheliegender Analogieschluß. Allein dann wäre Dikäogenes gar nicht gehalten gewesen, jenem Mädchen eine Mitgift zu geben. Ob er aber ohne den Zwang des Gesetzes sich dazu hätte bereit finden lassen, scheint mir bei seinem Charakter sehr fraglich (vgl. §§ 10—11, 37—38, 39—44). Die Thesseninstitution ist von der eigentlichen Erbtöchtereinrichtung ihrer Absicht nach bei der emKXnpoc,

ARTUR LEDL.

162

stark verschieden. Diese will die Fortpflanzung des oikoc, das Ver-

bleiben des

Vermögens

in derselben

die Fortsetzung des oikoc,

armen Waise bedacht. Da KXfjpoc,

sondern

um

Familie,

jene

ist

ja auch auf

aber vor allem auf die Versorgung der es sich also in

dem

Falle nicht

die Person der Gfjcca handelt, so

um

wage

den

ich





ohne weitere Bestätigung durch unsere Quellen die Vermutung, daß bei der Gfjcca der d-fXicieuc nach der Nähe der Verwandtschaft zum Mädchen selbst bestimmt wurde. Unter dieser freilich

Voraussetzung war Dikäogenes III. der nächste mütterliche Verwandte jener abeXqnbfj und konnte als solcher vom Archon ge-

zwungen werden, das Mädchen zu heiraten oder

auszustatten. Eines

noch auffallend, die bedeutende Höhe der Mitgift, Denn nach jenem Gesetze war die Dikäogenes hergegeben hat. selbst für die höchste Steuerklasse ein Betrag von nur 5 Minen Ohne mich in weitere Vermutungen einzulassen, vorgeschrieben. erinnere ich nur daran, daß zu jener Zeit bedeutend höhere Mitgiften ausgesetzt wurden als früher, ein Brauch, der auch den Dikäogenes zu einer reichlicheren Gabe bestimmt haben mochte. Bei den advokatischen Grundsätzen der attischen Redner bleibt

freilich

Angaben meistens keine völlig zuverlässigen Durch die Mängel der Überlieferung werden die Schwierigkeiten noch gesteigert. Es gilt daher auf diesem Gebiete ganz besonders die Regel, vor allem den Text und die lassen sich aus ihren

Resultate

gewinnen.

Details des Tatbestandes möglichst sicher zu stellen,

um von

dieser

Grundlage aus an die Beurteilung des Rechtsfalles und die Festsetzung der Rechtsbestimmungen heranzutreten. Dieser Grundsatz hat auch mich bei meinen Ausführungen geleitet. Graz.

Dr.

ARTUR LEDL.

Isokrates

und

die Sokratik,

i.

Das äußere Verhältnis des Isokrates zu den Sokratikern, zu Piaton, ist oft genug besprochen worden 1 ): be-

namentlich

sonders nach polemischen Anspielungen des Philosophen

Redner hat man mit mehr Reinhardt 2 )

Eifer als Glück gesucht.

die Platonische Politeia,

in

der

er

auf

den

Wollte doch

Beziehungen

auf

und XV. Rede des Isokrates nachgewiesen zu haben glaubte, nach dem Jahre 353 v. Chr. verfaßt sein lassen: so daß Piaton mit der Abfassung der Nomoi begonnen haben müßte, ehe noch die Tinte in seinem Manuskript der Politeia getrocknet war. Viel weniger Aufmerksamkeit hat man den inneren Beziehungen die

VII.

des Isokrates zur Sokratik sehe,

ich

soviel

geschenkt

Schröder 3 )

nur

hierüber

:

ex

hat

Seine

gehandelt.

professo,

besonnene Arbeit kann jedoch heute nicht mehr genügen weil sie doch nur einen relativ kleinen Teil der seits,

kommenden

tracht

in alter

Weise Ich

')

anderseits,

Isokratesstellen heranzieht,

Xenophontischen Memorabilien

nenne an monographischen Darstellungen

1855;

Piaton,

die

Reinhardt,

De

1873;

Isocratis aemulis,

:

als

:

einerin Be-

weil sie

unanfechtbare

Spengel,

Zycha,

und

fleißige

Isokrates und

Bemerkungen zu

den Anspielungen und Beziehungen in der 13. und 10. Rede des Isokrates, 1880; Dümmler, Chronologische Beiträge zu einigen Platonischen Dialogen aus den Reden des Isokrates, 1890; Holzner, Piatos Phaedrus und die Sophistenrede des Isokrates, 1894; Gercke, Die alte xexvn ßriTOptKi*! und ihre Gegner (Hermes, Band 32), 1897; Susemihl, Neue platonische Forschungen, Erstes Stück, 1898; 2 2 s. auch Blass, Att. Ber. II S. 28 ff und III 2 S. 390 ff. ,

2 )

3 )

a.

a.

,

O. S. 40.

Disputatio philologica inauguralis, continens quaestiones Isocrateas duas.

Utrecht 1859. Wiener Studien. XXVII.

1905.

12

164

H.

GOMPERZ.

und sich darauf beschränkt, aus Übereinstimmungen zwischen Isokrates und Xenophon eine bejahende Antwort auf die Frage abzuleiten: Socrates sitne in Isocratis praeceptoribus numerandus? Eine neuerliche Untersuchung über diesen Gegenstand möchte deshalb nicht unzeitgemäß sein. historische Quelle benutzt

Ich selbst bin auf ihn dadurch geführt worden, daß ich kürzbald nacheinander den

lich

phontischen Sokrates"

Quellen des Aristoteles

und in

2.

Band von Joels „Echtem und XenoAbhandlung von Endt über „Die

die

der Beschreibung

des Tyrannen"

l

)

las.

Abhandlung

werden nämlich u. a. merkwürdige Übereinstimmungen nachgewiesen zwischen der Schilderung des Tyrannen in der IL, VIII. und X. Rede des Isokrates und derjenigen in Xenophons Hieron; jenes Werk aber hatte für diese Xenophontische Schrift auf Grund ihrer Übereinstimmungen mit der VI. Rede des Dio von Prusa eine kynische Vorlage wahrscheinlich gemacht. Indem ich nun dieser Spur nachging, sah ich bald, daß zwischen Isokrates und Xenophon auch sonst auffallende Parallelen stattfinden, und zwar gerade in solchen Punkten, auf welche Joel seine Annahme von einem „gemilderten Kynismus" des Xenophon geHier war nun eine doppelte Deutung möglich: entstützt hatte. weder jene Übereinstimmungen lassen sich zureichend aus dem alldann braucht man auch für gemeinen Zeitbewußtsein erklären Xenophon kynische Einflüsse nur in geringem Ausmaße anzunehmen; oder aber solche Einflüsse müssen auch für Isokrates anerkannt werden. Um eine Entscheidung in diesem Dilemma zu In

dieser



gewinnen, unterzog ich die Gesamtheit der Isokratischen Schriften

aufmerksamen Prüfung, die mich zu dem Ergebnis geführt daß zwar manches, was man für kynisch halten könnte, sich aus dem allgemeinen Zeitbewußtsein erklärt 2 ), daß aber Isokrates doch starke und unzweifelhafte Einwirkungen durch Antisthenes und andere Sokratiker erfahren haben muß, Dabei tauchte jedoch auch noch ein anderes Problem auf. Da wir nämlich die Mehrzahl einer hat,

Wiener Studien, XXIV 1 ff. Das Material, das in diese Richtung weist, habe ich nur teilweise anAusdrücke wie (piXoirovia und £mueAeia, deren Häufigkeit Joel bei geführt. Xenophon auf kynischen Einfluß zurückführt, sind auch bei Isokrates so zahlreich, daß sie sich schon dadurch allein als ganz unerheblich ausweisen. Denn daß der Redner nicht in so hohem Grade von Antisthenes abhängen kann, daß sein ganzer Wortschatz durch diesen beeinflußt wäre, werden wir bald genug erkennen. Anders steht es mit spezifischen Wendungen wie eiriueAeict vjjuxhc, £auTOÜ ^TUjieXetcGai, cqpiav aüxotc irpocex^iv töv voöv usw. »)

2

)

ISOKRATES UND DIE SOKRATIK.

165

der Isokratisehen Schriften wenigstens annähernd datieren können

1

),

so läßt sich der Sokratismus bei Isokrates nicht nur im allgemeinen feststellen, sondern es läßt sich auch verfolgen, wann er bei diesem Schriftsteller

auftritt,

und

in

welcher Stärke er sich

schiedenen Phasen seiner Laufbahn geltend macht.

ergab sich

Kurve"



mir

für

wenn

ich

sagen

so

Gedankenvorrat

den

des

würdigerweise mit den herrschenden lung

des Verhältnisses

Es

spruche stand.

darf



Redners,

den ver-

in

Auf

diese

Weise

eine „sokratische die

Annahmen über

merkEntwick-

aber die

zwischen Isokrates und Piaton im Wider-

zeigte sich nämlich,

krates gerade in jener Zeit,

in

daß

die Schriften des Iso-

der Piaton angeblich mit ihm auf

gutem Fuße gestanden haben soll, gar nichts Sokratisches enthalten, wogegen solche Gedanken sich überreichlich in jenen Jahren finden, in die

man

bisher eine heftige Gegnerschaft beider Schrift-

Und doch sollte man von vornherein mit großer Wahrscheinlichkeit das entgegengesetzte Verhältnis erwarten. In der Tat glaube ich, daß man nur einige Vorurteile aufzugeben steller

zu setzen pflegte.

um

naturgemäße Übereinstimmung zwischen Redners zur Sokratik und seinen Beziehungen zu den Sokratikern herzustellen. Demgemäß werden sich auch die folgenden Untersuchungen von selbst in zwei Teile gliebraucht,

dem

eine

Verhältnis

solche

des

dern: wir werden zunächst die Schriften des

Isokrates

in

chrono-

durchgehen und auf ihren Gehalt an sokratischen Gedanken prüfen, und von dieser Prüfung läßt sich auch die Betrachtung seiner Stellung zu den sokratischen Philosophen nicht trennen; dann aber werden wir fragen, welche Schlüsse sich aus dem Ergebnisse dieser Prüfung auf das Verhältnis Piatons zum Redner ergeben. Ehe ich indes in den ersten Teil dieser Untersuchungen eintrete, muß ich noch zwei kurze Bemerkungen vorauslogischer Folge

schicken.

Erstens nämlich wird es nicht immer möglich sein, Sokratische. Antisthenische und Platonische Einflüsse scharf zu scheiden.

Denn

gemeinen Meinung so nahestehender Mann wie Isokrates konnte naturgemäß nicht dazu neigen, sich extreme Parteiansichten anzueignen. Ein gewisser Grundstock von Überzeugungen ist aber allen Sokratikern gemeinsam. Und wo der Redner sich zu diesen

ein der

l dieser chronologischen Fragen habe ich mich, soweit sie ) Hinsichtlich mit den Ereignissen der politischen Geschichte zusammenhängen, auf die Ansätze von Blass verlassen. Dasselbe gilt in bezug auf die Echtheit der einzelnen Reden

und

Briefe.

12*

166

GOMPERZ.

H.

bekennt, muß es deshalb genügen, auch wenn wir nicht mehr imstande sind, auszumachen, woher er diese Ansicht unmittelbar entlehnt 1 ). Ohnehin wird der sokratische „Einfluß" meist nur als eine Reminis-

gemeinsamen Überzeugungen diese Tatsache festzustellen,

zenz an

einmal Gelesenes zu

irgend

„Vorlage"

einzelnen

einer

denken

mir

scheint

zur

sein;

gerade

nicht

Annahme

häufig

ein

Anlaß vorzuliegen.

Sodann aber ist es gar kein Beweis gegen einen sokratischen wenn etwa in derselben Schrift, in der ein solcher Ein-

Einfluß,

fluß sich zeigt,

haupt

liegt

auch sehr Unsokratisches sich

mir nichts ferner,

als

Denn

findet.

über-

aus Isokrates einen konsequenten

philosophischen Denker machen zu wollen. Er

ist

vielmehr zu allen

gewandter Schönredner gewesen. Und das ihm ja nach XV 277 mit diese seine Gabe des eu Xct^iv steht bei ihm stets zunächst im dem qppoveiv zusammenfällt Dienste seiner Eitelkeit, und in zweiter Linie verwendet er sie zur

Zeiten in erster Linie ein





Befriedigung

um

seiner

Wenn

materiellen Interessen 2 ).

es

irgend eine sachliche Tendenz jemals ernst war,

gewiß noch eher eine politische hellenismus

mag

tischen Ethik geliefert als

so

philosophische:

als eine

ihm aber war dies

zum Pan-

er ein inneres Verhältnis gehabt haben, zur sokra-

gewiß

Themen

ihm daher nie etwas anderes daß sie ihm indes solche nun ohne weitere Vorbemerkungen

nicht. Diese hat

der Deklamation;

wirklich geliefert hat, möchte ich

dartun.

*)

Ich

möchte

davor

warnen,

einen

philosophischen

„outsider u wie Iso-

krates allzutief in die innersokratischen Streitigkeiten zu verflechten. Piaton

und

einem

Iso-

konnten einander schon recht scharf bekämpfen, krates gegenüber alles Solidaritätsgefühl zu verlieren. Antisthenes

2 )

Isokrates selbst gesteht

Nikokles reich beschenkt worden

XV sei.

40,

daß er für

(Vgl.

auch

XV

kyprischen Reden von

die

164

ohne

f.,

wo man jedoch unter

den E^voi, von denen er Geld genommen, in erster Linie die Schüler wird verstehen müssen.) Daß auch der Plataikos nicht umsonst gearbeitet ist, möchte man wohl aus XIV 3 schließen dürfen, da nach dieser Stelle die Gegenredner irctpeCKeudcavTO cuvv)von den Thebanern bezahlt waren (önrö xiüv ^uer^pujv YÖpouc). Also wird wohl auch der Brief an den Spartanerkönig Archidamos eine Belohnung eingetragen haben, und eben diese der Anlaß zur Ausarbeitung von Or. VI gewesen sein. Nun fällt jener Brief in das Jahr 35ß; in d»s Jahr 355 aber die Friedensrede, in der die Athener ermahnt werden, auf die Seeherrschaft zu verzichten. Sollte ich dem Redner Unrecht tun, wenn ich vermute, daß dies mit dem spartanischen Ehrengeschenk zusammenhängt? Auch seine Stellung zu Philipp wird wohl nicht ausschließlich durch eine richtige Witterung für den .

weltgeschichtlichen Erfolg bestimmt worden sein.

.

.

ISOKRATES UND DIE SOKRATIK.

167

IL Die ältesten Reden des Isokrates sind die gerichtlichen, sechs von denen die älteste, die gegen Euthynus, in das

an der Zahl,

Jahr 402, die jüngste, der Aiginetikos, in das Jahr 390 gesetzt werden kann. In diesen Reden nun finde ich so gut wie nichts Sokratisches; denn wenn in einem Erbschaftsprozeß epYa und

(XIX 33 u. 45), so wird wohl kaum einen philosophischen Gedanken erblicken dürfen. Nun liegt es ja freilich nahe, zu meinen, dieses Fehlen alles Philosophischen sei durch den gerichtlichen Charakter dieser Reden hinreichend erklärt. Ohne diesem Gedanken das ihm zukommende Gewicht bestreiten zu wollen, muß ich ihm gegenüber doch zunächst darauf verweisen, daß sich unter diesen der Form nach gerichtlichen Reden auch die XVI. befindet, die tatsächlich ein Enkomion des Alkibiades darstellt; und daß ein Enkomion der philosophischen Gedanken nicht zu entbehren braucht, werden wir später an dem des Euagoras sehen. Vor allem jedoch ist zu beachten, daß es in den sechs Isokratischen Gerichtsreden keineswegs an allen allgemeineren Gedanken fehlt: nur daß diese eben zum Teil nicht sokratisch, zum Teil geradezu unsokratisch sind. Namentlich zwei solche Stellen muß ich hier wiedergeben. XX 1 heißt es vom cwuct, daß dieses Ttdciv ävSpumoic okeiÖTaTov sei, und daß wir toüc xe vöuouc e0eue8a kou Tfjc bn,uoKpaTiac emöuuoöuev dem

dpeTri

man

y^voc entgegengesetzt werden

hierin

Gewiß Ttepi töv ßiov eveKa toutou TTpairouev. Würdigung dieser Stelle nicht übersehen, daß sie Allein in einem Prozeß wegen Körperverletzung gesprochen ist. dennoch hätte niemand in dieser Weise die körperliche Integrität

Kai rdXXa

darf

(so

man

Trdvia

td

bei der

wird cüjua hier

am

besten zu übersetzen sein) für das höchste

Gut erklären können, der gewohnt gewesen wäre, mit Sokrates der seelischen VortrefFlichkeit diesen Rang anzuweisen. Die Rede scheint im Todesjahre

des

später

XVI. Rede, und

fällt

die

Sokrates

gehalten zu sein.

Etwa zwei Jahre

in dieser findet sich eine

in

noch

höherem Grade charakteristische Stelle (§ 33). Hier wird nämlich von Alkibiades gerühmt, daß er sich auf das iTnroxpoqpeiv gelegt habe, und hiezu die Bemerkung gemacht: ö tujv eubcüuovecTdTwv Natürlich ist hier weder epfov ecii, qpaüXoc b' oiibeic dv Troirjceiev, in ethischem Sinne zu verstehen: Isokrates gewiß nicht leugnen, daß auch ein schlechter Kerl einen Rennstall halten könne. Allein auch wenn man beiden Ausdrücken einen rein sozialen Sinn beilegen dürfte, so wäre schon das be-

eubaiuwv noch qpaüXoc

will

168

H.

GOMPERZ.

daß der Redner diese fundamentalen Termini der Ethik unbefangen zur Bezeichnung der Vermögensverhältnisse verwendet. In Wahrheit indes ist dies gewiß nicht seine Meinung, genug,

zeichnend

da er ja durch jene Bemerkung den Alkibiades rühmen daß er hier eübaiuuuv und cpaöXoc ist es deutlich,

mehr

Viel-

will.

einem

in

und ethischen Sinne gebraucht: wer keinen geringer und ist ihm ein unbedeutender, darum verächtlicher Mensch, ein cpaöXoc. Wer diesen Gedanken zu denken vermochte, konnte von keinem Hauche Sokratischen Geistes berührt sein: denn nach dieser Auffassung wäre ja Sokrates

zugleich

sozialen

kann,

halten

Rennstall

selbst (pauXÖTOtToc -rrdvTiov dv9pumujv!

Die nächste Rede

ist

rede.

Genau

Doch

sagt Isokrates selbst

die XIII., die vielbesprochene Sophisten-

läßt sich ihre Abfassungszeit freilich nicht bestimmen.

XV

Daß

Lehrtätigkeit verfaßt 1 ).

193,

er

er

habe

jedoch

sie

zu Beginn seiner

diese Lehrtätigkeit

nicht

Logographie ausgeübt habe, scheint einerseits aus seiner eigenen Behauptung XV 41 zu folgen, es gebe keinen gleichzeitig mit der

Redenschreiber,

der Schüler gehabt habe,

in

spricht

und der

Da nun

anderseits aus der Art,

unserer Rede selbst (XIII 20) von

wie er

alten

den

öikcmkoi

Xöyoi

Technographen überhaupt erwähnt (XIII

19).

nachweisbare Gerichtsrede, der Aiginetikos, in das Jahr 390 fällt, so werden wir schwerlich einen nennenswerten Fehler machen, wenn wir die Sophistenrede etwa in das Jahr 388 die letzte

setzen 2 ).

Rede nun verrät Isokrates allerdings bereits indes in allen stellt sich ihm Hauptsachen schroff gegenüber, während er Piaton höchstens einige ganz unwesentliche Gedanken entlehnt. Zu diesen rechne ich nicht die vielverhandelte Berührung von Isokr. XIII 17 f. mit Phaedr. p. 269 D. Diese Berührung scheint mir nämlich ein eigentümliches In

dieser

einige Kenntnis

des Sokratismus,

Schicksal gehabt zu haben:

möglich falsch,

war, seit

1

)

die

sie ist

Richtigkeit

richtig gedeutet worden, ehe es

dieser

Deutung zu beweisen,

wir den Schlüssel zu ihrem Verständnis

)

und

Hand

"Ot' npxö|ur)v Ttept TOtürnv eivai xr)v TrpaYMaxeiav, unter welcher TrpctY-

uaxeia hier der Unterricht, das biaKijecQai Tipöc touc cuveivai zu verstehen ist. 2

der

in

Blass (Att. Ber. II 2

sein lassen,

S.

18) will

weil der von Isokrates

XIX warum

XV

sie

etwa fünf Jahre

93 als einer seiner

|uoi

ßouXouevouc,

früher

entstanden

ältesten Schüler ge-

im Jahre 387 schon verheiratet gewesen etwa auch ein jung verheirateter dreißigjähriger Athener sich auf die staatsmännische Laufbahn vorbereitet und zu diesem Zwecke rhetorischen Unterricht genommen haben sollte. nannte Philomelos nach Lysias

sei.

Ich weiß jedoch



nicht,

15

nicht



v

:

1S0KRATES UND DIE SOKRATIK.

169

Dümmler 2 nämlich haben

Spengel 1 ) und

nicht daran gedaß Isokrates wie Piaton jene Gedanken über Bildung und Erziehung beide aus einer gemeinsamen Quelle geschöpft haben; diese Möglichkeit scheint indes ganz vernachlässigt worden zu sein, seit wir diese gemeinsame Quelle kennen. Diese ist nämlich m. E. niemand anders als jener merkwürdige Unbekannte, den Blass mit Antiphon identifizieren wollte, Diels aber vorsichtiger als den Anonymus Jamblichi bezeichnet. Man vergleiche

haben.

i

zweifelt,

Anon. Jnmbl. 13

av

"Oti

S. 577,

Tic

eic tc-

edv

coqpiav

edv

YXuucciav dpeTriv

cpuciv

e'xeiv

oi'av

r\

pepocTiaÖTfic, €k TiLvbe

tüjv

uaGeiv,

be t&c

Trepi

coitüjv

xptic^c •

Plato,Phaedr. p. 269 D.

Tö uev buvacBai,

XPH» TeXeov

Ta

ei'bn.

Te Tuuvac6f|vai

cuuTtacav

f|

Tip

uev

f.

ua-

uu

Tnv 4>aibpe, wcTe aYwvicTnv

irpöc

Te Xöyujv

dvbpeiav edvTeeü-

töv uev

0r|Tf)v

edv iä

Xoc tö ße\TicTov,

XIII 17

Or.

...öetv

eGeXri

e£ep YdcacGai T£

Isokr.

(Diels).

ff.

.



.

toutujv juev drrdvTwv cuuTrecövTwv Kai

üjcnep TaXXa.

e'xeiv

El

eiKÖc,

reve'cGai,

be Kai dvcrfKaiov,

i'cuuc

uev

coi

uirdpxei

qpucei pnropiKüj pnTuup

ecet

TrpocXaßujv

eivai,

eXXÖYiuoc,

emcTiipriv

ueXetriv ötou c0ai. Oövai uev Trpüj- qpiXococpoövTec* KaG' ö b' av eXXiTrric toutov beiv, Kai touto b' av e XX e icp6 ti tujv, TauTr) dTeXn,c olöv Te eivai KaTepTaca- TeXeiuuc

e'touav

oi Te Kai

r|

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böc9ai, Ta be

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tüjv eipriuevuuv,

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Kaiafa6ujvqpiXoTTOVov Te Kai TrpaiaiTaTa

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touto KaXuuc, rrpor|pr|-

tö aKpov etep-fdcacöai, uevoi TUYXavouav,

ercei-

Ibid. p. 77 B.

Men.: touto

... Kai

Xefuu

r\

1

) )

a.

a.

O. S. 17.

a.

a.

O. S. 42.

efw

dpeTn.v,

be diravTa Ta TraibeuGnvai Kai Xa- emOupouvTa tujv TauTa, dvuTrepßXn,- ßeivTriverriCTripiiv. buvaröv eivai tov YiTveTai touto, o njic av Ttepi exdcTou. Z^ecGai. e'xovTac

2

.

A Aei touc ueXXovTac „ „ oure acKriTov ouTe ua„ bioiceiv n ttcdi touc „ ,,,, Gnrov, aXXa cpucei Aotouc » irepi tac Z TrapaTiTveTai toic avTtpaseic n rrepi Tac n „ „,, BpajTTOic n aXXuu tivi ^ „ aXXac epYCXoac rrpuu.

biaTeXouvTa. Ei be ti arrecTai toutuuv tov ,

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170 ti

H.

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Bpümujv.

GOMPERZ.

Tpitov

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cöai Kai

YujuvacGfivai töv xpeiav Kai

Ttepi Tf]v

Tn.v

aüfujv

eurreipiav

Sokr.

yeve-

ck

tpyaciaic

ouc

YiYvecGai.

191:

Ibid.

tüjv

Apa

Xe^exc

kccXüuv em-

8uuoövTaaYa0wv

eiti-

6uun,Tn.v eivai;

toutuuv jap ev drrdcaic raic

? :

Men.:

MaXicid

je.

teXei-

Wenn

und emueXeia in einer Person zusamqpucic

mentreffen,

avunep-

ßXrjTov dv

rote dXXoic

dn-oTeXe'ceiev.

Natürlich will ich nicht versichern, erhaltene

Stelle

des

es

müsse gerade

die uns

Anonymus von dem Philosophen wie vom

Redner benutzt worden sein; vielleicht ist eine andere den Nachahmungen noch näher gekommen; wie sehr er sich zu wiederholen liebte, sieht man ja aus dem Vergleich von S. 577, 13 mit S. 578, 5. Soviel aber scheint mir doch unwidersprechlich dargetan, daß der Gedanke weder bei Piaton noch bei Isokrates neu ist, und daß daher keiner von beiden ihn von dem anderen entlehnt haben muß ). Ebenso könnte man wohl auch die Berührung von Isokr. XIII 17 mit Gorg. p. 463 A durch die Annahme einer genieinsamen Quelle erklären oder sie auch als eine zufällige ansehen. Dagegen ist dies kaum möglich bei dem Verhältnis von Isokr. XIII 5—6 und Gorg. p. 519 C ff. 2 ). Denn der Spott, die Sophisten, die ja vorgäben, ihre Schüler Rechtschaffeuheit zu lehren, sollten doch nicht zu befürchten brauchen, diese würden ihnen den bedungenen 1

Lohn unrechtmäßigerweise vorenthalten



dieser Spott,

sage

ich,

kann doch wohl ursprünglich nur von einem Tugendlehrer ausgegangen sein, der nicht gegen Entgelt unterrichtete; also von einem Sokratiker. Hier wird demnach Isokrates den Platonischen Gorgias benutzt haben und ebenso wohl auch die Platonische Apologie, da Isokr. XIII 11 und Apolog. p. 20 C in gleicherweise



') Ausgeschlossen ist eine solche Entlehnung deswegen natürlich nicht. Nach den Ergebnissen, zu denen wir später gelangen werden, kann jedoch nur an eine Abhängigkeit des Philosophen vom Kedner gedacht werden. Und diese

ist

natürlich insofern auch nicht unwahrscheinlich, als ja der Phaidros den Ver-

fasser

der Sophistenrede

ausdrücklich

Lehrer der Rhetorik empfiehlt. 2 Holzner ) Bemerkt von

a.

a.

O.

nennt und, S. 35.

wie

wir

sehen

werden,

als

ISOKKATES UND DIE SOKRATIK

171

nehmen: schön war' es wohl, eine solche Kunst zu besitzen, doch leider habe ich an ihr keinen Teil. Auch spricht ja wirklich nichts gegen die Annahme, daß sowohl Gorgias wie Apologie vor das Jahr 388 fallen. Und die hier vorausgesetzte Art, Gedanken aus fremden Schriften wie Rosinen aus einem Kuchen zur Sophistik Stellung

wird

herauszusuchen,

uns

zum Überfluß

dieser Zeit ausdrücklich bezeugt:

sie

für

die

legen, sagt

Schriften der anderen Sophisten neben sich hin,

Redenschreiber

Alkidamas 1 ),

die

nehmen aus ihnen

allen die Gedanken heraus und machen daraus ein Ganzes. Allein niemand wird in einer derartigen Benutzung ein Zeugnis für eine innerliche Abhängigkeit sehen wollen: was Isokrates dem Piaton hier entlehnt, ist ja nur Polemik gegen Dritte; allem inhaltlich Sokratischen gegenüber verhält er sich in der Sophistenrede durchaus ablehnend: „niemand glaube, sagt er § 21, daß ich behaupte, die Gerechtigkeit sei lehrbar; denn ich glaube überhaupt nicht, daß es eine solche Kunst gibt, die imstande wäre, den

schlecht

Veranlagten

mehr

Tugend oder Gerechtigkeit einzupflanzen."

sachlichen Polemik

begnügt er sich nicht; vielauch gegen die Sokratiker persönlich heftige AnDenn wen anders als sie soll er meinen, wenn er gegen

Allein mit dieser richtet er

griffe.

Männer

sie würden ihnen Handelns beibringen und sie dadurch zu eubcu'uovec machen (§ 3 f.); gegen Männer, die sich rühmen, keines ganz wie später die Geldes zu bedürfen, und den Reichtum Stoiker i° un uc l0V d nennen dpYupibiov (§ 4); gegen Männer, xP die zwar zur Tugend aneifern, jedoch durch solche Reden, durch deren praktische Befolgung man sofort in die größten Übel geriete (§ 20; man denke einerseits an die kynische Autarkie, anderseits an die Gerechtigkeitslehre des Platonischen Gorgias, endlich auch an das Schicksal des Sokrates selbst); gegen Männer endlich, die zwar behaupten, die ipuxnc emueXeia zu pflegen, die aber die Menge mit Recht für Schwätzer hält, da sie sieht, daß jene, die doch vorgeben, eine emcTriun, zu besitzen, untereinander weniger übereinstimmen als diejenigen, die sich bloß mit der boSa behelfen (§ 8). Ich wenigstens weiß nicht, wie man die Sokratiker, namentlich Antisthenes und den jugendlichen Piaton, deutlicher charakterisieren konnte. Und auch jene beiden Umstände, die allein gegen diese Deutung zu sprechen scheinen, vermögen diese m. E. höchstens ein wenig zu modifizieren, keinesfalls aber umzustoßen. Der eine streitet,

die ihren Schülern versprechen,

die emcTr|jur| des richtigen





')

TTepi coqpiCTiijv 4 (S. 159, 2 Sauppe).

172

H.

GOMPERZ.

Umstände besteht darin, daß Isokrates (§ 3 ff.) eben diese Männer auch deswegen verhöhnt, weil sie für ihre Glückseligkeitsanweisung 3 4 Minen verlangen so billig, sagt er, verkaufen sie cuunacav xf|V äpexrjv Kai xrjv eubaiuoviav und nun gegen sie jenes oben besprochene Argument gebraucht, durch das Piaton im Gorgias die „Sophisten" verhöhnt. Allerdings nun folgt hieraus wohl, daß die Sokratiker an unserer Stelle von anderen „Sophisten" nicht ausdrücklich geschieden werden; und die Honorarscherze mögen die letzteren wuchtiger getroffen haben. dieser

selben





Daß jedoch

Sokratiker,



man

wie

behauptet

haupt nicht gemeint sein könnten, weil keinen

entgeltlichen Unterricht

schon



und

hat,

er

halte

Gestalt

erscheinen



hat

gewiß

am

unZeit

meisten

von

oder doch von den vermögenden unter ihnen,

Schülern,

für

ich

mußte zu jener

der Älteste für einen Fernstehenden als die

als

charakteristische

über-

hier

ausgenommen)

(Aristipp dies

erteilten,

Antisthenes wenigstens

erweislich.

sie

,

seinen

in

irgend

einer Form ein Honorar empfangen: wovon hätte denn der bettelarme Mann sonst leben sollen? War aber dieses Honorar nur klein nun, so ist dies ja genau das, was wir an unserer Stelle lesen! Der zweite und wichtigere jener Umstände ist der, daß



Isokrates die Gegner,

gegen

die

er

hier

polemisiert,

in

§

1

be-

20 als oi irepi t&c epibac KaXivbouuevot, was man bald auf Sophisten von der Art des Euthydemos, bald ausschließlich auf die Sokratiker aus der Schule des Eukleides von Megara beziehen zu müssen glaubte. Und wie man sich für die erste dieser Deutungen auf Piaton 1 ) und zeichnet als

oi

Aristoteles 2 )

berufen kann,

der

X

welche aus

neben

1

irepi

sich

Stellen

xac epibac

rrepi

biaxpißovxec,

so für die zweite auf Isokrates

Antisthenes und Piaton

Andere

xac epibac biaxpißoua. Indes, will

selbst

erklären,

beschränken,

resp. in §

so darf

sondern

man

muß auch

sich

die

(aXXoi)

selbst,

erwähnt,

man unseren Redner nicht

auf diese zwei

drei

anderen heran-



Ausdrücke finden und dann ein wesentlich anderes Resultat. Jene drei weiteren Stellen sind nämlich die folgenden. In der 353 v. Chr. gehaltenen Rede über den Vermögenstausch zunächst erscheinen (XV 258) wieder oi irepi xac epibac CTroubaZiovxec, von welchen einige (evioi Tivec) den Isokrates heftig angreifen, während er (§261) ziehen, an denen sich gleichwertige ergibt sich





über xouc ev toic

epicxiKoTc

Xöyoic

)

Soph.

p.

216 B

-)

Soph.

el.

33, p. 183 b 37 (oi itepi

l

(oi irepi

buvacxeuovxac

Kai xouc rrepi xnv

tüc epibac ecTrouoaKÖxeq. touc epiCTixouc Kö^ovc |uic6apvoüvTec).

ISOKEATES UND DIE SOKKATIK. dcxpoXoYtav

Y^wuexpiav Kai xd xoiaüxa tujv ua6n.udxuuv biaxpi-

Kai

ßovxac ein verhältnismäßig



im Jahre 341

(Ep.

V

3),

f|

173



günstiges Urteil

dem

in

Briefe

an

xdc epibac cpiXocoqpia

Trepi

Ebenso heißt

fällt.

es

den 15jährigen Alexander sei zwar nicht gänzlich zu

verwerfen, stehe jedoch einem Fürsten keineswegs an, da es diesem

weder geziemt, selbst mit Anderen zu streiten (epi£eiv), noch zu daß Andere ihm widersprechen (dvxiXeYeiv) der Fürst müsse daher xf|V rcaibeiav xnv Trepi xouc Xöyouc vorziehen. Endlich sagt unser Redner in dem 339 herausgegebenen Panathenaikos (XII 26), in mancher Hinsicht lobe er nicht nur die von den Vorfahren überkommene rraibeia, sondern auch die zu seiner Zeit aufgestatten,

;

gekommene

(xr|v eqp' fijuuiv

KaxacxaGeicav)

:

Xefw be

xn,v xe

Kai xrjv äcxpoXoYiav Kai xouc biaXÖYOuc xouc epicxiKoOc

Die

letzte dieser Stellen

übrigen zu erschließen:

Yewuexpiav

KaXouuevouc.

nun scheint mir das Verständnis auch der epideiktische Monologe gewöhnten

dem an

Redner erscheint die dialogische Darstellung an sich selbst als eristisch, und Eristiker sind ihm daher alle, welche dieser Darstellungsweise sich bedienen, somit in erster Linie alle Sokratiker.

Denn wie ihm leitung

ist

geschriebene Rede vor allem Vorbild und An-

die

zur praktischen Beredsamkeit,

so hält er

auch den ge-

schriebenen Dialog für ein Vorbild und eine Anleitung



zum prak-

Ep. V ganz naiv zutage tritt. Und diese Auffassung kann sich auch noch auf ein direktes Zeugnis berufen. XV 45 nämlich werden verschiedene Arten von Reden (Xöyoi) und Redenschreibern unterschieden, und da heißt es denn tischen

S

epi£eiv

zum Schlüsse:

wie dies ja

dXXoi be xivec

in

Trepi

xdc epuuxn,ceic

Kai xdc drroKpiceic

Wer immer

also seine Geund Antworten entwickelt, der ist ein dvxiXofiKÖc; dies aber ist doch wohl nur ein anderer Name für den epicxiKÖc. So erklärt sich, glaub' ich, aufs zwangsloseste die Zusammenstellung der epicxiKOi Xöyoi mit Geometrie und Astronomie in den späten Reden: dialogische Darstellung und mathematischastronomische Interessen sind eben dem Isokrates gemeinsame KennfeYÖvaciv,

danken

in

ouc dvxiXoYiKOuc

KaXouciv.

Fragen

zeichen der in der

Akademie heimischen Bildung. Und so erklärt der Anfang der Sophistenrede:

sich auch aufs beste unsere Stelle,

indem diejenigen, welche durch die emcxriur) des richtigen Handelns die eubaiuovia gewinnen wollen, als Eristiker bezeichnet werden, werden sie als Verfasser von Dialogen, resp. als Vertreter der Sokratischen Dialektik charakterisiert; und jene Bezeichnung ist daher so weit davon entfernt, unserer Erklärung, jene Männer seien Sokratiker,

zu widersprechen,

daß

sie sie

vielmehr aufs beste be-

174

H.

GOMPERZ.

Ich kann deshalb resümieren: in der Sophistenrede eignet sich Isokrates einige polemisch verwertbare Gedanken Piatons an, stätigt.

sokratischen Hauptgedanken ablehnend gegennimmt zu den Sokratikern selbst eine ausgesprochen

steht

jedoch allen

über

und

gegnerische Stellung

An

ein.

die Sophistenrede

dürfte

sich

zeitlich

das

Enkomion der

Helena ziemlich nahe anschließen. Eine nähere Datierung ist leider nicht möglich. Man kann zwar aus § 3 schließen, daß zur Zeit der Abfassung dieser Rede Gorgias schon gestorben war, und aus § 1, daß Antisthenes bereits ein höheres Alter erreicht hatte. Da indes das Geburtsjahr des letzteren und das Todesjahr des ersteren Denkers nicht bekannt sind, so ist damit nicht viel gewonnen 1 ). Doch wird, wie wir gleich sehen werden, in dieser Rede von Piaton so gesprochen, daß dem Redner offenbar nur dessen Jugendwerke rein ethischen Inhalts vorliegen können: höchstens der Euthydemos, kaum der Menon, keinesfalls die Politeia. Demnach wird die Helena mit ziemlicher Sicherheit vor 380 gesetzt werden können. Und das wird dadurch bestätigt, daß sie den Sokratikern gegenüber dieselbe rein negative Stellung einnimmt wie die Sophistenrede. Denn sie wird gleich eröffnet durch eine Verhöhnung jener Paradoxenjäger (unöBeciv otottov

von denen

'Kai

Trapdbo£ov -rroincäuevot),

daß es ein ipeubr] \e~ftiv und ein dvTiXeYtiv gebe, die anderen behaupten, daß Tapferkeit, Weisheit und Gerechtigkeit dasselbe seien, daß sie nicht von Natur aus uns einwohnen und auf einer und derselben Erkenntnis beruhen, während die

einen

wieder

andere

letztere

Bemerkung

mit

leugnen,

unnützer Eristik sich

sich

auf Eukleides

Ob

die

oder nur im

all-

beschäftigten.

bezieht,

gemeinen eine andere Seite der sokratischen Schriftstellerei hervorheben soll, kann zweifelhaft scheinen; daß dagegen die beiden ersten Hiebe Antisthenes und den jugendlichen Piaton treffen sollen, ist wohl unzweifelhaft und, soviel ich sehe, auch nie bezweifelt worden. In der Tat fehlt es in dieser Rede auch sonst nicht an l )

Mir

ist

das wahrscheinlichste, daß Antisthenes etwa 20 Jahre älter war

beiläufig 447 geboren. Kam er dann um 407 mit Sokrates in Berührung, so konnte Piaton den 40jährigen Schüler als öxjnua6r)C bezeichnen; und wenn die Helena nach 387 verfaßt ist, so konnte der 60jährige in ihr sehr wohl als KaTcrf€YnpaKUJC erscheinen. Mit der von Blass, Att. Ber. I* S. 75 vorgeschlagenen Datierung auf 393 dagegen scheinen mir die Tatsachen nicht mehr und auch sein Versuch, zu erklären, wie Isokrates von dem recht zu stimmen als

Piaton,

also

;

noch lebenden Gorgias wie von einem Toten sprechen könne, macht einen recht künstlichen Eindruck. Das Leben dieses Sophisten möchte dann etwa 495 — 390 fallen (vgl. Zeller, Ph. d. Gr. I 2 ä , S.

1056

'•).

ISOKRATES UND DIE SOKRATIK.

175

Polemik gegen die Sokratiker und namentlich gegen Antisthenes. Wahrscheinlich bezieht sich auf diesen schon dasjenige, was X 7 — 9 gegen solche bemerkt wird, die sich für Erzieher ausgeben und dabei Lügen vorzubringen

beneidenswerter

sei

als

wagen wie

die,

dem Tadel gegen

dasselbe auch von

das Leben

das der übrigen Menschen

x

);

der Bettler

und

vielleicht

Lobredner der ßoußuXtoi § 12, während das ebenda und auch im Platonischen Gastmahl p. 177 B erwähnte Lob der ä\ec beim Kyniker freilich schwer verKaum zweifelhaft dagegen scheint mir die poleständlich wäre 2 ). mische Beziehung auf Antisthenes' Herakles, wenn X 23 25 Theseus diesem Heros als förmlicher Rivale entgegengestellt und dabei bemerkt wird, er habe wahrhaft nützliche Taten vollbracht, während jener durch seine Arbeiten nur sich selbst in Gefahren gestürzt, aber niemandem irgend welchen Nutzen gestiftet habe. Ebenso wird es wohl ein Hieb auf den Kyniker sein, wenn es § 42 heißt, daß für die eu qppovoOvrec auch die f|bovai einen hohen Wert haben* und eine Polemik gegen den Sokratismus im allgemeinen darf man vielleicht auch darin erblicken, daß § 54 der Schönheit ein weit höherer Wert zuerkannt wird als der Tapferkeit, Weisheit und Gerechtigkeit. Fehlt es demnach in unserer Rede keineswegs gilt

die



an sachlichen wie persönlichen Ausfällen gegen die Sokratiker,

so

doch eine Stelle, an der Isokrates seine Gedanken eben diesen Denkern, und insbesondere dem Antisthenes, zu entlehnen scheint. Ich meine jene Schilderung der Tyrannis, welche X 32 ff. als kontrastierende Folie die Darstellung von

findet sich in derselben

Theseus' angeblich konstitutionellem Königtum einzuleiten bestimmt

Diese Schilderung stimmt nämlich, wie schon Endt in der oben erwähnten Abhandlung erwähnt hat, mit verwandten Ausführungen ist.

in

Xenophons Hieron,

Aristoteles überein.

Piatons Politeia und in

in

Joels Andeutungen

folgend,

der Politik des

muß man

indes

auch noch die VI. Rede des Dio heranziehen, und dann gewinnt man wohl den Eindruck, daß eine verlorene Schrift des Antisthenes das gemeinsame Vorbild aller dieser Ausführungen gewesen sein 3

dürfte

).

1

)

Unsere

von Blass )

beginnt

gleich

Diese Deutung TJseners scheint mir

Arist. Rhet. II 24, p.

2

Stelle

(Att.

Vgl.

der

besonders wegen der Parallelstelle vor der Mutmaßung

1401 b 25 den Vorzug zu verdienen

Ber. II 2, S. 370 Blass,

der Behauptung,

mit

Att.

Ber.

f.).

II 2 ,

die Stelle beziehe sich auf Polykrates. S.

336 7

u.

370 7

,

der

auch hier an Poly-

krates denkt. 3

)

Ich bandle hiervon auch in einer Besprechung der Endtschen Abhand-

lung, die ich gleichzeitig für das Arch.

f.

Gesch.

d.

Phil, abgefaßt habe.



176

GOMPERZ.

H.-

Tyrann

sei in

ZnrouvTac

Resp.

Piaton,

Wahrheit

eTtpoic

Es

IX

ein

Sklave (touc ßia tujv

bouXeuovTac),

pag. 579

D

ganz

sich

die

findet (ö tüj

ttoXitujv

ebenso Tupavvoc

ovti

apxetv

auch

bei

ovti

tüj

Bemerkung, daß er sein Leben rrepibeüjc verGrundton all jener Darstellungen: auch heißt es Dio VI 54 e'xei irepicpößujc, Plat. Resp. IX p. 579 E cpößou Teuuiv bid TTavröc toö ßiou. Er ist genötigt, mit den Bürgern gegen die Fremden, mit Fremden gegen die Bürger Krieg zu führen beide Arten von Kriegen finden sich auch Hiero II 12. Er muß die Tempel berauben (cuXäv t& tujv 6eujv) ebenso auch Hiero IV 11 (cuXäv iepd). Ferner wird er die Tüchtigsten töten; ebenso Hiero V 1 2. Seinen Nächsten wird er mißtrauen (dmcToövTac toic olKeioiaToic) dasselbe Dio VI 39 (unbe toic dvcrrKcuoic Gotppeiv), und ganz ähnlich Hiero III 8 IV 1. Er lebt wie ein zum Tode Verurteilter (oübev paöuuörepov tujv em GavaTW cuveiXruuuevujv) so wird der Tyrann auch Dio VI 43 verglichen mit den KOiTabiKacBevTec, und VI 40 mit den Gefangenen (öctic uttö becuujv e'xeTai), was wieder bei Piaton, Resp. IX p. 579 B seine Parallele hat (ev TOiouTUj becuujTr]piuj bebeTCtt 6 Tupavvoc). Er hat mehr Kummer als andere Menschen (udXXov tujv dXXuiv XuTrouuevoc) ebenso Dio VI 48 boOXoc).

bringe



folgt die

der

:

;



;

;

;

(XuTrouuevoc Kai

ueiZ^uj

unbe7T0Te

Xurrouvrai)

TraueTai),

Hiero

und Resp. IX

I

p.

8

(tujv

578

ibiuiTuJv

BC

.

.

.

TrXei'uj

(dGXiüJTctToc

tujv



ganz Er fürchtet stets, ermordet zu werden wie Dio VI 43 und hat nicht weniger Angst vor den qpuXdTTovTec als vor den emßouXeuovTec; dieselben Worte Hiero VI 4 (qpoßeicGai Kai aurouc touc qpuXaTTOVTac), derselbe Gedanke auch Dio VI 38. Endlich: solche Herrscher sind daher gar nicht dpxovTec, sondern vocr)uaTa tujv rröXeoiv; und auch dies steht bei dXXuiv dTidvTUJv).



ecxaTov TröXeuuc p. 544 C (f) Y^vvaia rupawic Im folgenden möchte man die Worte Tdc ipuxdc eXeuöe35) gleichfalls für kynisch halten, wenn nicht auch im

Piaton Resp. VIII vöcnua). pOucac (§

.

.

.

pseudolysianischen Epitaphios § 15 derselbe Ausdruck sich fände 1 ). Dagegen sieht es ohne Zweifel höchst kynisch aus, wenn es § 36 als

Maxime

die

Anderen

Vermutung wird stoteles Polit. erklärt.

der Tyrannen

Wenn

V

bekräftigt

10

p.

)

durch

1311 a 4 das

endlich der gute

bopucpopoüuevoc heißt, v

bezeichnet

wird,

die

zuzuteilen, die f)bovai aber selbst zu genießen,

den Umstand, f\bv

den

Ttövoi

und

diese

daß auch Ari-

für den ckottöc TupavviKÖc

König § 37

Tfj

tujv ttoXitujv euvoia

so dürfte auch dies auf eine kynische Vor-

Vgl. auch die yvüj|Jcu öe&ouXuuuevcu bei Piaton, Menex.

p.

240 A.

ISOKRÄTES UND DIE SOKRATIX.

177

da Xenophon Hiero X 4 sich gegen eine Anwelcher ö cpiXiav KTricduevoc äpxwv oubev tri Im ganzen also scheint es mir klar, daß öericexai bopucpöpuuv 1 ). Isokrates in der Helena zwar den Sokratikern und namentlich dem zurückgehen,

Jage

nach

wendet,

sicht

Kyniker

feindlich gegenübersteht, ihnen aber

wichtige

Gedanken

Ich

doch einige nicht un-

entlehnt.

komme nun

zu zwei Reden, die eine genaue chronologische

Fixierung zulassen: dem Panegyrikos, der 380 vollendet, und dem Plataikos, der 373 verfaßt ist. Die beiden gehören auch insoferne

zusammen,

als sie

die wenigsten

zur



Sokratik

von

allen nichtgerichtlichen sei es

sei es positiven,

haben,

was

Reden des Isokrates Beziehungen

negativen

beim



sowohl durch seinen geringen Umfang wie durch seinen quasigerichtlichen Charakter erklären läßt. Jedenfalls ist in dieser Rede die Bemer-

kung (XIV (oubev

freilich

Plataikos

daß aus der Ungerechtigkeit nie Vorteile erwachsen

25),

toic

sich

xö öikcüov TcXeoveKToöciv oubeTrumoTe

Tiapd

cuvrjveYKev),

einem sokratischen Grundsatz zu berühren scheint. Doch auch der um so vieles umfangreichere Panegyrikos ist für unsere Zwecke wenig ergiebig. Polemisches gegen die Philosophie findet sich jedenfalls gar nicht: nur verdient es vielleicht angemerkt zu werden, daß eubaiuovia zweimal (IV 62 u. 103) in dem alten Sinne von Wohlstand gebraucht wird 2 ). Anderseits die einzige, die sich mit

1

)

Wie Endt

danken über

richtig

die Tyrannis

bemerkt hat, finden sich allerdings mehrere dieser Geauch schon bei Euripides, welcher Jon v. 621 sa^t: ft".

Tupavviooc öe



xf|c luärriv aivouuevric

|uev irpöcuu-irov f]bv,

xdv ööuoia öe

Aimripd- Tic jap uaKÜptoc, xic euTuxnc, "Octic oeboiKÜJc Kai -rrapaßXemuv ßiav Aiüjva xeivei- örmöxnc äv eu-ruxric Zf]v dv Öe\oiui uäAAov ""ßi

touc iTOvr]poüc

f\

r)6ovvi

rüpavvoc

üjv,

cpiXouc exeiv,

'EcOAoüc öe uiceT KaxBaveiv qpoßoüuevoc.

am einfachsten durch die Andaß eben Antisthenes diese Verse in seiner verlorenen Darstellung der Tyrannis benutzt und wohl auch zitiert hat.

Ich glaube jedoch, dieser Sachverbalt erklärt sich

nahme,

2 )

Rivalen,

Es

ist

die

zum Wettkampfe herausgeforderten t^v irapaKaTa9fiKr)v, sondern gegen den Pane-

möglich, daß IV 188 unter den

nicht

mehr

-rrpöc

gyrikos schreiben sollen,

VI XXI. Rede

Laert.

15

TTpöc

versteht.

auch Antisthenes verstanden wird, der ja nach Diog. xdv 'IcoKpdTOUC äudpxupov schrieb, worunter man die Doch läßt sich dies einerseits nicht erweisen, da es auch

andere Gegenreden gab (Blass,

Polemik IV 188 so milde,

Att. Ber. II 2 , S. 220), anderseits ist

daß sich aus ihr überhaupt nicht

die

Form

der

viel schließen läßt

GOMPERZ.

H.

178 einiges,

scheidet

was man

sokratisch,

für

resp.

könnte, aus der Erörterung aus, da es offenbar

dem

kynisch

halten

pseudolysiani-

schen Epitaphios entlehnt ist 1 ): so die Bezeichnung des Herakles als eines Wohltäters aller Mensehen § 56 (Lysias 2, 16; vgl. auch daß es besser sei, für das Recht 2) und die Bemerkung, 33, 1



an dem Unrecht der Stärkeren Bemerkung, die sich Lys. II 12 teilzunehmen (IV 53) nicht nur fast mit denselben Worten findet, sondern sich auch in beiden Fällen auf den gleichen Gegenstand (Athens Eintreten der Schwächeren

einzutreten



für die Herakliden)

als

eine

Auch der einigermaßen

bezieht.

auffallende

Satz (IV 47), die cpiXococpia habe die Menschen gelehrt, die aus der duaGi'a entspringenden Unglücksfälle zu vermeiden, die von der dvör("K?7

auferlegten aber KaXwc eveYKeiv (dies letztere auch

IV

148),

von seiner Bedeutsamkeit, wenn man einerseits erwägt, daß cpiXocoqpia hier nach dem Zusammenhange einen sehr allgemeinen Sinn hat, und anderseits sich erinnert, daß zwar auch Piaton (Menex. p. 247 CD u. 249 C) das die pacra, resp. dvbpeünc und TTpdujc cpepeiv xdc cuucpopdc empfiehlt, ebenso jedoch auch schon Lysias in einer 392 gehaltenen Rede (Lys. III 4) das kocganz abgesehen von dem xd rrev0ea uiuuc qpepeiv Tdc cuucpopdc Etwas mehr Geeppuujuevujc opepeiv bei Protagoras Frg. 9 (Diels). wicht möchte ich dem Eingang unserer Rede beilegen, wo (IV 1) die Begründer der Festspiele getadelt werden, weil sie zwar für verliert viel



die euiuxicu tuiv cuujudxujv Preise ausgesetzt

welche Tdc aüxujv

diejenigen,

vj/uxdc

outuj

hätten,

nicht aber

TrapecKeuacav,

wozu noch zu vergleichen

touc dXXouc duqpeXeiv buvacöai,

für

üjcxe Kai ist

§ 49

dXXd Kai Xöywv Kai Y v wun.c) und § 92 (xaic ipuxaic vtKujvxec toic cuuuaciv drremov). Natürlich erinnert dies zunächst an Xenophanes Frg. 2 (Diels) 2 ). Doch nicht minder (aYuJvec

.

.

jufi

.

udvov xdxouc Kai

DE

an Piaton, Apolog. p. 36 3 Xenophon, Resp. Lac.

X

Und pujur)

(vgl.

(öcip

Kai oi aYuivec oi tüjv ipuxüjv

r|

puuur|c

auch Hipp. Min.

p.

364 A) oder

ouv Kpeirnjuv vyuxn cüjuatoc, tocoutuj oi tujv

cuuudrujv dtiocrroubacTÖTepoi).

wenn Xenophanes S. 51, 14 (Diels) lsokrates dagegen cüjua und lyuxn einander ent-

keinesfalls ist es zufällig,

und

coqpin.,

denn daß der letztere Gegensatz ein sokratischer Gebrauche ich nicht besonders zu beweisen, während dem cuiua vielmehr die YVüJuri gegenz. B. noch Andokides (II 24) Doch findet sich freilich der Gegensatz von ipuxn "nd überstellt. gegensetzt;

meinplatz

ist,

•)

Vgl. Blass, Att. Ber. I 2

2

Vgl. Blass, Att. Ber. II 2

)

S.

,

,

S.

443. 585.

ISOKRATES UND DIE SOKRATIK. häufig

cüüua

(Bd. VI, S. 610 Littre):

III 71

Sammlung 1 ),

der Hippokratischen

in

179 z.

B. de diaet.

öxoia ndcxei tö cujua, Toiaöia öpfj

n M^uxn (vgl. auch Epid. VI 5, 2, Bd. V, S. 315 L.; de diaet. I 25, Bd. VI, S. 497 f. L.; ibid. II 60, S. 574). Auch bei Gorgias heißt

Köcuoc

es (Hei. 1):

usw.

cocpi'a

(bei

.

.

.

uev euavbpia, cuauari be KaXXoc,

rcöXet

Und noch mehr

t& toö cüjuaroc

idcöai kcxXujc),

bucTuxrmaia toic

wenn man

XXIV

Lysias

fiele

Tf|C

vjjuxvi

vpuxfic

be

Gewicht

3 ins

emTr|beuuaciv

Rede mit

sich entschließen könnte, diese

Blass 2 ) und den meisten Neueren

gegen das Urteil der Alten für was ich freilich schon deshalb nicht kann, weil echt zu halten ich dem Klassiker der Ethopoiie nicht zuzutrauen vermag, er habe einem alten Invaliden so gespreiztes Zeug wie den angeführten Satz in den Mund gelegt. Im ganzen also scheint mir an dieser



ein gewißer Einfluß der Sokratik zwar nicht erweislich, immerhin möglich. Und ähnlich verhält es sich auch mit einigen anderen Stellen. So könnte die IV 40 erwähnte Unterscheidung der Te'xvcu in Ttpöc TävcrfKaia toö ßt'ou XPHCIMCU und in Tfpöc Stelle

aber

ueurixavtiuevou kynisch sein; auffällig ist, daß IV 75 die Teilnehmer an den Perserkriegen bezeichnet werden als td TrXri9r| TTpoTpe'qKxvxec in dpeir|v; gleich darauf (IV 76) heißt es recht

fjbovr)V

sokratisch:

oube Trpöc dptupiov

xf)V

eubaiuoviav eKpivov,

dbÖKei ttXoutov dcqpaXecTarov KeKTfjcBat Kai KaXXicrov, 1

udXiCT

euboKiuriceiv

.

.

und bald darnach:

.;

toic

dXX' outoc

öctic

küXoic

.

.

.

ue'XXoi

KdYaBoic

dvGpumwv oübev berjcei ttoXXujv ypauudTuuv, was immerhin einigermaßen an bekannte Aussprüche des Antisthenes erinnert (Triv dpetujv

Tf]v

.

VI

11,

.

.

ur|Te Xötuuv TrXeicTuiv beoue'vnv ur)Te

und Td

urrouviiuaTa ... ebei

IV 105

Xaptaic KaiaYpdqpeiv, Ibid. 5). qpucei TToXitac

övTac vduiu

xfjc

ua0rjudTuuv, Diog. Laert.

iq

ev

ipuxrj ... Kai

heißt

es,

daß

TroXueiac drrocTepeicSai

besten Falle ein sehr gemilderter Kynismus!

die



uf]

ev TaTc

Metoeken freilich im

Die Unterscheidung

zwischen KaTriyopeiv und vou0eieiv (IV 130), je nachdem die Vorwürfe em ßXdßn oder in djqpeXeia gemacht werden, wage ich kaum nur wegen ihrer definitionsDie Bemerkung IV 168 dagegen, die Menschen weinten zwar über die von den Dichtern erdachten Unglücksfälle, durch die vielen wirklichen Leiden (des Krieges) aber würden sie nicht einmal gerührt, sondern freuten sich

für sokratisch auszugeben,

artigen

1

)

b'

und führe

Einkleidung überhaupt

Vgl. auch

sie

an.

schon Pindar (Isthm. IV 53 Bergk):

|aopqpüv ßpaxüc,

\\)v\äv

äKCtUTTTOC. 2 )

Att. Ber. P,

S.

scheint mir ihre eigene

637

ff.;

vgl. III 2 2 , S. 374. Seine Verteidigung der

Widerlegung

Wiener Studien. XXVII. 1805.

in sich

zu tragen. 13

Rede

180

GOMPERZ.

H.

fremden Nachteil noch mehr als über ihren eigenen Vorteil Bemerkung hat für mein Gefühl allerdings einen auseine gesprochen kynischen Charakter (vgl. auch Dio XIII 20

über



diese



Stelle aus

dem großen

Kleitophon erhalten

ist).

Xötoc TrpöTpeTTTiKÖc, dessen Anfang auch im

Zusammenfassend darf man demnach wohl

sagen, daß der Panegyrikos von sokratischen Einflüssen nicht stark

berührt

eine Polemik gegen irgend welche Sokratiker nicht ent-

ist,

dagegen

hält,

eine

gewisse

Tendenz

zur

Aneignung

einzelner

kynischer Gedanken zu verraten scheint.

Ein wesentlich anderes Bild bieten die drei kyprischen Reden, zu deren Besprechung wir nunmehr übergehen müssen. Denn wenn ihre Abfassungszeit auch leider nicht genau ermittelt werden kann, so wissen wir doch, daß Nikokles ungefähr von 380 360 regierte;



und da die an diesen gerichtete Rede jedenfalls nicht allzu lange nach seinem Regierungsantritt gesetzt werden kann, so wird man mit der Annahme schwerlich weit fehlgreifen, daß jene Reden etwa zwischen 375 und 365 verfaßt sind. Und zwar ist die älteste derselben ohne Zweifel die Rede TTpöc NikokXcoi, die sich von unserem Gesichtspunkt aus als höchst interessant erweist.

Denn

sie

wird gleich

Wiederholung jener Schilderung der Tyrannis Helena (X 32 34) als kynisches Gedankengut dargestellt hatte: der Tyrann besitzt zwar scheinbar die größten Reichtümer, Ehren usf., lebt jedoch in Wahrheit in beständiger Furcht, wird häufig von seinen nächsten Angehörigen getötet und muß daher oft aus Vorsicht sich gegen diese vergehen. Und nun ein neuer und sehr bedeutsamer Zug: es scheint demnach, daß jedes andere Leben dem Schicksal vorzuziehen ist, inmitten solchen Unglücks über ganz Asien zu herrscheu. Der Vergleich des ibuJJTric mit dem Großkönig aber findet sich nicht nur bei Piaton (Gorg. p. 470 E), sondern bildet auch das Thema der VI. Rede des Dio Chrysostomus (VI 35 ff.). Und nun geht es ganz eröffnet (II

4

von

— 5),

kynisch

einer



die sich uns schon in der

weiter:

für

keinen Athleten

ist

es

so

wichtig,

Yuuvd£eiv, wie für die Könige, Tf]V ipuxnv Trjv cujtujv (II 11).



cwucc

Glaube

daß die e.TTiue\eia zwar in bezug auf andere Dinge nützlich unnütz aber irpöc tö ße\Tiouc f]uäc küi qppoviuuuTe'pouc TiTvecGai; und meine ja nicht, daß wir zwar Künste besitzen, um die Seelen der Tiere zu zähmen und in ihrem Werte zu steigern, uns selbst

nicht, ist,

aber oübev av Trpöc dpexriv

daß

ujqpeXricaipev

;

sei

vielmehr

überzeugt,

und emueXeia imstande sind, Trjv nueiepav qpüav euepx Durch die richtigen Yuuvdaa wirst du leicht ein 12) ).

naibeicc

Yereiv (II l

)

Diese Stelle hat schon Schröder

des Isokrates angeführt.

a. a.

O. als Beleg für den „Sokratismus"

ISOKRATES UND DIE SOKRATIK. guter König werden beivöv wäre,

(II

wenn

13),

und

es

Schlechteren

die

muß

181

daß

dir ja klar sein,

über

Besseren

die

dvonjÖTepoi über die qppoviuüJTepoi herrschten

(II

14).

und

Auch

es die

qpiXdv-

9puiTT0C muß der König sein; denn weder über Pferde noch über Hunde noch über Menschen kann man KaXwc herrschen, wenn man nicht Freude hat an jenen Wesen, für die man Sorge tragen soll (II 15) hier stellt die Induktion mit den Tiervergleichen den somatischen Ursprung des Gedankens wohl außer Zweifel. Allein mitten und das ist der echte in diese sokratischen Vorschriften hinein fällt



Isokrates





formen behaupten sich der

Maxime: je mehr sie

eine höchst unsokratische

Menge bemühen

um

so besser,

alle

sich

Verfassungs-

um

die

Gunst

(arnvec av dpicra tö ttätiGoc GepaTreuwciv, II 16;

vorhergeht: ueXeTiu coi toö

Kai Ttepi iravidc ttoioö Kexapic-

n-Xr|Gouc,

Bemerkung, über deren sokratische Herkunft ich mir nicht zu entscheiden getraue: de! rautd Trepi xwv aÜTUjv YiYVWCKe (II 18), was jedenfalls auffallend an Xenophon, Mem. IV 4, 6 und Piaton, Gorg. p. 490 E erinnert 1 ). Nun kommen wir zu einer merkwürdigen Stelle, die auch schon Schröder herangezogen hat: f|YOÖ be GGua touto KdXXicrov eivai Kai Gepaireiav ueYicrrjv, av wc ßeXriCTOv Kai biKaiöxaTOV cauiöv Trapexrjc; denn es ist mehr Aussicht, ue'vuuc

Es

auTOic apxeiv).

folgt eine

Opfer bei den Göttern geradezu an den Propheten Jeremias erinnernde Vorschrift sieht auf den ersten Blick höchst philosophisch aus; allein sie hat eine durch ihr Alter vor dem durch

Rechtschaffenheit

etwas

zu

Verdacht

erreichen

als

durch

sokratischen

viele

Diese

(II 20).

Einflusses

wohl

Genüge

zur

geschützte

Denn in einer nach Blass ) im Jahre 402 gehaltenen Rede sagt Lysias (XXI 19): fj-foujuevoc Taüinv eivai tx]v XeiroupYiav 2

Parallele.

emTTOVUJTdTnv, Kai

ur|9'

uep'

biet

TeXouc töv Ttdvxa xpövov köcuiov eivai Kai cwqppova

fibovfjc

eic

oiuuvöc dpicxoc,

M^ö' uttö

frrTr|0rivai

ToiouTov TTapacxeTv eauiöv uicxe

duuvacGai

.

.

.

Tiepl

usw.

3

Ke'pbouc

).

Tratpric

eTrapGnvai,

dXXd

Auch an das Homerische erinnert man sich nun.

1 In § 19 fehlt der Satz T^v |U€Ya\oTrpeTreiav euepf eeime samt dem, ) was vorhergeht und nachfolgt, in mehreren Handschriften. Sein erster Teil (Warnung vor einer iroXuTeXeia eüöuc dqpaviZoiaevn) würde dem Charakter der ganzen .

Erörterung gut entsprechen.

.

.

Allein der Gegensatz (sondern zeige deine |U6Y a ^°"

£v xe xoic Trpoeipninevoic Kai tu) KotWei tujv Kxnuctxinv) ist nicht recht verständlich: für Kxrnuaxuuv würde man eiriTnöeuudTUUV erwarten, und die irpo•rrp^Treia

eipnueva wären hier eine arge Geschmacklosigkeit. 2 )

3 )

Att. Ber. I», S. 498.

Der Anfang des Satzes wird auch dem Isaios zugeschrieben, als dessen Doch handelt es sich hier vielleicht nur um

Frg. 131 er bei Sauppe erscheint. ein falsches Zitat.

13*

182

GOMPERZ.

H.

Und

wohl die Annahme einer sokraDoch stehen wir gleich darauf dem sokratisch-kynischen Gedankenkreise:
möchte

so

für

diese

Stelle

tischen Vorlage entbehrlich sein.

wieder

in

XecrdTnv riyou toö cujuaioc elvai

Wort

des Antisthenes 1 )

zu

Und nun abermals

qppövn.cic.

Tr|V xe tujv cpiXuuv

cauToö qppövriav (II 21)

ttoXitujv eüvoiav Kai Tf|V

vergleichen



wozu etwa das

re?xoc

ist:

ein sokratisches

dpeTrjv Kai rr)v tujv

dccpaXeciaTOV

Kernwort: "Apxe cauToö

unbev f|Ttov tujv dXXujv,

bouXeunc ttoXitujv

Kai toö6' frroO ßaciXiKUJTaiov, dv unbeuia dXXd KpaTrjc tujv emöuuiujv uäXXov f| tujv Die bloße Warnung vor dem Beherrschtwerden

f|bovwv,

tujv

(II 29).

durch die

fjbovri

man

dürfte

freilich

philosophischen Einflusses ansehen.

als ein

Kennzeichen

Denn wir haben

ja eben eine

noch nicht

(XXI

19) kennen gelernt, an der gleichfalls das erwähnt wird, und bei demselben Redner (I 26) was der betrogene Gatte dem ertappten Ehebrecher ist das erste, vorwirft: er habe den vöuoc geringer geachtet als die f|bovai. Allein daß der von den f]bovai beherrschte Mensch dadurch zum Sklaven werde, dies ist doch ein spezifisch philosophischer Gedanke, den wir z. B. bei Xenophon (Mem. IV 5, 3) und Diogenes (Diog. Laert. VI 66 Schluß) mit allem Nachdruck ausgesprochen finden. Die genauesten Parallelen zu unserer Stelle aber bieten Piaton, Gorg. p. 491 D ("Gva (Lkoctov XefUJ airröv dauToö dpxovTa* toOto uev oub£v bei, auTÖv eauToö dpxeiv, tujv be dXXujv; TTujc fl eauToö dpxovTa XeYeic; Oubev ttoikiXov, dXX' ujcirep oi ttoXXoi 2 ) ... Stelle des

fjqp'

Lysias

f|bovfjc f|TTn6fjvat





tujv

f|bovuiv

X

Ages.

2

Kai

eTTi6uuiu)v

(Oüx oütujc

eni

dpxovTa tujv ev ^auTu») und Xenophon, tüj

dXXuuv

tujv

Und nun

ßaciXeueiv

Ojc

em

tüj

ganz unphilosophisch fort: sollte es dir aber begegnen, an etwas Schimpflichem Gefallen zu finden, so halt' es geheim! (II 30). Und dann

eauToö dpxeiv eu.€YaXuveTo).

ein paar Ratschläge,

jedenfalls

höchst

moralisch

sind,

indes

daß man über ihre Herkunft etwas ausmachen deine cuucppocüvri sei ein Beispiel für die Anderen; deine

wohl zu blaß, könnte: »)

die

fährt Isokrates wieder

als

Bei Diog. Laert. VI

13.

Hiezu, sowie überhaupt zu der Frage nach der Vereinbarkeit dieser Auffassung mit dem Sokratischen Ouk cctiv äxpacict vgl. Joel, Der echte u. d. Xen. 2

)

S. 579. Indes versteht Piaton unter den uoAXoi gewiß nicht Antiwohl aber drückt er die gewöhnliche Meinung, eine Akrasie sei möglich, durch Bilder aus, deren sich der Kyniker mit Vorliebe bedient hat. Übrigens hat Piaton selbst diese Meinung im Phaidros, und auch in der Politeia geteilt. Daraus, daß 30 Jahre nach der Rede TTpöc NikokA^ci auch Aischines (I 42) die Phrase oouXeüuuv tcüc T^öovaTc gebraucht, kann man natürlich nichts mehr

Sokrates

II,

sthenes;



schließen.

ISOKRATES UND DIE SOKRATIK. Regierung wird dann gut

sein,

183

wenn deine Untertanen durch

deine

emueXeia euTropwrepoi und cuuqppovecxepoi werden; durch bö£a kann

man Und ev

erwerben, aber um xpn.uaxa keine böEa kaufen (II 31 f.). darauf wieder eine höchst unkynische Vorschrift: xpucpa uev

xpriuaTcc

tcuc

ecGfja

Kai

rote

Trepl



cujjua

köcjuoic,

Kapiepei

b'

ev

Recht kynisch dagegen klingt: ßouXou xdc eiKÖvac Tfjc dpeTfjc urrduvriua udXXov f| toö cuujuaxoc KcnraXmeiv (II 36). Und noch mehr die im folgenden wiederholt und nachdrücklich betonte Entgegensetzung des Nützlichen und des Angenehmen: wenn wir die Natur der Menschen betrachten, so toTc

dXXoic

eniTribeujuaciv

(II 32).

von ihnen iravidTraciv evavriac tu) cuuqpepovxi rdc nbovdc e'xoviac; denn weder an den gesündesten Speisen erfreuen sie sich am meisten noch an den schönsten Beschäftigungen, noch an den besten Taten noch an den nützlichsten Kenntnissen (II 45). Du aber sollst Dinge und Menschen nicht nach ihrer Annehmlichkeit beurteilen, sondern nach ihrem Nutzen bewerten (II 50). Einen Absatz vorher hören wir freilich, um bei seinen Zuhörern Erfolg zu haben, müsse der Redner des vouGereiv und cuußouXeueiv sich enthalten, und vielmehr solches vorbringen, woran sich der oxXoc am meisten erfreut (II 49). Es ist gut, daß auch solche Stellen durch die Rede hin verstreut sind man könnte sonst auf den Gedanken kommen, es sei dem Isokrates mit seinem Kynisieren ernst. So stark tritt diese Tendenz in der Rede TTpöc NiKOKXea finden wir die meisten

:

hervor.

Die nächste der kyprischen Reden möchte das Enkomion Euagoras sein. Dieses Produkt der schamlosesten Schmeichelei bietet natürlich zu philosopischen Deklamationen verhältnismäßig wenig Gelegenheit und zwingt geradezu zu höchst unphilosophischen Äußerungen. Man kann es daher kaum als Beleg der Sokratik feindliche Stimmung des Redners anfür eine führen, sondern muß es als notwendige Folge der von ihm gewählten UTTÖGecic ansehen, wenn er erklärt, jedermann werde eine selbsterworbene Herrschaft einer von den Vorfahren ererbten vorziehen (IX 35); die Tupavvic sei das größte und erhabenste der göttlichen und menschlichen Güter (IX 40) der Erfolg des Euagoras zeige sich auch darin, daß er gelebt habe öXrfoic ttovoig TioXXdc des

;

poKJTuuvac

KTuuuevoc

dXX'

od bid

uixpac

paGuui'ac

ue'fdXouc

ttövouc

UTToXemöuevoc (IX 45); seine Herrschaft habe die besten Seiten seine eubaiuovia aller Verfassungsformen in sich vereinigt (IX 46) ;

werde dargetan durch seine Abkunft, seine körperlichen und geistigen Vorzüge, seine äußeren Erfolge, seine Gesundheit, sowie durch die

184

H.

GOMPEEZ.

Zahl und die Machtstellung seiner Söhne (IX 71 f.). Um so bemerkenswerter ist es, wenn trotzdem auch noch dieser Stoff dem Redner Gelegenheit zu sokratischen Äußerungen gibt. Dabei lege ich kein Gewicht darauf, wie oft von der öpeir| des Helden gesprochen wird. Auch wenn die äpercu (IX 22 f.) so aufgezählt

daß

werden,

als

ndXXoc und

körperliche

und Zufall sein; und ebenso, wenn Herrscher bis auf Euagoras der dvbpia,

cuucppocuvn.,

IX

2

Tic

(ei

cocpi'a

als geistige

puuun.,

ötKCuocüvn. erscheinen, als

mag

aber

dies ein

der bewunderungswürdigste aller

ältere

Kyros genannt wird (IX 37

f.).

eciiv cuc9n.cic toic T€TeXeuTn.KÖci Trepi tuiv evGdbe yiyvo-

p. 248 B C (ei Tic ecri toic doch könnte hier prinzipiell auch Piaton der Entlehnende sein, und überdies mag diese Phrase sich auch in älteren Epitaphien gefunden und überhaupt im allgemeinen Umlauf gewesen sein. Interessant ist die Stelle IX 44, an der von Euagoras gerühmt wird, er habe gelebt öuoiujc tüc ev ue'vuuv)

stimmt

überein

mit

Menex.

T€TeXeuTr|KÖav cuc0n.cic tüuv £uüvtuuv);

toic epYoic öuoXoyiöc ujcrrep t&c ev toic Xöyoic biaqpuXdrrwv.

werden wir nämlich sehen, daß

seits

sequenten Lebens

in einer

diese

Empfehlung

eines

Einer-

kon-

späteren Schrift des Isokrates(Ep.VI9f.)

wiederkehrt; anderseits hat bekanntlich Zenon den obersten Grundsatz der stoischen Ethik Zfjv

formuliert.

Es

liegt

ursprünglich als den

daher die

Annahme

des öuoXoYOuuevuJC

nahe, dieses Ideal der

öuoXoyio: tuiv epYWV sei vielleicht schon von Antisthenes verkündet worden 1 ). Sehr sokratisch aber klingt es jedenfalls, wenn der Redner von seinem Helden rühmt: ceuvoc ujv ou tcüc tou rrpocumou

cuvotYWYaic oiik

erri

dXXd raic tou ßiou KaTacxeuaic (IX 44) uera qppovuJv bid tuxhv, dXXd erri toic b\ auröv Y Tvouevoic; fiYou;

toic

l

J

uevoc tüüv fibovuiv, dXX oük dYÖjuevoc im' auTuiv (IX 45). Entscheidend

l

)

S.

359

f.)

Es

ist

hier freilich folgendes zu

beachten.

vermutet, daß sich eine bei Jamblichos

Blass hat (Att. Ber. III 2 2 ,

vorkommende Erörterung über

Übereinstimmung mit sich selbst, d. h. also über die Notwendigkeit „fester Grundsätze ., nach denen man immer handle", auf denselben altattischen Autor zurückführen lassen möchte, dem auch die anderen von diesem Forscher bei Jamblichos entdeckten Fragmente angehören. Blass sieht hierin natürlich eine Stütze seiner Vermutung, jener altattische Autor sei mit Antiphon identisch, von dem wir ja den Schriftentitel TTepi öuovoiac kennen. Allein auch wegen der Joel, der denselben Autor mit Antisthenes identifiziert, könnte sich auf diese Beobachtung berufen. Übereinstimmung mit dem Stoiker Zenon Mag sich dies indes wie immer verhalten: daß Isokrates in der Sophistenrede von dem Anonymus Jamblichi abhängt, glaube ich oben gezeigt zu haben; und so muß man jedenfalls mit der Möglichkeit rechnen, daß der Redner auch seine Lehre von der 6uo\oYia tüjv e'pyujv derselben Quelle entnommen habe. 6|uövoia als

.





ISOKRATES UND DIE SOKRATIK.

185

folgende, offenbar an den Haaren herbeigezogene und auf den kyprischen Tyrannen gewiß nicht zu-

indes scheint mir doch erst die

firouuevoc uev, ei KaXwc Tf|V auroö qppövnciv KaXwc aütw Kai inv ßaaXeiav e£eiv, 9au|ud£ujv b' öcoi

treffende Schilderung: TrapacKeudcete,

tüjv uev dXXuuv eveKa Tfjc njuxn.c

irotoövTai Tn,v

auinc be

ejnue'Xetav,

Tautnc unbev TUYxdvoua qppovTiZovTec (IX 41).

Denn das

ist doch ganz dasselbe, was bei Piaton Apolog. p. 29 D E und Cleitoph. p. 407 A B, resp. bei Dio XIII 9 f. als der Hauptinhalt des Somatischen Xöyoc TrpoTpeTTTiKÖc angegeben wird. Und in der Tat finden wir, daß Isokrates sich ganz in diesem sokratischen Gedankenkreise bewegt, sobald er in dem an Nikokles gerichteten

Epilog der IX. Rede

Da





von der Fessel seines Themas

heißt es: schön sind auch die

noch

befreit

Denkmale der Körper,

mehr wert

ist.

die Bild-

Taten und der den xexviKÜjc e'xovtec Xöfoi erblicken will (IX 73). Denn die KaXoi KotYaOoi sind weniger stolz auf die Schönheit ihres Körpers als auf ihre Leistungen und Auch wird der Körper durch den Anblick ihren Geist (IX 74). schöner Bilder nicht schöner, wohl aber die Seele durch das Anhören schöner Reden (IX 75). Indem wir nämlich treffliche Vorbilder loben und dadurch die Hörer aneifern, jenen ähnlich zu säulen, allein



Gesinnung

viel

die der Rhetor

die Abbilder der

freilich

nur

in

Und hier kann habe Isokrates nur seine Rhetorik verstanden und dieselbe Bemerkung gilt auch von den folgenden Stellen. Denn es heißt nun weiter: du bist der einzige Fürst, der versucht hat, cpiXococpeiv Kai troveTv (IX 78) man beachte auch die höchst kynisch klingende Zusammenstellung! Es folgt (IX 79) eine schon von Dümmler 1 ) bemerkte Anführung aus Piatons Phaidon (p. 60 E), und dann heißt es weiter: mögest du auch ferner emueXeicBai Kai Tf|v i^uxnv dcKeiv; denn allen Menschen frommt es, irepi ttoXXoö iroieicöai xr|V
man

eiri

tr]V

qpiXococpiav

wie sonst sagen,

nicht



unter

(IX

77).

cpiXocoqpia



:

,

toioötoc, oiöv ce Trpocr|Kei gestattet,

(IX

fühlt sich Isokrates

Man

81).

auch

sieht:

in der IX.

sobald der Stoff es

Rede ganz

als so-

matischer Philosoph.

Wir kommen Sie

NikokXtic.

jetzt zu der dritten der kyprischen Reden,

beginnt mit einer Polemik gegen jene,

o'i

dem

öucköXuic

gerade denkbar, daß zwischen dieser Polemik und der Piatons gegen die uicoXoYia (Phaed. p. 89 D ff.)

e'xouci Ttpöc

'.)

a.

a.

touc XÖtouc (III

O. S. 29.

1).

Es

ist

.

186 ein

H.

Zusammenhang

Rhetor

besteht;

in eigener Sache.

deren er

sich

Interesse.

hier

GOMPERZ. wahrscheinlich spricht hier der

allein

Auf jeden

bedient,

für

Fall aber

uns

Einerseits nämlich lernen wir hier

eigentümliche Stellung des Isokrates zu

kennen 1 ).

ist

die Argumentation,

mehrfacher Hinsicht von

in

dem

zum

ersten

Male

die

Begriffe der uXeoveEia

kann bekanntlich sowohl das moralisch innach irgendwelcher Überlegenheit bedeuten wie auch den verwerfliehen Versuch ungerechter Übervorteilung. Auch unserem Redner ist die letztere Bedeutung keineswegs fremd: V 148 z. B. stellt er ganz ohne Vorbehalt nXeoveHia und dpexr| einander gegenüber; und ebenso gebraucht er -nXeovetia VII 60 TTXeoveKxeTv

differente Streben

im schlechten Sinn und behauptet sogar, haben (ev ydp toTc irXeicxoic tuuv Xöyujv cpavr|couai

xcuc

sie

tüjv

immer getadelt zu elpriuevuuv

uev öXrfapxicuc Kai xaic nXeovetiaic

uti'

emxiuüjv

.

euoö . .

.

)

auf die wir noch zurückkommen

ist ihm an werden (VIII 28), das xrXeov e'xeiv xwv ctXXuuv ein selbstverständlicher Gegenstand des Wünschens für alle Menschen; und XV 275 und 281 284 nennt er das irXeoveSiac emöuueiv nicht nur als eine der Bedingungen des Besserwerdens, sondern ereifert sich gegen diejenigen, welche diese Bezeichnung im übeln Sinne gebrauchen, während sie doch in Wahrheit „den Frömmsten und Gerechtesten" zukomme, o uepl xwv
Dagegen

einer Stelle,



c

i

möchte man sie für ein bloßes Spiel sophistischen schon im NiKOKXfjc findet sich nun dieselbe Witzes halten. Auffassung: die Gegner führen die Rhetorik auf die TiXeoveSia zurück und setzen diese der dpexr| entgegen, während wir doch Frömmigkeit, Gerechtigkeit und alle Tugenden nur üben, um übe uexd TrXeicTuuv dYOtGwv unser Leben zu verbringen, so daß es also doxie

ein,

und

so

Allein



auch ein TrXeovexxeiv uex' dpexfjc gibt (III 1 2). Ich gedaß mir die eigentliche Pointe dieser wiederholten Erörterungen verborgen geblieben ist. Anderseits jedoch berührt sich dasjenige, was der Redner sonst an unserer Stelle vorbringt, auffallend mit Platonischen Gedanken. Er sagt nämlich, nicht die Redekunst,

jedenfalls stehe,

zu jenem TtXeoveKTeTv uex' dpexiic, verdiene Tadel, sondern vielmehr die Mensehen, welche sie zu unrechten Zwecken gebrauchen (III 3 4). Dies ist jedoch genau die Argumentation ohne daß ich freides Gorgias bei Piaton, Gorg. p. 456 C D ff. lich die Möglichkeit ausschließen möchte, es könnte dieser Ge-

als

ein

Mittel



')

Vgl.

Dümmler



a.

a.

O.

S. 4.

:

ISOKRATES UND DIE SOKRATIK.

187

danke wirklich auf den Sophisten Gorgias zurückgehen. Allerdings Annahme folgender Umstand. Isokrates führt nämlich zur Erläuterung seiner These aus, mit demselben Rechte wie die Reden, könnte man ja auch Reichtum, Kraft und Mut Dies herabsetzen, da auch diese mißbraucht werden könnten. aber erinnert einigermaßen an die Darlegung Piatons im Eulhydemos (p. 280 D E ff.) sowie an die fast gleichlautende im Menon (p. 88 C D), Reichtum, Gesundheit und Schönheit seien an sich weder Güter noch Übel, sondern würden zu solchen erst durch den richtigen oder unrichtigen Gebrauch eine Darlegung, die nun gewiß nicht auf Gorgias zurückgeht, da sie mit der sokratischkynisch-stoischen Lehre von der Adiaphorie der äußeren Güter aufs engste zusammenhängt. Gleich darauf findet sich wieder eine auffällige Berührung mit Piaton. Isokrates sagt nämlich (III 5 f.), an Raschheit, Körperkraft und anderen euTropi'at stehe der Mensch hinter vielen Tieren zurück, und nur das Vermögen der Mitteilung und Überredung habe ihn aus dem tierischen Leben emporgehoben, zur Städtegründung, Gesetzgebung und Kunstübung befähigt, Kai spricht gegen diese



5

cxeböv aTravta xd

Und

Xötoc

ueun.xavn.ueva

f]uujv

bi

f|uiv

ecfiv

ö

cut-

an den Mythos Protag. p. 320 D ff. Doch muß auch hier die Möglichkeit offen bleiben, daß vielleicht ein Original des Sophisten Protagoras beiden Allein wir sind mit den problematischen Stellen zugrunde liegt.

KaTacKeudcac.

dies

erinnert

nun

unstreitig

Denn

Anspielungen auf Piaton noch nicht zu Ende. heißt es, pr)TOpiKoi seien jene, die ev tuj

eüßouXoi dagegen,

oinvec

dv aöroi

rrXr|6ei

autouc

irpöc

gleich III 8

zu reden verstünden, dpicra

rrepl

tüjv



wozu man vergleiche Theaet. p. 189 E: TrpaYudTuuv btaXexSÜJCiv Xöyov, öv auin. npöc auinv f| MJuxn. bieiepxexai tö be biavoeicGai .

dv

iLv

irepi

CKOTifj,

.

.

und Soph.

p.

263 E: bidvoia uev

Kai Xötoc xaurö"

TrXnv 6 uev evxöc xfjc vpuxric Trpöc auxn.v bidXoToc aveu qpwvfic -fvrvö-

uevoc

.

.

.

Wiederum wenige

ich schätze

zwar

alle

Zeilen darauf sagt Nikokles (III 10)

nützlichen

XiKUJidTouc Kai udXicxa TrpeTrovTac

Xöyoi, ejnoi



dXXd

touc

KaXXicrouc Kai

rrepi

ßaci-

tujv €TTtTn,beuudTUJv

was sich auf Piatons Politeia TTapaivouviac, sich aber auf sie doch sehr braucht, zu beziehen nicht zwar gewiß

Kai

tujv

TToXiTeiuJV

wohl beziehen kann. Und nicht lange, so hören wir (III 12), die Monarchie sei die beste der Verfassungsformen, und zwar deshalb (III 14 f.), weil sie zwischen den XPHCTOi und den irovnpoi keine falsche Gleichheit herstelle, sondern jedem nach seinem Werte seinen An| teil

zuweise

I recht

nahe

— eine Ansicht,

steht.

Ich

die Piatons Staatsauffassung jedenfalls

muß nun

sagen:

für sich

allein

ist

freilich

188

H.

GOMPERZ.

keine dieser Übereinstimmungen mit Piaton völlig sicher; allein der

Umstand, daß sie sich alle auf vier Teubnerseiten zusammendrängen, macht es mir doch recht unwahrscheinlich, daß hier lediglich der Zufall sein Wesen treibe. Übrigens gibt sich die III. Rede auch in ihrem Fortgänge recht sokratisch. Ich besitze, sagt Nikokles (III 34), als daß ich uexct KdKiac viel Größeres erwerbe; die Könige müssen um so viel besser sein denn die Untertanen, als sie größere Ehren besitzen denn jene (III 38); die Menschen sind im übrigen eYKpaxeic, werden aber unterjocht (fjTTuuuevouc) von den sexuellen Begierden (III 39); ich habe mehr

lieber ueTCt bncaiocuvric das Meinige,

als die

anderen die

diejenigen vor,

nun

die reine

cuuqppocuvn.

geübt,

und ziehe von den

fjbovai

die aus der ävbporfaOia entspringen (III 44).

Sokratik:

auch die

qpucei kocjuiouc

muß man

Und loben,

mehr touc Kai uexa Xoykuoö toioutouc öviac; denn ihr ganzes Leben lang werden nur diejenigen im Guten ausharren, die erkannt haben, öti juencrdv ecri tujv orfaOüjv dpein, (III 46 f.). allein weit

Und

darauf nochmals der Grundsatz des Platonischen Euthydemos

Menon: Einnahmen sind an sich kein Vorteil, Ausgaben kein immer die gleiche Bedeutung; sondern beides bringt dann wahren Nutzen, wenn es ev Kaipuj geschieht und uei' dpeTf|C (III 50). Weiter: TTpoxpeTrexe toöc vewiepouc

resp.

Nachteil, denn beides hat nicht

€tt'

dperriv

aYaöouc

.

.

.

uTTobeiKVÜovTec aÜToic, oiouc eivai XPH T0UC avbpac touc

(III 57).

schers an

Eigentümlich

die Untertanen:

Kindern hinterlassen könnt,

ist

folgende

Ermahnung

der größte Reichtum,

den

des Herr-

ihr

eueren

mein Wohlwollen (III 58). Vielleicht hat ein Sokratiker dies zunächst von der euvom der Mitmenschen überhaupt gesagt vgl. auch II 21 und der Redner dann diesem Gedanken die höfische Wendung gegeben. Einiges minder Wichtige bildet den Abschluß: beneidet nicht die, welche viel besitzen, sondern jene, die sich keiner Schlechtigkeit bewußt sind; glaubt nicht, daß die KüKia nützlicher ist als die dpetri und nur einen schimpflicheren Namen hat (III 59) das letztere ganz



ist



,



474 C bekämpft. Im ganzen hat somit der NiKOK\f)c einen ebenso sokratischen Charakter wie die beiden anderen kyprischen Reden; doch scheint ihn, wenn wir uns nicht täuschen, eine etwas stärkere Anlehnung an Piaton als an Antisthenes auszuzeichnen. An die Besprechung der drei kyprischen Reden schließe ich die Betrachtung der Rede an Demonikos an, da diese ebensowenig wie jene genau datiert werden kann und anerkanntermaßen der Rede TTpöc NiKOKÄea sehr nahe steht. Jene Rede ist nun allerdings die

Ansicht

des

Polos,

die Piaton Gorg. p.

ISOKRATES UND DIE SOKRATIK.

189

nach dem Vorgange anderer Forscher von Blass 1 ) aus stilistischen Gründen für unecht erklärt worden: sie sei „von irgend welchem des Isokrates

Schüler

Das mag

Anlehnung an

in

Daß

Rede

die

Trpöc NiKOKAea

jedoch bloß „irrtümlich unter geraten" sei, ist mir nicht wahrscheinlich, die Reden des Meisters

verfaßt".

sein.

sie

da der Verfasser sich für einen Freund des Vaters des Demonikos Rede also kaum von einem Schüler im eigenen Namen

ausgibt, die

veröffentlicht sein



kann

und zum selbständigen wahrscheinlich, daß er

wenigstens solange derselbe der Schule er indes dieser einmal entwachsen

War

des Isokrates angehörte.

Schriftsteller

geworden, so

ist

wieder wenig

sich nicht nur formell, sondern

auch sachgenau an das Vorbild des Meisters gehalten hätte. Eher möchte ich deshalb annehmen, daß wir in der I. Rede eine „Werkstattarbeit" zu erblicken haben: eine Arbeit, die Isokrates durch einen Schüler ausführen ließ und dann selbst „signierte". In diesem Fall kann sie aber für unsere Zwecke immerhin herangezogen werden. Und in der Tat ist sie für uns recht lehrreich; denn der kynische Charakter ist in ihr noch stärker ausgeprägt als in der Rede TTpöc NiKOKXea. So beginnt sie gleich mit dem radikal-ethischen Gegensatz der cnoubotioi und cpaöXoi (I 1). Und die bald folgende Polemik gegen jene, die touc TTpOTpenTiKOÜc Xoyouc sei zwar ein koXöv epYOV, jedoch nicht to cirfYpacpouci (dies lich so peinlich

KpdxicTov

xfjc

cpiXococpiac)

kynischen Charakter,

,

verliert

da aus dem

ihren

sofort

scheinbar

anti-

daß es sich dabei um TTpoTpenriKOi zur Rhetorik handelt, denen nun der Verfasser gerade solche Reden als die vorzüglicheren entgegensetzt, welche darauf abzielen, daß die veuutepoi id tüjv tpottuuv f|0r| CTTOuöaioi TreqpuKevai böEoua (I 4). Und nun, nach Absolvierung des Prooemiums, setzt die sokratisch-kynische Protreptik mit vollen folgenden

.

Akkorden die dp€Tr|;

ein:

kein Besitztum

denn

der Reichtum

1 )

auch die Körperkraft

Att. Ber. II 2 S.

2

280

.

wertvoller oder

ist

dauerhafter als

mehr ein Diener der Katda als Jugend zur eEouda und zu den zwar ueid qppovriceuuc von Nutzen,

ist

der KaXoKaYaGia und verführt die f|bovcu 2 );

.

hervorgeht,

ist

ff.

Schon dieser Eine Satz widerlegt, scheint mir, die von Blass (Att. Ber. II 2 S. 284) angeführte und gebilligte Behauptung von Sandys, unsere Rede enthalte „eine ziemlich glänzende und durchaus nicht uninteressante Darlegung der gewöhnlichen Grundsätze der griechischen Moral". Denn die populäre Sittlichkeit der Griechen hat ebensowenig wie die irgend eines anderen Volkes jemals den Reichtum vorwiegend unter dem Gesichtspunkte der moralischen Bedenklich)

keit betrachtet.

:

190

H.

GOMPERZ. und

zwar td cuuuaTa tujv im Wege; die dpern. dagegen, und sie allein, bleibt dem Menschen sein Leben lang treu, und ist ttXoutou Kpenruuv und xptlduwTe'pa eufevei'ac. Und noch ein Zug der Tugend wird angeführt: sie sieht den ttövoc als ercaivoc an, wie man dies von den dGXa des Herakles (und des Theseus) abnehmen könne, dem die dpeir| seiner TpoTroi zu immerwährender euboEi'a verholfen habe (I 5 Ich weiß nicht, was kynische 8). Protreptik ist, wenn nicht dies. Nun weiter: der Tugendhafte Yuuvd£ei tö cuuua toic uövoic und erträgt mit der ipuxr) die Gefahren (I 9), er bewundert mehr touc uepi auröv CTroubd£ovTac r\ ohne

jedoch schädlich,

qppövn,cic

dcKOuviujv, steht aber der emueXeia



tuj fivei 7Tpocr|KOVTac

ipuxnc





touc

fördert

Tfjc



eine echt kynische

Umwertung! Und VI 20)

sogleich wird dieses ueTaxapdrreiv tö vöuicua (Diog. Laert.

auch

programmatischer Zuspitzung ausgesprochen: qpuciv vöuou Kai Tpönov y^vouc Kai wozu man das Wort des Diogenes dvaYKnc (I 10) .

.

.

in

ttoXXüj KpeiiTuu



Laert.

VI

f]YeiTo

fäp

irpoai'peav (bei Diog.

38) vergleiche: dvTiTiGriui tuxv] uev Gdpcoc, vöutu be cpücrv,

Und wiederum:

wie dem Ringer das dcKeiv, so den emiribeujuaTa deines Vaters zu, es werden aber die cujuara gefördert durch cuuuerpoi ttövoi, die durch solche e7TiTn.beuuaTa kannst du vjjuxri durch cnoubaioi Xöyoi: (I 12). Die Maxime, das Schimpfliche nicht embibövai Ttpöc dpexriv einmal zu nennen (I 15), hängt vielleicht mit dem sehr ähnlichen kynischen Grundsatz bei Cicero, de off. I 35, 128 zusammen. Unerheblich ist: fyfoö udXicra ceauTw TTpeireiv köcuov, aicxuvnv, biKai-

ndGei be Xöyov.

kommt

ocuvnv,

dir das Rivalisieren mit

cuuqppocüvriv (I 15),

sowie:

uribeiroxe urjbev aicxpöv Troincac

eXmle Xr)ceiv Kai y<*P av touc dXXouc XdGric, ceauTüj cuveibnceic Tac f)bovdc (I 16). Und geradezu für unkynisch möchte man halten Gipeue Tac ueTa bdSnc Te'pipic y«P cu v tüj küXw uev dpicTov, dveu wenn man sich nicht erinnerte, daß be toutou KaKiCTOV (I 16) :



auch Antisthenes die fibovf] djueTaueXnroc für ein Gut erklärt (Athen. XII p. 513 A). Gut kynisch klingt dagegen wieder: die Weisheit ist

das einzige

XP^M-Ot

dGdvaTOv;

sowie

der,

freilich

seltsam

aus-

durch eine Korruptel entstellte Gedanke wenn zwar die Kaufleute weite Seereisen nicht scheuen, um ihr Vermögen zu vergrößern, die Jünglinge aber vor dem weiten Landweg zu einem Lehrer zurückschrecken, um durch ihn

gedrückte und vielleicht wie

töricht,

ßeXTiuu KaTacT^cai ir\v auTÜuv bidvoiav (I 19)

')

Anstoß.

An dem

kotci

Vielleicht sind

1

).

Und

rein kynisch ist

2 YH V fropeiac nimmt Blass (Att. Ber. II S. 283) mit Recht die Worte verdorben denn die „Albernheit" ist dem



ISOKRATES UND DIE SOKRATIK. das folgende:

YÜuva£e ceauiöv ttövoic eKOua'oic,

191 öttujc

av

buvr] Kai c

toüc oekouciouc UTroue'veiv (das Prinzip der kynischen Askese!). ujv KpcnretcGai

toutuuv

aicxpöv,

ipuxnv

Tr)V

eTKpdieiav

Ycp'

dcxei TrdvTuuv,

Kepbouc, opY^c, fibovfic, Xünnc. "Ecei be toioutoc, edv Kepbn uev eivai voui£nc,

bi'

uiv euboxiuficeic,

dXXd

uri

bi'

wv

eurropriceic

,

toTc repTTVOic, edv aicxpöv i)TioXdßr)c tojv uev oiKexujv dpxeiv,

bouXeueiv ....

fibovmc

(I

Eine

21).

ev be taic

b'

Abweichung vom Kynismus

gestattet sich der Verfasser freilich, sofern er



ganz wie Isokrates in bezug auf die Kleidung die qpiXoKaXia gestattet, wenn 32 er auch den KaXXuimcuöc verpönt. Doch unmittelbar darauf heißt es wieder ganz sokratisch (vgl. Euthydem p. 281 D und Meno p. 88 D): nach Reichtum streben, ohne ihn gebrauchen zu können, ist, wie II



wenn

einer ein schönes Pferd kauft,

Und geradezu

der nicht reiten kann

das spätere Grundprinzip der stoischen Ethik

1 )

(I

27).

spricht

der Autor aus in

den Worten:

Ta ßeXxicTa

Der Vergleich der trunkenen Seele mit einem Lenker verloren hat (I 32), scheint mir ohne den

(I

Wagen, der

29).

seinen

Platonischen Phaidros

(p.

246

A

uev Td napövia,

cre'pYe

nicht gut denkbar.

ff.)

£r|xei

be

Einige Be-

merkungen über die dem König schuldige Bewunderung (I 36) verraten wohl mehr den Höfling als den Philosophen; auch das TiXeoveKietv wird in der dem Isokrates eigentümlichen Weise behandelt (I 38). Doch bald kehrt die Rede in das verlassene Geleise zurück: ziehe einem ungerechten Reichtum eine rechtschaffene Armut vor (I 38). Und nun hören wir: TTdvtwv uev emueXoG tuiv nepi töv ßiov, udXtcta be

Triv

cauioö qppövn.civ dcKer uefictov ydp ev eXaxicTui vouc dfaGoc

ev dv9pujTT0u Hjuxrj

cuuuaii.

qnXdcoqpoc

(I

ireipu)



40)

tlu

das

uev

cujuccti

eivai

eine

letztere

cpiXÖTrovoc,

xrj

be

geradezu klassische Etwas gemäßigter als

Formulierung der kynischen Lebensansicht! man es bei einem Kyniker erwarten möchte, klingt die Maxime: freue dich über das Gute, und betrübe dich nicht zu sehr über das Schlechte (I 42); und auch die folgende Gnome ist nicht ausschließlich philosophisch:

das Sterben hat die

Pläton (Menex.

doch

auch

TreTTpuj)uevn.

Allen zugeteilt,

denn wenn

sie auch bei 246 C) ihre Parallele findet, so sagt im Grunde schon Sophokles dasselbe (Aias v. 479), und ebenso

das schöne Sterben aber nur den Guten

;

p.

„Schüler" ebensowenig zuzutrauen wie dem Lehrer. Oder man könnte sich auch denken, daß der Verfasser eine Vorlage benutzte, in der nach der Sachlage nur von einer Landreise die Rede sein konnte. J gerade glaube ich dasselbe ) Besser als die bisherigen Darstellungen



was

die hier wichtige

schen Philosophen"

S.

Frage 217

ff.

betrifft



in

meiner „Lebensauffassung der griechi-

entwickelt zu haben.

192 setzt

H.

Andokides

(I

GOMPERZ.

57) als selbstverständlich voraus, daß Viele das

diToGaveiv höher schätzen

kcxXujc

würden

als

das

Zum

Zf\v.

Schlüsse

jedoch werden nun ebenso wie

II

derer anhören, die ihn eni

dpetfiv irapaKaXoöciv (I 45).

45 die ttoXXoi getadelt, daß sie die wohlschmeckenden Speisen den heilsamen vorziehen und so auch von den Genossen die cuveSauapidvovTec den vou9eToövTec. Demonikos aber soll sich der qpiXoTrovia befleißigen und die Reden Trjv

wird er auch die wahren BVeuden erlangen.

Denn

Nur

so

bei den paGuuiai

und TrXncuovat haften den f|bovcu stets Xürrai an, während die cpiXound die cuKppocuvn, stets reine und dauerhafte Freuden gewährt

Ttovia (I

46). K&Kei uev

npöiepov

ricGevtec ücxepov eXimr|9r|cav,

€v6aÖTa be



uerd rdc Xuixac Tdc f|bovdc e'xouev (I 47) was fast wörtlich übereinstimmt mit dem Grundsatze des Antisthenes, man müsse erstreben Tdc ueid xouc

ttövouc

nicht rdc Trpö

f|bovdc,

Nun

tuiv

ttövuuv

noch einmal der Gegensatz zwischen den qpaöXoi und den CTTOubcuoi (I 48), und dann wird an dem Kontrast von Herakles und Tantalos gezeigt, daß die dpexr| zur Unsterblichkeit, die Kaida zu den schwersten Strafen führt (I 50) eine Moralisierung des Mythos, die jedenfalls auch recht kynisch aussieht. Endlich heißt es, Demonikos solle nicht nur an die gegebenen Ratschläge sich halten, sondern auch von den (Stob. Flor. 29, 65 Meineke).

folgt



Dichtern das Beste lernen Kai tuiv dXXuuv cocpiCTÜJV eiprjKaciv dvcrftYVWCKeiv

(I

51),

wohl mit dem die

nahe berührten. anderes

besten Willen

sich

als eine

mit

xP^cwov

keine

anderen Schriften

der an ihn

Inhalt

in

zu verstehen, da Demonikos auftreiben

gerichteten

Rede

so

Denn diese Rede ist, wie gezeigt, kaum etwas Sammlung kynischer Vorschriften; und wenn sie

von Isokrates

nicht

dem

ti

worunter ich nicht umhin kann,

erster Linie die Schriften der Sokratiker

konnte,

ei

selbst

herrührt,

so

reichend bedeutungsvolle Tatsache, daß

bleibt

um

es

doch eine hin-

das Jahr 370 eine der-

artige Schrift aus seiner Schule hervorgehen konnte.

Ich wende mich nun zur Besprechung des Busiris. Diese Rede wird sonst meist in die achtziger oder gar in die neunziger

Jahre des ')

S.

4.

Jahrhunderts gesetzt

1

).

Ich glaube jedoch zeigen zu

Blass, Att. Ber. II 2 S. 248. Ich finde es nicht so „voreilig" wie dieser

wenn Überweg meinte, der Busiris müsse dem Platonischen Gastmahl vorangehen. Denn man begreift in der Tat nicht, wie Isokrates sagen konnte (XI 5 — 6), Sokrates würde dem Polykrates dafür, daß er ihn zum Lehrer des Alkibiades gemacht, mehr Dank wissen, als allen seinen Jüngern für ihr Lob, ich sage, man begreift nicht, wie Isokrates dies sagen konnte, nachdem Piaton das Verhältnis beider Männer im Gastmahl so ausführlich behandelt hatte. Indes Forscher,



ISOKRATES UND DIE SOKRATIK. daß

können,

doch

mehrfach auf Piatons Politeia bezieht, der siebziger Jahre veröffentlicht und halte mich deshalb für berechtigt, sie etwa auf

sein

kann 1 ),

läßt sich dieses

sich

dieselbe

kaum

die

193

der Mitte

vor

Argument doch nicht durchführen. Denn jenes Verhältnis

dessen mehr pädagogischen oder mehr erotischen Charakter es nicht wird ja von Piaton nicht nur im Gastmahl, sondern auch kann



Gorgias

(p.

481

D

u.

519 A), ja

sogar

Daß jedoch

bekanntes erwähnt.

schon

im Protagoras

(p.

— auf

ankommen schon

316 A)

als

im ein

der Busiris nicht älter sein kann als der Prota-

goras, geht schon daraus hervor, daß Isokrates in dieser Rede, wie Blass richtig

bemerkt, durchaus „die Würde eines schon bewährten Sophisten annimmt", was er unmöglich tun konnte, als er noch vorwiegend Logograph war. (Daß er nach XI 50 jünger ist als Polykrates, berechtigt nicht zu einem positiven Schluß auf sein Alter.)

Muß

aber einmal an unserer Stelle eine eigentlich unbegreifliche Gedankenlosig-

dann kann das Gastmahl hier ebensowohl ignoriert sein wia Nun versucht Blass freilich, noch einen anderen da nämlich der bald nach 380 terminus ad quem für den Busiris festzustellen verstorbene Lysias gegen den ,Sokrates' des Polykrates geschrieben habe, so dürfe man „nicht weiter herabgehen". Für den ,Sokrates' des Polykrates nun gilt dies allerdings; aber auch für den Busiris' des Isokrates? Dieser sagt doch nur, Polykrates tue sich von seinen Reden am meisten auf den ,Sokrates' und den Busiris' zu Gute (XI 3); dies schließt indes doch nicht aus, daß der ,Sokrates' schon 10 oder 12 Jahre zurückliege: besonders, da nicht diese Rede, sondern eben der Busiris' des Polykrates ihn zu seiner Replik veranlaßt. Es steht demnach nichts im Wege, mit annähernder Genauigkeit den ,Sokrates' des Polykrates etwa 384, seinen Busiris' etwa 374, den Busiris' des Isokrates etwa 372 zu keit konstatiert werden,

der Protagoras und der Gorgias.

:

,

,

,

,

,

setzen. l )

Die Masse der Platonischen Schriften

ist

so

groß,

daß

ihnen keine langen zeitlichen Abstände annehmen kann. Daher

ist

man zwischen mit einer Ent-

Reihenfolge der Platonischen Dialoge annähernd auch schon ihre Abfassungszeit fixiert — was man wohl häufig übersehen hat. Denn wenn man bedenkt, daß Piaton neben seiner Schriftstellerei auch noch durch seine Lehrtätigkeit in Anspruch genommen war, und daß jeder Autor scheidung über die

zwischen der Ausarbeitung zweier Werke einer Pause der Erholung und Sammlung bedarf, so kann man durchschnittlich für Werke wie den Protagoras oder

den Sophistes

wie Phaidon oder Hauptwerke Politeia und zehn Jahre rechnen. Da nun über die Reihen-

nicht weniger

als

Philebos nicht weniger als zwei Jahre,

Nomoi

nicht weniger als fünf bis

ein Jahr,

folge der Platonischen Dialoge sich heute eine

mende Meinung herausgebildet

hat,

so

für

solche

für die großen

darf

im allgemeinen übereinstimman vielleicht auch wagen, zum

Behufe ungefährer zeitlicher Fixierung der einzelnen Dialoge eine schematische wobei ich Übersicht zu entwerfen. So würde sich etwa folgendes Bild ergeben



vom Phaidros

am

meisten

einstweilen absehe, da die Abfassungszeit dieses Dialogs einerseits umstritten

ist,

anderseits

uns später

eingehend beschäftigen wird.

man die kleinen Dialoge Hippias, Laches, auch zum Teil während der Reisen verfaßt sein

In die ersten neunziger Jahre könnte

Charmides,

Lysis

setzen,

die

können; dann um 392 den Protagoras, um 390 den Gorgias; hierauf Apologie, Euthydem, Kratylos und um 384 das Gastmahl; dann den Menon und um 380 den Phaidon. Rechnet man nun für die Politeia sechs bis sieben Jahre, so fiele

194

GOMPERZ.

H.

das Jahr 372 zu datieren. Obwohl nun der Busiris die einzige Rede in der Isokrates den Sokrates mit Namen nennt, so erhalten

ist,

wir hier doch über

die Stellung

Er

befriedigende Auskunft. jektivität

von Sokrates

als

zum Weisen

des Redners

spricht

mit

dem Gegenstande

keine

Kühle und Ob-

gleicher

technisch un-

eines

geschickten Angriffes, von Polykrates, der diesen Angriff ins

Werk

denen er Es ist möglich, seine Polemik Rhetor vergleicht. daß (XI 6) jenen zum Zeit mit seinem dieser in gegen den Ankläger des Sokrates mindesten nicht ungünstigen Verhältnis zu den Sokratikern zu-

und von den CwKpdTnv

setzt,

enaiveiv

eiGicuevoi,

mit

sammenhängt. Allein daß er für deren Meister kein warmes Wort daß er nicht einmal andeutet, dieser sei kein geeignetes Objekt für eine Kcrrnjopiot, scheint mir doch zu beweisen, daß ihm Und dies die Gestalt des Sokrates innerlich unsympathisch war. wird uns nicht wunder nehmen, wenn wir uns des oben über die Behandlung der „Eristik" Gesagten erinnern: dem berufsmäßigen Rhetor mußte eben der Urheber der Dialektik vor allem als der Begründer der Eristik erscheinen; und wirklich läßt sich ja zu dem Isokratischen eu Xereiv kein schärferer und feindlicherer Gegensatz denken als das Sokratische eXeYXCiv. Um so merkwürdiger ist es, daß gerade im Busiris Isokrates dem Piaton freundlicher gegenübersteht als in allen seinen anderen Reden. Mit dem Kynismus nämlich zeigen sich hier nur wenige Berührungspunkte: man könnte dahin höchstens die Schluß phrase rechnen (XI 50), das cuußouXeüeiv sei nicht Sache der TrpecßÜTCXTOt und der oiKeiÖTaioi, sondern der TiXeTct' eiöötec und der ßouXöuevoi ujqpeXeiv, und etwa noch die fast stoisch klingende Wendung (XI 12) von den töttoi oiik euKcri'puJC

findet,

oub' eüapuöcruuc

sokratisch Trepi

Trpöc ir\v toö

kann man

cuuTravroc q>uav e'xovrec.

Allgemein

wenn dem Busiris f\ wird (XI 21); und der Ver-

dann noch nennen,

es

xnv qppövnciv emueXeia beigelegt

gleich der „Philosophie" mit der Medizin (XI 22) erinnert auffällig

an (p.

die

Erörterung über

464 B),

die jedoch,

die

Rhetorik

im

Platonischen

wie wir sehen werden,

reichlicher benutzt. Charakteristisch für die

Isokrates

ganze Rede

ist

Gorgias

XV

181

dagegen

Abschluß etwa 373. Das weitere Bild würde sich dann so gestalten: zirka 370 nach einer Pause, die 366 der Timaios und Kritias, dann wegen der Veränderung des Standpunktes anzunehmen ist, etwa 362 der Parmenides, 360 der Sophistes, 359 der Politikos, 357 der Philebos. Dann blieben

ihr

der Theaitetos,





— Ich

noch zehn Jahre für die Nomoi, und das ist nicht zuviel. noch einmal, dafj diese Ansätze nichts anderes sein wollen vorläufigen und annähernden Schemas.

wiederhole aber

als Bestandteile eines

ISOKRATES UND DIE SOKRAT1K.

195

zwar zustimmende Berücksichtigung der sei erwähnt, daß es einigermaßen an Piatons Billigung des „frommen Betrugs" (Resp. II erinnert, wenn (XI 24) diejenigen als p. 3S2CD; III p. 389 B) große Wohltäter der Menschheit bezeichnet werden, welche die göttlichen Belohnungen und Strafen größer darstellen als sie wirklich sind. Wesentlich dagegen sind drei andere Punkte. Zunächst die Behandlung der Mythologie. Ganz wie bei Piaton nämlich (Resp. II p. 377 D ff.) werden hier (XI 38) die ßXacqptiMiat der Dichter verworfen, welche den Göttern alle möglichen Schändlichkeiten nachdie

und

durchgehende,

Nur nebenbei

Platonischen Politeia.

Man

sagen. (Frg. 11

u.

hat gemeint,

12 Diels)

1

Isokrates

hier

folge

dem Xenophanes

Allein dagegen, diese Quelle für die haupt-

).

zu

halten, spricht schon der Umstand, daß sich hier ganz wie bei Piaton (Resp. III p. 391 C ff.) an die „Rettung" der Götter eine solche der Göttersöhne anschließt. Und auch die nähere Begründung klingt jedenfalls mehr sokratisch als eleatisch: wie kann man glauben, daß die Götter zwar für unsere euTraibia

sächliche

XI

41

ff.)

Und daß zwar

aber nicht für ihre eigene?

sorgen,

sogar fremde Jünglinge ßeXriouc

Menschen dagegen um Und noch ein die

die Götter

TroioOctv,

ihrer Söhne keine emueXeia aufbringen? Zug: Piaton sagt (Resp. X p. 600 D E), es bezeuge hinreichend die schlechte Meinung, welche die Zeitgenossen von Homer und Hesiod gehabt hätten, daß sie diese Dichter als arme Rhapsoden hätten herumziehen lassen, statt sie durch reiche Geschenke an sich zu fesseln und sie als Erzieher zu gewinnen. Diesen selben Gedanken nun, daß das elende Wanderleben der großen Dichter ein selbstverschuldetes gewesen sei, finden wir in etwas anderer Wendung

die dpein.

auch im Busiris (§ 39) zur Strafe für ihre Lästerungen seien sie mit Blindheit geschlagen, teils aus ihrem Vaterlande verbannt, :

teils teils

sogar

kräftiger



wie Orpheus

mir

scheint

Erziehungswesens



(XI 23):

worden 2 ).

zerrissen

die Darstellung die

Trpecßurepoi

höchsten Amtern, die Jünglinge aber bewogen f|bovuiv

Studien itpöc

ctt'

beriefen sie,

sie

zu

den

dueXn,cavTac tujv

dctpoXo-fia Kai Xoficuoic Kai Yewueipia biaTpißeiv, welche

Einige

bloß als nützlich

loben,

Andere aber

dpetnv cujußaXXouevac drrocpatveiv eTTixeipoöciv.

freilich

Noch beweis-

angeblich Ägyptischen

des

sagen

:

übe TrXeicra

Nun kann man

Geometrie und Astronomie erscheinen als Lehrgegenv. 201 f.), und auch Xenophon

stäcde schon bei Aristophanes (Nub. ')

S. Blass, Att.

2

Vielleicht

)

Ber. II*

S.

585.

gehen aber auch

beide Stellen

auf eine

gemeinsame Quelle

zurück. Wiener Studien XXVII. 1905.

14

GOMPERZ.

H.

196

IV

(Mein.

7,

2

u.

4) läßt seinen

Sokrates gegen diese Erziehungs-

werden wir später sehen, daß er von der Erziehung durch Geometrie und Astronomie spricht (XV 261, XII 26). Zweitens werden hier neben diesen beiden Wissenschaften noch die Xoyicuoi genannt, während an jenen beiden anderen Stellen statt dessen die cpiCTiKOi Xoyoi, resp. bt&XoYOi auftreten; und dies ist besonders lehrreich. Denn dadurch wird einerseits der sokratische Charakter der besprochenen Trmbeia sichergestellt, anderseits zeigt sich, daß diese weise polemisieren.

Allein erstens

Isokrates stets an die

Akademie denkt, wo

hier viel günstiger beurteilt wird als dort

heißt

es,

daß



1

Und

).

drittens endlich



diese Studien nach der besprochenen Ansicht Daß jedoch Geometrie, Astronomie und

zur äpexn, erziehen sollen.

Tugend

zur

Dialektik die rechte Erziehung

seien,

dies

ist

die

und wir besitzen nicht den minAnnahme, daß er in dieser Hinsicht

charakteristische Lehre Piatons,

desten Anhaltspunkt für die

Vorgänger gehabt habe. Diese Platonische Ansicht also wird hier nicht nur ohne ein Wort der Kritik (wenn auch mit einem leisen Vorbehalt) erwähnt, sondern sie wird auch implizite gebilligt; denn es wird ja als ein Ruhmestitel des Busiris angeführt, daß er den Studienplan der Akademie in Ägypten eingeführt habe. Allein dieses Kompliment für Piaton steht nicht vereinzelt da; denn nicht nur die Traibeia, sondern auch die iroXireia des Platonischen Staates soll Busiris den Ägyptern geschenkt haben. Er teilte, so hören wir (XI 15), das Volk in drei Klassen: Priester, Krieger und Handarbeiter die ägyptische Kastenordnung, zugleich aber auch die Ständeteilung desPlatonischen Idealstaats! Doch hören wir den Redner weiter! Er verordnete, heißt es (XI 16), daß jedermann nur Eine Verrichtung ausüben sollte; denn er wußte touc uev ueiaßaXXouevouc



t&c epYCtciac oübe Trpöc ev tujv

epY
kann nur eine Beschäftigung gut uevoc irdvTuuv ärcoTUYX av01 av. diese Staatsverfassung, (piXocöqpuuv touc

euboKiuoüviac 1

)

dem

aKpißwc e'xovxac.

sagt Piaton (Resp. III p. 394 E;

selbe

Doch

vgl. p.

Genau

397 E):

ein

das-

jeder

betreiben, denn ttoXXujv eqpartTÖ-

Isokrates wird noch deutlicher:

sagt er (XI 17),

ist

so gut, ujctc

Kai

tüuv

tmep tujv toioutwv Xeygiv emxeipoövTac Kai udXicr'

ir\v

ev Aiyütttuj rrpoaipeTcGai rroXiTeiav 2 ).

Daß

hier die

Ich erinnere auch daran, daß im NiKOK\r]C, der nach meiner Auffassung

Busiris zeitlich sehr nahe steht,

gleichfalls

der ethische Xoyicuöc

(III

46

f.)

gerühmt wird: die Jahre um 370 sind eben diejenigen, in denen Isokrates den vorübergehenden Versuch macht, sich mit der Platonischen Dialektik zu befreunden. 2 )

Isokrates fährt fort:

uevouc äpicxa

5ioiKe!v

Trjv

Kai Aaxeoatuoviouc

aüxüJv tt6\iv



u£poc ti tuiv 4k610€v ui|uouganz wie auch Piaton (Resp. VIII

ISOKRATES UND DIE SOKRATIK. Platonische Politeia gemeint

ist,

197

brauche ich wohl nicht besonders

zu beweisen. Dies hat denn auch Teichmüller gesehen, der jedoch 1 ) von einem „verleumderischen Lobe" spricht: es werde hier Piaton unterstellt, er habe seinen Idealstaat einfach den ägyptischen Einrichtungen entlehnt.

kaum

denken.

man keine „Verleumdung"

Eine willkürlichere Deutung kann

Denn gewiß

es

soll

wenn Piaton der judXicxa eüboxiuwv tujv Es ist dies vielmehr ein ostentatives

sich sein,

genannt wird.

qpiXocöqpuuv



wenn auch gewiß von begleitetes Lob. Und dieses Lob kann inneren Vorbehalten Denn die kurze nicht als ein gelegentliches angesehen werden. Rede enthält ja überhaupt kaum etwas anderes als die Gedanken, die wir erörtert haben, und die sämtlich Piaton nach dem Munde



gesprochen

sind:

ideal wird ist

Polykrates,

als

Ankläger des

der

wird

Mythenkritik

Piatons

getadelt;

vortreffliches

ein

jedenfalls sehr nützlich,

Staats-

sein

sein Erziehungsplan

bezeichnet;

vielleicht

wird

Sokrates,

akzeptiert;

sogar der richtige

Weg

zur

Tugend, und er selbst der berühmteste aller lebenden Philosophen 2 ). Wir werden später zu untersuchen haben, was Isokrates zu Einstweilen wenden dieser Stellungnahme veranlaßt haben kann. wir uns zu der nächsten Schrift des Redners, dem Briefe an Dionysios von Syrakus, der sich ziemlich sicher auf das Jahr 368 datieren läßt. In demselben findet sich jedoch außer der sokratisch klingenden Wendung dcKficou xnv öidvoiav (Ep. I 4) nur Eine 3 Stelle, die uns hier angeht: die schon von Orelli und Spengel bemerkte Berührung von Ep. I 3 (nur dem gesprochenen Wort, nicht auch dem geschriebenen, kann der Redende gegen Einwen)

dungen

eTrauuveiv

dTTÖvfoc

covtÖc ectiv) mit Phaedr. Ttcn-pöc

buvaTÖc p.

de!

beiiai

auTiu).

ßon.9oü

p. *

-

fdp

275

tou xpaipavioc epr)ua toö

E

ßor|6n.-

(der geschriebene Xötoc...

toO

aÜTÖc ydp out' duüvacGou oute ßon.9ncai

Absolute Sicherheit

ist

nun

hier

freilich nicht

zu

544 C) aus dem Idealstaat als die erste und beste der empirischen Verfassungen und Lakonische" hervorgehen läßt.

die „Kretische ')

-)

Fehden I, S. 106 ff. Aus dem Gesagten erhellt

Liter.

zugleich, daß die

Vermutung

unstatthaft wäre,

und nur Ausgabe dieses Werkes voraus. Denn die benutzten Stellen über Mythenkritik finden sich im II., III. und X., diejenigen über die Ständeteilung im IV. und die über Geometrie, Astronomie und Dialektik im VI. und VII. Buche des der Busiris setze nicht

die

ganze Politeia,

sondern etwa eine

frühere

teilweise

Staates*. Auch wenn eine solche Teilausgabe stattgefunden hätte, dürfte man deshalb unsere Rede doch nicht vor die Gesamtausgabe setzen, da sie auf alle Teile des Werkes Rücksicht nimmt. Doch möchte ich, wie oben bemerkt, die Benützung

,

des X. Buches nicht mit voller Bestimmtheit behaupten. 3 )

a.

a.

O. S. 33.

14*

198

H.

GOMPEEZ.

Doch halte ich es von vornherein für viel wahrscheindaß Isokrates von Piaton abhängt, als daß das umgekehrte Verhältnis statt hat. Denn gewiß liegt dem großen Dialogiker die Rücksicht auf die möglichen Einwendungen näher als dem Rhetor, der niemals anders als durch monologische Reden das hier von ihm in Anspruch genommene Amt des Ratgebers ausgeübt hat. Der Brief an Dionysios fällt in des Isokrates 68. Jahr. In den folgenden zehn Jahren, aus denen uns kein sicher datierbares Erzeugnis seines Fleißes erhalten ist, ward er auch nach griechischen Begriffen zum alten Manne. Als solcher schreibt er ungefähr im Jahre 358 den interessanten Brief an die Söhne des Jason. Er klagt hier zunächst darüber, daß ihn die Menge für einen bloßen Epideiktiker hält (Ep. VI 5), und weiter auch darüber, daß seine beide Schriften von Nachahmern geplündert würden (Ep. VI 7) erreichen. licher,



Klagen kehren seitdem häufig wieder, sind indes natürlich nicht auf sokratische Gegner zu beziehen. Den zweiten dieser Umstände verwendet er jedoch auch als Entschuldigung dafür, daß er sich selbst ausschreibe: und in der Tat gewinnt man von dieser Zeit an den Eindruck, daß ein großer Teil der Isokratischen Schriftstellerei nur ein Schalten mit einem festen Gedankenbestande ist. wie sich nach dem Es enthält aber dieser Gedankenbestand sowohl sokratische als unsokrabisherigen von selbst versteht Vorerst indes stehen die ersteren noch durchaus tische Elemente. im Vordergrunde. So besteht gleich der wesentliche Inhalt unseres Briefes in der weiteren Ausführung zweier Gedanken, die uns schon von früher her bekannt sind: der eine ist das Prinzip des öuoXoTOUuevuJC Zr\v, das uns IX 44 begegnete, und für das ein kynischer





Ursprung wahrscheinlich schien; philosophisch näher aus (Ep.

VI

9

dieses

führt Isokrates

— 11).

Der andere

des Privatlebens vor der Tyrannis, der schon

X

32

ff.

ist

hier recht

der Vorzug

mit kynischen

Argumenten auseinander gesetzt ward und hier mit etwas blasseren Farben abermals gezeichnet wird (Ep. VI 11 13). Sonst bietet das kurze Schreiben nichts von Belang.



Derselbe In das Jahr 356 fällt der Brief an Archidamos. wiederholt die Klagen über Konkurrenten, die zwar den Verfasser ihn aber dennoch zu tadeln wagen, obwohl nur mit doch im Gegensatze zu den seinen Gegenständen von geringer Bedeutung beschäftigen (Ep. IX 15). Es sieht zunächst nicht so aus, als ob hier Sokratiker gemeint wären. Doch kehrt die Stelle XII 16 in etwas anderer Fassung wieder, und es wird sich später zeigen, daß diese zweite Fassung

sklavisch nachahmen,

ihre

Reden

sich





ISOKRATES UND DIE SOKRATIK.

199

wegen ihrer Parallelen XV 258 ff. wohl auf Aristoteles bezogen werden muß. Da nun dieser „um 355" seinen Kampf gegen Isokrates eröffnet haben soll (s. u.), ist es gewiß nicht unmöglich, daß der Redner bereits 356 auf ihn Rücksicht nimmt. Unter welchem Vorwande er den jungen Stagiriten einen xdud uiueicGai YXiXOM evoc nennen konnte, ist freilich schwer zu erraten. Im übrigen enthält der Brief einige ziemlich farblose moralische Sentenzen,

z.

einer

f]bu

verstorbenen Agesilaos als eYKpaxe'cxaxoc Kai biKaiÖTaxoc Kai

IX

xaxoc (Ep.

Da in

B. über

und wqpeXiuov (Ep. IX 7), und rühmt in auffallend an Xenophons Enkomion gemahnenden Weise den

den Gegensatz des

ich

Aussicht

Mund

ttoXixikuu-

13).

annehmen möchte, daß das gestellte

Lob

Spartas,

in

diesem Briefe (Ep.

dem Archidamos

die

IX in

2),

den

Rede, jener Ankündigung bald nachgefolgt ist 1 ), wende ich mich jetzt diesem Werke des Redners zu. Wenn hier gelegte

6.

Anfang (VI 4

gleich zu

f.)

das Recht der Jugend,

gründet wird durch die Bemerkung:

ou

tö qppoveiv eu biacpepouev dXXriXwv dXXd

XI

tri

mitzuraten, be-

xwv

exüuv Trpöc

qpucei Kai xaic

emueXeiatc

tuj

rrXr|9ei

Argument, daß ja den 50), jungen Leuten im Kriege wichtige Funktionen anvertraut werden, (vgl.

übrigens

sowie durch

so klingt diese rationalistische

örterung einigermaßen kynisch.

das

und zugleich

Auch

intellektualistische Er-

findet sich bald darauf jener

Gegensatz von cüuua und ipuxn wieder (VI 9), der uns schon aus 1 bekannt ist. In ebenso wohlklingenden als an dieser Stelle übel angebrachten sokratischen Tiraden 2 ) wird dann (VI 35 f.) der Vorzug des bimiov vor dem cuuqpepov verkündet, mit dem Abschluß: öXujc be xöv ßiov xöv xwv dvOpumuuv bid uev KaKiav aTroXXuuevov, bi' dpexr|v be cuu2duevov. Die Phrase: Traxpiba xr)V eXeuGepiav vouicavxec (VI 43), und noch mehr die ähnliche: xouc xöttouc cmavxac xouc cuucpe'povxac iraxpibac eivai vouiZiov (VI 76), hätte

IV

.

.

.

ich entschieden für kynisch gehalten,

wenn

nicht zwei ältere Parallel-

bekannt wären, denen diese offenbar nachgebildet sind. Auch in dem pseudolysianischen Epitaphios heißt es nämlich (Lysias II 66): Traxpiba xr]v dpexfjv rYpicduevoi; und auch in einer etwa 398 verfaßten Rede spricht Lysias (XXXI 6) von Menschen, welche meinen, stellen

x

)

Vgl. Blass, Att. Ber. II 2 S. 289, der Or.

Ich halte die Ankündigung Ep. 2 )

Sie

sollen

hier

LK

motivieren,

daß man,

gehen, vielmehr sich keines gefallen lassen dürfe stand

das

Maxime!

Leben



in

VI zwischen 356 und 351

setzt.

2 für ein ziemlich unverblümtes Anbot.

nicht

etwa kein

— auch nicht,

Unrecht be-

wenn der Wider-

Gefahr bringt: eine am Schreibtisch sehr ungefährliche ist schon von Schröder herangezogen worden.

Die Stelle

200

wc

GOMPERZ.

H.

7räca

ff]

aöxoic ecxiv,

Traxpic

ev

f]

av xd emxr|beia

e'xuuciv

ouciav xraxpiba eauxoic f|feTc0at. Auch juf] xr]v rröXiv dXXd xrjv wenn dem Archidamos (VI 48) die Äußerung in den Mund gelegt wird, es werde niemand der Behauptung zu widersprechen wagen,

bid tö

in Sparta eine gute Verfassung bestehe, scheint sich dies zunächst aus der Situation hinreichend zu erklären. Wenn wir uns jedoch erinnern, daß das Lob der spartanischen Verfassung zuerst

daß nur

XI 44 im Anschluß an

Piatons

ausgesprochen

Politeia

wurde,

doch wenigstens die apodiktische Form jenes Satzes aus der Anlehnung an die sokratischen Staatslehren zu verstehen sein. Gleich darauf wird fast wörtlich der uns schon bekannte Satz des Platonischen Euthydemos (p. 281 D E) resp. Menon (p. 88 C D) ausgesprochen: zugleich das Prinzip der kynischen Adiaphorie oubev tüjv toioutuuv (nämlich Krieg und Frieden) dn-oxduujc oiixe

möchte

vielleicht





kciköv

oöY draGöv,

dXX' üjc av xPn cr1 Tai Tlc T °i c '

dvaYKr) Kai tö xeXoc eKßaiveiv

erwähnte die

Gnome

(VI 49)

:

.

.

(VI

.

cuuuaxia

ueYicxn.

zwar sehr philosophisch

klingt,

Nun

50). .

.

indes

.

Trp&Yuaci die

.

.

.

oütujc

von Schröder

xö xd btxaia Trpdxxeiv,

gleichfalls

im

pseudo-

lysianischen Epitaphios ihr Vorbild hat: xö bkaiov e'xovxec cuuuaxov eviKüuv (Lysias II

leichter Einfluß

10). Ich

komme nun

zu einer

der Platonischen Ideenlehre

Lakedaemonischen

an der ein

Stelle,

denkbar

(VI 81):

ist

daß er einem Feldlager ähnlich ist; dieses Prinzip haben wir bisher nur annäherungsweise realisiert; ganz gewiß also werden wir siegen, das Heil des

r)V

xoöxo Troiricwuev,

elXiKptvec

habe die Empfindung,

als

Staates

beruht

ö uijun.cauevoic

fijuiv

darauf,

Ich

cuviiveyKev.

ob hier Isokrates mit dem Gedanken an

Gemeinwas bald darauf (VI 91 f.)

die platonische Idee der spartanischen Verfassung spielte.

sokratisch dagegen

über dpexr| und aicxpöv,

man

endlich bei

ouk 6K

xf]c

wieder,

ist vielleicht

dem

xuxn und btdvoia vorgetragen wird. Ob ai ydp emqpdveiai Kai ai XauTrpdxnxec

Satze:

ficuxi'ac dXX' 6K xujv

aYwvuuv YiTvecGai qpiXoöciv (VI 104)

an eine kynische Reminiszenz denken darf, ist mir zweifelhaft; und ebenso, ob die leichte Berührung von VI 109 (utKpoö XP 0V0U T^ X°" Im ganzen uevouc) mit Phaedo p. 117 A zufällig ist oder nicht. kann man aber wohl sagen, daß in dieser Rede das sokratische Gedankenmaterial verwertet wird, soweit der Stoff es zuläßt, und daß jedenfalls von antisokratischen Tendenzen keine Spur hervortritt. l

Etwa

in

wie dies das

fällt

die

mit sich bringt

Rede



TTepl dpr|vr|<:,

das

sokratische

in der



Gut noch

zu Tage tritt, was übrigens auch schon Schröder beden AnDer Redner behandelt nämlich seine tiTTÖGecic

viel häufiger

tont hat.

das Jahr 355

Thema



ISOKRATES UND DIE SOKRATIK.

201



spruch der Athener auf die Seeherrschaft zu bekämpfen

in der

ganz wie ein kynischer Moralprediger gegen die „Ungerechtigkeit" jener Hegemonie deklamiert. So beginnt er denn auch diese Erörterung gleich mit dem ersten Axiom der Somatischen Ethik: '6uoi öokoöciv aTravtec uev emGuueiv toö cuucpepovtoc .., ouk eibevai be tocc KpdEeic xdc eVi TaÖTa cpepoucac, dXXd

daß

Weise,

er

.

xaic böHaic biacpe'peiv ist

Umschreibung des Oübeic

als eine

nach toö

er freilich

dXXriXuuv (VIII 28)

cujuqpepovroc



was ja

duapidvei.

ekujv

einschaltet:

Kai

anderes

nichts

Und wenn

toö TrXeov

e'xeiv



nach dem oben zu III 1 2 Bemerkten nicht so komisch als es auf den ersten Blick scheint; denn ohne Zweifel denkt Isokrates auch hier an die nXeoveSia u€t' dpeTfic. Im folgenden wird nun zunächst ganz wie III 59 und in Übereinstimmung mit dem Platonischen Grorgias (p. 474 C) die Meinung bekämpft, die Ungerechtigkeit sei zwar schimpflich, aber nützlich (VIII 31); denn: tüjv dXXwv, so ist dies

öXuic Trpöc eubaiuoviav oubev dv cujußdXoiTO TnXiKaÜTnv buvauiv öcnvrrep

Td uepn TauTric 1 )* toic Top aTaGoic

dpeTf| Kai

TOÖTotc

KTuuueOa

Kai

Tdc

dXXac

biavoi'ac dueXoöviec XeXr)9aci ccpdc

oic e'xouev ev

diqpeXeiac ...

*

oi

üjcG'

ti) iyux(l,

t^c

auiOuv

auTouc dua toö tc cppoveiv dueivov

Sokratischer kann unmöglich ausdrücken. Es wird nun wiederum in Übereinstimmung mit III 1 2 die tugendhafte Pleonexie gepriesen (VIII 33), und dann werden die Ungerechten mit geköderten Tieren verglichen, die fromm und gerecht Lebenden dagegen wegen ihrer dccpdXeia und ihrer „süßen Hoffnungen" gefeiert (VIII 34). Ehe jedoch Isokrates mit einer Wiederholung von schon früher Bemerktem diesen Teil der Erörterung tönend abschließt, macht er Kai toö TipdTTeiv ßeXTiov öXrrujpoövTec (VIII 32).

man

sich



einen sehr charakteristischen Vorbehalt.

daß

er ja in der Sophistenrede (XIII 2)

(den sie

Tdc

-rrepi

verheißen,

e'pibac biaTpißovxec)

durch

eubaiuovia zu führen:

gemeint,

Td

die

ueXXovTa

erinnert

sich nämlich,

eben dies den Sokratikern hatte, daß

zum Vorwurf gemacht

Erkenntnis hieße ja,

dies

Er

TrpoYiTVUJCKeiv.



des

richtigen

hatte er

Daß

Handelns zur

dort albernerweise

aber

die

dpern.

die



auch wie inzwischen so oft jetzt eben wieder selbst behauptet. Und da sagt er denn (VIII 35): eubaiuovia begründe, dies hat er

Allerdings

immerhin dei

dies

der Regel

cuvoiceiv ')

da es

trifft

in

ou

nicht (üjc

ausnahmslos (kotü TrdvTwv)

erci

KaGopumev,

zu,

allein

tö ttoXü); da wir nun aber tö ue'XXov so

muß man



rroXXdKic

dicpeXoöv

Die letzten Worte braucht man indes nicht sokratisch zu interpretieren, beim Anonymus Jamblichi (S. 577, 15 Diels) heißt: äpeTi^v f| Triv

auch

cüuiracav

f\

uepoc ti avrf\c.

202

H.

wählen;

dies

folgende

wichtig,

jedoch

GOMPERZ.

Es ist uns für das im Jahre 355 zum ersten Male seit der Helena wieder ein leiser Widerspruch gegen die sokratischen Prinzipien sich zeigt; auf den Fortgang unserer Rede übt derselbe indes keinerlei Wirkung aus. Schon nach wenigen Paragraphen z. ß. (VIII 39 f.) werden nicht nur wieder einmal die ihqpeXiuwTaTOt Xoyoi den f]biCTOi entgegengesetzt, sondern es findet sich hier auch folgende, geradezu kynisch klingende Erklärung: Xpr)

.

.

ist

YiYVUJCKeiv,

.

die Gerechtigkeit.

daß

festzuhalten,

uev

tuiv

öti

öepaTTeicu Kai TravTobaTrai

toic

so



rrepi

icnpoic

cwua

ttoXXcu

vocruudiijuv

xaic be ijjuxaic taic

eüpnvTai,

vocoücaic Kai Teuoucaic Trovnpwv

uaKOV

TrXfjV

weiter

muß

emeuuiwv oübev ecuv aXXo
twv

Kai rdc Toudc



werfen.

iaTpiiJv uTrojuevetv,

Von dem Tadel

Reden aber zu

nützliche

ver-

einem

die nicht einmal an

derjenigen,

und demselben Tage über ein und dieselbe Sache ein und dieselbe Meinung bewahren (VIII 52), gilt das zu II 18 Bemerkte. Nun eine merkwürdige Stelle! Nachdem der Redner in kynischen Schelt-



reden die Verrottung der athenischen Zustände gegeißelt hat, läßt er sich (VIII 57) den Einwand machen: wenn es um uns wirklich so schlecht stünde,

bestehen widert

und

wie könnte dann unsere Stadt überhaupt noch

sogar

die

öti

touc

hierauf:

mächtigste in Hellas sein?

dvTmdXouc

e'xojuev

oubev

Und

er

ßeXTiov

er-

fjudiv

qppovoüVTac. Nun besitzen wir aber zu diesem Gedankengang eine genaue Parallele. In dem schon öfter erwähnten, offenbar kynischen Xöxoc TTpOTpenriKÖc bei Dio XIII nämlich, dessen Anfang auch Cleitoph. p. 407 A ff. steht, schildert Sokrates ebenfalls die Ver-

Darauf sagt

derbtheit der Athener.

haben

doch

Perser

die

wir wirklich eine

geringe öti

oube

dpeTn.

eKeivoi

so

besiegt

schlechte

besäßen? rjXGov

,

wie

Traibeia

Und

rraibeiav

da

Gegner (§ 23): Aber wir wäre das möglich, wenn und deshalb auch eine so

ein

Sokrates

entgegnet

oubejuiav rraibeuGevTec oübe



24):

emcra-

ßouXeuec9ai Trepi tuiv TTpayuaTaiv. Es scheint mir ganz klar, daß diese Übereinstimmung nicht zufällig, sondern daß Isokrates auch hier von einer Antisthenischen Vorlage abhängig ist. Der Redner wiederholt nun noch eubaiuovr|einmal ueXXouciv daß toic ceiv UTtdpxeiv bei sowohl euceßeia als cuuqppocuvn. und r\ dXXr) dpeTrj (VIII 63) diesmal ganz ohne Vorbehalt! und wendet sich dann seinem eigentlichen Thema zu: die Athener sollen ablassen von dem Streben nach der Seeherrschaft, die er im folgenden durchweg mit der Tyrannis in Parallele setzt. Ich hebe aus diesen uevoi

,

.

.

.





,

ISOKRATES UND DIE SOKRATIK.

203

den echt protreptischen Satz hervor: ihr pflegt weniger diejenigen zu hassen, die an euren Fehlern schuld sind, als die, welche sie euch vorhalten (VIII 80). Und dann folgt Erörterungen zunächst

(VIII 91) die

wichtige Stelle:

ydp

tujv u£v

apxövTuuv

touc dpxoue'vouc xaic aiiTUJv erriueXeiaic Troeiv be Tupdvvoic eöoc Ka0e'cTn.Ke

xoic

tujv

dXXuuv

e'pxov

ecri

eübaiuovecTe'pouc,

xoic

ttövoic

Kai KaKoic au-

Das Wesentliche dieses Gedankens näm36 begegnet und erschien uns dort kynisch wegen als auch wegen seiner Übereinstim-

toTc f|öovac rcapacKeudZeiv. lich

uns schon

ist

sowohl

mung (Pol.

X

seines Inhalts

mit der noch

V

10, p.

zugespitzten Fassung bei Aristoteles

schärfer

1311 a

Hier haben wir nun eine ausführlichere vor uns und zugleich eine Bestätigung

4).



Fassung dieser Lehre unserer Vermutung von der sokratischen Provenienz derselben; denn auch bei Xenophon, Mem. III 2. 2, lesen wir: ßaciXeuc 6Vfa6öc, ouk ei uövov toö eauTou ßiou KaXuk irpo€CTr|KOi, dXX' ei Kai iLv ßaaXeüoi toutoic eöbaiuoviac ainoc

ein.

Gemeinplatz (VIII 93):

ein

sierender cuvn,c ist

Es

folgt

uerpioc

besser als jueyac ttXoötoc uet' dbiKiac.

wieder ein moralißioc

ueid

Und dann

öiKaio-

zeigt sich

auch der Hauptstrang der Argumentation als gänzlich durchsetzt von sokratischem Moralismus. Denn was wird der Seeherrschaft vor allem vorgeworfen? Touc uev ibiujTac eveTrXn.cev dbiKiac, paGuuiac, dvouiac, qpiXapfupiac,

tiuv cuupdxujv,

Kai

tö be koivöv

auTfjc

Tf\c

cuuqpopai

7TÖXeujc

uTrepoipiac uev

emOuuiac be tujv dXXoTpiujv, dXrfujpiac be tujv öpkujv Und wiederum Athen sowohl als 96).

cuv6r)KÜüV (VIII

tujv

:

Sparta wurden infolge der Seeherrschaft Kai

jf\c

vöcou

uttö tujv aiiTÜJV

em9uuiujv

und dadurch auch in gleiche Durch solche Argumente hat wohl

biecp9apuevoi

gestürzt (VIII 104).

noch nie jemand anderer als ein Philosoph oder ein Prophet einen politischen Vorschlag begründet. Sehr nach kynischer Scheltrede klingt auch dieses (VIII 106): die Mehrzahl der Menschen verfehlt in ihren Werturteilen und begehrt mehr nach den Übeln nach den Gütern. Und noch einmal hören wir (VIII 109). ganz wie 145 und II 45: schon bei den Speisen und den anderen hier Alltäglichkeiten freuen sich die Menschen am Schädlichen halten mit dem erbt recht kynischen Zusatz: denn das Nützliche sie für erriTrova und die Männer, die sich daran halten, für Selbstquäler (KapTepiKOi). Und nun folgt noch einmal in voller Ausführlichkeit die uns schon aus X 32 ff. bekannte Schilderung des Tyrannen-

sich

als

;

elends, die wir schon dort erläutert

weiter

haben (VIII 111

ausgeführt

als

Zug

für

— 113).

dort:

die

Zug durch sokratische Parallelen Nur ein Gedanke findet sich hier Tyrannen

wissen,

daß

sie

sogar

;:

204

H.

GOMPERZ.

ihren Eltern, ihren Kindern, ihren Geschwistern und ihren Frauen auf der Hut sein müssen. Und auch dies steht fast mit denselben Worten und mit der Unterscheidung genau derselben vier Fälle bei Xenophon (Hiero III 8; vgl. auch Dio VI 35 und 39,

vor

wo nur sei

die Eltern

In der

fehlen).

Bemerkung (VIII

niemand bnuoTtKdc oder ÖXrfapxiKÖc,

ev

t)

133),

qpucei

äv exacToi tiuujvtou,

b'

ii]v TtoXueiav, wäre man versucht, eine Polemik gegen die Schilderung des oligarchischen und des demokratischen Menschen in Piatons Politeia (p. 553 A und 557 B) zu

TaÜTnv ßouXovtai Kaöecravai

erblicken; oubeic dXX'

allein

tiric

die Stelle

avBpumuuv

ecxiv

av eKacTUJ TroXiteia

Und zum Schluß

das

nischen Herrschaften

nachahmen



ist

cpucei

abgeschrieben aus oute

Resume (VIII und.

eine Formulierung,

XXV

8

bnuoKpaxiKÖc,

TauTnv TrpoOujueiTai KaOicidvai 1 ).

cuuqpe'pn,

hassen

Lysias

oute

ÖXrfapxiKÖc

wir müssen alle tyranlakedämonische Königtum

142)

das die

:

zwar gewiß

auch die daindes ohne

malige Beziehung des Redners zu Archidamos verrät,

den sokratischen Gegensatz noch kaum denkbar wäre.

zwischen

ßaciXeicx

und Tupavvic den-

In das folgende Jahr, 354, scheint der Areopagitikos zu fallen: eine der merkwürdigsten und. wohl die philosophischeste unter den

Die Philosophie wird allerdings auch hier finden sich einige Gedanken, für die wildem Redner einen Vorgänger nicht mehr nachweisen können 2 ). Freilich bleibt genug übrig, was sich als sokratisch erkennen läßt, wie dies auch Schröder hervorgehoben hat. Und zwar gilt dies wohl schon von dem Thema selbst. Indem nämlich Isokrates die Vorzüge der Solonisch-Kleisthenischen Verfassung rühmt, stellt er das Athen jener älteren Zeit durchaus als Idealstaat hin: es gab keine Ungleichmäßigkeit im Gottesdienst, keinen Neid bei den Armen gegen die Reichen, keine Verachtung jener bei diesen, keine ungerechten Richtersprüche und keine gebrochenen Verträge und so waren Handel und Verkehr so reich und verzweigt, daß „der Besitz sicher war, der Gebrauch aber gemeinsam" (VIII 29 Schriften des Isokrates.

nicht original sein.

Doch

25. Rede des Lysias ist nach Blass (Att. Ber. I 2 S. 513) um 400 gegen jeden Verdacht einer Beziehung auf Sokratiker gesichert. Eine Beschreibung der qpücic des dvi^p önpoxiKÖC sowie des ö\rrapxiKÖC kommt auch bei Aischines (III 168) vor. Sollte diese Stelle auf eine Vorlage zurückgehen, die schon Lysias kannte? 1

)

Die



verfaßt, also

2 )

Nach dem oben zu IX 44 Bemerkten muß man

als philosophische

des Isokrates freilich neben Antisthenes stets auch den

Auge

behalten.

Quelle

Anonymus Jamblichi im

ISOKRATES UND DIE SOKRATIK. Bürger waren

205

um

die cujqppocüvn bemüht, der Areopag 37 ein Hort der dpein (VII 38) usw. usw. Von derartig retrospektiv-utopischen Schilderungen sind uns indes nur Xenophons bis 35); die



Kyrupädie und AaKeöatuoviuuv TroXiteia erhalten, sowie Piatons Kritias, außerdem können wir vermutungsweise noch den Kyros des Antisthenes hierher zählen

— somit lauter sokratische Schriften

x

).

Reihe sokratischer Utopisten stellt sich demnach durch diese Rede auch Isokrates, und zwar als letzter; denn 354 muß auch der Kritias schon bekannt gewesen sein. Und dieser SachIn diese

verhalt läßt vielleicht die philosophische Einwirkung, der er unter-

legen

kynisch

Doch auch

deutlicher hervortreten als alle Einzelheiten.

ist,

an solchen

fehlt es

dem

:

wahrlich nicht. Gleich der Eingang lautet sehr

ttXoötoc

ist

dvoicc

und aKoXacia

der evbeia

zugesellt,

und uexpidTnc (VII 4; vgl. I 6). Dann folgt wieder eine neue Andeutung der Lehre vom öuoXoTOU,u.evujc (vgl. IX 44 und Ep. VI 9 ff.): eine Stadt, welche nicht irepi lf\v öXn.c xfjc bioiKr|ceuuc wohl beraten ist, wird auch dann bald wieder ins Unglück geraten, wenn sie öi& TÜxnv r\ bi' dvbpöc dp€Tr|V einzelne dagegen

cujqppocüvn,

Leistungen

tüchtige

aufzuweisen hat (VII

Und

11).

bald erklingt

davon hängt die Wohlfahrt einer Stadt ab, daß sie schöne und große Mauern hat, und auch nicht davon, daß sehr viele Menschen auf einem kleinen Raum beisammen sind, sondern davon, daß sie dpicxaKoacuucppovecTaTa verwaltet wird (VII 13). Und nun ein merkwürdiger Satz: ujuxri TTÖXewc ...

wieder

Tocaüxnv

TToXueia,

Woher

(VII 14). ist

Ton:

kynischer

ein

e'xouca

nicht

büvamv,

'

öcnvrcep

Gedanke stammt, weiß

dieser

ev

cujuaii

ich nicht;

qppövn,cic

Isokratisch



kaum;

vielleicht kynisch beweisen läßt es sich leider Die schlechte Verfassung, fährt der Redner fort, verkehrt Benennungen: die aKoXacia heißt bnuoKpcma, die rrapavouia

er

nicht. alle

die Trappnda

eXeuGepi'a,

Dümmler 2 )

icovouia,

aibdic heißt iiXi0iÖTnc,

eHoucia

die cuucppocuvn. dvavbpia

diese Stelle selbst wieder von dvbpeia,

die

eübcuuovia (VII 20).

verweist hiezu auf Piaton Resp. VIII,

die

ue'XXn,cic

beiXi'a,

Thukydides

III

p.

560

DE

(die

Doch hängt

usw.).

82 ab (die TÖXua heißt

das ctucppov dvavbpov

u.

s.

f.),

und

es

Die Verherrlichung der alten Sitten bei Aristophanes, und speziell der Nub. v. 961 ff. gehört wohl auf ein anderes Blatt: sie kommt bloß episodisch vor, stammt aus einer anderen Epocbe und tritt vor allem für zwar ')

äpxaia

-rraiöeia

absterbende, aber doch noch lebendige Kräfte der Gegenwart ein, während AntiXenopbon, Piaton und Isokrates eine weit zurückliegende, längst ab-

sthenes,

gestorbene Zeit idealisieren. *)

a.

a.

0.

S.

16.

;

206

GOMPERZ.

H.

von dem Histo-

läßt sich daher schwer entscheiden, ob der Rhetor 1

riker direkt oder indirekt beeinflußt hafte Stelle:

es gibt,

schon III 14

f.)

zwei icÖTnTec: .

.

. ,

den

II 2 3 , S.

Aristoteles

641

f.)

Dies

(Eth.

ähnlich übrigens

V



7

;

i

Ph.

vgl. Zeller,

Gr.

d.

zwischen dem Prinzip der „austeilenden" und dem

aus Isokrates geschöpft habe,

ist

Daß

macht.

„ausgleichenden" Gerechtigkeit

der



E a v eKacrov nuwcav nun genau derselbe Unter-

ist

Nie.

folgt eine rätsel-

tujv ccütüuv dEioucav touc

Tn.v juev

Tnv be k a t' d

die erstere aber ist ou biKaia.

Dann

(VII 21

sagt Isokrates

Xpnciouc Kai touc novripoüc schied,

ist ).

diese

er

ebensowenig glaublich,

Lehre daß

als

Woher stammt sie also? Für einen demnach vermutlich kynischen Ursprung spricht jedendaß der Redner noch in demselben Satze die auch

dieser sie selbst erdacht hat.

sokratischen, dies,

falls

schon von Schröder

angemerkte These

als sokratisch

bringt,

zu

den Amtern seien nicht die Ausgelosten, sondern die ßeXiicroi und lKavuOiaToi zu berufen. In der

Tat findet sich bald darauf (VII 25) p, 520 BD) geschöpfte Para-

offenbar aus Piaton (Resp. VII,

das

in

äpxeiv

zu

einer guten TtoXiieia

doxon,

finden,

Im Verlaufe

als

es

sei

in einer

schwerer,

schlechten

touc ßouXouevouc

touc

seiner Schilderung des Idealstaats

urjbev

beojuevouc.

kommt dann

der

Redner zu der extrem sokratischen Behauptung, in der guten alten Zeit habe man nicht nur für die Jünglinge, sondern auch für die Erwachsenen Erzieher bestellt (nämlich die Areopagiten), da die Männer der emueXeia noch mehr bedürften als die Knaben (VII 37): der Areopag also wird hier durchaus als eine rein moralische Behörde dargestellt. Nun hören wir abermals (VII 40) wie IV 78 daß die embocic Tfi,c dpetfjc nicht so sehr der YpduuaTa





bedürfe

VI

uevouc Tdc

der

(vgl. Antisthenes

emTr|beuuaTa

und noch einmal (VII 41):

11)5

e'xeiv

,

als

Tdc

ou

CTodc

euTnuTrXdvai

genau

(Diog. Laert.

sthenes lyuxaic



.

.

Diog. Laert.

öp6wc iroXiTeuoäM' ev tcuc ipuxaic

YPaMMaTwv,

tö biKaiov ou fdp ipTiqpicuaav dXXd TTÖXeic

bei

beiv be touc

toic

rjOeci

KaXuJc okeicGai

dem Apophthegma des AntiUTTOuvrijuaTa muß man ev tcuc

entsprechend

VI

5)

:

die

Kai un, ev Tale x«PTaic

KaTaypdqpeiv.

Zum

folgenden (auf

die naibeia

kann man

Dümmler 2 )

eine Stelle Piatons herangezogen (Resp. IV, p.

sich

Im einzelnen

mehr verlassen

als

auf die vöuoi) hat

425

B C)

:

stimmt Piaton mit Thukydides darin überein, daß beide ctvavbpict haben; außerdem entspricht der dvöpeia: Isokrates hat mit Thukydides bei jenem die dvaioeia, bei diesem die TÖAjaa. mit Piaton berührt er sich insofern, als bei ihm die kein Glied gemeinsam itapavojui'a, bei diesem die ävapxia der £Xeu9epia korrespondiert. ')

die Gleichung cwqppocüvn

;

2 )

a.

a.

O. S. IG.

=

ISOKRATES UND DIE SOKRATIK.

207



Berührung so leicht, daß des Zusammenhangs gemeinsames kynisches Vorbild wahrscheinlicher ist. Und ein solches darf man vielleicht auch für zwei Bemerkungen vermuten, die in diese Erörterung noch verflochten sind: die Menge und Strenge der Gesetze ist ein Zeichen einer schlechten TroXrreia (VII 40) ); und: es ist wichtiger, die Verbrechen zu verhindern als sie zu bestrafen (VII 42). Sicher dagegen scheint mir der kynische doch

ist

wegen

die



ein

J

Charakter für das folgende (VII 43)

:

die Alten

sahen die Jüng-

linge TrXeicTuuv Yeuoviac e7ri6uutüjv, Kai rdc ipuxdc auiujv judXicia bauacGfjvai beouevac emueXeiaic KaXüuv eTrtTnbeiijudTuuv Kai ttövoic e'xouciv



das letzte

ist

ja geradezu die ueid touc

nbovdc

ttövouc

nbovr),

65 Meineke) empfiehlt. Darauf folgt wieder ein Gedanke, dessen Herkunft ich nicht nachzuweisen vermag, der jedoch ebenfalls kynisch sein kann (VII 44): aus die

Antisthenes

(Stob. Flor.

29.

dem Müßiggang (apyia) entsteht die Armut (dtropia), aus der Armut das Verbrechen (KaKOupfia). Und daraus wird geschlossen (VII 45), daß man die jungen Leute zwingen muß, sich mit der iTrmKri, mit den Yuuvdcia und Kuvrpfeaa, sowie mit der cpiXococpia zu beschäftigen, was jedenfalls der Standpunkt des Epilogs zum



Xenophontischen oder pseudoxenophontischen Kynegetikos (XIII 6) mag dieser auf eine kynische Quelle zurückgehen oder nicht. Es folgen nun farblosere moralische Sätze, deren Provenienz nicht genau angegeben werden kann: die jungen Leute waren ist,

und waren voll Scham (VII 49); einem Wettstreit der xoPHTio» sondern in der cuicppocüvr) des täglichen Lebens (VII 53), kurz enaibeuOncav oi TroXitai Trpöc dperriv (VII 82). Kynisch durch seine köcuioi (VII 46), ehrten die Eltern die eöbaiuovia bestand nicht in

:

Kraßheit

wenn

mutet

der Satz an,

es sei eine

Schande

für

die Stadt,

der Leute in goldenen Gewändern tanzen kann, Chöre), dagegen in solchen, die man nicht einmal beschreiben den Winter verbringen (VII 54). Und charakteristisch ist es, wenn der Redner (VII 72) sich etwas darauf zugute tut, daß er die (als Mitglieder

die

und schmähe (Xotbopui): es sind dies kaum Anderen als den Kynikern entlehnt haben kann. Soviel ist also sicher, daß auch der Areopagitikos einen reichen Vorrat sokratischer Gedanken enthält, dagegen auch nicht die leiseste Polemik der Sokratik oder einzelnen Schlechten

tadle (ueucpouai)

protreptische Allüren, die Isokrates

Sokratikern gegenüber.

Wien. ')

Vgl. hiezu übrigens auch Plato, Legg. IX, p. 875

(Schluß

H. C D.

folgt.)

GOMPERZ.

Zur griechischen Kompositionsbildung. (Nachtrag zu Wiener Studien

der Auffassung

In

der Komposita

ersten Gliede habe ich mich

Formen auf

der diese

Wenn

ich damals

-e

O.

a. a.

als

S.

mit

partizipiale

alte

Richter,

1G9

ff.)

öVf€-,

usw. im

f^eve-

173 an Jacobi angeschlossen,

darauf verweisen konnte,

Gramm. 3 168 und

Griech.

XXVI

Indog.

Nomina

erklärt

hat.

daß auch Brugmann, Forsch. IX 194 sich

dieser Auffassung angeschlossen hätten, so erachte ich es jetzt für

meine

Pflicht,

die

Leser dieser 'Studien' von

der. seither

eingetretenen

Änderung der Sachlage ausdrücklich zu unterrichten. Brugmann hat nämlich neuerdings in dem in den Indog. Forsch. XVIII 68 76 unter dem Titel Der dpxeKaKOC-Typus und Verwandtes' veröffentlichten Aufsatze unsere Komposita als Tmperativkomposita' er-



c

klärt, eine

Erklärung, die schon Delbrück, Grundriß

V

174

Es empfiehlt sich, führung Brugmanns wörtlich mitzuteilen. „Aber nur für wahrscheinlichste bezeichnet

xaicoc-Klasse

).

eine solche Erklärung bis

jetzt

also

kcikoc

auf

gleicher

Linie

jahi-stamba-s 2 ), spätlat.

Msti-druh*). stichhaltiger

steht

mit

dem

S.

61

als die

die Ausdie dpxe-

gefunden.

nach der der erste Bestandteil eine Imperativform

die,

ai.

ist

1

hatte

ist,

Es

ist

dpxe-

genannten

Vince-malus 3 ), nhd. Fürclite-gott, cech.

Gegen diese Ansicht ist bis jetzt noch kein irgend Einwand erhoben worden, und nur sie wird den über-

gerecht. Denn nur bei ihr erklären von äpxe-KCtKOC und die Vorausstellung des verbalen Bestandteils." Auch Wackernagel, Altindische Grammatik II 1, 315 ff., der in sehr eingehender Weise über „die Verbindung

lieferten

sich

Tatsachen wirklich

zwanglos das

eines verbalen als 1

)

heißt es 2 )

Infolge

e

Nomen

eines

bei

agentis oder actionis fungierenden Vorder-

der Korrektur

Wiener Studien XXVI 173

„Wer beständig an den Pfosten

Pfosten an'). 3 )

„Vince malos".

)

„Räche den Genossen".

4

leider

stehen

gebliebenen Versehens

„Infinitive" statt „Imperative".

schlägt"

(jaJii

stambam

'schlag an den

209

ZUR GRIECHISCHEN KOMPOSITIONSBILDUNG.

dazu im Objektsverhältnis stehenden Hintergliede"

glieds mit einem

handelt, äußert die Anschauung, „daß die Vorderglieder wohl alle

imperativisehen Ursprungs sind". Übrigens

73

sei hier

auch ausdrück-

hervorgehoben, daß bereits Jacobi Compositum und Nebensatz

lich

der Auffassung

die Möglichkeit

f.

dieser

Komposita

c

als

impe-

Satznamen* erörtert und auch tatsächlich eingeräumt hatte. Zwar muß der Natur der Sache nach ein solches Kompositum, wie auch Jacobi a. a. 0. hervorhebt, zunächst „als Epitheton einer Person 1 ) oder als Eigenname" gebraucht worden sein. Passend erinnert Jacobi an den Namen von Hektors Wagenlenker 'ApxeTTTÖXeuoc, der ungezwungen als Hypostasierung von apxe irroXeuoi/ gedeutet werden kann, und es ist kaum abzusehen, warum, wie Jacobi meint, Homer so etwas nicht gedacht haben soll. So läßt sich auch der Eigenname 'ApxeXoxoc ganz gut aus apxe Xöxwv' deuten. Aber die vn,ec dpxeKaKOi' setzen allerdings voraus, daß der erste Bestandrativischer

c

c

c

teil

der Zusammensetzung nicht mehr

wurde,

gefaßt

dem

sondern in

oder beginnend das Unheil",

in

imperativischem Sinne auf-

eines Verbalnomens:

oder,

KaKOÖ'.

Wenn

nur

Epitheton zu einem persönlichen Nomen,

als

also

„anfangend

wie Jacobi erklärt, Vi äpxouci

auch das Kompositum

dpxexaKOC ursprünglich z.

B. &vr|p, ßaci-

werden konnte, so läßt sich doch unschwer dann auch die Verwendung des Kompositums in der Verbindung mit 'vfjec' begreifen, und man braucht dabei nicht einmal an eine Xeuc usw. gebraucht

c

Personifikation der

kein Bedenken

vn,ec'

gegen

zu denken. Tatsächlich

die

Erklärung

l

dpxeKai
als

ursprünglicher

es ist mithin die früher

rung aufzugeben

x

).

Es

liegt also wirklich

der Komposita

vom Typus

imperativischer Satznamen vor, und

im Anschlüsse an Jacobi gegebene Erklädaß Brugsei weiter darauf hingewiesen,

eines lebenden Wesens überhaupt. Aus ) Vielleicht richtiger sagt man: meiner Kinderzeit erinnere ich mich an eine Erzählung, in der zwei Schweinchen (nFaekeln") mit den Namen „Fangan" und „Hörauf" vorkamen. Auf die Erwäh!

nung der beiden Schweinchen

folgte

die Frage:

„Soll

ich

anfangen

oder auf-

hören?" Ich benütze diese Gelegenheit, um auf eine Sammlung solcher Satznamen aufmerksam zu machen, die sich findet bei Chr. Schneller, Innsbrucker Namenbuch (Innsbruck 1905) S. 205—211. Nach einigen allgemeinen Erörterungen !

)

gegenwärtig unter den Namen der sondern auch eine reiche aus älterer Zeit und aus tirolischen Urbaren und Ur-

wird eine Zusammenstellung nicht nur

Innsbrucker

Sammlung

Bevölkerung

solcher

Namen

vorhandenen

der

Satznamen,

Die stattliche Anzahl beweist, daß sich diese Art Namenbildung in ihrer ursprünglichen Domäne mit großer Zähigkeit behauptet Sie mögen zum hat und sich im Volke offenbar großer Beliebtheit erfreute. großen Teil ursprünglich den Charakter von Spott- und Übernamen gehabt haben. kundenregesten vorgeführt.

210

FR. STOLZ.

mann

jetzt

auch

den Kompositis mit

in

des ersten Bestandteiles nach

annimmt.

Wenn

er

auch

die

verbale

ist

dabei

als

der Komposita mit dpxe-

typisches Beispiel

cpiXöHevoc

das ich

Umdeutung

griechischen Komposita

Wiener Studien

dem Muster

Umdeutung

verbale

oben anders zu erklären verimmerhin die Tatsache erwähnenswert, daß jetzt

(hom. cpiXöSeivoc) anführt, sucht habe, so

qpiXo-

XXVI

von

91X0-

zugestanden

schon

wird,

für

wie

170 behauptet worden

ältesten

die

von mir Und auch dies

dieselbe

ist.

ausdrücklich in diesen Blättern hervorzuheben, schien mir dringend

wünschenswert.

Den mir durch die Veröffentlichung dieser Zeilen gebotenen Anlaß benütze ich, um ausdrücklich zu erklären, daß die von mir in diesen Studien XXVII 131 f. bekämpfte Brealsche Erklärung des homerischen dXXoTiprJcaXXoc jedenfalls dieselbe Berechtigung hat, wie die von mir verfochtene. Hiervon bin ich durch eine briefliche Mitteilung des Herrn Prof. J. Wackernagel vom 23. September d. J. überzeugt worden. Andererseits hat mich Herr Prof. H. Oertel (New Haven, Connectitut) in liebenswürdiger Weise durch einen Brief vom 12. Oktober d. J. auf Rig Veda VI, 47, 16—17 aufmerksam gemacht, „wo es von Indra heißt: pdra pärvesäm sdkliyä vrndktl anydm anyam atinenlydmänah



.

.

.

vitärturäno äparebhir

eti,

'gewohnt jetzt diesem und jetzt jenem zu helfen

.

.

.

von seinen alten Freunden und geht mit neuen'. American. Orient. Soc. vol. XIX (1898) p. 119." K.-N Innsbruck.

wendet Cf. 11.

FPt.

er sich

Journal

XI. 1905.

STOLZ.

:

Vulgärmetrisches aus Lucilius

1

).

Die Wissenschaft ist nicht voraussetzungslos. Abgesehen nämvon all den Voraussetzungen, die in Individualität, Vorarbeiten, Stand der Kritik und Methode liegen, bestimmt das dem gelehrten Arbeiter vorschwebende Gemeinbild der Frage jeweils seine Durchführung des Details in einer Höhe, der er sich selbst kaum klar bewußt wird. Als die gelehrten Holländer und Franzosen des 16. Jahrh. an die Emendation des Satirikers schritten, faßten sie ihn von Ennius vorwärts, von Horaz rückwärts schreitend als gelehrten, als Kunstdichter auf und dieser Wertung gemäß regelten sie seinen Versbau im ganzen nach den Anschauungen der Augusteer. Die eingehenden neueren Studien, zumal die von Marx, haben das Bild des Dichters wesentlich geändert. Wir wissen, daß er (gewiß von hoher dichterischer Anlage und reicher Belesenheit) doch lich

eigentlich nur Dilettant war,





der als feingebildeter Millionär, aber

„Major a. D." zur Feder griff, um ziemlich unbekümmert um alles Äußere in flüchtigen „Skizzen" (schedium 1279) seinen Standpunkt in gewissen brennenden Tagesfragen zu präzisieren. Seine angesehene gesellschaftliche Stellung berechtigte ihn dazu um so mehr, als er seine politische Mundtotheit nach den großen Opfern 2 ), die er für den Erfolg des spanischen Unternehmens gebracht hatte, bitter empfinden mußte. Aber wie seine Sprache stets charakteristisch (Fronto 62 N.) und durchaus volkstümlich ist und die Solözismen des Lagers und Bordells 8 ) nicht scheut, so war wohl auch sein Versbau nicht allzu säuberlich. Wenn Horaz nicht genug Worte findet, seine saloppen Verse herabdoch

nur

')

u. u.

Vgl. die Besprechung

Gymnasien LVI 2

sit

S.

715

ff.

u.

von Marx' Lucilius

976

in

der Zeitschr.

f.

d.

österr.

ff.

zurückgehen? Dann spräche Scipio conbibonum ex copiis (bello fractae Pallantino nuper auxilium atque opem.) 3 Mißkannt ist wohl ein solcher 891 fl. facio ad lenonem, uenio, tribus ) milibus destiner. Facio (sc. quaesticulum). Die erste Person in destiner )

Sollte darauf nicht V. 665

quandoquidem re

....

als

fordert gebieterisch

pi^peri magnis

uenio, nicht uenio.

Wiener Studien. XXVII.

1805.

15

212

J.

M.

STOWASSER.

muß ihm wohl auch die Form anstößig erschienen sein. Vergleicht man zeitgenössische Hexameter, wie den titulus Mumzusetzen,

mianus oder die pränestinischen (Bücheier CEL 331) und parmesanischen (Swoboda Wien. Stud. Bormannheft) sortes, um von anderen zu schweigen, so finden wir die Freiheiten plautinischer Anapäste (Tetrameter) im bis auf die anderthalb ersten Füße völlig gleichen und gleichgebauten Hexameter. Und das mit Recht; denn in stufenweiser Entwicklung allein konnte auch hier der Fortschritt sich zeigen. Es kann nun aber, meine ich, doch kein Zufall sein, daß, wenn man den Hss. genau folgt und ihnen die gleiche Beweiskraft wie der Bronze oder dem Marmor zumißt, die Verse des Lucilius mit jenen altertümlichen Resten in allen Punkten übereinkommen. Denn abgesehen von apokopiertem S zeigen die Hss. in Luciliusversen 1. abgestoßenes Schluß-M, 2. reichlichen Gebrauch von Synizesen wie es Stegreifversen ziemt 3. Beobachtung des Jambenkürzungsgesetzes (JKG). Was zunächst die Frage des auslautenden m betrifft, so wissen wir (Lindsay p. 78 der Übersetzung), daß das Altlateinische es fast konsequent unter-





drückte, darin mit

stimmung.

dem

Seit aber

späteren Vulgärlatein in völliger Überein-

grammatischer Einfluß die Sprache

des Lebens, sondern der Literatur

brauch



nicht

Gemich der fable

polizierte, scheint dieser

Und doch wage

geschwunden.

völlig



ich

convenue zu widersetzen und zu behaupten, daß Lucilius in kaum beschränktem Maß der vulgären Aussprache Rechnung getragen hat, die ja z. B. in den Infinitiven auf niri alle Zeit nach.

weisbar

.

.

ist.

Ich

ganz

zunächst

sehe

von Formen

ab

wie

813 alienu,

149 flaccoru, 828 cuiu, 577 cu idein (mit Müller) oder 454

dem Neapolitanus

gelesen werden

wo

mit

muß: caseus a

l

um

(u)

molliet (d. h. aluum), da diese Formen rein graphischen Ursprungs sein können («). Wichtiger istj;schon domu (i)tionem 607, das uns wohl allein schon berechtigt, auch 815 linde domu uix redeat zu skandieren, nicht linde domüm (JKG).

Unwiderleglich aber beweist sich die Tatsache unterdrückten »»-Auslauts durch den Hexameterausgang 987 l

)

Der Vers

ist

id attinet.

dieser

)

wohl so zu ergänzen:

sed tarnen hoc dicas

Nur mit

l

Ergänzung

:

quid (id) est, si noenum m. e? Vgl. 1020 quid sich 988 ungekünstelt an.

schließt

VULGÄRMETRISCHES AUS LUCILIUS.

noenum

si

den ich erst Analogon finde: für

CEL

213

molestumst

373 (etwa aus neronischer

Zeit)

ein

volles

datumst felice{m) morari.

Marx

Tragweite der Sache natürlich völlig ein und wie ich glaube unglückliche Interpretation zu entgehen. Ohne ein Wort im Kommentar beizufügen, sagt er I 168 im Index unter S non scripta in exitu uerborum auch: noenu (noenum codd.). Das ist alles! Allein sieht die

sucht ihr daher durch eine kunstvolle, aber





mein Sprachgefühl sträubt sich energisch gegen diese Annahme, die doch einer breiten Beweisführung nicht entraten durfte. Denn abgesehen davon, daß die Überlieferung, die nur für noenum ist und ein *noenus gar nicht kennt, nicht ohneweiters umzustoßen ist, versagt völlig.

die

einzige Analogie,

Denn

auf die

Marx

sich

berufen

kann,

das plautinische nidlus uenio, nullus dubito kann als

Ersatz des einfachen non eben nur da eintreten, wo ein maskuliner Nominativ als Prädikativum denk- und fühlbar ist 1 ) (succussor nullit sequetur 504). Ich gebe Marx ohne Zögern zu, daß ein noenus dubito od. dgl. innerhalb der Sprachmöglichkeit liegt, aber eine Verbindung wie noenus oder malus molestum est ist schlechterdings unmöglich. Hier kommen in syntaktischer Hinsicht die akkusativischen Adverbialformen primum, nimium, multum partim, }

pusillum und

auch

offenbar

niliil(iim)

als

durchschlagende Ana-

denn der Dichter hätte sicher auch si nilum dürfen, ohne die Grenze des Sprachmöglichen zu überschreiten, etwa wie Berthold Auerbach, wenn er (MAZ 1905 Beilage S. 550) sagt: „obgleich er sich nichts um uns kümmerte". Dieses Beispiel der Muttersprache vermittelt uns das Vollverständnis des akkusativisch-neutralen noenum. Ein nicht minder sicheres Beispiel ist 964 (bei Festus) pertisum hominem non pertaesum die e re; ferum ndm genus. (Hss. dicere). An dem Verse ist kein Makel, zumal da das JKG logien in Betracht;

molestum

est

schreiben

Daß

wie bei Plautus mitspielt.

die

Worte an

sich

sagen,

nichts

steht fest; aber wir dürfen auch nichts in sie hineinorakeln. Scipio



an dessen Adresse der Vers zu denken

Marotte eben so lächerlich, städter Dragoner: in

dem Hu

liegt

desto wirksamer *)

Ältestes

wie

„Hürrah müßt

ist



begründete seine

der Premierleutnant

der Halber-

ihr schreien, nicht hurräh;

denn

das Fürchterliche!" Je unsinniger die Begründung,

war

Beispiel

die

Polemik des Dichters.

wohl Naeuius

bei Non. 153 suo

labori

is

null US

pareuit.

15*

:

214

J.

M.

:

STOWASSER.

Ich reihe 688 an. Nonius

das Fragment an drei Stellen

zitiert

grammatischen Beziehungen dunkel. Für 37. 22 entscheidend, das gänzlich unmöglich ist, wenn man quibus als Ablativ auffaßt. Nonius konnte 'quibus potest inpertif nur zitieren, wenn quibus ein Dativ war: (iis) inpertit, quibus potest (inpertire). Vgl. Liv. XXVII 51. 4 aliis porro impertierant gaudium suum und 739 sospitat, salutem inpertit plurimam Dann hat aber 37. 28 mit salutem Recht gegen et plenissimam. 308. 24 N., wo der Anlaß zur Verderbnis in dem folgenden et

und doch bleiben mich ist das Zitat

die

fictis klar zutage

tritt.

Also mit etwaiger Ergänzung des

maligen Zusammenhangs (Cic. ad Att. XIII (yersiculis facete scriptis a Corintho

Mummius

ad suos nuper familiäres litteras pulcras dabaV) ttem, Po pH, salutem effictis versibus Lucilius quibus potest inpertit totumque hoc studiose Effictis

lautus,

habe ich gewagt nach 1140, wo gleichfalls mundus steht. Die Deutung, die Marx

(Widmung an

Scipio), scheitert,

wenn

einst-

6. 4):



et sedulo.

effictus für tersus

dem Verse gab dem totum

ich nicht irre, an

c

und zwar stets'), die Hauptsache aber bleibt: der Versanfang Item Popli (JKG) ist intakt. Und darum hätte Lindsay, der sonst wie ich an abgestreiftes m zu glauben scheint Non. 437. 13 nicht tudm probatam drucken lassen sollen, sondern (JKG): tüam 1 ) probatam e. q. s. hoc (deutsch:

denn er hat ja Non. 302. 23 (mit Recht, Hss. drucken lassen (JKG) den glaube) nach

Er mußte

dies,

ceterum quidquid ein Vers, der

Gegen

nur mit abgeworfenen

alle

sit

m

e.

q.

lesbar

diese Ausführungen wird

wie ich

s.,

ist.

man

nichts einwenden,

jambotrochäisch sind und sich durch plautinische

da die Verse Analogien decken. Allein offenbar hat Lucilius sich der gleichen Freiheiten auch im daktylischen Versmaß bedient, und wie er tüquidem, sicutt, illico etc. plautinisch behandelt hat, auch seine Hexameter mit gleicher Freiheit gestaltet. Wir lesen 291 nach alle

den Hss. (Non. 506.

primum !)

7)

fulgit uti

caldum

et

furnacium

ferrum.

Ähnlich 887:

eödem uno

(nam perbene seit fureifer) modo rationes er{i) subducer

hie

Hss. errationes subduceret. Der vulgäre Infinitiv wie

iam fler e (= et) poenam non sentio mortis. desine

z.

B.

et

suas

CEL

507. 2

:

VULGÄRMETRISCHES AUS LUCILIUS. (Vgl. Kallim.

hym. Dian. 65 KauivöGev

Marmor oder Bronze, dann adiectiuum a fornace,

lexicis

Stünde das auf

cibn.pov}.

i^e

man

registrierte

nouum,

115

fumacium,

einfach:

reddendum.

So aber mochte

zwar Jan Dousa seinerzeit (ob mit Recht?) 1 ) e fornacibus vorda er an die hier besprochenen Dinge kaum denken

schlagen,

konnte; ich aber trete ernstlich für die Intaktheit der Überlieferung Ich zerbreche mir daher auch weiter den Kopf nicht, ob 538 jene Hss. des Priscian Recht haben, die nupta oder jene, die ein.

nuptam

Nur aus

schreiben.

prinzipiellen

Gründen empfehle

ich zu

schreiben:

nupturüm 2 ) Es

steht hier wie

CEL

te

nüptäm

negcls ....

wo namquam durch

das Metrum als das aus der appendix Probi bekannte nunqua garantiert wird sie

2153,

nünquam

Über 490 (Non. 344.

doleas dtque triste süspires.

Lindsay kein Wort verloren;

28) hat

allein

seine Interpunktion

meret ter sex, aetate quasi, annos keine

läßt

andere Auffassung zu,

vulgären

einen

Akkusativ

non tarnen aetatem.

diesque,

daß er wie

als

nach

hält

Sinn:

der

Er

ich

aetate

für

Parallele 38 mensesque

dient achtzehn Jahre, so-

zusagen sein Leben lang. Porphyrio überliefert 254 so (dem Sinn nach ergänzt) (audistin aditurum) tellu{re) e Sicula

Lucilium Sardiniensem

terram ?

und ist,

die

an der Malz und Hopfen

trostlose Stelle 1248,

scheint

imposui

pedem

hab(f) e (i) s. mag man es wie immer auffassen s j So wird auch 226 bestehen können in der Schreibung



s

)

den gen. 2 )

Der Plural

ist

pellibus

ja höchst befremdend;

offenbar

hielt

)

Dazu Marx: nupturüm

...

Ich selbst möchte das Frg. (sibi

unum

forma masculini

um

nur

fumacium

für

dem

siebenten

Die Form ist erum (Lindsay 617).

generis.

Buche zuweisen:

nonne) u(er)etrum

(r)eccidisse tarnen

senem

Tires{iae) tarn

aequalem constat ? Freilich ändert man Buchzahlen nicht gern; aber es wird hier wie

D.



pl.

nicht maskulin, sondern geschlechtslos, wie der oek. Infinitiv 3

verloren

gleichfalls hieher zu gehören:

V. 177 (Non. 231.

7),

wo

ich,

um

vielleicht stehen,

der Zitationsweise des Nonius gerecht

zu werden, an eine Lücke denke, da die Worte deutlich Jamben satyrarum Hb. (IUI

sind.

Lucilius

;

116

J.

STOWASSER.

M.

senem

tarnen

iam

Tires(iae)

aeqaalem c

denn alt,

ein Greis, alt wie

Methusalem' spricht der Vernünftige, nicht Überall dieselbe Erscheinung in

wie der Greis Methusalem'.

der Toun, ßouxoXiKn..

CGL

V. 74 gezogen aus dem alten vatikanischen Glossar p.

XVIII

hat

Marx Gelegenheit geboten zu

raschenden Deutung,

voll



einer

Gelehrsamkeit,

tiefer

in

IV

geradezu überjeder Hinsicht

blendend und doch mich kaum überzeugend. Denn schon die Glosse selbst pedicum: uitium mollitiae wird den nüchtern Denkenden, der an molles uiri bei Livius oder mollitiem corporis obiectare bei Tacitus sich erinnert, zunächst auf das tatsächlich bestehende und vielfach

überlieferte

Sprachgebrauch

gr. ttcuöiköv

den

Glossen

zurückführen,

eignet

(z.

497. 67 effeminati: impudici, molles u.

uoöca

TTCubiKn,

Nach dem

des Strato

hier

zumal

CGL V

da

dieser

453. 57

Er braucht nur an

= die

oder an Theokrits 29. Idylle zu denken.

Vorgebrachten aber unterliegt die Lesung

-~~ -^^

ww pedicnm iam excoquit ömne Wenn aber das wahr ist, dann ist

-

keiner Schwierigkeit. nicht mit

a.).

B.

Marx von Schwitzbädern zu

tdem üb.

excoquit

verstehen, sondern einfache

XXV) IUI: rem manu, tu pessalüs

(heus, Gnäto,) ne agita

uectem hunc possis cuneis (ut)i pro {bonis). TTeccöAouc vulgärgriechisch, üs wie atomüs, echinüs und das noch nicht verstandene m telitus in den Hss. 301: et

gallinaceu

cum

in telicus

uictor se gallas honeste

digitos

primoresque

erigit ungues.

TeXiKoi bÜKTuXoi wie TeXtKCt YP"lu ua ra a ' so 'Zehenenden', 'Zehenspitzen'. gegen Non. 67. 12 folgt nach dem ersten Zitat aus Lucilius: '

Hin-

l

idem : (narrabat inde ab anno decimo tertio

koXöv fuisse

se Uli

Athenis Atticis,)

uicisimo tum ephebum

quendam quem uocant

pareütacton, (qui mos est illic ciuibus.) Die Hss. bieten nämlich an dieser Stelle ausnahmslos kein Zahlzeichen, sondern

Wort aus. Damit entfällt die lästige Umstellung u. p. An die hier besprochenen griechischen Wörter möchte ich auch noch zwei Fragen knüpfen. Sollte das seti der Hss. Non. 78. 5 nicht als YYXH (seci) zu deuten schreiben das zufällig

und das apepelli bei Non. 339. 14 (V. 829) auf eine alte Glosse v so daß über ^TrixeuYHa Apn(oc) einmal belli geschrieben war? Vgl. die Hss. zu V. 355 ('Apec, "Apec) apec ape c. Und überdies kann es doch kein Zufall sein, daß man gerade im zwanzigsten Lebensjahr den Ep he ben-

sein (V. 246)

zurückgehen,

:

dienst als „Einjährigfreiwilliger" verrichtete.

:

VULGÄRMETRISCHES AUS LUCILIUS.

217

Metapher wie omne per ignes uitium excoquere Verg. geo. 1. 88 so etwa zu ergänzen: (aetas nunc constans liuic) paedlcäm iam excoquit omne.

Dazu aber

noch das viel wichtigere Bedenken rein daß das von Marx ohne jeden weiteren Beleg postulierte *pedlcum 1 ) (von den pedes, die qp9eipiacic) unrichtig, gegen den Usus der Lateiner gebildet ist. Ich wenigstens kenne keine denominalen Bildungen auf üus. Mendicus ist eine ganz unerklärte Bildung. Pudicus, amicas sind deverbal, posticus, antJcus adverbiell gebildet und anders geartet, so daß sie als Analogie für das neu eben

tritt

sprachlicher Natur,

angenommene Wort d.

In V. 12 in

nicht

Übs.) Abermals also

V.

524)

gerade

ist

ausreichen.

m

(Vgl.

unterdrückt

in

dazu Lindsay

S.

384

der ßouKoXiKfi.

die Dousa (offenbar nach horridulum Ausgang sordid(iiV)um omne. Und doch paßt

vermuteten

als

Zusammenhang das Deminutiv wie

diesen

die Faust aufs doch so unwahrscheinlich, daß ein so scharf gein den Hss. sollte verstümmelt sein. Ich halte den Satz für eine rhetorische Frage (mit unterdrücktem m) praeteoctae ac tunicae, Lydorum opus — sordiduti' omne? in

Auge und es prägtes Wort

ist

Andere minder beweisende

Stellen lasse ich,

um

durch Halbes und

Schillerndes 2 ) der Beweisführung nicht zu schaden,

dermalen bei These zu bekräftigen: Lucilius unterdrückt auslautendes m wie Plautus, geht aber in den Daktylen über das JKGr hinaus. Seine Sprechweise ist also vulgär.

Das Vorgebrachte wird genügen,

Seite.

die

dem mir die Dousa und Mercier zu weit Beschränkung der Synizesen. Die volkstümlichen Hexameter der Inschriften und mit deren Maß messe ich die gleichfalls volkstümlichen Verse des Lucilius bieten eine Musterkarte von Versuchen, widerstrebende Wörter, namentlich Eigennamen in metrische Form zu zwingen. Nicht ohne Grund Der zweite Punkt,

zu gehen scheinen,

ist

in

die



ich an

zitiere

erster

janum Cassium

Stelle

oder,

von

CEL

98. 13



die Septenarhälfte Lucil-

Eigennamen ganz

abgesehen,

gratja

Nur nebenbei bemerkt sei, daß bei Marx' Deutung das iam völlig in hängt, bei der Anlehnung an ttcuöiköv aber völlig begreiflich wird. Ebenso weist omne auf ein Abstraktum wie irctioiKÖv hin, nicht auf etwas so 1

)

der Luft

Reales, wie die pedes. 2 )

Doch

vgl.

z.

B. 260,

wo

ich ergänze (es spricht ein

Weib,

vielleicht die

balba von 237):

suam en% tn(e) inuadere (re) atque innubere censent. Auch 938 gehört vielleicht hieher, wo der F des Varro quidem hat. (uerum Uli) quidem thynno capto e. q. s.

Z. B.

:

218

M.

J.

4

368.

relatast

Namentlich

Venetae

factjonis

filjus

so

ist

STOWASSER. 500.

unter Vergleich von span. hijo hier

an

sondern

eine

1

allgemein

u.

1

kaum an

verbreitete

300.

otjosis

häufig 533. 4, 592.

a.

u.

1

m.,

dgl.

daß man

eine licentia poetica,

Aussprache

wird denken

dürfen.

Lucilius

steuert

unanfechtbares

ein

(CGL IV

p.

Lucilius in

XXII primum

Deutung

XVIII) V. 581

des Autors (Festus?)

bei,

uel

est

Pacilius tesorofilax pater

gnischen afded identifiziere,

Marx

Beispiel

extincta

dbzet.

nämlich mortua. In der

Denn da nach dem ausdrücklichen Zeugnis dbzet, das ich wie Bücheier mit dem päli-

Marx.

irrt

ABZET

sich auf ein

Feminin bezog, so durfte

Nur

tesorofilax kann als daß hier vom Tode der cdöoiri Tauin des lucilischen Hauses die Rede wäre. Dann sind aber die Worte t. p. a. im Munde des Oskers Paacul (Päceilius) zu denken, der sich mit Recht des Dialektwortes afded bedient, dann trifft die Ehrenformel pater nicht den Sklaven, sondern den greisen Herrn des Hauses, den Dichter selbst. Ich ergänze etwa so:

es

nicht mit Pacilius verbinden.

Subjekt in Betracht

kommen

(nemo

(f|

qpuXaE), so

alta silentia rupit,

me uerbis tristibus alloquitur} primum Paciljus: thesoropliylax, pater, donec

(insperato dbiit, praepoperata febri.

Zu

1

dbzet,

)')

deutsch:

Erst sagt der Lipp: die VenvaJirerin, ja, die is doni, Herr Vater! Bei Nonius 291. 30,

wo

die Hss. lesen

iniurjatum hunc

in fauces inuasse ist ihm Lindsay Deutung auf Mucius Scaevola

glaubte Muretus verbessern zu müssen. Mit Recht nicht gefolgt.

Zugegeben,

daß

die

febris. V.

Mit vollem Recht bezweifelt Marx zu 924 für den Dichter die Quantität 493 wird wohl heißen (cmctE eipniuevov):

und 924

dürfte sich bessern

')

Luciu,

narcessiuä febris

at cui?

Auch 1194

quem febris una atque {una) una

direvjjia ...

dürfte unzweifelhaft zu lesen sein: -'-

Und wie

Senium, uomitum, pus

^ _ — ^ ^

steht es

um

iactans

me

ut febrts querquera

1012 mit retro? Sicher

ist

— ^

zu lesen:

sua percepere retro reiecta iacere. die unten bei ceter besprochene vulgärlateinische Vokalisierung (wie ja die Grammatiker gelegentlich vor fistuca u. dgl. warnen, z. B. Caper und die app. Prob.), so darf niemand zweifeln, daß das percipere der Hss. et

Vergleicht

man nämlich

nichts ist als das Pf. percepere.

VULGÄRMETRISCHES AUS LUCIL1US. richtig

ist,

219

auch ein schiechter Mensch kann „gekränkt" oder „beoder sich fühlen. Nichts ist zu ändern 1 ). Vgl. CEL 303. 1

leidigt" sein

deuotjone

uigens augustas Pontius aedes

restituit.

Wie hat Lucilius den Dijarnbus Aeuuvibac (1310) in den Vers gebracht? Einmal zeigen die Hss. leontado, d. h. nach dem Muster von Luciliadas, Scipiadas hat er das daktylische Leömädäs gebraucht, dieses aber offenbar an den Versanfang gestellt mit Synizese wie

CEL

741

Leontia(m) benmeritdm

tegit

haec sedes ....

von dem sinnlosen Verse fest, daß er zu teilen ist (die gräzisierende Form des verstümmelten Vokativs unter Verszwang im fünften Fuße): - ~ -> — ^ ~ - ~ ~ - ^ ^ tie rei denn,

soviel steht



Leoniada Alles andere

ist

Nur um

unsicher.

beispielsweise geschrieben

Leoniada,

eine Vorstellung zu geben,

sei

:

(Aci)lie, rei rumo(f)ne e Thermopidar(iim

tete

faucibus prosequitur uictorem hodieque secundus?)

V. 432 nach den Hss.: dicimus sectorem

quem cephalonem furjumque. hunc Tullius Quein(tus) 2 )

iudex heredem facit

et

damnati

alii

omnes.

') Der Vers 66, aus dem Muret wohl das impuratus zog, regt übrigens die Frage an, welche der beiden Versionen bei Nonius richtig ist. Ich glaube daß beide Verse im Lucilius standen. Wir haben eine Gerichtsgegen Marx rede vor uns, in deren Exordium leicht Worte vorkommen konnten wie (N. 129. 28): reus Scaeuola Mucius iste (haec demonstrabo





:

hcmo inpuratus et inpuno, est (que) rapister. Schlüsse der Rede aber konnte die dvaKeqpa\oiiucic doch gewiß etwa uiuit)

Am

so

lauten wie (N. 167. 20): (dixi,

ad principium uenio. non Mucius

iste

nequamst, uel potius paulo quod diximus ante uiuit) homo in(que)pudicus et inpune est rapinator ? Ich sehe dabei von allen anderen Fragen ab und betone nur die Möglichkeit, daß der Autor den gleichen Gedanken an zwei Stellen variiert. Jedenfalls ist es unwahrscheinlich, dem Lucilius das Wort rapinator zu entziehen, wo es doch Nonius

als

iuuentütem

Lemma u. dgl.

hinstellt.

Übrigens

ist

bei Plautus, ein nicht

rapinator als Hexameterausgang

weg zu eskamotierender Beleg

(vgl.

für das

JKG. 2 j

(Hss. quem). Also Queint(us) wie

z.

B.

QVEINCTIVS CIL X

5282

u. a.

:

:

220

M.

J.

STOWASSER.

Die Änderung furemque geht auf Scaliger zurück, sie trifft sachlich auch gewiß das Richtige. Nur kann kein Mensch einsehen, wie und warum sich das plane Wort hätte entstellen können. Wer aber den plautinischen sector zonarius vergleicht (trin. 862) wird gegenüber dem lucilianischen sector furius (cpuupioc) den richtigen Standpunkt gewinnen. Stünde der Vers auf Marmor, dann läse man c heimlich, geheim (gr. qpwpioc)' längst schon in fürius 3 diebisch allen Wörterbüchern. Vgl. z. B. CEL 1128. 4

=

vixit at hie

eigenen scheint.

daß ich lucinius

tertjo consule natus



ist

Terentiäe 1 ), Orbiliae

S (d. h. solidem) wie V. 108 auch 1312: ')

obit.

wohl auch 372, wo der Dichter seinen Namen (vgl. oben Luciljanum) dreisilbig zu gebrauchen Ich verstehe die Überlieferung bei Martianus Capella so, schreibe (liuic halte ich für den Artikel des Grammatikers; cod R.):

Erwähnenswert

Der Hiat mit Kürzung des

Nondum

CC

(d.

Lucilju

h.

S.

Man

ducentä).

Marx zur

Creticus. Vgl.

Stelle

wird also

CEL

und

1305

completis uiginti quattuor annis,

A, natis trinis et uirö eripior, Nomine Fuscinüla, Petelina domo \

\

örta,

Celsino nupta, uniuira, unanimis. iind 381

aus Velius Longus

apud Lucilium

GL

VII

65.

11 K,

wo

t lliciendo quod est inducendo geminat

malunt quam

pellicere

Das Verständnis (W.

St.

haben:

die Hss.

nee aliter

legitur in praepositionem per: l

perlicere.

den zweiten Vers habe ich erst gewonnen, als ich Wie dort der Vers auf dem Stein steht (e wie im

für

1893) erklärte.

incaner vulgärer

CEL Ital.

1557



et r

Infinitiv)

musicus

incaner

e docte

cantare solebat,

dem Pergamen malunt quam perlicer(e) — ^ ^

so steht hier völlig adäquat auf

pellicer

e

- ^

(Vgl. subducer et 887, weiter oben).

steht,

uono)

Da nun

aber im ersten Vers die Quantität in endo unerschütterlich

so

ich

lese

mit Hiat wie oben:

apud Lucilium

fest-

legitur i n{o) (d. h.

in

(de) praepositione per: {i)llice endo, quod est induc endo, (e)t gemina pellicer e(t) malunt quam perlicer(e)

l

Anläßlich des vulgären Infinitivs die Frage: Steckt V. 268 nicht das aus Petron

bekannte vulgäre ipsima, issima ?

issima calda

e(st)

ac bene plena, ei (n)as(us') olorum atque anseris collus. Einen ähnlichen legitimen Hiat birgt wohl auch 388 nach Dziatzko (Relativsatz vorausgestellt ohne

Verbum substantivum, da das Subjekt Pronomen bouem descripsi m.

nae, que(i) in arce,

i.

ist):

;

VULGÄRMETRISCHES AUS LUCILIUS.

221

Neptuni filju' putasset tarn impurus fuisset als lucilianisch hinstellen dürfen, zumal da die Feinheit der Marxischen Interpretation (II 419 Z. 20 ff.) wohl etwas zu hohe Forderungen an den Dichter stellt. Zufall ist es doch nicht, daß die Wörter eben einen Hexameter bilden. Jedenfalls rechtfertigt sich die Anknüpfung des Neptunsohnes an die anderen Gottesverächter durch den Hinweis auf Odyss. 9. 272 ff. Zu V. 1293 hatte Lipsius das hsl. atque erunt mit höchster si

esse dcos tarn

peierus aut

Wahrscheinlichkeit in atquierunt geändert. aber ich verstehe

seine

Gründe

Marx

spricht dagegen

in Lipsii lectione

nicht:

atqui-

erunt siue correpta e positum est siue cum synisesi caret exemplo. Meines Wissens ist gerade quiesco in allen vulgären Quellen,

ich

Zahlreiche p.

möchte sagen,

Beispiele

aus

70 zusammengestellt, Beleg

ältester

tritt,

fast

überall

späterer

Zeit

mit Synizese

hat

Bücheier

gebraucht.

1858

J. J.

zu denen eben das Luciliusfragment

wozu

nachdrücklichste Bekräftigung

als

als

die

daß die romanischen Sprachen quetus als Basis ihrer haben (Gröber ALL V 128). Also vielleicht mit vulgärer Orthographie 1 ): saxa et Stridor ubi atque {%) erunt, dum sibilus instat Tatsache

tritt,

Bildungen

Die bei Caper

GL

VII 98

K

überlieferten

Worte,

die

Marx

prächtig und endgiltig interpretiert, enthalten doch wohl ein zweites

Wenn man

Luciliusfragment.

Wort

sich nämlich entschließen kann, das

coagula trotz seiner reinlichen Schreibung unreinlich vulgär



und auf diesen Widerstreit zwischen Aussprache und graphischer Darstellung gehen ja so viele Irrtümer zurück so klingen die Worte - lactentia qudgla cum me'lle bibi ~ ~ auszusprechen





')

Vgl. den vulgären Hexameter (bei Bücheier als Senar aufgefaßt)

eus

Der Vers

ist

die meines

tu,

uiator, uent hüc

wichtig,

120

weil er die uralte Quantität uiator bewahrt (ueh-ia, ueia),

Wissens sonst nur Plautus Persa qiii

CEL

et queiesce pusilu.

amdns egens

1

zu treffen

ist:

ingressus est princeps in amoris

uias

superäuit aerumnis suis aerümnas HercuM(nas). Gelegentlich sei noch des Verses

CEL

90. 3 hier

gedacht

paräui tribus, übe össa nostra adqujescerent.

Der halbgelehrte Verfasser braucht ein griechisches Wort i) rpißoc (Höhlung, etwa 3), das er neutral dekliniert, da ihm ein lat. Neutrum cauum vorschwebt. Diesen Tatbestand mißkenut Bücheier (ut tres Uli fuerint) Der Verf. kannte das Wort aus seiner Tätigkeit als „Chirurg".

Loch, Hipp. 743 C





:

222

M.

J.

CEL

deutlich an

477. 4 an:

reddedi depositüm,

Dazu

STOWASSER.

Bücheier

c

6a gl du i semper amicos.

quaglator (Henzen 5650). wohl zu schreiben sein uelut 'lactentes ficos' Lucilius dicit {et) 7. q. c. m. b.' Die Kürzung von cum melle reiht sich den oben besprochenen Beispielen an. Auch hier in seinen Synizesen also zeigt sich Lucilius durchaus als vulgär, weitere Ausführung führte zu weit. Die dritte Eigentümlichkeit plebeischer Hexameter ist die zitiert

Bei Caper wird dann

die Orthographie

also

mehr oder minder konsequente Durchführung des Jambenkürzungs-

Man denke

gesetzes.

an die sortes

Swoboda so schön bewiesen von Parma und die tausend

wie

die,

sortes

CEL

bei Bücheier hat, gleichfalls

CEL

331

l

),

an

hexametrischen

sonstigen Beispiele,

die in

den

vorliegen.

Marx selbst hat in Trochäen cäpüt scabit skandiert, ja, was wohl ziemlich kühn war, als Hexameterausgang ganz auf eigene Faust geschrieben (241) - ^ v, -w^ cum cena dominum {improbe) fortem Sicher ist 198, 1029, 1298 daktylisches sicuti und, wie Lindsay gesehen hat, gleichgemessenes V. 60 quom ilico

uidissent.

Auch Messungen wie Afistippum, miserrimum 2) gehören

hieher,

vermehren zu dürfen glaube um V. 802 tyränneö (q.) et nön mortifero a. u. u.; denn Lucilius wird nicht von dem Tyrannen von Pherä selbst gesprochen haben, sondern von einem ähnlichen Vorfall bei Numantia, so daß das griechisch zufällig unbelegte Adj. Tupdvveioc (vgl. Xötoi Aicumeioi u. dgl.) in seiner vollen Bedeutung gilt: „nach Art des T. u Weitaus wichtiger aber ist 1215 ff. bei Charisius 111. 18 K die ich





so überliefert (quisquiliis neglectis)

nam c

sie

uelut Hntro

äpüd

'intrd nos 1

)

2 )

des

F

ich,

Stelle

Kalixtus

1

:

aliud longe esse atque 'intus' uidemus

longe esse aliud, neque idem ualet

uöcäs, at

daß niemand,

nichts

ist

als

c

ad

se'

sese tenet 'intus '.

Gleich der erste Vers bietet ein treffendes Beispiel

nur staune dieser

se

1

selbst ßücheler

uiss=-uis.

Vgl.

nicht,

die

cönrtgi uix tandem;

begriffen

vulgäre

hat,

daß uix an

Schreibueg

milex

u. dgl.

Marx

irrt,

wenn

er glaubt, ich hätte das inschriftlich belegbare

miserinum

aus prosodischen Gründen empfohlen. Gründe der Wortbedeutung sind für

mich ausschlaggebend, quippe cum non ipsa sambueus misera sit, sed miserorum eibus atque ligna, pertinens igitur ad miseros uel 'miserina' ut uitulinus alia id genus. Hier hätte

Marx dem F

folgen müssen.

!

VULGÄRMETKISCHES AUS LUCILIUS. Daran

223

m. E. kein Tüttelchen zu ändern. Videmus mit den c. inf. ist geradezu ein Schulbeispiel für die Konstruktion öttö koivoö. Hier haben wir an zwei Stellen gekürzte Jamben. Eine der ärgsten cruces der Luciliuskritik ist V. 478 f., überliefert bei Priscian GL II 534. 25 K in folgender Gestalt: num uetus ille Cato lacessisse appellari quod conscius non erat ipse sibi Was man alles an diesen Versen verbrochen hat! Und doch sind sie m. E. völlig intakt, nur muß man sich entschließen, nach plautinischem Muster in dem viersilbigen lacessisse die vortonige Silbe kurz zu lesen. An senecüUem, magl Stratum, iuuentutem u. dgl. (Rieh. Klotz, Grundzüge altr. Met. 87 ff.) haben wir neben den oben angeführten Luciliusstellen, besonders dem Hexameterausgang räptnätor (von rapma), den wir oben besprochen haben, ausreichende Analogien. Dann aber fließt der Vers ungetrübt: Num uetus ille Cato? Lacessisse appellari quod conscius non erat ipse sibi? Zu deutsch: „Etwa der alte Cato? Inwieweit war er sich dessen nicht bewußt, daß man ihn als Anstifter tadle". Ich denke an den Jüngling im Bordell und Catos zweideutiges Lob der fomicatio. Quod scheint mir, wie so oft auf Inschriften, die kontrahierte Form von quoad (Caes. b. G. I 34, 5, Hör. Sat. II 3, 91); appellare in gleichem Sinne wie Cic. Off. I 89, Plaut. Cist. Frg. 53, wobei ich allerdings gestehen muß, daß ich die Verbindung mit dem Infinitiv nur durch Analogien schützen kann. Zusammenhang könnte etwa ist

beiden acc.

folgender gewesen sein 1 ): (Caste ut uiuamus proeul a meretricio amore,

dux quis

Num

erit nobis,

uetus

ille

uitae qais rector agendae?)

Cato? Lacessisse appellari quod

conscius non erat ipse sibi?

bieten wohl neben

den zahlreichen Beispielen, den richdie oben bei Besprechung der m-Frage gegeben wurden Diese Verse

,

') Daß der Vers Spondeiazon ist, wird hoffentlich kein ernster Mensch als Einwand vorbringen. Im Gegenteil, gerade die Ungelenkheit des Verses spricht Ja ich scheue mich nicht, auch für seine Echtheit, „cum flueret lutulentus*. V. 279 spondeisch zu fassen. Die Hss. haben dort Non. 398. 31: hanc ubi uolt male habere, ulcisci 'pro cele eius Adrijan de Jonghe vermutete (s)cele(re'), woran man bis heute festhält, ohne daß sich einsehen ließe, wie ein so einfaches Wort hätte verstümmelt werden können. Also halte ich an der Lesung der Hss. fest und trete ein für ulcisci pro zelo eins. Die Alte hat den Alten überrascht und zur Strafe für ihre Eifersucht kastriert er sich selbst. Das hat Sinn und Humor



:

224

STOWASSER.

M.

J.

Standpunkt für die Beurteilung von Stellen wie 765 nihil 568 stidtö nthtl Sit, in denen die Änderung nil vom Übel ist, oder für 468 in terra füit lucifugus. 542 uardm falsse Amphitryonis acoetin. Hier ist nicht mit Marx einsilbig, sondern nach dem JKG zweisilbig zu lesen, zumal da die Formen stets in thesi stehen. Auch für dreisilbiges malvisti 91, 92 kann ich mich nicht erwärmen, da id quod mdlütsti durch die Thesisstellung empfohlen wird. In diesem Zusammenhang verliert nun aber auch 337 (vgl. Lindsay p. 249 d. Übs.) R. non mültum übest hoc sein Auffälliges. Nicht viel anders steht es um 358 und 370, in denen Marx völlige Elision eines einsilbigen Buchstabenlautes anzunehmen genötigt ist. Ich lese von meinem Standpunkt mit berechtigtem Hiatus (wie in den Formen eunt, euntem) tigen

pdrui,

item hüc

addes

e,

e

ütröque opus

üt pinguius

1

fiat

)

Alle diese Dinge berechtigen wohl, das neuentdeckte

Fragment

petit pipas dacla libet inquit intakt zu lassen. Mag noch so viel Unklares daran sein, der gekürzte Jambus scheint anerkannt werden zu müssen 2 ). Ich halte pipas für ein Partizip (vgl. z. B. infas CEL 3971) und ergänze exempli gratia \curue palam nunc wie) petit pipans? da!' "libet", inquit. Und so wäre ich bei der Hauptstelle angelangt, bei jenem vielberufenen Hexameterschluß 1243 (vgl. Lachmann zu Lucrez VI 1135): öre cönipto,

dem Marx

Bedeutung einer orthographischen Marotte des Autors beimißt. Und doch spricht so manches für die Möglichkeit einer derartigen Verkürzung. Ich wage es nicht, die Frage lediglich die

entscheiden zu wollen; aber, wenn ich an die Parallelentwicklung von obm.. durch omm... zu om. denke (Prise. I endgiltig

.

wenn

46, 18), ')

ich an plautinisches quid äeeepit denke,

(=

So

überzeugt,

bin

ich

dort

faeiant)

wohl noch 749 feiet aus dem )

so schließe

Oder wahrscheinlich feiat, wie 365 feiant; denn hier haben

des Velius faciant 2

.

L

persönlich

daß die Formel tarn

l

bei

demselben facit (==

die Hss.

dazu

faeit)

tritt

des Nonius.

auch etsi



auf Grund

der Etymologie

nicht spondeisch,



davon

sondern anapästisch zu

lesen ist. Denn ursprüngliches tamenetsi (Ennius) gab synkopiert *tamnetsi, das mit progressiver Assimilation (clispennite, distennite) eigentlich zu Hammetsi in

einem Wortkörper wurde und Ich lese also V. 181 pacta,

der gleichen Kürzung erlag wie umitto, mämilla.

tametsi und V. 916 auxilium tametsi

(e)st.

VULGÄRMETRISCHES AUS LUCILIUS. ich

und

mich Lindsay

(S.

und R. Klotz

130)

bleibe bei der Überlieferung. Vgl.

So

greift

Met.

altr.

CEL

225

24,

(S.

1

tmminet leoni virgo caelesti situ. ja an derselben Versstelle die Kürzung nicht bloß

an eine Positionslänge, sondern sogar an die Naturlänge hos versus

tibi,

CEL

man

das

Wirken

525. 9

deuoui.

sancte nepos uictorque

Flüchtiger Betrachtung erscheint dies als 'Fehler'; dringt so erkennt

96 f.) an,

sprachlicher Gesetze,

man

tiefer,

wie sich weiter

unten zeigen wird.

Das Marx,

sind

einige Bedenken,

sondern mehr aus Anlaß

die

ich

nicht

eigentlich

gegen

der Marxschen Ausgabe in aller

Bescheidenheit vorbringen möchte; denn die aufgelösten Arsen, die

den vulgären Hexameter charakterisieren, scheinen bei Lucilius zu fehlen (itaque tuis in V. 1014 bessert Nonius selbst 338, quia sua 1028 ist unwahrscheinlich, 169 eumenidibus durch die bekannte Zitation Varro Eumenidibus beeinflußt). Wie weit ich nun mit meiner Auffassung, daß Lucilius, der derb ins volle Menschenleben griff, auch im Versbau vulgär gewesen ist, Recht habe, mögen andere entscheiden. An Widerspruch wird es nicht fehlen; da, um ein schönes Wort von Ernst Mach zu gebrauchen, „niemand seine Nebenmenschen ungestraft mit einer neuen Einsicht beunruhigt; denn die Zumutung die gewohnte Denkweise umzugleichfalls

angenehme und vor allem keine bequeme." Konsequenz des Denkens und einige Sachkenntnis wird man mir brechen aber

keine

ist

kaum absprechen können,

sowie das löbliche Bestreben der

Überlieferung überall zu ihrem Rechte zu verhelfen.

Da nun

aber für die Erscheinungen, die hier besonders an besprochen wurden, die sprachlich-metrische Begrüngewünschter Klarheit nirgendwo ausgesprochen ist, so

dritter Stelle

dung in mögen ein paar erläuternde Worte hier angehängt sein. Das Wesen solcher Kürzurjgen, wie sie Lucil. z. B. 468 bietet in terra fült, lucifugus, nebulo id genus sane besteht nämlich darin, daß als Grundlage der Versbildung nicht die Silben-, sondern die Vokalquantität dient und neben ihr 1. die positio debilis als quantite negligeable einfach

übersehen wird.

Ein

Vers wie in terra füit, aüripetax, n.

zeigte die Vokalquantität

i.

g.

s.

Diese bleibt nun einfach vor der positio debilis erhalten. Niemaud wird einen Vers tadeln wie folgenden: i.

audier ant eä Tlepolemusque Entschließt

man

sich also,

et

fortis

Ulixes.

da ja doch die Lauterzeugung aus dem

226

M.

J.

Munde

STOW ASSER.

des Sprechenden stets ununterbrochen

bieren, wie

ausdrücklich

die Alten

es

fließt,

zu sylla-

so

vorgeschrieben haben 1 ):

tlucifugus. ., Vokalkürze begreiflich gemacht. Störend wirkt an diesem Beispiele nur, daß fuit sich zur Not einsilbig sprechen ließe (uuia) aber Verse wie CEL 509. 1 pössidet non merita(e) locus hie cito corpus iniquum in terra füi

so

.

die Erhaltung der

ist

;

(gesprochen pösside tnon) zeigen die volle Zweisilbigkeit.

Sie sind

wenn jemand schriebe: nunc tempus auet conscendere Tmolum!

nicht anders aufzufassen, als

Nunc,

pueri,

oder .... öti 9vr|CK0juev

Und in

S

)

auch alle jene Fälle begreiflich gemacht, impura Vokalkürze erhalten bleibt, ist ja doch

damit sind

denen vor

S impura

2

aiei.

2.

und

gleichfalls in alter Zeit als silbenbeginnend

worden.

debilis betrachtet

Wenn

als positio

Arlstippum möglich

also

man wohl nur

künstlich auf das Versende beschränken

sich gleich zeigen

mala!

\

wird



so

ist

auch Lucilius

91,



will,

die

wie

92 id quod

begreiflich 3 ),

sti in dieser Syllabierung just so

oder

ist

acciirrere scribas oder dedücere scalis y Albensia scuta u. dgl.

wie

l

die

oben gebrachten Beispiele und das von Marx so heftig getadelte 377 äbe

\

hoc (Vgl.

st

II.

praef. p. V.)

Vgl. überdies

CEL

947. 3

und 690. 7 pdrüisti eunetis neben dem Verse: Flaujani dntlstltis resonant praeconia uitae. Wenn ich aber die Beschränkung der Kürzungen vor S impura auf das Versende leugne, so gehe ich dabei von den Fällen aus, die angeblich Abstoßung des S vor Konsonanten zeigen. Sie findet

si

pötest

sich in

illa

allen

Füßen 105 Symmacu praetcrea 22 Janu squirinu sbonorum usw. squi 292 sumu sfastidimu \

\

\

spater 140

immer

Tdntalu

\

\

\

natürlich den Lauterzeugungsstrom als ununterbrochen vor-

ausgesetzt.

Ich kann mich nicht entschließen,

hier

mit einigen Alten an

Unterdrückung und Ausstoßung zu glauben. Nein, flüssig, gleitet nach der Vokalkürze vom Korpus seines eigenen Wortes ab und wird als eine völlige

sondern der Zischlaut, seiner Natur nach

')

Seruius in Don. IV 427 20

K

die

ist

ausführlichste

Vokalsilbenschluß, der heute noch in Italien allgemein üblich 2 )

Vgl.

CEL

367. 2

dedit fatum,

sortem

uirö dedit lücem,

658. 2 quaerit

annos, 644. 4 qui tiiltt bis 8 )

capi



Caesellius

strum usw.

bei

u.

a.

627. 6 alios

päter quem,

für

diesen

uita,

516. 9

Stelle ist.

munet

762. 2 sexaginta egit

per

m.

Cassiod. VII 205.

1

K

teilt

ausdrücklich pote



Sias,

VULGÄRMETRISCHES AUS LUCILIUS.



Anlaut des nächstfolgenden gesprochen

Und dann decken sich die Symmacu spraeterea klingt

er gewiß!

\

Tantalu

und wo

squi wie aerea

\

Quirinu

spater wie

\

227

aber gesprochen wurde

einzelnen Fälle so, daß

squdma

dömne

spathdri,

Denn

mittlung des Verständnisses als Ersatz das Griechische ein. j

wenn auslautendes und anlautendes

dem

S

zusammentreffen.

So

Verse, der unser Ausgangspunkt war: nebulo id

genus sane.

Natürlich syllabiert sich eigentlich auch hier id für dessen Verständnis

Z

äuce cqpaXXö-

Ein spezieller Fall wiederum dieser Positionsvernachlässigung

3.

in

sbonoram hat seine Analoga an oder tax« cßevvure \uxvov 1 ).

sfastidimu

I

eTre'ecciv

ist es,

B.

lateinische Lautverbindungen nicht ausreichen, tritt zur Ver-

ein sunuc

uevoc

z.

wie ömina spreuit

man

genu

\

ssdne,

auf die Positionsvernachlässigung vor

Schon bei Homer fiel die u\r|€cca ZdKuOoc auf, den Metrikern bis auf ßeda und Cruindmel breitgetreten wird. Aber wie ein pidcherrima Zoe oder Candida Zmyrna u. dgl. niemand auffallen kann, so wird auch Luc. 542 hinweisen darf.

die

bei

conpemem aut varam ful

\

in seiner Zweisilbigkeit begreiflich

id

genu

ss'Amphitryonis

ctKornv

gemacht durch desselben Dichters

ssane 2 ).

j

Wenn

also das

Wesen

dieser Fälle sich einfach durch streng

durchgeführte alte Syllabierung erklärt, die die Silbe mit

abschloß

(man

dem Vokal

über dieses Kapitel die Ausführungen von der Übersetzung), so dürften 4. Fälle wie Lucilius

lese

Lindsay p. 144ff. 1249 petlt pipans oder 1216 äpüd te neben der Beibehaltung der Vokalquantität noch als eine Folge des Sandhi aufzufassen sein. Es genügt ja nicht zu sagen, Lucilius schreibt rapmdtor nach dem Ianibenkürzungsgesetz genau so wie Plautus canillator, wenigstens r enn ich mich ich suche mir die Sache verständlicher zu machen. nun an die bekannte sprachliche Erscheinung erinnere, daß Doppel-

W

konsonanz vor hochtoniger Silbe verschwindet, daß also

mdmma, mdmmula

)

öffula



ufella

cdnna,

cdnnula



cändlis

citrrus,

cürricus



cüriilis

dico consonana. a. O.: plane scire debemus conexiones quod quae Latinis syllabis congruunt, sed etiam, quae Graecis.

Seruius

')

tium non 2

zu mämilla

6ffa y

eas,

Vgl.

CEL

1006. 4 die Pentameterhälfte ni dissigületis.

Wiener Studien. XXVII.

1905.

16

:

228

J.

M.

STOWASSER.

wird, so begreift sich, wie Phüippus zu PhiUppe'us werden, wie cauilla

caudldtor bilden kann, aber auch die petit

Wortgruppe

ptpans wird durch

*petippipans zu peti pipans

werden können. Hieher gehören ja Schreibungen und Quantitäten wie möne (= monet) CEL 627 im TmpoiuiaKÖc:

möne:

aliös

uita brebis est;

=



denn offenbar sagt dies monet uita für mone mone uuita, tuiia womit sich etwa advenire, ital. avvenire, frz. ävenue vergleicht. Also wird apud te a. a. 0. assimiliert äppütte syllabiert äpii te sich ganz wohl begreifen lassen und das von Marx so heftig angegriffene

Corwins wird Proportion

sich als

dem

wohlbegründbar durch eine höchst einfache

Verständnisse erschließen:

cörrüpisse

:

cöniptus

= mämmüldrum CEL

Ich entsinne mich dazu einer Inschrift

me posui cöiügemque

mämilla.

:

1237. 7

meam

mit der gleichen Verkürzung der Präposition oder

CEL

249. 15

centenas ädicit numero crescente Coronas,

Verkürzung der Prä-

die gleich wie das oben angeführte ömitto die

machen 1 ).

position wahrscheinlich 5.

Auslautendes

m

man wohl direkt als verWohl ließe sich z. B. 964 fcrüm ndm ndm usw.) erklären, aber der Umstand,

hingegen wird

klingend betrachten müssen.

genus durch Sandhi (ferün daß das Auslaut-w auch sonst

in

der Zusammensetzung, wie in der

Juxtaposition direkt ausfällt, ohne graphisch dargestellt zu werden, läßt für alle Zeiten eine so

schwache Intention der Aussprache

er-

daß ein weiterer künstlicherer Weg nicht erst gesucht werden muß. Und doch widerspreche ich auch hier der fable convenae. Denn meines Wissens hinterläßt ausfallendes m sowohl in der Wortbildung (co-ire, co-itus, co-haerere, co-egi, co-actus) wie warten,

in der Juxtaposition (circu-it, laudatu-iri)

Hiat

maligen Anwesenheit. Ich glaube daher, daß richtig liest,

Absichten

wenn man

dorn itionis ausspricht,

mehr entsprechend

des Dichters

als

man

Rest seiner ehe-

Lucilius 607

kaum

sondern daß es den

sein

dürfte,

den Vers

mit Hiat und Synizese vorzutragen

dömü x )

\

CEL.

itjönis cüpidi Imperium 658. 3 dülcis

wohl begründet.

paene imminuimus.

CGL. V 622. 4 öpendo oppando (Denk ALL. XIII 853), also sprachIch persönlich bin auch überzeugt, daß udülari statt

tnfäns

wie auch romanisches ädurer historisch

regis

obiit

oder



= addurare

*addülari steht und daß das Etymon nichts

als

boö\oc

ist:

'anknechteln'.

:

VULGÄRMETRISCHES AUS LUCILIUS.

Am

Schlüsse

sprachlich nämlich

dieser

Ausführungen

noch

sei

229 auf

paar

ein

wichtige Fragmente aufmersam gemacht. Neue- Wagener 3

S. 8 u.

146 sowie Georges 7

der nom. sing. masc. „fehle",

s.

u. berichten,

d. h. bis

daß zu

cetera

heute nicht literarisch be-

wie ja z. B. das ähnliche ctter von Priscian aus Cato und Afranius belegt werde (Neue 3 S. 7). Es wird daher nicht unnötig sein, darauf hinzuweisen, daß ctter mit aller nur wünschenswerten Sicherheit bei Nonius 427. 5 aus Lucilius (V. 44 Mx) verbürgt ist. Es ist nämlich eine auch in den Hss. des Nonius weit verlegt sei,

breitete Sitte,

e

in

B. adtdiscentia,

z.

geschlossener Silbe durch

mehr

centinarias u. dgl.

darzustellen.

i

bei

Marx

I

Hieher gehört, wie dieser ausführt, auch Non. 162. 23, inciter

ocultuque von Scaliger

lesen wurde.

Demgemäß

richtig

als

in cetero cultu

der Luciliusvers

ist

p.

wo

völlig

Vgl.

CXIV. hsl.

ut

qaae ge-

intakt (Hss.

euer)

(semper enim huic Jwmini fucatus compositusque) uultus item ut facies, mors ceter, morbus, uenenum.

Zu

deutsch:

sonst aber b'

ist

Der

alte

Geck schminkt

ö dvGpuiTTOC oubev ä\\'

sich

von Hinfälligkeit

er ein Bild r\

und bis

vöcoc Kai ödvaioc.

spielt

den Jungen,

zum Ende: Xomöc

Diese substantivierte

Maskulinform muß aber ihrer Seltenheit wegen schon frühzeitig mißverstanden worden sein, so daß eine Variante neben ihr aufkam, die denselben Gedanken durch die adverbielle Form cetera ausdrückte. Denn der Harleianus (m. 1.), der Parisinus 7667 und Escorialensis lesen citera, was Marx (ohne der hsl. Gewähr auch nur mit einem Worte zu gedenken) in den Text stellt. Wir werden an der weitaus nachdrücklicheren Lesart des L festhalten, die uns den so lange nicht gefundenen nom. sg. masc. ceter verbürgt. Daß ferner das regelmäßige Adverb zu imus natürlich Ime ist, wird niemand leugnen können, trotzdem es meines Wissens nicht belegbar ist. Die Frontonianer wärmten ein offenbar altes imitus wieder auf (Georges 7 s. u.), wie selbst scheint verloren, trotzdem es Diomedes (Keil GL I 407) als Normalform voraussetzt: item quae in e exeunt interdum aduerbia in tus mittunt, ut ab imitate imitus.

solchen Umständen wird der Hinweis nicht unnötig daß Lucilius 528 (Mx; ap. Non. 98. 19) das nouissime der Hss.

Unter sein,

nicht mit Bentinus bloß als nouisse, sondern voller als

aufzufassen sein wird.

Dann

bar lückenhafte Vers zu ergänzen

Gerlach

u.

a.

nöuiss'

%me

sind auch die Fragen, wie der scheinist

(se

Saumaise, hos Mercier, sed

m.), überflüssig. 16*

230

J.

M.

STOWASSER.

Denn Hex Cotus ille duo hos uentos, Austrum nouisse ime aiebat solos, demagis istos

atque Aquilonem

ex nimbo austellos nee nosse nee esse putare ist

auf die Cäsur des zweiten Verses intakt

bis

;

ich lese daher mit

Worten: nosse ime solos aiebat, demagis istos Das Fehlen von se hinter aiebat deutet auf eine griechische Vorverstellten

lage: 6 ßctciXeuc e'Xeyev buo udvov dve'uouc eYvuuxevai

Wien.

J )

J.

Zusatz bei der Korrektur:

t.

e.

1 ).

STOWASSER.

Einem freundlichen brieflichen Winke von non (§>. 213) noch auf die entscheidende

Lindsay folgend, weise ich für noenum Analogie von donicum donec hin.



M.

k.



Vermutungen zu Büchelers

Lexikalische

1

Carmina epigraphiea

).

ii.

*Adiuuium

steht zu iunare, wie

neutrale Bildungen sind beim cöl-,

e-loquium

u. v.

meritum

sed

binefacta

et

m

= adiuuia

ist

ausdrücklich belegbar durch

per-,

CEL

627. 10:

laborque ßdesque.

oft unberechtigt, die

durch

con-fugium,

re-,

Wort aus CEL

ADIVIAM

wie so

gerechtfertigt

adluuium zu lauare. Derlei

beliebt

Ich ziehe das

a.

Das auslautende adiuia

Volk

Orthographie

das so häufige iuenis und

429. 4:

semper placuisse iuabat.

Was

den metrischen Bestand angeht, so verweise ich auf des CEL 1073. 5 ne terra dljena ignoti

Horaz Vt Nasidjeni oder Also: sed

Af

meritum

scheint

bene facta

et

man

adiüujä

mir lesen zu müssen

laborque fidesque.

CEL

275.

Nach einem

iambischen Dimeter (mit einsilbigem Caius wie cuius, huius,

eins)

folgen zwei Hexameter: C.

Vdlius Festus cönditor

uineae huius

loci,

qui nunc Valianus

af isto

dicitur aeternumque tenet per saecula nomen.

Leo

hatte

ab

Cassiae

a )

\

üt vgl.

isto

vermutet, die Abschrift hat a Festo. Ge561. 1

Wort im Hiat wie 420. 15 Coerani et Marx zu Lucil. 372 Terentiae Orbiliae.

kürztes kretisches

Fortsetzung zu Wiener Studien

\

\

XXV

(1903), S.

257

ff.

:

:

232

STOWASSER.

M.

J.

Die Schlußworte erinnern

in ihrem Klang so merkwürdig an möchte: uöto süccepto dram addmpliduit

man

Saturnier, daß

et

fast lesen

tauro immoldndo (dis) dedicduit.

Annare

im Sinne von annum degere belegt man mit Macrob. Ein zweites, mißkanntes Beispiel ist CEL 36. Mommsen

Sat. I 12. 6. las

ganz

richtig:

manfana-

vigul' a-

et-

caria-

si

caes- cito,

das will sagen uigtd d mane ana, et capias ic aes cito. Die Orthographie anare (ganz wie in Baccanalia Bacchi annalia, vgl. meine Dunklen Wörter) hinderte das Verständnis. Wichtig ist auch uigul uigil, und IC (= HIC, wie so oft) will sagen: Hier in der kleinen Landstadt (Aesernia).

=

=

Aureus kann nicht bloß Wenn ich mich

auf aarum, sondern auch auf aura

zurückgehen. letztere

Bedeutung

('luftig')

nicht

täusche, haben wir

für

die

zwei Beispiele in den CEL. Ich über-

setze nämlich 1298:

Invide, quid gaudes? illa hie mihi illa

meis oadis

aurea semper

mortua

uiuet

erit,

wo mortua und

aurea Gegensätze sind: Verstumme, blasser Neid; mir wird die Tote leben Und allzeit lebensvoll vor meinen Augen schweben.

Nicht anders

CEL

1308:

Quisquis huic tumulo posuit ardente{m) lucemam, illias cineres

wo

aurea

ja doch das bekannte

terra tegat,

Sit tibi

terra leuis umschrieben ist:

Wer

hier ein Kerzlein brennt an dieser stillen Gruft,

Dem

decke seinen Staub die Erde leicht wie Luft,

aber gewiß nicht: schwer wie das allerschwerste Metall, wie Blei

oder Gold. Ein Distichon stützt das andere. Hier hätte geschrieben stehen können:

aurae instar Dort

Uli terra tegat cineres.

vielleicht:

obque meos oculos uersatur,

Cior bei Apul.

als

quondam ut ad auras.

Simplex meines Wissens nicht belegt (doch ciuntur 22) wird herzustellen sein CEL 1144. 6

De mundo

nee ueniam, matri

du[m

cjior atque patri.

LEXIKALISCHE VERMUTUNGEN

233

usw.

Mommsen gab dulcior, ohne daß für dieses Epitheton Aniaß vorläge. Im folgenden Distichon empfehle ich zu teilen: mequ., em, nulla dies poterit uisura renasci, da für das Relativum sich kein Verständnis erklügeln läßt. Co quo 1

'quälen

wie

,

hat

Ennius

seit

B.

z.

CEL

(ap.

Cic.

Cat. rnai.)

die

ein

Bedeutung

1847. 4:

funere de tamto quos coquit ipse dolor.

Es hat

auch

sie

CEL

wo man

1086/87,

unter Benützung beider

Inschriften mit höchster Wahrscheinlichkeit vorschlagen darf:

Si tantum fortuna mihi largita fuisset,

(quantum angor nunc aureum hoc tot (um tibi, de

mea pauperie

feci,

nie)

coquit

et officio,,

dulc)is, ego aedificassem

;

utei potui.

Die Stammsilbe geschärft vor qu

y

wie anderswo dcqua, nequc

u. dffl.

Cultor

in

dem Verse CEL 475. Cultor

Perlege cuncta, precor.

cum simul

et

pietate parentis

matre, quod nobis inane sepulchriim

fecerunt. quanto, in ist

1:

munere postu

uides.

offenbar nicht Substantiv, sondern das Frequentativ

Cur r int

als

Optativ wie die bekannten Formen

malit, edit scheint mir

erhalten zu sein

....

CEL

=

color.

uelit,

nolit,

966. 12:

titulum ....

quem uos inspicere et uestris ostendere gnateis possetis. quorum uita(e} per saecula curri(n)t. Allein die Unsicherheit der Abschrift hindert ein abschließen-

des Urteil.

E= der

Itala

et

durch Sandhi ganz wie im Italienischen (Beispiele aus

bei Rönsch, Coli. phil. 22 u. 113)

findet

sich

natürlich

auch in den CEL. Ich nenne vor allen 476. 2 sancta e casta fide, wie die Tafel schreibt (Henzen ohne Not et). Vgl. 1189. 1, wo zu lesen

ist:

reliquiaie) e cineris tumulo

Nach dem Fem.

quiescunt.

und dem Masc. cineres Anderswo habe ich 1157.

reliquiae

richtig neutrales Prädikat.

mandata

steht folge1

gedeutet

(apokopierter Infinitiv. Vgl. S. 220 die Beispiele aus Lucilius):

:

:

234

j.

STOWASSER.

M.

musicus ine an er

Und

(=

so auch 507. 2

desine tarn fler, e

Ganz wie

564. 6:

Hingegen

CEL

e docte

1295. 3)

cantare solebat.

:

poenam non

sentio mortis.

rayer aequom. (mit dem Apex)

fata dolens luctu

1032. 2 scheint e

als

en aufzu-

fassen nötig:

me

Fatales, moneo, ne quis

namque seeunda

*Equitanus, u. dgl.

lugeat! Orbi

nunc

fui,

tegor, e, cinere.

eine Sekuudärbildung wie capitanus,

im Sinne von

'reisig',

'beritten', steht

wohl

CEL

momentana 881

Germanos Maurosque doma(n)s sub Marie (e)quitanos Antonine, tua diceris arte Pius. Vgl. Gratt. Fal. 515 ff.

Murcibii uix ora tenacia ferro

Nasamonia uirga Numidae soluere iugales

concedunt, at tota leui ftngit equos. Pisis

audax

et

yatiens operum genus

e.

q.

s.

*Exigium stünde neben yrodigium, nauigium, remigium u. dgl. Bilduugen gewiß leicht begreiflich. Es hieße 'Wunsch', 'Verlangen' ab exigendo. Nun lautet die so saubere Inschrift CEL 1012 in ihrem zweiten Distichon: coniugis exiguo natae yietate sepultus

hoc Marius Fidens contegor a tumido.

Es

ist

B.

nicht

des Satzes mit

die Konstruktion

gelungen,

den Gesetzen der Grammatik in Einklang zu bringen. an einen Irrtum des Steinmetzen und schlage vor:

Ich glaube

coniugis exigio, natae pietate sepultus lioc

Marius Fidens

contegor, a, tumulo.

matre füia me sepeliendum curauit. metz war eben exigium unbekannt. Exigente

scilicet

Flebilis

(la faible),

Schwäche, Ohnmacht, steht

Dem

CEL

Stein-

793. 3.

Seiner Barbarismen entkleidet sagt der Stein:

Condita (li)nc tumulis requie scit(o) ossa sepulcrum. iam subteriacet arcem.

uiqu. et (Ji^umu latus prope flebilis

Huc

condita

euin{c)it miserorum corda parentum.

wie

huc

sita

CEL

tumulis ossa requie condita esse



476.

(Et

1: ille)

Scito

huc

sepulcrorum

per uim ex hac

uita

.

:

LEXIKALISCHE VERMUTUNGEN abreptus nunc prope subter arcem iacet

miserorum parentum

I im Coni. auch sonst



Summus

statt huvio

angor coqait animos nach domu domo.



nach dem Muster von Ennius' posco, nee mi pretium dederitis

mi aurum

nee

dem

Pf.

(H)umu



235

usw.

in Inschriften

CEL

Distichon

belegt, findet sich höchst wahrscheinlich in

974. 3f.:

puer infirmeis etiam nunc uiribus, ut quei oetauum Ingrediens sidera contigereit.

hie

Die Überlieferung des heute verschollenen Steines conßcerent

CEL

Fast dasselbe

CEL

1123.

Iulia (=

Viersilbiges zeigt

'louXia),

deret\

.

.

86:

e.

hie sitast.

q.

s.

c

quippe

.

von B. nicht richtig gedeutet,

Nomine Iüliänüs er hätte

quoi

2.

lulia Erotis femina optima 1197. 2: Gräzismus Derselbe

B.

ist

(CONTIGEREIT).

bemerkt dazu: Graecam mensuram Latinus

interpres tenuit

;

hinzufügen können: 'propter falsam nominis proprietatem, cum ex Varronis doctrina Iulium genus ab 'IouAuj descen-

Daher

bei Catull iouXikcu (sc. rpixec):

sordebant

tibi

iiilicae,

coneubine, hodie atque

Latcre

c.

acc.

lieri.

ganz wie griechisches XavGdveiv hat die schwer-

verständliche Inschrift

CEL

1168. lf.:

Quid superos potuit iuuenis laesisse, penates qaod tumulo Iopes ossa sepidta latent? 'AGavdrouc

ti

nörice koikujc ttöüc ouca, Öeouc vöv

touc emxujpdouc ujcie Gavoöc' eXaGev;

Der verkünstelten Form entkleidet: Womit hat sie nicht in der Heimat begraben liegt? erweichtes

Vokalisch

=

auch Piacenza ist

CEL

487.

l

Placentia.

hinter

Die

p

wie piano

älteste

verdient,

= planum

daß

zeigt

nachweisliche Belegstelle

1

was zu sprechen

sie's

Hunc Placentia

habet,

Hunc Placentia

habet.

ist:

;

:

236

Letifer

hora. Adiectiva

aber

sonst nicht;

STOWASSER.

M.

J.

in der

zweier

Endungen kennt

Übersetzung

der

Römer

einer griechischen Vorlage

wagte der Interpret CEL 1141. 11 letifer hora wozu ihm ja die Wörter wie equifer, ouifer oder das in der Anthologie des Saumaise (nicht in den Wörterbüchern) vorhandene (6avaTr)(pöpoc

ujpn.)

y

vom

semifer ('Halbtier'

Er

Centauren) passende Analogien boten.

faßte also letifer just so als Hauptwort, wie lucifer (ecirepoc), signifer

Die Änderung B.s

u. dgl.

Marina die

wo

ist

unnötig.

wie calda mit Ellipse von aqua 'Meerwasser' belegen

Lexica mit einer

1109. 21,

letifer{a)

CEL

aus Porphyrio. M. E. stand es auch

Stelle

überliefert ist:

non ego caeruleam remo pulsabo carinam. Die Homerentlehnung liegt auf der Hand: ä\ct tutttov

TroXirjv

epexuoic.

Sachlich war also D'Orville im Recht,

wenn

er

paludem schrieb

aber marinam, ein heute noch im Italienischen und Französischen so

weit

verbreitetes

Wort,

hält die Überlieferung

bis

auf

einen

Buchstaben.

Nouos?

C. Siccius Lesbius

Cum

Die Mainzer Inschrift CEL 1116 für im Anfangs- und Schluß vers ungeklärt:

veoTTpöcuuTrov ist

mihi prima

;

nouos

spargebat flore iuuentus.

Zur Not könnte man, da sonst nirgends *nouos eine Zusammensetzung wie exos bei „Jünglingsantlitz"

sehen;

aber

vorkommt,

Elision

Lucrez

wahrscheinlicher

ist

oder

in

unser

doch

die

Trennung

cum mihi prima nouo Vgl.

CEL

(o)s spargebat flore iuuentus.

1170. 4:

nee uestire meam flore nouo faciem. Hingegen war am Schlüsse die Auflösung in zwei Wörter von Übel. Man mißkannte dort ein vulgäres Partizip und schrieb

in lacrumas statt et

d.

h.

Op table. gewesen

sein.

uenerdblis

CEL

proprium nomen

destinat

inlacrumas

inlacrumans.

1332

und

Die Adiectiva auf So schließt z. B. in

bietet

müssen im Vulgärlatein häufig 711. 1 der erste Vers mit dem (von B. nicht erkannten) Anapästensystem V. 9. gewiß die Aussprache optable wie z. B. blis

CEL

:

LEXIKALISCHE VERMUTUNGEN

237

usw.

Die Inschrift lautet nach zerstücktem An-

aimable, meuble u. dgl.

fang: reliquis totidem

Fatd

bene, üt

annis uixi

scripsere mihi

fer drum mülto fuit potior quem dömui quddripedem milibus, ut u/li, uinU fuit sub

me

frenö.

qui cecürrit ecüs

si

metae quod fuit 02) table mori sum{mo sumy cörnuo läbsus. sicut fuit in uotö peri{%). licet ob

graue (m) cdsu(m) s(dcrae)> nunc

requiescunt rellquiae trigari solo per quo fui notus. auch die Quantität von trigarium bestimmt. Dieses Anapästensystem steht neben dem von mir Wien. Stud. 1903 behandelten. Auf Einzelheiten gehe ich nicht ein.

Damit

ist

'Jung und Alt'

läßt sich wörtlich übersetzen

eundem mi amorem praestat puer item

wo

der Stein ohne Sinn puerilem bieten

töv ö'oXixoc cxevdxei Kai

soll.

nach

CEL

58. 4:

senexs,

Vgl. schon Kailinus:

juexac, fjv ti TraGn,.

Reventus. „Der von einem Rückkehrenden Besuchte". Die Composita von uenire werden transitiv: inuentum aratrum, circumuentis hostibus u. dgl. Im Gassenlatein greift dieser Gebrauch weiter. So steht CEL 1205. 1: quisquis es aduentum nostrum contempla sepulcrum, was Mommsen gewiß richtig mit 'besucht' erklärt hat, aduentum =. ad quod uenit, wie inuentus, quem quis inuenit. Will ich also den bezeichnen, ad quem quis reuenit, so ist er der reuentus. Und mit dieser Rechnung stimmt CEL 627. 6 f. qui{d) est potita diilcem, (dulcem ) cöniugem uinli et sex annos; et nemo reuentos aliös mone: u'tta breuis est. 'Urd niemand erinnert andere, die er heimkehrend besucht, wie kurz das Leben sei.' 1

) Der Stein hat dulcem nur einmal und die Hochlateinform und katalektischer Senar gehen im TrapoiuictKÖc auf. l

uiginti. Voller

238

J.

M.

STOWASSER.

Syllabischer Vorschlag vor

S

impura.

CEL 496 ist der erste Vers Hexameter, der letzte ein ebenso richtiger anapästischer Tetrameter mit der Lesung ISMYRNA und CEL 92 gilt Drei Beispiele sind augenfällig:

ein völlig richtiger

ISTEPHANE

(ung. Istvan, span. Estevan, franz. Etienne) viersilbig.

Die Stellen lauten: 1.

Hie iaeeo

VAE

Ismyrna

infelix

annos

1

),

Ismyrna uale; Herum

2.

Discedens die:

3.

Istephane, uitae Weniger sicher

stolida peresi

puella tenebris

mensibus

aelätis agens sex et dece, te

öcto.

repetemus in dnno.

nöstrae [percanim decusj. scheint

CEL

1448. 5,

wo

die Überlieferung

wohl nichts ist als: (J)stolidd her est litabant uota fauillis statqu. e femineo lampas fnnesta toro.

Sali er e 'psallieren', und zwar transitiv fidem (p)sallere „Die Laute psallieren" steht oder sollte m. E. stehen CEL 1110. 8, wo der Verstorbene seine Vielseitigkeit rühmt: doctus equos, nitida certare palaestra,

flectere

ferre iocos astu,

Man wo

dieser

sali er

e

nosse fi d e m.

vgl. die von Meyer beigebrachte Stelle des Luxorius, von der ipaXTpia das iocos ferre rühmt. Der Stein soll

fallere bieten.

Samis

in

dem mißverstandenen Gedichte CEL. 865

hält B. für

nomen proprium ich halte es (wenn nicht direkt SJEMIS gebessert werden soll) für eine gräzisierende Nebenform zu Semis dui. zu f|ui. Der Mann aber wird Acceptus (v. 6) geheißen haben. ein



=

.

.

Debilis Albideo steterat qui gurgite, sa(e)mis

articulüm medicis ut tenuaret aquis, den de quod Aetrusco turgebat saucius apro



Hussellano fönte solutus erat tineti agiles ubi ian nerui tenuisque cicatrix et

et

dat

Accepto currere coepit ecus,

celer tibi

Drei Übel

e.

q.

s.

hat der Mann, nicht zwei, wie B. annimmt:

1.

Ein-

l

Gicht semis articulüm', gegen die man nach Sueton Äug. und Cael. Aur. ehr. V. 2 die Bagni delle Acque Albule wie

seitige

12

f.

noch heute brauchte, :

)

Der

Stein

2.

QVAE;

dann (dende) eine Keilerwunde,

es ist aber ein Aristophanius.

3.

endlich

LEXIKALISCHE VERMUTUNGEN

Genusses des kalten Bergwassers in Etrurien chrodas Reiten unmöglich macht; Al-

des

infolge

239

usw.

nischen Darmkatarrh, der ihm bulae.

.

.

solutione laborantibus

Dem

entspricht in V. 5/6:

rens

equus.

ich

.

1.

.approbatae Cael. Aur. ehr. II

.

nerui agiles, 2. cicatrix tenuis,

361.

1.

cur-

3.

Tincti agiles (man liest HINCCI ACIVS) schreibe c. 13. Dende steht wiederholt in den CEL.

nach Sueton Aug.

Comminare

CEL

bietet

'zutreiben'

1204. 3,

wo

und satauetus

versehen'

'reichlich

der Stein hat:

cömmenö

infemae, uobis

uirtiite

satdetam.

Die Emendation ist B. nicht geglückt; comminare (frz. mener, pr omener) seit Apuleius Met. VII 11 allgemein; die anapästisebe Messung wie etwa CEL 1006. 2 ni dissigilletis oder 709. 1 Flau-

se

iani antistltis u. dgl.

Auch

B.s Erklärungsversuch von sataetam wird unwahrschein-

wenn man

lich erscheinen,

vergleicht

251. 5 urbanis Catins gaudens 414. 2 aetate

734.

1

genere in primis

et

686. 7 urbani

primum

u. dgl.:

commeno

infemae, uobis

uirtide sat

a(u)ctam.

gebraucht der Lateiner sonst nur in metonymischem

('linkisch',

griechischen

honoribus auetus

pariter proper auit Adauctus.

Also völlig wie Agustus, Arora

Scaeuus

et

praetoris faseibus auetus

consid in egregiis bis senis faseibus auetus

671. 5

Sinne

CEL: me faseibus auetum

ungeschickt oder unheilbringend).

Pompeji findet es sich

bedeutung 'links'.

CEL

proin] de

leicht

In

begreiflich

dem in

halb-

der Ur-

50:

scaeuam: cum

uoles, uti licet,

(seicuam las Zangenmeister). Über diese eigenartige Verwendung gerade der linken Hand vgl. Marx zu Lucilius 307.

Zr\\\),

krates

cr)TTÖc,

identisch mit

und Dioskorides

lat.

ein fauliges

seps,

sepis,

bezeichnet bei Hippo-

Eitergeschwür und sonst metony-

misch eine Giftschlange, deren Biß Eiterbeulen hervorruft. In letzterer

Bedeutung kennt der Lateiner das Wort scheint mir gleichfalls vorzuliegen (Pieris) ....

hora,

CEL

(Plinius)

,

die

erstere

1141. 12:

qua cubuit molli Idnguida saepe torö.

240

M.

J.

Daß

hier saepe nicht

'oft'

nicht oft liegen kann, steht

wie

in scaena, c

Sie

Situs

dem weichen

'Buntspecht'

CEL

Echtheit von

da man in einer Stunde eben Die Schreibung saeps ist richtig,

ist,

fest.

scaeptrum:

auf

las:

STOWASSEK.

am Eiterfieb

Pfühl krank

Die Gildemeister

(vju'ttoc).

streiten

er'.

über die

1517:

Ereptam uolucrem Cupido luget. non est quod putat hie inesse lector, ut

SITVM

leget hie

breue(m) puellae.

modo quae futura pulcra midtorumque amor excidit et omen. crescebat

So nach Ferrarini. Man schlug fatum, factum, uitam vor. Geist ö ciTidc bei Hesychius, auch 6 cittoc und f] arm, schon bei Hipponax und Kallimachos. Die Weiterbildung ipiTTCtKÖc sogar noch deutsch als Sittich. JBreuem also 'kurzlebig' wie breue lilium. Da im Griechischen f\ cittoc möglich ist, kann auch hier futura pulcra auf situm bezogen sein. meint

Solui

IX

107,

=

solitus

pater bei Nonius 509.

CEL

durch

aus Ennius und Cato

sum,

aus Sallust bei 1

Priscian

M.

belegt,

IX

10.

54,

bei

aus

Varro

Caelius

LL. Anti-

wird verbürgt für die beste Zeit

1095:

quaerere

consului semper neque perder e desi. kann jedoch keinem Zweifel

B. gab nach Maffei consueui, es

daß das consului des Steines

unterliegen, ist

solui völlig mit

cessaui

(CEL

Sublestus belegen.

der sonst

1091

Sollte

als

consului aufzufassen

Dann deckt sich quaerere conüblichen negativen Wendung nunquam

mit regelmäßig gedumpftem

o.

ff.).

'leicht'

nicht

kann man meines Wissens nur aus Plautus Wort auch gelesen werden CEL

dasselbe

1135. 3:

pondere sublesto Thetidis componimur ossa? Die Überlieferung subiecto läßt ja kaum eine vernünftige

Deutung

zu.

Tribus (= antrum)

als

Tpißoc 'Loch'), jedoch (mit untergedachtem cauum,

Neutrum

dekliniert, zeigt

CEL

90. 3:

pardui tribus, ubi ossa nostra adqujescerent.

LEXIKALISCHE VERMUTUNGEN

Vener ea

(sc.

via)

gehört in den Vers

Amoris ignes

241

usw.

CEL

44. 2:

mulio,

si sentires,

magis properares, ut uideres Venere{a)m. Denn an dieser Straße liegt das Haus, in dem die Inschrift steht. Der Schluß vers des Gedichtes ist gleichfalls richtig:

Pompeios

Viator und

Vix

=

viss

defer, tibi dulcis

amör mens.

'st

via vgl. oben S. 221, Note.

= vis = ßoüXei

steht

CEL

331. 1:

Conrigi vix tandem, quod curuom est?

Milex, Kalixtus, Sixtus

= Xystus

Falsche Versteilung hat den Gelehrten

macht zu

CEL

1213

(vgl.

quae me omnes artes docuit

Wien.

viel

Cholodniak 804).

essem, rapta Scope

Factum

crede!

sind ausreichende Belege.

nunc



Kopfzerbrechen ge-

Lies:

doctissima cam(q.}

legor hoc titulo.

J.

W. STOWASSER.

Senecas Schrift „De dementia" und das Frag-

ment des Bischofs Von den

drei Büchern,

Hildebert.

welche Senecas Abhandlung De de-

I. Buch und die eine Hälfte des IL erhalten, während die andere Hälfte dieses Buches und das ganze dritte uns nicht überliefert sind. Was die verlorenen Partien im großen und ganzen enthalten haben, sagt uns Seneca selbst Nunc in tres partes omnem hanc materiam dividam. Prima I 3, 1 erit f manumissionis 1 ; secunda ea quae naturam clementiae habitertio loco quaeremus, tumque demonstrct quomodo ad hanc virtutem perducatur animus, quomodo confirmet eam et usu suam Senecas Angabe über das II. Buch stimmt völlig zu dem faciat. Inhalt der uns erhaltenen Hälfte dieses Buches. Im III. nun wurde

mentia umfaßte, sind uns nur das

:

)

.

.

f

;

.

.

')

Für das im

cod. Nazariayius überlieferte

keine überzeugende Besserung gefunden worden.

manumissionis ist noch immer Weder Madvigs noch Dorisons

Vermutung hat das Dunkel

erhellt. J. Müllers Vorschlag monitionis erklärt nicht Entstehung der Verderbnis. Gertz' Konjektur mansuefactionis hat schon ihn selbst nicht befriedigt (S. 265 seiner Ausg.). Auch ich finde ein neugebildetes Wort als Verbesserung höchst bedenklich. Emil Thomas (Hermes XXVIII 294) denkt an prima erit {in animi remissi bonis); ob aber der Inhalt durch in beim Ablativ ausgedrückt werden kann, ist eine Frage, die Thomas nicht beantwortet hat; seine zahlreichen Beispiele beweisen nur, daß in beim Ablativ die Bedeutung „beruhen auf" haben kann. Die letzte Stelle aus Quintilian (Inst. or. V 8, 1)

die

Meiner Meinung nach liegt die Korruptel tiefer. Weder durch einen nackten Genetiv mit esse noch durch die Partizipialkonvollends paßt gar nicht hieher.

struktion mit in wird Seneca den Inhalt des die

Vermutung nahe, daß Seneca, der

wo

es sich

um

I.

Buches ausgedrückt haben. Es

liegt

in der Disposition des Stoffes sowie überall,

Worten und III. Buch tut, in einem Nebensatz, d. i. Relativsatz, angegeben hat. Es wäre demnach vor dem verderbten manumissionis auch noch ein Ausfall anzunehmen. spart,

die Übersichtlichkeit der Komposition handelt,

hier auch

den

Inhalt des

I.

Buches,

sowie er es beim

nicht mit II.

SENECAS SCHRIFT „DE CLEMENTIA« untersucht,

wie

wahren, wie

man

mentum

finden

243

usw.

man

sich im Leben die Milde aneignen und beausüben könne. Außer diesem knappen argusich in den erhaltenen anderthalb Büchern noch sie

zwei Hinweise auf später folgende Stellen. I 2,

quam

2 sagt der Schrifsteller:

Moduni

nulli.

omnibus ignoscere crudelitas

tarn

est

teuere dcbemus; sed quia difficile est temper a-

mentum, quicquid aequo plus futurum

in partem

est,

humaniorem

praeponderet. Sed haec suo melius loco dicentur. Diesen Stoff nimmt der Autor

in

den Schlußworten des

auf

und

si di

placabües

sequuntur,

animo

ihn im

er behandelt et

6.

Kapitels des

5.

und

Kapitel;

7.

I.

Buches wieder Quod

vgl. 7, 2:

aequi delicta potentium non statim fulminibus per-

hominem hominibus praepositum miti imperium? Aus dieser Stelle ergibt sich also nichts

quanto aequius

exercere

est

für die verlorenen Partien des

Werkes.

Der zweite Hinweis findet sich I 12, 3: Sed mo.r de Sulla, cum quaeremus, quomodo Jwstibus irascendum sit, utique si in Jwstüe nomen cives et ex eodem corpore abrupti transierint. Im 21. Kapitel spricht Seneca zwar über Rache an den Feinden, aber bloß allgemein, nicht von Sulla noch von den Feinden in der Bürgerschaft. Das muß nach der Inhaltsangabe I 3, 1 im III. Buche ausgeführt worden sein, wo der Schriftsteller noch mehr Belege aus der Geschichte für seine Vorschriften, wie man Milde erwerbe, bewahre und übe, gegeben haben dürfte.

Mehr wußten wir über das Ende des II. Buches De dementia und über das dritte Buch nicht. Da überraschte uns Otto Roßbach mit der Mitteilung 1 ), er habe, angeregt durch eine Notiz bei Fabricius,

ein

Fragment aus Senecas

umfangreiches

ziemlich

Schrift

De dementia in den Briefen des Bischofs Hildebertus Cenomanensis (1057 1134) entdeckt. Roßbach meint nun (S. 35), Hildebert habe ein Exzerpt aus Senecas vollständigem Werke De dementia benützt



und alles, was uns liefert ist,

sei

aus

bei Hildebert als dessen

dem verlorenen

Gut ausdrücklich überBücher über die Milde

Teil der

ausgezogen.

Das wäre struktion

der

allerdings ein beachtenswerter Beitrag zur

verlorenen Partien.

Es

scheint

nun

Rekonden

lohnend,

wahren Wert dieses fragmentum Hildeberteum für die Kenntnis der uns nicht überlieferten Bücher De dementia festzustellen.

')

Disquisitionum

Vratislaviae 1882, S. 33 Wiener Studien. XXVII.

de Senecae fdii

scriptis

criticarum

capita II.

ff.

1905.

17

Diss.

MAXIMILIAN ADLER.

244

Das Fragment

einem Briefe 1 ) enthalten, den der Bischof

ist in

Hildebert an die Gräfin Adele, die Gattin des Pfalzgrafen Stephanus

mahls

einem

an

nun,

Sie

Blesensis, richtet.

die

während der Teilnahme

„heiligen Krieg" (1101)

ihres

Ge-

die Regentschaft in der

Grafschaft führte, ermahnt der Bischof zur Milde in der Regierung.

Thema

Dieses schließt

ihn

behandelt

ganzen Brief hindurch und er De dementia quoque compen-

den

er

mit folgenden Worten:

dlosa principibus capitula Seneca evigilavit 2 ),

in quibus ideo brevi-

tatem dtlexit non obscuram, ut magnis occupatos legere non taederet.

Ea

pro

igitur

dum

ad

te et

ex

didicisti

te

te

suscepta suscipe atque recordare, quae du-

pro

et

Pauca ea

te.

sunt.

Und nun

folgt

das

Fragment.

Daß

Gedanken dieses Briefes aus Seneca stammen, würde auch wenn Hildebert dies nicht ausdrücklich bemerkte. Daß Anklänge in Inhalt und Form auch in dem voraufgehenden Teil des Briefes vorliegen, hat schon Roßbach richtig

man

die

erkennen,

gesehen.

Bei

genauerer Prüfung

mehr Gedanken

des Briefes

zeigt als

sich

aber,

Entlehnungen

daß

sich

noch weit

aus Seneca

nach-

Wenn Hildebert (S. 5, Z. 11 Beaug.) schreibt: Defers enim feminae, dum colis in pulcritudine castitatem. Comitissam reprimis, dum servas in potestate clementiam. lila tibi virum weisen

lassen.

populum. lade nomen acquiris, hinc favorem, so erWorte stark an die vielen Stellen bei Seneca, in denen er darlegt, daß der Herrscher sich durch Gnade die Liebe der Völker erwirbt, z. B. I 3, 3. I 13, 4 E contrario is (es folgt eine längere Umschreibung des Begriffes eines gnädigen Herrschers) a tota civitate amatur, defeuditur, colitur. Auch Seneca I 10, 2 bezeichnet den favor als Folge der dementia: Haec eum dementia ad solidem securitatemque perduxit, liaec gratum ac favor ab ilem reddidit. Hildeberts Sätze (Z. 18 ff.): Ceterum clementiae plurimum laudis accedit, quia pluribus prodest: (Z. 21 ff.) Mitis autem prin-

conciliat,

innern

.

.

liaec

die letzten

.

incolume. Huius profecto virtutis locus est apnd populum vero non ita, cid nulla est potestas puniendi sind die knappe Inhaltsangabe zu folgenden Ausführungen Senecas, Buch I 2 8: Der Herrscher hat unumschränkte cipatus

apud

regnum

potentes

.

servat

.

.

.

,



Gewalt,

von seinem

Wink

hängt das Schicksal des einzelnen wie

') Es ist der dritte Brief in der Ausgabe der Werke Hildeberts, die Anton ßeaugendre zu Paris im Jahre 1708 besorgt hat. Nach ihr zitieren wir alle

Stellen aus Hildebert. 2 )

ßoßbacli, Disq. S. 34,

Anm.

2.

.

SENECAS SCHRIFT „DE CLEMENTIA« ganzer Völker ab; lich;

ist

er

245

usw.

grausam, wird das ganze Reich unglückbegründet er das Glück unzähliger 26, 5: Felicitas illa multis salutem dare ...et

ist

dagegen

er

milde,

Menschen. Dann I Haec divina potent ia est, gregaüm ac mereri dementia civicam publice servare. Ferner I 8, 4 und I 19, 1: Excogitare nemo quidquam poterit, quod magis decorum regenti sit quam dementia Eo scilicet formosius id esse magnificentiusque fatebimur, quo in .

.

.

.

maiore praestabitur

.

potestate.

Der zweite Satz aus dem Brief des Bischofs (von Z. 21 an) hat große Ähnlichkeit mit I 5, 4. Den Gedanken, daß bei den Machthabern der rechte Platz für die Gnade und Milde sei, wie Hildebert von Z. 22 an schreibt, betont der Lehrer Neros so oft und mit so viel Nachdruck, daß sich diese Eindringlichkeit nur aus dem offenbaren Hauptzweck der dem Kaiser zugeeigneten Schrift Senecas erklärt. So z. B. 1 3, 3: Nulluni tarnen dementia ex omnibus magis quam regem aut principem decet. Ita enim magnae vires decori gloriaeque sunt, si Ulis salutaris potentia est.

mit den Sätzen Hildeberts in ist die Übereinstimmung Est ergo, ut dicebam, dementia omnibus quidem hominibus secundum naturam, maxime tarnen decora imperatoribus, quanto plus habet apud Mos, quod servet, quantoque in maiore materia ad-

Klar

I

5,

2:

paret. Ferner I 11, 2: haec est (dementia vera) in

maxima

potestate

verissima animi temperantia.

daß Roßbach Senecas Stempel, der den folgenden Sätzen deutlich aufgedrückt ist, entgehen konnte (Z. 26): Ipse autem ex alto c rudelitatem detestatur, adorat clementiam, quorum alterum feris, alterum hominibus natura docuit assignandum. Auffälliger

Ea

ist

es,

homines mansuescere dementia, timeri feras Abhängig von dem stoischen Philosophen stellt Hildebert mit Absicht und Nachdruck die Begriffe dementia und crudelitas zweimal einander gegenüber, deren scharfe Auseinanderhaltung Seueca II 4, 1 fordert: Huic (clementiae) contrariam imperiti putant seuerisanxit oportere

crudelitate.

tatem;

sed nulla virhis

virtidi

contraria

est.

Quid ergo opponitur

dem bei Gedanke indignumque est Seneca I 25, 1 Crudelitas minime humanuni malum tarn miti animo; ferina isla rabies est, sanguine gaudere ac vulneribus et abiecto nomine in silvestre animal transire. Wenn das Volk die Milde anbetet, so kann es das nur dadurch, daß es einen milden Herrscher wegen seiner Gnade liebt und verehrt. Diesen Gedanken variiert Seneca oft, wie z. B. I 13, 4. I 19, 7. I 3, 3.

clementiae? Crudelitas. Inhaltlich

ist

der

bei H. gleich

:

I

1,

9.

17*

MAXIMILIAN ADLER.

246

Was

jedoch der Bischof Hildebert der Gräfin von Z. 33 an

kann er nicht bei dem Stoiker Seneca gefunden haben. Deshalb hat Roßbach (S. 34, Anm. 1) mit Unrecht angenommen, dies stamme aus dem verlorenen Teil der Bücher De dementia. schreibt,

Wohl konnte nämlich

ein Bischof oder ein anderer gläubiger Christ

sunm

schreiben: Praeterea

est

hominis

ratio,

qua

cetera supergredi-

Deo cedit; aber kein Stoiker. Denn nach stoischer Tugend der Götter und Menschen gleich 1 ). Jegliche

tur animantia,

Lehre

ist

die

Tugend aber beruht Tusc. IV 34). Diese

auf

allein

stracks zuwider, die wir bei

Ausdrucksweise

mansionem Die

illa

der

Vernunft

stoische Auffassung

cum Deo

läuft

Acad.

(Cic.

aber

I

38,

der schnur-

dem Bischof lesen. Außerdem ist die et cum sapientibus divin am pepigit

in der kirchlichen

Sprache

geläufig.

Sätze des Briefes von S.

sind 5, Z. 36 bis S. 6, Z. 2 Wiederholung des auf S. 5, Z. 27 — 33 Gesagten. Der Abschnitt von S. 5, Z. 33 bis S. 6, Z. 3 kann also nicht aus Senecas Werk stammen und kommt daher für uns nicht in Betracht. Von dem folgenden Teil des Briefes (S. 6, Z. 3 18) bemerkt seine Ausdrucksweise daß Hildebert nicht selten treffend, Roßbach der Senecas angeglichen hat. Die Gedanken werden aber auch in diesem Abschnitte nicht von dem Stoiker stammen, da Hildebert 2 In hier (S. 6, Z. 7) das Bild von der mansio Dei fortspinnt ). Z. 18 nun gesteht der Bischof mit einem Lob auf Seneca, daß er ihm die folgenden Gedanken entnehme. Die Vorlage wird man aber mit Roßbach für eine Epitome oder ein Exzerpt von der Art halten

zudem

eine



müssen, wie es das Kapitel De remediis fortuitorum in Hildeberts Buche: Moralis philosophia de honesto et utili ist. Man wird sich

daran nicht stoßen dürfen, daß ein Bischof im J. 1102 ein Exzerpt 3 aus Seneca für den Wortlaut des Schriftstellers selbst ansieht ) und ')

Plutarch

2

Wenn jemand wegen

)

irepi tüjv koivujv £vvoiujv irpöc

der

xoüc Xtumkoüc, Kap. 33. sapientes an Stoisches

Erwähnung der

und

an eine Entlehnung aus Seneca glaubt, so ist darauf hinzuweisen, daß dies ebensogut aus christlicher Literatur stammen kann und daß Hildebert mit der stoischen Ethik anderswoher vertraut sein konnte, da er z. B. in seinem Buche: De quattuor virtutibus vitae honestae (Beaug. S. 997 ff.) die stoische deshalb

Vierzahl der Tugenden behandelt: Prudentia, fortitudo, temperantia, iustitia. 8 De moruli philosophia bringt Hildebert sehr oft ) Denn in seinem Buche :

Stellen

aus Seneca bei

zum

kleineren Teile

mit Angabe des Namens,

aber so,

daß wir noch nachweisen können, daß er nicht Seneca selbst in der Hand gehabt, sondern die Zitate einem Florilegium entnommen hat, das nach sachlichen Gruppen geordnet war. Um ein Beispiel herauszugreifen, zitiert der Bischof S. 979, Z. 39 f. eine Stelle, deren zweiter Satzteil wörtlich aus Senecas Epistel

2,

1

entlehnt

ist,

.

SENECAS SCHRIFT „DE CLEMENTIA"

247

usw.

die knappe Kürze so anziehend findet, daß er den vermeintlichen Seneca immer wieder gern liest. Übrigens zeigt schon eine rein äußerliche Vergleichung unseres Fragmentes mit De remediis fortuitorum, daß es sich um eine ähnliche Exzerptengattung handelt 1 ). Wir werden daher Roßbach (S. 35) darin zustimmen, daß Hildebert ein Exzerpt aus Senecas Büchern De dementia in den

Händen hatte, das er für das Original selbst ansah. Nun kommen wir zur Hauptfrage: Sind die Gedanken, die uns bei Hildebert als Senecas Gut erhalten sind, alle aus dem uns verlorenen Teil der Bücher De dementia exzerpiert, wie Roßbach und was gewinnen wir aus ihnen

meint,

für eine Rekonstruktion

der verlorenen Partie?

Um

diese Frage zu entscheiden, werden wir untersuchen ob sich der betreffende Gedanke nicht schon in den uns erhaltenen Teilen der Bücher De dementia nachweisen läßt.

müssen,

In Z. 25 lesen wir bei Hildebert: Clementiae

Seneca

und

et

maxime ad verum

.

impunitum befinden

stimmung: I 22, 1 madversionum 23,

— 2: 1

;

rindicantur

24, 1

;

bei

accedat, si dixerimus clementiam esse moderationem

reatus

persequi culpam

was wir

ist



aliquid ex merita ac debita poena remittentem. quis nihil

aliquid ultrici

eben daher geflossen: Itaque dici inclinatio animi ad lenitatem in poena exigenda.

II 3, 2 lesen

potest (dementia)

est,

Dies deckt sich völlig mit dem,

detrahere sententiae.

relinquit,

Culpa

est

totam

folgende Senecastellen in Überein-

sich

autem mores

Civitatis

conrigit parcitas ani-

Praeterea videbis ea saepe committi, quae saepe

:

Non minus

:

quam medico multa

Mit Z. 26: Quis-

delinquit.

prineipi turpia sunt multa supplicia

funera.

Allerdings den in Z. 28 folgenden Satz: Immisericordem procui quicquid

fitetnr,

Übet wird

licet.

man

schwerlich im erhaltenen

Teil der Schrift Senecas nachweisen können.

Stoiker wohl während finden

dem uns

in

der Wortlaut

sich

läßt;

auch

der Gedanke

des

Aber

dies konnte der

nicht überlieferten Teile nicht ge-

ersten Teils

zeigt Ähnlichkeit

bei Seneca

der Stelle

nicht auf-

De dementia

mit Seneca

II 5,

5.

Ohne Zweifel hat Hildebert diese Stelle in einem Florilegium so kontaminiert vorgefunden und in seine mit Zitaten gespickte Abhandlung herübergenommen. ')

bert

Aufeinanderfolgende Sätze

Z. 30:

Z. 36:

Gloriosa virtus

Bonus

Kap. 2 und

3.

princeps,

Dann

Exzerpten fehlen Bei Hildebert S.

oft 6,

ist

est,

Z. 38:

ihnen

;

31:

Bonus

Prädikate

Z. 40, 41

beginnen

Z.

in

mit demselben Worte:

virtus est...,

princeps.

Vgl.

Z. 34:

De

Bei Hilde-

Bonus

princeps,

remediis fortuitorum,

In beiden die sentenziöse Kürze gemeinsam. und Substantiva, von denen Genetive abhängen.

De

remediis allenthalben.

248

MAXIMILIAN ADLER.

schrieben

da

haben,

Weisen unwürdig

die

er

misericordia

eines

als

Königs oder

Z. B. II 4, 4: Plerique ut virtutem

hinstellt.

bonum hominem vocant haec Vitium animi est. Er trennt sorgfältig und Begriffe miserisordia und dementia II 5, 1 und 4. der Ausdruck immisericors bei Seneca kein Tadel, (miserieordiam) laudant et

misericordem.

eam Et

scharf die beiden

Demnach konnte wie bei Hildebert

Seneca konnte also einen Menschen, der nach seiner Willkür ungerecht schaltet, auch nicht im verlorenen Teil immisericors genannt haben, nachdem er im zweiten Buche einen solchen Nachdruck darauf gelegt hatte, daß die misericordia als Fehler zu be-

sein.

trachten

Wenn nun

sei.

nach

der

setzen,

er auf

dennoch in dem Auszug Rechnung des Exzerptors zu

Lehre

die

dieser Satz sich

aus Senecas Büchern fand,

ist

christlicher

misericordia

als

höchste

Tugend und den immisericors als verwerflichen Menschen ansah. Für den bei Hildebert folgenden dem vorigen ähnlichen Gedanken Z. 30 Gloriosa virtus est in principe citra punire quam liceat sind :

in den folgenden gedankengleichen Sätzen aus Seneca die Worte aufzuzeigen, aus denen das Exzerpt hergestellt ist; vgl. zunächst II 3, 1, sodann II 3, 2: Atqui hoc omnes intellegunt clementiam esse, quae se flectit citra id, quod merito constitui posset-, I 20, 3: ita dementem vocabo cum...., qui intellegit magni animi esse, iniurias in summa potentia pati neque quidquam esse gloriosius principe laeso; I 17, 3: Nulla regi gloria est ex saeva animadversione, ....at contra maxima, si vim

wir in der Lage,

.

suam

.

.

.

continet.

Zu dem

in Hildeberts Brief (Z. 33)

folgenden Satz

können

hinwiederum nicht nur zwei inhaltlich gleiche Parallelstellen aus Seneca beibringen, sondern auch zeigen, daß der Zusammenhang dieses Satzes mit dem vorausgehenden im Exzerpt derselbe wir

war, wie

der Parallelstelle aus der Schrift

in

Magnum

quid

und

5:

I 5,

quillumque

der

citra

sapit

offensus

pitel

des

I.

)

iniurias atque offensiones superne despicere usw.

et

in principe

des

punire quam

Fragmentes: liceat.

Gloriosa

Magnum

quid

virtus et

Der est

divinum

dem des § 5 und 6 im 5. KaDas Exzerpt gibt direkt die kurze Inhalts-

Clemens entspricht

Buches.

dieser

Sätze

beiden Paragraphe

Gedanken im Epistelfragment »)

dementia. Hildebert:

divinum sapit offenstes clemens, Seneca I 20, 2 Magni autem animi proprium est placidum esse tranet

Zusammenhang

angabe

De

1

Roßbach, Breslauer

Phil.

aus Seneca.

(Z. 34)

Abh.

:

II 113.



Zum

nächsten

Bonus prineeps neminem

sine

SENECAS SCHRIFT „DE CLEMENTIA" poena und I

1

punit,

)

16,

neminem

sine dolore proscribit

vgl.

Seneca

22,

I

3

1.

Den Grundgedanken

des folgenden Satzes im Exzerpte können

wir aus drei Senecastellen belegen, deren Inhalt im

zu einem Lemma — namentlich

sam

249

usw.

Auszug gleichzusammen-

zur dritten Stelle



gezogen ist. Hildebert Z. 36: Bonus princeps ita crimen insequitur, Seneca I 7, 2: qaanto ut, quem punit, hominem reminiscatur aequius est kontinent hominibus praepositum miti animo exercere Imperium.. .; I 17, 1. I 18, 1 und 18, 2: cum in servum omnia liceant. est aliquid, quod in hominem Heere commune ins animantium vetet, I 1, 3 und I 5 letzter Satz. .

Wir glauben danach dargetan zu haben, daß fragmentum Hildeberteum, uns

erhaltenen

sind.

alle

Sätze des

die wir bisher untersucht haben, aus

Abhandlung über

Teil der

die Milde

dem

exzerpiert

läßt sich u. E. aus ihnen nichts für die Rekonstruktion der

Es

verlorenen Partie gewinnen.

Was bei Hildebert noch von Z. 38 an folgt, das kann entweder von dem Exzerptor herrühren, der, wie er die eigene Terminologie gebrauchte, auch einen eigenen Gedanken beimengen konnte, oder es

ist

aus

Buch De dementia ausgezogen. annehmen müssen, da es sich um Er-

Senecas

drittem

Wir werden das letztere wägungen handelt, die einen Fürsten bestimmen können, Entschließungen in

gegen Feinde,

der Urteilsfälluns:

zu lassen.

areo-en niedris;

in

Schädlinge des Staatswesens und stehende Menschen Gnade walten

Dies hat Bezug auf das praktische Leben,

paßt daher

ganz gut zum Inhalt des

III.

Buches, wie ihn Seneca selbst

Bonus princeps

sibi

dominatur, populo

skizziert:

guinem contemnit: Inimici Nocentis

est 2 ),

sed hominis.

sed eins,

est,

den

Cuiuscumque

qui

sit,

I

servit, nullius

amicus

fteri

1

3,

san-

potest.

quia non potuit dare

3

),

crimen putat auferre. Ideo quotiens funditur, confunditur. Es ist nun interessant, daß in diesem Fragment auch der Inhalt derjenigen Partie angedeutet

ist,

auf die Seneca I 12, 3 verweist,

wie sich nämlich ein gnädiger Herrscher den Feinden gegenüber,

Seneca eodem corpore abrupt/ transierint; bei Hildebert: Inimici est, sed eins, qui amicus fieri potest. Dadurch wird die Annahme, daß sich die Verweisung Senecas I 12, 3 auf das dritte Buch bezieht, m. E. bestätigt. die er in der eigenen Bürgerschaft hat, verhalten wird. Bei

heißt

es:

')

«regen

qui in hostiles

nomen

Nach Emil Thomas, Jahrb.

cives et ex

für Philol.

Roßbach, Disq. S. 34. 2 Roßbach, Bresl. Phil. Abh. II 113. 3 Das Dunkel, das über diesem Satz )

CXXIX

(1884),

S.

592,

Anm.

3

)

lag, hat

Thomas

a.

a.

O.

gelichtet.

MAXIMILIAN ADLER.

250

Die Bestätigung einer Vermutung ist aber auch das einzige, was sich aus dem fragmentum Hildeberteum für den verlorenen Teil der Bücher De dementia ergibt. Diese Bereicherung unserer Kenntnis ist nicht so hoch anzuschlagen, wie dies Roßbach tut, der u. a. glaubt (Disqu. S. 35), daß alles, was in dem Fragment steht, aus den uns verlorenen Teilen von Senecas Abhandlung exzerpiert

sei.

Das

Ergebnis ist, daß eine Rekonstruktion des II. und Buches De dementia durch das von Roßbach aufgefundene Exzerpt nicht ermöglicht wird, weil dessen weitaus größerer Teil aus den uns noch erhaltenen Partien jenes Werkes ausgezogen ist. Das Wenige aber, was wir aus den letzten Sätzen des Fragments über das dritte Buch erfahren, wußten wir schon aus der Disposition des Schriftstellers I 3, 1 und konnten es aus der Stelle I 12, 3

III.

erschließen.

Zum

Schluß noch einige Worte über die Art des Fragments.

Treffend hat Roßbach (Bresl. Abh. S. 85) zwei Arten von Seneca-

Exzerpten unterschieden; die

gedanken gewahrt

ist

und

eine, in der die Reihenfolge der

die Details weggelassen sind,

andere, in der einzelne moralische Gedanken, die in

dem

Haupt-

und

die

Original-

werke an verschiedenen Stellen standen, in eine Sentenz zusammengezogen sind. Das fragmentum Hildeberteum nun bietet nicht Senecas Worte selbst, sondern nur einen knappen Inhalt. Der Exzerptor, wahrscheinlich ein Mönch, hat mit eigenen Worten den Stil Senecas nachgeahmt, bisweilen aus den Worten des Philosophen selbst den Satz aufgebaut. Daher ist die Diktion so daher die zahlreichen ge-

sehr der des Schriftstellers angeglichen,

suchten Antithesen

und Metaphern.

Breite Ausführungen Senecas

sind zu einem einzigen Satz verdichtet, so zwar, daß die einzelnen

Sätze einen abgeschlossenen Gedanken enthalten.

Ob

unser Fragment den

Gang

der Erörterung Senecas bei-

da Hildebert nur einiges Weniges, wie er sagt (S. 6, Z. 24, 44), demselben entnommen hat. Wahrscheinlich ist dies aber nicht, da Partien, die bei Seneca weit auseinander liegen, von dem Exzerptor in ein kurzes Sätzchen

behalten hat,

läßt sich nicht feststeilen,

zusammengezogen

Man

wird

sind.

daher das

fragmentum Hildeberteum der zweiten

der von Roßbach unterschiedenen Exzerptengattungen zuzuweisen

haben.

Wien.

MAXIMILIAN ADLER.

Zur Geschichte der

legio XIIII gemina. i.

Die Ereignisse der Jahre 68 und 69, in denen das ganze römische Reich von den schwersten Bürgerkriegen erschüttert wurde, bieten hinsichtlich der Tätigkeit der Legionen, welche in diesen unruhigen Zeiten eine so bedeutende Rolle spielten, eine Reihe interessanter Probleme. In den folgenden Zeilen wollen wir uns mit einem Kapitel dieses reichen Stoffes beschäftigen, nämlich mit der Frage, in welcher Weise die legio XIIII gemina in die Kämpfe, die nach Neros Tod um den römischen Kaiserthron entbrannten eingegriffen und insbesondere, wo sie in den Jahren 68 und 69 ihren Aufenthalt gehabt hat. Als Kaiser Nero

in

Feldzüge gegen Äthiopien

seinen 1

)

letzten Lebensjahren

große

zwei

und zu den „kaspischen Toren"

wählte er für die letztere Expedition Truppen

2 )

vor-

den Germanien, Britannien und Illyricum stehenden Heeren aus'j und bestimmte zum Kern dieser Armee die legio XIIII gem.*), welche sich in Britannien, wo sie seit der im Jahre 43 n. Chr. erfolgten Besetzung der Insel uand, bei der Niederwerfung des großen Aufstandes vom Jahre 61 in hervorragender Weise ausbereitete,

aus

in

gezeichnet hatte 5 ).

Um

nun die Frage zu beantworten, wann die Legion dem Befehle Neros gemäß den Marsch nach dem Orient angetreten hat, müssen wir ins Auge fassen, zu welcher Zeit der Kaiser mit diesen v Tac. Hist. I 31. 70; Plin. Nat. hist. ) 2 )

3 )

*)

Tac. Hist.

I

Tac. Hist. I

Tac

.

Hist.

VI

181. 184; Cass.

6; Suet. Ner. 19; Plin. a. a. O.

VI

40;

Dio LXIII

Cass. Dio

Uli:

j

Tac. Ann.

O.

Addiderat gloriam Nero (quartadecumanis) eligendo unde a Ne-

exciti erant, placuit6

8. a.

6.

ut potissimos; II 66: remitti eos (quartadecumanos) in Britanniam,

rone

a.

XIV

37.

252

ROBERT GOLDFINGER.

Rüstungen begonnen

bat.

Dazu

richtung einerneuen Legion, der in

geborte

/

Italica

erster Linie

in 1

).

überzeugender Weise nachgewiesen bat,

Da nun

die Er-

F. Beuchel

2

)

daß diese Legion am

September des Jahres 67 n. Chr. begründet wurde, so dürfen wir wohl mit Recht annehmen, daß Nero nicht lange darauf den andern für den kaspischen Feldzug bestimmten Truppen, zu denen vor allem die legio X1III gem. gehörte, den Befehl zum Aufbruch gegeben haben wird. Es steht daher wohl nichts der Annahme im Wege, daß die Legion zu Anfang des Jahres 68 3 ) Britannien verlassen hat. Da sie im Falle eines Transportes zur See, abgesehen von den Gefahren, denen sie bei einer solchen Reise ausgesetzt gewesen wäre, auch einen Umweg hätte machen müssen und ferner, falls sie auf den Ruf Neros zur See heimgekehrt wäre, von den Bataverkohorten am Betreten Italiens nicht hätte gehindert werden können (s. unten), wird sie den Landweg 4 ) genommen haben und durch die Provinzen Belgien, Obergermanien, Rätien und Noricum gezogen sein, von wo sie dann ihr weiterer Weg durch Pannonien und Mösien und ferner nach Überschreitung des Bosporus oder des Pontus Euxinus durch die nördlichen Gebiete Kleinasiens an den Ort ihrer Bestimmung hätte führen müssen. 20.

die Legion, vom Abfall des Vindex und von der Lage Neros benachrichtigt, zu seinem Schutze herbeieilen wollte, wurde sie von den Bataverkohorten, ihren ehemaligen Auxiliartruppen 5 ), die von ihr abgefallen waren 6 ), am Betreten Italiens gehindert 7 ), und da nach Neros Tode allmählich in allen Teilen des Reiches Unruhen und Bürgerkriege ausbrachen und so die von dem verstorbenen Kaiser in Angriff genommenen Feldzüge in Vergessenheit gerieten, möchte ich annehmen, daß die XIV. Legion, nachdem sie auf ihrem Zuge nur bis an die Grenze Italiens hatte gelangen können, auf Befehl des neuen Kaisers Galba in jene Provinz, in der sie, von Neros übler Lage verständigt, ihren Marsch in den Orient unterbrochen hatte, zurückgekehrt und dort geblieben

Als

nun

gefährlichen

ist,

bis sich ihr

Gelegenheit zu neuen Taten bot.

')

Suet. Ner. 19.

2 )

De

)

Derselben Ansicht

3

legione

Romanorum I ist

A.

Italica, Diss. Lips. (1903), S. 23. v.

Domaszewski,

schen Heeres im Jahre 66, Rhein. Mus. 4

Mommsen, Rom. Gesch. V

)

Vgl.

)

Tac. Hist.

)

Tac. Hist. I 59. 64; II 27. 66.

)

Tac. Hist. II 27.

s

6 7

XLVII

I 59.

394,

Die Dislokation des römi-

(1892), S. 214.

Anm.

1;

Benchel

a.

:i.

O. S. 22.

ZUR GESCHICHTE DER LEGIO

XIIII

253

GEMINA.

Um

nun festzustellen, in welche Provinz die Legion zur Zeit Rückberufung gekommen war, läßt sich in erster Linie

ihrer

eine Stelle aus Tacitus' Historien heranziehen, aus der wir erfahren,

daß

XIV. Legion zusammen mit anderen Legionen im Frühling um den Thron des Kaisers Otho zu stützen;

die

des Jahres 69 aufbrach,

Tacitus

(Hist. II

motis ad

belli

Fuere

citibus.

berichtet:

11)

Imperium quattuor

eins e legiones,

Laeta

Interim

Othoni

principia

Delmatia Pannoniaque e

quibus

bina milia

exer-

praemissa;

septuma a Galba conscripta, decuma et praecipui fama quartadecumani usw. Unter Berufung auf diese Worte und Heranziehung anderer Stellen in den Historien 1 ) haben nun mehrere Gelehrte 2 die Ansicht vertreten, die XIV. Legion sei aus Dalmatien nach Italien gezogen. Dies ergibt sich aber weder aus Hist. II 11 noch aus den andern Zitaten. Aus jener Stelle folgt nur, daß die damodicis intervallis sequebantur,

ipsae

undecuma ac

veter anae

tertia

)

erwähnten

selbst

Legionen

aus

Dalmatien und Pannonien

auszogen; über den Standort jeder einzelnen von ihnen äußert sich Tacitus überhaupt nicht. Was nun die drei ersten betrifft, ist es

daß legio VII (Galbiana), die später den Beinamen gemina und legio XIII (gemina) aus Pannonien 4 ) gekommen sind. legio XI (Claudia) aus Dalmatien 5 ). Daß jedoch auch legio XIIII (gemina) zu Anfang des Jahres 69 in Dalmatien gestanden sei und von dort den Marsch nach Italien zu Kaiser Otho angetreten habe, besagen weder die von den erwähnten Gelehrten herangezogenen Stellen aus Tacitus' Historien noch die in Dalmatien gefundenen Inschriften der XIV. Legion 6 ), durch welche Meyer 7 ) die Auffassung, die Legion sei von der ersten Zeit der Regierung Galbas bis zur Schlacht von Bedriacum in Dalmatien disloziert gewesen, zu stützen versucht hat. Nichts hindert uns daher anzunehmen, daß die XIV. Legion auf ihrem Zuge zu Otho Pannonien als Ausgangspunkt gehabt hat. sicher,

3

führte

),

») '-')

II 32. 54. 66.

Grotefend in Paulys Real-Encykl., IV 893; Pfitzner, Geschichte der römi-

schen Kaiserlegionen,

logusXLVII

S.

258; Metellus Meyer, Geschichte der legio

XIIII gem.,

Philo-

660 und 671; Patsch, Wissenschaftl. Mitteil, ans Bosnien und der Herzegowina, III 527 (vgl. ebd. VII 86); vgl. auch Mommsen, CIL III S. 280. 8 )

(1889). S.

Pfitzner S. 243.

*)

Tac. Hist. II 67. 86; III

5 )

Grotefend

)

CIL

6

a.

)

A.

a.

f.,

252; Meyer S. 660.

III 1780, 1911, 2015, 2029, 2035, 2066, 2830, 2915, 6549, 8431, 8435,

10050, 12896, 13339. 7

1.

O. S. 891; Pfitzner S. 149

a.

3,

14023; vgl. Beuchel

O. S. 660,

Anm.

4.

a. a.

O. S. 113,

Anm.

1.

ROBERT GOLDFINGER.

254

Zur Entscheidung

dieser

Frage

trägt vielleicht eine schon seit

Carnuntum 1 )

längerer Zeit bekannte Inschrift aus

bei,

welche

fol-

genden Wortlaut hat: T. Statins T.

\

Gla(udia) Vitalis

Ca\muloduni

sti(pendiorum) \

III, an(norum)

XXIII,

({centuria)') Arru\nti Expectati.

Daß der hier genannte Statins Vitalis als Soldat in einer Legion gedient hat, ist sicher 2 obwohl der Truppenkörper auf dem Steine nicht genannt ist. Zwar hat E. Bormann die Vermutung ),

ausgesprochen, er habe der legio den ersten Zeiten des Prinzipats an weil

die „Gräberstraße"

3 ),

XV in

Apollinaris,

Carnuntum

die schon von

stand, angehört,

an welcher dieser Grabstein gefunden

zum größten

Teil Grabsteine von Angehörigen dieser Legion Aber sehr bemerkenswert ist in unserer Inschrift die Angabe, daß der Verstorbene aus Camulodunum*) stammte, einer von Kaiser Claudius im Jahre 51 gegründeten Veteranenkolonie in Britannien 5 ). Durchmustern wir nun die von Mommsen 6 ) zusammengestellten Heimatsangaben, die uns von Soldaten der legio Apollinaris inschriftlich erhalten sind, so finden wir wohl Italien und verschiedene Provinzen vertreten, Britannien dagegen fehlt vollständig 7 in der Liste ). Da aber, wie wir eben erwähnt haben, in Camulodunum von Claudius Veteranen der britannischen Legionen angesiedelt wurden, ist wohl die Annahme gestattet, daß Statius Vitalis der Sohn eines solchen Veteranen gewesen und selbst als

wurde,

aufweist.

XV

Soldat in eine der britannischen Legionen eingetreten

aber ein solcher Soldat nach Carnuntum

kommen?

Wie konnte Man muß an-

ist.

entweder ganz oder nach Carnuntum gekommen ist. Nun standen in Britannien vom Jahre 43 n. Chr. an die Legionen II Augusta, Villi Hispana, XIIII gemina und Valeria victrix*). Daß eine der Legionen II Aug., Villi Hispana oder Val. victrix um die Mitte des ersten Jahrhunderts

nehmen,

daß

die Legion,

in

der

er

wenigstens teilweise nach Pannonien,

diente,

resp.

XX

XX

S.

CIL

haben gehandelt: O. Hirschfeld, Arch.-epigr. Kenner, Mitteil, der Zentralkommission 1880, CXVIIIf.; E. Bormann, Arch.-epigr. Mitteil. XVIII (1895), S. 216 f. ')

IV

Mitteil.

III 11233;

(1880),

S.

über

128;

sie

F.

)

Bormann a. a. O. S. 222. Bormann a. a. O. S. 208 ff. Über die Namensform vgl. Bormann

)

Tac. Ann. XII 32; Agric. 14.

*)

Vgl.

3

Vgl.

)

4

6

6 )

7 )

a.

a.

O. S. 217.

Ephem. epigr. V (1884), S. 225 f. Auch auf den nach Mommsens Zusammenstellung bekannt gewordenen

Inschriften der Legion findet sich kein aus Britannien 8 )

Hübner, CIL VII

S.

5.

stammender Soldat.

:

ZUR GESCHICHTE DER LEGIO

XIIII

255

GEMINA.

Pannonien aufgehalten hat, ist uns unbekannt. auch keine bedeutenden kriegerischen Ereignisse nachweisen, die sich damals in Pannonien abgespielt und die Heranziehung einer der so entfernt stationierten britannischen Legionen

n.

Es

in

Chr.

*)

sich

lassen

in

sich

diese Provinz veranlaßt hätten.

Anderseits aber glaube ich schon oben die Möglichkeit gezeigt

zu haben,

daß

XIV. Legion auf Befehl Neros zu Anfang des

die

Jahres 68 zur kaspischen Expedition aus Britannien abmarschiert

und im Frühling 69 aus Pannonien zum Schutze Kaiser Othos nach Italien gezogen ist. Da also die Ansicht, die Legion habe zuletzt ihren Standort in Dalmatien gehabt, jedes Beweises entbehrt, so können wir mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die Legion auf die Nachricht vom Abfalle des Vindex ihren Marsch in den Orient in der Landschaft Pannonien, durch die 2 sie, wie wir oben zu zeigen versuchten, ihren Weg nahm ), unterbrach, aus dieser Provinz zum Schutze Neros herbeieilte und eben dahin, nachdem sie von den Bataverkohorten am Betreten italischen Bodens gehindert worden war, zurückkehrte, um später eben daher Kaiser Otho zu Hilfe zu ziehen. Zugleich möchte ich die Vermutung aussprechen, daß die XIV. Legion während dieses Aufenthaltes in Pannonien (vom Sommer 68 bis zum Frühjahr 69) im Lager von Carnuntum 3 ) stand und daß der aus Camulodunum 4 ) stammende und in Carnuntum verstorbene Statins Vitalis in der Legio XIIII gemina diente 5 ). Eine wertvolle Stütze erhält diese Annahme durch eine im Jahre 1904 gleichfalls in Carnuntum gefundene und bisher unedierte Inschrift, die ich mit Erlaubnis E. Bormanns hier im Wortlaute mitteile

M. Matius M. f(üius) XII[II g{eminae)]

stip(endiorum) 1

)

\

VI, h(ic)

Die Inschrift

Maxi\mus Brixfia],

Fab(ia)

|

leg(ionis)

|

s(itus) e(st)

des Statius Vitalis

;

ist

h(eres) f(aciendum)

2 )

Dasselbe vermutete Mommsen, Rom. Gesch.

V

mil(es)

XXX,

c{uravit).

wie Bormann

nämlich,

auf Grund der Buchstabenformen konstatiert hat,

S. 223)

\

M(artiae) v(ictricis), an(norum)

(a. a.

O.

in dieser Zeit gesetzt.

394,

Anm.

1.

Die Vermutung von E. Ritterling, Epigraphische Beiträge zur römischen Geschichte (Rhein. Mus. N. F. LIX 62), daß vom Herbst des Jahres 68 bis 3

)

ungefähr

gelegen

zum

Juli des Jahres 69 die legio

sei, ist bis jetzt

4 )

VII Galbiana

Dort war die Legion vielleicht in den Jahren 43

6 j

— 51

(bevor die Stadt

Meyer a. a. O. 659 f. Derselben Ansicht ist Kenner (a. a. O. S. CXIX); er irrt aber, wenn Inschrift des I. Jahrhunderts in den Anfang des folgenden setzt.

zur Kolonie erhoben worden war) stationiert; vgl.

er diese

{gemina) in Carnuntum

unbewiesen.

ROBERT GOLDFINGER.

256

gehört ihrem

ganzen Charakter nach in das nach dessen Mitte, so daß man sie unbedenklich den Jahren 68 oder 69 zuweisen kann. Man wäre vielleicht versucht, in Bekämpfung der oben vorgetragenen Auffassung diesen Grabstein in die Zeit Domitians was ja an sich möglich wäre zu setzen unter Hinweis darauf, daß die XIV. Legion wegen ihrer Beteiligung am Aufstande des Antonius Saturninus samt der mitschuldigen legio XXI rapax um das Jahr 90 in die illyrischen Provinzen verlegt worden ist 1 ); daß aber die XIV. Legion damals nach Camuntum, wo in dieser Zeit die seit etwa 70 (nach Beendigung des jüdischen Krieges) zurückgekehrte legio Apollinaris stand, gekommen sei, halte ich für ganz und gar ausgeschlossen, weil Domitian eben infolge des Saturninusaufstandes die bisher hie und da üblich gewesene Institution der Doppellager aufhob 2 ) und es verfehlt gewesen wäre, eine soeben an Diese Inschrift

I.

und zwar

Jahrhundert,

in

die Zeit bald





XV

einer Meuterei

beteiligt

(XV

anderen Legion

gewesene Legion (X11II gem.) mit einer wenn auch für noch so kurze Zeit,

Apoll.),

einem Lager zu vereinigen. Daß die XIV. Legion später im Heere Othos an der Schlacht von Bedriacum mit einem Teile ihrer Truppen teilnahm und sodann nach dem Siege des Vitellius in ihre frühere Garnison Britannien zurückgesendet wurde, die sie im Jahre 70 wieder diesmal endgiltig verließ, um nach Germanien zu gehen, ist aus Tacitus' Historien bekannt und bedarf deshalb hier keiner weiteren Er-

in





örterung.

IL In Scherschel,

dem

retania Caesariensis),

ist

antiken Caesarea (an der Küste von

um

marmornen Grabsteines gefunden worden, auf welchem noch d-es

el

.

Ma

leg

erhalten

der legio

ist,

')

2 )

X1I1I

g

|

auf

XIIII gemina,

dem

der

sich

nach

vollendeter

sehen zu müssen mit

Vgl. E. Ritterling, Zur römischen Legionsgeschichte

des Antonius Suet.

Dom.

h.

s.

e.

Steine nicht

glaubten die ersten Herausgeber einen Veteraneu

Caesarea niedergelassen habe,

Aufstand

.

dem Verstorbenen, dessen Charge

In

folgen-

ist 3 ):

zu lesen

mehr

Mau-

das Jahr 1890 ein Bruchstück eines

Saturninus,

Westdeutsch. Zeitschr.

Dienstzeit

am Rhein: XII

in

der BegrünII.

Der

(1893), S. 231.

7.

Die Inschrift wurde zuerst publiziert von Waille und Gauckler in der lievue archeologique XVII (1891), S. 24 und danach im CIL VIII 21057. 8

)

ZUR GESCHICHTE DER LEGIO daß

düng,

drängt

sich

aber

eine

Zusammenhang

wir den Stein im

Afrika gewesen

in

schen Denkmälern betrachten,

Deutung

andere

sei,

gekommen

dahin

aktiver Soldat

nicht als

also

Es

könne.

XIV. Legion niemals

die

Verstorbene

257

GEMINA.

XIIII

der sein

wenn

auf,

mit einer Reihe von epigraphi-

welche sich

in

Mauretanien Caesa-

anderen an der Küste Mauretaniens gelegenen Orten gefunden habeu. Es sind dies Grab/ Minervia, XXII Primisteine von Angehörigen der Legionen genia, I adiutrix, II adiutrix, IUI Flavia und XI Claudia 1 ). Diese riensis,

und zwar

Caesarea,

in

teils

teils

in

:

Inschriften

hat A.

Antoninus Pius

in

Jünemann 2 ) mit dem Kriege, welchen Kaiser den Jahren 147

oder

148

bis

150 3 )

mit

den

4

Mauren zu führen hatte ), scharfsinnig in Zusammenhang gebracht und die allem Anschein nach richtige Behauptung aufgestellt, daß Abteilungen der in den Inschriften genannten Legionen aus Anlaß nach Mauretanien gekommen

dieses Krieges

sind.

Auf diesen Feldzug nun werden sich das oben abgedruckte Bruchstück 5 ) und eine gleichfalls erst vor kurzem bekannt gewordene

Inschrift,

der

Grabstein eines Soldaten der

legio

XXX

Ulpia victrix 6 ), beziehen, die beide ihrem ganzen Charakter nach

in

diese Zeit passen.

Obergermanien (XXII Prim.), Uutergermanien (I Min. und U. i'.), Oberpannonien (I adi. und XIIII gem.), Unterpannonien (II adi.), Obermösien {IUI Flav.) und Untermösien (XI Claud.) mit Vexillationen am Maurenkriege beteiligt und es unterliegt ferner trotz des Fehlens inschriftlicher Zeugnisse keinem Zweifel, daß ebenso wie die gesamte Garnison von Untergermanien (die Legionen I Min. und TJ. v.) auch die zweite Legion Obergermaniens, die VIII

Es haben

sich

also

Legionen

von

XXX

XXX

1

)

CIL VIII

9654, 9662 (I Min.)

aus

Cartenna; 9655, 9656, 9659, 21508

(XXII

Prim.) ebd.; 9376, 21049 (I adiut.) aus Caesarea; 9653, 9660 (II adiut.) aus Cartenna; 9762 (IUI Flav.) aus Portus Magnus; 9761 (XI Claud.) ebd. )

De

legione

)

In

diese

2 3

Romanorum I

adiutrice, Diss. Lips. (1894), S. 82

Jahre setzt den Krieg Jünemann

(a.

a.

O.

S.

137

ff.

f.),

dessen

Behauptung durch ein Militärdiplom bestätigt wird, über das wir unten sprechen werden früher hatte man vermutet, die Expedition sei um das Jahr 145 unternommen worden (so Schiller, Rom. Kais. I 631, Anm. 6, und v. Rohden in Pauly-Wissowas R.-E. II 2503). 4 Pausanias VIII 43, 3; Aristides Or. XXVI 70 (Keil); Hist. Aug. vit. An;

)

tonini Pii 5, 4. 5 )

II)' is)

Es könnte etwa folgendermaßen ergänzt werden: AJel(ius) Ma[ternus? mil(es)] leg(ionis) XIIII g[em{inae)]

m{anibus)

\

\

h{ic) s(itus) e(st). 6 )

CIL VIII 21053 aus Caesarea.

j

ROBERT GOLDFINGER.

258

Augusta,

X

oberpannonischen 1 ) Legionen, die gemina, die zweite Legion Obermösiens, die VII Claudia und die außer der XI Gl. zur Besatzung Untermösiens gehörenden Legionen I Italica") und V Macedonica Truppen zu dem genannten Felddie dritte der

zuge nach Afrika geschickt haben; denn derartige Abteilungen von Provinzheeren wurden in der Kegel aus den Detachements sämtlicher in den betreffenden Provinzen stehenden Legionen gebildet 3 ). Für die Bedeutung des Krieges zeugt aber nicht nur die Teil-

nahme

so zahlreicher Legionsabteilungen an dem Feldzuge, sondern auch der Umstand, daß eine beträchtliche Menge von Auxiliartruppen aus beiden Pannonien 4 ), beiden Germanien 5 ) und aus

auch

den

Grabstein CIL

VIII 9765 aus Porttis Magnus, der stammenden M. Ulpius Silmius, einem Soldaten einer in der Inschrift nicht genannten Legion, gesetzt ist und der Mitte des II. Jahrhunderts n. Chr. angehören wird; daß der Verstorbene, der seine Heimat in Pannonia superior (Poetovio) hatte, in einer der Legionen Oberpannoniens diente, ist gemäß dem seit Hadrian üblichen Verfahren, wonach die Legionen aus jenen Provinzen, in denen sie standen, ergänzt wurden (vgl. Mommsen, sehr wahrscheinlich. Hermes XIX [1884], S. 11) Vgl.

')

einem

aus

Poetovio

(Pettau)





2

Vielleicht beziehen sich zwei in Afrika gefundene Ziegel dieser Legion

)

CIL VIII

p.

F. Beuchel

911 a.

a.

und

n.

10474, 13





auf diese mauretanische Expedition (vgl.

O. S. 84).

Westdeutsch. Zeitschr. XII (1893), S. 117 und Anm. 39. Aus Oberpannonien: Ala I Ulpia contariorum miliaria civium Romanorum (CIL VIII 9291 aus Tipasa und 21620 aus Portus Magnus; vgl. Cicho3)

E.

Ritterling,

*)

Pauly-Wissowas R.-E. I 1239). Ferner erfahren wir durch ein aus Brigetio stammendes Militärdiplom vom 1. August des Jahres 150 (vgl. CIL III D. C und E. Bormann, Arch.-epigr. Mitteil. XVI 1893, S. 229 ff.), daß aus den Alen 1 Hispanorum Aravacorum und III Augusta Thracum sagittariorum aus Oberpannonien, I Flavia Britannica miliaria civium Romanorum, I Thracum veterana sagittariorum und I Augusta Itureorum sagittariorum aus Unterpannonien durch den Prokurator von Mauretanien, Porcius Vetustinus, Mannschaften zur Entlassung kamen, cum essent in expedition(e) Mauretan(ia) Caesarens(i), worunter der Maurenkrieg des Pius zu verstehen ist. Die Alen 1 Hispanorum Aravacorum und III Augusta Thracum scheinen erst im Jahre 150 nach Mauretanien gekommen zu sein, da wir sie im Jahre 149 noch in Pannonia rius in

finden (CIL III D. LXI) daß aber der Krieg schon vor dem Jahre 150 begonnen hat, erhellt daraus, daß er damals, als die im Diplom C erwähnten Keiter entlassen wurden, sicher schon beendet war. Daher werden wir wohl der An-

superior

sicht

;

Jünemanns

148 bis 150

falle,

(a. a.

0. S. 137

f.),

daß der Feldzug etwa in die Jahre 147 oder

zustimmen können.

Aus Germania superior der numerus Divitiensis (CIL VIII 9059 aus ) Auzia) und der numerus Melenvensium (CIL VIII 9060 ebd.); aus Germania inferior die ala Afrorum (CIL VIII 9657 aus Cartenna; vgl. Jiinemann a. a. O. vgl. ferner den in der Inschrift CIL VIII 9798 (aus Ain S. 86 und 137, Anm. 1 Temuschent [Safar?]) genannten Romanius Victorinus, mü(es) Ger(maniae) inf(eri6

;

oris), in

welchem Jiinemann

a. a.

O. S. 86

f.,

Anm.

4,

einen Auxiliaren sehen will.

ZUR GESCHICHTE DER LEGIO XIHI GEMINA.

259

Spanien *) nach Mauretanien gekommen ist, und zwar, soweit wir sehen können, nur Reitertruppen, was leicht begreiflich ist, weil die Mauren ein Nomadenvolk waren, dessen Stärke im Reiterkampf lag 2).

Außerdem wirkten natürlich die in Mauretanien selbst stehenden Auxiliartruppen 3 ) mit. Bei diesem großen Truppenaufgebote ist es natürlich, daß der Krieg mit einem vollständigen Siege der Römer endete 4 ).

ROBERT GOLDFINGER.

Wien.

der

*) Aus Spanien kamen Auxilien. die wir im einzelnen nicht kennen, unter Führung des T. Varkcs Clemens: CIL III 5211, 5212, 5214, 5215. 2 Vgl. Paus. VIII 43, 3: Maüpouc voud&ac xe övxac Kai xocwöe exi )

buC|iaxu)xepouc xoö Xkuöikoü y^vouc öcip

nr)

IttI

ä^aEujv,

etil

iTTirtuv oe aüxoi

xe Kai ai YuvaiKec riXüüvxo. 3 )

Über

*)

Vgl. Paus. VIII 43, 3

diese vgl. Cagnat,

Wiener Studien XXVII. 1905

;

L'armee Romaine d'Afrique, Hist.

Aug.

vit.

Antonini Pii

S.

267

ff.

5, 4.

18

Zum

im Hauptsatze

Indikativ

irrealer

Bedingungsperioden. Den Anlaß zu den folgenden Ausführungen Syntax',

I.

Teil (Beilage

zu Mainz, 1904).

Sie

z.

gangenheit.

1.

Progr.

II.

Nebensatze

Der

mir

die

d.

Großherzogl. Herbstgymnasiums

zwei Teile: I. Der Indikativ des Der Indikativ im Hauptsatze bei kon-

zerfällt in

Imperfekts im Altlatein,

junktivischem

gibt

Studien und Kritiken zur lateinischen

Schrift Dr. Heinrich Blases,

in

bedingenden

der

Abschnitt (S.

1

— 15)

ist

Periode

der Ver-

der Besprechung eines

von Arthur Leslie Wheeler unter dem Titel n T1ie imperfect indiin early Latin" im American Journal of Philology XXIV 163 191 veröffentlichten Aufsatzes gewidmet. Der zweite Ab-

cative



schnitt (S. 15

— 53)

enthält

eine Klassifizierung

und Erklärung der

genannten besonderen Formen der hypothetischen Periode, die sich im wesentlichen als eine Polemik gegen meinen in der Zeitschrift f. d. österr. Gymn. 1903, S. 637 ff. erschienenen Auf-

im

Titel

„Zwei

satz stellt

Eigentümlichkeiten

des

Taciteischen

Stiles

IL"

dar-

1 ).

Über den

ersten Teil von Blases Schrift habe ich natürlich zu sagen; man wird hier nicht die Besprechung einer Besprechung erwarten, sondern Blases Rezension lieber selbst einnicht

viel

sehen, die eben den Zweck verfolgt, mit dem Inhalt des deutschen Lesern weniger zugänglichen Aufsatzes er war es auch mir nicht bekannt zu machen. Ich beschränke mich also auf ein paar allgemeine Bemerkungen. Wenn man S. 14 f. die von Bl. nach





')

wir im

Vgl. S. 51

:

„Das Ergebnis

läßt

Gegensatze zu Wimmerer

sich kurz

dahin zusammenfassen,

daß

keine einheitliche Erklärung für die be-

sprochenen Perioden gefunden, sondern verschiedene Gruppen unterschieden haben. u

;

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE

261

usw.

Wheeler gegebene Zusammenfassung der Resultate des Aufsatzes

bekommt man

liest,

Neues erfahren

den Eindruck,

nicht

als

ob

man

wesentlich

Als wahrscheinlich ursprünglicher Gebrauch

hätte.

des Imperfekt ergibt sich der für die „fortschreitende Handlung" das wird wohl dasselbe sein wie die „vor sich gehende" Handlung,

Handlung, mit der das Subjekt eben beschäftigt

die

aber

griff

wenig

On

Morris'

längst

Befest-

dessen Schüler Wheeler

diese bei Morris,

steht

Ansehen.

Den

ist.

vergleichende Sprachwissenschaft

die

Freilich

gestellt. ist,

hat

aber auf die Rezension von principles and methods in Latin syntax durch H. Meltzer

in

Ich verweise

im XV. Bd. der Indog. Forsch., Anzeig. unbestreitbaren Resultate,

S.

238

ff.,

der

die die Sprachvergleichung auf

auf die die

für

Syntax gewonnen hat, und die methodischen Schwächen neuesten amerikanischen Richtung, wie sie Morris vertritt,

lateinische

der

m. E. sehr treffend hinweist.

Morris'



Buch

ist

allerdings eine her-

und darf Golling (Zeitschr. f. d. 414 ff.) und Meltzer — programmatische Bedeutung für sich in Anspruch nehmen; besonders wird man auch gerne der Forderung Morris', die speziell Wheeler in seinem Aufvorragende

Leistung

Gymn.

österr.

1902,

nach

S.

satze befolgt hat, zustimmen, daß wir uns bei Betrachtung syntaktischer

Erscheinungen

setzen

und dessen

sorgsamste

aufs

in

den Einzelfall zu ver-

Umgebung aufs umsichtigste uns zu Wird indes diese Forderung übermäßig

spezielle

vergegenwärtigen haben.

und ausschließlich betont, so ist, wie Meltzer sagt, Kleinlichkeit und Haarspalterei zu befürchten des weiteren aber auch, wie ,

hinzufügen

ich a.

a.

0.

S.

692

möchte,

viel

unfruchtbare

Gelegenheit gehabt



Grundbedeutung der Modi des Verbums erster

Linie

die

Einzeltatsachen

des

es



Polemik. handelte

habe

Ich sich

um

die

davor zu warnen, in Modusgebrauches als die

und konnte mich dabei vielmehr, daß man nach der psychologisch einfachsten Funktion frage, womit man wieder auf den Boden der Sprachvergleichung gelangen muß, um die erforderliche historische Basis zu gewinnen. Wenn nun auch Morris die Frage nach dem Grundbegriff für veraltet hält, so hat sie doch auch Wheeler, wie wir bei Bl. sehen, nicht umgangen und dabei sogar einen kühnen Blick in das indo-europäische Zeitalter und in die vorliterarische Zeit des Lateinischen geworfen; auch darauf, die indogermanische Wurzel bheu zur Erklärung des Ausganges -bam herbeizuziehen nach dem Vorgange der vergleichenden Grammatik (s. Brugmann, Kurze vergl. Gramm. 715, 2 c), hat

entscheidenden

auch

auf

Instanzen zu betrachten,

Behaghel

berufen;

ich

forderte

18*

262

R.

WIMMERER.

1

So gilt also das oben Bemerkte auch für ). Wheeler behandelt: die syntaktischen Einzeltatsachen sind viel zu sehr umstritten, ihre Deutung wird noch viel zu lange eine sehr schwankende bleiben, als daß auf sie allein eine brauchbare Klassifikation und Erklärung der Arten eines einigermaßen verzweigten syntaktischen Gebrauches gestützt werden könnte. Die angedeuteten Vorzüge und Mängel der Methode lassen sich nun auch in Wheelers Aufsatz schon aus der Besprechung Blases erkennen. So halte ich z. B. die Konstatierung eines „imperfect of er nicht verzichtet

Fragen, wie

sie

immediate past or the interrupted imperfecta für einen glücklichen Gedanken. Durch das Imperfekt wird tatsächlich sehr häufig eine

tlie

Handlung ausgedrückt,

die

bis

durch deren Ereignisse

reicht,

unmittelbar an

sie

die

Gegenwart

also unterbrochen wird

2

).

Doch

würde ich mich hier nicht abmühen, einen besonderen Typus des Gebrauches herauszuschälen, sondern konstatieren, daß diese Ver-

wendung des Tempus dessen eigentümliche Natur

Nam

visebam.

velles

sehr schön heran der Stelle Plaut. Stich. 328 ego quid me me quidem hariim miserebat müssen wir zunächst

Z. B.

vortreten läßt.

c

den ersten Teil des Gedankens so wiedergeben: ich wollte nachsehen, was du von mir wünschtest'. Damit ist die Aktionsart klar;

denn wir sagen mit dem „ich wollte" nicht mehr und nicht weniger, als daß wir mit etwas „beschäftigt" waren bis eben zu dem Moment, z. B. wird man die Scheidung der gewohnheitsmäßigen und wiederholten Handlung nennen müssen, wie sie Wheeler auch von Blase hier bekämpft vornimmt; die gewohnheitsmäßige Handlung sei zwar auch eine wiederholte, doch fehle bei dieser eben der Gedanke an eine Ge-

in

dem

wir das konstatieren 8 ). Kleinlich aber





*)

nun

Auch

Bl.

ist,

wie Metzner bemerkt, trotzdem ihn Morris belobt, weil er

auf das Tatsächliche

sich

beschränke und proethnische

Hypothesen

fernhalte,

Gramm, v. Landgraf) abtrünnig geworden und geht in Modi und Tempora auf die Delbrückschen Grundbedeutungen

der Historischen

(in

der Behandlung der zurück. 2 )

In diesem Sinne

Handlung Ital.



ist

im

— zum Ausdruck

der durch eine andere unterbrochenen

Italienischen das Imperfetto heute

noch Regel; Mussafia,

Sprach!. 26 S. 149.

3 Hier tut Blase m. E. Wheeler einigermaßen unrecht, wenn er dessen ) Behauptung, daß der Sprecher in diesen Fällen Anfang und Ende der Handlung überschaue, unerweislich nennt. Wheeler kann dies mit Recht behaupten, wenn

es sich blick,

um

einen Gedanken handelt,

wo man

ihn konstatiert.

der kursiven Aktionsart

Ausdruck rügen

;

treffen

der einen beherrschte bis

So weit

freilich

Wheeler

wollte,

könnte

er

denn die Sache

trifft

fekt nicht selbst ein interrupted nennen.

er

nicht,

zu

dem Augen-

die bekannte Definition

damit nur einen Mangel im sonst könnte er dieses Imper-

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE

263

usw.

So reduzieren sich neben dem weitverbreiteten imperf. Handlung im Altlatein auf 13 und es ergibt sich die Behauptung, daß die später so häufige Iterativbedeutung des Imperf. eine ihm aufgepfropfte sekundäre das alles trotz der ausdrücklich anerkannten engen Funktion ist, Beziehung der beregten Bedeutung zum „progressiven Imperf." und Was soll des ebenso anerkannten Tatbestandes im Griechischen

wohnheit.

consnetudinis die Fälle der wiederholten



!

diese Scheidung

wenn doch

in

für die Erkenntnis der

jedem Falle

erst

auf

Tempusfunktion

nützen,

Grund des gewählten

aus dem Zusammenhange erkannt wird, daß es sich Gewohnheit handelt? Dabei zeigt sich nun auch gleich, wie wenig sicheren Grund die Interpretation der Einzelfälle gibt. Wer wird das imperf. consuetudinis von dem lediglich iterativen Bl. ist gleich in einer ganzen überall reinlich scheiden können? Reihe von Fällen anderer Meinung und bemerkt dabei, für uns recht bezeichnend: „Der Verfasser wird hier wohl überall gewohnDas wäre, was ich an dieser heitsmäßige Handlung erkennen". Stelle im allgemeinen zu sagen hätte. Im einzelnen wäre ich freilich versucht, auf manchen Punkt sowohl bei Wheeler als bei Blase näher einzugehen indes fürchte ich, die mir hier gezogenen Schranken zu überschreiten, und will daher nur einiges wenige noch

Tempus um

eine



;

berühren, Teiles

der

was

im Zusammenhang

näher angeht.

mit

dem Thema

des

zweiten

und mich daher auch persönlich stimmt Blase Wheeler zu, wenn dieser an einigen

Schrift Blases S. 8

steht

wo das Imperf. an Stelle der erwarteten coni. annimmt, daß hier „das zukünftige Resultat in der Lebhaftigkeit des Gedankens schon vorweggenommen wird". Ich verweise demgegenüber auf das, was ich a. a. O. S. 698 f. über die schon etymologisch begründete nahe Beziehung des Imperf. mit der coni. periphr. gesagt habe, und füge nur noch hinzu, daß eine Auffassung, nach der die Natur des Imperf. es befähigte, auch gelegentlich wie die coni. periplir. zu funktionieren, sich einem Notbehelf gegenüber, wie es die angenommene „Lebhaftigkeit des Gedankens ist, klärlich von selbst empfiehlt; dabei entfällt überdies die auch von Blases Standpunkt aus immer bedenkliche Nötigung anzunehmen, daß das Imperf. ein Resultat konstatiere. Ich verstehe nicht,

Stellen bei Terenz, periplir. steht,

tf

warum

Bl.

(S.

10)

daran zu denken scheint, es bestehe eine Diffe-

renz zwischen seiner Auffassung des sogenannten imperf. de conatu (nach Mutzbauer und Delbrück) und der Wheelers, wonach das

Verwendung des Imperf. sei, daß immer etwas im Zusammenhange liege, das die Handlung als ergebnislos

Charakteristische

dieser

264

R.

erweise.

In der

Form Hegt

WIMMERER. allerdings von einem Versuche nichts;

Handlung aus; dabei kann aber doch der Zusammenhang lehren, daß die Handlung ergebnislos sei, und daher sieht man und sagt man, daß sie versucht wurde. Betreffs des sogenannten verschobenen Imperf. von Verben wie oportebat bekämpft Bl. (S. 13) Wheelers Ansicht, daß die drückt nur ein „Beschäftigtsein" mit der

auch

das Perfekt

Unrecht.

ins

Denn da

Präsens

verschoben sein

könne,

m. E. mit

der Grund der Verschiebung hier vor allem in

der Bedeutung der Verba

liegt,

so

kann konsequenterweise ebenso

gut ein debuit wie ein debebat verschoben werden. Hingegen stimme

wenn

den analogen Gebrauch von sequebatur Wheeler „seltsam" findet, und ich möchte seine Behauptung noch dahin ergänzen, daß seqiätur in der Bedeutung „es folgt, es ergibt sich" sich nicht bloß mit den Verben des Müssens etc. berührt, sondern auch von Haus aus auf einer Stufe mit Ausdrücken wie perspicuum est etc. steht, die ihrer Natur nach ganz ebenso funktionieren wie die Verba des Müssens; s. meinen Aufsatz S. 674. Im zweiten Teil der Schrift, der, wie oben bemerkt, mich besonders angeht, befaßt sich Bl. mit dem Indikativ im Hauptsatze irrealer hypothet. Perioden. Er wiederholt (S. 16) die von ihm seinerzeit gegebene Klassifikation des hieher gehörigen Materiales und meint, daß ich seine Aufstellungen in meinem genannten Aufsatze einer sehr berechtigten Kritik unterzogen habe. Doch könne er sich mit der von mir gesuchten Lösung der Frage, obwohl er in ihr einen Kern des Berechtigten finde, nicht einverstanden erklären. Anstoß nimmt er hiebei vor allem an meiner Behauptung, daß es in der Natur des Indikativs Imperfecti, resp. Plusquamp. liege, irreal funktionieren zu können, und daß dieser Umstand für sich allein die Formen befähige, im Hauptsatz der irrealen hypothetischen Periode einzutreten. Zunächst meint nun Blase, ich hätte diese Ansicht, von der ich a. a. O. S. 679 (vgl. 673) sagte, sie sei keine neue, aber doch nie in dem obigen Sinne konsequent durchgeführt worden, wenigstens für das Imperf. schon bei Priem „Die irrealen Bedingungssätze bei Cicero und Cäsar", Piniol. V. Suppl. 1885 finden können. Diese Abhandlung hatte ich nun allerdings nicht gelesen. Ich fand sie wohl zitiert; da ich aber weder aus der

ich Bl. gerne zu,

Varro

1.

L.

IX 23

er

nicht mit

1888 erschien, noch aus der bei Schmalz ersehen konnte, daß Priem etwas wesentlich Abweichendes vorgebracht hätte, während sich Blase Darstellung bei Blase,

dessen

doch ausdrücklich gegen

Lilie

„Geschichte des Irrealis"

gewandt

hatte,

gab

ich

mir weiter

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE

265

usw.

Mühe um Priems

Dies hätte ich allerdings tun Aufsatz. da ich mich nun, nachdem ich ihn gelesen, in meiner Auffassung nur bestärkt finde. Allerdings nicht in dem Sinne, wie Bl. meint; denn meine Ansicht hatte Priem ebenso wenig wie diejenigen, die ich S. 680 f. erwähnte. Auch für Priem nämlich ist der rhetodenn rische Nachdruck die conditio sine qua non des Indikativs keine

sollen,

;

„der Indikativ

als

Irrealis

des Ausdrucks

haftigkeit

verdankt stets einer besonderen Lebseinen Ursprung" (S. 270; vgl. noch

Es zeigt dies übrigens auch schon die von Bl. S. 17 Priem (S. 271, 272), an der davon die Rede ist, daß durch den Indik. des Imperf. „recht kräftig betont" werden soll, daß die schon in der Ausführung begriffene Handlung plötz„Noch lich vereitelt wurde; darauf heißt es vom Plusquamq. S. 305, 308).

zitierte Stelle bei

:

ausdrucksvoller... ist in diesem Falle das Plusquamp., welches sagt, daß die Handlung schon so gut wie vollendet war usw." Ich

um darzutun, daß Priem nicht Proben genügen anders als Madvig, Wex u. a. von der Funktion des Indik. im irrealen Satze dachte und daher nicht so wie ich. Betreffs des Plusquamp. ist dies auch Bl. nicht entgangen, doch meint er, daß ich hier mit meinen Aufstellungen schwerlich Beifall finden werde. Ich hatte (S. 679) das im irrealen Sinne gebrauchte Plusquamp. als „logisches" Plusquamp. nach Hoffmann gefaßt und behauptet, daß diese

glaube,

,

anerkannter Typus sei. Dies bestreitet weder von Delbrück in der Vergl. Syntax

diese Art ein jetzt allgemein

Blase;

der

Typus

sei

noch von ihm selbst in Landgrafs Histor. Gramm. III 1 anerkannt worden; auch bei Schmalz habe er die Auffassung nicht vertreten gefunden. Ich konnte nun leider Delbrück nicht nachsehen; was Schmalz betrifft, so finde ich bei ihm sowohl den Terminus „logisches Plusquamp.", an dem freilich weiter nichts liegt, als auch die Auffassung Hoffmanns adoptiert, z. B. S. 506 der 2. Aufl., wo zu lesen ist: „consueverat =z solehat etc." (S. 385 3 allerdings geändert). Doch brauche ich nicht ins einzelne zu gehen. Was Bl. über die Aktionsart des Plusquamp. vorträgt, ist das gerade Gegenteil von dem, was die Sprachwissenschaft heute anerkennt. Ich beziehe mich auf das

neueste

Kompendium

Brugmanns

bereits

Sprachen".

Dort

zitierte

der vergl. Sprachwissenschaft,

„Kurze

heißt es (§ 746):

perf. praes. wie das Imperf.

zum

vergl.

Gramm,

d.

„Das Plusquamp.

Praesens.

Wie

auf

indogerm. stand

zum

das Imperf. schilderte,

nur daß das letztere nur Zuständliches darstellte." Dazu § 636, 3: „Perfektische Aktion, d. h. Aktion des Perfektstammes: es wird ein Zustand des Subjektes bezeichnet, der

so

auch das Plusqu.,

266

R.

sich aus einer

WIMMERER.

vorhergehenden Handlung

hat" (vgl. aucb § 738

desselben ergeben

Dagegen behauptet

„Die dem Handlung, der erreichte Zustand (sie!) in der Vergangenheit, nicht etwa der Zustand, der infolge eines Abschlusses einer Handlung eintritt oder nach der Erreichung eines Zustandes fortdauert". Ich habe dieser Gegenüberstellung weiter nichts hinzuzufügen 1 ), als daß die wunderliche Argumentation Blases sich charakteristisch selbst richtet in dem Satze: „Aber sollte auch Hoffmanns Theorie für die Erklärung der Temporalsätze einen besonderen Wert beanspruchen, so muß ich diesen doch für die Bedingungssätze leugnen". Mit welchem Rechte? fragt man da wohl vergebens. War betreffs des Plusqu. die Belehrung verfehlt, so ist bei der Belehrung über die Natur des Imperfekts, die nun bei Bl. folgt (S. 18 f.), die Adresse verfehlt, wenigstens was mich betrifft. Bl. will meine Behauptung (S. 701) von einem im Tempus liegenden Element der Irrealität korrigieren denn das Imperf. bezeichne an sich nur die in der Vergangenheit währende Handlung. „Wenn an irgend einer Stelle die Handlung als in ihrem Verlauf unterbrochen angesehen werden muß, so liegt dies nicht in der Form des Imperf. an und für sich, sondern im Zusammenhang, in unserem Falle regelmäßig in der Verbindung mit der zugefügten Bedingung". Dieser letzte Satz deckt sich völlig mit dem, was ich S. 706 schrieb: „Wenn.... das Imperf. oder das mit ihm gleichwertige Plusqu. etwas Zuständliches, eine ,vor sich gehende' Handlung bezeichnet, eine Handlung, mit der das Subjekt eben beschäftigt' (Delbrück, vgl. Synt. II, S. 306) ist, so muß der Satz mit ni nach der Natur der hypothet. a.

Anf.).

Plusqu. eigentümliche Aktionsart

ist

Bl.

:

die abgeschlossene



;

Periode die Grenzen dieser Beschäftigung' bezeichnen".

Daß

aber

einem solchen Tempus, das eine vor sich gehende oder währende Handlung ohne Rücksicht auf Vollendung und Resultat bezeichnet, ein Element der Irrealität liege oder, wie ich mich an

in

anderer Stelle ausdrückte solches

Tempus



man

sehe bei Bl. selbst S. 17

irreal fungieren konnte,

haupten können, ohne ein so arges ')

Es würde nichts nützen, wenn



Bl. seine

wird



,

ein

man doch wohl

be-

Mißverständnis befürchten ganz allgemeinen Bemerkungen

nachträglich etwa auf das lateinische Plusqu. einschränken wollte. Das lateinische

an das aoristische Perfekt den Nebensinn der nur ein Nebensinn und schlechterdings kein Grund vorhanden, dem lateinischen Plusqu. überhaupt, das ja immer auch Praeteritum des Perf. praes. war, die diesem eigentümliche Zustandsbezeichnung Plusqu. hatte zwar im Anschlüsse

Vorvergangenheit erhalten, doch

abzusprechen, zeigen; vgl.

wie

sie

Brugmann

ist

dies eben

Formen wie memineram, noveram a. a.

0. § 741

(S.

570) und § 746.

ja

ausschließlich

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE kann

267

usw.

Priem treffen, zwar angefanals Ausdruckes der genen, aber Dicht vollendeten Handlung allerdings der gegenwärtig herrschenden Ansicht nicht entspricht; vgl. dazu auch S. 678 Anm. 5 m. Aufs. Wenn aber Priem an mehreren Stellen (außer der von Bl. angeführten z. B. auch S. 289, 294) von einer nahen Verwandtschaft der Bedeutung des Imperf. mit der irrealen spricht oder behauptet, daß veniebant und veniuri erant einander sehr nahe stehen, so kann ich das nur ausdrücklich billigen und als in der nun genugsam beleuchteteu Natur des Imperf. völlig ausreichend zu müssen. Blases Ausstellung dessen Auffassung des Imperf.

also hier nur

begründet bezeichnen.

Den

Begriff der Irrealität

soll

Fügung wie

ich zu weit

ausgedehnt haben

VII 46 oppidi murus recta regione, si nullns anfractus intercederet, MCC passus aberat, die ich für eine irreale Periode (S. 708 f.) erkläre, sei weder der Nebensatz, der einen Potential enthalte, noch der Hauptsatz (S.

19

In

f.).

einer

Caes.

Gall.

bell.

nicht, weil er mit und ohne Nebensatz seine Das letztere Argument beweist zunächst nichts, solange Perioden mit Verben des Könnens etc. als irreale Perioden gelten, was sie ja auch für Bl. bis zum Schlüsse seines Aufsatzes sind 1 ); denn die Nachsätze mit Verben des Könnens haben ja auch an sich Gültigkeit. Über den „Potential" im Nebensatz werden

der

irreal,

letztere

Gültigkeit behalte.

wir gleich zu sprechen

haben.

Bleibt

also

hier zunächst die Be-

hauptung Blases, meine Übersetzung: „Die Mauer der Stadt wäre, wenn nicht ein Umweg dazwischen gewesen wäre, 1200 Schritte entfernt gewesen", werde weder dem lateinischen Text noch dem Geiste der deutschen Sprache gerecht. Ganz anders laute die „Von Stelle bei Oberbreyer in der Reklamschen Übersetzung: der Ebene und dem Fuße des Hügels hatte man ohne Umweg bis an die Stadtmauern 1200 Schritte". Dazu gibt Bl. selbst noch folgende Paraphrase: Die Mauer war in gerader Richtung unter dem Gesichtspunkt, daß man den Umweg der Straße vermied, 1200 Schritte entfernt. Vergleicht man diese Paraphrase und Oberbreyers Übersetzung mit meiner, so findet sich überall genau derselbe Sinn, wobei meine Übersetzung sich dem Wortlaute des Textes offenbar nicht weniger genau anschließt als die Oberbreyers: also bin ich wohl dem lateinischen Texte gerecht geworden. Was nun den ')

Auf diesen

übrigens chen,

die

die

Schluß werden

wir

unleugbare Verwandtschaft

Verba des Könnens

etc.



Was noch zu sprechen kommen. Rede stehenden Fälle mit sol-

der in

aufweisen,

betrifft,

nicht zu weitläufig zu werden, auf meinen Aufs. S. 706,

begnüge ich mich,

Anm.

um

2 zu verweisen.

:

268

WIMMERER.

R.

betrifft, so muß ich doch behaupten, daß es ganz gut deutsch ist, z. B. zu sagen: Es wären nur eiu paar hundert Schritte hin, wenn die Straße nicht einen Umweg machte. Das ist aber eine irreale Periode nach allen Regeln der Logik. Denn die hypothetische Periode überhaupt enthält nur ein Urteil, welches besagt, daß das im Hauptsatz Ausgesagte nur unter der im Nebensatz aufgestellten Bedingung gilt. Sobald dieses Verhältnis nicht mehr statthat, ist auch kein hypothetisches Urteil mehr vorhanden. Wenn also auch der Hauptsatz einer hypothetischen Periode, so wie er dasteht, für sich gültig ist, so will ihn doch eben der. welcher ihn an eine Bedingung knüpft, von dieser abhängig machen. Das bedeutet aber in einer irrealen Periode, daß er für den gegebenen Fall nicht gilt; denn das Wesen der irrealen Periode besteht darin, daß die gesetzte Bedingung erwiesenermaßen nicht vorhanden ist, somit dann auch die Folge irreal wird. Es ist daher an sich ganz gleichgültig, in welchem Modus die irreale Periode erscheint; man kann bekanntermaßen auch im Deutschen in beiden Sätzen den Indikativ verwenden, ohne daß deshalb die Periode weniger irreal würde 1 ); die Entscheidung bringt der Be-

„Geist der deutschen Sprache"

O. S. 687

S. a. a.

')

Ich weise dabei besonders darauf hin, daß Dittmar

f.

sich gerade auf diese Art irrealer Sätze

im Deutschen

im Lateinischen

darüber

betrifft,

so sagte

ich

stützt.

Was

daß

S. 687,

solche Perioden

sie bisher

nicht be-

wurden, jedenfalls aber nicht annähernd so häufig als die mit verschiedenen Modi im Haupt- und Nebensatz seien, und erblickte darin ein Zeichen für die Abneigung des Lat., an sich nicht irreale Wendungen in der irrealen obachtet

Periode zu gebrauchen. in

beiden Sätzen

Nun

angeführt

Priem

finde ich aber bei

und zwar

irreale Perioden mit Indik-

von Reden Ciceros

13 von der Vergangenheit (S. 270), 5

der Gegenwart (S. 295). Diese Zahl wäre, da es sich nur

um

handelt, immerhin nicht klein

keine irrealen Perioden

vor.

Man

;

doch liegen

hier,

meine

ich,

die

sehe gleich das erste von Priem angeführte Beispiel Rose.

pugna

quod operae pretium esset, rem a Chrysogono tantis praemiis donabantur? und weiter



angeführt

nonne

Si nihil

gratias

Roscier

in ista



aliud

Si nihil

agi....? nichts

Roscii,

fecerunt,

Würde man

getan

hätten

hier etc.",

nisi

rem

mit Priem so

würde

detulerunt,

involvieren,

Am. 108 quam ob

von Priem nicht

übersetzen:

irreal

dies

fecerunt,

satis fuit iis

„Wenn

die

daß Cicero be-

stimmt wisse, daß

sie mehr getan haben; das weiß er aber nicht und will auch gar nicht so stellen, als ob er es wüßte, denn sonst fiele die ganze Argumentation ab. Der Redner darf sein Prestige nicht preisgeben und nicht Dinge behaupten, für die er nicht voll einstehen kann man sehe, was bei Reh-

sich

;

dantz-Blaß zu

Dem. Olynth.

II 17

über die Vorsicht gesagt

ist,

mit der Demo-

Behauptungen aufstellt, ein Verfahren, durch das der Redner „zugleich für die Sache und seine Person" gewinnt. So führt auch Cicero wirksamer den Beweis, indem er es unterläßt, durch den Konjunktiv im Vordersatz seine subjektive Überzeugung auszusprechen, und in dem sthenes

seine

nicht

völlig beweisbaren

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE dingungssatz,

d.

h.

unserem Beispiel

die die

269

usw.

anerkannte Irrealität desselben. Da nun in Bedingung, „wenn die Straße nicht einen



es gilt nicht der negative Satz, Umweg machte", eine solche ist so ist die sondern der positive: die Straße macht einen Umweg sinnwir gezeigt völlig wie haben, die also, Wenn irreal. Periode



gemäße Übersetzung des so

muß

Es

eine

irreale

Periode

ergibt,

auch die entsprechende Periode im Lateinischen irreal sein.

steht

reinen

Beispieles

,

auch tatsächlich

um

diese

Wendung

nicht anders als

um

hypothetischen Urteil im Indikativ die Logik allein zum Worte kommen sie nichts Preiswürdiges taten, war kein Grund, sie so reich zu

„Wenn

läßt:

So kehren auch in der Rede diese Bedingungssätze immer wieder sowohl auf der Stufe der Gegenwart als der der Vergangenheit, z. B. 196, 142. Priem weiß aber kein Beispiel mehr anzuführen; und doch stünde 137 eines, wo

beschenken".

nachher sogar ausdrücklich konstatiert wäre: Sin autem id actum arma sumpta sunt, ut homines postremi . . locupletarentur et in fortunas unius cuiusque impetum facerent, et id non modo re prohibere n o n licet, sed ne verbis quidem vituperare, tum vero isto hello non recreatus neque die Irrealität est

idcirco

et

.

Verum longe restitutus, sed subactus oppressusque populus Eomanus est. aliter est etc. Das Beispiel zeigt deutlich, meine ich, daß auch in den analogen Fällen an Irrealität nicht zu denken ist, sondern der Redner rein und voll die wirken lassen wollte. Will der ganze Wucht der logischen Notwendigke Sprechende aber dem Gedanken an die Irrealität Raum geben, dann setzt er auch den irrealen Konjunktiv im Vordersatz, wie ganz konform gebaute Stellen zeigen; so Cic. Fin. V 87 nisi enim id facer et {ratio philosophorum vitam beatam), cur Pluto Aegyptum per agravit? Hiezu bemerkte schon Madvig. daß man :

i

entweder nisi faceret, cur peragrasset? oder nisi facit, cur per agravit"? erwarte, aus welchen beiden Formen die tatsächlich verwendete kombiniert sei. Auf diese „Kombinationsausgleichung" nach Ziemer, die auch Bl. wir noch zu sprechen

kommen;

(S.

werden

47) annimmt,

hier genügt es, zu konstatieren, daß der logische

Wert der Periode mit konjunktivischem Vordersatz

derselbe

ist

wie

der

der

Periode mit indikativischem Vordersatz, und darauf hinzuweisen, daß bei solchem Verhältnis auch der Indik. des Perf. im Nachsatz an sich seine Berechtigung hat;

denn

es ist klar,

daß,

wenn

die logische Notwendigkeit aber die

hier die physische Irrealität die Nebensache, Hauptsache war, auch das diese Notwendigkeit

einfach als tatsächlich konstatierende Perf. in der irrealen Periode stehen bleiben konnte. Übrigens hat auch hier nicht bloß in diesem Beispiel, sondern auch noch

den Indik. des Perf. im an sich berechtigt ist; er ist entweder handgreiflich affektvoll (Mil. 38; Verr. V 38) oder eine rhetorische Frage wie oben (Lael. 11) oder von der Form aequum est (ad Att. III 15, 5). Von den übrigen vier Fällen scheidet Bl. mit Recht (S. 46) Sulla 68 und 83 aus; denn an der ersten Stelle steht etiamsi und das ist auch der

in vier

anderen von den neun, die Priem

S.

275

ff.

irrealen Nachsatz anführt, dieser Nachsatz eine Form,

Sinn von also

nur

a.

O.),

a.

klären

ist.

für

in der das Perfekt

an der zweiten Stelle, wie tarnen im Nachsatz zeigt. Es bleiben Balbo 1, welche Stelle aber textliche Schwierigkeiten hat (s. Bl. und post redit. in senatu 3, wo das Perfekt nach dem Obigen zu ersi

p.

270

R.

WIMMERER.

angezogenen Fälle mit Verben des Könnens, Müssens etc. Hauptsatz an sich unbedingt gültig, wird aber im Anschluß an die irreale Bedingung selbst irreal; nicht daß etwas an sich geschehen konnte, interessiert den Erzähler, z. B. Liv. die schon

Auch

hier ist ja der

XXXII

12 deleri totus exercitus potuit,

daß

essent;

si fugientes persecuti victores

Heer vernichtet werden konnte,

das

diese

Möglichkeit will uns der Schriftsteller nicht mitteilen,

bloße

sondern im

im gegebenen Falle wegfiel, weil eben die Bedingung der Verfolgung wegfiel. So zeigt auch das zweite hier in Frage kommende Beispiel aus Cäsar b. Gall. VI 34 die Verwandtschaft beider Arten der irrealen Periode sehr denn hier steht si . . . vellet, locus ipse erat praesidio auf schön plures manus diduvellet, (dimittendae einer Stufe mit si ccndique erant milites und Bl. gibt selbst zu, daß hier auch ein irrealer Gedanke dem Zusammenhang angemessen war. Ebenso liegt die Sache bei den anderen Fällen, die Bl. mit den besprochenen zu einem Typus zusammenfassen will (a. a. O. und S. 27 f.), und wenn er daher behauptet, daß auch wir hier io der Übersetzung nur den Indikativ in der Apodosis verwenden könnten, so ist dies nach dem Gesagten eben unrichtig. Liv. XXIX 26, 2 qiiamquam

Gegenteil,

daß

sie

hier erforderliche

;

.

si

.

.

niagnitudine classes aestimares,

et

bini consides

cum

binis classibus

ungezwungen: „wenn man die Flotten nach der Größe beurteilt hätte, so wären je zwei Konübergesetzt". Denn es kommt darauf an, daß man hier suln nicht nach der Größe der Flotten urteilte, sondern nach der Bedeutung des Krieges und Feldherrn und nach den besonderen Umständen des Unternehmens, so daß die Überschiffung der zweimal zwei konsularischen Heere im früheren Kriege dagegen als bedeuDamit sind aber tungslos, so gut wie nicht geschehen erschien. diese Fälle noch nicht erledigt, sondern wir müssen uns auch noch mit Bl. über den Potential, den er hier annimmt, auseinandersetzen; damit wäre zugleich auch die letzte prinzipielle Vorfrage abgetan. Bl. erklärt wiederholt, daß der Konjunktiv des Imp. in praeteritaler Bedeutung, den die in Rede stehenden Stellen zeigen, immer ein Potential sei. Das ist in gewissem Sinne ganz richtig, aber sicher nicht in dem Sinne, in dem es Bl. meint. Er denkt wohl zunächst an die Verwendung des Konj. des Imp. im freien Satz

traiecerant

.

.

etc.

übersetzen

wir

.



;

Modus bekanntlich Potential der Vergangenheit; aber ebenso gut auch Dubitativus und Iussivus. Wollte man eine Entscheidung im allgemeinen treffen, so müßte man nach der Grund-

hier

ist

der

bedeutung fragen,

eine bei dieser

Form

bisher recht verschieden

;

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE

271

usw.

Ich verweise diesbezüglich auf meinen Aufs. 694 und kann hinzufügen, daß Brugmann nun (K. vgl. Gramm.

beantwortete Frage. S.

§ 769; vgl. 706, 3 c) in der Form ein zum Konj. des Aor. auf -so, der Indik. des Futur, geworden war, neugebildetes Praeteritum mit sieht,

Futurum

als Potentialis

(§ 767)

zum

-sya-

der Vergangenheit fungierte

(vgl.

wie im Indischen ein Praeteritum

modaler Geltung

auch Whitney, Ind. Gramm. 940 und 950). Die Grundbedeutung wäre dann nach Whitney und Brugmann die der latein. coni. periph., die gewöhnliche Verwendung aber im Indischen nach Whitney die und ebenso bezieht sich Brugmann, um die als Condicionalis; Funktion der Form zu erklären, auf irreale hypothetische Perioden

Form wäre von Haus aus ein Potentialis der Vergangenheit; wäre sie das aber auch nicht, so ist sie es doch in weitem Umfang geworden. des Latein, mit der coni. periphr. in der Apodosis. Die also

im

auch als Dubitativus und Iussivus denn ein ursprünglicher Konjunktiv kann nicht auf die Vergangenheit gehen ) und ist es dem entwickelten Sprachbewußtsein in der hypothetischen Periode 2 ). Hier nun funktionierte er regelmäßig als Irreal der Gegenwart wie der Condicionalis im Indischen und der irreal funktionierende Indikativ im Griechischen; als Irreal der Vergangenheit aber verwendet das Lateinische gewöhnlich eine Neubildung, den Konj. des Plusqu. Aus dem Gesagten ergibt sich für unseren Fall einmal, daß die Verwendung des Konj. des Imperf. als Irreal der Vergangenheit an sich nicht befremdlich ist; in der Tat hat man ihn bisher wesentlich auf gleiche Stufe mit dem Plusqu. gestellt und Priem konstatiert (S. 269 f.) in etwa 200 Fällen den Gebrauch für das Plusqu. bei Cicero und Cäsar; dabei hat er die Fälle abgezogen, die auch nach seiner Meinung den Konj. des Imp. als Potentialis im gewöhnlichen Sinne zeigen. Wenn auch die Angaben Priems nicht ganz verläßlich sein sollten 3 ), so ist doch die Zahl der Beispiele so groß, daß der Wegfall des einen oder anderen nichts zu besagen hat, und man braucht in der Tat nur aufs Geratewohl ein paar herauszugreifen, um zu sehen, daß ein Sie

ist

es

freien Satz,

hier

1

1

)

Brugmann

setzt 767 leasmäd

abhe§yat

=

quid metueret,

was

hätte er

fürchten sollen? 2 )

Ich betrachte nach Langes bekanntem Vorgange die Bedingungssätze als

(vgl. auch meinen Aufsatz S. 691 ff.); der Wunschmodus wurde dann durch die Natur des Satzgefüges zum Potentialis, welche Umdeutung wir im Deutschen in den konjunktivischen Bedingungssätzen leicht

ursprüngliche Wunschsätze

nachfühlen können. in

3 So fasse ich z. B. Rose. Am. 37 und 97 nicht irreal, wenn ich auch Bl. ) dem, was er gegen Priem vorbringt (S. 37), nicht beistimme.

;:

272

R.

gewöhnlichen Sinne

im

Potentialis

WIMMERER.

kann 1 ). Man muß es also daß der Konj. des Imperf.

dort

unmöglich

Platz

feststehendes Resultat

als

in der irrealen

haben

betrachten,

Periode im selben Sinne

wie der Konj. des Plusqu. erscheint. Wenn nun die letztere Form die gewöhnliche war, so ist es klar, daß man zur ursprünglichen dann besonders gern griff, wenn etwas, was man an sich potential konnte,

fassen

als irreal

zu bezeichnen war,

weil eben der Konj.

des Imp. im freien Satze als Potential der Vergangenheit fungierte

Minucius numquam decumas tu lege Hieronica venderes übersetzen „für den Fall, daß du sie hättest verpachten wollen"; die Verpachtung fand aber eben nicht so statt, wie der folgende Satz lehrt: sed quia tuis novis edictis et iniquissimis institutis plus aliquante- se quam decumas ablaturum videbat, ideirco longius proVendidisses an der Stelle würde als gewöhnlicher gressiv est. Irreal diese Nuancierung der Auffassung nicht so nahe legen, aber dem Hauptsinn ebenso gerecht werden 2 ); denn dieser ist eben der irreale: „du hast sie nicht so verpachtet", wie der dargelegte Zusammenhang zeigt. Denn der Zusammenhang und nur- der Zusammenhang ist es in letzter Linie, wie wir oben gesehen haben, der über Irrealität oder Nichtirrealität entscheidet. So haben wir so könnte

man

B. Verr. III 150: deinde ipse

z.

habere voluisset,

si

So z. B. Verr. Iil 111, 134. Übrigens war der Konj. des Plusqu., wie das ja auch zu erwarten

»)

*)

solcher Nuancierung

durchaus nicht unfähig.

Ich

erinnere

an

das

steht,

bekannte

repugnasses, mortem pugnans oppetisses Cic. Sest. 45 (vgl. Verr. ne emisses im Nachsatz der irrealen Periode), wo der Konj. in der Bedeutung „du hättest sollen" steht, wie sonst auch der Konj. des Imp. z. B.

restitisses,

III 195

Sest. 54;

könnte

Sulla 25;

denn auch

Off. III

in

88;

Dräger,

vgl.

Histor.

dem schon angeführten

Synt. I S. 284.

Und

Beispiel post red. in sen. 3

so

quem meae

ille pestifer annus ..., si dimicare placuisset, clefensorem salutis passend wenn irgendwo potentialer Nebensinn im Bedingungssätze gefunden werden: „für den Fall, daß man sich hätte entschließen wollen". Hieher

habuit

sehr

rechnet

man auch

Rose.

Am.

72:

Sihunc apud bonorum emptores

eique iudicio Chrysogonus praeesset,

ipsos aecusares

tarnen diligentius paratiusque venisses,

wo

aecusares und praeesset auch Irreale der Vergangenheit mit potentialem Neben sinn („hättest anklagen können") lich

gleicher

Verwendung

sivus, Potentialis

oder Optativus,

und so beide Tempora in wesentbeisammen stünden. Denn ob IusFälle zeigen doch nur immer das

sein könnten

in einer

Periode

alle

diese

daß der Konj. des Imp. in all den Bedeutungen, in denen ihn der Konj. des Plusqu. ablöste, neben diesem sich forterhielt und daß wir eine, ö

daher

9pu\oüuev

äei,

keinen Grund

und keine Berechtigung haben,

Periode zu leugnen. Für diese Satzfügung Zeuge,

wo

fungierte.

ja im Nachsatze

als Irreal

ist

dies für die hypothetische

übrigens auch das Griechische ein

immer der

Potential

der Vergangenheit

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE

273

usw.

auch beim Konj. des Imperf. neben indikativischer Apodosis zuerst nach dem Zusammenhange zu fragen. Mag also auch in dem einen oder anderen Falle ein potentialer Sinn naheliegen oder dem Zusammenhange besser entsprechen, so ist dies, wie schon gesagt, sicher nicht überall der Fall und so auch nicht in dem Cäsar-

also

von dem wir ausgingen. Es sei gestattet, das Wesen des durch ein paar Beispiele zu beleuchten. In dem bekannten Ciceronianischen qui videret urbem captam diceret wäre es ungereimt, an eine Irrealität zu denken; niemand kommt hier auf den Gedanken: „aber es sah es niemand, also etc." Dagegen dominiert in dem oben behandelten ebenfalls den Verrinen entnommenen Beispiel deinde ipse Minucius numquam habere voluisset, si venderes, wie wir gesehen haben, entschieden schon die irreale Auffassung. Und in unserem Beispiele? Hier wäre es unpassend, an einen Potential zu denken. Wo hat hier bei der Beschreibung beispiel,

Potentialis

.

.

.

unabänderlich gegebenen lokalen Situation die potentiale Auffassung auch nur den Schein einer Berechtigung? Will man im Ernst erklären: „Wenn nicht ein Umweg dazwischen hätte Diese Ungereimtheit konnte treten können, sollen, wollen"? einer



natürlich auch Bl. nicht entgehen lich

— recht



und

so sehen wir ihn

denn

plötz-

unerwartet nach der seinerzeitigen energischen Abwei-

auf den Spuren Lilies wandeln und von einem „Gesichtspunkt" sprechen, unter welchem der Hauptsatz betrachtet werden kann 2 ). Es bedarf wohl keiner weiteren Auseinandersetzung, um darzutun, wie seltsam eine Erklärung ist, nach der eine unabänderlich gegebene Situation durch eine andere ebenso unab-

sung 1 )

änderlich gegebene Situation

um

nur eventuell

modifiziert wird.

Und

von Bl. hieher gezogenen Fälle, Liv. XXI 57,5; XXIX 26, 2; Seneca ad Hei v. 16, 6; Curt. X 10, 6; Plin. Paneg. 64. Potentialer Nebensinn ist ausgeschlossen an der ersten Liviusstelle, wie der dort folgende Satz zeigt, und

nicht viel anders steht es

die übrigen

an der Curtiusstelle an und für sich; an der zweiten Liviusstelle und an der Pliniusstelle legt ihn wohl die Verbalform nahe, doch ist der Hauptsinn irreal, wie wir oben betreffs der Liviusstelle

haben und betreffs der Pliniusstelle (peracta erant sollemnia comiüorum, si principem cogitares) ebenso deutlich der Zusammenhang lehrt; Traian wollte eben nicht als princeps, sondern wie jeder andere zum Konsul gewählt werden. Bleibt noch schon

gezeigt

S.

703 meines Aufsatzes.

')

s.

2

Bei Lilie

)

meines Aufs.

(§ 9)

eine

„maßgebende Bestimmung"

;

vgl. S. 704,

Anm.

2

:

274

R.

wenn

die Senecastelle,

sie

WIMMERER. Corneliam ex duodecim

heil ist:

liberis

ad duos fortuna redegerat. Si numerare funer a Corneliae velles (Gertz mit Wesenberg: velis), amiserat decem, si aestimare, amiserat Gracchos. Hier ist neben der Form auch schon der Begriff des Verbums potential; indes spricht auch hier der Zusammenhang entschieden für die irreale Auffassung, denn Seneca fährt fort Flentibus tarnen circa se et fatum eius exsecrantibus interdixit, accusarent, quae sibi fdios Graechos dedisset" 1 ). Die v ne fortunam erwähnte Konjektur ;an der Senecastelle gibt uns schließlich noch Gelegenheit, auf die fallweise so geringe Differenz zwischen poten-

und

tialer

irrealer

Wendung

Ich erinnere

weisen.

der

nur an das

hypothetischen bekannte Hacc

loquatur, nonne impetrare debeat? (Cic. Cat. I 19)

auf Priem S. 269, Periode

der den Wechsel

Periode si

hinzu-

tecum patria

und beziehe mich

der potentialen und irrealen

unter Anführung der höcht charakteristischen Stelle Cic.

in das reine Belieben des Autors stellt. Wie auch dieser leichte Wechsel dem Potential Blases nicht günstig; denn wenn man die Form, die sonst als Potential der Gegenwart fungierte, so leicht irreal verstehen konnte, war dies bei der entsprechenden Form für die Vergangenheit offenbar noch 2 viel leichter möglich ).

Fin.

IV 61 und 62

man

sieht,

ist

1 wir die Besprechung dieser Gruppe von Sätzen hier abschließen, ) Da noch konstatiert, daß sie alle den Indik. des Imperf. oder Plusqu. im Hauptsatze haben, mit dem dieser nach unserer Auffassung unverändert in die irreale

sei

Periode eingeht. 2 )

Der Konjunkt. des Imperf. in der

Erbstück besonders

auch bei Plautus (a. a.

z.

als Irrealis der Vergangenheit

muß

als altes

Volkssprache erwartet werden und wir finden ihn so

B. Aul. 523

O. S. 413) mit allocutus

compellarem ego illum, ni metuam,

eum

essem, ni

metuerem

was Schmalz

3

ins Ciceronianische über-

denn wohl auch kein Zufall, daß bei Cicero die Form als sich nach den Ausweisen bei Priem in den Reden und Briefen, die in ihrem Stile ja der Vulgärsprache näher standen, fast dreiSchließlich muß ich hier auch mal so häufig findet als in den übrigen Schriften. noch der schon erwähnten und so viel behandelten Stelle Lael. 11 gedenken, da Bl. sich auf sie hauptsächlich stützt (S. 21): Nisi enirn, quod ille minime putabat, immortalitatem optare vellet, quid non adeptus, quod homini fas esset optare? Sie hat ihr Besonderes; bildet man nämlich den „Wirklichkeitssatz": nunc vero voluit, so scheint dies, wie schon Müller bemerkte (s. Lilie S. 11), ein ewiges von ihm ist die Rede den Sinn zu ergeben, als habe Scipio Leben gewünscht. Das paßt aber nicht; denn Cicero sagt selbst: quod ille setzen will. So

Irrealis

ist es

der Vergangenheit







Bl. behauptet demnach, der gewöhnliche Irreal voluisset gäbe hier einen geradezu verkehrten Sinn. Wir haben oben die Stelle zu denen gerechnet, an welchen vor allem eine logische Notwendigkeit behauptet wird, die zu ihrem reinen Ausdruck eigentlich den Indikativ im Vordersatz erfordert,

minime putabat, und

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE Wir kommen Stelle

endlich dazu, zu fragen, was denn Bl. an die

unserer Erklärung

setzen

will.

flächlichkeit,

nehmen. Er

Dabei

275

usw.

muß

Rede stehenden Sprachgebrauchs

des in ich vor

allem

gegen

wieder

mit der Bl. meine Ausführungen behandelt, leistet sich S.

die Ober-

Stellung

Tendenz des Auf-

31 den Satz: „Auf die

satzes von] Wimmerer fällt schon aus diesem ersten Abschnitt unserer

Untersuchung helles Licht. Sein Bestreben, "aus einer Wurzel heraus alle Gebrauchsweisen des Indikativs im Hauptsatze der Bedingungsperiode der Vergangenheit neben konjunktivischem bedingendem Satze zu erklären, erweist sich als irrig. „La realite n'est pas simple", sagt der französische Gelehrte Lejay etc.". Dem gegenüber und können uns dabei auch auf Lilie berufen, der a. a. O. nach Müller bemerkt, wenn nisi enim voluit stünde, Cicero „eine Annahme gemacht und danacii

daß,

seinerseits über das Folge dieser Annahme aasgesprochen hätte, ohne Glück Scipios irgend ein Urteil zu verraten". Dieses subjektive Urteil ist aber, wie wir oben gesehen haben, nur geeignet, das Zwingende der Beweisführung zu schwächen, wenn seine Berechtigung nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Dies wäre min klärlich hier nicht der Fall, wenn vellet ein Irreal im gewöhnlichen Sinne wäre; denn dann würde Cicero sagen, daß Scipio ewig leben wollte; das wäre aber keine Annahme, „zu der sich gewiß jeder gern versteht (Lilie)", und Cicero Vellet ist erklärt ja selbst ausdrücklich, daß Scipio „nicht so gesonnen war". also gewiß, wie Bl. behauptet, Potential im gewöhnlichen Sinne; der Potential funktioniert aber auch hier irreal, denn das ergibt der „Wirklichkeitssatz" „die Unsterblichkeit hätte er freilich wünschen können und insofern hat er nicht alles erreicht"; und das ist der Sinn, den die Stelle für jeden unbefangenen Leser

die

.

.

.





hat.

Das

„freilich"

ergibt der

aber

des unbefangenen Lesers

ist:

Zusammenhang;

denn der zweite Gedanke Die Bedingung

das wollte er aber jedenfalls nicht.

von Cicero ironisch gemeint und niemand wird leugnen können, daß wenn es das bekannte ironische nisi forte voluit geschrieben hätte, sein Urteil ebensogut hätte ausdrücken können; dabeiist aber forte voluit auch wörtlich, möchte ich sagen, gleich vellet und Priem paraphrasiert denn auch: „er müßte denn die Unsterblichkeit gewünscht haben". Daß aber voluisset nicht diesen Sinn hätte ergeben können, wie Bl. meint, muß ich nach dem oben über die Funktion des Konj. des Plusqu. im Sinne des Potentials der Vergangenheit Beigebrachten leugnen. Und umgekehrt erweist, meine ich, die Stelle in meinem Sinne, daß Cicero nicht sicher war, daß der Konj. des Imperf. auch als Potential aufgefaßt werden mußte. Warum schrieb er denn im anderen Falle nicht einfach optaret, sondern schon einmal optare vellet? Warum setzte er noch ausdrücklich quod ille minime putahat zu? Warum das alles, wenn er sicher sein konnte, daß der auf die Vergangenheit bezogene Konj. des Imp. nur potential und nicht auch rein irreal verstanden werden konnte ? Endlich sei hier noch darauf hingewiesen, daß wie an der Laeliusstelle so auch sonst gerade vellem gerne in der besprochenen Funktion erscheint. Hier liegt, wie bereits bemerkt, im Begriffe des Verbums schon ein Element der Irrealität; dann wird bekanntlich mit der Form häufig der irreale Wunsch eingeleitet und sie entspricht so ganz dem griechischen eßouXöunv äv, bei dem das äv auch fehlen kann. ist

also

tatsächlich Cicero,

Wiener Studien. XXVII.

1905.

19

::

276

R.

ich

setze

(S. 701)

für

ein-

WIMMERER.

allemal nur zwei Stellen

meines Aufs, hieher

„erscheint also nach unserer Auffassung der nicht schon

Begriff des Prädikates gerechtfertigte Gebrauch des im Nachsatz der irrealen Periode in der Hauptsache nur als notwendige Konsequenz der Bedeutung der zur Verwendung kommenden Tempora, so ermöglicht diese Auffassung auch, wie einheitliche .... Erklärung der Spracheine schon bemerkt, erscheinung; dann aber werden auch die sprachlichen Tatsachen, die die Erscheinung sozusagen nur stückweise und daher zu fördernden Nebenlückenhaft zu erklären vermochten, umständen .... So erleichterte der Umstand, daß in der irrealen Periode der Indikativ an sich immer möglich ist, gewiß den Gebrauch eines bestimmten Indikativtempus und es mußte dem Indikativ seiner Natur nach und im Gegensatz zu dem sonst üblichen Konjunktiv auch der Sinn nachdrücklicherer Versicherung zukommen". (S. 712) „So gewiß auch der Indikativ in der einen Art der Fälle seine Erklärung in der an sich irrealen Bedeutung des Prädikates, in der anderen Art in der Natur der irrealen Periode, die als solche immer nur aus dem Zusammenhange erkennbar ist, begründet ist, so erschienen doch beide Beobachtungen nicht als ausreichend, den Indikativ in allen Fällen zu erklären". Ich glaube, ich brauche dem weiter nichts hinzuzufügen 1 ).

den

durch

Indik.

Bl. konstatiert

also

Typen der hypothetischen Periode

vier

der Vergangenheit mit konjunktivischem Neben- und indikativischem einer anderen Bemerkung Bl.'s gegenüber, die offenbar, wenn ) Auch mich nicht ausdrücklich, gegen meinen Aufsatz gerichtet ist, kann ich mich begnügen, diesen Aufsatz selbst zu zitieren. Bl. schreibt S. 43: „Werfen wir einen Rückblick auf die Darstellung der von uns sogenannten Konibinationsperiode ..., so leuchtet ein, daß sie nicht in dem Sinne spezifisch Taciteisch genannt werden l

kann, als habe er

sie zuerst gebildet

nur, daß Tacitus diese

Form

und

allein

gebraucht. ... In

dem Sinne

also

vor allen anderen und mehr als die übrigen Autoren

nach Inkonzinnität der Satzglieder so einer Taciteischen Ausdrucksform reden". Damit vergleiche man die einleitenden Worte meines Aufsatzes (S. 673) „Wie im ersten Artikel haben wir es auch hier mit einer sprachlichen Besonderheit zu tun, die Tacitus nicht geprägt, sondern schon vorgefunden hat, für die er aber solche Vorliebe an den Tag legt, daß sie zur speziellen

bevorzugt hat, sehr

weil

entgegenkam,

sie

seinem Streben wir von ihr

dürfen

Eigentümlichkeit seines Stiles entspricht

es

dann

schließlich,

früheren Zsit nur spärlich

werden konnte,

wird",

daß

erscheint,



als

und

sie in der

S.

701:

„Dieser Potenz der

besprochenen Verwendung

häufiger aber erst bei

Form in der

bewußter Pflege

dann eben die Autoren zuteil werden ließen, die als kunstmäßige Rhetoriker gern mit besonderen Mitteln wirkten, also Livius und die ihr

vor allem Tacitus

etc.".

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE

277

usw.

wie non satis est, 1. Ausdrücke (s. S. 51): verwandten negierten Verba des Könnens mit einem negierten konjunktivischen Nebensatz; 2. der rhetorische Typus; 3. der Kombinationstypus; 4. der Typus, bei dem der wirkliche Inhalt des Hauptsatzes durch den konjunktivischen Nebensatz Den 4. Typus haben wir bereits eine Einschränkung erleidet. Hauptsatz;

parum

est

es

UDd

sind die

Auch der 1. Typus erfordert keine umfängliche ErörteWie man sieht, gehören die Fälle unter das bekannte Muster aeguum erat, melius erat etc., das ich S. 674 kurz charakterisiert

behandelt. rung.

habe. Bl. aber

(s.

S. 28, S.

32

erklärt den Konjunktiv des Neben-

ff.)

Frage Dittmars; die ursprüngParataxe zeige noch die ausnahmslose Nachstellung des mit

satzes jetzt als den der unwilligen liche

ni eingeleiteten Nebensatzes;

bedingende Sinn

seien

die

die

eines

der

mit

nisi

Ich weiß zunächst nicht,

einer anderen Konstruktion. .,unwilligen

und

späteren Ausgleiches

Verwendung des

Folge

ob mit der

auf den sich Bl. ausdrücklich beruft,

Frage" Dittmar,

gerade ein Gefallen geschieht. Denn sieht man sich etwa das S. 35 aus Plautus zitierte Beispiel an (Merc. 692 parumne est malae rei, :

quod amat Demipho, ni sumptuosus insuper etiam siet?), so begreift man bei der Erklärung wohl nur schwer, warum denn nicht vor allem der Hauptsatz, der doch gewiß eine unwillige Frage ist und diesen Charakter auch in der Folgezeit bewahrt hat, den Konjunktiv hat. Indes ist eine Entscheidung in der Frage für uns nicht ich würde wegen der Etymologie des ni selbst gerne daß hier die ursprüngliche Parataxe noch länger gefühlt wurde als in anderen Fällen; doch war die Negation eben einmal ganz so wie das prohibitive ne zur subordinierenden Konjunktion geworden 1 ); da nun daneben von jeher nisi (si non) ganz ebenso

notwendig; glauben,

doch wieder hypothetische Perioden, wie ja auch in der ganzen klassischen und in der Folgezeit ein begrifflicher Unterschied zwischen ni und nisi nicht gefühlt wurde; den „bedingenden Sinn" muß ja auch BL, wie wir gesehen haben, zugeben. Indem er aber den Typus auch über die negierten Verba des Könnens erstreckt und Beispiele (S. 34) anführt wie das oben besprochene aus dem Laefunktioniert,

so sind es eben

mit denen wir es zu tun haben,

non adeptus est?), bleibt sichtlich von den Wendungen. irreal, auch positiv mit dem Indikativ in die irreale Periode eingehen, nicht viel übrig. Dabei ist aus einigen der Beispiele wie aus dem im Laelius zu ersehen, daß auch die Nach-

lius

(quid

die,

an sich

')

Vgl.

Brugmann, K.

vgl.

Gramm.

§

912 und 913. 19*

278

R.

Stellung

WIMMERER.

Bedingungssatzes

des

So kommt denn auch

durchaus

ausnahmslos

nicht

ist.

dem Ende, daß er diese Bedingungssätze auf gleiche Stufe stellt mit den Wendungen des Deutschen, die mit „es sei denn (daß)" eine Ausnahme hervorBl.

36) glücklich zu

(S.

Dies tun aber Sätze mit nisi immer 1 )

und es erklärt sich auch ganz ungezwungen deren häufige Nachstellung. Damit ist

heben. so

der

wie

Typus

seiner Besonderheiten

all

gesagt,

lediglich

und erweist

entkleidet

der Perioden,

spezieller Fall

als

in

sich,

deren

Apodosis der Indikativ durch die an sich irreale Bedeutung der gebrauchten Wendung gerechtfertigt ist; daß aber die Perioden irreal sind, ergibt die unbefangene Prüfung jedes beliebigen BeiWas nun den „rhetorischen Typus" anlangt, so habe spiels 2 ).



dem, was ich

ich

O. über die irrealen Perioden, in denen der

a. a.

Rechnung größeren Affektes

Indikativ im Hauptsatz lediglich auf

oder ausdrücklicher Versicherung zu setzen

Wesentliches hinzuzufügen. Ich habe dort

daß schon aus prinzipiellen Gründen



Sprachgefühles

nehmen seltene

aber

weiter

sind;

Ausnahmen zu betrachten

aufmerksam gemacht

(S.

daß

auch,

696

ff.),

gesagt habe, nichts

684

ff.)

bemerkt,

— nach dem Ausweise auch

Perioden

solche

ist,

(bes. S.

im

unseres

Lateinischen

diese Fälle

anzu-

immer nur

als

habe endlich darauf daß bei der Auffassung, die den Ich

sind.

Indikativ lediglich durch rhetorische Lebhaftigkeit erklärt, die Tat1 )

Vgl. auch

a. a.

O. S. 706

über das einem sed nahe „Bei

keiner Satzart

f.

kommende

schwebt so

dann noch Landgraf zu

;

nisi; endlich

oft als

bei

Brugmann

Cic. Roscius

a. a.

Am. 99

O. § 913 (S. 669):

den Bedingungssätzen der Gedanke

eines gegensätzlichen Verhaltens vor etc.".

Auf der Stufe der Gegenwart stellt sich die Sache natürlich anders. Natur aller hier in Betracht kommenden Wendungen, daß sie auf der Stufe der Vergangenheit gewöhnlich irreal empfunden werden, auf der der Gegenwart aber ein Urteil über Realität oder Irrealität ebenso häufig noch nicht möglich ist. Das zeigt am einfachsten das griechische öei und e"öei etc. Bei eöei s

)

Es

liegt in der

„handelte es sich

natürlicherweise in den

meisten Fällen

um

eine Pflicht,

die

nicht erfüllt wurde" (Brugmann, Griech. Gramm. 2 S. 193); wer aber öei oder possum oder parum est sagt, der hat gewöhnlich hiebei noch nicht über Sein oder Nichtsein entschieden; eoet etc. sagen

und sagt

denn hat er das, so muß

er logischerweise

bereits

Das Präsens ist hier also so recht Verbindung mit dem Potential der

es auch, wie bekannt.

im eigentlichen Sinne potential und die Gegenwart im Bedingungssatz daher gar nicht auffällig. Nimmt man dazu die oben erwähnte Leichtigkeit des Wechsels zwischen Potential und Irreal und für das Altlatein noch den Umstand, daß hier der Konj. des Präsens auch noch irreal funktionieren konnte, so kann es wohl weiter nicht wundernehmen, wenn auf der Stufe der Gegenwart bei den Wendungen wie parum est im Bedingungssatze gewöhnlich der Konjunktiv des Präsens steht;

meinen Aufsatz

S.

700, 701

Anm.

1,

s.

Bl. S. 33. Vgl. übrigens

704 und unten im Text.

auch

;;

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE

usw.

279

muß,

daß das historische Perfekt so selten erscheint, und darin einen zwingenden Grund für die Richtigkeit unserer Theorie gefunden, nach der eben das regelmäßige Imperf. und Plusquamp. vor allem auf Rechnung der Aktionsart, nicht des Affektes usw. kommt. Darauf nun, wie sich Bl. zu dieser Tatsache stellt, werden wir noch zurückkommen. Hier bemerke ich nur noch, daß der rhetorische Typus, den er früher auf nicht allzu häufige Fälle beschränkte, nun bei ihm wieder große Ausdehnung gewinnt, womit er auf den Standpunkt Wex' zurückkommt, bei dem dies genus dicendi ein pervulgatum ist 1 ). Dabei setzt aber Wex das Plusqu. ausdrücklich einem Imperfekt gleich, was Bl. nach seiner Auffassung des Plusqu. freilich nicht tun kann immerhin sieht er sich veranlaßt, den rhetorischen Typus auch für das Imperf. in einer nicht kleinen Zahl von Fällen anzunehmen (S. 37 f., 41 f.); bei diesem Tempus kann natürlich auch er nur an einen Zustand denken (S. 38). Ich brauche wohl nicht eigens darauf hinzuweisen, daß diese Imperfekta, die Bl. offenbar nirgend anderswo befremdlich

sache

erscheinen

unterbringt als hier,

eben

wo

alles Platz hat,

bei einiger „Lebhaftigkeit der Phantasie"

viel eher für

uns

als

für ihn sprechen,

und

konstatiere noch, daß unter den Beispielen, die er für das Plusqu. ff.), sich nicht wenige klassische Imperfekta finden. den Formen der 13 verschiedenen Verba, die ich zähle, gehören hieher zunächst natürlich alle Passiva wie erat dictum, capti et deleti eramus, actum erat (wiederholt bei Seneca und Plinius), oppressa erat (bei Tacitus, überdies mit cedebant verbunden) dann die Aktiva perieram und perdideram. Bei Florus erscheint neben actum erat und zwei anderen Passiva noch redierat, wo die Imperfektbedeutung auch sofort in die Augen springt; auch viceramus an den zwei (S. 686 besprochenen) Cicerostellen, an denen ich rhetorische Bedeutung zugab, ist ein klassisches Imperf. 2); außer-

anführt (S. 22

Unter

dem

die

ist

Es

Wendung manchmal

bleibt

interessanteste,

schon der Bedeutung nach irreal

3 ).

noch der „Kombinationstypus"; er ist der da ja Bl. mit ihm gerade die Fälle erklären muß

endlich

Auf Wex' Standpunkt kommt Bl., wie wir noch sehen werden, im tatauch beim „Kombinationstypus" wieder zurück, ohne daß übrigens Wex irgendwo ausdrücklich zitiert wäre. Auch Lilie ist trotz der augenfälligen Übereinstimmung nirgends erwähnt. 1

)

sächlichen

2

)

=

„wir waren Sieger"

;

vgl.

Wex

a.

O.

steht bei dem angeführten dictum erat (Cic. Nat. deor. I 45) satis. ) So Iul. Capit. M. Ant. Phil. 16, 6 gehört paraverat zur Gruppe der Wendungen, die sich enge an die Kategorie von possum anschließen (s. a. O. 684). 3

.

280

WIMMERER.

R.

die von jeher die Aufmerksamkeit auf sich zogen, weil will, eben die gewöhnlichen Mittel der Erklärung versagten. Er knüpft also (S. 29) die Beschreibung seines Kombinationstypus an Liv.

und

XXXIV

29,

10

et

difßcilior facta oppugnatio erat, ni T. Quinctius

Hier stehe neben dem realen Hauptsatz ein irrealer Nebensatz und die Sätze könnten demnach nur infolge einer Brachylogie oder einer Vermischung zweier Gedankenreihen, die Ziemer. super venisset.

„Junggrammatische Streifzüge" 2 S. 92 Reihen- oder Kombinationsausgleichung genannt habe, verbunden sein; so wäre in unserem Falle die dem bedingenden Satze entsprechende Apodosis etwa: „so wäre die Stadt überhaupt nicht eingenommen worden". Dann heißt es vom Imperf. S. 38 im Anschluß an Cic. Verr. V 129 si per Metellum licitum esset, matres illorum miserorum sororesque veniebant: „Das Verbum bezeichnet keinen Zustand, sondern eine Handlung und zwar eine wirkliche, nicht bloß gedachte Handlung, die als im Imperf. stehend in der Entwicklung begriffen erscheint. Diese Entwicklung wird aber unterbrochen durch die im Bedingungssatze angegebene Handlung: veniebant si licitum esset. Die Apodosis gehört in Wirk-



.

Zu

lichkeit gar nicht zur Protasis.

Apodosis

liche

venissent,

sie

nicht

veniebant,

wären gekommen,

licitum esset gehört als eigen-

si

sie

waren am Kommen,

die

durch Kombinationsausgleichung

tritt

an

die

sondern

der Vergangenheit

Tatsache

der

Stelle

irrealen

weitem Umfang für zunächt mit Bl. über das Perfekt angenommen. Wir könnten den Ausdruck „Kombinationsausgleichung" rechten. Was Ziemer so nennt, ist keine „Brachylogie", sondern eine formelle Verschmelzung von Wendungen verwandter Bedeutung (daher der Name!); Z. führt als Beispiel dafür S. 65 die bekannte Wendung interdico alicui foro an, die das Produkt der Ausgleichung von interdico alicui forum und intcrcludo aliquem foro sei. Auf unserem Gebiete könnte also als Resultat einer solchen Ausgleichung der oben Apodosis". Endlich wird S. 45

ff.

der

Typus

in

besprochene Satz Cic. Fin. V 87 nisi enim id faceret, cur Plato Aegyptum peragravit? bezeichnet werden, wenn er, wie Madvig will, aus

nisi

.

.

.

faceret,

peragravit? entstanden

„Kontamination".

wo

Fälle,

in

cur

.

.

.

1

ist );

peragrasset ?

nisi

hier aber redet

Den Namen verwendet aber

einer Brachylogie

.

Bl.

.

Z.

facit,

cur

.

.

(S.

127) für die

eine „wirkliche Vermischung oder

Wie man sieht, ist «also die Auffassung nicht neu so spricht auch schon Usque eu animadverti, iadices, eum bei Halm zu Cic. Rose. Am. 60: atque alias res agere, ante quam Chrysogonum nominavi von einer Kon-

*)

;

Putsche iocari

.

wieder von einer

struktionsmischung aus usque eo



dum und

untea



quam.

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE

281

usw.

Zusammendrängung" zweier Wendungen vorliegt. Dieser Fall läge den meisten Wendungen, die Bl. hieherzieht, vor ) und 1

klärlich in

Z. rechnet auch tatsächlich S. 136 die Fälle, in denen paene und prope mit Indikativ im Hauptsatz irrealer Perioden erscheint, und „ähnliche kontrahierte Formen", wie sie bei Dräger (Histor. Syntax sind, hieher. Indes bezeichnet man gegenvon Erscheinungen gleichmäßig als „Kontaminationen" oder „Kontaminationsmischungen (gemischte Konstruktionen" 2 ) und auf den Namen kommt es ja weiter nicht an, wenn nur die Sache richtig erfaßt ist. Dies scheint mir aber bei Bl. nicht der Fall zu sein. Es können solche Ausgleichungen doch nur angenommen werden zwischen „bedeutungsgleichen oder bedeutungsverwandten Ausdrucksformen" 3 ). Dies wäre nun der Fall bei dem Liviusbeispiel, von dem Bl. ausgeht; wer sagte: „die Belagerung war schwieriger geworden", konnte leicht auf den Gedanken kommen „und wäre es (weiter) gewesen" oder „geblieben" oder auch, wie Bl. will, „und die Stadt wäre überhaupt nicht eingenommen worden, wenn nicht T. Quinctius dazu gekommen wäre". Diesen Gedankengang aber veranlaßt das difficilior des indikativischen Satzes; denn dieses Prädikat bietet kein abgeschlossenes Faktum, sondern regt erst die Frage nach einem solchen an, das dann das bedeutungsverwandte difficilior fuisset mit angefügtem Bedingungssatz bringt. Daß bei solcher Verwandtschaft in Form und Inhalt eine Zusammendrängung der beiden Gedanken in eine kürzere Form stattfinden konnte, würde man wohl begreifen. Wesentlich anders aber steht die Sache für Bl. bei Plusquamperfekten, wie sie nun bei ihm folgen, nämlich impleverat, contremuerant, verterani, stimtdaverant- denn da diese Formen nach seiner Auffassung des Plusqu. lediglich eine in der Vergangenheit abgeschlossene Handlung, nicht aber einen aus einer Vorhandlung resultierenden Zustand bezeichnen, so bringen sie eben selbst schon den Abschluß, regen aber nicht erst die Frage nach einem solchen an. Für Bl. fehlt hier also die natürII 1

550

wärtig

d)

aufgeführt

beide Arten

:

So wäre in dem Cicerobeispiel veniebant -j- venisseni, si licitum esset „zu) sammengedrängt" in veniebant, si licitum esset. 2 Brugmann, K. vgl. Gramm. 947 ff. Behaghel, Die Syntax des Heliand ) S. 1

;

S. 368

ff.

3 So Brugmann a. O. Analog sagt Ziemer S. 64, daß partielle Gleichheit Vorbedingung für jede Attraktion von Vorstellungen sei („Zwischen starren Gegensätzen vermöchte die Ideenassoziation keine ausgleichende Vermittlung zu schaffen .") und S. 130 von kontaminierten Reihen, daß sie durch den Sinn )

die

.

.

so verknüpft seien,

konnte.

daß

eine

structura

media mit Leichtigkeit

sich

anbahnen

282

WIMMERER.

E.

Brücke zum bedeutungsverwandten Gedanken oder, besser selbst abgebrochen denn sähe er in dem Plusqu. einen Zustand bezeichnet, dann wäre z. B. contremnerant timebant und daran schlösse sich dem Obigen ganz analog et liehe

gesagt, er hat sie sich

;

=

(amplius) timuissent, ni. Bl. „ergänzt" wohl selbst so

1

), aber er hat seinem Standpunkt aus dazu nicht mehr Recht als zu jeder anderen, mehr oder minder willkürlichen „Ergänzung". Wie eine

eben von

solche dann ausfallen kann, zeigt die von ihm zur Erklärung von Verg.

Aen. II

1

12 2 )

angenommene Kombinationsausgleichung;

lautet: nee veni, nisi fata

die

Stelle

locum sedemque dedissent, nee bellum cum

werde „der etwa vorschwebende Geprivarem durch den anderen nee venissem, nisi dedissent gekreuzt. Wie man sieht, ist die „Ergänzung" völlig willkürlich; von einer Bedeutungsverwandtschaft der sich kreuzenden Reihen ist da keine Spur mehr vorhanden; allerdings aber wird, wenn man so operiert, die Annahme der Kontamination zur Panacee. Ganz glatt geht aber die Sache wieder beim Imperf. 3 ). Da BL, wie wir oben sahen, das Imperf. veniebant richtig mit „sie waren am Kommen" erklärt, so ergibt sich ganz ungesucht der bedeutungsverwandte Gedanke „und sie wären gekommen, wenn etc." Man sieht, worauf wir hinauskommen. Die Kontamination kann da angenommen werden, wo in dem im Indigente gero.

danke" nee

meint,

Bl.

veni, .

.

hier

ut vos sedibus

.

kativ erscheinenden Prädikat

sondern

eine fertige Tatsache,

nicht

nur der Hinweis auf eine solche

also bei den

liegt,

Wendungen,

die

*) Er unterläßt es außer bei der Liviusstelle, anzuheben, wie er sich die Kontamination entstanden denkt, versichert aber mehreremale ausdrücklich, daß die Handlung des Hauptsatzes wirklich eingetreten war. *) s. S. 47. Ich habe a. O. S. 696 f. an der Stelle nichts weiter zu erklären gefunden, da sie einem Dichter angehört, dem, wie dies Beispiele aus unseren Klassikern lehren (s. solche S. 685, Anm. 1), die Freiheit der ungewöhn-

lichen Ausdrucksweise [ohneweiters zuzugestehen ist;

der Fall gehört also unter

den rhetorischen Typus. 3 gehören bezeichnenderweise auch nach Bl. weitaus die meisten ) Hieher Beispiele für den Typus und zwar vor allem aus Tacitus. Dies ist wohl neben dem Zugeständnisse, daß an drei Tacitusstellen der Konjunktiv nicht futural sei, der einzige Erfolg, den meine sehr „berechtigte Kritik" hatte. In seiner „Geschichte des Irrealis" (S. 29 f.) hatte Bl. nämlich den Taciteischen Gebrauch durch eine Erweiterung der Gruppe der Verba des Müssens und Könnens über die

Verba des Strebens, Beginnens, der Bewegung nach etwas hin

aus Gründen

der Bedeutungsverwandtschaft

zu erklären gesucht, wogegen ich also

mit

die Beispiele

dem

aus Tacitus

a.

O.

S.

675

zum größten

Imperf. mußten den rhetorischen

den f.

ersteren

Stellung nahm.

Teile (22) hier;

Typus erweitern

etc.,

die sich

angeschlossen hätten,

Nun

erscheinen

acht andere aber

helfen.

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE

283

usw.

an sich irreale zu bezeichnen pflegen. Hieher gehören Wendungen mit possum, paene und prope, Auswie difficile est, quid non adeptus est? usw. Für solche

wir sonst

als

also vor allem die

drücke

Wendungen nimmt denn auch

Z., wie wir gesehen haben, die Konund man könnte sich dafür auch auf Behaghel berufen, der (S. 370) Heliand 3940 anführt: uueldun ina ni andredin und erklärt: „sie wollten ihn fangen fallen, ef sie im und hätten ihn gefangen, wenn sie ihn nicht gefürchtet hätten".

tamination

ausdrücklich an

. .

kommt auch

.

am

(S. 52) zu der noch ungeklärte Frage, ob nicht auch bei der coni. periphr. Kontamination anzunehmen sei und bei velle, wie ja „Wimmerer S. 683 sogar der Ansicht ist, die Annahme einer solchen Ellipse sei auch in allen Fällen mit possum usw. möglich". Diese Bemerkung hatte ich gegen Wex gemacht, der im Gegensatz zu Bl. beim Imperf. die „Ellipse' verwarf, sie aber bei coepisse, parare, conari etc. annahm. Es ist also wohl, glaube ich, nach all dem Dargelegten klar, daß man, sobald man an Kontamination denkt, vor allem die Fälle mit indikativischen Wendungen, die an sich irreal sind und von uns auch im freien Satze so empfunden werden, hieher ziehen muß und daß damit im Tatsächlichen, wie oben bemerkt, dasselbe festgestellt wird, was schon Wex für einen Teil dieser Fälle annahm; denn die „Ellipse" früherer Zeiten ist eben die äußerliche Bezeichnung

Bl.

selbst

Schlüsse seiner Schrift

Einsicht, allerdings nur zögernd.

Er nennt

es eine

-

für eine Erscheinung,

betrachtung durch die

für

die

die

Annahme

bringt 1 ). Weiter aber ergab

neuere

psychologische Sprach-

einer Kontamination die Erklärung

und ergibt

sich,

daß

in

allen

anderen

Fällen mit indikativischen Hauptsätzen dieselbe Erklärung nur dort

ungesucht

form

dungen. dieses

wo

paßt,

dieselbe

Dies als

ist

Aktionsart

in der

Bedeutung der Fall

liegt

wie

in

der betreffenden Verbal-

den an sich irrealen

beim Imperf.

Praeteritum des präsentischen

und beim

Plusqu.,

Perfekts gefaßt

Wenwenn wird

8 ).

Nun bin aber in meinem Aufsatz von den an sich irrealen Wendungen indikativischen Apodosis ausgegangen und habe aus dem Um-

Nicht aber paßt die Erklärung beim historischen Perfekt. ich

der

l )

So sagt auch

hauptsächlich

das

Z. ausdrücklich,

erklären wolle,

was

daß er mit der Annahme der Ausgleichung die frühere Grammatik als Ellipse oder

Pleonasmus bezeichnete. Vgl. auch Hörn, Indog. Forschungen XVII 100. *) Dies geht natürlich überall an. In manchen Fällen springt übrigens Notwendigkeit des Plusqu. in die Augen, so bei dem angeführten contreviuerant; denn von contremisco war eben ein rein duratives Imperf. nicht

die

möglich.

284

R.

WIMMERER.

stand, daß in den an sich nicht irrealen los das Imperf., resp. Plusqu. erscheint

dem

Wendungen

— über

fast

ausnahms-

die paar Fälle mit



noch ein Wort zu sagen sein geschlossen, daß es die Aktionsart dieser Formen, die sie den an sich irrealen Wendungen, darunter besonders der coni. periphr. sehr nahe 1 ) bringt, sei, die sie befähigt, gleichfalls irreal zu funktionieren. Sohin führt die Annahme der Kontamination, so weit sie als ungesucht erscheint, genau auf dasselbe Resultat, zu dem ich kam, und Bl. hat meine Aufstellungen nicht widerlegt, sondern nur bekräftigt. Es wäre nun nur noch einiges wenige über das Perfekt zu sagen. Bl. nennt S. 43 meine Beobachtung, daß das Perfekt im Nachsatz der irrealen Periode sehr selten sei, eine ich zählte nur vier Fälle „ wichtige", meint aber, gar so selten sei es allerdings doch nicht. Um das zu erweisen, zieht er aber auch die Fälle heran, in denen das Perfekt in an sich irrealen Perf. wird gleich

,







Wendungen

steht,

wie

parum

fuit,

potuit etc.

Das geht

natürlich

denn diese Fälle sprechen ja eben nicht gegen meine Theorie, sondern für sie, wie ich S. 697 f. gezeigt habe; es ist ja klar, daß das in den an sich irrealen Wendungen gar nicht seltene Perfekt 2 ) gegenüber dem fast ausnahmslosen Imperf. (Plusqu.) in den anderen Fällen nur ein Beweis für uns sein kann. Und für diese anderen Fälle hat Bl. das Material wahrlich nicht wesentlich nicht an,

')

S.

698

f.



„Zur Lehre von den Aktionen,

hat neuestens wieder Meltzer,

Indog. Forsch.

besonders im Griechischen"

XVII 186

ff.

gehandelt.

Stark be-

von Franzosen, Engländern und Amerikanern, hat er seinen noch in der oben zitierten Rezension S. 244 (in der Behauptung, „daß überall die Aktion das Ursprüngliche ist, während Zeitstufe und Zeitrelation erst spätere Herausbildungen sind") präzisierten Standpunkt wesentlich geändert. Immerhin bleibt ihm auch jetzt noch der Unterschied von actio effectiva und actio infecta eine „feststehende und darum grundwesentliche Größe" (S. 193), wobei man aber wohl besser von einem aspectus effectivus und infectus (S. 212) sprechen sollte. Wie man sieht, werden also unsere Resultate auch durch diese neueste Modifikation der bisher in der deutschen Sprachwissenschaft üblichen Anschauungen einflußt

nicht berührt, auch dann nicht,

bei

seiner „Vorliebe 4

sierung-

denn

für

wenn

wirklich, wie

logische Uniformierung

M. jetzt meint, das Lateinische und schablonenhafte Mechani-

nur „sehr spärliche Überreste" der Aktion erhalten hätte

(S.

195, 208);

wir haben den von uns behandelten Gebrauch eben immer als einen aus

der „Schalone"

heraustretenden,

als

altes

Sprachgut

betrachtet.

Auch

betreffs

brauchen wir nicht mehr, als M. auch jetzt noch annimmt; er drückt nämlich nach ihm (S. 208) „gerne einen auf den Abschluß einer Vorhandlung folgenden Zustand" aus. des Perfektstammes

2 )

hier

bei Dräger wenigstens scheint die Wahl des Temp. gewesen zu sein; s. meinen Aufsatz a. a. O. Für Cicero 306) sogar 30 Perfekta gegen 12 Imperf.

Nach den Ausweisen

ganz

konstatiert

irrelevant

Priem

(S.

-;

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE

Wenn man

vermehrt.

irrealen

bei,

die in Betracht

Mil. 38; Verg. Aen.

IV

von den Stellen

Typen gehören, bringt

sich

kommen

V

die unter die an noch sieben Beispiele nämlich Cic. Verr. V 38

absieht,

er nur

könnten,

534; Vell.

285

usw.

18, 3;

I

Flor. I 18,

17;

Apul.

müssen wir nach unserer Theorie dem rhetorischen Typus zurechnen (a. 0. 697). In der Tat gehört eines einem Dichter; Mil. 38 (quem si interficere voluisset, Met.

3; Tertull. Pud. 10. Diese Fälle

quantae quotiens occasiones, quam praeclarae fuerunt) lich affektvoll; nicht si forte

expergefacere

Von den

V

minder Verr. te

Fragen 1 ). je eines bei den Effekt

posses), die letzte dreier effektvoller

vier übrigen Beispielen aber steht

haschern Velleius und Florus, Apuleius und das vierte

Ergebnisse

handgreif-

ist

38 (neque illud rationis hdbuisti,

ist

das

dem

dritte

dem

bei

poetisierenden

Spätlatein entnommen. Bei diesem

nach dem Indik. des Perf. in wohl getrost von einer schönen

wiederholter Nachsuche

der irrealen Apodosis

kann

ich

Betätigung meiner Theorie sprechen 2 ). :

)

Wir haben

andere

einige

Nötige gesagt 2 )

tique, si

die beiden Stellen schon S. 269, Anra., angeführt,

ist.

IX 6. 2 gladii etiam plerisqzie intentati et vulnerati quidani necavultus eoram.... offendisset, wo ich erant wegen des vorhergehenden Liy.

circumstabant ergänzte, will

Bl. (S. 48) unter

und wiederholte Handlung annehmen; 1,

48

nam

vellent,

Fälle

si

atque

plures partiri

creditores forent,

corpus

addicti

Berufung auf Müller sunt ergänzen bezieht

er

eine gesetzliche Bestimmung,

die

sich

dabei

auf Gellius

quibus reus esset iudicatus,

hominis permiserunt

sibi

sind aber doch wohl grundverschieden.

tritt; si

wo auch über

mit diesen beiden zusammengehörige Cicerostellen mit Perf. das

Bei Gellius handelt

(leges).

es

naturgemäß fallweise immer wieder

plures essent gehört daher zu secare und partiri und es

ist

XX

secare, si

Die

sich

um

in Kraft

zu erklären:

wenn mehreie Gläubiger da wären'. An der Liviusstelle aberhandelt es sich um ein Ereignis: sollte hier eine wiederholte Handlung bezeichnet werden, so mußte dies vor allem im Hauptsatze zum Ausdrucke kommen und so Imperf. oder erst wieder Plusquamp. stehen. Da nun aber in diesem Falle das Imperf. unstreitig natürlicher wäre, so wird die Stelle jedenfalls besser irreal gefaßt. Im Anschluß an Aen. XI 112 u. V 534 sagt Bl. (S. 47 f.) von der bekannten Stelle Buc. 1, 16 saepe malum hoc nobis, si mens non laeva fuisset, de caelo tactas memini praedicere quercus, sie sei durch Kreuzung des quercus praedicere und des darin enthaltenen Gedankens: „wir hätten das kommende Unglück längst voraussehen können", entstanden. Er konstruiert wohl, weil er die Stelle beim Perfekt behandelt, den unabhängigen Satz: si mens non laeva fuisset, quercus.... pjraedixerunt, dessen Perfekt dann in der Abhängigkeit von memini nach der be'die

Gesetze gestatteten (ein- für allemal), den Körper zu zerstückeln,



kannten Regel

in

den

Inf.

d.

Praes. übergegangen wäre. Ich meine aber,

bei Erklärung dieses Sprachgebrauches



der Infinitiv

d.

Praes. stehe,

man

ist

weil die

Handlung als gleichzeitig zum regierenden Verbum betrachtet werde, (so auch bisher zu wenig gründim wesentlichen noch Schmalz a. O. S. 289 3 Anm. 2) ,



286

WIMMERER.

R.

Wir könnten uns

also die Kontaminationstheorie ohneweiters

zu eigen machen. Ich halte sie aber trotz Z. und trotz der AutoMeine Gründe sind rität Behaghels für recht unwahrscheinlich.

lieh

gewesen. Stünde der Infin.

memini me

d.

Präsens nur deswegen, wie Schmalz sagt, weil

„ich habe im Gedächtnis mein Lesen", dann bei einem anderen verb. sent., wenn es Selbsterlebtes zum Objekt hatte, anders sein sollte; man könnte dann doch ebensogut z. B. scio me legere: „ich weiß (noch) mein Lesen" erwarten; ja, man wird sogar finden können, daß das „Wissen" viel weniger die Vorstellung der Verz.

B.

so sieht

man

legere wörtlich heiße:

nicht ein,

warum

es

gangenheit erzwingt als das „in der leicht

genauer sagen können, daß

Erinnerung

der, der sich

haben".

Man

wird also

viel-

an Selbsterlebtes erinnerte, es

„vor sich gehend", also im Imperf. denken mußte; diese Nötigung ergab sich eben aus dem Wortsinn von memini, während die übrigen verb. sent., z. B. also scio, novi, nur auf ein Faktum der Vergangenheit hinwiesen. Der Inf. bei memini wäre also in diesen Fällen ein Inf. d. Imperf., den das Lateinische ebensoals

muß, wie wir ihn im Griechischen noch so oft feststellen erhielt, während er natürlich ebensogut nach sonstigem Sprachgebrauche in den Inf. d. Perf. übergehen konnte. (Interessant ist dabei auch die von Schmalz konstatierte Tatsache, daß in der ganzen nachklassischen Latinität allein Tacitus wieder den alten, echten Sprachgebrauch bewahrt hat). Unser Beispiel lautete also direkt ni mens laeva fuisset, quercus.... $r aedicebant, hat also nach unserer wie auch nach der Kontaminationstheorie nichts Besonderes. (Vgl. im übrigen a. O. S. 711). Schließlich muß ich noch darauf hinweisen, wie Bl. um meine „wichtige" und immerhin „richtige" Beobachtung von der Seltenheit des Perfekts herumzukommen sucht. Er sagt S. 50 wörtlich: „Der Grund liegt in der Aktionsart des Tempus. Bezeichnet das Perf. den in der Gegenwart erreichten Zustand, die in der Gegenwart vollendete Handlung, so liegt es auf der Hand, daß eine Form solchen Inhaltes ungeeignet mit einer Tatsache der Vergangenheit. Dasselbe ist, eng verbunden zu werden ist der Fall, wenn das Perf. eine Tatsache der Vergangenheit vom Standpunkte der Gegenwart aus konstatiert. Weder der Irrealis noch der Potentialis der Vergangenheit passen zu einem solchen Tempus, während die Aktionsart der währenden oder abgeschlossenen Handlung in der Vergangenheit zu solcher Verbindung eher befähigt war u Zu der eigentümlichen Beweisführung, die übrigens auf die Verschiedenheit der Aktionsart doch nicht verzichten kann, brauche ich nicht viel zu bemerken. Das präsentische Perfekt gehört überhaupt nicht hieher. Warum aber der Irreal oder Potential der Vergangenheit zu einem historischen Perf. nicht passen soll, darüber wäre eine nähere Belehrung wohl erwünscht gewesen. und diese Fälle Völlig unerfindlich aber ist es, wie beim Kombinationstypus von einer Wahl des Tempus mit Rücksicht kommen ja vor allem in Betracht auf den Bedingungssatz gesprochen werden kann. Wie kann bei einem psychologischen Prozeß, dessen Charakteristikum das ist, daß eine Gedankenreihe mit tatsächlichem Inhalt, wie Bl. immer betont, eine andere mit irrealem Inhalt erst ins Bewußtsein bringt und nun von ihr gekreuzt wird, angenommen werden, daß gut gehabt haben

können, und der hier den Wortsinn von memini

.





von der anderen erst ins Bewußtsein doch der logische Widerspruch in Es hat auch tatsächlich noch niemand einen solchen oder ahn-

die erste in ihrem schon abgelaufenen Teil

tretenden bereits beeinflußt wurde?

optima forma.

Das

ist

Da

folgende.

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSATZE

usw.

Auffassung der

die

für

die

Wendungen mit possum,

aequum

debeo,

Sache est,

287

Bedeutung der

quis dubitavit? usw. be-

stimmend ist, so ist wohl vor allem zu bedenken, daß diese Ausdrücke auch im freien Satze gewöhnlich eine Bedeutung haben, zu deren Ausdruck wir den irrealen Konjunktiv, nicht den Indikativ verwenden. Wir könnten dies zwar auch, es scheint uns aber abnormal.

Ebenso auch

steht es mit der irrealen hypothetischen Periode; wir

hier,

finden es

können genug gesagt, den Indikativ verwenden, aber noch mehr gegen unser Sprachgefühl. Tun wir es wie schon

aber doch, so

oft

klafft hier

keine

Lücke

für unser

Empfinden, wenig-

Ausdrücken wie „können" und „müssen"; vielleicht eher bei „wollen", versuchen" etc. Wenn nun im Lateinischen der Indikativ im freien Satze ganz gewöhnlich ist, also nicht wie bei uns dem Sprachgefühle auffällt und in der irrealen Periode ebenso häufig ist, so verbietet doch jede Logik anzunehmen, daß er im

stens bei

zweiten Falle als ungewöhnlich, also als Resultat eines besonderen

psychologischen Vorganges empfunden wir bei diesen Verben,

falls

sie in

worden

wäre;

und wenn

der irrealen Periode indikativisch

stehen, an keine Ellipse denken, so konnte es der Lateiner konse-

um so weniger. Auch an eine etwa usuell gewordene Kontamination kann nicht gedacht werden. Denn das würde die Annahme nach sich ziehen, daß der Indikativ ursprünglich nicht quenterweise

irreal funktionieren

konnte.

Nun

ist

aber der spezifische Irrealis in

Sprachen erst etwas Sekundäres; wo nicht geradezu präteritale Indikative in diesem Sinne verwendet wurden, war es ein Optativ (oder Konjunktiv?), der die präteritale Bedeutung erst vom Indikativ allen

Tempusstammes nahm 1 ). Es fehlt also jede BerechtiWendungen, wo der Indikativ die irreale Bedeutung an

des gleichen

gung,

in

haben konnte und nachgewiesenermaßen zu allen Zeiten hatte, ihm die Fähigkeit abzusprechen, von jeher als Irrealis in die geschlossene hypothet. Periode einzutreten und dies gar im Latein., wo der gewöhnliche Irreal des Präteritums, der Konjunkt. d. Plusqu., eine Neubildung war, zu der jede Parallele in den verwandten sich

;

liehen bei

Vorgang bei der Kontamination angenommen. Ich kann weder

Brugmanu noch auch

(vgl.

auch

S.

263

ff.:

bei Paul, Prinzipien

bei Z. noch

der Sprachgeschichte*

„Sparsamkeit im Ausdruck") ein Beispiel finden,

S.

das

132

ff.

auch

nur im entferntesten eine solche gegenseitige Beeinflussung der in dem Mischungsprodukte stehen gebliebenen Teile der kontaminierten Reihen zeigte; es liegt ja vielmehr in der Natur der ganzen Spracherscheinung, eben nicht zueinander zu passen scheinen. l

)

Vgl. Brugmann, K. vgl.

Gramm.

S.

586

ff.

daß

diese

Komponenten

288

R.

Sprachen

wir können noch weiter gehen: es sind gerade

fehlt! Ja,

die

Wendungen

die

Entwicklung eines

maßen

mit posse

den

an denen wir uns überhaupt

etc.,

klar

Irrealis

machen können.

noch

Potentialis

der Funktion

in

häufig

funktionierende Form,

irreal

die

Irrealis;

als

Homer 1 ); und

finden wir ihn noch im Altindischen und bei

erst

Bekannter-

uns erreichbare Sprachzustand, nicht

zeigt der älteste

späterer,

WIMMERER.

ein

so

die so

das Lateinische mit den

übrigen italischen Sprachen noch gemein hat, der Konj.

d.

Imperf.,

immer auch als Potential des Präteritums. Ein solches diceres z. B. kann man sich nun nicht anders klar machen als durch dici poterat; da man nun aber, wie schon oben bemerkt, naturgemäß zu einem solchen Gedanken gewöhnlich dann kommt, wenn in diente

Wirklichkeit

Nun

Irreal. thet.

dictum

non

est

wird

gilt,

steht aber der potentiale

Periode

eben

der Potential

Konjunktiv auch

in der

zum

bypo-

ohne daß jemand Kontamination annimmt 2 );

irreal,

bei dem genau gleichwertigen dici poterat aber soll sie angenommen werden?! Und wie steht es im Griechischen? Hier fungiert regelmäßig dieselbe Form als Potentialis der Vergangenheit wie als

und

Irrealis €TT0ücev

zeigt

außerdem noch

ihre

ursprüngliche Bedeutung:

av heißt „er hätte schlagen können", „er hätte geschlagen",

„er schlug wohl".

Wendungen

aber wie ebei stehen auch in der

ohne av 3 ). Hier kann wohl niemand behaupten, das Sprachgefühl habe dem Irrealis eine Stellung zuweisen können, die ihn von dem Indikativ eines Verbums schied, das in seinem Begriffe irgendwie den Sinn des blassen dv mit-

irrealen Periode gewöhnlich

umfaßte.

nach

Diese klaren Verhältnisse müssen nun doch, wenigstens

geübten und anerkannten sprachwissenschaftlichen Methode, auch im Lateinischen dort, wo nicht alles mehr so klar zutage liegt, für die Auffassung richtunggebend sein. Hier fungiert nun in beiden Sätzen der irrealen Periode der spezifische Irreal wie aller bisher

im Griechischen der modifizierte Indikativ; woher nimmt man also mangels aller anderen Zeugnisse das Recht, diesem Irreal eine andere Bedeutung zu leihen als dem modifizierten Indikativ des Griechischen ? Fehlt aber dieses Recht, so fehlt auch das Recht, einem Ausdruck, in dem der Indikativ so modifiziert ist wie in den 1

)

2 )

S.

Brugmann

So sagt

a.

O.

galibus prospiceret Metellus,

quid

S.

584

Bl. selbst S. 37

quod prospiceret

f.

von

si iste

128 quid erat, quod vectisuo quaestu pervertisset? Umschreibung der irrealen Apodosis

Cic. Verr. III

non

nur die cur prospiceret: warum hätte er Sorge tragen sollen? 3 Gramm, d. griech. Sprache II ) Kühner, Ausf. erat,

sei



vectigalia

2

176

f.,

178.

ZUM INDIKATIV IM HAUPTSÄTZE Wendungen

mit possam

die Fähigkeit

etc.,

289

usw.

abzusprechen,

ändert in die geschlossene irreale Periode einzugehen.

unver-

Ich glaube,

den Punkt genug gesagt zu haben; denn es nützt gegen den zu argumentieren, der gegenüber dem deutlichen Ausweis des antiken Sprachgefühls, das in Wendungen mit possutn etc. den Indikativ unstreitig bevorzugt, hartnäckig durch die Brille unseres Sprachgefühls sehen will, das eben das Gegenteil tut. Ein weiterer Umstand nun, der mir die Kontamination speziell für das Lateinische unwahrscheinlich macht, ist die Stellvertretung des Irrealis durch die coni. periphr. Nicht, daß ich beide Wendungen für gleichbedeutend hielte; dagegen sprach ich mich schon a. O. S. 710, Anm. 5 aus. Aber ich habe ebenda auch die nahe Verdamit

über

nichts,

wandtschaft a.

der

beiden

Wendungen zugegeben,

wie

3 O. S. 416 durch Gegenüberstellung von Cic. Att.

a.

namquam

quae Caesar

fecisset,

sie

Schmalz

XIV

13,

6

ea nunc proferuntur u. 14, 2 quae

facturus non fuit, ea fiunt jedenfalls erweist. Die besonderen Tatsachen der Stellvertretung des Irrealis durch die coni. periphr., über die ich a. 0. schon gesprochen habe, sind nun derart, daß sie

ille

m. E.

sicheren Schluß auf die gleiche Funktion der beiden

einen

Wendungen des acc.

c.

in

der irrealen Periode gestatten. In der Konstruktion

inf.

erscheint im Aktiv ausschließlich die coni. periphr.

bei Verben, die ein

Supinum haben; ebenso

erscheint bei konjunkt.

Fragen etc.) regelmäßig der Konj. der coni. periphr. bei solchen Verben; doch findet sich daneben auch der Irrealis unverändert. Beim supinlosen Verb und im Passiv wird jedoch die hier erforderliche Umschreibung mit futurum fuisse, ut sichtlich gemieden 1 ). Daraus ergibt sich m. E. folgendes. Eine Abhängigkeit

(in indir.

eigentliche „Stellvertretung" darf

nur

in

dings nicht zu

*)

man

mit unbestreitbarem Rechte

der Infinitivkonstruktion annehmen,

umgehen war

Priem bringt

S.

335

spiel bei, für das supinlose

ff.

2 ).

wo

eben schlechterDer Umstand aber, daß bei konsie

für das Passiv aus Cicero

Verbum aber keines

und Cäsar je

ein Bei-

(unter 100). Bei konjunktiv. Ab-

hängigkeit steht im Passiv nie die Umschreibung mit futurum fuerit (fuisset) ut; ebenso finden sich keine Beispiele dieser Umschreibung für das Aktiv supinloser Verba. *)

Diese Stellvertretung war jedenfalls auch das Kegelmäßige beim irrealen

Die Formen des verb. Zeitrelation zum Ausdruck. Da

Indik. des Präteritums.

infinit,

mäßig

hiebei der Infinitiv des Präsens die

die

Gleichzeitigkeit

brachten im Latein, regel-

war er ungeeignet, das in unserem Falle vorzu vertreten; der sonst regelmäßig vorzeitige Infinitiv des

bezeichnete, so

zeitige irreale Imperf.

eben aoristische Aktionsart, so daß das irreale Element verloren gehen mußte, wenn man ihn nahm. Bei konjunktivischer Abhängigkeit aber

Perf. aber hatte

290

R.

WIMMERER.

junktivischer Abhängigkeit von Cicero und Cäsar

der Konjunktiv

des Passivs stets beibehalten wird und auch im Aktiv nie die

schreibung mit futurum fuerit

Um-

den Schluß nahe, coni. die periphr. nur dort nahm, wo man sie auch unabhängig daß 1 man aber erschien ). Daß dann, wenn es möglich war, gern zu ihr griff 2 ), der Umstand muß wohl zu der Annahme führen, daß die beiden Wendungen im unabhängigen Satze im wesentlichen gleich Daß wir aber zu dem Ergebnisse gerade dann funktionierten.

kommen, wenn wir annehmen, daß

z.

die

B.,

legt

(fuisset) eintritt,

beiden

Wendungen

scharf scheiden,

wer Quis dubitabat, quin

si

also

Romani Sagun-

tinis tulissent opem, totum bellum aversuri fuerint? sagte, nur an unabhängiges aversuri fuerunt, nicht an avertissent dachte, dieser Um-

stand bestätigt jedenfalls die Richtigkeit unserer Auffassung; nicht

minder aber spricht dafür das analoge Verhalten von Wendungen mit posse etc. in der abhängigen irrealen Periode. Wollte man aber, wie

man

es

bisher

tat,

Fällen

allen

in

an

vertretung denken, so wäre dies klärlich der

mination noch ungünstiger. irreale Periode in der

minierte ersetzt

man

nicht

Annahme

der Konta-

das ergäbe, daß die geschlossene

Abhängigkeit ohneweiters durch eine konta-

wurde 3).

behaupten

Denn

eine wirkliche Stell-

man

aber kein Recht, solange

das Latein,

habe gar kein anderes

Dazu

kann,

hat

Mittel gehabt, in der Infinitivkonstruktion die Irrealität zu bezeichnen,

ohne die geschlossene Periode aufzu