Wo wohnt Gott? - Dompfarre St. Stephan

Wo wohnt Gott? - Dompfarre St. Stephan

71. JAHRGANG · NR. 3 · WEIHNACHTEN 2016 Pfarrblatt Wo wohnt Gott? Schwerpunkt Dompfarre Spirituelles Literatur Auf der Suche nach dem Wohnen Gottes...

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71. JAHRGANG · NR. 3 · WEIHNACHTEN 2016

Pfarrblatt

Wo wohnt Gott? Schwerpunkt Dompfarre Spirituelles Literatur

Auf der Suche nach dem Wohnen Gottes unter den Menschen Bischof Kräutler und der Rosenkranz ∙ Nacht der Mystik ∙ Firmwochenende Das Fest Epiphanie ∙ Mose – ein Heiliger?! Solidarität – Anstiftung zur Menschlichkeit ∙ Gerade aus und mit Liebe

PB Weihnachten 2016.qxp 01.12.16 14:38 Seite 2

■ Editorial ■ Wort des Dompfarrers ■ Weihnachten: noch lange nicht zu Ende ■ Wo wohnt Gott? ■ Rabbi – wo wohnst du? ■ Wofür sollte es das Haus Gottes (ge)geben (haben)? ■ Ob Gott im Wort wohnt? ■ Gott unterwegs begegnen ■ Das Geheimnis um die Geschichte der Bundeslade ■ Gott ist zwischen Kochtöpfen … ■ Wohnt Gott im Leib? ■ »Tut dies zu meinem Gedächtnis!« ■ Heilige Musik ■ Brief von Mutter Teresa ■ Im Sonnenlicht ■ Den Armen zum Trost … ■ Wo Himmel und Erde sich berühren ■ Gott am Fußballplatz? ■ Wir fragen Prominente ■ Die geheimnisvolle Kette ■ 70 Jahre Rosenkranzsühnekreuzzug ■ Mein guter RUF ist weg! ■ Nacht der Mystik ■ Gedenken Prälat Musger ■ Blitzlichter aus St. Stephan ■ Pfarrausflug ■ Pfarrgemeinderatsklausur ■ Firmwochenende ■ Chronik ■ Vor 60 Jahren ■ Die Herzogswerkstatt ■ 70. Geburtstag Franz Michal ■ Steffl ■ Buch: Solidarität ■ Buch: Geradeaus und mit Liebe ■ Mose – ein Heiliger?! ■ Fest Epiphanie ■ Mach mit beim Sternsingen! ■ Einige Termine zum Vormerken ■ Weihnachtsgottesdienste im Pfarrgebiet von St. Stephan ■ Familienführung im Dom ■ Weihnachtsgottesdienste im Dom ■ Zum Nachdenken… ■ Impressum

Editorial 2 3 4 6 7

Blick auf Gott Zeit und Muße. Sich jedoch darauf einzulassen, lohnt sich sehr.

Ein Fenster öffnen

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Draußen ist es kalt und dunkel. Durch ein beschlagenes Fenster scheint Licht, aber außer dem warmen Lichtschein und Fingerspuren, die vergeblich versucht haben, das Eis herunterzukratzen, bleibt nichts erkennbar. Beim Anblick dieses Bilds dachte ich sofort: das passt als Titelbild für unser aktuelles Pfarrblatt! Denn der Blickwinkel des Betrachters widerspiegelt für mich die Situation vieler Menschen in meinem Umfeld. Und auch ich selbst kenne die Situation gut. Ein gewisses Kältegefühl und Finsternis haben sich im Leben breit gemacht: der Alltagsstress, Sorgen, alles zusammen verbunden mit einer gewissen Abgestumpftheit - vielleicht auch Gleichgültigkeit. Oder aber ein schwerer Schicksalsschlag, eine Krankheit, eine belastende Situation, mit der man überfordert ist. Wir sehnen uns nach Wärme und Geborgenheit, wünschen uns Frieden, der über ein Nicht-im-Streit-sein hinausgeht. Man vermisst Liebe, die über alle menschliche Schwäche hinwegsieht. Die Sehnsucht nach Gott, auch wenn diese nicht immer so benannt wird, ist groß. Aber wo und wie Gott finden? Gibt es einen Ort auf dieser Welt, wo Gott wirklich da ist bzw. gibt es einen Ort, wo er nicht ist? Wir haben einige Menschen nach ihren Erfahrungen gefragt. Manchmal sind diese Einsichten schwer in Worten fassbar und man braucht beim Lesen etwas

Auf unser letztes Pfarrblatt über Liebe und Familie haben wir sehr viele Rückmeldungen erhalten, die uns sehr gefreut haben. Die zum Teil kontroversen Reaktionen haben gezeigt, dass unser Pfarrblatt vielfach gelesen wird, es zum Nachdenken anregt und wir auch mit einigen Lesern dadurch ins Gespräch gekommen sind. Und darum geht es doch eigentlich im Leben, in der Begegnung mit unseren Mitmenschen, in der Kirche. Dass wir einander ein Fenster öffnen (und nicht nur an einer vereisten Scheibe kratzen!), dass wir den Blick freimachen für das Wesentliche im Leben, für die Liebe, für Gott … Ich bin immer wieder fasziniert von der Freude kleiner Kinder, jeden Tag im Adventkalender ein Fensterl, hinter dem

Titelseite: Fenster Burg Wildegg © Karin Domany

2 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016

Foto: Staudinger: privat | Domarchiv

Inhalt

PB Weihnachten 2016.qxp 01.12.16 14:38 Seite 3

Wort des Dompfarrers

Liebe Freunde! eine Überraschung oder eine Süßigkeit wartet, zu öffnen. Die Erwartungshaltung ist bis zum Schluss ungebrochen und die Freude auf das letzte – das größte – Fenster besonders groß. Möge dieses Pfarrblatt ein kleiner Beitrag dazu sein, dass wir einander helfen, ein Fenster unseres Herzens zu öffnen und den Blick auf die Liebe Gottes zu richten. Nicht immer sind der Advent und die Weihnachtstage die einfachste Zeit dazu (in der Weihnachtshektik werden Türen und Fenster oft eher zugeknallt), aber den Versuch ist es wert. Und falls es nicht jetzt gelingen sollte, dass wir auf die Ankunft unseres Herrn in der Welt warten können und sich der Blick auf IHN auftut: ER wartet immer – auf uns. Auch im neuen Jahr und jeden Tag unseres Lebens.

Ihre Birgit Staudinger

Hinweis der Redaktion. Wir bitten Autoren und Leser um Verständnis, dass wir aus Gründen der besseren Lesbarkeit und der Unversehrtheit der Sprache Bezeichnungen wie „Christ“, „Katholik“ etc. so wie das ebenfalls grammatikalisch maskuline Wort Mensch als inklusiv, also geschlechtsneutral verstehen und verwenden.

Foto: Dompfarre/Suzy Stöckl

Reaktionen. Wenn Sie uns etwas mitteilen wollen, zögern Sie nicht: Schreiben Sie an: Dompfarre St. Stephan, „Pfarrblatt“, Stephansplatz 3, A-1010 Wien, oder per E-Mail: [email protected]

Ich liebe es, Gott in den Menschen zu begegnen Nach den Tagen der Besinnung in den geistlichen Übungen der Exerzitien ist es für mich eine helle Freude so vielen Menschen im Advent zu begegnen. Die Zeit der Stille, der Meditation und der ausgedehnten Spaziergänge hat etwas für sich. Ich komme zur Ruhe, vieles was einen sonst so ablenkt wird aus- und abgeschaltet. Gott kann sicher in der Stille auf eine besondere Art und Weise gefunden werden. Die inneren Batterien werden wieder aufgeladen. Für den Normalfall sollen sie arbeiten und das Leben soll laufen. Gott wohnt für mich vor allem dort, wo in der konkreten Wirklichkeit der menschlichen Begegnungen so viel an Freude und Glanz aufleuchtet. Gerade auch dann, wenn das äußere Leben oft sehr bedrängt erscheint und Menschen in ihrer Hilfsbedürftigkeit den liebevollen Blick und die Zuwendung des Nächsten so dringend brauchen. Spricht da nicht Gott direkt durch den Mitmenschen zu uns: „Mich dürstet!“ Gott wohnt sicher bei den Armen und Kleinen. Die so beeindruckende heilige Mutter Teresa wurde mit der Möglichkeit ihrer Heiligsprechung schon zu ihren Lebzeiten konfrontiert und befragt. Sehr demütig hat sie den neugierigen Fragesteller über ihre vielleicht bevorstehende himmlische Gegenwart aufgeklärt: Wenn sie einmal wirklich heiliggesprochen werden sollte, dann will sie ihre Zeit sicher nicht im Himmel verbringen, sondern alles dafür tun, dass sie nicht auf Wolke Sieben einen Platz besetzt. Sie wird ganz sicher überall dort auf Erden sein, wo Dunkelheit, Armut und Not herrschen. Nicht möglichst viel göttliches Licht für sich selbst erheischen, sondern dieses göttliche Licht in alle dunklen Stellen und Plätze in der Welt bringen, damit allen klar wird, wie die Wege Gottes und seiner Heiligen sind. Die Sehnsucht nach einer Begegnung mit Gott wird für mich daher nicht

nur in der ruhigen Stunde des Gebets gestillt, sondern gerade im liebenden Dienst an den Menschen. Und das liebende Dasein für Gott beginnt damit, dass ich meinem Gegenüber aufmerksam zuhöre. In dessen Nöten und Bitten erkenne ich die Stimme Gottes für mich. Und ich darf im ermutigenden Wort und im sakramentalen Zeichen ein Werkzeug und Mitarbeiter Gottes sein, dessen Wille es ist, bei den Menschen Wohnung zu nehmen. „Seht die Wohnung Gottes bei den Menschen!“ Gott schlägt sein Zelt mitten in dieser Welt auf, um unter uns Menschen zu leben und erkennbar zu sein. Festliche Stunden weisen in ihrem Glanz immer den Weg in den normalen Alltag. Zwischen den herausragenden Festen des Jahreskreises sollen in allem Auf und Ab die Seile gespannt bleiben, damit uns das Leben nicht zwischen den Fingern zerrinnt. Festzeiten gleichsam als Training, damit in der nüchternen Gleichförmigkeit des Alltags das Licht der göttlichen Gegenwart trotzdem erkennbar bleibt. „Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ Mit den besten Segenswünschen für eine friedliche Weihnacht und ein von Gott erfülltes neues Jahr grüßt Sie Ihr dankbarer

Dompfarrer Toni Faber

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016 3

PB Weihnachten 2016.qxp 01.12.16 14:38 Seite 4

Wo wohnt Gott?

Weihnachten: noch lange nicht zu Ende Was feiern wir zu Weihnachten eigentlich? Menschwerdung Gottes oder Inkarnation des Wortes? Regina Polak begibt sich auf Spurensuche in der Bibel und möchte mit alten Vorstellungen aufräumen

Bitte erschrecken Sie jetzt nicht: Die Vorstellung von der „Menschwerdung“ Gottes ist eine Häresie – ein anderer als der biblisch bezeugte Glaube. Weder im Alten noch im Neuen Testament ist davon die Rede, dass Gott Mensch geworden ist. Die Vorstellung – die auch ich jahrelang hatte – dass der allmächtige Gott zu Weihnachten in Form eines Kindes zur Welt gekommen ist, entstammt heidnisch-hellenistischen Vorstellungen von Theophanien. Diese waren durchaus

Regina Polak ist Professorin für Praktische Theologie und Religionsforschung an der Universität Wien auch religiös, entsprechen aber nicht der Erfahrung der biblischen Autoren. Weihnachten ist eine Chance, diesen heidnischen Glauben zu „ent-lernen“ und mit dem lebendigen Gott in Beziehung zu treten. Im Begriff von der „Menschwerdung“ werden auf schlampige und gedankenlose Weise zwei Gedanken miteinander vermischt, die sich in der Heiligen Schrift finden lassen. Zum einen spricht das Johannes-Evangelium davon, dass das Wort Fleisch geworden ist (Joh 1,14). Und Mensch geworden ist zum zweiten, nicht Gott, sondern der Messias, der „ins Fleisch gekommen ist“ (Phil 2, 5-8; 1 Joh 4,2; 2 Joh 7). Beides aber sind zutiefst jüdische Denkweisen über Gott.

Das Wort materialisiert sich in der menschlichen Geschichte Im Dialog mit dem Judentum lässt sich

das Geheimnis von Weihnachten besser verstehen. Dieser Dialog ist insofern wichtig, als gerade der Gedanke der Inkarnation (Fleischwerdung) seit der Entstehung des Weihnachtsfestes im vierten Jahrhundert als zentrale antijudaistische Kampfformel verwendet wurde und die Vorstellung von der „Menschwerdung“ bis heute eine sublim antijudaistische Spitze hat. Weihnachten ist, biblisch verstanden, eine zutiefst jüdische Denkweise. Denn dass das Wort Fleisch geworden ist, bedeutet: Es materialisiert sich in der menschlichen Geschichte, es wird Geschichte. Dies aber wissen schon die Propheten und Weisheitslehrer Israels, wenn sie von der schechina, der Geisteskraft Gottes, erzählen, die inmitten des Gottesvolkes „wohnt“ und dieses Volk treu durch alle Wirren der Geschichte begleitet. Gott wendet sich der Welt in seiner Gnade zu. Davon erzählt das Alte Testament und es wird in der Geburt des Jesus von Nazareth erneut bestätigt. Die „Selbsterniedrigung“ Gottes in der Geburt eines Kindes bezeugt ein weiteres Mal, dass Gott seine Macht mit seinen Geschöpfen teilt und sie an der Schöpfungsgeschichte beteiligt, wie bereits in der Genesis. Das Bild der Jungfrauengeburt bestätigt, dass Gott inmitten seiner „alten Schöpfung“ immer wieder „Neues“ erschafft. Das ist eines der Themen von Weihnachten. Jesus von Nazareth ist kein zweiter oder anderer Gott. Dann hätten jene Juden und Muslime Recht, die in uns Christen Polytheisten zu erkennen meinen. Jesus ist der Sohn des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs – der Gott Israels. „Sohn“ aber ist keine biologische Aussage, sondern beschreibt eine einzigartige Form inniger Beziehung zu Gott. Als Ehrentitel für das Volk Israel, das in ebendieser innigen Beziehung zu Gott steht, bedeutet die Sohnschaft des Jesus von Nazareth, dass zwischen ihn und Gott gleichsam „kein Blatt

4 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016

Papier“ passt. Diese Beziehung ist nicht durch die Sünde verstört, sondern so untrennbar, dass in Jesus Gott selbst wirken kann. Insofern ist Jesus für Christen einzigartig und „göttlich“. Jesus bleibt dabei aber immer ein Gegenüber zu dem einen und einzigen Gott. Jesus ist für Christen der fleischgewordene Messias. Dahinter steht die jüdische Vorstellung vom präexistenten Messias, der die Welt erlösen wird. Mit der Geburt des Jesus von Nazareth ist diese Verheißung erfüllt – so der Glaube der Christen, den Juden freilich nicht teilen. Muss dieser Glaube trennen? Das hängt wohl davon ab, was man unter „Erfüllung“ versteht. Auch das vertraute Denk-Schema, demzufolge mit Jesus von Nazareth die Verheißungen des Alten Testaments erfüllt sind, kann antijudaistisch sein. Dann nämlich, wenn man unter „Erfüllung“ versteht, die Verheißungen seien „erledigt“, „an ein Ende gekommen“, „abgeschlossen“ - und den christlichen Glauben sodann als „Fortschritt“ gegenüber dem jüdischen betrachtet. Aber auch diese Denkweise ist nicht biblisch. Denn „Erfüllung“ bedeutet in der Heiligen Schrift Bestätigung, Bekräftigung, Erneuerung.

Das Beste kommt noch Mit der Geburt Jesu bestätigt, bekräftigt und erneuert Gott seinen Bund mit der Menschheit, der das Volk Gottes dienen soll. Weihnachten ist eine Station in der Geschichte Gottes mit uns. Da verwandelt sich kein „unbewegter Beweger“, kein „Himmelvater“, kein „Höchstes Wesen“ in ein Kind. Vielmehr wendet sich ein beweglicher, sich stets verändernder und alle menschlichen Vorstellungen immer wieder durchkreuzender Gott erneut der Welt zu und zeigt „in“ Jesus von Nazareth, wie er den Menschen gemeint hat und in und mit ihm wirken will. JHWH: Das Tetragramm – ein Zeitwort („Ich bin, der ich sein werde.“) – verweist

Foto: Joseph Krpelan

Vorstellung von der „Menschwerdung“ Gottes ist eine Häresie

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Foto: Geburt Christi, Holz, um 1500 / UniCredit Bank Austria AG/ Dommuseum Wien

Die Autoren dieser Nummer.

auf die reine Präsenz, die beständige Veränderung Gottes. Mit Jesus von Nazareth geht die Rettungs- und Befreiungsgeschichte der Menschheit durch Gott in die nächste Runde: nach der Rettung des Mose aus dem Schilfmeer, der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, der Befreiung aus dem babylonischen Exil können nun auch wir Heiden in diesen Bund mit dem Gott Israels eintreten. Und wer die aktuelle Weltsituation betrachtet, weiß: Rettung und Befreiung sind auch dringend nötig. Da steht noch etwas aus.

Das Beste kommt noch. Weihnachten ist der Anfang einer Geschichte, die noch lange nicht zu Ende ist. ■ Lesehinweise: Rainer Stuhlmann: Was in der Juden Schulen für die Weihnachtspredigt zu lernen ist, in: Göttinger Predigtmeditationen 69/1 (2014), 4-10. Klaus Wengst: Christsein mit Tora und Evangelium: Beiträge zum Umbau christlicher Theologie im Angesicht Israels, Stuttgart 2014.

Univ. Prof. Dr. med. Dr. theol. Mag. pharm. Matthias BECK, Inst. für Systematische Theologie, Kath. Fak. Universität Wien Dr. Johannes BERCHTOLD, Leiter der Männerpolitischen Grundsatzabteilung im Sozialministerium, PGR Vorsitzender Marie CZERNIN, Redakteurin Missio, Päpstliche Missionswerke in Österreich Mag. Thomas DOLEZAL, Dommusikus Mag. Karin DOMANy, Religionspädagogin in Pens., PGR St. Stephan Toni FABER, Dompfarrer Arie FOLGER, MBA, Oberrabbiner der IKG Wien Barbara FRISCHMUTH, Schriftstellerin und Übersetzerin Propst Mag. Maximilian FÜRNSINN, Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg Andrea GEIGER, Stabstelle APG der Erzdiözese Wien Reinhard H. GRUBER, Domarchivar von St. Stephan Peter HABELER, Extrembergsteiger und Bergführer MAG. DR. SABINE HAAG, Generaldirektorin des KHM-Museumsverbandes Karl HOHENLOHE, Journalist, Moderator, Drehbuchautor, Hg. des Gault Millau Österreich Dr. Agnes HUSSLEIN-ARCO, Wissenschaftl. Geschäftsführerin und Generaldirektorin Belvedere Museum Wien DDr. Helmut KRÄTZL, em. Weihbischof Dom Erwin KRÄUTLER, emeritierter Bischof vom Xingu Msgr. Leo-M. MAASBURG, ehem. Leiter der Missio, Päpstliche Missionswerke in Österreich Dipl.-Ing. Brigitte MANG, Direktorin der Österr. Bundesgärten, ab 2017 Vorstand & Direktorin der dt. Kulturstiftung und des UNESCO-Weltkulturerbes Gartenreich Dessau-Wörlitz P. Dr. MMMag. Robert MEHLHART OP, Kirchenmusiker und Seelsorger an der Theatinerkirche München Dr. Raphaela PALLIN, Pastoralass. Vikariat Unter dem Manhartsberg, Referentin für Theologie der Spiritualität, Kuratoriumsmitglied Theologische Kurse Pfarrvikar Mag. Christoph PELCZAR, Seelsorger für den SK Rapid Univ.-Prof. Dr. Rudolf PROKSCHI, Vorstand des Inst. f. Historische Theologie, Uni Wien Assoz.-Prof. MMag. Dr., MAS Regina POLAK, Inst. f. Praktische Theologie und Religionsforschung an der Universität Wien MMag. Monika RAPP-POKORNy, Theologin und Direktorin des pGRG der Dominikanerinnen Doz. Mag. Dr. Barbara SCHEDL, Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien Mag. Elisabeth SCHAFFELHOFER-GARCIA MARQUEZ, Netzwerk Kinderrechte Österreich – National Coalition zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Österreich Mag. Ulli Sima, Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke Mag. Birgit STAUDINGER, Redaktionsleiterin Barbara STÖCKL, TV-Journalistin, Ombudsfrau Mag. Wolfgang SOBOTKA, österreichischer Bundesminister für Inneres Univ.-Prof. Dr. Markus TIWALD, Lehrstuhl Neues Testament, Katholische Theologie, Universität Duisburg-Essen Jean VANIER, Gründer der „Arche“ emer. Univ.-Prof. Dr. Josef WEISMAyER, Institut für Systematische Theologie, KatholischTheologische Fakultät, Univ. Wien Dr. Martin WIESAUER, Leiter der Kategorialen Seelsorge der Erzdiözese Wien

Redaktion. Redaktionsleitung: Mag. Birgit STAUDINGER Lektorat: Mag. Karin DOMANy, Reinhard H. GRUBER, Daniela TOLLMANN Redaktionsteam: Dompfarrer Toni FABER, Diakon Erwin BOFF, Mag. Karin DOMANy, Mag. Heinrich FOGLAR-DEINHARDSTEIN, Reinhard H. GRUBER, Anneliese HÖBART

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016 5

PB Weihnachten 2016.qxp 01.12.16 14:38 Seite 6

Wo wohnt Gott?

Wo wohnt Gott? uns zum Leben, zu Gott hinzieht. Es ist eine Bewegung, die erfüllt werden möchte. Es ist die Gegenwart Gottes in unserem Inneren, die Gott außerhalb von uns sucht. Unsere tiefste Sehnsucht führt uns zur Frage: Wo wohnt Gott?

Jean Vanier gründete 1964 in Frankreich die erste „Arche“. Gott ist bei den Armen Weltwelt gibt es „Selig, die arm sind vor Gott… die Trauheute etwa ernden… die Sanftmütigen“ (vgl. Mt 5,3-5). 150 Gemeinschaften „Ich war hungrig …, ich war durstig …, ich war fremd …, ich war nackt …, ich war im gen untergebracht und wurden dort als Gefängnis …“ (vgl. Mt 25,35-37) Gott ist wertlos betrachtet. Sie waren sehr arm. bei denen, die am Rand stehen. Ich meiUnd diese Männer und Frauen haben ne damit nicht, dass wir die Armen anmir das Gesicht von Jesus geoffenbart, beten sollen. Sondern vielmehr, dass sie Jesus, der verwundbar und demütig ist, „Im Anfang war das Wort, und das Wort uns Gottes Gesicht auf eine überrader sich danach sehnt, unser Freund zu war bei Gott, und das Wort war Gott. … schende und menschliche Art zeigen. werden. Die Armen verkörpern Jesu FraIn ihm war das Leben und das Leben war Das war meine Erfahrung im Zusamge an Petrus am Ende des Johannesdas Licht der Menschen.“ (aus Johannes menleben mit Menschen mit kognitiven evangeliums: Liebst du mich? 1,1-5). Gott ist Leben. Gott ist in uns und Beeinträchtigungen. Als die „Arche“ geWeg zur Begegnung mit Gott um uns. Tief in uns gibt es eine Kraft, die gründet wurde, waren sie in EinrichtunDie Ränder einer Gesellschaft sind in Bewegung. Gesellschaften verändern sich ständig, schließen Menschen ein, nehmen sie an, lehnen sie ab. Gott an den Rändern zu begegnen bedeutet Suche und Offenbarung. Das Johannesevangelium ist eine tiefgreifende Lehre über diese Wegreise. Beginnen wir mit den Jüngern, die, als sie begannen Jesus zu folgen, ein bisschen von seiner Frage überrascht wurden: „Was wollt ihr?“ Sie antworten: „Meister, wo wohnst du?“ (Joh 1,38). Jesus gibt keine Adresse an; er antwortet: „Kommt und seht!“ (Joh 1,39). Der Weg beginnt. Zur Zeit Jesu – wie auch oft heute der Fall – suchten die Menschen Gott an heiligen Orten zu finden: einem Berg, einem Tempel. Jesus offenbart etwas Neues: „Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten“ Die „Arche“ gibt es auch in Österreich. (Joh 2,19). Der Wohnort Gottes ist nicht Die Arche Tirol ist eine christlich-ökumenische Gemeinschaft von Menschen mit das Gebäude, sondern Jesus selbst, „der kognitiven und mehrfachen Behinderungen und deren Begleiter. Sie besteht seit Tempel seines Leibes“ (Joh 2,21). 1992, hat zwei Wohnhäuser in Gries und St. Jodok am Brenner, eine Werkstätte Später spricht Jesus von seinem Leib, und eine Basale Gruppe. Derzeit wohnen in den beiden Häusern insgesamt zehn dieses Mal vom „lebendigen Brot… Wer Menschen mit Behinderungen. In Kärnten gibt es ein Arche Projekt mit dem Ziel mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, eine Archegemeinschaft zu gründen. www.arche-tirol.at der bleibt in mir und ich bleibe in ihm“ (Joh 6,51-57). Der Weg bislang hat Gottes 6 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016

Foto: Vanier: Arche International Elodie_Perriot | Arche Tirol

Jean Vanier hat eine spannende Lebensgeschichte: Aufgewachsen in Kanada und England, zunächst tätig bei der Marine, tritt er in eine Kommunität bei Paris ein. 1964 nimmt der studierte Philosophieprofessor zwei geistig behinderte Männer in ein Häuschen in Trosly-Breuil, einem französischen Dorf in der Nähe von Paris, dem ersten Haus der „Arche“, auf. Er will ihnen helfen und merkt auf einmal, wie sie ihm helfen. Wir haben ihn um seine Gedanken zu unserer Frage gebeten.

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Rabbi – wo wohnst du?

(Joh 1,38)

Gegenwart nicht nur im Tempel enthüllt, sondern auch in Jesus selbst, in seinem Leib. Außerdem sagt Jesus, dass sein Leib Brot ist, das zu verzehren ist, offenbart dabei das Geheimnis der Kommunion, wodurch er in uns und wir in ihm wohnen dürfen. Durch unsere Gemeinschaft mit Jesus verweilt Gott in unserem Inneren. Die äußerste Offenbarung ist Jesu letzter Abend mit seinen Jüngern. „Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte, … begann den Jüngern die Füße zu waschen“ (Joh 13,3-6).

Foto: Tiwald: M. Tiwald

Verwundbarkeit, Demut und Liebe Gott ist die Verwundbarkeit. Er ist der Vater, der sich selbst in die Hände von Jesus, ganz Mensch, ausgeliefert hat. Jesus ist die Demut, er, der zu Füßen seiner Anhänger kniet, um ihnen zu dienen. Trauen wir uns, auf dieselbe Art und Weise zu den Armen zu gehen: verletzlich und demütig? Trauen wir uns, dass wir umgekehrt bedient werden und unsere Füße vor Jesus entblößen, der vor uns kniet?“ Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! (Joh 13,34) Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. (Joh 14,23) Jesu Wort ist sein Gebot. Unsere Fähigkeit, mit Gott in Gemeinschaft zu sein, Gott in uns wohnen zu lassen und wir in ihm, kommt von unserer Fähigkeit zu lieben, miteinander in Gemeinschaft zu sein. Wo lernen wir zu lieben? Wo lernen wir Demut und Verwundbarkeit, wo Gemeinschaft? Gehe zu den Rändern. Gehe zu den Armen und finde dort Gott wohnen. Und erfahre, dass Gott – durch die Gemeinschaft mit anderen – in deinem eigenen Herzen wohnt. ■

Die Menschheit sucht seit ihrem Bestehen das Antlitz und die Nähe Gottes. Markus Tiwald über die Suche nach dem verlorenen Paradies und die Antwort Jesu, die er seinen Jüngern gibt Wo wohnt Gott? – Der Johannesprolog gibt darauf eine Antwort: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14). Vielleicht kann der alte Adam in unseren Herzen nicht vergessen, dass ihm Gott einmal – im Paradies – tief in die Augen geblickt hat. Diesen „Augenblick“ Gottes suchen wir Menschen ein ganzes Leben lang, in der Hoffnung, im Angesicht Gottes auch ein Stück unseres verlorenen Paradieses wieder zu erlangen. So sucht die Menschheit seit sie besteht, das Antlitz Gottes, seine Nähe, um wieder bei ihm Wohnung zu finden. Weil die Menschen aber nicht so einfach zu Gott kommen können – das Paradies haben wir ja verloren –, deshalb kommt nun Gott zu uns. Wie der gute Hirt geht er den verlorenen Schafen nach, wird selbst Mensch, einer von uns. Aber auch jetzt ist Gott nicht immer einfach zu finden. Er kommt nämlich nicht wie ein strahlender Held, einer von diesen „Führern“, „Befreiern“ und „Heilsbringern“, von denen die Menschheit schon allzu viele hatte, und nach denen das Elend tiefer war als zuvor. Nein, er kommt unscheinbar – als armes, heimatloses Kind wird er in Betlehem geboren. Aber auch der erwachsene Jesus erschließt sich nicht unmittelbar: Nach jüdischem Glauben muss erst der in den Himmel entrückte Elias (2 Kön 2,1-18) als Wegbereiter für den Messias auftreten (Mal 3,23-24). Diese Rolle übernimmt nun der Täufer für Jesus: „Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt. … Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekanntzumachen. … Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes“ (Joh 1,26-34).

Schüler Jesu Originaltext aus dem Englischen von der Red. übersetzt.

Und dann? – Die von Johannes Angesprochenen folgen Jesus nach: „Rabbi, wo

wohnst du?“ bedeutet dabei die Aufnahme in das Schüler-Verhältnis zu Jesus. Wer von einem Rabbi als Schüler angenommen wurde, trat ein in eine Lebensund Schicksalsgemeinschaft mit seinem Meister. Daher gehen die Jünger mit Jesus und bleiben bei ihm, wie Joh 1,39 berichtet. „Bleiben“ (griech. ménō) ist eine Lieblingsvokabel des Johannesevangeliums. Der Ausdruck benennt nicht nur den

Markus Tiwald ist Professor für Neues Testament an der Universität Duisburg-Essen physischen Verbleib, sondern auch die innere Zugehörigkeit: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. … Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten“ (Joh 15,4-7).

Die Lehre des Meisters Wie aber „bleibt man in Jesus“? Der 1. Johannesbrief – eine Art „Leseanweisung“ zum Johannesevangelium – gibt uns darauf die Antwort: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm. … Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. Und dieses Gebot haben wir von ihm: Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben“ (1 Joh 4,16-21). Wo also wohnt Gott? Dort, wo Menschen – berührt von seiner Liebe – anfangen einander zu lieben, dort wohnt Gott! ■

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016 7

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Wo wohnt Gott?

Wofür sollte es das Haus Gottes (ge)geben (haben)? Der Tempelberg in Jerusalem, wo einst der Tempel Salomos gestanden hat, gilt bis heute als heiliger Ort der Begegnung zwischen Gott und den Menschen. Oberrabbiner Arie Folger über die Spannung von Transzendenz und Immanenz, das Goldene Kalb und das Bedürfnis nach einem Haus Gottes „Welchen Gott hast Du?“ fragte das Indianeroberhaupt. Awraham: „Sag nicht ,mein Gott‘, er ist auch dein Gott!“ OH: Gib ihn nicht uns, wir haben ohnehin schon genug Probleme mit unseren eigenen Göttern! A: „Aber es gibt nur einen Gott!“ antwortet Wilders. OH: „Was tut er?“ A: „Er kann alles machen!” OH: „Dann, warum kann er keinen Regen machen?“ A: „Weil er Regen nicht macht! Er gibt uns Kraft, wenn wir leiden, Barmherzigkeit, wenn alles was wir empfinden Hass ist, Mut, wenn wir blind wie kleine Mäuse im Dunkeln umhertappen, aber REGEN MACHT ER NICHT!“ Plötzlich ertönt der Donner und es fängt an zu regnen, worauf Awraham hinzufügt: „Natürlich, manchmal, so wie jetzt gerade, ändert er seine Meinung.“ Gene Wilders als Rabbi Awraham, zum Indianeroberhaupt, im Film The Frisco Kid / Ein Rabbi im Wilden Westen (1979) [Freie Übersetzung des ursprünglichen englischen Film-Dialoges durch die Red.]

sondern behauptet, dass Gott überhaupt nicht im Materiellen und erst nicht in einem fleischlichen Körper erfasst werden kann; er kann solchen For-

Arie Folger ist Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien men auch überhaupt nicht innewohnen. Solche abstrakte Gottesvorstellungen waren Polytheisten, Animisten und Anhängern anderer nicht-monotheistischen Glaubensrichtungen weltfremd und unvorstellbar. Gerade in jenem Moment, in dem Rabbi Awraham dem Indianeroberhaupt als unglaubwürdig, ja verrückt scheint, entfaltet er sich als inspirierender Rhetoriker, der zeigt, dass der Glaube nicht nur da ist, um unsere Bedürfnisse zu stillen, sondern um uns

dazu zu führen, bessere, geistigere, ja edlere und wahrhaftige Gottesdiener zu werden, die helfen, Seine Pläne zugute der Menschheit zu verwirklichen. Oder wie der gegenwärtige Rabbiner Menachem Leibtag es zusammenfasst: „God is not a vending machine“ – Gott ist kein Verkaufsautomat, dem wir drei Gebete widmen, damit wir ein Cola bekommen oder beim Lotto gewinnen, obwohl Er uns das auch geben kann.

Die Kluft zwischen Gott und dem Menschen Die Kluft zwischen dem fleischlichen, in der materiellen Welt lebenden Menschen und Gott, der total außerhalb der Schöpfung ist, obwohl Er in sie eingreift1, ist endlos, und es fällt auch dem glaubenden Menschen nicht leicht, seine Beziehung zu Gott zu pflegen, wenn der ihm manchmal als total abstrakt erscheint. Möglicherweise war es diese Herausforderung, die zur Sünde mit dem Goldenen Kalb führte. So sollten die Kohanim, die Priester, nach dem ursprünglichen göttlichen Plan nicht alle aus einer Fami-

Während der Geschichte des Judentums, die weiter fortgeschrieben wird, hat das Judentum der Welt wiederholt radikale Ideen vererbt. Zu den grundlegenden radikalen Gedanken zählen wir den Glauben an den einen einzigen, universellen Gott. Wie Gene Wilders als Rabbi Awraham dem Indianeroberhaupt sagt: Don’t say “my God”, he’s your God too! – Sag nicht “mein Gott”, er ist auch dein Gott! Doch hört die radikale und für die Antike schockierende Theologie des Judentums nicht beim Monotheismus auf,

Hinweistafel beim Zugangsbereich zur Westmauer in Jerusalem: „Liebe Besucher, Sie nähern sich der Heiligen Stätte der Westmauer, wo die Göttliche Gegenwart immer ruht…“

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Fotos: Folger: Mirjam Reither | Helmut Staudinger

Glaube an einen einzigen, universellen Gott

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lie stammen, sondern sollte jeder Erstgeborene, der nach dem 2. Buch Mose XIII [Buch Exodus 13, Anm. d. Red.] ja heilig ist, der Priester seiner Familie sein, und das Familienhaus ihr Tempel. So schrieb Rabbiner Samson Raphael Hirsch (2.B.M. 13:13 [Ex 13,13]): „Sind es ja nicht die Tempel, sondern die Häuser, in denen diese Aufgabe in wahrer, letzter Wirklichkeit zur Erfüllung kommt“. Da aber Israel sich am Goldenen Kalb versündigte, verordnet die Tora, dass die Erstgeborenen erlöst werden, in dem sie symbolisch von einem Kohen „abgekauft“ werden.2 Nach dieser Auffassung begrenzen sich die Folgen der Sünde mit dem Goldenen Kalb nicht zur Ernennung Aharons und seiner Kinder zur dynastischen Kohanim-Familie (Priester-Familie), sondern entsteht auch das Bedürfnis für einen Ort der Besinnung und des Gottesdienstes, an dem Gott eben ohne Götzendienst gedient wird. Daher unterbricht die Geschichte des Goldenen Kalbes im 2.B.M. XXXII [Ex 32] zwischen dem göttlichen Gebot des Baus eines Heiligtums und der Vermittlung dieses Gebotes von Moses an Israel, denn erst nach der Sünde wird dieses zentrale Heiligtum richtig benötigt. Es gibt auch andere Auffassungen, wie die des sehr bedeutenden mittelalterlichen Bibelkommentators Nachmanides, der dem Heiligtum und dem Tempeldienst eine viel größere Rolle einräumt, jedoch ist die des Rabbiner Hirsch, die ebenfalls auf Lehren des Talmuds basiert, auch sehr maßgebend.

Foto: Helmut Staudinger

Tempel – Begegnungsort zwischen Mensch und Gott Noch heute bleibt der Tempel, der auf dem Tempelberg stand – trotz seiner Zerstörung durch die Hand der grausamen und barbarischen Römer im Jahr 69 oder 70 – weiterhin von zentraler Bedeutung. Er gilt als Begegnungsort zwischen Mensch und Gott. Diese Spannung zwischen der Unmöglichkeit, Gott in einem Ort oder Gebäude zu erfassen, aber jener einzige Ort der doch mehr als alle anderen Orte der

Gemäuer auf dem Tempelberg in Jerusalem – heute ein heiliger Ort von Juden, Christen und Muslimen Ort der Offenbarung der göttlichen Präsenz ist, finden wir in Jesaja 66. Das Kapitel öffnet mit der Frage: „Der Himmel ist mein Thron und die Erde meiner Füße Schemel! Was für ein Haus wollt ihr mir denn bauen? Oder wo ist der Ort, da ich ruhen soll?“, spricht aber doch lobend vom „Haus Gottes“ (V. 19) und schließt immerhin mit der Verkündung, dass: „Und es wird dahin kommen, dass an jedem Neumond und an jedem Sabbat alles Fleisch sich einfinden wird, um vor mir anzubeten, spricht der Herr“ (V. 23). Noch heute, obwohl der Tempel über 1900 Jahre in Trümmern liegt, bleibt der Tempelberg der heiligste Ort des Judentums. Die Synagogen ersetzen ihn nicht, sondern erinnern mit ihrer Architektur und religionsgesetzlich vorgeschriebene Ausstattung an ihn. Deshalb wenden sich die Betenden aller Synagogen der Welt in Richtung Jerusalem und Tempelberg, der nichts von seiner Heiligkeit eingebüßt hat. So lehrte Rabbi Jizchak Ben Schemuel in Namen von Raw (Bab. Talmud Berachot 3a): „an jeder [der drei]

Nachtwache sitzt der Heilige, gepriesen sei Er, und brüllt wie ein Löwe und sagt: Wehe, dass Ich Mein Haus zerstört, Meinen Tempel verbrannt und Meine Kinder unter die Völker verbannt habe.“ Mit diesem talmudischen Diktum und poetischen Interpretationsmidrasch wird klar, dass selbst Spiritualität und Transzendenz neben dem Immanenten und Ubiquitären auch eine Dimension ■ der Verortung haben. 1 In den Worten der talmudischen Weisen Raw Huna im Namen von Raw Ami (Midrasch Berejschit Rabba 68:9): Die Welt ist nicht der Ort, in dem Gott sich befindet, sondern die Welt befindet sich in Gott – deshalb nennt man Ihn auch „Hamakom“ („Den Ort“, also den Allgegenwärtigen). 2 Im 2.B.M. XIII ist die Verordnung der Erlösung der Erstgeborenen anachronistisch. Aus jüdischer Sicht bildet das aber kein Problem, da nach dem traditionellen jüdischen Verständnis die Tora als Text erst am Ende der 40-jährigen Wüstenwanderung vollendet wird, und Moses also auch manche späteren Lehren in früheren Büchern auf göttliches Geheiß einfügen durfte.

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Wo wohnt Gott?

Ob Gott im Wort wohnt? »Heute hat sich das Schriftwort erfüllt …« (Lukas 4,21)

Wir sitzen im Kreis – vielleicht 14 Leute – eine aufgeschlagene Bibel in unserer Mitte. Andächtiges Schweigen, vielleicht peinliches Schweigen. Jemand in der Runde unterbricht die Stille: „Danke, Herr, unser Gott, dass du da bist – in deinem Wort, in jedem und jeder von uns. Wir wollen dich empfangen, dich willkommen heißen und dich bitten, dass du zu uns sprichst durch dein Wort, durch jeden von uns. Dein Heiliger Geist öffne unsere Ohren und Herzen für dich und für einander. Amen.“

Worte aus dem Text laut zu lesen, Stille, ein anderer sagt nur ein Wort aus dem Text, Stille, dann ein ganzer Satz, Stille, … so geht das weiter. Ein seltsames Puzzle, fast wie ein Mosaik entsteht – ganz anders als der ursprüngliche Text. Ich fange an die Textpassagen zu suchen, die in die Stille hinein wie ein Echo klingen. Manches klingt befremdlich, manches vertraut. Ich höre den Text anders. Dann wieder Stille. Jetzt ist Zeit für den Austausch. Es geht darum, was Gott mir durch diesen Text sagen will. Was der Text in meinem Leben ändern will. Manchmal ist es einfach ein Wort des Zuspruchs, der Zuneigung Gottes, seiner Zärtlichkeit. Ich darf mich geliebt fühlen und wissen, werde durch sein Wort von ihm umarmt. Manchmal ist es mehr ein Wort der Ermahnung, der Aufforderung, ein sanfter Tritt von hinten, … Man darf auch schweigen. Ist vielleicht besser. Oder vielleicht gäbe es doch… das eine oder andere Detail … Na ja … Ich staune, was andere sagen. Und fühle mich ertappt. Dann eine Runde, in der das Gesagte als Gebet vor Gott getragen wird, in freien Worten. Einige schweigen. Manche danken, manche bitten. Sehr persönlich. Es ist nicht einfach ernst, eher gelassen, manchmal auch schmunzeln,… jetzt kann das Wort Fleisch werden.

„BibelTeilen“ – eine Einübung auf die Stimme Gottes zu hören

Dann liest jemand ein paar Verse aus einem der Evangelien. Vertraute Worte, schon oft gehört. Ein anderer liest die gleichen Verse noch einmal. Muss das sein? Andere Stimme, andere Sprachmelodie!? Dann Stille, vier Minuten, gefühlte 20 Minuten. Ich lese den Text für mich nochmals und nochmals – „Spricht er jetzt endlich zu mir, der Text …?!“ Plötzlich fallen mir Wörter auf, die bisher belanglos waren. Jemand beginnt ein paar

„BibelTeilen“ so wie wir es vor allem in einigen Ländern des Südens kennengelernt haben, ist nicht einfach eine Methode. Es gibt unendlich viele Methoden des BibelTeilens. Es ist vielmehr eine Haltung. Oder noch besser eine Form des Einübens auf die Stimme Gottes zu hören. Ob wir in einem Kreis von Theologen zusammen sind oder von Analphabeten ist dabei völlig irrelevant. Wir lernen aufeinander zu hören. Und wir lernen Gottes Stimme in den anderen zu hören und zu erkennen. „BibelTeilen“ ersetzt weder gute Bi-

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Andrea Geiger begleitet und koordiniert den Struktur- und Entwicklungsprozess der Erzdiözese Wien beltheologie noch Exegese, schon gar nicht eine wertvolle Predigt. Es geht nicht um Entweder-oder. Im „BibelTeilen“ nehmen wir uns gegenseitig als Brüder und Schwestern wahr. Durch jede/n von uns kann Gottes Geist reden. Jede/r kann für den/die andere/n zum Sprachrohr Gottes werden, wenn das Wort Gottes so ausgesprochen wird, dass es befreit, zur Liebe anleitet, Leben wandelt. Wir bringen uns ein mit unserem Leben, unseren Begabungen, unseren Ohren, unserer Stimme, unserem Herz. Es liegt an mir, ob sein Wort in mir einzieht, bei mir wohnen darf.

Im Wort Gottes zuhause Papst Benedikt XVI. schreibt über Maria: „Das Magnifikat – gleichsam ein Porträt ihrer Seele – ist ganz gewoben aus Fäden der Heiligen Schrift, aus den Fäden von Gottes Wort. So wird sichtbar, dass sie im Wort Gottes wirklich zuhause ist, darin aus- und eingeht. Sie redet und denkt mit dem Wort Gottes; das Wort Gottes wird zu ihrem Wort, und ihr Wort kommt vom Wort Gottes her. So ist auch sichtbar, dass ihre Gedanken Mitdenken mit Gottes Gedanken sind, dass ihr Wollen Mitwollen mit dem Willen Gottes ist. Weil sie zuinnerst von Gottes Wort durchdrungen war, konnte sie Mutter des fleischgewordenen Wortes werden.“ (Deus caritas est, 41) Ob Gott im Wort wohnt? Ja, möglicherweise … Zumindest kann man ihn dort antreffen, meistens. Wenn man ihn sucht. Oder von ihm gefunden wird… ■

Fotos: Geiger: Geiger | APG/Sindelar

Lesen Sie in der Heiligen Schrift? Alleine oder zusammen mit anderen? Andrea GEIGER erzählt von Erfahrungen einer besonderen Form des gemeinsamen Lesens oder Meditierens von Bibelstellen. Und wie jeder von uns mit Gottes Wort in Berührung kommen und zum Sprachrohr Gottes werden kann.

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Gott unterwegs begegnen

Fotos: Wiesauer: Medienhaus Erzdiözese Wien | Kategoriale Seelsorge Erzdiözese Wien

Unterwegs-Sein ist ein Phänomen unserer Zeit. Und immer ist dieses Unterwegs-Sein auch ein Stückchen auf dem Weg zu sich selbst. Martin Wiesauer berichtet über Orte des Innehaltens und der Stille Die Bibel erzählt von Maria, die ein Kind erwartete, und Josef als Reisende. Reiseziel war Jerusalem und der Grund der beschwerlichen Reise war ein weltlicher, nämlich sich in die Steuerlisten eintragen zu lassen. Sie waren unterwegs, und das Kind wurde geboren. Die Ersten, die Jesus – den neugeborenen Gottessohn, den Erlöser, ja Gott – besuchten, waren Hirten. Auch sie waren unterwegs, kamen vom Feld mit ihrer Herde und begegneten Gott in der Krippe. Auch heute sind viele Menschen unterwegs, reisen aus unterschiedlichsten Gründen von einem Ort an einen anderen. Unterwegs-Sein ist ein Phänomen unserer Zeit. Täglich pendeln Menschen in die Arbeit und nach Hause, reisen zu Terminen und Freunden oder in den Urlaub, manche Menschen sind auf der Flucht und suchen eine Herberge; Menschen sind ständig unterwegs – zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Motorroller, mit dem Auto, der U-Bahn oder der Bahn, mit dem Flugzeug. Ständig sind wir auf dem Weg. Wir sind Reisende und Suchende. Auf der Suche nach uns selbst, nach dem eigenen Ich, gehen wir viele Wege und auch so manche Umwege, bis wir erkennen, dass wir letztendlich auch immer auf der Suche nach Gott sind. Wenn wir dann an besonderen Orten das tiefe Gefühl erleben, in Gottes Gegenwart und Liebe geborgen und angenommen zu sein, ist das auch immer ein Stückchen Ankommen, ein Stückchen nach Hause Kommen. Innehalten und zur Ruhe kommen, um die leise Stimme in sich selbst wahrnehmen zu können, sind daher Sehnsüchte, die das Unterwegs-Sein begleiten – seit Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem waren. Kapellen am Wegesrand erinnern uns an das Bedürfnis der Menschen, die unterwegs sind, für einige Momente in Ruhe und Stille zu verweilen und an Gott erinnert zu werden.

Auch die modernen Orte des Innehaltens sind ganz nahe bei den Reisenden, aus welchen Gründen sie auch immer unterwegs sein mögen. Diese besonderen religiösen Orte werden von Haupt- und Ehrenamtlichen der Kategorialen Seelsorge der Erzdiözese Wien gestaltet und betreut. So bietet das Erstbetreuungszentrum Traiskirchen asylsuchenden Menschen auf der Flucht eine Kapelle und interreligiösen Raum, um mit den Menschen im Gebet und im Gespräch ein positives Band zum Christentum zu knüpfen und in behutsamer Weise Türen des Herzens für Gott zu öffnen. Am Flughafen Wien laden drei interreligiöse Andachtsräume Fluggäste und Arbeitende ein, mit dem Flughafenseelsorger und seinen Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen oder einen Gottesdienst zu feiern.

Ein „Anders-Ort“ am Wiener Hauptbahnhof Den jüngsten Ort der Stille hat die Erzdiözese Wien am Hauptbahnhof eröffnet. Gerade am größten Verkehrsknotenpunkt Österreichs bedarf es eines besonderen Ortes, um den 100.000 Menschen, die täglich im Hauptbahnhof ein- und ausgehen, Stille, Ruhe und Frieden anzubieten. Dieser „Anders-Ort“ steht im Gegensatz zu dem lauten, geschäftigen und hektischen Unterwegs-Sein. Die Architektur des „Raumes der Stille“ spiegelt das Bedürfnis nach Stille und Einheit mit sich und Gott wider. So wie der „Raum der Stille“ eingefügt ist zwischen Geschäften und Bahnsteigen, so ist die Kapelle durch eine in dem Raum errichtete Ellipse abgegrenzt – der Raum Gottes im Raum der Stille. Eine Kerzenwand im Vorraum und die Geschichte vom brennenden Dornbusch empfangen die Besucher, die Zusage Gottes – „Ich bin da“ – geleitet die Menschen weiter in die Ellipse, in die Stille; stehen bleiben, in der aufgeschlagenen Bibel lesen, sich setzen und

Martin Wiesauer ist Leiter der Kategorialen Seelsorge der Erzdiözese Wien ruhig werden, zu sich kommen, dem eigenen Atem lauschen und auf sein Herz hören – all das macht Stille möglich, und in dieser Stille begegnen viele Menschen Gott, halten Zwiesprache mit dem Herrgott, sprechen ein Gebet, erleben Gottes Da-Sein ganz persönlich. Wir Menschen sind immer Reisende und wir wissen nicht, wann wir am Ziel angekommen sein werden. In unserem Leben sind wir unterwegs, letztendlich und seit Beginn unterwegs zu Gott, der Erfüllung unseres Lebens. Gott will uns immer begegnen, und damit wir diese Begegnung nicht versäumen, braucht es manchmal besondere Orte, die durch ihre besondere Gestaltung und durch die liebevolle, hingebungsvolle Anwesenheit der Menschen die Begegnung mit Gott in aller Stille möglich machen. ■

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Wo wohnt Gott?

Das Geheimnis um die Geschichte der Bundeslade Wo wohnt Gott? Ein Bischof wollte prüfen, ob ein Wunderkind wirklich so intelligent ist, wie die Leute meinten, also fragte er den Knaben: „Wenn Du mir sagen kannst, wo Gott wohnt, gebe ich Dir eine Orange.“ Der Bub antwortete: „Exzellenz, wenn Sie mir sagen können, wo Gott nicht wohnt, gebe ich Ihnen zwei Orangen.“ Die Frage nach Gott und wo er wohnt, haben sich Menschen schon seit Lebzeiten gestellt. Die Religionen versuchen eine Antwort auf diese metaphysische Frage zu geben. Für Muslime ist Gott allmächtig und unnahbar. Er wohnt in einem fernen Himmel. Der gläubige

Moslem kann sich ihm nur durch eine totale Unterwerfung nähern. Die Distanz zwischen Gott und dem Menschen wird jedoch erst im Jenseits aufgehoben.

Ein „Auftragswerk“ Gottes Im Alten Testament ist es Gott selbst, der die Initiative ergreift und sich den Menschen nähert, indem er durch die Propheten zu ihnen spricht. Dem Mose offenbart sich Gott im brennenden Dornbusch und in den zehn Geboten. Gemäß biblischer Überlieferung haben die Israeliten die Tafeln mit den zehn Geboten in eine tragbare Lade gelegt, deren Aussehen Gott dem Mose mitgeteilt hat: Er

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sollte einen mit Gold überzogenen Kasten aus Akazienholz herstellen, sowie eine Deckplatte aus purem Gold, besetzt mit zwei Keruben, deren ausgebreitete Flügel die Deckplatte beschirmen. In diese von Gott selbst in Auftrag gegebene „Bundeslade“ mit den Gesetzestafeln kann nun der Geist Gottes einziehen. Gott nimmt Wohnung unter den Menschen und wandert mit seinem Volk in der Wüste umher, bis die Bundeslade feierlich in den Tempel von Jerusalem einziehen kann, den König Salomo zur Ehre Gottes errichten ließ. Nachdem Salomo die Bundeslade im „Ersten Tempel“ deponiert hat (1 Kön 8,1-9), wird von ihr

Foto: Jean Rebiffé

Als ein besonderes Zeichen der Gegenwart Gottes unter den Menschen und seines Bundes gilt im Alten Testament die Bundeslade, mit der das Volk Israel umherzog, deren Verbleib jedoch nach der Zerstörung des Tempels Salomos ungewiss ist. Die Äthiopier glauben, dass sich diese Reliquie in der Stadt Aksum befindet, wo sie von einem Mönch lebenslang bewacht wird. Von Marie Czernin

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Foto: Czernin: Missio/Barbara Polak

Das Timkatfest in Äthopien: Prozession mit der Repräsentation der Gesetzestafeln, die in kostbaren Tüchern verhüllt sind später nur noch gesagt, dass es sie im „Zweiten Tempel“ nicht mehr geben wird (Jer 3,16). Die Frage, was mit der Lade zwischen dem Ersten und dem Zweiten Tempel geschah, wird im Buch der Makkabäer (2 Makk 2,4-8) beantwortet, wonach der Prophet Jeremia kurz vor der Zerstörung des Ersten Tempels die Bundeslade in einer Höhle am Berg Nebo versteckt haben soll. Die äthiopisch-orthodoxe Tewahedo-Kirche, die in Äthiopien auf eine mehr als 1.600 Jahre alte christliche Tradition zurückblickt und stark vom Judentum und dessen alttestamentlichen Riten geprägt ist, kennt eine andere Version der Geschichte der Bundeslade. Dabei spielt die sagenumwobene Königin von Saba eine bedeutende Rolle, deren Königreich sich gemäß einer äthiopischen Legende über den südlichen Teil der arabischen Halbinsel bis auf den nördlichen Teil des heutigen Äthiopien erstreckte. Sie ist in Äthiopien unter dem Namen Makedo und Azeb („Königin des Südens“) bekannt. Im äthiopischen Nationalepos „Kebra Nägäst“ (Herrlichkeit der Könige) wird sie ausführlich beschrieben. In dieser bedeutsamen Schrift aus dem 14. Jahrhundert wird von Makedas Reise zu König Salomo nach Jerusalem berichtet, nachdem sie von dessen Klugheit und Weisheit erfährt. Dort fragt sie Salomo, wen sie in ihrem Land anbeten sollen. Denn im Reich des Südens betet man noch immer die Sonne an. Makeda beschließt, von nun an den Schöpfer der Sonne, den Gott Israels, anzubeten. Salomo wird in der äthiopischen Legende nicht nur als Vermittler des wahren Glaubens dargestellt, sondern auch als ruchloser Verführer, der mit einem Trick Makeda in sein Bett lockt und mit ihr einen Sohn zeugt. Zum Abschied beschenkt Salomo die Königin des Südens mit reichen Schätzen. Zudem gibt er ihr seinen Ring mit für ihren zukünftigen Sohn, um ihn an seine königliche Her-

kunft zu erinnern. Mit 22 Jahren beschließt Menelik, der Sohn Makedas, seinen Vater in Jerusalem kennenzulernen. Dieser erkennt ihn, auch aufgrund des Ringes, den er Makeda einst schenkte. Auf dem Rückweg bringt Menelik die heilige Bundeslade aus Jerusalem nach Aksum. Dort wird sie nach dem Glauben der Äthiopier auch heute noch in einer Kapelle neben der Maria Zion Kathedrale in Aksum aufbewahrt. Zutritt zu diesem Heiligtum hat in Aksum niemand. Nur ein Mönch ist auf Lebzeiten mit der Bundeslade eingeschlossen, um vor ihr zu beten und zu räuchern. So dauert der Kult an diesem heiligen Objekt in Äthiopien auch heute noch an.

Repräsentation der Bundeslade Jede Kirche in Äthiopien enthält eine Repräsentation der Bundeslade. Diese „ta-

Marie Czernin ist Redakteurin der Missio – Päpstliche Missionswerke in Österreich bot“ repräsentieren sowohl die „Lade“ wie auch ihren Inhalt, die Gesetzestafeln. Sie werden geweiht (und nicht die Kirchen!). Nur die Priester dürfen sie berühren und unverhüllt sehen. Die Gläubigen würden hingegen beim Anblick der Bundeslade sofort sterben, so besagt es ihre Tradition. Deshalb bekommen die Gläubigen die Bundeslade aus Ehrfurcht nie „nackt“ zu Gesicht. Bei Prozessionen an hohen Festtagen um die Kirche ist der „tabot“ immer mit Tüchern umhüllt, so auch beim jährlichen Timkatfest („Taufe des Herrn“), an dem die „Lade“ in einer feierlichen Prozession von den Priestern umhergetragen wird. ■

Gebet eines russischen Soldaten . (das ein deutscher Sanitäter im zweiten Weltkrieg in der Tasche des Gefallenen fand) Hörst du mich, Gott? Noch nie im Leben sprach ich mit dir. Doch heute, heut will ich dich begrüßen. Du weißt, von Kindertagen an sagte man mir, dich gebe es nicht. Und ich, ich glaubte es, Narr, der ich war. Die Schönheit deiner Schöpfung ging mir niemals auf. Doch heute Nacht nahm ich wahr, vom Grund des aufgerissenen Kraters, den Sternenhimmel über mir. Und ich verstand staunend sein Gefunkel. Ich weiß nicht, Herr, ob du mir die Hand reichst, doch will ich es dir sagen, und du wirst mich verstehen: dies Wunder, dass mitten in der schauerlichen Hölle das Herz mir leicht wurde und ich dich erkannte. Sonst weiß ich dir nichts zu sagen, nur, dass ich froh wurde, als ich dich erkannte. Mir war so wohl bei dir.

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Wo wohnt Gott?

Gott ist zwischen den Kochtöpfen … Menschen begegnen Gott nicht nur im Gebet, sondern auch in den alltäglichen Dingen des Lebens. Elisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez über die Gottsuche in der Küche, beim Hausbau und in der Familie Teresa von Ávila schrieb in ihrem Buch der Klostergründungen eine Empfehlung an die Schwestern: „Wenn ihr verpflichtet seid, „äußere“ Aufgaben zu übernehmen, so bedenkt, dass euch der Herr auch in der Küche inmitten der Kochtöpfe nahe ist und euch sowohl innerlich wie äußerlich beisteht.“ Oh, wie musste ich doch schallend lachen, als ich gebeten wurde, zu diesen mir zunächst unbekannten Worten von

immer in der gleichen Reihenfolge: „Yo tengo fe que todo cambiará“, „Gracias a Dios“ und „Yo creo en Dios“. Werden also die Kochtöpfe in unserem Haus angeworfen und brennen und tränen unsere Augen ob der frisch geschnittenen Zwiebeln, dann gehören die Textzeilen „Ich vertraue darauf, dass sich alles ändert“, „Dank sei Gott“ und „Ich glaube an Gott“ unauflöslich dazu. Wenn da Gott nicht zwischen den Kochtöpfen ist!

Hochzeit vor 14 Jahren wurde ebenfalls fein säuberlich zusammengerollt und in eine Glasflasche gesteckt. Alles, was uns wichtig war im Leben, was wir uns einst versprochen hatten und was wir von Gott erbitten wollten, wurde in unser Fundament gelegt. Zufrieden sahen wir zu, wie sich der Beton über unseren „Schatz“ ergoss: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.“ und „Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“ und „Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.“

Elisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez, Juristin und Journalistin, koordiniert das Netzwerk Kinderrechte Österreich und das Empanadas-Catering ihres Mannes Teresa von Ávila einen Artikel zu schreiben! Gesegnet mit einem Mann, der nicht nur für die eigenen Töchter der beste Koch auf der Welt ist, weiß ich auch um die Unannehmlichkeiten, die eine Catering-Küche im eigenen Haus mit sich bringen kann: Es ist 5.00 Uhr in der Früh. Alles schläft. Alles? Nein, mein lieber Mann erhebt sich aus dem Bett, streift sich die Kochjacke über, schlurft in die nebenan liegende Küche und beginnt sein Tagwerk. Und wie beginnt er es? In voller Lautstärke, oder zumindest unverschämt laut für ein Morgengrauen, lässt er den argentinischen Sänger Palito Ortega drei Lieder schmettern, und zwar

Gott ist in unserem Fundament Seit wenigen Wochen kann ich nun auch behaupten, Gott ist in unserem Fundament. In unserem Fundament, richtig, im Fundament unseres Hauses. Aus dem kleinen Heim meiner Großeltern wird eine Casa Grande für unsere fünfköpfige Familie. Als es ans Fundament des Zubaus ging, folgten wir dem Rat des Architekten. Stundenlang schrieb mein Mann akribisch Bibelstellen per Hand ab (er, der nie schreiben mag, und das obwohl er den Namen Garcia Marquez trägt!). Eines der letzten übriggebliebenen Lied- und Texthefte unserer kirchlichen

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Als ich ein Kind war, haben meine Eltern uns jeden Abend mit einem Kreuzzeichen zu Bett gebracht. „En el nombre del Padre, del Hijo y del Espíritu Santo. Amén.“ gehört nun auch bei unseren Mädchen zum Schlafengehen. Wir segnen sie, und sie segnen uns. Erst vor kurzem stand unsere 13-Jährige Tochter vor mir, zeichnete mir das Kreuzzeichen auf die Stirn und meinte verschämt lächelnd: „Ich mache das noch immer, Mama!“ Voll in der Pubertät war sie wohl unsicher, ob dieses Ritual für sie noch in Ordnung ist. Die Antwort lautete: Ja! Als ich als 18-Jährige als Au Pair-Jahr für ein Jahr nach Spanien ging, wurde ich sicher auch noch mit Kreuzzeichen auf Reise geschickt. Und als mich meine Eltern dann in Madrid besuchten, fuhren wir nach Ávila. Saukalt war’s, gefühlte minus 20 Grad, daran erinnere ich mich noch, an die Worte der Heiligen Teresa „Gott ist zwischen den Kochtöpfen“ aber nicht. Dafür spüre, höre, rieche und schmecke ich sie jetzt jeden Tag. ■

Foto: www.empanadas.at

Gott ist in uns(eren) Kindern

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Wohnt Gott im Leib? Sie sind heute sehr beliebt: die Fitnesstempel und Schönheitstempel für den menschlichen Körper. Die Bibel hingegen spricht davon, dass unser Leib „Tempel des Heiligen Geistes“ ist. Gedanken dazu von Raphaella Pallin Es ist nicht einfach mit dem menschlichen Leib. Er ist uns mit unserem Leben gegeben als Gut, Herausforderung und Aufgabe. Er will gepflegt und eingesetzt werden, ist aber nicht „handhabbar“ wie physikalische Körper. Durch ihn begegnen, öffnen wir uns anderen Lebewesen in ihrer Leiblichkeit und sind doch in unsere Grenzen verwiesen. Er gehört zu uns, wird geprägt und geformt durch unser seelisch-geistiges Leben und gehorcht doch nicht einfach unserem Wollen und Bedürfen. Er dient uns, wir können ihn knechten, missachten und sind doch angewiesen auf sein Wohlbefinden, seine „Freundschaft“. Er ist ein Wunderwerk und doch vergänglich.

Kult und Körper

Foto: Pallin: Veronika Bonelli

Viele Kulturen vergöttern den „Körper“ und schinden ihn zugleich. Beides ist Götzendienst. Rein physikalisch, biologisch, medizinisch betrachtet ist der Körper nur Instrument, Mittel zum Zweck der Selbsterhaltung und -bestätigung, der Bereicherung, des Wohlergehens, des Genusses. Er wird perfektioniert und versklavt. „Wir haben den Tempel, du bringst die Opfer“, so der Slogan eines Fitnesscenters. Der Kult „opfert“ den Leib als beliebig formbaren und benutzbaren „Körper“ der Schönheit, der öffentlichen Meinung, dem flüchtigen Empfinden, dem Ansehen, der Macht. Selbst der Spruch, dass „ein gesunder Geist in ei-

nem gesunden Körper“ wohne, hat so Raphaela Pallin ist manche Ideologie bestärkt, die Würde im pastoralen Dienst des Menschen in seiner konkreten Leib- der Erzdiözese Wien tätig und Referentin lichkeit gering zu achten. für Theologie der Lebendiger Leib Spiritualität sowie Christlicher Glaube ist: Der lebendige KuratoriumsLeib ist uns Menschen – als Mann und mitglied der Frau nach Seinem Ebenbild geschaffen – Theologischen Kurse von Gott geschenkt, von Gottes Geist beseelt, belebt. Diese Geist-Beseeltheit teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verentwickelt und formt meinen Leib, gibt herrlicht also Gott in eurem Leib!“ (6,19f). ihm Gestalt. Selbst in der Gebrochenheit Weil Christus „uns mit seinem Blut für der Schöpfung durch Sünde, Krankheit Gott erworben hat“ (vgl. Apg 20,28; Offb und Tod bleibt der menschliche Leib Trä5,9), gehören wir Gott und dürfen befreit ger der Verheißung auf Leben, das nicht unsere ureigenste Bestimmung leben: in der Auslöschung der leibhaften IdentiGott lieben, ehren und dienen und so zur tät, sondern in ihrer Bewahrung und VerVollendung in Seiner Liebe finden, in Verklärung in der Erlösung durch Christus bundenheit mit allen Menschen und der liegt, „der unseren armseligen Leib verganzen Schöpfung. Mein leibhaftes Lewandeln wird, gleichgestaltet dem Leib ben ist der „Ort“, wo der dreieine Gott in seiner Herrlichkeit“ (Phil 3,21), in der Seiner Herrlichkeit „wohnen“ will. Dem Kraft des lebensspendenden Geistes. dient auch die Reinigung der Sinne, die gute Ordnung aller menschlichen Kräfte Tempel Gottes in dem, was Gott in meinem Leben will, Als Christen sind wir lebendige Glieder die dankbare Gewissenserforschung, die Christi, nicht nur symbolisch, sondern den Leib miteinbezieht, die demütige Bit„leibhaftig“. Paulus fragt: „Wisst ihr nicht, te um größere Klarheit in der Unterscheidass eure Leiber Glieder Christi sind?“ (1 dung der Geister. Kor 6,15), und weiter: „… dass ihr Gottes Gottes Wohnen Tempel seid und der Geist Gottes in euch unter den Menschen wohnt?“ (3,16), „… dass euer Leib ein TemIgnatius von Loyola lässt in den „Geistlipel des Heiligen Geistes ist, der in euch chen Übungen“ erwägen, dass jene „in wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr geder Hölle“ sind, die an die rettende Anhört nicht euch selbst; denn um einen kunft Christi „nicht glaubten“ oder, „obwohl sie glaubten“, nicht danach lebten. Vorwegnahme „himmlischen Lebens“ ist, dass ich an die leibhaftige Ankunft des Sohnes Gottes glaube und danach lebe, Sein lebendiges Wort und Seinen verklärten eucharistischen Leib in mich aufnehme, und „Tempel“ des dreieinen Gottes zu Seiner Verherrlichung sein will in Erwartung der „neuen Stadt“, des „himmli1. Korintherbrief 3,16 schen Jerusalems“, in dem Gott Seine Herrlichkeit wohnen lässt auf ewig. ■

»Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?«

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Wo wohnt Gott?

»Tut dies zu meinem Gedächtnis!« Kirchen sind besondere Orte: hier feiern Gläubige die Eucharistie. Das Feiern von Jesu Tod und Auferstehung stiftet Gemeinschaft zwischen den Getauften und Christus. Domkustos Josef Weismayer über das Geheimnis der Eucharistie und der Gemeinschaft mit Gott

Eucharistie – Feier des versammelten Volkes Gottes Wir greifen zu kurz, wenn wir die Eucharistie nur unter dem Blickwinkel einer besonderen Gegenwart Gottes sehen. Die Eucharistie ist primär eine Feier, zu der sich das Volk Gottes versammelt. Und Kirchen sind zuerst Gebäude, Räume, in denen sich die Christen versammeln, um das Wort Gottes zu hören und um gemeinsam Eucharistie zu feiern. Mit dieser Feier realisieren wir den Wunsch und die Aufforderung Jesu beim Letzten Abendmahl: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22,19). Jesus hat sich den Seinen beim feierlichen „Letzten“ Mahl geschenkt im Brot und im Wein. Beim Essen des Brotes und beim Trinken des Weines sind sie mit ihm selbst in diesen Gaben verbunden und eins geworden.

Die Kirchen sind erst im Lauf der Geschichte Orte der Verehrung der aufbewahrten eucharistischen Gaben geworden. Im Mittelalter hat sich in der lateinischen Kirche eine Eucharistiefrömmigkeit im engeren Sinn entfaltet, die eine besondere Form im Fronleichnamsfest gefunden hat und in der Pflege der eucharistischen Anbetung. Die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wollte die Eucharistiefeier und die Verehrung des in den eucha-

In einer katholischen Kirche ist nicht einfach Gott gegenwärtig – in einem allgemeinen Sinn. Bleibend gegenwärtig sind das Heilsgeschehen, das in Jesu Tod und Auferstehung seine Vollendung erfahren hat – und damit all das, was der allmächtige und liebende Gott für uns getan hat seit der Erschaffung der Welt. Gegenwärtig ist die lebendige Hoffnung auf Vollendung „bis er kommt in Herrlichkeit“. Diese große Erinnerung wird z.B. im vierten Eucharistischen Hochgebet besonders deutlich.

Eucharistische Anbetung und Messfeier stehen in engster Beziehung zueinander

Prälat Josef Weismayer ist em. Professor für Dogmatik und seit 10 Jahren Domkustos. Wir danken ihm für diesen besonderen Dienst an der Domkirche St. Stephan, den er mit großer Umsicht, Wohlwollen und viel Liebe geleistet hat. ristischen Gaben bleibend gegenwärtigen Herrn wieder in einen engeren Zusammenhang bringen. Eucharistie ist die Feier des Todes und der Auferstehung des Herrn, Eucharistie stiftet Einheit der Kirche, Communio zwischen den Getauften und zwischen Christus. Das geschieht in der Feier der Eucharistie. Die Christen haben schon früh etwas vom eucharistischen Brot aufbewahrt, um jenen an dieser Einheit mit Christus Anteil geben zu können, die nicht an der gemeinsamen Feier teilnehmen konnten, vor allem für die Kranken. So wurde aus der Kirche als dem Ort der Feier auch der Ort der besonderen Gegenwart unseres Herrn.

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„Die Feier der Eucharistie im Messopfer ist in Wahrheit Ursprung und Ziel der Verehrung, die dem Altarsakrament außerhalb der Messe erwiesen wird.“ So heißt es in einem Dokument zur Liturgiere-form aus dem Jahr 1967. Die eucharistische Anbetung und die Messfeier stehen in engster Beziehung zueinander. Das Gebet vor dem Allerheiligsten Sakrament ist nicht einfachhin irgendein Gebet in der Kirche. In der eucharistischen Anbetung will das Heilsereignis der Messfeier nachwirken, können und sollen wir mit Christus tiefer verbunden werden. Das Beten vor dem eucharistischen Herrn soll uns den sich für uns engagierenden Gott innewerden lassen; in der Hingabe des Sohnes in den Tod und in seiner Erhöhung zeigt sich diese Liebe „bis zum Äußersten“ (Joh 13,1): Ich bin als Beter der „bis zum äußersten Geliebte“, wir als anbetende Gemeinschaft sind die Beschenkten. Der gegenwärtige Christus will den Anbetenden sich ähnlich machen, so dass er in uns lebt (vgl. Gal 2,20). Immer aber sind wir verbunden mit der Gemeinschaft der Kirche, mit der ganzen Menschheit, auch wenn wir allein anbeten. Immer werden wir auch gesendet für den auferstandenen Herrn Zeugnis zu geben. ■

Foto: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, ist allgegenwärtig. In allem, was er geschaffen hat, begegnen wir ihm. In diesem umfassenden Sinn ist Gott auch in einer Kirche gegenwärtig. Aber wir unterscheiden von dieser Allgegenwart Gottes Bereiche, Räume, in denen uns Gott in einer besonderen Weise nahe ist. In allen Religionen gibt es solche Orte, Räume, in denen wir die Nähe Gottes tiefer wahrnehmen. Deshalb sind diese Bereiche auch immer Orte der Sammlung, der Stille, des Aufmerkens auf die spürbare Macht Gottes. Da öffnen die Menschen vor Gott ihr Herz, legen ihm ihre Nöte, ihre Anliegen, ihre Bitten vor. Da danken wir Gott für seine Nähe, für seine Hilfe. Wenn wir Christen von Kirchen sprechen, dann erhält diese Bezeichnung „Gotteshaus“ noch ein besonderes Gewicht. Wir Katholiken „lokaliseren“ diese Gegenwart im Tabernakel, im Gegenwärtigsein Christi in der Eucharistie, im konsekrierten Brot.

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Heilige Musik Musik kann manchmal als Lärmbelästigung empfunden werden. Dann hingegen wieder als etwas, das uns mit Gott verbindet. Gedanken dazu von P. Robert Mehlhart OP Anwohner von Advent- und Weihnachtsmärkten beschweren sich zuweilen über den Lärm, der von diesen ausgeht. Stein des Anstoßes sind meist weniger die Menschen, die dort gemütlich ihren Punsch genießen. Viel eher ist es die „Endlosschleife“ der saisonalen Klangtapete, die in Form von Weihnachtsschlagern aus den Lautsprechern tönt. Statt als Musik werden die Töne als Lärm empfunden.

„… die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet.“

Foto: Mehlhart: David Friedmann | Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Dies zeigt: Um genießbar zu sein, braucht Musik Muße. Erst dann eröffnet sich dem Menschen ein Raum, in dem eine Palette von Selbsterfahrungen, das Bewusstsein transzendierenden Erlebnissen und Kommunikationsmöglichkeiten möglich wird. Es spielt dabei zunächst gar keine Rolle, ob man die Musik selber gestaltet oder sie als Zuhörer aufnimmt. Nicolaus Harnoncourt nannte sie einmal eine „Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet“. Musik hängt stark mit dem Kult zusammen. Denn der Kult ist die Mußestunde des Menschen schlechthin. Hier lässt er seinen Alltag hinter sich und nimmt sich Zeit für das Höhere, Göttliche. In archaischen und (neo-)schamanischen Kulturen waren es oft beschwörende Trommelrhythmen, die böse Geister abwehren und den Trommler in den Bereich des Göttlichen entführen soll-

Musik stiftet Gemeinschaft

ten. Die frühen Christen dagegen legten sich zunächst ganz auf das Singen fest.

Singen für Christus So beschreibt der römische Senator Plinius der Jüngere die Christen um das Jahr 100 als Leute, die an einem bestimmten Tag zur Zeit der Dämmerung zusammenkommen und Jesus Christus als ihrem Gott im Wechsel Lieder singen („quod essent soliti stato die ante lucem convenire carmenque Christo quasi deo dicere secum invicem“). Wie dies geklungen hat, wissen wir nicht. Die erste musikalisch dokumentierte Quelle des „Singens für Christus“ ist der sogenannte Gregorianische Choral. Er ist das älteste notierte Musikrepertoire der Menschheit. Weil seine Texte fast ausschließlich aus der Bibel stammen und er eng mit dem Geschehen des christlichen Gottesdienstes verflochten ist, gilt er als das Vorbild für Kirchenmusik überhaupt. Seine Klangsprache wirkt auf uns heute so archaisch wie spirituell anziehend. Vielleicht ist diese über 1250 Jahre alte Musik so etwas wie eine musikalische Visitenkarte der alten römischen Kirche. Seitdem haben sich vielfältige Repertoires ausgebildet, schließlich auch mit Instrumenten: vom eleganten Liedgut der Renaissancezeit bis zum innigen nordamerikanischen Spiritual, von den prachtvollen Messen der Wiener Klassik

Dominikanerpater Robert Mehlhart ist Kirchenmusiker und Seelsorger an der Theatinerkirche München bis zum pulsierenden „Sacropop“. All diese Stile werden auf der ganzen Welt in den verschiedenen Kirchen zu unterschiedlichen Anlässen gesungen, gespielt, gehört.

Musik lässt Gemeinschaft erleben Mich persönlich fasziniert die Gemeinschaft, die diese Musik erleben lässt: zunächst bei den singenden und spielenden Menschen, die sie zusammenführt. Jeder trägt im wahrsten Sinn seinen persönlichen „Ton“ bei, und jeder muss auf die anderen hören, auf sie Rücksicht nehmen. So entsteht ein gemeinsames Stück. Dann aber auch bei denjenigen, die diese Musik in sich aufnehmen und dadurch zu einem unsichtbaren spürbaren Ganzen geformt werden. Und das gilt auch zeitübergreifend! Es ist schön zu bedenken, wie viele Generationen vor uns zum Beispiel „Stille Nacht“ gesungen haben. Auch wir stimmen in der Heiligen Nacht in diese große Gemeinschaft der Zeiten und Orte ein und tragen das Lied weiter in die Zukunft. Musik kann auch Gemeinschaft mit Gott schenken. Neben Zeit und Muße braucht es dazu eine innere Architektur des Gebetes bei dem, der sie hört oder erklingen lässt. In unseren Gebeten preisen, bitten und danken wir Gott. Zuweilen hadern wir auch mit ihm oder beten ihn an. Musik ist umso heiliger, je mehr sie dem Gebet verwandt ist. Dann ist sie uns eine echte Hilfe auf unserem Weg zueinander und zu Gott. ■

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Brief einer Heiligen der Dunkelheit Von Leo Maasburg

Liebe Pfarrgemeinde von St. Stephan in Wien! Als ich als Mutter der Slum-Menschen noch auf Erden war, hatte ich eines Nachts einen Traum – einen wahren Albtraum: Der Hl. Petrus würde mich nicht in den Himmel hineinlassen, mit der Begründung: „Aber Mutter Teresa, im Himmel gibt es doch keine Slums!“ Aber dann, nach 87 Jahren des Erdenlebens, als ich nach Hause zu Gott gehen durfte, hat mich Petrus doch eingelassen. Und nicht nur das: Was für ein Empfang wurde mir zuteil! Tausende von Bettlern und Behinderten aus allen Religionen und Kulturen warteten auf mich. 40.000 alleine aus Kaligat, unserem Heim für die Sterbenden in Kalkutta. Meine Schwestern und ich hatten sie doch alle mit unseren Gebeten und Opfern zum Hl. Petrus geschickt. Jeden einzelnen hatten

wir damals gefragt, ob er zu dem Gott gehen wolle, der ihm die Schwestern in

versucht sind, Negatives weiterzutragen, dann ist der Moment gekommen

Monsignore Leo-M. Maasburg begleitete Mutter Teresa mehrere Jahre als Seelsorger und Sonderbeauftragter auf vielen ihrer Reisen. Bis September 2016 war er Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke (Missio) in Österreich. die dunkle Höhle seines Elends geschickt hatte um ihn liebevoll zu betreuten. Keiner der 40.000 hat „nein“ gesagt. Wir wollten niemanden bekehren, wir haben unsere Armen nur wirklich sehr geliebt und wollten sie Gott näher bringen. Dann haben wir entdeckt: Die Liebe bekehrt, wen sie will. Wichtig ist, dass wir Licht verbreiten und nicht Dunkelheit. Ich habe gelernt, dass es in einem Gespräch sehr dunkel werden kann, wenn wir Fehler und Schwächen anderer verbreiten oder Gerüchte in die Welt setzen, die, selbst wenn sie nicht schaden so auch niemandem nützen. Ich weiß sehr genau, dass es viel Böses in der Welt gibt, aber ich weiß auch, dass es viel Schönes und Gutes gibt, und ich habe mich entschieden, das Gute zu sehen. Hier darf ich Euch einen kleinen Trick verraten: Wenn wir manchmal wirklich nicht wissen, was wir Schönes oder Gutes sagen können und gleichzeitig sehr

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mit dem Daumen drei große Kreuze auf unsere Lippen zu malen – und zu schweigen. Die Kreuze erinnern uns daran, dass es manchmal ein großes Opfer ist und Anstrengung kosten kann, zu schweigen. Aber die Stille, die dadurch eintritt, öffnet uns die Ohren für unseren Vater, der in der Stille unserer Herzen spricht. In der Stille unserer Herzen entzündet er ein Licht, das umso heller leuchtet, je größer die Dunkelheit um uns herum ist. In wenigen Tagen feiert ihr die Geburt unseres Herrn Jesus in Betlehem. Ist nicht auch Er in der „tiefsten Stille“ geboren, als die Nacht am dunkelsten war? „Über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein helles Licht auf. “ (Jes 9,2) Das ist mein Gebet für Euch: dass Er in Euch geboren wird und zu Euch sagen kann – wie Er es auch zu mir gesagt hat: „Komm, sei mein Licht“. Gott segne Euch, Eure heilige Mutter Teresa von Kalkutta ■

Foto: Maasburg/Missio

Das Jahr der Barmherzigkeit ist vorbei, Mutter Teresa wird nun als die Heilige Teresa von Kalkutta verehrt und viele halten sie, wahrscheinlich zu Recht für eine Jahrtausend-Heilige. Ihre Heiligsprechung war ein Höhepunkt des Jahres der Barmherzigkeit. Nun ist sie „entrückt“ zu den offiziellen Heiligen und wird sicher eine wichtige und ernste Heilige werden. Das ist auch gut so, aber entrückt und unerreichbar war sie nie, und hat sich selbst auch nie so gesehen. „Sollte ich einmal eine Heilige sein, werde ich eine Heilige der Dunkelheit sein, denn ich werde vom Himmel abwesend mich an den dunkelsten Orten der Welt aufhalten um dort ein kleines Licht zu entzünden.“ Der tiefe, fröhliche Humor der neuen Heiligen ermutigt mich, ihr etwas in die Feder zu diktieren, so als schriebe sie uns jetzt von „oben“ – oder besser gesagt von hier unten, wo sie sich aufhalten will, um für viele ein kleines Licht zu entzünden. So stelle ich mir vor, würde sie uns schreiben:

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Im Sonnenlicht Wie wird das Göttliche in der bildenden Kunst dargestellt? Ein kleiner Streifzug durch die Geschichte von Sabine Haag Möchte man das „Göttliche“ in der bildenden Kunst beschreiben, so fällt zunächst auf, dass die Darstellung Gottes (ganz besonders bei den alten Meistern) seit je her strengen ikonographischen Traditionen und Regeln folgte. Einige von ihnen blieben konstant, andere erwiesen sich als zeitgebunden. So wurde Gott seit frühchristlicher Zeit durch die „Hand Gottes“, etwa im Bild des brennenden Dornbusch dargestellt, seit dem 16. Jahrhundert ist das Dreieck mit dem „Auge Gottes“ ein verbreitetes Zeichen. Parallel zu solch symbolischen Darstellungen erscheint der christliche Gott aber schon früh auch in menschlicher Gestalt. Nicht selten ist er in den variantenreichen Darstellungen Christi einfach mitgemeint. In Renaissance, Barock und Neuzeit wird er dann meist als alter und bärtiger, aber kräftiger und machtvoller Mann dargestellt – das berühmteste Beispiel ist sicher jene Szene an der Decke der Sixtinischen Kapelle, in welcher Michelangelo Gottvater den ersten Menschen erschaffen lässt.

Universeller und ursprünglicher jedoch können die Strahlen der Sonne (allgemeiner: das Licht) eine Gotteserfah rung auslösen – nicht nur in der Kunst. So wurde das Wesen des Sonnenstrahls einst wie folgt beschrieben: Sein Ursprung sei das „Gute“, genauer: die Güte der „alles überragenden Gottheit“. Das Licht sei somit das „strahlende Abbild der göttlichen Güte“ und erleuchtet unterschiedslos „alle Körper“. Besonders inspirierend und poetisch erscheint mir der zitierte Text des Pseudo-Dionysios an dieser Stelle: Er beschreibt, dass die „immer flammende Sonne […] den Glanz ihrer […] Strahlen über die ganze sichtbare Welt dahinfluten“ lässt, „über ihre Höhen und über ihre Tiefen“. Und weiter: […] auch zum Entstehen der […] Körper trägt ja der Lichtstrahl bei: er bewegt sie, nährt sie, lockt und fördert sie zum Leben, vollendet, reinigt, und verjüngt sie. Das Licht ist Maß und Zahl der Jahreszeiten, der Tage und all unserer Zeit.“ Im Licht und in der Wärme der Sonnenstrahlen wird also, folgt man der

Aufgefunden.

Foto: Haag: KHM-Museumsverband

Kinder-Zeichnungen in einem katholischen Religionsheft aus dem Jahr 1978

Sabine Haag ist Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museumsverbandes, Direktorin der Kunstkammer und der Weltlichen u. Geistlichen Schatzkammer theologischen Interpretation, die Präsenz Gottes sichtbar und spürbar. Denken Sie an den schimmernden Goldgrund mittelalterlicher Bilder, an die prachtvolle Wirkung gotischer Kirchenfenster oder die gekonnt verborgenen natürlichen Lichtquellen an barocken Altaraufbauten, die je nach Wetterlage und Uhrzeit unterschiedlich dramatische Wirkung entfalten konnten und können. Ganz besonders aber gilt das für die Malerei des Barock. In einer Verkündigungsszene wird der Lichteinfall göttlichen Ursprungs inszeniert; bei unzähligen anderen Gelegenheiten wurden Heiligengesichter effektvoll ausgeleuchtet, während ihre Gegenspieler in den Schatten gestellt wurden. Licht prägt das künstlerische Schaffen des Menschen von Beginn an und auf ganz spezielle Weise. Seine Bedeutung ging und geht nicht nur bei christlichen Bildthemen weit über eine ästhetische, gestalterische Funktion hinaus. ■

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Wo wohnt Gott?

»Den Armen zum Trost – den Reichen zur Mahnung – allen zum Heile« … so steht es in großen Lettern über dem Eingang zur Kirche von Sankt Joseph zu Margarethen. Die Kirche wurde an einem Ort errichtet, wo einst ein Armenhaus stand. Matthias Beck deutet den Spruch und schlägt eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart. lässt Menschen verzweifeln, weil sie keinen Ausweg sehen. Aber es gibt auch eine geistige Armut, die nur auf das Geld schaut und möglichst reich werden will. Es gibt Menschen, die sich festhalten am Reichtum. Das macht innerlich arm. Das Teilen würde den Reichen innerlich erfüllter und reicher machen. Einen Euro für den ein oder anderen Notleidenden ist für viele kein großes Opfer, aber den Armen kann es ihr Leben erleichtern. Die Armen sind nicht automatisch näher bei Gott, aber Gott ist nahe bei ihnen, so meint es der Spruch. Die Armen im Geiste sind Gott nah, so heißt es in der Bergpredigt: „Selig die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 5,3). Diese Armen (die auch materiell arm sein können) wissen um ihre Hilfsbedürftigkeit und ihr Angewiesensein auf die Güte Gottes. Der dritte Teil des Spruches: Allen zum Heile. Niemand ist verloren. Der Arme kann hoffen auf das Erbarmen Gottes, der ihm in seiner Armut schon nah ist. Genauso darf der Reiche auf das Er-

können den Spruch lesen. Er steht hoch oben über dem Portal. Aber man muss zurücktreten, etwas Abstand nehmen, um ihn lesen zu können, zurücktreten aus der Hektik des Alltags. Es gibt eine materielle Armut, die tragisch ist. Sie

barmen hoffen, doch muss er aufpassen, dass der Reichtum ihn sein Leben nicht verfehlen lässt. Er wird gemahnt. Niemand ist verdammt, allen soll alles zum Heil gereichen, aber es braucht Wachsamkeit. Reichtum kann in die Irre füh-

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Matthias Beck ist Professor am Institut für Systematische Theologie und Ethik der Universität Wien und Kaplan in Sankt Joseph zu Margarethen ren. Nicht nur der materielle, sondern auch der geistige. Wer meint, alles richtig zu machen, bloß weil er alle Gesetze einhält, befindet sich auf einem Holzweg. Es gibt einen „Reichtum“ im Sinne des Pharisäertums, das glaubt, durch Einhalten der Gesetze auf dem rechten Weg zu sein und verächtlich auf die Sünder herabschauen zu können. Sie beschimpft Jesus als Heuchler, da sie sich nur äußerlich an das Gesetz halten, innerlich aber weit weg von Gott sind. Siebenmal ruft Jesus aus: „Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler!“ (Mt 23,13-29) „Blinde Führer seid ihr“ (Mt 23,24). „Du blinder Pharisäer! Mach den Becher zuerst innen sauber, dann ist er auch außen rein“ (Mt 24,25). „Ihr seid wie die Gräber, die außen weiß angestrichen sind und schön aussehen; innen aber sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung. So erscheint auch ihr vor den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz“ (Mt 23,28). Wo wohnt Gott? In unserem Inneren, dorthin sollen wir uns immer wieder wenden. Von innen her erkennen wir unsere Armut, die Gott reich machen kann. „Den Reichen zur Mahnung – den Armen zum Troste – allen zum Heile“: ein wunderbarer Spruch. Er lädt ein, in die Kirche einzutreten, auch dort wohnt Gott. ■

Foto: Beck: M. Beck | Philipp Kuhlmann

Der Spruch beginnt mit dem Trost für die Armen. Franz Schubert wurde in dieser Kirche eingesegnet. Auch er war arm. Die letzten Monate seines Lebens hat er in der Nähe bei seinem Bruder gewohnt. Aus bescheidenen Verhältnissen stammend wurde er als dreizehntes von sechzehn Kindern in Wien Himmelpfortgrund geboren und wuchs in Wien-Lichtental auf. Nur fünf der sechzehn Kinder wurden älter als ein Jahr. Tod und Armut waren Schuberts erste und auch bleibende Erfahrungen. Er war begabt, wurde Wiener Sängerknabe, später förderte ihn Salieri. Zu Lebzeiten bekam er wenig Anerkennung. Er stirbt bereits mit 31 Jahren und wird in St. Joseph eingesegnet. Er war nur auf Erden, um zu komponieren, so hat er selbst es einmal formuliert. Freunde unterstützten ihn zeitlebens. Äußerlich war er oft arm, aber doch innerlich sehr reich. Gott kann aus Armut Reichtum machen. Auch heute gibt es Obdachlose und Bettler, Reiche und Wohlhabende in der Gemeinde St. Joseph, wie überall. Sie alle

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Wo Himmel und Erde sich berühren Peter Habeler wurde bekannt dafür, zusammen mit Reinhold Messner den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest, 1978 erstmalig ohne zusätzlichen Sauerstoff bestiegen zu haben. Weitere Gipfelerlebnisse folgten, doch kurz nach der sensationellen Besteigung des Nanga Parbat 1985 machte er eine Erfahrung in Nepal, die für ihn einzigartig war und ihn bis heute begleitet. Der Dhaulagiri ist der höchste Gipfel des Dhaulagiri Himal im Himalaja und mit 8167 m der siebthöchste Berg der Welt. Zusammen mit Michl Dacher startete Peter Habeler diese Expedition: Ich war gerade von der erfolgreichen Nanga Parbat Expedition retour, wollte meine gute Form ausnützen und dann – am Dhaulagiri kam die „Retourkutsche“. Wir starteten mit großen Ambitionen, wir waren guten Mutes und waren uns sicher, den Dhaulagiri reißen wir nieder. Doch das schlechte Wetter und der tagelange Regen durchkreuzten ihre Pläne. Sie mussten mit dem Aufstieg warten, und plötzlich wurde aus einer anfänglich leichten Verkühlung, der Peter Habeler keine Bedeutung zugemessen hatte, Atemnot.

den, vielleicht auch drei. Das würde ich schon schaffen. Eilig packte Peter Habeler seine Sachen und machte sich mit Stirnlampe auf den Weg. Schließlich wurde der Nieselregen stärker, die Dunkelheit brach herein und da passierte die Katastrophe. Er rutschte aus und stürzte mehrere Meter das Gletschergeröll hinunter. Es war nicht so schlimm, ich hatte mir nicht wehgetan, aber die Lampe war kaputt. Ich saß da im Dunklen, und es regnete was ging.

Da wurde mir klar, dass es jetzt eng wurde Dass ich mich jetzt besinnen musste, denn wenn ich weiterhin hektisch wäre und irgendeinen Fehler machte, wäre ich am nächsten Tag hin. Dass ich ohne Lampe niemals über den Gletscher finden würde, war sowieso klar. Er fand eine Stelle unter einem etwas überhängenden Stein, wo er sich in seinem Schlafsack halb liegend, halb sitzend unterstellen konnte, um auf den Tagesanbruch zu warten. Allerdings wurde der Regen immer stärker, langsam wurde er völlig durchnässt. Schließlich begann es zu schneien und er kämpfte durch permanente Muskelanspannungsübungen gegen das Erfrieren. Ich durfte auf keinen Fall einschlafen.

Ich wurde richtig hektisch. … Ich schlotterte, ich zitterte, ich fror erbärmlich, und irgendwann brachte ich den Willen nicht mehr auf und schlief ein. Ich muss eingeschlafen sein, denn plötzlich sah ich den Tunnel vor mir. Diesen Tunnel mit einem wunderschönen, hell erleuchteten, strahlenden Ausgang. Mir war warm und angenehm, ich fühlte mich unglaublich wohl. Nachdem ich den Tunnel gesehen hatte, wurde ich sofort munter. Ich bin da froh unter meinem Stein gesessen, und nichts hat mir gefehlt. Als es hell genug war, rappelte er sich auf und erreichte langsam das Basislager, wo ihm eine Lungenentzündung attestiert wurde und er sich auch nach einigen Tagen wieder erholte. Über diese besondere Nahtoderfahrung sagt er:

Ich war da sicherlich schon „ein Stückerl drüben“ Das Besondere war, dass ich, nachdem ich wieder aufgewacht war, so ruhig und so geborgen war. Das gleißendene Licht brachte mich wieder zurück; meine Verzweiflung, meine Angst vor dem Erfrieren waren weg. Ich wusste, es kann mir nichts passieren, es ist alles in Ordnung. …Ich fühlte mich irgendwie beschützt. Diese Erfahrung hat Peter Habeler in seinem Buch festgehalten: Das Ziel ist der Gipfel, Tyrolia 2007 ■

Foto: www.habeler.com

Ich lag am Rücken und bekam keine Luft Und wie ich mich drehte und wendete, das wurde nicht besser. Bis ich mir einbildete, ich hätte ein Höhenlungenödem. Natürlich hatten wir damals auch nichts dabei. Der Habeler kriegt doch kein Höhenlungenödem, das gibt’s doch nicht. Wir hatten Kopfschmerztabletten und so etwas mit, aber keinen Sauerstoff – gar nichts. Da bekam ich dann Panik. Es war halb sechs Uhr abends, schon bald dunkel, aber ich dachte, wenn ich es noch ins Basislager der Tschechen schaffen würde, da waren zwei Ärzte. Die hatten sicher Antibiotika oder irgendein Mittel, das meiner Lunge helfen würde. Das Basislager war nicht so weit, zwei oder zweieinhalb Stun-

Extrembergsteiger und Bergführer Peter Habeler Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016 21

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Wo wohnt Gott?

Gott am Fußballplatz? Gehen die Menschen heute lieber auf den Fußballplatz als in die Kirche? Oder hat Gott auch in einem Stadion Platz? Rapid-Seelsorger Christoph Pelczar über einen besonderen Ort, den Glauben zu feiern

Eine „Loge für den Herrn“ Auf den Punkt gebracht! Rapid hat es verstanden und in seinem neuen wunderbaren Stadion auch für Gott eine eigene Loge hergerichtet. Ein stimmungsund geheimnisvoller Andachtsraum für

ALLE Glaubens- und Lebensgeschichten wie es dem Leitbild des SK Rapid Wien entspricht. Besonders berührt haben mich die Worte des Stadiondirektors und Projektleiters Harry Gartler: „Wir haben für alle besondere Plätze im Stadion, sogar eine Loge für den Herrn“. Einzigartig! Der Traum vieler Fans und Sportbegeisterten ist in Erfüllung gegangen. Es gibt in ganz Österreich keinen zweiten vergleichbaren Raum in einer Sportstätte. Rapid ist im Sportgeschehen Österreichs wieder einen Schritt voraus und ermöglicht dadurch vielen Menschen die eigene Mitte zu finden vor allen aber im Glauben eine enorm große Kraftquelle zu finden. Besondere Familien haben besondere Räume, wo sie zur Ruhe, zum Gespräch, zum Feiern kommen. Wie stolz und großartig klingen die Namen:

„Die Loge des Herrn“: der interreligiöse Andachtsraum in der Wiener Allianz Arena 22 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016

„FC Barcelona, Real Madrid, FC Bayern München, Schalke 04, Olympiastadion in Berlin, Rapid Wien – Vereine mit einem hörenden Herz“. In der besonderen „Loge des Herrn“ bei Rapid feiern viele Sportbegeisterte Taufen, Hochzeiten, Gedenkgottesdienste, Jubiläen. Aktuell möchte ich eine Kooperation mit den Schulen starten, damit Jugendliche durch den Glauben eine Sprache des Herzens lernen. In Vorbereitung sind Projekte wie: „Sport for peace“, Friedenserziehung und soziale Kompetenzen, Gewaltfreie Kommunikation, Teambuilding und einiges mehr.

„Pilgernde Fans“, „heiliger Rasen“ und „Fußballgott“ Fußball und Religion, das Spiel auf dem grünen Rasen und Spiritualität: längst

Foto: Pelczar

Als Rapid-Pfarrer werde ich oft im Allianz Stadion der Grün-Weißen Rapid Familie bei vielen Gesprächen gefragt: Wo wohnt Gott? Hilft Er uns heute beim Sieg? Ist Er auch im Stadion? Ich muss dann immer wieder schmunzeln und erzähle von einer Diskussion zwischen Rabbi Mendel von Kozk und seinem Schüler: „Rabbi Mendel fragt einfach einen Schüler: Weißt du denn überhaupt, wo Gott wohnt? Als der verblüfft verstummt, fährt er fort: Ich werde es dir sagen! Er wohnt dort, wo man ihn einlässt!“

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sind sie unüberschaubar, ja inflationär geworden, die Querpässe voller Metaphern und Assoziationen, das von den Massenmedien bis hin zur Literatur, von der Werbebranche bis zur Freizeitindustrie freudig aufgenommene Gaberln mit Sprachspielen, mit diskursiven Andockstellen, mit Zuspielen von Stimmungsbildern. Fans „pilgern“ zu den Spielstätten, Fußball gilt als „Kult“, der Rasen ist „heilig“, Stadien umgibt der Nimbus des Sakralen und Auratischen, die Starkicker und Idole der Jugend genießen das Attribut des „Fußballgottes“, der „Pfosten Gottes“ soll Argentinien im WM-Spiel gegen die Eidgenossen, die kurz vor Ende der Verlängerung einen Kopfball an die Stange setzten, gerettet haben und die unsägliche Phrase von der „Hand Gottes“ für das ebenso legendäre wie regelwidrige, betrugsmiefige Tor Maradonas bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 ist längst zum Evergreen des Sport-Jargons geworden. Die Auflistung ließe sich freilich fortsetzen und ich bin überzeugt, Sie können noch die eine oder andere Assoziationskette schmieden.

Foto: Kathpress

Doppelpass von Spiritualität und Fußball Doch lassen wir uns nicht allzu sehr von teils durchaus kreativen Sprachspielen ablenken und wagen uns ein wenig in die Tiefenstruktur dieses Andachtsraumes im Stadion, die der Frage nachspürt, ob Fußball und Spiritualität in einem fruchtbringenden Doppelpass zueinander stehen können, der dem menschlichen Dasein als solchem und im Ganzen, in seiner Weltoffenheit und in seinem Grund- und Transzendenzbezug etwas sagen kann. Fußball kann ein ungemein faszinierender, unmittelbarer Lehrmeister für die im Leben so wichtige Balance von Einheit und Vielfalt sein, ohne die keine Gemeinschaft nachhaltig Bestand haben kann. Wie kaum ein anderes Spiel

Rapid-Pfarrer Christoph Pelczar (links) mit Projektleiter und Stadionboss Harry Gartler zeigt der Fußball, dass eine Einheit auf Kosten von Vielfalt und der Buntheit der Individualität zu einer Wüste wird, in der Kreativität und Freiräume austrocknen und vom Sand der Uniformität zersetzt werden. Genauso wie umgekehrt deutlich wird, dass eine Vielheit auf Kosten der Einheit auf Abwege ohne Orientierung und Perspektiven führt. Bereits angesichts dieser wenigen Andeutungen wird deutlich: wir müssen nicht erst aufwendige Querverbindungen zwischen Fußball und Spiritualität konstruieren und allerlei Winkelzüge für

Verstrebungen basteln. Wir müssen nur hineinhören in die Tiefenstrukturen des Phänomens selbst und aus dem Zuhören das Gespräch initiieren. Genau darin begreife ich auch meine zentrale Aufgabe als Rapid-Pfarrer: aus dem aktiven Zuhören und Zugehen auf die Menschen selbst zum Gesprächsraum zu werden, in dem der Doppelpass von Spiritualität und Fußball aus den lebensweltlichen Grunderfahrungen des menschlichen Daseins aufgegriffen und an alle, die der herzlichen Einladung zum Mitspielen folgen, weitergespielt wird. ■

Glücklich, wer seinen Sieg dankbar feiert, ihn annimmt wie ein Geschenk. Glücklich, wer ohne Neid den zweiten Platz einnimmt. Glücklich, wer verlieren kann, ohne den Kopf zu verlieren. Glücklich, wer in Sport und Spiel Freiheit spürt. Glücklich, wer sich ganz einsetzen kann, ohne sich im Ehrgeiz zu verzehren. Glücklich, wer ein gutes Team erlebt – beim Spiel und im Leben. Glücklich, wer im anderen immer den Menschen sieht, nicht nur den Gegner. Glücklich, wer sich erholen kann bei Sport und Spiel. Glücklich, wer beim Training des Körpers die Seele nicht vergisst. Glücklich, wer mit Körper und Seele Gott, den Schöpfer, lobt. Autor unbekannt Quelle: Seligpreisungen der Diözesansportgemeinschaft St. Pölten www.dsg.or.at Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016 23

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Wo wohnt Gott?

Wir fragen Prominente: »Wo wohnt Gott ?

Wer immer das Wort Gott als Erster aussprach, hat es damit in der menschlichen Sprache festgesetzt und den Regeln der Grammatik überantwortet, die wohl oder übel auf die weitere Gestaltung des Wortes Einfluss nahmen. Entscheidungen wie das grammatische Geschlecht wurden getroffen, so es die jeweilige Sprache in ihrem Sortiment führte. Und wenn nicht? Fakt ist, dass selbst die Sprecher von Sprachen, die kein grammatisches Geschlecht entwickelt hatten, Gott vorzugsweise als männlich empfanden. Und dieser männliche Gott war, sobald die Rede auf ihn kam, der Deklination, Einzahl und Mehrzahl, der Zuschreibung von Eigenschaften sowie jeder Menge objektbezogener Handlungen ausgeliefert, die ihm die Bleibe in der menschlichen Sprache nicht gerade leicht machten. Da diese Sprache ständig im Fluss und voller Ideen ist, wurde dem anfänglich als Herr des Wetters Wahrgenommenen eine Bleibe in luftiger Höhe angedient, die sich in Folge zum himmlischen Thronsaal samt hierarchiebewusstem Hofstaat in Form geflügelter Gottesboten verfestigte. Allerdings hatte dieser phantasievoll ausgeschmückte Wohnsitz Gottes, nur wenig mit der Vorstellung tief Gläubiger gemein. Also boten sie sich selbst zur Wohnstatt an. Die Muslime meinten diesbezüglich, Gott sei ihnen näher als ihre Halsschlagader. Der mittelalterliche Mystiker Meister Eckehart erkühnte sich mit folgender Spekulation, es sei viel edler, wenn er Gott zu sich zwinge, als wenn er sich zu Gott 24

Karl Hohenlohe ist Journalist, Kolumnist, Moderator, Drehbuchautor und Herausgeber des Gault Millau Österreich Kürzlich hat der Hausherr von St. Stephan seine Freunde gefragt, wo ich wohl wohne. Das war ein Fest der Gedanken. Der Gourmet ist sich vollkommen sicher, dass ich mich in Frankreich niedergelassen habe, auf einem Weingut, unweit eines Weihers, wo der beste Koch des Landes mit Rosinen gefüllte Tauben brät. Der Wanderer hingegen wähnt mich obdachlos. Obdachlos im positivsten Sinn des Wortes, für ihn logiere ich in Wald und Flur, auf Wiesen, Almen, Trockensümpfen und Firn. Dort summe ich durch die Bienen, rausche gemächlich durch die Wälder und wenn es Nacht wird, tue ich es den Eulen gleich, schwebe lautlos durch die Äste und besetzte sie fallweise wie die zornigen jungen Menschen damals die leerstehenden Häuser. Der Herr Pfarrer aus St. Neutor a. d. Lafnitz hat mich in seinem Kirchlein untergebracht, jeden Sonntag zwischen 9 und 9 Uhr 52 stellt er mich den Gläubigen vor, erzählt ihnen von unseren Gesprächen und ich bin ihm sehr dankbar dafür. Am Anfang dieses Beitrages hat der Autor, der glaubt, dass ich ihm die Feder führe, den Dompfarrer Faber er-

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wähnt und ihn als Hausherrn von St. Stephan ausgewiesen. Nun überlege ich, ob mein Freund Faber oder doch ich der Hausherr vom Stephansdom sei. Wahrscheinlich sind wir es beide, und wenn die Gläubigen kommen, sind sie es auch. Ach ja, es stand die Frage im Raum, wo ich gewöhnlich logiere, und ich kann es ganz einfach beantworten. Ich bin im Wind zu Hause. im Wind, der in der Hitze kühlt, im Wind, der die Essen der Schmiede befeuert, die Mühlen antreibt, durch die undichten Türen der Gotteshäuser dringt und die Luft zu den Menschen bringt, die sie atmen. Der Atem Gottes, so hat es der Autor dieser Zeilen geschrieben, ist laut und leise, er ist plötzlich da und schon wieder verschwunden und wer ihm auch nur ein ganz wenig Aufmerksamkeit schenkt, kann ihn auch bei Windstille vernehmen. ■

Brigitte Mang, Direktorin der Österr. Bundesgärten, ist ab 2017 Vorstand und Direktorin der dt. Kulturstiftung Dessau-Wörlitz

Wo finde ich, wo finden wir Gott im Garten? Ein erster Gedanke lässt uns auf das Paradies, auf abendländische Gärten, die europäische Gartenkultur und in den Nahen Osten blicken. Der Garten Eden, den Gott pflanzte, die Gärten der Kirchen, Klöster und Stifte, die Friedhöfe. Ein nächster Gedanke geleitet uns zu den Weltreligionen. Die Suche der Menschen nach Gott und der Liebe, dem Zueinander von Liebenden und der Blick auf das Jenseits ist über Jahrtausende und über die Kontinente in Bildern und Schriften mit Gärten verbunden. Die Gärten des Islam und des Buddhismus seien beispielhaft genannt wie die Gärten Ägyptens, Mesopotamiens und Per-

Fotos: Frischmuth: Christian Jungwirth | Hohenlohe: Jürg Christandl | Mang: Österreichische Bundesgärten

Barbara Frischmuth ist Schriftstellerin und Übersetzerin

zwinge, zur Debatte über das Wohnen Gottes beizutragen. Und nicht nur das, er wollte Gott sogar im Holzhacken geortet haben, was wohl heißen soll, dass der Wohnsitz Gottes ein unberechenbarer ist, ähnlich der Heisenbergschen Unschärferelation. Kein Wunder, dass der Volksmund es als Drohung aufnimmt, wenn jemand sagt: „Ich werde dir schon noch zeigen, wo Gott wohnt!“ ■

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Fotos: Sobotka: F. Matern | Sima: PID / Votava | Husslein: Stefan Joham

siens, Indiens, Chinas und Japans. Stets hat der Mensch Gärten gestaltet: Nutzgärten, Gärten der Muße und Zierde, Medizinalgärten, Gärten der Repräsentation, Botanische Gärten, in Europa ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts öffentliche Gärten. Religiöse, politische und gesellschaftliche Konnotationen prägen den jeweiligen Gartenstil (mit). Vielen Pflanzen ordnen die Kulturen besondere religiöse Bedeutungen zu. Wasser hat in seiner gartenkünstlerischen Vielfalt Spiritualität und Ewigkeit. Gärten lassen uns heute wie eh und je Zeit und Muße finden, Beschaulichkeit und Ruhe, Genuss und Wohlgefühl. Ob wir in ihnen spazieren, sporteln oder sitzen, ob wir in ihnen arbeiten oder sie einfach betrachten. Wir spüren uns, wir blicken in unsere Seele und finden Gott. Wir erleben den Verlauf der Tage und des Jahres, der Farben und des Lichts, das Werden und Vergehen, den Wandel des Lebens, auch da fühlen wir Gott. Ich denke, wir finden Gott in den Gärten weil wir uns selbst in ihnen finden. Zur weihnachtlichen Lektüre empfehle ich Ihnen die Publikation „Gärten der Welt, Orte der Sehnsucht und Inspiration“ (Museum Rietberg, Zürich, 2016). ■

Wolfgang Sobotka ist österreichischer Bundesminister für Inneres Auf die Frage „Wo wohnt Gott?“ gibt es keine einfache oder allgemeingültige Antwort, sondern viele unterschiedliche Zugänge. Spiritualität bietet die Möglichkeit, sich vom beruflichen Alltag zurückzuziehen und zur Ruhe zu kommen. Der Glaube gibt den Menschen nötigen Rückhalt, Entschlossenheit, Kraft und vor al-

lem Sicherheit. Es sind Dinge, die jeder Mensch in verschiedenen Situationen des Lebens braucht – beispielsweise auch unsere Polizistinnen und Polizisten, die nie zu hundert Prozent wissen können, was sie bei der nächsten Amtshandlung erwartet. Glaube bleibt einem auch als Lehrer bei der Bekanntgabe der Noten nicht verborgen. Man denke an die hoffnungsvollen zum Himmel gerichteten Blicke der Schülerinnen und Schüler. Wie und wann man Gott begegnet, muss jeder selbst für sich entscheiden. Mein Ort, um zur Ruhe zu kommen, liegt in der Natur, im Garten und in der Musik. Nach einem langen Tag im Büro oder auf Terminen verbringe ich gerne Zeit in der Natur, um den Tag zu reflektieren und in erster Linie eine Entschleunigung des Alltages zu bewirken. Als Historiker habe ich mich lange Zeit mit Relikten des menschlichen Schaffens beschäftigt, die Natur und Gärten habe ich erst später richtig zu schätzen gelernt. Es sind Orte und Momente, in denen man die Zeit vergisst – Luxus in unserer heutigen Welt. Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Weihnachtsfest und viele besinnliche Momente! ■

Ulli Sima ist Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke Als Umweltstadträtin bin ich sehr gerne in der freien Natur unterwegs, für mich ist sie der schönste Ort, um Energie und neue Kraft zu tanken. Es ist ein Geschenk, dass unsere Millionenstadt einen derart hohen Grünraumanteil hat, an dem man im oft so hektischen Alltag hin und wieder die Seele baumeln lassen kann.

Wenn ich etwa im Wienerwald spazieren gehe, in der Alten Donau schwimme und in der Stille innehalte: immer dann erfreue ich mich an der Schönheit und Buntheit unserer Stadt und ihrer vielfältigen Flora und Fauna. Viele Menschen empfinden ganz ähnlich und viele sehen darin einen göttlichen Beweis. Für mich als Naturwissenschaftlerin und gelernte Molekularbiologin liegt die Schönheit des Lebens in der Vielfalt. Klimawandel und Globalisierung stellen uns täglich vor neue Herausforderungen – immer schneller etwa verschwinden viele Tier- und Pflanzenarten, bevor wir sie überhaupt entdecken konnten. Es ist unsere Aufgabe, sorgsam mit dem Planeten umzugehen und die Vielfalt und Schönheit unserer Stadt auch für die nächsten Generationen zu sichern. ■

Agnes HussleinArco, Kunsthistorikerin und Kunstmanagerin, ist Direktorin des Belvedere Museum Wien Ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen ihren persönlichen Weg gefunden und somit die Gnade haben Gott zu spüren. Ich, die selbst tagtäglich mit Kunst zu tun hat, weiß nur zu gut um die Ausstrahlungskraft und die Bedeutung von Bildern, Fresken oder Skulpturen Bescheid. Denn gerade mit Hilfe der Malerei sind Künstler seit langer Zeit darum bemüht das Göttliche festzuhalten. Durch dieses Mittel haben Künstler die Möglichkeit Geschichten zu erzählen, um so ein christliches Thema - ob aus Alten oder Neuen Testament - mit viel Kraft, Liebe und Emotionen dem Betrachter näher zu bringen. Daher würde meine Antwort auf diese doch ▶

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Aus der Dompfarre

Die geheimnisvolle Kette Bischof Erwin Kräutler über eine Kette, die den Himmel mit der Erde und die Menschen rund um die Welt verbindet: den Rosenkranz Gerade elf Jahre war ich alt, als mich im Xaveriushaus in Feldkirch, in dem ich „intern“ war, Bruder Benedikt fragte, ob ich nicht dem Kreuzzug des Franziskanerpaters Petrus Pavlicek beitreten und mich verpflichten wolle, jeden Tag wenigstens ein Gesätzchen des Rosenkranzes zu beten. Ich nahm an und erinnere mich noch genau an das Formblatt, das er mir gab. Ich füllte es aus und unterschrieb es mit gewissem Stolz. Es war wohl eines der ersten Formulare meines Lebens, das ich unterschrieb. Der Rosenkranz gehörte zur Tradition meiner Familie. Meine erste Erinnerung stammt aus dem Jahre 1942. Mein Vater, in Uniform, nahm mich und meine ein Jahr jüngere Schwester in der Stube nacheinander auf den Arm und zeichnete uns mit Weihwasser das Kreuzzeichen auf die Stirn. Dann war Dädi auf einmal nicht mehr da! Mama war schwanger. Mama und Ahna1, meine Schwester und ich blieben zurück. Warum war Dädi weggegangen? Kinder werden in alle Ewigkeit nicht verstehen, warum es Krieg gibt. Wenn ich an diese Zeit denke,

dann denke ich auch an den Rosenkranz in den Händen meiner Mutter. Das erste Gebet, das Mama uns Kinder lehrte, war denn auch das „Gegrüßt seist du, Maria“. Erst nachdem wir dieses Gebet konnten, lernten wir das Vaterunser. Ein weiteres Ereignis, das sich tief in mein Gedächtnis eingeprägt hat, gab es anfangs der Fünfziger Jahre. September

sche Soldaten über den Marktplatz oder sonst wo in der Stadt, und das lautstarke Kommando drang sogar bis in unsere Klassenzimmer: „un – deux“ „un – deux“ „un – deux“. Zuhause hieß es nach den spärlichen Mittagsnachrichten in deutscher Sprache plötzlich im Radio: „Ici Paris, radio division français, programme national“. Da die allermeisten Vorarlber-

»Der Rosenkranz wurde zum Symbol der nie aufgegebenen Hoffnung auf Freiheit.« Bischof em. Erwin Kräutler 1953. Die Schule hatte soeben begonnen und ich war im Bundesgymnasium Feldkirch in die 3. Klasse aufgestiegen. Zu Latein kam nun Griechisch dazu. Auf der Schattenburg wehten die Farben Frankreichs Blau-Weiß-Rot. Beinahe jeden Tag exerzierten und marschierten französi-

ger aber kein Französisch verstanden, war diese Ansage das Zeichen zum Ausschalten des Radios. Übrigens gab es in den Schulen kein Lehrfach „Deutsch“. Im Stundenplan hieß es „Unterrichtssprache“.

Gebet für „die Freiheit Österreichs“ ▶ wichtige Frage lauten: Ja, Gott kann beispielsweise auch in einem Gemälde „wohnen“. So sind es beispielsweise Gemälde in Kirchen, oder auch Andachtsbilder, die Menschen helfen, sich Gott näher zu fühlen, ihnen Trost zu spenden und ihren Glauben zu stärken. In diesem Zusammenhang habe ich auch einige besondere Erinnerungen an den Maler Herbert Boeckl, meinen geliebten Großvater. Als tief religiöser Mann war es ihm stets ein Desiderat, seinen Glauben und Bezug zu Gott in seinen Gemälden festzuhalten und diesen so mit anderen Menschen teilen zu können. Dabei sind einige sehr intime Werke entstanden, wie zum Beispiel das Porträt der Heiligen Thérèse von Lisieux oder

Fresken für Kirchen, wie jene in der Basilika in Seckau. Ich selbst habe ihn für dieses Anliegen und seinen tiefen Glauben immer sehr bewundert. Einmal traf er folgende Aussage, die in meinen Augen auch noch heute eine gewisse Gültigkeit hat: „Und doch glaube ich, dass der moderne Künstler für diese Welten da ist. Ja, er kann gewählt werden in einem Augenblick, über dessen Helligkeit er sich lange nicht bewusst geworden ist. Wohl ein Versuch, Innerstes aufzumalen, in Bezug auf ein Geschöpf, zu dem man durch geheime Liebe verbunden ist. Und ich glaube, dass kaum eine andere Zeit, so miteinander wie die gegenwärtige, um die Kräfte des Himmels gerungen hat.“ ■

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Bis in die kleinsten Details spürten wir, dass Österreich nicht frei war. Ausländische Mächte besetzten unsere Heimat. Eine Viertelstunde zu Fuß von meinem Elternhaus entfernt, am anderen Ufer des „Vater Rhein noch jung an Jahren“2 lebte jedoch ein Volk in Freiheit und Frieden. Die Schweiz hatte keinen Krieg. Dort wehte das weiße Kreuz auf rotem Grund. Unser Rot-Weiß-Rot aber war nur 1 „Dädi“ war in Vorarlberg der Kosename für Vater, „Ahna“ für Großmutter. 2 Zweite Strophe der Vorarlberger Landeshymne: „Du Ländle, meine teure Heimat, wo längst ein rührig Völklein weilt, wo Vater Rhein, noch jung an Jahren, gar kühn das grüne Tal durcheilt; hier hält man treu zum Heimatlande und rot-weiß weht es in der Luft. O Vorarlberg, will treu dir bleiben, bis mich der liebe Herrgott ruft“.

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Foto: Kati Bruder/ Medienbüro/ Ordensgemeinschafen Österreich

Im September 2017 wird Erwin Kräutler, emeritierter Bischof vom Xingu, bei der Mariä-Namen-Feier im Stephansdom zu Gast sein.

bei der Fronleichnamsprozession an den Wohnhäusern geduldet, jedoch an keinem öffentlichen Gebäude. So begann ich immer mehr den Aufruf des Rosenkranzsühnekreuzzugs zu inständigem Gebet für „die Freiheit Österreichs“ zu verstehen. Wir wollten unser Österreich ohne fremde Soldaten. Ich kann mich gut erinnern, wie in den Tagen nach dem 12. September 1953 Zeitungen und Zeitschriften von 50.000 Menschen berichteten, die an der Maria-Namen-Prozession über die Wiener Ringstraße teilnahmen und den Rosenkranz beteten, allen voran Bundeskanzler Julius Raab und Außenminister Leopold Figl. Ein beeindruckendes Foto zeigte die beiden österreichischen Spitzenpolitiker betend mit Kerzen in ihrer Hand. Die Verhandlungen mit den Besatzungsmächten dauerten ja schon Jahre und es erschien kein Licht am Ende des Tunnels. Eine halbe Million Frauen und Männer, Jugendliche und alte Menschen klammerten sich an den Rosenkranz. Er wurde inzwischen zum Symbol der nie aufgegebenen Hoffnung auf Freiheit. Aber wann kommt sie? Wie viele Jahre wird es noch dauern? Im Februar 1954 fand in Berlin eine Außenministerkonferenz der Siegermächte statt. Der Österreichische Staatsvertrag war eines der Themen. An der Spitze der Österreichischen Delegation waren Außenminister Leopold Figl und Staatssekretär Bruno Kreisky. Die Erwartungen waren hoch. Diesmal musste der Durchbruch gelingen: der Staatsvertrag. Und entsprechend groß war die Enttäuschung, als am 19. Februar 1954 die Österreichische Delegation unverrichteter Dinge nach Wien zurückkehrte. Molotows „Njet“ hatte den Traum von einem „freien Österreich“ wieder zerschlagen. Die Sowjetunion ging von ihren Forderungen nicht ab, die Besetzung Österreichs auch nach Abschluss eines Staatsvertrages fortzusetzen. Aber, wie kann ein Staat unter Kontrolle und Besatzung

eines anderen Staates seine Souveränität behaupten? Die Hoffnung aber blieb! In Brasilien sagt man: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Kardinal Schönborn hat dieses brasilianische Sprichwort in seiner Silvesteransprache 2015 revidiert und ich pflichte ihm voll bei: „Die Hoffnung stirbt überhaupt nicht“. Ja, die Hoffnung starb nicht. Aber es musste ein Wunder geschehen. Und es geschah viel schneller als der kühnste Optimist sich vorstellen konnte. Am 15. Mai 1955 hörten wir aus dem Radio die Stimme unseres Außenministers Leopold Figl: „Österreich ist frei!“. So manche der sonst eher trockenen Vorarlberger bekamen nasse Augen. Auf der Schattenburg in Feldkirch wurde endlich die rot-weiß-rote Fahne gehisst. Ja, es war ein Wunder! Ein Jahr zuvor zeigte Molotow mit seinem „Njet“ Österreich noch die kalte Schulter. Nun plötzlich aber gaben die Russen doch ihre Zustimmung zum Staatsvertrag. Bundeskanzler Julius Raab war dann auch überzeugt: „Wenn nicht so viel gebetet worden wäre, so viele Hände in Österreich sich zum Gebet gefaltet hätten, so hätten wir es wohl nicht geschafft!“ Der Rosenkranz hat mich in meiner Jugend immer begleitet. Ich betete ihn allerdings meist lieber allein, wenn ich beispielsweise im Zug oder anderen Öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war. Ich fand ihn immer als eine besondere Form der Meditation. Das Gebet

des Herrn und die zehn Ave Maria sind sozusagen die Begleit- oder Hintergrundmusik für die Kontemplation der verschiedenen Stationen des Lebens Jesu, seines Leidens und Todes und seiner Auferstehung, verwoben mit unserer persönlichen Geschichte.

Ein Reisebegleiter rund um die Welt Dieses Gebet ist auch eng mit meinem Einsatz für die Menschen am Xingu und Amazonas verbunden. Nach der Priesterweihe in Salzburg am 3. Juli 1965 hatte ich noch einige Monate zu warten bis zu meiner Abreise nach Brasilien. Vor der großen Reise mit der „Emsstein“, einem Frachtschiff der Norddeutschen Lloyd machte ich, wie schon so oft, eine Wallfahrt nach Maria Einsiedeln. Ich wollte die schwarze Madonna um den Reisesegen bitten. Vor der Basilika fiel mir ein von Schwestern betreuter Verkaufsstand auf. Das blaue Kopftuch und das Herz mit dem Kreuz auf der Brust sind das untrügliche Zeichen für die Kleinen Schwestern Jesu der Gemeinschaft von Charles de Foucauld. Sie boten Kerzen und Rosenkränze an. Und da fiel mir plötzlich ein eher grobschlächtiger hölzerner Rosenkranz auf. Ich kaufte ihn und sagte den Schwestern, dass ich ihn nach Brasilien mitnehmen werde. Dieser Rosenkranz begleitete mich zuerst auf der Reise über den Atlantik und dann auf allen weiteren Reisen. 1980 wurde ich zum Bischof ernannt und am 25. Jänner 1981 ▶

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▶ erhielt ich in Altamira die Bischofsweihe. Meine Leute wollten, dass ich sie als Bischof immer wieder vor Ort besuche, und ich war deshalb immer mehr als die Hälfte des Jahres unterwegs zu den Gemeinden. Seit den siebziger Jahren gehören die Basisgemeinden zur kirchlichen Landschaft am Xingu und Amazonas. Es war die Zeit des Baus und der Kolonisation der Transamazônica. Tausende Familien kamen aus anderen Bundesstaaten Brasiliens in unser Bistum. Die Leute, die

eintrafen, fühlten sich zunächst wie auf einem anderen Planeten. Menschen, die sich nie im Leben gesehen hatten sollten plötzlich Nachbarn werden und miteinander eine gemeinsame Zukunft gestalten. Viele fühlten sich entwurzelt, hineingeworfen in eine unbekannte Welt, träumten in den tropisch feuchten Nächten vom Dorf, das bisher ihre Heimat war, und weinten sich die Augen rot. Wir waren nur ein paar junge Priester am Xingu und total überfordert. Aber diese Menschen waren allesamt Chris-

ten. Auf einmal kam es irgendeiner Familie in den Sinn, Nachbarn zum abendlichen Gebet und darauffolgenden Cafezinho einzuladen. Es war das Rosenkranzgebet. Irgendeine Frau kannte die Gesätzchen und deren Reihenfolge. An vielen Orten war der Rosenkranz der Anfang des Gemeindelebens in kirchlichen Basisgemeinden, und für viele war er lange Zeit die einzige Form von „Gottesdienst“. Wir erfuhren davon oft erst später als jemand kam und uns bat, einmal vorbeizukommen, eine heilige Messe zu feiern und die Kinder zu taufen. Ja, kirchliche Basisgemeinden begannen in vielen Fällen mit dem Rosenkranz! Ich verstehe es bis heute nicht, warum manche kirchliche Instanzen in Europa diesen Gemeinden so viel Misstrauen entgegengebracht haben. Hinter aller Skepsis steckte wohl ein gerüttelt Maß an Unkenntnis und Voreingenommenheit. Es gab katholische Zeitschriften, die Basisgemeinden mit Marxismus und Kommunismus in Verbindung brachten und sogar so weit gingen, Priester zu beschuldigen, die Leute für eine blutige Revolution zu bewaffnen. Kirchliche Basisgemeinden waren nach den großen Konferenzen des lateinamerikanischen Episkopats in Medellin (1968) und Puebla (1979) ganz sicher eine neue - ach so alte! - Weise, Kirche zu sein, die sich am Modell der urkirchlichen Gemeinden orientierte. Und wenn ich daran denke, dass viele von ihnen schlicht und einfach mit dem Rosenkranz begonnen haben, dann kann ich über die tendenziösen Kommentare nur den Kopf schütteln. Der Rosenkranz hat in diesen Gemeinden seinen Stellenwert bis heute nicht verloren. Wie oft bin ich schon zum abendlichen Rosenkranzgebet eingeladen worden! Und danach zu Fruchtsäften und Kuchen! Der 16. Oktober 1987 wurde für mich zu einem „zweiten Geburtstag“. Auf halber Strecke zwischen Altamira und Brasil Novo kam es zu einem grauenvollen „Unfall“. Ein Lastwagen rammte absichtlich meinen PKW. Neben mir saß Padre Salvatore, ein Xaverianermissionar aus Ardauli, Sardinien, 31 Jahre alt. Er war so-

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fort tot. Ich kam mit dem Leben davon, verbrachte aber sechs Wochen im Krankenhaus. Nach den Erste-Hilfe-Sofortmaßnahmen in Altamira wurde ich per Flugzeug ins Spital Guadalupe in Belém überstellt. Vor der Abreise bat ich um meinen Rosenkranz und sagte, er befinde sich ganz sicher im Wrack des Autos. Jemand fand ihn. Es war immer noch der grobschlächtige Rosenkranz, den ich 1965 vor meiner Abreise in Maria Einsiedeln bei den Kleinen Schwestern Jesu erworben hatte. Blutbefleckt! Ich weiß nicht, ob es das Blut des Padre Salvatore war oder meines, das an ihm klebte. Immerhin, der Rosenkranz begleitete mich wieder auf einer Reise, diesmal schwer verletzt. Wie oft betete ich ihn in den schlaflosen, endlos scheinenden Nächten im Spital! Zwei Monate nach dem „Unfall“ war ich zurück am Xingu. In den vergangenen Jahrzehnten unternahm ich unzählige Pastoralreisen an Bord eines kleinen Schiffes zu den Gemeinden entlang der Flüsse und Nebenflüsse oft bis hinauf zum Quellgebiet. Zehntausende Kilometer legte ich auf naturbelassenen staubigen oder verschlammten Straßen zurück, um bis zur letzten kleinen Siedlung am Ende irgendeiner Nebenstraße zu gelangen. Wie oft habe ich in tagelangen Flussreisen und sehr mühsamen sowie aufreibenden Reisen im Jeep still den Rosenkranz gebetet, manchmal auch laut mit Leuten, denen ich Mitfahrgelegenheit angeboten hatte. Sie kannten dieses Gebet und freuten sich mitbeten zu dürfen. Am 16. Oktober dieses Jahres starb mein Mitbruder Pater Fritz Tschol aus St. Anton am Arlberg. Er war sechsundzwanzig Jahre lang mein Generalvikar und hatte dieses Amt schon bei meinen zwei Vorgängern im Bischofsamt inne. Beinahe 60 Jahre diente er in beispielloser Hingabe und unermüdlichem Einsatz dem Volk Gottes am Xingu. Auf der Brust des Leichnams ruhte das Missionskreuz und seine verblassten Hände waren umschlungen vom Rosenkranz. Es war nicht ein Rosenkranz, sondern sein Rosenkranz. Er betete ihn täglich. Als der Sarg verschlossen werden sollte, fragten

Foto: Kati Bruder/ Medienbüro/ Ordensgemeinschafen Österreich

Aus der Dompfarre

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mich einige Leute ob sie das Kreuz und den Rosenkranz nun wegnehmen sollten. Ich winkte ab. Der Rosenkranz zwischen den Fingern des verstorbenen Pater Fritz gehört zur Identität des Verstorbenen und eines jeden Priesters, bis seine Abschiedsstunde schlägt.

Es ist eine geheimnisvolle Kette die uns vom tropischen Regenwald mit dem Himmel verbindet. Oder, um es den Menschen am Arlberg und im „Land der Berge, Land am Strome“ anschaulicher zu erklären, das Kletterseil, das uns hilft, die in der Sonne Gottes gleißenden Zin-

nen und Gipfel der ewigen Liebe zu erklimmen. Nie im Alleingang, sondern in einer Seilschaft zusammen mit unzähligen Schwestern und Brüdern! Altamira, 11. November 2016, Sankt Martin von Tours ■

Foto: DDSG/Blue Danube

100 Jahre Fatima – 70 Jahre Rosenkranz-Sühnekreuzzug . Das neue (Kirchen-) Jahr schenkt uns ein Jubiläum, das von der 100 Jahr-Feier des weltberühmten portugiesischen Wallfahrtsortes Fatima und dem 70 Jahr-Jubiläum der mit ihm verbundenen Gebetsgemeinschaft um Frieden in der Welt, dem Rosenkranz-SühneKreuzzug, geprägt sein wird. Der RSK ist vielen Stephanern ein Begriff, nicht nur aufgrund der geographischen Nähe der Franziskanerkirche zum Dom. Unter der Patronanz von Kardinal Dr. Christoph Schönborn und Erzbischof Dr. Franz Lackner ist der RSK in mehreren hunderttausenden Mitgliedern aktiv. Mit seinem Gründer, P. Petrus Pavlicek, ist eine der großen charismatischen Persönlichkeiten des Franziskaner-Ordens der jüngeren Vergangenheit im Jubiläum präsent. Unter dem Motto „Beten für den Frieden“ verband P. Petrus Millionen Menschen in vielen Ländern der Welt in einem Apostolat, durch das viel Segen zu erbitten möglich war – zunächst für Österreich, später über alle Grenzen hinweg. P. Petrus‘ bekanntes Wort „Geeintes Gebet ist eine Macht, die Gottes Barmherzigkeit auf diese Welt herabzieht“ scheint sich angesichts des aktuellen globalen Zustands als Gebot der Stunde zu empfehlen. Eröffnet wird das Jubiläum am Mittwoch, 14. Dezember 2016 durch den Apostolischen Nuntius, Erzbischof Dr. Peter Stephan Zurbriggen, in der Franziskanerkirche. Die Franziskanerkirche und der Stephansdom werden Pole sein im Jubeljahr. In speziellen Feiern der österreichischen Diözesanbischöfe in den großen Wallfahrtskirchen sind auch alle Bundesländer in

das Jubiläum eingebunden, ebenso die Vereinigung der Ordensgemeinschaften in Österreich. Ein ganzes Jahr hindurch gibt es ein Festprogramm, das über liturgisches Feiern weit hinausgeht; die Vielfalt der thematischen Aspekte sowie die Attraktivität des Programms waren dem Koordinationsteam ein Anliegen. Die bemerkenswerte Biographie des P. Petrus sollte ebenfalls ins Jubiläum einfließen. Dementsprechend gibt es Veranstaltungen für Kinder (u. a. ein ganztägiges City-Kirchen-Entdeckungsfest), eine Donau-Schiffswallfahrt mit Feuerwerk,

Festkonzerte, Klosterpfade, ökumenische Diskussionen und politisch-historische Vorträge mit prominenten Referenten, eine Mariazell-Wallfahrt, einen Radio-Gottesdienst am Weltfriedenstag, eine Flugreise nach Fatima, das „Sommerkino“ in der Franziskanerkirche, einen ORF/ZDF-Fernsehgottesdienst, ein Festmahl für die Armen von Wien und vieles andere mehr. Das detaillierte Programm liegt in allen Innenstadt-Kirchen zur Mitnahme auf. Digital ist es auf der neu gestalteten Homepage www.rsk-ma.at abrufbar.

Einer von 40 Programmpunkten im Jubiläumsjahr: Wiener Schiffsprozession mit „Feuerwerk zu Ehren der Gottesmutter“ (telefonische Anmeldung unter 01/512 69 36, bis 22. 12. ’16 und ab 10. 1. ’17 jeweils Mo–Do 9.00–12.00)

Termine der nächsten Zeit: ▶ Mi, 14. Dezember 2016, 18.00 Uhr, Franziskanerkirche Wien I Festgottesdienst zur Eröffnung des Jubiläumsjahres ▶ So, 1. Jänner 2017, 10.00 Uhr, Übertragung live aus der Franziskanerkirche ORF-Radiomesse am Weltfriedenstag ▶ Di, 10. Jänner 2017, 19.00 Uhr, Refektorium d. Franziskaner, Wien I, Franziskanerpl. Comeback nach dem Austritt? – Mit Otto Pavlicek auf Heimatsuche Podiumsgespräch zu Kirchenaustritt/Wiederaufnahme (u. a. mit Dompfarrer Faber) ▶ Di, 7. Februar 2017, 18.30 Uhr, Festsaal d. Alten Rathauses, Wien I, Wipplinger Str. 8 „Österreich ist frei!“ – Die politische Dimension des RSK Vortrag von Bezirksvorsteher MMag. Markus Figl (Großneffe von Dr. Leopold Figl) ▶ So, 19. Februar 2017, 15.30 Uhr, Franziskanerkirche Wien I Festgottesdienst zum 70-jährigen Gründungsjubiläum des RSK

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Aus der Dompfarre

Der »Fürst unt e Mystikern« zu G

Die Dompfarre hat einen Fürsprecher im Himmel mehr: unseren lieben Domkurat Bernhard Ruf

1

Mein guter RUF ist weg! Nach langem schwerem Leiden, das er mit bewundernswerter Geduld und stiller Ergebenheit bis zum Ende ertragen hat, hat Gott unser Vater unseren lieben Bernhard, hw. Herrn Domkuraten Msgr. Mag. Bernhard Ruf, am 28. September 2016 im 63. Lebensjahr heimgeholt. Nach seinen Kaplansjahren in den Pfarren Hollabrunn und Neuottakring wirkte Bernhard 24 Jahre mit unermüdlichem Eifer als Priester segensreich in Ecuador (Südamerika), wo er auf pastoralem und auf sozialem Gebiet Großes vollbringen konnte. Als sein Leidensweg mit der ersten Beinamputation begann, ging er mit Überzeugung und mit Hilfe einer Beinprothese zurück in sein Aufgabengebiet nach Ecuador, wo noch viel Arbeit auf ihn wartete. Erst der Verlust seines zweiten Beines machte klar, dass er jetzt in seiner Heimat bleiben musste. Trotzdem er an den Rollstuhl gefesselt war, übernahm er die Leitung des Missionsreferats in der Erzdiözese und half bei der Seelsorge am Dom bei der Feier der Eucharistie und im Beicht- und Ausspra-

chezimmer engagiert mit. Außerdem wirkte er als Krankenseelsorger im AKH, wo er am Krankenbett vielen Patienten gerade als Beinamputierter glaubwürdig Trost und Hoffnung zusprechen konnte. Eine heimtückische Krebserkrankung und die notwendigen Chemo-Therapien zwangen ihn, seine pastoralen Dienste immer mehr einzuschränken und zuletzt ganz aufzugeben. Bei seiner Beerdigung in Stetteldorf am Wagram sagte unser Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn am Ende seiner Predigt, dass Bernhard durch seine Leiden „himmelreif“ geworden ist. Es ist unsere tiefe Überzeugung, dass „unser guter Ruf“ nicht weg ist, sondern dass wir in ihm einen guten Fürsprecher bei Gott haben. ■ Rudolf Prokschi, Weihekollege von Bernhard Ruf 1 Diese Aussage wurde bei einem bunten Abschiedsabend, der vor vielen Jahren im Priesterseminar stattfand, dem damaligen Bischofsvikar von Wien-Stadt P. Josef Zeininger OSFS in den Mund gelegt, als Bernhard Ruf nach Ecuador aufbrach.

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Den Freunden der Mystik vielleicht weniger bekannt als ein Meister Eckehart oder eine Teresa von Avila, dennoch bezeichnete Leo XIII. den hl. Bonaventura als „Fürst unter allen Mystikern“. Itinerarium mentis in Deum, zu dt. „Der Weg des Menschen zu Gott“ kann als sein Hauptwerk in mystischer Hinsicht betrachtet werden. „Die Sehnsucht wird in uns auf doppelte Weise entzündet: Zum einen durch das Rufen im Gebet, worin sich das Seufzen des Herzens Bahn bricht, dann durch den Blitz im Denken, wodurch sich der Geist geradewegs und mit allen Kräften den Strahlen des Lichtes zuwendet.“ Diesem Grundgedanken entsprach die Auswahl der Texte für die Nacht der Mystik, welche die Lektoren der Dompfarre vortrugen. Domorganist Mag. Ernst Wally ergänzte den textlich vorbereiteten Weg der Mystik musikalisch u. a. durch Werke von J. J. Froberger und Max Reger. Gemäß dem Konzept der Nacht

Fotos: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Texte des heiligen Bonaventura standen im Mittelpunkt der Nacht der Mystik am 4. November 2016 im Stephansdom. Von Johannes Berchtold

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nter den u Gast im Dom

Foto: Musger: Domarchiv

der Mystik waren die Teilnehmer eingeladen, den Weg der Mystik in dreifacher Form mitzugehen: textlich, musikalisch und räumlich. Die Pilgramkanzel, die Vierung und der Altarraum waren die Stationen, welche im sehr ansprechend beleuchteten Stephansdom dem Weg zum Ziel der Mystik Raum gaben. Die Mesner des Domes gaben durch ihre Arbeit im Hintergrund auch heuer wieder ihr Bestes, um die sehr gut besuchte Nacht der Mystik zu einem Erlebnis werden zu lassen. Eine profunde Einführung zu Leben und Werk des hl. Bonaventura bot Prälat Univ. Prof. Dr. Josef Weismayer den Besuchern gleich zu Beginn. Dompfarrer Toni Faber begrüßte die Gäste, spendete den Schlusssegen und stand bei der abschließenden Agape noch für persönliche Gespräche zur Verfügung. Alles in allem wiederum ein gelungenes Fest zur Verbreitung und Wertschätzung der Mystik in der Gegenwart. ■ Literaturhinweis: BONAVENTURA, Itinerarium mentis in Deum, Der Weg des Menschen zu Gott. Übersetzt, erläutert und mit einem Nachwort versehen von Dieter Hattrup, 1997 by Dieter Hattrup, Paderborn.

Domkurat Prälat Josef Musger mit seinem Neffen Bischofsvikar Toni Berger

In der Gemeinschaft der Curpriester wieder jung geworden In Memoriam Prälat Josef Musger. Gedanken zu seinem 10. Todestag von Weihbischof Helmut Krätzl Vor zehn Jahren ist Josef Musger im Alter von 97 Jahren gestorben. Ich habe ihn kennengelernt, als er im Jahr 1955 Pfarrer in St. Stephan in Baden wurde und ich im zweiten Kaplansjahr war. Ich habe kaum je einen anderen Priester erlebt, der seinen Seelsorgsauftrag so radikal ernst genommen hat. Er hat sich selbst und auch denen, die ihm anvertraut waren, vieles abverlangt. Fast ängstlich war er bei der Auslegung der Moralgesetze, und doch hat er es verstanden, viele anzusprechen. Als ich Jahre später einen Einkehrtag für Ehepaare hielt, erlebte ich junge Familien, die ganz tief von der Spiritualität Musgers geprägt waren. Eine besondere Ehrfurcht hatte er vor der Liturgie. Deshalb hat er sich auch die Betreuung der Ministranten vorbehalten, obwohl mehrere Kapläne da waren. Ein besonders eifriger Jugendlicher war damals Toni Berger, gerade 15 Jahre alt, später Sekretär bei Kardinal König, dann auch Bischofsvikar für Wien Stadt. Tonis Idee war es, Musger nach dessen

Pensionierung, gleichsam als „Aushilfskaplan“ in die Dompfarre zu bringen. Wir erlebten hier einen erstaunlichen, neuen „Reifungsprozess“. Mit über 80 Jahren hat er neu gelernt, Kinder anzusprechen. Im Beichtstuhl ist er zu einem verständnisvollen, milden Berater geworden. Er war oft bei mir, wir haben über Sünde und Barmherzigkeit gesprochen, und ich staunte, wie sein Blick sich seit der Badener Zeit erweitert hatte. Den Curpriestern wurde er ein guter Freund, der mit ihnen Pflicht und Freizeit teilte, sogar mit ihnen wandern ging. Für alle, besonders für Ältere ist er ein Vorbild, wie ein Mensch im Alter noch wachsen, reifen und sich zu einer vollen Menschlichkeit entfalten kann. In der Predigt bei der Begräbnismesse, am 14. August 2006 sagte ich: „Lieber Josef, im Namen vieler Priester danke ich Dir für dein Priesterleben. Du bist uns ein großes Vorbild geworden durch dein Verantwortungsbewusstsein, aber auch durch deine überall spürbare Liebe. Lass sie uns weiterhin angedeihen von dort, wo alle Fülle der Liebe und der Freude ist, in der Herrlichkeit Gottes. Von ihr hast Du so oft gepredigt, auch auf sie gehofft. Sie ist Dir nun auf ewig geschenkt.“ ■

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Aus der Dompfarre

Blitzlichter aus St. Stephan

▲ Weltmissions-Sonntag am 23. Oktober 2016: Eine tamilische Familie aus Indien überreicht Weihbischof Franz Scharl die Gaben für die Eucharistiefeier im Wiener Stephansdom. Auch dieses Jahr nahmen wieder viele Mitglieder der anderssprachigen Gemeinden am Festgottesdienst teil.

▲ Der Chor der englischsprachigen afrikanischen Gemeinde sorgte mit fröhlichen, afrikanischen Rhythmen für viel Schwung während des Gottesdienstes.

▲ Der 1700. Geburtstag des heiligen Martin wurde auch im Stephansdom feierlich begangen: Am 6. November 2016 feierte Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics im Rahmen eines Festgottesdienstes den „Tag des Burgenlandes“. 32 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016

▲ Unserem Domkuraten Timothy Mc Donnell herzliche Gratulation zum Fünfziger!

Fotos: Festmahl: Stella Biehal-Vidmar | Weltmissionstag: Missio | Martinusfest: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at | Mc Donnell: Stella Biehal-Vidmar

◀▲ Auch heuer wurde im Oktober für das Festmahl des Nächsten fleißig gekocht und herrliches Essen zubereitet. Die Freude, anderen etwas Gutes tun zu können, war groß.

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Von unberührter Wildnis und kaiserlicher Hochkultur Karin DOMANY berichtet vom Pfarrausflug in den Nationalpark Donauauen Eckartsau, wohin wir nach Führung und Mittagessen in Orth wieder zurückkehrten – nicht in die Kirche, sondern in den prachtvoll gestalteten Schlosspark des Ortes. Dort luden gemütliche Liegestühle zum „Chillen“ und das Schlosscafé im sonnendurchfluteten Barockhof zum Ausruhen ein. Treppauf, treppab tauchten wir dann bei der sehr lebendig gestalteten Führung durch das Schloss in die „kleine Welt mit großer Geschichte“ ein. Wir begaben uns auf die Spuren der bewegten

Zeit von Thronfolger Franz Ferdinand, der das Schloss nach einem langen Dornröschenschlaf wieder zum Leben erweckte, und von Kaiser Karl, der hier mit seiner Familie nach der Verzichtserklärung im November 1918 einen letzten Zufluchtsort fand. Die, die mit waren, genossen den Tag, der uns wider Erwarten statt Regen Sonne brachte, und waren mit Freude und Interesse gemeinsam unterwegs. In dieser guten Stimmung klang der Tag gemütlich beim Heurigen Christ in Jedlersdorf aus. ■

Foto: Domany

So einen (lebens)großen Donaustör haben wir an diesem schönen Ausflugssonntag nicht zu Gesicht bekommen, dafür aber viele andere, in unseren Donauauen heimische Tier- und Pflanzenarten! Unter der fachkundigen Führung durch einen Nationalparkranger lernten wir auf der „Schlossinsel“ Orth unter und über der Erde viel Faszinierendes über die uralte Lebensvielfalt – erhalten und geschützt - im Nationalpark Donauauen. Unser diesjähriger Pfarrausflug startete mit unserer persönlich gestalteten hl. Messe in der kleinen Pfarrkirche von

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Aus der Dompfarre

Mit liebenswürdigem Blick auf den anderen schauen In Podersdorf beschäftigten sich der Pfarrgemeinderat und einige Stephaner mit der Liebe … Von Karin Domany Ehrlichkeit und Offenheit dieser Berichte, bei denen sich niemand ausschloss, waren für mich persönlich sehr berührend und erfüllten mich mit Dankbarkeit, dazu gehören zu dürfen! Die Zeit, die wir dafür aufwendeten, war wertvoll und sinnvoll genützt. Für den Samstagvormittag ließen wir uns zur Einstimmung auf die Poesie des alttestamentlichen „Hohelieds“ ein. Der Schwerpunkt unseres Arbeitens galt dann dem berühmten „Hohelied der Liebe“ von Paulus (1 Kor 13) – das Papst Franziskus im vierten Kapitel seines Rundschreibens Satz für Satz und Haltung für Haltung meditierte. In Kleingruppen tauschten wir uns bei strahlendem Sonnenschein im Freien über einzelne Abschnitte daraus aus. Alle Werte, die Paulus und der Heilige Vater hier nennen, können als Anstoß zum Nachdenken auch über unser Zusam-

menleben in der Dompfarre gesehen werden. In diesem Sinn schöpften wir viel Mut und Zuversicht für unser weiteres Arbeiten. Beim abschließenden Bibelteilen ließen wir uns ganz bewusst noch einmal auf den ganzen Paulustext ein. Höhe- und Schlusspunkt der gemeinsamen Stunden war die hl. Messe zu Mittag, in der wir alle Anliegen, Sorgen, Bitten, aber auch unsere Freude und unseren Dank vor Gott brachten. Und natürlich kam auch bei dieser Klausur das gemütliche Beisammensitzen bei gutem Essen und dem hervorragenden burgenländischen Wein nicht zu kurz! Dank des herrlichen Spätsommerwetters, das uns geschenkt wurde, konnten wir bis Mitternacht im Freien sitzen und beim Mittagessen am Samstag die schon verblassende Sommerbräune auffrischen! ■

Fotos: Dompfarre

Das Thema unseres letzten Herbstpfarrblattes: „In der Liebe wachsen“ haben wir auch als Leitmotiv für unsere diesjährige Klausur gewählt. Anstoß für unsere Überlegungen gab das jüngste, viel diskutierte päpstliche Schreiben „Amoris Laetitia“ – „Die Freude der Liebe“ – in der es um Werte und Haltungen geht, die weit über die innige Beziehung in Ehe und Familie für jede Form des Miteinander-Lebens – auch als Pfarrfamilie – Denkanstoß sein können. Für die Eröffnungseinheit war eine umfassende Einführung in das päpstliche Schreiben durch unseren Dompfarrer geplant. Die fiel aber dann sehr knapp aus, weil wir alle – ähnlich wie die Bischöfe bei der Synode in Rom – von ihm eingeladen waren, die zum Teil idealisierten Gedanken über die Liebe zu „erden“, indem wir einander unsere eigenen Familiengeschichten erzählten. Die

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für den neu anbrechenden Tag zu sagen. Auch bei den vielen anderen Aktivitäten brachten sich alle ihrem Wesen und ihren Begabungen nach hervorragend ein. Wirklich beachtenswert waren dabei so manche Tonskulpturen, die zu unterschiedlichen Gebeten gestaltet wurden. Ein Bursch ließ sich für seine sehr berührende Figur von folgendem Gebetstext inspirieren:

Wegen Überfüllung (beinahe) geschlossen! Unser Firmwochenende auf der Burg Wildegg. Von Karin Domany

Foto: Domany

Noch nie hatten wir in der Dompfarre so viele Firmkandidaten, nämlich 76, und noch nie wurde die Einladung zum verpflichtenden Startwochenende so ernst genommen: 74 voll motivierte Jugendliche brachten für 48 Stunden Leben in die alten Burgmauern, und eine ausgeklügelte Logistik ermöglichte – o Wunder allen einen Schlafplatz – auch dem Firmbegleiterteam und unserer Jugend St. Stephan, die heuer wieder die hervorragende Verpflegung der großen Schar übernommen hatte. Sogar das System der Essensausgabe im mit Tischen vollgestellten Essensraum funktionierte von Mahlzeit zu Mahlzeit besser.

Das Stillwerden, das manchmal so wichtig ist, gelang trotz der großen Zahl bestens: besonders beim vertrauensvollen Sich-Fallen-Lassen oder Sich-TragenLassen, und beim guten Miterleben der Körpermeditation, die unser lieber Dompfarrer Toni so trefflich mit seinen Worten begleitete. Nach eher kurzer Nachtruhe bringt Bewegung Körper und Geist in Schwung: vor allem unsere jungen Damen (aber natürlich auch die Herren) bemühten sich redlich, den sportlichen Anforderungen der Profis in unserer Jugend beim Morgensport gerecht zu werden, um dann mit einem kurzen Gebet „Danke“

Oh mein Gott! Wie ein Mensch zweiter Klasse, so fühle ich mich, ein Mensch ohne Chance. Verzweifelt, machtlos – ich kann nichts dagegen tun. Kann nicht mehr stehen, ausgeliefert und ohnmächtig. Resigniert, ich habe mich damit abgefunden. Keiner schaut mich mehr an, Verlassenheit und Einsamkeit, Schmerz und Traurigkeit hüllen mich ein. Oh mein Gott!

Das Wochenende war ein wirklich gelungener Start in ein vielversprechendes Firmjahr 2016/17. Mit Gottes Hilfe wollen wir den Weg zur Firmung im Juni gemeinsam gehen! ■ Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016 35

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Aus Chronik der Dompfarre Nives Hafner-Auinger, Hannah Kases, David Kases, Matthias Wildeis, Felix Dworschak, Raphael Nageler, Elisabeth Schrank, Hanna Ferenczi, Emilia Reiter, Leopold Rauch, Marie Aulebauer, Marie Fischer, Felix Dejaco-Gherardini, Helena Dejaco-Gherardini, Kristian Hanna, Kristina Hanna, Lena Bogner, Fanny Neuhauser, Elisa Dang, Elise Thurner, Benjamin Landner, Amelie Varmaz, Benedikt Almassy, Lillien Auersperg, Zoe Milde-Klvana, Finley Sunder-Plaßmann, Maurizia Renner, Maxima Renner, Clemens Macho, Theodor Nausner-Schwalb, Alva Heinrich, Nikolaus Pinter, Franziska Schaller, Raphael Döllinger, Franziska Keri, Laurenz Berzaczy, Sebastian Moser, Immanuel Fischerauer, Vincent Unger, Arthur Grafl, Dominik Schwella, Ben Müller, Lukas Varga, Josefine Figl, Sophie Stifter-Sieder, Helena Samarovski, Romy Schlächter, Nicanor-Leonardo Cartes Zumelzu, Lea Kukacka, Helena Kukacka, Nicolaus Kranebitter, Alexandra Rudorfer, Maximilian Seutter, Leon Kutrovics

Getraut wurden: Jing Mörz-Yu Bacc. B. Sc. und DI Christian Mörz, Alicia Sarrado Helbich-Poschacher und Jonathan Worboys, Ursula Michaela Müller und Dr. Georg Kobinia, Dr. Katharina Schmied und Dr. Martin Bernardi, Mag. Dr. Sonja Niestelberger und Alexander Vesely MBA, Mag. Claudia Kuntner und Franz Elsner DI Mag. Eva-Maria Thalhammer und Michael Schaller MBA MPA

Von uns gegangen sind: Ida Holli, Karl Grüner, Andrea Brandstetter, Juliane Woschnagg, Judann Marie Weichselbraun, Mag. Alexandra Bánó, Johann Heinrich, Edith Vitek, Peter Geldner, Alfred Wurst, Adolf Kogler, Ulrike Spandl, Domkurat Msgr. Mag. Bernhard Ruf, DI Hans Kanzler, Gertrude Haase, Georg Bacarjescu, Regierungsrat Rudolf Schneider, DDr. Hubert Sofer, Ursula Leissner, Ing. Günther Kloimüller

Wir gratulieren

Besichtigungen und Führungen. in St. Stephan.. DOMFÜHRUNGEN Mo. bis Sa.: 10.30 (engl.) u. 15.00 Uhr Sonn- und Feiertag: 15.00 Uhr

KATAKOMBENFÜHRUNGEN Mo. bis Sa.:

10.00–11.30 Uhr und 13.30–16.30 Uhr

GRUPPENANMELDUNGEN Unserer Ministrantenverantwortlichen Michi Müller und Dr. Georg Kobinia zur Hochzeit am 17.9.2016. Den beiden viel Freude und Gottes reichen Segen!

für Dom- und/oder Katakombenführungen unter Tel: 51 552-3054 / per Fax: 51 552-35 26 [email protected]

TURMBESTEIGUNG (Südturm) täglich: 9.00–17.30 Uhr

AUFZUG ZUR PUMMERIN (NORDTURM) täglich: 9.00–17.30 Uhr

AUDIOGUIDE:

Auch unser Dom-Mitarbeiter „Sathis“ Jude Manuel hat am 10. 9 2016 Jasmin Rajd geheiratet. Herzlichen Glückwunsch!

(ganzjährig, Domführung inkl. evtl. Sonderausstellungen) Mo. bis Sa.: 9.00–11.30 Uhr und 13.00– 16.30 Uhr

FÜHRUNGEN FÜR KLEIN UND GROSS Spezialführungen zu verschiedenen Themen Margareta Chwatal 0664/46 22 007

ÖFFNUNGSZEITEN DES DOMES Mo. bis Sa.: 6.00–22.00 Uhr Sonn- und Feiertag: 7.00–22.00 Uhr

Professor Michael Weinmann, ORF-Regisseur im Ruhestand, dem das Komturkreuz des Silvesterordens verliehen und von Kardinal Christoph Schönborn überreicht wurde. Unserem Dombaumeister DI Wolfgang Zehetner zur Ernennung zum Vorsitzenden der „Europäischen Vereinigung der Dombaumeister“. Er übernimmt damit repräsentative Aufgaben und möchte die internationalen Kontakte ausbauen.

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AUSSTELLUNG: „DER DOMSCHATZ VON ST. STEPHAN“ Mo. bis Sa. von 9.00–17.00 Uhr Sonn- und Feiertag 13.00–17.00 Uhr

ABENDFÜHRUNGEN mit Dachrundgang Juli bis September, Dauer ca. 90 min Treffpunkt: Südturm Kassa Nähere Informationen und Preise:

www.stephanskirche.at

Fotos: Hochzeit Müller: Foto Schuster | Hochzeit: Manuel: privat | Weinmann: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Seit dem letzten Pfarrblatt im Herbst wurden getauft:

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Vor 60 Jahren Oktober 1956 7.10. Heute wurde bei der Capistrankanzel eine große Feier zur Erinnerung an den 500. Todestag des hl. Johannes v. Capistrano gehalten. Aus diesem Anlass wurde Kanzel und Statue des Heiligen renoviert. 13.10. Erzbischof Dr. König feierte heute das Pontifikalrequiem für seinen verstorbenen Vorgänger Kardinal Innitzer. 15.10. Kaplan Ludwig Mitterhöfer, bisher in Wien III., Alt-Erdberg, wurde zum Domvikar, Domzeremoniär und Zeremoniär für den neuen Weihbischof, Generalvikar Dr. Josef Streidt, ernannt. Von der Cur scheidet Domvikar Franz Gruber, der Militärseelsorger beim Bundesheer geworden ist. 21.10. Auch heuer nahmen die Vertreter der Vereinten Nationen am Hochamt im Dom teil. 26.10. Tag der Fahne: Zur Erinnerung an den Abzug der Besatzungstruppen, der am 26.10.1955 vollendet war, soll überall beflaggt werden. Dom und Curhaus wurden beflaggt. 27.10. Investitur des Ritterordens vom hl. Grab in Jerusalem. 28.10. Generalvikar Dr. Josef Streidt wurde zum Weihbischof konsekriert. Die Konsekratoren waren: Erzbischof Dr. König, Bischof Dr. Josef Schoiswohl (Graz) und Erzbischof Dr. Franz Jachym. Am 23. Oktober hat sich das ungarische Volk in einer blutigen Revolution gegen die kommunistische Regierung und russische Besatzung erhoben. Es treffen seither immer mehr Hilferufe aus Ungarn ein. Erzbischof Dr. König hat aus diesem Grund aufgerufen, für die Opfer der Revolution zu beten und zu spenden. Die Sammelaktion, auch die der Dompfarre, brachte große Mengen an Lebensmittel, Kleidern und Medikamenten auf.

Foto: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

November 4.11. Heuer ist es 260 Jahre her, das sich am Maria Pötsch-Bild das Tränenwunder ereignet hat. Aus diesem Anlass wurde ein Pontifikalamt gefeiert. Mit einer Diakonatsweihe in der Andreaskapelle übte der neue Weihbischof Dr. Streidt zum ersten Mal sein Bischofsamt

aus. Die russischen Truppen haben heute früh begonnen, den Aufstand in Ungarn mit Panzern in blutigster Weise zu unterdrücken. Mit dem heutigen Tag setzte ein endloser Flüchtlingsstrom nach Österreich ein. 18.11. Erzbischof Dr. König führte die Männerwallfahrt der Erzdiözese Wien nach Klosterneuburg. 25.11. Mit großem Erfolg riefen heute alle Pfarren zum Spenden für die Ungarnflüchtlinge auf.

Capistrankanzel an der Außenseite des Doms

Dezember 2.12. 20. Allgemeines Wiener Oratorium. Dompfarrer Dr. Dorr sprach über das Thema: „Wir können uns heute nicht leisten mittelmäßig zu sein“. Dies war zugleich die Einleitung für die Öffentlichen Exerzitien, die Dompfarrer Dr. Dorr im nächsten Jahr halten wird. 5.12. Das Mozart-Jahr wurde mit der Aufführung des Mozartrequiems im Dom abgeschlossen. Das Requiem zelebrierte Domdechant Prälat Franz Feichtinger. Ausführende waren die Wiener Symphoniker, die Wiener Sängerknaben und Solisten der Staatsoper. Die Leitung hatte Professor Grossmann. Das Requiem wurde im Rundfunk und Fernsehen übertragen. Es war dies – nach der

am Vortag übertragenen Operneröffnung – die erste große Direktübertragung des österreichischen Fernsehens. 16.12. Dompfarrer Dr. Dorr segnete die Weihnachtsgaben für die Pfarrarmen. 23.12. Heute um 7.45. war die erste Familienmesse. Väter, Mütter und Kinder nehmen ab heute einmal im Monat gemeinsam am hl. Messopfer teil. Auch die Angehörigen des Seminares für junge Männer und Frauen werden die hl. Messe mitfeiern. 24.12. Heuer wurde die Weihnachtsmette neu gestaltet. Zu Beginn war eine Krippenprozession. Priester und Assistenz zogen aus der Unteren Sakristei zum Krippenaltar. Dort wurde die Krippe geöffnet, der kleinste Ministrant nahm aus den Händen des Dompfarrers das Jesuskind entgegen und trug dieses in feierlicher Prozession durch das Mittelschiff zum Hochaltar. Zwischen den Domherrnstühlen war eine Krippe, von Nadelbäumchen und Kerzen umgeben, vorbereitet. In diese wurde das Jesuskind gelegt. Die Krippe blieb während der ganzen Messe stehen. Die Messe selbst hielt Dompfarrer Dr. Dorr. Die Mette wurde im Rundfunk übertragen. 30.12. Nach Vollendung der nicht immer leichten Vorbereitungsarbeiten, konnte das neue Beicht- und Aussprachezimmer (neben dem Singertor) seiner Bestimmung übergeben werden. 31.12. Die Silvesterandacht hielt Erzbischof Dr. Franz König.

Im Jahre 1956 waren in St. Stephan: Taufen: 98 Reversionen und Konversionen: 22 Kirchenaustritte: 18 Trauungen: 215 Sterbefälle: 96 Firmungen: 20.894 Messbesucher (Frühjahreszählung): 11.384 (Herbstzählungen): 11.490 Kommunionen im Dom: 123.000 Kommunionen in den anderen Kirchen der Pfarre: 86.340 Dompfarre: 123.000 Zusammen: 209.340 ■

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Aus dem Domarchiv

St. Stephan in Wien: Die Herzogswerkstatt

Barbara Schedl ist Dozentin am Institut für Kunstgeschichte der Als Pfarrkirche der Stadtbevölkerung, ReUniversität Wien moria? Wie gestaltete sich der Bauverpräsentationsobjekt der Landesfürsten lauf der Kirche nach dem plötzlichen Tod und als Bischofskirche hat sich das Ausdes Herzogs im Jahr 1365? Stadt und in Form eines „Allerheiligensehen von St. Stephan über Jahrhunderte Im Rahmen einer Fachtagung präkults“ um seinen Geburtstag am 1. Noverändert. Besonders Herzog Rudolf IV. sentierten 22 international hochrangige vember. (1339-1365) gilt gemeinhin als großzügiExperten aus den Fachrichtungen KunstEinen gewichtigen Themenkomplex ger Bauherr. Die sogenannte „Herzogsgeschichte, Geschichte, Bauforschung, bildeten die „Objekte“ der Herzogswerkwerkstatt“ soll damals für die AusstatDenkmalpflege und Musikwissenschafstatt, wie der „Rudolf-Kenotaph“, ein tung der Kirche gesorgt haben, wozu das ten neueste Ergebnisse, die erstmals in Denkmal, das aufgrund seiner VersatzSinger- und Bischofstor, die Fürstenfiguder 200jährigen Forschungsgeschichte stücke in seinem Entstehungskontext ren am Südturm und an der Westfassade zu St. Stephan auf Basis von fundierten und seiner Funktion kaum zu fassen ist. sowie die Liegefiguren des Fürstenpaares Quellenstudien erarbeitet wurden. Zwei Beiträge widmeten sich der Porträtam Kenotaph gezählt werden. Doch welZu Beginn stand eine Darstellung des haftigkeit, dem topmodischen Kleiches Ausstattungsprogramm und BauSchriftquellenbefundes zu Bauverlauf dungsstil und der exaltierten Körpersprakonzept schwebten dem Herzog tatsächund Ausstattung der Kirche. Es folgten che der Fürstenfiguren von Fassade, lich vor, als er die Pfarrkirche der WieneReferate zur Errichtung des Hallenchors Turm und Portalen. Und schließlich sind rinnen und Wiener zur Fürstengrablege und dessen ikonographische Besonderdie neuesten Erkenntnisse zu Singer- und auswählte? Welche Visionen verfolgte er heiten, sowie den Inszenierungen des Bischofstor zu erwähnen. Man weiß jetzt für seine Repräsentation und seine MeHerzogs in Form von Prozessionen in der über deren aufwendigen Entwurfsprozess und über den auf höchstem techniZum 70. Geburtstag von Prof. Franz Michal. schen Können basierenden Bauablauf „Alles hat seine Zeit“. Mit diesen Worten aus dem Bescheid. Auch in der künstlerischen GeBuch Kohelet hast du dich „bewegten Herzens“ – wie staltung gehörten die Portale im internadu damals schriebst – im Frühjahr 2007 nach mehr tionalen Vergleich zu den anspruchsals 30 Jahren aus dem Pfarrgemeinderat zurückgezovollsten Leistungen der damaligen Zeit. gen. Das beeindruckende „Paulustympanon“ Auch euer Lebensmittelpunkt – deiner und deiam Singertor fand – wohl bedingt durch ner lieben Frau Herlinde – hat sich immer mehr in habsburgische Beziehung – Nachaheuer Haus in Langenzersdorf verlagert. Du bist bemung in Striegau. An der Beschaffenheit geisterter, liebevoller dreifacher Opa und durftest vor der Steinoberfläche lassen sich zahlreiwenigen Monaten voll Mitfreude und Stolz deine lieche Spuren von (unsachgemäßen) Resbe Tochter Bernadette zum Traualtar führen. Aufgataurierungen feststellen; dabei dürften ben gibt es also auch ohne Dompfarre genug für dich. farbige Fassungen, wie die typische Der Dom und die Dompfarre sind dir aber immer geistlicher Lebensmittel„Steinfarbe“, zerstört worden sein. punkt geblieben, und gerne stehst du zur Verfügung, wenn deine Hilfe gebraucht Zuletzt konnte die in der Forschungswird. Was wäre zum Beispiel die Mitternachtsquadrille beim Stephanerfest ohne literatur oft diskutierte Frage der Baudeine charmanten Ansagen? Und so manche würden möglicherweise auf ihren chronologie von Langhauswänden und eigenen Namenstag vergessen, würdest du sie nicht mit deiner aufmerksamen Südturm geklärt werden. Es wurde die Gratulation daran erinnern? These von einer nachrudolfinischen Anlässlich deines 70. Geburtstags danken wir dir für deinen Einsatz im WeinPlanänderung in den Raum gestellt und berg des Herrn, für deine Freundschaft und Treue und wünschen dir von Herzen das liturgische Nutzungskonzept von St. „Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen, Gesundheit und Freude seiStephan im 14. und frühen 15. Jahrhunen auch mit dabei!“ Gott schütze und begleite dich! Ad multos annos, lieber dert angesprochen. Franzi! Deine Stephaner Eine Publikation der Tagungsergebnisse wird vorbereitet. ■ 38 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016

Fotos: Michal: Domany | Schedl: B.L.D.

Über die internationale Fachtagung vom 12.–14. Oktober 2016, veranstaltet von der Universität Wien und der Dombauhütte. Von Barbara Schedl

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Ein- und Ausblicke

»Und schaut der Steffl lächelnd auf uns nieder…«

Foto: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Seien Sie gegrüßt! „Braucht Gott den Stephansdom?“ und „Wohnt er wirklich hier?“, waren zwei Fragen, die ich aufgeschnappt habe, als eine Gruppe Jugendlicher die Domkirche besucht hat. Mich haben die beiden Fragen sehr nachdenklich gemacht. Wie leichtfertig bezeichnen wir unseren Dom als „Haus Gottes“, sind uns seiner Gegenwart in diesem altehrwürdigen geweihten Raum sicher. Unberechtigt sind solche Überlegungen aber nicht. Gott baut sich ein Haus aus lebendigen Steinen, diese Steine sind wir (vgl. 1 Petrus, 210). Gott braucht den Dom nicht, um unter uns zu wohnen. Aber die Menschen brauchen den Stephansdom: sie brauchen den schützenden Raum, das bergende Dach, das offene Tor, einen stillen Raum, Orte, wo sie sich geborgen und beschützt fühlen, wo ihre Seele zur Ruhe kommt. Der Dom wurde von gläubigen Menschen erbaut, das erklärt auch warum die vielen Details bis hinauf in luftige Höhen mit so viel Liebe gestaltet wurden. Und wenn sie dann den Innenraum betraten, dann fühlten sie sich unmittelbar in den Himmel versetzt. Der Dom als Abbild des himmlischen Jerusalem, ein Stück Himmel auf Erden, eine andere Welt, voller Wunder, hier war nichts mehr ohne Bedeutung, alles hatte seinen tiefen Sinn. Hierher brachten und bringen die Menschen ihre Anliegen, ihre Sorgen und ihre Freude. Kinder werden getauft, der Bund fürs Leben geschlossen und in den Totenmessen wird für die ewige Seelenruhe der Verstorbenen gebetet. Das Leben der Menschen wird hier vor Gott getragen. Die Menschen brauchen solche Orte, wo sie gleichsam ihre Seele ausspannen können. Und dies beantwortet eigentlich auch die zweite Frage, ob denn Gott hier wohne? Würden keine Gläubigen mehr in die Kirche kommen, um hier zu beten und Gottesdienst zu feiern, dann würde

auch Gott hier nicht mehr wohnen. Was wäre der Stephansdom ohne die Beter und ohne liturgisches Leben? Ein Museum – schön, aber seelenlos. Gemäß den Worten Jesu: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20) kommen seit Jahrhunderten Christen zur Feier ihres Glaubens in unseren Dom zusammen. Der Stephansdom ist Ort der persönlichen Andacht, der Verkündigung, der Versammlung und der Grablege, aber vor allem auch der Ort für die würdige Feier des Gottesdienstes. Herzog Rudolf der Stifter hat es in der Gründungsurkunde des Domkapitels sinngemäß so ausgedrückt: „Damit das Gotteslob an diesem heiligen Ort nie verklingen möge!“ Das ist der erste und wichtigste Auftrag der Kanoniker und Priester von St. Stephan. Oder um es mit den Worten des hl. Benedikt in seiner Regel zu sagen: „Dem Gottesdienst darf nichts vorgezogen werden!“ (RB 43,3) So lange dies geschieht, wird Gott hier in unserem Dom wohnen und er hier sein Haus haben: „Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.“ (Off 21,3-5) Das ist die Botschaft des Domes. Dass diese Botschaft auch wirklich unser Herz erreicht, das wünsche ich Ihnen. Ein frohes Fest der Geburt unseres Herrn und Gottes Segen für das neue Jahr! Mit einem herzlichen „Grüß Gott“,

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Buchempfehlungen

…ein Stück vom anderen in sich selbst erkennen und danach handeln Barbara Stöckl über das neue Buch von Michael Landau über Solidarität

Solidarität – Anstiftung zur Menschlichkeit. Brandstätter Verlag, 192 Seiten, 22,90 Euro

Barbara Stöckl ist TV-Journalistin und Ombudsfrau Jugendliche, oder in ein Senioren- und Pflegewohnhaus geht. Denn überall dort konkretisiert sich dieses Wohl, das es gemeinsam anzustreben gilt.“ Ähnliches gelte aber auch und gerade für die Vertreter der Kirchen. „Ich würde mir hier eine Bischofskonferenz wünschen, die morgens tagt und nachmittags Geflüchtete oder psychisch kranke Menschen besucht. Denn in der Begegnung mit ihnen wird nicht nur Politik, sondern auch der Glaube konkret.“ Michael Landau führt uns zu Orten und Erlebnissen, die sein Denken und Handeln geprägt haben: In Flüchtlingsunterkünfte in Österreich und im Nordirak, zu Menschen im Senegal, die gegen den Hunger kämpfen. Er berichtet von alleinerziehenden Müttern, von Männern, Frauen und Kindern, die ihre Heimat verlassen mussten, und er erzählt von Bettlern auf den Straßen Wiens. „Wer von sozialen Hängematten spricht, hat von der Wirklichkeit der Menschen in diesem Land keine Ahnung. Mir fällt auf, die Diskussion wird am unteren Rand, bei denen die wehrlos sind, mit großer Energie und großer Entschiedenheit geführt und nicht am oberen Rand“ mahnt er, warnt aber vor Neiddebatten. Der Schlüssel für die Lösung vieler Probleme sei, etwas gemeinsam verändern zu wol-

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len, sich aktiv zusammenzuschließen, sich mit den Bedürftigen solidarisch zu erklären. Er erzählt aber auch offen sehr Persönliches, vom Sterben seiner Eltern und welche Schlüsse er daraus für die Gesellschaft zieht. „Daran, wie mit dem Tod der oder des Einzelnen umgegangen wird, lässt sich auch erkennen, wie es um die Solidarität in einer Gesellschaft insgesamt bestellt ist. Zu einer Kultur des Lebens gehört - davon bin ich überzeugt - eine Kultur des Sterbens, eine Kultur der Solidarität mit den Sterbenden.“ „Wir werden am Ende unseres Lebens nicht vor der Frage stehen, was wir verdient haben. Auch nicht vor der Frage nach unseren Titeln, unserem Prestige in der Gesellschaft, so angenehm all das auch sein mag. Sondern wir werden vor der Frage stehen, ob wir aufeinander geachtet haben, füreinander da waren, ob wir als Menschen gelebt haben. Was zählen wird, sind die Taten, nicht die Theorien. Kriterium für die Taten aber sind die anderen.“ ■

Herzliche Einladung!. Pfarrgemeinderatswahl am Sonntag, den 19. März 2017

Foto: Stöckl: Günther Pichlkostner

„Wir können etwas ändern, wenn wir wollen – nicht alles, aber erstaunlich viel“ meint Michael Landau. Ein so wichtiger Satz, der auch für mich und meine Arbeit Unterstützung und Ansporn ist! „Solidarität“ heißt das Buch des Caritas Präsidenten, für mich ein Lehrbuch in Sachen Herzensbildung, Weitsicht und Mitgefühl. Und eben Solidarität, ein Begriff, der in Zeiten, in den nach neuen Grenzen und Abschottung gerufen wird, nicht sehr modern scheint. Was meint er damit? Solidarität heiße, „ein Stück vom anderen in sich selbst zu erkennen und danach zu handeln“. Ein Schlüsselsatz in diesen Tagen, in denen von gespaltener, polarisierender Gesellschaft gesprochen wird. Wie können wir da Brücken bauen? Andersdenkende, anderslebende erreichen? An Politik und Kirche stellt er klare Erwartungen: „Ich träume von einer Bundesregierung, die am Vormittag berät zum Wohle dieses Landes, und die am Nachmittag zu obdachlosen Menschen, in Werkstätten für arbeitslose

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Geradeaus und mit Liebe P. Severin Leitner SJ zum Gedenken. Von Weihbischof Helmut Krätzl Am 7. Juni 2015 ist P. Severin Leitner SJ auf einer Bergtour auf den Gran Sasso tödlich verunglückt. Severin Leitner war einer der bedeutendsten Jesuiten der österreichischen Provinz, vielleicht sogar des deutschen Sprachraums in den letzten 50 Jahren. Vielfältig begabt erfüllte er ganz unterschiedliche Aufgaben. Er war ein begnadeter Jugendseelsorger (Kongregation), begleitete geistlich Novizen und Priesteramtskandidaten. Von 2001–2008 war er Provinzial der Österreichischen Jesuitenprovinz, 2012 wurde er zum Generalberater und Assistenten für die Provinzen von Mittel- und Osteuropa in Rom berufen. Als solcher verunglückte er am Gran Sasso. Der österreichische Provinzial P. Bernhard Bürgler und Franz Gmainer-Pranzl, Theologieprofessor in Salzburg, gaben

ein Buch zum Gedenken des Verstorbenen heraus mit dem Titel „Geradeaus und mit Liebe“, in dem viele Mitbrüder und Freunde des Verstorbenen ein sehr detailliertes Bild von P. Leitner zeichnen. Im ersten Teil werden Worte der Erinnerung wiedergegeben, auch Predigten bei den verschiedenen Begräbnismessen. Besonders berührend sind die Gedanken von P. Dominik Markl, der mit Severin die letzte Bergtour unternahm. Im zweiten Teil werden biographische Züge gezeichnet, und zwar, wie man ihn erlebte als Freund, Regens, Provinzial und schließlich im Generalrat in Rom. Sehr lebendig wird hier eine Persönlichkeit, die herzlichen Humor ausstrahlte, tiefe Spiritualität vermittelte und eine besondere Gabe zum verantwortungsvollen Leiten hatte.

Foto: Krätzl: Tyrolia

Gratulation an Weihbischof Krätzl. An dieser Stelle möchten wir Weihbischof Helmut Krätzl sehr herzlich zum 85. Geburtstag gratulieren und Gottes Segen erbitten. Wir bedanken uns für seine Verbundenheit mit St. Stephan und dass er immer wieder aus seinem reichen Wissens- und Erfahrungsschatz Beiträge für unser Pfarrblatt verfasst. Übrigens, diesen Herbst hat er ein neues Buch herausgegeben: Meine Kirche im Licht der Päpste. Von Pius XII. bis Franziskus. Viel Freude beim Lesen!

Bernhard Bürgler / Franz Gmainer-Pranzl (Hg.), Geradeaus und mit Liebe. P. Severin Leitner SJ – ein Lebens- und Glaubensbild, Tyrolia 2016, 168 Seiten, 19.95 Euro

Der dritte Teil bringt spirituelle Impulse des Verstorbenen, und was es heißt, heute im Geist des hl. Ignatius zu leben. Hier wird deutlich, wie P. Severin Leitner bei aller menschenfreundlichen Begegnung hohe Forderungen stellte, um so den Einzelnen auf seinem Weg zur Vollkommenheit zu führen. Dabei macht er nie Angst, sondern vermittelt gerade im Scheitern auch Hoffnung und Mut. So ist der letzte Impuls überschrieben: „Unser fragmentarisches Leben – daran sogar froh werden.“ Er zitiert Dietrich Bonhoeffer: „Es kommt wohl nur darauf an, ob man dem Fragment unseres Lebens noch ansieht, wie das Ganze eigentlich angelegt und gedacht war und aus welchem Material es besteht.“ Wer sein Leben so vor Gott im Ganzen sieht, der soll sich auch über sein fragmentarisches Leben nicht beklagen, sondern kann daran sogar froh werden. Ich habe P. Severin Leitner sehr gut gekannt, wir waren Freunde und er hat mir spirituell viele Hilfen gegeben. Das vorliegende Buch hat mich ihn aber noch einmal neu und tiefer sehen gelehrt. ■ Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016 41

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Heilige im Dom

Eine zentrale Gestalt des Alten Testaments ist Mose. Sein Leben stand von Geburt an unter dem besonderen Schutz Gottes. Aber dann passiert das Unglaubliche. Von Monika Rapp-Pokorny Stellen Sie sich vor, Sie sind mitten in Ih-

rer Arbeit. Plötzlich werden Sie von einem außergewöhnlichen Phänomen abgelenkt – Ihnen fällt z.B. auf, dass der Baum vor Ihrem Fenster blüht, obwohl es Winter ist. Da Sie Ihre Arbeit ohnehin schon unterbrochen haben, möchten Sie sich diese Begebenheit genauer anschauen, weil Sie neugierig geworden

Mose mit den beiden Gesetzestafeln (als Säulenfigur im Dom) 42 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016

Monika RappPokorny ist Theologin und Direktorin des Gymnasiums und Wirtschaftskundlichen Realgymnasiums der Dominikanerinnen in Wien sind. Auf einmal hören Sie eine Stimme, die Sie anspricht. Ich denke, wir riefen jetzt unseren Therapeuten an („Ich brauche sofort einen Termin – ich höre Stimmen!) oder wir versuchten diesen Vorfall zu ignorieren (pfeifendes Weggehen). Ähnlich ergeht es Mose in Ex 3: Er arbeitet bei seinem Schwiegervater Jitro als Hirte, nachdem er aus Ägypten geflohen ist, weil er dort einen Ägypter ermordet hat. Zwar hat er den Mord aus einer Art heiligem Zorn begangen, da dieser Ägypter einen Volksgenossen des Mose geschlagen hat, aber das zählte vor dem Pharao kaum als Entschuldigung: Mord wird mit dem Tode bestraft. Also flieht Mose in die Wüste und wird hier von der Familie des Jitro aufgenommen, die ihm dadurch sein Leben rettet. Die Integration klappt so gut, dass Mose sogar Zippora, die Tochter des Hauses heiraten darf. Bei seiner alltäglichen Arbeit irritiert ihn nun dieser brennende Dornbusch, der nicht zu Asche zerfällt und dann auch noch zu ihm spricht: „Mose!“. Unglaublich – dieser Busch kennt seinen Namen! Und dann befiehlt er ihm auch noch, nach Ägypten zurückzukehren und dem Pharao entgegenzutreten (vgl. Ex 3, 4ff). Da es 1200 v. Chr. noch keine Therapeuten gibt, stellt sich Mose der Situation. Er will nun erst einmal wissen: Wer bist du, wie heißt du? Diese Frage nach dem Namen ist bedeutsam, denn wenn ich den Namen meines Gegenübers kenne, kann ich ihn ansprechen, ich habe eine gewisse Macht über ihn. Gott weist Mose nicht ab, sondern er antwortet ihm: „Ich bin der ich bin da“. Obwohl dies eher ein Rätsel als ein eindeutiger Name ist, erkennt Mose die Tiefe dieses Namens. E. Zenger deutet sie

Fotos: Domarchiv | Rapp-Pokorny: Theologische Kurse

Mose – ein Heiliger?!

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folgendermaßen: JHWH ist zuverlässig bei uns, er ist aber auch unverfügbar für die Menschen, wir brauchen keinen anderen Gott mehr, denn Er ist ausschließlich und begleitet uns unbegrenzt. Mose öffnet sich JHWH, er vertraut auf ihn, bindet sich ganz an ihn, er wird wirklich zu einem Mann Gottes. So wandelt sich der Mörder zu dem treuesten Diener eines Gottes, der durch ihn und sein Volk der Welt zeigt, was Er für die Menschen möchte: Freiheit und Shalom.

Das war der Adventmarkt 2016.

Der Teamplayer Mose gelingt das Unglaubliche: Er kann das Volk im Namen JHWHs in die Freiheit führen. Aber ein Mensch allein schafft es nicht, alle Facetten dieses unfassbaren Gottes zu verkünden. Der heilige Mose, durch den Gottes Nähe so stark strahlt, dass er ein Tuch über das Gesicht breiten muss um seine Mitmenschen nicht zu blenden (vgl. Ex 34,33), bittet Aaron und Mirjam um Hilfe: Aaron übernimmt die priesterlichen Funktionen, Mirjam deutet die Heilstaten Gottes als Prophetin (vgl. Ex 15,20f). Er hat mit dieser Aufgabenteilung kein Problem, weiß er sich doch aufs engste mit seinem Herrn verbunden. Überhaupt ist Mose keiner, der sich an Macht klammert: Als nach der Herausführung aus Ägypten die Menschen den Umgang mit Freiheit erst wieder lernen mussten und ihn dauernd um Rat fragten, hört er auf seinen Schwiegervater, der ihm rät, Richter für das Volk einzusetzen, damit er, Mose, sich um seine eigentlichen Aufgaben kümmern könne (vgl. Ex 18): der Begegnung mit Gott und diese den Menschen zu verkünden.

Spenderdankmesse . Am 26. November wurde in der Mittagsmesse allen Spendern gedankt, die zur Erhaltung und Renovierung des Stephansdoms beitragen.

Foto: Höbart | Spenderdankmesse: Unser Stephansdom

Und was heißt das für uns? Gott ruft nicht nur Menschen in seinen Dienst, die perfekt sind, er entdeckt in jedem Menschen einen Kern, der für die Verkündigung seiner Botschaft wichtig ist. Offenheit und Neugierde, die Bereitschaft die Komfortzone zu verlassen und mit anderen Menschen Glauben zu leben sind gute Ansätze, um zu einem Mann oder einer Frau Gottes zu werden, zu seinen Heiligen. ■ Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016 43

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Feste im Kirchenjahr

In deinem Licht schauen wir das Licht! Betrachtungen über das Fest Epiphanie am 6. Jänner von Propst Maximilian Fürnsinn

Ich öffne die Seitentür der Stiftskirche und stehe einem sonnendurchleuchteten Fenster des Seitenschiffes gegenüber. Tausendfach bricht und spiegelt sich das Sonnenlicht in den Gläsern. Ich bleibe im Goldlicht dieses Fensters stehen. Dieses Aufleuchten umfasst mich, fließt durch meine Augen, ergreift meine Mitte: Augenblicke, in denen man spürt: das ist gut! das ist es! – Rund 50 Jahre ist das her: an einem Nachmittag des Vorabends vor dem Fest „Erscheinung des Herrn“. Ich war damals noch Theologiestudent im Stift Klosterneuburg. Aber jedes Mal zum Fest Epiphanie erinnere ich mich an dieses Licht. Es ist eine tiefe Erfahrung dieses Festes geworden. Feste prägen sich ein, wenn sie nicht nur mit dem Denken erspürt werden, sondern sich auch der Körper erinnert. Denn unsere kirchlichen Feste muss man riechen, hören, schmecken können.

Woher kommt dieses Fest? Der Ursprung dieses Festes reicht bis in das 3., 4. Jahrhundert zurück. Ausgehend von Ägypten feiern die östlichen Kirchen am 6. Jänner das Geburtsfest Jesu, seine Taufe und sein erstes Wunder: die Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit zu Kana. Im Westen – ausgehend von Gallien und Rom – wird der Besuch und die Anbetung der drei Weisen gefeiert. Seit der Überführung ihrer angeblichen Reliquien von Mailand nach Köln treten die „Heiligen Drei Könige“ in den Vordergrund. Darauf legt die westliche Liturgie großen Wert.

Was feiern wir heute an diesem Fest? Heute verbindet dieses Fest die Kirchen des Ostens und die Kirche des Westens. Es ist eine Art ökumenischer Brückenschlag. Heute werden in unserer Liturgie drei große Lebensgeheimnisse Jesu gefeiert:

Prälat Maximilian Fürnsinn ist Propst des AugustinerChorherrenstiftes Herzogenburg ▶ am Fest der Erscheinung des Herrn feiern wir den Weg der drei Weisen mit dem Stern, ihre Ankunft in Bethlehem und die Anbetung des Kindes, in dem das Gottesgeheimnis aufleuchtet; ▶ am darauffolgenden Sonntag wird die Taufe Jesu gefeiert, der vom Geist Gottes als der geliebte Sohn des göttlichen Vaters proklamiert wird; ▶ und noch einen Sonntag später erinnern wir uns an das Weinwunder Jesu in Kana, das als „überflüssiges und überfließendes Wunder“ bezeugt, dass in Jesus Christus die Fülle des Lebens ist. Eigentlich ist das alles ein Fest. In Jesus Christus leuchtet das Licht Gottes machtvoll auf und strahlt durch alle „Fenster unserer Welt“ herein. „In seinem Licht schauen wir das Licht!“

Was schenkt uns dieses Fest? Was wir liturgisch feiern, das wird uns geschenkt. Das göttliche Licht will in uns aufleuchten. Es ist heilend – therapeutisch und friedvoll. Es leuchtet unseren Weg aus. In unser Leben übersetzt, heißt das: Durch die Feier der Taufe Jesu wird uns das Bewusstsein der Gotteskindschaft geschenkt: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter! Das ist die entscheidende Bestimmung unseres Lebens. Das Weinwunder legt in unsere Existenz die Fülle des Lebens. Wir sind für kein reduziertes oder halbiertes Leben bestimmt, sondern für ein Leben in Fülle. Für mich leuchtet hier schon der

44 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016

weite Horizont des Himmels auf, wo wir Gott von Angesicht zu Angesicht schauen werden. ER ist die Liebe, in der wir mit IHM eins sein werden. Gott ist unser wirkliches Zuhause. Das wird ein Fest sein. Gott ist Geheimnis und wir dürfen nur mit großer Ehrfurcht über IHN sprechen. Die eigentliche Sprache dafür sind Hingabe und Anbetung. Gott fängt schon heute ganz behutsam und leise an, in unser Leben das Leuchten hineinzulegen, damit wir in seinem Licht das Licht schauen. Wir sind von IHM Geführte. – Die drei Weisen an der Krippe sind unsere Vor-Beter. Die Geschenke, die sie dem göttlichen Kind bringen, sind Zeichen ihrer Hingabe und des Verschenkens ihres Lebens. Das Licht des Sterns, göttliche Gnade führt sie. In seinem Licht schauen wir das Licht.

Reiches Brauchtum Um das Epiphaniefest hat sich ein vielfältiges Brauchtum entwickelt. Bräuche zeigen, dass Glaube und Theologie die Alltagskultur einer Gesellschaft durchdringen. Dadurch werden viele Bereiche des Lebens mit einem tieferen Sinn und mit mehr „Seele“ beschenkt. Vielleicht hat das Verdrängen vieler Bräuche und Traditionen – auch durch die Kirche – zu einer gewissen Leere geführt, die von der Welt des Konsums aufgefüllt wird. Ein paar Bräuche sollen erwähnt werden: Die Figuren der Drei Könige haben ihren festen Platz an der Krippe. Ihre Geschenke haben eine tiefe Symbolik: Gold ist eine königliche Gabe für das „Königskind Jesus“; Weihrauch ist ein Zeichen der Anbetung für den Gottessohn und Myrrhe ist das Symbol der Selbstbeherrschung, der letzten Hingabe. Auf diese Gaben sind auch die Namen der Magier ausgerichtet: Caspar heißt Schatzmeister, Balthasar ist der Lichtkönig und Melchior heißt Gottesschutz. Auch die drei Lebensalter des Menschen werden in den Figuren der Könige dargestellt.

Foto: Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg

Mein Epiphanie-Erlebnis

Ps

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Psalm 36,10

In den Klöstern ist die Haussegnung Brauch. In unserem Stift findet sie am Vorabend des Festes der Taufe Jesu statt. Nach der abendlichen Vesper ziehen wir singend und betend durch das Haus und es werden die Wohnungen der Mitbrüder gesegnet. Wir tragen den Namen Jesu in ihr Zuhause, sprechen eine Segensbitte und beschreiben die Wohnungstür mit den Namen der Dreikönige: C + M + B – gedeutet als „Christus mansionem benedicat: Christus segne diese Wohnung“. Auch das Sternsingen ist so eine Art Haussegnung. Die Weihnachtsbotschaft wird in die Häuser getragen und mit einem Segensspruch verbunden. Zu diesem Sternsingen kommt heute die Dreikönigsaktion. Die Sternsinger erbitten Spenden für Mission und Entwicklungshilfe. Kirche ist heute Weltkirche.

Viele Christen in aller Welt brauchen materielle Hilfe und die Unterstützung ihres missionarischen Auftrages, damit die Weihnachtsbotschaft in die ganze Welt getragen wird. Es gibt noch viele Traditionen um das Fest der Erscheinung des Herrn: Dreikönigsspiele, Dreikönigsritte, das „Ausräuchern“ der Häu-

ser und am Ende festlicher Gottesdienste die Ankündigung der Termine der großen Feste des Kirchenjahres. Das alles dient der Verleiblichung dieses Festes. Das Festgeheimnis soll in der Gesellschaft implantiert werden, damit viele Menschen erahnen, dass wir „in seinem Licht das Licht schauen!“ ■

Mach mit beim Sternsingen! Laden Sie die Sternsinger zu sich ein!

Fotos: Sternsinger: M. Störck | Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg

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Gemeinsam wollen wir für einen guten Zweck durch die Straßen ziehen und den Menschen die Frohe Botschaft verkünden: Wir unterstützen damit Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Auch Spaß und Action kommen dabei nicht zu kurz. Die Heiligen Drei Könige sind bei uns in der Dompfarre von Mittwoch, 4.1. bis Freitag, 6.1.2017 (vormittags und nachmittags) unterwegs. Wir freuen uns auf Eure Anmeldung unter [email protected] oder in der Pfarrkanzlei unter 01/51552 3530. Gerne könnt Ihr auch Eure Geschwister und Freunde mitnehmen, auch Begleitpersonen sind herzlich willkommen! Wenn Sie in diesem Zeitraum im Pfarrgebiet von unseren Sternsingern zu Hause besucht werden möchten, bitten wir Sie, Ihren Wunsch beim Portier des Curhauses, Stephansplatz 3, ab 24. Dezember zu deponieren. ■ Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016 45

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Aus Chronik der Dompfarre

Einige Termine zum Vormerken Jänner Do 12.1. Fr 20.1. So 22.1. Mo 23.1. Mi 25.1 Sa 28.1. So 29.1.

18.00 Uhr 19.00 Uhr 20.00 Uhr 9.00 Uhr 12.00 Uhr 18.00 Uhr 20.00 Uhr 14.00 Uhr 9.00 Uhr 15.00 Uhr

Hl. Messe in den Anliegen des Hl. Vaters Hl. Messe für Leidende und Kranke mit Dompfarrer Faber Stunde der Barmherzigkeit Hl. Messe mit Vorstellung der Erstkommunionkinder der Volksschule am Judenplatz Andreas-Hofer-Gedenk-Messe mit Msgr. Schlegl Patrozinium der Curhauskapelle „Mariä Vermählung“ (Stephansplatz 3, 1. Stock) Pfarrgebet (Barbarakapelle) Festmesse anlässl. 100 Jahre Gehörlosenseelsorge mit Bischof Iby und Weihbischof Krätzl Hl. Messe mit Vorstellung der Firmlinge der Dompfarre Vesper zum Tag des geweihten Lebens mit Kardinal Schönborn

Februar Do 2.2 – Darstellung des Herrn 18.00 Uhr Hochamt mit Dompropst Pucher Mi 3.2. – Hl. Blasius Blasiussegen nach allen Gottesdiensten 19.00 Uhr Herz Jesu Messe Do 9.2. 18.00 Uhr Hl. Messe in den Anliegen des Hl. Vaters Di 14.2. 20.00 Uhr Segnung der Liebenden Do 16.2. 19.00 Uhr Hl. Messe für Leidende und Kranke mit Dompfarrer Faber So 19.2. 9.00 Uhr Hl. Messe mit Vorstellung der Erstkommunionkinder der Dompfarre Mi 22.2. 20.00 Uhr Pfarrgebet (Barbarakapelle) Fr 24.2. 19.00 Uhr Stunde der Barmherzigkeit

März Mi 1.3. – Aschermittwoch Auflegung des Aschenkreuzes in allen Gottesdiensten Wortgottesdienst für Kinder mit Aschenkreuzzweihe Aschermittwochliturgie mit Kardinal Schönborn Do 2.3. Katechumenenfeier mit Kardinal Schönborn Fr 3.3. Herz Jesu Messe So 5.3. Fastensuppenessen im Curhaus Do 9.3. 18.00 Uhr Hl. Messe in den Anliegen des Hl. Vaters 19.00 Uhr Hl. Messe für Leidende und Kranke mit Dompfarrer Faber Fr 17.3. 20.00 Uhr Stunde der Barmherzigkeit So 19.3.– Pfarrgemeinderatswahl 18.00 Uhr Hl. Messe zum „Welt-Down-Syndrom-Tag“ mit Dompfarrer Faber Mo 20.3. – Hl. Josef 18.00 Uhr Hochamt mit Domdekan Rühringer Di 21.3. 20.00 Uhr Pfarrgebet (Barbarakapelle) Sa 25.3. – Verkündigung des Herrn 12.00 Uhr Hochamt mit Domdekan Rühringer 17.00 Uhr 18.00 Uhr 18.00 Uhr 19.00 Uhr

46 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016

30+

+

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ca. 10.15 Uhr

Pfarrmesse Palmweihe bei der Dreifaltigkeitssäule am Graben, Palmprozession zum Dom Pontifikalamt mit Kardinal Schönborn

An allen Donnerstagen in der Fastenzeit: ab 9.3., 16.3., 23.3, 30.3. 6.4. 17.00 Uhr Ölbergandacht mit musikalischer Gestaltung An den Freitagen in der Fastenzeit: 10.3., 17.3., 24.3. (Kinderkreuzweg), 31.3., 7.4. 17.00 Uhr Kreuzweg

+

Fr 7.4. 19.00 Uhr So 9.4. Palmsonntag 8.45 Uhr 9.45 Uhr

69/1

19.00 Uhr

Hl. Messe in den Anliegen des Hl. Vaters Hl. Messe für Leidende und Kranke mit Dompfarrer Faber Herz Jesu Messe

BSSWATWW

18.00 Uhr

AT81 1919 0000 0022 4568

Do 6.4.

Dompfarramt St. Stephan, Pfarrblatt

April

Druckerei Zimmer & Zimmer GmbH FN084623x

Herzlichen Dank für Ihre Pfarrblatt-Spende!

(Kurzfristige Änderungen vorbehalten!)

BSSWATWW

AT81 1919 0000 0022 4568

Vom Stephansdom aus ist der Blick über die Stadt immer wieder Atem beraubend. Im Stephansdom gibt es immer wieder Neues zu entdecken, auch wenn man etwas schon viele Male betrachtet hat. Über den Stephansdom gibt es immer wieder etwas zu erfahren, was man noch nicht gewusst hat. Für alle, die vom Stephansdom fasziniert sind, gibt es das Angebot einer Jahreskarte: ▶ Die Leistungen: Dom- und Katakombenführung, Eintritt in die Schatzkammer, Aufzug zum Nordturm, Aufstieg zum Südturm. ▶ Gültig ist die Karte genau ein Jahr ab Ausstellungsdatum (nur in Verbindung mit einem Lichtbildausweis). ▶ Sie kostet 31,90 für Erwachsene bzw. 12,90 für Kinder (6–14 Jahre) te Ka r a u c h e und ist an jeder Kassa im i D sich k! Dom zu erwerben. Der hen net eig Gesc Erlös kommt der Erhaltung als des Doms zugute.

Dompfarramt St. Stephan, Pfarrblatt

Stephansdom-Jahreskarte .

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Segnung beim Adventmarkt. Am 26. November wurde am Stephansplatz Gottes Segen für den aufgestellten Christbaum und die Menschen in der Stadt erbeten. Die Veranstalter spenden jedes Jahr eine beträchtliche Summe für den Verein „Unser Stephansdom“ zur Erhaltung der Stephanskirche. Im Bild (v.l.n.r): Obmann des Vereins „Unser Stephansdom“ Günter Geyer, Domdekan Karl Rühringer, Bezirksvorsteher Markus Figl, Dompfarrer Toni Faber und Wolfgang Feuchtmüller

Danke, dass Sie unser Pfarrblatt lesen! Die Produktion eines Heftes kostet rund 5 Euro. In den vergangenen Jahren konnten wir mit den eingelangten Spenden im Schnitt etwa ein Viertel der anfallenden Jahreskosten decken. Wenn Sie uns weiterhin unterstützen möchten, überweisen Sie bitte Ihren finanziellen Beitrag mit Zahlschein auf unser PfarrblattKonto! Herzlichen Dank!

Foto: Unser Stepahnsdom

Das ist es mir wert .

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Freuet euch, das Christkind kommt bald“ Ist die Krippe schon aufgestellt? Sind die Könige bereits auf dem Weg? Für alle, die den Hl. Abend nicht mehr erwarten können, gibt es im Dom viel Weihnachtliches zu sehen. Was Weihnachten ist, was wir feiern werden, wollen wir erfahren. Im Rahmen des Programms „Klein und Groß im Stephansdom“ bieten wir auch heuer eine Führung am Heiligen Abend für alle interessierten Kinder und Erwachsene an.

Samstag, 24. Dezember 2016, 10.30 Uhr Treffpunkt: Domkanzel Anmeldung ist nicht erforderlich! Dauer: 60 Minuten Preise: Erwachsene € 5,50; Kinder € 3,– Familienkarte € 9,50

Weihnachtsgottesdienste im Pfarrgebiet von St. Stephan Franziskanerkirche

Deutschordenskirche

St. Ruprecht

24. Dezember Heiliger Abend

16.00

22.00

Weihnachtsvesper mit 17.00 Eröffnung der Weihnachtskrippe 21.00 W. A. Mozart: Vesperae 22.30 solennes de Confessore Feierliche Christmette mit Krippenlegung, anschl. Bläsergruppe auf dem Franziskanerpl.

Hl. Messe für seelisch Leidende Christmette Christmette ungarisch

15.30 24.00

Wortgottesdienst nicht nur für Kinder Christmette

17.00

Hl. Messe

25. Dezember Foto: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Christtag

8.45 10.00 11.30

Hl. Messe 9.00 Uhr Hochamt, W. A. Mozart: 11.00 Uhr Missa in C, „Piccolomini-Messe“ Hl. Messe

8.45 10.00 11.15

Hl. Messe Hl. Messe Hl. Messe

Hl. Messe Hl. Messe (ungarisch)

26. Dezember Stephanitag

9.00 11.00

Hl. Messe Hl. Messe ungarisch

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016 49

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Aus der Dompfarre

Besonders gestaltete Gottesdienste zu Weihnachten Samstag, 24. Dezember 2016 9.00–12.00 Uhr 15.00 Uhr 16.30 Uhr

18.00 Uhr Von 19.00–23.00 Uhr 22.30-23.00 Uhr 23.30 Uhr 24.00 Uhr

Heiliger Abend Ausgabe des Friedenslichtes in der Unteren Sakristei Kinderkrippenandacht mit Dompfarrer Toni Faber 1. Weihnachtsvesper mit Kardinal Christoph Schönborn Wolfgang Amadé Mozart: Vesperae solennes de Confessore; Solisten, Wiener Domchor und Domorchester Hirtenmesse mit Msgr. Franz Schlegl bleibt der Dom geschlossen. Turmblasen vom Altan über dem Riesentor. Bläserensemble „Brassissimo“ Hirten-, Krippen- und Weihnachtslieder. Chorvereinigung „Jung Wien“ Geläute der Pummerin. Christmette und Krippenlegung mit Dompfarrer Toni Faber und den Curpriestern Volkstümliche Weihnachtslieder; Chorvereinigung „Jung Wien“ Bläserensemble „Brassissimo“

Sonntag, 25. Dezember 2016

Hochfest der Geburt des Herrn (Gottesdienstordnung wie an Sonntagen) 10.15 Uhr Pontifikalamt mit Kardinal Christoph Schönborn Franz Schubert: Messe in B-Dur; Solisten, Wiener Domchor, Domorchester 16.30 Uhr 2. Weihnachtsvesper mit Kardinal Christoph Schönborn Johann Baptist Gänsbacher: Weihnachtsvesper D-Dur; Vokalensemble St. Stephan und Domorchester 21.00 Uhr Spätmesse mit Domprediger Ewald Huscava Musik für Trompete und Orgel

Montag, 26. Dezember 2016

Hochfest des hl. Stephanus, Hauptpatron der Domkirche, Patrozinium (Gottesdienstordnung wie an Sonntagen) 10.15 Uhr Pontifikalamt mit Kardinal Christoph Schönborn, Erneuerung des Weiheversprechens der Diakone Joseph Haydn: Pauken-Messe; Solisten, Wiener Domchor, Domorchester Geläute der Pummerin 16.30 Uhr Feierliche Vesper zum Patrozinium mit Kardinal Christoph Schönborn, anschließend Kindersegnung

Dienstag, 27. Dezember 2016 17.00 Uhr

Freitag, 30. Dezember 2016 17.00 Uhr

Hl. Johannes

Krippenandacht mit alpenländischer Chormusik; Vokalquartett Musikalische Einstimmung um 16.45 Uhr (traditionelle Weihnachtslieder) Fest der Hl. Familie

Krippenandacht mit alpenländischer Chormusik; Vokalquartett Musikalische Einstimmung um 16.45 Uhr (traditionelle Weihnachtslieder)

Samstag, 31. Dezember 2016

Hl. Silvester Jahresschlussandacht mit Kardinal Christoph Schönborn und Domprediger Ewald Huscava Joseph Haydn: Chöre aus der „Schöpfung“; Wiener Domchor und Domorchester Geläute der Pummerin Aus Sicherheitsgründen wird der Dom um 18.00 Uhr geschlossen. 24.00 Uhr Geläute der Pummerin 16.30 Uhr

50

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016

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Sonntag, 1. Jänner 2017

Hochfest der Gottesmutter Maria

(Gottesdienstordnung wie an Sonntagen) 0.00 Uhr Geläute der Pummerin 10.15 Uhr Hochamt mit Prälat Josef Weismayer Festliche Orgelmusik zum Jahresbeginn; Domorganist Ernst Wally 15.30 Uhr Klingendes Gebet in der Barbarakapelle

Dienstag, 3. Jänner 2017 17.00 Uhr

Krippenandacht mit alpenländischer Chormusik; Vokalquartett Musikalische Einstimmung um 16.45 Uhr (traditionelle Weihnachtslieder)

Donnerstag, 5. Jänner 2017 17.00 Uhr

Krippenandacht mit Segnung von Wasser, Kreide und Weihrauch mit Dompfarrer Toni Faber

Freitag, 6. Jänner 2017

Hochfest der Erscheinung des Herrn (Gottesdienstordnung wie an Sonntagen) 10.15 Uhr Pontifikalamt mit Kardinal Christoph Schönborn Wolfgang Amadé Mozart: Krönungs-Messe; Solisten, Wiener Domchor, Domorchester

Samstag, 7. Jänner 2017 17.00 Uhr

Krippenandacht mit alpenländischer Chormusik; Vokalquartett Musikalische Einstimmung um 16.45 Uhr (traditionelle Weihnachtslieder)

Sonntag, 8. Jänner 2017 10.15 Uhr

Taufe des Herrn

Hochamt mit Domkapitular Rudolf Prokschi Joseph Haydn: Nikolai-Messe; Solisten, Vokalensemble St. Stephan, Domorchester

Alle Gottesdienste sind frei zugänglich.

An allen Werktagen 17.00 Uhr

Krippenandacht bei der Weihnachtskrippe Am Dienstag 27. 12., Freitag 30.12., Dienstag 3.1. und Samstag 7.1. gestaltet mit alpenländischer Chormusik; Vokalquartett Musikalische Einstimmung ab 16.45 Uhr (traditionelle Weihnachtslieder)

Foto: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Orgelkonzert zum Jahresschluss: Freitag, 30. Dezember, 20.30 Uhr Peter Hödlmoser (St. Wolfgang/Österreich) Werke von: Georg Böhm, Alexandre Boely, Eugéne Gigout und Waldemar Bloch Tickets zu 14,– (ermäßigt 9,–) im Domshop und an der Abendkassa

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Weihnachten 2016 51

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Zum Nachdenken

So erreichen Sie uns: Dompfarrer

Weihnacht: Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein schönstes Wort im fleischgewordenen Wort in die Welt hineingesagt.

Toni Faber 51552-3521 [email protected]

Gott ist gekommen. Er ist da. Und darum ist alles anders, als wir meinen. Die Zeit ist aus dem ewigen Weiterfließen verwandelt in ein Geschehen, das mit lautloser, eindeutiger Zielstrebigkeit auf ein ganz bestimmtes Ende hinführt, darin wir und die Welt vor dem entschleierten Antlitz Gottes stehen werden. Wenn wir sagen: es ist Weihnacht, dann sagen wir: Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein schönstes Wort im fleischgewordenen Wort in die Welt hineingesagt, ein Wort, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, weil es Gottes endgültige Tat, weil es Gott selbst in der Welt ist. Und dieses Wort heißt: ich liebe dich, du Welt und du Mensch. Das ist ein ganz unerwartetes, ein ganz unwahrscheinliches Wort. Denn wie kann man dieses Wort sagen, wenn man den Menschen und die Welt und beider grauenvolle und leere Abgründe kennt. […] Dieses Wort hat Gott in der Geburt seines Sohnes gesagt. Und jetzt ist nur mehr eine kleine Weile eine lautlose Stille in der Welt, und aller Lärm, den man stolz die Weltgeschichte oder das eigene Leben nennt, ist nur die List der ewigen Liebe, die eine freie Antwort des Menschen ermöglichen will auf ihr letztes Wort. Und in diesem langen kurzen Augenblick des Schweigens Gottes ... soll der Mensch in dieser Welt noch einmal zu Wort kommen, und er soll ... Gott, der als Mensch in schweigendem Warten neben ihm steht, sagen, ich – nein, er soll ihm nichts sagen, sondern schweigend sich der Liebe Gottes ergeben, die da ist, weil der Sohn geboren ist.

Mo. bis Fr. 9.00–15.00 Uhr www.dompfarre.info [email protected] www.facebook.com/Dompfarre Fax: 51552-3720 Christian D. Herrlich 51552-3136 [email protected] Susanne Leibrecht 51552-3535 [email protected] Barbara Masin 51552-3530 [email protected] Birgit Staudinger 51552-3530 [email protected] Tauf- und Trauungsanmeldung Anna Jeż (zusätzlich Fr. 14.00–18.00 Uhr) 51552-3534 [email protected]

Pfarrkanzlei

Pfarrcaritas, Seniorenpastoral Mariette Auersperg 51552-3544 Mi. und Do., 9.30–11.30 [email protected]

Domarchiv Reinhard H. Gruber 51552-3531 Unter matricula-online.eu Einsicht in Altmatriken (persönl.: Do. 13.00–15.00 Uhr) [email protected] [email protected] Domsakristei 51552-3536

(Aus: Karl Rahner SJ, Kleines Kirchenjahr, München 1954)

Mögen Sie Gottes Liebe und Gegenwart im Lärm der Welt und der Stille der Heiligen Nacht erfahren. Gottes Segen begleite Sie im neuen Jahr!

Kirchenmeisteramt/Führungen

Wenn Sie Exemplare irrtümlich doppelt zugeschickt bekommen oder Name und/oder Adresse falsch geschrieben sind, senden Sie bitte das durch gestrichene oder korrigierte Adress feld an uns. Danke für Ihre Mithilfe!

Ihr Dompfarrer Toni Faber und das Redaktionsteam

Finanz- und Verwaltungsdirektion 51552-3767 Führungsanmeldung 51552-3054 www.stephanskirche.at [email protected] Führungen für Klein und Groß 0664/46 22 007 Dombausekretariat 51552-3714 Portier des Curhauses 51552-3540 Dommusik www.dommusik-wien.at [email protected] Domkapellmeister Markus Landerer 51552-3573 [email protected] MMag. Ernst Wally 51552-3193 [email protected] Dommusikus Mag. Thomas Dolezal 0699/1500 21 31 [email protected] Impressum P.b.b. Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1010 Wien Sponsoring Post GZ 02Z031920 S Impressum: Offenlegung nach §25 Mediengesetz, St. Stephan – Mitteilungsblatt der Dompfarre St. Stephan, Herausgeber, Alleininhaber und Redaktion: Dompfarre St. Stephan, 1010 Wien, Stephansplatz 3, DVR 0029874 (1766) Grundsätzliche Richtung: Informations- und Kommunikationsorgan der Dompfarre St. Stephan, unterstützt die Glaubensverkündigung und die Seelsorge. Für den Inhalt verantwortlich: Dompfarrer Toni Faber. Namentlich gekennzeichnete Artikel müssen nicht mit der Ansicht des Herausgebers übereinstimmen. Autorenverzeichnis Seite 5. Gestaltung und Satz: Charly Krimmel | www.sonderzeichen.at Druck: Zimmer Offset- und Digitaldruckges. mbH, 1160 Wien. Gedruckt auf Offsetpapier, chlorfrei gebleicht.