Wo sich was vollendet - Abtei St. Hildegard

Wo sich was vollendet - Abtei St. Hildegard

Jahres-Rundbrief der Abtei St. Hildegard Advent 2006 – Advent 2007 2 A dvent Schauend von fern, gewahr’ ich Gottes Macht, die kommt, Wolkendunkel...

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Jahres-Rundbrief der Abtei St. Hildegard Advent 2006 – Advent 2007

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Schauend von fern, gewahr’ ich Gottes Macht, die kommt, Wolkendunkel bedeckt die ganze Erde. Eilt ihm entgegen und sprecht: Tu uns kund, ob du es bist, der über sein Volk Israel herrschen wird. Schauend von fern eilt ihm entgegen ... (Responsorium vom 1. Adventssonntag)

Liebe Mitschwestern und Mitbrüder, liebe Verwandte und Freunde der Abtei St. Hildegard! Wieder stehen wir an der Schwelle eines neuen Advents, sind wir angekommen an einem neuen Anfang. In geheimnisvoller Weise zieht uns der Advent in seinen Bann. Seine Liturgie, die der Sehnsucht der Menschheit aller Zeiten in Wort und Klang Ausdruck verleiht, erfüllt uns mit neuer Hoffnung und Erwartung: wir dürfen aufbrechen und dem entgegengehen, der uns immer schon entgegenkommt. Im Advent wird uns bewusst, wie sehr unser ganzes Leben Advent ist. Jeder neue Advent – das ist unsere Hoffnung – lässt uns ein wenig tiefer verstehen, was die Wirklichkeit Gottes in unserem Leben bedeutet. Unser Jahresbericht möchte Sie wieder teilnehmen lassen an unserem Ergehen im vergangenen Jahr. Wir wissen, wie sehr unser Tun und Bemühen Stückwerk ist; umso mehr aber vertrauen wir auf das Erbarmen Gottes. So soll unser Bericht vom Dank getragen sein, und wir bitten Sie, ihn als Dank an Gott und an Sie, die Sie mit uns auf dem Weg sind, zu verstehen. Als Form haben wir in diesem Jahr eine Art Mosaik gewählt, eine Stichwortsammlung von A – Z. Die einzelnen Stichwörter wurden von verschiedenen Mitschwestern bearbeitet. Wir hoffen, dass diese Gemeinschaftsarbeit ein lebendiges Bild unserer Gemeinschaft mit ihren 55 Schwestern, von denen die jüngste seit zwei Monaten und die älteste seit 72 Jahren hier lebt, widerspiegelt, und überreichen sie Ihnen hiermit wie in einem Blumenstrauß zusammengebunden.

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au

„OSB – o, sie bauen - immer noch“ war der treffende Titel einer Power-Point-Präsentation, die Sr. Ursula in diesem unserem fünften Baujahr erstellt hat, um auswärtigen Gästen, vor allem aber auch uns selbst die Entwicklung der letzten Jahre noch einmal im Zeitraffer vor Augen zu führen. Im Rahmen des Wirtschaftsberichts, den Sr. Scholastica in diesem Jahr zum ersten Mal vor dem Konvent hielt, schauten wir uns diesen „Film“ fast schon atemlos an, und manche von uns konnten sich schon jetzt nicht mehr vorstellen, wie unser Gelände einmal ausgesehen hat. Ja, es ist sehr vieles gewachsen und geworden in diesen Jahren. Vieles konnte fertiggestellt und in Nutzung genommen werden; manches stand in diesem Jahr noch an oder steht sogar noch aus: Sr. Judith konnte die neuen Räume der Goldschmiede beziehen; die letzten der neuen Gästezimmer wurden fertig und finden allseits großen Anklang; die vom Brandschutz „verordnete“ neue Feuerwehrringleitung rund um die Abtei steht vor der Vollendung. Das neue Osttor am Friedhof ist fertig und unser Garten, der für die neuen Leitungen nahezu vollständig „umgepflügt“ werden musste, strahlt bereits wieder in neuem Glanz. Der kühle und feuchte Sommer bescherte uns gnädiges Wetter, so dass alles erstaunlich schnell wieder grünte und blühte. Vor allem die älteren und gehbehinderten Mitschwestern genießen es nun, auf einem schön gepflasterten Rundweg trockenen und sicheren Fußes unser großes Gartengelände umkreisen zu können. Ein ursprünglich gar nicht geplantes „Nebenprodukt“ der Baumaßnahme hat sich inzwischen für den Konvent als ein wahres Gottesgeschenk erwiesen: die neue Brücke zwischen Infirmerie und mittlerem Gartenniveau. Diese Brücke, die sogar mit Segen der Denkmalpflege gebaut werden durfte, lässt unsere Alten und Kranken den Steilhang mit wenigen Schritten bewältigen und erlaubt ihnen so eine ganz neue Nutzung des Gartens. Auch die Jüngeren laufen gern schnell einmal über die Brücke, um frische Luft zu schnappen oder einen Blumenstrauß zu pflücken. Unser Dank gilt hier vor allem Sr. Scholastica, die mit der ihr eigenen Zähigkeit und mit nimmer müdem Einsatz die Brücke gegen manche Widerstände gebaut hat. Inzwischen können wir uns kaum noch vorstellen, wie wir je ohne diese Brücke gelebt haben, und auch so manche der alten Mitschwestern

4 erinnern sich, dass ein solcher Brückenschlag schon vor 40 Jahren der stille und heimliche Traum der Infirmarinnen gewesen ist.

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ibliothek

Unsere langjährige Bibliothekarin, Sr. Matthia, der wir für ihren Einsatz herzlich danken, ist aus der Bibliothek ausgeschieden und widmet sich jetzt ganz der Arbeit im Archiv. Ihre Nachfolgerin ist Sr. Emmanuela in Zusammenarbeit mit Sr. Agnes. Soweit ihre Zeit es erlaubt, hilft Sr. Simone als gelernte Bibliothekarin durch Rat und Tat. In der Bibliothek war recht viel zu tun, da wir von manchen Titeln Mehrfach-Exemplare aussortiert haben, um für die immer zahlreicher werdenden Neuzugänge Platz zu schaffen. Auch mit räumlichen Umzügen und der Bearbeitung von Nachlässen waren wir nicht wenig beschäftigt – u.a. erbten wir die gesamte, vor allem zeithistorisch-politische Bibliothek des verstorbenen ehemaligen Büroleiters des renommierten „Kölner Stadtanzeiger“, Herrn Dr. Heinz Murmann, wofür wir seiner Witwe, Frau Hildegard Hannappel-Murmann, besonders danken.

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ischof

Am 2. Februar, seinem 75. Geburtstag, feierte Bischof Franz Kamphaus in Limburg feierlich seinen Abschied. Mutter Clementia, Mutter Edeltraud und Schwester Ursula (letztere als stellvertretende Vorsitzende des Ordensrates) konnten an einer wunderbar musikalisch gestalteten Vesper im Dom teilnehmen und hinterher im Priesterseminar den Empfang besuchen. Bischof Kamphaus kam aber auch in die einzelnen Regionen des Bistums, um sich zu verabschieden, so auch am 6. Januar in den Geisenheimer Dom. Dort stellte sich aber gar keine Abschiedsstimmung ein. Im Gegenteil: frohe Gesichter der Geladenen, die schon eine stille Vorfreude widerspiegelten, denn Bischof Kamphaus wurde eher im Rheingau begrüßt, als im Bistum verabschiedet. Und schon Mitte des Jahres ist er ganz in unsere Nachbarschaft gezogen: als geistlicher Rektor in das Behindertenzentrum St. Vincenzstift der Dernbacher Schwestern in Aulhausen. Wir sind Bischof Kamphaus, der unserem Haus und unseren Anliegen immer herzlich zugewandt war, sehr dankbar für

5 sein Wirken in unserem Bistum. Es ist schön, dass der „neue Nachbar“ schon bei uns war und der Kontakt sicher weiter wachsen wird. Kurz vor „Redaktionsschluss“ unserer Chronik, am 28. November, erreichte uns die freudige Nachricht, dass der Heilige Vater für das Bistum Limburg nach neun Monaten Sedisvakanz einen neuen Bischof bestellt hat: Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst, bisher Weihbischof in Münster. Mittags um 12.00 Uhr läuteten im ganzen Bistum – auch bei uns – alle Glocken, und wir stimmten im Anschluss an die Mittagshore in ein dankbares „Großer Gott, wir loben dich“ ein. Der neue Bischof ist uns wohlbekannt. Er stammt, wie Mutter Clementia, vom Niederrhein und war vor seiner Bischofsweihe am 15. Januar 2004 zu Exerzitien bei Abt Clemens in unserer Abtei. So dürfen wir weiterhin auf ein gutes und herzliches Verhältnis zum Bistum Limburg hoffen und begleiten den neuernannten Bischof mit unserem Gebet.

B

ürgermeister

Herr Udo Grün, der langjährige Bürgermeister unserer Stadt Rüdesheim und Gründungs- und Beiratsmitglied unseres Freundeskreises, wird zu Beginn des Jahres 2008 in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Wir sind ihm sehr dankbar, dass er stets ein offenes Ohr für die kleinen und großen Anliegen unseres Klosters hatte. Im September wählten die Rüdesheimer einen neuen Bürgermeister: Herrn Volker Mosler, der ebenfalls Mitglied unseres Freundeskreises ist und vielen unserer Mitschwestern aus dem Laden und dem Weingut gut bekannt ist. So wird die fruchtbare Verbindung zur Stadt Rüdesheim auch in Zukunft gesichert sein. Mutter

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lementia

In diesem Jahr konnten wir bereits den 7. Jahrestag der Weihe unserer Mutter Clementia begehen. Sie führt die Einzelnen und den Konvent als Ganzes in einer Zeit des Umbruches, den wohl alle klösterlichen Gemeinschaften zurzeit erleben: das Älterwerden der Konvente, die Verbindung von Arbeit/Lebensunterhalt und klösterlichem Leben bedeuten Herausforderungen. Immer wieder lädt unsere Äbtissin zu Konventgesprächen ein, um einzelne

6 Probleme und Erfahrungen gemeinsam zu beraten. Bei verschiedenen Anlässen außerhalb vertrat Mutter Clementia den Konvent: so z.B. bei der Äbtissinnenweihe in Varensell. Zu den besonders schmerzlichen Erfahrungen einer Äbtissin, aber auch eines Konventes gehört es, wenn eine Mitschwester die Gemeinschaft verlässt. Sr. Eva-Maria hat diesen Schritt nun endgültig vollzogen, ist inzwischen „laisiert“ und lebt weiterhin in Denzlingen bei Freiburg. Wir begleiten sie auf ihrem weiteren Lebensweg mit unserem Gebet.

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ank

„Dank steht am Anfang des Denkens – wenigstens des aussichtsreichen – und begleitet, ständig schöpfend aus der Quelle, den Vollzug“ (L. Mösenlechner) Dank – so könnte man dieses Zitat vielleicht verstehen – ist der ‚cantus firmus‘ unseres Denkens – somit unseres ganzen Daseins. Der Dank sollte auch die Grundmelodie dieses Jahresberichtes sein. Aber wir möchten unseren Dank doch auch, wenn auch nur lückenhaft, konkret aussprechen. Denn wir haben viel zu danken, und die, denen wir so vieles verdanken, sind ganz konkrete Menschen. Wir denken da an unsere treuen und zuverlässigen Mitarbeiter, die uns in Haus, Garten und Weinberg helfen, den arbeitsamen Alltag zu bestehen. Wir denken an alle, die uns bei unserem Bauprojekt mit Rat und Tat zur Seite standen. Wir denken an die Ärzte und an alle, die unsere Kranken mit ihrer stets aufmerksamen Sorge betreut haben. Wir denken an unsere Oblatengemeinschaft, die uns tief verbunden ist und uns „in der Welt“ mit soviel Eifer und Freude vertritt. Wir denken an unseren Freundeskreis, der uns mehr und mehr ans Herz wächst. Wir denken an die Priester, die uns die tägliche Eucharistiefeier ermöglichen, an die Mitbrüder und Mitschwestern, die geistlichen Lehrmeister und Lehrmeisterinnen, die unser Blickfeld erweiterten. Wir denken an unsere Verwandten, an nahe und ferne Freunde, an unsere Nachbarn, an alle, die Gott uns an die Seite stellte. Wir denken an Sie alle und beten für Sie und wir DANKEN für Ihre Treue. Unser Dank richtet sich in erster Linie an Gott, dem wir Sie zu verdanken haben.

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xerzitien

Vom 7. - 12. Januar hielten wir unsere Jahresexerzitien, durch die uns Abt Norbert Stoffels von Neresheim begleitete. In den Mittelpunkt seiner engagierten und temperamentvollen Vorträge stellte er die monastischen Werte im Lebensvollzug des klösterlichen Alltags wie etwa die benediktinischen Gelübde, die nicht in BuchstabenTreue, sondern in lebendigem Engagement verwirklicht werden; oder die Bedeutung der Lectio im Dreiklang von Gebet und Arbeit. Mit Nachdruck verwies Abt Norbert auch immer wieder auf die Zugehörigkeit der einzelnen Abteien zur Beuroner Kongregation, in der sich zumal in den letzten Jahrzehnten die Beziehung der Mönchs- und Frauenabteien so überaus positiv entwickelt hat.

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este

Am 13. Januar feierten wir mit Sr. Christina in aller Stille ihren 80. Geburtstag. Sr. Christina freute sich über kurze Besuche bei ihr in der Infirmerie, und wir machten wieder die Erfahrung, dass die Feste der Mitschwestern, auch die persönlichsten und stillsten, von uns allen und für uns alle sind. Im Rahmen des diesjährigen Sommerfestes wurde bei herrlichem Sommerwetter die neue Brücke, die vom 1. Stock des Hauses in den Garten hinaus eine Verbindung schafft, feierlich eröffnet. Nach einem Blockflötenduo von Sr. Lydia und Sr. Michaela sprach Mutter Clementia ein Gebet und durchschnitt feierlich ein goldfarbenes Band, das über die Brücke gespannt war. Unter dem Applaus der Mitschwestern fuhren bzw. gingen Sr. Johanna, Sr. Cäcilia, Sr. Lioba und Sr. Maria Regina als Erste über die Brücke hinaus in den Garten. Anschließend führte uns Sr. Beatrix durch den schon teilweise neu angelegten unteren Gartenbereich. Den Abschluss bildete nach der Vesper das gemeinsame Abendessen im Konventzimmer. Am 25. August hatten wir die willkommene Gelegenheit, unsere treue Hausmeisterin, Sr. Anna, ein wenig aufs Podest zu heben und in Dankbarkeit und Freude mit ihr und ihren Gästen ihren 70. Geburtstag zu feiern. Ein persönliches Gedicht, eine Moritat zum

8 Thema „Holzwurm“ und musikalische Darbietungen auch aus dem Familienkreis erfreuten das Geburtstagskind und uns alle. Am. 9. November feierte unsere Altäbtissin, M. Edeltraud, ihren 85. Geburtstag. Wir gratulierten ihr mit einer kleinen Feier, in der Sr. Lydia ein Klavierstück (F. Schubert, Scherzo) als Ständchen brachte. Sr. Simone hatte ein Gedicht ausgewählt, das von Sr. Ancilla vorgetragen wurde: „Die Erschaffung des Menschen“ von Weldon Johnson. Den Abschluss bildete ein Lied von Jochen Klepper (Ja, ich will dich tragen bis zum Alter hin), das wir gemeinsam sangen. Eine Woche später, am 16. November feierte M. Edeltraud im Kreise einer kleinen Gästeschar. Unser aller Dank für M. Edeltrauds Sein unter uns brachte Mutter Clementia zum Ausdruck. Anschließend hielt P. Prof. Erhard Kunz SJ einen Vortrag zum Thema „Liebe“, der musikalisch von Mutter Clementia und Sr. Lydia umrahmt wurde, die Querflötenduette von Jaques Aubert und Carl Stamitz zu Gehör brachten. Unter den Festgästen war zu unserer großen Freude auch Bischof em. Franz Kamphaus, der nun ganz in unserer Nähe, im Vincenzstift/Aulhausen, wohnt. Möge M. Edeltraud noch viele Jahre bei guter Gesundheit unter uns sein.

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reundeskreis

Die Mitglieder des Freundeskreises trafen sich auch in diesem Jahr wieder mehrfach zu Veranstaltungen in unserer Abtei. Gleich zu Beginn des Jahres war Prof. Paul Kirchhof unser Gast. Er sprach zum Thema „Das Menschenbild des Grundgesetzes als Fundament unserer Verfassungskultur“ und regte mit seinen vielen aktuellen politisch-gesellschaftlichen Bezügen ein intensives Gespräch der Teilnehmer an. Im Laufe des Jahres durften wir noch drei weitere interessante Vorträge hören: Prof. Heribert Wahl, Trier, widmete sich dem Thema „Wie können wir mit Schuld und Schuldgefühlen umgehen?“, P. Prof. Michael Sievernich SJ, Frankfurt/St. Georgen referierte über „Christentum im Wandel der Spätmoderne“ und schließlich nahm Prof. Dr. Jörg Splett, Offenbach, seine Zuhörer mit hinein in sein philosophisches Nachdenken über „Glaube und Wissen“. Konvent und Freundeskreis nahmen an allen Vorträgen regen Anteil. Gut besucht und dankbar angenommen wurde auch ein Einkehrtag in der Fastenzeit, den Sr. Simone und Sr. Philippa zum Thema „Das Geheimnis des (Neu)-Anfangs“ gestalteten. Ein besonderer Höhepunkt im Jahr ist immer das Konzert im Rahmen

9 des Rheingau Musikfestivals in unserer Kirche. Die Freunde unseres Hauses dürfen bei diesem Anlass dem Konzert vom Chorgestühl aus beiwohnen. In diesem Jahr war der französische Countertenor Philippe Jaroussky mit seinem Ensemble zu Gast. Besonders erwähnt werden soll hier auch das große Engagement des Freundeskreis-Vorstands bei unseren diesjährigen Tagen der Begegnung. Ein Informations- und Gesprächsstand ermöglichte es den Besuchern, den Freundeskreis im wahrsten Sinne ganz persönlich kennen zu lernen. Auf diese Weise konnte eine Reihe neuer Mitglieder gewonnen werden. Bei der Jahresversammlung im November besichtigte der Freundeskreis erstmals unseren neuen Gästebereich, zu dessen Gelingen er ja nicht unwesentlich beigetragen hat. Wir möchten allen, die sich unserer Abtei verbunden wissen und uns immer wieder unterstützen, ein herzliches Vergelt’s Gott sagen. Möge der Geber aller guten Gaben unseren Dank in Segen für Sie und Ihre Familien verwandeln.

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arten

Unser Garten hat im vergangenen Jahr infolge der Baumaßnahmen so manche Änderung erfahren. Unsere Gartenmeisterin Sr. Beatrix hat zusammen mit ihren Helfern schier Übermenschliches geleistet. Wohl überlegt, mit weit vorausschauendem Blick hat sie vieles neu geordnet und angelegt. Durch die neu entstandenen freien und noch unbebauten Flächen ist der Garten heller und weiter geworden, die Wege sind besser und sicherer begehbar, vieles wurde pflegeleichter und den geringer werdenden Kräften angepasst. Natürlich vermissen manche Gartenliebhaber unter uns „ihren“ alten, romantischen, heimeligen und vielfältigeren Garten, doch wissen wir auch sehr wohl, dass wir nach vorne und nicht zurückblicken wollen. Die Erntezeit beim Obst fand in diesem Jahr drei Wochen früher statt als gewohnt. Qualität und Quantität waren gut, so dass wir die Früchte der Arbeit in vollen Zügen genießen durften. Einen Teil der Renekloden und der Zwetschgen hat Sr. Beatrix wieder zu hauseigenem Obstbrand brennen lassen. Dieser hatte bereits im letzten Jahr im Klosterladen viele Freunde gewonnen. Nach der Ernte hat Sr. Beatrix das Beerenfeld und auch das Teebeet verkleinert, den Rhabarber ganz abgeschafft. Blumen hatten wir bis spät in den Herbst hinein in großer und herrlicher Fülle und konnten uns draußen, aber auch in Kirche, Chor und Haus an der bunten Vielfalt ausgiebig freuen.

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astfreundschaft

„Gäste werden dem Kloster nie fehlen“ –so steht es schon in der Regel Benedikts. Diese Erfahrung konnten wir auch im vergangenen Jahr wieder in unserem Gästebereich machen. Anfragen nach stillen Tagen in unserem Kloster, nach der Möglichkeit, sich für einige Zeit aus dem normalen Alltag herauszuziehen und an unserem Lebensrhythmus, an unseren Gebetszeiten teilzunehmen, erreichten uns jeden Tag. Dabei kommen die unterschiedlichsten Menschen hier zusammen und oftmals ergeben sich nicht nur zu uns, sondern auch unter den Gästen Kontakte, die bestehen bleiben. Dass dabei die Anzahl der Gäste ein wenig gestiegen ist, liegt an den nun insgesamt 18 Gästezimmern, die seit Juli fertig und in Benutzung sind. So können wir ein wenig mehr auf die uns erreichenden Anfragen eingehen. Schön ist, dass wir diese Gästezimmer mit unseren klösterlichen Zellenmöbeln einrichten konnten. Die Atmosphäre im Gästebereich wird dadurch äußerlich mitgeprägt. Zusätzlich erlauben uns nun zwei mittlere Tagungsräume auch die Aufnahme von kleineren Gruppen. Besonders am Herzen liegen uns aber nach wie vor Einzelgäste, denen wir nach unseren Kräften Raum für Gespräch und Begegnung geben möchten. Vieles ist noch im Werden. So zum Beispiel ein schöner und recht großer Gebetsraum im Obergeschoss des Gästehauses, der in den nächsten Wochen fertig sein wird. Es gibt noch viel zu tun, aber nach und nach wird sich alles fügen. Wir sind dankbar für jedes Detail, das zur Verschönerung des Ganzen beiträgt und die Fertigstellung ihrem Ziel näher bringt. Für das kommende Jahr steht die Umgestaltung des Pfortenbereiches und des Gästerefektoriums an, so dass wir Anfang des Jahres für einige Zeit unseren Gästebereich schließen müssen.

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eneralkapitel

Vom 5.-10. November nahmen Mutter Clementia und Sr. Katharina an der 1. Session des 24.Generalkapitels der Beuroner Kongregation teil. In der Erzabtei im Donautal kamen 36 Obere und Konventvertreter aus 18 Klöstern zusammen. Die Tage waren

11 geprägt von einem offenen, herzlichen Miteinander. In einem intensiven Austausch konnten wichtige Fragen und Anliegen der Kongregation besprochen werden. Ein Schwerpunkt der Gespräche war die Beschäftigung mit der Situation der kleinen und älter werdenden Konvente unserer Kongregation, ein Thema, das uns in den nächsten Jahren weiter beschäftigen und herausfordern wird. Die kompetente Begleitung durch P. Bertram Dickerhof SJ, der als Supervisor eingeladen war, trug maßgeblich zum guten Gelingen der Beratungen bei. Das 24. Generalkapitel wird im April 2008 in der 2. Session fortgesetzt. Sr.

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isela

„Zeit“ – Wenn ich zurückblicke, ist dies die Frage des Jahres – ich habe keine großen Reisen gemacht – außer zehn Tagen Philippinen – und doch weiß ich kaum, wo die Zeit geblieben ist“, schreibt unsere Sr. Gisela in ihrem kurzen Jahresbericht. Am 1. Advent 2006 wurde in Vanves der kleine Studienflügel gesegnet - ein gut gefülltes halbes Jahr ging zu Ende. Inzwischen leben dort sieben benediktinische Studentinnen: drei aus Vietnam, zwei aus Brasilien, eine aus dem Kongo, eine aus Uganda – und eine Reihe von ihnen dank der finanziellen Hilfe deutscher Klöster. Schon Ende 2006 kündigte sich jedoch eine neue „Baustelle“ an: Vanves – der Wohnungsgeber der AIM seit über vierzig Jahren – wird einen Teil des Gebäudekomplexes verkaufen. Auch das kleine Häuschen der AIM ist davon betroffen und so wird eine ‚Umsiedlung’ anfallen – und sechs neue Monate Bau und Geld sammeln… Im September fand das Jahrestreffen der CIB in Manila statt. Da Sr. Gisela seit knapp zwei Jahren mit S. Placid Dolores eine tatkräftige Hilfe aus den Philippinen hat, nahm sie nicht nur an dem Arbeitsreffen in Tagaytay teil, sondern besuchte auch sieben weitere Klöster – von Insel zu Insel. Das Jahrestreffen des AIMVorstandes fand in diesem Jahr in der Abtei Worth/ UK statt, so dass sie nach den vielen Frauenklöstern auf Luzon und Mindanao nun auch drei Männerklöster (Worth, Belmont, Ampleforth) auf einer fast europäischen Insel kennen lernen durfte. „Diese wenigen Zeilen“, so schreibt Sr. Gisela, „mögen zeigen, dass der Benediktinerorden weiter über die Grenzen des Rheingaus hinaus reicht“.

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oldschmiede

Nach über 30 Jahren, in denen die Goldschmiederäume über mehrere Etagen in unserem Haus verteilt waren, ist Sr. Judith mit ihrer Werkstatt im September in den Neubau umgezogen. Die Arbeit ist für sie dadurch sehr erleichtert. Der Alltag in der Goldschmiede ist gottlob immer noch gut gefüllt mit Schmuckaufträgen jeglicher Art. Gleich in der ersten Woche nach dem Umzug fand in den gerade neu eingerichteten Räumen der Goldschmiede ein Radiointerview statt von hr2 im Rahmen des Sommerprogramms „handgemacht“ zum Thema „Kloster und Schmuck“. Im September drehte ein Kamerateam in der Goldschmiede für einen Film über die Wahl der Rheingauer Weinkönigin. Sr. Judith hatte vor einigen Jahren die Krone der Rheingauer Weinkönigin grundlegend umgestaltet, weil sie den Trägerinnen zu groß und vor allem zu schwer war.

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ruppen

Auch in diesem Jahr meldeten sich wieder zahlreiche Gruppen zu Vorträgen an, auch erstaunlich viele Kinder- und Jugendgruppen. Das Thema dieser Vorträge lautet im Allgemeinen „Unser klösterliches Leben, wie wir es heute führen“. Ein ganzes Team von Mitschwestern ist hier im Einsatz. Die Vorträge über Leben und Werk der hl. Hildegard hält normalerweise unsere Sr. Hiltrud am Schrein der hl. Hildegard in der Wallfahrts-Kirche im Ortsteil Eibingen, wo sie für die Wallfahrtsseelsorge zuständig ist. Dort lag auch das alte Kloster, in dem Hildegard selbst ein- und ausgegangen ist. Von daher hat der Ort eine ganz eigene Anziehungskraft für die Pilger. Eine besondere Freude für uns ist es, dass unsere Sr. Maura, die wissenschaftlich an Hildegard arbeitet, anspruchsvolleren Gruppen die Gestalt dieser Heiligen mit viel Ausstrahlungsfähigkeit und ungarischem Feuer nahebringt.

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ildegard-AG

In diesem Jahr konstituierte sich im Konvent auch wieder einmal eine Arbeitsgemeinschaft, die sich mit Person und Werk unserer

13 Klosterpatronin beschäftigt. Äußerer Anlass war die Bitte des Binger Museums am Strom an unseren Konvent, im Rahmen der 2008 in Bingen stattfindenden Landesgartenschau einen geistlichen Beitrag zum Thema Hildegard von Bingen zu leisten. In der AG treffen sich nun 13 Mitschwestern regelmäßig, um sechs Themensonntage vorzubereiten, die wir von April bis Oktober in Bingen gestalten werden. Zunächst beschäftigten sich die Mitschwestern mit Hildegards Hauptwerk „Scivias“, danach mit den natur- und heilkundlichen Schriften. Derzeit arbeiten sie nun konkret an der Vorbereitung der Gebetszeiten, der geistlichen Impulse, Meditationen und Rundgespräche für die sechs Themensonntage. Wir hoffen, dass wir den Landesgartenschau-Besuchern im nächsten Jahr etwas von dem nahe bringen können, was uns als Benediktinerinnen bewegt und was die hl. Hildegard uns als Erbe und Auftrag hinterlassen hat.

Pfarrer Jean

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örnis

Am 11. August 2007 verstarb im Alter von 92 Jahren unser langjähriger treuer Freund Pfarrer Jean Hörnis aus Johannisberg. Seit 2000 durften wir ihn immer wieder zur Aushilfe im Gottesdienst zu uns bitten; dann war er eine große Stütze für Abt Clemens, unserem damaligen Hausgeistlichen. Pfarrer Hörnis war unserem Haus sehr verbunden. Er gehörte zu unserem Freundeskreis und kam immer zu uns, wenn Vorträge oder Konzerte angeboten wurden. Im Alter von 89 Jahren war es ihm noch eine überaus große Freude, in der Weihnachtsnacht feierlich das Evangelium zu singen. Am Christkönigsfest 2006 konzelebrierte er zum letzten Mal bei uns. Seinen Humor hat er bis in die letzten Lebenstage behalten. Unsere Sakristanin Sr. Innocens hat ihn in den letzten Wochen einige Male besucht. Als sie sich beim letzten Mal verabschiedete, machte er ein ganz großes Kreuzzeichen zu ihr hin – für die Abtei. Mutter Clementia, Sr. Emmanuela, Sr. Innocens, Sr. Francesca und Sr. Jutta gaben ihm das letzte Geleit.

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offnung

Zum 1. Advent hat Papst Benedikt XVI. eine Enzyklika über die Hoffnung veröffentlicht – wir haben sie mit Freude gemeinsam

14 gelesen. Wie ist das nun mit der Hoffnung in unserem Leben? Wir befragten einige Mitschwestern: „Es gibt zwei Texte, die mir … ganz wichtig sind und mich immer wieder zurückführen zur Quelle der Hoffnung. Der eine ist von Roger Schutz:‘ Kein Resignieren, sondern tief innerliches Vertrauen; sich dem Hl. Geist überlassen und immer wieder Ihm anheimgeben, was uns bedrückt‘. Und dann das Gedicht ‚Nachtfragmente‘ von Christine Busta, das mich seit Jahren begleitet: BIST DU DA? Wie viel Steinwürfe weit bist du uns nahe? GLÄUBIG? Nicht wie die Sicheren. Aber hellhörig für die Botschaft. WIEDER BEREIT, den Zweifel auf mich zu nehmen – im Dienste der Hoffnung. DIE LIEBE NICHT EITEL NENNEN. Auch Vergebliches tun. Mein Wunsch für die Gemeinschaft ist, dass wir weiterhin lernen, auf Gott und damit aufeinander zu hören. Dann wird alles gut, klar und stimmig.“ „Mit dem Begriff Hoffnung tue ich mich schwer … Ich entdecke, dass es mir da mehr um meine Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen geht …Die aber legen mich fest und engen mich ein. Mir liegt da mehr der Begriff Vertrauen. Zu mehr Tiefe und Fülle kann ich nur kommen, wenn ich offen bleibe für das, was mir das Leben, die Gemeinschaft, die Mitwelt und nicht zuletzt Gott zu sagen hat.“ „Geduld ist die Kunst zu hoffen. Sie ist der Inbegriff einer inneren geläuterten Unverwundbarkeit.“ „Hoffen ist Ja sagen zum Schöpfergott, ist Ja sagen zu sich selbst, ist Arbeit an sich selbst. Hoffnung ist wie ein gutes Wort: es beruhigt, es heitert auf, es beglückt.“ „Das Vertrauen auf Gottes Wirklichkeit ist das Letzte und Äußerste, was der Mensch der Hoffnungslosigkeit und dem Tod entgegen zu setzen hat. Gott ist die Kraft der Hoffnung gegen alle Hoffnung.“ „Meine Hoffnungen sind vielfältig: für unsere Gemeinschaft hoffe ich auf Nachwuchs und dass unser Weg gut weiter geht. Für uns Christen hoffe ich, dass wir zu unserem Glauben stehen, auch im normalen Alltag.“

15 „Zwei Hoffnungsworte bedeuten mir alles: Das „Suscipe“, unser Professgesang, und das Wort aus dem 4. Kapitel der Benediktsregel ‚Von der Hoffnung auf das Erbarmen Gottes niemals lassen‘.“

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nfirmerie

Für unsere Mitschwestern in der Infirmerie ist die neue Brücke und der sich gleich daran anschließende Rundweg durch unseren Garten ein großer Gewinn. Sie können nun zu Fuß, mit Stock oder Rollator auf einfachem und ebenem Weg in den Garten gelangen, und diese Möglichkeit ist in den schönen Herbsttagen auch eifrig genutzt worden. Auch für unsere beiden Mitschwestern, die nun fast ganz bettlägerig sind, Sr. Christina und Sr. Johanna, war so schon manche Ausfahrt mit dem Rollstuhl möglich. Sr. Johanna darf in diesem Jahr auf 87 Lebensjahre zurückblicken. Trotz ihrer zunehmenden Bewegungsunfähigkeit pflegt sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten Kontakte, die zum Teil von ihrem langjährigen Dienst an unserer Außenpforte oder ihrer Zeit vor dem Klostereintritt herrühren. So klopft auch nach wie vor mancher Besucher an, der sie gerne sprechen oder um Rat fragen möchte. Sr. Christina, die im Januar ihren 80. Geburtstag und am 6.August in aller Stille ihr Goldenes Professjubiläum feierte, liebt die häufigen kleinen „Ausflüge“ in das Infirmerieoratorium. Auch sie pflegt noch guten Kontakt zu vielen langjährigen Freundinnen aus der Schul- und Ausbildungszeit und begleitet sie mit ihrem betenden Gedenken. Alle unsere betagten Mitschwestern sind mit ihrer Erfahrung und oft über Jahrzehnte treu gelebten Profess für unsere Gemeinschaft ein großer Schatz. Wir sind dankbar für ihr Dasein unter uns, für ihr Lebens- und Glaubenszeugnis. Zwar nicht zur Infirmerie wohl aber zu unseren Kranken gehört Sr. Christiane, die obwohl noch jung an Jahren, unverändert schwer unter Alzheimerdemenz leidet. Sie wird weiterhin von Sr. Philippa und Sr. Simone sowie stundenweiser Hilfe von außen in einem eigenen, ein wenig abgetrennten Wohnbereich betreut und hat sich inzwischen sehr gut dort eingelebt. Sie ist – auch für die Ärzte – erstaunlich ruhig und ausgeglichen. Für uns ist dies ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie sich zuhause und geborgen fühlt. An der Liturgie und am Offizium kann sie nicht mehr teilnehmen,

16 doch lebt sie weiterhin ganz aus diesen ihren Quellen. Sie spricht vor allem in lateinischen Psalmversen und in Textfragmenten aus der Liturgie. Wenn eine Mitschwester zu Besuch zu ihr kommt, so erhält sie in der Regel ein lateinisches Psalmwort mit auf den Weg.

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Zu Jahresbeginn 2007 schalteten wir unseren rundum erneuerten Internetauftritt. Dieser hat sowohl inhaltlich als auch optisch manche Veränderungen erfahren. Für die graphische Gestaltung konnten wir wieder Frau Klaudia Schäfer gewinnen, die uns mit ihrer Agentur schon oft unterstützend zur Seite stand. Für die Inhalte zeichnete auch diesmal wieder Sr. Philippa verantwortlich. Wir sind immer wieder erstaunt, wie oft und vor allem auch wie lange (Durchschnittsverweildauer: ca. 16 Minuten) Menschen aus aller Welt auf unserer Homepage zu Besuch sind. Gezählt wurden bisher allein in diesem Jahr mehr als 175.000 Besucher. Zu den meistgenutzten Seiten gehören die virtuelle Kloster- und Kirchenführung, das Fotoalbum der Keramikwerkstatt und die Informationen über Gottesdienstzeiten und über unseren Gästebereich. Geschätzt werden aber auch die geistlichen Impulse unserer Mitschwestern sowie die verschiedenen Beiträge über unsere Klosterpatronin, die hl. Hildegard von Bingen.

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ubiläen

Am 15. Januar eröffnete unsere Priorin, Sr. Dorothea, den Reigen der jubilierenden Mitschwestern mit ihrem Silbernen Professjubiläum. Ihre Schwester und ihr Schwager mit allen Neffen und Nichten feierten mit uns und freuten sich an dem köstlichen Kinderbuch „Ophelias Schattentheater“, das als Schattenspiel aufgeführt wurde. Mutter Clementia dankte unserer Priorin für ihren immer bereiten Einsatz, und wir feierten diesen Tag in Freude und Dank gegen Gott. Sr. Christina durfte am 6. August, dem Fest der Verklärung des Herrn, auf 50 Professjahre zurückblicken. Sr. Christina freute sich über viele kleine Besuche in ihrer Infirmeriezelle. Über dem Tag und über der Gemeinschaft lag etwas von dem Glanz dieses schönen Festes, der auch in Sr. Christinas Gesicht immer wieder aufstrahlte, wenn wir ihr gratulierten.

17 Sr. Christianes Silberjubiläum am 3. Oktober hatte einen ganz eigenen, bewegenden Charakter. Vor drei Jahren hatte sie gebeten, ihr Jubiläum auf 2007, 25 Jahre nach der Ewigen Profess, verschieben zu dürfen. Sie wusste ja schon, dass sie krank war und vielleicht war ihr damals nicht zum Feiern zumute. Die Mitschwestern beschenkten sie mit kleinen Besuchen und liebevollen Karten, die sie immer wieder in die Hand nahm und aufmerksam betrachtete. Ihren bescheidenen Zellenschmuck, ein Band, auf das Fotos und jeweils ein Wort aufgeklebt waren, sah und sieht sie immer wieder an. Die drei Worte, auf die sie immer wieder zeigt, sind: „Hingabe“, „Vergänglichkeit“ und „Fruchtbarkeit“. Im Refektorium lasen wir einen Vortrag von Sr. Christiane aus dem Jahr 2002. Durch ihre Erkrankung ist uns viel an handfester Spiritualität verlorengegangen. Aber wir wissen nicht, wie viel Segen Gott unserer Gemeinschaft durch das tapfer getragene Leiden unserer Kranken schenkt. Ein Höhepunkt der festlichen Gedenktage war der 28. Oktober, an dem unsere Schwestern Lioba und Teresa ihre Goldprofess feierten – gemeinsam und doch ganz unterschiedlich. Während Sr. Lioba sich einen stillen Rahmen wünschte, hatte Sr. Teresa zu unser aller Freude ihre Familie und ihre engsten Freunde zu Gast. Es war ein Fest des Dankes und der Freude, weil Sr. Teresa uns nach schwerer Krankheit gleichsam neu geschenkt worden war. Im Rahmen der Gratulation des Konventes wurde ein Kapitel aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende mit Marionetten aufgeführt: „Meister Hora, Momo und die Frage nach der Zeit – wer hält sie in den Händen“. Anschließend gestalteten Sr. Teresas Angehörige ein Konzert mit Musik für Klavier, Violine, Querflöte, Violoncello und Trompete. Das abwechslungsreiche Programm, an dem mehrere Generationen beteiligt waren, begeisterte uns alle. In ihrer Dankesrede ließ Sr. Teresa ihre 50 Kloster- bzw. Professjahre an ihrem und unserem geistigen Auge vorüberziehen – eine spannende Chronik im Zeitraffer!

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eramikwerkstatt

Sr. Christophora kann auf ein mit interessanten und schönen Aufträgen gefülltes Jahr zurückblicken. Da waren z.B.: die Brunnenanlage mit einer großen Elisabethskulptur für das Caritasaltenheim auf dem Arenberg bei Koblenz, vier Nikolaus-

18 Reliefs für die Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Bad Vilbel, ein großes Pfingstrelief für den Garten der Kapuziner- Klarissinnen in Koblenz- Pfaffendorf sowie weitere kleinere Aufträge von Gemeinden und Privatpersonen. Zwei Arbeiten sollen hier besondere Erwähnung finden: die schon in der Vorjahreschronik angekündigte Ausgestaltung eines stillen Platzes zu dem Thema: „Die sieben Freuden Mariens“ für das Franziskanerkloster Marienthal bei Geisenheim und die Ausgestaltung der Kapelle des neu errichteten Altenheimes St. Elisabeth der Prämonstratenser in Fritzlar. Grundlage der Arbeit in Marienthal war die Idee, auf anthrazitfarbenen Lava-Basalt-Steinen helle, farbig glasierte Reliefs anzubringen. Bedingt durch die günstige Witterung konnte Sr. Christophora mit Hilfe des Freundeskreises der Franziskaner einen verwilderten Platz hinter dem Wallfahrtsbereich neu gestalten und für Lava- Basaltsteine fundamentieren, so dass schon im Januar 2007 mit Hilfe von Br. Joseph aus Maria Laach die Keramik-Reliefs zu den sieben Freuden auf die Steine angebracht werden konnten. Der am 17. Juni von Karl Kardinal Lehmann/ Mainz eingeweihte Platz erfreut sich großer Beliebtheit. Für die Einrichtung der Kapelle in Fritzlar waren vierzehn Kreuzwegstationen, ein Tabernakel, eine Kreuzigungsgruppe und ein Elisabethrelief in der Technik der Fassmalerei vorgesehen. Auch hier war eine lebendige Farbigkeit gewünscht, die prägend für die Räumlichkeit sein sollte. Die Kreuzwegstationen zeigen jeweils einen Ort des noch erhaltenen mittelalterlichen Fritzlar; so soll auch hier das neutestamentliche Geschehen in die Gegenwart hineingenommen werden können. Der Tabernakel zeigt vorne die Emmausjünger und an den Seiten anbetende Engel, bei deren Montage wieder Bruder Joseph fachkundige und kompetente Hilfe leistete. Die Einweihung des gesamten Komplexes erfolgte vom 23.- 25.8. unter großer Beteiligung der Gemeinde und der Stadtbevölkerung. Die nun laufenden Arbeiten sind schon für das kommende Jahr geplant, das dann von zwei großen Ausstellungen im europäischen Skulpturenpark Kloster Schloss Willebadessen und dem Bonifatiushaus in Fulda geprägt sein wird.

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irchweihjubiläum 2008

Im nächsten Jahr 2008 begehen wir das 100-jährige Weiheanniversarium unserer Abteikirche. Aus diesem Anlass hat Mutter Clementia eine Arbeitsgruppe einberufen, die derzeit eine kleine

19 Ausstellung vorbereitet, die sich vor allem der Ausmalung unserer Kirche, aber auch der Beuroner Kunstschule insgesamt widmen wird. Sr. Teresa, Sr. Emmanuela, Sr. Philippa und Sr. Benedicta treffen sich regelmäßig mit Herrn Hans-Georg Kunz, einem Freund unseres Hauses, der u.a. im Archiv der Erzabtei Beuron fotografieren konnte, um alles zu planen und zu organisieren. Fest steht bereits, dass die Ausstellung am 2. Juli 2008 eröffnet und bis 3. Oktober dauern wird. Schon heute laden wir alle unserem Kloster Verbundenen herzlich ein, die Ausstellung zu besuchen. Soviel sei bereits verraten: es werden einige neu- und wiederentdeckte „Schätze“ zu sehen sein, die bisher als verschollen galten. Es lohnt sich, von Zeit zu Zeit die Speicher und Keller aufzuräumen!

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losterladen

Unser Klosterladen wird weiterhin sehr viel besucht und ist für Menschen aus Nah und Fern ein fester Bezugspunkt zu unserem klösterlichen Leben. Unsere alte Sr. Susanna (92), die viele Jahre lang am Gartentor in unmittelbarer Nähe zum Klosterladen Dienst getan hat, hat den Chronistinnen folgendes Lob für die Ladenmitschwestern aufgeschrieben: “Unsere Mitschwestern sind immer aufgeschlossen und bereit, sich den Kunden zu widmen und in Gesprächen deren Nöte anzuhören. Dabei bleiben sie immer freundlich und strahlen von dem aus, was das Ordensleben ausmacht. Sie gehen in keiner Weise in der Hektik eines Verkaufladens unter, und die Anwesenheit beim Chorgebet ist trotz vieler Arbeit immer da. Ich bewundere die Mitschwestern im Laden und wünsche mir weiterhin eine so gute Zusammenarbeit.“ Einen schöneren Dank kann es kaum geben… Sr. Andrea berichtet: „Im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 2008 ließen wir in Zusammenarbeit mit dem Präsenz-Verlag der JesusBruderschaft Gnadenthal zwei Kalender drucken: Einen kleinen Lesezeichenkalender und einen größeren, jeweils mit ausgesuchten, schönen Bildern unseres Klosters von innen und außen. In Zusammenarbeit mit Herrn Faika vom Label ORGANUM, der auch schon 2004 unsere Orgel-CD herausbrachte, haben wir unsere drei CDs mit HildegardGesängen, Gregorianik und der Lebens- und Wirkungsgeschichte der hl. Hildegard neu aufgelegt, sodass diese nun endlich wieder unseren Kunden zugänglich sind.“

20 Vom 11.-13.9.07 richtete unser Kloster erstmals eine Tagung der ERFA-Gruppe aus, die aus 13 Klosterläden besteht und deren halbjährliche Zusammenkünfte der Weiterbildung, der Vernetzung untereinander und dem Austausch dienen, und die abwechselnd in den Klöstern der Mitglieder stattfindet. Da aber unser Gästehaus dann doch zu wenig Platz für 23 Teilnehmer bot, waren wir gezwungen, in das Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden-Naurod auszuweichen. Am ersten Abend kam die Gruppe aber dennoch zu einem Besuch nach Eibingen, um den Klosterladen und den neuen Gastbereich anzuschauen und insbesondere den Laden „unter die Lupe zu nehmen“. Bei der anschließenden kollegialen Manöverkritik haben Sr. Michaela und Sr. Andrea viele Anregungen und Verbesserungsvorschläge für die Gestaltung des Klosterladens mitgenommen. Die MDG, München, die diese hilfreichen ERFA-Gruppen ins Leben rief und von denen inzwischen im deutschen Sprachraum vier existieren, hat unser Kloster und insbesondere den Klosterladen auch sonst intensiv beraten. Herrn Wilfried Günther sei hier ein ganz besonderer Dank ausgesprochen. Das Sortiment im Klosterladen haben wir im vergangenen Jahr um einige Klosterprodukte und um fair gehandelte Keramik erweitert. Alles erfreut sich reger Nachfrage. Ebenso hat sich im Rheingau und weit darüber hinaus herumgesprochen, dass Sr. Michaela Kerzen zu Taufe, Erstkommunion oder sonstigen Anlässen beschriftet; die Nachfrage danach ist deutlich gestiegen.

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onzerte

Am 4. November war das Collegium Vocale aus Oberhausen bei uns zu einem Konzert in der Abteikirche zu Gast. Das Ensemble besteht aus sechs Sängerinnen und Sängern (die Nichte unserer Sr. Fidelis ist Mitglied), die sich der geistlichen a - capella - Musik widmen, vor allem in kleiner Besetzung. Das Programm zeigte die Vielfalt dieses Ensembles: Gesänge von Hans Leo Hassler, William Henry Monk, Maurice Duruflé u.a. brachten die Freude an der Musik zum Ausdruck. Der Leiter des Ensembles, Veit Zimmermann, war auch an der Orgel zu hören, u.a. mit Werken von Nikolaus Bruhns und Dietrich Buxtehude. Seit 73 Jahren nun ist es Tradition, dass Mitte November (in diesem Jahr am 18.11.) ein Konzert des Männergesangvereins Cäcilia Eibingen bei uns in der Abtei stattfindet. In einer

21 fröhlichen und gelösten Atmosphäre präsentierten uns die Sänger ein abwechslungsreiches Programm. Höhepunkt war das „Rheinsteiglied“, komponiert und getextet von Chorleiter Paul– Gerhard Kappus.

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iturgie

Auch unsere klösterliche Gemeinschaft steht mitten im Zeitenwandel. Doch bei allen offenen Fragen an die Zukunft, wissen wir uns unseren Wurzeln verpflichtet und bemühen uns, „dem Gottesdienst nichts vorzuziehen“ und diese Weisung des hl. Benedikt in den Arbeitsalltag zu übersetzten. Als Teilkirche, verbunden mit der Weltkirche, feiern wir das tägliche Choralamt und sind voller Dankbarkeit gegenüber allen Zelebranten, die uns in der gegenwärtigen Priesternot immer wieder helfen, besonders jetzt P. Johannes Rütsche SAC. Um bei unserer veränderten Konventsituation das Stundengebet als Lobpreis Gottes in Stellvertretung für die Vielen mit möglichst großer Beteiligung der Mitschwestern würdig feiern zu können, suchen wir in einer gegenwärtigen Probezeit nach einer zeitlich veränderten Einteilung der Mittagsgebetszeiten und halten zur Zeit eine Mittagshore um 12.00 Uhr. Die Möglichkeit, die Terz in das Hochamt zu integrieren, haben wir wieder aufgegeben.

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ourdes-Reise

Das Stichwort Lourdes muss wegen seiner Einmaligkeit erwähnt werden, denn zwei unserer Mitschwestern durften in diesem Jahr eine Pilgerreise nach Lourdes machen, etwas, was bei uns noch nie dagewesen ist. Es begann damit, dass Mutter Edeltraud für ihren Einsatz als Referentin und Gesprächsbegleiterin bei den Maltesern zwei Pilgerreisen nach Lourdes geschenkt bekam. Gerne wäre sie mit Sr. Christiane gefahren, aber das war leider nicht mehr möglich. So lud sie Sr. Simone ein und beide flogen dann, nach einem kurzen Besuch in Marienode, am 16. August von Hannover aus mit einer Pilgergruppe, geleitet von Frau Marie Rose von Boeselager und Dr. Wilhelm von Trott zu Solz, nach Lourdes. Sie haben alle kleineren und größeren Gebetsanliegen mit an die Grotte genommen und kamen ganz erfüllt und mit dankbarem Herzen zurück. Sr. Simone berichtete: “Solch eine Pilgerreise ist

22 ein tiefes Erlebnis – und es ist schwer, angemessen davon zu berichten. Da ist das Leid so vieler Menschen, das die eigenen Probleme vergessen lässt, da ist dieser unglaubliche Glaube, dem man staunend begegnet, da ist der Einsatz der Malteser, getragen von Achtung und wahrhafter Menschenliebe, ein Glaubenszeugnis, das froh macht. Unausweichlich wird man hineingezogen in die Erfahrung des eigenen Pilgerseins und fragt sich: bin ich bereit, fremd zu werden, immer wieder aufzubrechen, ohne anzukommen? Bleibe ich unterwegs, bleibe ich Pilger – bis ich endlich in der ewigen Herberge ankommen darf? Diese Frage bleibt.“

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arienrode

Mit unserer Gründung Marienrode im Bistum Hildesheim, seit 1998 unabhängiges Priorat, verbinden uns nicht nur die gemeinsamen Wurzeln, sondern auch herzliche schwesterliche Beziehungen. Wir wissen umeinander, wir beten füreinander und haben ein warmes und lebendiges Interesse an dem Ergehen der Mitschwestern. Die eher seltenen Möglichkeiten, einander zu begegnen, werden gerne wahrgenommen. In diesem Jahr verbrachten Sr. Philippa und unsere Oblatengemeinschaft das letzte Juniwochenende in Marienrode, unsere Lourdes-Pilger drei Tage im August. Zu unserer Freude fanden auch Marienroder Mitschwestern den Weg zu uns. Sr. Placida nahm als Abgesandte an der Ewigen Profess unserer Sr. Placida im März teil; Sr. MariaElisabeth kam zu zwei Blitzbesuchen nach der VBD-Tagung und nach dem Generalkapitel in Beuron. Trotz der knappen Zeit haben wir die Besuche dankbar genossen, ebenso die Ferientage, die Sr. Christiane aus Marienrode im November bei uns verbrachte.

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ilitärseelsorge

Im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Militärseelsorge nahm Sr. Lydia vom 22.-26. Oktober an der Gesamtkonferenz der Militärgeistlichen, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten mit dem Thema „Aktuelle Herausforderungen im Staat – Kirche – Verhältnis“ in Bensberg teil. Verschiedene Vorträge beleuchteten das Thema. So sprach Prof. Rhode SJ (Leiter der Hochschule St. Georgen in Frankfurt) über die Beziehung zwischen Staat und

23 Kirche seit dem Zweiten Weltkrieg. Beeindruckend war der letzte Beitrag von Dr. Heiner Geissler, der einen geistlich–philosophischen Vortrag zur „Zukunft des Sozialstaates“ hielt. Zwei Ausflüge führten in die nähere Umgebung von Bensberg: zum Papiermuseum „Alte Dombach“ und zum Altenberger Dom, in dem nach einer Führung und einem geistlichen Impuls die Vesper gemeinsam gesungen wurde. Höhepunkt der Gesamtkonferenz war das Pontifikalamt mit Militärbischof Dr. Walter Mixa in St. Gereon/Köln. Im April (23.-26.) und im Oktober (15.–20.) hielt Sr. Lydia den Pfarrhelfern aus Bayern / Baden Württemberg und denen aus dem Ausland Exerzitien. Die Themen waren „Reden und Schweigen in der Bibel und in der Regel des heiligen Benedikt“ sowie „Gott – Mensch – eine Beziehung“. Unser Oblate, Pfarrer Ralf Hufsky, ist Militärpfarrer am NATO – Hauptquartier in Brunssum/Niederlande. Dort gestaltet er u.a. Familienwochenenden, an denen Soldaten, die im Ausland tätig sind, zusammen mit ihren Familien ein geistliches, kulturelles und einfach erholsames Programm erleben können. Dieses Jahr trafen sich vom 23.-25. März Soldaten und Mitglieder der deutschen Botschaft in London, die zusammen mit ihren Familien in der geschichtsträchtigen Stadt Canterbury zusammenkamen. Sie wohnten in unmittelbarer Nähe zur Kathedrale, dem Sitz des Erzbischofs, des geistlichen Oberhauptes der Kirche von England. Der hl. Augustinus von Canterbury, ausgesandt von Papst Gregor dem Großen, brachte einst die Benediktsregel im 6. Jahrhundert nach England, gründete dort mehrere Klöster und wurde später der erste Erzbischof der Kathedrale von Canterbury. Unsere Sr. Benedicta war in diesem Jahr eingeladen, einen Vortrag über die Geschichte des Mönchtums mit Schwerpunkt auf dessen Geschichte in England bis zur und nach der Aufhebung der Klöster zwischen 1538 und 1541 durch König Heinrich VIII. zu halten. Sie übernahm dies gern und berichtete uns von reich gefüllten Tagen in England. Höhepunkt des Treffens war für alle Teilnehmer der gemeinsam gesungene feierliche Evensong in der altehrwürdigen Kathedrale von Canterbury.

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oviziat

Unsere Gemeinschaft durfte sich am 15. Oktober über den Eintritt von Frau Sabine Jakob freuen. Sie ist 34 Jahre alt, kommt aus Münchweiler in der Pfalz und ist als Bürokauffrau ausgebildet. So herrscht in unserem Noviziatstrakt wieder etwas mehr Leben. Sr. Barbara, derzeit der einzige „weiße Schleier“, befindet sich nun im letzten Trienniumsjahr und geht auf die Feierliche Profess zu. Im Dinkelbetrieb und Weinverkauf ist sie inzwischen eine gute und einsatzfreudige Stütze für Sr. Thekla und die Mitschwestern im Laden. Sr. Barbara nimmt auch weiter gern und mit Gewinn am Wiener Theologischen Fernkurs teil. Im Sommer fuhr sie nach Wien, um mit gutem Erfolg einige Prüfungen abzulegen. Vom 6.-11. August nahmen Sr. Katharina und Sr. Barbara an der Werkwoche für die Iuniorate der Beuroner Frauen- und Männerklöster teil, die in der Abtei vom Heiligen Kreuz in Herstelle (Weserbergland) stattfand. Sr. Michaela Puzicha OSB (Abtei Varensell) referierte kompetent und sehr lebendig über das vorbenediktinische Mönchtum und legte einen besonderen Akzent auf die Wüstenväter und deren Spiritualität. Doch die Tage waren nicht nur fachlich ein voller Erfolg. Die vielen Begegnungsmöglichkeiten am Rande, die großzügige Gastfreundschaft der Hersteller Mitschwestern und nicht zuletzt ein schöner Ausflug nach Bursfelde ließen die Woche zu einer Erfahrung werden, an welche die Mitschwestern gerne zurückdenken.

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blatengemeinschaft

Unsere Oblatengemeinschaft traf sich auch in diesem Jahr wieder dreimal zu geistlichen Tagen. In der Fastenzeit standen die Oblatentage unter dem Thema „Reue – Umkehr – Versöhnung“. Sr. Philippa hielt einen Impuls zum Miserere-Psalm 50, daran schloss sich ein geistlicher Austausch von großer Tiefe und Intensität an. Gemeinsam stellten sich die Oblaten die Frage „Wie und wo erfahre ich in meinem Leben Umkehr und Versöhnung?“ und gaben sich Anteil an ihrem geistlichen Weg. Das Sommertreffen fand schon traditionsgemäß in Marienrode statt. Thema dort war die „lectio divina“ (geistliche Schriftlesung) sowie die „lectio regulae“, die Betrachtung der Benediktsregel. Sr. Philippa

25 berichtete in einem Impulsreferat über ihre Erfahrungen mit einem „Regel-Tagebuch“ und gab vielfältige Anregungen für den täglichen Umgang und das Leben mit und aus der Regel. Im Herbst machte die Oblatengemeinschaft zum ersten Mal gemeinsame Exerzitien in unserem neuen Gästebereich. Pater Prior Dr. Theodor Lutz OSB, Ottobeuren, begleitete die Gruppe durch die Tage und verband in seinen Impulsen Heilige Schrift und Benediktsvita auf wunderbare Weise. Am Fest des hl. Martin, dem Patron der Beuroner Kongregation, erneuerten die Oblaten am Ende des Konventamtes ihre Oblation und gingen dann gestärkt in ihren Alltag zurück. Am 15. August, dem Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, banden sich Frau Annette Roweda und Frau Manuela Heringklee in der Oblation an Gott und an unsere Gemeinschaft; Frau Hildegard Horstmann aus Paderborn hatte bereits am 2. Februar ihre Probezeit begonnen. Wir freuen uns, dass immer mehr Menschen das Oblatentum als einen möglichen Weg der Nachfolge für sich entdecken und damit in der Welt bewusst für ihren Glauben und für die benediktinischen Werte Zeugnis ablegen.

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rdensrat

Die Amtszeit des IX. Ordensrates des Bistums Limburg, in dem Sr. Ursula als gewählte Vertreterin mitarbeitet, neigt sich dem Ende entgegen, so dass sich vielleicht auch in unserer Chronik ein kleiner Rückblick anbietet. Das Gremium hat zu Beginn seiner Amtszeit eine bedeutende Änderung erfahren: nicht mehr alle Ordensgemeinschaften des Bistums haben Vertreter/innen entsandt, sondern die Regionen haben jeweils drei Vertreter und genau soviele Stellvertreter gewählt, die dann die gemeinsamen Interessen zu vertreten haben. Dadurch ergibt sich eine größere Verantwortung der Vertreter für die Region. In unserem Fall ist das der Rheingau, Wiesbaden und der Untertaunus. Vielen Schwestern und Brüdern ist auf diese Weise die Chance bewusst geworden, die im Miteinander der Ordensgemeinschaften vor Ort steckt. Ein gemeinsamer Rückblick des Ordensrates in seiner letzten Sitzung sah hoffnungsfroh aus: die Zahl der Ordensleute, die den Ordenstag besuchen, steigt. Die Ordenstage sind thematisch gut aufgenommen worden und haben den Besuchern viele Anregungen mitgegeben und Begegnungen ermöglicht. Dies alles macht Mut in einer Zeit des „Wenigerwerdens und der

26 Überalterung“ vieler Gemeinschaften. Perspektive schafft auch ein Wort der Deutschen Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit der Deutschen Ordensoberenkonferenz am Anfang des Jahres über die Gemeinschaften des geweihten Lebens mit dem Titel „Gemeinsam dem Evangelium dienen“, das den Ordensrat stark beschäftigt hat, weil es um eine grundlegende Fragestellung geht: die Zusammenarbeit zwischen den Orden und der Ortskirche. Das Wort der deutschen Bischöfe wird sicher für die weitere Arbeit im Ordensrat eine wertvolle Arbeitsgrundlage bieten.

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rofess

Am 18. März legte Sr. Placida Robertz ihre Feierliche Profess ab und empfing durch Abt Benedikt Müntnich, Maria Laach, die Monastische Weihe. Sr. Placida selbst sagt: „Es war eine ganz normale Profess“. Für uns war es aber natürlich trotzdem ein ganz besonderer Tag der Freude und der Dankbarkeit, dies nicht zuletzt, weil auch Sr. Gisela aus Paris und die „alte“ Sr. Placida aus Marienrode gekommen waren. Mit uns feierten dann sowohl die Familie unserer jungen Sr. Placida als auch zwei besondere Gäste: Sr. Elisabeth Schattmann (Katharinenschwester), die Sr. Placida seit ihrem 14. Lebensjahr begleitet hat, und Frau Christa Gerrits, eine ehemalige Lehrerin, die unsere Mitschwester zehn Jahre lang nicht mehr gesehen hatte. Ihren monastischen Lebensweg hat Sr. Placida unter ein Wort aus dem 7. Kapitel der Benediktsregel gestellt: „Pro Dei amore“ (Aus Liebe zu Gott) – ein geistliches Lebensprogramm, das nun Schritt für Schritt eingelöst sein will.

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uellen

Aus welchen Quellen leben wir? Diese Frage haben wir uns im Vorfeld zu diesem Jahresbericht gestellt. Hier einige exemplarische Antworten: „Eine Lebensquelle für meinen Alltag ist ein freundlicher Gruß am Morgen, den eine Mitschwester mir schenkt. Sie gibt mir damit etwas von ihrem Licht und macht so meinen Tag hell.“ „Das Psalmwort ‚All meine Quellen sind in dir‘, ist mir sehr lieb. Die Quelle, der Ursprung meines Lebens. Geschöpf Gottes zu sein, von Seinen Händen gehalten und das Vertrauen darauf, sind die

27 Hilfen und Quellen in meinem Leben. Alles andere – Lectio, Oratio, Gemeinschaft, Chorgebet kann beglücken und bereichern, bleibt demgegenüber aber für mich sekundär.“ „Die Quelle meines Lebens, zu der ich immer wieder zurückkehre, ist die Hoffnung.“ „Die Quelle, aus der ich lebe, ist in dem Psalmwort ‚Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht‘ angedeutet. Die Quelle, das ist das Ja Gottes, der Weg zu dieser Quelle ist für mich die Regula.“

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egula Benedicti

Der Buchstabe R führte die Chronistinnen – wie könnte es anders sein! – ohne Umschweife zur Regula. Die Benediktsregel muss man einfach lieben, sie ist voller Überraschungen und lässt uns immer wieder Neues entdecken. Davon sprechen beredt auch die Kommentare der letzten Jahre, die uns in den Reichtum des benediktinischen Gedankenguts führen und die uns das ganze Jahr über in der Tischlektüre begleitet haben. Zwei Neuerscheinungen im deutschsprachigen Raum haben uns außerdem besonders angesprochen: „Fremd in der Stadt“ von Michael Casey und „Christsein für Einsteiger“ von Bernhard Meuser. Das Buch von Michael Casey, einem australischen Trappisten, ist sicher die bemerkenswerteste Neuerscheinung – ein absoluter Glücksfall für alle, die nach der Benediktsregel leben! Bernhard Meuser nimmt die 74 Werkzeuge der geistlichen Kunst aus dem 4. Kapitel der Benediktsregel als Reiseführer in den christlichen Glauben, den er ohne Schnörkel als faszinierend, schön, lebendig und mitreißend schildert. Beide Bücher haben uns einmal mehr gezeigt, wie viel die Regula uns zu sagen hat und wie viel wir weitergeben können an die Menschen, die bei uns anklopfen. Wir haben in unserer Regula ein wirkliches vademecum, auch für den aufgescheuchten Menschen unserer Zeit.

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estaurierungswerkstatt

Die Restaurierungswerkstatt hat im letzten Jahr stetig weitergearbeitet und wieder mehrere Matrikelbücher/-Kirchen-

28 bücher – teilweise aus dem 17. Jahrhundert, aber auch solche bis in das 20. Jahrhundert hinein – restauriert, außerdem Inkunabeln und Handschriften, worunter z.B. Musikalien oder eine Regula Benedicti aus dem 18. Jahrhundert fallen - letzere hatte Verwendung in einem Frauenkloster und ist in gänzlich weiblicher Form geschrieben: abbatissa statt abbas, sorores statt frates .... etc. Eine besondere Freude ist es für uns, dass wir auch wieder für die evangelische Landeskirche in Speyer arbeiten durften. Von Herzen danken wir den einzelnen Bistümern für ihr Vertrauen und die gute Zusammenarbeit, auch für die Geduld, wenn es in unserem klösterlichen Rahmen manchmal etwas länger dauert bis ein Stück uns wieder verlässt.

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chola

Nach jahrelangem temperamentvollen Einsatz als Stimmbildner wurde in diesem Jahr Herr Rainer Hilkenbach von der ebenfalls aus Kiedrich stammenden Sopranistin Frau Elisabeth Scholl abgelöst. Sie versteht es, uns durch regelmäßige Singstunden neu für das Singen im Chor zu begeistern, sowohl durch das kompetente und einfühlsame Training mit Einzelnen als auch mit dem ganzen Konvent. So wagten wir es in diesem Jahr, für die Hildegardvesper am 17. September eine weitere Antiphon der hl. Hildegard („Caritas abundat“) gemeinsam neu einzustudieren. Im Sommer war auch wieder Frau Sarah Zeller für ein paar Tage bei uns, um unsere Stimmen in der ihr eigenen liebenswerten Art zu schulen. Allen, die uns immer wieder helfen, unseren Chorgesang zu verbessern, sei an dieser Stelle ein herzlicher Dank ausgedrückt. Ganz besonders danken möchten wir auch unserer Sr. Ancilla, die nach jahrzehntelangem treuen und engagierten Einsatz als Scholasängerin in den „wohlverdienten Ruhestand“ gegangen ist. Wir sind froh, dass sie zu „Aushilfen“ immer bereit ist und nun den Chor als Ganzes nachhaltig stützt. Seit über 20 Jahren begleitet uns Professor J.B. Göschl im Einüben des Chorals nach den Erkenntnissen der semiologischen Forschung. Auch in diesem Jahr hatten wir im Mai wieder einige Übungstage mit ihm, wobei er uns auf seine bewährte Art voller Schwung im Chor dirigierte. Er ist auch verantwortlich für den Gregorianik-Aufbaukurs in Goslar. Dort nahm Sr. Francesca mit großem Gewinn im April und Oktober an der 4. und 5. Einheit teil.

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piritual

Kurz vor der Oberenwahl in Gerleve nach dem Rücktritt von Abt Pius Engelbert wurde Vater Altabt Clemens, der seit 1999 bei uns das Amt des Hausgeistlichen inne hatte, nach Gerleve zurückgerufen, weil er dort gebraucht wurde. P Bartholomäus und Br. Matthäus holten ihn im November ab. Noch war nicht klar, dass er in Gerleve bleiben würde – doch wurde er vom neugewählten Prior Administrator Laurentius darum gebeten. So war es für uns ein Abschied von unserem geschätzten und liebenswürdigen Vater Abt, der für viele von uns ein persönlicher Begleiter war und es auch jetzt noch ist. Von Herzen sei ihm an dieser Stelle für die wertvolle Zeit bei uns gedankt. Mutter Clementia versuchte nach der Rückkehr von Abt Clemens nach Gerleve, zunächst einen Hausgeistlichen traditionsgemäß aus der Beuroner Kongregation zu finden, was aber leider nicht gelang. Da die Kontakte zu den beiden Abteien Gerleve und Maria Laach lebendig und freundschaftlich sind, halfen uns die Mitbrüder mit ihren Möglichkeiten aus und blieben jeweils einige Wochen. Manch einer von ihnen hielt uns in dieser Zeit eine Konferenz. Dafür möchten wir herzlich danken. Ebenso freuten wir uns auf den jährlichen Besuch von Altabt Pius und Pater Elmar, die nun schon mehr als dreißig Jahre im Sommer zu uns kommen und mit ihren Konferenzen den Konvent bereichern. Diese neue Situation zeigte unserem Konvent auf eine neue und positive Weise, wie eng die Benediktinerklöster heute mit anderen Ordensgemeinschaften und vor allem mit der Ortskirche verbunden und aufeinander angewiesen sind. Ganz besonders danken möchten wir den Franziskanern in Marienthal, sowie Pfarrer Didinger und Pfarrer Schickel, die immer wieder mit uns die Eucharistie gefeiert haben und zu jeder Zeit für priesterliche Dienste ansprechbar sind. Herr Diakon Weser, der unserer Abtei schon viele Jahre verbunden ist, kommt am Sonntag zu uns und übernimmt im Wechsel mit Pater Rütsche SAC, unserem derzeitigen Hausgeistlichen, die Predigt. Seit Anfang September ist Pater Johannes Rütsche für einen längeren Zeitraum bei uns. Er ist Schweizer und lehrt an der Hochschule in Vallendar; er befasst sich intensiv mit dem Philosophen und Pädagogen Wilhelm Dilthey. Wir sind froh und dankbar, dass bis jetzt in unserer Abtei täglich die Feier der

30 Eucharistie als Quelle und Höhepunkt des liturgischen Betens möglich ist. Danken möchten wir besonders Abt Benedikt aus Maria Laach und Pater Max Rademacher OFM, Pfarrer Bardenhewer und Pfarrer Hufsky für ihre priesterlichen Dienste während des Jahres.

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age der Begegnung

Auch in diesem Jahr konnten wir bei unseren Tagen der Begegnung viele Besucher begrüßen, die das vielfältige kulturelle und kulinarische Angebot gern wahrnahmen und ausprobierten. Neben den Klöstern Neuburg, Jakobsberg und Plankstetten, die ihre Klosterprodukte anboten, standen uns viele altbewährte Helfer zur Seite. Wie immer war die Kinderbaustelle ein Renner, aber auch die Töpferscheibe, die Friedhofs- und Weinbergsführung, und die Weinprobe lockten viele Besucher an. Neu war in diesem Jahr, dass nach weitgehender Fertigstellung unseres Neubaus das gesamte Gelände wunderbar genutzt werden konnte. Das vereinfachte die „Logistik“ in jeder Hinsicht. Vor allem der Garten zeigte sich in Glanzform. Sr. Beatrix war Tage und Wochen vorher unermüdlich im Einsatz, damit sich die Gäste am 9. und 10. September wirklich bei uns wohl fühlen konnten. Auch das Wetter meinte es gut mit uns, so dass die Kinder eine Pferdekutschfahrt durch das Klostergelände starten konnten. Dabei ging es quer durch den Garten und am neuen Friedhofstor wieder auf den Klosterweg zum Ausgangspunkt zurück – eine echte Attraktion, die am Abend des zweiten Tages auch von einigen Mitschwestern noch gern genutzt wurde. Der Männergesangverein Cäcilia Eibingen, ließ es sich nicht nehmen, am Sonntag wieder ein Ständchen zu bringen. Erstmals hingegen spielten die Alphornbläser(innen) mit Frau Heidi Schmidt aus Geisenheim für uns. Die vier Bläser postierten sich am Hang, so dass viele begeisterte Zuhörer auf der Terrasse vor den Kunstwerkstätten eine halbe Stunde lang die fast meditativen Klänge dieser faszinierenden Instrumente genießen konnten. Frau Elisabeth Scholl (Sopran) und L’arco cantabile erfreuten die Besucher mit Solomotetten und Arien von Cazzati bis Bach, und Albert Schönberger (Domorganist in Mainz) und Johannes Trümpler (Organist in Maria Laach) stimmten durch ihr Orgelspiel feierlich auf die Vesper ein.

31 Im Mehrzweckraum des neuen Gästehauses konnten die Besucher sich selbstgemalte Ikonen von Frau Maria Theresia von Fürstenberg anschauen. Alois Fürst zu Löwenstein, der Urenkel unseres Stifters, hielt einen engagierten und bewegenden Vortrag zum Thema „Die Freude, katholisch zu sein“. Sr. Scholastica hatte viele Zuhörer und Zuschauer bei einer Power-PointPräsentation über die einzelnen Abschnitte unseres Bauprojektes. Wir möchten an dieser Stelle nochmals allen Besuchern und Helfern danken, die mit dazu beigetragen haben, dass diese Tage für so viele gut und bereichernd sein konnten.

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niversität Mainz

Das geistig-geistliche Erbe der hl. Hildegard ist unserer Abtei von jeher anvertraut. Dieser Auftrag wird von uns in verschiedenen Formen wahrgenommen. Eine davon bildet die wissenschaftliche Erforschung der Werke Hildegards, die in unserem Kloster auf eine lange Tradition zurückblicken darf. Etliche Mitschwestern haben durch ihre Arbeiten die Wissenschaft mit soliden Ergebnissen gefördert, von Sr. Maura Böckeler an. Unter Sr. Angelas Anleitung hat Sr. Maura Zátonyi Person und Werk Hildegards kennenlernen dürfen, wofür sie unserer Altmeisterin sehr dankbar ist. Im Februar dieses Jahres konnte Sr. Maura ihre Kenntnisse bei Frau Professor Dr. Mechthild Dreyer im von ihr geleiteten Seminar zur Philosophie des Mittelalters vertiefen. In diesem Zusammenhang hat sie sich an der Johannes GutenbergUniversität Mainz immatrikuliert, um an den Lehrveranstaltungen als ordentliche Studentin teilnehmen zu können. Die Vorlesungen und Seminare erweitern ihren Horizont zur Erschließung des Werkes unserer Patronin im theologisch-philosophischen Kontext. Das Studium besteht aber nicht nur aus der Teilnahme an den Studienangeboten der Universität, sondern auch aus lebhaftem Austausch und wissenschaftlichen Diskussionen in Kolloquien, ferner aus konzentrierter Arbeit in der Bibliothek. Damit das Studium in diesem Maß für Sr. Maura möglich wurde, hat sie bei den Schwestern der Congregatio Jesu in Mainz herzliche Gastfreund-schaft erfahren und einen Ort zum Wohnen gefunden, der die zum Lernen erforderliche Ruhe bietet. Dafür sagen wir den Schwestern herzlichen Dank. Bedanken möchte sich Sr. Maura aber ebenso bei unseren eigenen Mitschwestern, die ihr Studium im Gebet und im konkreten Arbeitsalltag mittragen.

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erstorbene

Im Berichtsjahr ging der Todesengel an unserer Gemeinschaft vorüber, ohne eine Mitschwester in die Ewigkeit mitzunehmen. Doch mussten einige Mitschwestern liebe Angehörige an Gott zurückgeben. Mit unserer Mutter Clementia trauerten wir um ihren Vater, Herrn Heinz Killewald, der nach längerer Krankheit, aber dann doch unerwartet plötzlich, am 13. April zum Herrn heimging. Bewundernswert hat er sich in seinem Ruhestand mit der Heiligen Schrift, ihren Quellen und der hebräischen Sprache befasst; besonders den jüngeren Mitschwestern schenkte er zur Profess stets eine Ausarbeitung ihres Professspruches, was diesen und uns allen eine liebe Erinnerung an „Vater Killewald“ sein wird. Sr. Lioba verlor am 21. Januar ihren Bruder, Herrn Otmar Junker. Frau Kate Christiansen, die ältere Schwester unserer Sr. Emmanuela, durfte nach langer schwerer Krankheit im April endlich in Gottes Frieden heimkehren. Für unsere Sr. Helena ereignete sich gleich zweimal ein schmerzlicher Abschied von ihren Schwestern: Frau Erna Grosse starb im April und Frau Martha Imhoff im September. Auch unser Küchenchef, Herr Piccinno, wurde in diesem Jahr zweimal in seine Heimat Italien gerufen, wo sein Bruder und vor wenigen Wochen seine Schwester verstarben. Als lieben Bekannten und Freund unseres Hauses verloren wir am 11. August Herrn Pfarrer i.R. Jean Hörnis von Johannisberg, der viele Jahre lang mit Vater Abt Clemens zusammen unser Hochamt konzelebrierte. Von ihm ist an anderer Stelle bereits die Rede gewesen. Wir schließen alle uns verbundenen lieben Verstorbenen und ihre Angehörigen täglich in unser fürbittendes Gebet beim hl. Messopfer ein und schenken ihnen unser liebendes Gedenken.

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ein

„Du schenkst uns den Wein, die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit“, so heißt es im eucharistischen Gabengebet. Die Erfahrung, dass unsere Sorgen und Mühen im Weinberg das ganze Jahr über durch die Hand Gottes mitgetragen und begleitet werden, durften wir auch in diesem Jahr wieder machen. Selten hatten wir einen so schönen, goldenen Oktober zur Weinlesezeit wie in diesem Jahr 2007. Zwar waren wir fast das letzte Weingut,

33 das mit der Rieslinglese begann - erst am 8. Oktober - aber das Warten hat sich gelohnt. Wir konnten durchweg gesundes Lesegut und ausgereifte Trauben heimholen. Auch das Mostgewicht hat uns positiv überrascht, und so können Sie sich mit uns auf einen interessanten Jahrgang 2007 freuen. Unsere am 29. Oktober zuletzt gelesenen Trauben hatten ein Mostgewicht von 110° Oechsle! Da freute sich das Winzerherz unseres Winzermeisters Arnulf Steinheimer und unserer Sr. Thekla. Durch die extrem frühe Blüte und Traubenentwicklung hatten die Trauben eine der längsten Reifezeiten der letzten Jahre. Die somit gut ausgereiften Trauben versprechen Weine mit intensivem sortentypischem Aroma. Aber noch gären die Weine in unserem Keller und diese Zeit der "Umwandlung" sei ihnen gegönnt. Durch eine neue Kühlanlage sind wir nun auch in der glücklichen Lage, die Weine in unserem recht warmen Keller bei niedrigen Temperaturen zu vergären. Damit bekommen wir noch aromatischere Weine und können die Weinsteinausfällung beschleunigen. Im Jahr 2006 mussten wir aufgrund der Witterungsverhältnisse auf eine schnelle Lese durch den Traubenvollernter setzen. Die guten Erfahrungen und die nicht erkennbaren Unterschiede in Geschmack und Qualität ließen uns auch in diesem Jahr wieder ganz gezielt Weinberge maschinell lesen. Generell werden wir die Handlese in unseren besten Weinbergen bevorzugen, aber parallel dazu einige Weinberge mit dem Traubenvollernter lesen. Ausschlaggebend für qualitativ hochwertige Weine ist und bleibt jedoch die Arbeit im Weinberg während des Jahres. Dort werden die Grundlagen gelegt, die durch die Gärung nur herausgeholt und bewahrt werden können. Bei allem Denken und Planen bleibt es aber letztlich eine Gabe Gottes, wenn wir gesunde Trauben ernten können und sich daraus köstliche Weine entwickeln.

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eiterbildung

Durch die Erweiterung unseres Gästebereiches kommen immer mehr Menschen zu uns, die nach geistlicher Begleitung oder nach Hilfe in schwierigen Lebenssituationen suchen. Um darauf entsprechend vorbereitet zu sein, nahmen Sr. Francesca und Sr. Ursula im Februar und September im Franziskanerkloster Schwarzenberg an einem Kurs für Gesprächsführung unter Leitung des Passauer Pastoralpsychologen, Prof. Isidor Baumgartner, teil.

34 Die dort gewonnenen Kenntnisse sind für die Mitschwestern sehr hilfreich und lassen sich im Alltag gut umsetzen. Sr. Philippa begann in diesem Jahr einen „Berufsbegleitenden Lehrgang“ in Logotherapie bei Frau Professor Elisabeth Lukas, Wien. Dieser richtet sich speziell an Menschen mittleren Alters, die ein abgeschlossenes Theologie- Medizin- oder Psychologiestudium haben und schon einige Jahre in der Begleitung von Menschen tätig sind. Der von dem berühmten Arzt Viktor Frankl begründeten Logotherapie geht es vor allem darum, dem am Leben und an der Sinnleere leidenden Menschen unserer Zeit wirksame Hilfen zur Lebensbewältigung zu geben. Sr. Philippa hat sich immer schon sehr für die Logotherapie interessiert. In der Betreuung von Sr. Christiane hat sie nun vor allem in den Abendstunden, da nur „Bereitschaftsdienst“ von ihr gefordert ist, einige Stunden Zeit, um sich in Stille geistig und geistlich zu betätigen. Wir freuen uns mit ihr, dass sie den „alten Faden“ wieder aufnehmen konnte und so auch für die Begleitung von Menschen intensiv gerüstet wird. Die Buchmalereien, die in den Skriptorien der großen Klöster des Mittelalters entstanden sind, können als die Ikonen des westlichen Mönchtums betrachtet werden, denn auch sie wollen – wie die Ikonen der Ostkirche - Fenster der Seele und Fenster zur Transzendenz sein. Sr. Benedicta, die in unserer Buchrestaurierungswerkstatt tätig ist, lernte durch eine unerwartete Fügung zwei französische Meister dieser Kunst kennen, die sie nach Frankreich einluden, um an mehreren intensiven Kursen teilzunehmen. Mme und Mr Marlier sind nicht nur Meister der Buchmalerei, sondern auch Pigmentforscher und historische Buchbinder, die u.a. an der Ecôle de Louvre für Restaurierung dozieren und forschen. Sie sind zugleich sehr gläubige Menschen, die es als sehr wichtig betrachten, diese Kunst in den Klöstern neu zu beleben. Die Kurse, an denen Sr. Benedicta teilnahm, waren vier 2 - 4 tägige Kurse und fanden im Trappisten-Kloster Notre Dame d’Oelenberg im Elsass und bei den Benediktinern im Kloster Notre Dame de Tournay unweit von Lourdes statt. Themen waren sowohl die Geschichte und beliebte Motive, als auch Materialien und Arbeitsweisen, die im Mittelalter üblich waren. Hauptziel war natürlich die praktische Anwendung all dieser Elemente beim Miniaturenmalen selbst. Sr. Benedicta hat viel Freude am Miniaturenmalen und konnte eine Vielzahl von Kenntnissen gewinnen, die auch für die Restaurierungsarbeit interessant sind. Ihr und unser Dank gilt dem Ehepaar Marlier, den

35 Mitbrüdern in den genannten Klöstern und Mme Marie-Rose Knocke für deren großzügige Gastfreundschaft. Ihre künstlerischen Fähigkeiten und Interessen konnte auch Sr. Placida in diesem Jahr durch gezielte Weiterbildung ausbauen. Sie belegte mit großem persönlichen Gewinn einen Ikonenmalkurs im Kloster Nütschau und lernte so auch ein weiteres Männerkloster unserer Beuroner Kongregation kennen. Eine Fortbildung ganz anderer Art absolvierte Sr. Jutta. Sie war im Sommer sechs Wochen lang in der Küche unserer Mitbrüder in Gerleve im Einsatz, um ihre Koch- und Backkenntnisse gezielt zu erweitern. Wir alle konnten bereits mehrfach davon profitieren, da Sr. Jutta unseren Koch, Herrn Piccinno, während seines Urlaubs vertrat und wir auf diese Weise das in Gerleve Hinzugelernte bereits verkosten durften. Zusätzlich belegt Sr. Jutta zurzeit auch einen Fernkurs am Institut für Logotherapie in Essen.

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ukunft

Unsere Zukunft und unsere Hoffnung – ein Wort von Teilhard de Chardin möge alles zusammenfassen: DIE WEIHNACHT Die unsere Blicke anscheinend hätte umkehren und auf die Vergangenheit lenken sollen, hat sie nur noch weiter nach vorn gewiesen. Nur einen Augenblick ist der Messias unter uns erschienen, um sich abermals, leuchtender noch und unaussprechbarer – in den Tiefen der Zukunft zu verlieren. ER ist gekommen, aber wir müssen IHN immer noch und von neuem erwarten, mehr denn je. ER wird dann kommen, wenn wir IHN aus tiefstem Herzen ersehnen. Eine Anhäufung von Sehnsucht muss Seine Wiederkunft anbrechen lassen. Wir wünschen Ihnen ein gnadenvolles Weihnachtsfest und ein gesegnetes Neues Jahr Ihre Schwestern von St. Hildegard

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